BAD VILBEL. In "Klangwelten" entführt der gemischte Chor "zwischenTöne" seine Zuhörer am Sonntag, 24. Januar, um 18 Uhr im Kurhaussaal; am Samstag davor gastieren die Sänger/-innen um 20 Uhr in der evangelischen Kirche von Nieder-Eschbach. Das Programm bietet ein Spektrum von authentischer Volksmusik und Kunstmusik mit Werken von Bartok, Kodaly, Genzmer, Eben, Dvorak und Brahms. Musik mit und ohne Instrumente, mit Chor und Soloeinlagen sowie Tanz und Text-Collagen führt durch die Stationen in Deutschland, auf dem Balkan und in Südamerika.
Die "zwischenTöne" wollen das Jahr ihres 25jährigen Bestehens zum Anlaß einer intensiven Beschäftigung mit fremder und eigener Folklore nehmen. Aktueller denn je sei die Gratwanderung zwischen den Begriffen Volksmusik (Bodenständigkeit, Einfachheit, Heimat, Tradition) und Folklore (Rhythmus, Weltoffenheit, fremdländische Kultur). Die "zwischenTöne" wollen sich in ihrem Jubiläumsjahr dieser ebenso schwierigen wie reizvollen Aufgabe stellen. Sie laden ein zur Reise zu den Wurzeln der Volksmusik, "geprägt von magisch-kultischen Ritualen, Zauberern und Hexen, aber auch von Lebensfreude und Entsagung".
Der Eintritt kostet 13 Mark (ermäßigt neun Mark) an der Abendkasse und im Vorverkauf bei der Büchergalerie Hertzog. de
Edith Kohn Zehn Sekunden Illusion Hütchenspieler - wie die fliegenden Händler des Glücksspiels abkassieren
"Komm, sag mir, wo ist Kugel? Wo ist Kugel? Hier, hier oder hier?" Er läßt die drei mit Klebeband verstärkten Schubfächer von Streichholzschachteln, die "Hütchen", mit den Fingern am Boden blitzartig über die ausgefranste Teppichfliese gleiten. Zwei dunkelhaarige Jungs in Jeans und Lederjacken springen nacheinander vor, setzen, gewinnen. 200, 400 Mark. Daß die beiden keine echten Mitspieler, sondern Anreißer sind, weiß die Blonde nicht. "Mitte" ruft sie jetzt, schnellt nach vorn, stellt den rechten Fuß auf die mittlere Schachtel. Doch unter dem mittleren "Hütchen" ist keine Kugel. "Mußt du aufpassen, konzentrieren", tadelt der Spielführer freundlich und verschiebt wieder die Schachteln. "Neues Spiel, neue Revanche." Sie setzt noch zweimal und verliert. "Das gibt es doch nicht, das ist doch unmöglich", murmelt die Blonde fassungslos.
Etwa einhundert Teams mit je einem Spieler, zwei bis drei Anreißern und je zwei Aufpassern, die das Terrain sichern, spielen sich Tag für Tag durch Berlin. Die Hauptstadt ist das Mekka der Hütchenspieler. Fünf bis sechs Personen pro Team und einhundert Gruppen, das macht fünf- bis sechshundert Hütchenspieler allein in Berlin. Es sind fast ausnahmslos moslemische Albaner aus dem jugoslawischen Süden, aus dem Kosovo oder aus Mazedonien. Ihre Hauptreviere: der Kurfürstendamm, die Wilmersdorfer Straße, der Alexanderplatz im Ostteil der Stadt. Freiflächen mit viel Publikumsverkehr, vor Eingängen von Kaufhäusern, auf belebten Straßen. Sie spielen von morgens elf bis abends elf, solange an den Spielorten Trubel ist.
Bekannt ist das Hütchenspiel schon seit über hundert Jahren. Mal dienten Muscheln, mal Schalen oder eben Schachteln als Behältnisse zum Kaschieren der Kugel. Ein einziger Durchlauf des Spiels dauert keine zehn Sekunden, einmal aufdecken kostet heute hundert Mark. Ein schlichtes, schäbiges Spiel, ohne den Thrill des Casinos. Ein kleines Straßenspiel, kein Las Vegas. Hütchenspieler sind die fliegenden Händler des Glücksspiels.
Sie kommen fast alle als Asylbewerber in die Bundesrepublik, seit die Serben im Kosovo gegen sie Apartheid betrieben, und verstärkt seit dem innerjugoslawischen Krieg. Sie kommen aus der Not. Meistens zwischen 20 und 30 Jahre alt, mit unverbrauchten Vorstadtgesichtern und harmlosen Mienen, im immergleichen Look der Lederjacken. Es sind Topspieler darunter, auch begnadete Schauspieler, die sich wie Bankangestellte kleiden und den spielenden Passanten so grandios mimen, daß selbst der aufgeklärte Berliner einen Hundertmarkschein wagt, weil er sich in guter Gesellschaft wähnt. Vor allem die jungen, zierlichen Freundinnen der Albaner, meistens Blondinen, sind gute Anreißer als Mitspielerinnen, weil sie anderen die Setz- Hemmung nehmen. "Vichu" rufen die Aufpasser, wenn Polizei naht, "vichu" heißt aufstehen.
Fünf- bis sechshundert Albaner ziehen in kleinen Gruppen Tag für Tag durch Berlin. Sie bewegen sich mit traumwandlerischer Sicherheit in einer völlig fremden Kultur. Ausgestattet mit drei verklebten Streichholzschachteln, einer kleinen Stanniolkugel und einer Teppichfliese, simplen Werkzeugen, die jeder selbst basteln kann. Und spärlichen Deutschkenntnissen. Die Truppe der Hütchenspieler erobert sich die Stadt wie einen Dschungel, um eine Branche zu verteidigen, die sie selbst etabliert hat. Eine Branche, die sie als Personen nicht vereinzelt. Eine, die idealtypisch zu ihren Lebensgewohnheiten paßt, in der geschlossenen moslemischen Männergesellschaft. Keine anderen Osteuropäer sind für ein Netzwerk wie das Hütchenspiel so prädestiniert wie die Albaner. Weil sie zusammenhalten. Als Bruderschaft. Als Albaner-Connection. Eine Schutzgemeinschaft Hütchenspiel, die für Deutsche undurchdringlich ist. Auch für die Polizei. In Verhören schweigen sie und nennen immer die Namen derselben Anwälte.
Die Verlierer beim Hütchenspiel passen nicht in eine Kategorie, und sie halten auch nicht zusammen. Sie sind westeuropäische Individualisten, und sie stammen aus allen Gesellschaftsschichten. Studenten aus Osaka, Arbeitslose aus Berlin-Ost, eine Hausfrau mit Tochter an der Hand, ein Gewerbeschullehrer aus West-Berlin, die Ehefrau eines Geschäftsmannes aus Düsseldorf, ein Schüler. Doch sie lassen sich alle infizieren von der Illusion, dieses Spiel im Griff zu haben. Und selbst als Verlierer sind sie nicht gleich: da sind Großzügige, die mit den Achseln zucken und weitergehen; Geschockte, die rot werden und nach Atem ringen, noch mal setzen, um dann fassungslos davonzustürmen, und Verleugner, die freiwillig setzen und anschließend den Spieler beschuldigen, sie zum Einsatz genötigt zu haben. Ostler verlieren schlechter, Westler gelassener. Wenn jedes Spielerteam pro Tag nur zehn echte Mitspieler hat, verlieren täglich eintausend Personen in Berlin mindestens einhundert Mark.
In den drei "Spezialitätenbars" am Alexanderplatz, im Parterre des häßlich- grauen Plattenbaus, vertreiben sich die Hütchenspieler ihre Zeit, wenn Polizisten wieder mal Streife gehen. Und das ist täglich mindestens einmal der Fall. Hinter der Panoramascheibe der kleinen "Moccabar" ist an diesem Nachmittag kein Stuhl mehr frei, vis-à-vis hat sich ein vergitterter Mannschaftswagen der Polizei postiert. Hassani, ein charmantes Schlitzohrgesicht mit kleinen Lücken zwischen den Zähnen, spielt tagsüber vor dem Haupteingang zum "Kaufhof" am "Alex" und abends auf dem Ku'damm, wo gerade Platz ist. Zehnmal wurde er schon festgenommen, erkennungsdienstlich behandelt, sein Geld beschlagnahmt. Danach durfte er wieder gehen. Ein gut deutsch sprechender Mittelsmann hat uns zusammengebracht.
Zwischen Marlboro-Schachteln und Kaffeetassen zeigt er mir, wie wirklich gespielt wird. Wie das möglich ist, was man bei guten Spielern mit bloßem Auge nicht mehr erkennen kann. Der Trick heißt in der Zauberkunst "palmieren", es bedeutet, einen Gegenstand in der Handfläche zu verbergen. Er knickt die drei hinteren Finger der rechten Hand zur diskreten Faust, so daß der ausgestreckte Zeigefinger verdecken kann, wie Daumen und Mittelfingerseite die kleine Stanniolkugel einklemmen. Mit dem Zeigefinger hebt er das Hütchen ganz leicht an, die Kugel rollt in die Hand oder aus der Hand ins Hütchen. Unmerklich. "Kugel ist nie da, wo du denkst", erklärt mir Hassani, während er das Wechselspiel langsam vorführt, "wenn ich dir zeige, du hier Kugel siehst, ist Kugel schon in andere Schachtel." Viele der Hütchenspieler halten zudem in der rechten Hand ihre längs zusammengerollten Hunderter, die sie einnehmen, während sie die Schachteln verschieben - das läßt die halb zusammengeballte Faust noch unauffälliger erscheinen. Genausogut kann ein Spieler die Kugel auch in der Hand behalten, bis er selbst das richtige Hütchen aufdeckt. "Jetzt könnte ich also wirklich gewinnen", sage ich zu Hassani. Der lacht. Mein Mittelsmann mischt sich ein: "Du darfst nie gewinnen, das ist viel zu gefährlich. Du hast Glück, wenn sie dann nur das Spiel abbrechen." Und wenn nicht? Draußen ist es dunkel geworden. Der Polizeiwagen steht immer noch vor dem Haus, rien ne va plus, für heute geht hier nichts mehr.
Ich begleite Hassanis Team an diesem Abend zum Ku'damm. "Heute Spiel nix gut, zuviel Regen", orakelt Hassani schon während der Fahrt im Wagen. Er behält recht. Auf dem Ku'damm, Ecke Uhlandstraße spielen schon drei Gruppen, zwei weitere auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Es nieselt. Keine "Pappas" in Sicht - so nennen die Spieler Männer, die nach Geld aussehen. "Die werden dann", sagt mein Mittelsmann, "so lange heiß gemacht, bis sie gar nicht anders können, als ihr Geld verdoppeln zu wollen."AT: Hütchenspieler 4
In Berlin bekam ein Türke, der versuchte, Passanten zu warnen, von einem Spieler ein Messer in den Rücken. Zwei andere Hütchenspieler beraubten einen Passanten, der nicht mitspielen wollte. Auf dem Gelände des ehemaligen Polenmarktes im Westteil der Stadt verprügelte ein weiterer Hütchenspieler einen Rentner, der das Spiel störte. "Die Körperverletzungen gegen Passanten", sagt der Leiter der Direktion VB01, IV, intern "AG Jugo", bei der Kripo Berlin, Thomas Dyhr, "die zähle ich schon gar nicht mehr." Rund 300 Hütchenspieler hat die Polizei in der Hauptstadt zwischen 1988/89 und 1991 erkennungsdienstlich behandelt.
Sie scheinen alle gleich auszusehen, wie sie mit den Augen unablässig die Gegend abchecken. So, als gehörten sie zu einem kleinen Heer. Tatsächlich heißen sie im kriminellen Milieu, das vor allem von Serben beherrscht wird, "Soldaten". Was soviel wie Handlanger bedeutet. Die Berliner wie die Frankfurter Kripo schätzt die Rolle der Hütchenspieler ähnlich ein. Sie nennt sie "eine Manövriermasse in einem netzförmigen kriminellen Organisationsgeflecht". Keiner der Ermittler glaubt daran, daß die Hütchenspieler autonom, also auf eigene Rechnung, arbeiten. Es gibt Teams unter ihnen, die touren. Von Berlin nach Halle, Schwerin und Leipzig und danach wieder zurück nach Berlin. Manchmal eine Woche lang. Weil sie wissen, daß die Polizei in den neuen Bundesländern immer noch gehandicapt ist.
In Berlin fand man Listen, auf denen akribisch aufgezeichnet war, wer vom Gewinn welchen Geldbetrag erhielt, darunter waren auch als Spieler unbekannte Personen. In Frankfurt beobachteten Fahnder seriöse Herren, die bei den Hütchenspielern zum Abkassieren kamen. Doch das Geld bleibt auch nicht bei diesen "Kaufleuten des Verbrechens", wie sie der stellvertretende Chef der Frankfurter Kripo, Peter Walter, nennt. Der auf organisierte Kriminalität spezialisierte Beamte geht davon aus, daß die Gewinne aus dem Hütchenspiel dem sogenannten mittleren Management der Unterwelt, regionalen Führern und schließlich der Konzernspitze im Milieu als eine Geldquelle von mehreren dienen. Auch als Kapitalzufluß für den Rauschgifthandel. Nicht ein einziger Boß kontrolliert die Branche, es sind mehrere gleichrangige nebeneinander. "Man muß sich das vorstellen wie ein Wolfsrudel", meint ein Berliner Kripomann, "wer den schärfsten Biß hat, hat den meisten Einfluß."
Sie wohnen meist in billigen Hotels oder Pensionen. In ihren Lokalen verkehren sie nur untereinander, unberührbar schon allein durch ihre Sprache, die keiner versteht. Eine ihrer Begegnungsstätten in Berlin, das "Amazonas" in der Schlüterstraße, im tristen Teil des feineren Bezirks Charlottenburg, ist gegen 22 Uhr regelrecht belagert. Gehobene Hütchenspielerszene, Kerle mit mißtrauischen Blicken und kräftigen Staturen. Pausenlos klingelt der öffentliche Münzfernsprecher, wird einer an den Apparat gerufen. Manche lassen sich sogar ihre Post hierher schicken. An einem der kleinen Nebentische bespricht ein Albaner die Asylpapiere mit einem Frischling, der gerade in Berlin angekommen ist. Vermutlich beherrscht er das Hütchenspiel schon. "Fast alle", hat mir mein Mittelsmann erzählt, "lernen den Trick schon in Jugoslawien. Die kommen her und haben feste Anlaufadressen in der Tasche."
Die Gewinne der ersten Jahre, 1988/89, geschätzte 20 000 bis 60 000 Mark pro Tag und Team, halten selbst Kripobeamte inzwischen für übertrieben. Seit im Frühjahr 1991 im überschaubaren Milieu der Mainmetropole die Polizei täglich zugreift, ist ein Großteil der Frankfurter Hütchenspieler nach Berlin abgewandert. Aber wenn ein Team pro Tag auch nur eintausend Mark einspielt, sind das in Berlin 100 000 Mark - Tageseinnahme. Und wenn davon auch nur zwanzig Prozent oder 20 000 Mark "ganz oben" landen - eine schöne Provision. Kein Wunder, daß der Umzug der Frankfurter Hütchenspieler nach Berlin nicht kampflos vor sich ging. Eine Messerstecherei, ein Rollkommando, eine schwere Körperverletzung. Seither herrscht in den Berliner Hütchen-Revieren wieder Frieden. In den Obergeschossen der Unterwelt herrscht gesamtjugoslawische Einigkeit. Wenn's ums kriminelle Geschäft geht, kooperieren die miteinander verfeindeten Albaner, Kroaten und Serben.
Die Spieler nutzen eine Gesetzeslücke, denn das Verschieben der Hütchen mit Wetteinsatz ist gesetzlich nicht verboten. Eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes hat die verzwickte Rechtslage nicht einfacher gemacht. Danach kann das Hütchenspiel ein Glücksspiel oder ein Geschicklichkeitsspiel sein - je nachdem. Seither muß jedes Gericht im Einzelfall entscheiden. Als Glücksspiel wäre es verboten, weil ohne gesetzliche Erlaubnis und deshalb strafbar. Doch bei einem Glücksspiel muß die Gewinnchance berechenbar sein. Das ist beim Hütchenspiel aber in der Regel nicht der Fall. Als Geschicklichkeitsspiel dagegen wäre es erlaubt. Einen Betrug nachzuweisen, ist erst recht schwierig. Dazu läuft das Spiel viel zu schnell, und auch Bodenkameras der Polizei dringen selten nah genug vor. Selbst ein Frankfurter Oberlandesrichter fiel darauf herein: Er ließ sich das Hütchenspiel im Gerichtssaal demonstrieren - und erriet jedesmal, wo die Kugel lag. Ergo: ein Geschicklichkeitsspiel und deshalb Freispruch.
Hamburg hatte 1991 rund 30 Fälle von Hütchenspiel-Betrug, Leipzig sechs Großeinsätze gegen Hütchenspieler. In Köln zählte die Polizei 10 bis 15 Fälle im Jahr, Frankfurt 15 bis 20 Anzeigen wegen Betrugs im Monat. Bei einer Lokalrazzia in Berlin wurden 64 Hütchenspieler aus einer einzigen Kneipe geholt. Ersatzweise behelfen sich die Ordnungsbehörden großer Städte inzwischen mit Bußgeldbescheiden wegen unerlaubter Straßennutzung, zur "Gewinnabschöpfung", wie es im Polizeijargon heißt. Gelegentlich gelang es den Behörden, Hütchenschieber wegen Verstoßes gegen das Ausländergesetz dingfest zu machen. Doch kaum hat die Streife ihnen den Rücken gekehrt, spielen sie weiter. Auch in ihrer Freizeit. "Die fahren abends mit dem Taxi weg", erzählt der Inhaber des Hotels Wendenhof in Kreuzberg, der Hütchenspieler als Dauergäste hat, "kommen am nächsten Morgen aus illegalen Spielsalons wieder und haben dann die Casino-Bleiche." Er kennt das, er gehörte früher selbst zum Milieu. Im vergangenen Sommer warf er eine ganze Gruppe Albaner raus, weil sie oft zu zehnt in einem Zimmer schliefen. Jetzt übernachtet mancher von ihnen auch im Kofferraum eines stillgelegten Pkw vis-à-vis vom "Wendenhof". Die Polizei leidet darunter, daß im neuen Asylverfahrensgesetz das Delikt "unerlaubte Erwerbstätigkeit" gestrichen wurde, denn seither hat sie weniger Eingriffsmöglichkeiten gegen Hütchenspieler als zuvor. Was den Asylbewerbern im allgemeinen die Situation im Lager erleichterte, nutzen die Hütchenspieler unter ihnen als Ausgangsbasis für Kriminalität. Einige von ihnen, so hat man bei der Berliner "Arbeitsgruppe jugoslawische Straftäter" beobachtet, erweiterten inzwischen sogar ihr Wirkungsfeld auf Einbrüche und Waffenhandel. Die polizeiliche AG wurde derweil dem Bereich "organisierte Kriminalität" eingegliedert.AT: Hütchenspieler 6
Die Männer unter den Hütchenspielern haben ihr Land verlassen müssen, seit die Serben im Kosovo begannen, die moslemischen Albaner zu tyrannisieren. Albanische Schulen wurden geschlossen, unter Albanern herrscht nahezu 100 Prozent Arbeitslosigkeit. Sie gingen dahin, wo sie Freunde kennen, flüchteten in die Bundesrepublik. Weil für sie im Kosovo keine humanen Regeln mehr galten, haben sie sich darauf spezialisiert, gesellschaftliche Regeln zu brechen. Ihre Kriminalität ist Folge davon. Selbst wenn jeder Spieler nur 50 Mark am Tag behalten darf, verdient er mehr als ein ungelernter Arbeiter. Netto, Steuern fallen nicht an. In den Straßen des Kosovo, dem früheren Armenhaus Jugoslawiens, gab es kein Hütchenspiel. Doch beileibe nicht alle Kosovo-Albaner in der Bundesrepublik und schon gar nicht alle albanischen Asylbewerber sind Hütchenspieler oder Kriminelle. Hätte die Bundesregierung sie frühzeitiger legal arbeiten lassen, wären sie womöglich gar nicht erst zu Spielern geworden.
Warum spielt einer? Matthieu Carrière, Schauspieler und Glücksspieler, gab unlängst in "Bio's Boulevard" darauf eine Antwort: "Man spielt, weil man damit den Wust im eigenen Kopf vergißt, es gelten nur noch die Regeln des Spiels. Man vergißt die Zeit." Und seine Probleme. Die Hütchenspieler setzen darauf, daß einer mitgeht. Daß der Funke von Gier aufglimmt. Daß eintritt, was angelsächsische Sozialforscher "Illusion of control" nennen. Die Illusion zu glauben, man selbst könne die Kontrolle über das Spiel besser behalten als andere. Die Illusion, gewinnen zu können, obwohl alle verlieren. Ähnlich wie jeder Autofahrer glaubt, die Gefahr, einen Unfall zu verursachen, sei bei ihm geringer als bei allen anderen. "Aber ma' ehrlich", sagt Naser, ein 25jähriger Hütchenspieler, in seinem Pidgin- Deutsch, "Leute sind dumm. Wer gibt dir schon Geld in Straße?"
FRANKFURT-WEST. Die drei städtischen Schadstoffmobile sind auch im neuen Jahr wieder in den westlichen Stadtteilen unterwegs. Umweltschädliche Abfälle wie Altbatterien, Chemikalien und Lösungsmittel sollten nicht in den normalen Hausmüll wandern - sie können bei den Fachleuten bequem vor Ort abgegeben werden.
Praunheim wird am Mittwoch, 20. Januar, angesteuert. Die Mitarbeiter sind von 9 bis 10 Uhr in der Heerstraße (gegenüber Haus Nummer 255). In Rödelheim macht ein Fahrzeug von 11 bis 12 Uhr auf dem Parkplatz am Bahnhof halt.
Vier Termine stehen am Donnerstag, 21. Januar, auf dem Programm: Zunächst im südlichen Westend (U-Bahn-Station, Bockenheimer Landstraße) um 11 Uhr, dann im nördlichen Westend (Betriebshof, Eschersheimer Landstraße 247) um 14 Uhr. In Ginnheim wird der Giftmüll von 16 bis 17 Uhr auf dem Parkplatz unter der Rosa-Luxemburg-Brücke (Ginnheimer Landstraße) angenommen. Außerdem stoppt ein Schadstoffmobil in Praunheim: um 18 Uhr am Wendehammer in der Graebestraße.
Ginnheim ist das Ziel am Freitag, 22. Januar: Die Mitarbeiter sind von 9 bis 10 Uhr auf dem Parkplatz unter der Rosa- Luxemburg-Brücke in der Ginnheimer Landstraße.
Eine lange Route durch den Westen der Stadt ist am Dienstag, 26. Januar, vorgesehen. Von 9 bis 10 Uhr steht je ein Fahrzeug in Rödelheim (am Rödelheimer Parkweg gegenüber Haus Nummer 32) und im Kuhwald (Braunfelsstraße / Scherbiusstraße). Zwei Stunden später, von 11 bis 12 Uhr, wird das Gallus (Frankenallee / Rebstöcker Straße) angesteuert. Zur selben Zeit ist ein anderer Wagen in Westhausen: im Wendehammer am Westring.
Die Bewohner des Bahnhofsviertels und des Gutleut können ihre Abfälle am Mittwoch, 27. Januar, von 11 bis 12 Uhr am Betriebshof in der Mannheimer Straße loswerden. Der letzte Januar-Termin ist Donnerstag, 28. Januar, von 16 bis 17 Uhr in Griesheim am Bunker (Am Gemeindegarten). sen
BORNHEIM / OSTEND. "Der Ortsbeirat 4 fordert alle Bewohnerinnen und Bewohner der Stadtteile Bornheim und Ostend auf, sich dafür einzusetzen, daß Rassismus und Neofaschismus in unserer Gesellschaft keine Chance haben." Mit diesen Worten schließt eine Resolution gegen Ausländerfeindlichkeit, die der Ortsbeirat 4 einstimmig verabschiedete. In dem von der SPD-Fraktion verfaßten Schreiben verurteilen die Stadtteilpolitiker die "in jüngster Zeit in Deutschland auftretenden Erscheinungen von Gewalt gegen ausländische Mitbürger auf das schärfste".
Es sei "beschämend", daß auch heutzutage immer noch Menschen wegen ihrer Herkunft, ihres Aussehens, ihrer Ansichten und ihrer Sprache "verfolgt, bedroht, geschlagen und sogar ermordet werden". Diese "verabscheuungswürdigen Taten" seien von Polizei und Justiz mit aller nur möglichen staatlichen Gewalt aufzuklären und zu verfolgen, fordert der Ortsbeirat: "Die Politiker der demokratischen Parteien müssen alles unternehmen, damit der braune Pöbel in seine Schranken gewiesen wird."
Auch in Bornheim und im Ostend sei eine tolerante Haltung gegenüber Menschen, die "anders aussehen oder anders denken leider keine Selbstverständlichkeit mehr", sagte Wolfgang Schild (SPD). Seit einiger Zeit wird ein SPD-Mitglied des Ortsbeirates wegen seines Engagements für Ausländer von Rechtsextremisten belästigt. Der Stadtteilpolitiker erhielt Hetzschriften und wurde auch am Telefon immer wieder beleidigt und massiv bedroht.
Sie seien "entsetzt und schockiert" über diese Vorfälle, betonten sämtliche Ortsbeiratsmitglieder. Nun gelte es um so mehr, so Hermann Steib (Grüne), die Stimme zu erheben und "den verbohrten Extremisten zu zeigen, daß sie keine Chance haben, hier jemals wieder eine Mehrheit zu bekommen". rea
OBERRAD. Die Falken werden flügge: Seit November 1992 trainiert jeden Mittwoch von 17 bis 19 Uhr eine Kindertanzgruppe der Falken, so nennt sich die traditionsreiche Jugendbewegung der SPD, im Bürgertreff Depot am Buchrainplatz. "Wir wollten mal was ganz anderes machen, denn eine Tanzgruppe gab es bei den Falken schon lange nicht mehr", erklärte Birgit Schneider, die die Gruppe zusammen mit Astrid Franz leitet. Zwischen fünf und zehn Kinder haben mittlerweile den Weg zu den Trainingsnachmittagen gefunden, es könnten nach Ansicht von Birgit Schneider jedoch noch mehr werden: "Die optimale Gruppenstärke liegt etwa bei 24 Tänzern."
Das Programm der neuen Tanzgruppe ist noch nicht endgültig festgelegt: "Ich muß erst einmal sehen, was bei den Kindern ankommt", sagte Schneider, die als Jugendwartin des Sachsenhäuser Tanzsportclubs "Telos" Erfahrungen in der Ausbildung des Nachwuchses sammelte.
Doch einige Ideen für die Gestaltung der Tanzstunden gibt es schon: So sollen die Kindergartenkinder mit rhythmischer Bewegungsgymnastik bis hin zum Phantasietanz an den musikalischen Sport herangeführt werden. Für die etwas älteren Kinder sind Aufführungen von Musicals vorgesehen: "Beliebt bei den Jugendlichen sind die Musicals ,Cats&rquote; oder ,Starlight Express&rquote;, doch für den Anfang schweben uns erst einmal einige Passagen aus Stücken von Michael Jackson vor", berichtete die Initiatorin, die auch schon selbst als Tänzerin auf der Bühne gestanden hat. Mit zunehmender Erfahrung der jugendlichen Tänzer könnten dann auch eigene Choreographien erarbeitet und in selbstgefertigten Kostümen aufgeführt werden.
Die Idee, eine Tanzsportgruppe zu gründen, entstand bereits im November 1991. Allerdings scheiterte der Versuch, einen regelmäßigen Tanztreff im Café "Rosa L." der Falken an der Windeckstraße zu etablieren, an dem mangelnden Interesse der Kinder im Ostend.
Auf Rat des Landesgeschäftsführers der Falken, Michael Paris, wurde dann ein Jahr später von Birgit Schneider eine zweite Gruppe eingerichtet: diesmal in Oberrad mit besserer Resonanz. Durch die Kooperationsbereitschaft der Reha- Werkstatt an der Wiener Straße war es möglich, die erste große Hürde zu nehmen: Die Falken konnten sich den großen Saal im Bürgertreff mit der Gymnastikgruppe der Behindertenwerkstatt teilen und erhielten so ungewöhnlich schnell eine Trainingsmöglichkeit.
Für die Sprößlinge bieten die Falken jedoch nicht nur den Tanzsport an: Im Sommer werden Zeltlager organisiert, es gibt eine Herbstfahrt und jedes Jahr im Winter planen die Falken eine Skifreizeit. Auch der "Tag des Kindes" im Ostpark ist eine Idee der Jugendbewegung. Im Stadtgebiet weithin bekannt ist auch der Abenteuerspielplatz Riederwald, der von den Falken genauso betrieben wird wie die roten Spielmobile, die oftmals auf Stadtteilfesten zu sehen sind.
Der nächste Termin für das Training der Tanzsportgruppe der Falken ist Mittwoch, 27. Januar. Informationen gibt Birgit Schneider unter der Telefonnummer 65 91 74. kan
FRANKFURT-SÜD. Zwölf Meter unter der Erdoberfläche bewegten sich die 15 Teilnehmer des "Seminars Wasser Teil III", das der Vorsteher des Ortsbezirks 5 (Sachsenhausen, Niederrad, Oberrad), Edmund Löffler, organisiert hatte, vom Wasserwerk Hinkelstein zur Schwanheimer Bahnstraße: Wolfram Rißland, Leiter der Wasserwerke der Stadt Frankfurt, führte die mit Helmen und Taschenlampen ausgestatteten Ortsbeiräte durch einen spärlich beleuchteten Tunnel an der etwa einen Kilometer langen alten Saugleitung des Wasserwerkes bis zum Ausstiegsschacht an der Grenzschneise, wo der gecharterte Bus auf die Seminarteilnehmer wartete.
Begonnen hatte die Besichtigungstour an den Infiltrationsanlagen, die die Stadtwerke im Frankfurter Stadtwald eingerichtet haben: In einem Grabensystem von etwa zwei Kilometern Gesamtlänge wird aufbereitetes Mainwasser versikkert. Wie Rißland erläuterte, dient diese Infiltration einerseits der Auffüllung der Grundwasserreserve und zum anderen der Gefahrenabwehr: Aus dem Bereich des Frankfurter Flughafens bewegen sich seit den siebziger Jahren zwei große Schadstoffkonzentrationen auf das Wasserwerk im Stadtwald zu.
Dabei handelt es sich einerseits um Treibstoff, der aus dem undichten Betankungssystem des Airports entwichen ist und zum anderen um eine ellipsenförmige Nitratblase, die durch die Enteisungsmittel für Start- und Landebahnen verursacht wurde.
Heute versuchen die Stadtwerke, diese beiden trinkwassergefährdenden Stoffe durch die Infiltration von 11 000 Kubikmetern Wasser täglich vom ältesten Wasserwerk Frankfurts abzudrängen und in den Main zu leiten. "Wasser ist das Lebensmittel, das durch kein anderes ersetzt werden kann", machte Rißland den Seminarteilnehmern die Bedeutung eines derartigen Gewässerschadens noch einmal deutlich.
Im Wasserwerk Hinkelstein demonstrierten die Wasserwerker der Stadt den beeindruckten Ortsbeiräten die Spülung eines Filters: Durch eine 2,5 Meter dicke Schicht aus Dolomitkalk wird das in zwölf Brunnen von bis zu 150 Meter Tiefe gewonnene Grundwasser geleitet. Dabei nimmt der Kalk im Filter Eisen und Mangan auf.
Die beiden Metalle setzen langsam die Durchlässigkeit des Filters herab - dann muß "rückgespült" werden: Fein perlte die Pressluft durch das Kalkbett und hinterließ den Eindruck, als würde der etwa zehn Meter lange und drei Meter breite Filter kochen. Langsam löste sich das rostrote Eisenoxid aus dem Filter und wurde mit dem Spülwasser in ein Absetzbecken geleitet. Jede Woche einmal müssen die Angestellten diese halbstündige Spül-Prozedur durchführen, erläuterte Rißland. Nur so sei gewährleistet, daß die Filter die zwischen 5000 und 70 000 Kubikmeter Wasser passieren ließen, die das Spitzenwasserwerk bei Bedarf liefern kann.
Allerdings reicht diese Menge bei weitem nicht aus, um den Durst der Stadt Frankfurt zu decken: Zwischen 200 000 und 210 000 Kubikmeter (das sind 210 Millionen Liter) Wasser benötigt die Mainstadt am Tag, das meiste wird aus Spessart, Vogelsberg, Wetterau und hessischem Ried mit Hilfe von Rohrleitungen herbeigeschafft.
Mit ganz anderen Methoden rücken die Stadtwerke dem Mainwasser zu Leibe, um es für eine Versickerung im Stadtwald tauglich zu machen: Nach der mechanischen Reinigung des "Rohwassers" aus dem Einlauf in die 1959 in Betrieb genommene Aufbereitungsanlage bei Goldstein werden der Brühe Aluminiumsulfat, Kieselsäure und Kalk zugesetzt.
Diese Chemikalien lassen die Schwebeteilchen im Wasser ausflocken. Das so geklärte Wasser wird anschließend über 16 Quarz- und Aktivkohlefilter geleitet und erreicht Trinkwasserqualität, wovon sich einige Stadtteilpolitiker durch ein "Schlückchen" überzeugen konnten: Gerhard Kadelbach, Fraktionsgeschäftsführer der SPD, zeigte sich vom "weichen Geschmack" beeindruckt und selbst Marcus Bocklet, Sprecher der Frankfurter Grünen, ließ es sich nicht nehmen, mit zugekniffenen Augen ein Glas aufbereitetes Mainwasser zu testen.
Allerdings betonte Rißland ausdrücklich, das Wasser werde nicht in das Rohrleitungsnetz der Stadt geleitet: Aus "ästhetischen Gründen" müssen die täglich "produzierten" 30 000 Kubikmeter Wasser zunächst durch den "tiefen Stein" des Frankfurter Stadtwaldes.
"Wasser ist nicht nur naß - Wasser ist mehr", stellte Rißland zum Abschluß des Seminars noch einmal fest. Mittlerweile haben die Stadtteilpolitiker des Ortsbeirats 5 sich ein solides Grundlagenwissen über die Wasserversorgung der Stadt erarbeitet: Bereits im Jahr 1991 hatten sie sich über die "Trinkwasserversorgung aus dem Vogelsberg" informiert und im Frühjahr des abgelaufenen Jahres schloß sich eine Führung durch das Klärwerk Niederrad an.
Nach der vorweihnachtlichen Besichtigungtour zeigte sich Ortsvorsteher Löffler stark beeindruckt von der Zeit und Energie, die die Beschäftigten der Wasserwerke aufwenden müssen, um der Frankfurter Bevölkerung ein hygienisch und chemisch einwandfreies Lebensmittel anbieten zu können: "Man muß sich eigentlich wundern, daß das Wasser immer noch so billig ist." kan
FRANKFURT A. M. "Ich hatte ja gar keine Ahnung, auf was ich mich da einlasse. Mir war gar nicht bewußt, in welchen Dimensionen die Relaxte arbeitet," erzählt Jutta Loskill von ihren Anfängen bei der "Relaxten Atmosphäre". Mitten im Streß ihrer Diplomarbeit wurde sie von der Band angesprochen, ob sie nicht als Sängerin bei der für spektakuläre und turbulente Konzerte bekannten Formation einsteigen wolle. "Ich habe mir ein paar Demobänder angehört. Den richtigen Kick habe ich dann aber erst beim Spielen im Proberaum gekriegt."
Dieser "Kick" ist jetzt ein halbes Jahr her und für Jutta steht fest: "Das Ganze ist zu interessant, um es sein zu lassen." Was die angehende Psychologin an der Musik der "Relaxten" reizt, ist nach ihren Worten "die Möglichkeit, von Swing bis Punk alles in die Songs einbauen zu können".
Bereits vor sechs Jahren hat die "Relaxte", damals noch als Trio und ohne Sänger, verschiedene Musikrichtungen ineinanderfließen lassen. Das, was heute bei weltweit erfolgreichen Bands wie "Red Hot Chili Peppers", "Urban Dance Squad" oder "Faith no more" als Crossover bezeichnet wird, will die Frankfurter Formation für sich nicht gelten lassen. "Crossover ist zum Modebegriff geworden", meint Schlagzeuger Christian Click- Columbus. Aber: "Was Crossover ist und was nicht, kann man kaum definieren oder heraushören. Auch nicht bei unseren Songs."
Nach verschiedenen Umbesetzungen im Laufe der vergangenen Jahre ist die Combo vor sechs Monaten auf ein Quintett gewachsen. Der einstige Sänger hat wegen "musikalischer Differenzen" die Band verlassen, Jutta und Simon singen seitdem zweistimmig und bilden die Basis für ein verändertes Stilkonzept. "Wir wollen unsere Songs etwas entwirren. Viele Stücke sind einfach zu vollgestopft mit verschiedenen Elementen. Aus einem Lied können dann zwei oder drei entstehen. Die Musik soll einfach tanzbarer werden", erklärt Gitarrist Per Sickforce, der außerdem noch bei "Couldn't be a fisher" die Saiten zupft.
Zwischen den Jahren hat sich die Band für zwei Wochen in einer Lagerhalle ein Studio eingerichtet. Alte Nummern wurden neu arrangiert und etwa zwölf neue Titel aufs Tonband gebannt. Um die Akustik der Halle einzufangen, hat die "Relaxte" das meiste Material komplett live eingespielt. Während der Aufnahmezeit haben die fünf Musiker auch zusammen gewohnt. "Ich kann das jeder Band nur empfehlen", blickt Sängerin Jutta zurück. "Die Konflikte werden intensiver ausgetragen wenn man enger zusammen ist. Das wirkt sich positiv auf die Kreativität aus."
Eigentlich sind die Aufnahmen als Demoband gedacht, doch kann sich die Band auch die Produktion einer Platte vorstellen. Bisher ist die "Relaxte" nur auf einigen Samplern vertreten, etwa auf der Doppel-CD "Crossing all over" des Wittener Gun-Labels. Zusammen mit namhaften internationalen Bands wurden bei diesem Projekt hörenswerte Titel von deutschen Undergroundcombos auf einem Sampler veröffentlicht. Die fünf Musiker verarbeiten in ihren Songs schwere, treibende Gitarrenriffs aus dem Hardrock, Funkrhythmen, den rappenden Sprechgesang von Sänger Simon und den dazugehörigen Harmoniegesang von Jutta. Wiederkehrende Tempo- und Rhythmuswechsel machen die "Relaxte Atmosphäre" zu einer spannenden Angelegenheit, die dabei nicht nach Kopie riecht. "Wir versuchen zu vermeiden, die Größen aus Amerika nachzuäffen", so Christian. Mit den "Größen" hat die Frankfurter Band schon Erfahrungen sammeln können. Als Vorgruppe tourten die Fünf unter anderem mit "Faith no more" und "Spyx" durch Deutschland.
Was einst mit drei "Kids von neureichen Eltern" begann, hat sich zu einer vielseitigen und ausgereiften Truppe entwickelt. In den sechs Jahren Bandgeschichte haben sich natürlich auch einige Anekdoten angesammelt. So führt die Band seit einiger Zeit einen nicht ganz ernst gemeinten Federkrieg mit einer Frankfurter Stadtillustrierten, seit ein Autor über einen Auftritt der "Relaxten" zusammen mit einer Domina herzog. Die Band organisierte daraufhin spontan ein Konzert, bei dem die Abo-Bescheinigung der Zeitschrift als Eintrittskarte akzeptiert wurde.
"Wir haben auch schon unsere Geschlechtsteile auf Bandfotos abgebildet, um die sexuelle Reizüberflutung auf die Spitze zu treiben. Seitdem haben wir den Ruf, eine sexistische Gruppe zu sein", erzählt der Drummer. Das Quintett schert sich jedoch wenig um Verunglimpfungen in der Öffentlichkeit. "Any Promotion is promotion", meint Gitarrist Per lapidar.
Der nächste Auftritt der "Relaxten Atmosphäre" ist für den 12. Februar im BKA in Münster bei Dieburg geplant, weitere Gigs folgen. HENNING EICHLER
FRANKFURT A. M. Um gegen rassistische Angriffe zu protestieren, die sich zunehmend auch gegen ausländische Kinder richten, haben 170 Erzieher der evangelischen Kindergärten, Kindertagesstätten und Horte in Frankfurt eine Resolution gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit verfaßt.
Die Pädagoginnen und Pädagogen zeigen sich besorgt über die Menschenrechtsverletzungen in Deutschland und erinnern daran, daß der Kontakt zu den ausländischen Nachbarn auch eine Bereicherung und Erweiterung des Horizonts mit sich bringt.
In der Resolution rufen sie zu mehr Zivilcourage und einem entschlossenen Eintreten für den Schutz und die Integration dieser Bürger auf: "Heute sehen wir unsere gewachsene Gemeinschaft bedroht und schämen uns dafür, daß ausländische und jüdische Bürgerinnen und Bürger in Deutschland Angst haben müssen." di
Nur zwei Minuspunkte trennen die SG Bruchköbel vom Spitzenreiter der Fußball-Bezirksoberliga Frankfurt-Ost, TSV Lämmerspiel (28:10). Allerdings müssen die Knapp-Schützlinge noch ein Nachholspiel beim FC Hanau 93 (20. Februar 1993) absolvieren. Bei einem Sieg wäre eine Patt-Situation mit dem Rangzweiten und Kreisrivalen FC Germania Niederrodenbach (26:12) erreicht. Darauf zielt die Vorbereitung der SGB ab. Nach dem Trainings-Aufgalopp am Dienstag folgte die Teilnahme am gutbesetzten Hallen- Turnier der Spvgg. 1910 Langenselbold. Des weiteren nimmt der Rangfünfte am Winter-Cup des Neuses (24. bis 31. Januar) teil. Dort stehen in der Gruppe A hochkarätige Gegner wie der FC Bayern Alzenau sowie die Spvgg. 1910 Langenselbold (beide Landesliga Süd) auf dem Programm. In der Gruppe B spielen ausschließlich Landesligisten (SV Bernbach, SG Germania Klein-Krotzenburg und SV Jügesheim).
Die Bruchköbeler bestreiten am 24. Januar (14 Uhr) das Eröffnungsspiel gegen ihren Nachbar-Rivalen Spvgg. 1910 Langenselbold, spielen am 27. Januar (19 Uhr) gegen Bayern Alzenau, während die Endspiele am 31. Januar, ab 13 Uhr (Platz 5) im Zwei-Stunden-Takt auf dem Kunstrasen angestoßen werden sollen.
Außerdem ist ein Test gegen den spielstarken Oberligisten SG Rot-Weiß Frankfurt vorgesehen. Falls es die Platzverhältnisse zulassen, folgt bereits am 13. Februar das Pokal-Halbfinale gegen den Klassen-Konkurrenten SC Eintracht- Sportfreunde Windecken. Dieser Termin muß jedoch noch sanktioniert werden. Am Fastnachtsamstag soll es im Hanauer Herbert-Dröse-Stadion keine "Narretei" geben, denn anschließend folgt der Marsch zum punktgleichen Mitbewerber Spvgg. 12 Seligenstadt. Einen Fehlstart - wie vor Jahresfrist nach der Winterpause passiert - kann sich die SGB nicht noch einmal erlauben. Maximal zwei Minuspunkte sind in diesen beiden wichtigen Auswärtstreffen zu verkraften. "Wir haben keine Langzeit-Verletzten und hoffen daher, in Bestbesetzung die wichtigen Aufgaben im Februar bestreiten zu können", setzt Karl-Heinz Knoch vom Spielausschuß auf die entsprechend intensive Vorbereitung unter Wolfgang Knapp. Da die "Macher" mit Knapp und der Mannschaft, die eine Reihe hochkarätiger Spieler abgeben mußte, sehr zufrieden sind, scheint einer Vertragsverlängerung mit dem früheren Oberliga- Spieler eigentlich nichts mehr im Wege zu stehen. Vielleicht warten die Verantwortlichen um Werner Major jedoch den Februar ab, denn nach diesen Spielen sind alle schlauer.
Obgleich die Mannschaft die Erwartungen eher übertroffen hat, kommen die Fans (230 pro Spiel) zögerlicher als früher. Mit Frank Bieber und Dirk Kosch (je 11 Tore) haben zwei Akteure Torjäger- Qualitäten gezeigt. Stefan Betz folgt mit vier Treffern. Dreimal trafen die Routiniers Michael Drefs und Uwe Hofmann sowie Neuzugang Jörn Bode. Drefs und Bode haben sich übrigens als einzige der fünf Neuzugänge einen Stammplatz sichern können. MAX KÖBEL
OSTEND. "Es wird immer nach den sogenannten großen Themen gefragt, beispielsweise der Stadtentwicklung. Hier zu bauen, ist Bauen für die Zukunft unserer Kinder", kommentierte die Frankfurter Schuldezernentin Jutta Ebeling (Grüne) den Neubau der Kindertagesstätte (KT) Ostend. In diesen Tagen wurde das Richtfest für den voraussichtlich in einem halben Jahr fertiggestellten Bau in der Straße Am Tiergarten gefeiert. Dann werden 40 Kindergarten- und 60 Hortplätze zusätzlich im Stadtteil zur Verfügung stehen.
Etwa zeitgleich soll in der Rendeler Straße eine weitere Kindertagesstätte eröffnet werden. Trotzdem fehlen im Ostend noch 600 Plätze, der Bedarf ist nach Angaben von Jutta Ebeling nur zu 60 Prozent gedeckt. Besonders im Bereich der Uhlandstraße herrscht noch großer Mangel.
Die KT Ostend hat vier Stockwerke. Das zum Garten hin terrassenartig konstruierte Gebäude sieht auf den abgestuften Flachdächern Spielflächen für Kinder vor. Die Kindergartenräume befinden sich im Erdgeschoß, der Mehrzweckraum und die Küche bilden im ersten Stock ein Bindeglied zu den Gruppen- und Nebenräumen des Hortes im dritten und vierten Stockwerk. Der Neubau wird 7,6 Millionen Mark kosten.
Für die Zukunft erhofft sich Jutta Ebeling Fortschritte im Bereich Kinderbetreuung durch das neue, dreigeteilte städtische Programm. Neben den öffentlichen Bauvorhaben sollen durch die gezielte Förderung von Elterninitiativen weitere 1500 Plätze geschaffen werden. Etwa 150 davon werden in Krabbelstuben für Kleinkinder entstehen.
Vor einem halben Jahr wurde ein Kooperationsprojekt mit Betrieben begonnen. Erstes Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit mit einem großen Versicherungskonzern, wobei die Hälfte der Plätze für Kinder von Firmenangehörigen reserviert ist und die andere Hälfte den Westendbewohnern zur Verfügung steht. "Hier sind wir noch am Anfang, aber es ist eine weitere ausbaufähige Möglichkeit zur Lösung des Problems", sagte die Schuldezernentin. laf
ESCHERSHEIM. Der Vorstand des Bürgervereins Eschersheim berichtet in seiner Mitgliederzeitung über das Ergebnis der Teilnahme des Vereins am Stadtteilfest "Eschersheimer Wochenende" 1992. Erwähnt wurde der Besuch des Schirmherrn des Festes, OB Andreas von Schoeler, sowie weiterer Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens an den beiden Ständen des Bürgervereins.
Sowohl der Weinstand wie auch der Imbißstand mit den von Mitgliedern gespendeten Salaten und Suppen habe, so teilte Vorsitzender Bernard Merten mit, gute Einnahmen gebracht. Der Erlös aus dem Verkauf während des Festes soll zusammen mit einer eigenen Spende des Vereins der "Hilfe für krebskranke Kinder, Frankfurt" übergeben werden. li
Die Frankfurter Sparkasse hat in ihrer Geschäftsstelle in der Fabriciusstraße 14, Griesheim, einen Geldausgabeautomaten in Betrieb genommen, um die Bargeldversorgung der rund 22 000 Einwohner Griesheims zu verbessern: Es habe sich gezeigt, daß an durch Feiertage verlängerte Wochenenden die Automaten verstärkt in Anspruch genommen werden. Die viersprachige Bedienungsanleitung soll den vielen ausländischen Bürgern in Griesheim zugute kommen. di/03
Für rigoroses Abschleppen von Falschparkern rund ums Bornheimer Uhrtürmchen plädiert der zuständige Ortsbeirat 4. In einem einstimmig beschlossenen Antrag verlangt die SPD, die Polizei solle dafür sorgen, daß der Platz zwischen dem Uhrtürmchen und der Saalburgstraße nicht als Parkplatz mißbraucht wird. rea
Fußgängerfreundlicher soll die Ampelschaltung an der Ecke Wittelsbacherallee/Habsburgerallee eingestellt werden. Der Ortsbeirat stimmte mehrheitlich einem Antrag der SPD zu, die Ampelphase an dieser Kreuzung zu verändern. Fußgänger, die diese Straße überqueren wollten, müßten zu lange warten, bevor für sie "grünes Licht" erscheine. rea
Saisonkarten für die Eissporthalle schlägt die CDU im Ortsbeirat 4 vor. Ihr Antrag, von der nächsten Eislaufsaison an Dauerkarten anzubieten, wurde einstimmig angenommen. Bislang würden dort lediglich Zehnerkarten verkauft. Im Eissportstadion an der Mörfelder Landstraße hingegen könne man schon jetzt Saisonkarten erstehen. rea
Umgefahrene Poller in der Wittelsbacherallee sollen umgehend ersetzt werden - das forderte einstimmig der Ortsbeirat 4. Im Bereich zwischen Scheidswaldstraße und Habsburgerallee seien Holzpfosten "radikal umgefahren" worden, "um im Alleenbereich Parkplätze zu haben", so Klaus Dieter Jeske (SPD). Wenn die Stadt so etwas dulde, würden die restlichen Sperren auch noch beschädigt, befürchtete er. rea
Wartebänke für die Haltestelle am Panoramabad verlangt der Ortsbeirat 4. Das Gremium stimmte einer Forderung der CDU zu, an dieser Haltestelle und an der Enkheimer Straße 20 Wartebänke aufzustellen. Seit die Bänke, die in der Nähe des Parkplatzes vorhanden waren, abmontiert wurden, gebe es dort keine Sitzgelegenheiten mehr. rea
Bei "tapas y chatos" treffen sich ab Dienstag, den 26. Januar, wieder Spanisch-Interessierte mit sehr guten Sprachkenntnissen bei der Deutsch-Ibero-Amerikanischen Gesellschaft zum Konversationskurs. Dort kann man Kenntnisse pflegen und erweitern, grammatikalische Fehler korrigieren - und nebenbei Tapas verkosten. Der Kurs wird von einer Lehrerin geleitet. Die Gebühr beträgt 252 Mark. Telefon: 77 93 95. nik
WESTLICHE STADTTEILE. Beim Bau der lang geplanten Umgehungsstraße für Zeilsheim und Unterliederbach müssen nach Ansicht von Norbert Wildhirt, SPD- Fraktionschef im Ortsbeirat 6, jetzt "Nägel mit Köpfen gemacht werden". Im Magistrat dürfe dabei nicht länger "übergroße Rücksicht auf den kleineren Koalitionspartner" genommen werden, der im Westen alles daran setze, "diese dringend notwendige Straße zu verhindern". Das hat Wildhirt abschließend in einer "kritischen Bilanz" gefordert, die er am Neujahrstag nach vier Jahren Ortsbeiratspolitik zog.
Für die Grünen im Bolongaropalast hat Wildhirt allerdings nicht nur Kritik übrig, er geizt auch nicht mit Lob. Der SPD- Fraktionschef sieht in letzter Zeit eine deutlich verbesserte Zusammenarbeit mit den Grünen im Ortsbeirat 6. Ohne daß es dabei zu einer Koalition nach dem Vorbild im Römer gekommen sei, betonte Wildhirt.
Nicht alles, was sich die Sozialdemokraten vor knapp vier Jahren vorgenommen hätten, sei verwirklicht oder zu Ende gebracht worden. Wildhirt macht die "sinkenden Gewerbesteuereinnahmen und die enormen Kosten der Einheit" dafür verantwortlich, daß in allen Großstädten das Geld für Großinvestitionen knapp werde. Im Westen habe deshalb "konsequenterweise" die geplante Tiefgarage unter dem Höchster Marktplatz dem Rotstift zum Opfer fallen müssen.
Wildhirt zufolge werden bereits beschlossene Projekte aber nicht nur wegen leerer Stadtkassen immer weiter in die Zukunft verschoben. Schuld sei oft auch die nur langsam arbeitende Verwaltung.
Trotz allem habe sich das Gesamtbild des Ortsbezirks 6 durch die Arbeit der Sozialdemokraten "zum Positiven gewandelt", bilanziert Wildhirt. In allen Wohngebieten würden zur Zeit Tempo-30-Zonen eingerichtet. Mit Stolz verweist der SPD-Fraktionschef auf die Erfolge im Wohnungsbau. Das "Prunkstück" sei der Westpark auf dem Moha-Gelände in Sossenheim. Stilvolle Wohnungen enstünden auch an der Oeserstraße in Nied. Wildhirt: "Jetzt muß schnellstens die bereits mit eingeplante Infrastruktur verwirklicht werden."
Bei einer Busfahrt durch den Ortsbezirk 6 könnten die Bürgerinnen und Bürger ständig auf Spuren sozialdemokratischer Politik stoßen, meint Wildhirt. Auf das neue Sindlinger Feuerwehrhaus zum Beispiel, auf Frankfurts größte Kindertagesstätte in Höchst, auf die Umfahrung des Nieder Ortskerns oder auf die neugestaltete Waldschulstraße im Stadtteil Griesheim.
Als Erfolg sozialdemokratischer Politik verbucht Wildhirt auch den Stapellauf der neuen Höchster Fähre. Außerdem sei das Bürgerhaus in Goldstein für 15,6 Millionen Mark von Grund auf renoviert und erweitert worden. In Nied erhalte die Alemannia ein neues Funktionsgebäude. Und in Unterliederbach, verspricht Wildhirt, seien die Bauarbeiten für die Umgestaltung des Marktplatzes bis zum Spätherbst abgeschlossen.
Vieles, was die Sozialdemokraten auf den Weg gebracht hätten, komme erst in den nächsten Monaten oder Jahren zum Tragen, erklärte der SPD-Fraktionschef. Wildhirt nennt beispielhaft die südliche Anbindung der Leunabrücke und die neue Wohnbebauung auf den alten Kasernengeländen, für die derzeit ein Architektenwettbewerb laufe.
Auch am Teutonenweg in Unterliederbach entstehe bald ein neues Wohngebiet. Im selben Stadtteil erhalte die Freiwillige Feuerwehr ein neues Domizil. In Sindlingen, so Wildhirt, werde der Unfallschwerpunkt "Kreisel" entschärft und eine neue Kindertagesstätte errichtet. Die SPD, sagte Wildhirt, treibe außerdem das Projekt Großturnhalle samt Erweiterung der Bezirkssportanlage voran. tos
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GINNHEIM. Bei der Verkehrberuhigung legte der Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) ein überraschend zügiges Tempo vor. Innerhalb von fünf Minuten beschloß das Gremium drei neue Tempo-30-Zonen in Ginnheim (die Frankfurter Rundschau berichtete). Ein Planungsbüro wurde nicht eingeschaltet, auch auf Bürgeranhörungen verzichtete der Ortsbeirat. Ein langwieriges Verfahren hielten die Stadtteilpolitiker für entbehrlich, denn die Lösung der Geschwindigkeitsprobleme für die übersichtlichen Quartiere mit gleicher Verkehrsstruktur läge auf der Hand.
Die erste Zone umfaßt das Viertel im Bereich der Guitastraße. Geht es nach dem Willen des Stadtteilparlaments, dann soll künftig in der August-Scheidel-Straße, Reichelstraße, Prächterstraße, Heinzstraße, Mahräckerstraße und Guitastraße nicht schneller als 30 Stundenkilometer gefahren werden. Schilder und "Kölner Teller" sollen die Autofahrer auf das Tempolimit hinweisen.
Gleiches ist auch für die Zone um die Karl-Kotzenberg-Straße (Am Eichenloh, Am Eisernen Schlag, Ginnheimer Stadtweg, An den Drei Brunnen, Am Großen Berge und Rebgärten) vorgesehen.
Die dritte Tempo-30-Zone wurde im nördlichen Ginnheim festgelegt: in den Straßen um die Ginnheimer Hohl (der untere Teil der Fuchshohl, Am Mühlgarten, Am Weimarfloß, Ginnheimer Mühlgasse, Schäfers Gärten, Woogstaße, Peter- Böhler-Straße, Füllerstraße, Alt Ginnheim, Auf der Schloßhecke, Am Wiesenrain, Ginnheimer Waldgasse und die Ginnheimer Landstraße bis zur Ginnheimer Waldgasse).
"Dringend notwendig" sei es, das Tempo der Autofahrer in diesen Straßen zu reduzieren. Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer würden dort häufig gefährdet, begründete die SPD ihren Antrag, der gegen die Stimmen der Grünen angenommen wurde. Die neuen Tempo-30-Zonen sollen relativ wenig kosten, denn die Sozialdemokraten halten einen aufwendigen Umbau der Straßen für nicht erforderlich.
Die Grünen sahen das anders. "In allen Gebieten gibt es Sachen, die zu planen wären", meinte der Ortsbeirat Peter Steinberg (Die Grünen), räumte jedoch ein, daß der Verkehr dort nicht so problematisch sei, wie etwa in Eschersheim oder in der Dornbuschsiedlung. Die Grünen befürchten, die neue Tempo-30-Initiative werde von der Stadtverwaltung zurückgewiesen, weil das Stadtteilparlament kein Büro eingeschaltet und keine Pläne vorgelegt habe. sen
Gastgeber 1. FSV 08 Schierstein drang beim Frauen-Fußball-Turnier in der Wiesbadener Dilthey-Sporthalle bis ins Finale vor, mußte sich dabei allerdings dem früheren Deutschen Meister TuS Wörrstadt 1:2 beugen. Die Wörrstädterinnen sicherten sich hierdurch 200 Mark Siegergeld und den Wanderpokal. Der FSV 08 durfte 100 Mark in eigener Schatulle belassen. Insgesamt warf Veranstalter FSV Schierstein Preisgelder in Höhe von 425 Mark aus, kam bei 50 Mark Startgeld pro Mannschaft (16) auf seinen Schnitt, konnte davon auch die Schiedsrichterspesen und andere Kosten bestreiten. Allerdings kassierte der Ausrichter von den Zuschauern kein Eintrittsgeld. Die Ränge (etwa 250 bis 300 Zuschauer) sahen auch vor allem durch die gerade inaktiven Spielerinnen gut gefüllt aus.
Auf dem fußballerischen Sektor zeigten die vier Oberligisten die besten Leistungen, was sich auch im Erreichen des Semifinales widerspiegelte. Das Oberliga- Quartett sicherte sich in allen vier Gruppen den ersten Platz. Im direkten Vergleich waren die Unterschiede gering: Der FSV Schierstein (Tabellensechster der Oberliga Hessen) besiegte die TSG 51 Frankfurt (siebenter Platz in der aktuellen Tabelle) mit 2:0, im Treffen der Klubs aus Rheinland-Pfalz setzte sich Ex-Meister Wörrstadt 2:1 gegen Fontana Finthen durch. Im Spiel um Platz drei verlor die TSG 51 Frankfurt 1:3 gegen Mainz-Finthen, Schierstein verlor - wie eingangs erwähnt - im Endspiel gegen Wörrstadt. Bei einer Spielzeit von 15 Minuten und kleinen (Hallenhandball-)Toren sowie der bekannten Schußschwäche der Frauen blieb die Torausbeute minimal. In vier Gruppenspielen wurde sogar eine Null- diät verabreicht, sechs Spiele endeten 1:0.
Einen Torsegen gab es bei TSG Frankfurt gegen Schierstein III (4:1). Die deutlichsten Erfolge feierten der VfR 07 Limburg (gegen die Spvgg. 1920 Eltville) und Gastgeber FSV Schierstein I (gegen den SV 09 Hofheim), die jeweils 4:0 gewannen. Neben Monika Milosevic (Fontana Finthen) stellte der Ausrichter in Simone Schulz (jeweils sechs Treffer) die erfolgreichste Torschützin. Sie wurden mit 25 Mark sowie einem Weinpräsent geehrt. Simone Schulz, die in der Oberliga Hessen - der FSV erzielte dort in neun Spielen gerade fünf Tore, was aber 7:11- Punkte einbrachte - Ladehemmung hat, spielte sich zusammen mit Ilona Oldendorf (Fontana Finthen) in die Herzen der Zuschauer. Sie zeigte großen Elan und Tordrang, setzte spielerische Glanzlichter. Die Frauen waren in der Dilthey-Halle klar in der Überzahl, denn auch die Turnierleitung wurde von den Schiersteiner Ü 30-Spielerinnen Helga Forst, Hannelore Amann, Birgitte Vogt und Birgit Villmer in eigener Regie übernommen. Allerdings wurden die überaus fairen Spiele von Männern gepfiffen: Richard Umstetter (sinnigerweise vom SV Frauenstein) und Wolfgang Seeliger (TuS Dotzheim) hatten mit dem "zarten Geschlecht" keine Probleme, wie Organisationschef und Frauen-Abteilungsleiter Günter Wilhelm bestätigte. In den 24 Gruppenspielen sowie den fünf Endrunden-Begegnungen mußte keine einzige schwere Verletzung, aber auch keine rote Karte registriert werden. Die Teams aus Ober-, Landes- und Bezirksoberliga zeigten eine gute Grundschule. Nur im Abschluß haperte es oft. Am Schluß erhielten alle 16 Mannschaften Weinpräsente und versprachen, auch 1994 wieder an diesem bereits traditionellen Turnier zum Jahresbeginn teilzunehmen. Bei Kaffee und Kuchen sowie einer weiterhin reichhaltigen Angebotspalette an Speisen und Getränken hatte das Turnier "gemundet". FINALE: FSV 08 Schierstein - TuS Wörrstadt 1:2. TORE: 1:0 Simone Schulz (2.), 1:1 Heike Schmidt (3.), 1:2 Iris Fischer (8.). - SCHIEDSRICHTER: Umstetter (Frauenstein) - ZUSCHAUER: 280. Spiel um Platz 3: TSG 51 Frankfurt - Fonana Finthen 1:3. - HALBFINALS: FSV Schierstein - TSG 51 Frankfurt 2:0, TuS Wörrstadt - Fontana Finthen 2:1. - EINLAGESPIEL Mädchen: DJK Schwarz-Weiß Wiesbaden - FSV Schierstein 2:1.
TABELLEN GRUPPENSPIELE, Gruppe 1: 1. FSV Schierstein 6:0 Punkte/10:0 Tore, 2. FC Oberursel 3:3/1:3, 3. SV 09 Hofheim 3:3/2:5, 4. SG Kelkheim/Schwalbach 0:6/1:6; Gruppe 2: 1. TuS Wörrstadt 6:0 Punkte/6:1 Tore, 2. FSV Schierstein II 4:2/1:0, 3. DJK Schwarz-Weiß Wiesbaden 3:3/1:3, 4. TSV Langgöns 0:6/1:5; Gruppe 3: 1. TSG 51 Frankfurt 6:0 Punkte/6:1 Tore, 2. FSV Schierstein III 3:3/3:5, 3. SV Weisenau 2:4/2:2, 4. SV Ober-Olm 1:5/1:4; Gruppe 4: 1. Fontana Finthen 5:1 Punkte/5:1 Tore, 2. VfR 07 Limburg 4:2/6:2, 3. Spvgg. 1920 Eltville 2:4/1:5, 4. FC 34 Bierstadt 1:5/0:4. mk
HÖCHST. Vollmundig hatte das Staatsbauamt Mitte Oktober vergangenen Jahres angekündigt: Anfang November ist erster Spatenstich. In der Gebeschusstraße sollte mit dem Bau von Hessens modernstem Polizeirevier begonnen werden. Zwei Monate sind seither vergangen - und keine Schippe Erde wurde auf dem Gelände bewegt. Grund: Ein Teil des mit Kohlenwasserstoffen verseuchten Bodens kann nicht, wie ursprünglich geplant, in Wicker deponiert werden. Die Hessische Industriemüll GmbH (HIM) und die Landesanstalt für Umwelt (HLfU) haben deshalb ein neues Entsorgungskonzept ausgearbeitet, das jetzt beim Regierunspräsidenten liegt. "Vielleicht können wir noch im Februar bauen", erklärte Gert-Uwe Mende vom Innenministerium.
"Ich kann's schon nicht mehr hören." Anton Witzel, Chef des 17. Polizeirevieres, hat inzwischen resiginiert. Und mit ihm die ganze Truppe. "Wir fühlen uns mittlerweile alle auf den Arm genommen." Auf jede Ankündigung "jetzt geht's los" folgte in den vergangenen Jahren prompt die Enttäuschung. Hoffnung schöpft Witzel jetzt allerdings mit Blick auf den Wahltermin 7. März. Der Innenminister, vermutet der Höchster Polizeichef, werde es sich gewiß nicht nehmen lassen, zwei Wochen vor der Wahl zum ersten Spatenstisch vorzufahren.
Seit Jahren platzt das 17. Revier im Bolongaropalast aus allen Nähten. "Wäre die Arbeitsstättenverordnung hier nicht außer Kraft gesetzt, wir müßten sofort dichtmachen", ist Witzel überzeugt. Wo Frauen und Männer in Uniform zusammenarbeiten, muß täglich neu improvisiert werden. Eigene Toiletten für die Polizistinnen gibt es im Bolongaropalast nur außerhalb des Revierbereichs.
Werden verdächtige Personen verhört oder Anzeigen aufgenommen, ist die Privatsphäre kaum geschützt. Alles spielt sich auf der Wache in einem Raum ab, wo ein Kollege auch gleichzeitig per Funk die Streifenwagen zu ihren Einsatzorten lotst.
Ärmlich auch die technische Ausstattung des Reviers: Gerademal eine elektrische Schreibmaschine gehört zum Inventar. Ansonsten nur "Industriebarock", wie sich der stellvertretende Revierleiter Jürgen Mursch ausdrückt.
Ob sich's bald ändert, hängt jetzt am Regierungspräsidium (RP). Doch dort war der "Vorgang" nicht aufzutreiben. Pressesprecher Dieter Ohl: "Ich kann den Mann nicht finden, der die Akte finden könnte."
Staatsbauamt und Hessische Industriemüll GmbH allerdings bestehen darauf, "nicht geschlafen" zu haben. Der Zeitplan "Spatenstich November" war laut Ernst Mick vom Staatsbauamt dahin, als am 29. Oktober ein Brief der HIM ins Haus kam. Deren Hiobsbotschaft: Der Aushub im Bereich des Bohrloches neun sei so stark mit Kohlenwasserstoffen belastet, daß er nicht in Wicker deponiert werden könne. Eine Erkenntnis, die der HIM offenbar erst spät dämmerte. Das Boden-Gutachten des Institutes IMA mit allen Werten lag ihr laut Ernst Mick bereits im Sommer vor. Einen "Schwarzen Peter" allerdings möchte Mick keiner der beteiligten Behörden zuschieben.
Und auch Hubertus Hess, Pressesprecher der HIM, besteht darauf: "Wir haben unsere Hausaufgaben erledigt." Mit der HLfU sei das Entsorgungskonzept nun endgültig abgestimmt und zur Genehmigung zum RP nach Darmstadt geschickt worden. 1650 Tonnen des kontaminierten Erdreichs, das vor Jahrzehnten eine Baufirma zurückgelassen hat, könnten auf die Hausmülldeponie Wicker verfrachtet werden. Lediglich 38 Tonnen Aushub müssen Hess zufolge gesondert entsorgt werden.
Doch für eine Verbrennung des verseuchten Bodens in Biebesheim gibt es Hess zufolge lange Wartezeiten. Der Aushub muß deshalb zwischengelagert werden. Doch wo, weiß noch niemand. Das nur etwa 1600 Quadratmeter große Grundstück in der Gebeschusstraße selbst ist dafür zu klein. "Wir haben schon Probleme, den Baukran unterzukriegen", klagt Mick. In seiner Not hat der Bauoberrat sogar schon den Polizeipräsidenten nach einem Standort für die Container mit verseuchter Erde angefragt. tos
ESCHERSHEIM. Der von den Bundestagsfraktionen ausgehandelte Kompromiß zum Asylrecht stößt nicht allerorten auf Zustimmung. Der Vorstand der Eschersheimer Sozialdemokraten kritisierte in seiner jüngsten Sitzung das Votum der Bonner Genossen und verlangt von Vorstand, Parteirat und Bundestagsfraktion, vom "ausgehandelten Asylrechtsentwurf abzurücken und trotz des öffentlichen Drucks auf Neuverhandlungen zu bestehen". Der Entwurf widerspreche sozialdemokratischen Grundwerten sowie den Beschlüssen des Bundesparteitags.
Weiter heißt es im Schreiben des Eschersheimer Ortsvereins, die vorgesehene Regelung, durch einen "Ring von sogenannten sicheren Drittländern" die Bundesrepublik gegen Flüchtlinge abzuschotten, mache die Wahrnehmung des Asylrechts "faktisch fast unmöglich".
Dem Beschluß des Vorstands vorausgegangen war eine Mitgliederversammlung des Ortsvereins. "Einvernehmliches Votum" sei gewesen, das individuelle Asylrecht und die Rechtsweggarantie im Kern zu erhalten. ak
Bürgermeister-Menzer-Haus Von Schoeler war bei Senioren zu Gast
NIEDERRAD. Oberbürgermeister Andreas von Schoeler besuchte kürzlich das Bürgermeister-Menzer-Haus (Altenhilfezentrum Stadtwald) der Johanna-Kirchner-Stiftung, in dem ihm Senioren aus Niederrad einen herzlichen Empfang bereiteten. In seiner Ansprache ging Andreas von Schoeler auch auf das Zusammenleben und Zusammenarbeiten von Deutschen und Ausländern ein: Am Beispiel der Stadt Frankfurt zeige sich, daß ohne die Mitarbeit der ausländischen Bürger nichts mehr ginge. Ausländerfeindlichkeit dürfe allein schon deshalb in der Bundesrepublik kein Thema sein. A das Asylrecht für politisch Verfolgte dürfe nicht angetastet werden, so der Oberbürgermeister. Heimleiter Erich Heymach konnte einen Scheck der Stadt Frankfurt sowie die Spende einer Frankfurter Brauerei in Empfang nehmen. Von dem Geld sollen neue Bänke für das Freigelände angeschafft werden. In seiner Dankesrede wies Erich Heymach darauf hin, daß das Pflegeheim ohne die Mitarbeit ausländischer Kollegen nicht existieren könne. Im Anschluß besichtigte Oberbürgermeister Andreas von Schoeler die Wohnbereiche und Therapieabteilungen des Altenheims. di
NIEDER-ESCHBACH. Die Trauer war groß. Der kleine Lutz vom FV 09 Eschersheim wurde nach fünf von zehn Minuten Spielzeit ausgewechselt, obwohl er so gekämpft hatte. Aber der Trainer wollte allen Kickern eine Chance geben. Leicht geknickt schlich Lutz zur Bank, doch gleich war Trost da. Sein Vater nahm ihn in die Arme, und der Schmerz war bald vergessen.
Rund 200 Zuschauer verfolgten am letzten Wochenende das Geschehen beim Hallenturnier des TuS Nieder-Eschbach in der Sporthalle der Otto-Hahn-Schule. Insgesamt 32 Mannschaften, je 16 bei der F- und D-Jugend, kämpften, rannten und schossen um den begehrten Wanderpokale. Neben renommierten Teams (Eintracht Frankfurt, Kickers Offenbach, Darmstadt 98) waren auch die kleineren Vereine aus dem Umkreis eingeladen worden: eine bunte Mischung, die für viel Spannung und Dramatik sorgte.
Kräftig angefeuert von Trainern, Fans und Eltern bewiesen die Fußballer, daß das Spiel mit dem runden Leder nicht nur in den höheren Altersgruppen gut anzusehen ist. Da wurden Kabinettstückchen wie Hackentrick, Fallrückzieher und Schlenzer gezeigt, sogar den Doppelpaß hatten einige Kicker im Repertoire.
Und ganz wie die Alten gratulierten sich die Eschbacher "Bomber" nach einem Torerfolg mit "shake hands".Zwischendurch stärkten sich die erschöpften Sportsmänner bei Kaffee, Kuchen und Bratwurst. Am besten taten das in der D- Jugend die Fußballer von Hessen Kassel. Sie besiegten im Endspiel (gleich bei ihrer ersten Turnierteilnahme) Darmstadt 98 mit 2:0 Toren. Als Belohnung erhielt die Mannschaft den Ernst-Karl-Wanderpokal.
Doch dann bei der F-Jugend war es wesentlich dramatischer: erst nach einem Siebenmeterschießen setzte sich die Rosenhöhe Offenbach gegen den Turnierfavoriten Eintracht Frankfurt mit 3:2 durch.
Enttäuscht mußte bei diesem Turnier aber niemand sein. Jede Mannschaft bekam, egal, auf welchem Platz sie landete, einen Pokal. "Gerade für Vereine, die von weither kommen, war es in den vergangenen Jahren bitter, einfach so abzureisen", erläuterte Abteilungsleiter Arnold Barfuß, der gemeinsam mit anderen ehrenamtlichen Helfern das Turnier organisierte und die Gelder bei Sponsoren aufgetrieben hatte.
Ein bißchen traurig war man beim TuS über die Plazierung der eigenen Mannschaften. Gerade bei der D-Jugend hatten sich Trainer und Mannschaft mehr versprochen. Doch wie in der F-Jugend reichte es jeweils nur zum achten Platz. Immerhin gutes Mittelmaß in der stark besetzten Konkurrenz. "Wichtiger ist es ohnehin, daß Verbindungen zwischen den Kindern und Vereinen geknüpft werden. Manch neue Freundschaft kann die Niederlage auf dem Platz ersetzen", wies Barfuß auf die Zielsetzung eines solchen Turniers hin.
Ein Beispiel dafür: Spontan lud die Mannschaft von Hessen Kassel den TuS Nieder-Eschbach zu einem Freundschaftsspiel im Februar ein. "Und im nächsten Jahr", deutete Barfuß an, "wird eine prominente Mannschaft zu uns kommen". Welche, das verriet er nicht. jot
Kennen Sie das Land, in dem betont werden muß, daß Kondome inzwischen auch an unverheiratete Personen abgegeben werden - sofern sie über 18 sind? In dem Herzkrankeiten weitverbreitet sind, was auf das enorm fettige traditionelle Wurst-, Speck- und Eierfrühstück zurückgeführt wird? Wie merkwürdig dieses Irland am Rande Europas ist, kann man an solchen Bemerkungen erkennen, die Oeser, Schneider und Sotschek in ihrem Reiseführer durch die Hauptstadt Dublin einstreuen.
Die Autoren erweisen sich als Insider, die keinen Gedanken an touristische Klischees wie das von der "grünen Insel" verschwenden. Sie scheinen sich heimisch zu fühlen in der Stadt an der Liffey und in ihren Kneipen; sie reiben sich an der Politik von Magistrat und Regierung, und sie nehmen die Leser mit auf ihren Gängen durch die Stadt. Dabei erfährt man am Beispiel knapp und deutlich, was etwa in Sachen Städtebau typisch für Dublin ist: "Schon Richmond Street scheint sich in jenem fortgeschrittenen Stadium des Verfalls zu befinden, dem die Yuppifizierung auf dem Fuße folgt." Manchmal freilich geht der Eifer mit den Dublin-Kennern durch. Dann übertreiben sie das "Name-Dropping" in Sachen Kultur oder sie verzetteln sich in Kritikerstimmen zu den Werken des berühmtesten Dubliners James Joyce.
Kaum weniger als die langen Texte verraten die ausführlichen Listen im Anhang über die Qualitäten von Irlands Metropole: Die Aufzählung der Buchhandlungen ist so lang wie die von Golfplätzen, Galerien oder Märkten, und auch die in den 50er Jahren populären Ballsäle fehlen nicht. Für kulturell und politisch Interessierte, die sich selbständig durch die Stadt hangeln wollen, ist der - freilich unhandliche - Reiseführer damit sehr hilfreich. Dagegen wird enttäuscht sein, wer sich blumige Beschreibungen oder anregende Fotos erhofft, um sich auf Stadt und Leute einzustimmen. pit
Dublin, Stadt und Kultur, von Christian Oeser, Jürgen Schneider und Ralf Sotschek, Verlage Häusser und Irland- Journal, Darmstadt/Moers 1992, 208 Seiten, 30 Mark.
FRANKFURT-NORDWEST. Die Eschersheimer Landstraße soll untertunnelt werden - zumindest in ihrem nördlichen Teil. Das forderte der Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) in seiner jüngsten Sitzung. Gegen die Stimmen der SPD und der Grünen wurde der Antrag der FDP angenommen.
Daß die U-Bahnen der Linien 1, 2 und 3 nur bis zur Haltestelle Dornbusch unter der Erde brausen, "erweist sich immer mehr als gravierender Fehler", heißt es in dem FDP-Antrag. Der Tunnel müsse "dringend" bis nach Heddernheim fortgeführt werden, damit nicht noch mehr Unfälle passierten. Außerdem solle die "künstliche Trennung" des Stadtteils durch die Schienen aufgehoben werden.
Das Projekt, seit Jahrzehnten gefordert, wird jedoch nicht zu realisieren sein. Erst in der Anhörung des Magistrats in Eschersheim (wir berichteten) hatte Oberbürgermeister Andreas von Schoeler erklärt, daß eine Untertunnelung derzeit "nicht vertretbar" sei: "Wir können in dieser gesamtstaatlichen Situation keine dreistellige Millionensumme ausgeben, um eine U-Bahn unter die Erde zu legen", sagte von Schoeler. *sen
FRANKFURT-NORDWEST. Ältere Menschen aus der Nordweststadt lädt die städtische Saalbau-Gesellschaft seit kurzem zu regelmäßigen Zusammenkünften ein. Monatlich gibt es im Bürgerhaus im Nordwestzentrum den "Titus-Treff" für Senioren. Er steht je nach Jahreszeit unter verschiedenen Schwerpunkten. Im November war der Treff karnevalistisch angehaucht, im Dezember gab's eine weihnachtliche Feier. Der nächste Treff am Mittwoch, 20. Januar, ab 15 Uhr, wird wieder die närrische, fünfte Jahreszeit prägen - organisiert von Karl Oertl.
Zu den beiden ersten Treffen waren rund 100 Senioren gekommen. Für die Weihnachtsfeier interessierten sich lediglich knapp 40 Frauen und Männer. Oertl präsentierte ihnen bei Kaffee und Kuchen ein kleines Programm. Resi und Kurt Heldt trugen als "Duo Rodgau" besinnliche Lieder vor. Gedichte des Berken-Enkheimer Heimatdichters Martin Dietz rezitierte Corinna Orth, einen Dia- Vortrag über Island hatte Magdalena Spaeth mitgebracht. Oliver Eibel sorgte mit seiner elektronischen Orgel für musikalische Unterhaltung.
Wer sich für den "Titus-Treff" interessiert, wende sich an den Info-Point der Titus-Thermen (Telefon 95 80 50). mb
Das Eltern-Kind-Café, ein offener Treff für Eltern mit Kindern bis sechs Jahre, ist jeden Mittwoch ab 15 Uhr im Internationalen Familienzentrum (IFZ), Adalbertstraße 10 a, in Bockenheim. fw
FRANKFURT-NORDWEST. "Die Jugendpolitik wird in den nächsten vier Jahren ein deutlicher Schwerpunkt sozialdemokratischer Arbeit im Ortsbezirk 8 sein." Die SPD will sich für einen Jugendtreff in Heddernheim stark machen und Jugendeinrichtungen in der Nordweststadt weiter fördern, versprechen die Genossen in einer Pressemitteilung. Darin geben sie ihr Programm für die kommende Wahlperiode bekannt, das die Delegierten der SPD-Ortsvereine Heddernheim, Nordweststadt und Niederursel dieser Tage beschlossen.
Weitere Ziele der Sozialdemokraten: Nach der Fertigstellung der Niederurseler Umfahrung wollen sie dafür sorgen, daß der Ortskern vom Verkehr befreit wird und der dörfliche Charakter Niederursels erhalten bleibt.
Außerdem fordert die SPD im Ortsbeirat 8 weiterhin den Bau einer Lärmschutzanlage entlang der Autobahn A 5, "damit irgendwann auch die Bewohner des Gerhart-Hauptmann-Rings ruhig schlafen können".
Für die älteren Bürger soll im Eduard- Bernstein-Weg "endlich die dringend benötigte Seniorenbegegnungsstätte eingerichtet werden", schreiben die Sozialdemokraten in ihrem Papier.
Damit die Bewohner der nördlichen Nordweststadt auch abends und an Wochenenden schneller und ohne Umsteigen ins Nordwestzentrum kommen, wollen die Genossen eine bessere Busverbindung.
Außerdem: Die Heddernheimer Kleintierzuchtanlage soll auf das Gelände an der Neumühle verlegt werden, und für das Neubaugebiet Riedwiese fordern die SPD-Ortsvereine einen Bürgertreff. mo
FRIEDBERG. Nicht deklamatorisch, sondern mit den Mitteln des Spiels, der Ironie und Groteske reagiert der tschechische Künstler Miloslav Pozar in seinen Graphiken und Collagen auf die Realität. 1946 in Namest'nad Oslavou geboren, veröffentlichte der ausgebildete Geologe zunächst Karikaturen in verschiedenen Zeitschriften. 1974 bis 1976 studierte er an der Schule für künstlerische Fotografie in Brünn. Seit vier Jahren gehört er der Gruppe "Odjinud" an.
Zur Zeit können Kunstinteressierte im Foyer des Kreishauses einen Blick auf die Werke des von der Pop Art be
BÜDINGEN. In der gotischen Kauf- und Markthalle von 1458 des Büdinger Heuson-Museums zeigt der Geschichtsverein noch bis Ende Februar die Sonderausstellung "Aus Kleiderschrank und Wäschetruhe". Dienstags bis freitags von 10 bis 12 Uhr, mittwochs und samstags von 15 bis 17 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 12 und von 15 bis 17 Uhr sind dort Kleidungsstücke aus drei Jahrhunderten zu sehen.
BAD NAUHEIM. "Kunst aus dem Osten" ist bis auf weiteres in der Galerie Buch und Kunst in der Parkstraße 20 der Kurstadt zu sehen. Geändert haben sich die Öffnungszeiten: mittwochs von 15 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr können die Werke besichtigt werden.
BAD NAUHEIM. In 19 Bildern thematisiert die Rosbacher Künstlerin Gudrun Sibbe das Spannungsverhältnis Mann-Frau, die unter dem Titel "Moteris-Vyras" im "Alten Rathaus" Bad Nauheim zu sehen sind. Gudrun Sibbe war Mitglied der inzwischen aufgelösten Kulturinitiative Bad Nauheim und Mitveranstalterin der "Bad"- Ausstellung 1985 im Badehaus 2 des Sprudelhofes. Bis einschließlich 31. Januar ist die Ausstellung täglich von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
FRIEDBERG. "Spazio curvo" - der gekrümmte Raum - lautet der Titel einer Ausstellung mit Rauminstallationen des italienischen Künstlers Gianni Colombo. Die Galerie Hoffmann in der Görbelheimer Mühle zeigt sie montags, donnerstags und sonntags von 11 bis 20 Uhr bis Ende März.
BÜDINGEN. Zeichnungen und Plastiken aus Metall und Holz des Büdinger Künstlers Axel Gallun sind derzeit im Atelierfenster in der Kleinen Dammgasse in der Neustadt zu sehen. Gallun besuchte nach dem Abitur die Hochschule für Gestaltung in Offenbach und verließ sie mit dem Diplom als Grafik-Designer. Seit acht Jahren arbeitet er als freischaffender Künstler in Büdingen. Verstärkt wendet sich Gallun, der auch Karikaturen für Fachzeitschriften anfertigt, in jüngster Zeit auch Plastiken zu.
ESPA. Unter dem Titel "Licht und Schatten" stellen in der Galerie Stubenrauch in Espa Heidrun Althen Bildobjekte, Gapy Hein Bronzen und Collagen und Vera Hinz Skulpturen in Holz aus. Ergänzt wird die noch bis 6. Februar geöffnete Ausstellung durch Zeichnungen von Manfred Heilbrunner und Fotografien auf Leinwand von Arno Rielat. Ihre Werke sind montags, mittwochs und samstags jeweils von 14 bis 19 Uhr zu sehen. cor
DORNBUSCH. Der Derwisch im gestreiften Kaftan spielte auf seiner Zauberflöte. Er setzte sie ab und erzählte eine Geschichte; nicht nur in einer Sprache. Der deutsche Text wechselte mit türkischen Passagen. Die Zuschauer lauschten gebannt, die Erwachsenen ebenso wie Kinder. Niemand brauchte dafür eine Übersetzung, alle verstanden den Sinn auch so. Der Derwisch hatte Gehilfen, die ihn beim Erzählen unterstützten, Stockpuppen, die den Part von Kara Seyfi, dem reichsten Mann im Fötenland, übernahmen oder die von Ayses Freunden, der kleinen Wolke, der Taube und dem Kaninchen.
Das Mädchen Ayse wurde von einem Kind aus dem Publikum dargestellt. Die kleine Schauspielerin kannte ihre Rolle nicht. Aber der Derwisch lenkte ihren Rollentext nicht. So entfaltete sich das Märchen für die Zuschauer planvoll, erzählte, wie Kara Seyfi dem Mädchen Ayse ihren wunderbaren Garten abnehmen will, und wie er das mit allen Mitteln, bis zur Bestechung mit einem großen Sack voller Gold, versucht.
Ayses Freunde helfen ihr, begleiten sie auf ihrer Reise in das Land der Dürre und das Land der Winde. Orientalische Erzählkunst, Puppenspiel und Schattentheater wirkten zusammen in dem Stück, das natürlich gut ausging: Der wunderbare Garten blieb Ayse erhalten.
Etwa 80 Kinder und 20 Erwachsene ließen sich im Jugendhaus Dornbusch eine Stunde lang von der Erzählung "Die verliebte Wolke" in die Märchenwelt entführen. Und wenn der Derwisch nach dem türkischen Wort für eine bestimmte Blume suchte, dann riefen ihm die türkischen Kinder die richtige Vokabel zu. Nur die Hyazinthe blieb unübersetzt, da waren alle überfordert.
Dem erzählenden Derwisch machte das nichts aus. Ihm ging es darum, seinem deutschen Publikum den Klang einer fremden Sprache nahezubringen, den türkischen Kindern die Rolle wichtiger Helfer zu bieten. Hier waren sie es einmal, die etwas besser wußten. Zwei Kulturen zusammenbringen, das Verständnis füreinander zu wecken, ist die Absicht dieses Stückes. Der erzählende Derwisch heißt im bürgerlichen Leben Wolfgang Massner und stammt aus Heidelberg. Er hat seinen Lehrerberuf zugunsten der unsicheren Karriere eines Theatermachers für Kinder aufgegeben. Hier liegt, da ist er ganz sicher, seine eigentliche Berufung.
Messner hat in Heidelberg studiert. 1980 gründete er das Blinklichtertheater und brachte eigene Inszenierungen heraus. Er lernte bei berühmten Puppenspielern und verbrachte 1987 einen Studienaufenthalt in Indonesien, um Unterricht im klassischen indonesischen Schatten- und Puppenspiel zu nehmen. Inzwischen hat er auch Hörspielproduktionen für Kinder gemacht. Sein Blinklichtertheater ist bekannt und begehrt: "Man kann schon davon leben."
"Natürlich", sagt Messner, "kann ich nicht Türkisch. Ich habe meine Texte, die mir Freunde geliefert und übersetzt haben, auswendig gelernt." Wichtig für ihn ist die Zweisprachigkeit. "Die verliebte Wolke" ist sein erster Versuch mit einem zweisprachigem Stück. "Und es kommt überall gut an." Neben der Wolkengeschichte hat Messner noch fünf andere Stücke im Repertoire.
"Die verliebte Wolke" entstand als Auftragsarbeit der Stadt Ludwigshafen. Als Vorlage diente ein Märchen von Nazim Hikmet. Der inzwischen verstorbene Lyriker sei so etwas wie ein türkischer Brecht gewesen, berichtet Messner, dem die türkische Sprache liegt: einfach, aber voll schmuckvoller Umschreibungen.
Seit drei Wochen ist Messner mit dem Stück auf Tournee. Für dieses Jahr wird er sich wieder etwas anderes ausdenken. "Die meiste Zeit", sagt er, "verbringe ich zu Hause mit den Vorarbeiten, dem Stükkesuchen, Bearbeiten, Ausfeilen." "Die verliebte Wolke" war ein Beitrag gegen den Fremdenhaß. Sein nächstes Stück soll wieder etwas ganz anderes werden. Er will sich nicht festfahren.
Klaus Fischer, der Leiter des Jugendhauses Dornbusch, spendete reichlich Beifall. Er hatte es sich nicht nehmen lassen wollen das Stück anzusehen, obwohl er an diesem Nachmittag genug anderes zu tun gehabt hätte. Denn das Kindertheater war nur ein Programmpunkt (wenn auch eine Art Höhepunkt) dieses Tages im Jugendhaus Dornbusch. Schon seit Mittag war im ganzen Haus reger Betrieb gewesen, Fischer und sein Team hatten vielfältige Bastelmöglichkeiten angeboten.
Im Erdgeschoß wurde vorgeführt, wie man mit einem altem Spinnrad Schafwolle verspinnt. Es roch wie im Café nach Plätzchen und Kaffee, und alt und jung erfreute ein Bläserensemble, das im Treppenhaus Aufstellung genommen hatte. "Das ist diesmal neu", sagte Fischer. "Wir versuchen uns immer ein bißchen zu steigern." Das Jugendhaus hat damit die Besucher überzeugt und wieder einmal bewiesen, daß es neben der manchmal zermürbenden Alltagsarbeit auch glanzvolle Höhepunkte im Jahreslauf inszenieren kann. *li.
Manche wußten es schon gleich (van den Broeck zum Beispiel), andere wurden erst nachher schlauer, aber einige wie zum Beispiel Professor Zarko Puhovski haben es auch jetzt noch nicht verstanden, wie brüchig die von Genscher geführte deutsche Jugoslawien-Politik gewesen ist (FR vom 29. 12. 1992 "Im Gespräch: Kroatischer Philosoph - Ruf nach UN-Protektorat"), "Deutschland könnte die Demokratieentwicklung in Kroatien positiv beeinflussen" und damit z.B. die Serben im Lande schützen.
G. Lunsing, Amsterdam (N)
FRANKFURT A. M. Das neue Programm der Evangelischen Familienbildung für das erste Halbjahr 1993 liegt jetzt vor. Die Angebote aus den Bereichen Kontakt/Bewegung, Kommunikation/Beziehung, Kreativ-Werkstatt, Textiles, Gestalten, Ernährung, Bewegung und Entspannung sowie ein Kurs "Geburt - Leben mit dem Neugeborenen" richten sich an die verschiedensten Personengruppen: Frauen und Männer, Paare und Familien, Kinder und Jugendliche, ältere Menschen sowie Alleinerziehende in den verschiedensten Lebenssituationen.
Besondere Angebote wie das "Telefon für Männer" sollen Männern helfen, die in Trennung oder einer Krise sind. Die Babysitter-Vermittlung berät bei der Suche nach geeigneten Betreuern. Des weiteren können Probleme mit der Rente während eines Diskussionsabends besprochen werden.
Unter der Rubrik "Kontakte - Begegnung" finden sich offene Treffs für Frauen und eine Eltern-Kind-Gruppe, die regelmäßig zusammenkommt, außerdem eine integrative Gruppe für Eltern mit behinderten Kindern.
Der Internationale Frauentreff ermöglicht Begegnungen zwischen Frauen aus verschiedenen Ländern; in dem Kurs "Interkulturelles Denken lernen" soll versucht werden, die anderen nicht immer nur als "die Fremden" wahrzunehmen. Spezielle Seminare richten sich an Frauen ab 40 Jahren, an Frauen, die in den Wechseljahren sind, und solche, die zurück in den Beruf wollen. Aber auch Selbstverteidigung, rhetorische Kommunikation und "Tanz als Selbstheilung" werden angeboten.
Männer und Frauen können sich in "Atempausen" Gedanken über ihre Kinder in der Pubertät machen. Auch ein Musik- und Bewegungs-Workshop und Entspannung für Paare durch Shiatsu- Massage sollen die Teilnehmer auf eine "Entdeckungsreise" in ihren Körper schicken. In der Kreativwerkstatt können Eltern und Kinder in Zusammenarbeit mit dem Museum für Völkerkunde Masken betrachten und selbst anfertigen. Dabei sollen auch "Zugänge zu den noch unbekannten Tiefen des Selbst" entdeckt werden. Es gibt ein umfangreiches Angebot im Zeichnen, Malen und im plastischen Gestalten. Kurse in textilem Gestalten werden in vielen Stadtteilen von Schneidermeisterinnen angeboten.
Der Bereich Ernährung - Backen - Kochen bietet viele verschiedene Kochkurse, unter anderem auch für Blinde und Kinder. Bewegung und Entspannung stehen in vielen evangelischen Gemeindezentren auf dem Programm, darunter Gymnastik nach der Entbindung und Ausgleichsgymnastik. Autogenes Training gibt es für Anfänger und Fortgeschrittene. Die Feldenkrais-Methode und Einführungen in die sogenannte Alexander-Technik sind für Anfänger gedacht.
Zu allen Kursen ist eine schriftliche Anmeldung erforderlich. Das Programm der Evangelischen Familienbildung kann angefordert werden in der Darmstädter Landstraße 81, Telefon 61 03 08. di
Wer öfters in den neuen Bundesländern zu tun hat und sich daher häufiger mit ostdeutschen Landsleuten über Politik unterhält, den können Sprüche, wie sie der CDU-Bundestagsabgeordnete Krause-Bonese von sich gibt (FR vom 29. 12. 1992 "Markige Sprüche vom rechten Rambo aus der Altmark"), kaum überraschen. Seine Sprüche sind jedenfalls für einen größeren Teil der dortigen Bevölkerung repräsentativer, als es beispielsweise Äußerungen Lummers für die alten Bundesländer sind.
Denn die Ostdeutschen denken und fühlen im Durchschnitt "deutscher" als wir im Westen, und das hat seinen natürlichen Grund vor allem in der 40jährigen politischen Isolierung.
Da sich der SED-Staat in den letzten Jahrzehnten intern immer mehr abgrenzte und alles abzuschaffen trachtete, was an deutsche Gemeinsamkeiten erinnerte, wuchs andererseits das Nationalgefühl derer entsprechend, die zum Regime in innerer Opposition standen, ohne daß für sie die Möglichkeit bestand, darüber auch zu diskutieren und einen uns gemäßen Wortschatz zu entwickeln.
Toleranter und fremdenfreundlicher zu werden wie wir beispielsweise durch Reisen in andere Länder, deren Lebensgewohnheiten wir schätzen lernten, dazu hatten DDR-Bewohner wenig Gelegenheit.
Sie durften nur in Länder, deren allgemeine Lebensumstände eher abschrekkend auf sie wirkten. Da waren sie froh, Ostdeutsche zu sein mit der Aussicht, irgendwann vielleicht doch noch einmal "richtige" Deutsche werden zu können.
Diese weitverbreitete Einstellung bringen sie jetzt als immatrielle Altlast mit ein, und mit ihr werden wir uns, ohne sie zu verteufeln, noch lange auseinandersetzen müssen. Und deshalb gehört auch gerade ein Mann wie Krause-Bonese und die Auseinandersetzung mit seinen Krausen-Ansichten weiter in die Enquete- Kommission zur Aufarbeitung der DDR- Geschichte; denn wir können uns einfach nicht leisten, alle diejenigen von vornherein auszugrenzen, die so denken wie er.
Im übrigen dürften ähnliche Ideen auch von einer ganzen Anzahl Politiker im Westen vertreten werden, die es nur nicht für opportun halten, auch so zu reden wie der Tierarzt aus der Altmark.
Dr. Conrad Listemann, Moers
PRAUNHEIM. Schon früh um sechse wird geflachst: Sylvia und Dieter Süß versprühen bereits gute Laune, wenn ihre Kunden - meist noch etwas verschlafen - eine Zeitung oder ein paar Zigaretten kaufen wollen. "Wer griesgrämig reinkommt, verläßt als gutgelaunter Mensch den Laden", bestätigen die Stammkunden des Zeitschriften- und Tabakladens in Alt-Praunheim 46. Manche von ihnen kommen sogar schon seit Jahrzehnten.
Dieser Tage hatte die Familie Süß besonderen Grund zum Feiern. Vor 25 Jahren übernahmen sie von ihrem Vater Ludwig Süß das Lädchen. Aus der Nachfrage sei es gewachsen und habe sich "so weiterentwickelt", beschreibt Dieter Süß die Geschichte des Geschäfts.
Es begann in wirtschaftlich schwerer Zeit: 1925 eröffnete Ludwig Süß, damals ein bekannter Frankfurter Fußballer, an der Trambahn-Endstation Praunheimer Brücke einen Kiosk. Er verkaufte Tabakwaren, Zeitschriften und Fahrkarten für die Straßenbahn. Nach dem Zweiten Weltkrieg mußte Süß diesen lukrativen Platz verlassen, weil eine Kioskkette keine Konkurrenz duldete. In der Heerstraße 4 baute er mit der Familie ein neues Geschäft und 1980 zog das Familienunternehmen ein paar Häuser weiter nach Alt-Praunheim in neue Verkaufsräume.
Von Anfang an unterhielt Ludwig Süß eine Annahmestelle für das Hessenlotto, von Anfang an verkauft er auch die Frankfurter Rundschau, dazu gab es die in der Nachkriegszeit beliebte Zeitung Der Neue Sport. Außerdem dürfte der Laden der Familie Süß zu den ältesten privaten Verkaufsstellen für Straßenbahnfahrkarten für die Stadtwerke zählen - es ist also ein Geschäft mit Tradition.
Mitten im alten Stadtteil und im Schatten großer Einkaufszentren liegt der kleine Laden. Das Angebot umfaßt inzwischen Büro- und Schulsachen ebenso wie kleine Geschenkartikel, Schmuck, Spielwaren und Fotoservice.
Hier wird nicht "einfach verkauft", sagen die Kunden, "das ist ein Treffpunkt, da schaut man mal rein." Die Praunheimer mögen die familiäre, heimelige Atmosphäre, und die örtlichen Vereine nutzen den Laden als Vorverkaufsstelle für Busausflüge oder Veranstaltungen.
Zum silbernen Jubiläum gab es den ganzen Tag über Sekt mit Häppchen sowie Kaffee und Kuchen. Eine Unmenge von Glückwünschen, Blumensträußen und Geschenken zeigten, wie beliebt Sylvia und Dieter Süß sind. Sie verkörpern ein Stück Praunheimer Geschichte.
Unter den Geschenken waren auch echte Raritäten. So brachte Helmut Ettinghausen als Souvenir eine Abonnementkarte seiner Großmutter Marie Koch mit Lichtbild: Sie war ausgestellt auf das Jahr 1892 für die Tramstrecke Bornheim - Hauptbahnhof. Und er hatte seine Monatskarte mit der Nummer 2066 für Berufsschüler aus dem Jahr 1943 dabei. Die Fahrkarte hatte Helmut Ettinghausen damals für zwei Reichsmark bei Ludwig Süß gekauft. *rw
Der gute Wille des Autors, sich mit den "neuen" Rollen der Geschlechter auseinanderzusetzen, ist in dem Beitrag sicherlich zu erkennen (FR/Weihnachten "Vater Morgana oder: Risse in der Festung"). Mit seinem Artikel signalisiert Werner Sauerborn aber gleichzeitig die uralte Angst der Männer, sie könnten unwichtig werden. Sobald kleine Ansätze (z. B. zwei bis drei Prozent der Väter nehmen zur Zeit das Erziehungsjahr in Anspruch) erkennbar werden, muß eine Regelung her, zugunsten der Männer versteht sich, so der Tenor des Beitrags.
Über 2000 Jahre Patriarchat lassen sich aber nicht mit ein paar Reformen abschaffen. Erst bei einer anhaltenden Bewußtseinsänderung beider Geschlechter wird eine wirkliche Gleichberechtigung möglich sein.
Des weiteren ist zu dem Beitrag kritisch anzumerken, daß sich der Autor offensichtlich von seinem subjektiven Eindruck hat leiten lassen. Es ist keineswegs so, daß Frauen, die "Frauenkarrieren" machen, in der Regel kinderlos sind. So sind z. B. die Mehrheit der Frauenbeauftragten des Kreises Offenbach Mütter. Außerdem ist die Aufgabe der Gleichstellungsstellen die Verwirklichung des Art. 3 Abs. 2 GG, und dieser betrifft die Gleichstellung von Frau und Mann.
Demnach wird eine Frauenbeauftragte selbstverständlich einen engagierten Familienvater bei seinem Wunsch nach einer Teilzeitstelle unterstützen . . ., wenn mal einer kommt, was im Moment noch das eigentliche Problem darstellt.
Auch das Problem der "nichtehelichen" Väter betrachtet W. Sauerborn zu sehr aus einer Mittelschicht/Akademiker orientierten Sichtweise. Leider ist die Realität eine andere. Auch heute steht die Mehrheit der "nichtehelichen" Mütter alleine da. Einen guten Ansatz bildet das Konzept "einzig das Wohl des Kindes" entscheidet über die Sorgerechtsverteilung. Dieses Kriterium würde sicherlich viele dem Kind schadende Streitereien verhindern. Zur Beziehung zwischen Frauen und Männern bleibt jedoch festzustellen, daß diese sich nicht auf Eltern und/oder Kollegen reduzieren läßt und es somit, selbst bei Fortschritten in diesen Bereichen, noch ein weiter Weg ist bis zur Emanzipation beider Geschlechter.
P. T. Gattinger, Offenbach
In Ihrem Artikel "Zu 60 000 Mark verurteilt" (FR vom 29. 12. 1992) erwähnen Sie, daß der Angeklagte zu einer Geldstrafe von 60 000 Mark verurteilt wurde und das Gericht dabei weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt sei. Nach der Lektüre der im Artikel erläuterten Urteilsgründe muß sich dem unbefangenen Leser der Eindruck aufdrängen, daß der genannte Betrag ein Richtwert für vergleichbare Verfehlungen sein könnte. Davon kann jedoch keine Rede sein.
§ 40 StGB regelt die Verhängung der Geldstrafe. Seit der letzten umfassenden Reform des Strafrechts im Jahre 1974 wurden die bis dahin geltenden festen absoluten Sätze abgeschafft; an ihre Stelle trat das Tagessatzsystem.
Die zu verhängende Geldstrafe richtet sich dabei nach der Höhe des Nettoeinkommens (§ 40 Abs. 2 StGB), das durch 30 geteilt wird.
Dieser gefundene Wert stellt dann den Gegenwert eines Tagessatzes dar, der mit der Anzahl der verhängten Tagessätze multipliziert wird. Diese Multiplikation - und nicht nur das Ergebnis - wird dann in den Tenor des Urteils aufgenommen.
Mit der Aufspaltung der Strafe in der Weise, daß die Zahl der Tagessätze im wesentlichen den Schuldgehalt der Tat, die Höhe des einzelnen Tagessatzes dagegen die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Täters widerspiegelt, soll nämlich eine gerechtere Strafzumessung, vor allem eine gewisse Opfergleichheit für wohlhabende und minderbemittelte Täter erreicht werden (Vgl. die amtliche Begründung, BT-Drucks. V/4095, S. 20).
Die Strafe soll unabhängig vom Einkommen die Täter wirtschaftlich gleich treffen.
Darüber hinaus kann nach § 43 StGB ein Tagessatz durch einen Tag Freiheitsstrafe abgelöst werden. Dies zeigt, daß die Strafhöhe sich vornehmlich an der Zahl der Tagessätze orientiert.
Ich empfehle Ihnen daher, in Zukunft die Geldstrafe nach folgendem Schema mitzuteilen: ". . . Der zu einer Geldstrafe von . . . Tagessätzen zu . . . DM (insgesamt DM . . .) verurteilte . . ." Dann kann sich der Leser nämlich eher ein Bild davon machen, was vergleichbare Verfehlungen "kosten".
Die Angabe der Gesamtsumme ist ohne rechtliche Bedeutung, kann aber aus Gründen der Klarstellung erfolgen.
Christian Schmidt, Rodenbach
BAD HOMBURG. Den Preisträgern des europäischen Fotopreises ist eine Ausstellung gewidmet, die am Freitag, 22. Januar, 19 Uhr, im Kulturzentrum Englische Kirche eröffnet wird. Der Fotopreis wurde 1992 bereits zum achten Mal von der Deutschen Leasing vergeben. Den ersten Preis erhielt die Österreicherin Eva Schlegel. Sie arbeitet mit historischen Aufnahmen, die auf Blei oder Glas übertragen werden. Dadurch ergeben sich neue Zusammenhänge.
Der zweite Preis ging an den polnischen Fotografen Mikolaj Smoczynski für den Zyklus "Die geheime Performance". In den von 1983 bis 1992 entstandenen Bildern setzt der Fotograf sich sich mit einem Leben zwischen Bedrängnis und Isolation auseinander.
Der deutsche Fotograf Erasmus Schröter erhielt den dritten Preis. Seine Serie "War Buildings" läßt die Bunker des sogenannten Atlantikwalls in neuem, schrillem, expressionistischem Licht erscheinen, die Absurdität der Bauwerke wird offenbar.
Bei der Eröffnung der Ausstellung sprechen Horst Figge vom Vorstand der Deutschen Leasing AG und Oberbürgermeister Wolfgang Assmann. Jean- Christophe Amman, Direktor des Frankfurter Museums für moderne Kunst, wird in die Ausstellung einführen.
Die Ausstellung in der Englischen Kirche ist bis zum 10. Februar zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 12 bis 19 Uhr, samstags und sonntags 11 bis 18 Uhr. Führungen können unter Tel. 0 61 72 / 25 56 vereinbart werden.
Begleitveranstaltungen finden an den Donnerstagen, 28. Januar, und 4. Februar, 20 Uhr, in der Englischen Kirche statt. Gerhard Glüher spricht über "Analoge und Synthetische Bilder - künstlerische Fotografie heute".
Leben und Kunsthandwerk der Pueblo-Indianer ist Thema der Ausstellung in der Volkshochschule, Elisabethenstraße 2-4. Unter dem Titel "Wenn der Ton singt" werden Schalen und Gefäße aus Ton und "Storyteller" gezeigt. Das sind aus einer traditionellen Tonplastik mit dem Namen "Singing Mother" entwickelte Figuren mit geöffnetem Mund, an der einige Kinder sitzen. Die Gestaltung eines "Storytellers" war ein Themenschwerpunkt in einigen VHS-Kursen. Die Ausstellung gibt einen Überblick über die historische Entwicklung und die verschiedenen Ausprägungen der Pueblo-Keramik. Sie schildert ebenso in Grundzügen die wichtigsten Aspekte des kulturellen und sozialen Lebensraumes der Indianer in Geschichte und Gegenwart. Die Ausstellung ist bis zum 29. Januar zu sehen. Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 9-12 und 15-17 Uhr. Bilder von Susanna Krawangna sind im Kabinett der Galerie Scheffel, Ferdinandstraße 19, noch bis zum 20. Februar zun sehen. Es ist die erste Einzelausstellung der Malerin, die aus Klagenfurth stammt und in Wien Meisterschülerin von Arnulf Rainer war. Sie arbeitete auch zwei Jahre am Royal College of Art in London. Ihre Bilder sind von dunklen Farben bestimmt und sie ist fasziniert von Fenstern und Türen, hinter denen sie zunächst nur schwarze Löcher vermutet, doch es entsteht ein Dialog zwischen draußen und drinnen. Für ihre Bilder auf Papier verwendet sie Ölfarben, für die Arbeiten auf Leinwand in England hergestellte, spezielle Acrylfarben.
Die Ausstellung ist dienstags bis freitags, 10 bis 13 und 16 bis 18.30 Uhr geöffnet, samstags von 10 bis 13 Uhr.
Der Bad Homburger Hofmaler Johann Friedrich Voigt ist Thema einer Ausstellung im Gotischen Haus. Die Schau widmet sich seinem Leben (1792 bis 1871) und seinem Werk, das - wie sein Titel schon vermuten läßt - viele Porträts des Homburger Adels umfaßt. Die Ausstellung zum 200. Geburtstag des Malers dauert noch bis 31. Januar. Die Bilder sind dienstags, donnerstags, freitags und samstags von 14 bis 17 Uhr zu sehen, mittwochs von 14 bis 19 Uhr.
FRIEDRICHSDORF. Ulrike Michel, eine einheimische Künstlerin, präsentiert bis zum 5. Februar im Friedrichsdorfer Rathaus ihre Bilder. Ihre künstlerische Ausbildung erhielt sie unter anderem von Robert Freund in Frankfurt (Ölmalerei), Gerda Jo Werner in Oberursel (Experimentelles Arbeiten) und Anne Deinzer in Kronberg (Radieren). Die Künstlerin ist Mitglied der Gruppe "Indigo"; sie lebt und arbeitet in Friedrichsdorf.
OBERURSEL. Eva Wolf-Bütows Galerie "L 9" (Liebfrauenstraße 9) beginnt das neue Jahr mit der 75. Ausstellung seit Gründung der Galerie im Jahr 1978. Am Samstag, 16. Januar, wird um 11 Uhr die Schau der Aquarelle und Eitempara-Bilder von Riitta Soini eröffnet, die bis zum 20. Februar dauert. Die wesentlichen Themen der finnischen Künstlerin, die in Bad Camberg lebt, sind Blumen, Landschaften und Porträts. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des finnischen Generalkonsuls Leif Fagernäs.
Geöffnet ist donnerstags und freitags von 15 bis 19 Uhr, samstags von 11 bis 14 Uhr. Am Samstag, 6. Februar, ist die offizielle Vernissage der Ausstellung.
"Maijakojopa - Augen der Wachsamkeit" ist Thema einer Ausstellung im Rathausfoyer, in der Schüler und Schülerinnen der Erich-Kästner-Schule (Haupt- und Realschule mit Förderstufe) das zeigen, was sie im Kunst-Kurs angefertigt haben.
Die jungen Leute haben Totempfähle der Nordwestküsten-Indianer nachgestaltet, lebensgroße Skulpturen, die an die Entdeckung Amerikas erinnern sollen.
Von sich selbst haben die jungen Künstler dreidimensionale Gipsporträts hergestellt, zu sehen sind außerdem Graffiti-Kunstwerke, bemalte Gipshände und Collagen zum Thema "Alptraum Auto".
Die Ausstellung ist bis Freitag, 29. Januar, zu sehen.
KÖNIGSTEIN. Farbradierungen von Günter Desch zeigt die Galerie im Haus Bender (Edelgard Bühler), Gerichtsstraße 12, bis 28. Januar. Die Variationsbreite der Radierung ist für Desch so weitreichend, daß er sie zu seinem ausschließlichen Ausdrucksmittel gemacht hat. Das spannungsreiche Wechselspiel von Spontaneität und kontrolliertem Zufall hat er meisterhaft im Griff. Seine sehr abstrakten Bildelemente scheinen schwerelos im Raum zu schweben, nur gezügelt von begrenzenden Linien.
Geöffnet ist die Galerie mittwochs bis freitags von 10 bis 12 und von 15 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 13 Uhr, an Sonntagen ist geschlossen.
KRONBERG. Noch bis Sonntag, 24. Januar, sind in der Galerie Hellhof Bilder von Claus-Hein Ueter und Skulpturen und Assemblagen von Alice Stäglich zu sehen. Ueters Bilder sind größtenteils in der freien Natur entstanden, sie haben kraftvolle und fließende Formen und sind auf Leinwand, Holz, Pappe und Papier gemalt.
Stäglichs Skulpturen sind Ergebnisse beharrlichen Suchens nach Spannung und Ausgleich. Sie verwendet Mamor, Sandstein, Lava oder Granit.
Vom 31. Januar bis 21. Februar zeigt die Galerie Temperabilder von Karl Degener und Ölbilder von Ursula Dittmann und Thomas Zach.
Die drei Künstler gehören der Ausstellungsgruppe "Frankfurter Kreis an und zeigen neue Arbeiten. Die Ausstellung wird am Samstag, 30. Januar, 11 Uhr im Hellhof eröffnet.
Öffnungszeiten der Galerie sind mittwochs 15 bis 18 Uhr, samstags und sonntags 11 bis 18 Uhr. FR
Bei einem Schülerwettbewerb unter dem Motto "Strom in unserem Leben" haben zwei Frankfurter Schulen Preise gewonnen.
Der Leistungskurs Chemie des Goethe- Gymnasiums wurde für eine experimentelle Arbeit zur Photovoltaik und Sauerstofferzeugung mit einer mehrtägigen Informationsreise belohnt.
In der Sekundarstufe I wurde die Klasse 9 d der Helmholzschule Sieger, die ein Modell entwickelt hat, in dem die eigene Schule in ein Niedrig-Energiegebäude mit Sonnenergienutzung umgewandelt wird. Als Preis gab es eine Informationsreise im Wert von 10 000 Mark. reu
NIED. Dies ist die Geschichte eines kleinen Wunders, und wenn Flora Nay sie erzählt, dann tut sie das vor Begeisterung mit Händen und Füßen. "Nicht die kleinste Lücke blieb frei", sagt sie und drückt Daumen und Zeigefinger zusammen, um dann mit ausgebreiteten Armen zu zeigen, wie viele Pakete zusammenkamen - gespendet von Menschen aus Nied und der gesamten Bundesrepublik.
Einen Lastwagen mit zehn Tonnen Kleidern, Schuhen, Lebensmitteln und Medikamenten haben sie gepackt, er traf kürzlich in der kroatischen Adria-Stadt Makarska ein. 350 Pakete für Kinder, die ohne Eltern aus Bosnien-Herzegowina geflohen sind und nun im Kinderheim von Makarska leben. Ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts der 16 000 Flüchtlingskinder, die in der nun überfüllten Kleinstadt leben, die einmal 20 000 Einwohner hatte. "Aber es ist Hilfe, die ankommt. Und sie gibt den Menschen Mut", sagt Flora Nay, die aus Sarajewo stammt und in Makarska ihren Mann Joachim kennenlernte.
Es waren einfache Ideen einfacher Menschen, die die Pakete auf den Weg nach Kroatien brachten. Familie Nay kannte den Direktor des Kinderheims; Flora bot ihm Anfang Dezember an, Pakete für Kinder unter 15 Jahren zu Weihnachten zu schicken. Wenn, dann müssen möglichst alle 250 Kinder dieser Altersgruppe etwas bekommen, antwortete der Heimleiter. Also sprachen die Nays ihre Freunde und Bekannten an: Eine Lawine der Hilfsbereitschaft war losgetreten.
Beinahe jedes Mitglied des Sportclubs Alemannia Nied packte ein Päckchen, auch die Sportsfreunde von der SG Nied waren großzügig. Die evangelische Christusgemeinde sammelte Geld, damit in jedes Paket ein Paar neue Schuhe kämen; von den katholischen Gemeinden kam ebenfalls Unterstützung.
Gastwirte aus Makarska, die nun in Deutschland leben, sprachen ihre Stammtisch-Runden an, die Inhaber von Hotels und Pensionen in Makarska schrieben ihren früheren Gästen. Eine Familie aus Nied hörte zufällig von der Aktion - wenige Tage später gingen 20 Pakete ein, weihnachtlich verpackt und von den Kindern bemalt. Joachim Nay ist Lehrer an der Niddaschule, so sammelten auch dort Eltern und Schüler: In einer Klasse 30 Pakete.
"Trotz der Weihnachtsferien kamen mehr Pakete zusammen, als das Heim uns Kinder genannt hatte", sagt Flora Nay und blättert die zerknitterte Liste durch: hinter jedem bosnischen Namen steht mit Kuli ein deutscher geschrieben. Jedes Paket hat einen Absender und einen Empfänger; Briefe aus Kroatien sollen dann den Spendern zeigen, daß ihre Hilfe angekommen ist. Den Transport nach Makarska finanziert die Adria-Gemeinde übrigens selber.
Die 46 Jahre alte Frau aus Sarajevo ist überwältigt von der unverhofften Resonanz: "Das ist das andere, das hilfsbereite Deutschland." Als die Schwester aus Sarajevo mit ihren zwei Kindern nach Nied floh, erlebte sie dies: "Eine Familie aus der Nachbarschaft sagte: ,Wir sind jetzt sechs Wochen im Urlaub - Ihre Schwester kann mit den Kindern so lange bei uns wohnen. Und die Lastwagenfahrer aus Kroatien natürlich auch.&rquote;"
Die nächste Aktion? "Jetzt sammeln wir für den Verein ,Hilfe für Sarajevo&rquote; - schon für 25 Mark können wir für eine Familie ein Paket schnüren", sagt Flora Nay.
Sarajevo, die Heimatstadt. Auf der Fensterbank brennt eine Kerze: Floras Vater hatte jüngst Geburtstag, ein bosnischer Jude, der eine Serbin heiratete und dessen Verwandte während des Zweiten Weltkrieges in kroatischen Ustascha-Lagern umkamen. "Daß wieder einmal Bürgerkrieg über Jugoslawien kommt, hätte er sich nicht träumen lassen", sagt seine Tochter. MATTHIAS DROBINSKI
Vor der Probebühne des TAT in der Daimlerstraße sitzt ein Mann mit wirren grauen Haaren und ebensolchem Bart. Sein alter schwarzer Anzug scheint zwei Nummern zu groß geraten. Die Schuhe hat er aus und stattdessen ein paar dicke, alte Wollsocken angezogen und die Füße auf ein dickes Tuch, einen schwarzen Schal vielleicht, gestellt, damit er gegen die Kälte aus dem Betonfußboden geschützt ist. Um ihn herum hockt auf Stühlen oder Gerätschaften eine Gruppe von Schauspielerinnen und Schauspielern und hört dem Mann zu, wenn der mit leiser, fast tonloser Stimme seine Anweisungen gibt, Vorschläge macht, wie sie sich bewegen sollten. Ab und zu stellen sie eine halblaute Frage, erstarren plötzlich mitten in der Geste und fragen:"War das so richtig oder hast du es anders gemeint?". Dann verharrt der Kopf mit der scharfgeschnittenen Nase und den tiefliegenden Augen für ein paar Sekunden, dann entscheidet er: "Nein, mach' die Drehung noch einmal, aber langsam und das Gesicht mehr dem Publikum zugewandt..."
"Liebe von Kopf bis konfus" nennt sich die neueste Theaterproduktion des Theaters am Turm. Das Stück, eine Komödie, nach "Le Dispute" des Marquis Pierre Charlet de Chamblain de Marivaux, wird von Achim Freyer bearbeitet, inszeniert und ausgestattet - es wird eine Uraufführung sein, denn Freyer wird die Marivaux-Komödie nicht einfach übernehmen und neuinszenieren: "Le Dispute" wird zwar so etwas wie ein Handlungsgerüst abgeben, aber Freyer ergänzt den Text durch Worte, Sätze, ja ganze Abschnitte von Texten anderer Autoren.
Die Handlung ist typisch für Marivaux: eine erwachende, dann durchlebte und ersterbende Liebe. Marivaux war quasi der Erfinder des psychologischen Lustspiels, verstand es als erster, den verborgenen und sehr wandelbaren Seelenregungen des Menschen nachzuspüren.
Bei Freyers "Liebe von Kopf bis konfus" aber werden die Brechungen der Charaktere noch vervielfacht, vertieft und die Bezogenheit des Menschen auf sein Gegenüber wird zum Spiegel des eigenen Ichs, das sich in egoistischer Sehnsucht, eins zu werden mit dem unerreichbar anderen, verzehrt.
Der 1934 in Berlin geborene Freyer, der durch seine Bühnenbilder ebenso bekanntgeworden ist wie durch seine außergewöhnlichen Inszenierungen, hat seinen Schauspielerinnen und Schauspielern Regieanmerkungen an die Hand gegeben, die mit dem Satz beginnen "Die Liebenden sind den von einer Schlange gebissenen ähnlich . . ."
"Die Figuren", so erläutert Freyer dann, "sind so isoliert und allein in ihrer Liebesempfindung, in der Isoliertheit ihrer Blicke, daß sie Irren in der Anstalt gleichen. Die Liebe als übergroßes Gefühl ist ver-rückt und wahn-sinnig: von Sinnen und mit viel Wahn."
Achim Freyer, der zwar Veränderungen - und seien sie noch so radikal - nicht ausschließt, sucht jedoch immer das Typische und Substantielle. Und so läßt er Marivaux' Stück nicht zum puren Lustspiel abzugrenzen,sondern versucht, die einzelnen Personen mit den widersprüchlichsten Motiven für ihr Handeln auszustatten. So, erläutert Freyer, wie man beim Fasching versucht, sich durchs Kostümieren einige Freiheiten, zum Beispiel die Kuß-Freiheit, zu nehmen, so motiviert er die Truppe der Liebenden zum Rollenspiel, zu einem Spiel der Liebenden. Und diese Liebesspiele beinhalten Blicke, die Demonstration von Gefühlen und Eitelkeiten, von Berührungen zum Beispiel, die es möglich machen, ein Feuer (der Leidenschaft) zu entfachen oder (mit Blicken) zu töten, bis hin zu dem Wunsch jemanden aufzuessen (zu vernaschen, ihn sich einzuverleiben).
"Die Sehnsüchtigen sind Umgetriebene auf der Suche nach ihrer zweiten Hälfte, nach sich selbst, nach dem Selbst im anderen . . . Und ihre Sehnsucht und Träume darüber sind Wanderungen, die nur im Kopf stattfinden, aber desto tiefere Abgründe zulassen", bedeutet Freyer seinen Schauspielern und gibt ihnen damit einen Leitfaden für ein immer dichter sich verwirrendes Geflecht von Gefühlen, Sprachbildern, Lauten, Gebärden: Verwirrend, widersprüchlich bis zur Komik und konfus, ja sogar verrückt, wie es scheint. Und trotzdem steht alles, das Geschehen, die Sprache, die Bilder und ihre Widersprüche - zumindest will uns Achim Freyer das mit seinem Stück beweisen - unter dem Diktat der Liebe.Die Premiere im Theater am Turm ist am kommenden Mittwoch.
WERNER PETERMANN
Nur eine der zwölf Kassen ist besetzt, die meisten Deckenleuchten sind ausgeschaltet. Im schummrigen Licht gutgefüllte Regale: Whisky, Zigaretten, Parfüm, Schokolade. Es ist kurz vor drei am Nachmittag, aber im Duty-free-Shop bei Evzoni wartet man immer noch auf Kunden. "An manchen Tagen kommt gar keiner", sagt Panajota, die Kassiererin.
Untätig ist auch das Personal in den Wechselstuben und den Snack-Bars. Der Grenzübergang bei Evzoni, wo die Europastraße 75 aus Griechenland ins ehemalige Jugoslawien führt, war früher eine der betriebsamsten Zollstationen Europas. Nicht nur die Fernlaster stauten sich beiderseits der Schlagbäume, während der Sommermonate kamen auch zahllose Urlauberautos über die Grenze. Noch 1990 wurden hier 730 000 Reisende gezählt. Jetzt rollt nur noch dann und wann ein Lastzug über die vierspurige Autobahn. Die Tankstellen sind verwaist, Rasthäuser und Motels geschlossen.
Es ist nicht nur der Krieg im ehemaligen Jugoslawien, der sich hier bemerkbar macht. Vor allem der Streit um Mazedonien hat den Grenzverkehr zum Erliegen gebracht. Nach einer Volksabstimmung, bei der die Bürger der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik mit großer Mehrheit für die Unabhängigkeit votierten, wurde im September 1991 in Skopje die "Republik Mazedonien" proklamiert.
Doch Griechenland blockiert in der EG die völkerrechtliche Anerkennung der neuen Republik: Wer die geographische Bezeichnung Mazedonien zu seinem Staatsnamen mache, der melde damit Territorialansprüche auf den zu Nordgriechenland gehörenden Teil der Landschaft Mazedonien an, argumentiert Athen. Und zum Beweis, wie berechtigt ihre Sorgen sind, verweisen die Griechen auf das in Skopje publizierte Propagandamaterial: Landkarten, auf denen ganz Nordgriechenland bis hinunter zum Olymp, wo die alten Hellenen ihre Götter glaubten, einem slawischen "Groß-Mazedonien" einverleibt ist, und Traktate, in denen Aristoteles und Alexander der Große als Vorväter einer "slawo-mazedonischen Nation" reklamiert werden.
Der mazedonische Präsident Kiro Gligorow dementiert zwar Expansionsabsichten, aber an dem Namen "Mazedonien" will er um jeden Preis festhalten. Gligorow weiß, daß ein Verzicht auf diesen Namen die in Jahrzehnten mühsam konstruierte Identität der Republik gefährden und seinen kleinen Vielvölkerstaat auseinanderbrechen lassen könnte. Andererseits braucht Gligorow diplomatische Anerkennung, um Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ausland entwickeln und Kredite aufnehmen zu können - eine verzwickte Situation. "Nein", sagt die Kassiererin Panajota im Duty-free-Shop bei Evzoni, "Republik Mazedonien dürfen die sich nicht nennen." Sie hat nichts gegen "die da oben", die früher in Scharen zu Wochenendausflügen über die Grenze kamen. Auch Panajota ist ein paarmal drüben gewesen.
Die Hartnäckigkeit, mit der die Griechen im Namensstreit jedes Zugeständnis verweigern, löst im Ausland mitunter Kopfschütteln aus. Doch die griechische Haltung wird verständlicher, wenn man die Entstehungsgeschichte des Mazedonienstreits bedenkt. Tito war es, der vor 47 Jahren die bis dahin auf keiner Landkarte verzeichnete Teilrepublik "Makedonija" schuf, "als einen Brückenkopf für die Unterwanderung und Annektierung des wahren nordgriechischen Mazedoniens", wie der angesehene britische Historiker C. M. Woodhouse schreibt. Zur gleichen Einschätzung kam bereits im Dezember 1944 das US-Außenministerium: Die von Tito entfachte "Mazedonien-Propaganda", heißt es in einem vom damaligen Außenminister E. R. Stettinius unterzeichneten Papier, sei "ein Deckmantel für mögliche Aggressionsabsichten gegenüber Griechenland".
Daß die Nationalisten in Skopje ausgerechnet nun, nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, das Konzept eines Groß-Mazedoniens aus der Rumpelkammer der Geschichte hervorholen, will den meisten Griechen naturgemäß nicht einleuchten. Auch der frühere US-Außenminister Henry Kissinger sagt: "Griechenland tut gut daran, Einspruch zu erheben. Ich stimme mit Athen überein, denn im Gegensatz zu manchen anderen Leuten in Washington kenne ich die Geschichte."
Die Geschichte, wie Tito und Stalin ihr "Makedonija" auf die Weltkarte setzten, kennt auch Andronikos Siomidis. Am Ortsrand von Evzoni, wenige hundert Meter vor der Grenze, stehen seine Treibhäuser. Auf sechstausend überdachten, vollautomatisch klimatisierten Quadratmetern zieht er Nelken und Rosen. Gleich neben einem der Treibhäuser verläuft ein gut zwei Meter tiefer und vier Meter breiter betonierter Graben: eine Panzersperre aus den frühen fünfziger Jahren. Kilometerlang ziehen sich diese Gräben durch das Hügelland an der Grenze, Monumente aus der Zeit des Kalten Krieges, die nun plötzlich von praktischer Bedeutung sein könnten - wenn sich nämlich der jugoslawische Bürgerkrieg zu einem Flächenbrand auf dem ganzen Balkan ausweiten sollte.
Seinen Betrieb hat Andronikos mit Hilfsgeldern der EG aufgebaut. Die Schnittblumen, mehr als tausend Stück an einem guten Tag, verkauft er an die Einzelhändler im siebzig Kilometer entfernten Thessaloniki. Früher hat er auch schon mal Rosen "nach drüben" geliefert, und von jenseits der Grenze kam ein Botaniker, der ihm früher bei der Blumenzucht half. Oft mußte man nach einer Lieferung zwar monatelang auf sein Geld warten, erzählt Andronikos, aber "dies hier" - und er zeigt auf die leere Autobahn, die unten vorbeiführt - "kann kein Dauerzustand sein".
Viele hier denken so wie Andronikos. Je näher man der Grenze kommt, desto weniger Fanatismus ist zu spüren. Nationalistische Wallungen, wie man ihnen in Athen begegnet, sind den Menschen der unmittelbaren Grenzregion fremd. Man hat in der Vergangenheit mit den Nachbarn jenseits des Schlagbaums zu viele Kontakte gehabt, als daß man nun in blinde Hysterie verfallen könnte. Indes: den Menschen hier oben geht es, wie auch den meisten gemäßigten Politikern in Athen: Sie können sich der von einigen Hitzköpfen geschürten Aufgeregtheit nicht mehr entziehen. Früher sprach man von den Nachbarn im Norden selbstverständlich als "Slawo-Mazedoniern". Heute achtet jeder darauf, daß ihm das Wort nicht mehr herausrutscht - nun heißen sie "Skopianer", was dem in Athen üblichen Sprachgebrauch entspricht.
Mit einer zweifelhaften Massenkundgebung in Thessaloniki setzte im Februar 1992 der damalige griechische Außenminister Antonis Samaras ein Zeichen: Einen Kompromiß in der Mazedonienfrage dürfe es nicht geben, eher müsse Griechenland seine Grenzen schließen, als klein beizugeben. Einige Sprecher dieser Kundgebung nutzten denn auch gleich die günstige Gelegenheit, griechische Ansprüche auf das alte Konstantinopel und Smyrna, das heutige Izmir, anzumelden.
Mit dieser Fiesta, die Samaras nicht zuletzt zur Förderung der eigenen politischen Karriere arrangieren ließ, war der Mazedonienstreit bereits so emotionalisiert, daß mäßigende Stimmen bald kein Gehör mehr fanden. Ministerpräsident Mitsotakis, der anfangs einen pragmatischen Kurs steuerte, entließ seinen ambitionierten Außenminister zwar kurz darauf, aber die von Samaras gerufenen Geister wird auch er nicht mehr los. Der Anfang vergangenen Jahres von Mitsotakis angeregte Kompromiß, die Nachbarn im Norden sollten ihre Republik "Slawo-Mazedonien" nennen, ist längst vom Tisch. Wer so etwas heute in Athen vorschlüge, würde als Vaterlandsverräter gekreuzigt.
Doch insbesondere in der unmittelbaren Grenzregion ahnen viele Menschen, daß sich die Athener Politiker in eine Sackgasse hineinmanövriert haben: Was soll werden, wenn die "Skopianer" nicht nachgeben? In Athen werden Überlegungen angestellt, die Grenze zu schließen, falls die "Republik Mazedonien" gegen griechischen Widerstand von einzelnen EG-Staaten anerkannt oder unter diesem Namen in die UN aufgenommen wird. Diese Pläne bereiten vielen Sorge. Man fürchtet, daß sich dann die wirtschaftliche Talfahrt, die mit der Krise begann, in einen jähen Absturz verwandeln wird.
Polykastro ist die letzte größere Ortschaft vor der Grenze. Hier lebten früher viele vom Transit und vom Handel mit den Nachbarn: Tankstellen, Autowerkstätten und Reifenhändler, Hoteliers, Andenkenhändler und Tavernenwirte. Viele dieser Betriebe haben schon dichtgemacht, weil die Kunden ausbleiben. Aber auch die Landwirte und die Einzelhändler profitierten früher vom "kleinen Grenzverkehr". Nicht zuletzt in Thessaloniki macht sich für die Geschäftsleute schmerzlich bemerkbar, daß die Tagesurlauber aus dem ehemaligen Jugoslawien nicht mehr zum Einkaufen kommen.
Wer heute den griechischen Grenzpolizisten bei Evzoni einen Paß der neuen "Republik Mazedonien" vorweist, wird gleich wieder zurückgeschickt. Nur jene, die noch einen alten jugoslawischen Paß und ein gültiges griechisches Visum besitzen, dürfen einreisen. Schwierigkeiten haben aber auch jene griechischen Unternehmer, die während der vergangenen Jahre im Nachbarland Fabriken aufbauten, angelockt von den niedrigen Lohnkosten. Es handelt sich vor allem um Textilbetriebe, deren Erzeugnisse für den griechischen Markt bestimmt waren. Doch weil Griechenland die neue Republik nicht anerkennt, fertigt der griechische Zoll Einfuhren aus der "Republik Mazedonien" nicht ab - offiziell jedenfalls nicht. "Irgendwie geht es natürlich doch", sagt ein Kenner der Szene: "Es wird geschmuggelt, es werden Schmiergelder gezahlt, es gibt Wege . . ."
Von Evzoni, wo die Zöllner, die Grenzpolizisten und die immerhin 75 Bediensteten des verwaisten Duty-free-Shops die längste Zeit des Tages gelangweilt Zeitung lesen, ist es nicht weit nach Idomeni, der Bahnstation, wo die "Züge nach Europa" anhalten, wie man hier sagt. Mit EG-Hilfsgeldern wurde erst kürzlich diese Bahnstrecke bis ins nordgriechische Thessaloniki hinunter elektrifiziert. Aber die Jugoslawienkrise hat bisher die Jungfernfahrt der ersten E-Lok verhindert. Eine altertümliche Diesellok der griechischen Staatsbahnen OSE steht stumm auf Gleis 2. Alle Signale zeigen Rot. Die Bahnsteige sind menschenleer. Eine säuberlich mit Kreide beschriftete Schiefertafel an Gleis 1 verkündet die heutigen Ankünfte: Ganze drei Züge werden erwartet, einer aus Budapest, einer aus München, der dritte aus Athen. Die einst betriebsame Grenzstation ist zu einem verschlafenen Provinzbahnhof geworden.
Auch der Bahnhofsvorsteher von Idomeni ist sich seiner nationalen Pflicht bewußt und sprudelt einen schier endlosen staatstragenden Vortrag über die Mazedonienfrage hervor. Aber als wir dann auf den Bahnsteig hinausgehen und über die Schienen wandern, auf denen schon der Rost rotbraun schimmert, sagt er traurig: "Ist das nicht eine Schande? So viele Gleise - und so wenige Züge!"
ZEILSHEIM. Marietta Praß stößt die Schippe in den Schutt. Nur noch Asche und verkohltes Holz, von der Hitze geschmolzenes Blech und Plastiktanks hat das Feuer zurückgelassen. Am Tag nach dem Brand im Zeilsheimer "SOS Hundeheim" ist die Frau mit den traurigen Augen damit beschäftigt, Schutt und Asche beiseite zu räumen. "Gott sei Dank", sagt die 28jährige, und ihr Gesicht hellt sich dabei auf, "ist keinem der Hunde etwas passiert."
Kurz vor 20 Uhr hatten Passanten von der Pfaffenwiese aus am Vorabend das Feuer im Feld entdeckt. Nur wenige Minuten später waren zwei Löschzüge der Wache fünf und der Freiwilligen Feuerwehr Zeilsheim vor Ort. Die glaubten zunächst, eine Gartenhütte brenne. Doch Feuer hatte das Holzhaus des "SOS Hundeheims Zeilsheim" gegenüber der Jahrhunderthalle gefangen. Eine Herberge für Vierbeiner, die keiner mehr will, weil sie entweder alt, krank, bissig oder häßlich sind.
Die Berufsfeuerwehr konnte alle zehn Hunde, deren Hütte brannte, vor den Flammen in Sicherheit bringen. Ihr schneller Einsatz verhinderte, daß das Feuer auf die benachbarte Stallung übergriff, in der Pferde, Ponys und eine Kuh ihren Lebensabend fristen.
Brandstiftung schließt die engagierte Tierpflegerin aus. "Ich glaub' an das Gute im Menschen." Wahrscheinlich sei der Brand von einem Kohleofen ausgegangen. Den feuerte sie mit Briketts, damit sich die Hunde in den bitterkalten Nächten nicht zu Tode frieren.
Die Zukunft des Tierheimes sieht jetzt nach dem Feuer noch ein wenig düsterer aus. Einen neuen Holzbau will Marietta Praß nicht errichten. "Das lohnt sich fast nicht mehr."
Wie berichtet, soll das Asyl für Vierbeiner bis zum Sommer von dem 1000 Quadratmeter großen Grundstück verschwinden. Eigentümer des Geländes ist die Hoechst AG. Die hatte den Verein bereits im vergangenen Jahr aufgefordert, das Areal bis zum 31. Oktober in den ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Marietta Praß hätte den provisorischen Stall und die zusammengezimmerten Hundehütten dem Boden gleich machen müssen.
Weil der Verein auf die Schnelle aber kein Ausweichquartier auftreiben konnte, verlängerte Hoechst schließlich die Frist bis Mitte '93. Hans Walter Fischer von der Hoechster Grundstücksverwaltung: "Uns kommt es nicht auf einen Monat an, aber irgendwann muß Schluß sein." Schon aus baurechtlichen Gründen könnten die provisorischen Ställe und Hütten nicht stehenbleiben.
Noch immer weiß Marietta Praß, die bei Hoechst arbeitet, nicht, wohin mit ihren Schützlingen. "Am besten wäre ein Aussiedlerhof", träumt sie. "Da würden die Tiere keine Nachbarn stören, und ich könnte vielleicht sogar in ihrer Nähe wohnen."
Angebote hat sie schon erhalten. Doch ein Hof war noch nicht darunter. Entweder die Grundstücke waren zu klein für die insgesamt 28 Hunde, acht Pferde und Ponys, eine Kuh und sieben Hühner, oder die Pacht zu teuer. Denn das Budget ist knapp bemessen. Nur 40 Vereinsmitglieder kommen mit ihren Monatsbeiträgen für den Unterhalt der Tiere und die Miete auf. tos
UNTERLIEDERBACH. Verschobene Fronten in der Auseinandersetzung um das geplante 30 Hektar große Gewerbegebiet in Unterliederbach: Frankfurts Umweltdezernent Tom Koenigs (Grüne) ist dafür, seine Parteifreunde vor Ort sind jedoch dagegen; die Frankfurter SPD ist dafür und Hessens Landesentwicklungsminister Jörg Jordan, ebenfalls Sozialdemokrat, ist dagegen. Nun hat sich der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), Kreis Frankfurt, erklärt: Er plädiert dafür, daß in Unterliederbach ein Gewerbegebiet ausgewiesen wird (genauso, wie das auch die Frankfurter Christdemokraten tun).
Man dürfe "dieses außerordentlich wichtige Projekt der Stadt Frankfurt" nicht bereits zum jetzigen Zeitpunkt abschreiben, so der Frankfurter DGB-Kreisvorsitzende Dieter Hooge; weil Frankfurt dringend neue Gewerbegebiete auch im Stadtbereich brauche, habe man dem Gewerbegebiet Unterliederbach auch im "Arbeitskreis Industrie" bei Oberbürgermeister Andreas von Schoeler zugestimmt.
Umweltschutz-Gruppen wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie Landesentwicklungsminister Jordan befürchten, daß die Firmen-Bauten in Unterliederbach eine Frischluftschneise vom Taunus in den Frankfurter Westen zerstören.
Diese Bedenken, so wirft Hooge Landesentwicklungsminister Jordan vor, seien verfrüht "und zur Unzeit öffentlich geäußert" worden. Erst ein Gutachten könne klären, "ob klimatische Auswirkungen in ernstzunehmendem Umfang angenommen werden müssen"; dieses solle die Stadt Frankfurt nun so schnell wie möglich erstellen.
Hintergrund des DGB-Engagements: Innerhalb eines Jahres - von 1990 bis 1991 - ging die Zahl der gewerblichen Arbeitsplätze in Frankfurt von 98 763 auf 98 100 zurück. md
Sie waren's leid. Zugegeben, knapp 20 Jahre hatte der Apparat treue Dienste geleistet. Aber das ewige Drehen der Wählscheibe, Nummer um Nummer: unzeitgemäß und viel zu langsam. Mit der minutenlangen Prozedur war nicht einmal die Preisfrage im Radio-Quiz zu beantworten. Immer waren andere schneller.
Und wehe, die Leitung war besetzt: Zum Wählen jeder Zahl mußte die Fingerkuppe erneut in die viel zu kleinen Löcher gepreßt werden. Ein Teufelskreis. Der Ausweg: Ein Antrag bei der Telekom. Bitte das Modell austauschen!
Monate später: Ein Urlaubstag, Mittagszeit. Das Essen steht auf dem Küchentisch. Es klingelt. Nicht das alte Telefon, sondern an der Tür: Der Subunternehmer von der Telekom. Ruck- zuck ist der antiquierte, häßlich gelb- braune Apparat gegen Designer- technik ausgewechselt.
Auch wenn das Essen kalt geworden ist: Die Familie ist begeistert. Mattschwarze Tasten nicht nur für Klingelt's bei uns oder beim Kommissar? die zehn Ziffern: Wahlwiederholung, Stummschaltung - endlich auf der Höhe der Zeit. Der einzige Haken: Das elektronische Gebimmel ist von den Anrufen in den Fernsehkrimis nicht mehr zu unterscheiden.
Ist's für Papa oder für den Kommissar? Früher passierte das nur bei der x-ten Wiederholung von Derrick.
Damit ist jetzt Schluß. Gerade mal eine Woche alt, verstummt das Tastending für immer. Plötzlich und un- erwartet. Durch den Hörer erschallt ständig das Freizeichen. Jegliche Telekommunikation ist unmöglich.
Der Störungsdienst will in den nächsten Tagen kommen. Aber das Vertrauen in die moderne Technik ist erschüttert. Was war der alte Apparat doch so zuverlässig. Jetzt tut's ihnen leid.
JÖRN KOPPMANN
UNTERLIEDERBACH. Herzliche Neujahrsgrüße aus Ägypten gingen an den Unterliederbacher Stamm "Cherusker" der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) - denn die DPSG hatte im vergangenen Jahr 190 Brillen gesammelt und in Kairo einer islamischen Gemeinde gegeben. Deren Mitglieder hausen auf den alten Friedhöfen der Stadt; ein Brillengestell würde für sie drei Monatslöhne kosten.
16 Pfadfinderinnen und Pfadfinder waren im Sommer des vergangenen Jahres unter der Leitung von Heidi und Heinrich Mehler sowie Karl Leo Schneeweis nach Ägypten gefahren. Dort besuchten sie nicht nur Touristenattraktionen wie die Pyramiden, Luxor, Memphis oder die Königsgräber. Die Pfadfinder knüpften auch Kontakt zu Jugendeinrichtungen und informierten sich beim Gouverneur von Suez über die politische und soziale Situation des Landes. md
WIRTSCHAFT 12
OFFENBACH. Es regnet auf Kreta. Kalter Wind pfeift durch die Ruinen des Palastes von Phaistos. Zwischen Weihnachten und Neujahr watet der Urlauber Gerhard Plath frierend durch den Matsch. Der Offenbacher Architekt geht seinem Hobby nach: der Architektur-Archäologe. Er sammelt Eindrücke, macht Skizzen, denn er wird die königliche Herberge wieder aufbauen - am Computer.
Plath, der die Seitenflügel des Rumpenheimer Schlosses restaurierte und darüber mit den Denkmalpflegern in Streit geriet, sein Büro im Mausoleum des Schloßparkes hat, kam eher durch Zufall an sein ungewöhnliches Hobby: die architektonische Rekonstruktion historischer Bauten. Ein griechischer Freund aus Offenbach hatte ihn damals nach Kreta eingeladen. In den Trümmern des Palastes von Knossos, in denen vor rund 3500 Jahren der sagenhafte Minotaurus noch die hellenischen Jünglinge und Jungfrauen fraß, interessierten ihn weniger die Fresken, sondern mehr die Bautechnik. Als er das Anfang dieses Jahrhunderts entstandene Rekonstruktionsmodell des englischen Ausgräbers Evans studierte, war ihm schnell klar: So konnten seine historischen Kollegen nicht geplant und gebaut haben.
Plath schaute sich auch andere minoische Palastruinen auf Kreta an, sammelte jede Menge archäologische Literatur, fachsimpelte öfters mit dem städtischen Denkmalpfleger Helmut Reinhardt und entschied sich dann, den Palast von Phästos zu rekonstruieren. In die Architekturbüros ist mittlerweile der Computer eingezogen. So gibt es Entwurfs- und Planungsprogramme, die es dem Betrachter ermöglichen, auf dem Bildschirm dreidimensional durch Bauwerke zu schlendern, die es nur auf dem Papier oder in der Phantasie des Planers gibt.
Plath kann mittlerweile zielsicher und flink mit Hilfe des Computers wie einst der griechische Held Theseus durch das Labyrinth des Minotaurus eilen; ohne Wegweiser aus dem Nähkästchen der kretischen Königstochter Ariadne, dem roten Faden.
Treppen nutzten die Kreter nicht nur, um zwei Ebenen miteinander zu verbinden. Treppen waren auch Symbole, Plattformen der Selbstdarstellung von Religion und Politik. Alle Treppenstufen allerdings sind leicht nach oben gewölbt. Plath erklärt sich das so: "Das Regenwasser läuft so schneller von den Stufen, und keiner bekam nasse Füße."
Die minoische Hochkultur, der altägyptischen sicherlich ebenbürtig, ging vor 3500 Jahren unter. Über die Gründe streiten die Experten noch. Wahrscheinlichster Grund: ein Vulkanausbruch auf der rund hunder Kilometer entfernten Kykladen-Insel Santorin, verbunden mit Erd- und Seebeben und einer riesigen Monsterwelle, zerstörte den Palast von Knossos. Nach der Katastrophe machten sich die Kreter an den Wiederaufbau.
Auch Plath beschäftigt die Frage, wie und warum die minoische Kultur zu Grunde ging. In den "neuen" Palastwänden entdeckte er Fugen, die es in den "alten" Wänden noch nicht gab. Plath hat da so seine Theorie: "Das könnten Dehnungsfugen sein, wie wir sie auch heute benutzen, um die Gebäude erdbebensicher zu machen." Möglicherweise sind die damaligen Baumeister und Statiker aus Schaden klug geworden, sinniert Plath und hofft, daß es ihm demnächst gelingt, seine Theorie auch zu beweisen. Er hätte dann das Rätsel von Knossos gelöst. SIEGFRIED SCHOLZ
SPORTRUNDSCHAU 14
0.5
GRIESHEIM. Zwei Monate vor der Kommunalwahl hat die SPD Griesheim ihre örtlichen Kandidaten der Öffentlichkeit vorgestellt. Dieter Bürger wird erneut für die Stadtverordnetenversammlung kandidieren, Ursula Rüßmann bewirbt sich für ein Mandat im Umlandverband. Für den Ortsbeirat 6 stellt sich Laila Keppler der Wahl.
Seit zehn Jahren ist sie im Vorstand des SPD-Ortsvereins Griesheim tätig. Von Beruf ist die 52jährige Lehrerin, außerdem ist Laila Keppler Mitglied der Arbeiterwohlfahrt und dort als Sozialpflegerin aktiv. Vordringliche Aufgabe ist nach ihren Worten der Bau einer Sozialstation für den Stadtteil. Überdies will sich die Sozialdemokratin für Tempo 30 in allen Wohngebieten einsetzen, den Ausbau der bizonalen Siedlung sozial verträglich gestaltet wissen und ein neues Kinder- und Jugendhaus fordern.
Der Stadtverordnete Dieter Bürger sieht seine Hauptaufgabe für die Zukunft darin, vorhandene soziale Einrichtungen wie Kinderbetreuungsplätze und das Jugendbüro trotz des städtischen Geldmangels zu erhalten. "Man muß sich fragen, ob in der derzeitigen finanziellen Lage soziale Einrichtungen überhaupt noch sinnvoll geplant werden können", äußerte sich Bürger bei einem Pressegespräch.
Die geplante Obdachlosenunterkunft in der Lärchenstraße 46 hält die Griesheimer SPD für nicht allzu problematisch. "In die Unterkunft sollen lediglich vorübergehend Wohnungslose kommen. Eine weitere Problemzone wird dadurch nicht geschaffen", meinte die SPD-Vorsitzende Doris Michel-Himstedt.
Den Rahmenplan Griesheim-Mitte wollen die Sozialdemokraten bewußt aus dem Wahlkampf heraushalten. Doris Michel-Himstedt hält Gesprächsrunden mit Bürgern, Vereinen und Politikern erst nach der Wahl für angebracht. hen
Derzeit ist es augenscheinlich, daß viele Menschen nicht über die erforderliche Qualifikation für politische Diskussionen verfügen. Sie gelangen auf unerfindlichen Wegen zu Ansichten, die zwar ideenreich und interessant, aber leider falsch sind und deshalb den gesellschaftlichen Fortschritt erheblich hemmen. Natürlich bin auch ich für eine ausgewogene Meinungsvielfalt, wenn es nicht zu viele Falten in der Meinung gibt. Und genau da muß glättend angesetzt werden. Deshalb sollte jeder volljährige Bürger eine einjährige Ausbildung zur Vorbereitung auf die Meinungsbildungsprüfung (MBP) absolvieren, die dazu führt, daß jeder erfolgreiche Absolvent nach bestimmten vertretbaren Kriterien zu einer gesellschaftsrelevanten Meinung gelangt. Damit verbunden ist eine graduale Einstufung, die dazu dient, innerhalb einer Entscheidungssituation bei voneinander abweichenden Meinungen zu einem akzeptablen Ergebnis zu kommen. Ist der MBP-Grad zufällig gleich, entscheidet die nächstgreifbare Person, die über einen höheren Grad verfügt. Da es die absolute Wahrheit noch nicht gibt, sollte man diese Einstufung ähnlich der Richter-Skala nach oben hin offenlassen.
Es ist einzusehen, daß durch Meinungsdivergenzen bedingte Streitigkeiten somit völlig ausgeschlossen werden. Dies führt zu einer erheblichen Entlastung der Gerichte. Es ist jedoch darauf zu achten, Personen, die im öffentlichen Interesse handeln - wie z. B. Politiker, Polizisten und Schiedsrichter - mit einem höheren MBP-Grad auszustatten, da sonst erhebliche Probleme bei der Wahrnehmung der hoheitlichen Aufgaben entstehen können. Es wäre geradezu unerträglich, wenn z. B. bei einer Elf-Meter-Entscheidung der schuldige Spieler den Prüfungsgradnachweis (PGN) - den jeder Bürger mit sich zu führen hat - aus der Tasche zieht und dem Schiedsrichter beweist, daß dieser unrecht hat.
Verbunden mit der MBP ist der gebührenpflichtige Erwerb einer Meinungsäußerungskarte (MÄK), die zu einer Groß- bzw. drei Kleindemonstrationen pro Jahr berechtigt sowie dazu, sich öffentlich zu allgemeinpolitischen Themen zu äußern, soweit der eigene MBP-Grad jenem entspricht, der von der Regierung diesbezüglich vorgegeben wurde. Damit werden Stellungnahmen inkompetenter Personen vermieden und Diskussionen wesentlich gestrafft.
Zur Steigerung der allgemeinen Volksbildung sollte bei Talk-Shows der MBP- Grad der Teilnehmer eingeblendet werden, um als Zuschauer entsprechende Äußerungen einstufen zu können und gegebenenfalls zu höherwertigen Erkenntnissen zu gelangen.
Der beschäftigungswirksame Aspekt dieser weitreichenden Maßnahme liegt unter anderem in der Bereinigung der Arbeitslosenquote, da sich die statistische Erfassung allein auf erfolgreiche MBP- Absolventen beschränkt, weil nur dieser Personenkreis über eine gesellschaftlich anerkannte Arbeitsfähigkeit verfügt. MBP-Versager verbleiben so lange in der Ausbildungsphase, bis sie dem Basiskatalog der Prüfungsanforderungen entsprechen. Erweiterungsprüfungen sind vorzusehen.
Die zunächst unvermeidliche Beschränkung dieses sinnvollen Verfahrens auf den deutschen Einflußbereich macht es erforderlich, ausländischen Personen - z. B. Diplomaten - durch einen ausgewogenen Test oder eine Bürgschaft einer kompetenten Person (KP / überdurchschnittlicher MBP-Grad) eine Sondergenehmigung zu erteilen, da sich ansonsten internationale Mißstimmigkeiten ergeben könnten. Deshalb ist es angezeigt, im Rahmen der europäischen Einigung schon jetzt auf eine allgemeine Einführung der MBP nach DIN zu drängen.
Für die Realisierung dieses Maßnahmenkatalogs ist ein Amt für traditionsgebundene Kompetenz (ATK) einzurichten, das dem Innenministerium angegliedert werden sollte. Von dieser Stelle werden auch die Ergebnisse der nächsten und letzten Wahl nach MBP-Grad der jeweiligen Wählerstimmen qualitativ subsummiert und von einer unanfechtbar kompetenten Person (UKP - z. B. Kanzler) bekanntgegeben.
Dem Leser dieses, soweit er über die erforderliche Meinungsbildungsfähigkeit (MBF) verfügt, wird einsichtig sein, daß auf der Basis der MBP eine positive Entwicklung des allgemeinen politischen Denkens und Handelns eintritt, dem längerfristig eine volkswirksame Harmonisisierungsströmung folgen wird, die zu einer weitestgehenden Stabilisierung des ganzen Systems führt.
Die maßnahmensachliche Konsequenz ist ein friedliches Miteinander in einer real existierenden Demokratie.
Wenn die katholischen Bischöfe zum Jahreswechsel 1992/93 mit diesen Worten (FR vom 2. Januar 1993 "Deutschland ist eine gottvergessene unfruchtbare Wüste") Politiker, Pädagogen und Medien anprangern, so kann man nur hoffen, daß diesen klaren Erkenntnissen die notwendigen Reaktionen folgen.
Man muß erkennen, daß wir nach 2000 Jahre Christenheit das Ziel vollkommen verfehlt und die Kirchen einen riesigen Nachholbedarf haben.
Es genügt offenbar nicht, daß uns christliche oder soziale Parteien regieren, wenn es zu solchen Mißständen als Ergebnis dieser Politik kommt, und die Kirchen im Grunde dazu schweigen bzw. mit ihrem Nichtstun Einverständnis signalisieren.
Dabei ist alles so einfach und klar. Die Gebote Gottes sind in den 10 Geboten zusammengefaßt. "Du sollst nicht töten" ist eine klare Anweisung und kann nicht umgangen werden.
Trotzdem finden tödliche Auseinandersetzungen wie der Golfkrieg oder heute der Krieg in Jugoslawien statt, die nicht zu führen wären, wenn nicht vorher oder immer wieder aus purem Egoismus und Gewinnstreben auch von uns Waffen geliefert würden.
Es ist pure Heuchelei, wenn wir nun mit unserer Bundeswehr Frieden schaffen wollen, um das Feuer zu löschen, das wir vorher selbst mit entfacht haben.
Das Gebot der Nächstenliebe ist in der Bergpredigt unmißverständlich dargelegt. Solange in der Dritten Welt täglich 40 000 Kinder verhungern müssen, können wir uns nicht länger mit Worten zufrieden geben.
Die Grausamkeiten unter den Ärmsten der Armen läßt sich auch wieder nur mit Waffen ermöglichen, die der Westen vorher verkauft hat, um damit Gewinne zu erzielen, die besser in Somalia eingesetzt worden wären.
Der Ausländerhaß in unserem Lande und das Hick-Hack um das Asylgrundgesetz zeigen deutlich die Unfähigkeit von Politikern und Parteien in Sachen Menschlichkeit.
Die Erhaltung unserer Schöpfung ist ebenso ein göttliches Gebot, das nun schon über Jahrzehnte mißachtet wird. Auch die Neujahrsansprachen verantwortlicher Politiker sehen ihre Erwartungen für die Zukunft in Wachstumsraten, ohne die ökologischen Notwendigkeiten zu berücksichtigen.
Die Kirchen müssen klarere und eindeutige Forderungen stellen und diese mit aller ihrer kirchlichen Macht durchdrücken.Otto Walter, Waldernbach
Es wäre hilfreicher gewesen, wenn sich Herr Pfarrer Karl G. Gutberlet (FR/FRA vom 23. 12. 1992 "Die totale Überwachung macht Fortschritte") mit seinen Zweifeln und Vorwürfen direkt mit uns auseinandergesetzt hätte als durch eine öffentliche Reaktion die ohnehin schwierige und aufgeheizte Debatte der Asylproblematik weiter zu verschärfen. Die Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes setzen sich in ihrem Beruf für ihre Mitbürger ein, teilweise unter Einsatz ihres Lebens, und sie werden sich einem Gespräch oder einer Anfrage interessierter oder auch verunsicherter Personen nicht entziehen.
Das automatisierte Fingerabdruck- Identifizierungssystem (AFIS) ist natürlich in erster Linie zur Verbesserung der Verbrechensbekämpfung eingeführt worden, um bei der Auswertung von an Tatorten gesicherten Fingerspuren mehr Erfolge zu erzielen und gleichzeitig die Bearbeitungszeiten beim Bundeskriminalamt und bei den Landeskriminalämtern zu verkürzen.
Es richtet sich also nicht gegen die Schwächsten, wie Pfarrer Gutberlet meint, sondern gegen die, die durch ihr Verhalten die Ursachen dafür setzen, daß Strafverfolgungsmaßnahmen gegen sie ergriffen werden müssen. Ich denke, es hat nichts mit Diskriminierung, totaler Überwachung, Verhältnismäßigkeit der Mittel oder gar Verletzung der Menschenwürde zu tun, wenn man dazu auch diejenigen Asylbewerber zählt, die unter immer wieder anderen Personalien Asylanträge stellen und so mehrfach Sozialhilfe erhalten.
Selbstverständlich hat die große Mehrheit der Asylbewerber, die sich rechtstreu verhält und das zur Verfügung stehende soziale Netz nicht mißbraucht, keinerlei Nachteile durch AFIS zu erwarten.
Der Fingerabdruck ist nun einmal das sicherste Identifizierungsmittel, und ich glaube, der Staat erfüllt nicht mehr als seine Pflicht, wenn er sich durch ein so mildes Mittel wie die Aufnahme von Fingerabdrücken über die Identität von Menschen, die hier Zuflucht suchen, Gewißheit zu verschaffen sucht.
Daß AFIS zunächst für die Bearbeitung der Fingerabdruckblätter von Asylbewerbern eingeführt wurde, ist eine Folge des zum 1. 7. 1992 vom Bundestag verabschiedeten Asylverfahrensgesetzes. Darin hat der Gesetzgeber verfügt, daß allen Asylbewerbern Fingerabdrücke abzunehmen und durch das BKA auszuwerten sind. Dieser Verpflichtung hätte das BKA ohne AFIS nicht nachkommen können.
Willy Terstiege (Pressesprecher Bundeskriminalamt), Wiesbaden
Sie schreiben in Ihrem Artikel (FR vom 30. 12. 1992 "Schwarze weiße Männer im Wilden Westen") sehr zu Recht an gegen falsche Vorstellungen, gegen Nichtwissen und Klischees, die durch Hollywoodfilme immer wieder verbreitet wurden. So entstehen falsche Geschichtsbilder. Leider ist Ihnen das auch passiert, und Sie sind einem falschen Geschichtsbild aufgesessen. Seit langem beschäftige ich mich mit der Geschichte von Minderheiten und damit, vergessene Fakten wieder ans Tageslicht zu holen. Deshalb stutzte ich auch sofort bei dem Satz "Indianer und schwarze weiße Männer haben in der Realität zwar nie kollaboriert. . ."
Das stimmt so nicht. Die Geschichte der schwarz-indianischen Beziehungen ist zwar immer noch nicht geschrieben, obwohl das bereits 1920 angeregt wurde, aber sie ist ein spannendes und äußerst komplexes Thema. Einige Indianernationen lehnten Schwarze ab, und einige wie die Creek und die Cheyenne hatten selbst schwarze Sklaven. Schwarze begleiteten ihre Cheyenne-Herren auch auf dem legendären Ausrottungsmarsch, dem "trail of tears" 1830 nach Oklahoma. Andere Indianer heirateten Schwarze. In den Südstaaten der USA waren Rote und Schwarze oft zusammen Sklaven, von den weißen Herren pauschal als "negroes" bezeichnet.
Die meisten schwarzen Südstaatler haben auch indianische Vorfahren. Die Seminolen Floridas boten traditionell entflohenen Schwarzen Schutz an und lebten mit ihnen zusammen. Der große Seminolenchief Osceola hatte mindestens eine schwarze Frau. Viele Schwarze wurden in den Indian-nations akzeptiert, kämpften mit ihren "Stammesbrüdern" zusammen und standen sicher oft auch schwarzen Armeeangehörigen auf der anderen Seite gegenüber.
Wie einige Weiße konnten genauso auch Schwarze normale Mitglieder mancher indianischen Gemeinschaft werden - mit allen Rechten und Pflichten -, und für viele Schwarze hatte dieses Leben sicherlich mehr zu bieten als das eines Plantagensklaven. Und wessen Sohn ist ein geflohener Sklave, der von seinem Herrn per Annonce gesucht wird und dabei wie folgt beschrieben: "Spricht Indianisch und Afrikanisch, kein Englisch"?
Schwarze und Indianer haben kollaboriert, wenn auch vielleicht etwas anders, als es dem Autor Ihres Artikels vorschwebte.Eva Verma, Frankfurt am Main
NIED. Manchmal sind die einfachen Fragen die besten. Als Waltraud Schrader, geborene Niederin, einmal ihre Bekannten in Nied fragte, was ihnen denn am besten an dem Stadtteil gefalle, erhielt sie fast gleichlautende Antworten: die Autobahn zum Arbeitsplatz, die S- Bahn in die Innenstadt, das Kulturangebot Frankfurts, die Wanderwege im Taunus. "Spätestens da wurde mir klar, daß dieser Stadtteil keine Identität, kein Eigenleben hat", sagt sie, "das ist ein Null- Vorort."
Nied: kilometerlang wuchern Neubausiedlungen die Straße entlang, "wenn du aus dem Urlaub kommst, steht ein neues da", hat Wolfgang Schrader aus der Birminghamstraße erfahren, und in den 22 Jahren, in denen der Architekt hier wohnt, "wurden Tausende Tonnen Aushub an unserem Küchenfenster vorbeigefahren - wir haben nie etwas anderes als Baustellen gesehen". Der HL jenseits der Bahnlinie hat zugemacht, die Konkurrenz aus Frankfurt war zu groß; der Schuster und der Tante-Emma-Laden haben schon lange aufgegeben. Die Schulen platzen aus den Nähten, Kindergarten- und Betreuungsplätze fehlen an allen Ekken und Enden.
Zumindest geographisch in der Mitte des innerhalb von 30 Jahren von 6 000 auf bald 22 000 Einwohner gewachsenen Stadtteils liegt eine Brachfläche - und diese wurde ausgedeutet, um darauf eine zentrale Berufsschule für junge Leute aus ganz Hessen zu bauen. Das hat bewirkt, daß seit drei Jahren im östlichen Nied wenigstens die 20 Aktivisten der "Bürgerrunde östliches Nied" sich mit der Öde der Schlafstadt nicht mehr abfinden wollen.
"Als wir einzogen hieß es, dort solle eine Schule gebaut werden", erinnert sich Johann Dietrich Brennscheidt, "wir hatten drei Kinder und fanden diese Perspektive natürlich sehr gut." Daß dann aber eine überregionale Berufsschule geplant wurde und nicht die aus Sicht von Anwohnern und Eltern so dringend benötigte Schule mit lokaler Anbindung, brachte die Anwohner in Rage: "Da hat jemand mit dem Finger auf dem Stadtplan ein freies Gelände gesucht, ohne zu fragen, welche Folgen das für einen Stadtteil hat."
Aus der Sorge um den Unterricht der eigenen Kinder und den Lärm von den Autos der Berufsschüler wurde schnell die Erkenntnis: Es geht um mehr als um die Schule. "Dem Schüler-Tourismus nach Frankfurt entspricht der Alten-Tourismus: Es gibt kein Altersheim hier. Ihm entspricht der Hausfrauen-Tourismus: Wo sollen sie einkaufen?" sagt Doris Buhlmann, die Schulleiterin der Fridtjof- Nansen-Schule.
So entstand aus der Berufsschul-Gegnerschaft das Engagement für ein menschenfreundlicheres Nied: Die Bürgerrunde fordert eine Gesamtschule dort, wo die Berufsschule hin soll, einen Wochenmarkt in Nied, eine Bücherei, wie sie bereits kleinere Frankfurter Stadtteile haben, Räume für die Pflege alter und hilfsbedürftiger Menschen, einen weiteren Kindergarten, eine Betreuungsschule, schönere Kinderspielplätze, eine bessere Verkehrsführung und - einen größeren Friedhof.
Illusorisch? "Gegen unsere Vorstellungen hatten die Politiker bisher nichts einzuwenden, die Frage der Berufsschule vielleicht ausgenommen, aber auch da beginnt langsam das Umdenken", sagt Waltraud Schrader, "aber im zweiten Satz heißt es immer wieder: Es ist kein Geld da."
Doch damit will man sich nicht zufriedengeben: "Es geht hier um Grundbedürfnisse von Menschen, nicht um Luxus." Zunächst aber will die Bürgerrunde den nächsten Volkshochschul-Kursus über Nied, die "vergessene Vorstadt", mitgestalten. Thema: "Verkehr, Umwelt und Stadtplanung." md
WIESBADEN IV
0.5
FRANKFURT A. M. Ziel erreicht: Sicher hatte der sechste Transport des Vereins "Hilfe für rumänische Kinder" die Orte Radauti und Falcau in Rumänien erreicht. Ende September des vergangenen Jahres hatten Luise und Joseph Dörr, Klaus Konstanti, Hans Kratz sowie Hermann und Susanne Trautmann den Konvoi begleitet. Etwa 3800 Kilometer hatten die drei Fahrzeuge auf dieser Reise ohne größere Zwischenfälle zurückgelegt. In das südosteuropäische Land konnten für mehr als 125 000 Mark Kleidungsstücke, Schulhefte, Nahrungs- und Arzneimittel gebracht werden, die überwiegend aus Spenden der Frankfurter Bevölkerung stammten. "Auch dieses Mal war die Freude und Dankbarkeit bei den Beschenkten riesengroß", stellte Hermann Trautmann zufrieden fest.
In Falcau, nahe der russisch-ukrainischen Grenze gelegen, luden die Helfer nicht nur 100 Lebensmittelpakete mit einem Gewicht von jeweils acht Kilogramm ab, sondern stellten den Rumänen weiterhin etwa eine Tonne Kinder- und Erwachsenenkleidung sowie Spielzeug und Schuhwerk aus Spenden zur Verfügung. Auch für die Bildung der Kinder soll gesorgt werden: 1000 Schulhefte, 1000 Farb- und Faserstifte und fünf Schultafeln mit jeweils 200 Stück Kreide wurden aus den mit Anhängern versehenen Lastern abgeladen. Dem Krankenhauspersonal in Radauti wurden vor allem Medikamente, OP-Handschuhe, Einmalspritzen und Kanülen übergeben. Zusätzlich konnten die Deutschen den Ärzten Verbandsmaterialien und zehn Kanister Desinfektionsmittel aus Spenden des Bethanien- und Diakonissen-Krankenhauses weiterreichen.
Die Einschätzung von Trautmann: "Nach wie vor ist die Atmosphäre beklemmend. Nirgends konnten wir eine Verbesserung erkennen. Nicht zu übersehen waren die verrosteten Kinderbettchen, die desolaten sanitären Einrichtungen, die leeren Medikamentenschränke. Wie soll hier ein Mensch gesund werden?" fragte sich Trautmann nach der Rückkehr aus Rumänien ein wenig hilflos.
Auch in der Landarbeiter-Kolonie bei Dornesti lebten die Kinder und Erwachsenen "augenscheinlich" in großer Not, berichtete Trautmann. 120 Säcke mit Kleidern, Schuhen und Spielzeug und 500 Kilogramm Lebensmittel wurden aus einem Transportfahrzeug abgeladen, die helfen sollen, die in Rumänien durchaus noch harte und entbehrungsreiche Winterzeit zu überbrücken. Besonders auffällig war es für Hermann Trautmann und die anderen daß die Fernheizungen immer noch am 1. April abgeschaltet und erst am 1. Oktober wieder in Betrieb genommen werden - und das bei Außentemperaturen von weniger als zehn Grad Celsius im frühen Herbst.
In Fratautii Noi, der letzten Station des Hilfstransportes, werden an der Kindersanitätsstation noch einmal Medikamente, Spritzen und Kanülen entladen. Aber auch an Kleidungsstücke und speziellen Babybedarf hatten die Helfer gedacht. Seit dem letzten Besuch hatte sich an den primitiven Umständen in der Arztpraxis nicht viel geändert, stellten die Deutschen fest: "Hier müssen wir noch eine Weile weiterhelfen", meinte Trautmann, der sich bei allen Spendern und Helfern herzlich für die Unterstützung bedankte.
Schon plant der Verein "Hilfe für rumänische Kinder" seine siebte Fahrt nach Rumänien. Als Zeitraum für die Reise wird die Woche vom 15. bis 24. April ins Auge gefaßt. Trautmann: "Da die wirtschaftliche Situation in Rumänien immer schlechter wird und sich die Schere zwischen arm und reich immer weiter öffnet, bitten wir ganz herzlich um Geldspenden, die wir zum Ankauf von Lebensmitteln und Saatgut verwenden wollen. Eines ist sicher: Wir müssen dringend weiter helfen."
Der Verein "Hilfe für rumänische Kinder - Hermann L. Trautmann e. V." ist in der Oppenheimer Landstraße 72, die Telefonnummer lautet: 62 15 96. Das Spendenkonto bei der Frankfurter Sparkasse, Bankleitzahl 500 501 02, hat die Nummer 61 58 15. Die Spenden sind von der Steuer absetzbar, da der Verein als gemeinnützige Körperschaft anerkannt ist. *kan
In der Gauklasse der Luftgewehrschützen zeichnet sich nach Abschluß der Vorrunde ein spannendes Rennen an der Spitze und auch am Tabellenende ab. Während die punktgleich (beide 8:2) führenden SV Kriftel und SG Bad Homburg als Titelanwärter in die Rückrunde gehen, müssen die SG Eschborn und der SV Usingen (beide 2:8) den Absteiger unter sich ausmachen. Die Bad Homburger schafften sich im Rennen um die Meisterschaft mit ihrem Auftakterfolg in Kriftel die besten Voraussetzungen, den führenden SV im Rückkampf noch zu übertrumpfen. Dieser Wettkampf ging mit 1511:1510 an die Kurstädter.
Bereits zum Abschluß der Vorrunde hätten sie führen können, doch am letzten Vorrunden-Wettkampftag handelten sich die Bad Homurger ein 1473:1483 beim PSV Grün-Weiß Frankfurt ein.
Zwischen den Mannschaften aus Eschborn und Usingen wird wohl der Absteiger ermittelt werden. Die Eschborner zogen just am letzten Vorrunden- Wettkampftag noch am SV Usingen vorbei, denn sie siegten beim direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt mit 1464:1451. Trotz des spektakulären 1454:1447-Erfolges über GW Frankfurt zum Rundenstart haben somit die Usinger die schlechtesten Karten, denn sie müssen noch in Eschborn antreten.
Aus dem Rahmen der Usinger Schießkünste fällt allerdings Lutz Voigt, der mit 386 Ringen die Einzelwertung anführt. Ihm folgt der Bad Homburger Wolfgang Schüler mit 384. Warum der SV Kriftel in der Tabelle so weit oben steht, wird deutlich, wenn man sich die Einzel-Liste anschaut. Mit Jürgen Schwamb (3./384), Martina Mann (4./383) und Rudolf Hess (6./382) sind gleich drei Krifteler in den "Top-Ten" zu finden. Eine Schwalbe macht eben noch keinen Sommer, aber drei "Schwalben" sorgen in Kriftel für sonnige Aussichten.
DIE TABELLE: 1. SV Kriftel 8:2 Punkte/7488 Ringe, 2. SG Bad Homburg 8:2/7451, 3. FSK Oberforsthaus Frankfurt 5:5/7400, 4. PSV Grün-Weiß Frankfurt 5:5/7351, 5. SG Eschborn 2:8/7327, 6. SV Usingen 2:8/7237. jbp
SOSSENHEIM. "Im dritten Untergeschoß können sie noch Schlittschuhe laufen, das ist noch wie in der Tiefkühltruhe, oben schwitzen die Arbeiter schon wieder." Bauleiter Thomas Pientka von der Frankfurter Aufbau AG ist zufrieden. Ende März des vergangenen Jahres waren an der Siegener Straße die Bagger angerückt. Jetzt, neun Monate später, steht der komplette Rohbau für das erweiterte Volkshaus. Selbst das Stahldach sitzt schon.
Wo Kinder der "Tatzelwurm"-Siedlung einst spielten und bolzten, duckt sich im Schatten der wuchtigen Wohnblöcke jetzt der neue 30-Millionen-Komplex, der Sossenheims attraktiver Stadtteiltreff werden soll. Drinnen werkeln seit Tagen bereits Firmen an den Elektro-, Heizungs- und Sanitärinstallationen. "Selbst an den bitterkalten Tagen haben die ihre Rohre und Leitungen verlegt."
"Wir liegen gut im Zeitplan", lobt Andreas Eichstaedt, Geschäftsführer der Saalbau GmbH, denn auch die beteiligten Unternehmen. Und das soll am Freitag, 19. Februar, beim Richtfest mit Oberbürgermeister Andreas von Schoeler (SPD), den Sossenheimer Stadtverordneten, Ortsbeiräten samt allen Männern und Frauen vom Volkshaus-Bau kräftig gefeiert werden. Die Bauzeit ist auch an dem alten Volkshaus, das jetzt erweitert wird, nicht spurlos vorübergegangen. Pientka: "Wir haben das Gebäude völlig entkernt." Nur die Grundmauern und tragenden Wände blieben erhalten. Drinnen werden jetzt vier Clubräume für Sossenheimer Vereine von immerhin je 60 Quadratmetern eingerichtet.
Das Untergeschoß wird zum Jugendzentrum mit Disco, Fotolabor, Jugendcafé und Werkstatt ausgebaut. Ins Domizil der Mädchen und Jungen soll ein eigener Eingang führen. Damit's künftig zu keinen Reibereien mehr zwischen manchmal etwas lebhafteren Jugendlichen und erwachsenen Besuchern des Stadtteiltreffs zu kommen braucht.
Der Volkshaus-Verein erhält als ehemaliger Träger des Traditionsbaus unterm Dach ein Büro und eine Wohnung für den Hausmeister oder den Pächter der Gaststätte.
Eine Renaissance hat am Altbau die Fassade zur Siegener Straße hin erlebt: zwei Rundbögen als Eingangspforten und Spitzbogen-Fenster. So sah das Volkshaus nach seiner Einweihung 1928 aus. Erst in der 40er Jahren wurde die schmucke Front dann "verbaut", erklärt Arnold Haupert vom Architektenbüro Kny und Gladis.
An den Altbau sollen sich das Technikzentrum, Umkleidekabinen für Künstler und die Gaststätte anschließen. Der Haupttrakt wird den großen Saal mit Empore und fast 700 Plätzen beherbergen, dazu eine rund 100 Meter große Show- und Theaterbühne. Im ersten und dritten Kellergeschoß finden sich Abstellräume für Kulissen. Zwischendrin liegt die Tiefgarage. Volkshausbesucher, die mit dem Auto vorfahren, finden hier rund 75 Parkplätze.
"Wenn uns Wind und Wetter keinen Strich durch die Rechnung machen, sind wir Mitte Dezember fertig", prophezeit Andreas Eichstaedt. Optimistisch ist der Saalbau-Geschäftsführer auch beim Finanzplan. 30 Millionen Mark sind für den attraktiven Sossenheimer Stadtteiltreff veranschlagt. Eichstaedt: "Den werden wir vermutlich knapp unterschreiten." tos
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Frauenimpr
Verantwortlich: Martina I. Kischke
BU-Frauen
Sie wollen den Frauen die Angst vor dem Umgang mit Geld nehmen: Claudia Grett (links) und Marion Weichert (rechts) (Bild: "Women & Money")
Kongreß in vier Bänden In vier Bänden haben Kasseler Hochschullehrer ein wissenschaftliches Ereignis von "historischer Einzigartigkeit" dokumentiert: den Ost-West-Kongreß vom Juni 1990 an der Gesamthochschule (GhK), bei dem Wissenschaftler aus der Sowjetunion mit westlichen Fachkollegen zusammentrafen. Es war der erste und aufgrund der politischen Entwicklungen zugleich der letzte seiner Art. Die vier Dokumentationsbände (unter anderem zu den Themen Bildung, Technik, Umwelt) sind im Verlag Jenior & Pressler erschienen und kosten 20 sowie 30 Mark.
Nachrichten entstehen weder von selbst noch werden sie vom Bürgermeister verfaßt. Die Nachrichten, Berichte, Kommentare, Reportagen und Glossen in der Lokal-Rundschau werden von Journalistinnen und Journalisten geschrieben und gestaltet. Wer diese Frauen und Männer sind, lesen Sie heute und in den kommenden Tagen in einer FR-Serie.
Heitken Schwarzenau mit dem Kürzel "nau" kennt wohl jeder in Kronberg und Königstein. 18 Jahre lang hat sie von dort mit scharfem Blick, aber auch viel Einfühlungsvermögen über alles und jeden geschrieben. Seit 1990 ist sie in der Bad Homburger Redaktion für Friedrichsdorf und Glashütten zuständig. Einmal in der Woche erscheint außerdem ihr ganz persönliches "Kind": der "Kulturspiegel Taunus". Die 51jährige "Seniorin" der Redaktion ist gebürtige Kölnerin, was nicht nicht viel heißen will, ist sie doch schon 25mal umgezogen. Zur Zeit wohnt sie gerade mal in Oberursel - und das wissen die dortigen Kollegen zu schätzen: Kaum ein einsamer Sonntagnachmittag in der Redaktion, an dem sie nicht mal "zufällig" hereinschaut, in der Hand einen frischgebackenen Kuchen oder leckere Käseplätzchen. Am meisten genießt "nau" es, wenn sie viele Menschen um sich herum hat und Stimmungen für ihre Geschichten "einfangen" kann.
Für versiegelte Flächen sollen mehr Abwassergebühren fällig sein
Ein "gerechteres und ökologisch sinnvolleres" Modell der Abwassergebühren- Satzung will Frankfurts Umweltdezernent Tom Koenigs in der nächsten Legislaturperiode durchsetzen.
Geplant ist, künftig Gebäudeeigentümer stärker zur Kasse zu bitten, deren Grundstücke beispielsweise durch geteerte Parkplätze stark versiegelt sind. Andererseits sollen Hausbesitzer entlastet werden, die Regenwasser im Haushalt nutzen oder im Garten versickern lassen.
Derzeit wird in Frankfurt die Abwassergebühr noch ausschließlich nach dem Trinkwasser-Verbrauch berechnet: Wer einen Kubikmeter Leitungswasser in den Abfluß gespült hat, zahlt 2,50 Mark Gebühr für Kanalbenutzung und Reinigung im Klärwerk.
"Dabei wird aber nicht berücksichtigt, daß von unterschiedlichen Grundstücken unterschiedlich viel Regenwasser abgeleitet wird", sagt Volkmar Holzhausen, der Leiter des Stadtentwässerungsamtes. Beispiel: Der Besitzer einer Spedition mit großer geteerter Parkfläche und einem verhältnismäßig kleinem Bürokomplex zahlt aufgrund des geringen Trinkwasserverbrauches nur wenig Abwassergebühr, obwohl von seinem Gelände bei Regenwetter riesige Mengen Wasser in die Kanäle fließen. Wohnungseigentümer in Hochhäusern mit großem Trinkwasserverbrauch zahlen relativ viel Abwassergebühren, obwohl pro Wohnung nur sehr wenig Regenwasser anfällt. "Gerecht ist das natürlich nicht", sagt Holz- hausen.
Im Amt für Stadtentwässerung gibt es deshalb Modellrechnungen, die Abwassergebühr in zwei Segmente aufzuteilen: In eine "Schmutzwasserabgabe", die sich wie bisher nach dem Trinkwasserverbrauch richtet und die nach Angaben Holzhausens bei etwa 1,70 Mark pro Kubikmeter liegen könnte. Und in eine "Regenwasserabgabe", deren Höhe nach dem Anteil der versiegelten Grundstücksfläche variiert. "Wir rechnen über den Daumen mit einem Betrag von 80 Pfenningen pro Quadratmeter versiegelter Fläche und Jahr", sagt Holzhausen. Für Besitzer großer, versiegelter Grundstücke würde sich dadurch die Abwasserrechnung um einige tausend Mark erhöhen, hat das Entwässerungsamt ausgerechnet; Bewohner in Mehrfamilienhäusern würden dagegen entlastet.
Praktiziert wird ein solches Modell bereits in Mainz. Doch dort muß man sich aufgrund der Vorgaben in den rheinland- pfälzischen Landesgesetzen bei der Berechnung des Regenwasseranteils sehr starr an die Angaben in den Bebauungsplänen halten.
Wenn dort festgelegt ist, daß auf einem Grundstück 80 Prozent der Fläche überbaut werden darf, dann wird diese hohe Versiegelung von den Behörden automatisch als gegeben unterstellt. "Ökologisch sinnvoller wäre es, wenn wir in jedem Einzelfall den Grad der Versiegelung bestimmen würden, denn dann würden alle Grundstückseigentümer belohnt, die weniger Fläche versiegeln als erlaubt", sagt Volker Mettke von den Mainzer Entwässerungsbetrieben.
Deshalb hat beispielsweise die Stadt Mörfelden-Walldorf vergangenes Jahr Erhebungsbögen an alle Grundstücksbesitzer geschickt, in denen diese auflisten mußten, wieviel Fläche sie bebaut, gepflastert, mit wasserdurchlässigem Kies bestreut oder begrünt haben. Die Erfassung der Angaben und stichprobenartige Kontrollen hätten zwar zunächst einen "recht hohen" Verwaltungsaufwand gefordert, sagt Mörfelden-Walldorfs Umweltdezernent Dirk Treber.
Aber inzwischen laufe das System "sehr gut" und führe dazu, daß zumindest bei neuen Gewerbeansiedlungen von den Investoren "intensiv" über Brauchwassernutzung und Versickerungsflächen nachgedacht werde.
Um die Regenwassernutzung oder -versickerung zusätzlich finanziell schmackhaft zu machen, will Koenigs ähnlich wie bereits in Mörfelden-Walldorf oder im westfälischen Münster durch Zuschüsse Zisternen oder Dachbegrünungen fördern - finanziert werden könne das beispielsweise durch eine Grundwasserabgabe. "Langfristig", meint der Umweltdezernent gegenüber der FR, "wird uns bei der sich verschärfenden Grundwassersituation gar nichts anderes übrigbleiben, als so zu handeln. mat
BONAMES. "Die Teilnehmer sollen einen Einblick in die reale Berufswelt bekommen", lautet eines der Ziele, die sich Diana Schröter mit dem Berufsvorbereitungsprojekt Hauswirtschaft gesetzt hat. Zusammen mit einer Ökotrophologin (Hauswirtschafts- und Ernährungswissenschaftlerin) leitet die Sozialarbeiterin das Projekt, das dieser Tage im Jugendhaus am Bügel anläuft und jungen Erwachsenen ab 18 Jahren die Möglichkeit geben soll, innerhalb eines Jahres ihren Hauptschulabschluß nachzuholen. Diana Schröter: "Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen motiviert werden, später einmal einen Ausbildung als Koch oder als Wirtschafter anzufangen."
Ein ähnliches Projekt läuft im Jugendhaus am Bügel, deren Träger der Evangelische Verein für Jugendsozialarbeit ist, seit über einem Jahr zufriedenstellend. Im Jugendhaus wurde eine Schreinerwerkstatt eingerichtet - mit der Hilfe der "Werkstatt Frankfurt", einem Verein, der solche Arbeitsprojekte trägt (und ansonsten speziell Langzeitsarbeitslose und Sozialhilfeempfänger für den Arbeitsmarkt qualifiziert). Derzeit absolvieren zwei Mädchen und acht Jungen die dreijährige Schreiner-Ausbildung.
Die Ausrüstung der Werkstatt hat die Stadt bezahlt. Insgesamt 400 000 Mark waren für Maschinen, Werkzeug und Ausrüstung der Lehrwerkstatt erforderlich. "Wir haben einen Schreinermeister aus der freien Wirtschaft abgeworben, der die Ausbildung leitet. Auch die Handwerkskammer hat nach anfänglichem Zögern unsere Abschlüsse anerkannt", erzählt Peter Feldmann, Hausleiter der Einrichtung. Für die Gehälter der Lehrlinge und des Meisters kommt ebenfalls die Stadt Frankfurt auf.
Diana Schröter ist zuversichtlich, das ihr Projekt ein ähnlicher Erfolg wird wie Schreinerwerkstatt. "Wenn wir mit den Betrieben verhandeln, können wir vielleicht erreichen, daß unser Projekt anerkannt wird und die Ausbildung zum Koch oder zum Wirtschafter um sechs Monate verkürzt werden kann." Die konzeptionelle Betreung für das Vorhaben hat das Jugendhaus übernommen, die Kosten trägt die "Werkstatt Frankfurt". Denn es handelt sich hierbei um eine Arbeitsqualifizierungsmaßnahme (eine vom Arbeitsamt geförderte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, kurz ABM genannt) für junge Erwachsene ohne Ausbildung.
In den ersten drei Monaten erhalten die Lehrlinge voraussichtlich 800 bis 850 Mark, später 1200 Mark. An einem Tag in der Woche müssen sie die Schulbank drücken; Deutsch, Mathematik und Sozialkunde stehen auf dem Stundenplan. Der sonstige Unterricht im Jugendhaus soll eher praxisbezogen sein. So werden etwa der Ablauf in einem Restaurant und die verschiedenen Frühstücksformen besprochen, aber auch Kalkulationen und der richtige Einkauf gelehrt. Diana Schröter: "Von den Themen her ist der Stoff mit dem ersten Jahr der Kochlehre vergleichbar."
Die Sozialarbeiterin hat auch schon überlegt, ob man nicht später einen Mittagstisch für das Jugendhaus anbieten kann oder sogar für die Jugendlichen im Stadtteil, die sich nicht selbst versorgen können. "Die Jugendlichen sollen auch lernen, Verantwortung zu übernehmen und Pflichten zu erfüllen", sagt sie, "außerdem sollen sie beruflich und privat Zukunftspläne entwickeln." Bisher haben sich sechs Teilnehmer für das Projekt gefunden, sechs weitere können noch aufgenommen werden.
Wer Interesse am Projekt hat, kann sich im Jugendhaus am Bügel, am Ben- Gurion-Ring 35-37, unter der Telefonnummer 50 71 72 6 erkundigen. jan
Die Seglervereinigung Rhein-Main bietet in diesem Jahr wieder verschiedene Lehrgänge für Wassersportler in Frankfurt und anderen Orten des Rhein-Main- Gebietes an. Zu einem Informationsabend können Interessenten am 18. Januar um 19 Uhr in die Herderschule in der Wittelsbacherallee 6-12 kommen.
Es werden Kurse für den Segelschein, das Sportseeschiffer- und Sporthochseeschifferzeugnis sowie den Sportbootführerschein angeboten. Außerdem können Prüfungen in Wetterkunde, Astronavigation, Sprechfunk, Maschinenkunde, Sicherheit auf See und Erste Hilfe abgelegt werden.
Weitere Informationen und Anmeldungen im Büro der Seglervereinigung, Telefon 58 88 20 oder 56 88 56. vo
"Rückstrahler" für Fußgänger gratis Bei allen Polizeidienststellen in Stadt und Kreis Offenbach werden kostenlose Fußgänger-"Rückstrahler" verteilt. Er ist sieben mal fünf Zentimeter groß, reflektierend und kann umgehängt oder angesteckt werden, sagte ein Polizeisprecher.
OBERLIGA NORD, Endrunde: u.a. Frankfurter ESC - ESC Wolfsburg (19 Uhr).
FR: Professor Grosser, als Charles de Gaulle und Konrad Adenauer am 22. Januar 1963 den Elysée-Vertrag unterzeichneten, gab es auf beiden Seiten Mißverständnisse darüber, was dieses Abkommen eigentlich sein sollte. Sind sich Mitterrand und Kohl, sind Franzosen und Deutsche sich heute einig darüber, was sie zusammen wollen?
Grosser: Sie wollten damals nicht dasselbe, weshalb im Vertrag an sich wenig drin stand. Man sprach damals zum Beispiel vage von einer gemeinsamen Verteidigung, und das wiederholt sich jetzt im Vertrag von Maastricht.
FR: Immerhin war es das erste Mal, daß eine gemeinsame Politik der Verteidigung postuliert wurde.
Grosser: Ja, aber das war eine für mich sehr merkwürdige Formulierung für einen Vertrag, daß man nämlich versuchen werde, eine gemeinsame Verteidigungspolitik zu finden. Bis dahin hatte ich geglaubt, in einem Vertrag legt man fest, worüber man sich einig ist. Im Vertrag von Maastricht ist das noch schlimmer geworden. Da heißt es, man werde eine gemeinsame Verteidigungspolitik anstreben, und in einer noch späteren Stufe wird man dann vielleicht eine gemeinsame Verteidigung haben. In diesem Sinne setzt Maastricht die Leere des Elysée-Vertrages fort.
FR: Im Verlauf von 30 Jahren hat sich das Abkommen aber als nützliches Instrument der Zusammenarbeit erwiesen.
Grosser: Zwei Dinge darin sind wichtig. Das eine ist die Gründung des Deutsch- Französischen Jugendwerks, für das de Gaulle und Adenauer als praktisch denkende Staatsmänner eine von der Entwicklung der beiden Staatshaushalte weitgehend unabhängige und damit dauerhafte finanzielle Grundlage schufen.
FR: Der Gedanke der Begegnung liegt dem Vertrag auch auf politischer Ebene zugrunde.
Grosser: Das ist für mich das Wichtigste überhaupt. Der Zwang zur Begegnung, zur Konsultation hat sich als segensreich erwiesen. Die häufigen Treffen haben vieles in den deutsch-französischen Beziehungen verändert. Das ist heute ein Modellfall für das, was in Europa sein sollte. Die regelmäßigen Gipfeltreffen, bei denen der Präsident und der Kanzler mit ihren Ministern zusammenkommen, haben zu einer Art gemeinsamer deutsch-französischer Ministerrat geführt. Daneben haben sich direkte Verbindungen zwischen den einzelnen Ministerien auf beiden Seiten ergeben, die immer enger geworden sind. So stelle ich mir die Zusammenarbeit auch zwischen anderen Regierungen in Europa vor.
FR: Der Wille, etwas zu bewegen, bleibt also das Entscheidende.
Grosser: Bei den Gipfeltreffen geschieht in der Tat manches, was in seiner Bedeutung gar nicht genug gewürdigt wird. So wurde im Mai vergangenen Jahres in La Rochelle zum ersten Mal in einem deutsch-französischen Kommunique erklärt, daß das deutsch-französische und zukünftig europäische Korps unter anderem die Aufgabe der Wiederherstellung des Friedens haben werde. Das ist so revolutionär, das hätte Kohl an sich gar nicht unterschreiben dürfen. Das muß man sich einmal richtig vorstellen: deutsch-französische Militärinterventionen, um den Frieden wiederherzustellen.
FR: Das war vor acht Monaten. Jetzt aber drängt sich der Eindruck auf, daß Franzosen und Deutsche die Politische Union Europas gar nicht mehr wollen.
Grosser: Man kann da nicht einfach von Franzosen und Deutschen sprechen, es gibt vielmehr unterschiedliche Strömungen in beiden Ländern. In Frankreich war nach Umfragen die Zustimmung zur Politischen Union lange Zeit sehr stark. Mit der Rezession kamen dann Ängste vor Europa auf. Jetzt ist es schwieriger geworden, für Europa zu plädieren. Wenn es gut geht, leuchtet es ein, daß es mit Europa noch besser gehen wird. Wenn es schlecht geht, ist es nicht einfach, begreiflich zu machen, daß es ohne Europa noch schlechter gehen würde. Das sind übrigens Sorgen, die denen verblüffend ähnlich sind, die in Deutschland angesichts der Vereinigung herrschen. Hier wie dort handelt es sich um korporative Ängste, um Befürchtungen um Besitzstände und Ansprüche. Als mir meine Zeitungsverkäuferin erklärte, sie werde gegen Maastricht stimmen, weil sie nicht einsieht, warum sie den Griechen oder Portugiesen etwas geben soll, fühlte ich mich in die Bundesrepublik versetzt, wo man nicht mit Ostdeutschen teilen will.
FR: Europa wäre also nur eine Schön- Wetter-Veranstaltung?
Grosser: Da müßten die Regierungen gegensteuern. Aber wenn es gut geht, nehmen sie das für sich in Anspruch, und wenn es schlecht geht, schieben sie es auf Brüssel.
FR: Nach dem Referendum haben sich in Frankreich führende Politiker auf den Rückzug begeben, indem sie weniger von Europa und mehr von nationalen Interessen sprechen. Beunruhigt sie das nicht?
Grosser: Einer der Gründe dafür, warum das Referendum so knapp für Maastricht ausfiel - und in Deutschland wäre es ja vielleicht nicht viel anders ausgegangen -, ist neben der Heuchelei der Regierungen, Brüssel zum Prügelknaben zu machen, ihr fehlender Mut. Es ist nie erklärt worden, was in Europa schon alles entstanden ist und daß dies seit Jahrzehnten ohne Verfassungsgrundlage geschah. So viele Gesetze sind in Brüssel gemacht worden und in Bonn, Paris und anderswo nur noch übernommen worden. Das ist eine Übertragung von Hoheitsrechten, die man nicht eingesteht. Schon bei de Gaulle war das so. Heute fragt man, müssen wir nicht dies und jenes befürchten, obwohl es schon seit Jahrzehnten so ist. In Frankreich sollen jetzt nach einem Urteil des Staatsrates, des obersten Verwaltungsgerichts, Brüsseler Beschlüsse ausdrücklich Vorrang vor nationalem Recht haben. Vorher ist man schon genauso verfahren. Mit der Verfassungsreform, die Maastricht vorausging, ist das nun legalisiert.
FR: Ist die Politische Union überhaupt noch ein Ziel, das wir erreichen können?
Grosser: Daß man bei dem Gipfeltreffen in Maastricht nicht weiter ging in Richtung Politische Union ist ein großes Versäumnis. Verantwortlich dafür ist Mitterrand. Kohl wollte mehr erreichen, aber es war ein Fehler, daß Mitterrand darauf nicht einging. Das führt nun dazu, daß wir uns heute mit der Währung in derselben Lage befinden wie 1952 mit der Verteidigung . . .
FR: Sie waren damals gegen die Europäische Verteidigungsgemeinschaft.
Grosser: Ja, weil ich nicht einsehen konnte, was eine gemeinsame Armee sein soll ohne eine gemeinsame politische Autorität. Was bedeutet eine gemeinsame Währung ohne ein Minimum an gemeinsamer politischer Autorität? Daß es diese gemeinsame Währung geben wird, kann man sowieso bezweifeln; denn die vier Bedingungen die Bonn dafür zur Voraussetzung gemacht hat, sind so, daß sie zum vorgesehenen Zeitpunkt von niemandem erfüllt werden, sondern, wenn überhaupt, erst viel später.
FR: So wird es auch von der Währung her keinen Druck in Richtung Politische Union geben?
Grosser: Die Europäische Union wird es geben, wenn man den Widerspruch überwindet, in dem viele Politiker verharren. Sie beklagen zum Beispiel die Ohnmacht Europas im Jugoslawien-Konflikt, gleichzeitig aber sind sie gegen mehr Macht für Europa. Das geht nicht. Wenn Europa Macht ausüben soll, muß es auch Macht haben. Darum ist eine gemeinsame politische Autorität Europas notwendig. In Frankreich wie in Deutschland wird jedoch immer noch behauptet, der beste Beweis, daß es kein Europa geben kann, ist, daß es noch kein Europa gibt.
FR: Das ist das gleiche Argument, das in Deutschland gegen die gemeinsame Währung vorgebracht wird.
Grosser: Dabei sollten diejenigen, die in Deutschland vor der gemeinsamen Währung warnen, wissen, daß es uns allen besser ginge heute, wenn es im Oktober 1990 bereits eine gemeinsame Währung gegeben hätte. Die elf anderen EG- Regierungen hätten nämlich nie zugelassen, daß die deutsche Vereinigung über Anleihen finanziert wird. Unter dieser verfehlten Wirtschaftspolitik leiden wir alle, auch die Deutschen. In Frankreich erkläre ich immer, daß es nicht die böse Bundesbank ist, die die Zinsen hoch hält, sondern daß die hohen Zinsen die Konsequenz der Anleihenpolitik der Bundesregierung sind.
FR: Erklärt sich Mitterrands Zurückhaltung gegenüber der Europäischen Union nicht aus der Unsicherheit über die Rolle Frankreichs im künftigen Europa, dessen Schwerpunkt sich nach Osten verlagert?
Grosser: Ich glaube nicht, daß das wirklich eine Rolle spielt. Im Vertrag von Maastricht steht ja drin, daß es sich um einen Schritt zur Europäischen Union handelt. Dazu hat sich Mitterrand beim Referendum nicht bekannt. Es wäre ehrlich und politisch notwendig, jetzt zu sagen, was dieses Europa sein soll.
FR: Alfred Grosser, demnächst wird ein neues Buch von Ihnen herauskommen mit dem Titel "Mein Deutschland". Haben Sie wieder Angst, wenn Sie an das Land denken, in dem Sie geboren sind?
Grosser: Ich glaube nicht, daß man Angst haben muß, aber wir - Franzosen und Deutsche - müssen uns zusammen Sorgen um die Zukunft machen.
FR: Die französische Öffentlichkeit hat auf die fremdenfeindlichen Angriffe in Deutschland - ganz anders, als es vor zehn Jahren der Fall gewesen wäre - ohne Hysterie und mit viel Fairneß reagiert. Was hat sich da geändert?
Grosser: Wenn ein Jean-Marie Le Pen mit seiner rechtsextremen Nationalen Front 14 Prozent der Wählerstimmen erhält, wird man doch recht bescheiden. Es hat auch in Frankreich sporadisch Übergriffe gegeben, vor Jahren sogar einen Brandanschlag auf ein Ausländerheim in Nizza. Die Täter, darunter zwei Polizisten, sind gefaßt und bestraft worden. Die Häufigkeit der Anschläge, das ist deutsch. Was mich aber noch mehr skandalisiert hat, das ist die Tatsache, daß man in Deutschland heute so tut, als ob es Nachlässigkeit von Polizei und Justiz gegenüber dem Rechtsradikalismus nur in der Weimarer Republik und nicht auch in der Bundesrepublik gegeben hätte.
FR: Wie erklären Sie Ihren französischen Landsleuten diese Ausbrüche von Gewalt in Deutschland?
Grosser: Es gibt viele Gründe, die wirtschaftlichen Probleme in Ostdeutschland, die jahrzehntelange Erziehung zum Haß, der sich dort nun Ziele sucht . . .
FR: Und die Aggressionen in Westdeutschland? Grosser: Ich komme da zum Kern: dem Problem der Staatsangehörigkeit. Wie die deutschen Verfassungsrechtler die Verfassung lesen, habe ich nie verstanden. Was man jetzt aus Artikel 16 - dem Grundrecht auf Asyl - macht, ist ein Skandal. Noch viel schlimmer ist die Praxis des Artikels 116. Der ist ja nicht in die Verfassung gekommen, um Wolga-Deutsche automatisch zu Bundesbürgern zu machen, sondern als Übergangsbestimmung, um die letzten Vertriebenen aus Schlesien, Ostpreußen oder dem Sudetenland als Bundesbürger aufzunehmen. Und nun wird er zur Bestätigung der furchtbaren deutschen Tradition, daß man - wie übrigens in Israel auch - durch Abstammung die Nationalität hat. Das hat absurde Folgen für junge Ausländer, die in Deutschland geboren sind und dort aufwachsen. Anders in Frankreich: Wer hier geboren ist, hat das Recht, auf die französische Nationalität. Die Idee der Nationalität in Frankreich hat integrierenden, in Deutschland hat sie ausgrenzenden Charakter.
FR: Doch der Paß schützt ja, wie wir wissen, nicht vor Verfolgungen.
Grosser: Wenn ich gefragt werde, was mit den jungen Ausländern in Frankreich ist, sage ich immer, es gibt keine, es gibt nur Tausende junger französischer Moslems. Die haben gewiß große Probleme der Integration in die Gesellschaft. Und es gibt, wie gesagt, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus auch in Frankreich. Aber die französische Konzeption der Nationalität ist dennoch wegweisend. Ich behaupte, daß der Erzbischof von München oder Berlin kein polnischer Jude sein könnte, der weiterhin sagte, er sei Jude . . .
FR: Sie spielen auf Kardinal Lustiger, den Erbischof von Paris an . . .
Grosser: . . . Ja, der ist ein Einwanderer aus Polen und bekennt sich zu seinem Judentum. Wir haben auch einen Staatssekretär, der aus Afrika stammt, und sich als Bretone versteht. Der ist übrigens ein entschiedener Gegner der multikulturellen Gesellschaft, wie sie zum Beispiel mein Freund Daniel Cohn-Bendit propagiert. Er verlangt vielmehr die Bereitschaft zur Integration mit allen Rechten und Pflichten und wendet sich gegen die Bildung ethnischer Gruppen in der Gesellschaft, wie sie ja durch das deutsche Staatsbürgerschaftsgesetz gefördert wird.
FR: Warum fällt es uns Deutschen schwer, uns als Nation neu zu verstehen, offener zu sein und auch Verantwortung in der Welt zu übernehmen?
Grosser: Der große Wunsch der Deutschen ist, daß das Gute siegen möge, aber kämpfen sollen dafür die anderen. Das hat zum Beispiel im Jugoslawien-Konflikt das deutsch-französische Verhältnis sehr belastet. Man will sich nicht vorschreiben lassen, ob und wann man etwa Kroatien anerkennt, aber wenn es dann darum geht, das Sterben zu verhindern, ist man nicht da. Man kann sich nicht unter Hinweis auf die Verfassung der Verantwortung entziehen. Der Übernahme von UN-Aufträgen steht die Verfassung überhaupt nicht entgegen. Früher mag die Vergangenheit vielleicht ein Grund dafür gewesen sein, keine Verantwortung übernehmen zu können, heute wäre sie nur noch ein Vorwand, keine tragen zu wollen.
Das Gespräch mit Alfred Grosser führte der FR-Korrespondent in Paris Hans-Hagen Bremer.
HOCHTAUNUSKREIS. Der "Apotheken-Kurier" titelt mit harschen Worten: "Seehofers Pläne gefährden Ihre Gesundheit!" Die Illustrierte hat den Spruch umgewandelt, der sonst auf Zigarettenschachteln steht. Grund der Kritik: das neue Gesundheitsstrukturgesetz (GSG), das seit dem 1. Januar gilt. Erst am 18. Dezember 1992 verabschiedet, hat das Gesetz vielerorts Verunsicherung ausgelöst. In Bad Homburg stöhnen Apotheker und Patienten über die Neuerungen, Ärzte sehen Probleme auf sich zukommen.
"Jetzt reicht&rquote;s aber!", ärgert sich eine Kundin in der Apotheke. "Die Politiker da oben kassieren nur und sehen gar nicht, was unten los ist." Die Frau ist empört über die neue Zuzahlung auf Rezepte. Der Apotheker erlebt zur Zeit heftige Reaktionen. "Kunden ärgern sich über hohe Beiträge - und die addieren sich, wenn man viele Medikamente braucht."
Zum Beispiel der Kunde, der die Arznei für seine diabeteskranke Mutter holt: Zwei Packungen im Wert unter 30 Mark, weitere zwei Packungen über 50 Mark, macht zusammen 20 Mark Zuzahlung. "Alte, kranke Leute werden zur Kasse gebeten", klagt der Kunde. "Wenn die Renten genauso steigen würden, wäre das ja in Ordnung. Wenn . . ."
Zwar sind viele Medikamente billiger geworden: verschreibungspflichtige um fünf Prozent, apothekenpflichtige um zwei Prozent. Ausgenommen sind aber 40 Prozent aller Präparate, sogenannte Festbetrags-Arzneimittel - Produkte, die von mehreren Firmen in ähnlicher Zusammensetzung angeboten werden und Richtpreise haben.
Manche dieser Arzneien sind durch die einprozentige Mehrwertsteuererhöhung über ihren Festpreis gerutscht. Beispiel: Ein bestimmtes Medikament kostete bisher 49,90 Mark. Mit Steuererhöhung überschreitet es die 50-Mark-Grenze. Die Differenz zahlt der Patient - plus sieben Mark. "Verfassungswidrig" nennt das ein Apotheker: "Die Festbeträge müßten parallel zur Steuer angehoben werden." Willi Thomas, Geschäftsführer der AOK Bad Homburg, kündigt an, die Hersteller sollten solche Härtefälle bald durch Preissenkungen abstellen. Dennoch: "Keiner ist froh darüber, daß die Regelungen so über Nacht geändert wurden."
Kompliziert sind nicht nur die Rechenexempel. In der "Brunnen-Apotheke" sind die Mitarbeiter seit 14 Tagen dabei, die neuen Preise auf die verbilligten Arzneien zu schreiben. "Das wird Ende Januar, ehe wir fertig sind", stöhnt eine Angestellte: "Ein Mordsaufwand." Zudem habe das Geschäft den vollen Preis für die Mittel bezahlt, die jetzt mit zwei bis fünf Prozent Rabatt über den Tisch gehen: "Das Lager ist voll. Alles unser Verlust."
Besonders die Ärzte legen, befragt über die Neuregelung, die Stirn in Falten. Sie dürfen auf Geheiß der Kassenärztlichen Vereinigung künftig ein bestimmtes Budget nicht überschreiten. So berichtet eine Bad Homburger praktische Ärztin, pro Quartal und Patient dürfe sie Medikamente für nicht mehr als etwa 125 Mark verschreiben. Über die Konsequenzen spekuliert sie: "Ärzte könnten besonders ,teure&rquote; Patienten abschieben." Oder nur noch billige Arznei verschreiben. Sonst werde der Doktor dafür haftbar gemacht, wenn der Patient zu krank sei - und müsse alles selbst zahlen, was über 125 Mark gehe. Die Krankenkassen fordern Regreß für den Überschuß.
Die Budgetierung sei "zum Teil ein Hammer", sagt ein anderer Arzt. Andere prophezeien: "Zweimal Regreß, und ich kann meine Praxis zumachen." Die praktische Ärztin fragt sich: "Wenn jemand zu mir kommt und ist so krank, daß er Medikamente für viel Geld braucht - soll ich sagen: Gehen Sie wieder, Sie sind mir zu teuer?"
THOMAS STILLBAUER
HOCHTAUNUSKREIS. Die wichtigsten Änderungen durch das Gesundheitsstrukturgesetz:&blt;
Für alle vom Arzt verschriebenen Medikamente ist in der Apotheke eine Zuzahlung fällig. Für eine Packung bis 30 Mark zahlt der Patient drei Mark, für die Packung bis 50 Mark zahlt er fünf Mark, bei einem Preis über 50 Mark sind es sieben Mark. Ab 1994 wird die Zuzahlung nach Pakkungsgröße gestaffelt. Die Regel gilt auch für Festbetrags-Arzneimittel, die bisher für Patienten gratis waren.
Die sogenannte Budgetierung dessen, was Ärzte verschreiben dürfen, richtet sich nach den Ausgaben des Jahres 1991. Was der Arzt darüber hinaus verschreibt, wird von der Krankenkasse nicht bezahlt. ill
HÖCHST. SPD-Fraktionschef Norbert Wildhirt ist stinksauer auf den Magistrat. "In der Altstadt tut sich fast nichts." Seit die Planer im Römer das Höchster Zentrum zum "Sondergebiet" erklärt haben, ruht dort zwar nicht der Verkehr, aber jeder Versuch, ihn zu beruhigen. Hauptproblem: der Parkdruck. Beschäftigte der Hoechst AG, Besucher der zahlreichen Ämter, Behörden und Schulen, außerdem die Angestellten des örtlichen Einzelhandels belegen tagsüber die wenigen Altstadtparkplätze, stellt Wildhirt fest. Verlassen die Höchst, stoßen in den Abendstunden die Besucher der Höchster Kneipen und Restaurants in die Parklücken.
Die Hoffnung, eine Tiefgarage unter dem Marktplatz könnte den Parkdruck aus der Altstadt nehmen, ist längst gestorben. Das Projekt hat der Magistrat wegen knapper Kasse vorerst gestrichen. Wildhirt: "Wir brauchen deshalb jetzt dringend ein Plakettensystem für die Altstadtbewohner." Die sollen sich mit dem Ausweis hinter der Windschutzscheibe dann auch ins eingeschränkte Halteverbot stellen oder kostenlos auf den Stellplatz mit Parkuhr rollen dürfen.
Ein Konzept, für das auch die Grünen, erbitterte Gegner einer Tiefgarage, zu haben sind. Thomas Schlimme (Grüne): "Wenn wir außerdem die Zahl der Parkplätze reduzieren, wird das die Altstadt effektiv entlasten." Auch Hans Georg von Freyberg (CDU) sympathisiert mit dem Plakettensystem. "Ich bin sowieso der Meinung, daß Kneipenbesucher kein größeres Recht auf einen Parkplatz haben als Anwohner."
Ob und wann es die Parkausweise für Anwohner geben wird, wird allerdings im Römer entschieden. Und dort ist laut Wildhirt Höchst auf der Prioritätenliste zur Einführung des Anwohnerparkens ganz nach hinten gerutscht. Noch vor zwei Jahren habe der Magistrat Höchst Platz vier eingeräumt, ärgert sich der SPD-Fraktionschef aus dem Ortsbeirat 6.
Daran allerdings will sich der stellvertretende Leiter des Planungsamtes, Jürgen Häußler, nicht mehr erinnern. "Alt- Höchst hat nie auf einer solchen Liste gestanden", erklärte Häußler auf Anfrage. Die Altstadt werde als Sondergebiet behandelt. Will heißen: Wie und wann die Straßen verkehrsberuhigt werden, entscheidet nicht der Ortsbeirat, sondern die Stadtverordnetenversammlung. Im Planungsamt werde derzeit an einem Konzept für die Altstadt gearbeitet. Die besondere Problematik sei dort wohlbekannt, betonte Häußler. In welche Richtungen die Überlegungen gehen, wollte er allerdings nicht einmal andeuten. Lapidare Erklärung: "Bevor das nicht abgeschlossen ist, kann ich nichts sagen."
"Sondergebiet - das heißt: es passiert nichts", kommentierte Norbert Wildhirt süffisant die Amts-Terminologie. "Höchst ist eben immer ganz zum Schluß dran", stellt Wilhelm Großbach von der Bürgervereinigung Höchster Altstadt resigniert fest. Viel Hoffnung, daß sich daran bald etwas ändert, hegt er nicht. Wenn das Anwohnerparken eingeführt werde, habe das nur Sinn, "wenn das auch kontrolliert wird". Sonst parkten die Angestellten der Hoechst AG, der Main-Kraftwerke, Banken und des Einzelhandels auch weiterhin "wild" in der Gegend herum.
Zumindest die großen Arbeitgeber bestreiten im übrigen, daß ihre Beschäftigten die Altstadt zuparken. Auf mehreren externen Flächen hat Hoechst laut Unternehmenssprecher Heiner Harder immerhin 7412 Plätze zu bieten. Hinter den Werkstoren sind es noch einmal 1279. Einer Zählung vom 17. November vergangenen Jahres zufolge seien die externen Parkplätze nur zu rund 90 Prozent belegt.
Als ausreichend betrachten auch die Main-Kraftwerke ihr Stellplatzangebot. 273 der 550 Mitarbeiter können laut MKW-Sprecherin Barbara Neuhaus auf Firmengelände einen Platz für ihren Wagen finden. tos
HOCHTAUNUSKREIS. "Frohe Feste - Fröhliche Gäste" heißt der Veranstaltungskalender des Kreises für 1993, der dieser Tage erschienen ist. Unter dem Motto "Hochtaunuskreis . . . naheliegend" informiert die gelbe Broschüre über Märkte, Konzerte, Feste und vieles mehr: vom längst verklungenen Neujahrskonzert bis zum Silvesterball am Jahresende.
Im Heft sind zwar schon Termine für das ganze Jahr enthalten. Mitte April wird aber noch eine aktuelle Fassung für die zweite Jahreshälfte erscheinen.
Die in einer Auflage von 5000 Stück gedruckte Broschüre ist erhältlich bei der Tourist-Info des Hochtaunuskreises, Kisseleffstraße 7 (Hofhaus) in Bad Homburg, Tel. 0 61 72 / 1 78 - 3 52, oder bei den einzelnen Stadt- und Gemeindeverwaltungen. ill
Polizeirevier-Neubau an der Gebeschusstraße verzögert sich erneut: Lagerplatz für verseuchte Erde gesucht
GALLUS. Gregorianischer Gesang ist laut Brockhaus der einstimmige "liturgische Gesang der lateinisch-katholischen Kirche". Eine findige Musikagentur aus Bremen hat für diese melodische Kult- Musik in der Bundesrepublik ein Publikum ausgemacht und organisierte ein Konzert russischer Mönche in der Friedenskirche im Gallus.
Die Mönche aus dem kleinen Erzengel- Gabriel-Kloster bei Moskau pflegen schon seit vielen Jahren diese Form des Gesangs und sind dafür bekannt. Im vergangenen Jahr begann ihre Tournee durch neun große Städte in Deutschland. "Das ist jetzt erst einmal nur ein Testlauf. Dennoch sind wir sehr überrascht, wie viele gerade junge Leute zu den Konzerten kommen. In Bremen waren mehr als 800 Besucher da", erzählte Karsten Arndt, der die Klosterbrüder auf ihrer Reise begleitet.
Beim Konzert in Frankfurt waren fast alle Plätze in der Friedenskirche besetzt: Etwa 170 Menschen hörten den Mönchen gebannt zu. Der Altar war beiseite geräumt worden, an seiner Stelle hatten sich die Sänger unter dem 15 Meter hohen gotischen Bogen aufgestellt. Ihre Gesichter wurden von roten Strahlern beleuchtet, Dutzende von Kerzen tauchten die Szene in unwirkliches Licht und schafften damit passendes Ambiente für die Musik.
Im ersten Teil des eineinhalbstündigen Programms mit dem Titel "Arte Corale" sangen die Mönche gleichstimmig, nur ab und zu setzte einer der Künstler zu einem Solo an.
Im zweiten Teil des Konzerts faszinierten die Russen ihr Publikum mit mehrstimmigen Liedern von Nikolai Golovanov, Viktor Kalinnikov und Konstantin Schwedov.
Nach dem großen Erfolg plant die Bremer Musikagentur im April und Mai eine weitere Tournee der russischen Mönche. "Ab Februar sind wir in Großbritannien zu Gast, und außerdem werden wir eine CD aufnehmen", betonte Karsten Arndt, einer der Agentur-Manager.
Ob die Mönche wieder im Gallus auftreten werden, steht noch nicht fest. Doch die gute Akustik und Atmosphäre beim jüngsten Konzert sprechen für die Friedenskirche. dil
Das Fuldaer Fairneß-Abkommen Alle im fuldischen Stadtparlament vertretenen Parteien - CDU, SPD, FDP, Grüne sowie die CWE (Christliche Wähler-Einheit) - haben sich erstmals auf ein "Fairneß-Abkommen" geeinigt. Danach soll der Wahlkampf für den 7. März "in sachlicher Weise und im Stile des Respekts" ausgetragen werden und "persönliche Verunglimpfungen" unterbleiben.
"Es traut sich ja heute niemand mehr zu sagen, daß Frauen auf bestimmten Gebieten einfach nicht in der Lage sind, Großes zu leisten. Es hat in der Geschichte keine Frau gegeben, die . . ." (FR vom 5. Januar 1993 "Aufgespießt") so Großes geleistet hat wie z. B. Nero oder Napoleon oder Hitler oder oder . . .
Die blutig-tödliche Spur des Mannes durch die Geschichte führt ins Heute zu den Saddams oder zu den Männern, die im ehemaligen Jugoslawien mörderische Massaker verüben oder zu den täglich mordenden Männern neben uns. Frauen haben in der Tat "so Großes" nicht geleistet.Astrid Helfrich, Weilrod
ESCHERSHEIM. In unseren Bericht "Graue Widder lümmelten sich im Stroh" in der Stadtteil-Rundschau Nord (7. Januar) hat sich ein Fehler eingeschlichen: So wurde aus dem CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Hans Burggraf ausgerechnet ein SPD-Mitglied. Zumindest nannten wir ihn in einem Atemzug mit Armin Clauss - dem früheren hessischen Sozialminister, der Mitglied der SPD ist.
Ein "echter" Tippfehler hat sich beim Namen des CDU-Stadtverordneten Karlheinz Bührmann eingeschlichen: erst kommt das "h" und dann das "r". uv
BONAMES. Sänger sind ihrer Zeit immer voraus. Im milden Spätsommer wird das Weihnachtsoratorium für das Konzert im Dezember geprobt, und an eisigen Januarabenden singt man von grünen Knos- pen, Schwalben und Frühlingsgefühlen. Beim "Bonameser Frauenchor 1986" ist das nicht anders. Das neue Jahr ist zwar erst ein paar Tage alt, an "Jingle Bells" oder "Petersburger Schlittenfahrt" denkt aber niemand mehr. Dabei steht gar kein Frühjahrskonzert auf den Terminplan.
Bereits am Samstag, 16. Januar, haben die 40 Sängerinnen ihren ersten Auftritt: Beim Ball der Bonameser Vereine anläßlich der Wiedereröffnung des Bürgerhaus Nidda ist der Frauenchor mit von der Partie. Die Zeit ist knapp und die Sängerinnen haben den dringenden Appell ihres Dirigenten Wilhelm Denker erhört: Trotz der Weihnachtsferien erscheinen sie beinahe vollzählig versammelt zur ersten Probe im neuen Jahr.
Doch nicht nur die Sängerinnen haben bis zur Eröffnung des 3,6 Millionen Mark teuren Umbaus am Harheimer Weg viel zu tun: Der Parkettboden hat Löcher, überall liegt Bauschutt umher und es fehlt noch das eine oder andere Möbelstück. Wenigstens der kleine, schallisolierte Probenraum ist fertig. Dort trifft sich künftig der Bonameser Frauenchor zur wöchentlichen Probe. "Jetzt bräuchte man nur noch ein neues Klavier", meint Dirigent Wilhelm Denker sarkastisch und schlägt ein paar schräge Akkorde auf dem alten Instrument an. Nach den obligatorischen besten Wünschen für's neue Jahr schreitet er mit seinen Sängerinnen gleich ans Werk, mit Entspannungs- und Atemübungen und ein paar Tonleitern zum Einsingen. Vier Stücke hat Denker für den Abend im Bürgerhaus ausgewählt. Nach der dreiwöchigen Weihnachtspause klappt bereits das erste Durchsingen der Lieder erstaunlich gut. Ein Dirigent ist aber nie ganz zufrieden. Note für Note probt er mit den einzelnen Stimmen - Sopran I und II, sowie dem Alt - das schwierige Stück "Wenn ich die Schwalbe seh'" des tschechischen Komponisten Petr Eben. Ein neuer Versuch. Schon klingt der Gesang schöner und ausdrucksvoller. Anerkennend nickt er den Frauen "Die Feinheiten proben wir nach der Pause."
Vor sieben Jahren gründete Wilhelm Denker den Bonameser Frauenchor. Seine Liebe zum Dirigieren entdeckte er spät: Erst Mitte der 80er Jahre absolvierte er die Chorleiterprüfung. Vor seiner Dirigentenkarriere tourte er als Kontrabassist in Jazzbands durch Deutschland und Europa. "Irgendwann war aber damit Schluß, die Familie verlangt schließlich auch ihr Recht." Viel unterwegs ist er aber auch heute.
Neben dem Frauenchor in Bonames leitet er Chöre in Unterliederbach, Eschborn, Berkersheim und Eschersheim. "Ich habe unter der Woche keinen einzigen Abend frei. Vor allem in der Advents- und Weihnachtszeit war es oft ganz schön stressig." Den Spaß hat Wilhelm Denker aber offenbar nicht verloren. Engagiert geht es bei der Chorprobe zur Sache. "An dieser Stelle müßt ihr alle eure Gefühle reinlegen." Und gefühlvoll singt er seinen Damen vor, wie es klingen soll. Wilhelm Denker kann seine Sängerinnen begeistern und motivieren.
Und wo gut gearbeitet wird, bleiben Erfolge nicht aus: In vielen Wettbewerben errang der Bonameser Frauenchor erste und zweite Plätze; und - vorläufiger Höhepunkt der Vereinsgeschichte - beim Bundesleistungssingen 1990 in Bad Orb gab es die glänzende Note 1,9 mit der Plakette "Für besondere Leistungen 1990".
Erfolge feiern die 40 Sängerinnen aber nicht nur in der Heimat, auch im fernen Nordafrika wurde ihn schon zugejubelt. In bester Erinnerung hat Wilhelm Denker zwei Konzerte in Kairo: "Begeistert waren die Ägypter nicht nur, weil wir ein reiner Frauenchor sind, sondern weil wir alles ,a capella&rquote;, das heißt ohne Instrumentalbegleitung gesungen haben."
Dabei hat es ein Frauenchor gar nicht leicht. "Wir werden häufig nicht für voll genommen. Frauenchor - das Wort klingt etwas abfällig." Besonders ärgert Wilhelm Denker, wenn über einem Stück die Anweisung "Für Kinder- oder Frauenchor" steht. Und auch bei der der Chorliteratur sieht es nicht gut aus. Stükke für Männerchöre gibt es wie Sand am Meer, gute Kompositionen für Frauenchöre sind eher selten.
Denker macht aus der Not eine Tugend: Häufig greift er zu Bearbeitungen anderer Stücke oder schreibt Werke für seinen Frauenchor um.
Dennoch hat der Chorleiter aus Bonames die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht aufgegeben, und beinahe klingt's wie eine Warnung: "Frauenchöre sind schwer im Kommen." bai
Verkehrte Welt in der Tischtennis- Oberliga Süd der Frauen: Hessenliga- Aufsteiger TSV Langstadt mischt in der Spitzengruppe der Oberliga gehörig mit, Regionalliga-Absteiger SG Dornheim muß auch in der tieferen Klasse gegen den Abstieg kämpfen. Gut möglich, daß die beiden Klubs in der kommenden Saison wieder zwei Spielklassen auseinanderliegen, dann jedoch mit vertauschten Rollen. Weder mit dem Ab- noch mit dem Aufstieg wird wohl die DJK Blau-Weiß Münster etwas zu tun bekommen. Die "alteingesessene" Oberliga-Mannschaft rangiert mit 11:9-Punkten jenseits von Gut und Böse im Tabellen- Mittelfeld.
Durch den 8:3-Sieg in der vorgezogenen Rückrundenpartie bei den Münsterinnen und dem sicheren Erfolg über Dornheim schloß das Langstädter Team zu Spitzenreiter Hünfelder SV (18:4 Punkte) auf und liegt mit 18:4 Zählern aussichtsreich auf dem zweiten Rang. Die Entscheidung über den Titelgewinn dürfte spätestens am 21. März fallen, wenn der TSV in Hünfeld gastiert. Eine schwere Prüfung haben die Langstädterinnen zunächst aber bei der SGK Frankfurt zu bestehen, die ihnen in der Vorrunde neben Hünfeld (4:8) die zweite Niederlage beibrachte (4:8). Für diesen Ausrutscher in eigener Halle gilt es, sich am Sonntag (10 Uhr) zu rehabilitieren. Am 30. Januar folgt mit dem Spiel in Bad Homburg ein weiterer "schwerer Gang". Doch zumindest das gesteckte Ziel der "ehrgeizigen, jungen Truppe" um Spielführerin Kerstin Krapp, ein Platz unter den ersten drei, werden die Aufsteigerinnen sicher erreichen können.
Die Bilanzen der Langstädterinnen sind bis auf Ingrid Brand an Tisch vier (5:6) durchweg positiv. Kerstin Krapp erspielte sich an der Spitze 18:4 Siege, Carmen Stork erzielte 12:5 und Ulrike Colmar schoß mit 15:3 an der drei den Vogel ab. An Tisch vier fehlt den Langstädterinnen vielleicht letzten Endes das entscheidende Quentchen, denn auch Ersatzspielerin Marianne Eckert (2:2) spielte zwar ordentlich, kann jedoch keine positive Bilanz vorweisen.
Die Leistungszahlen der drei ersten Langstädterinnen liegen mit 4,18 (Krapp), 4,24 (Stork) und 4,83 (Colmar) bei hervorragenden Werten. Ulrike Colmar liegt in der Einzelwertung hinter den überragenden Spielerinnen Birgit Weber (Hünfelder SV/1, 22:1- Siege, Leistungszahl 5,52) und Ingeborg Welter (SKG Frankfurt/2, 22:2, 5,29) auf Rang drei, Carmen Stork und Kerstin Krapp nehmen die Plätze sechs und sieben ein. Da alle drei so gut aufspielten, sind die Langstädterinnen eines der wenigen Teams, das in unveränderter Rangfolge die Rückrunde bestreiten wird.
Bei den Doppelbesetzungen gleicht die tadellose Bilanz von Krapp/Brand (6:0-Siege, Dritte der Doppelrangliste) das etwas schwächere Abschneiden von Stork/Colmar (4:5/10.) mehr als aus.
Von Klassenleiterin Henny Anderson gehörig durcheinandergewirbelt wurde hingegen die Aufstellung der SG Dornheim, wo sich Neuzugang Sylke Bromm (1. FC Niedernhausen) mit 13:6-Siegen an der zwei zur neuen Nummer eins mauserte. Ihre Leistungszahl liegt mit 4,16 deutlich über den Werten ihrer Teamgefährtinnen. Von der eins an die drei rutschte Manuela Dreher, die mit 5:15 als Spitzenspielerin nur wenig ausrichten konnte. Die neue Nummer zwei heißt Kerstin Oehl, denn sie erzielte mit 8:10 an der vier eine bessere Bilanz als Judith Keil an der drei (8:13). Ersatzspielerin Petra Metzger blieb ein Erfolgserlebnis gänzlich versagt (0:3). Daß der Weggang von Spitzenspielerin Manuela Keiels (SV Darmstadt 98) die Dornheimerinnen stark schwächen würde, war abzusehen. Mit 5:13- Punkten müssen die Dornheimerinnen nun jedoch wirklich achtgeben, um nicht im "freien Fall" gleich noch eine Klasse tiefer zu landen.
Die positiven Doppel-Bilanzen von Bromm/Oehl und Dreher/Keil (beide 5:4) lassen hoffen. Wichtig wird es für die SG sein, gegen die direkten Konkurrenten zu punkten. Der Anschluß an das Tabellen-Mittelfeld dürfte nicht mehr herzustellen sein. Dazu hat sich die Spreu (Dornheim, TSV und SSV Erfurt und Schmalkalden) bereits allzuweit vom Weizen getrennt. Auch in Münster, wo die SG das zweite Rückrundenspiel am 31. Januar bestreitet, werden die Trauben für das Dornheimer Team wohl zu hoch hängen. Als schlagbare Gegner erwiesen sich in der Vorrunde für die SG der abgeschlagene SSV Erfurt (8:0) und Schmalkalden (8:0). Daß die Dornheimerinnen durchaus spielen können, bewiesen sie zum Auftakt mit dem überraschenden 7:7 gegen Arzell, das allerdings nicht bestätigt werden konnte. Etwas mehr Konstanz in der Rückrunde ist unabdinglich.
Konstanz ist bei der DJK Blau-Weiß Münster angesagt. Die Münsterinnen gehören seit Jahren der Oberliga an, verpaßten den Aufstieg mehrmals knapp und scheinen für diese Klasse prädestiniert zu sein. Auch in dieser Saison wird für die Münsterinnen der Weg weder nach oben noch nach unten führen. Sie liegen in der Mitte der Tabelle und erzielen stets dieser Plazierung entsprechende Resultate. In schöner Ordnung schlagen sie diejenigen Gegner, welche unter ihnen rangieren und verlieren gegen die besser plazierten Teams. Unter dem Strich springen hierdurch für drei der fünf eingesetzten Spielerinnen positive Bilanzen heraus. Hildegard Georgi blieb mit 12:9 (Leistungszahl 1,61) an der eins allerdings nur recht knapp im schwarzen Bereich und wird in der
Rückrunde an Tisch drei antreten. Wieder zu ihrer alten Form zurückgefunden hat Birgit Heckwolf mit 11:6- Siegen (3,94). Die alte und neue Nummer eins rangiert mit dieser Wertungszahl auf dem zehnten Platz der Einzelwertung.
Sonja Haus rückt mit 13:7-Erfolgen (3.00) ebenfalls nach oben. Zum Sorgenkind der Münstererinnen entwikkelte sich Melanie Netz, die für Christine Rosskopf ins Team rückte. Sie kam nur zu 4:11-Siegen (1,13). Ersatzspielerin Miriam von Nordheim bewies mit 2:1-Erfolgen ihre Oberliga- Tauglichkeit. Die Doppelbesetzungen Georgi/Haus (6:3) und Heckwolf/Netz (4:3) erwiesen sich als guter Griff. Einen Tabellenrang gutmachen können die Münsterinnen am 17. Januar, wenn sie den Tabellen-Nachbarn SKG Frankfurt besiegen können. Mehr als ein guter Mittelplatz wird für die "bodenständigen" Münsterinnen jedoch in dieser Saison nicht zu erreichen sein.
HALBZEITTABELLE: 1. Hünfelder SV 16:2-Punkte/66:32-Spiele, 2. TSV Langstadt 14:4/64:26, 3. TSV Arzell 13:5/63:46, 4. ESV Blau-Gold Bad Homburg 12:6/63:40, 5. SKG Frankfurt 11:7/60:48, 6. DJK Blau-Weiß Münster 11:7/53:41, 7. SG Dornheim 44:55/5:13, 8. TSV Erfurt 5:13/39:60, 9. TTV Schmalkalden 3:15/26:69, 10. SSV UT Erfurt 0:18/11:72. INA SCHNEIDER
AUS ALLER WELT 26
Goethe, Heine und Brecht - Deutschland, das Kulturland, Heimat der Dichter und Denker. Mit diesem Bild kam der chilenische Liedermacher, Gitarrist und Sänger Pablo Ardouin vor zehn Jahren in die Bundesrepublik. Das Bild hat er längst zurechtgerückt. "Die kennen ihre eigene Kultur nicht", sagt er heute über die "Quadrados", wie die "engstirnigen und zugeknöpften" Deutschen in Lateinamerika verspottet werden.
Für Ardouins Kunst gibt es hierzulande nur ein kleines Publikum. Der in Frankfurt lebende Liedermacher ist ein Mann der leisen Töne. Seine Kompositionen sind vielschichtig, fernab konventioneller Akkordschemen, seine Poesie metaphorisch, ein wenig versponnen und - was in Deutschland das Hauptproblem ist - in spanisch. Musik für den Kopf, nicht für die Beine. "Die Leute wollen nicht mehr zuhören, sondern tanzen", sagt er. Und: "Lateinamerikanische Kultur ist für die meisten nur Salsa, Samba und Rumba." Doch Ardouin bleibt sich als Botschafter des "Neuen Chilenischen Liedes" treu. Inspiriert von Violeta Parra und Viktor Jara, den bekanntesten Vertretern dieser Richtung, entwickelt er aus den vielfältigen kulturellen Wurzeln seiner Heimat einen eigenen Stil, verbindet beispielsweise Musik der Mapuche-Indios mit politischen und sozialkritischen Texten oder den Versen chilenischer und spanischer Dichter.
Seine eigene Poesie wurde wesentlich von den politischen Ereignissen in seiner Jugendzeit geprägt. 1973 stürzte Diktator Augusto Pinochet mit einem blutigen Putsch die Regierung unter Salvador Allende. Pinochet verbot das "Neue Chilenische Lied". Deutliche Kritik am Regime war fortan lebensgefährlich. Viktor Jara wurde von Pinochets Folterknechten als Warnung an eine ganze Generation junger, unbequemer Künstler ermordet. In den Konzertsälen und Universitäten konnten die Liedermacher Kritik nur noch zwischen den Zeilen üben. So, daß es das Publikum verstand, die Militärs aber nicht eingreifen konnten.
Vor diesem Hintergrund erklärt sich dem Zuhörer die Sprache Pablo Ardouins, der Mitte der siebziger Jahre vor allem im Süden Chiles zu den bekanntesten Sängern zählte und mehrere Komponistenpreise erhielt. In einer Art Klagelied beschreibt er das nächtliche Santiago zur Zeit Pinochets als "dunkles Skelett aus Kalk", singt von traurigen Straßen und: "tief in deinem Bauch pulsiert ein Klagen". Die Bilder stehen für Ausgangssperre, Militärpräsenz und willkürliche Erschießungen.
Dreimal saß Ardouin im Gefängnis, wurde aber stets nach kurzer Zeit wieder freigelassen. Seine Heimat verließ der heute 41jährige nicht aus politischen Gründen. Er folgte einer Frau nach Kiel, gab Konzerte in Dänemark und Schleswig-Holstein. Nach zwei Jahren verließ er die norddeutsche Hafenstadt. Ein Jahr zog er als Straßenmusiker durch die Bundesrepublik und landete 1986 in Frankfurt - "wieder wegen einer Frau". Mit seiner heutigen Ehefrau Renate van Boekel gründete Ardouin vor sechs Jahren das Duo "Entredos - Lieder zwischen zwei Kulturen". Seither setzt sich der Chilene auch mit deutscher Musik auseinander. Vor allem mit Bertolt Brecht und den Komponisten Kurt Weill und Hanns Eisler beschäftigt er sich intensiv. Zum Repertoire des Duos gehört beispielsweise das "Lied von der Moldau" aus dem "braven Soldaten Schweijk", arrangiert für Gitarre und Cuatro - einem viersaitigen Instrument aus Chile -, gesungen in spanisch, gespielt in lateinamerikanischem Rhythmus. Und ab und zu arbeitet der "Wanderer zwischen den Kulturen", wie er sich selbst bezeichnet, mit einem deutschen Pianisten zusammen. Dann klingen in seinen Stücken jazzige oder rockige Töne durch.
Ardouin ist nach allen Seiten offen, und überall, wo er ist, kritisiert er Mißstände und setzt sich mit den Menschen auseinander - auch in Frankfurt. An seiner zweiten Heimat, der Geburtsstadt seiner beiden Kinder, reizt ihn die "Internationalität". Hier sieht der Idealist Ardouin die Chance für eine "wirkliche Multikultur", für die er sich auch als Vorsitzender des lateinamerikanisch-deutschen Kulturvereins L'Araña einsetzt.
Aber: "So richtig wohl fühle ich mich hier derzeit natürlich nicht", sagt er. "Rassismus, Haß und Gewalt. Das ist das andere Deutschland - neben Goethe, Heine und Brecht." MARK OBERT
FRANKFURT A. M. Rund 50 000 Mark spendete die Frankfurter Sportstiftung dieser Tage an vier Frankfurter Vereine, die im Leistungssport aktiv sind. Der Frankfurter Turnverein 1860 (FTV), die Leistungsgemeinschaft Wasserspringen Frankfurt, die Schwimmgemeinschaft Frankfurt und der Frankfurter Roll- und Eissportclub (FREC) erhielten insgesamt genau 48 900 Mark an sogenannten zweckgebundenen Fördermitteln.
Die Vereine wollen damit in erster Linie die Kosten für hauptamtliche Trainer, Trainingslager und Wettkampfkosten decken. "Das Geld soll hauptsächlich der Begabten- und Nachwuchsförderung zugute kommen, denn hier fehlt es oft am nötigen Geld", erklärt Finn B. Larsen, Vorsitzender der Sportstiftung.
Der Frankfurter Turnverein hat das Geld für seine Fechtabteilung eingeplant. Der FTV bietet derzeit in der Musterschule, der Herderschule und der Schule am Ried Arbeitsgemeinschaften im Fechten an. "Wir stellen dabei Material und Trainer kostenlos zur Verfügung und betreuen etwa 50 Kinder der Klassen fünf und sechs. Diese Breitenarbeit an den Schulen soll weitergeführt und ausgebaut werden, deshalb sind wir für die 20 000 Mark der Sportstiftung sehr dankbar", sagt Hans Buskase vom FTV-Vorstand. Die Schwimmgemeinschaft Frankfurt erhielt einen Scheck über 7500 Mark. Sie will damit die Nachwuchsschwimmer mit den besten Erfolgsaussichten unterstützen und ihnen Aufenthalte in Trainingslagern finanzieren. "Das ist wegen der schlechten Bedingungen in Frankfurt unbedingt nötig", betont SG-Vorstandsmitglied Frank Schneider. In Frankfurt können die Schwimmer der SG ihre Bahnen nicht in 50-Meter-Becken ziehen. Da dies für das Leistungsschwimmen jedoch erforderlich sei, schickt der Verein seinen Nachwuchs zweimal im Jahr ins Trainingslager.
Auch die Leistungsgemeinschaft (LG) Wasserspringen hat die gespendeten 20 000 Mark für Trainingszwecke vorgesehen. Der Zusammenschluß aus dem Höchster Schwimmverein, dem Ersten Frankfurter Schwimmclub, der Sport- und Kulturgemeinschaft Frankfurt und der Frankfurter Turn- und Sportgemeinschaft wird von dem Geld einen hauptamtlichen Trainer finanzieren. "Damit wollen wir für die Leistungssportler bessere Trainingsbedingungen schaffen und so das Defizit an Ausbildung und Training beseitigen", erläutert Peter Schwab, Koordinator der LG.
Die aktiven Sportler des Frankfurter Roll- und Eissportclubs werden mit dem Zuschuß von 1400 Mark Rechnungen begleichen, die noch von der Weltmeisterschaft der Rollsportler im vergangenen Jahr in Miami offen sind.
Da die Antrittsgebühren für die Weltmeisterschaft nach dem WM-Reglement beispielsweise nicht direkt von der Stadt Frankfurt bezahlt werden dürfen, sind die FREC-Mitglieder auf Spenden angewiesen. Sylvia Schenk, Sportdezernentin und Vorstandsmitglied der Sportstiftung, hält es im Grunde für absurd, "wenn eine Stadt nicht den Verein unterstützen darf, der sie bei einer Weltmeisterschaft vertritt".
In diesem Fall tritt die Frankfurter Sportstiftung als "Feuerwehr" auf den Plan. Der 1967 gegründete unabhängige Verein springt ein, wenn Vereine dringend Geld brauchen. Die entsprechenden Anträge werden von einem Gutachterausschuß geprüft, der dann den Vorstand bei seiner Entscheidung berät. Ihr Geld bekommt die Sportstiftung hauptsächlich aus den Erlösen des Presseballs der Sportjournalisten. Finn B. Larsen: "Es hat sich so eingebürgert, daß die Journalisten uns die Einnahmen von etwa 50 000 bis 60 000 Mark überlassen." jan
BAD HOMBURG. Sicher, Willi Feucht wird das eine oder andere Plakat kleben. Auch ein paar Flugblätter wird er mit Dackel "Norris" in Ober- Erlenbach verteilen, wenn die Kommunalwahl näherrückt. Im Vergleich zu früher ist das nichts. Vor 40 Jahren, als der "Info-Stand" noch nicht erfunden war, da war man noch gefordert als Wahlkämpfer auf der Straße.
Der 26jährige Willi Feucht war gerade in die SPD eingetreten. Die Kommunalwahl 1952 stand vor der Tür. "Aus allem möglichen haben wir Plakatständer gemacht", schmunzelt Feucht heute: "Wir waren ja junge Leut&rquote;, mit Begeisterung dabei." Sie nagelten alte Dachlatten zusammen, so lang der Vorrat reichte. Wenn keine mehr da waren, klebten sie die Plakate einfach an Zäune, Masten oder Scheunentore. Nein, nicht mit Kleister. Den gab&rquote;s nicht, aber Mehl war da. Also nahmen sie "Mehlpapp", das hielt auch, so Willi Feucht. Bei Wind und Wetter pappte er Poster oder erneuerte sie: "Ich konnte es nicht dulden, wenn eines beschädigt war." Manchmal sabotierten "dumme Jungen", manchmal politische Gegner.
Die Flugblatt-Produktion war weitaus spontaner als heutzutage. Hatten die Rivalen am Abend vor der Wahl Zettel verteilt, dann waren sich die Genossen nicht zu schade, die ganze Nacht zu drucken, um erneut zu antworten - und sich diebisch darüber zu freuen. Die Texte waren nie polemisch, sondern stets sachlich. "Meistens jedenfalls", sagt Feucht listig.
Am Abend nach der Entscheidung trafen sich dann alle Wahlkämpfer im "Nassauer Hof", blickten zurück und feierten "ein bißchen". Und wenn die Wahl erfolgreich war? Willi Feucht: "Dann ein bißchen mehr." ill
Bebauungsplan und Gestaltungssatzung: Die weitere Entwicklung von Burg-Gräfenrode soll nicht dem Zufall überlassen werden Wohnen in alten Scheunen statt Bauen auf der Wiese Karben möchte den typischen Ortscharakter erhalten Von Jörg Muthorst KARBEN. Nicht dem Zufall überlassen will die Stadt Karben die weitere Entwicklung ihres Stadtteils Burg-Gräfenrode. Wie bei anderen ländlich strukturierten Orten in der Wetterau sind auch an "Roggau" die Veränderungen ländlichen Lebens nicht spurlos vorübergegangen, ist ein schleichender Wandel des alten Ortsbildes zu beobachten, der den Identifikationswert des Wohn- und Arbeitsraumes immer stärker beeinträchtigt. Ein kürzlich vom Parlament beschlossener Bebauungsplan und eine soeben im Entwurf vorgelegte Gestaltungssatzung sollen helfen, den typischen Ortscharakter im Kernbereich des Stadtteils zu erhalten und gleichzeitig Belange des Denkmalschutzes wie des Wohnungsbaus in Einklang zu bringen. Mangels Bebauungsplanes wurden Veränderungen im alten Ortskern Roggaus bislang über den Paragraphen 34 des Bundesbaugesetzes in Verbindung mit der Hessischen Bauordnung geregelt. Damit allein, so die Erfahrung des Magistrats, ließ sich jedoch keine städtebauliche Entwicklung im Sinne der noch andauernden Dorferneuerung betreiben. Vor allem in Bereichen wie überbaubare Flächen, Freiflächen oder Grenzabständen bestand nach Magistratsauffassung "Regelungsbedarf".
Gebäudeanordnung, Geschoßhöhe, Dachneigung oder freizuhaltende Grünflächen (wie der Burggarten) sollen nun per Bebauungsplan festgelegt werden. Das Genehmigungsverfahren läuft noch.
Von Bedeutung ist der neue Bebauungsplan vor allem für den unter bisherigen baurechtlichen Bedingungen nur schwer zu realisierenden Ausbau von Scheunen und anderen landwirtschaftlichen Nebengebäuden. Die Umnutzung solcher Bauten zu Wohnzwecken, die im engen Ortskern meist unmittelbar an ein Nachbargrundstück grenzen, soll erleichtert werden. Bei einer Erweiterung, bei einem Abriß mit anschließendem Neubau oder bei der Bebauung einer bisherigen Freifläche war bislang ein Mindestabstand von 2,5 Metern einzuhalten. Dorferneuerungsplanerin Silvia Scheu: "Da konnte man fast gar nichts bebauen." Oder aber der Nachbar mußte der Grenzbebauung zustimmen - eine nicht minder große Hürde für Roggauer Bauwillige. Die CDU hatte in der Stadtverordnetenversammlung denn auch zu bedenken gegeben, daß es gegen den neuen Bebauungsplan von dieser Seite her Einsprüche geben könnte - wenngleich konkrete Bauvorhaben noch gar nicht in Sicht sind. Dem hält Bürgermeister Detlev Engel (SPD) entgegen, angesichts der Wohnungsnot sei es erforderlich, einen "Weg zu gehen, der vielleicht nicht ganz so populär ist". Engel: "Wer nicht will, daß wir ständig irgendwo auf die grüne Wiese bauen, muß die Reserven nutzen."
Nicht nur wohnungsbaupolitisch, auch im Hinblick auf den Denkmalschutz ist die Parlamentsentscheidung von Bedeutung. Der Magistrat hofft, daß die größtenteils historische Bausubstanz nicht mangels alternativer Nutzungsmöglichkeiten dem Verfall preisgegeben wird. Detlev Engel: "Die Scheunen sind denkmalgeschützt und damit nicht abreißbar, ob mit oder ohne Bebauungsplan. Aber mit Bebauungsplan können sie zu Wohnzwecken umgenutzt werden."
Der Bebauungsplan bildet gleichzeitig die Grundlage für eine Gestaltungssatzung, die jetzt als Entwurf vorliegt (siehe untenstehenden Kasten) und die vor ihrer Beratung in den städischen Gremien noch mit dem für die Dorferneuerung zuständigen Amt für Regionalplanung, Landschaftspflege und Landwirtschaft (ARLL) in Friedberg abgestimmt werden soll. Erarbeitet worden ist die Gestaltungssatzung vom Planungsbüro Winchenbach und Scheu, das im Auftrag der Stadt die Dorferneuerung in Burg-Gräfenrode betreut. Die hieraus resultierenden Empfehlungen hinsichtlich der Gestaltung von Dächern, Fassaden und Fenstern, von Eingangsbereichen, Höfen oder Einfriedungen sollen nun zur Vorschrift werden. Ein wichtiger Schritt, mit dem über die befristete Dorferneuerungsmaßnahme hinaus die Ortsbildgestaltung geregelt werden soll.
Daß die Verabschiedung der Satzung alleine nicht ausreichend ist, die alte dörf- liche Baustruktur zu erhalten beziehungs- weise wiederherzustellen, ist dem Magistrat bewußt. Bürgermeister Engel: "Die Bürger müssen auch die Möglichkeit erhal- ten, Zuschüsse für Bau- und Renovierungs- maßnahmen in Anspruch zu nehmen." Das ist in größerem Maße nur im Rahmen der mit Landesgeldern geförderten Dorferneuerung möglich. In geringerem Umfang will die Stadt Karben aber auch über den Zeitrahmen des Erneuerungsprogramms hinaus Hilfestellung leisten.
Nach den Erfahrungen mit der Gestaltungssatzung in Burg-Gräfenrode will der Magistrat prüfen, ob dieses Instrument zur Eindämmung architektonischen Wildwuchses auch in anderen Stadtteilen anwendbar ist. Engel: "Das wird sehr, sehr schwierig." Viel mehr als eine Einflußnahme auf die Dach- oder Fassadengestal- tung erhofft sich der Bürgermeister nicht. Besser stünden die Chancen allerdings, wenn ein weiterer Stadtteil ins Dorferneu- erungsprogramm des Landes Hessen aufgenommen würde. Das könnte in sechs bis sieben Jahren in Rendel der Fall sein.
Bei dem Entwurf einer Gestaltungssatzung für den Ortskern von Burg-Gräfenrode haben sich die beiden Planerinnen Eva Winchenbach und Silvia Scheu an den Strukturen des Ortsgrundrisses des 18. Jahrhunderts orientiert, die bis in die Mitte unseres Jahrhunderts weitgehend erhalten geblieben sind. Typisch für das früher mit einem Wallgraben befestigte Dorf ist der regelmäßige Straßenverlauf mit sogenannten fränkischen Hakenhöfen mit überwiegend giebelständig zur Straße angeordneten Wohnhäusern. Die Gebäude auf den schmalen Rechteck-Grundstücken sind meist zweigeschossig und haben ein Satteldach von mindestens 45 Grad Neigung. Ältere, eingeschossige Gebäude fallen durch noch steilere Dächer auf.
Ersatzbauten für historische Gebäude sollen sich in Dimension und Stellung am Altbau orientieren, heißt es in der im Entwurf vorliegenden Gestaltungssatzung, bei der Ausnahmegenehmigungen möglich sind, bei deren Nichteinhaltung aber auch Geldbußen bis zu 100 000 Mark erhoben werden können. Als Dachform wird das Satteldach mit einer Neigung zwischen 45 und 50 Prozent nahegelegt. Ausnahmen sind jedoch möglich. Die Anzahl von Dachaufbauten wie Einzelgauben soll beschränkt bleiben und unterhalb der Fensterzahl des darunterliegenden Geschosses bleiben. Dacheinschnitte, Loggien und "liegende" Dachfenster sind bei Neubauten nur zulässig, wenn sie von der Straßen aus nicht sichtbar sind und eine zusammenhängende Dachfläche gewahrt bleibt. Für die Dacheindeckung werden naturrote Tonbiberschwanz- und -falzziegel und - sofern keine denkmalpflegerischen Einwände bestehen - rote Betondachsteine zugelassen. Dachüberstände dürfen an der Traufe 50 Zentimeter nicht überschreiten. Dachrinnen und Fallrohre sollen aus farblich unbehandeltem Zinkblech oder Kupfer beschaffen sein.
Bei der Fassadengestaltung ist die ortstypische, regelmäßige Anordnung von Fenstern und Türen beizubehalten oder wiederherzustellen. Beim Scheunenumbau müssen die Tore zumindest optisch erhalten bleiben. An Materialien sind entsprechend der traditionellen Bauweise Kalk- und Mineralputz sowie Vollholz für Fachwerk, Ladenfronten und Gliederungselemente zu verwenden, keinesfalls aber glatte, glänzende Stoffe. Auch sind stumpfe, matte und helle Farbtöne für Putzfassaden und Gefache zu wählen (früher waren sogenannte ochsenblutrote sowie braune Farbtöne typisch). Vorhandene Fachwerkfassaden sollen erhalten, verputztes Fachwerk nur dann freigelegt werden, wenn es ursprünglich als Sichtfachwerk ausgelegt war.
Fenster und Schaufenster, gewissermaßen die Augen eines Hauses, sind nur hochformatig zulässig. Die Einfassung soll aus Holz sein. Bei Neubauten sind andere Materialien zulässig, wenn sie in Farbe und Profil der Holzausführung gleichen. Gewölbte und farbige, industriell gefertigte Scheiben sind nicht gestattet. Teilungen und Sprossen sind wieder aufzunehmen, Glasbausteine an der Straßenseite zu vermeiden. Alte, handwerklich gefertigte Türen und Tore sind möglichst zu erhalten. Die Reparatur einer solchen Tür ("einzigartig und individuell"), mitunter der einzige Schmuck einer Fassade und die Visitenkarte des Hauses, koste nicht mehr als eine neue, so die beiden Planerinnen.
Fenster an Wohngebäuden sollen mit Klappläden versehen sein. Außenjalousien sind nicht zulässig, Rolladenkästen dürfen in der Fassade nicht sichtbar sein. Nicht zulässig sind Balkone sowie Vordächer an der Straßenseite. Treppenstufen sollen aus rotem Sandstein, Basalt oder gleichfarbigem Kunststein, Geländer aus Schmiedeeisen oder Holz bestehen. Scheunenvordächer sind zu erhalten oder zu ersetzen. Ganz allgemein sollten Vordächer, Balkone und Treppen zur Art des Hauses passen und nicht als fremde Elemente "angehängt" sein. Ebenfalls Werbeanlagen, Hinweisschilder und Automaten müssen in Umfang, Werkstoff, Form und Farbe dem Charakter des Hauses und der Straße angepaßt sein. Parabolantennen dürfen von der Straße aus nicht sichtbar sein.
Flachdachgaragen werden nicht gestattet (es sei denn, sie sind begrünt), Autostellplätze müssen vom Straßenraum durch Bepflanzung abgeschirmt sein. Höfe sollen auch bei Neubau- oder Umbaumaßnahmen in ihrer geschlossenen Struktur erhalten werden (etwa durch 1,8 Meter hohe Einfriedungsmauern) und mit Natursteinpflaster oder ähnlichem Material befestigt sein. Für die Bepflanzung von Freiflächen und Gärten werden einheimische, standortgerechte Pflanzen und Gehölze vorgeschrieben. mu
Geschichte und Geschichtchen rund um besonders schöne und historisch bedeutsame Fachwerkbauten breitet Jürgen Weishaupt in seinem Buch "Fachwerkbuntes Hessen" aus. Originelle Rathäuser und Fachwerkkirchen aus dem ganzen Land sind ebenso vertreten wie Hochzeitshäuser, alte Bauernhäuser, ganze Fachwerkensembles, aber auch Schlösser und Türme in Fachwerkmanier, etwa der Junker-Hanser-Turm in Neustadt (Kreis Marburg-Biedenkopf), der größte Fachwerkturm Europas. Der Autor informiert nicht nur profund und gut verständlich über Baugeschichte und Kunsthistorie im "Fachwerkland Hessen". Sein Buch ist auch gespickt mit unterhaltsamen Anekdötchen rund um jene Zeugnisse uralter Zimmermannskunst, deren älteste Exemplare sich im deutschen Sprachraum übrigens fast ausschließlich in Hessen befinden.
Jürgen Weishaupt: "Fachwerkbuntes Hessen", Hitzeroth Verlag, Marburg, 266 Seiten mit 139 teilweise farbigen Abbildungen, 44 Mark.
FRANKFURT-SÜD. Das Gelände um das Waldstadion herum im Stile des Münchener Olympiaparks hergerichtet: Mit diesem spektakulären Vorschlag zur "Steigerung des Freizeitwertes" wartet die CDU-Fraktion im Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) in der nächsten Sitzung des Stadtteilgremiums auf. Der Antrag steht zur Debatte am morgigen Freitag, 15. Januar, um 19 Uhr im Saal der Altentagesstätte Riedhof, Mörfelder Landstraße 212 (Sachsenhausen).
Ebenfalls auf der Tagesordnung steht ein Antrag des fraktionslosen Ortsbeirates Winfried Hackhausen, der einen Teil der Gartenstraße - eine Grundnetzstraße - verkehrsberuhigt sehen will. Dadurch seien die "vielen dort wohnenden Kinder" weniger gefährdet, heißt es zur Begründung.
Zudem werden die Ortsbeiräte einen Magistratsbericht diskutieren, der sich mit der Verkehrssituation in der Frankensteiner Straße befaßt: Die SPD will sich mit einer kürzlich vorgelegten Stellungnahme der Stadtregierung nicht zufrieden geben. Sie fürchtet, bliebe es bei dem Vorschlag der Behörden, daß das Kneipenviertel Alt-Sachsenhausen auch weiterhin von den Wirtshausbesuchern zugeparkt wird. ak
Geldwertstabilität auf Dauer unerreichbar
Jawohl, die Bundesbank ist der Sündenbock. Sie hat es in Jahrzehnten noch nie geschafft, für länger als zwei Jahre Geldwertstabilität zu erreichen (FR vom 7. 1. 1993 "Bundesbank - Sündenbock"). Wo- her nimmt sie eigentlich noch den Mut, für dieses Ziel immer wieder - und jetzt schon wieder - die Konjunktur abzuwürgen? Gewiß, die Idee der Geldwertstabilität ist bestechend. Aber zeigt nicht die Erfahrung, daß sie auf Dauer nicht zu verwirklichen ist? Wir haben jedenfalls weltweit nur schwankende Inflationsraten erlebt. Diese Erfahrung sollten wir langsam ernst nehmen und ganz cool darüber nachdenken, ob nicht eine stabile Inflationsrate leichter zu verwirklichen ist als ein stabiler Geldwert. Vieles spricht dafür, daß die Bundesbank eine Inflationsrate von vier Prozent verstetigen könnte.
Viel schädlicher sind die nicht vorhersehbar schwankenden Inflationsraten; sie nützen nur denen, die spekulieren wollen. Von einer offen angestrebten, stetigen Inflationsrate von vier Prozent wird niemand betrogen, weil in den letzten Jahrzehnten fast alle schon gelernt haben, wie man sich bei vorhersehbaren(!) Inflationsraten schützt: Man vermeidet überflüssige Liquidität (M3!), geht in langfristige Anlagen oder kauft - konjunkturfördernd - Sachwerte.
Der heute noch feste Glaube der Bevölkerung, irgendwann könne es die Bundesbank doch schaffen, den Geldwert auf Dauer zu stabilisieren, wird rasch ins Wanken geraten, wenn die Schäden der bisherigen Bundesbankpolitik nicht nur von Steinkühler, sondern auch von anderen Wirtschaftssachverständigen einmal nüchtern abgewogen werden gegen das, was die Bundesbank trotz ehrlichen Bemühens letztlich erreichen konnte. Die dauernde Verstetigung der Inflationsrate bei vier Prozent wäre ein realistischeres Ziel und erfreulicherweise ohne konjunkturellen Würgegriff zu haben.
Eckhard Behrens (Vorsitzender Seminar für freiheitleitliche Ordnung e. V.), Bad Boll
Die skandalöseste Meldung in der FR vom 7. 1. 1993 sind zweifellos jene 37 Zeilen auf Seite 4 "Zur Person" Franz-Josef Kaufmanns, Stadtdirektor in Lennestadt, Westfalen: Weil er sich als Mensch würdig verhält, genau das veranlaßt, was geschriebene und ungeschriebene Gesetze seit mindestens zweihunderttausend Jahren vorschreiben, nämlich unbemittelte Fremde vor seinen Toren zu speisen und zu kleiden - deshalb wird er von staatlich übergeordneten Gremien gemaßregelt. Er soll wegen "Befehlsverweigerung" - wir sind offensichtlich schon wieder soweit - eine Geldbuße zahlen, die der berühmten vierköpfigen Durchschnittsfamilie "mit mittlerem Einkommen" mindestens über sechs Wochen die Existenz sichern könnte.
Weiter drängt sich mir die Frage auf, was eigentlich der schlimmere Skandal ist: Der Sachverhalt als solcher gehört zwischenzeitlich schon derart zur deutschen gesellschaftlichen Normalität, daß diese von einer stetig zunehmenden Anzahl von BürgerInnen als eine nur noch zu beseitigende angesehen wird - die vielleicht noch skandalösere Tatsache ist aber jene, daß die Frankfurter Rundschau als Sprachrohr genau dieser etwas kritischeren Kreise die Nachricht über solche Erscheinungsformen skandalöser Normalität unter der Rubrik Personalien auf Seite 4 buchstäblich versteckt, anstatt sie als Aufmacher auf Seite 1 zu plazieren.Werner Gölitzer, Erzhausen
Es ist erschreckend, sehen zu müssen, wie sehr Politiker und Verwaltungen die Belange der Wohnbevölkerung aus dem Auge verlieren, stehen erst einmal zahlungskräftige Investoren, die z. B. Hotels bauen wollen, auf der Matte (FR vom 7. 1. 1993, "Abriß stand unter Polizeischutz"). Nicht ganz so schlimm wie in Marburg, wo durch die Abrißbirne Wohnraum vernichtet wurde, war es in Aachen.
In Aachen existierte Baurecht für Wohnungen und die von den Investoren geblendeten Politiker und Stadtverwaltung verspielten dieses Baurecht zugunsten einer aberwitzigen 340-Betten-Hotel-Planung in einem Wohngebiet.
Erst die gerichtlichen Schritte der Bürgerinitiative gegen die Hotelplanung brachten die potentiellen Investoren und die Lokalpolitiker zur Einsicht. Mühsam wird jetzt wieder ein Bebauungsplan entwickelt, dessen Ziel wie schon vor Jahren Wohnnutzung ist.
Dr. Jürgen Aretz, Aachen
BORNHEIM. Die Zufahrt zur Berger Straße soll zeitweise gesperrt werden - das fordern die Grünen im Ortsbeirat 4. Sie wollen, daß die Berger Straße von der Höhenstraße in nördliche Richtung samstags von 10 bis 13.30 Uhr "dichtgemacht" wird. Der Antrag steht in der nächsten Sitzung des Ortsbeirates zur Debatte: am Dienstag, 19. Januar, 19.30 Uhr, im Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Straße 24.
Die Grünen begründen ihren Antrag damit, daß jeden Samstag zu beobachten sei, wie viele Autofahrer auf der Suche nach einem Parkplatz in die Berger Straße einbögen und über die Eichwald- und Heidestraße auf die Höhenstraße zurückkehrten. Durch den Engpaß in der Heidestraße käme es regelmäßig zu Rückstaus, die zurück bis zur Berger Straße, manchmal sogar bis zur Höhenstraße reichen.
Mit der Sperrung der "Berger" sollen die Autos auf den direkten Weg zum Parkhaus verwiesen werden. Weitere Themen: Die Grünen verlangen ein Modernisierungskonzept für den Großmarkt, die SPD fragt nach der Zukunft des Ostends als Industrie-Standort, und die CDU fordert, die Sportplätze im Ostpark neu herrichten zu lassen. rea
Die Gelegenheiten, auf seine geliebte Heimatinsel, das Kykladeneiland Andros, zu fahren, werden nun wohl noch seltener werden, und auch für sein ohnehin arg vernachlässigtes Steckenpferd, das Malen, dürfte in Zukunft noch weniger Zeit sein. Wenn Ioannis Paleokrassas jetzt dennoch leichten Herzens nach Brüssel übersiedelte, dann nicht nur, weil ihn die neue Aufgabe als EG-Kommissar reizt.
Erleichtert hat ihm den Abschied von Athen auch, was am 14. Juli vergangenen Jahres geschah: An jenem Dienstag mittag setzte sich Finanzminister Paleokrassas ans Steuer seines gepanzerten Mercedes. Nur wenige Meter hatte die Limousine vom Portal des Finanzministeriums zurückgelegt, da schoß aus einem leerstehenden Bürogebäude eine Granate heran. Doch Paleokrassas hatte riesengroßes Glück: Er kam mit leichten Brandverletzungen davon. Zu dem Anschlag bekannte sich die griechische Terrororganisation "17. November".
"Ich muß wohl einen Schutzengel haben", meint Paleokrassas, der schon einmal, 1983, einem Terroranschlag entkommen war: Damals explodierte eine Bombe in einem Versammlungssaal im nordgriechischen Didimotichon, in dem Paleokrassas an einer Parteiveranstaltung teilnahm. Wenige Augenblicke vor der Detonation hatten er und die anderen Gäste den Raum verlassen.
Bereut er es, sich für das, wie zumindest seine Erfahrungen zeigen, nicht ganz ungefährliche Geschäft der Politik entschieden zu haben? Der 58jährige mit dem immer noch jungenhaft widerborstigen Haarschopf zuckt die Schultern: "Das gehört wohl dazu."
Eigentlich wollte er Kapitän werden. Das schien die natürliche Berufswahl zu sein für den Sproß einer Seemannsfamilie: "Mein Vater war Kapitän, mein Großvater und dessen Vater auch." Doch wegen einer Sehbehinderung auf dem linken Auge wurde aus der angestrebten Kapitänskarriere nichts. Ioannis Paleokrassas studierte stattdessen Wirtschaftswissenschaften und machte sein Masters-Examen an der renommierten "London School of Economics".
1962 fiel der damals im Athener Ministerium für Wirtschaftskoordination beschäftigte Paleokrassas dem konservativen Ministerpräsidenten Konstantin Karamanlis auf. Er bot dem jungen Mann einen Beraterposten an. Doch Paleokrassas lehnte dankend ab, der Job war ihm "zu politisch". Erst während der siebenjährigen Obristendiktatur zwischen 1967 und 1974 reifte in ihm die Einsicht, "daß man sich der Politik nicht entziehen darf, wenn man etwas für sein Land tun will".
Nach der Rückkehr zur Demokratie schloß sich Paleokrassas der konservativen "Nea Dimokratia" an. Er amtierte zunächst als Staatssekretär und später als Minister für Wirtschaftskoordination. Im Kabinett des Kostas Mitsotakis, der sich seit 1990 müht, die nach achtjähriger Regierungszeit des Sozialisten Andreas Papandreou völlig zerrütteten Staatsfinanzen zu ordnen, war Finanzminister Paleokrassas die undankbare Rolle des Sparkommissars zugedacht. In Brüssel soll sich der Ökonom nun um die Ökologie kümmern - ein nicht zuletzt in seiner Heimat sträflich vernachlässigtes Feld.
Wenn man in der konservativen Athener Regierungspartei über künftige Anwärter auf den Parteivorsitz nachdachte, fiel in der Vergangenheit mitunter auch der Name Ioannis Paleokrassas. Signalisiert der Wechsel in die EG-Kommission den Verzicht auf eine solche Karriere? Nicht unbedingt, wie Vasso Papandreou, die bisherige griechische EG-Kommissarin, beweist: Nachdem sie ihren Sitz in der Kommission für Paleokrassas räumen mußte, gilt die nun nach Athen heimgekehrte Sozialistin als eine der möglichen Nachfolger ihres Namensvetters Andreas Papandreou im Parteivorsitz der PASOK. GERD HÖHLER
NIEDERRAD. "Nirgends ist die Provinz so tief wie wenige Kilometer von der Frankfurter Innenstadt entfernt", meint Harald Will. "Wenn jemand aus Niederrad abends Kultur erleben will, dann orientiert er sich daran, was in der Innenstadt angeboten wird."
Der Gitarrenlehrer der evangelischen Zachäusgemeinde weiß, wovon er spricht. Denn seit 1990 organisiert der engagierte Musikliebhaber in der Kleinen Kirche an der Kelsterbacher Straße klassische Konzerte. Fast eineinhalb Jahre hatte die Durststrecke angehalten, bevor Will sein Kulturangebot den Niederräder Bürgern und Bürgerinnen monatlich ans Herz legen konnte.
"Mittlerweile habe ich keine Angst mehr vor der peinlichen Situation, die Künstler könnten vor einem leeren Kirchenraum spielen", sagt Will. Nur einmal besuchten lediglich zwölf Personen ein Konzert. Und unter den Anwesenden "waren damals auch noch Freunde der Musiker", erinnert sich der Organisator. Und erst die vergangenen vier Veranstaltungen im Oktober und Dezember 1992 haben die Bilanz seiner ehrenamtlichen Kulturarbeit so richtig zum Glänzen gebracht: Zu keiner kamen "weniger als 30 Gäste", und das Gospelkonzert mit den Musikern von "R. A. Blue" aus Darmstadt-Eberstadt war mit etwa 100 Zuhörern ausverkauft.
Darüber freuten sich insbesondere die Sänger. Denn die Künstler, die in der Kleinen Kirche auftreten, erhalten keine Gage. Das kann sich der Ein-Mann-Betrieb von Harald Will nicht leisten: "Ich überreiche den Musikern ungezählt die Eintrittsgelder." Das Honorar liegt meistens zwischen 60 und 500 Mark. Mehr kommt selten zusammen. Fünf Mark kostet der Besuch eines Konzerts. "Und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern", sagt Will. Man will die Besucher nicht mit zu hohen Eintrittsgeldern vergraulen.
Auch der finanzielle Notstand wird sich nicht so einfach beheben lassen. Würde die Zachäusgemeinde künftig Honarare an die Künstler und den Organisator auszahlen, "dann müßte ein hoher Etat eingeräumt werden", was Will allerdings für unwahrscheinlich hält. So bleibt dem Musikliebhaber nichts anderes übrig, als weiterhin zu improvisieren.
An die 15 bis 20 Stunden Arbeit investiert er in ein Konzert. Mit den Musikern bespricht er das Programm, betreut die Proben und malt Plakate. Eine Woche vor dem Auftrittstermin verteilt er die Plakate im Stadtteil. Über einen Mitorganisator "würde ich mich freuen". Dennoch: An Unterstützung und Verständnis für seine Arbeit fehlt es dem Gitarrenlehrer nicht. Die Kosten trägt die Gemeinde. Egal, ob es sich dabei um die Reinigung des Konzertraums, Heizkosten oder Kopien handelt. Im 22 000 Einwohner-Stadtteil gibt es wenig Auswahl an kulturellen Ereignissen, und so unterstützt die Gemeinde die Konzertreihe.
Vorsichtig tastet sich der eingefleischte Niederräder an die Programmgestaltung heran. Die meisten Kompositionen, die in der Kleinen Kirche gespielt werden, stammen aus Barock oder Rennaissance. Im November 1990 trat der Konzertgitarrist und Lehrer Jürgen Klatt mit seinem Programm "Solokonzerte des Barocks" auf. Im April 1991 bot Will ein Benefizkonzert im Rahmen einer Veranstaltungsreihe in der Zachäusgemeinde an. Immer wieder stellten sich junge Studenten der Frankfurter Musikhochschule im Gotteshaus vor. Der Austausch mit den Musikern bereitet dem Veranstalter "enormen Spaß". Hat sich die Konzertreihe erst im Gedächtnis der Niederräder Musikliebhaber festgesetzt, dann "werden die Leute auch regelmäßig kommen".
"Ernste Musik des 20. Jahrhunderts hat hier kein Publikum", stellt der Veranstalter fest. Will versteht sich keineswegs als Vertreter der musikalischen Avantgarde in der Frankfurter Kulturszene. "Es ist überhaupt nicht wichtig, daß ich die Arbeit mache", meint er bescheiden. Wichtig sei, daß in Niederrad überhaupt etwas angeboten wird, was den Rahmen der üblichen Vereinsarbeit sprengt. Großer Beliebtheit erfreuen sich stets Liederabende und Adventskonzerte.
Einen Traum konnte sich Will noch nicht erfüllen: ein Open-air-Konzert auf der Wiese neben der Kirche. Doch dafür braucht der Organisator einen festen Stamm an Mitarbeitern, "eine leistungsstarke Anlage und vor allem ein umfangreiches und abwechslungsreiches Programm". Gut' Ding will Weile haben, denkt sich der Gitarrenlehrer und gibt sich optimistisch: "Ich sehe kein Ende für die Konzertreihe." Je größer das Stammpublikum wird, desto näher rückt das Freiluft-Konzert. Das nächste Konzert ist für Anfang Februar geplant. tin
Klaus von Beyme Zivilgesellschaft contra Staatsversagen Politik, Kultur und Öffentlichkeit im wiedervereinigten Deutschland
Das Staatsversagen schien bis zur deutschen Einigung eine Horrorvision von Sozialwissenschaftlern - für Sozialwissenschaftler geschrieben. Die breite Masse der Wähler nahm es kaum zur Kenntnis. Abnehmende Loyalität der Bürger gegenüber der politischen Klasse und den Institutionen des politischen Systems wurde zwar in Umfragen vielfach gemessen. Aber die schwindende Folgebereitschaft in der veröffentlichten Meinung setzte sich kaum in erhöhte Protestbereitschaft um. Es wurde sogar ein Paradoxon sichtbar: Je kritischer das Wählervolk die politische Klasse und ihre Fähigkeit, die anstehenden Probleme zu lösen, beurteilte, um so geringer wurden die Erwartungen an die politische Führung. "Staatsversagen" schien normal. Der Zynismus der herrschenden Gruppen, der sich in einer schamlosen Selbstbedienung in der Staatskasse durch Diätenerhöhungen, Parteienfinanzierung oder gar Korruption zu dokumentieren schien, wurde mit Zynismus der Bürger beantwortet. Politik galt als schmutziges Geschäft, aber einer mußte es verrichten - soweit hatte die Mehrheit die Regeln einer formalen Demokratie internalisiert. Die politische Klasse schien in erster Linie für sich selbst zu sorgen. Die Bürger begannen diese selbstbezogene Einstellung zu teilen. Das soziale Netz zur Hängematte auszupolstern, wurde zum Massensport, der ohne Gewissensbisse ausgeübt wurde.
Dieser zynische Konsens hielt nur in den Schönwetterperioden der Konjunktur. Sowie Staatsverschuldung, Inflation, Ausländerströme und Wirtschaftsflaute kaum noch Margen für eine wie immer ungleiche Verteilung offenließen, kam es zum Verdrängungswettbewerb der Unterprivilegierten. Die Antwort war ein kräftiger Ruck nach rechts und die Anfälligkeit für neopopulistische oder gar rechtsradikale Parolen.
Nur die linke Intelligenz hatte ein Gegenprojekt: die zivile Gesellschaft. Das normative Bild einer Zivilgesellschaft schien das einzige Mittel gegen das Staatsversagen in westlichen Demokratien. Die politische Klasse der westlichen Systeme übte sich nach dem Zusammenbruch des realen Sozialismus weitgehend in Selbstgerechtigkeit. Die ultra-marktwirtschaftlichen Konzepte schienen durch den Untergang der Planwirtschaft ihre Bestätigung zu finden. Die neuen Eliten der friedlichen Revolution in Osteuropa waren nur allzu bereit, den Sirenenklängen der Chicago-boys zu folgen. Selbst Vaclav Havel hat sich mit dem ständigen Vorwurf auseinandergesetzt, daß die neuen Demokratien des Ostens allzu leichtfertig die Steuerungsinstrumente des alten Staatsapparates aus der Hand gegeben haben. Erst nach den schlechten Erfahrungen mit dem "Marktschock" gewannen keynesianische Steuerungstheorien wieder an Boden.
Nur die linke Intelligenz, die sich schwer mit dem neuen Nationalstaat tat, hat aus dem Zusammenbruch des Sozialismus auch einige positive Erfahrungen des Kampfes um Demokratie in Osteuropa zu übernehmen versucht. Die Gefahr dabei war freilich, daß die Zivilgesellschaft zur neuen Ideologie erhoben wurde, obwohl die Bannerträger des Konzepts in der Zeit der Agonie des realen Sozialismus gerade die Ideologien mit diesem Konzept zu überwinden trachteten. Eine weitere Gefahr bestand darin, daß die Entstehung des Begriffs bei den Liberalen von Locke bis zu den Autoren der amerikanischen Federalist Papers weitgehend ignoriert wurde. Die "civil society" als Konzept hatte die Marktwirtschaft immer schon als wichtigen Aspekt der Freiheit mit eingeschlossen. Die politischen Institutionen der liberalen Repräsentativverfassung - noch war das Modell nicht auf eine moderne Demokratie mit allgemeinem Wahlrecht ausgerichtet - waren von der "civil society" nicht zu trennen gewesen. Die linke Intelligenz der westlichen Länder hat hingegen eher den Charakter der neuen sozialen Bewegung gegen die etablierten Institutionen der repräsentativen Demokratie in ihrer Konzeption ausgespielt.
Es hat sich was geändert bei uns im Büro, seit diese Frau Karlinke da ist. Nicht organisatorisch. Atmosphärisch. Erst haben wir's gar nicht so gemerkt; unsere Herren haben ja nicht ununterbrochen mit erotischen Anspielungen unsere Frauenwürde untergraben oder uns ständig an der Anatomie rumgetatscht. Letzteres schon gar nicht; der sogenannte Bürosex hielt sich in gemäßigt verbalen Grenzen, und, aller Emanzipation zum Trotz, sei zugegeben, wir fanden das Geplänkel eigentlich recht würzig. Zumal wir immer selbstbewußte Antworten parat hatten. Schon die unerfahrenste Azubi konterte die Bemerkung über das zu enge Röckchen mit dem Hinweis auf den wg. Bierbauch zu engen Gürtel und hatte die Lacher auf ihrer Seite.
Das war einmal. Am Arbeitsplatz geht's jetzt distanziert zu, jugendfrei in jeder Beziehung. Da flirtet höchstens noch eine verirrte Stu- benfliege mit den Frühstückskrümeln. Und zwar deswegen, weil Frau Dr. Karlinke mit kühler Miene so eindeutige Verbotssignale gibt, daß sogar der Eberling den Mund hält, der mit dem Bierbauch.
So weit, so gut, so sterbenslangweilig. Vom Emma-Standpunkt
Dieser Konstellation, nichts anderem, verdanken wir, daß unsere Frauenwürde endlich gewahrt bleibt. Und das ist schlicht eine Gemeinheit. PETRINA STEIN
Der "Deutsche Sonderweg" sollte mit dem Konzept der Zivilgesellschaft überwunden werden, aber er senkte sich wie eine lähmende Glocke über die wohlmeinenden Adepten des Konzepts. Im 19. Jahrhundert hat die deutsche Intelligenz mit Recht die Zivilgesellschaft angelsächsischer Prägung gegen Hegels Staatsgesellschaft ausgespielt. Das Unverständis von Karl Marx gegenüber der "civil society" im angelsächsischen Bereich wurde später von der radikalen Intelligenz übernommen. Nicht ganz zu Unrecht angesichts der scharfen Klassenspaltungen, die gerade die amerikanische und die englische Demokratie zuließ, und die die Egalität der Freien, wie sie von Locke bis zu den Foundingfathers gedacht worden war, als Substrat der "civil society" beeinträchtigte. Noch immer gibt es Klassentrennungen. Aber sie werden auch von Spät- und Postmarxisten nicht mehr als der dominante Konflikt der Gesellschaft angesehen.
Gerade die rituelle Zelebrierung des Klassenkonflikts im realen Sozialismus bei seiner Auseinandersetzung mit der westlichen Demokratie - unter Leugnung der Klassen- und Ständekonflikte im Sozialismus selbst - löste bei der kritischen Intelligenz der Volksdemokratien eine Gegenreaktion aus. Ein neuer Grundkonflikt wurde gefunden: die Übermacht des Staates gegenüber der Gesellschaft. Die sich als Zivilgesellschaft konstituierende Opposition schien berufen, gegen diese Übermacht anzugehen. Nur postmoderne Formen des Widerstandes schienen aussichtsreich angesichts der überwältigenden Unterdrückungskapazität sozialistischer Staaten. Von weitsichtigen Vorkämpfern einer Zivilgesellschaft wie György Konrád wurde jedoch schon vor dem Ende des realen Sozialismus klargestellt, daß auch dieser Grundkonflikt nicht "ewig" sein dürfte. Er war an die Konfrontation zweier Blockgesellschaften gebunden. In einer blockfreien Periode hingegen war die Intelligenz als Bannerträger der Zivilgesellschaft schon vorsorglich zur Bescheidenheit ermahnt worden. In ihr würde die Intelligenz Bestandteil einer pluralistischen Elite werden, weil es verschiedene Grundkonflikte in einer pluralistischen Gesellschaft gibt. Intelligenz würde dann zu einer Elitengruppe unter anderen reduziert. Gerade diese Randbedingung wurde jedoch von Teilen der linken Intelligenz in Ost und West nicht akzeptiert. Es fiel ihr schwer, ins Glied zurückzutreten.
Das Konzept der Zivilgesellschaft sollte Hoffnungsträger der Transformation werden. Aber weite Teile der Intelligenz Osteuropas verfielen in eine "Larmoyanz der Geprellten". Eben ins Zentrum des Systems gerückt, fühlte sie sich wieder marginalisiert. Es fehlte auch an kritischer Aufarbeitung der eigenen Rolle im Sozialismus. Übersehen wurde, daß gerade weite Teile der Intelligenz die Lebensdauer des zerfallenden Spätsozialismus verlängert hatten.
Die kulturellen Eliten Osteuropas haben in der Umbruchphase des Sozialismus ein überproportionales Engagement gezeigt. Nur gelegentlich haben sie eine ihnen angediente politische Rolle ausgeschlagen, wie Kurt Masur in der DDR. Andere haben sich von der Bewegung in hohe Ämter tragen lassen, wie Vaclav Havel, der sich als Präsident nach einigem Zögern zur Wiederwahl stellte. Selbst im Modell der "umfunktionierten Revolution" Rumäniens haben sich Intellektuelle für Staatsämter zur Verfügung gestellt, wie der Philosoph Andrei Plesu und der Schriftsteller Mircea Dinescu. Aber viele haben es mit einem geistigen Vorbehalt getan. Plesu erklärte nach seiner Ernennung zum Kultusminister: "Ein solches Amt ändert den Menschen, und ändern will ich mich nicht."
Die Intellektuellen an der Macht hatten es nicht leicht, die ersten Enttäuschungen der Massen zu verarbeiten, wie die Regierung Mazowiecki in Polen zeigte. Wo die Schöngeister in den Bastionen der Macht wie auf dem Prager Hradschin dominierten, wurde ihre ehrenwerte Gesinnungsethik schnell zum Angriffsziel der Profis, wie auch Havel vielfach beklagte. Durch den Zerfall der Forumsbewegungen wurden die Intellektuellen in vielen Ländern Osteuropas rasch wieder von der Macht gedrängt. Die "Macher" rückten nach. Als Havel von Journalisten nach seiner Verdrängung von der Macht gefragt wurde, ob er nicht Abschied nehmen müsse von den alten hehren Prinzipien der Antipolitik, zog er sich nicht ungeschickt aus der Affäre: er habe den Begriff im Hinblick auf Dissidenten im alten Regime wie Solschenizyn oder Walesa gemacht. Der Begriff sei kein Dogma. "Ihn jetzt polemisch gegen mich zu benutzen, ist vollkommen ungerechtfertigt."
NORDEND. Die Verkehrsführung in der Nordendstraße wird "nachgebessert". Nach mehreren Ortsterminen, auf denen sich die Anwohner jedesmal heftig über die Umbauten in ihrer Straße beschwerten, will die SPD-Fraktion im Ortsbeirat 3 den verkehrsberuhigten Bereich nun doch umgestalten. Für die nächste Ortsbeiratssitzung hat die SPD einen Sechs- Punkte-Katalog ausgearbeitet, um der Anwohnerkritik Rechnung zu tragen.
Als erstes will die SPD den Parkstreifen in der Mitte der Fahrbahn wieder entfernen lassen; auch nach einer mehrmonatigen Erprobungsphase "wird das Parken in der Fahrbahnmitte von den Anwohnern nicht akzeptiert", begründet Fraktionsvorsitzender Armin Eikenberg diesen "Rückzieher". Um die sehr breite Nordendstraße dennoch zu verengen, sollen die Schrägparkplätze so weit auf die Straße gezogen werden, daß sich die Fahrbahnbreite auf 4,75 Meter reduziert.
Außerdem schlägt die SPD vor (falls die Feuerwehr keine Einwände hat), die Stellflächen auf der Nordseite vollständig auf der Fahrbahn einzurichten - bislang wird dort zwischen den Bäumen geparkt -, um dadurch mehr Parkplätze zu gewinnen. Ein "Freiraum" für Autos soll auch unmittelbar unterhalb des Spielplatzes entstehen: Dort sei die Fahrbahn sechs Meter breit, und es sei "keinem Autofahrer plausibel zu erklären", warum dort nicht geparkt werden dürfe, so Eikenberg. Die SPD fordert, die Halteverbots-Schilder zu entfernen.
Außerdem soll an dieser Ecke ein durchgängiger Radverkehr zwischen Lenau- und Gluckstraße legalisiert werden; "ein Durchfahrtsverbot kann nur als Schikane interpretiert werden", heißt es im Antrag. Letzter Punkt ist die Forderung, den Bürgersteig vor den Häusern Lenaustraße 97 bis Nordendstraße 45 abzupollern, um Parker abzuweisen. rea
FRANKFURT-NORD. Die Verkehrsberuhigung im Gebiet um die Kurhessenstraße werden die Mitglieder des Ortsbeirats 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) in ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr am heutigen Donnerstag, 14. Januar, diskutieren.
Das Stadtteilgremium tagt ab 19.30 Uhr im Clubraum 1 des Hauses Dornbusch, Eschersheimer Landstraße 248. Die Sitzung beginnt wieder mit der üblichen Bürgerfragestunde.
Die Fraktion der Grünen fordert, jener Variante des beauftragten Planungsbüros Retzko & Topp zuzustimmen, die eine Sperre im Bereich der Landgraf-Philipp- Straße und der Haeberlinstraße vorsieht. Außerdem soll noch die Heylstraße auf der Höhe des Kindergarten unterbrochen werden.
In ihrem Antrag räumen die Grünen ein, daß es Gegner dieser Variante gebe: Diesen Einwänden "vermag der Ortsbeirat aufgrund seiner Verantwortung für das Allgemeinwohl nicht zu folgen", formulieren die Antragsteller.
Denn: Der Durchgangsverkehr im Viertel ist nach Meinung der Grünen "unzumutbar". sen
RÖDELHEIM. Viel neuen Lesestoff bietet die Bezirksbücherei Rödelheim ihren jüngeren Besuchern: Die Kinder- und Jugendbuchausstellung, die im November im Römer zu sehen war, war nun in die Radilostraße "gewandert". Die rund 700 Bücher waren nach Altersgruppen sortiert und über mehrere Tische verteilt. Sie luden ein zum Wühlen, zum Blättern und zum Entdecken: Von einem Buch mit ausgesuchten Bildern von Marc Chagall über die dritte Folge von Paul Maars "Sams-Geschichten" bis hin zu einem Ratgeber für Interrail-Reisende.
Träger der Schmöker-Schau sind das Jugendamt, die Stadtbücherei, das Stadtschulamt, der Stadtelternbeirat und der hessische Verleger- und Buchhändlerverband. Sie hatten dieses Mal auch Lesevorschläge für das Sonderthema "Der Gewalt auf der Spur" ausgesucht. Hierzu gab es Sachbücher für Kinder und Erwachsene sowie Jugendliteratur.
Titel wie "Neue Nazis im Osten" oder "Solange die hier keinen Ärger machen" sprachen für sich: Einer der Schwerpunkte waren der neue Rechtsextremismus und die Ausländerfeindlichkeit. Aber auch die tägliche Gewalt beim Sport und auf dem Schulhof wurden behandelt.
Erstaunlich viele neue Bücher setzten sich mit Kindesmißhandlungen auseinander. Bücher wie "Kein Anfassen auf Komando" und "Wenn ich nur darüber reden könnte . . ." bieten Kindern und Erwachsenen dazu Hilfe an.
Drei bis vier Schulklassen kamen jede Woche in die Bücherei, um sich die Ausstellung anzusehen. "Für die Kinder war das eine tolle Möglichkeit, die Bücherei kennenzulernen", freute sich Brigitte Siebeking. Die Bibliothekarin hatte eine Rallye mit Fragen zu den neuen Büchern vorbereitet und bot außerdem Bibliotheksführungen an.
In einer nachmittäglichen Vorlesestunde stellte sie einen Geheimtip vor: "Petruschkas Lackschuhe" von Vita Andersen. Es erzählt die Geschichte von einem Mädchen, daß sich ein Paar Lackschuhe zum Geburtstag wünscht. Petruschka ist frech, witzig, manchmal eigensinnig und vor allem einfallsreich. So verwendet sie etwa den Staubsauger ihrer Eltern als Sprungseil, bis schließlich der Schlauch abreißt und der Inhalt des Staubbeutels sich im Wohnzimmer verteilt.
Bei einer anderen Gelegenheit schneidet sie ihre langen Haare auf einer Seite ab und versucht dann, sie wieder anzukleben. Aus Wut darüber, daß das nicht gelingen will, vergreift sie sich dann an den Haaren ihrer Mutter. Diese muß zum Frisör, erhält aber anschließend als Geschenk "Zauberbilder, die Haare ganz schnell wachsen lassen."
Als Petruschka ihre Lackschuhe endlich bekommt, wird ihre Schwester Marie neidisch. Petruschka trägt die Schuhe zwar auch nachts im Bett, aber als sie eingeschlafen ist, zieht Marie sie ihr von den Füßen. Der Streit, der folgt, füllt das ganze Buch. Am Ende geht die entnervte Mutter mit den beiden in ein Schuhgeschaft und kauft für den Rest ihres Haushaltsgeldes sämtliche erhältliche Lackschuh-Paare: blaue, weiße und rosarote mit Schleife. Wieder daheim, träumt Petruschka von goldenen Lackschuhen...
Unter Brigitte Siebekings Zuhörern waren Franziska und Helena, die zwischendurch immer wieder kichern und lachen mußten. Aber nicht nur sie waren begeistert: "Das ist einfach ein tolle Geschichte", fand die Bibliothekarin: "Mir selbst hat das Vorlesen Spaß gemacht".
Wer sich das Buch und die Ausstellung ansehen will, hat dazu noch bis morgen, Freitag, 15. Januar, Gelegenheit - und zwar von 11 bis 19 Uhr. lub
Die "vom Kutschbock des sozialistischen Rumpelgefährts abgesprungene Intelligenz" (Jens Reich) mußte sich in die neue Gesellschaft integrieren. Sie konnte das um so leichter, je größer ihre professionellen Fähigkeiten waren. Sie zeigte jedoch, daß es ihr schwerfiel, auf die alte privilegierte Stellung zu verzichten. Sie teilte diesen Mangel mit der Linksintelligenz Westeuropas, die ebenfalls einen starken Bedeutungsverlust erfuhr. Als Sinndeuter einer künftigen historischen Entwicklung zum humanen Sozialismus verlor sie durch den Zusammenbruch ihre Kompetenz und nicht selten ihre Glaubwürdigkeit, selbst, wenn sie sich nicht als fellow taveller des realen Sozialismus kompromittiert hatte. Larmoyanz breitete sich daher unter der Intelligenz in West und Ost gleichermaßen aus.
Die populistischen Vereinfacher waren die Profiteure des ideologischen Vakuums, das die Idee einer zivilen Gesellschaft in der Hochstimmung der samtenen Revolution vorübergehend auszufüllen schien. Ein weiteres Paradoxon wurde sichtbar: Die westliche Intelligenz, die sich um das Banner der Zivilgesellschaft scharte, hatte in der Transformationsphase gehofft, daß es einen Einfluß der zivilgesellschaftlichen Hochstimmung von Ost nach West geben werde. Sie haben daher - gegen die eigentlichen Prämissen ihrer Ausgangsposition - möglichst viele Institutionen und Sicherungen des alten sozialistischen Systems zu erhalten versucht.
In Ostdeutschland setzte Modrow anfangs seine Hoffnungen auf Gorbatschow. Außer den von der Besatzungsmacht 1945-1949 geschaffenen Eigentumsverhältnissen gelang es kaum, davon etwas in den deutsch-deutschen Verträgen sicherzustellen. In der Zeit der Regierung de Maizières hofften die westdeutschen Linken, daß die Verhandlungsmacht einer nunmehr freigewählten DDR-Regierung ausreichen werde, um einige "Errungenschaften" des alten Systems zu retten. Auch diese Hoffnung erwies sich als trügerisch. Noch hat es keine Klage auf der Basis der innerdeutschen Einigungsverträge gegeben. Sie waren auch hinreichend vage formuliert worden, etwa bei der Zusicherung einer "pfleglichen Behandlung der Kultur der DDR", um nicht einklagbar zu werden. Unklar war zudem, wer nach dem Beitritt Wächter der Einhaltung der Verträge sein könnte. Selbst das Bundesverfassungsgericht hat eher mit Gründen der Billigkeit argumentiert, und weniger auf Anspruchsgrundlagen der Ostdeutschen aufgrund der Verträge der beiden deutschen Staaten abgehoben.
Die westliche Linke hatte einen Fehler gemacht: Sie versuchte in der Tradition des Kampfes gegen den bürokratischen Sozialismus das Konzept der Zivilgesellschaft gegen den übermächtigen Staat einzusetzen. Im Falle Deutschlands schien dies der Moloch eines erweiterten Nationalstaates zu sein. Dieser drohte seinen moderat auf Verfassungspatriotismus geeichten Grundkonsens zu verlieren. Das Konzept der Zivilgesellschaft gewann aber Anfang der neunziger Jahre eine neue Stoßrichtung. Es wurde nicht gegen den zu starken, sondern gegen den schwachen Staat gerichtet. Gerade im Ausland stoßen sehr demokratische Züge des Systems auf Unverständnis: Sie sehen nicht, daß eine Demokratie mit radikalen Maßnahmen sich immer schwer tut. Eine föderalistische Demokratie, die im Kampf gegen den Rechtsextremismus, auf den sie nicht vorbereitet war, lange Phasen der Koordination zwischen den Ländern und dem Bund und den Ländern vorschalten muß, scheint besonders behindert bei der Bekämpfung neuer Gefahren. Hier hat eine neue Konzeption der Zivilgesellschaft kompensatorische Hilfe für Staatsschwäche angeboten: die Zivilgesellschaft nahm die Manifestation der Meinungen der Mehrheit demokratischer Bürger in die eigene Hand.
Jürgen Habermas hat wohl am pointiertesten für die Linke formuliert, daß die Zivilgesellschaft kein Allheilmittel gegen Staats- und Gesellschaftsversagen ist. Ein Vorurteil gegen die Institutionen, wie es ihm viefach unterstellt worden ist, hat er seinem neuen Werk Faktizität und Geltung von 1992 endgültig widerlegt, wenn er es je gehabt haben sollte. Seine Hoffnungen sind auf die nicht-staatlichen und nicht-ökonomischen Zusammenschlüsse der Bürger auf freiwilliger Basis gerichtet. Die Zivilgesellschaft erscheint als das lang gesuchte Bindeglied zwischen der "Lebenswelt" und der "politischen Öffentlichkeit". Aber sie ist nicht die stark zersplitterte Lebenswelt selbst, und sie ist nicht gefeit gegen populistische Entartungen.
Vom Bundeskanzler hätte man erwartet, daß er am Tag nach den Ereignissen von Rostock vor Ort gewesen wäre. Auch in Mölln begnügten sich die Herrschenden mit der Präsenz des Ministerpräsidenten Engholm. Die große Demonstration in Berlin wurde mit Verspätung organisiert und war von unschöner Nichtbeteiligung aus Bayern begleitet. Als ein paar Linke die Veranstaltung störten, haben die Veranstalter nicht eben souverän reagiert. Der "Erfolg" der Veranstaltung wurde erst im nachhinein gegen ein negatives internationales Presseecho konstruiert.
Zum Hoffnungsträger der Zivilgesellschaft gegen das Staatsversagen wurden die Lichterketten, die von freien gesellschaftlichen Vereinigungen an vielen Orten mit immer breiterer Beteiligung der Bevölkerung gebildet worden sind. Sie haben erste Wirkung gezeigt: Die rechte Szene, die sich gern in der latenten Zustimmung der Bürger für ihr zerstörerisches Tun berief, bekam den Beweis vorgeführt, daß sie nicht "Deutschland" repräsentierte, wie sie gern vorgab. Hoffnungsvolle Anzeichen hat es auch vorher schon gegeben. Die beispiellose Solidarität mit den Hungernden in Rußland, und später die Bereitschaft, etwas für die Bürgerkriegsflüchtlinge in Bosnien-Herzegowina zu tun. Die Kritik im Ausland an den deutschen Entgleisungen übersah gelegentlich diese Ansätze zu einem zivilgesellschaftlichen Ethos im vereinten Deutschland. Verfassungsschutz durch Verfassungspatriotismus drängte die politische Elite zum Handeln.
Doch nicht alle Probleme des Landes können auf diese Weise gelöst werden. Die Zivilgesellschaft bleibt ein weitgehend normativ-politisches Konzept. Erstmal richtet es sich nicht gegen eine Staatsbürokratie wie im zerfallenen Sozialismus, sondern gegen Teile der Gesellschaft, die sie am Rechtsterrorismus aktiv oder passiv beteiligten. Staatsrechtler werden nicht säumen, darin neue Gefahren für die repräsentative Demokratie zu wittern. Selbsthilfe der Gesellschaft gegen extremistische Minderheiten wird aber nicht als Bürgerkriegsgefahr wahrgenommen, solange die Kerzenrevolution ihr Pendants in Lichterketten findet.
Weitere Betätigungsfelder für die Ansätze einer Zivilgesellschaft müssen entdeckt werden. Nur mit Aufklebern "Fremdenhaß - ohne uns" ist das Problem nicht zu lösen. Das hat die Kampagne der sozialistischen Partei Frankreichs gezeigt, die gegen den populistischen Len-Pen-Radikalismus die Parole "Ne touche pas mon pôte", "Rühr meinen Kumpel nicht an", ausgegeben hatte. Gruppen zur aktiven Betreuung von Ausländern und Asylanten sind an vielen Orten entstanden. Integrationsbemühungen müssen auf Dauer gestellt werden, jedenfalls für den Teil der Immigranten, die ein längerfristiges Bleiberecht in Deutschland erhalten. Die Wirtschaftsblindheit mancher sozialer Bewegungen und einiger idealistischer Konzeptionen der Zivilgesellschaft müssen nicht auf Dauer erhalten bleiben.
Die Staatsverdrossenheit am Ende der achtziger Jahre war eher von einem passiven Zynismus getragen. Neopopulistische Kritik an der politischen Klasse hat diese medienverstärkt weiter verbreitet. Aber es fehlte ein positives Konzept. Die Einsicht, daß in einer postindustriellen Gesellschaft der Staat nur eine begrenzte Fähigkeit zur Steuerung behält, ist wichtig, darf aber nicht in zynische Untätigkeit der Gesellschaft umschlagen. Den Theoretikern der Entzauberung des Staates fällt noch heute kaum ein Konzept für ein akteursbetontes Handeln der Gesellschaft ein. Große Teile der Gesellschaft haben diese abstrakten Debatten nicht zur Kenntnis genommen und zu handeln begonnen. Es zeigte sich, daß es kein einseitiges Staatsversagen gibt. Staatsversagen ist immer auch Gesellschaftsversagen - das haben die Ansätze zu einer neuen Zivilgesellschaft gezeigt.
Klaus von Beyme, zur Zeit am Wissenschaftszentrum Berlin, ist Ordinarius für Politikwissenschaften in Heidelberg.
FRANKFURT-SÜD. Die Unternehmungen im vergangenen Jahr und die für 1993 geplanten Aktionen waren die Themen der Jahreshauptversammlung der Vereinigung der Altherrenruderer aus dem Ruderbezirk Frankfurt und Offenbach. Zweimal im Jahr organisieren die Sportler Wanderfahrten. So ging die Reise im vorigen Frühsommer zur befreundeten Rudergemeinschaft "Grünau" nach Berlin und im Herbst ruderten die alten Herren ein paar Tage auf der Lahn.
Auch das Leistungsrudern über zehn Kilometer ist ein fester Termin im Kalender der Altherren-Vereinigung. Hier können, im Gegensatz zu den Wanderfahrten, auch Damen teilnehmen. Im vergangenen Oktober ging es vom Bootshaus der Offenbacher Ruderer fünf Kilometer den Main hinauf und nach einer Wende wieder die gleiche Strecke zurück zum Offenbacher Vereinsdomizil.
Für 1993 sind wieder ähnliche Aktionen vorgesehen. An Fronleichnam, im Juni dieses Jahres, wollen die Herren wieder vier Tage auf "Wanderschaft" gehen, diesmal auf der Ems. Auf den Main, das Hausgewässer der Vereinigung, geht es voraussichtlich im Oktober. Zwei Tage lang wollen die Sportler dann, im Rahmen ihrer Herbstfahrt, von Würzburg aus flußabwärts fahren.
Ebenfalls weitergeführt werden soll in der Weihnachtszeit die Adventskneipe, bei der in den vergangenen Jahren auch regelmäßig Vorträge zu verschiedenen Themen gehört wurden. jan
FRANKFURT A. M. Um vielen jungen Leuten zu einer qualifizierten Berufsausbildung zu verhelfen, bietet der Internationale Bund für Sozialarbeit (IB) ein sogenanntes Beteiligungsprogramm an.
Die Ausbildung beginnt mit einer einjährigen Vorbereitung, bei der die Jugendlichen zuerst verschiedene Berufe kennenlernen. Die anschließende Berufsausbildung dauert drei Jahre und wird mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer abgeschlossen. Etwa 30 Ausbildungsplätze bietet der IB derzeit an, die von der Stadt mitfinanziert werden.
Das Lehrangebot beginnt am Montag, 1. Februar, und ist breit gefächert: Bürokaufmann, Industriekaufmann, Energieelektroniker und Druckvorlagenhersteller. Die Berater des IB-Berufsbildungszentrums legen Wert darauf, daß sich Interessenten zuächst in einem normalen Betrieb bewerben. Erst wenn sie auf Dauer nicht erfolgreich sind, bietet der IB seine Ausbildungsplätze an.
Auskunft über das Programm gibt das Beratungsbüro, Rebstöcker Straße 55, unter der Telefonnummer 7 38 22 38. di/02
NORDEND. Die Spohrstraße soll zweimal in ihrer jeweiligen Richtung als Einbahnstraße "gedreht" werden - das fordert die SPD-Fraktion in einem Antrag, der in der nächsten Sitzung des Ortsbeirates 3 auf der Tagesordnung steht. Zum einen soll die Spohrstraße künftig von der Neuhof- zur Glauburgstraße befahrbar sein, zum anderen soll auch das Stück zwischen Schwarzburgstraße und Nordendstraße "umgekehrt" werden, so daß die Spohrstraße dort als Einbahnstraße von Nord nach Süd verläuft.
Damit hofft die SPD, die Lenaustraße zu entlasten. Denn seit die Straßenführungen in diesem Gebiet im Rahmen der Tempo-30-Zone geändert wurden, hat der Verkehr in der Lenaustraße "erheblich zugenommen", gab Eikenberg den Klagen von Anwohnern recht. Durch die Drehung der Spohrstraße im unteren Bereich soll ein Teil des Verkehrs dorthin verlagert werden. Eine zusätzliche Belastung der Spohrstraße ist nach Meinung Eikenbergs dennoch "nicht zu erwarten".
Hingegen bestehe für das Gebiet nördlich der Glauburgstraße tatsächlich die Gefahr, daß sich dort ein neuer "Schleichweg" entwickle. Autofahrer, die aus Richtung Stadtmitte die Friedberger Landstraße nähmen und nach Nordwesten oder Westen wollten, hätten dann die Möglichkeit, schneller als auf den Grundnetzstraßen - über die Route Neuhof-, Spohr- und Nordendstraße - ihr Ziel zu erreichen. Um diesen Schleichweg zu unterbinden, soll die Spohrstraße im oberen Teil ebenfalls "gedreht" werden.
Außerdem könne man so "zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen", sagte Eikenberg: Ein Nebeneffekt sei, daß der von den Anwohnern der Nordendstraße beklagte Durchgangsverkehr auch auf die Grundnetzstraßen verwiesen werde. rea
FRANKFURT-NORD. Die Verkehrsberuhigung im Gebiet um die Kurhessenstraße werden die Mitglieder des Ortsbeirats 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) in ihrer Sitzung am heutigen Donnerstag, 14. Januar, diskutieren. Das Gremium tagt ab 19.30 Uhr im Clubraum 1 im Haus Dornbusch, Eschersheimer Landstraße 248. Die Sitzung beginnt mit der Bürgerfragestunde.
Die Fraktion der Grünen fordert, jener Variante des Planungsbüros Retzko & Topp zuzustimmen, die eine Sperre im Bereich der Landgraf-Philipp-Straße und der Haeberlinstraße vorsieht. Außerdem soll die Heylstraße am Kindergarten unterbrochen werden. In ihrem Antrag räumen die Grünen ein, daß es Gegner dieser Variante gebe: Diesen Einwänden "vermag der Ortsbeirat aufgrund seiner Verantwortung für das Allgemeinwohl nicht zu folgen", formulieren die Antragsteller. Denn: Der Durchgangsverkehr im Viertel ist ihrer Meinung nach "unzumutbar". sen
WESTEND. "Kleine Kunstwerke" nannte sich bescheiden die Ausstellung mit Aquarellen von Kindern in der Katharinengemeinde. Wer sie gesehen hat, wird das Wort "klein" nicht auf die Kunstwerke beziehen, sondern lediglich auf das Alter der Kinder. Bei den Ausstellern handelte es sich um sieben Mädchen zwischen neun und zwölf Jahren. Unter der Anleitung der Kunstmalerin Lilo Gwosdz treffen sie sich einmal in der Woche, um ihrem Hobby nachzugehen.
Lilo Gwosdz hat die Kindermalgruppe vor einigen Jahren in der Nordgemeinde gegründet. Seit Januar 1993 ist die Gruppe der Katharinengemeinde angeschlossen und hat deren Namen übernommen. Auch nach der Fusion erhofft sich die Kunstmalerin und Mitglied des Kirchenvorstandes ein Fortbestehen der Gruppe.
Ziel sei es, den Kindern ein Gefühl für Kunst auf ihren Lebensweg mitzugeben, erklärte Gwosdz ihre Idee. Sie verteilt den jungen Künstlern Fotos, die jedoch lediglich zur Anregung dienen sollen. "Abmalen verdirbt das kreative Gestalten von Bildern", meint die Künstlerin. Und so entdeckte der Ausstellungsbesucher in den Bildern verschiedene Interpretationen gleicher Motive.
Die Aquarelle der sieben Mädchen stellten überwiegend Landschaften dar; die verschiedenen Farbgebungen erzeugten immer wieder neue Stimmungen in den Werken. So setzte die zehnjährige Gabi gekonnt warme Rottöne ein, um einen romantischen Sonnenuntergang darzustellen. Ein luftiges Blau durchsetzt von Weiß verwendete Simone als Hintergrund eines Baumes, der einsam in der Landschaft steht - Frühlingsgefühle?
Es seien nicht die wild aneinandergeklecksten Farben, die dann als Kunst ausgelegt werden, vielmehr habe Lilo Gwosdz den Kindern eine gute Beobachtungsgabe, einen Sinn für harmonische Farbabstimmung und harmonischen Bildaufbau vermitteln wollen. "Wenn man versucht, Kindern gezielt zu zeigen, wie man Bilder gestaltet, dann glaube ich, ihnen ein Gefühl für Malerei geben zu können."
Ein Blick auf die Bilder der Kinder überzeugte, daß sich Anspruch und Wirklichkeit decken. Denn sei es das Haus im Grünen von der zwölfjährigen Daniela, der Alpenwanderer von Svenja, Stefanies Blick bei Nacht auf das blaue Meer oder die Winterlandschaft von Anja: In jedem Werk erkannte man eine einmalige Stimmung, Sensibilität für Gestalt und Farben - eben ein Gefühl für Kunst. Von den "Kleinen Kunstwerken" kann manch Großer einiges lernen. ole
NIEDERURSEL/ESCHERSHEIM. Wird ein Raum zu eng, zieht man gewöhnlich um. Genau umgekehrt war die Situation beim Kleintierzüchterverein Niederursel 1907. Der veranstaltete seine Lokalschau diesmal nicht in der Niederurseler Sporthalle, sondern in den kleineren Räumen der Gärtnerei Werner in Eschersheim. Zu wenig Tiere von Qualität seien vorhanden, bedauerte der Vereinsvorsitzende Helmut Hofmann; viele Vereinsmitglieder hätten das Züchten von Geflügel und Kaninchen aufgegeben oder seien durch Krankheit verhindert. So wählte man gemäß der Tierzahl mit der Gärtnerei einen passenderen Raum, um die Lokalschau nicht ausfallen lassen zu müssen.
Trotz der kleinen Züchterschar stellte der Verein 171 Tiere aus. Aber nicht nur die Anzahl, auch die Vielfalt der Rassen konnte sich sehen lassen. Gänse, Enten, große Hühner und Zwerghühner mit den verschiedensten Farbschlägen fanden sich im Bereich "Geflügelzucht"; besonders bunt trieben es die Zwergwyandotten, die sich in schwarzem, weißem, blauem oder "braungehämmertem" Federkleid präsentierten.
Dem Geflügel standen die Tauben in nichts nach. Ihre Züchter zeigten von Strasser, Luchs- und Kingtauben über englische Modena Schietti bis hin zu Schlesischen Mohrenköpfen viele Rassen - im übrigen keine Verwandten der berühmten Eischneeprodukte mit Schokoladenüberzug.
Noten gab es auch: So urteilten die Preisrichter an einen schwarzen Stasser aufgrund seines S-förmigen Brustbeines die Note "ungenügend". Seine kleinere Kollegin hingegen, eine Luchstaube, erntete wegen ausgezeichneter Brusttiefe ein "Sehr gut". Züchter Walter Hahn erhielt für seine blaue Zwergwyandotte den Landesverbandspreis für Rassegeflügelzucht, Heinz Himmelreich für seinen blauen Strasser den Kreisverbandsehrenpreis, Waltraud Greiff den Stadtehrenpreis und Tanja Hahn den Stadtjugendpreis für Geflügelzucht.
Eine glückliche Hand bewies auch Hans-Erwin Schluker. Sein "blauer Wiener" gewann den Landesverbandsehrenpreis für Kaninchen. In dieser Sparte erwiesen sich auch Gutrun Schluker, Rolf März und Waltraud Greiff als erfolgreich und wurden dafür mit Kreisverbandsehrenpreisen ausgezeichnet. ole
ECKENHEIM. "Wir sind froh, daß Leute kommen, die Ideen haben und wissen, was im Stadtteil nötig ist", sagt Lilli Pölt, ehrenamtliche Stadträtin, in einer kurzen Pause, bevor sie sich wieder hektisch um ihre Gäste kümmert und Karnevalist Karl Oertl für den humorvollen Teil des Abends sorgt.
Zum Neujahrsempfang der Eckenheimer SPD hat sie viele Vereine aus dem Stadtteil ins Haus Eckenheim eingeladen, darunter Vertreter der Kirchen, des Polizei- und Schäferhundevereins, des VdK, des Turnvereins Jahn und vieler anderer Organisationen und Klubs. "Das sind Vereine, mit denen wir als Partei das ganze Jahr zusammenarbeiten", erklärt Lilli Pölt, "die Chance, all' die Leute zu treffen, die am sozialen und kulturellen Leben teilnehmen, wollen wir uns nicht entgehen lassen". Schließlich geschehe es ja nicht oft, "daß man alle Meinungsträger aus dem Stadtteil beisammen hat", freut sie sich.
Auf den persönlichen Kontakt legt die Sozialdemokratin besonderen Wert, "um zu erfahren, mit welchen Problemen die Vereine bei ihrem ehrenamtlichen Engagement oder bei der täglichen Arbeit konfrontiert sind".
Noch etwas erregt von ihrer Ansprache ist Lilli Pölt schon. Mit Gefühl und Verstand hat sie über die "unschönen Dinge in unserem Land" gesprochen und auf Aktionen gegen Ausländerfeindlichkeit hingewiesen: "Ich möchte Sie bitten, Gewalt gegen unsere ausländischen Mitbürger in Eckenheim nicht zuzulassen."
Als Gast bemüht sich Personaldezernent Achim Vandreike in Vertretung des Oberbürgermeisters in seiner Rede um das gleiche Thema. "Der Stadtteil ist noch ein verhältnismäßig kleiner Rahmen, in dem noch viel Handlungsfreiheit besteht", meinen Lilli Pölt und Vandreike einstimmig: Vorhaben lassen sich schneller durchsetzten.
So habe es nur ein halbes Jahr gedauert, bis nach einer Beschwerde des Seniorenwohnheims eine günstiger gelegene Haltestelle im Marbachweg angelegt wurde. Und die Kindertagesstätten und Horte, die bisher noch fehlen, würden bald eingerichtet.
Der Erfolg der Stadtteilarbeit beruhe eben auf einem guten Verhältnis zwischen Parteien und Vereinen. Häufig besuchen die Politiker die Klubs: "Da gibt es viele Anregungen. Das ist wichtig für eine bürgernahe Partei", sagt Lilli Pölt. Es spiele keine große Rolle mehr, von welcher Partei einer kommt. Wenn es um den Stadtteil geht, zögen alle "mehr oder weniger" an einem Strang. eid
SECKBACH. "Wir Frankfurter sind alle Freunde": Mit dieser Ansicht wartete Petra Roth in ihrer Ansprache beim Neujahrsumtrunk des CDU-Stadtbezirksverbandes Seckbach auf. Die Spitzenkandidatin der Frankfurter Christdemokraten für die Kommunalwahl im März nutzte das Treffen, um kräftig die Werbetrommel in eigener Sache rühren. So standen in ihrer Rede überwiegend politische Themen im Vordergrund. Unter anderem appellierte sie an die Besucher des Neujahrstreffens, sich am Wahltag für die Demokratie zu entscheiden und den rechtsradikalen Gruppen den Weg ins Rathaus zu verwehren.
Zum dritten Mal hatte die Seckbacher CDU zu einem Neujahrsumtrunk geladen. Etwa 40 Gäste, darunter Vereinsvorsitzende, Vertreter von Kirchengemeinden und Kommunalpolitiker hatten sich im Saal eingefunden. Marianne Friedrich, Vorsitzende der CDU im Stadtteil, sieht in der Neujahrsrunde eine Gelegenheit, "daß sich zu Jahresbeginn die Bürger Seckbachs unterhalten können, sei es im Gespräch untereinander, aber auch mit den Politikern".
In ihrer Rede nannte die Vorsitzende auch jene drei Mitglieder des Stadtbezirksverbandes, die nach der kommenden Kommunalwahl für Seckbach in den Ortsbeirat 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach) einziehen sollen: Helga Müller-Wankel, Paul Bauriedel und Helga Puttkammer-Cimander.
Zu Spannungen war es im Vorfeld der Veranstaltung gekommen: Das Stadtschulamt weigerte sich, den Christdemokraten die ursprünglich vorgesehenen Räume zur Verfügung zu stellen - geplant war der Neujahrsumtrunk im Speisesaal der Zentgrafenschule. So mußten die Organisatoren sich kurzfristig im Saal in der Zeuläckerstraße 1-3 einmieten. Die Behörde hatte ihr Veto laut Marianne Friedrich mit der Begründung eingelegt, das Überlassen von Schulräumen für "widmungsfremde Zwecke" sei nicht zulässig.
Die Vorsitzende hält diesen Grund für "an den Haaren herbeigezogen". Es sei doch bekannt, daß die Seckbacher SPD "seit Jahr und Tag" ihren alljährlichen "Tanz in den Mai" in den Räumen der Friedrich-Ebert-Schule abhalte. ole
FRANKFURT-NORD. Die Volkshochschule weist auf ihr geändertes Anmeldeverfahren für Kurse in den nördlichen Stadtteilen hin: Um das Verfahren zu vereinfachen und den Teilnehmern doppelte Wege zu ersparen, ist die Anmeldung vom Frühjahrssemester an nur noch zentral in Nieder-Eschbach möglich: am Samstag, 23. Januar, von 14 bis 17 Uhr, Otto-Hahn-Schule, Urseler Weg 27.
Danach sind Anmeldungen im Stadtteilbüro Nord (Nieder-Eschbach, Deuil-la- Barre-Straße 26) möglich: montags bis mittwochs von 10 bis 12 Uhr, donnerstags von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr.
Vor der Anmeldung können sich Interessenten von Sprachkursen beraten lassen: Donnerstag, 21. Januar, von 18 bis 20 Uhr, Otto-Hahn-Schule, Urseler Weg 27.
Die Beratung und die Einstufung zu "Deutsch als Fremdsprache" wird angeboten am Dienstag, 19. Januar, in der VHS Am Bügel, Ben-Gurion-Ring 58, und am Donnerstag, 21. Januar, Otto-Hahn- Schule, jeweils von 18 bis 20 Uhr.
Anmeldungen für die Kurse in Eckenheim/Preungesheim: am Donnerstag, 4. Februar, von 9 bis 17 Uhr im Sozialzentrum Marbachweg in der Dörpfeldstraße.
Außerdem werden Abendtermine für Anmeldungen angeboten: Montag, 25. Januar, 1. und 8. Februar, jeweils von 18.30 bis 20.30 Uhr, im Stadtteilbüro Nord, Deuil-la-Barre-Straße 26. di
FRANKFURT-NORD. Es kann sich wieder gebildet werden: Am kommenden Montag, 8. Februar, beginnt das Volkshochschul-Frühjahrssemester. In Bonames, Am Bügel, in Nieder-Eschbach, Kalbach, Nieder-Erlenbach, Harheim und Preungesheim liegt inzwischen in den meisten Geschäften, Banken und Stadtteilbüchereien das Frühjahrsprogramm des VHS-Stadtteilzentrums Nord aus. Erhältlich ist es außerdem im Stadtteilbüro Nord (Nieder-Eschbach, Deuil-la-Barre- Straße 26).
Insgesamt 144 Veranstaltungen aus den unterschiedlichsten Bereichen werden angeboten. Neu im Programm sind: Ein Bildungsurlaub "Frankfurt und seine Dörfer" mit der Frage, welche Veränderungen die Eingemeindung der nördlichen Vororte bewirkt hat sowie der Kurs "Mädchen in der Planung", in dem die vorhandenen Freiräume im Stadtteil erkundet und Ideen entwickelt werden sollen, die sich an den Bedürfnissen von Mädchen orientieren.
Im Bereich Psychologie gibt es ein Wochenendeseminar "Gestaltarbeit mit Märchen". In der Reihe "Betrifft: Erziehung" für Eltern mit Kindern im Vorschulalter gibt es die Themen "Kinder im Spannungsfeld verschiedener Kulturen", "Hyperaktivität und Unruhe bei Kindern", "Umgang mit der eigenen Agressivität" sowie "Sprachentwicklung". Ferner gibt es erstmals ausländische Folkloretänze. Die neuen Angebote im kreativen Bereich sind "Chinesische Tuschemalerei", "Zeichnen für Anfänger", "Seidenmalerei am Wochenende" und "Schweizer Stoffpuppen". Im Bereich "Kochen/Nähen" wird angeboten "Backen für Diabetiker", "Nähen am Vormittag", "Modewerkstatt am Wochenende".
Bei den Fremdsprachen werden in Englisch und Italienisch/Spanisch neue und weiterführende Kurse angeboten. Erstmals gibt's einen Bildungsurlaub "Englisch für echte Anfänger". Im Frühjahr und Sommer gibt es zehn Deutschkurse auf verschiedenen Stufen.
Neben Buchführung, Maschinenschreiben und EDV gibt es wieder den "Bürolehrgang für Frauen". Darüber hinaus Kurse aus den Bereichen Philosophie, Literatur, Gesundheit und Musik .
Umfangreich ist das Angebot für ältere Bürger in den nördlichen Stadtteilen: Zeichnen und Malen, Keramik, Gymnastik, Schwimmen sowie Atem- und Entspannungsübungen.
Anmeldungen für die Kurse in Eckenheim/Preungesheim sind möglich ab Donnerstag, 4. Februar, von 9 bis 17 Uhr (Sozialzentrum Marbachweg, Dörpfeldstraße). Erster Anmeldetermin für alle anderen Nord-Kurse: Samstag, 23. Januar, von 14 bis 17 Uhr (Otto-Hahn-Schule, Nieder-Eschbach, Urseler Weg 27). Informationen zum Nord-Programm gibt's unter Tel. 2 12-3 18 14 oder -318 16. di
Donnerstag, 14. Januar, 20 Uhr: "Heiße Herzen", die inzwischen 30. Auflage der ironischen Szenen aus dem Männerleben, gespielt von den "Tolleranzen" im Gallus Theater (Krifteler Straße 55); "Alles weg'n de Leut", die nostalgische Lieder- und Anekdotensammlung des holländischen Allround-Talents Robert Kreis, im Neuen Theater Höchst an der Emmerich- Josef-Straße 46 a.
20.30 Uhr: "Aysche und Richard", ein Stück von Peter Slavik über zwei Lebensläufe in Zeiten des erstarkenden Faschismus, im Theater in Bornheim (TiB, Bornheimer Landwehr 35).
Freitag, 15. Januar, 20 Uhr: "Fräulein Julie", das Strindberg-Drama in einer neuen Inszenierung des Theaters "Grüne Soße", im Theaterhaus (Schützenstraße 12); "Alles weg'n de Leut" in Höchst und "Heiße Herzen" im Gallus.
20.30 Uhr: "Das Martyrium des Piotr O'Hey", die aktuelle Produktion der Jungen Bühne Frankfurt im Kellertheater (Mainstraße 2); "Aysche und Richard" im TiB.
Samstag, 16. Januar, 15 Uhr: "Siggi, der kleine Ritter", Kindertheater ab fünf Jahren mit Fridolins Puppentheater, im Gallus Theater.
19 Uhr: "Nachtwache", die lange Nacht des Psychodramas von Lars Noren, inszeniert vom Freien Schauspiel Ensemble im Philanthropin (Hebelstraße 17). 20 Uhr: "Fräulein Julie" im Theaterhaus, Robert Kreis in Höchst, die "Tolleranzen" im Gallus.
20.30 Uhr: "Aysche und Richard" im TiB und "Das Martyrium des Piotr O'Hey" im Kellertheater.
Sonntag, 17. Januar, 16 und 20 Uhr: "Varieté am Sonntag", die 13. Produktion des hauseigenen Programms, diesmal mit den Zauberern "Les Illusions", dem Conférencier Max Nix und der mongolischen Kontorsions-Truppe "Tunga", laut Ankündigung "die schönsten Biegedamen aus der Schatzkiste des Orients". 20 Uhr: "Heiße Herzen" im Gallus Theater.
Dienstag, 19. Januar, 10 und 15 Uhr: "Plabutsch ist futsch!", ein Stück für Kinder ab drei Jahren mit dem Clownstheater Patü (Neues Theater Höchst).
Mittwoch, 20. Januar, 20 Uhr: "Sanft und sündig", eine Minimal-Pop-Show mit dem Trio "Ganz Schön Feist"; drei Stimmen, einige Instrumente, "unverstärkt" im Gallus Theater. Und nochmals um 20 Uhr: "Fräulein Julie" im Theaterhaus. two
NORDEND. "Ich komme gleich auch", meinte die Frau im großen Wagen. Und sie suchte, suchte, und fand schließlich doch einen: Petra Roth, CDU-Kandidatin für das Amt des Oberbürgermeisters, merkte selbst, wie schwer im Nordend ein Parkplatz zu finden ist. Nicht nur deswegen war die Parkplatznot Thema beim Neujahrsempfang der CDU Nordend, zu dem etwa 40 Gäste aus Vereinen, Schulen und anderen Institutionen in die Geschäftsstelle in der Friedberger Landstraße gekommen waren.
Neben Petra Roth und Bürgermeister Hans-Jürgen Moog diskutierten auch Mandatsträger und Parteimitglieder aus dem Stadtteil bei Sekt und Brötchen über kommunalpolitische Themen: "Wir wollen einen direkten persönlichen Kontakt entstehen lassen", sagte Michael Fella, der Fraktionsvorsitzende der CDU im Ortsbeirat 3. Ähnlich will er auch den Wahlkampf führen: vor allem mit Informationsständen. Wichtigstes Thema wird dabei die Verkehrsberuhigung sein, die nach Ansicht der CDU unsachgemäß geplant worden ist: "Gerade beim Oeder Weg haben Anwohner der kleinen Nebenstraßen die Folgen der Sperrung zu spüren bekommen. Das war ein Fehler, der ja jetzt behoben werden mußte." In diesem Zusammenhang kritisierte Fella auch das Parkplakettensystem, das nicht den Bedürfnissen der Bürger entsprechend eingerichtet worden sei. Um Parkplätze zu schaffen, wiederholte er die CDU-Forderung nach Anwohnertiefgaragen: "Die wären auf mehreren Grundstücken möglich." Ein weiteres zentrales Thema ist für die Stadtteil-CDU die "innere Sicherheit". Im Sommer sei die Zahl der Straßenüberfälle stark angestiegen und halte sich seitdem auf einem hohen Niveau: "Bürger des Nordends - und nicht nur ältere - haben immer öfter Angst, in den Abend- und Nachtstunden das Haus zu verlassen. Sie verzichten lieber auf kulturelle Veranstaltungen und Besuche."
Deshalb fordern die Christdemokraten mehr uniformierte Polizeistreifen zu Fuß und regen zusätzlich die Bildung einer örtlichen Arbeitsgruppe an, in der Vertreter der Polizei, des Jugendamtes und der Stadtwerke sitzen sollen. "Ursachen für die steigende Gewalt sind unter anderem ein zunehmender Werteverfall und eine Beziehungslosigkeit innerhalb von Familien", meint Michael Fella. Am 25. Januar wird die CDU zu diesem Thema eine Diskussion mit Fachleuten und Mitgliedern der CDU-Stadtverordnetenfraktion organisieren. Nicht ausreichende Unterrichtsmittel und zu wenige Lehrer bereiten der Partei außerdem Kopfzerbrechen - die Eröffnung der Integrierten Gesamtschule Nordend habe dazu geführt, daß die Mittel ungleich verteilt würden. Andere Schulen müßten nun darunter leiden. Konkrete Versprechen für den Fall des Wahlsieges will Fella allerdings nicht abgeben: "Die Zeiten, in denen man das machen konnte, sind vorbei. Wir wollen auf Probleme aufmerksam machen und Lösungsmöglichkeiten zeigen. Allerdings immer mit Blick auf die Finanzen". laf
SACHSENHAUSEN. "Wenn man jahrelang kein Turnier hatte, muß sich das erst wieder richtig durchsetzen", kommentiert Steffen Mitze. Deshalb war der Pressewart der Handballabteilung der Turngemeinde (TG) Sachsenhausen 04 auch nicht traurig über das geringe Zuschauerinteresse: Lediglich 150 Zuschauer insgesamt besuchten am vergangenen Wochenende das erste Wanderbembel- Turnier. Fünf Mark kostete der Eintritt an jedem der drei Wettkampftage.
Am Freitag und Sonntag wurde das Turnier in der Sporthalle Süd in der Willemer Straße ausgetragen. Nur am Samstag mußten die Spieler in die Fechenheimer Fabriksporthalle in der Wächtersbacher Straße ausweichen: "Die Hallentermine werden sehr kurzfristig vergeben. Am Samstag spielten die Basketballer von Eintracht Frankfurt in Sachsenhausen - deshalb mußten wir eben den Austragungsort verlegen", erklärt Mitze.
Sechs Mannschaften aus der Frankfurter Umgebung kämpften in zwei Gruppen um den Pokal. Die Spiele gingen über die reguläre Spieldauer von sechzig Minuten: "Meist hat man bei solchen Gelegenheiten eigene Regeln. Wir wollten die vierwöchige Winterpause unterbrechen und den Teams die Möglichkeit geben, sich auf die Rundenspiele unter normalen Bedingungen vorzubereiten", erläutert der Pressewart: "Das Ganze war im ersten Jahr auch eher für die Aktiven als für die Zuschauer gedacht."
Dem Sieger winkte als Preis der Pokal und 150 Mark für die Vereinskasse. Die zweitplazierte Mannschaft konnte sich über eine Freifahrt mit dem Ebbelwei- Express freuen. "Wir wollten das Turnier bewußt ein wenig regional gestalten", sagt Mitze. Deswegen durfte der Konkurrent aus dem Stadtteil, der Turn- und Sportverein Sachsenhausen, natürlich nicht fehlen. Das Lokalderby war dann auch die am meisten beachtete Partie.
In einer Spielpause am Sonntag bot die Gymnastikabteilung der ausrichtenden TG 04 eine Showtanzeinlage. Neben der Jazztanzformation "Private Dancers" trat auch "Alegria" auf. Die 13 Mädchen und Frauen kommen aus Deutschland, Kroatien und Spanien und widmen sich unter der Anleitung von Alicia Fernandez dem Flamenco: "Gerade heutzutage muß man hervorheben, daß solche multinationalen Gruppen ohne Probleme funktionieren. Außerdem wird dem Gesamtverein die Möglichkeit zur Darstellung gegeben."
In der Handballabteilung sind von den 140 Mitgliedern etwa 70 im Spielbetrieb aktiv: "Das geht von der E-Jugend ab sieben Jahren bis hin zu den Männern. Außerdem gibt es auch drei Frauenmannschaften", erläuterte Steffen Mitze. Auch im nächsten Jahr soll das Wanderbembel-Turnier ausgetragen werden. Dann hoffen die Ausrichter auch auf ein größeres Zuschauerinteresse. laf
BOCKENHEIM. "Man könnte den Stil als Hardcore bezeichnen. Allerdings gibt es da auch sehr viele verschiedene Richtungen", erklärt Hajo Greif vom Bockenheimer Jugendzentrum. Etwa hundert Besucher kamen in die Varrentrappstraße, um die beiden Rockgruppen "Endpoint" und "Ego Trip" zu sehen. Für acht Mark Eintritt wurden mehr als zwei Stunden harte Gitarrenklänge geboten. Beide Bands zählen sich selbst zur "autonomen Alternativszene". "Endpoint" kommt aus den Vereinigten Staaten und ist seit Mitte Dezember in ganz Deutschland auf Tournee.
Die fünfköpfige Band tritt in Jugendzentren oder auch in besetzten Häusern auf. Aus der Nähe von Schweinfurt kommen die vier Männer von "Ego Trip". Beide Bands haben schon bei kleinen Firmen Platten produziert: "Meistens läuft das unter Freunden im Do-it-yourself- Verfahren", meint Hajo Greif: "Die Musiker achten auch darauf, daß sie im kleinen Rahmen und für geringe Preise auftreten.
In ihren Texten stellen sie den Drogenkonsum in Frage. Sie sind allesamt Vegetarier. Greif: "Mit solchen Sachen lassen sich vielleicht die Mitglieder der sogenannten Straight Edge-Bewegung kennzeichnen." Straight Edge bedeutet: bewußt mit seinem Leben und seiner Umwelt umzugehen.
Aus der Szene in ganz Hessen kamen Anhänger dieser Richtung angereist, um das Konzert mitzuerleben: "Ich kenne sogar Leute, die aus Hannover hierhergefahren sind. Das Frankfurter Umfeld würde auch gar nicht ausreichen", meint Greif. Mit anderen zusammen organisiert er jeden Monat ein bis zwei Konzerte im Bockenheimer Jugendzentrum.
Neben diesen Aktionen gibt es noch einen Siebdruckraum und ein Fotolabor in der Varrentrappstraße. In regelmäßigen Abständen wird in der "Volxküche" zu einem Preis von vier Mark "viel Essen für wenig Geld" geboten. Meistens handelt es sich dabei um vegetarische Speisen. Vor einem Jahr wurde das Erdgeschoß des Hauses in eine reine Frauenetage umgebaut. laf
Mit ihrer These vom "Heldenepos", das sich in der Stadt an der Wolga abgespielt habe, produzierte die nationalsozialistische Propaganda eine abstrakte Scheinwelt. In ihr spielte das aktuelle militärische und politische Kalkül eine gänzlich untergeordnete Rolle. Statt dessen wurde, wie es der Theoretiker des "sozialen Mythos", Georges Sorel, gelehrt hatte, das "Gefühl für das Erhabene" angesprochen, das die Menschen jenseits aller Nützlichkeitserwägungen zu einer geschichtlich wirksamen Einheit zusammenfassen sollte.
Man muß sich diesen Mythos als eine zweite, visionäre Wirklichkeit vorstellen, die gar nicht beanspruchte, das konkrete Leben der einfachen Soldaten in Stalingrad zu reflektieren, sondern in der das ganze Problem auf eine andere, höhere Ebene gehoben war. Nur so, glaubten Hitler und seine propagandistischen Helfer, würde es gelingen können, dem Massensterben Zehntausender junger deutscher Männer in Uniform einen höheren Sinn zu verleihen.
Dort, in der Ideenwelt des Glaubens, war das konstruierte Bild von "Stalingrad" der rationalen Kritik enthoben. Mit der Version vom "Heldenmythos" wandte sich die NS-Propaganda an die Kräfte des Gemüts und nicht die des Verstandes. Sie benutzte daher eine Bildersprache und machte Anleihen in den tradierten Mythologien sowie in den Religionen. Vom "Glauben" war immer wieder die Rede, von der "Allmacht", der "Ehrfurcht" und dem "heiligen Schauer", ebenso aber vom größten "tragischen Heldenopfer" der deutschen Geschichte für den Sieg.
Adressat dieses Konstrukts waren nicht nur die Hinterbliebenen der Toten von Stalingrad, sondern das deutsche Volk insgesamt, dessen weiterer Loyalität sich das NS-Regime zu vergewissern trachtete, um den Krieg fortsetzen zu können - bis zum "bitteren Ende". Das ist, Hans Barth zufolge, der Sinn des "heroischen Mythos": Er "sucht die Menschen auf die Katastrophe vorzubereiten, aber nicht in der Weise, daß sie sie als leidende Wesen ertragen, sondern so, daß sie sie als kämpfende herbeiführen".
Im Zusammenhang mit der Stalingrad- Krise hatte die NS-Prpaganda primär zur Lösung einer allgemeinen, herrschaftspolitischen Aufgabe beizutragen. Sie lautete, eine Destabilisierung des NS-Regimes, die als Folge dieses militärischen Desasters möglicherweise eintreten konnte, entweder zu verhindern oder doch wenigstens zu begrenzen. Die auf den ersten Blick widersprüchlichen propagandistischen Schachzüge dienten durchgängig diesem politischen Hauptziel.
Für Joseph Goebbels, den "Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda", der für die Meinungslenkung hauptsächlich verantwortlich war, bedeutete dies eine neue Herausforderung. Denn in der ersten Hälfte des Krieges hatte die nationalsozialistische Propaganda eine vergleichsweise einfache Aufgabe zu bewältigen gehabt. Sie hatte siegreiche Feldzüge "verkauft". Das heißt, sie war sozusagen auf dem Rücken der Wehrmacht geritten. Militärischer Erfolg und der Erfolg der Propaganda hatten einander bedingt.
Jedoch auch schon vor "Stalingrad" hatte es eine Krisensituation gegeben, in welcher der deutschen Öffentlichkeit ein militärischer Mißerfolg in möglichst positiven propagandistischen Wendungen nahezubringen war. Gemeint ist der in Winter 1941 vor Moskau gescheiterte Angriff. Die "Schlacht vor Moskau" stellte den Nimbus der deutschen Unbesiegbarkeit erstmals in Frage. Hitler hatte damals "Köpfe rollen" lassen, das heißt, er hatte einige Generäle zu Sündenböcken gemacht, abgesetzt und neue berufen. Dem Propagandaminister war hernach nur noch die Aufgabe verblieben, öffentlich die Weisheit und Genialität des "Führers" zu preisen und ihn damit aus dem Schußfeld der Kritik zu nehmen.
Das Desaster der deutschen Truppen in Stalingrad - das über die militärische Niederlage hinaus für beide Parteien, die sowjetische Seite ebenso wie für die deutsche, von einem hohen politischen Symbolwert war - erlaubte eine solche generelle Schuldabwälzung auf die Generäle nicht. Denn Hitler, der während der Schlacht von Moskau im Dezember 1941 selbst den Oberbefehl über das Heer übernommen hatte, übte diesen während der Kämpfe um Stalingrad auch direkt aus, mehrfach sogar gegen den Rat zumindest einiger Generäle, womit der Grad seiner persönlichen Verantwortung stieg.
Hier befinden wir uns an einem zentralen Punkt des Nachdenkens über "Stalingrad". Tatsächlich ist die Frage, wo die Willfährigkeit der verantwortlichen Generäle gegenüber dem "Führer" hätte enden müssen und wo angesichts des Massensterbens der Soldaten Ungehorsam und eigenes Handeln eine moralische Pflicht gewesen wären, seit langem Gegenstand der militärischen wie auch der politischen und historischen Diskussion. Der "kleine Mann" wurde in diesem Zusammenhang weniger thematisiert. Er schien ganz in der Rolle des Opfers einer unmenschlichen Befehlsgebung aufzugehen. Damit geriet jedoch seine Doppelrolle als Täter und Opfer aus dem Blickfeld, ebenso die ganz praktische Frage, weshalb die einfachen Soldaten in Stalingrad eigentlich nicht massenhaft desertiert sind, statt dessen den Durchhalte-Befehlen Folge leisteten und damit - auch diese Perspektive muß erlaubt sein - dazu beitrugen, daß das NS-Regime den Krieg in der bisherigen Weise fortsetzen konnte. (. . .)
In der ersten Phase - von der Einkesselung der 6. Armee am 22. November 1942 bis etwa Mitte Januar 1943 - wurde das Ziel der Stabilisierung des Regimes mit der riskanten Propaganda-Taktik des Verschweigens aller unangenehmen Tatsachen zu erreichen versucht. Ein Erfolg dieser Taktik war durchaus zweifelhaft. Denn die Bevölkerung würde, wie die Propagandisten aus Erfahrung wußten, auf diese Informationssperre mit verstärkter Gerüchtekommunikation reagieren, die ihre Informationen aus dem Abhören von Feindsendern und aus Feldpostbriefen bezog. Damit stand die Glaubwürdigkeit der Propaganda insgesamt auf dem Spiel.
Zuvor, seit Beginn der Kämpfe um Stalingrad im August 1942, hatten die gleichgeschalteten deutschen Medien kontinuierlich Informationen über erfolgreiche Angriffe der deutschen Wehrmacht in der Wolgastadt verbreitet. Hitler selbst hatte in einer öffentlichen Rede am 8. November 1942 in München wahrheitswidrig mitgeteilt, Stalingrad sei praktisch schon erobert (. . .).
Darauf folgte nun also seit dem Beginn der sowjetischen Gegenoffensive am 19. November 1942 bei Stalingrad jene neue Propagandataktik, die in der "Kunst des Verschweigens" bestand. Der von Hitler dirigierte Wehrmachtbericht deutete die Lage nicht einmal an. In der Propaganda war fortan lediglich von der "Härte und Schwere" der Kämpfe in Stalingrad die Rede. Mit anderslautenden sowjetischen Berichten ging der Propagandaminister so um, indem er sie pauschal als "Lügenmeldungen" abtat und sie damit jener Spezies von Kriegspropaganda zuordnete, der man generell keinen Glauben schenken durfte, getreu seiner eigenen Devise: "Die Nachrichtenpolitik im Kriege ist ein Kriegsmittel. Man benutzt es, um Krieg zu führen, nicht um Informationen auszugeben."
Auch an Weihnachten 1942, als sich der Informationshunger der Menschen in der Heimat steigerte, behielt die NS-Propaganda die Taktik des Verschweigens bei. Goebbels wußte, daß dieser vierte Kriegswinter mehr noch als die früheren ein Stimmungstief bei der deutschen Bevölkerung mit sich zu bringen drohte. Überdies dürfte er wohl schon zu diesem Zeitpunkt geahnt haben, daß die in Stalingrad eingeschlossenen Soldaten nicht mehr würden gerettet werden können. Daher verbrachte er die Weihnachtstage 1942 in bedrückter Stimmung. (. . . ) Sein Neujahrsgruß 1943 an die deutschen "Soldaten der Front" war erneut gekennzeichnet durch ein Gemisch von Verschweigen und von Beschönigungen. Er behauptete in allgemeinen Wendungen, das neue Jahr werde Deutschland dem "endgültigen Sieg", dem "Endsieg", näherbringen, wenngleich er auch zugeben mußte, daß "Stürme uns umbrausen".
Hitler flüchtete sich in seinem Neujahrsaufruf 1943 seinerseits in allgemeine Phrasen, wenn er beispielsweise im Hinblick auf den Krieg ausführte, es gehe "in diesem Kampf . . . wirklich um Sein oder Nichtsein". In seinem am gleichen Tage veröffentlichten "Tagesbefehl an die Soldaten der deutschen Wehrmacht" beschwor er einmal mehr das altbekannte Feindbild vom "jüdischen Bolschewismus", mit dem er schon den Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 zu rechtfertigen versucht hatte, und zugleich rückte er das Thema Europa wieder in die vordere Reihe der Propagandathemen: "Gnade Gott Europa, wenn das jüdisch-bolschewistische Komplott gelingen würde. Europa wäre endgültig verloren, in ihm aber liegt eure Heimat, meine Soldaten, für die ihr kämpft."
Seit Ende 1942 nahmen - den SD-Berichten zufolge, die in der Regel ein zutreffendes Stimmungsbild vermittelten - die negativen Äußerungen der Menschen über die eigene Regierung und den Krieg derart zu, daß in bezug auf das Verhältnis der Deutschen zu Hitler geradezu von einer Umbruchssituation gesprochen werden kann. Es hatte sich der durchaus zutreffende Eindruck ausgebreitet, man sei das Opfer von Fehlinformationen und Verschleierungen. Im größeren Zusammenhang des gesamten Zweiten Weltkrieges betrachtet, bildete die propagandistische Behandlung des Stalingrad-Themas - also die Taktik des Verschweigens - die entscheidende Kommunikationsschwelle, womit gesagt werden soll, daß der NS-Propaganda etwa vom Beginn des Jahres 1943 an nicht mehr geglaubt wurde.
Wohl aufgrund dieser destabilisierenden Tendenzen im Innern sah sich die Wehrmachtführung nun gezwungen, wenigstens einmal Andeutungen über das wahre Geschehen in Stalingrad zu machen. Erstmals am 16. Januar 1943 - also ganze zwei Monate nach der Einkesselung - konnte die deutsche Öffentlichkeit, die längst gelernt hatte, zwischen den Zeilen zu lesen, dem Wehrmachtbericht des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) indirekt das Faktum entnehmen, daß dort eine deutsche Armee schon seit Wochen eingekesselt war. Aber weitergehende Informationen gab es noch immer nicht.
An dieser Stelle muß darauf hingewiesen werden, daß auch die in den Berichten des OKW verwendete Sprache keineswegs sachlich-kühl, sondern hochgradig propagandistisch war. Damit ist nicht etwa nur der permanente Gebrauch von mythologisierenden Begriffen wie "heroisch" und "heldenhaft" gemeint, sondern auch die völlige Instrumentalisierung von an sich sprachlich festgelegten Begriffen wie "Verteidigung" und "Angriff". In den OKW-Berichten verteidigten nicht etwa die Soldaten der Roten Armee die russische Stadt Stalingrad, sondern die Verbände der deutschen Wehrmacht wurden als "Verteidiger von Stalingrad" bezeichnet. Die Deutschen kämpften an der Stalingrader "Verteidigungsfront" und leisteten "Widerstand", während die Rote Armee in den OKW-Berichten durchgängig als "Angreifer" figurierte. (. . .)
Man muß sich auch verdeutlichen, daß die Durchhaltebefehlsgebung der Armee- Führung unter Generaloberst Paulus nicht bloß eine militärische Handlungsanweisung im engeren Sinne darstellte, sondern selbst Propaganda-Charakter hatte. Denn sie verfolgte das Ziel, den Soldaten im Kessel weiszumachen, hinter der ganzen Sinnlosigkeit der Lage stünde die höhere Weisheit des "Führers" und damit auch ein höherer Sinn. Der Befehl von Paulus an die Soldaten seiner Armee vom 22. Januar 1943 beispielsweise spricht diesbezüglich für sich selbst: "Wenn wir wie eine verschworene Schicksalsgemeinschaft zusammenhalten und jeder den fanatischen Willen hat, sich bis zum äußersten zu wehren, sich unter keinen Umständen gefangen zu geben, sondern standzuhalten und zu siegen, werden wir es schaffen!" Das war Kriegspropaganda reinsten Wassers, gerichtet an jene Soldaten, die das Massensterben der vergangenen Wochen überlebt hatten.
Zeitgenössische Annahmen, Hitler und Goebbels seien über die Lage der Soldaten im Kessel von Stalingrad möglicherweise nicht genügend informiert gewesen, sind vollständig unzutreffend. Unter vielen anderen Informationen erhielten sie am 23. Januar 1943 den mündlichen Bericht eines aus dem Kessel ausgeflogenen Majors. Er erschien, wie dem Tagebuch von Goebbels zu entnehmen ist, "vollkommen abgemagert", mit ganz in den Höhlen zurückgetretenen Augen, "fahrig und nervös", aber zugleich "durchaus sachlich" sprechend. Er berichtete, die Soldaten hätten nichts mehr zu essen und nichts mehr zu schießen; reihenweise säßen sie in den Bunkern und verhungerten oder erfrören.
Die Propaganda-Taktik des Verschweigens mußte Ende Januar 1943 durch eine neue Linie abgelöst werden, die aus einer Kombination von Realismus und Mythologisierung bestand. Das Schwergewicht
GOLDSTEIN. Der Verein für Leibesübungen Goldstein 1953 (VfL) wird 40 Jahre alt: Mit dem fünften Flughafen-Cup der Handballer und einem anschließenden Fest zeigte sich der VfL gleich zu Beginn seines Jubiläumsjahres von der besten Seite. Dabei stellte der VfL einmal mehr unter Beweis, was seinen Erfolg ausmacht: sportliche Leistungen und gemeinsames Feiern in guter Stimmung.
Für den Sport waren an diesem Tag die Handballer zuständig, die den dritten Platz in der Carl-von-Weinberg-Schule belegten. Das Turnier beherrschte jedoch der Regionalligist TSG Münster, der mit 6:0 Punkten den Erfolg des vergangenen Jahres wiederholen konnte. Den zweiten Platz belegte Oberligist Schott Mainz.
Spannend war auch das vorletzte Spiel des Tages: Der VfL (Bezirksliga) setzte sich gegen die TSG Sulzbach (Oberliga) knapp, aber verdient mit 11:10 durch. Großen Anteil am Sieg hatte VfL-Torhüter Andreas Meiss. Der hatte sich gegen seine ehemaligen TSG-Mitspieler, für die er noch in der vergangenen Saison Bälle abwehrte, besonders ins Zeug gelegt.
Doch der VfL bot den etwa 300 Zuschauern an diesem Tag nicht nur guten Handball. In einer Pause zeigten beispielsweise die Jazz-Mädchen zur Musik von Michael Jackson ihr Können. Mit Höchstleistungen glänzte aber auch der Festauschuß. Den ganzen Tag waren etwa 50 Helfer um das Wohl der Sportler und Besucher bemüht: tagsüber in der Halle und abends bis spät in die Nacht im Biergarten. Für die Musik sorgte das Duo "Remember" und für die Gaumenfreuden gab es ein reichhaltiges Büfett. Unter den Gästen war auch Sportdezernentin Sylvia Schenk.
Für Gesprächsstoff sorgten unter anderem die (großen und kleinen) Erfolge des vergangenen Jahres. Der Erinnerung half dabei eine Fotowand auf die Sprünge, auf der sich die 15 Abteilungen des VfL vorstellten. Die Leichtathleten beispielsweise blicken auf zwölf Kreis- und sieben Vizemeisterschaften zurück. Die Tennisabteilung freute sich über den Aufstieg von vier der zehn gemeldeten Mannschaften in verschiedene Ligen.
Der eigentliche Erfolg für den Breitensport-Verein mit seinen 1200 Mitgliedern aus 15 Nationen sind jedoch seine Turniere und Feste, bei denen neben dem Sport die Unterhaltung im Mittelpunkt steht. Ganz vorne in der Gunst des Publikums stand dabei der Nationalitäten- Treff im Sommer, zu dem etwa 800 Besucher gekommen waren - unter ihnen auch Sylvia Schenk. Am Vorabend des Turniers der Hand- und Volleyballer stimmte ein buntes Programm und Köstlichkeiten aus elf Ländern die Gäste auf die kommenden Tage ein. Besonderen Anklang fand dabei die Bauchtänzerin Linda Mescal, die im Herbst wegen der großen Nachfrage einen Workshop anbot und dabei die Kunst des Hüftschwungs vermittelte.
Ein Blick auf andere Aktionen macht aber auch deutlich: Der VfL ist ein Verein mit großem Angebot und viel Engagement. So organisierte der VfL wieder die traditionellen Goldsteiner Spiele - ein sportlicher Spaß für die ganze Familie -, beteiligte sich am Kerbeumzug und unternahm Ausflüge in die Umgebung.
Und die Mischung aus Sport und Spiel kommt offensichtlich an - auch bei der Jugend. "Wir haben keine Nachwuchsprobleme", erklärte Pressesprecherin Sandra Thomazewski. Aber: Der Mangel an Hallen erschwert auch beim VfL den Sportbetrieb. "Wir brauchen mehr Raum für unsere Aktiven." Das könnte erreicht werden, wenn die Hallen der Goldsteinschule und der Gesamtschule für den Verein schon vor 18 Uhr zugänglich wären. Doch dieses Problem wird das Jubiläum sicher nicht verderben. Und daß der VfL feiern kann, bewiesen die Mitglieder nach dem Flughafen-Cup. Das Fest war freilich erst der Auftakt zu den Feiern zum 40jährigen Vereinsbestehen. ara (siehe auch untenstehenden Kasten)
GOLDSTEIN. Nicht mit einem, sondern mit vielen Festen feiert der Verein für Leibesübungen Goldstein 1953 (VfL) in diesem Jahr sein 40jähriges Vereinsbestehen. Den Anfang machten die Handballer mit dem fünften Flughafen-Cup und einem anschließenden Fest. Die VfL-Jugend setzt den Reigen der Geburtstagsfeiern am Freitag, 19. Februar, mit einer Disco fort. Einen Tag später, am Samstag, 20. Februar, steht für den Verein die "fünfte Jahreszeit" unter dem Motto "Vor 40 Jahren" auf dem Programm.
Während der Jahreshauptversammlung am Freitag, 5. März, wird das Jubiläum sicher wieder im Mittelpunkt stehen. Mit zwei Ausflügen werden die Mitglieder dann die warme Jahreszeit begrüßen. Die Termine: Am 25. April heißt es "Trimm-Trab ins Grüne" und am 16. Mai steht ein Ausflug auf dem Programm.
Zum Auftakt der Turnierwoche zwischen dem 9. und 13. Juni feiern die Mitglieder wieder; diesmal unter dem Motto: "Wir in Goldstein - ganz international" (9. Juni). Tags darauf beginnt das Volleyball- und Handball- Turnier. Innerhalb dieser fünf Tage sind wieder alle zu den Goldsteiner Spielen eingeladen, die in diesem Jahr den Titel "Die letzten 19 Jahre" tragen. Und vom 28. Juni bis 3. Juli folgt mit der Sportwoche das nächste große Ereignis, das mit der Siegerehrung des 12-Stunden-Laufs seinen Abschluß finden wird.
In der Zeit vom 20. bis 22. August ist die Tennisabteilung Ausrichter des Goldstein-Cups. Für den 25. September steht die Krönungsfeier der Goldsteiner Rosenkönigin im Kalender. Gespannt dürfen die Mitglieder des VfL schon jetzt auf das geturnte Märchen sein. Der Titel des Märchens ist zwar noch nicht bekannt, doch der Erfolg von "Schneewittchen" 1988 weckt große Erwartungen. Mit den beiden Weihnachtsfeiern für Kinder (12. Dezember) und Erwachsene (17. Dezember) geht das Jubiläumsjahr zu Ende. Nähere Auskunft gibt Sandra Thomazewski unter Telefon 6 66 58 05. ara
Für die Änderung der Propaganda gab es mehrere Gründe. Erstens führte das verstärkte Abhören von Feindsendern und das Lesen von Feldpostbriefen aus dem Kessel, wie bereits erwähnt, zu unwillkommener Gerüchtekommunikation. Zweitens näherte sich die reale Lage im Kessel dem tödlichen Ende. Drittens schließlich gab es ein wichtiges Datum im politischen Kalender der Nationalsozialisten, das es für die führenden Repräsentanten des NS-Regimes zur Notwendigkeit machte, an die Öffentlichkeit zu treten und gleichzeitig auch die Taktik des Schweigens aufzugeben. Am 30. Januar 1943 jährte sich die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler - im NS-Jargon als "Machtergreifung" bezeichnet - zum zehnten Male. Alljährlich hatte Hitler an diesem Tage eine öffentliche Rede gehalten, bislang jeweils in kraftstrotzender Siegerpose, Hohn und Spott über die Kriegsgegner ausgießend und gewiß auch in der propagandistischen Absicht zelebriert, die eigene Bevölkerung aus dem jeweils im Winter eintretenden Stimmungstief herauszureißen. Aber in diesem Jahre drückte sich der "Führer" ängstlich vor seiner traditionellen Redeverpflichtung und schickte Göring und Goebbels an die Propaganda-Front.
Sowohl die Rollenverteilung als auch die Inhalte der nunmehr einzuschlagenden Propaganda wurden bereits am 23. Januar 1943 zwischen Hitler, Göring und Goebbels abgesprochen. Es sollte "tiefe Erschütterung" zum Ausdruck gebracht und gleichzeitig die Flucht in die Metapher vom "Heldenlied" angetreten werden. Goebbels hatte von Hitler die Absichtserklärung erhalten, er wolle, "sobald die Dinge in Stalingrad aufgegeben werden müssen, mit der vollen Wahrheit herausrücken und das deutsche Volk zu einer achttägigen Trauer- und Stolzkundgebung aufrufen." Die Mythos-Masche wurde so festgelegt: "Es spielt sich dort ein Heldendrama der deutschen Geschichte ab, wie es in dieser tragischen und erschütternden Form bisher noch nicht dagewesen ist."
Vermutlich wurde Hermann Göring, der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, dazu ausersehen, die eigentliche Mythologisierungs-Rede zu halten, weil er - entgegen seiner großspurigen Ankündigung - die Versorgung der "Stalingrader" aus der Luft nicht hatte sicherstellen können und daher nunmehr in der Gefahr stand, in der deutschen Öffentlichkeit als der eigentlich Schuldige am Tode von Zehntausenden deutschen Soldaten gebrandmarkt zu werden. Der öffentliche Auftritt sollte möglicherweise im Sinne einer prophylaktischen Rechtfertigung wirken.
Göring sagte, "gleich einem gewaltigen Monument" rage der Kampf um Stalingrad aus den "gigantischen Kämpfen" der Vergangenheit heraus als "der größte Heroenkampf in unserer Geschichte": "Was dort unsere Grenadiere, Pioniere, Artilleristen, Flakartilleristen und wer sonst in dieser Stadt ist, vom General bis zum letzten Mann, leisten, ist einmalig. Mit ungebrochenem Mut, und doch zum Teil ermattet und erschöpft, kämpfen sie gegen eine gewaltige Übermacht um jeden Block, um jeden Stein, um jedes Loch, um jeden Graben. Wir kennen ein gewaltiges Heldenlied von einem Kampf ohnegleichen, es heißt ,Der Kampf der Nibelungen&rquote;. Auch sie standen in einer Halle voll Feuer und Brand, löschten den Durst mit dem eigenen Blut, aber sie kämpften bis zum Letzten. Ein solcher Kampf tobt heute dort, und noch in tausend Jahren wird jeder Deutsche mit heiligem Schauer von diesem Kampf in Ehrfurcht sprechen und sich erinnern, daß dort trotz allem Deutschlands Sieg entschieden worden ist." (. . .)
Die dramatische Inszenierung der "Heldentrauer" an mehreren Tagen des Februar 1943 war Bestandteil der Mythologisierung des Massensterbens in Stalingrad und zugleich der Versuch, das Nachdenken der Menschen über Stalingrad möglichst zu beenden. Vor der am 3. Februar 1943 im Rundfunk verlesenen Sondermeldung, daß der Kampf um Stalingrad zu Ende sei, wurden Trauermärsche gespielt, gefolgt von gedämpften Trommelwirbeln und drei Strophen von "Ich hatt' einen Kameraden". Nach der deutschen, der rumänischen und der kroatischen Nationalhymne folgte eine drei Minuten währende Funkstille. Dann wurde, eingeleitet von Militärmusik, eine Vorordnung verlesen, daß alle Theater, Kinos und Varietétheater für drei Tage zu schließen seien. Die Sendung endete mit Beethovens Fünfter Symphonie. Auch in den folgenden Sendungen wurde dieses Klischee von Heldentum und Mission fortgesetzt.
Für die historische Forschung gilt es als ausgemacht, daß ab "Stalingrad" eine Erosion der politischen Loyalität gegenüber dem NS-Regime festzustellen ist. Auf der anderen Seite muß man sehen, daß das Stalingrad-Thema schon wenige Wochen nach der Inszenierung durch eine neue Propaganda-Kampagne abgelöst wurde, auf die sich der Minister schon seit langem vorbereitet hatte. Nach der Taktik des Verschweigens und der anschließenden Mythologisierung des Stalingrad-Themas instrumentalisierte Goebbels die Katastrophe an der Wolga für den "totalen Krieg", also für die Mobilisierung verstärkter Kriegsanstrengungen. Seine Idee war, das Entsetzen der Deutschen über das Massensterben in Stalingrad und die in seinem Gefolge in Deutschland aufkommende Angst vor der Stärke der Russen zu benutzen, um eine Radikalisierung der Kriegsführung durchzusetzen, die er schon seit langem für erforderlich hielt.
Solche Überlegungen führten zu seinem wohl berühmtesten Auftritt als Chefpropagandist des NS-Regimes, nämlich zu seiner Rede im Berliner Sportpalast am 18. Februar 1943 mit dem Titel "Wollt ihr den totalen Krieg?" Die ganze Rede war zukunftsorientiert. Das Stalingrad-Thema wurde expressis verbis gar nicht mehr angesprochen. Es war sozusagen propagandistisch erledigt. Aber man brauchte Sündenböcke, bei denen die Schuld abgeladen werden konnte und auf welche sich die Aggressionen lenken ließen. So erklären sich die scharfen antisemitischen Ausfälle des Propagandaministers, die wesentliche Teile seiner Rede zur Totalisierung des Krieges ausmachten.
Nach der Mythologisierung des "Untergangs" der "Helden von Stalingrad" und der anschließenden Instrumentalisierung dieser Katastrophe für den "totalen Krieg" waren dem NS-Regime Informationen über Soldaten der 6. Armee, die in sowjetische Kriegsgefangenschaft gegangen waren, unerwünscht. Die Helden hatten tot zu sein. Ihre Lebensäußerungen wurden daher - in einer Neuauflage der Propaganda-Taktik des Verschweigens - unterdrückt. Das Reichssicherheitshauptamt versuchte in der Folgezeit mit Hilfe der "Auslandsbriefprüfstellen", sämtliche Informationenen von und über die in Kriegsgefangenschaft gegangenen deutschen Soldaten abzufangen und zu unterdrücken. Die gesamte Post von deutschen Soldaten in sowjetischer Kriegsgefangenschaft wurde nicht an die Angehörigen weitergeleitet, ebensowenig die Post von Angehörigen an die Gefangenen, sondern zunächst ausgewertet und dann vernichtet.
Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß die NS-Propaganda im Umfeld der Schlacht von Stalingrad in ihre bis dahin größte Glaubwürdigkeitskrise geriet. Keine Variante der propagandistischen Behandlung des Themas - weder das Verschweigen noch die Mythologisierung, weder die Instrumentalisierung für den "totalen Krieg" noch das erneute Verschweigen, als es um das Kriegsgefangenenproblem ging - konnte die schleichende Erosion politischer Loyalität aufhalten. Die Goebbelssche Propaganda, die nicht mehr auf dem Rücken militärischer Siege reiten konnte, sondern eine katastrophale Niederlage propagandistisch verarbeiten mußte, blieb dennoch nicht völlig erfolglos.
Die deutsche Bevölkerung fühlte sich zwar belogen und sie verlor auch ein Stück weit das Vertrauen in die Führung des NS-Staates. Außerdem verflüchtigte sich seit "Stalingrad" die bislang verbreitete Siegesgewißheit. Aber diese partiell systemkritischen Stimmungen reichten nicht aus, um das NS-Regime nachhaltig zu erschüttern. Die Führungseliten zogen daraus den Schluß, daß der Krieg fortgesetzt werden könne. Noch mehr als zwei Jahre lang führten sie einen immer aussichtsloser werdenden Krieg. Die Masse der Bevölkerung ließ sich mit Durchhalteparolen "bei der Stange halten".
FRANKFURT-SÜD. Seit dem vergangenen Frühjahr ist der Frankfurter Stadtwald um ein Freizeitrefugium ärmer: Der Grillplatz auf dem Monte Scherbelino mußte wegen der bevorstehenden Altlastensanierung der undichten Mülldeponie geschlossen und abgerissen werden (die Stadtteil- Rundschau berichtete). Unterdessen war die Stadt jedoch nicht untätig und hat sich nach einem Ersatzgelände für das Beleibte Ausflugsziel umgesehen. Jetzt stellten Umweltdezernat und Forstamt ihre Pläne für einen neuen Grillplatz an der Isenburger Schneise vor.
In der nordöstlichen Ecke des Stadionparkplatzes soll noch in diesem Jahr ein 130 mal 45 Meter großes Areal zum Grillplatz ausgebaut werden. Die Kosten für das Projekt betragen etwa 2,5 Millionen Mark. Die Hälfte dieser Summe wird der Umlandverband Frankfurt (UVF) beisteuern, der auch für die Sanierung der Deponie Monte Scherbelino verantwortlich ist, für die andere Hälfte kommt die Stadt Frankfurt auf.
Insgesamt fünf Grillhäuschen mit jeweils vier Feuerstellen sieht der Plan des Forstamtes auf dem Parkplatzgelände vor. Außerdem sollen zwei offene Feuerstellen eingerichtet und zehn Sitzgruppen mit Tischen installiert werden. Damit die Erholungssuchenden möglichst umweltfreundlich zur Isenburger Schneise gelangen können, sind Fahrradstellplätze vorgesehen. Eine Fußgängerbrücke über die stark befahrene Schneise soll eine sichere Verbindung zum nördlichen Stadtwald und der Straßenbahnhaltestelle herstellen. 220 neu gepflanzte Spitzahorne werden den Autoparkplatz vom Grillgelände abgrenzen.
Wie in den Waldspielparks wird auch auf dem neuen Gelände ein Betriebsgebäude errichtet. Ein Aufseher wird "von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang dort sein", versicherte die Pressesprecherin des Umweltdezernates, Dagmar Beckmann auf Anfrage der Stadtteil-Rundschau. Und auch der Brandschutz werde durch zwei Wasserstellen und Feuerlöscher gewährleistet.
Obwohl das Vorhaben bisher nur von der Stadtverordnetenversammlung verabschiedet wurde und die Bau- und Finanzierungsvorlage noch den Gang durch die Behörden macht, rechnet Dagmar Beckmann noch in diesem Frühling mit dem Baubeginn. "Wahrscheinlich im Frühjahr nächsten Jahres wird der Grillplatz in Betrieb genommen", schätzte die Sprecherin. Mit etwas Glück könnten aber bereits in diesem Herbst die ersten Würstchen ihren angenehmen Duft im Stadtwald verbreiten. hen
NIEDERRAD. "Wir sind heute zum gemütlichen Plaudern und Erzählen da, wollen dieses angenehme Beisammensein aber auch zum politischen Diskutieren nutzen." Die Landtagsabgeordnete Anita Breithaupt begrüßte die Gäste des Heringsessens der Niederräder SPD und wies gleich darauf hin, daß das Treffen in der Altentagesstätte Im Mainfeld nicht etwa reiner Wahlkampf, sondern kontroverses Diskutieren durchaus erwünscht sei. "Wir wollen die politische Arbeit der vergangenen Legislaturperiode auf den Prüfstein stellen", kündigte sie an.
Neben Frau Breithaupt waren ihr Mann, der Ortsvereins-Vorsitzende Dankwart Breithaupt, die Ortsbeirats-Spitzenkandidatin Elke Tafel sowie die ausscheidende Johanna Hofmann in die Altentagesstätte gekommen. Nachdem sich die rund 50 Besucher mit Hering und Pellkartoffeln gestärkt hatten, gaben Anita Breithaupt und Elke Tafel einen Abriß der SPD-Landes-und Kommunalpolitik. Die im Anschluß erwünschte "kontroverse Diskussion" stellte sich jedoch nicht ein, da die meisten Gäste sowieso der SPD nahestanden. Vielmehr schloß sich an die Reden der Politikerinnen ein freundschaftliches Plaudern an, bei dem Politik eher eine Nebenrolle spielte.
"Vor vier Jahren haben wir das Herings- essen zum ersten Mal angeboten. Von Jahr zu Jahr kommen mehr Leute hinzu", freute sich Dankwart Breithaupt. Zusammen mit dem Sommerfest sei das Heringsessen inzwischen die wichtigste Veranstaltung der SPD-Öffentlichkeitsarbeit. Vor allem bei alleinstehenden älteren Frauen sei der Treff um die Mittagszeit sehr beliebt, "weil sie sich abends einfach nicht mehr auf die Straße trauen", meinte der Ortsvereinsvorsitzende.
Besonders den Ausführungen von Ortsbeiratsmitglied Elke Tafel folgten die Niederräder interessiert. "Die von uns begonnene Verkehrsberuhigung muß im nördlichen Niederrad fortgeführt werden. Weitere Tempo 30-Zonen sind eine Hauptaufgabe für die kommende Wahlperiode", versprach die Spitzenkandidatin und warnte außerdem davor, die Bürostadt weiter auszubauen. "Das Maximum ist erreicht. In Zukunft müssen mehr bezahlbare Wohnungen enstehen."
Johanna Hofmann, seit 20 Jahren im Ortsbeirat 5 aktiv, wird zum Ende der laufenden Wahlperiode aus ihrem Amt ausscheiden. "Man muß einen langen Atem haben, um für seinen Stadtteil etwas zu erreichen", resümierte sie nach zwei Jahrzehnten politischer Aktivität.
Erfolgreich war sie auch beim Umsetzen bürgernaher Politik. Regelmäßig brachte die hauptberufliche Lehrerin ihre Schulklassen mit in die Beiratssitzungen. "So lernt man schnell demokratische Spielregeln kennen und anwenden", sagte die Sozialdemokratin. Für ihre Arbeit im Ortsbeirat 5 wird Johanna Hoffmann am kommenden Samstag, 16. Januar, um 17 Uhr, im Haus Niederrad, Goldsteinstraße 33, geehrt. hen
NORDEND/BORNHEIM. In der Berger Straße müssen immer mehr Ladenbesitzer aufgeben: Sie können die Mieten nicht mehr bezahlen. Preise bis zu 80 Mark pro Quadratmeter und teilweise 300prozentige Mietsteigerungen bedrohen ihre Existenz. Zwischen Friedberger Anlage und Bornheimer Uhrtürmchen mußten in den vergangenen drei Monaten sechs Geschäfte schließen oder umziehen. Bei drei weiteren laufen noch in diesem Quartal die Mietverträge aus.
Auch die Anwohner leiden unter dem Strukturwandel. So kann man in manchen Abschnitten der Berger Straße zwar sein Duftwässerchen in vier verschiedenen Läden kaufen, zum nächsten Metzger aber ist es weit. Nach einem Café, in dem man sich ausruhen kann, sucht man in der oberen Berger Straße vergebens, die Auswahl an Imbißstuben ist dagegen groß.
Daß die Gewerberäume wegen der extrem hohen Quadratmeterpreise manchmal nicht zu vermieten sind, wird dabei in Kauf genommen. Unter Umständen sparen die Hausbesitzer damit sogar Steuern. Ein ehemaliges Reformhaus am Bornheimer Uhrtürmchen etwa stand mehr als ein Jahr leer, weil die Miete von 4000 Mark monatlich verdoppelt wurde. Erst jetzt wird das Ladengeschäft zum Restaurant umgebaut.
Nahe der Höhenstraße mußte das seit mehr als 80 Jahren in Bornheim ansässige Elektrogeschäft Bund & Sohn weichen; die Vermieterin hatte den Inhabern vor Ablauf des Mietvertrages nicht einmal ein neues Angebot unterbreitet. Sie will die Ladenfläche mit den Räumen der Reinigung im selben Haus zusammenlegen und den etwa 400 Quadratmeter großen Laden für 24 000 Mark monatlich vermieten. Bislang hat sich aber kein neuer Mieter gefunden; das Geschäft steht leer. Die Reinigung hat unterdessen ein Ausweichquartier in der Habsburgerallee bezogen - allerdings mit weniger als der halben Ladenfläche.
Auch Metzger Menacher in der unteren Berger Straße hat kein neues Angebot erhalten: Bis zum 31. März muß er seinen Laden räumen. Andere Geschäftsinhaber, deren Mietverträge ebenfalls auslaufen, wollen sich zu ihrer Situation nicht äußern, weil sie Nachteile für weitere Verhandlungen oder die Einbehaltung ihrer Kaution befürchten. Sie alle sind in der gleichen Situation: Viele haben durch ihre Investitionen den Standort Berger Straße aufgewertet und so die Mieten ungewollt in die Höhe getrieben. Ein Umzug wird erschwert, da viele der alteingesessenen Betriebe auf ihre Stammkundschaft angewiesen sind.
Dennoch gibt es praktisch keinen gewerblichen Mieterschutz. Nur für bereits ausgelaufene Verträge, die stillschweigend verlängert wurden, besteht ein dreimonatiger Kündigungsschutz. Da diese Spanne für einen geregelten Ausverkauf nicht reicht, gibt es jetzt eine Bundesratsinitiative mit dem Ziel, die Kündigungsfrist auf sechs Monate zu verlängern. "Auch das ist - wenn es denn durchkommt - nur ein Tropfen auf den heißen Stein", meint Horst-Hubert Moritz vom Frankfurter Einzelhandelsverband dazu.
Er vermutet, daß die Vermieter gezielt von Maklern mit der Aussicht auf Höchstmieten gelockt werden. Die Makler selbst verdienen an einem Mieterwechsel nämlich kräftig mit. Abgesichert seien deshalb nur Geschäftsinhaber, die im eigenen Haus arbeiten oder einen langfristigen Mietvertrag haben (gängig sind Laufzeiten von fünf bis zehn Jahren). Um die Lage der Einzelhändler zu verbessern, fordert Moritz ein erheblich besseres gewerbliches Mietrecht.
Der Geschäftsführer der Frankfurter Industrie- und Handelskammer (IHK), Aribert Heilmann, lehnt dies ab. Seiner Ansicht nach bedarf ein Vertrag zwischen Kaufleuten keines sozialpolitischen Schutzes, da beide kommerzielle Ziele verfolgten. Gleichzeitig appelliert er an die Hausbesitzer, bei ihren Mietforderungen auch die Stadtgestaltung und die Bedürfnisse der Anwohner zu beachten.
Die Stadt Frankfurt hat keinerlei Handhabe gegen die Mietenexplosion bei Gewerberäumen. Auch eine Erhaltungssatzung nach Freßgass-Vorbild sei in der Berger Straße ein "stumpfes Schwert", meint Michael Kummer vom Planungsdezernat. Durch die Satzung könne man nämlich nur verhindern, daß mehrere kleine Geschäfte zu einem großen mit mindestens 3000 Quadratmetern Ladenfläche zusammengelegt werden. Derzeit plane niemand in der Berger Straße eine solche Investition, dafür sei das Einzugsgebiet viel zu klein. Außerdem bestehe hier eine besondere Konkurrenzsituation, da die Straße genau zwischen Hessen- Center und Zeil liegt. Eine Erhaltungssatzung für die Berger Straße sei daher weder nützlich noch geplant, sagt Michael Kummer. gun
WESTEND. Jährlich vergibt die Heussenstamm-Stiftung zwei Studienfahrten im Wert von jeweils 2000 Mark. Die diesjährigen Preisträger sind die beiden Maler Margarethe Rudolph und Hans-Ludwig Wucher. Während Frau Rudolph sich seit Jahren dem Sujet der gegenständlichen Malerei verschrieben hat, beschäftigt sich Hans-Ludwig Wucher vorwiegend mit Porträt- und Aktmalerei.
Die Heussenstamm-Stiftung läßt den Preisträgern freie Wahl bei Ziel und Inhalt der Studienfahrt. Einzige Auflage: Die während der Reise angefertigten Arbeiten sollen innerhalb der nächsten zwei Jahre in der Galerie der Frankfurter Stiftung, Barckhausstraße 1-3, einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. tin
GRIESHEIM. Der Ende 1992 vorgestellte Rahmenplan für das Areal zwischen Waldschulstraße und In der Schildwacht wird in der kommenden Sitzung des Ortsbeirates 6 diskutiert. Die Stadtteilpolitiker treffen sich am Dienstag, 19. Januar, 17 Uhr, im Höchster Bolongaropalast erstmals in diesem Jahr.
Die Fraktion der Grünen fordert vor der Verwirklichung des Rahmenplans eine verbesserte soziale Infrastruktur für Griesheim. Außerdem liegt dem Ortsbeirat 6 ein Magistratsbericht zum geplanten Ausbau der bizonalen Siedlung vor.
Darüber hinaus hat der Magistrat auf einen Antrag des Beirates geantwortet, der ein Verbot von Zigaretten- und Alkoholwerbung im Ortsbezirk fordert. hen
SCHWANHEIM. Der Parkplatz des Schwanheimer Friedhofs bleibt Konflikstoff zwischen dem Schwanheimer CDU- Stadtverordneten Helmut Heuser und dem Grünen-Stadtrat Tom Koenigs. Nach einem Brief Heusers habe Dezernent Koenigs zugegeben, daß der Zustand des Parkplatzes schlecht sei. Heuser: "Er konnte aber nicht angeben, warum keine Verbesserung erzielt werden konnte". Heuser bezeichnete es als "vorgeschobenes Argument", daß auch die Verhandlungen mit dem hessischen Straßenbauamt bezüglich der Flächennutzung unter der Brücke noch nicht abgeschlossen seien. Dafür sei ausreichend Zeit gewesen.
Koenigs habe in einem Schreiben an Heuser angekündigt, daß ein Teilbereich des Parkplatzes am Alten Schwanheimer Friedhof im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel von etwa 20 000 Mark befestigt würde. Heuser: "Dieser Betrag reicht nur für 400 Quadratmeter".
Heuser: "Die bereits durchgeführten Arbeiten sind hinausgeschmissenes Geld, das die Zustände am Parkplatz überhaupt nicht verbessert". Offensichtlich habe der Magistrat weder das Geld noch den Willen, wirklich etwas "Gescheites" für die Parkplatzbenutzer zu machen. di
SECKBACH. Die heimliche Attraktion auf der Lokalschau des Kleintierzuchtvereins 1912 Seckbach befand sich etwas abseits vom Hauptgeschehen: In einem von allen Seiten mit Silberpappe abgeschirmten Käfig tummelten sich unter einer wärmenden Lampe elf Welsamer Küken des Züchters Helmut Schnitzer, die erst zwei Wochen zuvor geschlüpft waren.
In seiner kleinen Eröffnungsrede begrüßte der Vorsitzende Klaus Speck die zahlreiche Besucher und wies darauf hin, "daß das Wetter auch den Tieren zu schaffen macht". Einige seien krank und hätten nicht ausgestellt werden können.
Dennoch war die Halle des Turnvereins 1875 Seckbach voller Kaninchen, Hühner und Tauben. Die Seckbacher Züchter bemühen sich, Tiere möglichst vieler unterschiedlicher Rassen großzuziehen - und in der Tat: Die Vielfalt der ausgestellten Arten beeindruckte Besucher und Preisrichter.
Mit Blumen gekennzeichnet waren die Käfige der ausgezeichneten Tiere. Einmal erteilten die Juroren sogar die Höchstnote "vorzüglich": Christa Specks Pfautauben sind ein herausragender Zuchterfolg. Sie erhielt einen Landesverbandsehrenpreis und eine Stadtplakette als Zuchtpreis. Der zweite Geflügel-Landesverbandsehrenpreis ging an Peter Glück und seinen Orpington-Hahn. Heinz Urban und Heinz Damm gewannen jeweils einen Kreisverbandsehrenpreis und eine Stadtprämie.
Bei den Kaninchen erhielt Josef Prehler für seine Rex-Blau-Zucht einen Landesverbandsehrenpreis. Weitere Kreisverbandsehrenpreise erhielten Monika Emmel, Benjamin Lungwitz, Willi und Gerda Nickol und Dieter Schreiber. In der Wertung der sechs besten Tiere nahm Josef Prehler den Vereinspokal mit nach Hause. Den zweiten Platz belegte Gerda Nickol, gefolgt von Benjamin Lungwitz als jüngstem Teilnehmer - er ist erst elf Jahre alt.
Was den Züchter-Nachwuchs angeht, macht sich Klaus Speck Sorgen: Benjamin ist der einzige seiner Altersgruppe. "Wir sind aus dem Alter raus, als unsere Kinder noch klein waren", sagte der Vorsitzende. Die Generation danach fehlt. "Heute hat ja keiner mehr Platz für so viele Tiere", bedauert auch Karl-Heinz Metzmacher, der Kreisvorsitzende der Rassekaninchenzüchter. "Wer will heute noch einen Gockel krähen hören?" Dennoch wollen die Seckbacher Züchter sich künftig mehr um Nachwuchs bemühen.
Mit den Züchtern am Kaffeetisch saß auch Klaus Bieringer. Als Vorsitzender des TV 1875 war er mitverantwortlich für den Erfolg der Ausstellung. Er betonte, es sei wichtig, daß die Vereine sich gegenseitig unter die Arme griffen, zumal es in Seckbach kein Bürgerhaus gebe. "Wir müssen alles nur ein bißchen koordinieren, und dann geht es schon."
Schnell verkauft waren die Lose der reichhaltigen Tombola. "Bei uns stimmt das Mischungsverhältnis aus Gewinnen und Nieten", meinte Klaus Speck. Die Vereinsmitglieder hatten über 200 Preise gestiftet, darunter einen Stereo-Kassettenrekorder, Wurstspezialitäten, Wein, Sekt und Bier, ein Teeservice, Bücher und vieles mehr. Abgerundet wurde die Lokalschau mit einem geselligen Züchterabend. lub
GALLUS. Emilio, Josip, Fortunato und Tano klettern, springen und kugeln sich auf dem Boden. In den bunten Kostümen sehen sie aus wie professionelle Akrobaten, ihre Sprünge wirken sicher. Sie klettern abwechselnd auf die Schultern des Kameraden, machen Handstand, schlagen Purzelbäume. Kein Patzer unterläuft den jungen Artisten. Sie haben von ihrem Lehrer Raymondo Reyer viel gelernt. "Super!", schreit ein faszinierter Zuschauer. Dann gibt es tosenden Beifall von den Rängen für die jungen Akteure.
Die Jugend-Kultur-Werkstatt des Falkenheims Gallus präsentierte sich von ihrer Schokoladenseite. Angesagt war die Jahresabschlußfeier in der Sulzbacher Straße 16-20 - die Heimat der "Gallus Kulturwochen". Kinder und Jugendliche der Paul-Hindemith-Schule, der Georg- August-Zinn-Schule und der Ackermann- Schule zeigten dort eine breite Palette von Arbeitsergebnissen, die im Laufe des vergangenen Jahres in Kursen und Projektwochen zusammengekommen waren.
Seit 1990 organisiert das Falkenheim Gallus, das von der Stadt Frankfurt jährlich etwa 180 000 Mark Subventionen erhält, in enger Zusammenarbeit mit Schulen zahlreiche Seminare und Projekte. Das Angebot des Hauses ist vielfältig: Es reicht von Akrobatik über Literatur, Trommel-Performance, Fotografie, Grafik und Malerei bis zu Bildhauerei und Journalismus.
"Man darf nie über etwas schreiben, was man nicht weiß. Und wenn man etwas nicht weiß, muß man im Lexikon nachschauen." So hört es sich an, wenn die kleine Hillar über die Kunst des Schreibens referiert. Die Frankfurter Autorin Christa Hein arbeitete mit jungen Schülern und Schülerinnen der Ackermann-Schule an Märchen und Kurzgeschichten. Und gemeinsam mit der Klasse 10 d der Paul-Hindemith-Schule erstellte die Schriftstellerin den "Gallus- Report". "15 Exemplare wurde gedruckt und waren sofort vergriffen", berichtete sie dem Publikum stolz.
Eine andere 10. Klasse der Hindemith- Schule setzte sich fotografisch mit dem Drogenproblem auseinander. Die Künstler Herbert Cybulska und Klaus Sommerfeld aus Frankfurt und Berlin arbeiteten mit Jugendlichen an Rollenspielen. Heraus kam eine packende Ton-Dia-Show mit Action, ein wenig Blut und einer klaren Aussage: Nein zu Drogen.
"Die Künstler", beschrieb Sozialpädagoge Daniel Rottner, "schließen ein Arbeitsbündnis mit den Klassen." Zusammen werden Ideen gesponnen, Konzepte ausgearbeitet, zur praktischen Arbeit übergegangen. Ali Renani und Özcan Kaplan weihten Jugendliche in die Kunst der Sprühgrafik ein. Nach kleineren Fingerübungen durften sich die Schüler und Schülerinnen auf dem Blech eines Doppeldeckerbusses und eines Containers austoben.
"Poets in residence" - so lautet ein Projekt amerikanischer Schriftsteller, die dem Schwund ihrer Leserschaft nicht mehr länger zusehen wollen. Sie gehen an Schulen, bilden Schreibwerkstätten für Kinder und Jugendliche und versuchen über dieses Engagement, die junge Generation für Literatur zu begeistern. "Mit unserer Schreibwerkstatt wollen wir dieselben Ziele erreichen", sagte Daniel Rottner. Und eine Kursteilnehmerin beschrieb in knappen Worten ihre Motivation, an den Kursen teilzunehmen: "Kunst kann man selbst erfinden und machen. Kunst macht einen munter und fröhlich." tin
GOLDSTEIN / SCHWANHEIM. Nach sechs Wochen Pause trifft sich der Ortsbeirat 6 (Goldstein, Schwanheim, Griesheim und westlichen Stadtteile) erstmals im neuen Jahr am Dienstag, 19. Januar, um 17 Uhr im Höchster Bolongaropalast, Bolongarostraße 109.
Ein wichtiges Thema wird dabei die Erhaltungssatzung für den alten Ortskern Schwanheims sein. In der vergangenen Sitzung hatten die Ortsbeiräte einen entsprechenden Vortrag des Magistrats zurückgestellt, der nun erneut zur Beratung ansteht.
Auf der Tagesordung steht außerdem ein Magistratsbericht zur Planung einer neuen Kreuzung am Knotenpunkt Goldsteinstraße, Lyoner Straße und Schwanheimer Uferstraße.
Die Stadtteilparlamentarier werden sich zudem mit einem Schreiben des Magistrats befassen, in dem die Stadtregierung zu der Frage "Ist Goldstein Stadtteil oder nicht?" Stellung nimmt. hen
Für viele der West-Nachkriegsgeneration war die deutsche Einheit wie das zwangsweise Mitmachen einer "Hochzeitspolonese in ihrem Heimatdorf". War doch die Idee der deutschen Einheit, die Idee ihrer Eltern, für sie eher Symbol als lebendiger Gedanke und nun auf einmal Wirklichkeit - eine Wirklichkeit, für die sie keine gestalterische Vorstellung entwickelt hatten.
Die Zukunftsdebatten der reformorientierten Kräfte sind nach der deutschen Einheit ins Stocken geraten. Viel wurde geschrieben über die Befindlichkeit der Ostdeutschen, während die Westdeutschen so tun, als ginge alles weiter wie bisher. Hans-Joachim Maaz sagt, daß die Menschen im Osten den Vereinigungsprozeß in Form eines psychischen Abwehrvorganges erleben. Wie ist es jedoch mit den Westdeutschen? Sie sind gezwungen, ihre Illusionen aufrechtzuerhalten, daß sie das wesentlich gesündere und bessere System repräsentieren. Wie können sich Kritiker dieses Systems da verhalten? Ihre Argumentation ist durch den Zusammenbruch der DDR scheinbar ad absurdum geführt. Wer ist nun die bestimmende Kraft, der zukunftsweisende Ideenträger in Deutschland?
In den Gefahren, die aus der schnellen Vereinigung Deutschlands erwachsen, liegen auch gleichzeitig ihre Chancen. Die größte Chance besteht unseres Erachtens darin, daß nun die im westlichen Diskurs entwickelten Gesellschaftsmodelle geprüft werden - bar aller luxuriösen Freiheiten und Nischen des "reichen Westens". Nun wird sich auch beweisen, was die Kritiker des Systems BRD inzwischen tatsächlich erreicht haben, was Bestandteil der gesellschaftlichen Mentalität geworden ist, und was nur Spielerei war. Wir möchten vier Thesen aufstellen, die aus der nun dreijährigen Diskussion mit unseren Mitgliedern im Osten und durch Erfahrungen auf bundesweiten Veranstaltungen (z. B. Gewerkschaftstage, Konferenzen) entstanden sind.
Es gibt eine allgemeine Wahrnehmungsblockade, alles läuft weiter wie vorher. Darüber täuscht auch nicht hinweg, daß viel über den Osten geredet und geschrieben wird. In das Alltagsleben und Denken hat er bis jetzt keinen Zugang gefunden. Obwohl infolge des Umbruches in Osteuropa und der "Einverleibung" Ostdeutschlands sich die politischen und wirtschaftlichen Konstellationen bis in die Substanz verändert haben, findet keine dem Umfang der Probleme entsprechende intellektuelle und politische Auseinandersetzung statt. Der Eindruck drängt sich auf, als würde viel an den Symptomen im Osten herumkuriert, jedoch immer ohne Wesentliches im Westen zu verändern oder in Frage zu stellen - eine große Enttäuschung für die Reformer im Osten.
Beim hektischen "Clonen" von westlicher Demokratie, westlichen Parteien, Gewerkschaften, Verbänden, öffentlicher Verwaltung sowie privater Unternehmensstrukturen mußte natürlich eine Besetzung von Leitungspositionen aus dem Osten selbst als unmöglich erscheinen. So fehlen heute natürlich auch die Anknüpfungspunkte der westlichen Organisationen an ihre Basis im Osten - diese ist, wenn überhaupt, nicht adäquat vertreten - weder personell noch ideel.
Wir kennen keinen Staatssekretär aus dem Osten, kaum Personalreferenten, in den öffentlichen Verwaltungen findet auf der Referentenebene ein harter Verdrängungskampf statt, selbst bereits mit Ostlern besetzte Positionen werden neu ausgeschrieben, und damit wird West-Bewerbern mit klassischen Ausbildungswegen und -abschlüssen ein struktureller Vorteil eingeräumt.
Dieser strukturelle Vorteil entsteht jedoch nur, wenn bereits im Westen antiquierte Formen auf den Osten übertragen werden. Zum Beispiel das Beamtentum mit Beamtenrecht, der Bundesangestelltentarifvertrag mit Vergütungsordnung, traditionelle Gewerkschaftsstrukturen (Ausschüsse, Abteilungsvorstände, Fachgruppen, Hierarchieebenen usw.) trotz seit Jahren geführter Reformdebatten im Westen - gleiches gilt für Parteien. Auch die (Um-)Verteilungskonflikte zwischen Bund, Ländern und Kommunen gab es bereits in der alten Bundesrepublik. Fatalste Auswirkungen zeigen sich jedoch jetzt im Osten. Gleiches gilt für die sozialen Reformdebatten in den politischen Institutionen und gesellschaftlichen Organisationen getragen werden. Die Modernisierungsdebatten beruhten im wesentlichen auf der Basis und den Erfahrungen der westlichen Nachkriegspolitik und einer sozialstaatlich geprägten Bundesrepublik nebst einer flexiblen und leistungsfähigen Industrie. Politische Mehrheiten waren stabil und berechenbar.
Die fehlende Umsetzung der Modernisierungsideen des Westens im Osten, die fast ausschließliche Orientierung an traditionellen und hierarchischen Formen beim Aufbau von Verwaltungen und Organisationen im Osten liegt unserer Ansicht nach daran, daß die Träger der Modernisierungsideen in der Regel im Westen geblieben sind, während andere im Osten die neuen Strukturen prägen. Zwangsläufig fehlen die Träger neuer Ideen für das westliche Gesellschaftsmodell zum großen Teil noch im Osten, da der vom Westdiskurs lange abgeschnitten war.
Dies ist deshalb so bedenklich, da zwischenzeitlich rechtskonservative Kräfte die inhaltliche Definition der zukünftigen Aufgabe, Rolle und Neugestaltung Deutschlands ohne größere Probleme (jedoch auch ohne größere geistige Anstrengung) übernommen haben. Nun sind jedoch auch große Teile der westlichen Reformer vom neuen Diskurs, dem des Westens im Osten, abgeschnitten.
Ihnen fiele jedoch die historische Aufgabe zu, im Osten die noch nicht gefestigten Strukturen zu prägen und besser zu gestalten. Dazu muß jedoch gerade die westliche Linke, müssen gerade Reformkräfte in den Osten gehen und dort leben und arbeiten - es sind verschwindend wenige, die dies tun, viele halten es nicht lang aus, die meisten ziehen die kultivierte, bequeme Weiterführung der Reformdiskussion im Westen für den Westen vor - sie denken den Osten nicht mit und vergeben damit die Chance zum Umbau Deutschlands in ihrem Sinne, wie es sie seit dem Krieg nicht mehr gegeben hat. Andere haben das Feld schon besetzt.
2. Nicht die moralischen, politischen und ökonomischen Lasten der deutschen Einheit sind Ursache für die Rezession des westlichen Wirtschaftssystems, sondern ein verdrängter systemimmanenter Fehler. Durch die deutsche Einheit - auch dies eine Chance, nicht eine Last - wird schneller und unvermittelter deutlich, daß ein System, das auf stetiges Wirtschaftswachstums und immer narzistischere Individualisierung und "Selbstverwirklichung" der Einzelperson orientiert und dessen Moral und Ethik längst nicht mehr Schritt hält mit seinen technologischen Möglichkeiten, weltpolitisch, ökologisch und damit auch gesellschaftlich versagt hat. Das eigentlich Tragische ist, daß durch die Entbehrungen im realen Sozialismus die Menschen im Osten nun genau bereit sind, sich dem westlichen Konsummodell anzuschließen.
In dieser Sackgasse stecken zur Zeit die Gewerkschaften mit ihrer Verpflichtung, sowohl den Status quo im Westen zu sichern, als auch den schnellen Anschluß des Ostens zu garantieren. Beides ist nur bei einer radikalen ökonomischen Umverteilung möglich - nicht allein von West nach Ost, sondern vor allem zwischen den unterschiedlichen Schichten der Gesellschaft. Diese radikale Umverteilung war im Westen bisher nicht durchsetzbar, weil die Gewerkschaften selbst Bestandteil des westlichen Wirtschaftssystems sind, indem sie dem bedingten Reflex der Sicherung des Wohlstandes der Mitgliedschaft und der Partizipation des Reichtums gehorchen.
In den letzten Jahren begann sich die gewerkschaftliche Programmatik sehr wohl zu ändern. Neue Felder wurden erschlossen. Produktmitbestimmung, ökologischer Umbau der Industriegesellschaft, Technikgestaltung, Zusammenhang von Arbeit und Leben usw. Dieser neue Teil der gewerkschaftlichen Programmatik hat jedoch den alten der Wohlstandsmehrung nicht ersetzt, sondern ist zu ihm hinzugekommen. Jetzt, wo die Ressourcen ausgeschöpft sind, wird sich beweisen, auf welchen Programmteil die Gewerkschaften setzen können.
Wollen die Gewerkschaften die Gesellschaft mitgestalten, müssen sie aufgrund der spezifischen ökonomischen Lage im Osten diese neuen Felder konzeptionell und programmatisch in West und Ost besetzen. Sie müßten in einer Welt, in der die mechanische Produktion nicht länger an einen Standort gebunden ist und Millionen potentieller Arbeiter in Europa bereit sind, für weit niedrigere Löhne zu arbeiten, als es für (West-)Deutsche in Betracht kommt, die Ziele und Wege für ein neues solidarisches Projekt in Deutschland glaubhaft angeben können. Die dafür notwendige Grundvoraussetzung ist den Gewerkschaften bisher genau so wenig wie allen anderen gesellschaftlichen Institutionen gelungen, nämlich die gleichwertige Integration des Ostens in ihr inhaltliches und konzeptionelles Blickfeld.
Selbst wenn die "Lasten der Einheit" überwunden wären - immer neue Situationen der Systemkrise werden sich stellen: Migrationsströme aus dem Osten Europas und der Dritten Welt; die Notwendigkeit ökologischer Ressourcen in Südamerika, Afrika, Sibirien mit viel höherem Aufwand als bisher zu schützen usw. usf. Immer wieder wird sich die Frage stellen: Ist dieser Wohlstand zu halten; heißt Wohlstand weiterer Zuwachs an materiellen Gütern?
Der Versuch der konservativen Politik und der Unternehmerverbände, die Tarifautonomie einzuschränken und über Öffnungsklauseln im Tarifvertragsgesetz gewerkschaftliche Einflüsse auf die Wirtschaft zu schwächen, wird mit den Finanzierungsproblemen der deutschen Einheit und der mangelnden Leistungsfähigkeit der ostdeutschen Unternehmen begründet. Mit der Verlängerung der Sonderkündigungsrechte im öffentlichen Dienst Ost nach dem Einigungsvertrag und einer eigenen Ostkammer beim Bundesarbeitsgericht ist es schon gelungen, verfassungsgemäß garantierte Rechte der Arbeitnehmer im Osten einzuschränken, so gilt z. B. das Prinzip der Sozialauswahl (§ 1 KSchG) im öffentlichen Dienst Ost nicht. Der Arbeitgeber hat somit bei der Auswahl völlig freie Hand, was einer weiteren Entsolidarisierung der Arbeitnehmer im Osten Vorschub leistet.
Die Unüberschaubarkeit komplizierter Zusammenhänge erzeugt Gefühle der Unsicherheit und Ohnmacht bei den Arbeitnehmern im Osten - vom ständig wachsenden Heer der Arbeitslosen im Osten ganz zu schweigen. Angst bewirkt politische Handlungsblockaden, die sich in Resignation und Desinteresse ausdrücken. Die "Ohne-mich-Haltung", die Anpassungsbereitschaft trotz Unzufriedenheit mit den Verhältnissen sind weitverbreitet anzutreffen. Dadurch wird der Osten zum idealen Versuchsfeld, soziale Sicherungssysteme abzubauen und Arbeitnehmerrechte einzuschränken. Wenn der Westen diesem Deregulierungsprozeß im Osten weiterhin tatenlos zusieht, wird diese Form der konservativen Krisenbewältigung auch Eingang in den Westen finden.
Ein Solidarpakt zwischen Regierung, Opposition und Gewerkschaften soll nun den nationalen Konsens beim Aufbau der neuen Länder herstellen. Die notwendige "Opferbereitschaft" soll von oben durchgesetzt werden. Die Vorstellungen der beteiligten Seiten über Bedingungen und Inhalte dieses "Solidarpaktes" sind jedoch völlig konträr. Die Diskussion darüber findet bisher außer Reichweite der Betroffenen selbst statt. Die politischen Entscheidungen Ende des letzten Jahres (z. B. die 10. AFG-Novelle, Gesundheitsstrukturgesetz etc.), das Waigelsche "Entsolidarisierungspaket" getarnt als Solidarpakt deuten die konsevative Variante der Finanzierung der deutschen Einheit an. Wenn die Gewerkschaften seit 1991 einen Solidarpakt fordern, dann, um die Reste der ostdeutschen Industrie nicht auf dem Altar "Privatisierung" der Marktwirtschaft zu opfern, und nicht, um eine für die Bundesregierung angenehme und problemlose Finanzierungsmöglichkeit der deutschen Einheit zu finden.
Wenn wir davon ausgehen, daß 50 Prozent aller Industriekapazitäten zusammengebrochen sind und weitere zusammenbrechen werden, muß ein Solidarpakt Garantien geben, daß endlich den "Selbstheilungskräften des Marktes" durch eine wirksame Strukturpolitik, die sich nicht allein in einer fragwürdigen Mittelstandsförderung erschöpft, unter die Arme gegriffen wird. Das heißt, nicht allein der Staat, sondern auch die westdeutsche Industrie muß verpflichtet und nicht gebeten werden, im Osten zu investieren. Ebenso ist es notwendig, mehr Mitbestimmung beim Aufbau von sinnvollen Industrie- und Infrastrukturen zu bekommen. Nur mit diesen Garantien ist eine Solidarpaktdiskussion sinnvoll.
Durch die jetzt auch für die Bundesregierung offen zutage getretenen Schwierigkeiten bei der Gestaltung der deutschen Einheit besteht für die Reformkräfte eine weitere Chance, sozial-, umwelt- und demokratieverträgliche Lösungen zur Problembewältigung bei der deutschen Einheit durchzusetzen. Denn die gewaltigen Umwälzungsprozesse im Osten kann der Osten allein nicht bewältigen. Es zeichnet sich aber ab, daß die gefundenen Lösungen keine Ostlösungen sein werden, sondern im Westen erdacht wurden und damit auch im Westen umsetzbar werden. Wenn es den Gewerkschaften nicht gelingen sollte, die Reformkräfte in Ost und West für diese Aufgaben zu bündeln, wird die Gestaltung der inneren Einheit Deutschlands auch unter veränderten politischen Mehrheitsverhältnissen eine konservative sein.
Nach dem Aufbau der Organisationsstrukturen geht es nun darum, sich das Vertrauen der Mitglieder als authentische Interessenvertretung der Beschäftigten zu erwerben. Nach wie vor haftet den West-Gewerkschaften die Erinnerung der Beschäftigten an die Funktion des FDGB als aktiver Systemträger des DDR-Sozialismus an. Die alten FDGB- Kader haben in der Regel kein Problem, schnell wieder Funktionen in den Gewerkschaften anzunehmen, ohne sich einer inhaltlichen Diskussion über die Vergangenheit auszusetzen. Das hat oftmals zur Folge, daß diejenigen, die jetzt die Möglichkeit hätten, sich zu engagieren, kein Interesse zeigen, in den Gewerkschaften aktiv mitzuarbeiten, oft nicht einmal Mitglied sind.
Andererseits werden die Gewerkschaften in Ostdeutschland in großen Teilen der Mitgliedschaft noch als reine Dienstleistungsinstitution begriffen. Sie besitzen noch wenig soziale Bindungskraft: organisationsloyale und inhaltlich gefestigte ehrenamtliche Funktionärsstrukturen bilden sich erst langsam heraus. Ein wichtiges Indiz wird die zukünftige Mitgliederentwicklung sein. Die hohen Mitgliederzahlen erklären sich noch daraus, daß nach Auflösung der FDGB-Branchengewerkschaften ein Großteil der Arbeitnehmer und sogar Rentner in die West- Gewerkschaften übergetreten sind, zumal durch die sozialen und ökonomischen Unsicherheiten ein hohes Rechtsschutzinteresse bestand.
Auch die Mitgliederstruktur darf nicht außer acht gelassen werden: im Verhältnis zu den mittleren Altersgruppen haben die Rentner einen hohen Anteil, und die Jugendlichen bis 25 Jahre sind schlecht organisiert. Dieser Trend wird aufgrund hoher Arbeitslosigkeit, Alterübergangsgeld, Vorruhestand weiter anhalten. Weiter ist davon auszugehen, daß ein hoher Anteil der Mitglieder keine Beiträge bezahlt und dies Auswirkungen auf die Finanz- und Kampfkraft der Gewerkschaft hat.
In den Wirtschaftsbereichen, die reorganisiert oder neu aufgebaut wurden, wie zum Beispiel der öffentliche und private Dienstleistungssektor oder privatisierte Industriebereiche, müssen neue Mitglieder geworben und gewerkschaftliche Strukturen organisiert werden. Die Heterogenität der Interessen zwischen den einzelnen Beschäftigtengruppen aufgrund der permanenten Umstrukturierung, Reorganisierung und Privatisierung in den öffentlichen Verwaltungen und Krankenhäusern erschweren die gewerkschaftliche und betriebliche Interessenvertretung.
Die Anforderungen und Belastungen der Gewerkschaftssekretäre sind daher nicht mit den Bedingungen im Westen zu vergleichen. Durch den gewerkschaftlichen Aufbau vor Ort und den aktuellen Handlungsdruck, permanent schnell und unbürokratisch Lösungen zu finden und Entscheidungen treffen zu müssen, entwickeln sich autonomere und authentischere Arbeitsstrukturen. Die Erfahrungen von Dezentralisierung, Verlagerung von Verantwortungs- und Entscheidungsstrukturen nach unten, Stellung der hauptamtlichen Sekretäre beim gewerkschaftlichen Willensbildungsprozeß aus dem Osten, sind unseres Erachtens wichtige Gesichtspunkte für die notwendige Organisationsreform der DGB-Gewerkschaften. Die Frage ist, ob die Gewerkschaftszentralen den Willen haben, diese Erfahrungen "produktiv abzuschöpfen" oder die Reformdebatten wie so oft von "oben" initiiert "unten" wegen mangelnder Akzeptanz verpuffen.
Ein weiterer wichtiger Punkt für die Reformfähigkeit im Osten ist, aus welchen Gruppen der Beschäftigten die Gewerkschaften ihr hauptamtliches Personal aus dem Osten gewonnen haben: wurden die alten Apparate der FDGB-Gewerkschaften übernommen oder gezielt Leute angesprochen und ausgebildet, die keine Systemträger der DDR waren. Die Zusammensetzung der ehrenamtlichen Gremien und damit die zukünftige Programmatik und Alltagspolitik der entsprechenden Gewerkschaft werden sich nach ihrer Personalpolitik richten. Danach werden sich die zukünftigen Positionen zur Tarif-, Energie-, Verkehrs-, Hochschul- und Frauenpolitik ausrichten, denn der Kampf um die Definitionsmacht der politischen Inhalte und Richtungen ist in allen Organisationen und auf allen Ebenen wahrnehmbar ausgebrochen.
Verzicht, teilen, sparen, weniger Wohlstand, abgeben, wer darf diese Wörter ungestraft aussprechen, ohne nicht gleich als Häretiker des ungebrochenen Wohlstandsmodells oder der marxistischen Krisentheorie zu gelten. Es geht nicht um Sehnsucht nach Verzicht - im Gegensatz zum Westen wurde dieser lange genug geübt -, sondern um soziale Gerechtigkeit, Solidarität und eine ökologische Wirtschafts- und Industriepolitik, Felder, für die Gewerkschaften kompetent sind. Dies ist die Chance der Gewerkschaften in Deutschland.
GALLUS. Dem Betrachter bietet sich ein Koloß von einer Wand: klotzige Steine, die einem die Sicht auf die andere Seite des Raumes versperren. Erst in unerreichbarer Höhe gibt es einen Ausblick durch Gitterstäbe. Auf der einen Seite der Wand steht ein Stuhl, auf der anderen Seite ein Bett. Beide Objekte sind aus grobem Stahlrohr und Stahlgitter zusammengeschweißt. Der Stuhl wirkt wie ein Provisorium. Wahrlich, kein Platz zum Ausruhen. Das Bett provoziert Assoziationen mit Nagelbetten von Fakiren. "Knastwand" heißt das Objekt und vermittelt annähernd die Trostlosigkeit, die hinter Gefängnismauern herrscht.
Der junge Mann, der das Kunstwerk "Knastwand" angefertigt hat, "spricht aus eigener Erfahrung", erklärte der Frankfurter Bildhauer Michael Siebel auf der Vernissage. Gemeinsam mit 20 Jugendlichen hat der Frankfurter Künstler von August bis Dezember an Skulpturen und Objekten gearbeitet, die jetzt im Hauptlager der "Deutschen Bundesbahn" ausgestellt wurden.
Dieses Projekt "stellt eine sinnvolle Alternative zu den sonst üblichen Arbeitsauflagen für straffällig gewordene Jugendliche dar", zog Friedrich Meihofer, Sozialpädagoge im "Falkenheim Gallus", Zwischenbilanz. Anstatt die auferlegten Arbeitsstunden mit Beschäftigungen in Wohlfahrtsverbänden abzuleisten, wurden die jungen Frauen und Männer hier an die Kunst der Bildhauerei herangeführt. Die Veranstalter "Kulturwochen Gallus" organisierten das Projekt. Die Kosten für die Bildhauerwerkstatt teilten sich das "Falkenheim Gallus" und die "Deutsche Bundesbahn". Das Garten- und Friedhofsamt stellte den Jugendlichen kostenlos das Arbeitsmaterial zur Verfügung - ausrangierte Grabsteine.
Konflikte gab es in der Gruppe keine. "Hier gibt es weder Autos noch Videos - also nichts, worum sich die jungen Leute streiten müßten", drückte es ein Organisator des Projekts ein wenig lapidar aus. Was den Erfolg des Projektes tatsächlich ausmacht, "ist die persönliche Betreuung der Jugendlichen", meinte Meihofer. Innerhalb der vergangenen fünf Monate ist der Kern der Gruppe "eng zusammengewachsen". Einige Teilnehmer kamen nach Ableisten ihrer Arbeitsstunden weiterhin in die Werkstatt. Mancher war vom Hämmern und Meiseln derart angetan, daß er sich auch ohne richterliche Auflage an die Arbeit machte: Alesi (13) beispielsweise fertigte eine steinerne Vogeltränke an.
Mit Hammer und Meißel formten die Jugendlichen Phantasietiere, bannten Pflanzen in Stein oder stellten ausgefallene Objekte her. Manches darunter ist dekorativ, anderes sozialkritisch, einiges versprüht Witz. Beispielsweise der "Stuhl des Präsidenten": ein Gemeinschaftswerk eines vierköpfigen Teams. Noch während der Ausstellung waren die jungen Künstler so fasziniert von ihrem Raumobjekt, daß sie sich gegenseitig in dem protzigen Sessel sitzend fotografierten.
Bis Ende März wird die Bildhauerwerkstatt fortgeführt. Ob die Arbeit mit jeweils 20 Jugendlichen danach fortgesetzt werden kann, ist von der finanziellen Unterstützung abhängig. "Wir suchen derzeit nach neuen Geldquellen", sagte Meihofer. An Bewerbern hingegen fehlt es den Veranstaltern nicht. Meihofer: "Wir erhalten täglich neue Anrufe."
Voraussichtlich im April werden die ausgereiften Skulpturen und Objekte im Hauptbahnhof einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Und am 23. Mai beteiligen sich die jungen Bildhauer an der "Kunstmeile" der Abschlußveranstaltung der "Kulturwochen Gallus". tin
In Deutschland haben im Jahre 1990 insgesamt 13 924 Menschen Selbstmord verübt, darunter 9534 Männer und 4390 Frauen. In den alten Bundesländern nahmen sich 9995 Menschen das Leben, aus den neuen Ländern 3939. Über die Gründe der Suizide gibt es keine Statistiken. Doch als "Risikogruppen" gelten psychisch Kranke, Depressive, Alkoholiker, Drogenabhängige, aber auch vereinsamte Menschen. Gefährdet sind vor allem Ältere. So machen die Suizide von älteren Frauen über 50 Prozent der gesamten weiblichen Selbstmorde aus. Bei Männern sind es 31 Prozent aus dieser Altersgruppe. Im internationalen Vergleich liegt die deutsche Selbstmordrate im obersten Bereich. fib
In einem wissenschaftlichen Projekt - in Zusammenarbeit mit dem Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen - untersucht der Pädagoge und Familientherapeut Gert Döring die besondere Situation von "Sozialvätern". Es handelt sich dabei um Männer, die mit Partnerin und Kindern zusammenleben, die nicht unbedingt ihre eigenen Kinder sein müssen. Und das Zusammenleben muß auch nicht auf einem Trauschein basieren. Für diese Untersuchung werden noch entsprechende "Sozialväter" zur - anonymen - Befragung gesucht.
Kontaktadresse: Gert Döring, Ebertstraße 33, 7400 Tübingen. Tel. 0 70 71 / 3 75 25. FR
BADEN-BADEN. Der Peter-Huchel- Preis für Lyrik 1993 ist der Schriftstellerin Sarah Kirsch zugesprochen worden. Die 57jährige erhält die mit 15 000 Mark dotierte Auszeichnung für den in den Gedichtband "Erlkönigs Tochter". dpa
Zwischen dem Wiener Nobelhotel Sacher und dem ehemaligen k. u. k. Zuckerbäcker Demel tobt eine neue Schlacht um das bekannteste Süßspeisen-Denkmal Österreichs - die Sacher-Torte. Nach vier Gerichtsverfahren seit den dreißiger Jahren geht es im jüngsten Rechtsstreit erneut um die Frage, welche Torte denn nun den Ehrennamen "Original Sacher" tragen darf. Auch handfeste wirtschaftliche Interessen sind im Spiel: Die prestigeträchtige Bezeichnung ist nicht zuletzt im Versandhandel von Bedeutung.
Von Franz Sacher um 1830 kreiert, soll das schokoladebraune Backwerk schon Staatskanzler Clemens Fürst Metternich geschmeckt haben. Zeit seines Lebens reiste der Konditor Sacher durch Europa, um seine unerwartet beliebte Erfindung an den Königs- und Kaiserhöfen zu backen. Legendär gemacht wurde der Kuchen aber erst durch Anna Sacher, die Frau seines Sohnes. Sie trat dafür ein, der Torte und dem Namen Sacher ein Stammhaus zu geben und ging als Gründerin und "Grande Dame" des gleichnamigen Hotels in die Geschichte ein.
Doch nach ihrem Tod 1930 begann der Streit um den Kuchen. Frau Sacher bestimmte in ihrem Testament, daß ihre Nobelherberge zu verkaufen sei - "da meine Erben nicht die Fähigkeit besitzen, mein Geschäft fortzuführen". Gemeint war ihr Sohn Eduard, der vier Jahre zuvor wegen Geistesschwäche teilentmündigt worden war. Eduard ließ sich das nicht gefallen und ging zur Konkurrenz: Er übertrug der Konditorei Demel vertraglich das Alleinerzeugungs- und Alleinverkaufsrecht für die "Eduard Sacher Torte". Dies führte bereits 1938 zu einem ersten Prozeß, der außergerichtlich beigelegt wurde. Demel mußte sich verpflichten, die Bezeichnungen "Original" und "Alleinerzeugung" nicht zu verwenden und von Werbung für das Produkt Abstand zu nehmen.
Von 1953 bis 1962 gab es drei weitere "Tortenprozesse", die vom Handelsgericht bis zum Obersten Gerichtshof sämtliche Instanzen durchliefen. Das Recht auf die "Echte Sacher Torte" wurde Demel immer wieder abgesprochen. Inzwischen verkauft das Hotel Sacher sein nach dem Originalrezept hergestelltes Erzeugnis weltweit - etwa 370 000 Stück sind es jährlich. Ein Drittel davon geht per Botendienst in den Versandhandel.
Der Erfolg jedoch läßt die Konkurrenz nicht ruhen. Der deutsche Immobilien-Unternehmer Günter Wichmann, seit Mai 1991 Chef des Demel, möchte seine Eduard Sacher Torte ebenfalls rund um den Globus absetzen. "Weil es sich mit Kaffee und Kuchen allein nicht rechnet", wie er sagt, forciert er den Tortenversand. Vor Weihnachten warb Demel mit Anzeigen für sein Produkt. Der 1938 vom Hotel durchgesetzte Zusatz "Erzeugnis von Ch. Demels Söhnen" kam in den Werbetexten aber nicht vor.
Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler konterte mit einer Klage beim Handelsgericht Wien. Ihr Anwalt erwirkte eine Verfügung, die Demel die Attribute "echt" und "Original Sacher Torte" sowie Werbung erneut untersagt. "Unser Standpunkt ist klar", verlautet aus dem Hotel: "Wir haben die Originaltorte."
Wichmann indes will bis zum neuen Eklat nicht gewußt haben, was ihm erlaubt ist und was nicht. "Gürtler hat die genauen Gerichtsurteile nicht herausgerückt", sagt er, "ich verstehe das nicht. Über Monate hat Sacher uns zugesehen. Ist doch egal, wie ich die Torte genau nenne, oder nicht?"
Gegen Gürtlers Verfügung hat Wichmann jedenfalls Beschwerde eingelegt. Er will den Versand insgesamt ausbauen: "Wir bieten um die 60 Produkte an. Pralinen zum Beispiel oder die Linzer oder die Burgtheater-Torte. Sacher ist da nur ein Kuchen von vielen." Verbieten lassen will er sich dessen Vermarktung dennoch nicht.
Österreichs Gourmets streiten derweil, welcher Kuchen mehr nach Schokolade schmeckt. Immerhin beschäftigt diese Frage nicht die Juristen, sondern kann am Kaffeehaus- Tisch entschieden werden. rtr/FR
FRANKFURT A. M. Der närrische Auftakt zur Kampagne '93 ist mit dem Neujahrsempfang im Römer, der "30. Gardeolympiade" im Bürgerhaus Bornheim, einer Fremdensitzung des KTC "Rot- Weiß" und einem Ordensfest beim Carneval-Club "Blau-Rot" in Niederrad gut gelungen. Auffällig war im Foyer eine Abkehr von der Tradition: Der Musikzug des Karneval-Clubs "Die Nordendler" unter Dirigent Reinhard Schmitt spielte statt des Narrhallamarsches "Ritzambaa" beim Einzug der Abordnungen "Anker gelichtet" und "Down by the Riverside".
Verändert hat sich auch der Mitarbeiterstab des "Großen Rates" gegenüber 1992. Neu hinzugekommen sind die Karnevalisten Helmut Schäfer, Peter Flieger und Werner Brauburger. Dadurch verteilen sich die Aufgaben im erweiterten Präsidium nun auf zehn Mitglieder.
Das Präsidium des Großen Rates wird sich bei den Neuwahlen im Frühjahr verändern. Unter Ratspräsident Konrad Trapp, der voraussichtlich bei der Jahreshauptversammlung nicht mehr kandidieren wird, blieb dieses Gremium jahrzehntelang eine Domäne der Männer. Ob sich dies unter einem neuen Präsidenten - Klaus Fischer hat seine Kandidatur inoffiziell bereits in mehreren Gesprächen angekündigt - fortsetzt, bleibt abzuwarten. Nach Jahren wird in jedem Fall Vizepräsident Geo Wahl das Präsidium verlassen. Hier böte sich die Chance, eine Frau zur Vizepräsidentin zu wählen. Dankesworte tauschten die Offiziellen aus: Präsident Trapp dankte für die Leistungen der Stadt und des Oberbürgermeisters, wünschte dem OB Kraft zum Bestehen der närrischen Kampagne und der bevorstehenden Kommunalwahl. Andreas von Schoeler revanchierte sich für die Wünsche und das Neujahrspräsent - Weck, Worscht und Ebbelwei - mit einem Dank an die Aktiven, an die Vereine sowie mit einem Dankeschön für Jugendarbeit und Ausländerintegration.
Dem neuen Frankfurter Prinzenpaar Petra I. und Bernd I. widmete das Stadtoberhaupt einen kleinen Vers: "Jeder weiß es von uns allen, mir is es längst schon aufgefallen, daß das Prinzenpaar unsrer Stadt je einen Doktorentitel hat. Deshalb, un des is net polemisch, is unsre Fassenacht mal akademisch; un des zum erste Mal seit 137 Jahr, wie wunnerbar." Der Prinzessin überreichte der OB Blumen. Das obligatorische Küßchen mußte er für die vielen Fotografen mehrmals wiederholen. Dazu hatte er die Narrenmütze abgesetzt: "Es küßt sich besser."
Aufgefallen ist noch: Vom Prinzenpaar der Kampagnen 1991 und 1992, Jürgen I. und Eva I., redete niemand mehr. Eine offizielle Verabschiedung im Kreis der Vereinsabordnungen gab's nicht, das Paar stand im Römer-Foyer abseits. dixi
Die drei K - in neuem Gewand
Die Frau steht im Weg. In Krisen, wie sie derzeit die deutsche Gesellschaft beuteln, interessiert "Weiberkram" - wie Erziehungsgeld - nur noch als Sparmasse. Männer grübeln über Sanierungsprogrammen. Sie träumen vom Solidarpakt, der wenig Solidarität, aber viel Pakt enthält. Sie krempeln die Ärmel hoch, greifen in die Taschen der Frauen und rufen ihnen voller Tatendrang zu: Geht uns aus der Sonne.
Weil die Kosten für die deutsche Einheit in schwindelerregende Höhen schnellen, wissen der Kanzler und sein Finanzminister, wo sie sparen wollen: zum Beispiel beim Erziehungsgeld. Das aber ist eine staatliche Leistung, die fast ausschließlich Frauen hilft. Noch immer sind es die Mütter, die sich, berufstätig oder nicht, um das Wohl und Wehe der Nachkommen kümmern.
Sozialhilfeempfänger und Arbeitslose müssen nach der neuesten Bonner Sparliste ebenfalls abgeben. Auch da trifft es Frauen: Im Dezember 1992 lag die weibliche Arbeitslosenquote in ganz Deutschland bei etwa 51 Prozent. In Ostdeutschland allein waren fast 64 Prozent der Frauen ohne Job. Die jüngste verfügbare Statistik über die Sozialhilfeempfänger weist für 1990 einen 54prozentigen Frauenanteil aus. Hinter dieser Zahl stecken Rentnerinnen und viele alleinerziehende Mütter, die - weil sie nicht wissen, wo sie ihre Kinder unterbringen können - nicht mit ihrer Hände Arbeit für den Lebensunterhalt der Familie sorgen können.
Daran wird die männlich dominierte Regierungsriege in Bonn nichts ändern. Im Gegenteil: Der im Gesetz für die Neuregelung des Abtreibungsparagraphen 218 verankerte Anspruch auf einen Kindergartenplatz wurde auch schon gedanklich aufgegeben. Das zeigt nicht nur, wie egal den Männern die Not arbeitswilliger Mütter ist. Es wirft obendrein ein Licht darauf, was sie von im Bundestag bereits verabschiedeten Gesetzen halten: nichts. Sie werden preisgegeben, ehe sie überhaupt umgesetzt sind.
Wen wundert's, wenn Männer aus Wirtschaft und Gewerkschaften sich ihren Brüdern aus der Politik anschließen. Jobs werden in Ostdeutschland häufig gezielt für Männer ausgeschrieben. Näherinnen, die einst in der nun kaputten Textilindustrie ihr Geld verdienten, finden keine neue Arbeit. Sie werden - haben sie keinen Ehemann, der sie ernährt - in die Sozialhilfe abgedrängt. Gewerkschaften reagieren darauf mit Worten, verkünden eine sogenannte Frauenoffensive unter dem Motto "Frau geht vor". Doch als Überschrift für ihren Kampftag, den 1. Mai, wollen das die Gewerkschaftsbosse nicht stehenlassen. In ihren Berichten liest sich der Begriff Arbeitslosigkeit geschlechtsneutral, und so wollen sie das Übel wohl auch bekämpfen.
Mühsam errungene Standards der Gesellschaft drohen in der Krise zu kippen. Den Frauen wird als einzige Alternative zur Erwerbsarbeit der Weg an den Herd und ins Ehrenamt gewiesen. Die drei K - Kinder, Küche, Kirche -, von denen viele glaubten, daß sie als einzige Betätigungsfelder für Frauen endgültig ausgedient haben, werden plötzlich in neuem Gewand propagiert: Kinder, Küche, Kleider. Überkommene Rollenmuster sollen plötzlich wieder Sicherheit bieten.
Aufmüpfige wie auch gehorsame Ministerinnen erweisen sich in solchen Zeiten als geringes Risiko für die Männer. Bundesfrauenministerin Angela Merkel erhebt nicht lautstark Protest. In ihrer Schublade liegen Initiativen zugunsten Vergessener, der 88 000 obdachlosen Frauen beispielsweise, über die sie einmal eine Studie anfertigen ließ. In Merkels Gesetzentwurf über die angeblich angestrebte Gleichstellung in den Bundesbehörden bleibt die Erfüllung des Ziels dem guten Willen der Männer anheimgestellt. Damit gibt die Ministerin die Hoffnung auf, bald mehr Mitstreiterinnen neben sich zu haben. In ihrer Einsamkeit zwischen den männlichen Kollegen sagt sie auch noch, daß sie glaube, die Gleichstellung lasse sich erst im nächsten Jahrtausend erfüllen.
Frauen sind die Verliererinnen der deutschen Einheit und der Rezession - weil sie (noch) nicht sicher genug im Sattel der Macht sitzen, weil sie trotz aller Erfolge ihrer Emanzipation zu wenige sind, die sich wehren. Und weil sie in den vergangenen Jahren zu oft auf den guten Willen der Männer vertraut haben. In feministischen Zirkeln haben sie sich aber auch zu lange im Streit um Müttermanifeste, PorNo-Debatte oder Quotenregelungen als die Opfer gesehen.
Der wachsende Druck, den Männer in ihrer Angst vor der Wirtschaftskrise auf die andere Hälfte der Bevölkerung ausüben und sie glauben machen wollen, sie sei eine Minderheit, darf Frauen nicht noch tiefer in die Opferrolle drängen. Sie dürfen sich nicht länger ducken, wenn in Bonn scheinbar geschlechtsneutrale Streichlisten kursieren, die aber vor allem ihnen Nachteile bringen. Sie müssen sich frech dem "Krisenmanagement" der Macher in den Weg stellen.
Wenig überzeugend, sowohl in grafischer Gestaltung wie auch in der Themenwahl, sind die neuen Sondermarken der Bundespost, die es seit dem 14. Januar an den Schaltern zu kaufen gibt. Von den fünf neuen Werten sind alleine vier den Themen Technik und Wissenschaft gewidmet, eine Marke gilt dem Stadtjubiläum Münsters.
Das im Jahre 793 vom Mönch Liudger am Flüßchen Aa gegründete Münster hat sich zu einer Großstadt ausgewachsen. Die zurückliegenden 1200 Jahre werden den Freunden Münsters Anlaß zum Feiern geben. Und dies kann dann dank der 60-Pfennig-Marke mit Stadtansicht kurz vor der Gebührenerhöhung auch noch preiswert der "Welt" verkündet werden.
125 Jahre alt geworden ist die Norddeutsche Seewarte in Hamburg. Ihre Aufgabenstellung hat sich zwar nicht verändert, für Schiffahrt und Meere Gutes zu tun, wohl aber ihr Name: Entsprechend der politischen Gestaltung Deutschlands hieß sie ab 1875 "Deutsche Seewarte", nach 1945 "Deutsches Hydrografisches Institut" und ab 1990 "Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie". Auf der Marke im Wert von einer Mark können auf der Weltkarte die verschiedensten Segelmöglichkeiten in den Pazifik eruiert werden. Zum 100. Geburtstag wird der Verband Deutscher Elektrotechniker (VDE) mit einem Wert zu 1,70 Mark bedacht. Neben der Steckdose ähnelt das grüngelbe Sicherungskabel auf dem Markenbild eher einer Büroklammer als einem dargestellten Haus. Für "Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz" wirbt eine andere Briefmarke. Das Emblem hierzu, eine Figur unter schützenden Händen, ist in schwarz-gelben Sicherheitsstreifen für eine Mark zu haben.
Eine umfangreiche Briefmarkensammlung ließe sich allein mit seinem Konterfei zusammentragen: Issak Newton, englischer Physiker, Mathematiker und Astronom. Im Jahre 1643 ist er geboren worden. Zwei seiner Arbeiten sind auf einer Marke zu einer Mark abgebildet: Die Skizze zur Untersuchung der Lichtbrechung und die Formel für das zweite Newtonsche Axiom.
Mit zwei Innovationen beginnt die Schweizer Post das neue Jahr. Einmal werden die Dauermarken "Bergseen" um einen Wert mit dem "Lac de Tanay" (60 Rappen) erweitert, zum anderen wird für die A-Post eine eigene Marke zu 80 Rappen verkauft. Sie zeigt als Motiv lediglich ein großes A vor rotem Hintergrund. Beide Werte sind - und das ist eine Weltneuheit - an der rechten Seite mit ihrem Wert entsprechenden Rastern codiert. Damit soll eine weitergehende Automation beim Sortieren und Entwerten eingeleitet werden. Den "Lac de Tanay" gibt es zudem zehnmal in einem Markenheftchen.
In vierter Auflage gibt es jetzt den Telefonkarten-Katalog Deutschland aus dem Michel-Verlag. Für 48 Mark wird viel geboten: ein beidseitig farbiger Abdruck aller 2300 bisher fabrizierten Telefonkarten. Eine lohnende Übersicht auch für alle die, die sich nicht unbedingt für die Preisrelationen interessieren.
PETER HOFMANN
FDP-Politiker Kohn mahnt mit Flach
Meine sehr verehrten Damen, meine Herren!
Ich möchte Ihnen über drei Vorkommnisse berichten, die sich in der letzten Zeit zugetragen haben.
1. Da wurde in Idaho ein pflegebedürftiger 82jähriger Mann im Rollstuhl mitsamt einer Windeltasche allein aufgefunden, direkt neben einer Hunderennbahn. Da der Mann an der Alzheimerschen Krankheit litt und seinen Namen nicht mehr wußte, konnte man ihn erst durch Ausstrahlung seines Fotos im Fernsehen identifizieren. Es stelle sich heraus, daß der Mann kurze Zeit zuvor im Nachbarstaat Oregon gegen den Willen der Ärzte von seiner Tochter abgeholt worden war. Kein Einzelfall, das Aussetzen alter Menschen; haben doch Sozialarbeiter inzwischen die gnadenlose Bezeichnung im Amerikanischen geprägt; "Granny Dumping".
2. Ein zehnjähriger Bub hat in Nürnberg eine 49jährige Frau überfallen und mit einer 50 Zentimeter langen Eisenstange zusammengeschlagen. Im Polizeibericht hieß es, das Kind habe der ortsunkundigen Besucherin aus Berlin Hilfe bei der Suche nach einer Straße angeboten. Mit seinem Mountainbike führte der Junge die Frau in ein dünn besiedeltes Gebiet am Stadtrand und zückte mit den Worten "Geld her oder ich schlag dich tot" die Eisenstange. Als die Frau dann versuchte, begütigend auf ihn einzureden, schlug der etwa Zehnjährige mehrmals zu und verletzte sein Opfer an der Brust und den Armen und flüchtete.
3. Vor einigen Wochen hat sich ein Körperbehinderter aus Großburgwedel das Leben genommen, nachdem ihn Jugendliche wiederholt bespuckt und angepöbelt hatten, zuletzt mit dem schlimmen Gaskammer-Spruch auf den Lippen. In seinem Abschiedsbrief schrieb der so Gedemütigte aus lauter Verzweiflung: "Bei Hitler hätten sie mich bestimmt vergast, vielleicht haben diese vielen jungen Menschen doch recht." Dieser Vorgang und ähnliche haben den Behindertenbeauftragten in Niedersachsen zu der Wertung gebracht: "Der Wind dreht sich, die Brutalität nimmt zu."
Meine Damen und Herren, warum trage ich hier diese Vorkommnisse vor?
Nach meiner festen Überzeugung haben wir in den freiheitlichen Industriegesellschaften des Westens nach dem Zusammenbruch der totalitären kommunistischen Systeme im Osten versäumt, uns die Frage nach der Zukunft, nach der weiteren Entwicklung unseres eigenen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systems ernsthaft vorzulegen. Wir haben uns allzu selbstgerecht und bequem eingerichtet in dem wohligen Gefühl der Überlegenheit unserer Ordnung. Die drei Ereignisse, von denen ich eingangs sprach, haben eines gemeinsam: Sie zeigen, wie die Werte und Normen wegschmelzen, auf denen die Menschlichkeit und der Zusammenhalt einer Gesellschaft beruhen. Deshalb ist es eine Überlebensfrage für die offene Gesellschaft, daß sie diese Fehlentwicklungen nicht verdrängt, sondern ganz präzise analysiert, die Ursachen aufspürt und die Kraft zur Erneuerung aufbringt.
Wie aber sieht der Maßstab aus, an dem sich Liberale dabei orientieren können? Freiheit und Verantwortung, Wahlmöglichkeiten und Bindungen, Selbstverantwortung und soziales Gewissen.
Lassen Sie es mich mit einem Zitat sagen: "Geistige Freiheit und persönliche Freizügigkeit, soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Ausgleich sowie wirtschaftliches Wachstum bei hoher Effektivität sind die drei Geraden, die in der optimalen Gesellschaft ein möglichst gleichschenkliges Dreieck bilden." Dieses Zitat stammt von einem Mann, dessen Todestag sich 1993 zum zwanzigsten Mal jährt - Karl-Hermann Flach.
Manche, vor allem jüngere, werden fragen: Wer war Flach? Was ist so Besonderes an ihm, daß man noch heute von ihm lernen kann für die Zukunft?
Karl-Hermann Flach, geboren 1929 in Königsberg, noch als Jugendlicher Kriegseinsatz beim Volkssturm, 1946 Mitglied der LDP, 1949 Flucht nach West- Berlin, Eintritt in die FDP, Studium der Politikwissenschaft an der Deutschen Hochschule für Politik, 1959 bis 1956 Bundesgeschäftsführer der FDP, 1962 bis 1971 Redakteur bei der Frankfurter Rundschau, 1971 Generalsekretär der FDP, Wahl in den Bundestag 1972, gestorben 1973 in Frankfurt.
Diese wenigen Daten sagen etwas aus über die spezifische Kombination von Fähigkeiten und Begabungen dieses Mannes. Ein analytischer Kopf; ein Unabhängiger; kämpferisch und mit heißem Herzen für seine Überzeugungen einstehend; ein Politiker, der komplizierte politische Probleme auch dem einfachen Mann erklären konnte; einer, der das politische Handwerkszeug von der Pike auf erlernte; als Persönlichkeit überzeugend; mit großer strategischer Begabung; und vor allem: ein Liberaler aus Leidenschaft. Hans-Dietrich Genscher hat einmal über ihn geschrieben: "Er hat beispielhaft die Idee des modernen sozialen Liberalismus und die Politik für eine freiheitliche Gestaltung unseres Zusammenlebens miteinander verbunden. Er überzeugte durch seine Glaubwürdigkeit, seine demokratische Haltung, seinen Sachverstand und seine Fairneß."
Wenn man sich mit Flachs Büchern, seinen Aufsätzen und Kommentaren, seinen Interviews beschäftigt, wird man dieses Urteil bestätigt finden.
Was also kann die liberale Partei von Karl-Hermann Flach lernen? Nun, Karl- Hermann Flach würde sich entschieden dagegen verwahren, daß man in seinem Namen, dem Karl-Hermann Flach-Disput, einem Jörg Haider ein Podium verschafft.
Nein, Flach war zu sehr Praktiker in der Politik, war zu kritisch gegenüber Autoritäten, er wußte nur zu gut um die Zeitbedingtheit von politischen Vorstellungen und um die Fehlbarkeit der menschlichen Vernunft, für die er gleichwohl Vorfahrt anmahnte.
Von Karl-Hermann Flach lernen, heißt deshalb nicht einen Kanon von Sätzen nachzubeten, sondern heißt, einen Stil des Denkens zu verstehen, eine innere Haltung zu erfassen und auf die Probleme der Zukunft anzuwenden.
Ich sage sehr selbstkritisch, daß in den letzten Jahren manch wichtige gesellschaftliche Diskussion ein Stück weit an uns Liberalen vorbeigelaufen ist, daß wir ein Stück weit zu sehr den Zwängen der Tagespolitik uns ausgeliefert haben.
Wie also funktioniert das mit dem Generationenvertrag in der Dreizimmer- Wohnung der heutigen Kleinfamilie? Wie erfüllen wir den berechtigten Anspruch junger Menschen auf Erziehung? Wie müssen Strukturen verändert werden, damit der Wert eines Menschen nicht auf seine gesellschaftliche Nützlichkeit reduziert wird?
Das sind nur drei Beispiele für Fragen, an denen sich die FDP als Programm- und Problemlösungspartei bewähren muß. Das bloße Funktionsargument wird auf Dauer nicht tragen.
Wir alle entscheiden jetzt darüber, wohin sich unser Land in den nächsten Jahren entwickeln soll. Wir wollen ein demokratisches, ein freiheitliches, ein menschliches Deutschland. Karl-Hermann Flach aber erinnert uns: "Demokratie ist nicht bequem, Freiheit heißt nicht Ruhe, freiheitliche Demokratie heißt: Spannung, Entladung, Diskussion, Auseinandersetzung, Kompromiß. Freiheit ist nicht ungefährlich. Sie schließt die Möglichkeit ihres Mißbrauchs ein, und wer jede Form des Mißbrauchs der Freiheit beseitigen will, beseitigt die Freiheit selbst."
In diesem Sinne von Karl-Hermann Flach lernen, innovativ, unbequem und konsequent sein - einfach liberal, dies im Jahr von Flachs zwanzigstem Todestag auszusprechen war mit wichtig.
So hoffe ich auf Ihre Nachsicht, wenn ich heute keine Rede gehalten habe, wie man sie füglich auf der Kundgebung einer politischen Partei erwarten darf.
Beim Dreikönigstreffen der südwestdeutschen Liberalen vielleicht doch?
FRANKFURT-OST. Der Ortsbeirat 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach) wird sich in seiner nächsten Sitzung in erster Linie mit dem Thema Verkehr beschäftigen. Damit befassen sich fast alle Anträge, die am Montag, 18. Januar, ab 19.30 Uhr im Speisesaal der Seckbacher Zentgrafenschule (Eingang von der Hochstädter Straße) diskutiert werden.
Auf Wunsch der CDU wird es um den Autobahnanschluß der A 66 gehen: Der vom Magistrat geprüfte Vorschlag mit der "Stelzenlösung" soll nun offiziell zurückgezogen werden. Außerdem fordern die Christdemokraten, die "Kölner Teller" im Ortsbezirk 11 abzubauen, sie stellten "unzumutbare Verkehrshindernisse" beispielsweise für Notarztwagen dar.
Die SPD fordert für die Grundnetzstraßen Bebraer Straße und Wächtersbacher Straße in Fechenheim die Einführung von Tempo 30. Dort sei es in den vergangenen Wochen wiederholt zu schweren Unfällen gekommen. Außerdem verlangen die Sozialdemokraten vom Magistrat, der "wilden Parkerei" im Bereich der Unfallklinik (Friedberger Landstraße) ein Ende zu machen und auf der Festeburg befestigte Abstellflächen einzurichten. ak
Sonnenhungrig und warm eingepackt: das Haus der Zukunft Ein Prototyp in Darmstadt zeigt, wie mit gängigem Baumaterial Energiespar-Rekorde zu erreichen sind Von Jörg Feuck (Darmstadt)
Der Name des vom Darmstädter Institut für Wohnen und Umwelt (IWU) geplanten, mit marktüblichen Baustoffen und Komponenten gebauten und wissenschaftlich begleiteten Projekts lautet "Passivhaus". Das Gebäude kann sich nämlich fast völlig alleine heizen - Sonnenlicht, die Abwärme der Haushaltsgeräte und die Körperwärme der in ihm lebenden Menschen reichen meistens aus. Um sich wohl zu fühlen, brauchen die keineswegs in Askese geschulten Bewohner - es ist eine Bauherrengemeinschaft von ganz "normalen" Leute ohne besonderen Öko-Tick - nur soviel zusätzliche Energie einzusetzen, wie in herkömmlichen Neubauten allein für Licht und den Gebrauch von Haushaltsgeräten eingesetzt wird.
Besonders die extrem dicke Wärmedämmschichten aus Mineralwolle - unter dem Dach 45 Zentimeter und an den Außenwänden 30 Zentimeter stark - machen das möglich, wobei die winddichte Verpackung der Dämmhülle besonders wichtig ist. Das Ergebnis eines Dichtheits-Tests vor der Schlüsselübergabe, bei dem mit einem Gebläse immenser Unter- und Überdruck erzeugt wurde, um mögliche winzige Lecks zu entdecken, zeigte: Das Haus ist bis zur Decke gut eingemummelt.
Natürlich muß, wenn es draußen ordentlich kalt wird, niemand in den je 156 Quadratmeter großen Passivhaus-Wohnungen frieren oder gar "mit kaltem Hintern überwintern", wie einst ein böser, auf Atomkraftgegner gemünzter Spruch lautete. Es gibt eine für alle vier Familien individuell zuschaltbare Notheizung. Das erste Jahr erbrachte eindrucksvolle Zahlen: Der Erdgasverbrauch für die Heizung betrug 86 Prozent weniger als in herkömmlichen Neubauten mit durchaus moderner Technik, der Gasbrennwert- Kessel für die Warmwasserbereitung "fraß" zwei Drittel weniger und der Stromverbrauch lag um 40 Prozent unter dem heutigen Durchschnitts-Standard - macht in der Summe nur gut ein Fünftel dessen, was Strom- und Gaszähler in herkömmlichen Neubausiedlungen sonst messen. Für diesen Winter haben sich die Familien nochmals ehrgeizigere Ziele gesteckt: Unter 20 Kilowattstunden Energieeinsatz je Quadratmeter Wohnfläche wollen die Passivhäusler bleiben. Das wären nur sieben Prozent dessen, was für die Wärmeversorgung eines üblichen Neubaus pro Jahr verfeuert werden muß.
Als der Besucher hereinkommt, dreht Wolfgang Feist an einem Rädchen, das wie ein Thermostat aussieht, um die Zahl der im Haus anwesenden Personen zu registrieren - für die Computerstatistik. Im Keller des IWU-Wissenschaftlers laufen in einem Rechner rund um die Uhr Daten von 200 überall im Haus versteckten Meßfühlern zusammen: Windgeschwindigkeit und -richtung (abgelesen von der kleinen Wetterstation auf dem Dach), Raumluftfeuchtigkeit, Innentemperaturen bis hin zum Kohlendioxid- Gehalt im Wohn- oder Kinderzimmer. Hier unten ist auch eine Unmenge von Stromzählern montiert, jeweils einer für jedes der neu angeschafften, besonders sparsamen Geräte von der Spülmaschine bis zur Kühltruhe. "Wir könnten Messungen für Stiftung Warentest machen", sagt Feist augenzwinkernd.
Die Energiebilanz ist verbüffend: Vier Personen in der Wohnung bringen die Hälfte der nötigen Wärmeleistung auf. Wenn sich Feist den ganzen Tag über im Haus aufhält, gibt er eine Körperwärme von 2,4 Kilowattstunden ab. Den Rest steuert die "sonnenhungrige" 20 Quadratmeter große, nach Süden ausgerichtete Fensterfläche bei, die dreifachverglast ist. Die in den Fenster-Zwischenräumen auf das Glas aufgedampfte dünne Silberfolie verringert die Wärmeabstrahlung nach draußen, das gespeicherte Edelgas Krypton drosselt die Wärmeleitfähigkeit. Selbst jetzt, im trüben Januar, dringt mit dem blaß-milchigen Sonnenlicht mehr Wärme nach innen als durch das Dreifachfenster nach außen entweicht. Aber: Komfort hat ihren Preis. Die Scheibe kostet pro Quadratmeter 200 Mark mehr als normales Doppelglas.
Mit ausschlaggebend für den Sparrekord ist aber auch die kontrollierte Frischluftzufuhr, die zugleich für optimale Raumlufthygiene sorgt. Fenster öffnen oder kippen ist hier ein alter und kostspieliger Hut. Statt dessen wird an den verstellbaren Öffnungen in den Außenwänden gedreht, und schon ist die leichte Dauerbrise zu spüren. Einige der Luft- Öffnungen sind mit einem Rohrleitungssystem verbunden, um Frischluft in die innenliegenden Räume zu transportieren. Verbrauchte Luft aus Küche, Bad und WC wird durch ein Rohr abgesaugt und mit Hilfe eines unter dem Dach montierten Ventilators nach außen geleitet. Der Clou dabei: Die Abluft wird nicht einfach entlassen, sondern über einen Wärmetauscher - übereinanderliegende Alubleche, die wie der Kühlergrill eines Motors aussehen - geleitet, wo sie die in ihr gespeicherte Wärme zu 80 Prozent an die einströmende Frischluft abgibt.
"Das Projekt hier ist Forschung darüber, was die Zukunft bringt", sagt Feist, der als IWU-Physiker sich selbst als Hausbewohner beobachtet. Nicht das weit fortgeschrittene Passivhaus, aber immerhin das "Niedrigenergiehaus", von dem es alleine in Hessen bereits 500 Exemplare gibt, sollte - wie seit 1991 als Baunorm in Schweden vorgeschrieben - alsbald den Standard bei Neubau (auch von Kindergärten oder Schulen) und bei der wärmetechnischen "Nachrüstung" von Häusern sein, meint Feist. "Da geht die Reise hin."
Die Merkmale des seit 1987 in Deutschland gebauten Niedrigenergiehaus-Typs, in dem die Energiezähler halb so schnell wie in normalen Neubauten rotieren, sind im Passivhaus "bis an die extreme Grenze mit technischem Normalaufwand getrieben" worden, sagt Feist. Rentabel ist das nicht: Die eingesparte Energie steht bei den derzeitigen niedrigen Preisen für Öl oder Gas nicht in Relation zu den Mehrkosten von einem Fünftel der Bausumme, also etwa 110 000 Mark pro Passivhaus-Wohnung. So hat man sich die ursprünglich geplante Montage der Schiebe-Rolläden, die nachts die Kälte noch besser abblocken, wegen der immensen Kosten abgeschminkt. "Das ist nur noch von akademischem Interesse", kommmentiert Feist.
Aber es geht ja auch um ein Stück "Philosophie": um Energieeinsparung ohne Komforteinbuße, um einen Beitrag zum Schutz des Klimas durch einen extrem niedrigen Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid, das bei der Verbrennung der fossilen Brennstoffe entsteht. Das Passivhaus zeigt klar, daß es möglich ist, mit einem Zehntel der Heizwärme eines normalen Neubaus auszukommen. "In einem solchen Zustand könnten wir Jahrtausende leben, ohne ökologische Probleme zu erzeugen", ist Feist überzeugt.
Doch die Bedingungen dafür sind zu Zeit eher schlecht. Das Darmstädter Institut hat im Auftrag der Bundestags- Enquete-Kommission "Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre" ermittelt, daß mehr als die Hälfte der für Raumheizung benutzten Energie ohne Komfortverlust einzusparen wäre und dazu besonders Nachrüstungen im Altbaubestand nötig sind. Doch Hausbesitzer wissen zu wenig über Energiesparmaßnahmen, und den Architekten, Ingenieuren und Handwerkern mangelt es oft an Kenntnissen. So läßt sich laut Feist bis zum Jahr 2005 höchstens eine Energieeinsparung von zehn Prozent durchsetzen.
Um die Marke von einem Drittel zu schaffen, brauche es "energiepolitische Instrumente": Energieberatung ausbauen, Energiekennwerte einführen, Umweltabgaben oder -steuern auf Energie erheben, Förderprogramme für die Häuser-Sanierung aufstellen. Vom skandinavischen Modell, so berichtet der IWU-Wissenschaftler, der mit Baukonstrukteuren aus dem schwedischen Lund zusammenarbeitet, kann man lernen, wie das dann praktisch umzusetzen ist. Die Standardisierung der Produkte und industrielle Vorfertigung haben dort die Nachrüstungskosten für die alten Energieverschwendungs-Hauser spürbar gesenkt.
Als Ellis Huber am 28. Januar 1987 in Berlin zum ersten und bislang einzigen links-alternativen Präsidenten einer Landesärztekammer gewählt wurde, entzündeten seine Anhänger Wunderkerzen und bengalische Feuer. Vergeblich hatten die traditionalistischen Standesvertreter alle Kräfte mobilisiert, um eine vermeintlich drohende Herrschaft von "Politfunktionären" und "linken Gruppierungen" zu verhindern. Sie verfielen sogar auf Lyrik und dichteten so holprig wie beschwörend: "Auch Huber kommt nicht in Frage, Gott schütze uns vor diesem Tage". Der Herr hatte jedoch kein Erbarmen und bescherte dem parteilosen Huber eine hauchdünne Einstimmen-Mehrheit.
Sechs Jahre später, in der Mitte seiner zweiten Amtszeit, steht das Schicksal des Von Michael Emmrich unorthodoxen Ärztefunktionärs erneut auf der Kippe. Denn Ellis Huber will die Vertrauensfrage stellen und fordert von den Delegierten der Kammerversammlung am 17. Februar eine Zwei-Drittel- Mehrheit für seine Linie. Aber bereits am 27. Januar, wenn die Vollversammlung der Berliner Ärzte tagt, wird ein erstes Stimmungsbild zu erkennen sein.
In die Bredouille hat Ellis Huber seine differenzierte und im Grundsatz zustimmende Haltung zum Gesundheitsstrukturgesetz 1993, dem Sparpaket von Minister Horst Seehofer (CSU) gebracht. Der Kammerpräsident focht bislang stets für mehr Ärzte, damit mehr Zeit für Patienten herausspringt. In Seehofers Gesetz wird die Zulassung von Kassenärzten ab Februar 1993 allerdings rigide begrenzt, eine Fußangel, die Huber wohl nicht rechtzeitig erkannte und von dem er sich nicht frühzeitig und offensiv distanzierte. Für seinen Kammerbezirk Berlin bedeutet dies konkret, daß die Ist-Zahlen von 1990 als Grundlage für die Kassenzulassungen ab 1. Februar 1993 gelten. Für die demnach noch 250 freien Plätze haben sich bislang fast 600 Mediziner beworben.
Ellis Hubers Gegner haben dadurch Oberwasser bekommen und treiben den Präsidenten in die Enge. "Die konservativen Funktionäre basteln an einer Dolchstoß-Legende", erkennt der Kammerpräsident und gibt den Tenor der Angriffe wieder: "Huber ist schuld, daß die jungen Ärzte keine Chance haben." Und auf "irrational verängstigte Ärzte" will Ellis Huber seine Politik nicht gründen. Schon jetzt deute sich an, berichtet er, daß seiner Wiederwahl 1995 ein "Propagandawahlkampf" vorausgehen werde: "Da muß ich reagieren. Ich bin bereit, das Amt einzusetzen."
Doch Huber ist Taktiker genug, um im richtigen Moment den richtigen Hebel anzusetzen. Mit einem gelungenen Befreiungsschlag könnte er den Vorstößen der konservativen Opposition schon jetzt entscheidend die "Spitze brechen". Zugleich muß er aber auch die Skeptiker im eigenen Gefolge an sich binden. So ist der Wunsch nach einer erneuerten Legitimation, "weil ich in den vergangenen zwei Jahren zunehmenden Angriffen ausgesetzt war", wohl in der Mitte zwischen Basisdemokratie und Finesse anzusiedeln. Doch Huber hat die Meßlatte hoch aufgelegt, denn "es darf keine einfache Mehrheit sein". Die Antwort auf die Vertrauensfrage ist damit äußerst ungewiß.
Das liegt auch daran, daß Huber in der Vergangenheit kaum ein konfliktträchtiges Thema ausgelassen und stets kräftig wider den Stachel der etablierten Medizin gelöckt hat. Der klassischen Standespolitik seiner Zunft ist er stets ein unbequemer Gegner gewesen, dessen Forderungen nach einer Umwelt- und Sozialmedizin den konventionellen Medizinern oft fremd und unerhört in den Ohren klangen. Und wenn er beharrlich den Allmachtsglauben an die Damen und Herren in Weiß in Frage stellt und die Partnerschaft von Arzt und Patient herausstreicht, schienen so manchem Kollegen gleich die uneingeschränkte Autorität des Mediziners und die Grundfeste des Berufsstandes erschüttert.
Huber war nach vorne geprescht, als er die Freigabe von weichen Drogen und die Abgabe von Marihuana und Haschisch durch Drogenberatungsstellen und Apotheken forderte. Der Berliner Kammerpräsident, locker in Ton und Auftreten, klar in der Sprache und zäh im Verhandeln, organisierte den ersten alternativen Gesundheitstag, wetterte gegen den Arzt als Dealer und klagte mehr Mensch statt Medizin ein. Der Vertreter der sogenannten "Turnschuhgeneration", der sich nach seiner Wahl für den Ball der Arzthelferinnen seinen ersten richtigen Anzug kaufen mußte, stritt vehement für ein anderes Gesundheitswesen: Nicht eine angebliche Ärzteschwemme, sondern Tablettenflut und Apparateberge seien zu begrenzen.
Huber war auch maßgeblich daran beteiligt, daß die deutschen Ärzte nach 44 Jahren erstmals ein Schuldbekenntnis zum Verhalten des Berufsstandes in der Nazi-Zeit abgaben. Trotzdem standen Huber und seine Anhänger oft alleine da. Die Situation im Vorstand der Bundesärztekammer hat er einmal so beschrieben: "Wir werden eher ausgebuht, als daß man uns zuhört." Dennoch wurden die Berliner nicht müde im Bestreben, verkrustete Strukturen aufzubrechen, neue inhaltliche Impulse zu geben, getreu dem Motto: "Wir sind der Sauerteig im altgewordenen Kuchen Ärztetag."
Im August vergangenen Jahres hatte der Vorstand der Ärztekammer Huber wieder einmal nicht erhört, denn der hatte ein Sparpaket vorgelegt, das noch über die Vorstellungen von Minister Seehofer hinausging. Darin war unter anderem von der Begrenzung des kassenärztlichen Honorars auf durchschnittlich 150 000 Mark, vom Einfrieren der Kassenausgaben für drei Jahre und von Preissenkungen bei Arzneimitteln die Rede.
Huber resümiert deshalb: "Ich bin innerärztlich mit meiner Strategie gescheitert. Das ist der Punkt, wo automatisch der Rücktritt erfolgen muß." Und den hatte Huber auch öffentlich angekündigt, falls es bei den begrenzten Zulassungszahlen für Kassenärzte bleibt. Danach habe sich aber gezeigt, "daß eine sehr große Mehrheit der Delegierten meinen Rücktritt nicht will". Deshalb (vorerst) nicht Rücktritt, sondern Vertrauensfrage.
Der ins Straucheln geratene Präsident gibt sich kämpferisch und selbstkritisch zugleich: "Ich bin einen Drahtseilakt gefahren und auf halbem Weg steckengeblieben." Auch der sich mühsam "wendende Großdampfer" Ärzteschaft ist damit ins Stocken geraten. Mit einem kräftigen Motivationsschub der Berliner Delegierten aber soll die Fahrt mit voller Kraft fortgesetzt werden können.
Doch ob die Ärztevertreter den nötigen Schub in dem von Ellis Huber geforderten Maß entwickeln werden können, vermag auch der Kammerpräsident nicht zweifelsfrei einzuschätzen. Sollte die Zustimmung für ihn unter der Zwei-Drittel- Marke liegen, "ist die Legitimationsbasis nicht mehr vorhanden. Dann sind die Veränderungskräfte geschwächt. Und dann habe ich auch keinen Bock mehr weiterzumachen."
Aber selbst wenn Huber das selbstgesteckte Ziel nicht erreichen sollte und zurückträte, wird die deutsche Ärzteschaft auf ihren eloquenten Vordenker nicht verzichten müssen. Denn ein "Rücktritt wäre der Startschuß zu einer neuen Offensive." Auf "freier Verbandsebene" und im Verein mit "veränderungswilligen Ärzten" will Ellis Huber dann weiter wie bisher beharrlich gegen den Konsens denken und aus der Reihe tanzen.
Bereits nach einem Kilometer war für FR-Leserin Christine G. der Spaß mit ihrem frisch geleasten Auto vorbei: Das nagelneue Fahrzeug blieb gleich mehrmals auf der Strecke liegen, blockierte den Verkehr und mußte schließlich abgeschleppt werden. Die Firma, bei der Christine G. das Auto erworben hatte, reparierte das Auto.
Einige Tage später wurde die Fahrt mit dem neuen Gefährt jedoch wieder unfreiwillig unterbrochen. Bei einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde ging der Wagen aus und gefährdete dabei andere Verkehrsteilnehmer. Wieder mußte das Auto abgeschleppt werden. In der Zwischenzeit waren Frau G. weitere Mängel aufgefallen: Die Wischanlage funktionierte nicht richtig und auch die Deckenleuchte versagte ihren Dienst. Nur mit Mühe sprang der Wagen überhaupt an.
Das Autohaus behob zwar die Schäden, jedoch kurz darauf war das Auto wieder kaputt. Weitere Abschleppaktionen, unter anderem durch den ADAC, folgten. Christine G. verlangte schließlich von der Firma die Wandlung, das heißt, ihr Auto gegen ein anderes gleichwertiges Fahrzeug umzutauschen. "Haben mindestens zwei vergebliche Reparaturversuche an derselben Stelle durch den Händler stattgefunden", erklärt Paul Wieja von der ADAC-Mitgliederberatung, "so hat auch der Kunde mit einem geleasten Auto Anspruch auf Wandlung." Dies gelte jedoch nicht für "Lappalien", wie zum Beispiel den Ausfall der Deckenbeleuchtung oder der Wischanlage, sondern nur für schwerwiegende Schäden.
Der Geschäftsführer des Automobilhauses und die Herstellerfirma lehnen die Wandlung jedoch ab. Nach ihrer Darstellung seien die Reparaturen jedes Mal an einem anderen Autoteil ausgeführt worden und somit die Voraussetzungen für eine Wandlung nicht gegeben. Trotzdem, so räumt zumindest der Geschäftsführer des Autohauses ein, handele es sich bei dem Wagen offensichtlich um ein "Montagsauto", das allen Beteiligten "nur Ärger" bereite.
Die Herstellerfirma besteht jedoch nach wie vor auf der offiziellen Regelung, daß einer Wandlung eine dreimalige Nachbesserung vorangegangen sein muß. "Wenn das Auto weiter verrückt spielt, dann werden wir als Vertragswerkstatt die Reparaturen übernehmen. Die Garantie läuft insgesamt zwei Jahre", versichert der Chef der Werkstatt. Ein schwacher Trost für Christine G., die inzwischen ihr Auto lieber in der Garage läßt, da sie befürchtet, erneut liegenzubleiben. reu
SACHSENHAUSEN. Beim nächsten Konzert sollte sich die Frankfurter Singakademie einen größeren Raum suchen. Die Dreikönigskirche war restlos ausverkauft und viele Leute mußten unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen. Sie bekamen keine Eintrittskarte mehr, obwohl die Preise saftig und das Programm wahrlich keine Sensation war: Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium Teil 1-3. Die Musiker bürgten allerdings für Qualität. Die Frankfurter Singakademie und glänzende Gesangssolisten wurden vom Württembergischen Kammerorchester Heilbronn begleitet, die Leitung hatte Jörg Faerber.
Es begann gleich furios: Der Eingangschor "Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage" hatte Saft und Kraft, und selbst im rasanten Tempo gingen keine Details verloren. Wenn der Riesenchor im Forte sang, dröhnten die Ohren. Das Spitzenorchester aus Heilbronn wurde spielend übertönt, nur die Trompeter des Ensembles Guy Touvron schmetterten noch lauter. Die Musiker setzten aber beileibe nicht nur auf oppulenten Klang. Bemerkenswert die Feinheiten, die Jörg Faerber in der Partitur entdeckte und wie er sie mit seinem Orchester und dem Frankfurter Chor herausarbeitete. Die Choräle waren nicht einfach mächtige Klangbrocken, sondern Kunstwerke. Im "Brich an, o schönes Morgenlicht" oder "Schaut hin, dort liegt im finstern Stall" spürte der Heilbronner Dirigent Nuancen auf, über die sonst gnadenlos hinweggesungen wird.
Das Weihnachtsoratorium besteht aus sechs Kantaten. Bach verwendete dabei viele Stücke, die er bereits für andere, weltliche Kantaten komponiert hatte. Er unterlegte neue Texte und fügte Choräle und Rezitative ein. Alle sechs Kantaten an einem einzigen Abend zu musizieren wäre zuviel des Guten. So hat es sich (leider) eingebürgert, nur die ersten drei zu spielen. Auch in der Kirche am Sachsenhäuser Ufer beschränkte man sich auf die erste Hälfte des Oratoriums.
Ziemlich ungerecht sind die Arien verteilt. So darf die Altistin gleich dreimal solistisch singen, die Sopranistin hat dagegen keine einzige Solo-Arie. Ein Choral, ein Rezitativ und ein Duett mit dem Baß ist alles für sie. Ihren Kurzauftritt erledigte Sopranistin Simone Nold tadellos. Altistin Nadja Michael war mit dem vorgegebenen Tempo ihrer ersten Arie "Bereite dich, Zion" nicht einverstanden. Die fließenden Achtel waren ihr zu schnell, sie sang oft deutlich hinter den Instrumenten her. Das Stück verlor an Homogenität. Besser gelangen ihr die beiden übrigen Arien, in denen sie mit klarer und auch in tiefen Lagen voluminöser Stimme überzeugte. Die auf den Plakaten angekündigten Tenor- und Baßsolisten mußten wegen Krankheit kurzfristig absagen. Tenor Jörg Dürmüller und Bassist Michael Volle sprangen ein. Jeder Sänger von Rang hat das Weihnachtsoratorium im Repertoire, und so war es für die beiden auch kein Problem, sich ins Solistenensemble einzufügen.
Vom Württembergischen Kammerorchester eine professionelle Leistung zu erwarten, ist nur recht und billig - das Ensemble zählt zu den besten in Deutschland. Die Frankfurter Singakademie stand den Instrumentalisten kaum nach. Aufmerksam und flexibel sangen sie selbst die schwierigen Teile, wie den Chor "Ehre sei Gott in der Höhe" oder "Lasset uns nun gehen". Daß der Sopran bei der Wiederholung des Chors "Herrscher des Himmels" für einige Takte das Tempo verschleppte, war für die Maßstäbe dieses Abends schon ungewöhnlich.
"Für das Geld hätte ich mir lieber eine CD kaufen sollen", murrte ein Zuhörer nach dem Konzert in der Dreikönigskirche. Gesehen hat er von den Künstlern rein gar nichts. Die spielten oben auf der Nordempore, er saß genau darunter und hatte 20 Mark für die Karte bezahlt. Sein Unmut ist verständlich, doch sollte ihm das Live-Erlebnis allemal mehr wert sein als eine Tonkonserve. ECKART BAIER
DORNBUSCH. Es gibt Leute, die wollen Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium kurz vor Jahresende nicht missen und pilgern zu einer Aufführung; Gelegenheiten dafür gibt es genug. So auch in der evangelischen Dornbuschkirche, wo Chor und Orchester der Gesellschaft der Musikfreunde Bad Soden unter Leitung von Lothar Lämmer musizierten.
Es ist schon etwas Wahres dran: Wenn Trompeten und Flöten den Eingangschor "Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage" intonieren, dann wird es einem richtig feierlich ums Herz. Allerdings müssen gute Bläser her, sonst kommt keine Freude auf. Lothar Lämmer hatte glücklicherweise Profis vom Frankfurter Museumsorchester engagiert. Die Trompeter brillierten gleich zu Beginn in Bachs Suite Nr. 3 D-Dur. Das Werk mit dem berühmten zweiten Satz, das "Air", eignet sich wegen seiner Tonart und dem feierlichen Charakter eigentlich gut als Ouvertüre zum Weihnachtsoratorium. Der Abend wird allerdings lang. Auf gepolsterten Stühlen sind über zwei Stunden Musik erträglich, auf harten Kirchenbänken machte die letzte halbe Stunde aber keinen Spaß mehr.
Das Weihnachtsoratorium besteht aus sechs Kantaten. Bach griff dabei in weiten Teilen auf von ihm bereits komponierte weltliche Kantaten zurück, unterlegte neue Texte und fügte Rezitative und Choräle ein. Selten werden alle sechs Kantaten im Konzert hintereinander gespielt. Leider hat es sich fast schon eingebürgert, nur die drei ersten aufzuführen. So auch in der Kirche am Dornbusch.
Lämmer dirigierte den Eingangschor in straffem Tempo. Sein Chor wollte die Sache offenbar gemächlicher angehen. Er brauchte einige Takte Anlaufzeit, um dem Orchester zu folgen. Dann allerdings sangen die Bad Sodener Musifreunde frisch und schwungvoll. Vieles hätte zwar gewaltiger klingen können, wie etwa der Eingangschor der zweiten Kantate, dafür fehlt es dem Chor aber wohl an stimmlichem und personellem Umfang. Bis auf den Chor "Ehre sei Gott", in dem es kurzzeitig drunter und drüber ging, gab's aber nur wenig zu bemängeln.
Im Gegensatz zu Chören und Solo- Arien dirigierte der Kantor der Dornbuschgemeinde die Choräle ruhig und breit. Sein Konzept ging meistens auf. In der Arie "Frohe Hirten, eilt" kam Tenor Achim Kleinlein aber gehörig in Schwierigkeiten: Die Koloraturen waren bei diesem Tempo kaum mehr zu singen. Und auch der "Hirtensinfonie" fehlte einfach die Ruhe.
Das Streichorchester bot eine respektable Leistung. Schon in der Orchestersuite wurde solide und intonationssicher musiziert, freilich mangelte es häufig an offensivem, mutigem Spiel. Zwei Trompeten spielten 30 Streicher glatt an die Wand. Dabei leistete der Konzertmeister am ersten Pult der Violinen noch die meiste Arbeit. Wie gut er spielte, konnte das Publikum in der Arie "Schließe, mein Herze" bewundern: Dort war er Solopartner von Altistin Hiroko Machimura.
Lothar Lämmers Wahl der Gesangssolisten überzeugte nicht restlos. Tenor Achim Kleinlein war ein glänzender Evangelist, und auch Altistin Hiroko Machimura, wenngleich eher Mezzo-Sopranistin, machte ihre Sache gut. Auch gegen Sopranistin Kyoko Kano war wenig einzuwenden. Bassist Michael Kreikenbaum aber deckte durch übermäßiges Vibrato viele Details seiner Partien zu. Und im Duett "Herr, dein Mitleid" paßte seine Stimme nicht zum hellen, knabenhaft timbrierten Sopran Kyoko Kanos. Von ihr war wenig zu hören.
Johann Sebastian Bach hatte im Jahr 1734 wohl keine gute Sopranistin zur Hand. In den ersten drei Kantaten ist keine einzige Arie für Solo-Sopran vorgesehen - dafür drei für die Altstimme. Ziemlich unfair. Kurzerhand schmuggelten die Musiker in der Dornbuschkirche die berühmte "Echo-Arie" aus der Kantate Nr. 4 in die dritte, um Kyoko Kano auch ihren solistischen Auftritt zu geben.
Gern hätte man im Programm die Namen der Bläsersolisten gelesen. Was sie an diesem Abend leisteten, war von höchster Güte - und es lag nicht zuletzt an ihnen, daß das Konzert im Gedächtnis bleibt. ECKART BAIER
PREUNGESHEIM. Yumiko Samejima hatte in der Festeburgkirche ein Heimspiel. Knapp die Hälfte der Besucher beim Liederabend in der evangelischen Kirche An der Wolfsweide waren Landsleute der japanischen Sopranistin. Kein Wunder: Im Fernen Osten gilt sie als "populärste Klassik-Sängerin" (so stand's im Programmheft). Und am Klavier saß ein noch bekannterer Vetreter seiner Zunft: Helmut Deutsch. Das Konzert versprach viel und hielt (beinahe) alles.
Das Programm trug der deutsch-japanischen Koproduktion Rechnung. Neben Liedern von Wolfgang Amadeus Mozart, Robert Schumann und Antonin Dvorak musizierten die beiden Künstler sechs Stücke japanischer Komponisten. Nur zwei davon besaßen einen eigenen, "fernöstlichen" Charakter, die anderen klangen eher wie europäische, ein wenig impressionistisch angehauchte Spätromantik. I
hr beachtliches Temperament offenbarte Yumiko Samejima bereits in den Mozart-Liedern, obwohl dort, verglichen mit Dvoraks Zigeunermelodie, eher Zurückhaltung angesagt ist. Wo Pathos verlangt war, etwa im "Lied der Trennung", trumpfte die Sopranistin mit beinahe opernhafter Attitüde auf, das Goethe-Lied "Das Veilchen" sang sie dagegen schlicht und zurückhaltend.
Noch besser kam das Temperament der Sängerin aus dem Land der aufgehenden Sonne in den romantischen Liedern zur Geltung. In Robert Schumanns Liederzyklus "Frauenliebe und -leben" nach Texten von Adalbert von Chamisso begeisterten vor allem "Er, der Herrlichste von allen" und das unruhig drängende "An meinem Herzen, an meiner Brust".
Nicht restlos konnte die Intonation der Sängerin zufriedenstellen. In hoher Stimmlage - etwa bei den Einsatztönen von "Süßer Freund, du blickest" - blieb sie oft eine Spur unter der geforderten Tonhöhe. Auch Dvoraks Zigeunermelodie litt an manchen Stellen unter scharfen Reibungen mit der Klavierbegleitung.
Bei ihrem Partner Helmut Deutsch konnte sich die Sopranistin bedanken. Er bügelte einige Unebenheiten durch sein aufmerksames, souveränes Spiel aus. Von gegenseitigem Blickkontakt hielt Yumiko Samejima nämlich nichts - oder glaubte ihn nicht nötig zu haben. Nur das Publikum, das behielt sie fest im Auge. Bei Liedern mit häufigen Tempoänderungen, so in Schumanns "Ich kann's nicht fassen", ist visueller Kontakt zwischen den Musikern eine hilfreiche Stütze.
Daß es zu keinem größeren Malheur kam, lag vor allem am Mann am Klavier. Bei den Mozart- und Schumann-Liedern übte sich Helmut Deutsch noch in Zurückhaltung, bei Dvoraks Zigeunermelodie forderte der Pianist aber sein Recht. Gleich beim ersten Stück "Mein Lied ertönt, ein Liebespsalm" trumpfte nicht nur die Sängerin, sondern auch ihr Partner am Flügel mit donnernden Kaskaden auf. Und in "Reingestimmt die Saiten!" spornten sich beide zu beinahe musikantischem Überschwang an.
Als Zugaben hielten die Künstler, neben einem Brahms-Lied, noch zwei Stükke mit Wiener Charme parat. Als Extra- Bonbon für ihre Fans sang Yumiko Samejima die zweite Strophe des Ohrwurms "Wien, du Stadt meiner Träume" auf Japanisch. ECKART BAIER
Tanja Hofmann sorgte schon einmal für Schlagzeilen. Damals dachte sie noch gar nicht daran, einmal einen Tischtennisschläger in die Hand zu nehmen. Es ist gut zweieinhalb Jahre her, da war die heute zwölfjährige Walldorferin der Star in der E2 des Oberliga-Vereins SV Rot- Weiß Walldorf. Nicht, weil sie ein Mädchen war. Sondern weil sie ihre gleichaltrigen männlichen Sportskollegen locker in die Tasche steckte. In Sachen Trainingsfleiß, aber auch auf dem Feld im Zweikampf Frau gegen Mann. "Tanja Hofmann ist die Nummer eins in der E2", lobte ein vereinsinternes Mitteilungsblatt. Das Mädchen glänzte vorne wie auch im Tor gleichermaßen. Unterkriegen ließ sie sich von den Jungen nicht. "Die Tanja hat auch schon mal zurückgetreten", sagte Peter Schulmeyer, der die Mannschaft mitbetreute, damals. Trainer Franz Quintus wollte sein Talent gar ins Leistungszentrum schicken, doch das wollte die Familie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Heute, zweieinhalb Jahre später, trainiert die Siebtkläßlerin an der Bertha- von-Suttner-Gesamtschule in Mörfelden- Walldorf viermal in der Woche im Leistungszentrum. Aber nicht im Fußball, sondern im Tischtennis. Seit zwei Jahren erlebt das junge Mädchen in dieser Sportart einen Höhenflug, der an Tempo kaum zu überbieten und dessen Ende nicht absehbar ist. Begonnen hat alles 1990, als Tanja an den Mini-Meisterschaften teilnahm und in Walldorf den zweiten Platz belegte.
Beim Kreis-, Bezirks- und Hessenentscheid langte es für Rang eins, im Bundesfinale belegte die Walldorferin Rang fünf. Schnell wurde das Umfeld in der Tischtennis-Abteilung von Rot-Weiß Walldorf zu dünn, es fehlte an gleichrangigen Partnerinnen. Tanja Hofmann wechselte zum Tischtennis-Club (TTC) Mörfelden, einem Verein, der einschlägige Bundesliga-Erfahrungen hat, vor einiger Zeit aber abgesunken ist und sich nun in der Hessenliga etabliert hat. Erste Erfolge stellten sich bald ein: In der Bezirksrangliste holte die B-Schülerin 1991 Platz eins, in Hessen Rang zwei und in der Südwestrangliste wiederum Platz eins! Außerdem verewigte sich die Zwölfjährige als Vize- Hessenmeisterin 1992 sogar als Südwestdeutsche Meisterin. Im gleichen Jahr wiederholte sie die Erfolge in der Hessen- und Südwestrangliste, erreichte in der Deutschen Bundesrangliste Platz acht und in der hessischen Rangliste unter den Jugendlichen schon jetzt Platz sechs, obwohl sie erst in zwei Jahren in dieser Klasse starten muß.
Daß der Sport Tanja Hofman im Blut liegen muß, scheint klar. Doch woher kommt dies? "Als sie klein war, so mit zwei Jahren, hat sie immer mit der Uroma im Bett gesessen und stundenlang mit Luftballons gespielt. Vielleicht hat dies die Grundlage gelegt . . .", orakelt die Mutter heute. Renate Hofmann hat jetzt den Schwarzen Peter. Viermal in der Woche, von Montag bis Donnerstag, darf sie ihre sportliche Tochter nun nach Frankfurt ins Leistungszentrum kutschieren, wo das Talent unter der Regie von Verbandstrainer Jürgen Lieder die richtige Technik erlernt. Der wacht übrigens auch darüber, daß sein Schützling nicht zuviele Turniere spielt. "Denn bei den Spielen verlernt man die Technik, die man sich im Training so mühsam erarbeitet hat", weiß Tanja Hofmann. Trotzdem ist die Schülerin so gut wie jedes Wochenende unterwegs. Bei all der Tingelei Woche für Woche bleibt nicht viel Zeit für Privates, für Freunde. "Wenn ich von der Schule heimkomme, habe ich noch zwei Stunden, bis ich ins Training muß. Sich da mit jemandem zu verabreden, das bringt's auch nicht", sagt Tanja Hofmann. Und so sehen ihre nicht-sportbezogenen Freizeitbeschäftigungen auch ganz so aus, wie es die technische Ausrüstung der Kinderzimmer zuläßt: Fernsehen oder Computerspielen.
Die Fußball-Karriere hat die ehemalige Torfrau schon vor zwei Jahren beendet, damals spielte sie in der D1. Der Kontakt zu der damaligen Clique ist völlig abgebrochen. "Schade eigentlich, denn wir waren immer ein toller Haufen", erinnert sich die Mutter. Langsam wächst aber auch der Bekanntenkreis im Tischtennis. Anderen Talenten geht es ja ähnlich wie Tanja, da ergibt sich automatisch Gesprächsstoff. Und die Eltern lernen sich allmählich auskennen in der zunächst ungewohnten Tischtenniswelt. Tanjas Ziel? Zögernd rückt sie damit heraus: "Mal gucken, was dabei rauskommt, aber ein Erfolg auf Bundesebene, das wär' schon was." Was die Fahrten natürlich nicht kürzer machen wird. Aber solange die Noten in der Schule so sind, wie sie sind, nämlich mittelmäßig, eben so, daß man sich keine Gedanken machen muß, kann Tanja Hofmann im Leistungszentrum weiter an ihrem Ziel arbeiten. "Wenn's aber mal schlechter werden sollte, wird am Sport gekürzt", läßt Renate Hofmann keinen Zweifel.
ANDREAS RIPPL
FRANKFURT-WEST. "Die Brotfabrik muß erhalten bleiben." Das fordern die Grünen in einem Antrag, über den in der nächsten Sitzung des Ortsbeirates 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) abgestimmt wird. Die Brotfabrik sei der einzige Ort im Bezirk, der größere Kulturveranstaltungen gestatte.
Außerdem stehen am kommenden Dienstag, 19. Januar, ab 19.30 Uhr im großen Saal der katholischen Christ-König- Gemeinde, Damaschkeanger 157 (Praunheim / Westhausen) vor allem Themen zur Jugendpolitik auf der Tagesordnung des Stadtteilparlaments.
So verlangt die SPD, sowohl in der Siedlung Westhausen als auch im Praunheimer Ortskern Jugendtreffs einzurichten. Weiterhin fordern die Sozialdemokraten den Magistrat auf, über die Schulbezirksgrenzen in Westhausen nachzudenken, sie teilten das Gebiet in zwei Hälften und rissen die Kinder "aus ihren Sozialgemeinschaften" heraus.
Schließlich werden sich die Stadtteilpolitiker in der ersten Sitzung des neuen Jahres noch einmal mit den beiden Tempo-30-Zonen in Rödelheim und in Praunheim befassen: Die in der vergangenen Sitzung vorgeschlagenen Nachbesserungen sollen beschlossen werden. ak
NIEDER-ESCHBACH. Bereits seit Oktober 1991 ist die Stelle eines damals in den Ruhestand versetzten Sozialarbeiters in der Sozialstation Nordweststadt, der sich besonders um die Probleme in Teilen der Siedlung Am Bügel kümmerte, vakant. Grund dafür ist die von der Stadt beschlossene Wiederbesetzungssperre im sozialen Bereich.
Die SPD-Fraktion im Ortsbeirat 15 (Nieder-Eschbach) fordert deshalb, daß die Stelle umgehend neu besetzt wird. Als Begründung liegt dem Antrag ein Schreiben des Arbeitskreises Bügel bei, in dem auf die besondere Notwendigkeit dieser Stelle hingewiesen wird.
Diskutiert wird der Antrag neben anderen auf der ersten Sitzung des Gremiums in diesem Jahr am Mittwoch, 20. Januar, 19.30 Uhr, im Kirchlichen Nachbarschaftszentrum der evangelischen Gemeinde Am Bügel, Ben-Gurion-Ring 39.
Weitere Themen der Sitzung sind die Satzung zur Änderung der Abfallgebühren, die Einrichtung einer Vorschulklasse an der Michael-Grzimek-Schule, der Neubau einer Turnhalle auf dem Gelände der Otto-Hahn-Schule und schließlich bauliche Maßnahmen an der Nieder-Eschbacher Gesamtschule. jot
GRIESHEIM. Der Ortsbeirat 6 zieht jetzt die Konsequenz aus den anhaltenden Protesten der Anwohner gegen die Ende Oktober des Vorjahres eingerichtete erste Tempo-30-Zone in Griesheim.
In seiner Sitzung am Dienstag, 19. Januar, 17 Uhr, im Höchster Bolongaropalast wird das Stadtteilparlament die Rücknahme des Zweirichtungsverkehrs beschließen, um so das beidseitige Parken zu ermöglichen, wie Thomas Schlimme (Grüne) der Stadtteil-Rundschau erklärte. Mit der Umsetzung des Beschlusses rechnet er "in absehbarer Zeit".
Die Änderungen: In der Hartmannsweiler-, Link- und Fabriciusstraße wird der Zweirichtungsverkehr aufgehoben und die frühere Einbahnstraßenregelung wieder eingeführt. Gleichzeitig wird auch das Parken zu beiden Fahrbahnseiten erlaubt. Ebenfalls zu Einbahnstraßen werden die Straßen Am Weidenbaum und Am Wingertsgrund erklärt, um auch hier das beidseitige Parken zu legalisieren.
Beibehalten werden dagegen neben der Tempobegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde auch die sogenannten "Stellvertreter", die das Freihalten der Kreuzungsbereiche sicherstellen sollen. Letztlich gescheitert ist der Ortsbeirat in seinem Bemühen um eine Verkehrsberuhigung im Stadtteil an der damit verbundenen Verknappung des Parkraumes, gegen die Anwohner zuletzt in einer Anhörung im Dezember lautstark protestiert hatten (wir berichteten). "Der Widerstand ist so groß", zog Schlimme das Fazit, "das Konzept ist so nicht durchzuziehen." joh
HÖCHST. Im Jugendzentrum können Mädchen und Frauen jetzt Techniken erlernen, um sich im Notfall selbst gegen Angriffe und alltägliche Belästigungen zu verteidigen. Im Kursus werden sprachliche und körperliche Tricks vermittelt. Fitneß ist keine Voraussetzung, um daran teilzunehmen.
Der Unterricht beginnt am 16. Februar. Bis zum 6. April treffen sich die Mädchen und Frauen dann jeweils dienstags von 9.30 bis 11.30 Uhr im Jugendzentrum, Palleskestraße 2. Die Teilnehmerinnen müssen für den Kursus 50 Mark Gebühr bezahlen.
Anmeldungen nimmt das Jugendhaus unter der Telefonnummer 31 06 / 56 72 entgegen. tos
FRIEDRICHSDORF. Arien aus Opern von Mozart, Kunstlieder von Mussorgski und italienische Arien aus dem 16. Jahrhundert sind beim Gesprächskonzert am Sonntag, 31. Januar, 19 Uhr, im Rathaussaal Friedrichsdorf zu hören. Helga Hasik (Sopran) singt und wird am Flügel begleitet von Friedrich Haller. Hella Deetjen von der Kaiserin-Friedrich-Schule in Bad Homburg führt durch das Programm.
KÖNIGSTEIN. Zwölf Papageno-Variationen von Ludwig van Beethoven können die Zuhörer beim 90. Meisterkonzert im Luxemburger Schloß am Freitag, 22. Januar, 20 Uhr, unter anderem hören. Solisten des Abend sind Daniel Veis (Violoncello) und Helena Veisova (Klavier) aus Prag. Das Paar hat bereits vor zwei Jahren mit großem Erfolg in Königstein gastiert. Außer der Beethoven-Musik spielt das Paar die Sonate e-Moll (op. 38) von Johannes Brahms, die Sonate Nr. 2 von B. Martinu und die Sonate c-Moll (op. 32) von Saint-Saëns. Karten für das Konzert gibt es im Kurbüro (Fußgängerzone Hauptstraße), Tel. 0 61 74 / 202 - 251. s
FRANKFURT-NORD. Es ist gerade zwei Monate her, daß die Haltestelle der Buslinie 34 im Marbachweg um weniger als hundert Meter in die Höhe des Sozialzentrums verlegt wurde, um den Senioren der Einrichtung das leichtere Einsteigen zu ermöglichen. Doch bei vielen Bürgern stößt diese Maßnahme des FVV auf Widerstand. Sie wollen, wie aus einer Unterschriftenliste hervorgeht, die Haltestelle an der Einmündung Eckenheimer Landstraße wieder zurückhaben.
Ein entsprechender Antrag der CDU- Fraktion wird auf der ersten Sitzung des Ortsbeirates 10 (Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Frankfurter Berg, Preungesheim) am Dienstag, 19. Januar, 19.30 Uhr, im Saal der katholischen Kirchengemeinde Sankt Bonifatius, Oberer Kalbacher Weg 7, diskutiert.
Seit es in der Engelthaler Straße Tempo 30 gibt, hat sich an der für Fußgänger gefährlichen Situation nichts verändert, meint die CDU. Autofahrer hielten sich nicht an die Geschwindigkeitsbeschränkung. Die Union fordert deshalb die Anbringung von Tempo-30-Markierungen, verstärkte Radarmessungen und eine optische Verengung der Straße.
Weitere wichtige Themen der Ortsbeiratssitzung sind: Sitzbänke (sie wurden bei Bauarbeiten entfernt) für die Siedlung "Am Burghof" in Bonames, die unzumutbare Gehwegsituation in Preungesheim und Altglas-Sammelcontainer in Eckenheim. jot
FRANKFURT-WEST. Organisierter Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit in Frankfurt - das ist eines der Themen, mit dem sich auf Verlangen der Grünen der Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) in seiner Sitzung am Montag, 18. Januar, beschäftigen wird. Beginn im Bürgertreff Bockenheim, Schwälmer Straße 28 (Feuerwache), ist um 19 Uhr.
Ein weiterer Punkt auf der Tagesordnung ist der kürzlich begonnene Neubau der griechisch-orthodoxen Kirche im Grüneburgpark. Die FDP fragt die Stadtregierung, wieso eine Genehmigung für das Vorhaben erteilt werden konnte, obwohl Parkbäume und das alte, nun abgerissene Gebäude unter Natur-, beziehungsweise Denkmalschutz standen.
Außerdem werden sich die Stadtteilpolitiker mit zahlreichen Verkehrsthemen befassen: So will die SPD schweren Lastern die Fahrt durch einen Abschnitt der Falkstraße untersagen, die Grünen fordern Nachbesserungen für die Tempo-30- Zone Bockenheim-Mitte. In einem gemeinsamen Antrag wünschen die beiden Fraktionen eine Linksabbiegerspur an der Kreuzung Hansa- / Miquelallee für Autos, die vom Norden kommend die Hansaallee befahren. ak
HANAU. Die Stadt Hanau wird ihre im Rahmen des Dualen Systems anfallenden Papier- und Pappabfälle im Sammelzentrum des Kreises in Nidderau-Heldenbergen weiterbearbeiten lassen. Der Hanauer Magistrat beschloß den Abschluß eines entsprechenden Vertrags mit dem Main- Kinzig-Kreis. Er sieht vor, daß die Stadt 90 Mark pro Tonne dieser Wertstoffe zahlen soll.
"Wir wollen lieber den Kreis statt eine Privatfirma unterstützen", erklärt Abfalldezernent Norbert Kress diesen Schritt. Zu den Leistungen des Kreises für diesen Preis gehören laut Vertrag das Sortieren, Bereitstellen und Verladen von Papier oder Pappe im Rahmen des Dualen Systems. Die Stadt Hanau muß die Wertstoffe jedoch in Nidderau-Heldenbergen abliefern. Eine Erhöhung der ausgehandelten Gebühr für die Stadt Hanau ist laut der Vereinbarung frühestens nach eineinhalb Jahren möglich, jedoch nur unter der Bedingung, daß sie auf die Gesellschaft Duales System Deutschland abgewälzt werden kann. res
SACHSENHAUSEN. "Wir können noch keine Aussage machen, wie wir sparen werden. Beim Nachtragshaushalt in diesem Jahr werden wir jeden einzelnen Posten überprüfen." Isa Petersohn, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Römer, machte den Sachsenhäuser SPD- Senioren bei deren monatlichem Treffen klar, wie es um den Etat der Stadt bestellt ist: Jede Mark muß umgedreht werden. "Es wird ein hartes Geschäft, wenn wir den Haushalt zurückfahren werden." Betroffen sei davon auch der Sozialbereich. "Einsparungen in diesem Bereich werden sich nicht vermeiden lassen", gab Isa Petersohn offen zu.
Mit 87 Millionen Mark Mindereinnahmen ist für 1992 zu rechnen. Da sich der neue Etat aus den Einnahmen des Vorjahres errechne, fehle dieser Betrag im aktuellen Haushalt: "Das bedeutet, daß 1993 nicht nur an Personal gespart wird", sagte Petersohn, obwohl die Personalkosten mit mehr als einer Milliarde Mark bei dem Gesamtetat von vier Milliarden den größten Einzelposten ausmacht.
"Das Sparen in den Dezernaten wird den größten Heckmeck geben. Wenn es um Abstriche geht, ist sich jeder Dezernent der nächste", prophezeite Isa Petersohn. "Wenn wir sparen, wollen wir auch unsere eigenen Akzente setzen, weil wir bestimmte Schwerpunkte schaffen wollen." Daß Errungenschaften wie der "Frankfurt-Paß" erhalten bleiben, vielleicht sogar noch ausgebaut werden, dafür setze sie sich ein. Auf die Frage, wie es mit den Einsparungen im Bereich Kultur stehe, erklärte Petersohn: "Die Kultur kostet nicht nur, sie bringt auch etwas ein. Große Ausstellungen bringen Millionen von Besuchern, was die Kultur zu einem Wirtschaftsfaktor macht."
Insgesamt keine guten Nachrichten für die SPD-Senioren. Denn gerade die Älteren sind von den Einsparungen im Sozialbudget betroffen. Ihnen geht es aber auch um die "kleineren" Angelegenheiten in den Stadtteilen. "Da gibt es einige Haltestellen, die man zusammenlegen sollte, zum Beispiel in der Mannheimer Straße" - ein einstimmiger Vorschlag. Oder die fehlenden Anschlüsse an die S-Bahn und die viel zu hohen Treppen in den Bussen: "Ob man da nicht die tiefliegenden Busse einsetzen könnte?"
Isa Petersohn machte sich zu den Vorschlägen Notizen. Doch nicht nur wenn es um Verbesserungsvorschläge geht, sind die Senioren wichtig: "Die Senioren sind eine wichtige Stütze für die SPD", sagte sie, und auch die Ortsvereinssitzungen sähen "ohne Senioren ein bißchen mager aus." eid
bbb SYDNEY, 18. Januar. Ein massiver Aufklärungsfeldzug im Fernsehen, Rundfunk und in Zeitungen, der die vielverbreitete Diskriminierung von Aids-Kranken abbauen soll, ist am Montag in Australien angelaufen. Umgerechnet 2,2 Millionen Mark läßt sich die Regierung die Kampagne kosten, die sie als eine "Weltpremiere" ansieht. Denn nicht professionelle Schauspieler sind die "Stars" der Anzeigen, sondern Aids-Träger und -Patienten in ihrer normalen Lebensumwelt mit Familie, Freunden und Kollegen.
Die Regierung will mit der Kampagne die Angst vor den Aids-Infizierten beseitigen, die zu einer weitverbreiteten Isolierung der von dem Virus befallenen Menschen geführt hat. Jeder fünfte Australier lehnt es nach einer Regierungsumfrage ab, mit ihnen Umgang zu haben. Diese Situation gefährdet aber die Gesundheitsfürsorge. Don Grimes, Mitglied des Nationalen Aids-Rates: "Die Furcht vor Diskriminierung ist einer der Gründe, warum die Menschen sich nicht auf Aids testen lassen und die Möglichkeit, sich mit Aids infizert zu haben, ignorieren."
Einer dieser Leute ist Tony Garden, 31 Jahre alt, seit drei Jahren aidskrank. Nun kommt er jeden Abend auf den TV-Schirmen in fast jedes australische Heim und berichtet: "Ich erhielt sogar Todesdrohungen, und ein Arzt, der aufgrund eines Notrufs in mein Haus kam, wollte mich nicht behandeln, als er erfuhr, daß ich Aids habe."
Nordrhein-Westfalen Selbst wer, wie Michael Vesper, jahrelang als parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Bundestag oder jetzt in gleicher Funktion im Düsseldorfer Landtag alle Niederungen der parteipolitischen Ränkespiele durchwaten mußte, dem verschlägt es manchmal noch den Atem angesichts der Frechheit mancher Politiker. Wie hatte doch Ende vorigen Jahres der Düsseldorfer FDP-Fraktionsvorsitzende Achim Rohde gegen Wissenschaftsministerin Anke Brunn gewettert, die (fälschlicherweise) in den Verdacht geraten war, ihren Ehemann bei der Ausstattung von dessen Lehrstuhl gesponsert zu haben. Wie hatte Rohde sich moralisch entrüstet, als im Untersuchungsausschuß des Düsseldorfer Landtags dieser oder jener Regierungs-Zeuge Anlaß zum Argwohn gab, mit der ganzen, lauteren Wahrheit nicht sofort herauszurücken!
Daß der gleiche Rohde seinen über der "Briefbogenaffäre" gestürzten Landesvorsitzenden Möllemann bis zuletzt mit Klauen und Zähnen verteidigte, von dessen Lügereien nichts wissen wollte, die Werbebriefe für die angeheiratete Vettern-Firma als "geradezu vorbildlich" hinstellte, das raubte Vesper denn doch fast den Atem. In einem offenen Brief zieh er den "lieben Herrn Rohde" eines "prinzipienlosen politischen Opportunismus, der Fehlverhalten je nach Parteizugehörigkeit mal negativ, mal positiv bewertet".
Mit solch verbalem Bollerschlag traf Vesper allerdings voll daneben. Von Rohde stammt nämlich die kürzeste Definition all derer, die unter dem Kürzel FDP so oder so Karriere zu machen trachten: Die FDP sei "die Wirtschaftspartei", hatte Rohde vor Jahren schon seine Partei abgegrenzt. Vespers Verlangen an Rohde, bei Möllemann "die gleichen Maßstäbe anzulegen", mit denen er Düsseldorfer SPD-Minister mißt, kann deshalb höchstens als politische Blauäugigkeit eines Grünen durchgehen. So gesehen ist es nur logisch, daß Achim Rohde auf den Brief bislang keine Antwort gab. vs
BORNHEIM. Was hat Spanien mit Kolumbus zu tun? Das haben sich spanische Kinder gefragt und zu dem Thema Bilder gemalt und Texte geschrieben. Ihre Werke sind nun in der Zentralen Kinder- und Jugendbibliothek zu sehen: Die Ausstellung in der Arnsburger Straße 24 (Bornheim) beginnt am Dienstag, 19. Januar, und ist bis Samstag, 30. Januar, zu sehen.
Offiziell eröffnet wird die Schau am Freitag, 22. Januar. Vor allem Kinder ab fünf Jahren sind eingeladen, sich von den spanischen Jungen und Mädchen über deren Heimatland, über Sitten und Bräuche informieren zu lassen. Außerdem werden spanische Tänze vorgetragen und spanische Gerichte serviert. Für die Veranstaltung, die um 15 Uhr beginnt, ist eine Anmeldung (Telefon: 21 23 36 31) erforderlich. Ansonsten sind die Öffnungszeiten der Bibliothek dienstags bis freitags von 13 bis 19 Uhr und am Samstag von 10 bis 13 Uhr. ak
KÖNIGSTEIN. Wer samstags in der Königsteiner Innenstadt nach einem Stellplatz für sein Auto sucht, zieht oft vergeblich seine Kreise vom Parkplatz Stadtmitte bis zum Burgweg, immer wieder. Einige ergattern nach der x-ten Runde endlich die ersehnte Parklücke, andere stellen ihr Vehikel entnervt im Halteverbot ab und riskieren einen Strafzettel. Das ärgert sowohl die Fußgänger als auch viele Anwohner der Altstadt. Zwar werden auf dem Gelände des ehemaligen Minigolfplatzes derzeit 58 Stellplätze geschaffen, doch auch sie werden die Automassen nicht fassen können.
Nach dem Gesamtverkehrsplan des Magistrats soll die geplante Tiefgarage mit 290 öffentlichen und 100 privaten Stellplätzen das Verkehrsproblem lösen. Die Zufahrt wird über die Le-Cannet-Rocheville-Straße erfolgen. "Damit die Innenstadt nicht zusätzlich belastet wird", begründet Erster Stadtrat Klaus Dehler im vierten Teil der städtischen Serie zum Gesamtverkehrsplan Königstein. Ist die unterirdische Garage fertig, soll der jetzige Parkplatz Stadtmitte verschwinden und zu einem "schmucken Treffpunkt für die Bürger" ausgebaut werden. Die geschätzen Baukosten in Höhe von 15 Millionen Mark kann die Stadt jedoch selbst nicht aufbringen. Für die Bebauung der Konrad-Adenauer-Anlage nach den Vorgaben des ausgeschriebenen Ideenwettbewerbs will der Magistrat deshalb städtisches Gelände an der Klosterstraße und Adelheidstraße verkaufen.
Mit der Einweihung der Tiefgarage wird auch der Parkplatz am ehemaligen Minigolfgelände wieder verschwinden. Eine weitere Tiefgarage mit altengerechten Wohnungen darüber ist laut Gesamtverkehrsplan auf dem Areal des ehemaligen Milchhofes vorgesehen. Dort gibt es schon seit 20 Jahren einen provisorischen Parkplatz. "Ein untragbarer Zustand", wie Bürgermeister Bertram Huke meint. Verbessert werden soll auch die Parkplatzsituation am Bahnhof. Hier gibt es bislang zwei Alternativen für eine Park- and-ride-Anlage: Am Ladegleis zwischen Bahnstraße und Heuholweg sowie auf dem Gelände des Busdepots der Frankfurt-Königsteiner Eisenbahn.
In einer Bürgerversammlung am Montag, 25. Januar, will der Magistrat über das neue Verkehrskonzept diskutieren. Beginn ist um 20 Uhr im katholischen Gemeindezentrum an der Georg-Pingler- Straße. ki
HARHEIM. Der geplante Neubau von etwa 700 Wohnungen führt schon seit Monaten zu heftigen Diskussionen im kleinen Stadtteil Harheim. Auf der Sitzung des zuständigen Ortsbeirats 14 am Montag, 18. Januar, stellt die CDU-Fraktion deshalb gleich vier Anträge zu den vorliegenden Bebauungsplänen für Harheim-Nord und Harheim-Südwest. Die Stadtteilpolitiker tagen ab 20 Uhr im Bürgerhaus Harheim, In den Schafgärten 21.
Der Magistrat soll unter anderem beauftragt werden, ein Klimagutachten anfertigen zu lassen. Die Konservativen befürchten eine Behinderung der Kaltluftzufuhr aus dem Taunus.
Im Rahmen der Erschließung der Neubegebiete regt die CDU weiterhin an, eine neue Zufahrtsmöglichkeit in das Harheimer Gewerbegebiet einzurichten. Bisher fahren die Autos über die Philipp- Schnell-Straße ins Gewerbegebiet, was "für die Anlieger äußerst störend und belästigend ist", heißt es in dem Antrag.
Die SPD will die Spitzenstraße und die Maßbornstraße als Tempo-30-Zone ausweisen. Das geht aus einem Antrag der Sozialdemokraten hervor. tin
Nicht jeder Laternenpfahl kriegt 'nen Kandidatenkopf Für Wahlhelfer der Parteien beginnt die heiße Phase Von Thomas Stillbauer HOCHTAUNUSKREIS. Die Zeit bis zur Kommunalwahl läuft ab - keine sieben Wochen bleiben Unentschlossenen mehr für die Überlegung, welcher Partei sie ihre Stimme geben wollen. Während die Wähler den 7. März mit Spannung erwarten, läuft bei den Parteien der Endspurt. Für die letzte Strecke brauchen sie Mann und Maus. Die "Basis" ist gefordert. Plakate kleben, Flugblätter verteilen, Informationsstände aufbauen: Vor jeder Wahl aufs Neue starten die Kandidaten ihren Werbefeldzug, und die Methoden gleichen sich. Dabei herrscht Einigkeit darüber, daß solcherlei Parteien-Marketing kaum noch einen Wähler in seiner Entscheidung beeinflussen kann. Im wesentlichen gehe es darum, die Stammklientel an sich zu erinnern, sagt etwa der Bad Homburger SPD-Chef Udo Fröhlich: "Wenn wir nicht plakatieren, fragen uns die Leute: Seid ihr nicht mehr da?"
Was die Zahl der Wahlhelferinnen und -helfer betrifft, ziehen die beiden großen Parteien in der Kurstadt mit beinahe gleich starken Mannschaften ins Rennen. 80 bis 100 Leute werden für die SPD auf die Straße gehen. Für die CDU, schätzt deren Vorsitzender Bernd Hamer, sind es 80 bis 90 Helfer. Gegen diese Helferscharen kommen die kleineren Parteien und Gruppierungen rein zahlenmäßig nicht an. Die FR beschränkte sich deshalb auf SPD und CDU mit der Frage: Was haben die Freiwilligen zu tun?
Sie sollen mit möglichst vielen Menschen sprechen. Ob an Info-Ständen oder beim "Klinkenputzen" an den Haustüren: Der persönliche Kontakt wird groß geschrieben. Dagegen bemühen sich die Parteien nach eigenen Angaben, die "Materialschlacht" zu reduzieren. Eine Flut von Werbezetteln wie vor Jahren soll es nicht mehr geben. "Damit ist keine Wahl zu gewinnen", meint Hamer.
Beim Plakatieren vor Wahlen hält sich Bad Homburg traditionell zurück. Diesmal werden an 36 Stellen im Stadtgebiet große Tafeln aufgestellt, die sich die Parteien brüderlich teilen. Erst ab 6. Februar sollen dort vier Wochen lang die bunten DIN-A-3-Poster prangen. Ansonsten gibt es keine Plakatständer.
Zurückhaltung haben sich auch die Parteien in Friedrichsdorf auferlegt. Hauptsächlich würden auch hier die Plakatwände der Stadt benutzt, erklärt CDU- Chef Hans-Wilhelm von Haugwitz. "Wir wollen nicht an jedem Laternenpfahl einen Ständer von jeder Partei." Der Friedrichsdorfer SPD-Vorsitzende Winrich Berndt betont, die Gruppen hätten aus den "Bergen von Altpapier" gelernt, die es früher vor Wahlen gegeben habe.
Wer als Wahlkampfhelfer auf Achse ist, muß auch mit Arbeit am 7. März rechnen. Dann werden in den Wahllokalen Leute gebraucht; etwa zum Stimmenzählen. Allein die Bad Homburger SPD hat dafür 80 Personen benannt. Eigentlich sollten "normale" Bürger diese Aufgabe übernehmen. "Aber ich habe dort in 20 Jahren keinen gesehen, der nicht einer Organisation angehörte", sagt Winrich Berndt.
Auch am Wahlsonntag müssen also die Parteimitglieder 'ran, oft bis nach 22 Uhr. Dafür gibt es zwar eine Aufwandsentschädigung, aber die liegt bei nur etwa 30 Mark. Von der Partei gibt es letztlich auch nicht mehr als ein "Dankeschön": die Wahlparty, wenn alles gelaufen ist.
BORNHEIM. Aus dem Hobby wurde eine Leidenschaft: Vor sechs Jahren entdeckte Ursula Barner ihr Interesse für die Fotografie. Anfänglich benutzte sie die Kamera nur, um Urlaubserlebnisse auf Film zu bannen. Bald aber stellte die heute passionierte Freizeit-Fotografin fest, daß "ich einen geschulten Blick habe". Ohne Umschweife fixiert sie das Wesentliche einer scheinbar alltäglichen Situation, arbeitet mit Unschärfen und Schatten, schult ständig ihr Gefühl für Farbkombinationen. Gemeinsam mit ihrem Bekannten Hans-Jürgen Buch präsentiert Ursula Barner bis Ende Januar unter dem Titel "Gegensätze" eine Reihe jüngerer Arbeiten in der Stadtteilbücherei Bornheim (Arnsburger Straße 24).
Sie zeigt in ihren Aufnahmen große Liebe für das Detail. Oft lichtet sie Pflanzen im Großformat ab oder präsentiert einen Ausschnitt einer Gesamtsituation. Sie rückt dem Objekt auf die Pelle. Und gerade diese körperliche Nähe zum Gegenstand erzeugt Spannung, verleitet zum näheren Herantreten. Der Betrachter muß es der Fotografin gleichtun.
Gegensätzlich arbeitet Hans-Jürgen Buch. Der gelernte Graphikdesigner begibt sich mit der Kamera auf die Suche nach Strukturen. Im Vordergrund seiner Landschaftsaufnahmen stehen weder die Farben noch die Stimmung. Sie sind eher Beiwerk des Gesamtkunstwerkes. Viel wichtiger ist dem Designer, geometrisch anmutende Formen herauszuarbeiten. Die unterschiedlichen Grün- und Grautöne liegen eindimensional schimmernd nebeneinander. Buch verzichtet oft auf das Spiel mit Licht und Schatten und vermeidet so eine räumliche Tiefe. Die Landschaft wirkt platt, mit geschliffener Oberfläche, und besteht fast nur noch aus Farbflächen und Linien: Horizont, symmetrisch angelegte Baumreihen, Wiesen und Felder.
Mit dem Foto "Blaues Licht" entfernt sich Ursula Barner ein einziges Mal konsequent vom Fotorealismus. Wie blaue Farbe, die ins dunkle Off überschwappt, wirkt das im gedämpften Licht reflektierte Wasser einer Lagune. Kein Ufer, kein Stein ist auf dem Bild zu entdecken. Lediglich die rhythmische Bewegung der Flüssigkeit läßt ahnen, daß es sich hier um Wasser handeln könnte. Die Phantasie beginnt, Wellen zu schlagen.
Die Ausstellung "Gegensätze" ist bis zum 30. Januar dienstags bis donnerstag von 13 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr in der Stadtteilbücherei (Arnsburger Straße 24) zu sehen. tin
"Neue Tips zur Arthrose der Halswirbel" und "Aktuelle Forschungsergebnisse" sind die Themen des neuesten Ausgabe der Informationszeitschrift "Arthrose- Info", die die Deutsche Arthrose-Hilfe (DAH) vierteljährlich herausgibt. Das Heft kann bei der DAH, Postfach 11 05 51, 6000 Frankfurt, angefordert werden. reu
FRANKFURT A. M. Der Tanzsportclub "Grün-Weiß" im 1. Frankfurter Gardecorps ist am Samstag und Sonntag, 16./17. Januar (jeweils ab 9 Uhr), Ausrichter des "22. Gardetanzsportturniers" in der Stadthalle Hofheim (Chinonplatz 2-4). Es nehmen auch Garden, Schautanzgruppen und Solistinnen aus Frankfurt teil.
Gemeldet sind rund 1500 Aktive, die in 61 Disziplinen um Punkte und Pokale wetteifern. "Leider sind Turniere in dieser Größenordnung in Frankfurt nicht mehr möglich", bedauert Turnierleiter Walter Faust. Das Gardecorps mußte vor Jahren schon aus Kostengründen vom Bürgerhaus Nordweststadt ins Umland ausweichen, "wo Hallen zu erschwinglichen Preisen zur Verfügung stehen".
Der Verein habe mittlerweile auch volle Unterstützung von der Stadt Hofheim, deren Bürgermeister Rolf Felix diesmal die Schirmherrschaft für das tanzsportliche Ereignis übernommen hat. dixi
MAIN-KINZIG-KREIS. Als ein Jahr der verpaßten Chancen, sowohl was das gesamte Land als auch den Main-Kinzig- Kreis angeht, haben Landratskandidat Hubert Müller und der Kreisvorsitzende Aloys Lenz (beide CDU) die '92er Bilanz der Rot-Grünen Regierung unter Ministerpräsident Hans Eichel charakterisiert: "In Hessen wird nicht kreativ regiert, sondern einfallslos verawaltet", lautet ihr Urteil. Eine persönliche Handschrift oder gar eine Vision sei insbesondere bei Eichel nicht erkennbar, meinen die Unionsleute.
Für die Region sehen die Christdemokraten fortgesetzte Defizite beim Wohnungsbau. Die "Unterrichtsversorgung" an den Schulen im Kreis sei schlimmer als je zuvor. Zudem werde durch das neue Schulgesetz große Unruhe in die Kollegien getragen. Anders als versprochen, sei kein einziger Lehrer zusätzlich zur "Verbesserung der Unterrichtssituation" gekommen, nicht einmal die Arbeitszeitverkürzung sei personell ausgeglichen worden: "Im Kreis fallen weiterhin Woche für Woche Tausende von Stunden aus, soviel wie noch nie, aber die Regierung führt mit der Arbeitslehre ein nebulöses neues Fach ein, obwohl die Lehrerstellen nicht einmal für Deutsch, Mathematik und Englisch reichen."
Einmal mehr fordern die Vertreter der Christdemokraten mehr Polizei und "verstärkte Fußstreifen-Präsenz" der Ordnungshüter, um die Zahl der Straftaten einzudämmen.
Schließlich werfen sie der Landesregierung pauschal vor, dem Wirtschaftsstandort Hessen mit einer Politik des Nichtstuns zu schaden. Auf diesem Sektor sei vor allem ein "Umsteuern in der Verkehrspolitik" vonnöten.
Die "sture Ablehnung dringender Straßenbaumaßnahmen" gehöre ebenso auf die "rot-grüne Negativliste wie der immer schlimmere Müllnotstand, das Gezerre um die Grundwasserabgabe und die Nadelstiche gegen die Energiewirtschaft", betonen Lenz und Müller. hein
Muß man das "Schwyzerörgeliquartett Ländlerbübe" klaglos über sich ergehen lassen, während man in der Karibik kreuzt? Oder dem Jodelduett Sidler/Arnet auf Schritt und Tritt lauschen, während man doch eigentlich auf Steelbands gefaßt war? Jetzt wissen wir: Man muß nicht. Wie das Frankfurter Amtsgericht festgestellt hat, gehört die ununterbrochene Beschallung mit Schweizer Volksmusik nicht zu den Risiken, die ein Urlauber während einer Kreuzfahrt "Zu den Perlen der Karibik" klaglos hinzunehmen hat. Ja mehr noch: Er kann sogar mit einer erheblichen Entschädigung rechnen.
Grund für diese - sich später eventuell als Schweizer volksmusikfeindlich herausstellende - Entscheidung eines Frankfurter Gerichts war eine Kreuzfahrt im Oktober 1991. Zwei Wochen wollte ein deutsches Ehepaar für den Preis von 7300 Mark von einer "Perle der Karibik" zur nächsten schippern - Antiqua, Barbados, Martinique, St. Lucia, St. Croix standen auf dem Programm, Tagesausflüge in die exotischen Paradiese waren geplant.
Man stelle sich die Überraschung der Eheleute vor, als sie erkannten, daß sie, abgesehen von einigen wenigen Landsleuten und Amerikanern, die Minderheit an Bord waren: 500 der 600 Passagiere des Dampfers waren Mitglieder des "Schweizer Vereins der Volksmusikfreunde", die das Schiff auch für ihre "18. Schweizer Folklore- Kreuzfahrt" gebucht hatten.
Tanzgruppen und Ländlerkapellen wie das "Echo von Tödi" und "Hans Muff", die Blaskapelle "Dorfspatzen Oberägeri" oder das Jodelduett Lisbeth Sidler/Fritz Arnet dominierten fortan zwei Wochen lang das Unterhaltungsprogramm an Bord. Nicht einmal das lateinamerikanische Mitternachtsbuffet konnten die Nicht- Schweizer ungestört genießen - nur wenige Minuten gönnten die Volksmusikanten der Gruppe "Los Latinos", die im übrigen während der gesamten Reise nicht zum Zuge gekommen waren, bevor eine Blaskapelle hereinmarschierte und den Rest des Abends für "Unterhaltung" sorgte.
Der Richter zeigte sich einsichtsvoll ob der Nöte des Ehepaares. Dem "Unterhaltungsprogramm an Bord eines Kreuzfahrtschiffes kommt eine ganz erhebliche Bedeutung für die erfolgreiche Durchführung der Reise zu"; hieß es in der Urteilsbegründung; ein Urlauber brauche auf einer Karibik- Kreuzfahrt schließlich nicht damit zu rechnen, daß er "von früh bis spät in allen gemeinschaftlichen Räumen des Schiffes ohne Ausweichmöglichkeiten Schweizer Folkloreveranstaltungen und alpenländischer Musik ausgesetzt ist".
Daß sich die Karibik-Reise auf der "SS Amerikanis" aufgrund der Übermacht der Schweizer Reisegruppe in eine schwimmende Jodeltour verwandelt hatte, das hätte der Veranstalter wissen müssen, meinte das Gericht und sah darin dessen "Fehlplanung". Ergebnis: Ein Drittel werden vom Reisepreis gestrichen. Lautstarke Schleif- und Klopfarbeiten am Schiff während der Reise, die das Ehepaar ebenfalls moniert hatte, führten zu einer weiteren Reisepreisminderung von zehn Prozent.
Der Schaden, den Ohren und Gemüt der Eheleute genommen haben mögen, soll nun mit gut 3000 Mark wiedergutgemacht werden.
(Aktenzeichen: 32 C 977/92-19) ee
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Als einzige Frankfurter Partei verteidigt der FDP-Kreisverband entschieden die Möglichkeit der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen. Hans- Joachim Otto, der Vorsitzende der Frankfurter Liberalen, bedauert - "auch wenn wir da alleine stehen" - vielmehr ausdrücklich die "mutwillige Blockade" vieler Kommunen gegen die "Eigentumsförderung" und die Vorstöße anderer Parteien in Bonn, die Umwandlungen erschweren wollen.
Erst kürzlich hatte sich die SPD-Fraktion im Römer mit einem "Alarmruf nach Bonn" zu Wort gemeldet und beklagt, daß die Anträge auf Umwandlung in Frankfurt in der Zeit vom 1. Juli 1992 bis Jahresende auf 4562 gestiegen seien. "Es handelt sich um das Schicksal von 4562 Familien", schrieb ihr Geschäftsführer Franz Frey. Es sei unerträglich, wie CDU/CSU trotz besserer Einsicht darauf warteten, ob die "Maklerpartei FDP" mit dem Schwanz wedele.
Für Otto gehört der Widerstand gegen die Umwandlung von Mietwohnungen zum langen Sündenkatalog der rot-grünen Koalition. Deren Versagen mache sich in der Wohnungspolitik am deutlichsten fest. SPD und Grüne malten Horrorgemälde an die Wand und blendeten gegen jede Vernunft die Eigentumsförderung aus.
Der FDP-Vorsitzende wies auf den gesetzlichen Schutz hin, der es Mietern auch bei einer Umwandlung ermögliche, "bis zu acht Jahren" in einer verkauften Wohnung zu bleiben. Zudem stellten viele Hauseigentümer aus Angst vor neuen Gesetzen "bloße Vorratsanträge". Selbst wenn 4000 Wohnungen verkauft würden, mache das nur zwei Prozent des Frankfurter Bestands aus.
Für die Bezieher mittlerer Einkommen, so Otto unter Hinweis auf soziale Gesichtspunkte, sei der Kauf einer Wohnung die einzige Chance, überhaupt Wohnungseigentum zu bilden. Die FDP setze sich daher für ein Vorkaufsrecht für die bisherigen Mieter ein.
Die Frankfurter FDP wirft der Rathauskoalition zudem vor, sie habe den Bau von Wohnhochhäusern versäumt, bestehende planungsreife Baugebiete wie Seckbach-Nord nicht genutzt, die Preise im sozialen Wohnungsbau durch Tiefgaragen zum Stellplatzpreis von 90 000 Mark hochgetrieben, und sie werfe den Bauwilligen in Frankfurt auch noch bürokratische Knüppel zwischen die Beine.
Hier nannte Otto vor allem das Umweltressort im Römer. Bei Umweltdezernent Tom Koenigs (Grüne) würden Bauanträge monatelang verschleppt. In anderen Städten nähmen die Genehmigungsverfahren ein Drittel der in Frankfurt üblichen Zeit in Anspruch.
Otto wartete mit einem "hirnrissigen" Beispiel auf, wie der Frankfurter Amtsschimmel private Initiative eklatant behindere. Danach müssen die Eigentümer eines Nordendhauses, die - allein aus eigenen Mitteln - ein Wohngebäude aufstocken und der Nachbarbebauung angleichen wollen, zehn Jahre lang eine Mietpreisbindung von 10,50 Mark je Quadratmeter für einen Teil der neugeschaffenen Räume hinnehmen, wenn sie eine Baugenehmigung haben wollen. Zudem sollen sie ein Erstbezugsrecht für das Frankfurter "Programm für familiengerechtes Wohnen" einräumen.
Der Landesregierung kreiden die Frankfurter Liberalen an, daß gesetzliche Richtlinien den sozialen Wohnungsbau weit teurer machten als den privat finanzierten. Überzogene Ökologie- und Industriestandards "wie zu Zeiten des Überflusses" - Otto nannte Nistkästen und obligatorische Holzfenster - schränkten die finanziellen Mittel für den Bau von mehr Wohnungen ein. cg
SACHSENHAUSEN. Die 500-Jahr-Feiern zur Entdeckung Amerikas sind zwar seit genau zwei Wochen Historie, doch wer einen satirischen Nachschlag zu dem vieldiskutierten Thema haben will, der sitzt im Sachsenhäuser Lichtspielhaus Harmonie in der ersten Reihe: "Mach's nochmal Columbus" lautet der Titel der englischen Produktion, die Gerald Thomas 1992 drehte.
Während die Inquisition zu Hause Schinkenstullen serviert und das Königspaar um die Leselampe streitet, kämpft Chris Columbus - eine Art angegrauter Indiana Jones in Strumpfhosen - gegen die Tücken der christlichen (und weniger christlichen) Seefahrt: Feuer unter Deck, Giftmischer in der Kombüse, eine Bauchtänzerin in der Kapitänskoje, Meuterei, Wasserschweine, Indianer und - so steht's in der Vorankündigung - "hemmungslose Schweinereien".
Das Werk mit Jim Dale, Peter Richardson und Sara Crowe in den Hauptrollen ist noch bis einschließlich Mittwoch, 27. Januar, zu sehen. Die genauen Anfangszeiten können der Tagespresse entnommen werden.
"Simple Men", der zweite Schwerpunkt des Januar-Programms, setzt ein thematisches Gegengewicht. Im Jahr 1991 von Hal Hartley in Amerika gedreht, spielen in den Hauptrollen Robert Burke, William Sage, Karen Sillas und Elina Löwenstein. Die Handlung: Zwei Brüder begeben sich auf die Suche nach ihrem Vater, einem ehemaligen Baseballstar. Seit 23 Jahren haben sie kein Lebenszeichen mehr von ihm bekommen: Er hat sich nach einem Bombenattentat in den Untergrund abgesetzt. Die Spur führt zunächst nach Long Island. Zwei Frauen wissen mehr über die Vergangenheit, als sie bereit sind zu erzählen - vorerst zumindest . . .
Wie die Fäden der Erzählung zusammenknüpft werden und die Abrechnung der beiden Söhne mit der Vergangenheit ins Finale mündet, das beweist Meisterschaft. Nicht ohne Grund bescheinigten Kritiker dem dritten Streifen Hartleys, er sei "der endgültige Beweis, daß er zu den herausragenden Autoren des neuen amerikanischen Kinos" zähle.
Zu sehen ist "Simple Men" täglich ab dem heutigen Donnerstag, 14. Januar. Beginn ist voraussichtlich gegen 18, 20.30 und 22.30 Uhr.
Genauere Zeiten sind der Tagespresse zu entnehmen oder direkt bei der Harmonie, Dreieichstraße 54 (Lokalbahnhof) oder unter der Telefonnummer 61 35 50 zu erfahren. ak
FRIEDRICHSDORF. Was haben Spanferkel und Heringe mit der Kommunalwahl in Burgholzhausen zu tun? Im Prinzip nichts. Schließlich gibt es im kleinsten Friedrichsdorfer Stadtteil jedes Jahr ein Spanferkel-Essen und zum Aschermittwoch traditionell Heringe.
Der Groschen fällt, wenn man weiß, daß es der CDU-Ortsverein ist, der zu diesen Verköstigungen einlädt - und dann Mathias Burbach von der Jungen Union hört: "Der Wahlkampf hat schon vor vier Jahren begonnen."
Der 28jährige Burbach engagiert sich für die Christdemokraten im Quartier, rührt vor Wahlen die Werbetrommel, hilft bei Versammlungen. Zur Zeit schreibt der Informatik-Student an seiner Diplomarbeit. Aber weil die Kommunalwahl naht, tauscht er nun häufiger die Computertastatur gegen den Leimpinsel.
Plakate kleben ist längst nicht alles, was auf den Wahlkampfhelfer zukommt. Vor vier Jahren, erinnert er sich, waren aufwendige Touren zu bewältigen: von Haus zu Haus, mit Wählern diskutieren. Das gehört diesmal wieder dazu, ebenso ein Info-Stand mit heißem Apfelwein und Würstchen.
Für Langschläfer ist der Job als Wahlkampfhelfer in Burgholzhausen kein Vergnügen. "Samstags muß man auch mal um 7 Uhr los und die Leute ansprechen, die schon früh ihre Brötchen holen", sagt Mathias Burbach. Er kann aber auch einiges zu Hause tun: Dank seiner Computerkenntnisse entwirft er am Bildschirm Broschüren und Flugblätter. Oft benutzt er dafür das alte Stadtteilwappen mit der Burg.
Vielleicht fährt der Student demnächst mit einem Lautsprecherwagen durch den Stadtteil, wie es in alten Wahlkampfzeiten Mode war. Damit hatte die Partei nämlich letztes Jahr überraschend Erfolg. Eine Tour mit dem Lautsprecher - und das Spanferkel-Essen war glänzend besucht. ill
FRANKFURT-NORD. Die Zukunft der Integrativen Schule im Praunheimer Weg in Niederursel ist unsicher. Die städtischen Fördermittel wurden für 1993 von 400 000 auf 250 000 Mark gekürzt. Die Grünen im Ortsbeirat 8 (Niederursel, Nordweststadt, Heddernheim) machen sich jetzt für die Schule stark. Sie fordern den Magistrat auf, "in einem Nachtragshaushalt die benötigten Mittel von 150 000 Mark bereitzustellen".
Mit einem entsprechenden Antrag der Grünen beschäftigt sich der Ortsbeirat in seiner Sitzung am heutigen Donnerstag, 14. Januar. Die Stadtteilpolitiker tagen ab 20 Uhr im Bürgerhaus Nordweststadt, Walter-Möller-Platz, Nidaforum 2.
Für die Ernst-Reuter-Schule I im Praunheimer Weg setzt sich die CDU- Fraktion in einem Antrag ein: Die Stadt soll einen zusätzlichen Schulhausverwalter einstellen. Bis vor zehn Monaten teilten sich vier Männer die Arbeit. Derzeit sei die Stelle aber nur von zwei Leuten besetzt, bemängeln die Konservativen.
In einem anderen Antrag fordern die Christdemokraten mehr Stellplätze für Behinderte in der Parkebene unterhalb des Nordwestzentrums. mo
Heim des Vereinsrings ausgebucht "Fühlen uns zu Hause"
RÖDELHEIM. Leichte Musik, gute Laune und jede Menge Gelegenheit zum Schwätzen und Babbeln, das bot der Neujahrsempfang des Rödelheimer Vereinsrings. "Wir wollen, daß die Vereinsvertreter in lockerer Runde zum Jahresanfang mal zusammenkommen", so Vereinsringvorsitzender Hans Heinz in seiner Begrüßung. Den musikalischen Part im Vereinsringheim in der Assenheimer Straße hatte Akkordeonspieler Gerd Knauer übernommen, am Schlagzeug begleitet von Willi Kalberlah. Der Vorsitzende freute sich, daß auch einige Kommunalpolitiker (wenn auch viele durch Abwesenheit glänzten) das Gespräch mit den Vereinen suchten. Heinz nutzte den Empfang zum Rückblick aufs vergangene Jahr. Erfreulicherweise konnte der Erweiterungsbau fertiggestellt werde. "Das hat uns zwar erheblich was gekostet, aber es ist verkraftbar." Das Raumangebot sei jetzt "nahezu optimal und auf die Bedürfnisse der 24 Vereine zugeschnitten". Die durch die Umbauten entstandene Nische mit der großen Eckbank eigne sich gut für Stammtischrunden oder für kleine Feiern bis zu 16 Personen. Die Vereine wissen das Angebot sehr zu schätzen und fühlen sich hier "wie zu Hause", wie der Belegungsplan zeige.
Regelmäßig treffen sich die drei Gesangvereine ebenso hier wie die Naturfreunde und die Schützen zu ihren Übungsstunden. Die Karnevalisten kommen und die Briefmarkenfreunde. Zum Nachmittagskaffee treffen sich die Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt, um nur einige Veranstaltungen zu nennen. Dazu gibt es jede Menge Versammlungen.
Fest geplant im neuen Jahr sind bereits musikalische Früh- und Dämmerschoppen der Gesangvereine und ein volkstümliches Konzert sowie das Oktoberfest der Naturfreunde. Der SPD-Ortsverein, der hundert Jahre alt wird, will sich auch noch was einfallen lassen.
Einen festen Platz im Terminkalender haben die Jazzfrühschoppen am Sonntag vormittag mit namhaften Musikern, die Vereinsringwirt Bernd Ermster in unregelmäßiger Folge organisiert. Er gilt als "guter Geist des Heims" und sorgt zusammen mit Frau Hannelore und Tochter Michaela für eine lockere und heitere Atmosphäre.
"Die Zusammenarbeit mit den Vereinen macht Spaß", sagt Ermster zwischen zwei Zügen am nie ausgehenden Glimmstengel, "ich hab' meinen Vertrag gerade wieder um sieben Jahre verlängert." rw
WESTHAUSEN. Die Wasserhäuschen- Ausstellung des Frankfurter Fotografen Hubert M. Gloss ist am Samstag, 23., und Sonntag, 24. Januar, im Bürgertreff in der Kollwitzstraße 1 zu sehen. Vorbereitet und organisiert wird das "Wasserhäuschen-Wochenende" vom Westhausener Kulturkreis in Zusammenarbeit mit der Saalbau GmbH.
Zur Eröffnung am Samstag, 19.30 Uhr, kommen auch Wasserhäuschenbesitzer, außerdem zeigen Videofilme das bunte Treiben an diesen für Frankfurt so typischen Trinkhallen. Um die richtige Atmosphäre zu schaffen, wird mitten im Bürgertreff ein nachgebautes Wasserhäuschen Getränke anbieten. Am Sonntag ist die Ausstellung von 14 bis 18 Uhr geöffnet. rw
FRANKFURT-OST. "Willy-Brandt-Straße" - so könnte die Berliner Straße in der Innenstadt künftig heißen. Für diesen Vorschlag, der auch schon in der Stadtverordnetenversammlung diskutiert wurde, macht sich jetzt die Grünen-Fraktion im Ortsbeirat 1 (Innenstadt, Bahnhof, Gutleut, Gallus) stark. Mit dem entsprechenden Antrag beschäftigen sich die Stadtteilpolitiker in ihrer Sitzung am Dienstag, 19. Januar. Der Ortsbeirat tagt ab 19 Uhr im Haus Gallus (Kleiner Saal 1), Frankenallee 111.
Die Berliner Straße nach dem im Oktober verstorbenen Alt-Bundeskanzler zu benennen, kritisieren allerdings dortige Geschäftsleute: Denn die müßten Briefköpfe, Visitenkarten und andere Adressenhinweise neu drucken lassen.
Der Spielplatz in der Kindertagesstätte Liebfrauen in der Brönnerstraße 24 soll erweitert werden. Das fordert die SPD- Fraktion in einem Antrag. "Die vom Caritasverband betriebene KT leidet seit langem unter Raummangel", monieren die Sozialdemokraten. mo
FRIEDRICHSDORF. Lyrik & Musik heißt es wieder in Garnier's Keller am Freitag, 22. Januar, 20 Uhr. Claudia Zehnacker, die in Friedrichsdorf lebt und sich seit zehn Jahren der Lyrik verschrieben hat, liest ihre Gedichte.
Den musikalischen Rahmen gibt das "Duo Classico" mit den beiden Gitarristen R. Clemens Schäfer und Matthias Wollny. Sie spielen ein klassisches Programm, in das Elemente aus Jazz und Pop eingebaut sind.
KRONBERG. Hölderlin und Diotima: Die Liebesgeschichte in Gedichtform können Literaturinteressierte am Freitag, 22. Januar, 20 Uhr, im Hellhof in Kronberg lauschen. Günther Amberger wird die Texte lesen. Die Kulturgesellschaft Kronberg hat den Abend organisiert. s
Aktuelle Fragen der Steuergesetzgebung und der Steuerpolitik beschäftigen den "Frankfurter Steuerfachtag 1993" am Dienstag, 26. Januar. Er beginnt um 13.30 Uhr im Arabella-Hotel, Konrad-Adenauer-Straße 5, beginnt. Informationen beim Institut für Steuerberater, Westendplatz 34. luf
KALBACH. Seit 1927 pflegen und hegen die Kalbacher im Verein ihre Hühner, Tauben und Kaninchen. Dieser Tage hatten sich die Züchter in der Turnhalle im Grubweg "eingenistet", um in einer Vereinsschau die Früchte ihrer Arbeit zu präsentieren. 70 Kaninchen und 317 Geflügeltiere waren zu bewerten. Zu gewinnen gab es Ehrenbänder, Vereinspokale und zwei Spezialpreise - einen für den besten Rammler, den anderen für ein Wyandotte-Zwerghuhn, eine Rasse, die ursprünglich aus Amerika stammt.
23 aktive Züchter gehören dem Verein an. Dazu kommen etwa 110 passive Mitglieder. Um ihr Hobby auch richtig betreiben zu können, haben sich die Kalbacher etwas besonderes einfallen lassen. Sie verfügen über ein 10 000 Quadratmeter großes Areal, auf dem mehr als 20 Hütten stehen - die Farmanlage. "So hat jeder Züchter seine eigene Parzelle von etwa 300 Quadratmetern und die Hühner genug Auslauf. Das ganze gleicht einer Schrebergartenanlage - eben für unsere Zwecke ausgebaut", sagte Monika Breither, die für die Jugendarbeit verantwortlich ist. Alle vier bis sechs Wochen trifft sie sich mit dem Nachwuchs, der zwischen acht und achtzehn Jahren alt ist. "Ich bringe ihnen bei, wie die Eier in die Brutmaschinen eingelegt oder der Taube und dem Täuber untergelegt werden", erzählte die Schriftführerin.
Alexander Kaiser hat bereits 50 eigene Hühner und Tauben. Durch seinen Vater, der schon seit 20 Jahren Mitglied beim Verein ist, kam der 14jährige zur Kleintierzucht. Bei der Bundesjugendschau in Frankfurt im vergangenen Dezember heimste er neun Preise ein. Die Jugendabteilung der Kalbacher war auch erfolgreichster Verein bei der Frankfurter Jugendkreisschau im November.
Auch zur Vereinsschau hatte Alexander Kaiser seine Tiere mitgebracht. Eine seiner Tauben, ein Kölner Tümmler, erhielt einen Stadtjugendpreis. Die Tümmler zeichnen sich durch bestimmte Merkmale am Kopf aus. Er ist besonders langgezogen, der höchste Punkt des Kopfes muß genau in einer Linie über den Augen liegen. Das Federkleid ist schwarz und schimmert stellenweise rot und türkisfarben.
Beeindruckend waren die "Deutschen Riesen". Diese Kaninchenrasse kann bis zu 15 Kilo auf die Waage bringen und 80 Zentimeter lang werden - was schon einem größeren Hund entspricht. Bei der Benotung gibt es keinerlei Gewichtsbeschränkungen. Die in Kalbach gezeigten "Deutschen Riesen" erhielten durchweg die Note "sehr gut". dil
FRANKFURT-WEST. "Willy-Brandt- Straße" - so könnte die Berliner Straße in der Innenstadt künftig heißen. Für diesen Vorschlag, der auch schon in der Stadtverordnetenversammlung diskutiert wurde, macht sich jetzt die Grünen-Fraktion im Ortsbeirat 1 (Innenstadt, Bahnhof, Gutleut, Gallus) stark.
Mit dem entsprechenden Antrag beschäftigen sich die Stadtteilpolitiker in ihrer nächsten Sitzung am kommenden Dienstag, 19. Januar. Der Ortsbeirat tagt ab 19 Uhr im Haus Gallus (kleiner Saal 1), Frankenallee 111.
Die Berliner Straße nach dem im Oktober verstorbenen Altbundeskanzler zu benennen, kritisieren allerdings dortige Geschäftsleute: Denn die müßten Briefköpfe, Visitenkarten und andere Adressenhinweise neu drucken lassen.
Container für Obdachlose auf dem Gelände der Hirtenkapelle im Gutleut fordern die Grünen in einem anderen Antrag. Die Gutleutgemeinde habe sich dazu bereit erklärt, betont Antragsteller Michael Krämer.
Der Magistrat soll dafür sorgen, daß der geplante Spielplatz in der Gutleutstraße 147 "endlich in Betrieb genommen wird". Einen entsprechenden Antrag legt die CDU-Fraktion vor. mo
Zum Artikel "Kräftig Dampf abgelassen" vom Donnerstag, 7. Januar (Stadtteil-Rundschau Nr. 1), schreibt unsere Leserin Anne Dähn, die Auf dem Schafberg 30 wohnt:
Als langjährige und bislang überzeugte Leserin der FR protestiere ich gegen die meiner Meinung nach tendenziöse und verfälschende Darstellung einer Bürgerversammlung in Griesheim.
Schon die zweite Überschrift "Die Bürger sind uneins" entspricht nicht den Tatsachen. Die Griesheimer sind sich fast ausnahmslos einig in der Befürwortung der Tempo-30-Zone, lehnen aber andererseits die Art der Umsetzung ebenso entschieden ab.
Diese Ablehnung drückt sich keineswegs - wie der Reporter glauben machen will - nur in Buh-Rufen und Pfiffen aus, sondern wurde durch eine Vielzahl von sachlichen Argumenten untermauert.
Wichtige Kritikpunkte waren unter anderem der Verlust von etwa 150 Parkplätzen (samt der daraus resultierenden extremen Zunahme des Parkplatzsuchverkehrs), die Aufstellung von "Stellvertretern" (die zwischenzeitlich Feuerwehrautos erheblich behinderten) und die Schaffung von zwei neuen "Rennstrekken" (früher Rechts-vor-Links-Regelung; jetzt Grundnetz, also Vorfahrtsstraße) innerhalb der Tempo-30-Zone.
Die tägliche Erfahrung der Bürger, daß die angebliche "Verkehrsberuhigung" in Griesheim in Wirklichkeit zu einem vorher nicht dagewesenen Chaos geführt hat, ist Ursache dafür, daß die Griesheimer nicht mehr bereit sind, sich geduldig anzuhören, welch segensreiche Auswirkungen die verkehrspolitischen Maßnahmen angeblich für die Menschen hätten.
Wenn die Leiterin des zuständigen Planungsbüros ängstlichen Bürgerinnen, die nachts vergeblich einen Parkplatz in der Nähe ihres Hauses suchen, auf freie Parkplätze am Rand einer Grünanlage verweist, sollte sie sich über erboste Reaktionen nicht wundern.
Und ein Grüner Ortsbeirat, der die Bürger durch extrem unbedachte Worte provoziert, avanciert - auch wenn er sich später dafür entschuldigt - zwangsläufig zum Buhmann.
Es ist nur zu hoffen, daß es dem Ortsvorsteher Rudolf Hartleib und allen besonnen Kräften im Ortsbeirat 6 gelingen möge, durch eine sinnvolle Änderung des Verkehrskonzeptes für Griesheim die erhitzten Gemüter noch vor der Kommunalwahl abzukühlen, um schlimme Auswirkungen auf das Wahlergebnis zu verhindern."Terror"-ProtestSchlingensief gegen Berlinale-Nein
BERLIN. Der Regisseur Christoph Schlingensief hat in einem offenen Brief an die Berliner Filmfestspiele gegen die Ablehnung seines Films "Terror 2000" protestiert. Er hatte sich mit diesem dritten Teil einer Deutschlandtrilogie für die Sektion "Neue Deutsche Filme" auf der bevorstehenden Berlinale (11. bis 22. Februar) beworben.
"Terror 2000", bei den Hofer Filmtagen im Herbst uraufgeführt, sei ein extremer Beitrag zum Thema "Rassenhaß in Deutschland", meinte Schlingensief. Er forderte die Verantwortlichen dazu auf, ihre Ablehnung zu begründen. Die ersten beiden Teile seiner Trilogie waren auf dem Forum der Berliner Filmfestspiele gezeigt worden. Um so verwunderter sei er über die jetzige Ablehnung.
Werner Gondolf von der Berlinale erklärte, daß in der Regel für Ablehnungen keine Begründungen gegeben würden. Das sei auch in diesem Fall nicht anders. Die Mitglieder des Auswahlkomitees blieben bei ihrer Entscheidung. Der in diesem Fall mitverantwortliche Leiter der Forum-Reihe Ulrich Gregor betonte, er habe den Film nie gesehen und mit der Entscheidung nichts zu tun. dpa
Fast 200 000mal haben die Mitarbeiter der ADAC-Straßenwacht im vergangenen Jahr in Hessen und Thüringen Auto- und Motorradfahrern bei Pannen geholfen. Das waren nach Mitteilung des Automobilclubs rund zehn Prozent mehr Hilfseinsätze als ein Jahr zuvor. Um die Betreuung der Kraftfahrer kümmern sich 170 Mitarbeiter der Straßenwacht, von denen 29 in Thüringen unterwegs sind.
Die "Las Rocieras" - eine überaus erfolgreiche Formation und bereits seit einem Jahrzehnt zusammen "Flamenco ist ein sehr teures Hobby" Die Choreographien werden in Eigenregie erarbeitet / Ständig neue Tänze Von Pamela Dörhöfer HANAU. Von einer Minute zur anderen verwandeln sich die fröhlichen jungen Mädchen in stolze Spanierinnen mit herausforderndem und dennoch unnahbarem Blick, den Kopf selbstbewußt nach oben geneigt. Ihr Oberkörper bleibt gerade, mit nach hinten gedrückten Schultern, während Arme und Hände unablässig Bewegungen ausführen, die mal geschmeidig-fließend, mal ruckartig sind, und die Beine energisch im Rhythmus andalusischer Musik auftreten. Dieses Steppen ist Grundelement aller Flamencotänze, die "Las Rocieras" längst mit großer Perfektion beherrschen. Sieben Mädchen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren gehören der ebenso gefragten wie attraktiven Formation an: Nicole Capote, Monica Rodriguez Perez, Nuria Dominguez Orta, Belen Moran, Susana Stetz, Silvia Taracido Rodriguez und Raquel Taracido Rodriguez. Die "Las Rocieras" sind bereits seit zehn Jahren zusammen - bis auf eine Tänzerin in immer gleicher Besetzung - und eine der ältesten Flamencogruppen Hessens. In der ersten Zeit leitete die Hobbytänzerin Carmen Orejuela die Mädchen an, die bereits im Juli 1983 zum ersten Mal auf der Bühne standen. Heute erarbeiten sie sich ihre Choreographien in Eigenregie, kontrollieren ihre Bewegungen gegenseitig oder per Video.
Jedes Jahr bringt Nicole Capote aus dem Spanienurlaub mindestens zwei neue Tänze mit, die dann ins Programm aufgenommen werden. Vom Flamenco, der sich vor hunderten von Jahren entwickelt hat aus Liedern und Tänzen andalusischer Zigeuner sowie arabische .Einflüsse aufgenommen hat, gibt es inzwischen unendlich viele Variationen. Diese wiederum leiten sich ab aus neun Grundtänzen, die sich Sevillana, Rumba, Tango (beide nicht zu verwechseln mit den lateinamerikanischen Gesellschaftstänzen), Taguillo, Buleria, Alegria, Fandango, Garrotin, und Caracola nennen.
Alle diese Tänze drücken verschiedene Stimmungen aus, manchmal traurig, manchmal heiter, häufig leidenschaftlich und immer stolz. Die fröhlichsten davon sind die Sevillanas, die sich in Spanien bis heute als Volkstänze erhalten haben.
Die "Las Rocieras" haben sich im Laufe der Jahre ein umfangreiches Repertoire angeeignet, an dem sie zweimal wöchentlich feilen. "Für unser Hobby opfern wir sehr viel Freizeit", erklärt Nicole Capote. Zum regelmäßigen Training kommen jedes Wochenende Engagements, die "Las Rocieras" fast schon überall hingeführt haben: von der privaten Feier - vor allem Deutsche holen sich mit einer Flamcenco-Einlage gerne südländisches Temperament zu ihren Festen -, Folkore- und Wohltätigkeitveranstaltungen bis zum Auftritt im Restaurant einer amerikanischen Fast-food-Kette. Fester Bestandteil ihres Terminkalenders sind außerdem die monatlichen Auftritte im "Rincon Español", dem spanischen Club in Groß-Auheim, wo sie zur Live-Musik des Gitarristen "Nani" tanzen. Auch auf der ganz großen Bühne hat die Gruppe schon gestanden. Denn "Las Rocieras" sind eine überaus erfolgreiche Formation. In Brüssel traten sie 1990 als Vorprogramm des in Spanien populären Sängers "Fary" auf, in Madrid waren sie zu sehen, und in Spanien hat Nicole Capote als Einzeltänzerin sogar schon einmal einen großen Sevillana-Wettbewerb gewonnen. "Obwohl ich in Deutschland geboren bin und gegen viele Vorurteile anzukämpfen hatte."
Auch im Fernsehen hatte "Las Rocieras" bereits ihren Auftritt, als sie bei der "Traumhochzeit" mit ihren Tanzkünsten den Antrag eines Brautpaares publikumswirksam gestalten sollten. Als Höhepunkt ihrer bisherigen Laufbahn nennen die Mädchen allerdings einstimmig einen Auftritt in diesem Sommer, der sie in Babenhausen gemeinsam mit der bekannten Gruppe "Gipsy Kings" auf der Bühne stehen ließ. "Die haben uns in einem Frankfurter Hotel gesehen und uns spontan zu ihrem Konzert eingeladen", erzählt Nicole Capote.
Hört sich alles sehr nach klingender Münze an. Weit gefehlt: "Flamenco ist ein sehr teures Hobby", erklären die Mädchen. Die Kosten für die verschiedenen Kleider, Haarschmuck, Ohrringe, Ketten, Castagnetten, Spezialschuhe und Musikkassetten verschlängen schnell alle Einnahmen. Immerhin steuert das Kulturamt jährlich einen Zuschuß von 750 Mark bei. Es sind insbesondere die schillernd- bunten, aufwendigen Roben mit Unter- und Stufenrock, hautengem Oberteil und kurzen, vielfach gerüschten Ärmeln, die die Gage der Mädchen, die fast alle noch zur Schule gehen, schnell dahinschmelzen lassen: Runde tausend Mark kostet ein solches Kleid, das in Spanien bestellt werden muß und eigentlich vom Ursprung her mit Flamenco gar nichts zu tun hat. In Spanien waren es früher Spazierkleider, mit denen die vornehmen Damen vor allem zu Pferde eine gute Figur machen wollten. "Die echten Tanzkleider sind viel einfacher", erzählt Nicole Capote. So käme dem Ursprung des Flamenco die Kombination aus schwarzem Oberteil und weitem, leichten Rock viel näher.
Häufig tanzen die Mädchen auch in einer solchen Aufmachung oder in selbstgeschneiderten, volkstümlichen Kostümen. Daß auch die Spazierkleider bei ihnen im Schrank hängen, ist ein Zugeständnis an das Publikum, das eben jene auffälligen Gewänder zwingend mit Flamenco in Verbindung bringt. Manche der Mädchen besitzen neben Kleid, Rock und Absatzschuhen aber auch noch Anzug, Hut und Stiefel - und werden, wenn es der Tanz verlangt, auf diese Weise zum feurigen Liebhaber.
Wer "Las Rocieras" einmal live erleben möchte: Die nächsten Auftritte der Gruppe in der Umgebung finden am Freitag, 22. Januar, sowie Freitag, 12. Februar, jeweils abends, im spanischen Restaurant "Rincon Español" in Groß-Auheim, Auwanneweg 52, statt.
Gerade in unserer Zeit wirtschaftlicher Blüte, sozialen Wohlstands und einer Lebensweise im Einklang mit Natur und Umwelt, begrüße ich Ihre Idee, voll Kreativität und künstlerischem Können (FR vom 8. 1. 1993 "Pro Christo - Rita Süssmuth tritt für Verpackung des Reichstags ein").
Aber Herr Christo, vergessen Sie bitte nicht den grünen Punkt auf Ihrer Verpackung.Christian Bertuleit, Ortenberg-Bleichenb.
Wenn man die Frankfurter Rundschau seit Jahren liest, dann kann man den Eindruck gewinnen, daß sie für ein ausländerfreundliches Deutschland steht. Aber kann man sich Deutschland wirklich ausländerfreundlich und tolerant vorstellen, wenn z. B. die Religion der ausländischen Mitbürger (in Deutschland leben ca. 2 Millionen Muslime) in den Medien ständig als Angstbild vermarktet wird?
Anhand von 13 deutschen Zeitschriften und Zeitungen habe ich in den Jahren 1989 bis 1992 festgestellt, daß 97 Prozent der Beiträge über den Islam sehr subjektiv und überzogen sind. Der Islam wird als neuer Feind des Westens hochstilisiert.
Wir als Deutsche haben jahrhundertelang mit dem Judenhaß gelebt, dessen grausame Resultate uns hinreichend bekannt sind. Deshalb müssen wir jetzt endlich mal andere Religionen mit Achtung begegnen. Das heißt aber nicht, daß die kritische Berichterstattung über die islamischen Länder gänzlich in das Gegenteil verkehrt wird.
Im Falle des Iran kann man sicherlich feststellen, daß dort in den vergangenen zwölf Jahren einige Tausende unschuldiger Menschen und Bahahis ermordet oder vertrieben worden sind. Dennoch sollten wir uns vor Verallgemeinerungen hüten.
In der FR vom 28. 12. 1992 ("Fünf U- Bahn-Stationen trennen in Taschkent Europa und Asien") schreibt Frau Sengling, wie den Russen dort die Islamisierung in Taschkent Angst macht. Das mag durchaus richtig sein. Aber haben die Russen in den letzten 75 Jahren die islamischen Republiken der ehemaligen UdSSR nicht massiv unterdrückt und ausgebeutet? Welche Freiheiten hatten die Muslime dort gehabt? Sie durften keine Gebete verrichten und keine islamischen Traditionen pflegen. (Das gleiche galt dort übrigens auch für die Christen.) Gerade in Usbekistan, wo die islamischen Gebetshäuser prachtvolle Zeugnisse der Geschichte waren, sind jetzt die meisten Ruinen.
Jetzt, wo die Muslime ihren Glauben praktizieren dürfen, ist nachvollziehbar, daß der Islam dort - wie Sie schreiben - eine Blüte erlebt. Als Leser würde ich es sehr begrüßen, wenn die FR die Berichterstattung über den Islam mehr objektiv statt emotional gestalten würde. Wir als Deutsche haben nicht das Recht, über die Religionen der anderen tagtäglich anmaßend zu urteilen. Als exportabhängiges Land schadet diese Art der Besserwisserei unserem Image und der Wirtschaft.Prof. Dr. Klaus Schmidt, Griesheim
Bundeskanzler Kohl meint, es sei nicht in Ordnung, daß jemand mehr Sozialhilfe beziehe als einer, der arbeite (FR vom 4. 1. 1993 "Kohl auf Waigels Sparkurs"). Damit hat er so unrecht nicht:
In einem Sozialstaat sollte Arbeit gerecht bezahlt, sollten Mieten getreu dem Verfassungsgebot der Sozialbindung des Eigentums kalkuliert und Steuerfreibeträge und Kindergeldleistungen so bemessen sein, daß niemand, der Arbeit hat, noch Sozialhilfe benötigte und die von Herrn Kohl beklagte Unordnung nicht einzutreten bräuchte.
Steht aber ein Bundeskanzler, der nun zwecks "Ordnung" eine Kürzung der Sozialhilfe und damit eine unsoziale Ordnung propagiert, noch auf dem Boden des Grundgesetzes?
Christian Horz, Hamburg
Ein ungutes Gefühl befiel mich beim Lesen des reichlich pathetischen Aufrufs von Frau Lenelotte von Bothmer. Daher möchte ich Herrn Navon ausdrücklich danken für seine klare und differenzierte Antwort darauf (FR vom 6. 1. 1993 "Im Wortlaut: Lenelotte Bothmer - Israel ein offenes Wort sagen" und FR vom 8. 1. 1993 "Im Wortlaut: Israels Botschafter, Navon - ,Heiliger Krieg&rquote; gegen Juden").
Mir fallen auf Anhieb mehrere derzeit auf der Welt sich zutragende Tragödien ein, die eines solchen Aufrufs eher bedurft hätten. Berechtigte Kritik an der Abschiebung der Hamas-Mitglieder ist bereits vorgebracht worden, und es ist auch nicht so, daß die Ausgewiesenen hilflos und verlassen sind.
Gefühlsaufwallungen sollte man sich in diesem Fall ersparen und nicht vergessen, was der israelische Botschafter berechtigterweise gesagt hat, welches nämlich die erklärten Ziele der Hamas- Bewegung sind. Wie alle israelisch-palästinensischen Konflikte entzieht sich auch dieser einer Beurteilung, die nicht unendlich viele Facetten berücksichtigt.
Dagmar Schreiber, Frankfurt am Main
Sie leben und feiern in dieser Zeitung fröhliche Urständ: die bürgerlichen Resentiments gegen die Homosexualität. So kann in Roland Langers Nachruf auf Rudolf Nurejew (FR vom 8. Januar 1993: "Tanzmythos, Rebell und Konservativer") doch ohne Scham und Scheu die Rede davon sein, daß nichts anderes als die "homophilen Obsessionen" es waren, die dem großen Tänzer schließlich das Leben kosteten.
Man glaubt es kaum, aber so war wortwörtlich zu lesen: Nurejew "entflammte rasch bei schönen Männern zu jeder Gelegenheit. Bei solch freiem, fast paranoidem Liebesleben war die Krankheit quasi vorprogrammiert. Er wußte seit Jahren, daß er HIV-positiv war . . ."
So bringt Herr Langer auch das mal wieder auf den Punkt, was wir in dieser Klarheit schon lange nicht mehr lesen durften: daß Aids - Aufklärung hin, Aufklärung her - ihrem Wesen nach die Lustseuche der Schwulen ist.
Solch eine Sprache zeugt nicht nur von Ignoranz. Sie ist respektlos und gefährlich.Willi Temme, Marburg
MÖRFELDEN-WALLDORF. "Alle Neune" heißt es am Samstag, 30. Januar, wenn die Arbeiterwohlfahrt zum Kegelturnier ins Bürgerhaus einlädt. Gekegelt wird von 13 bis 17 Uhr wie in den Vorjahren um die Wanderpokale, die Bürgermeister Bernhard Brehl 1986 aus Anlaß seines zehnjährigen Dienstjubiläums stiftete. Ausgezeichnet werden damit die beste Keglerin, der beste Kegler und die beste Mannschaft, die sich in drei oder fünf Durchgängen mit je fünf Kugeln in die Vollen behauptet haben.
Wer mitmachen will, kann sich bei Franz Klement, Tel. 18 45, anmelden. Auch Kurzentschlossene haben eine Chance: die Meldefrist läuft bis zum 30. Januar, 13 Uhr für Einzelspieler, Mannschaften können noch bis 14 Uhr nennen. wal
Claudia Grett, 29, betrachtet ihre Zeitschrift noch als "Entwicklungsprojekt". Für sie ist sie wie ein "Diamant, der immer besser wird, wenn man ihn schleift". Mit Begeisterung erklärt sie, warum es nach ihrer Meinung einen Markt für eine Finanzfachzeitschrift von Frauen für Frauen geben muß: "Warum lesen Frauen herkömmliche Wirtschaftszeitungen oder Börsenblätter nicht?" fragt sie, und beantwortet die Frage selbst: "Weil Frauen dort nicht ernst genommen werden. Fachinformationen werden so geliefert, daß nicht jede sie versteht, zumal es das Basiswissen bei vielen Frauen nicht gibt. Frauen wollen eine besondere Ansprache."
Gibt's denn bald gar keine Nische mehr, in der Männer sich vor Frauen sicher fühlen können? Zumindest wird es nach Aussagen von Prophetinnen in Zukunft eine Nische weniger geben: Frauen schicken sich an, das große Geld zu entdecken. So rühmt sich "Women & Money" ungeniert, seinen Leserinnen zu zeigen, wie sie "verdienen, anlegen, genießen" können. Eva Dörpinghaus hofft, daß ihr Buch die "Chancengleichheit der Frauen auf dem Finanzmarkt fördert". Und Marion Weichert will, "daß immer mehr Frauen ihre Finanzgeschäfte selbst in die Hand nehmen".
Marion Weichert ist bestes Vorbild für ihre inzwischen mehr als zweitausend Kundinnen. Bevor sie sich 1987 als Finanzberaterin selbständig machte, hatte Marion Weichert schon zwei berufliche Stationen hinter sich: eine fünfjährige Praxis in ihrem erlernten Beruf als kieferorthopädische Assistentin und als Mitarbeiterin einer norddeutschen Finanzdienstleistungsfirma. Dort lernte sie Tarife, Kalkulationen, Tricks und Verständnis für Kleingedrucktes von Versicherungsunternehmen. Und als sie merkte, daß sie Talent für diese Branche hatte, entdeckte sie auch eine Marktlücke und gründete eine Finanzagentur von Frauen für Frauen.
Marion Weichert betont, daß sie keinen Hang zu lila Latzhosen habe. "Ich bin Geschäftsfrau und Unternehmerin, und die Tatsache, daß ich für Frauen bin, heißt nicht, daß ich gegen Männer bin."
Frauen, die zu Marion Weichert kommen, haben "immer eine Veränderung ihrer Lebenssituation, einen Knick in ihrem Leben erfahren", sagt sie und nennt Trennung, Scheidung, Tod als Gründe. Selten kämen junge Frauen zwischen zwanzig und dreißig, "weil sie durch Ehe und Kinder glücklich verhindert sind, eine eigene finanzielle Lebensplanung zu treffen". Typisch sei die Frau zwischen vierzig und fünfzig mit eigenem Einkommen, die häufig im ersten Gespräch feststellte, daß sie zum Sozialfall würde, wenn sie nicht schleunigst etwas unternähme. Marion Weichert: "Wer glaubt, durch die gesetzliche Rentenversicherung versorgt zu sein, ist schockiert, wenn wir nachrechnen." Etwa die Frau, die 35 Jahre lang Mindestbeiträge zahlte und dann Anspruch auf 208 Mark monatlich hatte. Oder die Witwe eines Mannes, der ein Berufsleben lang Höchstbeiträge überwies und seiner Frau doch nicht mehr als 800 Mark Monatsrente hinterlassen konnte.
Monika M. Metzner "Geld? Oje, das wäre kein Thema für mich!" - Oder doch? Frauen schicken sich an, das Thema "Finanzen" zu entdecken
Marion Weichert, 29, Hamburger Finanzberaterin, hatte auf der Kieler Frauenmesse letzten Herbst eine Stunde Zeit, um ihren Zuhörerinnen zu erklären, wie Frauen sich im Dschungel der Finanzen zurechtfinden können. Sie absolvierte diese Aufgabe in eindrucksvollem Tempo, indem sie drei Hauptbausteine für die finanzielle Lebensplanung von Frauen nannte - Versicherungen, Geldanlagen, Grundbesitz -, praktische Tips im Umgang mit unvermeidlichen Experten gab - "Bestellen Sie sich drei Versicherungsvertreter, um den besten zu finden" - und zum Schluß noch Zeit fand, persönliche Fragen zu beantworten.
Später Nachmittag im großen Saal der Wertpapierbörse in Hamburg. Am Mikrofon steht der Börsenvorstandsvorsitzende und begrüßt mehr als hundert Frauen, die in Sitzreihen dort Platz genommen haben, wo vormittags geschäftige Männer - und auch ein paar Frauen - mit Wertpapieren handeln. Doch nicht dem Börsenmann gilt die Aufmerksamkeit; ihm fällt an diesem Spätnachmittag nur die Aufgabe zu, eine Autorin vorzustellen, die für ihr neuestes Buch werben will: "Was Frauen über Geld wissen sollen" - ein Ratgeber für Frauen von einer Frau.
Eva Dörpinghaus, 36, beginnt ihre Ausführungen mit einer Binsenweisheit: "Beim Thema Geld hört Gleichberechtigung auf." Sie erinnert daran, daß es in Deutschland keine Börsenmaklerin und nur wenige Bankerinnen gibt, die als Händlerinnen an den Börsen arbeiten. Sie spricht von den Schaltzentralen der Hochfinanz, wo Frauen nur selten zu finden sind, und von den großen Wirtschaftsunternehmen, wo zwar Spitzengehälter verdient werden - die aber meist den Männern vorbehalten bleiben. Eva Dörpinghaus: "Höchste Zeit also, daß Frauen beginnen, sich über ihren Umgang mit finanziellen Angelegenheiten genauere Gedanken zu machen. Vieles deutet darauf hin, daß sie da einen gehörigen Nachholbedarf haben."
Ein elegantes Büro im feinen Hamburger Geschäftsviertel am Neuen Wall. Das Türschild weist den Weg zu "Euro- Medien", und die Verlegerin öffnet persönlich: Claudia Grett, eine flotte, junge Frau, die hier zusammen mit einem weiblichen Redaktionsteam die Monatszeitschrift "Women & Money" redigiert. Es ist keine unverzeihbare Wissenslücke, dieses Blatt nicht zu kennen, denn es existiert erst seit Februar 1992. Und die Auflage bewegt sich bei 800 Stück; 795 Abonnentinnen und fünf Abonnenten, um es genau zu sagen.
Werden die traditionellen Rollen zementiert? Teilzeitarbeit - viele Frauen wünschen sie sich · Von Jenny Bernack
Diese Form der kapazitätsorientierten Arbeit auf Abruf gibt es mittlerweile in vielen Branchen und in den unterschiedlichsten Zeitformen. Anneliese R. hat ihren Alltag darauf ausgerichtet. Sie muß sich in jeder Beziehung flexibel zeigen. Hilfe im Haushalt erwartet sie von ihrem Mann nicht. "Das ist halt in meiner Generation nicht üblich", entschuldigt sie das mangelnde Engagement ihres Mannes bei der Bewältigung der Alltagspflichten. Ihre Töchter sind inzwischen erwachsen.
Kirsten G. (26), seit fünf Jahren Straßenbahnfahrerin, begründet ihre Arbeitszeit von 19 Stunden ebenfalls damit, die Hausarbeit auf diese Weise besser organisieren zu können. Zusammen mit ihrer Schwester kümmert sie sich noch um ihre gehbehinderte Mutter. Ihr Partner ist von Beruf EDV-Spezialist. Das Paar ist kinderlos. Auch Kirsten G. nimmt kurzfristig in Kauf, entweder für den Früh- oder den Spätdienst oder gar am Wochenende eingeteilt zu werden. Obwohl bei ihr alles im Vergleich zur Vollzeitstelle halbiert ist, also das Einkommen in Relation zur Arbeitszeit, hat sie den Eindruck mehr gefordert zu sein, als ihre Kollegen im vollen Dienst. So muß sie für zwei Stunden Frühdienst den Weg zur Arbeit genauso auf sich nehmen wie eine Kollegin, die den ganzen Vormittag an der Kurbel sitzt. Außerdem entfällt bei ihr die Pausenzeitenablösung.
Ihre Kollegin Petra P. (31) wird von Kirsten G. beneidet, denn sie hat zusätzlich den Busführerschein machen dürfen. "Ich war die erste Busfahrerin in unserem Verkehrsbetrieb", berichtet Petra P. nicht ohne Stolz. Sie schätzt die Möglichkeit, durch ihre Arbeitszeit die Freizeit großzügiger gestalten zu können. Ihr Lebensgefährte ist Verkehrsmeister im gleichen Betrieb. Sie teilen sich die Hausarbeit.Geld? Ohje, das wäre kein Thema für mich! 3
Darum mahnt Marion Weichert immer wieder, "daß eine glückliche Ehe kein Gerant für ein glückliches Alter ist". Sie rät Frauen, sich nicht auf gesetzliche oder betriebliche Altersversorgung allein zu verlassen, sondern zusätzlich eine Rentenversicherung abzuschließen. "Das hat den Vorteil", so Weichert, "daß das Kapital nicht nach einigen Jahren aufgebraucht ist, denn die Rentenversicherung zahlt auch bei vorzeitigem Tod manchmal 15 Jahre lang die nicht verzehrten Beiträge an Hinterbliebene, im Gegensatz zur gesetzlichen Rentenversicherung, die mit dem Todesfall die Zahlungen einstellt."
Marion Weichert liebt drastische Beispiele. "Klassisch ist", sagt sie, "daß jedes Stuhlbein besser abgesichert ist als die eigene Arbeitskraft von Frauen." Deshalb empfiehlt sie - ihr erster Hauptbaustein für die finanzielle Lebensplanung ihrer Klientinnen -, "alle existentiellen Risiken wie Krankheit, Unfall, Arbeitskraft abzusichern. Doch keinen Pfennig mehr als nötig für Versicherungen". Zweiter Hauptbaustein: Marion Weichert erklärt, was Termingeschäfte, Restläufer, Tafelgeschäfte, Schatzbriefe sind, verrät, wo Steuern gespart werden können, wie Frauen in Banken auftreten sollten, um sich denselben Respekt zu verschaffen, wie er Männern gezollt wird. Dritter Hauptbaustein: Immobilien. Sollten sich Frauen zum Kauf einer kleinen Eigentumswohnung entschließen, um sie später gegen ein größeres Objekt einzutauschen, rät Marion Weichert, "sich nicht an Kachelfarben zu stören, Frauen sollen nicht einziehen, sondern Geld verdienen".
Sie hat, wie sie lächelnd zugibt, dieses Ziel längst erreicht, "viel Geld verdient". Schnell fügt sie hinzu, daß ihre Honorare doch "sehr human" seien; 85 Mark für das Beratungsgespräch, egal wie lange es dauert. Wenn sie aber Versicherungen verkauft oder Geldgeschäfte vermittelt, verzichtet sie aufs Honorar und kassiert Provisionen von ihren Geschäftspartnern, die sie als besonders "verbraucherfreundlich, vermittlerfeindlich, unbürokratisch, für die günstigsten auf dem Markt" bezeichnet - insgesamt vierzig Versicherungsgesellschaften, 15 Banken sowie ein Netzwerk von Steuerberaterinnen, Anwältinnen, Versicherungsfachfrauen. Dazu kommt ein "Arbeitskreis Finanzberatung von Frau zu Frau", der sich alle sechs Wochen zum Arbeiten trifft.
Doch nicht genug: In Claudia Grett fand Marion Weichert die Partnerin, um die Idee umzusetzen, ein Wirtschafts- und Finanzblatt für Frauen herauszugeben. Und obwohl Marion Weichert selbstkritisch bemerkt, "daß Women & Money noch professioneller und gehaltvoller werden muß", ist sie überzeugt, "daß wir gute Grundinformationen liefern".
Und die sehen so aus: In einem Beitrag "Sparbuch ade" empfiehlt eine Vermögensverwalterin den Ankauf von Geldmarktfonds, "weil sie sicher, ständig liquidierbar und gut verzinslich sind". Ein Jurist, Fachmann für Kapitalgeschäfte, stellt Alternativen vor, wie Zinskupons, die bislang spurlos für Steuerbehörden bei Banken bar eingetauscht werden konnten, nach dem neuen Zinsabschlagssteuer-Gesetz trotzdem "steuerneutral" bleiben. Ein anderer Beitrag informiert, "wie Frau im Dollar spekuliert" - Ratgeber ist der Herausgeber eines Börsendienstes. Und ein Hamburger Börsianer empfiehlt den Kauf von Zerobonds und sagt, warum ein solches Geschäft vorteilhaft sein könnte: "Es sind fest verzinsliche Wertpapiere mit fester Laufzeit, einem festen Rückzahlungskurs und einer kalkulierbaren Zinseinnahme. Ihre Besonderheit liegt darin, daß die Zinsen über die gesamte Anlagedauer angesammelt werden . . ."
Das Verkehrsunternehmen hat vor einigen Jahren angefangen, Frauen als Fahrerinnen anzustellen. Sie können zunächst als Fahrerinnen im Teilzeitdienst arbeiten, ehe sie sich auf eine Vollzeitstelle bewerben können. Ihre männlichen Kollegen, die die gleiche Ausbildung durchlaufen, fangen gleich mit dem vollen Stundensatz von 38,5 Stunden an. Hier gibt es immer noch die Vorstellung, daß der Mann die Aufgabe hat, für die Familie zu sorgen. Aus dieser alten Rollenverteilung heraus sind es meistens die Frauen, die sich für Teilzeitarbeit entscheiden. Doch das Rollenmuster bekommt Risse: Immerhin ist die Hälfte des weiblichen Fahrpersonals inzwischen im Vollzeitdienst eingeteilt, darunter auch einige Mütter.
Anneliese, Kirsten und Petra sind drei von rund 4,607 Millionen Frauen in Deutschland, die in der Statistik als "Teilzeitkräfte" geführt werden, weil sie normalerweise wöchentlich maximal 35 Stunden erwerbstätig sind. Das sind 32,1 Prozent aller abhängig Erwerbstätigen. Die Männer bilden hier mit 2,8 Prozent eine verschwindend geringe Minderheit (Stand April 1991). Dabei gibt es noch erhebliche Diskrepanzen zwischen dem früheren Bundesgebiet und den neuen Ländern und Berlin-Ost. In den alten Ländern hatten 36,4 Prozent der Frauen einen Teilzeitarbeitsplatz, während auf dem Gebiet der früheren DDR lediglich 18,8 Prozent dieser Rubrik zuzuordnen sind. Das hängt zum einen mit der geringeren Höhe des Familieneinkommens in Ostdeutschland, aber auch mit den besseren Betreuungsangeboten für die Kinder zusammen. Eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung verglich 1982 und 1987 jeweils die Anzahl der Teilzeitstellen (hier allerdings mit 31 Wochenstunden und in den alten Ländern). Es zeigt sich: Die Teilzeitstellen nehmen um ein Vierfaches im Vergleich zu den Vollzeitstellen zu.
Statistisch kaum erfaßt sind die ungesicherten Beschäftigungsverhältnisse. Schätzungen (alte Bundesländer) gehen davon aus, daß 2,3 Millionen Erwerbstätige einer "geringfügigen Beschäftigung" nachgehen. 70 Prozent davon sind Frauen. Dazu kommt noch eine hohe Dunkelziffer. Derzeit liegt die Einkommensgrenze bei DM 520,- für sozialversicherungsfreie Tätigkeit im Monat. Anspruch auf Kranken- und Mutterschaftsgeld besteht ab 15 Wochenstunden, Arbeitslosengeld bekommt erst, wer mindestens ein halbes Jahr 18 Stunden pro Woche angestellt war, und die Rente bezieht sich auf das Einkommen im Laufe eines Erwerbslebens. Wer also aufgrund von Teilzeitarbeit entsprechend wenig verdient, bekommt im Alter eine niedrigere Rente.
Claudia Grett, die junge Chefin von "Women & Money", erklärt, warum Berichte über Tafelgeschäfte oder Zerobonds für Frauen besonders interessant sein könnten: "Frauen halten viele Tafelgeschäfte. Doch die würden uninteressant, wenn sie plötzlich hohe Steuern zahlen müßten. Da wir nicht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung bezichtigt werden wollen, müssen wir charmant formulieren, wie man Inlandssteuern umgehen kann." Die klare Empfehlung für den Kauf von Zerobonds erklärt sie mit ihrer Überzeugung, "daß Frauen genauso risikofreudig sind wie Männer", um dann einzuschränken: "Sie versuchen nur, das Risiko kleinzuhalten."
Die Jung-Verlegerin hat die seltene Begabung, in ihrer Begeisterung anstekkend zu wirken. Im Brustton der Überzeugung erklärt sie, "daß wir es schaffen, keine Fachtermini zu benutzen oder sie einfach verständlich erklären, wenn sie unumgänglich sind. Wir benutzen eine natürliche Sprache, die jede Frau versteht". Locker ebenfalls der Werbespruch fürs Blatt, den Claudia Grett gerne zitiert: "Women & Money ist die erste Zeitschrift, mit der Sie weder schöner noch dünner werden können - aber reicher!"
Kaum zu glauben, was diese junge Frau in ihrem Leben schon alles angestellt hat: Während des Studiums in Koblenz lernte sie den Handel mit Wertpapieren kennen: "Ich bezog über Händler historische Wertpapiere aus den USA, um sie als Werbegeschenke an Unternehmen zu verkaufen. Damit habe ich das Geld verdient, um den Aktien-Express, einen Informationsdienst für Kapitalanleger, zu gründen. Seit einigen Jahren mache ich außerdem Öffentlichkeitsarbeit im Finanzbereich einiger großer Unternehmen." Um bei "Women & Money" einzusteigen, verkaufte sie den Aktien-Express, kaufte außerdem Titel und Kundinnenstamm eines Blattes, das sich an Frauen in Führungspositionen wandte, und hatte dabei keine Zeit, das Studium abzuschließen - was sie vielleicht nachholen will.
Obwohl eine solche Biografie gewaltig klingt, gibt Claudia Grett ohne Zögern zu, daß "Women & Money" noch kleine Brötchen backt: "Noch verdienen wir kein Geld damit, und wir zahlen auch nicht die Honorare, die wir gerne zahlen möchten", Chefredakteurin Ekhild Neumann- Reppert spricht von einem "Zuschuß- unternehmen". "Noch kann es sich keiner leisten, von dieser Arbeit hier zu leben." Und obwohl beide Frauen davon sprechen, daß sie manchmal "viel klotzen müssen, eine Ausgabe haben wir in drei Tagen aus dem Boden gestampft", schwärmt Ekhild Neumann-Reppert von dem guten Klima in der Redaktion, in der zwölf Frauen arbeiten: "Ich habe noch nie so streßfrei gearbeitet."
Bleibt noch, von einem Buch zu berichten, das just in dem Augenblick auf den Markt kommt, da Frauen sich dranmachen, auch die Männerdomäne der Finanzwelt für sich zu erkundschaften. Als Eva Dörpinghaus an ihrem Buch "Was Frauen über Geld wissen sollten" zu arbeiten begann, hörte sie oft den Einwand: "Geld? Oje, das wäre kein Thema für mich." Oder: "Also, davon versteh' ich leider furchtbar wenig." Die Autorin zog den Schluß: "Geld ist für die meisten Frauen ein schwieriges Thema." Ebenso wie die Frauen von "Women & Money" machte sie sich an die Arbeit, "allgemeinverständlich den Fachjargon der Wirtschafts- und Finanzleute zu übersetzen".
Das ist ihr gelungen. Eva Dörpinghaus erläutert im ersten Teil ihres Buches ("Planen und Vorsorgen") nicht nur so alltägliche Sachen wie die verschiedenen Arten von Bankkonten oder Kreditmöglichkeiten, sie klärt auch auf, welche finanziellen Folgen die Entscheidung für Güterstand oder Zugewinngemeinschaft in einer Ehe haben können, wie Partner für gemeinsame Schulden haften. Mit einfachen Worten werden Steuer-, Erb-, Versicherungs- und Rentenrecht erklärt. Und auch sie spricht Empfehlungen aus, wie Frauen fürs Alter rechtzeitig vorsorgen sollten. Im zweiten Teil des Buches ("Sparen und Anlegen") führt Eva Dörpinghaus ihre Leserinnen durch das Labyrinth der Finanzwelt: Sie erklärt, was Investment-Clubs sind, schreibt über Banales wie Festgeld, Sparverträge oder Bausparen und berichtet auch über die weniger bekannten Industrieanleihen, Bundeswertpapiere, Options- oder Fremdwährungsanleihen. Sie nimmt die Angst vor dem Aktiengeschäft, von dem sie sagt, "daß es nicht nur für Profis ist".
Informativ ist auch der Anhang des Buches, der ein kleines Lexikon der Sprache des Geldes enthält, das von A wie Abzinsung bis Z wie Zinseszins reicht. Es werden Fachzeitschriften - unter denen "Women & Money" noch fehlt - und jede Menge Adressen geliefert, wo Frauen sich schlau machen können - bei Bundes- und Landesversicherungsanstalten ebenso wie in den Finanzberatungsbüros für Frauen in fünf deutschen Städten.
Eva Dörpinghaus hat ihrem Buch ein Zitat der englischen Schriftstellerin Virginia Woolf (1882-1941) vorausgestellt. Die sagte: "Als nächstes werden sie einwenden, daß ich zuviel Gewicht auf die Bedeutung der materiellen Dinge gelegt habe . . . Aber intellektuelle Freiheit hängt von materiellen Dingen ab."
Eva Dörpinghaus ergänzt für Frauen fünfzig Jahre später: "Die wirkliche Gleichstellung der Geschlechter ist auch davon abhängig, wie gleichberechtigt das Geld in einer Gesellschaft aufgeteilt ist."
Kontaktadressen: Marion Weichert, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Friedrich-Ebert-Straße 46, 2000 Hamburg 61. - "Woman & Money", Neuer Wall 40, 2000 Hamburg 36.
Literatur zum Thema: "Was Frauen über Geld wissen sollten", ein Ratgeber von Eva Dörpinghaus, Brigitte-Buch im Mosaik-Verlag, Neumerkter Straße 18, 8000 München 80, Preis: 24,90 DM.
Er ist in jedem Alter ein Schock, der das ganze Leben verändert: der Schlaganfall. Besonders schwer zu ertragen aber scheint es, wenn er in jungen Jahren jemand trifft. Christa Holubetz war 49 Jahre alt, als sie einen schweren Schlaganfall erlitt. Diese Nacht hat das Leben der Mutter von drei Kindern völlig verändert. Nachdem Schmerz, Depression und Verzweiflung überwunden waren, beschloß Christa Holubetz, diesen "Schlaganfall als Lebenserfahrung" zu nutzen - und genau diesen Titel gab sie auch einer kleinen Broschüre, in der sie ihren Therapieweg zurück ins Leben beschrieben hat. Erlebnis und Beobachtung sind so genau und detailliert geschildert, daß sie auch anderen Schlaganfall-Patienten Hilfe sein können. (Christa Holubetz: "Schlaganfall als Lebenserfahrung", 12,80 DM).
Kontaktadresse: Christa Holubetz, Am Freiheitsplatz 14/5, 6450 Hanau. Telefon 0 61 81 / 25 47 95. FR
RUDOLF FEUERSENGER, seit Anfang 1992 Vorsitzender der Senioren- CDU in Langen, hat jetzt sein Amt niedergelegt. Wie die christdemokratische Untergruppe mitteilte, wird Feuersenger den Wohnsitz wechseln und Langen aus familiären Gründen verlassen. Seine Nachfolge soll ERICH DOZEKAL antreten, bisher stellvertretender Vorsitzender der Senioren- CDU. leo
HEINZ EHRLICH und ROLF DOSCH, beide bisher Direktoren der Neu-Isenburger Stadtwerke, sind künftig gemeinsam Geschäftsführer der neu gegründeten Stadtwerke Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Während sich Rolf Dosch vor allem um das Personal- und das Rechnungswesen, Einkauf und Verkauf kümmern soll, wird Heinz Ehrlich für die Technik zuständig sein. leo
HOLGER GROS ist neuer Vorsitzender des Personalrats in der Dreieicher Stadtverwaltung. Er löste Günther Felgenträger ab, der nach internen Querelen im Dezember sein Amt niedergelegt hatte. Sein Nachfolger, gebürtig aus Wiesbaden, arbeitet seit 1975 bei der Stadt. Der 43 Jahre alte Ingenieur war bisher im Bauamt für Städtebau und Verkehrsplanung zuständig. Im Personalrat sitzt er seit mehr als zwei Legislaturperioden. Gros hat sich vorgenommen, als "Sprachrohr des Personalrats" dem Arbeitgeber ein System von Leistungszulagen vorzuschlagen, die besonders den unteren Lohngruppen zugute kommen sollen. dac
Die HIGHROLLERS, eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Dreieicher Max-Eyth-Schule, haben den neunten Platz beim Börsenplanspiel der Frankfurter Sparkasse belegt. Bei diesem Wettbewerb haben sich nach Angaben des Kreditinstituts bundesweit mehr als 400 000 Schülerinnen und Schüler beteiligt. Die "Highrollers" vermehrten ihr fiktives Startkapital von 100 000 Mark um rund zehn Prozent. Sehr erfolgreich waren auch die beiden Teams der Goetheschule in Neu-Isenburg. Die Gruppen "The Munsters" und "Die Hypothenusen" landeten auf den Plätzen 14 und 18. Sieger des Wettbewerbs wurde eine Schülergruppe aus Frankfurt. dac
HANAU. "Hanau für Toleranz und Menschenwürde - gegen Ausländerfeindlichkeit" lautet der Frankierstempel, den jährlich rund 400 000 Briefsendungen der Hanauer Stadtverwaltung seit März 1991 tragen. Demnächst übernimmt auch das Hauptpostamt dieses Motto in ihrer Stempelmaschine. Vorausgegangen war aber die Weigerung der Postreklame GmbH, den Stempel zu übernehmen, da politische Äußerungen unzulässig seien.
Das Hauptamt dagegen argumentierte, es handele sich bei diesem Appell nicht um Parteipolitik, sondern um einen Aufruf, Grund- und Menschenrechte in einer Zeit zu beachten, in der radikale Kräfte diese Verhaltensweisen in Frage stellten. Gegenüber der Postreklame blieb diese Argumentation zunächst ebenso ungehört wie gegenüber der Ausländerbeauftragten der Bundesregierung, Cornelia Schmalz-Jacobsen.
Erst als die Stadt Hanau ihren Postwerbeauftrag kündigte, begann offenbar ein Umdenken im Bundespostministerium. Die Postreklame ließ das Hanauer Rathaus wissen, der Text sei "auf höchste Weisung" genehmigt worden. him
KÖNIGSTEIN. Der dicke Kater pirscht sich durch das Loch im Gartenzaun und geht auf Mäusefang. Daß er seine Samtpfoten auf unbefugtes Gelände setzt, kümmert den Leisetreter herzlich wenig - den Nachbarn hingegen sehr. Schon ist der Streit da: Darf die Miezekatze das fremde Grundstück betreten oder nicht? Ein Fall für den Schiedsmann.
"Man kann einem Hahn ja auch nicht das Krähen verbieten", schmunzelt Hans Honisch und blättert in seinen Akten. Seit genau zehn Jahren versucht der Schiedsmann für den Stadtteil Falkenstein solche Streitigkeiten zu schlichten, indem er zwischen den Kontrahenten vermittelt.
"Manchmal eine verzwickte Aufgabe", erzählt der CDU-Stadtverordnete. Diplomatie und Feingefühl sind gefragt. Ein Urteil können die streitenden Parteien vom Schiedsmann jedoch nicht erwarten. Ziel einer sogenannten Sühneverhandlung ist es nicht, Gewinner und Verlierer zu ermitteln, sondern - wie der Name schon sagt - zu versöhnen.
"Wer seinen Nächsten verurteilt, kann irren. Wer ihm verzeiht, irrt nie", zitiert Honisch eine alte Weisheit, die er seiner Arbeit zugrunde gelegt hat. Doch nicht immer klappt's mit dem Vergessen und Vergeben. Dann steht es den Parteien frei, beim zuständigen Gericht zu klagen.
"Die Bereitschaft, sich wieder zu vertragen, wird leider immer geringer. Die Leute sind streitbarer geworden", bedauert der 63jährige. Da heutzutage fast jeder eine Rechtsschutzversicherung habe, werde bei der geringsten Beleidigung gleich rechtlich vorgegangen: Da verzeiht Frau Müller Frau Maier nicht, daß sie das Briefgeheimnis verletzte, ein aufdringlicher Vertreter wird des Hausfriedensbruches beschuldigt, und bellt der Fiffi des ungeliebten Nachbarn zu oft, muß unverzüglich der Rechtsanwalt einschreiten. Doch das kann teuer werden: "Viele bedenken die hohen Gerichtskosten nicht", sagt Honisch. Man müsse sich vorher darüber im klaren sein, wie weit man gehen könne und wolle.
Mit Seminaren und Fortbildungsveranstaltungen hält sich der pensionierte Maurerpolier auf dem laufenden. Inzwischen kennt er sich im Hessischen Nachbarschaftsgesetz genausogut aus wie auf dem Bau. Zweimal im Jahr trifft er sich mit seinen Kollegen, alle zusammengeschlossen im Bund der Deutschen Schiedsmänner in Frankfurt.
Ob er auch für die nächste Amtsperiode (jeweils fünf Jahre) "Streitschlichter" für die Falkensteiner bleiben wird, entscheiden Stadtverordnetenversammlung und Amtsgericht in diesem Frühjahr. Doch mit 70, so meint der aktive Rentner, sei endgültig Schluß: "Dann mache ich den jungen Leuten Platz." KATJA IRLE
"Hat einer von euch schon mal einen Juden getroffen?" Die Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Oberstufenklassen des Goethegymnasiums in Schwerin schweigen. Edward Serotta, Fotograf und Journalist aus den USA, versucht es noch einmal. "Vielleicht im Fernsehen?" Die 30 Jugendlichen schweigen. "Dann bin ich euer erstes Opfer", führt Serotta den einseitigen Dialog weiter: "So, laßt uns kurz über den Unterschied zwischen Deutschen und Juden reden. Nehmen wir an, es ist das Jahr 1940. Was würdest du tun?" Der blasse, schmale Junge mit dem ersten Schnurrbartflaum zuckt zusammen. Die Frage geht an ihn. "Weiß nicht", wehrt er ab. "Würdest du Juden vernichten?" Das Mädchen zögert Von Ute Frings (Schwerin) einen Moment: "Nein, ich denke nicht." Für ihn sei die Sache klar, sagt Serotta, er wäre tot, bestenfalls auf der Flucht. "Das ist der Unterschied. Der Blick auf den Nationalsozialismus ist für euch, für die Deutschen, eine ethische Frage; für einen Juden niemals. Er war das Opfer. Punkt aus." - Schweigen.
Januar 1993. Der mecklenburgische Himmel wölbt sich strahlend blau über die Stadt Schwerin. Ein Hoch hat die Kältewelle abgelöst. Der Temperatursturz blättert die currygelbe Außenhaut des aus Betonplatten zusammengesetzten Goethegymnasiums weiter auf. "Erweiterte Oberschule" ist mit eisernen Buchstaben über die Eingangstür geschrieben; daneben aus realsozialistischem Guß das Relief eines Mannes und einer Frau. Im Flur hat eine Serie über Denkmäler der Stadt, erneuert von der "werktätigen Klasse und den Schichten des Volkes", überlebt. Im Klassenraum klären Plakate des Bundesgesundheitsministers über Aids auf.
Im Foyer des Schweriner Staatstheaters wird die Fotoausstellung "Jüdisches Leben im Osten Europas" von Edward Serotta gezeigt. Sein Angebot, in Schweriner Schulen von den Erfahrungen seines fünfjährigen Lebens in den jüdischen Gemeinden im Osten Europas zu berichten, wurde dankbar angenommen. Im Staatstheater Schwerin steht das Musical "Anatevka" auf dem Programm. Die Geschichte der Vertreibung der Juden aus ihrem Dorf Anatevka im Rußland der Jahrhundertwende ist allabendlich ausverkauft. Vor dem Staatstheater mahnt ein Transparent: "So kam ich unter die Deutschen. Und wehe dem Fremdling, der aus Liebe wandert und zu solchem Volke kömmt" (Friedrich Hölderlin, Hyperion). Wir schreiben das Jahr drei im vereinten Deutschland.
Edward Serotta beginnt seinen Vortrag über das jüdische Leben im Osten Europas nach dem Holocaust in Rumänien, der ehemaligen Tschechoslowakei, in Bulgarien, Polen und Ungarn, in der ehemaligen DDR. Er erzählt von dem Beginn der Vernichtung Mitteleuropas, dem Ende des Vielvölkerstaats der k. u. k. Monarchie, in dem 23 ethnische Gruppen mit 23 Sprachen zusammenlebten, keiner Nation verpflichtet, sondern einzig Kaiser Franz Joseph. Juden lebten hier mehr als tausend Jahre. Der Anfang des Endes der jüdischen Welt, die Sholem Alejchem in "Anatevka" beschrieben hat, beginnt am 28. Juni 1914. "Weiß jemand, was da geschah?" - Schweigen. Es war der Tag, an dem Franz Ferdinand, Thronerbe der Donaumonarchie, in diesem Hotel in Sarajewo - klick: Dia - die Nacht verbrachte, auf diesem Balkon eine Rede hielt - klick - und an dieser Ecke - klick - erschossen wurde: der Beginn des 1. Weltkriegs, der zum Zweiten Weltkrieg führte. Die Welt des Sholem Alejchem endete hier - klick - in dieser Gaskammer; so: - klick - Totenschädel.
Sprung in die Gegenwart: Bulgarien, neben Dänemark das einzige Land, das sich weigerte, die Juden in die Gaskammern zu deportieren. Die Juden flohen erst später den Kommunismus und hinterließen Synagogen wie diese - klick.
"Weiß jemand, was eine Synagoge ist?" - Schweigen. "Was ist ein Rabbi?" - Schweigen. Tschechoslowakei: Hier lebten 350 000 Juden vor dem Krieg; 50 000 überlebten; 35 000 flüchteten aus Angst vor antisemitischen Pogromen der Stalinisten. Heute gibt es wieder jüdische Festivals, hebräische Schulen, Chanukka- Feste - klick, klick, klick.
Serotta lädt die Schüler zu einer Bilderreise durch das jüdische Mitteleuropa ein; kommentiert die Politik, erzählt Anekdoten. Die Kommunisten hatten ihre Probleme mit der Religion. Erich Honekker antichambrierte bei den Juden, weil er in die USA fahren wollte. Die DDR hatte Schwierigkeiten mit der Geschichte, weil sie selbst keine hatte. Antisemitismus und Faschismus existierten dort nicht, nicht in Schwerin, nicht in Rostock - das Böse lebte im Westen hieß es.
Aber Edward Serotta reist allein. Die Jugendlichen sitzen mit regungslosen Gesichtern in ihren Bänken. Ein Mädchen nutzt die Gunst der (freien) Stunde zum Nickerchen, zwei erledigen Hausarbeiten. - klick: Trabant mit Synagoge in Dresden. Keiner lacht. Klick - ein Freund, Fotograf, Jude in der DDR. "Ihr seht, wir sehen aus wie alle anderen." - Schweigen. Nach dreißig Minuten ist die Tour de force beendet. Zeit für Fragen, ein Gespräch. Die Mauer des Schweigens steht. Judentum, Amerika, Fotografie. Themenangebote. Das Klingelzeichen befreit die 17jährigen. Das Ende der Begegnung mit einem Juden - Gott sei Dank?! Einer der Schüler kommt nach vorne. Mit zittrigen Händen und hochrotem Kopf bittet er in perfektem Englisch mit Oxford-Akzent Serotta um ein kurzes Gespräch. Warum die Deutschen die Juden ermordet hätten? fragt er. Nun, warum? gibt Serotta die Frage zurück. Der Junge überlegt nicht lange. Weil sie cleverer seien als die Deutschen, sagt er, bessere Händler, bessere Geschäftsleute. Das hätte die Deutschen gestört.
Dreimal erzählt Edward Serotta an diesem Tag Schweriner Schülern vom jüdischen Leben im alten Mitteleuropa, fordert zu Fragen auf, bietet das Gespräch an. Einmal gelingt es ihm, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen; bei den Jüngsten, den 12jährigen. Sie sitzen mit wachen Gesichtern, lauschen fasziniert diesem ungewöhnlichen Mann, seinen Geschichten aus einer ihnen unbekannten Welt. Sie sind neugierig und fragen. Woran man einen Juden denn erkenne? Stellt euch vor, antwortet Edward Serotta, wir ziehen die Vorhänge auf und die Welt da draußen ist Israel: Da würden wir blonde Menschen sehen, Menschen mit schwarzer, mit brauner Haut. Ob er auch Jude werden könne, fragt ein Junge. Das sei keine leichte Sache, wird er enttäuscht. Und eigentlich wolle das keiner, außer den Deutschen. Denn es sei immer eine Katastrophe, wenn Deutsche zum ersten Mal von dem Holocaust hörten. Viele fühlten sich schuldig. Doch das sei unsinnig. Gleichwohl, es gebe eine kollektive Verantwortung der Deutschen, und die könne keiner ablegen. Ob er aus dem Judentum austreten könne, will ein Mädchen wissen. Ja, ja, das ginge schon, nickt Serotta. "Nur, ein altes Sprichwort sagt: Wenn du das Judentum verläßt, wird dich die Welt daran erinnern."
Die Lehrerin hat sich artig bedankt. Blumen wurden überreicht, mit leiser Stimme im leeren Klassenzimmer entschuldigend (für was?) ein Resümee gezogen: "Toleranz sei ein großes Problem hier, und man habe Nachholbedarf, was die anderen, die Fremden, anbelangt."
In der Straßenbahn wird ein Dialog geführt: Ein Hakenkreuz ist rechts, "Nazis raus" links an die Wand gemalt. "Wenn in einer Stadt ein Unrecht geschieht, muß ein Aufschrei sein", fordert ein zweites Transparent am Theater. Zweitausend Anschläge in einem Jahr auf Menschen mit anderer Hautfarbe, das sei nach seiner Meinung pervers, hatte Serotta den 17jährigen gesagt. - Schweigen. Eine Lehrerin hatte nach der Stunde versucht zu erklären, die Jugendlichen seien verunsichert, überfordert, für noch mehr Probleme einfach nicht offen. Nur, auch sie - die fast erwachsen sind - seien verantwortlich für die Demokratie in diesem Land; auch das hat Edward Serotta an diesem Tag gesagt. Auch dazu haben die Schüler geschwiegen.
Kleine FR
Erinnerungen an früher MÖRFELDEN-WALLDORF. "Vadder, verzehl emol" heißt es am Mittwoch, 20. Januar, beim Treffen der evangelischen Frauenhilfe Walldorf. Ab 14 Uhr berichtet Pfarrer Leber im Gemeindezentrum Ludwigstraße von früheren Zeiten. Blutspende und Lehrgang MÖRFELDEN-WALLDORF. Das Walldorfer Rote Kreuz bittet am Mittwoch, 20. Januar, 16 Uhr, zum Blutspendetermin ins DRK-Zentrum, Waldstraße. Die Rot- Kreuz-Gruppe von Mörfelden bietet am Samstag, 23. Januar, einen Erste-Hilfe- Lehrgang an. Beginn: 9 Uhr im DRK- Heim in der Annastraße. Diavortrag über Dolomiten MÖRFELDEN-WALLDORF. Einen Dia-Vortrag über die Dolomiten sieht die VHS-Feierabendrunde am Donnerstag, 21. Januar, 16 Uhr, in der Wilhelm-Arnoul-Schule.Jahreshauptversammlung KELSTERBACH. Zur Jahreshauptversammlung kommt die SG Bahnhof am Freitag, 22. Januar, 20 Uhr, im Gemeinschaftsraum des Sportparks zusammen. Akkordeon-Club trifft sich MÖRFELDEN-WALLDORF. Die Mitglieder des Akkordeon-Clubs Walldorf treffen sich am Freitag, 22. Januar, um 19 Uhr im Clubraum I der Stadthalle zur Jahreshauptversammlung.
Luftbelastungswerte vom 22. Januar in Milligramm je Kubikmeter Luft.
Stoffe und Grenzwerte*
Hanau Maintal
SO2 (1,0) 0,018 (0,0018 0,014 (0,008) CO (50) 0,8 ( 0,4 ) 0,3 ( 0,3 ) NO2 (0,2) 0,036(0,045) 0,034 (0,040) Staub (0,45) 0,057 (0,011) 0,012 (0,017)
- = kein Meßwert bekannt
(in Klammern Werte vom Vortag)
SO2 = Schwefeldioxid
CO = Kohlenmonoxid
NO2 = Stickstoffdioxid
* nach VDI-Richtlinie 2310
Aktuelle Ozonwerte-Messungen entfallen im Winterhalbjahr.
Donnerstag, 21. Januar Ökologische Linke Liste: "Flugzeuge im Wasser", Affentorhaus in Sachsenhausen, Clubraum 3, 19 Uhr.
Podiumsdiskussion mit Sieghard Pawlik (SPD), Petra Roth (CDU), Jutta Ebeling (Grüne) und Hans-Joachim Otto (FDP) um 20 Uhr in der Wöhlerschule, Mierendorffstraße 6. Veranstalter sind die Schülervertretungen von Wöhler-, Elisabethenschule und Lessing-Gymnasium.
"In jeder Boutique tauschen die mir einen Pullover um, wenn der nicht paßt. Und im Kaufhaus nehmen sie mir sogar die Sokken zurück, wenn ich mich vertan habe. Nur die Bundesbahn will von derlei Kundendienst nichts wissen." FR-Leser Martin W. ist "über das ohnehin nicht gerade sehr bewegliche Großunternehmen stocksauer". Grund: Am Fahrkartenschalter im Hauptbahnhof weigerte sich der Beamte, eine nicht benutzte Fahrkarte umzutauschen und dem Kunden für einen späteren Reisetermin gutzuschreiben.
In Kenntnis der Schlangen, die sich Freitag mittags gewöhnlich vor den Schaltern im Hauptbahnhof bilden, wollte der FR-Leser vorbeugen und löste das Ticket für die Fahrt nach Limburg bereits am Dienstag der Woche. Doch am Freitagmorgen kam ihm dann etwas dazwischen und Martin W. mußte den Besuch bei seinen Eltern in Limburg verschieben.
Um das Ticket nicht verfallen zu lassen, ging der FR-Leser aber umgehend zum Hauptbahnhof und wollte die Fahrkarte für den Freitag in der Woche danach umschreiben lassen. Doch der Bahnbeamte schüttelte den Kopf: "Tut mir leid, das geht nicht." Angeblich, so bekam Martin W. auf Nachfrage zu hören, hätte die Bundesbahn "ansonsten keinen Überblick mehr, wie voll die Züge sind". Der Beamte verwies jedoch auf die Möglichkeit der Fahrgeldrückerstattung.
Doch als der FR-Leser dafür die Bedingungen erfuhr, stieg ihm die Zornesröte ins Gesicht: "Bei 10,80 Mark Bearbeitungsgebühr wären mir vom Fahrpreis noch 1,80 Mark geblieben. Die ganze Karte kostete ja nur 12,60 Mark", rechnet der Bahnkunde vor. Wütend machte W. auf dem Absatz kehrt, zerknüllte die für ihn wertlose Karte und verzichtete mit den Worten "dann fahr ich halt wieder Auto" auch auf die restlichen 1,80 Mark.
DB-Sprecher Walter Henss will den Kollegen an der Fahrkartenausgabe nicht rügen. Im Gegenteil: "Der Mann hat sich völlig korrekt verhalten." In der Eisenbahnbetriebsordnung, der Rechtsgrundlage für Erstattung und Umtausch von Fahrkarten, sei eindeutig festgehalten: Fahrkarten für Entfernungen von unter 150 Kilometer werden nicht umgetauscht. Ein Umtausch der Karten ist erst ab 151 Kilometer möglich.
Der Grund für derlei Praxis ist zwar nirgendwo schriftlich festgehalten, gleichwohl ist er bekannt: Auf relativ kurzen Strecken kann es schon einmal vorkommen, daß kein Schaffner erscheint, die Karten kontrolliert und dabei entwertet. Das noch "jungfräuliche" Ticket könnte dann noch am selben Tag mit der Begründung, man sei gar nicht gefahren, wieder umgetauscht werden. Bei einer Langstrecke dagegen ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich geringer, daß sich während der gesamten Fahrtzeit kein Zugbegleiter sehen läßt.
Allerdings. Einen Widerspruch konnte auch Bahn-Sprecher Henss nicht klären. Wenn die Bahn - vielleicht sogar zu Recht - ihren Kunden ein wenig mißtraut, müßte sie konsequenterweise dann auch die Fahrgelderstattung bis 150 Kilometer verweigern. gang
FRANKFURT A. M. Die Frankfurter Turn- und Sport-Gemeinschaft (FTG) in Bockenheim bietet seit Mitte Januar für jung und alt wieder zahlreiche Sportkurse an. Für Kinder stehen verschiedene Angebote auf dem Programm: "Flitzplatz - Kinder machen Bewegung" heißt ein Kurs. Die Kleinen können beim Klettern, Balancieren, Schaukeln, Springen oder Rollen elementare Bewegungserfahrungen sammeln. "Kreativer Kindertanz" und "Ballettkurse" sind weitere Angebote für Kinder. Im Judokurs lernen die Kleinen, wie sie einen Gegner durch Wurf, Halte- oder Würgegriff besiegen können. Verschiedene Tricks und Techniken werden auch beim Jonglieren ausprobiert.
Auch das Angebot für die Erwachsenen ist bunt und umfangreich. "Gesellschaftstanz" steht für Anfänger und Fortgeschrittene auf dem Programm. Die Teilnehmer können ihre Tanzkenntnisse auffrischen, aber auch neue Tänze lernen. Im "Jazztanz" steht die Freude an der Bewegung im Vordergrund. "Badminton" ist ein Federball ähnliches Spiel. Diese Sportart kann in einem Einführungskurs kennengelernt werden.
"Callanetics" kommt aus Amerika und ist eine Mischung aus Gymnastik, Yoga und Ballett. Problemzonen wie Po-, Oberschenkel- und Bauchmuskulatur werden trainiert. Auch Zivilisationsschäden wie beispielsweise Rückenschmerzen können durch gezielte Übungen der Tiefenmuskulatur behandelt werden. Im Kurs "Entspannungsverfahren" sollen Spannungs- und Streßzustände beeinflußt werden. Bei "Yoga für Anfänger" sollen Körper und Geist zu innerer Harmonie gelangen. Der Kurs für Fortgeschrittene heißt "Yoga, Entspannung und Meditation".
"Step Aerobic" ist eine gelenkschonende Art des Aerobic. Für gesundheitsbewußte Interessenten ist das Sportangebot noch nicht erschöpft. Kurse wie "Kräftigungs- und Fitneßgymnastik", "Problemzonengymnastik", "Wirbelzonengymnastik" und auch eine "Ambulante Herzsportgruppe" werden angeboten.
Auch Workshops bietet die FTG für Erwachsene an. Tanzbewegungen aus den Bereichen Hip, Rap und Techno werden im "Street-Jazz" ausprobiert. Im "Jazztanz" sollen verschiedenen Tänze mit Hilfe von Bildern, Texten oder Klängen entwickelt werden. In dem Workshop "Tanzwerkstatt für Frauen" können sich die Damen individuell bewegen. Die eigene Persönlichkeit kann im "Ausdruckstanz" mit eingebracht werden. Und im Arbeitskurs "Selbsthypnose und positives Denken" lernen die Teilnehmer verschiedene Entspannungstechniken.
Die Sportkurse der Frankfurter Turn- und Sport-Gemeinschaft 1847 können auch von Teilnehmern besucht werden, die nicht Mitglied im Verein sind. Weitere Informationen gibt die Geschäftsstelle unter der Telefonnummer 77 49 29. *nia
FRANKFURT A. M. Die Frankfurter Turn- und Sport-Gemeinschaft (FTG) in Bockenheim bietet ab Mitte Januar für jung und alt wieder zahlreiche Sportkurse an. Für Kinder stehen verschiedene Angebote auf dem Programm: "Flitzplatz - Kinder machen Bewegung" heißt ein Kurs. Die Kleinen können beim Klettern, Balancieren, Schaukeln, Springen oder Rollen, elementare Bewegungserfahrungen sammeln. "Kreativer Kindertanz" und "Ballettkurse" sind weitere Angebote Judokurs für Kinder für Kinder. Im Judokurs lernen die Kleinen, wie sie einen Gegner durch Wurf, Halte- oder Würgegriff besiegen können. Verschiedene Tricks und Techniken werden auch beim Jonglieren ausprobiert.
Auch das Angebot für die Erwachsenen ist bunt und umfangreich. "Gesellschaftstanz" steht für Anfänger und Fortgeschrittene auf dem Programm. Die Teilnehmer können ihre Tanzkenntnisse auffrischen, aber auch neue Tänze lernen. Im "Jazztanz" steht die Freude an der Bewegung im Vordergrund. "Badminton" ist ein Federball ähnliches Spiel. Diese Sportart kann in einem Einführungskurs kennengelernt werden.
"Callanetics" kommt aus Amerika und ist eine Mischung aus Gymnastik, Yoga und Ballett. Problemzonen wie Po-, Oberschenkel- und Bauchmuskulatur werden trainiert. Auch Zivilisationsschäden wie beispielsweise Rückenschmerzen können durch gezielte Übungen der Tiefenmuskulatur behandelt werden. Im Kurs "Entspannungsverfahren" sollen Spannungs- und Streßzustände beeinflußt werden. Bei "Yoga für Anfänger" sollen Körper und Geist zu innerer Harmonie gelangen. Der Kurs für Fortgeschrittene heißt "Yoga, Entspannung und Meditation".
Im "Stretching für Anfänger" werden die Muskeln An- und Entspannt. "Step Aerobic" ist eine gelenkschonende Art des Aerobic. Für gesundheitsbewußte Interessenten ist das Sportangebot noch nicht erschöpft. Kurse wie "Kräftigungs- und Fitneßgymnastik", "Problemzonengymnastik", "Wirbelzonengymnastik", und eine "Ambulante Herzsportgruppe" werden angeboten. Speziell für Herren ist das "Fitneßtraining für Männer".
Auch Workshops bietet die FTG für Erwachsene an. Tanzbewegungen aus den Bereichen Hip, Rap und Techno werden im "Street-Jazz" ausprobiert. Im "Jazztanz" sollen verschiedenen Tänze mit Hilfe von Bildern, Texten oder Klängen entwickelt werden. In dem Workshop "Tanzwerkstatt für Frauen" können sich die Damen individuell bewegen. Die eigene Persönlichkeit kann im "Ausdruckstanz" mit eingebracht werden. Und im Arbeitskurs "Selbsthypnose und positives Denken" lernen die Teilnehmer verschiedene Entspannungstechniken.
Die Sportkurse der Frankfurter Turn- und Sport-Gemeinschaft 1847 können auch von Teilnehmern besucht werden, die nicht Mitglied im Verein sind. Weitere Informationen gibt die Geschäftsstelle unter der Telefonnummer 77 49 29. *nia
Selbst der ausgepichte Massenet-Kenner und -Bewunderer Ulrich Schreiber erwähnt sie in seinem kompendiösen "Opernführer für Fortgeschrittene" nicht: die späte "Cléopâtre", die 1990 anläßlich des Massenet-Festivals im mittelfranzösischen Saint-Etienne aufgeführt und bei dieser Gelegenheit gleich für den Tonträgermarkt präpariert wurde. Die Veröffentlichung besorgte die Firma Koch- Schwann, unterstützt von der Fondation France Telecom.
Der Hörer wird auch von diesem Werk des produktivsten französischen Opernkomponisten der letzten Jahrhundertwende nicht enttäuscht. Historisches Schlachtengetümmel und orientalisierendes Lokalkolorit halten sich in engen Grenzen.
Was den intimen Seelenmusiker Massenet dagegen weit mehr interessiert, sind die subtilen Verästelungen erotischer Nuancen. Schmelzend lyrische Soloszenen und Duette gehören denn auch zum Bezwingendsten dieser reifen, meisterlichen Partitur, die in nichts dem fast gleichzeitigen "Don Quichote" nachsteht, ja, ihn an tonsprachlicher Dichte und Konsistenz vielleicht sogar übertrifft.
Die Wiedergabe des Festival-Teams kann sich hören lassen. Kathryn Harries gibt der Titelpartie das angemessene sinnliche Flair. Danielle Streiff (Octavie), Martine Olmeda (Charmion), Didier Henry (Marc Antoine) und Jean-Luc Maurette gestalten ihre ebenfalls wichtigen Rollen mit sublimer Überzeugungskraft. Keine Oper für Stars, eher ein Werk für kluge, sensible sängerische Gestalter. Der Dirigent Patrick Fournillier musizierte mit dem Nouvel Orchestre de Saint- Etienne und den Choeurs du Festival entsprechend feinfühlig. Eine schöne Entdeckung. H.K.J.
Massenet: "Cléopâtre" (Opern-Gesamtaufnahme); Kathryn Harries, Danielle Streiff, Martine Olmeda, Didier Henry, Jean-Luc Maurette u. a.; Choeurs du Festival Massenet, Nouvel Orchestre de Saint-Etienne, Leitung: Patrick Fournillier; Koch-Schwann 3-1032-2.
FRANKFURT A. M. "Schauen Sie sich mal die schönen, etwas durchgebogenen Balken im Mauerwerk an. Die müssen unbedingt so erhalten bleiben!" Hans- Günter Hallfahrt vom Amt für Denkmalpflege erklärt dem Architekten, wie er sich die Renovierung eines alten Bauerngehöftes in Nieder-Erlenbach vorstellt.
Das Anwesen ist eines von 4500 unter Denkmalschutz stehenden Objekten im Frankfurter Stadtgebiet. Nachdem der Hof den Besitzer gewechselt hat, wurden bereits verschiedene Pläne für eine neue Nutzung vorgelegt. Hans-Günter Hallfahrt muß dazu nun sein Placet geben. "Interessiert bin ich selbstverständlich auch an der Innennutzung des Gebäudes." Auch sie ist genehmigungspflichtig, denn nicht nur das äußere Erscheinungsbild ist für die Denkmalpflege von Bedeutung, Ausstattung und historische Dekoration der Innenräume unterstehen ebenso dem Denkmalschutz. Das Bauernhaus wird wahrscheinlich zum Wohnhaus umgebaut. Verstöße gegen die Vorschriften sind selten, wie Hans-Günter Hallfahrt berichtet. "Die Bevölkerung akzeptiert unsere Arbeit und unterstützt sie auch. Und das macht die Erhaltung von Kulturdenkmälern natürlich leichter."
Um die Arbeit effektiver zu machen, wurde im Jahr 1986 vom Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden eine sogenannte Denkmaltopographie für die Stadt Frankfurt angelegt. In diesem Wälzer ist jedes der zu schützenden Anwesen aufgeführt, mit Plänen, Zeichnungen und Fotografien dokumentiert. In den Augen der Mitarbeiter ist das für den Denkmalschutz eine bedeutende Leistung: "Solch eine verbindliche Dokumentation fördert die Rechtssicherheit. Wir können so unsere Ziele notfalls auch in gerichtlichem Rahmen besser durchsetzen. Aber zum Glück ist das sehr selten nötig."
Wie bei allen Denkmalobjekten geht es auch bei dem Bauernhof in Nieder-Erlenbach vor allem um die Materialechtheit. Hans-Günter Hallfahrt weiß: "Ein Fachwerkhaus darf nicht nur als solches angemalt werden, sondern es muß auch wirklich eines sein. Wichtig ist, Originalsubstanz zu erhalten. So ein Haus ist schließlich ein Zeuge der Geschichte. Bei diesem Gebäude hier werden wir die Renovierung mit Naturschiefer und Eichenholz machen." Dabei darf die Bausubstanz des Bauerngehöftes nicht gefährdet werden.
Wer sich bei der Denkmalpflege einen verstaubten Studienbetrieb vorstellt, wird schnell eines besseren belehrt. Die städtischen Pfleger sind zu Besichtigungsterminen in allen Frankfurter Vororten ständig unterwegs. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Beratung von Immobilieneigentümern, die zum großen Teil in den Räumen des Denkmalamtes in der Domstraße stattfinden. Viele Eigentümer von geschützten Häusern möchten ihre Anwesen modernisieren, informieren sich über Förderungen der Stadt oder haben Fragen zu baulichen Veränderungen.
Die Beratungsgespräche bei der Denkmalpflege werden durch Kontakte mit Ämtern wie der Bauaufsicht oder dem Amt für Kommunale Gesamtentwicklung und Stadtplanung ergänzt. Die Berater legen darauf Wert, schon in der ersten Planungsphase mit den Eigentümern in Kontakt zu stehen, denn "was einmal durch unsachgemäße Maßnahmen verhunzt worden ist, läßt sich nur schwer beheben".
Aufklärung, wie man mit denkmalgeschützten Gebäuden umgeht, leisten auch die Veröffentlichungen des Denkmalamtes. Die "Beiträge zum Denkmalschutz" behandeln meist ein umfangreiches Thema, das Faltblatt "Notizen zum Denkmalschutz" beschreibt in kurzer Form ein ganz bestimmtes Objekt. Beide Veröffentlichungen wollen die Geschichte der Stadt Frankfurt begreifbarer machen und die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt fördern. pia
WEILROD. Die Faschingskampagne in Altweilnau lockt alle Narren am Wochenende 5. und 6. Februar zum fröhlichen Feiern. Am Freitag- und Samstagabend veranstalten der Turn- und Sportverein Weilnau und die Freiwillige Feuerwehr Altweilnau ihre beiden gemeinsamen Fremdensitzungen. Sie beginnen jeweils um 20.01 Uhr im Altweilnauer Sportlerheim.
Der Kartenvorverkauf beginnt am Sonntag, 24. Januar, für die Mitglieder beider Vereine ab 10.30 Uhr im Feuerwehrgerätehaus Altweilnau. Für alle anderen Faschingsfans sind die Karten am Dienstag, 26. Januar, in den Altweilnauer Geschäften Edeka, Goll und der Pension Herrmann erhältlich. Den Vorverkauf in Finsternthal übernimmt das Gasthaus "Zur alten Schule", in Neuweilnau Werner Höser und in Riedelbach Friedel Bach. cn
Zu unserem Artikel "Realschüler werden für Demo bestraft" in der Stadtteil-Rundschau Süd vom 7. Januar schrieben uns Realschulrektorin Monika Intrau und Realschulkonrektor Helmut Strahlendorf von der Deutschherrenschule, folgenden Leserbrief:
Der Artikel entbehrt jeder sachlichen Grundlage und objektiven Darstellung. Schüler unserer Schule verließen am 2. Dezember um 11.20 Uhr die Schule, die Kundgebung auf dem Opernplatz begann um 13.20 Uhr. Die sechste Stunde endet um 13 Uhr. Die Zeiten belegen zweifelsfrei wie unhaltbar Titel und Untertitel sind. Von einer Entschuldigung im Sinne des reißerischen Untertitels war seitens der Schulleitung nie die Rede. Sie ist eine Erfindung des Autors.
Im übrigen war der Mutter auf ihr Schreiben drei Tage später schriftlich mitgeteilt worden, daß eine abschließende Bewertung, wie mit den Fehlstunden umgegangen wird, erst nach schulinternen Beratungen erfolgen wird. Auch dieses Schreiben lag dem Autor vor und widerlegt eindeutig die Überschrift, die von einer Strafe als Faktum spricht. Im Gegensatz zu dem in Auszügen wiedergegebenen Brief der Mutter fand das Schreiben der Schulleitung allerdings keine Erwähnung in dem Artikel, obwohl es dem Autor noch vor Weihnachten zuging.
Es handelte sich bei der "Demo" auch nicht um den Marsch Frankfurter Schulen, wie dargestellt, also einer gemeinsamen Kundgebung aller Frankfurter Schüler und Schulen, von der jeder Kenntnis hätte haben müssen, sondern um die Veranstaltung eines Bornheimer Gymnasiums, dessen Schülervertretung die benachbarten Schulen zur Teilnahme mit eingeladen hatte. An die Deutschherrenschule in Sachsenhausen war eine solche Einladung nicht ergangen. Insofern lag der Schulleitung keinerlei Information vor - weder vom Veranstalter selbst, noch von der eigenen Schülervertretung, der Schulaufsicht, dem Elternbeirat oder Kollegen. Eine Teilnahme der Schüler an dem Marsch konnte es ohne Kenntnis des Veranstalters und damit der Route ebensowenig geben wie eine vorherige Absprache der Schulleitung mit dem Elternbeirat und eine Benachrichtigung der Eltern; denn selbstverständlich kann die Schule, bei rechtzeitiger Mitteilung an die Eltern und nach Rücksprache mit der Staatlichen Schulaufsicht, aus einem besonderen Anlaß die sechste Stunde verkürzt halten, um beispielsweise den Schülern die Teilnahme an einer wichtigen Veranstaltung zu ermöglichen.
Die Schule hat jedoch die Pflicht, die Eltern darüber vorher zu benachrichtigen. Sie müssen als Erziehungsberechtigte den Grund wissen, wenn ihre Kinder früher oder später nach Hause kommen, und entscheiden können, ob sie der Teilnahme ihres Kindes an einer außerschulischen Veranstaltung zustimmen. Es gibt verbindliche Regelungen, die wir als Schulleitung im Interesse von Eltern und Schülern, nicht zuletzt aus versicherungsrechtlichen Gründen, nicht vernachlässigen können.
Wie hätten die Reaktionen ausgesehen, wäre ein Schüler verunglückt und die Schule hätte erklären müssen, ihn ohne vorherige Kenntnis der Eltern weit vor Veranstaltungsbeginn beurlaubt zu haben? Da dem Autor der oben geschilderte Sachverhalt rechtzeitig mündlich und schriftlich mitgeteilt wurde, muß es verwundern, daß dieser keinerlei Niederschlag in seinem Bericht findet.
Das Feministische Frauengesundheitszentrum (FFGZ) bietet im Januar wieder eine Reihe von neuen Veranstaltungen an. Am Dienstag, 19. Januar, um 20 Uhr beginnt der Kursus "Die Feldenkrais-Methode - Bewußtheit durch Bewegung", und am Samstag, 23. Januar, treffen sich die Frauen um 11 Uhr zu einem "Meditationstag".
Ein "Anti-Streß-Wochenende" steht am Sonntag, 24. Januar, ab 11 Uhr auf dem Programm. Informationen über die genannten Veranstaltungen und weitere Angebote des FFGZ gibt es unter der Telefonnummer 0 69 / 70 12 18. reu
Die Erziehungszeiten schlagen auf dem Rentenkonto mit 75 Prozent des durchschnittlichen Einkommens aller Versicherten zu Buche. Der Deutsche Frauenrat vertrat am 28. April 1992 vor dem Bundesverfassungsgericht in einer Stellungnahme zur Berücksichtigung von Kindererziehungszeiten im Rentenversicherungsrecht die Ansicht, daß 100 Prozent aller Versicherteneinkünfte zugrunde gelegt werden müßten. Außerdem fordert das Gremium weiterhin eine Anrechnung der Erziehungszeiten auch bei Berufstätigkeit beider Eltern. Im Gegensatz zum Erziehungsurlaub werden Zeiten von Krankheit oder Arbeitslosigkeit wie normale Beitragszeiten gewertet.
Frauen, die sich um der Familie willen überwiegend für Teilzeitarbeit entscheiden, trifft diese Regelung gleich in mehrfacher Hinsicht. Das Angebot an Teilzeitstellen ist beschränkt. Meist in den typischen Frauenberufen liegen sie im unteren Drittel des durchschnittlichen Lohnniveaus. Viele Frauen setzen ihre Berufsausbildung regelrecht in den Sand - Zeit, Energie und Geld könnte man als glatte Fehlinvestition bezeichnen -, wenn sie als Wiedereinsteigerinnen in an- oder ungelernten Tätigkeiten arbeiten. Ein weiterer Aspekt ist die Anrechnung von Berufsjahren bei der Festsetzung von Tariflöhnen.
Würde Anneliese R. heute den tariflich vereinbarten Elternurlaub von vier Jahren, der den Beschäftigten des Einzelhandels in Betrieben mit mehr als 100 Beschäftigten zusteht, beanspruchen, würde ihr diese sogenannte Ruhepause auf die Berufsjahre angerechnet. Die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen hat hier einen Durchbruch erzielt. Dennoch sind die Gewerkschaften noch lange nicht an ihrem Ziel in dieser Frage angekommen. So hat Ursula Engelen-Kefer vom DGB die gesellschaftspolitische Forderung auf den Punkt gebracht: "Der Erziehungsurlaub nach dem Erziehungsgeldgesetz sollte durch einen dreijährigen Elternurlaub ersetzt werden. Ein Elternurlaubsgeld in Höhe des Arbeitslosengeldes und Beiträge zur Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung sind aus öffentlichen Mitteln zu zahlen. Der Elternurlaub soll in Form eines Zeitkontingents zur Verfügung gestellt werden und von der Mutter und dem Vater in Anspruch genommen werden bis das Kind sechs Jahre alt ist."
Weiterhin streben die Gewerkschaften einen besseren Schutz der Teilzeitbeschäftigten an, obwohl sie der Zunahme der Teilzeitarbeit skeptisch gegenüberstehen. Ellen Burghardt vom DGB-Frauenreferat meint dazu: "Teilzeitarbeit in der heutigen Form zementiert die traditionelle Rollenfestschreibung von Männern und Frauen."
Ein Indiz dafür ist immer noch der sehr geringe Anteil von Männern, die sich für Teilzeitarbeit und für Erziehungsurlaub entscheiden. Die Nachfrage beim Personalamt der Stadtverwaltung einer mittleren Großstadt (Mannheim), ergab, daß Männer zwar zuweilen Erziehungszeiten in Anspruch nehmen - Tendenz steigend - daß aber Teilzeitstellen von Männern mehr "funktional" bedingt seien. So gibt es eine Reihe von Lehrern an der städtischen Musikschule, die kein volles Deputat haben. Dagegen sind die klassischen Verwaltungsberufe in Teilzeit von Frauen besetzt. Männer übernehmen also immer noch die Ernährerfunktion, während Frauen ihre Lebensplanung an der Partnerschaft und der Familie orientieren. Teilzeitarbeit wird damit zur Übergangsbeschäftigung, zur Zusatz- und Nebenbeschäftigung.
Beispiele dafür sind drei Kinderkrankenschwestern auf einer Entbindungsstation. Bärbel K. (33) und Angela (32) verstehen ihre Arbeit als Nebenbeschäftigung. Bärbel möchte den Anschluß nicht verlieren und springt alle vierzehn Tage im Wochenenddienst ein. Sie findet das "alte Klischee", wie sie es nennt, gar nicht so verkehrt. Erst wenn ihre Sprößlinge von vier und sieben Jahren größer sind, möchte sie wieder mehr als jetzt in ihrem Beruf arbeiten. Sie bekommt übrigens wegen der geringen Stunden keinen Sonntagszuschlag und auch kein Kleidergeld.
Das ist bei Angela H. anders, denn sie arbeitet 19 Stunden in der Woche. Allerdings sind die Krankenhausschichten denen der Vollzeitkräfte gleichgesetzt. Nur die sogenannten Pausentage sind länger. Angela möchte später - ihre Kinder sind jetzt fünf und elf Jahre alt - die volle Tarifarbeitszeit leisten. Ihr kommt entgegen, daß ihr Mann im familieneigenen Betrieb ihrer Eltern angestellt ist und die Werkstatt direkt bei der Wohnung liegt. So läßt sich jetzt schon ihre Schichtarbeit mit der Familienarbeit vereinbaren. Sowohl die gleichberechtigte Kinderbetreuung als auch ihre Abwesenheit im Haus sieht sie als Pluspunkt für die Kinder: "Sie wurden dadurch sehr selbständig und wir wissen unsere gemeinsame Zeit in der Familie besser zu schätzen."
FRANKFURT A. M. Viele wissen nicht, wohin sich ältere, kranke und behinderte Menschen wenden können, wenn sie die mobilen Dienste - ob nur vorübergehend oder auch auf Dauer - in Anspruch nehmen wollen. Dazu zählen Hilfe in der Wohnung und beim Einkaufen, ambulante Pflegehilfe und die Lieferung von "Essen auf Rädern".
Die Mitarbeiter der Beratungs- und Vermittlungsstellen für mobile Dienste informieren über die Vielzahl der ambulanten Angebote, die Möglichkeiten der einzelnen Dienste und helfen, die passende Hilfe zu finden und zu vermitteln. Für die Frankfurter Stadtteile sind die folgenden Beratungs- und Vermittlungsstellen zuständig:
Obermain (Ostend, Innenstadt, westliches Nordend, Altstadt): Hanauer Landstraße 16 a, Telefon 44 20 86 und 44 20 88.
Eschersheim (Eschersheim, Frankfurter Berg, Preungesheim, Dornbusch, Berkersheim, Eckenheim, Ginnheim): Johanniter-Cronstetten-Altenhilfe, Carl-von-Drais-Straße 20, Telefon 54 90 09;
Gallus (Griesheim, Gutleut, Gallus, Bahnhof): Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum, Gutleutstraße 317 a, Telefonnummer 2 71 06 80 oder 2 71 06 81;
Bockenheim (Rödelheim, Westhausen, Westend, Kuhwald, Hausen, CarlSchurz-Siedlung): Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe in der Friesengasse 7, Telefon 77 60 18;
Bornheim (Bornheim, östliches Nordend): Caritas Hauspflege, Böttgerstr. 22, Telefon 46 70 31;
Sachsenhausen (Sachsenhausen, Oberrad): Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe, Johanna- Melber-Weg 1, Telefon 62 80 66;
Nordweststadt (Praunheim, Bonames, Römerstadt, Nieder-Eschbach, Harheim, Nieder-Erlenbach, Heddernheim, Kalbach, Niederursel): Deutsches Rotes Kreuz, Mendelssohnstraße 78, Telefonnummer 71 91 91 21;
Bergen-Enkheim (Riederwald, Fechenheim, Seckbach, Bergen-Enkheim): Hilfezentrum im Hufeland- Haus in der Wilhelmshöher Straße 34, über Telefon 4 70 42 29, 4 70 42 81 oder 4 70 43 44;
Goldstein (Goldstein, Schwanheim, Niederrad): Evangelischer Regionalverband, An der Schwarzbachmühle 83 (Goldstein), Telefon 35 60 86.
Höchst (Unterliederbach, Zeilsheim, Sossenheim, Nied): Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe, Windhorststraße 33 I/7, Telefon 30 30 04. star
Versteht man die Erwerbstätigkeit des Mannes als Ernährerfunktion, kann man bei Ulla H. (45) von einer Zusatzbeschäftigung ausgehen. Ihr Mann ist Elektroingenieur. Sie arbeitet im Krankenhaus entweder sieben Nächte im Monat oder 11 bis 12 Tagschichten. Dazu kommen oftmals noch Überstunden. Ihre Kinder waren vier und dreizehn Jahre alt, als sie sich um eine Stelle bemühte. Obwohl sie sich mit ihrem Mann die Familienarbeit gut aufteilt - so nutzt er die gleitende Arbeitszeit für die Betreuung der Kinder - steht sie den öffentlichen Betreuungseinrichtungen kritisch gegenüber. "Die Kindergartenzeiten sind nicht optimal und die Schule ist nicht auf die Berufstätigkeit der Mütter eingestellt", glaubt sie. Dennoch möchte sie allen Wiedereinsteigerinnen Mut machen. "Die Berufsarbeit hat meinen Horizont erweitert. Ich fühle mich eingeschränkt auf die Bereiche Spielplatz, Kinderspiele und Haushalt."
Trotz der sozialrechtlichen Nachteile ist die Nachfrage nach Teilzeitarbeit groß. Soweit es der Arbeitsmarkt zuläßt, kommen die Arbeitgeber dieser Nachfrage auch entgegen - und das nicht ohne Selbstzweck. Vor allem in der Produktion scheinen schlechtere Arbeitsbedingungen bei kürzerer Arbeitszeit eher zumutbar. Es ist sogar nachgewiesen, daß bei Teilzeitkräften die Unfallrate wesentlich geringer ist als bei längerer Verweildauer. Fehlzeiten wegen Arztbesuchen oder Krankheit sind ebenfalls seltener als bei Vollzeitangestellten. Schließlich erfüllen die Teilzeitkräfte eine Art Pufferfunktion. Im Verkauf, im Gastgewerbe und in manchen Dienstleistungsbereichen wie in der Verwaltung kann durch sie der Personalhöchstbestand auf ein zeitliches Minimum reduziert und Personalkosten können damit gedrückt werden.
Aus dieser Sicht heraus ist die Forderung der Gewerkschaften die politischen Rahmenbedingungen für die dauerhafte Erwerbstätigkeit von Männern und Frauen als Grundlage der Lebensplanung zu gestalten, mehr als verständlich. Zumindest sollte die Teilzeitarbeit existenzsichernd sein, denn die eheliche Partnerschaft als wirtschaftliche Basis ist kein Garant - wie die Scheidungsraten der letzten Jahre zeigen.
Literatur zum Thema: Lynn Blattmann, Irène Meier: "Gegen das frauenspezifische Arbeits-los, Frauen, Arbeitsmarkt und Krise. Hrsg. Büro für Gleichstellung von Frau und Mann der Stadt Zürich. 1. Auflage, Zürich 1992. Preis: DM 15,-.
Ulla Kilchenmann: "Flexibel oder flexibilisiert? Chancen und Fallen der Teilzeitarbeit von Frauen. 1. Aufl. 1992, Zürich. Preis: DM 34,-.
Beide Bücher sind erschienen im eFeF- Verlag AG, Zürich-Dortmund (Edition Ebersbach), Kronprinzenstr. 141, D-4600 Dortmund 1.
"Frau van Gelderen hat einen wunderschönen Mantel gekauft. Den hätte ich gerne, nur für einen Nachmittag. Leihen Sie mir den mal?" Heleen dreht und wendet sich in einem dunkelblauen Tuchmantel wie ein Mannequin hin und her. Sie führt das gute Stück zwei Frauen vor, die bequem auf Sessel und Sofa in einem lichtdurchfluteten Zimmer sitzen.
Drei Freundinnen bei Kaffeeklatsch und Modegespräch? Der Eindruck täuscht. Heleen ist Krankenschwester, Greta Familienpflegerin und die dritte Frau, Luise van Gelderen, ist ihre Patientin. Es ist neun Uhr morgens in der Visserstraat im holländischen Sluis, acht Kilometer vom belgischen Weltbad Knokke entfernt. Für die drei Frauen ein Tag wie viele andere. Die beiden Helferinnen in Sachen Gesundheit haben die gehbehinderte Frau gewaschen und angekleidet und ihr das Frühstück bereitet. Sie betreuen die 78jährige Schwerkranke bereits seit fünf Jahren.
Schon seit dem Jahr 1968 besteht in den Niederlanden eine gesetzliche Regelung, die garantiert, daß in Holland immer mehr alte und kranke Menschen in ihren eigenen vier Wänden verbleiben können. Krankenschwester Heleen Risseeuw, 53, liebt ihre Arbeit. "Das muß doch Freude machen, wenn man merkt, wie wohl sich die alten Menschen trotz ihrer Behinderungen noch fühlen, zu Hause bei der Familie oder mit den Nachbarn. Ich habe jahrelang in Altenheimen gearbeitet, es war furchtbar."
Insgesamt gibt es in Holland 328 Pflegekliniken mit 51 000 Betten, die aus dem Topf der Pflegeversicherung finanziert werden. Altenheime indes werden finanziell über die Sozialversicherung getragen. Für dieses Glück im Alter zahlen die holländischen Arbeitnehmer ein Berufsleben lang 7,3 v. H. ihres Jahreseinkommens bei einer Bemessungsgrenze von umgerechnet etwa 39 000 Mark in die "Algemene Wet Bijzondere Ziektekosten" - zu deutsch: "Allgemeines Gesetz für besondere Krankheitskosten". Aus diesem Topf werden allerdings unter anderem noch die Unterbringung und Betreuung psychisch Kranker sowie geistig und körperlich Behinderter, Rehabilitationsmaßnahmen sowie Schwangerschaftsabbrüche finanziert. Während die geplante Pflegeversicherung in Deutschland von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen finanziert werden soll, sind die Arbeitgeber in Holland seit 1990 aus der Pflicht. Dafür wurden die Löhne und Gehälter entsprechend angehoben.
Große grüne Kreuze an ganz normalen Wohnhäusern erinnern in Holland an das "Kreuzwerk". 2400 dieser ambulanten Krankenpflegestationen gibt es flächendeckend im ganzen Land. Ob ein Patient nach einem Schlaganfall zu Hause nicht alleine zurechtkommt, ein Ehemann mit seiner verwirrten Frau Probleme hat oder ein Zuckerkranker Insulin spritzen muß - sie alle können sich in der Sprechstunde beim "Kreuzwerk" melden.
Neben der täglichen Sprechstunde läuft für die Krankenschwestern das normale Tagesprogramm. Sie fahren von Haus zu Haus, setzen Spritzen, verbinden Wunden, 22 Patienten an einem Tag - das war bislang Heleens Rekord. Sie arbeitet selbständig und wie Ärzte in Krankenhäusern hat sie ständig ein kleines Funkgerät bei sich, so daß sie in ihrer Dienstzeit immer erreichbar ist.
Seelischen Beistand bekommen vor allem Krebspatienten. "Wenn sie nach Hause kommen aus dem Krankenhaus, dann brauchen sie meistens dreimal am Tag Versorgung. Da kommen wir dann morgens, am Nachmittag und abends", berichtet Heleen aus ihrem Berufsalltag. Auch Alzheimer-Patienten werden täglich betreut. Bei diesen Patienten, so Schwester Heleen, sei es besonders wichtig, die Familienangehörigen zu unterstützen. Dieser enge Kontakt zeige sehr schnell, wann die Familie mit der Pflege überfordert sei. "Wir raten dann, daß der Patient zunächst zweimal in der Woche von morgens bis abends in eine Tagespflege kommt", erzählt Schwester Heleen. Diese Erleichterung mache sich häufig bei den pflegenden Angehörigen so positiv bemerkbar, daß sie den Rest der Woche gut mit der Pflege zurechtkommen. Wenn aber das auch nicht mehr geht, "dann muß der Patient in ein Pflegeheim - für immer." Der ständige Gedankenaustausch mit den pflegenden Angehörigen, so Heleen, endet nicht mit dem Tod eines Patienten. Auch dann müssen die Schwestern vom "Kreuzwerk" entscheiden, wie weit sie den Familienangehörigen bei der Trauerbewältigung beistehen können.
Für die regelmäßige Betreuung zu Hause müssen die Patienten einen kleinen Eigenbeitrag leisten: "Kreuzwerk"- Mitglieder zahlen - umgerechnet - 45 Mark im Jahr, Nichtmitglieder 90 Mark, egal, wie oft sie täglich betreut werden. Mit einer Auflage: Die Schwestern dürfen sich pro Tag nicht länger als zweieinhalb Stunden bei einem Patienten aufhalten. Das "Kreuzwerk" leiht auch Rollstühle oder Krankenbetten aus und berät Rollstuhlfahrer, wie sie ihre Wohnung behindertengerecht umbauen können wie etwa bei Luise van Gelderen in Sluis. So wurde im Schlafzimmer ein Lift angebracht, damit die Kranke aus dem Bett gehoben werden kann. Die Helferinnen vom "Kreuzwerk" klärten die Patientin auch genau auf, von wem und in welcher Höhe sie Zuschüsse beantragen muß.
Alle diese Aktivitäten dienen einem Ziel: Hauspflege geht vor Heimpflege. Damit wird in den Niederlanden bereits praktiziert, was eines Tages europaweit notwendig sein wird. Denn die Zahl der älteren Menschen und somit der Pflegebedürftigen nimmt zu.
Diese Entwicklung wurde in Schweden schon berücksichtigt: So übernehmen dort zahlreiche Gemeinden die Kosten, wenn Familienmitglieder den alten Vater oder die Mutter im Hause betreuen. Die Familien können aber auch eine Hilfskraft einstellen, die dann von diesen Gemeinden finanziert wird. Seit 1989 werden in ganz Schweden Arbeitnehmer vom Arbeitgeber freigestellt, wenn sie Familienmitglieder pflegen - pro Person gibt es 30 Tage pro Jahr. Für die Entschädigung kommt die Sozialversicherung auf. Diskutiert wird derzeit in Schweden ein sogenannter Handikap-Vorschlag: Danach sollen behinderte oder kranke Menschen, die das 65. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, Anspruch auf eine Hilfe zu Hause haben, die über die Sozialversicherung bezahlt wird. Diese Regelung soll ab 1994 gelten.
In Sachen Pflege aber ist Holland allen europäischen Ländern um Nasenlängen voraus. Wo die Hilfe des "Kreuzwerks" endet, nämlich bei der ambulanten Versorgung, setzt nahtlos die Familienpflege ein. Die Helferinnen kümmern sich um den Haushalt, springen aber auch bei Familien ein, wenn die Mutter im Krankenhaus liegt oder ein alleinerziehender Vater einmal krank ist. Auch Familienpflegerin Greta Ingels liebt ihre Arbeit: "Wir tun hier total alles, Pflanzen pflegen, Konto kontrollieren, wir gehen mit Frau van Gelderen einkaufen, Kaffeetrinken, wir tun alles . . ."
Für diese Hilfe werden die Holländer - gemessen an ihrem Einkommen oder der Rente - zur Kasse gebeten. Der wöchentliche Minimumtarif beträgt - ob die Helferinnen nun zehn oder 15 Stunden pro Woche kommen - drei Gulden. Bessergestellte müssen aber mitunter auch etliche hundert Gulden in der Woche bezahlen. Nach dem eigenen Kontostand wird auch entschieden, in welcher Höhe sich ein alter oder kranker Mensch an den Kosten für die Pflegeklinik beteiligen muß, die hauptsächlich über die Pflegeversicherung finanziert wird, nämlich monatlich in Höhe von 6750 Gulden. Der Eigenanteil kann bis zu 2200 Gulden im Monat betragen. Wobei 330 Gulden als Taschengeld verfügbar bleiben müssen. Sparkonto und Haus werden bei dieser Berechnung nicht angetastet.
Anders die Altenheime. Sie werden nicht über die Pflegeversicherung finanziert, und die 2500 Gulden im Monat müssen aus dem eigenen Vermögen aufgebracht werden, wenn die Einkünfte nicht ausreichen. Eine Kommission entscheidet über Unterkunft und Art der Pflege von chronisch Kranken. Sind "Kreuzwerk" und Familienpflege für einen alten Menschen zuständig, wird genau abgesprochen, was zu tun ist. Auch der Hausarzt ist immer auf dem laufenden. Diese Absprachen sorgen für einen reibungslosen Tagesablauf für die alten und kranken Menschen, die immer gleichen Helferinnen schaffen Vertrauen und eine menschliche Atmosphäre - so wie etwa bei Frau van Gelderen in Sluis. Greta Ingels kennt die alte Dame so genau, daß Blicke und Gesten der Kranken verraten, was ihr fehlt. Das ist wichtig, Denn Luise van Gelderen hat nach einer Gehirnblutung die Sprache verloren. Auch den blauen Tuchmantel hat Greta Ingels gemeinsam mit ihrer Patientin gekauft - weiß Gott keine große Aktion. Aber der Stadtbummel zu zweit und der Mantelkauf sind symbolisch für den freundlichen Umgang der Holländer mit Kranken und Behinderten: Sie werden voll akzeptiert. Allerdings: Das holländische Gesundheitssystem ist das teuerste der Welt. Die Pflegeversicherung berücksichtigt in den Niederlanden seit 1990 auch, daß immer mehr Menschen nicht in einer Klinik, sondern daheim sterben wollen. Eigens dafür wurde die "Intensive Hauspflege" eingerichtet. Für die Pflege Todgeweihter kann zwölf Wochen lang zu den anderen Hilfen wie "Kreuzwerk" und Familienpflege noch eine zusätzliche Kraft ins Haus geholt werden. Dafür gibt es bis zu 200 Gulden pro Tag. Fazit: Hilfe in den eigenen vier Wänden, wenn das Leben zu Ende geht.
BARBARA MAYER-ROSA
Kontaktadresse: Heleen Risseeuw, Terhofstededijk 6, 4505 PE Zuidzande, Telefon 0031/1178/1508
Als Berufsanfänger, der seinen Chef austricksen wollte, hat es ein 21 Jahre alter Vermögensberater in Frankfurt mit Polizei und Justiz zu tun bekommen. Verurteilt wegen Betruges und Vortäuschung einer Straftat, soll er den mit 26 000 Mark bezifferten Schaden nach einer jetzt bekanntgewordenen Entscheidung des Amtsgerichts Frankfurt nun ratenweise wiedergutmachen.
Der als Mitarbeiter bei einer Firma für Vermögensberatung beschäftigte Angeklagte hatte seinem Chef Anfang Februar vergangenen Jahres ein "ungewöhnlich günstiges Geschäft" vorgeschlagen: Für nur 26 000 Mark wollte er ihm aufgrund "guter Beziehungen zu einem Jugoslawen" insgesamt 20 Autotelefone besorgen. Angeblich hatte der Handel seine Ordnung und sollte mit Rechnung und Mehrwertsteuerausweis abgeschlossen werden. Obwohl das Geschäft nicht gerade seriös aussah, ließ sich der Chef darauf ein. Begleitet von einem Immobilienmakler, begab er sich abends zunächst auf einen Autobahnparkplatz, wo die Telefone übergeben werden sollten. Auf Weisung des Angeklagten fuhr man von dort ins Gallusviertel, wo sich der junge Mann in einer Sackgasse die 26 000 Mark geben ließ. Als er kurz darauf zurückkehrte, hatte er jedoch weder das Geld noch die Geräte.
Wie er seinem Chef erzählte, war er soeben Opfer eines Überfalls geworden. Der Jugoslawe habe ihn mit Fäusten zu Boden geschlagen, mit Schuhen in die Rippen getreten und ihm das Geld aus der Hosentasche gezogen. Der Chef und sein Makler-Kollege waren sprachlos: Sie glaubten dem Angeklagten kein Wort, und zwar vor allem deshalb, weil er überhaupt keine Verletzungen aufwies. So fuhr man zur Polizei, um die Sache aufzuklären.
Angeklagt wegen Vortäuschung einer Straftat in Tateinheit mit Betrug, wollte sich der 21jährige vor Gericht nicht äußern. Nach Ansicht seines Verteidigers reichten die Beweise nicht aus, um ihn zu verurteilen. Es gäbe auch Schläge, die keine Spuren hinterließen. Und daß der junge Mann seinem Chef später einen Schuldschein ausgestellt hatte, sei lediglich von zivilrechtlicher Bedeutung.
Staatsanwaltschaft und Gericht indes waren überzeugt, daß der Angeklagte den Überfall erfunden hatte. Mit Rücksicht auf einen erheblichen Reifungsrückstand entschloß man sich zur Anwendung von Jugendrecht. Der junge Mann, der damals noch bei seinen Eltern wohnte, habe offensichtlich beweisen wollen, daß er selbständig sei und auch entsprechend Geld verdienen könne. Während der Anklagevertreter für drei Wochen Freizeitarrest plädierte, beließ es das Gericht bei einer Verwarnung.
Dabei bekam der Angeklagte zur Auflage, den Schaden wiedergutzumachen. Sobald er wieder eine Anstellung hat - er ist derzeit arbeitslos -, wird das Gericht die Höhe der monatlichen Rate festlegen. Bis zum Zeitpunkt der Arbeitsaufnahme soll er im Monat 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Lepp
Schußfahrt mit zwei stolzen Rossen Der Wehrheimer "Schimmelbauer" spannt seit fast 50 Jahren seine Pferde an Von Claudia Nenninger
"Es hat gerappelt und gerappelt auf dem Kopfsteinpflaster, die Bremsen gingen nicht mehr zu, und wir schossen mit der Deichsel durchs nächste Hoftor", erinnert sich der 75jährige noch heute ganz genau. "Doch sonst ist alles gutgegangen." Der Hoftor-Deichselbruch war der einzige große Unfall, der Josef Leidecker widerfuhr. Eine erstaunliche Bilanz angesichts seines langen und mühseligen Arbeitslebens als "Schimmelbauer", wie der Pfaffenwiesbacher Pferdekutscher und Landwirt längst auch über die Grenzen seines Dorfes hinaus bekannt ist.
Gegen seinen Dorfnamen, den ihm einst der Küster nach einem Fernsehfilm verlieh, hat er nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Stolz erzählt er von seinen ersten zwei Pferden, den ostpreußischen Trakehnern Minka und Flora, mit denen er nach dem Krieg sein erstes Geld verdiente.
Um ein Haar wäre er damals zum "Eselbauer" geworden, als er im Juni 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft heimkommt: In Usingen sind nur Maulesel aus Wehrmachtsbeständen erhältlich. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als sich ein solches Gespann zuzulegen. Doch es erweist sich als wenig erfolgreich. "Einer war ein Fleißiger und der andere ein Erzfaulenzer." Hinzu kommt, daß der mit Pferden aufgewachsene und gelernte Hufschmied sich das Arbeiten ohne Rösser überhaupt nicht vorstellen kann. Ein Jahr später sind die beiderseitigen Qualen vorbei: Von einem Friedrichsthaler Bauern kauft er sein erstes Pferdegespann. Zufällig sind es zwei Schimmel, was dem Pferdenarr so gut gefällt, daß er fortan nur noch zwei gleiche Tiere einspannen wird.
Arbeit gibt es genug: Da er seine Familie von seiner Landwirtschaft mehr schlecht als recht ernähren kann ("14 Leut' saßen am Tisch"), verdingt er sich von Anfang an auch als Pferdekutscher. Jeden Morgen fährt er die Milch von der Pfaffenwiesbacher Sammelstelle zur Molkerei nach Usingen. Zwischen sieben und acht Uhr muß sie abgeliefert werden. "Aufstehen war um vier." Eine Stunde dauert die Fahrt und zwei Stunden bis die Tiere gefüttert und eingespannt sind. Einmal im Monat, zum Ferkelmarkt in Usingen, steigen zwei- und vierbeinige Fahrgäste zu.
Für die kleinen Landwirtschaftshöfe, die die Frauen bewirtschaften, während die Männer in Oberursel oder Bad Homburg als Maurer und Schlosser Geld verdienen, fährt er Jauche aufs Feld, zackert das Land und pflanzt Kartoffeln. 2,50 Mark bekommt er für eine Stunde Arbeit mit dem Zweispänner; 20 Mark für den ganzen Tag. Einen Wagen Heu einzuholen, bringt ihm fünf Mark - "das Heu mußte ich aber selbst aufgabeln". Und 3,20 Mark kostet der Zentner Kartoffeln, den er im Herbst den Homburgern vors Haus liefert und in die Keller schleppt.
Mit einem "Vergelt's Gott" dankt ihm der Herr Bischof aus Limburg, den er zur Firmung von der Ortsgrenze bis zur Kirche kutschieren darf. Aber auch andere Ehrengäste wie der Landrat, Bürgermeister oder Jagdpächter lassen sich meist umsonst in seiner herausgeputzten "Chaise" chauffieren. Die Anlässe zum Anspannen sind freilich nicht immer fröhlicher Natur. Sein Gespann wird zum Leichenwagen, wenn er mit dem Sarg in die Krankenhäuser bis nach Bad Nauheim fährt, um von dort einen Pfaffenwiesbacher heimzuholen.
Das Aus für die Pferdefuhren kommt Ende der 50er Jahre mit dem Traktor. Die Tiere sind plötzlich unrentabel, doch der Pferdenarr Leidecker bringt es nicht übers Herz, sich von seinen Schimmeln zu trennen. Immer gezwungen, sich nach einem Zubrot umzuschauen, kommt er als erster in Pfaffenwiesbach auf die Idee, einen Pferdeverleih anzubieten. Für drei Mark in der Stunde vermietet er seine Schimmel an die Homburger und Frankfurter zum Reiten - und wird zum Mitbegründer des Pfaffenwiesbacher Reitclubs und späteren Reitvereins.
Hauptberuflich verdient er sein Geld bis zu seiner Pensionierung 1980 als Holzrücker. Früher, als die Pferde noch arbeiten mußten, war ans Reiten nicht zu denken. "Die Pferde mußten am Sonntag geschont werden", erklärt er. Seit diese Zeiten vorbei sind, ist aus dem "Schimmelbauer" eigentlich ein "Schimmelreiter" geworden - und bis heute geblieben. Jeden Morgen sattelt der 75jährige, wenn das Wetter es irgendwie zuläßt, die Schimmelstute Iris, die Überlebende seines letzten Gespanns, und reitet durch den Pfaffenwiesbacher Wald. cn
DARMSTADT. Im großzügigen Seitenfoyer mit den riesig hohen, in alter Herrlichkeit restaurierten Stuckwänden wird man den Herrn Professor künftig finden. Welch ein Kontrast für Eckhart G. Franz, den Leiter des Hessischen Staatsarchivs zu Darmstadt, der sich noch ein paar Monate mit einem weniger repräsentativen, mit Büchern und Broschüren vollgestopften Dienstzimmer im Residenzschloß begnügen muß. Im Frühsommer wird der Umzug des Archivs abgeschlossen sein, der Direktor seinen mit Zetteln übersäten Schreibtisch und die bequemen, schon fast wieder modernen Sessel im nur einen Steinwurf entfernten ehemaligen "Mollertheater" zurechtrücken: Ein neues Haus der Geschichte ist im Entstehen - in bester Lage neben Landesmuseum und Herrngarten.
Der noch längst nicht von Handwerkern verlassene Mollerbau nimmt derzeit, Karton für Karton, zwanzig Kilometer Dokumentenbestand auf. Und der geht nicht wie bei einer Feuerwehrkette von Hand zu Hand, wie Franz zum Spaß einmal laut gedacht hat. Nein, die Möbelwagen fahren die paar Meter nach ausgeklügeltem Plan. 76,1 Millionen Mark wird das Herrichten der einstigen Kriegsruine, an der seit Frühjahr 1987 gebaut wird, kosten. 4,4 Millionen kommen für den Kauf maßgefertigter Schränke und Regale für die auf zehn Geschossen verteilten Magazine hinzu.
Damit ist endlich das Jahrzehnte währende politische Trauerspiel um die Nutzung des in der Bombennacht im September 1944 ausgebrannten, vom Hofarchitekten Georg Moller 1819 im klassizistischen Stil erbauten Theaters beendet. 1871 wurde der Musentempel schon einmal durch einen Großbrand beschädigt, dann stark verändert wiederaufgebaut und 1904 modernisiert. In den zwanziger Jahren zählte das Landestheater zu den fortschrittlichsten deutschen Bühnen.
Doch wer nach dem Krieg guten Gewissens geglaubt hatte, Oper, Ballett und Schauspiel könnten einmal in ein herausgeputztes Großes Haus zurückkehren, der wurde enttäuscht. Ein Förderverein sorgte wenigstens 1949 für eine provisorische Abdeckung; was blieb, war ein weithin sichtbares Kriegsmahnmal. Die Technische Hochschule zeigte auf der Suche nach einem Audimax mal Interesse an dem benachbarten Filetstück. Von einem Kongreßzentrum war ebenfalls die Rede.
"Das Archiv gehört in die Stadt", sagt Franz kategorisch, an alte Diskussionen erinnernd. Er widerlegt die Ansicht derer, die für die Verbannung des abfällig "Aktenspeicher" oder "Aktensarg" genannten Hauses an die Stadtperipherie votierten. Womit sie auch die Vorstellung verbanden, ein Archiv mit dem verstaubten Image eines Akten-Endlagers habe außer Schriftquellen nichts zu bieten.
Dabei sind die drei Hessischen Staatsarchive (Marburg, Darmstadt und das Hauptarchiv in Wiesbaden) selbst Forschungsstätten und ständig Initiatoren guter Ausstellungen bei den Hessentagen - von der Entwicklung der Universitäten über hessische Entdecker und Forscher in allen fünf Erdteilen bis hin zur NS- Diktatur. Die Landespräsentation Hessen-Thüringen haben sie mit Dutzenden von Originalurkunden (Heiligsprechung der Landgräfin Elisabeth 1235) und Karten bereichert, derzeit sind Stükke aus dem Darmstädter Fundus in Mailand zu sehen.
Über 11 000 "Einzelbenutzungen" registrieren die drei Archive pro Jahr, sie sind Fundgruben für Dissertationen und Habilitationsschriften, die sich mit der Ausbreitung der Bettelorden am Niederrhein im 13. Jahrhundert oder dem Thema "Sexualität und bürgerliche Gesellschaft von 1700 bis 1848" befassen. Wenn denn das Archivgesetz der Lektüre von Akten besonders jüngeren Datums nicht einen Riegel vorschiebt. Da kommen sich Forschungsfreiheit und Datenschutz manchmal ins Gehege.
Nach Darmstadt war Eckhart G. Franz 1971 gekommen, mit der Aufgabe vor Augen, an einem Neubau mitzuplanen, weil es im Schloß, diesem riesigen Datenspeicher der Geschichte, schon damals längst zu eng war. Außenlager sind bis heute in der Landes- und Hochschulbibliothek ein paar Türen weiter, in Wiesbaden und im ganzen Land (teilweise durch "Depositalverträge" abgesichert) verstreut.
Im Barockschloß herscht noch der gediegene Charme knarrenden und gebohnerten Parkettbodens. Im Lesesaal des Staatsarchivs stehen die Landtagsprotokolle des Großherzogtums griffbereit, riecht es typisch nach altem Papier. Was ist hier seit den Zeiten der landgräflichen Kanzleiregistratur vor über 400 Jahren nicht alles untergebracht an kostbaren Büchern, an Schriftwechsel zwischen Fürsten, Politikern, Soldaten und Geschäftsleuten. Geordnet und konserviert von den Archivaren.
Mehr als die Hälfte des Bestandes wurde 1944 von den Flammen geraubt. Und doch birgt das Staatsarchiv wahre Schätze: über 40 000 Pergament- und Papierrollen (die älteste von 867 ist eine für das Wormser Kloster Neuhausen ausgestellte Urkunde König Ludwigs des Deutschen), Zinsbücher, die Judenmatrikel des 19. Jahrhunderts, den "Alten und Newen Schreibkalender" mit eigenhändigen Einträgen der Landgräfin Sophie Eleonore von 1643, die Ratifikationsurkunde des Ehevertrags zwischen Prinzessin Alice und Zar Nikolaus II. vom November 1894, Unterlagen aus dem Volksstaat Hessen, Papiere der US-Militärverwaltung in Hessen nach 1945. Und viele Stapel, deren Aufbewahrung Pflicht ist: polizeiliche Meldebögen, Zivil- und Strafprozeßakten, Katasterkarten, Handelsregister, Testamentsurkunden, kilometerlang Grundbücher seit dem 19. Jahrhundert. Mit umziehen aus dem Schloß werden etwa das Stadtarchiv mit Abertausenden Fotos, Stichen, Zeichnungen, das Archiv der Evangelischen Landeskirche in Hessen und Nassau, die Theatergeschichtliche Sammlung und Kartensammlung der Landes- und Hochschulbibliothek.
Vier Magazine des Mollerbaus sind als Reserve für eine auf zehn Kilometer und etliche Jahrzehnte begrenzte Zukunft vorgesehen. Vorübergehend dienen sie als Möbellager. Auch werden darin Münzsammlungen und technisch-physikalische Geräten aus dem in Raumnot geratenen sanierungsbedürftigen Landesmuseum aufbewahrt. Der problematische Untergrund an der Scheidestelle von altem sandigen Rheinbett und Odenwaldgranit ist zum Teil schuld an der Misere. Die Lehre daraus: 130 Betonpfähle, bis zu 22 Meter tief getrieben, stützen das 50 mal 70 Meter Grundfläche messende und bis zu 30 Meter hohe Haus der Historie.
Zum restaurierten Treppenhaus, dem Foyer und Vestibül - edle Gemächer für Vorträge, Empfänge, Konzerte und Ausstellungen - wird die Öffentlichkeit Zutritt haben, wenn erst einmal die Gerüste abgebaut, die Steinmetze und Stukkateure abgezogen sind. Im Gebäudekern, dem einstigen Bühnenraum und Zuschauersaal, wo jetzt Büros liegen und die mit Lüftungsanlage ausgestatteten Magazine (17 Grad kühl, 55 Prozent Raumluftfeuchte), werden sich fortan nur die rund 30 Staatsarchiv-Bediensteten zu schaffen machen. Der Lesestoff wird über Lastenaufzüge direkt zur Theke des Lesesaals geschickt, der maximal 40 Leute auf einmal erträgt. Damit der Wissenschaftsbetrieb trotz Umzug auf Raten weiterläuft, werden schon jetzt im Mollerbau einmal am Tag gewünschte Archivalien "ausgehoben". JÖRG FEUCK
DARMSTADT. Bereits vor der Eröffnung des neuen Hessischen Staatsarchivs Darmstadt ist eines seiner Kernstücke überholt: Die im Mai 1990 installierte und erst vor wenigen Monaten mit elektrischen Anschlüssen versehene Feuerlöschanlage, gefüllt mit der als Ozonkiller bekannten Stoffgruppe Halon, wird nicht in Betrieb gehen. Sie sollte die 20 Kilometer Akten bei einem Brand schützen: das ausströmende, unter anderem bromhaltige Gas sinkt zu Boden und erstickt das Feuer.
Seit 1. Januar 1992 ist die FCKW- Halon-Verbotsverordnung von Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) in Kraft. Halon darf demnach nur noch bis Ende dieses Jahres als Löschmittel eingesetzt werden.
Das Brandschutzreferat im hessischen Innenministerium hatte die Regierungspräsidien auf die veränderte Rechtslage hingewiesen. In einem Schreiben untersagte das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) dem Staatsbauamt als Staatsarchiv-Bauherrn daraufhin, das Rohrleitungsnetz probeweise mit dem chemischen Erdatmosphäre-Feind zu "fluten".
Wie viele solcher Anlagen und Handfeuerlöscher im Gebiet des Darmstädter RP nun auf Wassersprinkler oder Kohlendioxid-Ausstattung umgestellt werden müssen, ist beim RP nicht bekannt. Ausnahmen von der Töpfer-Regel sind nur möglich, wenn das Umweltbundesamt in jedem Einzelfall zustimmt und der "Personenschutz" im Vordergrund steht. Bisher gab es in der südhessischen RP-Region nur eine Ausnahme: ein Automobilsport-Rennen.
Die für den Ernstfall bereite Flaschenbatterie im Keller des künftigen Staatsarchivs ist damit jedenfalls so etwas wie eine Altlast. In Gesprächen mit dem Verband der Sachversicherer und mit einer Expertise will das Staatsbauamt herausfinden, ob die Feuerlöschanlage ohne große Umbauten mit Kohlendioxid gespeist werden kann. Mehrkosten von "mindestens 200 000 Mark" kommen, so der Dienststellen-Leiter des Staatsbauamtes, Hans Steuerwald, auf jeden Fall auf das Land zu. feu
Telefonrechnungen sollen besser verständlich sein
Mehr Kundenservice und einen besseren Überblick verspricht die Telekom mit den neuen Telefonrechnungen, die Fernsprechkunden seit Beginn dieses Jahres in ihren Briefkästen finden. Statt der Vielfalt von Feldern für Telefonanschlußgebühren, Einheiten oder besondere Zusatzgeräte auf den alten Formularen stellen die neuen Rechnungen nun die Leistungen und Gebühren der Telekom einander gegenüber. Damit werde die Rechnung "übersichtlicher und besser verständlich", meint Eckhard Zager vom Kundendienst des Fernsprechunternehmens. Die Umstellung sei auch angezeigt gewesen, um nach der Umstellung der Telekom auf Privatrecht die Mehrwertsteuer und die Gebühren für den einzelnen Telefonapparat besser aufschlüsseln zu können, betonte Zager. Seitdem die Telefonkunden ihre Apparate auch auf dem freien Markt erwerben können, mußte die Telekom die Gebühren für Telefonanschluß und den geliehenen Apparat aufsplitten. Alle Telefonkunden bekommen mit den ersten Rechnungen im neuen Jahr jetzt auch ein umfangreiches Informationsblatt zur Erläuterung der neuen Bögen zugeschickt. luf
Leser-Forum
FRANKFURT-OST. Die drei städtischen Schadstoffmobile sind auch im Januar wieder im Osten der Stadt unterwegs. Umweltschädliche Abfälle wie Altbatterien, Chemikalien und Lösungsmittel sollten nicht in den normalen Müll wandern - sie können bei den Fachleuten vor Ort abgegeben werden.
Die Innenstadt liegt am Donnerstag, 14. Januar, auf der Route der Schadstoffmobile. Von 14 bis 15 Uhr nehmen die Fachleute am Betriebshof (Bleichstraße 11) giftigen Haushaltsmüll entgegen.
Am Dienstag, 19. Januar, wird um 14 Uhr die Feuerwache 1 (Hanauer Landstraße 77) im Ostend angesteuert. Von 18 bis 19 Uhr steht ein Wagen in Seckbach an der Schule in der Arolser Straße.
In drei Stadtteilen wird am Mittwoch, 20. Januar, gesammelt: Riederwald (Parkplatz Haenischstraße/Vatterstraße) um 14 Uhr, Enkheim (Kleinmüllplatz Barbarossastraße) um 16 Uhr, und Fechenheim (Parkplatz Gründenseestraße/ Pfortenstraße) um 18 Uhr.
Der Paulsplatz ist am Donnerstag, 21. Januar, um 9 Uhr das Ziel des Schadstoffmobils. Am Freitag, 22. Januar, steht ein Fahrzeug um 9 Uhr an der Kreuzung Rhönstraße/Luxemburgerallee. *sen
Brandenburg Der Sieg des real existierenden Kapitalismus über den real zertrümmerten Sozialismus hat viele Facetten. Weiland, das heißt vor gerade mal drei Jahren, hat man dem saarländischen Dachdecker und seinen Weggefährten noch nächtens im Scheinwerferlicht das Wild - halb besoffen, halb betäubt - vor die Flinte getrieben, damit sich tags darauf eine vorzeigbare "Strecke" ergab, und sei es angesichts des schwankenden Laufs vom Balkon aus bloß noch mittels fremder Armstütze erzielt. In den für die Obrigkeit reservierten Staatsjagdgebieten mußte es stets ein Überangebot an (scheinbar) frei lebenden Tieren geben, damit die Staatsgäste irgend etwas trafen, notfalls mit verbundenen Augen und breit streuenden Schrotladungen.
Daraus ist eine deutsch-deutsche Erblast entstanden: Es gibt zuviel Wild in den neuen Ländern; auch bedächtige Ökologen geben dies zu. Der zivilisierte Mensch muß die Verantwortung dafür übernehmen, daß er das natürliche Gleichgewicht aus der Balance gebracht hat. Bloß: Wer bringt das Ungleichgewicht in Ordnung? Natürlich der Wessi: Der schießt im Osten alles weg, was er kriegen kann. Rund 400mal sind es im vergangenen Jahr westdeutsche Latifundienbesitzer gewesen, die gen Osten gefahren sind, um einen von den Einheimischen beigetriebenen X-Ender zu erlegen. Jagdeifer legt offenbar Leidenschaften ebenso wie Bankkonten frei: Rund 10 000 Mark hat ein solchermaßen präparierter Blattschuß pro "Stück" gekostet. 1,1 Millionen Mark sind dem brandenburgischen Staatssäckel auf diese Weise zugeflossen. Die Nachfahren des realen Sozialismus können sich diesen Luxus nicht leisten. Selbst Ministerpräsident Manfred Stolpe verdient als Ostler 25 Prozent weniger als jeder beliebige Bonner Staatssekretär. Wenn der einmal im Monat einen kapitalen Bock schießt, kann er angesichts der oben genannten Tarife nur noch Sozialhilfe für seine Familie beantragen. Man soll das nicht so verbissen sehen. Irgendwo muß man anfangen, wenn man den Osten in Schuß bringen will. ojw.
Blicke auf Markt und Kaufladen
Ausstellung im Schloß von Bruchsal
Von unserem Mitarbeiter Günter Pflaum
Der "Tante-Emma-Laden", das immer seltener werdende kleine Gemischtwarengeschäft, gilt heute als letztes Überbleibsel der "guten alten Zeit". Einer versunkenen Zeit der Idylle und der Gemütlichkeit, in der zum Einkauf auch das Plaudern mit der höchstpersönlich hinter der Theke stehenden Ladeninhaberin gehörte. Daß diese nostalgische Idylle oft trügt, daß das Leben für die Menschen früherer Generationen alles andere als reines Zuckerschlecken war, wird selten bedacht. Eine Ausstellung des Badischen Landesmuseums im Schloß Bruchsal versucht deshalb, ihr Thema "Vom Marktstand zum Supermarkt - Der Kaufladen in Puppenwelt und Wirklichkeit" nicht als niedliche Präsentation historischer Ladenatmosphäre und als Spielzeugschau darzustellen. Aufbau, Beschriftung und nicht zuletzt der Begleitkatalog (181 Seiten, 165 Farbbilder und 60 Schwarz-weißfotos, 36 Mark) wollen dem Besucher einen tieferen Einblick in die historische Realität geben.
Daß Erwachsene und Kinder außerdem viel Spaß beim Betrachten der Exponate haben, kann jedenfalls nichts schaden. Immerhin gibt es unter anderem 150 Puppenkaufläden von Museen und Sammlungen aus ganz Deutschland zu bewundern. Die Ausstellung, deren Idee und Konzeption von dem Volkskundler Wolfram Metzger stammen, ist bis zum 13. Juni dieses Jahres (täglich außer montags) von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Die Ausstellungsfläche von rund 600 Quadratmetern verteilt sich auf drei Räume und den Gangbereich. Im ersten Raum ist der "Markt" das beherrschende Thema. Vor der Silhouette einer Stadt steht ein Puppenmarkt mit etwa 20 Ständen samt Waren und kleinen Marktleuten aus Holz und Ton. Den Übergang vom Marktwesen zum Thema "Ladeneinrichtungen im geschlossenen Raum" bildet das Inventar eines Original-Gemischtwarenladens, dessen "Gehäuse" aus dem Jahre 1822 stammt. Im zweiten Raum wird mit rund 60 kleinen "Kaufläden" das beliebte Spielzeug des 19. Jahrhunderts umfassend dargestellt. Ein Original-Tante-Emma-Laden aus den 20er Jahren unseres Jahrhunderts, bestückt mit Verkaufswaren aus vielen Jahrzehnten bis in die 70er Jahre, stellt ein Stück historische Wirklichkeit in die Puppenwelt.
Der dritte Raum gehört den Handwerkern, hauptsächlich den Bäckern, Konditoren und Metzgern sowie den Fachgeschäften wie Apotheken, Drogerien, Putz- und Modeläden, Spielwarengeschäften und anderen Spezialbranchen. Im Mittelpunkt steht die Präsentation einer Drogerie aus den 20er Jahren, bestückt mit dem vollständigen Inventar bis zur Geschäftsaufgabe. Schubladenschränke einer Eisenwarenhandlung stehen für eine Zeit, in der man Schrauben noch einzeln kaufen konnte.
Im Gangbereich findet das Thema "Kaufhaus" Platz. Lagerhäuser als spezielles Spielzeug der Küstenregionen, die "Kinderpost" und der Supermarkt als Kinderspielsache sind hier vertreten. Einen Blick in andere Teile unserer Welt zeigen Marktszenen mit Figurengruppen aus Brasilien und Indien.
Wie sich ein Familienunternehmen im Laufe einiger Generationen durch gute und schlechte Zeiten schlängelte, wird an einem Beispiel aus der Region deutlich gemacht: Aus einem klitzekleinen Hutmacherladen wird im Laufe von 130 Jahren ein Hutversand, der fast alle Vereine in Deutschland mit "Vereinskappen" versorgte, dann im "Dritten Reich" ein Versandgeschäft für Pfarrerbedarf und in der Nachkriegszeit ein Geschenk- und Großversandhaus, das schließlich aus Familieneigentum in den Besitz eines großen Konzerns übergeht. Womit der Anschluß von der Historie an Gegenwart und Zukunft von Markt und Handel hergestellt ist . . .
Anfahrt: Über die Autobahn A 5 in Richtung Karlsruhe, Anschlußstelle Bruchsal. Informationen unter Telefon 0 72 51-7 27 71.
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Chinesisch kochen oder lieber Biobrot backen?
NEU-ANSPACH. Am 25. Januar beginnt das Frühjahrssemester der Volkshochschule Neu-Anspach. Nach Angaben der Leitung ist auch diesmal wieder Neues und Bewährtes im Programm - die recht attraktive Angebotspalette reicht von handwerklichen Hausarbeiten über Sprachkurse, Yoga, Basteln bis hin zum Backen von Biobrot und einer Rieslingprobe: Es dürfte also für jeden etwas dabei sein.
So wird jeweils mittwochs genäht, und zwar von 19.30 bis 21.45 Uhr. Ebenfalls mittwochs steht Klöppeln auf dem Programm, von 19.15 bis 21.30 Uhr. Wer Freude an der Arbeit mit Aquarellen hat oder das Aquarellieren erlernen möchte, kann diesem Hobby dienstags von 19.45 bis 22 Uhr frönen; wer gern chinesisch kocht, kann sich donnerstags von 18.30 bis 21.30 Uhr in die Geheimnisse der fernöstlichen Kochkunst einweisen lassen.
Ganz im Zeichen der augenblicklichen Biowelle steht der Biobrot-Backkurs an Dienstagen und mittwochs, jeweils von 18.30 bis 21.30 Uhr. Ein weiterer "kulinarischer" Termin steht schon fest: Am Freitag, 7. Mai, treffen sich die Volkshochschüler zu einer Rieslingprobe, und zwar von 19.30 bis 23 Uhr.
Die asiatische Meditations- und Entspannungstechnik Yoga wird an Donnerstagen in zwei aufeinanderfolgenden Kursen gelehrt, von 18.45 bis 20 Uhr und dann von 20.15 bis 21.45 Uhr. Ebenfalls der Entspannung dient das autogene Training; in diese von einem deutschen Arzt entwickelte Körpertechnik weiht ein Mittwoch-Kurs von 19.30 bis 21 Uhr ein. Auch Musikfreunde wurden nicht vergessen: Eine "Musikalische Grundausbildung" bekommt verpaßt, wer sich montags von 15.30 bis 16.15 Uhr in den Räumen der Volkshochschule einfindet. Darüber hinaus steht auch ein Kurs "Blockflöte für Anfänger" auf dem Programm; er findet montags statt, jeweils von 16.15 bis 17 Uhr. Außer diesen Kursen laufen die bisher angebotenen Sprachkurse wie gewohnt weiter.
Die Programmhefte liegen in vielen Neu-Anspacher Geschäften, Banken und bei der Gemeindeverwaltung aus. Weitere Informationen und Anmeldungen erfolgen über Birgit Symhardt, Kurt-Schumacher-Straße 40 in Neu-Anspach, Telefonnummer 0 60 81 / 77 05. jd
"Offenbar hat Frau Roth Angst vor der eigenen Courage bekommen." Der Frankfurter SPD-Vorsitzende Sieghard Pawlik und Günter Dürr, Fraktionschef der Sozialdemokraten im Römer, zeigen sich in einer Presserklärung erstaunt, daß die Frankfurter CDU-Vorsitzende und OB- Kandidatin Petra Roth die Einladung des Oberbürgermeisters zu einem Streitgespräch im Presseclub immer noch nicht angenommen hat.
Wie mehrfach berichtet, hatte zunächst die Christdemokratin Andreas von Schoeler zu einem "TV-Duell" aufgefordert. Der private Fernsehsender RTL bot in seinem Regionalprogramm insgesamt 60 Minuten Sendezeit an. Der OB: "Diese Zeitbegrenzung gewährleistet keine differenzierte Diskussion." Im Presseclub könne dagegen ausführlich gestritten werden. Sämtliche Medien, auch das Fernsehen, hätten Gelegenheit zur Berichterstattung.
Die Frankfurter Sozialdemokraten Pawlik und Dürr weisen darauf hin, daß die früheren CDU-Oberbürgermeister Wallmann und Brück einer direkten Konfrontation mit ihren Herausforderern grundsätzlich aus dem Wege gegangen seien. "Wir fordern Frau Roth auf, nunmehr zu erklären, ob sie das Angebot annimmt oder ablehnt." cg
Parteien + Wähler
Banzer bei Senioren-Union OBERURSEL. Die Kreisvereinigung der CDU-Senioren-Union lädt für Dienstag, 19. Januar, 15 Uhr, ins Oberurseler Rathaus ein. Landrat Jürgen Banzer wird über das Thema "Die CDU, der Landrat und der Hochtaunuskreis" sprechen. Mitfahrgelegenheiten werden angeboten: In Bad Homburg unter Tel. 0 61 72 / 8 18 44 (Hans Hett), in Königstein Tel. 0 61 73 / 13 09 (Otto Heuse), in Oberursel Tel. 0 61 71 /5 41 68 und in Kronberg Tel. 0 61 73 / 89 93 (Erika Wachsmuth).
Schüler hecheln lustlos durch die Halle, fallen beim Kicken über ihre eigenen Beine und beim Turnen vom Reck. Und wenn sie Freizeit haben, dann hüpfen sie nicht mehr, sondern hocken vor der Glotze oder hängen in den Seilen, weil ihnen die Spielflächen vor der Tür verbaut und verboten sind. Was aber Hänschen beim Toben auf der Straße nicht lernt, lernt es bald nimmermehr. Sportlehrer klagen zunehmend über ungeschickte Kinder, die sich aufgrund fehlender Bewegungserfahrungen selbst gefährden.
"Die Verletzungen, die Zerrungen und Prellungen nehmen zu", berichtet ein Schulleiter. Statt die Schüler aber auf Trab zu bringen und den Mangel auszugleichen, tun viele Frankfurter Schulen ein übriges und streichen kräftig am Sportunterricht. Obwohl die Stundentafel in den Grundschulen und in den Klassen 5 bis 8 eigentlich drei Sportstunden vorsieht, steht die dritte Stunde in vielen Schulen nur auf dem Papier. Nahezu die Hälfte der Rektoren habe diese Stunde aus dem Plan gestrichen, schätzt Heinz Haag vom Staatlichen Schulamt.
Die Schulleiter aber betonen, wie sehr ihnen an der Bewegung ihrer Schüler gelegen sei. Drei Stunden Sportunterricht in der Woche seien "dringend notwendig", meint Direktor Klaus Schäfer von der Helmholtz-Schule im Ostend. Allein, weil die Lehrer und die nötigen Hallenkapazitäten fehlten, müßten die Achtkläßler doch auf diese dritte Bewegungsstunde verzichten.
Und Ziehen-Direktor Günter Brill mußte gar für zwei Jahrgänge die zusätzliche Sportstunde aus dem Programm nehmen. Wie "bitter nötig" andererseits ausreichend Bewegung in der Schule sei, sieht Brill an der Tatsache, daß das "Ziehen" inzwischen besondere Turnstunden für Sechstkläßler mit Bewegungsschwierigekeiten anbietet.
Diese negative Entwicklung im Schulsport dürfe nicht weitergehen, fordert jetzt der Landesportbund Hessen (LSB) in einer Resolution und findet dabei die kräftige Unterstützung der CDU-Landtagsabgeordneten und Oberbürgermeister-Kandidatin Petra Roth. Schließlich habe der Schulsport angesichts "schwindender natürlicher Bewegungsräume" und des nötigen Ausgleichs von Bewegungsmangel "unschätzbare Bedeutung", formuliert das LSB-Präsidium.
Drei Wochenstunden Schulsport seien da fast zu wenig; der Landessportbund könnte sich zusätzlich gut "tägliche Bewegungszeiten" in den Schulen vorstellen.
Was den Sportfunktionären als zu gering erscheint, ist an vielen Frankfurter Schulen reine Utopie. Mal fehlen die Fachlehrer, mal sind woanders Pädagogenlöcher zu stopfen und meist ist das Hallenangebot nicht gar zu üppig - an die dritten Sportstunde legen die Schulleiter schnell Hand an, wenn's mal knapp wird.
Dabei ist auch nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sportunterricht heute notwendiger denn je, meint Adi Feuster, Chef der Frankfurter Lehrergewerkschaft. Und daß bei einer einzelnen Sportstunde zu viel Zeit fürs Umziehen drauf geht, will der Gewerkschafter, selbst ein Sportlehrer, nicht gelten lassen. Die Pädagogen seien gewieft genug, um das "Umziehen in Minutenschnelle" zu organisieren. luf
Da fordert die CDU-Kandidatin Roth Oberbürgermeister von Schoeler publikumswirksam zum öffentlichen Streitgespräch im privaten Regionalfernsehen auf. Der Titelverteidiger mag sich nicht auf eine Zeitbeschränkung einlassen. Er schlägt den Frankfurter Presseclub als Kampfstätte für das "Duell" vor. Nun ziert sich die Herausforderin. Derweil führen dieHilfstruppen bei Christ- und Sozialdemokraten Indianerspiele auf. "Sie kneift". "Er traut sich nicht". "Rot- Grün ist am Ende". "Die CDU ist erstarrt".
Der Presseclub am Römerberg ist ein neutrales Frankfurter Terrain. Natürlich kann von dort auch gesendet werden. "Alle Medien sind eingeladen", versichert der Club-Geschäfts- Albernes Gezänk führer. Warum soll das Gespräch da nicht stattfinden?
Die Diskussion könne auch dazu dienen, einen Beitrag gegen die Politikverdrosssenheit zu leisten, schrieb Petra Roth hoffnungsvoll. Der OB bekundet Interesse, die "positive Bilanz" und die Perspektiven der Römerpolitik noch einmal darstellen. Ja, dann sollen sie ihre Chance doch nutzen. Wenn es bei dem albernen Gezänk und den Schaukämpfen um den Austragungsort bleibt, wird das Publikum in seiner weitgehend abschätzigen Meinung über die Politiker wieder mal bestärkt. CLAUS GELLERSEN
Vor wenigen Monaten wurde die koloniale Villa unweit des Königspalastes in Phnom Penh noch von Flechten und Pilzen zerfressen. Inzwischen ist sie renoviert und an einen Schönheitssalon vermietet worden. Blauhelm-Soldaten aus Frankreich, australische UN-Offiziere und Beamte der UNTAC-Verwaltung waschen sich in importierten Dosenmilchbädern den Staub vom Leibe und lassen sich von hübschen Kambodschanerinnen die ermüdeten Muskeln massieren. Der arbeitslose Stahlarbeiter Mao Sotha hingegen hat seiner Familie die Fleisch- und Reisrationen gekürzt. Ihn hat eine 200prozentige Inflationsrate niedergedrückt. Die Banknoten, die in Rußland nur noch in 2000-Riel-Einheiten gedruckt werden, sind kaum noch das Papier wert.
Die 19 000 Blauhelme und Beamten der UNTAC, der Friedensmission der Vereinten Nationen für Kambodscha, pumpen täglich 300 000 Dollar ins Land. Doch von diesen für Kambodschaner unvorstellbaren Summen profitiert nur, wer Handel treibt oder ein Haus zu vermieten hat - an einen UN-Beamten, versteht sich: denn die Monatsmieten übersteigen selbst das Salär eines kambodschanischen Ministers um das Tausendfache.
Wer auch nur am kleinsten der zahlreichen Machthebel sitzt, nutzt sein Amt, um dunkle Geschäfte zu machen, der verhökert Grundbesitz aus Regierungseigentum und läßt sich Amtshandlungen mit Schmiergeldern abringen. Potentielle Investoren müssen zunächst einen Hürdenlauf über einen Bestechungsparcours absolvieren. Eine Million US-Dollar "Vorschuß" verlangte jüngst ein Beamter des Wirtschaftsministeriums von einem Singapurer Geschäftsmann, der Rohkautschuk aus Kambodscha importieren wollte.
Als die ersten UN-Vertreter im Herbst vorigen Jahres in der kambodschanischen Hauptstadt einrückten, standen die Bürger noch hoffnungsvoll in Trauben an den Gitterzäunen der Villen, über deren Dächer die blaue Fahne hochgezogen worden war. Inzwischen jedoch betrachten die Kambodschaner die "UN Transitional Authority in Cambodza" (UNTAC) als eigentliche Ursache ihrer wirtschaftlichen und politischen Misere. Hegen sie doch berechtigte Zweifel, ob die größte Friedensmission in der Geschichte der Vereinten Nationen, die 2,8 Milliarden US-Dollar verschlingen soll, ihrer Bestimmung gerecht werden kann. Immer mehr verstärkt sich bei den Kambodschanern und um Ehrlichkeit bemühten Beobachtern der Eindruck, daß die UN lediglich eine Illusion finanziere: die formale Herstellung demokratischer Zustände in einem Land, das aus seiner geschichtlichen Erfahrung mit diesem Begriff gar nicht umgehen kann.
Auf dem Papier sah das Friedensabkommen von Paris sehr einfach aus. Ein internationales Heer von Blauhelmen stellt in Kambodscha den Frieden zwischen den politischen und militärischen Widersachern her, und Beamte der Vereinten Nationen, die UNTAC, ordnen die Verwaltung. Im Mai 1993 sollen dann die Kambodschaner wählen. Damit, so glaubten die Unterzeichner-Nationen von Paris, herrsche in Kambodscha Friede; denn wo es Demokratie gibt, so das moderne Allheilmittel aus der westlichen Polit-Küche, kann es keine Sünde geben. Ein Trugschluß.
Die Bilanz ist nicht nur in der kambodschanischen Wirtschaft unbefriedigend. Zum einen hatte sich der Weltsicherheitsrat in den Verhandlungen von Paris die falschen Partner ausgesucht. Auf der Jagd nach dem Phantom Demokratie für Kambodscha glaubten die ständigen Mitglieder - die USA, China, Frankreich, Großbritannien und die damalige Sowjetunion - jahrzehntealte Feindschaften in partnerschaftliche Mitverantwortung umwandeln zu können. Die vietnam-hörige Regierung Hun Sen in Phnom Penh, die Sihanoukisten und die Nationalisten sowie die mörderischen Roten Khmer wurden in einen Topf geworfen, brauchten sich nur formal ein demokratisches Mäntelchen umzuhängen und durften das Friedensabkommen unterzeichnen - und müssen sich heute nicht mehr daran halten.
Vor allem die Roten Khmer kümmern sich nicht um das Pariser Papier. Sie haben die Entwaffnung ihrer Truppen abgelehnt, sie haben den Friedenstruppen und der UNTAC-Verwaltung den Zugang zu den von ihnen kontrollierten Gebieten verwehrt. Sie können nahezu ungehindert über die thailändische Grenze eine eigene lukrative Wirtschaft betreiben, weiter Waffen horten und damit schießen.
Auch auf UN-Beamte. Blauhelme haben sie gekidnappt und immer wieder Angriffe gegen die Vertragspartner des Friedensabkommens geführt, mit denen sie andererseits im Obersten Nationalrat für Kambodscha an einem Tisch sitzen. Sie haben die Registrierung der Wahlberechtigten in ihrem Dunstkreis verhindert und angekündigt, daß sie sich an den Wahlen im Mai dieses Jahres nicht beteiligen werden.
Ob es im Frühjahr überhaupt Wahlen geben wird, ist unsicherer denn je. Kürzlich hat Prinz Norodom Sihanouk, formal als Vorsitzender des Obersten Nationalrats Staatspräsident von Kambodscha, der UNTAC die Zusammenarbeit erst einmal aufgekündigt. Auch die Regierung Hun Sen droht der UNTAC mit dem Ausstieg aus dem Demokratisierungsprozeß. Hun Sen will, daß der Weltsicherheitsrat neu verhandelt, daß der Friedensprozeß ohne Einbeziehung der Roten Khmer weitergeführt wird. Er will die Waffen für seine Truppen zurückhaben, die er teilweise an die UNTAC abgeliefert hat, und gegen die Roten Khmer zurückschießen, die von den UN als Insurgenten zu Vogelfreien erklärt werden sollen. Die Blauhelme, so verlangt Hun Sen, sollten nicht nur Friedenswahrer sein, sondern Friedensmacher, also den Frieden mit Waffengewalt herstellen.
Doch die dafür erforderlichen Kompetenzen haben die Blauhelme nicht mitgebracht, und sie werden sich auch nicht danach drängeln, wie ihre Kommandeure immer wieder durchblicken lassen. Spätestens als die Roten Khmer einen Konvoi des UNTAC-Chefs Yasushi Akashi an ihrer Grenze an einem einfachen Schlagbaum aufhalten konnten und dieser unterwürfig umkehrte, wußten sie, daß die UN-Friedensmission ein "zahnloser Tiger" ist. Überhaupt tut sich die UNTAC schwer dabei, ihre Kompetenzen zu definieren. Die UN-Übergangsverwaltung sollte die Administration in ihre Hände nehmen. Statt dessen überläßt sie die Geschäfte der Regierung Hun Sen und greift allerhöchstens "korrigierend" ein. Was Wunder, wenn die Roten Khmer daraus das Argument ableiten, daß die Wahlen im Mai ohnehin schon in ihrem Ausgang vorbestimmt seien und sich eine Beteiligung nicht lohne. Wenn die Roten Khmer einen Alleingang unternehmen, wollen die Truppen der übrigen Fraktionen nicht hinten anstehen. Politische Willkür und Machtmißbrauch sind in allen Lagern an der Tagesordnung. "Korruption und Kriminalität haben überhand genommen", beklagt Kem Sokha von der Human Rights Vigilance. "Selbsterhaltung um jeden Preis ist in der kambodschanischen Gesellschaft von heute die wichtigste Antriebskraft."
Frustriert ist der Mann auf der Straße, frustriert sind jene 350 000 kambodschanischen Flüchtlinge, die aus den Lagern auf thailändischem Territorium mit zu vielen Versprechungen ins Nichts zurückgekehrt sind. Mit dem Argument, daß die den Kambodschanern übergestülpte westliche Vision von Demokratie die wirtschaftliche, soziale und moralische Ent-Kambodschanisierung eingeleitet habe, könnten die Roten Khmer längerfristig auch ohne Wahlen - und sogar friedlich - in Phnom Penh wieder an die Macht kommen. Sie brauchen nur darauf zu warten, daß die "Friedensmacht" wieder abzieht und das Land dem von ihr mitgeschaffenen Chaos überläßt.
JÜRGEN DAUTH (Singapur)
Informationen für Frauen über Betriebsgründung
Frauen, die einen eigenen Betrieb gründen wollen, können sich in einem Kurs des Vereins Frauenbetriebe e. V. für die angestrebte berufliche Selbständigkeit qualifizieren. Der nächste Lehrgang beginnt am 1. März. Interessentinnen erhalten unter der Telefonnummer 069 / 70 53 26 weitere Informationen. reu
In wenigen Jahre will die Stadt ausreichend Übungsflächen für den Sportunterricht haben. Mehr als ein halbes Dutzend zusätzlicher Schulturnhallen sei derzeit in Bau oder Planung, betont Michael Damian, der persönliche Referent der Schuldezernentin Jutta Ebeling. Wenn diese Projekte abgeschlossen seien, müsse der Sportunterricht jedenfalls nicht wegen fehlender Hallenzeiten ausfallen.
Lediglich in den citynahen Stadtteilen könne es weiter eng bleiben. Dort erwartet das Schuldezernat für das Westend und Bockenheim Entlastung durch die Aufstockung der Turnhalle des Goethe- Gymnasiums. Eine große Drei-Felder- Halle erhält die Ziehenschule mit der geplanten Erweiterung. Die Wöhlerschule am Dornbusch, die Hostatoschule in Höchst und die Michael-Grzimek-Schule in Nieder-Eschbach erhalten auch zusätzliche Hallen oder Erweiterungen. luf
Der Frankfurter Umlandverband (UVF) übernimmt am 1. April die Regie für die bisher von der Stadt und der Kreisverwaltung Offenbach betriebene Müllverbrennungsanlage und die dazugehörige Schlackedeponie. Diese Vereinbarung wurde jetzt vom Offenbacher Kreisausschuß besiegelt, muß allerdings noch von den Kommunalparlamenten bestätigt werden.
Der UVF-Beigeordnete Thomas Rautenberg sagte, er sei jetzt davon überzeugt, daß es nun auch bald zu einem Vertrag über die Übernahme der Frankfurter Müllverbrennungsanlage in der Nordweststadt kommen werde. mat
Nachrichten entstehen weder von selbst noch werden sie vom Bürgermeister verfaßt. Die Nachrichten, Berichte, Kommentare, Reportagen und Glossen in der Lokal-Rundschau werden von Journalistinnen und Journalisten geschrieben und gestaltet. Wer diese Frauen und Männer sind, lesen Sie heute und in den kommenden Tagen in einer FR-Serie.
Marcel Keiffenheim, der seine Artikel mit "mak" zeichnet, ist noch ganz neu in Oberursel: Seit dem 1. Januar ist der frischgebackene Redakteur, der auch bei der FR volontiert hat, frohen Mutes zwischen Oberursel, Kronberg, Königstein und Steinbach unterwegs. Und wechselt gelegentlich vom Schreiber-Dasein zum Redigieren und Layouten. Journalist ist eigentlich sein Zweitberuf: "mak" ist ausgebildeter Segellehrer und genoß insgesamt ein Jahr das Leben auf Elba, wo er in einer Segelschule deutschen Urlaubern beibrachte, woher der Wind weht. Geboren ist der 32jährige in Mayen in der Eifel, studiert hat er in Bonn: Politik, Völkerrecht und Literatur. Des Abends sieht man ihn öfters in diversen Frankfurter Jazz-Kneipen verschwinden, aber er hat auch italienische Opern im heimischen CD- Schrank stehen. Die hört er aber nur noch selten - weil sie entweder irgendwo in seinem Zimmer verschollen sind oder in der falschen Hülle stecken. Denn "mak" zieht nach eigenem Bekunden das Chaos jeder Art von Ordnung vor - außer beim Schreiben. FR
Versicherte der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), die Renten- oder Kuranträge stellen, müssen in zunehmendem Maße beschwerliche Wege zu ärztlichen Gutachtern im weiteren Umland der Stadt in Kauf nehmen. Denn: "In Frankfurt finden wir keine Ärzte mehr, die Gutachten erstellen", meinte dazu Wilhelm Vial, Leiter der BfA in Frankfurt. Die hiesigen Ärzte nähmen es, so seine Vermutung, der BfA übel, daß sie lukrative Labor- und Röntgenuntersuchungen nicht mehr in ihren Praxen durchführen könnten, seit solche Untersuchungen zentral beim Medizinisch- Technischen-Untersuchungsdienst (MTU) der BfA im BfG-Gebäude am Theaterplatz durchgeführt werden.
Georg Holfelder, Vorsitzender des bundesdeutschen "Berufsverbands der Ärzte der Orthopädie", will hingegen den Fachärzten nicht den Schwarzen Peter zuschieben lassen. Die BfA habe bereits Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre mit der Einrichtung von MTU-Stellen in Berlin, München und Frankfurt damit begonnen, hochqualifizierte und vielbeschäftigte Fachärzte im Ballungsraum Rhein- Main zu vergrätzen.
Labor- und Röntgenuntersuchungen, die von den beauftragten Ärzten selbst durchgeführt wurden, konnten in der Vergangenheit diesen Medizinern Kosten und Arbeitsaufwand ausgleichen. Fachärzte jedoch, die jetzt einen Gutachterauftrag der BfA annehmen, müssen sich mit einem bescheidenen Salär zufriedengeben.
Ein renommierter Frankfurter Hautarzt machte am Dienstag die Rechnung auf. "Die BfA zahlt mir für ein solches Gutachten 90 Mark. Ich habe es als Mediziner oft mit verzwickten Fragestellungen zu tun. Ich muß häufig von einer Diktatzeit von zwei Stunden ausgehen. Das rechnet sich für mich nicht, zumal wenn ich weiß, daß sich in meinem Wartezimmer die Patienten drängen."
Bereits vor über zwölf Jahren, so der Orthopäde Holfelder, hätten er und seine Kollegen den Vertretern der BfA erklärt, daß so groß konzipierte MTU-Einrichtungen das bisherige ärztliche Gutachterwesen kaputtmachen würden. Der Orthopäde: "Viele Kollegen und auch ich haben damals gesagt, daß wir von nun an keine Gutachten mehr erstellen." Die Entwicklung habe gezeigt, daß auch das MTU bei der BfA in Frankfurt nicht ausgelastet sei. "Inzwischen sind die Kurkliniken in einem Umkreis von 50 Kilometern verpflichtet worden, in Frankfurt ihre Laboruntersuchungen machen zu lassen."
Vor diesem Hintergrund ist der Fall einer 59jährigen Ginnheimerin zu sehen, die bei der BfA einen Rentenantrag gestellt. Mit einem schweren Wirbelsäulenschaden wurde die Frau von der BfA Ende Oktober vergangenen Jahres zu einem Vertrauensarzt nach Aschaffenburg geschickt. enk
Der Bund Deutscher Architekten Frankfurt (BDA) hat dem Magistrat vorgeworfen, in letzter Zeit wiederholt wichtige städtebauliche Entwicklungspläne nicht mehr öffentlich auszuschreiben, sondern "unter der Hand" zu vergeben. In den "letzten zwei bis drei Jahren" sei diese Vorgehensweise "eingerissen" sagte der Frankfurter BDA-Vorsitzende Christoph Mäckler. Damit verstoße der Magistrat "in eklatanter Weise" gegen die für ihn verbindlichen "Grundsätze und Richtlinien für Wettbewerbe" (GRW). Als Beispiele nannte Mäckler das Projekt Westhafen, das künftige Wohnviertel an der heutigen Großmarkthalle sowie das Kongreßzentrum auf dem Messegelände.
In allen drei Fällen seien "sogenannte Gutachterverfahren vergeben", aufgrund "irgendwelcher Beziehungen Architekten eingeladen" und die "Jury nach Kriterien zusammengestellt worden die niemand kennt".
Der BDA betont, eine solche Praxis eröffne den "Politikern die Möglichkeit zum Kungeln". Die Öffentlichkeit könne nach Belieben ausgeschlossen und "unliebsame Teilnehmer rausgedrängt" werden.
Das Verfahren sei um so unverständlicher, da der Magistrat von privaten Investoren wie bei den vorgesehenen Hochhausbauten im Bankenviertel genau solche Wettbewerbe fordert.
Mäckler sagte, der BDA habe selbst und auch über den Städtebaubeirat dem Magistrat diese Bedenken mitgeteilt. Die Reaktion sei allerdings "gleich Null gewesen".
Planungsdezernent Martin Wentz wies die Vorwürfe entschieden zurück. In Frankfurt habe es noch nie so viele Wettbewerbe gegeben wie in seiner dreijährigen Amtszeit, betonte der Stadtrat. Für den Westhafen sei ein offener Investorenwettbewerb, aber kein Architektenwettbewerb ausgeschrieben gewesen. Mäckler verwechsele bei seiner Kritik Äpfel mit Birnen. Bei dem "Wohnviertel Großmarkthalle" habe sich der Magistrat an die Vorschläge des "Consiliums Stadtraum Main" gehalten. Die Jury dabei sei nach den Anforderungen der GRW zusammengesetzt gewesen, die Gutachter entsprechend diesen Grundsätzen honoriert worden.
Beim Kongreßzentrum sei er es gewesen, unterstrich Wentz, der die "Messe gedrängt hat, den Auftrag an wenigstens vier Büros zu vergeben". Als Planungsdezernent könne er einer Aktiengesellschaft wie der Messe allerdings "nicht diktieren, daß sie einen Wettbewerb durchführen muß". Dies wüßten auch Mäckler und der BDA. gang
Solange für Mensch und Menschheit materielles Wohlergehen als Grundbedürfnis spürbar bleibt, können starke Kräfte mobilisiert werden zur Erhaltung der (Um-)Welt, denn solange sind noch die herausgebildeten (Überlebens-)Sinne beteiligt.
Die greifbaren und faßbaren Lebensgrundlagen, um deren Bestand sich Bode und Lobeck sorgen, werden Mittel zum Zweck dadurch, daß nominelle oder monetäre Ziele in den Mittelpunkt des Handelns treten (FR vom 5. 1. 1993 "Runter vom Schornstein, ran an die Lösungen"). Leider kommt auch bei Bode und Lobeck die fortgeschrittene Mythologisierung des Geldes ungeschoren davon.
Gerade in einer Zeit, in der das Geld knapp ist, muß der monetaristische Vorhang, der uns seit fast drei Jahrzehnten den Blick verhängt, beiseite geschoben werden. Hätte unsere Gesellschaft heute ein klares Bild über die Sachziele und würde - statt haushälterisch über nicht vorhandenes Geld zu streiten - zu konkreten Maßnahmen geredet, dann ließe sich etwas bewegen. Nur wo Bewegung entsteht, öffnet sich die Chance ökologischer und sozialer Richtungsänderung. Neben Wandlung (Produkt-, Werkstoff- und Verfahrenskonversion) sollte Wachstum als produktive Bewegung nicht per se ausgeschlossen werden.
Der Monetarismus, den selbst kritische Köpfe beschreiben als "einen großen, ja ehrfurchtgebietenden Schritt in der Geschichte der Wirtschaftswissenschaft" (J. K. Galbraith), nimmt mittlerweile eine furchtgebietende Rolle in Politik und Gesellschaft ein. Ist schon die Theorie alleine völlig unzulänglich, so ist seine "Erziehungspropaganda für 80 Millionen Menschen" bei uns fatal. Denn je mehr das Medium Geld seine konkrete Form verliert und sich zur Kreditkarte wandelt, wird auch die Einstellung zum Geld und den damit ursprünglich eng verknüpften materiellen Dingen nur noch zu einer "Kreditbeziehung".
Grundsatzdiskussion, Protest und alle Formen der Auseinandersetzung mit realen Herausforderungen drängen auch zur Methode der "pragmatischen Alternativen".
Aufklärung darf darunter nicht leiden, auch nicht Selbstaufklärung. Selbstbewußtes Streben nach konkret-materielem Wohlergehen scheint mir mit der Greenpeace-Aufklärung plus dem neuen pragmatischen Ansatz besser vereinbar als das unbewußt gelenkte Verhalten unserer Gesellschaft, als ob man Geld - oder Kreditkarten - doch essen könnte.
Herbert Baum, Nassau
So, Herr Marcel Reich-Ranicki: Also hat es "in der Geschichte keine Frau gegeben, die eine Oper komponiert hat" (FR vom 5. 1. 1993 "Aufgespießt")? Mal unterstellt, Sie könnten und wollten lesen: Verläßliche Information darüber ist längst gedruckt.
Aber schwätzen über Dinge, von denen man nichts weiß, macht nicht klug; Lesen ja! Hätten Sie nur. Dann wüßten sie nämlich, daß bereits 1914 die Anzahl der weiblichen Opern feststand, nämlich 350 aus der Feder von 191 Komponistinnen, darunter 27 deutschen (vgl. "Die Musik" XIII/23, 1914, S. 270-272).
Weil aber Geschichte seither nicht stehenblieb, existieren inzwischen einige hundert Frauenopern mehr; über etliche von diesen hätten Sie in der Zeitung nachlesen können, für die Sie arbeiten. Oder tragen Sie beim Lesen machistische Scheuklappen?
Fred K. Prieberg, Diersheim
"Ohne die Mühe zu fürchten", wie es in der Einleitung zum Malbuch vom griechischen Berg Athos heißt, begab sich der Volkswirtschaftler Hans-Jürgen Loos auf den beschwerdereichen, zur Meditation führenden Weg der Ikonenmalerei. Er zeigt das Ergebnis einer dem dritten Lebensalter wohl anstehenden sinnvollen Tätigkeit im Treffpunkt Rothschildpark des Instituts für Sozialkunde. Institutsleiterin Evelin Schwank eröffnete die Ausstellung jener auf Goldgrund ruhenden Heiligen, die den Weg zum Himmel weisen und denen man nahe sein muß, um sie ins Bild zu setzen.
Als er mit 63 Jahren in den Ruhestand ging, beschloß Hans-Jürgen Loos, neue Seiten im Buch seines Lebens aufzuschlagen. Er studierte an der Universität Kirchengeschichte und Verfassung der Kirchen. Sozial engagiert, begleitete er Körperbehinderte in eine Freizeit nach Kreta und geriet dort zum ersten Mal mit der Ikonenmalerei in Berührung. Aufenthalte im Sinai und am Jordan festigten seinen Wunsch, selbst Ikonen zu malen . . . Seinen ersten Malunterricht begann er mit 64, und ("da ich alles gründlich mache") er hat keine bedeutende Schule ausgelassen und gelernt, was es über Ikonen zu wissen und zu malen gab.
Die Ausstellungen anläßlich der Christianisierung Rußlands im Frankfurter Historischen Museum und in Wiesbaden vertieften sein Wissen. Er reiste in die alten russischen Städte, erlebte die Hinwendung der Bevölkerung zur Kirche, nicht nur der alten Frauen, und lernte die Macht des Sakralen begreifen, die von den Ikonen ausgeht, die fast immer von Mönchen gemalt wurden. Immer steht das Bild im Vordergrund und nicht der Maler. Deshalb signiert er seine Bilder auch nicht. Er malt nach überlieferten Richtlinien, Vorbild sind die alten Ikonen, so wie sie aussahen, als sie noch jung waren, mit ihrem geschichtlich religiösen Hintergrund. Zur Ikonenmalerei benötigt man Eigelb zur Farbmischung. Im Mittelmeerraum wird es mit Essig, in Rußland mit Quark und in der Bundesrepublik mit abgestandenem Bier angerührt.
Die Ausstellung bis 15. März ist montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr, mittwochs ab 15 Uhr zu besichtigen. E - S
Die Psychologin Roeder von der Technischen Universität München hat mit ihrer Untersuchung über den Einfluß von Partnerschaftsproblemen auf die Tötung Ungeborener (FR vom 2. 1. 1993 "Die Abtreibung ist oft das Ergebnis von tiefgreifenden Partnerschaftsproblemen") einen Popanz getötet, der die Bundestagsparteien, den Verlust von Frauenstimmen befürchtend, erschreckt: die sogenannte "Würde der Frau".
Sie wies nach, daß das Schicksal der Ungeborenen weniger davon bestimmt wird als von der Gleichgültigkeit oder sogar Abwehr der Väter. Als aktive Partner des Geschlechtsakts tragen sie die Hauptverantwortung.
Den Bundesregierungen seit 1975 ist der schwere Vorwurf zu machen, daß sie gegen den täglich tausendfachen Kindermord - mehr als in jedem gegenwärtigen Krieg - nichts getan haben. Zwei einfache Maßnahmen hätten ausgereicht: 1. die Pflichtteilnahme der Väter an der Schwangerschaftsberatung; 2. dabei und auch sonst der dringende Hinweis auf die Adoption.
Diese ermöglicht den Eltern, unbedrängt von Schwangerschaftsdepressionen und kurzen Fristen, nach der Geburt des Kindes in Ruhe zu entscheiden, ob sie es behalten oder an gut ausgesuchte Adoptionseltern abgeben wollen. Die vorübergehende Beeinträchtigung durch Schwangerschaft und Entbindung ist ihnen stets abzufordern.
Das allgemeine Bewußtsein verwirren, außer der "Würde der Frau", auch andere Begriffe zu dem Thema, voran das Wort "Abtreibung", das einen vorübergehenden Vorgang im Körper der Mutter anspricht und den Blick auf das grausame, endgültige Schicksal des Kindes verstellt. Falsch sind auch die Begriffe "Fristenlösung" und "Indikationslösung". Denn sie lösen eine schwierige Aufgabe (so die Definition des Großen Duden), hier die durch Unachtsamkeit erzeugte vermeintliche oder wirkliche Notlage der Eltern, nicht. Sie schieben sie nur auf die unschuldigen Ungeborenen ab, und auf die Mutter, manchmal auf beide Eltern.
Gelöst werden alle Probleme, auch durch den Eingriff hervorgerufene, oft lebenslange psychische Schäden der Mutter (nach Untersuchungen an der Universität Würzburg in 60 Prozent der Fälle, bis zu Selbstmordversuchen) und aufs Mehrfache erhöhte körperliche Gefahren bei späteren Schwangerschaften, wie Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten, Lebensgefahr (Schlingensiepen-Brysch in Hoffakker, Auf Leben und Tod), nur durch die Adoption. Deshalb verdient nur diese das Prädikat "Lösung".
Siegmund Knippel (Vorsitzender Richter a. D. am Oberlandesgericht), Braunschweig
Ingrid Scheurmann hat sich mit ihrer "Nach-Rede" (FR vom 8. 1. 1993 "Wie war das nun mit Walter Benjamins Tod?") keinen Gefallen erwiesen: Sie hätte besser geschwiegen.
Lediglich mit allgemein akzeptierten Grundvoraussetzungen wissenschaftlichen Arbeitens argumentierend, ignoriert sie die von Hans Puttnies in seiner Erwiderung (FR vom 22. 12. 1992 "Erwiderung - Wie starb Walter Benjamin?") aufgeworfenen kritischen Fragen vollständig.
Hans Puttnies' Argumentation lief nämlich nicht darauf hinaus, Frau Scheurmann des "Rufmords" an Henny Gurland zu bezichtigen, sondern - meiner Meinung nach überzeugend - nachzuweisen, daß die von ihr erstmals mitveröffentlichten Dokumente zu einer grundsätzlich neuen Interpretation des Todes von Walter Benjamin nicht ausreichen, diese sich vielmehr nur auf eine Infragestellung der aus ihrem Situationszusammenhang gerissenen Aussagen Henny Gurlands stützen kann.
Puttnies' wesentliche Kritik galt jedoch der These von Ingrid Scheurmann, die sie in ihrer Nach-Rede ungerührt wiederholt, "daß Benjamins Schicksal nicht erst durch einen Selbstmord zu einem exemplarischen wird".
Frau Scheurmann muß sich damit nicht nur den Vorwurf mangelnden Interesses an der "historischen Wahrheit" gefallen lassen.
Denn in der Tat ist es eine entscheidende, von ihr bezeichnenderweise nicht aufgegriffene Frage, wie sich der Philosoph Walter Benjamin in dieser Grenzsituation verhalten hat, die Hans Puttnies, ohne irgendwelche Gewißheit zu beanspruchen, formuliert.
Vielmehr steht ihr Umgang mit dem Tode Benjamins auch in krassem Widerspruch zu Benjamins Philosophie, dessen Interesse beim Sammeln nie das Klassifizieren gewesen ist, sondern der Versuch, "den Prozeß der Verdinglichung, der am Kunstwerk statthat, in gewissen Grenzen zu korrigieren", und der jedes Lebenswerk als Monade begriffen hat.
Frau Scheurmann fällt hingegen affirmativ in die Position, die Adorno in der "Negativen Dialektik" problematisch formuliert hat: "Daß in den Lagern nicht mehr das Individuum starb, sondern das Exemplar, muß das Sterben auch derer affizieren, die der Maßnahme entgingen".
Indem Frau Scheurmann Walter Benjamins Tod zu einem exemplarischen degradiert, spielt sie die Rolle dessen, der die Toten zum zweiten Male erschlägt.
Astrid Sahm, Offenbach
Dietrich Herbst, Verleger und Inhaber der Verlage Moritz Diesterweg und Otto Salle, wird am heutigen Montag, 18. Januar, 65 Jahre alt.
Nach kurzem Kriegsdienst, Abitur und einer Banklehre studierte Herbst in Mainz, Pisa und Frankfurt am Main Rechtswissenschaften, trat 1953 in den Verlag seines Vaters, Erich Herbst, ein, wurde 1957 Gesellschafter und übernahm 1960 die Geschäftsführung des Verlages. 20 Jahre lang wirkte Dietrich Herbst im Vorstand des Verbandes der Schulbuchverlage und 10 Jahre als dessen Vorsitzender. Im Börsenverein des deutschen Buchhandels war Herbst Mitglied des Verlegerausschusses und ebenso Mitglied des Urheber- und Verlagsrechtsausschusses. 1978 wurden ihm die "Palmes Académiques" verliehen, 1984 wurde er zum Officier des Ordens "Art et lettres" ernannt und 1989 wurde er durch Verleihung des Ordens "Al Merito della Repubblica Italiana" zum Cavaliere Ufficale. fr
Der Große Inselsberg zwischen Brotterode und Tabarz (günstigste Anfahrt über Bad Salzungen ab Autobahnabfahrt Friedewald) besitzt mit seinen 916 Metern doch schon eine recht stattliche Höhe im Thüringer Wald. Allein wegen eines Spaziergangs auf seinem Gipfel - verbunden mit einer herrlichen Fernsicht - kommen viele Besucher dorthin. Ihr Ausgangspunkt ist der große Parkplatz "Grenzwiese" am Fuße des Berges, direkt an der Straße gelegen. Von hier verkehrt der "Inselsberg-Expreß" für die Bequemen, zu Fuß erreicht man den Gipfel in etwa 30 Minuten auf einem steilen asphaltierten Pfad.
Es hat schon seinen besonderen Reiz, sich auf hohen Bergen aufzuhalten - und auch einzukehren. Übrigens versetzt der Gasthof oben seine Gäste noch immer ins Erstaunen ob seiner niedrigen Preise, trotz der Höhenlage. Und für Wanderer steht das Ski- und Bergwanderhaus Großer Inselsberg zur Verfügung (Bettwäsche kann ausgeliehen werden). Information über O-6083 Brotterode, Ski- und Bergwanderhaus Großer Inselsberg, Telefon 03 62 59 (Amt Tabarz) 23 29.
Ein Abstecher lohnt auch die Marienglashöhle beim nicht weit entfernten Ort Friedrichroda, Anfahrt über Tabarz in Richtung Friedrichroda (schon vor Ortsbeginn rechter Hand der ausgeschilderte Parkplatz unterhalb der Höhle, in ihrer Art die größe Europas). Ursprünglich zierten die hier abgebauten Kristalle nicht nur Kirchen-Altäre, sondern wurden auch für Gemälde mit Mutter Maria eingesetzt. Die Führung dauert 30 Minuten, in der Höhle herrscht eine Temperatur von nur etwa 8 Grad.
Tabarz - am Fuße des Großen Inselsberges und immer noch rund 420 Meter hoch gelegen - ist ein gepflegter Erholungsort. Die etwa 4000 Einwohner respektieren, daß Urlauber ihrem eigenen Rhythmus folgen; die lange Tradition als Urlauberdomizil hat bis in die heutigen Tage ihre Prägung hinterlassen. Das Angebot für Übernachtungen ist hervorzuheben, ebenso das der Gastronomie. An dieser Stelle ein kleiner Tip: Die Romantik-Schenke in Tabarz (Ortsteil Cabarz) in einem romantischen Fachwerkhaus mit einer durch und durch verspielten Einrichtung - sowohl in der oberen Gaststube wie in dem Kellergewölbe (ab 18 Uhr geöffnet, sonntags geschlossen). Weitere Fragen beantwortet die Kurverwaltung, Zimmerbergstraße 4, O-5808 Tabarz, Telefon 03 62 59 / 22 18 oder 2 34 03.
Als ein Ausflugsziel für die Liebhaber von Puppenausstellungen sei das Museum im Schloß Tenneberg im nahen Waltershausen (gleichnamige Autobahn- Anschlußstelle des Abschnitts Gotha- Eisenach) empfohlen. Hier erfährt man zum Beispiel auch, woher die Bezeichnung "Geldkatze" kommt: Das ist ein Geldschlauch aus Katzenfell, dessen Öffnungen durch Verschieben zweier Ringe verschlossen werden.
Das Museum ist geöffnet von November bis April mittwochs bis sonntags von 9 bis 16 Uhr.
Immer mehr Angestellte sitzen auf geliehenen Stühlen. Selbst die Sekretärin ist nur geborgt - und nebenbei auch noch für andere Firmen tätig. Existenzgründer, aber auch große Konzerne scheuen oft hohe Investitionen in eigene Räumlichkeiten und mieten sich daher erst einmal in einem Büroservice-Center ein. Die Vorsicht gegenüber finanziellen Engagements, die nicht unbedingt nötig sind, lassen eine relativ junge Branche langsam heranreifen: Büroservice-Agenturen verleihen so ziemlich alles, was das Manager-Herz begehrt.
Die Idee, ein komplett eingerichtetes Büro samt Sekretariat zu mieten, stammt aus den Vereinigten Staaten. Deutsche Betriebe beginnen jetzt erst, solche Einrichtung stärker zu nutzen. Gab es vor fünf Jahren nur etwa 15 bis 20 entsprechende Anbieter, sind es hierzulande mittlerweile um die 300 Firmen, die insgesamt etwa 200 000 Quadratmeter Bürofläche offerieren - mit deutlich steigender Tendenz. "Besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten blühen wir auf", erzählt Tilo Maria Pfefferkorn, der Vorsitzende des Bundesverbandes der Büro- und Service-Unternehmen. Den Jahresumsatz seiner Mitglieder schätzt er schon auf mehr als 100 Millionen Mark.
Die Service-Agenturen stellen ihren Kunden das Büro - bei Bedarf auch nur tageweise - zur Verfügung und richten es nach deren individuellen Bedürfnissen ein. Da das Sekretariat häufig von mehreren Firmen gleichzeitig genutzt wird, gibt es keinen Leerlauf. Auf Wunsch werden auch Steuerberater, Juristen, Dolmetscher oder sonstige Fachleute mit Spezialkenntnissen vermittelt. Die technische Ausstattung steht meist allen zur Verfügung. Pfefferkorn: "Für drei Briefe am Tag lohnt sich keine Frankiermaschine."
Auch die Nähe zu anderen Unternehmen in einem Büro-Center kann von Vorteil sein. Die Kunden werden "mal über den Gang" zum Anwalt oder Berater geschickt. Einige Firmen mieten lediglich kleine Schreibtischeinheiten ("cubicals"). Um dem kleinen Lauschangriff hinter der dünnen Trennwand vorzubeugen, muß darauf geachtet werden, keine Konkurrenten zusammenzusetzen.
Die Nähe zur Klientel und ständige Erreichbarkeit sind besonders für EDV-Unternehmen mit beratungsintensiven Produkten ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Das Sekretariat im Service-Center ist ständig besetzt und nimmt unter dem jeweiligen Firmennamen Anrufe, Bestellungen und Reklamationen entgegen. Sollte der Stützpunkt sich als unrentabel erweisen, ist der Angestellte schnell in die Zentrale zurückgeholt, und der Mietvertrag wird gekündigt. Ein voll ausgestattetes Mietbüro im Frankfurter Messeturm zum Beispiel kostet je nach Größe zwischen 5800 und 15 500 Mark im Monat.
Etwa jeder zehnte Büro-Verleiher bietet seine Dienste auch im Ausland an. Rüdiger Krieger, Inhaber des Frankfurter Global Business Service, hat Repräsentanten in New York, Washington, Hongkong und London sitzen. Der Manager kann dort vom Flughafen sofort zum Schreibtisch eilen.
Auch bei seinen zehn Angestellten ist Krieger auf optimale Auslastung bedacht: Wenn die Raumpflegerin durch die Gänge gefegt ist, macht sie sich als Kurier für Geschäftspost nützlich. dpa
Eine Arbeitsmarktabgabe für Beamte und Selbständige fordert der hessische Verband der Kriegs- und Wehrdienstopfer, Behinderten, Rentner und ihrer Hinterbliebenen (VdK). Die finanziellen Belastungen der deutschen Einheit und der Wirtschaftsflaute müßten sozial gerecht verteilt werden. Zur Zeit seien Kleinverdiener, sozial schwache Bürger und Rentner die Leidtragenden der Finanzmisere.
Professur für Recyclingtechnik Mit Hilfe der nordhessischen Wirtschaft ist an der Gesamthochschule Kassel (GhK) die erste Professur für Kunststoff- und Recyclingtechnik an einer deutschen Hochschule eingerichtet worden. 28 Unternehmen aus Umwelttechnik, Kunststoffverarbeitung und verwandten Bereichen haben durch Stiftungsbeiträge die Finanzierung der Stelle für fünf Jahre mit insgesamt 800 000 Mark sichergestellt. Nach Ablauf der fünf Jahre werde das Land Hessen die Finanzierung übernehmen, teilte die IHK mit.
WETZLAR. Ein Blick zurück - doch ein Schwelgen in nostalgischen Petitessen ist es nicht. Es ist eine Reise in die Zeit der Nierentische, der pastellfarbenen "Schwedenschränke", der elektrischen Haushaltsgeräte - doch ein geschichtsloses Sammelsurium aus Wurlitzer, Petticoat und Babydoll ist es nicht. Die soeben eröffnete Ausstellung "Die 50er Jahre in Wetzlar" paßt den historischen Gegenstand mit dem hohen Wiedererkennungswert in den gesellschaftlichen Kontext ein und vermittelt so das widersprüchliche Lebensgefühl einer Generation, die sich zwischen Kriegsangst und Konsumfreude vor allem um die reine Existenzsicherung den Kopf zerbrechen mußte.
Der Heimatverein aus dem Stadtteil Garbenheim hat in langjähriger Arbeit Gebrauchsartikel, Plakate, Kleider, Mobilar und jenen schier unverwüstlichen "Nippes" aus der Adenauer-Ära zusammengetragen und mit Hilfe der Städtischen Sammlungen geordnet, inventarisiert und fotografisch dokumentiert. Das Ergebnis dieser "Kooperation" ist jetzt in Wetzlars vor wenigen Monaten wiedereröffnetem Stadt- und Industriemuseum sowie im Garbenheimer Heimatmuseum zu sehen.
Die fünfziger Jahre also. Nein, nicht weil diese Dekade zur Zeit "en vogue" ist, wie das alljährliche Musik- und Motorenspektakel im mittelhessischen Wettenberg beweist. Das Hauptmerkmal der Garbenheimer Sammlung, schreibt Hartmut Schmidt, der Chef der Wetzlarer Museen, im Katalog, sei die "lokale Authentizität". Daß der Prozeß des Erinnerns fast zwangsläufig Widersprüche zu Tage fördert, belegt der Literatur- und Kunstwissenschaftler anhand zweier Fotos. Auf dem einen, in typischer Pose, pausbäckige, wohlgenährte, strahlende Buben und Mädchen aus den fünfziger Jahren. Auf dem anderen ein blasser, dünner Junge in dunkelblauem, aber viel zu großem Anzug, mit hohen Schnürstiefeln und abstehenden Ohren.
"Eine chaplineske Erscheinung", sagt Hartmut Schmidt. Daß der Fotograf dem Knaben aus Polen einen Stoffhund auf Rädern in die Hand gedrückt hat, lockere das Bild nicht auf. Es bleibe "merkwürdig steif". Und er zitierte einen Satz, den der Junge vor Gar nicht so fabelhaft... rund 40 Jahren in Wetzlar von Gleichaltrigen immer wieder zu hören bekam: "Der Polacke darf aber nicht mitspielen." Arbeitslosigkeit, Programme zur Wirtschaftsförderung, Flüchtlingselend. Wohnungsnot: Begriffe, die ein Schlaglicht auf die gar nicht so "fabulous fifties" werfen. Ein "Arrangement" von Stiefeln und Rucksäcken die manche Wetzlarer für den Fall einer raschen Flucht vorsorglich bereithielten, gibt dem Besucher gleich zu Beginn der Ausstellung eine notwendige Gedächtnisstütze für die Erinnerungsarbeit.
Natürlich, auch das sind die fünfziger Jahre: Design und Farben, wohin man schaut. Da ist der zigfach verwendbare Piccolo-Motor, der Phonotisch im funktional eingerichteten Wohnzimmer, Johanna Spyris "Heidi", da sind elegante Zeitungsständer, Vasen, Schalen. Die Backhaube ersetzt noch den teuren Elektro-Herd, der "Backfisch" wird zum "Teenager" und geht in synthetischen Gewändern zum Tanze. Oder ins Kino.
Seit April 53 vorzugsweise ins "Royal". Das Cinema in der Bahnhofsstraße zählt dank seiner technischen Ausstattung zu den modernsten Filmtheatern in der noch jungen Republik. Und Helmut Woeller, der 1946 von der amerikanischen Militärregierung die Lizenz zum Betrieb eines Kinos erhalten hatte, holte Stars und Sternchen des deutschen Nachkriegsfilms zu den Premieren ihrer Leinwand-Geschichten nach Wetzlar. Vico Torriani war da, Christine Kaufmann ebenso wie Sonja Ziemann, Hildegard Knef oder Hansjörg Felmy. Der Niedergang des "Royal" vollzog sich schleichend: Dort, wo in den 50ern die Heimat besungen wurde, befindet sich seit 1990 die Geschäftsstelle einer Bank.
Lydia Adam, die Leiterin des 1985 gegründeten Garbenheimer Heimatmuseums, präsentiert in ihren Räumen "Industrielles Design im Haushalt". Für mehr als ein Sechstel der Gesamtschau ist im schmucken Fachwerk-Domizil des Wetzlarer Stadtteils einfach kein Platz. Noch nicht: Hartmut Schmidts Appell an die bei der Vernissage komplett versammelten Stadtvorderen, das Garbenheimer Museumsprojekt nicht verhungern zu lassen, wird nach dieser beachtlichen Ausstellung so schnell nicht vom Tisch zu wischen zu sein. Das Ziel, eine feste Ausstellung zur Alltagskultur der fünfziger Jahre zu installieren, ist ohne finanzielle Hilfe nicht zu erreichen. Immerhin hat das unter ehrenamtlicher Regie arbeitende Heimatmuseum Garbenheim mit dieser vor knapp fünf Jahren begonnenen Sammlung eine Empfehlung des Hessischen Museumverbandes beherzigt. Der hatte den "Zwergmuseen" im Lande geraten, die Sammelleidenschaft nicht auf Dreschflegel und Heugabel zu beschränken, sondern sich einem Spezialthema zu widmen. Nun kommt es darauf an, auf diesem "soliden Fundament" weiterzubauen, sagt Hartmut Schmidt voller Optimismus. Die Ausstellung ist in Garbenheim bis zum 19. Februar jeweils mittwochs, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen, im Wetzlarer Stadtmuseum täglich von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr. Montags ist Ruhetag. Der reich bebilderte Katalog kostet 20 Mark.
VOLKER TRUNK
Die Mädchen trugen Turnschuhe - wie heutzutage die meisten Jugendlichen zwischen Alaska und Australien. Ansonsten hatten sie reichlich wenig an: Perlenschnüre über den nackten Brüsten, Miniröcke. Kichernd warteten sie auf ihren Einsatz bei der täglichen "Demonstration der Zulu-Geschichte und ihrer Sitten und Gebräuche". Die Touristen, vier Busladungen voll, drängten sich rotköpfig in den Schatten einer Schirmakazie und standen sich mit ihren Video-Kameras gegenseitig im Weg, als die Mädchen zum dumpfen Klang der Trommeln mit ihrem Tanz begannen. Später würden die Urlauber beim "traditionellen" Mittagessen hoch über dem Stausee Maisbrei probieren, Jamswurzeln und Bohnen.
Shakaland, in Südafrikas nordöstlicher Provinz Natal, nicht weit entfernt von der Kwazulu-Hauptstadt Ulundi gelegen, ist ein nachgebauter Kral, der einst Kulisse war für die Fernsehserie "Shaka Zulu", einem Film über das Leben des berühmten Zulu-Königs Shaka. Heute gehört das Dorf mit seinen grasgedeckten Rundhütten zwei Afrikaanern, (so nennen sich die weißen Südafrikaner) die den Touristen täglich das "Leben der Zulu" vorführen lassen. Das hat mit der Wirklichkeit nur so viel zu tun, daß all die Leute, die in Shakaland Bier brauen, Körbe flechten, kochen und tanzen Zulus sind und im Dorf Arbeit gefunden haben. Über die Realität des größten Volkes in Südafrika kann man eher etwas in den Zeitungen nachlesen.
Von den rund 30 Millionen Schwarzen im tiefen Süden des Kontinents leben auch heute die meisten nicht in pittoresken Krals, sondern in Baracken in eigens für die schwarze Bevölkerung eingerichteten Reservaten, Homelands genannt, oft in den weniger fruchtbaren Gegenden dieses wunderschönen Landes. Und die grünen Hügel Natals sind, seit Staatspräsident Frederik de Klerk vor nunmehr drei Jahren das Ende der Rassentrennungspolitik verkündete, Schauplatz eines Machtkampfes zwischen Anhängern des Zulu-Häuptlings Buthelezi und des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) unter Nelson Mandela, geschürt, wie manche sagen, von den "Sicherheitskräften" des Landes. Über 10 000 Menschen kamen bisher bei politischen Unruhen ums Leben, mehr als in den düsteren Zeiten der Apartheid. Die Vision von einem neuen Südafrika beginnt zu verblassen. Wer wagt zu sagen, was die Zukunft bringt?
Dennoch wird Südafrika in den Prospekten der deutschen Reiseveranstalter neuerdings als ein Land gepriesen, in dem eine multikulturelle Gesellschaft, jenseits von Apartheid und Tribalismus, im Entstehen ist. Rund 60 Unternehmen empfehlen die Region als das ideale Ziel für Wintermüde. Für Urlauber, die in Durban am Strand liegen oder auf einer Rundreise durch die Busfenster fotografieren, sind die alltäglichen Schrecken tatsächlich kaum nachempfindbar. Es ist nicht diese Welt, die sie gezeigt bekommen. Interpretation ist nötig und wird von Reiseleitern geliefert, die Weiße sind. Da hat die Sichtweise der schwarzen Mehrheit nicht die rechten Chancen. "Sehen Sie", sagt da etwa Leonie K., eine holländische Einwanderin und durchaus als gemäßigte Apartheid-Gegnerin zu bezeichnen, als der Bus durch ein Homeland fährt: Bruchbuden, abgewrackte alte Autos, Plastikmüll wie Fahnen an Stacheldrahtzäunen, umherstreunende magere Kühe, Kindergewusel. "Sehen Sie", sagt die Holländerin, "Die Schwarzen kümmern sich nicht. Daß sie faul sind, liegt aber in ihrer Tradition begründet." Je nachdem wie groß die Lust eines Urlaubers ist, selbst zu denken, kann er sich dieser Meinung anschließen oder aber nach den Gründen fragen für den ständigen Wechsel zwischen erster und dritter Welt, in die Südafrika eingeteilt scheint. Hier vollklimatisierter Luxus mit Swimmingpool und dort elende Hütten, in denen sich große Familien drängen und manchmal nicht mal Strom und Wasser haben. Die Möglichkeiten, sich jenseits der Klischees ein eigenes Bild zu machen, sind auf einer Pauschalreise gering. Der Bus fährt, die Landschaft zieht vorbei, ein Film von einem vielfältigen, bunten Leben. Aus dieser Perspektive tatsächlich eine multikulturelle Gesellschaft, die in Frieden miteinander lebt.
Seit November landet in Durban am Indischen Ozean jede Woche ein Großraumflugzeug der LTU. Hochwillkommen sind die Urlauber aus Deutschland, denn der Tourismus läuft nicht so richtig, obwohl doch die Regierung seine Bedeutung für die Volkswirtschaft erheblich ausbauen will. Ein schwieriges Unterfangen bei den ständig negativen Schlagzeilen auch in Nach-Apartheid-Zeiten. Die Sonne scheint, die Palmen wiegen sich im Wind, am blauen Meer steht eine lange Reihe von Hotel-Hochhäusern. Rummelplatz am Strand: Auf den Rutschbahnen und in den Plantschbecken toben schwarze Kinder, weiße Schüler rauschen mit ihren Surfbrettern in die Brandung. Die Schilder "whites only" sind verschwunden.
Die Millionenstadt am Meer wirkt friedlich, eher indisch als afrikanisch mit ihren bunten Hindutempeln, den Mo-
Jede selbständige Gemeinde hat ihren eigenen Schiedsmann. Er wird alle fünf Jahre von der Stadtverordnetenversammlung gewählt. Dieses "Wahlrecht" ist im Grunde genommen jedoch nur ein "Vorschlagsrecht". Denn erst nach der Bestätigung durch den Direktor des Amtsgerichtes darf der ehrenamtlich tätige Vermittler sein Amt ausüben. Seine Aufgabe besteht hauptsächlich darin, Sühneverhandlungen über streitige Rechtsangelegenheiten zu führen. Sinn und Zweck einer solchen Verhandlung ist, daß beide Streitparteien persönlich vor dem Schiedsmann erscheinen, um Einigung zu erzielen. Der Schiedsmann kann bei "kleineren" Vergehen wie Hausfriedensbruch, Beleidigung, Verletzung des Briefgeheimnisses, leichte Körperverletzung, Sachbeschädigung oder Mietzinsstreitigkeiten eingeschaltet werden. Um beim Strafgericht gegen einen Beschuldigten Privatklage erheben zu können, ist eine Sühneverhandlung vor dem Schiedsmann sogar Pflicht. Erst wenn dort keine Einigung erzielt wird, steht dem Kläger der Rechtsweg offen. ki
WESTLICHE STADTTEILE. Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel im Frankfurter Westen können aufatmen, wenn wenigstens ein Teil der Ideen auch in die Tat umgesetzt wird, die Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) dieser Tage vorgestellt hat. So soll es Änderungen im Fahrplan der S-Bahnlinie 3 geben; eine neue Straßenbahnverbindung könnte für bessere Anbindung in die Frankfurter City sorgen. Und der Stadtrat will sich auch für einen günstigeren Endhaltepunkt der Buslinie 55 einsetzen, die Höchst mit Rödelheim verbindet.
Wentz diskutierte mit Bürgern in einer öffentlichen Veranstaltung der Sossenheimer SPD über die "Verkehrspolitik in Frankfurt und den westlichen Stadtteilen". Das "Hauptsorgenkind" ist für Wentz die S-Bahn-Linie 3. Auf dem Teilstück Bad Soden - Sulzbach - Sossenheim - Höchst rollt die S 3 seit Mai vergangenen Jahres unter dem Kommando der Frankfurt Königsteiner Eisenbahn (FKE). Die Fahrgastzahlen sind so niedrig, daß die Bundesbahn ihre S-Bahn-Züge lieber auf profitableren Strecken einsetzen wollte. So kam die FKE mit kürzeren Triebwagen zum Zuge; nur alle 40 Minuten dieselt eine Linie von Höchst in Richtung Bad Soden.
Das aber ist für den Frankfurter Planungsdezernenten ein Teufelskreis. Weil die Verbindungen so schlecht seien, würden nur wenige mit dem Triebwagen fahren. Und weil so wenige fahren, will der Frankfurter Verkehrsverbund (FVV) als oberster Fahrplan-Gestalter die Züge nicht häufiger auf die Strecke schicken.
Diesen Teufelskreis will Wentz aufbrechen, hat sogar schon "den Fuß in der Tür" beim FVV. Ab Herbst '93 soll nach dem Willen des Planungsdezernenten der FKE-Schaffner seinen Zug im 20-Minuten-Takt auf die Reise schicken. "Darüber gibt es schon Gesprächsprotokolle zwischen der Stadt und dem FVV, für mich eine Riesenentwicklung", sagte Wentz. Beim FVV gibt man sich in dieser Frage bedeckt. "Von uns aus sind bei der S 3 keine Verbesserungen geplant", sagte Pressesprecher Klaus Linek auf Anfrage der FR. "Wir setzen die S 3 dem Bedarf entsprechend ein, und der ist nicht höher", argumentiert Linek. Es gebe gute Verbindungen nach Höchst oder nach Rödelheim, von dort aus wiederum käme jeder Bürger gut in die Frankfurter City.
Für die Sossenheimer hatte Wentz ein weiteres Zuckerle mitgebracht: Derzeit überprüft sein Dezernat den Frankfurter Generalverkehrsplan. Und dabei soll ernsthaft darüber nachgedacht werden, ob die Straßenbahnlinie 11, die derzeit von Höchst in die Innenstadt fährt, bis nach Sossenheim verlängert werden kann. Doch auch dazu fällt FVV-Mann Klaus Linek die Antwort schwer: "Da ist noch alles offen in dieser Frage", weiß er lediglich zu sagen.
Reichlich sauer indes sind viele Bürger über den Fahrplan der Buslinie 55 zwischen Höchst und dem Rödelheimer S- Bahnhof. Denn der 55er hat seine Endhaltestelle am Tor Ost der Hoechst AG. Eine Haltestelle weiter, noch auf Höchster Terrain, ist ein Ärztehaus, das viele Höchster vom Stadtteilzentrum aus mit dem Bus erreichen wollen. Wer schnell dorthin will, hat Pech gehabt. "Diese Linie endet hier, bitte aussteigen", tönt es aus dem Lautsprecher vom Bus Nummer 55. Am Tor Ost der Hoechst AG müssen alle raus, zehn Minuten Zwangsunterbrechung. Denn der Fahrer darf dort seine wohlverdiente Pause machen, kann auch den Bus verlassen. Deswegen müssen die Passagiere raus. Und wer keine Monatskarte hat, muß nach dem ärgerlichen Stopp dann obendrein noch sein Portemonnaie zücken: Abermals muß ein Fahrschein gelöst werden.
Für Stadtrat Wentz ist diese Busführung "völlig absurd". Jedoch sei der FVV verantwortlich dafür, nicht die Stadt, "sonst hätten wir das schon längst geändert". Schon in den ersten Regierungswochen der rot-grünen Stadtregierung im Römer habe der damalige Oberbürgermeister Hauff die Absicht geäußert, den FVV-Vertrag, der dem Verbund die Gestaltungsrechte für die Liniennetze einräumt, zu kündigen. Ein Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) muß her, forderte Wentz. Er wolle sich dafür einsetzen, daß der Bus künftig am Tor Ost der Hoechst AG nicht mehr seine Endstation hat.
Beim FVV hat man dafür zwar Verständnis, kann sich aber keine andere Lösung vorstellen. "Der 55er ist mit anderen Verkehrsmitteln verknüpft", sagt FVV-Sprecher Linek. Wenn die Endhaltestelle an den Rödelheimer Bahnhof verlegt werden würde, müßte der Bus in Höchst zehn Minuten früher abfahren, um dort mit der S-Bahn ankommende Fahrgäste sofort aufgabeln zu können. Denn: Der Fahrer hätte am Rödelheimer Bahnhof dann Anspruch auf seine Pause. Da aber die meisten Fahrgäste zum Rödelheimer Bahnhof wollten, "muten wir denen nicht zu, zehn Minuten früher als nötig in Höchst abzufahren", sagte Linek.
Hilfe gegen rasende Autofahrer versprach der SPD-Stadtrat den Anwohner der Siegener Straße (Sossenheim). Er läßt prüfen, ob dort in Zukunft wechselseitiges Parken erlaubt werden kann. Dann müssen Autofahrer den Fuß vom Gas nehmen und einen Slalom-Kurs um die parkenden Autos steuern. gre
Nach der teilweise erfolgten Urteilsaufhebung durch den Vorstand des Hessischen Fußballverbandes mußten die Vorgänge während des Bezirksoberligaspiels FC Teutonia Hausen gegen FC Hanau 93 (11. Oktober 1992) vom Rechtsausschuß des Fußball-Bezirkes Frankfurt neu verhandelt werden. Sie brachten durch eine stattliche Zahl an Zeugen und hieraus resultierende neue Erkenntnisse ein härteres Strafmaß gegen Gastgeber Teutonia Hausen: Der FC Teutonia wurde nach Paragraph 45 der Strafordnung (Vernachlässigung der Platzaufsicht) sowie Paragraph 46 (Ausschreitungen) zu einem Monat Platzsperre (mindestens zwei Pflichtspiele) und 500 Mark Geldstrafe verurteilt. Ferner muß der Verein die Verfahrenskosten tragen. Die Sperre fällt in den Punktspielbereich, beträfe hiernach ausgerechnet das lukrative Nachbarschaftsderby gegen den TSV Lämmerspiel (28.Februar) sowie die im Abstiegskampf brisante Partie gegen den FSV Ravolzhausen (6. März). "Wir gehen in die Berufung", erklärte Teutonia-Abteilungsleiter Fußball, Günther Schwartz. Zumal ein weiteres Damokles-Schwert über dem Verein vom Schwarzbachweg schwebt.
Der Rechtsausschuß behält sich nämlich vor, je nach Ausgang des Zivilprozesses zwischen dem Hanauer Spieler Daniel Ullmann und dem Hausener Spielausschuß-Mitglied Josef Blahut, eine weitere Sportgerichtsverhandlung anzusetzen. "Nach der zweiten Beweiserhebung sahen wir als erwiesen an, daß Daniel Ullmann über einen Schlag auf die Brust hinaus noch einen Tritt gegen den Kopf bekommen hat", begründete Rechtsausschuß-Vorsitzender Günter Kauck (Birstein-Sotzbach), der mit Peter Herbener (Ostheim) und Günter Schneider (Okarben) seine Paradebesetzung aufgeboten hatte, das neue Urteil. "Die ursprünglich ausgesprochene Geldstrafe gegen den Verein Teutonia Hausen war hierfür allein nicht ausreichend", ergänzte er.
Es scheint nicht das letzte Treffen zwischen den beiden Bezirksoberligisten außerhalb des grünen Rasens gewesen zu sein, denn bei entsprechender Berufung durch den Offenbacher Kreisvertreter muß der Verbands-Rechtsausschuß in letzter Instanz tätig werden. Er hat bereits den Einspruch der Hanauer aus dieser Angelegenheit gegen den HFC-Akteur Jaouid Alami auf dem Tisch. Dieser war in der ersten Verhandlung für sechs Monate gesperrt worden. Dieses Urteil war nicht Bestandteil der Urteilsaufhebung durch den Verbandsvorstand, denn dabei ging es um eine zu geringe Bestrafung gegen Teutonia Hausen. Da der Verbands-Rechtsausschuß keine höheren Bestrafungen aussprechen kann, mußten die Vorwürfe gegen Teutonia Hausen erneut vom Bezirks-Gremium behandelt werden. Den Antrag zur Urteilsaufhebung aus der 1. Instanz hatte der FC Hanau 93 gestellt. Bei seinem eigenen Spieler Alami erhofft sich der Jubilar (feiert in diesem Jahr als erster hessischer Fußballclub seinen 100. Geburtstag) hingegen durch den Verbands-Rechtsausschuß eine Strafmilderung.
Bei der zweiten Verhandlung im Vereinsheim des SV 1910 Steinheim sagten fünf Hanauer Spieler und Trainer Willi Kern übereinstimmend aus, daß Josef Blahut, der zudem als Platzordner fungierte, dem Hanauer Spieler Daniel Ullmann (nach einem Schlag des Teutonia- Vorsitzenden Uli Klein) auf den Kopf getreten hat. "Ich habe es mitbekommen, was passiert sein soll, bin aber vier Meter hinter Uli Klein gestanden und kann es somit nicht gewesen sein", wehrte sich Blahut gegen diesbezügliche Hanauer Vorwürfe. "Nachdem Ullmann Klein in die Nase gegriffen hatte und der Hanauer einen Schlag von ihm erhalten hatte, ging dieser etwa zwei bis drei Meter nach vorne und fiel um, wodurch ich sogar sieben bis acht Meter vom Geschehen entfernt stand", ergänzte Blahut. "Als Ullmann am Boden lag, erhielt er von oben einen Tritt auf den Kopf, der Treter zog sich dann sofort zurück", sagte Hanaus Coach Willi Kern als Augenzeuge des Vorfalls aus. "Im Nachhinein habe ich erfahren, daß es Herr Blahut ist. Das würde ich auch vor einem ordentlichen Gericht bezeugen", fügte Kern an. Da Ullmann bereits in der ersten Verhandlung eine Freigabe für das ordentliche Gericht erhalten hat, ist die Privatklage gegen Klein sowie auch Blahut im vollen Gange.
"Herr Blahut, ich bin verblüfft, mit welcher Gelassenheit sie die Beschuldigungen von sechs Zeugen hinnehmen. Vielleicht liegt eine Verdrängung im Unterbewußtsein vor", stellte Ausschuß-Vorsitzender Kauck nach Abschluß der Hanauer Zeugenvernehmung fest. "Bei diesem Vorfall stand Herr Blahut neben mir, mindestens fünf Meter von der Spielertraube entfernt. Ich selbst habe in dieser Menschentraube nichts gesehen", entlastete Platzordner Walenda seinen Kollegen Blahut. "Der Verein Teutonia Hausen hat den Tritt gegen Ullmann nicht bestritten. Er bestreitet aber, daß es Herr Blahut war", führte Spielausschuß-Vorsitzender Walter Bäcker als Vereinsvertreter in seinem Schlußwort aus. "Unsere Zeugen würden keinen Eid auf sich nehmen, wenn sie es nicht genau gesehen hätten, daß Herr Blahut getreten hat", faßte Hanaus Vorsitzender Heinz Arnold den Vorgang in seinem Plädoyer zusammen. Die (einseitigen) Beschuldigungen seitens Hanau 93 reichten dem Bezirks- Rechtsausschuß nicht zur Verurteilung aus, zumal kein neutraler Zeuge diesen Tritt gesehen hat und kein Geständnis des Beschuldigten vorliegt. HANS-DIETER PUTH
Kongreß "Credo-Bit '93" "Credo-Bit '93", ein Kongreß für Computeranwendung in Theologie, Kirche, Diakonie und wissenschaftlicher Arbeit im deutschsprachigen Raum, findet vom 19. bis 21. Januar in der Stadthalle von Friedberg statt. Veranstalter ist die Initiative Pfarrer & PC, Schirmherr der Direktor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik, Hans-Wolfgang Heßler. Die erste Credo-Bit fand letztes Jahr ebenfalls in Friedberg statt.
Dann verfielen Hitler und Goebbels auf die Mythos-Masche Schlacht um Stalingrad und Kriegspropaganda / Wolfram Wette über den Paradigmenwechsel vom "Heroenkampf" zum "Heldendrama"
GRIESHEIM. Der Ortsbeirat 6 zieht jetzt die Konsequenz aus den anhaltenden Protesten der Anwohner gegen die Ende vorigen Oktobers eingerichtete erste Tempo-30-Zone in Griesheim.
In seiner Sitzung heute, 19. Januar, 17 Uhr im Höchster Bolongaropalast wird das Stadtteilparlament die Rücknahme des Zweirichtungsverkehrs beschließen, um so das beidseitige Parken zu ermöglichen, erklärte Thomas Schlimme (Grüne). Mit der Umsetzung des Beschlusses rechnet er "in absehbarer Zeit".
Die Änderungen: In der Hartmannsweiler-, Link- und Fabriciusstraße wird der Zweirichtungsverkehr aufgehoben und die frühere Einbahnstraßenregelung wieder eingeführt. Gleichzeitig wird auch das Parken zu beiden Fahrbahnseiten erlaubt. Ebenfalls zu Einbahnstraßen werden die Straßen Am Weidenbaum und Am Wingertsgrund erklärt, um auch hier das beidseitige Parken zu legalisieren.
Beibehalten werden dagegen neben der Tempobegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde auch die sogenannten "Stellvertreter", die das Freihalten der Kreuzungsbereiche sicherstellen sollen. Letztlich gescheitert ist der Ortsbeirat in seinem Bemühen um eine Verkehrsberuhigung im Stadtteil an der damit verbundenen Verknappung des Parkraumes. "Der Widerstand ist so groß", zog Schlimme das Fazit, "das Konzept ist so nicht durchzuziehen." joh
EGELSBACH. Innerhalb der nächsten 14 Tage soll mit dem Bau der Kindertagesstätte im Ortsteil Bayerseich begonnen werden. Wie Bürgermeister Heinz Eyßen (SPD) mitteilte, seien jetzt die Rohbauarbeiten vergeben worden, die rund ein Fünftel des 3,3 Millionen Mark teuren Projekts kosteten.
Laut Eyßen habe die Gemeindeverwaltung warten müssen, bis der versprochene Millionen-Zuschuß der hessischen Landesregierung freigegeben worden sei: Neben 850 000 Mark aus dem Sozialministerium habe auch das Umweltministerium 170 000 Mark beigesteuert, weil der Kindergarten auf große Energie-Ersparnis ausgerichtet sei.
Will der Bürgermeister noch im Januar den ersten Spatenstich machen, so hofft er, die neue Kindertagesstätte im Spätherbst eröffnen zu können. Damit soll der bislang bestehende, provisorische Kindergarten überflüssig werden.
Da in der Siedlung Bayerseich lediglich etwa 40 Kinder leben, könnten die übrigen der insgesamt 75 Plätze von den Jüngsten aus ganz Egelsbach genutzt werden. Laut Eyßen sollen in einer der drei vorgesehenen Gruppen auch behinderte Kinder unterkommen können. leo
Man hat's nicht leicht. Tagaus, tagein im Hauseingang dieses Wohnblocks stehen. Achtlos gehen die meisten Leute an einem vorbei. Und dann diese Anzeigenblättchen und Reklameprospekte. Dauernd krieg' ich sie aufgeladen, bis sie letzten Endes doch ungelesen im Altpapiercontainer landen. Immer dasselbe.
Nur wenn draußen ein ordentlicher Sturm tobt, wird's interessant. Dann bekomme ich mal mit, was die Hausbewohner alles zum Lüften oder Trocknen auf den Balkon gehängt haben. Mal ein Schal, mal ein Putzlappen, mal ein vereinsamter Strumpf. Der Wind weht immer wieder etwas auf die Wiese. Und hilfsbereite Mitmenschen bringen es zurück ins Haus. Ablage Dann bin ich das hausinterne Fundbüro, bei dem die Besitzerwieder zu ihren flügge gewordenen Textilien kommen.
Vorgestern, da war es eine Damenstrumpfhose, die langsam auf mir trocknete. Ein zartes, graues Gewebe. Richtig elegant. Und dann gestern dieser Minirock. Die Wäscheklammern hingen noch dran. Knallrot und eng, feine Strickware. Einfach schick.
Leider bin ich nur ein alter Heizkörper, dem an ein paar Stellen schon die Farbe abblättert. Mir steht sowas nicht. jea
Keine Urne ist für die Ewigkeit gemacht Friedhofsordnung entzündet Streit um Totengefäße
Über die Ewigkeit bestehen zwischen Friedhofsverwaltung und dem Bestattungsgewerbe abweichende Meinungen. Erstere ("Asche zu Asche, Staub zu Staub") verfügt: "Es wird nur beigesetzt, was verrottbar ist." Letzteres behauptet dagegen: "Der Bürger will im Tod ein Behältnis haben, das die Dezennien übersteht." Anlaß zur Formulierung solcher Glaubenssätze ist die neu gefaßte Friedhofsordnung der Stadt. Nach dieser nämlich ist "die Verwendung von Überurnen in Reihengräbern nicht zulässig". Sprich: Wer sich verbrennen läßt und kein (teureres) Wahlgrab gekauft hat, kommt, statt in Bronze, Kupfer oder Stein, einzig und allein in einer der vergänglichen schwarzen Blechdosen unter die Erde, in die man im Krematorium die Asche zu füllen pflegt. Hingegen wird die Stadt in den Wahlgräbern auch künftig die würdevolle Verhüllung der "Aschenkapsel" genannten Dose durch eine Urne genehmigen. Die Leute, die ihr Gewerbe "Pietät" nennen, achten in diesem Fall ausnahmsweise nicht auf Zartgefühl und Verschwiegenheit. "Friedhofstechnokraten" ist noch die gelindeste Verunglimpfung, die beispielsweise der Bestattungsunternehmer Michael Pludra in einer Stellungnahme gewählt hat.
Von dem "Stil eines längst verblichenen Absolutismus" ist die Rede, von "reiner Beutelschneiderei". "Sarg oder Urne", springt das Bonner "Kuratorium deutsche Bestattungskultur" dem Lieferanten Pludra bei, "nur als reines Transportbehältnis bis zur Bestattung zu betrachten, zerstört eine der wesentlichen Säulen unserer Bestattungskultur".
So sei es "in Deutschland gewachsen, daß die Behältnisse zur Beisetzung von Verstorbenen eine Schutzfunktion für die darin Bestatteten vor dem umgebenden Erdreich haben". Daher der Wunsch nach einer Urne "aus Kupfer, Bronze oder Stein". Zumal, so Pludra "diese grauslige schwarze Dose" vor Augen, "es ja Graduierungen gibt: Der Generaldirektor möchte anders begraben werden als ein Obdachloser".
Für das Friedhofsamt hingegen ist die Letzte Ruhe letztlich "eine Frage der Entsorgung": Auch die Totenruhe hat ihre Grenzen, und die liegen beim Reihengrab (975 Mark) bei 20 Jahren. Im Wahlgrab hat man sich für 1575 Mark die doppelt so lange Ruhefrist gekauft.
Ist aber die Totenruhe dahin, dann muß, heißt es im Friedhofsamt, "alles zersetzt sein". Ob Urne oder Sarg: "Es soll verrotten, damit das Grab neu belegt werden kann." Und nun sind es die Amtsleute, die auf "unseren Kulturkreis" pochen: "Asche zu Asche, Staub zu Staub", unterstreicht der zuständige Reinhard Lau. Schon aus Platzgründen: "Die Grabsohle ist nicht unerschöpflich, da kann man nicht 50 Urnen oder Särge unterbringen." Hier können auch die vom Amt ganz deutlich werden: "Die Überurnen", findet Lau, "sind doch nur Geldschneiderei der Pietät." clau
HANAU. Der FDP-Ortsverband Hanau hat in einer Presseerklärung Stadtbaurat Jürgen Dressler (SPD) scharf angegriffen, weil er ohne Konzept für die städtebauliche Entwicklung sei.
Auch die zu seinem Dezernat gehörende Wirtschaftsförderung führe ein "Schattendasein".
Der FDP-Spitzenkandidat Gerhard Morlock schließt daraus in Kommunalwahlkampfmanier, das "Problem Dressler" sei "nur mit neuen Mehrheiten im Stadtparlament" aus der Welt zu schaffen. Dressler sei "eine zunehmende Belastung".
Wichtigste Aufgabe der neuen Stadtverordnetenversammlung müsse sein, zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern ein langfristiges Stadtentwicklungskonzept zu erarbeiten.
Dagegen sei Dresslers einzig erkennbares Planungsziel, die Teilnehmer des Individualverkehrs in der Innenstadt "zu schikanieren", ohne auf Einzelhandel und Bürger Rücksicht zu nehmen. Morlock kritisiert, daß Dressler den öffentlichen Personennahverkehr bevorzuge, statt ihn parallel mit dem Individualverkehr zu fördern.
Obwohl Bedarf bestehe, wolle der Stadtbaurat die Innenstadt entparken und Parkhäuser am Cityrand bauen, die niemand haben wolle und Verluste produzierten. In diesem Zusammenhang fragt der FDP-Spitzenkandidat, ob für das geplante Parkhaus am Heinrich-Fischer-Bad ein Nutzungskonzept und eine Wirtschaftlichkeitsrechnung bestünden.
Was Wirtschaftsförderung angeht, hält die FDP Dressler für einen "völligen Ausfall".
Belege dafür sieht die Partei in der weiter ausbleibenden Gewerbeansiedlung auf dem Dressler-Gelände und dem Hin und Her um den Verkauf des Sparkassengebäudes am Marktplatz.
Dressler zeige keine Bereitschaft, mit Industrie- und Handelskammer sowie Einzelhandelsverband zusammenzuarbeiten. Da die SPD-Mehrheitsfraktion ihn nicht "disziplinieren" könne, bedürfe es dafür neuer Mehrheiten. him
HOCHTAUNUSKREIS. Der Kreisausschuß hat beschlossen, die 20prozentige Ausgabensperre für den gesamten Verwaltungshaushalt in diesem Jahr aufrechtzuerhalten. Wie Landrat Jürgen Banzer mitteilte, gilt auch weiterhin eine sechsmonatige Besetzungssperre für alle freien oder freiwerdenden Stellen in der Kreisverwaltung. Mit den Einsparungen soll das Etatdefizit verringert werden. ill
Samstag, 23. Januar: Nyce Cryce rokken im Spritzehaus, Black Bembel in der Werkstatt, die Blues Cruisers im Jazzlife. Im Sinkkasten hat sich Gustav Rabe angesagt, in der Brotfabrik Salsa Aqui, Odysseus Broz. kommt in den Jazzkeller, Lovehappy in den Dreikönigskeller. Im Offenbacher F 63 gibt's Heavy Metal der Bands Steel Dawn und Fracture. Im Frankfurter Hof in Mainz wird das "Akut '93"-Festival fortgesetzt. Die Barrelhouse Jazzband gastiert im Aschaffenburger Klimperkasten. In Darmstadt: Pete York im Jagdhofkeller, Tommy & The Moondogs in der Krone (auch am Sonntag); Session im Jugendcafé Oberursel.
Sonntag: Die Red Hot Hottentots jazzen beim Frühschoppen im Schlachthof, Barrelhouse im Rathaus-Foyer Langen. Im Spritzehaus spielen die Schütz Band (15 Uhr) und abends Message In A Bembel, in der Werkstatt Matthias Baumgart (15 Uhr), abends die Rude Kids; Ananas im Dreikönigskeller. Im Uni-KOZ rocken The Ex mit dem Cellisten Tom Cora. In Mainz gibt's Reggae mit Lee "Scratch" Perry im KUZ und Chansons mit Jo van Nelsen im Frankfurter Hof.
Montag: Five Pieces Plus One im Jazzlife, The Harlem Gospel Singers in der Alten Oper, Helios Creed mit Vertigo im Cooky's. Duett rocken im Spritzehaus und Crossroads in der Werkstatt (jeweils auch am Dienstag). John Mooney kommt in die Krone Darmstadt.
Dienstag: BAP und die Rodgau Monotones sind zwei der Höhepunkte des Anti- Rassismus-Festivals von Musikern und Spitzensportlern in der Festhalle. In der Music-Hall haben sich derweil The Levellers angekündigt, The Moon (siehe Szene) geht im Sinkkasten auf, Dirty White Boys dröhnen im Jazzlife, und im Cooky's macht die Club Supreme Band Station. In der Krone Darmstadt werden Black Roots bloßgelegt (auch am Mittwoch). Im Aschaffenburger Klimperkasten machen die Plastic People Station, Heinz Rudolf Kunze im Bürgerhaus Sprendlingen.
Mittwoch: Rage Against The Machine lassen in der Batschkapp die Wände wakkeln (siehe Toptip), und die John Doe Band kommt ins Jazzlife. Ronja tritt im Spritzehaus auf, Papa's Finest Boogie Band in der Werkstatt (jeweils auch am Donnerstag), im Mühltaler Steinbruchtheater die Moody-Marsden-Band.
Donnerstag: Eine Band namens Wanda im Jazzlife (auch am Freitag) und Cosa Nostra im Jazzkeller. Steve Gibbons im Heidelberger Schwimmbad, An Cat Dubh in der Darmstädter Krone und die Zöllner im Aschaffenburger Klimperkasten.
Freitag: Fatala bringen Afro-Beats in den Sinkkasten, Charles Davies & The Captured Moments jazzen in der Brotfabrik, Mallet kommen mit Heart-Rock ins Spritzehaus. Die Main River Band spielt in der Werkstatt, Nanette Scriba mit Band im Frankfurter Hof in Mainz, und im Heidelberger Schwimmbad dröhnen Black & White mit Weird Kitchen. art
Nette Pop-Harmonien mit optimistischen Botschaften kommen nie aus der Mode und machen sich immer gut, das weiß auch der neue US-Präsident Bill Clinton. Nomen est omen, hatte er sich während seines Wahlkampfs gesagt und vor jeder Rede den Fleetwood Mac-Ohrwurm "Don't Stop" (1975) aus den Boxen dröhnen lassen. Es hat ihm offenbar nicht geschadet. Der Song und die dazugehörige LP "Rumours" machten das anglo-amerikanische Quintett in den 70ern zu Mega-Stars - insgesamt 30 Millionen Mal wurde die Scheibe verlangt.
Lang ist's her, heute reicht es nur noch zum verklärten Rückblick auf Vergangenes: Zum 25jährigen Bestehen der Band gibt's von den Fleetwoods einen "Big" Mac, die 4-CD-Box "The Chain" (Wea). Es geht eben nichts über einen Haufen alter Hits, denn etwas vergleichbares wie "Rumours" sollte ihnen nicht mehr gelingen. Auf den späteren Alben hatten sie meist nur noch seichten Mainstream zu bieten. Nach dem Weggang von Gitarrist und Songschreiber Lindsey Bukingham vor fünf Jahren ging es weiter bergab. Gründungs-Mitglied Mick Fleetwood beschleunigte die Talfahrt noch mit einer skandalumwitterten Autobiografie.
In dem Schmöker ließ sich der schlaksige Schlagzeuger vor allem über das Band-interne Sexleben aus. Die beiden Sängerinnen Christine McVie und Stevie Nicks waren, so hieß es, über die Enthüllungen so verärgert, daß sie das Handtuch warfen. Doch rechtzeitig zum Band- Jubiläum machen alle wieder gute Miene zum lukrativen Spiel. Was kümmert sie ihr dummes Geschwätz von gestern. "Da ist in der Presse wohl einiges falsch zitiert worden, Fleetwood Mac haben sich nie offiziell aufgelöst", korrigiert Christine McVie, "Stevie und ich haben lediglich gesagt, daß wir mit der Band nicht mehr live auftreten werden."
Also Friede, Freude, Eierkuchen. Über das umstrittene Buch des tratschsüchtigen Schlagzeugers will sie denn auch gar nicht mehr diskutieren. "Viele Dinge darin, die so groß aufgebauscht wurden, haben mich persönlich gar nicht betroffen. Micks ,Enthüllungen&rquote; hatten mehr mit Lindsey zu tun, und der hat sich mit ihm mittlerweile ausgesöhnt."
Zum Jubiläum stieß denn auch der verärgerte Buckingham wieder dazu und durfte, wohl als Trost, seinen bisher unveröffentlichten Song "Make Me A Mask" beisteuern. "Na ja, seine letzte Solo-Platte war ein Flop, da kam er halt noch mal zurück", meint Christine schnippisch. Die alten Sticheleien sind wohl doch noch nicht vergessen. Das Innenleben von Fleetwood Mac glich schon immer einer Seifenoper mit zahlreichen Intrigen. Als sie zu den Reibungen noch die entsprechend bissigen Songs schrieben, waren sie stets auf den Titelseiten der Musik- Blätter zu sehen.
Doch mit "The Chain" haben sie der Gruppe nicht gerade den Abgang verschafft, den sie verdient hätte. Gewiß, die Verpackung der Box ist edel, ein üppig bebildertes Buch (mit wenig Text) ist dabei, und auf die CD-Cover kritzelten die einzelnen Musiker solch anrührende Notizen wie "Thanks for the memories". Nur ein Konzept haben sie bei der Zusammenstellung der Songs nicht gehabt. Die Stücke sind wahllos von den einzelnen Alben gegriffen und aneinandergereiht worden, wobei ihnen die Hits wichtiger waren als die Geschichte.
Die Anfänge der Band, als Peter Green noch den Blues-Kurs diktierte, sind mit einer CD deutlich unterrepräsentiert. Statt dessen werden die Mainstream-Alben von Mitte der 70er an kräftig ausgeschlachtet, und noch mit unveröffentlichten Songs angereichert.
"Mick hatte die Idee zu dieser Retrospektive, und wir fanden es alle toll", meint Christine McVie, "denn es gibt ja nicht mehr so viele Bands, die seit 25 Jahren dabei sind." Ihrem Noch-Kollegen Mick Fleetwood fällt auch nicht mehr ein, als von der guten, alten Zeit zu schwärmen. "Die 70er Jahre waren wirklich wie eine einzige Party. Ich habe fast 20 Jahre gebraucht, um mich davon zu erholen", meint er, "es war eine prima Zeit, aber jetzt ist die Party vorbei. Ein gemeinsames Studio-Album werden wir vielleicht noch aufnehmen, aber ansonsten ist die Band für mich gestorben."
Branchen-Kenner wissen freilich, was von solchem Abschieds-Genöle zu halten ist: nichts. Christine fügt denn auch schon jetzt vorsorglich hinzu, man sollte nie nie sagen, "du kannst deine Meinung immer ändern." Womit sie zweifellos recht hat. "The Chain" kündigt keinen krönenden Abschluß, nur einen weiteren halbherzigen Abschied an. Auf zum nächsten. MARTIN SCHOLZ
Er sieht seinem Daddy nicht nur sehr ähnlich, er singt auch fast genauso wie er. Doch solche Vergleiche bringen Jakob Dylan auf die Palme. "Mein Vater hat mir bei meiner Platte überhaupt keine Hilfestellung gegeben. Ich habe ihn auch nicht darum gebeten", knurrt der 23jährige Sänger und Gitarrist und fügt grimmig hinzu: "Das war auch nicht nötig." Über Bob Dylan möchte er, "wenn's geht", während des Interviews am liebsten überhaupt nicht sprechen.
Warum auch, ist doch der Komplex vom Über-Vater - Jung-Dylan hat's schnell begriffen - allemal gut fürs künftige Image. Da geht es ihm wie seinem Leidensgenossen Julian Lennon, nur daß der Beatles-Sprößling bislang außer durchschnittlicher Pop-Ware musikalisch nichts zu bieten hatte. Jakob Dylan und seine Band The Wallflowers dagegen haben mit ihrer gleichnamigen CD (Virgin) ein beeindruckendes Debüt hingelegt.
Ob rotziger Rock oder düstere Balladen - die Fünf aus Los Angeles beherrschen ihr Handwerk und klingen fast schon wie alte Hasen. Kein Wunder, sie haben viel von Neil Young, den Grateful Dead, den Byrds und auch von "His Bobness" abgeguckt. Der mürrische Jakob schindet dazu seine Stimmbänder: Mal hängt er "Asleep At The Wheel", mal röhrt er seiner "Sidewalk Annie" nach.
Und obwohl man ihm so viel Lebenserfahrung nicht zutraut, haben seine morbiden Geschichten doch gar nichts künstliches an sich. Einem, der so singt, nimmt man vieles ab, auch das, was er noch gar nicht erlebt haben kann. "Ich erzähle einfach Geschichten, und viele halten sie offenbar für autobiografische Notizen", meint er, "aber ich habe meine erste Scheidung noch nicht hinter mir. Einiges klingt so, als sei ich durch die Hölle gegangen, aber das mußte ich bislang zum Glück nicht." Mit seinen vier "Mauerblümchen" spielt er bereits seit 1988 zusammen, aber erst vor einem Jahr bekamen sie als The Wallflowers (übrigens ein Bob Dylan-Song von 1971) einen Plattenvertrag. "Und wir sind immer noch eine Garagenband", lacht Gitarrist Tobi Miller, "in L. A. haben wir nur selten gespielt, weil uns niemand haben wollte. Also sind wir in der Umgebung aufgetreten oder in der Garage meiner Mutter und haben die Leute dort hingeholt."
Auch der Rest der Gruppe bemüht sich, die Tatsache, daß Bobs Sohn bei ihnen mitspielt, möglichst herunterzuspielen. "Wir sind eine richtige Band", versichert Miller brav. Die Songs wurden indes bis auf eine Ausnahme nur von ihm geschrieben. "Das ist eben diesmal so gelaufen", raunzt Dylan, "aber das kann sich ändern." Band oder nicht - wenn er weiterhin solche Songs schreibt, werden er und seine Mitstreiter nicht lange Mauerblümchen bleiben. art
"Arsch huh - Zäng ussenander" Mehr als 100 000 Menschen kamen im November vergangenen Jahres auf den Kölner Chlodwigplatz, um mit BAP und anderen Musikern der Kölsch-Rock-Szene gegen Fremdenhaß und Rassismus zu demonstrieren. "Arsch huh - Zäng ussenander / Arsch hoch, Zähne auseinander", hatten die Bands in ihrem gemeinsamen Song gefordert, der jetzt noch einmal auf der gleichnamigen Benefiz-CD (Electrola) erscheint. Die Erst-Auflage dieser Song- Sammlung war bereits einen Tag nach dem Kölner Festival vergriffen. Als Bonus zu den Liedern von The Piano Has Been Drinking und Brings sind auf der Nachpressung noch zwei Live-Mitschnitte von dem Festival zu hören: "Arsch huh" im Grande Finale und ein Brecht- Lied vom Kölner Schwulenchor Triviatas. Eine bewegende Collage des musikalischen Protests. Sämtliche Einnahmen der CD gehen an die "Arsch huh"-AG Köln, eine Gruppe, die Aktionen gegen Ausländerfeindlichkeit unterstützt. art
HANAU. Mit dem städtebaulichen Bild von Klein-Auheim ist Stadtbaurat Jürgen Dressler (SPD) alles andere als zufrieden. Ein "Schlüsselgrundstück", um ein Zentrum für den Stadtteil zu bauen, wäre das Gelände der Offenbacher Rowenta, das die Stadt kaufen wollte. Doch Rowenta hat sein Angebot zurückgenommen. Daß dort weiterhin betreutes Wohnen für Alte möglich sei durch entsprechendes Festschreiben im Bebauungsplan, versicherte Liegenschaftsamtsleiter Manfred Gutberlet dem Klein-Auheimer Ortsbeirat in dessen jüngster Sitzung.
Die Stadtverordnetenversammlung hatte im vergangenen Herbst beschlossen, die Stadt zahle die geforderten 6,75 Millionen Mark für das Areal der ehemaligen Fahrradfabrik Bauer in Drittel-Raten bis Ende 1993. Vor der letzten Rate sollte die Altlastensanierung durch Rowenta abgeschlossen sein.
Die Offenbacher Firma sieht sich aber außerstande, diesen Termin einhalten zu können, obschon der Stadtbaurat nur Bodenverseuchungen in einem verhältnismäßig kleinen Bereich annimmt. Rowenta hat nach Dresslers Angaben nun einen privaten Interessenten für das Gelände.
Das städtische Konzept sieht etwa 100 Wohnungen auf 1,3 Hektar vor. Dafür wäre die alte Fabrikanlage teilweise abzureißen und teilweise unter Denkmalschutz zu stellen gewesen. Recht intensiv habe die Bauverwaltung schon mit einem Investor verhandelt, so Dressler, der dort altengerechte Wohnungen habe bauen wollen.
Die Stadt hatte das sanierte Grundstück übernehmen und weiterverkaufen wollen. Eine gute Refinanzierung sei sicher gewesen, meinte Dressler. Ans städtebauliche Konzept müsse sich auch jeder private Käufer halten. him
Das Fort- und Weiterbildungsinstitut für Altenarbeit der Johanna-Kirchner- Stiftung hat sein Frühjahrsprogramm vorgelegt. Die Seminare sind für Beschäftigte in der Altenarbeit gedacht und beginnen Mitte Februar in den Institutsräumen in der Gutleutstraße 319 und in Tagungshäusern im Umland. In den Veranstaltungen werden Probleme aufgegriffen, die bei der Betreuung von pflegebedürftigen alten Menschen auftauchen.
Das Programmheft kann schriftlich beim Fort- und Weiterbildungsinstitut für Altenarbeit, Gutleutstraße 319, oder telefonisch unter der Nummer 2 71 06-49 angefordert werden. vo
Touristische Tips
Im Harz sind die Hunde los Zum internationalen Schlittenhunderennen lädt Clausthal-Zellerfeld am 6. und 7. Februar ein. Für Zuschauer hält der Oberharzer Kurort vom 5. bis 8. Februar eine Pauschale ab 135 Mark mit Übernachtung, Frühstück und Ausflugsprogramm bereit. Auskunft: Kurbetriebsgesellschaft, 3392 Clausthal-Zellerfeld, Telefon 0 53 23-8 10 24. Bamberg und der Expressionismus Bis zum 28. März lädt Bamberg zu einer Reihe von Veranstaltungen unter dem Titel "Die Zeit des Expressionismus" ein. Eröffnet wird das Programm mit der Ausstellung "Grafik des deutschen Expressionismus"; vorgesehen sind darüber hinaus Konzert- und Theaterabende, Filmvorführungen, Vorträge, Rezitationen und ein Symposium. Über die Termine gibt des Verkehrsamt Auskunft: Geyerswörthstraße, W-8600 Bamberg, Telefon 09 51 - 87 11 61. Schneewalzer in Grafenhausen "Lernen mit Spaß" lautet das Motto der Skikurse in Grafenhausen für Langläufer und Abfahrer. Damit Anfänger den "richtigen Takt" finden, offeriert der Ferienort im Südlichen Schwarzwald vom 20. bis 27. Februar eine "Schneewalzerwoche" ab 370 (für Langläufer) beziehungsweise 530 Mark (enthalten sind sieben Übernachtungen, Lehrgang, Leihausrüstung, Extras). Auskunft: Kurverwaltung, W-7821 Grafenhausen, Telefon 0 77 48 / 5 20 41. Der Hunsrück winterlich Ein umfangreiches Programm erwartet die Gäste der Wochenendpauschale "Winterzauber im Hunsrück". 60 Kilometer gespurte Loipen und geräumte Wanderwege führen weg von Lärm und Hektik. Auskunft über Termine und Preise: Verkehrsamt, Brühlstraße 16, W-6583 Herrstein, Telefon 0 67 85 / 7 91 04. Kirnacher Narretei Gute Laune ist mitzubringen zur Fastnachtspauschale vom 17. bis 24. Februar in Unterkirnach im Mittleren Schwarzwald. Zum närrischen Programm gehören drei Umzüge, ein traditioneller Fasnetsball und eine Stadtwanderung durch die Fasnetshochburg Villingen. Die Kirnacher Narretei kostet mit sieben Übernachtungen und Frühstück ab 235 Mark pro Person im Doppelzimmer. Anmeldungen (bis zum 5. Februar): Verkehrsamt, Hauptstraße 19, W-7731 Unterkirnach; Telefon 0 77 21 / 80 08 37. Zu Hexen und Kobolden In die Welt der Sagen und Mythen führt Thale im Kreis Quedlinburg Harz- Besucher. Ziel der Wanderung ist das Bodetal, wo Hexen und Könige, Kobolde und Ritter die Wandergruppe begleiten. Die Route führt entlang des Jungfernstiegs, vorbei am verhexten Wildkater über den Hexentanzplatz zur Teufelsbrücke bis nach Bodekessel. Auskunft gibt die Tourist-Information, Rathaus, O-4308 Thale, Telefon 03 947-23 51.
Schon vor etwa 10 500 Jahren erreichten Menschen die Mittelmeerinsel Zypern. Sie fanden dort einen reich gedeckten Tisch vor: Vor allem Zwergflußpferde müssen sie so reichlich gejagt haben, daß schon kurze Zeit später die nur schweinegroßen Säugetiere ausgestorben waren. Das haben die Archäologen Rolfe Mandel von der University of Nebraska in Omaha und Alan Simmons von der University of Nevada in Reno herausgefunden.
Wie die britische Wissenschaftszeitschrift "New Scientist" (Nr. 1855) berichtet, entdeckten die Forscher an einer Stelle auf der Südseite der Insel über 1000 Steinwerkzeuge und zahlreiche Knochenfragmente. Diese stammen von Zwergflußpferden, Zwergelefanten und flugunfähigen Vögeln. Die Experten aus den USA folgern daraus, daß es sich um einen frühen Siedlungsplatz handelt, an dem die Menschen Nahrung zubereiteten und Werkzeuge herstellten.
Das Alter der Funde bestimmten die Wissenschaftler auf 10 500 Jahre. Das widerspricht der bisherigen Auffassung, nach der Zypern frühestens vor 8000 bis 9000 Jahren besiedelt wurde. Auch für die Lebenszeit der Zwergflußpferde, die dort außer dem Menschen keine Feinde hatten, ergab die neue Datierung eine Überraschung: Sie galten schon seit 20 000 Jahren auf der Insel als ausgestorben. dpa
Auch die Bad Homburger Hallenfußball-Stadtmeisterschaften, bereits die dritte Indoor-Veranstaltung dieses Winters in der Kurstadt, litt unter dem Verbot des Kreises, Jugendtore in der Halle zu installieren. Mit 49 Treffern blieb die Torausbeute in den 21 Spielen äußerst mager, was die Veranstaltung an Attraktivität verlieren läßt.
Ausrichter TSV Vatan Spor gab sich alle erdenkliche Mühe, dieses Manko durch ein gelungenes Rahmenprogramm (Bauchtanz-Einlage, Zusatzpreise) auszugleichen. Durch die erstmalige Teilnahme der Eschbacher Bomber wurden die Titelkämpfe erstmals mit sieben Teams, nach dem bewährten System jeder gegen jeden, ausgetragen.
Keine der teilnehmenden Mannschaften ging leer aus. Für Sieger SGK Bad Homburg sprang mit 500 Mark eine ansehnliche Summe heraus. Nur um ein Tor verpaßte der gastgebende Titelverteidiger den Platz "an der Sonne". Aufgrund des minimal schlechteren Torverhältnisses mußte das Vatan-Spor-Team den Kirdorfern den Vortritt lassen und sich mit 300 Mark begnügen. Jeweils 200 Mark erhielten das Überraschungsteam der SG Ober-Erlenbach (3.) und die DJK Helvetia (4.). Ein "Blauer" ging an die übrigen Mannschaften.
Der SCCP Bad Homburg erhielt den Fairneßpreis, ging ansonsten jedoch völlig leer aus und verbuchte mit zwei erzielten Treffern keinen einzigen Punktgewinn. Die Eschbacher Bomber schlugen sich hingegen bei ihrer ersten Teilnahme recht wacker, besiegten den SCCP mit 3:0 und trotzten der starken SG Ober-Erlenbach ein 1:1 ab. Nur auf Rang fünf landete die Vertretung des Oberligisten Spielvereinigung 05. Die "05er" waren nur mit der "zweiten Garnitur" angereist.
Auf den dritten Rang spielte sich die SG Ober-Erlenbach, die erst im vorletzten Spiel mit dem 1:1 gegen die Bomber den möglichen Sieg vergeigte. Der TSV Vatan Spor stand vor dem abschließenden Spiel gegen die DJK vor der Aufgabe, mit vier Toren Unterschied zu gewinnen, um die Kirdorfer noch zu überrunden. Doch nur Schmidt (2) und Takiran trafen. Der vierte Treffer blieb den Gastgebern versagt.
Im direkten Aufeinandertreffen der beiden stärksten Teams hatte sich die SKG mit 1:0 durchgesetzt, gegen die Spielvereinigung, die SG Ober-Erlenbach und die DJK jedoch nur Unentschieden zustande gebracht. Der TSV Vatan Spor leistete sich lediglich gegen die SGO noch einen Punktverlust und hätte den Sieg sicher ebenso verdient gehabt wie die Kirdorfer. Als bester Keeper wurde Heiko Schneider (TSV Vatan) auserkoren. Er erhielt ebenso eine Erinnerungsmünze wie die erfolgreichsten Schützen Frank Diergardt (SGK), Tarkan Esmer (DJK), Bernd Zenzner und Domenico Esposito (beide SGO) mit jeweils vier Treffern.
Ein weiterer Gewinner der Stadtmeisterschaften war das Asylantenheim in Bad Homburg, zu dessen Gunsten der Erlös der Veranstaltung ging. Das lobenswerte Motto "Mein Freund ist Ausländer" beherzigten die Kicker übrigens auch auf dem Spielfeld. Bis auf zwei gelbe Karten und zwei Zeitstrafen hatten die Schiedsrichter kaum etwas zu tun.
ABSCHLUSSTABELLE DER BAD HOMBURGER STADTMEISTERSCHAFTEN: 1. SG Kirdorf Bad Homburg 9:3 Punkte/10:3 Tore, 2. TSV Vatan Spor 9:3/8:2, 3. SG Ober-Erlenbach 8:4/13:4, 4. DJK Helvetia 7:5/8:10, 5. Spielvereinigung 05 6:6/4:3, 6. Eschbacher Bomber 3:9/4:9, 7. SCCP Bad Homburg 0:12/2:18. jbp
Man macht das ja eigentlich als zuvorkommender Gastgeber nicht, doch die Fußballer der Spielvereinigung Hattstein setzten sich bereits zum zweiten Mal hintereinander über diese Höflichkeitsformel hinweg und sicherten sich den Sieg beim Hattsteiner "Heco-Cup". Nun kann man den Hattsteinern ja durchaus Unhöflichkeit anlasten, eines jedoch ganz gewiß nicht: Daß sie sich keine spielstarke Konkurrenz in die Halle holen würden, um die Aussichten auf die 600 Mark Siegprämie zu steigern. Im Gegenteil: Der Hattsteiner Heco-Cup hatte auch 1993 mit 20 Mannschaften, darunter mit RSV Würges, VfB Unterliederbach und FC Italia Frankfurt drei Landesligisten und der starken A-Jugend von Oberligist Rot-Weiß Frankfurt quantitativ sowie qualitativ einiges zu bieten.
Vor 400 Zuschauern standen sich im Finale die Gastgeber und der RSV Würges gegenüber, die sich im Vorrundenspiel der Gruppe A mit 4:4 getrennt hatten. Auch im Finale schenkten sich die beiden Teams nichts. Dirk Hünerbein brachte den Landesligisten nach vorn, doch Oliver Bossmann und Gerd Wietschorke drehten den Spieß um. Hin und her wogte das Spiel. Bald hatte nach Treffern von Dirk Krämer und wiederum Hünerbein der RSV wieder die Nase vorn. Erneut waren es Oliver Bossmann und Gerd Wietschorke, die jedoch den Sieg für die Spielvereinigung Hattstein zurechtzimmerten. Für die Würgeser, die mit 30 Toren in den vier Vorrundenspielen beeindruckt hatten, blieben immerhin noch 400 Mark Preisgeld.
Doch gerade auch die beiden Teams, welche das "kleine Finale" bestritten, erwiesen sich als echte Bereicherung für den "Heco-Cup". Der FC Italia Frankfurt, dem Hattsteins "Chef" Franz Brendel ein "Super-Auftreten und tolles Verhalten" bescheinigte, besiegte hier die junge Truppe von Rot-Weiß Frankfurt mit 6:4 und sicherte sich 300 Mark. Der Jugendkasse der Frankfurter dürften die 200 Mark für Rang vier auch gutgetan haben. Daß die Rot-Weißen ihre A-Jugend geschickt hatten, wertete die Qualität des Turniers keineswegs ab, denn die jungen Frankfurter boten mitreißenden, spielerisch hochwertigen Fußball und avancierten zum Publikumsliebling. Im Halbfinale schieden sie erst nach einem dramatischen Siebenmeter-Stechen (9:10) aus.
In der Zwischenrunde mußte bereits der VfB Unterliederbach gegen den Ligakonkurrenten und späteren Finalisten mit 3:4 die Segel streichen. Ansonsten blieben Überraschungen ebenso aus wie übertriebene Härte. Die einzige rote Karte handelte sich der Burgholzhausener Markus Glück bereits am Freitag ein, als er das Pech hatte, vom Schiedsrichter beim Ausstoßen unfeiner Worte ertappt zu werden. Sein Klub arbeitete sich dennoch als Außenseiter in die Zwischenrunde vor, wo sie jedoch von Rot-Weiß mit 6:0 ihre Grenzen aufgezeigt bekamen.
Keine Grenzen scheint jedoch das Heco-Cup-Spektakel zu haben, dessen Beliebtheit bei Teilnehmern wie Zuschauern gleichermaßen immer weiter ansteigt. Zumal das Rundherum vom Organsitionsteam Jürgen Schmitt, Manfred Huhl, Dieter Wietschorke und Gerd Kinkel hervorragend geleitet wird und es allen Beteiligten an nichts fehlte. Da nimmt man es auch nicht übel, wenn der Gastgeber in sportlicher Hinsicht etwas unhöflich ist. Das meint auch Franz Brendel: "Wenn sie halt so gut drauf sind, dann dürfen sie auch gewinnen."
SPVGG. HATTSTEIN: Matthias Hubel, Freddi Allen (Tor); Reiner Günter, Heinz Tiszecker, Andreas Haller, Oliver Bossmann, Gerd Wietschorke, Thomas Riegel, Andreas Pfaff, Michael Atzeni, Michael Melcher.
RESULTATE UND TABELLEN DES HATTSTEINER HECO-CUP-TURNIERES: TABELLEN NACH DER VORRUNDE, GRUPPE I: 1. RSV Würges 7:1-Punkte/30:11-Tore, 2. Spvgg. Hattstein 7:1/19:7, 3. Rot-Weiß Sindlingen 3:5/12:15, 4. SSV Heilsberg 2:6/10:24, 5. SG Weilrod 1:7/5:19.
GRUPPE II: 1. Inter Oberursel 7:1/18:3, 2. VfB Unterliederbach 7:1/16:3, 3. BSC Schwalbach 4:4/10:13, 4. SG Niederlauken 2:6/6:17, 5. FC Schloßborn 0:8/5:19.
GRUPPE III: 1. FC Italia Frankfurt 8:0/24:2, 2. TV Burgholzhausen 6:2/14:12, 3. VfL Germania 94 Frankfurt 4:4/11:8, 4. SG Praunheim 2:6/10:18, 5. Eschbacher Bomber 0:8/2:22.
GRUPPE VI: 1. Rot-Weiß Frankfurt 7:1/19:4, 2. FV Hausen Frankfurt 5:3/10:11, 3. FC 02 Rödelheim 2:6/13:10, 4. FC Oberursel 2:6/7:11, 5. FC Laubach 2:6/5:22.
VIERTELFINALE: RSV Würges - VfB Unterliederbach 4:3, FC Italia Frankfurt - FV Hausen Frankfurt 7:1, Spvgg. Hattstein - Inter Oberursel 5:0, TV Burgholzhausen - Rot-Weiß Frankfurt 0:6.
HALBFINALE: RSV Würges - FC Italia Frankfurt 2:1, Spvgg. Hattstein - Rot-Weiß Frankfurt 10:9 nach Siebenmeterschießen.
SPIEL UM PLATZ 3: FC Italia Frankfurt - Rot-Weiß Frankfurt 6:4.
ENDSPIEL: Spvgg. Hattstein - RSV Würges 4:3. ina
Ironische Zwischentöne sind ihre Sache nicht. Roger Waters hatte zu Pink Floyd-Zeiten noch mit dem sarkastischen "Welcome To The Machine" seine Paranoia vor dem industriellen Overkill besungen, vier junge Wilde aus Los Angeles sind weniger zimperlich: Rage Against The Machine haben sie ihre Band und gleich auch noch ihr CD-Debüt (Sony Music) genannt. Der Name ist Programm - Keyboards, Synthesizer und technischen Schnickschnack haben sie bewußt gemieden und statt dessen auf grundsolides Handwerk gesetzt.
Das Quartett von der Westküste läßt es denn auch ordentlich krachen: Die Gitarren-Riffs sind gestochen scharf, der Beat ist infernalisch, immer wieder von zukkenden Dancefloor-Grooves durchsetzt.
"Unsere Einflüsse reichen von den Bad Brains bis zu Malcolm X, von Led Zeppelin zu Che Guevara, von Minor Threat bis Martin Luther King und von Public Enemy bis zu The Clash", tönt Sänger Zack de la Roche. Doch sie haben nicht nur große Klappe, es steckt auch was dahinter. "Rage Against The Machine" ist ein vitaler, energischer Anfang, der auf mehr hoffen läßt. Kaum zu glauben, aber diese Band gibt's erst seit einem Jahr.
Nach den schmuddeligen Club-Auftritten in Los Angeles ging es zügig bergauf. Sie waren im Vorprogramm von Body Count, Public Enemy und Pearl Jam unterwegs und gehen nun erstmals alleine auf Welt-Tournee. Am Mittwoch, 27. Januar, drehen Rage Against The Machine ihre Verstärker in der Batschkapp auf. art
Kühl und düster war es, und da muß es den Busfahrer irgendwie übermannt haben. In seinem Gefährt, das er in der August-Schanz-Straße nahe der U-Bahnhaltestelle abgestellt hattem, fielen ihm die Augen zu, und er versank in tiefen Schlaf. Kann man ja verstehen. Früh um fünf sind auch gestandene Busfahrer nicht immer putzmunter. Die Fahrgäste aber hatten da wenig Verständnis. Während der Fahrer selig schlief, standen sie sich die Beine in den Bauch.
Ausgerechnet auf der neuen Linie 27 zwischen Nieder-Eschbach und Berkersheim, wo im FVV-Auftrag Kleinbusse einer Privatfirma verkehren, mußte das passieren. Gerade erst hatten die Stadtwerke drangvolle Enge und Verspätungen während der Stoßzeiten registriert. Und jetzt pennt auch noch ein Fahrer weg.
Geschlagene anderthalb Stunden döste der müde Mann vor sich hin, ehe ein Kollege ihn aus seinen Träumen riß. Der hatte den parkenden Kleinbus auf seinen Touren mehrfach beobachtet und sich "gewundert".
Weil sich im Innern des Gefährts nichts regte, klopfte er schließlich an die Einstiegstür. "Hast Du Probleme?", fragte er seinen schlaftrunkenen Kollegen, der mit einem Schlag wieder auf dem Boden der Realität stand. Da war es schon 6.45 Uhr. Statt große Erklärungen abzugeben, trat der plötzlich hellwache Busfahrer aufs Gaspedal.
In den vorausgegangenen anderthalb Stunden hätte er schon einige Runden drehen müssen. Bleibt zu hoffen, daß dem nun ausgeschlafenen Mann eine zündende Erklärung für seine vergrätzten Fahrgäste eingefallen ist. vo
HOCHTAUNUSKREIS. Die zweite Runde der Polio-Schutzimpfung gegen Kinderlähmung steht bevor. Wer im November vergangenen Jahres beim ersten Impfdurchgang dabei war, ist zwischen Montag, 25., und Freitag, 29. Januar, wieder an der Reihe. Über die genauen Zeiten und Impflokale informiert die FR in den täglichen "Tips und Terminen".
1752 Personen haben sich an der ersten Impfung beteiligt. Das sind 168 mehr als im November 1991.
Wegen der zweiten Runde fallen in der Impfwoche die schulärztlichen Sprechstunden im Kreisgesundheitsamt Bad Homburg und in der Außenstelle Usingen aus. In Grävenwiesbach gibt es in dieser Zeit keine Mütterberatung. Am 25. und 26. Januar entfällt zudem die amtsärztliche Sprechstunde im Kreisgesundheitsamt Bad Homburg. ill
BAD HOMBURG. 35 Prüfverfahren wegen der Zweckentfremdung von Wohnraum hat die Stadt Bad Homburg von Ende 1991 bis Oktober 1992 eingeleitet. Diese Zahl nennt Stadtbaurat Wolfgang Weber (CDU) in einer Antwort auf eine Anfrage des SPD-Stadtverordneten Udo Fröhlich.
Dieser wollte zudem wissen, ob die Stadt jeweils von sich aus aktiv geworden ist. In 27 Fällen sei das Liegenschaftsamt aufgrund vorgelegter Bauanträge tätig geworden, acht Fälle hätten Außenstehende angezeigt, erläutert Weber hierzu.
Der Stadtrat kündigt zudem verstärkte regelmäßige Kontrollen vor Ort an. Eine Stellenbesetzung mache dies seit August möglich. stk
DREIEICH. Auf der Säuruh ist die Baulandumlegung nach eineinhalb Jahren zäher Verhandlungen mit Behörden und Eigentümern abgeschlossen. Allerdings kann die Erschließung noch nicht begonnen werden, da noch die wasserrechtliche Genehmigung des Regierungspräsidenten fehlt, erklärte der Magistrat.
Auf dem Dreieichenhainer Gelände an der Trift werden vorwiegend Einzelhäuser mit zwei Geschossen und Reihenhäuser entstehen. Insgesamt handelt es sich um etwa 250 Wohnungen, davon 40 Sozialwohnungen. dac
BESTE REISEZEIT: Da Südafrika südlich des Äquators liegt, sind die Jahreszeiten umgekehrt als bei uns. Hochsommer ist im Dezember/Januar, kühl wird es im Juni/Juli. Im Landesinnern und im Gebirge kann es im Winter recht kalt werden. Dafür regnet es wenig. An der Küste Natals und im Lowveld ist es fast immer warm. Die Wassertemperaturen sind das ganze Jahr über angenehm.
EINREISE: Mit einem Reisepaß, Visum nicht erforderlich.
ANREISE: LTU fliegt einmal wöchentlich nach Durban. Der Flug kostet zwischen 1699 und 2099 Mark. SAA fliegt über Johannesburg nach Durban. Preis von 1692 bis 2192 Mark.
UNTERKUNFT: Es gibt sehr schöne, allerdings auch recht teure Hotels und Feriencamps überall im Land. Sehr zu empfehlen: Malelane Lodge an den Ufern des Crocodile River am südlichen Eingangstor zum Krügerpark, 111 Mark pro Person im Doppelzimmer. Sehr gepflegt: das Hilton Hotel in der Nähe von Pietermaritzburg und Drakensberg Sun bei Winterton inmitten einer bezaubernden Bergwelt. Es gibt ein Hotelgutscheinsystem, mit dem man preiswerter buchen kann, ebenfalls billiger "Bed & Breakfast"-Angebote.
VERANSTALTER. Rund 60 Unternehmen haben Südafrika im Programm. Die beschriebene Reise wurde mit Meier's Weltreisen unternommen. Die zehntägige Busrundreise kostet ab 3842 Mark. Man kann Südafrika auch auf eigene Faust entdecken mit einem Fly & Drive-Angebot mit Flug und einem VW Golf für eine Woche bei Belegung mit zwei Personen ab 2222 Mark, eine Woche ohne Flug bzw. Verlängerungswoche 318 Mark.
GELD: Landeswährung ist der Rand. Ein Rand entspricht derzeit rund 0,63 Mark. Es wird empfohlen, in Südafrika zu tauschen.
GESUNDHEIT: Keine Impfungen erforderlich. In Nord-Natal und im Krüger Nationalpark wird zu einer Malaria-Prophylaxe geraten.
WILDPARKS: Wer die lange Reise zum Krüger Nationalpark scheut, kann sich in den beiden kleineren Schutzgebieten in Natal: Hluhluwe und Umfolozi umschauen.
LITERATUR: Merian Südafrika, Apa Guide Südafrika, Nadine Gordimer: Burgers Tochter, Südafrika - ein Paradies für Weiße? Schweizer Touristen berichten, Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung, rotpunkt Verlag, Basel.
AUSKUNFT: South African Tourism Board, An der Hauptwache 11, 6000 Frankfurt a. M., Tel. 069/20656, Fax 069/280950. us
Szene
Schnelles Leben Seit gut zwei Jahren hat sich die Offenbacher Musik-, Kleinkunst- und Theaterszene unter dem Logo OFFensive Offenbach organisiert. Inzwischen gibt's einen Szenekatalog (für 2,50 Mark Schutzgebühr), der rund hundert Künstlerbiografien enthält. Mit "Schnelles Leben" ist für läppische 15 Märker auch eine CD mit bekannten Namen (Mozzarella Maniacs, Hazel And The Nutz, Space Hobos), vielen Newcomern und einer stilistischen Bandbreite zu haben. Gefeiert wird das Erscheinen des Silberlings gleich zweimal: am Freitag und Samstag (5. und 6. Februar), jeweils ab 20 Uhr, im Isenburger Schloß in Offenbach, Schloßstraße 66: natürlich mit Livemusik und Bands, die auf dem Sampler vertreten sind. dk
Personelle Kontinuität war man von Matt Johnson nie gewöhnt. Erst vor vier Jahren präsentierte der Einzelkämpfer, der seit 1982 als The The mit wechselnden Musikern Platten macht, eine feste Bandbesetzung, ging erstmals auch ausgedehnt auf Tournee. Zu Ex-Smiths-Gitarrist Johnny Marr, Bassist James Eller und Drummer Dave Palmer gesellte sich noch Keyboarder D. C. Collard. Und dieses Line up spielte auch das aktuelle Album "Dusk" (Sony Music - ab 25. Januar im Handel) ein. Schon auf "Mind Bomb" hatte Johnson mit einem reduzierten, fast traditionellen Sound überrascht. Instrumenten wie Hammond Orgel und Mundharmonika räumte er viel Platz im Arrangement ein.
Auf "Dusk" verschafft sich der Sänger und Gitarrist noch mehr Luft, läßt seinen Gesang mitunter nur von akustischer Gitarre oder Piano begleiten. "Früher habe ich kein klangliches Experiment ausgelassen. Zu Post-Punk-Zeiten schwamm ich damit total gegen den Strom. Heute sind diese Sounds längst Standard geworden", findet Johnson seine Ideen auf vielen Platten reproduziert. "Außerdem klaut jeder von jedem, kaum jemand verläßt sich noch auf seine eigenen Gefühle und Inspirationen. Ich höre deswegen gar keine aktuelle Musik mehr, weil sie mich langweilt. Und weil ich sonst zu selbstgefällig werden könnte."
Für "Dusk" hatte der The The-Kopf "Klassiker" im Sinn, holte sich Impulse von der einfachen, so essentiellen Musik "alter Helden" wie Robert Johnson und Hank Williams, wollte lieber mit Platten wie Neil Youngs "Harvest" oder Carole Kings "Tapestry" konkurrieren. Nicht von ungefähr fühlt man sich auch an die erste Plastic Ono Band-Produktion von 1970 erinnert, auf der sich John Lennon in schlichten, aber aufwühlenden Songs wie "Mother", "Isolation", "God" und "Love" die Seele aus dem Leib schrie.
"Das ist eine meiner Lieblingsplatten", gibt Matt unumwunden zu, "weil er darauf seine persönlichsten Gefühle zum Ausdruck bringt, was mich immer tief getroffen hat. Nach meinem Verständnis war Lennon ein Bluessänger, ganz in der Tradition jener, die über Ängste, Seelenpein und Schmerzen singen und dabei doch etwas Wunderschönes schaffen."
Ähnlich formuliert auch Johnson seinen Anspruch als Songschreiber. "Es liegt scheinbar in der Natur der Menschen und vor allem der Künstler, daß sie sich viel besser aus traurigen Momenten heraus artikulieren können. Denn wenn sie gut drauf sind, genießen sie diese Glücksmomente, denken nicht darüber nach und das Bewußtsein hat Pause", lacht er. "Meine Texte sind oft melancholisch, meine Musik ist es aber nicht. Da stecken all meine guten Gefühle drin."
Matt Johnson wehrt sich gegen Interpretationen, er sei ein notorischer Pessimist, gar Nihilist. "Man hat oft kritisiert, meine Kompositionen seien zu düster und schwermütig. Ich stelle dann immer die Frage: Was zieht euch mehr runter - irgendeine hirnlose Samstagabend-TV- Show, das kommerzielle Radioprogramm mit seinem faden Pop oder meine Songs?" Die Antwort gibt Matt selber: "Echt empfundene Emotionen deprimieren dich nicht. Die Auseinandersetzung damit ist sogar befreiend. Und ich halte meine neue Platte für aufbauend und ermunternd." DETLEF KINSLER
Warum kann die Liebe mein Herz nie so berühren wie es der Schmerz tut? - fragt Matt Johnson in dem Song "Bluer Than Midnight" auf seinem aktuellen Album "Dusk". Aber der The The-Kopf stimmt nicht mehr nur Gesänge aus seiner schwarzen Seele an. "True love will come" macht er sich Hoffnung. Und seine früher grüblerische, selbstzerstörerische Musik ist mit der konstanten Band längst zu einem befreienden, kraftvollen Blues mit Soulelementen geworden.
Ich bin Peter. Meine Schwester heißt Sophie. "Unser Sorgenkind", nennt meine Mama sie manchmal. "Der härteste Kämpfer aller Zeiten" sagt mein Papa zu ihr - aber nur, wenn er gut gelaunt ist. Das ist er natürlich nicht immer. Kein Mensch kann immerzu gut gelaunt sein. Ich weiß das. Ich bin nämlich manchmal auch richtig sauer. Bei uns dreht sich immer alles um Sophie. Sie ist behindert.
Behindert heißt, daß Sophie noch nicht richtig laufen kann, obwohl sie nun schon sieben und in der Schule ist. Deutlich sprechen kann sie auch nicht. Aber das lernt sie vielleicht noch. Mama und Papa müssen Sophie immer tragen - die Treppe rauf und runter, ins Badezimmer, ins Bett.
Mama sagt, Sophie wird ihr bald zu schwer. Ihr Rücken macht das nicht mehr mit. Wenn ich groß bin, trage ich Sophie. Aber vielleicht kann sie bis dahin auch selber laufen. Zweimal in der Woche geht Mama mit Sophie zum Turnen. Und zu Hause machen sie auch immerzu Übungen. Das nervt. Früher durfte ich dabei überhaupt nicht stören. Aber weil ich jetzt schon so stark bin, läßt Mama mich manchmal helfen.
Schlimm ist ja, daß Sophie nicht allein essen kann. Mama füttert sie und trotzdem ist immer alles vollgekleckert. Am aller schlimmsten finde ich aber, daß Sophie nicht zum Klo gehen kann. Nicht einmal aufs Töpfchen. Mama muß sie immerzu windeln - wie ein Baby. Das stinkt manchmal ganz furchtbar. Ich laufe jedesmal aus dem Badezimmer, wenn Mama Sophie neu verpackt. Auch Papa wechselt bei Sophie manchmal die Windeln. Aber er macht das überhaupt nicht gern. Das seh' ich an seinem Gesicht.
Einmal habe ich im Kindergarten erzählt, daß Sophie noch Windeln braucht, obwohl sie doch älter ist als ich. Viele Kinder haben gelacht und "Iiii" geschrien. Nur Thomas, das ist mein Freund, der hat gefragt, was es da wohl zu lachen gibt. Und Frau May, unsere Erzieherin, hat gesagt, daß behinderte Menschen viel Hilfe brauchen. Gerade eben, weil sie allein nicht so viel können. Na ja, das weiß ich schon. Das sehe ich ja jeden Tag bei uns zu Hause.
Was mich wirklich ärgert, ist, wenn ich beim Spazierengehen Sophies Buggy nicht über die Straße schieben kann, weil mal wieder ein Auto doof geparkt hat. Und was mich noch ärgert: Manche Leute gucken so komisch, wenn sie Mama, Papa, mich und Sophie im Rollstuhl sehen. "Sie sind eine tapfere Familie", hat Dr. Voigt, das ist unser Kinderarzt, mal zu Mami gesagt. Tapfer, so wie die Ritter früher? Oder wie ich? Als ich mir das Knie aufgeschlagen habe, da hat Mama auch gesagt, ich bin tapfer. Aber gleich die ganze Familie tapfer? Ich glaube, der spinnt. Mama hat auch nur gelächelt und gesagt: "Ach, wir kommen schon zurecht." Aber ich weiß, daß Mama und Papa sich wegen Sophie große Sorgen machen.
Wenn Leute zu uns kommen, die Sophie nicht kennt, wird sie manchmal furchtbar unruhig, schreit und schlägt um sich. Mir ist das richtig peinlich. Mama und Papa entschuldigen sich dann immer. Sophie macht so lange Theater, bis wir ihr ihre Lieblingskassette von Benjamin Blümchen anmachen. Die will sie immer hören. So bekommt Sophie ständig ihren Willen. Ich dürfte mich nie so benehmen. Manchmal bin ich ganz schön sauer.
Wenn Sophie mal nicht so einen Aufstand macht, sind Mama und Papa ganz aus dem Häuschen. Dann loben sie Sophie immerzu und erzählen ihr, wie gut sie sich benommen hat. Aber daß ich den Kuchen ganz prima mit der Kuchengabel gegessen habe, ohne zu krümeln, darum kümmert sich keiner.
(Entnommen aus "Meine Schwester ist behindert" von Ilse Achilles und Karin Schliehe, Lebenshilfe Verlag, Marburg, Verlag der Bundesvereinigung Lebenshilfe für geistig Behinderte e. V. ,Raiffeisenstr. 18, 3550 Marburg/Lahn.)
Eine europäische Bank für Nabelschnurblut ist jetzt im Pariser Saint- Louis-Krankenhaus offiziell ins Leben gerufen worden. Ihr Ziel ist es, das Register der Knochenspender zu ergänzen, in der Hoffnung, die Zahl der Transplantationen zu erhöhen. Übertragungen von Nabelschnurblut oder Knochenmark werden vor allem an Leukämiekranken, Strahlenopfern sowie bei erblich bedingten Knochenmark-Anomalien vorgenommen. Insgesamt soll die Bank innerhalb von zwei Jahren 25 000 Proben gefrorenen Nabelschnurbluts aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Holland und Belgien erfassen.
Die erste Blutübertragung aus der Nabelschnur eines Neugeborenen war 1988 in der Transplantationsabteilung des Saint-Louis-Krankenhauses von Professor Eliane Gluckman erfolgreich an einem an der seltenen Fanconi-Krankheit leidenden Kind vorgenommen worden. Seit dieser Premiere wurden weltweit rund 20 Übertragungen dieser Art vorgenommen, darunter sechs im Pariser Universitätsklinikum. Dank dieser Therapie überleben nach Angaben von Professor Gluckman vier junge Patienten, von denen der älteste vor fünf Jahren und der jüngste vor sechs Monaten Transplantationen erhielten.
Die Ärzte haben festgestellt, daß die in der Nabelschnur enthaltenen Stammzellen eine größere Wachstumskapazität als Knochenmarkzellen besitzen und damit mehr Erfolg bei einer Transplantation versprechen. AFP
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Im Blickpunkt: Deutscher Beamtenbund Die Klientel schrumpft
Wenn Bahn und Post privatisiert werden, schrumpft zugleich die Klientel des Deutschen Beamtenbunds. Dort sind zwar in einigen Ländern seit 1969, bundesweit seit 1972 auch Arbeiter und Angestellte organisiert, jedoch ausschließlich aus dem öffentlichen Dienst. Um Mitgliederverlusten vorzubeugen, erwägt der Staatsdiener-Verband nun eine Strukturreform. Von den 6,7 Millionen öffentlich Bediensteten im vereinten Deutschland sind immerhin 664 000 bei der Deutschen Bundespost, 472 000 bei Bundes- und Reichsbahn beschäftigt. Da sich der Beamtenbund (DBB) aus diesem Einflußbereich nicht einfach zurückziehen möchte, wurde im Herbst 1991 eine zehnköpfige Strategiekommission eingesetzt. Diese legte nun ihre Empfehlungen dem jüngst in Bad Kissingen zusammengetretenen Bundeshauptvorstand vor, der sich damit "in erster Lesung" (so DBB-Chef Werner Hagedorn) befaßte.
"Grünes Licht" habe der Hauptvorstand gegeben, sagte Hagedorn. Doch das Signal für die freie Fahrt gilt einstweilen nur der Diskussion um denkbare Organisationsveränderungen in den Mitgliedsverbänden, nicht dem konkret vorgeschlagenen "Strukturprogramm 2000" selbst. Zu groß war der Verdruß einiger der 150 Hauptvorstandsmitglieder, daß die Strategen nur eines der ursprünglich erwogenen fünf Modelle präsentierten. Zu widersprüchlich sind auch die Überlegungen, die sich an die Privatisierungspläne knüpfen.
Einige, die die Öffnung für Angestellte schon vor zwanzig Jahren für einen Fehler hielten, erläuterte Hagedorn im Gespräch, sähen durchaus eine Chance, "den DBB zurückzubilden" zur puren Beamtenorganisation. "Nach dem Motto: klein, aber rein." Andere spielten im Gegenteil mit dem Gedanken einer "totalen Ausweitung" über alle privaten Dienstleistungsbereiche hinweg; dies wäre freilich eine schroffe Kampfansage gegen die Konkurrenz von DGB und DAG. Zwischen beiden Extremen bewegt sich der Vorschlag der Strategiekommission.
Der DBB, der sich bisher in Landesbünde und Fachverbände gliedert, soll danach in drei "Säulen" neu aufgebaut werden. Die erste wäre der eigentliche traditionelle Beamtenbereich, der zweite die Tarifunion, also die Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst. Hinzu kämen als dritter Sektor die privatisierten Betriebe, Bahn und Post - oder was einer Bundesregierung noch einfallen könnte. Über allen Säulen würde als Dach eine Art "Holding" gebildet, die noch namenlos ist, aber gewiß nicht länger Beamtenbund heißen könnte.
Die Resonanz auf den Vorschlag war strittig. Während Befürworter darin durchaus ein Kompromißangebot an die Verfechter des kleinen, feinen Modells sehen - die Beamten wären wieder unter sich -, fürchten Standesfunktionäre um ihren Einfluß in der Gesamtorganisation. Zwei tariffähige Unterabteilungen, die zudem streikberechtigte Arbeitnehmer vertreten würden, könnten die Gewichte im Beamtenbund entscheidend verlagern. Die traditionelle "erste Säule" stünde dann vielleicht weniger eindrucksvoll und stark da.
Präferenzen für das von der Kommission vorgelegte Modell oder andere Varianten wollten der DBB-Bundesvorsitzende Hagedorn und seine Stellvertreter nicht erkennen lassen. Jetzt müsse bis Ende April oder Mai erst einmal die Basis intern debattieren; eine "zweite Lesung" könne dann bei der nächsten Sitzung des Bundeshauptvorstands im September 1993 in Jena erfolgen. Entscheiden muß dann ohnehin der erst für 1995 wieder geplante Vertretertag, das oberste Organ des DBB, das im Vier-Jahres-Turnus zusammentritt. Und für Satzungsänderungen ist eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich.
Das sind zuviele der Unwägbarkeiten und Konfliktpotentiale, um sich schon jetzt festzulegen. Selbstverständlich, meinte der stellvertretende DBB-Vorsitzende und CSU-Bundestagsabgeordnete Otto Regenspurger, habe die Bundesleitung eine Meinung. Diese aber bereits heute auszuposaunen, das wäre denn doch "eine Fehlstrategie". ASTRID HÖLSCHER
"Und wenn es dann heißt, ,Ich schau Dir in die Augen Kleines&rquote;, sind wir uns mit allen Frankfurtern sicher, das dies der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ist." Mit Zitaten aus dem legendären Bergmann / Bogart- Film "Casablanca" veralbern die Grünen das Gezerre zwischen Petra Roth und Andreas von Schoeler über den Austragungsort des Streitgesprächs, zu dem sich die CDU-Kandidatin und der OB ständig gegenseitig auffordern, ohne daß sie ihren Appellen nachkommen.
"Play it Andy", machen die Grünen dem OB Mut. Die Koalitionspartner sind sicher, daß ein 30-Minuten-Opus von der Auseinandersetzung - "unterbrochen von Marlborough-Man und Lila Pause" - zu einem Kultfilm des Privatfernsehens werden könnte. cg
Kurz gemeldet
Ortsbeirat tagt in Bockenheim Über die geplante Griechisch-Orthodoxe Kirche diskutiert der Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) auf Antrag der FDP am Montag, 18. Januar, ab 19 Uhr im Bürgertreff Bockenheim in der Schwälmer Straße. Harheimer reden über Baugebiete Auf der heutigen Sitzung des Ortsbeirats 14 (Harheim) werden die Fraktionen Stellung zur geplanten Dichte der Neubaugebiete beziehen. Die CDU fordert von der Stadt die Erstellung eines Klimagutachtens. SPD, FDP und die Grünen wollen die Spitzen- und Maßbornstraße als Tempo-30-Zone einrichten. Die Sitzung beginnt um 20 Uhr im Bürgerhaus Harheim, In den Schafgärten 21. Ortsbeirat Bornheim tagt Die Berger Straße soll zeitweise gesperrt werden - das fordern die Grünen im Ortsbeirat 4 (Bornheim/Ostend). Der Antrag steht in der nächsten Sitzung des Ortsbeirates zur Debatte, die am Dienstag, 19. Januar, um 19.30 Uhr im Bürgerhaus Bornheim (Arnsburger Straße 24), stattfindet. Lichterkette in Eckenheim Eine Lichterkette gegen Ausländerfeindlichkeit veranstaltet die evangelische Nazarethgemeinde gemeinsam mit der katholischen Gemeinde Herz Jesu am Mittwoch, 20. Januar, in Eckenheim. Die Aktion beginnt um 18 Uhr an der Ekkenheimer Landstraße 332.
An Tankstellen dürfen nach Ladenschluß keine Blumen verkauft werden. Das hat das Frankfurter Oberlandesgericht als Berufungsinstanz in einer jetzt veröffentlichten Entscheidung bestätigt. Wie bereits das Wiesbadener Landgericht auf Antrag des Fachverbandes deutscher Floristen geurteilt hatte, entspricht Blumenverkauf an Tankstellen nicht dem Ladenschlußgesetz.
Der OLG-Entscheidung zufolge dürfen an Tankstellen aber nach wie vor Stadtpläne, Zigaretten, Kleinproviant und Getränke verkauft werden.
Dies gehe auf eine Vereinbarung zwischen der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels und dem Bundesverband des deutschen Tankstellengewerbes zurück, wonach der Verkauf bestimmter Bedarfsartikel nach Ladenschluß geduldet wird. Blumen sind in diesem Katalog aber nicht enthalten.
(Aktenzeichen: 6 U 121 / 92) AP
Wegen fortgesetzten Kapitalanlagebetrugs ist ein Industriekaufmann jetzt von der 12. Großen Strafkammer des Frankfurter Landgerichts zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Der 53 Jahre alte Angeklagte hatte seinen Kunden einen Schaden von insgesamt 2,4 Millionen Mark zugefügt. Seine Komplizen, ein 47jähriger Techniker und ein 32 Jahre alter Zahnarzt, wurden wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu zwei Jahren beziehungsweise wegen Konkursbetrugs zu 21 Monaten auf Bewährung verurteilt. Sie hatten ihre Kunden um 750 000 Mark geschädigt.
Wie die Kammer in ihrer Urteilsbegründung feststellte, hatte der einschlägig vorbestrafte Hauptangeklagte 1987 über einen Strohmann eine Geldanlagefirma in Frankfurt mit dem Namen SEC (Stocks Exchange Consultens) mit angeblich besten Börsenbeziehungen in New York gegründet. Den Anlegern wurden Warentermingeschäfte mit ebenso hohen wie sicheren Gewinnchancen suggeriert. Bis zum betrügerischen Geschäftskonkurs 1989 hatten 320 Kunden rund zehn Millionen Mark an die SEC gezahlt.
Seit 1989 jedoch wußten die Angeklagten laut dem Vorsitzenden Richter Klaus Großmann, daß "das Geld nicht mehr sicher war". AP
Die Werbeexperten der Orlando Magic haben ihre Anzeigenkampagne kurzfristig geändert. "Vorsicht, Shaq Attack" heißt der neue Slogan, weil der überragende Profi-Neuling Shaquille O'Neal nur zwei Monate nach Saisonbeginn wie erwartet der neue Superstar der US-Basketball-Profiliga NBA und in Orlando bereits jetzt beliebter ist als Mickey Mouse und Disneyworld. "Ich habe doch gesagt, daß ich groß einschlagen werde", sagt der 2,16 m große Center bei jeder Gelegenheit, und die Stimme klingt sanft für einen Mann seiner Größe. Im schwarzen Ledermantel sieht O'Neal furchterregend aus, und genauso spielt er auch.
Der zurückgetretene Magic Johnson nennt ihn Monster, New Jersey Nets- Coach Chuck Daly spricht vom Spieler der 90er Jahre: "Er kann alles. Eine ideale Mischung aus Größe, Beweglichkeit und Power. Noch ist Michael Jordan der König, aber O'Neal ist sein Nachfolger. Gott segne ihn." Selten hat in der NBA ein College-Spieler so eingeschlagen wie der 20jährige aus Louisiana. O'Neal ist der Zweitbeste der Liga mit durchschnittlich 14,8 Rebounds, wirft 22,7 Punkte, blockt 3,97 Würfe pro Spiel und stellt damit Olympiasieger David Robinson (San Antonio Spurs) und Patrick Ewing (New York Knicks) in den Schatten. Selbst Vergleiche mit den legendären Wilt Chamberlain und Kareem Abdul-Jabbar machen ihn nicht verlegen. Im Gegenteil: Sie beleidigen ihn: "Ich bin ich. Ich muß noch einiges lernen, aber bald kann mich niemand mehr aufhalten." Typisch O'Neal. Selbstbewußt, ehrlich, frech, risikofreudig, aber immer liebenswert. Als Elfjähriger löste er in der Schule aus Spaß den Feueralarm aus und wurde von seinem Vater mit einem Tischtennisschläger verprügelt. Damals versprach er Daddy, ihm irgendwann einmal ein Haus zu kaufen. Jetzt hat O'Neal mehr Geld, als er jemals ausgeben kann.
Sein Agent, Rechtsanwalt Leonard Armato, handelte einen Sieben-Jahres-Vertag für 40 Millionen Dollar aus, und die Werbemöglichkeiten scheinen unendlich. 20 Millionen Dollar von einer Sportartikelfirma (Reebok) für die Bekleidungslinie "Shaq Attack", zehn Millionen Dollar von einer anderen Firma (Spalding) für die Möglichkeit, "Shaq-Basketbälle" zu verkaufen. Ein drittes Imperium (Kenner Parker Toys) will bald "Shaq-Spielzeug" anbieten, vor allem aber eine unverwundbare Shaq-Action-Puppe, ein viertes Unternehmen (Classic Games Inc.) hat sich die Rechte für O'Neals begehrte Sammlerkarte gesichert, und der erbitterte Getränke-Krieg zwischen Coca und Pepsi um seine Dienste dauert auch schon mehrere Wochen. "Menschen müssen ein Logo sehen und wissen, das hat mit Shaq zu tun", so Armato, "er ist die perfekte Mischung aus Terminator und Bambi."
Nach den Rücktritten von Larry Bird und Johnson hätte O'Neals Profi-Debüt kaum zu einem besseren Zeitpunkt kommen können. Die NBA brauchte ein neues Aushängeschild und bekam Shaquille Rashaun O'Neal. Während Orlando in den Vorjahren auswärts kaum Zuschauer anlockte, ist das Team jetzt dank O'Neal beinahe genauso populär wie Titelverteidiger Chicago Bulls mit Michael Jordan. In Seattle zum Beispiel mußten fünf zusätzliche Sicherheitskräfte angeheuert werden, um den Langen unverletzt in die Halle zu bringen. Und sollte doch irgendwann einmal etwas schieflaufen? O'Neal: "Ich werde immer wiederkommen. Das ist das Beste an Amerika, es gibt immer einen zweiten Teil." dpa
PARIS. Die französische Filmakademie hat bestätigt, daß der französische César- Preis des besten Films 1993 Werken in französischer Originalversion vorbehalten sein wird. Alle internationalen Ko- Produktionen sollen jedoch zum Wettbewerb um Darsteller-, Regie- oder Musikpreise zugelassen werden.
Der Regisseur Jean-Jacques Annaud und sein Kollege Claude Berri, der derzeit den Zola-Roman "Germinal" mit Depardieu verfilmt, waren als Vize-Präsidenten der Filmakademie zurückgetreten, um gegen die Entscheidung zu protestieren, in fremden Sprachen gedrehte Filme aus dem Wettbewerb künftig auszuschließen. Der Verwaltungsrat der Akademie will in den kommenden Wochen "in einem Geist der europäischen Öffnung" eine breite Diskussion über die Kriterien der Zulassung zu den César- Preisen 1994 sowie den öffentlichen Subventionen einleiten. AFP
BÜDINGEN. Im Keller der einstigen Rentkammer der Fürsten von Ysenburg und Büdingen hantiert eine Frau in einem weißen Gummikittel und Handschuhen behutsam mit einem Wasserschlauch. An zwei Spülbecken läßt sie das Wasser über Siebe aus Edelstahl rinnen, auf denen Bodenproben aus der Wetterau liegen.
Birgit Oestreich (33), eine freie Mitarbeiterin des Instituts für Archäologische Forschung in Hessen, ist mit ihren einfachen Werkzeugen der Siedlungsgeschichte im Land auf der Spur. In der seit zwei Jahren bestehenden Forschungsstelle schlämmt die junge Frau die hellbraune Erde aus, um Pflanzenreste, Hölzer und Samen zu gewinnen.
In den Drahtgeflechten der Siebe fangen sich Materialien, die über die Vergangenheit des Landes Aufschluß geben sollen. Was bei der feuchten Prozedur im Haus am Hang oberhalb des Schloßparks von Büdingen zu Tage gespült wird, landet zum Trocknen auf Zeitungspapier in Metallregalen. Birgit Oestreichs "aufregendster" Fund? "Ein Zahn von einer Kuh." Die Funde liegen später im ersten Stock des unscheinbaren Instituts unter Mikroskopen. Dort werden sie von einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin analysiert, die ihr Arbeitsgebiet als Archäobotanik bezeichnet. Chefin in Büdingen ist seit dem 1. Februar 1991 Margarete Dohrn. Mit ihren Mitarbeitern - zwei Archäologen, eine Botanikerin, ein technischer Angestellter und zwei Verwaltungskräfte - forscht die Archäologin hauptsächlich nach zwei Themen: "Unsere Projekte heißen Siedlungsgeschichte in Mittelhessen und Vegetations- und Agrargeschichte in Hessen".
Für das erste Thema, das auf die Historie der heutigen Kulturlandschaft von der bandkeramischen Kultur vor etwa 7500 Jahren bis an die Schwelle der Neuzeit abzielt, wird ein archäologisches Kataster erarbeitet. "Unsere Wahl fiel auf zwei repräsentative Beckenlandschaften, die nördliche Wetterau zwischen Friedberg, Butzbach und Lich sowie das Amöneburger Becken östlich von Marburg", sagt Dohrn. Geowissenschaftliche Untersuchungen, die Analyse von Pollen und eine botanische Resteanalyse sind das zweite große Arbeitsfeld.
Bis 1994 solle das Institut stufenweise ausgebaut werden, besagt die ursprüngliche Planung. Offen ist, ob sie verwirklicht werden kann. Angesichts leerer Landeskassen ist derzeit schon die von der Leiterin als "dringend" eingestufte siebte Stelle nicht zu finanzieren, ohne Forschungsmittel zu kürzen.
Das von Evelies Mayer (SPD) geleitete Wissenschaftsministerium stellt in diesem Jahr insgesamt 1,206 Millionen Mark zur Verfügung, 10 800 Mark mehr als 1992. Den Gründern der Einrichtung um Ex-Wissenschaftsminister Wolfgang Gerhardt (FDP) ist das noch zu wenig. dpa
Jeder siebte Gymnasiast Privatschüler Jeder siebte Gymnasiast in Hessen besucht eine private Schule, von allen Jugendlichen an allgemeinbildenden Schulen ist jedoch nur jeder 20. Privatschüler. Im laufenden Schuljahr werden an privaten allgemeinbildenden Schulen über 31 000 Schüler unterrichtet, berichtet das Statistische Landesamt. Damit habe die Zahl der Privatschüler um fast 500 oder 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen. 72 Prozent von ihnen besuchten das Gymnasium, knapp 10 Prozent die Realschule, 8 Prozent die Grund- und 7 Prozent die Sonderschule.
Auf der Hitliste der Vornamen für Babys standen 1992 in Frankfurt unangefochten Lisa und Daniel. Oft gewählt wurden jeweils auf den nächsten Plätzen auch Julia, Laura, Vanessa und Jennifer sowie Patrick, Alexander und leicht abgefallen der "Kinoname" Kevin. Das ergab die am Donnerstag veröffentlichte Auswertung der mehr als 2600 Vornamen, die im vergangenen Jahr bei den 9338 in Frankfurt beurkundeten Geburten von den Eltern ausgewählt wurden. Diese Namen waren in fast gleicher Reihenfolge auch schon 1991 am populärsten.
Bei den Namen für Babys ausländischer Eltern nahm 1992 Mohamed den Spitzenplatz ein und schlug damit den zuvor vorne plazierten Ali.
Die längsten Namen gibt es laut Frankfurter Geburtenstatistik bei den Kindern mit Eltern aus Griechenland, Sri Lanka und Marokko. So klangvolle Beispiele wie Chrisowalandou, Sivatharusan oder Abdelbasset notierten die Standesbeamten.
Der biblische Stammvater Adam ist nach Beobachtung der Frankfurter Behörde dagegen offenbar in Vergessenheit geraten. Nur für zwei Jungen wurde dieser Name ausgesucht, neue Evas gab es 1992 immerhin 16. lhe
KULTUR-TESTSEITE VI
Israels Botschafter Benjamin Navon irrt gewaltig, wenn er davon spricht, "daß viele Juristen und Völkerrechtsexperten der Meinung sind, daß eine eingeschränkte Ausgrenzung (in diesem Falle nicht mehr als zwei Jahre) völlig zulässig ist" (FR vom 8. 1. 1993 "Im Wortlaut: Israels Botschafter Navon - ,Heiliger Krieg&rquote; gegen Juden"). Außer den Mitgliedern des israelischen High Courts und einigen Juristen in Israel und Südafrika wird er keine Völkerrechtler finden, die - auch zeitlich begrenzte - Deportationen rechtfertigen.
In kaum einem Punkt ist das Völkerrecht so eindeutig und zweifelsfrei wie in dem Verbot der Deportation (Art. 43 IV. Haager Abkommen von 1907, Art. 6 der Statuten des Nürnberger Militärtribunals, Art. 49 der IV. Genfer Konvention von 1949 sowie Art. 85 Abs. 4a des II. Zusatzprotokolls zu den Genfer Konventionen von 1977).
Nicht nur juristisch furchtbar wird Botschafter Navons Meinung, wenn er fortfährt: "Würden diese Männer vor Gericht gestellt und alle hingerichtet, wäre dies mit dem internationalen Völkerrecht vollkommen konform gewesen." Es mag "huma- ner" sein, Jugendliche wegen ihrer Graffiti und Steinwürfe zu deportieren, statt sie auf offener Straße in Gaza zu erschießen.
Aber weder dies noch ihre gerichtliche Exekution sind mit dem Völkerrecht, d. h. insbesondere mit den Internationalen Menschenrechtspakten von 1966 vereinbar. Auch die Propaganda einer fanatischen Organisation kann nicht mit völkerrechtswidrigen Mitteln bekämpft werden.
Hier ist in der Tat ein "offenes Wort" notwendig, wie Lenelotte von Bothmer es von der Bundesregierung gefordert hat. Die täglichen Bilder aus dem Süd-Libanon machen nur allzu deutlich, daß die "Politik der eisernen Faust" die Radikalisierung und Fanatisierung der Hamas vorantreibt und den Friedensprozeß ernsthaft gefährdet.
Prof. Dr. Norman Paech, Hamburg
Das "beste Wissen und Gewissen" von gewissen deutschen Politikern gibt zwar falsche Darstellungen ab, lügt deshalb aber noch lange nicht. Man könnte dieses Phänomen geradezu als Möllemannsches Paradoxon bezeichnen: die lügenfreie Falschaussage (FR vom 4. 1. 1993 "Möllemann erklärt Rücktritt").
Generationen von Kindern und Gaunern werden sich auf den liberalen deutschen Wirtschaftsminister berufen können, sollten sie einmal einer Lüge überführt werden. Seit dem 3. Januar ist in Deutschland die Lüge auf höchster politischer Ebene abgeschafft worden.
Sollte dies wirklich das "beste Wissen und Gewissen" deutscher Politik sein? Wenn ja - und vieles deutet darauf hin -, so gilt es ernsthaft zu überlegen ob eine Regierung, die sich auf Gewissenlosigkeit und Dummheit gründet, nicht gänzlich abgelöst werden sollte.
Dirk Zschocke, Gießen
Sie wartete auf den Bus. Im Bus mußte sie sich immer alleine setzen, weil keiner wollte, daß sie neben einem sitzt. Eine Zeitlang hat sie sich darüber geärgert. Aber nach und nach war es ihr egal.
Da stand ein Neuer im Bus, und sie hat Gefallen an ihm gefunden. Sie träumte, daß er zu ihr käme und fragen würde, ob der Platz frei wäre. Plötzlich sagte sie sogar "Setz dich doch neben mich, hier ist noch frei." Die anderen haben gelacht und gesagt: "Setz dich nicht neben sie, das ist eine Sonderschülerin!"
Sie wollte nicht mehr zur Schule. Ihre Mutter machte sich Sorgen und fragte: "Warum willst du nur nicht mehr zur Schule?" Sie sagte: "Weil die anderen mich immer ärgern." Die Mutter sagte: "Ich verspreche dir, dich jeden Morgen zur Schule zu fahren und dich auch wieder abzuholen."
Ein paar Tage später kam der Junge auf sie zu und sagte: "Du, ich wollte mich entschuldigen. Du weißt schon, weil ich dich ausgelacht habe und so." Sie war zuerst erschrocken, aber dann hat sie sich gefreut. Stephanie Busch, 15 Jahre
"Bei uns dreht sich immer alles um Sophie. Sie ist behindert." Diese empörte Äußerung eines nichtbehinderten Bruders steht am Anfang eines Bilderbuches der Lebenshilfe für geistig Behinderte, dessen Text wir auf dieser Seite heute in Auszügen abdrucken. Es geht dabei um den Alltag von Geschwistern behinderter Kinder mit seinen Problemen, besonders aber auch um die schönen Momente im Familienleben.
Daß Geschwister sich streiten, aufeinander eifersüchtig sind und um die Zuwendung der Eltern konkurrieren, ist normal. Alle Eltern kennen diese Situation und müssen mit ihr umgehen. Bedeutend schwieriger wird es oft für alle Beteiligten, wenn eines der Kinder behindert ist. Die meisten Kinder haben ja heutzutage wenig mit Behinderten zu tun. Die gehen auf ihre eigenen Schulen und tauchen nur manchmal im Rollstuhl auf der Straße auf. Kein Wunder, daß es vielen Kindern unangenehm oder gar peinlich ist, wenn sie plötzlich mit Behinderten umgehen sollen. Wir haben auf der heutigen Kinderseite Behinderte und deren Geschwister zu Wort kommen lassen. Sie schildern ihre Situation und wünschen sich kein Mitleid, sondern einfach nur mehr Verständnis.
Das Buch "Meine Schwester ist behindert" kann im übrigen zum Preis von vier Mark bei der Bundesvereinigung Lebenshilfe, Raiffeisenstr. 18, 3530 Marburg, Telefon: 06421/4001-0 bezogen werden.
Die Redaktion
(Das sind Ingrid, Ulla und noch ein paar Leute)
Es gibt Momente, in denen man den eigenen Augen nicht trauen mag. Das Aufschlagen der Rubrik "Dokumentation" in der "Frankfurter Rundschau" vom 8. Januar hat mir einen solchen Moment beschert. Es darf nicht wahr sein, es ist aber wahr. Unter dem Titel "Die Identifikation mit Auschwitz versperrt den Weg in die Zukunft" präsentiert sich eine ganze Seite Antisemitismus pur.
Im Vorspann wird der Leser auf die Umstrittenheit der Autorin Sonja Margolina vorbereitet: Ihr im Herbst erschienenes Buch über Rußland und die Juden im 20. Jahrhundert ist in der rechtsextremen "Nationalzeitung" als lesenswert empfohlen worden. Dem Leser wird suggeriert, es mit dem Resultat einer wichtigen aktuellen Debatte zu tun zu haben, die der Buchveröffentlichung gefolgt sei. In keiner Zeile des Textes jedoch wird auf eine solche Debatte Bezug genommen. In Wirklichkeit findet diese Debatte nirgendwo sonst als im Kopf der Autorin statt. Es ist ein kruder, wahnhafter Schwachsinn, der sich als Dokumentation ausweisen möchte.
Der eigentliche Skandal ist, daß eine Zeitung wie die "Frankfurter Rundschau", von der ich dachte, ihre Redakteure respektierten eine gewisse moralische Gürtellinie, sich dieser atemberaubend antisemitischen Tirade zur Verfügung gestellt hat. Unter dem Vorwand kreativer Provokation findet eine wirre Vermischung antisemitischer Klischees statt, deren Obszönität auch in der Rolle liegt, die dem Leser zugeschanzt wird. Endlich soll er erleben, wie ein Tabu gebrochen wird, das am Weiterdenken hindert: Endlich wird an berufen progressiver Stelle einmal über Juden gesagt, was in der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit bisher zu sagen verboten war.
Abgesehen davon, daß Tabubrüche nicht per se nützlich sind - der Rostocker Bruch des Tabus Mordanschlag hat einen Flächenbrand ausgelöst -, wird hier kein einziges Denktabu gebrochen. Im Gegenteil. Eingefleischte rechtsradikale Biertischparolen kommen in einem süffisanten Sprachgestus daher, der den Anschein erwecken soll, als habe sich die Autorin in der Thematik, über die sie sich ausläßt, kundig gemacht. In Wirklichkeit hat sie einen verbalen Molotowcocktail geschleudert.
Es ist der Autorin zu viel Ehre angetan, sich auf ihre als Argumente ausgegebenen Behauptungen einzulassen. Es ist unwürdig, auf eine Aussage wie "alle Neger stinken" eine argumentative Antwort zu geben.
Es drängt sich die bittere Vermutung auf, daß es nicht nur die Biertischnazis sind, die im Ernst von "der Jude" sprechen. Deshalb sei mit Widerwillen zu einigen der falschen Behauptungen Stellung genommen. Sie alle zu widerlegen, müßte man ein Buch schreiben.
Die Diktion "der Jude" beinhaltet eine hermetische Verallgemeinerung, die suggeriert, daß alle Juden unterschiedslos von ein und demselben Merkmal gekennzeichnet seien, und zwar in einer Weise, die alle anderen Eigenschaften zu sekundären werden läßt. Es ist die rassistische Terminologie schlechthin. Sie läßt dem Individuum keinen Ausweg. Sie führte zur Nazizeit schließlich in die Gaskammern.
Die Definition der Gesellschaft als einer Bio-Masse, in der die Juden als ein die gesellschaftlichen Prozesse vorantreibendes "Ferment" wirkten; daß dieses Ferment durch "das Endprodukt blokkiert wird, wenn letzteres in ausreichender Menge vorhanden ist", ist nichts Neues. Was ist damit beabsichtigt? Die Autorin sagt es. Sie macht die Juden in Rußland für die Festigung des Stalinismus, des Zwangsarbeitersystems und des GULAG verantwortlich.
Ihr biologistisches Weltbild entspricht der Nazi-Ideologie. Der Mensch kann tun und denken, was er will, letzten Endes ist die Gesellschaft einem chemischen Prozeß unterworfen, dessen Unausweichlichkeit in der Macht der Natur liegt.
Nach dem Holocaust und dem folglichen "Abgang" der Juden von der "europäischen Bühne" sei "ein traumatisches Absinken der eigenen Bedeutung" für die Juden die Folge gewesen. Konsequenz seien "Weltindifferenz" und das "jüdische Desinteresse an brennenden Fragen, die nicht unmittelbar mit der jüdischen Situation zu tun haben". Es wäre absurd, diese Behauptung zu widerlegen. Sie sagt nichts weiter, als daß alle Juden sich für nichts als für sich selbst interessieren. Zugleich stellt die Autorin - sich selbst widersprechend - die Behauptung auf, Juden seien nur zu einem geringen Teil am Diskurs um Auschwitz und das Judentum beteiligt, Deutsche hingegen, und zwar Linke, hätten da viel mehr geleistet. Schön wär's.
Tatsache ist, daß die Erforschung der Shoa, ihrer Gründe und ihrer Folgen, vor allem in den USA und in Israel stattgefunden hat. Dazu ist nichts weiter zu sagen. Die Definition "sogenannte Auschwitzlüge", derer sich die Autorin bedient, und mit der sie die Überlebenden auffordert, sich doch zu freuen, denn es wäre doch schön, wenn nicht Millionen Juden umgekommen seien, ist die Spitze der Infamie. In den Publikationen von Wolfgang Benz ist die Auschwitzlüge leider ein für allemal widerlegt. Es waren, wie von Wolfgang Benz belegt wurde, fast sechs Millionen Juden, die im Holocaust ermordet worden sind.
Die Behauptung, die 68er-Bewegung habe die Geschichte der Vernichtung gründlich aufgearbeitet, ist für manche von uns schmeichelhaft, stimmt aber nicht. Daß die Studentenrevolte sich an der Vergangenheit der Väter abgearbeitet hat, ist richtig. Aber die fatale Entwicklung vieler, in die sich die Bewegung Anfang der siebziger Jahre hineinmanövriert hat, ihr unter Antizionismus verkapselter Antisemitismus, ist leider auch ein historischer Tatbestand, dessen Aufarbeitung noch aussteht.
Die Verharmlosung des Antisemitismus im ehemaligen Sowjetreich ist eine weitere falsche Behauptung. Es gibt genug Informationsquellen, die darüber Auskunft erteilen. Das Palais Jalta in Frankfurt hat in den letzten Jahren mehrere Veranstaltungen dazu angeboten. Die Unterstellung, vielen der russischen Juden gehe es hier weitaus besser als anderen Flüchtlingen, und die Untermalung des Vorwurfs, sie seien Wirtschaftsflüchtlinge, durch den Satz "Schließlich wurden auch die französischen Juden in ihren Pelzen direkt in die Gaskammern gebracht", ist nicht zu überbieten. Dies Zynismus zu nennen wäre eine Untertreibung.
Die Autorin fordert eine Enttabuisierung des Antisemitismus, der, wie sie wissend anmerkt, "als Vorurteil in der Bevölkerung keine Seltenheit" sei. Sie möchte die Möglichkeit gegeben wissen, sich psychisch und geistig damit auseinanderzusetzen. Sie hat mit ihrem Machwerk selbst diese Möglichkeit geboten. Allerdings auf andere Weise, als beabsichtigt. Anstatt auf einer Metaebene einen Diskurs über Antisemitismus zu führen, betreibt sie selbst antisemitische Hetze.
Daß die Autorin selbst Jüdin ist, scheint der Frankfurter Rundschau als Freibrief gedient zu haben, besagten Dreck in die Runde zu schleudern. Wenn dies so sein sollte, um so schlimmer. Es macht keinen Unterschied, wer diesen Artikel geschrieben hat. Wer meint, weil er von einer Jüdin geschrieben ist, sei er dikussionswürdig, ist selbst einem antisemitischen Klischee erlegen. Es dient dem Genuß eines voyeuristischen Triumphes: Die Funktion der Presse als Schlüsselloch, durch das life eine perverse Stellvertretertat zu beäugen ist. Die Selbstenthauptung des personifizierten Schuldgefühls. Man hätte diese Enthauptung vermutlich gerne von eigener Hand vorgenommen, aber das ist ja verboten.
HORST VÖLKER aus Langenhain führt bei den Kommunalwahlen die Bewerberliste der FWG für den Ortsbeirat in dem Hofheimer Stadtteil an. Der 61jährige hat das Amt seit 16 Jahren inne und ist damit dienstältester Ortsvorsteher im Kreisgebiet. Die FWG, die derzeit drei der neun Mandate im Ortsbeirat hat, will auch künftig dafür sorgen, daß Langenhainer Interessen im Stadtparlament gut vertreten werden. Außer Völker kandidieren Dr. Heinz Boesenberg, Horst Tomka, Ruth Henninger und Andreas Anft auf den weiteren Plätzen.
HEINRICH MORHARDT, Landwirtschaftsmeister aus Sulzbach, wurde für sein 40jähriges Engagement als ehrenamtlicher Ortsgerichtsschöffe geehrt. Insbesondere beim Schätzen von Grundstücken, bei Flur- und Ernteschäden brachte Heinrich Morhardt seine Erfahrung als langjähriger Orts- und Kreislandwirt und Mitglied des Gutachterausschusses für Grundstükke beim Kreis ein. Die Gemeinde dankte dem 72jährigen, der in einer Feierstunde im Frankfurter Amtsgericht geehrt wurde.
OTTO SILBERLING bleibt Vorsitzender des Vereinsrings Kriftel. Auch sein Stellvertreter wurde in der Jahresversammlung im Amt bestätigt: Herbert Müller, zugleich Chef des größten Vereins im Ort, des SV 07 Kriftel. Als Schriftführerin übernimmt Brigitte Faller die Nachfolge von Hiltrud Wulf, Beisitzer sind Bernhard Daubitz und Kurt Mitternacht.
REGINA MÜLLER heißt die neue Frau an der Spitze des Hochheimer Amtsgerichtes. Obwohl bereits seit einem Monat im Dienst, wurde sie gestern erst offiziell in das Amt eingeführt. Sie trat die Nachfolge von GISELA BENDER an, die nach 29 Dienstjahren im Oktober vergangenen Jahres in den Ruhestand gegangen war.
Um eine oder zwei Wochen werden viele Veranstaltungen der Volkshochschule (VHS) in diesem Semester kürzer sein, als im vergangenen Halbjahr. Auch die Stundenzahl der Angebote ist reduziert worden. Dies ist die Konsequenz aus der vom Magistrat verordneten Kürzung der Ausgaben um fünf Prozent oder in Zahlen ausgedrückt 450 000 Mark. Das neue, 400seitige Programm für das Frühjahrssemester liegt jetzt vor und ist in der Geschäftsstelle der VHS und im Buchhandel zum Preis von vier Mark zu haben.
Von den Einsparungen sind alle sieben Fachbereiche gleichermaßen betroffen. Die Qualität der insgesamt 2452 Kurse, Seminare und Bildungsurlaube werde durch die Sparmaßnahmen jedoch nicht leiden, wie Schuldezernentin Jutta Ebeling (Grünen) versicherte. "Wichtig ist, daß sich die Volkshochschule den aktuellen Fragen der Zeit stellt."
Im Programm finden sich diesmal vermehrt Intensivkurse, Kompakt- und Wochenendseminare. "Die Teilnehmer wollen besonders schnell und konzentriert lernen", erklärt der Leiter des Amtes für Volksbildung, Alfred Pfeil, diesen Trend. Auch der steigenden Nachfrage nach Kunst- und Theaterkursen, die in Zusammenarbeit mit Frankfurter Museen stattfinden, trägt das Programm Rechnung. 110 Kurse richten sich speziell an Frauen. Insgesamt ist die Zahl der Angebote im Vergleich zum Frühjahrssemester des Vorjahres gestiegen. Die 33 zusätzlichen Veranstaltungen gehen jedoch ausschließlich auf das Konto des Stadtteilangebots. Alle anderen Bereiche haben einen leichten Rückgang zu verzeichnen, darunter auch das Angebot für Migranten, das schon in den vergangenen Semestern die große Nachfrage nach Deutschkursen nicht befriedigen konnte. Der Ansturm hatte sich bereits 1992 verstärkt, da andere Träger durch die "veränderte Förderungspraxis von Drittmittelgebern" (Pfeil) unter Druck gerieten.
Für die ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger bietet die VHS wegen des großen Andrangs erstmals einen vorgezogenen Anmeldetermin an. Die Veranstaltungen in diesem Bereich sind in einem gesonderten Heft verzeichnet. Das gilt auch für die Stadtteilaktivitäten der VHS und den Bereich Bildungsurlaub sowie "Gesundheit" und "Arbeit und Leben", deren Kurse in Zusammenarbeit mit der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) realisiert und finanziert werden.
Der erste offizielle Anmeldetermin ist der Samstag, 23. Januar, von 10 bis 14.30 Uhr im Volksbildungsheim. reu
BAD VILBEL. Bereits Ende Dezember hat der Magistat die Einrichtung von Tempo-30-Zonen in Massenheim über 225 000 Mark vergeben. Sobald es die Witterung zuläßt, soll mit den Arbeiten begonnen werden, berichtet Erster Stadtrat Klaus Minkel (CDU). Für die Renaturierung des Erlenbaches seien 100 000 Mark bereitgestellt, obendrein sieht der Haushalt Verpflichtungsermächtigungen von einer Million Mark zugunsten des Erlenbaches im Haushalt vor. Das bedeutet, daß der Magistrat Aufträge in dieser Höhe vergeben kann.
Zu der Leistungsbilanz für den Stadtteil zählt der Stadtrat auch die Einrichtung der Heimatstube im Alten Rathaus für 20 000 Mark, die Dacherneuerung des Pfarrsaals der katholischen Gemeinde für 15 000 Mark, wobei aus der Zinsrücklage 7500 Mark fließen. Für die Pergola auf dem Dorfplatz stehen 25 000 Mark bereit.
Für 8000 Mark soll die Schaukasten- Anlage für die Vereine erweitert werden. Der Turnverein bekommt den gewohnten Zuschuß für die Turnhalle, für den evangelischen Kindergarten sind 160 000 Mark Zuschuß von der Stadt eingeplant, und der Hundeverein bekommt 2500 Mark plus 1500 Mark aus der Zinsrücklage. Für den Neubau des evangelischen Kindergartens ist außerdem eine Verpflichtungsermächtigung von 1,2 Millionen Mark vorgesehen. de
KELKHEIM. "Geschichte der Gemäldesammlung im Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt" heißt der Diavortrag, zu dem die Kelkheimer Kulturgemeinde im Rahmen ihrer Reihe "Geschichte unserer Landschaft" am kommenden Freitag, 22. Januar, in das Fischbacher Bürgerhaus bittet.
Jochen Sander, der Leiter der Gemäldeabteilung des Städels, wird die verschiedenen Etappen des Sammlung vorstellen, die als eine der bedeutendsten in Deutschland gilt und Werke aus dem späten Mittelalter bis hin zur Gegenwartskunst umfaßt.
Den Grundstock legte Johann Friedrich Städel bis zu seinem Tod 1816. Johann David Passavant setzte die Arbeit im frühen 19. Jahrhundert fort und verhalf dem "Städel" zum Ruf der "Meistergalerie ersten Ranges".
Dessen Nachfolger Georg Swarzenski wiederum öffnete schließlich das Frankfurter Museum - eine Arbeit, die 1938 durch die Beschlagnahme der Nationalsozialisten zu großen Teilen zerstört wurde. Erst nach dem Krieg konnte die Arbeit fortgesetzt und die schmerzlichsten Lükken geschlossen werden.
Die Bedeutung der Sammlung, wie sie zustande kam - darüber wird Jochen Sander bei der Kelkheimer Kulturgemeinde referieren. Sein Vortrag mit Lichtbildern beginnt um 20 Uhr. ana
BAD SODEN. Ausnahmsweise braucht es kein Erbarmen, weil gerade mal wieder die Hessen kommen. Am Dienstag und Mittwoch, 19./20. Januar, heißt es jeweils um 20 Uhr: Helf's Gott, die Chiemgauer sind da. Diesmal bringen die bayerischen Schauspielakteure "Die Witwen" von Ludwig Thoma auf die Bühne.
Der ledige Rechtsanwalt Dr. Hans Stein (Bernd Helfrich) soll auf Betreiben seiner Haushälterin Victor (Amsi Kern) mit der Witwe Gabriele Wurmbichler (Traudl Oberhorner) verehelicht werden. Aber auch der Hofbauer (Ossi Eckmüller), ob seiner bayerischen Derbheit Dauerklient des Anwalts, gedenkt, via seiner verwitweten Schwester Therese (Michaela Heigenhauser) verwandtschaftliche Beziehungen zu dem Anwalt knüpfen. Und weil nunmal alle guten Dinge drei sind, tritt mit Gisela Wernecke (Kathi Leitner) schließlich eine dritte Gatten- Aspirantin auf den Plan.
Restkarten: Tel. 0 61 96 / 201 - 803. ana
Unglücklicher Zusammenprall beim Hallenfußball Viktoria-Duell hatte Folgen Niddaer Hartmut Weiß mit Schädelbruch im Krankenhaus
Gravierender Zwischenfall beim Hallenfußballturnier des SC Viktoria Nidda: Beim Spiel Viktoria I gegen Viktoria II prallten Torwart Hartmut Weiß und Frietjof Nieke unglücklich zusammen. Dabei zog sich der Keeper einen Schädel- und Jochbeinbruch zu. "Er wurde inzwischen operiert (das Jochbein wird später gerichtet) und wird nur alle paar Stunden geweckt, ansonsten aber im Koma gehalten", sagt Vorsitzender Franz Heilmann. Innere Verletzungen wurden nicht festgestellt, sein Zustand ist stabil, lautet das Bulletin. Zur Kontrolle wird er später noch in eine Augenklinik, insgesamt sich nach dem heutigen Stand zirka fünf bis sechs Monate im Krankenhaus aufhalten müssen. "Er wird wohl wieder völlig in Ordnung kommen, aber es dürfte sehr langwierig sein", ergänzt der Vorsitzende. Nieke hatte sich das Leder zu weit vorgelegt, Weiß sich auf den Ball geworfen. Als Nieke über den Keeper springen wollte, was auch ein anderer Akteur vorhatte, ging der Torwart hoch und dabei kam es zu diesem unglücklichen Zusammenprall. Weis, ein etatmäßiger Feldspieler, geht in der Halle gerne einmal ins Tor. Nieke konnte sich nicht beruhigen, mußte sogar heimgefahren werden. Trotz allem setzten beide Niddaer Teams das Turnier, das vom VfR Ulfa (3:2 im Penalty-Schießen gegen die SKG Eintracht Fauerbach) gewonnen wurde, fort. Sie schieden jedoch nach diesem Schock in der Zwischenrunde aus. "Unsere Gegner hätten Verständnis für das Ausscheiden gehabt, aber wir wollten nicht den gesamten Ablauf durcheinanderbringen", begründete Heilmann diesen Entscheid des Gastgebers. hdp
Der Finanzplatz Frankfurt ist weiter gewachsen. Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) waren Ende vergangenen Jahres 428 Kreditinstitute in Frankfurt vertreten. Das sind zwei mehr als 1991. Während die Zahl der deutschen Banken gegenüber dem Vorjahr von 145 auf 149 zugenommen hat, verzeichnet die Statistik bei den Auslandsbanken einen leichten Rückgang von 281 auf 279.
Von den 149 inländischen Instituten haben 74 ihren juristischen Sitz oder ihre Hauptverwaltung in der Main-Metropole. Mitglieder der Frankfurter Börse sind 68 deutsche und 69 ausländische Banken.
Die EG-Länder sind mit 89 Instituten am stärksten vertreten. Es folgen die asiatischen Länder mit 80 und die USA mit 39 Banken.
Auch die Zahl der Versicherungsunternehmen im IHK-Bezirk hat von 168 auf 170 leicht zugenommen. Dabei handelt es sich um 117 inländische und 53 ausländische Gesellschaften. vo
MÖRFELDEN-WALLDORF. Um "Husten und Bronchitis in der Homöopathie" drehen sich am Donnerstag, 21. Januar, die "Walldorfer Gesundheitsgesprächen". Dr. Karin Lenger von der Deutschen Homöopathischen Union (DHU) erläutert, wie Husten mit homöopathischen Mitteln behandelt werden kann und auf was geachtet werden muß.
Der Vortrag beginnt um 20 Uhr im Gemeindezentrum Ludwigstraße. Der Eintritt von fünf Mark wird einem guten Zweck gespendet. wal
BAD VILBEL. Die Stadt Bad Vilbel fördert die organisierte (Vereins-)Jugendarbeit. Vereine und Jugendgruppen, die schon im vergangenen Jahr gefördert wurden, bekommen vom Magistrat die Meldebögen für die Zuschüsse zugesandt. Weitere, bisher noch nicht erfaßte Kinder- und Jugendgruppen, die den Förderungsrichtlinien entsprechen, können sich noch mit der Stadtverwaltung in Verbindung setzen.
Gefördert werden Gruppen, die am 31. März mindestens sechs Monate bestanden haben; es müssen ihr mindestens zehn Mitglieder unter 21 Jahren angehören.
Bis Ende März muß die Gruppe eine Liste mit Mitgliederstand und deren Wohnsitz vorlegen. de
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Kinos Hanau. Arabella: Der Tod steht ihr gut (15.15, 17.30, 20, 22.30 Uhr).
Central: Der letzte Mohikaner (14.45, 15, 17.30, 20.15, 22.30 Uhr).
C'est la vie: Bodyguard (15, 17.45, 20.30, 23 Uhr).
Kino-Center im Grimm-Center: Kino I: Kevin - allein in New York (14.30, 17, 20, 22.30 Uhr).
Kino II: Die Schöne und das Biest (14.45, 17.15, 20.15, 22.45 Uhr).
Kino III: Im Glanz der Sonne (15, 17.30, 20.30, 23 Uhr).
Palette: Sister Act (15.30, 18, 20.15, 22.30 Uhr).
Schöneck. Sternpalast: Die siebente Saite (19.45 Uhr), IP 5 (22 Uhr).
Mühlheim. Augenblick: Bodyguard (20.15 Uhr).
Zeitlos: Sister Act (19.45 Uhr).
Gelnhausen. Pali: Kevin - allein in New York (15.30 Uhr), Bodyguard (20.15 Uhr).
Casino: Sister Act (20.15 Uhr). Kulturmix Hanau. Sinfoniekonzert mit der Thüringischen Philharmonie, 19.30 Uhr, Stadthalle (ab 19 Uhr Einführung in die Werke durch den Chefdirigenten Professor Olaf Koch).
Lichtbildervortrag "Zur Augsburger Goldschmiedekunst vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert", 19.30 Uhr, in der Staatlichen Zeichenakademie, Akademiestraße. "Heute weder Hamlet" von Rainer Lewandowski, 20 Uhr, Comoedienhaus Wilhlemsbad.Kurse Hanau. Familienbildungsstätte der Arbeiterwohlfahrt, Mittelstraße 23, Telefon 25 44 28; 9, 15 und 19 Uhr: Nähkurse; 8.30 und 18.30 Uhr: Strickmaschinenkurse; 9 und 10.35 Uhr: Spiel- und Lerngruppe für Kinder; 9.15 und 10.45 Uhr: Bewegung und Spiel für Babys; 14.15 Uhr: Bewegung und Musik für Kinder; 18.30 und 20.15 Uhr: Vorbereitung auf die Geburt; 19.30 Uhr: Gymnastik nach der Geburt.
Katholische Familienbildungsstätte, Im Bangert 4, Telefon 2 23 12, Neubeginn folgender Kurse: 9 und 10 Uhr Gymnastik für Frauen; 9.30 Uhr Spielkreis; 15 Uhr Turnen für Kinder; 15 Uhr Seniorentanz für Männer und Frauen; 16 und 17 Uhr Turnen für Eltern mit Kindern; 19 Uhr Kochen mit der Mikrowelle; 20 Uhr "Unseren Glauben verstehen".
Parteien/Parlamente Hanau. Treffen der Falken in der Sozialistischen Jugend Deutschlands, 16 Uhr, Nachbarschaftshaus Tümpelgarten.
Maintal. Informationsveranstaltung der CDU zum Thema "inner Sicherheit", 20 Uhr, Bürgerhaus Bischofsheim.
Erlensee. Informationsabend der SPD zum Thema "Duales System", 20 Uhr, in der kleinen Erlenhalle.
Großkrotzenburg. Treffen der Juso-AG, 20 Uhr, Jugendzentrum. Beratung/Selbsthilfe Hanau. Sprechstunde Pro Familia, 9 bis 12 Uhr, Vor dem Kanaltor 3, Telefon 2 18 54.
Offener Treff und Beratung für Jugendliche in der Teestube der Familien- und Jugendberatungsstelle, 17 bis 19 Uhr, Sandeldamm 21, Telefon 1 40 51.
Anonyme Beratung für straffällig gewordene Jugendliche und deren Eltern durch den Verein zur Förderung der Jugendgerichtshilfe, 15 bis 17 Uhr, Telefon 1 58 56.
Beratung für Frauen und Mädchen durch den Verein Frauen helfen Frauen bei Trennung/Scheidung, Beziehungs- und Partnerschaftsproblemen sowie bei psychischer und physischer Mißhandlung, Telefon 2 68 67.
Information und Beratung für Alkoholgefährdete und Angehörige durch den Guttempler-Orden, 19.30 Uhr, Pavillon im Schulhof der alten Hola, Julius-Leber- Straße 2, Kontakt-Telefon 0 61 09 / 6 62 39 oder 0 61 81 / 1 39 21.
Treff für Jugendliche, 17 bis 19 Uhr, offener Treff, Bruchköbeler Landstraße 39a, Telefon 8 48 00.
Öffnungszeiten des Franziskus-Hauses (ökumenische Nichtseßhaftenhilfe), 7 bis 19 Uhr; ambulante Fachberatung, 10 bis 15 Uhr, Breslauer Straße 23, Telefon 18 11 99.
Sprechstunde der Lawine Beratungsstelle für Betroffene von sexuellem Mißbrauch, 14 bis 16 Uhr, Nürnberger Straße 11, Telefon 25 66 02.
Suchtkrankenhilfe/Erwachsenenberatung des Diakonischen Werks, 10 bis 14 Uhr, Gustav Hoch Straße 10, Telefon 80 98 24.
Erlensee. Treffen der Selbsthilfe Körperbehinderter, 15 bis 19 Uhr, Erlenhalle.
Gelnhausen. Beratung für Selbsthilfe in der SEKOS, 9 bis 12 Uhr, Altenhaßlauer Straße 21, Telefon 7 45 77.
Schlüchtern. Rosengarten Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit seelischen Problemen, 15 bis 20 Uhr, Weitzelstraße 11, Telefon 0 66 61 / 7 14 14.
Initiativen/Organisationen Hanau. Treffen des Aktionsbündnisses gegen Rassismus, 20 Uhr, im türkischen Arbeiterverein, Alfred Delp Straße 10.
Vereine Neuberg. Vortragsveranstaltung des Vereins der "Ehemaligen" Landwirtschaftsschüler Hanau zum Thema "Vermögensübergabe - Wie vererbe ich richtig", 20 Uhr, Gaststätte Emmel (Lindenhof) Ravolzhausen.
Verschiedenes Hanau. Evangelische Kirchengemeinde am Limes, Großauheim, 10 Uhr Mütter- Väter-Kinder-Treff, 20 Uhr Theatergruppe für Erwachsene, altes Bürgerhaus.
Evangelische Kirchengemeinde am Limes, Großauheim, 9 und 10 Uhr Frauen- Gymnastik im Gemeindezentrum Waldsiedlung, 14.30 Uhr Kinder-Hobbythek, 20 Uhr ökumenische Gesprächsgruppe im Gemeindezentrum Großkrotzenburg, 15 Uhr Frauentreff im Gemeindezentrum Waldsiedlung, 15 Uhr FAN 70, Schülercafé im Teehaus Marienstraße.
Maintal. Seniorengymnastik, 9.15 und 10.30 Uhr, Bürgerhaus Bischofsheim.
Evangelische Kirchengemeinde Hochstadt, Ringstraße 13, 10 Uhr Mutter-Kind- Spielgruppe, 14 Uhr Hausaufgabenhilfe, 15 Uhr Seniorentreff, 18 Uhr offener Spieleflur, 19 Uhr Jahreshauptversammlung des Posaunenchors.
Evangelische Kirchengemeinde Dörnigheim, Berliner Straße 58, 15 Uhr Maxi- Club; Jugendzentrum Hermann Löns Straße 2a, Dörnigehim, 16 bis 22 Uhr offenes Haus mit Disco.
Evangelische Kirchengemeinde Bischofsheim, Gemeindehaus Rhönstraße 2, 8 bis 12 Uhr Kindergarten, 14 Uhr frühmusikalische Erziehung für Kinder ab 4 Jahren, 15 Uhr Mutter-Kind-Gruppe.
Bruchköbel. Seniorentreff, 15 Uhr, Treffen im evangelischen Gemeindehaus Niederissigheim, Vortrag über das "Duale System" und die Einführung des "Gelben Sacks".
Evangelische Kirchengemeinde, 9 Uhr Spiel-Bewegungsgruppe, 9.30 Uhr Krabbelgruppe, 16 Uhr Kindergruppe für 7- bis 9jährige, 19.30 Uhr Frauenkreis.
Schöneck. Spiel- und Krabbelgruppe, 15 bis 17 Uhr, im evangelischen Gemeindehaus Büdesheim.
Langenselbold. Der Schwimmbadbus nach Erlensee fährt ab 15 Uhr alle Bushaltestellen an (Rückfahrt 17.30 Uhr).
Jugendzentrum Underground, "Italienischer Abend", 18 bis 22 Uhr im Schloß.
Seniorentreff: 14.30 Uhr Seniorennachmittag, 14 Uhr offener Betrieb, Sozialstation Uferstraße.
Evangelische Kirchengemeinde, 19 Uhr, Jugendkreis, Im Ellenbügel 95.
Rodenbach. Evangelische Kirchengemeinde, Buchbergstraße 6, 16.30 Uhr, Kindergruppe Kaktus
Seniorentreff, 9.30 Uhr Wassergymnastik und Schwimmen im Hallenbad Bruchköbel, 14 Uhr Handarbeits-und Bastelgruppe der Arbeiterwohlfahrt Bürgerhaus, 15 Uhr DRK-Gymnastikgruppe, DRK-Haus, Ahornweg 3, 15 Uhr Übungsstunden der Rentnerband im ehemaligen Schützenhof Oberrodenbach.
Gelnhausen. Wissens- und Hobbybörse in der Selbsthilfekontaktstelle, 14 bis 18 Uhr, Altenhaßlauer Straße 21, Telefon 0 60 51 / 7 53 00.
Frauenzentrum Kuhgasse 8, 14.30 Uhr, Treff ausländischer Frauen mit Kinderbetreuung. Bad Soden-Salmünster. Dia-Vortrag "Südliches Afrika", 19 Uhr, Kleiner Konzertsaal.• 27. Januar: Landschaftspflegeverbände - Perspektiven für die Landwirtschaft, Kongreßforum in Berlin im Rahmen der Grünen Woche. Ort: Messegelände Berlin, Internationales Kongreßzentrum, Saal 7, 11 bis 13 Uhr.
• 4. und 5. Februar: Europa 93 - Umwelt 93, Seminar in Oberpfaffenhofen zum Thema "Kommt die lückenlose Eigenüberwachung der Industrie?" Infos: Projektgesellschaft der Umweltakademie, c/o Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt, 8031 Oberpfaffenhofen, Tel. 0 81 53/2 82 41.
• 12. bis 14. Februar: Zeiterfahrung in der ökologischen Krise, Seminar in Bad Herrenalb, Haus der Kirche. Kosten: 130 Mark (EZ), Studierende 60 Mark. Veranstalter und Infos: Evangelische Akademie Baden in Karlsruhe, Frau Erika Bieber, Tel. 07 21/1 68-2 99.
Terminkalender erstellt in Zusammenarbeit mit den
"Ökologischen Briefen" (Frankfurt/Main).
Kulturspiegel · Kulturspiegel
GROSS-GERAU. Auf die Faszination orientalischen Tanzes setzt das Kulturcafé am Samstag, 23. Januar. Zu Gast sind Reyhan und Saida, die einen rund zweistündigen Abend gestalten. Das Duo tanzte bereits vor einem Jahr mit großem Erfolg im Kulturcafé und will auch diesmal wieder mit einer Mischung aus ägyptischem Bauchtanz und orientalischer Folklore das Publikum bezaubern. Der Ausflug ins Morgenland beginnt um 20 Uhr, der Eintritt kostet 16 Mark.
Das "Duo Lettviga" gestaltet am Sonntag, 24. Januar, das Rathauskonzert im Historischen Rathaus. Die Musiker aus Riga spielen unter anderem Werke von Mozart und Prokofjew. Das Konzert beginnt um 17 Uhr, der Eintritt kostet 16 Mark.
RÜSSELSHEIM. Alexander Galins dramatische Geschichte "Sterne am Morgenhimmel" ist am Mittwoch, 20. Januar, 20 Uhr, im Stadttheater zu sehen. Im Stück, bis zu seiner Uraufführung 1987 in Leningrad fünf Jahre lang verboten, geht es um vier Moskauer Porstituierte, die während der Olympiade 1980 aus dem Stadtbild verschwinden mußten.
"SOS im Regenwald" heißt es am Donnerstag, 21. Januar, um 16 Uhr auf der Studiobühne im Stadttheater. Das Theaterstück für Kinder, eine Gemeinschaftsproduktion der Dortmunder Theatergruppen "Abraxas & Co", "Larifari" und "pidi", ist gedacht für Kids ab acht Jahren.
Zum Independent-Konzert mit "Die Shivas" lädt "das Rind" für Freitag, 22. Januar, 21 Uhr, in seine Räume in der Mainstraße ein.
Rhythm'n'Blues steht am Samstag, 23. Januar, im Museumskeller im Blickpunkt. Dort gastiert auf Einladung des Vereins "Dorflinde" die "Hoochie-Coochie-Bluesband". Beginn: 20 Uhr.
Das "Leipziger Flötenquartett" gibt am Sonntag, 24. Januar, beim Rathauskonzert den Ton vor. Zu hören sind Stücke von Mozart, Rossini und Jacob. Beginn ist um 17 Uhr, der Eintritt kostet zwölf und 15 Mark.
Neil Simons Lustspiel "Barfuß im Park" steht am Dienstag, 26. Januar, im Stadttheater auf dem Spielplan. Die Geschichte um ein frischverheiratetes Paar in einer viel zu kleinen Wohnung unterm Dach gehört zu den Klassikern der leichten Unterhaltung. Die Inszenierung besorgte das Berliner Theater am Kurfürstendamm, in den Hauptrollen sind Susanne Uhlen und Herbert Herrmann zu sehen. Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr.
GERNSHEIM. "Rabengefieder - Schwarze Geschichten und Gedichte um einen sonderbaren Vogel" trägt Christa Schreiber am Sonntag, 24. Januar, in der Aula des Gymnasiums vor. Die Lesung mit Texten von Moses bis Waechter beginnt um 20 Uhr, Eintritt zehn Mark.
MÖRFELDEN-WALLDORF. Zu einem Gospelkonzert mit den "Black Gospel Pearls" lädt die katholische Pfarrgemeinde Christ König am Donnerstag, 28. Januar, 20 Uhr, in die katholische Kirche von Walldorf ein. Karten zum Preis von 22 Mark (Schüler und Studenten: 16 Mark) im Pfarrbüro. wal
Twelve Drummers Drumming Zu den hoffnungsvollsten deutschen Popbands der Achtziger gehörten Twelve Drummers Drumming mit Sänger Rudi Edgar und dem Multiinstrumentalisten Kurt Schmidt. Wer TDD nach ihrer Auflösung manch bittere Träne nachweinte, der darf sich jetzt freuen. Rudi und Kurt sind als The Moon wieder aktiv, spielen am Dienstag, 26. Januar, im Frankfurter Sinkkasten und am Samstag, 30. Januar, im Jokuz in Gießen. Schlagzeug und Gitarre spielen zwei alte Gießener Freunde der beiden: Michael Witzel und Tommy Schmieder, zuletzt in Diensten der englischen Gruppe Bliss. Die Band existiert nun leider auch nicht mehr. Sängerin Rachel Morrison tritt inzwischen unter ihrem Namen auf. Eine Platte gibt's noch nicht, aber am Mittwoch, 3. Februar, spielt sie ein Acoustic Set mit Tommy im Traumstern in Lich. dk
MÖRFELDEN-WALLDORF. Morgens zwischen halb acht und neun Uhr an der Farmstraße, Höhe Bahnhof: Autos bahnen sich ihren Weg. Nicht alle Fahrerinnen und Fahrer halten sich ans Tempolimit. Auch der Zebrastreifen zur anderen Straßenseite, wo die Langstraße abgeht, stoppt Eilige nicht. Besorgt um die Sicherheit ihrer Kinder, die hier auf dem Weg zur Waldenserschule über die Straße müssen, forderten Eltern in einem offenen Brief an Bürgermeister und Magistrat die Installation einer Fußgängerampel.
"Wir sehen jeden Morgen chaotische und zum Teil lebensbedrohliche Zustände am Zebrastreifen Farmstraße /Langstraße." Unterschrieben haben etwa 150 Eltern. Dahinter stünden aber noch mehr Leute, sagt Monika Severon, Sprecherin der Elterngruppe und Mutter eines Kindes, das seit August die erste Klasse der Waldenserschule besucht. Nicht nur, daß oft nur ein Elternteil den Brief unterzeichnet habe. Severon hat ob der Elternaktion auch schon Reaktionen von Anwohnern bekommen und weiß von vielen älteren Leuten, "die regelrecht Angst haben, da rüberzugehen". Besonders seit eine ältere Frau im Bereich des HL- Marktes angefahren und schwer verletzt wurde. Für Severon ist dieser Unfall bezeichnend. Es komme gar nicht so selten vor, daß einer halte, der von der anderen Seite aber durchfahre, hat sie beobachtet. "Mitunter", sagt sie, "wird einer, der am Zebrastreifen hält, sogar von dem dahinter noch überholt."
Vor allem morgens hat sie schon oft erlebt, daß Autofahrer nicht auf die am Straßenrand stehenden Kinder achten. Aber die Kleinen "haben noch nicht die Verkehrssicherheit, um einschätzen zu können, ob Autofahrer abbremsen und stehenbleiben". Zwar sei gottlob! noch kein Kind ernsthaft verunglückt, "doch das war oft reines Glück", sagt Severon. Eine Fußgängerampel sei nötig, finden sie und die übrigen Eltern.
Bürgermeister Bernhard Brehl hat zwar Verständnis für die Besorgnis, doch verweist er auf den bürokratischen Hürdenlauf, der einer Ampelinstallation vorausgeht, denn für derlei Angelegenheiten ist die übergeordnete Verkehrsbehörde beim Darmstädter Regierungspräsidium (RP) zuständig. Und die sage nicht so einfach ja. "Um den Antrag überhaupt stellen zu können, müßten wir eine Verkehrszählung machen, um die Einsatzzahlen zu ermitteln", sagt Brehl. Die Zahlen sind notwendig, weil ein bestimmtes Verkehrsaufkommen vorhanden sein müsse, um eine Ampel zu rechtfertigten. Es gebe aber gewisse Spielräume, die Quoten könnten unterschritten werden, wenn es um Schulwege geht.
Doch selbst wenn alles durchgeht, könne die Genehmigung dauern. "Wir haben vor einem Jahr drei Anträge gestellt, darunter zwei für Walldorf. Aber der Bescheid ist immer noch nicht da", sagt Brehl und zweifelt, ob an der Farmstraße eine Fußgängerampel überhaupt genehmigungsfähig wäre: "Es gibt bestimmte Abstandsregelungen."
Das beeindruckt die Eltern, die um ihre Kinder Angst haben, genauso wenig wie Brehls Hinweis, daß das RP ganz sicher nicht Zebrastreifen und Ampel genehmigen werde. "Der Zebrastreifen", sagt Monika Severon, "könnte dann ja wegfallen." Zwar wissen die Eltern, daß die Farmstraße verkehrsberuhigt werden soll, doch sie fordern, daß jetzt etwas zum Schutz ihrer Kinder passiert. "Wir haben uns auch in Mörfelden umgesehen. Da gibt's im Gegensatz zu Walldorf massenhaft Fußgängerampeln, auch ganz kurz hintereinander", beschweren sie sich.
Wenn schon keine Ampel, wollen sie wengistens eine Verkehrsinsel, damit vor dem Zebrastreifen nicht mehr überholt werden könne. Ob das realistisch ist, ließ Brehl offen, versprach aber, sich die Situation vor Ort mit den Planern anzusehen und zu überlegen, "was übergangsweise gemacht werden kann".
Was getan werden kann, wollen auch die Grünen vom Magistrat wissen. Die Eltern ließ die Partei wissen, daß "die Gefährdung der FußgängerInnen und FahrradfahrerInnen unser Ansicht nach im hohen Maße zwischen der Taunusstraße und der Langstraße" gegeben sei, vor allem im Bereich zwischen HL-Markt, Walldorf-Center, Post und Bahnhof. "Die seitens der Stadt ausgedachte Notlösung, die Ampelanlage an der Farmstraße/Ekke Hermann-Löns-Straße/Schmittburgstraße ganztags in Betrieb zu lassen, um Intervallverkehr zu erzeugen, ist völlig unausgereift und wird an der Situation nichts ändern", kritisieren die Grünen, die nicht nur für eine zweite Ampel plädieren, sondern auch für ein Gesamtkonzept, da nur dieses für Verkehrssicherheit sorgen könne. Dazu gehören die schnellere Einführung von Tempo 30 und eine innerstädtische Buslinie - "auch der hausgemachte Verkehr innerorts kann durch attraktive Ersatzmöglichkeiten zurückgedrängt werden". wal
KREIS OFFENBACH. Eine Prioritätenliste für den Ausbau des Radwegenetzes in den kommenden Jahren hat der Kreisausschuß in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. "Damit haben wir ein eindeutiges Zeichen gesetzt", kommentierte als Verkehrsdezernent der Erste Kreisbeigeordnete Frank Kaufmann, "daß wir den Radverkehr fördern wollen und dem Radwegebau in nächster Zeit eine hohe Bedeutung beimessen".
Die Attraktivität des Drahtesels als Transportmittel im Alltag - also auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen - solle deutlich erhöht werden. Voraussetzung dafür sei jedoch ein Angebot an sicheren und gut ausgebauten Radwegen.
Als Schwerpunkt des Programms bezeichnete Kaufmann die Notwendigkeit, zunächst einmal möglichst direkte Verbindungen zwischen den Orten zu schaffen. Denn Radlerinnen und Radler scheuten im Zielverkehr - im Unterschied zu ihrem Freizeitverhalten - jegliche Umwege. Das bedeute, daß in der Regel ein Radweg parallel zu klassifizierten Straßen verlaufen müsse, da das meistens die kürzesten Verbindungen zwischen zwei Orten seien.
Im Hinblick auf die hohe Verkehrsbelastung dieser Straßen sei aber so gut wie in allen Fällen heute ein separater, vom Autoverkehr getrennter Radweg notwendig. Diese Parallelführung zu den Straßen bedeute jedoch gleichzeitig auch einen Gewinn an Sicherheit gegenüber Waldwegen, die von der Straße aus nicht einsehbar und Radlerinnen deswegen kaum zumutbar seien.
"Viele dieser auszubauenden Radwegeverbindungen verlaufen entlang Landes- und Bundesstraßen", beschreibt Kaufmann ein Problem, das Ausbauprogramm umzusetzen. "Daher ersucht der Kreisausschuß dringend die jeweiligen Baulastträger, die nötigen Maßnahmen in die Wege zu leiten. In Zusammenarbeit mit den Kommunen sowie dem Land und Bund sollten auf der Grundlage des Ausbauprogramms die teilweise noch fehlenden innerörtlichen Verbindungen hergestellt werden.
Einen weiteren wichtigen Punkt des Ausbauprogramms stellen die Radwege dar, die mit geringem Aufwand und verhältnismäßig einfachen Mitteln zu verwirklichen seien. Dem Kreis schweben 31 Einzelvorhaben vor, gleichbedeutend mit 107 Kilometern an neuen Routen. Die über den Daumen ermittelten Kosten belaufen sich auf etwa 50 Millionen Mark. Ob die einzelnen Projekte tatsächlich realisiert werden können, hängt vom Wollen und Vermögen der Regierungen in Wiesbaden und Bonn ab.
Einige der vorgesehenen Radwege sind im Zusammenhang mit dem Bau der S-Bahn oder auch von Umgehungsstraßen und Verkehrsberuhigungsmaßnahmen zu sehen. "In diesen Fällen kann der vorgesehene Radweg natürlich auch erst mit Beendigung des anden Bauvorhabens fertiggestellt werden", erklärte der Verkehrsdezernent Frank Kaufmann die Lage.
In diesem Jahr wird der Kreis vorrangig entlang der Kreisstraße 191 zwischen Mühlheim, Lämmerspiel und Obertshausen an die Pedalritter denken. Dem im vergangenen Jahr nahezu fertiggestellten Abschnitt zwischen Lämmerspiel und Obertshausen werde jetzt die Etappe zwischen Mühlheimer Diesel- und Hanauer Straße hinzugefügt. Als dritter Bauabschnitt, voraussichtlich auch noch in diesem Jahr machbar, werde die Verbindung von Mühlheim nach Lämmerspiel folgen. Außerdem wird auch mit dem Weiterbau der Südumgehung Egelsbach, der Kreisstraße 168, gleich ein Radweg mit einkalkuliert. ttt
NEU-ANSPACH. "Nicht alle Frauen werden Mütter, aber alle sind Töchter - und Töchter haben Mütter." Über die Schwierigkeiten der Tochter-Mutter-Beziehung bietet der "Frauentreff" ein Samstags-Seminar an. "Die Mutter-Tochter-Beziehung bildet das Fundament aller Beziehungen, die im Leben einer Frau vorkommen - auch die zu ihrem Vater, zu anderen Männern und zu den eigenen Kindern", erklärt die zum Seminar eingeladene Referentin vom "Büro für staatsbürgerliche Frauenarbeit" in Wiesbaden, Regine Gabriel.
Das Seminar ist für Samstag, 23. Januar, von 11 bis 18 Uhr vorgesehen. Weitere Informationen und Anmeldungen beim "Frauentreff" unter der Telefonnummer 0 60 81 / 4 37 22. cn
Die Bewohner von Bockenheim-Süd müssen sich noch etwas gedulden: Die Einführung der Parkplaketten im Quartier zwischen Schloßstraße, Hamburger Allee und Theodor-Heuss-Allee wird sich um rund fünf Wochen verzögern. Ursprünglich war als Start der 15. Januar vorgesehen. Als neuen Termin nannte das städtische Straßenverkehrsamt jetzt "Mitte Februar".
Grund für die Verzögerung sind Probleme bei der Lieferung der entsprechenden Schilder. Die waren zum einen erst relativ spät bestellt worden, zum anderen hatte der Hersteller zum Jahreswechsel die Belegschaft für etliche Tage in Urlaub geschickt und die Maschinen abgestellt. Nach Darstellung von Straßenbauamtsleiterin Gabi Dehmer habe es hinsichtlich des Termins 15. Januar "amtsinterne Abstimmungsprobleme" gegeben. Allerdings habe das Amt mit dem Auftrag auch bis Dezember warten müssen: Schließlich sei die Bürgeranhörung, auf der die endgültigen Regelungen hinsichtlich der zeitlichen Begrenzung festgelegt worden waren, erst am 8. Dezember gewesen. Die Firma habe inzwischen zugesagt, die Schilder, "die nicht von der Stange zu kaufen sind" (Dehmer) in drei Wochen zu liefern. Für die Montage der Hinweistafeln würden dann noch einmal 14 Tage benötigt. Die Pfosten für die neuen Schilder sind bereits gesetzt. gang
In einer Wohnung im Frankfurter Ostend ist eine 33jährige Frau an den Folgen ihrer langjährigen Heroin- und Medikamentenabhängigkeit gestorben. Die Frau war gegen 21 Uhr zu Bett gegangen. Als ihr Ehemann etwa drei Stunden später nach ihr sah, stellte er fest, daß sie tot war.
Die 33jährige ist das zweite Drogenopfer dieses Jahres in Frankfurt. habe
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Kinos / Filme Mörfelden-Walldorf. Lichtblick - Walldorfer Kinotreff: Erbarmungslos (20 Uhr).
Groß-Gerau. Lichtspielhaus: Friedhof der Kuscheltiere II (20 Uhr). - Bambi: Mein Bruder Kain (20.30 Uhr).
Rüsselsheim. Rex-Kino-Center: Rex I: Bodyguard (15, 17.30, 20 Uhr). - Rex II: Die Schöne und das Biest (15 Uhr); Eine Frage der Ehre (17, 20 Uhr). - Cinema: Kevin allein in New York (15 Uhr); Sister Act (17.30, 20.30 Uhr).
Nauheim. Ried-Casino: Die Schöne und das Biest (19.30 Uhr); Wiedersehen in Howards End (21.45 Uhr).
Ginsheim-Gustavsburg. Burg-Lichtspiele: Ich bin meine eigene Frau, 20 Uhr. Vorträge / Kurse Mörfelden-Walldorf. Vortragsreihe Weltreligionen: Judentum, Kath. Pfarrzentrum, Flughafenstraße, 20 Uhr. Vereine / Organsisationen Mörfelden-Walldorf. Frauentreff: Jahreshauptversammlung, Langgasse 45, 20 Uhr. - Rentner-Gemeinschaft Sonnenschein: Jahreshauptversammlung, SKG- Heim, 15 Uhr.
Verschiedenes Rüsselsheim. Kindernachmittag - Wir stellen Käse her, Museum der Stadt Rüsselsheim, In der Festung, 15.15 Uhr. Ausstellungen Mörfelden-Walldorf. Heimatmuseum Walldorf: "Neue Heimat Walldorf" - Flucht, Vertreibung und Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg; Dienstag von 9 bis 12 Uhr, Donnerstag von 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung; Tel. 0 61 05 - 7 28 75, (bis 31. 3.).
Heimatmuseum Mörfelden, Langgasse 45: Geöffnet dienstags 15 bis 19 Uhr, sonntags 11 bis 16 Uhr.
Rüsselsheim. Stadttheater, Foyer: Provence-Impressionen; während der Veranstaltungen, (bis 30. 1.)
Museum in der Festung, Hauptmann- Scheuermann-Weg 4: Rund ums Karussell - Historische Karussells (bis 30. Januar); sowie: Unser aller Dreck; Industrie, Sozial- und Kulturgeschichte, geöffnet dienstags bis freitags von 9 bis 12.30 und von 14.30 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 13 und von 14 bis 17 Uhr.
Biebesheim. Heimatmuseum, Rheinstraße 44: sonntags von 10 bis 12 Uhr.
Nauheim. Heimatmuseum, Schul- straße 6: Geöffnet sonntags von 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr. Beratungen / Offene Treffs Mörfelden-Walldorf. Sozialstation, Waldstr. 16 1/10, Tel. 0 61 05 / 7 60 74: Sprechstunden 9 bis 12 Uhr.
Kamin-Club: Frauengruppe "Allerlei Frau", 15.30 bis 18 Uhr; Sprechstunde, 18.30 bis 19.30 Uhr, Schillerstraße 16, Walldorf.
Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe: Gruppentreffen 20 bis 22 Uhr, Steinweg 22 in Mörfelden.
Jugend- und Drogenberatung, 10 bis 19 Uhr, Hermannstr. 3, Mörfelden, Tel. 0 61 05 / 2 46 76.
Kelsterbach. Sprechstunde des Kreisjugendamtes, Altenwohnheim, 9 bis 11 Uhr und von 14.30 Uhr an.
Groß-Gerau. Kinderschutzbund: Beratung von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr, Mainzer Str. 12, Tel. 0 61 52 / 8 24 24, psychologische Beratung: Tel. 0 61 52 / 4 02 89.
Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche: 9 bis 12 und 13 bis 16 Uhr, Adolf-Kolping-Str. 38, Tel. 0 61 52 / 78 98.
Amtsärztlicher Dienst: Besuchszeit 7.30 bis 11.30 Uhr, im Kreisgesundheitsamt, Tel. 0 61 52 / 12-206.
Diakonisches Werk: Lebensberatung, von 9 bis 12 Uhr, Oppenheimer Straße 4, Telefon 0 61 52 / 78 35.
Kreisjugendamt: Sexualberatung, 8 bis 12 Uhr, Landratsamt.
Rüsselsheim. Caritas: Beratung für Suchtkranke, 8 bis 12 Uhr, Freiligrathstraße 10; Sprechstunden des Caritas-Verbandes in der Waldstr. 34, 9 bis 12 u. 15 bis 16.30 Uhr, und nach telefonischer Anmeldung (Tel. 0 61 42 / 6 21 09).
Pro Familia: Beratung 9 bis 15 Uhr, Lahnstraße 30, Telefon 0 61 42 / 1 21 42.
Verbraucherberatung, Marktstr. 29, 9 bis 13 und 14.30 bis 17.30 Uhr, Tel. 0 61 42 / 6 32 68.
Kreuzbund-Selbsthilfegruppe, 19.30 Uhr, Caritas, Freiligrathstraße 10 und in der Altentagesstätte St. Christophorus, Waldweg.
Wildwasser-Beratungsstelle für sexuell mißbrauchte Mädchen und Frauen, Haßlocher Straße 150, 10 bis 12 Uhr, Telefon 0 61 42 / 56 15 53.
Rhein-Main. Fluglärmbeschwerdestelle des Rhein-Main-Flughafens, Tel. 0 69 / 6 90 22 00. Frauenhaus-Initiativen Groß-Gerau. Haus für mißhandelte Frauen und Kinder, Tel. 0 61 52 / 3 99 77.
Raunheim/Rüsselsheim. 0 61 42 / 4 63 89.
(Ohne Gewähr)
KÖNIGSTEIN. Das Wahlamt der Stadt sucht für die Kommunalwahl am 7. März noch Wahlhelfer. Interessenten, die das 18. Lebensjahr vollendet haben müssen, können sich im Wahlamt, Burgweg 5 a, oder telefonisch unter der Rufnummer 2 02-2 38, 2 02-2 77 oder 2 02-2 70 melden. ki
NEU-ANSPACH. Auf das Bad Homburger Energieunternehmen Lahmeyer dürften erhebliche Regreßforderungen wegen der Biogas-Pleite auf der Deponie Brandholz zukommen. In zwei Wochen wird der Landesrechnungshof seinen Prüfungsbericht abgeschlossen haben - das Ergebnis steht schon fest: Der "Zuwendungszweck" ist nicht erreicht, das Land wird zwei Millionen Mark zurückfordern. Lahmeyer wiederum, das rund neun Millionen investierte, will sich am Umlandverband schadlos halten.
Nach Angaben des Umweltministeriums wurden neun hessische Biogas- Verstromungsanlagen mit fast zehn Millionen Mark gefördert. Lediglich eine davon, Buchschlag in Dreieich, funktioniert - und selbst das nur leidlich. "Wenn gewichtige Gründe dafür sprechen, daß die Gelder falsch verwendet wurden, werden wir das Umweltministerium auf Möglichkeiten zur Rückforderung hinweisen", sagt Rechnungshof-Pressesprecher Alexander Skipsis.
Zur Zeit wartet das Ministerium auf das Gutachten; Sprecherin Renate Gunzenhauser zufolge wären die Ingenieurbüros eine mögliche Adresse von Rückforderungen: "Dafür müßten sie aber fahrlässig gehandelt haben."
Für Brandholz wird der Beweis der Fahrlässigkeit schwerfallen. Statt der vorausgesagten 1000 Kubikmeter Gas pro Stunde strömen hier nur durchschnittlich 200 Kubikmeter. Dies hatte ein Schweizer Meßtechniker im Sommer festgestellt - mit einer Meßmethode, die es zur Zeit der Gasprognosen noch gar nicht gab. Das in den Korruptionsskandal verwickelte Ingenieurbüro Niklas, das das Gutachten erstellte, konnte es also nicht unbedingt besser wissen: Regreßforderungen an Niklas dürften nur schwer durchzusetzen sein. Ganz im Gegensatz zu Forderungen an den Umlandverband, der die Verstromungsanlage 1991 vom Hochtaunuskreis übernommen hatte. Ursprünglich war ein Vertrag zwischen dem Kreis und Lahmeyer geschlossen worden: Lahmeyer betreibt die Verstromung, der Kreis stellt das Gas. Weil die Deponie sich jetzt aber als zu schwach auf der Brust entpuppt, pocht Lahmeyer auf finanziellen Ausgleich.
Der stellvertretende technische Leiter von Lahmeyer, Johannes Krämer, verweist auf "laufende Verhandlungen mit dem UVF". UVF-Sprecher Bernd Röttger jedenfalls sieht Regreßansprüchen "gelassen" entgegen. Voraussetzung dafür sei, daß die Anlage überhaupt nicht in Betrieb gehen könne: Darüber sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. JÜRGEN DICKHAUS
BAD HOMBURG. "Ananas" im Kultur- und Jugendtreff E-Werk, aber es geht nicht um Obstsalat, sondern um fetzige Musik. Die Band aus Langen stellt sich am Freitag, 22. Februar, erstmals im hiesigen Raum vor. Zu erwarten stehen Rock und Underground-Pop mit eigenen deutschen Texten. Einlaß in der Wallstraße ist um 20 Uhr. Als Honorar erhält die Band lediglich die Eintrittsgelder (pro Kopf fünf Mark).
Einen Humordetektor demonstriert "Xangxverein" am Freitag, 29. Januar, ab 20.30 Uhr im Musiklokal Gambrinus gleich am Bahnhof. Vor, während und nach der Vorführung des Detektors spielt die Musikkapelle "Xangxverein".
OBERURSEL. Zwei Gitarren und ein Saxophon sind das Chamber-Jazz-Ensemble, das am Donnerstag, 28. Januar, 20 Uhr, in der Alten Post spielt. Bei der Volkshochschulveranstaltung in der Reihe SPIELart treffen unterschiedliche Stilrichtungen aufeinander: Uli Stüting -Hilper (Jazz), Bastian Fiebig (Rock) und Fabian Payr (Klassik/Folk) sorgen für kontrastreiche Klangkombinationen: eine Musik zwischen allen Stühlen und Stilen.
Lyrischer Cool-Jazz, Latin- und Folkelemente kennzeichnen die Musik des Trios, das auch klassische Musik bearbeitet hat.
Karten gibt es im Vorverkauf der VHS, Obrhöchstadter Straße, und an der Abendkasse.
KRONBERG. Zu "effeff" (Freitagsfun) im Recepturkeller gibt es morgen, 22. Januar, 20 Uhr, wieder Karaoke: Die Fans können die Lieder ihrer Stars singen, die Töne gibt es vom Band, die Stimme muß jeder mitbringen. Kalle Kaspers wird die Teilnehmer in diese Form des japanischen Gesangs einführen.
Am Samstag, 23. Januar, swingt es ab 20 Uhr in dem Keller, die "Happy Oldtime Swingers" machen Musik. Die Band spielt schon seit 1974 in der Frankfurter Jazzszene mit. tom / nau
Wäre ich ein Mitglied der Mafia, ich hätte in der Bundesrepublik Deutschland die perfekte Tarnung gefunden. Student, ab und an als Journalist unterwegs, kastanienbraune bis dunkelblonde Haare, charmant-vertrauenserweckendes Auftreten, eine überdurchschnittlich große Statur, kein Akzent.
Gewöhnlich gehe ich bei den meisten als Deutscher durch, der irgendwoher ist, nur nicht aus Frankfurt. Der Stadt, in der ich seit nunmehr 18 Jahren lebe. Mir fehlt einfach die "franforterischee" Atemtechnik, ansonsten bin ich durch und durch normal; ein Frankfurter allemal.
Gerate ich mit Deutschen zusammen, merken die erst, daß ich aus Italien komme, wenn ich mich nach Rosa-von-Praunheim-Manier selber oute. Die Dialoge hören sich dann so an: "Ach was, das hätte ich aber nicht gedacht! Woher bis du denn?" Ich sage: "Geboren wurde ich im Nordosten Siziliens in einem kleinen Ort im Provinzgebiet um die Hafenstadt Messina. Der Ort heißt Tortorici. Die Gegend gehört zur einzigen grünen Lunge der Insel. Von dort wollten meine Eltern eigentlich nicht. . ." Und so weiter, und so fort.
Ich breche ab, wenn die folgende Grimaase erscheint: Mein deutscher Gesprächspartner bewegt seine Mundwinkel nach oben, öffnet seine Augenlieder, als hätte er gerade eine wundersame Erscheinung der dritten Art erblickt, dann fällt wie aus der Pistole geschossen die Frage, von der er glaubt, sie sei der witzigste Einfall, den ich je gehört habe: "Mafia-Mitglied, was?"
Am meisten Spaß macht es mir aber, wenn vorher über Ausländer hergezogen wurde. Plötzlich haben die, die sich rassistisch geäußert hatten, kaum noch Mut, sich an der weiteren Diskussion zu beteiligen. Wer kann es ihnen verdenken? Ich ergreife jedenfalls sogleich die Gelegenheit beim Schopfe (ach, wie liebe ich diese deutschen Sprachhülsen) und tue meinem missionarischen Eifer in Sachen multikulturelle Gesellschaft Genüge. Das überzeugendste Argument bin schließlich ich selbst.
"Warum regst du dich eigentlich so auf? Du warst doch gar nicht gemeint. Italiener sind sowieso keine Ausländer für uns." Ich rede mir den Mund fusselig, operiere mit Begriffen wie "multikulturell", "Toleranz" und "konstruktive Konfliktbereitschaft", versuche zu vermitteln, daß es doch keine "besseren" oder "schlechteren" Ausländer geben kann.
So rede ich in Gegenwart von Deutschen stets selbstverständlich von "wir" oder "uns", obwohl ich rechtlich dem Ausländergesetz unterworfen bin. Genauso geht es mir, wenn ich in einer Runde zusammensitze, die nur aus Ausländern besteht. "Wir" oder "uns" meint hier dann eben die Ausländer oder die Italiener, je nachdem. Wir nichtdeutschen Einheimischen tun uns mit der Unterscheidung dieser Begriffe selten schwer.
Und außerdem: Wie soll ich mich denn bezeichnen? Ein Italiener bin ich genauso wenig wie ein Deutscher, obwohl oder gerade weil ich beide Sprachen fließend spreche. Ich denke in beiden Kulturen und träume mal auf deutsch, mal auf italienisch, mal auf sizilianisch. - "Dann bist du halt ein getürkter Italiener!"
Vor wenigen Jahren noch waren wir Italiener die Ausländer schlechthin. Als ich 1975 in Deutschland eingeschult wurde, war "Spaghetti-Fresser" die harmloseste Beschimpfung, die ich täglich hörte. Ich nahm es mit Humor und zahlte stets mit gleicher Münze heim: "Kartoffel- Fresser."
Heute sind wir damit sogar zu Stars in Werbesendungen aufgestiegen: Oder haben Sie noch nicht mitgesungen bei der einfallsreichen Werbung für "pasta, pasta, Maggi, Maggi, pasta, pasta" oder genüßlich zugeschaut beim romantischen "Pizza de deux" von Dr. Oetker? Die Kosmetikindustrie treibt es viel bunter. Sie erhebt uns bald zu Helden: Für eine Hautmilch darf ein italienisch aussehender "barista" in der Eisdiele, wo sonst, mit schmalziger Softi-Stimme "Mamma mia" sagen!
Damit nicht genug: Da gibt es in Bonn tatsächlich die gefürchtete Toscana-Fraktion, bestehend aus lauter prominenten deutschen SPD-Mitgliedern, die Urlaub auf dem Bauernhof gern mit Politik verbinden. Cosa-Nostra-feeling mal ganz anders.
Tja, das Land wo die Zitronen blühen - es war dereinst Symbol für zivilisatorische Rückständigkeit und geistige Armut. Heute ist das anders: Wir sind das Land der Mode, des Designs, des temperamentvollen Latin Lovers, des sympathischen politischen Chaos', das immer "all'italiana" endet: unbeschwert und voller Optimismus. FRANCO FORACI
LONDON. Walter Richard Sickert, Englangs bedeutsamster Impressionist, dessen Gemälde (doch nicht seine Zeichnungen und Graphiken) die Londoner Royal Academy fünfzig Jahre nach seinem Tode (am 22. Januar 1942) diesen Winter in einer etwas verspäteten Gedenkausstellung darbietet, ist bei uns so gut wie unbekannt, obwohl er 1860 in München geboren wurde, wo sein Vater, ein Künstler von dänisch-deutscher Abkunft, damals für die "Fliegenden Blätter" arbeitete. Mit acht Jahren kam er nach England, woher die Mutter stammte. Dieser übernationale Hintergrund hat ihm die Fähigkeit mitgegeben, England von innen und doch mit Abstand zu beobachten.
Wichtiger als Deutschland wurde für ihn Frankreich, nachdem er durch James Whistler seinen Lehrmeister Edgar Degas in Paris kennengelernt und sich die lockere Lebendigkeit der Impressionisten zueigen gemacht hatte. Gleich Degas und Toulouse-Lautrec war er, der als Schauspieler begonnen hatte, vom Theater fasziniert und besonders von der volkstümlichen englischen Musci-Hall mit ihren Gesangsstars und Tanzgirls - einem Motivkreis, den der konservative Kunstgeschmack im viktorianischen England als unfein empfand. Auf ähnliche Vorurteile sind seine oft unkonventionellen Motive und Malmethoden lange gestoßen.
Sickert aber meinte: "Geschmack ist der Tod eines Malers", und suchte sich noch schäbigere Motive in den Elendsbereichen des Alltags, die er mit verhaltenem Pathos und düsterer Palette darstellte. Einem Gemälde nach einem damals sensationellen Frauenmord im Stadtteil Camden Town, wo er selber wohnte, gab er als zweiten Titel: "Wo nehmen wir die Miete her?", so daß er mit diesem Bilde - wie mit vielen andern - soziale Fragen aufwarf und im Schnappschuß eine ganze Geschichte zusammenfaßte.
Schwarzweiße Schnappschüsse aus Zeitungen hat er - lange vor Pop-Artisten wie Andy Warhol - gern als Vorlagen benutzt, obwohl das gegen die akademischen Regeln der Kunst verstieß, und sie durch Farben und betonende Veränderungen zu durchaus malerischen Kunstwerken umgeformt, mit denen er die Bedeutung der Szene ausleuchtete.
Durch seine aktive Rolle in verschiedenen Künstlergruppen hat er erheblichen Einfluß gewonnen, der auch noch bei Malern wie Francis Bacon zu erkennen ist. Charakteristisch für die Sicherheit und Sorgfalt seiner Kunst sind raffinierte Blickwinkel und subtile Lichteffekte inmitten überwiegend gedämpfter Farbtöne, auch bei Straßenbildern aus Venedig.
Die besten seiner Gemälde sind nicht weniger lebendig und stark als die der französischen Pioniere. Nur weil er nicht in vorderster Linie künstlerisches Neuland entdeckt hat wie sie, fällt es schwer, Sickert zu den großen Malern zu zählen.
JULIAN EXNER
Sickerts Gemälde sind in der Londoner Royal Academy bis 14. Februar zu sehen, danach im Amsterdamer Rijksmuseum Vincent van Gogh vom 25. Februar bis 31. Mai.
Die Gedenkstätte Breitenau in Guxhagen (Schwalm-Eder-Kreis) ist ab sofort auch sonntags, von 10 bis 16 Uhr, geöffnet. Die ehemalige Klosteranlage, in der sich während der Nazizeit ein KZ und später ein Straflager befand, kann an Werktagen zudem von 9 bis 13 und 14 bis 16 Uhr besucht werden. Gruppen sollten sich unter Telefon 05665/3533 anmelden.
In einer Großgarage in der Moselstraße ist ein 53jähriger am Abend beraubt worden. Als sich der Mann gegen 20.30 Uhr auf dem Weg zu seinem Fahrzeug befand, trat der Täter auf ihn zu und verlangte Geld. Mit einem Griff in die Jakkentasche deutete er an, daß er eine Waffe dabei habe. Der eingeschüchterte Autofahrer gab ihm 140 Mark.
Bei der Ausfahrt bat der Überfallene den Pförtner, die Polizei zu alarmieren. Die konnte den Räuber kurz danach an der Kaiserstraße festnehmen. Er war unbewaffnet, hatte aber ein Gramm Heroin bei sich. Der 39jährige aus Taunusstein war in Frankfurt schon mehrfach wegen Drogenbesitzes aufgefallen. habe
SCHÖNECK. Die Erstellung eines Energiekonzepts für die Gemeinde, die Rücknahme der Straßenbeitragsbescheide für die Wedgassen-Anliegerschaft und verkürzte Wartezeiten für Fußgänger an Schönecker Ampeln beantragen die Grünen in der nächsten Sitzung des Gemeindeparlaments am Dienstag, 19. Januar, ab 20 Uhr im Bürgertreff Kilianstädten.
CDU-Anträge verlangen Bonusbeträge für selbstkompostierende Haushalte sowie einen neuen Akteneinsichts-Ausschuß, diesmal in der "Angelegenheit Wirth". Es soll dabei um Hypotheken auf von der Gemeinde erworbene Grundstükke gehen. Aus Gründen, die nach Ansicht von CDU-Fraktionschef Gerhard Denk noch zu klären sind, sind die Flächen nicht vereinbarungsgemäß bebaut worden. Die SPD stellt keine Anträge.
Beendet wird die Sitzung mit dem Bericht des Akteneinsichts-Ausschusses "Battanta" sowie der Vorlage zur Einbeziehung der Zeitkartentarife der Niddertalbahn in den FVV (s. dazu auch Artikel auf dieser Seite). Ul
Firmen verhandeln über Kindergarten-Beteiligung Versöhnungsgemeinde als möglicher Träger im Gespräch Von Eva Schultheis OBERURSEL. Die Verhandlungen sind zäh: Noch immer sind die vier Oberurseler Firmen NUR, Avis, Braas und Taunus-Textildruck mit der Stadt nicht einig, wie sie sich an dem geplanten Kindergarten An der Wiesenmühle beteiligen werden. Noch im Januar wollen die Firmenleitungen mit ihren Betriebsräten erneut über mögliche Beteiligungsmodelle diskutieren. Derweil hat die evangelische Versöhnungsgemeinde signalisiert, eventuell ihr Pfarrzentrum auf das Grundstück verlegen zu wollen. Die Gemeinde ist sehr an der Trägerschaft des neuen Kindergartens interessiert. Während des letzten Gesprächs zwischen der Stadt und den interessierten Firmen im November konnte noch immer kein Konsens über die Geldfrage gefunden werden. "Die Firmen haben wohl nicht erwartet, daß Kindergartenplätze so teuer sind", meint Sozialdezernent Gerd Krämer (CDU). Das Angebot der Stadt, die Firmen könnten sich an den Investitionskosten beteiligen und sich damit ein Belegungsrecht sichern, hat deshalb wohl keine Chance. "Das bindet den Unternehmen zuviel Kapital", zeigt Krämer Verständnis - kostet doch ein Kindergartenplatz in der Errichtung rein rechnerisch 35 000 Mark, und die Baukosten steigen ständig.
Bleibt die zweite Möglichkeit, daß sich die Firmen die gewünschten Plätze durch einen bestimmten monatlichen Beitrag sichern. 600 Mark pro Platz und Monat liegen nach wie vor als "Verhandlungswert" auf dem Tisch. Darin enthalten wären die Baukosten abzüglich der Zuschüsse, die die Stadt bekommen würde, sowie die laufenden Kosten. "Dieser Betrag ist allerdings noch strittig", sagt Krämer - den Firmen ist er schlichtweg zu hoch. "Bislang sind die Firmenleitungen nur zu einer jährlichen ,Spende&rquote; zur Kontingentsicherung bereit", gibt NUR-Betriebsratsvorsitzender Wilfried Reinhard den Verhandlungsstand wieder. Für ihn ist das nicht genug Entgegenkommen: "Die Firmen sollten sich an den Investitionen beteiligen. Die sind einfach nicht flexibel genug."
Die Betriebsräte haben sich inzwischen in München über mögliche Beteiligungsmodelle, die anderswo praktiziert werden, informiert. Darüber soll zwischen Firmenleitungen und Betriebsräten nun noch einmal diskutiert werden, bevor man sich wieder mit der Stadt zusammensetzt. Von solchen "unkonventionellen Möglichkeiten" (Krämer) erhofft sich auch die Stadt eine Lösung. Man habe inzwischen Kontakt mit dem Kreis aufgenommen, der die Zuschüsse des Landes für Kindergärten weiterverteilen muß, sagt Krämer. Er rechnet immer noch mit einem Baubeginn im Jahr 1994, "wenn alles optimal läuft".
Vielleicht wird das Bauvorhaben an der Wiesenmühle sowieso viel größer als geplant: Mittlerweile hat sich die evangelische Versöhnungsgemeinde Weißkirchen-Stierstadt bei der Stadt gemeldet, die bereits ganz in der Nähe des geplanten Bauplatzes ihren Kindergarten und Hort betreibt. Sie würde gern auch den neuen Kindergarten An der Wiesenmühle unter ihre Verwaltungs-Fittiche nehmen: "Wir sehen den neuen Kindergarten als Ergänzung, nicht als Konkurrenz", betont der Pfarrer und Kirchenvorstandsvorsitzender Ralf-Andreas Gmelin.
Der Gemeinde schwebt dabei auch ein Austausch von Kindern und Erzieherinnen vor. "Wir haben doch schon die nötigen Erfahrungen mit der Ganztagsbetreuung", sagt Gmelin - der Bedarf wäre sowieso da: die Wartelisten für den Versöhnungs-Kindergarten sind lang. Und da das jetzige, 1958 gebaute Gemeindezentrum räumlich äußerst beengt auf einem "handtuchschmalen" Grundstück liegt, erwägt die Gemeinde auch, Pfarrhaus und Gemeindezentrum an die Wiesenmühle zu verlegen. "Aber wir müssen das erst mal finanziell durchspielen, da ist noch gar nichts entschieden", betont Gmelin.
Die Stadt ist jedenfalls bereit, die Gemeinde in die Planungen miteinzubeziehen: "Der Kindergartenbau und die mögliche Verlegung des Gemeindezentrums sind nicht gekoppelt", sagt Krämer, "aber wenn wir anfangen zu bauen und die Gemeinde hat sich noch nicht entschieden, halten wir ihr sowohl die Möglichkeit für eine Trägerschaft als auch für die Verlegung des Gemeindezentrums offen."
jetzt, da alles zu spät ist, kann ich es ja zugeben: Ich habe mich jahrelang klammheimlich mit fremden Federn geschmückt. Ich bin stolzer Besitzer des "Berlin-ABC" gewesen - seit Mitte der 60er Jahre. Es war das einzige Lexikon der Nachkriegszeit, herausgegeben von einem Wissenschaftler der Freien Universität, der später zu einer Sekte abgedriftet ist. Der 800-Seiten-Band erschien damals in ganz kleiner Auflage und wurde nie wieder aufgelegt. Nicht einmal antiquarisch war er noch zu bekommen.
So wurde das "Berlin-ABC" zur Legende. Wer es besaß, durfte eins aufrücken. Wenn ein Leser anrief und beispielsweise nach der Geschichte des Kronprinzenpalais fragte, in dem künftig die Bundespräsidenten residieren werden, konnte man mit der freien Hand zum Lexikon greifen und sogleich Auskunft geben: "Unter den Linden gegenüber dem Zeughaus. Friedrich Wilhelm I erwarb das Grundstück 1732, ließ Johann Philipp Gerlach ein schon vorhandenes zum Palais ausbauen und schenkte es dem Kronprinzen." Wenn ein Kollege sich mit der Frage meldete, wer 1955 Kunstpreisträger des Landes Berlin in der Sparte Musik gewesen sei, konnte man nach ein paar hinhaltenden Worten beiläufig fallen lassen: "Sergiu Celibidache natürlich." So konnte man Eindruck schinden, und ich habe Eindruck geschunden, nach bestem Wissen und mit Gewissenlosigkeit. Bloß, die Sache hatte einen Haken: das legendäre "Berlin-ABC" veraltete mit den Jahren immer mehr. Immer häufiger mußte ich rasche Antworten schuldig bleiben. Mancher mag sich gedacht haben: Der Kerl wird alt; aber es lag nicht nur an mir, sondern auch am "Berlin-ABC". Deswegen legte ich mich ab 1985 in die Ohren des damaligen Regierungssprechers mit der eindringlichen Bitte, zur 750-Jahr-Feier der Stadt im Jahre 1987 nicht nur bibliophile Kostbarkeiten zu zelebrieren, sondern das Berlin-Nachschlagewerk neu aufzulegen.
Rückblickend mag dies damals ein Vorgriff auf die Zukunft gewesen sein. Denn mit dem Fall, mit der Rück-, Neu- oder Wiederentdeckung des jeweils anderen Teils der Stadt wuchs erst richtig das Bedürfnis nach einem einigermaßen gesicherten Basiswissen. Nun ja, es hat geklappt. Das neue "Berlin-Handbuch - Lexikon der Bundeshauptstadt" ist seit dieser Woche da. Die Hälfte der Erstauflage von zehntausend Exemplaren hat die Stadtregierung gleich aufgekauft: Sie gehen an Botschaften, Goetheinstitute, Bundestagsabgeordnete und andere höhere Chargen, die andere Hälfte kommt für 128 Mark in den Buchhandel.
Es ist ein fürwahr voluminöses Werk geworden, mit knapp drei Kilo Gewicht viermal so schwer wie das "Berlin-ABC" von anno dunnemals. "Der Wälzer zur Stadt" meint der Verlag selbstironisch dazu: 1550 Seiten, 1440 Stichworte, in der Tat die "erste systematische und umfassende Bestandsaufnahme des vereinigten Berlin". Selbst die letzten Bezirkswahlen vom Mai vorigen Jahres sind noch aufgeführt. Ohne Selbstbescheidung nennt es der von Seiten der Stadtregierung verantwortliche Projektleiter Ernst Luuk "ein Jahrhundertwerk."
Ob der Mund nicht zu voll genommen wurde, wird die praktische Arbeit zeigen müssen. Nicht nur Journalisten brauchen saubere Daten. Insofern freue ich mich über das neue Lexikon. Die Sache hat einen Haken: Als einer der vergleichsweise wenigen Besitzer des "Berlin-ABC" war ich ein kleiner Informations-König, das neue Nachschlagewerk wird Hinz und Kunz haben. Den Vorsprung, den ich hatte, habe ich selbst mit beseitigt. Man kann sagen: Blinder Eifer schadet nur. Aber vielleicht ist es so demokratischer, und wenn in dem neuen Handbuch ein Fehler sein sollte, machen ihn alle in eigener Verantwortung.
OTTO-JÖRG WEIS
Die nächsten beiden Jahre ist der Arbeitsplatz von Erich Iltgen gesichert. Der 52jährige Dresdner Christdemokrat ist Präsident des Sächsischen Landtags. Was aber nach der Wahl 1994 kommt, ist ungewiß: "Wenn ich nicht wieder in den Landtag gewählt werde, wende ich mich ans Arbeitsamt und suche mir einen Job."
Grund dafür, daß der Präsident jetzt häufiger seine Gedanken auf die eigene Zukunft richtet, ist das Landeswahlgesetz, das derzeit im Innenausschuß schmort. In der vor einem Jahr verabschiedeten Verfassung hatten sich die sächsischen Landtagsabgeordneten eine Schrumpfkur verordnet: Das Parlament soll von 160 auf 120 Sitze verkleinert werden. Im Landeswahlgesetz, das im Sommer fertig sein wird, soll das Procedere festgeschrieben werden. Besonders spannend: Wie viele Wahlkreise und Listenplätze wird es geben? CDU-Fraktionschef Herbert Goliasch ist jetzt schon sicher: "Wenn das Gesetz steht, wird bei uns das Gerangel losgehen. Niemand hat Pfründe. Die Karten werden völlig neu gemischt."
Egal, wie das Gesetz im Detail aussehen wird: Leidtragende wird die CDU- Fraktion sein, die 1990 die absolute Mehrheit mit 53,8 Prozent erreichte, alle 80 Wahlkreise einsammelte und mit 93 Abgeordneten in den Landtag einzog. Sie wird bluten. CDU und SPD werden sich auf eine Aufteilung von 60 Wahlkreisen und 60 Listenplätzen verständigen. Also verliert die Union schon einmal 20 Mandatsträger. Dazu kommt, daß in der CDU niemand mit der Wiederholung des Traumergebnisses von 1990 rechnet. 40 bis 45 Prozent schätzen einige, "irgend etwas mit einer drei vorne", argwöhnen Skeptiker. "Wenn es ganz dicke kommt", prognostiziert einer, "müssen sich 60 der jetzt 92 CDU-Abgeordneten etwas anderes suchen."
Zwei Jahre vor der Wahl ist es unruhig in Sachsens CDU geworden. Die meisten Minister, 1990 von Kurt Biedenkopf ins Kabinett berufen, wollen sich über einen Wahlkreis oder Listenplatz absichern und drängen auf den eng werdenden Markt. "Offiziell", so Fraktionssprecher Christian Hoose, habe noch niemand einen Anspruch angemeldet. Aber Gerüchte kursieren, es gebe schon ein Gedränge um die um Dresden herum entstehenden Wahlkreise.
Auch das Kreisreformgesetz, das ebenfalls vor dem Sommer fertig sein soll, wird dafür sorgen, daß die jetzigen Mandatsträger um ihre Plätze fürchten müssen. Nach der Halbierung der Landkreise werden arbeitslos gewordene Landräte auf ein Landtagsmandat schielen - und die sind wegen ihrer Nähe zum Wahlvolk eine ernstzunehmende Konkurrenz.
Für 1994 geht die CDU zudem von einem härteren Wahlkampf in den Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz aus. Gerade Leipzig mit seinem populären Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube (SPD) dürfte eine kaum zu knackende Bastion werden. Dort will Fraktionschef Goliasch antreten: "Ich wäre feige, wenn ich es nicht täte", gibt er sich kämpferisch - das darf er auch, kann er doch mit einem guten Listenplatz rechnen. Anders dürfte es Volker Schimpf ergehen, einem deutschnationalen Exoten aus Leipzig, der mit markigen Sprüchen und mitunter schwarzrotgoldenen Hosenträgern auffällt: "Der kann die Koffer packen", heißt es in der Union.
Schwierigkeiten wird auch Erich Iltgen bekommen. Er wird das Vergnügen haben, in Prohlis, einem Plattenbauviertel im Dresdner Süden, seinen Wahlkampf zu bestreiten. Rosige Aussichten hat der als Leistungsträger geltende Landtagspräsident nicht; er müßte deshalb auf der Landesliste gut plaziert werden. Ebenso Heiner Sandig, der sächsische Ausländerbeauftragte, der in dem heruntergekommenen Stahlort Riesa antreten muß.
Wer auf die Landesliste kommt, wird auf dem CDU-Wahlparteitag festgelegt. Goliasch: "Es gibt 15 bis 20 Härtefälle in der Fraktion." Auf den vorderen Plätzen werden sich sicherlich neben Biedenkopf, Goliasch und dem stellvertretenden CDU- Chef Fritz Hähle die Minister Heinz Eggert, Georg Milbradt, Steffen Heitmann oder Kajo Schommer wiederfinden. Die meisten von ihnen werden die Liste brauchen; denn die als sicher geltenden schwarzen Wahlkreise in der Provinz werden sie kaum bekommen: Dort sitzen fest die Hinterbänkler. Befürchtet wird sogar, daß nach der nächsten Wahl "mehr Spreu als Weizen" in der CDU-Fraktion übriggeblieben sein könnte, wenn schlecht abgesicherte Leistungsträger in den Städten unterliegen und die "Fußgänger" (Goliasch) aus der Provinz Einzug ins verkleinerte Parlament halten.
Damit den Abgeordneten nicht noch zusätzlich Konkurrenz durch überlastete Kommunalpolitiker entsteht, will Goliasch im Gesetz festschreiben, daß Bürgermeister und Landräte kein Abgeordnetenmandat bekommen können. Daß dies auch für Minister gelten könnte, wie es einmal CDU-Mann Matthias Rößler nach Lektüre der "sächsischen Mao-Bibel", dem Biedenkopf-Werk Zeitsignale, angeregt hatte, hält Goliasch allerdings für ausgeschlossen.
Für einige Christdemokraten, so der Fraktionschef, beginnt ab Sommer 1993 ein "Trip ins Unbekannte". Erich Iltgen, ein besonnener Mann, der sich als Moderator des runden Tisches in Dresden einen Namen machte, denkt mit Grausen daran, daß er dann einen Wahlkampf "mit Hauen und Stechen" führen müßte. "Gegen Personen vorgehen? Daran denke ich mit einigem Unbehagen", sagt der ehemalige Bauamtsleiter des Bistums Dresden-Meißen. "Das liegt mir nicht."
"Kinder und Ältere" - neue Formen der Partnerschaft zwischen jung und alt werden am Donnerstag, 21. Januar, 17.30 Uhr, im Altenclub "Treffpunkt Rothschildpark" (Oberlindau 20) anhand von Frankfurter Beispielen diskutiert.
Teilnehmer: Uta Enders-Dragesser, Institut für Frauenforschung, Irmgard Rütten vom Institut für Sozialarbeit, Wolfgang Ziegelmayer (Kinderbüro), Hannelore Czermin (Babysitter-Vermittlung) und die Journalistin Erika Albers. clau
Ein wenig im Schatten der Frauen stehen sie schon, die Tischtennis-Spieler des TTC Assenheim. Angesichts der Erfolgswelle ihrer Kolleginnen, die unangefochten die Tabelle der Regionalliga anführen und der Zweiten Bundesliga entgegenstreben, sind die tischtennis-spielenden Männer des TTC jedoch keineswegs untätig und richteten ein hochkarätig besetztes Turnier für Zweier-Mannschaften aus. Leider lockten auch die Vertreter der Hessenliga-Teams TTC Dorheim und KSG Dortelweil nur wenige Besucher in die Halle. Das Kommen hätte sich gelohnt, denn es waren hochklassige und spannende Spiele zu sehen.
In der A-Konkurrenz dominierten die Spieler des TTC Dorheim und des TV Burgholzhausen, der mit den Spielern der zweiten Mannschaft (Erste Verbandsliga) antrat. In Gruppe A setzte sich das Dorheimer Gespann Hausner/Berg sicher vor den Burgholzhausenern Nowak/Weichwald durch, in Gruppe B dominierten die Dorheimer mit Ex-Bundesligaspieler Kirchherr/Geppert vor den Burgholzhausenern Schmitter/Ludwig.
Die Vertretung des gastgebenden Zweit-Verbandsligisten Stange/Barknecht konnte mit 1:8-Sätzen in Gruppe B nichts ausrichten. Ebensowenig kam in Gruppe A das Dortelweiler Duo Merz/ Gnisia zum Zuge, konnte lediglich die Mittelbuchener Schröder/Anthes besiegen. So kam es in den Halbfinals zu zwei Dorheim-Burgholzhausener Duellen. Die beiden Hessenliga-Teams setzten sich erwartungsgemäß jeweils mit 3:0 durch und standen sich im vereinsinternen Finale gegenüber. Dorheim II mit Frank Geppert und Torsten Kirchherr sicherte sich mit einem glatten 3:0 über die Vereinskollegen den Sieg. Auch in der B-Konkurrenz der Bezirksliga- und Bezirksklasse- Spieler dominierten die Dorheimer. Das Duo Margaroscan/Mandler setzte sich im Finale gegen Prokasky/Schmitt vom TC Dornbusch durch. Die C-Konkurrenz gewannen Dallwitz/Schultheis von der SG Bauernheim durch ein 3:1 über die Erbstädter Rose/Morick. ina
KREIS GROSS-GERAU. Eine Freizeit für sieben- bis elfjährige Kinder bietet in den Osterschulferien die Kreisjugendpflege an. Für 144 Mark Teilnehmerbeitrag können Jungen und Mädchen im Jugendferiendorf Ober-Seemen im Vogelsberg vom 17. bis 25. April unterhaltsame Tage verleben.
Anmeldeformulare sind bei der Kreisjugendpflege, Landratsamt, Wilhelm- Seipp-Straße 4, 608 Groß-Gerau, Telefon 0 61 52 / 1 24 50, anzufordern. Telefonische Anmeldung ist nicht möglich. cas
"Über Auschwitz wollen wir kein Gras wachsen lassen" - noch in diesem Winter präsentiert sich der "Verein zur Gründung der Stiftung Auschwitz" mit einer Ausstellung in der Frankfurter Georg- Büchner-Schule. Die geplante Stiftung wird ihren Sitz auch in Frankfurt nehmen; Pläne für ein Gebäude auf einem von der Evangelischen Dreifaltigkeitsgemeinde zur Verfügung gestellten Grundstück liegen vor.
"Auschwitz" im Stiftungsnamen steht einmal für die Realität des nationalsozialistischen Vernichtungslagers Auschwitz- Birkenau-Monowitz, zum anderen als Symbol für "die grausamsten Taten, die von Menschen an Menschen begangen wurden". Einer der Initiatoren ist der Kuhwald-Pfarrer Rudolf Dohrmann.
Man tritt dafür ein, die Lager als Mahn- und Gedenkstätten zu erhalten und die Erinnerung an "die mit diesen Namen verbundene Geschichte zu bewahren". Dabei soll auf den Vorarbeiten aufgebaut werden, die "Lagergemeinschaft Auschwitz", "Aktion Sühnezeichen", "Christlicher Friedensdienst", "Dokumentationswerkstätte Auschwitz" und andere seit Jahrzehnten geleistet haben.
Ferner soll Forschung ("Wie kam es zu Auschwitz, was war Auschwitz, wie ist Deutschland nach 1945 damit umgegangen?") betrieben, sollen Studiengruppen, Seminare, Kongresse gefördert werden. Im Frankfurter Sitz der Stiftung will man Bibliothek und Archiv unterbringen.
In der Ausstellung "Auschwitz - Das Verbrechen gegen die Menschheit", die schon einmal 1985/86 in New York gezeigt worden ist, werden in Bildtafeln Stamm- und Nebenlager dokumentiert. In Vitrinen sieht man Zyklon-B-Büchsen, Haar und Asche der Ermordeten sowie ihre persönlichen Habseligkeiten. Dazu sind in Zeichnungen und Skulpturen "Formen der ästhetischen Verarbeitung des grauenvollen Geschehens" veranschaulicht.
"Die Ausstellung", so heißt es in der Ankündigung, "ermöglicht eine Annäherung an das von Deutschen begangene Menschheitsverbrechen".
In Frankfurt (nach Wiesbaden, vor Gießen und Stendal) wird die Schau vom 14. Februar bis zum 7. März dienstags bis sonntags zwischen 15 und 18.30 Uhr geöffnet sein. Morgens können Schulklassen kommen: Voranmeldung unter 77 29 66 oder 212-3 41 30 clau
NEUBERG. Die Neuberger CDU hat jetzt ihre 16 Köpfe zählende Kandidatenliste für die Gemeindevertreterwahl am 7. März der Öffentlichkeit präsentiert.
Die neue Fraktion wird sich nach dem Urnengang mit fast ausschließlich neuen Gesichtern präsentieren.
Nur noch Jochen Kettwig, der Spitzenkandidat, wird darin vertreten sein, nachdem Bruno Steinkrauss und Margret Wauer abgewunken haben. Unter den ersten sieben Anwärtern findet sich gerade eine Frau.
Wie der örtliche CDU-Vorsitzende und Nachfolger von Walter Brandenburg, Gernot Wauer, bei der jüngsten CDU-Versammlung einräumte, hat sich die Union, die bislang fünf Mandate innehält, auch für die kommende Legislaturperiode bereits mit der Oppositionsrolle abgefunden. Angestrebt werde allerdings, die satte absolute Mehrheit der Sozialdemokraten anzuknabbern.
In ihrem Wahlprogramm fordern die Christdemokraten die Einstellung eines Sozialarbeiters, ein umfassendes Konzept zur anstehenden Unterbringung weiterer Asylbewerber, Gebührenanpassungen zum Abbau der gemeindlichen Defizite und die Ausweisung neuer Gewerbegebiete. Für das Parlament kandidieren nach Jochen Kettwig: Hans Lange, Gernot Wauer, Helmut Steinkrauss, Henning Mayer, Manfred Lotz und Monika Sandkuhl. hein
MAIN-KINZIG-KREIS. Für die Kommunisten im Main-Kinzig-Kreis hat der Neuberger Gemeindevertreter Werner Funk die jüngsten Wahlaussagen der FDP zum Thema Abfallbeseitigung kritisiert. Die Müllverbrennung stellt nach Ansicht Funks keine Lösung der Probleme dar, sondern wirft aufgrund der entstehenden Schadstoffe weitere auf. Außerdem laufe sie den Bemühungen des Getrenntsammelns und Recyclings zuwider.
Funk gibt an, daß bei der Verbrennung von 200 000 Tonnen Müll, die im Main- Kinzig-Kreis pro Jahr anfielen, 150 000 Tonnen Kohlendioxid und 430 Tonnen Stickoxide in die Luft geblasen würden. Beide Stoffe werden für den Treibhauseffekt und das Waldsterben mitverantwortlich gemacht. Außerdem würde ein Müllofen mindestens 62 Kilogramm des hochgiftigen Quecksilbers ausstoßen. hein
Stoff für die runde Hüfte
Er nennt sie "Venus", wenn die Dame eine Hüftweite von 110 bis 120 Zentimetern hat und wenn die Taille sich um die 100 Zentimeter erstreckt. Er hat entdeckt, daß man viel mehr gestalten kann, wenn es genug Figur zu bekleiden gibt. Ado Strube, Frankfurter Couturier, hat eine Kollektion eigens für die "Runden" entworfen. Auch seine Kundinnen streben zwar nach den Richtlinien der Haute Couture, geschaffen für die Größe 38. Aber sie sind vielfach zu gewichtig, als daß sie sich in Minimalformen pressen ließen.
Die Erfahrung des Modemachers: Die Damen vom Typ "Venus" leuchten gleich dem Abendstern in mildem Licht, haben zwar üppige Hüften, aber auch ein höchst ansehnliches Dekolletee, das es reizvoll zu enthüllen gilt. Der mollige weiße Arm, so trostspendend, wird gerne gezeigt, die Armansätze dagegen bleiben verhüllt.
Bei Ado Strubes Venus-Kollektion werden die schlank machenden, strekkenden Linien von keinem Gürtel geteilt; geschickt gesetzte Knöpfe, einseitige Drapierungen, betonende Stikkereien überspielen die angedeutete, nicht vorhandene Taille. Die diskreten Schlitze im 78 Zentimeter langen Rock zeigen neue Beinansichten.
Die runden Frauen, so Strubes Philosophie, leben anders in ihren Kleidern als die dünnen, die sich den Stoff nur über den Kopf ziehen. Sie brauchen Raum zum Auftritt und den Blickfang, die Allure, die vom Material des Stoffes, seinen Farben und dem Schnitt bestimmt wird. Derart aufwendige Textilien können sie sich in ihrem vorgerückten Alter zumeist auch leisten.
Auch eine "Rocktherapie" hat der Frankfurter Couturier entwickelt, weil es vielen Frauen so schwerfällt, vom Mini Abschied zu nehmen. Er hat Röcke der unterschiedlichsten Längen gearbeitet, vom glatten, sportlichen mit Knöpfen und Tasche bis zum extravaganten mit vielen bunten Säumen, an denen sich das Verhältnis zwischen Rocklänge und Bein ausprobieren läßt. Lang gewinnt bei diesen Beinproben. E - S
FRANKFURT A. M./BONN. Stephan Zimmer springt hinunter in den Müllberg auf dem Lauf-Band der Sortieranlage, hüpft hinein in ein Kuddelmuddel aus müffelndem Plastik, Alu, Blech und Papier, dem Inhalt unzähliger gelber Säcke. Das Band läuft leise weiter, und Zimmer, Recyclingmann bei einer osthessischen Abfallfirma, greift zielsicher nach einem Becher No-Name-Margarine, rupft den Deckel ab und strahlt: "Sehen Sie, blitzblank, sogar gespült", freut sich der Abfallexperte über das sicherlich übertrieben saubere Plastikbehältnis, "die Bürger sind besser als ihr Ruf."
Gelber Sack oder gelbe Tonne - in diesem Jahr, so hat es die Verwertungsgesellschaft Duales System Deutschland (DSD) versprochen, soll es sie überall in der Bundesrepublik geben. An vielen Orten ist es schon soweit, andere kämpfen noch mit vielschichtigen Problemen. Mal fehlen die Säcke (ausgerechnet die Verpackungsindustrie kam nicht nach), mal die Tonnen, mal spielte auch der Sturm dieser böigen Januartage dem Sammelverfahren einen Streich: Vom Winde verweht wurde da mancher durchsichtige Beutel mit seinem leichten Inhalt.
Daß es die Leichtgewichte in sich haben, zeigt der Blick in die DSD-Prognose: Von rund acht Millionen Tonnen Verpakkungsmüll sind zwar mehr als vier Millionen Glas - doch der Kunststoff mit seinem ungleich geringeren spezifischen Gewicht (aber größeren Volumen) bringt es immer noch auf ein bis 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr - die Kunststoffindustrie selbst spricht von nur 900 000 Tonnen. Diese Menge will die DSD einsammeln und später verwerten, wenngleich das im ersten Jahr nicht einmal annähernd klappen wird.
Damit sich das DSD nicht gleich zu Anfang des neuen System überfordert, müssen laut Bonner Gesetzgeber zum Beispiel nur 30 Prozent der Verpackungs- Kunststoffe erfaßt und davon wiederum nur 30 Prozent verwertet werden - was gerade mal neun Prozent oder rund 100 000 der 1,2 Millionen Tonnen ausmacht. Das DSD strebt zwar für 1993, so Martina Kreck, ein Sammelergebnis von 350 000 Tonnen an, weil aber (siehe Schokoladenpapier) hier und da mancher Verpackungsteil durchs Netz falle (zwischen zehn und 30 Prozent wird gerechnet), werde man schon deswegen wohl unter 300 000 Tonnen bleiben.
Gerade bei der Kunststoffverwertung aber bestehen noch andere Engpässe: Es gibt in der Bundesrepublik und im Ausland zwar derzeit 65 Firmen (sie befinden sich zum Teil auch im Ausland, nur 4 sind in Hessen), die sich mit den Resten der Wohlfahrtsgesellschaft befassen, doch die haben nur eine Verwertungskapazität von 127 000 Tonnen Kunststoffabfall, so Gabriela Blumschein-Grossmayer, Sprecherin der in Bad Homburg ansässigen Verwertungsgesellschaft für gebrauchte Kunststoffverpackungen (VGK).
Allerdings seien weitere 34 Firmen bereits vom TÜV, der den Unternehmen laut Verpackungsverordnung seinen Stempel aufdrücken muß, besucht worden, die bei der Regranulierung (dem heute meist üblichen, wegen des beschränkten Marktes aber kaum zukunftsträchtigen Verfahren) oder der Herstellung synthetischer Öle (auf Verfahren "rohstofflicher" Verwertung setzt die Industrie die meisten Hoffnungen) mitmischen wollen.
Bis zum Jahresende käme man dann auf ein Potential von 180 000 bis 280 000 Tonnen, aus dem dann neue Behältnisse, Möbelplatten, Profile, Pflöcke, Dachpfannen, Komposter oder Parkbänke geformt und rohstoffähnliche Stoffe gewonnen werden können, verspricht das Verwertungs-Unternehmen der Kunststoffindustrie. Weil, so ein Branchen-Intimus, der Aufbau der Verwertungskapazitäten aber nicht nachkommt, sind zentrale Zwischenlager für den sortierten, in - je nach Art - großen Säcken oder in Preßballen gepackten Wertstoff längst wahrscheinlich geworden.
Doch wo geht der gelbe Sack hin, wenn ihn das große Müllauto zu Hause abholte? In der Bundesrepublik betreiben die Abfuhrunternehmen an die 200 Sortieranlagen. Ein Beispiel aus Hessen: In vier Landkreisen, und zwar in der Wetterau, in Main-Kinzig, Vogelsberg und Fulda karrt die im osthessischen Eichenzell ansässige Peter Schad GmbH und Co. KG die gelben Säcke von 1,5 Millionen Einwohnern zusammen (wofür zusätzliche Fahrzeuge beschafft wurden). Drei eigene und drei von Subunternehmern betriebene, zum Teil erst seit wenigen Tagen arbeitende Sortieranlagen sollen künftig pro Einwohner und Jahr zehn Kilogramm Wertstoff aussortieren und in einen recyclingfähigen Zustand bringen.
Schon die ersten Sammlungen im Vogelsberg zeigten, so Stephan Zimmer, Leiter der Abfallwirtschaft bei Schad, daß solche Zahlen schnell übertroffen werden. Seine ersten Erfahrungen ließen ihn sogar an den Schätzungen über die Menge der auf dem Markt befindlichen Verpackungen zweifeln: Wahrscheinlich sei sie viel größer als offiziell angegeben.
Eine der Sortieranlagen befindet sich westlich von Hanau im Gewerbegebiet von Erlensee. Dort, wo früher der Müll aus den gemischten Wertstofftonnen auseinandergefriemelt wurde, stehen heute sechs Frauen und vier Männer am Band, um den Müll aus den gelben Säcken, die per Lastwagen nicht nur aus der Umgebung, sogar aus dem rund 60, 70 Kilometer entfernten Flieden bei Fulda stammen können, zu "entmischen" - künftig in drei Schichten, insgesamt bis zu 180 000 Tonnen im Jahr. Zwar steht in der Halle, in der niemand mit Atemmaske arbeitet, ein Müllgestank - doch der ist nicht so streng wie auf einer Deponie.
Die Arbeiter fischen zuerst die Folien (wozu auch der gelbe Sack selbst zählt) heraus, dann Becher, Flaschen, Schaumstoffe, Getränketüten, Aludeckel (die sollten besser zu Hause abgetrennt werden) - zum Schluß zieht ein Magnet Dosen heraus. Und in einen separaten Container fliegt der Rest - "Fehleinwürfe", zu stark verschmutzte oder undefinierbare Stoffe, Spraydosen, nicht aber etwa Batterien (sie haben im gelben Sack nichts zu suchen), die extra aussortiert werden.
Der Restmüll, das sind zur Zeit 25 Prozent der angelieferten Stoffe, geht auf die Deponie. Damit dieser Anteil möglichst klein bleibt, haben die DSD-Manager stets Ratschläge parat: "Schokoladenpapier", rät DSD-Sprecherin Martina Kreck, "sollten Sie sammeln und zu einem Bällchen knüllen" und erst dann in den gelben Sack werfen - sonst fällt der Wertstoff Aluminium womöglich auf dem Sortier- und Verwertungsweg an irgendeiner Stelle durch den Rost und landet doch noch auf der Deponie, wo er eigentlich nicht mehr hin soll.
Auf dem Hof des Sortierwerks in Erlensee stapelt sich der nun sortenreine Wertstoff - "das ist kein Müll", definiert Zimmer. Styroporsäcke mit 2,5 Kubikmeter Inhalt, Preßballen mit Tüten, Bechern, "Hohlkörpern" oder Folien lagern rund um die Halle. Ist eine Lkw-Charge komplett, das sind rund 15, 16 Tonnen, geht ein Fax an die von der Industrie bestimmten Verwerter. Binnen vier Wochen, längeres Lagern komme in Erlensee nicht in Frage, gehen die Gebinde auf eine letzte Reise: Becher nach Aichach bei Augsburg, Plastikbehälter ("Hohlkörper") nach Michelstadt im Odenwald oder nach Holland, sonst kaum verwertbare Mischkunststoffe zu einem Pilotprojekt nach Düren, Aluminium nach Düsseldorf, Getränkekartons nach Kreuzau in Rheinland-Pfalz, Weißblech zu Hoesch nach Dortmund.
Nur wenig in Hessen gesammelter Wertstoff bleibt auch in Hessen, und mit Hinweis auf den "Datenschutz" will VGK- Sprecherin Blumschein-Grossmayer noch nicht einmal etwas zu den Verwertungskapazitäten der hiesigen Firmen sagen. Nur eines ist ihr zu entlocken: "Nicht besonders gut" stehe es um das Verwertungsangebot im eigenen Bundesland, wenn es auch viele Anfragen gebe.
Fast der gesamte zusätzliche Gütertransport wird übrigens über die Straße abgewickelt. Zwar gebe es Gespräche mit der Bundesbahn, erzählt Recyclingexperte Zimmer, der glaubt, daß schon angesichts des Volumens die Verfrachtung auf der Schiene sinnvoll sei - "aber nicht, solange der Diesel nur eine Mark kostet".
STEPHAN BÖRNECKE
Kurz gemeldet
Selbstverteidigung für Frauen Einen neuen Selbstverteidigungskurs für Frauen bietet der Verein "Frauen in Bewegung" bis 4. März jeweils donnerstags von 18 bis 20 Uhr an. Informationen gibt es unter der Telefonnummmer 4 95 07 10. Amerikanischer Feiertag Am Montag, 18. Januar, bleiben das Amerikanische Generalkonsulat in der Siesmayerstraße 21 und das Amerika- Haus in der Staufenstraße 1-3 anläßlich des Feiertages "Martin Luther King's Birthday" geschlossen. Klingerschule informiert Die Klingerschule, eine Berufsschule mit beruflichem Gymnasium und Berufsfachschulen, informiert am Dienstag, 19. Januar, interessierte Eltern und Schüler über ihr Angebot. Beginn 19 Uhr in der Aula der Schule, Mauerweg 1. Litauen errichtet Honorarkonsulat Die Bundesregierung hat der Errichtung einer honorarkonsularischen Vertretung der Republik Litauen in Frankfurt am Main zugestimmt und Karl Rothenberger das Exequatur als Leiter dieser Vertretung im Range eines Honorarkonsuls erteilt. Der Konsularbezirk umfaßt die Länder Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Konsul Rothenberger wird am Montag, 18. Januar, von Bürgermeister Hans-Jürgen Moog in dessen Dienstzimmer zu einem Antrittsbesuch empfangen. Falsche Telefonnummer abgedruckt Die Telefonnummer des Gemeinnützigen Vereins zur Förderung der Internationalen Verständigung wurde durch ein Versehen falsch wiedergegeben. Die Rufnummer lautet richtig: 069 / 741 04 23.
Männer können ja so hilfsbereit sein, vor allem Frauen gegenüber, die scheinbar ein technisches Problem haben. So einer war auch an der Tankstelle anzutreffen, an der ich - zugegebenermaßen weil ich mir die Hände nicht schmutzig machen wollte - den Ölstand meines VW-Busses kontrollieren lassen wollte. Der Pächter der Anlage schritt zur Tat.
Nachdem er sich ein Weilchen vor dem Fahrzeug aufgehalten hatte, sah ich mich veranlaßt, ihn darauf aufmerksam zu machen, daß bei diesem Modell sich der Motor stets hinten befindet. "Weiß ich doch", sagte er, und gleich darauf kam von achtern die Aufforderung, doch die Klappe aufzuschließen. "Die ist für die Ladefläche", teilte ich ihm mit, "der Zugang zum Motor ist drunter." Ich öffnete ihm den Eingang (und hatte anschließend Schmutzfinger). Der nette Mann drehte den Verschluß des Öleinfüllstutzen auf. Aus Angst, er könne vielleicht den Ölstand per Streichholzlicht erforschen, erlaubte ich mir den Hinweis, der Ölmeßstab befände sich hinter dem Stutzen, dieser sei nur zum Einfüllen. Verlegenes Grinsen war die Antwort.
Und dann: Ob ich nicht doch die Heckklappe öffnen könnte, an den Stab käme er ja so schwer ran. Ich zählte bis drei, um Ironie gar nicht erst aufkommen zu lassen, und sagte, zwischen Ladefläche und Motorraum befände sich ein ziemlich dickes Männer können ja so hilfsbereit sein Blech, das ihm im Wege sein würde.
Er gab nach, pfriemelte den Meßstab raus, gemeinsam begutachteten wir den Schmierfilm und kamen beide zu dem Schluß: Es reicht noch.
Dies alles hat über den Daumen gepeilt solange gedauert, wie ich brauche, um nicht nur schmutzige Hände zu waschen, sondern zu duschen - und wird mir eine Lehre sein: Ich mach's nächstes Mal wieder selbst.
JULIANE KLUGLIN
Beim "Frankfurter Stadtentscheid" werden am Dienstag, 16. Februar, Schüler und Schülerinnen aus 26 Frankfurter Schulen den Sieger im Vorlesewettbewerb ermitteln. Die Schulen haben bereits Klassen- und Schulsieger verlesen.
Einen Vormittag lang müssen diese Jungen und Mädchen nun um die Wette lesen. Dabei kommt es auf das Verständnis des Textes und auf Lesetechnik an.
Der Sieger darf die Stadt dann im Landeswettbewerb vertreten. luf
Deutlich mehr Geld für die Hochschulen oder aber weitere Zulassungsbeschränkungen verlangt Frankfurts Universitätspräsident Klaus Ring angesichts weiter steigender Studentenzahlen. Die Hochschulen brauchten jetzt "Klarheit über die künftigen Rahmenbedingungen", schreibt Ring in seinem Rechenschaftsbericht für den Zeitraum von Oktober 1991 bis September 1992. Ring verweist dabei auf die allgemeine Erwartung von bald 40 Prozent Studierwilligen eines Altersjahrgangs. Heute schreiben sich 32 Prozent eines Jahrgangs ein.
Angesichts dieses erwarteten Ansturms gebe es nur die Alternative, die Hochschulen so auszustatten, daß sie die Studierenden dem "Standard der hochentwickelten Industrieländer" entsprechend ausbilden könnten, oder aber in "starkem Umfange weitere Zulassungsbeschränkungen" durchzusetzen. "Das Beharren auf dem Offenhalten der Universitäten bei sich weiter verschlechternder materieller Ausstattung kann kein Ersatz für Bildungspolitik sein", moniert Ring.
Der Unipräsident räumt in dem Rechenschaftsbericht zwar ein, daß auch die Universitäten selbst noch einen Beitrag zur Verbesserung ihrer Situation bringen könnten. Niemand dürfe sich aber darüber hinwegtäuschen, daß der "Spielraum sehr eng" geworden sei. Allein mit organisatorischen Maßnahmen für Lehrveranstaltungen und Prüfungen werde sich kein Durchbruch erzielen lassen. Gleichwohl hätten einzelne Fachbereiche ihre Hausaufgaben da noch nicht gemacht, gesteht Ring zu.
Insgesamt aber sieht der Hochschulpräsident die Johann Wolfgang Goethe- Universität in einem sehr guten Licht. Die Hochschule habe keinen Grund, mit ihren Leistungen in Forschung und Lehre Vergleiche zu scheuen. Zur bundesweiten Anerkennung ihrer wissenschaftlichen Leistungen verweist Ring auf die stattliche Zahl von Leibniz-Preisen für Frankfurter Hochschullehrer, die erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln sowie die zahlreichen Sonderforschungsbereiche und Graduiertenkollegs an der Universität. Für die Beurteilung der Lehre fehlten zwar entsprechende Kriterien, mehrere Fachbereiche hätten sich laut Wissenschaftsrat jedoch mit den kürzesten Ausbildungszeiten profiliert.
Gleichwohl zeigt Ring sich besorgt wegen der bundesweiten "Tendenz, die Leistungsfähigkeit universitärer Forschung in Frage zu stellen". Immer mehr qualifizierte Forschung werde in außeruniversitäre Einrichtungen verlagert. Der Anteil der Hochschulen am gesamten Forschungsbudget nehme kontinuierlich ab. Diese Entwicklung sei "alarmierend", weil sie die Arbeitsmöglichkeiten der Universitäten beständig einschränke und die notwendige Vielfalt der Grundlagenforschung gefährde. Ein Abbau der Grundlagenforschung aber vermindere die internationale Konkurrenzfähigkeit der wissenschaftlichen Institutionen und die Berufschancen der Studierenden. luf
Es herrscht wieder Krieg Die beiden feindlichen Gruppierungen MPLA und UNITA
Mit schweren Kämpfen in fast jeder größeren Stadt Angolas ist in den vergangenen Tagen der Bürgerkrieg in dem südafrikanischen Land praktisch wieder ausgebrochen. Einziges Hoffnungszeichen ist die Ankündigung, daß militärische Führer der Regierung und der UNITA-Rebellen sich in den nächsten Tagen zu Gesprächen über eine Waffenruhe treffen sollen, vermutlich in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abbeba. Frühere Versuche der UN, der USA und Südafrikas, um zwischen Präsident José Eduardo dos Santos von der regierenden MPLA und UNITA-Chef Jonas Savimbi zu vermitteln, scheiterten allerdings.
Seit Anfang Januar haben sich die Gefechte auf die meisten Provinzhauptstädte Angolas ausgebreitet, darunter Mbanza Congo in der nördlichen Zaire-Provinz, Luena in der Provinz Moxico im Osten, Menongue in der südöstlichen Provinz Cuando-Cubango und Huambo, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Süden. Die UNITA hat offenbar schwere Rückschläge hinnehmen müssen. Aber das "militärische Ende der UNITA", von dem anfangs der vergangenen Woche bereits die Rede war, ist nicht abzusehen.
Besonders blutig sind die Auseinandersetzungen in Huambo. Dorthin hatte sich Savimbi zurückgezogen, nachdem er der MPLA Wahlbetrug in den ersten freien Wahlen des Landes Ende September vorgeworfen hatte, obwohl offizielle UN-Beobachter den Urnengang als fair beschrieben hatten. Die Wahlen waren nach einem im Mai 1991 unterzeichneten Friedensabkommen zustande gekommen, das den 16jährigen Bürgerkrieg zwischen UNITA (Union für die vollkommmene Unabhängigkeit Angolas) und MPLA (Volksbefreiungsbewegung Angolas) beenden sollte. Der Krieg war ausgebrochen, nachdem Angola 1975 von der Kolonialmacht Portugal unabhängig wurde.
Die UNITA hatte bei den Wahlen 70, die MPLA 129 von 220 Parlamentsmandaten gewonnen. Aber in der getrennten Präsidentschaftswahl verfehlte Dos Santos knapp die für einen Sieg notwendige absolute Mehrheit. Der erneute Ausbruch des Krieges hat eine Stichwahl zwischen Dos Santos und Savimbi verhindert.
Die Regierung behauptete Anfang vergangener Woche, ihre Truppen hätten Huambo eingenommen und Savimbi aus seinem vorübergehenden Hauptquartier vertrieben. Der Rundfunk verkündete, Savimbi sei in das Nachbarland Zaire geflüchtet, das die UNITA im Bürgerkrieg unterstützte. Aber in einem Interview mit einem portugiesischen Fernsehsender behauptete Savimbi letzte Woche, daß er sich noch in Huambo befinde. "Ich bin an meinem Platz und bleibe hier", sagte er. Er sei bereit zu verhandeln, aber ebenso bereit, zu kämpfen, sagte der UNITA- Chef. Da das Interview per Satellitentelefon geführt wurde, konnte Savimbis Standort jedoch nicht festgestellt werden.
Sprecher der UN-Misson in Angola, die den Friedensprozeß überwacht hat, bestätigten dieser Tage, daß in Huambo weiter schwere Kämpfe wüteten. Hunderte von Leichen seien in der Stadt zu sehen, hieß es in Berichten aus Huambo.
Schwer umkämpft ist auch Menongue, da der Südosten des Landes für die UNITA besonders wichtig ist. Savimbi, der aus dem Süden kommt, verfügt hier über den stärksten Rückhalt in der Bevölkerung des Ovimbundu-Stammes. Die UNITA hatte im Laufe des Bürgerkriegs ihr Hauptquartier in Jamba, tief im Südosten in der Nähe der Grenze zu Namibia. Diese vergleichsweise sichere Basis wollen sich die Rebellen offenbar wieder schaffen. Die UNITA behauptete am Mittwoch, die Stadt Cuito Cuanavale östlich von Menongue erobert zu haben. Savimbi hatte im Dezember den Einsatz von UN-Friedenstruppen gefordert, um die Krise in Angola zu beenden. Der Weltsicherheitsrat war darauf jedoch nicht eingegangen. Die im Friedensabkommen von 1991 festgelegte Rolle der UN in Angola ist bis Ende dieses Monats befristet. Diplomaten bezweifeln, daß das Mandat verlängert werden wird, nachdem zahlreiche Vermittlungsversuche seit Anfang Oktober gescheitert sind.
Präsident Dos Santos hat Friedensgespräche in der Haupstadt Luanda gefordert. Aber Savimbi will sich nur außerhalb des Landes mit der MPLA treffen, nachdem bei Kämpfen Ende Oktober in Luanda eine Reihe von prominenten UNITA-Führern von der Regierung festgenommen wurden. "Ich bin jederzeit bereit, aber nicht in Luanda, unter keinen Umständen", sagte Savimbi vergangene Woche in einem Interview.
Savimbi hat seine Soldaten aus der geplanten Einheitsarmee für Angola zurückgezogen. Statt dessen besetzte die UNITA seit den Wahlen stillschweigend etwa 60 Prozent des Landes. UNITA-Parlamentarier haben ihre Sitze in dem im Dezember eröffneten Parlament nicht eingenommen. Als Kompromiß stellte Angolas Premierminister Marcelino Moco der UNITA einen Kabinettsposten und vier stellvertretende Ministerposten zur Verfügung. UNITA-Informationschef Victorino Hossi nahm seine Arbeit als Kulturminister auf und kritisierte die militärische Aggression der UNITA-Führung.
"Es ist bedauerlich, daß sich die Situation (in Angola) so verschlechtert hat", sagte der amtierende US-Außenminister Lawrence Eagleburger dieser Tage in Paris. "Wir haben Herrn Savimbi deutlich unsere Meinung gesagt, daß er die größte Verantwortung dafür trägt." Die USA und Südafrika hatten die UNITA im Bürgerkrieg gegen die von den Sowjets ausgehaltene MPLA mit Waffen und militärischer Hilfe unterstützt. Beide Länder betonen, daß sie diese Hilfe für die UNITA inzwischen aufgegeben hätten.
Angolas Regierung hat in den vergangenen Wochen allerdings behauptet, daß Südafrika die UNITA nach wie vor unterstütze. Es ist die Rede von weißen Söldnern, die sich in Zaire für einen Angriff auf Angola versammelten. Eine Reihe von Nachbarländern Südafrikas beschwerte sich im Dezember offiziell, daß südafrikanische Flugzeuge ohne Genehmigung in ihren Luftraum eindrungen seien. Es wurde spekuliert, daß es sich bei den Flügen um Lieferungen an die UNITA gehandelt habe. Südafrika wies die Vorwürfe jedoch zurück.
Der 16jährige Bürgerkrieg hat die Infrastruktur Angolas fast vollkommen zerstört und etwa 350 000 Menschenleben gefordert. Mehr als 500 000 Angolaner leben als Flüchtlinge in verschiedenen Nachbarländern, vor allem in Zaire. Angola verfügt über erhebliche Erdöl- und Diamantenvorkommen und gilt als eines der potentiell reichsten Länder Afrikas.
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Ökumenischer Altennachmittag FRIEDRICHSDORF. Zu einem ökumenischen Altennachmittag laden die Seulberger Kirchengemeinden für Mittwoch, 20. Januar, 15 Uhr, ins evangelische Gemeindehaus ein. Die katholiche Gemeinde gestaltet den Nachmittag. Ein Fahrdienst ist über das Pfarramt, Tel. 7 13 45, zu bestellen. Bibelabende FRIEDRICHSDORF. Eine ökumenische Reihe zum Johannes-Evangelium beginnt am Donnerstag, 21. Januar, um 20 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum in Köppern. Am gleichen Ort zur gleichen Zeit wird sie eine Woche später am 28. Januar fortgesetzt, am 4. Februar treffen sich die Teilnehmer im katholischen Gemeindezentrum Köppern. Hier ist für Samstag, 13. Februar, auch eine Ganztagsveranstaltung zum Abschluß der Bibelabende vorgesehen. "Wirtschaft und Moral"
BAD HOMBURG. Um "Wirtschaft und Moral" dreht sich ein Gesprächsabend der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in Gonzenheim am Donnerstag, 21. Januar, ab 20 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum. Das Einführungsreferat hält der Vorstandssprecher der Deutsche-Leasing-AG, Horst Figge. Die Feuerwehr versammelt sich
FRIEDRICHSDORF. Zur Jahreshauptversammlung lädt die Freiwillige Feuerwehr Burgholzhausen ein. Die Mitglieder treffen sich am Freitag, 22. Januar, um 20 Uhr im Feuerwehrhaus Webergasse.
Seulberg-Hongkong und zurück FRIEDRICHSDORF. "Seulberg-Hongkong mit der Eisenbahn" ist eine Tonbildreportage überschrieben, die am Sonntag, 24. Januar, um 17 Uhr im Bürgerhaus Köppern zu hören und zu sehen ist. Günter Holle, Geografielehrer an der Philipp- Reis-Schule, schildert seine 14 000 Kilometer lange Bahnreise von Friedrichsdorf an den Pazifischen Ozean im Sommer 1988. Karten für diese Veranstaltung des städtischen Kulturprogramms gibt es an der Informationsstelle des Rathauses und an der Tageskasse.
MÜHLHEIM. Als "goldrichtig" bezeichnet die Leiterin des Kulturamtes, Patricia Trautmann, die Entscheidung, die Kabarett- und Kleinkunstveranstaltungen im vergangenen Jahr in das Kino "Augenblick" verlegt zu haben. Weil sich dieser Veranstaltungsort bewährt hat, wird Kleinkunst auch in diesem Jahr wieder im Kino zu erleben sein.
Insgesamt bietet die Stadt ihren Bürgern 1993 genau 15 Veranstaltungen an, von denen acht im Roxy-Kino-Center, alle weiteren im Bürgerhaus stattfinden.
Gestartet wird das Programm am Mittwoch, 20. Januar, im Kino Augenblick mit dem Stück "Die respectable Gesellschaft", gespielt vom transparenten Theater Heusenstamm.
Am 10. Februar ist der Theaterverein der Stadtwerke Frankfurt mit seinem "Senioren Kabarett" im Kino zu Gast, Woody Allens "Spiel's nochmal Sam" wird am 10. März zu sehen sein. Heidi Kabel tritt am 17. März in dem Lustspiel "Oh diese Eltern" im Bürgerhaus auf, und am 24. März blödelt das Duo "Der Telök" wiederum im Kino.
"Mein Freund Harvey" ist am 31. März im Bürgerhaus zu sehen, das Mime Cabaret "Finke-Faltz" aus Berlin präsentiert am 28. April sein Programm "Vogelmogel" im Kino Augenblick. Die Kinder- Oper "Gretel und Hänsel" wird von der kleinen Oper Bad Homburg am 9. Mai im Bürgerhaus aufgeführt.
Als letztes Stück vor der Sommerpause präsentieren die "Mühlheimer Komödianten den Krimi "Wie in einem Spinnennetz", ebenfalls im Bürgerhaus.
Karten für die Veranstaltungen gibt es jeweils in den Vorverkaufsstellen Bürgerhaus, Telefon (601-180), Kultur- und Sportamt (601-600), Mühlheimer Buchladen (7 26 67), Frisierstubb Euler (7 10 17), Schülers Lädchen, (7 38 11) und im Kino "Augenblick" für alle Veranstaltungen im Kino (7 55 10).
Aufgelistet sind die Kulturtermine auch in einer kleinen blauen "Theater T(r)ip in Mühlheim" betitelten Broschüre, die es im Rathaus gibt.
Dort kann auch ein Fragebogen ausgefüllt werden, mit dem das Publikum um seine Meinung zur Zahl, Qualität und zu den beiden Spielorten Bürgerhaus und Kino befragt und zu Verbesserungsvorschlägen aufgefordert wird.
Nach der Sommerpause wird das Frankfurter Fronttheater am 5. und 6. Oktober in Mühlheim erwartet. Welche Titel die beiden aufführen, steht bislang allerdings noch nicht fest. pmü
USINGEN. Das "Zentrum für Weiterbildung" bietet wieder einen "Berufsorientierungskurs mit EDV" an. Der Lehrgang, der vom 1. Februar bis 24. Juli in der Schulungsstätte, Hattsteiner Allee 17, veranstaltet wird, richtet sich an Frauen, die erwerbslos sind oder sich nach einer Familienpause beruflich neu orientieren wollen. Der Kurs wird in Teilzeit von 8.30 bis 12.30 Uhr jeweils an vier Tagen in der Woche abgehalten.
Lehrinhalte sind neben der EDV auch Bürowirtschaft, Rhetorik, Bewerbungstraining und Betriebspraxis. Interessentinnen sind zu einer Informationsveranstaltung für Donnerstag, 21. Januar, um 15 Uhr in die Schulungsstätte eingeladen. Auskünfte erteilt ihnen jedoch auch das Frankfurter Zentrum für Weiterbildung unter der Telefonnummer 0 69 / 7 07 42 61. cn
In der Michael-Kaserne in der Elsenbornerstraße in Höchst werden im Sommer diesen Jahres 60 bis 80 Studenten einziehen. Diese Entscheidung ist jetzt bei einem Gespräch im hessischen Wissenschaftsministerium gefallen. An der Runde waren Vertreter der Stadt Frankfurt, der Oberfinanzdirektion, der Bundesvermögensverwaltung und der Wohnrauminitiative Frankfurt beteiligt. Der Einzug soll bis Juni oder Juli erfolgen, sagte der Sprecher des Wissenschaftsministeriums, Reinhard Raack.
Träger des Projekts ist die Wohnraum initiative Frankfurt. Sie hat nach Ansicht des Ministeriums bereits bei der Nutzung der ehemaligen sowjetischen Militärmission in Niederrad eine "sehr schätzenswerte Arbeit" geleistet. Die Initiative wird die Renovierungs- und Instandsetzungsarbeiten so weit wie möglich selbst übernehmen. Die Kosten von 400 000 bis 500 000 Mark übernimmt das Land. Als vorläufige Nutzungsdauer für die Kaserne ist ein Zeitraum von fünf Jahren vereinbart worden.
Jürgen Sievert vom Vorstand der Wohnrauminitiative zeigte sich sehr zufrieden mit der Entscheidung. Man werde nun gemeinsam mit einem Architekten und Handwerkern in der Kaserne überprüfen, "inwieweit wir unsere Vorstellungen realisieren können". Für komplizierte bautechnische Fragen wird gegebenenfalls die "Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung in Frankfurt" hinzugezogen, sagte Sievert. Möglicherweise seien die Räume schon in drei bis vier Monaten bezugsfertig. Die Plätze für Studenten sind teilweise schon vergeben. Es gibt jedoch noch freie Plätze, die an Studenten vermietet werden sollen. Potentielle Interessenten müssen Interesse für das Wohnprojekt mitbringen und Eigeninitiative zeigen. Nach Sieverts Ansicht wird die Nachfrage das Angebot bei weitem übertreffen.
Die US-Armee hatte die Michael-Kaserne im Dezember 1991 an den Bund zurückgegeben. Zunächst sollten die Gebäude vorübergehend als Flüchtlings-Unterkunft genutzt werden. Dann bot man die Räume dem Studentenwerk der Universität Frankfurt an. Da das Studentenwerk ablehnte, kam die Wohnrauminitiative zum Zuge.
Die Stadt plant auf lange Sicht, Wohnungen auf dem Kasernengelände zu bauen. Ein entsprechender Beschluß wurde bereits 1991 gefaßt. vo
Unsere Politiker reden gern gebildet. Früher: Griechische oder lateinische Zitate würzten die Rede. Man hielt sich einen Sekretär, im Bedarfsfalle apportierte der den Büchmann ("Geflügelte Worte und Zitatenschatz") und schlug eine passende Seite auf. Zum Beispiel Abschnitt XI: Historische Zitate, Seite 261: Heureka! Ich habe es gefunden!
Damals hatten wir noch kein amerikanisches Zeitalter. Heute haben wir es. Der etwas sein wollende Politiker benutzt daher möglichst englische Schlagwörter. Das deutet dezent an, daß er sich außerhalb des Geltungsbereiches des Grundgesetzes sowie seines eigenen, eigentlich viel zu engen Aufgabengebietes zu bewegen weiß. Out of area eben.
Das ist gefährliches Terrain. Als dieser Tage eine Ministerin out of area für eine Immobilienfirma zu werben versuchte, hat die sich mittels Geschäftsbericht an versteckter Stelle in einer äußerst wirtschafts-, will sagen firmenfreundlichen Tageszeitung mittels Geschäftsbericht bitter beklagt. Derlei Texterstellung vertreibe die Kunden; da komme man ja in den Ruf, gar nicht seriös zu sein. Minister sollten sich also ihrer Grenzen bewußt sein. Amtsgebäude, Bundestag, dann noch die kleinen abgezirkelten Bereiche, in denen außer für den Amtsinhaber noch Platz ist für eine Kamera und ein Mikrofon sowie einen halben Moderator, der aber auch aus dem Off bescheidene Fragen stellen darf - das wär's. Das reicht uns schon. Das Out of area gemeine Volk ist, von jenen Amts- und Briefbogeninhabern her gesehen, out of area.
Beweise? Ja bitte, sofort. Das Volk zum Beispiel hat sich an die Bannmeile zu halten; für Demonstranten ist der Ort der Volks-Vertreter out of area. So soll es sein; Schuster, bleib bei deinen Leisten, und was du dir leisten kannst, das schustere dir auch zu. Siehe auch Büchmann, Seite 318: "Macht geht vor Recht." Das Wort wird Bismarck zugeschrieben; der hat es aber gar nicht so gesagt. Der hatte nämlich noch ein gewisses Schamgefühl. CAROLUS
Fritz Winter war einer der ersten deutschen Künstler, denen es nach dem Zweiten Weltkrieg gelungen war, in den Köpfen der deutschen - und später auch der ausländischen - Kunstfreunde einen festen Platz, parallel zu Dix oder Hofer etwa, einzunehmen. Aber während Künstler wie Dix und Hofer, vom Krieg stigmatisiert, ihre Negativ-Erlebnisse in den Vordergrund rückten, war es Winter geglückt, sich vom Gegenstand und somit von der Verbindlichkeit und von der Thematik des Schreckens zu befreien.
Als Abstrakter war er an psychologisierende Themen nicht gebunden - er war "frei" und das bekam ihm und seinem Ansehen in der Öffentlichkeit gut. Eine andere Sache war seine weitere künstlerische Entwicklung, die zuletzt doch etwas abflachte, vielleicht gerade deshalb, weil er sich als Abstrakter nicht mehr an "inhaltliche" (auch an politische, kulturpolitische und psychologische) Themen gebunden sah.
Anders der frühe Fritz Winter, wie er derzeit (noch bis Monatsende) in der Frankfurter Galerie Wolfhard Viertel in der Robert-Mayer-Straße 54, nahe dem Westbahnhof,zu sehen ist. Winter hat 1924 als Autodidakt zu zeichnen und zu malen angefangen, nachdem er als Arbeitloser durch Holland vagabundiert war (er selbst bezeichnete später diese Zeit als "Vagabonage") und dort van Goghs Werke kennengelernt hatte. 1927 begann er dann ein Studium am Bauhaus in Dresden, wo er unter anderen bei Josef Albers, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer und Paul Klee "in die Lehre" ging.
Keine schlechte Schule, kann man wohl sagen, und genau aus dieser Zeit stammen die bei Wolfhard Viertel ausgestellten Bilder, Bilder die Winter damals in Dresden, in Berlin, Davos (Freundschaft zu Ernst Ludwig und Erna Kirchner) und in Düsseldorf ausstellte. Natürlich sind das Bilder, die den späten Fritz Winter "vorbereiten", Bilder, an denen man die Lehrerschaft von Paul Klee oder die Oskar Schlemmers unschwer ablesen kann.
Aber man kann auch daran ablesen, daß hier ein "Schüler" am Werk war, der sich seiner Lehrer würdig erwiesen hat, der sich heraushob, der bereit war, neue, eigene Wege einzuschlagen, und dem in seiner Bauhauszeit Dinge gelungen sind, die anrührten und überzeugten, ja die heute noch in der Lage sind, uns anzurühren. Vielleicht deshalb, weil Winter damals dem Humanum noch näher gestanden hat als nach dem Krieg, wo ihn mehr und mehr formale Probleme beschäftigten.
Es ist erstaunlich, wie Ernst Ludwig Kirchner bereits 1929 auf die Arbeiten Fritz Winters eingeht, wenn er in Briefen schreibt: "Sie haben in die letzten Blätter, die Sie hier machten, viel ausgestoßen, was Sie quält", womit deutlich wird, wie er Fritz Winters Hang zur Expressivität erkannte. In einem anderen Brief: "Wenn Sie Ihr eigenes Erlebnis so gut Sie es können gestalten, muß doch etwas eigenes herauskommen. Es ist so eine Perversität in Deutschland, daß den Jungen ihre Lehrer immer vorgeworfen werden . . . Die erste Ausstellung, wo man z. B. Sie und Klee nebeneinander zeigt, wird die Unterschiede offenbar machen". In der Ausstellung bei Wolfhard Viertel sind die Unterschiede offenbar geworden, auch wenn man Klee direkt nicht vor Augen hat. (Bis zum 29. Januar.) wp
Namen+Notizen
MARGARETE USCHNER, die langjährige Leiterin der Gemeindebücherei in Oberdorfelden, hat nach Angaben der Schönecker Gemeindeverwaltung ihr Ehrenamt zum Jahreswechsel abgegeben. Zur Nachfolgerin sei DAGMAR GEYER bestellt worden, die die Arbeit unmittelbar anschließend aufgenommen hat. Bürgermeister ERWIN SCHMIDT verknüpfte mit der Amtsübergabe die Hoffnung, daß eine kontinuierliche Fortführung der bisherigen engagierten Arbeit für die Gemeindebücherei in diesem Ortsteil gewährleistet sein wird. In einer Feier verabschiedete der Bürgermeister Margarete Uschner und dankte ihr. Er wünschte ihr im Nordhessischen, wohin sie mit ihrer Familie zieht, eine gute Zukunft.
Einen Zuschuß von knapp einer Million Mark hat das Landesarbeitsamt dem Internationalen Bund für Sozialarbeit - Jugendsozialwerk e.V. für den Umbau seiner Berufsbildungsstätte in Darmstadt (Frankfurter Straße 73) sowie für die Ausstattung mit neuer Bürotechnik und einer Großküche gewährt. 326 000 Mark steuert das Jugendsozialwerk, das zusammen mit dem Arbeitsamt seit 1971 berufliche Bildungsarbeit betreibt, selbst bei.
DREIEICH. Die Förderprogramme, mit denen die Stadt umweltbewußte Bürger und Bürgerinnen unterstützt, sind nach Darstellung des Ersten Stadtrats und Umweltdezernenten Werner Müller (SPD) "ein Renner". Bis auf einen kleinen Rest seien im vergangenen Jahr alle Haushaltsmittel ausgegeben worden. 177 private Investitionen seien mit insgesamt 112 000 Mark bezuschußt worden.
Daß angesichts der regen Nachfrage der Topf nicht vorzeitig leer war, führt Sozialdemokrat Müller darauf zurück, daß auch andere Institutionen mittlerweile Investitionen privater Haushalte zugunsten der Umwelt subventionieren und damit die Stadt entlasten. So förderten der Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach den Bau von Zisternen, die Gasversorgungsunternehmen den Einbau von Brennwertgeräten und das Land Hessen Solaranlagen. Die 1991 verabschiedeten Richtlinien der Stadt hätten sich als "wegweisend" erwiesen.
Der größte Teil des Geldes aus der Stadtkasse wurde für energiesparende Investitionen aufgewendet. Im einzelnen verteilen sich die Mittel wie folgt:
• Brennwertkessel: rund 50 000 Mark,
• verbrauchsarme Haushaltsgeräte: 22 400 Mark,
• Regenwassernutzung: 12 000 Mark,
• Komposter: 10 500 Mark,
• Solarkollektoren: 7500 Mark,
• Regenwasserrückhaltung: 7000 Mark,
Nach einer Übersicht der Energieberater für Stadt und Kreis Offenbach vom Oktober 1992 gehört Dreieich wie auch Dietzenbach zu jenen Kommunen, die eine breite Palette privater Initiativen fördern. Das werde in der Region sehr unterschiedlich gehandhabt. Laut Energieberater hat die Stadt Offenbach beispielsweise überhaupt kein Förderprogramm.
Dreieich will in diesem Jahr Zuschüsse in Höhe von 100 000 Mark gewähren. Auskünfte erteilt das Umweltamt, im Fall verbrauchsarmer Geräte für einkommensschwache Familien das Sozialamt, zur Fassadenbegründung die Gartenbauabteilung. dac
BAD HOMBURG. Einen dreimonatigen Orientierungs- und Motivierungskurs "Neuer Start ins Berufsleben" bietet das Frauenzentrum Frauen an, die nach längerer "Familienpause" wieder in ihren Beruf einsteigen wollen. Ein Informationsabend ist für Dienstag, 26. Januar, 20 Uhr, in der Louisenstraße 38 angesetzt.
Der Kurs selbst beginnt am Montag, 8. März. Er läuft zwölf Wochen jeweils vier Vormittage von 8.45 bis 12.15 Uhr mit einer Pause während der Osterferien. In ihm bieten Berufsberater und Besuche in Betrieben Orientierung. Bewerbungstraining soll Sicherheit bringen. Zudem gehört unter anderem ein dreiwöchiges Berufspraktikum als Probe des künftigen Berufslebens dazu. Der Kurs wird vom Hessischen Frauenministerium gefördert.
HOCHTAUNUSKREIS. Der Kreisausschuß hat neue Obergrenzen für "sozialhilferechtlich angemessene" Wohnungsgrößen und -mieten festgelegt. Nach Auskunft von Landrat Jürgen Banzer liegt den Berechnungen künftig eine höhere Kaltmiete zugrunde: 16,50 pro Quadratmeter.
Für einen Ein-Personen-Haushalt müssen demnach 50 Quadratmeter genügen, die Miete darf höchstens 825 Mark (bisher 600 Mark) kosten. Zwei Personen gewährt der Ausschuß 60 Quadratmeter zu maximal 990 Mark (bisher 774).
Für drei Personen müssen 75 Quadratmeter und 1237,50 Mark (bisher 924) reichen, vier Leuten werden 85 Quadratmeter zu höchstens 1402,50 (bisher 1074) zugestanden. Jede weitere Person im Haushalt schlägt mit zusätzlich zehn Quadratmetern und 165 Mark Miete zu Buche.
Der Hintergrund: Die Wohnungsmiete ist in der sogenannten Hilfe zum Lebensunterhalt enthalten, die im Hochtaunuskreis etwa 1600 Menschen ohne Einkommen erhalten. Wegen der gestiegenen Mieten kosten die Wohnungen vieler Hilfeempfänger aber inzwischen mehr als die Höchstsätze, die seit Oktober 1990 galten. Der Kreis zahlte aber nur bis zur Obergrenze. Dagegen klagten einige Mieter vor Gericht - und erhielten recht.
"Die Sätze waren nicht mehr zeitgemäß", sagte Kreispressesprecher Jürgen Conradi: "Die Mietgrenzen mußten dem Markt angepaßt werden."
Die neuen Zahlen sind für das Sozialamt verbindlich. Nur in Ausnahmefällen dürfen sie noch überschritten werden: Wenn etwa ein Sozialhilfeempfänger behindert ist und wegen seines Rollstuhls mehr Platz braucht. ill
Zwei neue Schriften in der Reihe "Arbeitsmarkt-Informationen" hat die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) herausgegeben. Die Hefte richten sich an Hochschulabsolventen der Chemie und Physik und informieren über die spezifischen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, Qualifikationsanforderungen und ausgewählte Tätigkeitsbereiche.
Die beiden Veröffentlichungen sind bei der ZAV, Arbeitsmarktinformationsstelle, Fachbereich 10.30, Feuerbachstraße 42-46 erhältlich. reu
HOFHEIM. Ein Bürgersteig, eine Bushaltestelle und eine Ruhebank - nur drei von neun Themen, über die am Montag, 18. Januar, im Ortsbeirat Marxheim gesprochen wird. In der Grundschule Marxheim wird ab 20 Uhr außerdem unter anderem über die Einfache Stadterneuerung, das Angebot für Jugendliche im Stadtteil und die Fortschreibung des Regionalen Raumordnungsplanes Südhessen diskutiert. pms
HOFHEIM. Urlaub will früh geplant sein: Schon jetzt stehen die Termine für die städtischen Ferienfreizeiten fest, an denen Hofheimer Kinder teilnehmen können. In Langenhain und Hofheim finden vom 26. Juli bis 7. August die Ferienspiele für Sechs- bis Zwölfjährige statt. Außerdem gibt es im Herbst, vom 25. bis 30. Oktober, noch eine Kinderwoche für dieselbe Altersgruppe.
Die 13- und 14jährigen können bei einer Sommerfreizeit mitmachen, die vom 7. bis 21. August ins schleswig-holsteinische Nortorf/Schülp führt. Dagegen dürfen die 16- und 17jährigen schon ins Ausland. Für sie wird vom 24. Juli bis 7. August eine Freizeit am Ijsselmeer in den Niederlanden angeboten. Die Broschüre mit den Anmeldeformularen soll Anfang März fertig sein. Nähere Informationen gibt es schon jetzt im Rathaus (Telefon 20 23 96, 20 23 15 oder 20 22 89). set
NIDDA. Heißt es Partler oder Partner, Sportler oder Sportner? Eine alberne Frage? Ganz und gar nicht. Für viele Menschen, die nach einem Schlaganfall, nach entzündlichen Erkrankungen oder Tumoren eine Störung des Sprachzentrums im Gehirn haben, ist diese Frage oft nur mühsam zu beantworten. Für sie und ihre Angehörigen haben jetzt die beiden klininischen Linguisten Berthold Simons und Axel Körner von der Neurologischen Klinik Bad Salzhausen in der Reihe Bad Salzhausener Beiträge zur Aphasieforschung ein Übungsbuch "Linguistische Übungen für Sprachgestörte" herausgegeben. Es soll Patienten wie ihren Partnern oder Verwandten helfen, das Sprach- und Sprechvermögen des Kranken wieder zu verbessern. Eine Sprachtherapie ersetzen kann es nicht.
Um diese in die Wege zu leiten, ist zunächst eine genaue Diagnose über den Schweregrad der Schädigung im Gehirn zu stellen. So können manche Schlaganfall-Patienten nicht mehr den richtigen Begriff für einen Gegenstand benennen, sagen Hemd statt Hose, andere verschieben Laute, Schremp statt Hemd, oder verwenden Begriffe, die weit von der Sache abweichen, Lampe statt Hose.
Als ersten Schritt versucht der klinische Linguistiker herauszufinden, über welche Sprachleistungen der Kranke noch verfügt. Berthold Simons: "Wir müssen den Patienten dort abholen, wo er sich befindet." Hilfreich kann das Buch zum Beispiel sein, wenn Therapiepausen überbrückt werden müssen. "Es ist durchaus eine Alternative zur schlechten Versorgung, die ambulant existiert." In der täglichen Praxis haben sich die Übungen gut bewährt. Wichtig sei, so Dr. Simons, daß der Patient nicht überfordert werde, es gelte, ihn zu bestärken, nicht, ihn zu belehren. Da die Sprache kein rein technisches Instrument sei, brauche es zu ihrer Vermittlung, eben auch bei Sprachstörungen, Nähe.
Von einem Schlaganfall sind in Deutschland immer mehr und immer häufiger auch jüngere Menschen betroffen. 40 000 Apoplexien wurden im vergangenen Jahr in den alten Bundesländern erfaßt. Die jüngste Schlaganfall-Patientin der Neurologischen Klinik Bad Salzhausen war erst 15 Jahre alt.
Das Buch "Linguistische Übungen für Sprachgestörte" von Berthold Simons kann zum Preis von 59 Mark beim Autor in der Neurologischen Klinik Bad Salzhausen angefordert werden. cor
Zu einem "Berufswettkampf" lädt er Deutsche Handels- und Industrieangestellten-Verband (DHV) auch dieses Jahr wieder in mehreren deutschen Städten Auszubildende aus den Berufen Verkäufer/in, Einzel- und Großhandelskaufmann/frau, Industrie- und Bankkaufmann/frau u.a. ein.
Der Wettbewerb ist ein freiwilliger Leistungstest und wird unter den Bedingungen der Kaufmannsgehilfenprüfung stattfinden. Austragungsort in Frankfurt ist die Wilhelm-Merton-Schule, Eichendorffstraße 77.
Weitere Informationen erteilt der Deutsche Handels- und Industrieangestellten- Verband unter der Telefonnummer 28 02 04. reu
Der Kollege kam mit einer kleidsamen roten Nase ins Büro. Seine Worte klangen etwas gequetscht. Einmal wegen der geschwollenen Schleimhäute, zum anderen spricht sichs schlecht durchs Taschentuch. Der Schnupfen hat ihn fest im Griff. Und seine Frau auch, denn sie hätte heute morgen gegen 4 Uhr fast Anzeige wegen nächtlicher Ruhestörung gegen ihn erstattet.
Den Kollegen-Spott steckt er dennoch locker weg. Spätestens in der U-Bahn ist er wieder von Leidensgefährten umringt, die ihre Nasen ins Taschentuch versenken und sich gegenseitig ermuntern: "Ist ja kein Wunder, bei dem Wetter. Mal kalt, mal warm, mal windig, mal naß . . ."
Woraus wir lernen, daß Wetter nun mal gesundheitsgefährdend ist. Ihre Bastienne
SCHWALBACH. Er kämpfte gegen die Trägheit des Herzens und die Unbelehrbarkeit der Köpfe: Der Schriftsteller Erich Kästner.
Seine spitze Feder, sein sozialer Blick und geistreicher Humor spiegeln sich in seinem letzten Stück vor dem Schreibverbot, das die Nationalsozialisten gegen ihn erließen, wider: "Drei Männer im Schnee". Das Theater "Dreiländereck Basel" gastiert mit einer Aufführung des Stückes am Sonntag, 24. Januar, um 20 Uhr im Bürgerhaus.
Karten im Vorverkauf gibt es bei der Buchhandlung Riege, Marktplatz 35 und der Papiertruhe Münzenberg, Schulstraße 10. Die Abendkasse öffnet um 19 Uhr. she
"Mädchenpolitik in Frankfurt - Bilanz und Perspektiven" heißt eine Veranstaltung der Grünen am heutigen Montag im Ökohaus, Kasseler Straße 1a. Neben Stadträtin Margarete Nimsch werden Claudia Waller vom Institut für Soziale Arbeit, Nevâl Gültekin von "intrau" und Lene Schiermeister-Dill von der AG Mädchenpolitk zu Wort kommen. reu
FRANKFURT-OST. Das Frühjahrssemester der Volkshochschule beginnt: Am Samstag, 23. Januar, öffnet das VHS- Stadtteilzentrum Ost (Barbarossastraße 2, Bergen-Enkheim) von 10 bis 14.30 Uhr seine Türen zur Anmeldung. 140 Kurse bietet die VHS im Frühjahr speziell für den Frankfurter Osten an.
Im Sinne der besseren Verständigung ist das Sprachprogramm "Deutsch für Ausländer" erweitert worden. Neben Kursen zur Vertiefung der deutschen Sprache (in der Schule am Ried) gibt es jetzt auch einen Einführungskurs (Friedrich- Ebert-Schule Seckbach). Das Fremdsprachenangebot bleibt bestehen: Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch können gelernt werden.
Auch im traditionellen Arbeitsbereich der VHS gibt es große Auswahl: Ernährung, Kochen, Nähen, Handarbeiten, Werken mit Ton und Porzellan, Zeichnen, Seidenmalerei und Buchbinderei bieten für fast jedes Interesse etwas.
Einen besonderen Schwerpunkt bilden sieben Psychologiekurse, die sich unter anderem mit der Belastung von Kranken und Angehörigen durch Krebs, Selbsterfahrung durch Gestalttherapie, Traum- und Tranceerfahrung beschäftigen. Außerdem finden Interessenten Kurse für Gitarre und Tanz, Gymnastik und "Jazzercise", Yoga und Autogenes Training, können sich in Literatur, Kunstgeschichte und Pädagogik bilden oder für den Beruf weiterqualifizieren. Der "Freizeitgarten" und zahlreiche Angebote für Senioren runden das Angebot ab.
Das komplette VHS-Programm für den Frankfurter Osten ist kostenlos in Buchhandlungen, Stadtteilbüchereien, Bürgerhäusern, vielen Geschäften und Banken zu haben, außerdem natürlich im Zentrum in der Barbarossastraße 2 (U 7-Haltestelle Hessencenter). Telefonisch ist die Ost-VHS unter den Rufnummern 45 00 / 5 23 12 oder 5 22 61 zu erreichen. ck
Neuer Vorstand gesucht GROSSKROTZENBURG. Zur außerordentlichen Mitgliederversammlung, bei der ein Nachfolger für die bisherige Vorsitzende Käthe Eltner gefunden werden soll, lädt der Heimatverein für Dienstag, 26. Januar, um 19.30 Uhr in das Bergmann-Haus ein. Jahreshauptversammlung der KAB GROSSKROTZENBURG. Die Generalversammlung der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) mit Mitgliederehrung findet am Dienstag, 2. Februar, um 19 Uhr im Pfarrheim statt. Germania wählt Vorstand GROSSKROTZENBURG. Die Nachfolgeregelung für den bisherigen Vorsitzenden der FC "Germania" ist Hauptpunkt der Mitgliederversammlung am Freitag, 29. Januar, um 19.30 Uhr in der Vereinsgaststätte "Oberwald". Hobbykurse im Jugendzentrum BRUCHKÖBEL. Töpferei und Holzwerkstatt im Jugendzentrum öffnen wieder. Jungen und Mädchen zwischen sechs und acht Jahren können montags von 15 bis 17 Uhr, die acht- bis 13jährigen mittwochs im gleichen Zeitraum ihre Kunst am Ton erproben. Mit Holz gearbeitet wird donnerstags zwischen 15 und 17 Uhr. Die neunteiligen Kurse beginnen in der ersten Februarwoche und kosten 20 Mark. Wer Interesse hat, kann im Jugendzentrum mehr erfahren. Segelfreizeit GROSSKROTZENBURG. Eine Segelfreizeit veranstaltet die Gemeinde in der letzten Osterferienwoche für 18 Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren. Anmeldeformulare sind ab sofort im Rathaus erhältlich. Die Reise vom 18. bis 23. April zum Ijsselmeer kostet mit Unterkunft und Verpflegung 350 Mark. Weitere Informationen unter 2 00 - 9 17. Helfer für Ferienspiele gesucht BRUCHKÖBEL. Die Stadt sucht noch junge Erwachsene, die die Kinder bei den Ferienspielen, Spielmobil-Aktionen und Sommerfreizeiten gegen Entgelt betreuen. Interessenten wenden sich an das Jugendzentrum, Telefonnummer 7 01 - 2 74. Osterferienspiele BRUCHKÖBEL. Noch sind nicht alle Schoko-Weihnachtsmänner verspeist, da weist die Stadt schon auf ihre Osterferienspiele vom 5. bis 9. April hin. Das Programm ist bereits fertig und im Rathaus oder Jugendzentrum abzuholen. Dort können sich die Interessenten dann ab 1. März anmelden. Deutsch-holländische Sommerfreizeit BRUCHKÖBEL. Für Neun- bis 13jährige bietet die Stadt in der Zeit vom 9. bis 17. August einen Aufenthalt im Schifferstädtchen Haren unmittelbar an der Grenze zu den Niederlanden zum Preis von 290 Mark an. Die Älteren bis 17 Jahre können an einer Segelfreizeit vom 28. August bis 5. September auf dem Zwischenahner Meer, einem See bei Oldenburg, teilnehmen. Sie kostet 400 Mark. Für Sozialschwache kann ein Zuschuß gewährt werden. Anmeldungen ab 1. Februar im Rathaus. Dort können sich Interessenten weiter informieren.
WESTLICHE STADTTEILE. Seit fast vier Jahren blockiere die rot-grüne Regierung im Römer eine sinnvolle Verkehrspolitik im Frankfurter Westen, meint der Vorsitzende der Jungen Union (JU) Frankfurt West, Markus Frank.
Damit bezieht sich der JU-Vorsitzende auf eine Veranstaltung der Sossenheimer SPD zur Verkehrspolitik (FR vom 14. Januar). Planungsdezernent Martin Wentz hatte versprochen, sich dafür einzusetzen, daß die S-Bahn-Linie 3 öfter fahren soll. Der FVV aber wußte davon noch nichts. Dies zeige, daß sich der Planungsdezernent gar nicht für die Probleme der Bürger interessiere, sagte Frank. Wentz sollte sich vielmehr um eine direkte Anbindung der Leunabrücke und den Bau der Westumgehung Unterliederbach kümmern.
Die rot-grüne Römer-Koalition sei gegen den Individualverkehr, meinte Frank. Dies aber sei der Untergang jeder vernünftigen Verkehrspolitik. gre
SCHWALBACH. Eine heiße Nacht in Schwalbach verspricht wieder der traditionelle Kostümball der Jazzer "Zulu&rquote;s Ball" zu werden. Für Samstag, 13. Februar, laden die "Matchbox Bluesband", das "Jazz Band Ball Orchestra" aus Krakau, "All Star Groove" aus Stuttgart, die "Dreamboat Serenaders" und die "Overall Jazzgang" zum Zuhören und Hotten ein.
Der Jazzclub wird das Bürgerhaus wieder phantasievoll dekorieren, alle Räume stehen von 20 Uhr an für den Ball offen. Zum 14. Mal ruft "King of the Zulus" zum Faschingsball nach Schwalbach; die Gäste können, müssen aber nicht verkleidet kommen.
Telefonische Kartenvorbestellungen nimmt die Schwalbacher Kulturkreis GmbH unter der Rufnummer 0 61 96 / 8 19 59 entgegen. Im Vorverkauf kosten die Eintrittskarten 20 Mark, an der Abendkasse 25 Mark. she
Oberbürgermeister Andreas von Schoeler (SPD) hat die Absicht der Bundesregierung begrüßt, die Arbeitgeberzuschüsse für das Job-Ticket von der Steuer zu befreien.
Der OB hofft, daß die Nachricht aus Bonn weitere Firmen veranlassen wird, ihren Mitarbeitern die Monatskarte für den FVV zu subventionieren. Die Stadt habe mit der Einführung des Job-Tickets eine "Vorreiterrolle gespielt".
Schoeler zufolge ist die Frankfurter Verkehrspolitik zugunsten des öffentlichen Nahverkehrs auch im vergangenen Jahr "wieder einen großen Schritt vorangekommen". Bis zum vergangenen November hätten 31 Firmen für 43 000 Beschäftigte mit dem FVV Verträge über Job-Tickets abgeschlossen.
Von Schoeler erwartet, daß jetzt die Betriebe nachziehen, die wegen des Steuergesetzes bislang zögerten. habe
Freie Aussprache
Autos auf der Zeil Zum Artikel "Architekten plädieren für Autos auf der Zeil" (FR vom 13. 1.).
Zu dem Vorschlag des Bundes Deutscher Architekten (BDA), auf der Zeil wieder Autos fahren zu lassen, kann man nur sagen: "Rin in die Kartoffel, raus aus der Kartoffel" - und das auf Kosten des dämlichen Steuerzahlers. Der ständige Fußgängerstrom auf der Zeil führt solche Forderungen geradezu ad adsurdum.
Wenn der BDA meint, Fußgängerzonen seien unmodern und veraltet, dann liegt die Vermutung nahe, daß sich bestimmte Leute mal wieder Aufträge an Land ziehen wollen. Wenn zudem am Flohmarkt, an der Verkerhsberuhigung von Hauptwache und Mainufer und der "Sicherheit" herumgemäkelt wird, kommt der Verdacht auf, daß hier mit den alten Parolen Wahlkampf für die CDU gemacht wird. Heidi Jost, Frankfurt Fußgänger-Wirklichkeit Zum Artikel "Fußgänger keine Minderheit", FR vom 13. 1.:
Die Aussage von Herrn Stammler, daß bei verkehrspolitischen Entscheidungen oft die Interessen der Fußgänger weniger berücksichtigt werden, weil politisch so gewollt, ist seit Jahren CDU-Maxime.
Die Auswirkungen dieser Verkehrspolitik sind heute noch spürbar, wo Fußgänger und Radfahrer auf schmalen Gehwegen zusammengepfercht wurden, z. B. Alfred-Brehm-Platz. Bei den verkehrspolitischen Äußerungen und Vorstellungen der CDU kann es derzeit politisch nicht gewollt sein, die traurige Wirklichkeit der Fußgänger und den Alltag der Radfahrer mit seinen Ärgernissen zu verbessern.
Nur eins ist sicher, auf den Autobeauftragten kann die CDU verzichten.
Bernhard Thomas, Frankfurt Gedenken an KZ-Häftlinge Zur Dokumentation Stadtrundschau "Unter Nachbarn war die Brutalität kein Geheimnis. Die Leidensgeschichte von Polen und Russen 1944/45 KZ-Außenlager der Frankfurter Adlerwerke" (FR vom 3. 11. 1992).
Die Dokumentation über die Adlerwerke und ihr KZ-Außenlager macht uns um so betroffener, als daß auch nach ihrer auszugsweisen Veröffentlichung keinerlei Reaktion der Öffentlichkeit folgte.
Frankfurt ist zur Erinnerung an den Einsatz von KZ-Häftlingen verpflichtet. Hat sie über die Errichtung einer Gedenkstätte nachgedacht? Sind die Überlebenden des Lagers nunmehr endlich eingeladen worden? Was ist mit Entschädigungszahlungen an die Überlebenden? Alexandra Rohrbach, Anja Zick, Frankfurt
"Denkhilfe für Störer" Zum Artikel "Wer zu spät kommt, putzt . . .", FR vom 4. 1.:
Ist es denn falsch, zu sagen, die permanenten Zuspätkommer sollten statt irgendwelcher schriftlichen Arbeiten einen Dienst an der Allgemeinheit tun?
Ist des denn falsch, für die ständigen Stundenstörer Grenzen zu setzen, daß sie irgendwann über das, was sie tun, nachdenken und im besten Fall versuchen, etwas zu ändern?
Es kann keine Rede sein von "Putzen"; keiner wird verdammt, auf die Knie zu gehen und zu putzen; es heißt allg. sozialer Dienst, das, was die Schüler selbst verursacht haben, wie Stühle nicht hochstellen, Papier und Dosen auf den Boden werfen oder schmutzige Tafeln, zu ändern. Keiner tut sich dabei weh!
Deshalb ist dieser Zeitungsbericht etwas unangebracht und ziemlich unobjektiv. Es sollen keine Putzkräfte gespart oder Schüler zum Putzen verdonnert werden, sondern dem Schüler eine Hilfe (Denkhilfe) gegeben und die anderen Schüler und Lehrer vor ständigen Störungen bewahrt werden.
Eva Mönch, Frankfurt SV-Mitglied der Weidenborn-Schule "Die SPD erneuern" Zum Beitrag "Wer austritt, überläßt anderen seine Zukunft", FR vom 30. 12.:
Mir scheint, der Genosse Dehm kennt sich nicht besonders gut mit den Struktur- und Rahmenbedingungen der Meinungsbildung in der SPD aus, denn wie sonst käme folgende Aussage in seinen Artikel: " . . .dagegen behaupte ich: Hätten viele, die jetzt gegen Ausländerhaß demonstrieren, im Sommer schon in der SPD mitdiskutiert, es wäre soweit nicht gekommen." (Dehm meint hier den "Asyl- Beschluß" des SPD-Parteitages am 16. und 17. November 1992.)
Es mag vielleicht in Frankfurt/Main etwas anders sein, zumindest was die Bezeichnung der Gremien angeht, aber ich glaube kaum, daß man in Frankfurt einfach bei der SPD hereinschauen, gut mitdiskutieren und anschließend den "Asyl- Kurs" der Frankfurter SPD nachhaltig beeinflussen kann.
Letztendlich beeinflussen die Mitglieder/Delegierten die Meinungsbildung (in) der Partei. Und wie viele Delegierte sind mir früher begegnet, die sehr oft sagten, daß die Parteiführung schon wisse, was sie tue/beschließe.
Veränderung ist dringend angesagt! So gesehen kann ich nur unterstreichen, wenn Dehm gerade zum Eintritt in die SPD auffordert, es wäre logisch und folgerichtig.
Es ist Zeit für einen umfassenden Wandel in der deutschen und auch der europäischen Politik! Dieser Wandel kann nach meiner Auffassung einzig und allein über die SPD erfolgen, auch wenn noch so massive Kritik an der derzeitigen Führungsriege angezeigt ist.
Letztere kann ja erneuert werden, wenn sich die Mitglieder auf das besinnen, wozu sie gerade der SPD angehören wollten: eigenständiges politisches Denken und Handeln, kritisch gegenüber allem Vorgedachten, Freund sein für Arme, Kranke und Schwache in unserer Gesellschaft, Solidarität.
Karl Schirmer, Ainring Mitwohnen zur Messe Zum Leserbrief "Mietwucher" (FR vom 7. 1.).
Die angeblich von der Presse gehätschelten Mitwohnzentralen stellen nicht "Filialen" irgendwelcher "Müslis" dar. Bei rund dreihundert Mietanfragen monatlich sind sie durchaus auf einen geregelten und gut organisierten Geschäftsbetrieb angewiesen.
Die Differenz zum Makler besteht auch nicht darin, daß diese Versorgung mit Wohnraum aus reiner Menschenliebe betrieben wird. Der Wohnraum wird in der Regel für einen flexiblen Zeitraum und für eine erheblich geringere Provision an den Kunden vermittelt.
Für die festgestellten "Wuchermieten" bei Messeunterkünften (1200 bis 1500 Mark im Monat) müßte man einen ganzjährigen Messebetrieb im Stil der Buchmesse unterstellen. Zur Information: Es gibt in Frankfurt vermutlich kaum jemanden, der länger als 20 Tage im Jahr ein Messezimmer vermietet. - Diese "Wohnraumzweckentfremdung" wird übrigens zu einem wesentlichen Teil von der Messegesellschaft selbst organisiert.
Guido Anders, Frankfurt "Honorare festgelegt" Zum Artikel "Wer jetzt beim Zahnarzt zuzahlt, ist Privatpatient", FR vom 8. 1.:
1. Die Überschrift ist frei erfunden. Jeder, der einen Zahnersatz braucht, zahlt nach wie vor 40 Prozent der Rechnung zu, wenn er nicht unter die "Armutsgrenze" fällt.
2. Der Satz: "Bei Privatpatienten können die Ärzte nehmen, was sie wollen", entspricht nicht den Tatsachen. Richtig ist: Die Honorare unterliegen der Gebührenordnung, deren 2,3facher Satz, ungefähr dem entspricht, was die Krankenkassen - also auch die AOK - auf Krankenschein dem Zahnarzt bezahlen. Bis zum 3,5fachen Satz kann nur mit besonderer Begründung berechnet werden.
Die Honorare, die von Privatpatienten bezahlt werden, können also nicht ungehindert wachsen, sondern sind klar festgelegt. Dr. Reinhard Otter, Staufenberg
Freie Aussprache
Kuren für Ausländer In der FR vom 12. 1. war unter der Rubrik "Freie Aussprache" unter anderem ein Leserbrief veröffentlicht, in dem die Behauptung aufgestellt wird, daß türkischen Patientinnen und Patienten, wie allen Nicht-EG-Ausländern, keine Kuren auf Kosten des Rentenversicherungsträgers verordnet werden können, weil sie sonst den Anspruch auf ihre Rente verlieren. Die Inanspruchnahme medizinischer Rehabilitationsmaßnahmen (im volksmund auch "Kuren" genannt) durch die Träger der gesetzlichen Rentenversicherung führen nicht zu einem Verlust des Anspruchs auf Rente. Hierbei gibt es keine unterschiedliche Behandlung von Deutschen, EG-Ausländern und Nicht- EG-Ausländern.
Wer Beiträge zur Deutschen Rentenversicherung gezahlt hat und die jeweiligen gesetzlich bestimmten Voraussetzungen erfüllt, hat selbstverständlich Anspruch auf Rente, egal ob er zuvor eine Rehabilitationsmaßnahme des Rentenversicherungsträgers erhalten hat oder nicht.
H. Brenda, Frankfurt Verbot der Muttersprache Zum Artikel "Verbot der Muttersprache" vom 18. Januar: Als unbeteiligter Zuhörer bei der Bürgerfragestunde des Ortsbeirates 5 bedaure ich, daß die Grünen nicht die Schulleitung von ihrem Antrag vorher informiert haben. So konnten die Vorwürfe nur unvollkommen geklärt werden. Es kam aber heraus, daß das Fremdsprachen- und Kopftuchverbot seit einem Jahr aufgehoben ist. Warum haben die Grünen also nicht schon 1991 dagegen protestiert? Das riecht doch wirklich nach Wahlkampf.
Wenn die Grünen nun - und in Treue fest auch dann die SPD - versichern, Schüler und Lehrer gegen die Schulleitung unterstützen zu wollen, dann muß befürchtet werden, daß sie in die Schulleitung hineinregieren wollen. Politische Einflußnahme in der Schule habe ich in den 30er Jahren erleben müssen. Ich kann nur warnen!
Klaus Müller-Rossow, Frankfurt Sachsenhausen verödet Zu "Stammtisch sorgt sich um ,Schweizer'" vom 18. Januar: "Und wenn eines Tages der letzten Gemüsehändler weggeekelt ist und der letzte Metzger wegen Mietwucher schließen mußte, dann werdet ihr feststellen, daß man Brillen nicht fressen und Parfüm nicht saufen kann." So könnte es in Abwandlung eines bekannten Indianerspruchs für die Schweizer Straße lauten.
Die fetten Jahre sind vorbei, so prognostizieren es die Wirtschaftspropheten. Die Infrastruktur auf der einst beliebten Einkaufsstraße in Sachsenhausen aber entwickelt sich genau entgegengesetzt und bereitet eine nicht aufzuhaltende Verödung vor. Der Trend zu einer Einkaufsmeile für Yuppies und eine Handvoll Schickimickis wird nicht gesund sein für einen gewachsenen Stadtteil mit eher durchschnittlich verdienenden Bewohnern. Paradox wirkt geradezu die Aktion der Geschäftsleute, ihre Kunden zu der Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen zu wollen. Wer das kaufen will und kann, was da angeboten wird, reist jeglicher ökologischen Vernunft zum Trotz erfahrungsgemäß nicht öffentlich, sondern gleitet ohne Rücksicht auf Verluste in teuren Limousinen heran.
Wer sind eigentlich die Absahner, denen weder Menschen noch deren Lebensqualität etwas bedeuten, sondern für die Geld, Geld und noch mal Geld das einzig Wichtige ist? Es ist Kommunalwahlkampf. Deshalb frage ich unsere Politiker, mit wem sie hier gegen uns Bürger arbeiten!
Dieter Wittbrodt, Frankfurt
"Die Situation hat sich dramatisch verbessert." Nach heftiger Kritik der Fahrgäste, Protesten des Ortsbeirats und internen Schuldzuweisungen zwischen dem privaten Busunternehmen Sippel aus Hofheim-Wallau, den Frankfurter Stadtwerken als Auftraggeber und dem "Frankfurter Verkehrsverbund" (FVV) als Koordinator hat Verbund-Pressesprecher Birger Tiemann jetzt eine positive Bilanz gezogen und zugleich eine Trendwende für das neue Kleinbus-Netz im Frankfurter Norden vorausgesagt.
"Es sieht so aus, als würde es sich einspielen", betonte Tiemann jetzt im Gespräch mit der FR. Am Donnerstag seien erstmals "keine überzogenen Verspätungen" mehr aufgetreten, und selbst in den Hauptverkehrszeiten, so der FVV-Sprecher, habe es in den Kleinbussen "noch Platz gegeben".
In den Tagen zuvor herrschte zwischen Kalbach und Harheim zeitweise das Chaos. Busse fuhren einen falschen Weg oder waren völlig überfüllt. Die Fahrer ließen Haltestellen einfach rechts liegen und taten sich beim Verkauf der Fahrscheine schwer, weil es davon so viele verschiedene gibt.
"Wir haben am Mittwoch mit dem Busunternehmer ,ein knallhartes Gespräch&rquote; geführt", sagte jetzt ein Mitarbeiter der Stadtwerke zur FR. "Das hat offenbar geholfen." Betriebsleiter Dieter Oehm formuliert dezenter: "Wir haben deutlich gemacht, daß die Fahrer korrekter und zuverlässiger arbeiten müssen." Zudem hätten vor Ort die Verkehrsmeister der Stadtwerke die Sippel-Fahrer "kräftig eingewiesen, damit sie die richtige Fahrtroute einhalten".
Dieter Rühl von Hoff, Fahrdienstleiter des Busunternehmens, räumt "Anlaufschwierigkeiten" ein: "Jedem Politiker läßt man 100 Tage Zeit, von uns ist erwartet worden, daß wir an einem Tag von null auf hundert durchstarten."
Daß es nicht gleich hundertprozentig klappte, ist auch verständlich: Nur ein Teil der Sippel-Fahrer hat Erfahrung im Liniendienst. Einige Mitarbeiter seien zuvor nur Reisebusse gefahren, heißt es.
Zwar seien die Leute "auch im Fahrscheinverkauf geschult worden", doch müßten sie "erst Sicherheit bekommen". Zudem sei nicht jeder Fahrer dem "von den Fahrgästen ausgehenden Druck gewachsen gewesen", sagt Rühl von Hoff: "Unsere Mitarbeiter sind teilweise bös' beschimpft worden."
Stadtwerke-Direktor Oehm ist sicher, "daß sich die Mehrzahl der augenblicklichen Schwierigkeiten nach zwei Wochen gelegt" hat: "Dann haben alle dazugelernt."
Dies gelte für das Fahrpersonal ebenso wie für viele Fahrgäste, für die völlig neue Wege zu den Schnellbahnstationen angeboten werden. Oehm: "In 14 Tagen sehen wir, was noch an ernsthaften Problemen da ist und was wir dann dringend ändern müssen."
Bereits am vergangenen Donnerstag haben die Frankfurter Stadtwerke und der FVV eine Korrektur fest verabredet: Die Haltestelle des 28er am Park-and-ride-Platz in Bonames wird neu gestaltet und der Weg zur U-Bahn-Station mit Laternen bestückt.
Insbesondere Frauen hatten die Verhältnisse dort während der Dunkelheit als unzumutbar und gefährlich empfunden. Punkt zwei: Zudem soll an dieser Haltestelle besser gekennzeichnet werden, in welche Richtung der jeweilige Bus fährt. Bislang fuhren die Busse von derselben Haltestelle in beide Richtungen ab. gang
SCHWALBACH. Bachblütentherapie und Feldenkrais, Tai Chi und Bauchtanz, Goldschmiedearbeiten, Seidenmalerei und Klöppeln ist nur ein Teil des Angebots, das der "Kulturkreis Schwalbach" in seinem Frühjahrsprogramm anbietet. Videofilmer, Jazzfreaks, Briefmarkensammler und Skat- und Romméfreunde treffen sich in eigenen Arbeitskreisen. Außerdem ist es möglich, den Geheimnissen der toskanischen Küche auf die Spur zu kommen, Salzteig zu formen, Trikotpuppen herzustellen und sich bei Gymnastik oder Konditionstraining fit zu halten.
Das komplette Programm liegt im Rathaus, in der Buchhandlung und bei Geldinstituten aus. Anmeldungen zu den Kursen nimmt ausschließlich die Buchhandlung Riege am Marktplatz entgegen. she
Für Tiere zu kalt und kein Futter
Der Blick vom Wohnwagenfenster zum provisorischen Stall bietet ein deprimierendes Bild. Drei Kamele, vier Pferde, drei Esel und zwei Lamas stehen sich in einem zugigen Zelt die Füße platt. Für die Tiere ist die Behausung zu kalt, und auch der tägliche Spaziergang durch den Matschboden dürfte für Kamele und Lamas nicht die reine Freude sein. Aber für einen Zirkus ist der Berger Marktplatz auch nicht geeignet. Trotzdem hat der Mini-Zirkus Humberto aus Erfurt seit Ende November dort seine Zelte aufgeschlagen - notgedrungen.
Denn das eigentliche Winterquartier - die Halle eines Kaufmanns in Fechenheim - mußte die Familie Spindler nach Unstimmigkeiten verlassen. "Und dann haben wir uns einfach hier hingestellt", sagt Irene Spindler. Ihr Sohn und dessen Familie ist mit dem Zirkus zum ersten Mal im Westen und erlebte gleich ein Fiasko mit dem Winterquartier.
Damit jedoch nicht genug: Weil die Ehefrau von Adolf Spindler die Querelen mit dem Kaufmann nervlich nicht verkraftet hat, liegt sie seit vergangenen Freitag in der Uni-Klinik. "Wir wissen nicht, was mit ihr passiert", sagt Irene Spindler. Als ob die Zirkusfamilie, zu der drei Kinder und ein Angestellter gehören, nicht schon genug Sorgen hätte: Der Unterhalt, den das Sozialamt zahlt, reicht hinten und vorne nicht. "Für die Tiere gibt's gar nichts", schildert Irene Spindler die triste Lage.
Zwei Bauern sorgten für Futter, der Tierschutzverein hat schon Heu und Stroh vorbeigebracht. Aber ganz wohl ist der Vereinsvorsitzenden Irmela Czarnetzki dabei nicht. Ihrer Meinung nach "müßten solche Unternehmen aufgelöst werden", zumal "die Tiere in äußerst schlechtem Zustand sind". Deshalb hat ein Vorstandsmitglied dem Zirkus auch schon für 1500 Mark einen Esel abgekauft. Von dem Geld können die Spindlers einen Teil der Versicherungen bezahlen.
Sozialhilfe will die Familie eigentlich nicht ("Das ist Bettelei"). Deshalb sucht sie nach Auftrittsmöglichkeiten in Altersheimen oder Kindergärten. Das Sozialamt, so dessen Leiter Ingo Staymann, würde als Impresario auftreten und die Kosten übernehmen. Wer Interesse hat, kann sich bei Irene Spindler, Telefon 0 61 09 / 3 10 41, melden.
In ihrer Not hatte die resolute Frau auch einen kurios anmutenden Einfall. "Wir würden unsere Kamele auch für Werbeaufnahmen vermieten." vo
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IMPRESSUM
AMMAN, 17. Januar (AP). Der einstige Rivale des syrischen Präsidenten Hafis Assad, Hakim el Fajes, ist nach 22 Jahren aus der Haft entlassen worden. Wie seine Tochter in Amman mitteilte, traf er inzwischen bei seinen Angehörigen in Jordanien ein. Assad soll die Freilassung persönlich angeordnet haben.
Fajes war in den sechziger Jahren ein führendes Mitglied der syrischen Baath- Partei. Nach dem Militärputsch, der Assad an die Macht brachte, floh er nach Libanon, wo er im Dezember 1970 von syrischen Agenten gefangengenommen wurde.
Zum neuen Direktor der Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein-Westfalen ist der Publizist Norbert Schneider in Düsseldorf gewählt worden. Nach Angaben der Anstalt, die in Nordrhein-Westfalen den Privatfunk lizenziert uind kontrolliert, löst er am 1. Juli Klaus Schütz ab. Der 52jährige Schneider war Direktor des Gemeinschaftswerkes für Evangelische Publizistik in Frankfurt am Main sowie Hörfunk- und Fernsehdirektor beim Sender Freies Berlin.
MOSKAU, 17. Januar (AP). Rußland will noch in diesem Jahr drei neue Atomreaktoren ans Netz gehen lassen und plant bis zum Jahr 2010 den Bau von insgesamt 23 weiteren Atommeilern. Wie der stellvertretende Energieminister Jewgeni Reschetnikow am Wochenende in Moskau sagte, soll damit ein sich anbahnender Notstand in der nationalen Energieversorgung vorhindert werden. Umweltschützer einschließlich des ökologischen Beraters der Regierung haben das Programm scharf kritisiert.
Noch in diesem Jahr soll im Kraftwerk Kalinin bei Twer in Nordrußland sowie im Kraftwerk Balakowo bei Saratow im Süden des Landes je ein neuer Reaktor in Betrieb genommen werden. Beide Projekte seien von den Umweltexperten der Regierung gebilligt worden, gab Raschetnikow bekannt. Für den dritten neuen Atommeiler im mittelrussischen Kraftwerk Kursk laufe das Prüfungsverfahren noch. Raschetnikow räumte ein, der dort vorgesehene Reaktor sei vom selben Typ wie jener in Tschernobyl, in dem sich im Jahre 1986 die Katastrophe ereignete. Er sei jedoch modifiziert und damit sicherer gemacht worden.
Umweltschützer kritisierten, daß Rußland dermaßen auf die Atomkraft setze, während immer mehr westliche Länder inzwischen nach alternativen Energieformen suchten. Ein russischer Vertreter von Greenpeace nannte das Regierungsprogramm reine Geldverschwendung, da es sich aus Sicherheitsgründen letztlich als nicht umsetzbar erweisen werde.
Das Moskauer Energieministerium hat zugegeben, daß es in den russischen Atomkraftwerken im letzten Jahr insgesamt 205 Unfälle gegeben hat gegenüber 172 im Jahre 1991. Keiner sei jedoch schwerwiegend gewesen.
POTSDAM. In etwa einem Jahr soll der Umzug der Berliner Ufa Film- und Fernsehgesellschaften nach Potsdam-Babelsberg abgeschlossen sein. Die Firmen sollen einen Neubau am Haupteingang des 1992 von der französischen Compagnie Immobiliere Phenix Deutschland GmbH (CIP) erworbenen ehemaligen DEFA-Geländes beziehen. Als Kernstück der Kooperation zwischen CIP und Ufa war im Dezember eine gemeinsame Film- und TV-Produktionsgesellschaft mit dem traditionsreichen Namen Ufa Babelsberg gegründet worden. dpa
BONN. Für die Förderung von vier geplanten Filmen und sechs Drehbuchprojekten hat Bundesinnenminister Rudolf Seiters (CDU) 1,7 Millionen Mark bereitgestellt. Prämien in Höhe von bis zu 450 000 Mark sind für folgende programmfüllende Filmvorhaben vorgesehen: "Abstich" von Joachim Tschirner, ein Dokumentarfilm über das Ende der Thüringer Maxhütte; "Mario und der Zauberer" von Klaus Maria Brandauer nach der Novelle von Thomas Mann; "Nach Kasachstan" von Roland Gräf, die tragikomische Odyssee eines Gulag- Flüchtlings und "November" von Nico Hofmann über einen Deutschen, der in Paris ein Doppelleben führt. dpa
MÜNCHEN. "Stalingrad" ist bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises 1992 als großer Gewinner hervorgegangen: Drei Auszeichnungen erhielt der Film von Josef Vilsmaier, der erst von der nächsten Woche an in den Kinos zu sehen ist. Helmut Dietls "Schtonk", die sarkastische Komödie über die im "stern" publizierten gefälschten Hitler-Tagebücher, in Köln mit mehreren "Bambis" ausgezeichnet und "Oscar"-Anwärter, ging dagegen leer aus.
Vilsmaiers Antikriegsfilm "ohne Helden- und Untergangspathos" ist nach "Herbstmilch" und "Rama dama" das dritte Werk des Regisseurs, das prämiert wurde. Der Film erhielt den Produzentenpreis in Höhe von 500 000 Mark, den Preis für Kamera und Gesamtkonzeption mit 50 000 Mark und den mit 40 000 Mark dotierten Cutterpreis, der an Hannes Nickel ging.
Mit dem Regiepreis (50 000 Mark) wurde Helmut Dziuba für "Jana und Jan" ausgezeichnet, gewürdigt als ein "erbarmungslos realistisch erzähltes Alltagsdrama". Für den besten Kinderfilm "Die dumme Augustine" bekam Juraj Herz ebenfalls den Regiepreis (50 000 Mark). "Das Ende einer Reise" von Heiner Stadler wurde mit dem Dokumentarfilmpreis (50 000 Mark) ausgezeichnet. Je 20 000 Mark gehen an die Darsteller Gedeon Burkhard, Jürgen Vogel und Kai Wiesinger in dem Film "Kleine Haie" von Sönke Wortmann. Für sein Engagement im Filmbereich wurde der Schauspieler Martin Benrath ausgezeichnet.
"Die Jury bemüht sich, herausragende Filme auszuzeichnen, die noch nicht im In- und Ausland mit Preisen überhäuft worden sind", sagte der bayerische Kultusminister Hans Zehetmair bei der Verleihungszeremonie im Münchner Cuvilliéstheater. Es sei insbesondere ein Anliegen des Bayerischen Filmpreises, wichtigen Werken den Weg in die Kinos zu erleichtern. dpa
SAARBRÜCKEN, 18. Januar (dpa). Durch Vandalismus und Sachbeschädigungen an bundesdeutschen Schulen entstehen nach Angaben des Deutschen Lehrerverbandes jährlich Kosten in Höhe von 200 Millionen Mark. Für diese 200 Millionen Mark könne man umgerechnet sicher über 2000 Lehrer beschäftigen, sagte der Präsident des Verbandes, Josef Kraus, jetzt im Saarländischen Rundfunk. Kraus stellte fest, "besonders gravierend" sei die Gewalttätigkeit in großen Schulen. "Am auffälligsten sind Schulen in Großstädten in Bereichen sogenannter Brennpunkt-Viertel."
Als mögliche Maßnahme gegen die Gewalttätigkeit forderte der Präsident des Lehrerverbandes eine Neuorientierung der Bildungspolitik. Nötig seien kleinere Klassen, "damit der einzelne Lehrer einen besseren Überblick hat und den einzelnen Schüler besser betreuen kann".
Zur Person:
KLAUS CROISSANT, früherer RAF-Anwalt, der wegen Spionage für das frühere DDR-Ministerium für Staatssicherheit (MfS) angeklagt ist, erhält keine Haftverschonung. Der 1. Strafsenat des Berliner Kammergerichtes setzte zwar bei einem Haftprüfungstermin den Haftbefehl außer Vollzug, doch die Bundesanwaltschaft legte sofort Beschwerde ein. Bis zur Entscheidung des Bundesgerichtshofs muß Croissant in Haft bleiben und kann auch bei Hinterlegung der vom Gericht geforderten 100 000 Mark Kaution vorläufig nicht entlassen werden. (dpa)
BUKAREST, 17. Januar (dpa). Der reformierte ungarische Bischof Laszlo Tökes hat den rumänischen Präsidenten Ion Iliescu beschuldigt, ein "antidemokratisches, postkommunistisches Regime" zu führen und die Demokratisierung Rumäniens bewußt zu verhindern. Tökes sprach auf dem Kongreß des Verbandes der Ungarn Rumäniens in Brasov (Kronstadt). Der Bischof gilt als aussichtsreicher Bewerber für den Vorsitz.
"Wir können nicht von Demokratie und Rechtsstaat sprechen, solange die kommunistischen Rechtsverletzer von einst im Parlament herumlärmen, in der Regierung sitzen und die Schlüsselpositionen im Justizministerim innehaben, wo sie die wenigen demokratischen Gesetze und die Verfassung sabotieren", sagte Tökes. Tökes, der mit seinem Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur im Jahre 1989 den Sturz des Regimes einleitete, ist Vertreter der radikalen Linie im Verband. Diese fordert die Autonomie auf ethnischer Basis.
SCHWERIN, 17. Januar (dpa). Der Untersuchungsausschuß des Schweriner Landtags zu den ausländerfeindlichen Rostocker Krawallen vom August 1992 hat dem Innenministerium angedroht, Polizeiakten zu beschlagnahmen. Falls Innenminister Lothar Kupfer (CDU) dem Ausschuß nicht bis zum 20. Januar alle vorhandenen Unterlagen übergebe, soll die Beschlagnahmung sämtlicher Akten der Abteilung Öffentliche Sicherheit beantragt werden. Dies beschloß der Ausschuß nach der Zeugenvernehmung des Polizeieinsatzleiters Jürgen Deckert am Freitag abend auf SPD-Antrag in nicht- öffentlicher Sitzung, wie Ausschußvorsitzender Christoph Brandt (CDU) auf Anfrage mitteilte.
Zur Person:
MANFRED STOLPE, brandenburgischer Ministerpräsident (SPD), hat die Tarifabschlüsse in den neuen Ländern, mit denen die Löhne an das Westniveau angepaßt werden sollten und über die gegenwärtig neu verhandelt wird, als "Fehlentscheidungen" bezeichnet. Bei den Bürgern sei die Bereitschaft "im Interesse der Sicherung von Arbeit bei den Löhnen kürzerzutreten ohne Zweifel vorhanden", sagte er in einem Interview der Stuttgarter Zeitung. Die Abschlüsse von vor zwei Jahren hätten "ja nur auf der Woge der allgemeinen Erwartung" gelegen. (dpa)
WASHINGTON, 17. Januar (dpa/Reuter). US-Präsident George Bush hat 1988 vor Untersuchungsbeamten ausgesagt, er habe vom Verkauf US-amerikanischer Waffen an Iran in der Hoffnung auf die Freilassung amerikanischer Geiseln in Libanon gewußt, aber es habe ihn wie "ein Schlag in den Magen" getroffen, als ihm eröffnet wurde, daß die Gewinne aus den Verkäufen illegal an die nicaraguanischen Contra-Rebellen umgeleitet wurden. Dies geht aus Dokumenten hervor, die jetzt vom Weißen Haus freigegeben wurden.
Bush, der bei Bekanntwerden des Skandals Vizepräsident unter Ronald Reagan war, sagte, er sei von der Umleitung der Mittel an die Contras durch den damaligen Justizminister Edwin Meese am 24. November 1986 unterrichtet worden, einen Tag bevor die Umleitung publik gemacht wurde.
Um einer seit langem erhobenen Forderung nachzukommen, veröffentlichte der scheidende US-Präsident am Freitag Auszüge aus seinen Tagebuchaufzeichnungen jener Zeit. Darin zeigt er sich vor allem besorgt über die Folgen der Affaire für seine eigene Karriere. Insbesondere befürchtete er, daß der damalige Außenminister George Shultz zurücktreten und Details publik machen könnte. Shultz hatte sich gegen das geheime Unternehmen gewandt. Auch Bush selbst spielte den Tagebuchaufzeichnungen zufolge mit dem Gedanken, zurückzutreten, um seine Glaubwürdigkeit auch mit Blick auf seine damals geplante Kandidatur für das Präsidentenamt unter Beweis zu stellen.
Ende 1992 begnadigte Bush einige ehemalige Regierungsmitarbeiter, gegen die wegen des Skandals ermittelt worden war. Sonderstaatsanwalt Lawrence Walsh erklärte daraufhin, nun sei auch das Verhalten Bushs Gegenstand der Ermittlungen. In der Vergangenheit hat Bush unterschiedliche Darstellungen seiner Kenntnisse und seiner Verwicklung in den Deal gegeben. Während er 1987 sagte, er habe nicht zum inneren Kreis der Entscheidungsträger gehört, deutete er später in Gesprächen mit Journalisten eine allgemeine Kenntnis und Billigung des Geschäfts an.
Im Wortlaut: Der geplante Asylartikel
Der neue Asylrechtsartikel 16 a des Grundgesetzes, auf den sich die Bonner Koalition und die oppositionelle SPD am Freitag geeinigt haben, hat nach Angaben der SPD folgenden Wortlaut: Absatz 1 Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.
Absatz 2 Auf Absatz 1 kann sich nicht berufen, wer aus einem Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaften oder aus einem anderen Drittstaat einreist, in dem die Anwendung des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten sichergestellt ist. Die Staaten außerhalb der Europäischen Gemeinschaften, auf die die Voraussetzungen des Satzes 1 zutreffen, werden durch Gesetz, das der Zustimmung des Bundesrates bedarf, bestimmt. In den Fällen des Satzes 1 können aufenthaltsbeendende Maßnahmen unabhängig von einem hiergegen eingelegten Rechtsbehelf vollzogen werden.
Absatz 3 Durch Gesetz, das der Zustimmung des Bundesrates bedarf, können Staaten bestimmt werden, bei denen auf Grund der Rechtslage, der Rechtsanwendung und der allgemeinen politischen Verhältnisse gewährleistet erscheint, daß dort weder politische Verfolgung noch unmenschliche oder erniedrigende Bestrafung oder Behandlung stattfindet. Ein Ausländer aus einem solchen Staat gilt nicht als politisch verfolgt, es sei denn, er trägt Tatsachen vor, aus denen sich ergibt, daß er entgegen dieser Vermutung politisch verfolgt wird.
Absatz 4 Die Vollziehung aufenthaltsbeendender Maßnahmen wird in den Fällen des Absatzes 3 und in anderen Fällen, die offensichtlich unbegründet sind oder als offensichtlich unbegründet gelten, durch das Gericht nur ausgesetzt, wenn ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Maßnahme bestehen; der Prüfungsumfang kann eingeschränkt werden und verspätetes Vorbringen unberücksichtigt bleiben. Das Nähere ist durch Gesetz zu bestimmen.
Absatz 5 Die Absätze 1 bis 4 stehen völkerrechtlichen Verträgen von Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaften untereinander und mit dritten Staaten nicht entgegen, die unter Beachtung der Verpflichtungen aus dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten, deren Anwendung in den Vertragsstaaten sichergestellt sein muß, Zuständigkeitsregelungen für die Prüfung von Asylbegehren, einschließlich der gegenseitigen Anerkennung von Asylentscheidungen treffen.
Hessen hilft armenischer Kinderstation Mit 85 000 Mark wird sich das Land Hessen an der Einrichtung einer Kinderstation in der Klinik der armenischen Stadt Stepanavan beteiligen. Wie Regierungssprecher Erich Stather (SPD) mitteilte, soll damit die Anschaffung von Intensiv-Inkubatoren und Kreislaufüberwachungs-Systemen mit EKG für Neugeborene finanziert werden.
DARMSTADT. Zwei 15 und 18 Jahre alte Darmstädter sollen einen 15jährigen Zug um Zug um rund 20 000 Mark erpreßt haben. Bei der fingierten Übergabe von 10 000 Mark seien die mutmaßlichen Erpresser festgenommen worden, teilte die Darmstädter Polizei mit.
Ihr Opfer hatte über längere Zeit Artikel aus dem Handwerksbetrieb seiner Eltern unter der Hand verkauft. Die Jugendlichen hätten gedroht, den Jungen deswegen an seinen Vater zu verraten. Kurz vor dem letzten Anruf der Täter offenbarte sich der 15jährige jedoch seinen Eltern, die die Polizei einschalteten. lhe
Gegen den als Erpresser verurteilten Box-Promoter Eberhard Thust hat die Wiesbadener Staatsanwaltschaft eine Anklage wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe erhoben. Insgesamt soll der 44jährige dem Fiskus rund 3,3 Millionen Mark vorenthalten haben. Unter anderem hätten er und seine Lebensgefährtin, das Fotomodell Nicole Meissner, die 800 000 Mark nicht versteuert, die sie von Steffi Grafs Vater erpreßt hatten.
Außerdem wird Thust zur Last gelegt, über ein Frankfurter Geldinstitut Kredite zu Sonderkonditionen beschafft und dabei mit einem derzeit flüchtigen Freund über eine Finanzierungsgesellschaft über sechs Millionen Mark an Provisionen kas- siert zu haben - ebenfalls unversteuert.
Um das erpreßte Geld ordnungsgemäß zu versteuern, hätten Thust und Meissner nach Ansicht der Steuerfahnder eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gründen müssen. Auf diese Weise hätten sie das Finanzamt an der Überweisung aus dem Hause Graf teilhaben lassen können. Die 3. Strafkammer des Wiesbadener Landgerichts hat bisher noch nicht über die Zulassung der Anklage entschieden. Die Wiesbadener Staatsanwaltschaft lehnte es ab, Auskünfte zu dem Fall zu geben. lhe
Im Eßverhalten sind die Bundesbürger offenbar lernfähig: sie essen mehr Getreideprodukte und greifen auch bei Obst und Gemüse kräftiger zu als vor vier Jahren. Diese positive Beurteilung gab die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Frankfurt rückblickend auf das Jahr 1992.
Erfreuliche Veränderungen der Eßgewohnheiten werden "Otto Normalverbraucher" auch bei Milch, Milchprodukten und Käse bescheinigt. "Mit diesem Trend besteht gute Hoffnung, die noch immer vorhandenen großen Lücken in der Kalzium-Versorgung zu schließen", äußerte DGE-Vizepräsident Günther Wolfram.
Ständige Warnungen vor zu hohem Cholesteringehalt in Nahrungsmitteln haben Wirkung gezeigt: Die Deutschen essen dem Bericht zufolge weniger Fleisch und verzichten auch häufiger als früher auf das einst überaus beliebte Frühstücksei.
Schlechter sieht es dagegen bei Fett und Zucker aus. Der Verbrauch fetter und süßer Speisen blieb im Vergleich zum Stichtag vor vier Jahren gleich. Mediziner und Ernährungs-Spezialisten empfehlen daher erneut, auf Fettiges und Süßes zu verzichten. lhe
Zu wenig ehrenamtliche Helfer Der Bundesverband für den Selbstschutz in Hessen hat an die Bevölkerung appelliert, freiwillig in einem der Hilfs- und Sanitätsdienste mitzuarbeiten. Arbeiter-Samariter-Bund, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfallhilfe, Malteser Hilfsdienst und Rettungswachen klagten über einen Mangel an ehrenamtlichen Helfern, berichtete der Verband in Wiesbaden. Das gleiche Problem stelle sich bei den freiwilligen Feuerwehren, der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, dem Technischen Hilfswerk und beim Bundesverband für den Selbstschutz.
WIESBADEN. Aus dem 1992 eingerichteten hessischen Härtefonds für Opfer nationalsozialistischer Unrechtsmaßnahmen sind im ersten Jahr knapp 309 000 Mark an 34 Empfänger gezahlt worden. Damit hätten längst nicht so viele Betroffene von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, wie zunächst angenommen worden sei, berichtete Familienministern Iris Blaul (Grüne) in Wiesbaden. Nach ihren Angaben stehen 1993 für diesen Fonds 600 000 Mark zur Verfügung.
Mittel aus dem Härtefonds sind dazu bestimmt, Opfern des Nazi-Regimes, die nach den Ausgleichsregelungen des Bundes bisher keine oder nur unzureichende Entschädigungen erhalten haben, unbürokratisch zu helfen.
Zum Kreis der Begünstigten gehören Homosexuelle, Sinti und Roma sowie Deserteure aus der ehemaligen deutschen Wehrmacht.
Aus dem Härtefonds kann entweder eine einmalige Unterstützung von 7000 Mark oder eine laufende monatliche Hilfe bis zu 672 Mark gezahlt werden. lhe
Seit die Bundesbank ihre Hochzinspolitik ganz behutsam lockerte, finden am Frankfurter Kapitalmarkt sogenannte Reverse Floater (umgekehrt variabel verzinsliche Anleihen) immer mehr Liebhaber bei Schuldnern und Anlegern. Binnen weniger Tage wurden jetzt sechs Anleihen dieses Typs mit einem Gesamtvolumen von 900 Millionen Mark aufgelegt. Ihnen ist gemeinsam, daß die Rendite mit sinkendem Geldmarktzins steigt. "Für gute Rechner können die Reverse Floater eine gute Alternative zu festverzinslichen Papieren sein", sagen Experten. "Doch das Risiko ist höher."
Wie eng Chancen und Gefahren der Reverse Floater beieinander liegen, wird beispielhaft an den Konditionen deutlich, mit denen die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ihre Anleihe ausgestattet hat. Bei einem Ausgabekurs von 100 Prozent bringt ihr Floater im ersten seiner zehn Jahre Laufzeit einen Festzins von zehn Prozent. Für die restlichen neun Jahre verspricht die Helaba ihren Gläubigern pro anno "19,5 Prozent minus zweimal den Sechsmonats-DM-Libor".
Der Libor ist der - ständig schwankende - Zinssatz, zu dem sich Banken am Londoner Geldmarkt untereinander D-Mark ausleihen. Je niedriger der Libor ist, desto höher wird die Rendite des Helaba-Floaters. Steigt er, wird der Floater für den Schuldner zur billigen Finanzierungsquelle.
"Das Risiko für den Kunden liegt darin, daß der Geldmarktzins über sehr lange Zeit niedrig sein muß", sagt ein Rentenhändler. Dagegen hoffe der Emittent, daß eine Phase fallender Geldmarktsätze rasch durch eine neue Hochzins-Ära abgelöst wird, damit der von ihm zu zahlende Jahreskupon gering bleibt. Je länger die variabel verzinsliche Restlaufzeit, desto größer werde das Risiko wieder steigender Zinsen, die für den Anleger niedrigere Renditen nach sich ziehen.
Am Freitag betrug der Libor rund 8,1 Prozent. Wenn es über die nächsten zehn Jahre bei diesem Niveau bliebe, erhielten Käufer der Helaba- Anleihe vom zweiten Jahr an schlappe 3,3 Prozent Zinsen pro anno. Stiege der Libor gar, beispielsweise auf 8,5 Prozent, würden gerade noch 2,5 Prozent herausspringen. Je mehr er dagegen fiele, desto höher würde wegen der eigenartigen Konditionengestaltung der Ertrag.
Interessant ist der Reverse Floater für einen Anleger bei steigendem Libor nur noch, wenn er das Papier an der Börse zu einem Kurs über dem Einstiegspreis verkaufen kann. Solche Gewinne bleiben, wenn sie mehr als sechs Monate nach Erwerb der Anleihe erzielt werden, steuerfrei. rtr
HAVANNA, 17. Januar (Reuter). In Kuba geht die Seife aus. Ein Sprecher des staatlichen Einzelhandels teilte am Freitag in Havanna mit, die unparfümierte "jabon de lavar", die zum Wäschewaschen verwendet wird, werde künftig nur noch für Kinder unter zwei Jahren abgegeben. Die Badeseife "jabon de bano" sei in diesem Monat gar nicht zu haben. Bislang hatte jeder Kubaner Anrecht auf ein Stück Seife im Monat. Bei der Zuteilung der Seife würden die Kleinkinder bevorzugt, weil ihre Wäsche und Windeln häufiger gewaschen werden müßten, sagte der Sprecher.
Für die Engpässe bei der Seife machte der Sprecher geringere Einfuhren an Chemikalien und Rohmaterialien verantwortlich. Sobald die Rohstoffe einträfen, werde wieder Seife zugeteilt. Auf dem Schwarzmarkt wird ein Stück Seife inzwischen für ein Sechstel des durchschnittlichen Monatslohnes gehandelt.
Basketball
Bundesliga vom Freitag BG Stuttgart/Ludwigsburg - TVG Basketball Trier 73:64 (38:36). Beste Werfer: Montgomery (27), Kujawa (12), Jochum (11) für Stuttgart/Ludwigsburg - Johnson (20), Reinhardt (12), Marsh (10) für Trier. - Zuschauer: 1000.
Brandt Hagen - SG FT/MTV Braunschweig 107:82 (57:46). Beste Werfer: Dinkins (33), Fiedler (17), Neuhaus (17), Suhr (14) für Hagen - Miglinieks (24), Stein (22), Svitek (20) für Braunschweig. - Zuschauer: 1000.
BG TuS Bramsche/Osnabrück - ALBA Berlin 69:68 (23:28). Beste Werfer: Shields (25), Perwas (18), Behnke (12), Ruddigkeit (10) für Bramsche - U. Blab (17), Mutapcic (14), Machowski (12), Primorac (12) für Berlin. - Zuschauer: 2200 (ausverkauft).
TSV Bayer Leverkusen - SVD Dortmund 83:77 (42:42). Beste Werfer: Johnson (22), Harnisch (17), Koch (11), Kleine-Brockhoff (11), Meyer (10) für Leverkusen - Mlynarski (25), Lehmkuhl (20), Pernell (11) für Dortmund. - Zuschauer: 650.
SSV Ulm - MTV Gießen 100:82 (51:37). Beste Werfer: Walker (39), Knoerr (15), Oldham (13), Sauer (12), van Waaden (10) für Ulm - Mc Donald (25), Roth (15), A. Andres (15), T. Andres (12) für Gießen. - Zuschauer: 2000 (ausverkauft).
TTL Basketball Bamberg - Tübinger SV 97:93 (46:34). Beste Werfer: Jackel (32), Swearengen (27), Martin (10) für Bamberg - Schomers (23), Key (21), Dietl (19), Schiano (14) für Tübingen. - Zuschauer: 1000. Bundesliga vom Sonntag ALBA Berlin - TSV Bayer Leverkusen 79:59 (41:24). Beste Werfer: Baeck (26), Mutapic (16), Machowski (13), Primorac (12) für Berlin - Wucherer (22), Kleine-Brockhoff (12) für Leverkusen. - Zuschauer: 3500 (ausverkauft).
Der erste Widerspruch im Werk von John Boorman ist der zwischen Beobachtung und Vision. Er begann 1956 als Dokumentarfilmer beim Fernsehen. Sein erster Erfolg war die Serie "Citizen 63", präzise Studien von normalen Menschen, in denen er das Außergewöhnliche und die Mißverhältnisse zwischen Selbstbild und Lebenswirklichkeit erkennt.
Mit "Catch US If You Can" (1965) gab Boorman sein Debüt als Spielfilmregisseur, eine Pop-Fabel um die Dave Clark Five, beeinflußt von Richard Lesters Beatles-Filmen, aber zugleich auch immer noch der Film eines Dokumentaristen: Es ist ein Film über Bristol, so wie der Gangsterfilm "Point Blank" (1967) ein Film über die Stadt Los Angeles ist, wie "Deliverance" ("Beim Sterben ist jeder der erste", 1972) ein Film über den Fluß Chattooga ist, wie der Artus-Film "Excalibur" (1981) ein Film über das Licht in Irland ist, und wie "Hope and Glory" ("Hoffnung und Ruhm", 1987) ein Film über die Rosehill Avenue in London ist.
Boorman sucht immer zugleich nach neuen Bildern und nach größtmöglicher Authentizität: In seinen Filmen beginnt der Schauplatz zu leben, er wird so übermächtig, daß seine Helden nur gewaltsam loskommen. Die Mehrzahl der Boorman-Filme endet mit der Zerstörung ihrer Schauplätze.
Boormans Filme handeln von Menschen, die ihren sozialen und historischen Ort verloren haben, die an ihrer eigenen Zivilisation verzweifeln. Deshalb setzen sie ungeheure Gewalt frei, suchen den Weg in eine verlorene Barbarei, in die verschüttete Natur, und scheitern dann um so radikaler im Kampf gegen ihre ursprüngliche Gesellschaft.
In allen seinen Arbeiten erzählt Boorman vom Übergang zwischen Barbarei und Zivilisation, nicht im Sinne historischer Linearität, sondern in der Form eines endlos geflochtenen Bandes: Zivilisation und Barbarei gehen stets auseinander hervor, kommentieren einander, aber nie läßt sich der Widerspruch auflösen. Nie finden die Helden, was der Mythos verspricht: Heimat. Es geht um Gesellschaften im Zustand zivilisatorischer Agonie, die sich nur noch in Gewaltakten äußern können. Jeder Film entwirft ein Bild für einen Weltuntergang.
Es gibt eine große Erzählung, auf die sich alle Bilder, alle Handlungsfragmente in Boormans Filmen zurückführen lassen: die Sage von König Arthur und den Rittern der Tafelrunde. Diese Erzählung hat Boorman seit seiner Jugend fasziniert, immer wieder ist er zu ihr zurückgekehrt, mal mit dem Anspruch des Mythologen, mal als Rationalist, mal mit psychologischem und mal mit moralischen Forderungen an seinen Stoff, am Ende schließlich als Schöpfer einer magischen Autobiographie im Film.
Boorman verteidigt weder die Zivilisation gegen die Rückkehr der Barbarei noch die edle Wildnis gegen den dekadenten Menschen. Er studiert das Zusammentreffen auf den verschiedensten Ebenen, und seine Geschichten verlaufen fast nie geradlinig, haben nie ein bestimmtes Ziel, sondern bewegen sich in Kreisen, schaffen Diskurse zwischen den Wiederkehrenden und immer wieder überraschend angeordneten Bildmotiven.
"Excalibur" (1981) hatte das Boormansche Weltmodell zusammengefaßt: die Geschichte der Zivilisation, die ihren eigenen Untergang produziert. Er interpretiert die Artus-Sage als den Gründungsmythos der modernen, christlichen Gesellschaft, als ein magisches Geschehen um den Verlust einer alten Kultur und die Begründung einer neuen, um das Sterben aller Götter und den Aufstieg einer neuen Religion.
Autobiographische und familiäre Motive treten in den Filmen danach deutlicher hervor. "The Emerald Forest" ("Der Smaragdwald", 1985) ist Plädoyer für die Erhaltung des Regenwaldes, für den Respekt vor indianischen Kulturen, aber er ist auch Revision des Artus-Stoffes. Der Sohn eines amerikanischen Ingenieurs wird von den Indianern in den Urwald entführt und wächst bei ihnen heran. Zehn Jahre lang sucht der Vater, und als er ihn gefunden hat, verzichtet er, ihn in die Zivilisation zurückzubringen.
"Hope and Glory" führt in die Zeit des Krieges; inmitten der Bombenangriffe erlebt der sechsjährige Bill das Leben als Abenteuer. Wieder findet der Regisseur magische Bilder, um die Wandlungen der Menschen zu beschreiben, ihr ständiges Überschreiten der Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit. Das Ende von "Hope and Glory" ist der Übergang zwischen dem Traum des jungen und der Arbeit des erwachsenen John Boorman.
Auch in "Where the Heart is" ("Die Zeit der bunten Vögel", 1990) geht es um die Auflösung einer Familie: Ein Bauunternehmer in New York setzt seine erwachsenen Kinder vor einem alten Haus ab, damit sie endlich lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. Bald darauf erleidet er einen Spekulationsverlust und sinkt zum Penner herab, während das Haus seiner Kinder zu einem Treffpunkt für bizarre und schräge Typen wird, eine Gralsuche ganz eigener Art.
Am Ende deutet sich eine neue Einheit an: Als wäre der alte König Artus, der seine Ritter aussandte, um dem Verfall der Tafelrunde eine große Suche entgegenzustellen, doch noch von ihnen zu retten. GEORG SEESSLEN
Der Auftrag der Bundeswehr wird auf Einsätze außerhalb des Natogebietes erweitert werden, daran kann heute kein Zweifel mehr bestehen. Diese Entwicklung ist dramatisch und auf das Schärfste zu verurteilen. Wohlklingende Vokabeln für "bewaffnete Kampfeinsätze" wie "humanitäre Hilfe", "Sicherung von Korridoren", usw. dienen lediglich zur Verschleierung der realen Anforderungen derartiger Einsätze (FR vom 12. 1. 1993 "Butros-Ghali fordert auch Soldaten von Bonn").
Die Bilder, die der Öffentlichkeit zur Zeit in den Medien präsentiert werden, zeigen die ganze verabscheuungswürdige Gewalt der Kriege in Somalia und im ehemaligen Jugoslawien.
Führen wir uns vor Augen: Jeder Krieg ist Gewalt. Erbarmungslos und menschenverachtend, ob in einem Land, gegen eine kleine Gruppe von Menschen oder weltweit. Die Forderung nach humanen Kriegen ist ein Widerspruch in sich. Im Wesen des Krieges drückt sich die Perversion des menschlichen Geistes aus.
Menschen werden zu Sachen, zu Opfern gemacht, das Leben besitzt in den Augen der Folternden und Tötenden keinen Wert mehr. Nicht nur in Somalia oder Jugoslawien, auch in der Türkei, in Irak, in ganz Südamerika oder Afrika . . .
Auf dieser Welt toben zur Zeit viele Kriege, und viele Menschen sind vom Hungertod bedroht, wir wissen es und wollen es doch nicht sehen. Wir kennen unsere Beteiligung am Sterben dieser Menschen durch eine ungerechte Weltwirtschaftsordnung und ungehemmte Waffenexporte.
Die Entsendung von Soldaten hat zu immer noch größerem Leid für die Zivilbevölkerung geführt. Wer jetzt zu den Waffen ruft, gibt nur scheinheilig vor, den notleidenden Menschen helfen zu wollen. Weder das Leiden in Somalia noch in Jugoslawien kann durch Waffengewalt beendet werden, wer davon ausgeht, macht sich und anderen etwas vor.
Der einzige Weg, dieses Leid auf der Erde zu beenden, ist, den pervertierten kriegerischen Geist zu bekämpfen. Dies heißt, jedem Leben auf dieser Erde einen unveräußerlichen Wert beizumessen und auch nach dieser Maxime zu handeln. Alle Handlungen, die zur Vorbereitung, Unterstützung oder Aufrechterhaltung eines Krieges dienen, sind zu unterlassen.
Eine gerechte, ökologisch vertretbare Weltwirtschaft muß etabliert werden. Alles andere ist unehrlich.
Hartwig Stein, Winnenden
Zuerst zu den Rahmenbedingungen: Es kann mal passieren, daß die Saalverdunklung nicht richtig funktioniert, daß die Stühle nicht ausreichen, oder daß der Projektor die Annahme der schmalen Dia-Rähmchen verweigert. Daß aber alle Katastrophen auf einmal hereinbrechen, kann nicht mehr als unglücklicher Zufall entschuldigt werden. Zu einer derart schlampig organisierten Veranstaltung einzuladen, ist mehr noch für die Vortragenden als für die Besucher eine Zumutung und für Frankfurt mit seinem weltstädtischen Kulturanspruch beschämend. Es fehlte auch die zweite Leinwand, die Übersetzerin war zu spät informiert worden und der Einführende hatte sich nicht vorbereitet. Unter diesen Umständen kann es kaum verwundern, daß bei einigen Zuhörern noch Fragen offen blieben (FR vom 28. 12. 1992 "Wo der Wind der Baukunst weht").
Nun zum Inhalt: Toyo Ito und Bernhard Tschumi gehören immerhin zu den bekanntesten Architekten der Gegenwart. Ihr großer Einfluß auf die junge Architektengeneration beruht u. a. darauf, daß sie bei ihren Entwürfen die Konzepte, die "Denkarbeit", in den Vordergrund rücken und formalen Lösungen mit tiefem Mißtrauen begegnen. Ito hat das Wort "Garten" als Methapher für eine künstlich geschaffene, d. h. eine geplante und gebaute Umwelt benutzt. Insofern macht es durchaus einen Sinn, von einem Garten des Lichts, einem Garten des Windes, von einem elektronischen Garten usw. zu sprechen.
Itos Projekte zeichnen sich gerade dadurch aus, daß in ihnen auf vielfältige Weise gezeigt wird, wie die Grenze zwischen drinnen und draußen, zwischen dem Haus und dem Garten aufgehoben werden kann. Die durch die Umstände bedingten Übersetzungsfehler zum Ausgangspunkt der Kritik an seinem Werk zu machen, wird der Leistung Itos nicht gerecht.
Bernhard Tschumi hat den Garten als städtischen Freiraum interpretiert und anhand von drei Projekten auf die vielschichtige Überlagerung kultureller Aktivitäten in diesen Räumen hingewiesen, die nach seiner Überzeugung ein wesentlicher Teil städtischen Leben sind.
Peter Eisenman hatte eine Woche früher an gleicher Stelle die Konsequenzen aus der dürftigen Vorbereitung gezogen und seinen Vortrag kurzerhand abgesagt. Ito und Tschumi haben den vielen aus ganz Hessen angereisten Studenten diese Enttäuschung erspart.
Prof. Ernst Ulrich Scheffler, Frankfurt am Main
Auch in der diesjährigen Tarifverhandlung zeigen die öffentlichen Arbeitgeber und die Gewerkschaften Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) und Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG), daß sie aus den vergangenen Tarifabschlüssen nichts gelernt haben (FR vom 9. 1. 1993 "Arbeitgeber bieten 2,25 Prozent").
Weiterhin wird ein "Pokerspiel" um (fast) nur prozentuale Einkommensverbesserungen veranstaltet, anstatt das Hauptproblem des öffentlichen Dienstes anzugehen, nämlich eine grundsätzliche Erneuerung des BAT und des unzeitgemäßen Beamtenrechts (da die Tarifabschlüsse meistens übertragen werden auf die Beamtenschaft).
Die Umstrukturierung des Lohn- bzw. Besoldungsrechts müßte eines der Hauptziele der Tarifpartner sein.
Bezahlung und häufig auch Beförderung nach Dienstalter regt die Motivation der öffentlich Bediensteten kaum an. Die Folge ist eine verstärkte Abwanderungstendenz in die verschiedenen Bereiche der Privatwirtschaft.
Fehlende finanzielle (Bezahlung nach BAT VIII) und berufsperspektivische (geringe Aufstiegsmöglichkeiten) Anreize lassen gerade Nachwuchskräfte des öffentlichen Dienstes in andere Dienstleistungszweige (Banken, Versicherungen) abwandern.
Viele Ausbildungsplätze können aufgrund der Unattraktivität nicht besetzt werden. Diverse Bereiche können ihren Personalbedarf seit längerem nicht mehr decken (Finanzämter, Techniker fehlen fast in jedem Rathaus). Diese Fachfrauen/männer verdienen in der freien Wirtschaft entschieden mehr und sind nicht mehr so stark hierarchisiert wie im Verwaltungsapparat.
Die Bevölkerung nimmt die Auswirkungen erst wahr, wenn die Probleme eklatant auftreten "Stichwort Pflegenotstand", "Erzieher/innenmangel". Erst dann wird gehandelt, übertarifliche Leistungen sowie andere Vergünstigungen sind kein Tabuthema mehr, selbst für die Kämmerer und Finanzminister.
Ähnliche Probleme werden in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes auftreten.
Bleiben die Tarifvertragsparteien in den nächsten Jahren bei ihren üblichen Angeboten, so wird über kurz oder lang der öffentliche Dienst kollabieren.
Deshalb hier mein Vorschlag an die Tarifpartner:
Streitet nicht länger nur um Prozentpunkte, sondern werdet kreativ und schafft Rahmenbedingungen, die leistungsmotivierend für die Belegschaft des öffentlichen Dienstes sind.
Nur so kann die Attraktivität und ergo die Effizienz gesteigert werden, was wohl im Sinne aller wäre.
Roger Winter, Obertshausen
Für S. Margolina ist der "wahre Platz" der Hölle von Auschwitz in der "seelischen Verfassung" "des modernen Bewußtseins" (FR vom 8. 1. 1993 "Die Identifikation mit Auschwitz versperrt den Weg in die Zukunft"). Ziemlich weit weg jedenfalls, liest man ihren Aufsatz. Da ist es fast gleichgültig, wer Täter und Handelnde waren und wer die Opfer. Sonja Margolina wünscht sich eine "neue deutsche Unbefangenheit". Verdächtig sind ihr all diejenigen, die sich mit der NS- Vergangenheit beschäftigt haben oder gar noch immer beschäftigen.
Von Ahnungslosigkeit zeugen Sätze wie "Die Vernichtung der Juden wurde von dieser Generation (der 68er) gründlich aufgearbeitet". Dies ist als Lob zu verstehen mit dem Tenor: Eigentlich hätte man's damit gut sein lassen können, aber leider war das Endprodukt dieser Aufarbeitung nicht ganz vorbildlich, sondern mit dem gefährlichen Nebenprodukt des Philosemitismus behaftet, so S. Margolina.
Bemerkenswert, daß sie, wenn sie über Auschwitz schreibt, die russischen und ukrainischen Opfer nicht einmal im Nebensatz erwähnt, obwohl sie diesen Vergleich sonst ständig zieht. Auch in diesem Fall stünde die Auseinandersetzung mit den Rollen von Tätern und Opfern an. Es gab sie, und sie blieben nicht ohne Folgen.
So "gescheite" Appelle wie die Ermutigung zur Lockerheit, wenn es um die Kinder der früheren Opfer geht, oder "freierer Umgang mit den schmerzlichen Fragen" helfen nicht. Sie sind außer Sonja Margolina schon anderen in Deutschland eingefallen - und schon viel früher.
Es bleibt die löbliche Absicht der Autorin zu helfen, die "Erstarrung (der Juden) in der Opferposition" aufzulösen. Dazu gibt es allerdings andere Beiträge als die Beschwörung einer deutschen Unbefangenheit.Hedwig Gafga-Heinbockel, Glauburg
Tips und Termine für den Main-Taunus-Kreis, Frankfurts westliche Stadtteile und Wiesbaden
MAIN-TAUNUS-KREIS
Filmspiegel Bad Soden. Kurtheater, Zum Quellenpark: Sister Act (20 Uhr).
Hattersheim. Kino am Kirchplatz Okriftel: Der kleene Punker (15, 20.15 Uhr).
Hofheim. Capitol-Kino-Center, Lorsbacher Straße 3: Kino 1: Bodyguard (15, 20.15 Uhr).
Kino 2: Kevin - Allein in New York (15); Der Tod steht ihr gut (20.15 Uhr).
Kino 3: Die Schöne und das Biest (15 Uhr); Sister Act (20 Uhr).
Kelkheim. Kino Hornauer Straße 102: Kevin - Allein in New York (17.30, 20 Uhr).
Kronberg. Kronberger Lichtspiele, Friedrich-Ebert-Straße 1: Sister Act (20.15 Uhr). Ausstellungen Bad Soden. Galerie Jürgen Sander, Alleestraße 6: Porträts und Blumenbilder von Dyrck Bondzin, 9.30 bis 13 und 15 bis 18.30 Uhr (bis 30. 1.).
Eppstein. Raule-Automobil-Museum, Hauptstraße 130: Historische Fahrzeuge und Mode, 8 bis 18 Uhr, Führungen nach Absprache Tel. 0 61 98 / 30 10.
Hofheim. Kunstverein Hofheim in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und dem Zentrum für altes und neues Wissen und Handeln e.V.: "Zwischen Traum und Tod", Kinderzeichnungen aus dem Getto Theresienstadt, Haindl-Hof, Hauptstraße 21, 16 bis 18 Uhr (bis 7. 2.).
Kreishaus, Am Kreishaus 1-5: "Augenblick mal!" - Ausstellung der Lebenshilfe Main-Taunus e.V., Bilder und Zeichnungen geistig behinderter Menschen, 8 bis 16 Uhr (bis 5. 2.).
Rathaus-Foyer: "Seh-Weisen" - Ausstellung der Lebenshilfe Main-Taunus e. V., zu den Rathaus-Öffnungszeiten (bis 31. 1.).
Vorträge / Kurse Hofheim. DRK: Kursus "Sofortmaßnahmen am Unfallort", Schmelzweg 5, 19 bis 22 Uhr.
Kolpingfamilie: "Peking und die Mauer", Filmvortrag von Ferdinand Klös, katholisches Gemeindezentrum, Pfarrgasse 2 a, 20 Uhr. Parteien / Parlamente Eschborn. CDU: Sprechtag der CDU- Fraktion mit Christian Fischer und Albert Reiner, Tel. 061 96 / 4 21 50.
Hattersheim. UBV-Sitzung, Posthof, Ratssaal, 20 Uhr.
Hofheim. Öffentliche Sitzung des Umwelt- und Forstausschusses, Rathaus, Chinonplatz 2, IV. OG, Sitzungszimmer 402 / 403, 19 Uhr.
Öffentliche Sitzung des Ausschusses für Planung und Verkehr, Rathaus, Chinonplatz 2, IV. OG, 20 Uhr. Vereine / Organisationen Kelkheim. Verein für Bewegungstherapie und Herzsport: Wirbelsäulengymnastik, 17.30 bis 18.30 Uhr; Bewegungstherapie und Herzsport, 18.30 bis 19.45 und 19.45 bis 21 Uhr, Stadthalle, kleiner Saal, Auskunft unter Tel. 0 61 95 / 6 46 49.
Sportgemeinschaft: "Herzsport" der SG-Sportgemeinde, Turnhalle der Pestalozzischule, 18.30 bis 20 Uhr; Auskunft unter Tel. 0 61 95 / 6 50 25.
DRK: Gymnastik, Stadthalle, kleiner Saal, 16 bis 17 Uhr (hintere Eingangstür).
Sportgemeinschaft: Wandergruppe, einstündige Waldwanderung, Treffpunkt: Sportplatz Taunusblick, 18 Uhr.
Sulzbach. Elternschule Taunus: Treffen der Stillgruppe, katholisches Gemeindezentrum, Eschborner Straße 2, 10 bis 11.30 Uhr, Anmeldung Tel. 0 61 92 / 2 20 98 und 0 61 72 / 69 45. Offene Treffs Hochheim. Mütterzentrum "Mamma mia", Kolpingstraße 2 (Räume der Bonifatius-Gemeinde): Cafétreff und Nähkurs für Kinderbekleidung, 15 bis 17 Uhr. Senioren Bad Soden. Wohnstift Augustinum, Neuenhain, Sodener Waldweg 2: Stereokonzert, Johannes Brahms, Vortragssaal, 16.30 Uhr.
Hattersheim. Seniorenzentrum Altmünstermühle, Erbsengasse 12: Arbeiten mit Holz, 10 Uhr; Seidenmalerei in der Textilwerkstatt, 13.30 Uhr; Rommé, Café, 14 Uhr.
Hofheim. Seniorenzentrum, Hattersheimer Straße 5: Englisch-Stammtisch II, 8.30 Uhr; Computer-Workshop, 9.30 Uhr; Englisch-Stammtisch III, 10 Uhr; Skat und Spiele, 13 Uhr, Basteln, 14 Uhr (Untergeschoß), Werkstatt, 14 Uhr.
Schwalbach. Städtischer Seniorenclub: Tanzkreis mit U. Moeser, Bürgerhaus Gruppenraum 1 / 2, 14.30 Uhr;
Kegeln, Ratskeller, Eingang neben dem Bürgerhaus, 17 bis 19 Uhr. Kinder / Jugendliche Flörsheim. "Güterschuppen", Bahnhofstraße: Jugendcafé, 14 bis 19 Uhr.
Hattersheim. Jugendtreff Okriftel, Mainstraße 48: Café, 16 bis 21.30 Uhr; Sprechstunde mit Stadtjugendpfleger Thomas Kaiser, 11 Uhr, Tel. 0 61 90 / 48 67.
Kelkheim. Jugendtreff Kelkheim Mitte: 14.30 bis 16.30 Uhr und 17 bis 21 Uhr. Sonstiges Bad Soden. Tanzstudio Bad Soden: "Tanz für Kurgäste", Königsteiner Straße 45, 20 bis 21 Uhr. WESTLICHE STADTTEILE
Ausstellungen Firmenmuseum der Hoechst AG, Schloß: Kunst von Zaneta Vangeli, 10 bis 16 Uhr (bis 31. 1.).
Vereine / Organisationen Höchst. Turnverein: Ski-Gymnastik für jedermann, Turnhalle, Hospitalstraße 34, 19 bis 20 Uhr.
Nied. Männergesangverein: Singstunden, Colleg I, Haus Nied, Luthmerstraße, 19.30 Uhr. Senioren Höchst. Senioreninitiative Gebeschusstraße 44: Aktion "Kelleraufräumen", 10 Uhr; Bridge für Anfänger (14 Uhr) und Fortgeschrittene (15 Uhr). Kinder / Jugendliche Unterliederbach. Evangelische Gemeinde: Kinderclub mit Hausaufgabenbetreuung, "Treffpunkt", Burgunder Weg 2, 13.30 bis 16.30 Uhr. Sonstiges Podiumsdiskussion "Fremdenfeindlichkeit in Deutschland", Neues Theater, Emmerich-Josef-Straße 46 a, 20 Uhr. WIESBADEN
Theater / Konzerte Theater, Foyer: Künstler-Porträt: Sue Patchell, 19.30 Uhr.
Pariser Hoftheater, Spiegelgasse 9: Ein jiddischer Abend zur Harfe mit Susanne Weinhöppel "Aus der Zeit", 20.30 Uhr. Filmspiegel Arkaden-Cinema 2000 am Ring, Bleichstraße 45/47: Bodyguard (14, 17, 20 Uhr).
Thalia-Theater, Mauritius-Galerie, Kirchgasse: Sister Act (13, 15.30, 18, 20.30 Uhr).
Hollywood, Mauritius-Galerie, Kirchgasse: Kevin - Allein in New York (13.30, 16.30, 19.30 Uhr).
Apollo-Cinema, Moritzstraße 6: Der Tod steht ihr gut (13, 15, 17.30, 20, 22.30 Uhr).
Kino-Center, Moritzstraße 6: Atelier: Die Schöne und das Biest (13, 15.30, 18, 20.30 Uhr).
Alpha: Bitter Moon (14, 17, 20 Uhr).
Beta: Grüne Tomaten (14.30, 17.30, 20.30 Uhr).
Gamma: Ihr größter Coup (14.30, 17, 19.30, 22 Uhr).
Bambi-Cinema Petit, Mauritiusplatz: Kafka (14, 17, 20 Uhr).
Passage-Programmkino, Wellritzstraße: The crying game (17, 19.45 Uhr). Effi Briest (22.30 Uhr).
Archivkino Caligari, Marktplatz 9: Das Bad auf der Tenne (17.30 Uhr); Porträt des Künstlers als junger Mann (19.30 Uhr); A Chinese Ghoststory (21.30 Uhr). Ausstellungen Penta-Hotel, Auguste-Viktoria-Straße 15: Aquarelle, Pastelle und Temperabilder von Dagmar Jost (bis 28. 2.).
Stadtteilbibliothek Bierstadt, Theodor- Fliedner-Schule: "Naturerlebnis Aukamm", 9 bis 12.30, 15 bis 18 Uhr (bis 29. 1.).
Hessische Landesbibliothek, Rheinstraße 55/57: "Amerika - Europa: Entdekkung, Eroberung und Erforschung eines Kontinents", 9 bis 19 Uhr (bis 5. 2.).
Café Cicero, Kirchgasse 50: "Stroboskopie", Illustrationen von Fernando Terelle, 10 bis 19 Uhr (letzter Tag). Vorträge / Kurse Farbdia-Vortrag von Udo Pfleghar "Beiderseits der Elbe, der Wörlitzer Park", Villa Schnitzler, Biebricher Allee 42, 17.30 Uhr. Beratung / Selbsthilfe Gesundheitsamt, Dotzheimer Straße 38-40: Aids-Beratung, 16 bis 18 Uhr.
Aids-Hilfe, Karl-Glässing-Straße 5: Bürozeiten: 10 bis 14 Uhr, Tel. 30 24 36; telefonische Beratung: 19 bis 21 Uhr, Tel. 1 94 11.
Verein Soziale Hilfe: Beratungsstelle, Bismarckring 3, 10.30 bis 12.30 und 14 bis 15.30 Uhr, Tel. 06 11 / 30 09 91.
Verein Frauen helfen Frauen: Beratungsstelle, 10 bis 13 Uhr, Tel. 06 11 / 5 12 12.
"Wildwasser", Verein gegen sexuellen Mißbrauch: Beratungsstelle für Mädchen und Frauen, 14 bis 17 Uhr, Tel. 80 86 19.
Kinderschutzbund: "Sorgentelefon für Kinder", Schwalbacher Straße 72, 15 bis 19 Uhr, Tel. 06 11 / 5 11 22.
Verein Hilfe für Kinder und Jugendliche: Kinder- und Jugendtelefon, 15 bis 19 Uhr, Tel. 06 11 / 1 11 03.
Pro familia: Offene Sprechstunde, Verhütungsmittelberatung, 16 bis 19 Uhr; Schwangerschaftskonfliktberatung nach Absprache, Langgasse 3, Tel. 37 65 16.
Altenhilfeprojekt St. Elisabeth: Vermittlung von Haushaltshilfen, Zietenring 18, 10 bis 12 Uhr, Tel. 40 10 81.
Jugend- und Drogenberatung "Oase": Sprechzeiten, 14 bis 17 Uhr; persönliche Beratung nach Absprache, Stiftstraße 12, Tel. 52 40 18.
LVA Hessen: Scharnhorststraße 24, Sprechstunde, 8 bis 12 Uhr.
Arbeitsamt: Sprechstunde der Berufsberatung, dritter Stock, Zimmer 333; Kurzinformation, 8 bis 12.30 und 14 bis 16 Uhr; ausführliche Beratung nach Absprache, Klarenthaler Straße 34, Tel. 0 6 11 / 9 49 43 56.
Internationaler Bund für Sozialarbeit: Beratungsstelle für Aussiedler, Blücherstraße 20, 9 bis 13 Uhr, Tel. 06 11 / 4 70 29.
Wiesbadener Hilfe, Opfer- und Zeugenberatung, Adelheidstraße 74, 8 bis 12 Uhr, 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung, Tel. 3 08 23 24 und 3 08 23 25. Sonstiges Literaturseminar von Dr. Marlene Lohner "Shakespeare und kein Ende", Villa Schnitzler, Biebricher Allee 42, 10.30 Uhr.
Katholische Erwachsenenarbeit: Selbsterfahrungsübungen und Austausch im Gespräch zum Thema "Körpersprache", Friedrichstraße 26 - 28, Roncalli- Haus, 20 Uhr.
Ferien auf einer Finca, dem traditionellen bäuerlichen Landhaus, kann man mit dem "Mallorca Reisedienst" in diesem Sommer auf den Inseln Mallorca, Ibiza, La Palma und La Gomera verbringen. Oftmals liegen die stilvollen und mit allem Komfort ausgestatteten Feriendomizile inmitten von Plantagen, Gemüse und Obstgärten. Je nach Geldbeutel und Ansprüchen kann man auch in einer Granja, einem herrschaftlichen Guthaus wohnen, oder in einem der Casas. Das sind kleine, preiswerte Privatpensionen an ruhigen und landschaftlich reizvollen Plätzen. Vorgestellt werden diese Unterkünfte im Katalog "Finca Ferien '93", den der Mallorca Reisedienst, Berger Straße 35, 6000 Frankfurt a. M., Tel. 069/442023, aufgelegt hat. FR
Eine Bahnreise um die Welt das ist eine der ausgefallenen Angebote des Veranstalters Lernidee Reisen, Dudenstraße 78, 1000 Berlin 61, Tel. 030/7865056. Die Schienentour um den Globus dauert 30 Tage und wird mit den legendären Zügen wie der Transsibirischen und der Transmongolischen Eisenbahn absolviert. Einzelne Etappen der insgesamt 16 000 Bahnkilometer langen Reise sind Moskau, Irkutsk, Chabarowsk, Ulan Bator, Peking, Kanton und Hongkong. Von der britischen Kronkolonie geht es dann per Flugzeug nach San Francisco und von hier mit dem California Zephyr via Salt Lake City und Rocky Mountains bis Chicago. Letzte Station ist New York. Preis: 6412 Mark, nicht darin enthalten sind der Rückflug von New York und die Verpflegung außerhalb Rußlands. Weitere ungewöhnliche Angebote des Veranstalters sind u. a.: Auf Kamelen durch die Mongolei oder per Rad durch die Sahara. FR
Fernreisen für Dialyse-Patienten offeriert neben den bereits bekannten Zielen auf Mallorca, Gran Canaria, Teneriffa und Ischia der Veranstalter Dialyse und Reisen, Reisebüro Hebestreit, Markgröninger Straße 53, 7141 Schwieberdingen, Tel. 07150/31394. Buchbar sind u. a. Aufenthalte in Singapur, Penang, Florida und Barbados; auf Wunsch werden auch andere Ziele mit guten Dialyse-Zentren ausfindig gemacht. Ausführliche Informationen sind gegen fünf Mark Rückporto erhältlich. FR
Auf der Suche nach Surfrevieren hat der Spezialveranstalter Sun and Fun erstmals den Lake Arenal, einen Süßwassersee am Fuße des gleichnamigen Vulkans auf Costa Rica ins Programm genommen, den Insider wegen seines konstanten Gleitwinds schon lange schätzen. Der Surfurlaub ist kombiniert mit individuellen Rundreisen oder Badeaufenthaltenam Pazifik. Andere Ziele für Surfer im Winterprogramm sind neben den Kanaren die Insel Sal/Kapverden, Hurghada und Safaga, Barbados, die Dominikanische Republik, Aruba und Hawaii. Näheres bei Sun and Fun. Kaiserstr. 45, 8000 München 40, Tel. 089/338833. FR
Kojen-Charter für Singles heißt ein wenig verbreitetes Angebot, das auch Einzelreisenden die Möglichkeit bietet, sich auf einem Segelboot einzumieten. Gleich, ob Segeltörns für Frauen, eine gemischte oder eine Männercrew: das Bremer Unternehmen Swan Charter, Hollerallee 26, 2800 Bremen, Tel. 04 21 / 3 46 96 50, offeriert im neuen Katalog Segelurlaub auf Fünf-Sterne-Yachten weltweit. FR
Auf Ferienhäuser in Frankreich spezialisiert hat sich die Agence Breiz- Armor, Wasenweiler Str. 46, 7817 Ihringen, Tel. 07668/603. Gebucht werden können u. a. Feriendomizile in der Bretagne, der Vendee und Charente- Maritime, in Aquitanien und am Mittelmeer. FR
Segeltörns in der Andamanensee, Dschungel-Trekking im Sok Nationalpark und Tauchen in tropischen Gewässern, das ist nur ein Teil des vielfältigen Thailand-Programms, das No Dream Travel, Weberstr. 46, 5300 Bonn 1, Tel. 0228/631567, für Individualisten zusammengestellt hat. Der ausschließlich auf Thailand spezialisierte Veranstalter versucht mit seinem Angebot, das vielfach verbreitete, einseitige Image dieses Reiseziels zu korrigieren, indem er Pauschal- und Individualprogramme anbietet, die es ermöglichen, Land und Leute in aller Ruhe kennenzulernen. So führt beispielsweise die dreiwöchige Rundreise "Exotisches Thailand" nicht nur nach Bangkok und Phuket samt Nachbarinseln, sondern auch in den bergigen Norden. FR
Ferienhäuser in Osteuropa, in der Tschechischen und Slowakischen Republik, in Polen, Ungarn und dem Baltikum hat Novasol, Steindamm 39, 2 Hamburg 1, Telefon 040 / 24 82 10 82 im Programm. Erstmals bietet der Veranstalter auch Ferienhäuser auf den estischen Inseln Hiiumaa und Saarmaa an. Die Inseln gehören zu den schönsten Naturgebieten der Ostsee. FR
ESCHBORN. Die Baulandumlegung für das Baugebiet "Verlängerter Dörnweg" ist nach einer Mitteilung der Stadtverwaltung Mitte Januar unanfechtbar geworden.
Der Umlegungsplan kann von allen, die ein berechtigtes Interesse daran darlegen, im Zimmer 127 des Rathauses eingesehen werden. Für die neuen Eigentümer steht mit der öffentlichen Bekanntmachung schwarz auf weiß fest, welches Grundstück ihnen gehört. she
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Beratung / Selbsthilfe Friedberg. Diakonisches Werk: Ehe-, Familien- und Lebensberatung, psychologische Beratung, Gesprächstermine nach telef. Vereinbarung unter 0 60 31 / 149 59, Leonhardstr. 16.
Wildwasser Wetterau: Beratung für Mädchen, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind, 10-12 Uhr, Hanauer Str. 12, Tel. 0 60 31 / 640 00.
Lebenshilfe: Beratung für Eltern von Risikokindern und entwicklungsverzögerten Kindern, 10-12 Uhr, Hauptstr. 27-29, Fauerbach.
Deutsche Friedensgesellschaft, Vereinigte Kriegsdienstgegner: Beratung für Kriegsdienstverweigerer und Zivildienstleistende, 20 Uhr, Literatur-Café.
LVA: Sprechstunde, 8-12 Uhr, Beratungsstelle Hanauer Str. 30.
Frauenamt des Wetteraukreises: offene Sprechst. 8.30-14 Uhr, Leonhardstr. 7.
Aids-Beratung des Gesundheitsamtes, 14-15.30 Uhr, Tel. 0 6031 / 832 96.
Pro Familia: ärztliche Sprechstunde, Beratung, 14-17 Uhr, Kleine Klostergasse 16, Tel. 0 60 31 / 23 36.
Bad Nauheim. Frauen helfen Frauen Wetterau: Frauenhaus 0 60 32 / 47 84, Beratungsstelle des Frauenhauses, Sprechstunden: Mo. 13-16 Uhr, Mi. 9-12 Uhr, Fr. 9-12 Uhr u. nach Vereinbarung, Frankfurter Str. 1c, Tel. 0 60 32 /47 74.
Haus der Gesundheit: 9.30-11 Uhr Diätberatung; 10 Uhr Mitmachen - fit bleiben; 15 Uhr Raucherentwöhnungstherapie; 15.30 Uhr Vortrag: Der Verstopfung zu Leibe rücken; 16.10 Uhr Kurseelsorge;
Interessengemeinschaft der Verbraucher: Verbraucherberatung, 15-18 Uhr, Rechtsberatung 16-18 Uhr, Frankfurter Straße 34.
Bad Vilbel. Kinderschutzbund: Sprechstunde, 9-12 Uhr, Frankfurter Str. 85, Tel. 0 61 01 / 882 19.
Bürgeraktive: Treffen der Selbsthilfe- Gruppe der "Dicken", 19 Uhr, Frankfurter Str. 15.
Karben. Kinderbeauftragte der Stadt: Sprechstunde, 10-12 Uhr, Seniorenclub Bürgerzentrum, Tel. 0 60 39 / 481 39.
Allgemeiner Sozialer Dienst: Sprechstunde, 10-12 Uhr, Bauhof, Robert- Bosch-Straße.
Caritas-Verband Gießen: Mobile Beratungsstelle, 18-19 Uhr, Wernher-von- Braun-Str. 41, Groß-Karben.
Büdingen. Caritas: allgemeine Lebensberatung, 14.30-16.30 Uhr, Berliner Str. 18, Tel. 0 60 42 / 39 22. Kulturmix Bad Nauheim. Die original Kitzecker, Konzert, 19.30 Uhr, Kurhaus.
Gruppen / Vereine Friedberg. Mädchen-Café: 14-17 Uhr, Große Klostergasse 5, Tel. 0 60 31 / 31 40.
Bad Nauheim. DRK: Bereitschaftsabend, 20 Uhr, DRK-Heim. - FFW: Übung/Unterricht, 19.45 Uhr, Stützpunkt.
Gesangverein Frohsinn: Chorprobe, 20 Uhr, Stadtschule Wilhelmskirche.
Jagdclub: Jägerstammtisch 20 Uhr, Schützenhaus.
Johanniter Unfallhilfe: Treffen d. Jugendlichen, 17.30-18.30 Uhr, Stadtschule Wilhelmskirche.
Seniorenclub: Tag der Begegnung, 14 Uhr, Blücher Str.
Verein für Briefmarkenfreunde: Tauschabend, 20 Uhr, Altes Rathaus.
Vogelschutzgruppe: Zusammenkunft, 20 Uhr, Sportheim.
DLRG: Treffen, 18 Uhr, Usa-Wellenbad.
Bad Vilbel. Bürgeraktive: Treffen für Mitglieder und Interessierte, 20 Uhr, Frankfurter Str. 15.
AWO-Seniorenclub Dortelweil: Treffen, 15 Uhr, Th.-Heuß-Str. 1.
Jugendpflege: Spiel- u. Basteltreffs f. Schulkinder bis 12 J. - Kernstadt: 14-18 Uhr, Spielhaus Berkersheimer Weg; Dortelweil: 14.30-17.30 Uhr, Altes Rathaus; Treff f. Kinder v. 12-15 J.: Kernstadt: Jugendhaus Saalburgstr, ab 12 Uhr; Massenheim: 16-18 Uhr, Altes Rathaus; Gronau, ab 15 Uhr, Altes Rathaus.
Jugendclub Massenheim: Spiel- und Basteltreff f. Kinder v. 6-12 J., 14.30-17.30 Uhr; Treff f. Schüler ab 12 J., 15.30-18.30 Uhr; f. Jugendliche ab 16 J. 19-22 Uhr, Kirchstr. Massenheim.
Kinderschutzbund: Müttercafé, 9.30 bis 11.30 Uhr, Frankfurter Str. 85 (I. Stock).
Butzbach. Schützengesellschaft 1410: Geselliges Montagabendschießen, 19.30 Uhr, Schützenhalle.
BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland: Monatsversammlung, 20 Uhr, Gasthaus Werdenfels.
AWO-Begegnungsstätte: Gymnastik f. Eltern mit Kind, 15.30-16.30 Uhr, Gymnastikhalle Schrenzerschule; Eltern- Kind-Spielkreis (für 1ã-2jährige), 15.30-17 Uhr, Kindergarten Hoch-Weisel.
Karben. Mütterzentrum: Zwergentreff I (Mütter mit Kindern v. Beginn des Laufalters bis 16 Mon.), 14-15.30 Uhr; Zwergentreff II (Mütter mit Kindern von 16 Mon. bis 2 J.), 15.45-17.30 Uhr; Hauptstr. 84, Okarben.
Photo-Club: Treffen, Cibachrome-Verarbeitung, 20 Uhr, Rendeler Str. 25,Karben.
Altenstadt. Jugendclub Treff: 19-22 Uhr, a. d. Altenstadthalle. Vorträge / Kurse Friedberg. VHS: Einführung in den Umgang mit Computern, 17 u. 19.15 Uhr, Gesamtschule.
Bad Vilbel. VHS: Einführung in den Umgang mit Computern, 18.30 Uhr, Georg-Büchner-Gymnasium.
Nidda. Dia-Vortrag: "Peru - Zu den Kultstätten der Inka" v. W. Fiolka, 19.30 Uhr, Parksaal Bad Salzhausen. Parteien / Parlamente Wöllstadt. Sitzung des Umweltausschusses, 19 Uhr, BH Nieder-Wöllstadt. Verschiedenes Friedberg. Landratsamt: Neujahrsempfang, 16 Uhr, Kreishaus. Abfallsammlung Butzbach Altpapiersammlung in Kernstadt Bezirk I.
Niddatal. Einsammlung der Verpakkungssäcke.Ausstellungen Friedberg. Gianni Colombo - spazio curvo, der gekrümmte Raum, Di.-Do. und So. 11-20 Uhr, Görbelheimer Mühle, Bruchenbrücken (bis 30. 3. 93).
Bad Vilbel. Brunnen- u. Heimatmuseum: Historische Bügelgeräte, So. 10-12 u. 14-17 Uhr, So. 19-21 Uhr (bis Februar). Echzell. Heimat- u. Geschichtsverein: "Was du ererbt von deinen Vätern", So. 10-12 u. 14-16 Uhr, Lindenstr. 3 (bis Ende Februar 1993).
Büdingen. Aus Kleiderschrank und Wäschetruhe, Di.-Fr. 10-12 Uhr, Mi. u. Sa. 15-17 Uhr, So. u. Feiertage 10-12 u. 15-17 Uhr, Heuson-Museum im Rathaus (bis 28. 02. 93). Filmspiegel Friedberg. Roxy: Bodyguard (15, 20.15 Uhr) - Blende: Die Schöne und das Biest (15 Uhr); Eine Frage der Ehre (20 Uhr) - Studio: Kevin - allein in New York (15 Uhr); Sister Act (20.15 Uhr) - Keller: Der Tod steht ihr gut (15, 20.15 Uhr).
Bad Nauheim. Terminus: Grüne Tomaten (19 Uhr).
Butzbach. Capitol: Die Schöne und das Biest (20 Uhr) - Bambi: Boomerang (20 Uhr).
Büdingen. Royal: Bodyguard (20 Uhr) - Princess: Sister Act (20 Uhr).
Schöneck. Sternpalast: Die siebente Saite (19.45 Uhr); IP 5 (22 Uhr).
Lich. Traumstern: Gestohlene Kinder (19.30 Uhr); Hamlet goes business (21.45 Uhr). (ohne Gewähr)
HEUSENSTAMM. Der Übernahme der Müllverbrennungsanlage des Abfallzweckverbandes Offenbach durch den Umlandverband Frankfurt (UVF) zum 1. April möchte Bürgermeister Josef Eckstein nur dann zustimmen, wenn bestimmte Forderungen vom UVF erfüllt werden.
Dies teilte Eckstein jetzt dem Verband in einem Schreiben mit. Der Übernahme müssen die Parlamente derjenigen Kommunen noch zustimmen, die dem Abfallzweckverband angehören, also auch die Heusenstammer Stadtverordnetenversammlung. Eckstein begrüßt in seinem Schreiben die Absicht des Umlandverbandes, in der Müllverbrennungsanlage keinen vierten Ofen einzubauen und durch eine Nachrüstung den Schadstoffausstoß zu reduzieren. Der Bürgermeister macht allerdings darüber hinaus darauf aufmerksam, daß die Schlackendeponie dringend saniert werden müsse, um das Eindringen von Chemikalien in das Grundwasser zu unterbinden. Weiterhin bittet Eckstein den Umlandverband, eine vom Zweckverband ursprünglich einmal geplante Erweiterung der Schlackendeponie um 3,1 Hektar nach Süden und damit in Richtung Bastenwald nunmehr aufzugeben. Diese Erweiterung sei nicht mehr notwendig, erklärte Eckstein.
Zur Erinnerung: Seit einiger Zeit wird die Schlacke als Wirtschaftsgut klassifiziert und wiederverwertet. Dennoch hatte der Abfallzweckverband sich in der Vergangenheit dagegen gewehrt, die 3,1 Hektar wieder in den Waldverband zurückzuführen, wie es die Heusenstammer gefordert hatten - mit dem Hintergedanken, daß dann das Gelände nicht mehr so leicht wieder für eine andere Nutzung bereitgestellt werden kann.
Außerdem sorgten sich die in der Nachbarschaft wohnenden Heusenstammer, daß der auf den 3,1 Hektar Fläche wachsende Wald abgeholzt werden könnte, was die Wohnqualität des Bastenwaldes erheblich beeinflussen würde, begründete der Bürgermeister seine Bitte an den Umlandverband. pmü
ESCHBORN. Zur Polio-Schluckimpfung können Kinder und Erwachsene am heutigen Montag, 18. Januar, gehen. Die Stadtverwaltung bietet zwei Termine an: zwischen 14.30 und 15 Uhr in der Westerbachschule und von 15.30 bis 16 Uhr in der Eschborner Stadthalle. she
Ein Rathaus, zwei politische Welten in Zeiten des Kommunalwahlkampfes. So zu beobachten jetzt in Fechenheim. Im Clubraum 1 tagt ein kommunalpolitisches Bündnis, das sich selbst als "Stadtopposition" begreift und seine Kandidaten-Liste für den Römer meist mit Aktiven der Ökologischen Linken, die sich einst von den Grünen abspaltete, und der PDS zusammensetzt: "ÖkoLinX" nennt sich das ganze Unternehmen, gedanklich wohl frei angelehnt an eine bekannte Comic-Figur und auch programmatisch anscheinend dem Tenor des berühmten kleinen Mannes mit den schier unerschöpflichen Kräften verpflichtet. Denn für Manfred Zieran und seine Mitstreiter steht fest: Die spinnen, die Grünen. Und deswegen sei es nun Zeit für eine Opposition gegen "den Einheitsbrei" im Römer, findet der frühere Grüne-Stadtverordnete.
Eine Tür weiter, Clubraum 2: Eine Veranstaltung der Grünen. "Die Anpasser", wie Zieran sagen würde, machen ebenfalls Wahlkampf. Tür an Tür mit den Abspaltern. Also ein Ort der kleinen verbalen Spitzen an die Adresse des politischen Gegners oder aber für die Erinnerung an längst vergangene Tage der Auseinandersetzung zwischen Pragmatikern und Fundamentalisten damals noch innerhalb der Partei der Grünen? Mitnichten. "Es ist ein Zufall", erzählt Gabriel Trischler, der für das grüne "Original" in den für Fechenheim zuständigen Ortsbeirat gewählt werden will, daß "Stadtopposition" und Römer-Koalitionäre an diesem Abend nebeneinander Wahlkampf machen. Nebeneinander, gegeneinander, aber ohne sich auch nur einen Moment gegenseitiger Aufmerksamkeit zu schenken.
Es bleibt ein ruhiger Abend in Fechenheim und beide Bewerber um den Einzug ins Parlament weitestgehend unter sich. Eigentlich hatten sie das auch gar nicht anders erwartet, gilt der östliche Stadtteil doch nicht gerade als Bastion der neueren Linken. Doch zumindest hatte sich "ÖkoLinX" viel Mühe gegeben, um peppig für eine Debatte über den öffentlichen Nahverkehr zu werben: "Was hat die Weltrevolution mit der Straßenbahnlinie 11 zu tun?" Gute Frage. Schade, daß es nur zwölf Frauen und Männer interessiert, wie da der Bogen aus dem östlichen Stadtteil zum globalen Aufstand geschlagen wird. Ganz einfach: Eine Fahrt mit der Tram, die den Osten mit dem Westen verbindet, ein Blick aus dem Fenster der Bahn und wohin auch geschaut wird: Überall finden sich auf der Strecke Orte, an denen "das Kapital pulsiert". Während die Veranstaltung von "ÖkoLinX" so vor sich hindümpelt. Also wieder eine Tür weiter. Das Wort hat Brigitte Sellach. Die ehemalige Staatssekretärin im hessischen Sozialministerium spricht über die Bonner Asylpolitik. Ohne einen Gedanken an die weltweite Revolution. ing
Der Wendehammer, der in der Straße Am Weigelsgarten in Eschersheim geplant ist, soll nicht gebaut werden. So will es der zuständige Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim). Das für den Wendehammer vorgesehene Grundstück solle dem Eigentümer nicht entzogen werden. Auch die Pläne für den Fußweg, den die Stadt zwischen Am Weigelsgarten und Bonameser Straße bauen lassen wollte, werden auf Eis gelegt.
Damit kommt das Stadtteilgremium den Wünschen der Anwohner nach. Sie hatten in der Bürgerfragestunde erklärt, daß in der Sackgasse auch ohne Wendehammer gewendet werden könne. Auch die Müllabfuhr habe keine Probleme. Den geplanten Fußweg finden die Anlieger schlicht "unnütz". Niemand würde den Weg auf die befahrene Bonameser Straße einschlagen, wenn er parallel dazu auch durch die ruhige Straße Am Weigelgarten laufen könne. sen
HEIKO KRETSCHMER, Marburger Juso und Kommunalwahlkandidat, hat angekündigt, daß er für den Wahlkampf und seine Listenplätze im Kreistag und im Stadtparlament nicht mehr zur Verfügung steht. Der Unterbezirksvorstand der SPD Marburg-Biedenkopf habe sich geweigert, noch vor dem Wahlkampfauftritt des Parteivorsitzenden BJÖRN ENGHOLM am 25. Januar einen ablehnenden Beschluß gegenüber der Asyleinigung der Bonner Parteien zu fassen. Und das, obwohl der Unterbezirk "zu den vielen hundert Gliederungen der SPD gehörte", die vor deren Sonderparteitag gegen die Petersberger Empfehlungen Engholms votiert hätten.
Hier und da spürt man die Einflüsse, aber die Malerei von Susanna Krawagna droht niemals im Kielwasser ihrer beiden wichtigsten Lehrmeister zu versickern. Die 1964 in Klagenfurt geborene Künstlerin, die nun in der Bad Homburger Galerie Scheffel zu ihrer ersten deutschen Einzelausstellung antritt, studierte an der Wiener Akademie der Bildenden Künste und war hier Meisterschülerin von Arnulf Rainer. Gebeten, die Ergebnisse dieser Ausbildungszeit zu resümieren, wird die Malerin vorsichtig. "Er ließ uns alle Freiheit", erzählt sie, "wir konnten unsere eigene Form finden." Bloß die "Liebe zur dunklen Farbe", räumt sie ein, die habe sie möglicherweise durch Rainer entwickelt. Gleichwohl sehe sie die schwarzen und blauen Töne fast ausschließlich im Kontrast mit Orange und Braun.
Die Liebe zur dunklen Farbe: die Bekanntschaft mit dem Werk von Robert Motherwell hat sie bestätigt und intensiviert. In den USA fand die nach einem längeren London-Aufenthalt jetzt wieder in Wien lebende Künstlerin Gelegenheit, die Bilder dieses bedeutenden Schöpfers mythenschwerer Abstraktionen zu analysieren und auch von ihnen zu lernen. Der amerikanische Expressionist, der emotional gestimmte Farbmaterie auf größeren und kleineren Leinwänden verdichtet und auch zerfetzt hat, der den (Kunst-) Kosmos seiner Zeit aufwühlte, erklärte einmal vor einem seiner Gemälde: "In dieser Malerei geht es um die Leere und auch um die Dinge; man findet hier gleichermaßen Spontaneität und Überlegung. Genau das habe ich während meines ganzen Lebens als Maler angestrebt."
Tatsächlich sind die Leere und die Dinge in ihrer einfachsten, bewußt wenig reflektierten Form auch die Antriebskräfte für Susanna Krawagna. Wie Motherwell, der sich - teils Matisse zum Vorbild wählend - mit dem Dialog von Innen und Außen beschäftigte, den Versprechungen hinter eben geöffneten Türen und den Geheimnissen zwischen gerade geschlossenen Fenstern malend nachspürte, üben Fenster und Türen auch auf die Rainer-Schülerin einen fast magischen Sog aus. Viele ihrer Arbeiten definiert sie als Fensterblicke. Fenster sind - von außen betrachtet - "schwarze Löcher" für sie. Sie stürzt mit dem Pinsel auf sie zu, erhascht ein Detail wie das spiralartige Ornament eines schmiedeeisernen Gitters, malt es in eine nackte schwarze Fläche und hat ein Bild geschaffen, das eine Abbreviatur ist und doch für ein Lebensgefühl steht. Das der Neugier, die von der Vorsicht in Schach gehalten wird, und der Zugänglichkeit, die mit der Verschlossenheit Haus an Haus wohnt.
Mit Landschaftsaquarellen hat Krawagna vor ihrer Akademiezeit begonnen; "Details aus der Natur" finden sich als Spuren der Wirklichkeit bis heute in ihren Bildern, die jüngst strenger gebaut und weniger impulsiv entworfen, immer jedoch auch malphilosophische Absichtserklärungen sind. Seit kurzem entstehen kleinformatige Serien auf Papier, in denen sich Formstudien wie in einer mathematischen Ableitung verzweigen.
Während Susanna Krawagna ihre Papierarbeiten - ungewöhnlich genug - ausschließlich in Öl anlegt, benutzt sie für die Bilder auf Leinwand spezielle, in England hergestellte Acrylfarbe, die wie Öl wirkt. Ihre Bilder zeichnen sich aus durch eine bemerkenswerte, nicht bloß perspektivisch zu sehende Tiefendimension; selbst die kleinen Werke sind Schöpfungen von ikonengleicher Kraft. (Bis 20. Februar, Ferdinandstraße 19.) bab
Erneut präsentiert die Galerie für aktuelle Kunst die Kunstpreisträger, die der Frankfurter Verein für Künstlerhilfe benannt hat. Die Jahresausstellung 1991 vereint Arbeiten von vier Frankfurter Kunstschaffenden: Erdogan Bulut, Young Hyang Lee, Albrecht Wild und Sabine Zimmermann. Sie alle haben an der Städelschule studiert, drei von ihnen sind Kirkeby-Schüler. Ihrer Arbeit ist das nicht anzusehen; seit ihre Werke erstmals öffentlich zu begutachten waren (die von Bulut und Wild vor drei Jahren in einer improvisierten Studenten-Ausstellung) zeigen sie, daß sie konsequent ihren eigenen Weg verfolgen.
Albrecht Wild, geboren 1959 in Weinheim, zählt noch immer Graphit, Flammruß, Acryl und Betonfarbe, die ihm unterschiedliche Grauwerte ermöglichen, zu seinen wesentlichen Farb- und Werkstoffen. Standen bei ihm bislang aber nicht darstellende Arbeiten im Vordergrund, so macht sich neuerdings ein Hang zur Pop Art bemerkbar. "Tom Wesselmann" tauft der Künstler ein wandfüllendes, aus Kreissegmenten zusammengesetztes Gebilde, das einem Mund ähnelt, offenbar an die stilisierten signalroten Lippen erinnern soll, die der Amerikaner in perfekten Konturen als "eye catcher" ins von ihm verbreitete Frauenbild plazierte. Bei Wild sind die Lippen freilich geschlossen und mausgrau. Auch in einer Arbeit mit Bierdeckeln geht der Künstler - zwangsläufig - vom Kreis aus. Er zerlegt die Untersetzer in vier Teile und kombiniert diese neu. Bisher kannte man von Wild viereckige Bilder und Tondi. Die Segmentform war meist als Einzelelement dem Bildganzen untergeordnet. Nun erforscht der Maler ihren Eigenwert.
Sabine Zimmermann überrascht, weil auch sie jetzt Kühe malt. Dieses Thema hat in der jungen Kunst seit einiger Zeit Konjunktur und erlebt alle möglichen Spielarten. Zimmermann, geboren 1962 im österreichischen Wels, umkreist die Variante "Kuhverdreht", bei der ein ondulierter Kuhkopf inmitten eines fädrigen Gewirrs erst aus größerer Betrachterdistanz erkennbar wird. Die Künstlerin scheut sich nicht, das Ganze - kalauernd - auch als "Kuhbismus" auszugeben. Diesem entspringen Ölbilder und eine Reihe spannungsreich komponierter Gouachen zum Thema. Wer dachte, Karin Kneffel oder Ottmar Hörl hätten das Weidetier bis zum Gehtnichtmehr gemolken, sollte schleunigst die bunten Kühe der Zimmermann besuchen!
Von dem ein Jahr älteren Kurden Erdogan Bulut sind neue großformatige Ölbilder versammelt, die in der von ihm gewohnten Qualität und in den typischen Grüngrautönen des Künstlers Gedankenwelt in rätselhaft-schönes, niemals ganz verständliches Farbdickicht betten. Ob im Aquarium, im Zirkus oder "Auf dem bequemen Stuhl" - man muß nicht seinen Augen trauen können, um in diesen Werken Besonderes zu sehen, sondern seinem Gespür für Traum und Vision.
Die Koreanerin Young Hyang Lee schließlich, eine vierzigjährige, in Frankfurt ansässige Malerin, die sich im Umgang mit konstruktivem Formengut am wohlsten fühlt, die Farbe hier als hartes, knalliges Kolorit einsetzt und dort ihre Lichtwertigkeit betont, beteiligt sich mit quadratischen Andachtstafeln aus ihrer "Moving White"-Serie. Dünnflockig sanfte Grün- und Rosatöne ändern mit der Intensität des Lichteinfalls ihr Erscheinungsbild. Auch die in paariger Anordnung gehängten Holzarbeiten "Viola I" und "Viola II" sind sensible Rezeptoren für unterschiedliche Lichtstärken. In der Galerie haben sie ihren Platz in der Nähe eines Fensters. Die Violettöne der einen Dreieckstafel strahlen auf die benachbarte weiße aus. Vier zu Recht geförderte Künstler. (Bis 6. Februar, Gartenstraße 47). DOROTHEE BAER-BOGENSCHÜTZ
Vom Goldgräber zum Hofmaler: Die Biographie von Johann Friedrich Voigt, den jetzt das Gotische Haus in Bad Homburg und die Frankfurter Galerie F.A.C. Prestel mit Ausstellungen zum 200. Geburtstag ehren, liest sich wie ein Abenteuerroman. Bevor der Biedermeiermaler und Kupferstecher endgültig im Reich der Kunst heimisch und in der kleinen Residenzstadt Homburg (heute Bad Homburg) ansässig wurde, befuhr er die Weltmeere. Rückblickend hat er das Gefühl, in den ersten dreißig Jahren seines Lebens eine "Rennbahn" im "Zick- Zack" genommen zu haben. Kein Wunder, hatte er sich doch fest vorgenommen, "nie länger als drei Tage an einem Ort herumzuspekulieren".
Voigt wurde 1792 als Arzt- und Missionarskind auf der Antilleninsel St. Thomas geboren, aber schon vierjährig (!) zum Schulunterricht nach Deutschland geschickt. In der Knabenanstalt Klein- Welka fühlt er sich jedoch bald wie ein "als Nachtwächter verkappter Pavian" und verläßt vorzeitig das Institut, um sich in einer Tischlerlehre zu versuchen. Dabei lernt er Linear- und Planzeichnen. Lange hält der inzwischen Sechzehnjährige auch das nicht aus. Er wird Trompeter, läßt sich von verschiedenen Regimentern anwerben und landet schließlich bei der englischen Marine. Hier bildet man ihn zum Zeichner aus, dessen Aufgabe es ist, die feindlichen Küstenlinien zu skizzieren.
Gegen 1820, nach weiteren Lehr- und Wanderjahren, die ihn im kanadischen Holzhandel und Goldfieber sehen, treffen wir ihn wieder in Deutschland. Er ist Zeichenlehrer in Köln und erreicht 1821, auf einer weiteren Wanderschaft, Frankfurt. Durch Zufall gelangt er nach Homburg, dessen Landgraf gerade die englische Prinzessin Elisabeth, eine ausgebildete Malerin, geheiratet hatte.
Tatsächlich macht er sich zunächst mit seinen Fremdsprachenkenntnissen am Hof nützlich, wird aber schon 1822 Hofzeichenmeister und sechs Jahre später Hofmaler. Seßhaft ist er nun zwar geworden, aber noch lange nicht erlebnismüde. Zahlreiche In- und Auslandsreisen beeinflussen seinen Stil. In Dresden lernt er die Malerei von Caspar David Friedrich kennen, deren Prinzipien er seinen England-Skizzen unterlegt. So erklärt es sich, daß er von der Insel vornehmlich Ruinen- Darstellungen mit nach Hause bringt.
Stellt das Gotische Haus neben diesbezüglichen Skizzenbüchern die repräsentativen Ölgemälde und Bad Homburger Ansichten aus, so konzentriert sich Peter Voigtländer-Tetzner auf kleinformatige Landschaftsstudien in Öl und Aquarelltechnik, meist Taunus-Impressionen. Rund 80 Blätter und Kartons des 1871 gestorbenen Künstlers befinden sich seit mehr als einem halben Jahrhundert in Galeriebesitz. Durch einen glücklichen Zufall konnte Voigtländer-Tetzner sie 1939 erwerben, aber nicht mehr der Öffentlichkeit vorstellen. Er wurde zum Militär eingezogen, hat gerade noch dafür sorgen können, daß eine Wiesbadener Ausstellung zur Mittelrheinischen Malerei Voigt berücksichtigte.
Erst vor wenigen Jahren haben Voigtländer-Tetzner und seine Frau die in Vergessenheit geratenen Arbeiten wiedergefunden; bestens erhalten. Nach wie vor überrascht die Qualität dieser im Freien gemalten Studien. Voigt konnte minutiös Baumrinden und Grashalme porträtieren - und im nächsten Moment mit großzügigem Pinselstrich die Atmosphäre eines Sonnenuntergangs festhalten. Manche seiner Waldstücke scheinen Trübner vorwegzunehmen; Baumstämme leiten über zu van Gogh. Selten hat Voigt diese unakademischen Studienblätter akribisch durchstrukturiert. Vielmehr achtet er darauf, daß jedes Motiv möglichst lebendig erscheint.
(Beide Ausstellungen dauern bis Ende Januar, Braubachstraße 30 und Tannenwaldweg 102 in Bad Homburg.)
DOROTHEE BAER-BOGENSCHÜTZ
Sonderkonto für bosnische Kinder Noch kurz vor Weihnachten hatte der Kreistag Marburg-Biedenkopf einstimmig eine Spende von 100 000 Mark für notleidende Kinder in Bosnien-Herzegowina beschlossen und außerdem die eigenen Mitglieder sowie die Bevölkerung zu weiteren Spenden aufgerufen. "Dieses ist eine ganz ungewöhnliche Geste, über die wir uns sehr gefreut haben", schrieb der Geschäftsführer des Kinderhilfswerkes der Vereinten Nationen (UNICEF) in Deutschland, Dieter Garlich. Inzwischen richtete der Kreis ein Sonderkonto für die humanitäre Hilfe ein (Nr. 2240 bei der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, Bankleitzahl 533 500 00).
SACHSENHAUSEN. Seit Jahren sahnen die Aktiven des Majoretten- und Tanzsport-Clubs (MTC) Sachsenhausen bei Meisterschaften und Qualifikationsturnieren tüchtig ab. Dahinter steckt das von Cheftrainer Theo Schramm vermittelte Können sowie die Fleißarbeit der Tänzerinnen und Tänzer. Auch die neuen Tanzstilarten, die der Deutsche Verband für Gardetanzsport (DVG) vor der neuen Turniersaison einführte, konnten die MTC-Aktiven nicht schrecken. Das bewiesen sie schon zum Turnierauftakt der Saison '93 in der Stadthalle Bergen-Enkheim mit soliden Leistungen. Die Sachsenhäuser belegten drei erste, einen zweiten und einen dritten Platz. "Damit war der Versuch, den MTC zu stoppen, gescheitert", freut sich Trainer Schramm. Der MTC präsentierte in Bergen-Enkheim den neuen Polkastil geradezu perfekt. So überzeugten sowohl Steffi Bauer als Solistin und die "Pyranias" sowie die große Marschgarde, die sich klar durchsetzten. Den zweiten Platz belegte das 1. MTC-Corps, Dritte wurde Silvia Weber in der Solo-S-Klasse der Jugend.
Auch beim zweiten Saisonturnier in Wiesbaden-Nordenstadt überzeugte die MTC-Vertretung mit einem ersten Platz der großen Marschgarde und einem zweiten Rang des 1. MTC-Corps. Die "Pyranias" aus Sachsenhausen setzten den Erfolgen die Krone auf. In der Polka-Disziplin (bis zwölf Personen) gewannen sie mit der Tageshöchstwertung von 291 Punkten. Es war der 20. Sieg der "Pyranias" hintereinander. 1986 waren sie erstmals Deutscher Meister und schafften es danach bis zum Europameister.
Bei der Jugend belegte Ivette Gassner in Nordenstadt einen dritten Platz und errang damit in der S-Klasse ihren ersten Pokal. Bravourös tanzten auch die MTC-Jugendlichen Liane Horaczek und Melanie Siemers. Gut vorbereitet hatten sich die Sachsenhäuser auf das zweite Turnier im Trainingslager in der Rhön.
Am 6. und 7. März richtet die "Arbeitsgemeinschaft der Sachsenhäuser Tanzsportvereine" unter der Federführung des MTC in der Offenbacher Stadthalle die Hessenmeisterschaft '93 aus. Erwartet werden etwa 1600 Teilnehmer. Die Hessenmeisterschaft ist zugleich ein Ranglistenturnier für den Deutschlandpokal und die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft '93. dixi
USINGEN/NEU-ANSPACH. Der BUND Usingen/Neu-Anspach hat sich ebenso wie der Wehrheimer Verband gegen eine Schmalspurbahn im Erlenbachtal ausgesprochen. Für eine saisonbetriebene Bahn seien die Eingriffe in Natur und Umwelt zu schwerwiegend, zumal es nach Ansicht des BUND preiswertere, schneller umsetzbare und ökologisch sinnvollere Möglichkeiten gebe.
"Es ist erstaunlich, mit welcher Vehemenz CDU-Politiker sich in letzter Zeit für eine Schmalspurbahn im Erlenbachtal einsetzen", stellt die Usinger BUND- Vorsitzende Ellen Enslin fest. "Leider vermissen wir bei besagten Politikern ähnlichen Einsatz für die Zubringerbuslinien, deren Zukunft noch ungewiß ist." Das Projekt Taunusbahn könne gefährdet sein, wenn Probleme wie die Zubringerbuslinien nicht gelöst werden, meint Ellen Enslin. cn
Die Erhaltungssatzungen, die die Stadt für Ginnheim und Eschersheim erarbeitet hat, wurden jetzt vom Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) abgelehnt. Die Satzungen seien für die Bewohner nicht "transparent und nachvollziehbar", heißt es in den beiden Anträgen der CDU, die gegen SPD und Grüne angenommen wurden. Unverständlich sei vor allem, nach welchen Kriterien die Gebiete abgegrenzt wurden: In einigen Straßen würden die Grenzen "quasi mitten durch die Häuser" verlaufen.
Besonders kritisierte die CDU die Grenze, die auf den städtischen Plänen westlich von der Eschersheimer Landstraße verläuft, und die Straßen um den Lindenring umfaßt. "Konkrete Wünsche für dieses Gebiet" habe es seitens der Anwohner nicht gegeben.
In dem zweiten Antrag zur Ginnheimer Satzung monierte die CDU, daß die Erhaltungssatzung auf das Gebiet um den Bockenheimer Friedhof nahe der Reichelstraße ausgedehnt werden müsse. Berücksichtigt werden solle auch die Ernst- May-Siedlung, die in den zwanziger Jahren in der Straße Höhenblick entstand.
Der Ortsbeirat fordert jetzt, eine Anhörung zu organisieren, in der Bewohner und Hauseigentümer gehört werden. Dann stehe der Ortsbeirat einer Erhaltungssatzung aufgeschlossen gegenüber.
Die Sozialdemokraten verwunderte die Forderung nach einer Anhörung. "Wir haben an einer Erhaltungssatzung früher alle gemeinsam etwas Positives gesehen", sagte ihr Fraktionsvorsitzender Karl Semmelbauer. "Ich weiß nicht, warum wir noch eine Anhörung brauchen." sen
Als "tiefgreifende Einschränkung der Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit" der behinderten Mitbürger bezeichnet der Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Willibald Saller, die neuen, drastisch verkürzten Bürozeiten der Funkleitstelle des Behindertenfahrdienstes. Seit dem 1. Januar ist das Telefon in der Leitstelle nur noch von Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr besetzt. "Am Wochenende und nach 16 Uhr können die Behinderten nun nicht mehr planen," beklagt Saller, "sondern im schlimmsten Falle müssen sie fast drei Tage warten bis sie erfahren, ob an einem bestimmten Termin ein Wagen des Fahrdienstes für sie frei ist". Die Leitstelle vermittelt Fahrten für nahezu tausend stark gehbehinderte Bürger.
Bis Ende vergangenen Jahres war die Vermittlungsstelle täglich von 7 bis 23 Uhr besetzt und nahm die Buchungen der Klienten entgegen. Von den 3,5 Stellen in der Vermittlungszentrale wurden im Zuge der Sparmaßnahmen des Magistrats zwei gestrichen. Ersparnis: 150 000 Mark im Jahr.
Die Stadt Frankfurt sieht in den reduzierten Bürozeiten der zentralen Funkleitstelle keine wesentliche Einschränkung für die Betroffenen, wie es in dem Magistratsbericht zu einer Anfrage der CDU-Fraktion heißt. Auch früher sei eine spontane Vermittlung von Fahrzeugen nur selten möglich gewesen, erklärt Dagmar Schleinig von der Abteilung Gesundheitshilfe im Sozialamt. "Die Buchungen mußten schon immer mehrere Tage vorher gemacht werden." Auch seien die Anrufe jenseits der allgemein üblichen Bürozeiten ohnehin nur spärlich gewesen. Dies habe man zum Anlaß genommen, an dieser Stelle den Rotstift anzusetzen.
In dem Bericht des Magistrats wird weiterhin betont, daß die "Fahrtzeiten für die Behinderten nicht tangiert und weiterhin zu den gleichen Zeiten wie bisher - auch an den Wochenenden - stattfinden werden".
In Frankfurt gelten rund 950 Menschen als "außergewöhnlich gehbehindert". Sie haben jeden Monat Anspruch auf acht Fahrten im Stadtgebiet plus zehn Kilometer mit einem Spezialfahrzeug. Von der Stadt Frankfurt erhalten sie kostenlos einen Fahrscheinblock, den sie bei den verschiedenen Fahrdiensten einlösen können. Rund 9000 Fahrten erledigen die Dienste der vier großen Hilfsorganisationen, DRK, Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Malteser Hilfsdienst (MHD) und Johanniter Unfallhilfe (JUH). Insgesamt sieben Spezialfahrzeuge, die die Behinderten auch im Rollstuhl transportieren können, stehen dafür zur Verfügung. Neben DRK, ASB, MHD und JUH unterhalten auch die Behindertenselbsthilfe und der Club Behinderter und ihrer Freunde einen Fahrdienst, allerdings mit jeweils separater Vermittlungsstelle. Pro Jahr wird ihr Dienst rund 20 000mal in Anspruch genommen. reu
EPPSTEIN. Politikern, Managern und abgestumpften Mitmenschen wollen sie "mit festem Biß ans allzu dicke Fell gehen": Holger Hebenstreit und Manfred Wallig mit ihrem Programm "Irre Aussichten". Das Wiesbadener Kabarett "Hinterhaus" gastiert am Freitag, 5. Februar, in der Freiherr-vom-Stein-Schule auf dem Bienroth.
Der Eintritt zum "Zeitgeist-Jogging über deutsche und europäische Höhenwege" kostet zwölf Mark für Erwachsene und sechs Mark für Schülerinnen und Schüler. Karten gibt es in der Eppsteiner Burg-Buchhandlung und an der Abendkasse. pms
Wer die geographische Bezeichnung Mazedonien zu seinem Staatsnamen mache, der melde damit Territorialansprüche auf den zu Nordgriechenland gehörenden Teil der Landschaft Mazedonien an, argumentiert Athen.
Der Fußballkreis Friedberg, oftmals als hinterwäldlerisch und provinziell abgewertet, hält nicht nur vom Leistungsniveau dem Vergleich mit den benachbarten Kreisen Hanau, Friedberg, Gelnhausen und Hochtaunus stand, sondern gilt im gesamten Fußballbezirk Frankfurt eher als vorbildlich geführt. Dabei wagt Kreisfußballwart Rainer Dreut (Nieder- Weisel) manches Experiment, hält aber andererseits an bewährten Dingen genauso hartnäckig fest.
Während er bei Vorgängen (Veränderungen) im Bezirk auf die Zustimmung der übrigen sechs Kreise sowie des Bezirksfußball-Ausschusses angewiesen ist, benötigt er kreisintern das Votum der Vereine. Als wichtiger Termin für den Fußballkreis Friedberg gilt daher der 2. April. Beim Kreisfußballtag in Dorheim müssen dann die Weichen für die kommenden drei Jahre gestellt werden. Die von manchen Fußball-Experten - nicht nur in der Wetterau - geradezu als revolutionär betrachtete Punktrunde für Reserve-Mannschaften (mit Auf- und Abstiegsmöglichkeiten) bereitet besonders den "Underdogs" in der B-Klasse Sorgen.
Das kleine Spieler-Aufgebot, aber auch fehlende Betreuer dürften diesem Experiment in der unteren Ebene möglicherweise die Luft abdrehen. "Wir wollen beim Kreisfußballtag getrennt nach Spielklassen abstimmen lassen, denn ich glaube, wir können das Rad nicht wieder total zurückdrehen", sagt Dreut. Er erinnert daran, daß in den altherkömmlichen Reserve-Runden (gespielt wurde "just for fun") rund 40 Prozent(!) aller Begegnungen ausfielen beziehungsweise die Punkte aus diversen Gründen kampflos abgegeben oder aufgeteilt wurden. Diese Vorspiele vor den ersten Mannschaften haben keinen höheren Stellenwert als Freizeit-Kickereien. Mangels Interesse der gerade aus der Jugend aufgerückten Spieler kommen immer wieder AH- und Soma-Akteure zum Einsatz, spielen demnach 18- gegen 40jährige.
"Wir werden bei Rückführung in das alte Schema im Fußballkreis Friedberg keine offiziellen Wertungen mehr vornehmen und auch keine Tabellen veröffentlichen", zeigt Dreut die Strömungen im Kreisfußballausschuß auf. Und sollte es auch in dieser Region in puncto Schiedsrichtern eng werden, würden diese inoffiziellen Reserve-Spiele nicht mehr besetzt.
"Wir haben noch ein ausreichendes Potential, denn Kreislehrwart Wolfram Fritz, aber auch ich haben sich massiv für neue Unparteiische eingesetzt", berichtet Rainer Dreut von Projekten in der Schule, wo einwöchige Schiedsrichter- Ausbildungen vorgenommen wurden. Die Entwicklung in dieser Region hängt kausal mit der Jugendarbeit zusammen. Nur noch der traditionsreiche Ex-Zweitligist VfB Friedberg sowie das heutige Aushängeschild, der Landesliga-Tabellenzweite KSV Klein-Karben, haben eine eigenständige Jugend-Abteilung vorzuweisen. Ansonsten halten Spielgemeinschaften den Betrieb aufrecht. Und gerade die Jugendspieler, die nicht auf Anhieb den Sprung in die erste Mannschaft schaffen, wollen lieber in einer Reserve-Runde in Konkurrenz spielen. "Selbstverwaltung" dürfte das Schlagwort der Zukunft auch im Fußball-Amateurbereich heißen. Was in anderen Sportarten schon immer gang und gäbe ist, dürfte sich auch mangels ehrenamtlicher Kräfte zukünftig im Fußball einnisten: Die Mannschaften haben keinen Kofferträger mehr, müssen sich selbst um den Spielbetrieb kümmern. "Die Spieler wollen gefordert werden", setzt Dreut eindeutig auf Spiele in Konkurrenz. "Sollten die Reserve-Runde teilweise gekappt und die C-Liga aufgelöst werden, müssen wir zusätzliche B-Klassen installieren", zeigt der Kreisfußballwart die mögliche Alternative auf. Damit hätten jene Klubs weiterhin eine Chance, die freiwillig mit ihrer Reserve in Konkurrenz weitermachen möchten. Damit wären die "freundschaftlichen" Vorspiele ohne Punktewertung endgültig zur Farce degradiert.
Im Bereich der ersten Mannschaft ist die Entwicklung insgesamt positiv. Erfreulich ist der erhebliche Rückgang an Bestrafungen in der Bezirksliga sowie in der A-Klasse zu bewerten. "Ich mußte gerade zwölf Einzelrichter-Urteile fällen. Neun resultierten aus roten Karten", registrierte Dreut in der Bezirksliga die absolut günstigste Quote im gesamten Bezirk Frankfurt. In den beiden B-Ligen stiegen die Bestrafungen an. Dort greifen die neuen Klassenleiter, die sich inzwischen bestens bewährt haben, massiv durch. Größtes Sorgenkind in der B-Klasse ist Türk Gücü Friedberg. "Dieser Verein steht fast alle drei Wochen vor dem Rechtsausschuß", klagt Dreut.
Für viele nicht nachvollziehbar, da in Urzeiten festgelegt: Oberligist FV Bad Vilbel gehört nicht zum Fußballkreis Friedberg, sondern nach Frankfurt. "Die Vilbeler wollen gerne in den Fußballkreis Friedberg, aber das scheiterte bisher am Veto der Frankfurter. Genauso verhält es sich im Falle des SSV Heilsberg", setzt Dreut auf die Vernunft der Funktionäre. Mit Phönix Bad Nauheim will ein Klub aus der Freizeit-Fußballszene in die Punktrunde einsteigen. Die Beliebtheit der Friedberger wird durch die langjährigen Gastspiele der Hanauer Kreisvereine SV Oberdorfelden und SKG Erbstadt belegt. HANS-DIETER PUTH
Viele Fragen für die Identität und das Selbstverständnis von Juden seien aus der Perspektive des Holocaust nicht zu beantworten, Europa inzwischen nicht mehr nur Europa nach Auschwitz: Ausgehend von diesen Thesen, hatte Sonja Margolina in einem von der FR am 8. Januar 1993 dokumentierten Beitrag Fragen zur künftigen Rolle von Juden gestellt. Als Reaktion darauf entgegnet die Frankfurter Schriftstellerin Ulrike Kolb: Sonja Margolina hat einen verbalen Molotowcocktail geschleudert. Anstatt einen Diskurs über Antisemitismus zu führen, betreibe sie selbst antisemitische Hetze. Wir dokumentieren Ulrike Kolbs Einwände und Antworten im Wortlaut.
HANAU. Die Eltern aus der Kindertagesstätte Wolfgang sind erleichtert: Nachdem zum Ende dieses Monats wegen Personalmangels Kinder nach Hause geschickt werden sollten, hat ein "Glücksfall" die Situation entschärft. Die Stadt Hanau konnte kurzfristig zwei Vertretungen einstellen. Nach wie vor sind jedoch zwei Stellen unbesetzt.
Anfang Januar hatte das Hanauer Jugendamt dem Elternbeirat mitgeteilt, daß ab 25. Januar ein Großteil der Halbtagskinder zu Hause bleiben muß. Nachdem nämlich bereits Ende vergangenen Jahres zwei Kräfte der fünfeinhalb gekündigt hatten, steht für eine Dritte nun eine längere Kur an. Zusätzlich erschwert außerdem der derzeitige Umbau des Gebäudes den Betrieb in der Tagesstätte mit 55 Kindergarten- und Hortplätzen. Eine Gruppe wird derzeit in der Verwaltungsstelle Großauheim betreut. Sie muß mit zwei Kräften besetzt sein. Aus diesem Dilemma sah das Jugendamt nur den Ausweg, die Ganztagskinder zusammenzulegen und die Halbtagskinder bis auf einige Härtefälle nach Hause zu schicken.
Die Großauheimer CDU forderte daraufhin in einem Antrag, der im Ortsbeirat bei allen Fraktionen Zustimmung fand, daß der Magistrat "unverzüglich geeignete Maßnahmen ergreifen soll", damit die Betreuung aufrechterhalten bleibe. Nach Angaben des städtischen Pressesprechers Wolfgang Kischel habe er dies bereits getan. Die gute Nachricht hieß: Das Jugendamt hat zwei Sozialpädagogikstudenten gefunden, die als Erzieher ausgebildet sind und in der kritischen Zeit Semesterferien haben. "Das war Glück", sagt Kischel.
Die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende Andrea Ortel atmet auf: "Wir haben gehofft, daß noch ein Wunder geschieht." Die Eltern wollten bereits zur Selbsthilfe greifen und zumindest die Spielmöglichkeiten für ihre Sprößlinge aufrechterhalten, indem sie sich mit der Betreuung abwechseln, erzählt die Mutter. Die Großauheimer CDU sah angesichts der Notstände die Tagesstätte bereits zum "Aufbewahrungsort" degradiert und die pädagogische Arbeit in Gefahr.
Aus pädagogischer Sicht ist die Einstellung von Vertretungen aufgrund des Wechsels der Bezugspersonen zwar ebenfalls problematisch, doch können die Kinder nun zumindest weiter betreut werden. Besonders erfreulich findet Andrea Ortel auch, daß ein Erzieher, der nun einspringt, bereits im Kindergarten gearbeitet hat: "Das ist ein guter Einstieg." Dennoch sei die Personalsituation aufgrund der unbesetzten Stellen "weiterhin eng".
Das räumt auch Pressesprecher Kischel ein. "Das Jugendamt sucht intensiv weiter", versichert er. Die Stellen seien ausgeschrieben, doch trotz der Zulage, die in Hanau gezahlt werde, fehlen Interessenten. Inzwischen lägen immerhin Bewerbungen vor. "So bald wie möglich", formuliert Kischel die Position des Hanauer Jugendamtes, "sollen die offenen Stellen komplett besetzt werden." res
WIESBADEN. Wer es mit der Esoterik hält, findet Ende Januar im Wiesbadener Kurhaus Informationen in Hülle und Fülle über die Schätze westlicher und östlicher Weisheit. Da sind die Experten unter sich, fachsimpeln über Pyramidenenergien und Hypnose, über Aurafotografie und Reinkarnation, über Edelsteintherapie und Astrologie. Termin: Freitag, 29. Januar, von 15 bis 20 Uhr, Samstag, 30. Januar, von 10 bis 20 Uhr, Sonntag, 31. Januar, von 11 bis 18 Uhr. Vorträge, Kurzseminare und Musik stehen auf dem Programm. maf
Im Winter 1942/43 verlor die deutsche Wehrmacht die Kesselschlacht um die Wolga-Stadt Stalingrad. Der größenwahnsinnige Versuch der Nationalsozialisten, "Lebensraum im Osten" zu erobern, war blutig gescheitert. Der soeben im Fischer Taschenbuch Verlag erschienene Band "Stalingrad - Mythos und Wirklichkeit einer Schlacht", versucht einen Perspektivenwechsel zu vollziehen, nämlich hin zur Sicht von "einfachen Soldaten". Aus dem in der sogenannten Schwarzen Reihe, die monatlich ein Buch zum Nationalsozialismus veröffentlicht, erschienenen und von den beiden Freiburger Historikern Wolfram Wette und Gerd R. Ueberschär herausgegebenen Buch dokumentieren wir in Auszügen Untersuchungen zu der die Schlacht begleitenden NS-Propaganda.
Die Stürme in den zurückliegenden Wochen haben vielerorts teilweise beträchtliche Schäden angerichtet. Den traurigen Höhepunkt bildete dabei bisher der Orkanwirbel "Verena", der Mitte der vergangenen Woche in Norddeutschland wütete. Er entwurzelte Bäume, riß Schornsteine und Antennen nieder und deckte sogar ganze Dächer ab.
Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute sind die Assekuranzen schon dabei, sich "Geld zu beschaffen", um Sachschäden an Gebäuden und Fahrzeugen auszugleichen. Allerdings: Betroffene von den Stürmen sollten mit Bedacht vorgehen. Ein Beweisfoto vom Schaden ist nämlich niemals verkehrt. Und ferner gilt: Vor dem Aufräumen sollte der Versicherer gefragt werden, ob er das Malheur in Augenschein nehmen will.
Dem Bundesverband zufolge sind im übrigen die Zuständigkeiten wie folgt verteilt: Die Gebäudeversicherung ist am Zug bei Schäden an Häusern; die Hausratversicherung kommt für demolierte Einrichtungen auf und ist auch für die "am Körper getragenen Sachen zuständig". Geschäftsleute müssen allerdings in ihren Policen nachsehen, ob Sturmschäden mitversichert sind. Autobesitzer wiederum können froh sein, wenn sie eine Teil- oder Vollkaskoversicherung abgeschlossen haben. Diese kommen in jedem Fall für Beulen oder Kratzer an Fahrzeugen oder für zerborstene Windschutzscheiben auf. Dabei ist es völlig egal, welcher Gegenstand den Schaden verursacht hat.
Wichtig bei all dem ist freilich die Kenntnis folgender Regel: Die Assekuranzen regulieren Schäden nur, wenn der Wind mindestens mit Stärke acht sein Unwesen trieb.
Die Versicherer weisen des weiteren darauf hin, daß sie auch für die Kosten geradestehen, die wegen schadensmindernden Arbeiten anfielen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein flugs herbeigerufener Handwerker ein Leck provisorisch abdichtete. In ihre Taschen greifen die Regulierer auch, wenn die von Schäden Betroffenen Selbsthilfe leisten. Wer eigenständig den Hammer anpackt, kann je nach Art der verrichteten Arbeit von der Versicherung einen Stundenlohn zwischen 15 und 20 Mark kassieren. Die Assekuranzen betonen, daß der "Heimwerker" natürlich auch das für die Arbeiten notwendige Material bezahlt bekomme. AP/FR
Sie klingt ja wirklich vernünftig, die der Bannerträgerin Zahnbürste beigepackte designphilosophische Gebrauchsanweisung. "Ich glaube, daß die Leute genug haben vom narzißtischen Spiel der letzten Jahre, wo die Designer für andere Designer entwarfen und die Käufer nur ohnmächtige Zuschauer bei einem immer eitleren Spiel waren. Es ging nur noch darum, dem anderen zu zeigen, schau, wie ich diese Lampe gemacht habe. Heute zählt, daß man eine korrekte Leistung zu einem anständigen Preis erbringt. Ich prophezeihe: Die Markenzeichen werden verschwinden."
(Bild aus: "The Big Easy - Eine Story über Fashion und Jazz", Summerdreams 1992)
WIESBADEN. Die Mitarbeiter der Wiesbadener Stadtverwaltung kassieren künftig 20 Mark Fahrtkostenzuschuß, wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen. Ein entsprechender Beschluß des Stadtparlaments wird jetzt vom Magistrat umgesetzt. maf
WIESBADEN. Fotokopiergeräte, Computer und Schulmöbel hat Bürgermeister Joze Strgar von der Wiesbadener Partnerstadt Ljubljana für die Geldspende gekauft, die ihm seine deutschen Freunde aus der hessischen Landeshauptstadt im Sommer geschickt haben: 18 000 Mark zugunsten der bosnischen Flüchtlinge in Ljubljana - der Erlös eines Benefiz-Fußballspiels zwischen dem SV Werder Bremen und den Bohemians Prag.
Mit den Geräten wurden fünf Grundschulen ausgestattet, die von insgesamt 1300 Jungen und Mädchen besucht werden.
Joze Strgar: "Die Spende hat den Flüchtlingskindern viel Freude bereitet und den Lehrern die Möglichkeit gegeben, den Schulbuchmangel in Eigeninitiative per Computer und Fotokopierer zu beheben." maf
HOFHEIM. Personalleiterinnen und Personalleiter wie auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus steuerberatenden Berufen sind für Donnerstag, 21. Januar, zu einem Gespräch der Barmer Ersatzkasse geladen. Im Kleinen Casino der Stadthalle geht es von 9.30 Uhr an um folgende Themen: die zum 1. Januar 1993 in Kraft getretene Gesundheitsreform und die geplante Pflegeversicherung. pms
Geschäftsleben
Hotelspende für Obdachlose Die Mitarbeiter des Frankfurter Marriott-Hotels haben 2500 Mark gesammelt, die sie einer Tagesstätte für Obdachlose spenden wollen. Der Betrag stammt aus dem Erlös einer Tombola und aus den "Sparbüchsen" verschiedener Abteilungen des Hotels. mat
FREIBURG. Er habe nur ein einziges Theaterstück geschrieben, heißt es. Der Satz ist trügerisch. Denn Julio Cortázar war nicht nur ein erfindungsreicher Romanschriftsteller, sondern ein ebenso virtuoser Theaterdichter. Wie viele andere hat er sich nur nicht getraut, war irgendwann einfach resigniert, weil das südamerikanische Theater lange Zeit Staatskunst war und nicht vorhanden. Beinahe war er selbst verschwunden, untergetaucht im fernen Paris. Da entschließt er sich Anfang der achtziger Jahre, kurz vor seinem Tod, zu diesem einen Stück.
Argentinien ist gerade wieder einmal von seinen Unterdrückern befreit worden, Generälen und falschen Demokraten, Intriganten und Henkern. Ein ganzes Volk ist schuldig, nur die Opfer sind es nicht, 30 000 Ermordete, die keinerlei Spuren hinterlassen haben, es sei denn, im Gedächtnis der Lebenden. Endlich sind die Masken gefallen, "schauen sich die wahren Gesichter an - nackt", schreibt Cortázar damals und: "Heute fangen wir an, unsere Schwächen zu erkennen, und lernen damit auch unsere tatsächlichen Kräfte kennen. Das nennt man Bewußtwerdung."
Davon genau handelt sein wundersames Bühnenrätselstück. Es spielt in einem Restaurant in Buenos Aires. Man erfährt dort, in der Hauptstadt, daß "Nichts mehr nach Calingasta" (so der Titel) geht, nicht einmal ein paar armselige Koffer und andere Habseligkeiten. Es gibt kein Entrinnen mehr, nur schleichendes Erwachen, mühevoll und quälend. Alle sind davon betroffen: Freßsüchtige und Liebende, Schöngeister und Angsthasen, würdevolle Staatsbeamte und gewissenlose Schergen. Seltsame Dinge ereignen sich, alles ist in einem atemberaubenden Wandel begriffen. Der Richter dort hinter seiner Waage zum Beispiel wird am Ende selbst auf der Todesliste stehen. Andere, bereits Hingerichtete, werden wieder lebendig. Einer von ihnen heißt Carlos Fleta und offenbart sich in Gestalt des Oberkellners.
Dabei will Cortázar keineswegs einen kühlen Rachefeldzug unternehmen. Er ist wie der "Mann in Weiß", der geheimnisvoll in seiner Ecke sitzt, Zug um Zug ausführt, bis alle die Partie verloren. Versöhnlicher aber kann kein Ende sein. Kunstvoll werden alle Fesseln zwischen den Menschen durchtrennt, ist der Alptraum schließlich vorüber, darf wieder zu träumen begonnen werden.
Am Freiburger Theater aber geschieht etwas völlig Unvorhergesehenes. Der bedeutungsvolle Herr im weißen Anzug (Waldemar Franek) ist unversehens eingeschlafen, ganz so wie sein mitleidloses Publikum. Wacker hebt er eine Zeitlang die Augendeckel und ist bald schon hilflos erschlafft, traurig in sich zusammengesunken. Alle anderen nützen derweil die Gelegenheit für faulen Kirmeszauber, sind schrill und immer aufgeregt, mit Ehrgeiz einfallslos. So gerät die kurze Stunde zum langatmigen Abschied von der Bühnenkunst.
Es ist ein trüber Anschlag auf den armen Cortázar. Ihm ist an einem lustvollen Strategiespiel mit scharfem Witz gelegen, Christian Pade aber, dem Regisseur, mangelt es offenbar an Kenntnis des schönen Regelwerks. Statt in ein feines Labyrinth zu entführen, will er mit zwei, drei Zügen das Spiel beenden. Man weiß gar nicht, wo man hingucken soll, so eintönig bunt ist sein Spektakel. Es findet wohl nicht in Buenos Aires statt, auch nicht in Freiburg, sondern in jenem frei erfundenen Calingasta, der düsteren Provinz, wo Schauspieler schnell unsichtbar und spurlos verschwunden sind.
ULRICH HERRMANN
(Weitere Vorstellungen vom 19. bis 22. Januar auf dem Podium des Freiburger Theaters).
Wenn ich brav und Tante Valja in Stimmung war, holte sie aus ihrer Kommode ein verkorktes Glasröhrchen. Es enthielt - rosinengroß und unscheinbarer als ein Rheinkiesel - einen Gallenstein. Dieser war ihr von einer "Kapazität" entfernt worden. Neben verfärbten Zähnen in einem Pillendöschen zeigte sie auch gerne jene Kugel, die ihren Mann in irgendeinem Krieg ins Bein getroffen hatte.
An Tante Valjas Reliquien denke ich in dieser Jahreszeit, wenn Freunde aus dem Skiurlaub heimkehren oder gebracht werden. Jürgen läßt seinen angeschmuddelten Gips bewundern, auf dem sich nicht nur der Professor verewigt hat, sondern auch ein Schlagersternchen, das beim Après-Ski in der Jodelbar trällerte. Gerd führt seine Röntgenbilder vor, auf deren Aushändigung er ausdrücklich bestanden hat. Ich starre auf viel Milchig- Graues. "Ganz deutlich, nun guck doch mal!" fuchtelt er herum, damit ich erkenne, wo sein Knochen geknackt ist. "Glatter Bruch", sagt Gerd zufrieden. Über Splitterbrüche äußert er sich abfällig, als seien diese stets Folge sportlichen Unvermögens. Helma holt hakenähnliche Eisenteile hervor, mit denen man sie vor Jahren zusammengeflickt hat. "Lasse ich nichts draufkommen", sagt sie, obwohl die Methode total veraltet sei.
Langsam dämmert mir, wie viele Bänder uns das Gehen ermöglichen, die man auf der Piste ein-, an- oder abreißen kann, dazu verdrehen, zerren und überdehnen. Auch verwundert mich die Anzahl der Knochen von den Zehen bis zum Hüftgelenk, die sich zu Bruch fahren lassen. Zwischen Skifreaks komme ich mir vor wie ein Laie auf einem Kongreß, in dessen Mittelpunkt Binden und Bandagen, Schienen, Stöcke, Stützen und Krükken stehen.
Der Wettbewerb blüht. Immer ist alles ganz toll ("Die Ärzte waren einfach super!") oder ganz furchtbar ("Die reinsten Dilettanten!"). Berichtet Else stolz, wie schnell sie wieder auf den Beinen war (worüber selbst die "Kapazitäten" staunten), hatte Fred den kompliziertesten Bruch zwischen Arlberg und Zermatt.
Als Inga erzählt, sie habe auch mal die Kniescheibe . . . damals, als die mit dem Limokasten die Kellertreppe . . . ist das Interesse der anderen eher lahm. Ein Sturz auf der Piste hat eben eine andere Qualität als einer bei der popeligen Hausarbeit. HANNELORE SCHULTE
Wer Schwierigkeiten hat, einen Ausbildungsplatz zu finden, dem kann möglicherweise beim "Qualifizierungsprogramm" des Internationalen Bundes für Sozialarbeit (IB) weitergeholfen werden. Das Programm richtet sich besonders an ausländische Jungen und Mädchen und an alle, die aufgrund ihrer persönlichen Situation auf dem Lehrstellen-Markt schlechte Karten haben.
Die IB-Ausbildung beginnt mit einer einjährigen Berufsvorbereitung, in der die Jugendlichen zunächst verschiedene Berufsbilder kennenlernen. Daran schließt sich die eigentliche Berufsausbildung an, die in der Regel drei Jahre dauert und mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handels- oder der Handwerkskammer abgeschlossen wird.
Derzeit kann der IB in Frankfurt 30 Ausbildungsplätz anbieten, die von der Stadt mitfinanziert werden. Am 1. Februar beginnen die Kurse für die Berufe Bürokaufmann, Industriemechaniker, Energieelektroniker und Druckvorlagenhersteller. Außerdem wird noch eine Vielzahl von Umschulungskursen angeboten.
Informationen zum Qualifizierungsprogramm gibt es in der Rebstöcker Straße 55, Telefon 7 38 22 38. mat
HOFHEIM. Am Mittwoch, 27. März, will die Ernährungsberaterin der Barmer Ersatzkasse von 15 Uhr an rund ums richtige Essen informieren - vom Baby- bis zum Seniorenalter. In der Alten Bleiche 9 soll es ebenso ums Cholesterin wie um Kalorien gehen. Nach Terminvereinbarung steht die Expertin auch zur individuellen Beratung zur Verfügung. Für Barmer-Mitglieder ist das Angebot kostenlos. Termin ist immer mittwochs von 15 Uhr an. Nähere Informationen unter Telefon 0 61 92 / 60 89. pms
OBERURSEL. Eine Mittelinsel und mehrere neue Parkplätze sollen künftig die Raser auf der Altkönigstraße zwischen Obergasse und Borkenberg bremsen. Das beschloß der Oberurseler Magistrat.
Die Insel soll dabei an die Einmündung des Steinmühlenwegs gebaut werden. Außerdem zwingen insgesamt fünf "Stellplatzpakete" mit Platz für jeweils zwei bis drei Autos zur langsamen Fahrt. Denn die abmarkierten Flächen, die gegenüber dem vorhandenen Parkstreifen entstehen sollen, verengen die Fahrbahnbreite von 6,50 Metern auf 4,75 Meter, erläutert Erster Stadtrat Eberhard Häfner den Bremseffekt: "Da können zwei Fahrzeuge sich nur mit verminderter Geschwindigkeit begegnen." Die Abstände zwischen den "Stellplatzpaketen" sei zudem so gering gewählt, daß sich nach Meinung Häfners "Gas geben in der gesamten Altkönigstraße künftig nicht mehr lohnt". Der untere Bereich der Straße war bereits im Herbst beruhigt worden. mak
KRIFTEL. Hannelore Kohlmann und Christel Post, Theaterbus-Expertinnen beim Bund für Volksbildung (BfV), weisen auf ein Bonbon im Programm hin: Am Mittwoch, 24. März, rollt der Bus von Kriftel zur Wiesbadener Rhein-Main-Halle. Auf der Bühne: der Musical-Thriller "Das Phantom der Oper".
Die US-amerikanische Version des klassischen Stoffes - dem Roman von Gaton Leroux - wurde erstmals im "Theatre Under The Stars" im texanischen Houston aufgeführt. Nun hat das Stück seine Premiere in deutscher Sprache.
Wer mitfahren will, sollte sich unter Telefon 0 61 92 / 4 56 80 oder 4 34 03 anmelden. pms
GELNHAUSEN. "Schon vor der Hochzeit" heißt die Komödie, die am Dienstag, 19. Januar, um 20 Uhr in der Stadthalle aufgeführt wird. Die Veranstalter versprechen ein unterhaltsames Stück, in dessen Mittelpunkt ein Eheanbahnungsinstitut steht, das Heiratskandidaten in einem Crash-Test auf die Belastungsfähigkeit in der Dauer-Ehe überprüft. In der Hauptrolle ist Jochen Schröder zu sehen.
Karten gibt es im Vorverkauf im Verkehrsbüro am Obermarkt, Telefon 0 60 51 / 82 00 54. jan
CDU berät Kommunalwahlprogramm HANAU. Der CDU-Stadtverband Hanau will am Freitag, 29. Januar, ab 20 Uhr in der Stadthalle (Schloßgartensaal) nach der Lichterkette sein Kommunalwahlprogramm beraten und dann auch verabschieden.Künftige Sozialarbeiter forderten einen Notplan für die Öffnung der U-Bahnstationen Erinnern an die Obdachlosen Studenten demonstrierten
Gerade eine halbe Stunde sitzt Diana, Erstsemesterstudentin der Sozialarbeit, nun auf dem kalten Pflaster vor dem Römer. Und obwohl ihre Lagerbedingungen vergleichsweise gut sind - die Thermosflasche mit Kaffee steht in greifbarer Nähe, der dicke Schlafsack und die gefütterte Jacke helfen gegen die Minusgrade des Wintermorgens -, wird ihr schon "ganz schön kalt, besonders an den Händen". Ihre Kommilitonin Anja, die nebenan kauert, kann sich "gar nicht vorstellen, wie man bei solchen Temperaturen eine ganze Nacht verbringen kann".
Etwa 20 Studierende der Frankfurter Fachhochschule haben an diesem Morgen mit ihren Schlafsäcken vor dem Römer Quartier bezogen, um auf die Situation der Wohnungslosen aufmerksam zu machen und für eine Öffnung der B-Ebene an der Hauptwache in den Nächten der Wintermonate zu demonstrieren. "Wir lernen einen Beruf, bei dem wir später ständig mit Menschen zu tun haben werden, die ihre Wohnung verloren haben, die durch Eigenbedarfskündigung, Arbeitslosigkeit oder irgendwelche persönlichen Schicksalsschläge auf der Straße landen", sagt Thomas Ihl, Sprecher der Fachbereichsgruppe "Sozialarbeit": "Da kann man doch nicht einfach zu Hause herumsitzen und in der Zeitung lesen, wie die Leute erfrieren."
In zwei Tagen haben die Studenten zudem rund 500 Unterschriften zusammengetragen, die ihrer Forderung nach Öffnung der U-Bahnhöfe Nachdruck verleihen sollen. Weitere Unterstützung gibt es von der "Projektgruppe Bahnhofsviertel", die sich seit knapp zehn Jahren unter anderem auch um Wohnungslose kümmert.
Die Gruppe weist in einem Brief an den Magistrat darauf hin, daß nicht alle Obdachlose die angebotenen Wohnheimplätze akzeptierten. Deshalb müsse ein "Notplan" entworfen werden, in dem festgelegt sei, welche U-Bahnhöfe bei niedrigen Temperaturen geöffnet werden können. Längerfristig sei es nötig, neben Wohnungen und Wohnheimen auch reguläre Winterschlafplätze ohne Betreuung zu schaffen, fordert die Gruppe. mat
KRIFTEL. Stoff für die Bütt und bissige Reden gibt es allemal, und der Krifteler Karneval Klub (KKK) verspricht für die Kampagne auch ein Programm der "Spitzenklasse". Die "Traumfabrik" der Spaßmacher öffnet bald ihre Pforten, kurz: "Hollywood in Kriftel". "Haben Sie noch Träume und eine rege Phantasie? Möchten Sie die Stars der Traumfabrik einmal hautnah in Kriftel erleben?" - Diese beiden Fragen stellen die Macher vom KKK und präsentieren das Motto: "Narhalla wird in diesem Jahr zur Traumfabrik des KKK."
Wer mitlachen will, sollte sich die Termine vormerken und baldigst Karten besorgen. Jeweils von 20 Uhr an beginnen die vier Vorstellungen in der Großen Schwarzbachhalle: Äpfelweinsitzung (Freitag, 5. Februar), Große Fremdensitzung (Samstag, 6. Februar), Äpfelweinsitzung (Freitag, 12. Februar) und Große Fremdensitzung (Samstag, 13. Februar). Die Kapelle "Riedl" wird zum närrischen Programm für Stimmung sorgen.
Karten für 15 und 18 Mark gibt es bei den bekannten Vorverkaufsstellen. Bitte vom KKK: "Es wäre schön, wenn alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch ein närrisches Faschingssymbol (Hütchen oder Rose aus Papier, Kostüm oder Narrenkappe) ihre Zugehörigkeit zur närrischen Besuchergruppe besonders dokumentieren."
Für die älteren Krifteler organisiert der KKK eine besondere Veranstaltung: den Seniorenkarneval. Allen Bürgerinnen und Bürgern von 65 Jahren an wird am Sonntag, 7. Februar, von 14.30 Uhr an ein kunterbuntes Programm geboten. Kreppel und Kaffee gibt es dann natürlich auch. pms
KASSEL. In den nordhessischen Landkreisen sind die Sozialdemokraten seit eh und je siegessicher in den Wahlkampf gezogen. Denn sie hatten nicht nur die Hoffnung, sondern beinahe die Gewißheit, ihre absolute Mehrheit verteidigen zu können. So konnte die SPD im Kreis Kassel bei den 89er Wahlen fast 61 Prozent der Stimmen verbuchen, mehr als 58 Prozent waren es auch im Werra-Meißner-Kreis. Und als sicher gilt, daß die Genossen in ihren Hochburgen auch am bevorstehenden Wahlabend Sekt statt Selters trinken werden.
Zumindest mit Blick auf einige Kommunen vor allem im Werra-Meißner- Kreis hegen freilich vor allem Christdemokraten und Liberale Hoffnungen. Es sind jene Orte, die an der Bundesstraße 7 liegen, deren Bewohner seit der Grenzöffnung unter lärmenden und stinkenden Autokarawanen leiden und die auf eine von CDU und FDP geforderte Autobahn setzen.
Die hoffnungslos überlastete Bundesstraße durchschneidet nicht nur etliche Dörfer, sie hat auch einige SPD-Zirkel "gespalten". Denn nicht nur Wähler, sondern auch Genossen, die als Bürgermeister in den betroffenen Ortschaften wirken und werben, sind wohl für den Weiterbau der A 44 zwischen Kassel und Eisenach. "Sie dürfen es nur nicht öffentlich sagen", weiß ein Kenner der Szene.
Fest steht, daß sich die Spitzengenossen im Lande inklusive Ministerpräsident Hans Eichel gegen einen Autobahnbau ausgesprochen haben. In Stadt und Kreis Kassel haben die Sozialdemokraten keine Probleme, diese Lösung mitzutragen, echte Verkehrsprobleme gibt es ja erst bei den Nachbarn im Werra-Meißner-Kreis.
Auch der noch amtierende nordhessische SPD-Chef und Innenminister Herbert Günther verkündete schon "einen großen Konsens für den vierspurigen (kreuzungsfreien) Ausbau der B 7" mit großzügigen Ortsumgehungen. Daß die Landes-Grünen diese Darstellung des Kompromisses bis vor kurzem als "Falschmeldung" klassifiziert haben, weil in der Koalitionsvereinbarung von einem lediglich dreispurigen Ausbau ausgegangen wird, sei nur am Rande erwähnt.
Ungeachtet dessen beschloß das Bonner Kabinett im Rahmen des Bundesverkehrswegeplanes den Bau der umstrittenen Autobahn. Daß "der Bär damit noch nicht gefangen ist", weil Bundestag und Bundesrat den Plan noch absegnen müssen, sieht jedenfalls die Bürgerinitiative "Pro A 44", deren rund 400 Mitglieder sich nach Kräften für eine "Grüne Autobahn" einsetzen.
An der Spitze dieser BI steht Reinhold Thumeyer, ehemaliger SPD-Mann, der einst die Ambition hatte, in den Bundestag einzuziehen. Inzwischen hat er das Lager und die Ebene gewechselt: Thumeyer geht nunmehr als Spitzenkandidat der FDP in Hessisch Lichtenau (an der B 7) in den Kommunalwahlkampf.
"Seine" Bürgerinitiative, in der nach eigenen Angaben alle politischen Farben vorhanden sind und die sich deshalb als überparteilich versteht, will zwar keine Wahlempfehlung abgeben, wohl aber "Wahlprüfsteine als Grundlage für die Entscheidung" aufstellen. Daß da das Thema A 44 ganz oben stehen wird, versteht sich von selbst. Erklärtes Ziel der BI ist es in diesem Zusammenhang jedenfalls auch, vor allem die SPD-Bürgermeister (aber auch die Landtags- und Bundestagsabgeordneten) in der Region zu konkreten Aussagen über die A 44 zu bewegen.
Wenigstens einer hat schon offen Flagge gezeigt: Der Bürgermeister von Hessisch Lichtenau, Adolf Winter (SPD), hat für die A 44 votiert und sich damit gleichsam gegen Eichel und die Parteispitze gestellt. Er vertrete "keine Parteilinie, sondern das, was für die Bevölkerung besser ist", erklärt Winter.
Die Information, daß er sich der Bürgerinitiative als Mitglied angeschlossen hat, wird von ihm selbst nicht bestätigt. Er ist allerdings "auf dieser Linie" und "unterstützt" die BI, räumt Winter ein. Denn die Bevölkerung (und damit die Wähler) seien mehrheitlich für eine Autobahn in der Annahme, daß diese weit entfernt von ihren Orten gebaut werde.
Er selbst mag das freilich noch nicht glauben: Der Bürgermeister befürchtet, "daß die Autobahn direkt hinter unseren Türen" geplant und "die Katze erst nach der Wahl aus dem Sack gelassen wird".
Der sozialdemokratische Landrat im Werra-Meißner-Kreis, Dieter Brosey, sieht der Wahl gelassen entgegen. Die SPD im Kreis hat sich für eine vierspurige Straßenverbindung ausgesprochen - egal, ob ein A oder ein B davorsteht. Entscheidend sei, wo die Trasse verlaufen werde. "Mit dieser Position", meint Brosey, "stehen wir im Wahlkampf nicht schlecht da."
Er mag indes, wie sein Amtskollege Schlitzberger im Kreis Kassel, nicht ausschließen, daß der eine oder andere Wähler den Kurs der SPD-Spitzen übelnimmt und aus dem Wahlzettel einen Denkzettel machen könnte. ANNE RIEDEL
LANGEN. Auf dem alten Teil des Friedhofs darf es künftig keine neuen Tiefgräber mehr geben. Diese Anweisung des Kreisgesundheitsamts verursacht nach Angaben von Bürgermeister Dieter Pitthan (SPD) "einigen Ärger und Unverständnis". Ein Gutachten habe jedoch ergeben, daß die Bodenverhältnisse für Tiefgräber ungeeignet seien.
Das hessische Landesamt für Bodenforschung hat eine Lehmschicht in etwa zwei Metern Tiefe festgestellt. Bei zwei übereinanderliegenden Särgen kommt der untere mit dieser Schicht in Berührung. Das beeinträchtigt den Verwesungsprozeß. Gefahren für das Grundwasser können nicht ausgeschlossen werden. Aus hygienischen Gründen sind Tiefbeerdigungen nicht mehr zulässig.
Von den 6000 Gräbern auf dem Friedhof sind nach Angaben der Stadt etwa ein Drittel als Tiefgräber - meist für vier Personen - angelegt. Von diesen wiederum seien rund 150 nicht voll belegt. Die von der Anweisung des Gesundheitsamts Betroffenen will der Magistrat in den nächsten Wochen anschreiben, um eine Regelung zu vereinbaren.
Neue Tiefgräber will die Stadt wieder auf der Erweiterungsfläche im südlichen Teil des Friedhofs ermöglichen. Ein dafür vorgesehenes Areal soll um 70 Zentimeter aufgeschüttet werden, die Voraussetzungen seien damit erfüllt. dac
RÜSSELSHEIM. Irgendwo am Rüsselsheimer Ufer des Mains soll das voluminöse Denkmal zur Erinnerung an die einstigen Leinpfadreiter aufgestellt werden: über dreieinhalb Meter hoch allein bis zur Risthöhe, mit dem Reiter zusammen wohl gar in Richtung fünf Meter. "Da geht es rund", meinte Oberbürgermeister Norbert Winterstein im Gespräch mit Journalisten in Erwartung der dann vermutlich einsetzenden öffentlichen Diskussion über diese Bereicherung der lokalen Kulturszene.
Konkret dreht es sich um jenes Denkmal, das aus einem Wettbewerb der Stadt hervorgegangen ist und an die früheren Leinpfadreiter erinnern soll. Die hatten mit ihren Pferden an Ketten und Seilen Kähne auf dem Main gezogen. Der am Ende des Wettbewerbs auserwählte Entwurf zeigt daher folgerichtig auch eines der wuchtigen Zugpferde mit einem Reiter darauf.
Pferd samt Reiter seien bestellt, unklar nur noch, wo beide aufgestellt werden, verriet der Oberbürgermeister. Winterstein selbst plädiert für einen Standort in direkter Verlängerung der Mainstraße - am Mainufer. Dann werde der Blick auf die Tanklager am gegenüberliegenden Ufer gemildert. Doch: Die Denkmalschützer hätten signalisiert, daß das gute Stück besser am einstigen Leinpfad längs des Mains im Wiesenbereich stehen würde. Ob das wiederum den Naturschützern gefällt und was das Wasser- und Schiffahrtsamt wegen der eventuellen Hochwasserauswirkungen sagen wird, dürfte spannend werden. Wegen seines Standortes könnte sich das massive Bronzestück gelegentlich schon mal nasse Füße holen, ohne gleich unterzugehen oder zum Seepferdchen zu werden. Vielleicht wird das innen hohle Stück gar ein trojanisches Pferd, spekulieren manche - und, wenn ja, für wen. cas
Gesprächsabend für Eltern HANAU. Von der gemeinsamen Erziehung behinderter und nichtbehinderter Kinder handelt ein Gesprächsabend der Katholischen Familienbildungsstätte im Hanauer Bangert am Montag, 25. Januar, 20 Uhr.
Frau Else Knoefel aus Rodenbach, zum 92. Geburtstag, am Montag, 18. Januar.
Tips zu Erbschaftsfragen NEUBERG. Um die Frage "Wie vererbe ich richtig?" geht es in einer Informationsveranstaltung des Vereins ehemaliger Landwirtschaftsschüler/innen am Mittwoch, 20. Januar, ab 20 Uhr in der Ravolzhäuser Gaststätte "Lindenhof".
HANAU. Die Gruppe "Vivian-House- Party" der Hohen Landesschule Hanau hat beim Planspiel Börse der Frankfurter Sparkasse den zweiten Platz hinter einem Team der Frankfurter Franz- Böhm-Schule belegt. Jedes Hola-Gruppenmitglied konnte über 200 Mark Gewinn machen.
An diesem Börsenplanspiel nahmen 35 Spielgruppen von Hanauer Schulen teil. him
Sprechkursus für Frauen HANAU. Einen Trainingskursus für Frauen, die mit Sprech- und Atemübungen größere Sprechsicherheit erreichen wollen, veranstaltet das Frauenbildungszentrum der Arbeiterwohlfahrt ab Dienstag, 2. Februar, von 9.30 bis 11.15 Uhr im Schloß Philippsruhe. Anfragen und Anmeldungen unter 0 61 81 / 25 44 28.
HEUSENSTAMM. Daß im Neubaugebiet nördlich der Hohebergstraße mit dem Bau der ersten Häuser schon 1994 angefangen werden könnte, hält Erster Stadtrat und Baudezernent Klaus Vörkel (CDU) für unrealistisch. Bürgermeister Josef Eckstein und Bauamtsleiter Lothar Schmitz hatten sich bei der Vorstellung des gerade vom Magistrat verabschiedeten Bebauungsplanentwurfes in dieser Richtung geäußert.
Vörkel erklärte nun, es sei zwar möglich, daß der Bebauungsplan 1994 Rechtskraft erlangt, das sich daran anschließende Verfahren der Baulandumlegung werde aber günstigstenfalls 1995 abgeschlossen werden können. Erst dann könne sich die Stadt an die Erschließung des Baugebietes machen. pmü
vs DÜSSELSDORF, 17. Januar. Das große I oder der Schrägstrich werden künftig nicht Gesetze, Verordnungen und Erlasse der Regierung in Nordrhein- Westfalen zieren, wenn in ihnen von Frauen und Männern die Rede ist. Weil "eine gleichstellungsgerechte Gesellschaft" auch eine "gleichstellungsgerechte Rechtssprache" erfordert, wird die bislang durchgängige Verwendung der männlichen Form abgeschafft. Statt dessen sollen alle amtlichen Texte künftig Paarformeln erhalten, also Straßenbahnfahrer und Straßenbahnfahrerin. Worte, für die es keine weibliche Form gibt, wie zum Beispiel Vormund, bleiben bestehen.
Das ist das Ergebnis fast dreijähriger Beratungen einer interministeriellen Arbeitsgruppe, die von der Düsseldorfer Landesregierung den Auftrag erhalten hatte, die Gleichbehandlung von Frauen und Männern auch in der Rechts- und Amtssprache herzustellen. Die Experten und Expertinnen kamen zu dem Ergebnis, daß die männlichen Formen in der Sprache eine "psychologisch wirksame Benachteiligung" von Frauen darstellt.
Sprache könne allerdings nicht "gewaltsam verändert werden", heißt es in dem Bericht der von der Regierung "zustimmend zur Kenntnis" genommen wurde. Vorschläge von Sprachwissenschaftlerinnen, die eine "Radikalkur für die Männersprache" dadurch gefordert hatten, daß nur noch die weibliche Form benutzt werden dürfe, lehnten die Experten ab.
Das große Binnen-I - also: FahrerIn oder TäterInnen - lehnte die Arbeitsgruppe ab, weil dies "nicht den anerkannten Regeln der deutschen Sprache entspricht". Die Kommission räumte ein, daß die Anwendung von Paarformeln zu erheblich längeren, komplizierteren und schwerer verständlichen Vorschriften führen könne. Das könne durch geschlechtsneutrale Formen wie "Person, Mitglied, Arbeitskraft oder Eheleute" umgangen werden.
Frau Elise Schmidt, Bad Vilbel, zum 92. Geburtstag.
Frau Margarete Scheinichen, Bad Vilbel, zum 96. Geburtstag.
Herrn Heinrich Schuch, Groß-Karben, zum 72. Geburtstag.
Frau Elisabeth Theobald, Okarben, zum 85. Geburtstag.
Herrn Albert Wittich, Rendel, zum 91. Geburtstag.
Frau Minna Dörr, Burg-Gräfenrode, zum 82. Geburtstag.
FRANKFURT A. M. Die Französische Filmakademie glaubt, sie habe berherzt die Notbremse gezogen. Wie berichtet, hat sie ab sofort beschlossen, den von ihr alljährlich verliehenen "César", den angesehensten Filmpreis des Landes, nur noch an jene französischen Produktionen zu vergeben, die in französischer Sprache gedreht wurden.
Damit fallen in diesem Jahr automatisch Jean-Jacques Annauds "Der Liebhaber", Louis Malles "Verhängnis" und Roman Polanskis "Bitter Moon" aus dem Wettbewerb. Sie können allenfalls mit dem Rest aller in Frankreich gezeigten Filme - vor allem aus den USA - um den "César" für den "besten ausländischen Film" konkurrieren. Denn die zwei Geburts- und der polnische Wahlfranzose haben ihre Arbeiten in Englisch gedreht.
Man kann das nicht nur als französischen Sprachchauvinismus im Film bespötteln, sondern auch, weil der Bremsgriff die ganze Hilflosigkeit der Europäer offenbart, sich gegen die ungebrochene Dominanz des US-Films zur Wehr zu setzen. Die französische Akademie sieht nämlich in ihrem "Parlez français!", das sich an die einheimische Produzentenklientel richtet, eine Aufforderung an andere europäische Länder, es ihr mit den jeweiligen Landessprachen nachzutun.
Wenigstens am Anfang soll noch mit eigener Zunge gesprochen werden, wenn die Filme für den internationalen Markt dann doch am Ende auch in andere Sprachen synchronisiert werden. "Der Film als Spiegelbild unserer europäischen Kultur ist in Gefahr!", ruft Robert Enrico, der Ehrenpräsident der Französischen Filmakademie, über Frankreichs Grenzen hinaus.
Im restlichen Europa hat man das schon früher bemerkt - bevor die "Grande Nation", die sich lange noch etwas darauf zugute hielt, daß einzig noch ihre Kinoleinwände nicht von den US-Filmen dominiert wurden, nun auch das Schicksal aller anderen in Europa ereilt hat. Und dieser Erosion der nationalen Filmkultur soll nun durch französische Filme en français entgegengewirkt werden? Einfach lachhaft.
Natürlich schmerzt so etwas die Kulturnation, in der mit der Sprache Rousseaus und Voltaires zum erstenmal die Menschenrechte in die Welt traten; und den Film hat man dort, anders als bei uns, selbstverständlich immer als Ausdruck der Kultur gesehen - wie Literatur und Musik, Malerei und sogar Comics.
Aber wahrscheinlich hat man darüber vergessen, öfter mal Diderot und noch mehr Marx zu lesen, um zu wissen, daß der Film nicht nur Kultur-, sondern vor allem auch Wirtschaftsgut ist. Ein unverzeihlicher Fehler gerade jetzt, da "Wirtschaftlichkeit" die einzige Leitwährung unserer Lebensweisen ist. "Der Film als Spiegelbild unserer europäischen Kultur", wirft deshalb heute nur zurück, was in ihm das Sagen hat.
Wenn französische, resp. europäische Produzenten ihre Filme schon von Anfang an auf englisch "fremdeln" lassen, dann aus zwei Gründen: weil ihre Produkte auf den jeweiligen Nationalmärkten mit Landes-Sprach-Währung sich nicht mehr amortisieren; und weil sie sich - bislang im US-Kino weitgehend vergeblich, aber vielleicht im US-TV? - einen Surplus-Gewinn erhoffen. Identifikation mit dem Angreifer, gewiß; aber der einzige national dominierte Kinomarkt ist der in den USA; deshalb dominiert er auch international.
Dagegen ist bislang in ganz Europa kein Heilkraut gewachsen; und dieser französische Hilferuf ist nur der vorläufig letzte, den bereits Ertrunkene lange zuvor ausgestoßen hatten. Ihre Hinterlassenschaften sind, als Ergebnisse von Tagungen und Kongressen, die "Europäische Produktions- & Verleihförderung", der Europäische Filmpreis "Felix" und die Europäische Filmakademie der Regisseure und Produzenten.
Weitgehend folgenlose Hollywood-Imitationen, allenfalls Rettungsringe, um die letzten Solitäre des Europäischen Films aus dem kalten Wasser der Ökonomie noch einmal auf die "Titanic" zurückzuziehen, die von einem Heer von Bürokraten mit falschem Glanz & Gloria gerade noch subventioniert über Wasser gehalten wird. Denn der Zusammenstoß mit dem Eisberg ist schon geschehen, der "point of no return" längst passiert - nur die "Valses nobles et sentimentales" erden noch weitergespielt.
Der "Eisberg"? Was war das? Die eiserne Notwendigkeit, die von den weltumspannenden audiovisuellen Medien und dem Welthandelsverkehr vorgegeben wurde. Das Zauberwort, das die einst in nationalen Sprach-Kultur-Räumen versteinerten Lebensvehältnisse zum Tanzen brachte, bis sie in sich zusammenfielen, heißt im Audiovisuellen "Synchronisation". Die sprachliche Anverwandlung des fremden Idioms ins jeweils eigene hat die von der Sprachnatur gesetzten Grenzen niedergelegt - bis zur Zeitgleichheit, mit der heute die US-Filme in sämtlichen europäischen Ländern gestartet werden.
Führte die Expansion des Fernsehens als "Medium des Hausbesuchs" zur Schrumpfung des aushäusigen Kinokonsums, so hat es auch damit den filmischen Nationalkulturen den ökonomischen Boden entzogen. Die populären Nationalkulturen - der deutsche Heimatfilm, die italienische Kleinstadt-Komödie, das französische Melodrama oder der Gangsterfilm (selbst der Kino-Western) - sind als Genre-Konstanten längst verschwunden. Die auf diesem "Kommerzhumus" entstandenen europäischen Filmkulturen - die Gleichzeitigkeit von Bergman und Visconti, von Kluge und Bresson, von Tanner und Truffaut, von Dreyer und Godard: auch sie leuchtet heute nur noch in wenigen Solitären, die - entblößt von nationalkulturellen Ambientes - immer seltener uns ein Licht aufstekken können.
Noch konnten einige von ihnen ihre spezifisch national-kulturellen Hintergründe - optisch, akustisch, sprachlich - behaupten; oder wie Wenders und Godard quer durch die Kulturen und multilingual zigeunern. Aber schon mußte der Grieche Theo Angelopoulos un seinem "Angehaltenen Schritt des Storchs" erzählerische Verrenkungen unternehmen, um die Französin Jeanne Moreau seinem griechischen Ambiente zu integrieren. Der Pole Kieslowski verfolgte eine erzählerische Doppelstrategie in den "La double vie de Veronique", welche den Coproduktions-Status des Films reproduziert. Der Finne Aki Kaurismäki hat da fast schon so etwas wie eine Quadratur des ökonomischen Kreises für seinen "englischen" Film "I hired a Contract-Killer" und für seine französische "La Vie de Bohème" versucht, indem er den Franzosen J. P. Léaud ins britische und seine finnischen "Ausländer" in französische Ambiente versetzte. An diesen künstlerisch bewußt gesuchten Reibeflächen entzündete sich das Bild eines seiner selbst gewissen "europäischen" Films, der Nähe und Ferne im sprachkulturellen Reichtum unseres Kontinents zum Leuchten brachte.
Jedoch weder mit diesem ästhetischen Surplus der Indentitätsmarke "Made in Europe", noch mit verwandten Differenzierungen will man noch bei uns umgehen. Abweichung als europäisches Spezifikum wird qua Synchronisation gelöscht wie in den Synchron-Spitzenleistungen, mit denen die britischen Shakespeare- und Marlowe-Adaptionen von Brenagh und Jarman eingedeutscht wurden. Angesichts dieser und anderer Barbarismen ist das Wort von den "europäischen Kulturnationen" pures Geschwafel.
Wollte man, mit Robert Enrico und der Französischen Filmakademie, die letzten Reste der europäischen Filmkulturen einzig auf dem noch verbliebenen linguistischen Fundament zu "verteidigen" suchen, dann hätte das kulturpolitisch nur dann Sinn, wenn der Flickerlteppich der Sprachländer den Europäern jeweils im rauhen Webmuster des jeweiligen Originaltons zu Ohren käme. Eine europäische Film-Kultur-Politik, die sich damit, im Bewußtsein ihrer Don Quichotterie, zum musealen Erbwalter europäischer Differenz-Konstanten und -Erfahrungen machen würde, müßte auf Synchronisation Verzicht leisten und zur Untertitelung zurückkehren.
Aber was heute auf der Opernbühne, die zur Originalsprache des Komponierten zurückgefunden hat, nahezu selbstverständlich erscheint, wird im Kino und mehr, gerade auch vom "kulturell anspruchsvolleren Publikum" als freche Zumutung und nicht als frischer Zugang empfunden.
So erscheinen die ästhetischen Reichtümer des Originals - also sein kulturelles Spezifikum - als lästige Schmutz- & Verpackungsrückstände, die für den hygienischen Konsum getilgt werden müssen. Es bezeichnet die auswegslose Situation des "europäischen Films", daß die Logik, zu der eine substantielle Reflexion über seine "Zukunft" gelangt, einzig in seine unwiederbringliche Vergangenheit führt.
Gäbe es nicht dennoch hin und wieder, mit stockender Produktion aufgrund schwierigster multinationaler Finanzierungen, ein paar tollkühn-zähe "Freibeuter" des Europäischen Films,die ohne Land-in-Sicht immer weiter draußen vereinzelt kreuzen: - so besäßen wir noch nicht einmal mehr die Idee davon, was er sein könnte, sondern nur noch die Erinnerung an das, was er einmal war. Im deutsch-französisch-italienischen Oeuvre der Straubs ist dieser europäische Augenblick des Films von "Willkommen und Abschied" wie nirgends sonst emblematisch versiegelt. WOLFRAM SCHÜTTE
BERLIN. Der ansonsten hochverdiente "Museumspädgogische Dienst" der Staatlichen Museen zu Berlin ist bös hereingefallen: zur Ausstellung von Picassos Spätwerk in der "Neuen Nationalgalerie" hat er sich von Gerald Uhlig eine "szenische Komposition" aufschwatzen lassen mit dem Titel "Picasso oder ich folge dem Mörder". Mit staatlichen Mitteln und denen gutgläubiger Sponsoren finanziert, findet nun zehnmal eine Séance in der Eingangshalle des noch nicht vollendeten "Kulturforums" am Kemperplatz statt, die als aufgeblasenen Dilettantismus zu bezeichnen noch freundlich ist.
Picasso wird vulgärpsychologisch in die Mangel genommen, surrealistisch verquaste Texte und bombastische Geräusch- Collagen begleiten einige unbeholfene Elfen bei etwas, das wohl Ausdruckstanz sein soll. Ein Männlein tritt mit roten Stierschädel und einem giftgelben Phallus beträchtlicher Größe auf, angedeutete Kopulationsszenen und sonstige Violenzen wechseln, von der Empore schüttet ein in Rosé gewandeter "Präsident" eimerweise Wasser in ein Aquarium im Untergeschoß. Hölzernes Pathos und lachhafte Posen gibt es die Menge, Ironie und Distanz nicht einmal in homoöpathischer Dosierung: ein Gesamtkitschwerk aus dem Geist der Präpotenz. Uhlig, sein Erfinder und Texter, firmiert auch als Regisseur und Hauptdarsteller, ungeachtet eines störenden Sprachfehlers.
Einzig der kurze Auftritt von Vanessa Torrico, die auf einem Tisch Flamenco tanzt, hat etwas mit Kunst zu tun. Die anderen Mitwirkenden (es sind immerhin vierzehn, und im "Stab" noch einmal zehn!) ersetzen Können durch angestrengten guten Willen. Ein echtes Stierkalb distanziert sie alle, mühelos.
Der Unfall ist typisch für den Umgang mit den "Freien Gruppen": Die, die ernsthaft arbeiten, müssen sich von Projekt zu Projekt hangeln und nagen zwischendurch am Hungertuch; hat aber jemand einen windigen Einfall, der sich an irgendein wichtiges Ereignis hängt, wird er bedient.
Immerhin konnte man einen ersten Blick in jene Eingangshalle werfen, die demnächst einmal die Besucher zu den verschiedenen Museen für Europäische Kunst geleiten soll: sie hat den tristen Charme einer U-Bahn-Station in Swerdlowsk (wenn es dort eine gibt . . .). RHW
ERLENSEE. Für den Wahlkampf hat die SPD in Erlensee folgende Veranstaltungen angekündigt: Das umstrittene Duale System, das angeblich aus buntgemischten Abfällen wieder Wertstoffe macht, soll am Mittwoch, 20. Januar, um 20 Uhr in der Erlenhalle diskutiert werden. Dazu haben die Sozialdemokraten Leute vom Fach eingeladen.
Lockerer zugehen soll es beim Preisskat der Genossen am Samstag, 30. Januar, um 14 Uhr in der Sport- und Kulturhalle. Am Mittwoch, 10. Februar, um 11.30 Uhr wird die Finanzexpertin und Bundestagsabgeordnete Ingrid Matthäus- Meier zu einer Kundgebung vor dem Rathaus erwartet. Hoher Besuch hat sich auch zum Heringsessen am Aschermittwoch, 24. Februar, um 18 Uhr angekündigt. Neben Landrat Eyerkaufer, der erst im Juni zur Wahl steht, soll Ministerpräsident Hans Eichel warme Worte zum kalten Fisch sprechen. Dem Vernehmen nach wird Eichel wenig später in Roßdorf testen, welcher Ortsverein das schmackhafteste Rezept hat.
Mit einem Infostand am Rathaus wollen die Genossen an den Samstagen 27. Februar und 6. März, jeweils ab 9 Uhr, die Bürger darüber informieren, wer die bessere Rathauspolitik macht. Die erste Wahlparty gibt es bereits vor dem Urnengang, nämlich am Sonntag, 28. Februar, in der Erlenhalle mit Justizministerin Christine Hohmann-Dennhardt. Der Siegersekt soll dann am 7. März ab 18.30 Uhr an gleicher Stelle ausgeschenkt werden. hein
Briefe an die Redaktion
Bonner Verhältnisse Altstadtbürger Michael Grimm schildert seinen Ärger mit den Straßenbeiträgen (die FR berichtete):
Nachdem es kein Geheimnis mehr ist, daß die Politiker in Bonn den Kontakt zur Basis verloren haben, mußten einige Mitbürger kurz vor Weihnachten erfahren, daß es nun auch in Königstein soweit ist. Wie Sie mehrfach berichteten, flatterten Rechnungen zur Erhebung von Straßenbeiträgen ins Haus. Leider sind die Verantwortlichen, die dies mitgetragen haben, nicht mehr im Amt. Aber was ist mit unseren gewählten Volksvertretern? Finden sie es in Ordnung, daß zum Beispiel gerade unsere älteren Mitbürger, die über Jahre in der Altstadt ihr Zuhause haben und ihr Anwesen ohne finanzielle Unterstützung der Stadt zu einem immer wieder durch Blumen und Farbe prachtvollen Zustand gehalten haben. Sollen diese Leute als Dankeschön ihre Ersparnisse aufgeben? Bravo!
Wir alle hoffen, daß unser neues Team, Bürgermeister Huke und Erster Stadtrat Dehler, soviel Stärke und Loyalität besitzen, daß sie diesem Treiben ein Ende setzen, damit der Friede wieder in die Altstadt einkehrt. Und mit der Hoffnung, daß solche Fehlentscheidungen von den verantwortlichen Politikern in Zukunft ausbleiben.
Letztlich wäre noch anzumerken: da es sich um eine dringliche Sanierung der Versorgungsleitungen handelte (Gas, Wasser, Strom, Post), ist es um so unverständlicher, im nachhinein die Steuerzahler mit immensen Kosten zu belegen. Jedem Anlieger der Karlstraße hätte nämlich der alte Zustand noch über Jahre hinweg gute Dienste getan.
Michael Grimm 6240 Königstein
Nach dem Berufsleben Der Leser hat eine Korrektur zu unserem Bericht über das neue Programm der Erwachsenenbildungsstätte Falkenstein (FR vom 13. 1.):
Beim Lesen Ihres Artikels habe ich an der Stelle, wo Sie ein Seminar von mir ankündigen mit dem angeblichen Thema "Gibt es ein Leben nach dem Beruf?" zunächst lachen müssen. Danach aber habe ich mich doch geärgert über Sie. Sie haben mit einem einzigen gedankenlosen Satz ein sehr ernsthaftes Thema, nämlich die Vorbereitung auf das Leben nach der Berufsarbeit - so lautet der Seminartitel - in Schwachsinn verwandelt. Dabei hätte doch gerade an einer solchen Stelle exakter Information journalistische Sorgfaltspflicht Sie besonders wachsam sein lassen müssen.
Edwin Klein-Schaumberg 6240 Königstein 2
Zum Besuch der Direktorin des hessischen Landeswohlfahrtsverbandes (LWV), Barbara Stolterfoht, in der Taunusklinik (FR vom 15. Januar), schreibt uns der Sprecher der Patienteninitiative:
Frau Gisela Heimbach, Pressesprecherin des LWV, hat erneut vermittelt, wie unglaubwürdig, zweifelhaft und "sehr wackelig" die ganze Struktur des LWV ist, indem sie im nachhinein die eigentlich verbindlich gemachten Aussagen von Landesdirektorin Stolterfoht korrigieren muß. Daß Frau Stolterfoht "Verständnis" für unsere Argumente zeigte, aber gleichzeitig nichts tun kann (oder will), um dieses Behindertendrama endlich zu entschärfen, zeigt doch nur, welche Kompetenz die LWV-Chefin in Wirklichkeit besitzt. Es ist eine Schande und eine "Verarschung", der Bevölkerung auch weiterhin die Verlagerung als billigste Lösung zu verkaufen, obwohl definitiv bekannt ist: Unsere Teilverlagerung kostet allein schon heute 42 Millionen, die Kinderverlagerung allein auch zehn bis 15 Millionen (doch nur 25 Kinder, nicht wie geplant 50). Wo der Rest Kinder bleibt oder die Stimm- und Sprachabteilung, ist noch ungeklärt, wird aber von unserer Ministerin Iris Blaul stolz als "sehr gute Lösung" verkauft. Ich verstehe nicht mehr, wie lange sich unsere Bevölkerung dieses Pokerspiel LWV-Rot/Grün noch anschaut, da es doch um Ihrer aller Steuergelder dabei geht! Gottfried Petz 6127 Breuberg
Die Ausstellung "Alptraum Auto" in Kronberg wird von der BUND-Ortsgruppe kritisiert:
Diese Ausstellung berührt ein Thema in Kronberg, das sich seit Jahren als Dauerbrenner in der Politik hält. Von einigen als unverzichtbarer Fortschritt, von anderen als Bedrohung des menschlichen Lebensraumes angesehen, ist das Auto doch nicht mehr wegzudenken. Trotzdem stellt sich die Frage, ob dem "Gott Auto" weiter Tür und Tor geöffnet werden soll, mit all seinen fatalen Folgen für Mensch, Tier und Natur.
Die Ortsgruppe des Bund für Umwelt und Naturschutz in Kronberg hat Alternativen zum Auto aufgezeichnet. So ist das Netz des Öffentlichen Personennahverkehrs in Kronberg zwar nicht optimal, aber annehmbar. Es ist möglich, in jeden Winkel per Auto zu gelangen. Der Bau weiterer Straßen ist deshalb nicht nötig.
Die Übersicht des ÖPNV zeigt noch einige Lücken, die bei Zusammenarbeit der Betroffenen mit den entsprechenden Behörden sicher zu schließen sind. So ist es nicht zu verstehen, daß die Altkönigschule durch zwei Buslinien angebunden ist, es aber für die SchülerInnen nicht möglich ist, die Schule per Bus zu erreichen, da die Fahrtzeiten nicht mit dem Unterrichtsbeginn koordiniert sind. Auch die Möglichkeit des Sonntagsausfluges in den Hintertaunus mit der Buslinie 5950 zum Feldberg ist zu wenig bekannt. Lange Schlangen von Ausflüglern, die sich Sonntags durch Kronberg quälen, können hier ausweichen und den Taunus ohne Benzingestank und Warteschlangen erleben. G. Schaar-Schmidt 6242 Kronberg
Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor. (Red.)
FRIEDRICHSDORF. Die "gelbe Brühe" ist wieder da. FR-Leser Klaus M. aus Wehrheim hat sie entdeckt - einen kleinen, schmutzig-gelben Wasserlauf, der vom Firmengelände der Taunus- Quarzitwerke im Köpperner Tal in den Erlenbach mündet. Auch an den Ufern und im Bachbett seien Spuren zu sehen, berichtet M. Doch die betroffenen Behörden geben Entwarnung: Die gelben Spuren - Folge der starken Regenfälle der vergangenen Woche - seien rein natürlich und unproblematisch.
"Die gelbe Brühe fließt nicht mehr lange", titelte die FR vor zwei Jahren zum gleichen Thema. Der Grund dafür: Die Taunus-Quarzitwerke sollten in enger Kooperation mit dem Wasserwirtschaftsamt Friedberg eine Rückhalteanlage bauen. Dies ist inzwischen geschehen.
"Vor Ort wurde seinerzeit festgelegt, was zu machen ist", sagt Peter Herrgen, der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Friedberg. Das Bergamt Weilburg hat anschließend seinen fachtechnischen Segen dazu gegeben, und im Herbst 1992 kam dann auch der wasserrechtliche Bescheid.
"Die Anlagen sind in Ordnung", meint Harald Franz, stellvertretender Chef der Weilburger Behörde. Und Hans Koch, Geschäftsführer der Quarzitwerke, betont: "Die Anlage ist nach dem derzeitigen Stand der Technik gebaut. Das gesamte Oberflächenwasser wird über Absetzbecken geführt."
Doch schon vor zwei Jahren war klar, daß bei extremer Witterung auch diese Sicherung überfordert sein könnte. "Etwas Hundertprozentiges gibt es sowieso nie", weiß Hans Koch; der Steinbruch-Manager mag nicht auszuschließen, daß in der vergangenen Woche die Anlage an ihre Kapazitätsgrenze gelangte. Schließlich fielen, wie Koch ermittelte, in 24 Stunden 50 Liter pro Quadratmeter. Und die Experten vom Wasserwirtschafts- und vom Bergamt sprechen sogar von "katastrophalen Niederschlägen". Außerdem, so ergänzt Harald Franz, stamme die "gelbe Brühe" beileibe nicht nur aus dem Betriebsgelände: Auch von anderen Flächen in der Umgebung, beispielsweise den Waldwegen oder Rodungen, wasche starker Regen aus dem Quarzit die tonigen Bestandteile heraus, die dann früher oder später im Erlenbach landen. Es handele sich dabei um "sehr feine Teilchen" (Herrgen), um "mehlfeine Partikel" (Franz), die sich nicht so leicht zurückhalten lassen.
Auch Wilfried König vom Friedrichsdorfer BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) weiß um die "enorme Erosion bei langanhaltenden Regenfällen": "Das läuft nach wie vor da rein."
Der Aussage von Behörden und Firma - "Das ist etwas Natürliches, keine Gifte, keine Chemikalien" - hält König entgegen, daß die Auswirkungen der Quarzitrückstände wissenschaftlich noch nicht eindeutig erforscht seien. Doch da die Stoffe sich nur sehr langsam abbauen, bestehe die Gefahr, daß sie allmählich den Untergrund des Baches verschließen, und das gehe zu Lasten der Kleinlebewesen.
Winfried König, seit Jahren engagierter Kämpfer für den Erlenbach, will die Lage im Bereich des Quarzitwerks weiter beobachten und fotografieren.
Die Untere Naturschutzbehörde beim Hochtaunuskreis wußte indes bis dato weder offiziell noch inoffiziell etwas von den aktuellen Verfärbungen im und am Bach. Dies erklärte der FR der Amtsleiter Tilmann Kluge. Erst wenn eine Anzeige vorliege, könne die Naturschutzbehörde aktiv werden. tom
Am heutigen Montag wird die Straße Im Staffel in Seckbach wieder zur Einbahnstraße. Die Fahrtrichtung verläuft von der Hofhaus- zur Auerfeldstraße. Die Straßenverkehrsbehörde folgt damit einem Wunsch des Ortsbeirates, nach dessen Meinung sich die bisherige Regelung, die zusammen mit Tempo 30 eingeführt wurde, nicht bewährt hat. habe
Ob die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Frankfurt bleibt oder nach Bonn umzieht, ist nach wie vor ungeklärt. "Die Entscheidung ist noch völlig offen", erklärte ein Sprecher der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg.
Die Bundesanstalt, der die ZAV untersteht, reagierte damit auf eine Erklärung des Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordneten Joachim Gres, wonach der Standort Frankfurt voraussichtlich erhalten bleibe. Gres beruft sich in seiner Erklärung auf einen Briefwechsel mit der Nürnberger Behörde. Auf sein Drängen, so Gres, habe sich der Präsident der Bundesanstalt bereit erklärt, Alternativen zu einer Verlagerung auszuarbeiten. Die Behörde "hat in einem jüngsten Schreiben ausdrücklich die Position bestätigt, daß eine Reihe von Faktoren für den Standort Frankfurt am Main für die ZAV sprechen", meint der CDU-Bundestagsabgeordnete. Neue Aufgaben der ZAV, die sich insbesondere aus dem europäischen Binnenmarkt ergeben, könnten an einem zusätzlichen Standort Bonn angesiedelt werden, referiert Gres das Schreiben der Bundesanstalt.
Deren Sprecher Roland Schütz bestätigte den Briefwechsel, bezeichnete die Stellungnahme seiner Behörde aber als "hypothetische Erörterung", die keinesfalls als Vorentscheidung zu bewerten sei. Einen Termin für die Klärung der Standortfrage konnte Schütz noch nicht nennen.
Die ZAV hat von der neuerlichen Debatte "keine Kenntnis", sagte die Sprecherin der Dienststelle, Renate Vollmer. Nach ihren Angaben hat die ZAV seit 39 Jahren ihr Domizil in Frankfurt. Knapp 500 Mitarbeiter in fünf Abteilungen kümmern sich um die Vermittlung von Managern "auf oberer und oberster Ebene". Ferner gibt es eine Künstleragentur und eine Abteilung für Hotel- und Gaststättenpersonal. Die ZAV übernimmt außerdem die Vermittlung von Arbeitskräften ins Ausland und vom Ausland nach Deutschland. vo
Kleine FR
Umweltfonds und Jahresrechnung HOFHEIM. Der Haupt- und Finanzausschuß kommt am Mittwoch, 20. Januar, im Sitzungssaal 402 und 403 des Rathauses zusammen. Tagesordnungspunkte von 20 Uhr an: die Einrichtung eines Umnweltfonds zur Förderung der Energieeinsparung und die Jahresrechnung. Ortsbegehung in Hofheim-Süd HOFHEIM. Zur Ortsbegehung durch Hofheim-Süd lädt der Ortsbeirat für Samstag, 23. Januar. Von 14 Uhr an können Interessierte mit Kommunalpolitikern und Bürgermeister Rolf Felix (CDU) durch die Straßen laufen. Treffpunkt ist der Parkplatz der Heiligenstockschule. Schadstoffmobil kommt ESCHBORN. Das Schadstoffmobil sammelt am Samstag, 30. Januar, problematische Abfälle, die nicht in den Hausmüll gehören. Es steht zwischen 9 und 12 Uhr auf dem Parkplatz Süd-West an der Berliner Straße. Ortsbeirat Wildsachsen tagt HOFHEIM. Die Fortschreibung des Regionalen Raumordnungsplanes und der Busabstellplatz am Ortseingang sind am Mittwoch, 30. Januar, Themen im Ortsbeirat Wildsachsen, 20.05 Uhr, Vereinsheim.
Die Kürzungen im sozialen Sektor gefährden auch die Zukunft der Integrativen Schule in Frankfurt. So sind die vorgesehenen städtischen Fördermittel für 1993 von 400 000 auf 250 000 Mark zusammengestrichen worden. Der Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) fordert deshalb den Magistrat in einem Antrag der Grünen-Fraktion auf, die fehlenden 150 000 Mark in einem Nachtragshaushalt bereitzustellen. Christdemokraten und FDP enthielten sich der Stimme. jot
Vier junge Männer haben am späten Abend im Gallusviertel einen 58jährigen mit einem Stilett bedroht und zur Herausgabe seiner Geldbörse mit 270 Mark gezwungen. Der Überfall erfolgte, nachdem die vier gemeinsam mit ihrem Opfer die Straßenbahn an der Haltestelle Schwalbacher Straße verlassen hatten.
Einer der Täter trug eine silberfarbene Jacke. habe
pid GÖTTINGEN, 17. Januar. Etwa 3200 Einwendungen sind beim Bundesgesundheitsamt Berlin gegen die geplante Freisetzung gentechnisch veränderter Zukkerrüben und Kartoffeln im niedersächsischen Landkreis Northeim und im niederbayerischen Kreis Deggendorf eingegangen. Die Zahl sei damit doppelt so hoch wie bei dem bundesweit angelegten ersten Freilandversuch mit gentechnisch veränderten Petunien des Max-Planck-Institutes in Köln, berichtete jetzt ein Sprecher des Bundesgesundheitsamtes.
Die Einwendungen gegen die Freisetzungsversuche, die von einer Forschungsgesellschaft der Kleinwanzlebener Saatzucht AG in Einbeck und dem Institut für Genbiologische Forschung Berlin beantragt worden sind, werden am 27. und 28. Januar in einer öffentlichen Anhörung in Northeim verhandelt.
NIDDA. Heinrich Böll schaut von der Leinwand über die Köpfe hinweg. Leise Musik erfüllt das Bürgerhaus. Die im Halbkreis aufgestellten 165 Stühle sind fast ausnahmslos besetzt. Der Rest des großen Saales liegt in brachem Dämmer. Zwei Männer in dunklen Anzügen nehmen an blaugedeckten Tischchen auf dem provisorischen Podium Platz. Hinter ihnen prangt ein rotes Schild auf gelbem Vorhanggrund: "Nidda literarisch", steht darauf zu lesen.
Das anfängliche Wispern ist verklungen. Jochen Hieber, Literaturredakteur der FAZ und Bürger Niddas, führt Böll und Klaus Bauer durchs Programm. Hieber ist bemüht, des Schauspielers vergleichsweise geringen Bekanntheitsgrad durch Zukunftsmusik wettzumachen. "Vielleicht steht er kurz vor der großen Entdeckung." Doch wozu? Der Schauspieler Bauer hat gegenüber Hiebers früheren Bühnenpartnern Marcel Reich-Ranicki und Mario Simmel im Bürgerhaus Nidda einen entscheidenden Pluspunkt: Er kommt aus Hungen, also aus der direkten Nachbarschaft. Die Zuhörergemeinde ist zwar nicht riesig, dafür aber dankbar. Und Bauer verdient sich seinen Dank.
"Ins Innere der Literatur", so hatte Hieber angekündigt, solle dieser Abend mit szenischen Lesungen führen. Die Begegnung des Dichters mit dem Schauspieler. Hieber nimmt sich Zeit, den Mann, der von der Leinwand schaut, auch vor dem inneren Auge seiner Zuhörerinnen und Zuhörer auferstehen zu lassen. Er versteht es in seinen Einsprengseln zwischen den Lesungen, Momentaufnahmen aus dem Leben des Nobelpreisträgers zu einem groben Gesamtbild zusammenzufügen.
Während der nüchterne Kritiker von Anfang an bei der Sache ist, hat der Schauspieler zunächst Schwierigkeiten warmzuwerden. Sein Vortrag aus "Der Engel schwieg" wirkt lau. Nicht einfach für einen Mimen, der das Schauspiel Frankfurt als Bühne gewohnt ist, sich in der ungemütlichen Bürgerhaus-Atmosphäre zurechtzufinden. Ein Kater stolziert durch den Saal und verkriecht sich unter das Podium, ein schreiendes Baby wird aus dem Saal gekarrt. Telefonklingeln durchlöchert den Text. Der erste Applaus löst die Spannung.
"Der tote Indianer in der Duke Street" kommt Bauer zu Hilfe. Bei der Episode aus Bölls Irischem Tagebuch blüht Klaus Bauer auf, steigert den Vortrag zum Genuß. Das Eis ist gebrochen. Mit einem Schmunzeln in der Stimme trifft er den richtigen Ton für den Dialog des Polizisten mit dem Landmann übers Wetter und meistert hernach auch weniger eingängige Texte wie den Auszug aus "Ansichten eines Clowns". Engagiert spielt er sich auf die erdichteten Charaktere ein. Der lesende Schauspieler unterstreicht seine Worte mit dem Körper. Er legt sich förmlich in den Text, läßt seine Arme mitreden. Nach zwei Stunden ist das Lichtbild Bölls vergessen, hat der Autor im wohldosierten Wechselspiel zwischen Hiebers biographischen Kommentaren und Bauers Interpretationen Gestalt gewonnen. Doch noch wird der Projektor nicht ausgeknipst - das Auditorium läßt gern nochmals zwei Minuten Ruhe einkehren, und Bauer verschafft sich mit der "Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral" einen gelungenen Abgang. MONIKA KAPPUS
"Die Bürger-feindliche Bagatellsteuer" muß nach Ansicht der FDP abgeschafft werden, selbst wenn die Finanzen der Stadt marode seien. Denn seit dem 1. Januar 1992 "zieht die Stadt dem Bürger jährlich 30 Millionen Mark aus der Tasche, ohne daß ein nachvollziehbarer Grund für die Besteuerung gegeben ist", moniert der stellvertretende FPD-Kreisvorsitzende Hans-Jürgen Hielscher.
Bei der Getränkesteuer und der Steuer für Spielapparate habe die Kommune allein im vergangenen Jahr jeweils 15 Millionen Mark abgeschöpft. Auch wenn der städtische Aufwand für Personal- und Sachkosten nicht höher als etwa drei Millionen Mark gewesen sei, verlangte Hielscher, daß "diese Form der Beutelschneiderei für die FDP dringend korrekturbedürftig ist". Sollten sich die Mehrheitsverhältnisse nach der Kommunalwahl Anfang März ändern und die Liberalen in den Römer einziehen, versprach er, sich "ohne Wenn und Aber für die ersatzlose Streichung dieser Steuer einzusetzen". Auch die seit 1992 erhobene Gaststättenerlaubnissteuer solle es dann nicht mehr geben. Hielscher forderte die Stadt auf, "eine vernünftige Ausgabenpolitik zu gestalten und nötige Streichungen schon vor dem 7. März mitzuteilen". ing
STEINBACH. "Mit der Kamera auf du und du" lautet der Titel einer Ausstellung des Wahl-Steinbachers Heinz Jürgen Göttert, der ab Mittwoch, 20. Januar, im Heimatmuseum Kostproben seines Schaffens zeigt.
Göttert, der sich selbst gern als "verhinderter Maler" bezeichnet, verdiente sich im Alter von 14 Jahren seine erste eigene Kamera. Als "Fotogrenadier" fotografierte er auf westlichen und östlichen Kriegsschauplätzen und arbeitete später für die Deutsche Presseagentur. 1973 zog der gebürtige Frankfurter nach Steinbach. Sein erstes fotografisches Denkmal setzte sich der auch als "Bobbes" bekannte Göttert in Steinbachs Partnerstadt Saint Avertin.
Die Ausstellung wird am 20. Januar um 17 Uhr im städtischen Heimatmuseum, Am Rathaus 7, von Bürgermeister Edgar Parnet eröffnet. ki
Ignatz Bubis, langjähriger Vorsitzender der Frankfurter Jüdischen Gemeinde und seit einiger Zeit auch Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, wird am kommenden Donnerstag im Römer aus der Hand von Oberbürgermeister Andreas von Schoeler die Ehrenplakette der Stadt entgegennehmen.
In der Urkunde, die man Bubis überreichen wird, heißt es: "Herr Bubis hat in den vergangenen Jahrzehnten einen unschätzbaren Beitrag zur demokratischen Entwicklung in Frankfurt am Main und in Deutschland geleistet. Seinem Einsatz, seiner Kritik und seiner gesellschaftlichen Phantasie sind bedeutende Anregungen für unser Gemeinwesen zu verdanken."
Ignatz Bubis, 1927 in Breslau geboren, lebt seit 1956 in Frankfurt. Den Nationalsozialismus hatte er teils im Getto, teils im Arbeitslager überlebt. "Die unauslöschliche Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen", lautet die Begründung für seine Ehrung weiter, "verband er mit der leidenschaftlichen Unterstützung des Rechtsstaats. Das Verhältnis zwischen jüdischen und nichtjüdischen Deutschen, zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel prägten in hohem Maße seine politischen, sozialen und kulturellen Bemühungen."
Mit "Leidenschaft, Differenzierungsvermögen und unerschütterlicher Beharrlichkeit" habe sich Bubis "für Toleranz und Freiheit der Andersdenkenden eingesetzt". clau
NIDDA. Sie nennen sich "Die kleinen Strolche" oder "Sonnenkäfer". Gemeinsam ist diesen Krabbelstuben und Kindergärten, die nicht selten wegen mangelnder kommunaler Angebote entstanden, daß Eltern dort viel intensiver mitarbeiten als in vergleichbaren Einrichtungen der Städte und Gemeinden.
Obwohl das so ist, führen die privaten Kinderdomizile jedes Jahr aufs neue einen Überlebenskampf. Weil der Kreis sparen muß und freiwillige Leistungen streicht, müssen nun auch "Die kleinen Strolche" und die "Sonnenkäfer", in Wallernhausen und Ulfa beheimatet, Spenden sammeln.
"Die kleinen Strolche" fingen, der Name sagt es schon, klein an. Von November 1985 an trafen sie sich regelmäßig donnerstags zu einem Spielkreis im Bürgerhaus von Nidda. Natürlich wurde auch geplauscht - und wo viel geredet wird, da entstehen auch Ideen. Bei den "Kleinen Strolchen" war es die Idee, sich nicht nur einmal pro Woche im Spielkreis, sondern allmorgendlich im Vormittagskreis zu treffen. Eigens dafür gründete sich ein Verein, der amtlicherseits bald schon mit der Nachricht konfrontiert wurde, für eine derartige Einrichtung sei eine Betriebserlaubnis erforderlich, die für die Räume des Bürgerhauses nicht erteilt werden könne. Die Eltern, unterstützt vom Ortsbeirat Wallernhausen, gaben nicht auf, bauten schließlich die "Alte Schule" des kleinen Niddaer Stadteils mit nur 90 000 Mark für ihre Belange um. Christine Lusky, damals Vorsitzende: "Es wurde gerechnet und beraten, Haushaltspläne wurden aufgestellt und wieder verworfen, Konzeptionen entwickelt, telefoniert und geschrieben.
Voriges Jahr war es dann soweit. "Die kleinen Strolche" feierten. Eltern-Engagement wird, obwohl mittlerweile zwei Erzieherinnen eingestellt sind, noch immer großgeschrieben. Verwaltungs- und Putzarbeiten sind Elternsache - und wenn eine Erzieherin krank ist oder Urlaub macht, dann springt eine Mutter oder ein Vater ein.
Der Verein erhält nun vom Wetteraukreis - wie alle Initiativen in der Region - nur noch Zuschüsse für Plätze von Kindern im Krabbelstubenalter, das sind fünf von fünfzehn. Im Vereinsetat fehlen somit 16 800 Mark. Martina Hemker wendet sich nun hilfesuchend an die politischen Gremien ihrer Heimatstadt.
Spendenaufrufe verschickten bereits die "Sonnenkäfer" aus Ulfa. Joschka Fischer und Iris Blaul, zwei aus dem hesischen Kabinett, gaben jeweils 1000 Mark. Unbeschwert fliegen können die "Sonnenkäfer" trotz dieser noblen Geste nicht. Für notwendige Ausgaben in diesem Jahr muß der Verein nach Angaben von Beate Appel noch 15 000 Mark aufbringen. Hätte der Wetteraukreis seine Zuschußpolitik nicht verändert, wäre die Finanzlücke der "Sonnenkäfer" nur etwa halb so groß. Hilft niemand, "machen wir im Sommer zu", sagt Beate Appel. Für Berufstätige wäre das fatal: Etwa die Hälfte sind alleinerziehend. sal
BAD VILBEL. Der Freundeskreis der Flüchtlingshilfe Bad Vilbel trifft sich nicht am Mittwoch, wie ursprünglich geplant, sondern am Donnerstag, 21. Januar, um 19 Uhr, im Gemeindehaus der evangelischen Christuskirchengemeinde. Dort soll das Arbeitsprogramm für Februar besprochen werden. Geplant sind zwei Informationsabende: Einer zum Thema "Ausländer in Deutschland", ein anderer über "Die politische Situation in Eritrea". Nicht zuletzt geht die laufende Arbeit weiter. Dazu gehört auch das Bemühen des Freundeskreises, Asylbewerbern, die wegen Produktionseinschränkung ihren Arbeitsplatz verloren haben, zu helfen, einen neuen zu finden. Andere suchen ein Zimmer oder eine kleine Wohnung. de
Tödliche Messerstiche vor dem Schwurgericht Mordprozeß um Eifersuchtstat im Steakhaus Von unserer Mitarbeiterin Elisabeth Ehrhorn Um tödliche Messerstiche in einem Steakhaus geht es in einem Mordprozeß vor der 22. Großen Strafkammer des Frankfurter Landgerichts. Unter Anklage stehen zwei 22 und 24 Jahre alte Brüder und die 23jährige Ehefrau des Jüngeren. Ihnen wird vorgeworfen, im Februar 1992 den früheren Liebhaber der Frau durch Messerstiche getötet zu haben. vorgeworfen. Ein vierter Tatbeteiligter war nicht vor Gericht erschienen. Laut Anklage hatte die 23 Jahre alte Tunesierin ein kurzfristiges intimes Verhältnis mit dem späteren Mordopfer. Als sie ihrem Ehemann, einem Algerier, den Seitensprung gebeichtet hatte, entschloß sich dieser, den Mann zu töten.
Gemeinsam mit seinem Bruder, seiner Ehefrau und dem vierten Tatbeteiligten habe er, so die Staatsanwaltschaft, zunächst dem Bruder des Ex-Geliebten an der Konstablerwache aufgelauert und ihn aufgefordert, dessen Aufenthaltsort preiszugeben. Dabei, so die Anklage, schoß der Ältere der beiden angeklagten Brüder mit einer Gaspistole auf sein Opfer, während der Jüngere ihn mit einer Eisenstange blutig schlug.
Anschließend tauchten die vier gegen 23.10 Uhr im Steakhaus "Churrasco" an der Hauptwache auf, heißt es in der Anklageschrift weiter: während einer absprachegemäß an der Eingangstür Wache hielt, sprühte die Angeklagte ihrem Ex- Geliebten Tränengas in die Augen, während ihr Mann und ihr Schwager dem Mann sechs Messerstiche in die Brust und in ein Auge versetzten. Ein Stich in den Rücken, so die Anklage, war tödlich. Als Tatmotiv sieht die Staatsanwaltschaft "Eifersucht und verletztes Ehrgefühl". Während das Ehepaar bereits einen Tag nach der Tat gefaßt wurde und seither in Untersuchungshaft sitzt, konnte der Bruder fliehen und stellte sich erst zwei Tage vor der Hauptverhandlung. Der vierte Beteiligte, der an der Tür Wache gehalten hatte, war zwar festgenommen, aber bald darauf wieder freigelassen worden.
Mit einem Antrag aus "Besorgnis der Befangenheit" eines Gutachters begann der Prozeß, noch ehe die Angeklagten Angaben zur Person oder zur Tat machten. Wie die Verteidigung der angeklagten Tunesierin detailliert ausführte, habe der Sachverständige ein "mangelhaftes Gutachten" vorgelegt, das sich durch "lückenhafte Aktenauswertung und eine oberflächliche Untersuchung" seiner Mandantin auszeichne. Das Gutachten ist für die Frage der Schuldfähigkeit von großer Bedeutung.
Die Kammer entschied den Antrag noch nicht. Ihr Vorsitzender Richter Ulrich Baltzer ließ die Verteidigung jedoch wissen, daß er Formulierungen im Antrag mißbillige. Trotz aller möglicherweise berechtigten Kritik an dem Sachverständigen "verbieten sich im Umgang miteinander" Begriffe, wie sie der Anwalt benutzt habe. Der Verteidiger hatte die Arbeitsweise des Gutachters als "schludrig und uninteressiert" bezeichnet.
BORNHEIM. Beim Auftakt der närrischen Saison im Bürgerhaus Bornheim haben die acht Karnevalvereine des Stadtteils nicht nur gefeiert, sondern auch gespendet: Mit 800 Mark unterstützten sie die durch einen Brand geschädigte 1. Großauheimer Karnevalgesellschaft. Die Karnevalgesellschaft "Stutzer", der Carnevalverein "Pierrette", die "1901er", der Karnevalverein "Der Frankfurter 02", die "Narrhalla", "Bernemer Käwwern" und die "Spinner" folgten damit einem Aufruf des Frankfurter Karnevalvereins (FKV) 1911 und seiner Maagard.
Im Oktober 1992 war das Vereinsheim des Hanauer Stadtteilvereins durch Brandstiftung zerstört worden. Zahlreiche Pokale, Ehrenpreise, Urkunden, Fotos und andere Dokumente wurden ein Raub der Flammen. Für die Spende der Bornheimer Karnevalisten bedankte sich der Sitzungspräsident der Karnevalsgesellschaft, Herbert Reymann.
Die Hilfe aus Frankfurt hatte den Großauheimer Verein völlig überrascht. "Entsprechend groß war bei uns natürlich auch darüber die Freude. Es könnte sogar der Anstoß zu freundschaftlichen Verbindungen nach Bornheim sein", betonte Herbert Reymann. Zum Frankfurter Karnevalverein und seiner Maagard (Vorsitzender und Kommandeur in Personalunion ist Klaus-Jürgen Koch) sei der Kontakt bereits geknüpft: Am Samstag, 23. Januar, wird Präsident Reymann in Begleitung des Großauheimer Prinzenpaares die FKV-Sitzung "Kongreß der Narren" in der Fechenheimer Turnhalle besuchen.
Der Vorstand der 1. Großauheimer Karnevalgesellschaft hofft nun, das Vereinshaus bald wieder aufbauen zu können. Zur feierlichen Eröffnung sollen dann auch die Bornheimer Vereine eingeladen werden. dixi
Notdienste
Apotheken Bad Homburg/Friedrichsdorf. Max- und-Moritz-Apotheke, Bad Homburg, Urseler Str. 26; Philipp-Reis-Apotheke, Friedrichsdorf, Hugenottenstr. 86.
Oberursel/Steinbach. Dornbach-Apotheke, Oberstedten, Hauptstr. 19; Brunnen-Apotheke, Steinbach, Kirchgasse 2.
Usinger Land. Limes-Apotheke, Wehrheim, Wiesenau 1; Taunus-Apotheke, Schmitten, Schillerstr. 6; Löwen-Apotheke, Brandoberndorf, Cleeberger Str. 21.
Kronberg/Königstein. Schloß-Apotheke, Kronberg-Schönberg, Schillerstr. 28.
BAD HOMBURG. Als 1945 die Jahre des Hitlerschen "Anschlusses" an Nazi- Deutschland vorbei waren, hätte er den Antrag stellen können, wieder Österreicher zu werden. Doch er hatte hier bereits "Fuß gefaßt", wie er sagt, und so blieb Alfred Podzemny, der gebürtige Wiener, Deutscher. In Bad Homburg, der Stadt, in die es ihn mehr zufällig, dank der Eltern nämlich, verschlagen hat, hat Podzemny Karriere gemacht: als Polizist, als Leiter des Stadtreinigungsamts, als Ortsgerichtsvorsteher - und als Mensch. Dieser Mensch feiert am morgigen Sonntag seinen 70. Geburtstag.
"Ich liebe diese Stadt, ich fühle mich hier wohl. Ich kann mir nichts anderes mehr vorstellen", bekennt der Mann, dessen Sprache die Herkunft noch leicht an- zumerken ist. Alle zwei, drei Jahre fährt Podzemny nach Wien: "Meine Geburtsstadt liegt mir noch am Herzen." Sonst aber schlägt sein Herz hier: Spielen deutsche gegen österreichische Fußballer, "dann halte ich zu den Deutschen".
Als Podzemny im Juli 1945 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkam, stellte ihm der Zufall zwei wichtige Weichen, entscheidend für sein weiteres Leben: Er trat als Polizist in die Dienste der Stadt (erst 1972 wurde die Polizei verstaatlicht), und er ging zum Zahnarzt. Dort entbrannte sein Herz für die Sprechstundenhilfe Anni, die den klassischen Kirdorfer Namen Wehrheim trug und mit der er seit 46ã Jahren verheiratet ist. Mit dieser Eheschließung spekulierten die beiden "nebenbei" auch auf die städtische Woh- FR-Porträt nung im Eckhaus Louisen- / Kisseleffstraße, denn die Stadt wollte ein Ehepaar dort unterbringen. Auch ihren vier Wänden sind sie treu geblieben.
Als Polizist ging Alfred Podzemny auf Streife, regelte den Verkehr und verwaltete den Arbeitsanfall, zuletzt als PHM (Polizeihauptmeister). Im Juli 1971 wechselte er ins Rathaus und übernahm sofort die Leitung des Stadtreinigungsamts.
Die nötigen Kenntnisse erwarb er sich durch den Besuch des Verwaltungsseminars und durch die tagtägliche Praxis. Zwischen damals und heute liegen in der Behörde Welten: Die Aufgaben wuchsen beträchtlich, die neuen Stichworte lauten Umweltschutz, Recycling, Müllvermeidung. Zum 1. Februar 1985, mit 62 Jahren, ging Podzemny in den Ruhestand. Doch da er als seine Hobbies Familie und Schreibtisch angibt, hielt es ihn nicht allein in der Wohnung: Bereits im April wurde er in das Ehrenbeamtenverhältnis als Ortsgerichtsschöffe und anderthalb Jahre später zum Ortsgerichtsvorsteher berufen - das ist er noch.
Arbeit am Schreibtisch, Kontakt mit Menschen und mit seinen ehemaligen Kollegen im Stadthaus - das sind einige der Vorteile. Jeden Montag und Mittwoch von 10 bis 12 Uhr sitzt Alfred Podzemny im Zimmer 200 und praktiziert freiwillige Gerichtsbarkeit: Er beglaubigt Unterschriften und öffentliche Erklärungen, beurkundet Sterbefälle, befaßt sich mit der Schätzung von Gebäuden und Grundstücken - rund 1000 Fälle pro Jahr. Und wenn es not tut, geht Podzemny auch zu seinen "Kunden" ins Altenheim, Krankenhaus oder nach Hause.
Der Jubilar möchte keine seiner drei Tätigkeiten missen. "Ich war mein ganzes Leben lang Schreibtisch-Mensch, war mit Leib und Seele Beamter." Vier Oberbürgermeister hat er miterlebt: Eberlein, Horn, Klein und Assmann. "Und ich habe jede Menge Stadträte kommen und gehen sehen." Aber selbst in die Politik - das wollte Podzemny, der keiner Partei angehört, nie.
Dank der Tochter (44), Lehrerin an der Friedrichsdorfer Philipp-Reis-Schule, hat das Ehepaar eine Enkelin, "die verwöhnt wird". Alfred Podzemny liebt die Geselligkeit und junge Menschen. Beim Kirdorfer Karnevalsverein Heiterkeit ist er Ehrensenator, "aber ansonsten bin ich kein Vereinsmeier".
Seine Lebensstationen hat er ordentlich archiviert, egal ob es sich um Beförderungen, Mitgliedschaften oder Jubiläen handelt, auch die 40 Jahre in der ÖTV und die 50 Jahre als Beamter: "An Urkunden herrscht kein Mangel", meint Podzemny blätternd. Was er sich nun wünscht? "Gesund bleiben und lange leben." Wenn da nur nicht die Zigaretten wären . . . Sieben Jahre ging's ohne, aber dann - Anni Podzemny zieht die Augenbrauen hoch. THOMAS RÜGGEBERG
Kaum zwei Monate nach Einführung der Tempo-30-Zone im "Oberfeld" in der Nordweststadt wird das Einbahnstraßensystem revidiert. Aufgrund massiver Bürgerproteste verabschiedete der zuständige Ortsbeirat 8 jetzt einen SPD-Antrag, der die alte Verkehrsführung favorisiert. Der für die Planung zuständige Ingenieur konnte sich mit seinen Verbesserungsvorschlägen nicht durchsetzen.
Streitpunkt ist der untere Teil der Dietrichstraße, die mit Beginn der Probephase stärker belastet wurde, um den Verkehr in der Heilmannstraße zu verringern. "Ziel der neuen Verkehrsführung war es, den Fremdverkehr ganz aus dem Gebiet herauszubekommen", erklärte der Planer sein Konzept, das auch die unfallträchtige Stelle Oberfeldstraße/Am Alten Schloß sicherer machen sollte. Als problematisch erwies sich jedoch, daß die Dietrichstraße mit einer Breite von 4.65 Metern plus 55 Zentimeter Bürgersteig die schmalste Straße in der Siedlung ist.
Erschwert wurde die Situation durch eine vorübergehende Baustelle und parkende Autos. Lastwagen und Feuerwehrfahrzeuge mußten über den Bürgersteig fahren, um durch die Straße zu kommen. In der Sache selbst waren Ortsbeirat und Planer einverstanden mit den Argumenten der Anwohner. Doch die Art und Weise, mit der ein Teil der Bürger die Forderungen durchsetzen wollte, stieß nicht nur bei Ortsvorsteher Helmut Gärtner (SPD) auf Unverständnis. Er war das Ziel anonymer Drohanrufe und Verleumdungen. Auch das Ingenieurbüro wurde einen Tag lang mit Telefonterror belegt - und das nur wegen einer Straße. jot
HÖCHST. Die Wahlperiode neigt sich dem Ende, die Tagesordnung des Ortsbeirates 6 fällt für die nächste Sitzung dementsprechend mager aus. Nur rund 55 Punkte werden am Dienstag, 19. Januar, im Bolongaropalast verhandelt.
Die SPD fordert unter anderem Park- Plaketten für die Bewohner der Höchster Altstadt. Die Sozialdemokraten haben in Unterliederbach außerdem ein brachliegendes Gewerbegebiet erspäht und wollen vom Magistrat wissen, ob das Areal an der Schmalkaldener Straße nicht wieder als Firmengelände genutzt werden könnte.
Gemeinsam verlangen SPD und CDU von der Stadt, mit den Planungen für Feuerwehrgerätehaus auf dem Betriebshof in der Palleskestraße zu beginnen.
Die Sitzung des größten Frankfurter Ortsbeirates im Kapellensaal des Höchster Bolongaropalastes beginnt am Dienstag wie immer um 17 Uhr mit einer Bürgerfragestunde. tos
OBERURSEL. Die Voklshochschule bietet die Möglichkeit, aktuelle Lehrbücher und Tonkassetten, die nicht mehr benötigt werden, zu kaufen, verkaufen oder zu tauschen. Angebote können ab sofort bei der VHS-Geschäftsstelle montags bis donnerstags von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 17.30 Uhr sowie freitags von 9 bis 12 Uhr abgegeben werden. ki
Waschräume, Toiletten und Duschen für 54 Beschäftigte hat der Magistrat bei der städtischen Altpapierhalle in der Schielestraße bauen lassen, obwohl nur acht Mitarbeiter vorgesehen sind. Der Aufenthaltsraum wurde für 26 Personen ausgelegt, die fertige Teeküche zu einer "Vollküche" umgerüstet. Allein diese Erweiterungen kosten "mindestens 400 000 Mark". Das hat die CDU dem internen Jahresbericht des städtischen Revisionsamtes entnommen. Sie interessiert nun, wer für diese erstaunlichen Veränderungen zuständig ist und wie die Ausgaben im Haushalt "beordnet" werden sollen.
Die Oppositionspartei will außerdem wissen, ob für das Schauspiel "Lear" bei den Städtischen Bühnen Kostüme erst angefertigt und dann - weil sie dem Regisseur nicht gefielen - andere "vollkommen neu" in Auftrag gegeben wurden. 40 000 Mark sollen die Steuerzahler für diesen Kleiderwechsel bezahlt haben.
In einer langen Anfrage greifen die Christdemokraten zudem einige weitere - in der FR teilweise geschilderte - Fälle auf, die von den städtischen Revisoren aufgedeckt worden waren. So wird der Kauf eines 1,2-Millionen-Mark-Computers gewürdigt, der zunächst nicht installiert werden konnte, weil kein geeigneter Platz für ihn zur Verfügung stand. Der Großrechner wurde schließlich in einem Raum untergebracht, von dem aus der Anschluß an das Kommunikationsnetz der Verwaltung nicht möglich ist. Seither wird er für "Testzwecke" genutzt. Die CDU: "Ein Rechner für 80 000 Mark hätte ausgereicht."
Auskunft verlangt die Fraktion auch über Hotelbuchungen bei einer Gastspielreise des Frankfurter Balletts. 195 Zimmer waren bestellt aber nur 54 gebraucht worden. Da die Stornierung zu spät auf den Weg gebracht wurde, stellte der Hotelier - nach Abzug eines Nachlasses - noch 9440 Mark für die leergebliebenen Zimmer in Rechnung. "Welche Konsequenz zieht der Magistrat aus diesem Fall", fragt die Union.
Auch einige nette Gesten der Stadträtin Margarete Nimsch (Grüne) kommen in der Anfrage kritisch zur Sprache. "Aus Haushaltsmitteln" hatte die Frauendezernentin einer Amtsleiterin Geburtstagsblumen und anderen Mitarbeiterinnen an Weihnachten kleine Aufmerksamkeiten zukommen lassen. "Erhalten auch andere Beschäftigte der Stadtverwaltung zum Geburtstag und zu Weihnachten Geschenke und Weihnachtsgrüße", fragt die CDU und will wissen, nach welchen Kriterien die Stadträtin ihre Präsente vergeben hat. cg
Aufgespießt
"Daß die meisten deutschen Medien und die meisten deutschen Politiker inzwischen keinen Unterschied mehr zwischen Milosevic, Karadzic, Seselj und ihren Anhängern und ,den Serben&rquote; machen, ist die größte Schande, die wir seit 1945 im Verhältnis zu anderen Völkern auf uns geladen haben."Peter Glotz in der Wochenzeitung Die Zeit.
Notdienste
Apotheken Bad Homburg/Friedrichsdorf. Marien- Apotheke, Bad Homburg, Kirdorfer Str. 67; Landgrafen-Apotheke, Friedrichsdorf, Hugenottenstr. 100.
Oberursel/Steinbach. Hohemark-Apotheke, Oberursel, Fischbachstr. 1.
Usinger Land. Glocken-Apotheke, Neu- Anspach, Kurt-Schumacher-Str. 32 a; Löwen-Apotheke, Brandoberndorf, Cleeberger Str. 21.
Kronberg/Königstein. Marien-Apotheke, Königstein, Georg-Pingler-Str. 5.
Kleine FR
Der Planungsausschuß tagt KÖNIGSTEIN. Der Ausschuß für Planungs-, Umwelt- und Bauangelegenheiten tagt am Mittwoch, 20. Januar, um 20 Uhr im Kleinen Saal des Bürgerhauses Falkenstein. Thema ist unter anderem der Bebauungsplan k 5 Wiesengrund/Kurbad. Sperrmüll und gelbe Säcke
STEINBACH. Sperrmüll wird in Steinbach am Mittwoch, 20., und Mittwoch, 27. Januar, abgeholt. Am Donnerstag, 28., sind Kühl- und Gefriergeräte sowie Klimaanlagen dran. Anmeldung unter Tel. 70 00 33. Am Freitag, 22. Januar, werden wieder die gelben Säcke eingesammelt.Sammelrekord der Sternsinger OBERURSEL. Ein Rekordergebnis haben die Sternsinger der katholischen St.- Ursula-Gemeinde in Oberursel gesammelt: 4695 Mark in zwei Tagen. Das Geld fließt in die Aktion "Sauberes Wasser, damit Kinder leben können". Fundsachen in Kronberg KRONBERG. Im Fundbüro wurden zwei Fahrräder, ein Motorrad, Geldbörsen, Schmuck und Uhren abgegeben.
Bayerische Hypotheken- und Wechselbank kaufte Grundstück für knapp 240 Millionen Bürokomplex ersetzt das Parkhaus Baubeginn in zwei Jahren Von unserem Redaktionsmitglied Wolfgang Schubert Die Innenstadt wird an markanter Stelle ihr Gesicht verändern. Das Parkhaus Junghofstraße nahe dem Goetheplatz wird einem neuen sechsstöckigen Bank- und Bürokomplex weichen. Bauherr ist die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, das fünftgrößte deutsche Geldinstitut. Sie hat das exakt 5964 Quadratmeter große Areal in bester Innenstadtlage von der Stadt für 238,6 Millionen Mark erworben. Für den Neubau wird das Unternehmen noch einmal rund 150 Millionen Mark investieren müssen. Oberbürgermeister Andreas von Schoeler wertete das Grundstücksgeschäft am Freitag vor der Presse als "eine gute Nachricht für den Finanzplatz Frankfurt". Zudem unterstreiche das Engagement der Bayern die ungebrochene Spitzenstellung Frankfurts als internationale Bankenstadt. Eberhard Martini, Chef der Bayern Hypo, betonte, mit dem geplanten Neubau werde das Institut "in Frankfurt angemessen vertreten sein". Bisher residieren die 185 Mitarbeiter der Frankfurter Niederlassung sowie 65 Angestellte des seit 1970 bestehenden Börsenbüros in der Bockenheimer Landstraße.
Das Ende des mit 680 Stellflächen sechstgrößten Frankfurter Parkhauses zeichnete sich bereits vor drei Jahren mit der Aufstellung des Rahmenplans für die weitere Entwicklung des Bankenviertels ab. Planungsdezernent Martin Wentz vertrat schon damals die Auffassung, ein Grundstück in solch exzellenter City-Lage sei als Parkhaus "unter Wert genutzt". Die Parkflächen könnten ebenso in die Tiefe verlegt werden und oben auf sechs Geschossen neue Büros entstehen. Eine Bedingung hatte der Planungsdezernent bereits damals festgezurrt: Auf der Fläche dürfe kein Hochhaus entstehen, ein Neubau müsse sich an der Höhe des Parkhauses orientieren. Die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank akzeptierte die Konditionen und auch den Preis von rund 40 000 Mark je Quadratmeter Grundfläche. 350 von insgesamt 400 vorgesehenen Tiefgaragenplätze in drei Etagen wird die Bank der städtischen Parkhaus GmbH zur öffentlichen Nutzung überlassen. Da weitere 300 Abstellplätze in unmittelbarer Nähe unter dem geplanten dritten Turm der Hessischen Landesbank entstehen, bleibt die Parkplatzbilanz trotz des Abrisses der Junghof-Garage fast unverändert.
Das Parkhaus-Grundstück war vom Magistrat zeitweise auch als möglicher Standort für die Europäische Zentralbank vorgesehen gewesen - wenn die Eurobank tatsächlich nach Frankfurt kommen sollte. Bayern-Hypo-Chef Martini schätzte die Chancen Frankfurts weiter als "durchaus gut" ein. Oberbürgermeister Schoeler betonte, die Stadt habe sich für den Verkauf der Parkhausfläche an das Münchner Geldinstitut entschieden, weil die dort möglichen 32 000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche für die Eurobank als zu klein bewertet worden seien. Wenn sich die Regierungschefs der zwölf EG-Staaten für Frankfurt entscheiden würden, stehe an der Taunusanlage gegenüber der Alten Oper eine hervorragend geeignete Fläche zur Verfügung.
Schoeler und Martini betonten, die Architektur des Projekts werde höchsten Ansprüchen genügen. Noch in diesem Jahr soll unter namhaften nationalen und internationalen Büros ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden.
Nach den Vorstellungen der Bank werden im Erdgeschoß des Hauses Läden und Restaurants entstehen, während die Schalterhalle im ersten Stock eingerichtet wird. Die nicht benötigten Büroflächen wird die Bayern Hypo vermieten. Einschließlich des Architektenwettbewerbs und des notwendigen Genehmigungsverfahrens werden noch rund zwei Jahre bis zum Baubeginn vergehen.
Nach Auffassung von OB Schoeler wird sich an der Junghofstraße durch den Neubau das "Stadtbild ganz erheblich verbessern". Mit den Plänen der Bank, in den Neubaukomplex eine Fußgängerpassage zur Neuen Rothofstraße und zur Goethestraße zu integrieren, werde die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank eine Art "Scharnierfunktion zwischen dem Einkaufs- und Bankenviertel wahrnehmen".
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Filmspiegel Bad Homburg. Kaskade-Kino: Kevin allein in New York (15 Uhr); Bodyguard (17.15 und 20 Uhr).
Panda-Kino: Bodyguard (15, 17.15 und 20 Uhr).
Kino im Schwedenpfad (KiS): Gefährliche Liebschaften (20 Uhr).
Friedrichsdorf. Lichtspiele Köppern: Sister Act (20 Uhr).
Neu-Anspach. Saalburg-Lichtspiele: Kevin allein in New York (20.15 Uhr).
Oberursel. Stadthallen-Kino I: keine Vorstellung.
Stadthallen-Kino II: keine Vorstellung.
Kronberg. Kronberger Lichtspiele: Sister Act (20.15 Uhr). Theater/Musik Bad Homburg. Kurkonzert mit dem Kurensemble, Konzerthalle im Kurpark, 15.30 bis 17 Uhr.
Kurtheater: "Bitterer Honig". Schauspiel von S. Delaney mit Silvia Seidel, Nate Seids u.a., 20 Uhr. Ausstellungen Bad Homburg. Galerie im Stadthaus, Marienbader Platz 1: "Das akustische Spiel" von Frank Leissring, 15 bis 18 Uhr.
VHS Bad Homburg, Elisabethenstr. 4-8: "Wenn der Ton singt" - Leben und Kunsthandwerk der Puebloindianer, 9 bis 12 und 15 bis 17 Uhr; Öffnungszeiten des Geologischen Zentrums Taunus-Wetterau: 9 bis 11 und 16 bis 18 Uhr.
Kronberg. Altkönig-Stift: Ausstellung von Aquarellen der Ateliergemeinschaft Schwalbach im Blauen Saal. Eröffnung 15.30 Uhr.
Königstein. 2. Kinder-Kunst-Ausstellung zum Thema "Igelhans", Stadtbücherei im Kurhaus Königstein, 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr. Vorträge/Kurse Bad Homburg. Ölmalkurse im Gotischen Haus: für Kinder von 16 bis 17.30 Uhr, für Erwachsene 18 bis 19.30 Uhr.
Beginn des Kurses "Richtige Ernährung bei Diabetes mellitus", AOK-Haus, Basler Str. 2, 18 bis 19.30 Uhr. Anmeldung: Tel. 0 61 72 / 27 22 31.
i Friedrichsdorf. Kurse in Geburtsvorbereitung und Beckenbodengymnastik, 19.30 und 20.30 Uhr, Tel. 0 61 72/ 58 64. Parteien/Parlamente Bad Homburg. Stammtisch des CDU- Ortsverbandes, Gaststätte "Pinocchios Wintergarten" (Sporthalle), 20 Uhr.
Friedrichsdorf. Vorstandssitzung des Ortsbezirks Köppern, Bürgerhaus, 20 Uhr.
Steinbach. Sitzung des Ausschusses für Jugend, Senioren, Sport und Kultur, Sitzungszimmer des Rathauses, 19 Uhr. Beratung/Selbsthilfe Bad Homburg. Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Stadt Bad Homburg, Dorotheenstr. 47, 9 bis 12 Uhr und 13.30 bis 15.30 Uhr, Tel. 2 91 09.
Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Hochtaunuskreises, Schaberweg 7, 8 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr, Tel. 17 83 92 / 3.
Sprechstunde für Aus- und Übersiedler, Hindenburgring 44, 9 bis 12 Uhr, Tel. 30 28 86.
Schuldnerberatung des Hochtaunuskreises, Landratsamt, Louisenstraße, 8 bis 12 Uhr, Tel. 17 82 15.
Jugend- und Drogenberatungsstelle, Promenade 103, 9 bis 17 Uhr, Tel. 2 20 41.
Treffen der Freiwilligen Suchtkrankenhilfe, Promenade 103, 19 bis 22 Uhr, Tel. 0 60 07 / 28 28.
Friedrichsdorf. Sprechstunde der Frauenbeauftragten, Rathaus, Zimmer 410, 8 bis 12 Uhr, Tel. 73 13 03.
Pro Familia, Dr.-Fuchs-Str. 5: Sprechstunde 10 bis 12 Uhr und 16 bis 18 Uhr.
Umweltberatung im Rathaus, Hugenottenstr. 55, Tel. 0 61 72 / 73 13 00.
Usingen. Sprechstunde im Gesundheitsamt, Obergasse 23: 9 bis 11 Uhr; Tel. 6 69 66.
Oberursel. Elternberatung im Alten Hospital, 10 bis 12 Uhr und 15 bis 16.30 Uhr, Tel. 50 24 58, sowie in der Dornbachstr. 29, 9 bis 11 Uhr, Tel. 2 52 41.
Mieterschutzverein Hochtaunus, Nassauer Str. 60, Sprechstunde 16 bis 19 Uhr.
Kronberg. Kath. Frauengemeinschaft Deutschlands: Hilfe für schwangere Frauen in Not, Tel. 0 61 73 / 7 81 17.
Königstein. Treffen der Freiwilligen Suchtkrankenhilfe, Ev. Gemeindezentrum, Wolfsweg (am Kreisel), Kontakt-Telefon: 0 61 73 / 48 70 . Vereine/Organisationen Bad Homburg. Mutter-Kind-Café im Frauenzentrum, Louisenstr. 38, 15.30 bis 18 Uhr, Tel. 2 44 34.
Friedrichsdorf. Familientreff in der Sozialstation, Dreieichstr. 22 a, 10 bis 12 Uhr.
Oberursel. VHS-Bücherbörse, VHS-Geschäftsstelle, 9 bis 12 und 15 bis 17.30 Uhr.
Steinbach. Schachclub: Treffen im Bürgerhaus, 19.30 bis 23 Uhr.
Königstein. Skatclub: "Kleiner Preisskat", Bürgerhaus Falkenstein, 19 Uhr. Seniorentreffs Bad Homburg. Altentagesstätte im DRK-Zentrum, Promenade 5: Gymnastik und Spiele 14.30 bis 15.30 Uhr.
Gruppentanz für Senioren, Stadthaus- Casino, 14.30 bis 15.30 Uhr.
Friedrichsdorf. Seniorenwerkstatt, Hugenottenstr. 24: Keramikarbeiten 10 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr.
Singkreis Seulberg, Vereinszentrum "Alte Schule", Am Placken, 15 bis 17 Uhr.
Schach, Skat, Rommé und Canasta, Alte Schule Burgholzhausen, 15 bis 17 Uhr.
Oberursel. Seniorentagesstätte Altes Hospital: Schach, Skat, Rommé und Canasta, 14 bis 18 Uhr.
Königstein. Altenbegegnungsstätte Kugelherrnstr. 6: Handarbeitsnachmittag 14 bis 17 Uhr.
Steinbach. Beratung für pflegende Angehörige und Gymnastik, jeweils 10 Uhr. Kinder/Jugendliche Bad Homburg. Stadtbibliothek Bad Homburg: "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig", ein Film nach dem Buch von C. Nöstlinger für Kinder ab 8 Jahren, 15 Uhr.
Friedrichsdorf. Treffen der BUND- Jugend, Ev. Gemeindezentrum, 20 Uhr. Sonstiges Bad Homburg. Thai-Sala im Kurpark - Treffpunkt für Lauffreunde, 15.30 Uhr.
Wer kennt sie nicht, die berühmte Szene aus dem Spielfilm "Casablanca": Der französische Polizist betritt den Nachtclub und gibt sich empört - "I am shokked" - darüber, daß Glücksspiel betrieben wird. So ähnlich reagierte jetzt auch der designierte US-Präsident Bill Clinton beim Blick in das trübe Kasino der amerikanischen Volkswirtschaft. Denn, daß die Etatprognosen der Bush-Administration sträflich optimistisch waren, hatte die Haushaltsbehörde des Kongresses bereits im August allen, die es wissen wollten, vorgerechnet. Als nun das Office of Management and Budget (OMB) seine Hochrechnung für das Defizit im Jahr 1997 gleich um 130 Milliarden Dollar nach oben korrigierte, zeugte Clintons Ausdruck der Überraschung von schauspielerischem Talent. Und von politischem Kalkül, bot sich ihm doch die letzte Chance, seine Wahlversprechen kurz vor Amtsantritt rasch zu revidieren und die Schuld dafür den scheidenden Bush- Leuten in die Schuhe zu schieben.
Wer hätte dies gedacht. Nach zwölf Jahren Reagan und Bush befindet sich die US-Ökonomie in einem noch schlimmeren Zustand als die offiziellen Zahlen dies suggerierten. Zwar ist der volkswirtschaftliche Motor nach der Rezession und monatelangen Zündungsproblemen mit einem Zuwachs von 3,7 Prozent im vergangenen Quartal angesprungen. Doch bei einer fast konstanten Arbeitslosenquote von 7,9 Prozent reicht dies für eine Zunahme der Beschäftigung offenkundig nicht aus. Derweil schießen die staatlichen Ausgaben ins Kraut, vor allem die Kosten für das aus den Fugen geratene Gesundheitswesen, die bereits zwölf Prozent des Bruttosozialproduktes (BSP) ausmachen. In der Ära Bush kletterten die Staatsausgaben um 30 Prozent, darunter die Gesundheitskosten um 63 Prozent. Nun sagt das OMB für die kommenden fünf Jahre Mindereinnahmen von 214 Milliarden Dollar voraus. Dahinter vermuten Experten den weiteren Abstieg vieler Arbeitnehmer auf der sozialen Leiter, was verringerte Steuereinnahmen bedeutet.
Vor diesem Hintergrund wird Präsident Clinton seine beiden selbsterklärten wirtschaftspolitischen Hauptziele angehen müssen: das noch zaghafte Wachstum durch staatliche Investitionen in einen soliden Aufschwung zu verwandeln; und gleichzeitig das 1997 drohende Haushaltsdefizit von 333 Milliarden Dollar in den nächsten vier Jahren um die Hälfte zu reduzieren. Selbst wenn er von der im Wahlkampf versprochenen Steuersenkung für "die Mittelklasse", wie jetzt angedeutet, Abstand nimmt, scheinen sich Wachstumsschub und Haushaltsdefizit politisch gegenseitig auszuschließen. Um die versprochene Halbierung des Defizits auch nach den neuesten Zahlen zu erreichen, müßte Clinton
- die Steuern der Reichen erhöhen (wie im Wahlkampf zugegeben),
- die gesamte, statt wie angedeutet nur die Hälfte der Sozialhilfe besteuern,
- die Benzinsteuer um 50 Cents die Gallone (4,5 Liter) anheben (im Wahlkampf abgelehnt),
- die Militärausgaben stärker beschneiden als dies dem Verteidigungsminister genehm ist,
- die angebliche Verschwendung der Behörden unterbinden,
Ein solches Programm wäre aber nicht nur politischer Selbstmord, sondern auch noch wachstumsschädlich. Denn ohne die Expansion von vier bis fünf Prozent müßten die Budgetprojektionen auf der Einnahmeseite bald wieder nach unten korrigiert werden.
Deswegen rät ihm die eine wirtschaftspolitische Schule, das Budgetdefizit erst einmal zu mißachten. "Das Paradoxe ist", so der Volkswirtschaftler Robert Kuttner, "daß sich die Reduzierung des Defizits nicht durch direkte Haushaltskürzungen, sondern nur über längere Zeit durch eine Anhebung der Wachstumsrate und eine Kosteneindämmung im Gesundheitswesen erreichen läßt". Im Kabinett Clintons wird dieser Ansatz vor allem von Arbeitsminister Robert Reich vertreten, der auf keinen Fall auf die von Clinton versprochenen 80 Milliarden Dollar für einen staatlichen Wiederaufbaufonds für die Infrastruktur verzichten will.
Dagegen betonen die Anhänger einer drastischen Defizitverringerung wie Budgetdirektor Leon Panetta, daß es die enormen Staatsschulden sind, die Amerikas wirtschaftliche Gesundheit gefährden. Ein dauerhafter Fehlbetrag von vier bis fünf Prozent des BSP - und damit ein steigender Budgetanteil zur Tilgung der Schulden -, argumentieren diese "Defizit-Falken", treibe die Zinsen künstlich hoch und verhindere wachstumsfördernde Investitionen. Noch hat Clinton nicht entschieden, welche Schwerpunkte er in diesem Zielkonflikt setzen will. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß er einen Spagat zwischen beiden Ansätzen versuchen wird: eine Verschiebung seiner Sparvorschläge für den Etat in die Zukunft und eine Zurückstufung der geplanten Investitionsprogramme.
Clinton gleicht derzeit einem Roosevelt ohne Geld, einem Präsidenten, der drastische Reformen durchführen müßte, ohne das Mittel der Kreditaufnahme zur Verfügung zu haben. Doch außer der Möglichkeit des "deficit spending" fehlt dem Mann aus Little Rock noch etwas anderes zur Durchsetzung Rooseveltscher Wirtschaftsreformen: eine schwere Krise. Denn die gegenwärtige "schleichende Depression" (der Ökonom Robert Heilbronner) läßt den Amerikanern das Gefühl, die überfälligen Veränderungen ohne wirkliche "Opfer" realisieren zu können; "ein Wort", so Clintons künftiger Budgetdirektor Panetta, "das wir in den letzten zwölf Jahren wenig gehört haben". Ob Clinton es nicht nur in den Mund nimmt, sondern Opfer auch einfordert, steht zu bezweifeln. ROLF PAASCH (Washington)
Die CDU-Fraktion im Stadtparlament hat jetzt eine Liste mit den Mängeln zusammengestellt, die in der Alten Nikolaikirche nach ihrer Sanierung aufgetreten seien.
Nachdem die Arbeiten, die etwa 7,5 Millionen Mark gekostet hatten, abgeschlossen wurden, sei die Beleuchtung nun so miserabel, daß "Texte kaum oder nur sehr schwer" zu lesen seien. Zudem monieren die Christdemokraten im Römer eine "unzumutbare Akustik mit der Folge, daß Gottesdienstbesucher das gesprochene Wort in der Kirche kaum verstehen können".
Auf diesem Hintergrund will die CDU- Fraktion vom Magistrat wissen, wie es zu den Pannen kommen konnte und wann diese Mängel beseitigt werden. Gleichzeitig soll nach dem Willen der Opposition im Römer klargestellt werden, ob dem Steuerzahler dadurch "zusätzliche Kosten entstehen". ing
Zur Person:
HANS-ULRICH KLOSE, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, leidet unter seiner derzeitigen Abstinenz. Wie jedes Jahr verzichtet er drei Wochen auf den Genuß jeglicher Spirituosen. Dieses Mal sitzt er besonders auf dem Trockenen. Zu aller Nüchternheit gesellt sich nämlich heftiger Ärger mit Abgeordneten, die ihn wegen seines Führungsstils kritisieren. "Was meinen Sie", fragte Klose jüngst Journalisten, "wie das ist, wenn man nach neuneinhalb Stunden Diskussion und Streit in der Fraktion nach Hause kommt, eigentlich einen Doppelten oder Dreifachen braucht und dann nur ein Glas Rote-Beete-Saft vor sich stehen hat? Schrecklich, sage ich Ihnen." (ff)
In den Reihen der CDU soll einiges anders werden Union stellt Programm zur Kommunalwahl vor Von Wolfgang Heininger ERLENSEE. Ihr Programm zur Kommunalwahl am 7. März hat die Erlenseer CDU jetzt mit den Schwerpunkten Müllbeseitigung, Nahverkehr, Senioren- und Jugendarbeit, Personal- und Finanzpolitik, Umgehung Langendiebach, Wohnungsbau sowie öffentliche Sicherheit und Ordnung vorgestellt. Auch in den eigenen Reihen soll einiges anders werden, versprachen Fraktionschef und Spitzenkandidat Heinz-Dieter Winter sowie Parteivorsitzender Werner Cwielong ihrer Klientel. Daß Mandatsträger vorzeitig das Handtuch werfen oder sogar zum politischen Gegner überwechseln, soll nicht mehr passieren. Die "Ehemaligen" seien offenbar keine überzeugten Christdemokraten gewesen, erklärte Cwielong die Pannen im Parlament, die die schon im Vorfeld nicht auf Rosen gebettete neunköpfige Oppositionsgruppe auf ein Häuflein von sieben zusammenschmelzen ließ. Dabei konnte es sich der Verantwortliche für den Ortsverein nicht verkneifen, noch einmal bittere Worte über den Austritt der damaligen Frauenunions-Chefin Ursula Thomé zu verlieren. Die habe nicht nur satzungswidrig versucht, die Organisation aufzulösen, sondern auch "ohne Hemmungen die Vereinskasse mitgenommen. Diese Tatsache wurde von der Staatsanwaltschaft so festgestellt. Das nicht mehr auffindbare Geld dürfte ein schwarz-afrikanischer Verein erhalten haben".
Ungute Erinnerungen kamen in diesem Zusammenhang auch an den unrühmlichen Abgang von Hans-Jörg Vogler auf. Jetzt aber wollen es die Unionisten besser machen und ausschließlich sichere Kantonisten ins Rathaus schicken. Ja, sie schätzen ihre Mannschaft gegenüber der SPD sogar als die bessere ein - sagen sie.
Da Mülldeponien die Altlasten von morgen seien, fordert die örtliche CDU den Bau einer Verbrennungsanlage. Um die horrenden Müllgebühren wenigstens gerecht zu verteilen, schlägt der Ortsverein das Abwiegen der Tonnen bei der Leerung - dahingehende Versuche laufen bereits in anderen Kommunen - vor. Je nach Gewicht wird das Verursacherprinzip angewandt, falls sich der Nachbar nicht an fremder Mülltonne schadlos gehalten hat.
Das Nahverkehrsangebot spottet nach Ansicht der Union jeder Beschreibung. Sie listet die Altenheime in Rodenbach und Bruchköbel, das dortige Ärztezentrum, Einkaufsziele und Behörden in Hanau sowie den Bahnhof als Ziele für die Nichtmotorisierten auf, die schnell und einfach zu erreichen sein müßten, es aber nicht sind. Außerdem wollen die Christdemokraten durch einen "entsprechenden Ausbau des überörtlichen Straßennetzes den Nahverkehr attraktiver machen". Schließlich setzen sie sich für eine baldige Umgehungsstraße für Langendiebach ein, eine Forderung, die auch die SPD schon lange erhob und die bislang an der Hartleibigkeit des Straßenbauamts scheiterte.
Während im Wahlprogramm einerseits Personalkürzungen in der Verwaltung eingeklagt werden, plädiert es andererseits für die Berufung eines Seniorenbeauftragten. Gemeindliche und monatliche Altennachmittage seien nicht genug. In die Gänge müsse auch die Planung eines Seniorenwohnheims kommen.
Für die Jugendlichen werden ebenfalls Defizite erkannt. Die Hauptlast der Arbeit liege für diesen Bereich derzeit allein in der Verantwortung von Vereinen und Kirchen. Anstelle des Millionen-Projekts einer neuen Bücherei sei daher die Einrichtung eines Jugend-Treffs sinnvoller. Ein "Jugend-Sorgentelefon" halten die Christdemokraten ebenfalls für notwendig. Einmal mehr kritisiert die CDU die zunehmende Verschuldung der Gemeinde, qualifiziert den jüngsten Haushalt gar als "Bankrotterklärung" ab, für die nicht zuletzt auch der Kreis verantwortlich sei. Beklagt wird außerdem, daß Bebauungspläne nur schleppend aufgestellt würden und es zuwenig Bauland zu sozialen Preisen gibt. Schließlich will die Union, daß möglichst schnell eine Polizeistation im Ortszentrum gebaut wird.
Bei Mozarts "Kleiner Nachtmusik" denkt man an einen geselligen Abend mit Musik und Tanz; Luigi Dallapiccolas gleichnamiges Stück für großes Orchester aus dem Jahr 1954 - mit dem italienischen Titel "Piccola musica notturna" - beruht indes auf einem spanischen Gedicht von Antonio Machado, das die Impressionen eines einzelnen in einer ruhigen warmen Sommernacht schildert.
Obwohl im Zwölftonsystem geschrieben, wirkt Dallapiccolas Musik geradezu impressionistisch: Wiegende Achtelbewegung suggeriert friedliche Nachtstimmung, aber eine latente untergründige Spannung entlädt sich gelegentlich in fast geisterhaften blitzartigen Einwürfen - angeregt durch die letzten Worte des Gedichts: "Ich in diesem alten Dorf alleine schreitend wie ein Gespenst". Den warmen, vibrierenden, von plötzlichen Härten durchbrochenen Grundton der Musik traf das Radiosinfonieorchester des HR unter seinem Chefdirigenten Dmitrij Kitajenko im Großen Saal der Alten Oper ausgezeichnet. Nur zu bedauern, daß der Stück nur wenige Minuten dauerte.
Ob Felix Mottls Orchestrierung von Wagners Wesendonck-Lieder für großes Orchester geglückt ist, muß man bezweifeln: Wagner selbst hat das Lied "Träume" nur für eine kleine Besetzung eingerichtet. Doch wenn man sich zur Aufführung der Mottlschen Fassung entscheidet, darf man über eins nicht hinwegsehen: Die Lieder enthalten zwar in konzentrierter Form den ganzen reifen Wagner, aber sie bleiben doch kammermusikalische Miniaturen, die in sich stimmen müssen und nicht einfach Lied für Lied, Periode für Periodeaneinandergereiht werden dürfen, als handele es sich um einen Ausschnitt aus dem 3. Akt des "Siegfried".
Mangelnde rhythmische Präzision im Zusammenspiel von Solistin und Orchester, pauschales Durchspielen, fehlende innere Verdichtung überhaupt fielen bei der Interpretation der Lieder durch Gundula Janowitz und das sie begleitende Orchester unangenehm auf. In tiefer Lage und auch bei leisen hohen Tönen kam die Sängerin stellenweise nur mühsam über das Orchester, obwohl sie dann an den wenigen exponierten Forte-Stellen beweisen konnte, über wieviel Spannkraft und Volumen sie in der Höhe verfügt.
Leichte altersbedingte Schwächen einer Stimme sind freilich eine natürliche Sache und nicht unbedingt ein Handicap, wenn man über die sängerische Ausstrahlung und die jahrzehntelange künstlerische Erfahrung von Frau Janowitz verfügt. Aber man müßte halt gemeinsam an den Stücken arbeiten. Hier klang es so, als wohne man der ersten Verständigungsprobe bei.
Maurice Ravels Ballettpartitur "Daphnis et Chloë" ist nur selten in Gänze zu hören. Der Reiz der Ravelschen Musik ist unbestritten, fragwürdig ist es allerdings, eine gute Stunde Musiktheater - denn was, bitte sehr, ist ein Ballett sonst? - im Konzertsaal zu präsentieren, ohne dem Hörer als Ausgleich für den Fortfall der Szenischen Anhaltspunkte zum Verfolgen der Musik an die Hand zu geben. Der neckische Hinweis des Programmhefts auf "die unerschöpflichen Details der körperlichen Annäherungen von Daphnis und Chloë" reicht da denn doch nicht aus. Nicht von ungefähr hat ja Ravel selbst zwei Suiten für Konzertaufführungen ausgegliedert.
In der Aufführung wirkten denn auch Steigerungen und Spannungsgefälle eher zufällig. Man entwickelte keinen Sinn für die musikalischen Proportionen des Ganzen. Allzuoft mußte Kitajenko nach einer Stretta die Arme demonstrativ oben behalten, um zu signalisieren, er sei noch nicht zu Ende. Da ihm auch die elegischen und die motorischen Passagen der Partitur mehr zu liegen schienen als die delikaten und spritzigen, war der Eindruck der Langatmigkeit am Ende die logische Folge - trotz vorzüglicher Einzelleistungen vor allem der Holzbläser und der von Wolfgang Schäfer einstudierten, nur Vokalisen singenden, Frankfurter Kantorei. Das Publikum dankte mit freundlichem, doch etwas müdem Beifall.
ANDREAS HAUFF
Kleine FR
Vorlesestunde mit Meertroll NEU-ISENBURG. Von einem armen Fischer, einem sprechenden Heilbutt und einem gefährlichen Meertroll handelt die Geschichte, die heute, Dienstag, 15.30 Uhr, im Zeppelinheimer Bürgerhaus, der Zweigstelle der Stadtbücherei, vorgelesen wird: "Zwillinge" von Erik Nielsen. "Moin, Moin" beim Filmfestival NEU-ISENBURG. Das Filmfestival im Altenwohnheim II geht in seine vorletzte Runde: Am Donnerstag, 21. Januar, sind in der Freiherr-von-Stein-Straße 16 von 17 Uhr an Dias von Horst Strüb zu sehen. Titel der Lichtbilderreihe: "Moin, Moin". Organisator ist Alois Janovsky, Hausmeister des Altenwohnheims. "Unbestechliche" gegen Al Capone NEU-ISENBURG. Wie schwer sich die Polizei Ende der 20er Jahre damit tat, Gangsterboß Al Capone dingfest zu machen, ist Thema von Brian Palmas Film "Die Unbestechlichen", der am Donnerstag, 21. Januar, 20 Uhr, über die Leinwand der Hugenottenhalle flimmert. In den Hauptrollen spielen Kevin Costner, Sean Connery und Robert de Niro. Ausbildung in Familienpflege LANGEN. Im Pfarrzentrum St. Albertus Magnus läuft vom 26. Januar bis 16. März ein Kurs, in dem dienstags und donnerstags von 9 bis 12 Uhr Familienpflegehelferinnen ausgebildet werden. Die Teilnahme kostet 40 Mark. Anmeldung bei Anni Müller, Telefon 21 708, und Helga Deltmer, Telefon 29 894. SPD und die Sozialpolitik DREIEICH. Die SPD hat ihre Bundestagsabgeordnete Renate Schmidt für Mittwoch, 20. Januar, 20 Uhr, ins Bürgerhaus Sprendlingen eingeladen. Sie spricht über Sozialpolitik. An der Gesprächsrunde, die Uta Zapf (MdB) moderiert, nehmen auch Landrat Josef Lach, Dreieichs Erster Stadtrat Werner Müller und Hannes Ziller vom hessischen Sozialministerium teil. Frauen verteidigen sich selbst DREIEICH. Der Fußball-Club bietet zusammen mit der Stadt einen kostenlosen Selbstverteidigungskurs für Frauen und Mädchen in der Turnhalle der Karl- Nahrgang-Schule an. Er beginnt am Mittwoch, 20. Januar, 20 Uhr. Anmeldung: beim Übungsleiter vor Ort. Wahlhelfer gesucht LANGEN. Die Stadt sucht freiwillige Helfer für die Kommunalwahl am 7. März. Interessierte melden sich im Rathaus, Telefon 203-100 und -101.
MÖRFELDEN-WALLDORF. Während andere ihre parlamentarische Arbeit angesichts der anstehenden Wahl schon eingestellt haben, müssen die Mörfelden- Walldorfer Kommunalpolitiker nochmal ran, um die letzte Stadtverordnetenversammlung dieser Wahlperiode für den 2. Februar um 19.30 Uhr im Walldorfer Rathaus vorzubereiten.
Den Anfang machen am Montag, 25. Januar, die Mitglieder des Umweltausschusses; 19.30 Uhr im Rathaus Walldorf.
Um 16.30 Uhr sind am Dienstag, 26. Januar, die Mitglieder des Bau- und des Sportausschusses gefordert. Sie treffen sich zu einer Ortsbesichtigung auf der Kleintierzuchtanlage am Gundhof, um 18 Uhr macht der Bauausschuß im Rathaus Walldorf weiter. Am Mittwoch, 27. Januar, tritt der Sozialausschuß um 19.30 Uhr im Rathaus Mörfelden zusammen. Das letzte Wort haben am Donnerstag, 28. Januar, die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses: 19.30 Uhr im Walldorfer Rathaus. wal
Die kleinste und intimste Konzertreihe Frankfurts findet im Bahnhofsviertel der Metropole, in der Münchener Straße statt. Dort hat ein Musikalienhändler im "Musik Cabinet" seit 1989 einen Zyklus ins Leben gerufen, in dem jüngere Künstler, Studenten, Absolventen einer musikalischen Ausbildung, ihr Podium finden. Saß man einst noch malerisch auf dem Boden, oder - ebenso provisorisch - auf mitgebrachten Sitzunterlagen, so hat der Veranstalter mittlerweile in praktikablere Sitzgelegenheiten investiert. Die angehenden Künstler spielen gegen ein Anerkennungshonorar vor einer Handvoll Publikum, sammeln aber Erfahrungen im Auftritt oder testen Prüfungsprogramme.
So jetzt das Ensemble "Trio Baßgeige", das mit einem Programm von Raritäten im "Cabinet" vor grad acht Zuhörern auftrat. Kontrabaß-Virtuosen gab es ja einst schon, in der auslaufenden Klassik. Solisten, damals, die von Saal zu Saal reisten und denen ein breites Publikum hohe Achtung zollte. Ein lang verblühtes Genre. Das "Trio Baßgeige" konzentrierte sich in seinem Programm auf Originalkompositionen dieses Jahrhunderts, deren Folge durch Bearbeitungen historischer Musik mit Gewinn kontrapunktiert wurde.
So, etwa, durch Girolamo Frescobaldis "Canzona", ein Stück, das in seiner polyphonierenden, deutlich frühbarocken Eleganz ausmusiziert wurde. Ein Beitrag, der, atmend im Dialog der tiefen Streicher, Natürlichkeit im Strich vermittelte und auch intonatorisch sicher geprägte Kontur ausstrahlte.
Bedeutender dürfte allerdings Hans Werner Henzes "Ricordo per un contrabasso solo", eine Adhoc-Komposition für eine Gelegenheitsbekanntschaft gewesen sein. Im Solo Thorsten Drees' war die durch offensichtlichen Zufall entstandene Komposition in bewegt stammelnder, intervallisch streng aufgespreizter Linie zu hören. Das verliert sich in diesem einsamen Solo, ruminiert, sammelt sich neu, baut sich unversehens auf, versandet in atonaler Tristesse. Formiert verblüffend gesetzte Akzente, frappiert, konfrontiert mit momentaner Leere. Der Solist hat es sicher im Griff, schafft Profil, Präzision in einem merkwürdig zerdrifteten Genre.
So, wieder in voller Besetzung des Trios mit dem abschließenden "Logs" des lexikalisch bisher noch nicht genannten Paul Chihara. Man verteilt sich durch den Raum, meditiert, langwierig, langweilig über die Leere, die entsteht, wenn die Gesamt-Aktion sich grad über zwei, drei Töne minimalistisch erstreckt. Man experimentiert mit solch eingeengtem Ton/ Klangmaterial, läßt Bizarres sich entwikkeln, jedoch ohne gesteigerten Aufwand, das gibt's wohl auch nicht her.
ALEXANDER ULLMANN
Dem OB hat die Rolle des Busfahrers sichtlich Spaß gemacht. Eigentlich sollte er am Donnerstag letzter Woche nur eine kleine Runde auf dem Parkplatz neben der Kalbacher U-Bahnstation drehen. Doch zur Überraschung der Vertreter von FVV und Stadtwerken gab Andreas von Schoeler Gas und chauffierte Gäste und Medienleute bis zur S-Bahn-Station Berkersheim. Die Fahrgäste hatten Verständnis dafür, daß der OB bei der Vorstellung der neuen Buslinien im Frankfurter Norden den Platz hinter dem Steuer länger als vorgesehen auskosten wollte. Doch einem, der gar nicht dabei war, hat das überhaupt nicht gefallen. Der Mann ist pensionierter Polizeibeamter und wacht offensichtlich auch weiterhin über Recht und Ordnung. Nun gab er bei den ehemaligen Kollegen im 15. Revier auf dem Frankfurter Berg eine Anzeige gegen den Oberbürgermeister zu Protokoll. Sein Verdacht nach der Zeitungslektüre: Von Schoeler habe "einen Linienbus ohne Fahrerlaubnis geführt".
"Aus Gründen der Neutralität", so formuliert es Polizeisprecher Peter Borchardt, schickte das Revier die Ordnungswidrigkeitenanzeige nicht an die Bußgeldstelle im städtischen Ordnungsamt, sondern zur Fachabteilung des Regierungspräsidenten in Kassel. Wie dort die juristische Prüfung ausgeht, steht dahin. Womöglich erhält der OB demnächst - wie in solchen Verfahren vorgeschrieben - einen Anhörungsbogen. Die Busfahrt könnte im äußersten Falle 150 Mark und drei Strafpunkte in Flensburg kosten.
Der Rummel um die Busfahrt hat Mitarbeiter der Stadtwerke ein wenig in Verlegenheit gebracht. Die hatten von Schoeler nämlich vorher informiert: mit Führerschein der Klasse 3 dürfe er allenfalls acht Personen befördern. Tatsächlich waren dann 20 im Bus. Manfred Ott, Referent von Stadtwerke-Chef Jürgen Wann: "Als die Fahrt los ging, hat doch keiner mehr gezählt."
Der Leiter der Straßenverkehrsbehörde, der in juristischen Fragen kundige Igor Vogt, kann gleichwohl keinen Verstoß erkennen. Eine Erlaubnis zur Personenbeförderung sei nur dann erforderlich, wenn es sich um Linienverkehr handele. Der Oberbürgermeister habe jedoch keine regulären Fahrgäste, sondern geladene Gäste von Kalbach nach Berkersheim kutschiert. habe
Die Szene im modernen Völkerpalast am Strand bei Algier erinnerte verdächtig an Vergangenes. Vorne saß bei diesem wichtigsten politischen Ereignis seit Monaten ein älterer Herr und trug die Botschaft im Namen Gottes an die "Bürger und Bürgerinnen" vor. Im Saal hörten die "Kader der Nation" zu: die Regierung, Offiziere, Provinzchefs, Leiter der Massenorganisationen und Mitglieder des Konsultativrates. Parteienvertreter waren nicht geladen. Ziemlich genauso verliefen die Treffen zu Zeiten des FLN- Regimes.
Doch die Zeiten sind anders. Ali Kafi, der neue "Vater der Nation", mußte dem Volk erklären, was das Regime nach einem Jahr Ausnahmezustand zu tun gedenkt, um Algerien aus dem Engpaß zu führen, in den es der verunglückte Demokratisierungsversuch von 1988 bis Anfang 1992 geführt hat. Kafi dankte zuerst dem Volk für seine "große Reife" - obwohl die Algerier Ende 1991 in den entscheidenden Wahlen ihr Regime abgewählt hatten, die fundamentalistische Heilsfront FIS an dessen Stelle setzen wollten.
Doch dem Volk galt die Rede des Präsidenten des Hohen Staatskomitees ohnehin nicht so sehr. Viele erwarten nach dem Strohfeuer der "Demokratisierung" vom Regime nicht mehr viel. Sie interessieren sich eher für die Gemüsepreise.
Ali Kafi richtete sich an das Establishment. Er will ein neues Gleichgewicht zwischen den Mächtigen schaffen, um Algerien als "moderne, starke und stabile Republik" zu sichern. Jetzt, nach der Rückkehr zum autoritären Staat, sieht er die "historische Chance", die Lage "radikal" zu korrigieren.
Die meisten Kader der "Nomenklatur" haben nichts zu befürchten. Das Machtdreieck Militärs-Staatskomitee-Regierung wird weiterhin befehlen. Regierungschef Belaid Abdesslam, der inzwischen weiß, daß die Militärs unter General Nezzar an der Spitze des Dreiecks stehen, erhielt sogar - wie gefordert - eine Frist von drei Jahren, um sein Stabilisierungsprogramm durchzusetzen. Sein Kabinett wurde nicht angetastet. Die Korrektur besteht darin, daß Algerien nicht wie nach Boumediennes Putsch von 1965 von einem einzigen starken Mann geleitet werden kann, sondern eine möglichst kollektive Führung die kommenden Jahre die Geschäfte führt.
Dem alten Machtkern will Kafi soviel als möglich neue Unterstützer zuführen. Algerien soll vom Autoritarismus zu einer "selektiven Demokratie" gelangen. Das Regime ist zur Öffnung gezwungen, "unser Experiment wird von den internationalen politischen Beobachtern beobachtet", sagte Kafi und meinte damit, daß der Westen Algerien die lebensnotwendigen Kredite kürzt, wenn seine Machthaber die Demokratie ganz abwürgen.
Deshalb brauchen sie auch ein Ja beim angekündigten Referendum darüber, den Übergangsprozeß zu verlängern und die Präsidentschaftswahlen auf 1995 zu verschieben. (Es könnte im Herbst stattfinden.) Das Regime gibt damit zu, daß vorerst ein Kandidat der Heilsfront diese Wahl gewinnen würde.
Wird das Volk Ja zu diesem "Stabilisierungsplan" sagen? Das Regime hat nach den Erfolgen gegen den bewaffneten Fundamentalismus Vertrauen gefaßt und wagt die Volksbefragung, sicher ist es hingegen nicht. Deshalb darf es sich die Parteien nicht ganz zum Feind machen.
Kafi sprach von "Dialog" - die Machthaber werden in den kommenden Monaten eine "Kampagne" starten, um ihren Willen durchzubringen. Die Parteien werden sich ihrem "patriotischen" Plan nicht ganz verschließen können, sie benötigen nach dem Wahldesaster vom Dezember 1991 Zeit zum Wiederaufbau.
Und die Heilsfront? Die Sicherheitskräfte haben die gewalttätige FIS zurückgedrängt, jetzt geht es darum, die Fundamentalisten politisch zu schwächen (1991 stimmten 3,3 von insgesamt 13 Millionen Wählern für sie), indem man ihre wenigen konkreten Ideen und vielen hehren Phrasen in der neuen technokratischen Phase als "unverwertbar" hinstellt und sich notfalls ihren gemäßigsten Vertretern nähert.
Über die genauere Behandlung des FIS-Problems sind sich die Machthaber noch nicht einig. Sie nehmen sich deshalb auch Zeit. Ali Kafi nannte in seiner Rede kein Datum und gab keine Details preis. Die Offiziere und die ehemaligen FLN-Politiker können die Fragen des Referendums der Lage anpassen. Sie wissen nur, daß ihre "Operation Engpaß" positiv enden muß und sie sich nach dem Abschluß des Demokratisierungsplans keine neue Blamage leisten können.
WERNER HERZOG (Madrid)
HOFHEIM. Busunternehmer Bernhard Mester, seit acht Jahren Ortsvorsteher in Hofheims kleinstem Stadtteil, ist Spitzenkandidat der CDU in Wildsachsen. Im Ortsbeirat sind zwei Projekte seit 1977 immer wieder Themen: das Feuerwehrgerätehaus und der Sportplatz. "Hier werden", meinen Wildsachsens Christdemokraten, "nach den grundlegenden Entscheidungen der letzten Jahre vom Ortsbeirat noch Aktivitäten gefordert, vor allem was die Gestaltung des Bornplatzes angeht, wenn die Feuerwehr ihr neues Domizil erhält."
Neben Mester kandidieren auch Hans Reinwand (Platz vier) und Reinhold Jäger (Platz acht) erneut fürs Stadtteil-Parlament. Auf Platz zwei rangiert hingegen ein neues Gesicht: der "Wildsächser Bub" Jörg Fischer. Auf Listenplatz drei steht der Name von Horst Sternberg, Stefanie Barth kandidiert auf Platz fünf. pms
ZEILSHEIM. Mit schweren Verletzungen mußte eine Neunjährige am Freitag in die Städtischen Kliniken Höchst eingeliefert werden. Das Mädchen war im Frankenthaler Weg aus dem Schulhof der Käthe-Kollwitz gerannt, rutschte dabei auf dem glatten Bürgersteig aus und fiel auf die Straße. Ein 46jähriger konnte seinen Wagen nach Angaben der Polizei nicht mehr rechtzeitig bremsen und erfaßte das Mädchen. Die Neunjährige erlitt eine schwere Gehirnerschütterung. tos
Die Winterpause wurde von den Handballern der SG Nied intensiv genutzt. Zum einen trugen sie das traditionelle Hans-Fischer-Gedächtnisturnier aus, zum anderen werden bereits jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt. Als Sieger aus dem Turnier, an dem sich acht Mannschaften (darunter fünf Bezirksligisten) beteiligten, ging TuS Kriftel I hervor, die im Endspiel das Team der TG Schwanheim mit 14:11 besiegte. Den dritten Rang sicherte sich die Bezirksliga-Vertretung der Gastgeber durch einen 9:6- Erfolg gegen die TuS Nieder-Eschbach.
Darüber hinaus vermelden die Nieder bereits jetzt einen anstehenden Trainerwechsel. Zu Beginn der neuen Saison wird Thomas Joch Studienrat Michael Winn ablösen. "Wir wollen einfach einmal für frischen Wind sorgen. Thomas Joch hat sich diese Chance redlich verdient", erklärt SG- Pressewart Jürgen Schulze.
Thomas Joch feierte in den vier Jahren seiner Tätigkeit als Jugend- Trainer mit dem Nachwuchs der SG bereits einige Erfolge. Er führte die Nieder A-Jugend in die Oberliga, wo sie derzeit eine gute Rolle spielt. Nun soll der erfolgreiche Coach seine Chance beim Bezirksliga-Team erhalten. Dort wird er einige der derzeitigen A-Jugendspieler wieder unter seinen "Fittichen" haben. Mit Thomas Joch am Regiepult sollen die Weichen in Nied wieder in Richtung Oberliga gestellt werden.
In der laufenden Spielzeit wird der Aufstiegszug ohne die Nieder abfahren, streiten die TSG Ober-Eschbach und die SG Bruchköbel um den Titel. Mit 11:9-Punkten rangiert der Frankfurter Klub auf Platz fünf und dürfte den angestrebten vorderen Mittelplatz in der Endabrechnung erreichen. Der Abstieg ist kein Thema, zumal das Nieder Team nach anfänglichen Problemen inzwischen zu einer harmonischen und einsatzbereiten Truppe geworden ist. Auf dieser gesunden Basis soll Thomas Joch aufbauen.
Die Wogen geglättet haben sich auch im "Zwist" mit dem Vorstand des Hauptvereins. Der heftig umstrittene Geschäftsführer Gippert hat den Verein mittlerweile verlassen. Einer Annäherung steht nicht mehr allzuviel im Wege.
Anlaß zur Freude gibt den Handballern derzeit besonders die "zweite Garnitur", die in der B-Klasse Frankfurt dem Aufstieg entgegenstrebt. Mit der tadellosen Bilanz von 24:0-Zählern und beeindruckenden 270:167-Toren gingen die Nieder in die Winterpause und haben den Tabellenzweiten Wehrheim/Obernhain bereits auf sechs Zähler distanziert. Trainer Klaus Hellwig kann sich bereits in Richtung Kreisklasse A orientieren.
Beim traditionellen Hans-Fischer- Turnier konnten die Nieder Vertretungen nicht in Bestbesetzung an den Start gehen. Fast die Hälfte der Stammspieler weilten noch im Urlaub und mußten ersetzt werden. Daher sind die Erwartungen der Nieder mit dem dritten Rang durchaus erfüllt. Das SG-Team setzte sich in den Gruppenspielen gegen die TSG Oberursel (11:7) und die TSG Münster II (8:4) durch, unterlag lediglich dem späteren Turniersieger TuS Kriftel mit 7:9. Im Halbfinale scheiterten die Nieder am Überraschungs-Finalisten TG Schwanheim. Das Schwanheimer A- Liga-Team war in Gruppe B überraschend neben der SG Nieder-Eschbach in das Halbfinale vorgedrungen. Die Nieder-Eschbacher scheiterten im Semifinale deutlich mit 7:14 an Kriftel. Auch im gutklassigen Finale hielt der Außenseiter aus Schwanheim lange Zeit mit, schaffte bis gegen Ende der Partie ein 11:11. Erst in der Schlußphase brachten die Krifteler vor 100 Zuschauern den 14:11-Erfolg unter Dach und Fach.
Bei Aktiven wie Besuchern kam das Turnier einmal mehr gut an. Im Anschluß durften die Teilnehmer sich den sogenannten "Freßkörben" widmen, die von der SG als Preise ausgesetzt waren. ina
BAD NAUHEIM. Im Eisstadion in Bad Nauheim rauschen die Duschen von früh bis spät, als hätte es nie einen Wassernotstand gegeben. Weil sich die Duschen nicht automatisch abstellen, ströme von morgens 8 bis abends 22 Uhr das kostbare Naß aus den Düsen, berichtete der CDU-Stadtverordnete Wilfried Classen, als er im Parlament den Antrag seiner Fraktion begründete, in die Eisstadion-Duschen Armaturen einzubauen, die nach 30 Sekunden das Wasser abstellen. Schon vor etwa einem halben Jahr hatte die Union die Wasserverschwendung in den Duschen des Eisstadions festgestellt. Einmütig stimmte das Parlament dem CDU-Antrag zu.
"Unsere Mitarbeiter achten schon darauf, daß die Duschen nicht den ganzen Tag laufen", schwächte Bürgermeister Bernd Rohde (CDU) die Wasserverschwendung im Eisstadion etwas ab. Außerdem seien erst kürzlich neue Brauseköpfe eingebaut worden, die das Wasser versprühen und den Verbrauch dadurch reduzieren. Von den nun beschlossenen Zeitarmaturen verspricht sich Rohde allerdins eine erhebliche weitere Reduzierung des Wasserverbrauchs. Er beziffert das Einsparpotential auf 7000 bis 10 000 Mark. Im Usa-Wellenbad hätten solche Armaturen eine Ersparnis von 30 000 bis 40 000 Mark ergeben. Voraussetzung für den Einbau im Eisstadion sei allerdings, daß der Wetteraukreis mitzieht. ieb
Durch Wind und Wetter sind sie gefahren, den Sportlenker keck nach außen gespreizt. Schnittig hat die kleine Figur auf dem vorderen Schutzblech Hunderte von Kilometern hindurch die Lüfte zerteilt. Und dann, eines düsteren Tages, ist es mit der Beweglichkeit vorbei: Der Drahtesel steht.
Und steht und steht: angekettet für die Ewigkeit. Und die Wochen gehen ins Land.
Müde schimmert das Schutzblech, wie es Morgen und Abend wird und Abend und Morgen über einem solchen Fahrrad, dem Herr oder Herrin abhanden gekommen ist.
Denn das Leben geht weiter, während das einst stolze Gefährt verharren muß. Und mitten aus dem Leben fallen begehrliche Blicke auf Lampen und Pedalen, auf Bleche und Kabel. Bis dann die nämlichen fallen.
Eines Tages fehlt das Hinterrad, dann die Schaltung. Dann sind Lenker und Lampen weg, ist die Klingel abgängig, schließlich der Rahmen. Weiter enteilt die Zeit, und eines Morgens bringt das Licht nur ein einziges Teil noch an den Tag: das angekettete Vorderrad.
Wer holt die Fahrradteile ab, die in der Stadt einige der wenigen einschlägigen Halteplätze blockieren? "Das ist Sache der Straßenreiniger", sagt Werner Hartwig bei der Hilfspolizei; "die haben auch 'ne Kneifzange, um das abzupetzen."
"Oh, nein", entfährt es Wolfgang Brauburger beim Stadtreinigungsamt, "wenn etwas festgemacht wurde, ist es Sache der Polizei."
"Eine diffizile Geschichte", grübelt Karlheinz Wagner in der Polizei-Pressestelle, "wenn das Rad in einem schlechten Zustand ist, handelt das Ordnungsamt in Ersatzvornahme."
So ist es also an Ordnungsamtsleiter Rolf Menzer, wie es seines Amtes ist, die Dinge zu ordnen.
Seine Annahme 1: So ein angeketteter Fahrradrest ist eine Fundsache. Zuständig wäre das Ordnungsamt.
Annahme 2: Es handelt es sich um Abfall. Zuständigkeit: Das Stadtreinigungsamt.
Annahme 3: Es ist ein Wertgegenstand. Das, so versichert der Ordnungsamtsleiter, "würde Sicherstellung bedeuten". Doch: "In der Ecke finde ich keine Zuständigkeit."
Dilemma in der "Grauzone" (Menzer): Im Gegensatz zu vierrädrigen Gefährten ist es nicht verboten, ein zweirädriges auf Straßen und Plätzen abzustellen. "Da ist etwas regelungsbedürftig", brummt die auf Ordnung spezialisierte Amtsperson.
Zu fragen wäre eben überdies: Handelt es sich um aufgegebenes Gut? Oder ist vielmehr, wegen der Kette, immer noch von einem Eigentum die Rede? Und was wiederum geht denjenigen das einsame Laufrad an der Kette an, der den Fahrradständer aufgestellt hat? Welche Rolle letztlich spielt der Zustand des Torsos?
Fragen über Fragen. Diejenige, wer nun aus der großen Verwaltung losgeschickt wird, zum Beispiel vor dem Rundschauhaus die als letzte Zeugen einer bewegten Vergangenheit angeketteten Laufräder loszueisen, muß bis auf weiteres offenbleiben. clau
HANAU. Das Dezember-Heft des Natur-Magazins "Kosmos" will Rolf Neidhardt all denen schicken, die auf der Waldwiese bauen wollen. Der Vorsitzende des Hanauer Naturschutzbeirats hat darin als Autor unter der Rubrik "Hier muß was geschehen" zu Protestbriefen an Hessens Ministerpräsident und Naturschutzminister, an Hanaus Oberbürgermeister und Stadtbaurat aufgerufen. Neidhardt geißelt darin die geplante Bebauung als Frevel wider das Trockenrasen- Biotop, dem der Paragraph 20 c des Bundesnaturschutzgesetzes ausdrücklich mehr Gewicht beimesse als einem Flächennutzungs- oder Bebauungsplan dort. Er beruft sich mit seiner Rechtsauffassung auch auf den jüngsten Spruch des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs, der den Naturschutz sogar höher bewertete als die Abbauinteressen eines Kalkwerks in Großenlüder (Kreis Fulda).
Der "Kosmos"-Artikel kursiert in Großauheim, seit ihn die "Bürgerliste Umwelt und Grüne Großauheim" (BUG) mit Neidhardt als parteilosem Fraktionsmitglied vor Weihnachten an einem Informationsstand in der Hauptstraße unters Volk brachte. Die Menschen hätten dabei auch bereitwillig ihre Unterschrift für die Forderung gegeben, die Waldwiese zum Naturschutzgebiet auszuweisen.
Neidhardt glaubt gar, einen klaren Meinungsumschwung gegen die Bebauung des Biotops in Großauheim festgestellt zu haben. Die Hunderte, die unterschrieben hätten, hätten nur eines Stichworts und keiner weiteren Erläuterungen mehr bedurft, um sich auf die Liste zu setzen.
Auf der Waldwiese bauen wollten nur noch ganz wenige, glaubt Neidhardt. Die Zahl derer, die ihre Grundstücke gegen Entschädigung an die Stadt verkaufen wollten, sei gestiegen.
Und so kommt er zu dem Schluß, "daß die Großauheimer Bevölkerung im Schnitt viel vernünftiger ist als der Ortsbeirat und das Stadtparlament". Dort weichen die SPD-Mehrheiten nicht von der Meinung ab, der Bebauungsplan für die Waldwiese sei beschlossen und daher umzusetzen. Eine Enthaltung bei einem CDU-Ortsbeiratsmitglied gebe es aber stets, wenn die BUG für den Erhalt des Biotops kämpfe, sagt Neidhardt. Und ein Fall sei ihm bekannt, daß jemand aus der CDU ausgetreten sei, weil sie für Wohnhäuser auf der Waldwiese sei.
Ihm sei es nie darum gegangen, versichert der Naturschützer, die Grundstücksbesitzer auf der Waldwiese "auszuhebeln und um ihr Geld zu bringen". Für deren finanzielle Entschädigung müsse die Allgemeinheit aufkommen. Nach einer Generation müsse es erlaubt sein, einen Bebauungsplan mit Ursprungsdatum 1962 zu überdenken. Bleibe die Waldwiese als Naturschutzgebiet erhalten, habe der Stadtteil die "große Chance", sich unter der Flurbezeichnung "Waldwiesen von Großauheim" in vielen Karten zu verewigen. him
HANAU. Das Arbeitsamt Hanau weist darauf hin, daß telefonische Auskünfte in Leistungsangelegenheiten ab sofort montags bis donnerstags von 8.30 bis 10.30 Uhr und von 13.30 bis 15.30 Uhr sowie freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr gegeben werden. In den übrigen Zeiten weist ein Anrufbeantworter auf die festgelegten Auskunftszeiten hin. Die Auskunftszeiten in der Kindergeldkasse bleiben unverändert.
Da telefonische Auskünfte die Antragsbearbeitung verzögern, wird jedoch darum gebeten, nur in wirklich dringenden Fällen von der Telefonauskunft Gebrauch zu machen. are
Weil es in Frankfurt zum guten Ton gehörte, daß die Patriziersöhne wenigstens einige Semester Jura studierten, statt gleich in die Fußstapfen der Väter zu treten und den Kaufmannsberuf zu erlernen, hat Stadtarchivdirektor i. R. Wolfgang Klötzer in einem glänzenden Vortrag eine Fülle der erlauchten Geister der Frankfurter Jurisprudenz beschworen. Anlaß war der 80. Geburtstag von Franz Schmidt-Knatz, Anwalt und Notar aus einer berühmten Frankfurter Juristenfamilie, Ort die Bürgerstiftung im Holzhausenschlößchen, deren Kurator der Jubilar ist.
Den Advokaten in Frankfurt mußte Weltläufigkeit, Disputierlust und eine gute Brustbeströmung auszeichnen, denn er mußte die freie Rede exzellent beherrschen. Um 1751 stand einem Sohn aus gebildeter Familie das Medizinstudium, der Pfarrerberuf oder der Eintritt ins Kloster offen. Das lag nicht jedem. Klöster waren in Frankfurt abgeschafft, und der Soldatenstand, auch eine Möglichkeit, brachte nichts ein als ernste Lebensgefahr. In einer Handelsstadt wie Frankfurt kam man nicht ohne Juristen aus, und Advokaten benötigte man mehr und mehr.
Da gab es den Johann Fichard (1512-1581), der als Advokat in Frankfurt begann, mit 21 Jahren Syndicus und später Innen- und Außenminister wurde, die Stadt auf dem Bundestag zu Schmalkalden vertrat und sich für englische und niederländische Glaubensflüchtlinge tatkräftig einsetzte.
Der Syndicus Jakob Schütz (1587-1654) kritisierte Regierungsführung und Finanzgebaren der Stadt, wurde entlassen, durch das Reichskammergericht aber wieder in seine Ämter eingesetzt.
Johann Erasmus Senckenberg, jüngster der drei Senckenbergbrüder, opponierte als Ratsmitglied gegen den Rat und kam bis zu seinem Tod 1795 in den Arrest in der Hauptwache.
Johann Erasmus von Klettenberg ging mit 14 Jahren zum Studium nach Straßburg, heiratete mit 22 standesgemäß, kam mit 32 Jahren in den Frankfurter Rat, wurde älterer Bürgermeister und später Frankfurter Reichsschultheiß.
Der barocke Jurist Johann Hector von Holzhausen (1600-1668) war jüngerer und älterer Frankfurter Bürgermeister, wurde Pfleger des Almosenkastens, Pfleger des Katharinenstifts und des Hospitals zum Heiligen Geist. Alle drei Institutionen existieren noch heute.
Viele glänzende, heute in Straßen verewigte Namen enthielt Klötzers Vortrag, der als Quelle der barocken Lebensläufe die Hochzeitscarmina und Nekrologe bezeichnete.
Im 19. Jahrhundert hieß es in Frankfurt "Jeder dritt Mensch, der ei'm uff de Gass begegnet, ist en Awwegat!" Die Anwaltsschwemme hat angehalten.
Auch das 20. Jahrhundert verzeichnet eine Reihe hervorragender Vertreter der Frankfurter Anwaltschaft in der Stadtverordnetenversammlung: Den Rechtsanwalt und Stadtverordneten Karl Flesch, die Anwälte Geiger, Moritz Philipp Hertz und Ludwig Heilbrunn. Hugo Sinzheimer war Strafverteidiger und Arbeitsrechtler, auch provisorischer Polizeipräsident in Frankfurt und lehrte als Honorarprofessor an der Universität und der Akademie der Arbeit.
Der Frankfurter Anwalt Paul Levi verteidigte Rosa Luxemburg in zwei Strafprozessen, war sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter und galt bis zu seinem Tod im Februar 1930 als brillantester Kopf des linken Flügels der SPD. ERIKA ALBERS
Nein, sagt der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Franz Frey, da gebe es keine abweichende "Dürr-Linie", da habe sich die Fraktion "völlig einvernehmlich" geeinigt. "Gemeinsam" seien die sozialdemokratischen Stadtverordneten überein gekommen, daß die B-Ebene eines U-Bahnhofes in der Innenstadt nur im "absoluten Notfall" für Obdachlose geöffnet werden solle. Und was das ist, der absolute Notfall, das haben die Sozialdemokraten sicherheitshalber auch gleich festgelegt: Der Notfall trete dann ein, wenn die Kapazitäten in den Obdachlosenasylen und Schlafzelten "erschöpft sind oder zu erschöpfen drohen".
Da waren freilich vor gut einer Woche noch ganz andere Töne aus der SPD zu hören. Der Fraktionschef selbst, Günter Dürr, hatte sich dafür ausgesprochen, bei krassen Kälteeinbrüchen auch dann die Rollgitter zu den U-Bahnhöfen offenzulassen, wenn in den Notquartieren noch nicht jede Pritsche belegt sei. Damit war er auf Gegenkurs zu Oberbürgermeister von Schoeler gegangen, dem der Gedanke an Obdachlose und andere in den B-Ebenen absolut nicht behagt. Dürrs Begründung damals: "Recht zu behalten auf den Knochen der armen Leute, die uneinsichtigerweise und starrsinnig die guten und zahlreichen Notschlafangebote, die Stadt und Kirchen machen, nicht nutzen", das sei nicht gut.
Inzwischen ist es wohl auch nicht schlecht. Denn glaubt man Fraktionsgeschäftsführer Frey, dann stammt die Formulierung des neuen SPD- Standpunkts sogar aus Dürrs eigener Feder. Und wenn der Fraktionschef zu erreichen gewesen wäre, hätte er dem vermutlich noch nicht einmal widersprochen. Denn die Stadtverordneten, sagt Frey, hätten auch "einvernehmlich" beschlossen, "daß kein Streit herrscht". mat
Dezernent Wentz verspricht dem Westen Fortschritte im öffentlichen Nahverkehr / FVV weiß davon nichts
FRANKFURT A. M., 17. Januar (FR). In der Nordhälfte Übergang zu wechselnder Bewölkung mit einzelnen Schauern, in der Südhälfte stark bewölkt bis bedeckt und vereinzelt Regen, sagt das Wetteramt vorher. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen fünf und zehn, die Tiefstwerte zwischen fünf und null Grad. Weitere Aussichten: Heiter bis wolkig, in der Nordhälfte auch stark bewölkt und etwas Regen. Wenig geänderte Tagestemperaturen.(Siehe auch Lokales)
"Das ist Karneval", befand Ulrike Holler und drohte, "hier gleich Schluß zu machen". Die Moderatorin vom Hessischen Rundfunk, die jetzt die Diskussion im DGB-Haus zum Thema "Droht ein neues 1933?" leitete, hielt die Rednerinnen und Redner für "nicht dialogfähig". Ein Beispiel hierfür folgte auf dem Fuße: "Was ist denn das für eine Scheiße? Wenn ich nicht dran komme, gibt's ganz großen Krach", blaffte ein Mann ins Saalmikrophon und erkämpfte sich so das Rederecht.
In diesem Stil verlief ein Großteil der Debatte. Die Redner gifteten sich entweder an oder nutzten die Gelegenheit, eigene Aktionen anzukündigen ("Kommt alle!"). Ulrike Holler: "Ein Mißbrauch der Veranstaltung." Angesichts der Streitereien machte das Wort vom "hilflosen Antifaschismus" die Runde.
Zwei Fraktionen standen sich unversöhnlich gegenüber. Die einen leiteten ihre Analyse aus den blauen Bänden von Marx ab.
Marcel Bathis vom Frankfurter StadtschülerInnen-Rat etwa haute dem 600 Köpfe zählenden Auditorium wieder und wieder die immergrünen Begriffe "Imperialismus", "Klassenkampf" und "Kapital" um die Ohren. Er warnte vor der Gefahr, daß "das Kapital auf eine faschistische Alternative" umschwenken könne.
Darüber mokierte sich die andere Fraktion. Der parteilose (Ex-Grüne) Stadtverordnete Micha Brumlik: "Als gäbe es noch ein Kapital, das sich vor der Landkarte ausdenkt: Was krallen wir uns als nächstes?" Für Micha Brumlik war Bathis' Analyse "der lauwarme Aufguß einer Stamokap-Faschismus-Theorie". Der Gegenschlag des Schüler-Sprechers blieb nicht aus: "Das ist die Haltung des Bürgertums", monierte er. Funkstille auf dem Podium.
Das Thema der drei Stunden währenden Debatte drohte zuweilen unterzugehen. Daß die gegenwärtige Lage so prekär wie 1933 sei, vertrat kaum jemand. Allerdings gab es unterschiedliche Bewertungen, was die Gefahr einer solchen politischen Entwicklung angeht.
"Die gleichen Vorgänge wie 1933 sehe ich heute wieder anlaufen", sagte Lorenz Knorr von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) und verwies auf die rechtsextremen Parteien. Peter Scherer von der IG Metall sah schon in der Existenz der Gewerkschaften eine Gewähr dafür, daß heute kein Umsturz möglich ist. Das Verbot von Parteien und Presse sowie die Einrichtung von KZs nach 1933 hält Brumlik in nächster Zukunft für ausgeschlossen. Genau wie Beate Klarsfeld sah er jedoch einen deutlichen Rechtsruck der großen Parteien in der Bundesrepublik. Über all das hätte sich trefflich diskutieren lassen. Allein, es war nicht möglich. vo
Berechtigte Warnungen der Medien vor der Anwendung PCB-haltiger Holzschutzmittel im Wohninnenbereich sind von der Firma Desowag-Bayer GmbH systematisch heruntergespielt worden. Das ergibt sich aus einer Vielzahl von Antwortschreiben, mit denen der marktführende Holzschutzmittelhersteller 1977/78 auf Anfragen besorgter Hobbybauer reagierte. Zu den sie belastenden Unterlagen, die vor dem Frankfurter Landgericht verlesen wurden, gaben die beiden angeklagten Geschäftsführer keine Stellungnahme ab.
Vor allem unmittelbar nach der Ausstrahlung von Fernsehsendungen, aber auch aufgrund von Zeitungsartikeln, in denen vor Holzschutzmitteln mit Pentachlorphenol und Lindan gewarnt wurde, waren bei der Firma waschkorbweise Beschwerdebriefe eingegangen. Darin schilderten die Verbraucher, zum Teil in bewegten Worten - "Ihr verdammtes Xyladekor . . . " - wie sich ihr Gesundheitszustand infolge der Anwendung des für unbedenklich erklärten Holzschutzmittels schlagartig verschlechtert hatte.
Wie die Desowag-Bayer-Holzschutz GmbH in ihren Antwortschreiben zum Ausdruck brachte, bestand ihrer Ansicht zur Besorgnis überhaupt kein Anlaß. PCB gehöre zu den "am besten untersuchten Substanzen" und werde seit Jahrzehnten verwendet, ohne daß Gesundheitsschäden nachgewiesen worden seien. Konkret geschilderte Beschwerden wurden regelmäßig mit "allergischen Reaktionen" erklärt, "die durchaus durch andere im Raum vorhandene chemische Stoffe auftreten können". Auf Hinweise der Verbraucher, daß seit der Holzschutzmittel-Lasur sämtliche Blumen eingingen und überall tote Insekten herumlägen, wurde in den verlesenen Schreiben nicht eingegangen.
Kamen die Kunden mit Forderungen nach Schadenersatz, verhielt sich die Firma flexibel. Mal wurden 350 Mark angeboten, weil man annahm, daß die Beschwerdeführerin "gute Beziehungen zur Justiz" hatte; mal spendete man zweieinhalb Liter des hauseigenen Harzlackes, der dazu dienen sollte, den PCB-Wert in der Raumluft zu mindern; mal wurden 400 Mark gezahlt und der Kunde verpflichtet, die Sache "nicht publik zu machen". Ebenfalls mit Rücksicht auf eine negative Medienberichterstattung, die man sich nicht mehr leisten wollte, wurden in einem anderen Fall 5000 Mark ohne Anerkennung einer Rechtspflicht gezahlt.
Zu Beginn der Hauptverhandlung hatte Vorsitzender Richter Thomas-Michael Seibert darauf hingewiesen, daß zu der prozeßentscheidenden Frage nach dem Zusammenhang zwischen PCB und Gesundheitsschäden weitere Gutachten eingeholt werden sollen. Insbesondere sei zu klären, ob PCB bei Kindern zu Veränderungen des Blutbildes führen können.
Für den Einsatz weiterer Sachverständiger, darunter auch eines Nuklearmediziners, plädierte auch die Verteidigung. Ihren Anträgen nach sollen einige der bereits vernommenen Ärzte von falschen Methoden ausgegangen sein, die dringend der Korrektur durch Gutachter mit "überlegenen Forschungsmitteln" bedürften. Lepp
Die Greifvogelfreunde in Nieder-Wöllstadt betreuen seit 1980 kranke und verletzte Tier und kümmern sich auch um deren Nachzucht Auf die Uhus ist Verlaß
Von Corinna Willführ WÖLLSTADT. Wild schlägt "Weibi" mit den Flügeln, stößt spitze Schreie aus: "Weibi", ein Lanner-Falken-Weibchen, ist in der Balz. Eine Zeit, in der der Greifvogel nervös und aggressiv ist, erklärt Alois Pollak von den Greifvogelfreunden in Nieder-Wöllstadt. Eine Zeit auch, in der "Weibi" wie das Uhu-Pärchen "Grande" und "Krümel" und die paarungsbereiten Steppenadler in der rund 4000 Quadratmeter großen Anlage in der Rosbacher Straße nicht durch Besucher gestört werden sollen. Sie können sich voraussichtlich bis Mitte Mai nur die "Singles" unter den fast 40 Greifvögeln vom Habicht über die Eule, vom Mäusebussard über den schwarzen Milan, ansehen. Bereits seit 1980 züchten und betreuen Alois Pollak, Esther Kiefer, Helmut Kiefer und Rainer Appel die Vögel auf dem weitläufigen Gelände mit den großen Volieren. Von ihnen wird die Zeit der Paarung und Brut ihrer Schützlinge mit Spannung erwartet, denn ob die Befruchtung geklappt und damit Nachwuchs zu erwarten ist, ist bis zum Schlüpfen ungewiß. "Die Uhus sind am verläßlichsten", sagt Alois Pollak, der ebenso wie seine Mitstreiter die Greifvogelzucht als Hobby betreibt, die Steinadler indes haben in acht Jahren noch keinen Nachwuchs. Begonnen hat alles mit einem verletzten Bussard, den die Vogelfreunde aufnahmen. Doch der Anfang ihrer Arbeit war von vielen Unbillen begleitet. "Weil sich keine Behörde für uns zuständig sah, haben wir die Genehmigung für unsere Anlage erst 1989 vom Regierungspräsidium Darmstadt erhalten", berichtet Helmut Kiefer, Schriftführer der zum Deutschen Falkner Bund gehörenden Greifvogelfreunde Nieder-Wöllstadt. 17 Vereine und Organisationen verbürgten sich für die Einrichtung. Auch die Nachbarn waren anfangs skeptisch, was sich auf dem Areal hinter dem Rosbach tut, Taubenzüchter fürchteten um ihre Möwchen oder Modenser.
Mißverständnisse und Unwägbarkeiten sind mittlerweile ausgeräumt. Im Gegenteil: "Wir bekommen vielfältige Unterstützung vom gesammelten Brot der Nachbarn bis zu erlegten Kaninchen der Jäger", freut sich Helmut Kiefer. Auch Angler halfen den Greifvogelfreunden schon aus. Für einen völlig erschöpften Reiher, der vor zwei Jahren im Winter zur Pflege nach Nieder-Wöllstadt kam, holten sie Süßwasserfische aus ihren Tiefkühltruhen.
Um verletzte, entkräftete oder kranke Greifvögel müssen sich Alois Pollak und seine Vereinskameraden häufig kümmern: um einen Habicht, der auf der Autobahn angefahren wurde, um einen Fasan, der Vergiftungserscheinungen zeigt, um einen Bussard, der auf Futtersuche von der S-Bahn gestreift wurde.
Sein "Gnadenbrot" erhält derzeit gerade ein Falke mit einem lahmen Flügel in einer der Volieren. Die Entscheidung, wann ein verletzter Vogel eingeschläfert werden muß, liegt nicht bei den Greifvogelfreunden. Sie muß ein Tierarzt treffen. "Tiere, die nicht nach drei Monaten Pflege wieder zurück in die Natur können, so schreibt es das Regierungspräsidium vor, müssen eingeschläfert werden", erklärt Alois Pollak.
Vorschriften müssen die Greifvogelfreunde viele erfüllen. So muß für einen Adler das Gehege eine Mindestgröße von 40 Quadratmeter haben und vier Meter hoch sein, um dem Vogel mindestens drei Flugbewegungen zu ermöglichen. Vorgaben, von deren Einhaltung sich die Behörde jederzeit unangemeldet überzeugen kann. Kritikern der Greifvogelhaltung hält Helmut Kiefer entgegen, daß viele Tiere in der Natur nur deshalb heute wieder ansässig seien, weil sie in Gefangenschaft nachgezogen wurden.
Außerdem werden die Nieder-Wöllstädter Greifvögel regelmäßig freigelassen. Daß es dabei vorkommt, daß die Greifvogelfreunde einen ihrer Falken schon mal aus Göttingen abholen müssen oder einer der Steppenadler gar bundesweit per Zeitung gesucht wurde, nehmen sie dafür in Kauf. Längst, so hebt Kiefer hervor, haben die Greifvogelfreunde in ihre Arbeit auch die angrenzende Umgebung einbezogen. Den Rosbach säuberten sie vom Müll, Brennesselfelder werden nicht abgemäht, um Kleinlebewesen einen Lebensraum zu erhalten, und auf dem kleinen Bächlein, das sich durch das Gelände schlängelt, tummeln sich Enten. Auch für die Brut sorgen die Vogelfreunde vor: In den Volieren liegt allerlei, vom Stroh über Äste bis zu Tannenzweigen für den Nestbau, eines aber noch nicht: Eier.
Auf dem fliegenden Teppich über den Traumlandschaften Hollywoods: Dieser Illusion können sich die Besucher des Deutschen Filmmuseums in Zukunft hingeben. Der Blue-Screen-Trick ist Bestandteil der erheblich veränderten Dauerausstellung des Hauses. So abgehoben soll es im Museum allerdings ansonsten nicht zugehen. Verständlichkeit und Anschaulichkeit stehen im Vordergrund der neuen Konzeption. Denn bisher sah der "Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik", wie er im zweiten Stock versprochen wurde, etwas unscharf aus: Viele Texte, Fotos, Zeichnungen - "vielleicht etwas zu steril", räumt Mitarbeiter Herbert Gehr ein, und auch wenig geeignet, die Faszinationskraft des populären Films widerzuspiegeln.
Nun aber ist aus dem theoretischen "Gang durch einen imaginären Produktionsbetrieb" ein handfester Studiokomplex geworden. Beim Gang durch die Produktionsräume erschließen sich dem Besucher die verschiedenen Phasen der Filmherstellung mit all ihren Techniken und Tricks, die schließlich im Kunst-Produkt Film kulminieren.
Zur Anschaulichkeit tragen besonders die zahlreichen neuen Objekte, Dokumente und Installationen bei. Gehr, der verantwortlich für den Ausstellungsbetrieb ist, hofft so, "daß die neuen Räume den atmosphärischen Zugang zu den Themen erleichtern". Da tritt die ganze Künstlichkeit des Horrorfilms zutage, wenn die wächserne Maske Boris Karloffs dem Gast entgegengrinst; der prachtvolle Samtrock Münchhausens (aus dem Terry-Gilliam-Remake) sowie sein Dreispitz erzählen von der Kunst der Kostümbildner.
Neben solchen historischen Requisiten erläutern auch mehrere, teils interaktive Installationen einige Prinzipien des Hollywood-Films. Im "Tonstudio" können Hörbeispiele von der Stummfilm-Begleitung bis zur sinfonischen Genremusik abgerufen werden. Am Schneidetisch demonstriert ein Mitarbeiter die Gesetze und Wirkungsweisen der Montage. Vor allem bei den jüngeren Museumsgästen dürfte die Abteilung für Spezialeffekte größten Anklang finden: Neben dem fliegenden Trick-Teppich läßt sich dort auch eine Autofahrt durchs nächtliche Frankfurt simulieren, bei der die Besucher zur (Selbst-)Inszenierung vor der Kamera eingeladen sind.
Die Fülle der historischen Objekte ist vor allem das Ergebnis der enorm angewachsenen Sammlungen des Filmmuseums. Nach der Eröffnung 1987 sei das Museum erst allmählich ins Bewußtsein von Leihgebern und Sammlern gedrungen, sagt Gehr. Auch aus fünf Jahren wechselnder Sonderschauen sei vieles an Originalen zusammengekommen, was nun in der Dauerausstellung gezeigt werde. So sind erstmals einige Schmuckstükke der Kamera- und Projektorensammlung der Öffentlichkeit zugänglich, von Edisons Apparaten über die Kofferprojektoren der frühen Wanderkinos bis zu den schweren, komplexen Getümen der Tonfilmzeit.
Doch auch die schönsten Exponate, das wissen die Museumsleute, bieten keinen Ersatz für das eigentliche Filmerlebnis. Ein kleines Studiokino schließt daher den Rundgang ab: ein Ort nicht so sehr für große Produktionen, wie sie im Kommunalen Kino des Hauses laufen, sondern für "Film über Film" - kurze Dokumentationen und medienkritische Filme über Zensurprobleme, Special Effects, historische Hintergründe zur Filmgeschichte. Wo immer es möglich sei, stelle man "das Medium mit seinen eigenen Mitteln vor", sagen die Ausstellungsmacher. "Darum wurde auch das, was sich besser zwischen zwei Buchdeckeln macht, dort belassen."
Seit Weihnachten ist der neue Komplex, nach monatelanger Sperrung, dem Publikum zugänglich. Am letzten Schliff arbeiten die Mitarbeiter noch bis in den Februar hinein, schätzt Gehr. Dann wird der Hollywood-Nachbau 259 000 Mark gekostet haben - eine Rechnung, in der das ungeheure Engagement vieler Mitarbeiter über das gesamte vergangene Jahr nicht ablesbar ist. Gehr ist sichtlich froh, die Strapazen des Umbaus hinter sich zu haben. Aber die letzte Fassung der Dauerausstellung, das ahnt er, wird dies nicht sein. Die Sammlung wächst weiter, die Ansprüche des Publikums und der Mitarbeiter ändern sich - "es bleibt work in progress". two
&blt; Fotoausstellung: Mira Raiz
Die Fotografin Mira Raiz stellt noch bis zum 30. Januar in der Frankfurter Zentralbibliothek (Zeil 17-23) ihre Bilder zum Thema "Der goldene Ring" aus. Im Mittelpunkt steht dabei die architektonische Vielfalt der Kreml- und Klosterbauten vom 12. bis 18. Jahrhundert in der Nähe Moskaus. &blt; Piano im Café Cult Das Piano-Duo Frank Muschalle und Christian Bleiming spielt am heutigen Montag ab 20 Uhr im Restaurant-Theater Café Cult (in der Frankfurter Schillerpassage) Boogie-Woogie und Blues an zwei Klavieren. &blt; Über Fremdenfeindlichkeit Eine Diskussion zum Thema "Das neue Deutschland - neue Fremdenfeindlichkeit?" gibt es am heutigen Montag ab 19 Uhr im Neuen Theater Höchst, Emmerich-Josef-Straße 46a. Am Dienstag und Mittwoch ist dann Andreas Voigts Film "Grenzland - eine Reise" im Filmforum Höchst zu sehen. &blt; Jo van Nelsen liest Arnolt Bronnen Jo van Nelsen liest im Rahmen des 3. Mainzer Festivals Schwuler Kultur, Mayence Rosé, aus Arnolt Bronnens "Septembernovelle". Beginn: 20.30 Uhr im Literarischen Café (im Foyer der Mainzer Kammerspiele). &blt; Das Griechische Erbe im Islam "Das griechische Erbe im Islam und Probleme des europäischen Selbstbewußtseins" sind Thema eines Vortrags, den das Museum für Völkerkunde am Dienstag, 19. Januar, in der Aula der Schillerschule (Morgensternstraße 3) veranstaltet. Der Lichtbildervortrag des Arabisten und Theologen Gotthard Strohmeier beginnt um 18.30 Uhr. &blt; Steinhoff über Opernpolitik Martin Steinhoff, Intendant der Frankfurt Oper, hält am Dienstag, 19. Januar, im Chagall-Saal im Opernhaus einen Vortrag über "Opernpolitik für Frankfurt". Steinhoff hatte sich jetzt wiederholt zu Wort gemeldet und vor allem die Tarifverträge der an den Städtischen Bühnen Beschäftigten kritisiert. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei. Veranstalter ist der Patronatsverein für die Theater der Stadt Frankfurt. &blt; Best of Broadway Zu einer Musical-Gala mit dem Titel "Best of Broadway" lädt am Dienstag und Mittwoch, 19. und 20. Januar, die Alte Oper Frankfurt. Mit dabei sind die New York Harlem Dancers, die Uno Dance Company und das Orchester "Music of America". Beginn jeweils 20 Uhr. &blt; Brasch-Text Hörspiel des Monats Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste hat "Mercedes" von Thomas Brasch zum Hörspiel des Monats Dezember gewählt. In der Regie vom Thomas Staritz sei ein deutsch-deutscher Dialog mit bitterer politischer Realität und neuer brisanter Schärfe gelungen, so die Jury. Das gleichnamige Theaterstück des aus der DDR stammenden Autors war 1983 uraufgeführt und im Dezember 1992 vom Mitteldeutschen Rundfunk als Hörspiel erstmals gesendet worden. &blt; Arbeiten von Behinderten 100 Bilder und Zeichnungen geistig behinderter Menschen sind derzeit im Kreishaus Hofheim am Taunus zu sehen. Unter dem Titel "Augenblick mal!" wollen die Betroffenen damit ihre Lebenssituation der Öffentlichkeit vorstellen. Die Veranstaltung wird gemeinsam vom Verein Lebenshilfe und dem Main-Taunus- Kreis organisiert. &blt; Dieter Kühn Ausstellungs-Thema Dem Autor Dieter Kühn widmet die Frankfurter Stadt- und Universitätsbibliothek eine Ausstellung. Parallel zur Poetik-Gastdozentur an der Goethe-Universität wird vom 20. Januar an eine Übersicht über Leben und Werk des Schriftstellers ("Ich Wolkenstein") gegeben. Der aus Köln stammende Autor war 1980/81 Stadtschreiber in der Frankfurter Vorortgemeinde Bergen-Enkheim. Die erste Poetik-Vorlesung Kühns ist am Dienstag, 19. Januar. &blt; Diskussion übers "Hinterhaus" Am Dienstag, 19. Januar, ab 20.30 Uhr ist in Wiesbaden eine Podiumsdiskussion über die Zukunft des "Hinterhaus"-Theaters und der Initiative "ARTist", unter anderem mit Kulturdezernentin Eva Müller, Karlstraße 15, Wiesbaden.
WIESBADEN. Der stellvertretende Landeswahlleiter Rolf Meireis hat kürzlich nach Rückfrage beim Bundeswahlleiter Hans Günther Merk die Sperre für die Verwendung von Wahlmaschinen bei der Kommunalwahl am 7. März aufgehoben.
Merk und sein Kollege Meireis reagierten damit auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes, das vor kurzem über eine Klage gegen die Wahlapparate entschieden hat.
Die Richter sehen nach Worten des stellvertretenden hessischen Wahlleiters das Wahlergebnis durch die Verwendung der Wahlmaschinen nicht gefährdet. Die geheime Wahl und die Nachvollziehbarkeit der Abstimmung seien gewährleistet, sagte Meireis.
Bereits bei der Landtagswahl 1987 war gegen den Einsatz der Maschinen Einspruch erhoben worden. Das Wahlprüfungsgericht aber hatte schon damals die Einwände zurückgewiesen.
Vor drei Jahren hatte ein Bürger aus dem Rodgau schließlich gegen die Verwendung der Apparate beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Klage eingereicht.
Falls sich in den jeweiligen Kreisen, Städten und Gemeinden nicht mehr als neun Parteien um die Gunst der Wähler bewerben, werden auch in diesem Jahr die Bürger ihre Stimme mit einem kräftigen Zug am Automaten abgeben. schu
Nidderauer FDP-Liste mit 15 Namen
Die vorderen Plätze belegen der Heldenbergener Unternehmer Reinhard Scherer (er kandidiert zum ersten Mal für die Stadtverordnetenversammluing), Studienrat Peter Becker (Heldenbergen), Systemberater Wolfgang Thies (Windekken) und Schulsekretärin Marianne Wienbrandt (Heldenbergen).
Die zweite Frau im blaugelben Männerteam ist Hausfrau Christine Lauer (Heldenbergen). Ul
Die Justiz der Volksrepublik China hat einen Journalisten, der für die Staats- Agentur Xinhua tätig war, zu fünfzehn Jahren verurteilt. Er soll Ausarbeitungen des Parteiführers Jiang Zemin einem Hongkonger Blatt übermittelt haben, und das sei Verrat von Staatsgeheimnissen. Was fünfzehn Jahre in Chinas Gefängnissen bedeutet ist bekannt, seit es 1978 eine Demokratiebewegung gegeben hat, deren prominenteste Sprecher dieses Strafmaß erleiden. Weniger bekannt war, daß Chinas Justiz Staat und Partei gleichsetzt. Die Presse dankt für diese Aufklärung.
Die türkische Tageszeitung Özgür Gündem hat nach acht Monaten ihr Erscheinen eingestellt. Freiwillig. Das Istanbuler Blatt hatte eine Politik vertreten, die als pro-kurdisch galt. Das reichte für den Verdacht, es sei Sprachrohr der radikalen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), und für Einschüchterungsversuche seitens staatlicher Stellen. Einbegriffen: Polizeihaft für insgesamt 28 Mitarbeiter, Konfiskationen und Geldstrafen. Das reichte für Mordanschläge, denen fünf Redakteure zum Opfer fielen. Die Polizei hat die Täter nicht gefunden, wohl weil sie der kurdischen Spur nachgehen mußte.
In solchen Fällen ist ja derartige Eile geboten, daß man ausländischen Angeklagten vor dem Urteil womöglich nicht einmal eine Übersetzung der Anklageschrift zuleiten kann. Wie im Falle des deutschen Rundfunkreporters Stephan Waldberg, der seit drei Monaten die Gastfreundschaft des Gefängnisses von Diyarbakir genießt, ohne schriftlich zu haben, weshalb ihm das geschieht.
Solche Staaten haben ihre Geheimnisse. Neugierige werden gewarnt. Zum Beispiel vor der Nachfrage, ob es im asylpolitischen Sinn sichere Drittländer sind oder ob Folter dort zur Folklore gehört. gro
Neue Ausweise dauern höchstens sechs Wochen Probleme überwunden / Weitere Beschleunigung unmöglich Von unserem Redaktionsmitglied Jürgen Schenk Bei der Ausstellung von Personalpapieren haben die beteiligten Stellen "Normalität" erreicht: Statt zum Teil mehr als ein viertel Jahr dauert es jetzt zwischen vier und sechs Wochen, bis Antragsteller ihren neuen Reisepaß beziehungsweise Personalausweis in Händen halten. Eine weitere Beschleunigung des Verfahrens sei allerdings nicht möglich, hieß es bei der Frankfurter Stadtverwaltung. Nach über zweijährigen Schwierigkeiten mit der völlig überlasteteten Bundesdruckerei in Berlin und monatelangen Problemen des Ordnungsamtes mit der elektronischen Datenverarbeitung bekommen die Frankfurter ihre neu beantragten Ausweispapiere nun doch etwas schneller. Wie der Leiter der Abteilung Paßwesen, Henner Schäfer, auf Anfrage erklärte, dauert es jetzt noch vier bis fünf Wochen, bis der neue Paß, und maximal sechs Wochen, bis der angeblich fälschungssichere Personalausweis bei der jeweiligen Meldestelle abgeholt werden kann.
Wie mehrfach im vergangenen Jahr berichtet, mußten Bürgerinnen und Bürger im vergangenen Jahr zeitweise bis zu 14 Wochen auf ihre Dokumente warten. Wer im Vertrauen auf eine schnellere Bearbeitungszeit erst wenige Wochen vor Urlaubsantritt den entsprechenden Antrag gestellt hatte, mußte sich in die lange Schlange der Wartenden bei Ordnungsamt in der Mainzer Landstraße einreihen, um einen auf ein Jahr befristeten, grünen Ersatzpaß zu bekommen. Dies soll nun Behördengeschichte sein.
Die Zeiten allerdings, in denen man einen neuen Paß oder Personalausweis nach knapp zwei Wochen in den Händen hatte, werden nicht wiederkommen. Denn die Austellung dieser Personaldokumente erfolgt in der Bundesdruckerei in Berlin - und der Verwaltungsweg sowie die Bearbeitungszeit ist laut Schäfer nicht noch weiter zu verkürzen.
Wie der zuständige Abteilungsleiter sagte, sei nicht damit zu rechnen, daß mit Beginn der diesjährigen Urlaubssaison vor Ostern ähnliche Schwierigkeiten wie noch 1992 einträten. Schäfer: "Sicherlich wird es noch den einen oder anderen Ausreißer geben, doch wir rechnen nicht mit gravierenden Problemen."
Schwierigkeiten gibt es allerdings bei der schriftlichen Benachrichtigung, wann die Antragsteller ihre Pässe und Personalausweise bei den jeweiligen Meldestellen abholen können. "Das klappt vorn und hinten nicht", sagt Schäfer über die Mitteilungen vom Kommunalen Gebietsrechenzentrum in Niederrad, "und wir wissen auch nicht, wann das läuft." Wer auf seine Papiere wartet, sollte deshalb immer wieder einmal bei seiner Meldestelle anfragen.
Einen weiteren Hinweis gibt der Abteilungsleiters Paßwesen: Grüne Reisepässe, vor vier oder fünf Jahren ausgestellt, werden grundsätzlich nicht mehr um weitere fünf Jahre verlängert, wie es früher üblich war. In jedem Fall müssen Europässe neu beantragt werden.
KRIFTEL. Jeder Krifteler Haushalt hat sie mittlerweile - die zwanzigseitige Broschüre mit den Kursen des Bundes für Volksbildung (BfV) fürs erste Halbjahr '93. Und gleich ist die erste Korrektur nötig: Der Vortrag über "Die historischen Ursachen des Jugoslawien-Konflikts" ist vom 28. Januar auf den 4. Februar vertagt.
Auch treffen sich die beiden Gruppen zum Spielenachmittag wie gewohnt freitags von 16 bis 17 Uhr sowie von 17 bis 18 Uhr. Neue Kinder können erst ab Oktober aufgenommen werden. Interessenten melden sich bei Silvia und Helmut Thost, Tel. 06192 / 4 13 55 oder 40 04 50. Noch eine Änderung: Im Januar und Februar laufen die Anmeldungen für die Musikkurse über das Infozentrum am Bahnhof. md
Beim Möbelkauf ist Vorsicht geboten. Kunden werden dabei leicht über den Tisch gezogen (die FR berichtete in ihrer Ausgabe vom 16. Januar).
Wem knallige "Preisschlager" oder "Superangebote" besonders günstig erscheinen, der sollte trotzdem bei mehreren Händlern Produktqualität und Preise vergleichen, rät die Düsseldorfer Verbraucherzentrale. Nicht immer ist der Einkauf bei Großmärkten in den Gewerbegebieten günstiger. Großer Andrang, wenig Beratung und Probleme bei Reklamationen können die niedrigen Preise leicht vermiesen.
Ist die Entscheidung für ein Möbelstück gefallen, sollte der Verkäufer alle wichtigen Angaben im Vertrag bestätigen: Artikelnummer, Maße, Endpreis und Liefertermin. Eine Anzahlung kann er nicht verlangen. Besteht der Händler trotzdem darauf, sollte man höchstens zehn Prozent des Preises akzeptieren und sich eine Quittung ausstellen lassen. Wird eine Garantie gewährt, muß die Bescheinigung den Namen des Kunden, Kaufdatum und Firmenstempel tragen. Auch eine unausgefüllte Garantieurkunde reicht notfalls aus, wenn sie gemeinsam mit dem Kassenbon vorgelegt wird. Ansprechpartner ist immer zuerst der Händler, der beim Hersteller reklamiert.
Weist das Mobiliar schon bei der Lieferung Mängel auf, so darf der Käufer einen entsprechenden Teil des Preises zurückhalten. Beanstandungen sollten möglichst schriftlich geltend gemacht werden. Es ist zulässig, daß der Händler den Schaden kostenlos repariert. Wird der Fehler dadurch nicht beseitigt, gibt es immer noch die Möglichkeit, vom Kauf zurückzutreten und das Geld zurückzuverlangen. Es ist auch möglich, die defekten Möbel zu behalten und zu verlangen, daß der Preis reduziert wird.
Beim Kauf einer maßgenauen Einbauküche ist es ratsam, sich vom Händler eingehend beraten zu lassen und den Einbau mit ihm gemeinsam an Ort und Stelle zu planen. Gibt es dann später Probleme, muß er diese auf eigene Kosten beheben.
Die Verbraucherzentrale in Düsseldorf hat für den Möbelkauf ein Dutzend Ratschläge zusammengestellt. Wer die Liste anfordern möchte, sollte einen frankierten Rückumschlag an die folgende Adresse senden: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Mintropstraße 27, 4000 Düsseldorf 1, Stichwort: Möbel. gem
SCHÖNECK. Drei parteilose Kandidaten führen die Liste an, mit der die FDP Schöneck am 7. März wieder in die Gemeindevertretung gewählt werden will, ihre Namen: Daniela Sergois (kaufmännische Angestellte), Wilhelm Gerbig (Vertriebsniederlassungsleiter) und Horst Fuchs (Diplom-Ingenieur). Ortsvorsitzender und Landtags-Vizepräsident Dirk Pfeil firmiert als letzter auf der Liste, die auf den Rängen vier und fünf die FDP- Mitglieder Rudolf Vogl (beratender Psychobiologe) und Werner Lang (Kaufmann) führt. Pfeil sieht seine Partei als "Initiative für Bürgerangelegenheiten", möchte mit ihrem Wiedereinzug ins Parlament das bürgerliche Lager stärken und die absolute SPD-Mehrheit brechen. Diese habe mit ihrer Macht nicht umgehen können und Bürgermeister Erwin Schmidt nicht kontrolliert. Der Hinweis von "einsichtigen Sozialdemokraten", so Pfeil weiter, die Opposition von CDU und Grünen habe ja auch nicht funktioniert, mache deutlich, wie wichtig die Wiederkehr der Liberalen ist: Das Bürgertum habe seinen "Biß" nicht verloren. Ul
spi DÜSSELDORF/HANNOVER. Nach monatelangen internen und teilweise auch öffentlich ausgetragenen Streitigkeiten ist der Zwist im Veba-Konzern entschieden. Durchgesetzt hat sich Gruppen-Chef Klaus Piltz.
Geschlagen gibt sich dessen Gegenspieler Hermann Krämer. Der Boß der mächtigen und auch rentabelsten Veba- Tochter Preussenelektra in Hannover wirft das Handtuch. Der gelernte Atomphysiker tritt zurück und will sich fortan im Konzernvorstand lediglich noch mit dem neugeschaffenen und relativ unbedeutenden Ressort "Forschung" zufriedengeben. Der Anlaß für den Rücktritt ist offenbar die jüngste Auseinandersetzung unter den deutschen Stromversorgern über einen politischen Konsens zur Kernenergie. Krämer stand dabei als Repräsentant des größten deutschen Atomkraftwerk-Betreibers zusammen mit Bayernwerk-Chef Jochen Holzer für eine harte und kompromißlose Linie zugunsten des Urans. Beide Manager plädierten für einen weiteren Ausbau der Kernenergie. Hatte Holzer jedoch die politische Rükkendeckung seiner Landesregierung in München, stand Krämer offenkundig weitgehend allein da. Vorgeworfen wird ihm, er habe deshalb bei der CSU Verbündete gesucht, die die offiziellen Veba- Positionen angreifen sollten.
Dies war natürlich eine Kriegserklärung Krämers gegen Veba-Chef Piltz. Dieser hatte in Sachen Atomkonsens rechtzeitig maßgebliche Leute seines Aufsichtsrats hinter sich geschart.
Entgegen Krämers Kalkül konnte Piltz auch RWE-Chef Friedhelm Gieske für seine Strategie gewinnen. Das Rheinisch- Westfälische Elektrizitätswerk, früher ebenfalls strikt auf Atomkurs, schwenkte unter Gieske auf die weichere Veba-Linie ein. Die einst so starke und einheitliche Front der deutschen Atom-Lobby scheint damit endgültig auseinandergebrochen. Denn Piltz und Gieske einigten sich auf ein aufsehenerregendes "Konsenspapier", das sie - wie berichtet - Bundeskanzler Helmut Kohl schickten. Von dem Schreiben distanzierte sich das Bayernwerk prompt.
Nachfolger von Krämer bei der Preussenelektra soll Hans-Dieter Harig werden. Er war bisher als Chef der Veba Kraftwerke Ruhr für die Stromproduktion aus Steinkohle zuständig.
Der Umsatz der beiden von der Veba als wirtschaftliche Einheit geführten Elektrizitätssparten erreichte 1991 rund 11,7 Milliarden Mark. Beschäftigt wurden seinerzeit etwa 21 000 Männer und Frauen.
BAD HOMBURG. Die Stadt Bad Homburg sucht weiter nach einem Stammpublikum für die Englische Kirche. So soll die geringe Ausnutzung des 196 Plätze bietenden Kulturzentrums mit durchschnittlich 50 bis 90 Besuchern erhöht werden.
Der Magistrat setzt dabei zunächst auf verstärkte Werbung und direkte Ansprache. Denn das Programm sei anerkannt gut, der geringe Zuschauerzuspruch liege also vermutlich an seinem zu geringen Bekanntheitsgrad, argumentiert Oberbürgermeister Wolfgang Assmann (CDU). Der Kulturausschuß regte nun zudem an, verstärkt auf Abonnements und Veranstaltungen am Freitag- statt Donnerstagabend zu setzen.
"Die Besucherzahlen sind hoch, wenn Leute kommen, die einen Namen haben", erkannten Christine Rupp (Grüne) und die anderen Ausschußmitglieder nach dem Studium der Besucherstatistik für das vergangene Jahr. Oft jedoch werden die 2 000 bis 3 000 Mark Gagen jedoch für Veranstaltungen mit 50 Leuten ausgegeben, so Assmann. Er will daher ein "Publikum heranziehen", das vertrauend auf die Programm-Macher und das "Gütesiegel Englische Kirche" auch zu weniger bekannten Künstlern kommt.
Dazu soll weiter experimentiert werden, bisherige Versuche mit neuen Angebotsformen und Abonnementreihen waren wenig erfolgreich. SPD und Kirchen- Initiator FDP setzen dabei auch auf Zeit: "Das muß sich erst herumsprechen."
Am Programm selbst liegt die Zurückhaltung nicht, waren sich alle Kulturpolitiker einig. Für dieses Jahr hat das Stadtparlament zudem 100 000 Mark zusätzlich bewilligt. stk
HOFHEIM. "Draußen" heißt die Ausstellung der Liederbacher Fotofreunde "Blende 81", die ab Donnerstag, dem 21. Januar, um 17 Uhr in der Eingangshalle des Hofheimer Krankenhauses zu sehen ist. Die Fotofreunde haben alles geknipst, was "draußen" ist: Landschaften, Städte, Tiere - aus der Umgebung oder aus Urlaubsländern insgesamt 60 Bilder. md
Als "dilettantisch und schädlich" hat Polizeipräsident Karlheinz Gemmer eine Stellungnahme des CDU-Kreisverbandes zur Kriminalitätsentwicklung in Frankfurt bezeichnet. Petra Roth, die Kandidatin der CDU für das Amt des Frankfurter Bürgermeisters, hatte eine Veröffentlichung der Illustrierten "stern" über Frankfurt als "Hauptstadt des Verbrechens" zum Anlaß genommen, dem rot-grü- nen Magistrat erneut völliges Versagen in der Sicherheitspolitik vorzuwerfen.
Entgegnungen von SPD und Grünen, die Unions-Vorsitzende gründe ihre Kritik auf falsche Zahlen, hatte CDU-Geschäftsführer Heinz Daum entschieden zurückgewiesen.
Daum berief sich auf das Bundeskriminalamt in Wiesbaden (BKA). Diese Behörde habe nämlich festgestellt, 1991 seien in New York 97, in Frankfurt aber 220 Delikte je 1000 Einwohner registriert worden.
Der Geschäftsführer untermauerte seine Behauptung mit einem Schaubild über die "Metropolen der Kriminalität", das Frankfurt einen Spitzenplatz vor der US-Metropole zuwies. Auf der beigefügten Skizze ist als Quelle des Materials "BKA, Uniform Crime Report, Profitravel" angegeben.
Eine Anfrage der Frankfurter Rundschau beim Bundeskriminalamt ergab zunächst, daß die Skizze nicht vom BKA herausgegeben wurde. Wie Pressesprecher Thomas Rindsfüßer sagte, habe die Agentur "Profitravel" offensichtlich Zahlen des BKA und des FBI selbst zu einer solchen Graphik "aufbereitet". Die Graphik ist bereits vor einigen Wochen in der Tageszeitung "Die Welt" veröffentlicht worden.
Karlheinz Gemmer, dem die CDU-Erklärung ebenfalls vorlag, kritisierte, daß eine schlichte Nachfrage der CDU-Geschäftstelle oder der Spitzenkandidatin beim Polizeipräsidium ausgereicht hätte, um zu erfahren, daß die Informationen, auf die sich die Frankfurter Union beruft, nicht aus dem Bundeskriminalamt kommen. "Und daß vor allem auch die hier gebrachten Vergleichsgrundlagen nicht stimmen".
Gemmer: "Während wir in Deutschland jede Art von angezeigter Kriminalität - vom Ladendiebstahl bis zu Kapitaldelikten - in die polizeiliche Kriminalstatistik aufnehmen, weist die zum Vergleich herangezogene Statistik von New York nur schwere Straftaten auf."
Der Polizeipräsident wies zugleich auf eine vergleichende Studie des Bundeskriminalamtes zur schweren Kriminalität in den Vereinigten Staaten und in der Bundesrepublik hin. Bezogen auf 100 000 Einwohner wurden 1990 in New York 31 Tötungsdelikte begangen, in Frankfurt dagegen "nur" drei.
Ähnlich ist das Verhältnis beim Raub, wo in New York 1370 Fälle festgestellt wurden, in Frankfurt 310.
Gemmer: "Mit solchen Erklärungen wie die der CDU wird angesichts unserer angespannten und belasteten Kriminalitätslage noch mehr Öl ins Feuer geschüttet." enk
Stadtgruppe Frankfurt: Zu einer Gesprächsrunde treffen sich die Kleingärtner mit der Frankfurter CDU und OB- Kandidatin Petra Roth am Freitag, 22. Januar, um 19 Uhr, im Bürgerhaus Nordweststadt, Walter-Möller-Platz 2. fd/03
Herchenröder-Quartett 1913 Frankfurt: Die Sänger treffen sich zur nächsten Chorprobe am Freitag, 22. Januar, 20 Uhr, im "Haus Gallus", Frankenallee 111. fd/03
1. Frankfurter Reitercorps "Dreizehner Husaren": Mitglieder und Freunde treffen sich zum "Babbelabend" am Freitag, 22. Januar, um 20 Uhr, bei Anita Kaiser im Cafe Bistro, Alt-Rödelheim 3. fd/03
Vogelsberger Höhenclub 07: Der Zweigverein Frankfurt beteiligt sich am Samstag, 23. Januar, an der Hoherodskopf-"Höhenfastnacht". Nähere Auskunft gibt Vorsitzender Günter Burghardt täglich nach 19 Uhr unter Tel. 51 16 84. fd/03
Betriebssportverband Hessen: Der Bezirk Frankfurt unternimmt am Samstag, 23. Januar, eine Wanderung im Koblenzer Wald. Die Teilnehmer treffen sich zur Abfahrt um 7 Uhr am Parkplatz an der Ernst-Schwendler-Straße gegenüber der Einmündung der Joachim-Becher-Straße (Nähe Deutsche Bundesbank). Auskunft erteilt Edmund Köster, Tel. 52 66 15. fd/03
Karnevalverein "Der Frankfurter 02": Die Mitglieder der Bürgerwehr "Weißbüsch" beteiligen sich am Sonntag, 24. Januar, ab 14.01 Uhr, am Gardetag bei St. Stephan in Griesheim bei Darmstadt. Abfahrt ist um 12 Uhr am Frankfurter Ostbahnhof. fd/03
Frankfurter Ensemble: Zur Jahreshauptversammlung treffen sich die Mitglieder des Vereins am Montag, 25. Januar, um 19.30 Uhr im "Haus Gallus", Frankenallee 111 (Saal 1, 2. Stock). Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Teilwahlen. fd/03
Karneval-Club 1898: Vereinsabend der "98er" am Montag, 25. Januar, 20 Uhr, im Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Straße 24 (Clubraum 4). fd/03
Naturfreunde Frankfurt: Die Wintersportgruppe bietet Ski-Gymnastik in zwei Abteilungen am Mittwoch, 27. Januar (18-19 Uhr und 19-20 Uhr), in der Stauffenbergschule in Bornheim, Arnsburger Straße 44. Kontakt: Karl-Heinz Simon unter Tel. 67 12 89. fd/03
Karnevalverein "Der Frankfurter 02": Die Mitglieder der Damengarde trainieren am Mittwoch, 27. Januar, 19 Uhr, im Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Straße 24, Klubraum 2. Um 21 Uhr beginnt die Probe der "02er-Lady-Dancers". fd/03
Volkssportverein 1977 Frankfurt: Clubabend für Mitglieder und Freunde des Vereins am Mittwoch, 27. Januar, um 19 Uhr im "Haus Dornbusch", Eschersheimer Landstraße 248. fd/03
Kneippverein Frankfurt: Der Verein unternimmt am Samstag, 23. Januar, einen Spaziergang an der Nidda für Mitglieder und Gäste. Ausgangspunkt ist Berkersheim (Bahnhof). Dort treffen sich die Teilnehmer um 13.45 Uhr. Der Spaziergang führt nach Praunheim (mit Einkehr im Lokal "Concordia"). Weitere Auskunft gibt E. Röhr (Tel. 73 18 06). fd/03
Turngau Frankfurt: Die nächste Gau- Schwimmstunde unter Leitung von Sabine Motsch ist am Montag, 25. Januar (20.45 bis 22 Uhr), im Stadtbad Mitte, Hochstraße 4. Anmeldungen werden im Bad vor der Schwimmstunde entgegengenommen. fd/03
Kolpingfamilie Frankfurt: Die Mitglieder der Kolping-Karnevalabteilung treffen sich zum Klubabend am Mittwoch, 27. Januar, 20 Uhr, im Kolpinghaus, Lange Straße 26. fd/03
Den indischen Tanz "Bharatnatyam" zeigt Neeta Jethi am Sonntag, 24. Januar, 15.30 Uhr, im IAF-Veranstaltungszentrum, Kasseler Straße 1 b (Bockenheim). Der Eintritt kostet 10 Mark. di/03
Das Jugendamt der Stadt hat eine Skifreizeit für Jugendliche im Hochgebirge am Spitzingsee organisiert. Termin ist in den Osterferien von Samstag, 3., bis Donnerstag, 15. April. Die Fahrt kostet 805 Mark (Unterkunft, Verpflegung, Skipaß und -kurs). Anmeldungen mit 50 Mark Anzahlung werden jeden Tag von 8 bis 12 Uhr im Jugendamt (Zeil 57, 1. Stock, Zimmer 107) entgegengenommen. ak/03
Die Weihnachtsspende der Citibank in Höhe von 25 000 Mark geht je zur Hälfte an zwei Vereine: Den Förderverein Fritz Rémond-Theater sowie den Polizeisportverein Grün-Weiß. ak/03
Verein für Polizei- und Schutzhunde Preungesheim: Die nächsten Übungstage sind am Samstag, 23. Januar (ab 16.30 Uhr), am Sonntag, 24. Januar (ab 10 Uhr) sowie am Dienstag, 26. Januar (ab 17.30 Uhr), auf dem Übungsgelände in der Oberwiesenstraße. Interessierte Gäste sind eingeladen. Der Verein ist telefonisch im Vereinshaus auf dem Übungsgelände zu erreichen, Tel. 5 48 76 95. nd/03
Karnevalverein "Heddemer Käwwern" 1882: Für Verdienste um die Fastnachtsbrauchtumspflege und jahrzehntelange Mitarbeit im Verein wurden der Gardemarschall Heinz Mingram und Richard Schmidt vom "Großen Rat" der Karnevalvereine Frankfurt mit dem "Römerschild" zum "Goldenen Frankfurter Adler" ausgezeichnet. Vorgenommen haben die Ehrung Oberbürgermeister und Senatspräsident Andreas von Schoeler sowie Ratspräsident Konrad Trapp im Römer. nd/03
Germania 1873 Preungesheim: Die Mitglieder der gemischten Chorgemeinschaft treffen sich zur Chorprobe am Montag, 25. Januar, um 20 Uhr im Gemeindesaal der evangelischen Kreuzgemeinde in der Jaspertstraße. Es werden noch am Gesang interessierte Frauen und Männer aufgenommen. Auskunft gibt Milli Schneider, Tel. 5 40 07 34. nd/03
Gesangverein "Frohsinn 1840" Heddernheim: Der gemischte Chor probt heute, Donnerstag, 21. Januar, 20 Uhr, im Saal des katholischen Pfarrgemeindehauses, Heddernheimer Landstraße 47. nd/03
Mit einem Maskenball eröffnen auch die Harheimer Kerbeburschen die närrische Saison. Auftakt ist am Samstag, den 23. Januar, im Harheimer Bürgerhaus, In den Schafgärten 21. Die Pforten sowie die Sektbar werden um 19 Uhr geöffnet. tin
Großdruck hilft allen, die trotz Brille ein größeres Schriftbild brauchen. Der Caritasverband hat für seine Liste "Großdruckbücher 1993" wieder etwa 130 Bücher ausgewählt: überwiegend Erzählendes und Heiteres, aber auch Sachbücher. Die Liste kann kostenlos angefordert werden bei der Caritas-Korrespondenz, Postfach 420, 7800 Freiburg. di/03
MÜHLHEIM. "Die Mühlheimer Großparteien haben die neue Konkurrenz aus eigenem Fleisch und Blut selbst heraufbeschworen und sich redlich verdient", meint der Grünen-Fraktionssprecher Hans-Georg Klauer zur Gründung der Wählergemeinschaft "Bürger für Mühlheim". Zu undurchlässig sei der SPD- Kordon gegen neues Gedankengut, zu profillos die lokale CDU in der Vergangenheit gewesen, stellt er fest.
Freilich, erfreut sind die Grünen über die neue Gruppierung nicht. Der Wähler/ die Wählerin müsse sich gut überlegen, ob er oder sie den Bock nicht zum Gärtner kürt, gibt er/sie ihr die Stimme, meint Klauer. Er vermutet nämlich, daß die Bürger für Mühlheim möglicherweise nur "kalten Kaffee in neuen Kannen kredenzen". Die neue Konkurrenz verspreche, mehr Demokratie zu wagen, den Etablierten Beine zu machen, und geißele starre absolute Mehrheiten. Doch dahinter stehe die alte Jagd nach verlorengegangenen Pöstchen, vermutet Klauer. "Die Spitzenkandidaten sind ja alte Parlamentslöwen." Klauer kritisiert in diesem Zusammenhang, daß SPD-Mitglieder, die jetzt die absolute Mehrheit verteufeln, früher ja selbst für deren Bestehen der Garant gewesen seien. Der Clou für ihn: "Ein mehrmals abgehalfteter CDU-Stadtrat ist sauer auf seine ehemaligen Parteifreunde, weil sie sich bei den Haushaltsberatungen nicht der SPD andienten, sondern mit denjenigen zusammentaten, deren Nähe er jetzt sucht." Damit bekommt auch Ottokar Frey sein Fett weg.
Mit dem Wort von der ideologiefreien Politik der "Bürger für Mühlheim" werde nur verdeckt, daß bei der Wählergemeinschaft weder Inhalte noch Programmatik vorhanden seien, meint Klauer. Und er fügt hinzu, bei so mancher Rechtspartei bestehe das Programm aus zwei Worten, bei den "Lämmerspieler Bürgern für Mühlheim" aber nur aus dem einen Wort "ideologiefrei". pmü
NIEDER-ERLENBACH. Die Frankfurter Sparkasse in Nieder-Erlenbach zieht um. Das neue Domizil liegt im Ortskern, Alt Erlenbach 37, und ist doppelt so groß wie die bisherigen Räume. Die Bürger sind am Montag, 25., und Dienstag, 26. Januar, jeweils 16.30 bis 19 Uhr, zu einer Besichtigung der neuen Geschäftsräume eingeladen. Geschäftsstellenleiter Engelbert Koch und seine Mitarbeiter halten Erfrischungen von Sekt bis Saft und etwas zum Knabbern bereit.
Das neue Geschäftslokal ist 250 Quadratmeter groß und mit modernster Technik ausgestattet. Die Kunden finden helle, großzügige Räume vor: Besonders viel Platz wurde für die Beratungszonen eingeplant, damit vertrauliche Gespräche ungestört geführt werden können. In der Nähe des Eingangs sind neben den Kassen und dem Informationsbereich auch die Briefschließfachanlage und der Kontoauszugsdrucker untergebracht.
Die Geschäftsstelle besitzt auch einen großen Tresorraum mit 500 diebstahlsicheren Stahlfächern - ganz im Zeichen eines verbesserten Service. Geschäftsstellenleiter Koch: "Wir haben unsere Kapazität erheblich erweitert und freuen uns, nun den hohen Anforderungen des modernen Bankgeschäfts noch besser gerecht zu werden." di
Das geplante Kinozentrum in der Nordweststadt wird nicht so umfangreich sein wie ursprünglich vorgesehen. Vertreter des Architektenbüros RKW stellten auf der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) das geänderte Konzept vor. Anstelle der vorgesehenen 14 soll das Gebäude nur zehn Kinos beherbergen. Die Zahl der Plätze soll von 3200 auf 2400 sinken. Mehr Qualität statt Quantität soll gelten. Dazu werden die Parkplätze ausgeweitet. In zwei Ebenen stehen dann insgesamt 593 Stellplätze zur Verfügung, 93 davon sind Frauen und Behinderten reserviert.
Baubeginn für das Kinocenter soll noch in diesem Sommer sein. Das Gebäude entsteht über dem Erich-Ollenhauer- Ring und der Rosa-Luxemburg-Straße. Ein Fußgängersteg führt nach Heddernheim, die Anbindung ans Nordwestzentrum ist ebenfalls gesichert. jot
Die Bedeutung des Frankfurter Flughafens als Drehkreuz des deutschen und internationalen Luftverkehrs steht nach Darstellung von Bundesverkehrsminister Günther Krause nicht in Frage. Damit reagierte der Minister auf Kritik der hessischen Landesregierung, des Frankfurter Oberbürgermeisters sowie der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) zu einem Bericht der Deutschen Presseagentur, wonach Krause beim Empfang der Deutschen Flugsicherung GmbH gefordert hatte, die "Monopolstellung" des Frankfurter Airports in Deutschland aufzubrechen.
In einer Erklärung des Ministeriums heißt es dazu, die wiedergegebenen Äußerungen seien Krause "in unzutreffender Weise zugeschrieben" worden.
Der Minister habe in Offenbach betont, die bessere Anbindung der deutschen Flughäfen an die Schiene, insbesondere an das Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn, sei zur Vermeidung von Kapazitätsengpässen unverzichtbar und auch "im Interesse eines verstärkten Wettbewerbs der Flughäfen untereinander". Zur Zeit hätten die Flughäfen in Deutschland "eine gewisse Monopolstellung vor allem hinsichtlich ihrer Gebühren".
Die Vorwürfe des hessischen Verkehrsministers und der Finanzministerin "entbehrten jeder sachlichen Grundlage". Im übrigen sei es die hessische Landesregierung, "die jedwede Entwicklung des Frankfurter Flughafens über den engen Flughafenzaun hinaus verhindert". gang
Tina Tabak ist eine junge, sehr lebhafte Frau. Aber nicht immer kann sie das unternehmen, was sie gern möchte. Vor zwei Jahren erkrankte sie nämlich schwer und sitzt seither im Rollstuhl. Hier kommt Tina selbst zu Wort: Ein Problem habe ich mit Kindern gemeinsam: Ich reiche nicht überall heran, weil ich, wenn ich im Rolli sitze, nicht so groß bin wie ein stehender Erwachsener. Ein anderes Problem sind die Türen. Manche gehen schwer auf. Andere sind für den Rolli zu schmal. Aber am schlimmsten sind die Stufen. Ich habe früher nie bemerkt, wieviel Stufen es in Berlin gibt. Zu Fuß kommt man überall hin, aber mit dem Rolli wird die Fahrt durch die Stadt zum Hindernisrennen. Mit ihm kann man kaum öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Ich kann beispielsweise nicht auf jeder beliebigen Station in die U-Bahn, da ich nun mal nicht die Rolltreppe benutzen kann, sondern den Fahrstuhl brauche. Und den gibt es nur in ganz wenigen Bahnhöfen. Bei den anderen öffentlichen Verkehrsmitteln sieht es ähnlich aus. Zwar gibt es inzwischen Busse, die so gebaut sind, daß ich mit dem Rolli direkt hineinfahren kann. Aber hauptsächlich fahren noch die anderen, und das bedeutet, daß ich zwei Stunden an der Haltestelle warten kann, bis vielleicht mal ein entsprechender Bus vorbeikommt.
Vor allem sollten Nichtbehinderte versuchen, uns zu verstehen und keine Angst vor uns haben. Als Kind habe ich auf dem Land gelebt. Rollstuhlfahrer gab es dort nicht. Ich war immer ziemlich wild, habe herumgetobt und konnte mir nie vorstellen, wie es ist, wenn man nicht laufen kann. Kürzlich sagte ein Mann zu mir: "Du hast doch einen Rollstuhl, also bist du mobil." Aber vier Räder können nie zwei Beine ersetzen.
Wenn ich heute durch die Stadt rolle, fragen mich oft Leute, ob sie mir helfen sollen. Das ist natürlich nett gemeint, aber ich brauche niemanden, der mich die Straße entlangschiebt. Ich will kein Mitleid für meine jetzige Lage, sondern ich brauche Leute, die mich so nehmen, wie ich bin, und die mit mir um jede, noch so kleine Verbesserung kämpfen. Es gibt so viele Dinge, die ich kann, auch wenn ich im Rolli sitze. (Entnommen aus: Sam Solidam, Nr. 24/ März '92).
Alte Sachsenhäuser verfolgen mit Wehmut das Verschwinden vieler Läden im Stadtteil Stammtisch sorgt sich um "Schweizer" Mieten ziehen kräftig an Von unserem Redaktionsmitglied Matthias Bartsch
"Es fing damit an", sagt Lilli Staubach, eine der Seelen am Stammtisch der alten Sachsenhäuser, "daß der Hühsam seinen Laden zumachen mußte." Das war vor zwölf Jahren. Dem Gemischtwarenhändler an der Ecke Schweizer/Kaulbachstraße, bei dem es keine Selbstbedienung gab, sondern von Hand abgepackte und über die Theke gereichte Ware, war die Monatsmiete von 1200 auf 2800 Mark erhöht worden. "Früher gab es einmal acht oder neun kleine Lebensmittelläden im Viertel", sagt Heinz Hühsam heute. "Aber die steigenden Mieten hat bei unseren kleinen Umsätzen keiner überlebt."
Ende 1984 kam dann die U-Bahn in den Frankfurter Süden. Die "Schweizer" war nur noch drei Minuten von der City entfernt, wurde zum "Boulevard" erklärt. Hier kaufte jetzt nicht mehr nur, wer etwas brauchte, sondern immer öfter auch, wer etwas auf sich hielt. Heute gibt es an der Straße neun Geschäfte für Schmuck, Design oder "eleganten Wohnbedarf", aber nur vier Metzger; 15 Boutiquen oder Modegeschäfte, aber nur zwei Gemüsehändler; sieben Banken, aber nur noch einen Zeitungskiosk.
"Wozu brauchen wir soviele Optiker und Parfümerien im Viertel, wenn man noch nicht einmal mehr Fisch kaufen kann?", fragt "Stammtischler" Heinz Schroeder. Die Firma Nordsee hatte ihre Filiale auf der "Schweizer" vergangenes Jahr nach einer Mieterhöhung von 5000 auf 10 000 Mark geschlossen. Zum 1. Januar hat jetzt auch noch der "Aldi" zugemacht. "Alte Leute müssen jetzt ziemlich weite Wege gehen in Sachsenhausen, wenn sie noch halbwegs billig einkaufen wollen", sagt Lilli Staubach.
Der Trend zum schnellen Geld sei es, der die Straße verändere, so wie er die ganze Welt verändere, meint Rigobert Hanauske, den alle nur "Rigo" nennen, und dessen Apfelwein die Stammtischler, nicht nur aus Mangel an anderen Plätzen, regelmäßig anzieht. Der Wirt vom "Gemalten Haus" kann viele Geschichten erzählen über "alte Hausbesitzer, die mit dem Viertel eng verbunden waren". Denen sei es nicht um Bereicherung gegangen, "sondern um ein gutes Zusammenleben mit ihren Mietern". Aber sobald dann irgendwann eine Erbengemeinschaft anrücke und das Haus zu Geld machen wolle, sei der Verdrängungsprozeß unwiderruflich in Gang gesetzt. "Das Haus da drüben wurde gerade für ein paar Millionen verkauft", sagt Hanauske und zeigt über die Straße. "Da will der neue Besitzer natürlich so schnell wie's geht Rendite machen."
Es ist zwar nicht sicher, ob nach wie vor täglich 800 Liter Apfelwein im Ge- (Fortsetzung auf Seite 18)
Bloß weil ich krank bin und viele Anfälle bekomme, lachen mich die Kinder aus. Ich habe Angst, irgendein Wort zu sagen, weil sie das alles lustig finden. Andere Schulkameraden wollen mir helfen und sagen: "Du lache bitte nicht darüber, diese Krankheit ist sehr schlimm. Sie muß viele Tabletten schlucken." Wenn ich nun in den Bus komme, sagen sie: "Da ist die Tablettenschluckerin!" Ich bekomme Angst und weine. Meine Schulkameraden sagen: "Bitte weine nicht, sie wissen nicht, was sie da machen." Ich weiß, mein Herz ist gebrochen, ich weiß nicht, ob ich überhaupt noch Freunde habe.
Es fing im neunten Lebensjahr an, wo es so schlimm wurde. Einmal war ich sogar in dem Kinderkrankenhaus, wo ich Geburtstag hatte. Da waren Schwestern, die in mein Zimmer kamen, sie waren zu meinem Geburtstag gekommen. Ich hatte mich zu viel aufgeregt, eine Schwester rief den Arzt, weil ich keine Luft bekam. Ich war blau, und das war ein großer Anfall. Ich wußte nicht Bescheid, daß es so schlimm war, mein Leiden.
Ich bleibe lieber zu Hause in der Aufsicht meiner Mutter, die mich dann sofort anspricht und mich fragt, ob ich mich so müde fühle, sie sagte: "Bitte lege dich auf dein Bett und schlafe. Ich bin in der Nähe, wenn was ist." Eines Tages habe ich bis um sechs geschlafen, meine Mutter hatte Angst bekommen.
Was soll ich denn da machen? Denkt doch an die Krankheit, wenn ihr sie nicht habt, seid froh! Aber wenn ihr sie bekommt, ich sage, das ist eine Qual, die ihr dann habt. Ute Wagner, 16 Jahre
Daß das Wetter in ganz Europa zur Zeit rätselhafte Formen angenommen hat, bekommen Patienten und Ärzte gleichermaßen zu spüren: gestern noch Minusgrade, heute plötzlich Temperatursprünge in hohe Plusgrade. So etwas macht Herz, Kreislauf und Nerven schwer zu schaffen. Auch sonst gesunde und normalerweise kaum wetterfühlige Menschen ertragen es nicht mehr, wenn sich ihr Organismus auf den Winter mit Kälte eingestellt hat und kaum 48 Stunden später bei plus zwölf bis 19 Grad die Vögel wie im Frühling zwitschern. Offenkundig macht der Tierwelt das verrückte Wetter weniger aus als den Menschen.
Der Mensch ist jedoch in seinem Langzeit-Biorhythmus derzeit noch ganz auf Winter eingestellt. Wie soll der Körper jetzt reagieren, wenn beispielsweise Mitte Januar in Prag plus 17 Grad und in München sogar plus 18,9 Grad gemessen wurden? Auch in Hamburg und Berlin ist es kaum kälter als in Paris. Sturmtiefs mit Orkanböen von 160 Stundenkilometern, wolkenbruchartige Niederschläge und Dauerregen, die zu sintflutartigen Überschwemmungen führen, lösen Hochdruckgebiete in fliegendem Wechsel ab. Gebeutelt wird so zwischen Hoch und Tief der Mensch und fühlt sich völlig zerschlagen.
Kein Wunder, daß auch in deutschen Städten mehr Herz- und Kreislaufpatienten als jemals als akute Notfälle in die Krankenhäuser eingeliefert werden müssen. Mit erheblichen Befindensstörungen reagieren auf die meteorologischen Reize vor allem Patienten mit zu niedrigem Blutdruck (Hypotonie). Das vom Willen nicht beeinflußbare vegetative Nervensystem wehrt sich gegen die Luftdruck- und Temperaturschwankungen, die innerhalb von 24 Stunden bis zu 35 Grad betragen haben, mit Kopfschmerzen, Migräne, Schwindel, Übelkeit, Schlaf- und Verdauungsstörungen. Viele Menschen bekommen nur noch schwer Luft, können das sonst gewohnte Treppensteigen kaum bewältigen, wälzen sich nachts schweißgebadet im Bett und bekommen auch tagsüber Herzrythmusstörungen. Hinzu kommen ungewohnte Reizbarkeit, mangelnde Konzentrationsfähigkeit, Tagesmüdigkeit und insgesamt geringere Belastbarkeit sowohl im seelisch- nervlichen als auch im körperlichen Bereich - selbst bei Menschen, die sonst die Harmonie in Person sind.
Oft meinen auch chronisch Kranke erhebliche gesundheitliche Verschlechterung zu spüren: Neuralgiker, Rheumatiker und Gichtleidende empfinden das Wetter schmerzhaft in Nerven, Knochen und Gelenken. Depressive wollen gar am Leben verzagen.
Erfahrene Ärzte und Klimaforscher können indessen alle Betroffenen beruhigen: der Organismus spielt lediglich verrückt wie das Wetter. Alle Mißempfindungen verschwinden, sobald sich das Wetter wieder stabilisiert hat. Erfahrungsgemäß bleiben von extremer Wetterfühligkeit auch keinerlei Gesundheitsschäden zurück. Die Gefäß- und Nervenspannung normalisiert sich, wenn die atlantischen Tiefdruckgebiete (Zyklonen) und die Hoch-Phasen des Biowetters zur Ruhe kommen. Das dürfte schon sehr bald der Fall sein, denn Langzeitbeobachtungen der Metereologen zeigen, daß die stürmische und regnerische Witterung im Verlauf des Januars in beständiges trockenes Frostwetter übergeht, das oft den ganzen Februar anhält und im allgemeinen die tiefsten Temperaturen des Winters bringt. Dann kann sich der wetterfühlige Mensch gesundheitlich wieder erholen.
Bis dahin helfen am besten bewährte Hausmittel gegen den körperlich- seelischen Wetterstreß: heiß-kalte Wechselduschen, nach Rat des Arztes regelmäßige Saunabesuche, Spazierengehen oder Radfahren an der frischen Luft. Auch leichte Haus- oder Gartenarbeit helfen dem Kreislauf wieder auf die Sprünge. Oft tun Herz- Kreislauftropfen aus der Apotheke ebenfalls ihre Wirkung. Ein bewährtes Mittel gegen Wetterfühligkeit ist übrigens der Melissengeist. Die Rezeptur, die neben den ätherischen Ölen der beruhigenden Melisse auch Angelika- und Enzianwurzelextrakte, Schwarzen Pfeffer, Helenenkraut, Kardamom und Zimt enthält, harmonisiert das aufgewühlte vegetative Nervensystem und diejenigen Organfunktionen, die direkt oder indirekt davon beeinflußt werden. Bei bestimmungsgemäßen Gebrauch ein bis drei Teelöffel Melissengeist in einem Glas Wasser oder auf ein Zuckerstück einige Tropfen geträufelt - schadet der Alkoholgehalt dieser Zubereitung nicht. Auf hochprozentigen Alkohol sollte man bei Wetterfühligkeit indessen ebenso verzichten wie auf übermäßiges Essen. Leichte und fettarme Mahlzeiten mit viel frischem Obst und Gemüse erleichtern es dem Körper, mit dem Wetterstreß besser fertigzuwerden.
Dr. med. HANNS H. WENK
WUPPERTAL. Als der schwedische Komponist Allan Pettersson im Juni 1980 nach jahrzehntelanger Krankheit starb, hatte er - soviel war bekannt - neben Kammermusik und Liedern zwei Violinkonzerte, drei Konzerte für Streichorchester und nicht weniger als 16 Symphonien von teilweise gewaltigen Ausmaßen hinterlassen. Von der ersten Symphonie wußte man, daß er einer Aufführung zu Lebzeiten stets ablehnend gegenüberstand; sie mußte also in seinem Nachlaß zu finden sein.
Peter Ruzicka, selbst Komponist, als Musikmanager jedoch einer der vehementesten Vorreiter für Petterssons Schaffen außerhalb Schwedens, entdeckte bei Nachforschungen in der damals noch von der Witwe bewohnten Stockholmer Wohnung ein umfangreiches Konvolut an Skizzen und Manuskripten - darunter auch, in gleich zwei nicht vollendeten Fassungen, die Partitur der 1. Symphonie. Und er fand weiteres: das wohl im letzten Lebensjahr vollendete Bratschenkonzert, das vor einigen Jahren in Berlin uraufgeführt wurde, sowie - als Sensation - ein dreißig Seiten umfassendes Fragment einer 17. Symphonie, von deren Existenz nicht einmal Gudrun Pettersson wußte. Peter Gülke, neben Ruzicka einer der umtriebigsten Pettersson- Propheten, hat nun dieses Fragment in einem Werkstatt- (= Moderations-)Konzert in Wuppertal zur Uraufführung gebracht.
Selbstverständlich kann ein knapp zehnminütiges, offensichtlich noch nicht im Bestehenden voll ausgearbeitetes Fragment die Ausdrucksintensität der fertiggestellten Symphonien nur bedingt erreichen; aber Arbeitsweisen des Komponisten verdeutlicht es sehr wohl: allem Anschein nach hat Pettersson linear fortschreitend gedacht - ausgearbeitete Passagen des gesamten Orchesters sind in der Partitur der 17. Symphonie eher die Ausnahme; zu beobachten ist vielmehr ein Wechsel der Instrumentengruppen, die melodische und harmonische Verläufe fortsetzen oder fortspinnen.
Die überwiegende Farbe auf dem Notenpapier ist weiß, in zu vermutenden späteren Arbeitsgängen dürfte die Textur an Dichte zugenommen haben, dürfte auch das in den vorangegangenen Werken teilweise außergewöhnlich dichte Schlagwerk, das hier vollkommen fehlt, nachgetragen worden sein. Am Ende, das kein Ende ist, aber einen vom Tod bestimmten Schlußpunkt unter ein bemerkenswertes Schaffen setzt, tröpfelt die Floskel einer Soloflöte nach einem letzten Steigerungsversuch des Orchesters aus. Ein Zwang ins Schweigen hinein, das im Hörer jene selten gewordene Resonanz der ergreifenden Anklänge musikalischer Größe erzwingt, wie sie eigentlich für die (tatsächlichen) Schlüsse der Pettersson-Symphonien so typisch ist.
Peter Gülke nennt diese 17. Symphonie eine "tief ergreifende Musik", die Ausdruck sei "eines Menschen, der auf unvergleichliche Weise ausschließlich in Musik lebte und jede Note als persönliches Bekenntnis beglaubigte". Dieser Akt der ,Beglaubigung&rquote;, der auschließlichen Absegnung dessen, was ein falsches Wort passend als ,richtig&rquote; bezeichnen würde, scheint auch durch dieses Fragment hindurch, gläserner vielleicht, transparenter, insgesamt noch klarer, als in den tatsächlich vollendeten Symphonien.
Diese Transparenz greift auch Peter Ruzicka in " . . . das Gesegnete, das Verfluchte . . . " auf; eine Hommage à Pettersson nicht nur durch die Zitate oder Zitatanklänge (übrigens auch aus der 17. Symphonie), die Kraft des Assoziativen, sondern schon im Titel, der sich auf die meiststrapazierte Pettersson-Aussage bezieht: "Mein Material ist mein eigenes Leben, das gesegnete, das verfluchte." Schon seit einigen Jahren verweigert sich Ruzicka in seiner Musik der Illusion, ein Neubeginn des Komponierens allgemein sei noch möglich. Beinahe fernab schon von Reaktion und ,Avantgarde&rquote; ist er ein Traditionalist ganz eigenen Zuschnitts, für den das vorhandene - bereits komponierte - Material zur Grundlage von Reflexion und Meditation wird.
In seinem neuen Orchesterwerk, vor zwei Monaten unter Semyon Bychkow in München uraufgeführt, bemüht er sich (erfolgreich) in vier Abschnitten um die Verdichtung des Augenblicks, des Sekundenbruchteils, den er (in diesem Falle in Petterssons Schaffen) vorfindet und zur Größe transformiert. Mithin ist Ruzickas Kompositionsweise die nachgerade perfekte Deutung des jeweils von ihm ,benutzten&rquote; Komponisten, Interpretation jenseits der Worte, Klangrede von bestürzender Eindringlichkeit, die von den Wuppertaler Symphonikern unter Peter Gülke mit bei Neuer Musik seltener Einfühlsamkeit umgesetzt wurde. Ein großes Werk an sich schon, zusammen mit dem Fragment der 17. Pettersson-Symphonie eine expressive Einheit.
ANDREAS K. W. MEYER
"Welchen Beruf üben Sie denn aus?" fragt der Steuerbeamte einen Besucher. "Ich bin Tierstimmenimitator." "Und was für Tiere imitieren Sie?" "Nun, ich mache zum Beispiel das Bellen eines Hundes nach." "In diesem Fall, mein Herr, müssen
wir uns überlegen, ob Sie nicht auch noch zur Hundesteuer herangezogen werden müssen."
Also, ich lese ja auch, nä, wenn ich im Flieger so hin- und herjette, nä, und das mach ich ja oft. Vor allem, wenn ich auch Bilder dann anschauen kann dabei, nä. Das finde ich schon gut. Deshalb, nä, finde ich dieses Buch auch gut und deshalb ist es auch ein schönes Geschenk für alle Tennisprofis insgesamt. Und dann freu ich mich schon so wie auf dem Bild da, auch wenn alle sagen, daß mit mir kopfmäßig nix los ist, weil, ich lese schon im Flugzeug. Ab und zu. Vor allem, wenn ich unterwegs bin.
"Herr im Himmel! Kannst du dich schon wieder nicht entscheiden, welches Bein du heben sollst?
(Aus "Alles wird gut!" Von Sebastian Krüger/Kassandra, erschienen im Semmel Verlach)
Der Landeswettbewerbsausschuß der Architektenkammer Hessen unterstützt die Kritik des Bundes Deutscher Architekten Frankfurt, wonach der Magistrat bei bedeutenden städtebaulichen Vorhaben immer häufiger auf die Auslobung offener Architektenwettbewerbe verzichte und sich statt dessen mit Investoren- und Gutachterwettbewerben zufriedengebe.
Dies sei nicht nur der Wettbewerbskultur abträgig, sondern auch ein klarer Verstoß gegen die 1977 vom Bundesbauministerium eingeführten "Grundsätze und Richtlinien für Wettbewerbe". Allein die GRW 77 biete die Gewähr, daß "in einem fairen, demokratischen Verfahren alternative Lösungsvorschläge für wichtige und bedeutende Planungsaufgaben gefunden werden".
Die Praxis jedoch zeige, so die Architektenkammer, daß bei den sogenannten "Investoren- und Gutachterwettbewerben" die "optimale Vermarktung und Ausnutzung oberstes Ziel ist und nicht die bestmögliche Lösung der Bauaufgabe" gang
SCHMITTEN. Soll die Krankenpflegestation des Schwesternhauses in Niederreifenberg erweitert werden? Mit diesem Thema werden sich die Gemeindevertreter in ihrer Sitzung am 3. Februar beschäftigen. Die Freie Wählergemeinschaft (FWG) stellte einen Prüfantrag.
Da die Krankenpflegestation in Oberreifenberg Ende vergangenen Jahres von seiten des kirchlichen Trägers geschlossen wurde, ist es nach Ansicht der FWG erforderlich, die Niederreifenberger Pflegestation zu erweitern. Dadurch soll auch in Zukunft das Angebot an Pflegeplätzen für die älteren und pflegebedürftigen Menschen in Schmitten verbessert werden. Außerdem seien auch zusätzliche Räume für den Krankenpflegedienst notwendig. Die Prüfung der Finanzierung für das Projekt soll nach Vorschlag der FWG auch die Möglichkeit einer Beteiligung des Landes und der kirchlichen Träger beinhalten. cn
Briefe an die Redaktion
"Eltern befürchten Einschränkungen" Der Elternbeirat der Kindertagesstätte Gravenbruch hat die Stadt Dreieich wegen der "miserablen Personalsituation" in der Kita kritisiert (FR vom 15. Januar).
Die eh schon miserable Personalsituation verschlechtert sich noch - diese Einschätzung trifft meiner Meinung nach für die Gesamtsituation in der Stadt zu. Denn warum sollte unsere Gemeinde vom allgegenwärtigen ErzieherInnen-Notstand verschont bleiben? Solange die Stadt nicht mit materiellen Anreizen für ErzieherInnen reagiert (bessere Entlohnung, Zulagen, Bereitstellung von Wohnraum; der Stadtelternbeirat hat erst im letzten Jahr eine Liste mit Anregungen aufgestellt und der Stadt überreicht) sind die nächsten "Personal-Katastrophen" programmiert.
Beispiel Kita Erich Kästner Straße: Ab Mitte dieses Jahres fehlen dort vier von acht Erzieherinnen. Pädagogische Arbeit ist dann überhaupt nicht mehr möglich, auch die Schließung von Gruppen und die Einschränkung der Betreuungszeit wird von den Eltern befürchtet. Die Stadt hat den Eltern bereits schriftlich mitgeteilt, daß "erhebliche Einschränkungen" bevorstehen für den Fall, daß kein Ersatz gefunden wird. Das ist leider kaum zu erwarten, wenn die Stadt nicht bereit ist, ein bißchen mehr für eine gute pädagogische Betreuung ihrer Kinder zu investieren. "Aktion kindgerechte Stadt" heißt das Motto, unter dem Dreieich kindgerechter und kinderfreundlicher gemacht werden soll - in Sachen ErzieherInnen- Situation könnte sofort ein wichtiger Anfang gemacht werden. Mathias Trümmer-Friese Dreieich Mitglied des Elternbeirates Kita Erich Kästner Straße
Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.
Der Beitritt Offenbachs zum FVV und damit die Einführung eines gemeinsamen Fahrscheins auf allen Bussen und Bahnen des Verkehrsverbundes sowie der Offenbacher Verkehrsbetriebs-Gesellschaft (OVG) wird frühestens im Mai oder Juni erfolgen. Diese Einschätzung vertrat der OVG-Geschäftsführer Boris Hammerich nach einer Unterredung mit der FVV-Geschäftsführung. In der Zusammenkunft hatte Hammerich seine grundsätzliche Bereitschaft zur Integration in den FVV erklärt, daran jedoch zahlreiche Bedingungen geknüpft. So will der OVG-Geschäfstführer zuvor verbindliche Zusagen des Landes Hessen sowie des FVV über alle "ausgabenrelevante Entscheidungen".
Der Offenbacher Hammerich fürchtet "aufgrund unserer einschlägigen Erfahrungen vom FVV über den Tisch gezogen zu werden". Während für den heutigen Montag ein erneutes Gespräch zwischen der FVV-Spitze und den Verkehrsbetrieben der Nachbarkommune angesetzt ist, hat sich Frankfurts Oberbürgermeister Andreas von Schoeler in seiner Eigenschaft als FVV-Ratsvorsitzender in den Streit zwischen Offenbach und FVV eingeschaltet.
In einem Schreiben an seinen Kollegen Wolfgang Reuter bat das Frankfurter Stadtoberhaupt um eine "klarstellende Antwort", um die "durch die Äußerungen des OVG-Geschäftsführers entstandenen Irritationen zu beseitigen". Grund: Während auf der politischen Ebene zwischen dem Offenbacher und Frankfurter Magistrat der Beitritt zum FVV unstrittig schien und in Frankfurt für die feierliche Vertragsunterzeichnung gar schon der Magistratssitzungssaal für den 21. Dezember reserviert worden war, sorgte Ende Dezember OVG-Geschäftsführer Boris Hammerich für ein "mittleres Erdbeben": Während der Bilanzpressekonferenz erklärte der Sozialdemokrat, aus Kostengründen lehne er einen Beitritt zum jetzigen Zeitpunkt ab. Der FVV sei zu teuer, Offenbach mit seinem guten Kostendekkungsgrad müsse dann zur Subventionierung des FVV beitragen.
Was im FVV dabei maßlosen Ärger auslöste: Das Land Hessen hatte Offenbach zugesichert, die Differenz zwischen den später teuren FVV-Fahrscheinen und den bislang noch billigeren Offenbacher Tickets zu bezahlen, so daß auf Offenbachs Bürger zumindest für 1993 keine zusätzliche Belastung zugekommen wäre; 1994 hätten die Offenbacher dann zwei Mark für die Monatskarte mehr bezahlen müssen. Und: Hammerich verschwieg auch, daß er selbst mit einer zehnköpfigen Delegation bereits Ende Mai vergangenen Jahres den Vertragsentwurf für den Beitritt "Wort für Wort geprüft und akzeptiert" hatte, wie ein Beteiligter berichtet.
Das räumte der OVG-Geschäftsführer auch gegenüber der Frankfurter Rundschau ein. Allerdings, sagt Hammerich, habe der Vertrag nur die Rahmenbedingungen abgesteckt, finanzielle Details seien darin nicht geregelt gewesen; die sollten in mehreren Arbeitsgruppen geklärt werden. Die Themen dabei: Wieviel Geld kriegt Offenbach künftig für den Schülerverkehr, welche Automaten muß die OVG kaufen, wie teuer werden sie und wie hoch die Zuschüsse sein, welchen Anteil vom Fahrpreis kriegt Offenbach, wenn die Fahrt sowohl auf FVV-Gebiet als auch in Offenbach stattfindet? Bis heute allerdings sei eine Klärung nicht erfolgt und es liege kein einziger Abschlußbericht der Arbeitsgruppen vor.
Während das FVV-Management derlei Fragen als "nicht relevante Kleinigkeiten" gewertet habe, so Hammerich, "sind sie für uns von größter Bedeutung". Wenn die noch offenen Punkte in den nächsten Wochen geklärt würden, sei er zur Unterschrift bereit. "Realistisch betrachtet", sagte Hammerich, werde dies aber "nicht vor Mai, Juni" sein. gang
bho DRESDEN. Die alternative GLS- Gemeinschaftsbank in Bochum hat einen Fonds eingerichtet, mit dessen Geld acht kleine Wasserkraftwerke in der sächsischen Schweiz reaktiviert werden sollen. Die zum Teil über 50 Jahre alten Anlagen, deren Turbinen, Getriebe und Steuerungen erneuert werden müssen, sollen Strom produzieren und einen kleinen Beitrag dazu leisten, daß Sachsen seine Energie nicht ganz aus fossilen Brennstoffen bezieht. Der Wasserkraftfonds soll 1,4 des 1,6 Millionen Mark ausmachenden Investitionsbedarfs decken. Die Mindestanlage, so Gemeinschaftsbank- Vorstandsmitglied Thomas Jorberg, betrage 5000 Mark, die Laufzeit 15 Jahre. Er verspricht fünf bis sechs Prozent Rendite "bei vertretbarem Risiko".
Mit dem Geld soll etwa die Wasserkraftanlage Sebnitz im Elbsandsteingebirge wieder hergerichtet werden. Früher war die Wassermühle dazu benutzt worden, Strom für das örtliche Kino zu produzieren. Später wurde der Generator demontiert. Der neue Betreiber Andreas Schaake will mit der Anlage künftig 72 000 Kilowattstunden Strom erzeugen und ins öffentliche Netz einspeisen. Ähnliches hat Wolfgang Sauer vor: Er will die Felsenmühle im Kimmitzschtal wieder zum Leben erwecken. Die Anlage im Nationalpark Sächsische Schweiz war bereits im 18. Jahrhundert als Sägewerk genutzt worden. Zu DDR-Zeiten wurde sie verstaatlicht und später, wie die meisten der 3513 Wasserkraftwerke, die Sachsen 1929 hatte, zugunsten des Braunkohleverbrauchs dichtgemacht. Nach der Restaurierung soll die Anlage 216 000 Kilowattstunden pro Jahr ins Netz einspeisen.
Jörg Stenzel, Geschäftsführer der Firma Wasserkraft Sachsen, in der sich die künftigen Betreiber zusammengeschlossen haben, räumt ein, daß mit den Projekten nur ein geringer Beitrag zur sächsischen Energieerzeugung geleistet werde. Es gehe aber darum, die Kleinanlagen "ökologisch sinnvoll zu reaktivieren". In dem Wasserkraftfonds sei es möglich, Geld anzulegen und umweltfreundliche Formen der Energiegewinnung in Sachsen zu unterstützen. Der GKG-Wasserkraftfonds beteiligt sich ferner mit 900 000 Mark am Bau von Windkraftwerken in Zeeland in den Niederlanden. Im Dezember ist mit der Errichtung der acht 250-Kilowatt-Anlagen begonnen worden.
Die in den siebziger Jahren gegründete GLS-Gemeinschaftsbank erreichte im vergangenen Jahr ein Geschäftsvolumen von 110 Millionen Mark. Ziel der "Non- Profit-Einrichtung", so Geschäftsführer Jorberg, sei es vor allem, ökologische oder soziale Projekte wie Waldorfschulen oder Bioland-Höfe zu fördern.
Brian Eno ist ein Mann mit vielen Talenten. Er gilt als erfolgreicher Designer und überzeugter Kybernetiker. Nach jahrelangen Duftexperimenten kreierte er sein eigenes Parfüm. Eno hält Vorträge über Kulturphilosophie und seine Licht- und Videoinstallationen (eine neue wird Anfang 1993 in Hamburg zu sehen sein) werden in der Kunstszene sehr geschätzt. Mit einen unorthodoxen Methoden hat er sich als Produzent einen legendären Ruf erworben, denn Eno beeinflußte die betreuten Musiker auf Jahre hinaus: Robert Fripp, Jon Hassell, Harold Budd, David Bowie, U 2, Talking Heads. Um ihn als Musiker war es in den 80er Jahren recht still, bis er sich 1990, zusammen mit John Cale, mit der Parodie-CD "The wrong way up" in Erinnerung brachte.
Das vor kurzem erschienene Album "Nerve Net" ist die konsequente Fortführung jener Verbindung von Rockmusik und Avantgarde, die Eno 1977-78 unvermittelt abgebrochen hatte. Umwerfend Neues gibt es darauf zwar nicht, aber das Gewand der 90er Jahre fasziniert ungeheuer. "Nerve Net" ist laut, heftig, sogar tanzbar und belehrt all jene eines Besseren, die Eno in die - ihm übrigens verhaßte - New Age-Ecke stellten. Der 44jährige hat für "Nerve Net" seinen ethnischen Ideen, die er schon lange vor der Ethno-Schwemme verwirklicht hatte, noch einmal zu neuem Leben verholfen. Treibende Rhythmen, funkige Bässe, schleifende Gitarren: "Fractal Zoom" rüttelt wach und geht sofort in die Beine. "Wire Shock" ist das stärkste Stück auf der CD und zieht sämtliche Register aus Enos Zusmmenarbeit mit David Byrne 1981. Hypnotische Percussion, präziser Bass, jaulende Keyboards und eine gewaltige, gnadenlose Bläserpassage. Minimalische Ambient-Gebilde fügen sich in kraftvollste Popmusik ein und geben dem Sound einen schwebenden Charakter. Unterstützt wurde er unter anderem von Robert Fripp, Jamie West-Oram (The Fixx). Den Mix ließ er in den guten Händen Markus Draws. Eno selbst vergleicht diese Einspielung gerne mit einer Paella: es sei von allem etwas drin. "Nerve Net" zeigt, daß Enos Talente für herkömmlichere Kompositionen nie verschwunden waren, sondern nur geschlummert haben. Trotzdem sollen die Freunde seiner Ambient-Arbeiten nicht darben. Auf "The Shutov Assembly" befinden sich Aufnahmen von 1985-1990. Der Titel ist eine Hommage an Shutov, einen Moskauer Maler, der sich gerne von Enos unveröffentlichten Tapes bei der Arbeit inspirieren läßt. "The Shutov Assembly" bietet zarte, leise Klanggebilde, die sich gewohnt langsam entwickeln. Wie alle Ambient-Arbeiten wirkt die Musik beruhigend und alarmierend zugleich. Natürlich ließe sich dieses Album als Hintergrundmusik abtun, aber die atmosphärischen Töne sind trügerisch. Eno benutzt hohe Frequenzen, die an Insekten erinnern sollen. Surrende insektenartige Geräusche habe nach Eno etwas "Drängendes, Ruheloses, Forderndes an sich" und die Plattenfirma versteigt sich zu der Behauptung: "So dienen ENO diese Töne dazu, seine Gefühle hörbar zu machen."
Wer sich also für Enos tiefere Gefühle interessiert, muß schon über Fledermausohren verfügen. Eno sieht zwischen "Nerve net" und "The Shutov Assembly" eine engen Zusammenhang. "Sie sind für mich aufeinander bezogen wie zwei Seiten einer Münze, spiegeln ein ähnliches Gefühl auf unterschiedlicher Weise." Beide Platten beziehen sich auf das Leben einer Stadt. "Shutov Assembly" sieht die Stadt von außen, als ferne Geräuschkulisse und bei "Nerve Net" steht der Hörer mitten im lärmenden Treiben einer Metropole. Es gehe, so Eno weiter, um die Verschmelzung von Landschaft, Urbanität und Klängen. Auch der Shinto-Buddhismus spiele dabei eine Rolle. Inwiefern das der Hörer nachvollziehen kann, bleibt fraglich. "The Shutov Assembly" - ob mit oder ohne terraphilosophischem Hintergrund birgt Qualitäten, die schon auf anderen Eno-Ambient Platten zur Genüge verarbeitet worden sind.
Überraschend eigenständig sind die Stücke von Brians Bruder Roger Eno. Roger kommt von der Klassik und hat sich bereits mit zwei Alben ("Voices", "Between tides") einen Namen als anspruchsvoller Komponist nachdenklich-verspielter Melodien gemacht. Vor einem Jahr lernte er Kate St. John (vocals, oboe) von der The Dream Academy kennen. "The Familiar" bietet 13 "Kompositionen" die Rogers klassische Arrangements und Kates Pop- und Folkeinflüsse angenehm verbinden. Die Musik hat etwas Beschauliches und weckt Bilder, von denen man nicht genau weiß, was man von ihnen halten soll. Sie sind prächtig wie Postkarten mit viel Sonnenschein. Schön, bunt und unaufdringlich. Roger Eno und St. John gehen dabei haarscharf am Kitsch vorbei. Das ist besonders auffällig, wenn Kate mehr piepst als singt. Sie hat ja auch bei dem unsäglichen Album Virginia Astleys mitgewirkt, deren Stimmumfang mit dem Wort "hauchzart" bestens beschrieben ist. Als Produzent wurde für "The Familiar" Bill Nelson gewonnen, der als Musiker schon lange nichts mehr Bemerkenswertes abgeliefert hat, sondern sich als Produzent und Gelegenheitsgast auf fremden Alben durchs Leben hangelt. "The Familiar" ist "nett" wie ein Sonntag mit Kaffee, Kuchen und Blick auf einen See mit Schwänen.
THOMAS FEIBEL Brian Eno: Nerve Net; WEA 9362-45033-2
Brian Eno: The Shutov Assembly; WEA 936 245 010-2
Roger Eno with Kate St. John: The Familiar All Saints Record CD 13 (über Rough Trade).
Erfreulich breit und sachlich berichteten Sie in Ihrer Zeitung am 14. 1. 1993 über die Vorstellung des 9. Berichts zur Entwicklungspolitik der Bundesregierung durch Minister Carl-Dieter Spranger ("Entwicklungshilfe soll Wanderungsbewegung einschränken").
Um so unverständlicher ist der auf Seite drei unter der Überschrift "Schöner Schein" abgedruckte Kommentar. Die dort wiedergegebenen Bewertungen vermitteln den Eindruck, es werde kritisert um der Kritik willen.
Besonders ärgerlich ist jedoch die Feststellung, Bundesminister Spranger hätte 35 Millionen Mark für eine Diktatur in Malawi bewilligt. Richtig ist: Gemeinsam mit anderen Gebern hat die Bundesregierung in der Weltbank-Konsultativgruppe im Mai 1992 ein Moratorium für neue Entwicklungshilfezusagen an Malawi beschlossen.
Im Klartext: Solange es in Malawi keine Verbesserung der internen Rahmenbedingungen für Entwicklung, namentlich der Menschenrechte und der Demokratisierung geben wird, solange wird es keine neuen Entwicklungshilfezusagen geben.
In den internen Planungen des BMZ für das Jahr 1993 vorgesehene Mittel für Malawi werden selbstverständlich nur dann zur Verfügung gestellt, wenn sich die Verhältnisse in Malawi entsprechend geändert haben.
Wolfgang Kanera (Pressesprecher des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit), Bonn
Der aus Rheinland-Pfalz stammende, in Lateinamerika lebende Pianist Friedemann Kessler erhielt einst, lt. Beiheft, sein Rüstzeug bei "prominenten Vertretern der alten deutschen Klaviertradition" - Namen werden leider nicht genannt. In der Tat gehen Kesslers Zugriff gewisse (alt-)deutsche Attitüden nicht ab, bestimmte (Schwer-)Gewichtigkeiten, beständig auf der Suche nach "Tiefe" und "Dramatik". Indes muß der (verbissene) Ernst jenes "Wer immer strebend sich bemüht . . . " nicht zwangsläufig auch zur Erlösung führen: der Dualismus vorliegender Schubert/Liszt-CD beweist es. (In der schönen, vor einiger Zeit vorgestellten CD mit vierhändigen Klavierstücken war dergleichen nicht spürbar; eine gewisse Dominanz seiner Klavierpartnerin und Gattin Elena Camarena mochte dafür gesorgt haben. Die CD ist übrigens schon allein wegen der George-Onslow- Sonate nach wie vor empfehlenswert: Best.-Nr. SST 30219.)
Kesslers "Wanderer" trägt dagegen schon hörbar festes Schuhwerk. Bereits die Anfangstakte, breit und fast behäbig zugeschnitten, lassen das Kommende ahnen: kaum etwas jenes byronesk-heldischen Sturm und Drang ist geblieben, womit die auszukostende Spannungsbreite zum weltschmerzlichen Adagio von vornherein arg beschnitten wird. Wenn man Gelbers fulminante "Wanderer"- Adaption weiterhin als Richtschnur gelten läßt, so fragt man sich bei Kessler, warum die Entfaltungsmöglichkeiten so bewußt im "klassischen" Zaume gehalten werden. Sicher, es muß auch nicht unbedingt so exuberant zugehen wie jüngst bei Jewgenij Kissin (DGG 435 028-2), aber wenn man z. B. nur Kissins schwebend-filigranes Figurenwerk, das das "Wanderer"-Thema gegen Ende des Adagiosatzes im Diskant umrahmt, mit der eher unsensiblen Auffassung Kesslers vergleicht (auch die Presto-Arpeggien geraten eher schwerfällig), bedauert man dessen offenbar "programmatische" Zurückhaltung um so mehr.
Denn: in Liszt h-Moll-Sonate hört man den "anderen" Kessler, hier vollends und rechtens aufs pure Klavierereignis fixiert, ohne diese bemühten, instrumentenfremden Umdeutungen, die in der Wandererfantasie betrübten. Alles ist jetzt präsent, und zwar zwanglos und unkompliziert: die komplette Bandbreite pianistischer Brillanz, getragen von wohltuender solistischer Gelassenheit - wiederum "deutsch", aber im besten Sinne vollgriffig-selbstsicheren Sichverströmens. (Bemerkenswerterweise erblüht hier auch mühelos der Bösendorfer Imperial, der bei Schubert nicht recht "mitspielen" will!)
PETER FRIEDRICH PFAFFE
Friedemann Kessler, Klavier, spielt Schubert (Wandererfantasie) und Liszt (Sonate h-Moll); Sound-Star-Ton (D- W-3074 Steyerberg) SST 30221 (CD) bzw. SST 0221 (LP).
NIEDER-ESCHBACH. Ab Februar soll es auch in Nieder-Eschbach eine Kindergruppe des Jugend-Rotkreuzes geben. Noch sind die Organisatoren auf der Suche nach geeigneten Räumen. Denn beim DRK in der Max-Planck-Straße 6 "müssen nach den Gruppentreffen alle Spielsachen wieder weggeräumt werden", sagte Jugendgruppenleiter Dirk Zundel.
Das soll den Kindern allerdings erspart bleiben, will die DRK-Ortsgruppe den Kleinen doch einen Freiraum zum Austoben und Spielen ohne Grenzen einrichten. Sie sollen ihren Treffpunkt nach eigenen Vorstellungen gestalten können. Das Angebot an die Jungen und Mädchen umschreibt Zundel denn auch wie folgt: "Erlaubt ist, was Spaß macht."
Bereits im Dezember vergangenen Jahres bot das Jugend-Rotkreuz ein Weihnachts-Filmfestival an. Elf Kinder kamen zum kleinen Trickfilm-Spektakel. Sie alle stehen auch mittlerweile auf der Anmeldeliste für die Kindergruppe.
"Wir sind keine Konkurrenz für Kindergärten oder Sportvereine", versicherte der Jugendgruppenleiter. Die Kindergruppe trifft sich einmal wöchentlich am späten Nachmittag. Mitmachen kann jedes Kind im Alter von sechs bis zehn Jahren. Nähere Informationen gibt Dirk Zundel unter der Nummer 7 07 58 93. tin
Deutsche Frauen müssen zum Glück nicht mehr zwangsweise Kopftücher tragen. Durch Pfarrer Williges Aufruf (FR vom 13. 1. 1993 "Solidaritäts-Kopftuch") werden alle Frauen mit Hilfe des Kopftuches Freiwild für Skinheads und anderen Prügelknaben.
Ist das die Solidarität mit Musliminnen, die dieser evangelische Pfarrer aus Braunschweig meint? Es gibt wahrlich bessere Solidaritätsbekundungen, die Frauen nicht noch zusätzlichen Gefahren aussetzen.
Allerdings frage ich mich, wo bleibt die männliche Solidarität?
Ursula Kraus-Weber, Darmstadt
So begrüßenswert die Bemühungen der dänischen Regierung um Umwelt- und Klimaschutz auch sind, sie sind eher Not denn Tugend (FR vom 12. 1. 1993 "Die Dänen zeigen, wie der Energiekonsens aussehen kann"). Der Mythos vom "Energiewunderland" Dänemark ist offensichtlich nicht kleinzukriegen. Die Tatsachen sprechen allerdings eine andere Sprache. Die Dänen erzeugen ihren Strom zu über 90 Prozent in Kohlekraftwerken. Mit rund 900 g Kohlendioxid/kWh sind sie Spitzenreiter der Kohlendioxid-Emittenten in Europa.
Der Anteil kohlendioxidfreier Energieträger (Wind, Sonne, Wasser) an der Stromerzeugung beträgt etwa 0,5 Prozent. In Deutschland sind es einschließlich Kernenergie 36 Prozent. Der Anteil regenerativer Energieträger liegt mit etwa fünf Prozent deutlich über dänischem Niveau.
Auf Kernenergie zu verzichten ist einfach, wenn man wie Dänemark rund 35 Prozent der elektrischen Energie aus Norwegen und Schweden importiert, darunter Atomstrom. Das weiß wohl auch der Autor des Artikels, der daher wenig konkret über tatsächliche Erfolge, als vielmehr über Pläne und Absichten der dänischen Regierung berichtet. So führt die Darstellung den Leser in die Irre. Effiziente Energienutzung bzw. Erzeugung und Sparmaßnahmen sind sicher Gebote der Zeit, aber das Potential ist begrenzt und der Energieverbrauch wird insgesamt weiter, wenn auch geringfügig als früher, steigen. Zu glauben, man könne in Dänemark 20 Prozent, in Deutschland sogar 25 Prozent, Kohlendioxid in absehbarer Zeit ohne Kernenergie einsparen, ist eine Illusion. Dänemark stellt, betrachtet man nüchtern die Fakten, genaugenommen den Beweis dafür dar.
Die Energie- und Umweltprobleme werden nicht maßgeblich mit Windrädern und Sonnenkollektoren gelöst werden können. Von liebgewonnenen Mythen werden wir in Zukunft Abschied nehmen und zu einer sachlichen Diskussion zurückkehren müssen. Die Kernenergie wird dabei ihren Platz in der Zukunft haben - haben müssen.
Michael Brinkert (Deutsches Atomforum e. V./ Öffentlichkeitsarbeit), Bonn
spi DUISBURG. Der beantragte Vergleich der Klöckner-Werke in Duisburg hat jetzt gute Aussichten, verwirklicht zu werden. Vertreter von knapp 30 Banken sowie des Kölner Pensions-Sicherungsvereines setzten sich in einer Diskussionsrunde über vier Stunden lang mit den vom Vorstand vorgelegten und inzwischen präzisierten Vergleichsvorschlägen auseinander. Teilweise gab es wieder Kritik an einzelnen Aspekten. Beispielsweise wurde erneut der fehlende Beitrag der Aktionäre zur Rettung des nen Unternehmens beanstandet. Einen Beschluß haben die Bankiers bei ihrem Treffen jedoch noch nicht gefaßt. Zunächst wollen sie die übergebenen Bilanzen prüfen.
Grundsätzlich, so war im Klöckner- Haus nach der Sitzung aber zu hören, seien die Geldinstitute nun übereinstimmend bereit, einen Vergleich mitzutragen. Dies gelte auch für den Pensions-Sicherungsverein, der für rund 600 Millionen Mark geradestehen muß und damit der größte Einzelgläubiger ist.
Durch das Ergebnis der Sitzung scheint nun die Gefahr eines Anschlußkonkurses gebannt. Insgesamt geht es in dem Verfahren um Schulden in Höhe von rund 2,7 Milliarden Mark. Die nicht bevorrechtigten Gläubiger sollen auf 60 Prozent und die bevorrechtigten Banken auf 40 Prozent ihrer Forderungen verzichten.Elitärer Klüngel
Joachim Dyck beklagt als Träger "wahrer Bildung", daß an der heutigen Universität "autoritätsgläubige" junge Menschen ausgebildet werden, die dort ausgebildet werden wollen (FR vom 12. 1. 1993 "Lehre in Leichenstarre"). Dort könne man nur lernen, was in individueller Lektüre im romantischen Studierzimmer besser zu lernen ist.
Mit seiner Eloge auf eine antiquierte Universitätsschelte macht der Horkheimer-Adept in dankenswerter Weise deutlich, was die sich in Leichenstarre befindliche "Frankfurter Schule" ist und immer schon war: Ein weltfremder, elitärer Klüngel, der sich durch die Massenuniversität beim Weltverbessern gestört fühlt.
Otto Sundt, Braunschweig
Die im Artikel von Michael Emmrich (FR vom 8. 1. 1993 "Gentechnik - Sündenfall oder Chance?") erhobene Forderung nach einer gesellschaftlichen Legitimation für die Anwendung der Gentechnik möchte ich nachdrücklich unterstützen.
Hierzu müssen die Risiken gentechnischer Manipulationen ebenso wie die Frage nach dem Nutzen für die Gesellschaft offen diskutiert werden. Dies gilt insbesondere für gentechnologische Forschungsprojekte im Stadium des Freisetzungsversuchs. Derzeit liegen beim Bundesgesundheitsamt mehrere Anträge auf Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Kartoffeln und Rüben vor. Vor einer Genehmigung dieser Anträge müssen umfassende Prüfungen stattfinden, und es muß ein öffentliches Anhörungsverfahren durchgeführt werden.
Für das Anhörungsverfahren ist nach dem Gentechnikgesetz der Inhalt der Antragsunterlagen so darzustellen, daß Dritte beurteilen können, ob und in welchem Umfang sie von der Freisetzung betroffen werden können. Auch wenn sich durch solche Beteiligungsverfahren die Genehmigung einer Freisetzung möglicherweise verzögern kann: Transparenz und öffentliche Beteiligung sind unverzichtbare demokratische Grundsätze für den Umgang mit der Gentechnik.
Dr. Marliese Dobberthien (MdB), Bonn
Das Gesellschaftshaus im Zoo mit großem Saal, Empore, zahlreichen Nebenräumen und bildschöner Terrasse für laue Sommerabende gilt seit seinem Bestehen als das "Erste Bürgerhaus" Frankfurts. Hier fanden die "Bürgermaskenbälle" statt, hier schlug die Frankfurter Fassenacht mit der Inthronisierung des Prinzenpaares die höchsten Wogen: Ein Hauch vom 19. Jahrhundert strich durch die Räume. - Mit der Gastronomie aber stand es nicht immer zum besten.
Seitdem die erfolgreichen Betreiber der Alten Oper, die Gastronomie Nebrich, mit Volkhard Nebrich als geschäftsführendem Vorsitzenden und Andreas Eggenwirth als Geschäftsführer, sich der Zoo-Gastronomie angenommen haben, hegt man hier große Pläne, weht hier ein anderer Wind. Das ansprechende Äußere der neu gestalteten Räume, Billard in den Zimmern oben, die ihren eigenen Charakter haben und nicht als Abstellgleis gewertet sind, all das wurde bei einer kulinarisch ausgerichteten Welcome-Party vorgestellt.
Von April bis September spielt eine Revue im Großen Saal. Sie kommt aus dem Friedrichstadt-Palast in Berlin. Ein echter Biergarten ist geplant.
Zuerst ist aber die Fassenacht dran: Jetzt heißt es im Zoo-Gesellschaftssaal "Frankfurt Helau!" E-S
Der schwere Geruch von verkohltem Holz hängt noch deutlich in der Luft, doch den Verwaltern von Windsor Castle, dem Stammsitz der britischen Königsfamilie, lag viel daran, die Portale möglichst bald nach dem großen Brand wieder zugänglich zu machen. Schließlich trägt jeder Eintrittspenny zur Erhaltung und Restaurierung der königlichen Kunstschätze bei.
Für den reduzierten Eintrittspreis von umgerechnet 6,50 Mark (2,50 Pfund) dürfen Besucher nachempfinden, wie Königin Elizabeth wohl zumute war, als sie am 20. November den großen Feuerschaden in ihren eigenen vier Wänden in Augenschein nahm. Die Schloßverwaltung hat eigens große Sichtfenster in eines der für die Öffentlichkeit zugänglichen Staatsgemächer bauen lassen.
Dahinter türmen sich auf dem ehemals makellosen Parkett des großen Empfangssaals verkohlte Dachbalken, Scherben der drei einst imposanten Kronleuchter, Tapetenfetzen und Feuerlöscher in heillosem Durcheinander. An den Wänden sind die Überreste zweier meterhoher Spiegel, einige halbverbrannte Wappen und zwei schwarz gewordene Engel gerade noch zu erkennen, die Wandhalter für Kerzen hängen angekokelt und hitzeverbogen nach unten. Die Decke, einst im Rokokostil reich vergoldet, ist völlig eingestürzt, ein notdürftiges Dach aus Plastik hält den Regen ab.
Die Restaurateure sind auch acht Wochen nach dem Brand noch dabei, in Schutt und Asche nach Teilen der Kronleuchter oder der Wand- und Deckendekoration zu suchen. Sie wollen so viel wie möglich retten, um die Ausstattung des Raumes so originalgetreu wie möglich wiederherzustellen. Wie lange das dauert, vermag selbst der oberste Aufseher der königlichen Kunstsammlung, Sir Geoffrey de Bellaigue, nicht zu sagen, geschweige denn, die Kosten zu benennen. Von fünf Jahren ist die Rede, und Sir Geoffrey hält diese Schätzung nicht für unrealistisch.
Der Waterloo-Saal bietet "dank" des Feuers eine seit 50 Jahren nicht gesehene Attraktion. Als die Porträts am 20. November in Windeseile von den Wänden genommen wurden, kamen dahinter 16 bunte Sketche zum Vorschein. Der junge Maler Claude Whatham hatte sie 1944 als Theaterkulisse an die Wand gepinselt.
Königin Elizabeth und ihre Schwester Margaret hatten hier als junge Prinzessinnen geschauspielert und dem Hofstaat mit den Aufführungen zur Weihnachtszeit die Zeit vertrieben. Doch Maler Whatham hat nur wenig Zeit, um berühmt zu werden: Wenn die Luftfeuchtigkeit wieder stimmt, sollen die Porträts zurückgehängt werden.
Neben den üblichen Schloßführern gibt es in Windsor für 1,50 Pfund inzwischen auch eine Hochglanzbroschüre über den großen Brand. Das Schloß ist sieben Tage in der Woche zu besichtigen. CHRISTIANE OELRICH
In Ihrem Beitrag (FR vom 13. 1. 1993 "SPD-Ministerin pries Firma") werde ich zitiert. Was mich verwundert, ist der Zusammenhang, in dem dies geschieht. Dem Leser wird nämlich suggeriert, ich hätte mich werbend für ein privates Unternehmen ausgesprochen, wie dies Bundesbauministerin Schwaetzer vorgeworfen wird. Genau dies war nicht der Fall. Richtig ist: Bei der Einweihung einer neuen Wohnanlage der Firma Bast-Bau, eines bekannten nordrhein-westfälischen Wohnungsunternehmens, habe ich sinngemäß folgendes gesagt:
Es ist zu begrüßen, daß ein privater Investor durch den Bau neuer Mietwohnungen einen Beitrag zur Überwindung der Wohnungsnot leistet. Dies ist ein Beweis, daß freifinanzierter Mietwohnungsbau möglich und rentabel ist, wenn er professionell betrieben wird.
Das Beispiel Bast widerlegt das oft zu hörende Vorurteil, privater Mietwohnungsbau lohne sich nicht, weil angeblich das Mietrecht investorenfeindlich ist.
Dies würde ich über jeden Investor sagen, der neue Wohnungen baut, ob Versicherungsgesellschaft, Wohnungsunternehmen oder privater Bauherr. Denn jede neue Wohnung gibt einem Wohnungssuchenden ein Dach über dem Kopf und trägt zur Entspannung am Wohnungsmarkt bei. Solches Tun verdient Beifall und Ermunterung. Soweit ich sehe, hat auch NRW-Bauministerin Ilse Brusis nichts anderes getan. Es wäre eine Verdrehung der Tatsachen, daraus Werbung für ein bestimmtes Unternehmen oder gar eine geschäftliche Empfehlung zu konstruieren, sich dieses Unternehmens zu bedienen.
Meinen von Ihnen zitierten Wunsch, es müsse "300 Basts geben", will ich sogar noch erweitern: Wir brauchen 500 Basts, die jeder 1000 Mietwohnungen im Jahr bauen, dann müßten wir uns keine Sorgen um die Baukonjuktur machen und die Wohnungsnot könnte wesentlich rascher überwunden werden.
Helmut Schlich (Direktor des deutschen Mieterbundes), Köln
Elektrolyrik Zeitschriftenrundschau · Von Michael Buselmeier
Dabei gibt sich Sinn und Form eher wertkonservativ, während die Neue Deutsche Literatur noch immer dem versäumten "dritten Weg" nachzutrauern scheint. Vielen Essays und Kritiken fehlt es an Streitlust. Literarische Maßstäbe, überraschende ästhetische Konzepte, durch die sich etwa die manuskripte oder Norbert Wehrs Schreibheft profilieren, sind derzeit weder bei Sinn und Form noch bei der ndl auszumachen.
Der 1953 gegründeten ndl sollte kürzlich vom neuen Aufbau-Verlagsboß, dem Ex-Maoisten und Immobilienhändler Lunkewitz, der Garaus gemacht werden. Doch konnten ein gesamtdeutscher Autorenprotest und die Bereitschaft der Literaturfonds, Geld zuzuschießen, das bei Schriftstellern beliebte Monatsorgan erst einmal retten. Allerdings wurde bei dieser Gelegenheit der bisherige Chefredakteur Werner Liersch ausgebootet. Von ursprünglich sieben Redakteuren sind noch zwei vorhanden: Christian Löser ("ehrenamtlich") und Achim Roscher; eine Sekretärin gibt es nicht mehr. Allein der Arbeitsaufwand dürfte bewirken, daß die Zeitschrift ab 1994 nur noch alle zwei Monate erscheint.
Das reich instrumentierte Dezemberheft war voreilig als Abschiedsnummer konzipiert worden. Noch einmal wollte man die moralisierenden Paten Hand in Hand auftreten lassen: Grass und Walser, Christa Wolf und Hans Mayer, Stefan Heym und Adolf Muschg. Im Editorial tremoliert Werner Liersch, der von seiner bevorstehenden Kündigung noch nichts ahnt, über die "besondere Obhutspflicht der Literatur" und über die Bedeutung der ndl für den "intellektuellen Selbstfindungsprozeß der Nation"; sie leiste nämlich "einen anerkannten Beitrag zur Überwindung der Kulturspaltung".
Die Literatur bedarf solch qualliger Rechtfertigungsrhetorik nicht. Gute Texte, mit Geschick komponiert, sprechen für sich. Etwa die sprachgewaltige Erzählung, in welcher Wolfgang Hilbig von seiner Arbeit an den Öfen, dem apokalyptisch inszenierten Verbrennen von Parteibroschüren berichtet. Oder ein November-Gedicht von Wulf Kirsten, Hans Mayers spannende Geschichte der Entstehung seiner DDR-Erinnerungen Der Turm von Babel, Reinhard Lettaus virtuos formalisierter Romanauszug, surreale Gedichte von Friederike Mayröcker und Hans Thill. Eröffnet wird das ndl- Heft von drei Radierungen und einem Gedicht, womit Günter Grass die Dämonisierung der "Treuhand" vorantreibt. Da streuen die Hände des idealen Gesamtkapitalisten tote Fliegen übers Land, vom Autor kummervoll betrachtet: "In diesem Sommer ohne Erbarmen, / Sommer, der zuschlägt, fallen sie von den Wänden. . ."
Am Ende schildert Dieter Schlenstedt die heftige Resonanz, die Volker Brauns Zwölfzeiler Das Eigentum von 1990 erfahren hat, ein das Publikum spaltender Schlüsseltext, zugleich aber, was wichtiger ist, ein starkes Gedicht: "Da bin ich noch: mein Land geht in den Westen. / KRIEG DEN HÜTTEN FRIEDE DEN PALÄSTEN. / Ich selber habe ihm den Tritt versetzt . . ." Ausgerechnet ein ehemaliger Maoist, Horst Domdey, hat Volker Braun vorgeworfen, zur Anpassung an das kapitalistisch Gegebene noch immer nicht bereit zu sein. Da regt sich der Widerstand, der masochistisch niedergemacht werden muß.
Auch im neuesten Heft von Sinn und Form wird Brauns Umbruchpoem im Rahmen einer Sammelbesprechung jüngster Lyrikanthologien gewürdigt; es thematisiere den Schock des 9. November 1989, die durch das Zerbrechen der erzwungenen Ordnung verursachte Unsicherheit. Fritz Mierau schreibt über den frühen Franz Jung, den expressionistischen Erzähler und Linkskommunisten, der als einziger westlicher Autor über die Sowjetunion nicht nur schrieb, sondern dort auch arbeitete, als Werksleiter. Franz Haas berichtet über die Beziehungen gegenwärtiger Schriftsteller zu Hermann Hesse und seinem Werk, Volker Reinecke erinnert an Hans Henny Jahnns Roman Fluß ohne Ufer. Ulrich Holbein skizziert das Doppelporträt zweier (fiktiver) Komponisten des 20. Jahrhunderts: Gustav Anias Horn und Adrian Leverkühn.
Finanziell scheint die im 44. Jahr von der Akademie der Künste in Berlin herausgegebene Zweimonatsschrift in einer günstigeren Lage zu sein als die Neue Deutsche Literatur, denn noch verfügt Sinn und Form über einen Chefredakteur (Sebastian Kleinschmidt), zwei Redakteurinnen und einen (weiblichen) "Redaktionssekretär".
Das Gespräch mit Stephan Hermlin, das ich in der österreichischen Zeitschrift Wespennest fand, hätte so vermutlich kaum in einem ostdeutschen Organ stehen können. Ungewöhnlich die behutsame Distanz, die der Journalist Günter Kaindlstorfer dem fast 50 Jahre Älteren gegenüber wahrt. Er spielt nicht die Rolle des Stichwortgebes, er fragt insistierend genau nach. Diese ebenso kritische wie repektvolle Haltung fördert das Gespräch; Hermlin taut auf, er bekennt sich, anders als Honecker, zu seinen Lebensirrtümern. Auf seine drei Stalin-Gedichte von 1951 angesprochen, erklärt er: "Ich hatte wirklich nur die Wahl zwischen zwei Barbareien: zwischen der faschistischen und der antifaschistischen Barbarei. Und ich habe mich für die antifaschistische entschieden. Alles, was dazwischen stand, zählte damals überhaupt nicht . . . Die sogenannten bürgerlichen Demokraten, ich habe sie verachtet."
Bewundert hat Hermlin hingegen, zwischen Politik und Kunst streng trennend, Ernst Jünger, den Mann der exakten (Kriegs-)Beschreibung. Ja, er räumt ein, als ganz junger Mensch, noch bevor er Kommunist wurde, mit dem Gedanken gespielt zu haben, der extremen Rechten, den "Nationalbolschewisten", beizutreten. Stolz, innerlich ungebrochen, noch immer (oder wieder?) Rebell aus bestem jüdischem Hause, nimmt Hermlin zur Kenntnis, daß er einer Generation angehört, deren Hoffnungen zerbrochen sind. Aber damit sei die Sehnsucht nach einer besseren Welt, die Sache des (Ur-)Kommunismus, noch längst nicht erledigt. Der Marxismus habe "einen Traum formuliert, der immer wieder geträumt werden wird".
Umgekehrt haben die Dichter einer westlich orientierten Moderne, etwa Pasolini, von einer geschichtslosen, konsumterroristischen Welt geträumt. Hat sich ihr Angsttraum nicht medienweit erfüllt? Macht es noch Sinn, sich zu wehren? Widerstehen allein Kunstformen dem Tod? "Widerstände - Formen und Fiktionen" war das Thema des Grazer Literatursymposiums 1992, dessen literarische und essayistische Beiträge im neuesten Heft der manuskripte nachzulesen sind. Durs Grünbein, der junge DDR-Lyriker, mißtraut bereits dem Paradewort "Widerstand"; es scheint ihm allzu auffällig: "Ich habe nie verstanden, wie man eine ganze Ästhetik des Widerstands entwerfen konnte."
Er sieht das Problem physikalisch- technisch: Widerstand kann "ein Maß für das Hindernis sein, das ein elektrischer Leiter dem Strom entgegensetzt". Kein Wunder bei einem, der im Max-Planck- Institut für Psycholinguistik zu Nijmwegen "Vorträge über Sprachforschung und Aphasie" gehört hat, die genügt hätten, "ganze Lyrikerschulen aus den Angeln zu heben". Nochmals Grünbein: "Elektrotechnisch betrachtet, arbeitet Sprache in der Dichtung immer nach dem Prinzip Stau und Entladung, Widerstand und Kondensator." Paralogisch ausgedrückt: "Die Katze fängt den Mond."
WASHINGTON. The Phillips Collection - die Sammlung Phillips - am Dupont Circle in einem Wohnbezirk Washingtons gelegen, wo es immer noch fein ist, verdankt ihre Existenz Duncan Philips, dem Sohn eines Stahlmagnaten und leidenschaftlichen Bildersammler. Er machte sie, in seinem Wohnhaus, von 1921 an dem Publikum zugängig, damals hatte sie um die zweihundertvierzig Werke. Duncans Sohn Laughlin vergrößerte sie beträchtlich. Als das alte Haus, eine Villa, zu klein geworden war, wurde ein Gebäude nebenan dazugekauft, umgebaut und 1989 eröffnet; aus einer bedeutenden Privatsammlung war ein Museum moderner Kunst geworden, das neben den eigenen Beständen Wechselausstellungen zeigt.
Zwölf Millionen Dollar hat diese Erweiterung gekostet - und der Sammlung nicht gut getan. Was einmal unverwechselbar den Stempel privater Leidenschaft und Kennerschaft trug, wurde so kommun, wie es die vielen Museen für die Kunst des 20. Jahrhunderts in Amerika sind, die in den letzten drei Dekaden in nahezu jeder Großstadt entstanden. Nun geht man dort hin, weil es diese Wechselausstellungen gibt, das Temporäre. In diesem Januar gleich drei: unbeträchtliche Plastiker, die in einen "Dialog mit der Natur" treten wollen; Aquarelle des harmlos-eleganten Arthur Dove; und eine ganz reizvolle Schau von Photographien des Altmeisters Alfred Stieglitz und seiner seltsamen Lebensgefährtin, der Malerin Georgia O'Keeffe.
Man muß wahrscheinlich Amerikaner sein, um die naturmythologisch aufgeladenen Blumenstilleben und Landschaften dieser Frau recht zu schätzen, unfrommen Naturen kommen sie reichlich "blausa" vor, wie Tucholsky derlei nannte. Schön dagegen die zahlreichen Photos, die Stieglitz von seiner Frau gemacht hat, ihrem schönen Körper, ihrem strengen Kopf, der mit den Jahren immer männlicher wurde.
Unter dem ständigen Wechsel hat das gelitten, was Rang und Ruhm der Phillips Collection ausmachte: die eigenen Bestände. Die herrlichen Rothkos hängen in einem viel zu kleinen Raum und können kaum miteinander kommunizieren, geschweige denn mit den Besuchern; das frühe Van-Gogh-Bild von Francis Bacon (eine von vier Studien zum Thema: Van Gogh geht zum Malen; alle vier waren einst auf der "Westkunst"-Ausstellung in Köln zu sehen) hängt wie abgeschoben in einer Ecke; Clifford Stills Bild ist durch die Lichtführung totgemacht; und so weiter.
Es ist da dasselbe passiert, was auch Peggy Guggenheims Sammlung in Venedig widerfuhr: Professionelle Museumsleute wollen alles "clean", übersichtlich. In Washington bedrängen zudem neue, nicht so gute Bilder die alten, besseren. Der Geist der toten Gründer hat das Haus verlassen.
Wer gerade das Metropolitan-Museum New York hinter sich gelassen hat, enerviert von stumpfen Wärtern, von Sälen, die längst einer Renovierung bedürften, von der durch die vom jeweiligen Stifter und ihrem Anspruch auf geschlossene Präsentation erzwungenen Unübersichtlichkeit - für den bedeutet die National Gallery in Washington so etwas wie eine Befreiung. Was Carter Brown, der gerade zurückgetretene langjährige Direktor, dort geleistet hat, ist beispielhaft. Die Sammlungen sind einleuchtend geordnet und gehängt, das große Haus wirkt trotz der vielen Besucher nicht überlastet und überlaufen.
Der ingeniöse East Wing, der Annex für die Moderne am Ostende des Museums, den I. M. Pei auf einem trapezoiden Grundriß errichtete (bezahlt wie die ganze Nationalgalerie und ein Teil ihrer Sammlungen von der Mellon-Familie), ist in den vierzehn Jahren seit seiner Eröffnung "bespielbar" geworden. Von der riesigen überdachten Plaza führt der Weg nicht nur zu den Sonderausstellungen (derzeit Indianer-Kunst aus dem Norden der USA und Kunst der römischen Kaiserzeit), sondern vor allem zu den Kabinetten, wo die Kunst unseres Jahrhunderts sinnfällig ausgestellt ist.
Matisse begrüßt man als alten Bekannten (ach so, es ist nicht alles im MOMA!), die Säle mit Bildern von Dubuffet, Giacometti und Mark Rothko erlauben die nötige Konzentration, für die "Kreuzwegstationen" von Barnett Newman, die schließlich doch, dank eines privaten Leihgebers, hier ihre Heimstatt fanden, hat man einen runden Raum konstruiert, der diese Inkunabel einer mystischen Kunst in unserem Jahrhundert rahmt und hält.
In allen Sälen des East Wing dieselbe "Museumspolitik": Man zeige nur das Beste, weise auf Verwandtschaften hin, erlaube Vergleiche und hüte sich davor, den Besuchern die Augen mit Mittelmäßigem zu verderben. Das hält die Zahl der Exponate in Grenzen, beugt jeder Überfütterung vor, läßt einen noch einmal aufatmen.
Klar, die Nationalgalerie kann "klotzen": Nirgendwo gibt es einen Saal, in dem der frühe Picasso, zentriert um das große Bild von den "Schaustellern", so herrlich präsentiert wäre, auch mit späteren Bildern, die diese erste Epoche noch einmal liebevoll evozieren. Wer diese Folge gesehen hat, kann vollends ermessen, was es für Picasso bedeutet haben muß, damit zu brechen, mit den "Demoiselles d'Avignon" und den kubistischen Findungen völlig neu zu beginnen - er hätte ja so weitermalen können wie in der blauen, der rosa Periode und wäre gleichwohl ein großer Meister geworden. Er hat es anders gewollt - bis hin zu jenem erratischen Spätwerk, das derzeit noch in Berlins Nationalgalerie konzentriert zu sehen ist. Soll man es Abenteuerlust, Lebensgier nennen, oder vielleicht doch: Moral, wenn einer sich so aussetzt.
Daß die Impressionisten mit wunderbaren Bildern paradieren, Cézanne gleich in zwei Räumen des klassizistischen "Altbaus" (der 1941 fertig wurde); daß es keine Epoche der Kunstgeschichte gibt, die nicht mit wichtigen Beispielen vertreten wäre - all das ist so bekannt wie die Tatsache, daß sich die großen amerikanischen Sammlungen reichen Privatleuten (Räuberbaronen oft, meinetwegen) verdanken, die der Gesellschaft etwas schuldig zu sein glaubten; nirgendwo wird es einem gleichwohl als eine Art von Mirakel deutlicher als in Washington. (Vom Museum of Modern Art abgesehen - aber da glänzte Matisse, waren viele der Hauptwerke statt dessen nach Bonn gereist.)
Der Besucher, der dafür hält, daß Meisterwerke eigentlich nie mehr "vom Nagel" sollten, hat mit Erleichterung festgestellt, daß Mategnas "Judith und Holofernes", tief geheimnisvoll, überwältigend (in den Maßen winzig: 30 ä 18 cm), das er im Sommer in Florenz gesehen hatte, wieder an seinem Platz hängt, ohne sichtbare Spuren von der langen Reise.
Das Reisen sollte man den Besuchern überlassen. Nach Washington zum Beispiel. ROLAND H. WIEGENSTEIN
Auch Peter Hamm versteht unter Widerstand im literarischen Werk eine radikal andere Art zu sprechen, Worte und Bilder zu fügen, kurz: einen Abstand zum alltäglichen Redefluß und den diskursiven Begriffen: "Der Widerstand, den Kunst gegenüber dem Dasein - der Welt - leistet, kann nur in der Errichtung einer ästhetischen Gegenwelt bestehen, der immer das Ketzerische einer Gegenschöpfung anhaftet."
Rüdiger Safranski schließlich geht vom Widerstand aus, den uns das leere Blatt entgegensetzt, um sich sodann einem Widerstand zuzuwenden, der sich in jenem großen Imperativ ausspricht, wonach "das Schreiben politisch-moralischen Widerstand zu leisten habe, subversiv sein solle und eine öffentliche Verantwortung wahrnehmen müsse". In der Folge bemüht sich Safranski, diese Devise einer populären Gesinnungsästhetik ironisch aufzulösen: "Daß es uns so schwer fällt, den amoralischen Kern des Ästhetischen zu akzeptieren, und daß die Kunst sich immer wieder als erpreßbar durch den politisch-moralischen Utilitarismus erweist, hat mit einem Vorgang zu tun, den ich bezeichnen möchte als Verlagerung des Theodizeeproblems von Gott auf die Kunst." So könnte, angesichts des wachsenden Elends in der Welt, die Kunst bald dienstverpflichtet werden - beispielsweise von den grundguten Grünen -, um am Projekt der Menschheitsrettung mitzuwirken. Freilich, die wirklich Mächtigen setzen längst nicht mehr auf die Konstrukte der Poesie, gebieten sie doch weltweit über den Müll der Medien.
"Das Maß der Dichtung ist ihre Wahrheit", dekretiert im November-Heft des Merkur der in Jerusalem lebende Autor Jakob Hessing in einem Aufsatz über Gedichte nach Auschwitz. Bei Bergengruen, der vage von Schuld spricht, aber die Täter nicht nennt, meint Hessing solche Wahrheit nicht zu finden, wohl aber in Versen von Johannes Bobrowski und Nelly Sachs, Ingeborg Bachmann und Paul Celan, die sich auf unterschiedliche Weise der Ungeheuerlichkeit der Judenvernichtung stellen.
Über jüdische George - Rezeption schreibt Thomas Sparr (ebenfalls im Merkur). Bekanntlich zählten zur engsten Umgebung des Meisters zahlreiche Juden, voran Karl Wolfskehl und Friedrich Gundolf. Stefan Georges Gedichte fanden bei jüdischen Intellektuellen eine besondere Resonanz; sie suchten darin, heißt es, ihr "Deutschtum". George schuf, so Sparr, den archaischen und wirklichkeitsblinden "Mythos von einer deutsch- jüdischen Wahlverwandtschaft, einer inneren Ähnlichkeit von Deutschen und Juden". So im (bald erloschenen) "Stern des Bundes": "Blond oder schwarz demselben schoos entsprungne / Verkannte brüder suchend euch und hassend / Ihr immer schweifend und drum nie erfüllt!" Daß auch Wolfgang Hildesheimer ein lebenslanger Verehrer Stefan Georges und seiner Dichtung war, ist eine Überraschung.Neue Deutsche Literatur: Heft 12, Dezember 1992 (Postf. 1217, O-1086 Berlin), 12 DM.
Sinn und Form: Heft 6, 1992 (Robert- Koch-Platz 7, O-1040 Berlin), 12,50 DM.
Wespennest: Nr. 89, 1992 (Rembrandtstraße 31/9, A-1020 Wien), 14 DM.
manuskripte: Nr. 118, 1992 (Forum Stadtpark, A-8010 Graz), 13,50 DM.
Merkur: Heft 11, November 1992 (Angertorstr. 1a, 8000 München 5), 17 DM.
Autourlauber, die bei der Anreise mit ihrem Auto liegenbleiben, können ihre Fahrt jetzt ohne Formalitäten mit der Bahn fortsetzen. Das sieht eine neue Serviceleistung von 28 großen Versicherungsgesellschaften vor, die im HUK-Verband zusammengeschlossen sind, teilte der HUK-Verband mit. Der Gutschein beinhaltet eine Bahnfahrt 2. Klasse ans Urlaubsziel oder nach Hause und wieder zurück zum Unfallort für bis zu fünf Personen mit Hund und Gepäcktransport. tdt
Das größte Museum der Welt für Blinde hat in Madrid seine Pforten geöffnet. Das vom spanischen Blindenhilfswerk Once initiierte Museum in der Calle de la Coruna 18 ist auf zwei Etagen untergebracht und in drei Bereiche gegliedert. In einer Abteilung warten Modelle von Bauwerken wie etwa der Alhambra von Granada mit akustischen Erläuterungen auf Besucher, in den beiden anderen werden von Blinden angefertigte Kunstwerke ausgestellt beziehungsweise Gerätschaftengezeigt, die Blinde während der vergangenen zwei Jahrhunderte benutzt haben. tdt
BREMEN. Martin Welke, der Leiter des Meersburger Zeitungsmuseums, stellt mit allem Nachdruck die "Deutsche Lesewut" des 18. Jahrhunderts heraus. Als 1789 in Paris die Revolution ausbrach, gab es dort ganze vier periodische Nachrichtenblätter. Dagegen konkurrierten auf deutschem Boden nicht weniger als 186 selbständige publizistische Einheiten, also mehr als heutigen Tages.
Zeitungen in Deutschland, der "Weg zur freien Presse", das sind aufregende politische und kulturhistorische Kapitel der Entwicklung zur pluralistischen Gesellschaft, zur selbstbewußten civil society und zu einer Öffentlichkeit, die ihre Lebensprobleme sachkundig zu diskutieren versteht. Kein geringerer als Friedrich Schiller, auch er ein "Gazettier", hatte mit aufgeklärtem Pathos davon gesprochen, daß im freien Wort die "Majestät des Volks" zum Ausdruck komme, und daß jenes Recht der ungehinderten Meinungsäußerung eines der elementaren der Menschheit überhaupt sei.
Weit und politisch überaus kompliziert war der Weg der Zeitungen und Zeitschriften von den handschriftlichen "Avisen" und "Novellen" und den darauffolgenden "Relationen" des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts, in denen schon alles Wissenswerte aus der Welt der dynastischen Haupt- und Staatsaktionen, aber auch vieles über Straßenverbindungen, Handelswege, Marktpreise und Kriegsereignisse zu lesen stand, bis hin zur hochtechnisierten periodischen Presse des späten 20. Jahrhunderts.
Natürlich wußten schon die Fürsten des deutschen Duodez-Barock im 17. Jahrhundert, daß die regelmäßig erscheinenden Zeitungen ein dräuendes Mittel der Politik sein konnten, das man möglichst mit strenger (Vor-)Zensur bedenken mußte. Keineswegs war Friedrich Wilhelm I., der preußische ,Soldatenkönig&rquote; und Vater Friedrichs des Großen, ein fürsorgender Freund der "Cazettiers". Deren Organe hatten nach strengen Regeln und der Staatsräson gemäß zu publizieren. Auch sein aufgeklärter Sohn, der angeblich die Zeitungen um ihrer Interessantheit willen nicht "geniren" wollte, hat strikt verboten, daß seine "höchsten Affairen und Angelegenheiten" vor ein untertäniges Publikum gezogen werden dürften. Lessing spottete über die preußischen Zeitungen, die "wegen der scharfen Censur größtenteils so unfruchtbar und trocken (seien), daß ein Neugieriger wenig Vergnügen daran finden" könne.
Erst der liberale dänische König Christian VII. und sein Kabinettsminister Johann Friedrich Struensee waren 1769 bereit, in ihrem Hoheitsgebiet eine freie Presse zu garantieren; waren doch die Aufklärer in jenen Zeitläuften höchlich engagierte Patrioten, die kraft öffentlicher Debatte die allgemeine Moral und Volks-Wohlfahrt zu befördern gedachten. Zumal Hamburg und Altona wurden im Verlauf des 18. Jahrhunderts zu Hochburgen dieser "gewißen Englischen Freyheit".
Viel weniger libertär ging es im katholischen Württemberg zu. Der freiheitsdürstende Dichter und Journalist Schubart mußte mit zehn Jahren Kerkerhaft büßen, daß er seiner Obrigkeit in der "Deutschen Chronik" mit dreisten Schreibereien zu Leibe gerückt war. Ein Skandal im heiligen römischen Reich deutscher Nation, den damals viele Verfechter der freien "Publicität" öffentlich geißelten. Der berühmte Göttinger Historiker und Staatsrechtler Schlözer hielt vor seinen Studenten veritable "Zeitungs-Collegs" ab, die das Genre wegen seiner Leistungen bei der "Erziehung des Menschengeschlechts" nicht hoch genug preisen konnten.
Erst die sich radikalisierende Revolution der Franzosen und ihre restaurativen Niederschläge auf Deutschland führten zu scharfen Restriktionen im üppig sprießenden Blätterwald: die frühliberalen Presseorgane sahen sich einer wachsenden Phalanx von konservativen Obrigkeiten und gedungenen publizistischen Handlangern gegenüber. Vorbei waren die Zeiten Kaiser Josephs II., jenes "gekrönten Revolutionärs", der die Aufklärung zur Staatssache hatte machen wollen.
Für Napoleon, den weltmachtlüsternen Kaiser der Franzosen, gab es dagegen nur eines: bedingungslose Kontrolle der Presse, zumal in den eroberten deutschen Landen. Mächtig erhoben sich dagegen die Stimmen der Unterdrückten und Geschmähten nach dem Wiener Kongreß 1814: die Presse wird - politisch profilierter noch als früher - zum "Stimmführer des Volkes", z. B. im "Rheinischen Merkur" des Joseph Görres. Der Journalist geriert sich als gleichrangiger Partner des Politikers, als Kämpfer für die Freiheit des Wortes, ja für ihre verfassungsmäßige Sanktionierung.
Selbst die Metternichsche Restaurationspolitik kann diese Entwicklung letzthin nicht aufhalten: eine reaktionäre Zensurpolitik ist immer weniger durchsetzbar. Und das trotz der Karlsbader Beschlüsse, trotz der Unterdrückung frühsozialistischer Presseunternehmen. Überhaupt wechseln sich in den folgenden Jahrzehnten erste liberale Pressegesetze und restaurative Einschränkungen ab. Doch die politische Emphase der Revolutionen von 1830 und 1848 führt schließlich zum Reichspressegesetz von 1874. Noch einmal versucht die Bismarcksche Sozialistengesetzgebung zumindest der linken Publizistik den Garaus zu machen und zwingt sie ins Exil.
Der Erste Weltkrieg führt zu erheblichen Publikationseinschränkungen, aber schon die Weimarer Republik erlebt wieder eine Hochzeit des politisch engagierten Journalismus, der freilich nach 1933 dem "Schriftleiter"-Unwesen der Nazis zum Opfer fallen mußte. Die direkte Staatsverantwortung der Journalisten hatte sich für den Nationalsozialismus gelohnt: bis zum bitteren Ende waren seine Schreiberlinge mit fanatischer Hingabe dem politischen Wahnwitz verfallen.
Interessant und in dieser Bremer Ausstellung in der Kassenhalle am Brill überaus anschaulich zu sehen, daß die realsozialistische Presselenkung in der ehemaligen DDR jener des Nazi-Staates so unähnlich nicht gewesen ist. Die Agitationskommission, der das Politbüromitglied Joachim Herrmann vorstand, hat nicht minder aggressiv und schamlos in die innere Freiheit des öffentlichen Wortes hineinregiert. Die Presse unterm Sozialismus: ein "kollektiver Organisator, Agitator und Propagandist".
Heinrich Heine hält im zweiten Zyklus seiner berühmten "Reisebilder" den rechten Namen für die "deutschen Censoren" bereit: er nannte sie "Dummköpfe".
HARRO ZIMMERMANN
Auf den Färöer-Inseln im Nordatlantik darf erstmals seit 1907 wieder Alkohol verkauft werden. In der Hauptstadt Torshavn wurde ein staatlicher Alkohol-Monopolladen eröffnet, auch die Restaurants der Inselgruppe dürfen nun Bier, Wein und Hochprozentiges ausschenken. Bislang konnten die Färöer-Bewohner nur jeweils zwölf Flaschen Alkohol pro Vierteljahr in Dänemark bestellen - vorausgesetzt, sie hatten sich nichts zuschulden kommen lassen und pünktlich ihre Steuern bezahlt. Der Grund für den Sinneswandel ist die Einsicht, daß sich die Alkoholprobleme auf den 18 Inseln in den vergangenen 85 "trockenen" Jahren nicht verringert haben. tdt
Feiner Zug der Deutschen Bundesbahn: Die Fahrgäste der Autoreisezüge erhalten neuerdings ein Mini-Frühstück gratis. Gereicht wird ein frisches Croissant mit einem Pott Kaffee oder Tee - für Kinder auf Wunsch auch ein heißes Schokoladengetränk. Der neue Service wird sowohl auf den Tages- als auch auf den Nacht-Autoreisezügen angeboten. tdt
"Wir müssen darüber reden, wie wir politische Kultur zurückgewinnen", hat der SPD-Politiker Wolfgang Thierse im Bürgerhaus Südbahnhof verlangt. Dabei komme es nicht zuletzt auch darauf an, daß "die einzelnen Interessen relativierbar" und insofern nicht gegen das Gemeinwohl gerichtet sind. Und um das zu erreichen, bedürfe es positiver Beispiele.
Gemeinsam mit Oberbürgermeister Andreas von Schoeler eröffnete Thierse bei einer SPD-Veranstaltung im vollen Saal des Bürgerhauses Südbahnhof "die sogenannte heiße Phase des Wahlkampfes", wie der Frankfurter SPD-Vorsitzende Sieghard Pawlik sagte. Er visierte das Ziel der SPD bei den Kommunalwahlen an: "Wir kämpfen für den Ausbau des Ergebnisses", und "die Chance, das 89er Ergebnis zu verbessern, ist gut".
Zumal wenn der Wahlkampf wie gewohnt durch bundesweit bekannte Köpfe der Partei unterstützt und die Aussichten auch durch die Politik der Bundesregierung erhöht werden. Denn das für den Aufbau Ostdeutschlands "notwendige Teilen", machte Thierse deutlich, werde von der Bundesregierung "genutzt", um "Lasten und Risiken ungleich zu verteilen". Das führe dazu, sagte der in Ostberlin beheimatete SPD-Politiker, "daß die Bereitschaft zu teilen abnimmt". Die Republik könnte "ein ungemütliches Land werden", wenn nicht verhindert werde, daß "das untere Drittel der Gesellschaft ausgegrenzt und Lasten auf die Schultern verteilt werden, die mehr tragen können". Sorgen, die auch von Oberbürgermeister Andreas von Schoeler geteilt wurden: Er befürchtete, "daß die Regierung Kohl den Solidarpakt mißbraucht, um die soziale Schieflage zu verstärken". Vor diesem Hintergrund werde sich seine Kommunalpolitik auch weiterhin an der Maxime orientieren: "Soziales Gewissen und wirtschaftliche Kompetenz". Dazu gehöre, "die infrastrukturellen Voraussetzungen" in der Stadt "weiter zu stärken", damit Arbeit auch im industriellen Bereich erhalten würde. "Entscheidend" sei es, daß sich die Lebensqualität weiter verbessere: Als Beispiele nannte er etwa Tempo-30-Zonen, Kampf gegen die Zweckentfremdung von Wohnungen und gegen die Umwandlung in Eigentumswohnungen. Die Wähler ermunterte er, ihre Stimme abzugeben: "Je mehr Leute wählen gehen, desto besser ist die Chance, Rechtsradikale zu verhindern". ing
Wer dienstlich mit seinem Privatauto unterwegs ist und einen Unfall erleidet, muß die Mehrkosten für die Autohaftpflicht-Versicherung selber tragen, wenn er durch den Unfall in eine schlechtere Schadensklasse gerät. Der Arbeitgeber muß die höhere Versicherungsprämie nicht ausgleichen, entschied das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen: 8 AZR 409/91). Die Kasseler Richter sehen dieses Risiko ausgeglichen durch die Kilometerpauschale, die der Arbeitnehmer erhält. tdt
Immer langsamer werden die schnellsten Züge der Deutschen Bundesbahn: Von den 13 627 Intercity Express-Zügen (ICE), die zwischen Juni und November 1992 auf Deutschlands Schienen unterwegs waren, hatten sich 1393 zwischen sechs und zehn Minuten, 573 zwischen elf und 15 Minuten, 265 zwischen 16 und 20 Minuten und 422 über 20 Minuten verspätet. Damit fielen 19,5 Prozent aus dem Fahrplan. tdt
Ein "völlig neues Stadterlebnis" verheißt Oberbürgermeister Peter Schnell nicht nur seinen 107 000 Bürgerinnen und Bürgern, sondern auch den vielen und immer mehr Besuchern, die sich künftig davon abhalten lassen, nur schnell auf der Autobahn oder per Intercity an Ingolstadt und seiner Industriekulisse vorbeizufahren. Nunmehr nämlich ist die Großstadt, die sich als die jüngste (seit 1989) und die grünste in Bayern rühmen darf, auf bestem Wege, ein hochrangiges Ziel für den Aufenthalts- und Ausflugstourismus zu werden. Ingolstadt sei ins Gespräch gekommen, meint der OB, nachdem die Stadt im vorigen Jahr ihren "ersten großen Auftritt" gehabt und dabei in unverhofftem Maße an Ansehen gewonnen habe.
Gewonnen hat sie in erheblichem Maße auch an Urbanität und Attraktivität. Im Zuge der Landesgartenschau, die immerhin 2,3 Millionen Besucher hatte, ist die Donau und die ganze Flußlandschaft wieder in die Altstadt einbezogen worden. Dies geschah durch eine neue Uferpromenade aus Sandstein und einen Steg aus Stahl am nördlichen Flußufer sowie durch die aufwendige Kultivierung des verödeten und verrotteten Festungsgeländes auf der Südseite.
Dieser sogenannte "Klenzepark" mit den renovierten klassizistischen Bauwerken auf 30 Hektar Fläche, der ab April der Öffentlichkeit kostenlos zugänglich sein soll, bringt einen enormen Zuwachs an Natur und Kultur mitten hinein in die wieder sichtbar gewordene Donau-Stadt. Was Leo von Klenze im Auftrag Ludwigs I. ab 1828 als Reduit im Kriegsfall für die königliche Familie auf der damals größten Baustelle Bayerns geschaffen hat, soll in Zukunft für museale und andere kulturelle Zwecke genutzt werden, nachdem die ruinösen Kasematten, Kasernen und Kavaliershäuser vom Freistaat für die Gartenschau mit 30 Millionen Mark saniert worden sind.
Nicht bloß Zukunftsmusik ist, was fünf Ingolstädter Museen in diesem Jahr anzubieten haben. Wahlweise können sie bei Tagesprogrammen besucht werden (für 27 Mark samt Mittagessen und Präsent) oder auch im Rahmen von Zweitage-Arrangements (114 Mark mit Übernachtung, Stadtführung und Bayerischem Abend), alles zu buchen über das städtische Fremdenverkehrsamt. Die Angebote gelten jeweils für Gruppen ab zwanzig Personen.
Alle Museen, deren Besuch selbstverständlich nicht an ein Gruppenarrangement gebunden ist, sind in historischen Gebäuden untergebracht. Das Bayerische Armeemuseum beispielsweise im türmereichen Neuen Schloß, das Herzog Ludwig der Gebartete zu Anfang des 15. Jahrhunderts erbauen ließ. Das Spielzeugmuseum findet sich im Herzogkasten, dem alten Schloß aus dem 13. Jahrhundert, das Deutsche Medizinhistorische Museum in der Alten Anatomie aus dem 18. Jahrhundert, das Stadtmuseum (mit Szenarien vom Dreißigjährigen Krieg) in einer Festungsanlage aus dem 19. Jahrhundert und das neue Museum für konkrete Kunst in einer neueren Donaukaserne. Museen also, die auch Architekturgeschichte über 700 Jahre vermitteln. Ein einziges Freilichtmuseum der Kulturgeschichte ist die Altstadt mit ihren historischen Gebäuden und Gassen, wo das Auto seit langem zugunsten des Fahrrads zurückgedrängt worden ist. Legendäre Figuren wie Faust und Frankenstein sollen hier gewirkt haben. Bedeutende Wissenschaftler wie der Geograph Peter Apian, der die erste Weltkarte mit dem gerade entdeckten Amerika gezeichnet hat, der Astronom Christoph Scheiner, der gleichzeitig mit Galilei die Sonnenflecken entdeckt hat, Luthers Gegenspieler Johann Eck und der Botaniker Leonhart Fuchs haben an der Hohen Schule gelehrt, die von 1472 bis 1800 die Landesuniversität war. "Kaiser, Könige, Fürsten, große Staatsmänner und Helden gingen aus ihr hervor", berichtete ein Chronist. Bayernherzog Wilhelm IV. erließ hier 1516 das Reinheitsgebot (zu dessen Gedenken im August das "Reine- Bier-Fest" gefeiert wird).
Das Münster gilt als eine der schönsten und größten Hallenkirchen Bayerns. Die genialen Brüder Asam haben das Rokoko-Juwel der Maria-de-Victoria-Kirche als Betsaal (mit Weinkeller) einer Studentenkongregation geschaffen und mit dem größten Flachdeckenfresko der Welt gekrönt. Die Jesuiten haben Ingolstadt zum deutschen Zentrum der Gegenreformation gemacht, die Wittelsbacher zur stärksten Festung Süddeutschlands, aus der allerdings nie ein Schuß abgefeuert wurde. Nachdem sie geschleift war, verkam die Stadt zum Provinznest, und ein Reisender schrieb: "So glaubte ich hier wahrhaftig das zweyte Jericho zu sehen."
Die schöne Johann-Michael-Fischer- Kirche war erst dem Luftangriff vom 9. April 1945, der auch 119 Menschen das Leben kostete, zum Opfer gefallen. An ihrer Stelle bietet heute der Viktualienmarkt einen bunten, immer belebten, zentralen Platz vor dem neuen Theater, das in diesem Jahr brandaktuelle Stücke auf dem Spielplan hat (Marieluise Fleißers pazifistisches Drama "Pioniere in Ingolstadt" konnte allerdings erst 1978, ein halbes Jahrhundert nach der von Brecht durchgesetzten Uraufführung in Berlin, in der Heimatstadt der Dichterin gespielt werden).
Wahrlich auferstanden aus Ruinen ist nun endlich auch das seit 1975 vom Denkmalschutz betreute Klenze-Ensemble am jenseitigen Ufer der Donau, die nun wieder, wie das Fremdenverkehrsamt feststellt, "mitten durch die Stadt fließt". Der "Turm Triva" soll die Ostasien-Sammlung des Münchner Völkerkundemuseums aufnehmen; in dem massigen Rundbau werden Wohnräume wie aus Tausendundeiner Nacht inszeniert und über tausend wertvolle Teppiche ausgestellt, die ein deutschstämmiger Tscheche aus den USA gegen Leibrente angeboten hat. Im "Reduit Tilly" will das Armeemuseum, das nach dem Krieg von München nach Ingolstadt umgesiedelt wurde, ab Frühjahr wechselnde Ausstellungen zeigen, zunächst zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges bis zurück in die Weimarer Republik. In der Reithalle finden im Mai die Bayerischen Theatertage statt, die Flankenbatterie Nr. 105 bekommt Räume für bildende Künstler und Musikgruppen. Die Stadt mit dem Autokennzeichen IN ist in der Tat in. Ein vom bayerischen Umweltministerium bestelltes Gutachten befaßt sich mit Problemen und Chancen des vorerst noch "monostrukturellen Wirtschaftsraumes". Die Industrie- und Handelskammer von Oberbayern hat die Region kürzlich zum "Entwicklungsraum Nr. 1" erklärt. "Weiche Faktoren" wie Erholungs-, Freizeit- und Kulturangebote spielen dabei nach Einschätzung der IHK eine immer größere Rolle - neben der "Audimobilindustrie" (die zur Zeit stag-niert, aber immer noch 27 000 Menschen beschäftigt) und der Erdölveredelung (die aus Genua kommende Pipeline soll bald bis Böhmen verlängert werden).
Auf dem Areal einer Raffinerie bei Kösching entsteht der größte Gewerbepark Deutschlands (rund 200 Hektar, mit viel Grün). Bei Notgrabungen fanden die Archäologen dort menschliche Skelette aus der Zeit der Schnurkeramik (2800 v. Chr.), Reste eines Römerkastells (um 80 n. Chr.) sowie Brandstellen und Asche, die auf einen "antiken Gewerbepark" aus der Zeit um 200 hindeuten.
Ein anderes verwildertes Raffineriegelände hat die Stadt für 10,5 Millionen Mark angekauft, nachdem die Naturschutzverbände gegen die "größte Auwaldvernichtung in Europa" mobil gemacht hatten. Jetzt soll sich das 45 Hektar große Stück Brachland zurückbilden zum Urwald mit bis zu 40 Jahre alten Erlen, Eschen, Birken, Pappeln und Eichen, mit Altwässern, seltenen Kleinpflanzen und Tieren. Schon bisher hatte Ingolstadt den höchsten Anteil an Wasser- und Erholungsfläche unter allen großen Städten im Freistaat Bayern.
Gründlicher Erneuerung bedarf nun freilich noch das Gastgewerbe der aufblühenden Stadt. Die 31 Hotels und Gasthöfe mit zusammen 1394 Betten können gerade noch den Geschäftsreise- und Tagungsverkehr bewältigen. Es nützt auch kaum dem Image, mit dem Ingolstadt nun im europaweit wachsenden Städtetourismus mithalten will, wenn ein solches "historisches Haus" neben dem Kaiser Friedrich III. und dem späteren Papst Pius XII. in einem Werbeblatt den ehemaligen SA-Führer Ernst Röhm als Gast aufzählt. Doch Hoffnung auch hier: In der zweitgrößten Stadt Oberbayerns, die vom neuen Großflughafen nicht viel weiter entfernt ist als München, befinden sich zur Zeit drei international anbietbare Hotels mit 92 bis 140 Zimmern in Planung.
SEPP FALLENSTELLER
AUSKUNFT: Städtisches Fremdenverkehrsamt, Hallstraße 5, 8070 Ingolstadt, Telefon 08 41 / 30 54 15.
HAMBURG/SAARBRÜCKEN, 17. Januar (gra/AP/AFP). Der saarländische Ministerpräsident Oskar Lafontaine (SPD) und der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten im Saarbrücker Landtag, Reinhard Klimmt, sollen nach einem Bericht des Hamburger Nachrichtenmagazins Der Spiegel jahrelang Verbindungen zur Unter- und Halbwelt gepflegt haben. Klimmt habe einen "mordverdächtigen Schwerverbrecher", der in Frankreich inhaftiert sei, über den Stand des Mordverfahrens unterrichtet.
Lafontaine, so das Magazin in seiner neuesten Ausgabe, habe einen Freund des mordverdächtigen Hugo Peter Lacour, der seinerseits der Polizei als "Mitglied der kriminellen Rockerszene" bekannt war, als Leibwächter in die Staatskanzlei geholt, ihm eine Ausnahmegenehmigung für einen großkalibrigen Revolver sowie Schießtraining durch die Polizei verschafft.
Während sich am Wochenende Lafontaine und Klimmt nicht zu den Beschuldigungen äußerten, sprach der saarländische Justizminister Arno Walter von "absurden Vorwürfen". Im Saarländischen Rundfunk sagte er, er habe auf Anfrage Klimmt lediglich mitgeteilt, daß das Ermittlungsverfahren wegen Mordverdachts gegen Lacour noch nicht erledigt sei. Diese Information hatte Klimmt in einem Brief an den Inhaftierten weitergeleitet, wie Der Spiegel berichtete.
Gegenüber dem Nachrichtenmagazin hatte der SPD-Fraktionsvorsitzende eingeräumt, den als "Unterweltkönig von der Saar" bekannten Lacour seit 20 Jahren zu kennen und gemeinsam mit Lafontaine und anderen Politikern in dessen Etablissement verkehrt zu haben.
Die Vorsitzende der FDP-Fraktion im saarländischen Landtag, Brunhilde Müller, verlangte eine gemeinsame Sondersitzung des Rechts- und Innenausschusses, um die Anschuldigungen gegen die SPD-Politiker aufzuklären. Vertreter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion forderten Lafontaine und Klimmt zum Rücktritt auf. (Kommentar S. 3, weiterer Bericht S. 4)
MAGDEBURG, 17. Januar (AP). Bundesfrauenministerin Angela Merkel (CDU) rechnet nicht mit der endgültigen Durchsetzung des jüngst vorgelegten Gleichberechtigungsgesetzes noch in diesem Jahrhundert, wie sie nach einem Treffen der frauenpolitischen Sprecherinnen der Landtagsfraktionen von CDU und CSU am Samstag in Magdeburg sagte. Die gleichberechtigte Teilhabe der Frauen am gesellschaftlichen Leben sei nur in einem langen Zeitraum zu realisieren. Die Frauenpolitik erhalte aber gerade in Zeiten wirtschaftlicher und finanzpolitischer Anspannungen einen hohen Stellenwert. Deshalb sei ihre Hoffnung groß, daß der Gesetzentwurf noch im März oder April das Bonner Kabinett passieren werde.
Die Konferenzteilnehmerinnen forderten eine Nachbesserung des Entwurfs für das Gleichstellungsgesetz. Unter anderem sollten Vorgaben für die verstärkte Einstellung von Frauen vor allem in Führungspositionen verankert werden.
Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) warnte davor, mit dem Solidarpakt das im vergangenen Jahr geschnürte Sozialpaket zur Flankierung des neuen Paragraphen 218 wieder aufzuschnüren. Die häufig schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei nach wie vor ein ungelöstes Problem vieler Frauen. Der von Bundestag und Bundesrat akzeptierte Anspruch auf einen Kindergartenplatz, Erziehungsgeld und befristete Freistellung bei Krankheit eines Kindes dürften nicht angetastet werden. Frauen müßten eine größere Einflußnahme in den Zentren der Macht bekommen, sagte Süssmuth. Für junge Frauen sei es nicht zu verstehen, daß es in keinem Land der Europäischen Gemeinschaft soviel Schwierigkeiten mit der Betreuung der Kinder gebe wie in der Bundesrepublik mit ihrem hohen Bruttosozialprodukt.
HAMBURG (ap). Mehrere westdeutsche Reedereien sollen die deutsche Einheit für unsaubere Geschäfte genutzt haben. Das berichtet das Magazin Der Spiegel.
Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern habe "teilweise erhebliche Unregelmäßigkeiten" bei Verträgen zwischen Werften des ehemaligen DDR- Kombinats Schiffbau und westlichen Reedern festgestellt, berichtet das Blatt. Mit Blick auf die seinerzeit bevorstehende Wirtschafts- und Währungsunion seien noch vor dem 1. Juli 1990 sogenannte Ultimoverträge abgeschlossen worden.
Dem Hamburger Magazin zufolge bestellten westdeutsche Reeder bei den ostdeutschen Werften Schiffe zu Dumpingpreisen. Nach der Wirtschaftsunion hätten schließlich die öffentlichen Kassen für Verluste der Werften im Osten in Höhe von 4,3 Milliarden Mark aufkommen müssen.
In Zusammenarbeit mit dem Ausschuß des Landtages habe die Staatsanwaltschaft Rostock inzwischen zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Subventionsbetrugs, des Kreditbetrugs und der Steuerhinterziehung eingeleitet. "Aller Voraussicht nach" sei mit mehreren Anklagen zu rechnen, wird aus dem Bericht des Untersuchungsausschusses zitiert.
LITTLE ROCK, 17. Januar (AP). Die künftige US-Justizministerin Zoe Baird und ihr Mann Paul Gewirtz haben am Samstag ein Bußgeld von 2900 Dollar wegen illegaler Beschäftigung von Ausländern gezahlt. Die Buße war von der Einwanderungsbehörde verhängt worden. Nach Angaben von George Stephanopoulos, dem Sprecher der vom künftigen Präsidenten Bill Clinton mit der Vorbereitung des Regierungswechsels beauftragten Mannschaft, steht die Angelegenheit "in Zusammenhang mit der Beschäftigung einer Babysitterin und ihres Mannes, die keine Arbeitserlaubnis in unserem Land hatten".
Stephanopoulos erklärte in Little Rock, Clinton habe volles Vertrauen zu Frau Baird und freue sich auf ihre Bestätigung für das Amt und ihre Arbeit als Justizministerin.
FRANKFURT A. M., 17. Januar (dpa/ AP). Kuren sollten nach Ansicht des Arbeitgeberpräsidenten Klaus Murmann teilweise auf den Urlaub angerechnet werden. Außerdem sollten die Krankenkassen die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall nicht erst ab der sechsten Woche, sondern schon vom ersten Tag an übernehmen. Diese Forderungen erhob Murmann am Wochenende in mehreren Interviews. Bei Kuren seien "die Deutschen Weltmeister, genau wie beim Urlaub", sagte er. "Erhebliches Einsparpotential" sieht Murmann auch bei "Scheinkranken". Von der Verlagerung der vollen Lohnfortzahlung auf die Kassen verspricht er sich eine schnellere Kontrolle durch Vertrauensärzte, ob die Arbeitnehmer wirklich krank sind und damit auch eine Eindämmung des "Freitags- und Montagsfiebers". "Die Abwesenheitsquote liegt in der Industrie zwischen sieben und zehn Prozent, im Öffentlichen Dienst, wo praktisch kein Arbeitsplatzrisiko besteht, aber viel höher, das spricht doch für sich", sagte er. Auch im Sozialbereich müßten Ungereimtheiten beseitigt werden. So sei der Abstand zwischen Sozialhilfe und den unteren Lohngruppen immer mehr zusammengeschmolzen. "Arbeit muß besser bezahlt sein als Nichtarbeit."
WASHINGTON, 17. Januar (dpa). Wegen eines "illegalen Tauschgeschäftes" wurden zwei US-Bürgerinnen festgenommen: Tausch eines drei Monate alten Jungen gegen einen Chevrolet Cavalier, Baujahr 1987. Dieses ungewöhnliche Ereignis vermeldete am Freitag im US-Bundesstaat Florida die Polizei des Ortes Palatka.
Die 22jährige Mutter hatte das Baby im August zur Welt gebracht und war im November mit einer Frau aus North Carolina handelseinig geworden. Jetzt sitzen beide "Mütter" in Untersuchungshaft. Der mutterlose Junge wird von Vater Staat betreut - von der staatlichen Wohlfahrt des US-Bundesstaates North Carolina.
KUALA LUMPUR, 17. Januar (dpa). Die neun Sultane von Malaysia, die nach uralten malaiischen Traditionen über der Verfassung des südostasiatischen Moslemstaates stehen, sind in der Frage der geforderten Beschneidung ihrer Privilegien gespalten. In "völliger Verwirrung" ging in der Haupstadt Kuala Lumpur am Samstag eine Konferenz der Herrscher über dieses brisante Thema auseinander, wurde bekannt.
Die Debatte um die Privilegien der Herrscher war vor einigen Wochen ausgebrochen, als ein Hockeytrainer behauptete, Malaysias ehemaliger Monarch, Sultan Mahmood Iskandar Ismail von Johore, habe ihn geschlagen.
Seitdem wird öffentlich über die Privilegien der vom Zugriff der Justiz geschützten Sultane debattiert. Regierungschef Mahathir Mohammad drängt im Parlament, das von seiner Regierungskoalition "Nationale Front" beherrscht wird, auf entsprechende Verfassungsänderungen. Die entscheidende Abstimmnung wird am Montag erwartet.
ERFURT, 17. Januar (dpa). Ein 55jähriger Mann ist am Freitag abend in Arnstadt (Thüringen) auf offener Straße von fünf Jugendlichen brutal zusammengeschlagen und auf die Fahrbahn geschleift worden, wo er kurz darauf von einem Jeep und einem weiteren Fahrzeug überfahren wurde. Der Mann starb wenig später in einem Krankenhaus.
Nach Angaben der Polizei hatten die Fahrer der Autos sowie weitere Zeugen den Schwerverletzten geborgen, der etwa einen Meter vom Gehweg entfernt auf der Fahrbahn lag. Von den Tätern, die nach Zeugenaussagen zwischen 16 und 18 Jahre alt sind, fehlt bislang jede Spur.
LUANDA, 17. Januar (dpa/AFP/Reuter). Die anhaltenden schweren Kämpfe in Angola haben sich auf die Nordprovinz Zaire ausgedehnt und unter den Kampfparteien und der Zivilbevölkerung mehrere hundert Tote gefordert. Bei der Schlacht zwischen Regierungstruppen und bewaffneten Einheiten der Oppositionsbewegung Unita um die Stadt Cuito in Zentralangola sind nach Berichten des staatlichen angolanischen Rundfunks mindestens 400 Menschen ums Leben gekommen. Die Stadt sei nach einwöchigem Kampf wieder unter Regierungskontrolle. Die Unita warf den Regierungstruppen vor, Luftangriffe mit Chemiewaffen zu fliegen und zivile Ziele zu bombardieren.
Die Unita habe nach fünftägigen Angriffen in der Stadt Mbanza-Congo fünf Öl-Bohrquellen zerstört. Außerdem habe sie, so Radio Luanda, in der angolanischen Öl-Exklave Cabinda die Stadt Soyo umzingelt. Heftige Kämpfe wurden auch aus der Stadt Menongue in der südangolanischen Provinz Cuando-Cubango gemeldet. Regierungstruppen schlugen nach Angaben des Polizeikommandeurs der Stadt den Angriff von Unita-Kämpfern auf den Flughafen zurück.
Die Unita meldete Erfolge bei der Rückeroberung ihrer Hochburg Huambo in Zentralangola. Die Regierungstruppen seien auf dem Rückzug, ein wichtiges Munitionsdepot sei in die Luft geflogen.
Die für das Wochenende in Addis Abeba geplanten Friedenskontakte zwischen der angolanischen Regierung und der Unita wurden abgesagt. Die Unita hatte die Kämpfe im November wieder aufgenommen, nachdem sie bei den ersten freien Wahlen Ende September eine schwere Niederlage erlitten hatte. Der neubegonnene Bürgerkrieg hat bereits Tausende von Menschen das Leben gekostet. Die UN beschleunigten die Evakuierung ihrer Beobachter von Außenposten.
Unterdessen teilte die Deutsche Welthungerhilfe mit, einer ihrer Mitarbeiter sei in Angola von der Unita entführt worden. Die Unita habe einen Hilfskonvoi überfallen und den Deutschen verschleppt. In anderen Berichten hieß es jedoch, der Verschleppte sei Angolaner.
(Weiterer Bericht auf Seite 6)
KÖLN, 17. Januar (dpa). Etwa ein Drittel der Beschäftigten in neueren oder renovierten Büro- und Amtsgebäuden leiden nach Angaben von Experten am sogenannten Sick-building-Syndrom. Die Betroffenen klagten über Beschwerden wie etwa Müdigkeit, Kopfschmerzen, Husten, Juckreiz und Augenreizungen, berichtete der Linzer Facharzt für Lungenkrankheiten, Kurt Aigner, beim 17. Forum "Fortschritt und Fortbildung in der Medizin" der Bundesärztekammer, das am Samstag in Köln zu Ende ging. Typisch sei, daß sich die Symptome im Tagesverlauf verstärkten, aber nach Verlassen des Gebäudes abklängen.
Neben psychologischen Gründen spielt den Angaben zufolge die Schadstoffbelastung der Raumluft bei dem Syndrom eine wesentliche Rolle. So seien in neueren oder renovierten Gebäuden meist sehr dicht schließende Fenster eingebaut. Dadurch werde der Luftaustausch verhindert; die Belastung der Raumluft mit Schadstoffen aus verschiedensten Quellen wie etwa Möbeln, Baumaterialen, Heizung und besonders Tabakrauch steige. Bei vielen Gebäuden ließen sich die Fenster zudem nicht einmal mehr öffnen.
Die Bedeutung der Raumluft für die Gesundheit wird Aigner zufolge immer noch unterschätzt. "Bis zu 90 Prozent unseres Lebens halten wir uns in Innenräumen auf", so der Experte. Richtiges Lüften sei daher wichtig. Studien hätten gezeigt, daß die Luft am schnellsten bei Durchzug ausgetauscht werde. Bei einfachem Fensteröffnen dauere der Austausch etwa zehn bis 15 Minuten, bei gekippten Fenster mehr als zwei Stunden.
HAMBURG, 17. Januar (dpa). Mit der Politik von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) sind 55 Prozent der Bundesbürger, so viele, wie das Umfrageinstitut Emnid bei keiner Umfrage in der mehr als zehnjährigen Amtszeit des Kanzlers festgestellt hat, "nicht einverstanden". Gleichzeitig meinen derzeit nur 16 Prozent der Deutschen, daß "die SPD-Opposition es besser machen" würde, so wenige wie bei keiner Emnid-Umfrage seit dem Regierungswechsel im Herbst 1982. Zu den Parteien haben nur zehn Prozent "volles Vertrauen", 51 Prozent "geringes" und 38 Prozent "kein Vertrauen".
Dieselbe Emnid-Umfrage im Auftrag des Nachrichtenmagazins Der Spiegel hat eine "Mauer in den Köpfen" bei einer deutlichen Mehrheit der Deutschen (West: 64 Prozent, Ost: 74) ausgemacht. 54 Prozent der Westdeutschen befürchten, daß die Milliarden für den Aufbau Ost Wirtschaft und Wohlstand im Westen gefährden. Von den neuen Bundesbürgern ist nur jeder fünfte dieser Ansicht. Aber 77 Prozent der Ostdeutschen meinen, die früheren DDR-Bürger seien "Bundesbürger zweiter Klasse". Im Westen sehen dies nur 33 Prozent so.
Zur aktuellen politischen Situation hatte Emnid in der ersten Januar-Hälfte 1500 Bundesbürger befragt. Die Umfrage zur Einstellung der Deutschen zueinander lief von Anfang November bis Mitte Dezember mit 3000 Interviewten.
KÖLN, 17. Januar (dpa). Mindestens jeder dritte Beschäftigte in Deutschland braucht länger als zwei Stunden von der Haustür zum Arbeitsplatz und zurück. Diese Belastung habe "massive Auswirkungen" auf den Krankenstand und die Zahl der Frührentenanträge, warnte der Würzburger Sozialmediziner Wolfgang Theissen am Rande des 17. Interdisziplinären Forums "Fortbildung und Fortschritt in der Medizin" der Bundesärztekammer am Wochenende in Köln.
Noch vor 20 Jahren habe nur ein Viertel der Arbeitnehmer länger als 45 bis 65 Minuten für den Arbeitsweg gebraucht, heute seien es bereits 75 Prozent. Gut ein Drittel seien sogar mehr als zwei Stunden unterwegs. Ursache sei die wachsende Wohnungsnot vor allem in den Städten, die immer mehr Bürger in Randgebiete abdränge. "Es muß sofort bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden", forderte Theissen. Andernfalls drohe der Volkswirtschaft ein enormer Schaden. "Was unser Gemeinwesen heute nicht in bezahlbare Wohnungen steckt, wird es in fünf bis zehn Jahren in mindestens doppelter Höhe für Frührenten und Krankenstand bezahlen müsse."
WASHINGTON, 17. Januar (dpa). China verwendet illegal beschaffte Technologie der US-amerikanischen "Patriot"-Luftabwehr-Rakete, um seine weniger effektiven sowjetischen Boden-Luft-Raketen zu verbessern. Das berichtet die Fachzeitschrift Aviation Week And Space Technology.
Dem Bericht zufolge soll China die "Patriot"-Technik auch für die Entwicklung einer offensiven ballistischen Rakete verwenden, die die US-Verteidigung überwinden könnte. Die Raketen sollen Ziele in jeder Flughöhe angreifen können, damit könnten sie auch tieffliegende Marschflugkörper zerstören.
ISLAMABAD, 17. Januar (dpa). In Pakistan soll der Ruf des Muezzin zum Gebet täglich fünf Mal live über die elektronischen Medien verbreitet werden, berichtete die Zeitung Frontier Post am Samstag. Sie beruft sich auf eine entsprechende Forderung des pakistanischen "Rates für Islamische Lehre".
Der Rat forderte außerdem, daß Radiosender und Fernsehstationen nach jedem Gebet für 30 Minuten schweigen, damit sich die Gläubigen dem Gebet mit voller Hingabe widmen können. Außerdem verlangte der Rat, daß nur Personen mit einem festem Glauben an die islamische Lehre bei Radio und Fernsehen arbeiten dürfen.
MÜNCHEN (dpa). Der zweitgrößte europäische Damenmodenhersteller Escada will auf seinen tiefen Sturz in die Verlustzone mit einer Roßkur antworten, unrentable Läden schließen und seine erst 1989 übernommene lukrative US-Tochter St. John Knits abstoßen. "Wir sind zu schnell gewachsen und haben uns verzettelt", gibt Vorstandschef Wolfgang Ley zu.
In der Rechnungsperiode 1991/92 (Ende Oktober) erlitt der Konzern bei stagnierendem Umsatz von knapp 1,4 Milliarden Mark einen Verlust im operativen Geschäft von 22,8 Millionen Mark und inklusive außerordentlicher Aufwendungen sowie Wertberichtigungen sogar von über 100 Millionen Mark. Zuvor war noch ein Gewinn vor Steuern von 75,7 Millionen herausgesprungen.
Der weltweite Konjunktureinbruch habe Escada voll getroffen. Durch Eröffnung von teuren Läden in den großen Modezentren und Ausbau der Auslandstöchter seien vor allem Verluste in Japan, aber auch in den USA, Italien und Frankreich entstanden. Dies habe zu dem Entschluß geführt, "Tabula rasa zu machen", sagt Ley, der mit seiner Frau, der im Juni 1992 verstorbenen Chefdesignerin Margaretha Ley, das Unternehmen aufgebaut hat. Der geplanten Wende bei Escada werden vier bis fünf Prozent der noch 5000 Stellen zum Opfer fallen. 1991/92 waren knapp 700 Arbeitsplätze gekappt worden.
Der TuS Schutterwald verschaffte sich in der Handball-Bundesliga durch einen 23:18(11:13)-Heimsieg über den THW Kiel wieder mehr Luft im Abstiegskampf. Überragender Akteur vor 4000 Zuschauern in Offenburg war der 28 Jahre alte TuS-Torhüter Hans-Peter Fries, der den Südbadenern beide Punkte sicherte. In den ersten 30 Minuten überzeugte der THW Kiel spielerisch und führte zur Pause verdient mit 13:11 Toren; auch, weil der grippegeschwächte Schwede Andersson bei Schutterwald nicht wie gewohnt Regie führte.
Nach dem Wechsel besannen sich die Südbadener auf ihre Kampfkraft. Beim 17:17 (49.) lag der THW letztmals gleichauf, sieben Minuten später war beim 20:17 die Entscheidung gefallen. "Mein Team hat verloren, weil es nicht in der Lage war, freistehend das Tor zu treffen", kritisierte Kiels Trainer Holger Oertel seine Spieler.
Bei Schutterwald waren Derr (6) und - nach Steigerung im zweiten Abschnitt - Andersson (5/3) die besten Werfer; beim THW Kiel gefielen Linksaußen Scheffler (6) und der Schwede Wislander (4). dpa
JAHODNA, 17. Januar (dpa). Der stellvertretende Regierungschef Roman Kovac soll Präsident der Anfang des Jahres unabhängig gewordenen Slowakei werden. Am Samstag nominierte die Partei von Ministerpräsident Vladimir Meciar, die regierende Bewegung für eine Demokratische Slowakei (HZDS), den 52jährigen im ostslowakischen Jahodna. In geheimer Wahl hatte sich Roman Kovac in dem 51köpfigen Parteivorstand gegen den früheren Präsidenten des tschechoslowakischen Bundesparlamentes, Michal Kovac, durchgesetzt.
Der Präsident soll am 26. Januar vom Parlament in Bratislava gewählt werden. Die HZDS verfügt dabei jedoch nicht über die notwendige Drei-Fünftel-Mehrheit. Die rechtsgerichtete Slowakische Nationalpartei hat bereits einen Gegenkandidaten aufgestellt, die Nominierung weiterer Gegenkandidaten aus den Reihen der Opposition wird erwartet.
PARIS, 17. Januar (dpa). Eine Justizreform, die Tatverdächtigen mehr Rechte einräumt, hat unter französischen Untersuchungsrichtern eine bisher beispiellose Protestwelle ausgelöst. Seit Beschluß des Gesetzes am 4. Januar baten nach Angaben aus Justizkreisen etwa 80 Richter um ihre Entlassung. Grund ist vor allem eine neue Informationspflicht. Künftig müssen Tatverdächtige umgehend über die Einleitung eines Verfahrens informiert werden. Dies erschwert nach Ansicht der Untersuchungsrichter, die in Frankreich wesentliche Ermittlungsaufgaben haben, das Sammeln von Beweisen. Zudem sollen - von dringenden Fällen abgesehen - nicht mehr die Untersuchungsrichter über die Einlieferung in Untersuchungshaft entscheiden, sondern Vorsitzende ordentlicher Gerichte.
MOSKAU, 17. Januar (AFP). Der Herausgeber einer russischen Übersetzung von Hitlers "Mein Kampf" soll sich in Rußland vor Gericht verantworten, teilte die russische Staatsanwaltschaft mit. Der Chef des staatlichen Verlags Wolchow in Sankt Petersburg habe zwischen Oktober und Januar 300 Exemplare des Buches gedruckt und verkauft. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.
HAMBURG, 17. Januar (AFP). Das Bundeskriminalamt (BKA) will Staaten, denen die Bundesregierung Hilfe beim Aufbau ihres Polizeiapparats gewährt, stärker als bisher auf ihre Menschenrechtspolitik hin überprüfen. Das BKA hatte in den vergangenen Jahren auch Polizisten aus den Ländern Dschibuti, Kamerun und Mali ausgebildet, denen die Gefangenenhilfsorganisation Amnesty International (ai) schwere Menschenrechtsverletzungen vorwirft. Nach Angaben des BKA-Präsidenten Ludwig Zachert legt zwar die Bundesregierung fest, welche Staaten BKA-Unterstützung erhalten, das BKA aber werde die innenpolitische Lage in diesen Ländern künftig genauer analysieren und dem Innenminister Hinweise geben, zitiert Der Spiegel Zachert . Dabei sollen auch Partnerländer nicht verschont werden. "Bei deutscher Hilfe für die Türkei", so Zachert laut Spiegel, "habe ich Bauchschmerzen".
WASHINGTON, 17. Januar (AFP). Der 1985 in die USA geflüchtete sowjetische Geheimdienstler Vitali Jurschenko, der nach drei Monaten in die Sowjetunion zurückkehrte, war nach Auffassung von CIA-Chef Robert Gates ein "echter" Überläufer. Wie Gates der Washington Post mitteilte, war die Flucht Jurschenkos nicht vom sowjetischen Geheimdienst KGB inszeniert.
"Er hat zu genaue Informationen geliefert", sagte Gates, der damit erstmals eine offizielle Stellungnahme zum Fall Jurschenko abgab. Der KGB-Oberst hatte sich am 1. Mai 1985 in Rom Agenten der CIA gestellt. Drei Monate später entkam er seinen Begleitern in einem Restaurant in Washington und flüchtete in die sowjetische Botschaft. Dort gab er an, er sei von der CIA entführt und unter Drogen gesetzt worden.
MIAMI, 17. Januar (AFP/AP). In Absprache mit dem künftigen US-Präsidenten Bill Clinton hat die US-Regierung am Wochenende weitreichende Maßnahmen getroffen, um eine Massenflucht aus Haiti nach dem Amtsantritt Clintons am kommenden Mittwoch zu verhindern. Dies teilte das Weiße Haus mit.
Kurz nachdem die US-Küstenwache das Seegebiet vor Haiti mit 22 Schiffen und mehreren Flugzeugen abgeriegelt hatte, wurden zwei Flüchtlingsboote mit insgesamt 211 Haitianern aufgebracht. Sie wurden mit Nahrung und Medikamenten versorgt und dann in ihre Heimat zurückgebracht.
Die Streitkräfte von Haiti stimmten am Sonntag auf Drängen der UN Verhandlungen über die Wiedereinführung der Demokratie zu. Zuvor hatte sich der gestürzte Präsident Jean-Bertrand Aristide bereit erklärt, erstmals mit den Anführern des Putsches vom September 1991 zu reden.
TOKIO, 17. Januar (AFP). Japan plant die Errichtung eines Satellitennetzes zur Überwachung und Vorhersage von Naturkatastrophen in Asien und in der Pazifik- Region. Nach einem Bericht der Zeitung Asahi Shimbun wolle Ministerpräsident Kiichi Miyazawa die sieben führenden Industrienationen, die schon Beobachtungssatelliten im Weltraum unterhalten, beim G7-Gipfel im Juli in Tokio zur Mitarbeit an diesem Projekt gewinnen.
Die Versäumnisse der asiatischen Länder beim Ausbruch des philippinischen Vulkans Pinatubo oder bei Waldbränden in Indonesien haben die japanische Regierung nach Berichten des Blattes motiviert, ein solches Projekt in Angriff zu nehmen. Den Ländern Asiens und der Pazifik-Region sollen dann umfassende Daten über Temparatur- und Wetterentwicklungen zur Verfügung stehen, die es erlauben, künftige Katastrophen vorherzusagen.
Zur Person:
JOCHEN BORCHERT, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Bochum wird Nachfolger von Landwirtschaftsminister
IGNAZ KIECHLE (CSU). Dies teilte Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) auf dem Landesparteitag der nordrhein-westfälischen CDU in Neuss mit. Borchert (Bild: dpa) sei an diesem Samstag noch Bundestagsabegeordneter, werde jedoch den nächsten Samstag als Bundesminister erleben, sagte der Kanzler. Weitere geplante Veränderungen im Bundeskabinett hat Kohl noch nicht bekanntgegeben. Aus Regierungskreisen hieß es allerdings, daß auch die Stellen von sechs oder sieben Parlamentarischen Staatssekretären gestrichen werden sollten. (AFP/Reuter)
OFFENBACH. Zwei Tote sind die Folge eines Überholmanövers am Freitag abend in Offenbach.
Nach Mitteilung der Polizei vom Samstag war der 40jährige Fahrer einer schweren Limousine wahrscheinlich zu schnell und auch noch betrunken, als er kurz vor Mitternacht auf der Sprendlinger Straße zwei Autos überholte.
Als er wieder auf die rechte Fahrspur wollte, verlor er die Herrschaft über seinen Wagen und raste gegen eine Hauswand und einen Betonpfeiler. Der Fahrer und seine Beifahrerin wurden eingeklemmt. lhe
EISHOCKEY OBERLIGA NORD: ESC Wedemark - ESC Frankfurt 5:9, ETC Timmendorf - Herforder EG 7:3, REV Bremerhaven - ESC Wolfsburg 5:6, Schalker Haie - EC Harz-Braunlage 1:4.
Eintracht Frankfurt verliert Finale auf Gran Canaria
Für Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt könnte die Winterpause sofort zu Ende sein. Trotz einer 2:3 (0:1)-Niederlage gegen IFK Göteborg im Finale des Vierer-Turniers in Maspalomas auf Gran Canaria sprühte die Elf von Trainer Dragoslav Stepanovic vor Spiellaune. Ausschlaggebend für die Niederlage waren einzig Abstimmungsprobleme in der Abwehr, wo Stepanovic mit Uwe Bindewald und dem Georgier Kachabar Zchadadse eine neue Formation in der Innenverteidigung ausprobierte. Bindewalds Gegenspieler Ekström entschied die Partie mit drei Treffern (27./65./87.) im Alleingang.
Für die Eintracht waren der überragende Edgar Schmitt (70.) und Spielmacher Uwe Bein (85.) zum zwischenzeitlichen Ausgleich erfolgreich. Frankfurt kassierte für Platz zwei 20 000 Mark, zudem hatten die Gastgeber die Kosten des Trainingslagers übernommen. Das Spiel um Platz drei gewann Fortuna Düsseldorf 3:0 gegen Bröndby Kopenhagen.
Derweil brodelt die Gerüchteküche um die Trainer-Nachfolge weiter: Klaus Toppmöller vom Zweitligisten Waldhof Mannheim dementierte am Wochenende Gerüchte, wonach er Nachfolger des zum Saisonende scheidenden Dragoslav Stepanovic werden solle. Toppmöller: "Ich werde keinen Kontakt aufnehmen. Wenn die Eintracht an mir interessiert sein sollte, wäre der umgekehrte Weg richtig."
Nach Aussage Toppmöllers, der eine Vertragsverlängerung bei Waldhof nicht ausschließt, hatte Hölzenbein in einem Gespräch vor zwei bis drei Monaten Interesse an seiner Verpflichtung gezeigt.
Im Frankfurter Trainingslager auf Gran Canaria erklärte Hölzenbein, daß vor der Rückkehr nichts entschieden werde. Er bestätigte jedoch, daß auch über den ehemaligen Kaiserslauterner Torjäger Toppmöller nachgedacht werde. Am 29. Januar trifft die Eintracht in einem Testspiel auf Mannheim.
Trotz gewisser Abstimmungsprobleme überzeugte der Georgier Zchadadse die Eintracht-Führung endgültig. Der Abwehrspieler von Dynamo Moskau trumpfte mit starkem Kopfballspiel und guter Technik auf. Frankfurts Vizepräsident Bernd Hölzenbein will den Wechsel auf jeden Fall bis zum Ablauf des Monats unter Dach und Fach haben. Zumindest eine Vertragsverlängerung konnte Hölzenbein bereits vermelden. Der 35jährige Rudi Bommer wird noch ein weiteres Jahr das Eintracht-Trikot überstreifen. FR
KASSEL. Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) hat die Hessen aufgefordert, bei der Kommunalwahl am 7. März keine radikalen und extremen Parteien zu wählen. Hessens Bürger müßten sich über die Bedeutung dieser Wahl, vor allem im Ausland, im klaren sein, sagte Eichel am Samstag beim Neujahrsempfang der Stadt Kassel.
Unter Beifall von mehr als tausend Gästen stellte der hessische Regierungschef fest: "In deutschen Parlamenten haben politischer Extremismus, Intoleranz und Gewalt keinen Platz." lhe
NEW YORK, 17. Januar (Reuter). UN- Generalsekretär Butros Butros-Ghali will Anfang Februar Kambodscha besuchen. Die UN hat für Kambodscha eine Übergangsverwaltung (UNTAC) eingerichtet, die Wahlen vorbereiten soll. Erneut wurde ein UNTAC-Mitarbeiter von den kommunistischen Roten Khmer entführt, die sich nicht an das im Oktober 1991 geschlossene Friedensabkommen halten.
STUTTGART, 17. Januar (Reuter). Im pfälzischen Landstuhl ist am Wochenende ein Gefallenendenkmal zerstört worden. Bei dem Standbild "Im Gebet vor der Schlacht" aus dem Jahr 1934 sei der Kopf des Reiters abgesägt worden, teilte die Polizei weiter mit. Am Hals des Pferdes sei ein Schild mit der Aufschrift "Keine faschistischen Denkmäler" gefunden worden. Zu der Beschädigung bekannte sich eine "Gewaltfreie Aktionsgruppe Clara Wichmann". Sie erklärte, der Reiter habe die Züge Adolf Hitlers getragen.
In dem Brief, der bei einer Nachrichtenagentur und einer Zeitung einging, hieß es, das Reiterstandbild sei das einzige Denkmal in der Bundesrepublik, das Hitler abbilde. Dieses Denkmal sei zum Symbol für die Geschichtsverdrängung geworden, die zu Taten wie in Hoyerswerda und Rostock geführt habe.
HAMBURG, 17. Januar (Reuter). Im Kreis Dithmarschen ist es nach Informationen der Brunsbütteler Rundschau zu einer "verdächtigen Häufung" von Blutkrebsfällen gekommen. Die Zeitung berichtete am Samstag, es werde untersucht, ob die Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Atomkraftwerk Brunsbüttel stünden. Dem Kreisgesundheitsamt lägen zwei Fälle vor, vier weitere seien von einer Bürgerinitiative dem Kreis Dithmarschen und einem Toxikologen gemeldet worden.
EVERETT/SEATTLE (rtr). Der US- Flugzeughersteller Boeing wird seine Großraum-Jets vom Typ 767-300 künftig auch in einer Frachtversion anbieten und hat dafür bereits den größten Auftrag vorliegen, den er jemals für eine Frachtmaschine erhalten hat. Das Riesen-Paket stammt vom amerikanischen Spediteur United Parcel Service (UPS). Dieser habe 60 Maschinen dieses Typs geordert, teilt Boeing mit. Für 30 Flugzeuge habe das Fracht- und Paketdienst-Unternehmen feste Orders plaziert und für weitere 30 Optionen erworben. Experten geben den gesamten Auftragswert mit über fünf Milliarden Dollar an. Boeing kündigt an, die Arbeiten an dem Projekt sofort aufnehmen zu wollen. Erste Testflüge des zweistrahligen Jets seien für das zweite Quartal 1995 vorgesehen.
Unterdessen hat die zweitgrößte Gewerkschaft der Boeing-Beschäftigten für morgen am Konzernsitz Seattle zu einem eintägigen Streik aufgerufen, dem ersten in der 47jährigen Geschichte der Techniker-Gewerkschaft Speea. Seit Anfang Dezember sei die Geschäftsleitung Verhandlungen mit der Gewerkschaft aus dem Weg gegangen, sagt Speea-Mann Charles Bofferding. Die Gewerkschaft möchte von den ausgehandelten Lohnsteigerungen einen Großteil als garantierte Erhöhungen, während die Firmenspitze dies leistungsabhängig verteilen will.
Doppelsitzer: 1. Mankel/Rudolph (Winterberg) 1:33,212 Minuten, 2. Grimette/Edwards (USA) 1:33,336, 3. Raffl/Huber (Italien) 1:33,345, 4. Thorpe/Sheer (USA) 1:33,608, 5. Krauße/Behrendt (Oberhof) 1:33,812, 6. Apostol/Cepoi (Rumänien) 1:34,012. - Stand im Weltcup: 1. Raffl/ Huber 75 Punkte, 2. Mankel/Rudolph und Grimette/Edwards je 50.
Frauen, Einsitzer: 1. Weissensteiner (Italien) 1:33,251 Minuten, 2. Tagwerker 1:33,375, 3. D. Neuner (beide Österreich) 1:33,382, 4. Erdmann (Oberhof) 1:33,421, 5. A. Neuner (Österreich) 1:33,444, 6. Otto (Oberwiesenthal) 1:33,458, ... 9. Kohlisch (Oberwiesenthal) 1:33,972. - Stand im Weltcup: 1. Weissensteiner 61 Punkte, 2. Tagwerker und D. Neuner je 68, 4. Erdmann 45.
SKI NORDISCH LANGLAUF-WELTCUP der Männer in Bohinj/Slowenien, 15 km (freie Technik): 1. Smirnow (Kasachstan) 34:49,6 Minuten, 2. Mogren (Schweden) 34:58,2, 3. Daehlie 35:03,0, 4. Alsgard (beide Norwegen) 35:07,2, 5. Fauner 35:24,7, 6. De Zolt (beide Italien) 35:33,2, 7. Ulvang (Norwegen) 35:37,7, 8. Vanzetta 35:42,9, 9. Valbusa (beide Italien) 35:51,7, 10. Korunka (Tschechei) 35:52,5, 11. Prokurorow (Rußland) 36:00,9, 12. Isometsä (Finnland) 36:03,0, 13. Schlickenrieder (Schliersee) 36:03,6, 14. Albarello (Italien) 36:04,9, 15. Majbaeck (Schweden) 36:07,8, . . . 20. Mühlegg (Marktoberdorf) 36:22,7, . . . 37. Bellmann (Hirschau) 37:02,4, . . . 41. Fiedler (Oberwiesenthal) 37:19,1, . . . 55. Kuss (Brend) 38:00,8, . . . 66. Rein (Oberhof) 39:21,2. - Stand im Gesamt-Weltcup nach sechs Wettbewerben: 1. Daehlie 392 Punkte, 2. Ulvang 391, 3. Smirnow 380, 4. Michail Botwinow (Rußland) 210, 5. Mogren 190, 6. Albarello 169, 7. Majbaeck 146, 8. Prokurorow 127, 9. Korunka 122, 10. Langli (Norwegen) 118, . . . 17. Mühlegg 73, . . . 29. Behle (Willingen) 46, . . . 46. Schlickenrieder 20.
SKI ALPIN WELTCUP-ABFAHRT der Männer in St. Anton/Österreich: 1. Heinzer (Schweiz) 2:03,48 Minuten, 2. Runggaldier (Italien) 2:03,60, 3. Mader (Österreich) 2:03,69, 4. Skaardal (Norwegen) 2:03,70, 5. Ortlieb (Österreich) 2:03,79, 6. Girardelli (Luxemburg) 2:03,89, 7. Mahrer (Schweiz) 2:04,03, 8. Duvillard (Frankreich) 2:04,13, 9. Arnesen (Norwegen) 2:04,41, 10. Perathoner (Italien) 2:04,44, 11. Besse (Schweiz) 2:04,49, 12. Assinger (Österreich) und Vitalini (Italien) beide 2:04,63, 14. Rey (Frankreich) 2:04,65, 15. Ghedina (Italien) 2:04,71, ... 26. Wasmeier (Schliersee) 2:06,01. - Stand im Abfahrts-Weltcup nach fünf Rennen: 1. Heinzer 324 Punkte, 2. Besse 240, 3. Girardelli 209, 4. Stock (Österreich) 188, 5. Mahrer 186, 6. Skaardal 170, 7. Runggaldier 160, 8. Mader 146, 9. Ortlieb 131, 10. Rey 129. - Stand im Gesamt-Weltcup nach 16 Rennen und einer Kombination: 1. Girardelli 753 Punkte, 2. Tomba (Italien) 472, 3. Kjetil Aamodt (Norwegen) 449, 4. Heinzer 436, 5. Mader 344, 6. Thorsen (Norwegen) 343, 7. Skaardal 294, 8. Fogdoe (Schweden) 285, 9. Besse 276, 10. Stock 268.
Frauen, 7,5 km: 1. Reszowa (Rußland) 23:53,7/4, 2. Disl (Moosham) 24:32,6/1, 3. Briand (Frankreich) 24:39,3/1, 4. Bedard (Kanada) 24:43,5/0, 5. Simuschina (Rußland) 24:46,1/4, 6. Jasickova (Slowakei) 24:48,1/0, 7. Hakova 24:54,1/2, 8. Kulhava (beide Tschechei) 24:57,4/0, 9. Eklund (Schweden) 25:01,9/1, 10. Aalto (Finnland) 25:02,1/0, 11. Claudel (Frankreich) 25:02,4/1, 12. Noskova (Tschechei) 25:03,0/0, 13. Niogret 25:05,8/2, 14. Burlet (beide Frankreich) 25:10,6/1. 15. Knizkova (Tschechei) 25:16,4/3, ... 19. Schaaf (Willingen) 25:29,7/3, ... 27. Schwaab (Oberhof) 26:06,2/1, ... 34. Greiner-Petter-Memm (Oberhof) 26:40,4/3, ... 43. Kesper (Willingen) 27:13,0/1, ... 49. Humanik (Oberwiesenthal) 27:32,1/7. - Stand im Gesamt-Weltcup nach vier Wettbewerben: 1. Hakova 88, 2. Briand 84, 3. Bedard 77, 4. Schaaf 75, 5. Niogret 74, 6. Reszowa und Santer (Italien) beide 60, 8. Adamickova (Tschechei) 53, 9. Lampinen (Finnland) 51, 10. Burlet 50,...12. Disl 46,...21. Misersky (Oberhof) 21,...23. Greiner-Petter-Memm 16,...28. Schwaab 13.
EISKUNSTLAUFEN EUROPAMEISTERSCHAFT in Helsinki, Eistanz, Endstand: 1. Usowa/Schulin 2,0 Punkte, 2. Gritschuk/Platow (alle Rußland) 4,0, 3. Rahkamo/Kokko (Finnland) 6,0, 4. Krylowa/Fedorow (Rußland) 8,4, 5. Calegari/Camerlengo (Italien) 10,6, 6. Moniotte/Lavanchy (Frankreich) 11,0, 7. Romanowa/ Jaroschenko (Ukraine) 14,0, 8. Mrazova/Simecek (Tschechei) 16,4, 9. Navka/Gesolian (Weißrußland) 17,6, 10. Goolsbee/Schamberger (Essen) 20,0, 11. Drobiazko/ Vanagas (Litauen) 22,0, 12. Humphreys/Lanning (Großbritannien) 24,2, 13. le Bed/Piton (Frankreich) 27,0, 14. Domanska/Glowacki (Polen), 15. Chrobokova/Brzy (Tschechei) beide 28,8 (besseres Kürergebnis zugunsten von Domanska/Glowacki), 16. Winkler/Lohse (Berlin) 31,8, ...18. Führing/Wilczek (Österreich) 36,2, 19. Gerencser/Stanislawow (Schweiz) 37,8.
MOTORSPORT RALLYE PARIS-DAKAR, 16. und letzter Tag, 11. Etappe von Nouakchott/Mauretanien nach Dakar/Senegal (580 km/davon 60 km Wertungsprüfung), Automobil-Wertung: 1. Weber/ Hiemer (Neufahrn/Leiwen) Mitsubishi 33:10 Minuten, 2. Lartigue/Perin (Frankreich) Citroen 0:30 Minuten zurück, 3. Vatanen/Delferier (Finnland/Belgien) Citroen 2:09, 4. Auriol/Picard (Frankreich) Citroen 2:59, 5. Ambrosino/ Guehennec (Frankreich) Citroen 3:28, 6. Shinozuka/Magne (Japan/Frankreich) Mitsubishi 3:49, 7. Saby/Serieys (Frankreich) Mitsubishi 3:50. - Endstand nach insgesamt 8.877 km (5.387,50 km Wertungsprüfung): 1. Saby 24:56:02 Stunden Strafzeit, 2. Lartigue 1:09:45 Stunden zurück, 3. Auriol 4:02:08, 4. Weber 6:14:38, 5. Shinozuka 7:02:51.
Motorrad-Wertung: 1. Peterhansel (Frankreich) 38:50 Minuten, 2. Arcarons (Spanien) 0:17 Minuten zurück, 3. Charbonnier (Frankreich) alle Yamaha 2:11, 4. Pilet (Frankreich) Honda 4:46, 5. Sireyjol (Frankreich) Suzuki 5:58. - Endstand: 1. Peterhansel 51:51:51 Stunden Strafzeit, 2. Charbonnier 1:22:19 Stunden zurück, 3. Arcarons 8:01:01, 4. Bennerotte (Frankreich) Kawasaki 13:20:50, 5. Kolberg (Brasilien) Yamaha 14:15:04.
Die Serie von Enttäuschungen reißt bei Englands Fußball-Rekordmeister FC Liverpool nicht ab: Wenige Tage nach dem blamablen "Aus" im F.A.-Cup gegen den Drittdivisionär Bolton Wanderers kassierten die "Reds" am 24. Spieltag der Premier League eine 0:2-Schlappe beim FC Wimbledon.
Neuer Spitzenreiter ist zumindestens vorrübergehend wieder Norwich City, das gegen Coventry City 1:1 spielte. Der bisherige Tabellenführer Manchester United spielt erst am Montag bei den Queens Park Rangers. sid
ROLLHOCKEY BUNDESLIGA, Männer: TUS Düsseldorf - TSV Weil 3:10, ERG Iserlohn - RESG Walsum 2:10, GRSC Mönchengladbach - RSC Cronenberg 3:5, IG Remscheid - TV Dortmund 6:2, ERSC Stuttgart - FC Recklinghausen 2:9, SpVg. Herten - TGS Ober-Ramstadt 5:6.
Handball
Europapokal der Pokalsieger Valur Reykjavik - TUSEM Essen 27:25 (14:11). Tore: Gunnarsson (7), Kristiansson (7/3), Grimsson (7/2), Sveinsson (3), Sigurdsson (2), Stefansson (1) für Reykjavik - Ahrens (8/1), Tutschkin (7), Töpfer (5), Seidel (2), Fraatz (2), Quarti (1) für Essen. - Zuschauer: 1200. Europapokal Bayer Dormagen - SKA Minsk 27:20 (13:7). Tore: Andersson (7/2), Klemm (4), Scheuermann (4), Kohlhaas (3), Schmidt (3), Sproß (3), Fitzek (2), Nowak (1) für Dormagen - Paschkewitsch (5), Klimowets (5), Goldin (4), Chalepo (3/2), Minewski (2), Baronin (1). Zuschauer 1500.
SG Leutershausen - IF Linköping 25:23. Tore: Schuppler (1), Klavehn (4), Nagel (3), Löffler (1), Grupe (1), Croy (3), Voinea (3/2), Kunze, Löhr (7), Roth (2) für Leutershausen. - Olsson (8/2), Samuelsson (1), Göthe (6), Claudius (2), Mörlin (1), Jangmo (3), Thorsson (2) für Linköping. - Zuschauer: 1300. Bundesliga TV Eitra - SC Magdeburg 26:21 (11:8). Tore: Janeck (7), Fichtner (7), Jarak (4/1), Kelle (3), Kemmler (2), Edleditsch (1), Beck (1), Zlattinger (1) für Eitra - Fiedler (6/3), Jankevicius (6/1), Winselmann (3), Fink (2), Liesegang (2), Michel (1) Triepel (1) für Magdeburg. - Zuschauer: 2100.
TuS Schutterwald - THW Kiel 23:18 (11:13). Tore: Derr (6), Andersson (5/3), Bohn (3), Esslinger (2), Eckhardt (2), Heuberger (2), Schilling (2), Schmidt (1) für Schutterwald - Scheffler (6), Wislander (4), Schwenke (3/2), Ahrens (3), Germann (1), Knorr (1) für Kiel. - Zuschauer: 4000. TV Niederwürzbach - VfL Gummersbach 22:18 (12:8). Tore: Schwarzer (7), Schmitt (6), Hartz (3), Olsson (2), Kalbitz (2/1), Grundel (1), Wille (1) für Niederwürzbach. Dörhöfer (7/3), Erland (5), Derad (3), Zimmer (2), Petersen (1) für Gummersb. - Zuschauer: 2800 (ausverkauft).
ENGLAND, Premier Division: FC Everton - Leeds United 2:0, Manchester City - FC Arsenal 0:1, Norwich City - Coventry City 1:1, Nottingham Forest - FC Chelsea 3:0, Oldham Athletic - Blackburn Rovers 0:1, Sheffield United - Ipswich Town 3:0, FC Southampton - Crystal Palace 1:0, Tottenham Hotspur - Sheffield Wednesday 0:2, FC Wimbledon - FC Liverpool 2:0, Aston Villa - FC Middlesbrough 5:1, Queen's Park Rangers - Manchester United am Montag. - Die Tabellenspitze: 1. Aston Villa 39:26/44, 2. Norwich City 35:36/42, 3. Manchester United 34:18 Tore/41 Punkte, 4. Blackburn Rovers 35:20/41.
SCHOTTLAND, Premier Division: FC Aberdeen - FC Airdrieonians 7:0, Celtic Glasgow - FC St Johnstone verlegt, FC Dundee - Heart of Midlothian verlegt, FC Falkirk - Partick Thistle verlegt, Hibernian Edinburgh - Dundee United 2:1, FC Motherwell - Glasgow Rangers verlegt. - Die Tabellenspitze: 1. Glasgow Rangers 24 Spiele/58:18 Tore/42:6 Punkte, 2. FC Aberdeen 25/57:19/37:13, 3. Celtic Glasgow 25/37:28/ 30:20, 4. Hearts of Midlothian 25/28:25/29:21.
FRANKREICH (21. Spieltag): AC Le Havre - Racing Club Lens 0:1, Olympique Nimes - AS Monaco 0:1, FC Auxerre - FC Nantes 1:1, FC Toulon - Girondins Bordeaux 0:0, Olympique Lyon - FC Sochaux 3:1, FC Metz - Olympique Marseille 2:1, FC Toulouse - AS St. Etienne 0:0, FC Paris St. Germain - Racing Straßburg 1:1, FC Valenciennes - SM Caen 3:2, Olympique Lille - SC Montpellier 0:0. - Die Tabellenspitze: 1. AS Monaco 34:14 Tore/30:12 Punkte, 2. FC Nantes 37:19/29:13, 3. FC Paris St. Germain 38:17/27:15, 4. FC Auxerre 36:23/27:15.
ITALIEN (16. Spieltag): Ancona Calcio - FC Udinese 1:0, AC Brescia - AC Mailand 0:1, US Cagliari - US Foggia 1:1, AC Florenz - AC Turin 0:0, FC Genua - Atalanta Bergamo 1:0, Inter Mailand - AC Parma 2:1, Juventus Turin - AC Pescara 2:1, SSC Neapel - Lazio Rom 3:1, AS Rom - Sampdoria Genua 0:0. - Die Tabellenspitze: 1. AC Mailand 37:14 Tore/29:3 Punkte, 2. Inter Mailand 30:22/21:11, 3. Lazio Rom 33:25/18:14, 4. Juventus Turin 29:21/18:14.
GRIECHENLAND (18. Spieltag): Edessaikos - Apollon Saloniki 3:2, Larissa - AO Xanthi 2:0, Iraklis Saloniki - Olympiakos Piräus 2:1, Pierikos Katerini - Ionikos 0:0, Aris Saloniki - AEK Athen 1:1, OFI Kreta - Panathinaikos Athen 0:1, Korinthos - Athinaikos Athen 0:0, Panachaiki Patras - PAOK Saloniki 0:0, Apollon Athen - Doxa Drama 1:0. - Die Tabellenspitze: 1. AEK Athen 41:13 Tore/43 Punkte, 2. Olympiakos Piräus 33:12/40, 3. Panathinaikos Athen 40:11/39, 4. OFI Kreta 33:13/34.
NIEDERLANDE (17. Spieltag): FC Volendam - PSV Eindhoven 3:1, Feyenoord Rotterdam - FC Groningen 3:1, MVV Maastricht - FC Twente Enschede 2:0, BVV Den Bosch - Fortuna Sittard 1:2, Ajax Amsterdam - FC Utrecht 1:1, Cambuur Leeuwarden - SVV/Dordrecht '90 5:0, RKC Walwijk - Go Ahead Eagles 2:1, Roda JC Kerkrade - Sparta Rotterdam 1:2, Vitesse Arnheim - Willem II Tilburg 2:0. - Die Tabellenspitze: 1. PSV Eindhoven 43:11 Tore/26:6 Punkte, 2. Feyenoord Rotterdam 38:17/23:9, 3. FC Utrecht 28:18/23:11, 4. MVV Maastricht 29:24/22:12.
SPANIEN (18. Spieltag): Atletico Madrid - Real Madrid 1:1, CD Teneriffa - Real Sociedad San Sebastian 1:0, FC Barcelona - FC Osasuna 2:1, Real Burgos - FC Sevilla 0:2, Sporting Gijon - Celta de Vigo 0:3, Albacete - Rayo Vallecano 1:0, Deportive La Coruna - Real Oviedo 2:1, FC Valencia - FC Cadiz 5:0, CD Logrones - Espanol Barcelona 0:0, Athletico Bilbao - Real Saragossa 3:2. - Die Tabellenspitze: 1. Deportivo Coruna 34:12 Tore/29:7 Punkte, 2. Barcelon 44:16/27:7, 3. Real Madrid 34:15/25:11, 4. Valencia 27:15/22:14.
SQUASH BUNDESLIGA, Männer: Boastars Kiel - Paderborner SC 2:3, DHSRC Hamburg - RSS Recklinghausen 5:0.
Gruppe B: Deutschland - Tschechei/Slowakei 3:1 (Roßkopf/Düsseldorf - Janci 21:19, 23:25, 21:9, Fetzner/Düsseldorf - Korbel 21:18, 13:21, 9:21, Roßkopf/Fetzner - Korbel/Javurek 21:19, 21:17, Roßkopf - Janci 21:18, 21:17), Deutschland - England 3:1 (Fetzner - Prean 15:21, 15:21, Roßkopf - Syed 21:15, 21:11, Roßkopf/Fetzner - Prean/Syed 21:12, 21:12, Roßkopf - Prean 21:18, 21:18), England - Österreich 3:2, Österreich - Tschechei/Slowakei 3:2.
GOLF MADEIRA OPEN in Santa Cruz/Portugal (650 000 Mark), Stand nach der dritten Runde (Par 72): 1. James (England) 210 (71+69+70) Schläge, 2. Ames (Trinidad/Tobago) 212 (70+72+70), 3. Hall (England/65+77+71), Rafferty (Nordirland/73+73+67), Brand (England/71+72+70) alle 213, . . . 39. Strüver (Hamburg) 221 (72+76+73), . . . 51. Berhorst (Lage) 224 (73+74+77), . . . 62. Gögele (Augsburg) 226 (80+69+77).
WM-QUALIFIKATION, Gruppe A: Burundi - Algerien 0:0; Gr. B: Swaziland - Kamerun 0:0; Gr. C: Togo - Simbabwe 1:2; Gr. D: Südafrika - Nigeria 0:0, Gr. E: Botswana - Elfenbeinküste 0:0; Gr. F: Äthiopien - Marokko 0:1, Benim - Tunesien 0:5, Gr. H: Namibia - Madagaskar 0:1, Tansania - Sambia 1:3 (1:2).
HALLENTURNIER, Masters-Qualifikation in Berlin, Finale: München - Hertha 4:2 (1:1), Spiel um Platz drei: Moskau - Leverkusen 7:4 (2:3), Halbfinale: Leverkusen - München 1:4 (1:0), Hertha - Moskau 7:4 (5:3).
1. Spieltag: München - Moskau 5:3, Werder Bremen - Leverkusen 1:4, Hertha - 1. FC Nürnberg 1:2, Moskau - Bremen 5:2, Nürnberg - München 0:2, Leverkusen - Hertha 5:8.
2. Spieltag: Leverkusen - Nürnberg 5:0, Hertha - Moskau 2:5, Bremen - München 2:4, Moskau - Leverkusen 6:3, Nürnberg - Bremen 1:3, München - BSC 2:5.
3. Tag, Abschluß der Vorrunde: Moskau - Nürnberg 6:2, Leverkusen - München 7:4, Hertha - Bremen 1:3.
HALLENTURNIER, Masters-Qualifikation in Magdeburg, Finale: Mönchengladbach - Bochum 4:1; Spiel um Platz drei: Oldenburg - Hamburg 1:0; Gruppenspiele, Gruppe 1: Mönchengladbach - Magdeburg 4:3, Mönchengladbach - Kaiserlautern 3:1, Mönchengladbach - Oldenburg 3:3, Oldenburg - Kaiserslautern 2:2, Oldenburg - Magdeburg 5:2, Kaiserslautern - Magdeburg 4:2. Gruppe 2: Bochum - Dresden 3:2, Bochum - Braunschweig 4:1, Bochum - Hamburg 3:2, Hamburg - Dresden 2:1, Hamburg - Braunschweig 3:1, Braunschweig - Dresden 5:1
HALLENTURNIER in Essen: Saarbrücken - Schalke 1:3, Wattenscheid - Köln 2:2, RW Essen - Saarbrücken 2:1, Schalke - Wattenscheid 0:2, Köln - Essen 2:0, Saarbrücken - Wattenscheid 0:5, Schalke - Köln 1:1, Wattenscheid - Essen 3:3, Köln - FC Saarbrücken 5:0, Rotweiß Essen - FC Schalke 1:1.
Tabelle: 1. Wattenscheid 6:2 Pkt./12:5 Tore, 2. Köln 6:2/10:3, 3. Schalke 4:4/5:5, 4. Essen 4:4/6:7, 5. 1. FC Saarbrücken 0:8/2:15.
HALLENTURNIER in Baunatal, Tabelle: 1. Stadtauswahl Kopenhagen 29:4 Tore/10:2 Punkte; 2. San Sebastian 16:11/9:3; 3. Hessen Kassel 23:14/8:4; 4. Jena 14:18/6:6; 5. KSV Baunatal 12:18/5:7; 6. Dukla Prag 8:19/3:9; 7. Eintracht Baunatal 4:22/1:11.
EISSPEEDWAY WELTMEISTERSCHAFT in Frankfurt, Viertelfinale, Stand nach dem ersten Tag: 1. Iwanow 14 Punkte, 2. Iwanow (beide Rußland) und Scherlakow (Kasachstan) beide 13, 4. Balaschow (Rußland) 12, 5. Björklund (Schweden) und Alariihimäki (Finnland) beide 9, 7. . . . u. a. Weber (Hausham) 8, . . . 10. Soir (Olching) 7, . . . 11. Müller (Frankfurt) 4.
MOGADISCHU, 17. Januar (AP). US- Soldaten haben bei Mogadischu ein riesiges Waffenlager entdeckt, in dem 1 000 Tonnen Munition, Handfeuerwaffen und Sprengstoff versteckt waren. Trotz dieses Erfolges geriet die internationale Eingreiftruppe in Somalia ins Kreuzfeuer der Kritik. Sie mußte einräumen, daß bei einem Schußwechsel mit Milizionären auch drei Zivilisten ums Leben kamen.
US-Militärsprecher Fred Peck teilte am Samstag mit, ein Somalier habe die Truppe zu dem Waffenlager in Afgooje, einer Stadt etwa 30 Kilometer westlich von Mogadischu, geführt. In 30 Bunkern seien Waffen und Munition versteckt gewesen, darunter Boden-Luft-Raketen, mehrere Bomben, Maschinengewehre und Handfeuerwaffen. Es sei eine solche Menge, daß 150 bis 200 Lkw nötig seien, um die Beute abzutransportieren.
Zu der Schießerei sagte Peck, in der Nähe des Dorfes Burlego nordwestlich von Mogadischu hätten Banditen von einem Lkw, auf dem sich auch etwa 15 Zivilisten befunden hätten, das Feuer auf einen aus sechs Fahrzeugen bestehenden US-Militärkonvoi eröffnet. Die Soldaten hätten zurückgeschossen, sechs Somalier getötet und sechs verletzt. Später habe sich herausgestellt, daß es sich bei drei der Toten und vier Verletzten um Zivilisten gehandelt habe. "Wir sind nicht sicher, aber es könnte sein, daß sie (die Banditen) die Zivilisten als lebende Schutzschilde benutzt haben", sagte Peck. Die US-Soldaten treffe keine Schuld: "Sie haben getan, wofür sie ausgebildet sind. Auf sie wurde geschossen, und sie haben zurückgeschossen."
SANTIAGO, 17. Januar (AP/dpa). Chilenische Ärzte wollten am Wochenende keine Prognose über die Lebenserwartung des früheren DDR-Staatschefs Erich Honecker abgeben. Nach einer ersten Untersuchung des 80jährigen in der Hauptstadt Santiago erklärten die Ärzte, erst weitere Tests könnten Aufschluß geben, ob er operiert und der lebensbedrohenden Lebertumor entfernt werden könne.
Der Leiter des zehnköpfigen Untersuchungsteams, Renato Palma, sagte im Fernsehen, es bestehe kein Zweifel, daß Honeckers Gesundheitszustand "sehr ernst" sei. Auf die Frage, ob er die von deutschen Ärzten abgegebene Beurteilung eines Endstadiums von Leberkrebs teile, sagte Palma: "Für uns ist ein Patient im Endstadium einer, der bettlägerig, zu nichts mehr in der Lage, dem Tod sehr nahe ist." Dies treffe aber "ganz sicherlich nicht auf den Zustand Erich Honckers" zu. Es sei nun Sache Honekkers, ob er sich weiteren Untersuchungen unterziehen wolle.
Der stellvertretende Klinikleiter Sergio Vaisman sagte, solche Untersuchungen seien schmerzhaft, eine Operation "kompliziert und riskant". Er und Palma bezeichneten es als unmöglich, eine Prognose über die Lebenserwartung Honeckers abzugeben, die von deutschen Ärzten auf sechs Monate veranschlagt wurde. Vaisman sagte, ein Krebspatient schwebe zwar in Lebensgefahr, doch sei die Aggressivität eines Tumors bei jedem Patienten anders. Nach dem Bericht der Klinik haben die Untersuchungen gezeigt, daß Honeckers Herz gut arbeitet und seine Nieren trotz einer früheren Operation einigermaßen funktionieren. Atemschwierigkeiten habe er nicht. Honecker wird jetzt ambulant behandelt.
In einem Interview mit der spanischen Zeitung El Periodico, das auf dem Flug nach Chile gemacht wurde, sprach Honecker von einer Überschätzung der Macht der Stasi, "die vom KGB abhängig und deren Arbeit zu 90 Prozent unsinnig und absurd war". Die Zusammenarbeit zwischen der Stasi und dem westdeutschen Verfassungsschutz sei "wirklich optimal und auf höchster Ebene verlaufen". "Die Stasi und das Bundesamt für Verfassungsschutz informierten und nährten sich gegenseitig", behauptete er.
LOS ANGELES. Der Songschreiber und Komponist Sammy Cahn, der für seine Evergreens "Call Me Irresponsible", "Three Coins in a Fountain", "High Hopes" und "All the Way" je einen "Oscar" gewann, ist im Alter von 79 Jahren gestorben. In Deutschland wurde er vor allem mit dem Titel "Bei mir bist du schön" bekannt, den die Andrew Sisters 1937 zu einem Welterfolg machten, der aber während der Nazidiktatur nicht gespielt werden durfte.
Es war Cahns erster internationaler Erfolg - ein Zufall: er hörte ein schwarzes Duo den jiddischen Titel singen, übersetzte ihn, arrangierte ihn neu und bot ihn Bandleader Tommy Dorsey an. Der winkte ab. Wenige Wochen später entdeckten die Andrew Sisters den Song in Cahns Haus. Ein Jahr später sang ihn auch Martha Tilton in Begleitung der Benny Goodman Band im berühmt gewordenen Nw Yorker Carnegie-Hall- Konzert.
Frank Sinatra machte jahrzehnte später viele Songs von Cahn bekannt und wurde reich dabei: "Love and Marriage", "Come Fly With Me", "My Kind of Town", "Tender Trap", "Time After Time" und "Saturday Night is the Loneliest Night of the Week", um nur einige zu nennen. Insgesamt wurden Cahns Stücke 30mal für einen "Oscar" vorgeschlagen. Er schrieb auch die Musik für die Kinderfernsehserie Sesamstraße.
Der 1913 in New York geborene Cahn hieß mit bürgerlichem Namen Samuel Cohen. Seine künstlerische Laufbahn begann der damalige Violinschüler mit Auftritten bei Hochzeiten, jüdischen Festen und Familienfeiern, womit er sich sein Studium verdiente. Mit 16 schrieb er seine ersten Songtexte. In den 30er Jahren ging Cahn nach Hollywood. Er arbeitete jahrelang mit Musikgrößen wie Saul Chaplin, Jimmy Van Heusen und Jule Styne an Hunderten Songs zusammen.
AP
HOUSTON, 17. Januar (AP). Die Astronauten an Bord der US-Raumfähre "Endeavour" haben ihre sechstägige Mission am Sonntag mit Experimenten in der Schwerelosigkeit fortgesetzt. Gregory Harbaugh und Mario Runco führten unterschiedliche Arbeiten außerhalb des Gleiters im All aus, um so die Dauer und den Schwierigkeitsgrad solcher Aufgaben zu ermitteln. Am Freitag hatten die Astronauten Schulkindern kleine Experimente mit Spielsachen in der Schwerelosigkeit vorgeführt und Feuerlöscher erprobt.
Die Raumfahrtbehörde NASA verspricht sich von den Experimenten Aufschluß darüber, welche Gewichte im All transportiert werden können. Die "Endeavour" soll am Dienstag, sechs Tage nach ihrem Start, wieder auf dem Kennedy Space Center in Cape Canaveral in Florida landen.
BAGDAD/WASHINGTON, 17. Januar (AP). Die USA haben am Sonntag abend einen neuen Angriff auf Irak gestartet. Aus dem US-Verteidigungsministerium in Washington verlautete, US-amerikanische Kriegsschiffe im Persischen Golf hätten mehr als 30 Marschflugkörper des Typs Tomahawk abgefeuert. Die Angriffe hätten einem irakischen Nuklearforschungszentrum bei Bagdad gegolten. US-Fernsehsender zeigten Bilder aus Bagdad, auf denen etwa zehn Minuten lang Flugabwehrfeuer über der irakischen Hauptstadt zu sehen war.
Genauere Angaben über den neuen US-Angriff lagen bei Redaktionsschluß dieser Ausgabe nicht vor.
Zuvor hatten am Sonntag alliierte Kampfflugzeuge über Nordirak ein irakisches Flugzeug ab, nachdem zuvor alliierte Aufklärungsflugzeuge von irakischen Einheiten beschossen worden waren. US- Präsidentensprecher Marlin Fitzwater bestätigte in Washington, US-Kampfflugzeuge des Typs F-16 hätten eine irakische MiG-29 abgeschossen. Zudem sei eine Luftabwehrstellung zerstört worden. Nach Darstellung Fitzwaters gingen dem Abschuß drei "provozierende Aktionen" irakischer Militäreinheiten voraus. Dabei seien Aufklärungsflugzeuge der Alliierten von Luftabwehrstellungen aus beschossen worden. Die Lage sei nicht geklärt und werde von den USA mit den Verbündeten "sehr dringlich" erörtert.
Fitzwater betonte, die Aktionen der US-Truppen seien mit den Regierungschefs der wichtigsten Golfkriegs-Alliierten abgesprochen worden. Präsident George Bush habe mit dem britischen Premierminister John Major, dem französischen Staatspräsidenten François Mitterrand und dem kanadischen Ministerpräsidenten Brian Mulroney telefoniert.
Die Behörden in Bagdad meldeten, ihre Luftabwehr habe im Norden des Landes "feindliche" Flugzeuge zum Abdrehen gezwungen. Irak bekräftigte seine Ablehnung der Flugverbotszonen.
Iraks Präsident Saddam Hussein sagte, im Konflikt mit dem Westen habe jetzt "das letzte und entscheidende Kapitel" begonnen. Eine kuwaitische Grenzpatrouille stellte am Sonntag eine Gruppe von drei Irakern und erschoß einen von ihnen.
(Weiterer Bericht Seite 2, Kommentar Seite 3)
BAGDAD/WASHINGTON, 17. Januar (AP/Reuter/dpa). Die USA haben am Sonntag abend mit mehr als 40 Marschflugkörpern Irak angegriffen. Wie das Weiße Haus in Washington mitteilte, galt der Angriff einer einzelnen Nukleareinrichtung am Rande der irakischen Hauptstadt. Vor einem Bagdader Hotel schlug ein Sprengkörper ein, dabei wurde eine Frau getötet und 15 Menschen verletzt. Dem US-Sender CNN zufolge handelte es sich bei dem Geschoß um einen US-Marschflugkörper. Dem US-Angriff vorangegangen waren wachsende Spannungen zwischen den USA und Irak. Ein US- Kampfflugzeug hatte eine irakische MiG-29 über Nordirak abgeschossen.
Das US-Verteidigungsministerium Pentagon teilte am Abend mit, US-Kriegsschiffe im Persischen Golf hätten kurz nach 18.00 Uhr MEZ mehr als 40 Marschflugkörper des Typs Tomahawk abgefeuert. US-Präsidentensprecher Marlin Fitzwater sagte, Irak habe sich entgegen den Waffenstillstandsvereinbarungen geweigert, den mit der Zerstörung der irakischen Massenvernichtungswaffen beauftragten UN-Inspektoren die freie Einreise zu gewährleisten. Fitzwater berichtete, die angegriffene Einrichtung habe rund 20 Kilometer vom Stadtzentrum Bagdads entfernt gelegen. UN-Inspektoren hätten herausgefunden, daß sich dort Nukleareinrichtungen befänden. Ob die Anlage zerstört worden sei, wisse er nicht. Die Anlage diene der Anreicherung nuklearer Stoffe für Waffen.
Nach Angaben des irakischen Informationsministeriums handelte es sich bei dem angegriffenen Ziel um eine Maschinenbaufabrik. Nach Angaben der irakischen Nachrichtenagentur INA wurden in Bagdad "zivile, touristische und kulturelle Ziele" getroffen. Ein Bagdader Arzt sprach gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters von drei Toten und 19 Verletzten infolge des Angriffs allein in seinem Krankenhaus.
Vom US-Fernsehsender CNN übertragene Bilder zeigten etwa 15 Minuten lang Leuchtspuren von Flugabwehrfeuer über Bagdad. Der Sender zeigte auch Bilder des Al-Raschid-Hotels in Bagdad, in dem viele ausländische Reporter untergebracht sind. Dort hatte eine Detonation vor dem Hotel einen tiefen Krater gerissen. Eine Hotelangestellte wurde getötet und mindestens 15 Menschen verletzt. CNN brachte Bilder eines Metall-Trümmerstücks mit Aufdrucken einer US-Firma, die nach CNN-Angaben am Bau von Marschflugkörpern beteiligt ist.
Der neue Angriff ereignete sich genau am zweiten Jahrestag des Angriffs, mit dem der Golf-Krieg begonnen hatte. Wenige Stunden zuvor hatten am Sonntag US-Kampfflugzeuge über Nordirak eine irakische MiG-29 abgeschossen. Nach US- Angaben waren zuvor Aufklärungsflugzeuge der Alliierten von Irakern beschossen worden. (Weiterer Bericht S. 2)
SCHACH BUNDESLIGA, Frauen: Schott Mainz - SC 1903 Weimar 5:1, SV Hofheim - TSG Metall Gera 2,5:3,5, Turm Krefeld - PSV Dresden 3:3, Elbersfelder SG - SV Leipzig 5,5:0,5, Hamburger SK - Buna Halle 5,5:0,5, Rotation Berlin - USV Potsdam 3,5:2,5.
BREMEN (dpa). Daimler-Chef Edzard Reuter sieht in der Zinspolitik der Bundesbank "einen binnen- wie außenwirtschaftlich mehr als bedauerlichen, ja gefährlichen Fehlschluß". Auf einer Veranstaltung in Bremen kritisierte der Manager, daß die Währungshüter erst dann die Leitzinsen spürbar senken wollen, wenn im Osten und Westen der Republik Lohnzurückhaltung geübt werde und die öffentliche Finanzwirtschaft auf Konsolidierung ausgerichtet sei. Er fügte hinzu: Trotzdem bleibe richtig, daß Zinssenkungen erst dann die erhoffte Belebung bewirkten, wenn auch die beiden anderen Elemente strikte Beachtung fänden.
Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Dieter Spöri (SPD) nahm ebenfalls die Bundesbank aufs Korn. Er forderte eine nachhaltige Rücknahme der Leitzinsen. In einem Rundfunk-Interview sagte Spöri: "Bei den Zinsen, die wir gegenwärtig haben, ist eine Belebung der Investitionsgüterindustrie nicht möglich." Das Zustandekommen des angestrebten Solidarpakts für den Aufbau in Ostdeutschland müsse noch im Januar den Weg für eine Zinssenkung ebnen. Ähnlich äußerte sich Friedhelm Ost (CDU). Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag meinte in einer Sonntagszeitung mit Blick auf den Solidarpakt: "Danach ist der Weg frei für deutliche Zinssenkungen um etwa einen Prozentpunkt."
BONN (dpa). Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD) erwartet, daß nach der Bonner Kabinettsumbildung bald mit Bundesregierung und Stromwirtschaft über einen energiepolitischen Konsens verhandelt wird (siehe auch Bericht unten). "Bei uns besteht der Wille, schnell zu brauchbaren Ergebnissen zu kommen. Wir stehen aber nicht unter Zeitdruck", betonte er in Bonn.
Die Konzerne RWE und Veba, die mit Schröder die Möglichkeiten einer Verständigung erörterten, hatten im November in einem Schreiben an Bundeskanzler Helmut Kohl die Notwendigkeit eines parteiübergreifenden energiepolitischen Konsenses betont. Allerdings müsse die langfristige Option auf Kernenergie offen gehalten werden. Schröder schließt dies keinesfalls aus: Er wisse doch nicht, ob die Generation seiner Kinder oder deren Kinder über die Kernenergie anders urteilten als er. Obgleich in der SPD, wie er einräumte, die Ansichten dazu auseinandergehen, sieht er in seiner Partei keine Probleme, wenn für einen späteren erneuten Einstieg in die Atomenergie-Nutzung eine Zweidrittel-Mehrheit des Bundestages Voraussetzung wäre. Klärungsbedarf bestehe vor allem in drei Punkten: Verständigung über die Auslaufzeiten für die 20 am Netz hängenden Atommeiler, Ersatz durch konventionelle Kraftwerke und Regelung der nuklearen Entsorgung.
Das Hoch im hohen Norden hat das Klima in der Deutschen Eislauf-Union (DEU) stark erwärmt. "Auf dem Geist von Helsinki kann man aufbauen. Das war ein hundertprozentiges Resultat. Respekt und Hut ab vor der ganzen Mannschaft", erklärte Michael Föll, Delegationsleiter und Schatzmeister der DEU. Erwärmt fühlte sich auch Präsident Wolf- Dieter Montag von den zwei Medaillen- Gewinnen durch die Paarläufer Mandy Wötzel/Ingo Steuer (Silber) und Marina Kielmann (Bronze) sowie den zehnten Plätzen im Eistanz und bei den Männern: "Das ist kein Strohfeuer."
Die einstige Eismacht Sowjetunion existiert nicht mehr, doch zwei ihrer Nachfolgestaaten, Rußland und Ukraine, sicherten sich allein die Hälfte der insgesamt zwölf Medaillen. Zum Abschluß der EM triumphierten im Eistanz Maia Usowa/Alexander Schulin mit einem erotischen Blues und den einzigen beiden 6,0- Bestnoten vor ihren russischen Rivalen Oksana Gritschuk/Ewgeni Platow. Sie ließen sich ebenso wenig an die neuen Regelkonventionen fesseln wie Susanne Rahkamo/Petri Kokko, die mit Bronze die erste Medaille für Finnland in der EM-Geschichte holten. Die anderen Titel waren an Dimitri Dimitrenko (Ukraine), Marina Eltsowa/Andrej Buschkow (Rußland) im Paarlauf und die Französin Surya Bonaly gegangen.
Nicht verglüht ist während der sechs EM-Tage die Debatte über das von Katarina Witt angestrebte Olympia-Comeback. Die Dortmunderin Marina Kielmann ("Das ist, als nähmen die Beatles eine neue Schallplatte auf") machte jedenfalls aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Im Gegensatz zur sechsfachen Europameisterin aus Chemnitz, die mit ihrer Ausstrahlung be- und verzauberte, erkämpfte sich die 24jährige Westfälin mit enormem Fleiß zum viertenmal einen Medaillenrang. Eine Tugend, die für Föll vorbildlich und nachahmenswert ist: "Sie scheut das Risiko nicht, läuft ohne doppeltes Netz und Handbremse. Nur so können deutsche Läufer zukünftig Gold, Silber oder Bronze gewinnen."
Wie ein Komet sind Mandy Wötzel/Ingo Steuer in den europäischen Eiskunstlauf-Himmel aufgestiegen. Das Chemnitzer Paar, kaum acht Monate zusammen, will den Erfolgsweg auch bei der Weltmeisterschaft vom 8. bis 14. März in Prag fortsetzen. "Silber war nur ein Dominostein", versprach Mandy Wötzel. dpa
LONDON, 17. Januar (dpa). Die Briten haben am Wochenende erstmals den Inhalt des Tonbandmitschnitts eines angeblichen intimen Telefonats zwischen Kronprinz Charles und seiner angeblichen Geliebten Camilla Parker Bowles lesen können. Zwei Boulevardzeitungen gaben ihre Zurückhaltung auf und druckten die erotische Unterhaltung, nachdem ausländische Medien bereits seit Tagen mit der Story auf dem Markt waren.
The Sunday Mirror widmet fast zwei Seiten für die Rechtfertigung dieser Entscheidung. Auch das Massenblatt Sunday People veröffentlichte das Gespräch. Die Zeitung fügte hinzu, daß sie zusätzlich im Besitz der Aufzeichnung einer schweren ehelichen Auseinandersetzung zwischen Charles und Prinzessin Diana sei.
Beide Blätter warfen dem britischen Geheimdienst vor, die Tonbandaufnahmen gemacht zu haben. Es lägen Mitschnitte von insgesamt 28 intimen Gesprächen zwischen Prinz Charles und Camilla Parker Bowles vor, schrieb der Sunday Mirror. Nun werde beim Secret Service nachgeforscht, wer die Bänder an die Presse weitergegeben habe. Verschiedene britische Sonntagsblätter verwiesen auf die hohe technische Qualität der abgehörten Gespräche. Eine solche perfekte Lauschaktion könne nur der Secret Service liefern, meinten die meisten.
BONN/FRANKFURT A. M. (dpa/FR). Telekom-Chef Helmut Ricke drückt aufs Tempo. Der Vorstandschef des Bundesunternehmens fordert eine rasche Privatisierung seines Hauses. "Erst eine gesunde und starke Telekom kann sich im internationalen und nationalen Wettbewerb behaupten und für alle Kunden preisgünstige und gute Dienste anbieten", betont der Manager. Er räumt aber ein, daß vor allem bei den Gewerkschaften Vorbehalte gegen die geplante Bildung einer Aktiengesellschaft bestünden. Doch seien die Argumente für diese Unternehmensform so zwingend, daß die Reform am Streit darüber nicht scheitern dürfe.
Mit Nachdruck weist Ricke den Vorwurf zurück, der gewöhnliche Telefonkunde bleibe bei einer Umwandlung in eine Aktiengesellschaft "auf der Strecke". Sein Unternehmen finanziere sich aus den Einnahmen, und wenn es beim gegenwärtigen Status finanziell in Bedrängnis gerate, "treffen die dann notwendigen Preissteigerungen geschäftliche wie private Kunden". Zugleich sagt der Telekom-Chef aber mittelfristig für das Telefonieren niedrigere Gebühren voraus. Möglich hält er Abschläge zunächst bei Ferngesprächen. Sie seien zur Zeit "kostenmäßig übermäßig belastet". Ricke widerspricht Behauptungen, daß die Zahl der Telefonzellen aus finanziellen Gründen verringert werden solle. Das sei "völlig aus der Luft gegriffen". Der Ausbau des Telefonnetzes in den neuen Ländern werde maßgeblichen Einfluß auf
die finanzielle Situation seines Unternehmens haben, sagt der Manager. Die Telekom sei aber entschlossen, ihn "mit gro-
Derweil mahnt die Deutsche Postgewerkschaft die zerstrittenen Schwestergesellschaften Postdienst und Postbank. Letzterer, die im Zwist über Ausgleichszahlungen eine Schlappe erlitt, schreibt die DPG ins Stammbuch, die Gewerkschaft trete "nachdrücklich für gemeinsame Schaltervertriebslösungen" ein (siehe FR von Samstag). Der künftige Bundespostminister sei gefordert, "schnell korrigierend im Interesse der Kunden und der Beschäftigten einzugreifen".
Die Ursachen für den leidigen Finanzstreit zwischen den beiden Firmen erblickt die DPG "eindeutig" in der Postreform von 1989. Diese gefährde ein gemeinsames flächendeckendes Angebot von Postdienst und -bank "auf Dauer". Das Post-Direktorium habe in dem Zwist über die Ausgleichszahlungen für die Schalternutzung "keine tragfähige Lösung" gefunden. Statt einer engeren Zusammenarbeit der Firmen sei eine weitere Trennung eingeleitet. Gefordert seien die "politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern, um über einen gemeinsamen Schaltervertrieb Postdienst und -bank "wieder stärker zu integrieren".
Gianni Satori, Freund der Dortmunder Eiskunstläuferin Marina Kielmann, wurde in Helsinki von der finnischen Kriminalpolizei festgenommen. Der ehemalige Spieler des italienischen Fußball-Klubs Inter Mailand soll an die Schweiz ausgeliefert werden, wo ihm wegen Drogenhandels eine zweijährige Gefängnisstrafe droht. Entdeckt wurde Santori von den polizeilichen Fahndern im Fernsehen, das ihn als Zuschauer bei der Eiskunstlauf-Europameisterschaft zeigte. dpa
Vier Tage vor der entscheidenden Mitgliederversammlung wird der hochverschuldete 1. FC Dynamo Dresden von der nächsten Krise geschüttelt. Der als "Retter von Dynamo" gepriesene Rolf-Jürgen Otto (52), der im Moment als einziger Kandidat auf das vakante Präsidentenamt gilt, wird derzeit offenbar von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt. Nach Informationen der Sächsischen Zeitung soll der Dynamo-Sanierer selbst zahlreiche Gläubiger im Westen haben.
Otto hatte in den vergangenen Wochen maßgeblichen Anteil daran, daß es zu einer Einigung zwischen dem mit rund 15 Millionen Mark verschuldeten einzigen Ost-Bundesligisten und der Vermarktungsfirma Sorad gekommen war. Otto hatte sich bereit erklärt, das fällige Dynamo-Darlehen in Höhe von 2,5 Millionen Mark zu tilgen und der Fußball-Stadt somit neue Hoffnungen gegeben. "Ohne Otto kann Dynamo Konkurs anmelden", ist die Auffassung von Rechtsanwalt Reinhard Rauball. Die endgültige Lösung der alten acht Verträge und die Unterzeichnung des neuen Abkommens ist jedoch erst für den 1. Februar vorgesehen, eine Entscheidung der Mitgliederversammlung bei der Präsidentenwahl wenige Tage zuvor vorausgesetzt.
Als "bunten Vogel" hatte das Fußballmagazin Kicker den Bauunternehmer charakterisiert, der vor zwei Jahren nach Dresden kam, um am Stadtrand in Weißig Wohnungen und Reihenhäuser zu bauen. "In den 70er Jahren nannte er sich nur Rolf Otto, versuchte sich beim damaligen Oberligisten Neu-Isenburg im Fußball. Nationalspieler wie Laumen, Lutz, Solz oder der ehemalige Eintracht- Torwart Feghelm leistete sich der Klub, als Obergag Trainer Tschik Cajkovski. Von dem Abenteuer erholte er sich nicht mehr, mit Pleiten, Pech und Pannen wird der Name Rolf Otto heute in Frankfurt in Verbindung gebracht", berichtet das Fachblatt. "Otto war einst Bauunternehmer, Restaurant-Besitzer, Berater der Ex- Profis Trapp und Franusch. Weder Geschäfte noch Beziehungen sind geblieben, nun staunen alte Freunde, daß Rolf (Jürgen) Otto in Dresden als Sanierer auftritt", schreibt das Fußball-Magazin.
Otto versicherte inzwischen, daß er die "Schrammen der Vergangenheit" noch vor der Versammlung am Mittwoch aus der Welt räumen werde. "In den vergangenen 20 Jahren habe ich mir oft die Hörner abgestoßen", hatte Otto schon vor dem Bekanntwerden seiner Vergangenheit in Sachsen gegenüber dpa geäußert. Das habe sich allerdings nach seiner Ansicht längst geändert. dpa
Peter Schlickenrieder (Schliersee) ist der dritte deutsche Punktesammler im Langlauf-Weltcup nach Jochen Behle (Hirschau) und Johann Mühlegg (Marktoberdorf), die langsam wieder Anschluß zur Weltspitze finden. Beim Freistil-Rennen der Männer über 15 km im slowenischen Bohinj erkämpfte Schlickenrieder am Samstag als 13. seine bisher beste Plazierung in einer Weltcup-Konkurrenz. Mit 1:14 Minuten auf den kasachischen Sieger Wladimir Smirnow (34:49,6) hielt der 22jährige auf der extrem schweren Strecke vor allem dank seiner Abfahrer- Qualitäten den Rückstand gering.
Smirnow zog auf den letzten Kilometern am lange führenden neuen Weltcup- Spitzenreiter Björn Dählie aus Norwegen vorbei. Dählie (35:03,0) mußte als Tages- Dritter auch noch den Schweden Torgny Mogren (34:58,2) passieren lassen. Der bisherige Weltcup-Leader Vegard Ulvang (Norwegen) wurde nach einer noch nicht völlig ausgeheilten Mandelentzündung nur Siebenter.
Von den anderen fünf deutschen Läufern erfüllte auch Johann Mühlegg auf der dreimal zu laufenden 5-km-Runde in extremer Höhenlage zwischen 1600 und 1800 m nach gerade überstandener Stirnhöhlenentzündung als 20. - 1:33,1 Minuten hinter Smirnow - die Erwartungen der ohne Jochen Behle angetretenen Mannschaft. Behle bereitet sich gezielt auf die Weltmeisterschaften vor.
Außer Spesen nichts gewesen lautete dagegen die Bilanz der deutschen Frauen beim 10-km-Rennen, das wegen Schneemangel von Klingenthal-Mühlleithen ins italienische Cogne verlegt wurde. Bestplazierte der fünf Läuferinnen war als 31. die Willinger Junioren-Vizeweltmeisterin Anke Schulze, die 2:28,3 Minuten langsamer als Tagessiegerin Stefania Belmondo (Italien) war. In 25:13,7 Minuten verwies die 30-km-Olympiasiegerin Weltcup-Spitzenreiterin Jelena Välbe (Rußland/0,9 Sekunden zurück) sowie deren Team-Kollegin Ljubow Jegorowa (32,7) auf die Ehrenplätze. Auch im sonntäglichen Staffelrennen über 4 x 5 km - mit je zwei Läuferinnen in der klassischen und freien Technik - konnten sich die deutschen Mädchen nicht rehabilitieren. Sie landeten mit 3:12,9 Minuten Rückstand auf Sieger Rußland (57:17,2 Minuten) nur auf dem zehnten Rang. Platz zwei sicherte sich knapp hinter den Russinnen das starke Quartett Italiens (57:32,1) vor Norwegen (57:56,0). dpa
BOB EUROPAMEISTERSCHAFT im Zweierbob, Endstand nach vier Läufen: 1. Weder/Acklin (Schweiz I) 4:18,91 Minuten (1:04,75/ 1:04,83/1:04,58/1:04,75), 2. Poltera/Battaglia (Schweiz III) 4:19,45 (1:04,78/1:05,15/1:04,70/1:0), 3. Dostthaler/Sehr (Königssee) 4:19,73 (1:05,02/1:05,04/1:04,83/1:04,84), 4. Huber/Ticci (Italien I) 4:19,77 (1:05,03/1:05,00/ 1:04,76/1:04,76), 5. Ekamnis/Intlers (Lettland I) 4:19,78 (1:05,01/1:05,14/1:04,75/1:04,88), 6. Lochner/Zimmermann (Königssee) 4:19,87 (1:05,04/1:05,11/1:04.79/1:0493), 7. Götschi/Acklin (Schweiz II) 4:20,29 (1:05,11/1:05,03/ 1:04,90/1:05,25), 8. Dzmura/Polomski (Tschechische Republik) 4:20,36 (1:05,19/1:05,14/1:05,21/1:04,82), 9. Einberger/ Swette (Österreich III) 4:20,40 (1:05,15/ 1:05,32/1:04,87/1:05,06), 10. Schösser/Winkler (Österreich I) 4:20,49 (1:05,07/1:05,14/1:05,19/1:05,09), 11. Wiese/Liekmeier (Winterberg) 4:20,61 (1:05,43/1:05,28/ 1:04,70/1:05,02).
NAIROBI, 17. Januar (dpa). Mit Erschütterung hat Kenia auf eine erneute Vergewaltigung von Schülerinnen reagiert. 15 Schülerinnen eines Mädchengymnasiums in Westkenia waren von einer Gangsterbande in ihrer Schule überfallen und vergewaltigt worden. Frauenverbände verlangten von der Regierung die Aufstellung einer Sondereinheit der Polizei, die Frauen und Kinder vor Sexualverbrechern schützen sollte.
Bereits 1991 waren in Mittelkenia mehr als 70 Schulmädchen in einem Internat von ihren Mitschülern vergewaltigt worden. 19 Schülerinnen waren damals infolge einer Panik zu Tode gequetscht worden. Bei dem jüngsten Verbrechen stürmten 20 junge Männer, die mit Keulen und Buschmessern bewaffnet waren, in der Nacht zu Freitag eine abgelegene Schule im Bezirk Siaya am Viktoriasee. Sie vergewaltigten die Schulmädchen und raubten der Rektorin umgerechnet 2000 Mark Bargeld. Wegen der abgelegenen Lage des Gymnasiums konnten die Schülerinnen erst am nächsten Morgen Hilfe holen und die Polizei alarmieren.
Geiselgangster kommt frei
MÜNCHEN, 17. Januar (dpa). Nach mehr als 21 Jahren Haft kommt der zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilte Münchner Geiselgangster Dimitri Todorov frei. Nach einer Entscheidung des 1. Strafsenats beim Oberlandesgericht (OLG) München soll der 45jährige am 31. März zur Bewährung entlassen werden, berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel.
Das OLG habe betont, Todorov werde Ende März die Mindestverbüßungszeit von 15 Jahren beträchtlich überschritten haben, berichtet das Magazin am heutigen Montag. Das "Maß dessen, was die besondere Schwere der Schuld an Strafvollstreckung gebietet", sei nunmehr erfüllt. Todorov war 1972 wegen versuchten Mordes, schwerer räuberischer Erpressung und Freiheitsberaubung mit Todesfolge verurteilt worden.
Die in der Fußball-Bundesliga vom Abstieg bedrohten Klubs von Borussia Mönchengladbach und Wattenscheid 09 meldeten als Sieger der Qualifiaktionsturniere in Magdeburg und Essen Ansprüche auf die Teilnahme am Hallen-Masters in München (30./31. Januar) an. In Magdeburg besiegte der frühere Gladbacher Trainer-Assistent Bernd Krauss (35) mit seinem Team im Finale den VfL Bochum mit seinem früheren Chef Jürgen Gelsdorf mit 4:1. Das "kleine Finale" um Platz drei sah den VfB Oldenburg mit 1:0 gegen den Hamburger SV siegreich.
In der mit 2500 Zuschauern ausverkauften Hermann-Gieseler-Halle - etwa 10 000 Fans bekamen keine Karten mehr - buchten die Gladbacher neben der Siegprämie von 10 000 Mark 80 Wertungspunkte, die unterlegenen Bochumer noch 60.
In Essen triumphierten in der mit 6000 Zuschauern ebenfalls ausverkauften Grugahalle die Wattenscheider nach dem Modus "jeder gegen jeden" vor dem punktgleichen 1. FC Köln (6:2) und Schalke 04 (4:4). Rotweiß Essen (ebenfalls 4:4) und der 1. FC Saarbrücken blieben hier ohne Qualifikationspunkte. Die Wattenscheider kassierten 7500 Mark Siegprämie und strichen 96 Wertungspunkte ein, Köln 72, Schalke 48.
Bereits für das Masters in der Olympiahalle qualifiziert sind der VfB Stuttgart als Deutscher Meister, Hannover 96 als Pokalsieger, Borussia Dortmund als Masterssieger 1992 und der FC Bayern München als Veranstalter. Vier weitere Klubs können sich für die luktrative Veranstaltung qualifizieren. Voraussetzung dafür ist die Teilnahme an mindestens zwei Qualifikationsturnieren. Nimmt ein Verein an mehr als zwei Turnieren teil, so kommen nur die beiden besten erzielten Punktzahlen in die Wertung. Ausländische Klubs sind beim Masters nicht startberechtigt.
Nach den Wertungsschlüsseln sieht der aktuelle Tabellenstand nach den Turnieren vom Samstag in Magdeburg und Essen so aus: 1. Chemnitzer FC 165 Punkte, 2. Hamburger SV 153, 3. 1. FC Kaiserslautern 146, 4. 1. FC Köln 138, 5. Borussia Mönchengladbach 128, 6. Wattenscheid 118, 7. 1. FC Nürnberg 96 Punkte.
Rekordmeister FC Bayern München hat das 22. Berliner Hallenturnier gewonnen. Die Bajuwaren schlugen im Finale den Zweitligisten Hertha BSC Berlin mit 4:2. Dritter wurde Spartak Moskau, die im "kleinen Finale" Bayer Leverkusen mit 7:4 bezwangen. Im Halbfinale hatte sich Bayern München gegen Bayer Leverkusen mit 4:1 durchgesetzt und damit Revanche für die 4:7-Niederlage aus der Vorrunde genommen. Anschließend besiegte Zweiligist Hertha den großen Favoriten Spartak Moskau. Allerdings profitierten die Berliner von einer Roten Karte für den Moskauer Lediachow.
Der 1. FC Köln, die Gladbacher und Bochumer gingen am Sonntag beim Turnier in Krefeld erneut auf Punktejagd. Gastgeber Bayer 05 Uerdingen hat kein Masters-Interesse und startete nur beim eigenen Turnier. Dieses Desinteresse teilt die Bayer-Filiale beispielsweise mit der Zentrale aus Leverkusen, die allein beim ebenfalls am Sonntag abend zu Ende gehenden dreitägigen Turnier in Berlin an den Start ging, wo es mit dem Multiplikator 31 die meisten Wertungspunkte zu ergattern gab. Neben den beiden Sonntagsturnieren stehen auf dem Weg zum Masters noch die drei Turniere in Stuttgart (18./19. Januar), Dortmund (22./23. Januar) und Karlsruhe (24. Januar) aus. Beim 7. Internationalen Hallen-Fußballturnier in Baunatal liegt nach neun von 21 auszutragenden Spielen die Oberliga- Mannschaft des KSV Hessen Kassel mit 6:0 Punkten und 16:5 Toren in Führung. Nach Siegen über KSV Baunatal, Eintracht Baunatal und Zweitligist FC Carl Zeiss Jena ist er allein noch ungeschlagen. Jena hatet allerdings erst am Sonntag sein komplettes Aufgebot zur Verfügung.
Auf Platz zwei liegt Marabe San Sebastian (Spanien) mit 3:3 Punkten und 8:9 Toren vor der Stadtauswahl Kopenhagen (2:2/6:2). Die Dänen mußten sich den Kleinfeldspezialisten von San Sebastian unerwartet mit 1:2 beugen, nachdem die Spanier im Eröffnungsspiel FC Carl Zeiss Jena mit 3:5 unterlegen waren. sid/dpa
Bei der Zweierbob-Europameisterschaft im Schweizer Nobelsportort St. Moritz gewannen Dostthaler/Mike Sehr (Königssee) die Bronzemedaille. Schneller waren nur noch die Schweizer Olympiasieger Gustav Weder/Donat Ackling mit 4:18,91 Minuten vor ihren Landsleuten Celest Poltera/Marco Battaglia (4:19,45). Dagegen nehmen sich die Plätze sechs durch die Olympiazweiten Rudi Lochner/Markus Zimmermann (Königssee/4:19,87) und elf durch Dirk Wiese/Michael Liekmeier (BIG Winterberg/4:20,61), fast bescheiden aus.
Nicht zu schlagen auf ihrer Hausbahn waren die Schweizer. Überlegen dabei die Olympiasieger Gustav Weder/Donat Acklin, die viermal Bestzeit markierten und im dritten Lauf sogar die Saisonbestmarke auf 1:04,58 (bisher 1:04,70) Minuten drückten. Mit 4:18,91 Minuten verwiesen sie Celest Poltera/Marco Battaglia (4:19,45) deutlich auf Platz zwei. "Die Pause, um meine Knieverletzung auszukurieren, hat mir gutgetan. Dennoch bin ich bei meinen Fahrten kein Risiko eingegangen", meinte der 31jährige Weder, der zum fünften Mal in Folge die Nummer eins in Europa wurde. "Wir haben allerdings gegenüber den anderen Mannschaften den Vorteil gehabt, daß wir auf der Bahn mehr Fahrten hatten", meinte Weder zu seinem Erfolg.
"Ich schmeiß mich weg. Das ist stark", freute sich Bundestrainer Raimond Bethge, als der Italiener Huber, der bis zum letzten Lauf auf Platz drei lag, seinen Durchgang - so Bethge - "vergurkt" hatte. "Das war eine Superfahrt mit kleinen Fehlern", meinte der gelernte Reisekaufmann Mike Sehr. sid
STRALSUND/WARSCHAU, 17. Januar (dpa/Reuter). Die Suche nach weiteren Opfern des schweren Fährschiffunglücks vor der Ostküste Rügens ist eingestellt worden. Die ergebnislosen Rettungseinsätze am Freitag hätten zu der Gewißheit geführt, daß im Seegebiet um die Havariestelle keine der noch vermißten 16 Personen gefunden werden kann, sagte ein Sprecher der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) am Wochenende. Es wird vermutet, daß die Opfer in der inzwischen gesunkenen "Jan Heweliusz" eingeschlossen sind. Acht der neun geretteten polnischen Seeleute konnten nach medizinischer Behandlung nach Hause zurückkehren. Bei dem Unglück waren 54 von 63 Passagieren und Besatzungsmitgliedern umgekommen.
Unterdessen bereiten die polnischen Behörden weitere Untersuchungen des Wracks vor. Drei Spezialschiffe mit Tauchern stehen bereit, um das in 23 Metern Tiefe 40 Meilen nördlich von Swinemünde (Swinoujscie) liegende Wrack zu untersuchen, meldete die polnische Nachrichtenagentur PAP. Polens Innenminister Andrzej Milczanowski kündigte strafrechtliche Ermittlungen an. Es soll geklärt werden, warum es sich bei den neun Geretteten ausschließlich um Besatzungsmitglieder handelt und keine Passagiere überlebten. In Stettin (Szczecin) hat inzwischen im Auftrag der polnischen Regierung eine Sonderkommission mit der Untersuchung möglicher Ursachen der Havarie begonnen.
Durch eine riesige Welle wurden in der Nacht zu Sonntag 25 Menschen an Bord einer Autofähre in der Irischen See verletzt. Die "Stena Hibernia" sei bei schwerer See auf dem Weg von Irland nach Wales gewesen, als die Welle kurz nach Mitternacht das Schiff ins Schlingern gebracht habe. Die 371 Passagiere und Besatzungsmitglieder seien umhergeschleudert worden, teilte ein Sprecher der Betreibergesellschaft Sealink Stena mit.
Am vorletzten Weltcup-Wochenende vor der alpinen Ski-Weltmeisterschaft im japanischen Morioka gab es für das Frauenteam des Deutschen Skiverbandes (DSV) in Cortina d'Ampezzo (Italien) einen Dämpfer. Beste DSV-Läuferin war Katja Seizinger als Siebte im dritten Super-G der Saison. "Die Konkurrenz freut sich sicher", war ihr Kommentar. Trösten konnte sich das Team von Trainer Rainer Mutschler aber immerhin mit einem zweiten Kombinations-Platz durch die Starnbergerin Miriam Vogt, die am Sonntag im Slalom einen achtbaren zwölften Platz in der schwächsten deutschen Disziplin erzielte.
Als strahlende Siegerinnen des Wochenendes unterstrichen zwei Routiniers ihre Favoritenrolle für die Welt-Titelkämpfe: Die zweifache Weltmeisterin Ulrike Maier aus Österreich glänzte im Super-G mit dem zweiten Saisonerfolg, im Slalom war die Doppel-Olympiasiegerin von 1988, die Schweizerin Vreni Schneider, bei ihrem 42. Weltcup-Triumph wieder eine Klasse für sich. Sie feierte mit einem Traumlauf im ersten Durchgang in 1:32,39 Minuten ihren 21. Slalomsieg vor der Neuseeländerin Annelise Coberger (1:33,56), der Schnellsten im zweiten Durchgang, und der Österreicherin Karin Buder (1:33,56). Miriam Vogt (1:35,73) hatte über drei Sekunden Rückstand. Edda Mutter aus Todtnau (1:37,03) wurde 16., Hilde Gerg aus Lenggries (1:38,00) 23.
Die Weltcup-Gesamtwertung bleibt fest in österreichischer Hand: Anita Wachter gewann überlegen die Kombination und heimste dafür sowie für ihre guten Plazierungen in Abfahrt, Slalom und Super- G an drei Tagen 205 Punkte ein. Mit nun 741 Zählern führt sie weiter vor der Französin Carole Merle (583). Für Miriam Vogt war der zweite Platz in der Kombination ein versöhnlicher Abschluß des Wochenendes nach ihrem 16. Abfahrtsrang und Platz 28 im Super-G. Katja Seizinger wurde Kombinations-Vierte.
Im Super-G hatte Ulrike Maier in 1:16,94 Minuten vor Carole Merle (1:17,14) und ihrer Kollegin Silvia Eder (1:17,25) gesiegt. Katja Seizinger (1:17,62) hatte einige zeitraubende Fehler, meinte aber: "Die Strecke hier ist mit Morioka nicht zu vergleichen." Positive Überraschung war Martina Ertl (Lenggries/1:17,71): Mit Startnummer 36 schaffte sie Rang neun und ihr bestes Super-G-Ergebnis.
Nur vom Krankenbett aus konnten die verletzten Katrin Gutensohn (Oberaudorf) und Michaela Gerg (Lenggries) die Rennen verfolgen. Am Samstag war Katrin Gutensohn nach ihrem Abfahrtssturz in München operiert worden: Im gerissenen Kreuzband wurde ein Stück der Patellasehne eingesetzt, außerdem stellte Team-Arzt Ernst-Otto Münch neben einem Innenbandriß noch einen Knorpelschaden fest. Die Knieverletzungen der beiden haben noch einmal die Sicherheitsdebatte bei Frauenabfahrten aufflammen lassen. "Das Risiko ist nicht zu groß. Unsere Mädchen sind durchaus in der Lage, die Strecken kontrolliert zu bewältigen. Diese Verletzungen sind früher auch passiert", meinte Mutschler. dpa
BONN, 17. Januar (dpa). In der Bonner Koalition besteht Einvernehmen, ab 1995 zur Tilgung und Zinszahlung von etwa 400 Milliarden Mark Altschulden der Ex- DDR nicht noch einmal die Mehrwertsteuer von jetzt 15 Prozent zu erhöhen, sondern die seit längerem angekündigte Erblastabgabe als Zuschlag zur Lohn- und Einkommensteuer zu erheben. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) erfuhr, ist daran gedacht, sie wie den 7,5prozentigen Solidaritätszuschlag, der die Einnahmen des Staates binnen eines Jahres bis Mitte 1992 um gut 22 Milliarden Mark erhöht hatte, von allen Steuerpflichtigen zu kassieren. Vor der Koalitionsrunde am späten Sonntag abend im Kanzleramt zum Solidarpakt und zu Finanzierungskonzepten der nächsten Jahre bestand bereits Einvernehmen auch über zahlreiche Sozialkürzungen.
Bei den Einsparungen ist jetzt nach dpa-Informationen vorgesehen: Die Bundesregierung geht weiter von einem niedrigen Tarifabschluß "um die drei Prozent" im öffentlichen Dienst aus. Etwa zwei Milliarden Mark sollen Bund, Länder und Gemeinden 1993 zusammen dadurch einsparen, daß der Abschluß für die Beamten ein Prozentpunkt unter dem für Arbeiter und Angestellte bleiben soll.
Sieben Milliarden Mark sollen durch Kürzungen im sozialen Bereich erzielt werden. Um etwa drei Prozent sollen Arbeitslosenhilfe und Arbeitslosengeld gekürzt werden, die Sozialhilfe soll - neben Kürzungen im einzelnen - in der Summe nach oben "gedeckelt" werden. Die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in Ostdeutschland sollen von 90 auf 80 Prozent des Tariflohns gesenkt werden. Unter dem Strich wird aber ein Zuschuß des Bundes an die Bundesanstalt für Arbeit in Höhe von fünf Milliarden Mark fällig. Durch Subventionskürzungen bei Landwirtschaft und Kokskohle sollen zusammen eine Milliarde Mark pro Jahr eingespart werden. Weitere zwei Milliarden sollen insbesondere Ländern und Gemeinden durch geringere Umweltschutz- Anforderungen bei Bau und Betrieb von Kläranlagen in Westdeutschland zufallen.
Der Rückkehr von Matthias Sammer in die Fußball-Bundesliga steht nichts mehr im Wege. Trainer Osvaldo Bagnoli von Inter Mailand hat am Sonntag einer Vertragsauflösung mit dem Nationalspieler zugestimmt. Bagnoli verzichtete auf Sammer schon im Meisterschaftsspiel gegen den AC Parma, weil er "mit dem Kopf nicht mehr dabei sein" könne. Noch am Freitag hatte Bagnoli auf Sammers Einsatz gepocht und damit dessen Wechsel vorläufig verhindert; Boruusia Dortmund wollte den 25 Jahre alten Sachsen sofort verpflichten, um ihn noch in den UEFA-Cupspielen einsetzen zu können.
Zuvor hatte Ernesto Pellegrini den Abschied des Rotschopfes eingeleitet. "Wenn unser Trainer ohne ihn auskommt, werde ich Matthias' Wunsch entsprechen und ihn ziehen lassen", sagte der Inter-Präsident, der am Montag noch mit Bagnoli sprechen will. Damit sind die Tage desDeutschen in Italien gezählt. Inter-Manager Piero Boschi sprach sich dagegen für Konsequenzen aus. "Erst Matthäus, jetzt Sammer. Leute, die ihren Vertrag vorzeitig abbrechen wollten. Man müßte starke Vertragsstrafen einführen, um dies zu dämmen", forderte der Generalmanager.
Dortmund oder Stuttgart - das ist nun die Frage. Für den VfB spricht das Heimweh von Sammers Freundin nach Remseck, für den BVB das Geld und die internationalen Erfolge. Die Borussen hatten Mailand ein Zehn-Millionen-Mark-Angebot für Sammer offeriert. Allerdings scheiterte vorerst der teuerste Transfers in die Bundesliga, weil Mailand dem VfB das vertraglich vereinbarte Angebot zum Rückkauf Sammers unterbreiten mußte. Stuttgart will die Bedenkzeit bis zur letzten Minute nutzen. "Ich gehe davon aus, daß wir bis Mittwoch brauchen. Wir haben noch nicht einmal die Frage geklärt, ob wir die Rückkehr von Matthias zum VfB überhaupt wollen," erklärte Manager Dieter Hoeneß am Sonntag. dpa
Die deutschen Skijäger sind drei Wochen vor den Weltmeisterschaften im bulgarischen Borowetz noch nicht in WM-Form. Bei den wegen Schneemangels von Oberhof ins südtiroler Ridnaun verlegten Weltcup-Konkurrenzen waren der zweite Platz von Uschi Disl (Moosham) im Sprint über 7,5 km am Samstag sowie Rang drei der Männer-Staffel in der Weltmeister-Besetzung von 1991 (Ricco Groß/Ruhpolding, Frank Luck/Oberhof, Mark Kirchner/Oberhof, Fritz Fischer/Ruhpolding) die einzigen guten Plätze.
Als große Gewinner der drei Tage am Südhang des Brenners erwiesen sich die italienischen Männer und die russische Olympiasiegerin Anfisa Reszowa. Die "Squadra Azzurra" triumphierte durch Andreas Zingerle über 20 km, Johann Passler über 10 km sowie die Staffel in allen Männer-Wettbewerben. Die 28jährige Moskauerin war der übrigen Konkurrenz in beiden Einzelrennen (15 und 7,5 km) deutlich überlegen und hatte auch entscheidenden Anteil am Staffelerfolg vor Frankreich, der Tschechischen Republik und Deutschland.
Im dramatischen Staffelrennen konnten sich die Mannen um Olympiasieger Mark Kirchner etwas rehabilitieren. Erst auf den letzten zwei Kilometern sicherte der laufstarke Willfried Pallhuber im Dreikampf mit Waleri Kirijenko für Rußland und Altmeister Fritz Fischer für Deutschland den italienischen Erfolg.
Die deutschen Biathleten sind derzeit hingegen Weltmeister der Strafminuten und Strafrunden. 30 Minuten schossen die acht Skijäger am Freitag über 20 km und 20 Strafrunden drehten sie beim Sprint am Samstag. dpa
Heike Warnicke gewann beim Weltcup- Wettbewerb der Eisschnelläuferinnen in Davos überlegen die 3000 Meter. In 4:22,04 Minuten kam sie bei diesmal besseren äußeren Bedingungen als am Samstag auf eine gute Zeit. Die Österreicherin Emese Hunyady war als Zweite (4:25,15) fast drei Sekunden langsamer.
Die an einer Infektion erkrankte Olympiasiegerin und Weltmeisterin Gunda Niemann war nicht am Start und absolvierte am Rande des Wettkampfes ihr erstes Training.
Über 1000 Meter rehabilitierte sich Olympiasiegerin Bonnie Blair (USA) mit einem Sieg in 1:21,77 Minuten für den vierten Rang vom Vortag über 500 Meter. Für die 500-m-Siegerin Qiaobo Ye (China) gab es diesmal Platz zwei (1:21,89). Beste Deutsche war die junge Erfurterin Franziska Schenk in 1:24,50 Minuten auf Platz acht. Am Samstag hatte es auf der 1500-Meter-Distanz einen Überraschungssieg für die Russin Natalja Poloskowa gegeben. Diesmal kam sie über 1000 Meter auf Platz vier.
Bei den Weltcuprennen der Männer in Innsbruck wurden erwartungsgemäß kleinere Brötchen gebacken. Die beste Plazierung eines deutschen Eisläufers blieb dem Berliner Peter Adeberg vorbehalten, der bereits am Samstag auf seiner Spezialstrecke, den 1500 Metern, Dritter war. Auf allen anderen Distanzen konnten die Vertreter der Deutschen Eisschnellauf-Gemeinschaft (DESG) nicht auf vordere Ränge vorstoßen. Am Sonntag holte sich Weltrekordler Dan Jansen (USA) den Sieg über die zweite 500-Meter-Strecke. In 37,33 Sekunden bezwang er Vortagssieger Sergej Klewtschenja (37,55). Jansen hatte am Vortag mit Rang fünf enttäuscht.
Zum Abschluß des zweiten Tages der Wettbewerbe in Innsbruck gab es noch neue Streckenrekorde: Sprintweltmeister Igor Schelesowski gewann die 1000 Meter in 1:14,74 Minuten vor Jansen (1:16,02). Adeberg wurde diesmal Siebenter in 1:16,47 Minuten. Über 5000 Meter verbesserte Johan Olav Koss (Norwegen) die Bestmarke auf 6:52,30 Minuten. dpa/ei
Die deutschen Handball-Frauen sind besser als ihr Ruf. Alle vier im Europapokal beschäftigen Frauen-Teams waren am Sonntag erfolgreich, wobei das Trio TuS Walle Bremen (Landesmeister), TV Lützellinden (Pokalsieger) sowie BFV Frankfurt/Oder (IHF-Cup) nach jeweils zwei Siegen bereits das Viertelfinale erreichte. Die Spiele dieser Runde werden am Dienstag in Basel ausgelost. Auch der SC Leipzig als Pokalverteidiger im IHF- Cup schuf sich mit einem 29:21-Heimerfolg über Ajpara Baku (Aserbaidschan) eine gute Ausgangsposition für den Zweitvergleich.
Nach langem Hin und Her muß Leipzig nun doch in Baku antreten. Nachdem das erste Spiel am 10. Januar durch den Weltverband (IHF) zunächst abgesetzt worden war, findet es nun am 23. Januar (17 Uhr Ortszeit) in Baku statt. Auf ein weiteres Spiel erneut in Leipzig oder in Moskau ließ sich der Gast nach einer Sicherheitsgarantie durch den Ministerpräsidenten Aserbaidschans aber nicht ein und brachte zu den Verhandlungen extra einen Regierungsbeauftragten mit.
Im sportlichen Kräftemessen setzte sich Leipzig in der zweiten Halbzeit noch klar durch, nachdem es bis zur Pause knapp zugegangen war. SCL-Trainer Lothar Doering, der auch Bundestrainer ist: "Acht Tore sind eine Menge Holz, auch wenn wir noch nicht ganz ruhig schlafen können." Er erwartet für das Rückspiel noch einen "heißen Tanz". Das prophezeite auch Bakus Coach Aliew: "Wir werden nichts unversucht lassen."
Bremen, Lützellinden und Frankfurt/ Oder hatten nach ihren Heimsiegen auch auswärts keine Mühe. Dabei brachte der ungeschlagene Bundesliga-Spitzenreiter Lützellinden das Kunststück fertig, nach einer Gala-Vorstellung vor der Pause bei Epitök Budapest mit 29:20 (16:6) zu gewinnen. Eine Lehrstunde für die Ungarinnen, die nach dem knappen 20:23 von Gießen noch gehofft hatten.
Bremen gewann bei HC Slovan Duslo Sala mit 18:16 und bekam vor 1600 Zuschauern nur streckenweise die Heimstärke der Slowakinnen zu spüren: Nach einer 12:7-Führung der Gäste glich der Spartak-Kiew-Bezwinger noch einmal zum 16:16 aus. Frankfurt/Oder feierte mit 25:19 gegen Lutsch Moskau seinen 30. Sieg im 52. Europapokalspiel. Nach dem 7:6 (24.) zog der Gast auf 14:9 (36.) davon, ließ sich auch vom 15:15 (43.) nicht aus dem Konzept bringen und zeigte mit einem weiteren Zwischenspurt zum 21:16 (49.) seine Kampfmoral. dpa
Einen Affront gegen die gesamte Basketball-Bundesliga und über 3000 Zuschauer in der Berliner Sömmeringhalle leistete sich Meister TSV Bayer Leverkusen. Zur Spitzenbegegnung in der Nord- Gruppe gegen den Tabellenzweiten Alba Berlin, das so zum Skandalspiel wurde, ließ Bayer-Trainer Dirk Bauermann seine komplette erste Fünf gleich ganz zu Hause und kassierte prompt mit 59:79 (24:41) eine herbe, allerdings einkalkulierte Niederlage.
Die Konzentration des Leverkusener Coachs, der mit seinem Team derzeit ein Mammutprogramm absolvieren muß, gilt ganz dem Europapokal. Zudem kann der souveräne Spitzenreiter in der Nord- Gruppe die beiden Minuspunkte locker wegstecken, ohne Platz eins zu gefährden. "Das ist eine Ohrfeige für unseren Sport", schimpfte aber Berlins Mananger Marco Baldi.
Einerseits ist Bauermanns Beschluß mit einer Ruhepause für die beiden amerikanischen Stars Clinton Wheeler und Kannard Jonson sowie die deutschen Nationalspieler Michael Koch, Henning Harnisch und Christian Welp nur folgerichtig. Andererseits grenzt der glanzlose Auftritt der Leverkusener "Riesen" schon an Wettbewerbsverzerrung vor allem gegenüber den Zuschauern, die sich auf eine Galavorstellung in Sachen Basketball gefreut hatten. Das gellende Pfeifkonzert der enttäuschten Fans wird dem Leverkusener Rumpfteam wohl noch lange in den Ohren klingen. Sportlich sorgte der überragende Stephan Baeck mit 26 Zählern für die Grundlage des Berliner Erfolgs.
Ganz anders mußten die Werks-Basketballer da wohl ihr Spiel vom Freitag noch in Erinnerung haben, gewannen sie die Partie gegen den SVD Dortmund mit 83:77, obwohl das Spiel über lange Zeit ausgeglichen war. Da mußte sich der frischgekürte Pokalsieger nach der Niederlage im Europacup gegen den spanischen Meister Real Madrid doch mühen, um nicht zwei Punkte den Dortmunder Spielern zu überlassen.
Letztlich entschied jedoch die Routine und Cleverneß der "Riesen vom Rhein", obwohl sie ohne Spielmacher Clinton Wheeler und Center Uwe Blab antraten. Daß sie doch eine Klasse für sich blieben, machten im Schlußspurt die überragenden Korbwerfer Kannard Johnson (22) und Nationalspieler Henning Harnisch (17) deutlich. dpa
Bei den Deutschen Meisterschaften in Bonn gewannen die Säbelfechter des OFC durch einen 9:6-Finalsieg über den TSV Bayer Dormagen bereits zum 28. Mal den Mannschaftstitel. Zeitgleich siegten in Köln die Degenfechterinnen des Sportbundes Heidenheim mit 8:7 gegen den OFC Bonn und traten die Nachfolge des FC Offenbach an, der in den Gefechten um Platz drei mit 4:9 gegen den FC Tauberbischofsheim unterlag. Die Einzeltitel hatten der für Bayer Dormagen startende Felix Becker und die Tauberbischofsheimerin Hedwig Funkenhauser, die Schwester der Florettfechterin Zita Funkenhauser, gewonnen.
Mit dem 28jährigen Becker siegte ebenfalls ein "verkappter" Bonner. Bekker, der sich im entscheidenden Gefecht mit 0:5, 5:3, 6:5 gegen den Vorjahressieger Jacek Huchwajda (OFC Bonn) durchsetzte, startet zwar seit einem Jahr für Dormagen, wohnt und trainiert aber weiterhin mit seinen früheren OFC-Teamgefährten in Bonn. Auch auf dem dritten Rang im Einzelwettbewerb landete ein Bonner. Jörg Kempenich, der sich im Halbfinale mit 5:1, 4:6, 2:5 gegen Becker geschlagen geben mußte, besiegte im "kleinen Finale" den Böblinger Markus Leberfinger mit 5:1, 6:5.
Im Teamfinale gelang es Becker (2 Siege/2 Niederlagen) jedoch nicht, seine Gefährten zum Erfolg zu führen. Überragend im Endkampf waren der Bonner Mario Krause und der Dormagener Lars Schiffer mit je drei Siegen. Platz drei sicherte sich der FC Tauberbischofsheim nach einem 8:8 aufgrund des mit 63:57 besseren Trefferverhältnisses gegen den Ratinger FC.
Hedwig Funkenhauser mußte lange um ihren Erfolg mit dem Degen zittern. Wie ihre Finalgegnerin, die Heidenheimerin Imke Duplitzer, qualifizierte sie sich nach einer vorzeitigen Niederlage nur über den Hoffnungslauf für den Endkampf. Im Finale siegte die 23jährige mit 6:5, 1:5, 6:4 gegen die frühere Kadetten-Weltmeisterin Duplitzer, die am Sonntag aber mit der Heidenheimer Equipe siegreich blieb. Im Kampf um Platz drei behielt die Offenbacherin Dagmar Ophardt mit 5:3, 6:5 die Oberhand über Andrea Spory (Tauberbischofsheim). dpa
Die Bundesliga-Vertreter spielen im internationalen Handball bedeutende Rollen. Der TuSEM Essen sowie die IHF- Pokal-Debütanten Bayer Dormagen und SG Leutershausen zogen souverän in die Halbfinalrunden im Europapokal ein. Die Essener verloren zwar am Samstag ihr Rückspiel im Pokalsieger-Wettbewerb bei Valur Reykjavik mit 25:27, hatten aber mit dem 23:14 aus der ersten Begegnung ein ausreichendes Polster. Bayer Dormagen schaltete den fünfmaligen Europacupsieger SKA Minsk mit 27:20 (Hinspiel: 29:26) aus. Die SG Leutershausen schaffte am Sonntag mit dem 25:23 gegen den IF Saab Linköping (Hinspiel: 22:16) mühelos den Sprung in die Vorschlußrunde.
Damit steht schon jetzt fest, daß das Finale im IHF-Pokal mit deutscher Beteiligung stattfindet. Da die Bestimmungen ein Endspiel zwischen zwei Mannschaften aus dem selben Land nicht zulassen, treffen die Dormagener und Leutershausener im Halbfinale aufeinander.
"Ich glaube, daß wir nun in Europa etwas darstellen", jubelte TuSEM-Manager Klaus Schorn nach der Partie in der isländischen Hauptstadt. Bis zum 20:20 in der 47. Minute liefen die Gäste einem Rückstand hinterher. Vor allem Valurs Schlußmann Gudmundur Hrafknelsson brachte die Essener zur Verzweiflung. Zwar zogen die Skandinavier noch einmal bis auf 25:20 (54.) davon. Doch Torhüter Ralf Schneider sicherte mit Paraden die Halbfinal-Teilnahme. Rückraumspieler Frank Arens (8/1) ragte heraus.
Jubel auch bei Bayer Dormagen und der SG Leutershausen. Bei den Dormagenern machte sich der kurzfristige Ausfall von Spielmacher Dieter Springel wegen einer Augapfelprellung kaum bemerkbar. Mit dem überragenden Torhüter Andreas Thiel im Rücken baute das Team seine Führung kontinuierlich aus. Der Schwede Robert Andersson (7/2) war treffsicherster Dormagener.
Die Leutershausener ließen nichts anbrennen. Trainer Jürgen Hahn konnte es sich erlauben, gegen Linköping auch die Spieler einzusetzen, die in der Bundesliga eher zweite Wahl sind. Beim Stand von 20:11 (38.) ließen es die Gastgeber vor nur 1300 Zuschauern in Bensheim ruhig angehen und versuchten zu zaubern. Der Ex-Berliner Carsten Klavehn (4) feierte einen gelungenen Einstand: In der 18. Minute kam er aufs Feld und erzielte drei Tore in Folge. Daneben überzeugten Holger Löhr (7) und Uli Roth (2). Bei den Skandinaviern trafen Jan-Lennart Olsson (8/2) und Göthe (5) am besten. dpa
Am zweiten Tag des Europacup-Springens im nordhessischen Willingen wurde der finnische Olympiasieger Toni Nieminen vor 7000 Zuschauern seiner Favoritenrolle gerecht. Mit Sprüngen von 108 und 112 Metern von der Mühlenkopfschanze und 233,6 Punkten ließ der 17jährige seine Konkurrenten klar hinter sich. Nieminens Trainer Jarkko Laine kommentierte den Erfolg seines Schützlings nach dem sechsten Platz vom Vortag so: "Heute hat alles viel besser geklappt. Wir sind glücklich." Seiner Qualifikation für die Weltmeisterschaft ist Nieminen durch diesen Sieg ein großes Stück nähergekommen. Der Finne hatte auf Grund eines Leistungstief auf die traditionelle Vierschanzentournee verzichtet, die er im Vorjahr gewonnen hatte.
Die große Überraschung des zweiten Tages war zudem der zweite Platz, den der Schonacher Hans-Jörg Jäckle mit Sprüngen über 101 und 108 Meter und 218,2 Punkten erreichte. André Kiesewetter aus Klingental stand Sprünge über Weiten von 102 und 106 Metern und wurde Dritter. Beide profitierten allerdings davon, daß der Vortags-Sieger Helge Brendryen (Norwegen) bei seinem zweiten Sprung über 109 Meter stürzte, nachdem er im ersten Sprung 108 Meter gestanden hatte. dpa
MÜNCHEN, 18. Januar (dpa). Nach mehr als 21 Jahren Haft kommt der zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilte Münchner Geiselgangster Dimitri Todorov frei: Der 45jährige wird nach einer Entscheidung des 1. Strafsenats beim Oberlandesgericht München am 31. März zur Bewährung aus der Haft entlassen. Dies bestätigte jetzt sein Anwalt Jürgen Arnold. Die Maßnahme sei gemessen an der Praxis in den anderen Bundesländern "längst überfällig", sagte der Anwalt.
Todorov und sein 31jähriger Komplize Hans-Georg Rammelmayer hatten am 4. August 1971 eine Bank in der Münchner Innenstadt überfallen, die Angestellten und mehrere Kunden als Geiseln genommen und zwei Millionen Mark Lösegeld gefordert. Als Rammelmayer mit der 20jährigen Geisel Ingrid Reppel in das mit dem Lösegeld bereitgestellte Fluchtauto steigen wollte, eröffneten Scharfschützen der Polizei das Feuer. Bei dem Feuerwechsel starben Rammelmayer und die junge Bankangestellte.
Der Durchmarsch der Düsseldorfer EG an der Bundesliga-Spitze ist kaum mehr zu stoppen. Am 35. Spieltag baute Spitzenreiter DEG mit dem 5:2 beim ERC Schwenningen die Führung auf zehn Punkte aus und eilt dem Kölner EC davon. Der einzige Verfolger mußte mit dem 2:3 gegen Mannheimer ERC seine zweite Saisonniederlage auf eigenem Eis hinnehmen. Der EC Hedos München behauptete den dritten Tabellenplatz mit einem 2:0 über den ESV Kaufbeuren.
Dem EHC Freiburg gelang mit einem klaren 6:1 beim Berliner SC Preussen ein Erfolg. Die Freiburger haben jetzt nur noch einen Punkt Rückstand auf die Niederbayern. Der EHC Freiburg hatte vor dem Gastspiel in Berlin für Wirbel gesorgt. Trainer Ladislav Olejnik wurde nach einem Spieleraufstand vorerst suspendiert. Für den 60 Jahre alten Brünner, der den Sonntag in seinem Haus in Bad Nauheim verbrachte, stand in Berlin der Spieler Thomas Dolak an der Bande.
Laut eigener Schilderung war Olejnik am Samstag auf der Fahrt mit seinem PKW nach Bad Nauheim über Autotelefon von Kouba gebeten worden, auf die Reise nach Berlin zu verzichten, da ein Teil der Mannschaft erneut gegen ihn meutere. Nach dem 1:5 gegen den EC Ratingen hatte sich die Mehrheit der Mannschaft in geheimer Abstimmung gegen den Trainer ausgesprochen. "Wenn ein Teil des Teams gegen mich ist, hat es bestimmt wenig Sinn, weiterzumachen", sagte Olejnik am Sonntag, "und die Vereinsführung würde mit einer Entlassung sicher nicht schlecht fahren, da mein Vertrag in einigen Wochen ausläuft."
Über seine Zukunft war sich der frühere Bundestrainer nicht im Klaren. "Ich bin ziemlich ratlos und weiß selber nicht, wie man die Entscheidung formulieren soll", so Olejnik. In den kommenden Tagen sollen mit ihm Gespräche geführt werden. Wann und ob Olejnik an Freiburgs Bande zurückkehrt, ist ungewiß.
Im Kampf um den Einzug in die Play- off-Runde mußte der Tabellen-Neunte EV Landshut, der sich am Mittwoch von Trainer Pavel Volek getrennt hatte und noch auf Suche nach einem Nachfolger ist, mit der 1:5-Niederlage beim Krefelder EV einen Rückschlag hinnehmen. Der Krefelder Reemt Pyka, der von Tobias Abstreiter an der Kehle getroffen wurde, mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Der Landshuter Ralf Hantschke, der nach einem Stockschlag von Jayson Meyer gegen den Kopf mit einer Platzwunde genäht wurde, traf später selbst mit dem Stock den Krefelder Königer.
Mannheim mußte den Sieg in Köln teuer bezahlen. Verteidiger Plattner zog sich einen Kreuzbandriß zu. Torjäger Lala, der mit zwei Treffern seine Führung in der Torjägerliste auf 29 Treffer ausbaute, und Heidt hatten für den MERC, Mayr und Chaidarow für Köln getroffen. dpa
Erst im Finale mußte sich Sabine Bau (Tauberbischofsheim) beim Weltcup-Turnier der Florettfechterinnen in Budapest geschlagen geben. Sie unterlag der Ungarin Aida Mohamed (Ungarn), die im Halbfinale Rosalie Huszti (Tauberbischofsheim) besiegt hatte, knapp mit 2:5, 6:5, 5:6.
Die Buffalo Bills haben zum dritten Mal hintereinander das Finale um den Super Bowl erreicht. Die Bills gewannen am Sonntag im ersten Playoff-Halbfinale der National Football League (NFL) 29:10 bei den Miami Dolphins. Nach den Super- Bowl-Niederlagen in den beiden vergangenen Jahren treffen die Bulls nun am 31. Januar in Los Angeles auf den Gewinner der Begegnung zwischen den San Francisco 49ers und den Dallas Cowboys.
BERLIN, 17. Januar (AFP). Wegen der Todesschüsse an der deutsch-deutschen Grenze hat die Berliner Staatsanwaltschaft nach Informationen der Berliner Sonntagspost Ermittlungen gegen weitere frühere Mitglieder des Nationalen Verteidigungsrates der DDR aufgenommen, so gegen Egon Krenz, Kurt Hager und Werner Krolikowski. Grundlage seien beschlagnahmte Dokumente aus dem Archiv der SED-Nachfolgepartei PDS. Dazu gehöre ein Protokoll einer Sitzung des Politbüros vom Januar 1971, wonach auch über das Anbringen von Splitterminen und Selbstschußanlagen gesprochen worden sei. Gegen die von Erich Honecker vorgetragenen Maßnahmen habe es keinen Widerspruch der Anwesenden gegeben. Hager und Krenz seien bereits vernommen worden, ebenso wie die früheren Politbüro-Mitglieder Harry Tisch und Horst Dohlus. Krolikowski sei zunächst verschont geblieben, weil er unter schwerer Diabetes und Kreislaufbeschwerden leide.
ASUNCION, 17. Januar (AFP). Ein Gericht in Paraguay hat Haftbefehl gegen den früheren Diktator Alfredo Stroessner erlassen. Stroessner, der im Exil in Brasilien lebt, wird vorgeworfen, für mehrere Morde, illegale Verschleppungen und Folterungen sowie zahlreiche Fälle von Amtsmißbrauch verantwortlich zu sein. Der Ex-Diktator hatte das Land von 1954 bis 1989 regiert.
MEDELLIN, 17. Januar (AFP). Einer der gefürchtesten "Pistoleros" des Drogenkartells von Medellin, Victor Giovanni Granada, ist am Samstag von der Polizei erschossen worden. Das teilte das Polizeikommando in Medellin mit. Granada galt als persönlicher Vertrauter und Leibwächter des aus dem Gefängnis geflohenen Drogenbosses Pablo Escobar. Wie es hieß, wurde Granada bei einem kurzen Schußwechsel getötet, nachdem er von einer Spezialeinheit der Polizei in seinem Auto gestellt worden war.
NEU-DELHI, 17. Januar (AFP/AP). Nach dem geschlossenen Rücktritt seines Kabinetts hat Indiens Ministerpräsident Narasimha Rao am Sonntag die Neubildung seiner Regierung angekündigt. Die 58 Mitglieder des indischen Kabinetts waren am Samstag geschlossen zurückgetreten, um Rao den Weg für die Regierungsumbildung freizumachen. Der indische Ministerpräsident war durch die Zerstörung der Babri-Moschee in Ayodhya durch fanatische Hindus im vergangenen Monat und die anschließenden Unruhen zwischen Hindus und Moslems erheblich in die Kritik geraten.
Die Opposition reagierte mit Skepsis auf die angekündigte Kabinettsumbildung. "Der Ministerpräsident sollte seine Politik überprüfen anstatt sein Kabinett zu erneuern", sagte Jaipal Reddy von der oppositionellen Janata Dal (Volkspartei). Die Janata Dal kritisiert Raos Wirtschaftsreformen und wirft ihm Versagen bei den jüngsten Unruhen zwischen Hindus und Moslems vor. Die Regierung des indischen Bundeslandes Maharashtra ordnete unterdessen eine Untersuchung der blutigen Unruhen zwischen Hindus und Moslems in Bombay an.
BONN, 17. Januar (AFP). Die Bundesregierung hat Erkenntnisse über eine Beteiligung deutscher Firmen an der Produktion der gemeinsamen syrisch-nordkoreanischen Rakete vom Typ "Scud-C". An Bord des Frachters "Waalhaven", der Ende letzten Jahres auf dem Weg von Hamburg nach Syrien im sizilianischen Hafen Augusta gestoppt worden war, seien 27 Kisten mit Konstruktionsteilen sichergestellt worden, die militärisch wie zivil genutzt werden könnten, bestätigte am Wochenende in Bonn ein Regierungssprecher Informationen der Zeitung Welt am Sonntag. Das Schiff werde mit der Ladung nach Deutschland zurückkehren. Nach den Erkenntnissen der Bundesregierung würden die Firmen Protoplan, Leis-Engeneering, Berlin, und Müller- Weingarten, Weingarten/Württemberg, verdächtigt, hieß es weiter. Produkte dieser Firmen seien bereits von UN-Inspektoren in irakischen Raketenproduktionsanlagen entdeckt worden.
PASTO, 17. Januar (AFP). Bei den Bergungsarbeiten am Rande des Kraters des kolumbianischen Vulkans "Galeras" sind am Wochenende drei weitere Todesopfer von den Rettungsmannschaften geborgen worden. Damit erhöhte sich die Zahl der durch den Vulkanausbruch vom Donnerstag im Südwesten Kolumbiens getöteten Personen auf neun. Wie der Polizeikommandant Oberst Martin Alonso Petrel mitteilte, rechneten die Behörden damit, noch weitere Tote zu finden, da die genaue Zahl der Personen, die sich in der Umgebung des Kraters aufhielten, weiterhin unbekannt sei. Die Bergungsarbeiten wurden unterdessen durch starke Regenfälle sowie anhaltenden Neben stark behindert.
MARDSCH EL SUCHUR/JERUSALEM 17. Januar (AFP/dpa/Reuter). Einen Monat nach der Ausweisung von mehr als 400 Palästinensern durch die israelische Regierung hat sich auch am Wochenende keine Lösung abgezeichnet. Israel will die Deportation nicht rückgängig machen, wie Polizeiminister Mosche Schahal am Sonntag nach der wöchentlichen Kabinettssitzung sagte. Die deportierten Palästinenser unternahmen am Sonntag einen dreistündigen Protestmarsch sowie einen Sitzstreik, die ohne Zwischenfälle verliefen. Zu Verhandlungen über das Schicksal der Deportierten traf am Sonntag Ägyptens Außenminister Amr Mussa in Jerusalem ein.
Die Palästinenser hatten am Morgen ihre Zelte in dem provisorischen Lager im Niemandsland zwischen dem von Libanon kontrollierten Gebiet und der von Israel beanspruchten "Sicherheitszone" abgebrochen und sich in Richtung des Kontrollpunktes Semraja bewegt, der von israelischen Soldaten und der pro-israelischen Hilfsmiliz Südlibanesische Armee (SLA) besetzt ist. Unmittelbar vor einem Minenfeld setzten sie sich nieder.
Die Israelis hatten den Kontrollpunkt mit vier Panzern verstärkt. Schon einmal waren die Palästinenser, unmittelbar nach ihrer Ausweisung, auf Semraja marschiert und dabei von der SLA mit Granaten, Panzergeschossen und Maschinengewehren unter Feuer genommen worden. Nach dem Ende des dreistündigen Protestmarschs gingen die Palästinenser schweigend in ihr Lager und bauten die Zelte wieder auf.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat nach eigenen Angaben vorerst den Plan aufgegeben, die Palästinenser per Hubschrauber zu versorgen. Der IKRK-Chefdelegierte in Libanon, Bernard Pfefferle, sagte am Sonntag in Beirut, die Vereinten Nationen hätten Bedingungen für den geplanten Versorgungsflug gestellt, die für das politisch neutrale Hilfswerk unannehmbar gewesen seien. Näheres zu den Bedingungen wollte Pfefferle nicht sagen.
In den von Israel besetzten Gebieten wurde am Sonntag ein Generalstreik weitgehend befolgt. Zu dem Ausstand hatte die palästinensische Untergrundorganisation Hamas aus Anlaß des ersten Monats der Verbannung aufgerufen. Nach palästinensischen Angaben blieben die Geschäfte geschlossen, der öffentliche Busverkehr fiel aus.
Der ägyptische Außenminister Amr Mussa traf sich am Sonntag mit seinem israelischen Kollegen Schimon Peres. "Wir sind für eine Wiederaufnahme des Friedensprozesses so bald wie möglich", hatte Mussa bei seiner Ankunft gesagt. Der ägyptische Ministerpräsident Husni Mubarak hatte am Samstag mitgeteilt, er glaube nicht an eine Fortsetzung der Nahost-Friedensverhandlungen, wenn sich die Lage der Deportierten nicht ändere.
Am Sonntag sollte in Israel das Oberste Gericht in letzter Instanz über die Ausweisung der Palästinenser entscheiden. Sieben Richter wollten über neun Petitionen von Anwälten der Deportierten entscheiden, wonach die Massenausweisung "illegal" ist. Die israelische Regierung forderte unterdessen das Oberste Gericht auf, die Abschiebung nicht rückgängig zu machen.
Bei Ausschreitungen im Flüchtlingslager Dschalija in dem von Israel besetzten Gazastreifen ist am Samstag nach Angaben der Palästinenser ein elfjähriges Palästinensermädchen von israelischen Soldaten erschossen worden. Die Soldaten hätten durch Schüsse auf steinewerfende Jungen 15 Palästinenser verletzt.
(Siehe Kommentar Seite 3)
BAGDAD/LONDON, 17. Januar (AFP/ dpa/Reuter). Der irakische Präsident Saddam Hussein hat den Angriff der USA mit Marschflugkörpern vom Typ Tomahawk vom Sonntag abend als "totalen Fehlschlag" bezeichnet. Saddam wandte sich knapp eine Stunde nach Verstummen der irakischen Luftabwehr in einer wenige Minuten zuvor angekündigten Radiorede an seine Landsleute. In der Ansprache forderte er seine Truppen auf, die Angreifer zurückzuschlagen. "Greift sie an . . . Schlagt sie, Ihr Tapferen. Gott, seine Engel . . . seien mit Euch", hieß es in der drei Sätze umfassenden Erklärung.
Großbritannien steht nach Angaben eines Sprechers von Premier John Major voll hinter dem Raketenschlag der USA gegen Bagdad. Der Sprecher sagte in London am Sonntag abend, der Angriff mit Cruise Missiles auf eine Atomanlage in einem Außenbezirk der irakischen Hauptstadt habe die "volle Unterstützung" der britischen Regierung. Britische Kampfflugzeuge seien an dem Angriff nicht beteiligt gewesen. Bei der angegriffenen Anlage handele es sich um ein Objekt, das auf der Liste der UN-Inspektoren stand, die in Irak nach Massenvernichtungswaffen fahnden. Im französischen Verteidigungsministerium hieß es, der Raketenangriff falle unter die alleinige Verantwortung der USA. Franzosen seien daran nicht beteiligt gewesen.
In Israel rief die Armee die Bevölkerung am Abend auf, Ruhe zu bewahren. Im Fernsehen hieß es, die Situation am Golf werde sorgfältig beobachtet. Der Sprecher Ministerpräsident Yitzhak Rabins sagte, eine israelische Reaktion stehe nicht bevor. Während des Golf- Kriegs, der genau vor zwei Jahren begann, waren aus Irak rund 40 Scud-Raketen auf Israel abgefeuert worden.
KASSEL. Bei zwei Verkehrsunfällen im Raum Kassel sind in der Nacht zum Sonntag zwei Autofahrer ums Leben gekommen. Wie die Polizei mitteilte, geriet Sonntag früh der 24jähriger Fahrer eines Kleinlastwagens auf der Bundesstraße 251 bei Dörnberg (Kreis Kassel) aufgrund zu hoher Geschwindigkeit ins Schleudern. Das Fahrzeug stürzte um, rutschte 50 Meter auf der Seite über die Fahrbahn und blieb in einer Böschung auf dem Dach liegen.
Der Notarzt konnte nur noch den Tod des eingeklemmten Fahrers feststellen. Die Bundesstraße mußte für mehr als zwei Stunden gesperrt werden.
Am Samstag abend verlor ein 62jähriger Autofahrer in Kassel in einer Kurve aus bisher ungeklärter Ursache die Kontrolle über seinen Wagen und prallte gegen einen Baum.
Der Mann wurde eingeklemmt und starb noch am Unfallort. Bei beiden Unfallopfern wurde eine Blutentnahme angeordnet. Der Schaden betrug jeweils 30 000 Mark.
TISCHTENNIS REGIONALLIGA SÜDWEST, Männer: Darmstadt 98 - TTC Lampertheim 1:9, 1. FC Saarbrücken - TTC Püttlingen 9:4, TTC Heusenstamm - TTC Elz 5:9, TTC Herbornseelbach - TV Burgholzhausen 9:5, TV Müller Gönnern - ESV Jahn Kassel II 9:2, TTC Lampertheim - TTC Heusenstamm 3:9, TTC Püttlingen - SV Bous 8:8, TTC Herbornseelbach - Darmstadt 98 9:5.
FAUSTBALL BUNDESLIGA, Frauen, Gruppe Süd: SKG Rodheim-Bieber - TVJ Eckenheim 2:0, SKG Rodheim-Bieber - TSV Niedernhall 0:2, TVJ Eckenheim - SV Erlenmoos 0:2, SKG Rodheim-Bieber - SV Erlenmoos 0:2, TVJ Eckenheim - TSV Niedernhall 0:2, ATS Kulmbach - TV Böblingen 1:2, ATS Kulmbach - SV Hof 2:1, TV Böblingen - TV Käfertal 2:1, ATS Kulmbach - TV Käfertal 1:2, TV Böblingen - SV Hof 0:2.
MARBURG. Zwei Kanufahrer haben am Sonntag mittag die Strömung des Hochwasser führenden Flüßchens Ohm zwischen Marburg und Kirchhain unterschätzt und sind gekentert.
Die beiden Freizeitsportler wurden von Spaziergängern bewußtlos aus dem eiskalten Wasser gezogen.
Nach Auskunft des Notarztes an der Einsatzstelle schweben beide Männer in Lebensgefahr. Über ihre Identität ist noch nichts bekannt. Taucher der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft aus Marburg und Kirchhain suchten bei Redaktionsschluß dieser Ausgabe den Fluß nach möglichen weiteren Opfern des Unfalls ab.
OBERLIGA SÜDWEST, Männer, Gruppe Mitte: Mainz 05 II - Mainz 05 I 1:9, TV Eisch - ASG Altenkirchen 9:2, TFC Steinheim - TTC Höchst/Nidda 9:3, TTC Saalmünster - FTG Frankfurt II 9:5, SG Ahrheilgen - TSV Stockheim 1:9.
OBERLIGA SÜDWEST, Frauen, Gruppe Nord: TSV Ahrzell - Blaugold Bad Homburg 4:8, SKG Frankfurt - TSV Langstadt 8:6, SKG Frankfurt - Blauweiß Münster 5:8, Hünfelder SV - Blaugold Bad Homburg 8:5.
MARBURG. Zwei Kanufahrer sind am Sonntag mittag auf dem Flüßchen Ohm zwischen Marburg und Kirchhain mit ihrem Boot gekentert und von der Strömung mitgerissen worden. Die beiden Freizeitsportler, 27 Jahre alte Zwillingsbrüder aus Rauschenberg (Kreis Marburg-Biedenkopf), wurden etwa zwei Kilometer flußabwärts von Spaziergängern bewußlos aus dem eiskalten Wasser gezogen. Obwohl der herbeigerufene Notarzt sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen begann, starb einer der Brüder auf dem Weg in die Klinik.
Der zweite Mann sei in einem kritischen Zustand und schwebe in Lebensgefahr, teilte ein Sprecher der Polizei in Marburg am Abend auf Anfrage mit. Auch der Hund der Brüder, der im Boot mitfuhr, überlebte das Unglück nicht. Er wurde am Nachmittag von der Feuerwehr aus dem Hochwasser führenden Flüßchen geborgen.
Die Ursache für das Bootsunglück ist noch unklar. Die Polizei vermutet, daß die Kanuten die Strömung unterschätzten und in einem Wasserstrudel vor einem Wehr in die Tiefe gerissen wurden.
Trotz angelegter Schwimmwesten seien sie in dem kalten Wasser nicht mehr in der Lage gewesen, gegen die Strömung anzukämpfen und sich aus eigener Kraft in Sicherheit zu bringen, hieß es. lhe
LONDON, 17. Januar (Reuter). Scotland Yard geht Berichten über mutmaßliche Kriegsverbrechen britischer Soldaten im Falkland-Krieg 1982 nach. Der ehemalige Obergefreite der britischen Luftlandetruppen Vincent Bramley hatte in einem Buch geschrieben, argentinische Kriegsgefangene seien nach einer Schlacht auf den Falklands erschossen worden.
JAKARTA, 17. Januar (Reuter). Die indonesische Marine erhält im April 39 Schiffe aus Beständen der ehemaligen Nationalen Volksarmee der DDR. Die indonesische Agentur Antara meldete am Sonntag, es handele sich unter anderem um Korvetten und Minenräumboote sowie um 14 Landungsschiffe für Transportzwecke.
MAGDEBURG, 17. Januar (Reuter/AP/ dpa). Etwa 50 000 Menschen haben am Samstag in der Magdeburger Innenstadt mit einer Lichterkette gegen Gewalt und Fremdenhaß demonstriert. Neben Landespolitikern aus Sachsen-Anhalt reihte sich Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) in das Menschenband ein. Die Lichterkette sollte auch an die Zerstörung der Stadt durch eine Bomberflotte der Alliierten vor 48 Jahren erinnern. Bei dem Angriff waren am 16. Januar 1945 mehr als 16 000 Magdeburger umgekommen. Nach der Demonstration nahm die Polizei 148 Hooligans fest, die auf dem Bahnhofsvorplatz aufeinander losgegangen waren.
Etwa 5000 Bürger stellten sich am Samstag auch im oberfränkischen Hof auf dem Volksfestplatz in Form einer Friedenstraube auf und demonstrierten mit Kerzen, Lampions und Fackeln gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus. Etwa 14 000 Menschen bildeten am Freitag abend in den österreichischen Städten Linz und Klagenfurt Lichterketten gegen Ausländerfeindlichkeit.
In Berlin rief eine Künstler-Initiative zu einer "Aktion der hunderttausendfachen Vernunft" auf. Am 30. Januar soll eine Lichterspur von der Siegessäule bis zum Alex an den 60. Jahrestag der Machtergreifung der Nationalsozialisten gemahnen, hieß es in dem Aufruf. Vertriebschef zeigt Hitlergruß
MÜNCHEN (AFP). In München ist die Polizei am Samstag gegen linke Demonstranten vorgegangen. Nach Mitteilung der Polizei waren etwa 180 Demonstranten der Ökologischen Linken nach einer genehmigten Demonstration vor das Gebäude einer rechtsradikalen Vertriebsgesellschaft gezogen. Dort hatten sie gegen das Unternehmen protestiert und Farbbeutel sowie Eier und Flaschen geworfen.
Der Leiter des Vertriebs rechtsextremer Schriften, Ewald Althans, schaltete daraufhin eine Lautsprecheranlage mit Marschmusik ein und hißte die Reichskriegsflagge. Althans zeigte sich den Demonstranten mit dem Hitlergruß. Die Polizisten gingen gegen die Demonstranten vor, weil Farbbeutel die Uniformierten getroffen hätten. Die Beamten nahmen vier Demonstranten fest, von denen zwei inzwischen wieder entlassen wurden. Gegen die anderen beiden seien Haftbefehle ergangen. Gegen Althans sei Strafanzeige wegen des Hitlersgrußes erstattet worden.
In Landstuhl in der Pfalz sägten Angehörige einer "Aktionsgruppe Clara Wichmann" den Kopf eines Reiterdenkmals ab, der deutlich die Züge von Adolf Hitler trug. Angaben der Polizei vom Samstag zufolge stellte die Stadtverwaltung Strafantrag wegen Sachbeschädigung. In einem bei der Nachrichtenagentur AP eingegangenen Brief erklärten die Täter: "Mit unserer Aktion wollen wir der Gleichgültigkeit gegenüber nationalsozialistischer Kultur ein Ende setzen." Anschlag auf Flüchtlingsheim
HANNOVER. Sechs Unbekannte haben am Samstag einen Molotow-Cocktail in ein Asylbewerberheim in Garbsen bei Hannover. Nach der Tat seien die Männer geflohen. Bei dem Anschlag wurde Polizeiangaben zufolge niemand verletzt. Auf ein von Deutschen und Ausländern bewohntes Haus in Nürnberg wurde am Sonntag ein Bombenanschlag verübt. Wie die Polizei mitteilte wurde niemand verletzt. Unbekannte Täter warfen in Schwerin auf dem Ehrenfriedhof der russischen Streitkräfte Grabsteine um.
COLOMBO, 17. Januar (Reuter/AFP). Ein Führungsmitglied der Tamilen-Rebellen Sri Lankas hat sich nach Angaben aus Tamilen-Kreisen auf einem Schiff im Indischen Ozean selbst in die Luft gesprengt. Sathasivam Krishnakumar alias Kittu habe sich nicht der indischen Marine ergeben wollen, die sein Schiff aufgebracht habe, hieß es am Sonntag unter Berufung auf den Sender der "Befreiungstiger" von Tamil Eelam. Ein Sprecher der Gruppe konnte die Selbsttötung nicht bestätigen. Nach indischer Darstellung befanden sich Waffen und Munition an Bord von Kittus Schiff "Ahat".
Der Sender meldete den Angaben zufolge, Kittu sei den "Heldentod" gestorben. Er und seine Begleiter hätten sich geweigert, sich der indischen Marine zu ergeben. Die Marine hatte Kittus Schiff bereits am Mittwoch aufgebracht und seitdem umkreist. Der Rebellenführer habe sich nach Angaben indischer Behörden geweigert, die "Ahat" zu verlassen. Am Samstag sei das Schiff dann aus noch ungeklärter Ursache in Brand geraten. Neun Menschen, unter ihnen der Kapitän, überlebten das Feuer und wurden an Bord der indischen Schiffe gebracht.
In Neu-Delhi erklärte ein Sprecher des indischen Verteidigungsministeriums, die Marine habe die verstümmelten Leichen von vier Männern von der "Ahat" geborgen, bevor diese in der Nacht gesunken sei. Sicher sei, daß sich Kittu unter den Toten befinde. An Bord seien mehrere Tonnen Sprengstoff, Waffen und Munition sowie 25 000 Liter Benzin gewesen, habe der Kapitän des Schiffes ausgesagt.
In Tamilen-Kreisen hieß es, die "Ahat" habe unter anderem Luftabwehrraketen aus Hongkong oder Bangkok nach Sri Lanka bringen sollen. Die Befreiungstiger führen seit zehn Jahren einen blutigen Kampf für einen eigenen Tamilen- Staat im Norden und Osten des früheren Ceylon.
Kittu war stellvertretender Führer der "Befreiungstiger", bis er im März 1987 bei einem Bombenangriff ein Bein verlor.
MAGDEBURG, 17. Januar (Reuter). Sachsen-Anhalt will erneut Kinder aus der bosnischen Hauptstadt Sarajewo aufnehmen. Sobald die dafür nötige Einwilligung aller Bundesländer vorliege, werde man für die Kinder, die Sarajewo am Freitag verlassen hatten, "alles notwendige veranlassen und tun", sagte der Sprecher des Sozialministeriums von Sachsen-Anhalt, Klaus Kunz, am Sonntag. Die 67 geistig behinderten Kinder und 21 Begleiter waren nach Angaben der Initiatoren des Transports am Samstag wohlbehalten im kroatischen Makarska angekommen. Die neuerliche Aktion der Landtagsabgeordneten Jürgen Angelbeck und Karsten Knolle wurde von der Landesregierung kritisiert.
Am Sonntag nachmittag fehlte nach Angaben des Sprechers noch die Zustimmung einiger Bundesländer, damit das Land die Kinder und ihre erwachsenen Begleiter auf das Kontingent bosnischer Kriegsflüchtlinge anrechnen könne.
Scharf kritisierte er die beiden Landtagsabgeordneten. Sie hätten mit dem Transport "eine Drucksituation" geschaffen und gegen den Rat der Landesregierung gehandelt, sagte Kunz. Wegen der unklaren Rechtslage hatte die Landesregierung sie am Freitag davor gewarnt, die Kinder illegal nach Deutschland zu holen. Sachsen-Anhalts Sozialminister Werner Scheiber hatte erklärt, man werde "die Verantwortlichen zur Verantwortung ziehen". Sie müßten dann die Kosten für den Aufenthalt übernehmen.
Knolle (CDU) und Angelbeck (parteilos) hatten daraufhin erklärt, dieses Risiko könnten sie nicht übernehmen. Daraufhin sei der Weiterflug mit einem bereits gecharterten Flugzeug nach Leipzig wieder storniert worden. Knolle sagte in einem Rundfunk-Interview, die Kinder hätten in einem Haus in Sarajewo ohne Wasser, Strom und Heizung vegetiert und seien vom Tod bedroht gewesen. Knolle und Angelbeck hatten bereits im August mit einer umstrittenen Aktion Aufsehen erregt, als sie gegen den Rat von UN und Bundesregierung 42 Kinder aus Sarajewo nach Magdeburg geholt hatten. Zwei Kinder waren dabei von Heckenschützen erschossen worden.
BELGRAD/SARAJEWO, 17. Januar (Reuter/AFP). Heftige Kämpfe im bosnisch-serbischen Grenzgebiet sind von der Regierung Rest-Jugoslawiens am Sonntag als Versuch der Moslems gewertet worden, die Genfer Friedensgespräche zu torpedieren. Bei den Gefechten wurden nach serbischen Angaben Dutzende Menschen getötet. Die Gefechte hielten nach einem Bericht der Belgrader Nachrichtenagentur Tanjug auch am Sonntag an. Am Samstag seien 46 Soldaten und Zivilisten getötet, rund 150 verletzt worden. Jugoslawiens Armee habe das Feuer erwidert. Bosnische Serben berichteten, auch das zu Serbien gehörende Bajina Basta sei beschossen worden.
Auch aus anderen Teilen Bosnien-Herzegowinas wurden schwere Kämpfe gemeldet. In Sarajewo waren am Freitag acht Menschen beim Wasserholen durch serbische Granaten getötet worden. Kroatische Einheiten haben Radio Sarajewo zufolge am Wochenende die muslimische Stadt Gornij Vakuf nach Kämpfen mit muslimischen Truppen erobert.
Das umkämpfte Skelani liegt nur 20 Kilometer östlich der moslemischen Stadt Zepa, in der Berichten zufolge in den vergangenen Tagen etwa 300 Menschen an Kälte und Hunger gestorben sind. Ein UN-Hilfskonvoi war am Sonntagnacht nach mehrmaligen erfolglosen Versuchen laut UN-Angaben bis "in Sichtweite" der Stadt vorgedrungen. Zuletzt hatten die Lkw am Samstag in nur wenigen Kilometern Entfernung von ihrem Ziel wegen zahlreicher Straßensperren der Serben umkehren müssen.
Nach wochenlangen Beratungen einigten sich die USA mit ihren westeuropäischen Verbündeten auf eine UN-Resolution zur militärischen Durchsetzung des Flugverbots über Bosnien-Herzegowina. Diplomaten am UN-Sitz in New York sagten, der Entwurf sehe eine 30tägige Frist vor einer Gewaltanwendung vor und solle am Dienstag im Sicherheitsrat beraten werden. An diesem Tag läuft das EG-Ultimatum an die bosnischen Serben ab. Der EG-Ratsvorsitzende, der dänische Außenminister Uffe Ellemann-Jensen, lehnte im Nachrichtenmagazin Der Spiegel einen Militärschlag gegen Rest- Jugoslawien wegen der zu erwartenden hohen Opferzahlen ab.
JERUSALEM, 18. Januar (Reuter/AP/ dpa). Während des US-Angriffes gegen Irak ist der Norden Israels nach Angaben aus israelischen Sicherheitskreisen von arabischen Freischärlern beschossen worden. Wie es hieß, schlugen die im Süden Libanons abgefeuerten Katjuscha- Raketen am Sonntag in einem Feld ein. Es sei kein Schaden entstanden und niemand verletzt worden, doch riefen die Einschläge in Nordisrael offenbar großen Schrecken hervor. Zunächst dürfte nicht klargewesen sein, daß es sich um Katjuschas handelte.
Die Armee rief die Bevölkerung Israels während des US-Raketenangriffs auf Bagdad auf, Ruhe zu bewahren. Der Bericht über den Katjuscha-Beschuß wurde vom israelischen Militär zensiert. Im Golf-Krieg von 1991 hatte Irak etwa 40 Scud-Raketen auf Israel abgefeuert, das auf Druck der USA auf Vergeltungsschläge verzichtete. Israelische Soldaten haben am Sonntag im besetzten Gaza-Streifen wieder ein Kind getötet. Arabische Journalisten berichteten, ein 14jähriger Junge namens Masen Debeddesch sei in den Hals geschossen worden, als er im Flüchtlingslager Gati eine Flasche auf einen Soldaten werfen wollte. Bei der kurz darauf vorgenommenen Beerdigung des Jungen wurden den Berichten zufolge zehn weitere Menschen angeschossen, als es zu Demonstrationen kam. Erst am Samstag hatten die Israelis im Gaza- Streifen ein elfjähriges arabisches Mädchen mit einem Bauchschuß getötet.
Der Rundfunk berichtete am Montag morgen, bei schweren Zusammenstößen zwischen Palästinensern und der israelischen Armee seien in der Stadt Gaza zwei Palästinenser von Soldaten erschossen worden. Elf weitere seien verletzt worden. Der führende Palästinenser-Politiker Faisal el Husseini sagte am Sonntag in Jerusalem, Israel habe die Wahl zwischen Frieden oder dem Festhalten an der Abschiebung der über 400 Palästinenser. Die israelische Regierung müsse entscheiden, entweder in Frieden im Nahen Osten leben zu wollen oder ein isolierter Militärstaat wie das antike Sparta zu sein. Die Delegation der Palästinenser bei den Nahost-Friedensgesprächen, deren Leiter Husseini ist, hat erklärt, sie könne die Gespräche erst dann wiederaufnehmen, wenn die Deportierten heimgekehrt seien.
TENNIS INT. MEISTERSCHAFTEN von Neu-Südwales in Sydney (300 000 Dollar), Männer, Einzel, Finale: Sampras (USA) - Muster (Österreich) 7:6 (9:7), 6:1.
Doppel, Finale: Stolle/Stoltenberg (Australien) - Jensen/Jensen (USA) 6:3, 6:4. - Halbfinale: Jensen/ Jensen (USA) - Michibata/Pate (USA) 3:6, 6:3, 6:4, Stolle/Stoltenberg (Australien) - Nijssen/Suk (Niederlande/Tschechei) 7:6 (7:5), 6:3.
Frauen (275.000 Dollar), Einzel, Finale: Capriati (USA) - Huber (Heidelberg) 6:1, 6:4. - Halbfinale: Huber delberg/Nr. 5) - Frazier (USA) 6:4, 6:3, Capriati - Sabatini (Argentinien) 6:4, 6:2.
Doppel, Finale: Shriver/Smylie (USA/Australien) - McNeil/Stubbs (USA/Australien) 7:6 (7:4), 6:2. - Halbfinale: McNeil/Stubbs (USA/ Australien) - Barclay/Guse (Australien) 6:4, 6:2, Shriver/Smylie - Demongeot/ Reinach (Frankreich/Südafrika) 6:4, 7:5.
GRAND-PRIX-TURNIER der Männer in Djakarta (300.000 Dollar), Einzel, Finale: Chang (USA) - Steeb (Essen) 2:6, 6:2, 6:1.
GRAND-PRIX-TURNIER der Männer in Auckland/Neuseeland (182.000 Dollar), Einzel, Finale: Wolkow (Rußland) - Washington (USA) 7:6 (7:2), 6:4. - Halbfinale: Washington - Mattar (Brasilien) 6:2, 6:3, Wolkow - Yzaga (Peru) 6:4, 7:6 (9:7). - Doppel, Finale: Connell/ Galbraith (Kanada/USA) - Antonitsch/Wolkow (Österreich/Rußland) 6:3, 7:6 (7:0).
GRAND-PRIX-TURNIER der Frauen in Melbourne (100.000 Dollar), Einzel, Finale: Coetzer (Südafrika 1) - Sawamatsu (Japan) 6:2, 6:3.
Doppel, Finale: Provis/Tauziat (Australien/ Frankreich) - MacGregor/Stafford (USA) 1:6, 6:3, 6:3.
EINLADUNGSTURNIER der Männer in Adelaide (175 000 Dollar), Einzel, Finale: Courier (USA)- Korda (Tschechische Republik) 1:6, 6:4, 6:3. - Spiel um Platz 3: Edberg (Schweden) - Woodbridge (Australien) 6:2, 6:1.
RADSPORT BREMER SECHSTAGE-RENNEN, Stand nach der dritten Nacht: 1. Risi/Betschaft (Schweiz) 218 Punkte, 2. Günther/Veggerby (Lippstadt/Dänemark) 217, eine Runde zurück: 3. Clark/Stumpf (Australien/Dittelbrunn) 292, 4. Freuler/Pieters (Schweiz/Niederlande) 281, 5. Kappes/de Wilde (Bremen/Belgien) 217, sechs Runden zurück: 6. Khrabzow/Ganeew (Rußland) 150, 7. Hess/Dörich (Tübingen/Ruhpolding) 105, sieben Runden zurück: 8. Wolf/Klaus (Berlin) 117, acht Runden zurück: 9. Bincoletto/ Bontempi (Italien) 127, 10. Tourne/von Slijcke (Belgien) 94, neun Runden zurück: 11. Bolten/ Stutz (Köln/Schweiz) 107, elf Runden zurück: 12. Görgen/Haase (Bergheim/Ruhpolding) 112.
Bei den Tennisturnieren in Sydney und Djakarta erreichten die Heidelbergerin Anke Huber und der Essener Carl-Uwe Steeb die Endspiele, in denen sie sich aber ihren US-amerikanischen Gegnern Jennifer Capriati und Michael Chang geschlagen geben mußten.
Die amerikanische Olympiasiegerin Jennifer Capriati war im Frauenfinale der mit 575 000 Dollar dotierten Internationalen Tennismeisterschaften von Neu- Südwales in Sydney für die letztjährige Federation Cup-Gewinnerin Anke Huber eine Nummer zu groß. Die Weltranglistenachte benötigte zum überlegenen 6:1, 6:4 gegen die fünf Plätze tiefer notierte Heidelbergerin gerade 70 Minuten. Bei erneut brütender Hitze und Temperaturen um 37 Grad Celsius war die Deutsche im traditionsreichen White City Stadium auch im vierten Duell mit Capriati ohne jede Chance.
"Ich wurde im zweiten Satz unheimlich müde, ich weiß auch nicht warum", sagte Anke Huber nach ihrem vierten Endspiel (Siegerin 1990 in Schenectady und 1991 in Filderstadt, Finalistin 1990 in Bayonne) bei einem der "großen" Frauenturniere. "Ich habe heute ziemlich schlecht gespielt, während Jennifer ein sehr gutes Match gemacht hat." Die Statistik sagt freilich anderes aus, denn der Siegerin unterliefen (bei vier Assen) 28 und der Verliererin (bei vier Doppelfehlern) sogar 39 leichte Fehler.
Frauen-Bundestrainer Klaus Hofsäss sah in der Endspielteilnahme seines Schützlings "einen großen Durchbruch". "So etwas direkt zum Jahresbeginn, ist ganz toll", sagte Hofsäss, "das wird Anke nach dem nicht so glücklichen letzten Jahr gewiß Auftrieb geben."
24 Deutsche (13 Männer und elf Frauen) starten bei den mit 4,9 Millionen Dollar dotierten Titelkämpfen bei den Australian Open im Flinders Park, nachdem sich auch der Hamburger Jörn Renzenbrink über die Qualifikation einen Platz in den 128köpfigen Hauptfeldern erkämpfen konnte. Nach der Absage des Wimbledonsiegers Andre Agassi (USA) fiel von den Stars nun auch der Kroate Goran Ivanisevic aus. Er zog sich einen Bruch des rechten Fußes zu, der ihn zu einer wenigstens sechswöchigen Pause zwingt. sid
AUFSTIEGSKÄMPFE ZUR BUNDESLIGA NORD, TKSV Bonn-Duisdorf - AV Schaafheim 27:4, KSV Köllerbach - SV Halle 28:8.
AUFSTIEGSKÄMPFE ZUR ZWEDITEN BUNDESLIGA, Gruppe Mitte: AC Thaleischweiler - ASV Burbach 8,5:21.
AUFSTIEGSKÄMPFE ZUR ZWEITEN BUNDESLIGA, Gruppe Südost: AV Germania Markneukirchen - AV Jugendkraft/Concordia Zella Mehlis 10:19. - Die Aufsteiger: AV Jugendkraft/Concordia Zella Mehlis.
BASKETBALL BUNDESLIGA, Frauen: HSG HU Berlin - Barmer TV 63:90,(32:48), SC HPW 69 Halle - TV Bensberg 91:87 (39:32), TSV Bayer Leverkusen - VfL Marburg 95:56 (41:29), TSV Weilheim - MTV Wolfenbüttel 83:87 (44:37), SG DJK/TV Aschaffenburg-Mainhausen - Lotus München 61:76 (34:40), Osnabrücker SC - SSC Karlsruhe 88:52 (48:27).
ZWEITE BUNDESLIGA, Männer, Gruppe Süd: Steiner Bayreuth - Telekom PostSV Karlsruhe 108:80, TV Lich - TV Langen 96:80, BG MAXX Offenbach/Neu-Isenburg - TSV Speyer 75:80, FC Baunach - DJK Würzburg 81:69, FC Bayern München - SV Oberelchingen 88:92 (47:44), TSV Breitengüßbach - Lotus München 80:59 (43:30).
ZWEITE BUNDESLIGA, Frauen, Gruppe Süd: DJK Don Bosco Bamberg - TSV Nördlingen 62:52 (30:30), MTSV Schwabing - Eintracht Frankfurt 83:70 (39:30), KUSG Leimen - TVG Trier 82:52 (36:25), Heidenheimer SB - USC Freiburg 72:54 (33:24), MTV Kronberg - DJK Würzburg 61:70 (36:34).
Lutz D. Nebenthal wird voraussichtlich neuer Pressesprecher der Berliner Olympia-GmbH werden. Der 53jährige, der noch bis zum 31. März für Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Leichtathletik-Verband zuständig ist, will in den nächsten Tagen ein Gespräch mit Olympia-Geschäftsführer Axel Nawrocki führen. "Noch ist nichts entschieden", erklärte Nebenthal, "es wäre eine reizvolle Aufgabe."
Nach der Demission des Rundfunkjournalisten Heiner Giersberg Mitte Dezember 1992 hatte Nawrocki eine Vielzahl von Redakteuren angesprochen. Ursprünglich sollte der Aufsichtsrat der Olympia-GmbH noch Ende Dezember zusammentreten, um einen Nachfolger von Giersberg zu verpflichten. Giersberg hatte ein Jahresgehalt von 150 000 Mark erhalten. Für seinen Nachfolger stehen einem Papier der Geschäftsführung zufolge bis zu 220 000 Mark im Jahr zur Verfügung.
Abgesagt hatte zunächst der Vorsitzende des Vereins Deutsche Sportpresse Berlin, Peter Kohagen (Sender Freies Berlin). Der Kicker-Chefredakteur Rainer Holzschuh gab vor wenigen Tagen ein Nein, weil ihn nach seinen Worten der Verleger nicht freistellen will.
Nawrockis erster Wunschkandidat Klaus Müller (ehemaliger adidas-Pressechef) wurde von der Berliner SPD wegen seiner leitenden Tätigkeit bei der im letzten August eingestellten "Super-Zeitung" verhindert.
Kommissarischer Leiter der Abteilung Presse und Öffentlichkeitsarbeit der Olympia-GmbH ist der ehemalige Senatsangestellte Reinhard Heitzmann. Er hatte bereits in der Amtszeit von Olympia- Manager Lutz Grüttke als Pressesprecher amtiert und war dessen Vertrauter.
Die Bundesregierung steht unverändert zur Bewerbung Berlins um die Olympischen Sommerspiele im Jahr 2000 und wird sich nun auch finanziell an den Investitionskosten beteiligen. Dies erklärte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesinnenminister, Eduard Lintner, Mitglied des Aufsichtsrates der Berlin 2000 Olympia GmbH, in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. sid
Der Deutsche Ski-Verband (DSV) wird bei der alpinen Weltmeisterschaft in Morioka/Japan (3. bis 14. Februar) voraussichtlich mit 17 Athleten, neun Frauen und acht Männern, an den Start gehen. "Wir wollen die vier Startplätze pro Disziplin voll ausschöpfen", kündigte der "Chef alpin" Peter Hinterseer in Cortina d'Ampezzo an.
Sechs Frauen und fünf Männer haben die Qualifikations-Norm erfüllt. Die restlichen WM-Starter werden mit der "Perspektive 1994 in Lillehammer" nominiert.
Das voraussichtliche Aufgebot des DSV für die WM in Morioka (3. bis 14. Februar:
Frauen: Abfahrt: Katja Seizinger (Halblech), Regina Häusl (Schneizlreuth), Miriam Vogt (Starnberg), Urlike Stanggassinger (Berchtesgaden).
Super-G: Seizinger, Häusl, Martina Ertl (Lenggries), Vogt.
Riesenslalom: Seizinger, Ertl, Christine Meier (Rottach-Egern), Andrea Schwarzenberger (Krün).
Slalom: Vogt, Ertl, Angela Grassinger (Berchtesgaden), Edda Mutter (Todtnau).
Kombination: Vogt, Ertl, Seizinger, Häusl.
Männer: Abfahrt: Markus Wasmeier (Schliersee), Hansjörg Tauscher (Oberstdorf), Hannes Zehentner (Aising-Pang), Martin Fiala (Leverkusen).
Super-G: Wasmeier, Tauscher, Zehentner, Fiala.
Riesenslalom: Tobias Barnerssoi (Halblech), Peter Roth (Königssee), Armin Bittner (Krün), Wasmeier.
Slalom: Bittner, Roth, Bernhard Bauer (Oberwössen).
Kombination: Wasmeier, Tauscher (plus zwei Fahrer). sid
SKI NORDISCH LANGLAUF-WELTCUP der Frauen in Cogne, 4x5-km-Staffel (klassisch/frei): 1. Rußland (Nageikina/Lazutina/Jegorowa/Wjalbe) 57:17,2 Minuten, 2. Italien (Vancetta/Paruzzi/di Centa/ Belmondo) 0:14,9 Minuten zurück, 3. Norwegen (Moen/Myklebust/Hegge/Nilsen) 0:38,2, 4. Schweden 0:45,5, 5. Tschechei 1:08,8, 6. Schweiz 1:09,4, ... 10. DSV (Apel/Oberhof, Wille/Maierhöfen, Schulze/Willingen, Blum/Zella-Mehlis) 3:12,9.
Udo Lattek tauscht den Trainingsanzug wieder gegen einen feinen Zwirn ein. An seinem 58. Geburtstag am Samstag räumte Lattek den Trainerstuhl beim Bundesligisten Schalke 04 vorzeitig für seinen ursprünglich erst zum 1. Juli verpflichteten Nachfolger Helmut Schulte (35), der sein Amt jetzt schon, am heutigen Montag, antritt. Bis zum Saisonende wird er den "Knappen" aber in beratender Funktion weiterhin "zur freien Verfügung stehen".
"Die Initiative ist alleine von mir ausgegangen. Es geht nicht an, daß zwei Cheftrainer bei Schalke arbeiten. Das hätte auf jeden Fall Kompetenzschwierigkeiten gegeben", erklärte Lattek, der seit dem 1. Juli 1992 in Gelsenkirchen tätig ist. Nachfolger Schulte wurde von dem privaten Fernsehsender, für den er nach Trainerjobs in St. Pauli und Dresden gearbeitet hatte, sofort freigestellt. Lattek will sich nun mit Schulte zusammensetzen - sofern er es wünscht. "Aber er ist der Chef, ich habe nichts mehr mit der Mannschaft zu tun."
Udo Lattek, der in München, Mönchengladbach, Dortmund und Barcelona große Triumphe gefeiert und insgesamt 14 Titel gewonnen hat, trat nur sechs Monate nach seinem Trainer-Comeback zurück. 1987 war er als Sportdirektor erstmals zum 1. FC Köln gewechselt, wurde dann Kolumnist für eine Sport-Wochenzeitschrift, ehe er erneut als Sportdirektor nach Köln zurückkehrte. Spekulationen um den Rücktritt von Präsident Günter Eichberg und einen möglichen Wechsel in den Verwaltungsrat wies er zurück: "Ich werde den Verein auch in Zukunft auf Platz eins weiterführen." sid
1.000 m: 1. Blair 1:21,77 Minuten, 2. Ye 1:21,89, 3. Aaftink 1:22,82, 4. Polozkowa (Russland) 1:23,35, 5. You 1:23,39, 6. Hoiseth (Norwegen) 1:23,42, ... 8. Schenk 1:24,50, ... 11. Baier 1:24,61, ... 15. Garbrecht 1:24,87, 16. Adeberg (Berlin) 1:25,43. - Stand im Weltcup: 1. Blair 107, 2. Ye 94, 3. Baier 88, 4. Hashimoto (Japan) 85, 5. Aaftink 81, 6. Hoiseth 63, ... 10. Völker (Erfurt) und Schenk jeweils 46, ... 13. Börner (Berlin) 38, ... 15. Garbrecht 33, ... 25. Adeberg 5.
1.500 m: 1. Polozkowa 2:07,15 Minuten, 2. Hunyady (Österreich) 2:07,36, 3. Warnicke (Erfurt) 2:08,60, 4. Baschanowa (Russland) 2:09,09, 5. Yttredal (Norwegen) 2:09,64, 6. Blair 2:10,07, ... 2:10,24, 8. Garbrecht 2:10,34, ... 10. Pechstein, ... 15. Adeberg 2:12,51, ... 26. Mischke (beide Berlin) 2:14,52
Stand im Weltcup: 1. Hunyady 66 Punkte, 2. Warnicke 60, 3. Baschanowa 54, 4. Niemann (Erfurt) 50, 5. Wasilewska (Polen) 32, ... 9. Garbrecht 29, 10. Pechstein 23, ... 16. Adeberg 14, 17. Börner 12, ... 27. Mischke und Adeberg jeweils 6.
3.000 m: 1. Warnicke 4:22,04 Minuten, 2. Hunyady 4:25,15, 3. Baschanowa 4:28,89, 4. Zijlstra (Niederlande) 4:29,83, 5. Pechstein 4:31,70, 6. de Loor (Niederlande) 4:33,12, ... 15. Mischke 4:39,01, ... 18. Adeberg 4:41,03.
WELTCUP der Männer in Innsbruck, 500 m: 1. Klewschenja (Russland) 37,50 Sekunden, 2. Schelesowski (Weißrussland) 37,54, 3. Golubjew (Russland), 4. Jaegal (Südkorea) 37,69, 5. Jansen (USA) 37,77, 6. Bouchard (Kanada) 37,91, ... 15. Jankowski (Mainz) 38,34, ... 20. Pfeiffer (Erfurt) 38,62, ... 23. Wichmann (Berlin) 38,86, ... 29. Reyes-Loredo (Erfurt) 39,19. - Stand im Weltcup: 1. Jansen 111 Punkte, 2. Schelesowski 107, 3. Golubjew 96, 4. Klewschenja 94, 5. Yasunori Miyabe 66, 6. Yukinori Miyabe (beide Japan) 57, ... 16. Pfeiffer 24, 17. Jankowski und Scott (Kanada) 23, ... 19. Wichmann und Kuroiwa (Japan) 18, ... 22. Lars Funke (Erfurt) 15.
1.500 m: 1. Ritsma (Niederlande) 1:56,83 Minuten, 2. Söndraal (Norwegen) 1:56,93, 3. Adeberg (Berlin) 1:57,03, 4. Schreuder 1:57,27, 5. Straathof (beide Niederlande) 1:58,05, 6. Koss (Norwegen) 1:59,04, ... 12. Tröger (Inzell) 2:00,26, ... 19. Tonat (Berlin) 2:01,06, ... 23. Kumm (Berlin) 2:01,38, ... 26. Kramer (Berlin) 2:01,97. - Stand im Weltcup: 1. Ritsma 72 Punkte, 2. Adeberg 56, 3. Schreuder 49, 4. Zandstra (Niederlande) 47, 5. Tröger 35, 6. Aoyanagi (Japan) 34, ... 33. Tonat 2.
SKI-ALPIN Weltcup-Slalom: 1. Schneider (Schweiz) 1:32,39 Minuten (45,79+46,60 Sekunden), 2. Coberger (Neuseeland) 1:33,52 (47,47+46,05), 3. Buder 1:33,56 (46,92+46,64), 4. Maierhofer 1:34,22 (47,38+46,84), 5. Salvenmoser 1:34,68 (47,82+47,06), 6. Eder 1:34,84 (46,81+48,03), 7. Wachter (alle Österreich) 1:34,89 (47,83+47,06), 8. Chauvet (Frankreich) 1:35,12 (47,81+47,51), 9. Hrovat (Slowenien) 1:35,40 (48,43+46,97), 10. Strobl (Österreich) 1:35,56 (47,99+47,57), 11. Gallizio (Italien) 1:35,68 (48,50+47,18), 12. Vogt (Starnberg) 1:35,73 (48,11+47,62).
Fußball-Nationalspieler Lothar Matthäus vom Bundesliga-Spitzenreiter FC Bayern München hat seinen für den AC Florenz spielenden Kollegen Stefan Effenberg scharf kritisiert. In einem Interview mit dem am Montag erstmals erscheinenden Nachrichtenmagazin Focus meinte Matthäus: "Stefan schadet der Mannschaft. Er ist selbstbewußt und hat einen guten Charakter. Aber er muß endlich zuhören."
Matthäus bemängelte das fehlende Fingerspitzengefühl seines Konkurrenten im Mittelfeld der Nationalmannschaft. "Er hat Sprüche herausgehauen gegen Mitspieler, gegen Franz Beckenbauer, gegen den deutschen Fußball. Das geht nicht. Stefan hatte mehrfach die Möglichkeit, die Dinge in Ordnung zu bringen. Wenn man intelligent und vernünftig ist, nutzt man diese. Wer Beckenbauer angreift, macht einen großen Fehler, Franz überstrahlt im deutschen Fußball alles."
Eishockey-Bundesligist Freiburg entläßt seinen Trainer
Dem Mißtrauensvotum der Mannschaft folgte die Trennung vom Trainer: Am Sonntag gab der Eishockey-Bundesligist EHC Freiburg die Beurlaubung des 60 Jahre alten Coaches Ladislav Olejnik bekannt, nachdem die Breisgauer aus den letzten sechs Bundesligaspielen 0:12 Punkte verzeichnet hatten.
Am Donnerstag und Freitag hatte es jeweils eine einstimmige Abstimmung der Freiburger Mannschaft gegen den ehemaligen Bundestrainer gegeben, der seit 1991 beim EHC gearbeitet und den Klub in der vergangenen Saison überraschend auf Rang fünf der Liga geführt hatte.
Als Interimstrainer beim Auswärtsspiel am Sonntag beim Berliner SC Preussen fungierte Präsident Georg- Heinrich Kouba. Die Entlassung Olejniks bedeutet den fünften Trainerwechsel der Saison. Zuvor hatten sich der EHC Eisbären Berlin von Harmut Nickel, der Berliner SC Preussen von Craig Sarner, der ESV Kaufbeuren von Vladimir Martinec und der EV Landshut von Pavel Volek getrennt.
Vereins-Präsident Kouba war vom Spieler-Quartett Richard Zemlicka, Frantisek Prochazka, Jiri Crha und Jacek Plachta über die mannschaftsinterne Abstimmung gegen Olejnik informiert worden. Kouba hatte die Mannschaft zu einer Wiederholung am Tag des Punktspiels am vergangenen Freitag gegen den EC Ratingen (1:5) aufgefordert. Das Ergebnis des Votums änderte sich nicht.
Die interne Opposition gegen Olejnik war immer größer geworden. Die mit zahlreichen Spielern aus der ehemaligen CSFR durchsetzte Freiburger Mannschaft kritisiert am gebürtigen Brünner, daß er zu hart trainiere. Olejnik drohte den Cracks: "Ich lasse mir von Spielern nicht meinen Namen kaputtmachen". Dem Coach Olejnik werden Kontakte zum Liga-Konkurrenten EV Landshut nachgesagt. Die Niederbayern, bei denen auch Sarner im Gespräch ist, hatten erst am vergangenen Mittwoch Coach Volek entlassen.
Bei der 1:5-Heimpleite gegen den Tabellenvorletzten EC Ratingen hinterließen die Breisgauer einen desolaten Eindruck und stehen mit dem Rücken zur Wand. Dem Vorrunden-Fünften der letzten Saison drohen die Abstiegs-Play-offs. Die neuerliche Niederlage, als die EHC- Cracks nach dem 1:1-Ausgleichstreffer für die Rheinländer ihre Linie völlig verloren und fortan eher einem aufgescheuchten "Hühnerhaufen" glichen, war symptomatisch für die derzeitige nervliche Verfassung des EHC. Zu allem Überfluß erklärte der Zweite Vorsitzende Holger Hessle seinen Rücktritt und ließ sich erst auf Intervention von EHC-Präsident Kouba zum vorläufigen Weitermachen überreden.
Der badische Klub wird außerdem von großen finanziellen Problemen geplagt. Der kalkulierte Zuschauerschnitt pro Heimspiel von 3800 wurde gegen Ratingen um 1600 verfehlt. Die Verbindlichkeiten des Vereins sollen sich auf Millionen belaufen. sid
Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) will im "Doping-Fall Aachen" mit aller Härte vorgehen. Präsident Klaus Henter (Dortmund) erklärte nach der Präsidiumssitzung in Sundern am Sonntag: "Es ist ganz schlimm, daß ein Verband mit 600 000 Migliedern durch schwarze Schafe dermaßen in Mißkredit gebracht wird. Das Disziplinarverfahren gegen Claus Vandenhirtz läuft. Der Fall wirft ein bedauernswertes Licht auf den Schwimmsport. Wir werden mit aller Härte vorgehen." Vandenhirtz, gegen den mittlerweile auch der Staatsanwalt ermittelt, drohen 10 000 Mark Geldstrafe und die lebenslange Suspendierung von allen Ämtern im Bereich des DSV. Henter: "Claus Vandenhirtz hat mir gegenüber unterstrichen, er habe mit den Dopingfällen nichts zu tun. Das kann ich aber nicht glauben."
Gegen den zurückgetretenen Trainer läuft inzwischen auch ein Ermittlungsverfahren der Aachener Staatsanwaltschaft. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Lothar Karhausen. Vorausgegangen war eine "Strafanzeige gegen Unbekannt" durch die Eltern von Simone Schober, die wie Kristina Quaisser vom DSV wegen Dopings sechs Monate gesperrt worden war. Vandenhirtz ist "dringend verdächtig", seinen Athleten ohne deren Wissen Anabolika verabreicht zu haben.
Im "Fall Astrid Strauß" hofft Henter, daß "wir den Klageweg nicht beschreiten müssen". Für den Fall, daß die FINA die 18monatige Sperre für die 23 Jahre alten Ex-Weltmeisterin bis zum 31. Januar nicht bedingungslos zurücknimmt, hatte DSV-Vize Jürgen Medla, Richter in Würzburg, den Klageweg angedroht. Henter: "Die Dopingbestimmungen haben national und international unheimlich viele Lücken. Der Fall Strauß hat gezeigt, daß Handlungsbedarf besteht." Henter kündigte die drastische Verschärfung der Strafen an, will aber keine "atmospärischen Störungen zwischen FINA und DSV.
Wie die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG berichtete, wird Vandenhirtz durch die früheren Vorsitzenden des Aachener SV, Hartmut Hubbes und Heinz Breuer, neben dem Dopingfall auch der Veruntreuung von Geld bezichtigt. Ende der 80er Jahre soll Vandenhirtz Mittel bei öffentlichen Einrichtungen für die Jugendabteilung beantragt, auf ein Privatkonto überwiesen und nicht zweckentsprechend verwendet haben. Vandenhirtz soll seinerzeit Auskünfte verweigert und mit dem Rückzug der Mannschaft gedroht haben.
Außer dem Aachener Doping-Skandal und dem "Fall Astrid Strauß" ist der DSV mit dem Stasiproblem konfrontiert. Karlheinz Stichert, Mitarbeiter am Institut für angewandte Trainingswissenschaften (IAT) in Leipzig, wurde als Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit enttarnt. Stichert war 1991 bei der WM in Perth und der EM in Athen wissenschaftlicher Betreuer der DSV-Mannschaft.
Am 20. Januar muß die Disziplinarkommission des DSV auf Forderung des Bundesinnenministers Unbedenklichkeits-Erklärungen für die angestellten Trainer vorlegen. Manfred von Richthofen, Vizepräsident des Deutschen Sportbundes (DSB), hatte erklärt, Dieter Lindemann, Trainer von Weltrekordlerin Franziska van Almsick, biete "keine Gewähr für einen dopingfreien Sport". Überprüft wird auch Bernd Henneberg, in Magdeburg Trainer von Astrid Strauß und Olympiasiegerin Dagmar Hase. sid
Der Fall des 19jährigen Gymnasiasten Volker Kuppelwieser, der als Rollstuhlfahrer nicht für das Studienfach Sport an der Technischen Hochschule München zugelassen worden war, wird nun auch noch den Bayerischen Landtag beschäftigen.
In einer schriftlichen Anfrage durch die sportpolitische Sprecherin der FDP- Fraktion, Gisela Bock, soll das für die Ablehnung letztlich verantwortliche und zuständige bayerische Kultusministerium die genauen Gründe offenlegen, die im Falle des teilweise gelähmten Schülers gegen ein Pilotprojekt zugunsten von Behinderten sprechen. sid
1000 m: 1. Blair 1:21,77 Minuten, 2. Ye 1:21,89, 3. Aaftink 1:22,82, 4. Polozkowa (Russland) 1:23,35, 5. You 1:23,39, 6. Hoiseth (Norwegen) 1:23,42, ... 8. Schenk 1:24,50, ... 11. Baier 1:24,61, ... 15. Garbrecht 1:24,87, 16. Adeberg (Berlin) 1:25,43. - Stand im Weltcup: 1. Blair 107, 2. Ye 94, 3. Baier 88, 4. Hashimoto (Japan) 85, 5. Aaftink 81, 6. Hoiseth 63, ... 10. Völker (Erfurt) und Schenk jeweils 46, ... 13. Börner (Berlin) 38, ... 15. Garbrecht 33, ... 25. Adeberg 5.
1500 m: 1. Polozkowa 2:07,15 Minuten, 2. Hunyady (Österreich) 2:07,36, 3. Warnicke (Erfurt) 2:08,60, 4. Baschanowa (Russland) 2:09,09, 5. Yttredal (Norwegen) 2:09,64, 6. Blair 2:10,07, ... 2:10,24, 8. Garbrecht 2:10,34, ... 10. Pechstein, ... 15. Adeberg 2:12,51, ... 26. Mischke (beide Berlin) 2:14,52. - Stand im Weltcup: 1. Hunyady 66 Punkte, 2. Warnicke 60, 3. Baschanowa 54, 4. Niemann (Erfurt) 50, 5. Polozkowa 44, 6. Wasilewska (Polen) 32, ... 10. Garbrecht 29, 11. Pechstein 23, ... 15. Adeberg 20, 17. Börner 12, ... 27. Mischke 6.
3000 m: 1. Warnicke 4:22,04 Minuten, 2. Hunyady 4:25,15, 3. Baschanowa 4:28,89, 4. Zijlstra (Niederlande) 4:29,83, 5. Pechstein 4:31,70, 6. de Loor (Niederlande) 4:33,12, ... 15. Mischke 4:39,01, ... 18. Adeberg 4:41,03. - Stand im Weltcup: 1. Warnicke 113 Punkte, 2. Niemann 100, 3. Zijlstra 90, 4. Baschanowa 87, 5. Hunyady 85, 6. Elena Belci (Italien) 64, 7. Pechstein 57, ... 9. Mischke 47, ... 29. Adeberg 3.
WELTCUP der Männer in Innsbruck, 500 m (1. Tag): 1. Klewschenja (Russland) 37,50 Sekunden, 2. Schelesowski (Weißrussland) 37,54, 3. Golubjew (Russland), 4. Jaegal (Südkorea) 37,69, 5. Jansen (USA) 37,77, 6. Bouchard (Kanada) 37,91, ... 15. Jankowski (Mainz) 38,34, ... 20. Pfeiffer (Erfurt) 38,62, ... 23. Wichmann (Berlin) 38,86, ... 29. Reyes-Loredo (Erfurt) 39,19.
500 m (2. Tag): 1. Jansen 37,33 Sekunden, 2. Klewschenja 37,55, 3. Schelesowski 37,55, 4. Golubjew 37,81, 5. Chupira (Russland) 37,99, 6. Hongbo (China) 38,02, ... 14. Jankowski 38,45, ... 17. Wichmann 38,69, ... 20. Reyes-Loredo 38,85. - Stand im Weltcup: 1. Jansen 136 Punkte, 2. Schelesowski 127, 3. Klewschenja 116, 4. Golubjew 114, 5. Ireland (Kanada) 70, 6. Yasunori Miyabe (Japan) und Chupira jeweils 66, ... 16. Jankowski 30, ... 20. Pfeiffer 24, 21. Wichmann 22, ... 24. Funke (Erfurt) 15, ... 30. Reyes-Loredo 1.
1000 m: 1. Schelesowski 1:14,74 Minuten, 2. Jansen 1:16,02, 3. Chupira 1:16,16, 4. van Velde 1:16,26, 5. Schreuder (beide Niederlande) 1:16,39, 6. Bachalow (Russland) 1:16,40, 7. Adeberg (Berlin) 1:16,47, ... 19. Wichmann 1:17,64, ... 22. Kramer (Berlin) 1:18,19, ... 33. Reyes-Loredo 1:19,66. - Stand im Weltcup: 1. Schelesowski 125, 2. Chupira 93, 3. Jansen 93, 4. Brunner (Österreich) 79, 5. Ireland 70, 6. Klewschenja 59, ... 15. Wichmann 28, ... 18. Funke 20, ... 22. Adeberg 14, ... 24. Pfeiffer 11.
1500 m: 1. Ritsma (Niederlande) 1:56,83 Minuten, 2. Söndraal (Norwegen) 1:56,93, 3. Adeberg 1:57,03, 4. Schreuder 1:57,27, 5. Straathof (Niederlande) 1:58,05, 6. Koss (Norwegen) 1:59,04, ... 12. Tröger (Inzell) 2:00,26, ... 19. Tonat (Berlin) 2:01,06, ... 23. Kumm (Berlin) 2:01,38, ... 26. Kramer 2:01,97. - Stand im Weltcup: 1. Ritsma 72 Punkte, 2. Adeberg 56, 3. Schreuder 49, 4. Zandstra (Niederlande) 47, 5. Tröger 35, 6. Aoyanagi (Japan) 34, ... 33. Tonat 2 (sid).
5000 m: 1. Koss (Norwegen) 6:52,30 Minuten (Bahnrekord), 2. Ritsma 6:55,05, 3. Muratow (Russland) 7:04,09, 4. Bos (Niederlande) 7:04,45, 5. Storelid (Norwegen) 7:06,19, 6. Radke (Polen) 7:09,61, ... 10. Dittrich (Chemnitz) 7:13,12 ... 16. Jeklic (Inzell) 7:17,16, 17. Tonat 7:17,55, ... 19. Tröger 7:18,50. - Stand im Weltcup: 1. Koss 63 Punkte, 2. Ritsma 60, 3. Veldkamp und Zandstra (beide Niederlande) jeweils 47, 5. Storelid 39, 6. Bos 37, ... 9. Tröger 28, ... 13. Dittrich 21, ... 25. Jeklic 5, 26. u.a. Tonat 4.
SLALOM-WELTCUP in Lech/Österreich: 1. Fogdoe (Schweden) 1:44,36 Minuten (53,73+50,63 Sekunden), 2. Kosir (Slowenien) 1:44,53 (53,93+50,60), 3. Tomba (Italien) 1:44,60 (53,79+50,81), 4. Gstrein 1:44,79 (54,22+50,57) und Stangassinger (beide Österreich) 1:44,79 (54,16+50,63), 6. Roth (Königssee) 1:44,86 (54,32+50,54), 7. Aamodt (Norwegen) 1:45,09 (54,39+50,70), 8. Strolz (Österreich) 1:45,15 (54,02+51,13), 9. Bauer (Oberwössen) 1:45,45 (54,92+50,53/Laufbestzeit), 10. Ericsson (Schweden) 1:45,50 (54,62+50,88), 11. Künzi (Schweiz) 1:45,64 (54,92+50,72), 12. Girardelli (Luxemburg) 1:45,91 (54,92+50,99), 13. Ladstätter (Italien) 1:46,04 (54,96+51,08), 14. Grosjean (USA) 1:46,07 (55,07+51,01), 15. Mayer (Österreich) 1:46,73 (55,38+51,35).
KOMBINATIONS-WELTCUP der Männer: 1. Girardelli 13,08 Punkte, 2. Mader 25,32, 3. Strolz 30,49, 4. Duvillard 60,20, 5. Locher (Schweiz) 63,13, 6. Ortlieb 64,53, 7. Arnesen 64,93, 8. Besse 68,18, 9. Ghedina 70,68, 10. Wasmeier 71,79. - Stand im Slalom-Weltcup nach sechs Rennen: 1. Fogdoe 385 Punkte, 2. Tomba 356, 3. Stangassinger 202, 4. Kosir 201, 5. Sykora (Österreich) 198, 6. Gstrein 186, 7. Strolz 172, 8. Roth 166, 9. Bianchi (Frankreich) 140, 10. Staub (Schweiz) 137. - Stand im Gesamt-Weltcup nach 17 Rennen und zwei Kombinationen: 1. Girardelli 875 Punkte, 2. Tomba 532, 3. Aamodt 485, 4. Heinzer 436, 5. Mader 424, 6. Fogdoe 385, 7. Thorsen (Norwegen) 343, 8. Besse 298, 9. Skaardal 294, 10. Strolz 292.
SUPER-G der Frauen in Cortina d'Ampezzo/ Italien: 1. Maier (Österreich) 1:16,94 Minuten, 2. Merle (Frankreich) 1:17,14, 3. Eder (Österreich) 1:17,25, 4. Zeller (Schweiz) 1:17,48, 5. Wachter (Österreich) und Zelenskaja (Rußland) beide 1:17,50, 7. Seizinger (Halblech) 1:17,62, 8. Zurbriggen (Schweiz) 1:17,70, 9. Ertl (Lenggries) 1:17,71, 10. Gavagnoud (Frankreich) 1:17,87, 11. Schuster 1:17,98, 12. Ginther (beide Österreich) 1:18,04, 13. Compagnoni (Italien) 1:18,08, 14. Bournissen (Schweiz) 1:18,09, 15. Roffe (USA) 1:18,25, . . . 22. Meier (Rottach-Egern) 1:28,98, 23. Häusl (Schneizlreuth) 1:19,03, . . . 28. Vogt (Starnberg) 1:19,27, . . . 35. Renoth (Schellenberg) 1:19,51, 36. Hurler (Pfronten) 1:19,58. - Stand im Super-G-Weltcup nach drei Rennen: 1. Maier 211 Punkte, 2. Seizinger 162, 3. Eder 160, 4. Merle 154, 5. Wachter 137, 6. Loedemel (Norwegen) 96, . . . 9. Häusl 80, . . . 15. Ertl 55, . . . 20. Meier 38, 21. Gerg-Leitner (Lenggries) 36, . . . 25. Gutensohn (Oberaudorf) 26, . . . 30. Vogt 17, . . . 32. Renoth 14, . . . 41. Stanggassinger 6. - 4. Slalom in Cortina d'Ampezzo/Italien: 1. Schneider (Schweiz) 1:32,39 Minuten (45,79+46,60 Sekunden), 2. Coberger (Neuseeland) 1:33,52 (47,47+46,05), 3. Buder 1:33,56 (46,92+46,64), 4. Maierhofer 1:34,22 (47,38+46,84), 5. Salvenmoser 1:34,68 (47,82+47,06), 6. Eder (alle Österreich) 1:34,84 (46,81+48,03), 7. Wachter 1:34,89 (47,83+47,06), 8. Chauvet (Frankreich) 1:35,12 (47,81+47,51), 9. Hrovat (Slowenien) 1:35,40 (48,43+46,97), 10. Strobl (Österreich) 1:35,56 (47,99+47,57), 11. Gallizio (Italien) 1:35,68 (48,50+47,18), 12. Vogt 1:35,73 (48,11+47,62), 13. Accola (Schweiz) 1:36,16 (48,76+47,40), 14. Serra (Italien) 1:36,21 (48,35+47,86), 15. Ginther 1:36,79 (48,59+48,20), 16. Mutter (Todtnau) 1:37,03 (49,02+48,01), . . . 23. Gerg (Lenggries) 1:38,00 (49,61+48,39).
Kombination: 1. Wachter 31,61 Punkte, 2. Vogt 42,69, 3. Ginther 50,11, 4. Seizinger 57,51, 5. Ertl 66,32, 6. Gallicio je 66,32, 7. Bournissen 69,15, 8. Medzihradska (Slowakei) 71,36, 9. Maier 75,87, 10. Pace (Kanada) 83,39, . . . 13. Häusl 87,98. - Slalom-Weltcup nach vier Rennen: 1. Coberger 300 Punkte, 2. Schneider 250, 3. Wiberg (Schweden) 180, 4. Parisien (USA) 150, 5. Salvenmoser 131, 6. Buder 127, 7. Chauvet 126, 8. Wachter 110, 9. Kronberger (Österreich) 96, 10. Andersson (Schweden) 95, . . . 16. Vogt 69, . . . 18. Mutter 52, . . . 48. Gerg und Riediger je 8, . . . 51. Seizinger 7. - Stand im Gesamt-Weltcup nach 15 Rennen und einer Kombination: 1. Wachter 741 Punkte, 2. Merle 583, 3. Seizinger 533, 4. Maier 420, 5. Schneider 370, 6. Vogt 350, 7. Wiberg 319, 8. Coberger 300, 9. Häusl 295, 10. Eder (Österreich) 294, . . . 12. Ertl 258, . . . 21. Gerg-Leitner (Lenggries) 158, 22. Gutensohn (Oberaudorf) 156.
Der Rekordreigen der Weltmeisterschafts-Saison 1993 wurde in zwei weniger attraktiven Leichtathletik-Wettbewerben eröffnet. Beim Hallenmeeting im kanadischen Hamilton steigerte die Amerikanerin Debbi Lawrence ihre ein Jahr alte Marke im 1500-m-Gehen um 0,9 Sekunden auf 5:53,41 Minuten. In Moskau lief die Olympia-Dritte Irina Priwalowa aus Rußland über 300 m in 35,45 Sekunden fast vier Zehntelsekunden schneller als die Jamaikanerin Merlene Ottey 1983 in Pocatello.
Interessanter waren allerdings die Niederlagen von Ben Johnson (Kanada) über 50 m und Zehnkampf-Olympiasieger Robert Zmelik (Tschechei) im Dreikampf in Hamilton. Johnson wurde nur Dritter in 5,73 Sekunden. Dabei verlor er seinen kanadischen Landesrekord an Sieger Bruny Surin, der in 5,67 den Amerikaner John Drummond um eine Hundertstelsekunde schlug. Vor seiner Eliminierung als Rekordler aufgrund des Dopingfalls von Olympia 1988 in Seoul hatte Johnson als Weltrekordler mit 5,55 Sekunden zu Buche gestanden. Nach seiner Rückkehr hatte er 1991 dann in 5,74 wieder einen Landesrekord erzielt.
Zehnkampf-Weltmeister Dan O'Brian, nach seinem Pech bei den US-Ausscheidungen in Barcelona nicht am Start gewesen, schlug den tschechischen Olympiasieger Robert Zmelik in einem Dreikampf mit 2391 zu 2290 Punkten. Der Amerikaner gewann dabei Weitsprung, Kugelstoßen und auch 300-m-Lauf. sid
TISCHTENNIS EUROPEAN NATIONS CUP (155 000 Mark) in Karlsruhe, 3. Tag, Finale: Deutschland - Schweden 1:3 (Roßkopf/Düsseldorf - Persson 21:18, 15:21, 21:18, Fetzner/Düsseldorf - Waldner 21:16, 21:13, Roßkopf/Fetzner - Waldner/ Appelgren 21:15, 10:21, 21:17, Fetzner - Persson 16:21, 12:21). - Halbfinale: Deutschland - Belgien 3:1 (Roßkopf - Cabrera 21:17, 22:20, Fetzner - Saive 15:21, 18:21, Roßkopf/Fetzner - Cabrera/Sonnet 21:14, 21:19, Roßkopf - Saive 21:19, 21:13), Schweden - England 3:0.
SQUASH BUNDESLIGA, Männer: Boastars Kiel - RSS Recklinghausen 5:0 Spiele/15:2 Sätze, DHSRC Hamburg - Paderborner SC 2:3/7:11.
Titelverteidiger Rot-Weiß Köln und Feld-Meister Dürkheimer HC sind auch nach dem zehnten Spieltag ungeschlagen in der Hockey-Bundesliga der Herren. Die Kölner brauchen in der Gruppe Nord nach ihrem 16:7-Erfolg gegen den Braunschweiger THC nur noch zwei Punkte zum Gruppensieg. Mit 20:0 Punkten liegen sie klar vor dem Crefelder HTC (13:7 Punkte). Dritter ist der Harvestehuder THC aus Hamburg mit 10:10 Punkten.
Ungeschlagen führt auch Dürkheim die Süd-Gruppe mit 20:0 Punkten an, nachdem es gegen den Tabellendritten Uhlenhorst Mülheim (12:8 Punkte) einen 10:7- Sieg in eigener Halle gab. FT Frankenthal (14:9 über Rot-Weiß München) hat als Zweiter bereits einen Rückstand von sechs Punkten auf die Dürkheimer. Einziger Bundesligist ohne Sieg ist Eintracht Frankfurt mit 1:19 Punkten als Süd- Schlußlicht.
Auch bei den Damen sind die Gruppen- Ersten ohne Niederlage. Im Norden liegt der Berliner HC (13:1 bei UHC Hamburg) mit 16:0 Punkten vor Eintracht Braunschweig (12:4) und Klipper Hamburg (11:5). Während die Braunschweigerinnen 13:8 gegen den Großflottbeker THGC gewannen, büßte Klipper Hamburg beim 3:3 gegen ATV Leipzig einen wichtigen Punkt ein.
In der Süd-Gruppe führt der Rüsselsheimer RK das Spitzen-Trio mit 14:2 Punkten vor Eintracht Frankfurt (13:3) und RTHC Leverkusen (12:4) an. Der Tabellenerste aus Rüsselsheim bezwang Blau-Weiß Köln 10:2. Frankfurt und Leverkusen hielten mit Siegen über Club Raffelberg (7:5) bzw. THC Hanau (8:2) unmittelbaren Anschluß zu den Rüsselsheimerinnen. sid
RINGEN DEUTSCHE MANNSCHAFTSMEISTERSCHAFT, Finale, Hinkampf: AC Bavaria Goldbach - VfK Schifferstadt 14,0:11,0.
TV Niederwürzbach - VfL Gummersbach 22:18 (12:8). - Tore: Schwarzer (7), Schmitt (6), Hartz (3), Olsson (2), Kalbitz (2/1), Grundel (1), Wille (1) für Niederwürzbach - Dörhöfer (7/3), Erland (5), Derad (3), Zimmer (2), Petersen (1) für Gummersbach. - Zuschauer: 2800 (ausverkauft).
TuS Schutterwald - THW Kiel 23:18 (11:13). Tore: Derr (6), Andersson (5/3), Bohn (3), Esslinger (2), Eckhardt (2), Heuberger (2), Schilling (2), Schmidt (1) für Schutterwald - Scheffler (6), Wislander (4), Schwenke (3/2), Ahrens (3), Germann (1), Knorr (1) für Kiel. - Zuschauer: 4000.
TV Eitra - SC Magdeburg 26:21 (11:8). - Tore: Janeck (7), Fichtner (7), Jarak (4/1), Kelle (3), Kemmler (2), Edleditsch (1), Beck (1), Zlattinger (1) für Eitra - Fiedler (6/3), Jankevicius (6/1), Winselmann (3), Fink (2), Liesegang (2), Michel (1) Triepel (1) für Magdeburg. - Zuschauer: 2100 (ausverkauft).
TURU Düsseldorf - TV Großwallstadt 26:20 (10:10). - Tore: Gilsson (9/3), Metzke (5), Rothenpieler (5), Ratka (3), Tam (2), Schulz (1) Strauch (1) für Düsseldorf - Lehmann (8), Liesegang (3), Roos (3/1), Bjarnason (2), Lakenmacher (2), Julius (1), Karrer (1) für Großwallstadt. - Zuschauer: 800.
Bundesliga-Tabellenführer FC Bayern München ist auch in der Halle eine Klasse für sich. Die Mannschaft von Trainer Erich Ribbeck gewann vor 8500 Zuschauern in der ausverkauften Deutschlandhalle das Turnier von Berlin durch ein 4:2 im Finale gegen Gastgeber und Fußball- Zweitligist Hertha BSC Berlin. Die Treffer für Bayern, die 20 000 Mark Siegprämie kassierten, erzielten im Endspiel von Berlin Labbadia, Helmer, Schupp und Sternkopf. Für die Berliner waren Feinbier und Basler erfolgreich. Hertha BSC verpaßte durch die Finalniederlage und damit 93 Punkten den Sprung zum Hallen-Masters nach München (30./31. Januar).
Die Berliner spielen bei 137 Punkten kein Turnier mehr, der 1. FC Köln (180), der Chemnitzer FC (165), der Hamburger SV (153) und der 1. FC Kaiserslautern (146) weisen schon jetzt mehr Punkte auf. Vier Plätze für das Masters werden ausgespielt, schon qualifiziert sind Gastgeber Bayern München, Meister VfB Stuttgart, Pokalsieger Hannover 96 und Titelverteidiger Borussia Dortmund.
Das Berliner Turnier verzeichnete an drei Tagen rund 24 000 Zuschauer. Die neben dem Masters in München am besten besetzte Veranstaltung heimste viel Lob ein. Dritter wurde Spartak Moskau durch einen 7:4-Erfolg gegen Bayer Leverkusen (31 Punkte).
In der mit 3000 Zuschauern ausverkauften Krefelder Glockenspitzhalle gewann der 1. FC Köln das letzte Spiel des Tages gegen Bayer Uerdingen 3:0 und blieb damit in drei Spielen unbesiegt. Die Siegprämie betrug 10 000 Mark. Köln kassierte 108 Qualifikationspunkte, Uerdingen belegte mit 4:2 Punbkten den zweiten Rang und strich dafür 81 Punkte ein. Am Rande der Bande gab der Klub bekannt, daß Trainer Friedhelm Funkel seinen Vertrag um zwei weitere Jahre bis 1995 verlängert hat. Dritter wurde der VfL Bochum (2:4/54), Vierter Borussia Mönchengladbach (0:6/27).
Am Samstag gewannen die Bundesligisten SG Wattenscheid 09 und Borussia Mönchengladbach die Turniere in Essen und Magdeburg. Doch mehr als ihr sportlicher Erfolg stand der letzte Auftritt von Udo Lattek als Trainer bei Schalke 04 im Mittelpunkt des Interesses. (Siehe auch Bericht auf dieser Seite).
Die Gladbacher heimsten durch den Erfolg in Magdeburg neben 80 Punkten in der Masters-Qualifikation noch 10 000 Mark Prämie ein. Den vom früheren Gladbacher Coach Jürgen Gelsdorf betreuten Bochumern blieben 7000 Mark Prämie und 60 Zähler. Das Spiel um Platz drei gewann Zweitligist VfB Oldenburg (3000 Mark/40 Punkte) 1:0 gegen den Hamburger SV (20) durch ein Tor von Radek Drulak, der Torschützenkönig des Turniers mit fünf Treffern wurde. Überschattet wurde das Essener Turnier zu Beginn durch eine wüste Schlägerei auf den Rängen zwischen Schalke-Anhängern und Ordnern.
Die Amateure von Preußen Münster gaben beim Hallenturnier in der heimischen Münsterland-Halle am Sonntag den Profis aus der Fußball-Bundesliga das Nachsehen. Mit 3:1 gewannen die Westfalen vor 3247 Zuschauern in der ausverkauften Halle das Finale gegen den Hamburger SV.
Wie bereits 1989 und 1992 gewann die Stadtauswahl von Kopenhagen auch in diesem Jahr das 7. Internationale Hallenfußballturnier in Baunatal. Die Dänen waren zwar mit einer Niederlage gegen Marabe San Sebastian gestartet, doch danach blieben sie ohne Verlustpunkt und holten sich mit 10:2 Zählern neben dem Pokal auch die Siegesprämie in Höhe von 4000 Mark. Die Spanier aus San Sebastian (9:3) mußten sich mit den 2500 Mark für den Zweitplazierten begnügen.
Amateur-Oberligist KSV Hessen Kassel hatte nach vier Spielen zwar 8:0 Punkte, doch dann folgten glatte Niederlagen gegen Kopenhagen und San Sebastian, so daß in der Endabrechnung nur die 1000 Mark für den Drittplazierten übrig blieben. Zweitligist Carl Zeiss Jena enttäuschte auch am zweiten Tag in Baunatal und landete abgeschlagen mit ausgeglichenem Punktekonto (6:6) auf Platz vier. Erfolgreichster Torschütze wurde Liebers vom KSV Hessen Kassel mit acht Treffern. Er wurde auch zum besten Feldspieler des Turniers gekürt. sid/dpa
EISHOCKEY 35. Spieltag: Kölner EC - Mannheimer ERC 2:3 (1:1, 0:2, 1:0), Schwenninger ERC - Düsseldorfer EG 2:5 (1:3, 1:0, 0:2), EC Ratingen - EHC Eisbären Berlin 5:1 (3:1, 1:0, 1:0), Berliner SC Preussen - EHC Freiburg 1:6 (0:4, 0:2, 1:0), EC Hedos München - ESV Kaufbeuren 2:0 (1:0, 0:0, 1:0), Krefelder EV - EV Landshut 5:1 (1:1, 1:0, 3:0).
Kölner EC - Mannheimer ERC 2:3 (1:1, 0:2, 1:0).- Tore: 0:1 Heidt (1:03), 1:1 Mayr (4:36), 1:2 Lala (30:39), 1:3 Lala (31:51), 2:3 Chaidarow (44:53). - Schiedsrichter: Radosai (Landshut). - Zuschauer: 7000. - Strafminuten: Köln 12 - Mannheim 22.
Schwenninger ERC - Düsseldorfer EG 2:5 (1:3, 1:0, 0:2). - Tore: 0:1 Truntschka (4:40), 0:2 Valentine (7:14), 0:3 Hiemer (9:37), 1:3 Hardy (12:27), 2:3 Klaus (34:40), 2:4 Derkatch (49:19), 2:5 Valentine (57:47). - Schiedsrichter: Müller (Berlin). - Zuschauer: 5165 (ausverkauft). - Strafminuten: Schwenningen 10 - Düsseldorf 10.
EC Ratingen - EHC Eisbären Berlin 5:1 (3:1, 1:0, 1:0). - Tore: 1:0 Grossmann (7:26), 2:0 Wikulow (8:14), 2:1 Mitew (11:05), 3:1 Ewtuschewski (16:40), 4:1 Lavalle (20:30), 5:1 Andrej Fuchs (45:29). - Schiedsrichter: Schnieder (Iserlohn). - Zuschauer: 3400. - Strafminuten: Ratingen 12 - Berlin 12.
EC Hedos München - ESV Kaufbeuren 2:0 (1:0, 0:0, 1:0). - Tore: 1:0 Lutz (6:02), 2:0 Birk (54:34). - Schiedsrichter: Schimki (Berlin). - Zuschauer: 6000. - Strafminuten: München 12 - Kaufbeuren 10.
Berliner SC Preussen - EHC Freiburg 1:6 (0:4, 0:2, 1:0). - Tore: 0:1 Benda (4:57), 0:2 Zemlikka (8:10), 0:3 Prochazka (10:17) 0:4 Zemlicka (12:29), 0:5 Gulda (26:47), 0:6 Smicek (30:17), 1:6 Malo (55:37). - Schiedsrichter: Schaeufl (Landsberg). - Zuschauer: 4800. - Strafminuten: Berlin 8 - Freiburg 6.
Krefelder EV - EV Landshut 5:1 (1:1, 1:0, 3:0). - Tore: 1:0 Flemming (10:47), 1:1 Gardner (18:15), 2:1 Walker (25:46), 3:1 Eakin (40:34), 4:1 Königer (47:45), 5:1 McNeil (59:53). - Schiedsrichter: Stratz (Freiburg). - Zuschauer: 6300. - Strafminuten: Krefeld 21 - Landshut 18.
ALBA Berlin - TSV Bayer Leverkusen 79:59 (41:24). - Beste Werfer: Baeck (26), Mutapic (16), Machowski (13), Primorac (12) für Berlin - Wucherer (22), Kleine-Brockhoff (12) für Leverkusen. - Zuschauer: 3500 (ausverkauft).
Tübinger SV - SSV Ulm 79:81 (44:45). - Beste Werfer: Schomers (20), Key (17), Schiano (14), Reisewitz (12), Dietl (12) für Tübingen - Oldham (26), Knörr (22), Walker (20) für Ulm. - Zuschauer: 1400.
MTV Gießen - BG Stuttgart/Ludwigsburg 81:79 (41:39). - Beste Werfer: Thomas Andres (27), McDonald (18), Roth (17) für Gießen - Kujawa (25), Montgomery (20), Sieghörtner (16), Jochum (10) für Stuttgart/Ludwigsburg. - Zuschauer: 1000.
SVD Dortmund - Brandt Hagen 61:86 (24:39). - Beste Werfer: Mlynarski (13), Kuprella (13), Pernell (14) für Dortmund - Dinkins (32), Suhr (14), Neuhaus (10) für Hagen. - Zuschauer: 900.
SG FT/MTV Braunschweig - BG Bramsche/ Osnabrück 61:45 (39:23). - Beste Werfer: Svitek (19), Miglinieks (17), Arigbabu (12), Stein (11) für Braunschweig - Shields (15), Perwas (14) für Bramsche/Osnabrück. - Zuschauer: 1800 (ausverkauft).
TVG Basketball Trier - TTL Basketball Bamberg 72:83 (35:44). - Beste Werfer: Johnson (25), Marsh (16), Devone (12), Wiegand (10) für Trier - Martin (19), Jackel (13), King (13), Swearengen (12), Reisenbüchler (11), Nürnberger (10) für Bamberg. - Zuschauer: 2200 (ausverkauft).
EISHOCKEY 36. Spieltag: ES Weißwasser - EHC Essen- West 6:1 (1:0, 4:0, 1:1), SC Memmingen - EC Bad Nauheim 12:3 (6:1, 2:0, 4:2), Augsburger EV - SC Riessersee 12:1 (6:0, 2:0, 4:1), SB Rosenheim - ECD Sauerland 6:3 (3:2, 3:1, 0:0), SV Bayreuth - EHC Nürnberg 80 1:3 (1:1, 0:1, 0:1), EC Kassel - EC Hannover 6:4 (0:0, 4:0, 2:4).
BAD VILBEL. Dregger und Kanther waren hier, Weirich und Schwarz-Schilling sowieso, und überhaupt stießen so ziemlich alle Größen der hessischen CDU schon im Kurhaus mit ihren Vilbeler Parteifreunden aufs neue Jahr an. Das kleine unbeugsame Biwer-Städtchen, das die rotgrünen Legionen nun schon seit über 15 Jahren vergeblich zurückzuerobern suchen, ist bei den CDU-Spitzenstrategen beliebt. Wer beim Neujahrstreffen der Vilbeler Christdemokraten in die Bütt&rquote; steigt, läuft nie Gefahr, vor spärlich besetzten Stuhlreihen seine Zeit zu vertrödeln. Der stets gut besuchte Sektempfang zählt zu den Höhepunkten des hiesigen Parteilebens. Und wer im schwarzen Brunnenstädtchen Rang und Namen hat oder wenigstens haben möchte, läßt sich hier im "kleinen Schwarzen" oder im Nadelstreifen-Look blicken.
Die prominenten Redner können sich bei diesem Auditorium ungeteilter Aufmerksamkeit sicher sein. In der hessischen Unions-Hochburg vermittelt solch eine Versammlung das Gefühl von Einigkeit, Stärke und Zuversicht. Eine Motivation, die der Philosoph auf dem Bürgermeister"thron", Günther Biwer, durch labende Worte (über die "Grundlage des sich Befassens mit dem höheren Ich") noch zu erhöhen weiß und die vor einigen Jahren auch schon Walter Wallmann zu schätzen wußte. Wallmann empfahl sich damals im Bad Vilbeler Kurhaus als neuer Frankfurter Oberbürgermeister und konnte sich prompt wenige Monate später die Amtskette im Römer umhängen lassen.
Ob soviel Glück im neuen Jahr auch der Frankfurter CDU-Vorsitzenden Petra Roth beschieden sein wird, die sich trotz Geburtstages ihres Mannes von ihren Freunden Braun-Moser und Klug von Nieder-Erlenbach nach Bad Vilbel locken ließ, scheint angesichts der aktuellen Meinungsumfragen zwar höchst zweifelhaft. Doch wer weiß schon, ob sich die Stimmungslage im Hessenland nicht doch noch wieder ändert, zumal, wie der Wetterauer Landratskandidat der CDU, Rainer Schwarz, zu hoffen gab, 40 Prozent der Bürger und Bürgernnen bis zum Wahltag noch unentschieden seien. Für Frankfurt Roth und für die Wetterau Schwarz empfahl der Wetterauer Oppositionsführer, und der Bad Vilbeler CDU- Vorsitzende Herbert Klug legte den Kurstädtern nahe, so zu wählen, daß keine Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen der CDU die Amtsgeschäfte aus den Händen nehmen könne.
Im Gegensatz zu früheren Jubeltönen war den Christdemokraten am Freitag abend bei Schampus und Gulaschsuppe die Sorge um die Beteiligung an dieser auch vom Ausland genau verfolgten ersten deutschen Wahl nach den vergangenen rechtsradikalen Ausschreitungen deutlich anzumerken. Vor allem Petra Roth (CDU-Wahlslogan: "Sie hat Herz und Verstand") stellte sich den Parteifreunden aus Vilbel und Umgebung als nachdenklich gewordene Frankfurter Spitzenkandidatin vor und suchte das Bild eines korrupten, unfähigen und machthungrigen Politiker-Berufsstandes geradezurücken. "Wir sind das Spiegelbild von Ihnen allen", hielt sie sodann dem solche selbstkritischen Töne kaum gewohnten Publikum entgegen. "Die Gesellschaft hat die Politiker, die sie verdient." Wer sich darüber aufrege, der solle sich in den Parteien engagieren und die Werte der Demokratie "offensiv verteidigen", vor allem aber zur Wahl gehen. Die Landtagsabgeordete und Frankfurter Kreisvorsitzende der CDU: "Wahlenthaltung ebnet den Rechtsradikalen den Weg in die Rathäuser."
Noch vor vier Jahren hatte die von Biwer und Co. geschürte Auseinandersetzung um eine vermeintlich drohende Einverleibung Bad Vilbels ins Frankfurter Stadtgebiet der Bad Vilbeler Union eine satte absolute Mehrheit im Parlament beschert. "Eingemeindung ist für uns kein Thema", bemühte sich Petra Roth denn auch zu versichern und zeigte auch in einem Gespräch mit der FR viel Verständnis für die Abschottungspolitik (etwa bei der Verkehrs- oder Siedlungspolitik) des Vilbeler Davids gegen den Frankfurter Goliath. Die CDU setze auf die Kooperation mit selbständigen, steuerkräftigen Gemeinden im Umland, deren Verband (UVF) zu eng gezogen und in Form eines Regionalverbandes erweitert werden müsse. Gutverdienende Vilbeler, die ihre Einkommenssteuer im Brunnenstädtchen ließen, hätten meist einen hochqualifizierten Job in Frankfurt und sorgten dort für ein ordentliches Gewerbesteueraufkommen. Bei dieser Teilung, so Petra Roth (Jahrgang 1944), solle es im Verhältnis Frankfurt-Bad Vilbel auch künftig bleiben.
Diese für das gesamte Verhältnis von Frankfurt zu seinem Umland geltende Balance sei allerdings durch zunehmende Abwanderung mittelständischer Unternehmen gefährdet. Ihre Partei wolle daher in Frankfurt neue Gewerbeflächen und Neubaugebiete ausweisen. Der Flächennutzungsplan gebe das noch her, meinte Petra Roth.
Von Günther Biwer, den sie vor mehr als zehn Jahren schon als "schwarzen Teufel" auf einer Nieder-Erlenbacher Faschingsbühne bewunderte, wünschte sich die OB-Kandidatin scherzhaft eine kleine Anleihe seines 60-Prozent-Wiederholungswahl-Ergebnisses. Nächstes Jahr wolle sie wieder ins Kurhaus kommen und dann - offenbar in realistischer Einschätzung des Frankfurter Wahlergebnisses - von den mit schwarz-rot-goldenen Schleifchen verzierten Publikumstischen aus verfolgen, was die Vilbeler CDU erreicht habe. JÖRG MUTHORST
BIRSTEIN. Wie rentabel sind Pflanzenschutzmaßnahmen? Diese Frage beantwortet Stefan Hilscher vom Amt für Regionalentwicklung, Landschaftspflege und Landwirtschaft am Montag, 18. Januar, im Birsteiner Ortsteil Fischborn.
Der Vortrag beginnt um 20 Uhr und findet im örtlichen Feuerwehrgerätehaus statt. jan
Zwischen Vogelsberg und Spessart
Metzler legt Etatentwurf vor BAD ORB. Bürgermeister Hugo Metzler legt heute abend den Parlamentariern den Haushaltsentwurf vor. Die Stadtverordnetensitzung in der Stützpunktfeuerwache beginnt um 20 Uhr. Weiterer Tagesordnungspunkt: Die Grünanlage vor dem Haus der Vereine soll nach dem verstorbenen Ehrenbürger Josef Engel benannt werden.
Kindergarten wird erweitert
BAD SODEN-SALMÜNSTER. Die Erweiterungsarbeiten am Kindergarten in Romsthal haben begonnen. Der 365 000 Mark teure Anbau, der hauptsächlich als Gymnastikraum geplant ist, soll nach den Sommerferien im September bezugsfertig sein. Peter Beckmann auf Platz eins BIEBERGEMÜND. Der CDU-Vorsitzende Peter Beckmann aus Bieber führt die Liste der Union für die Kommunalwahl an. Auf Platz 2 folgt der Fraktionsvorsitzende Robert Stock aus Kassel. Weitere Kandidaten: Rolf Desch aus Wirtheim, Norbert Ritzel und Heiko Lenz aus Lanzingen. Der derzeitige Gemeindevertretungsvorsitzende Kurt Langer will sein Amt aufgeben. Er ist auf Platz 55 nominiert.Vogel- und Naturschützer tagen BIRSTEIN. Die Vogel- und Naturschutzgruppe lädt alle Interessierten für Donnerstag, 21. Januar, 20 Uhr, in die Alte Schmiede Hellstein ein. Unter anderem soll die Vögel-Beobachtungsliste für 1993 ausgearbeitet werden. Bericht über Hilfstransport BRACHTTAL. Videos und Dias vom letzten Hilfstransport in die russische Stadt Troitzk flimmern am Mittwoch, 20. Januar, im evangelischen Gemeindehaus in Schlierbach über die Leinwand. Zu den Impressionen über die Rußlandhilfe lädt die Arbeitsgruppe Troitzk alle interessierten Bürger ein. Beginn: 20 Uhr. Flörsbachtal am dünnsten besiedelt FLÖRSBACHTAL. Mit 50 Einwohnern pro Quadratkilometer ist die Spessartgemeinde die am geringsten besiedelte Kommune im Main-Kinzig-Kreis. Zwischen Dezember 1991 und Juni 1992 nahm die Bevölkerung um 51 Personen zu. Zum Stichtag 30. Juni waren es genau 2608 Frauen und Männer. Kopernikusschule informiert FREIGERICHT. Entscheidungshilfen für die Wahl einer weiterführenden Schule will die Freigerichter Kopernikusschule mit einer Informationsveranstaltung am Samstag, 23. Januar, geben. Von 10 bis 12 Uhr können sich die Schüler des vierten Grundschuljahres mit ihren Eltern informieren und beraten lassen. Zudem berichten die Elternvertreter der fünften Klassen von ihren Erfahrungen. Kleinkinder werden unterdessen von älteren Schülern betreut.
GELNHAUSEN. Heilung mit Spontanritualen ist das Metier des Psychotherapeuten Peter Schellenbaum. Sein Buch "Nimm deine Couch und geh" stellt der Meister am Freitag, 22. Januar, ab 20 Uhr im Saal des Rathauses Gelnhausen vor. Der Eintritt kostet fünf Mark.
HASSELROTH. Anfang Februar vergibt der evangelische Kindergarten in Niedermittlau die freien Plätze für das nächste Kindergartenjahr. Anmeldeschluß für die Jahrgänge 1989/90 ist der 29. Januar.
Noch ist Zuschuß-Geld vorhanden
LINSENGERICHT. Noch gibt es in Altenhaßlau Zuschüsse für Renovierung und Umbau im Rahmen der Dorferneuerung. Die beratenden Architekten geben kostenlos Tips in ihrer nächsten Sprechstunde am Mittwoch, 20. Januar, von 15 bis 17 Uhr im kleinen Sitzungssaal des Rathauses. Ortsbeirat Ahlersbach tagt SCHLÜCHTERN. Mit dem Baugebiet "Hauswiese" beschäftigt sich der Ahlersbacher Ortsbeirat in seiner nächsten öffentlichen Sitzung am Freitag, 29. Januar, um 19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus. Landrat bei SPD Oberzell SINNTAL. Der neugegründete SPD- Ortsbezirk Oberzell hat bei der ersten Kommunalwahlveranstaltung am heutigen Dienstag einen prominenten Gast. Landrat Karl Eyerkaufer hat für 19.30 Uhr sein Erscheinen im Schützenhaus Oberzell zugesagt. Talkshow der CDU STEINAU. Eine Talk-Show mit Alfred Dregger, Oda Scheibelhuber, Hubert Müller, Aloys Lenz, Wilhelm Hohmann und Carl Dincklage veranstaltet die Steinauer CDU am Donnerstag, 28. Januar, in der Gaststätte "Weißes Roß". Der "interessante und unterhaltsame Abend bei Kerzenlicht und Wein" beginnt um 20 Uhr.
EPPSTEIN. Die Unimogs standen in Reih' und Glied, die Rasenmäher Spalier: Der neue zentrale Bauhof öffnete am Wochenende Rolläden, Werkstattore und Bürotüren. 16 Jahre, nachdem die einst fünf selbständigen Gemeinden sich zur Stadt Eppstein zusammenschlossen, ist auch der Arbeitsplatz derer unter einem Dach, die Straßen streuen und kehren, Grünanlagen mähen, die Gully vor Verstopfung bewahren und auf den Friedhöfen Gräber ausheben.
Von einem "bedeutsamen und erfreulichen Ereignis für unsere Stadt" sprach Bürgermeister Richard Hofmann (CDU). Ein jahrzehntelanges Provisorium gehe zu Ende. Davon hätten die insgesamt 15 Bauhof-Bediensteten ein Klagelied singen können. Auf fünf Stadtteile waren sie lange Jahre verteilt - Duschen und Umkleideräume mußten sie entbehren. Da lagerte ein bißchen Material in den Feuerwehrhäusern von Ehlhalten und Eppstein, standen die Autos des Fuhrparks verstreut in Niederjosbach und Bremthal, platzte die alte Zentrale in Vockenhausen aus allen Nähten.
"Mein Büro dort maß zwei auf drei Meter", sagte Bauhofsleiter Klaus-Dieter Eisenberg. Seit gut einem Jahr ist er im Dienst. Er trat die Nachfolge von Werner Limbarth an, der noch bei der einst eigenständige Gemeinde Vockenhausen anfing. Nach einem Herzinfarkt mußte er kürzertreten, die Leitung des Bauhofes abgeben.
Der neue Chef über Unimogs, Rasenmäher und 14 Mann ist zufrieden mit dem Neubau in Bremthal: "Der Standort ist optimal." Für seine Mannen indes bedeutet das gemeinsame Dach auch eine Umstellung: "Wir werden die Arbeitsweise umstellen", kündigte Bauamtsleiter Henning Northe an. Nicht mehr stadtteil-, sondern fachbezogen soll gearbeitet werden. Erste Kritik erntete die Chefetage der fünf Rathäuser dafür aus den Reihen von Bürgern und Politikern gleichermaßen: So gehe doch die Nähe zur Verwaltung verloren - man kenne doch seinen Mann vom Bauhof.
Northe und Eisenberg nehmen's gelassen: Schließlich ist Eppstein nicht so groß; und außerdem weiß das Team in jedem Stadtteil, welcher Gully Probleme macht und welche Straße im Winter flugs zur eisigen Piste gerät. Und letztlich soll sich der zentrale Bauhof auch rechnen - effektiveres Arbeiten ist die Devise.
Das "jahrzehntelange Provisorium geht zu Ende", konstatierte Bürgermeister Richard Hofmann. Jeder könne sich vorstellen, welch personelle und organisatorische Probleme mit der Verteilung des Bauhofs über fünf Stadtteile einhergegangen seien. Den ersten Engpaß zu beheben, schwang sich die Stadt 1984 auf. Auf dem Areal des damals anvisierten neuen Bauhofs in Bremthal wurde als erster Abschnitt eine Halle fürs Streugut errichtet. Kosten: 220 000 Mark.
Im gleichen Jahr begannen auch die Planungen für den zentralen Bauhof. Im September 1990 genehmigte das Parlament des Projekt. Sechs Monate später rückten Bagger und Maurer an. Gut ein Jahr später war der Neubau auf dem knapp 5000 Quadratmeter großen Areal fertig, standen das Haus mit Büros, Mitarbeiterwohnungen, Lager, Garagen, Werkstatt, Umkleide- und Waschräumen. Die bebaute Fläche beläuft sich auf 950 Quadratmeter. Die Rechnung dafür bezifferte Hofmann auf 4,1 Millionen Mark. 130 000 Mark davon gingen für den neuen Wertstoffhof drauf. Doch nicht alles muß Eppstein aus eigener Tasche begleichen: 800 000 Mark steuert das Land aus dem Hessischen Investitionsfonds bei. Bürgermeister Hofmann war es schließlich ein Anliegen, am Tag der offenen Tür dem Bauhof-Team "für die Geduld bis zum heutigen Tag" zu danken. Der Einzug war Anlaß für einen kräftigen Schluck und einen deftigen Happen: 100 Würste, ebensoviele Rippchen und 18 Kilo Sauerkraut köchelten in den Töpfen von Volker Wohlgemuth. Reicht das? "Wenn wir noch brauchen, Nachschub gibt's immer", sagte der Koch und legte die nächste Portion auf den Teller. Und der wanderte, wie all das andere verschmierte Geschirr, ins Spülmobil. Das nämlich hat seinen Platz ebenfalls im zentralen Bauhof - neben Rasenmähern und Unimogs. kkü
WEHRHEIM. Die FDP, die derzeit nicht im Gemeindeparlament vertreten ist, wird mit ihrem stellvertretenden Vorsitzenden Christian Lüth als Spitzenkandidat in den Kommunalwahlkampf ziehen. Unter dem Motto "Dienen, aber (sich) nicht bedienen" hoffen die Liberalen, im März wieder den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen, nachdem sie bei der letzten Wahl nur 3,8 Prozent erhalten hatten. Auf Listenplatz 2 steht der FDP-Vorsitzende Hans-Henning Herbst; es folgen Martin Dietz, Jürgen Laubach und Hans-Joachim Strüder.
Die erste Frau taucht auf Position sechs auf: Dorothea Dittrich aus Obernhain, die zugleich für den Ortsbeirat Obernhain kandidiert. Spitzenkandidat Lüth steht ebenfalls für den Ortsbeirat Wehrheim auf Platz eins; der FDP-Vorsitzende Herbst für Pfaffenwiesbach. Für den Ortsbeirat Friedrichsthal kandidiert Michael Falz. cn
GRÄVENWIESBACH. Heinz Radu, Parteichef und Fraktionsvorsitzender der FWG, führt die Wählergemeinschaft wieder als Spitzenkandidat in den Kommunalwahlkampf. Auf Platz zwei folgt Hermann Karter, der derzeitige Beigeordnete und Nachfolger des verstorbenen Horst Vetter. Auf Position drei und vier stehen zwei Neulinge: der Hundstadter Ortsvorsteher Kurt Solz und sein Laubacher Amtskollege Harald Maurer. Der Gemeindevertreter Walter Richter kandidiert auf Rang fünf, gefolgt von einem weiteren Neuling, Gerhard Müller aus Naunstadt.
Auf den Plätzen sieben bis zehn bewerben sich Willi Dominiak (7), der Grävenwiesbacher Ortsvorsteher Klaus Berghöfer (8), das Gemeindevorstandsmitglied Joachim Klimek (9) sowie als weiterer Neuling Gerit Matthesen. Spitzenkandidat Radu charakterisiert die Liste als eine "Verjüngung und gesunde Mischung aus bewährten und neuen Kräften". Sie repräsentiere zugleich alle Ortsteile.
Daß unter den aussichtsreichen Plätzen keine Frau zu finden ist, nennt Radu bedauerlich. "Die Frauen wollten lieber in die Ortsbeiräte." Dort treten an: Gabriele Schlicht für Grävenwiesbach, Christa Koschinski für Laubach und Cornelia Müller für Mönstadt. In den restlichen Ortsbeiratslisten sind wieder die Männer vorne: Kurt Solz (Hundstadt), Klaus Dominiak (Heinzenberg) und Ewald Müller (Naunstadt). Die FWG ist derzeit mit sieben Mandaten (29,2 Prozent) zweitstärkste Fraktion im Gemeindeparlament. cn
GERTRUD AMREIN, einst persönliche Referentin der Ersten Kreisbeigeordneten GILA GERTZ (Grüne), bewarb sich während der Kreismitgliederversammlung der Grünen am Freitag vergebens um einen der hinteren Listenplätze. Die Öko-Partei war zusammengetreten, um ihre Kreistagsliste von 20 auf 25 Bewerberinnen und Bewerber zu erweitern. Gertrud Amrein erhielt nicht die erforderliche Stimmenzahl der 24 versammelten Wetterauer Grünen. PETER HARTUNG aus Ranstadt kam auf Platz 24 der Kreistagsliste. Seine Bewerbung um einen besseren Listenplatz war gescheitert, weil sich der Ortsverein Ranstadt gegen seine Kandidatur ausgesprochen hatte.
HOCHTAUNUSKREIS. "Abnehmen - aber mit Vernunft" lautet das Motto eines neuen Kurses der Allgemeinen Ortskrankenkasse im Hochtaunuskreis (AOK), der am morgigen Mittwoch, 20. Januar, beginnt.
Damit auch Berufstätige, die schlank werden oder bleiben wollen, daran teilnehmen können, wird er sowohl vormittags als auch abends angeboten: Der Kurs läuft vom 20. Januar bis 24. März jeweils mittwochs von 10 bis 11.30 und von 18.30 bis 20 Uhr im AOK-Haus in der Basler Straße 2 in Bad Homburg.
Interessenten können sich ab sofort unter der Telefonnummer 0 61 72 / 27 22 31 anmelden.
Die AOK-Ernährungsberaterin Esther Linker will die Teilnehmer des Lehrgangs schrittweise zu einer gesunden Ernährung führen.
Der Kurs will nicht mit strenger Diät und Hungern zu einer schnellen Gewichtsabnahme führen, sondern zu dauerhaftem Erfolg, heißt es in einer Mitteilung der Krankenkasse. stk
JOSEF MÜHLBACH, ehemaliger Bürgermeister von Oberreifenberg und Inhaber des Ehrenbriefes des Landes Hessen, ist - wie erst jetzt bekannt wurde - am 14. Januar im Alter von 82 Jahren verstorben. Mühlbach war von 1949 bis 1954 ehrenamtlicher Bürgermeister der damals noch selbständigen Gemeinde Oberreifenberg. "Der gebürtige Oberreifenberger hat sich in den Nachkriegsjahren und in der Zeit des Wiederaufbaus um seine Heimatgemeinde verdient gemacht", würdigte Schmittens Bürgermeister Josef Braun die Leistung von Josef Mühlbach.
KARBEN. Was hat SPD-Kreisgeschäftsführer Otto Geyer seit kurzem mit dem hessischen Minister für Landesentwicklung, Jörg Jordan (SPD), gemeinsam? Der SPD-Neujahrsempfang am Freitagabend im Karbener Bürgerzentrum offenbarte es: den Vollbart. Der Begrüßungshändedruck der beiden Neu- Bartträger sorgte denn auch für einige Heiterkeit zu Beginn des Empfanges, etwa so, wie wenn sich zwei Damen im selben Modellkleid auf einem Ball begegnen. Weniger heiter war kurz zuvor der Empfang gewesen, den Wetterauer Bauern draußen vor dem Bürgerzentrum dem Minister bereitet hatten. Überall, wo Jordan derzeit auftaucht, sind die Landwirte schon da. Sie lassen ihn ihren Unmut darüber spüren, daß das Land Hessen ihnen einen Mehrwertsteuerausgleich verweigert. Hessen werde die Landwirtschaft nicht mehr mit der Gießkanne fördern, erklärte später der Minister in seiner Rede während des Neujahrsempfanges. Die von den Landwirten eingeforderten 35 Millionen Mark sollen für ein Kulturlandschaftsprogramm verwendet werden.
Jordan stimmte seine Parteifreunde auf die Kommunalwahl am 7. März ein. Nach den rechtsextremistischen, ausländerfeindlichen Ausschreitungen der vergangenen Monate "schaut jetzt die ganze Welt auf Hessen", sagte er. Für die rechtsextremen Parteien wie "Republikaner", DVU und NPD müsse es "eine Wahlniederlage geben, die sich gewaschen hat".
Angesichts der Wirtschaftskrise sprach sich Jordan für einen "Solidarpakt" mit den Regierungsparteien in Bonn aus, bezeichnete deren Vorstellungen vom Sozialabbau aber als unakzeptabel. Es müsse ein Maßnahmenpaket einschließlich einer Pflegeversicherung und Wohnungsbau geschnürt werden, fordert der Minister. Es sei in dieser Situation "vorstellbar, daß die Arbeitnehmer keine Zuwächse mehr haben", sagte Jordan. Zu den Unternehmergewinnen äußerte er sich nicht. Er bezeichnete es unter bestimmten Voraussetzungen auch als "diskutabel", einen Feiertag wegfallen zu lassen.
Die CDU müsse ihrem Ersten Stadtrat in Bad Vilbel, Klaus Minkel, "das Handwerk legen", sonst klinke sie sich aus dem Konsens der Demokraten aus, forderte Landrat Rolf Gnadl in seiner Rede. Anlaß seines Zorns war ein gegen Asylbewerber gerichteter Artikel in der Wahlkampfzeitung der Bad Vilbeler CDU, der nach Ansicht Gnadls die Handschrift Minkels trägt. "Die Asylantenflut schwappt über" ist der Artikel überschrieben, in dem es heißt: "Der unfähige Landrat Gnadl (SPD) ist zwar nicht mehr in der Lage, für die Unterbringung der Asylanten und Scheinasylanten zu sorgen. Trotzdem hat er sich für die Beibehaltung des verfehlten Artikel 16 Grundgesetz ausgesprochen." Es wird der Anschein erweckt, als sollten "alle Armen dieser Welt hier in Deutschland auf Dauer" aufgenommen werden, und es wird sogar behauptet: "Schon werden deutsche Mieter von Gemeinden aus gemeindeeigenen Wohnungen zwecks Asylantenunterbringung herausgeklagt."
Ins Fettnäpfchen trat Gnadl, als er ausdrücklich den Vorsitzenden der SPD- Fraktion im Münzenberger Stadtparlament, Dieter Belz, begrüßte, der sich in einer der ersten Direktwahlen im Wetteraukreis um den Münzenberger Bürgermeisterposten bewirbt. Gnadl lobte Belz' Kandidatur insbesondere deshalb, weil es gelte, "bodenständige Leute" zu wählen und "nicht das Fremde". Ironisch gab daraufhin der Wetterauer SPD-Vorsitzende Gerhard Becker dem Landrat zu bedenken: "Lieber Rolf, du bist in München geboren, stammst also fast vom Balkan . . ."
BRUNO RIEB
Kleine FR
Dokumentarfilm über Rechtsradikale WEHRHEIM. Die Friedensgruppe zeigt am Dienstag, 19. Januar, um 20 Uhr im evangelischen Gemeindehaus einen Film über Organisationsformen Rechtsradikaler. Er trägt den Titel "Wahrheit macht frei" und ist im Fernsehen bisher nur gekürzt ausgestrahlt worden. Die Friedensgruppe zeigt den Film in voller Länge.
BAD HOMBURG. Beim traditionellen Neujahrsempfang der Stadtverordnetenvorsteherin haben Oberbürgermeister Wolfgang R. Assmann und Parlaments-Chefin Maria Scholz am Samstag Hunderte von Händen geschüttelt und den Vertretern und Vertreterinnen aus Politik, Wirtschaft, den sozialen und karitativen Verbänden, Vereinen und Kirchengemeinden ein gutes neues Jahr gewünscht. Zum 16. - und letzten Mal - hielt die Stadtverordnetenvorsteherin, die dieses Amt mit dem Ende der Legislaturperiode abgeben wird, die Neujahrsansprache.
Angesichts der Ereignisse des vergangenen Jahres rückte Maria Scholz das Zusammenleben der Menschen - in Bad Homburg im speziellen und in der "Gesellschaft in unserem Lande" im allgemeinen - in den Mittelpunkt ihrer besinnlichen Gedanken. "Ein friedvolles Miteinander kommt nicht von alleine. Es bedarf der besonderen Pflege", stellte die "erste Bürgerin" fest. In der Kurstadt sehe sie diese Pflege gewährleistet, nicht zuletzt dank des Ausländerbeirates. Der leiste seit Jahren einen unverzichtbaren Beitrag zum "guten internationalen Klima" und den "guten Kontakten zwischen den verschiedenen Gruppen" in Bad Homburg.
Dennoch forderte sie in einem eindringlichen Appell alle Bad Homburger auf, "sich immer wieder neu auf Gespräche und Kontakte einzulassen". Eine einmalige Aktion wie die Lichter kette genüge nicht. "Mutig sollten wir uns bemühen, die unbelehrbaren Radikalen eines besseren zu belehren", sagte sie und legte diesen Aufruf besonders dem Jugendparlament ans Herz.
Zugleich fragte Maria Scholz, "warum wir Deutsche der größten Herausforderung seit 1945 nicht recht gewachsen zu sein scheinen". Dabei machte sie "Selbstverwirklichung ausschließlich für das eigene Wohlergehen" und ein "überzogenes Gruppendenken" als falschen Weg ausfindig. Sie forderte, den Blick über den "verengten Horizont der Egozentrik" zu erheben und rief die Tradition des christlichen Abendlandes in Erinnerung. "Diese Tradition schenkt uns den Glauben an eine Macht, die den Haß aus dem Herzen des Menschen nehmen und in Liebe wandeln kann. Glauben wir daran und besinnen wir uns wieder auf unser ganzes Menschsein." cn
FREIBURG/STUTTGART, 18. Januar. Scharfe Kritik an der Stuttgarter Landesregierung üben die baden-württembergischen Frauenbeauftragten, weil sich die große Koalition bislang weigere, einen bereits im vergangenen Frühjahr gefaßten Landtagsbeschluß umzusetzen und im Südwesten bei den Staatsanwaltschaften flächendeckend Sonderdezernate für Ermittlungen bei Sexualstraftaten einzurichten. Für die Landesarbeitsgemeinschaft der Frauenbeauftragten erklärte in Freiburg Silke Bauer von der Gleichstellungsstelle der Breisgaustadt, andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Bremen und Rheinland-Pfalz seien bei solchen Sonderdezernaten Baden-Württemberg weit voraus.
Bauer meinte, daß die südwestdeutschen Frauenbeauftragten nicht zuletzt von der SPD enttäuscht seien: Von den Sozialdemokraten habe man erhofft, daß sie die noch vor der Landtagswahl Ende April verabschiedete Resolution des Landesparlaments in der Regierung verwirklichen würden, zumal diese Forderung auch in der Koalitionsvereinbarung von CDU und SPD verankert sei.
Sonderdezernate für Sexualstraftaten bei den Staatsanwaltschaften mit speziell ausgebildeten Ermittlern sollen zum einen effektivere strafrechtliche Untersuchungen ermöglichen und zum anderen für die Opfer sexueller Gewalt etwa bei Vergewaltigungen einen besseren Persönlichkeitsschutz und eine sensiblere Behandlung gewährleisten. In Baden- Württemberg haben lediglich in Freiburg, in Stuttgart, in Mannheim und in Karlsruhe die jeweiligen Staatsanwaltschaften von sich aus Ermittler speziell für solche Delikte benannt. Die Frauenbeauftragten der baden-württembergischen Städte und Landkreise fordern hingegen die flächendeckende Einführung von Sonderdezernaten überall im Land. Silke Bauer kritisiert, daß von den 40 im vergangenen Jahr im Südwesten neu geschaffenen Ermittler-Stellen keine einzige dem Bereich der Sexualstraftaten zugeordnet worden sei - alle personellen Aufstockungen seien dem Kampf gegen die organisierte Kriminalität und gegen die Drogenkriminalität zugutegekommen.
Zu den Vorwürfen der südwestdeutschen Frauenbeauftragten meinte die frauenpolitische Sprecherin der SPD- Landtagsfraktion, Marianne Wonnay, die SPD habe "sehr darum gekämpft", daß in der Koalitionsvereinbarung mit der CDU der Passus verankert wurde, wonach eine Verbesserung der Strafverfolgung bei Sexualdelikten durch Sonderdezernate mit vorwiegend weiblichem Personal notwendig ist. Allerdings sei der Zeitpunkt der Umsetzung dieser Vorgabe nicht präzisiert worden. In Verhandlungen mit dem CDU-geführten Justizministerium wolle die SPD-Landtagsfraktion darauf dringen, daß die Sonderdezernate nicht erst am Ende der gegenwärtigen Legislaturperiode eingerichtet werden und daß neue Ermittlerstellen nicht nur der Wirtschafts- und Umweltkriminalität, sondern auch dem Bereich der Sexualdelikte zugeordnet werden.
ESCHBORN. Die SPD hat ihr Wahlkampf-Thema - zumindest in der Sozialpolitik: Beim Kinder- und Familienfest am Samstag in der Eschborner StadthalIdee vom Kinderhaus. Das soll im Neubaugebiet am Rödelheimer Weg entstehen. Auf dem Papier scheint dafür zwar alles klar zu sein: 100 000 Mark stehen für Planungskosten im Haushalt fürs laufende Jahr. Doch Stadtverordnete Waltraud Gehbauer ist sich sicher: Mit der CDU werde es nicht das, was die SPD wolle. Das Konzept sei mit der Union nicht zu verwirklichen.
Betreuung in familienähnlichen Gruppen für Kinder im Alter von wenigen Monaten bis hin zu zwölf Jahren - so stellt sich die SPD das Kinderhaus vor. "Wir brauchen dringend die Ganztagsbetreuung", sagte Waltraud Gehbauer. Und dafür nannte sie gewichtige Gründe: Ein Gehalt in der Familie reicht längst nicht mehr, um die teuren Mieten zu bezahlen. Außerdem, meinen die Sozialdemokraten, müsse auch dem Wandel in der Gesellschaft Rechnung getragen werden. Die Situationen in den Familien habe sich gewaltig geändert. "17 Prozent sind alleinerziehend, 50 Prozent sind Einzelkindfamilien", sagte Gehbauer. Zudem kehrten, was nicht mehr als recht und billig sei, Frauen immer häufiger ins Berufsleben zurück. Und um den Anschluß zu halten, dürfe diese Pause nicht zu lange sein.
Als Antwort darauf versteht die SPD die Idee vom Kinderhaus: Pro Gruppe sollen zwei Kinder unter zwei Jahren betreut werden, zudem jeweils sieben bis acht Jungs und Mädchen im Alter von zwei bis sieben sowie schulpflichtige Kinder bis zu zwölf Jahren. Der Vorteil dieses Systems liege auf der Hand, sagte Waltraud Gehbauer: Die Beziehung zu den Erzieherinnen sei kontinuierlich, zudem lernten die Kinder Toleranz und Zusammenarbeit durch den Kontakt zwischen Älteren und Jüngeren.
"Vor 18 Jahren haben wir dafür gekämpft", die sture Einteilung in Altersgruppen in den Kindergärten aufzuweichen, sagte SPD-Sprecherin Heidrun Du Bois. Jetzt kämpfen die Genossen für das Kinderhaus mit seinen familienähnlichen Gruppen. Mit der CDU, sind sich Du Bois und Gehbauer im klaren, lasse sich da nichts machen. Die klebe weiterhin an traditionellen Familien- und Frauenrollen. Heidrun Du Bois: "Die Menschen leben heute doch anders." Dabei solle den Eltern nichts übergestülpt werden. Wer einem konventionellen Kindergarten den Vorzug gebe, solle dies auch weiterhin tun können.
Bislang, sagte Waltraud Gehbauer, habe die CDU jedoch alles in eine andere Richtung blockiert. Als Beispiel nennt sie Kinderkrippen, die von der SPD seit Jahren gefordert würden. Keine Schwierigkeiten erwartet sie indes bei der Suche nach Personal. "Das ist eine reizvolle Aufgabe für Erzieherinnen." Die Baukosten von drei Millionen Mark für das Kinderhaus hält sie für tragbar. Allerdings seien die Folgekosten höher: Die Ganztagsbetreuung erfordere eben mehr Personal. Und dafür sei die SPD bereit, Geld auszugeben. Waltraud Gehbauer: "Das Haus steht und fällt mit dem Wahlergebnis."
SPD-Vorsitzender Reinhard Birkert warnt folglich vor einer Protestwahl. "Die Leute müssen sich überlegen, welche Folgen das hat. Wer etwas sicher haben will, darf da nichts aufs Spiel setzen." kkü
MAIN-KINZIG-KREIS. Seit sechs Jahren hat es sich die "Sportstiftung Main- Kinzig" zur Aufgabe gemacht, jene Sportlerinnen und Sportler aus dem Nachwuchsbereich finanziell zu unterstützen, die ansonsten von keiner anderen Seite gefördert werden. Am Samstag überreichte der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung, Landrat Karl Eyerkaufer, an zwölf junge Einzelsportlerinnen und -sportler und an fünf Mannschaften Zertifikate, die vorläufig für ein Jahr finanzielle Sicherheit für das Training und die Teilnahme an Wettkämpfen bedeuten.
30 000 Mark sind es, die 1993 ausgeschüttet werden, womit sich die Gesamtsumme seit 1987 auf 150 000 Mark erhöht. Das Geld stammt zum einen aus Spenden, zum anderen, größeren Teil aus dem Erlös des Sportpresseballs, der alle zwei Jahre vom Kreis und dem Hessischen Journalistenverband organisiert wird - im November wieder in Bad Orb.
Eine Bedingung wird allerdings an diese Förderung geknüpft: Die Nutznießer müssen mindestens während des laufenden Jahres Mitglied eines Vereins im Main-Kinzig und damit dem "Heimatsport" erhalten bleiben.
Nachdem die eingegangenen Anträge geprüft worden waren, entschieden sich Vorstand und Beirat der Stiftung für folgende Sportlerinnen und Sportler im Alter zwischen 15 und 28 Jahren: Natalie Jonek, Björn Ahner (beide Skiclub Hanau), Jennifer Kail, Matthias Kamberg (beide TG Dörnigheim), Gabriele Becker, Jens Bormann (beide LAZ Hanau/Bruchköbel), Achim Börner, Reiner Schinzel (beide KTV Main-Kinzig), Lieselotte Henning, Johann Masold (beide Schwimmverein Gelnhausen), Florian Caspari und Jörg Becker (beide Hanauer Rudergesellschaft). Hinzu kommen fünf Mannschaften des SSC Hanau-Rodenbach, des TV Gelnhausen, der SKG Hanau, des Teakwondo-Clubs Gelnhausen und des Vereins Chung-Gung-Hammersbach.
Schließlich wird die Sportstiftung die mehrfache Hessische Meisterin im 400- Meter-Lauf des TV Gelnhausen, Diana Reichert, ebenso wie seit 1987 unterstützen. Sie erlitt vor sechs Jahren bei einem Verkehrsunfall eine so schwere Verletzung, daß sie bis heute therapeutisch behandelt werden muß. az
MAIN-KINZIG-KREIS. Neujahrsempfänge - namentlich von Parteien - sind eine Art Familientreffen, zu dem vor allem auch gute Bekannte geladen sind. Das war nicht anders bei der Kreis-SPD am Freitag in der Hanauer Stadthalle und bei der Kreis-FDP am Samstag im Hanauer Grimm-Hotel. Dennoch fielen beide Empfänge ein wenig aus dem Rahmen: Auch nicht eingeladene Gäste waren gekommen, und das - zumindest bei den Sozialdemokraten - in geballter Menge. Der Kreisbauernverband nutzte die Veranstaltungen, um den Ärger der Landwirte über die Agrarpolitik von Land, Bund und EG vor möglichst vielen Mandatsträgern zu artikulieren.
Rund 100 Bäuerinnen und Bauern mit Familienanhang waren am Freitag abend in den Schloßgartensaal "geplatzt", um der Partei die Leviten zu lesen, die ihrer Ansicht nach mit schuld an der desolaten Lage der Landwirtschaft ist. Ihren Ärger hatten Bauern schon vor einiger Zeit in Wiesbaden lautstark und ein wenig gewalttätig kundgetan: Hessen ist das einzige Bundesland, das den Landwirten keinen Mehrwertsteuerausgleich zahlt. Somit, so ein Sprecher des Kreisbauernverbandes am Freitag, würden den Landwirten allein im Main-Kinzig-Kreis 2,75 Millionen Mark vorenthalten, respektive 61 Mark pro Hektar.
Damit die Sozialdemokraten dies auch nicht vergessen, erhielt der SPD-Fraktionschef im Landtag, Lothar Klemm, einen Mahnbescheid über jene 2,75 Millionen Mark - mit vier Durchschlägen. Klemm nahm's gelassener hin als Bundestagsabgeordneter Bernd Reuter, der den ungebetenen Besuch so verglich: "Was würden Sie sagen, wenn 150 Jungsozialisten zum Erntedankfest kämen, und von den Landwirten umweltfreundlichere Düngermethoden verlangen würden?" Und forderte die Delegation auf, nun wieder zu gehen.Nun hatte es die SPD als Regierungspartei und somit "böser Bube" auch ein wenig schwerer als am nächsten Tag die FDP. Deren Kreisvorsitzender Dirk Pfeil lud die - wesentlich kleinere - Abordnung zu Sekt und Kanapees ein und zeigte vollstes Verständnis für die Klagen der Landwirte. Außerdem hat er ein Gefühl für wirksame Aktionen: Wenigstens für einen Hektar übernehme er die Mehrwertsteuer-Erstattung sagte er und drückte Kreislandwirt Friedhelm Schneider 61 Mark in die Hand. Somit blieben einige der Bauern auch beim Empfang der FDP, während sie bei der SPD am Abend zuvor sichtlich sauer den Saal geschlossen wieder verlassen hatten.
Dort war Klemm nur kurz auf den überraschenden Besuch eingegangen, indem er die Weigerung der Landesregierung auf Steuerausgleich für eine bestimmte Berufsgruppe verteidigte. Ansonsten Appelle, Wünsche, Mahnungen - Klemm machte den Gästen nichts vor: Rosig sei die Situation im Lande nicht, auch wenn Hessen noch immer eine führende Position in der Bundesrepublik einnehme und die im Zentrum Europas wohl auch nicht verlieren werde: "Eine der wirtschaftlich dynamischsten Regionen." Allerdings könnten sich bestehende "soziale Disharmonien" ausweiten. Klemms Forderung: Auch jene müßten in der Gesellschaft einen Platz finden können, die zu den "normalen Menschen" gehörten - womit er den Durchschnittsverdiener meinte. Derzeit funktioniere das beispielsweise im Wohungsbereich überhaupt nicht. Die Konsequenz: Heraufsetzung der Einkommensgrenze für Sozialwohnungen.
Zum Stichwort "Umwelt" sprach sich der Kreistagsvorsitzende für die Sondermüllverbrennung aus, auch wenn das nicht sehr populär sei. Aber nur so könne der Industriestandort - mit seinem Schwerpunkt Chemie - überleben. Gleichzeitig forderte er jedoch, in Umweltmaßnahmen zu investieren, mit Blick nicht nur auf die kommenden Jahre, sondern Jahrzehnte. Zu Recht nicht verzichtbar schließlich sei sein Wunsch, der Rechtsruck in der Gesellschaft, insbesondere die Ausländerfeindlichkeit in den Griff zu bekommen und auf allen Ebenen zu bekämpfen.
Dirk Pfeil hatte es am nächsten Tag mit seiner Beschreibung politischer Positionen und Absichten naturgemäß leichter, trägt sie derzeit doch weder im Kreistag noch in Hanau politische Verantwortung. Sein nachvollziehbarer Wunsch: Der Wähler möge der FDP am 7. März eben diese Verantwortung zurückgeben. Konkret wurde er nur zu einem Punkt der aktuellen Politik: Statt des von der Bundesregierung propagierten Solidarpaktes sei eine handfeste Wirtschaftspolitik notwendig. Darüberhinaus plädierte Pfeil dafür, ein Grundproblem zu beseitigen: die Unzufriedenheit der Menschen. Sie führe letztlich dazu, daß die Wähler Extremen ihre Stimme gäben. az
Struwwelpeterschule NIEDERDORFELDEN. Kinder, die zwischen dem 1. Juli und 31. Dezember 1987 geboren wurden, können vom 1. bis 5. Februar jeweils zwischen 8.30 und 10 Uhr für die Struwwelpeterschule angemeldet werden. Geburtsurkunde oder Stammbuch mitbringen.
NIDDERAU. Etwas fürs Notizbuch der Stadtverordneten: Ursprünglich für den 29. Januar vorgesehen, verschiebt sich die nächste Stadtverordnetensitzung - gleichzeitig die letzte vor der Kommunalwahl - auf den 12. Februar (Mehrzweckhalle Erbstadt). Als Begründung gibt der Magistrat an, es seien noch mehrere Sachentscheidungen zu treffen, deren Erledigung bis zum bisher vorgesehenen Termin nicht möglich sei. az
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HANAU. Von Nixen und Wasserfrauen handelt die nächste Lesung in der Hanauer Stadtbibliothek am heutigen Montag, 18. Januar, in der Hauptstelle der Stadtbibliothek am Schloßplatz. Ab 19.30 Uhr erzählt Hannelore Marzi für alle, die sich die Freude an der Welt des Phantastischen bewahrt haben.
HANAU. 28 000 Mark Schaden entstand, als am Samstag nachmittag zwei Autos an der Ecke Bruchköbeler Landstraße / Schwedenstraße zusammenstießen. Ursache war vermutlich ein Vorfahrtsfehler. Verletzt wurde niemand.
LANGENSELBOLD. "Nicolas, wo warst Du?" und "Der rote Ball" sind die Titel der beiden Kinderbücher, die am Mittwoch, 20. Januar, ab 15 Uhr als Diaschau in der Stadtbücherei erzählt werden. Dazu eingeladen sind alle Kinder zwischen fünf und zehn Jahren.
HANAU. Zuschußanträge verschiedener Organisationen und die Neufassung der Satzung für das Jugendamt stehen im Mittelpunkt der nächsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Donnerstag, 21. Januar, im Zimmer 299 des Rathaus- Altbaues. Beginn ist um 15 Uhr. Wie grün ist der "Grüne Punkt"?
GROSSKROTZENBURG. Zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema Müll, Verpackung, Recycling und "Duales System" lädt die örtliche SPD für Donnerstag, 21. Januar, um 20 Uhr in das Bürgerhaus ein. Eingeladen wurden unter anderem Vizelandrat Pipa, die "Gesellschaft Duales System" und Robin Wood.
BRUCHKÖBEL. Silivia Seidel spielt die 17 Jahre alte Josephine, die versucht, ein anderes Leben als ihre Mutter zu führen, es besser in den Griff zu bekommen. Das kritische Stück "Bitterer Honig" wird am Samstag, 23. Januar, um 20 im Bürgerhaus gezeigt. Karten im Vorverkauf gibt es in den örtlichen Raiffeisenbanken und im Neuen Spielhaus.
HAMMERSBACH. Zum Familienabend lädt der TV Vorwärts seine Mitglieder für Samstag, 23. Januar, ein. Beginn: 20 Uhr.
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Ski-Freizeit im Stubaital HANAU. Das Stubaital ist das Ziel einer Ski-Freizeit des Ski-Clubs Hanau vom 17. bis 24. April. Näheres wissen Irma Zabel, Telefon 0 61 81 / 2 27 04 oder die Geschäftsstelle, Telefon 0 61 81 / 25 90 97. "Marienleben" im Literaturtelefon HANAU. Rainer Maria Rilkes Zyklus "Das Marienleben" ist vom 22. bis 28. Januar im Hanauer Literaturtelefon (2 41 41) zu hören. SPD-Ortsverein berät Wahlprogramm HANAU. Der SPD-Ortsverein Steinheim wählt in seiner Mitgliederversammlung am Freitag, 22. Januar, ab 20 Uhr im "Karlseck" (Pfaffenbrunnenstraße) die Kandidat(inn)en für den Ortsbeirat und berät das Wahlprogramm. Gast ist Landrat Karl Eyerkaufer. Liebeslieder auf dem Glockenspiel HANAU. Liebeslieder aus alter Zeit spielt Ludwig Sommer am Samstag, 23. Januar, ab 11 Uhr auf dem Hanauer Rathaus-Glockenspiel.Treffen für Buch-Spiel-Fest HANAU. Der Steinheimer Kinder- und Jugendbuchladen (Ludwigstraße 155) will im kommenden Oktober wieder ein Buch-Spiel-Fest organisieren. Er bietet denen, die sich am Programm beteiligen wollen, ein Koordinierungstreffen an am Montag, 1. Februar, ab 20 Uhr.
Spende für Selbsthilfe-Kontaktstelle HANAU. Der Hanauer Club von Soroptimist International hat der neuen Hanauer Selbsthilfe-Kontaktstelle 5350 Mark spendiert. Der Grundstock dafür stammt aus dem Reinerlös eines Theaterabends, der Rest aus Spenden und einem größeren Betrag der Deutschen Union von Soroptimist International. Dokumentation über "Tagesgespräche" HANAU. Die im "Hanauer Anzeiger" erschienene Artikelserie "Hanauer Tagesgespräche" vor 50 Jahren für den Zeitraum von 1932 bis 1939 ist jetzt als Dokumentation erschienen und im Buchhandel in einer Auflage von 2000 Stück für 14,80 Mark pro Exemplar erhältlich.
Für viele Pflegebedürftige gibt es keinen Heimplatz Eine Altenpflegeschule in Ober-Roden beim Haus Morija soll helfen, die Versorgung im Kreis zu verbessern Von unserem Redaktionsmitglied Jochen Nottrott KREIS OFFENBACH. Rund 130 pflegebedürftige alte Menschen muß der Kreis Offenbach in 60 Häusern außerhalb seiner Grenzen und zum Teil sogar über Hessen hinaus "evakuieren", weil vor Ort die nötigen Plätze fehlen. Vergleichsweise gering ist dagegen die Zahl der auswärtigen Alten, die ihren Lebensabend im Kreis Offenbach verbringen - um möglichst in der Nähe ihrer Kinder zu sein. Daß der Kreis nicht über mehr Heimplätze verfüge, sei ein untragbarer Zustand, sagte der Neu-Isenburger Dr. Hannes Ziller als Mitglied eines vom Kreistag eingesetzten Beirates, der den vor neun Monaten verabschiedeten Altenplan für den Kreis erstellt hatte und jetzt eine erste Zwischenbilanz zog. Vorrangiges Ziel aller politischen Kräfte ist es, den Senioren so lange wie möglich die häusliche Umgebung zu belassen und einen Heimaufenthalt zu ersparen. Und wenn ein Pflegeplatz unvermeidlich ist, sollte er möglichst am Ort sein, um den Kontakt zu Angehörigen und Freunden nicht abreißen zu lassen.
Wie der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Frank Kaufmann dem Beirat erläuterte, wird der Kreis in den nächsten fünf bis zehn Jahren etwa 500 Vollzeitpflegeplätze schaffen. Darüber hinaus entstünden 54 Tagespflege- und 89 Kurzzeitpflegeplätze. Für "Betreutes Wohnen", das in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen werde, sollen in den nächsten Jahren 231 Wohnungen geschaffen werden.
Wie dringlich das Problem ist, beweist die Alterspyramide im Kreis. Binnen vier Jahren hat auf Kreisebene die Zahl der über 75jährigen um rund 600 auf 18 112 zugenommen, die mehr als 60jährigen verstärkten sich in nur zwei Jahren um mehr als 6600 auf nunmehr 46 622.
Um die Versorgung der pflegebedürftigen alten Menschen wirklich sicherzustellen, ist es erforderlich, für genügend qualifiziertes Personal zu sorgen. Daher begrüßte es der Beirat, daß die Planungen für eine Altenpflegeschule im Rödermärker Stadtteil Ober-Roden in unmittelbarer Nachbarschaft des dortigen Alten- und Pflegeheims "Morija" in Gang gekommen seien. Die bisherigen Überlegungen sehen vor, in Zusammenarbeit mit der Stadt Offenbach sowie der Stadt Rödermark eine Altenpflegeschule zu errichten. Kaufmann geht davon aus, daß mit dem Projekt schon in diesem Jahr begonnen werden kann. Als weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg, den Altenplan in die Praxis umzusetzen, wertet der Beirat die neu eingerichtete und mit zwei hauptamtlichen Kräften besetzte "Leitstelle Älterwerden" beim Kreis. Diese Stelle hat den zentralen Auftrag, dafür zu sorgen, daß der Altenplan fortgeschrieben und umgesetzt wird. Außerdem bietet sie Dienstleistungen für die in der Altenarbeit tätigen Mitarbeiter an: "Sie ist Informationsbörse, Fachberatung und eine Einrichtung zur Fortbildung in einem", erläuterte der Sozialdezernent. Zur Unterstützung der ambulanten Dienste in den Kommunen des Kreises ist mit dem 1. Januar die Förderung von Sozialstationen von 1,30 auf 1,50 Mark pro Einwohner und der Zuschuß für den Mobilen Sozialen Hilfsdienst von 0,40 auf 0,75 Mark heraufgesetzt worden. Zusätzlich hat der Kreis 395 000 Mark bereitgestellt, die in Form einer Anteilsfinanzierung an die Städte und Gemeinden vergeben werden können. Das Geld soll dazu beitragen, daß neue Stellen geschaffen werden, die der Beratung alter Menschen gerade bei ihnen zu Hause dienen sollen.
Kleine FR
Bürgersprechstunde RÖDERMARK. Während einer Bürgersprechstunde am Mittwoch, 20. Januar, von 18 bis 19 Uhr im Fraktionszimmer des Rathauses Urberach stehen der SPD- Fraktionsvorsitzende Karl-Heinz Oberfranz sowie seine Stellvertreterin Cornelia Diekmann Rödermärkern Rede und Antwort. CDU-Kreisparteitag EPPERTSHAUSEN. Ein Kreisparteitag der CDU im Kreis Darmstadt-Dieburg ist für Freitag, 22. Januar, um 18 Uhr in die Mehrzweckhalle Eppertshausen einberufen worden. Der Justizminister des Landes Thüringen, Hans-Joachim Jentsch, spricht über "CDU-Politik für alle Bürger".Mini-Play-Back-Show BABENHAUSEN. Eine Mini-Play- Back-Show richtet die Jugendpflege Babenhausen am Samstag, 30. Januar, um 15 Uhr im städtischen Jugendtreff aus. Auftreten wird die Gruppe "Die drei Promillen", angesprochen sind Kinder und Jugendliche zwischen acht und vierzehn Jahren.
KREIS DARMSTADT-DIEBURG. Die Kosten für die Schülerbeförderung im Kreis Darmstadt-Dieburg laufen aus dem Ruder. Daher hat Schuldezernent Dietmar Schöbel sich mit einem Sparappell an die Lehrerkollegien aller 77 Schulen im Kreis gewandt. Die Ausgaben für Fahrten der Kinder und Jugendlichen zwischen Wohnort und Unterrichtsstätte sind 1992 um 30 Prozent oder 1,5 Millionen auf 6,55 Millionen Mark geklettert. Und immer noch würden Forderungen nach einem noch umfangreicherem Service laut, sagte Schöbel und fuhr fort: "Der Kreis ist zu rigorosem Sparen gezwungen."
Sparmöglichkeiten sieht der Kreispolitiker bei der Einsatzhäufigkeit der Schulbusse, die auf 52 Linien unterwegs sind und rund 2800 Schülerinnen und Schüler hin- und herchauffieren. Zwar ließen sich Tarife und Betriebskosten nicht beeinflussen, aber bei einer Abstimmung der Stunden- mit den Fahrplänen müßten Kostenreduzierungen möglich sein. So seien auf manchen Strecken nachmittags Schulbusse bis zu viermal mit nur wenigen Kindern unterwegs. ttt
RODGAU. "Was bringt die gelbe Tonne Rodgau?" ist - weil mit dieser nichts so klappt, wie es sein sollte - fast schon kabarettistisches Thema einer Informationsveranstaltung des SPD-Stadtverbandes am Mittwoch, 20. Januar, um 19.30 Uhr in der Sozialstation Hainhausen, Württemberger Straße. Der Erste Stadtrat Thomas Przibilla, der Umweltdezernent des Umlandverbandes Frankfurt (UVF), Thomas Rautenberg, sowie Uwe Wittemeier vom Bezirksvorstand Hessen- Süd der Jungsozialisten werden über das Duale System Deutschland und seine vermeintliche Einführung zum 1. Januar in Rodgau diskutieren. Moderator ist der Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtparlament, Karl-Heinz Schönberg. ttt
RODGAU. Zu einem Diavortrag über "Westnorwegen, Land der Fjorde", lädt die Volkshochschule für Donnerstag, 21. Januar, um 20 Uhr ins Casino der Rodgau-Bank in Jügesheim ein. Aus Dreieich kommen als Referenten Ingeborg und Hermann Steidle, die Impressionen von Oslo, dem Peer-Gynt-Weg, dem Gudbrandstal, Geiringer- und Hardangerfjord zeigen werden. Kristiansund, Alesund, Bergen, Haugesund und Stavanger bilden die Kulisse von alten Holzhausvierteln und ursprünglichen Stadtbildern. ttt
Briefe an die Redaktion
"Zaun schließt Bürger von der Vogelwelt aus" Die vom Regierungspräsidium Darmstadt als Oberer Naturschutzbehörde verfügte Einzäunung des künftigen Naturschutzgebietes am Kalksandsteinwerk im Rodgauer Stadtteil Dudenhofen ist dem Naturschützer und -freund Armin Hönig ein Dorn im Auge:
Es ist vollbracht. Der Zaun um das künftige Naturschutzgebiet Kalksandsteinwerk in Dudenhofen steht. Die zuständigen Behörden haben sich - unterstützt durch überörtliche Naturschutzverbände (!) - über die Empfehlungen und Vorschläge der örtlich zuständigen Gruppe Dudenhofen des Naturschutzbundes (NABU) Dudenhofen hinweggesetzt. Meine Briefe und Telefonate mit der Oberen Naturschutzbehörde in den letzten zwei Jahren, auch im Auftrag des Vorstandes des NABU, konnten die zuständigen Stellen nicht überzeugen.
Nach wie vor bin ich der Auffassung, daß der Zaun, der hier für einige zigtausend Mark errichtet wurde, keine optimale Lösung zum Schutz des Naturschutzgebietes vor Freizeitaktivitäten darstellt und Tiere aus dem Naturschutzgebiet ausgrenzt. Eine Bepflanzung mit geeigneten stacheligen Sträuchern wäre besser gewesen. Da aber die Entscheidung Rechtens gefallen ist, muß man sie letztlich hinnehmen.
Schlimm finde ich aber, daß der Verlauf des Zaunes so gestaltet wurde, daß interessierte Bürger weitgehend von der Beobachtung der dort auftretenden vielfältigen Vogelwelt ausgeschlossen sind. Nur an einer Stelle - der nordwestlichen Ecke - gestattet der Zaunverlauf einen Einblick in einen Teilbereich. Der Großteil des Gebietes läßt sich aber nicht einsehen. Es ist deshalb den Naturschützern nicht mehr möglich, die Funktion dieses künftigen Naturschutzgebietes als Trittstein für den Vogelzug wie bisher zu analysieren. Warum man nicht wenigstens an einer zweiten Stelle Einsichtmöglichkeiten - natürlich hinter Sichtschutzwänden - geschaffen hat, ist mir unverständlich. Armin Hönig, Rodgau-Dudenhofen
Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor. (Red.)
MAINHAUSEN. "Die Hausmülldeponie Stockstadt mit ihren Belastungen für die nebenan in der Waldsiedlung lebenden Mainhäuser Bürger sowie das gegenüber von Seligenstadt und Hainburg am anderen Mainufer geplante Umspannwerk der Rheinisch Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE) sind für den Ostteil des Kreises Offenbach nicht die ersten Beweise dafür, daß für Regionen, in denen Landesgrenzen zusammentreffen, im Interesse der Menschen und ihrer Umwelt verbesserte grenzüberschreitende und ressortübergreifende Absprachen getroffen werden müssen."
Das ist ein erstes Fazit der Rodgauer SPD-Landtagsabgeordneten Judith Pauly- Bender nach Gesprächen im Münchener Wirtschaftsministerium und im Wiesbadener Ministerium für Landesentwicklung.
"Einerseits ist es nach den Auskünften, die ich in Bayern erhielt, offensichtlich, daß es Schranken gibt, wenn ressortübergreifende Beurteilungen von Projekten angesagt sind", berichtet Pauly-Bender. Aus dem bayerischen Wirtschaftsministerium habe sie erfahren, daß die Frage des geplanten Umspannwerkes, dessen Trasse dann durch den Kreis Offenbach in Richtung Rödermark-Urberach verlaufen soll, nur nach dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit geprüft werde. Grünes Licht werde dann gegeben, wenn von einer Wirtschaftlichkeit auszugehen sei.
Gleichzeitig werde von hessischer Seite immer wieder betont, daß die Belastungen der hessischen Mainseite zwar gesehen würden, aber die vorhandenen Instrumente eines Abstimmungsverfahrens zwischen den beiden benachbarten Bundesländern nicht ausreichten, um für die hessischen Anlieger etwas erreichen zu können.
Aus diesem Grund hat die Abgeordnete das Problem jetzt im Landtag in Wiesbaden zum Thema gemacht - und zwar zunächst am Beispiel der dem Hotel und Restaurant "Schwalbennest" benachbarten Hausmülldeponie Stockstadt. Judith Pauly-Bender will von der Landesregierung wissen, ob sich die Bayern zu Lasten der Mainhäuser Bevölkerung über eigene Deponie-Richtlinien hinwegsetzen können, indem sie bestimmte Abstände zwischen einem zusätzlichen Abfallsektor und der Wohnbebauung nicht einhielten. Und ob die bayrische Grenze bestimmte Rechte hessischer Bürger hinsichtlich des Umweltschutzes außer Kraft setze.
Weiter fragt die Abgeordnete, ob die Hessen eine Möglichkeit sehen, sich besser mit den Bayern in dieser Frage zwischen Mainhausen und Stockstadt abzustimmen, wie es mit der Wasserqualität der Brunnen in der Mainhäuser Waldsiedlung tatsächlich bestellt ist, ob die Bayern Konsequenzen ziehen müßten, falls sich eine Vergiftung von Brunnenwasser auf hessischer Seite bewahrheite.
ttt
KREIS OFFENBACH. Mehr Kinder als bisher angenommen leiden an Zivilisationskrankheiten wie Haltungsschäden, Stoffwechselstörungen, Beeinträchtigungen des vegetativen Nervensystems, Übergewicht oder Infekten der Luftwege.
Der Kreis Offenbach wird deshalb in diesem Jahr insgesamt 280 000 Mark aufbringen, um den Betroffenen Erholungskuren zu ermöglichen. Kinder aller Altersgruppen werden von dem Geld an Nord- und Ostsee, ins hessische Mittelgebirge oder ins Allgäu reisen können.
Verträge über vier- bis sechswöchige Kuraufenthalte sind mit dem Sozialen Genesungswerk in Pelzerhaken an der Ostsee, dem Kinderkurheim Haus Nordmark in Westerland/Sylt, dem Kinderkurheim Werraland in Bad Sooden-Allendorf und mit dem Kinderkurheim "Haus am Schmalensee" in Mittenwald in den bayrischen Bergen abgeschlossen worden.
Eltern und andere Erziehungsberechtigte sollten, so der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Frank Kaufmann, dieses Angebot nutzen und ein Kind, dem der Hausarzt eine Erholungskur verordnet hat, rechtzeitig - sprich: so bald wie möglich - beim Kreisjugendamt anmelden.
Nähere Einzelheiten sind unter der Rufnummer 069 / 8 06 88 08 zu erfragen.
Während der Kurtermine außerhalb der Schulferien wird in allen Einrichtungen Unterricht in den Hauptfächern erteilt. Im übrigen gelten für einen Kuraufenthalt folgende Voraussetzungen: Das Kind muß zwischen vier und vierzehn Jahre alt sein, und es muß ein Attest des Hausarztes vorliegen.
Anträge sind an das Kreisjugendamt oder die zuständigen Sozialarbeiter in der jeweiligen Stadt oder Gemeinde zu richten. ttt
KREIS OFFENBACH. Eine Summe von 100 000 Mark hat das Amt für Denkmalschutz und Raumordnung im zurückliegenden Jahr in 19 Fällen zur Erhaltung von Kulturdenkmälern ausschütten können. Für dieses Jahr sind im Etat vorsorglich sogar 150 000 Mark veranschlagt. Über einen Mangel an Zuschußanträgen kann man sich im Kreishaus schon jetzt nicht beklagen.
Für besonders bemerkenswert hält Landrat Josef Lach das Sanierungskonzept, das in seinem Haus für die Restaurierung der ehemaligen Synagoge im Hainburger Ortsteil Klein- Krotzenburg erarbeitet worden ist - ein Bauwerk, das zuletzt einen bejammernswerten Eindruck hinterließ.
Die Kosten der gesamten Instandsetzung dürften sich auf 250 000 Mark belaufen; der Kreis Offenbach, der 30 Prozent der denkmalpflegerischen Aufwendungen tragen wird, hat zunächst einmal 15 000 Mark bereitgestellt.
"Nach langjährigen Bemühungen und rechtlichen Auseinandersetzungen wurde in Hainstadt in der Offenbacher Landstraße ein barockes Wohnhaus gesichert", drückte der Landrat Genugtuung aus. Das Gebäude sei von stark und unaufhaltsam voranschreitendem Verfall bedroht. Mit Zuschüssen der Gemeinde Hainburg und des Landes Hessen sind zunächst einmal 30 000 Mark bereitgestellt für das einstige architektonische Schmuckstück.
Das Amt für Denkmalschutz des Kreises Offenbach hat eine fotografische Dokumentation von über 400 Grabsteinen auf acht jüdischen Friedhöfen vornehmen lassen. "Angesichts der rechtsradikalen Entwicklungen der vergangenen Monate in Deutschland fast eine Aktion mit visionärem Charakter", schmeichelte Landrat Josef Lach der Weitsicht des Amtes. Auch wurde die Ausstellung des Jüdischen Museums in Frankfurt "Mikwe - Geschichte und Architektur jüdischer Ritualbäder in Deutschland" mit einer Dokumentation über die Sprendlinger Mikwe bereichert.
Neben diesen Tätigkeiten galt es, zahlreiche denkmalschutzrechtlichen Anträge zu bearbeiten. In 342 Fällen suchten Behörden und Privatpersonen Rat.
Was weniger bekannt sein dürfte: Das Amt für Denkmalschutz und Raumordnung ist nicht nur für Denkmalpflege oder Landes- und Bauleitplanung, sondern auch für die Tierkörperbeseitigung zuständig. So hatten die Mitarbeiter auch zur Neugründung eines Zweckverbandes für Tierkörperbeseitigung in Südhessen mitgewirkt. ttt
FRIEDRICHSDORF. Etwa 250 Namen umfaßt das Friedrichsdorfer Straßenverzeichnis. Vielen ist oft gar nicht bekannt, was oder wer hinter den Namen steckt. Unmißverständlich: die vielen Baum-Namen in Seulberg und die Blumen-Namen im Schäferborn. Das Neubaugebiet selbst hat seinen Namen nach der Quelle im Spießwald bekommen. Das Baugebiet Römerhof, wo römischer Herrscher und germanischer Stämme gedacht wird, leitet seinen Namen von einer ehemaligen römischen villa rustica, der späteren Hunburg, her.
Da ist schon weniger leicht nachvollziehbar, warum Am Wetenplatz so und nicht anders heißt: Dahinter stekken in Ableitung die Worte Wede, Wethe, Weed = Tränke, Wasserstelle, Dorfteich. Oder
An den Röthen - ein Flurname, der von Rodung kommt;
Steinkaut - ein Steinbruch oder eine stark mit Steinen durchsetzte Lehmgrube;
Auf dem Eigen - Flurname; nicht zehntpflichtiges Gelände (Allod, Eigengut);
Bergweg - Hinweis auf Geländeform (Anmerkung der Autorin: "Hätte genausogut ,Talweg&rquote; heißen können, wenn die Gemeindevertreter bei der Ortsbesichtigung nicht im Tal gestanden hätten");
Bottigtal - hierfür haben die Heimatgeschichtler noch keine zufriedenstellende Erklärung gefunden; möglicherweise ist es ein Hinweis auf ein tiefgelegenes Gelände;
Hahlgarten - auch Hohlgärten (nahe eines Hohlwegs, oder: von hail, haeli, was ,glatter, schlüpfriger Boden&rquote; bedeutet;
Kiehlstraße - nach dem Flurnamen Kielgärten; dort wuchs "Kiehlgemäus" (Kohlgemüse!), und das ist nach dem Wiesenkiehl (Wiesenknöterich) benannt, der als Gemüse verwendet wurde;
Studentenweg - Teil des direkten Wegs, den die Studenten des Instituts Garnier zum Schwimmbad an der Teichmühle gingen.
Das Friedrichsdorfer Straßenverzeichnis von A bis Z endet mit dem Verweis auf eine berühmte Einkaufsstraße der Mainmetropole: die Zeil. Zeil heißt nichts anderes als einseitig bebaute Straße. Und die gibt es in Burgholzhausen. off
FRIEDRICHSDORF. Straßennamen zu erforschen, meint Friedrichsdorfs Bürgermeister Gerd Schmidt, sei "nicht der schlechteste Weg", sich eine Stadt zu eigen zu machen. Das jetzt herausgegebene erste Straßenverzeichnis der noch stetig wachsenden Gesamtstadt, in dem auch Ursprung und Herkunft des jeweiligen Namens erläutert werden, ist in der Tat ein Spiegel der Vergangenheit - aber auch der Gegenwart, zumindest was die sogenannte Rolle der Frauen betrifft: wenig Ehr' für sie.
Was sich in der Nachbarstadt Bad Homburg schon seit Jahren im städtischen Straßenkatalog verfolgen läßt, wird in Friedrichsdorf weit übertroffen: Frauen kommen bei der Namensgebung von Wegen und Straßen zu kurz.
Zwei Namen lassen beim flüchtigen Überlesen des Registers auf Frauen schließen. Beim Studium der Erläuterungen fällt jedoch ein Name gleich raus: Der Irisweg im Schäferborn ist nicht einer Frau vornamens Iris gewidmet, er gilt der Blume. Und Iris reiht sich damit zu die Amsel, die Elbe und die Schnepfe. Bleibt als Einmaligkeit: die Madame- Blanc-Straße.
Hinter diesem Namen steht Marie Hensel (1833 bis 1881), Schusterstochter aus Friedrichsdorf und spätere Frau des Homburger Spielbankpächters François Blanc, eine Unternehmerin und unangefochtene Wohltäterin für Friedrichsdorf. Und damit hat sich die Würdigung von Frauen, gleich ob aus Friedrichsdorf oder von anderswo. Madame Blanc ist die einzige Frau, die Eingang in die Vergabe von Straßennamen durch die Ortsbeiräte gefunden hat.
Dafür hagelt es geradezu Namen berühmter Männer aus uralten Zeiten und aus der jüngeren Geschichte. Lokale Größen (Philipp Reis, Dr. Fuchs) und weltweite Prominente (Albert Schweitzer, Adalbert Stifter) männlichen Geschlechts werden geehrt, Landgrafen, Adelsmänner und römische Kaiser sind zuhauf vertreten. Dabei hat sich in die Auflistung von Personen des römischen Reichs zumindest einer unfreiwillig eingeschlichen, der dort gar nichts zu suchen hat: der Antonius. Durch einen Tippfehler wurde ein "n" verschluckt, und aus dem Römer Antoninus wurde so der heilige Antonius. Unverbesserliche oder Ungläubige vermuten nun, daß es möglicherweise eine zweite, eine sogenannte Frauen-Liste gibt. Nur eine Straße nach einer Frau benannt, das kann ja wohl nicht sein . . . Aber es ist so: Die Straßennamen in den vier offiziellen Ortsteilen Friedrichsdorf, Burgholzhausen, Köppern und Seulberg und im heimlichen fünften Stadtteil Dillingen sind in der aus Anlaß des 20jährigen Bestehens der Gesamtstadt herausgegebenen Broschüre komplett.
Erarbeitet wurde das Heft von Barbara Dölemeyer (Bad Homburg) in Zusammenarbeit mit Elfriede Gaa und Karl Ebighausen, Otto Maurer, Walter Ziess und Dieter Frey vom Arbeitskreis Friedrichsdorfer Stadtgeschichte auf der Grundlage der bestehenden Namen. Das Vorwort stammt von Bürgermeister Gerd Schmidt. Und weil Frauen (bis auf die eine Ausnahme) bisher ohnehin keine Rolle bei der Vergabe von Namen gespielt haben, wendet er sich - konsequent - auch nur an den interessierten Leser, den Neubürger und Entdecker. Bleibt: Frauen sollten sich auch die Stadt erobern.
Das Heft soll für eine Spende in Höhe von fünf Mark an Interessierte vergeben werden. Das Geld soll der Diakoniestation zugute kommen. Immerhin: Dort arbeiten - wie zu erwarten - Frauen.
WALTRAUT ROHLOFF
BAD HOMBURG. Michael Krug hat schon mit dem Gedanken gespielt, einen Anrufbeantworter zur Beantwortung der Fragen anzuschaffen. "Rundfunk, Fernsehen, alle fragen an", klagt der Firmensprecher von Hewlett-Packard in Böblingen. Und allen muß er das gleiche zu Oberbürgermeister Wolfgang Assmann und seiner Werbung für die Computerfirma versichern: "An der Geschichte gibt's nichts zu finden, das nicht korrekt war." Die SPD hingegen hatte den Bad Homburger Oberbürgermeister ob der ganzseitigen Anzeigen mit seinem Konterfei und werbenden Worte für die "maßgeschneiderten Computer-Lösungen von Hewlett-Packard" in die Nähe der Möllemänner und Schwaetzer gerückt: "Das Werbe-Engagement von OB Assmann paßt ganz und gar nicht mehr in eine Zeit, in der die Bürger von wirtschaftlichen Interessen unabhängige Politiker wollen."
Doch solche Interessen habe es nie gegeben, bestätigt Krug dem Oberbürgermeister: "Herr Assmann hat wie alle anderen Partner dieser Kampagne keinerlei Gegenleistung erhalten."
So seien die lobende Worten der Kunden ja auch überhaupt nur glaubwürdig gewesen, wenn diese nicht dafür bezahlt wurden.
Die Darstellung des Firmensprechers deckt sich auch ansonsten mit derjenigen Assmanns, der bereits am Montag abend die "bösen Unterstellungen" der Sozialdemokraten als Wahlkampfauswüchse zurückgewiesen hatte: Die Annonce war Teil einer Anzeigenkampagne mit Kundenreferenzen in bundesweiten Wirtschaftsblättern, an der Dutzende von "Partnern" aller Branchen beteiligt gewesen seien. Der Oberbürgermeister posierte dafür bereits 1987 unterm weißen Turm. "Die Kampagne ist längst beendet."
Die Assmann-Annonce sei ohne dessen Wissen voriges Jahr nur deshalb erneut verwendet worden, weil das Mitteilungsblatt des Deutschen Städtetags Anzeigen akquiriert habe, und sie allein für öffentliche Verwaltungen paßte, so Michael Krug.
Noch einmal soll dies nicht passieren: "Wir werden die Anzeige nicht mehr verwenden."
Nicht aus schlechtem Gewissen, sondern weil die neben Wolfgang Assmann abgelichtete Vertriebsbeauftragte schon bei der letzten Veröffentlichung längst nicht mehr aktiv gewesen sei. Wenigstens war der Oberbürgermeister noch im Amt. STEFAN KUHN
KRONBERG. Jetzt haben auch die Nichtwähler eine Wahl. Und können Vertreter zum Nichtstun ins Kronberger Stadtparlament schicken - nichts, außer die Parteien permanent an ihre Unzufriedenheit zu erinnern. Wie? Mit WIE.
Zumindest, wenn es nach Dieter Schuchhardt und Thomas Nast geht. Sie rufen zur Gründung der "Wähler- Initiative Enthaltung" (WIE) auf. Sie soll sich am morgigen Dienstag abend ab 20 Uhr in der Kronberger Gaststätte "Zum Adler" gründen und zugleich ihre Kandidaten für die Kommunalwahl am 7. März küren.
Als "Form, sich zu enthalten, aber die Stimme nicht wegzuwerfen", preist Dieter Schuchhardt die Wählergemeinschaft für Nichtwähler und enttäuschte Wähler. Das Lager der angepeilten Anhänger ist groß: Exakt 2852 der Kronberger Wahlberechtigten blieben bei der jüngsten Stadtparlamentswahl 1989 zu Hause, das sind 20,7 Prozent. 176 weitere gaben ungültige Stimmzettel ab. Dazu kommen Wähler, die bisher zähneknirschend zur Urne schritten - wie die WIEInitiatoren selbst.
Alle Unzufriedenen sollen nun ein Signal für die Parteien setzen können - das nicht wie Nichtwählen verpufft, sondern dauerhaft wirkt. "Das ist die Hauptidee dabei", meint Schuchhardt. WIE-Vertreter im Stadtparlament würden den anderen Parteien die Unzufriedenheit ständig vor Augen führen. Bei Entscheidungen müßten sie sich konsequent zwar enthalten, so der WIE-Gründer, die Enthaltsamkeit könne andere Parteien jedoch dazu bringen, "bürgernäher zu agieren".
Zugleich wäre jede Stimme für WIE eine Stimme gegen die "Republikaner", argumentiert Schuchhardt. WIE erlaube, Protest ohne rechten "Mist" zu wählen. stk
DREIEICH. "Wer einmal kommt, kommt immer wieder." Das sagt Stefano Decandia über die italienische katholische Mission in Sprendlingen. Er selbst ist mit seiner Familie drei- bis viermal in der Woche in der Darmstädter Straße 12. Regelmäßig von Freitag bis Sonntag ist der große Saal Treffpunkt für viele Italiener aus dem ganzen Kreis Offenbach und darüberhinaus. An diesem Wochenende feierte die katholische Gemeinde in der Mehrzweckhalle Offenthal ein großes Fest, dessen Erlös bosnischen Familien zugute kommen soll.
Als der italienische Pfarrer Antonio Bottoni jüngst mit deutschen Kollegen gemeinsam in der Sprendlinger St. Stephanskirche zwei Messen zelebrierte, kamen nur wenige seiner Schäfchen. Warum? "Ich weiß es nicht", gibt Don Antonio, wie er von allen genannt wird, freimütig zu. "Offensichtlich wollen die Italiener immer etwas extra für sich."
Die italienische Gemeinde "San Giovanni Bosco", die seit 1972 ihr Zentrum in Sprendlingen hat, hat etwa 6000 Mitglieder, vor allem aus dem Westkreis Offenbach und aus Rödermark, schätzt Don Antonio. Jedes Wochenende hält er für seine Landsleute in vier Städten des Kreises Gottesdienste in italienischer Sprache.
Die Comunità Cattolica Italiana ist nach Angaben von Prälat Hermann Mayer, Beauftragter für die Ausländerseelsorge, eine von sieben italienischen Gemeinden in der Diozöse Mainz. Sie seien entstanden, nachdem sich immer mehr herauskristallisiert habe, daß viele Italiener, die als Gastarbeiter gekommen waren, nicht nach wenigen Jahren zurückkehren und sich auch nicht vollständig in die deutsche Gesellschaft - und die Gemeinden - integrieren wollten. Vor allem bei Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen ziehen sie sich auf ihre Kultur zurück", sagt Mayer. Dann soll es italienisch zugehen.
Anfang des Jahrhunderts sei das mit den Polen, die nach Deutschland kamen, genauso gewesen, erinnert der Prälat. In den 20er Jahren hätten sich die polnischen Gemeinden dann allerdings aufgelöst. "Die südlichen Kulturen", dazu zählt er Spanien, Portugal und Italien, "sind beharrlicher, also kulturell anhänglicher." Das müssen Kirche und Gesellschaft seiner Ansicht nach respektieren.
Für die Kirche ist laut Mayer ein zusätzliches Argument: "Wir müssen auch denen entgegenkommen, die noch nicht lange in Deutschland leben und schlecht Deutsch sprechen. Verkündigung in einer Sprache, die niemand versteht, macht keinen Sinn." So kommen zwar einige Italiener - vor allem, wenn sie mit deutschen Frauen verheiratet sind - auch in die deutschen Gemeinden, doch ein Großteil fühlt sich in einer eigenen Gemeinschaft wohler.
Romano Pompizzi, Mitglied von "San Giovanni Bosco", erklärt das so: "Wir wollen unsere Traditionen pflegen. Dazu gehört zum Beispiel die typisch italienische Karfreitagsprozession." Er hat dazu beigetragen, daß sie 1976 in Sprendlingen eingeführt wurde und freut sich, daß auch deutsche Katholiken daran teilnehmen.
Für Pompizzi ist die Gemeinde in erster Linie eine Begegnungsstätte und ein Ort, "wo man auch einmal sein Herz ausschütten kann." Außerdem sei hier "alles möglich, was zum religiösen Leben eines italienischen Katholiken gehört".
Eine eigene Kindertagesstätte hat die Gemeinde mittlerweile nicht mehr. Laut Prälat Mayer setzte sich die Einsicht durch, daß die italienischen Kinder die deutsche Sprache am besten in deutschen Kindergärten lernen. Doch der Kommunionsunterricht und die Vorbereitung auf die Firmung finden in der italienischen Mission statt. Don Antonio sagt ganz offen, daß er es besser fände, wenn auch hier die Kinder mit ihren deutschen Schulfreunden zusammenblieben. Seine lange Erfahrung - er ist seit zwölf Jahren in Deutschland, davon elf Jahre in Ulm - zeigt ihm jedoch, daß das die meisten seiner Landsleute anders sehen.
Für Don Antonio ist die Gemeinde der Ort, der viele Italiener aus ihrem Ghetto herausholt: "Es ist nicht gut, wenn alle allein sind." Regelrecht kritisch seinen Landsleuten gegenüber hat Stefano Decandia beobachtet: "Zu viele denken zuviel ans Arbeiten und Geldverdienen, deshalb muß man sie stimulieren."
Das tut der italienische Sportverein "Piè Veloce", der in den Räumen der Mission nachmittags Kindern mit italienischer Folklore vertraut macht. Decandia: "Wenn Vater und Mutter arbeiten, muß sich einer um die Kinder kümmern."
Ein "Kind der Mission" ist auch der italienische Carneval-Club (ICC) aus Sprendlingen, nach eigenen Angaben der erste Club dieser Art in der Bundesrepublik. "Die Idee entstand 1982, als Italien Fußball-Weltmeister wurde, aus der guten Stimmung heraus", erzählt Francesco Mazzeo. Der 25jährige ist in der italienischen Gemeinde groß geworden, war Meßdiener und kommt nun regelmäßig sonntags, um mit anderen Tischfußball, Tischtennis oder Karten zu spielen und um sich zu unterhalten.
Brechend voll ist es in dem Gemeindezentrum, wenn Fußball geguckt wird. Sonntags zeigt das italienische Fernsehen, das über Satellit empfangen wird, Spiele aus der italienischen Liga. Um das Fernsehvergnügen zu vergrößern, hat sich die Gemeinde eine zweieinhalb Meter große Leinwand angeschafft, auf die alle mächtig stolz sind. Decandia schwärmt: "Die Atmosphäre ist immer toll, richtig locker."
Abschotten will sich die Gemeinde nicht. Mit Italienisch-Kursen und Seminaren in italienischer Küche lockt sie viele Deutsche in die Mission. In ihren Räumen beherbergt sie eine bosnische Flüchtlingsfamilie. Als weiteres Beispiel für Internationalität verweist Don Antonio auf eine Ausstellung: Zusammen mit dem Dietzenbacher Kunstlehrer Rainer Geburzyk zeigt Janis Arlauskas, ein Maler aus Litauen, bis zum 22. Januar Bilder in der Mission.
Der Pfarrer ist überzeugt: "Italiener, Deutsche, Bosnier, Litauer: Wir gehören alle zusammen." KARIN DALKA
FRIEDBERG. Eine 26jährige Friedbergerin ist am Freitag gegen 19.20 Uhr auf dem Nachhauseweg vom Bahnhof von einem Mann überfallen und sexuell belästigt worden. Der 18- bis 22jährige dunkelhaarige Täter war der Frau schon in der Saarstraße nachgegangen. Als sie an der Kreuzung Friedensstraße/Im Krämer stehenblieb, um zwei Autos vorbeizulassen, umfaßte er sie von hinten, versuchte sie zur Seite zu zerren, küßte sie dabei gewaltsam und wollte ihr die Jacke über der Brust aufreißen, berichtet die Polizei. Weil sich die Frau wehrte und um Hilfe schrie, ließ der Mann von ihr ab und flüchtete. ieb
KASSEL. Für die Kasseler SPD wird der Abend des 7. März wohl zu einer Zitterpartie. Denn im Gegensatz zu den Genossen in den umliegenden Kreisen gilt ihr Sieg keinesfalls als sicher. Auch in der Vergangenheit war das Ergebnis mehrfach schon knapp. Und auch derzeit regieren sie mit nur einer Stimme Mehrheit. Dennoch hat die Kasseler SPD seit fast vier Jahrzehnten - mit nur einer einzigen Ausnahme - immer die absolute Mehrheit gehalten. Und so gibt sie sich auch diesmal optimistisch. "Ich denke", so sagt es SPD-Spitzenkandidat Wolfram Bremeier, "wir haben gute Grundlagen."
Bremeier, für dessen Wahl zum Oberbürgermeister sein Vorgänger und jetzige hessische Ministerpräsident Hans Eichel noch die Weichen stellte, hat schon ganz andere Kämpfe ausgefochten: Auch innerhalb der Partei. Dabei handelte er sich den Ruf ein, dickköpfig und wenig diplomatisch zu sein: Kompromißlos setzte er einige seiner Vorstellungen - vor allem in Fragen der Personalpolitik - durch und sorgte für Krach, der auch durch geschlossene Rathaustüren nach außen drang.
Seinen Dickkopf bewies er einmal mehr in der Diskussion über den zweiten Bauabschnitt der Kasseler Tiefgarage. Von den Grünen beharrlich bekämpft, von FDP, CDU und Geschäftsleuten als unverzichtbar deklariert, ist dieses Thema auch innerhalb der SPD umstritten: Bremeier will die Tiefgarage unter dem Friedrichsplatz. Andere Genossen - nicht zuletzt Stadtbaurat Uli Hellweg - können sich damit nicht so recht anfreunden. Mag sein, daß die Partei diese Diskussion bewußt nicht im Verborgenen führte: Schließlich ist in dieser Frage auch die Wählerschaft, und zwar abseits der Parteilinien, gespalten.
Ob sie gebaut wird, die Tiefgarage, das wird sich indes erst nach dem 7. März entscheiden, wenn die Stadtverordneten ihr endgültiges Votum abgeben. Der SPD, die mit Themen wie Wohnungsbau, soziale Einrichtungen und Umweltpolitik in den Wahlkampf geht, erspart die Verschiebung eine innere Zerreißprobe vor dem Wahltag. Bremeier sieht das ganz anders: "Die SPD", so sagt er, "hat sich entschieden."
Wie auch immer: Lachender Dritter in diesem Konflit ist die Opposition: Als Zeichen "tiefer Zerstrittenheit" wertete die FDP die jüngste Verzögerung. Doch nicht nur die Tiefgarage bot hier Angriffsfläche: Kaum ein Tag vergeht, an dem die FDP-Rathausfraktion mit Klaus Schuchardt an der Spitze nicht zumindest eine Pressemitteilung verschickt. Sei es zur Frage der Wohnungsbaupolitik, zu Konsequenzen aus dem Abzug der Bundeswehr oder anderem.
CDU und FDP sind sich da in vielen Punkten einig. So haben sie den Wählern (und vor allem Gastwirten) versprochen, die von der SPD eingeführte Getränkesteuer abzuschaffen. Und die Christdemokraten haben den Autofahrern signalisiert, daß sie den - auch über die Grenzen Kassels hinaus gelobten - Generalverkehrsplan der SPD-Stadtregierung kippen werden. Den darin bevorzugten Nahverkehr will die CDU zwar auch, freilich ohne die Autofahrer in allzu enge Grenzen zu verweisen.
Den wenig geliebten "Lollis" (den auf vielen Sperrflächen zur Verkehrsregulierung errichteten Blechsäulen) hat Parteichef Georg Lewandowski, der auch als OB-Kandidat seiner Partei ins Rennen geht, dann auch den Kampf angesagt. Und da weiß er sich im Einklang mit vielen Wählern. Auf deren Zustimmung setzt Lewandowski dann auch noch in einem weiteren sensiblen Punkt: Die vielgescholtene Gebäudeskulptur auf dem Königsplatz, Lieblingskind der inzwischen von der Stadt München abgeworbenen Stadtbaurätin Christiane Thalgott, will er bei einem Wahlsieg entfernen lassen. Das wäre gleichsam ein für alle sichtbares Zeichen einer Entmachtung der SPD. Und darauf hofft er. Denn "diese Stadt", so sagt er, "hat was Besseres verdient".
Eher ginge ein Kamel durchs Nadelöhr, als daß die SPD in die Opposition geht, behaupten da nordhessische Genossen. Denn die SPD war fast 40 Jahre lang immer allein am Ruder. Nur Anfang der 80er Jahre ließ sie die Grünen - zwangsläufig - eine Legislaturperiode lang mitfahren, weil sie die absolute Mehrheit knapp verfehlt hatte. Ob die damals nicht nur bundesweit erste, sondern auch recht stabile Liaison wieder aufleben könnte, ist zweifelhaft. Denn die Gräben zwischen den beiden Parteien sind tiefer geworden.
Dazu kommt, daß die Öko-Partei selbst innerlich zerrissen ist: Erst vor rund einem Jahr hatten vier Frauen die Fraktion verlassen. Und dieser Schritt ist aus deren Sicht unwiderruflich. Die grünen "Abtrünnigen" wollen allerdings auch nicht, wie mal geplant, am 7. März als "Bunte Liste" antreten.
Weil die Kommunalwahl also durchaus noch nocht gelaufen ist, müssen alle Parteien in Kassel - anders als in der "roten" nordhessischen Region - kämpfen wie die Löwen. "Traditionen allein geben keine Gewähr für den Sieg," meint Oberbürgermeister Bremeier."
Nur eines ist jetzt schon klar: Sollte die SPD die Mehrheit verfehlen, muß sie nach einem neuen Partner Ausschau halten: Einem Partner mit "Sachkompetenz", so Bremeier, denn die zähle für ihn mehr als Parteizugehörigkeit. Wer diese Kompetenz hat, darüber reden die Genossen indes allenfalls hinter verschlossenen Türen. Denn jetzt über mögliche Koalitionen zu reden, hieße schließlich, die Flinte schon ins Korn zu werfen.
ELKE BOCKHORST
"Dein Christus ein Jude und Dein Nachbar nur ein Ausländer"
EPPSTEIN. Die junge Türkin hat die linke Hand in die Tasche gesteckt, hält mit der rechten eine Kerze hoch - und blickt gespannt zum Podium vorm Fliedner-Haus. Dort steht der katholische Kaplan Rolf Glaser am Mikrofon, spricht über den Sinn jenes Ereignisses, das mehr als tausend Menschen auf dem Wernerplatz zusammengeführt hat: die Eppsteiner Lichterkette. "Warum jetzt auch noch Eppstein?" fragt der Theologe, und die Türkin übersetzt ihrem Nachbarn flüsternd jedes Wort. "Weil es ,in&rquote; ist?" hallt die nächste Frage des Kaplans über den Platz. "Ja, es ist ,in&rquote;. Und wir haben uns hier versammelt, um zu zeigen, was ,out&rquote; ist: dumpfer Ausländerhaß, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt."
Auch als der Geistliche über die 1100 ausländischen Mitbürger aus 62 Nationen spricht, die in Eppstein leben, von den 200 Asylbewerbern spricht, übersetzt die junge Frau eifrig weiter. Der Mann neben ihr nickt nach jedem Wort, lächelt zufrieden - und blickt ins Lichtermeer.
In allen fünf Stadtteilen haben sich die Menschen versammelt, um zu Fuß oder mit dem Auto ins Herz der Eppsteiner Altstadt zu kommen. In der Hand Kerzen, in den Herzen den Wunsch, unter der abendlichen Silhouette der Burg ein weiteres Signal zu setzen. Auch das Gemäuer der Burg erhellen "Lichter für den Frieden", wie Conny Cychy von der Initiativgruppe "gemeinsam leben" sagte. Sie nimmt die Gitarre unter den Arm, singt mit allen den Kanon "Setzt ein Zeichen überall, gegen Fremdenfeindlichkeit im Land, schließt euch fest zusammen."
Blau auf weiß ist die Botschaft des Abends mit anderen Worten auf einem Transparent vorm Podium zu lesen: "Dein Christus ein Jude, Dein Auto ein Japaner, Deine Pizza italienisch, Deine Demokratie griechisch, Dein Kaffee brasilianisch, dein Urlaub türkisch, Deine Schrift lateinisch und Dein Nachbar nur ein Ausländer." Davor stehen die Kinder mit Laternen, Magistratsmitglieder, Ortsvorsteher, Stadtverordnete, Vereinsvertreter und eben jene unzähligen Bürgerinnen und Bürger, die zeigen wollten: "Was anderswo ,in&rquote; ist, ist in Eppstein ,out&rquote;." So formuliert es der Kaplan.
Glaser fordert die Menge auch dazu auf, mit ihm darüber nachzudenken, was faul sei im Staate Deutschland. Die Bereitschaft zu unbequemem Denken dürfe nach der Lichterkette nicht vergessen werden. Sonst würde der Abend zur Alibi-Veranstaltung verkommen. In diesem Sinne beenden die tausend Menschen auch die Veranstaltung. Fackeln leuchten, Wunderkerzen zischen, und alle singen "Freiheit". Das muß die Türkin nicht übersetzen. Ihr Nachbar singt den Refrain des Hits leise mit. pms
HOFHEIM. Eine Gardetänzerin von Klasse nimmt den Stiefel in die Hand und streckt das Bein in die Luft, ohne mit der glitzernden Wimper zu zucken. Yvonne Fuhr vom Tanzsportclub "Ysenburg" zum Beispiel, den fünf Kampfrichterinnen und Kampfrichtern bestens für einwandfreie Sprünge und Drehungen bekannt, kann's. Wirbelt und marschiert, läßt Rock und Stiefel fliegen, daß manche Mutti auch mal bei der Konkurrenz mitklatscht. Für ihren strahlenden Auftritt in der Leistungsklasse S bekommt Yvonne mit 294 Punkten die bisher höchste Wertung des Tages. Eine 300 wäre das Himmelreich. Die Jury, aufgereiht auf dem Podium am hinteren Ende der Stadthalle, bewertet Musik, Synchronität, Bühnenaufteilung, Choreographie, Schwierigkeiten und Aufführung. Wer da abzüglich der beiden Streichnoten dreimal die 100 für seinen Auftritt bekommt, hat allen Grund zum Hüpfen.
Beim ältesten deutschen Turnier seiner Art, wie Walter Faust mit souveränem Stolz verkündet, versammeln sich an zwei Tagen 1360 Mitwirkende in der Main-Taunus-Kreisstadt. Aber sie kommen nicht nur aus Vereinen in Eschborn, Hochheim, Liederbach, Niederhöchstadt, Hofheim, Schwalbach, Fischbach, Sulzbach oder Unterliederbach. Nein, in den 56 Disziplinen, aufgeteilt nach Alters-, Leistungsklassen und Anzahl der Personen, wirbeln "Vereine aus ganz Deutschland mit", wie Faust sagt. Der Vorsitzende des Ausrichters, dem Frankfurter Tanzsportclub Grüngelb, macht im Nebenzimmer ein Päuschen bei Kaffee und Kuchen. Er zupft am grünen Sakko und sagt: "Das 22. Internationale tsc-Gardetanzsport-Turnier ist wieder ein Erfolg."
Die Frankfurter laden schon seit 13 Jahren nach Hofheim zum gestiefelten Wettstreit, weil es in der Mainmetropole an Sälen fehlt, die auch ausreichende Umkleidemöglichkeiten bieten. Außerdem, meint Faust, sei das Turnier-Wochenende in Hofheim inzwischen Tradition. Der Mann in tsc-Uniform, das Emblem des 1. Frankfurter Gardecorps am Revers, hat Erfahrung mit Großveranstaltungen. "1970 habe ich in der Hoechster Jahrhunderthalle die erste Europameisterschaft im Gardetanz organisiert." Seine Frau Annemarie, damals noch Garde-Kommandeuse, "unterstützt den Tanz wie ich noch heute". Obwohl beide im tsc Grüngelb begeisterte Frankfurter sind, könnte ihr Wohnort ein weiteres Argument für die Wahl der Halle sein: Privat sind die Fausts Kelkheimer.
Ist für den Turnierleiter das Schlimmste schon gelaufen, als die ersten Solo- und Paartänze, Polkas, Märsche, Schau-, Charakter- und Modernen Tänze gezeigt werden, haben die unzähligen Mädchen - Sascha und Kai-Oliver sind die einzigen Jungen, die das bestrumpfte Bein schwingen - noch einiges vor sich. Es geht zu wie auf dem Jahrmarkt. Vor der Halle Busse, ein Kommen und Gehen von Glanzanzug-Gruppen mit Kleidersäcken, innen das organisierte Chaos. Bis das weiße Leder um die Waden all der Käwwernscher, Kadetten und Garden geschnürt, die Gesichter aller Sandras und Silvias glitzern und jedes Härchen sitzt, dauert es Stunden. Ein Kampf mit Pailletten, Federn, Tüll und Seidenstrümpfen im ersten Stock. Dort wird der Auftritt nicht nur äußerlich präpariert. Zwischen Schminkkoffern und Satin geben Trainerinnen letzte Tips: "Beine gerrrrrade!"
Wenn eine Etage tiefer die zackigen Rhythmen zum Einmarsch erklingen - von links kommen, nach rechts abmarschieren -, liegt die Bühne wie ein schwarzer Kasten da. Ein letzter flehender Blick in ein bekanntes Gesicht irgendwo da unten, los geht's. Jetzt müssen Röckchen und jede Bewegung sitzen. Melanie im rot-weißen Kostüm etwa hat vor ihrem großen Solo wochenlang geprobt, zweimal in der Woche. Radschlagen und Spagat gelingen, keck stemmt sie den linken Arm in die Hüfte, winkt mit dem rechten hinunter ins Gardevolk. Beim Turnier ist Tanz anders als bei Sitzungen nicht nur Pausenfüller zwischen Büttenreden, sondern Sportart im Blickpunkt. Melanie genießt's und strahlt, obwohl sie in der Hocke die Beine hochwerfen muß. Unten im vollbesetzten Saal sitzen hauptsächlich Expertinnen. Gardetänzerinnen, Trainerinnen, Mütter. Die Väter müssen Kaffee holen, die Söhne dürfen - umhüllt von einer Mini-Anfertigung des grünen tsc-Sakkos - zwischen den Auftritten die Bühne abwischen. Niemand pfeift oder gröhlt, wenn kurze Röcke fliegen und Spitze zu sehen ist. "Meine Tochter", sagt eine Frau und steckt eine pinkfarbene Blume in den Dutt der jungen Dame, "treibt Hochleistungssport. Dem Gardetanz haftet ein Klischee an, das längst nicht mehr stimmt."
Und dieser Sport, ernst betrieben, erfordert nicht nur Training, sondern ist auch nicht ganz billig. Draußen im Foyer hängt an langen Stangen und liegt auf Tischen aus, was zum Zubehör gehört. Ohrringe und Haargummis, die obligatorischen Stiefel für rund 150 Mark, Steine und Stulpen, Schminkzubehör und Maskottchen. Eine Tänzerin, auf Hochglanz vor dem Auftritt, huscht vorbei. "Was sie trägt, kostet zusammen mindestens 800 Mark", meint die Verkäuferin. Meist würden die Kostüme allerdings von Omas oder Schneiderinnen genäht - und vom Verein bezahlt. Eine Mutter nickt und meint: "Meinen Mädchen muß ich immer nur die Stiefel kaufen." Kein Wunder, daß sich da manche Truppe nach Sponsoren umsieht und Firmennamen auf den Rücken vieler Trainingsanzüge prangen.
Wer die Pausen zwischen den Auftritten verpaßt, um wieder hinein in die Halle zu huschen, kann auch im Foyer zusehen und mitklatschen. Video macht's möglich: TV-Programm mit Fidelio Hochheim und der Tanzgarde Liederbach. Unterschied zu "Hessen lacht zur Fassenacht": Kein Tusch erklingt, kein Helau läßt den Bildschirm beben. Tanz pur. Als die Hallentür wieder kurz geöffnet wird, dringt tosender Applaus nach draußen. Er hat wieder prima gesessen, der Griff zum Stiefel. PETRA MIES
FRIEDRICHSDORF. Das Verlesen des Protokolls erregte Heiterkeit. Hatte der Erste Stadtrat Günter Bastian doch vor einem Jahr vollmundig angekündigt, die Planung für das neue Gerätehaus der Friedrichsdorfer Feuerwehr stehe bis Mitte '92. Konkrete Pläne gibt es bis heute nicht. Die 35 Feuerwehrmänner und 15 Mitglieder des Fördervereins hatten dennoch gut Lachen: Im Dezember hat das Stadtparlament wenigstens endgültig beschlossen, wo das Gerätehaus stehen soll.
Das "vorweihnachtliche Geschenk" (Wehrführer Horst Bender) bestimmte denn auch am Wochenende die erste Hauptversammlung der Stadtteilwehr nach dem Beschluß. Das Gerätehaus war das vorherrschende Thema der Grußworte von Bürgermeister und Ortsvorsteher bis zu CDU-Vertretern, die für den von ihnen initiierten Beschluß die Ernte einfahren wollten. Die Feuerwehr ist mit dem neuen Standort sehr zufrieden, versichert Pressesprecher Norbert Fischer, "es war unser Wunsch".
Wann das Gerätehaus fertig wird, steht noch in den Sternen. Klar ist jedoch, daß sich bei der Wehr dann Entscheidendes ändert: Frauen sollen aufgenommen werden. Bei dem Bau wird bereits alles für die Kameradinnen vorbereitet, erklärt Fischer. Angesichts der tagsüber meist abwesenden Männer sei der Einsatz von Frauen die "Zukunft der Feuerwehr".
Zur Zeit engagieren sich 45 Männer als aktive Feuerwehrleute. Hinzu kommen vier Ehrenmitglieder und 24 Mitglieder der Jugend-Feuerwehr. Sie erlebten 1992 ein vergleichsweise ruhiges Jahr mit 42 Einsätzen, ohne Großbrände im Stadtteil. Im Vorjahr waren es mit 63 Einsätzen fast 50 Prozent mehr gewesen. 14 Feuerwehrleute wurden befördert, allein neun führen künftig zusätzlich den Titel "Löschmeister". stk
BAD HOMBURG. 30 Bewohner eines Hauses am Mittleren Reisberg in Dornholzhausen mußten mitten in der Nacht zum Sonntag ihre Wohnungen verlassen. Beißender Qualm kroch aus dem Keller durchs Treppenhaus und in die Wohnungen.
Ein Kellerbrand machte den Aufenthalt im Haus unerträglich, so ein Augenzeuge: "Ohne Atemschutzgerät war's nicht auszuhalten." Der Brand beendete außerdem für fünf Dornholzhäuser Feuerwehrmänner abrupt das Feiern: Der Einsatz-Piepser rief sie vom Gonzenheimer Feuerwehrball zum Löschen.
Insgesamt 18 Mann und zwei Frauen der Feuerwehren von Dornholzhausen und Bad Homburg waren ab 23.30 Uhr rund zwei Stunden im Einsatz. Der beißende Rauch erschwerte ihnen die Arbeit. So arbeiteten zehn Feuerwehrleute mit schwerem Atemschutzgerät.
Um neue Atemluft-Flaschen und ein Rauchabzugsgerät zu erhalten, rief die Dornholzhäuser Wehr auch die Homburger Kollegen - außergewöhnlich bei einem Brand eines Kellerverschlags - zur Hilfe. Erste Vermutungen am Brandort gingen von Brandstiftung aus. stk/gero
Da kam sie nun also zur rechten Zeit, um von den Funktionärs-Pleiten und Pannen wie auch dem Dopingsumpf abzulenken, in dem ziellos herumgewatet wird: Die Verantwortlichen des Deutschen Schwimmverbandes (DSV), denen in letzter Zeit das Wasser bis zur Halskrause steht und die im Stil von bleiernen Enten der Ungemach entkommen wollten, haben es der "unersättlichen Gold-Franzi", der "Super-Franziska" zu verdanken, daß ihr Sport nicht nur mit Negativ- Schlagzeilen von sich reden macht.
Die 14jährige Franziska van Almsick eroberte sich bei den Olympischen Spielen in Barcelona, wo sie vier Medaillen gewann, die Herzen der Öffentlichkeit nicht allein wegen ihrer sportlichen Leistung, sondern wegen ihres Auftretens. Nach dem spröden, oft unwirschen Michael Groß, der jahrelang der Goldfisch war und mit seinen außerordentlichen Leistungen auch den Dauer-Krach auf der Funktionärsetage übertünchte, pflügt da nun ein neuer Star durchs Becken. Diese Berliner Göre, eine Mischung aus der jungen Conny Froboess, die die Badehose einpackte und zum Wannsee eilte, und dem lockigen Kinderstar Shirley Temple, die die Augen so unnachahmlich aufschlagen konnte, schwimmt auf der Welle "keß und schnell" in Weltrekordzeit nach oben - wie sie in China mit drei Kurzbahn-Weltrekorden zur Verblüffung aller Fachleute demonstrierte.
Und mit ihr haben auch Manager und Funktionäre und ihr unmittelbares Umfeld Auftrieb. Ein teil der Medien, nach der unendlichen Krabbe-Geschichte dankbar für ein neues Märchen von einem aufgehenden Stern, beobachtet jeden Schritt und Tritt des Mädchens, hängt an ihren Lippen, um nach dem Rennen banalen Sätzen wie diesem zu lauschen: "Ich habe nicht erwartet, daß ich Rekorde schwimme." Was soll sie auch sonst groß sagen? "Ich wußte nie, was ich antworten sollte, das war mir alles zu viel. Und die meisten hätten meine Sorgen oder meine Erklärungen ohnehin nicht verstanden", beklagte sich Krisztina Egerszegi aus Ungarn, die mit 14 bei den Spielen in Seoul über 200 m Rücken Gold geholt hatte, in einem Gespräch während eines Besuches in Frankfurt. Die eher schüchterne Ungarin schätzte vor allem ihre Ruhe.
Bisher sieht es so aus, als ob Franziska van Almsick alles gut verdaut, als ob sie Training, Schule und Werbeauftritte mühelos unter einen Hut bekommt. Das dachte man von vielen anderen aufgehenden Sternen auch, die sich dann allerdings nur als Sternschnuppen erwiesen: Die US-Tennisspielerin Tracy Austin wurde mit dem öden Leben und den Anforderungen zwischen Flughäfen, Hotels und Tennisplätzen nicht mehr fertig. Ihr Körper streikte, Verletzungen häuften sich. Ihre Kollegin Andrea Jäger scheiterte nicht zuletzt am Ehrgeiz ihres Vaters, wie viele andere getriezte Jungen und Mädchen auch. Für die Schwimmerin Stephanie Ortwig, die vielversprechend begann, kam mit wachsendem Erfolg der Abstieg - sie hielt dem Druck nicht mehr stand.
Franziska van Almsick muß nicht nur mit dem Erwartungsdruck fertig werden - denn sie gilt als Sieger-Typ, Franziska van Almsick kam zur rechten Zeit der man eine Niederlage noch verzeiht, aber mehr nicht. "Das Umfeld", so der Frankfurter Trainer Michael Ulmer, "muß behutsam mit ihr umgehen, denn mit jeder Aufgabe mehr, mit jeder zusätzlichen Belastung, wird ihr persönlicher Freiraum immer enger, hat sie weniger Zeit für sich. Und die braucht ein Mädchen gerade in diesem Alter, in der Pubertät." Andererseits verstehen viele Athleten und Betreuer, daß "man die Chance, mit Erfolgen was zu verdienen, ergreifen muß und mitnimmt, was geht". Nur wenigen ist das gelungen. Sie waren nach raketenhaftem Aufstieg kurze Zeit später ziemlich unsanft gelandet, kamen mit sich, den Mannschaftskollegen oder einfach dem Ruhm nicht zurecht. Auch Neid der Konkurrenz machte es manchem "Wunderkind" schwer, durchzuhalten: Gerüchte und "Isolation" im Trainingslager zeigten nicht selten bei der psychologischen Kriegsführung Wirkung.
Häufig sonnen sich Verbandsverantwortliche in den Erfolgen junger Sportlerinnen und Sportler, bemerken aber selten oder gar nicht, daß für die "Kindfrauen" oder Jungen nicht alles eitel Sonnenschein ist, daß sie ausgelaugt, ja am Ende sind. Nicht zuletzt deshalb, weil sie "Vermarktern" in die Hände fielen, die auf Kosten der Jugendlichen die schnelle Mark machen wollten. Nicht nur Verbandsobere schauen dabei zu, sondern auch Eltern, denen die Zahlen in den Werbeverträgen ständig im Kopf herumspuken.
Keine Gefahr bei Franziska, oder? Sie schwimmt schneller denn je, ist freundlich, nett, aber es hat sich doch etwas verändert: Bei der ARD-Gala, wo sie noch vor Hochsprung-Olympiasiegerin Heike Henkel vom Publikum zur Nummer eins gewählt wurde, stand da eine Kindfrau mit einem Touch von Lolita. Die optisch-erotische Schiene als Verkaufsschlager, die da suggeriert wird, hat dieses Mädchen nicht nötig. Und wird es auch nicht nötig haben, wenn ihr Heimtrainer Dieter Lindemann das Supertalent verantwortungsvoll trainiert und die DSV-Oberen ihre Fürsorgepflicht für alle Schwimmer und Schwimmerinnen ernst nehmen.
Auch die Öffentlichkeit, also wir Journalisten, sind gefordert, einer 14jährigen auch Ausrutscher, schlechte Tage oder Unwirschheit zuzugestehen. "Man muß das Recht haben, auch mal durchzuhängen, mies drauf zu sein - in jeder Beziehung." Das sagte die Australierin Shane Gould, die 1972 bei den Olympischen Spielen in München drei Gold- und je eine Silber- und Bronzemedaille gewann, in einem Interview zum Thema "Kinder auf dem Erfolgstrip". Über sie schrieb damals ein Kollege: "Und man erlebte ein Geschöpf von 15 Jahren und neun Monaten, das mal reizend plauderte über die Herkunft der Goulds (Großvater aus Wales, Großmutter aus Neuseeland), das vom Tennis schwärmte - ihrer zweiten Liebe -, das die Mutter beruhigte, eine kleine unscheinbare Frau, die für ihr großes Küken zitterte, um dann wieder schnippisch, launisch oder verärgert sich von Fotografen abzuwenden oder Reporter mit einem bissigen "not yet" abzuspeisen. Das Schwimmwunder aus dem fünften Kontinent hielt weitgehend, was es versprach, (. . .) aber Shane Gould überzeugte weder stilistisch noch als Persönlichkeit, was man so einem jungen Mädchen freilich nicht übelnehmen darf.
Übelnehmen würde man das auch Franziska van Almsick nicht, aber verurteilen müßte man, wenn ein Talent wie sie ausgebeutet würde - deformiert als geldbringende Kunstfigur zu Wasser und zu Lande. BIANKA SCHREIBER-RIETIG
TG Ober-Roden - TV Wicker 16:13 (5:5). Die zweite Pokal-Sensation durch den in der Zweiten(!) Bezirksliga spielenden Außenseiter TG Ober-Roden. "Wir hätten eigentlich gewarnt sein müssen, nachdem Ober-Roden die TG Rüsselsheim rausgeworfen hat", stöhnte TVW- Pressesprecher Edmund Volk nach der Abfuhr beim Außenseiter. Die 300 Zuschauer in der Ober-Rodener Sporthalle machten das Pokalspiel der zweiten Runde auf Hessenebene mit ihrer stimmgewaltigen Unterstützung zum "Spiel des Jahres". Der zwei Klassen tiefer angesiedelte Gastgeber kämpfte leidenschaftlich. Dagegen ließ es Wicker anfangs zu gemütlich angehen.
"Wir hätten mit unseren Chancen auf 6:1 davonziehen müssen. Aber einige Spieler hatten die Partie vorher schon gewonnen", ärgerte sich Volk über die schwache Chancenverwertung. So wurden gleich zu Beginn zwei Strafwürfe ausgelassen. Der Anfang vom Pokalende. Zwar schaffte Wicker noch bis zum Pausentee nach ständigem Rückstand den 5:5-Gleichstand. Ober-Roden hielt aber ständig mit seiner stabilen Abwehr dagegen. So konnte Wicker nie davonziehen. Das Spiel stand bis zur 50. Minute auf des Messers Schneide. Nach dem 11:11- Zwischenstand hatte überraschenderweise der Gastgeber den längeren Atem. Die bis auf den "Rotsünder" Alexander Fritsch in Bestbesetzung angetretenen Wickerer gerieten nach zwei Tempogegenstößen der TGO vorentscheidend mit 11:13 ins Hintertreffen.
"Danach lief nichts mehr bei uns. Die Spieler haben zu spät die Gefahr erkannt", resümierte der niedergeschlagene Edmund Volk nach dem vorzeitigen Ende aller Pokalträume. Dagegen träumt die TG Ober-Roden in der nun erreichten dritten Runde auf Hessenebene von einem weiteren Coup. Gegen Wicker sorgten in erster Linie die Treffer von Alex Beck (5) und Rulo Horsch (4) für die noch bis in die tiefe Nacht gefeierte Überraschung. Für Wicker trafen der beste Spieler Heiko Mehler (4), der wieder fite Markus Möschl (4/3), Bill (3), Anthes (1) und Heiß (1). Außerdem spielten die beiden an der Niederlage schuldlosen Keeper Kessler und Schleipfer sowie im Feld Krollmann, Wolf, Volk, Kohlhaas und Matthias Möschl (alle ohne Tor).
TV Idstein - TV Flörsheim 28:21 (10:9). Im Pokal-Oberliga-Derby unterlag der abstiegsgefährdete TV Flörsheim erwartungsgemäß in der zweiten Runde auf Hessenebene beim TV Idstein. Bereits am Sonntag kann der Verlierer die Revanche planen, wenn es in Flörsheim um Meisterschaftspunkte geht. Im Idsteiner "Ausweichquartier" in Wallrabenstein konnte der TVF nur in der ersten Hälfte mithalten. Nach dem Pausentee setzte sich das technisch bessere Idstein schnell ab. Nur noch bis zum 12:12 (38.) hielten die ersatzgeschwächten Schleith-Schützlinge mit, ehe Abspielfehler die Idsteiner zu Tempogegenstößen geradezu einluden. Gleich sechs Tore in Folge markierten die Embs-Schützlinge zum mehr als vorentscheidenden 18:12. Der Rest stellte nur noch Formsache da.
Zumal Flörsheim nun resignierte. Beide Mannschaften rissen sich in der restlichen Spielzeit angesichts der entschiedenen Partie kein Bein mehr aus. Flörsheim konnte solange mithalten wie Torjäger Thomas Jung noch Freiheiten genoß und fünf Treffer markierte. Nach der Manndeckung für Jung war es um die Herrlichkeit der Gäste geschehen.
"Wir haben in erster Linie darauf geachtet, keine neuen Verletzten zu bekommen. Für uns besitzt der Abstiegskampf absolute Priorität", resümierte Pressewart Heinrich Eckert nach der verdienten Niederlage vor nur 50 Zuschauern. TVF-Trainer Norbert Schleith war trotzdem einigermaßen zufrieden: "Am Sonntag bei uns zu Hause wird es Idstein wesentlich schwerer haben. Die Meisterschaftspunkte sind weitaus wichtiger als ein Pokal-Erfolg".
Bei Flörsheim wirkte erstmals nach einer Verletzungspause (Rückenbeschwerden) Dittmar Nauheimer mit, hatte verständlicherweise nach einigen guten Ansätzen noch Anpassungsprobleme. Im TVF-Tor wechselten sich Devito (erste Halbzeit) und Kapitän Brauße ab. Idstein lies sich auch von der roten Karte für Reinwald (dritte Zeitstrafe) nicht mehr von der Siegesstraße abbringen.
Beste Werfer beim Sieger waren Rudat (6), Bär und Neumann (je 5). Für Flörsheim trafen der nach einer Grippe wiedergenesene Ostmann (7/3), Jung (5/1), Klang, Schütz, Kirchner (je 2), Breckheimer, Nauheimer und Gröschl (je 1). jo
Volleyball-Bundesliga Der Gast hatte mehr und bessere Spieler
Vor 800 Zuschauern in der Halle der Weingartenschule unterlag TUS Kriftel im Spiel der Volleyball-Bundesliga dem Spitzenteam ASV Dachau mit 0:3 (13:15, 7:15, 2:15). Kriftel kämpfte 76 Minuten lang gegen das Gästeaufgebot, in dem nicht weniger als neun Nationalspieler standen, während die Gastgeber nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Kapitän Volker Braun nur neun Spieler dabei hatten.
Kriftel leistete sich zu viele Annahme- und Aufgabefehler. Vor allem der Dachauer Angreifer Leif Andersson nutzte immer wieder die Lücken im Krifteler Block.
Für Kriftel ist der Zug in Richtung Meisterschaftsendrunde, für die sich nur die besten vier Teams qualifizieren, wohl abgefahren. "Darauf hatte ich auch nie ernsthaft spekuliert, wir wollen den noch immer eingenommenen sechsten Platz trotz des schwerwiegenden Ausfalles von Braun möglichst lange verteidigen", erklärte der argentinische Trainer Luis Ferradas nach dem nur im ersten Satz spannenden Match. Da lagt Kriftel sogar mit 13:10 in Führung, aber die cleveren Gäste stellten mit fünf Punkten in Folge bereits im Eröffnungssatz die Weichen für den Fortgang der Partie. jo.
2. Handball-Bundesliga, Männer Wiesbaden glänzt gegen den Tabellenführer
Dank des amtierenden Meisters Eintracht Wiesbaden herrscht wieder Hochspannung im Titelkampf der zweiten Handballbundesliga (Gruppe Süd). Vor 1000 Zuschauern in der ausverkauften Wiesbadener Sporthalle am Elsässer Platz besiegte der gastgebende Tabellendritte den Spitzenreiter SG Stuttgart- Scharnhausen sensationell hoch mit 31:21 (13:11). Damit schmolz der Vorsprung der Schwaben auf einen Zähler vor Verfolger Oßweil, Wiesbaden liegt nur noch zwei Punkte zurück. "Das waren heute praktisch drei Punkte, durch den hohen Sieg haben wir auch in puncto Torverhältnis die Stuttgarter fast eingeholt", strahlte Eintracht-Trainer Manfred Bengs nach der mit Abstand besten Saisonleistung der Landeshauptstädter.
Wiesbaden empfängt fast noch sämtliche Titelkandidaten in den elf noch ausstehenden Rückrundenspielen auf eigenem Parkett, wo man immer noch ungeschlagen ist. Für Wiesbaden war es bereits der zweite Saisonsieg gegen die Stuttgarter. Überragend beim kompakt aufspielenden Sieger, der von Partie zu Partie stärker werdende Christoph Klotz (10/3).
Zwar verlor der Ex-Gelnhausener das interne Torjägerduell gegen den Russen Budanow (11/6), aber die Glanzleistung des Gäste-Fremdenlegionärs reichte bei weitem nicht aus. Sehr stark beim Sieger auch Armin Freisler (5/2) und Jörg Schulze (4) am Kreis. Ausgerechnet gegen den Spitzenreiter markierte Wiesbaden die bisher meisten Tore in einem Spiel. jo.
"Wahrscheinlich bekomme ich morgen einige Dankesbriefe von der Konkurrenz zugeschickt, denn nun ist der Meisterschaftskampf wieder offener denn je zuvor. Wir haben den Alleingang von Stuttgart verhindert, sind selbst wieder dicke im Rennen", freute sich Wiesbadens Zweitliga-Handballmanager Heinz Seliger über den unglaublich hohen 31:21 (13:11)-Heimsieg im Gipfeltreffen der zweiten Handball-Bundesliga (Gruppe Süd) gegen den fast eingeholten Spitzenreiter SG Stuttgart-Scharnhausen. Die schwäbischen Gäste liegen nur noch zwei Punkte vor Vorjahresmeister Eintracht Wiesbaden, das als Tabellendritter wiederum nur einen Punkt hinter dem Sensations-Zweiten TSG Oßweils folgt.
Für die Landeshauptstädter hielten die "schwäbischen Festwochen" nahtlos an. Gegen die Süd-Spitzenklubs Frisch Auf Göppingen und Stuttgart- Scharnhausen holte die Bengs-Truppe in Vor- und Rückrunde stolze 8:0- Punkte. "So stark hat gegen uns noch kein Team aufgetrumpft", resümierte der ratlose Gäste-Trainer Dr. Rolf Brack nach dem Desaster des Ex- Erstligisten.
"Ich habe es schon immer gesagt: In der Rückrunde kommen wir noch einmal ins Geschäft um den Erstliga-Aufstieg. So stark und engagiert haben wir in dieser Saison noch nicht gespielt. Das war die mit Abstand beste Leistung", strahlte Trainer Bengs nach dem Kantersieg. "Nun haben wir fast alle Spitzenteams noch zu Hause. In den noch ausstehenden elf Spielen können wir noch ganz nach vorne kommen. Mein Team hat die personellen Veränderungen jetzt endlich kompensieren können. Das ist wieder eine echte Einheit", lobte Bengs seine "Rothemden" fast über den grünen Klee. Einer ragte aus der homogenen Mannschaft noch heraus: Der vor Saisonbeginn aus Gelnhausen zur Eintracht gestoßene Christoph Klotz warf den Spitzenreiter mit seinen zehn Toren fast im Alleingang k.o. "Der Christoph Klotz in den ersten zehn Spielen und von heute - das ist ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Nun amortisiert sich unsere Geduld. Ein so guter Spieler konnte das Handballspielen nicht von heute auf morgen verlernt haben", so Bengs. Die Leistungskurve von Klotz düfte noch weiter ansteigen, wenn in Kürze der Umzug bewerkstelligt ist und die langen Fahrten quer durchs Hessenland der Vergangenheit angehören.
Am nächsten Spieltag steht die Eintracht vor dem schweren Gang zum heimstarken TSV Karlsruhe-Rintheim. Am heutigen Freitag (20 Uhr) erfolgt der Anpfiff in der Rintheimer Sporthalle an der Mannheimer Straße. Der Karlsruher Vorortverein schloß die Vorrunde als Tabellen-Achter mit einem ausgeglichenen Punkte- Verhältnis ab. Die Mehrzahl der Pluspunkte erreichte das Team zu Hause, aber auch in Wiesbaden holte der Eintracht-Angstgegner mit dem 19:19 einen überraschenden Punkt. "Für uns ein ganz schwerer Gang, aber nach fünf siegreichen Spielen in Folge müßte es endlich auch einmal zu einem Punktegewinn in Rintheim reichen. Ein Sieg wäre doppelt wichtig, denn Spitzenreiter Stuttgart-Scharnhausen steht einen Tag später der schwere Gang zum schwäbischen Derby nach Göppingen bevor", schielt Manfred Bengs insgeheim schon einmal in Richtung "Platz an der Sonne". jo
Wieder auf den Boden der Tatsache zurückgekehrt ist Volleyball-Erstliga-Aufsteiger TuS Kriftel nach der 0:3-Heimabfuhr gegen den Spitzenverein ASV Dachau. "Wir haben uns aber trotzdem ganz achtbar gehalten. Der Ausfall unseres Kapitäns Volker Braun läßt sich nicht so leicht kompensieren", resümierte der argentinische Star-Trainer Luis Ferradas nach der zweiten Heim-Niederlage in dieser Saison. Nun stehen für Kriftel, das immerhin mit 8:10-Punkten im Zehnerfeld einen respektablen sechsten Platz einnimmt, noch drei weitere Heimspiele hintereinander auf dem Programm. Am kommenden Samstag (20.15 Uhr) empfängt Kriftel in der Weingartenschule Ex- Europacupsieger Moerser SC.
Die Rheinländer streiten sich mit Bayer Wuppertal um den Meistertitel, können sich angesichts des Rückstandes auf den Spitzenreiter keine Niederlage bei den "langen Kerls aus dem Taunus" erlauben. "Bereits ein Satzgewinn wäre eine tolle Sache nach unserer 0:3-Vorspielniederlage. Die Zuschauer werden auf jeden Fall Spitzen-Volleyball zu sehen bekommen", meinte Ferradas in Anspielung auf die vielen Nationalspieler.
Bei Kriftel wird weiterhin Volker Braun fehlen, der bei Vereinsarzt Dr. Müller-Fertsch am rechten Fuß operiert wurde. Nach seinem Bänderriß muß Braun, mit einem dicken Gips versehen, noch mindestens bis zum Heimspiel am 20. Februar gegen den VFB Friedrichshafen die Rolle des Zuschauers einnehmen. Auf Brauns Position spielt zunächst einmal der mit 2,07 m längste Krifteler, Lars-Björn Freier. Gegen Dachau wurde Freier noch nicht mit der Nervenbelastung fertig, einen Volker Braun ersetzen zu müssen. Der ehemalige DDR-Auswahlspieler benötigt jedoch laut Ferradas eine gewisse Anlaufzeit nach den zuvor wenigen Spielanteilen. jo
MAINZ. Hier geht es noch mit dem Theater, und gut. Seit einer Spielzeit herrscht in Mainz Theaterfreude. Nach den vorausgegangenen, zuletzt stockigen Jahren des früheren Intendanten Taube hat der neue Leiter des Staatstheaters, Peter Brenner, das Interesse vor allem am Schauspiel erstaunlich beleben können. Die Auslastung liegt inzwischen bei fast neunzig Prozent, in Frankfurt zum Beispiel wäre man schon mit der Hälfte zufrieden. Nächstens wird, beschlossene Sache, dem Altbau ein Kleines Haus hinzugefügt werden: In der gegenwärtigen Mainzer Theater-Euphorie (der private Förderkreis hat sage und schreibe 800 Mitglieder) scheint das gerechtfertigt. Glückliche Verhältnisse.
Wesentlichen Anteil daran haben die aus Polen gebürtige Regisseuse Anna Badora und der junge Dramaturg Michael Raab. Es ist ihnen gelungen, die Qualität des Ensembles (vierundzwanzig Schauspieler) zu steigern, man konnte während der jüngsten Premiere von Edward Bonds "Die See" wieder spüren, daß zwischen den auf der Bühne Beteiligten und ihren Zuschauern offenbar enge Beziehungen bestehen, eine fast freundschaftliche Aufmerksamkeit.
Diese Bindung zwischen Publikum und Ensemble ist die beste Voraussetzung, auch schwierigere Texte und Themen der dramatischen Literatur zu wagen. Bei den Überlegungen zum Spielplan der laufenden Saison, der (mit Grillparzers "Medea" und Stücken von Horváth, Qualtinger, Fassbinder) das Thema der Fremdenfeindlichkeit als Phänomen historischer wie gegenwärtiger Gesellschaften angehen will, ist man in Mainz auch auf Edward Bond gekommen.
"Die See", geschrieben zu Anfang der siebziger Jahre, zum Abschluß jener Serie von Dramen, die Bond ein Jahrzehnt zuvor mit "Hochzeit des Papstes" und dem späteren Welterfolg "Gerettet" begonnen hatte, hat der Dichter eine Komödie ("a comedy") genannt. Die Geschichte aber, die in dem Stück erzählt wird, ist die der tragischen Verirrung eines Menschen, den die miserablen Umstände seines Lebens in den Wahn treiben, die Ursachen für seine Lage auf einen Fremden zu projizieren, in dem er einen Vorboten feindlicher, außerirdischer Invasoren seiner kleinen Stadt am Meer zu erkennen meint.
Der Tuchhändler Hatch wird schikaniert von der die Kleinstadt beherrschenden, reichen Mrs. Rafi. Ein Auftritt dieser Frau im Laden des Krämers schildert den ruinösen Druck, dem Hatch seit Jahren ausgesetzt ist: Immer wieder ordert die Frau willkürlich große Posten von Ware, die sie dann nicht abnimmt. Anna Badora hat in der Mainzer Aufführung diese Szene als eine der zuerst subtilen, dann immer gröberen Tortur des Krämers entwickelt.
Artus-Maria Matthiessen übersetzt die psychische Verformung, die für den Mann aus der ihn entwürdigenden Situation resultiert, zunächst noch in kleine (hektische) Zeichen der Verstörung - wenn dann das Verhalten der von ihrer kindlichen Gesellschafterin (Margit Schulte-Tigges) begleiteten grande dame des Provinzkaffs (Brigitte Goebel, brutale Härte kaschierend mit pompös schmelzenden Gebärden) zunehmend bösartig wird, zerfällt die anfangs angestrengt gehaltene Fasson des Mannes mehr und mehr. Auch vom Bild her ist diese Szene (siehe unser Foto) eine vorzügliche Studie alltäglicher Gewalt: Der Bühnenbildner Klaus Baumeister läßt sie ablaufen an der Theke des Ladens, die von einem hohen Regal (für die Stoffballen) drohend dominiert wird; die Führung der Schauspieler wie das Bild erzeugen den Eindruck der ausweglosen Enge, in die das Leben des Unterdrückten wie seiner Unterdrückerin geraten ist.
Um da herauszukommen - retten sich die Personen in Ersatzhandlungen. Das ist im Werk Edward Bonds ein häufig wiederkehrendes Thema: Weil sie sich ein eigenes Leben sinnvoll nicht einzurichten vermögen, gehen die Menschen aufeinander los, zerstören andere wie in der Folge sich selbst. So kommt es in den historischen Dramen Bonds, "Trauer zu früh" (Early Morning) und "Lear", zu den Massakern der Revolutionen und Gegenrevolutionen, in "Gerettet" wie in "Die See", deren Stoff die banale Alltäglichkeit ist, zu den zerstörerischen Gewaltakten, die jäh einbrechen in die kleinbürgerliche Normalität.
Vor der Küste ist - so beginnt "Die See" - ein Boot gesunken, ein Mann ist ertrunken, in dem überlebenden Willy (Uwe Zerwer) und einem heruntergekommenen Strandläufer (Jo Kärn) vermutet der Tuchhändler die ersten Invasoren von einem anderen Stern: Seine reale Ohnmacht produziert den Größenwahn, als einziger in der Stadt den "Feind" erkannt zu haben und bekämpfen zu müssen. Am Ende wird diese Einbildung ihn selbst vernichten - und das, was sich als soziale Ordnung der Kleinstadt darstellt: Die Totenfeier für den Ertrunkenen führt zu einer wüsten, chaotischen Zersprengung, wenn der Krämer bei dieser Gelegenheit mit seinem Haß über den Fremden herfällt, jenen Willy, der sich aus dem Meer gerettet hatte.
Wie Hatch in seinen Wahn gedrängt wird durch seine Verhältnisse, so lebt auch die mächtige Mrs. Rafi in Ausflüchten. Ihre Illusion ist das Theater, in ihrem Hause treffen sich die Laienspieler und proben eine Darstellung der Geschichte von Orpheus und Eurydike - aber wie dabei die Frau die anderen anleitet, ist auch dieses Spiel nur wieder auf Unterwerfung und Demütigung aus. Wenn dann Willy mit seiner Trauer über einen wirklichen Tod störend eintritt in eine solche Probe, damit die lächerliche Emphase des Laienspiels bloßstellend, ist das in der Aufführung ein besonders starker Augenblick. (Das Ensemble bringt sich dabei, wie allerdings in der Aufführung insgesamt, eindrucksvoll zur Geltung, ohne Ausnahme.)
Überall und für alle ist das Leben verrammelt: Nur der fremde Willy wird schließlich mit der Verlobten des toten Freundes den Ort verlassen in eine andere Existenz. Die Liebe, die beide für einander zu fassen beginnen - sie ist vielleicht, gegen den tiefen Pessimismus, mit dem Bond beschreibt, wie die Menschen sich die Welt zugerichtet haben, eine winzige Hoffnung.
Die Aufführung Anna Badoras trifft Stimmungswerte und Tendenz des Dramas. Für die Szenen am Strand (und für die erwähnte Totenfeier, die Bond sich auf einem Felsen am Meer vorgestellt hat) wurde ein hohes Dock, eine Art von Pier gebaut, bisweilen fast verschwindend im Nebel, der in dichten Schwaden durch die Bilder zieht. Auf einmal kann man fast denken, dieser Bond sei auch ein Barlach aus Brighton Rock: Die engen englischen Verhältnisse in "Die See" haben auch etwas von denen im "Blauen Boll" des norddeutschen Dichters.
Was freilich in Mainz doch überspielt wird, manchmal zu sehr beruhigt scheint, ist das Maß des Schreckens, der im lakonischen Sprachfall der Figuren nistet; die Dialoge und auch einzelne Partien der Handlung sind bei Bond spröder, zerfallender, als sie hier mitunter wirken. Das Stück führt härter an den Rand der Anarchie. Aber wie Haß entstehen kann bei einem einzelnen und in einer ganzen Gesellschaft - für die Beschäftigung mit dieser Genese von Energien der Zerstörung bringen Edward Bond und die Aufführung doch auf eine richtige (und aktuelle) Spur. PETER IDEN
(Die nächsten Vorstellungen am 19., 21., 24., 29. und 31. Januar; 7., 8., 10., 11. und 14. Februar)
RODGAU. Mit einer glanzvollen Vorstellung, die auch eigens aus Mainz und Leverkusen angereiste Fastnachter vor Neid erblassen ließ, haben die TGS-Karnevalisten aus Giesem am Samstag in ihrer Narrhalla am Ostring neun Wochen nach dem ihnen heiligen Elften im Elften die erste von vier Gala-Sitzungen präsentiert und zelebriert.
Dabei bewiesen sie, daß ihnen um Nachwuchs nicht bange sein muß. Erneut ist es ihnen nämlich gelungen, neue närrische Talente aus dem Hut zu zaubern.
Alte und Junge zogen eine Schau ab, die eine Mischung aus politischem Kabarett und fröhlichem Nonsens darstellt.
Hat man schon in der Vergangenheit nie einen üblen Witz gehört über Türken oder andere Ausländer, so distanzierten sich in diesem Jahr die Narren in aller Deutlichkeit von Fremdenhaß.
Natürlich hatte die bevorstehende Kommunalwahl Einfluß auf das Programm - "En Haufe Leut" unter der Regie von Altmeister Lothar Mark machten sich unter dem Motto "Bürger fragen viel, Politiker antworten nix" über alle Parteien gleichermaßen lustig, wobei sich Rodgauer Christ- und Sozialdemokraten gefallen lassen mußten, keinen Deut unterschiedlich gesehen zu werden.
Wie aber sollten Giesemer Närrinnen und Narren in vier schon heute längst ausverkauften Sitzungen ihren Spaß haben, wenn es da neben den Politikern die Dudenhöfer nicht gäbe. Sie mußten immer wieder herhalten zu Ulk und Frozzelei, wobei auch da die Grenze des Erlaubten nie überschritten wurde.
Mit Gerald Brehler und seiner Frau Heike hat die Narrenschar in diesem Jahr ein Prinzenpaar, dem nachgesagt wird, daß er auch beim Heraustragen des Mülls noch den Narrhalla-Marsch intoniert, während sie ihm konfettistreuend den Weg ebnet. Am Weihnachtsbaum der beiden sollen statt Lametta Luftschlangen gehangen haben.
Klar, daß es einen eingefleischten Karnevalisten wie Gerald I. nicht auf seinem Thron hielt, sondern er sich mit seiner Gitarre wieder unter die "Giesemer Strohplatten" mischen und als Feuerwerker guter Laune agieren mußte.
Die Leitfigur der Giesemer Fassenacht ist der Gugi, und dieses Amt gab Frank Eser nach achtjähriger "Legislaturperiode", in der er seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit den schon klassischen Worten "Oh, Ihr Giesemer . . ." den Spiegel vorgehalten hatte, die Würde und Bürde an Tobias Löw weiter. Dieser ließ schon in seiner Antrittsrede keinen Zweifel daran, ein geeigneter Nachfolger zu sein.
Die Autofahrern auf ihrem letzten Teilstück immer noch unerreichbare Rodgau- Ringstraße und der Streit um die S-Bahn- Unterführungen waren weitere Anlässe zu Possen von Volkskünstlern.
Lothar Mark, genannt Till, nahm sich selbst gekonnt auf die Schippe als einer, der die Vierzig überschritten hat und sich wundert, daß die Midlife-crisis ihn noch nicht erwischt hat.
Mit Doris Oestreicher, Ralph Lamprecht, Joachim Löw, Nobi Goergen und Ernst Gröpl hat die TGS Jügesheim Mitstreiter, die es überflüssig machen, sich von außerhalb Verstärkung zu holen, die keine wäre. Tanzgarde, Jugendtanzgruppe, Hofballett, Bachbriggebaabambeler, Hofkapelle und Elferratspräsident Willi Colloseus taten ein übriges, um wieder einmal alle guten Vorsätze über Bord zu werfen und bis Mitternacht das Programm über die Bühne gebracht zu haben. Nach fünf Stunden unglaublicher Stimmungsmache konnten gegen 0.30 Uhr die Tänzer endlich frohlocken.
JOCHEN NOTTROTT
KELSTERBACH. 52 Männer und Frauen bewerben sich für die SPD um Sitz und Stimme im Parlament der Stadt, wo die Sozialdemokraten derzeit mit 23 Mandaten die absolute Mehrheit haben.
Nachfolgend die ersten 25 Kandidaten auf der Liste: Fritz Treutel, Günter Niessner, Erhard Engisch, Karin Domin, Jürgen Zeller, Bernhard Wiegand, Horst Laun, Heide Simon, Ernst Freese, Hans Draisbach, Arno-Rüdiger Peik, Annelie Track, Ulrich Bebber, Wilfried Harth, Uwe Hardt, Ilse Riederer, Friedel Schmuck, Karlheinz Schreiweis, Walter Polak, Lieselotte Schönfelder, Kurt Linnert, Siegfried Ortlieb, Karlheinz Herth, Ursula Will, Kurt Redweik. wal
KELSTERBACH. An diesem Ergebnis hatte niemand ernsthaft gezweifelt: Friedrich Treutel wird die Kelsterbacher Sozialdemokraten in die Kommunalwahl im März führen. Das Votum der Mitgliederversammlung am Freitag abend in der Mehrzweckhalle Nord war deutlich: In der geheimen Abstimmung um den Spitzenplatz kassierte Treutel, der selbst nicht mitstimmte, nur eine einzige Gegenstimme.
Zum achten Male spielt Treutel damit die Lokomotive, mit der die SPD am Untermain in schöner Regelmäßigkeit satte Mehrheiten einfuhr. Treutel selbst, seit 33 Jahren Bürgermeister und seit 25 Jahren Chef der Kelsterbacher SPD, ließ keinen Zweifel daran, daß er dieses Ergebnis am 7. März erneut erwartet: "Wir Kelsterbacher Sozialdemokraten werden auch diese Wahl gewinnen." Er, dessen Name allein Wahlprogramm genug sei, wie Erhard Engisch meinte, ist überzeugt, daß der Wahltag auch zum Meilenstein für die örtliche SPD wird, daß damit der Grundstein "zum fünften Jahrzehnt sozialdemokratischer Mehrheit in Kelsterbach" gelegt wird.
Dafür haben sich die Parteimitglieder, die ohne Debatten den Listenvorschlag des Ortsvereinsvorstandes einstimmig verabschiedeten, ein Team von 52 Männern und Frauen ausgesucht, in dem neben gewieften "alten Hasen" auch Newcomer eine Chance bekommen. Dem Vorstand ist die Kandidatensichtung nicht leicht gefallen, denn "wir können nun mal nicht alle auf die vorderen Plätze setzen, auch wenn sie dort hingehören", sagte Treutel. Doch die Liste berücksichtige bewährte wie neue Leute, auf die man zählen könne. Schließlich seien es die Menschen, die das Programm zu politischem Leben erwecken müßten, denen klar sei, daß es um die Stadt gehe.
"Es geht um unser Kelsterbach", so hatte Treutel auch sein Referat zu Beginn der Mitgliederversammlung überschrieben; eine aus seiner Sicht "leistungsfähige und überschaubare Stadt", die von ihren Bürgern getragen werde. Und das, so Treutel, sei nicht zuletzt das Verdienst der SPD, die in vier Jahrzehnten absoluter Mehrheit die Grund- und Leitlinien Kelsterbacher Kommunalpolitik gestaltet, dabei aber nie abgehoben habe. Diese Arbeit, hinter der viele Menschen stünden, hätten die Wähler immer wieder honoriert. "Wir machen Dienst am Bürger und Dienst für den Bürger", so Treutel, der für sich in Anspruch nimmt, da auch "ein bißchen mitgemischt" zu haben. Er verwies auf die "aktiven und politisch gewollten Partnerschaften", wie sie mit Kirchen und Vereinen, und auf die Urlaubs- und Seniorenfahrten.
Das seien freiwillige Leistungen, die Treutel auch in Zukunft ohne Kürzungen weiterlaufen lassen will. Neue, so meinte er, dürften mit Rücksicht auf eine seriöse Finanzpolitik jedoch nicht erfunden werden. Die wirtschaftliche Entwicklung sei auch in Kelsterbach nicht so rosig. Wenn das bereits Vorhandene gewahrt werden könne, sei das schon eine große Leistung, so Treutel, der findet, daß die SPD vor Ort gezeigt habe, daß Sozialdemokraten sehr wohl "ordnungsgemäß wirtschaften" können, auch wenn ihnen häufig das Gegenteil unterstellt werde. Aber "in Kelsterbach gehen die Uhren ein bißchen anders", sagte Treutel, hier hätten sich die Genossen auch noch eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt.
Diese sowie Leistungsfähigkeit vermißt er auf den Oppostionsbänken. Mit Nein stimmen und Enthaltung üben könne schließlich jeder. Doch der Versuch, ihm ernsthaft Paroli zu bieten, sei nie gekommen, so Treutel. Seine Einschätzung, "die haben keinen Ehrgeiz", teilte auch Karlheinz Schreiweis. Inzwischen, so meinte er, müsse die SPD sogar die Oppositionsarbeit mitmachen, weil von den entsprechenden Parteien nichts mehr komme und man befürchten müsse, daß eventuelle Fehler, "die auch wir Sozialdemokraten machen können", nicht korrigiert würden.
Da ringt die Ankündigung, daß die CDU mit "30 Prozent plus x" aus der Wahl hervorgehen will, den SPDlern allenfalls ein spöttisches Lächeln ab. Schreiweis zweifelte gar, daß die CDU genügend Leute hätte, die angestrebten Mandate zu besetzen. Am Ende, so wähnte er, würde sie sich womöglich noch von der SPD ein paar Abgeordnete leihen. CHRISTINA WALLENDA
OBERURSEL. Für Tucholskys Vorschlag, sich hinfort "Partei des kleineren Übels" zu nennen, der SPD-Laden mache Geschäfte mit einem ehemals guten Namen, gab's freundliches Gelächter, für die aktuelle Forderung, das "Herumeiern der SPD" müsse aufhören, heftigen Beifall. Auf die Klage, die Sozialdemokratie habe dem Rechtsruck der CDU nichts entgegengesetzt, folgte prompt der Zwischenruf "Mitgemacht!". Doch nicht die politische Linke ließ in Oberursel Dampf ab - es waren die Sozialdemokraten selbst.
In Oberursel zeigen sie sich souverän, diskutieren innerparteilichen Zwist offen und holen sich Spötter ins Kulturprogramm - auch kurz vor einer Wahl. Und am Ende stand trotz aller Zweifel an der eigenen Partei die einigende Zuversicht, daß man diesmal die Rathaus-Mehrheit schaffen werde.
Bei den hessischen Jungsozialisten gebe es ob des Asyl- und Blauhelmschwenks der SPD-Spitze große Probleme, bekannte die Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti beim Neujahrsempfang der Oberurseler SPD am Samstag abend vor 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erneut: "Viele sind genervt, viele sind ausgetreten". Doch politische Alternativen, eine andere Gesellschaft zu schaffen, sieht sie nicht - und appelliert trotz herber Kritik zum Bleiben.
"Wenn wir unser Profil schärfen wollen, müssen die bei der Stange bleiben, die innerparteilich in der Opposition sind", bekräftigte auch die Unterbezirksvorsitzende Hildegard Klär. Obwohl selbst tief enttäuscht ("ich bin selten so aus meinem Wolkenkuckucksheim gefallen"), setzt sie auf "Zusammenschweißen, egal wie die vergangenen Debatten waren".
Doch ein Zwischenruf auf ihre Beschwörung "Die unten haben die Chance, auf die oben einzuwirken" offenbarte, wie tief der Ärger über Engholm & Co sitzt: "Die machen die ganze Arbeit der Basis kaputt." Vom "Anbiedern an konservative Strömungen" war in der Diskussion die Rede, von "Armutszeugnis" und der Gefahr, alles dem Machterwerb zu opfern. Ein Diskutant sah viele Parteifreunde näher beim Ausstieg als beim Aufbruch und forderte die Rückbesinnung auf die Grundsätze der Partei: "Wenn wir das nicht schaffen, sollten wir massiv den Parteiaustritt verfolgen."
Wie die Briefe aussehen, die derzeit laufend gen Bonn geschrieben werden, läßt sich nach dieser Diskussion ausmalen. Basis und Spitze der Hochtaunus- SPD zeigten sich in der Kritik einig - und darin, daß ihre Arbeit im Kreis dennoch (Wahl-)Erfolg bringen wird.
Andrea Ypsilanti hatte den Disput mit einem Kurzreferat "Rechtsradikalismus und die politische Verantwortung der Parteien" angekurbelt. Sie erinnerte an die "tödlichen Schatten" des vergangenen Jahres: "17 Tote in elf Monaten, hunderte Verletzte, mehr als 4000 rechtsextreme Überfälle." Die demokratischen Parteien seien dabei "ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden". So habe die CDU die Asyldebatte losgetreten, die SPD aber "scharfe Opposition" vermissen lassen.
"Wir müssen hinsehen und uns einmischen", forderte die Juso-Landesvorsitzende zur Auseinandersetzung auf. Die Wähler der "Republikaner" (REP) seien zwar nicht alle rechtsextrem, dürften aber auch nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden: REP-wählen "führt zur Auflösung einer sozialen und demokratischen Gesellschaft". stk
NEUSS, 17. Januar (vs/Reuter/dpa). Die CDU wird "die Wahlschlacht 1994" nach den Worten von Bundeskanzler Helmut Kohl "notfalls" über die Frage führen, ob deutsche Soldaten außerhalb des NATO-Gebietes kämpfen dürfen oder nicht. Vor den Delegierten eines Landesparteitages der nordrhein-westfälischen CDU in Neuss zeigte sich Kohl am Wochenende davon überzeugt, daß er mit einer solchen Strategie die Bundestagswahl 1994 gewinnen werde. In der Bevölkerung müsse sich die Einsicht durchsetzen, daß die Freiheit nun einmal "nicht zum Nulltarif" zu haben sei.
Kohl sprach sich auch für eine Überprüfung des Waffenembargos gegen Bosnien-Herzegowina aus. Man müsse überlegen, ob es vertretbar sei, ein Waffenembargo gegen ein Land zu verhängen, das man nicht schütze und wo die Menschen so barbarisch wie selten in der Neuzeit behandelt würden.
Auf die Konjunkturlage und die Stimmung im Lande eingehend meinte Kohl, daß "das Lamento und Gejammer auf hohem Niveau" stattfinde. Wie es wirklich in der Republik aussehe, könne man an den Schwierigkeiten ablesen, mit denen diejenigen konfrontiert seien, die erst jetzt in den Reisebüros ihren Sommerurlaub buchen wollten. Um aus der wirtschaftlichen Talsohle wieder herauszukommen, schloß der Kanzler Arbeitszeitverlängerungen nicht aus.
Auch Außenminister Klaus Kinkel (FDP) meinte in Bonn, daß im Falle einer Fortsetzung der serbischen Aggression gegen Bosnien über eine teilweise Aufhebung des Waffenembargos für Bosnien nachgedacht werden müsse. Sollte der UN-Plan bis Dienstag nicht angenommen werden und der Krieg weiter gehen, bedeute dies die totale Isolierung und endgültige Ächtung Serbiens in der Völkergemeinschaft. (Weitere Berichte S. 2 und 4)
HANAU. Es ist immer ein schlechtes Zeichen, wenn vor Beginn einer Vorstellung jemand vor den Vorhang tritt, um mit Leichenbittermiene eine Ankündigung zu machen. Im Parkett, wo man sich bis zu diesem Moment munter unterhielt, herrscht sofort betretenes Schweigen. Wer ist indisponiert? Für wen wird um Verständnis gebeten? Aber nein, im Comoedienhaus kommt es noch viel schlimmer: Der Hauptdarsteller hat sich ein Bein gebrochen! Und deshalb: "Heute weder Hamlet noch sonst was." Statt aufzuspringen und Geld gegen Karten umzutauschen, bleibt das Publikum konsterniert sitzen.
Auch als der Vorhang wieder aufgeht, um den Blick auf einen Bühnenarbeiter freizugeben, der nun, Selbstgespräche führend, Kulissen beiseite schiebt, Requisiten abräumt und die Zuschauer ungnädig anraunzt: "Sind Sie immer noch da? Ihr Problem. Es fällt wirklich aus!" Doch niemand bewegt sich vom Platz; sind die Leute etwa gewillt, bis zur Probe morgen früh um elf Uhr auszuharren, nur weil sie auf Theater abonniert sind?
Resigniert läßt sich der Mann im Graumann in König Claudius' Thron auf Schloß Kronborg nieder und fängt an zu plaudern. Er ist der Vorhangzieher und hat einschlägige Berufserfahrung. Gelernter Schauspieler ist er, hat sich vom jugendlichen Liebhaber zum ersten Charakterdarsteller vorgearbeitet, Romeo, Faust und Hamlet sind ihm selbstverständlich geläufig. Triumphe hat er gefeiert . . . in der Provinz, Schleswig an der Schlei, Trier, Kassel, Bruchsal. "Bruchsal" - nomen est omen, denn hier geht ihm unfreiwillig die Karriere zu Bruch.
Das Gebiß des Intendanten besiegelt sein Schicksal und von da an: Vorhangzieher mit Berufsethos! Denn ein Vorhang hebt oder senkt sich nicht "automatisch", 1000 verschiedene Arten des Vorhangziehens gebe es, beschwört der Mann und demonstriert feuereifrig drei "Fall"-Beispiele: das hoffnungsvolle Öffnen für einen Seitensprung im Boulevardtheater, das schleichend-tragische Zuziehen anhand von Ibsens "Gespenster" und das unheilvolle Fallen aus . . . Hamlet, natürlich.
Dazu schlüpft der Seilzieher behende in die verschiedenen Rollen, Königin Gertrud, Ophelia, Polonius etc. und imaginiert sich und dem Auditorium ganze Szenen mit drei, vier Personen. Neben den literarischen Exkursen und seiner persönlichen Tragödie bietet der verhinderte Bühnenstar außerdem noch einen Schnellkurs in "Applaus-Ordnung", einige Schauspielerschelte, schallende Ohrfeigen für das Regie-Theater und eine (harmlos ausfallende) Publikumsbeschimpfung.
Der Tausendsassa, der all dies in eineinhalb Theaterstunden vollbringt, ist Hans Clarin. Der kleine Mann ganz groß! Ob Plauderton im angedeuteten Dialog mit den Besuchern oder im tieftraurigen inneren Monolog, ob Kollegenimitator oder multifunktionaler Rollenkasper, ob Dürrenmatts Möbius, Goethes osterspazierender Faust oder schlicht Vorhangzieher Ingo Saßmann: Clarin beherrscht sein Handwerk und spielt furios auf der Klaviatur seiner Verwandlungsfähigkeit, vom Pathos bis zur Parodie, von Kopf bis Fuß eine tragikomische Gestalt.
Rainer Lewandowskis "Heute weder Hamlet" ist in der Regie des Autors und im Bühnenbild Thomas Peknys mit der Münchner Tournee unterwegs. Das Gastspiel für die Comoedienhaus-Abonnements des Kulturamtes dauert noch bis zum 22. Januar, Beginn der Vorstellungen ist jeweils um 20 Uhr. RUTH DRÖSE
öhl ATHEN, 17. Januar. Bei Angriffen türkischer Kampfhubschrauber auf Lager der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Südosttürkei sind während der vergangenen Tage nach Angaben aus Militärkreisen 150 Kurden getötet worden. Die Angriffe, an denen auch Bodentruppen teilnahmen, konzentrierten sich auf die Serik-Bergregion in der Provinz Bingöl sowie auf die Provinz Diyarbakir.
Die pro-kurdische Tageszeitung Özgür Gündem (Freie Tagesordnung) hat wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten am Samstag ihr Erscheinen auf unbestimmte Zeit eingestellt. Der Herausgeber des Blattes, Yasar Kaya, warf den großen türkischen Pressekonzernen vor, sie hätten den Vertrieb seiner Zeitung systematisch behindert. Das im Frühjahr 1992 zuerst erschienene Blatt hatte eine Auflage von zwanzig- bis dreißigtausend Exemplaren. Sieben Korrespondenten und Mitarbeiter der Zeitung sind während der vergangenen Monate in der Südosttürkei von unbekannten Tätern ermordet worden. Die Mörder werden in Kreisen der sogenannten Konter-Guerilla vermutet, die über Verbindungen zum Sicherheitsapparat verfügen soll. (Kommentar Seite 3)
FRIEDRICHSDORF. 15 000 Mark Schaden war die glimpfliche Bilanz eines Mißgeschicks, das einer Autofahrerin beim Abbiegen von der Köpperner Straße in den Quellenweg widerfuhr. Die Frau blieb mit dem Fuß am Gaspedal hängen und löste dadurch eine Schleuderfahrt aus: Ihr Wagen drückte zunächst ein Verkehrszeichen um, walzte 15 Meter Maschendrahtzaun nieder, kollidierte mit einem geparkten Auto, durchbrach nochmals acht Meter Zaun und blieb schließlich in einem Gewächshaus stehen, wie die Polizei rekonstruierte. Die Fahrerin blieb unverletzt. cn
Eishockey-Bundesliga
Spiele vom Freitag Düsseldorfer EG - Berliner SC Preussen 3:2 (1:0, 2:2, 0:0). Tore: 1:0 Hiemer (5:19), 2:0 Kummer (23:04), 2:1 Malo (28:57), 3:1 Köpf (33:10), 3:2 Tanti (36:39). - Schiedsrichter: Kluge (Weißwasser). - Zuschauer: 11.200 (ausverkauft). - Strafminuten: Düsseldorf 13 - Berlin 21 + 10 Disziplinar (Komma).
ESV Kaufbeuren - Kölner EC 1:5 (0:2, 1:1, 0:2). Tore: 0:1 Steiger (1:42), 0:2 Sandner (3:27), 1:2 Hammer (21:26), 1:3 Dobrzynski (32:55), 1:4 Kwasigroch (49:22), 1:5 Dobrzynski (54:18). - Schiedsrichter: Stratz (Freiburg). - Zuschauer: 4400. Strafminuten: Kaufbeuren 8 - Köln 10.
Mannheimer ERC - Krefelder EV 3:6 (1:2, 2:1, 0:3). Tore: 0:1 McNeil (1:35), 1:1 Krentz (11:30), 1:2 Ihnacak (18:31), 1:3 Jedrus (23:41), 2:3 Willmann (24:25), 3:3 Willmann (36:16), 3:4 Stebnicki (45:48), 3:5 Eakin (49:25), 3:6 Walker (52:31). - Schiedsrichter: Ondertoller (Geretsried). - Zuschauer: 5500. - Strafminuten: Mannheim 10 - Krefeld 10.
EHC Eisbären Berlin - Schwenninger ERC 6:3 (0:2, 1:1, 5:0). Tore: 0:1 Held (7:19), 0:2 Martin (7:45), 0:3 Kopta (23:36), 1:3 Morrison (29:22), 2:3 Schertz (53:47), 3:3 Jooris (54:58), 4:3 Ziesche (55:42), 5:3 Dopita (56:10), 6:3 Schertz (59:58). - Schiedsrichter: Radosai (Landshut). - Zuschauer: 4000. Strafminuten: Berlin 10 - Schwenningen 16.
EHC Freiburg - EC Ratingen 1:5 (1:0, 0:2, 0:3). Tore: 1:0 Prochazka (14:02), 1:1 Antipow (23:22), 1:2 Bergen (30:02), 1:3 Bug (50:20), 1:4 Swetlow (53:16), 1:5 Cazacu (59:05). - Schiedsrichter: Bertl (Forst). - Zuschauer: 2200. - Strafminuten: Freiburg 10 - Ratingen 18.
EV Landshut - EC Hedos München 3:3 (2:0, 0:2, 1:1). Tore: 1:0 Abstreiter (4:57), 2:0 Wagner (7:04), 2:1 Vogel (23:50), 2:2 Hegen (37:22), 3:2 Biakin (46:26), 3:3 Harald Birk (47:17). - Schiedsrichter: Slapke (Bad Tölz). - Zuschauer: 7.000 (ausverkauft). - Strafminuten: Landshut 8 - München 10.
HAMMERSBACH. Durch einen Bauchschuß hat am Freitag abend ein bislang unbekannter, etwa 40jähriger Mann die 51 Jahre alte Inhaberin eines Hanauer An- und Verkaufsgeschäftes lebensgefährlich verletzt. Nach Angaben der Polizei hatte die Frau den Täter und einen 66 Jahre alten Mitarbeiter im Wagen in Richtung ihrer Wohnung in Hammersbach (Main-Kinzig-Kreis) mitgenommen, als der Unbekannte plötzlich eine Waffe zog, die 51jährige zum Halten zwang und Geld forderte.
Bei einem nun folgenden Gerangel, in das vom Rücksitz aus auch der 66jährige eingriff, lösten sich zwei Schüsse, von denen der eine die Frau traf. Der Täter, den die Überfallene vermutlich kannte, floh anschließend und zwang eine 43jährige, die in der Nähe ihren Pkw rangierte, ihn zur Raststätte Langen-Bergheim an der Autobahn Hanau-Gießen zu bringen. Ab dort verliert sich seine Spur. Die Hintergründe der Tat sind bisher unbekannt, die Geschäftsfrau war am Sonntag noch nicht vernehmungsfähig. az
OESTRICH-WINKEL. Harschen Protesten der Bauern zum Trotz hat es sich der Rheingauer Weinbauverband in der vergangenen Woche nicht nehmen lassen, den hessischen Landwirtschaftsminister Jörg Jordan (SPD) demonstrativ auszuzeichnen. In dem von ihren Kollegen aus der Landwirtschaft angefeindeten Politiker sehen nämlich die Winzer einen ihrer wirkungsvollsten Mitstreiter in dem Bemühen, notfalls gegen den Rest aller anderen außerhessischen Weinbaugebiete, gegen den Deutschen Weinbauverband und gegen den Deutschen Weinfonds ihren Kopf durchzusetzen. Qualität statt Quantität, Orientierung am Markt und Eigenverantworung statt Dirigismus, so lauten ihre Schlagworte. Mit deren Umsetzung wollen sie das Überleben im härter gewordenen Konkurrenzkampf sichern.
Die Keller sind überfüllt. "Fünf hervorragende Jahrgänge hintereinander: Wann gab es das schon?" fragt der Präsident des Rheingauer Weinbauverbandes, Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau, eher sorgenvoll denn frohgemut. Denn der erwartete Run auf die in Menge und Qualität überdurchschnittlichen Jahrgänge ist ausgeblieben, die Erntemenge des neuerlich überragenden 92ers überschwemmte den Most- und Faßweinmarkt und verursachte dort einen für manche Winzer existenzgefährdenden Preissturz. "Eine weitere große Ernte", hielt Matuschka jetzt auf der Winterfachtagung in Oestrich- Winkel den versammelten Winzern vor Augen, werde zum "Kollaps" führen. Und der sei "selbstverschuldet".
An die Weingüter, die Flaschenwein herstellen, jedoch im vergangenen Herbst Millionen Liter Most loswerden wollten und damit den seit Jahren stabilen Most- und Faßweinmarkt durcheinanderbrachten, richtete sich denn auch Matuschkas dringender Appell, in diesem Jahr so wenig Wein wie möglich zu produzieren: durch Begrenzung des Anschnitts bei der Rieslingrebe auf sechs bis acht Augen pro Quadratmeter und durch Dauerbegrünung der Weinberge. Die Dauerbegrünung ist zudem Teil des Programms "umweltschonender Weinbau", mit dem der Rheingau - staatlichen Vorschriften zuvorkommend - auf freiwilliger Basis begonnen hat. Der Einsatz von Düngemitteln und Herbiziden hat sich daraufhin in den vergangenen Jahren halbiert.
Mengenregulierung und Umweltschutz in Eigenverantwortung gehören auch zur Strategie, auf dem Markt zu überleben. 50 Millionen Hektoliter Überschuß werden jährlich in Europa produziert, die gefallenen Grenzen ermöglichen nunmehr den Direktimport, italienische Weißweine erfreuen sich großer Beliebtheit, französische Edelmarken, denen der Markt wegen der Rezession in den USA, in England und Japan wegbricht, ködern Kunden mit erheblichen Preisnachlässen, und in den heimischen Kellern stapeln sich die vollen Fässer: Gegen diesen Druck wollen die hessischen Winzer offensiv vorgehen, um nicht das Schicksal der Bauern teilen zu müssen.
Der, der dem Verband dafür den Freiraum gewährt hat, ist der zuständige Minister Jordan. Er erhielt - von Pfiffen und Buhrufen der demonstrierenden Landwirte begleitet - die höchste Auszeichnung des Weinbauverbands, das "Goldene Rieslingblatt". Zum einen dafür, daß er die Planung und Umsetzung des Programms "umweltschonender Weinbau" in die Eigenverantwortung der Rheingauer Winzer übertragen hat; zum anderen machte er sich in den Augen des Verbandes verdient, als er wesentlich dazu beitrug, das bereits vom Landtag verabschiedete Kontrollzeichen, das die Mengenregulierung auf jeder Flasche nachweisen sollte, zu verhindern. Nicht gegen Mengenregulierung seien die Winzer, betonte Matuschka, wohl aber gegen das ursprünglich vorgesehene, von erheblichem bürokratischen Aufwand begleitete, für die Weinbauern teure und arbeitsintensive Kontrollzeichen.
Jordan bestärkte die Rheingauer Winzer noch einmal darin, "gegen den Strom zu schwimmen, in der Zeit des bundesweiten Trends zur Massenproduktion auf eine konsequente Qualitätsstrategie zu setzen". Deswegen seien die wirtschaftlichen Probleme der hessischen Weinbaubetriebe insgesamt wesentlich geringer als beispielsweise die der rheinland-pfälzischen, würden in Hessen die höheren Gewinne erzielt.
Der Minister ermunterte zu einem regionalen Marketingkonzept, an dem der Verband gerade arbeitet; er lobte die Rheingauer dafür, keine Konflikte mit dem Deutschen Weinbauverband, aus dem sie ausgetreten sind, und dem Deutschen Weinfonds zu scheuen, dessen zentrale Werbung für deutschen Wein der regionale Verband ablehnt.
Noch sind nicht alle Rheingauer Winzer von der Richtigkeit dieses Sonderwegs überzeugt, der nach dem Willen des Verbandes zu einer Qualitäts-, einer "Dachmarke" Rheingau, und damit zu einem stabilen Marktsegment führen soll. Die Probe aufs Exempel findet in diesen Tagen beim Anschnitt statt: Mit ihm bestimmt der Winzer die Zahl der Augen, aus denen jeweils ein Trieb wachsen wird, an dem wiederum in der Regel zwei Trauben reifen. Und damit legt er sowohl die Menge fest als auch eine Voraussetzung für Qualität, da diese mit der Reduzierung der Trauben pro Rebe steigt.
Dem Mißtrauen in der Winzerschaft kam Matuschka offensiv entgegen: Er lud diejenigen, die bisher heimlich nach der Winterfachtagung seine Weinberge inspizierten, um herauszufinden, ob er sich selbst an seine Empfehlungen für den Anschnitt halte, zu einem offiziellen Kontrollgang ein. C. D.
CDU weist Nachwuchs in die Schranken Keine Festlegung in der Koalitionsfrage / Programmparteitag in Hanau Von Rüdiger Arendt MAIN-KINZIG-KREIS. Der CDU-Führung im Main- Kinzig-Kreis ist es am Wochenende auf dem Programmparteitag in der Hanauer Stadthalle gelungen, einen in ihren Augen überflüssigen Antrag der Jungen Union - ihrer Nachwuchsorganisation - zu kippen und ihn erst gar nicht erst zur Abstimmung kommen zu lassen. Der CDU-Nachwuchs hatte versucht, die rund 200 Delegierten per Beschluß darauf einzuschwören, es nach den Kommunalwahlen im März dieses Jahres auf keinen Fall zu einer Koalition mit der SPD kommen zu lassen. Der CDU-Führung paßte dieser Antrag aber nicht ins Konzept. Statt über ihn abzustimmen zu lassen, wurden die Delegierten aufgefordert, darüber zu entscheiden, ob über den JU-Antrag überhaupt abgestimmt wird. Die rund 200 Delegierten folgten ihrer Parteiführung und fegten den Antrag mit Zwei-Drittel-Mehrheit vom Tisch. Am Rande des Parteitages ließen JU- Mitglieder später dann Dampf ab. Undemokratisches Verhalten wurde der Mutter-Partei vorgeworfen. Andere mutmaßten, die Partei habe sich wohl vor der Abstimmung gefürchtet.
Zuvor hatten sich die Delegierten auf ein Wahlkampfprogramm geeinigt, das sich entscheidend von sozialdemokratischen Positionen, etwa in der Müll- oder in der Schulpolitik unterscheidet. In einer umfangreichen Rede machte Landratskandidat Hubert Müller klar, daß seine Partei auf jeden Fall für eine künftige Mehrheit im Kreistag kämpfen werde.
Ganz so sicher in diesem Punkt scheint man aber bei der CDU-Führung gleichwohl nicht zu sein. Im Blick nach vorn nach der Kommunalwahl hatte der Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Rolf Müller, nämlich im Zusammenhang mit dem Antrag der Jungen Union gesagt, er halte es für durchaus denkbar, daß die SPD "nach einer gewissen Schamfrist" doch wieder mit den Grünen koalieren könnte, falls es die Mehrheiten zuließen. Schon deshalb könne sich die CDU nicht schon jetzt politisch binden, indem man eine große Koalition rundweg ablehne. "Wir müssen uns eine gewisse Handlungsfähigkeit bewahren," sagte er im Hinblick auf eine mögliche Liaison mit der SPD. Müller bezeichnete den JU-Antrag als gegenwärtig politisch unklug, weil er der Öffentlichkeit signalisiere, "wir könnten bei den Kommunalwahlen möglicherweise doch nur Zweiter werden." Die eigene Siegeszuversicht würde dadurch gelähmt werden. Diesen Argumenten hatte Alexander Noll von der Jungen Union nicht folgen wollen. Wenn schon die SPD auf eine große Koalition spekuliere, um an der Macht zu bleiben, sei die CDU gefordert, gerade jetzt politische Alternativen zur SPD in der Öffentlichkeit deutlich zu machen, sagte Noll. Bei einem Zusammegehen mit der SPD würde die CDU für lange Zeit in der politischen Versenkung verschwinden.
Diese Argumente ließ auch Landratskandidat Hubert Müller nicht gelten. Auch für ihn war es wichtig, daß seine Partei sich einen gewissen Handlungsspielraum bewahrt. Falls es wirklich zu einer großen Koalition kommen sollte, begreift Müller eine solche nicht als Machtmehrung für seine Partei, sondern als Maßnahme, "Schaden vom Kreis abzuwenden." In seiner programmatischen Rede hatte der Gelnhäuser Stadtrat vor allem die Finanzpolitik des SPD-geführten Kreises gegeißelt. Die CDU werde ein Haushaltskonsolidierungskonzept vorlegen, das die Kriterien der Sparsamkeit und Bescheidenheit im Personal- und Sachkostenbereich erfülle. Außerdem werde die CDU bei einem Machtwechsel ständige Arbeitsgruppen aus Vertretern der Gemeinden, der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkerschaft, der Gewerkschaften, des Arbeitsamtes und des Kreises einsetzen, um gemeinsame Handlungskonzepte zu erarbeiten. Weitere Absichtserklärungen des Landratskandidaten, dessen Wahl (oder Nichtwahl) am 9. Mai ansteht: Abschaffung der persönlichen Referenten, kein Teilverkauf der Kreiswerke Gelnhausen bevor ein Gesamtkonzept erstellt wurde, Einbeziehung der Müllverbrennung in das Entsorgungskonzept des Kreises, Erhalt des gegliederten Schulsystems im Kreis, Ausbau der Betreuung älterer Menschen - unter anderem soll ein "Kreis-Alten-Ring" geschaffen werden - und die Stärkung der Selbstverwaltung der Vereine.
Zum Schluß seiner Rede sprach Müller von einem "Dreigestirn" im Hauptausschuß, das sich wie folgt darstelle: Staatskommissar sei Landrat Karl Eyerkaufer, weil seine offizielle Amtszeit ebenso zum 31. Januar ablaufe wie die des Ersten Kreisbeigeordneten Erich Pipa, den er Kreiskommissar nannte. Der einzig noch ordentlich gewählte hauptamtliche Dezernent ab 1. Februar sei der Grüne Dr. Harald Friedrich, der zwar noch im Amt sei, dort aber nur Däumchen drehe.
HOCHTAUNUSKREIS. Die Einbrecher waren am Wochenende überwiegend im Vordertaunus rege. In Kronberg stiegen Unbekannte ins Kino ein und räumten der Polizei zufolge außer der Kasse mit rund 130 Mark die Süßigkeitentheke und die Eistruhe aus.
In einem Oberurseler Bürogebäude "In der Au" durchwühlten Diebe Räume und Schränke von mehreren Firmen. Bargeld, Musikanlage, Mobiltelefon und Funkgerät wurden entwendet sowie ein Fahrzeug des "Malteser Hilfsdienstes" auf dem Firmenparkplatz aufgebrochen.
Offenbar um sich satt zu essen und neu einzukleiden, stieg ein Einbrecher in ein Mehrfamilienhaus in der Mittelstedter Straße in Oberstedten ein. Laut Polizei hinterließ er nur noch Krümel, seine alten Turnschuhe samt Socken und verschwand mit Ehering und Bargeld - nicht ohne sich die Zähne mit der Zahnbürste des Hausherrn geputzt zu haben.
Schaden von mehreren tausend Mark hinterließen Täter, die aus einem Haus in der Königsteiner Wiesenstraße Computer und elektronischen Zubehör mitgehen ließen. In Wehrheim räumten Unbekannte einen Spielautomaten in einer Gaststätte in der Usinger Straße aus. cn
Jagd an der Nidda statt hoch im Norden
An der Nidda hat sich Besuch aus Rußland einquartiert. Wie auf einer Perlenschnur aufgereiht sitzen die Saatkrähen auf der Stromleitung und peilen die Lage. "Bei guten Lichtverhältnissen", sagt Gerhard Hubert und greift zum Fernglas, "kann man sehr schön den hellen Schnabel sehen." Zu Tausenden kommen die Vögel aus Ost- und Nordeuropa, um hier zu überwintern. Weil die Saatkrähen sehr gesellig sind, hocken sie meist friedlich in großen Schwärmen beieinander. Es stimmt schon: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
Die Vogelkundler, die sich unter der Führung des Hobby-Ornithologen Hubert vom Naturschutzbund am Sonntag morgen in Nied trafen, konnten noch weitere sogenannte Wintergäste beobachten. Von der S-Bahn-Station ging's auf reifglatten Wegen an die Nidda, und dort entdeckte die Gruppe gleich zwei Zwergtaucher in Ufernähe. "Das sind typische Wintergäste", erklärt Hubert, "die hier eigentlich nicht mehr brüten." Am gegenüberliegenden Ufer gehen zwei Stockenten wegen einer Frauengeschichte aufeinander los. "Auch die Ringeltauben fangen mit der Balz an", beobachtet der Ornithologe. Den Zwergtauchern ist das offenbar alles zu viel. Sie gehen erst einmal auf Tauchstation.
Ein paar Meter weiter sitzt ein Graureiher am Wasser und äugt herüber. Die Graureiher sind hier mittlerweile wieder heimisch geworden und haben die Scheu vor Menschen weitgehend verloren. Früher wurden sie gejagt, weil sie zum Verdruß der Angler Fische aus den Teichen holten. Jetzt stehen sie unter Schutz und halten an Main und Nidda nach Beute Ausschau. Hubert weiß von 20 Graureiher-Paaren allein an der Staustufe in Griesheim.
Auch die Lachmöwen zieht es ans Wasser. Sie haben ebenso wie die Bussarde ihre Heimat im Norden verlassen. "Hier kann man mit etwas Glück manchmal 30 auf einen Haufen sehen"; am Sonntag sind die Bussarde aber nur vereinzelt unterwegs. Dafür flattern ein Turmfalke, Buchfinken, Zaunkönige, Amseln und Kohlmeisen an den Hobby-Ornithologen vorbei. Vor einer Gartenhütte gibt es für die Vögel etwas zu picken - Sonntagsglück aus der Vogelperspektive. vo
OBERURSEL. Im Anfang war das Feuer, das Wort kam ganz zum Schluß. Flammen sind nun mal ein guter Weg in die indianische Geisterwelt. "Feuer", hatten Melanie Wentzell und Ina Schott, Steffen Holz, Melanie Tuma und Christian Jourdan in Fachbüchern über Leben und Kultur der nordamerikanischen Ureinwohner nachgelesen, "Feuer reinigt die Seele". Auf dieser Grundlage haben sie aufgebaut "und erst am Ende nach einem Namen gesucht", erinnert sich Steffen: "Wakonda". Der mannsgroße Totempfahl ist nebst vielen anderen Schülerarbeiten aus der Erich-Kästner-Schule bis Ende Januar seit dem Wochenende im Foyer des Oberurseler Rathauses zu besichtigen. Die Grundform einer solchen Stele war klar: eine hohe schmale Säule eben. Dafür nahmen die fünf Schüler aus der Klasse 9 R b ein Papprohr, wie es innen in Teppichrollen steckt, und umkleisterten es mit Pappmaché. Oben drauf kamen zwei Gesichter. "Die symbolisieren die gute und die böse Seite der Seele", erklärt Melanie: langnasige Fratzen aus Pappmaché, umwickelt mit Gipsverband.
Dann aber sahen die fünf, wie die anderen Schüler aus der 9 R b ihren Totempfählen Flügel gaben. "Na ja", gesteht Steffen, "das haben wir dann halt nachgemacht". Natürlich nicht so kurzstummelig wie an "Mamikajopa" ("Die Augen der Wachsamkeit"), "Tarambukta" ("Jäger der ewigen Jagdgründe") oder "Dalc" ("Dämon") - ausladende Schwingen sollte ihre eigene Stele haben. Doch oh weh: Die Pappe weichte unter den Gipswickeln auf und knickte ab. "Wakonda" ließ die Flügel hängen. Weil so ein schlappes Mahnmal kaum den Flug der Seele aus dem Feuer symbolisieren kann, wurden die Flügel gleich wieder gestutzt und später durch haltbarere Holzbretter ersetzt.
Ein halbes Jahr lang haben die Kästner-Schüler der Klasse 9 R b ihre Kunststunden in die Indianer-Arbeiten investiert - "und manchmal noch unsere Freizeit am Nachmittag dazu", wie Christian mit Stolz in der Stimme hinzufügt.
Solche Hingabe überrascht Kunstfachbereichsleiterin Cecile Houdret nicht: "Motivation ist einfach meine Stärke." Nicht nur die Pfahlbauer aus der 9 R b hat sie bei der Stange gehalten, auch die anderen Schülerarbeiten beeindrucken: aus Ton modellierte und bemalte Vasen und Hände, aus Ytong-Bausteinen gesägte Tiere, Comicfiguren, durch echte Baseballkappen, Sonnenbrillen oder Trinkgläser ergänzte Selbstporträts, "Traumstühle" und vieles andere mehr. "Das zeigt, welch gute Arbeit in allen Jahrgangsstufen in unserem Fachbereich Kunst geleistet wird", erklärte denn auch Ernst Albrecht, Leiter der Schule, zur Eröffnung der Ausstellung. Die Leistungsschau im Rathaus sei eine Premiere, solle aber keine einmalige Sache bleiben, verspricht Houdret: "Ich kann noch nicht sagen, wann - aber wir machen sowas bestimmt bald wieder." MARCEL KEIFFENHEIM
Wo Franz Heinzer kühn zum Bärensprung ansetzte, da schlugen die deutschen Abfahrer am Samstag beim Weltcuprennen in St. Anton am Arlberg (Österreich) Haken wie Angsthasen. Auf der 3200 Meter langen Piste vom Kapall herab erlebten die Schußfahrer des Deutschen Skiverbandes ein Desaster, wie es wohl in der Geschichte des alpinen Ski- Zirkusses noch nicht dagewesen ist. Von den fünf Startern kam nur einer durch bis zur Lichtschranke: Markus Wasmeier. Der Schlierseer blieb mit mehr als zweieinhalb Sekunden Rückstand auf Weltmeister Heinzer in seiner dritten Weltcupabfahrt dieser Saison auf deutlicher Distanz zur Weltelite. Mit Platz 26 bestätigte Wasmeier nach seinen schweren Verletzungen immerhin das Image vom "Stehaufmännchen". Weit entfernt vom aufrechten Abfahrer-Gang präsentierten sich Ex-Weltmeister Hans-Jörg Tauscher (Oberstdorf), Stefan Krauss (Berchtesgaden), Peter Eigler (Pfronten) und Wiedereinsteiger Hannes Zehentner (Aising- Pang), die allesamt das Skistadion nur als unfreiwillige "Ski-Touristen" erlebten.
Die neue Kandahar-Strecke stand als Ersatzort für Kitzbühel der gefürchteten Streif in nichts nach. 15 000 Zuschauer sahen bei strahlendem Sonnenschein ein spektakuläres Rennen hart am Limit des Machbaren. Hinter Heinzer, der von einem der schwersten, aber auch schönsten Rennen seiner Karriere sprach, kamen der Vize-Weltmeister Peter Runggaldier (Italien) und der österreichische Allrounder Günther Mader als schnellste ins Tal.
Männer-Cheftrainer Martin Oßwald hatte schon nach der indiskutablen Leistung im einzigen Trainigslauf "fehlenden Mut" diagnostiziert. Eine für die möglichst schnell talwärts strebenden Hochgeschwindigkeits-Liebhaber beinahe ehrenrührige Analyse, die im Lager der Athleten auch höchst unterschiedlich aufgenommen wurde. Das DSV-Abfahrtsteam ein Fall für den Psychologen?
Während Wasmeier "sich den Schuh" von der mangelnden Courage nicht anziehen mochte, redete Tauscher diplomatisch von der eigenverantwortlichen Risikoabwägung und Eigler faßte seine Seelenlage in dem eindeutigen Satz zusammen: "Ich schäme mich, das hat mit Skifahren nichts mehr zu tun." Mit jedem Blick auf das schmale-eisige Band aus Kunstschnee kroch den Deutschen schon bei der Besichtigung der neuen Kandahar-Strecke der Schreck in die doch so muskelgestählten Glieder. Doch die Psyche erwies sich als dünner Wackelpudding.
"Fehlendes Selbstvertrauen", "eingeschüchtert von der Optik" oder "schlicht überfordert gefühlt", so hatte Oßwald seine Abfahrer nach dem Training charakterisiert und in der anschließenden Mannschaftssitzung versucht, die Athleten aufzurütteln: Unter ihrer Würde sei das gewesen. Mutig, fresch, aggressiv sollten sie die Strecke angehen. Doch die Angst hatte sich im Kopf eingefräst wie der Kunstschnee im Arlberger Boden. Auf die Frage, ob Oßwald alle Mitglieder seines Teams in die Philippika eingeschlossen habe, antwortete der Cheftrainer süffisant: "Markus Wasmeier hat auch zugehört."
Wasmeier hatte sehr wohl zugehört, sich aber energich gegen die "globale" Schelte gewandt. Schließlich, so stellte der Schlierseer nach dem Rennen fest, "kann man voll fahren" und er habe das auch getan.
Nach den beiden sechsten Plätzen von Garmisch-Partenkirchen wußte der 29 Jahre alte achtfache Weltcupsieger selbst nicht so recht, warum es dennoch nur zu Platz 26 gereicht hatte. Zwar ist Wasmeier durch eine Schulterverletzung gehandicapt, doch hatte er sich auf der anspruchsvollen, ebenso schnellen wie technisch schwierigen Strecke mehr ausgerechnet. Durch das schmerzende Schulterband, ein Schlag beim Super-G am Dienstag hatte die Verletzung von dem schweren Trainingssturz zu Beginn der Saison wieder aufbrechen lassen, fühlte sich Wasmeier behindert, weil er die Arme nicht nach vorne, und damit in die aerodynamisch günstigtse Haltung, bringen konnte. Nach dem Wadenbeinbruch und der schweren Gehirnerschütterung konnte der frühere Riesenslalomweltmeister zu Recht mildernde Umstände für seine Talfahrt erwarten.
Für Stefan Krauss war es keine Frage, daß Oßwalds harsche Kritik berechtigt war. "Ich zweifle an meiner professionellen Einstellung", sah der Berchtesgadener bei sich auch konditionelle Mängel, weil er nach zwei Drittel "völlig blau" war. Damit stand Krauss nach gut 900 Höhenmetern nicht allein.
Im Zielraum fielen die als harte Männer bekannten Rennläufer gleich reihenweise um. Leonhard Stock (Österreich), den vierten Atle Skaardal (Norwegen), Luc Alphand (Frankreich) und Pietro Vitalini (Italien) riß es im Ziel ebenso vom Ski wie den Schweizer Xavier Gigandet, der einen Schutzengel hatte. Gigandet, der von einem Skandal sprach, weil hinter der Ziellinie offensichtlich schlecht präpariert worden war, haute es durch die Schaumstoffmatten und einen Holzzaun bis zum Rohrunterbau der Kommentatorenkabinen. Wie durch ein Wunder krabbelte der Schweizer unverletzt hervor: "Ich bin nur Zentimeter am Tod vorbei gerutscht."
Auf ein mentales Wunder müssen die deutschen Abfahrer in Veysonnaz hoffen. Tauscher konnte sich mit den knappen, aber bestens abgesicherten Sturzräumen inmitten brauner Wiesen nie anfreunden, schraubte für sich das Risiko auf das Niveau einer zweitklassigen Europacupabfahrt herunter und kam doch nicht zurecht. Für Zehentner kam die spektakuläre Strecke nach beinahe einem Jahr Wettkampfpause einfach zu früh. Dem ohenhin sensiblen Zehentner schug sogar der Sturz von Katrin Gutensohn im fernen Cortina auf's angeknackste Gemüt. Bittere Erkenntnis von Krauss am Ende des Seelenleides: "Die Strecke war schwierig, aber nicht gefährlich." Franz Klammer (Österreich), mit 25 Abfahrtssiegen immer noch der ungekrönte König der Schußfahrer brachte es auf den Punkt: "Angst habe ich auch immer gehabt, aber die muß überwunden werden." jah
Juan Flavier, Gesundheitsminister der Philippinen, kämpft um sein Amt. Senator Francisco Tatad will seinen Rücktritt, der Erzbischof von Manila wünscht ihn ins Fegefeuer, Zeitungsleute bescheinigen ihm eine schlüpfrige Moral. Nein, wehrt sich der studierte Arzt Flavier verzweifelt, er habe weder eine fremde Nation beleidigen, noch seinem Chef unterstellen wollen, daß er täte, was man auf den Philippinen nicht tut oder tut und nicht darüber redet. Er habe nur ein Zeichen setzen wollen.
Die Abreise eines Staatsoberhaupts in diplomatischer Mission ist stets ein feierlicher Augenblick. Und so wurde auch der philippinische Präsident Fidel Ramos samt seiner - überwiegend männlichen - Entourage mit dem üblichen Ritual in die Fremde entlassen: mit männlichem Händedruck der in Manila akkreditierten Gesandten. Doch der philippinische Gesundheitsminister wollte seinen Chef nicht nur mit guten Wünschen ziehen lassen, zumal die Reise nach Thailand ging. Und so drückte er jedem einzelnen im Gefolge des Präsidenten ein Päckchen mit Kondomen in die Hand.
Des Ministers "Sündenfall" verdrängt seitdem Hunger, Wirtschaftsmisere, Kidnappings und politische Diadochenkämpfe aus den Schlagzeilen der philippinischen Presse, die nun bereits seit Wochen in der Frage gespalten ist, ob die Kondome mit der nationalen Würde vereinbar seien. Die einen sehen in dem ungewöhnlichen Akt des Ministers einen Freibrief zur ungezügelten Promiskuität. Andere preisen die Wirksamkeit des Kondoms bei der Familienplanung und zur Verhütung von Geschlechtskrankheiten. In den Augen von Jaime Kardinal Sin, Oberhirte der 58 Millionen katholischen Filipinos, ist Flavier die Inkarnation des Teufels. Denn Geburtenkontrolle und Sex sind von der Kirche leidenschaftlich verteidigte Tabus.
Ein Kondom kostet auf den Phlippinen ebensoviel wie ein Hühnchen. Kein Wunder, daß sich nur fünf Prozent der Filipinos diesen Empfängnisschutz leisten können, zumal Zweidrittel der Haushalte bereits unterhalb des Existenzminimums leben. So stehen die Philippinen mit ihrer Bevölkerungszuwachsrate denn auch an der Spitze der asiatischen Nationen.
Doch der Gesundheitsminister hatte mit seiner spektakulären Geste eine andere Zuwachsrate vor Augen. Die ungezügelte Explosion der Krankheit Aids. "Ich bin für die öffentliche Gesundheit verantwortlich und nicht für die Moral", verteidigt sich Juan Flavier. Und er hat allen Grund zur Besorgnis. Zwar registriert die offizielle Statistik bisher nur knapp 400 Menschen, die mit dem HIV- Virus infiziert sind. Der Virus löst die todbringende Immunschwäche aus. Doch Experten in Manila und bei der Weltgesundheitsorganisation sind überzeugt davon, daß die Dunkelziffer weitaus höher liegt. Flavier ist der Meinung, daß der Schleier der Scheinheiligkeit gelüftet, daß über das Problem geredet werden müsse.
Doch dieses Argument will Tatad nicht gelten lassen. Als Sprachrohr des militant konservativen katholischen Ordens "Opus Dei" fordert er den Rücktritt des Ministers. Nichts könne die "vulgäre Entgleisung" Flaviers rechtfertigen, am wenigsten das "mißbrauchte Schreckgespenst Aids". Es sei doch "wissenschaftlich zur Genüge erwiesen, daß nur Schwule Aids haben und Fixer". "Normale Menschen", so Tatad, seien "lediglich Opfer dieser Abartigen".
Senator Tatad beschuldigt den Gesundheitsminister und alle Befürworter des Kondoms, "Handlanger einer internationalen Verschwörung" zu sein, "hinter der das Multi-Milliarden-Geschäft der Kondom-Industrie" stecke. "So mächtig ist die Verschwörung der empfängnisverhütenden Industrie, daß sie inzwischen - wie die Erdölimperien - Regierungen in der Dritten Welt zu Fall bringen kann", drohte der Senator. JÜRGEN DAUTH (Manila)
Es gibt Augenblicke, Abende vor allem, wo's einem eng wird ums Gemüt. Da lockt kein Theater, keine Oper, da möchte man sich einigeln, und die Glotze hilft da schon gar nicht. In so einer Situation greife ich oft zum Gedicht. Im Schreibtisch meiner Redaktion zum Beispiel hab ich einem kleinen Band mit Eichendorff-Gedichten. Und wenn mir's mal eng wird im Büro, dann hol ich den heraus und blättere, bis ich auf dieses oder jenes Gedicht stoße. Und wenn ich dann lese, bin ich augenblicklich in einer anderen Welt, ist der Ärger, der Frust, der ganze Trubel um mich herum, vergessen. Und dann nehme ich es in mich auf, Wort für Wort, Bild für Bild: "Schweigt der Menschen laute Lust: / Rauscht die Erde wie in Träumen / Wunderbar mit allen Bäumen, / Was dem Herzen kaum bewußt, / Alte Zeiten, linde Trauer, / Und es schweifen leise Schauer / Wetterleuchtend durch die Brust". Da vermag dann dieses stille, kleine romantische Gedicht von sieben Zeilen eine derartige Ruhe auszustrahlen, daß daneben jede ideologische Phrase, jede Suada eines Gurus, oder jeder noch so gelehrte Vortrag nichts ist. Schade, daß vielen Menschen das Gefühl für Dichtung abhandengekommen, in der Schule schon kaputtgemacht worden ist. Aber ich glaube man solte es nicht aufgeben: Eine kleine Gedicht-Antologie, wie sie jeder Buchladen führt, wiegt jederzeit drei Stunden literarisches Fernsehgeschwätz spielend auf.
Wie, Sie haben keine Zeit für solche uneffektive Dinge? Mein Gott, was sind Sie arm dran . . . wp
BAD NAUHEIM. Einen Einbrecher überraschte ein 26jähriger Bad Nauheimer, als er am Samstag gegen 14.20 Uhr in seine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in der Ritterhausstraße zurückkehrte. Der Einbrecher bedrohte den Wohnungsbesitzer mit einem Messer und flüchtete. Der 26jährige sah, wie der Täter mit einem silberfarbenen 230er Mercedes mit Frankfurter Kennzeichen davonfuhr. Er verständigte die Polizei. Gegen 15 Uhr spürten die Beamten den Fluchtwagen auf der Raststätte Wetterau-West auf. In dem Fahrzeug saß neben dem Täter, der den Einbruch in Bad Nauheim zugab, noch eine 28jährige, "bereits hinreichend durch Eigentumsdelikte bekannte Frau", so der Polizeibericht, mit ihren beiden Kindern, das eine sechs Wochen, das andere sechs Jahre alt. Der Täter sagte, er sei drogenabhängig und Aids-infiziert. In dem Auto wurde eine größere Menge Diebesgut gefunden. ieb
SCHLUSSWORT
"Stepi ist in Leverkusen fehl am Platz. Der Mann, der aus der faltigen Diva vom Main beinahe die Miß Germany des Fußballs machte, und den die Glanzpapier-Postille ,Sports&rquote; als ,halb Hühnerdieb, halb Möllemann&rquote; beschrieb, paßt zwar zur SG Kuddelmuddel in Frankfurt, aber nicht zum sterilen Bayer-Club. Nein, auch nach dem 1. Juli wird in Leverkusen kein Fieber ausbrechen und kein kickender Angestellter der Aspirinfabrik sich über Kopfschmerzen beklagen können." Wilfried Eller in der Rhein-Nekkar-Zeitung über den Wechsel von Dragoslav Stepanovic von Eintracht Frankfurt zu Bayer Leverkusen.
MÖRFELDEN-WALLDORF. Ein gepflegtes Essen, ein gemeinsames Prosit und Gespräche im Plauderton - das ist das Muster, nach dem die parlamentarischen Abende gestrickt sind. Immer dann, wenn die Wahlperiode zu Ende geht, lädt Stadtveordnetenvorsteher Kurt Oeser die Kommunalpolitikerinnen und -politiker und ihre Partner/innen zum interfraktionellen Beisammensein ein.
Am Freitag abend gaben sich die politischen Häupter in der Stadthalle ein Stelldichein. Und die Verständigung, die sich mitunter im Parlament nicht ganz einfach gestaltet, klappte bestens. Frei von Parlamentsgeschäften miteinander reden, sei ein Ziel des Abends, sagte Parlamentschef Oeser, der den Polit-Treff mit tänzerischem Ausklang auch als Dank an die ehrenamtlichen Politiker sieht; ein Dank auch an jene, die nach der Wahl dem Parlament den Rücken kehren werden, wie Käthe Raiss, Willi Siegel, Doris und Wilhelm May, Anton Süß.
Ein besonderer Dank galt zehn Frauen und Männern, die seit mehr als 20 Jahren in der Kommunalpolitik mitmischen. Dafür gibt's - so sieht es die Hessische Gemeindeordnung vor - Titel: Stadtverordnete werden zu Ratsherren, Magistratsmitglieder zu Ehrenstadträtinnen oder -räten. Zu Kategorie eins zählen Wilhelm May, Helmuth Wucherer, Helmut Wicht, Rudolf Haselbach und Hans-Jürgen Kremser und Nikolaus Schwarz, zu Kategorie zwei gehören Doris May, Ursula Jung, Anton Süß und Heinz Hechler.
Eine solche Auszeichnung sei keine Ehrung für Systemtreue, so Bürgermeister Bernhard Brehl in seiner Laudatio. Nicht das System habe sie, sondern sie hätten das System geformt und gebildet. "Kommunalpolitikerinnen und -politiker sind eben keine Tintentheoretiker", könnten für Fehler immer gleich gegriffen werden. Das mache die Sache schwierig, aber auch spannend und schön.
Dialogfähigkeit und Achtung der politischen Würde des anderen nannte Brehl als Voraussetzung dafür. Das sei nicht überall so. Phlegma in der Politik, lockerer Umgang mit politischen Wertvorstellungen, abgehobenes Gehabe und wenig Bereitschaft, Fehler zuzugeben und zu korrigieren, hätten Politiker in ein schiefes Licht gerückt, so Brehl. Mit Blick auf rechte Umtriebe meinte er jedoch, daß "ein Rückfall in diktatorische und faschistische Zeiten ausgeschlossen werden kann". Wachsamkeit sei wichtig, doch solange es Menschen gebe, die die Demokratie "inhaltlich gestalten und ausfüllen", sei sie, "auch bei scheinbaren Widersprüchen", gefestigt. wal
MÖRFELDEN-WALLDORF. Daß die Glocke zum Start des Wahlkampfes schon geläutet hat, ließ sich auch beim Neujahrsempfang des SPD-Ortsvereins nicht leugnen. Alle Redner, Ortsvereinschef Hans-Jürgen Vorndran genauso wie Landrat Enno Siehr und Bürgermeister Bernhard Brehl, richteten den Blick auf den 7. März. Wahltag ist zwar Zahltag, doch die örtliche SPD ist sich sicher, ihre Schulden bereits beglichen zu haben.
SPD-Chef Hans-Jürgen Vorndran sprach von einer erfolgreichen Legislaturperiode, in deren Verlauf das mit den Grünen ausgehandelte, 230 Punkte umfassende Koalitionspapier inzwischen "fast vollständig abgewickelt" worden sei. Diesen Standard werde man halten und weiter ausbauen, auch wenn ein sparsamer Umgang mit knapper werdenden Mitteln angesagt sei.
Daß in der Koalition in dieser Zeit nicht immer alles zum besten stand, verhehlte Vorndran nicht, aber "sie hat gehalten", wenngleich die Arbeit belastet worden sei. So gebe es nach wie vor kein richtiges städtisches Abfallkonzept. Das liege wohl daran, daß der Grünen-Stadtrat entweder durch die Zwistigkeiten zu sehr in Anspruch genommen worden sei oder aber dem gelben Sack und dem grünen Punkt zu viel administrative Aufmerksamkeit widme, so Vorndrans ironisch verbrämte Kritik.
Kritisches kam auch von Bürgermeister Bernhard Brehl. "Es hat in der Nachkriegsgeschichte dieses Landes noch nie eine solch unberechenbare, ziellose und die Probleme aussitzende Bundesregierung gegeben wie diejenige der letzten beiden Jahre. Satiriker und Kabarettisten brauchen nicht dichten, sie haben eine Fundgrube aus Realität und Wahrheit", sagte Brehl, bevor er das Lokalgeschehen ins Visier nahm. Da ist er zufrieden. Die nicht immer konfliktfreie Zusammenarbeit mit den Grünen habe eine Politik hervorgebracht, in der sich die Bürger wiederfänden, auch wenn "das Harakiri der letzten Monate" nicht im Koalitionspapier gestanden habe.
Es sei aber gelungen, in der Stadt eine gute soziale Atmosphäre zu schaffen, die ein lebendiges Miteinander aller Bürger möglich mache, und man habe eine Reihe von Projekten vom Altenhilfezentrum bis zu Sozialwohnungen auf den Weg gebracht, sagte Brehl, dem vorm Wahltag "trotz kühler Witterung" nicht bange ist. Daß die SPD am 7. März zu den Siegern zählen wird, meinte auch Landrat Enno Siehr, der ebenfalls die Bonner Regierungskoalition attackierte. Sie finanziere Ausgaben auf Pump und kürze im Sozialbereich, mit der Folge, daß sich "die Schere zur Zweidrittelgesellschaft noch weiter öffnen" werde.
Landrat Siehr ehrte beim Neujahrsempfang elf verdiente Mitglieder der Mörfelden-Walldorfer SPD: Dr. Fritz Weinmann und Otto Spielmann halten ihren Genossen bereits seit 40 Jahren die Treue. Doch sie hatten sich ebenso entschuldigen lassen wie Ursula Dieckerhoff, Werner Schmelz und Adolf Zwilling, die der SPD seit 25 Jahren angehören.
Die übrigen "waschechten 68er" (Siehr) Doris May, Karl-Adolf Becker, Hans Jakob, Ottmar Becker, Helmut Danzer und Baldur Schmitt nahmen indes außer den Dankesworten des Landrates die Urkunden und Blumen in persona entgegen. Siehr bescheinigte ihnen, sich für den langen und oft mühevollen Weg durch die Instanzen entschieden zu haben, und dankte ihnen für ihr langjähriges Engagement. wal
MÖRFELDEN-WALLDORF. Vor Wochenfrist war eine zehnköpfige Abordnung von Jugendlichen aus der Dieselstraße bei Bürgermeister Bernhard Brehl, weil sie sich um die Verkehrsverhältnisse in ihrer Straße sorgen. Doch nicht nur sie haben Angst.
"Das Maß ist jetzt voll", sagt Helmut Kerl, dem seit dem frühen Samstag morgen acht Meter Jägerzaun fehlen. Die hatte ein angetrunkener Fahrer, der von der Gerauer Straße kam, erwischt, als er nach links abkam. Er flüchtete zwar, konnte aber ermittelt werden, weil er Stoßstange samt Nummernschild verloren hatte.
Kerl berichtet, daß dies nicht nicht der einzige Unfall in dieser Nacht gewesen sei. Was die Polizei bestätigt. Weiter oben, an der Ecke Dieselstraße / Darmstädter Straße, hatte es vorher schon gekracht, als ein Autofahrer auf der Dieselstraße die Vorfahrt eines von rechts kommenden Autofahrers übersah. Bilanz des Crashs: ein Leichtverletzter und 12 000 Mark Schaden. Zwei Unfälle in einer Nacht seien zuviel, meint Kerl, den der Unfall vor seinem Haus beunruhigt. "Was wäre gewesen, wenn Fußgänger auf der Straße gewesen wären?" Der Unfall gleiche exakt jenem, bei dem am 21. Oktober 1992 ein Anwohner von einem Kleinlaster totgequetscht worden sei.
Seit die Gräfenhäuser Kiesgrube geöffnet ist und zunehmend schwere Lastwagen durch die Dieselstraße donnern, wächst die Angst. "Wenn so einer von der Straße abkommt, der bleibt nicht mehr im Zaun hängen, der landet im Haus", meint Kerl.
Daß die Lastwagen überhaupt durch den Ort fahren, versteht er ohnehin nicht. "Die könnten alle auf der Autobahn bis Weiterstadt fahren." Andererseits werde aber alles dafür getan, "damit die schneller und eleganter durchfahren können", moniert er. Seine Beispiele: das einseitige Halteverbot und die für die Schwerlaster umgebaute Hegbachbrücke. Kerl, der auch die Jugendlichen unterstützen will, plant jetzt einen Brief an den Bürgermeister, damit der weiter oben Dampf macht. Denn irgendwas müsse zur Temporeduzierung passieren. wal
"Ich bin grundsätzlich für die Bildung einer Regionalliga Süd", begrüßt der hessische Verbandsfußballwart Adam Schade (Witzenhausen) den Entscheid der Oberliga Baden-Württemberg, der mit 10:7 Stimmen zugunsten dieser neuen Klasse ausfiel. Nachdem bereits der bayerische Fußballverband die mehrheitliche Zustimmung seiner Oberligisten zugunsten dieser Klasse erhielt, steht noch der Entscheid in Hessen aus. Am 3. Februar treffen sich die Oberligavereine in der Sportschule des Hessischen Fußball- Verbandes (HFV) in Grünberg, um als letzter Verband darüber zu befinden.
"Bisher hat sich kein Verein direkt dagegen ausgesprochen" ergänzte Schade. "Die Regionalliga sollte jedoch das komplette Bundesgebiet umfassen, damit der Meister definitiv ohne Relegationsspiele in die 2. Bundesliga aufsteigen darf", nennt er die Grundvoraussetzung für die neue "3. Liga". Um einen raschen Vollzug - bereits für die Saison 93/94 - in die Praxis umzusetzen, bedürfte es bei einer Zustimmung der hessischen Oberligisten eines außerordentlichen süddeutschen Verbandstages. Die sechs besten Klubs der Oberligen Baden-Württemberg, Bayern und Hessen würden dann die neue Regionalliga bilden. Eine mögliche Einschränkung: Bei einem Absteiger aus der 2. Bundesliga (beispielsweise Darmstadt 98 in Hessen) würde sich die Zahl auf fünf Oberligavereine reduzieren.
Die Spitzenklubs sehen in festen Einnahmequellen wie Fernseh- und Totogeldern sowie höheren Sponsorenerlösen die großen Vorteile einer Regionalliga. "Doch genau hierin liegt der Knackpunkt", sagt Otmar Schork, Sprecher der hessischen Oberliga-Interessenvertretung (IG). Aus sportlichen Gründen, so Schork, sei gegen die Einführung dieser Klasse nichts einzuwenden, doch solange die wirtschaftliche Basis noch nicht geschaffen sei, hält er eine Zustimmung zugunsten der Regionalliga für nicht angebracht. Schork, der im engen Kontakt mit den bayerischen und baden-württembergischen Oberligisten steht, erwartet einen adäquaten Sockelbetrag für jeden der künftigen Regionalligisten, der entweder vom Süddeutschen Fußballverband oder aber durch den DFB gezahlt werden müsse. "Schließlich hat der DFB ein berechtigtes Interesse daran, daß der Unterbau für seine Bundesligen höchsten Ansprüchen genügt, derzeit ist das nicht der Fall." HANS-DIETER PUTH
Beim Polizeisportverein Grünweiß Frankfurt, der sich aus der Frauen-Handball-Bundesliga zurückgezogen hat, hält der Ausverkauf an. Inzwischen ist auch die populärste Spielerin des Traditionsklubs, die 97malige Nationalspielerin Hanne Koch (33 Jahre), bei einem anderen Verein untergekommen. Sie wechselte zum Regionalligisten SG Bruchköbel, trainiert ferner selbst den Oberligaverein TSG Bürgel.
Die ebenfalls zu Länderspielehren (12) gekommene Heike Goslar (29) schloß sich dem Bezirksligisten TG Bad Soden, wo ihre Schwester Anke Goslar aktiv ist, an. Die 100malige bulgarische Auswahlspielerin Irena Staneva ist beim Hessenrivalen GSV Eintracht Baunatal (2. Bundesliga Süd) untergekommen, Katrin Hoeninger ging zur TSG Ketsch zurück, Andrea Wiegand schloß sich Regionalliga-Spitzenreiter TSG Leihgestern und Ursula Unvericht in der gleichen Klasse der TSG Ober-Eschbach an. hdp
HOFHEIM. Ergänzen will der Kunstverein Hofheim seine Ausstellung mit drei Veranstaltungen. Am Sonntag, 24. Januar, zeigt die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit im Kleinen Kulturzentrum, Hauptstraße 38, um 17 Uhr einen Dokumentarfilm über Theresienstadt.
Musikalisch geht es am Montag, 1. Februar, weiter. Um 20 Uhr treten an gleicher Stelle die Klarinettistin Irith Gabriely und der Pianist Peter Prystaniak mit jiddischer Volksmusik auf.
Werke von Chopin und Rachmaninoff bringt Leonid Dorfman am Sonntag, 7. Februar, um 11 Uhr zu Gehör. kkü
Die Zukunft der bald 80 Jahre alten, vor 27 Jahren umgebauten Radrennbahn im Waldstadion ist derzeit das brennendste Problem für die Frankfurter Radsportler. Für ein paar klärende Worte kam darum Sportdezernentin Sylvia Schenk in die Jahreshauptversammlung des Bezirks Frankfurt/Maintaunus in Nied, die von Vertretern von 23 der 41 Vereine (3073 Mitglieder) besucht wurde. "In diesem Jahr steht die Radrennbahn weiter zur Verfügung", sagte Sylvia Schenk, "obwohl mit dem Abbau der Eisbahnen begonnen wird. Was 1994 wird, ist noch unklar. Wir wissen um die gute Tradition des Bahnradsports in Frankfurt und wollen sie nach Möglichkeit erhalten." Doch sie forderte auch ein klares Wort vom Bund Deutscher Radfahrer, ob er das Bundesleistungszentrum in Frankfurt erhalten will, und bat um Vorschläge für die Möglichkeiten der Mitfinanzierung durch interessierte Kreise. "Die Stadt Frankfurt kann einen Neubau einer Radrennbahn nicht finanzieren."
Bezirksvorsitzender Horst Köhler (Mars Rotweiß), der später mit seiner kompletten Mannschaft ohne jede Gegenstimme wiedergewählt wurde, betonte noch einmal: "Wir Radsportler wollen keine Sportstätte für uns allein, sondern sind zu jeder Kooperation bereit." boe
HANAU. Eine Polizeistreife hat in der Nacht zum Samstag zwei 16 und 19 Jahre alte Männer festgenommen, die kurz zuvor mit drei Komplizen in der Hospitalstraße das Schaufenster eines Elektrogeschäftes eingetreten hatten. Entwendet wurden vorwiegend Funktelefone.
Ein Zeuge hatte den Einbruch beobachtet und die Polizei gerufen. az
RAUNHEIM. Im Treppenhaus eines Hauses in der Bahnhofstraße lauerte am Samstag abend ein Unbekannter einer Frau auf, setzte ihr ein Messer an den Hals und zwang sie, ihre Wohnung im ersten Stock aufzuschließen. Der Mann ließ von seinem leicht verletzten Opfer ab, weil er Geräusche hörte, und flüchtete. Er wird als 20 bis 25 Jahre alt, 1,65 Meter groß, mit schwarzgelocktem Haar und pockennarbigem Gesicht beschrieben. Er trug Jeanshemd, weißes T-Shirt, dunkle Hosen und hellbraune Wildlederhandschuhe.
Hinweise an die Kripo in Rüsselsheim, Tel. 0 61 42 / 69 60. wal
RODENBACH. In psychatrische Obhut mußte die Polizei am Samstag einen 25 Jahre alten Rodenbacher bringen, der sich offensichtlich für den Comic-Helden "Asterix" hielt.
Ausgerüstet mit Helm und Feldflasche hatte er nächtens seine Nachbarn gestört, weil er unbedingt seinen eigenen, großen Hund gegen den kleineren der Nachbarn tauschen wollte. Begründung: Das Tier passe besser zu seinem "Freund Obelix", der bekanntermaßen einen Winzhund namens "Idefix" besitzt. Daß der Nachbarhund dunkel und nicht wie "Idefix" weiß ist, störte den 25jährigen nicht. Weiße Farbe hatte er schon bereitgestellt. az
vs NEUSS, 17. Januar. Der nordrhein- westfälische CDU-Landesvorsitzende, Bundesarbeitsminister Norbert Blüm, läßt seine Partei weiterhin im ungewissen, ob er sie nach dem mißglückten Versuch 1990 noch einmal als Spitzenkandidat in eine Landtagswahl führen wird. Blüm, der bei seiner erneuten Wahl zum Landesvorsitzenden die Zustimmungsquote der Delegierten von seinerzeit 87 Prozent auf 88,2 Prozent steigern konnte, begründete sein Verhalten mit rein taktischen Argumenten: Die CDU dürfe der SPD nicht den Gefallen tun, durch eine "vorzeitige" Entscheidung über den CDU- Spitzenkandidaten von deren eigenen personellen Schwierigkeiten abzulenken.
Die CDU werde "rechtzeitig" den besten Spitzenkandidaten in das Rennen schicken, den sie habe, versprach Blüm den Delegierten in Neuss. Ein neuer Landtag wird in Nordrhein-Westfalen mit seiner fünfjährigen Legislaturperiode erst im Mai 1995 gewählt. Ministerpräsident Johannes Rau hatte bereits Ende vergangenen Jahres angekündigt, daß er wieder für dieses Amt kandidieren werde.
Blüm zeigte sich deutlich unzufrieden mit dem derzeitigen Erscheinungsbild der CDU in Bund und Land. Wie die Partei in einer "Zeit der stärksten Bestätigung" ihrer Ideale und Programmatik "das schwächste Selbstbewußtsein entwickelt, das gehört zum Betriebsgeheimnis der Christdemokraten", stellte der Bundesarbeitsminister fest. Er sei auch für Selbstkritik, sagte Blüm und schränkte dann ein: "Aber nicht in der weinerlichen Ausgabe. Ein Waschlappen eignet sich nicht als Wegweiser."
Blüm warnte die Delegierten des - trotz eines stetigen Mitgliederverlustes - mit rund 218 000 Mitgliedern noch immer stärksten CDU-Landesverbandes davor, "unsere Insider-Wichtigkeiten als die Prioritäten der Bürgerinnen und Bürger" mißzudeuten. Eine "Blähung in der CDU" sei "noch kein Donnerschlag in der Gesellschaft", argumentierte der alte und neue Landesvorsitzende in der ihm eigenen bildhaften Sprache. Die "meinungsbefragungsgestützte Politik", die vielerorts betrieben werde, "sie kotzt mich an", rief Blüm in den Saal.
In der Aussprache über Blüms Ausführungen und die des CDU-Vorsitzenden Helmut Kohl konnte ein Delegierter der Jungen Union allerdings in solcher "Prominentenrhetorik" auf Parteitagen wenig Nutzen für die Partei in deren Alltag erkennen. Wenn die CDU in Nordrhein- Westfalen nicht endlich lerne, kontrovers zu diskutieren, werde sie auch weiter bei ihren derzeitigen rund 30 Prozent bei allen Wahlumfragen "herumdümpeln", sagte der Delegierte voraus.
Um das zu verhindern, präsentierte der ebenfalls mit dem Traumergebnis von 92 Prozent Zustimmung in seinem Amt bestätigte nordrhein-westfälische CDU-Generalsekretär Herbert Reul den Delegierten Vorschläge zu einer Parteireform, die an den bisherigen Grundsätzen der nordrhein-westfälischen CDU-Praxis rütteln. Als Beweis für eine "neue Bescheidenheit" der CDU werden darin unter anderem der Verzicht auf alle Aufsichtsratsposten von CDU-Politikern in Stadt, Land und Bund verlangt, das Verbot von Doppelmandaten und die Urwahl der Kandidaten für Stadtrat, Landtag und Bundestag durch die Parteimitglieder anstelle der heute üblichen Delegiertenversammlungen gefordert.
Diese Absichten sollen allerdings erst an der Parteibasis diskutiert und auf einem der nächsten Parteitage zum Beschluß erhoben werden. Anstatt über die Parteireform diskutierten und verabschiedeten die Delegierten in Neuss ein "Sofortprogramm" gegen die Alltagskriminalität, in dem mehr Polizisten, mehr Vollmachten für die Polizei und die "Wiederherstellung des Wertekonsenses" als die wirksamste Art der Kriminalitätsvorbeugung gefordert werden.
Tips und Termine · Tips und Termine
Filmspiegel Bad Homburg. Kaskade-Kino: Kevin allein in New York (15 Uhr); Bodyguard (17.15 und 20 Uhr).
Panda-Kino: Bodyguard (15, 17.15 und 20 Uhr).
Kino im Schwedenpfad (KiS): Gefährliche Liebschaften (17 Uhr); Grüne Tomaten (20 Uhr).
Friedrichsdorf. Lichtspiele Köppern: Die Schöne und das Biest (16 Uhr); Sister Act (20 Uhr).
Neu-Anspach. Saalburg-Lichtspiele: Kevin allein in New York (20.15 Uhr).
Oberursel. Stadthallen-Kino I: keine Vorstellung.
Stadthallen-Kino II: keine Vorstellung.
Kronberg. Kronberger Lichtspiele: Sister Act (20.15 Uhr). Ausstellungen Bad Homburg. Galerie im Stadthaus, Marienbader Platz 1: "Das akustische Spiel" von Frank Leissring, 15 bis 18 Uhr.
Volkshochschule, Elisabethenstr. 4-8: "Wenn der Ton singt" - Leben und Kunsthandwerk der Pueblo-Indianer, 9 bis 12 und 15 bis 17 Uhr; Öffnungszeiten des Geologischen Zentrums Taunus-Wetterau: 9 bis 11 und 16 bis 18 Uhr.
Königstein. Stadtbücherei im Kurhaus Königstein: 2. Kinder-Kunst-Ausstellung zum Thema "Igelhans", 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr. Vorträge/Kurse Steinbach. DRK-Kreisverband Hochtaunus: Beginn des Kurses "Atmen - Entspannen - Bewegen", Bürgerhaus, Clubraum II, 15 bis 16.30 Uhr.
Königstein. Luxemburger Schloß, Vortragsreihe "Königsteiner Forum": "Medien, Verfassung und publizistische Ethik", 20 Uhr. Referent: Prof. Dr. Friedrich Kübler.
Beginn eines neuen Babypflegekurses der ev. Familienbildung, Kyrioszentrum, 18.30 Uhr. Anmeldung: Tel. 0 61 73 - 46 84. Parteien/Parlamente Bad Homburg. SPD-Sprechstunde mit Beate Fleige, Stadthaus, Fraktionsgeschäftszimmer, 11 bis 12 Uhr.
Sitzung des Schulausschusses des Hochtaunuskreises, Landratsamt, Louisenstr. 86-90, 18 Uhr.
Sitzung des Ortsbeirates Dornholzhausen, Landgraf-Friedrich-Stube, Vereinshaus, Saalburgstr. 158, 18.30 Uhr.
Sitzung des Arbeitskreises "Mädchenarbeit im Hochtaunuskreis", Landratsamt, 9.30 Uhr.
Usingen. Bürgerinitiative Brandholz: Podiumsdiskussion, Stadthalle, 20 Uhr.
Oberursel. "Jugend- und Sozialpolitik im Hochtaunuskreis" - Veranstaltung der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft und der Jungen Union Hochtaunus, Rathaus, 20 Uhr. Kronberg. Jahreshauptversammlung der Jungen Union Kronberg, Stadthalle, Berliner Platz, 19.30 Uhr.
Königstein. Ortsbeirat Schneidhain, Dorfgemeinschaftshaus, 20 Uhr. Vereine/Organisationen Oberursel. VHS-Bücherbörse: Tausch, Kauf und Verkauf von Unterrichtsmaterialien, Geschäftsstelle der VHS, 9 bis 12 und 15 bis 17.30 Uhr. Seniorentreffs Bad Homburg. Altentagesstätte im DRK-Zentrum, Promenade 5: Quiz und Spiele, 15 bis 17 Uhr.
Friedrichsdorf. Flick- und Nähstube in Seulberg, Altenheim "Haus Dammwald", Kolberger Str. 1-3, ab 14.30 Uhr.
Seniorenbeirat: Besichtigung der Tettauer Glashütte, Hugenottenstr. 127, Treffpunkt 14 Uhr vor dem Eingang.
Oberursel. Altes Hospital: Bastelnachmittag 14 bis 16 Uhr.
Steinbach. Seniorentreff: Gedächtnistraining, 14 Uhr. Kinder/Jugendliche Friedrichsdorf. Jugendzentrum Köppern, Dreieichstr. 20 a, 17 bis 22 Uhr.
Steinbach. Jugendhaus: Kindertreff und Spielnachmittag, 15 bis 18 Uhr. Weihnachtsbaumabfuhr Friedrichsdorf. Abholung in allen vier Stadtteilen. (Bäume bis 7 Uhr an den Straßenrand stellen.)
Usingen. Restliche Abfuhr in den Stadtteilen Usingen, Merzhausen und Wilhelmsdorf.
Mitten im Winter leiden Zentral- und Südspanien an schwerem Wassermangel. Der Schaden in der Landwirtschaft beträgt bislang rund vier Milliarden Mark. Doch im regenreichen Norden sträuben sich Bauern und Politiker, das begehrte Naß durch große Kanalprojekte in den Süden umleiten zu lassen.
Am härtesten trifft der Wassermangel Andalusien. Die Herbstregen sind fast ganz ausgeblieben. In Sevillas Haushalten fließt seit einer Woche zwölf Stunden pro Tag kein Wasser mehr aus den Hähnen. Die Geschäfte verkaufen 35mal mehr Mineralwasser als zuvor. Am Wochenende griff die Kirche ein: Priester holten die "Jungfrau der Könige", die Schutzpatronin der Stadt, aus der Kathedrale und ließen sie unter Gebeten und Gesängen in einer Bittprozession um Regen durch die Straßen tragen. Bauernverbände klagen, daß Produkte wie Reis und Baumwolle nicht ausgesät werden können, falls bis zum Februar nicht noch starke Niederschläge fallen. Das Wasser in den Stauseen der Umgebung Sevillas reicht nur für weitere 30 Tage.
Städte wie Madrid bohren Brunnen und legen Leitungen, um bis zu 100 Kilometer entfernte Flüsse anzuzapfen. Die Stadtverwaltungen mahnen die Bevölkerung, Wasser zu sparen und die Regierung arbeitet einen "Wasserplan" aus, der die Ableitung von Wasser aus dem regenreichen Norden in den Süden vorsieht.
Der Plan hat zu erstem Streit geführt. Die Regionalregierung von Aragon will verhindern, daß Wasser aus "ihrem" Ebro-Fluß, das jetzt "unverbraucht" ins Meer fließt, umgeleitet wird. "Wir haben keinen Überfluß", behauptete Regionalpräsident Emilio Eiroa. Im Duero-Becken meldeten Bauernverbände ihre "volle Opposition" gegen die Umleitung des Wassers an.
WERNER HERZOG (Madrid)
DARMSTADT. Eigentlich sollte das Tanztheater über "Peter Iljitsch" eine Analyse der "Neurose" Tschaikowskys werden. Aber bereits in den Vorankündigungen wird klar, daß solcher Plan scheitern muß, wenn Choreograph Andris Plucis, begeisterter Leser von Psycho-, Polit- und Soziologieliteratur, Neurosen mit Psychosen verwechselt. Die Tschaikowsky nachgesagten Wahnideen sind typisch für tiefere seelische Störungen im Sinne der Psychose. So kippt Plucis seinen ambitionierten Plan und flüchtet sich in die Burleske mit lustigen Bildeffekten, die Emotionen verdeutlichen sollen. Dabei gelingt dem Tanztheatermacher besonders anfangs eine Flut suggestiver Eindrücke, die im weiteren Verlauf zu oberflächlichen Gags abebben.
Den ersten Akt begleitet musikalisch Tschaikowskys 1. Klavierkonzert, von Pianist Holger Berndsen und dem Staatsorchester sensibel interpretiert. Zum zweiten Teil wird die 4. Symphonie eingespielt; ihr gibt Dirigent Stephan Tetzlaff allzuviel dröhnendes Pathos.
Im ersten Bild hockt Peter Iljitsch mit massig-intensiver Gestaltung durch Wolf Flüs an der Bühnenrampe und spielt auf altem Grammophon eigene Platten ab. Dahinter probt Meister Marius Petipa, Schöpfer der berühmtesten "Schwanensee"-Version, im Tellkostüm und mit Armbrust mit diversen Siegfried-Darstellern den Schluß des ersten Akts des Werkes. Peter und Marius geraten sich über Taktzählen in die Wolle; diese Ballettheinis machen es völlig abstrus von eins bis acht, ein Graus für jeden Musiker wie Tschaikowsky. Dann trippeln drei russische "Bruce-Brothers" auf halber Fußspitze urkomisch in die Szene. Sie stehen für Geldsäcke mit Mafianaturell, deren Moneten den Kunstbetrieb manipulieren. Die voluminösen Herren tanzen einen Mix aus Schwanenvariation und Gopak.
Das Ballettensemble trägt dunkelgrüne Samttrikots in modernem Outfit. Bei seinen Szenen gelingt Plucis die Suggestion von Bolschoi-Massen auf der Bühne, obwohl er nur einer zahlenmäßig kleinen Truppe vorsteht. Seine Protagonisten kleiden sich in den Gassen supergeschwind um. Dann tauchen noch Kinder in Kostümen aus den Folkloretänzen des "Nußknacker" auf, um breiten Publikumsgeschmack zu ergötzen. Dazu gibt Martin Lämmerhirt einen düster-geheimnisvollen Drosselmeier. Klara schaut von der Seitenloge eines imperialen Opernhauses zu.
Nachher badet eine Prinzessin statt im See in einer kleinen Wanne, schluckt später choleraverseuchtes Wasser wie Peter Iljitsch und fällt tot um. Tänzer hängen in Eisenrohrgeflechten von Schwanenflügeln kopfabwärts, elegante Ballerinen werden mit Stahlarbeitern konfrontiert, die rote Kommunistenschals um den Hals geknüpft haben. Das alles wirkt skurril, von Ausstatter Marcel Zaba fein dekoriert. Er läßt auch Tschaikowsky weiße Marmorskulpturen hereintragen, deren umschlungene Hände an Max Ernst und SED-Symbole erinnern.
Zum Schluß geht Choreograph Andris Plucis die Phantasie durch. Mit der Vorgabe, nicht die Psyche, sondern bloß Gefühle von Peter Iljitsch ergründen zu wollen, gerät die Szene zur Posse. Tschaikowsky sinkt in langen Dornröschenschlaf und träumt abstruse Tänze. Plucis fällt kein neues Bewegungsmaterial ein, also läßt er seine Ballerini weiter komisch hüpfen, Schwanengesten persiflieren, twisten und erotisch hüft- sowie kopfwedeln. Um trotzdem eine Impression von Neuartigkeit zu geben, müssen die Tänzer in altägyptische Aida-Kostüme oder Affenzottelhaut schlüpfen. So ergibt sich zwar "neuartiger" Bildreiz, der jedoch zum Thema paßt wie die Faust aufs Auge.
Immerhin gelingen Plucis einzelne Sequenzen voll analytischer Überzeugungskraft: Klaus Kruschel und Zbigniew Krasnopolski stellen homoerotische Verführer dar, ersterer aggressiv, der andere sanft: Doch Peter Iljitsch getraut sich nicht, seinen echten Liebesgefühlen nachzugeben; also hat die vergewaltigende Yvonne Erni alias kurzfristige Ehefrau Antonina leichtes Spiel, den Komponisten mit langem Kuß zur Hochzeit zu drängen.
Im Großen Haus des Darmstädter Staatstheaters zeigt Andris Plucis eine eher bunt-beliebige Ballettrevue zum Thema Peter Iljitsch Tschaikowsky. Das gesamte Tanzensemble agiert prächtig, Schauspieler Flüs in der Titelrolle nachhaltig überzeugend. Es bleibt der Eindruck ambitionierten Wollens und trotzdem Scheiterns. ROLAND LANGER
(Weitere Vorstellungen: 29. und 30. Januar; 3., 5., 7., 12., 13., 16., 17., 24. und 28. Februar.)
HOFHEIM. Der Schlagbaum im Hintergrund steht offen. Das Mädchen lehnt sich an den Wegweiser. 62 Kilometer bis Prag deutet ihr der Holzpfahl - 62 Kilometer zwischen dem Tod im Lager und dem Überleben in der Stadt. Eine Zeichnung eines jungen Menschen, eines von insgesamt 53 Bildern von Kindern aus dem Getto Theresienstadt, die seit gestern im Hofheimer Haindl-Hof zu sehen sind. "Zwischen Traum und Tod" ist die Ausstellung betitelt, die der Kunstverein Hofheim zusammen mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und dem Zentrum für altes und neues Wissen und Handeln zeigt.
Die Motivation für die Ausstellung liege auf der Hand, gab Margrit Raffel vom Kulturverein Hofheim den Blick frei auf die Bilder: Gemeinsam wollen sich die drei Vereine zu Wort melden wider Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. Die "leise Ausstellung" mit ihren "kleinen Bildern" sei Ausdruck eines von Angst durchtränkten Alltags. "Wir dürfen nicht blind und gehörlos werden für die Vergangenheit", mahnte Margrit Raffel. Denn: Die Krankheit der Gleichgültigkeit sei so tödlich wie Aids. Und Mölln sei überall - daran änderten auch die Lichterketten wenig.
"Den Terror des Menschen gegen den Menschen nicht zuzulassen", davon seien einige der 53 Bilder im Haindl-Hof Zeugnis, sagte Professor Armanski in seiner Eröffnungsrede. Der Historiker hat die Ausstellung nach Hofheim gebracht. Vor zwei Jahren sah er erstmals die Zeichnungen der Kinder aus Theresienstadt im Jüdischen Museum in Prag. Fortan war er bemüht, sie bekannter zu machen. Doch die Originale waren brüchig und beschädigt - nicht geeignet für eine Wanderausstellung. Die hat Armanski nun mit den 53 Kopien im Sinn. Vom Haindl-Hof aus sollen die Bilder durch die Republik gehen.
Für den Historiker sind die Bilder Dokument der Sehnsucht nach Schönheit und Würde. Trotz der Qual des Lagerlebens, der perversen Gewalt der Nazis, des Zerfalls der Hoffnungen - die Menschen hingen selbst im Verfall am Leben. Im Medium der Kunst hielten sie das Entsetzen fest und versuchten, das bedrohte Menschsein zu retten. Und die Zeichnungen der Kinder, die am Anfang ihres Lebens in eine mörderische Mühle gerieten, drücken deutlich und erschütternd die Wanderung zwischen Traum und Tod aus.
Sterben und Phantasie spiegeln sich in den 53 Bildern wider. Da zeichnete Doris Zdekauerová einen feuerspeienden Drachen, der ein blondes Mädchen in eine schwarze Wolke hüllt, geht das von Kurt Koralek gemalte Dorf in lodernden Flammen auf, brachte eine unbekannte Kinderhand die drangvolle Enge im Lagerquartier zu Papier.
Die Bilder sind noch bis zum 7. Februar zu sehen - und zwar werktags von 16 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 12 Uhr im Haindl-Hof, Hauptstraße 21. kkü
War es Denkfaulheit oder ein Scherz? Falls der Wetterauer Landrat Rolf Gnadl zu witzeln beliebte, hat er beim Karbener Neujahrsempfang seiner Partei, der SPD, den dümmsten Kalauer seiner politischen Karriere ausgesprochen. War sein Lob auf die Münzenberger Genossen dafür, "bodenständige Leute" für politische Ämter im Rathaus zu küren und "das Fremde" zu meiden, hingegen ernstgemeint, scheint er ohne zuvor geprüftes Redemanuskript gedankenlos dahingeplappert zu haben. Das aber können sich nur Männer am Stammtisch leisten, das sei noch der Münzenberger SPD bei der Lobpreisung ihres Kandidaten gestattet, einem Rolf Gnadl darf ein solcher Leer-Spruch nicht von den Lippen perlen.
Ich unterstelle ihm nicht bewußte Agitation gegen das "Fremde" und für das "Bodenständige", behaupte aber, daß er hätte wissen müssen, wie Gedankenloser Spruch oder schlechter Witz? schnell solche Worte mißdeutet und mißbraucht werden können. Worte sind so gefährlich wie Pfeile. Gedankenlos abgeschossen, sind sie nicht rückholbar. PETER GWIASDA
Aufgespießt
"Ja wir, die wir kollektiv zu Trotteln erklärt werden, warum machen wir denn eigentlich Politik? Ganz einfach: Weil die, die uns zu Trotteln erklären, es auch nicht besser können als wir, denn sonst würden sie es ja machen." Der CDU-Landesvorsitzende und Bundesarbeitsminister Norbert Blüm in seiner Eröffnungsrede vor dem Parteitag der nordrhein-westfälischen CDU in Neuss.
ALTENSTADT. Einen Schaden von 20 000 Mark richtete ein noch unbekannter Autofahrer am Sonntag gegen 0.20 Uhr in der Waldsiedlung an.
Er befuhr nach Polizeiangaben mit einem Opel die Siemensstraße in Richtung Industriestraße, kam auf der geraden Strecke aus ungeklärter Ursache nach rechts von der Fahrbahn ab und rammte zwei geparkte Autos.
Der Unfallverursacher ließ das Auto stehen und flüchtete zu Fuß. Der Wagen stammt aus Schöneck und ist vermutlich gestohlen, ermittelte die Polizei. ieb
Die auf der Suche nach geeigneten Reformmodellen für den Umbau Rußlands unermüdlich über den Globus streifende Polit-Elite Moskaus ist jetzt auch im fernen Chile sowie in Großbritannien fündig geworden. Während sich 25 Abgeordnete des russischen Parlaments gegenwärtig drei Wochen lang in London mit der britischen Demokratie vertraut machen, pries Vizepräsident Alexander Ruzkoj - bislang Anhänger des "deutschen Weges zur sozialen Marktwirtschaft" - nach dem Besuch einer chilenischen Parlamentsdelegation in Moskau nun die Erfahrungen des südamerikanischen Landes bei der Neuorientierung an: "Wir sollten die chilenischen Erfahrungen bei der Privatisierung der Staatsbetriebe genau studieren", sagte er. Rußland gehe denselben Weg, den Chile gegangen sei, war er sich sicher. Demgegenüber ist die südamerikanische Variante für den Jelzin-Vertrauten Gennadij Burbulis eher eine Schreckensvision. "Ich denke, für die nächsten zwanzig Jahre werden wir den sogenannten lateinamerikanischen Weg gehen", befürchtet er. "Dies bedeutet einen Verfall der Staatsmacht zugunsten von Mafia und Nomenklatura."
Bereits auf dem 7. Kongreß der Volksdeputierten war es Ende letzten Jahres zwischen Parlamentschef Ruslan Chasbulatow und dem damaligen Regierungschef Jegor Gajdar zu einem Streit über die zu bevorzugende Reformvariante gekommen. Die Regierung Gajdar, belehrte Chasbulatow seinerzeit, solle sich statt an dem US-amerikanischen Modell eher an den sozialer geprägten Kapitalismustypen Skandinaviens orientieren. Der sowjetische Ex-Präsident Michail Gorbatschow wiederum riet zu "europäischen Beratern", wobei er vor allem deutsche Wirtschaftler empfahl. Andere, wie etwa der politische Rechtsaußen Wladimir Schirinowski, forderten intensivere Beziehungen Rußlands zum irakischen Despoten Saddam Hussein: Dort sei am besten zu lernen, wie man dem Angriff des US- amerikanischen und jüdischen Imperialismus widerstehen könne.
Der von Beratern umstellte Jelzin versuchte im Dezember, den amerikanisch-skandinavischen Streit zwischen Chasbulatow und Gajdar mit dem entschiedenen Ausspruch zu schlichten: "Rußland geht einen russischen Weg." Dann aber begab sich der Kremlchef in das sozialistische Wirtschaftswunderland China, von wo er sichtlich beeindruckt zurückkehrte. "Mir scheint", soll Jelzin auf dem Heimflug gesagt haben, "daß die chinesische Bevölkerung zufriedener lebt als unsere." Das Modell China jedoch ist bei der russischen Wegsuche keine neue Empfehlung. Zuvor hatte bereits der konservative Wirtschaftsfunktionär Arkadi Wolskij einen Umbau der russischen Industrie unter strenger staatlicher Kontrolle, "wie in China", propagiert.
Auch aus dem 19. Jahrhundert ist die Sehnsucht der Russen nach einer Anlehnung an die chinesische Lebensart überliefert: Wenn wir dazu geboren sein sollten, andere Länder nachzuahmen, dichtete damals ein russischer Schriftsteller frei übersetzt, dann sollten wir es den Chinesen gleichtun, die von dem, was außerhalb ihrer Grenzen passiert, nichts wissen.
DIETMAR OSTERMANN (Moskau)
WEILROD. Die Grünen ziehen zum ersten Mal mit einer Frau an der Spitze in den Kommunalwahlkampf: Adelgunde Butz ist Spitzenkandidatin auf der am Wochenende verabschiedeten Liste. Jürgen Metz, bisher Nummer eins, tritt auf dem ebenfalls noch aussichtsreichen Platz drei an. Position zwei belegt ein Neuling aus Altweilnau, Rainer Brechtel. Die Grünen erreichten bei den letzten Kommunalwahlen 10,7 Prozent der Stimmen und somit drei Sitze.
Auf den Plätzen vier und fünf stehen Neuling Siegfried Stark und Günter Veith, der in dieser Legislaturperiode aus beruflichen Gründen sein Mandat niedergelegt hatte. Ebenfalls aus beruflichen Gründen kandidiert der bisherige Gemeindevertreter Michael Pauli erst auf Rang sechs; er will den Schwerpunkt seiner parlamentarischen Arbeit künftig auf den Ortsbeirat Riedelbach legen.
Sylvia Rosenkranz-Hirschhäuser, seit acht Jahren im Gemeindeparlament bzw. -vorstand tätig, fehlt auf der Liste. Zum einen sei es "eine frustige Sache", erklärt sie, daß die Grünen als Minderheit immer den kürzeren zögen. "Ökologische Veränderungen sind in Weilrod nicht zu realisieren", zieht sie enttäuscht über die Entscheidungen in Sachen Golfplatz, Firma Mania und das Baugebiet Cratzenbacher Berg Bilanz. Zum anderen wolle sie nicht mehr mitansehen, "wie in Weilrod um Mehrheiten taktiert, das Fähnchen nach dem Wind gedreht und das Sachinteresse hintangestellt wird". cn
Hessens Leichtathleten haben seit vergangenem Jahr ein neues Prunkstück für ihre Hallensaison. Und doch lockte die überdachte Sportarena in Kalbach nicht allzu viele Aktive hinter dem Ofen hervor - zumindest nicht für die Landestitelkämpfe. Die Sprint-Wettbewerbe erfreuten sich noch einiger Beliebtheit, je länger die Strecken jedoch waren, desto weniger Teilnehmer fanden sich. Und während sich die Männer sich für ihre Titel wenigstens noch einiger Konkurrenz erwehren mußten, ging es auf den Mittel- und Langstrecken für die Frauen sehr einsam zu. Die 800 Meter mußten mangels Interesse völlig ausfallen, die 1500 Meter "rettete" Steffi Kallensee von der Eintracht Frankfurt, indem sie sich als dritte Läuferin mit an den Start stellte, über 3000 Meter waren sieben Aktive gemeldet, vier erschienen, drei gestartet und zwei ins Ziel gekommen.
Wenn schon nicht Quantität, dann wenigstens etwas Qualität - und dafür sorgten in Kalbach vor allem die Springer. Bei 16,28 Meter landete Charles Friedeck von der LG Frankfurt nach dem "Hop-Step-Jump", knüpfte an seinen Weiten von vor zwei Jahren an und setzte unter Hessens Dreispringern in der Halle neue Maßstäbe. Die alte, mittlerweile schon elf Jahre alte Bestmarke von Wolfram Walther war mit 16,06 Meter notiert worden. Friedecks hochspringender Vereinskamerad Torsten Marschner überfloppte in Kalbachs Sporttempel 2,20 Meter, bestätigte damit die Meeting-Leistung der Vorwoche und verwies Altmeister Gerd Nagel (2,09 Meter) auf Rang zwei. Auch der Stabhochsprung-Titelträger kommt von der LG Frankfurt. Abonnements-Sieger Kai Atzbacher "überflog" in seinem einsamen Kampf um die Höhen 5,20 Meter, nachdem der letzte Konkurrent bei 4,80 Meter die Sachen packen mußte. Der Weitsprung war wieder einmal eine Sache der Heppenheimer Garde. Mit 7,65 Meter verteidigte Alexander Bub seinen Titel, Christian Thomas folgte mit 7,63 vor Hans-Peter Lott (7,55). "Es wäre auf alle Fälle noch mehr drin gewesen, 7,80 bestimmt, doch als ich bei meinem zweiten Versuch ein Ziehen in der Leiste bemerkte, habe ich lieber aufgehört", erklärte der Sieger. Auch von Christian Thomas, der seine Technik umgestellt hat und noch etwas unsicher sprang, sei noch einiges zu erwarten. Zu dem Heppenheimer gesellt hat sich seit dieser Saison auch Zehnkämpfer Thorsten Dauth. "Gelockt hat natürlich das Training bei Hansjörg Holzamer", sagte der Karbener, der es nach jahrelanger Einsamkeit in der Vorbereitung nun genießt, in der Gruppe zu trainieren. Sehr zufrieden war er mit den 7,25 Metern im Weitsprung und 15,62 Metern im Kugelstoßen - "ich hatte das erste Mal in diesem Jahr die Kugel in der Hand". Die Erfolgsbilanz der Springer ergänzte Caroline Meinel mit 1,80 Metern im Hochsprung. Die 19jährige stammt auch Württemberg und gesellte sich in diesem Jahr zum SV Blau-Gelb Marburg.
Das Trikot wechselte nach vier Jahren Training bei Harald und Ella Schmid im TV Gelnhausen auch 60-Meter-Hürdensiegerin Amona Schneeweis (8,48 Sekunden) und schraubte mit erfolgreichem Staffelfinish die Bilanz der Eintracht Frankfurt auf sieben Titel. "Ich trainiere jetzt sehr viel in Frankfurt, das kann ich mit meinem Studium besser vereinbaren, und bin am Wochenende meist in Mannheim bei Bundestrainer Rüdiger Harksen", erklärte die 22jährige. Ohne Hürden stürmte über 60 Meter wieder einmal die Jugendliche Gabi Becker vom LAZ Bruchköbel allen davon. 7,62 Sekunden verbuchte die 17jährige im Frauen-Wettbewerb. Auf die 60 Meter bei der weiblichen Jugend hatte sie mit diesem Start verzichtet. "Erst wollten wir die Jugendlichen ganz draußen lassen, haben dies aber noch geändert, so daß ein Doppelstart möglich war, allerdings nur in verschiedenen Disziplinen", erklärte Margret Lehnert, die Jugendwartin des Hessischen Leichtathletik-Verbandes. Für eine Sprinterin wie Gabi Becker birgt diese Vorgabe wenige Probleme. Samstags bei den Frauen 60 Meter und sonntags bei der Jugend 200 Meter und Staffel. Andere Jugendliche hingegen, die vergangenes Jahr noch bei beiden Meisterschaften, die auch zeitlich weiter auseinander lagen, zugange waren, konzentrierten sich nun auf die Wettbewerbe ihrer Altersstufe.
Der Jugend entwachsen ist 1993 Eintracht-Sprinter Christian Geiser. Mit einer der schnellsten Zwischenlaufzeiten über 60 Meter (6,96 Sekunden) spielten ihm im Endlauf jedoch die Nerven einen Streich, er mußte nach einer Fehlstart- Serie dem Bruchköbler Florian Gamper (6,97 Sekunden) das Feld überlassen. Über 200 Meter jedoch machte der 19jährige sein Mißgeschick wieder wett und blieb in 21,81 als einziger unter der 22-Sekunden-Marke. Auch Vereinskameraden Lars Klingenberg (400 Meter/48,69 Sek.) und Enrique Tortell (1500 Meter/ 3:53,11 Minuten) bewiesen Überlegenheit.
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Heute Mitgliederversammlung FRIEDBERG. Alle interessierten Frauen sind zur Mitgliederversammlung des Vereins gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen ("Wildwasser") heute, Montag, um 19 Uhr in den Vereinsräumen in der Hanauer Straße 12 eingeladen. Der Verein bietet seine Räume auch Selbsthilfegruppen an. "Wildwasser" hat die Telefonnummer 0 60 31 / 6 40 00. Parlament Ranstadt tagt RANSTADT. Über den Beitritt zur gemeinnützigen "Flüchtlingshilfe Wetterau" entscheidet das Gemeindeparlament in seiner Sitzung am Mittwoch, 20. Januar, um 20 Uhr im Rathaus. Der Haupt- und Finanzausschuß hat den Beitritt mit einem Geschäftsanteil von 5000 Mark empfohlen. Außerdem geht es um die Förderung von Regenwassernutzungsanlagen sowie um die Neuordnung der Abfallbeseitigung.Geld für Regenwassernutzung FRIEDBERG. Die Richtlinien für Zuschüsse zum Bau von Regenwasseranlagen diskutiert der Umweltausschuß des Stadtparlamentes am Mittwoch, 20. Januar, um 18.15 Uhr im Sitzungszimmer des Alten Rathauses. Außerdem steht der Antrag der Grünen auf Renaturierung von Beunebach, Leihgraben und Seebach auf der Tagesordnung. Zukunft der "Zuckerfabrik" FRIEDBERG. Der Bebauungsplan für das Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik steht auf der Tagesordnung der Sitzung des Ausschusses für Bauwesen und -planung des Stadtparlamentes am Mittwoch, 20. Januar, um 18.15 Uhr im Sitzungszimmer des Stadthauses. Außerdem geht es um die Bauleitplanung "Auf dem Bock", um dem Bebauungsplan "Südlich der Altkönigstraße" sowie "Links dem Bäumchesweg" in Ockstadt. "Bleiche" - wie geht es weiter? BAD NAUHEIM. Mit der Gestaltung der Bleiche befaßt sich der Ausschuß für Bau- und Planungswesen des Stadtparlamentes am Donnerstag, 21. Januar, um 20 Uhr im Sitzungszimmer des Rathauses, Friedrichstraße 3. Fahrer vermutlich betrunken FRIEDBERG. Gegen die Ampel an der Einmündung der Lindenstraße in die Ockstädter Straße raste ein vermutlich betrunkener 27jähriger Autofahrer aus Assenheim Sonntag gegen 2.25 Uhr mit seinem Wagen. Der Fahrer und seine drei Mitfahrer erlitten leichte Verletzungen. Es entstand ein Schaden von 10 000 Mark.
rei BONN, 17. Januar. Ein Untersuchungsausschuß soll nach den Vorstellungen der Sozialdemokraten die Bestechungsaffäre um das Rüstungsprojekt Lapas aufklären.
Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Peter Struck, forderte in der Bild am Sonntag, der Bundestagsverteidigungsausschuß solle sich als Untersuchungsausschuß konstituieren. Dies sei die beste Möglichkeit, "außerhalb der strafrechtlichen Verfahren politische Verantwortlichkeit zu untersuchen".
Auch Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU), der das Projekt am Freitag unmittelbar vor der Vertragsunterzeichnung mit den US-Partnern gestoppt hatte, sprach sich für eine "schnelle und rückhaltlose Aufklärung der Vorgänge" aus.
Der frühere Luftwaffeninspekteur Eberhard Eimler, der ebenso wie weitere Mitarbeiter der Rüstungsabteilung des Verteidigungsministeriums in die Affäre verwickelt sein soll, räumte ein, er habe von dem an der Entwicklung des Aufklärungsflugzeuges beteiligten bayerischen Luftfahrtunternehmen Grob Silvester 1988 eine Brasilien-Reise finanziert bekommen. Dies sei "möglicherweise eine Fehleinschätzung der Situation" gewesen. Er habe jedoch "keinen Einfluß auf irgendwas gehabt und auch keinen Einfluß genommen".
Ein Sprecher der Bonner Vertretung des texanischen Unternehmens E-Systems sprach von "Störmanövern" von Projektgegnern mit dem Ziel, Lapas "zu verzögern, zu verteuern und dadurch aufs Spiel zu setzen".
Mehrere Politiker von SPD und FDP hatten sich am Freitag nach Bekanntwerden der Bestechungsaffäre dafür ausgesprochen, das umstrittene Projekt ganz aufzugeben.
Bei Lapas handelt es sich um ein Spähflugzeug, das in 15 Kilometern Höhe Signale eines möglichen Gegners empfangen kann. Allein die erste Phase des Projekts, die Anschaffung von zehn Flugzeugen des Typs Lapas I, sollte 2,5 Milliarden Mark kosten.
GRIESHEIM. Die schuleigene Cafeteria, das Griesheimer Mainuferfest und der Schulalltag in Pakistan sind nur einige Themen, mit denen sich die Schulzeitung der Griesheimer Georg-Augst-Zinn- Schule beschäftigt. Das Blatt ist vor kurzem zum ersten Mal erschienen. Die Gründungsredaktion (zwei Mitglieder des Elternbeirats und ein Deutschlehrer) will vor allem die Eltern der etwa 650 Schüler zweimal im Jahr über das Schulleben informieren.
"Unsere Ansprechpartner sind die Eltern", erzählt Erika Rech, Redakteurin der Schulzeitung und Vorsitzende des Elternbeirates der Schule, "denn viele Schüler der Klassen fünf bis zehn erzählen ihren Eltern nicht mehr, was in der Schule los ist. Außerdem nimmt mit zunehmendem Alter der Kinder das Interesse der Eltern an der Schule ab."
Freie Mitarbeiter für die kommenden Ausgaben sind den Zeitungsgründern "erwünscht und gesucht". Vor allem die Schüler sind gefragt, bei der Schulzeitung mitzuarbeiten und Artikel zu schreiben. Deshalb ist bis zur nächsten Ausgabe die Gründung einer Schülerredaktion vorgesehen, bis jetzt wollen bereits sechs Schülerinnen mitmachen.
Ein halbes Jahr lang war die Zeitung vorbereitet worden, bis Eltern und Schüler der Georg-August-Zinn-Schule das erste Exemplar mit 32 Seiten in den Händen halten konnten. In etlichen Redaktionstreffen und vielen Stunden Heimarbeit war die Zeitung entstanden, das Layout beispielsweise macht einer der Redakteure zu Hause am Computer.
Sorgen bereiten den Zeitungsmachern allerdings noch die Kosten für Papier und Druck. 2200 Mark haben die 800 Zeitungen gekostet. "Gerade beim Papier haben wir weder gespart noch Abstriche gemacht, was die Umweltfreundlichkeit angeht", sagt Erika Rech.
Die Kosten wurden teilweise von der Schulelternkasse übernommen und teilweise durch Werbung, Spenden und den Erlös von Schulfesten beglichen. Erika Rech: "Ich habe einen Antrag auf Unterstützung beim Amt für Multikulturelles gestellt, aber bis jetzt noch keine Antwort erhalten. Mehr als zwei Seiten Werbung wollten wir in unserer Zeitung eigentlich vermeiden." Auf keinen Fall will die Redaktion Geld für die Zeitung verlangen, schließlich sei nicht mehr gewährleistet, daß alle Schüler und Eltern ein Exemplar erhielten.
Die vielfältigen Themen im Blättchen hat sich die Redaktion ausgedacht. Eine Einladung in die Schulbibliothek, ein Interview mit einem Lehrer aus Deutschland, der in der Türkei unterrichtet hat, und Rubriken, die in einer "richtigen" Zeitung zu finden sind: ein Pressespiegel, eine Übersicht über die wichtigsten Neuigkeiten an der Schule und die Rubrik "Namen und Personen". Als besonderes Bonbon haben sich die Zeitungsmacher ausgedacht, die Zeitung mehrsprachig zu gestalten und so zu gewährleisten, daß auch die Eltern ausländischer Schüler die Zeitung lesen können.
"Diesmal wurde das Interview mit dem deutschen Lehrer, der in der Türkei unterrichtet hat, in die türkische Sprache übersetzt, weil wir angenommen haben, daß so etwas für die Eltern interessant sein könnte", berichtet Erika Rech. Für die nächste Ausgabe hat sich bereits der Vater eines Schülers aus Afghanistan gemeldet, der einen Artikel schreiben möchte.
Trotz der vielen Arbeit, die in der Herstellung einer Zeitung steckt, hat es keiner in der dreiköpfigen Redaktion bereut. Erika Rech: "Wir haben unser Ziel erreicht und ein Forum für alle an der Schule geschaffen. Der Dialog ist schließlich am wichtigsten." jan
MAIN-KINZIG-KREIS. Ohne Erfolg blieb bis zum Sonntag die Fahndung nach einem etwa 40jährigen Mann, der am Freitag abend eine 51 Jahre alte Hanauer Geschäftsfrau durch einen Bauchschuß lebensgefährlich verletzt hatte. Der Unbekannte war mit der Frau in ihrem Wagen in Richtung ihrer Wohnung in Hammersbach unterwegs, als er sie plötzlich mit einer Waffe bedrohte und Geld forderte. Dabei lösten sich zwei Schüsse.
Anschließend floh der Täter, indem er eine zufällig in der Nähe ihren Wagen rangierende Frau zwang, ihn zur Raststätte Langenbergheim zu bringen. Der Mann ist 1,65 bis 1,70 Meter groß, korpulent, hat schwarze, kurze, nach vorne gekämmte Haare und einen Oberlippenbart. Bekleidet war er mit einer Tuchhose und einer dunklen Jacke - vermutlich aus Leder - und schwarzen Schuhen (siehe auch Hessen-Seite).
Ebenfalls fliehen konnte ein 25 bis 30 Jahre alter Mann, der am Freitag gegen 19 Uhr die Kassiererin eines Kinos am Freiheitsplatz mit einer Pistole bedroht und 900 Mark geraubt hatte. Der Täter hat kurzgeschnittene hellbraune Haare, trug eine Lederjakke, Bluejeans und einen gelben Rollkragenpullover.
Gefaßt wurde hingegen eine 19 Jahre alte Frau, die am gleichen Tag gegen 19 Uhr in der Hanauer Vorstadt nahe der Kinzigbrücke einer 66 Jahre alten Rentnerin die Handtasche entrissen hatte. Die 66jährige nahm zusammen mit einem Passanten die Verfolgung auf und schnappte die Räuberin einige hundert Meter weiter. Ein Komplize konnte entkommen.
In allen drei Fällen bittet die Polizei um Hinweise, die unter der Telefonnummer 0 61 81 / 100 - 470 entgegengenommen werden. az
RÖDERMARK. "Übersehen" hat laut Polizei ein 73 Jahre alter Autofahrer an der Hallenbad-Kreuzung in Urberach einen 28jährigen Mühlheimer Radrennfahrer. Bei der Kollision zwischen dem linksabbiegenden Auto- und dem entgegenkommenden Zweiradfahrer - er trug einen Schutzhelm - flog dieser gegen die Windschutzscheibe des Wagens. Der Radfahrer mußte ins Krankenhaus gebracht werden. ttt
Schwester Gabi ist die neue Chefin Gabi Fiedler leitet seit Januar das Langener Zentrums für Gemeinschaftshilfe Von unserem Redaktionsmitglied Karin Dalka LANGEN. Das Zentrum für Gemeinschaftshilfe steht seit Anfang des Jahres unter neuer Leitung: Gabi Fiedler, 40 Jahre alt und seit zehn Jahren dabei, hat das Amt von Gisela Müller-Reibling übernommen. Die beiden Frauen werden gleichwohl auch künftig eng zusammenarbeiten. Die Neue will die Arbeit des Zentrums auf die Krankenpflege konzentrieren und andere Aufgaben der Altenbetreuung verstärkt an andere Träger wie beispielsweise die Arbeiterwohlfahrt abgeben. In Gisela Müller-Reibling, die weiterhin Vorsitzende der Awo ist, hat Schwester Gabi eine Ansprechpartnerin, die nach ihren Worten weiß, worum es geht. Gabi Fiedler tritt in große Schuhe. Ihre Vorgängerin, die sich künftig noch stärker bei der Awo engagieren will, hat das Zentrum für Gemeinschaftshilfe, das 1975 gegründet wurde, initiiert und aufgebaut. Doch Schwester Gabi mangelt es nicht an Selbstbewußtsein. "Schon als junge Krankenschwester war ich stellvertretende Stationsschwester", erinnert sie sich. Außerdem stehe sie in gutem Kontakt mit erfahreneren Kolleginnen, die Sozialstationen leiten. Nachdem sie selbst viele Jahre stellvertretende Leiterin des Langener Zentrums war und sich entsprechend weitergebildet hat, traut sie sich zu, die "Riesenverantwortung" zu übernehmen. Ihren Beruf, der heute bei vielen jungen Leuten als unattraktiv gilt, "entdeckte" Gabi Fiedler, die aus dem Saarland stammt, nach ihrer Mittleren Reife bei einem sozialen Praktikum in einer Klinik, in der auch ihre Cousine arbeitete. "Die Arbeit mit Menschen gefällt mir", sagt sie kurz und bündig.
Nach ihrer Ausbildung in Zweibrücken arbeitete sie erst in der Uniklinik in Homburg an der Saar, dann im städtischen Krankenhaus in Emden. Seit 1981 lebt sie in Langen. Vor zwei Jahren ließ sie sich zur Fachkrankenschwester für Gemeindekrankenpflege ausbilden. Daß sie noch einmal die Schulbank drückte, war nach ihren Angaben nicht Voraussetzung für die Leitungsfunktion, aber eine sinnvolle Vorbereitung.
"Draußen bei den Patienten zu sein", war für Schwester Gabi bislang immer das Wichtigste. Auch jetzt will sie sich nicht hinter einem Schreibtisch verkriechen. Sie wird mit ihren Mitarbeiterinnen in die Bezirke gehen, um vor Ort zu sehen, wie die Arbeit am besten bewältigt und die Belastung der Schwestern in Grenzen gehalten werden kann. "Bei schwer kranken Patienten müssen oft zwei Schwestern da sein", sagt sie.
Ebenso liegen ihr "gute Erstinformationsgespräche" mit den Angehörigen im Büro oder bei den Leuten zu Hause am Herzen. Dabei wird abgeklärt, welche Art der Pflege gebraucht wird. Für die Angehörigen muß sich das Zentrum nach ihrer Erfahrung sehr viel Zeit nehmen. "Häufig sind wir mit den Patienten schnell fertig, aber oft braucht dann die Tochter, die die Mutter pflegt, ein offenes Ohr."
Die ambulante Krankenpflege ist nach den Beobachtungen von Schwester Gabi sehr viel anspruchsvoller geworden. Immer mehr Schwerkranke müßten versorgt werden. Dadurch würde ein Teil der Arbeit aus dem Krankenhaus nach Hause verlagert.
Für die neue Leiterin bedeutet das: Ihre Mitarbeiterinnen müssen sich auf das konzentrieren, wofür sie qualifiziert sind. "Wir können nicht alles bewältigen." Für Hilfen im Haushalt werden mehr und mehr andere Organisationen zuständig, die wie die Awo ihre Leistungen ausgebaut haben und sie auch mit den Krankenhassen abrechnen können. Hier werde viel Absprache nötig sein.
Für die Arbeit des Zentrums erhofft sich Fiedler mehr öffentliche Anerkennung. "Die schlechte Bezahlung der Krankenschwestern ärgert mich. Niemand sieht den psychischen Streß." Auch bei den Patienten vermißt sie manchmalDankbarkeit. Dabei spiele der Altersstarrsinn eine Rolle. "Wir geben unser Allerbestes", betont sie. Ihr Ziel: "Ich will, daß man von uns sagt, daß wir gut sind."
George Orwell hatte schon recht damit, daß einige Menschen eben gleicher seien als andere. Zum Beispiel die israelische Regierung. Da gibt es eine UN-Resolution, um genau zu sein: Nummer 799. Die besagt, daß die 415 deportierten Palästinenser zu unrecht außer Landes gewiesen wurden und nach Israel zurückkehren müssen. Aber nichts dergleichen geschieht. Ja, die israelische Regierung untersagt sogar dem Roten Kreuz, sich um die seit mittlerweile einem Monat bei Eis und Kälte im libanesischen Niemandsland ausharrenden Männer zu kümmern.
Ein UN-Sonderbauftragter reist an, vergebens. Der UN-Generalsekretär verhandelt mit Israels Außenminster und erhält gerademal die Zusage, daß das Rote Kreuz vielleicht doch mal vorbeischauen dürfe. Von Rückführung, wie in Resolution 799 verlangt, keine Rede. Ein paar hundert Kilometer weiter südöstlich verstößt Iraks Regierung offensichtlich gegen eine UN-Resolution, die besagt, Beobachter und Kontrolleure müssen ungehindert Zugang zu allen militärischen Objekten in Irak haben. Bagdad aber will die UN-Inspekteure nicht direkt aus Bahrein über die Flugverbots-Zone einreisen lassen und möchte ihnen einen anderen Kurs vorschreiben.
Was hört man dazu aus New York und Washington? Sein Land werde, sagt Noch-US-Präsident George Bush, Irak dazu zwingen, alle UN-Resolution einzuhalten. Die Jagdbomber auf der "Kitty Hawk" sind wieder in Alarmbereitschaft.
Natürlich verlangt niemand, daß die USA Israel mit Waffengewalt drohen. Aber es stimmt: Einige sind gleicher. df
ROM, 17. Januar. Der 62jährige italienische Mafiaboß Salvatore Riina (dpa-Bild), ist am Wochenende unter strengen Sicherheitsmaßnahmen
Aufsehen erregte die Mitteilung, ein prominenter Politiker habe "Totò" Riina noch kurz vor seiner Verhaftung in Palermo einen Besuch abgestattet; über den Namen des geheimnisvollen Kontaktmanns gibt es aber keinen Hinweis. Den entscheidenden Beitrag zur Verhaftung des Gangsters am Freitag leistete sein früherer Chauffeur Baldassarre Di Maggio, der seinen Chef wiederholt nach Norditalien und nach Deutschland gebracht hatte. Zur Zusammenarbeit mit den Carabinieri entschloß er sich, weil er von den "Corleonesi" zum Tode verurteilt worden war. Als Folge seiner Aussagen und der Polizeiermittlungen müssen in den nächsten Wochen zahlreiche Mafiosi mit Verhaftung rechnen.
In Sizilien und in Rom fehlte es nicht an Lobeshymnen über den gelungenen Coup gegen die "ehrenwerte Gesellschaft". Auf Häuserwänden von Palermo stand in Spray-Schrift geschrieben: "Bravi Carabinieri". Doch auch kritische Stimmen waren zu hören. "Ich empfinde Bitterkeit über die Tatsache, daß der Boß so lange ungestört im Untergrund leben konnte", sagte Richter und Parlamentsabgeordneter Giuseppe Ayala. Er gehörte zu den engsten Mitarbeitern der Mafia- Jäger Falcone und Borsellino, die vermutlich auf Befehl des Corleone-Chefs ermordet wurden. Unbehelligt von den Behörden hatte "Totò" 1974 die um zehn Jahre jüngere Antonietta Bagarella heiraten können, die ihm zwei Töchter und zwei Söhne gebar.
Alle Kinder wurden ordnungsgemäß beim Standesamt gemeldet. Mutter und Kinder lebten wie Riina, der Ende der sechziger Jahre ohne Erlaubnis seinen Verbannungsort in Norditalien verlassen hatte, unerkannt in Palermo. In Corleone tauchte "Ninetta" erst nach der Verhaftung ihres Mannes wieder auf, um künftig bei einer Schwester zu wohnen. Auf Fragen von Journalisten antwortete sie zornig: "Er war nicht das Ungeheuer, das ihr aus ihm macht. Jetzt haben ihn seine Freunde verkauft."
OFFENBACH. Die Liberalen schicken ihren Vorsitzenden Ferdi Walther gegen SPD-Stadtkämmerer Gerhard Grandke und den CDU-Sozialdezernenten Stefan Grüttner in die erste Oberbürgermeister- Direktwahl im Herbst 1993. Auf ihrem Listenparteitag für die Kommunalwahlen am 7. März nominierten die 60 anwesenden der 204 Mitglieder zählende Partei am Freitag abend im Gemeindezentrum der Dreifaltigkeitskirche den 56jährigen Soziologen, der von 1980 bis 1986 Kulturdezernent in Offenbach war, zum Spitzenkandidaten auf Platz eins ihrer Liste für das Stadtparlament.
Auf Platz zwei kam unangefochten wieder die Stadtverordnete Eva Heising. Auch ihr Fraktionskollege Paul Gerhard Weiß wurde mit 58 Stimmen auf Platz vier gewählt. Um die Plätze drei und fünf gab es Kampfabstimmungen um den bisherigen Stadtverordneten und Architekten Detlef Grösel und Eva Schnalzger, Gründerin der Bürgerinitiative für das Erdkabel, und ihrem Lebensgefährten, dem Diplom-Volkswirt Stefan Becker. Grösel verlor beide Abstimmungen eindeutig. Der Parteitag wählte ihn jedoch auf Platz eins der FDP-Liste für den ehrenamtlichen Magistrat, will ihn als Beigeordneten in den Umlandverband und in die Regionale Planungsversammlung im Regierungsbezirk Darmstadt schikken.
Auf Platz sechs der Liste steht der Juli- Vorsitzende Oliver Stirböck. Dann folgen Stephan Walther, Rainer Carls, Maria Eimann und Eugen Glenneberg, Erika Petermann-Husadel, Heinrich Farr, Joachim Papendick, Maria Schwintzek, und Mathias Kuch.
Auf der 48 Namen umfassenden Liste folgen ab Platz 16 acht nicht der FDP angehörige prominente Persönlichkeiten wie Irmgard Dedio, Geschäftsführerin des Sängerkreises Offenbach; Klaus Walther, Vorsitzender des Offenbacher Karnevalsvereins und des Theaterclubs Elmar; Paul Saupe, Sprecher der Bieberer Bürgerinitiative für die S-Bahn-Tunnel- Lösung, Günter Steigerwald, DRK-Kreis- Vorsitzender; Professor Jürgen Blume, Komponist, Dirigent und Lehrer an der Frankfurter Musikhochschule; die Frauenärztin Dr. Eva Yvonne Schlömer; der Apotheker Thorsten Klebs und der Optikermeister Andreas Guck.
Die nicht parteiangehörigen Kandidaten, so betont Spitzenkandidat Walther, "stehen für demokratisches Engagement in einer Zeit, in der viel von Politik- und Parteienverdrossenheit die Rede ist". Die FDP-Unterstützer appellierten deshalb an die Offenbacher, am 7. März auf alle Fälle zur Wahl zu gehen.
Vor vier Jahren bekam die FDP 3001 Stimmen oder 5,6 Prozent und damit vier der 71 Stadtverordneten-Mandate. Die sich von ihr abgespaltete Freie Wählergemeinschaft (FWG) erhielt ebenfals vier Mandate. lz
NORDWESTSTADT. Die Einbahnstraßenregelung in der Siedlung "Oberfeld", die im Rahmen von Tempo-30 seit November 1992 gültig ist, wird wegen massiver Bürgerproteste aufgehoben. Im Gebiet zwischen Rudolf-Hilferding-Straße, Praunheimer Weg, Am Stockborn und Bernadottestraße in der Nordweststadt gilt künftig wieder die alte Verkehrsführung. Den entsprechenden Antrag verabschiedete der Ortsbeirat 8 in seiner jüngsten Sitzung.
Während der Bürgerfragestunde des Stadtteilparlaments, das für Heddernheim, Niederursel und die Nordweststadt zuständig ist, kam es zu heftigen Kontroversen. Dabei gingen die Anwohner der unteren Dietrichstraße Ingenieur Rolf Burgholzer vom Planungsbüro Burgholzer und Trieb auch persönlich an. Die Bürger klagten über eine unzumutbare Belastung. Grund dafür: seit November des vergangenen Jahres müssen Autofahrer, die vom Praunheimer Weg über die Bernadottestraße in die Nordweststadt wollen, über die Straße Am Alten Schloß, Dietrichstraße und Heilmannstraße fahren. Früher konnten sie dagegen den direkten Weg über die Heilmannstraße nehmen.
Burgholzer hatte die Verkehrsführung geändert, da die Heilmannstraße ein zu hohes Verkehrsaufkommen aufgewiesen habe. Außerdem sei die Unfallgefahr an der Ecke Am Alten Schloß / Oberfeldstraße zu hoch gewesen. "Mein generelles Ziel war es, so den Fremdverkehr aus dem Gebiet herauszubekommen", erklärte Burgholzer.
Das ist nach Meinung der Dietrichstraßenbewohner nicht gelungen. Sie hatten 44 Autos in einer Stunde gezählt. Was in anderen Stadtteilen nur ein müdes Lächeln hervorrufen würde, sorgte im Oberfeld für Mißstimmung und heftigen Protest. Eilig wurde eine Liste mit 180 Unterschriften zusammengestellt und dem Ortsbeirat überreicht. Doch dabei blieb es nicht: Ortsvorsteher Helmut Gärtner erhielt anonyme Drohanrufe, das Planungsbüro wurde einen Tag lang mit Telefonterror belästigt.
In der Sache willigte der Ortsbeirat dennoch in die Forderungen ein. Die Dietrichstraße mißt nur 4,65 Meter in der Breite und hat einen Bürgersteig, der 55 Zentimeter schmal ist; sie ist damit die engste Straße in der Siedlung. Fußgänger mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer sind durch vorbeikommende Autos gefährdet. Hinzu kommen eine Baustelle und neu markierte Parkplätze in der Fortsetzung auf Seite 5
BAD VILBEL. Unbekannte Täter sind am frühen Samstag abend in ein Einfamilienhaus im Wohngebiet Gronauer Weg eingebrochen und haben daraus Schmuck, Bargeld (ausländischer Währung), einen Videorecorder und eine Herrenwolljacke gestohlen. Laut Kripo, die unter der Rufnummer 0 60 31 / 60 10 um Zeugenhinweise bittet, hebelten die Einbrecher eine rückseitige Balkontür auf. Den Schaden gibt die Kripo mit 8000 Mark an. mu
HANAU. Am Wochenende war es wieder einmal soweit: Die Karnevalisten haben in Hanau und seinen Stadtteilen die närrische Macht in den Rathäusern übernommen und wollen sie bis zum Aschermittwoch nicht mehr herausrücken. In der Goldschmiedestadt hatte man sich in diesem Jahr den Stadtteil Großauheim als Schauplatz des traditionellen "Rathausturmes" ausgewählt, vor allem auch deswegen, um den ständigen Vorwürfen, Hanau vernachlässige seine Stadtteile, entgegenzuwirken.
Die Erstürmung des Alten Rathauses in Großauheim, in dem auch die Polizei untergebracht ist, konnte sich am Samstag mittag denn auch sehen, oder besser hören lassen. Nach mehreren Kanonen- und Gewehrsalven, deren Lautstärke schon fast an Körperverletzung grenzte, mußten sich Oberbürgermeister Hans Martin und sein Gefolge aus Rathaus und Stadtverordnetenversammlung schließlich den gegnerischen Truppen ergeben und die Rathauschlüssel den verschiedenen Hanauer Prinzenpaaren aus der Kernstadt und den Stadtteilen Steinheim, Klein-Auheim und Großauheim überreichen.
Die Lautstärke der Kanonenschläge hatten sich offensichtlich an den früheren Ratshauserstürmungen in Hanau orientiert. Dort sind die geographischen Gegebenheiten anders, der Wiederhall kann dort besser entweichen als auf dem relativ schmalen Areal zwischen dem Altem Rathaus und dem Verwaltungsgebäude in Großauheim. Die ohrenbetäubenden Kanonenschläge taten der guten Laune der zahlreichen Besucher allerdings keinen Abbruch. Bei fast frühlingshaften Temperaturen stimmten Tanzgarden und Fanfarenzüge - als "Startänzerin" tat sich Birgit Hildner von der 1. Hanauer Karnevalsgesellschaft hervor - auf die jetzt beginnende "heiße Phase" des diesjährigen Karnevals ein. are
FRIEDRICHSDORF. Mit dem Kapitel "soziale Verantwortung" beginnt es, am Ende steht eine "klare Absage" an alle "ausländerfeindlichen und rechtsextremen Gruppierungen". Die Friedrichsdorfer SPD hat ihr kommunalpolitisches Programm für die nächsten vier Jahre verabschiedet, mit dem sie ab Anfang Februar in den Wahlkampf ziehen will.
Dann stecken Faltblätter mit den wichtigsten Programmteilen in den Friedrichsdorfer Briefkästen; eine Fachfrau und Polit-Prominenz diskutieren umrahmt von Kabarett über Stadtentwicklung. Dieser ersten Veranstaltung am Freitag, 5. Februar, sollen im Zwei- Wochen-Rhythmus zwei weitere folgen - ebenfalls mit einer Mischung aus Experten, Politikern und lokaler Kultur.
Um die "großen Linien" des Programms habe es im gut gefüllten Nebenraum des Köpperner Bürgerhauses keine Diskussionen gegeben, sagt Gisela Tenter, Vize-Vorsitzende der SPD. Das von mehreren Arbeitsgruppen vorbereitete Gesamtprogramm wurde denn auch einstimmig beschlossen, nach durchaus kontroversen Abstimmungen bei Details.
Es schreibt die bisherige Arbeit der Partei fort, fällt jedoch detaillierter aus als seine Vorgänger. So wurde etwa ein Vorschlag zur Finanzierung des langjährigen SPD-Ziels "Bürgerzentrum" eingefügt, um zu zeigen, daß diese "nicht illusionär" ist, erklärt Gisela Tenter. Zu einem Schwerpunkt der Kommunalpolitik soll für die SPD angesichts vieler junger Familien in der Stadt die Jugendpolitik werden. Sie strebt einen Jugendtreff sowohl für den Bereich Römerhof/Schäferborn als auch für Burgholzhausen an.
Beim Verkehr sieht die SPD die Entlastungsstraße für Friedrichsdorf, Köppern und Burgholzhausen als "eines der dringendsten Probleme überhaupt". Zugleich plädiert sie für die Förderung von Bus und Bahn, unter anderem durch einen gemeinsamen Fahrschein für Stadt- und Röder-Bus, S- und Taunusbahn.
Die SPD sieht Friedrichsdorf an den "Grenzen seines Wachstums". Mit einer "zukunftsweisenden Konzeption" will sie jedoch sowohl neue Gewerbe- als auch Grünflächen anbieten und zudem Seulberg vor dem Autobahnlärm schützen: Westlich der A 5 sollen um die Jahrtausendwende viergeschossige Gewerbebauten entstehen, die den Lärm abschirmen. Zwischen den Gewerbe- und den Wohnhäusern strebt die SPD einen breiten Grüngürtel mit Sportflächen an.
Bei der Durchsetzung ihrer Ziele rechnen die Sozialdemokraten laut Gisela Tenter weiter mit wechselnden Mehrheiten bei den jeweiligen Sachfragen ohne feste Koalition. Das vollständige Programm erhalten Interessenten an den Infoständen der Partei. stk
TÜBINGEN. Der Irrtum: Paul Cézanne war kein abstrakter Maler. Er wollte die "Realisation". Realisieren wie die venezianischen Maler Giorgione, Tizian, Tintoretto. Realisation bedeutet Komposition und Gewicht. Die Farbe muß so leicht oder so schwer sein, wie der Gegenstand, den sie beschreibt. Um von Größen zu reden, die jeder versteht, hatte Cézanne gesagt, man solle die Natur gemäß Zylinder, Kugel und Kegel behandeln. Das war aber nicht so gemeint, wie es seine Interpreten, zum Beispiel der radikale Kasimir Malewitsch, verstanden. Dieser Ausspruch wurde als theoretisches Pfand für künstlerische Revolten in Umlauf gebracht. Cézanne jedoch hat die geometrischen Begriffe "sphärisch" und nicht als Volumen verstanden.
Die Anwesenheit: Sichtbar sein heißt anwesend sein. Das Fühlen dieser "Anwesenheit" gehört zu den Glücksmomenten in der Tübinger Ausstellung. Die Gemälde, von denen 97 versammelt sind, entstanden zwischen 1867 und 1906, dem Todesjahr. Götz Adriani ist, unterstützt von Walter Feilchenfeldt, das Kunststück gelungen, diese Schätze aus der ganzen Welt in die schmucklose, in ein Meer von kleinkarierten Einfamilienhäusern eingekeilte Kunsthalle zu lotsen.
Paul Cézannes Gemälde haben eine körperliche Anziehungskraft. Der Besucher, der in Cézannes Räume eintritt, wird zum teilnehmenden Beobachter, zum Gast in den Landschaften, den Räumen, vor den Stilleben. Was der Autodidakt Cézanne während dieser hier vorgeführten fünfunddreißig Jahre malte, ist suggestive und zeitbezogene und doch zeitferne Gegenwart. Die plastische Anwesenheit der Malerei, ihre wilde Kraft, ihre Farbmasse, ihre Dynamik ist einer der Gründe, weshalb keine Abbildung das Original, kein Wort den optischen Eindruck ersetzen kann.
Das Sehen: Cézanne sagte, jeder Schatten sei eine Farbe wie das Licht. Der Schatten leuchtet aber weniger. Der Besucher steht also zwischen zwei Leuchtstärken: dem Licht und dem Schatten. Er muß sich schon im zweiten Raum, nach der Begegnung mit Cézannes Gefühlsrausch, den tollkühnen Liebesakten, den zeushaften Vereinigungsszenen entscheiden, ob er dem Meister in die Zwischenzonen des Sehens folgen will. Das Auge blickt von einem höheren Punkt. Diese Aufsicht holt wie mit einem Zoom die Szenerie in die Nähe: Vom erotisch-ironischen Voyeursblick auf das "Ewigweibliche" (1875) zu den "Zwei Kartenspielern" (1892-1895) und den Stilleben.
Die Schräge ist seine Verführung, seine Rutschbahn zum Sehen. Der Maler provoziert das Auf und Ab, die Linksneigung der Vertikalen, das Kippen von hinten nach vorne. "Die Ränder der Gegenstände fliehen in der Richtung auf einen anderen Punkt, der auf unserem Horizont liegt. Das Auge soll zusammenfassen, verschmelzen. Das Gehirn", sagte Cézanne in den von Joachim Gasquet aufgezeichneten Gesprächen, "wird es formulieren." Heute nennt man das einen Kameraschwenk.
Die Orte: Cézanne war seßhaft. Er wurde 1839 in Aix-en-Provence geboren und ist 1906 in der gleichen Stadt gestorben. Als er jung war, verbrachte er nicht Jahre in Akademien, aber im Louvre. Er reiste nicht in andere Städte, nur in andere Bilder. Er verbrachte nicht ganze Tage in den Bäumen, aber vor Baumstämmen, Ästen und Blättern, las Bücher Emile Zolas, mit dem er seit der Schulzeit befreundet war, vertiefte sich in Vergils Pastoralen und hatte die Luft und den Himmel im Blick. Das war seine Poesie.
Cézannes Raum war nicht hinter dem Fenster, sondern davor: Aix, Fontainebleau, Pontoise oder die Felsen von L'Estaque am Golf von Marseille, Felsen, die wie Turmbauten aus Grabplatten sind. An diesen Orten kehrte der Maler bei sich ein. Vergleichbare Standpunkte für die perspektivische Vision, für den fotografischen Blick, fand zum ersten Mal Vermeer.
Zwei in der Ausstellung gezeigte Ansichten des Landgutes Jas de Bouffan, das sich der durch Fellhandel reich gewordene und zum Bankier aufgestiegene Vater Paul Cézannes spät in seinem Leben leistete, zeigen des Künstlers vielfältige Möglichkeit der Annäherung: Verkürzungen der Tiefe und Schrägstellung. Der zusammengeschobene Raum ruft nicht nur ein Gefühl unmittelbarer Nähe, sondern auch den Eindruck von Verlassenheit und Unantastbarkeit hervor. Für die Kubisten war der Blick auf Cézannes "Maison et ferme du Jas de Bouffan" ein Blick in die Bibel. Götz Adriani, der nach den Tübinger Ausstellungen von Cézannes Zeichnungen (1978) auf Aquarellen (1982) so etwas wie ein Cézanne-Prediger auf Erden ist, übt sich im Katalog in großer Abstinenz gegenüber allen spekulativen Vereinnahmungen. Es gibt nur einen, und das ist Giacometti, den Adriani in der Cézanne-Nachfolge gelten läßt.
Die Äpfel: Ein Apfel war für Cézanne so beschreibbar wie ein Gesicht. Wie die Farben fallen auf seinen Stilleben die Früchte und Flächen übereinander. Der Apfel symbolisiert in der antiken Hirtenprosa die Liebe. Die Brüste seines Modells auf dem prallen "Liegenden weiblichen Akt" sehen wie Äpfel aus. Die Frau kommt aus dem Zwitterreich zwischen Puppe und Mensch, Körper und Komposition. Cézanne wollte einen Akt und ein Stilleben in Einklang bringen, eine Vereinigung, die nicht gelang, aber ein Bild, das mit seinen drehenden Bewegungen, mit den fallenden Früchten, den Geschwindigkeitsrausch der Futuristen vorwegnimmt. Ein Aktbild wie ein Versprechen. Hier, wie in etlichen Porträts, nutzt Cézanne den Vorhang als dramatisches Element, als Trennung zwischen dem Betrachter und dem zu betrachtenden Gegenstand.
Die Palette: Man muß nach Tübingen fahren, um die Farben leuchten, durchscheinen und vergehen zu sehen. Auf zwei Gemälden hat der Maler den Vorrat seiner Palette wie ein Programm vorgeführt. Einmal ist es eine Stuhllehne vor einem Selbstporträt, die er mit den Rost-, Oliv-, Grün- und Lufttönen seiner Farbskala versieht, einmal ist es eine Tischschublade, die er mit dem Kalender seiner Farben überzieht.
Anders als bei vielen seiner Kollegen verdunkelt sich Cézannes Skala nicht, im Gegenteil, je älter und auf sich bezogener der Maler wird, desto transparenter gelingt ihm die Behandlung der Leinwand. Er meistert die Ölgemälde mit der Leichtigkeit und Nachgiebigkeit des Aquarellierens. Die Schwere seiner frühen farbüberfütterten Bilder ist verschwunden und hat sich in Materie aufgelöst. Die Landschaften beginnen zu zittern und zu schweben, "sphärisch" wie die Luft.
Die Badenden: Die Nymphendarstellungen der Renaissance und des Barock, die Badeszenen von Puvis de Chavannes, Seurat bis zum anstößigen Frühstück Manets, haben Cézanne zu diesem Thema, zur Korrespondenz in der Behandlung des Gegenstücks Natur und Mensch verführt. Auf den Bühnen, die er aus der Phantasie für diese Szenarien baut, bildet aufgeplustertes Laubwerk den privaten geschlossenen Raum. Die "Fünf männlichen Badenden" haben noch die stämmige Erdverbundenheit, die drei Jahre später 1883 verschwunden ist. Die "Weiblichen Badenden vor einem Zelt" sind jeder realen Gegenwart enthoben, die manieristisch überlangen Körperpartien geben der Komposition Künstlichkeit. "Die großen Badenden" aus der Londoner National Gallery fehlen, wie andere Bilder aus großen Museen.
Die Porträts: Paul Cézanne hat keine Porträts gemalt, um Abbilder einer Person zu schaffen. Er hat darauf bestanden, daß ein Gesicht wie eine Vase und umgekehrt zu behandeln sei. "Ich male einen Kopf wie eine Tür, wie irgend etwas." Man erfährt in der Tübinger Ausstellung, daß der Maler sich selbst von dieser provokanten Aussage ausklammerte, daß er sein eigenes Gesicht mit dem Verlangen nach Interpretation, nach dem Blick auf ein Inneres gedeutet hat. Er, der Künstler, Zweifler, Grübler, der unzugängliche Mann, der in seinem großen Schädel stechende Augen hat. Um 1875 hat Cézanne sich vor einem blaßroten, gefleckten Hintergrund gemalt. Hundert Jahre später tauchen diese "Flecken" in Jasper Johns Gemälden wieder auf.
Weil der Augenblick eines Gemäldes im Gegensatz zur Fotografie so nie existiert, erhöht Cézanne in den 27 Porträts, die er von Hortense Fiquet angefertigt hat, die Malerei in den Gegenstand. Hortense Fiquet war die Mutter seines Sohnes und, nach Jahren der Geheimniskrämerei vor dem Zorn des Vaters, seine Frau. Erster Höhepunkt ist das zwischen 1877 und 1878 entstandene Bildnis Hortense im roten Sessel. Der Leiblichkeit des Stuhls entspricht die Leiblichkeit der Person. Alles, was zwischen Licht und Schatten, was an Varianten des Grüns möglich ist, spiegelt sich auf dem üppigen Rock. Die strenge vertikale und horizontale Gliederung von Fußboden, Tapetenmuster, Bilderrahmen, ist durch die weiche, volle Rundung des Sessels unterbrochen. Das Sichtbare setzt ein Auge voraus. Für das Meisterporträt "Madame Cézanne im roten Kleid" reichen zwei Augen nicht aus. Eingerahmt von einem mit Früchten bemalten drapierten, schweren, kostbaren und in plastischer Vollkommenheit gestalteten Stoff, einem Spiegel über dem Kamin, sitzt auf dem gelben Stuhl mit hoher quadratischer Lehne das zur Seite geneigte Modell. Sein bordeauxrotes Kleid reflektiert alle Spielarten des Grüns, die im Bild enthalten sind. Eine Anmutung von Farbe und ihrer Möglichkeit. Die Stilleben: In den Stilleben existieren Zeitlosigkeit und Vergänglichkeit in einer Verschwörung. Aufdringlicher und unmittelbarer als sein großes Vorbild Jean-Baptiste Chardin zieht Cézanne den Betrachter in das Arrangement, zu den Gegenständen und Früchten, den Stoffen, dem Holztisch. Der Maler besteht auf der Aufsicht auf den weißen Teller, auf das weiße, gestärkte, mit einem roten Streifen durchwirkte Tuch. Cézanne kippt den Teller gegen den Betrachter, die Früchte kullern, die Farben küssen sich. Wunderbar, wie Rilke, von Cézannes Malerei förmlich betrunken, das in seinen Briefen beschreibt.
Die Natur: Die Natur war sein Bett, sein Dach, das Gegenüber seiner Staffelei. In den letzten Wochen seines Lebens malte Cézanne eine Hütte, der das Blau des Himmels in der Türe steht, umgeben von Büschen und Bäumen, die der Mistral verzerrt. "Bilder", schreibt er da kurz vor seinem Tod seinem Sohn Paul, "wenn ich welche malen würde, wären nur Konstruktionen nach der Natur . . . doch ich sage immer dasselbe."
Von Eugène Delacroix, Cézannes wildem Vordenker, ist die Behauptung überliefert, daß das Schöne ein Zusammentreffen alles Angemessenen ist. Wer Paul Cézannes Gemälde der Tübinger Ausstellung gesehen hat, kann diese Vermutung verstehen. VERENA AUFFERMANN
(Kunsthalle Tübingen, Philosophenweg 76. Bis zum 2. Mai 1993, täglich geöffnet - außer Montag - von 10 bis 20 Uhr. Der Eintritt kostet 12,- Mark, der Katalog 39,- Mark, leinengebunden im Buchhandel 86,- Mark.)
Tränen nässen die Knopflöcher alternder Pop- und Rockfans: Ihre Musik ist staatstragend geworden. Nach der Wirtschaft (Pepsi- und Coca Cola, Amex, Apple usw.) bemächtigen sich auch die mächtigsten Männer der Welt zunehmend der E-Gitarre, des Bebob, der Schmalzlocke, des Hüftschwungs und des Synthesizers. Bill Clinton spielt umjubelt lausig Saxophon, und zu seiner Inauguration hat er neben zwei Elvis-Doubles und Barbara Streisand die Gruppen Fleetwood Mac und Peter, Paul & Mary geladen - Auslaufmodelle des 70er-Jahre- Pop also, die schon zu ihren Glanzzeiten nicht zu den Radikalen zählten.
Spätestens als Ronald Reagan 1984/85 seinen Wahlsieg mit den Beach Boys feierte, war auch für viele in der Hawaii- Hemden- und Bermuda-Shorts-Fraktion der Rockfans jenes Faß übergelaufen, auf dem man gut gelaunt surfen konnte.
George Bush verweigerte sich - wie alle Texaner seines Amtes zuvor - 1988/89 der Schunkelei der "Easy Rider"- Nachkommen (klar, auch die bayerische CSU würde kaum Udo Lindenberg einladen . . .). Und Bill Clinton, der übermorgen Amtsübergabe hat?
Er kann 1992/93 auf den Frust am Muff zählen, der die amerikanische Nichtraucher-Gesellschaft überfallen hat, die im Marihuana-Qualmen international noch immer an erster Stelle steht. Es blüht in amerikanischen Vorgärten ein neuer Konsens, der lautet: "Es muß sich etwas tun", oder rückwärtsgewandt: "Früher war alles besser."
Musikfans müssen sich schon fünfzehn Jahre zurücklehnen, um selbst bittere Dornröschen-Erinnerungen wachzuküssen: Da gab es die Bee Gees, John Travolta und das "Saturday Night Fever"; in den glitzernden Höhlen des Verrats, den Super-Discos, in denen nuttig verkleidete Mädels alternden Jungkarrieristen massenhaft überteuerte Drinks servierten, sang Fleetwood Mac: "I know, I know, there's nothing to say." "Rumours" hieß die LP, die zu den meistverkauften der Popgeschichte gehört. Und wahrscheinlich erinnert sich auch der 46jährige Mann aus Hope und Little Rock an jenes matratzenweiche Fleetwood-Mac-Instrumental "Albatros", dessen Harmonien Ende der 60er Jahre eine Generation von Hippies in die Rückenlage der bloßen Sehnsucht gezwungen hatte.
Damals zersägte aber auch Jimi Hendrix auf dem Woodstock-Festival skandalös den "Star Sprangled Banner"; Jim Morrison spuckte mit "W.A.S.P" auf die "white anglo-saxon protestants"; Frank Zappa schiß ikonenhaft auf die US-Gesellschaft; und die Musik-Kommunarden von Grateful Dead stellten die Talente junger Drogenfahnder auf die Probe.
Auch Clinton hat, wie er freimütig zugab, mal Marihuana geraucht; aber er hat nie tatenlos (wie Ted Kennedy) Bettgespielinnen in Chappaquiddik ersaufen lassen. Auch Clinton spielt Saxophon (wie Charlie Parker); aber er hat nie (wie Ronald Reagan) Western gedreht. Außerdem ist er nicht schwarz (wie Jesse Jackson), weiblich (wie Jane Fonda) oder gar schwul (wie Rock Hudson).
"Don't stop thinking about tomorrow", sang Fleetwood Mac 1977 - diesen Satz zitieren Clintons diverse Pressesprecher inzwischen gern auf CNN-begleiteten Pressekonferenzen.
Unter den Tränen im Knopfloch verschwimmen zwei Gedichtzeilen aus einem Song von Bob Dylan, gerade ein Vierteljahrhundert alt: "Don't follow leaders, watch the parking meters." Auf seinem Meisterwerk "Desire" hatte Dylan 1975 vor einem Präsidenten George Bush gewarnt. Dylan, als Warner inzwischen 30 Jahre "im Amt", ist zu Clintons Feier als Barde nicht geladen.
Schon wissen wir: Auch Clinton glaubt nicht mehr an die von ihm versprochene Halbierung der US-Staatsschulden. Auch er will Boote voller haitianischer Flüchtlinge von der Küstenwache zurückschikken lassen. Und es steht zu vermuten, daß auch er mit außenpolitischen Ablenkungsmanövern in Nahost seine ersten Meriten verdienen wird. Kein Wunder, daß er das Kleenex der Massenästhetik bevorzugt: Politpop statt Politrock tönt aus Little Rock. Schade um Al Gore, den US-Lafontaine. WOLFGANG SPINDLER
Montag, 18. Januar
Theater Die Komödie, Neue Mainzer Str. 18, Tel. 28 45 80: 20.15 Uhr, "Hier kocht der Chef".
Titania, Basaltstr. 23: 20 Uhr, Bockenheimer Theaterkreis - "Antigone".
Hessischer Rundfunk, Foyer Bertramstr. 8: 10 & 14 Uhr, Augsburger Puppenkiste. Musik Oper, Theaterplatz, Tel. 23 60 61: 20 Uhr, "Artifact" (Ballett).
Alte Oper, Opernplatz, Tel. 13 40 400: Großer Saal: 20 Uhr, Opernhaus- & Museumsorchester, Cäcilien-Verein, Frankfurter Singakademie (19.15 Uhr, Einführungsvortrag im Hindemith Saal; Mozart Saal: 20 Uhr, Brigitte Fasbaender, Marianne Hoppe, Wolfram Rieger - Liederabend. Jazz Life Podium, Kl. Rittergasse 22-26: 19.30 Uhr, Swingstars.
Irish Pub, Kl. Rittergasse 11: 21 Uhr, John Morrell.
Werkstatt, Gr. Rittergasse 106: 19 Uhr, The Runners.
Hotel Kutsch, Kl. Rittergasse 5: 20 Uhr, Five Pieces Plus One.
Jazzkneipe, Berliner Str. 70: 22 Uhr, Piano Solo.
Dreikönigskeller, Färberstr. 71: 21 Uhr, Modern Jazz Session.
Cooky's, Am Salzhaus 4: 22 Uhr, Sielwolf.
Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Str. 24: 15 Uhr, Schellackparty "Caféhaus Unterwegs". Literatur Literaturhaus, Bockenheimer Landstr. 102: 16.30 Uhr, Lesung "Italo Calvino - Die Jahreszeiten in der Stadt". Kino / Filme Jugendhaus Industriehof, Lötzener Str. 31: 15 Uhr, "Hasenherz" (ab 6 J.).
Das Kinoprogramm entnehmen Sie bitte dem Filmspiegel auf Seite 11 im Anzeigenteil. Museen / Galerien / Führungen Was Frankfurter Museen und Galerien zeigen sowie die allgemeinen Führungstermine lesen Sie täglich auf der Seite "Kulturpanorama Frankfurt" in der Abendausgabe sowie donnerstags auf der Freizeitseite "Was-Wann-Wo". Diskussionen Veranstaltungszentrum KA Eins, Kasseler Str. 1 a: 20 Uhr, Diskussion "Perspektiven von Mädchenarbeit in Frankfurt".
Neues Theater Höchst, Emmerich-Josef-Str. 46 a: 20 Uhr, Podiumsdiskussion "Fremdenfeindlichkeit".Sonstiges Briefmarkensammler-Verein Ffm-Nord: 18 Uhr, Tauschtreffen; Haus Dornbusch, Eschersheimer Landstr. 248.
Single-Treff Ffm.-Bornheim: 20 Uhr, Offenes Treffen; Nanu, Falltorstraße (Info 0 61 02/3 85 43).
City-Lauftreff am Römer: 12 bis 14 Uhr, Alte Mainzer Gasse 4, Laufstrecken 2, 4 und 8 km.
Ev. Familienbildung, Eschersheimer Landstraße 565: um 18.15 Uhr, Offene Trennungsgruppe. Hausfrauen-Bund: 14 Uhr, Bridge, Haus Dornbusch; 14 Uhr, Basteln für Soziale Zwecke, Brentano-Haus.
Fachverband für Hauswirtschaft, Dannekkerstr. 15: 15 Uhr, "Gerichte & Rezepte aus dem Reich der Mitte". Blutspende-Termine Blutspendedienst Hessen des DRK: Di., 19. 1., 9 bis 19 Uhr, Blutspendezentrale, Sandhofstr. 1. Apotheken Folgende Apotheken sind von Montag, 8.30 Uhr, bis Dienstag, 8.30 Uhr, ständig dienstbereit: Alte Apotheke, Bergen-Enkheim, Marktstraße 7, Tel. 0 61 09 / 27 29 ; Apotheke am Bürgerhaus, Griesheim, Waldschulstr. 5, Tel. 38 80 46; Apotheke an der Kleinmarkthalle, Berliner Straße 16, Tel. 28 17 03; Brücken-Apotheke, Schwanheim, Geisenheimer Straße 39, Tel. 35 83 10; Eichwald-Apotheke, Berger Straße 131, Tel. 49 31 76; Grüneburg-Apotheke, Grüneburgweg 5, Tel. 55 17 75; Marien-Apotheke am Marbachweg, Eckenheim, Eckenheimer Landstraße 244, Tel. 56 34 26; Mohren-Apotheke, Eschersheim, Alt-Eschersheim 63, Tel. 51 48 72; Raben-Apotheke, Sachsenhausen, Schweizer Straße 55, Tel. 62 14 14; Schönhof-Apotheke, Bockenheim, Schloßstraße 5, Tel. 77 96 71; Stephanische Apotheke, Sindlingen, Bahnstraße 113, Tel. 37 41 10; Westerbach-Apotheke, Sossenheim, Westerbachstraße 293, Tel. 34 28 72. Ärztlicher Notdienst Der ärztliche Notdienst für das Stadtgebiet Frankfurt ist unter der Sammel-Rufnummer 1 92 92 jederzeit erreichbar. Er soll jedoch nur bei Verhinderung des Hausarztes in Anspruch genommen werden. Für ambulant zu versorgende Notfälle: Notdienstzentrale im Haus Galluswarte, Mainzer Landstr. 265, und Usinger Str. 5.
Sanitätsdienstliche Bereitschaft für Soldaten der BW Stadt Frankfurt, Stadt und Kreis Offenbach, Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis, während der allgemeinen Dienstzeit: StOArzt Frankfurt, Tel. 2 47 78 - 433; nach Dienst und an Wochenenden: SanZentr. 412 Mainz, Tel. 0 61 31 / 56 26 42. Zahnärztlicher Notdienst Der zahnärztliche Notdienst in Frankfurt ist bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen, Zahnärztehaus Niederrad, Tel. 66 07 / 2 71, zu erfragen. Tierärztlicher Notdienst 19 bis 23 Uhr Tierarzt Knell, Beethovenplatz 7, Tel. 72 66 66; danach bei den tierärztlichen Kliniken (siehe Branchenfernsprechbuch unter "Tierärzte").Anwaltsnotdienstin Strafsachen (24 Stunden täglich)
Tel. 28 30 83. Telefonberatungen Tag und Nacht Telefonseelsorge im Ev. Volksdienst: Tel. 1 11 01; Telefonseelsorge im Haus der kath. Volksarbeit: Tel. 1 11 02.
Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche: 1 11 03.
Die Rubrik "Rat und Hilfe" erscheint jeden Montag in der Regionalausgabe und jeden Donnerstag in der Stadtteil-Rundschau mit allen Sprechstunden und Terminen für die gesamte Woche. Wir empfehlen, diese Rubrik aufzuheben.KälteschockGeorg Schramms Kabarett
Wußten Sie schon, welche Länder die Bundesrepublik überholen müßte, um sich in der UN-Statistik über die jährliche Aufnahme von Flüchtlingen von Platz 24 auf Platz 19 zu verbessern? Costa Rica, Honduras, Tansania und Elfenbeinküste! Wenn Georg Schramm mit Fragen dieser Art als schneidiger Entertainer ins Publikum geht, schimmern Wahrheiten durch seinen aalglatten Zynismus hindurch, die betroffen machen würden, wenn man nicht gerade mitten auf einem aberwitzigen Jahrmarkt der Betroffenheiten stünde.
Denn der Konstanzer Kabarettist zeigt mit seiner Rahmenhandlung, der Show "Dein Platz an der Sonne", wie sich ein durchtrainierter Moderator auch der Schrecken und Ängste unserer Zeit bemächtigt. Die verlogene Sprache und Heuchelei, mit der er sich moralische Appelle anmaßt (wie zum Beispiel: "Männer! Bitte keine Gewalt gegen Frauen!"), versetzt dem unterhaltungs-verseuchten Bewußtsein heilsame oder zumindest erfrischende Kälteschocks.
Was gibt's Neues auf der Hitliste der Themen, die uns bewegen? Deutschland steht auf Platz 1, denn es macht sich Sorgen um sich selber, bedrückt von der Frage: "Wie lange können wir es uns noch leisten, Kriege und Katastrophen ohne deutsche Beteiligung über die Bühne gehen zu lassen?" Der Hunger dagegen liegt abgeschlagen auf Platz 45, und auch die Atomkraft war schon lange nicht mehr unter den Top ten, dieses große Thema der achtziger Jahre, von dem wir durch einen Sonderbeitrag feierlich Abschied nehmen sollten.
Hier dreht sich Georg Schramm einmal um sich selbst, zieht einen blauen Kittel über und verwandelt sich in einen Lagerarbeiter bei Nukem. Die Art, wie er diesen durch Körperhaltung und Sprechweise, durch kleine Gesten und Füllwörter auf der Bühne verkörpert, erweist ihn als begnadeten Physiognomiker, der in Deutschland seinesgleichen sucht. Das ist etwas ganz anderes als die uralte Kabarett-Masche, Volkes Stimme zu mimen und, meist durch Übertreibung, dem Spott preiszugeben. Schramm denunziert nicht, er dechiffriert das gesellschaftliche Leiden zu einer Begegnung mit leibhaftigen Menschen, ohne herablassend oder sentimental zu werden. Allein in der Einfühlung in die Deformiertheit seiner Figuren, nicht in lobenswerter Gesinnungstendenz, liegt Solidarität mit den Opfern.
Das ist eine so hohe Kunst, daß sie nicht bei allen sechs in der Show auftretenden Typen gleichermaßen gelingen kann. Der fliehende Frauenarzt verquasselt sich ins Beliebige, und der lyrische Rebell wird von seinem Text erschlagen. Aber der nette Muskelprotz vom Fitneßcenter und der bitter-aggressive Altenheim-Insasse sind Kabinettstückchen der Kleinkunst: komisch, aber nicht lächerlich, unglaublich, aber aus dem Leben gegriffen, unwiderstehlich, aber kein bißchen sympathisch. PETER PETERS
GOTTFRIED KUZELKA, Stadtverordnetenvorsteher von Dietzenbach, hat beim Neujahrsempfang der Stadt die Bürger zu Engagement und neuem Bewußtsein für das Gemeinwohl aufgerufen. "Kümmern Sie sich auch um Ihr Parlament", appellierte der SPD-Politiker im Hinblick auf die Kommunalwahl namentlich an die Wählerschaft, denn eine Volksvertretung könne nicht besser als das Volk selbst sein, Demokratie beruhe auf dem Prinzip von Gegenseitigkeit.
Auch Bürgermeister Jürgen Heyer verwahrte sich dagegen, der Fehler einiger weniger wegen pauschal als Politiker verurteilt zu werden und immer wieder von "Politikverdrossenheit" hören zu müssen. Vor Vertretern aus Kommunalpolitik und Wirtschaft, Repräsentanten, von Vereinen, Sport und Kultur, sagte Heyer, daß er und der Großteil seiner Kollegen sich mühten, das Beste für Stadt und Gesellschaft zu tun und nur einige wenige "schwarze Schafe" dem Ruf der Politiker schadeten. ttt
Hatte der vorjährige Zyklus der im Vierzehntageplus angelegten "Konzerte in St. Katharinen" mit einem Silvesterkonzert vor ausverkauftem Haus einen abschließenden Akzent '92 gesetzt, so ging es - nahtlos - weiter, als Martin Lücker selbst, an der Rieger-Orgel des Hauses an der Hauptwache agierend, den Zyklus '93 mit Johann Sebastian Bachs Präludien und Fugen BWV 543 bis BWV 548 schwergewichtig eröffnete.
Lücker, der als Nachfolger Ingrid Stiebers nun knapp zehn Jahre im Amt ist, spielte Bach kontrastär, frappierend direkt in der Klangfarbenbestimmung, strikt am pulsierenden Metrum entlang, dann doch wieder zurückgenommen und agogisch gespannt.
Da war erst die firm versetzte Statik der c-Moll-Fuge, die in linear vorangetriebener Figurationslust, vertieft in ihrer plastisch nachgezeichneten Gestik und in ihrem Ideenreichtum ausgeschöpft polyphone Faszination wie aus einem Guß bringt.
Lücker spielt, besonders später, in h-Moll, voll inneren Antriebs, schöpft Innenspannung wie bekenntnishafte Prägnanz und spielerisch gebändigten, zugleich vital belassenen Umtrieb. Es ergibt sich, bis hin zu jenem gewaltigen Opus in e-Moll, eine ungebrochene, klingende Ganzheit in klar eingependelten, gelassen bewältigten Tempi.
Dann wieder anders, in a-Moll: Selbstverloren, scheinbar versunken in Klang- und Bewegungswelten, entsteht die Fiktion, dieser nun poetisch aufspielende Organist improvisiere, sinnierend, "nur so vor sich hin". Dann, C-Dur, harsch im Plenarklang und "stämmige" Motorik im Sinn. A.U.
BOCKENHEIM. Dieser Tage spukte es in der Stadtteilbücherei Bockenheim. Die Bibliothekspädagogin Ingrid Sommer war gerade dabei, mit Kindern zu basteln - sie hatten Figuren auf Pappe gemalt und ausgeschnitten - da tauchten urplötzlich Geister auf. Ihre Schatten waren auf einem Leinentuch zu sehen, das von hinten mit einer Lampe angestrahlt wurde. Die zum Teil vielköpfigen Ungeheuer vermehrten sich schnell und heulten und jaulten furchterregend. Wie durch ein Wunder gab es keine Opfer unter den Bibliotheksbesuchern. Sie kamen alle mit dem Schrecken davon.
Heraufbeschworen hatte Ingrid Sommer diese Geisterstunde am Nachmittag, indem sie aus dem Buch "Vom Ritter, der sich im Dunkeln fürchtete" von Barbara Shook Hazen vorlas. Es erzählt die Geschichte vom "beliebten und mutigen Sir Fred", der nur ein Problem hat: Nachts bekommt er es mit der Angst zu tun.
Und ausgerechnet seine Geliebte Lady Wendylyn, die er vor einem Drachen gerettet hat, will ihn um Mitternacht am Brunnen treffen. "Komm heute oder nie wieder", lautet ihre Botschaft. "Ich wette, manche von euch haben sich schon mal im Dunkeln gefürchtet?", fragte Ingrid Sommer ihre Zuhörer. Einige nickten, andere meinten, sie nähmen im Notfall "eine Taschenlampe mit".
Einen ähnlichen Trick verwendet Sir Fred: Er hat Glühwürmchen sowie einen Zitteraal, der eine Glühbirne im Mund trägt, bei sich, als er sich auf den dunklen Weg zu seinem Rendezvous macht.
Heil angekommen, gesteht er Lady Gwendylyn seine Angst. Sie erkennt, daß er für sie "seine größte Heldentat" vollbracht hat, worauf er feststellt: "Im Finstern ist es gar nicht so fürchterlich - wenn man nicht alleine ist."
Unter den unerschrockenen Kindern in der Bücherei waren auch einige vom Hort "Kinderinsel" in der Hamburger Allee. Ihre Betreuerin Dorothee Frenzel war eine der wenigen Erwachsenen, die es in der Geisterstunde aushielten. Viele Eltern seien zum Einkaufen in die Leipziger Straße geflüchtet, berichtete sie.
Für den Fall, daß noch weitere Geister nach der Lektüre von Büchern erscheinen, bittet die Stadtbibliothek um Meldungen. lub
Zwischen Vogelsberg und Spessart
Regenwassertonnen im Sonderangebot BAD ORB. Die Stadt will in einer Sammelaktion demnächst verbilligt Regenwassertonnen zur Verfügung stellen. Das 300-Liter Gefäß wird mit 20, die 500-Liter- Tonne mit 30 Mark gefördert. Derzeit wartet man im Rathaus noch auf einen Förderungsbescheid des Landes. Interessierte Bürger können im Bauhof zwei Tonnen besichtigen. Erinnerung an schlimme Zeiten BAD SODEN-SALMÜNSTER. Aus Anlaß des "Gelobten Tages" erklingen am heutigen Mittwoch um 9 Uhr die Glocken der Pfarrkirche St. Peter und Paul. Der anschließende Gottesdienst erinnert an ein Gelöbnis, das die Bewohner vor genau 250 Jahren änläßlich einer Viehseuche und Dürrekatastrophe ablegten. Beratung für Versicherte BIEBERGEMÜND. Der Versichertenälteste der BfA, Friedrich Volz, berät am Freitag, 22. Januar, wieder in Rentenfragen. Sprechzeit ist von 8 bis 11 Uhr im Rathaus am Gemeindezentrum. Vortrag der Landfrauen BIRSTEIN. Der Landfrauenverein Fischborn lädt alle interessierten Bürger zu einem Vortrag der Kreis-Abteilung Abfallwirtschaft ein. Der Vortrag am heutigen Mittwoch im Vogelschutzlehrheim beginnt um 20 Uhr. Ortsbeirat Neuses tagt FREIGERICHT. Über die Einrichtung eines Jugendtreffs diskutiert der Ortsbeirat Neuses in seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 19. Januar, um 19 Uhr im Mehrzweckraum der Grundschule. Rat in Rentenfragen GELNHAUSEN. Die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte gibt am Donnerstag, 21. Januar, in Gelnhausen Rat in Rentenfragen. Die Sprechstunde im Rathaus dauert von 8.30 bis 12.30 und von 13.30 bis 15.30 Uhr. Dorfgemeinschaftshaus wird übergeben GRÜNDAU. Der Umbau des Niedergründauer Dorfgemeinschaftshaus ist vollendet. In einer Feierstunde am Freitag, 29. Januar, um 20 Uhr wird das erweiterte Gebäude offiziell in Betrieb genommen.Kindergarten-Neubau im Ausschuß HASSELROTH. Mit dem Kindergarten-Neubau beschäftigt sich der Hasselrother Sozial-, Kultur- und Sportausschuß am Donnerstag, 28. Januar. Die Sitzung beginnt um 19 Uhr im Rathaus. Erste-Hilfe-Kursus des DRK JOSSGRUND. Ein kostenloser Erste- Hilfe-Kursus des DRK beginnt am heutigen Mittwoch in Pfaffenhausen. Die Teilnehmer treffen sich um 20 Uhr im Kirchensaal. Für die Bescheinigung müssen acht Doppelstunden absolviert werden. Eltern-Stammtisch LINSENGERICHT. Die Eltern der Brentano-Schule treffen sich auf Einladung der Schulleitung am Donnerstag, 21. Januar, in der Reinhardts-Schänke Altenhaßlau, Hauptstraße 29. Der Stammtisch beginnt um 20 Uhr. Geschichtsverein wählt Vorstand SCHLÜCHTERN. Zur Jahreshauptversammlung trifft sich der Heimat- und Geschichtsverein am Mittwoch, 17. Februar, um 19.30 Uhr in der Stadthalle. Unter anderem stehen Vorstandswahlen und die Vorbereitung des 15. Vereinsjubiläums an. Aufstellung der Wählerlisten SINNTAL. In Weichersbach wird heute abend um 20 Uhr im Gasthaus Kisssner die Wählerliste für den Orstbeirat aufgestellt. In Neuengronau findet das gleiche Procedere am Freitag, 22. Januar, um 20 Uhr im Feuerwehrgerätehaus statt, in Züntersbach zur gleichen Zeit in der Gastwirtschaft Zirkel/Schmidt. Pastor und Liedermacher STEINAU. Der Pastor und Liedermacher Jörg Swoboda tritt am Freitag, 22. Januar, in der Steinauer Katharinenkirche auf. Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr, der Eintritt kostet drei Mark. Mehr als 11 000 Wächtersbacher WÄCHTERSBACH. Die Stadt mit dem Wächter am Bach im Wappen hat die 11 000-Einwohner-Marke überschritten. In der jüngsten Statistik der Kreisverwaltung (Stand Mitte 1992) sind 11 014 Wächtersbacher ausgewiesen gegenüber 10 946 Einwohnern in 1991. Zuwachsgrund: Der sogenannte Sterbeüberschuß (62 Todesfälle gegenüber 48 Geburten) wird durch ein Plus von 82 "Zugereisten" mehr als wettgemacht.
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Kindergarten doch nicht teurer? BAD SODEN-SALMÜNSTER. Die Kindergartengebühren in Mernes sollen stabil bleiben. Pfarrer Siegfried Blaszczyk hat sich gegen die von dem bischöflichen Generalvikariat vorgesehene Erhöhung auf 100 Mark pro Monat ausgesprochen. Grund: Viele Eltern hätten bei der jüngsten Erweiterung mitangepackt. Dazu hätten die Dorfbewohner zuletzt 26 000 Mark für den Kindergarten gesammelt.
Schum erster Kandidat der FWG BIEBERGEMÜND. Der Fraktionsvorsitzende Bernhard Schum steht auch an der Spitze der Kandidatenliste der Freien Wählergemeinschaft für die Kommunalwahl. Auf Platz zwei folgt der Erste Beigeordnete Herbert Wagner. Die FWG, die zur Zeit sechs Gemeindevertreter stellt, möchte dieses Ergebnis halten und eine absolute Mehrheit einer anderen Partei verhindern.
Kneipp-Verein sucht Kartenspieler BIRSTEIN. Mitglieder des Kneipp-Vereins wollen einen Kartenspielkreis gründen. Alle Interessierten sind zum ersten Treffen für Donnerstag, 21. Januar, 17 Uhr, im Gasthaus Mohr am Schloß eingeladen.
Treffen der Grünen Brachttal BRACHTTAL. Die Grünen in Brachttal treffen sich am Freitag, 22. Januar, um 20 Uhr in der Alten Schule Hellstein. Thema ist das Wahlprogramm und die Publizierung desselben.
Hauptversammlung der Angler FLÖRSBACHTAL. Der Anglerclub Kempfenbrunn trifft sich am Samstag, 23. Januar, zur Jahreshauptversammlung in der Vereinsgaststätte "Zur Linde". Beginn: 18 Uhr. Närrische Senioren-Sitzung FREIGERICHT. Für ihre Seniorensitzung am Sonntag, 24. Januar, bieten die Somborner "Klopper" noch etliche freie Plätze an. Das närrische Vergnügen beginnt um 16 Uhr im Krone-Saal. Karten gibt es im Zimmer 12 des Rathauses. Anhänger machte sie selbstständig GELNHAUSEN. Auf eine verhängnisvolle Fahrt mit einem beladenen Anhänger blickte ein Verkehrsteilnehmer am Dienstag abend in der Lagerhausstraße zurück. Zunächst löste sich, so der Polizeibericht, der Anhänger ramponierte dabei einen parkenden Wagen. Dabei rutschte auch noch die Ladung auf die Straße, in die ein nachfolgendes Auto fuhr und dabei etliche Kratzer abbekam. Der Gesamtschaden wird mit 11 000 Mark angegeben. Vogelschützer bauen Vereinshütte GRÜNDAU. Die Breitenborner Vogelschutzgruppe nimmt den Neubau ihrer Vereinshütte in Angriff. Zum Arbeiten treffen sich die Mitglieder jeweils freitags ab 14 Uhr sowie samstags ab 9 Uhr. Bahn lärmt zur nächtlichen Stunde HASSELROTH. Von 28. Januar bis 1. Februar müssen sich Anlieger der Bundesbahnstrecke zwischen Langenselbold und Niedermittlau auf Lärm einstellen. Die Bahn hat Gleisbauarbeiten angekündigt.Beatles-Revival-Band erst im April BAD ORB. Der für den morgigen Freitag, 22. Januar, vorgesehene Auftritt der Beatles-Revival-Band fällt aus. Nach Angaben der Kurverwaltung ist der Schlagzeuger Christian Engel erkrankt. Neuer Konzerttermin ist nun der 23. April. Die Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit. Auf Wunsch werden sie aber auch am Freitag abend an der Abendkasse in der Konzerthalle erstattet.
Christa Ihl ist Spitzenkandidatin JOSSGRUND. Die Kreistagsabgeordnete Christa Ihl führt die SPD-Liste im Jossgrund an. Sie gilt auch als designierte Ortsvereinsvorsitzende. Der bisherige Amtsinhaber Jürgen Dams räumt diesen Posten, weil er als künftiger Fraktionsvorsitzender eingeplant ist. Kurt Clausnitzer, der dieses Amt zuletzt innehatte, zieht sich aus Altersgründen zurück.
Neuer Verkehrs- und Gewerbeverein LINSENGERICHT. Ein Verkehrs- und Gewerbeverein hat sich formiert. Ziel ist nicht nur die Verwaltung von Gästebetten, sondern auch die Interessenvertretung der Gewerbetreibenden und die Beteiligung der Bürger an kommunalen Entscheidungen. Der Vorstand des neuen Vereins: Albrecht Plassmann, Heinz Schulz, Erich Peslak und Waldemar Strauß. Rat vom Versichertenältesten SCHLÜCHTERN. Sprechstunden bietet Helmut Hein, Versichertenältester der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, am Freitag, 22. Januar, von 9 bis 12 Uhr im Sitzungssaal des Landratsamtes, Gartenstraße 5, an. Vereine sollen mitbauen SINNTAL. Der Umbau der ehemaligen Alten Schule in Weiperz zum Dorfgemeinschaftshaus kommt gut voran. Das Gebäude soll im Spätsommer seiner Bestimmung übergeben werden, teilte Ortsvorsteher Otto Kraft mit. An den nun beginnenden Innenarbeiten wollen sich auch die örtlichen Vereine beteiligen. Zwei DRK-Blutspendetermine STEINAU. Anfang Februar bietet das Deutsche Rote Kreuz zwei Blutspendetermine in Steinau an: am Dienstag, 2. Februar, in der Halle "Am Steines" und am Freitag, 5. Februar, in Ulmbach. Nähere Informationen gibt es im Rathaus. Wanderung des Turnvereins WÄCHTERSBACH. Zur einer Wanderung lädt der Turnverein Wächtersbach für Sonntag, 24. Januar, ein. Treffpunkt ist um 9 Uhr am Lindenplatz. Der Weg führt 12 Kilometer weit nach Wittgenborn. Die Strecke ist laut Wanderwart auch für Ältere und Eltern mit Kleinkindern geeignet.
BAD VILBEL. Bequeme Kleidung und eine Decke sind für einen Yoga-Kursus mitzubringen, den der Volksbildungsverein Dortelweil anbietet und der am Dienstag, 19. Januar, um 19 Uhr im Vereinshaus in der Theodor-Heuss-Straße beginnt. Der Kursus findet an zehn Abenden statt, die Teilnahme kostet 40 Mark.
Über sieben Abende erstreckt sich ein Kursus über "Lohn- und Einkommensteuer", der ab Dienstag, 26. Januar, um 19 Uhr in der alten Bürgermeisterei stattfindet. Die Teilnahme kostet 40 Mark.
Seidenmalerei kann in einem am Mittwoch, 10. Februar, um 19 Uhr im Vereinshaus beginnenden Kursus an sechs Abenden zu 50 Mark erlernt werden. Nähere Auskunft gibt Werner Wagner, Telefon 06101/2109. mu
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SPD verabschiedet Wahlprogramm BAD ORB. Vizelandrat Erich Pipa ist am heutigen Freitag, 22. Januar, bei der Orber SPD zu Gast. Auf der letzten Mitgliederversammlung vor der Kommunalwahl wollen die Sozialdemokraten ab 19.30 Uhr im Hotel "Weißes Roß" ihr Wahlprogramm verabschieden. Wahlabend in Eckardroth BAD SODEN-SALMÜNSTER. Die Huttengrundhalle, die Kindergartenerweiterung sowie die Hochgeschwindigkeitstrasse sind Themen, die die Sozialdemokraten heute abend um 20 Uhr auf einer Wahlveranstaltung in der Gaststätte "Zur Salz" in Eckardroth mit den Bürgern erörtern wollen. Peter Hummel auf Platz 1 BIEBERGEMÜND. Fraktionschef Peter Hummel aus Wirtheim führt auch die Liste der Sozialdemokraten für die Kommunalwahl an. Auf den weiteren Plätzen folgen Martina Glaab (Kassel), Walter Senzel (Bieber), Klaus Hommel (Roßbach), Klaus Kohlenberger (Lanzingen) und Ernst Günter Otto aus Breitenborn. Der langjährige SPD-Chef Heinz Funk rangiert auf eigenen Wunsch erst auf Listenplatz 25. Zuschneiden und Nähen BIRSTEIN. Fertigkeiten im Zuschneiden und Nähen vermittelt ein Aufbaukursus der Volkshochschule für Fortgeschrittene und Anfänger in der Haupt- und Realschule Birstein. Beginn ist am Mittwoch, 10. Februar, um 19 Uhr. Interessierte erfahren Einzelheiten aus dem Programm der VHS, das im Rathaus erhältlich ist. Bernd Reuter in Streitberg BRACHTTAL. In den Kommunalwahlkampf startet der SPD-Ortsverein Brachttal am Sonntag, 24. Januar, um 10.30 Uhr in der Streitberger Gaststätte Werner. Für die Sozialdemokratie werben wollen bei diesem Treffen für alle Bürger der Bundestagsabgeordnete Bernd Reuter und Willi Maxeiner, Kreistagskandidat der Brachttal-SPD. Parlamentssitzung in Mosborn FLÖRSBACHTAL. Der geplante Kindergarten in Flörsbach, die Freibadsanierung und der Flächennutzungsplan sind Themen der nächsten Gemeindevertretersitzung. Sie findet am Donnerstag, 28. Januar, um 20 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Mosborn statt. Kulturelles gefragt FREIGERICHT. Die Gemeinde will ein Plakat mit kulturellen Veranstaltungestips für das Frühjahr 1993 herausgeben. Wer dort noch Termine eintragen lassen will, muß sich bis 31. Januar unter den Rufnummern 888-46 oder 888-62 im Rathaus melden. Vorverkauf für "Käwwer"-Sitzung GELNHAUSEN. Beim Karnevalverein "Die Käwwern" laufen die Vorbereitungen für die Fremdensitzung am Samstag, 30. Januar, in der Stadthalle auf Hochtouren. Eintrittskarten für das Spektakel sind erhältlich im Sporthaus Trolle, Langgasse 8-12, Telefon 0 60 51 / 2433. "Frauenfasching" im Sängerheim GRÜNDAU. Zum traditionellen "Frauenfasching" laden die Sängerinnen der "Einigkeit" für Samstag, 23. Januar, ab 15 Uhr ins Sängerheim. Narrenkappe ist Pflicht, Kostümierung erwünscht. Treff der Obst- und Gartenbauer HASSELROTH. Zur Jahresversammlung trifft sich der Obst- und Gartenbauver- ein Niedermittlau am Freitag, 22. Januar, um 20 Uhr im Gasthaus Bechthold-Schlegel. Auf der Tagesordnung steht unter anderem der Veranstaltungskalender &rquote;93. Wer macht Politik für Frauen? SCHLÜCHTERN. Was versprechen die Kommunalwahlprogramme in Schlüchtern den Frauen? Darüber diskutieren am Donnerstag, 11. Februar, um 19.30 Uhr Vertreter aller Fraktionen in der Weitzelbücherei. Veranstalter ist "Arbeit und Leben", die Arbeitsgemeinschaft von Volkshochschule und DGB. Hans Gaß führt SPD-Liste an LINSENGERICHT. Die SPD hat ihre Liste für die Kommunalwahl vorgelegt. Gemeindevertreter werden wollen auf den vorderen Plätzen Hans Gaß, Altenhaßlau, Christa Gößler, Eidengesäß, Rainer Weber, Geislitz, Hans-Jürgen Wolfenstädter, Großenhausen, Hartmut Emmel, Lützelhausen, Bernd Becker, Altenhaßlau, Helmut Blum, Eidengesäß, Heinrich Ungermann, Lützelhausen, Otto Viehmann, Altenhaßlau, Emil Schnaubelt, Geislitz, Peter Wehner, Großenhausen und Roland Schneider, Geislitz. Skatabend in Sannerz SINNTAL. Im Jugendheim Sannerz ist heute Skatabend. Zum traditionellen Turnier anläßlich des Patronatsfestes sind ab 18.30 Uhr alle Skatfreunde eingeladen. Der Sieger erhält einen Wanderpokal, alle Teilnehmer einen Preis. Anmeldungstermin für Schulanfänger STEINAU. Eltern, deren Kinder zum 1. August schulpflichtig werden, können ihren Nachwuchs am Donnerstag, 25. Februar, von 9 bis 12 Uhr in der Brüder- Grimm-Schule anmelden. Eine weitere Möglichkeit gibt es am Freitag, 26. Februar, von 10 bis 12 Uhr und von 14.30 bis 16 Uhr. Zur Anmeldung sind Geburtsurkunde oder Familienstammbuch mitzubringen, auch müssen die Kinder vorgestellt werden. Leisenwalder Ortsbeirat tagt WÄCHTERSBACH. Der Leisenwalder Ortsbeirat tagt am Dienstag, 26. Januar, ab 20 Uhr öffentlich im Gemeinschaftshaus. Themen sind unter anderem die Verkehrsregelung Leisenwald-Rinderbügen, die Ausweisung von Bauland, der Ortsfunk und die Reinigung von Straßen und Feldwegen.
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BAD ORB. Posthum erinnert die Stadt Bad Orb an ihren Ehrenbürger Josef Engel. Einstimmung beschlossen die Parlamentarier am Dienstag, den Platz vor dem Haus der Vereine nach ihm zu benennen. Josef Engel hatte sich in seiner Jugend als aktiver Sportler und später als engagierte Heimatforscher in der Kurstadt einen Namen gemacht.
BIEBERGEMÜND. Die Raser in Wirtheim können durch Polizeikontrollen offensichtlich nicht verschreckt werden. Bei der jüngsten Messung auf der B 276 wurden erneut 51 Temposünder ertappt, der schnellste von ihnen mit 97 km/h. Ergebnis: Vier Wochen Fahrverbot.
Altpapier-Sammlung
BIRSTEIN. In der Großgemeinde wird wieder Altpapier eingesammelt: am Dienstag, 26. Januar, in Hettersroth, Bösgesäß, Illnhausen, Kirchbracht, Mauswinkel, Fischborn, am Mittwoch, 27. Januar in Untersotzbach, Obersotzbach, Unterreichenbach, Oberreichenbach, Wüstwillenroth, Wettges, Lichenroth und Völzberg sowie am Donnerstag, 28. Januar in Birstein. Maskenball beim BSC Spielberg BRACHTTAL. Der BSC Spielberg lädt zum Maskenball am Samstag, 23. Januar, 20 Uhr, ins Dorfgemeinschaftshaus ein. Es spielt die Kapelle Monte Carlo. Neuer Jugendtreff in Freigericht FREIGERICHT. Neben dem autonomen Jugend- und Kulturzentrum Café Wojtyla gibt es in Somborn nun einen weiteren Jugendtreff. Die "Kellerbar" für 14- bis 18 jährige im Sturmiushaus hat absolutes Rauchverbot verhängt, ist freitags von 19.30 bis 23 Uhr geöffnet und nicht nur für die katholische Jugend gedacht.Drachenbauen lernen GELNHAUSEN. Drachenbau- und -flugkurse bieten Main-Kinzig-Kreis und Drachenbauclub Deutschland ab Anfang Februar in Gelnhausen für Jugendliche und Erwachsene an. Interessierte können sich informieren und anmelden bei der Abteilung Sport und Freizeit des Kreises in Gelnhausen, Barbarossastraße 16. Zwei Bands heizen ein GRÜNDAU. Zum Maskenball mit zwei Tanzbands lädt die Vereinsgemeinschaft Hain-Gründau für Freitag, 29. Januar, 20 Uhr ins Dorfgemeinschaftshaus. Maskierte zahlen keinen Eintritt. Juso AG hat Hauptversammlung HASSELROTH. Zur Jahreshauptversammlung trifft sich die Hasselrother Juso-AG am Montag, 1. Februar, um 20 Uhr im Neuenhaßlauer Pusztakeller. Navigation im Programm LINSENGERICHT. Die astronomische Navigation erklärt ein Vortrag des ADAC-Wassersportclub Main-Kinzig am Donnerstag, 4. Februar. Alle Wassersportler, die wissen wollen, wie ein Sextant zu handhaben ist, sind zu dem Treffen ab 19 Uhr im "Haus der Jugend" in Geislitz eingeladen.Akkordeontöne zum Jubiläum SCHLÜCHTERN. Anläßlich seines fünften Jubiläums konzertiert das Schlüchterner Akkordeonorchester am Samstag, 23. Januar, ab 19.30 Uhr im Haus der offenen Tür. Unter Leitung von Martin Hartmann präsentieren die Musiker eine bunte Mischung aus Pop, Volksmusik und Klassik. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. Statistisches aus Sinntal SINNTAL. 90 Einwohner pro Quadratkilometer besiedeln die Fläche der Großgemeinde Sinntal. Insgesamt lebten in den zwölf Ortsteilen, die sich über knapp 112 Quadratkilometern erstrecken, zum 30. Juni vergangenen Jahres laut Kreisstatistik 10 079 Einwohner. LKW-Fahrer diskutieren über EG WÄCHTERSBACH. Lastwagen- und Busfahrer sind zu einer Diskussionsrunde unter anderem über Aspekte der EG am Samstag, 27. Februar, ab 9.30 Uhr im Wächtersbacher Bürgerhaus eingeladen. Informationen dazu gibt die Berufskraftfahrerschule Wächtersbach, Telefon 06053-2221.
Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie, Schaumainkai 63, Tel. 6 05 09 80: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Führungen Mi., 18.30 Uhr, Sa./ So., 11 Uhr; Graphische Sammlung; Anselm Kiefer "Über Räume und Völker" (bis Frühjahr 1993); Stephan Balkenhol "Skulpturen im Städelgarten" (bis Frühjahr 1993).
Städelschule Frankfurt, Dürerstr. 10, Tel. 60 50 08 - 0: Mo. bis Sa., 6 bis 21 Uhr, So. geschlossen; Ausstellung der Klasse Jochims (bis 6. 2.).
Museum für Moderne Kunst, Domstraße 10, Tel. 2 12 304 47: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, Sa., 12 bis 19 Uhr; Zeitgenössische Kunst von 1960 bis heute; Martin Honert - "Installation - Brachland: Feuer-Star-Bahnhäuschen" (bis 16. 5. 93); Szenenwechsel "7 neue Räume - Balkenhol, Flinzer, Slominiski, Artschwager / Nauman / Ruscha / Trockel, Bayrle, Cahn, Klemm" (bis Okt./Dez.); Manfred Stumpf - "Die Attrappe" (bis 26. 5.).
Senckenbergmuseum, Senckenberganlage 25, Tel. 7 54 20: Mo., Di., Do., Fr., 9 bis 17 Uhr; Mi., 9 bis 20 Uhr; Sa./So., 9 bis 18 Uhr; Führungen So., 10.30 Uhr, Mi., 18 Uhr; Dauerausstellungen "Urpferdchen und Krokodile - Messel vor 50 Millionen Jahren"; "Fossilien aus Libanon"; "Achate"; "Weg zur Unsterblichkeit - Mumien und Mumifizierung im alten Ägypten".
Historisches Museum, Saalgasse 19, Tel. 2 12 - 3 55 99: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Bibliothek: z. Z. geschlossen; Graphische Sammlung: Di. bis Do., 10 bis 13 Uhr; Führungen: Mi., 18 Uhr, So., 14 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. 2 12 - 34 611; Dauerausstellungen Altstadtmodell, -grabung, Saalhofkapelle, Frankfurter Fayencen, Frankfurter Ratssilber, Goldschmiedewerkstatt, bürgerliche Sammlungen des 18. Jh.; Historische Dokumentation 16.-18. Jahrhundert; Sonderausstellungen: "Anne aus Frankfurt" (bis auf weiteres); Sonderausstellung "Tony Sender 1888-1964 - Rebellin, Demokratin, Weltbürgerin" (bis 31. 1.); Kindermuseum: Lieblingsstücke aus Kinderhand (bis Ende 92); Malwettbewerb "Komm wir reißen Zäune ein" (bis 24. 1.); Frankfurter Äpfelweinmuseum, Gaststätte "Historix" im Historischen Museum: regelmäßige Führungen, Mi., 18 Uhr, an Wochenenden nach Vereinbarung, Anmeldung Tel. 212 - 3 77 73.
Münzkabinett, Saalgasse 19: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Glaspasten, geschnittene Steine, Arabische Münzgewichte, Münzen der Kelten, Münzen der römischen Kaiser in Alexandrien.
Liebieghaus, Museum alter Plastik, Schaumainkai 71, Tel. 2 12 - 3 86 17: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 b. 20 Uhr; Führungen So., 11 Uhr.
Museum für Kunsthandwerk, Schaumainkai 17, Tel. 2 12 - 3 40 37: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; allgemeine Führungen, So., 11 Uhr; Dauerausstellungen: I. Europäisches Kunsthandwerk, II. Kunst und Kunsthandwerk Ostasiens, III. Islamisches Kunsthandwerk, IV. Buchkunst und Graphik 14. bis 20. Jahrhundert, V. Russische Ikonen vom 18. bis 20. Jahrhundert; Sonderausstellung "Hell & Spar. Gestaltung von Energiesparleuchten" (bis 14. 2.).
Deutsches Filmmuseum, Schaumainkai 41, Tel. 212 - 3 88 30: Bibliothek, Di. bis Fr., 13 bis 17 Uhr; Mi. bis 19 Uhr geöffnet; Dauerausstellungen I und II, Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi. bis 20 Uhr, Sonderausstellung "Sergej Eisenstein im Kontext der russischen Avantgarde 1920-1925" (bis 28. 2.).
Deutsches Architektur-Museum, Schaumainkai 43, Tel. 2 12 - 3 84 71: Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Führungen So., 11 Uhr, Mi., 18 Uhr, Gruppenführungen nach Absprache; Sonderausstellung "The Gate of the Present - 25 zeitgenössische Torentwürfe aus Lego Bausteinen" (bis 14. 2.); Sonderausstellung II "Peter Eisenman "Entwurfkonzept: Folding in Time - Wohn- & Gewerbepark am Rebstockgelände" (bis 31. 1).
Ikonen-Museum im Deutschordenshaus, Brückenstraße 3-7: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi. bis 20 Uhr.
Jüdisches Museum, Untermainkai 14-15, Tel. 212 - 3 50 00: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi., 10 bis 20 Uhr; Führungen: Mi., 18 Uhr, So., 14 Uhr in der Dauer- sowie Mi., 17 Uhr, So., 15 Uhr, in der Sonderausstellung; Dauerausstellung "Jüdisches Leben"; "Historische Ausstellung I (1100-1800) und II (1800-1950); Sonderausstellung "Zedaka: Jüdische Sozialarbeit im Wandel der Zeit. 75 Jahre Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland" (bis 28. 2.).
Museum Judengassse, Börneplatz: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr, Dauerausstellung "Die Frankfurter Judengasse: Fundamente - Geschichte - Alltagsleben"; Sonderausstellung "Stationen des Vergessens - Der Börneplatzkonflikt". Museum für Vor- und Frühgeschichte, im Karmeliterkloster, Karmelitergasse/ Ecke Alte Mainzer Gasse, Tel. 212 - 3 58 96: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Dauerausstellung; "Mensch und Natur in der Jungsteinzeit" - Tastausstellung für Blinde & Sehbehinderte (geöffnet nach tel. Vereinbarung: 212 - 3 58 95; bis 30. 6.94).
Museum für Völkerkunde, Schaumainkai 29: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, "Mythos Maske - Ideen, Menschen, Weltbilder" (bis Ende 94).
Deutsches Postmuseum, Schaumainkai 53, Tel. 6 06 00: Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Sonderausstellung "Zeit der Postkutschen" (bis 21. 2.).
Goethehaus und Goethemuseum, Großer Hirschgraben 23, Telefon 28 28 24: Mo. bis Sa., 9 bis 17.30 Uhr, So., 10 bis 13 Uhr; Führungen werktags um 10.30 und 14 Uhr, So., 10.30 Uhr; Kabinettausstellung "Neues aus den Sammlungen des Frankfurter Goethe-Museums" (bis auf weiteres); Sonderausstellung "Goethes Vater reist in Italien" (bis 14. 2.).
Stoltzemuseum, Töngesgasse 34-36, Tel. 21 70 - 22 66: Mo. bis Fr., 9.30 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Dauerausstellungen "Friedrich Stoltze als Zeitzeuge des 19. Jahrhunderts" und "Leben und Werk des Mundartautors und Satirikers Friedrich Stoltze; Sonderausstellung "Kaspers lustige Streiche oder Friedrich Stoltze für kleine und große Kinder" (bis 31. 3.).
Steinhausen-Museum, Wolfsgangstr. 152: Ausstellung "Rose Steinhausen - Ein Leben für das Werk des Vaters".
Stadtwerke Verkehrsmuseum, Schwanheim, Rheinlandstraße, Tel. 2 13 -2 62 09: Sa., So. und feiertags, 10 bis 18 Uhr, Führungen nach tel. Vereinb.; ständige Ausstellung "Von der Pferdebahn zur U- Bahn".
Frankfurter Feldbahnmuseum, Am Römerhof 15 a, Tel. 70 92 92: jeden ersten So. im Monat, 14 bis 17 Uhr.
Heinrich-Hoffmann-Museum, Schubertstraße 20, Tel. 74 79 69: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; "Struwwelpeter aus aller Welt, Bilder, Dokumente, Bücher"; Sonderausstellung "Von Struwwelhitler bis Punkerpeter" (bis auf weiteres); "Struwwelpeter mit italienischen Augen gesehen"; "Struwwelpeter trifft Max und Moritz".
Struwwelpetermuseum, Sammlung der Originale Dr. Heinrich Hoffmanns, Hochstraße 45-47, Tel. 28 13 33: täglich außer Mo., 11 bis 17 Uhr, Mi. 11 bis 20 Uhr.
Dommuseum, Am Domplatz, Tel. 29 07 87: Di. bis Fr., 10 bis 17 Uhr, Sa., So., Feiertag, 11 bis 17 Uhr; Dom-Führungen täglich, 15 Uhr; Museumsführungen Di. bis Fr., 11 Uhr; Ausstellung kostbarster und schönster liturgischer Geräte und Paramente des früheren Stifts und der heutigen Stadtpfarrei St. Bartholomäus; Modelle, Grundrisse und Reproduktionen über die Baugeschichte der Kirche und Krönungen im Frankfurter Kaiserdom im Kreuzgang der Domkirche; Franziska Lenz-Gerharz - Plastiken (bis 31. 1.).
Uhren- und Schmuckmuseum im Glockenspielhaus, Höchst, Hostatostraße 3, Tel. 30 30 30: jeden ersten Samstag im Monat von 10 bis 16 Uhr, und nach Vereinbarung; Ausstellung wertvoller Exponate, die die geschichtliche und technische Entwicklung aufzeigen.
Museum für Höchster Geschichte und Firmenmuseum der Hoechst AG, Höchster Schloßplatz, Tel. 30 32 49: täglich, 10 bis 16 Uhr.
Heimatmuseum Bergen-Enkheim, Altes Rathaus, Marktstraße, Tel. 3 23 44: So., 15 bis 18 Uhr, Do., 20 bis 21.30 Uhr; Ortsgeschichte, Römerzeit, Vor- und Frühgeschichte, volkskundliche Abteilung, Naturgeschichte, Erdgeschichte.
Heimatmuseum Schwanheim, Wilhelm-Kobelt-Haus, Alt-Schwanheim 6, Tel. 35 60 07: So., 10 bis 12 Uhr (oder nach tel. Vereinbarung mit Erwin Schneider).
Heimatmuseum Nied, Beunestraße 9 a: So., 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung.
Chaplin-Archiv, Klarastr. 5: Fr., 17 bis 19 Uhr.
Radio-Museum, Bornheimer Landstraße 20, Tel. 43 84 53: Mo. bis Fr., 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung; Komplette Rundfunkgeschichte von 1923 bis in die späten 70er Jahre. Dokumente von 50 Jahren Mediengeschichte.
Zeppelin-Museum, Kapitän-Lehmann- Straße 2, Zeppelinheim, Tel. 69 43 90: Fr. bis So. und feiertags, 9 bis 17 Uhr, Di. bis Do., für Gruppen nach Anmeldung.
Schirn Kunsthalle, Am Römerberg: Mo., 14 bis 18 Uhr, Di. bis Fr., 10 bis 22 Uhr, Sa./So., feiertags 10 bis 19 Uhr, Allgemeine Führungen Di., 11 Uhr u. Di./Do., 19 Uhr, Gabriele Münter 1877-1962 (bis 14. 2.); Edward Hopper 1882-1967 - Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen & Graphiken (bis 14. 2.).
Portikus, Schöne Aussicht 2: Di. bis So., 11 bis 18 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, Jean-Frederic Schnyder - "Landschaft" (bis 21. 2.).
Förderverein Schöneres Frankfurt: 15 Arbeiten zeitgenössischer Künstler im Stadtgebiet; Info bei der Bürgerinformation am Römerberg.
Galerie Ulrich Gering, Textorstr. 91, Tel. 62 51 16: Di. bis Fr., 14 bis 18.30 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, Henri Vnadermoere - Malerei (bis 22. 1.).
Galerie Nikolaus Fischer, Braubachstr. 32, Tel. 29 24 47: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, "Die 20er und 30er Jahre - Arbeiten auf Papier" (bis 30. 1.).
Galerie Huber-Nising, Saalgasse 6, Tel. 202 13: Di., 14 bis 18.30 Uhr, Mi. bis Fr., 11 bis 18.30 Uhr, Sa, 10 bis 14 Uhr, Horst Antes - "Häuser - Daten - T-Shirts" (bis 30. 1.).
Galerie Paul Sties, Braubachstr. 12, Tel. 29 39 03: Zdenek Sykora (bis 31. 1.).
Büchergilde Gutenberg, Ladengalerie, BFG-Haus, Theaterplatz, Tel. 23 68 80: Mo. bis Fr., 9.30 bis 18.30 Uhr, Sa., 9.30 bis 14 Uhr, Christa Biederbick - Kleinskulpturen (bis 31. 1.).
Galerie Frank Hänel, Braubachstr. 26, Tel. 29 46 64: Di. bis Fr., 12 bis 18 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, Harald Gallasch - Neue Arbeiten (bis 31. 1.); Ausstellungshalle Nordenstr. 23: nach Vereinb., Lisa Brice, Michael Hattingh, Kwun Sun-Cheol & Valeriano.
Galerie ak Hans Sworowski, Gartenstr. 47, Tel. 62 21 04: Di. bis Fr., 14 bis 18 Uhr, Sa., 12 bis 14 Uhr, Erdogan Bulut, Young Hyang Lee, Albrecht Wild, Sabine Zimmermann (bis 6. 2.).
Galerie Wild, Bettinastr. 30, Tel. 7 41 08 23: Di. bis Fr., 13 bis 18.30 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr (Galerieferien vom 24.12. bis 10.1.92); Bernd Zimmer - Arbeiten von 1990 bis 1992 (bis 10. 2.).
Kommunale Galerie im Leinwandhaus, Weckmarkt 17: Di. bis So., 11 bis 18 Uhr, Mi., 11 bis 20 Uhr; Klaus Schneider - "Farbwort - Wortfarbe" (bis 14. 2.).
Graphisches Kabinet im Westend, Barckhausstr. 6, Tel. 72 80 15: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Sa., 10 bis 14 Uhr, Bogdan Hoffmann. Neue Holzschnitte (bis 20. 2.).
Galerie Hilger, Beethovenstr. 71, Tel. 74 82 74: Mi. bis Fr., 12 bis 18 Uhr, Sa., 10 bis 13 Uhr, Heinrich Nicolaus - "Zeichnungen" (bis 21. 2.).
Galerie Niedenau, Niedenau 61/63, 5. OG: Mo., bis Do., 8 bis 16, Fr., 8 bis 12 Uhr; Alberto Rodriguez - Aquarelle (bis 26. 2.).
Galerie von Oertzen, Mainzer Landstr. 250-252, Tel. 759 04 0: Mo. bis Fr., 9 bis 17 Uhr, Ken Cato, Garry Emery, Barrie Tukker - Grafik-Design (26. 2.).
Galerie Helmut Pabst, Saalgasse 26, Tel. 297 73 53: Di., Mi., 17 bis 20, Do., Fr., 15 bis 20 Uhr, Sa., 11 bis 15 Uhr; Annette Schultze - "Kampfblätter", Neue Arbeiten auf Pergamin (bis 27. 2.).
Galerie Schwind, Braubachstr. 24: Di. bis Fr., 13 bis 18.30 Uhr, Gero Künzel - "Tod und Zuckerfäden" (bis 27. 2.).
Galerie Raphael, Grüneburgweg 89, Telefon 72 90 37: Di. bis Fr., 15 bis 19 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, Joan Miró - Grafik (27. 2.). Ausstellungen Stadtteilladen Dezentral, Sandweg 131 a: Mo. & Di. ab 21 Uhr, Joachim Mennicken - "Malerei und Graphik" (bis 19. 1.).
Deutscher Werkbund, Weißadlergasse 4: Di. bis So., 12 bis 18 Uhr, Lutz Fritsch - "Raumsichten" (bis 24. 1.).
Freunde Frankfurts, Verein zur Pflege der Frankfurter Tradition, Schellgasse 8, Tel. 61 59 18: Di., Fr., So., 14 bis 17 Uhr; Betti Häring: Zeichnungen, Aquarelle und Radierungen (bis 24. 1.).
Palmengarten, Siesmayerstr. 63: tägl. 9 bis 16 Uhr, Foyer Ost: Fotografien heimischer Orchideen (bis 24. 1.).
Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Str. 24: tgl. 10 bis 22 Uhr, Horst Wilbert - Neue Bilder (bis 26. 1.).
Gallus Theater, Krifteler Str. 55: Di. bis Sa., 15 bis 18 Uhr & zu den Veranstaltungen, Inge Hölscher - Farbenfrohe Bilder/Acryl auf Papier (bis 30. 1.).
Zentralbibliothek, Zeil 17-23, Tel. 212 - 45 10: Di. bis Fr., 10 bis 19, Sa., 10 bis 13 Uhr; Fotoausstellung "Der Goldene Ring" - Kreml- und Klosterbauten vom 12. bis 18. Jahrhundert in Rußland (bis 30. 1.).
Hessischer Rundfunk, Bertramstr. 8/ Foyer: tägl. 9 bis 19 Uhr, Augsburger Puppenkiste (bis 31. 1.).
Frankfurter Künstlerclub, Nebbiensches Gartenhaus, Bockenheimer Anlage: tägl.11 bis 17 Uhr, Hans Morgenstern - "Konstruktive Malerei" (bis 31. 1.).
Fotografie Forum Frankfurt, Leinwandhaus, Weckmarkt 17, Tel. 29 17 26: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Mi., 11 bis 20 Uhr, Sa. u. So., 11 bis 17 Uhr; Eberhard Grames "Kaputte Schönheiten" (bis 31. 1.).
Café Cult, Schillerpassage, Rahmhofstraße, Tel. 92 00 61: Uwe Groß (bis 31. 1.).
Deutsche Bibliothek, Zeppelinallee 4-8: Mo. bis Do., 9 bis 20 Uhr, Fr., 9 bis 18 Uhr, Sa., 9 bis 17 Uhr, Georg Joachim Göschen - "Dokumente zur Verlagsgeschichte aus den Beständen des Deutschen Buch- & Schriftmuseums" (bis 3. 2.).
Forum der Frankfurter Sparkasse, Töngesgasse 40: Mo. bis Fr., 9.30 bis 17 Uhr; Jürgen Kisch (bis 12. 2.).
Palais Jalta, Bockenheimer Landstr. 104, Mo. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Die Bilder von Fjodor Ljutov, (bis 19. 2.).
Künstlerhaus Mousonturm, Waldschmidtstr. 4: Di. bis So., 15 bis 19 Uhr und während der Abendvorstellungen; Maix Meyer - "via regia oder Frankfurt atmet geerdet", Fotos und Installationen (bis 28. 2.).
Eckstein, An der Staufenmauer 7, Tel. 28 75 20: Acht Junge Fotografen aus Frankfurt (bis 6. 3.).
Jahrhunderthalle Hoechst: tägl. 11 bis 15 Uhr, Henry, Brancusi, Man Ray, Umbo - "Sterne und Stars" (bis 28. 2.).
Ökozentrum / Eine Welt Laden, Schäfergasse 46: "Das Recht auf Asyl bleibt" (bis auf weiteres).
Institut für Jugendbuchforschung, Myliusstr. 30: Mo. bis Do., 10 bis 16 Uhr, "Großstadt in der Kinderliteratur 1900 bis 1933 - Motive in Texten und Bildern" (bis 2. 12. 93.).
Jugendamt, Abt. Jugendpflege, Zeil 57: Mo. bis Fr., 8 bis 18.30 Uhr; "Jugendpflege Frankfurt im Spiegel von Plakaten".
Zentrale Meldestelle, Zeil 3: Mo. u. Mi., 7.30 bis 13.30 Uhr, Do., 10 bis 13.30 u. 15 bis 18 Uhr, Fr., 7.30 bis 13 Uhr; "Kunst im Amt" - Bilder von Künstlern aus dem Rhein-Main-Gebiet (bis auf weiteres).
Montag, 18. Januar
Theater Die Komödie, Neue Mainzer Str. 18, Tel. 28 45 80: 20.15 Uhr, "Hier kocht der Chef".
Titania, Basaltstr. 23: 20 Uhr, Bockenheimer Theaterkreis - "Antigone".
Hessischer Rundfunk, Foyer Bertramstr. 8: 10 & 14 Uhr, Augsburger Puppenkiste.Musik Oper, Theaterplatz, Tel. 23 60 61: 20 Uhr, "Artifact" (Ballett).
Alte Oper, Opernplatz, Tel. 13 40 400: Großer Saal: 20 Uhr, Opernhaus- & Museumsorchester, Cäcilien-Verein, Frankfurter Singakademie (19.15 Uhr, Einführungsvortrag im Hindemith Saal; Mozart Saal: 20 Uhr, Brigitte Fasbaender, Marianne Hoppe, Wolfram Rieger - Liederabend. Jazz Life Podium, Kl. Rittergasse 22-26: 19.30 Uhr, Swingstars.
Irish Pub, Kl. Rittergasse 11: 21 Uhr, John Morrell.
Werkstatt, Gr. Rittergasse 106: 19 Uhr, The Runners.
Hotel Kutsch, Kl. Rittergasse 5: 20 Uhr, Five Pieces Plus One.
Jazzkneipe, Berliner Str. 70: 22 Uhr, Piano Solo.
Dreikönigskeller, Färberstr. 71: 21 Uhr, Modern Jazz Session.
Cooky's, Am Salzhaus 4: 22 Uhr, Sielwolf. Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Str. 24: 15 Uhr, Schellackparty "Caféhaus Unterwegs".Jugendcafé wäre zu teuer Alte Drogerie in der Marktstraße hatte große Mängel
BERGEN-ENKHEIM. Kein Platz für die Jugend - was Treffpunkte im Stadtteil betrifft, bleibt Bergen-Enkheim ein "Notstandsgebiet" für die Heranwachsenden. Die Idee, das Gebäude einer ehemaligen Drogerie in der Marktstraße zu einem Jugendcafé umzugestalten, ist jetzt, wie so oft, am Geld gescheitert (die FR berichtete). Pit Sehnert von der Jugendpflege in Frankfurt spricht von knapp einer Million Mark, die für den Umbau des Hauses nötig gewesen wären.
Die komplette Infrastruktur hätte erneuert werden müssen, sämtliche Rohre und Leitungen seien in einem desolaten Zustand gewesen. Auch an den sanitären Einrichtungen hätte viel repariert werden müssen. Der Aufwand sei zu groß und stehe in keinem Verhältnis zu seinem Nutzen, meint Sehnert und spielt damit auf die geringe Größe der Räume in der ehemaligen Drogerie an: "Hundert Quadratmeter Fläche lassen die Einrichtung eines Jugendklubs im traditionellen Sinne gar nicht zu." Im übrigen sei der Standort eines Jugendcafés in Bergen unglücklich, wohnten die meisten Heranwachsenden doch in Enkheim.
Auch Gerhard Weinrich, Fraktionsvorsitzender der SPD im Bergen-Enkheimer Ortsbeirat 16, erklärt das Scheitern des Projektes mit seinen hohen Kosten: "Die Ausgaben für eine Sanierung wären enorm." Aufgrund ihrer finanziellen Situation könne es sich die Stadt nicht leisten, in ein altes, baufälliges Gebäude zu investieren. Deshalb sucht man nun nach privaten Nutzern, die die alte Drogerie mieten und renovieren.
Einen Funken Hoffnung, in Bergen- Enkheim doch noch ein Zentrum für Jugendliche zu schaffen, sehen Sehnert und Weinrich eher in den Neubaugebieten des Stadtteils. Die Heranwachsenden von heute werden davon allerdings wahrscheinlich nicht mehr profitieren können. Es existieren bislang nicht einmal konkrete Vorstellungen; bis zum Zeichnen der Pläne können noch einige Jahre vergehen. Noch einen Schritt weiter geht Bergen- Enkheims Ortsvorsteher Herbert Loos (SPD). Er sieht wenig Hoffnung für solche Projekte. Bevor im Neubaugebiet ein Jugendhaus gebaut werde, finanziere die Stadt sicherlich zuerst einen Kindergarten und eine Schule - schlechte Zeiten für die jungen Leute.
Schon im vergangenen Jahr war die Hoffnung der Bergen-Enkheimer Jugendlichen, endlich ihren Treffpunkt zu bekommen, von der Stadt enttäuscht worden. In der Nähe des Volkshauses an der Vilbeler Landstraße hatten sie einen Raum gefunden. Doch der Mietpreis des privaten Anbieters erschien dem Magistrat zu hoch. Loos bedauert dieses finanzielle Hindernis zutiefst, wäre die Lage dort dicht an der Wohnsiedlung Riedpark ideal für die Jugendlichen gewesen. ole
RÖDELHEIM. "Bei denen regnet's rein", erkennt die zehnjahrige Emilie beim Anblick brasilianischer Slumbarakken im Umland von Recife. Zusammen mit anderen Kindern hat das Mädchen soeben den Film "Vana" gesehen, den das "Dritte-Welt-Haus" im Rahmen des "Äktschen-Programms" in der Kinderbibliothek Rödelheim zeigte.
Vana ist acht Jahre alt und lebt in den Slums von Recife in Brasilien; sie hat drei kleine Geschwister. Ihre Mutter sorgt als Wäscherin für den Unterhalt der Familie. Das junge Mädchen lernt früh, Verantwortung zu übernehmen, kümmert sie sich doch überwiegend um den Haushalt und um ihre jüngeren Geschwister. Daneben lernt sie Lesen und Schreiben in der Schule; sie gehört damit zu den "privilegierten Kindern" im Viertel - vielleicht schafft Vana einmal aufgrund ihrer Bildung den Sprung aus dem sozialen Elend.
Das Leben der Achtjährigen besteht aber nicht nur aus Pflichten; das Mädchen hat viele Freunde, mit denen sie beispielsweise seilspringt oder Drachen steigen läßt. Die Jungen aus den Slums spielen - wie könnte es in Brasilien anders sein - Fußball. Dann ist da das Meer und der ewige Sommer in den Tropen - Vana liebt den Strand, die Sonne und das Wasser. Zum ersten Mal in ihrem Leben kommt sie dort in den Genuß von Eis, das ihr ein Mitarbeiter des Kamerateams schenkt.
Vanas Altersgenossen im kalten Europa wollen nicht mit dem brasilianischen Mädchen tauschen: "Wir wollen lieber hier leben, in den Baracken ist es etwas zu dreckig", äußert sich die zehnjährige Katrin stellvertretend für die anderen Kinder im Raum. Andersherum würde sich sicherlich auch Vana in den kühlen Breiten Deutschlands nicht besonders wohlfühlen.
Nicht zum ersten Mal zeigte das "Dritte-Welt-Haus" einen Film über "Kinder aus anderen Ländern". Vor Vana aus Brasilien wurden bereits Mädchen und Jungen aus Kurdistan, China und dem Iran dem jungen Publikum in Rödelheim vorgestellt. Barbara Bahlk vom Dritte- Welt-Laden kennt um die Schwierigkeiten, den Kindern einen spannenden und gleichzeitig informativen sowie altersgerechten Film auszusuchen; doch die Mühe lohnt: die Heranwachsenden lernen so, andere Völker besser zu verstehen - ein in heutiger Zeit wichtiger Aspekt. ole
Die Rallye Monte Carlo, traditionsgemäß der erste Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft mit den Startorten Bad Homburg, Monte Carlo, Turin, Reims, Barcelona und Lausanne, ist in diesem Jahr geprägt davon, daß zahlreiche Spitzenpiloten sich in brandneuen und zugleich fremden Autos wiederfinden, um im internationalen Rallye-Geschäft mitzumischen.
So fährt Carlos Sainz (Spanien), der sich im November vergangenen Jahres beim Schluß-Wettbewerb des Jahres, der RAC in Großbritannien, auf Toyota noch überraschend den Weltmeistertitel sicherte, nun auf einem Lancia Delta Integrale. Da sich Lancia aber offiziell von der Weltmeisterschaft verabschiedet hat, tritt Sainz für den privaten italienischen Jolly-Club an.
Vorausgegangen war dem spektakulären Wechsel ein Sponsoren-Hader. Weil Toyota mit einem Ölhersteller als neuem Sponsor (Castrol) liebäugelte, Sainz aber bereits einen anderen Ölhersteller als persönlichen Sponsor hatte, kam es zur Scheidung. Der dreimalige Weltmeister und zuletzt Vize Juha Kankkunen, jahrelang einer der besten Lancisti, fährt indessen wegen der Auflösung des Lancia- Werkteams umgekehrt bei Toyota - und er startet sogar in Bad Homburg. Auch der ehemalige Lancia-Werksfahrer Didier Auriol hat den Stall gewechselt und ebenfalls beim einstigen Erzrivalen Toyota angeheuert.
Außerdem gibt es einige interessante Fahrzeug-Premieren. Ford steigt mit dem neuen Escort-Cosworth und den Fahrern Francoir Delecour und Miki Biason in das Geschehen ein. Biason gehört zu den erfolgreichsten Rallyefahrern überhaupt und gewann in seiner Karriere nicht weniger als 16 WM-Läufe, darunter 1987 und 1989 die Monte, er war darüber hinaus 1988 und 1989 Weltmeister. Mitsubishi schickt anstelle des Galant den Lancer auf die Piste und will mit dem Schweden Kenneth Eriksson und dem Deutschen Armin Schwarz vorne mitmischen. Auf Mitsubishi fährt auch Isolde Holderied mit der international erfahrenen schwedischen Beifahrerin Tina Thörner; sie starten in der Gruppe N (seriennahe Fahrzeuge) und peilen wieder den Erfolg des Vorjahres an: "Der Sieg in der Damenwertung ist wieder unser wichtigstes Ziel", meinte die bayerische Fahrerin. Diese drei Mitsubishi-Teams starten ebenfalls in der Taunus-Kurstadt. Als weiteres Werksteam tritt Subaru mit den bewährten Lecagy-Modellen an und hat dabei Ari Vatanen und Colin McRae hinter dem Steuer sitzen.
Für die Starter in Bad Homburg beginnt die technische Abnahme der Fahrzeuge am Donnerstagmorgen ab 8,00 Uhr im Innenraum des geheizten Kurhauses unterhalb der Empore, so daß interessierte Zuschauer schon dabei einen Einblick in Technik und Reglement erhalten. Der Start selbst erfolgt dann ab 18:19 vor dem Kurhaus. Der AvD als Organisator des deutschen Streckenabschnitts schickt die Teilnehmer danach nach Worms (Durchfahrtskontrolle ab 20.22 Uhr), in Pirmasens ist eine Zeitkontrolle eingerichtet, die ab 22.09 Uhr anzufahren ist.
Erstmals wird Bad Homburg auch selbst Ziel einer Sternfahrt sein. Rund 50 historische Renn- und Rallyefahrzeuge steuern die Kurstadt an, um nach einer Vorstellung auf der Startrampe vor dem Kurhaus (13.30 Uhr) eine Schleife durch den Taunus zu fahren. Die Oldies werden nach dem Start der Rallye ab 18.55 Uhr noch einmal vor dem Kurhaus vorgestellt. ERICH STÖR
WIESBADEN. Etwa 200 Teilnehmer demonstrierten am Samstag vormittag nach Angaben der Polizei in der Wiesbadener Innenstadt gegen die Änderung des Asylrechts im Grundgesetz. Zu der Demonstration aufgerufen hatte die "Wiesbadener Plattform gegen Rassismus und Faschismus".
Nach einer Auftaktkundgebung auf dem Mauritiusplatz zogen die Demonstranten durch die City der Landeshauptstadt. Eine Abschlußrede beendete die friedliche Kundgebung.
Während des Umzuges kam es in der Innenstadt zu kleineren Staus, die sich aber nach wenigen Minuten wieder auflösten. gre
BAD HOMBURG. Die Tankstelle auf der Autobahn zwischen Bad Homburg und Oberursel, die schon im vergangenen Jahr mehrmals ausgeraubt wurde, ist am Samstag wieder überfallen worden. Kurz vor 22 Uhr betraten drei Männer mit Pistolen den Kassenraum und zwangen die Kassiererin, das Bargeld herauszugeben.
Mit ihrer Beute von mehreren hundert Mark flüchteten die unbekannten Täter in einem dunkelfarbenen Opel-Kadett mit dem Kennzeichen F - P 1197. Der Wagen war am selben Tag in Frankfurt gestohlen worden, wie die Polizei mitteilte.
Die Täter trugen grüne Wind- und Bomberjacken sowie Kapuzen, die sie zum Teil ins Gesicht gezogen hatten. Die Fahndung verlief bisher ergebnislos. cn
WASSERBALL BUNDESLIGA, Männer, 7. Spieltag: SV Cannstatt - Waspo Hannover-Linden 6:6 (2:2, 1:1, 1:2, 2:1), Hohenlimburger SV - SSV Esslingen 17:7 (5:1, 2:1, 3:2, 7:3), SV Würzburg 05 - WF 98 Hannover 16:8 (4:2, 4:2, 2:2, 6:2), ASC Duisburg - SSF Delphin Wuppertal 5:8 (2:3, 1:2, 1:0, 1:3), Rote Erde Hamm - WF Spandau 04 4:14 (1:4, 1:4, 0:2, 2:4), Blau-Weiß Poseidon Köln - Duisburg 98 7:4 (2:1, 2:1, 1:0, 2:2).
1. Delphin Wuppertal 6 6 0 0 77:30 12: 0 2. ASC Duisburg 7 6 0 1 58:39 12: 2 3. Wfr. Spandau 04 6 5 1 0 76:35 11: 1 4. Hohenlimburger SV 6 5 0 1 75:38 10: 2 5. SV Cannstatt 7 4 1 2 62:38 9: 5 6. Waspo Hannover-Linden 7 3 2 2 54:51 8: 6 7. Rote Erde Hamm 7 3 0 4 53:65 6: 8 8. SV Würzburg 05 7 2 0 5 50:68 4:10 9. SSV Esslingen 7 2 0 5 47:93 4:10 10. Poseidon Köln 6 1 0 5 31:72 2:10 11. Duisburg 98 7 1 0 6 36:52 2:12 12. WF 98 Hannover 7 0 0 7 49:87 0:14
Wirksame Hilfe für die "Gäste auf Zeit" Erstes Treffen mit Asylbewerbern machte Mut Von Rüdiger Arendt GROßKROTZENBURG. Das erste Treffen machte Mut und zeigte auf, wie konkrete Hilfe künftig aussehen kann. Etwa 15 im "Containerdorf" in Großkrotzenburg untergebrachte Asylbewerber vor allem aus der Türkei, Irak und aus Albanien folgten am späten Freitagnachmittag einer Einladung der Kirchengemeinde ins Evangelische Gemeindehaus in der Schulstraße 4 und halfen bei Kaffee und Kuchen mit, die "Sprachlosigkeit" zwischen Flüchtlingen und deutscher Bevölkerung ein wenig aufzubrechen. Neben Mitgliedern der Kirchengemeinde hatten sich vor allem einige Kommunalpolitiker aus Großkrotzenburg im Gemeindehaus eingefunden, um den guten Willen auch der politischen Gemeinde zum Ausdruck zu bringen.
Bereits am nächsten Freitag ist ein erneutes Treffen zwischen Asylbewerbern und deutscher Bevölkerung geplant. Dazu sollen ab 16.30 Uhr Vertreter der Großkrotzenburger Vereine eingeladen werden, um über Einbindungen der Flüchtlinge in die Vereinsarbeit vor Ort zu sprechen.
Trotz vieler Sprachprobleme und anfänglichen "Berührungsängsten" auf beiden Seiten entwickelte sich am späten Freitagnachmittag unter der Gesprächsleitung der kirchlichen Sozialarbeiterin Kerstin Wick sehr schnell konkrete Vorstellungen darüber, wie den "Gästen auf Zeit" in Großkrotzenburg wirksam geholfen werden kann. In den Containern leben gegenwärtig fast ausschließlich junge Männer, von denen einige bereits Arbeit in der Umgebung gefunden haben. Ein Teil von ihnen ist verheiratet, die Familien wurden in einigen Fällen aber in der Heimat zurückgelassen.
Weil es die Sprachprobleme sind, die im Alltag am meisten Schwierigkeiten machen, wollen interessierte Bürger so schnell wie möglich einen Sprachunterricht im Gemeindehaus für die Flüchtlinge organisieren. Gedacht ist an eine Art umgangssprachlichen Unterricht, der erste Sprachklippen zu überwinden hilft. Außerdem versicherten die anwesenden Kommunalpolitiker, daß es keine Schwierigkeiten machen werde, freien Eintritt in die kommunalen Einrichtungen, wie etwa in das Schwimmbad und zum Großkrotzenburger See, für die Flüchtlinge im Rathaus in die Wege zu leiten. Bekannt wurde an diesem Nachmittag auch, daß die Gemeinde ein eigenes Lager mit abgelegten Kleidungsstücken unterhält. Ein Teil warmer Winterkleidung könnte den Asylbewerbern zur Verfügung gestellt werden. Die Betroffenen selbst zeigten sich am Freitag angetan von dieser ersten Begegnung mit Großkrotzenburger Einwohnern. Sie wollen auch zu den nächsten regelmäßigen Treffen, die immer für freitags zwischen 16.30 und 19 Uhr im Gemeindehaus vorgesehen sind, kommen.
Die Begegnung war aus dem Treffen der "Initiative gegen Rechts in Großkrotzenburg" vor Weihnachten im "Schinderhannes", der In-Kneipe in Großkrotzenburg, hervorgegangen und auf Initiative von Pfarrer Heinz Daume entstanden.
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"Zuckerfabrik" - wie geht es weiter? FRIEDBERG. Der Haupt- und Finanzausschuß des Stadtparlamentes befaßt sich in seiner Sitzung am Donnerstag, 21. Januar, um 17.15 Uhr im Sitzungszimmer des Stadthauses mit dem Bebauungsplan für das Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik. Ein Aufstellungsbeschluß für den Bebauungsplan "Germaniabrunnen Dorheim" soll gefaßt und überplanmäßige Mittel für die Ostanbindung des Industriegebietes sollen bereitgestellt werden. Ferner wird es um die Herausgabe einer Stadtgeschichte gehen.
Erste Hilfe am Kind BAD NAUHEIM. "Erste Hilfe am Kind" heißt ein Kurs, der am Donnerstag, 21. Januar, um 20 Uhr bei der Johanniter- Unfall-Hilfe in Bad Nauheim, Hauptstraße 54, beginnt. Der Kurs umfaßt fünf Doppelstunden und kostet 40 Mark pro Teilnehmer, für Ehepaare 70 Mark. Anmeldungen nimmt die Johanniter-Unfall- Hilfe unter Tel. 0 60 32 / 3 19 16 entgegen.
Lebenshilfe feiert Disco-Party FRIEDBERG. Mit einer Disco-Party feiert die Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung am Samstag, 23. Januar, im Café Taf in der Hospitalgasse ihr 30jähriges Bestehen. Ab 16 Uhr werden heiße Rhythmen und kühle Getränke geboten.
"Bei der Fete ist jeder herzlich willkommen", sagt Dieter Köppel, stellvertretender Vorsitzender der Lebenshilfe.Nachrichten-BörseIG Bergbau gegen Kali-Nachklapp Die Industriegewerkschaft Bergbau und Energie lehnt Nachverhandlungen zur Fusion von Kali + Salz und der Mitteldeutschen Kali ab. Kritik aus Thüringen an dem Vorhaben weist sie zurück. Nur durch den Zusammenschluß könnten langfristig 7500 Jobs gesichert werden. Heimtextil übertrifft Erwartungen Besser als zuvor angenommen ist die Frankfurter Heimtextil-Messe über die Bühne gegangen, die am Wochenende ihre Pforten schloß. "Selbst optimistische Erwartungen sind übertroffen worden", berichtet Knut Wiesner, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Deutschen Heimtextilien-Industrie. Auf der Veranstaltung wurden 63 000 Fachbesucher gezählt, 1000 mehr als im Vorjahr. Wall Street etwas fester Die New Yorker Börse beendete die vergangene Woche etwas fester. Der Dow-Jones-Index schloß am Freitag mit 3271,12 Punkten, womit ein Plus von 3,24 Zählern verbucht wurde. USA helfen Albanien Die Vereinigten Staaten wollen dem mit Versorgungsproblemen konfrontierten Albanien mit Lebensmitteln helfen. Die Amerikaner werden 20 000 Tonnen Weizen und 17 000 Tonnen Reis liefern.
KARBEN. Gewaltiger Andrang herrschte am Sonntag beim Kommunionskleider-Basar, den die Karbener St.- Bonifatius-Gemeinde nun schon zum dritten Mal veranstaltete.
Für etwas mehr als die Hälfte des Preises ließen sich dort die üblicherweise zwischen 150 und 200 Mark teueren Kleider für die am 16. Mai stattfindende Erstkommunion erstehen. Auch die "Accessoirs" wie Haar- oder Kerzenschmuck gehen beim Neukauf schnell ins Geld und ließen sich im Gemeindezentrum zusammen mit Schuhen oder Handschuhen günstig erwerben. Für Jungen wurden einige wenige Anzüge und Kombinationen (mit obligater Fliege) angeboten.
Den Verkauf organisierten Mitarbeiter/innen der Pfarrgemeinde. Die Anbieter hatten die noch neuwertige Kommunionskleidung im Pfarrbüro abgegeben und die Preise festgesetzt. Gehandelt werden konnte demzufolge am Sonntag nicht.
Zuvor waren die insgesamt 33 kleinen Kommunikanten der Gemeinde im Gottesdienst vorgestellt worden. Die Kinder selbst präsentierten sich an einer Wand des Gotteshauses mit Fotos und Angaben über alles, was ihnen über die eigene Person wichtig schien. Wer am liebsten faulenzt oder wer zwei Kaninchen sein eigen nennt, war da zu erfahren. Angaben über Leibspeisen gaben Aufschluß über Anhänger etwa der chinesischen Küche. Und Lieblingslehrer rangierten gleich auf mit den am meisten verehrten TV-Helden wie etwa dem "Speider-Mann" (Original- Zitat). mu
200 Gäste beim Neujahrsempfang
KRIFTEL. Fast alles, was in der CDU Main-Taunus Rang und Namen hat, kam zum Neujahrsempfang ins Rat- und Bürgerhaus. In Wochen, da Hans-Werner Börs in Untersuchungshaft sitzt und vorläufig vom Dienst als Bürgermeister suspendiert ist, herrscht Präsenzpflicht. Und die Christdemokraten kamen zuhauf: Landrat Jochen Riebel, Kreischef Horst Lutze, Hessens Justizminister a.D. Karl- Heinz Koch, Landtagsabgeordneter Georg Badeck, Bundestagsabgeordnete Bärbel Sothmann, Kreistagschef Dr. Hanns Großmann und fast die komplette Krifteler Fraktion. Bei der hochkarätigen Unionsriege fiel kaum auf, daß auch Erster Kreisbeigeordneter Gerd Mehler da war. Der SPD-Mann nahm's gelassen.
Im dritten Jahr hatte die Vereinigung Krifteler Selbständiger (VKS) zum Neujahrstreffen geladen. Vorsitzender Fritz Schwab begrüßte die 200 Gäste, junge Frauen und Männer der Heimat- und Festwagengesellschaft verteilten Häppchen in Trachten, Männer- und Frauenchor des Gesangvereins "Liederkranz" brachten Ständchen - und Gerlinde Schmutzler (Sopran), Bernd Holtmann (Klarinette) und Peter Schmutzler (Klavier) boten Klassik. Harmonie pur, hätte nicht jener Mann gefehlt, der in den Vorjahren im Mittelpunkt gestanden hatte: Börs. Um so dichter drängten sich die Parteifreunde um seine Frau Helene. Ein Küßchen von Großmann, ein aufmunterndes Lächeln von Kriftels CDU-Chef Oliver Schwebel sollten ihr Kraft spenden. Über den "Fall Börs" wurde hinter vorgehaltener Hand debattiert, offiziell kaum.
VKS-Chef Schwab sprach zwar übers "Schicksalsjahr '92", meinte aber die Wirtschaftslage. Der Landrat hielt eine Wahlkampfrede. Abgesehen von Betrachtungen über das Wesen der Demokratie oder die Einheit vermied er es tunlichst, auf Krifteler Probleme oder gar Börs einzugehen. Nur Erster Beigeordneter Paul Dünte (CDU) riß die Mauer des Schweigens ein. Es treffe Kriftel hart, auf einen Rathauschef zu verzichten, "der 22 Jahre die Geschicke gelenkt hat". 1992, diesmal war's politisch gemeint, habe Wunden und Narben hinterlassen.
Gastgeber Schwab hatte mehr Grund zum Strahlen. Er überreichte eine Spende von je 1000 Mark an Doris Meilinger von der Lebenshilfe und an Eugen Butschan, der den Krifteler Konvoi nach Kaliningrad unterstützt hat. pms
HANDBALL BUNDESLIGA, Männer, 21. Spieltag: TV Niederwürzbach - VfL Gummersbach 22:18 (12:8), TuS Schutterwald - THW Kiel 23:18 (11:13), TV Eitra - SC Magdeburg 26:21 (11:8).
1. Wallau-Massenhm. 20 13 2 5 448:404 28:12 2. VfL-BHW Hameln 20 13 1 6 451:415 27:13 3. TV Niederwürzbach 20 11 3 6 440:423 25:15 4. TUSEM Essen 18 11 2 5 400:376 24:12 5. SC Magdeburg 21 11 2 8 427:407 24:18 6. THW Kiel 21 11 1 9 412:413 23:19 7. SG Leutershausen 20 10 2 8 411:414 22:18 8. TV Großwallstadt 20 8 5 7 434:415 21:19 9. TBV Lemgo 20 10 1 9 381:371 21:19 10. VfL Gummersbach 21 8 5 8 409:405 21:21 11. Bayer Dormagen 19 8 4 7 368:355 20:18 12. TuS Schutterald 21 8 3 10 465:487 19:23 13. TSV Milbertshofen 19 7 4 8 383:390 18:20 14. VfL Fredenbeck 20 7 4 9 458:465 18:22 15. Flensburg-Handew. 20 6 4 10 377:380 16:24 16. TURU Düsseldorf 20 7 1 12 382:397 15:25 17. TV Eitra 21 3 4 14 432:486 10:32 18. HCE Rostock 19 3 2 14 337:412 8:30
FRANKFURT-WEST. Das Frauenzentrum in der Bockenheimer Falkstraße 28 bietet einen besonderen Service an. "Frauen begleiten Frauen" ist der Titel einer Kartei, in die sich seit Sommer 1992 alle eintragen können, die eine Begleitung ins Theater, Konzert oder Kino suchen. Mittlerweile rufen "aber auch immer mehr Frauen an, die neue Bekanntschaften oder eine Urlaubspartnerin suchen", erklärte Sahra Ghaeni, Mitarbeiterin im Zentrum. Aus der "Frauen-Kartei" wurde binnen eines halben Jahres eine erfolgreiche Börse für Unternehmenslustige. Über 100 Frauen haben sich in Bockenheim in der Liste samt Adresse und Hobbys vermerken lassen.
Auch in Rödelheim wird seit sechs Wochen eine solche Kartei aufgebaut. Jeden Mittwoch von 17 bis 19 Uhr können Frauen ins Auguste-Oberwinter-Haus, Burgfriedenstraße 7, gehen oder dort unter der Telefonnummer 78 00 26 anrufen und ihre Adresse hinterlegen. 15 Frauen haben das bisher gewagt. Wahrscheinlich "werden wir erst in einem Jahr eine große Kartei haben", meinte Christhild Krüsmann-Rasche. Rödelheim sei für solche Initiativen ein hartes Pflaster.
Die Anregung zu dieser Kartei hatte im vergangenen Sommer das Frauenreferat während seiner Kampagne "Frauen nehmen sich die Stadt" gegeben. Auf zahlreichen Treffen der Stadtteilgruppen und Veranstaltungen hatte sich herausgestellt, daß Frauen beispielsweise ihre Theaterabonnements kündigen, weil sie abends nicht alleine durch die City ziehen wollen. Das kann geändert werden, dachten sich damals Heike Klampf und Sybille Gottlob. Die beiden Mitarbeiterinnen des Frauenreferats gaben Starthilfe. Heute müssen die Frauen in beiden westlichen Stadtteilen allerdings ohne ihre Unterstützung auskommen.
Daß die Listen nicht in falsche Hände geraten, dafür garantieren die Frauen. Die Kartei wird diskret behandelt und sicher aufbewahrt. "Sonst geht der Schuß noch nach hinten los", meinte Krüsmann- Rasche. Überrascht waren die Anbieter der alternativen Kontaktbörse für Frauen allerdings, daß "die wenigsten Anruferinnen sich anmeldeten, weil sie abends aus Angst vor Gewalt auf der Straße zuhause bleiben", sagte Ghaeri. "Die meisten suchen nach neuen Bekanntschaften in ihrem Stadtteil", bemerkte auch Krüsmann-Rasche.
Bockenheimer Anwohnerinnen steht das täglich geöffnete Café des Frauenzentrum als Treffpunkt zur Verfügung. Und zu einem "Frauentreffen" laden Rödelheimerinnen am Donnerstag, 28. Januar, ab 17 Uhr in die Cafeteria des Auguste-Oberwinter-Hauses ein. tin
HANDBALL BUNDESLIGA, Frauen: TuS Eintracht Minden - Buxtehuder SV 20:30 (10:14), TSV Bayer 04 Leverkusen - VfL Oldenburg 33:11 (20:3), SC Magdeburg - VfL Sindelfingen 23:18 (14:9).
1. Lützellinden 13 12 1 0 312:238 25: 1 2. TuS Walle Bremen 13 11 0 2 277:211 22: 4 3. Buxtehuder SV 14 9 0 5 329:279 18:10 4. Bayer Leverkusen 13 7 2 4 312:233 16:10 5. Frankfurt/Oder 12 7 0 5 246:207 14:10 6. SC Leipzig 12 7 0 5 242:252 14:10 7. SC Magdeburg 14 7 0 7 274:292 14:14 8. VfL Sindelfingen 14 6 1 7 293:302 13:15 9. TV 05 Mainzlar 13 5 2 6 280:266 12:14 10. SC SW Wiesbaden 13 4 2 7 223:266 10:16 11. Eintracht Minden 14 2 2 10 231:285 6:22 12. Berliner TSC 13 2 0 11 216:309 4:22 13. VfL Oldenburg 14 2 0 12 244:339 4:24
"Künstlerateliers, 4. Stock", steht im Aufzug. Nicht nur Werbeagenturen haben alte Fabrikgebäude für sich entdeckt, auch die Stadt hat in einige dieser Backsteinbauten investiert und zum Beispiel Ateliers eingerichtet, die sie an Künstler weitervermietet. Auch Laura Padgett hat vor einigen Monaten eines dieser begehrten städtischen Ateliers ergattert, allerdings in der Hanauer Landstraße, wo sinnigerweise in den einzelnen Räumen kein fließendes Wasser installiert wurde, so daß sie hier keine Fotos entwickeln kann.
Aber immerhin hat sie jetzt genügend leere Wände. Besser als in ihrer kleinen Wohnung kann sie hier ihre Bilder aufhängen und auf ihre Wirksamkeit prüfen. Auf dem Fußboden liegen gerade einige bereit: Motive, Ort und Zeit der Aufnahmen sind sehr unterschiedlich. Eine Miniaturstadt ist dabei, ein gefällter Riesenbaum, ein Kojote, der irgendeine öde Landstraße in den USA überquert.
Bereits mit 21 Jahren hat Laura Padgett ihr Kunststudium in New York abgeschlossen. Damals beschäftigte sie sich noch viel mit Malerei, aber auch mit Film und Foto. Zwölf Jahre lebt sie jetzt in Frankfurt, hat noch einmal drei Jahre am Städel Film und Foto studiert und dabei, wie sie erzählt, bei ihrem Lehrer Herbert Schwöbel auch sehr viel dazugelernt.
Sie sitzt in ihrem kahlen Atelier am Schreibtisch, blättert in ihren Fotomappen und Ausstellungskatalogen und erzählt von ihren Anfangserfahrungen mit den "strengen" Deutschen. Doch obwohl sie ohne feste Pläne und finanzielle Absicherung nach Frankfurt kam, hat sie sich inzwischen als Künstlerin gut etabliert. Sie war an vielen Fotoausstellungen, nicht nur in Frankfurt, beteiligt. Ihre Bilder waren im Steinernen Haus, im Portikus, bei "Sequenz" und zuletzt bei "Art Aid 92" zu sehen. Auch ihre Filmarbeiten wurden bei verschiedenen Frankfurter Filmschauen vorgeführt, aber auch bei den Internationalen Westdeutschen Kurzfilmtagen in Oberhausen, bei Filmfesten in der Schweiz oder in Italien. Ihren Lebensunterhalt mußte sie sich freilich immer anderweitig verdienen: Zweieinhalb Jahre als Dozentin für Kunsttherorie und Fotografie an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und immer wieder als Englischlehrerin.
In Frankfurt, sagt sie, habe sie ihren Malpinsel endgültig aus der Hand gelegt, denn irgendwann habe sie festgestellt, daß sich mit der Malerei ihr Faible fürs Geschichtenerzählen nicht so richtig verwirklichen ließ. Also griff sie zum Fotoapparat, zur Kamera und zur Schreibmaschine, denn ihren Bildern sind auch immer Wörter beigestellt. "Die Sätze illustrieren nicht die Fotos, sie stehen für sich", sagt sie. Foto und Wort hätten ihre eigene Art, etwas zu beschreiben, und so könne man ihre Installationen getrennt lesen und betrachten, beide Medien aber auch konfrontieren und somit vielleicht anderes wahrnehmen.
Mit Nachdruck und Begeisterung erklärt sie ihre Arbeitsmethode und ihren jüngsten Bilderzyklus, der an der Wand hängt, eine Arbeit, die auch bei der "Listen"-Ausstellung im Portikus zu sehen war. Es sind sechs Schwarzweißfotos, jeweils drei in zwei Senkrechtspalten nebeneinandergestellt, in der Senkrechten dazwischen kurze, prägnante Sätze. "A Question of Time" lautet der Titel der Serie, die ebenfalls in Englisch verfaßten Sätze spielen auf Geschichtsverarbeitung und Wahrnehmungsstrukturen an. Die Fotos zeigen Dinosaurier, eine Luftaufnahme von einer Stadt am Fluß, einen Barocksalon, einen alten römischen Brunnen, Spielzeughäuschen und, als einzig Lebendiges, ein menschliches Bein, das sich auf eine offene Autotür zustreckt.
Diese Art zu arbeiten, ist am Städel nicht nur auf Liebhaber gestoßen, gesteht sie lachend. Aber wie man sieht, ließ sie sich nicht irritieren. Ähnlich erarbeitet sie auch ihre Filme. Wie sie beim Foto unspektakuläre Aufnahmen bevorzugt, liebt sie auch beim Film einfache, alltägliche Bilder mit langen Einstellungen. Der Ton erzählt Parallelgeschichten, so auch in "Hildegard von Bingen", den sie 1990 zusammen mit Thomas Roth gedreht hat und für den sie bei Filmfestspielen in Italien ausgezeichnet wurde.
ANGELIKA BURKHARD
5,4 Millionen Mark will der Magistrat für das Beschleunigungsprogramm der Straßenbahnlinie 15 zwischen dem Haardtwaldplatz in Niederrad und Offenbach (Stadtgrenze) in den nächsten zwei Jahren ausgeben. Das ist der CDU-Fraktion und dem fraktionslosen Abgeordneten im Ortsbeirat 5 zu viel: Der Umbau bringe nur wenige Minuten Zeitgewinn.
Auch Seniorenbeirat Heinz Dachrodt rechnete in der jüngsten Sitzung vor, bei einer Fahrzeit von 36 Minuten seien bestenfalls auf der gesamten Strecke sieben Minuten gutzumachen. Viele Fahrgäste aber stiegen jeweils auf halber Strecke am Südbahnhof um.
Dem hielten SPD und Grüne entgegen, es gehe nicht um "kleinliche Rechnungen". Wichtig sei, dem Prinzip "öffentlicher Nahverkehr hat Vorrang vor Individualverkehr" Geltung zu verschaffen. ask
Das Gebiet um das Waldstadion soll als Freizeitpark im Stile des Münchener Olympiaparks ausgebaut werden: Mit diesem überraschenden Vorschlag wartete jetzt die CDU-Fraktion im zuständigen Ortsbeirat 5 auf.
Um das Projekt zu realisieren, schlug der Sprecher der Christdemokraten, Wolfgang Gilles, eine kommerzielle Stadion-GmbH vor. Sie könne die bestens genutzten Freizeitangebote am Stadtrand wie Eisbahn, Tennisplätze und Schwimmbad erhalten und für weitere Attraktionen sorgen. Auch könnte "das Gelände um den Tiroler Weiher zum Park umgestaltet" werden.
Für die CDU hätte der Vorschlag einen entschiedenen Vorteil: Der Verkauf käme dem arg strapazierten Geldbeutel der Kommune zugute und entlaste ferner das Budget, da die Stadt dann nicht für die notwendige Sanierung des Stadions zu bezahlen habe.
Die Mehrheitsparteien im Stadtteil- Parlament, SPD und Grüne, kritisierten den Vorschlag in der Sitzung. Marcus Bocklet (Grüne) verspottete der Vision gar als "Disneyworld am Waldstadion". SPD-Fraktionsführer Gerhard Kadelbach warf den Christdemokraten vor, sie griffen lediglich die Absichtserklärung des Magistrats auf, das Stadion zu erhalten. Dazu bedürfe es aber keiner GmbH und keines Verkaufs.
Im Gegenteil, die Konsequenzen des Verkaufs seien nicht abzusehen. Und: Der Verkauf käme allemal "zu früh". Seine Parteikollegin Elke Tafel kritisierte weiter: Sollte der Freizeitpark so "protzig" ausfallen wie der Antrag klinge, dann seien die Verlierer wieder einmal die Niederräder: Schon jetzt müßten sie bei jeder Veranstaltung unter dem Verkehr leiden.
Ortsvorsteher Edmund Löffler (SPD) berichtete von einem Kolloquium, das Mitte Dezember zu dem Thema abgehalten wurde. Damals habe der Architekt des Münchener Olympiaparks erläutert, Frankfurt brauche keinen Park, es brauche eine "moderne Hauptkampfbahn" anstelle des überalterten Waldstadions. Stadtplaner Albert Speer habe daraufhin versprochen, schon für die zweite Jahreshälfte 1993 einen Vorschlag zu machen.
Obwohl der CDU-Antrag abgelehnt wurde, begrüßten die rot-grünen Ortsbeiräte einen Kritikpunkt der Konservativen. Die hatten in der Begründung die "Schließung von Sportstätten im Stadionareal" moniert, so auch der dortigen Eisbahn.
Dazu legte die SPD einen eigenen Antrag vor, der vom Magistrat fordert, auch während der Umbauphase der Stadion- Bahn eine Kunsteisbahn im Süden Frankfurts zur Verfügung zu stellen. Denkbar seien Ersatzflächen auf einem Parkplatz, auf Wiesen, umgewidmeten Straßenstücken oder einem alten Friedhofsgelände. Damit käme man auch der jüngst gegründeten und recht erfolgreichen Bürgerinitiative zur Rettung der Eisbahn entgegen. ask
SACHSENHAUSEN. Die Diskussion um das geplante Quartier "Deutschherrnviertel" auf dem Gelände des alten Schlachthofs geht weiter. So wurde in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) der Bebauungsplan Nr. 691 (Stadtviertel Alter Schlachthof), der in absehbarer Zeit öffentlich ausgelegt werden soll, nicht ohne Widerspruch angenommen. Dabei geht es um die Themen Verkehr, Spielflächen und Schulversorgung. Weitere Bedenken meldeten SPD und Grüne im Zusammenhang mit einem Magistratsbericht vom Dezember an. SPD-Ortsbeirat Helmut Tschampa sprach in diesem Zusammenhang sogar von einer "Täuschung des Publikums durch das Schulamt".
Während Christdemokraten und der fraktionslose Winfried Hackhausen das Vorhaben "Deutschherrnviertel" in der geplanten Form insgesamt ablehnen - die CDU will lediglich das westliche Areal bebauen, um den Schlachthof zu erhalten -, machten SPD und Grüne ihre Kritik in zwei Anträgen deutlich. Die wurden in der jüngsten Sitzung des Stadtteilparlaments mit knapper Mehrheit verabschiedet.
SPD-Fraktionsführer Gerhard Kadelbach unterstrich, es sei wichtig, viel Wohnraum zu schaffen. Zweifel seien jedoch angebracht bezüglich der Schulversorgung für das Deutschherrnviertel. Auch die vorgesehene Verkehrsführung durch die Gerbermühlstraße gefällt den Sozialdemokraten nicht. Es sei abzusehen, daß der Verkehr von der Mainuferstraße "in die umliegenden Stadtbereiche und Oberrad" verdrängt werde. Schließlich rügt die SPD als Antragssteller die "dichte Innenhofbebauung des Stadtviertels", die den Kindern große Spielflächen wegnehme.
Dem schlossen sich die Grünen an, wobei Fraktionsvorsitzender Marcus Bocklet vor allem die Verkehrsführung kritisierte. Die sei "blind geplant": kurzfristig vielleicht brauchbar, aber auf lange Sicht nicht vertretbar.
Besonders am Herzen liegt den Sozialdemokraten aber die Schulplanung für das östliche Sachsenhausen und speziell für das neue Viertel. Die sei zwar angeblich gesichert, doch die hierfür ins Auge gefaßten Gebäude der Willemer- und Frankensteinerschule am Lokalbahnhof würden ja bereits genutzt. Dazu heißt es im Antrag, das Schulamt solle die "Widersprüche plausibel aufklären": Im Projektgebiet seien drei Kindertagesstätten mit 240 Plätzen "verbindlich eingeplant". Unklar sei dabei, wohin diese Kinder gehen werden, sobald sie schulpflichtig sind. Weiter rechnet die Ortsbeiratsfraktion dem Magistrat vor, in der Schule seien vier Jahrgänge zusammen, das bedeute einen Bedarf für 16 Klassen. Konkrete Frage: "Welche Schule kann 16 Klassenräume bieten?"
Bisher, so erklärte Helmut Tschampa (SPD), habe das Amt stets das Schulzentrum an der Willemerstraße genannt. Doch Willemer- und Frankensteinerschule könnten "nicht gemeint sein, da sie bereits belegt sind". Im Gespräch mit der Stadtteil-Rundschau ging Tschampa weiter und sagte, das Schulamt habe "doppeltes Spiel" betrieben. Insgesamt dreimal habe die Behörde den Komplex bei unterschiedlichen Anforderungen "verplant": Einmal als Grundschule für das neue Viertel, dann für den Bedarf der Abendhaupt- und Realschule sowie der Bergiusschule und schließlich für die - geplante - Integrierte Gesamtschule (IGS).
Die sei zwar im vergangenen Winter "gekippt" worden. Doch Michael Damian, der mittlerweile Referent von Schuldezernentin Ebeling ist, habe ihm bestätigt, gerade in diesem Fall wären die Räume "wissentlich doppelt belegt" worden. Angesichts von kritischen Fragen, die seinerzeit dem Amt gestellt wurden, nannte Tschampa das nun "eine Täuschung des Publikums". Er erneuerte deshalb die Forderung der Sozialdemokraten, für die IGS Sachsenhausen müsse "ein Neubau her". ask
SACHSENHAUSEN. Da sage noch einer, Ortsbeirats- und Stadtteilpolitik sei langweilig und humorlos. Das Gegenteil ist der Fall, wie ein Antrag der SPD zum Dauerbrenner "Alt-Sachsenhausen" zeigt. Doch der Reihe nach: Da gibt es seit kurzem einen Magistratsbericht zur Frankensteiner Straße. Den wies der Ortsbeirat 5 in seiner jüngsten Sitzung zurück. Begründung: "Thema verfehlt" - oder, wie es spöttisch schwarz auf blau steht: "Die Verwaltung ist wieder einmal zu veranlassen, sich ortskundig zu machen und die Vorlage entsprechend sorgfältig und sachkundig zu erarbeiten."
Ziel der ursprünglichen SPD-Initiative vom April war, den auswärtigen Besuchern die meist vergebliche Parkplatzsuche in der Frankensteiner Straße zu ersparen und die Zufahrt zum Quartier zu verhindern. Der Ortsbeirat schlug vor, mit "Kölner Tellern" und Pflanzkübeln die Autofahrer von ihrem Tun abzubringen. Wenn die Behörden jetzt auf die Pflanzkübel verzichten wollen und zudem in dem Glauben lebten, "daß die Zecher mit ihren Autos nicht bis vor die Theke brettern", weil das ja eigentlich nur auf dem Weg durch die Fußgängerzonen Kleine und Große Rittergasse ginge, so machten sie sich das Motto Palmströms zu eigen. Der soll einst erleichtert festgestellt haben, "daß nicht sein kann, was nicht sein darf". Und so dürfen die Autos zwar nicht, können aber sehr wohl ins Viertel fahren: Und zwar durch eben jene Frankensteiner Straße. Diese - wie unser obiges Bild zeigt - naheliegendste Variante aber ist der Verwaltung anscheinend verborgen geblieben. Was der Antrag postwendend bestätigt: "Durch die Straße gelingt es sehr bequem ins Kneipenviertel hineinzudüsen, was oft und gerne gemacht wird."
Gipfel des Behörden-Spotts ist schließlich der abschließende Passus des neuen Antrags: "Sollte es der Verwaltung zu schwierig sein, die Frankensteinerstraße zu finden, stehen wir gerne als Fremdenführer zur Verfügung." Wobei sich nun der Leser ein wenig über die ortskundigen Fremdenführer wundern darf: Denn die betreffende Straße schreibt sich immer noch in zwei Worten. ask
SACHSENHAUSEN. Mehr Sicherheit für die Kinder in der Gartenstraße: Das fordern die Abgeordneten des Ortsbeirates 5 in einem Antrag, der in der jüngsten Sitzung einstimmig angenommen wurde.
Die Beiräte haben dabei den Abschnitt zwischen Stresemannallee und Otto- Hahn-Platz im Auge. Dort wohnen laut Auskunft des Antragsstellers, des fraktionslosen Winfried Hackhausen, in jedem Haus zwei bis drei Kinder. Wie es in dem Antrag weiter heißt, sei durch die im November eingerichtete Tempo-30-Zone im Malerviertel "geradezu eine Sogwirkung auf die Gartenstraße im genannten Abschnitt entstanden".
Das unterstrichen auch Christoph Mäckler, der Vorsitzende des Bundes Deutscher Architekten, sowie die ansässige Kinderärztin Annette Dippell. Sie berichtete in der Bürgerfragestunde, die Geschwindigkeit, mit der die Autos durch die Gartenstraße fahren, sei "sogar auf 70 bis 80 Stundenkilometer angestiegen". In ihrer Praxis habe sie es "gehäuft mit Allergien zu tun". Einen direkten ursächlichen Zusammenhang mit der veränderten Verkehrslage wollte sie indes nicht herstellen.
Mäckler sagte, er sehe keinen Grund dafür, das Gebiet so zu trennen, wie es die jetzige Verkehrssituation faktisch tue. Das Viertel reiche eigentlich vom Mainufer bis zur Kennedyallee. Sein Vorschlag, um die Blechkarossen auf andere Routen zu leiten: Den Abschnitt der Gartenstraße in eine Einbahnstraße verwandeln.
Dem folgte der Ortsbeirat zwar nicht, stellte aber in seinem Antrag an den Magistrat eine andere Forderung: Das Teilstück der Gartenstraße "soll aus dem Grundwegenetz gelöst werden" oder es soll ein Tempo-30-Gebot "für alle Verkehrsmittel, Straßenbahn und Auto" erteilt werden.
Wolfgang Gilles (CDU) wies im Zusammenhang mit der zweiten Formulierung allerdings auf einen Widerspruch hin. Einerseits betreibe Rot-grün ein Beschleunigungsprogramm für den öffentlichen Nahverkehr. Darunter falle auch die Linie 15 - die durch besagten Teil der Gartenstraße fährt - und das soll sie laut Gilles mit "maximaler Betriebsgeschwindigkeit", 60 bis 70 Stundenkilometer, tun. Dafür will die Stadt, so war es einer am selben Abend verhandelten Magistratsvorlage zu entnehmen, knapp 5,4 Millionen Mark ausgeben. Mit dem Tempo-30-Gebot würde der Ortsbeirat jedoch diese Pläne der Stadt durchkreuzen. ask
Die Gemeindekrankenpflege in Langen begann in kleinem Stil. In den sechziger Jahren wurde die Arbeit von drei Schwestern geleistet. Eine von ihnen war Gisela Müller-Reibling, die später das Zentrum für Gemeinschaftshilfe leitete. Sie und ihre Kolleginnen waren in ihren Bezirken mit dem Fahrrad unterwegs, betreuten 60 bis 80 Patienten. Die Zahl der Hausbesuche lag bei etwa 10 000 im Jahr.
Das Zentrum für Gemeinschaftshilfe, das im Stadthallenkomplex an der Südlichen Ringstraße untergebracht ist, wurde 1975 gegründet und ist dem Sozialamt zugeordnet. Die Zahl der betreuten Personen stieg auf 350, die Zahl der Hausbesuche pendelte sich auf annähernd 20 000 ein. Nach Angaben der Stadt sind derzeit sechs examinierte Krankenschwestern und ein Zivildienstleistender beschäftigt. Ihre Leistungen kann jeder Bürger in Anspruch nehmen. Normalerweise weist der Arzt die Patienten zu. Wer Hilfe braucht, kann sich aber auch direkt an die städtische Einrichtung wenden.
Die Krankenschwestern kommen ins Haus und führen die vom Arzt vorgeschriebenen Behandlungen aus: Spritzen, Verbände, Katheter und vieles mehr. Bei Schwerkranken kommen die Körperpflege, das richtige Lagern und Vorbeugung gegen Zweiterkrankungen hinzu.
Damit die alten Menschen trotz Krankheit lange in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können, arbeitet das Zentrum eng mit den Familienpflegerinnen der katholischen Gemeinde St. Albertus Magnus und der Arbeiterwohlfahrt zusammen. Sie bieten Hilfen im Alltag an.
Die Kosten für das Zentrum werden für 1993 auf 667 000 Mark veranschlagt. Davon trägt die Stadt nach eigenen Angaben 365 000 Mark. Die Krankenkassen zahlen 200 000 Mark. Vom Kreis Offenbach kommen rund 43 000 Mark, vom Land 26 000. dac
Der Trauermarsch von Frankfurter Schülern für die Opfer von Mölln am 2. Dezember wird ein Nachspiel haben. In der Sitzung des Ortsbeirates 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) brachte die Fraktion der Grünen jetzt einen Antrag ein, der der Schulaufsicht nahelegt, das Verhalten der Leiterin der Sachsenhäuser Deutschherrenschule in diesem Zusammenhang zu untersuchen. Laut Antrag habe Monika Intrau den Schülern "untersagt, an dem friedlichen Trauermarsch teilzunehmen". Ferner soll sie ausländischen Schülern verboten haben, sich auf dem Schulgelände in ihrer Muttersprache zu unterhalten. Auch das Tragen von Kopftüchern, die einige türkische Schülerinnen aus religiösen Gründen anlegen, sei untersagt. Die Grünen fordern nun, es solle geprüft werden, "inwieweit es sich um so gravierende ausländerfeindliche Verhaltensweisen handelt, daß sie als Schulleiterin nicht mehr tragbar ist".
Der Antrag, erst zum Tagungstermin als Tischvorlage eingebracht, wurde von Ortsvorsteher Löffler in den nicht-öffentlichen Teil am Ende der Sitzung überstellt. Wie die FR erfuhr, wurden dort die "wichtigsten Passagen" abgelehnt oder "nicht verhandelt". Zu einer teilweise sehr emotionalen Debatte kam es dennoch zu Beginn des Abends in der Bürgerfragestunde.
Monika Intrau, die sich "zufällig wegen einer anderen Sache" zur Sitzung eingefunden hatte, wies die Vorwürfe zurück: "Das stimmt so nicht." Die Teilnahme an der Demonstration habe sie verboten, da die Schüler ihr von dem Vorhaben erst wenige Stunden vor Beginn des Marsches berichtet hätten und auf Nachfrage auch weder Organisator noch sonstige nähere Umstände nennen konnten. Im Nachhinein habe sie von einer Veranstaltung um 13.20 Uhr erfahren. Da die Schüler bereits um 11.20 Uhr das Gelände verlassen hatten, betrachtete Frau Intrau das als "Unentschuldigtes Fehlen" und drohte mit Konsequenzen.
Wie diese Konsequenzen aussehen, will die Leiterin, nachdem es schon in den vergangenen Wochen heftige Kritik seitens der Eltern gab, nun mit der staatlichen Schulaufsicht klären. Sie betonte weiter, ihr Verhalten bewege sich "im Rahmen der Dienstordnung".
Daß es ein Kopftuch- oder Sprechverbot gebe, bestritt die Rektorin "eindeutig". Dem widersprach eine Lehrerin des Kollegiums: die Verbote habe es gegeben, sie seien "mittlerweile aber aufgehoben". Eine zweite Lehrerin teilte mit, Schüler hätten ihr "mehrfach" von eben solchen Vorkommnissen erzählt. Sie fügte an: "Ich bedauere es, in so einer Schule zu sein."
Dem Grünen-Antrag beigeheftet sind elf, von zahlreichen Schülern unterzeichnete Berichte, die Situationen schildern, in denen diese Verbote ausgesprochen worden sein sollen. Auf den Widerspruch zwischen diesen und ihrer Darstellung angesprochen, konnte Frau Intrau keine Erklärung geben. Sie lehnte es auch ab, über das Zustandekommen der Schreiben "Vermutungen anzustellen".
Deutlicher wurde Konrektor Helmut Strahlendorf. Er lenkte ein, man habe "schon mal Schüler aufgefordert" sich auf Deutsch zu unterhalten, wenn Personen zugegegen gewesen seien, die der anderen Sprache nicht mächtig waren: Ein solches Entgegenkommen "gebiete die Höflichkeit".
Beide Schulleiter verwahrten sich jedoch vehement davor, in "eine Ecke gestellt zu werden, in die wir nicht gehören". So habe man der Schülervertretung angeboten, anstatt zu demonstrieren, einen "Aktionstag zu machen".
Antragssteller Marcus Bocklet (Grüne) begründete den Vorstoß mit dem "öffentlichen Interesse", das es an den Vorgängen gebe. Es gehe nicht um Interna, es müsse gezeigt werden, "wes Geistes Kind" die Schulleitung sei. Er versicherte außerdem die Schüler und Lehrer, die "den Mut besessen haben", sich gegen die Leitung zu stellen, der Unterstützung der Fraktion. SPD-Fraktionsführer Kadelbach unterstrich das und sagte, man müsse die Kinder in ihrer "demokratischen Haltung" bestärken. Hans Günter Joras (CDU) entgegnete, da würde "ein Popanz aufgebaut" und "die Sache zum Wahlkampfthema" gemacht. ask
BASKETBALL BUNDESLIGA, Männer, 19. Spieltag: Brandt Hagen - SG Braunschweig 107:82 (54:46), BG Sgt.-Ludwigsburg - TVG Trier 73:64 (38:36), TTL Bamberg - Tübinger SV 97:93 (46:34), SSV Ulm - MTV Gießen 100:82 (51:37), BG Bramsche-Osnabrück - Alba Berlin 69:68 (23:28), Bayer 04 Leverkusen - SVD Dortmund 83:77 (42:42).
Guppe Nord: 1. Bayer 04 Leverkusen 18 16 2 1589:1328 32: 4 2. Alba Berlin 18 11 7 1536:1475 22:14 3. Bramsche-Osnabr. 19 11 8 1578:1591 22:16 4. Brandt Hagen 19 8 11 1581:1601 16:22 5. SG Braunschweig 19 8 11 1472:1538 16:22 6. SVD Dortmund 19 6 13 1439:1550 12:26
Gruppe Süd: 1. TTL Bamberg 19 12 7 1673:1517 24:14 2. Stuttg.-Ludwigsburg 19 11 8 1591:1582 22:16 3. SSV Ulm 19 11 8 1530:1557 22:16 4. MTV Gießen 19 9 10 1621:1582 18:20 5. TVG Trier 19 8 11 1414:1487 16:22 6. Tübinger SV 19 2 17 1444:1660 4:34
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SCHWANHEIM. Nach ihren Gastspielen bei der "Country-Rock-Night" in der TuS-Turnhalle und beim letzten Schrimpegassenfest kommt die Gruppe "Merlin's Fantasy Farm" am Samstag, 23. Januar, erneut nach Schwanheim. Sie spielt ab 20 Uhr im Vereinsheim des Musikzuges "Blau-Gold" 1967, Alt-Schwanheim 2 a.
Seit nahezu zwei Jahrzehnten begeistern die Musiker aus Frankfurt und Offenbach ihr Publikum im In- und Ausland. In ihrem Programm dominieren zwar Songs der Eagles, sie interpretieren mit der Gitarre aber auch Poco, Crosby, Stills & Nash, Seals & Croft, Bird, John Denver oder Dan Fogelberg, wobei sie eigene Elemente mit einbringen.
Blau-Gold erwartet zu diesem neuen Gastspiel viele Westcoast-, Country- und Eagles-Fans und verspricht, auch für das leibliche Wohl bestens zu sorgen. Aus der Blau-Gold-Küche soll es diesmal Chili Con Carne und Hamburger geben, kündigt der Verein an. dixi
HEDDERNHEIM. Ältester Heddernheimer Karnevalverein sind die "Heddemer Käwwern" von 1882. Unter dem Motto der Kampagne '93 der Zuggemeinschaft ("Klaa Pariser Närrischkeit, von Aafang bis in Ewischkeit!") feiern die "Käwwern" das 111jährige Vereinsbestehen - ein närrisches Jubiläum. In der Turnhalle, Habelstraße 11, veranstalten sie am Samstag, 23. Januar, 19.11 Uhr, einen Festabend.
Die Festansprache hält Oberbürgermeister Andreas von Schoeler (SPD). Geboten wird nach dem akademischen Teil zum närrischen Jubiläum ein kleines Programm mit Vorträgen, Garde- und Schautänzen sowie Gesangsvorträgen. Angesagt sind unter anderem Margit Sponheimer, die "Bernemer Handwerksburschen" und die "Kinziggeister". Zum Tanz spielt die "Royal-Blue-Band" auf. Der Festveranstaltung geht um 17.11 Uhr im kleinen Turnhallensaal ein Empfang für Vertreter und Abordnungen von Vereinen voraus. Am Sonntag, 24. Januar (10 bis 14 Uhr), wird im kleinen Saal eine Ausstellung "111 Jahre Käwwern" gezeigt. dixi
HEDDERNHEIM. "Klaa Paris, das Narrenparadies" hat im 154. Jahr der Heddernheimer Fassenacht einen Jubilar: Die "Heddemer Käwwern" wird närrische 111 Jahre alt.
43 Heddernheimer Bürger faßten am 5. Oktober 1881 den Beschluß, eine Karnevalsgesellschaft zu gründen. Dieses Vorhaben setzten sie Anfang 1882 in die Tat um. Den Verein, mit Präsident Karl Leister an der Spitze, tauften sie auf "Heddernheimer Käwwern-Gesellschaft". Erst einige Jahre später erhielt der Verein mit "Heddemer Käwwern" den heutigen Namen. Die Narren engagierten sich in vielen Gebieten. Freilichtfestspiele organsierten sie ebenso wie Fassenachtszüge und Sitzungen. 1890 wurde der Rekruteneinzug "befohlen"; er bildete den Auftakt zu den drei närrischen Tagen. Märsche der Rekruten vom Hauptbahnhof bis nach Heddernheim mit anschließender Vereidigung waren künftig Jahr für Jahr ein großes Spektakel.
Bis kurz nach der Jahrhundertwende hatten die "Käwwern" ihre Narrhalla in der Gaststätte "Nassauer Hof", zogen dann nach dem Bau der Turnhalle der Turnerschaft 1860 in den größeren Saal um. Absolute Höhepunkte in den Jahren danach: Die Feier zum 40jährigen Vereinsbestehen und Fahnenweihe, das Festspiel 1928 mit dem Titel "Die erste vernünftige Völkerbund-Sitzung" und der Fassenachtszug (40 000 Besucher). Das "Goldjubiläum" 1932 zum 50jährigen ist wegen der schlechten Wirtschaftslage nur bescheiden gefeiert worden.
Nach der Machtübernahme durch die Nazis mußte der Vorstand umgebildet werden. Närrischer Widerstand der "Käwwern" führte 1936 zur Beschlagnahmung der "Käwwern-Zeitung", zum Verbot des Fassenachtszuges sowie zur "Schutzhaft" der Karnevalisten Karl Heil, Heinrich Geitzhaus und Hans Jung. Davon berichtete selbst die Londoner "Times" in großer Aufmachung.
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges endete alle närrische Freude. Erst im Januar 1946 regte sich neuer "Käwwerngeist" mit einer Veranstaltung in der Kantine der Vereinigten Deutschen Metallwerke. 1947 brachten die Karnevalisten wieder eine größere Sitzung im Kultur- und Volkshaus der Kommunistischen Partei über die Bühne - im "Kreml", wie der Volksmund das KPD-Haus damals nannte (das Haus der Kolpingfamilie im Zeilweg nannte man "Vatikan").
1949, zum 110jährigen Bestehen der Heddemer Fassenacht, stellten die Heddernheimer erstmals nach dem Krieg wieder einen Fassenachtszug auf Beine und Räder. Zur Enthüllung einer Gedenktafel im gleichen Jahr kam Oberbürgermeister Dr. Walter Kolb nach "Klaa Paris"; die Feierlichkeiten wurden vom Hessischen Rundfunk übertragen. Zur Vorbereitung der Fassenachtszüge standen die "Käwwern" sowie die "Fidelen Nassauer" Pate bei der Gründung der heutigen Zuggemeinschaft.
Von 1951 bis 1956 inszenierten die "Käwwern" zahlreiche Veranstaltungen (pro Saison bis zu sieben Damen- und Fremdensitzungen, bis zu sechs Maskenbälle und einen Rosenmontagsrummel). Auch außerhalb Heddernheims waren sie aktiv: Sitzungen in Bingen, Walldorf, Zellhausen, Steinheim, Heldenbergen, Neu- Isenburg sowie Gemeinschaftssitzungen mit den "Bernemer Käwwern" (1955 und 1956). Seit 1952 gibt es den "Käwwern"- Kreppelkaffee (Kindersitzung) und neben der Prinzengarde auch die Prinzeßgarde (seit 1954 offizielle Ehrengarde des "Großen Rates" Frankfurt). Weiteren Aufschwung verzeichneten die "Käwwern" unter dem Vorsitzenden Karl Keiner, der ab 1957 den Verein 22 Jahre lang leitete.
Wegen der Hochwasserkatastrophe in Hamburg wurde 1962 der Fassenachtszug abgesagt, die Ehrensitzung der "Käwwern" wegen eines Grubenunglücks an der Saar verlegt. Mit eigenen Theaterinszenierungen starteten die "Käwwern" 1963, die kleine "Käwwern"-Garde wurde 1966 gegründet (später als "Micky Mäuse" über Heddernheim hinaus bekannt).
Die "Historische Kommission" des Vereins gibt es seit 1971, Heddernheims Saalkerb der "Käwwern" seit 1977. Weitere Höhepunkte: Die 100-Jahr-Feier 1982, die "Käwwern"-Beteiligung 1985 am Jubiläum "1900 Jahre Nidda-Heddernheim", 1988 Teilnahme am Hessentag, 1989 das Jubiläum "150 Jahre Fassenacht in Klaa Paris" und die Enthüllung des von der Lurgi gestifteten Fastnachtsbrunnens.
Im närrischen Jubiläumsjahr 1993 amtiert Dietmar Pontow als Erster Vorsitzender und Ministerpräsident der "Käwwern". Zugleich ist er Vorsitzender der Zuggemeinschaft. dixi
Solche Szenen kommen sonst nur in klischeeverhafteten Polit-Thrillern vor: Spitzenpolitiker, die in ihrem Reich mit einem stadt- und polizeibekannten Unterweltboß bis zum frühen Morgen durch Kneipen und Bars ziehen, sich zwischen Tresen, Spieltisch und Bordell königlich amüsieren und sich dabei allerhand Blößen geben. Oder auch dies: Politiker, die einen polizeiauffälligen Schläger, der angeblich ins Zuhältermilieu drängt, als persönlichen Schutz engagieren und ihm auf dem kleinen Dienstweg noch zu einer durchschlagkräftigen großkalibrigen Waffe nebst einem kostenlosen Schießtraining auf der Polizeischießbahn verhelfen.
Die Rede ist von keinem Kinofilm, es dreht es sich auch nicht um Enthüllungen aus dem Mafia-Milieu Italiens. Nein, es sind die kaum glaublichen Verhältnisse im Saarland. Da soll es enge persönliche Beziehungen zwischen der Welt der Saar-Mächtigen um Ministerpräsident Lafontaine und der mächtigen Saar-Unterwelt um einen mordverdächtigen, mehrfach zu Haftstrafen verurteilten Saarbrücker Gangsterkönig "Hugo" gegeben haben. In Hugos Etablissement verkehrten die Saar-Gewaltigen. Saar-Ganoven brüsteten sich angeblich damit, die "richtigen Minister" im Lande zu kennen.
"Saarlermo" im Saarland? Lafontaine, der als Bundesratspräsident nach dem Protokoll für ein Jahr das zweithöchste Amt im Staat bekleidet, sollte umgehend eine Kommission aus Juristen und Kriminalisten berufen, die das seltsame Saar-Geflecht zwischen Kriminellen und Politikern aufdröselt. Das ist er Amt und Land schuldig. gra (Saarbrücken)
EISHOCKEY BUNDESLIGA, 34. Spieltag: EHC Eisbären Berlin - Schwenninger ERC 6:3 (0:2, 1:1, 5:0), EHC Freiburg - EC Ratingen 1:5 (1:0, 0:2, 0:3), Mannheimer ERC - Krefelder EV 3:6 (1:2, 2:1, 0:3), ESV Kaufbeuren - Kölner EC 1:5 (0:2, 1:1, 0:2), Düsseldorfer EG - Berliner SC Preussen 3:2 (1:0, 2:2, 0:0), EV Landshut - EC Hedos München 3:3 (2:0, 0:2, 2:2).
1. Düsseldorfer EG 34 26 5 3 146: 75 57:11 2. Kölner EC 34 21 7 6 127: 88 49:19 3. Hedos München 34 17 7 10 118: 86 41:27 4. Krefelder EV 34 16 6 12 114: 93 38:30 5. Mannheimer ERC 34 14 6 14 122:112 34:34 6. Berliner Preussen 34 12 10 12 102:106 34:34 7. ESV Kaufbeuren 34 12 8 14 111:120 32:36 8. Schwenning. ERC 34 11 7 16 111:124 29:39 9. EV Landshut 34 10 7 17 100:126 27:41 10. EHC Freiburg 34 9 6 19 110:126 24:44 11. EC Ratingen 34 8 8 18 108:142 24:44 12. Eisbären Berlin 34 7 5 22 92:163 19:49
GALLUS. Die drei Jugendlichen waren fassungslos. "Jugendschutzgesetz, was ist denn das nun wieder, nie gehört, kennen wir nicht, wollen wir auch nicht kennen", lautete ihr Kommentar. Das ganze Haus Gallus "bebte", und sie durften nicht (mehr) hinein. Grund: Das Gesetz sieht vor, Jugendliche unter 18 Jahren haben nach Mitternacht keinen Zutritt mehr.
Es bebte wahrhaftig in der Frankenallee 111 bei der ersten Jugenddisco "Gallus bebt" im neuen Jahr. Etwa 1000 Jugendliche aus allen Stadtteilen hatten sich in Schale geworfen, um bei der Fete - organisiert von Jugendhaus, Jugendladen und Kulturwochen - dabei zu sein. An der Tür wurden alle Besucher von drei Sicherheitsbeamten gefilzt: sanft, aber entschieden. Manch einer hatte wohl Taschentücher mit Messern verwechselt: Er durfte die Waffe abgeben und vor dem Heimweg wieder abholen.
Oben tobte der Saal. Angeheizt von den DJs Baric Toksoy, Robert Meray und "Carlo", allesamt Profis im Scheibengeschäft, tummelte sich haarewerfend, singend und hüpfend die Frankfurter Jugend. Thema Nummer eins: zwischenmenschliche Annäherung. Zumindest die Telefonnummer der ganz in Schwarz gekleideten Schönen mußte ergattert werden. Ob's wohl klappte?
Die etwas beschaulicheren Gäste disputierten an der Bar, bisweilen recht hitzig. Als aber die Hauptband des Abends, die achtköpfige türkisch-amerikanisch- deutsche Rap-Formation "X-Pose" auf die Bühne kam, bebte es erneut. "Für die Jugendlichen war das eine tolle Sache", kommentierte Jugendhaus-Mitarbeiterin Astrid Kerl, die gemeinsam mit Kollegin Heike Hahn und Uwe Höflich vom Jugendladen die Vorbereitungen übernommen hatte und bis kurz nach Mitternacht an der Kasse saß.
Für die Dekoration hatte Emmanuel Bohn, künstlerischer Leiter der Gallus- Kulturwochen, professionelle Graffitisprayer angeheuert, die zum Thema des Abends, "Underground", witzige Collagen anfertigten. Mindestens ebenso originell wippte ein Solotänzer auf der Empore an der Bühne den Gallus-Lambada. Wirklich entzückend, dieser Hüftschwung.
Um ein Uhr ebbte das Beben leicht ab. Die Lichter gingen an, freundlich wurde zum Aufbruch gebeten. Diskussionen durften draußen auf der Straße weitergeführt werden.
Für die vom Jugendschutzgesetz Getroffenen haben Astrid Kerl und Heike Hahn eine Lösung gefunden. Die 13- bis 17jährigen können ab Samstag, 6. Februar, monatlich im Bürgerhaus Gutleut am Rottweiler Platz feten.
In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Bund für Sozialarbeit haben Jugendhaus, Jugendzentrum und die städtische Saalbau eine sogenannte Teeniedisco ins Leben gerufen. Dann heißt es wahrscheinlich: "Das Gutleut bebt". Wenn das nichts ist. jot
Der Dieburger Kreisvertreter AV 1910 Schaafheim bleibt in der 2. Ringer-Bundesliga. Nach der zweiten Niederlage in der Aufstiegsrunde zur 1. Bundesliga (4:27 beim Spitzenreiter TKSV Bonn-Duisdorf) sind die Schaafheimer mit 2:4 Punkten aus dem Rennen. Bonn- Duisdorf (6:0 Zähler) und der KSV Köllerbach (4:2), die am Samstag (23.1.) in Köllerbach zusammentreffen, machen den Aufsteiger unter sich aus.
Schaafheim kam vor 1500 Zuschauern in Bonn-Duisdorf lediglich durch seine beiden Trainer Mario Gattnar (4:1 Punktsieger gegen Frank Dorn) und Tino Hempel (4:0 gegen Jochen Jahn) zu Erfolgen. Punktegarant Engin Ürün fehlte wegen einer Fußverletzung, sein Verterer Patrick Bertram gab nach zehn Sekunden gegen den bärenstarken Russen Valentin Kromov auf. hdp
EISHOCKEY ZWEITE BUNDESLIGA, 35. Spieltag: EC Bad Nauheim - Augsburger EV 2:5 (1:0, 0:2, 1:3), SC Riessersee - ES Weißwasser 1:1 (1:0, 0:1, 0:0), ECD Sauerland - EC Kassel 6:5 (2:2, 1:1, 3:2), EHC Nürnberg - SB Rosenheim 8:4 (3:1, 2:1, 3:2), EC in Hannover - SC Memmingen 6:5 (2:3, 0:2, 4:0), EHC Essen-West - SV Bayreuth 8:10 (3:5, 3:2, 2:3).
1. Augsburger EV 35 25 2 8 216:105 52:18 2. EHC 80 Nürnberg 35 22 5 8 194:133 49:21 3. SB Rosenheim 35 21 4 10 169:119 46:24 4. EC Kassel 35 18 7 10 188:125 43:27 5. EC in Hannover 35 17 9 9 173:136 43:27 6. ES Weißwasser 35 19 3 13 159:132 41:29 7. SV Bayreuth 35 17 4 14 159:145 38:32 8. ECD Sauerland 35 17 3 15 178:169 37:33 9. EHC Essen-West 35 12 3 20 164:199 27:43 10. SC Memmingen 35 8 1 26 140:238 17:53 11. SC Riessersee 35 4 6 25 104:204 14:56 12. EC Bad Nauheim 35 5 3 27 126:265 13:57
"Ich stinke nicht, ich bin nicht asozial, ich bin ein ordentlicher Mensch", sagt die Frau und berichtet über ein schier unüberwindliches Problem: Sie hat kein Dach über dem Kopf. "Selber schuld!" dröhnt es aus den hinteren Reihen des Saales im Johanna-Kirchner-Heim in der Gutleutstraße.
Der Satz war jetzt bei einem Informationsabend im Gutleut gleich mehrfach zu hören. Nicht wenige Anwohner des Wurzelviertels in der Nähe des Hauptbahnhofs wollen verhindern, daß die evangelische Gutleutgemeinde eine vorübergehende Unterkunft für obdachlose Menschen in ihrer Nachbarschaft einrichtet.
Drei Wohnungslose sollen auf dem Gelände der Hirtenkapelle unterkommen. So hat es der Kirchenvorstand im Dezember beschlossen. Außerdem plant die Gemeinde, befristet bis Ende April acht bis zehn Personen in Holzhütten auf einem Grundstück in der Gutleutstraße unterzubringen.
Weil das Vorhaben vielerorts auf Widerstand gestoßen ist, hatte die Kirchengemeinde nun zu dieser Informationsveranstaltung eingeladen. "Obdachlose sind keine Raubtiere, die man einsperren muß", erklärte Pfarrer Johannes Herrmann. Die Not dieser Menschen mache schnelles Handeln erforderlich, zumal schon zwei Obdachlose erfroren seien. "Wir können als Christen nicht daran vorbeigehen." Er kenne die betreffenden Personen, die in die Notunterkunft einziehen sollen, sagte Hermann. "Das könnten ganz seriöse Mitbewohner werden." Seine Kritiker beruhigte er: "Wenn die Mehrheit dagegen ist, werden wir nicht mit aller Gewalt etwas gegen sie durchsetzen." Die Kritiker waren zahlreich. Esther Weitzel-Polzer, Geschäftsführerin der AWO, fühlte sich düpiert: "Es ist schlecht eingefädelt worden." Sie habe von dem Vorhaben aus der Zeitung erfahren und sei vorher nicht von der Gemeinde angesprochen worden. Auf dem Grundstück, das für die Unterkünfte gedacht ist, wird die AWO ein Haus für Blinde bauen. Die beiden Projekte kommen sich zeitlich nicht ins Gehege, doch Weitzel-Polzer hat mehrere Einwände.
Nach Auskunft der Stadt gebe es genügend Schlafplätze. Die geplanten Unterkünfte seien bei der kurzen Zeit zu kostspielig, und die Bewohner des Johanna- Kirchner-Heims hätten ein "gewisses Schutzbedürfnis". Auch die Stadtteilpolitiker von SPD und CDU halten das Projekt für nicht realisierbar. Zustimmung signalisierten nur die Grünen.
Wiltrud Pohl von der evangelischen Gemeinde Alt-Höchst berichtete von überaus positiven Erfahrungen mit Obdachlosen, die in Containern in Höchst gelebt hätten. Doch ihr Beitrag vermochte die Stimmung bei einem Teil der Anwohner nicht zu wenden. Sie fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder und verwiesen auf genügend andere soziale Probleme im Viertel. Die Gemeinde wird nun mit Anwohnern und AWO weiter verhandeln. vo
Nächtliche Anrufe, Drohungen wie "Wir kommen und holen dich", Verleumdungen, Telefonterror beim Ortsvorsteher Helmut Gärtner und beim zuständigen Planungsbüro: Mit solch unseriösen Methoden kritisierten einige "engagierte" Bewohner der Dietrichstraße in der südlichen Nordweststadt die Tempo-30-Pläne in ihrem Quartier. Zu solchen Mitteln zu greifen, zeugt von einem mehr als mangelhaften Demokratieverständnis. Mehr noch: Es disqualifiziert diese Menschen.
Klar: Das Thema Verkehrsberuhigung sorgt seit Monaten für kontroverse Debatten. In jedem Stadtteil finden sich Anlieger, die mit den neuen Regelungen nicht einverstanden sind. Das ist normal, Disqualifiziert macht man sich eines deutlich: In jeder Tempo-30-Zone gibt es Straßen, die entlastet und solche, die dadurch stärker befahren werden.
Allen Beteiligten kann man es nie recht machen. Möglichkeiten, Kritik zu äußern, gibt es genug: Bürgeranhörungen, Ortstermine, Unterschriftenlisten.
Zur Erinnerung: Es geht um eine relativ ruhige Nebenstraße, die ein paar Autos mehr ertragen muß. Statt früher acht jetzt 44 in der Stunde. Sicherlich nicht schön für die Anwohner. Aber was sich da einige geleistet haben, ist keinesfalls zu entschuldigen. JÜRGEN OTTEN
Rainer Basedow war ja eigentlich gewarnt. Nach Frankfurt, bloß nicht, und dann auch noch zur Fastnacht - ein schwerer Brocken. Denn der Kabarettist von der Münchener Lach- und Schießgesellschaft haßt das Treiben der Narren.
Nun gut, also wenn er sich schon auf den Auftritt bei den Frankfurter Sozialdemokraten einlassen würde, so war ihm geraten worden, soll er den Asylkompromiß zwischen CDU und SPD in Bonn am besten gar nicht erwähnen, da die Frankfurter Sozis eh' alle dafür seien. Vor allem aber, das hat ihm einer empfohlen, der es wirklich gut mit ihm meinte, vor allem dürfe er nur nichts Falsches zur Eintracht sagen. Bitte schön: "Die Eintracht wird sowieso Meister", stimmt Basedow die in den Römerhallen versammelten etwa 700 Genossen zunächst freundlich. Und fügt dann - völlig unvermittelt, versteht sich - hinzu: "Im Synchronschwimmen."
Tja, Herr Basedow, das war nun wirklich etwas üppig aufgetragen. Ein paar politische Spitzen, okay, ganz prima. Und Fastnacht, auch klar, muß niemand lieben. Doch bei der Eintracht, Herr Basedow, da hört der Spaß irgend- wie auf. Zumal, wenn sich da einer lustig machen will, der aus diesem Schickeria-Kaff anreist, wo sich diese Lederhosenblasmusikweißwursttruppe am Ball versucht . . .
Aber mal ehrlich, Herr Basedow, gereut hat es Sie doch sicherlich nicht, dabei gewesen zu sein, wenn "der Römer Kopf steht". War doch ein richtig netter Abend. Nicht auszudenken, verpaßt zu haben, wie SPD-Fraktionsgeschäftsführer Franz Frey ähnlich wie Robin Hood mit grünem Filzhut durch die Hallen des Römers tänzelt. Oder Fraktionschef Günter Dürr auf dem Weg an der provisorischen Bühne vorbei von Büttenredner Manfred Haar als "vorübergehende Erscheinung" bezeichnet wird. Wie schade wäre es gewesen, dieses Prachtexemplar einer tiefroten Samtrose in der Dauerwelle der ehrenamtlichen Stadträtin Lilli Pölt nicht entdeckt zu haben.
Schier unverzeihlich aber wäre es, den Auftritt des Oberbürgermeisters in der Bütt nicht gesehen zu haben. "Wolle mern reinlasse?" Geradezu unnötig, die Frage von Moderator Diether Dehm: Klar doch, Bütt frei für "den Gärtner" Andreas von Schoeler. Angepriesen wird von ihm wahrlich prächtig gereimt: "Obst mit Vitamin C, und ihr bleibt gesund im Kampf für die SPD." Ein kräftiger Biß in den Apfel, damit auch morgen nichts schief gehen wird: "Wir gewinnen die Wahl", ist der OB optimistisch, "ich weiß' es genau - auf uns und auf Frankfurt, ein dreifach Helau." ing
"Hände weg von Somalia" haben Vertreter der Gruppe "Linkswende" jetzt auf der Zeil gefordert. Sie protestierten gegen einen Einsatz der Bundeswehr, denn ebenso wie im ehemaligen Jugoslawien habe "der Westen auch in Somalia nichts zu suchen", sagte Sylvia Großmann. Die 24jährige führt die Kandidatenliste der "unabhängigen Wählergemeinschaft" für die Kommunalwahlen am 7. März an.
Vor vier Jahren gegründet, weil "es keine Opposition mehr gibt", erklärte "Linkswende"-Sprecherin Eva Mertens, verstehen sich die zumeist jungen Politiker als "konsequent antirassistisch" und treten "für gleiche demokratische Rechte für Ausländer" ein.
Darüber hinaus wird das Programm der "Linkswende" zusammengesetzt, indem einzelne Elemente aus dem gesamten Spektrum politischer Positionen herausgegriffen werden. So plädiert die Wählergemeinschaft in ihrer Zeitschrift "novo" dafür, daß ein Verbot rechtsradikaler Organisationen abgelehnt werden müsse, da "der Staat kein Partner im Kampf gegen Rassismus sein kann". In einem Beitrag für das Hochglanzblatt wird zudem "das Erlangener Experiment von Ärzten befürwortet, die den Fötus im Leib der toten Mutter bis zur Entbindung am Leben erhalten wollten". Auch für die Gentechnik setzt sich "Linkswende" ein. Ökologie jedoch, erklärte Sprecherin Eva Mertens, "ist kein Thema, das wir zum Thema machen wollen". ing
BADMINTON BUNDESLIGA, Männer 12. Spieltag: TuS Wiebelskirchen - SV Fort. Regensburg 4:4, TV Mainz-Zahlbach - OSC Düsseldorf 4:4, FC Langenfeld - SSV Heiligenwald 4:4, FC Bayer Uerdingen - BSC Eintr. Südr. Berlin 6:2. - 13. Spieltag: BSC Eintracht Südr. Berlin - TuS Wiebelskirchen 1:7, SSV Heiligenwald - FC Bayer Uerdingen 5:3, OSC Düsseldorf - SV Fort. Regensburg 5:3, TV Mainz-Zahlbach - FC Langenfeld 5:3.
OFFENBACH. "Es geht uns nicht nur um Posten", versicherte CDU-Vorsitzender und Landtagsabgeordneter Hermann Schoppe den über 400 Ehrengästen beim nun schon zum zehnten Mal stattfindenden Neujahrsempfang der Offenbacher CDU im Büsing-Palais. Schoppe appellierte gestern an die Repräsentanten des öffentlichen Lebens, sich auch weiterhin ehrenamtlich in Verbänden, Vereinen und Parteien zu engagieren und auf alle Fälle am 7. März zur Kommunalwahl zu gehen.
Die Offenbacher Christdemokraten jedenfalls hätten deutliche Signale gegen den vielbeschworenen Zeitgeist der Parteienverdrossenheit gesetzt. Sie hätten in der großen Koalition dafür gesorgt, daß die Sitze im Magistrat von sechs auf vier reduziert wurden. Die CDU suche ihre Kandidaten nicht nach der Frage aus, ob jemand versorgt werden müsse, sondern nach Qualifikation und Leistungsvermögen.
Statt wie sonst eine programmatische Grundsatzrede zu halten, überließ Schoppe diesen Part für die Offenbacher Politik dem CDU-Oberbürgermeister-Kandidaten und Sozialdezernenten Stefan Grüttner und für die große Weltpolitik dem Bonner Kanzleramtschef Friedrich Bohl.
Der frühere hessische Landtagsabgeordnete und jetzige Bundesminister für besondere Aufgaben erklärte die aktuellen Schwerpunkte der Bonner Politik: Solidarpakt zum Aufbau des deutschen Ostens, Stopp des Zustroms von Asylbewerbern und Kampfeinsätze der Bundeswehr im Rahmen von UN-Aktionen.
Grüttner warb um Verständnis für die Sparpolitik im Rathaus, für die Schließung der Bäder, erläuterte das Haushalts-Sanierungskonzept. Er versprach: "Wir werden die sport- und kulturtreibenden Vereine stärker unterstützen. Vereinsarbeit ist die beste Sozialarbeit. Wenn die Stadt vieles nicht mehr anbieten kann, die Vereine dies aber tun sollen, dann müssen wir die Vereine auch in die Lage dazu versetzen."
Grüttner bekannte sich zu einer klaren Sprache. Um Mißverständnisse gar nicht erst aufkommen zulassen, betonte er: "Wir sind für die Integration unserer ausländischen Mitbürger. Deutsche und Ausländer unterliegen den gleichen Wertmaßstäben. Für ein gedeihliches Miteinander ist es allerdings unerläßlich, daß die hier lebenden ausländischen Mitbürgern bereit sein müssen, unsere verfassungsmäßige Ordnung, die geltenden Rechtsvorschriften sowie unsere Lebensgewohnheiten zu achten. Denn die soziale und kulturelle Integrationsfähigkeit einer jeden Gesellschaft ist begrenzt."
Für sein Feststellungen, daß "bei uns Ausländerfeindlichkeit keinen Platz hat", abgelehnte und straffällig gewordene Asylbewerber und kriminell gewordende Ausländer sofort abgeschoben werden sollen, bekam Grüttner viel Beifall.
Grüttner fragte seine Zuhörer: "Ist Politikverdrossenheit ein anderer Ausdruck für Gleichgültigkeit oder gar Egoismus? Wir müssen deutlich machen: Wer auf seine Mitbestimmungsrechte verzichtet, kann nichts bewegen, kann nichts verändern, kann keinen Einfluß nehmen. Man muß wählen gehen." Grüttner rief zum "Solidarpakt der Demokraten und Verantwortungsbewußten" auf. lz
Ein Dachstuhlbrand in der Mainzer Landstraße 520 hat jetzt einen Schaden von 30 000 Mark angerichtet. Bei dem Feuer in Griesheim, das gegen 22 Uhr ausbrach, gab es keine Verletzten. Aus Sicherheitsgründen ließ die Feuerwehr jedoch die beiden Wohnungen im vierten Stock räumen.
Als der Löschzug aus der Feuerwache in Nied eintraf, schlugen die Flammen bereits aus dem Dach. Der Einsatzleiter schickte einen Trupp über das Treppenhaus nach oben und ließ das Feuer mit zwei weiteren Rohren auch von der Leiterbühne aus bekämpfen.
Durch den Wasserangriff von zwei Seiten gelang es der Wehr, das Feuer bereits knapp 20 Minuten nach der Alarmierung zu löschen. Sie konnte jedoch nicht verhindern, daß ein Dutzend Quadratmeter der Dachspahnen zerstört wurden. Das Loch hat die Feuerwehr mit Planen und Latten provisorisch geschlossen.
Während der Polizeibericht die Brandursache offenläßt, äußerte die Frankfurter Feuerwehr den Verdacht der Brandstiftung. habe
Klebt er oder klebt er nicht? Diese Frage bewegt urplötzlich die Tischtennis- Welt, ob Weltklasse-Akteur oder Kreisliga-Spieler. Was binnen weniger Tage zu einem Reizthema stilisiert wurde, dominierte daher auch beim European Nations Cup in Karlsruhe in fast allen Gesprächen. Es war am 15. Dezember vergangenen Jahres, als der Internationale Tischtennis-Verband (ITTF) in Manchester ohne Hinweis auf akute Vorfälle wegen gesundheitlicher Gefahren das sogenannte "Frischkleben" mit sofortiger Wirkung verbot. Gemeint war damit jener Vorgang vor einem Match, mit dem nicht nur die Stars von Waldner bis Fetzner bei internationalen Auftritten, sondern ebenso die Müllers und Meiers vor irgendwelchen Begegnungen in der Provinz ihren Gummibelag auf beiden Seiten des Holzschlägers befestigten. Benutzt wird dazu seit Jahren eine chemische, nicht gerade wohlriechende Flüssigkeit.
Und diese, so ergaben wissenschaftliche Untersuchungen in Frankreich und der Schweiz, soll giftig sein. Das Votum der Ärzte war den Tischtennis-Oberen sofort Befehl. Die Konsequenz: Frischkleben war nur noch bis 24 Stunden vor einer Partie erlaubt. Für Zuwiderhandlung wurde ein Strafenkatalog in Aussicht gestellt, der unter anderem Geldstrafen und Spielsperren vorsah.
Kaum regten sich die ersten Proteste und wurden die Nachteile der Umstellung beklagt, war jedoch schon wieder alles ganz anders. Denn am 9. Januar 1993 erhielt Hans Wilhelm Gäb, der Präsident der Europäischen Tischtennis-Union (ETTU) und des Deutschen Tischtennis- Bundes (DTTB), in Tokio am Rande einer Aussprache mit seinem chinesischen Amtskollegen über grundsätzliche Regeländerungen von ITTF-Präsident Ogimura eine neue Nachricht. Danach ist Frischkleben unter Aufsicht eines Schiedsrichters wieder erlaubt, sofern die dafür verwendete Lösung keine giftigen Stoffe enthält. Und damit alles einen Sinn macht, wurden sofort drei von einem US- Experten als unschädlich eingestufte Kleber offiziell genehmigt, zwei der Firma Schöler-Micke und ein Tibhar-Produkt. Weitere neue Produkte, die frei von Halogenen und Aromaten sind, werden folgen.
Wo für den Laien nun alles geklärt scheint, wird es freilich für die Experten erst richtig interessant. Die Fürsorgepflicht um die Gesundheit der Akteure war sicherlich ein wichtiger Aspekt. Aber außerdem steckt hinter der von dem Japaner Ogimura forcierten aktuellen Kontroverse auch ein europäisch-asiatischer Interessenskonflikt, der definitiv erst anläßlich der WM im Mai in Göteborg beim ITTF-Kongreß entschieden werden dürfte.
Denn ein Mosaiksteinchen der Entwicklung, daß die Europäer in jüngster Vergangenheit die langjährige Vormachtstellung der Asiaten durchbrochen haben, ist die ideale Kombination ihres Stils und Materials mit dem Frischklebe-Effekt. Wurden dadurch die Schläge der Europäer härter und schneller, so hatten die Asiaten weniger mit dem Frischkleben im Sinn, weil sie trotz ihres sportlichen Niedergangs ihre ureigene Spielweise nicht ändern wollten und das kurzfristige Präparieren ihres Schlägers ihnen folglich nicht so viel half wie der Konkurrenz aus Europa. So gesehen war das Verbot des Frischklebens eine Schwächung der europäischen Asse und die nun gefundene Kompromißlösung ist immer noch ein Fortschritt aus der Sicht der Asiaten. Denn selbst durch die nunmehr in Karlsruhe praktizierte Regelung erreicht die Geschwindigkeit und Rotation des Balles maximal 85 Prozent der früheren, weil das Material nicht mehr so elastisch ist und der Ball langsamer katapultiert wird - eine gewisse Umstellung des Bewegungsablaufs ist notwendig.
Doch der DTTB hat in Übereinstimmung mit den anderen europäischen Verbänden bereits zum Return gegenüber den Asiaten angesetzt. Sie reizten die Materialfrage bisher insofern aus, als viele von ihnen im Gegensatz zu den europäischen Rivalen auf einen Schlägerbelag mit langen, nach außen stehenden Gumminoppen setzten. Für den ITTF- Kongreß in Göteborg, wo sicherlich erneut über das Frischkleben für die Zeit nach der WM beraten wird, hat der DTTB laut einem Beschluß vom Wochenende entschieden, einen Antrag zwecks Verbot der Gumminoppen zu stellen. Unageachtet dessen bemüht sich ETTU- und DTTB-Präsident Gäb darum, glaubwürdig zu erklären, die ITTF habe beim Verbot der giftigen Klebestoffe im Interesse der Gesundheit "in vorbildlicher Weise präventiv und verantworungsbewußt aus einem übergeordneten Notstand" heraus gehandelt und die verständliche Kritik vieler Aktiver von Roßkopf bis Persson an der Änderung der Spielbedingungen mitten in der WM-Saison müßten deshalb hingenommen werden.
KRONBERG. Die Krawatte sitzt perfekt. Der maßgeschneiderte graue Sakko, die dunkle Stoffhose - alles farblich aufeinander abgestimmt. Dann der Bruch: Der elegante Herr schreitet nicht in lederbesohlten Schuhen der Luxusklasse, sondern in Turnschuhen zum Rednerpult. Kein neuer Modestil für Manager, wie Hartmut W. Kieven versichert. Der Geschäftsführer der Jaguar-Deutschland- GmbH in Kronberg hat mit seinem neuen Outfit etwas ganz anderes im Sinn: Er will den aus England angereisten Vorstand des traditionsreichen Unternehmens von der Leistung und Einsatzbereitschaft der deutschen Tochterfirma überzeugen.
Symbolisch, versteht sich. "Wir wollen in diesem Verkaufsjahr besser als die Konkurrenz sein", sagt Kieven und steht schon in den Startlöchern.
Es ist das erste Mal, daß die Vorstandsmitglieder von "Jaguar Cars" aus dem englischen Coventry gemeinsam zu einem Besuch eingetroffen sind. Für die seit 1984 in Kronberg ansässige Tochter mit ihren 58 Beschäftigten ein wichtiges Ereignis. "Wir stecken in einem Umstrukturierungsprozeß", erläutert Kieven. Deshalb habe man mit dem Vorstand die Geschäftspläne des kommenden Jahres diskutiert.
Denn auch vor dem Luxuswagen-Hersteller macht die wirtschaftliche Misere nicht halt. "Die Autoindustrie steht unter Druck", sagt der 47jährige, der seit der Übernahme von Jaguar Deutschland durch Jaguar Cars im April 1991 das Unternehmen in Kronberg leitet. Die Zahl der Mitarbeiter dort ist im vergangenen Jahr von 68 auf 58 verringert worden. Das Wort Entlassung möchte Kieven gleichwohl nicht in den Mund nehmen: Er spricht von Reduzierung und Umstrukturierung. Die betroffenen Mitarbeiter hätten eine Abfindung erhalten, drei arbeiteten jetzt im Autohaus Kronberg.
Die Zukunftsdevise von Jaguar Deutschland lautet jedoch nicht "Einsparen", sondern "weiter investieren". "Bei Jaguar tut sich was. Wir haben Millionen in die Qualität investiert, die Produkte sind so gut wie nie zuvor", lobt Kieven beim Besuch des Vorstandes die Nobelkarossen. Gepaart mit den umfangreichen Servicemaßnahmen sei Jaguar eine ernstzunehmende Alternative zu Mercedes und BMW.
Als erster Luxuswagenhersteller in Europa hat Jaguar die Dreijahresgarantie für die gehobene Klasse eingeführt. Neu ist auch das Garantieprogramm für Gebrauchtwagen, das, so verspricht Jaguar, "über den üblichen Standard hinausgeht". "Darauf sind wir stolz", betont der chairman. Der persönliche Service stehe im Vordergrund. Davon verspricht sich das Unternehmen trotz der schlechten Wirtschaftslage in diesem Jahr eine Umsatzsteigerung. Neue Kunden vermutet die Jaguar-Tochter in Ostdeutschland. Eine Niederlassung in Dresden gibt es bereits, vier weitere Dependancen sind geplant.
Die kaufkräftigsten Jaguar-Liebhaber kommen jedoch nach wie vor aus dem Wirtschaftsraum Frankfurt. Nicht von ungefähr wählte das Unternehmen damals das Taunusstädtchen Kronberg als Sitz von Jaguar Deutschland. "Wir sind hier hervorragend positioniert", meint Kieven.
Orientiert habe man sich damals auch am sogenannten Haushaltsnettoeinkommen, das in Kronberg weit über dem Bundesdurchschnitt liegt. Der durchschnittliche Jaguar-Fahrer, so bestätigt der Geschäftsmann, ist 47 Jahre alt und - natürlich - männlich. Doch auch bei den Damen, die die britische Raubkatze eher auf dem Beifahrersitz schätzen lernen, habe man einen hohen Anhängerkreis. Kieven: "Sie finden die Fahrzeuge sehr ästhetisch." ki
Vom Anfang und der Mitte dieses Jahrhunderts stammten die meisten Kompositionen, die die Deutsche Kammerphilharmonie im Mozartsaal der Alten Oper spielte. Von "Neuer Musik" konnte allerdings nicht die Rede sein. Statt dessen gab es oft als bewußte Abkehr davon traditionellen Stil in zeitgenössischem Gewand zu hören. Sergej Prokofjew bekannte sich gleich zur "neuen Einfachheit". In seiner Symphonie classique D- Dur, Opus 25, setzt er die Theorie in die Praxis um, während Maurice Ravel in dem Klavierkonzert G-Dur zu seiner Zeit aktuelle Diskussionen über Formen schlicht überhörte. Frank Martin schließlich probierte in seinen Etudes für Streichorchester die Arten des orchestralen Zusammenspiels durchaus mit "modernen" Anklängen durch.
Die Deutsche Kammerphilharmonie begeisterte bei der Aufführung all dieser Kompositionen durch ihr hochmotiviertes, intensives Spiel. Sie zeigte Präzisionsarbeit mit Gefühl. Jede farbliche Nuance, jede Stimmung in dem von kontrastierenden Stimmungen reichen Konzert führte sie eindrucksvoll vor Ohren. Dirigent Jirí Belohlávek reduzierte, wenn nötig, seine Handzeichen zu bloßen Stichwortgebern, erreichte auch sonst größte Wirkung mit kleinsten Mitteln. Pianist Tzimon Barto, Solist bei Ravels Klavierkonzert, paßte mit seinem ebenfalls nuancenreichen und doch kraftvollen Spiel bestens in das Team der Philharmoniker.
Als einziger echter "Klassiker" stand Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Programm. Seine Sinfonia concertante für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Orchester Es-Dur, KV 297 b, gibt es wohl selten so bravourös und vital zu hören wie jetzt durch die Solistenriege Rodrigo Blumenstock, Guido Schäfer, Elke Schulze- Höckelmann und Volker Tessmann. Kaum zu übertreffen ihre Klangschönheit und das feine Gespür für die Musik zwischen den Noten.
SIGRID OLSCHEWSKI
Eine angenehme Erfahrung verband die Musiker des Orchestre National de France und den Rezensenten schon vor dem Konzert: die Erfahrung der seit Jahresbeginn offenen Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Es ist geradezu ein Genuß, zwischen den beiden Ländern hin- und herzupendeln, um auf diese Weise Kontakte zu guten Nachbarn zu pflegen. Das Orchester konnte sich in Frankfurt innerhalb weniger Tage zweimal präsentieren. Gleich der erste Auftritt in der ausverkauften Jahrhunderthalle fand begeisterten Zuspruch, wozu auch die Solistin des Abends, die Geigerin Midori (wohl die einzige Künstlerin in der "ernsten" Musik, die sich mit ihrem Vornamen anreden läßt), ihren Beitrag leistete.
Der Abend begann mit dem Violinkonzert von Johannes Brahms, einem Konzert, bei dem die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten sehr bedeutsam für den Schlußapplaus sein kann. Maestro Charles Dutoit, seit zwei Jahren Chefdirigent dieses Orchesters, und die Solistin hatten sich hervorragend abgesprochen, und das Orchester hatte offensichtlich den festen Vorsatz gefaßt, Midori auf Händen zu tragen. Wir haben Midori vor fünf Jahren bei ihrem ersten Auftritt in Frankfurt gehört, zwischenzeitlich aufmerksam ihre Entwicklung verfolgt und waren dennoch erstaunt, ja, eher fast betroffen von der künstlerischen Reife, die aus ihrer sensiblen Interpretation sprach. Einige Härten im ersten Satz schienen mir - nachträglich - etwas außerhalb des ansonsten so schlüssigen Konzepts zu liegen. Der weitgehende Verzicht auf den "großen" Ton zugunsten einer in einem kontinuierlich dahinströmenden Puls auf- und abschwellenden dynamischen Bewegung, die sinfonische Korrespondenz zwischen Orchester und Solistin (natürlich auch ein Verdienst des Dirigenten) war äußerst delikat und verfehlte ihre Wirkung auf die Konzentration der Zuhörer nicht.
Der zweite Teil des Abends gehörte ganz allein der fünften Symphonie von Prokofjew. Die direkte Konfrontation des Spätromantikers Brahms mit einem der Hauptvertreter der "klassischen" Moderne Rußlands zeitigte überraschende Ergebnisse. Obwohl Dutoit sehr deutliche Akzente setzte, dem Orchester ein gerütteltes und geschütteltes Maß an Virtuosität abverlangte, war von der Rebellenhaltung, die man Prokofjew so oft nachsagt, nichts zu spüren. Kontinuität der Tradition war viel eher das auffällige Merkmal dieser Interpretation, bei der sich Dirigent und Orchester in bestem Einvernehmen befanden.
Wäre die ursprüngliche Programmplanung bestehen geblieben, so hätte man in der Alten Oper beim zweiten Auftritt des Orchesters - diesmal für die Frankfurter Kunstgemeinde - Schostakowitschs 9. Symphonie zu hören bekommen. Indes war die selten zu hörende erste Symphonie in g-Moll von Tschaikowsky nicht weniger interessant, präsentiert sie doch den späteren Dramatiker der Musik von einer ungewöhnlich und ungewohnt gelösten Seite, allerdings auch von einer ungewohnt akademischen, schimmert doch an vielen Stellen die Instrumentationslehre von Berlioz durch den genialen Orchestersatz des sich noch in Ausbildung befindlichen Komponisten. So gab es denn für die vorzüglichen Bläser des Orchesters viele Gelegenheiten, ganz spezifisch französische Feinheiten hörbar werden zu lassen. Dutoit ließ dafür gerne Raum, wußte aber auch energisch - vor allem im Schlußsatz - zu straffen, so daß auch der sehr ausführliche Schluß kurzweilig ausfiel.
Daß Dutoit Debussys "Iberia" liebt, ist in Kennerkreisen bekannt, daß Ravels "Daphnis und Chloé" zu dirigieren geradezu als sein Hobby zu bezeichnen ist, vermag ihm niemand verübeln, zumal wenn sich die Chance bietet, beide Werke mit diesem Orchester aufzuführen. Wahrscheinlich würde ein Wink mit dem kleinen Finger genügen, um ein vollendetes Einverständnis herzustellen, aber die große Bewegung des Klangmagiers steht Dutoit auch nicht schlecht an. Auch in diesem Fall ging das Publikum mit Freuden mit. Dieses Orchester ist auch eine Reise nach Paris wert - es gibt ja keine Grenze mehr! KLAUS K. FÜLLER
Im Hintergrund: Rundfunk in Serbien Zwangsurlaub für Abweichler
In der serbischen Medienszene brodelt es. Kaum, daß die Ergebnisse der jüngsten Parlamentswahlen vorlagen und noch bevor eine neue Regierung gebildet wurde, haben die Verantwortlichen im "Rundfunk und Fernsehen Serbiens" (RTVS) zum personellen Kahlschlag angesetzt. Mindestens 1500 - viele sprechen sogar von 2000 - Journalisten, Techniker und Verwaltungsangestellte sollen die Belgrader Zentrale sowie die angeschlossenen Sender in den beiden Hauptstädten der Provinzen Wojwodina und Kosovo, Novi Sad und Pristina, verlassen. Der nicht nur in oppositionellen Kreisen wegen seiner einseitigen Programmgestaltung zugunsten des herrschenden Regimes verhaßte RTVS-Generaldirektor Milorad Vucelic bezeichnete den Personalabbau als unumgängliche betriebswirtschaftliche Rationalisierungsmaßnahme. Betroffene, Journalistenverbände und unabhängige Gewerkschaften sprechen hingegen von einer "politischen Säuberungsaktion" gegen professionell eigenständige, regime- kritische Mitarbeiter. Vor dem TV-Gebäude in der Belgrader Takovska Nr. 10, von der Opposition seit Jahren als "rote Bastille" bezeichnet, protestieren seit einigen Tagen etwa 30 zwangsbeurlaubte Mitarbeiter. Solange sie sich im vorerst unbefristeten "Zwangsurlaub" befinden, erhalten sie zumindest 80 Prozent ihres Gehalts. Es dürfte sich dabei aber nur um eine Übergangsstufe zur endgültigen Entlassung handeln. Bisher sind in Belgrad die Namen von 105, in Novi Sad von 72 und in Pristina von 46 beurlaubten Redakteuren und Angestellten bekanntgeworden. Ein führender RTVS-Sprecher sagte aber, daß von insgesamt 7042 Beschäftigten 20 Prozent des journalistischen und 30 Prozent des Verwaltungskaders als "technischer Überschuß" abgebaut würden. Er führte internationale Vergleiche an, denen zufolge die Zahl der Beschäftigten bei RTVS im krassen Mißverhältnis zu den 1,5 Millionen Gebührenzahlern steht. Zudem betrügen die monatlichen Gebühren umgerechnet nur 3,30 Mark und würden noch dazu von vielen nicht entrichtet.
Derartige Argumente werden durch die angewandte Entlassungspraxis aber fragwürdig. Die Beschuldigung, es handele sich um politische Säuberungen, wird dadurch entscheidend gestützt, daß die Entlassungslisten nicht nur die vorgeschobenen fachlichen und sozialen Kriterien mißachteten, sondern ohne jedwede Mitwirkung innerbetrieblicher und gewerkschaftlicher Instanzen erstellt wurden. Es gibt Hinweise, daß die Listen nicht einmal im RTVS-Haus, sondern möglicherweise außerhalb in Parteizentralen zusammengestellt wurden. Lazar Lajic, führendes Mitglied der unabhängigen Gewerkschaft im RTVS, sagte laut der Belgrader Zeitung "Borba", daß fast alle bisher zwangsbeurlaubten Mitarbeiter seiner Gewerkschaft angehörten und schon seit geraumer Zeit Konflikte mit der TV- Spitze gehabt hätten.
Die Vorwürfe einiger Zwangsbeurlaubter an die RTVS-Führung sind Legion. Die meisten sprechen unverblümt von einer Säuberung politisch Unangepaßter und ethnisch nicht Passender. Jetzt müßten all diejenigen gehen, meinte Frau Milica Tucic-Cavic, die sich nicht als Dank für gewährte Privilegien zehnmal am Tag an die Brust schlügen und riefen, "ich bin ein Patriot". Auch ließe sich das vorgeschobene Argument notwendiger Einsparungen kaum nachvollziehen, weil seit Jahresbeginn neue Leute eingestellt worden seien. All das bestätige nur, daß es sich um eine "perfide Abrechnung" der Wahlsieger mit den unterlegenen Andersdenkenden handele.
Solche Kritiken hat auch einer der Wahlsieger, der Chef der faschistoiden "Serbischen Radikalen Partei" (SRS), Vojisklav Seselj, bestätigt. Er kündigte unlängst Säuberungen im Medienbereich überall dort an, wo die Radikalen an die Macht gelangten. "In der Verwaltung und in den staatlichen Medien können nicht jene arbeiten, die sich in den verlorenen Wahlen parteilich exponiert haben", meinte Seselj unter Hinweis, dies würde selbst in demokratisch entwickelten Ländern wie den USA so gehandhabt. In Novi Sad, wo die SRS als stärkste lokale Partei mit den Milosevic-Sozialisten im Stadtrat eine Koalition eingegangen sind, wurden bereits "radikale Veränderungen" auch in den von der Stadtregierung finanzierten Zeitungen angekündigt.
HARRY SCHLEICHER (Belgrad)
Die amerikanischen Großstädte versinken immer weiter in Hoffnungslosigkeit, aber Washington ignoriert ihr Schicksal. Privatunternehmen haben die Innenstädte verlassen und die jungen Menschen mit nur geringen Berufsaussichten und immer weniger Hoffnung zurückgelassen. Unser Land kann nicht nach vorne kommen, solange unsere Städte nicht wieder Zentren expandierender Möglichkeiten und Motoren wirtschaftlichen Wachstums werden. Wohlhabende Städte sind der Schlüssel für jede lebendige regionale Wirtschaft und für sichere und gesunde Vorstädte.
Wir glauben, daß es Zeit für eine neue Partnerschaft zum Wiederaufbau der amerikanischen Städte ist - für eine Partnerschaft zwischen Menschen und ihrer Regierung, um Möglichkeiten auszubauen und Probleme zu lösen, damit unsere Städte wieder der Stolz unserer Nation werden. Die Städte in Amerika sollten Orte sein, wo hart arbeitende Familien Wurzeln schlagen und gute Arbeitsplätze und erschwingliche Wohnungen finden können, ebenso anständige Schulen und sichere Straßen. Hoffnung und Möglichkeiten müssen dominieren - nicht brutale Straßen und Drogenhandel.
Das Wichtigste für den Wiederaufbau der amerikanischen Städte muß sein, daß wir eine nationale Wirtschaftsstrategie einsetzen, die uns aus der Rezession herauszieht und unser Land wieder in Bewebung bringt. Ein expandierende Wirtschaft ist die beste Möglichkeit, unsere Städte wiederzubeleben.
In den letzten zwölf Jahren hat die republikanische Regierung uns erzählt, daß wir unseren Städten ruhig den Rücken zukehren und immer noch als ein Volk zusammenleben können. Sie haben uns in dem Denken bestärkt, daß die Probleme unserer Städte nicht die Probleme Amerikas sind, daß wir keinerlei Verantwortung haben, den Stadtbewohnern bei der Verbesserung ihrer Lebenssituation zu helfen. Wir glauben, daß die Republikaner damit unrecht haben.
Präsident Bush hat zwar recht, wenn er sich empört über die Gewalt, die unsere Kinder verfolgt. Aber er hat unrecht, wenn er die Geldmittel reduziert, die die Städte zur Finanzierung von mehr Polizeikräften auf den Straßen ausgeben - und wenn er den Brady-Gesetzantrag ablehnt, den sogar Ronald Reagan unterstützt.
Alle Amerikaner, ganz gleich, ob sie in Innenstädten, Vorstädten oder ruhigen ländlichen Gegenden wohnen, zahlen für diese Auflösung der amerikanischen Gemeinschaft den Preis. Wir zahlen für die Vernachlässigung im letzten Jahrzehnt und darüber hinaus. Wir haben die höchste Kriminalitätsrate von allen Industrienationen weltweit, und jedes Jahr wird mehr Geld für Gefängnisse anstatt für Schulen und Arbeitsplätze ausgegeben.
In den achtziger Jahren mußten wir erleben, wie das feste Fundament der Vereinigten Staaten zerbröckelte und die Investitionsschere zwischen Amerika und unseren weltweiten Wettbewerbern immer weiter aufging. Zum Ende des Jahrzehnts investierten Japan und Deutschland mehr als zwölfmal so viel wie wir für den Bau von Straßen, Brücken und Kanalisation und für zukunftsweisende Informationsnetze und Technologien. Kein Wunder, daß ihre Produktionszahlen die von Amerika wahrscheinlich bis 1996 überholt haben werden. Kein Wunder, daß wir ins Hintertreffen geraten. Die amerikanischen Städte brauchen Hilfe.
Folgendes werden wir unternehmen, um sie wieder zu sanieren:
Möglichkeiten schaffen: Wir können unsere Städte nicht nur mit Almosen wiederaufbauen. Was wir brauchen, ist eine massive Ausweitung wirtschaftlicher Möglichkeiten. Die Bundesregierung sollte die Bedingungen zur Steuerung einer wirtschaftlichen Erholung, gezielten Anreizen und Beihilfen schaffen, die auf eine Wiederbelebung der innerstädtischen Wirtschaft gerichtet sind. Ebenso sollte sie Maßnahmen ergreifen, die es den Bewohnern der Städte ermöglichen, sich solche neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten zunutze zu machen, und zwar durch eine Ausweitung im Bildungs- und Ausbildungsbereich und in den Kinderfürsorgeeinrichtungen.
Als Gegenleistung für staatliche Hilfen werden die Städte umfassende Strategien entwickeln, die die Wiederbelebung der städtischen Zentren zum Ziel haben. Sie werden sich die Möglichkeiten, die durch diese Partnerschaft zwischen Staat und städtischer Verwaltung entstehen, zunutze machen und Geschäftsleute interessieren sowie die innerstädtische Wirtschaftsbasis ausweiten. Schließlich werden sie eine Schlüsselrolle übernehmen, indem sie den Anwohnern Bildung und Wohnungen bieten und sich um die Verbrechensbekämpfung kümmern.
Das Gemeinwesen: Anwohner- und Bürgerorganisationen werden das Rückgrat unserer innerstädtischen Verbesserungsanstrengungen bilden. Um unsere Städte wiederaufzubauen, müssen wir eine neue Partnerschaft ins Leben rufen, die sich vorzüglichen Leistungen und kommunalen Dienstleistungen verpflichtet fühlt. Die Regierung muß sich auch hier wieder beteiligen und mit den bundesstaatlichen und lokalen Behörden bei diesen Bemühungen zusammenarbeiten. Gemeinnützige Organisationen werden ebenso eine Rolle spielen.
Verantwortung: Es muß uns klar sein, daß wir ungeachtet aller harten Arbeit, die wir zum Gelingen dieser Partnerschaft zwischen Staat und städtischer Verwaltung einsetzen, nur dann Erfolg haben werden, wenn auch die Bürger Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen und unermüdlich daran arbeiten, Herausforderungen zu überwinden und Probleme in ihren Familien und im Gemeinwesen zu lösen.
Investitionen im Gemeinwesen
- Gezielte Bereitstellung von Geldern und kommunalen Erschließungskrediten zum Ausbau von Straßen, Brücken, Wasseraufbereitungs- und Abwasseranlagen in den amerikanischen Städten; daneben sozialen Wohnungsbau für niedrige Einkommen, mit einem Schwergewicht auf Projekten, die sofort realisiert werden können. Von Firmen, die für solche Projektausschreibungen Angebote abgeben, wird verlangt, daß sie einen Teil ihrer Bauarbeiten in Stadtteilen mit niedriger Einkommensstruktur durchführen und dort Anwohner beschäftigen.
- Ein landesweites Netz von kommunalen Bauspar- und Darlehnskassen wird aufgebaut, um Kleinkredite an Kleinunternehmer mit geringem Einkommen und Hausbesitzer in den Innenstädten zu vergeben. Diese Banken werden Selbständigen Rat und Hilfe anbieten, in den Bau erschwinglichen Wohnraums investieren und private Geldgeber mobilisieren.- In stagnierenden Innenstädten werden urbane Geschäftszonen geschaffen, die allerdings nur solchen Unternehmen offenstehen werden, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und innerstädtische Anwohner zu beschäftigen. Gewerbesteuern und gesetzliche Vorschriften werden auf ein Mindestmaß reduziert, um einen Anreiz für die Eröffnung eines Geschäfts zu bieten. Im Gegenzug müssen solche Firmen es zu ihrem obersten Ziel machen, Arbeitsplätze für Ansässige zu schaffen.
- Ein fortschrittlicheres Gesetz zur kommunalen Wiederanlage von Geldern wird die Bewilligung von Krediten für innerstädtische Projekte vereinfachen. Der bislang üblichen Praktik der Geldinstitute, Bewohnern alter oder heruntergekommener Stadtteile Hypotheken und Kredite zu verweigern, wird auf diese Weise ein Riegel vorgeschoben. Die Geldinstitute werden verpflichtet, wieder in ihr kommunales Umfeld zu investieren.
- Ein besonderes Flexibilitätsprogramm wird geschaffen, das es den Städten gestatten wird, die Verwendung von 15 Prozent der staatlichen Unterstützungsgelder, die sie erhalten, für andere Zwecke als die vorgeschehenen zu verwenden, um den Bedürfnissen ihrer eigenen Kommune gerecht zu werden und die lokalen Wiederbelebungsstrategien zu finanzieren.
Verbrechensbekämpfung
- Zur wirksamen Verbrechensbekämfpung werden wir 100 000 Polizisten mehr auf die amerikanischen Straßen schikken. Wir werden ein nationales Polizeikorps aufbauen und arbeitslosen Militärveteranen ebenso wie aktiven Angehörigen der Streitkräfte die Chance geben, in ihrer Heimatstadt Polizisten zu werden.
- Wir werden den Brady-Gesetzantrag beschließen und dadurch eine Wartefrist für den Kauf von Handfeuerwaffen festschreiben, um zu verhindern, daß Waffen in die Hände von Kriminellen gelangen. Außerdem werden wir Angriffswaffen wie den sogenannten Street Sweeper verbieten, da sie nicht für den Jagdsport bestimmt sind. Einschränken werden wir auch den Zugriff auf Mehrfach-Magazine, so wie sie bei den schrecklichen Morden in Killeen, Texas, verwendet wurden.
- Wir werden den Bewohnern von Sozialwohnungen die Möglichkeit geben, sich zu organisieren und Drogen und Waffen aus Sozialwohnungskomplexen zu eliminieren. Außerdem werden wir Bemühungen wie die Operation Clean Sweep in Chicago unterstützen, die Anwohnern hilft, ihre Häuser wieder aus den Händen von Banden und Drogenhändlern zurückzuerobern.
- Wir werden Bundesgelder für eine Initiative für sichere Schulen zur Verfügung stellen, damit Schulen, an denen häufig Gewalttätigkeiten auftreten, Sicherheitspersonal einstellen und Metalldetektoren anschaffen können. Den Städten und Bundesstaaten werden wir helfen, die Kommunalpolizei einzusetzen, damit in Stadtteilen mit hoher Kriminalitätsrate, in denen sich Schulen befinden, mehr Polizisten Streifendienst versehen können.
Städtische Infrastruktur
- Wir werden gezielt Gelder und kommunale Erschließungskredite zum Ausbau von Straßen, Brücken, Wasseraufbereitungs- und Abwasseranlagen in den amerikanischen Städten bereitstellen; außerdem den sozialen Wohnungsbau für einkommensschwache Familien fördern, mit dem Gewicht auf Projekte, die sofort realisiert werden können. Von Firmen, die für solche Projektausschreibungen Angebote abgeben, wird verlangt, daß sie einen Teil ihrer Aufträge in Stadtteilen mit niedriger Einkommensstruktur abwickeln und dort ansässige Anwohner beschäftigen.- Wir werden mehr Geldmittel der Entwicklung intelligenter Fahrzeug- und Straßentechnologie einsetzen, um das Verkehrsaufkommen zu vermindern und die bestehenden Transportmittel besser auszulasten.
- Wir werden die Rolle der Stadtverwaltungen und der Bauausschüsse bei der Entscheidungsfindung stärken, damit sie einen größeren Teil ihres Ver- kehrsetats für Massentransportsysteme einsetzen können. Außerdem werden wir von den Städten verlangen, umfassendere Planungen durchzuführen, bevor sie Etatgelder zuweisen. Damit soll sichergestellt werden, daß Verkehrsgelder auch tatsächlich für Projekte ausgegeben werden, die im Einklang mit den urbanen Wiederbelebungsplänen stehen, und nicht etwa für einander widersprechene Zwecke.
- Wir werden Anreize bieten für Programme, die bereits bestehende Einrichtungen sanieren und deren Effizienz steigern, anstatt einfach nur immer mehr Straßen zu bauen.
Wohnraum
- Wir werden den Plafond der Staatlischen Hypothekenversicherung auf 95 Prozent des Preises für ein Haus in einer innerstädtischen Wohngegend anheben, damit es für eine halbe Million amerikanischer Familien einfacher wird, sich ihr erstes eigenes Haus zu kaufen.
- Durch staatliche Unterstützung von Hausbauprogrammen mit langfristiger Abzahlung für niedrigere Einkommen werden wir es auch Amerikanern mit geringem Einkommen ermöglichen, Hausbesitzer zu werden. Ähnlich wie in dem in Tampa angewandten innovativen sozialen Sanierungsprogramm, durch das für unbewohnbar erklärte Häuser gekauft, saniert und an Käufer mit geringem Einkommen verkauft werden, finanziert durch ein Paket langfristiger suventionierter Finanzierungen.
- Wir werden das Wohnungs- und Städtebauministerium und das Justizministerium anweisen, strikt auf die Einhaltung der bestehenden Bürgerrechtsgesetze zu achten, um Wohnraum, der bislang aus Gründen der Diskriminierung nicht zugänglich ist, für jeden zu öffnen.
- Wir werden das Mortgage Revenue Bond Program beibehalten, um erschwinglichen Wohnraum Wirklichkeit werden zu lassen.
- Wir werden das HOME Program fortführen und verstärken, indem wir den kommunalen Verwaltungsbeamten mehr Befugnisse verleihen. Der Kongreß hat 1990 das HOME-Programm initiiert, um zusätzliche, anständige Wohnungen für Amerikaner mit niedrigem Einkommen zu schaffen. Gleichzeitig aber hat er die Wahl der Örtlichkeiten, wo HOME-Gelder für Neubauten verwendet werden durften, auf Drängen der Bush-Regierung begrenzt.- Wir werden den Wohnungssteuerfreibetrag für einkommensschwache Familien dauerhaft erhöhen. Dies bietet einen Anreiz für private Investitionen in den Bau von Wohnungen für einkommensschwache Mieter. So werden Häuser entstehen, die sonst nicht gebaut würden. Mehr als 120 000 Häuser werden jedes Jahr mit Hilfe eines Finanzierungskredits gebaut.
- Seit dem Zweiten Weltkrieg sind in unserem Land Milliarden von Dollar für den sozialen Wohnungsbau ausgegeben worden. Wir werden diese enorme Investition erhalten, indem wir sicherstellen, daß ausreichend Geld für die Unterhaltung und Instandhaltung im Budget des Wohnungs- und Städtebauministeriums vorgesehen wird.
Obdachlosigkeit
- Wir werden zehn Prozent der von der Regierung bereitgestellten Wohnungsbauprogramme an gemeinnützige Organisationen und die Kirchen abführen, um damit Obdachlosen ein Dach über dem Kopf zu geben.
- Wir werden Gebäude von geschlossenen Militäreinrichtungen für Obdachlose zur Verfügung stellen, insbesondere für obdachlose Militärveteranen.
- Wir werden gezielte Strategien entwickeln, um verschiedenen obdachlosen Bevölkerungsgruppen zu helfen - denen, deren Lebensumstände nicht gesichert sind, denen, die stationäre Alkohol- und Drogentherapie benötigen, und denen, die es sich einfach nicht leisten können, ihren Familien ein Dach über dem Kopf zu geben.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges verloren mehr als 75 Millionen Amerikaner ihre Arbeit. Aber unser Land holte das Beste aus seinen Fähigkeiten heraus und brachte den größten Wirtschaftsboom auf den Weg, den die Welt je gesehen hat. Jetzt, wo der Kalte Krieg gewonnen ist, können wir nicht diejenigen, die diesen Sieg errungen haben, in der Kälte stehen lassen.
Wir haben heute eine historische Chance. Die menschlichen und technischen Ressourcen, mit denen wir den Kalten Krieg gewannen, können nun dazu genutzt werden, Grundbedürfnisse hier im eigenen Land zu befriedigen, um die wir uns noch nicht gekümmert haben. Wir können Wissenschaftlern, Ingenieuren, Fabrikarbeitern und Technikern, die jetzt durch die Kürzungen im Verteidigungshaushalt entlassen worden sind, wieder Arbeit in ähnlichen Tätigkeitsbereichen geben. Aber um das tun zu können, müssen wir eine Partnerschaft zwischen der Regierung, der Industrie, der Arbeitnehmerschaft und dem Bildungswesen ins Leben rufen - genau wie es auch unsere Wettbewerber tun.
Viele der Kenntnisse und Technologien, die wir zum Wiederaufbau Amerikas benötigen, entsprechen durchaus jenen, die jetzt in unserer Verteidigungsindustrie Anwendung finden. Wir werden Unternehmen, die sich um Projektausschreibungen zum Wiederaufbau Amerikas bewerben, dazu ermutigen, Aufträge an Produktionsstätten der Rüstung zu vergeben oder solche Produktionsstätten zu kaufen. Das Pentagon wird angewiesen werden, eine Übersicht der Arbeitsplätze in der Verteidigung aufzustellen, damit entlassenen Arbeitern geholfen werden kann. Außerdem wird das Pentagon kleineren Rüstungsfirmen besondere Kredite und Zuschüsse zur Produktionsumstellung gewähren. Kleinunternehmen schaffen in unserer Wirtschaft die meisten Arbeitsplätze, und sie werden eine entscheidende Rolle bei der Bereitstellung neuer Arbeitsplätze in der Hochtechnologie für ehemalige Arbeitnehmer in der Rüstungsindustrie spielen.
In dem Maße, wie wir den Rüstungshaushalt kürzen, müssen wir die Einsparungen, Dollar für Dollar, in die amerikanische Wirtschaft investieren - in Straßen, Brücken und Autobahnen, in fortschrittliche Kommunikationsnetze, in die Forschung und in die Schulen.
Wir können dieses Land aus der Rezession führen und unsere Wirtschaft wieder in Gang bringen. Wir werden neue Anreize schaffen, damit Unternehmen Arbeitsplätze schaffen und die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit steigern. Wir werden erheblich in die Bildung unserer Kinder und die Umschulung unserer Arbeiter investieren. Und wir werden unsere Verpflichtung gegenüber den Familien mit berufstätigen Eltern erneuern.
Folgendes werden wir tun:
Militärangehörigen mit fünfzehn bis zwanzig Dienstjahren werden wir die Möglichkeit eines vorzeitigen Ruhestands und einer anteiligen Pension anbieten. Dadurch werden auf freiwilliger Basis Planstellen abgebaut.
Durch die Schaffung eines bundesweiten Polizeikorps werden wir 100 000 Polizisten mehr auf unsere Straßen schicken. hier werden Militärveteranen und aktive Angehörige der Streitkräfte die Chance haben, Polizisten in ihrer eigenen Gemeinde zu werden.
Wir werden über die Nationale Wissenschaftsstiftung einen Bildungsfonds einrichten, der Fachkräften, die vorher in der Rüstung tätig waren, ein Fortbildungsstipendium gewährt, damit sie Kenntnisse über die letzten Entwicklungen in wichtigen Feldern der Ziviltechnologie erwerben können, zum Beispiel über Biotechnologie, synthetische Stoffe, erneuerbare Energiequellen und Umweltschutz.
Infrastrukturelle Investitionen
Wir werden ein landesweites Informationsnetzwerk entwickeln, an das bis zum Jahr 2015 jede Wohnung, jedes Geschäft oder Labor, jeder Klassenraum und jede Bibliothek angeschlossen ist. Um den Zugang zu jeder Art von Informationen zu verbessern, werden wir öffentliche Verzeichnisse, Datenbanken, Bibliotheken und Schulmaterialien durch Datenvernetzung für den öffentlichen Gebrauch verfügbar machen.
- Wir werden mehr Bundesmittel dafür einsetzen, eine Umwelttechnologie zu entwickeln und die weltweit fortschrittlichsten Systeme für Recycling, die Beseitigung von Giftstoffen, die Modernisierung der Abwassersysteme in unseren Städten und die Reinheit von Wasser und Luft zu schaffen. Zudem werden wir neue, saubere Energiequellen erschließen.- Wir werden die Menschen, die Fertigkeiten und die Technologien, die unsere Rüstungsindustrie in der Zeit des Kalten Krieges so einzigartig machten, verlagern auf Industrien, die am Aufbau einer Handelsinfrastruktur beteiligt sind. Diese Infrastruktur ist dringend nötig, wenn wir in der Weltwirtschaft konkurrenzfähig sein wollen. Eine nationale Datenbank über Arbeitsplätze in der Rüstung wird derzeit bestehende Möglichkeiten und Produktionskapazitäten mit jenen abgleichen, die wir für die verschiedenen neuen Projekte benötigen.
- Wir werden die Investitionen in Forschungs- und Entwicklungsprojekte für zivile Hochtechnologie und in Fertigungstechnologien in dem Maße erhöhen, wie die Notwendigkeit für militärische Forschungs- und Entwicklungsarbeit sich verringert. Auf diese Weise werden wir Millionen hochbe- zahlter Arbeitsplätze schaffen und den Übergang von einer Rüstungsindustrie zu einer Verbrauchsgüterindustrie abfedern.
- Jeden Dollar für militärische Forschungs- und Entwicklungsprojekte und Technologieunternehmen, der sonst einfach eingespart würde, werden wir wieder investieren in zivile Forschungs- und Entwicklungsprojekte und allgemeine Technologieprogramme.
- Wir werden ein ziviles Amt für Hochtechnologie schaffen, das sich an dem Modell der erfolgreichen Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Verteidigungsministeriums orientieren wird. Das neue Amt würde zivile Forschungs- und Entwicklungsaufträge vergeben, neue Arbeitsplätze für Wissenschaftler, Techniker und Ingenieure schaffen und Grundlagenarbeit für die Entwicklung und Herstellung moderner Technologien und innovativer neuer Produkte leisten.
- Wir werden eine Anhebung des Steuerfreibetrages für Forschungs- und Entwicklungsausgaben gesetzlich festschreiben und Anreize für private Investitionen in zivile Forschungs- und Entwicklungsprojekte bieten.
Hilfe für Kleinunternehmen
- Wir werden durch das Amt zur Förderung mittelständischer Betriebe kleinen Rüstungsunternehmen zweckgebundende Umstrukturierungsdarlehen und Zuschüsse gewähren.
- Die Zuschüsse für die Import-Export- Bank werden erhöht mit dem Ziel, kleine Unternehmen beim Aufbau internationaler Märkte zu unterstützen.
- Durch das Amt zur Förderung mittelständischer Betriebe werden wir für Kleinunternehmen ein technisches Unterstützungsprogramme nach dem Vorbild erfolgreicher technischer Unterstützungsprogramme für die Landwirtschaft einrichten. Dadurch werden Kleinunternehmen einfachen Zugang zu techischer Beratung haben.
- Kleinunternehmen und solchen, die Risiken eingehen, indem sie langfristig in neue Vorhaben investieren, werden wir eine 50prozentige Steuerbefreiung anbieten.- Wir werden einen gezielten Investitionssteuerfreibetrag einrichten, um Investitionen in neue Fabrikanlagen und Produktionsmittel hier bei uns zu fördern, damit wir innovative Ideen in neue Produkte umwandeln und in der Weltwirtschaft wettbewerbsfähig sein können.
Hilfe für Kommunen
- Wir werden neue Regelungen einführen, um die Teile von Militärbasen, die bereits nach ökologischen Gesichtspunkten saniert worden sind, für die kommerzielle Nutzung verfügbar zu machen, bevor die gesamte Basis saniert wird, solange diese Übergabe nicht die öffentliche Sicherheit gefährdet.
Jeden Dollar, den wir durch Truppenreduzierung und weniger Ausgaben für die Rüstung einsparen, werden wir wieder investieren, um einen Übergang in eine Wirtschaft nach dem Kalten Krieg. Im Rahmen unserer nationalen Wirtschaftsstrategie werden wir für diese und andere Investitionen Mittel bereitstellen und gleichzeitig das Bundeshaushaltsdefizit reduzieren, indem wir die Ausgaben verringern, Steuernischen für Unternehmen beseitigen und einfordern, daß die Reichen im Lande einen angemessenen Steueranteil zahlen.
Wer hätte das gedacht. Nennen Sie ruhig, entgegen allen Mahnungen vergeistigter Studienräte, Wilhelm Schlegel einen Lümmel. Dies mitten ins Gesicht den edlen Geistern und fürwahr nicht nur Schlegel. Denn Eros bringt die Wahrheit ans Licht, diese eine jedenfalls, daß die Kunst zwar edel, aber eben doch eher platonisch ist. Und wenn's zur Sache geht, was kümmert da einen Schlegel das schulbuchgerechte Ideal sittlicher Versschmiede. Der Beweis muß an dieser Stelle zwecks Leserschutz & Abonnementssicherung unterbleiben, was für die Wahrheit der Behauptung spricht: Solches braucht seinen eigenen Ort. Lutz Görner fand eben den in der Alten Oper, und was - wie er sagt - noch vor einigen Jahrzehnten die Polizei unfehlbar auf den Plan gerufen hätte, ist machbar geworden, wenn auch unter geschöntem Titel: "Erotische Lyrik".
"Versaute Verse" hätte über weite Strecken beser gepaßt. Im besten Sinne, versteht sich. Schließlich waren selbst humanistische Geister wie Johann Heinrich Voss durchaus gewillt, in einem Sängerkrieg um den Lorbeer der pornographischsten Zeilen zu ringen. Ein schönes Exempel übrigens für alle die, die der Aktualität älterer Texte mißtrauen. Was Voss und Kumpane über die Liebe, d. h. über Sex zu sagen wissen, läßt jeden Universitätstoilettenbeschmierer rot werden. Die eingestreuten antiken Gottheiten dienen der Nachwelt bloß dazu, das Jahrhundert der Entstehung zu rekonstruieren. Ansonsten hat sich recht wenig verändert im Vokabular, und es wird jeden Philologen mit Freude erfüllen, daß es bei aller Verflachung der Sprache, über Soziolekte und sonstige Hindernisse hinweg, zwischen Bahnhofsviertel und klassischer Dichtung Bindeglieder gibt, nicht nur in der Bezeichnung für das "skabröse Requisit" & Pendant.
Gnadenlos werden von Görner die Heroen der Literaturgeschichte als Sexlümmel wie du und ich geoutet. Nur Schiller nicht. Mag der "Dolch im Gewande" auch Kryptopornographiker erfreuen, Schiller bleibt sauber. Goethe natürlich nicht, das ist bekannt, aber mit tatsächlich lyrischer Distanz ziert sich sein Meister Istge schülerhaft. Schließlich fällt nicht bei allen der Apfel in den Abgrund, für Lessing sind auch Schäferstündchen nicht mehr als ein Mittel zur Aufklärung. Erich Fried immerhin langt ohne jede Spur von Betroffenheit zu, daran mag - ähnlich wie bei Schlegels Sonetten - der Kontakt mit verrufenen englischen Dichtern nicht unschuldig gewesen sein. Lutz Görner spricht von Männerphantasien und Frauen-Sehnsüchten. So ist das nämlich. Wo Männer Phantasien haben, haben Frauen Sehnsüchte. Und hört man "So" von Ulla Hahn, läßt sich das beinahe glauben. Schrecklich. Bei Hilde Domin oder Else Lasker-Schüler klingt da nicht nur Kuscheln durch. Insgesamt präsentiert sich das 20. Jahrhundert aber weniger vergnüglich als andere. Brecht ausgenommen natürlich, der sich diesbezüglich prächtig mit seinen barocken Vorläufern verstanden hätte. "Von den Klassikern lernen" fordert Robert Gernhardt auch folgerichtig in bezug auf den Augsburger und seine Puppenkiste.
Als Rezitator ist Görner ein Glanzlicht. Solange er nicht singt, jedenfalls. Aber dazu hebt er in diesem Programm nur selten an. Von sanften Gitarrenklängen begleitet, wühlt Görner mit Lust (!) in den sinnesfrohen Versen, inszeniert mit viel Raffinesse jedes Gedicht und hat dabei ein untrügliches Gespür für Pointen. Das Programm "Erotische Lyrik" gibt Görner noch am 26. Januar in Mainz, Frankfurter Hof, am 3. Februar in Darmstadt, Orangerie, und am 12. Februar in Offenbach, Theater Goethestraße.
MALTE LINDE
Firmen-Telegramm
Auch Melitta schlägt auf Nach den Kaffeeröstern Jacobs und Eduscho kündigt auch Melitta Preiserhöhungen an. Das Mindener Unternehmen will vom 15. Februar an zwischen 30 und 60 Pfennig mehr pro Pfund verlangen. IBM-Kreditwürdigkeit zurückgestuft Der Computerkonzern IBM ist kein erstklassiger Kreditnehmer mehr. Die Wall-Street-Firma Standard & Poor's hat die Bewertung verschiedener IBM-Titel von der höchsten Bonitätsstufe "AAA" um drei Stellen auf "AA-Minus" zurückgenommen. Zur Begründung wird auf schlechtere Ergebnisse verwiesen. Motorola gibt Cebit einen Korb Die Technologiegruppe Motorola wird mit ihrer Sparte Computersysteme nicht an der Computermesse Cebit in Hannover teilnehmen. Das unangemessene Verhältnis von Kosten und Nutzen habe sich seit einigen Jahren erheblich zu Lasten der Aussteller verschlechtert, teilt das Unternehmen mit. Vulkan im Schwarzen Meer aktiv Die Bremer Vulkan-Gruppe plant eine intensive Zusammenarbeit mit der ukrainischen Reederei Black Sea Shipping Company (Blasco). Die Schwarzmeer- Reederei verfügt über 250 Schiffe und 29 000 Beschäftigte. Sie wird in Kürze in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.
Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) will im "Doping-Fall Aachen" mit aller Härte vorgehen. Präsident Klaus Henter (Dortmund) erklärte nach der Präsidiumssitzung in Sundern am Sonntag: "Es ist ganz schlimm, daß ein Verband mit 600 000 Migliedern durch Schwarze Schafe dermaßen in Mißkredit gebracht wird. Das Disziplinarverfahren gegen Claus Vandenhirtz läuft. Der Fall wirft ein bedauernswertes Licht auf den Schwimmsport. Wir werden mit aller Härte vorgehen."
Vandenhirtz, gegen den auch der Staatsanwalt ermittelt, drohen 10 000 Mark Strafe und die lebenslange Suspendierung von allen Ämtern im Bereich des DSV. Henter: "Claus Vandenhirtz hat mit gegenüber unterstrichen, er habe mit den Dopingfällen nichts zu tun. Das kann ich aber nicht glauben."
Gegen den zurückgetretenen Trainer läuft auch ein Ermittlungsverfahren der Aachener Staatsanwaltschaft. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Lothar Karhausen. Vorausgegangen war eine "Strafanzeige gegen Unbekannt" durch die Eltern von Simone Schober, die wie Kristina Quaisser wegen Dopings sechs Monate gesperrt worden war. Vandenhirtz ist "dringend verdächtig", seine nichtsahnenden Athleten gedopt zu haben.
Wie die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG berichtete, wird Vandenhirtz durch die früheren Vorsitzenden des Aachener SV, Hartmut Hubbes und Heinz Breuer, neben dem Dopingfall auch der Veruntreuung von Geld bezichtigt. Ende der 80er Jahre soll Vandenhirtz Mittel bei öffentlichen Einrichtungen für die Jugendabteilung beantragt, auf ein Privatkonto überwiesen und nicht zweckentsprechend verwendet haben. Vandenhirtz soll seinerzeit Auskünfte verweigert und mit dem Rückzug der Mannschaft gedroht haben.
Am 20. Januar muß die Disziplinarkommission des DSV auf Forderung des Bundesinnenministers Unbedenklichkeits-Erklärungen für die angestellten Trainer vorlegen.
Manfred von Richthofen, Vizepräsident des Deutschen Sportbundes (DSB), hatte erklärt, Dieter Lindemann, Trainer von Weltrekordlerin Franziska van Almsick, biete "keine Gewähr für einen dopingfreien Sport." sid
Die jüngsten Vorwürfe des Nachrichtenmagazins Der Spiegel gegen den Ministerpräsidenten des Saarlands, Oskar Lafontaine (SPD), und seinen Fraktionschef Reinhard Klimmt haben am Wochenende in Saarbrücken viel Staub aufgewirbelt. Dort ist Klimmts Duz- Freund, Hugo Lacour, gegen den ein internationaler Haftbefehl wegen Mordes besteht, als "Unterweltkönig" bekannt. Ihm und anderen Figuren "aus dem Milieu" mit Gefälligkeiten gedient zu haben, wirft das Nachrichtenmagazin sowohl Klimmt als auch Lafontaine vor.
Hugo Lacour hat im Saarland schon für eine Menge Schlagzeilen gesorgt. Er war wegen eines Überfalls auf einen Geldboten im Dezember 1983 in Saarbrücken sowie wegen anderer Betrugs- und Diebstahlsdelikte rechtskräftig verurteilt worden. Im Herbst 1987 sollte ein tief in die Saarbrücker Halb- und Unterwelt hineinspielender Mordprozeß gegen ihn beginnen. Lacour war angeklagt, im August 1985 den Saarbrücker Kaufmann und Bordell-Mitbesitzer Heinz Weirich umgebracht zu haben, um sich in den Besitz eines Wechsels von 1,6 Millionen Mark für ein Rohdiamanten-Geschäft zu bringen. Die Leiche des Kaufmanns wurde jedoch nie gefunden. Der Bruder Weirichs, ein Antiquitätenhändler, war im Dezember 1982 ermordet worden. Seine Leiche lag ohne Kopf an einer Landstraße bei Kaiserslautern.
Kurz vor seinem Mordprozeß war der damals 43jährige Lacour am 10. Oktober 1987 während eines Gefängnis-Gottesdienstes aus der Saarbrücker Haftanstalt ausgebrochen: Als Meßdiener hatte er sich in der Gefängnis-Sakristei einen Schlüssel zur Flucht aus dem Haftgebäude besorgt und war dann vom Dach über die Gefängnismauer gesprungen. Seine Flucht endete fünf Tage später in Metz, wo er sich von der französischen Polizei widerstandslos festnehmen ließ. Er sitzt seitdem im dortigen Gefängnis.
Im März 1990 war laut Zeitungsberichten der Haftbefehl gegen Lacour wegen Verdachts des Mordes an dem vermißten Weirich angeblich aufgehoben worden. Ein halbes Jahr zuvor hatte sich Klimmt auf Bitten seines inhaftierten Duz-Freundes, er möge bei Justizminister Arno Walter (SPD) auf die Niederschlagung des Verfahrens dringen, sich bei diesem nach dem Stand des Verfahrens erkundigt und erfahren, daß der Haftbefehl weiter bestehe. Am 27. September 1989 teilte er dem "lieben Hugo" nach Metz mit, daß er "nochmal mit unserem Justizminister . . . gesprochen habe. Er sagte mir, daß die Ermittlungen im Fall Weirich noch nicht abgeschlossen seien. Er hat mir zugesagt, mich auf dem laufenden zu halten, und mich zu informieren, wenn sich die Sachlage verändert."
Den Unterweltkönig kennt Klimmt nach eigenem Bekunden gegenüber dem Spiegel bereits seit 20 Jahren. Er, Oskar Lafontaine und andere Politiker hätten in einer Nachtbar Lacours verkehrt, der von Gerichten als "gefährlich und gefürchtet" eingeschätzt worden ist. Zu dem Hinweis, von den häufigen Besuchen der Politiker in Saarbrückens Rotlichtviertel und Kneipenmilieu gebe es kompromittierende Fotos, sagte Klimmt dem Nachrichtenmagazin: "Oskar und ich sind nicht erpreßbar." Den Kontakt zum einsitzenden Lacour wertet Klimmt als normale Aufgabe eines Politikers, der "Menschen im Grenzbereich der Gesellschaft" zu helfen habe. In einem anderen, vom Spiegel abgedruckten Schreiben, hatte sich Klimmt bei dem inhaftierten Mordverdächtigen artig für "Deine Glückwünsche zum Wahlergebnis" bedankt.
Auch dem stellvertretenden SPD- Bundesvorsitzenden Lafontaine sagt das Hamburger Magazin direkte und indirekte Kontakte zu Lacour nach. Lafontaine sei ebenfalls in der Bar des "lieben Hugo" verkehrt. Später habe er dann den Rocker Todilar "Tott" Schott, der sich von Lacour Beistand erhoffte, um mit seiner Bande "ins Zuhältergeschäft zu drängen", wie Der Spiegel schreibt, als Helfer für persönliche Aufgaben in die Staatskanzlei und in die Privatwohnung geholt. Dort habe Schott gelegentlich für Lafontaine und Gäste sogar gekocht. Der von speziell ausgebildeten Polizeibeamten rund um die Uhr bewachte Lafontaine besorgte seinem Rocker-Helfer und Privatbeschützer, der als Regierungsangestellter in der Staatskanzlei "Mädchen für alles" war, auch einen Waffenschein für einen "38er Revolver". An der großkalibrigen Waffe, für die Schott unter Umgehung des zuständigen städtischen Ordnungsamtes die Genehmigung direkt vom Innenministerium erhielt, mußte er auf Anweisung von oben durch die Polizei, die ihm früher nachstellte, auf dem Polizeischießstand ausgebildet werden, berichtet das Nachrichtenmagazin.
Während von den Angeschuldigten am Wochenende keine Stellungnahme zu erhalten war, bestätigte das Justizministerium Gespräche zwischen Klimmt und dem Ressortchef in Sachen Lacour. Der Minister habe dem SPD- Fraktionsvorsitzenden mitgeteilt, die Verfahrenseinstellung in Frankreich in der Mordsache ändere nichts an der Weiterführung der Ermittlungen gegen Lacour in Deutschland. "Diese Auskunft stellt weder eine Weitergabe von Ermittlungseinzelheiten noch eine Beeinträchtigung des Strafverfahrens dar", so das Ministerium am Sonntag. Das Ministerium habe am 2. August 1989 alle Gnadengesuche Lacours - einschließlich der an Klimmt gerichteten - als unbegründet abgelehnt.
In einer ersten Reaktion auf die Vorwürfe verlangte die FDP-Fraktionsvorsitzende im saarländischen Landtag, Brundhilde Müller, eine "rückhaltlose Aufklärung der Verbindungen von Lafontaine und Klimmt zur kriminellen Unterwelt". Müller forderte eine gemeinsame Sondersitzung von Rechts- und Innenaussschuß. Der saarländische CDU-Vorsitzende Klaus Töpfer sprach von "ungeheuerlichen Vorwürfen". Bei der Aufklärung gehe es auch um die "Gefährdung der inneren Sicherheit und Ordnung". "Die Verbindung zwischen Staat und organisiertem Verbrechen wäre eine unkalkulierbare Bedrohung der Bürger", sagte Töpfer.
(gra/dpa/AFP)
Fußball - kurz
Matthäus kritisiert Effenberg Lothar Matthäus vom FC Bayern München hat seinen für den AC Florenz spielenden Kollegen Stefan Effenberg scharf kritisiert. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus meinte Matthäus: "Stefan schadet der Mannschaft. Er ist selbstbewußt und hat einen guten Charakter. Aber er muß endlich zuhören." Granate in israelischem Fußballstadion Unbekannte Täter haben während eines Fußballspiels im Stadion der südisraelischen Stadt Beerscheba eine Phosphorgranate geworfen. Die Brandgranate landete nach Angaben der Polizei in der Nähe der Trainerbank des Gastvereins Poel Haifa. Ein Mitglied des Trainerteams wurde leicht verletzt, außerdem ein Polizist, der die Flammen zu löschen versuchte, und ein Zuschauer. Klinsmann schoß Monaco an Spitze Mit seinem 13. Saisontor schoß Nationalspieler Jürgen Klinsmann seinen Klub AS Monaco an die Tabellenspitze der französischen Fußball-Liga. Der Schwabe erzielte den Treffer zum 1:0-Erfolg in Nimes, mit dem die Monegassen (30:12 Punkte) die Führung vor dem FC Nantes (29:13) eroberten. Anderbrügge verlängerte bei Schalke Mittelfeldspieler Ingo Anderbrügge hat seinen zu Saisonende auslaufenden Vertrag beim Bundesligisten Schalke 04 um zwei Jahre bis Juni 1995 verlängert. Mainz 05 gewann Testspiel mit 7:0 Im ersten Testspiel nach der Winterpause schlug Fußball-Zweitligist Mainz 05 den drei Klassen tiefer angesiedelten Landesligisten SVW Mainz mit 7:0 (4:0). U 20 beendete Türkei-Reise mit 1:1 Die Türkei-Reise der U 20-Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) endete am Samstag in Antalya mit einem 1:1 (1:0) gegen die Gastgeber. Zwei Tage zuvor hatten sich beide Teams 2:2 getrennt.
Auf der Dreieichstraße, am Rande des Sachsenhäuser Kneipenviertels, hat sich jetzt zu später Stunde ein schwerer Unfall ereignet.
Opfer war ein 42jähriger Fußgänger, der gegen 1.50 Uhr von einem in Richtung Lokalbahnhof fahrenden Auto erfaßt und auf den Asphalt geschleudert wurde. Der Notarztwagen brachte den Mann mit erheblichen Kopfverletzungen ins Krankenhaus. habe
MÖRFELDEN-WALLDORF. Zwar waren schon im Vorverkauf 300 Karten weggegangen, doch was sich am Samstag abend beim "1. Multi-Kulti-Konzert" in der Walldorfer Stadthalle abspielte, hätten sich die Veranstalter nicht träumen lassen. "Das ist super, das übersteigt unsere Erwartungen total", begeisterte sich das aus Musikern, der Kulturinitiative und der Christlichen Flüchtlingshilfe bestehende Organisationsteam, das in seinem Engagement auch von der Stadt unterstützt wurde. 900 In- und Ausländer, von Kleinkindern bis hin zu älteren Semestern, strömten in die Stadthalle und unterstützten so die Idee, ein deutliches musikalisches Zeichen gegen Fremdenhaß und Ausländerfeindlichkeit zu setzen.
"Wir hatten mit einem guten Besuch gerechnet, aber nicht, daß so viele kommen würden", strahlten die Organisatoren. Ihre Erklärung für den Erfolg: "Das kam eben von unten, wurde nicht von oben aufgestülpt."
Schon um 20 Uhr, eine Stunde nachdem das Quartett von "Soda & Gomorrhum" mit der Präsentation ihres neuen Programms begonnen hatte, waren 500 Menschen in der Stadthalle - und es wurden immer mehr. "Viele haben sogar noch angerufen, daß sie später kommen wollten, und gefragt, ob sie dann überhaupt noch reinkämen", erzählte ein Mitglied der Kulturinitiative.
Der Kulturinitiative fiel am Samstag der organisatorische Part zu. Die Leutchen kamen zwar kaum zum Luftholen, ernteten aber auch viel Lob für ihren Einsatz. Probleme gab es nur mit den Getränken: Der unerwartete Andrang ließ die vorhandenen Vorräte im Nu zu Ende gehen, so daß zweimal im Verlauf des Konzertes neue Mittel gegen den Durst herangekarrt werden mußten.
Doch davon bekam das Publikum wenig mit. Es herrschte eine großartige Stimmung, die sich auch auf die Akteure auf der Bühne auswirkte. "Ich hab' die noch nie so gut gesehen", kommentierte beispielsweise ein Besucher die Leistungen von "Soda & Gomorrhum".
Einen besseren "Einheizer" als die vier Jungs hätten sich die Veranstalter nicht wünschen können. Mit Jonglage, Gags und Feuerzauber ebnete das Quartett den nachfolgenden Bands den Weg und verkürzte die Pausen zwischen den Auftritten der "Houseband", "Catch 22" und dem in Groß-Gerau lebenden Brasilianer Toninho dos Santos, der extra für das Konzert in Walldorf eine Gruppe zusammengestellt hatte.
Der Funke sprang über zwischen denen auf der Bühne und jenen im Saal. Das brachte die Akteure in Fahrt und das Publikum in Schwung.
Langatmige Reden gab es nicht; sie wären auch fehl am Platz gewesen. Zwar kamen Kreisausländerbeauftragter Sedat Cakir und Erster Stadtrat Hans-Jürgen Vorndran zu Wort, doch beide faßten sich kurz, bekräftigten das, was Annette Seydel von der Christlichen Flüchtlingshilfe schon zu Veranstaltungsbeginn gesagt hatte: "Hüngse, Hoyerswerda, Rostock, Mölln - traurige Beispiele für Opfer faschistischer Gewalt. Dazu darf man nicht schweigen. Laßt uns gemeinsam ein Zeichen setzen: Rassismus und Ausländerhaß - nicht mit uns."
"Nicht mit uns" sagten auch die Musiker aus Mörfelden-Walldorf und Umgebung, die auf die Idee mit dem Konzert gekommen waren. Die Kulturinitiative und Christliche Flüchtlingshilfe machten mit, auch die Stadt ließ sich nicht lange bitten. Heraus kam eine Veranstaltung, die, wenn auch auf lokaler Ebene, ein ähnliches Flair hatte wie das Frankfurter "Konzert gegen rechts".
Einen Beweis für die große Bereitschaft, Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen, lieferte bereits die vor dem Konzert publizierte Anzeige, die von nahezu allen im Vorfeld angeschriebenen Parteien, Gruppen und Vereinen der Stadt unterschrieben worden war.
Wieviel an diesem Abend eingenommen wurde, muß noch ausgerechnet werden. Verdienen will indes keiner was am Multi-Kulti-Konzert: Die Gruppen verzichteten auf Gage. Was nach Abzug der Unkosten übrigbleibt, geht als Spende an den Hilfsfonds für vergewaltigte Frauen aus dem ehemaligen Jugoslawien. wal
MÖRFELDEN-WALLDORF. Wer im Stadtteil Mörfelden Fastnacht feiert, kommt an den "Sandhasen" nicht vorbei. Seit ihrer Gründung 1967 im Gasthaus Wiesental sind sie im Dienste der Narren aktiv, nehmen den Karneval - wie alle echten Narren - sehr ernst und tüfteln Jahr für Jahr an einem abwechslungsreichen Kampagnenprogramm.
200 Mitglieder, davon über 60 Prozent aktive Fastnachter, helfen dabei. Was dem eigenständigen Carnevalverein aber Probleme bereitet, ist der Platz. 1974 zogen sie ins Bürgerhaus und sind, wie Vereinschef Peter Zwilling versichert, mit dem Domizil insgesamt zufrieden. Doch ein bißchen mehr Raum, findet er, könnte schon sein. Denn egal, ob es um die Garden, das Tanzpaar, das Männerballett, die Dalles-Sänger, die Swinging Nachthemds oder die anderen Gruppen im Verein geht - alle üben sie im Bürgerhaus.
"Wir haben drei feste Termine pro Woche", sagt Zwilling. Das bringe jetzt, wo wegen der Kampagne intensiv trainiert werde, Schwierigkeiten mit sich. "Manchmal trainieren mehrere Gruppen zusammen in einem Raum." Dann übt in einer Ecke vielleicht das Tanzpaar, in einer anderen schmettern die Dalles-Sänger aus voller Kehle, während sich gleichzeitig die Garde auf ein Turnier vorbereitet. "Gerade vor Sitzungen oder Turnieren ist das sehr problematisch", sagt Herma Zwilling, Schriftführerin und Präsidentin des Damenkomitees.
Auch in den Ferien sei die Lage kritisch. Dann macht das Bürgerhaus zu - und die Sandhasen, die keinen eigenen Schlüssel für das Gebäude haben, müssen sich nach anderen Trainingsmöglichkeiten umgucken. Bis jetzt haben sie zwar noch immer irgendwo Unterschlupf gefunden, aber "das ist mit viel Aufwand und Fahrerei verbunden", sagt Andrea Karl, die das Männerballett trainiert.
Doch nicht nur die Trainings- auch die Lagerkapazitäten sind begrenzt: Drei Räume haben die Sandhasen im Bürgerhaus zur Verfügung - zu wenig, finden sie angesichts ihres inzwischen stattlichen Kostüm- und Dekorationsfundus, und sehnen sich nach einer zentralen Unterbringung - was aber bis jetzt nicht geklappt hat.
Und so müssen die Sandhasen laufen: Wenn Deko-Material gebraucht wird, geht's treppauf, sind Kostüme gefragt, geht's treppab. Und wieder treppauf, wenn ein Kabel fehlt. Derlei Sachen lagern in einem winzigen Räumchen hinter den Garderoben. "Derjenige, der dann auch noch genau weiß, wo alles untergebracht ist, ist der, der am genervtesten aus der Kampagne geht. Den fragen nämlich alle", grinst Zwilling.
Es gibt noch ein paar Ecken, wo die Sandhasen ihre Requisiten lagern. In einem Schuppen des ehemaligen Bauamtes in der Kirchgasse zum Beispiel. Wertvolles sollte dort nicht stehen. "Die Tür ist zwar zu, aber rein kann trotzdem jeder", witzelt Zwilling. Grund: Die Scheiben des Schuppens sind zerbrochen, die Holztore kaputt. "Hier würde alles Füße kriegen." Außerdem sind die Tage hier sowieso gezählt. Das Grundstück gehört einem Privatmann. "Der duldet das zwar noch, aber irgendwann werden wir rausmüssen."
Bleiben dürfen sie zwar im alten Bauhof in der Wassergasse, wo die Sandhasen die Umzugswagen herrichten und die Dekorationen bauen. Aber die meisten größeren Arbeiten müssen im Freien verrichtet werden und auch für die Wagen gibt es keinen richtigen Unterstand. Trotz Abdeckung "vergammelt das halt irgendwann".
Ein richtiges, eigenes Vereinsheim, das fänden die Narren gut, sind sich aber im klaren, daß die Stadt "uns keine Narhalla bauen kann". Also hakten sie im Rathaus nach, wie es denn mit mehr Platz für Training und Lager aussehe. Ergebnis: "Wir sind mit Versprechungen vertröstet worden."
Viel mehr blieb der Stadt nicht übrig. "Die Kapazitäten im Bürgerhaus sind ausgereizt", sagt Sport- und Kulturamtsleiter Manfred Dammel. Das sei dem Carnevalverein auch mitgeteilt worden, verbunden mit der Zusage, die Wünsche der Narren zu berücksichtigen, wenn sich die Situation ändere. Dammel geht davon aus, daß das geschieht, wenn die SKV ihr neues Vereinsheim bezieht und die Termine im Bürgerhaus abgibt. wal
MÖRFELDEN-WALLDORF. Verärgert hat die DKP die Ankündigung der CDU, alles tun zu wollen, damit die Kommunisten nach der Kommunalwahl nicht mehr im Parlament vertreten sind. Das, so die ironische Reaktion von DKP-Fraktionschef Rudi Hechler, sei für die CDU wirklich besser, dann könnte sie ungestört ihre "stinkkonservative Politik im Parlament verbreiten" und keiner würde mehr nach den mit Steuergeldern finanzierten CDU-Fraktionsräumen fragen.
Aber, so Hechler, es würde auch kaum einer "die abgrundtiefe Demagogie der CDU entlarven, die sich vor Ort ein soziales Mäntelchen umhängt", in Bonn aber alles tue, damit Reiche reicher und Arme ärmer würden. Vermutlich gäbe es keinen, der dagegenhalte, wenn nach der Wahl eventuell der grüne Stadtrat abgewählt und durch einen "schwarzen" ersetzt würde. Hechlers Fazit: "Ohne uns sehen wir wirklich schwarz." wal
MÖRFELDEN-WALLDORF. Per Unterschrift besiegelten Peter Emmel, Vorsitzender der TGS Walldorf, und Wolfgang Aberle, stellvertretender Geschäftsführer der AOK Kreis Groß-Gerau, eine Kooperation im Gesundheitssport. Krankenkasse und Großverein wollen nun regelmäßig Angebote auf dem Sektor Gesundheitssport machen. Losung: Bewegung ohne Leistungsdruck. Damit sich Interessenten nicht gleich vereinsmäßig binden müssen, gibt es zeitlich begrenzte Kurse.
Der Deal bringt beiden Seiten Vorteile. Die TGS verspricht sich ein attraktiveres Angebot, das letztlich doch das eine oder andere neue Mitglied in den Verein lockt. Die AOK, die einen Arbeitsschwerpunkt auf den Bereich gesundheitliche Prävention gelegt hat und selbst zahlreiche Angebote macht, will durch die Kooperation mit dem Verein ihre Möglichkeiten erweitern, um irgendwann auch im gesamten Kreis Offerten anbieten zu können.
Die TGS bietet Stretching, Aerobic und einen Kurs "Sport und Diabetes" an. Mit der Resonanz ist Übungsleiterin Elke Kettner zufrieden. Bei Stretching mußte sogar ein zweiter Kurs eingerichtet werden, auch Aerobic läuft gut. Lediglich beim Diabetikersport gibt's noch Lücken. Waren noch sieben Leute beim vorbereitenden Treffen, kamen zur ersten Übungsstunde nur noch vier. "Das ist nicht so doll, aber die Durststrecke müssen wir wohl überstehen", meint Kettner und TGS-Chef Emmel wähnt, daß "sich die Leute da vielleicht auch noch nicht so viel drunter vorstellen können".
AOK-Vize Aberle betonte, daß die Krankenkasse bei derlei Kooperationen keinesfalls nur als Sponsor auftreten wolle. Unter Hinweis auf die beiden hauseigenen Bewegungsberaterinnen Karin Thomas-Klausnitzer und Katja Herrmann erläuterte er, daß "wir auch unsere Fachleute und deren Kompetenz zur Verfügung stellen und uns aktiv einbringen wollen". Eine langfristige, als gegenseitiges Geben und Nehmen angelegte Zusammenarbeit soll es sein.
Das sieht auch TGS-Chef Emmel so. Er will über die Gemeinschaftskurse nicht nur den Verein attraktiver machen, sondern auch mehr Menschen zum Sport anregen. Ohnehin überlege man bei der TGS, ob der Breitensport für einen Großverein nicht die sinnvollere Aufgabe sei.
Wer sich über die Kurse, deren Kosten die AOK ihren Mitgliedern nach Abschluß übrigens erstattet, informieren will: Bei der TGS sind Elke Kettner, Tel. 4 45 92, Monika Cezanne, Tel. 7 43 12 und Egon Kohm, Tel. 4 24 64 zuständig, bei der AOK beraten Karin Thomas-Klausnitzer, Tel. 0 61 52 / 93 47 51 und Katja Herrmann, Tel. 0 61 52 / 93 47 54. wal
Eine gewisse Ehrfurcht war bei einigen der alten Frankfurter Bürgerinnen und Bürger schon im Gesicht zu sehen, als Hans-Ulrich Klose, der Fraktionsvorsitzende der SPD im Deutschen Bundestag, die etwa 900 Gäste im Bürgerhaus in Bornheim begrüßte. Der Unterbezirk Frankfurt der SPD hatte die alten Menschen zum Neujahrsempfang eingeladen um mit einem Glas Sekt anzustoßen und anschließend bei Kaffee und Kuchen Oberbürgermeister Andreas von Schoeler und dem Bonner Fraktionschef Klose zu lauschen. Dazwischen wurde Unterhaltung geboten: die "Fechenheimer Philharmoniker" und die Kleinkunstgruppe "Las Piranhas" sorgten für Stimmung.
"Als wir Hans-Ulrich Klose gebeten haben, uns im Kommunalwahlkampf zu unterstützen, hat er sofort zugesagt. Schließlich ist er auch der Seniorenbeauftragte der SPD", berichtet Mona Selig, im Unterbezirk Frankfurt zuständig für die Organisation des Wahlkampfes.
OB Anderas von Schoeler ging in seiner Rede vor allem auf Fremdenhaß und Ausländerfeindlichkeit ein. In Frankfurt sei kein Platz für Rechtsextremisten. Der Wegfall der Rechten aus dem Römer bei der Kommunalwahl am 7. März könne Frankfurt zu Ansehen und Ehre verhelfen. Gerade die Kommunalwahl werde im Ausland sehr genau beobachtet und als Signal gewertet. "Wir haben dafür gesorgt, daß Wohnraumvernichtung kein Kavaliersdelikt mehr ist und das Frankfurt sicherer geworden ist", sagte von Schoeler. Auch die Drogenszene sei positiv beeinflußt worden. Hans-Ulrich Klose forderte die alten Menschen auf, sich nicht aus der Verantwortung drängen zu lassen. Sie machten einen großen Teil der Bevölkerung aus und keine Partei sei ohne sie mehrheitsfähig. Die Politik müsse zur Kenntnis nehmen, was das Volk denkt und fühlt, "deshalb geht es nicht an, daß man alte Menschen zu Almosen- und Sozialhilfeempfängern degradiert." jan
In der Eschersheimer Landstraße, nahe der Einmündung Grüneburgweg, ist jetzt zu nächtlicher Stunde ein Abfallcontainer aus Kunststoff in Flammen aufgegangen. Die Polizei vermutet, das Feuer vor dem Haus Nr. 55 sei vorsätzlich gelegt worden.
Bei dem Brand, der eine halbe Stunde nach Mitternacht bemerkt wurde, entstand ein Schaden von ungefähr 15 000 Mark. habe
HOFHEIM. Ohne erkennbaren Grund rammte ein bislang unbekannter Fahrer mit seinem roten Auto am Samstag gegen 10 Uhr auf der Autobahn A 66 in Richtung Wiesbaden einen mit etwa 100 Stundenkilometern fahrenden Wagen eines Frankfurters. Wie die Autobahnpolizei mitteilt, war der Aufprall am linken, vorderen Kotflügel des Frankfurters so stark, daß das Fahrzeug ins Schleudern kam, über alle drei Spuren rutschte, zweimal gegen die linke Leitplanke prallte und anschließend dort liegen blieb. Der Fahrer des roten Fahrzeugs flüchtete, der Frankfurter muß bislang den Schaden von 15 500 Mark an seinem Auto aus eigener Tasche bezahlen. gre
Bei der Verfolgung eines Rauschgifthändlers durch das Bahnhofsviertel hat ein Beamter des 4. Polizeirevieres jetzt Engagement und Ausdauer bewiesen. Der Polizist rannte fast einen Kilometer hinter dem Dealer her, bis er ihn an den Städtischen Bühnen einholen und festnehmen konnte. Polizeisprecher Karlheinz Wagner sprach von einer Aktion mit "filmreifen" Szenen.
Zwei Obermeister aus dem Revier am Wiesenhüttenplatz waren gegen 15 Uhr als Zivilstreife unterwegs. In der Münchener Straße/Ecke Elbestraße fielen ihnen zwei Männer bei einem Rauschgiftgeschäft auf. Die Polizisten "filzten" die beiden und beschlagnahmten dabei Briefchen und Bömbchen mit knapp 15 Gramm Heroin. Eine Routinefestnahme - so schien es.
Doch plötzlich sprinteten die Drogenhändler los. Der jüngere, 18 Jahre alt, kam nicht weit. Bereits nach wenigen Metern wurde er eingeholt. Doch der zweite Polizist wurde bei der Verfolgung des anderen Mannes, eines 22jährigen, bis zur Erschöpfung gefordert.
Der Flüchtende lief in Richtung Innenstadt. Als er die Gallusanlage erreichte, wechselte die Ampel an der Wilhelm- Leuschner-Straße für einen Lastwagen gerade auf Grün. Der Dealer sprang auf den anfahrenden Laster, umklammerte den Außenspiegel und stützte sich mit den Füßen an der Beifahrertür ab.
Nach etwa 50 Metern war die waghalsige Tour zu Ende. Der Lastwagenfahrer bemerkte den "blinden Passagier" und schüttelte ihn durch eine Vollbremsung ab. Der Mann setzte seine Flucht daraufhin zu Fuß fort.
Der Beamte war ihm freilich trotz fehlender Mitfahrgelegenheit auf den Fersen geblieben. In der Neue Mainzer Straße mobilisierte der sportive Polizist die letzten Reserven und tatsächlich hatte er den 22jährigen nach einer Gesamtstrecke von zirka einem Kilometer an der Ecke Weißfrauenstraße eingeholt. Hier mußte er auch noch den erheblichen Widerstand des Mannes brechen, ehe er ihn in Handschellen legen konnte.
Die Festnahme geriet zum Straßentheater, an dem etwa 50 Passanten Anteil nahmen. Geholfen hat dem Beamten keiner von ihnen. habe
DREIEICH. Die Freiwillige Feuerwehr Dreieichenhain hatte im vergangenen Jahr viel zu tun. Laut Jahresbericht blieb zwar das Jahr 1990 wegen der Stürme Vivian und Wiebke in der nunmehr 89jährigen Geschichte der Wehr Spitzenreiter, doch 1992 folgt auf Platz zwei. Die Feuerwehrleute mußten 147mal ausrücken (1990: 150 Einsätze). Insgesamt waren sie 946 Stunden für das Gemeinwohl auf den Beinen.
Daß die Feuerwehr arbeitet, während sich andere vergnügen, zeigen auch die folgenden Zahlen: Bei den Festspielen in der Burg sorgte sie 601 Stunden für die Brandsicherheit. Dazu kamen noch 70 Stunden für Jazz in der Burg. Beim Kerbfeuerwerk fielen weitere 60 Stunden an, beim Weihnachtsmarkt in der Altstadt 168 Stunden.
Heinz Holzmann wurde als Wehrführer auf der Jahreshauptversammlung wieder gewählt. Sein Stellvertreter ist Manfred Locher. fra
BERGEN-ENKHEIM. Aus der Spielstraße vor dem Internationalen Kinderhort "Im Sperber" in Bergen-Enkheim sollen die parkenden Autos verschwinden, damit die Kinder dort mehr Platz haben. Diesen Dringlichkeitsantrag der SPD-Fraktion beschloß der Ortsbeirat 16 (Bergen-Enkheim) in seiner jüngsten Sitzung einstimmig. Im einzelnen fordern die Sozialdemokraten, die beiden schon vorhandenen Poller, die die Fahrbahn unmittelbar vor dem Hort für den Durchgangsverkehr abriegeln, weiter nach Westen zu versetzen. Am östlichen Ende der Spielstraße sollen dann zwei weitere Poller die Zufahrt versperren.
Der Kinderhort Im Sperber hat kein eigenes Außengelände. Damit sich die rund 20 Kinder, die die Einrichtung besuchen, dennoch im Freien austoben können, wurde ein Teil der Fahrbahn "Im Sperber" gesperrt und zur Spielstraße umgewidmet. Im selben Haus wie der Hort befindet sich jedoch auch eine Firma. Um deren Lieferanten weiterhin die Zufahrt zu ermöglichen, waren daher zunächst nur zwei Poller aufgestellt worden. Wie SPD-Politiker und Mitarbeiter des Horts beklagen, nutzen einige Autofahrer die gesperrte Fahrbahn nun als Parkplatz, wodurch den Kindern ein Teil ihrer Spielfläche verlorengehe.
Die parkenden Autos stehen auch dem Plan im Wege, die Spielstraße mit Blumenkübeln und Spielgeräten zu versehen. "Wir möchten mittelfristig die Straße neu gestalten", kündigte die Hort-Mitarbeiterin Beate Frank an, "damit daraus eine attraktive Zone für Kinder und Erwachsene wird."
Dieses Vorhaben werde vom Kinderbüro der Stadt unterstützt, das die Kosten hierfür tragen will. Wie die SPD in ihrem Antrag betont, hätten auch weder die Feuerwehr noch die erwähnte Firma Einwände gegen die geplante Erweiterung der Spielstraße. gap
BERGEN-ENKHEIM. Die Straße "Am Königshof" im historischen Ortskern von Bergen soll nach dem Willen des zuständigen Ortsbeirates 16 wieder für den Durchgangsverkehr geöffnet werden. Einem entsprechenden Antrag der SPD- Fraktion stimmten in der jüngsten Sitzung außer Albert Kuhl (FDP) auch die Stadtteilpolitiker von CDU und Grünen zu. Ziel der Forderung ist es, den Autofahrern eine weitere Möglichkeit zu bieten, von der Marktstraße nach rechts in die unterhalb verlaufenden Straßen zu gelangen. Derzeit ist die Straße "Alt-Bergen" der einzige Zufahrtsweg von der Marktstraße ins südliche Bergen. Zukünftig soll daher ein Teil des Verkehrs durch den "Königshof" fließen, um die schmale Einbahnstraße zu entlasten.
Der Ortsbeirat will dieses "Ventil" allerdings nur sehr vorsichtig öffnen: Die ebenfalls sehr enge Gasse "Am Königshof", die wegen Renovierungsarbeiten an der Nikolauskapelle schon seit längerem gesperrt ist, soll Einbahnstraße und verkehrsberuhigter Bereich werden. Josef Geis (SPD) erinnerte daran, daß an der Ecke Marktstraße/Am Königshof demnächst die Jugendmusikschule einziehen wird und sich im unteren Abschnitt der Gasse der Kindergarten der evangelischen Gemeinde befindet. "Allein wegen der Kinder muß die Straße verkehrsberuhigt werden", sagte der Sozialdemokrat.
Wie es in dem SPD-Antrag heißt, werde auch "nicht verkannt, daß die Straße nur eine geringe Frequentierung zuläßt". Darauf sollen entsprechende Schilder hinweisen. Das zunächst geforderte Zeichen "Nur für Anlieger" wurde allerdings aus dem Antragstext gestrichen. Die Strecke der Buslinie 42, die vor der Sperrung der Straße auch durch den "Königshof" führte, soll nicht geändert werden. gap
BERGEN-ENKHEIM. Verkehrszählungen, Lärm- und Abgasmessungen sollen Aufschluß darüber geben, ob mehr Autos durch die Barbarossastraße in Enkheim fahren, seit die Triebstraße für den Durchgangsverkehr aus der Vilbeler Landstraße gesperrt ist. Einstimmig beschloß der Ortsbeirat 16 (Bergen-Enkheim) in seiner jüngsten Sitzung einen Antrag der CDU, die auch die Verkehrsbelastung im Florianweg und in der Philipp-Puth-Straße messen lassen will.
Die Christdemokraten reagierten damit auf die Beschwerden einiger Anwohner der Barbarossastraße darüber, daß in ihrer Straße seither mehr Autos unterwegs seien. Bereits im vergangenen Jahr hatten sie sich gegen die Schließung der Triebstraße gesträubt. Die Anlieger befürchteten, der Verkehr durch den Stadtteil werde an ihren Haustüren vorbeifließen, wenn die dichtbefahrene Triebstraße gesperrt werde (die Stadtteil-Rundschau berichtete). Der Ortsbeirat will nun prüfen lassen, ob sich die Situation in der Barbarossastraße tatsächlich verschlechtert hat.
Von Anfang an war das Vorhaben des Straßenbauamtes umstritten, zunächst die Einfahrt aus der Vilbeler Landstraße in die Triebstraße "dichtzumachen" und in einem zweiten, noch bevorstehenden Schritt, das südliche Ende der Triebstraße schließlich ganz abzuriegeln. Die verkehrsgeplagten Anwohner der Triebstraße sind erleichtert darüber, daß die stark befahrene Straße zur Sackgasse werden soll. Auch die Planer der Enkheimer Tempo-30-Zone betrachten diesen Schritt als wichtige "Rahmenbedingung" für die Verkehrsberuhigung des Stadtteils. Allerdings sehen manche Bewohner der Barbarossastraße und einiger anderer Straßen darin lediglich eine Verlagerung der Verkehrsprobleme, die auf ihre Kosten geht.
Daher soll der Magistrat nun "kurzfristig" veranlassen, daß in der Barbarossastraße zwischen der Vilbeler Landstraße und der Einmündung des Auerbacher Wegs Autos gezählt und der damit einhergehende Krach und Dreck gemessen werden. Die aktuellen Meßwerte sollen dann - falls bereits vor der Schließung der Triebstraße eine vergleichbare Untersuchung durchgeführt worden ist - mit alten Daten verglichen werden. Wie in der Begründung des CDU-Antrags zu lesen ist, will man so "überprüfen, ob die vom Ortsbeirat initiierte Maßnahme unverträgliche Folgen hat".
In den Antrag aufgenommen wurden außerdem die Ergänzungsvorschläge des Freidemokraten Albert Kuhl und des Vorsitzenden der CDU-Fraktion, Norbert Meyer: Sie setzten sich dafür ein, die Verkehrsmessungen auch auf den Florianweg und die Philipp-Puth-Straße auszudehnen. Über den parallel zur Barbarossastraße verlaufenden Florianweg fahren viele Autos von der Vilbeler Landstraße ins nördliche Enkheim. gap
OFFENBACH. "Die 60 Jahre waren sehr kurz", sagte Alfred Seeger knapp und nahm dann hoch oben über dem närrischen Volke auf einem Thron Platz, um als Ceasar Alfredus in altrömischer Kulisse die Krönung des neuen Prinzenpaares zu beobachten und mit sichtlicher Genugtuung zu verfolgen, wie sein "Statthalter Wolfgangus Reuterus" die Macht und den Rathausschlüssel an Prinz Uwe I. von Lederanien, Fürst von Starkenburg, Edler von Elmar, und Prinzessin Tanja I , Komtesse von Rathenau, übergab.
Klaus Walther, Vorsitzender des Offenbacher Karnvalsvereins (OKV), hatte in der Stadthalle bei der Eröffnung der Offenbacher Kampagne die Verdienste seines Vorgängers und "Landesverwesers" Alfred Seegers hervorgehoben: Der jetzt 74jährige Seeger ist seit 60 Jahren aktiver Karnevalist und hat als jahrzehntelanger OKV-Vorsitzender das närrische Leben Offenbachs entscheidend geprägt.
Die Prinzenpaar-Krönung war wieder ein ulkiges Spektakel. Prinz Uwe Küster, 31, ist im bürgerlichen Leben Beamter bei der Kfz-Zulassungstelle des Kreises und und aktives Mitglied beim Theaterclub Elmar. Prinzessin Tanjan Schmidt, 20, lernt Bankkauffrau und kommt aus einem Elternhaus mit karnevalistischer Tradition. Ihr Vater Dieter Schmidt wurde an diesem Abend zum lederanischen Marschall befördert, Norbert Mayer zum Ehren-Marschall in den Ruhestand verabschiedet und Sigrid Isser in den lederanischen Ehrenrat aufgenommen.
Die Prinzenpaar-Krönung soll Appetit auf den Karneval machen. Deshalb wird der Ritterschlag, stets vom Zermonienmeister Hermann Braemer ausgeführt, in einen lustigen Sketsch und ein närrisches Programm eingebettet, diesmal gefüllt mit Büttenrednern wie Ex-Prinz Karl-Heinz Hoffmann, Horst Holder, Benno Jochheim und Uschi Steinbacher, Ladislaus Eigner, Sängerinnen, Tanzgarden und Tanzmariechen wie Petra Kopp, Jessika Jakobi Claudia Jochum.
So zwischen 50 000 und 100 000 Menschen bringen die organisierten Karnevalisten des OKV, in dem 28 Vereine, Korporationen mit über 3 000 Mitgliedern zusammengeschlossen sind, auf die Beine, in die Säle und auf die Straßen.
Die Prinzenpaar-Krönung ist bewußt als gesellschaftliches Ereignis gestaltet, und deshalb für die Repräsentanten des öffentlichen Lebens, vor allem für die Rathausprominenz, so etwas wie ein Pflichttermin. Einer, der selbstverständlich nicht genannt sein will, ulkte: "Die Inthronisierung des Prinzenpaares ist eine hochoffizielle Veranstaltung. Man trifft hier die gleichen Leute wie bei den Neujahrsempfängen der Parteien."
Diesmal ist die Kampagne kurz: Aschermittwoch ist am 24. Februar; elf (eine magische Zahl der Karnevalisten) Tage später sind Kommunalwahlen. SIEGFRIED SCHOLZ
BAD NAUHEIM. Der Sportpark an der Friedberger Straße soll in östlicher Richtung erweitert werden. Das Stadtparlament beschloß in seiner jüngsten bei zwei Enthaltungen und ohne Gegenstimmen den Bebauungsplan "In der Au" und den Flächennutzungsplan entsprechend zu ändern. "Zwischenzeitlich wurden an den Sportpark andere Anforderungen gestellt (Orthopädie, medizinische Nachsorge, Hotel). Da die Räumlichkeiten aus diesem Grund nicht mehr ausreichen, soll der Sportpark in östlicher Richtung erweitert werden", lautete die Begrüdung in der Magistratsvorlage. ieb
HARHEIM. Die "Harheimer Bürgerschaft" hat dem Planungsdezernenten Martin Wentz (SPD) Widerstand angekündigt. In einem Brief an die rund 4000 Bewohner des nördlichen Stadtteils stellte die Initiative dieser Tage ihre eigenen Vorstellungen zur Gestaltung der beiden Baugebiete Harheim- Nord und Harheim-Südwest vor. Die "Bürgerschaft" erhebt Einspruch gegen die geplante Bebauungsdichte und gegen Neubauten mit mehr als drei Geschossen. Darüberhinaus verlangt sie eine Erschließungsstraße, um den alten Ortskern zu entlasten. In einer Pressemitteilung bezeichnet Planungsdezernent Wentz hingegen die Pläne für Harheim als sozialverträglich.
Die Richtlinien des Umlandverbandes Frankfurt (UVF) für den ländlichen Norden Frankfurts sehen eine Baudichte von 45 bis 55 Wohnungen pro Hektar Baufläche vor. Diese Größenordnung werde mit insgesamt 700 neuen Wohnungen in Harheim nicht erreicht, heißt es in der Pressemitteilung des Dezernants. Aufgrund der Wohnungsnot in Frankfurt sei es jedoch erforderlich, in Neubaugebieten für ausreichend Wohnraum zu sorgen. Den eher dörflichen Strukturen will das Amt für kommunale Gesamtentwicklung und Stadtplanung durch Entwürfe gerecht werden, in denen von "überwiegend zwei- bis dreigeschossiger Bebauung" gesprochen wird.
Die Einhaltung dieser Zusage klagt die "Harheimer Bürgerschaft" nun mit aller Vehemenz ein. Denn aus den Bauplänen, die der Öffentlichkeit präsentiert worden seien, ergebe sich eine "massive, mit ausgebautem Dachgeschoß viergeschössige Bebauung" in den beiden Neubaugebieten. Die alarmierten Bürger befürchten deshalb, daß bis zu 740 neue Wohnungen geschaffen werden sollen. Das zumal, da die geplanten Häuser entlang der Maßbornstraße im Baugebiet Nord zusätzlich mit Kellergeschossen versehen werden könnten.
Der Sprecher der Bürgerinitiative, Rechtsanwalt Günter Emmerich, kündigte in dem Schreiben einen gerichtlichen Einspruch der Grundstückseigentümer an. Das könnte einen Beginn der Bauarbeiten "ganz oder auf ein Jahrzehnt verhindern". Gegen eine "moderate Bebauung mit Ein- bis Dreifamilien- und Reihenhäusern" sei hingegen nichts einzuwenden.
Im weiteren fordert die "Bürgerschaft" die ersatzlose Streichung der direkt an der Umgehungsstraße geplanten vier Blocks im Baugebiet Nord. Den Wohnblock mit anschließendem Wohnturm im Baugebiet Südwest, der hinter den Häusern in der Haintalstraße 5-11 liegt, will ein Teil der Harheimer Bewohner auch nicht haben.
Darüberhinaus verlangt die "Bürgerschaft" eine Erschließungsstraße am Westrand des künftigen Baugebiets Harheim Südwest. Die soll bis zu dem Gewerbegebiet weiterführen, um den alten Ortskern vom Auto- und Schwerlastverkehr zu entlasten, so beispielsweise die ohnehin schon stark befahrene Philip- Schnell-Straße. Durch die Anbindung ans Gewerbegebiet sowie an die Wohngebiete "Am Auweg", "Hinter dem Hain" und "In den Biegen" sei diese Straße, an der auch ein Kindergarten liegt, zu stark frequentiert.
Nach zweimaliger Verschiebung wird am kommenden Dienstag, 26. Januar, Planungsdezernent Martin Wentz auf einer öffentlichen Bürgeranhörung Stellung zu den neusten Bauplänen beziehen. Die Sitzung beginnt um 19.30 Uhr im Bürgerhaus Harheim, In den Schafgärten 21. In die Entwürfe der beiden Baugebiete können die Bürger bereits ab 19 Uhr Einsicht nehmen. tin
NIEDERRAD. Für die Niederräder sind parkende Autos schon seit langem ein Dauerproblem: Angestellte der Bürostadt sowie Besucher von Rennbahn und Stadion haben in den letzten 20 Jahren den Parkdruck erheblich ansteigen lassen. Auch Flugreisende, die ihre Autos bis zu sechs Wochen auf den Parkplätzen der Adolf-Miersch-Siedlung abstellen, um die hohen Parkgebühren auf dem Flughafen zu sparen, belegen die Parkplätze. Eine Lösung ist bisher nicht in Sicht.
"Die Belästigung ist erheblich", beschwert sich die Ortsbeirätin Johanna Hoffmann: "Wenn man in der Nacht kommt, hat man immer wieder die gleichen parkenden Autos vor der Tür. Obwohl eine S-Bahn über Niederrad führt und auch genutzt wird, ist die gesammte Siedlung regelmäßig zugeparkt."
Nach Aussage der Ortsbeirätin hätten die 30 000 Angestellten der Bürostadt, die mit 25 000 Niederrädern um die Parkplätze konkurieren, nichts aus dem Verkehrschaos gelernt und kämen noch immer mit dem Auto anstatt in der Bahn. Der öffentliche Nahverkehr sei allerdings zugegebenerweise schlecht. "Seit 20 Jahren fordern wir, den Parkdruck durch Buslinien zu verringern. Geschehen ist bis heute nichts. Der Antrag auf eine neue Nahverkehrsverbindung nach Dreieich ist abgelehnt worden," monierte Johanna Hoffmann, "und eine Verbindung nach Rodgau läßt immer noch auf sich warten."
Lösungsvorschläge, allerdings anderer Art, gibt es. Das Parkplakettensystem, das im nördlichen Westend und in Teilen Sachsenhausens schon eingeführt wurde, soll in einem Fünf-Jahres-Programm von der autogeplagten Innenstadt ausgehend auf angrenzende Stadtbereiche ausgedehnt werden. Wie aus dem Magistratsbericht B 807 hervorgeht, stehen in der Prioritäten-Rangfolge einzelne Bereiche Niederrads allerdings erst an achter bis zehnter Stelle.
Die Kriterien dieser Rangfolge richten sich nach dem Verkehrsaufkommen in den Stadtteilen und werden dadurch beeinflußt, daß aus einer eingerichteten Parkplakettenzone verdrängte Parkplatzsucher die Situation in den Nachbarbereichen verschärfen. Deshalb müssen laut Magistratsbeschluß die räumlich unmittelbar angrenzenden Gebiete bevorzugt werden - als nächstes Süd-Bockenheim. "Eine Einführung des Parkplakettensystems in Niederrad ist deshalb erst in Jahren zu erwarten", so Ulrich Schöttler, stellvertretender Leiter der Straßenverkehrsbehörde. Hoffnung auf einen zügiger verminderten Parkdruck macht derzeit der Bau von Parkdecks in der Lyoner Straße und die bereits erteilte Genehmigung zum Bau von Parkdecks in der Hahnstraße mit allein 1400 Parkplätzen. eid
NIEDERRAD. Nach zwei Jahrzehnten nimmt Johanna Hoffmann Abschied vom Ortsbeirat 5: Bei der Kommunalwahl am 7. März kandidiert sie nicht wieder für das Stadtteilparlament (die Stadtteil- Rundschau berichtete). Mit einem Empfang im Bürgermeister-Menzer-Haus wurde sie jetzt vom SPD-Ortsverein Niederrad für ihr langjähriges Engagement geehrt.
60 Freunde, Kollegen und Prominente aller Parteien waren gekommen, um der "Mutter von Niederrad" für ihren politischen Einsatz zu danken. "Johanna Hoffmann war immer eine strikte Vertreterin des Stadtteils, dem sie die Treue gehalten hat", würdigte Isa Petersohn, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Römer- SPD, den unermüdlichen Einsatz ihrer Parteifreundin.
Die pensionierte Lehrerin hatte keinerlei Ambitionen, in der Politik Karriere zu machen: Sie beschränkte sich lieber auf das, was ihr lag - die Arbeit im Ortsbeirat und im Stadtteil. "Das, wozu sie fähig war, auch gut zu machen, und nicht darüber hinauszusteigen" - das war ihr Vorsatz. Als "eine Schule der Demokratie" habe sie den Ortsbeirat immer wieder bezeichnet, bestätigte die Landtagsabgeordnete Anita Breithaupt in ihrer Laudatio.
"Politiker sein, ohne daß man schepp angeguckt wird", so beschrieb Dankwart Breithaupt, Erster Vorsitzender des Niederräder SPD-Ortsvereins, was sie - vor allem auch den jüngeren Politikern - vermittelte. Er erinnert an die Anfangszeit der Ortsbeiräte, in der Johanna Hoffmann "ziemlich viel Wirbel gemacht" habe. Wie sie selbst sagt, hatte sie sich aus ihrem Lebensverständnis oft auch gegen die eigene Partei gewandt und stand mit ihren Argumenten alleine, die erst Jahre später als richtig erkannt werden sollten - beispielsweise als es um den Ausbau der Autobahn ging.
Für ihr Engagement, das sie in 20 Jahren Ortsbeiratsarbeit kontinuierlich unter Beweis stellte, wurde sie bereits im vergangenen November mit der Römerplakette der Stadt Frankfurt in Gold ausgezeichnet.
Aus der Politik wird sich Johanna Hoffmann auch nach dem 7. März nicht ganz zurückziehen: Sie bleibt weiterhin im Vorstand des Niederräder SPD-Ortsvereins. Und auch dem Kirchenvorstand der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde gehört die 68jährige an. In Zukunft will sie sich mehr Zeit für ihre Enkel nehmen und "vielleicht auch wieder ein paar Vorlesungen an der Universität" besuchen. eid
Eishockey
Bundesliga vom Freitag Düsseldorfer EG - Berliner SC Preussen 3:2 (1:0, 2:2, 0:0). Tore: 1:0 Hiemer (5:19), 2:0 Kummer (23:04), 2:1 Malo (28:57), 3:1 Köpf (33:10), 3:2 Tanti (36:39). - Schiedsrichter: Kluge (Weißwasser). - Zuschauer: 11.200 (ausverkauft). - Strafminuten: Düsseldorf 13 - Berlin 21 + 10 Disziplinar (Komma).
ESV Kaufbeuren - Kölner EC 1:5 (0:2, 1:1, 0:2). Tore: 0:1 Steiger (1:42), 0:2 Sandner (3:27), 1:2 Hammer (21:26), 1:3 Dobrzynski (32:55), 1:4 Kwasigroch (49:22), 1:5 Dobrzynski (54:18). - Schiedsrichter: Stratz (Freiburg). - Zuschauer: 4400. Strafminuten: Kaufbeuren 8 - Köln 10.
Mannheimer ERC - Krefelder EV 3:6 (1:2, 2:1, 0:3). Tore: 0:1 McNeil (1:35), 1:1 Krentz (11:30), 1:2 Ihnacak (18:31), 1:3 Jedrus (23:41), 2:3 Willmann (24:25), 3:3 Willmann (36:16), 3:4 Stebnicki (45:48), 3:5 Eakin (49:25), 3:6 Walker (52:31). - Schiedsrichter: Ondertoller (Geretsried). - Zuschauer: 5500. - Strafminuten: Mannheim 10 - Krefeld 10.
EHC Eisbären Berlin - Schwenninger ERC 6:3 (0:2, 1:1, 5:0). Tore: 0:1 Held (7:19), 0:2 Martin (7:45), 0:3 Kopta (23:36), 1:3 Morrison (29:22), 2:3 Schertz (53:47), 3:3 Jooris (54:58), 4:3 Ziesche (55:42), 5:3 Dopita (56:10), 6:3 Schertz (59:58). - Schiedsrichter: Radosai (Landshut). - Zuschauer: 4000. Strafminuten: Berlin 10 - Schwenningen 16.
EHC Freiburg - EC Ratingen 1:5 (1:0, 0:2, 0:3). Tore: 1:0 Prochazka (14:02), 1:1 Antipow (23:22), 1:2 Bergen (30:02), 1:3 Bug (50:20), 1:4 Swetlow (53:16), 1:5 Cazacu (59:05). - Schiedsrichter: Bertl (Forst). - Zuschauer: 2200. - Strafminuten: Freiburg 10 - Ratingen 18.
EV Landshut - EC Hedos München 3:3 (2:0, 0:2, 1:1). Tore: 1:0 Abstreiter (4:57), 2:0 Wagner (7:04), 2:1 Vogel (23:50), 2:2 Hegen (37:22), 3:2 Biakin (46:26), 3:3 Harald Birk (47:17). - Schiedsrichter: Slapke (Bad Tölz). - Zuschauer: 7.000 (ausverkauft). - Strafminuten: Landshut 8 - München 10. Bundesliga vom Sonntag Kölner EC - Mannheimer ERC 2:3 (1:1, 0:2, 1:0) - Tore: 0:1 Heidt (1:03), 1:1 Mayr (4:36), 1:2 Lala (30:39), 1:3 Lala (31:51), 2:3 Chaidarow (44:53). - Schiedsrichter: Radosai (Landshut). - Zuschauer: 7000. - Strafminuten: Köln 12 - Mannheim 22.
Schwenninger ERC - Düsseldorfer EG 2:5 (1:3, 1:0, 0:2) - Tore: 0:1 Truntschka (4:40), 0:2 Valentine (7:14), 0:3 Hiemer (9:37), 1:3 Hardy (12:27), 2:3 Klaus (34:40), 2:4 Derkatch (49:19), 2:5 Valentine (57:47). - Schiedsrichter: Müller (Berlin). - Zuschauer: 5165 (ausverkauft). - Strafminuten: Schwenningen 10 - Düsseldorf 10.
FREIBURG, 19. Januar. Als erste deutsche Stadt bietet Freiburg jetzt einen kompletten französischen schulischen Ausbildungsgang vom Kindergarten bis zum Abitur: Am Montag öffnete eine deutsch-französische Vorschule in der Breisgaustadt, ein Pilotprojekt in Deutschland. Eine französische Lehrerin und eine deutsche Sozialpädagogin betreuen in dieser Einrichtung 28 Kinder, die vorwiegend aus deutsch-französischen Familien kommen.
Ins Leben gerufen wurde dieses Projekt von der Bürgerinitiative "ecole '92". Die Stadt Freiburg zahlt 45 Prozent der Personal- und Sachkosten, pro Kind müssen die Eltern überdies monatlich 170 Mark aufbringen. Bislang weigern sich sowohl die baden-württembergische Landesregierung wie die Pariser Regierung, der Forderung von "ecole 92" nachzukommen, den binationalen Kindergarten als öffentliche Einrichtung zu führen oder zumindest Zuschüsse zu zahlen, um so die Elternbeiträge reduzieren zu können.
Bereits im September 1992 hatte auf Betreiben der Bürgerinitiative in Freiburg die erste öffentliche binationale Grundschule in Deutschland ihren Betrieb aufgenommen; schon lange beherbergt die Breisgaustadt überdies ein deutsch-französisches Gymnasium - nur Saarbrücken verfügt noch über eine solche Institution.
Die Aktivitäten der Eltern waren ausgelöst worden, weil nach dem Abzug der französischen Truppen aus Freiburg die zuvor existierenden französischen Ausbildungsgänge verschwanden und die Kinder auf deutsche Schulen hätten gehen müssen.
Die Grundschule wird gemeinsam getragen von der Pariser und der Stuttgarter Regierung. Das pädagogische Konzept dieser zweisprachigen Einrichtung ist so angelegt, daß die Absolventen später sowohl eine deutsche wie eine französische weiterführende Schule besuchen können. Es hatte sich indes rasch offenbart, daß dieser Grundschule der Unterbau fehlt, da diese Primarschule die französische Vorschule, die "ecole maternelle" voraussetzt, in der die Kinder bereits an ein gewisses sprachliches Niveau herangeführt werden, auf dem die französischen Grundschule beruht.
So setzte sich denn die Bürgerinitiative "ecole 92" für die Eröffnung eines binationalen Kindergartens ein, der auf die späteren Bedürfnisse der deutsch-französischen Grundschule ausgerichtet ist. Pädagogisch arbeitet der neue Hort in Freiburg auf der Grundlage eines Mischkonzepts, das sowohl das mehr locker-spielerische Prinzip des deutschen Kindergartens wie auch die mehr schulische Ausrichtung der französischen "maternelle" miteinander vereinen soll.
Vielleicht sollte sich ein Sachse nicht am Köllschen Dialekt versuchen. Doch Werner Schulz, Bundestagsabgeordneter des Bündnis 90, scheint eine Ausnahme zu sein. Als sich der Leipziger am Sonntagvormittag in der hannoverschen Niedersachsenhalle auf die Parole des deutschen Herbstes '92, "Arsch hu - Zäng ussenander", berief, flogen ihm die Herzen zu. Und nicht nur an dieser Stelle. Schulz, äußerlich zwar etwas zerknittert und übernächtigt ("Das Frischeste an mir ist das Hemd.") verstand es, mit einer leidenschaftlichen Rede Funken zu zünden. Funken, die über die ost-west-geprägten Befindlichkeiten von Bürgerrechtlern und Grünen endlich und vielleicht erstmals an diesem Wochenende Begeisterung für das gemeinsame Projekt des Parteizusammenschlusses auslösten.
Schulz schaute nach vorne und riß die 600 Grünen-Delegierten und 80 Bündnis-90-Vertreter der ersten gemeinsamen Von Inge Günther und Peter Ziller (Hannover) Bundesversammlung mit, über den Rand eines mit Programm und Satzungsfragen überhäuften Tellers zu blicken. Vielmehr, als über den in siebenstündiger Nachtarbeit zwischen den beiden Alternativ-Parteien kompatibel gemachten Assoziationsvertrag zu sprechen, drängte es Schulz dazu, politische Aufgaben und Perspektiven zu entwerfen. Weil es ja "nicht mehr auszuhalten ist, diese Trennung von Amt und Moral in diesem Land".
An die vom Runden Tisch zur Wende- Zeit eingeforderte Verfassungsdiskussion erinnerte Schulz. Und daran, wie Bonner Arroganz diesen Wunsch abgetan habe mit dem Hinweis auf das optimale, in 40 Jahren bewährte Grundgesetz der Bundesrepublik. Und jetzt, so ein ingrimmiger Schulz, "sitzen wir da und verteidigen den Asylartikel 16". Mit so etwas ließen sich auch eingefleischte Wessis unter den Grünen packen. Um so mehr, als das Zugpferd der Bürgerrechtler den Grünen ausdrücklich für ihre "neue politische Kultur" dankte. Solche Worte versöhnten zumindest ein bißchen mit dem am Vorabend von vielen nur zähneknirschend hingenommenen Zuschlag an das zahlenmäßig weit unterlegene Bündnis 90. Der etwa 3000 Mitglieder umfassende ostdeutsche "David" hatte sich in der Nachfrage gegenüber dem "Goliath" durchsetzen können. Die Grünen mußten sich mit dem Platz hinter dem Schrägstrich bescheiden. "Ihr seid die einzige Partei", kühlte Schulz grüne Wunden, "die dem Osten diesen Vorzug einräumt. Alle anderen haben den Osten geschluckt."
Damit ist das Kind, die gemeinsame Organisation - Arbeitstitel GeOrg - endgültig aus der Taufe gehoben. Selbst die ostdeutschen Grünen, die vor allem in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bislang nicht mit den Bürgerrechtlern konnten, mochten ein "entweder ihr oder wir" letzten Endes nicht riskieren.
Schließlich hatte auch die Seite der Bürgerrechtler manches Bauchgrimmen zu besänftigen. Nicht nur, weil der Zusammenschluß mit den Grünen unter anderem die Zerreißprobe mit dem Landesverband Brandenburg brachte, sondern auch wegen einer Reihe inhaltlicher Themen, die manchem Rechts-Links-Querdenker aus der ehemaligen DDR-Opposition zunächst als antiquierte grüne Ideologie aufgestoßen waren.
Vor allem die Frage nach einem Frauenstatut schien solch ein neuralgischer Punkt zu werden. Eine Lösung hierzu fanden die Bürgerrechts-Frauen mit bestechender Eleganz. Erst verordnete ihr Weiberrat, allen voran Marianne Birthler, die zurückgetretene Bildungsministerin in Brandenburg, am Samstagnachmittag den Männern eine einstündige Zwangspause, während der die Frauen im "Kabäuschen" hinterm Vorhang die Köpfe zusammensteckten. Dann überzeugte die weibliche Minderheit im Bündnis, die Männer-Mehrheit auch noch bei der anschließend gemeinsamen Debatte über Gleichberechtigung und Quote immer erst schön zu gucken, wie die Frauen in der Abstimmung der einzelnen Punkte votierten. "Nur um euch unser Meinungsbild zu geben", erläuterte Marianne Birthler den harmoniebedürftigen Männern. Deren Einwände zeichneten sich durch Zurückhaltung aus. Frauenstatut "muß wohl sein", stimmten sie zu, auch wenn Heiko Lietz (Mecklenburg-Vorpommern) "persönlich" das Prinzip des Ying und Yang über den Geschlechterkampf stellen wollte und ein sächsischer Delegierter zur Quote einwand: "Bitte nur, wenn's die Personaldecke hergibt."
Heraus jedenfalls kam ein Statut, das sich auch bei grünen Frauen sehen lassen konnte und zudem mit Zwei-Drittel- Mehrheit verabschiedet und in der Bündnis-Satzung verankert ist. Es enthält ganz pragmatische Regelungen für den politischen Alltag - so ist bei Terminen "der Lebensrhythmus von Personen, die Kinder haben, zu berücksichtigen" - als auch Vetorechte für Frauen und für sie eigens zugesicherte Redezeiten. Darüber hinaus erhalten Frauen das Recht, auf Landesebene selbst zu entscheiden, welche Quotenvariante ihnen im jeweiligen Fall lieber ist: Platz eins plus die Hälfte der weiteren Plätze oder das einfachere "Reißverschlußverfahren". Clou des Bündnisstatuts: wenn die Frauen wollen, sind auch Ausnahmeregelungen zulässig.
Mochten auch einige Grüne diesen Passus bissig als "Werner-Schulz-Klausel" bezeichnen, mußten sie doch eines anerkennen: die Bürgerrechtlerinnen haben es geschafft, ihre Erfahrungen mit dem DDR-geprägten Verlust an Autonomie umzumünzen in ein selbstbewußtes "Wir wollen selbst bestimmen" (Birthler).
Die Steilvorlage der Bündnis-Frauen kam bei den gleich nebenan in der Congreß-Halle tagenden Grünen zwar an, brachte aber nicht den zum Greifen nahen Durchbruch. Zwar gab es jede Menge Lob; fast alle Rednerinnen räumten ein, das Ost-Statut sei in den meisten Punkten besser. Daß die Ost-Frauen zumindest bei den Wahlen zum Bundestag und den Landtagen im kommenden Jahr unabhängig und freiwillig den ersten und chancenreichsten Listenplatz Männer überlassen könnten, verletzte die grüne Seele doch zu sehr. Grünen-Vorstandssprecherin Christine Weiske warnte davor, die Interessen der ostdeutschen Feministinnen zu übergehen. Bärbel Höhn sah in der Übergangsregelung gar den Versuch, das Frauenstatut zu kippen. Waltraud Schoppe fühlte sich darob an schlechtere Zeiten erinnert; auch früher seien "Frauenfragen für andere Dinge funktionalisiert" worden.
Erst bei den Verhandlungen nach Mitternacht fanden die Schlichter eine Formel, um ein Scheitern der Vereinigung am Frauen-Statut abzuwenden. Das Problem wurde vertagt. Bis Ende dieses Jahres hat eine gemeinsame Kommission nun Zeit, einen Ausweg zu suchen. Doch Jutta Oesterle-Schwerin kämpfte bis zum Schluß. Viele im Raum hätten nicht begriffen, daß nach der Nacht zum Sonntag sogar das Frauenstatut in Ost und West zur Disposition gestellt werde. Es half nichts. Nach der verangegangenen harmonischen Tagungsrunde mit den Delegierten des Bündnis 90 und der zündenden Rede von Schulz war die Luft raus.
Am Vortag noch hoch aufgehängte Punkte hakten die Delegierten nun zügig ab. Dem nordrhein-westfälischen Landesverband des Bündnis 90 wurde der Zuordnung genannte Eintritt seiner Mitglieder in grüne Kreisverbände unter anderem mit einem Sitz im Landesvorstand der gemeinsamen Partei versüßt. Dem Bündnis 90 wurde erlaubt, künftig als innerparteiliche Vereinigung mit Jahrestreff, Mitgliederzeitung und Zugriff auf Finanzen fortzubestehen. Joschka Fischer gelang das Kunststück, seinen Freunden, die zuvor nachdrücklich vor einer Partei in der Partei gewarnt hatten, hierzu ein "Ja" abzuringen.
Um so sensationeller fiel die Abstimmung des in der Nacht nur geringfügig veränderten Kooperationsvertrages aus. Dagegen stimmten nur rund 30 Grüne. Die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit war damit weit übertroffen. Erleichtert feierten die Delegierten die grünen Unterhändler mit Ovationen.
Dabei hatte der Sonntag schlecht begonnen. "Sehr, sehr traurig" bedankte sich Ludger Volmer bei seiner in der Nacht zurückgetretenen Kollegin Weiske für ihre "Dolmetscherarbeit" zwischen Ost- und West-Grünen. Noch bevor die Tagung wiederaufgenommen worden war, hatte die in viele Mikrophone hineingesagt, daß sie aus grenzenloser Enttäuschung über ihre Partei den Löffel hingeworfen habe. Nein, mit den Ost-Grünen sei eben nicht in gleicher "Augenhöhe" verhandelt worden. Dem Bündnis habe man Sitze im Vorstand der neuen Partei zugestanden, nicht so den Ost-Grünen. Die müßten nun gar das Frauenstatut des Bündnis 90 übernehmen. "Die Ost- Grünen sind vor zwei Jahren der grünen Partei beigetreten", klagte Weiske, "aber streckenweise haben wir das Gefühl gehabt, dieser nicht anzugehören."
Daß man so mit dem eigenen Laden nicht umgehen dürfe, meint auch der aus Mecklenburg-Vorpommern stammende Friedrich Heilmann. Der Ostdeutsche, zusammen mit Weiske 1991 als Vertreter der neuen Länder in den Bundesvorstand gewählt, drohte mit Konsequenzen: "Stellt euch vor, im Osten ist Wahlkampf, und niemand klebt die Plakate." Die Fülle der Zugeständnisse an das Bündnis kommentierte er verbitttert mit den Worten: "Ihr habt Schiß, daß ihr nicht wieder in den Bundestag kommt".
Doch der Rücktritt Weiskes, der scharfe Disput über die Quotierung von Wahllisten, der vorhandene, nicht aber offen über die Rampe gebrachte Unmut über die "falsche" Reihenfolge bei der Namensgebung bleiben letztlich folgenlos. Daß alles glatt geht, verdanken die von Kopf bis Fuß auf Zusammenschluß mit dem Bündnis Eingestellten nicht zuletzt den Parolen, die Volmer zur Eröffnung der Tagung ausgegeben hatte. In seiner Grundsatzrede hatte er sich nur kurz mit grüner Nabelschau beschäftigt. Manche Zumutung, die der Assoziationsvertrag wohl enthalte, sei hinzunehmen. "Wir müssen zurück in den Bundestag."
BAD VILBEL. Im schwarzen Faltenrock, gleichfarbiger Bluse, flachen Pumps und einer glitzernde Perlenkette um den Hals betritt die alte Dame mit den schlohweißen Haaren die Bühne. In der Hand trägt sie lässig eine schwarzlederne Handtasche. Ein unsicheres Lächeln huscht über die Wangen, als wollte sie fragen: Werden sie mich akzeptieren?
Die Rede ist von einem inzwischen in der Republik bekannten Transvestiten: Charlotte von Mahlsdorf, mit bürgerlichem Namen Lothar Berfelde. Sie hat ein bemerkenswertes Buch geschrieben, Rosa von Praunheim hat ihr Leben verfilmt, das im Ostberliner Vorort Mahlsdorf gelegenes Gründerzeitmuseum sorgt für Furore. In der ausverkauften Alten Mühle begnügte sich Charlotte von Mahlsdorf nicht allein damit, aus ihrem Buch "Ich bin meine eigene Frau" vorzulesen. Zwischendurch erzählte sie witzige Anekdoten, schilderte ihre Arbeit im Museum und politisierte.
1928 als Kind strenger Eltern aufgewachsen, erlebte Charlotte die Nazizeit hautnah. Der Vater wollte einen echten Soldaten aus ihr machen, aber schon früh fühlte sie sich als Mädchen. Und als Sammlerin. Alles, was aus der Gründerzeit stammte, trug sie bei Trödlern und auf Müllhalden zusammen und legte damit den Grundstock für das spätere Museum. Dank vieler glücklicher Zufälle überstand sie den Krieg und die harte Zeit danach. Auch das SED-Regime (es erklärte sie zur "unerwünschten Person") biß sich an ihr die Zähne aus.
Es ist rührend, aber nicht schmalzig, wie Charlotte von Mahlsdorf redet und schreibt. Unprätentiös und humoresk. Die Ironie stellt sich beim Erzählen ein. Stets spürt man das Schmunzeln in den Geschichten: da ist ihre lesbische Tante, die Homosexualität als "eine Sache der Hormone" erklärt, die berühmte "Mulackritze", eine Kneipe im Scheunenviertel von Berlin, oder die Prüderie der Journalisten im real existierenden Sozialismus.
Zwischendurch legt Charlotte von Mahlsdorf alte Platten auf; das 90 Jahre alte Grammophon mit dem rosafarbenen Blumentrichter krächzt beim Walzer "Wiener Praterleben" - Vergangenheit wird lebendig, anschaulich. Besonders gelingt das in dem Moment, als sie von einem alten Schrank berichtet, den sie als Kind aus dem Nachlaß eines verhafteten Juden herausschleppte und später in ihr Museum integrierte. Geschichte von Dingen ist gleichzeitig die Geschichte von menschlichen Schicksalen.
Sie hat viel erlebt, diese Dame, hat sich wegen ihrer Homosexualität viel gefallen lassen müssen, aber sie ist sanftmütig geblieben. Selbst ihre Anklagen und ihre Abscheu vor den Nazis und dem wiederaufkommenden Rechtsradikalismus trägt sie ruhig vor. Das Buch beginnt mit einem beredten Vergleich. 1991 dringen bewaffnete Skinheads auf das Gelände des Museums vor, zerstören Sachen, verletzen Menschen und werden erst durch einen Transvestiten gestoppt, der sie anbrüllt. Rückblick: Am 10. November 1938, einen Tag nach der Reichspogromnacht, fährt der damals zehnjährige Lothar mit der Straßenbahn durch die Berliner Vororte und sieht die zerstörten Läden der jüdischen Geschäftsleute. Das ist eindringlich, dicht - und eindeutig.
Sie hat nicht nur etwas zu erzählen, diese symphatische alte Dame, die nach eigenem Bekunden am liebsten ihre Möbel im Museum putzt, sie hat wirklich etwas zu sagen. Der Verlag, bei dem ihr Buch erschienen ist, nutzte das weidlich aus. In der Pause konnte man das Werk kaufen und handschriftlich signieren lassen. Geschickt, aber legitim. JÜRGEN OTTENSportnotizenSaby gewann Paris - Dakar Der Franzose Bruno Saby gewann die Wüstenrallye von Paris nach Dakar. Der Mitsubishi-Pilot Saby hatte einen mehr als einstündigen Vorsprung auf seinen Landsmann Pierre Lartugue (Citroën). Erwin Weber (Neufahrn) belegte auf Mitsubishi Pajero den vierten Rang. Dritter wurde der Franzose Hubert Auriol. Die Motorradwertung gewann in Stephane Peterhansel ebenfalls ein Franzose. Real Madrid fährt nach Zadar Real Madrid wird sein Europaliga-Spiel im Basketball bei KK Zadar nachholen. Die Spanier hatten sich aufgrund einer Entscheidung ihrer Regierung geweigert, nach Kroatien zu fahren. Die Partie muß bis Ende Februar nachgeholt werden. Short führt gegen Timman Die fünfte Partie im Finale des Schach- Kandidatenturniers, das den Herausforderer von Weltmeister Kasparow bestimmt, endete zwischen dem Briten Nigel Short und dem Niederländer Jan Timman in El Escorial bei Madrid mit einem Remis. Der 41jährige Timman, der mit den weißen Steinen die Initiative hatte, konnte das Remis nach 46 Zügen nur mit Mühe gegen den 14 Jahre jüngeren Engländer halten. Er liegt nach der fünften von 14 Partien mit 2:3 Punkten zurück. Indurain läßt Vuelta aus Der zweimalige Tour-de-France-Gewinner Miguel Indurain hat seine Teilnahme an der Spanien-Rundfahrt abgesagt. Sein Arbeitgeber, das spanische Banesto- Team, wird allerdings an der Vuelta, der ersten der drei großen Rundfahrten, dennoch mit einem einheimischen Star antreten: Pedro Delgado, Tour-de-France- Sieger von 1988, wird das Team anführen. Silber mit den Eisstöcken Die deutschen Eisstockschützen gewannen bei der Europameisterschaft im Weitschießen in Waisenegg in der Steiermark die Silbermedaille im Mannschafts- Wettbewerb. Titelverteidiger Österreich gewann, Platz drei ging an Italien. Gedopte Pferde Die Nachwuchs-Springreiterin Sarah Skinner und Dieter Kofler wurden des Dopings ihrer Pferde überführt. Die Britin war bei einem Ponyturnier im Süden des Landes aufgefallen, der Österreicher bei Turnieren auf Sizilien. Beide Fälle werden von der juristischen Kommission des Weltverbandes verhandelt. Nieminen gewann in Willingen Beim Europacup-Springen im nordhessischen Willingen wurde der finnische Olympiasieger Toni Nieminen vor 7000 Zuschauern seiner Favoritenrolle gerecht. Mit Sprüngen von 108 und 112 Metern von der Mühlenkopfschanze und 233,6 Punkten gewann der 17jährige. Seiner Qualifikation für die WM ist Nieminen damit ein großes Stück nähergekommen. Die Überraschung war der zweite Platz des Schonachers Hans-Jörg Jäckle.
FRANKFURT A. M. Manch einem der mehr als 900 alten Menschen, die der Einladung des SPD-Unterbezirks Frankfurt ins Bürgerhaus Bornheim gefolgt waren, war eine gewisse Faszination anzusehen, als Hans-Ulrich Klose, der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag, das Podium betrat. Der "Bonner" war auf Einladung der Frankfurter Sozialdemokraten gekommen (die FR berichtete).
"Wir haben den Neujahrsempfang für Senioren mit Kloses Besuch verbunden. Er war sofort bereit, nach Frankfurt zu kommen, um uns zu unterstützen und in seiner Funktion als Seniorenbeauftragter der Sozialdemokraten zu Frankfurter alten Menschen zu sprechen", berichtet Mona Selig, Wahlkampfkoordinatorin des Unterbezirks Frankfurt.
Die Gäste konnten zunächst mit einem Glas Sekt noch einmal auf das neue Jahr anstoßen und lauschten anschließend bei Kaffee und Kuchen den Worten von Oberbürgermeister (OB) Andreas von Schoeler und SPD-Fraktionschef Klose. Die Begrüßung hatte zuvor Sieghard Pawlik übernommen, der Vorsitzende des SPD-Unterbezirks. Zur Unterhaltung der Gäste musizierten die "Fechenheimer Philharmoniker" und wirbelten die Mitglieder der Kleinkunstgruppe "Las Piranhas" über die Bühne.
Von Schoeler wies in seiner Rede die Kritik der CDU an der Stadt Frankfurt zurück: "Es kann nicht länger hingenommen werden, daß die Unwahrheit gesagt wird, das ist dilettantisch und schädigend." Er übte ebenfalls Kritik an der Bundesregierung, anspielend auf die jüngsten Diskussionen um Bundeswehreinsätze: "Die Regierungskoalition soll sich lieber um den Frieden im eigenen Land kümmern, anstatt Soldaten ins Ausland zu schicken."
Vor allem der Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland sei ein Problem, gegen das verstärkt angegangen werden müsse: "Bei uns in Frankfurt ist kein Platz für Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Das Rockkonzert und die Lichterkette haben das bewiesen. Deshalb fordern wir: ,Rechtsextremisten raus aus dem Römer!&rquote;"
Andreas von Schoeler betonte, er lege besonderen Wert auf den Kontakt zu den Bürgern in Frankfurt, die schließlich auch seine Heimatstadt sei, und wies auf die Leistungen seiner Partei hin: "Wir haben dafür gesorgt, daß Wohnraumvernichtung in Frankfurt kein Kavaliersdelikt mehr ist; wir haben dafür gesorgt, daß die Sicherheit in Frankfurt erhöht wurde, durch die City-Streife und durch die Verstärkung der Polizeipräsenz." Auch die Drogenszene sei durch "unsere Politik" positiv beeinflußt worden.
Hans-Ulrich Klose unterstrich in seiner Ansprache zunächst, daß der Anteil der alten Menschen in der Bundesrepublik ständig steige und man daher verstärkt auf die Interessen und Bedürfnisse der alten Menschen Rücksicht nehmen müsse. "Heute kann keine Partei mehr ohne die Alten durchkommen, nur durch sie bleiben wir mehrheitsfähig." In Bonn rede man bereits vom Zukunftsbündnis mit den älteren Menschen.
Gerade heute müsse die Politik mehr Rücksicht darauf nehmen, was das Volk denkt und fühlt, und man müsse gemeinsam Lösungen finden. Vor allem im Hinblick auf Europa und die Probleme, die durch den deutschen und den europäischen Einigungsprozeß in Deutschland entstanden seien. Daß die deutsche Einheit "nicht aus der Portokasse" zu bezahlen sei, habe die SPD schon 1990 vorausgesagt. Zum Thema "Asyl" hob Klose hervor, man müsse die Probleme in den Herkunftsländern der Asylbewerber lösen und das Wohlstandsgefälle ausgleichen.
"Es geht nicht an, daß alte Menschen am Ende ihres arbeitsreichen Lebens zu Sozialhilfe- und Taschengeldempfängern degradiert werden", sagte Hans-Ulrich Klose am Ende seiner Rede. jan
ANTON KOZEL, Oberurseler Sozialdemokrat, ist jetzt für 60jährige Mitgliedschaft in der SPD geehrt worden. Kozel war 1932 als 17jähriger in die Partei eingetreten, "kurz vor der Katastrophe", wie Parteichef HEINZ KÖHLER in seiner Ehrungsrede sagte: "Wer damals in die SPD eintrat, wußte, was er da tat." Zusätzlich zu Anton Kozel ehrte Köhler beim Neujahrsempfang seiner Partei 34 Frauen und Männer für ihre lange Mitgliedschaft: Zehn der Jubilarinnen und Jubilare gehören der SPD bereits 40 Jahre an, 24 feierten ihre 25jährige Mitgliedschaft. Normal liegt die Zahl der Ehrungen bei einem runden Dutzend im Jahr; die hohe Zahl von 35 Ehrungen diesmal zeigt für Köhler daher, daß in den Jahren 1952 und 1967 besonders viele Parteifreunde zum Eintritt motiviert wurden: Er erinnerte in seiner Laudatio an "Adenauers restaurative Innen- und die gegen den Osten gerichtete Außenpolitik" und den Streit um die Ausgestaltung des sozialen Rechtsstaats zu Beginn der 50er Jahre. 1967 stand der Parteieintritt im Umfeld von Stimmgewinnen der NPD und der Gründung der außerparlamentarischen Opposition (APO) sowie dem Wunsch nach Demokratisierung der Gesellschaft.
HEINZ RIESENHUBER, CDU-MdB und langgedienter Forschungsminister, wollte sich am Wochenende noch nicht zur Bonner Kabinettsumbildung äußern. Er nahm am erstmals veranstalteten Neujahrsempfang der CDU in Steinbach teil und sagte auf neugierige Fragen nach seiner Zukunft in der Bundesregierung, er warte die Ereignisse "mit christlicher Gelassenheit" ab. JOHANNES SENDLER und MARTHA DICKEL wurden von Riesenhuber für langjährige Fraktionsarbeit geehrt.
Schwedens Tischtenniscracks waren im Finale zu stark
Aller guten Dinge waren drei - für die Schweden, aber nicht für Deutschland. Durch einen 3:1-Finalerfolg über die Auswahl des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) sicherten Jan-Ove Waldner, Jörgen Persson und Mikael Appelgren dem Drei-Kronen-Team im dritten Anlauf erstmals den Sieg im mit 50 000 Mark dotierten European Nations Cup in Karlsruhe. Für die Mannschaft des Gastgebers, bei den beiden ersten Turniern in München jeweils umjubelter Sieger, blieb dagegen der insgeheim angestrebte Hattrick aus. Die Schweden dokumentierten zum Auftakt des WM-Jahres wieder einmal ihre Ausnahmestellung und müssen vor den Titelkämpfen im Mai in Göteborg erneut als hoher Favorit eingestuft werden.
Es hätte allerdings nicht viel gefehlt, und das Endspiel in der an drei Tagen von 6200 Zuschauern besuchten Karlsruher Europahalle wäre äußerst spannend verlaufen. Dafür hatte der amtierende Einzel-Europameister Jörg Roßkopf gesorgt, als er zum Auftakt nach einer Weltklasse-Leistung über den aktuellen Einzel- und Mannschafts-Weltmeister Jörgen Persson mit 21:18, 15:21, 21:18 triumphierte. Doch dann kam die Wende. War das 16:21, 13:21 von Steffen Fetzner gegen Olympiasieger Jan-Ove Waldner noch erwartungsgemäß, so war die Doppel-Niederlage von Roßkopf/Fetzner beim 21:15, 10:21, 17:21 gegen Waldner/Appelgren eine Enttäuschung aus deutscher Sicht. Das 16:21, 12:21 von Fetzner gegen Persson bedeutete das Ende aller Hoffnungen, das mit Spannung erwartete letzte Einzel zwischen Roßkopf und Waldner fand nicht mehr statt. Als Trostpflaster blieben der deutschen Mannschaft eine Prämie von 30 000 Mark und weitere 5000 Mark für Jörg Roßkopf als besten Spieler des Turniers. In insgesamt 12 Begegnungen verlor er nur bei seinem letzten Einsatz im Doppel, im Einzel blieb er dabei siebenmal siegreich. Weitere herausragende Bewährungsproben für Roßkopf vor der WM stehen ab Mitte dieser Woche beim Allstar-Turnier in Japan und im Februar beim Europa-Top 12 in Kopenhagen auf dem Programm.
Ungefährdet waren das deutsche und schwedische Team ins Endspiel marschiert. Die Schweden, die Nachwuchsmann Peter Karlsson sporadisch neben dem routinierten Erfolgstrio Waldner, Persson und Appelgren einsetzten, brachten sogar das Kunststück fertig, in vier Begegnungen keinen Punkt abzugeben. In der Vorrunde registrieren sie jeweils ein 3:0 gegen Belgien, die Niederlande und das ohne Ausnahmekönner Jean- Philippe Gatien angereiste Frankreich, im Halbfinale setzten sich genauso souverän gegen das englische Duo Prean/Syed durch. Das deutsche Team, in dem Richard Prause (Grenzau) als dritter Mann nur zuschauen durfte, schaltete in der Runde der letzten vier die in dieser Partie ohne ihren Spitzenspieler Jean-Michel Saive angetretenen Belgier mit 3:1 aus, nachdem es in der Vorrunde gegen Österreich 3:0 sowie gegen eine tschechisch- slowenische Kombination und gegen England jeweils 3:1 gewonnen hatte. ger
Das Wetter
Wetterlage Die Kaltfront eines Tiefs über Mittelskandinavien hat Süddeutschland erreicht und kommt kaum noch nach Süden voran. Sie führt nur wenig kühlere Luft heran, die im Süden unter Hochdruckeinfluß kommt. Vorhersage bis Dienstag früh
Im Norden Übergang zu wechselnder Bewölkung mit einzelnen Schauern. In der Mitte und im Süden stark bewölkt bis bedeckt und vereinzelt Regen. Nur in Südbayern anfangs noch aufgeheitert. Höchsttemperaturen 5 bis 10 Grad. Tiefswerte nachts 5 bis 0, vereinzelt geringer Frost.
Mäßiger bis frischer, im Norden starker Wind mit Sturmböen im Küstenbereich aus Südwest bis West.
Weitere Aussichten für Dienstag:
Heiter bis wolkig, in der Nordhälfte zeitweise auch stark bewölkt und etwas Regen. Wenig geänderte Tagestemperaturen.AuslandOrt Wetter Grad
Algier
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wolkenlos 14 Bozen
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wolkenlos 7 Kairo
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wolkenlos 19 Lissabon
leicht bewölkt 10 Locarno
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stark bewölkt 11 Madrid
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wolkig 16 Mallorca
bedeckt 15 Moskau
bedeckt 2 Neapel
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leicht bewölkt 11 Rom
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stark bewölkt 1 Stockholm
Sprühregen 7 Tunis
leicht bewölkt 16 Varna
leicht bewölkt 16 Venedig
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leicht bewölkt 8
Deutschland
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leicht bewölkt 2 Feldberg/Schw.
leicht bewölkt 5 Frankfurt/M.
wolkenlos 9 Freiburg
leicht bewölkt 13 Garmisch
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leicht bewölkt 12 Leipzig
leicht bewölkt 12 München
leicht bewölkt 8 Norderney
leicht bewölkt 10 Rostock
leicht bewölkt 12 Sylt
stark bewölkt 8 Zugspitze
leicht bewölkt 2
Telefonansagedienste Wettervorhersage 11 64 Reisewettervorhersage 1 16 00 Segelflugwetter 1 15 06 Medizinisch-meteorologische Tips, unter anderem für Allergiker und Herz-Kreislauf-Patienten 1 16 01 Smogwerte 06 11 - 58 12 42
(Wenn die Grenzwerte nach der Smogverordnung überschritten werden, melden wir dies an gesonderter Stelle.)
Sonnenaufgang: 8.16 Uhr Sonnenuntergang: 16.57 Uhr
Zu den drei Werbetexten über Krifteler Geschäfte, die im Rat- und Bürgerhaus verfaßt wurden und in den "Krifteler Nachrichten" erschienen sind, erreichte die FR folgender Brief:
"Kaum ist ein Skandal geschehen, folgt der nächste gleich nach.
Glaubt der Gemeindevorstand wirklich, die Affäre Matz und Dünte wäre vergessen? Da irrt man aber gewaltig. Ich finde es unerträglich, daß man einen Mann, der durch seine Aufsichtspflichtverletzung der Gemeinde einen Schaden zugefügt hat, jetzt zum stellvertretenden Bürgermeister macht. Es folgten bis jetzt keine disziplinarischen Schritte seitens des Landrats gegen den fachlich verantwortlichen Kämmerer. Man wollte doch das Geld wieder beschaffen! Wo ist es denn? Haben die Verantwortlichen selbst etwas dazu getan? Nein, sie sitzen schon wieder auf dem hohen Roß.
Das Geld hätte einige Sozialwohnungen bringen können. Aber Kriftel will ja gar nicht ernstlich finanziell Schwächere haben. Es legt nur Wert auf gutbetuchte Bürger. Wer denken kann, erkennt das sofort. Also bitte, wo bleibt das unterschlagene Geld?
Jetzt werden auch noch die Krifteler Steuergelder für Reklamezwecke vergeudet!
Herr Dünte, Ihre Ausrede, Herr Börs habe das veranlaßt, hinkt gewaltig. Ihnen oblag es als Vertreter des Bürgermeisters, ,nein&rquote; zu sagen. Man könnte auf den Gedanken kommen, daß auch hier wieder manipuliert wird.
Der Krifteler CDU-Filz regt sich auf, daß Herr Börs noch nicht entlassen wurde. Ich kann nur sagen, wer sich vor die Bürger stellt und im Brustton der Überzeugung sagt: ,Ich bin preußisch erzogen, ich würde noch nicht einmal eine Zigarette annehmen&rquote;, muß sich gefallen lassen, daß man sich darüber eigene Gedanken macht. Kriftel, wo schlidderst du hin? Herr Dünte, ziehen Sie endlich die Konsequenz, und treten Sie zurück. Es wird höchste Zeit.
Vielleicht wird auch dann für Sie ein Fackelzug veranstaltet."
Margarete van Bürk Beethovenstraße 54 6239 Kriftel
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BAD HOMBURG. Mit einer Spende von 1500 Mark hat der Frauenring den Kinderschutzbund in der Kurstadt unterstützt. Die erste Vorsitzende Elisabeth Venzke sagte bei der Übergabe des Schecks, das Geld stamme aus dem Erlös der Baby-Basare, die der Frauenring zweimal im Jahr veranstaltet. Dabei werden unter der Leitung von Reingard Heißenberg-Kalb gebrauchte Spielsachen und Kinderkleidung verkauft. che
TISCHTENNIS HESSENLIGA, Frauen: TV Dillenburg - SKV Hähnlein 8:2, NSC Watzenborn-Steinberg - TTC Hainstadt 7:7, TTC Pfungstadt - TuS Hornau 7:7, KSV Hessen Kassel III - SpVgg Hochheim 8:2, DJK/SG BW Lahr - Neuenhainer TTV 8:3, SKG Frankfurt II - PPC Neu- Isenburg 7:7.
Ein Sonntag wie aus dem Bilderbuch und gar keiner für Stubenhocker. Bei strahlendblauem Himmel lebten die Frankfurter die ersten Frühlingsgefühle auf der Mainpromende am Nizza oder auf den Spazierpfaden des Hochtaunus aus: Völkerwanderung am Fluß und Parkplatznot rund um das Feldbergplateau. Die Polizeistation in Königstein über den Run auf den Frankfurter Hausberg: "Die Verkehrslage war wie an einem Montagmorgen."
Der Metereologe beim Deutschen Wetterdienst am Offenbacher Kaiserleikreisel hat als Frankfurter Höchsttemparatur für den Sonntag elf Grad eingetragen. Gemessen am Flughafen und natürlich - wie das wissenschaftlich korrekt ist - im Schatten.
In der Sonne kletterte die Quecksilbersäule freilich auf einiges über 20 Grad. Die Müßiggänger am Main räkelten sich behaglich auf den Bänken. Schal war weniger gefragt, Mantel und Jacke standen offen.
Unter dem makellosen Himmel hatten die Eisverkäufer Hochkonjunktur. Die Frankfurter schleckten im Freien zu Tausenden an Schoko-, Erdbeer- und Zitrusbällchen. Als der Paulsplatz längst im Schatten lag, standen die Ausflügler vor dem Tresen des Caféhauses noch immer Schlange.
An diesem Tag stiegen die Kinder mit Begeisterung auf die Schaukel, balancierten auch Erwachsene auf Gelän- dern und waren Skateboarder an der
Hauptwache wie aufgedreht. Einer der Brettartisten hatte die Wettersignale richtig gedeutet. Er jumpte in Shorts mit lila Kniestrümpfen über die Steinstufen. Schön für alle, die gestern draußen waren. Dieser Sonntag war nämlich laut Vorhersage des Offenbacher Dienstes eine "Eintagsfliege". Schon heute, das prophezeien die Experten, wird die Sonne allenfalls sporadisch scheinen und mit dem Frühling habe es überhaupt noch Zeit bis März.
An dieser Perspektive ändert auch eine Nachricht der Deutschen Presseagentur nichts. Die hat an der Pfälzer Weinstraße nämlich das erste blühende Mandelbäumchen geortet. habe
Beim Slalom-Weltcup fuhren Bauer und Roth auf vordere Ränge DSV-Wolken lichteten sich
Beim Abfahrtslauf in St. Anton schien die Sonne, doch im Lager des deutschen Skiverbandes blieb es duster. Am Sonntag beim Slalom in Lech gingen dem DSV bei ebenfalls wolkenlosem Himmel jenseits des Arlbergtunnels aber doch noch zwei Lichter auf. Peter Roth (Königssee) bestätigte mit einem sechsten Rang seine hervorragende Form und Bernhard Bauer (Oberwössen) brachte zum erstenmal in seiner Karriere die glänzenden Trainingsleistungen auch den Wettkampfhang hinunter. Der 25jährige fuhr mit Startnummer 51 auf den neunten Rang vor. Den Kurs am Schlegelkopf verließ frühzeitig Armin Bittner, nachdem er im ungeliebten flachen Teil die zweitbeste Zwischenzeit vorgelegt hatte, geriet ihm eingangs des steileren Zielhangs ein Stock ins Gehege zwischen Beine und Skier. "Nicht schlecht gefahren, aber kein Ergebnis", kommentierte der Krüner mit Leichenbittermiene.
Keinen Grund den Schnee zu küssen, sah auch Alberto Tomba (Italien), der als dritter im sechsten Slalom-Weltcup erneut zur Kenntnis nehmen mußte, daß er zwischen den Stangen im Moment bestenfalls die zweite Geige spielt. Der Schwede Thomas Fogdoe gewann zum drittenmal in dieser Saison. Auf Rang zwei schob sich der Slowene Jure Kosir.
Die Arlberg-Kombination gewann in seiner Heimat der für Luxemburg startende Marc Girardelli. Nach dem sechsten Platz auf der mehr direkt abwärtsführenden Route von St. Anton spielte der viermalige Gesamt-Weltcupsieger im Stangenwald von Lech seine ganze Routine aus. Ein zwölfter Rang genügte ihm, um sich 100 Kombi-Punkte zu sichern und Tomba in der Gesamtwertung mit respektvollem Abstand in der zweiten Reihe Platz nehmen zu lassen.
Tomba und Bittner fahren im Moment zwar ungleiche Ergebnisse ein, aber beide haben zweieinhalb Wochen vor der Skiweltmeisterschaft im japanischen Morioka eines gemeinsam: Es fehlt ein bißchen am Spaß. Mit der flachen, leichten Piste mochten sich beide nicht so recht anfreunden. Selbst verblüfft ist der siebenfache Slalom-Weltcupsieger, daß seine besten Ergebnisse zu Saisonbeginn zu verzeichnen waren, obwohl er sich da noch mit Kniebeschwerden und Bandscheibenschmerzen herumplagte. Während Tombas Ruf als gefragter Werbepartner bisher unter den für ihn eher bescheidenen Resultaten kaum leidet, fährt Selbstvermarkter Bittner in diesem Winter nach eigenen Angaben eine Nullsummenbilanz ein.
Für Bauer und Roth wird von dem sonnenüberfluteten Schlegelkopfhang viel Positives im Kopf hängenbleiben. Der 1,92 Meter große Bauer fuhr mit einem 15. Weltcupplatz und dem gleichen Ergebnis bei der WM in Saalbach bisher an den Schlagzeilen vorbei. Die gesamte österreichische Slalom-Elite ließ der 25jährige zu Beginn der Saison blaß werden, als er die Meisterschaft der Alpenrepublik inoffiziell für sich entschied. 12 000 Zuschauer verfolgten in Lech mit Staunen, wie der Polizeimeister im zweiten Lauf der gesamten Weltelite die Skienden zeigte. Beinahe drei Zehntel nahm der Nobody dem großen Alberto ab. Nur eine Hundertstelsekunde stand ihm Teamkollege Roth nach. Die Rudelführerschaft im Team der deutschen Slalomartisten mochte der ruhige Bischofswiesener freilich am Sonntag nicht übernehmen, obwohl er Bittner (13.) als achter der Slalom-Weltcupgesamtwertung locker überflügelte. Immerhin 26 Weltcuppunkte heimste Markus Wasmeier als zehnter der Kombination ein. Immerhin auch ein kleiner Lichtblick.
BAGDAD/WASHINGTON, 17. Januar (AP/Reuter). Der künftige US-Präsident Bill Clinton hat sich hinter den neuen Angriff der USA mit Marschflugkörpern auf Irak gestellt. Er sagte während eines Aufenthalts in Warrenton im Staat Virginia, die Provokationen Saddam Husseins seien in angemessener Weise und machtvoll beantwortet worden.
Clinton meinte weiter: "Ich unterstütze das Vorgehen von Präsident Bush voll und ganz. Saddam Hussein sollte sich darüber sehr im klaren sein, daß die gegenwärtige und die nächste Regierung völlig darin übereinstimmen, daß er alle relevanten Resolutionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen vollständig befolgen muß."
Der Sprecher von US-Präsident George Bush, Marlin Fitzwater, sagte, Clinton sei über die Ereignisse auf dem laufenden gehalten worden, allerdings nicht um Genehmigung des Angriffs gebeten worden.
Der Streit um die Kontrollflüge der UN-Rüstungsinspektoren hatte sich vor dem neuen Angriff der USA am Wochenende immer weiter verschärft. Die irakische Regierung legte den UN am Sonntag ein neues Angebot für die umstrittene Einreise der UN-Rüstungsinspekteure vor.
Die amtliche Nachrichtenagentur INA meldete, die Regierung werde die Einreise von UN-Flugzeugen von Bahrein aus zulassen, falls die UN für eine Einstellung der alliierten Kontrollflüge im Süden des Landes sorgen werde.
Am Samstag hatte die Regierung in Bagdad mitgeteilt, sie werde die von den USA verlangte Sicherheitsgarantie nur dann geben, wenn die UN-Maschinen die Flugverbotszonen meiden und von Westen über Jordanien einfliegen würden. Dies lehnte der Sprecher der UN- Kommission für die Zerstörung der irakischen Massenvernichtungswaffen, Tim Trevan, Nachdruck ab. Die Kommission könne nicht effektiv arbeiten, wenn sie gezwungen sei, den Umweg über Jordanien zu nehmen. Ein für Sonntag geplanter Kontrollflug wurde abgesagt.
Das in der vergangenen Woche von Bagdad erlassene Flugverbot für die UN- Maschinen und die Verlegung von Luftabwehrraketen in die südliche Flugverbotszone hatten US-Präsident George Bush bereits veranlaßt, einen ersten Luftangriff US-amerikanischer, britischer und französischer Flugzeuge am Mittwoch abend auf Ziele im Süden Iraks anzuordnen.
Irak hat nach Darstellung der UN auch ein Ultimatum der Weltorganisation zum Abbau von sechs Polizeiposten auf kuwaitischem Territorium ignoriert. In Kuwait-Stadt sagte der Sprecher der UN-Beobachtergruppe an der irakisch-kuwaitischen Grenze (UNIKOM), Abdellatif Kabbadsch, er sei darüber informiert worden, daß die Grenzposten noch da seien.
Der irakische Vizeregierungschef Tarik Asis sagte in Bagdad am Samstag, Irak wolle den Resolutionen des Weltsicherheitsrats entsprechen, mit denen Ende Februar 1991 der - durch die Besetzung Kuwaits ausgelöste - Golf-Krieg beendet worden war. Man werde aber weiter Widerstand gegen die von den Siegermächten proklamierten Flugverbotszonen leisten. Asis warf Bush vor, einen persönlichen Rachefeldzug gegen Saddam Hussein zu führen.
Präsident Saddam Husseins Stellvertreter Issat Ibrahim sagte am Samstag in Bagdad, die "Mutter aller Schlachten" gehe weiter. Mit dem Begriff "Mutter aller Schlachten" hatte die irakische Führung den Golf-Krieg umschrieben. Der Kommandant der irakischen Luftwaffe, Musahem Saib el Hasan, kündigte in der Zeitung El Kadissijah an, seine Truppen würden westlichen Flugzeugen im Norden und Süden Iraks die Stirn bieten: "Wir nehmen die Schändung unseres Luftraums nicht hin."
Mit Schweigeminuten und anti-amerikanischen Demonstrationen gedachten Iraker am Sonntag des Kriegsbeginns am 17. Januar 1991. Tausende zogen durch die Straßen der Hauptstadt Bagdad. In Sprechchören bezeugten sie ihre Loyalität zu Staatschef Saddam Hussein.
Iraks Präsident Saddam Hussein führte am Sonntag vor dem neuen US-Angriff scharfe verbale Angriffe gegen die USA und die UN. In einer Rede zur Erinnerung an den Beginn des Golf-Krieges beschuldigte er die US-Regierung, die Weltorganisation für ihre Zwecke zu mißbrauchen. Die UN müßten in ihrer Struktur von Grund auf umgeändert werden.
Zugleich bekräftigte Saddam den Anspruch seines Landes auf Kuwait. Irak und das Emirat seien "eine Nation" und "Brüder in guten und in schlechten Zeiten", sagte der Präsident in der vom irakischen Fernsehen übertragenen Ansprache. Er griff die kuwaitische Herrscherfamilie Sabah scharf an.
BORNHEIM. Auftakt für die Feiern zum 75jährigen Vereinsbestehen des Touristen- und Mandolinenclubs "Wanderfalke" 1918 Bornheim wird die erste Wanderung der Saison 1993 im Taunus am Sonntag, 24. Januar, sein. Die Teilnehmer treffen sich um 8.45 Uhr in der Wetteraustraße am Eingang zum Günthersburgpark. Schlußrast ist in einem Lokal in Neu-Anspach, wo auch langjährige Mitglieder geehrt werden.
Am 2. Mai ist der Verein zum vierten Mal Ausrichter des 17. Volkswandertages "Rund um Bornheim", der - vom Trachtenverein "Almrausch" Bornheim unterstützt - ganz im Zeichen des Jubiläums stehen wird. Schon jetzt werden Teilnehmermeldungen von der Geschäftsstelle entgegengenommen (Werner Dellith, Telefon 44 13 03).
Die große 75-Jahr-Feier folgt am Sonntag, 16. Mai, 10.30 Uhr, im DRK-Heim in der Burgstraße. Für Oktober ist ein Jubiläumsabend im Bürgerhaus Bornheim vorgesehen. dixi
Auf einen Blick
Eiskunstlauf
Höchstnote für Russen-Blues S. 22
Eishockey
Olejnik in Freiburg suspendiert S. 22
Tennis
Huber unterlag Capriati S. 22
Leichtathletik
Hessenmeisterschaften in Kalbach S. 23
Handball
Erfolgreiche Bundesligisten S. 23
Eintracht Frankfurt
Gerüchte um Toppmöller S. 24
2. Fußball-Bundesliga
Alle Rückrundentermine S. 24
Tischtennis
Schweden besiegt Deutschland S. 26
"Kleider für Asylbewerber spenden" Zu Kleiderspenden für die zu erwartenden Flüchtlinge hat der neugegründete Wetzlarer "Arbeitskreis Asyl" aufgerufen. Die Kleiderspenden bittet der Arbeitskreis am Kasernentor, Magdalenenhäuser Weg, abzugeben.
ZWEITE BUNDESLIGA, Männer, Gruppe Süd: SC Leipzig - TSV KA-Rintheim 15:14 (5:7), VfL Heppenheim - TuS Kaiserslautern- Dansenberg 16:24 (7:13), TuS Eintracht Wiesbaden - SG Stuttgart-Scharnhausen 31:21 (13:11), VfL Pfullingen - CSG Erlangen 24:16 (11:9), Ludwigsburg-Oßweil - TPSG FA Göppingen 22:19 (10:8), Fürstenfeldbruck - EHV Aue 19:20 (9:8), VfL Günzburg - TV Gelnhausen 26:22 (14:10).
ZWEITE BUNDESLIGA, Frauen, Gruppe Süd: BSV Sachsen Zwickau - 1. FC Nürnberg 26:13 (10:8), TuS Neunkirchen - DJK Würzburg 17:15 (7:11), TSV RW Auerbach - SG Kleenheim 23:17 (11:11), TSG Ketsch - SV Allenbach 18:16 (11:9), GSV Eintracht Baunatal - TuS Metzingen 18:18 (8:12), HC Dambach-Gröbenzell - SV Meißen 16:30 (4:14).
HHV-POKAL, Männer, Gruppe Süd: TG Ober-Roden - TV Wicker 16:13, TV Idstein - TV Flörsheim 28:21, SG Bruchköbel - SG Anspach 23:18, TSG Bürgel - TV Büttelborn 16:29, TG Hochheim - TSG Sulzbach 27:21, SKV Mörfelden - TuS Dotzheim 25:27.
HHV-POKAL, Frauen, Gruppe Süd: DJK SW Griesheim - SG Arheilgen 15:19, TV Sulzbach - SV Crumstadt 15:13, SKV Büttelborn - SSG Bensheim 13:14, HSG Reichelsheim - SVC Gernsheim 20:19 n.V., TSG Oberursel - SV Mühlheim 8:11, TV Niedermittlau - TSG Offenbach-Bürgel 9:19, TV Hattersheim - TSV Habitzheim 10:12, TV Wicker - TG Bad Soden 12:11.
Stammtisch sorgt sich um die . . .
(Fortsetzung von Seite 17
Daß es "Idealismus" braucht, um als Hausbesitzer trotz winkender riesiger Mieteinnahmen weiter im eigenen Lokal an der "Schweizer" zu arbeiten, kann man Hanauske wohl glauben. Wer wollte es dem Ehepaar Marlene und Franz Rosen schon vorwerfen, daß es beschloß, ihr "Café Will" dichtzumachen, "nach 30 Jahren harter Arbeit von früh bis in die Nacht in der eigenen Konditorei und im Café, die auch nicht mehr eingebracht hat als das Vermieten", wie Marlene Rosen sagt. Unten im Haus verkauft jetzt die Telecom als "solventer Mieter" in nüchternem Kalkweiß-Ambiente die neuesten Design-Telefone.
Nicht viel anders war es bei den Heßbergers, die früher das "Café Süd" bewirtschafteten. "Für viele Sachsenhäuser unseres Alters waren diese beiden Cafés die letzte Zuflucht für einsame Sonntagnachmittage", meint Lilli Staubach.
Aber so ganz ohne Lichtblicke sei das alles ja doch nicht, sagt Lillis Freundin Irmgard Schütte: "Denn die Schweizer ist eben die Schweizer." Solange sich es noch "innerhalb kürzester Zeit" verbreite, daß die Lilli einen neuen roten Mantel trage, solange fühlten sich auch die alten Sachsenhäuser noch zu Hause dort. Und einen Platz für ihren Stammtisch hätten sie auch immer noch gefunden, irgendwie. Im Zweifel an den langen Tischen bei "Rigo".
OFFENBACH. Ein 40jähriger Offenbacher und eine 25 Jahre alte Frau starben bei einem Verkehrsunfall in der Sprendlinger Landstraße.
Wie die Polizei berichtet, war der wahrscheinlich angetrunkene Mann am Freitag gegen 23.30 Uhr mit überhöhter Geschwindigkeit stadtauswärts gefahren. Nach zwei Überholmanövern geriet er mit seinem Wagen auf der feuchten Straße ins Schleudern und prallte gegen eine Fabrikmauer. Beide Insassen starben an der Unfallstelle. Das Auto hat nur noch Schrottwert. Den Schaden am Auto und an der Hauswand schätzt die Polizei auf über 70 000 Mark. lz
Blondinen bevorzugen "Brigitte"- Diäten, Brünette beachten jedes bißchen Bauchansatz. Gerade zu dieser Jahreszeit, vor allem nach den vielen Braten, der üppigen Entenbrust, der kalorienreichen Kalbsrouladensoße. Schluß damit, kleine Häppchen sind angesagt. Und bei uns Kerlen? Weiterhin abends an die Theke, "hoch die Tassen" und dann Prost?
Denkste. Mein Freund Jürgen will vorerst kein Bier anfassen. Der Reinold hat geschworen, "auf absehbare Zeit", zumindest aber in den kommenden zwei Monaten, sich an keinem Tresen sehen zu lassen. Knut ist "wild entschlossen", mit Alkohol nun "ganz piano zu machen", und dem Freddie ist das Zeug geradezu zuwider.
Also gut, Jungs. Bleiben wir eben zu Hause, nuckeln an unserem Pfefferminztee, schlucken dieses entsetzliche Mineralwasser und halten durch: Zwei Pfund, 1300 Gramm, dreieinhalb Pfund . . . abnehmen und, wie der Zokker sagt, fröhlich sein. Ihr Bastian
ZWEITE BUNDESLIGA, Frauen, Gruppe Süd: SC Leipzig - VC Wiesbaden 1:3, TV Metternich - TV Creglingen 0:3, TV Fechingen - TSV Schmiden 3:0, TV Dingolfing - ESV Ettlingen 3:0.
REGIONALLIGA SÜDWEST, Männer: Orplid Darmstadt - Orplid Frankfurt 0:3, TV Baumbach - Eintracht Frankfurt 0:3, Blau Gelb Marburg - TV Biedenkopf 3:2, TSV Bleidenstadt - TuS Kriftel II 0:3.
REGIONALLIGA SÜDWEST, Frauen: Orplid Darmstadt - TSV Ballersbach 3:0, SV Saar 05 Saarbrücken - VBC Ludwigshafen 1:3, TV Hülzweiler - Blau Gelb Marburg 3:1, TuS Griesheim - TG Wehlheiden 3:1, TSV Bleidenstadt - TSG Bretzenheim 1:3.
OBERLIGA HESSEN, Männer: VC Ober-Roden - SG Rodheim 1:3, VC Ober-Roden - TSG Elgershausen 3:1, DSW 12 Darmstadt - VC Dornheim 3:0, DSW 12 Darmstadt - TV Babenhausen 3:0, FTG Frankfurt - TSV Trebur 3:0, FTG Frankfurt - TG Wehlheiden 3:1, Orplid Darmstadt II - Eintracht Frankfurt II 3:1, Orplid Darmstadt II - TGV Schotten 3:0.
OBERLIGA HESSEN, Frauen: Eintracht Frankfurt - TSV Spangenberg 0:3, Eintracht Frankfurt - TV Königstädten 2:3, TV Bischofsheim - 1. VC Wiesbaden II 0:3, TV Wächtersbach - TV Wetzlar 0:3, TV Wächtersbach - TV Oberstedten 2:3, VC Hofheim - TSG Wilhelmshöhe 2:3, VC Hofheim - SG Rodheim 0:3.
Für Nachrichtenredaktion
sp HANNOVER, 17. Januar 1993. Die Grünen und Bündnis 90 haben sich über ihr Zusammengehen verständigt. In getrennten Abstimmungen verabschiedeten die Delegierten beider Parteien am Sonntag in Hannover die Grundsätze und Verfahrensregeln für den Vereinigungsprozeß. Jetzt sollen die Mitglieder in Urabstimmungen über das Verhandlungsergebnis entscheiden. Der erste gemeinsame Parteitag soll im Mai in Berlin stattfinden. Aus Protest gegen zu große Zugeständnisse, die dem Bündnis 90 gemacht worden seien, erklärte die bisherige Vorstandssprecherin der Grünen, Christine Weiske, ihren Rücktritt. Als gleichberechtigte Sprecherin neben dem Westdeutschen Ludger Volmer repräsentierte Weiske im Bundesvorstand die ostdeutschen Landesverbände der Grünen, deren Interessen sie im Verhandlungsergebnis nicht berücksichtigt findet.
Die Grünen haben bisher rund 40 000 Mitglieder, zu mehr als 90 Prozent in Westdeutschland, Bündnis 90 hat etwa 3000 Mitglieder, zu mehr als 90 Prozent in Ostdeutschland. Im Bundestag sitzt gegenwärtig nur eine achtköpfige Vertretung der ostdeutschen Gemeinschaftsliste von Bündnis 90 und Grünen. Mit dem Zusammenschluß wollen beide Parteien vor allem ihre Aussichten für die nächste Bundestagswahl verbessern, bei der die vereinigte Partei in ganz Deutschland fünf Prozent der Wählerstimmen erreichen muß, um ins Parlament einziehen zu können. Als Name der Partei wurde "Bündnis 90/Die Grünen" vereinbart. Im neunköpfigen Bundesvorstand hat Bündnis 90 Anspruch auf drei Sitze. Der aus den DDR-Bürgerrechtsbewegungen entstandenen Partei wurde zugestanden, daß sie als "innerorganisatorische Vereinigung" mit eigenen finanziellen Mitteln in der künftigen gemeinsamen Partei weiterbestehen darf. Außerdem setzte Bündnis 90 Sonderregelungen für das Land Brandenburg durch, wo es an der Landesregierung beteiligt ist. Den dortigen Grünen bleibt bis zu nächsten Landtagswahl jeder unmittelbare Einfluß auf die Landespolitik verwehrt. Trotz dieser und weiterer Verhandlungserfolge stimmten die Brandenburger Delegierten des Bündnis 90 mehrheitlich gegen den Zusammenschluß, während die Delegierten der anderen Landesverbände fast geschlossen zustimmten.
Im vereinbarten "Grundkonsens" beider Parteien heißt es, sie eine das Engagement für mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit, für umfassende Verwirklichung der Menschenrechte, für Frieden und Abrüstung, Gleichstellung von Männern und Frauen, Schutz von Minderheiten, Bewahrung der Natur sowie umweltverträgliches Wirtschaften und Zusammenleben.Über die politischen Aussagen hinaus, die vor dem Treffen in Hannover ausgehandelt waren, einigten sich die Delegierten am Wochenende auf den Grundsatz : "Nicht vermehrbare Naturressourcen, die für das Wirtschaften unverzichtbar sind, betrachten wir als Gemeineigentum, an dem jedem Menschen ein gleiches Anrecht zusteht." Noch keine Einigkeit konnte über das Frauenstatut der künftigen Partei hergestellt werden. Im Bündnis 90 gibt es starke Vorbehalte gegen die Grünen-Regel, daß an der Spitze einer Kandidatenliste stets eine Frau stehen soll. In den Verhandlungen verzichteten die Grünen bereits auf ihre Regel, daß Amt und Mandat zu trennen sind. Neben Christine Weiske klagten auch viele andere ostdeutsche Grüne, ihre Interessen seien zugunsten des Bündnis 90 übergangen worden. Ihnen antwortete Werner Schulz (Bündnis 90) : "Wir können nichts dafür, daß Ihr so schnell in den Westen gelaufen seid."
Kein Anschluß bei den Grünen
Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. Auch was so lange gewährt hat, was so vieler Vorbereitung und Kraft bedurfte, muß nicht zwangsläufig gut enden. Bündnis 90/Die Grünen, laut Selbsteinschätzung "die glaubwürdigste Ost- West-Partei", könnte sich durchaus wieder in Flügelkämpfen statt in dem demonstrierten Wohlgefallen auflösen. Die dazu notwendige Vielfalt, die früher allzu häufig in Zwietracht mündete, wäre vorhanden. Die ganz andere Absicht aber war auf dem Doppel-Parteitag in Hannover, der Grüne und Bürgerbewegte wenn schon nicht zusammen-, so doch aneinander heran führte, überaus deutlich zu verspüren. Verstimmt reagierten nur wenige.
Die Grünen haben geschafft, was keine andere bundesdeutsche Alt-Partei auch nur versucht hat: Vereinigung statt Anschluß. Da wurden nicht, wie bei CDU und FDP, blockweise die Mitgliederbestände jener Schwesternverbände übernommen, die das SED- System einst mit organisiert hatten. Ohne daß die Christdemokraten und Liberalen im Westen überhaupt gefragt wurden, ob ihnen die Verwandtschaft denn geheuer wäre. Da wurde nicht einfach, wie bei der SPD, ein Häuflein Neugründer aus der DDR zur Mitreise auf dem alten Tanker eingeladen (wobei einzelne allerdings sehr rasch das Navigieren lernten). Der Prozeß des Zusammenwachsens der beiden deutschen Oppositionskulturen vollzog und vollzieht sich langwieriger und schmerzhafter. Aber vielleicht gedeiht schließlich auch besser, was auf sorgsam vorbereitetem Boden gepflanzt und mit Schutzwällen umgeben wird.
Ein Jahr lang wurden die Details des "Assoziationsvertrags" ausgehandelt - unter ständiger Verletzungsgefahr der Beteiligten. Ernsthaft und rücksichtsvoll wie (zumindest bei den Grünen) selten zuvor wurde in Hannover um Kompromisse und Übergangsregelungen gerungen. Was ist notwendig zur Wahrung der je eigenen Identität, was ist zumutbar oder wird als Zumutung empfunden, wo liegen die Schmerzgrenzen? Immer unter dem Motto, das im Bedarfsfall in beiden Sälen als Appell an überempfindliche und/oder unsensible Delegierte gerichtet wurde: Nur ja alles vermeiden, was die Ängste des Partners verstärken könnte.
Und die Appelle verhallten nicht. Was im Vorfeld manchen Parteistrategen als schwer überwindliche Gräben erschienen war, wurde zum wegsamen Terrain, mit einigen Unebenheiten vielleicht, aber begehbar. In Sachen Frauenstatut beispielsweise rollten die Bündnis-Vertreter einen roten Teppich aus, dessen Muster gar etlichen streng auf Quotierung bedachten Grünen-Frauen attraktiver anmutete als das vertraute eigene. Die Grünen wiederum schlichteten überraschend einmütig den Streit, welchen Familiennamen "GeOrg", wie die "gemeinsame Organisation" vorab schon mal getauft worden war, tragen sollte. Wobei sie nicht nur Großmut ("Wir gehen schon nicht unter") bewiesen, sondern durchaus auch Sinn für Symbole: Kein Anschluß unter diesem Namen. Andere haben "den Osten geschluckt", sie schicken sich an, in ihrem Parteinamen vornweg das beste zu bewahren, was die DDR zu vererben hatte: die Bürgerrechtsbewegung.
Gewiß, noch existieren zwei Parteien in einer, ist dieser Vereinigungsprozeß so wenig abgeschlossen wie der größere deutsche. Da ist erst die Urabstimmung in beiden Organisationen abzuwarten, da gibt es Sonderregelungen für das Bündnis 90 und manch alte und neue Verletzungen. Die Grünen aus dem Osten, aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zumal, fühlen sich an den Rand gedrängt, als "Bauernopfer" behandelt. Sie, die schon Ende 1990 der Bundespartei beigetreten sind, hätten den Preis des Zusammengehens lieber als dritte Tarifvertragspartei mit ausgehandelt, empfanden die in Hannover von der Mehrheit erwiesene Achtung für die Bürgerrechtler als Mißachtung eigener Anstrengungen. Doch solche feinen Risse in der Einheitsstimmung wurden einstweilen von der einen großen Hoffnung überlagert: Daß aus dem Zusammenwachsen von west/östlichen Umwelt-, Friedens- und Frauenbewegungen, von Links-Alternativen und Bürgerrechtlern eine neue Identität entstehen möge. Eine, die beide Partner bereichert und zu Politik befähigt.
Der Erfolgsdruck immerhin ist gewaltig. Nicht nur weil das Wahljahr 1994 näherrückt; weil West-Grüne die Freunde vom Bündnis nicht noch einmal so allein im Bundestag sitzen lassen möchten; weil für beide Partner mehr noch als die "Identität", die in Hannover so oft beschworen wurde, die Existenz auf dem Spiel steht. Die grüne Selbstlähmung seit der deutschen Vereinigung hat überdies ein politisches Vakuum hinterlassen. In Zeiten der großen Bonner Sachkoalitionen vermissen selbst ihre Nicht-Wähler von 1990 das alternative Konzept. Ein Signal hat Hannover gegeben, der Aufbruch muß erst noch erfolgen. Angesichts der realen "Trennung von Amt und Moral" (so der Bundestagsabgeordnete Werner Schulz) in Bonn aber wanken manche grünen Dogmen. Selbst wenn sie so alt und gepflegt sind wie das Beharren auf der Trennung von Amt und Mandat.
OFFENBACH. Als die Angestellte eines Supermarktes in Bieber-Waldhof einen vermeintlichen Ladendieb zur Rede stellte, weil er Wurst- und Fleischwaren im Werte von 13 Mark an der Kasse vorbeischmuggeln wollte, zückte der Mann einen Revolver, um flüchten zu können. Später meldete sich der 39jährige Offenbacher reumütig bei der Polizei. Die Beamten stellten in seiner Wohnung einen Schreckschußrevolver sicher. lz
Sie haben für die Entscheidung der Berlin-Brandenburgischen Medienanstalt, das "Deutsche Sportfernsehen" (DSF) nicht einzuspeisen und die Lizenzentscheidung der bayerischen Schwesterbehörde nicht hinzunehmen, sondern auch juristisch dagegen vorzugehen, heftige Prügel einstecken müssen. Und es scheint, als wäre der DSF-Streit keine Auseinandersetzung aller Medienbehörden, sondern eine Sache zwischen Berlin und München. Ist die Einigkeit in Sachen Konzentrationskontrolle schon wieder am Ende und und die Sache selbst auch?
HEGE: Ich sehe eine Chance, daß es erstmals zu der Gemeinsamkeit kommt, die es überhaupt noch nicht gegeben hat. Wir haben uns zwar geeinigt in Fragen des Jugendschutzes und der Werbung. Aber es kann ja nicht ausreichen, daß wir uns darauf verständigen, ob ein Film um 22 oder um 23 Uhr gesendet wird, aber in der Frage, ob ein Programm überhaupt auf Sendung geht, jeweils eine einzelne Landesanstalt entscheidet.
Ist das der Preis des Föderalimus?
HEGE: Wir haben historisch in der Bundesrepublik eine Fehlentwicklung: Bundesweite Veranstalter sind immer in einem Bundesland zugelassen worden. Dabei hat es immer standortpolitische Überlegungen und Einflüsse gegeben. Zudem sind die ersten Veranstalter ja gar nicht als bundesweite Programme zugelassen worden - wie beispielsweise Sat 1. Die haben im Rahmen des rheinland- pfälzischen Pilotprojekts begonnen. Lizenzen wurden kumuliert. Man hat nicht gesehen, was man eigentlich tut. Bei RTL übrigens auch nicht. Der Sender ist damals als luxemburgisches Programm gestartet - per Satellit verbreitet und terrestrisch im Saarland empfangbar. Dann hatten wir den TV-Sat, wobei der Satellit selbst überhaupt keine Bedeutung gehabt hat, sondern allenfalls in Verbindung mit den terrestrischen Frequenzen. Über die terrestrischen Frequenzen hat jede Landesmedienanstalt alleine entschieden. Unser Grundproblem ist, daß es nie eine richtige Zulassung eines bundesweiten Veranstalters gegeben hat.
Und das soll jetzt, im Jahre 9 des dualen Rundfunks, anders werden?
HEGE: Was wir jetzt anstreben - und das können können wir aus dem Rundfunkstaatsvertrag in seiner neuen Fassung ableiten - ist, daß es Gemeinsamkeit geben muß. Schließlich sind alle betroffen, wenn ein Sender zugelassen wird. Sicher muß eine Anstalt nach außen vorgehen, aber alle müssen in die Entscheidung eingebunden sein.
Läßt sich diese Gemeinsamkeit aller Anstalten wirklich erreichen? Da mögen sich vielleicht noch die Direktoren verständigen. Aber die Gremien können das wieder aushebeln.
HEGE: Die Alternative dazu ist, daß es über kurz oder lang eine gemeinsame Einrichtung der Länder geben wird für die Zulassung und Kontrolle bundesweiter Programme. Dann werden die Landesmedienanstalten auf Lokal- und landesweite Programme beschränkt sein.
Für bundesweite Zulassung eine Art Unterabteilung des Bundeskartellamts?
HEGE: Auch für die Aufsicht. Die Landesmedienanstalten funktionieren gut bei den Fragen Jugendschutz und Werbung. Aber es ist schwierig, mit Hunderten von Gremienmitgliedern, die wir bundesweit haben, bundesweiten Rundfunk zu kontrollieren. Erschiene Ihnen eine bundesweite Versammlung, beschickt von den Gremien aller Anstalten, als sinnvoller Ausweg aus dem beschriebenen Dilemma?
HEGE: Ich bin skeptisch, wenn eine Versammlung so aussehen sollte wie die meisten der Versammlungen auf Landesebene. Hier zeigen sich Grenzen der gesellschaftlichen Kontrolle. Wir haben es hier mit äußerst komplizierten wirtschaftlichen Sachverhalten zu tun. Die Aufgabe nähert sich dem, was das Kartellamt im Bereich der Wirtschaft macht. Es ist nicht einfach für Vertreter gesellschaftlicher Gruppen, dies zu durchschauen. Es muß ein effektiver Kontrollprozeß vorangehen. Wir versuchen derzeit auf der Ebene der Direktorenkonferenz einen professionellen Kontrollprozeß zu installieren.
Wie läßt sich der Antagonismus zwischen der Entscheidungsebene Direktorenkonferenz und der Länderkompetenz der jeweiligen Versammlungen miteinander in Einklang bringen?
HEGE: Man kann ja ereichen, daß man sich über bestimmte Grundsätze einigt, auch mit den Gremien. Die Umsetzung in die Praxis und die Einzelfallkontrolle sollen stärker bei der Direktorenkonferenz liegen, die dafür auch gemeinsame Strukturen entwickeln muß.
Wie soll das aussehen?
HEGE: Wir müssen unsere Kompetenz erweitern. Es gibt viel Sachverstand. Meistens ist er jedoch auf der Seite, die uns gegenübersteht. Wir müssen Leute finden, die uns helfen, Sachverhalte zu durchschauen. Die Aufgabe wird nicht einfacher. Wir haben es jetzt mit Fällen zu tun, bei denen die Veranstalter nicht damit gerechnet haben, daß kontrolliert wird. So einfach, daß ein Anwalt wie Herr Dr. Theye für zwei Parteien auftritt, so einfach wird man es uns in Zukunft sicher nicht mehr machen.
Nun hat die BLM in ihrem Lizenzentscheid Kirch und Springer zusammengerechnet. Das hat doch Auswirkungen auf die anderen Sender der Familie - oder?
HEGE: Es heißt, daß Unternehmen, die einander verbunden sind, unter 50 Prozent der Stimmanteile bleiben müssen. Das ist bei Sat 1 nicht der Fall. Bei Sat 1 haben Kirch und Springer gemeinsam fast 70 Prozent. Also müßte deren Beteiligung reduziert werden. Das ist eine sehr schwierige Sache. Dabei stellt sich rechtspolitisch die Frage, ob die 50-Prozent-Grenze die richtige ist. Die Medienanstalten haben dies bei der Novellierung des Rundfunkstaatsvertrages auch nicht vorgeschlagen. Unsere Idee zielte vielmehr darauf ab, daß ein Gesellschafter, der bei einem Sender einen bestimmenden Einfluß hat, sich an anderen Programmen nicht mehr beteiligen darf - auch nicht mit weniger als 25 Prozent.
Sehen Sie Chancen, daß Kirch / Springer ihre Anteile an Sat 1 reduzieren?
HEGE: Ich sehe hier vielmehr die Grenze der Medienanstalten. Wer sollte die Anteile von Kirch und Springer übernehmen, real übernehmen, ohne daß es eine neue Lösung gibt, die in Wahrheit die alte ist? Das ist ein ähnliches Problem bei der CLT. Es drängt sich mir nach wie vor der Verdacht auf, daß - unabhängig von der neuen Beiratslösung - die CLT eine Position hat, die einem beherrschenden Einfluß gleichkommt.
Also sollte sich nach Ihrem Modell die CLT an einenm zweiten Sender gar nicht beteiligen dürfen . . .
HEGE: Im Augenblick haben wir die Vorgabe, Anteile zurückzuführen. Doch die 50-Prozent-Grenze wird in der medienpolitischen Diskussion durchaus noch einmal eine Rolle spielen. Wir Medienanstalten haben schließlich gegenüber den Ländern, die den Rundfunkstaatsvertrag beschlossen haben, eine Berichtspflicht. Von der Struktur her bedeutet die derzeitige Regelung, daß wir mindestens drei Beteiligte bei jedem Veranstalter haben müssen. Doch dies führt zwangsläufig zu den Mehrfachbeteiligungen. Ich glaube, daß das amerikanische System, das einen höheren Einfluß bei einem Sender ermöglicht, klarere Grenzen hat. Für uns stellt sich die Frage, wie Macht besser verteilt werden kann.
Bei der Lizenz für das DSF spielte in der Bewertung der BLD die Unterscheidung von Sparten- und Vollprogramm eine entscheidende Rolle. Zwar sieht der Rundfunkstaatsvertrag diese Unterscheidung vor, doch bei der Vergabe von terrestrischen Frequenzen soll das DSF nach dem Willen der BLM doch eher wie ein Vollprogramm behandelt werden. Ist das nicht widersinnig? Auf der einen Seite sind die Pluralitätsanforderungen geringer, behandeln aber dieses Programm privilegiert wie ein Vollprogramm.
HEGE: Wir haben das Problem, daß die Konzentrationsvorschriften für Spartenprogramme nicht weit gehen. Die einzige Vorschrift, die wir haben, ist, daß niemand mehr als zwei Programme haben darf. Wir haben aber keine Vorschrift für die Begrenzung von Anteilen. Dies darf aber nicht so unterlaufen werden, daß ein Programm als Spartenprogramm ausgegeben wird, das in Wirklichkeit ein anderes ist. Zumal wir uns rechtspolitisch die Frage stellen müssen, ob die Aufteilung in Voll- und Spartenpgrogramm noch der Realität entspricht angesichts des Trends, daß Programme Schwerpunkte bilden. Wir müssen zu Vorschlägen kommen, die die Spartenprogramme wichtiger nehmen. Auch die Anteilsbeschränkungen. Je mehr der Trend dazu geht, bestimmte Zielgruppen zu erreichen, desto bedeutsamer werden Spartenprogramme. Durchaus im positiven Sinn, daß sie Elemente der Vielfalt darstellen, aber auch in ihrer Macht.
In den USA wird versucht, Konzentration auch durch horizontale Begrenzungen einzudämmen. Also wer produziert, darf nicht senden. Gibt es bei uns nach Ihrer Einschätzng überhaupt noch realistische Korrekturmöglichkeiten?
HEGE: Wir können natürlich nicht das US-Modell übernehmen. Aber wir müssen die Frage der Rechte-Inhaberschaft und der Veranstaltung weiter diskutieren. Diese Frage stellt sich im Fall Kirch besonders, aber nicht nur da. Allein mit Begrenzungen gesellschaftsrechtlicher Beteiligungen werden wir der Zusammenballung von Meinungsmacht nicht begegnen können. Auch die Fernsehproduktion gewinnt weiter an Bedeutung. Ich halte es für vorbildlich in der amerikanischen Rechtsordnung, so unvollkommen sie in manchen Bereichen auch sein mag, daß man versucht, zu einem Gleichgewicht der Kräfte und zu einer Machtteilung zu kommen. Es wäre für Amerikaner völlig undenkbar, daß ein Unternehmen wie die Kirch-Gruppe auf allen Verwertungsstufen tätig wird. Es ist auch in anderen Rechtsordnungen undenkbar, daß jemand in diesem Umfang das Fernsehen bestimmt, wie dies in Deutschland geschieht. Das einzige Beispiel, das es hier noch gibt, ist Italien.
Die Bayerische Staatskanzlei hat sich in den Fall DSF eingeschaltet und appelliert an die anderen Regierungen, sich der Sache anzunehmen . .
HEGE: So etwas kennen wir schon. Wir hatten vor Jahren im Fall Eureka / Pro 7 die Sendelizenz zur Verbreitung im Berliner Kabelnetz widerrufen. Auch damals hatten wir ein Schreiben aus einer Staatskanzlei, seinerzeit aus Schleswig- Holstein, die sich darüber beschwerte, wie wir dazukämen, Pro 7 für ein neues Programm zu halten. Da wundert es nun nicht, daß die Bayerische Staatskanzlei sich hier einsetzt. Ich wundere mich allerdings etwas, daß sie so schnell in der Lage war, den Sachverhalt so genau zu beurteilen.
Besonders erfolgreich waren Sie seinerzeit mit Ihrem Widerstand gegen Eureka / Pro 7 nicht.
HEGE: Wir standen damals in der Direktorenkonferenz alleine da, als wir gesagt haben, es ginge nicht, daß Pro 7 weiterhin auf der Grundlage der Eureka-Lizenz sendet. Ein erheblicher Anteil der Gesellschafteranteile waren neu vergeben worden, und ein neues Programmkonzept wurde umgesetzt. Wir haben als einzige eine Folgerung daraus gezogen und die Genehmigung der Weiterverbreitung im Berliner Kabelnetz widerrufen. Dagegen ist der Geschäftsführer nicht vorgegangen, auch wenn Herr Kofler es angekündigt hatte. Er hat allerdings erreicht, daß Schleswig-Holstein ihm eine Unbedenklichkeitsbescheingung ausgestellt hat, die für uns dann verbindlich war. Wir haben aus diesem Fall gelernt.
Rückblickend betrachtet wäre es schon damals richtig gewesen, gegen die Kieler Anstalt den Weg zu gehen, den wir jetzt gegen die BLM gegangen sind. Wir müssen darauf achten, daß eine Medienanstalt die anderen nicht vor vollendete Tatsachen stellt.
Ist der Fall DSF so etwas wie eine letzte Chance?
HEGE: Der Fall DSF hat eine weit über den Einzelfall hinausgehende Bedeutung. Wie sollen wir RTL 2 erklären, warum sie nicht schon im August zugelassen worden sind. Erklärungen, wie sie jetzt von den KMP-Eigner abgegeben worden sind, hätten die RTL-2-Gesellschafter damals auch abgeben können - genauso unvollständig. RTL 2 mußte zweimal den Sendestart verschieben, und KMP hat die Planung voll durchgezogen, am 1. Januar das Programm zu wechseln. Wenn das Deutsche Sportfernsehen jetzt damit durchkommen würde, hätte dies auch Auswirkungen auf das Verhalten der anderen Veranstalter - verständlicherweise. Außerdem kommt ein Argument noch hinzu: Es könnte ein Zustand entstehen, daß man sagt, eine Gruppe ist so mächtig und eine zweite Gruppe muß als Gegenkraft da sei. Das wäre eine Bankrotterklärung der Medienanstalten.
Mit dem Direktor der Medien- anstalt Berlin-Brandenburg, Hans Hege, sprach FR-Redak- teurin Ingrid Scheithauer.
Aufsteiger SV Darmstadt 98 sorgt in der Frauen-Handball-Regionalliga Südwest für positive Schlagzeilen: Mit dem 15:12 beim Schlußlicht HBV 90 Jena haben die "Lilien" ein positives Punkte- und Tore-Konto aufzuweisen und damit ihren sechsten Rang gegenüber dem Bezirksrivalen BSC 47 Urberach (16:20 in Eisenach) mit drei Zählern Differenz zunächst einmal abgesichert. Am Samstag (17.30 Uhr, Sporthalle am Böllenfalltor) treffen die beiden Erzrivalen im Derby zusammen. Die Mannschaft von Trainer Jörg Kämer kann lockerer an diese Aufgabe herangehen. Für BSC-Coach Claus- Peter Gotta gilt ein Teilerfolg als Mindestforderung. Die Darmstädterinnen wollen Revanche für die 9:11-Niederlage in Urberach.
An der Tabellenspitze ließ Leihgestern mit seinem 10:8 gegen Tabellenführer Eintracht Wiesbaden aufhorchen, feierte damit seinen neunten Sieg in Serie. Am Tabellenende gehen die Lichter in Jena (4:22) am frühesten aus. Der erste Absteiger dürfte bereits jetzt feststehen.
ThSV Eisenach - BSC Urberach 20:16 (9:10). Die fast vierstündige Busfahrt hatte die BSC-Akteurinnen offenbar müde werden lassen, denn der Start (1:6 nach acht Minuten) ging restlos in die Hosen. Die offensive Deckung gegen Andrea Eberhardt funktionierte nicht. Trainer Claus-Peter Gotta stellte auf eine 6:0-Formation um und bekam damit den Gegner in den Griff. Nach 22 Minuten hatte das Team aus dem Kreis Offenbach ausgeglichen und ließ sich auch vom 9:7 der Thüringerinnen nicht aus dem Konzept bringen. Mit einer Treffer-Serie führte der Gast bis zum Wechsel mit 10:9, wobei Lilo Schilff mit einem Tempogegenstoß den Halbzeitstand markierte. Beate Thierolf- Seida baute diesen Vorsprung aus. Dann folgte die nächste siebenminütige Schwächeperiode, die Eisenach konsequent zum 13:11 verwertete. Dabei war der Gastgeber erneut zweimal in Überzahl erfolgreich, nutzte die vier Urberacher Strafzeiten zu insgesamt fünf Treffern aus. Wiederum Lilo Schilff gelang nach 50 Minuten das 15:15. Nach dem 17:15 konnte Lydia Griessmann nur noch einschränken. Gegen die offensivere Abwehr schnürte der Gastgeber den Sack endgültig zu. "Wir haben die Schwächen von Torfrau Monika Weiß, die oben und auf der linken Seite verwundbar war, zu selten ausgenutzt", klagte Gotta. Sein Team hatte zu oft das Spiel "eins gegen eins" gesucht, zudem wurde häufig Stürmerinnen-Foul gepfiffen. Nicole Horn (5), Andrea Eberhardt (5/4) und Silke Lämmerhirt(4/3) trafen beim Sieger am besten.
BSC 47 URBERACH: Silvia Löhr (Tor); Lydia Griessmann (2), Beate Thierolf-Seida (6/5), Siggi Gotta (3), Claudia Rettner (1), Lilo Schilff (4), Sabine Thimm, Ivonne Konrad, Kerstin Braunschweig, Sandra Rinnenburger.
HBV 90 Jena - SV Darmstadt 98 12:15 (4:8). Ungewohnte Hallenverhältnisse, ebenso ungewohnte Terminprobleme prägten dieses Spiel: Die Mannschaften mußten sich - nach Absprache der Verantwortlichen - wegen eines anderen Spiels in einer benachbarten Halle einspielen. Der Gast bewies dabei Verständnis und "bedankte" sich mit einem Sieg. Etwa 20 Minuten konnte der Tabellenletzte mithalten (3:4), dann setzte sich der konterstarke SVD dank einer souveränen Torfrau Astrid Momberg sowie einer erneut überragenden Anette Unsleber (5), die bei Tempo-Gegenstößen brillierte, sicher durch. Das spielerische Moment fehlte oftmals, die läuferischen Vorteile, aber auch die besseren Einzelakteurinnen bescherten die Entscheidung. In der Endphase konnte sich Trainer Jörg Kämmer sogar den Luxus erlauben, Meike Heerdt zwischen die Pfosten zu stellen und die "Bankspielerinnen" zum Einsatz zu bringen. Jena kam nie näher als drei Tore an die "98er" heran. Nicole Bassenauer (zentraler Rückraum) und Rechtsaußin Ute Schultheiß zeigten ebenfalls starke Vorstellungen, Anke Schmitz Wurfqualitäten.
SV DARMSTADT 98: Astrid Momberg (bis 50. Minute), Meike Heerdt (Tor); Anke Schmitz (5), Anette Unsleber (5), Lis Helleboe (2), Nicole Bassenauer (2), Petra Mares (1), Claudia Wolf, Barbara Schade, Susanne Schmälter, Ute Schultheis. hdp
Ohne Punktverlust setzte in der Hallenhockey-Bundesliga der Männer der Dürkheimer HC (20:0) seinen Siegeszug fort. TG Frankenthal (14:6) ist nach zwei Siegen erster Verfolger. Uhlenhorst Mülheim und der Limburger HC (je 12:8) fielen nach Niederlagen zurück. Wieder ohne Sieg blieb die Frankfurter Eintracht.
"Wenn meine Stammformation auf dem Spielfeld war, lief es gut. Leider ist die Bank nicht stark besetzt", stellte Eintracht-Trainer Jürgen Fiedler fest. Bis zur 24. Minute bestimmte die Eintracht gegen die mit vier Nationalspielern angetretenen Mülheimer nicht nur das Geschehen, sondern ging auch durch Sven Winkelhaus (2., 11.) und Olaf Jung (19.) dreimal in Führung. Brinkmann (7.), Tewes (15.) und Becker (20.) glichen aber stets aus. Die erste Führung der Gäste von Uhlenbruck (23.) konnte Olaf Horn (24.) noch zum 4:4 egalisieren. Als die Eintracht aber mit dem Auswechseln begann, zogen die Mülheimer durch Treffer von Becker (26.) und Tewes (27., 31.) auf 7:4 davon. Winkelhaus (35.), Rudolf (42.), Horn (48.) und Krautscheid (51.) erreichten, bei weiteren Gegentoren von Becker (36.) und Brinkmann (47.), in der 51. Minute zwar den 8:9-Anschluß. Der Ausgleichtreffer gelang aber nicht. Hellwig setzte mit dem 10:8 den Schlußpunkt.
Am Sonntag in Leverkusen bliesen Horn (5), Grochowski und Rudolf nach 2:5 Rückstand zwar zur Aufholjagd, die aber beim 7:8 (40.) endete. Dem RTHC gelang in der Schlußminute noch das 9:7.
Nach dem ersten Rückrundenspieltag in der Frauen-Bundesliga, Gruppe Süd, scheint es, als sollte der Endkampf um die beiden ersten Plätze und damit um die Teilnahme am Halbfinale nur noch von drei Mannschaften bestritten werden: Rüsselsheimer RK (14:2), Eintracht Frankfurt (13:3) und RTHC Leverkusen (12:4). Club Raffelberg (9:7) hat den Anschluß verloren. Während die SC 80- Frauen beim 5:5 gegen Bad Dürkheim einen wichtigen Punkt holten, verloren die Hanauerinnen 2:8 gegen Leverkusen und auch das Wiederholungsspiel gegen Köln mit 5:7 und blieben Schlußlicht.
Keine Probleme gab es für den Rüsselsheimer RK gegen Köln. "Wenn unsere Ecken besser geklappt hätten, wäre das Ergebnis noch höher ausgefallen", war auch die Meinung von RRK-Trainer Berti Rauth. Von neun RRK-Ecken verwandelten Britta Becker und Denis Klekker nur zwei. Dafür klappte aber das Zusammenspiel zwischen Britta Becker, Eva Hagenbäumer und den Stürmerinnen Tanja Dickenscheid und Marja Busch um so besser. Über das 3:0 zur Pause führten Britta Becker (10., 36.), Marja Busch (11., 40., 41.,), Tanja Dickenscheid (22.), Eva Hagenbäumer (54., 60.), Denis Klecker (38.) und Angela Müller (53.) den RRK zum 10:2.
Zwei verschiedene Halbzeiten kennzeichneten die Begegnung Eintracht Frankfurt gegen Club Raffelberg. Bei harten Zweikämpfen gingen die Gäste vor der Pause sogar dreimal durch Sabine Paßmann (4.), der sowohl in Abwehr wie im Angriff starken Caren Jungjohann (15.) und Andrea Feuerstack (28.) in Führung. Die von Dagmar Bremer eingeleiteten Eintracht-Angriffe fanden immer wieder ihr Ende bei Nationalhüterin Susi Wollschläger. Nur die grippekranke Natella Krasnikowa (9.) und Beate Deininger (16.) per Ecke konnten sie bis zur Pause bezwingen. Innerhalb von zwölf Minuten drehte die Eintracht den Pausenrückstand durch Dagmar Bremer (31.), der sehr starken Birgit Mensch (35.), Sonja Pyrczek (39.) und Ingrid Asprion (42.), bei einem Eckengegentreffer von Caren Jungjohann (40.), in eine 6:4-Führung um. Das 7:4 von Bremer (51.) konnte Paßmann nur einmal verbessern.
Ohne Schwierigkeiten holte sich der RTHC Leverkusen beim THC Hanau mit 8:2 beide Punkte. Melanie Cremer (8., 7., 9., 14., 23.) und Sandra Jurk hatten bereits mit 5:0 bei der Pause alles klargemacht. Sie setzten dann nach dem 1:5 von Heike Stutzer (38.) ihre Torerfolge durch Franziska Hentschel (40.), Melanie Cremer (43.) und Ilhelm Merabet (44.) zum 8:1 fort, ehe Claudia Büchtig (48.) der zweite Gegentreffer gelang.
Im Wiederholungsspiel gegen Köln lagen die Hanauerinnen nach 21 Minuten bereits 1:5 zurück, schafften aber durch Eva Weiß-Bollandt (2), Claudia Severin (2) und Susi Koch den Ausgleich. Zwei Tore der Kölnerin Eva Hegener brachten aber den Gästen den erneuten 7:5-Sieg.
SC 1880 Frankfurt dominierte gegen Bad Dürkheim 28 Minuten lang und führte durch Anna Grün, Andrea und Petra Ross 3:0. Dann kam der Einbruch. Daniela Damm (2), Renate Mesmer und Annette Bauer (2) brachten bis zur 40. Minute die Dürkheimerinnen 4:3 und nach erneutem Ausgleich von Sabine Schwarz mit 5:4 in Führung. Recht glücklich war dann noch das 5:5 von Anna Grün. ws
BAD HOMBURG. Mit 16 Mann und vier Fahrzeugen mußte die Bad Homburger Feuerwehr gestern gegen 15.45 Uhr ausrücken, um einen Zimmerbrand in der Kronberger Straße zu löschen. Das Feuer war binnen kurzem gelöscht, konnte die Wehr bereits eine Stunde später mitteilen.
Der Einsatz der Wehrmänner dauerte dennoch länger: Sie mußten noch die Holzdecken abnehmen, um nach versteckten Brandherden zu suchen. Die Brandursache und die Höhe des Schadens standen bei Redaktionsschluß noch nicht fest. stk
FUßGÄNGERIN bitte rauswerfen, stattdessen ZIMMER
kommt in Kürze. Danke. Günther Scherf
Zu den Jecken jetten Karneval - nicht nur in deutschen Landen und nicht nur im Februar
Die Namen sind verschieden, die Bräuche unterschiedlich und für Weltenbummler wichtig: Die Zeiten variieren. Wer mag und das nötige Kleingeld hat, kann Fasching, Fasnacht, Fastelovend, Karneval, Mardi Gras, Martedi Grasso oder Halloween nahezu das ganze Jahr über feiern. Die närrische Jahreszeit beginnt mit dem Hoppeditz-Erwachen am Jan-Wellem-Denkmal in Düsseldorf am 11. 11. um 11.11 Uhr und endet parallel zum Touristik-Jahr am 31. Oktober mit dem Halloween, dem Abend vor Allerheiligen. Dazwischen liegen je nach Land und Region der (katholischen) Erde die verschiedensten, seltsamsten, aber meist fröhlich-ausgelassenen Feste.
Die Hauptstädte des Karnevals und der Fasnacht liegen in Deutschland am Rhein. Köln, Düsseldorf und Mainz lokken mit ihren Rosenmontagszügen Hunderttausende an. Wer aber speziell in Köln unverfälschten rheinischen Frohsinn erleben will, der sollte zu den "Schull- un Veedels-Zög" am Sonntagmittag vor dem Rosenmontag kommen. Wem das nicht reicht, der hängt den Dienstag dran und besucht den "Zog" in Köln-Ehrenfeld, von dem kölsche Lästermäuler behaupten, daß er größer sei als der Rosenmontagszug in Düsseldorf. Die närrischen Tage lassen sich im ruhig gelegenen Queens Hotel im Kölner Stadtwald überstehen (drei Tage ab 318 Mark inkl. Frühstück, Neckermann City Reisen).
Nach strengen Regeln wird im Alemannischen gefeiert. Der "Narrensprung" zum Beispiel in Rottweil am Fasnet-Montag und -Dienstag lockt jedes Jahr Zehntausende an. Vom Schwarzen Tor springen die Narren "Schlag acht" im "Kleidle" und mit kunstvollen, holzgeschnitzten "Larven" die Stadt "nab". Wer's miterleben möchte, erfährt Näheres beim Städtischen Verkehrsamt Rottweil, Tel. 07 41 / 49 42 80.
Daß München das Zentrum des bayerischen Faschings ist, weiß jedes Kind (Tanz der Marktfrauen auf dem Viktualienmarkt am Faschingsdienstag), aber daß das Herz des norddeutschen Karnevals in der kleinen Stadt Hess. Oldendorf bei Hameln schlägt, dürfte weithin unbekannt sein. An Weiberfastnacht geht es mit dem Sturm aufs Rathaus los, und Höhepunkt ist der große Karnevalsumzug am Sonntag, dem 21. Februar. Holländische Soldaten, die in dieser Weserstadt stationiert waren, haben den Karnevals- Virus bereits vor Jahrzehnten eingeschleppt und die Niedersachsen angesteckt. Auskunft zu Übernachtungsmöglichkeiten erteilt das Verkehrsamt 3253 Hess. Oldendorf, Tel. 0 51 52 / 78 21 64.
Apropos Holland: Die Karnevals-Metropole des Nachbarn Niederlande ist Breda. Vom 20. bis 23. Februar heißt die Stadt nach dem Karnevals-Kostüm "Kiele Gat". Blauer Anzug mit rotem Halstuch, "Kiel" genannt, die traditionelle Kleidung der südholländischen Bauern, bestimmt an den drei tollen Tagen das Stadtbild. Am Sonntag, dem 21. Februar, ist der Kinder- Karnevalszug, am Rosenmontag sind die Erwachsenen "jeck". Wer die Holländer 'mal ganz locker erleben möchte: Infos gibt's beim VVV Breda, Tel. 00 31 / 76 / 22 24 44.
Wer Karneval bei den belgischen Nachbarn "termingerecht" verbringen möchte, muß nach Aalst in der Nähe von Gent (Auskunft unter Tel. 00 32 / 53 / 73 21 11) oder Binche, westlich von Charleroi fahren. Für beide Städte sind die "Gilles" typisch, mit Holzschuhen, Schellengürteln und hohen Straußenfedern auf dem Kopf. In Binche ist der Auftakt schon sechs Wochen vor Rosenmontag. Sonntag für Sonntag ist Narrentreiben in der Stadt - Spiele der Trommler, Züge der Trommler und Musikzüge. Höhepunkt ist der Karnevals-Dienstag und der Auftritt der "Gilles". Die Stadt beherbergt ein Karneval- und Masken-Museum, das an den Karneval-Sonntagen von zehn bis 13 und von 14 bis 18 Uhr geöffnet ist. Führungen sind in Deutsch möglich. Infos beim Tourismusbüro von Binche, Tel. 00 32 / 64 / 33 37 21.
Wer dieses närrische Treiben verpaßt hat, bekommt in Belgien eine zweite Chance. Am 6. März wird mit dem "Bal du rat mort" - dem Ball der toten Ratte - in Oostendes Casino der größte Maskenball Europas gefeiert. 4000 Narren vergnügen sich bei acht Kapellen, Diskos und Musikgruppen. Tagsüber findet ein großer Umzug statt und am nächsten Tag übt sich die Stadt im "Kloeffeworp", dem Werfen von Süßigkeiten in Form von kleinen Holzschuhen. Auswärtige Gäste können mit der Eintrittskarte gleich einen Tisch und zwei Übernachtungen reservieren lassen. Wer kein Kostüm mitbringt - Thema in diesem Jahr Bali und Indonesien - kann sich an der Kasse eines leihen. Infos beim Belgischen Verkehrsamt in Düsseldorf, Tel. 02 11 / 32 60 08.
Der Corso du Mardi-Gras in Nizza mit seiner Blumenpracht ist weltberühmt. Weniger bekannt ist, daß in der Stadt an der Côte d'Azur nicht nur am Karnevals- Dienstag, also am 23. Februar, schwer was los ist, sondern am Samstag zuvor, am Aschermittwoch und darüber hinaus bis zum 6. März jeden Mittwoch und Samstag eine "Blumenschlacht" auf den Straßen veranstaltet wird. Dazu und zum Corso muß sich der Urlauber unbedingt Karten über das Comité des Fétes de Nice, Tel. 0033/93/871628 besorgen.
Bekannter noch als der Corso in Nizza ist der Karneval in Venedig. Beim Martedi Grasso - dem fetten Dienstag - zeigen sich die weltberühmten Masken auf dem Markusplatz. (Flugreise mit zwei Übernachtungen in Maestre ab 768 Mark, airtours international). Kaum bekannt ist dagegen der Carneval in Paterno, einem Städtchen in der Nähe von Catania auf Sizilien. Auch er fasziniert durch seine Ernsthaftigkeit und die Ruhe. Die Bewohner, in schwarze Domino-Kostüme gekleidet, geben ein fast gespenstisches Bild ab. Nur wenige Reiseveranstalter haben Sizilien im Winter im Programm. Spezielle Angebote für Catania hat Italiatour, München, Tel. 089/323790.
Wem das Geld fehlt, um den berühmten Karneval von Rio mitzuerleben, findet einen fast gleichwertigen Ersatz an der portugiesischen Algarve. Die kleine Stadt Lolé in der Nähe von Faro erlebt am 21. und 22. Februar beim "Carnaval" einen Rausch von Musik und Farben.
Gleich elf Tage hat der Karneval Teneriffa fest im Griff. Vom 18. bis 28. Februar ist die eher ruhige Insel kaum wiederzuerkennen. Umzüge und bunte Kostüme beherrschen die Straßen. Höhepunkte sind der Umzug am 23. Februar in Sta. Cruz und am 27. Februar in Puerto de la Cruz. In den Urlauber-Metropolen Playa de las Americas und Los Cristianos wird noch eine Woche länger gefeiert als auf der restlichen Insel. Eine Woche auf Teneriffa zum Karneval kostet bei Kreutzer ab 1080 Mark im Hotel Arosa, Puerto de la Cruz.
Weniger bekannt ist in Deutschland die österreichische Narrenhochburg. Aber in Österreich ist der Villacher Fasching berühmt. Daher ist es schwierig, Karten für die prallen satirischen Sitzungen zu erhalten, die seit dem 15. Januar jeden Freitag, Samstag und Dienstag im Kongreßhaus der Kärntner Stadt über die Bühne gehen. Aber Frau Bartel, die unter der Telefonnummer 0043/4242/23663 Kartenbestellungen entgegennimmt, ist deutsche Karnevalistin und hat ein Herz für ihre Mitbürger. Beendet wird der Villacher Fasching mit einem Umzug am Samstag, 20. Februar, bei dem lokale, österreichische und internationale Ereignisse auf die Schippe genommen werden. Wer im Bauerndorf Schönleitn am Faaker See wohnt, hat nur wenige Kilometer bis Villach.
Wem Karneval im Winter nicht recht paßt, der kann das tolle Treiben im Sommer nicht nur auf der Karibik-Insel Trinidad nachholen. Auch in Londons Stadtteil Notting Hill wird am 29. und 30. August "Carribean Carnival" gefeiert. Einwanderer haben diese fetzige Tradition begründet. Infos über Notting Hill Carnival Enterprise Ltd., Tel. 0044/81/9640544. Flugtrips von Freitag bis Montag ab 469 Mark, Jet Reisen.
Zuguterletzt ein Tip für die Neue Welt. Den "Mardi Gras" in New Orleans kann der Besucher fast eine Woche genießen. Schon ab Donnerstag, 18. Februar, bis zum Höhepunkt am "fetten Dienstag" ist die Stadt mehr noch als sonst voller Jazz und Cajun-Musik. Im "Vieux Carrée", der Altstadt, "swingen" die Menschen in die Fastenzeit. Pauschalreisen bieten viele Veranstalter an, z. B. Flug mit United von Frankfurt 1260 Mark, Unterkunft im Quality Inn Maison St. Charles, Doppel pro Person 59 Mark (Meiers Weltreisen).
JACKO A. HASSENMEIER
HANNOVER, 17. Januar. Die Grünen und Bündnis 90 haben sich über ihr Zusammengehen verständigt. In getrennten Abstimmungen verabschiedeten die Delegierten beider Parteien am Sonntag in Hannover die Grundsätze und Verfahrensregeln für den Vereinigungsprozeß. Jetzt sollen die Mitglieder in Urabstimmungen über das Verhandlungsergebnis entscheiden. Der erste gemeinsame Parteitag soll im Mai in Berlin stattfinden.
Aus Protest gegen zu große Zugeständnisse, die dem Bündnis 90 gemacht worden seien, erklärte die bisherige Vorstandssprecherin der Grünen, Christine Weiske, ihren Rücktritt. Als gleichberechtigte Sprecherin neben dem Westdeutschen Ludger Volmer repräsentierte Weiske im Bundesvorstand die ostdeutschen Landesverbände der Grünen, deren Interessen sie im Verhandlungsergebnis nicht berücksichtigt findet.
Die Grünen haben bisher rund 40 000 Mitglieder, zu mehr als 90 Prozent in Westdeutschland, Bündnis 90 hat etwa 3000 Mitglieder, zu mehr als 90 Prozent in Ostdeutschland. Im Bundestag sitzt gegenwärtig nur eine achtköpfige Vertretung der ostdeutschen Gemeinschaftsliste von Bündnis 90 und Grünen. Mit dem Zusammenschluß wollen beide Parteien vor allem ihre Aussichten für die nächste Bundestagswahl verbessern, bei der die vereinigte Partei in ganz Deutschland fünf Prozent der Wählerstimmen erreichen muß, um ins Parlament einziehen zu können. Als Name der Partei wurde "Bündnis 90/Die Grünen" vereinbart. Im neunköpfigen Bundesvorstand hat Bündnis 90 Anspruch auf drei Sitze.
Der aus den DDR-Bürgerrechtsbewegungen entstandenen Partei wurde zugestanden, daß sie als "innerorganisatorische Vereinigung" mit eigenen finanziellen Mitteln in der künftigen gemeinsamen Partei weiterbestehen darf. Außerdem setzte Bündnis 90 Sonderregelungen für das Land Brandenburg durch, wo es an der Landesregierung beteiligt ist. Den dortigen Grünen bleibt bis zu nächsten Landtagswahl jeder unmittelbare Einfluß auf die Landespolitik verwehrt. Trotz dieser und weiterer Verhandlungserfolge stimmten die Brandenburger Delegierten des Bündnis 90 mehrheitlich gegen den Zusammenschluß, während die Delegierten der anderen Landesverbände fast geschlossen zustimmten.
Im vereinbarten "Grundkonsens" beider Parteien heißt es, sie eine das Engagement für mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit, für umfassende Verwirklichung der Menschenrechte, für Frieden und Abrüstung, Gleichstellung von Männern und Frauen, Schutz von Minderheiten, Bewahrung der Natur sowie umweltverträgliches Wirtschaften und Zusammenleben. Über die politischen Aussagen hinaus, die vor dem Treffen in Hannover ausgehandelt waren, einigten sich die Delegierten am Wochenende auf den Grundsatz : "Nicht vermehrbare Naturressourcen, die für das Wirtschaften unverzichtbar sind, betrachten wir als Gemeineigentum, an dem jedem Menschen ein gleiches Anrecht zusteht."
Noch keine Einigung konnte über das Frauenstatut der künftigen Partei hergestellt werden. Im Bündnis 90 gibt es starke Vorbehalte gegen die Grünen-Regel, daß an der Spitze einer Kandidatenliste stets eine Frau stehen soll. In den Verhandlungen verzichteten die Grünen bereits auf ihre Regel, daß Amt und Mandat zu trennen sind.
Neben Christine Weiske klagten auch viele andere ostdeutsche Grüne, ihre Interessen seien zugunsten des Bündnis 90 übergangen worden. Friedrich Heilmann, der seit 1990 dem Vorstand der DDR-Grünen angehörte, kritisierte, es sei "mit üblen Mitteln Ausgrenzung" der Ostdeutschen betrieben worden. Ihnen antwortete Werner Schulz (Bündnis 90) :"Wir können nichts dafür, daß Ihr so schnell in den Westen gelaufen seid."
(Weiterer Bericht und Leitartikel Seite 3)
Die Kaltfront eines Tiefs über Mittelskandinavien hat Süddeutschland erreicht und kommt kaum noch nach Süden voran. Sie führt nur wenig kühlere Luft heran, die im Süden unter Hochdruckeinfluß kommt.
Im Norden Übergang zu wechselnder Bewölkung mit einzelnen Schauern. In der Mitte und im Süden stark bewölkt bis bedeckt und vereinzelt Regen. Nur in Südbayern anfangs noch aufgeheitert. Höchsttemperaturen 5 bis 10 Grad. Tiefswerte nachts 5 bis 0, vereinzelt geringer Frost.
Mäßiger bis frischer, im Norden starker Wind mit Sturmböen im Küstenbereich aus Südwest bis West.
Weitere Aussichten für Dienstag:
Heiter bis wolkig, in der Nordhälfte zeitweise auch stark bewölkt und etwas Regen. Wenig geänderte Tagestemperaturen.AuslandOrt Wetter Grad
Algier
wolkenlos 18 Amsterdam
bedeckt 11 Athen
wolkenlos 14 Barcelona
stark bewölkt 14 Bordeaux
wolkenlos 14 Bozen
leicht bewölkt 7 Brüssel
leicht bewölkt 10 Dublin
leicht bewölkt 6 Helsinki
wolkig 0 Innsbruck
leicht bewölkt 9 Istanbul
wolkenlos 7 Kairo
leicht bewölkt 17 Larnaka
leicht bewölkt 15 Las Palmas
wolkenlos 19 Lissabon
leicht bewölkt 10 Locarno
Nebel 2 London
stark bewölkt 11 Madrid
wolkig 6 Malaga
wolkig 16 Mallorca
bedeckt 15 Moskau
bedeckt 2 Neapel
bedeckt 12 Nizza
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leicht bewölkt 11 Rom
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stark bewölkt 1 Stockholm
Sprühregen 7 Tunis
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leicht bewölkt 12 Köln/Bonn
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leicht bewölkt 8 Norderney
leicht bewölkt 10 Rostock
leicht bewölkt 12 Sylt
stark bewölkt 8 Zugspitze
leicht bewölkt 2 Telefonansagedienste Wettervorhersage 11 64 Reisewettervorhersage 1 16 00 Segelflugwetter 1 15 06 Medizinisch-meteorologische Tips, unter anderem für Allergiker und Herz-Kreislauf-Patienten 1 16 01 Smogwerte 06 11 - 58 12 42 (Wenn die Grenzwerte nach der Smogverordnung überschritten werden, melden wir dies an gesonderter Stelle.)
Sonnenaufgang: 8.16 Uhr Sonnenuntergang: 16.57 Uhr
Das Wetter
Wetterlage Die Kaltfront eines Tiefs über Mittelskandinavien hat Süddeutschland erreicht und kommt kaum noch nach Süden voran. Sie führt nur wenig kühlere Luft heran, die im Süden unter Hochdruckeinfluß kommt. Vorhersage bis Dienstag früh
Im Norden Übergang zu wechselnder Bewölkung mit einzelnen Schauern. In der Mitte und im Süden stark bewölkt bis bedeckt und vereinzelt Regen. Nur in Südbayern anfangs noch aufgeheitert. Höchsttemperaturen 5 bis 10 Grad. Tiefswerte nachts 5 bis 0, vereinzelt geringer Frost.
Mäßiger bis frischer, im Norden starker Wind mit Sturmböen im Küstenbereich aus Südwest bis West.
Weitere Aussichten für Dienstag:
Heiter bis wolkig, in der Nordhälfte zeitweise auch stark bewölkt und etwas Regen. Wenig geänderte Tagestemperaturen.AuslandOrt Wetter Grad
Algier
wolkenlos 18 Amsterdam
bedeckt 11 Athen
wolkenlos 14 Barcelona
stark bewölkt 14 Bordeaux
wolkenlos 14 Bozen
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DKP erkennt Schlappe für den Sozialismus
Doch, es gibt sie noch. Zwar hat die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) mächtig abgespeckt, von rund 50 000 Mitgliedern anno 1985, als Gorbatschow seine Perestrojka begann, bis auf knapp 7000 Mitglieder heute. Und der Aderlaß ist so gewaltig, daß kein DKP-Funktionär mehr das Eingeständnis scheut, der Sozialismus habe eine schwere Niederlage erlitten. Wer aber glaubte, im Mannheimer Rosengarten werde sich an diesem Wochenende eine deprimierte Truppe an die endgültige Selbstauflösung machen, der irrte. Der zwölfte Bundesparteitag jener DKP, die einst in Treue fest zu Moskau und Ostberlin stand und innenpolitisch immerhin eine beachtliche Rolle in westdeutschen Betrieben und Gewerkschaften spielte, könnte sogar ein Markstein auf dem Weg zu ihrer Konsolidierung werden. Einige Beschlüsse von Mannheim illustrieren den Wandel, der sich selbst in dieser früher - zumindest nach außen - so monolithisch auftretenden Partei vollzogen hat. Das mit großer Mehrheit verabschiedete neue Statut schließt Mitgliedschaften in anderen Parteien nicht aus; Fraktionsbildungen, für stalinistische Denkweisen noch Teufelszeug, werden nicht mehr als sogleich unvereinbar mit der Zugehörigkeit zur Partei, sondern nur noch als "Gefahr" für ihren Bestand angesehen. Und in den hier ebenfalls mit großer Mehrheit angenommenen Thesen, die das Fundament für ein neues Parteiprogramm legen sollen, dürfen Freund und Feind immerhin ein gewisses Quantum (Selbst-)Kritik am untergegangenen realen Ostblock-Sozialismus zur Kenntnis nehmen. Es hätten sich, heißt es da beispielsweise, "unter Mißbrauch der Grundsätze des demokratischen Zentralismus formaldemokratische Strukturen" herausgebildet, "in denen die Parteimitglieder und das Volk wenig, ein oder einige Führer der Partei fast alles zu sagen hatten. Das trug in erheblichem Maße zur Dogmatisierung marxistischer Theorie bei."
Auch erinnern die in Mannheim gewählten beiden Bundesvorsitzenden kaum noch an den Typ des Apparatschiks, wie ihn seinerzeit ihr langjähriger Vorgänger Herbert Mies verkörperte. Rolf Priemer etwa, ein 52jähriger gelernter Schriftsetzer und Redakteur, stellt unverblümt vor der bürgerlichen Presse fest, der muntere und keineswegs überalterte Parteitag sei "besser als der Gesamtzustand der Partei". Sein Tandempartner Heinz Stehr, ein 46jähriger Ingenieur, bekennt ohne zu fakkeln, man habe sich gegenüber dem real existierenden Sozialismus "falsch, weil kritiklos" verhalten.
Wenn die beiden ihre guten Toleranz- Vorsätze wahrmachen, können sich sogar die vor allem in Nordbayern konzentrierten und mit dem Vorstand verfeindeten Dissidenten ziemlich sicher fühlen, die die DKP auf eine andere Linie trimmen wollen. Diese Gruppe um die bisherige Vorstandssprecherin Helga Rosenberg wendet sich heftig gegen die Tendenz der großen DKP- Mehrheit, ihren Kampf in dem berühmten "anti-monopolistischen Bündnis", nämlich auch in Zusammenarbeit mit Parteien wie PDS, SPD oder Grünen zu führen. Für die Nordbayern ist der Bundesvorstand längst "sozialdemokratisch", "reformistisch" und "opportunistisch" - die einschlägigen Vokabeln aus der langen und ziemlich gewalttätigen Geschichte links-revolutionärer Organisationstheorie durften in Mannheim natürlich nicht fehlen.
Ohnehin hat die Partei, trotz allem, auf dem Wege zu demokratischer Läuterung und Respektierung komplexer politischer Wirklichkeiten noch eine weite Strecke vor sich. Das fängt bei vermeintlichen Kleinigkeiten an wie dem Umstand, daß Parteichef Stehr auch gleich persönlich den Parteitag leitet. Und es endet, unter anderem, bei der gewohnt schlichten Schuldzuweisung an Kapitalismus und Imperialismus für nahezu alle Übel dieser Welt - und dementsprechend bei einer großen Delegiertenmehrheit für einen Antrag, der im Gegensatz zum Thesenentwurf nichts wissen will von einer "Erschütterung des Selbstverständnisses" von Kommunisten durch das Scheitern des real existierenden Sozialismus. "Unsere kommunistische Identität ist nicht erschüttert", trumpft auch Stehr auf, "der alte Marx hatte doch recht, wenn man sich umsieht im Land."
Zweifel am kommunistischen Theoriegebäude selbst gibt es bei den hier Versammelten also kaum. Was es gab, sind, laut Rolf Priemer, "subjektive Fehler", etwa auch des Genossen Erich Honecker. Daß der jetzt in Freiheit ist, wird aber von den Delegierten mit großem Applaus bedacht. Im Foyer des Rosengartens sammelten Komitees ("Schluß mit der Stasi-Histerie!" hieß es in schlechter Rechtschreibung auf einem Flugblatt) Geld für Aktionen, die nun auch zur Freilassung seiner Mitangeklagten führen sollen. Dabei könnte die Partei Geld gut auch für sich brauchen. Weil es so sehr fehlt - aus Ostberlin fließt bekanntlich nichts mehr -, hat man den Apparat der hauptamtlichen Funktionäre radikal bis auf fast null abgebaut. Die Erfolge der Zukunft müssen ehrenamtlich errungen werden.
PETER HENKEL (Mannheim)
BERLIN. "Er ist der große Verführer, der immer und immer von den Frauen verführt wird. Alle erliegen ihm, aber - und dies dürfte das Entscheidende sein: wirklich geliebt wird er von keiner. (Drum hat auch dieses Stück keine einzige Liebesszene.)"
So Ödön von Horváth im Vorwort zu seinem 1934 fertiggestellten Stück "Don Juan kommt aus dem Krieg", das neben der des Protagonisten fünfunddreißig Frauenrollen enthält. Diese Deutung des großen Verführers als eines stets Verführten klingt männerfreundlicher, als es selbstbewußten Vertreterinnen des anderen Geschlechts plausibel sein wird.
Gleichwohl hat sich Michael Gruner in seiner Inszenierung an den Kammerspielen daran ziemlich getreulich gehalten, bis hin zu der riskanten Szene am Ende, in der die Magd sich lüstern über den nackten, auf dem Grabe seiner (zu früh) verstorbenen Verlobten zusammengekauterten Don Juan wirft, der im Schnee, von seiner unheilvollen "Wirkung" erlöst, schon den Herz- und Kältetod gestorben ist. Sie wird ihn nicht mehr erwärmen - aber sie versucht es.
So nüchtert der Regisseur den erz-sentimentalen Schluß aus, hüllt ihn ins gleiche schräge Licht, das alle dreiundzwanzig Bilder trübe macht. Denn es ist Nachkriegszeit, das Stück beginnt 1918 mit dem Waffenstillstand. Don Juan, vor dem großen Morden ein Hallodri, der die Verlobte anderer Frauen wegen sitzen ließ, kommt nach vier Jahren Front reichlich abgerissen zurück, fest entschlossen, brav zu werden, die Verlassene zu finden und zu heiraten.
Doch die ist bereits 1916 gestorben und ihre rachelüsterne Großmutter beantwortet einfach die Briefe nicht, die der Geläuterte schickt. Also nimmt er nolens volens als "Schieber" wieder sein Lotterleben auf, das ihm sichtlich kaum Spaß macht, er ist bloß die verrottete Militärkluft losgeworden und hat sich mit Hilfe alter und neuer Damen wieder etabliert.
"Scheinbar gehört zwar dieser Don Juan bereits der Vergangenheit an, denn er starb während der großen Inflation 1919 bis 1923; also in einer Zeit, in der sich, auch im banalsten Sinne des Worts, alle Werte verschoben haben." Wieder Horváth. Ob das Deutsche Theater in dieser Interpretation eine Parallele zu heute zu finden glaubte, die dies selten gespielte (übrigens erst 1952 uraufgeführte) Stück dringlich macht?
In Gruners Inszenierung gibt es dafür keinen Beleg, sieht man einmal von einigen erbittert beiseite gesprochenen Sätzen der Doyenne des Ensembles, Ingrid Keller, ab, die mindestens ein Teil des Publikums (der östliche) als auf sich und seine Situation gemünzt begreifen wollte. Der Regisseur verweigert jede Auskunft darüber, was "Don Juan kommt aus dem Krieg" nun bedeuten könnte - weil es keine zureichende gibt: der Typ ist mindestens als einer mit Gewissensbissen aus der Mode, und die ihn umgarnen sind es auch. Der unfromme Totentanz mit abschließender Höllenfahrt ist ohnedies fragwürdig, das hat schon Mozart gewußt, mit dessen Musik Gruner das Spiel beginnen läßt, derweil die Zuschauer ihre Plätze in Parkett, die Darsteller ihre auf der Hinterbühne einnehmen, der Garderobe des "Fronttheaters", in dem die erste Szene spielt. Sie bleibt später sichtbar, schummrig rot beleuchtet, bildet die Rückzugsposition für Akteurinnen, die gerade nicht an der Reihe sind.
Daß alles Theater ist, es wird unauffällig - und übersehbar - deutlich. Dies spielt auf einer Bühne, in einigen Szenen stellen die (phänomenal effektiven) Bühnenarbeiter gar Scheinwerfer mitten auf die Spielfläche, die Peter Schulz entworfen hat: einen schwarzen Bühnenkasten, in dem immer nur Segmente, sparsam möbliert, beleuchtet werden. Eine sinnfällig kluge Lösung, die den fließenden Wechsel zwischen den in aller Regel kurzen Szenen ermöglicht; man braucht nur das Schummerlicht zu dämmen, schon haben die Helfer aus dem Hintergrund freies Feld.
Nein, mit Moral und tieferer Bedeutung hat sich Gruner nicht unnötig aufgehalten, er erzählt eine vergangene Geschichte schön der Reihe nach, in gemäßigten Tempi, deutlich und mit einer Fülle niemals aufdringlicher szenischer Einfälle, läßt Komik zu, wo sie ihm angebracht erscheint (oder wo Horváth ihm gar zu methaphysisch wird), er verläßt sich ganz auf das, was er hat:
Einen großartigen Hauptdarsteller, Peter Simonischek (ausgeliehen von der Schaubühne), einen schweren, großen Menschen mit einem zerknitterten Gesicht, dem man sowohl den armen Hund glaubt, wie seine Attraktivität (oder deren Schatten, der die Frauen immer noch reizt); und ein Frauenensemble, wie es in dieser Qualität vermutlich kein anderes deutsches Theater heute aufzubieten hat. Von Inge Keller, die gerade ihr fünfzigjähriges Bühnenjubiläum feierte und die die Großmutter zum Fürchten bösartig und mit jener eisernen Professionalität gibt, die heute sonst allenfalls Sängerinnen oder Tänzerinnen, kaum je Schauspielerinnen haben, führt es über die "mittlere" Generation (Christine Schorn geht als Mutter bis zur riskanten Selbstpersiflage, Heidrun Perlewitz und Gabriele Heinz karikieren proletarische Existenzen kaum merklich), bis zu den "Jungen", der energisch eleganten Johanna Schall, der mal grellen, mal kämpferischen Katrin Klein, der elegischen Petra Hartung, der handfest lüsternen Simone v. Zglinicki, der entsagungsvoll als Lesbe, Soubrette, altes Weib auftretenden Barbara Schnitzler, einer Ulrike Krumbiegel, die zwei Szenen lang dann doch die große Liebende spielen darf und der hinreißend backfischhaften Christina Große: alle, nach Horváths Rat meist in mehreren Rollen beschäftigt, zwingen dem jeweiligen "Typ" eine persönliche Färbung ab.
Was immer man gegen die Aufführung gerade dieses Stücks haben mochte: die Darsteller überrennen alle Bedenken. Dies ist hoch professionelles, engagiertes, großartiges Schauspiel-Theater. Daß Gruner es in dem Ambiente läßt, das Horváth vorschwebte, einem immer wieder Bilder von Otto Dix, von Christian Schad in den Sinn kamen, daß er mit einer ingeniös collagierten Musik (Uwe Hilprecht) zwischen Mozart und Tango die Szenen zusätzlich aneinanderbindet, auch das zeugt für seine beträchtliche Intelligenz. Ihm ist damit eine ebenso schöne wie effektsichere Inszenierung geglückt, etwas Rares in diesen Zeiten von Krampf und Unsicherheit.
Die Kammerspiele des Deutschen Theaters haben, so darf man vermuten, einen "Selbstläufer" mehr im Programm. Und behaupten damit abermals ihren Rang als erste Bühne der Hauptstadt.
ROLAND H. WIEGENSTEIN
BUNDESLIGA, Männer, Gruppe Nord: Gladbacher HTC - Braunschweiger THC 7:12 (4:4), Crefelder HTC - Harvestehuder THC 12:8 (7:2), Rotweiß Köln - Zehlendorfer Wespen 12:6 (7:3), Schwarzweiß Köln - Club an der Alster 9:12 (6:6), Rotweiß Köln - Braunschweiger THC 16:7 (8:4), Gladbacher HTC - Zehlendorfer Wespen 14:3 (6:1), Schwarzweiß Köln - Harvestehuder THC 7:7 (2:3), Crefelder HTC - Club an der Alster 4:6 (3:2).
BUNDESLIGA, Frauen, Gruppe Süd: SC 1880 Frankfurt - Dürkheimer HC 5:5 (3:2), 1. Hanauer THC - RTHC Leverkusen 2:8 (0:5), Eintracht Frankfurt - Club Raffelberg 7:5 (2:3), Rüsselsheimer RK - Blauweiß Köln 10:2 (3:0), 1. Hanauer THC - Blauweiß Köln 5:7 (4:5).
BUNDESLIGA, Frauen, Gruppe Nord: DHC Hannover - Club zur Vahr 7:7 (3:3), UHC Hamburg - Berliner HC 1:13 (1:7), Eintracht Braunschweig - Großflottbeker THGC 13:8 (5:6), Klipper Hamburg - ATV Leipzig 3:3 (2:1).
REGIONALLIGA SÜD, Männer: HC Heidelberg - TSV 1846 Mannheim 8:7 (4:3), HTC Stuttgarter Kickers - SSV Ulm 6:4 (3:0), Rüsselsheimer RK - HC Speyer 9:4 (3:4), 1. Hanauer THC - SC 1880 Frankfurt 9:9 (4:3).
REGIONALLIGA SÜD, Frauen: TFC Ludwigshafen - VfL Bad Kreuznach 5:9 (3:1), Stuttgarter Kickers - HC Ludwigsburg 4:3 (2:1), Wiesbadener THC - TSV Ludwigsburg 3:3 (3:2), HC Rotweiß München - HC Wacker München 1:3 (1:0).
OBERLIGA HESSEN, Männer: SC SAFO Frankfurt - Wiesbadener THC 8:4 (4:2), TEC Darmstadt - Offenbacher RV 11:7 (5:4), Limburger HC Ib - Höchster THC 4:4 (2:1), Eintracht Frankfurt Ib - SC 1880 Frankfurt Ib 3:11 (1:5).
OBERLIGA HESSEN, Frauen: Rüsselsheimer RK Ib - DHC Wiesbaden 17:3 (7:1), Eintracht Frankfurt Ib - SC 1880 Frankfurt Ib 6:6 (3:2), FSV Frankfurt - THC Hanau Ib 2:6 (2:1), SKG Frankfurt - Offenbacher RV 4:1 (1:1).
VERBANDSLIGA HESSEN, Männer: HC Bad Homburg - Rüsselsheimer RK Ib 14:5, TSV 1857 Sachsenhausen - SKG Frankfurt 14:5, THC Hanau Ib - TG Hanau 6:9 (0:0).
VERBANDSLIGA HESSEN, Frauen : Eintracht Frankfurt III - SC 1880 Frankfurt III 2:4, Höchster THC - VfL Marburg 0:15, SC SAFO Frankfurt - TSG 1846 Darmstadt 3:17, 1. Hanauer THC III - Wiesbadener THC Ib 2:5.
FRANKFURT A. M. "Eisern gespart" hatte die DLRG-Jugend Frankfurt für ihr neues Fahrzeug. Dieser Tage war es soweit: Sie nahm den Mannschaftstransporter während eines Informationsnachmittags für Eltern, Kinder und Jugendliche in Betrieb. Über 20 000 Mark hatte sie für den "gut gebrauchten" Wagen aufbringen müssen, sagte Bezirksjugendleiter Hansjörg Ast. Eine Rödelheimer Firma lackierte ihn neu, jetzt trägt er den knallroten Streifen mit DLRG-Aufschrift.
Als Zusatz überreichte der stellvertretende Bezirksleiter, Werner Rüther, den Rettungsschwimmern den sogenannten "Hessenkoffer" der Polizei; eine große Erste-Hilfe-Kiste, "die alles das beinhaltet, was man als Nicht-Arzt im Notfall verwenden darf": einen Beatmungsbeutel, einen Blutdruckmesser sowie eine Absaugpumpe für Erbrochenes.
Anschließend konnten sich alle über die Pläne für das laufende Jahr informieren. Die neun Frankfurter Ortsgruppen gestalten ihre "trockenen" Aktionen des Jahres 1993 gemeinsam: Die Kinder von sechs bis zwölf Jahren wollen vom 17. bis 24. April mit Fahrrädern am Main entlangradeln und in verschiedenen Jugendherbergen nächtigen. Für Ende Mai ist ein Wochenende im Odenwald geplant, und Anfang Dezember gibt es ein Seminar mit dem Thema "Flug zum Mond".
Zwölf- bis 16jährige können am Wochenende, 13. und 14. Februar, an einem Seminar zum Thema "Fliegen" und vom 16. bis 18. Juli an einem "Zeltlager in eigener Regie" teilnehmen. Für September ist dann ein Fotografie-Seminar geplant. Wer älter als 14 Jahre ist, kann das vorletzte Wochenende im März auf einem "Alchimie-Seminar" verbringen, vom 25. bis 27. Juni am Jugendzeltlager teilnehmen und im November ein "Spielewochenende" miterleben.
Außerdem plant die DLRG-Jugendorganisation Volleyballturniere am 27. März und 27. November, "Spiel ohne Grenzen" am 4. September im Schwimmbad Bergen-Enkheim sowie im Oktober einen Bildungsurlaub im holländischen Ijsselmeer.
"Nicht ganz einfach" sei es, die älteren Jugendlichen zu motivieren, Aufgaben zu übernehmen, meinte Ast. "Aber wir haben jetzt einen festen Stamm von 25 Leuten, die sich sehr engagieren." Die Teilnehmer müssen pro Tag 10 Mark aufbringen. "Wir hoffen, daß bei dem Preis niemand wegen des Geldes zu Hause bleiben muß." Einer der neuen Betreuer ist Marc Schreiner von der Ortsgruppe Mitte. Er kümmert sich um eine Gruppe, die sich im Stadtbad auf den "Freischwimmer" vorbereitet. Er ist seit einem Jahr dabei und hat "viel Freude an der Jugendarbeit". Außerdem will er im Sommer mit einer DLRG-Gruppe an die Küste fahren und dort Rettungswachdienste übernehmen. "Die lernen da eine ganze Menge und kriegen Reisekosten und Unterkunft bezahlt", ergänzte Ast.
Die Alben mit den Fotos des vergangenen Jahres schauten sich Veronika, Simone und Marion an. "Im April waren wir in Willingen." Dort rutschten sie eine Skischanze mit Plastikbelag auf dem Hosenboden hinunter. "Dabei haben wir uns den Hintern ganz schön angekokelt." Außerdem erinnerten sie sich an ein Zirkus-Wochenende im Dezember, als sie ihre Eltern zur Vorstellung einluden. "Alles in allem machten uns die Aktionen großen Spaß", lachte Ast, "auch wenn hundert Kinder Rabbatz machen." lub
Der Fußball in der Bezirksliga Hochtaunus rollt wieder. Am ersten Spieltag nach der Winterpause behielt die Spielvereinigung Bad Homburg durch ein 5:3 bei Eintracht Oberursel ihre weiße Weste und bleibt ungeschlagen. Ausgerutscht ist dagegen der FSV Friedrichsdorf durch eine 0:1-Heimpleite gegen die SG Schneidhain/Falkenstein. Die SG Oberhöchstadt besiegte den FC Weißkrichen überraschend klar mit 4:1 Toren.
Eintracht Oberursel - Spielvereinigung Bad Homburg 3:5 (1:1). Tore: 1:0 Schwarz, 1:1 Richter, 1:2 Rotermund, 1:3 Skeledzic, 2:3 Richter, 2:4 Weber, 2:5 Traut, 3:5 Richter. Beste Spieler bei Oberursel Spring.
SG Oberhöchstadt - FC Weißkirchen 4:1 (2:0). Tore: 1:0 Stefan Zweifel, 2:0 Probst (Foulelfmeter), 3:0 Weiß, 3:1 Krämer, 4:1 Stefan Zweifel. Beste Spieler bei Oberhöchstadt Hirschmann und Zweifel.
FSV Friedrichsdorf - SG Schneidhain/Falkenstein 0:1 (0:1). Tor: 0:1 Wegner (Foulelfmeter). Beste Spieler bei Schneidhain/Falkenstein Lampert, Schmied und Daniel.
SV Seulberg - Spielvereinigung Hattstein 1:1 (0:1). Tore: 0:1 Bossmann, 1:1 Hohmann. Beste Spieler bei Hattstein Bossmann und Schrubl, bei Seulberg geschlossene Mannschaftsleistung.
FC Königstein - FC Oberursel 1:2 (1:0). Tore: 1:0 Siepe, 1:1 und 1:2 Hohmann. Bester Spieler bei Oberursel Hohmann.
SCCP Bad Homburg - FSV Steinbach 0:2 (0:1). Tore: 0:1 Zeitschel, 0:2 Böhme.
TSG Pfaffenwiesbach - TG Wermborn 1:5 (1:4). Tore: 0:1 Kai Wanzke, 1:1 Bobich, 1:2 Kai Wanzke, 1:3 Kiewel, 1:4 Kai Wanzke, 1:5 Ralf Wanzke. Torhüter Nohl (Pf) hält einen Foulelfmeter von Denfeld. mar
NORDEND. Die Verkehrsregelung in der Nordendstraße steht im Mittelpunkt der nächsten Ortsbeiratssitzung. Sowohl SPD als auch CDU und Grüne haben jeweils einen eigenen Antrag zu diesem Thema ausgearbeitet. Alle drei Vorlagen enthalten detaillierte Pläne, wie die Nordendstraße neu gestaltet werden soll. Eine pikante Note erhält die Diskussion dadurch, daß die Vorstellungen der Grünen über die künftige Verkehrsführung der Nordendstraße eher mit den Forderungen der CDU übereinstimmen als mit denen der SPD. Der Ortsbeirat 3 diskutiert über dieses Thema am Donnerstag, 21. Januar, um 19 Uhr im Gehörlosenzentrum, Rothschildallee 16 a.
Ein anderer Punkt der Tagesordnung: Die SPD drängt darauf, daß der Frankfurter Verkehrsverbund (FVV) endlich "ernsthafte" Verhandlungen mit dem AStA der Fachhochschule über ein Semesterticket für Studenten aufnehmen soll. Das bisherige Verhalten der FVV-Geschäftsführung lasse darauf schließen, "daß der FVV die Verhandlungen scheitern lassen wollte", meint SPD-Fraktionsvorsitzender Armin Eikenberg.
Die Verkehrssituation im Nedergäßchen zwischen Berger Straße und Sandweg und die Lage der Obdachlosen in Frankfurt sind weitere Themen. rea
SCHWANHEIM. "Ich freue mich jedesmal wieder, wenn ich nach Schwanheim komme. Vor allem die freundschaftliche, fast familiäre Atmosphäre bei der CDU genieße ich jedesmal aufs Neue." Forschungsminister Heinz Riesenhuber schien bei seiner kurzen Ansprache während des Neujahrsempfangs der Schwanheimer CDU wirklich entspannt. Daß er womöglich schon in acht Tagen Opfer einer Kabinettsumbildung werden könnte, schien ihn nicht sonderlich zu belasten.
Wie in den Vorjahren waren die christdemokratischen Kommunalpolitiker in die Turnhalle an der Saarbrücker Straße gekommen, um zum Beginn des Jahres eine Bilanz des Erreichten zu ziehen und die wichtigsten Ziele für die Zukunft zu formulieren. Als besondere Gäste waren der Gemeindepfarrer und die Bürgermeisterin der CDU-Partnergemeinde Mechterstädt, Evelin Groß, nach Schwanheim gekommen.
"Auch wenn wir kurz vor der Kommunalwahl stehen, soll der Empfang keinen Wahlkampfcharakter haben", hob der Fraktionsvorsitzender der CDU im Ortsbeirat 6, Bernhard Mertens, hervor. Doch ganz ohne Reden ging es dennoch nicht. So blickte der Bezirksverbandsvorsitzende Helmut Heuser optimistisch auf den Wahltag. "Wir wollen am 7. März gewinnen, das ist ganz klar", erklärte er den Gästen des Neujahrsempfangs. Wichtig ist Heuser aber auch, daß "weder rechts- noch linksextremistische Parteien eine Chance bekommen, ins Parlament zu ziehen". So müßten jetzt alle "kräftig mitrudern, um das Boot wieder auf Kurs zu bringen."
Für die thüringischen Gäste hatten die Schwanheimer eine Überraschung parat. Für die Renovierung der baufälligen Kirche in Mechterstädt überreichte Bernhard Mertens der Bürgermeisterin einen Scheck in Höhe von 2500 Mark. "Die Spende ist als erste Rate zu verstehen. Ich hoffe, daß noch mindestens zwei oder drei weitere folgen werden", forderte der Fraktionsvorsitzende die Gäste zur Unterstützung auf. Bernhard Mertens bezeichnete die Mechterstädter Kirche als "wahres Kleinod, das eigentlich mehr Beachtung verdient hätte".
Vor kurzem feierten die Thüringer das 275jährige Bestehen der Kirche. Für eine umfassende Sanierung fehlt bislang das Geld. Der mitgereiste Pfarrer war sichtlich erfreut über die Spende: "Ich bedanke mich dafür, daß sie uns helfen, den Berg von unbezahlten Rechnungen abzubauen."
An den "offiziellen" Teil schloß sich dann das lockere Gespräch zwischen den Bürgern und den Politikern an. Mit Bier und Ebbelwei wurden die Kehlen "geölt", wie Helmut Heuser sagte, und endlich konnte sich dann auch die eingangs schon erwähnte familiäre Atmosphäre verbreiten. hen
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Leitartikel Die vereinigten Grünen Seite 3
Asylrecht Der geplante Artikel Seite 4
DKP-Parteitag Genossen unbeirrt Seite 5
Feuilleton Cézanne in Tübingen Seite 7
Fernsehen und Funk Das neue Magazin "Focus" Seite 8
Wirtschaft Telekom-Chef macht Druck Seite 10
Dokumentation Stalingrad und NS-Propaganda Seite 12
Frankfurt Streit um FVV-Beitritt Seite 13
Kulturspiegel Heroen als Sexlümmel Seite 17
Hessen Die 50er Jahre in Wetzlar Seite 18
Aus aller Welt Kondome im Diplomatengepäck Seite 20
Fernsehen und Funk Seiten 8/9
Roman/Filmspiegel Seite 11
Freie Aussprache Seite 18
SPORTRUNDSCHAU Eiskunstlauf Höchstnote für Russen-Blues Seite 22
Eishockey Freiburg entließ Olejnik Seite 22
Tennis Huber unterlag Capriati Seite 22
Eintracht Frankfurt Gerüchte um Toppmöller Seite 24
GRIESHEIM. "Ich glaube, wir haben ein Stück weit verwirklicht, was Weihnachten eigentlich bedeutet", stellte Vereinsring-Vorsitzende Ursula Schmidt fest, nachdem sie das Spendenergebnis des Griesheimer Weihnachtsmarktes an die Multiple Sklerose Gesellschaft (MSG) überreicht hatte. Insgesamt 16 000 Mark hatten die 16 teilnehmenden Vereine mit ihren Verkaufsbuden erwirtschaftet. Das Geld wurde am Sonntag dem Vorstand der MSG, Gerhard Voce und Wolfgang Steinmetz, überreicht. Stadträtin Ilse Vaupel, Stadtverordneter Dieter Bürger und Stadtbezirksvorsteherin Christel Götz waren anwesend, die Chorgemeinschaft Griesheim und der Akkordeonverein "Heiterkeit" spielten Lieder.
"Nicht bloß, daß unser Weihnachtsmarkt unkommerziell und ohne Einkaufshektik ablief. Vor allem die Tatsache, etwas für den anderen getan und Freizeit sinnvoll genutzt zu haben, macht uns sehr stolz", verriet die Vorsitzende.
Den größten Anteil für die MS-Kranken steuerte die Tombola bei, auch beim Bierverkauf wurde Gewinn gemacht, da die Fässer von einer großen Frankfurter Brauerei gespendet worden waren. Darüberhinaus hatte der Vereinsring mit einer Sammelbüchsen-Aktion in den Griesheimer Geschäften Geld gesammelt.
Wolfgang Steinmetz, Geschäftsführer der Multiplen Sklerose (MS) Gesellschaft, nahm den Scheck entgegen. In erster Linie soll damit eine Behindertenfreizeit am Thuner See finanziert werden, außerdem will die Gesellschaft eine sogenannte Hilfsmittelberatung gründen. MS- Kranke werden von einem Mitarbeiter besucht und bei der Wahl von medizinischen Geräten und Hilfen unterstützt.
"Mit der Entscheidung für die MS- Kranken haben wir offene Türen eingerannt", meinte Ursula Schmidt: Multiple Sklerose ist leider in der Öffentlichkeit immer noch zu unbekannt, obwohl allein in Hessen 3700 MS-Kranke leben". Frau Schmidt lobte: "Ich denke, wir haben mit unserer unspektakulären Aktion dazu beigetragen, daß die Krankheit ein wenig aus ihrem Schattendasein heraustritt."
Für den Vereinsring steht jetzt schon fest, auch beim nächsten Weihnachtsmarkt wieder mit der MS-Gesellschaft zusammenzuarbeiten. Ursula Schmidt: "Die Griesheimer gehen halt mit gutem Beispiel voran." hen
Seckbacher engagieren sich gegen Ausländerhaß
"Ich hatte befüchtet, daß nur fünf Personen kommen", meinte Martin Schauß, Pfarrer der Mariengemeinde in Seckbach. Doch stattdessen kamen jetzt auf seine Einladung etwa 30 Bürger und Vertreter von Vereinen, Parteien und Bürgerinitiativen. Im Gemeindesaal gründeten sie ein "Aktionsbündnis gegen Ausländerfeindlichkeit". An die zwei Stunden wurde über Möglichkeiten diskutiert, im Stadtteil gegen Fremdenhaß anzugehen. Innerhalb einer Woche sollen die Teilnehmer ihre Vorschläge schriftlich abgeben. Schauß: "Wenn beispielsweise die örtliche SPD eine Hausaufgabenhilfe für Kinder von Asylbewerbern anbietet, müssen nicht andere etwas ähnliches machen - aber sie können sich sehr wohl dort engagieren." Die Ergebnisse der Ideensammlung wird ein Organisationsteam zusammenfassen und in Form einer Zeitung veröffentlichen. Dadurch sollen die Seckbacher Bürger informiert und möglichst viele zur Mitarbeit bewegt werden. Als Anlaufstelle fungiert das Büro der Mariengemeinde, das unter der Telefonnummer 47 91 31 zu erreichen ist. Das nächste Treffen wurde für den 15. Februar um 19.30 Uhr vereinbart. Es wird im Vereinsheim der Fußballgesellschaft Seckbach in der Hochstädter Straße 22 stattfinden. laf
Die SPD-Fraktion im Römer hat der christdemokratischen Spitzenkandidatin für die Kommunalwahl, Petra Roth, eine "peinliche Fehlleistung" vorgeworfen. Geschäftsführer Franz Frey bezog sich mit dieser Einschätzung auf eine Erklärung der Christdemokratin, wonach die Verbrechensrate in Frankfurt höher als in New York sei. Polizeipräsident Karlheinz Gemmer hatte diese Aussage gegenüber der FR als völlig falsch bezeichnet und dies auch statistisch belegt.
Die SPD-Fraktion ist der Meinung, solche "Tatarenmeldungen" über die Kriminalität in Frankfurt seien ein Beleg dafür, daß Roth im Hinblick auf den Wahltermin am 7. März "die blanke Panik" befallen habe. Die Fraktion forderte die CDU auf, bei dem "ernsten Thema" innere Sicherheit sachlich zu bleiben. habe
So einfach war das Zaums dürftiges Zeitstück "Die müde Jagd" uraufgeführt
HEILBRONN. Ein Polizist tritt aus einer Wachstube, streicht, ein Amtsakt, sorgfältig unter Zuhilfenahme eines Lineals das Konterfei eines Terroristen auf dem Fahndungsplakat aus und ereifert sich dabei über die Übergriffe des Kollegen auf seine Schreibtischseite. Anketten müßte man alles, Lineal, Bleistift, Büroklammern. Man soll sehen in Ulrich Zaums Szenen aus Deutschland der letzten zwanzig Jahre, wes Geistes Kind unsere Ordnungshüter sind. Nur Zwangsneurotiker jagen Terroristen, und unfähige Journalisten helfen ihnen dabei, das Bild der Wirklichkeit zu verzerren. So einfach war das. "Die müde Jagd", so der Titel von Zaums Versuch eines zeitkritischen Stükkes, versammelte außer derartigen Kurzschlußanalysen ungefiltert und ungebrochen einen Großteil einschlägiger Phrasen aus den Jahrzehnten nach der Studentenbewegung. Es beginnt mit einem unendlich öden, dafür enden wollenden Dialog zwischen zwei Apo-Veteranen in einem Nachtstudio. Der Moderator zeichnet sich durch flotte Sprüche und Desinteresse aus, sein Part ist ein munteres Potpourri von Fragen und Verkehrsdurchsagen. Dank Ralf Nürnbergers Regiezutaten ist er durch einen orangenfarbenen Overall, Kopfhörer - und Weghören kenntlich, derweil der hinter einer Glastrennwand sichtbare Tontechniker die Beine aufs Mischpult legt und Bild-Zeitung liest, während der Sendung. Denunziation ersetzt umstandslos jede Sachkenntnis. Hier kommt - sicher unfreiwillig - ein gerüttelt Maß jener gefährlichen Selbstgerechtigkeit zur Kenntlichkeit, die untrennbar zur bundesdeutschen Bewußtseinsverengung gehört. Eine oberflächlichere, unangemessenere Kritik der zweifellos problematischen Wirklichkeitsvermittlung durch die Medien ist kaum vorstellbar.
Weiter treten auf ein Minister im Walde und eine Art persönlicher Referent oder Wachmann, Passanten, Schaulustige, Gaffer, die natürlich feige sind und zu Gewalttätigkeit neigen, Herr und Leibwächterknecht auf der Herrentoilette, witzlose Clowns, Terroristin und Aussteigerin, ein alpträumender Trunkenbold, eine in die DDR-Anonymität abgetauchte Exterroristin und ein zynischer Reporter, dann und wann dümmliche Journalisten, schließlich dreimal Herodot im härenen Gewand, ein Priester der Einfachheit, mit Hirtenstab und Kind an seiner Seite.
Die Szenen spielen im Nirgendwo der Drehbühne, mit Vorliebe vor dem hereinhängenden Bild einer Daimler-Luxuslimousine mit geöffnetem Wagenschlag. Man kann bei den auf eine bis mehrere Personen verteilten Sprachschablonen kaum von Szenen sprechen, und gespielt werden sie auch nicht.
Ralf Nürnberger macht den redseligen, sich bedeutungsvoll gebenden Text durch spannungslose, statische Arrangements vollends stumpf. Der Autor hat keine Sprache für sein Anliegen und keine szenische Phantasie für unsere widersprüchlichen Erfahrungen und unsere Angst, für den Verlust falscher Alternativen und lebensnotwendiger Utopien. Die müde Jagd schleppt sich von Szene zu Szene zu müdem Applaus.
Die Bruchstücke aus 20 Jahren bundesrepublikanischer Wahrnehmungsklischees, die ein Stück werden sollten, erleben auf den Brettern des Heilbronner Theaters eine Bruchlandung. Das Zeitstück, die Auseinandersetzung mit den vorgeblichen Gewißheiten unserer Nachkriegsgeschichte, bleibt ein dringliches Desiderat. CORNELIE UEDING
Zweite Basketball-Bundesliga der Frauen Beim Rebound zumeist leer ausgegangen
Kronberg - Würzburg 61:70 (36:34) Entscheidet ein Korbpunkt über die Teilnahme an der Aufstiegs- oder Abstiegsrunde in der 2. Basketball-Bundesliga der Frauen? Der MTV Kronberg und die KuSG Leimen (82:52 gegen TVG Trier) sind vor den beiden letzten Spieltagen punktgleich (14:18), im direkten Vergleich hat der Hochtaunus-Vertreter durch seinen 69:65 Erfolg in Leimen und dem 91:94 im Heimspiel um einen Zähler die Nase vorne. Allerdings muß Kronberg am Samstag zum Staffelsieger SB Heidenheim und spielt zum Abschluß gegen Eintracht Frankfurt (30. 1.). Leimen gastiert beim Schlußlicht Freiburg und spielt zuletzt gegen Heidenheim.
Die Würzburgerinnen führten in beiden Halbzeiten (25:15 nach 13 Minuten beziehungsweise 48:39 /25.) deutlich, die Mannschaft von Yvonne Schäfer holte jedoch jeweils wieder auf. Beim 57:58 (35.) war noch alles drin, aber jetzt sorgten Kathy Smith (19 Korbpunkte) sowie Beate Grabow (14) für klare Verhältnisse. Zumal Marianna Klimentova (17) in der 36. Minute nach ihrem fünften Foul das Spielfeld verlassen mußte. Neben der CSFR-Nationalspielerin erzielten Heidi Globig, Steffi Herzog und Ilka May (je 10) eine zweistellige Quote. Die Rebound- Nachteile waren entscheidend. hdp
Jerusalem, 17.1.93 Liebe Kolleginnen und Kollegen,
anliegend rund 70 Zeilen zum Besuch des ägyptischen Aussenministers in Israel, die der Tages-Anzeiger wünschte.
Beste Grüsse, Armin
Die Gespräche, die Ägyptens Aussenminister gestern in Israel führte, brachten keine Lösung der Frage der nach Südlibanon deportierten Palästinenser. Das IRK darf Medikamente in ihr Lager bringen.
Während die 400 von Israel nach Südlibanon deportierten Palästinenser gestern ihren kläglichen Protestmarsch bereits nach 100 Metern wieder aufgaben, rühmte Ägyptens Aussenminister Amr Mussa das "köstliche Fleisch", das ihm sein israelischer Amtskollege gereicht habe. Es war so ziemlich das einzig Positive, was Mussa über die "ernsthaften Gespräche", die er mit Shimon Peres sowie Ministerpräsident Yitzhak Rabin geführt hatte, mitteilen konnte. Er hoffe, in der Frage der Deportierten "doch noch voranzukommen, um die Situation zu entschärfen", sagte der Ägypter: "Wir diskutieren immer noch einige Vorschläge."
Doch die Israelis blieben hart. Die Deportierten hätten "kein Recht, zurückzukommen", antwortete Peres. Wohl darauf bauend, bei den Ägyptern, die ebenfalls Probleme mit ihren islamischen Fundamentalisten haben, mit seiner Politik auf Verständnis zu stossen, zeigte auch Yitzhak Rabin nicht das geringste Entgegenkommen: "Die israelische Regierung bleibt bei ihrer Entscheidung."
Angesichts der israelischen Unbeweglichkeit blieb Mussa schliesslich nichts übrig, als einzugestehen, dass sie zwar "diskutiert" hätten und Rabin ihm zugehört hätte, aber: "Der Ministerpräsident hat nichts akzeptiert." UN-Resolutionen aber müssten "überall respektiert werden", sagte Mussa. "In der Region" herrsche der Eindruck, dass die Vereinten Nationen im Falle Irak die Resolutionen mit aller Härte durchsetzten, im Falle Israel jedoch nachgiebiger handelten.
Nur im humanitären Bereich zeigte sich Israel etwas entgegenkommender. Nach Peres' Pariser Gesprächen mit dem UN-Generalsekretär kündigte Israel am Wochenende an, dem Internationalen Roten Kreuz zu erlauben, Medikamente zu den Palästinensern zu fliegen und neun der 15 "irrtümlich" Deportierten sowie "lebensgefährlich Erkrankte" zurückzubringen. Doch noch muss der IRK-Flug mit dem UN-Kontingent in Südlibanon koordiniert und von der libanesischen Regierung genehmigt werden.
Mitte der Woche erwartet Israel den dritten Abgesandten des UN-Generalsekretärs, um "die verschiedenen Vorschläge" (Peres) zur Lösung der Situation zu diskutieren. Am Wochenende deutete Umweltminister Yossi Sarid an, welche Lösung sich Israel vorstellt. "Ein Signal Syriens an die libanesischen Behörden, könnte die ganze Angelegenheit beenden", meinte Sarid im Rundfunk. Er hoffe, Syrien werde im kommenden Monat, wenn in Washington die Friedensverhandlungen wieder aufgenommen werden, behilflich sein.
Armin Wertz
Markus Wasmeier ist ein bodenständiger Mensch. Fest verwurzelt in seiner oberbayerischen Heimat Schliersee. Er spielt Kniegeige, mag Bier zur Brotzeit und steht den christlichen Werten seiner weiß-blauen Heimat nicht gerade fern. Aber in diesem Winter hat der von seinen zahlreichen Fans nur "Wasi" genannte Liebling der deutschen Ski-Nation das Fluchen gelernt.
"Auf den fluch i beinah jeden Toag." "Der", das ist der Servicemann einer Ausrüsterfirma, der sich Ende November im südtirolischen St. Vigil dem zu Trainingszwecken zu Tal rasenden Rennfahrer in den Weg gestellt hatte. Die Begegnung der seltsamen und schmerzhaften Art endete für Wasmeier in einem abgedunkelten Raum, wo er eine schwere Gehirnerschütterung auskurierte und darüber nachdachte, wie er möglichst schnell wieder auf die Bretter kommt.
Das war nach herkömmlicher Meinung der Schulmedizin gar nicht so einfach, denn außer am Kopf hatte es den 29jährigen auch böse am Bein erwischt. Wadenbeinbruch oberhalb des Knöchels. Dagegen war die Bänderverletzung am Schultereckgelenk nahezu eine kleine Schramme. Zwölf Wochen, grob geschätzt, hätte sich Otto-normal-Skifahrer mit soviel Leid herumgeplagt. Wasmeier stand nach drei Wochen wieder auf dem Ski, eine Woche später stürzte er sich in Kranjska Gora den Riesenslalomhang hinunter und wenige Tage später das sensationelle Comeback: achter Platz beim Super-G von Bad Kleinkirchheim. Vor einer Woche zweimal sechster auf der schweren Kanadahar-Piste in Garmisch-Partenkirchen. Das Wunder Wasmeier? "Nein", so meint er ganz lakonisch, "ganz einfach harte Arbeit" - und Vertrauen in den befreundeten Chiropraktiker Volker Müller.
Bewegung, so hat Wasmeier gelernt, beugt der drohenden Entkalkung des lädierten Knochens vor. Also kam nach sieben Tagen der obligatorische Gips ab. Weitere sieben Tage später folgte der erste Spaziergang und, und, und . . .
"Ein Beinbruch ist kein Bänderriß, da gibt es keine möglichen Spätfolgen." Schon deshalb hat er keinen Gedanken an das mögliche Ende seiner Karriere verschwendet. Mit 29 Jahren fühlt sich der gelernte Maler auf dem Rennski so wohl wie zu seinen besten Zeiten.
Dritter der Weltcupgesamtwertung 1985/86, Gewinner des Super-G-Pokals und der Mister Super-G schlechthin. 1989 noch einmal fünfter im Gesamtweltcup. Dann der Abstieg bis zum bemitleidenswerten Auftritt bei der WM in Saalbach- Hinterglemm. Dennoch: "Ich habe nie an mir gezweifelt." Wasmeier klammert sich an gute Zwischenbestzeiten, an die Weisheit, daß man das Skifahren so schnell nicht verlernen kann, redet sich trotzig ein: "Wards schon, i komm wieder." Drei Jahre ist es her, als der Strahlemann des deutschen Skisports hinterherkurvte, nicht mehr unter den ersten 20 landete und dennoch an sich glaubte.
Der Knoten platzte im fernen Kanada. Zum Saisonschluß 1990/91 der überraschende Sieg im Super-G von Lake Louis. "Ich bin stolz, das geschafft zu haben." Da blitzen die blauen Augen wieder. Im Sommer darauf heiratet Markus Wasmeier, wechselt die Skimarke und feilt an skitechnischen Fehlern, die sich eingeschlichen hatten. "Das war alles sehr positiv, hat neuen Halt gegeben."
Dann in der vergangenen Saison die Rückkehr des im wahrsten Sinne tief Gefallenen. Denn da war ja noch jener fürchterliche Sturz von Furano 1987, als sich Wasmeier einen Brustwirbel brach. Mit Startnummer 38 ging der auf Rang 51 in der Abfahrts-Weltrangliste abgerutschte Schlierseer auf der eisigen Piste von Garmisch an den Start und gewann. Mittlerweile führt der Ski-Weltverband den gelernten Maler wieder auf Platz vier.
So "richtig reinhängen" wollte er sich im Weltmeisterschaftswinter, in dem der Skizirkus am Wochenende im schweizerischen Veysonnaz Station macht, noch einmal in allen Disziplinen. Die psychischen und physichen Voraussetzungen waren bestens und die Trainingsresultate versprachen auch im Riesenslalom, in jener Disziplin, in der er 1985 Weltmeister geworden war, wieder außergewöhnliche Leistungen. "I kennt dauernd fluchen."
Aber schon deutet sich wieder Positives an. "Narrisch" freut sich Wasmeier darauf, "des mir a richtige Familie wern". Im Juni erwartet Frau Brigitte ein Kind, und als Hobby gibt der Oberfeldwebel seit neuestem das Hausbauen an. Alles gute Omen für die Olympischen Winterspiele 1994 in Lillehammer. Mit einer Olympia-Medaille fiele gar dem leidenschaftlichen Rennsportler Wasmeier der Abgang von der verschneiten Bühne leicht. JÜRGEN AHÄUSER z. Zt Lech Österreichs Ski-WM-Kader steht
Der Österreichische Skiverband (ÖSV) hat am Montag in Innsbruck seinen vorläufigen Kader für die alpinen Ski-WM vom 3. bis 14. Februar in Morioka-Shizukuishi (Japan) bekanntgegeben. Er setzt sich aus 17 Frauen und 19 Männer zusammen. Das endgültige Aufgebot, das aus 24 Aktiven plus Titelverteidigern Ulrike Maier und Stefan Eberharter besteht, wird am Sonntag erstellt. sid
FRANKFURT-SÜD. Die Kleingärtner können aufatmen: Ihre Gartenhütten sind seit Ende vergangenen Jahres durch den Magistrat abgesegnet. Durch einen Aufstellungsbeschluß der Stadt werden 47 Kleingartenflächen in Frankfurt rechtlich abgesichert - damit sind auch Gebäude ohne Genehmigung "planungsrechtlich legalisiert". Im Süden der Stadt profitieren vor allem Oberrad und Sachsenhausen von dieser Regelung: In Oberrad sind es fünf Areale, in Sachsenhausen sogar sechs große Gebiete, die in den Bebauungsplan aufgenommen wurden.
Noch bis vor kurzem mußten die Schrebergärtner fürchten, daß sie ihre "Freizeitheime", die sie mehr oder minder illegal zwischen den Beeten errichtet hatten, wieder abreißen müssen. Nach Einschätzungen von Dieter Steinhauer, Vorsitzender der Stadtgruppe der Kleingärtner, dürften die Bauten auf allen Grundstükken "zum überwiegenden Teil ungenehmigt sein". Nach dem heute geltenden Bundeskleingarten-Gesetz dürfte keine Hütte eine Fläche von 18 bis 24 Quadratmetern überschreiten. In früheren Jahren habe sich aber niemand darum gekümmert, was auf den Flächen geschah.
So entstanden über Jahrzehnte nicht nur kleine Hütten, sondern regelrechte Häuser ohne Erlaubnis in geschütztem Grün. Mit verändertem Umweltbewußtsein gerieten die illegalen Bauten der Gärtner zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik. Das Hessische Naturschutzgesetz sah vor, daß ungenehmigte Bauten "im Außenbereich", also im Grünen, beseitigt werden sollten. Gegen dieses Vorhaben liefen die Kleingärtner Sturm. Und sie sind eine Interessengruppe, die in der Stadt Gewicht hat - die Zahl der Kleingarten-Freunde mit Familien wird in Frankfurt auf bis zu 100 000 geschätzt.
Ende 1987 hatte die Landesregierung schon einmal eine Frist gesetzt: Bis dahin sollten Kommunen, die einen Abriß von Gartenhütten verhindern wollten, Bebauungspläne zur Legalisierung aufstellen. Auf Drängen der Kleingärtner wurde die Übergangszeit schließlich um fünf Jahre verlängert - bis zum Dezember 1992. Pünktlich zum Stichtag legte Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) einen entsprechenden Aufstellungsbeschluß vor, der im Amtsblatt veröffentlicht wurde.
Mit diesen Bebauungsplänen, so der Amtstext, "sollen gewachsene Freizeitgartenbereiche planungsrechtlich legalisiert und zum Teil arrondiert werden". Heftige Einwände gegen dieses Vorhaben erhebt Umweltdezernent Tom Koenigs (Grüne): Zehn dieser 47 ausgewiesenen Flächen liegen nämlich im Grüngürtel- Bereich. Hier ist der Umweltdezernent zu keinen Kompromissen bereit: Da im Grüngürtel der Landschaftsschutz gelte, blieben diese Häuser "auch weiterhin nicht erlaubt", sagte er. Der Vorsitzende der Stadtgruppe hingegen begrüßt die Aufstellungsbeschlüsse. Auf den betroffenen Flächen im Stadtgebiet liegen etwa 7000 Kleingärten: "Die kann man schließlich nicht einfach abräumen", so Steinhauer.
In Oberrad sind fünf Gebiete in den Aufstellungsbeschluß aufgenommen worden: Zum einen die Kleingärten, die in dem Dreieck an der A 661, zwischen Offenbacher Landstraße und S-Bahn-Trasse liegen. Weiterhin zwei Grünflächen unterhalb der Wiener Straße, und zwar einmal das Gebiet, das sich direkt an die Straße Im Eichlehen anschließt, sowie die Gärten, die sich bis Höhe Schafheckstraße erstrecken. Einen Bebauungsplan soll es auch für die zwei Kleingartenanlagen östlich der Buchrainstraße und oberhalb vom Burglandweg geben.
In Sachsenhausen ist eine Fläche am Goetheturm ausgewiesen, weiterhin die beiden riesigen Areale, die vom Wendelsweg, Goetheturm, Reversbrunnenweg und der Theologischen Hochschule St. Georgen umschlossen werden. Auch die Gärten, die sich gleich rechts an die Hochschule anschließen, liegen innerhalb der Grenze des räumlichen Geltungsbereiches. Aufgenommen wurden auch die Flächen am Seehofweg und am Sachsenhäuser Landwehrweg.
Wer selber einen Blick in das städtische Amtsblatt werfen will, in dem die Aufstellungsbeschlüsse veröffentlicht wurden, kann sich an die Bürgerberatung, Römerberg 32, oder unter der gleichen Adresse an das städtische Presse- und Informationsamt, wenden. Dort ist das Amtsblatt während der Öffnungszeiten (8.30 bis 16 Uhr) für 80 Pfennig erhältlich. rea
Zweite Handball-Bundesliga, Männer Nach neuer Niederlage wird Luft immer dünner
Günzburg - Gelnhausen 26:22 (14:10) Die 22:26-Niederlage im Kellertreffen der Zweiten Handball-Bundesliga, Gruppe Süd, beim VfL Günzburg warf den TV Gelnhausen nahezu aussichtslos zurück. Selbst zum Relegationsrang 11 (Frisch Auf Göppingen) klafft bereits eine Lücke von sieben Punkten Rückstand. Vor 900 Zuschauern stellte Günzburg bereits im ersten Abschnitt die Weichen (14:10) auf Sieg, als es die Mannschaft von Trainer Kowacki maximal bis auf drei Tore herankommen ließ. Auch als der Gast den wegen schwacher Trainingsleistungen bis zur 39. Minute auf die Bank verbannten Martin Coors (4 Tore) brachte, und dieser zusammen mit Gyöngyösi in einer veränderten Abwehrformation (von 6:0 auf 4:2 umgestellt) in Manndeckung gegen Löhr (5) und Weiß (6/4) sowie sporadisch gegen Vanjek (2) agierte, konnte der abwehrschwache Gast das Ruder nicht mehr herumreißen.
Die starke Vorstellung von Coors zeigte, wie wenig Trainingsleistungen besagen. Die konsequente Haltung des Coaches brachte nichts, zumal Maslanka und Scholz im Rückraum nichts zuwege brachten, Marian (3) über eine durchschnittliche Verteilerrolle nicht hinauskam und der baumlange Seidel (9/5) trotz einer Leistungsexplosion es allein nicht packte. Torwart Bretschneider hielt, was zu halten war, wurde jedoch von seiner Abwehr immer wieder im Stich gelassen. Zu den Pluspunkten zählte Gyöngyösi, der nach Krügers roter Karte (37.) - wegen angeblicher Schiedsrichterbeleidigung - am Kreis spielte und dort zweimal traf. hdp
Zweite Basketball-Bundesliga der Frauen Die Eintracht-Abwehr war viel zu lasch
Schwabing - Frankfurt 83:70 (39:30) Für die Frankfurter Eintracht, Tabellenvorletzte der zweiten Basketball-Bundesliga der Frauen, wird die Lage langsam prekär. "Weil wir schon als Absteiger gehandelt werden, können wir nur noch gewinnen", beschrieb Manager Klaus Veit die Situation der Mannschaft, die in der vergangenen Saison noch in der Bundesliga gespielt hatte.
Beim Gastspiel beim MTSV Schwabing, der noch nicht aller Abstiegssorgen ledig ist, fiel vor allem die lasche Abwehrarbeit der Eintracht auf, die zum zweitenmal hintereinander Gegnerinnen mehr als 80 Punkte gestattete. Die gute Trefferquote der Münchnerinnen erklärte sich nämlich zum Teil auch daraus, daß sie häufig unbedrängt werfen konnten. Trotzdem hielt Frankfurt bis Mitte der zweiten Halbzeit (44:51 in der 29. Minute) noch die Hoffnung auf einen Auswärtserfolg aufrecht.
Beste Werferin auf seiten der Eintracht war Steffi Wegeler, die zwar auf 17 Punkte kam, vor der Pause jedoch nur zwei Zähler erzielte und nach dem Wechsel den Rest ausschließlich mit Dreiern besorgte. Nach ihr trafen noch Eva Santina- Romero (14) und Sandra Kojic (13) zweistellig. ah
Zweite Basketball-Bundesliga Ärger über Referee und dumme Niederlage
Offenbach - Speyer 75:80 (48:32) Die Enttäuschung sitzt tief im Team der BG Maxx Offenbach/Neu-Isenburg nach einer ebenso unnötigen wie möglicherweise bedeutsamen Niederlage, denn Offenbach kann jeden Punkt im Kampf um den Klassenerhalt brauchen. Die Vorzeichen standen nicht gut, da Brandt Johnson familiärer Angelegenheiten wegen in die USA gereist war, was die Mannschaft etwas verstimmte. Statt seiner nahm Steven Aamodt die Ausländer- Position ein, den der Klub in aller Eile aus Minnesota eingeflogen hatte.
Doch nicht nur der neue Mann tat sich mit der Regel-Interpretation der Schiedsrichter schwer (drei Fouls hatte er nach sechs Minuten), auch Offenbachs Coach Jochen Bezler erregte sich über einen Referee, der allein zwischen der 30. und der 33. Minute achtmal ein Foul der BG sah. In dieser Phase kippte die Partie, Speyer legte beim Stande von 51:65 einen 14:0-Zwischenspurt hin und zog damit gleich.
Offenbach hatte bis dahin stets hoch geführt, schon nach elf Minuten 35:17, und noch in der 23. Minute mit 53:32. Die meisten Punkte für die Gastgeber machten Peter Reißaus (25), Ralf Bülter (18) und Aamodt (11). ah
Der Vergleich der Kriminalitätsraten von Frankfurt und New York, den Polizeipräsident Gemmer ins Reich der Phantasie verwiesen hatte, stammt von der OB-Kandidatin Petra Roth (CDU) - und nicht vom "stern", wie jetzt irrtümlich in der Überschrift eines FR-Artikels zu lesen war. FR
Der SC 1880 Frankfurt blieb auch am ersten Rückrundenspieltag der süddeutschen Hallenhockey-Regionalliga ohne Niederlage an der Tabellenspitze (14:2). Allerdings gaben die 1880er beim THC Hanau mit 9:9 ihren zweiten Punkt ab. In der 50. Minute führten die Hanauer durch Koch (2), Ritter (2), Eimer (2), Tauchert (2) und Mertens 9:6, nachdem sie teilweise vier Tore Vorsprung vorgelegt hatten. Ross (2), Moisl (2) und Müller antworteten für die Frankfurter. Ab der 49. Minute nahm Stefan Blöcher das Heft in die Hand und erreichte mit vier Treffern noch den Ausgleich. "Die Routine von Stefan hat alles entschieden", freute sich Klaus Kleiter, der SC-80 Trainer.
Neuer Verfolger sind die Stuttgarter Kickers nach 6:4 über Ulm und der 7:8-Niederlage des TSV Mannheim 1846 in Heidelberg. Anschluß an die Spitzengruppe hat nun wieder der Rüsselsheimer RK, dem gegen den HC Speyer ein 9:4 gelang. In einem harten Spiel mußte der RRK vor der Pause ständigen Rückständen nachlaufen, erreichte aber durch Nickolaus, George (3) und Stallmach bis zur 40. Minute die 5:4-Führung. Der beste Rüsselsheimer, Emmerling, leitete dann den Umschwung endgültig ein, erzielte selbst zwei Treffer und erreichte gemeinsam mit Nickolaus und Stallmach noch ein klares 9:4. ws
Die drei deutschen Eisfahrer gingen bestens vorbereitet und hochmotiviert in den Viertelfinallauf zur Eisspeedway- Weltmeisterschaft am Frankfurter Ratsweg. Helmut Weber (Hausham), Erich Soir (Olching) und vor allem dem Lokalmatadoren Andreas Müller aus Eschersheim hatte man Plätze unter den ersten acht zugetraut, die zur Teilnahme am WM-Halbfinale in Inzell berechtigten. Am Schluß triumphierte nur Deutschlands dienstältester Eispilot, der 43jährige Helmut Weber aus Hausham am Schliersee. Weber, der mit nagelneuem Maschinenmaterial seines Mannheimer Sponsors Rolf Kolb anrückte, erreichte gerade so den rettenden 8. Rang, nachdem er im vorletzten seiner zehn Starts am Samstag und Sonntag seinen einzigen Laufsieg erringen konnte.
Erich Soir zeigte auf dem 13 Zentimeter starken Kunsteis beherzte Aufholjagden, scheiterte aber letztlich, als er in entscheidenden Sequenzen zu viel Risiko ging und nach Fahrfehler mehrmals gute Plazierungen einbüßen mußte. Sein zehnter Rang mit 13 Punkten bleibt allein für die Statistik.
Der unter hohem Erwartungsdruck stehende Frankfurter Andreas Müller war der Pechvogel dieses WM-Laufes. Schon am Freitag im an sich bedeutungslosen Training hatte er auf dem glatten Parkett einen Ausrutscher, bei dem er sich eine starke Prellung am Ellenbogen zuzog. Am Samstag konnte er in seinen ersten beiden Rennen zweimal als Zweiter die Ziellinie kreuzen, stürzte aber in seinem dritten Lauf erneut. Dabei fiel er auf die linke Hand, die innerhalb von Minuten stark anschwoll.
"Ich bin dann im nächsten Lauf zum Start herausgefahren, aber schon in der ersten Kurve ging mir die Hand am Lenker auf und ich konnte das Motorrad nicht mehr halten", berichtete Müller. Der 28jährige mußte sich die restlichen beiden Läufe vom Fahrerlager aus ansehen. Am Sonntag startete er mit vereister Hand einen neuen Versuch. "Ich wollte den Zuschauern in meiner Heimatstadt unbedingt noch etwas zeigen", begründete Andreas Müller den neuen Anlauf. Doch nach zwei weiteren Läufen, in denen der kraftlose Eisritter nur dem Feld hinterherfahren konnte, sah der Frankfurter die Sinnlosigkeit dieses Unternehmens ein und gab endgültig auf.
Besser lief es für die favorisierten Fahrer aus der Russischen Republik. Ex- Weltmeister Sergej Iwanow (28 Punkte), Aleksandr Balaschow (27) und der amtierende Weltmeister Juri Iwanow (23) beendeten in dieser Reihenfolge als Sieger das Rennen. Balaschow, der wie Weber für das Mannheimer Auto-Kolb-Team startet, wurde durch einen technischen Defekt am Samstag am Gesamtsieg gehindert: Ein Kabel zur Zündspule war gebrochen, als der Moskowiter wieder einmal souverän in Führung gelegen hatte.
Balaschow nützten spätere Siege über die Iwanow-Brüder nichts mehr - er durfte das Siegerpodest nur als Zweiter betreten. Die erstaunlichste Leistung aber vollbrachte Wladimir Tscherblokow: Als einer von zwei Vertretern aus Kasachstan, die erstmals an einer Eisspeedway-WM teilnehmen durften, rangierte er zum Schluß hinter den Russen auf Platz 4. Die Kasachen waren ohne Motorräder in Frankfurt eingetroffen. Die Maschinen steckten im Zoll in Weißrußland fest. Der Bad Aiblinger Tuner Erich Baier, der auch Andreas Müller betreute, lieh dem Kasachen seine Reservemaschine. Mit dem betagten Modell fuhren Tscherblokow und Nikolai Popow an den beiden Renntagen insgesamt 28 Punkte ein. THOMAS SCHIFFNER
HANDBALL BUNDESLIGA, Männer, 21. Spieltag: TV Niederwürzbach - VfL Gummersbach 22:18 (12:8), TuS Schutterwald - THW Kiel 23:18 (11:13), TV Eitra - SC Magdeburg 26:21 (11:8), TURU Düsseldorf - TV Großwallstadt 26:20 (10:10). 1. Wallau-Mass. 20 13 2 5 448:404 28:12 2. SG Hameln 20 13 1 6 451:415 27:13 3. Niederwürzb. 20 11 3 6 440:423 25:15 4 TUSEM Essen 18 11 2 5 400:376 24:12 5. Magdeburg 21 11 2 8 427:407 24:18 6. THW Kiel 21 11 1 9 412:413 23:19 7. Leutershs. 20 10 2 8 411:414 22:18 8. TBV Lemgo 20 10 1 9 381:371 21:19 9. Großwallstadt 21 8 5 8 454:441 21:21 10. Gummersbach 21 8 5 8 409:405 21:21 11. Dormagen 19 8 4 7 368:355 20:18 12. Schutterwald 21 8 3 10 465:487 19:23 13. Milbertshofen 19 7 4 8 383:390 18:20 14. Fredenbeck 20 7 4 9 458:465 18:22 15. Düssedorf 21 8 1 12 408:417 17:25 16. Flensburg 20 6 4 10 377:380 16:24 17. TV Eitra 21 3 4 14 432:486 10:32 10. HCE Rostock 19 3 2 14 337:412 8:30
SACHSENHAUSEN. Die Straßenbahn- Haltestelle "Am Mühlberg" soll sicherer werden. Das fordern die Abgeordneten des Ortsbeirates 5 in einem Antrag, der in der jüngsten Sitzung verabschiedet wurde. Sie schlagen vor, sogenannte Drängelgitter aufzustellen. Außerdem sollen die Fahrgäste mehr Raum auf den Bahnsteigen entlang der Straßenbahnlinie bekommen.
Notwendig ist das, da - laut Antrag der CDU - häufig "Umsteiger von der S- auf die Trambahn und umgekehrt über die Straße und insbesondere über die Gleise hasten", um die wartende Bahn zu erreichen. Dabei achten sie wenig auf den fließenden Verkehr und zwingen gerade auch die aus Oberrad heranfahrenden Bahnen zu Vollbremsungen. Deshalb soll die Haltestelle so mit Gittern gesichert werden, wie das bei der Station Theobald-Christ-Straße / S-Bahn-Station Ostend der Fall ist.
Daran setzte jedoch ein Bürger aus, "mit ein paar Gittern ist es nicht getan." Die ganze Offenbacher Landstraße sei doch ein einziger Überweg. Ihm mißfiel auch, wie eng es auf den gepflasterten Flächen ist, die den Fahrgästen der Straßenbahn zur Verfügung stehen. Die warten inmitten des Autoverkehrs, der an dieser Stelle der Offenbacher Landstraße zweispurig in jede Richtung fahren darf. Gerhard Kadelbach, Fraktionsvorsitzender der SPD, nahm das auf und ergänzte mit allgemeiner Billigung den Antrag. Demnach soll die Fahrbahn aus Richtung Wendelsplatz auf eine Spur reduziert und der gewonnene Platz der Sicherheit der Passanten dienen. ask
Viel leichter als erwartet fiel der Frankfurter Eintracht der Sieg in der Basketball-Regionalliga über den TSV Krofdorf-Gleiberg. Schon bald nach dem Wechsel war klar, daß die Gäste die Begegnung nicht mehr würden an sich reißen können. Die meisten Punkte beim 101:77 (50:33) machten für Frankfurt Matthews (21), Langohr (19), Zeiske (18), von Moller (17, alle vor der Pause) und Schädlich (12). ah
VOLLEYBALL BUNDESLIGA, Männer, 13. Spieltag: VfB Friedrichshafen - Post Telekom Berlin 3:0 (15:7, 15:6, 15:4), TuS Kriftel - ASV Dachau 0:3 (13:15, 7:15, 2:15), SV Bayer Wuppertal - SC Leipzig 3:0 (15:5, 15:11, 15:7), Moerser SC - TV Düren 3:0 (15:3, 15:9, 15:13). 1. SV Bayer Wuppertal 11 11 0 33:7 22:0 2. Moerser SC 11 10 1 30:7 20:2 3. VfB Friedrichshafen 10 8 2 27:10 16:4 4. SCC Berlin 9 6 3 20:14 12:6 5. ASV Dachau 11 6 5 22:17 12:10 6. TuS Kriftel 11 5 6 17:23 10:12 7. 1. VC Hamburg 10 3 7 18:25 6:14 8. Post-TRC Berlin 11 3 8 14:26 6:16 9. SC Leipzig 11 1 10 5:30 2:20 10. TV Düren 11 0 11 6:33 0:22
VOLLEYBALL BUNDESLIGA, Frauen, 13. Spieltag: TSG Tübingen - VfL Vechta-Oythe 3:2 (15:13, 16:14, 11:15, 9:15, 15:13), Schweriner SC - 1. VC Schwerte 3:0 (15:4, 15:8, 15:3), VC Straubing - VG Alstert. Harksheide 3:1 (6:15, 15:7, 15:11, 15:12), CJD Feuerbach - SG Rupenhorn 3:0 (15:3, 15:4, 15:5), CJD Berlin - Bayern Lohhof 3:0 (15:2, 15:11, 15:7), USC Münster - TSV Bayer Leverkusen 3:0 (15:7, 15:3, 15:3). 1. Schweriner SC 13 12 1 36:6 24:2 2. USC Münster 13 12 1 38:9 24:2 3. CJD Berlin 13 11 2 34:8 22:4 4. CJD Feuerbach 13 10 3 33:13 20:6 5. VG Alstertal-Harksh. 13 6 7 25:25 12:14 6. Bayern Lohhof 13 6 7 21:24 12:14 7. TSG Tübingen 12 5 7 17:25 10:14 8. VC Straubing 13 5 8 20:27 10:16 9. VfL Vechta-Oythe 13 4 9 18:30 8:18 10. 1. VC Schwerte 12 3 9 14:31 6:18 11. Bayer Leverkusen 13 2 11 7:35 4:22 12. SG Rupenhorn 13 1 12 7:37 2:24
Die Revanche ist gelungen. Zumindest bei den A-Junioren besiegte Eintracht Frankfurt im Endspiel um den Germania- Cup in Ober-Roden den VfB Stuttgart mit 7:4 (3:1). Vor ausverkauftem Haus (2000 Zuschauer an beiden Tagen) dominierten die Schützlinge von Karlheinz Körbel nicht nur gegen den achtmaligen deutschen A- Jugend-Meister Stuttgart, sondern im Halbfinale auch gegen den Cupverteidiger 1. FC Kaiserslautern (4:2).
Bereits in den Gruppenspielen hatten sich die Riederwälder 6:4 gegen den VfB Stuttgart durchgesetzt, 12:0 gegen Gastgeber 1. FC Germania Ober-Roden sowie knapp mit 4:3 gegen Hertha Zehlendorf Berlin gewonnen. Michael Groh, Matthias Hagner und Thomas Sobotzik erwiesen sich beim Turniersieger, der 1500 Mark (der insgesamt 3000 Mark) Preisgelder und den Wanderpokal in Empfang nehmen durfte, als Hallenspezialisten.
Stuttgart mußte sich mit 1000 Mark begnügen. Der Karlsruher SC verwies den 1. FC Kaiserslautern (3:2) auf Rang vier, nachdem er im Semifinale (3:3 in der regulären Zeit/ 2 x 12 Minuten) im Siebenmeter- Schießen mit 2:4 den kürzeren gegen Stuttgart gezogen hatte.
ier Offenacher Kickers verloren im entscheidenden Gruppenspiel 2:3 gegen die Karlsruher, spielten 2:2 Unentschieden gegen Kaiserslautern und siegten knapp mit 3:2 gegen einen auf der ganzen Linie enttäuschenden VfL Bochum. hdp
Die 12 000-m-Strecke beim dritten Durchgang der Seligenstädter Winterlaufserie gewann Helmut Marenholz (TuS Griesheim) in 39:32,7 Minuten vor Oliver Schäfer (SSC Hanau/Rodenbach) in 41:00,2 und Jörg Ulrich (TVG Trier) in 41:29,3. In der Mannschaftswertung lag der SSC Hanau/Rodenbach in 2:50:45,4 Stunden vorn. Es folgten die LG Offenbach in 3:00:13,1 Stunden.
In der Wertung der Frauen siegte Birgit Kraus (TV Haibach) in 48:09,3 Minuten vor Anette Rühl (LG Frankfurt) in 50:46,6. Mannschaftssieger wurde die LG Seligenstadt in 3:49:40,5 Stunden. Im 6000-m-Lauf siegte Carsten Arndt (SSC Hanau/Rodenbach) in 18:30,9 Minuten vor Michael Völker (Offenbacher LC) in 18:48,0 und Thomas Schumann (LG Ffm.) in 19:15,0.
In der Mannschaftswertung war der SSC Hanau/Rodenbach auch hier vorn in 1:21:27,8 Stunden vor dem Offenbacher LC in 1:24:23,1. Schnellste Frau war Ulrike Reichert (LG Odenwald) in 22:05,0 Minuten vor Dina Waid (Spvgg. Seligenstadt) in 23:33,9. Die schnellste Mannschaft stellte auch hier der SSC Hanau/Rodenbach in 1:40:37,1 Stunden vor der LG Seligenstadt in 1:47:16,0. -ch
ALPHA - Telefon 28 31 28 - 14.30, 17.15, 20.15, Sa. 23.15 Uhr: Bitter Moon (in orig. english version).
BERGER KINOS - Air Condition! - Te- lefon 45 64 05 - 13.45, 15.45, 20.45, 23.00: Der Tod steht ihr gut; 17.45 Uhr (OmU.), 20.15 Uhr (dt. Fass.): Die Liebenden von Pont-Neuf; 17.45, 19.15, 23.00 Uhr: Die Reinkarnation des Khensur Rinpoche; 13.30, 15.30 Uhr: Der Eisbärkönig (ohne Altersbe- schränkung).
BETA - Telefon 28 31 28 - 14.30, 17.30, 20.30 Uhr: Grüne Tomaten.
CINEMA - Telefon 28 29 33 - 14.15, 17.15, 20.15 Uhr: Eine Frage der Ehre.
CINEMONDE - Telefon 28 29 33 - 13.00, 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Der Tod steht ihr gut.
CINESTAR - Telefon 28 29 33 - 13.00, 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Sister Act.
EDEN - Telefon 28 52 05 - 11.00, 14.00, 17.00, 20.00 Uhr: Grüne Tomaten.
ELDORADO - Telefon 28 13 48 - 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Verhängnis.
ELITE - Telefon 28 52 05 - 10.30, 13.00, 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Der letzte Mohi- kaner.
ELYSEE 1 - Telefon 28 71 57 - 10.00, 12.30, 15.15, 18.00, 20.45 Uhr: Kevin - allein in New York.
ELYSEE 2 - Telefon 28 71 57 - 11.15, 14.15, 17.15, 20.15 Uhr: Eine Frage der Ehre.
ESPLANADE 1 - Telefon 28 57 89 - 10.30, 13.00, 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Sister Act.
ESPLANADE 2 - Telefon 28 57 89 - 12.00, 14.45, 17.30, 20.15 Uhr: Bitter Moon.
ESPRIT 1 - Telefon 28 52 05 - 10.00, 12.00, 14.15, 16.30, 18.45, 21.00 Uhr: Can- dyman's Fluch.
ESPRIT 2 - Telefon 28 52 05 - 10.00, 12.00, 14.00, 16.15, 18.30, 20.45 Uhr: Die Schöne und das Biest.
EUROPA - THX-Lucas-Soundsystem - Telefon 28 52 05 - 10.00, 12.30, 15.15, 18.00, 20.45 Uhr: Bodyguard.
EXCELSIOR 1 - Telefon 25 30 23 - 2.15, 5.15, 8.15 p. m.: A Few Good Men (in orig. english language).
EXCELSIOR 2 - Telefon 25 30 23 - 1.00, 3.30, 6.00, 8.30 p. m.: DAMAGE (in orig. english language).
EXCELSIOR 3 - Telefon 25 30 23 - 14.00, 17.00, 20.00 Uhr: Wiedersehen in Howard's End.
FILMFORUM HÖCHST - Telefon 31 06 - 56 64 - Mo. 19.00 Uhr: Diskus- sionsveranstaltung: Das "Neue Deutschland" - neue Fremdenfeind- lichkeit? (Im Saal des neuen Theater Höchst).
GAMMA - Telefon 28 31 28 - 15.15, 17.45, 20.15 Uhr: Von Mäusen und Menschen.
HARMONIE - Telefon 61 35 50 - 20.15, 22.45 Uhr: The Crying Game (dt. Fass.); 18.00 Uhr: Nie wieder schlafen; 17.45, 20.00, 22.15 Uhr: Simple Man (OmU); 16.00 Uhr: Die Biene Maja (ab 6 J.).
JUGENDKINO - Telefon 43 26 26 - Bin- go (ab 6 J.). (BE) Mo. 16.00 Uhr. (Di., Mi., Do. keine Vorstellung).
KOMMUNALES KINO - Telefon 21 23 88 30 - Mo. Keine Vorstellung.
MAL SEH'N - Telefon 5 97 08 45 - 17.45 Uhr: Dügün - Die Heirat v. J. Elci (BRD/Türkei 1990/91); 19.45 Uhr: Erst- aufführung Winternachtstraum v. A. Veiel (der Reg. ist am Do., 14. 1., per- sönl. anwesend); 22.00 Uhr: Home of the Brave v. L. Anderson.
OLYMPIA - Telefon 28 31 28 - 15.00, 17.45, 20.30 Uhr: Verhängnis.
ORFEO - Telefon 70 22 18 - 18.00, 20.15 Uhr: Gestohlene Kinder; 22.30 Uhr: Diva.
ROYAL - Telefon 28 95 20 - 14.30, 17.30, 20.30 Uhr: Bodyguard.
TURMPALAST 1 - Telefon 28 17 87 - 15.00, 18.00, 21.00 Uhr: Bitter Moon; Mo. 23.00 Uhr: Überraschungsfilm (DM 5,-).
TURM 2 - 15.30, 18.00, 20.30, 23.00 Uhr: Die Stunde der Patrioten.
TURM 3 - 15.15, 17.45, 20.15, 22.45 Uhr: Mein Bruder Kain.
TURM 4 - 15.15, 17.45, 20.15, 22.45 Uhr: Candyman's Fluch.
STUDIO 5 im Turmpalast - Telefon 28 17 87 - 15.00, 17.30, 20.00, 22.30 Uhr: Der letzte Mohikaner.
TURM 6 - 15.00, 17.45, 20.30, 23.30 Uhr: The Bodyguard (in orig. english ver- sion).
TURM 7 - 15.15, 17.45, 20.15, 22.45 Uhr: Last of the Mohicans (in orig. english version).
ZEIL 1 - Telefon 28 51 05 - 13.00, 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Der Tod steht ihr gut.
ZEIL 2 - Telefon 28 51 05 - 13.15, 15.45, 18.15, 20.45 Uhr: Die Schöne und das Biest.
ZEIL 3 - Telefon 28 51 05 - 13.15, 15.45, 18.15, 20.45 Uhr: Kevin - allein in New York.
ZEIL 4 - Telefon 28 51 05 - 12.30, 15.00, 17.45, 20.30 Uhr: Eine Klasse für sich.
ZEIL 5 - Telefon 28 51 05 - 13.30, 15.45, 18.00, 20.15 Uhr: Housesitter - Lügen haben schöne Beine.
ZEIL 6 - Telefon 28 51 05 - 13.30, 15.45, 18.00, 20.15 Uhr: Mo' Money - meh' Geld.
AUTOKINO GRAVENBRUCH - Telefon (0 61 02) 55 00 - 20.00 Uhr: Der letzte Mohikaner.
AUTOKINO MTZ - Telefon (0 61 96) 2 33 44 - Tägl. 20.00 Uhr: Bodyguard.
Zumindest in den vergangenen beiden Jahren war die deutsche Mannschafts- Meisterschaft im Ringen nach dem ersten von zwei Endkämpfen bereits entschieden. "Diesmal kommt es zu einem echten Finale im Rückkampf", freute sich gestern Schifferstadts Trainer Willi Heckmann. Seine Mannschaft hatte vor 4200 Zuschauern in der Aschaffenburger Unterfrankenhalle dem Titelverteidiger AC Bavaria Goldbach in dessen Heimkampf nur einen Sieg mit drei Punkten Vorsprung gestattet (14:11). Damit steht auch hinter dem Unterfangen der Unterfranken, dreimal hintereinander Titelträger zu werden, ein großes Fragezeichen. Bisher gelang dies nur dem Altmeister Heros Dortmund.
In der einen Woche bis zum Rückkampf (Sonntag, 15 Uhr, Rhein-Neckar- Halle Heidelberg-Eppelheim) werden jetzt erfahrungsgemäß in beiden Lagern alle taktischen Möglichkeiten durchdacht. Wer sie am besten in die Tat umzusetzen versteht, ist der neue Meister. Vieles deutet darauf hin, daß den Goldbachern der Drei-Punkte-Vorsprung nicht reichen wird. Bei ihnen scheint Exweltmeister Rifat Yildiz, der gestern bei seinem Sieg gegen Alexanian den spektakulärsten Kampf bot, die Schlüsselposition innezuhaben. Ihm wird nichts anderes übrigbleiben, als in die 57-kg-Klasse abzutrainieren. Nach dem Stand der Waage vom Sonntag wären das innerhalb einer Woche stolze zehn Pfund . . .
Obwohl nur ein Ausländer pro Mannschaft zugelassen ist, wimmelt es vor allem im Schifferstädter Team nur so von fremdländischen Namen. Zumindest Robert Litzenburger bekam in der Unterfrankenhalle zu spüren, daß weder die - man muß es wohl so nennen - "Eindeutschungspolitik" noch die vermeintliche Bestechungsaffäre aus dem Kampf gegen Wiesental bei den Fans so mirnichtsdirnichts in Vergessenheit gerät: Der Vorsitzende der Schifferstädter wurde gnadenlos ausgebuht. Litzenburger: "Daran ist auch ein Teil der Presse schuld. Als es darum ging, in uns angeblich jene zu sehen, die bestochen hatten, stürzte man sich heißhungrig auf die Story. Als die Beschuldigung widerrufen wurde, mußte man die Meldung mit der Lupe suchen."
Dennoch nannte Litzenburger, der verschiedentlich als Nachfolger von Schwindling in der Position des Ringerbund-Präsidenten gehandelt wird, den Hinkampf "eine Riesen-Veranstaltung mit hochklassigen Kämpfen." Sie hätten noch farbiger sein können, wenn da nicht immer die Taktik eine so große Rolle spielen müßte. Mit dem Einhalten derselben hatten dabei beide Trainer so ihre Problemkinder. Bei Schifferstadt war das der frühere Weltmeister Claudio Passarelli, der im letzten Kampf des Abends überraschend Mario Büttner unterlag. Sonst hätten die Gäste sogar die Aschaffenburger Matte als Sieger verlassen. Trainer Heckmann: "Wenn der Claudio motiviert ist, kann er jeden schlagen. Wenn ihn ein Zipperlein plagt, ist er unberechenbar."
Maßlos enttäuscht war Goldbachs Coach Gerhard Weisenberger von Jens Genssler. Der frühere DDR-Spitzenmann überließ seinem Gegner Markus Scherer die einzigen Vierer-Punkte der gesamten Veranstaltung. Weisenberger: "Eine Katastrophe". Richter (aufgrund seiner Jugend) und Cakici (nach einer Bandscheiben-Operation) nahm Weisenberger dagegen in Schutz. hgs
Sechs Oberligisten benutzten das 1. Niddaer Hallen-Fußballturnier um den Rambach-Cup als Generalprobe für das Oberliga-Masters am Samstag und Sonntag in der Ballsporthalle Höchst. Mit Viktoria Aschaffenburg (3:2 im Finale gegen den OFC Kickers II) holte sich einer der Topfavoriten den mit 1500 Mark verbundenen Siegerpokal. Rot-Weiß Frankfurt belegte mit dem 6:2 gegen den Lokalmatador SC Viktoria Nidda den dritten Rang, der noch mit 500 Mark belohnt wurde.
In den Halbfinalspielen hatte sich die von Vizepräsident Willi Kohls gecoachte Offenbacher Formation 7:4 gegen die Überraschungsmannschaft aus Nidda behauptet, während Aschaffenburg im vorweggenommenden Endspiel 1:0 gegen Rot-Weiß Frankfurt (Tor Jean- Paul Parizon) gewonnen hatte.
Knapp 500 Besucher sorgten am Finaltag für vollbesetzte Ränge, insgesamt kamen über 1000 Fans zum dreitägigen Hallenspektakel des FC Wallernhausen, der 3000 Mark Preisgelder ausgesetzt und keine negativen Vorkommnisse (Platzverweise oder Verletzungen) zu beklagen hatte.
Fünf der sechs Oberligisten erreichten standesgemäß die Endrunde, nur der FV Bad Vilbel, dessen Trainer Peter Rübenach sich durch Assistent Wolfgang Bauschmann vertreten ließ, scheiterte nach teilweise kläglichen Vorstellungen in der Vorrunde am Bezirksligisten Viktoria Nidda sowie am A-Klassen-Verein SG Büdingen.
Die teilweise unglückliche Gruppenzusammensetzung führte den SV Wiesbaden (1:3 im Viertelfinale gegen Aschaffenburg), Rot-Weiß Frankfurt sowie die spielstarken Landesligisten KSV Klein-Karben (scheiterte um einen Treffer) und SV den Bernbach - der Torefabrik (21 Treffer in den Gruppenspielen) fehlte ein Punkt - zusammen.
Torschützenkönig wurde der OFC-Akteur Sevdali Arifi, der zehn Treffer erzielte, sich damit knapp vor Jean-Paul Parizon (Vikt. Aschaffenburg/9) und seinem Teamgefährten Zbigniew Sempruch (8) behauptete. Als bester Keeper trat Eric Rasp (Aschaffenburg) in den Vordergrund, die spielerischen Glanzlichter setzten Albert Repp (Bernbach), Josef Sarroca (KSV Klein-Karben), Dirk Borkenhagen (Aschaffenburg) sowie Sempruch.
Der Veranstalter lockte die Oberligavereine mit Fahrspesen (Aschaffenburg und Haiger) sowie Übernachtungsmöglichkeiten in Hotels nach Nidda, und kam damit bei seinem Hallen- Debut finanziell überraschend gut über die
Aktion gegen Ausländerfeindlichkeit Beim 10. Stuttgarter Hallenfußballturnier wird am heutigen Montag ein besonderes Einlagespiel angepfiffen. Ehemalige ausländische VfB-Spieler werden gegen ehemalige deutsche VfB-Profis antreten. Bei den Internationalen spielen Ilyas Tüfekci, Asgeir Sigurvinsson, Didier Six, "Buffy" Ettmayer, Roland Hattenberger, Jan Olsson, Alexander Szatmari. Weil der Schweizer Torhüter Ren Deck absagen mußte, hilft der Ex-Bayer Jean-Marie Pfaff im Tor aus. Bei den ehemaligen deutschen Profis haben Gerhard Heinze, Hansi Müller, Dieter Müller, Karl Allgöwer, Erwin Hadewicz, Hermann Ohlicher und Walter Kelsch ihr Kommen zugesagt.
OBERRAD. "Informationen nicht immer nur für Erwachsene": Mit dieser Überschrift brachte der Ortsbeirat 5 kürzlich einen Antrag auf den Weg, der dem Informationsbedürfnis der Kinder aus dem Stadtteil gerecht werden soll. Die Abgeordneten schlagen vor, einen Schaukasten vor der Gruneliusschule aufzustellen, der außerdem in kindgerechter Höhe angebracht ist.
Wie die Kinderbeauftragte des Gremiums, Elke Tafel (SPD), erläuterte, hätten Kinder "leider nur sehr wenige Möglichkeiten" sich über die kulturellen und sportlichen Angebote in ihrem Stadtteil zu informieren. Sie seien dabei meist auf die Erwachsenen angewiesen. In dem Schaukasten könnten Vereine ihre Kontaktpersonen für Kinderarbeit nennen und einen Überblick liefern, welche Angebote es für die Jüngeren gibt.
Weiter sagte die Kinderbeauftragte, in der Schule denke man daran, eine Gruppe zu bilden, die sich um das Projekt kümmert. Ein Redaktionsausschuß zeichne dann für die Aushänge verantwortlich.
Auf den Vorschlag von Wolfgang Gilles (CDU), warum solche Tafeln nicht im ganzen Bezirk des Ortsbeirates 5 aufgestellt werden könnten, entgegnete Tafel: "Jeder Stadtteil braucht seine eigene Lösung" - in Niederrad oder Sachsenhausen beispielsweise sei es sinnvoller Broschüren zu verteilen. ask
SACHSENHAUSEN. Fast könnte man meinen, die Brünnlein Sachsenhausens stehen nicht inmitten des Stadtteils, sondern vor dem Tore. So zumindest kann der Betrachter mutmaßen, wenn er vor den Wasserspeiern steht und sich über den oftmals arg nachlässig wirkenden Zustand der Anlagen ärgert. Daran ist jedoch, das ist einem Ende des vergangenen Jahres angefertigten Magistratsbericht zu entnehmen, nicht die Kommune schuld.
Die kann sogar auf den "guten baulichen Zustand" verweisen. So wurde pünktlich zum Brunnenfest dem Namensgeber des Hirschbrunnens das abgeschlagene Geweih wieder aufs Haupt gesetzt und der Zunftbrunnen sieht mit der reparierten Beckenfassung auch wieder zünftig aus.
Das Problem ist ein anderes: Viele Besucher des Ebbelweiviertels - die meisten Brunnen befinden sich in unmittelbarer Nähe von Alt-Sachsenhausen - sehen die Becken und Schalen als Abfalleimer an. Dagegen, so bedauert das Baudezernat, das für die Instandhaltung der Wasserspender zuständigen ist, in seinem Bericht, ließe sich nichts machen. Und Geld für "außerplanmäßige Reinigungen" sei bei der derzeitigen Haushaltssituation nicht aufzutreiben.
Ein weiteres Übel ist, daß die Säulen aus rotem Sandstein oft kaum zu sehen sind, so rücksichtslos nutzen die Autofahrer jeden sich bietenden Fleck zum Parken. Doch dagegen gibt's Poller: Der Artischockenbrunnen, so genannt nach der artischockenförmigen Figur auf der Säule, ist schon abgesichert - zumindest solange die Kraftfahrer nicht um die Gitter herumkurven, wie mitunter schon geschehen. Für den Fleischerbrunnen sei entsprechendes geplant, läßt das Amt wissen: Allerdings "kann wegen erheblicher Arbeitsrückstände nicht mit einer kurzfristigen Realisierung gerechnet werden".
Eine Absage wurde dem Ortsbeirat 5, der lediglich Vorschläge der Bürgerinitiative Alt-Sachsenhausen an die Stadtregierung weitergeleitet hatte, auf die Frage erteilt, ob nicht der Hainer Hinterbrunnen (oder Klappergass'-Brunnen) in der Hainer Hintergass' und der Fleischerbrunnen am Kuhhirtenturm einen Wasseranschluß erhalten könnten. Die sind jedoch nicht im "städtischen Brunnenprogramm enthalten" und werden deshalb wohl noch auf lange Sicht "schlechte Brunnen" sein. Denn, so sagt ein altes Sprichwort: "Es ist ein schlechter Brunnen, in den man Wasser tragen muß." ask
Montag, 18. Januar
Kino / Filme Jugendhaus Industriehof, Lötzener Str. 31: 15 Uhr, "Hasenherz" (ab 6 J.).
Das Kinoprogramm entnehmen Sie bitte dem Filmspiegel auf Seite 11 im Anzeigenteil. Museen / Galerien / Führungen Was Frankfurter Museen und Galerien zeigen sowie die allgemeinen Führungstermine lesen Sie täglich auf der Seite "Kulturpanorama Frankfurt" in der Abendausgabe sowie donnerstags auf der Freizeitseite "Was-Wann-Wo". Diskussionen Veranstaltungszentrum KA Eins, Kasseler Str. 1 a: 20 Uhr, Diskussion "Perspektiven von Mädchenarbeit in Frankfurt".
Neues Theater Höchst, Emmerich-Josef-Str. 46 a: 20 Uhr, Podiumsdiskussion "Fremdenfeindlichkeit".Sonstiges Briefmarkensammler-Verein Ffm-Nord: 18 Uhr, Tauschtreffen; Haus Dornbusch, Eschersheimer Landstr. 248.
Single-Treff Ffm.-Bornheim: 20 Uhr, Offenes Treffen; Nanu, Falltorstraße (Info 0 61 02/3 85 43).
City-Lauftreff am Römer: 12 bis 14 Uhr, Alte Mainzer Gasse 4, Laufstrecken 2, 4 und 8 km.
Ev. Familienbildung, Eschersheimer Landstr. 565: 18.15 Uhr, Offene Trennungsgruppe.
Hausfrauen-Bund: 14 Uhr, Bridge, Haus Dornbusch; 14 Uhr, Basteln für Soziale Zwecke, Brentano-Haus.
Fachverband für Hauswirtschaft, Dannekkerstr. 15: 15 Uhr, "Gerichte & Rezepte aus dem Reich der Mitte". Blutspende-Termine Blutspendedienst Hessen des DRK: Di., 19. 1., 9 bis 19 Uhr, Blutspendezentrale, Sandhofstr. 1. Apotheken Folgende Apotheken sind von Montag, 8.30 Uhr, bis Dienstag, 8.30 Uhr, ständig dienstbereit: Alte Apotheke, Bergen-Enkheim, Marktstraße 7, Tel. 0 61 09 / 27 29 ; Apotheke am Bürgerhaus, Griesheim, Waldschulstr. 5, Tel. 38 80 46; Apotheke an der Kleinmarkthalle, Berliner Straße 16, Tel. 28 17 03; Brücken-Apotheke, Schwanheim, Geisenheimer Straße 39, Tel. 35 83 10; Eichwald-Apotheke, Berger Straße 131, Tel. 49 31 76; Grüneburg-Apotheke, Grüneburgweg 5, Tel. 55 17 75; Marien-Apotheke am Marbachweg, Eckenheim, Eckenheimer Landstraße 244, Tel. 56 34 26; Mohren-Apotheke, Eschersheim, Alt-Eschersheim 63, Tel. 51 48 72; Raben-Apotheke, Sachsenhausen, Schweizer Straße 55, Tel. 62 14 14; Schönhof-Apotheke, Bockenheim, Schloßstraße 5, Tel. 77 96 71; Stephanische Apotheke, Sindlingen, Bahnstraße 113, Tel. 37 41 10; Westerbach-Apotheke, Sossenheim, Westerbachstraße 293, Tel. 34 28 72. Ärztlicher Notdienst Der ärztliche Notdienst für das Stadtgebiet Frankfurt ist unter der Sammel-Rufnummer 1 92 92 jederzeit erreichbar. Er soll jedoch nur bei Verhinderung des Hausarztes in Anspruch genommen werden. Für ambulant zu versorgende Notfälle: Notdienstzentrale im Haus Galluswarte, Mainzer Landstr. 265, und Usinger Str. 5.
Sanitätsdienstliche Bereitschaft für Soldaten der BW Stadt Frankfurt, Stadt und Kreis Offenbach, Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis, während der allgemeinen Dienstzeit: StOArzt Frankfurt, Tel. 2 47 78 - 433; nach Dienst und an Wochenenden: SanZentr. 412 Mainz, Tel. 0 61 31 / 56 26 42. Zahnärztlicher Notdienst Der zahnärztliche Notdienst in Frankfurt ist bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen, Zahnärztehaus Niederrad, Tel. 66 07 / 2 71, zu erfragen. Tierärztlicher Notdienst 19 bis 23 Uhr Tierarzt Knell, Beethovenplatz 7, Tel. 72 66 66; danach bei den tierärztlichen Kliniken (siehe Branchenfernsprechbuch unter "Tierärzte").Anwaltsnotdienstin Strafsachen (24 Stunden täglich)
Tel. 28 30 83. Telefonberatungen Tag und Nacht Telefonseelsorge im Ev. Volksdienst: Tel. 1 11 01; Telefonseelsorge im Haus der kath. Volksarbeit: Tel. 1 11 02.
Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche: 1 11 03. Notfall-Nummern Feuerwehr/Unfall-Rettungswache 112 Überfall 110 Polizei 75 51 Krankentransport 49 00 01-4 Hubschrauber-Rettungsdienst 44 10 33 ADAC-Pannenhilfe 1 92 11 ACE-Pannenleitstelle 1 92 16 AvD-Pannennotruf 6 60 66 00 VCD-Notrufzentrale 02 21/82 77 366 Zentrum für Entgiftungen und Giftinformation der Universität Mainz 0 61 31 / 23 24 66 Drogennotruf 62 34 51
Die Rubrik "Rat und Hilfe" erscheint jeden Montag in der Regionalausgabe und jeden Donnerstag in der Stadtteil-Rundschau mit allen Sprechstunden und Terminen für die gesamte Woche. Wir empfehlen, diese Rubrik aufzuheben.Zweite Eishockey-Bundesliga Die Kurstädter gingen mal wieder baden
Memmingen - Bad Nauheim 12:3 Sang- und klanglos trug Eishockey- Zweitligist EC Bad Nauheim die sowieso nur noch bescheidenen Hoffnungen auf den für die Play-Off-Abstiegsrunde wichtigen zehnten Platz zu Grabe. Der SC Memmingen dürfte angesichts von nun sechs Punkten Vorsprung vor den Hessen diesen mit Heimvorteil in den entscheidenden Spielen verbundenen Rang sicher haben, verfügt nämlich noch über den besseren direkten Vergleich gegenüber den sich fast wehrlos ergebenden Gästen. Vor 2500 Zuschauern siegte Memmingen mit 12:3 (6:1, 2:0, 4:2).
Der EC geriet bereits wieder einmal im Eröffnungsdrittel böse auf die Verliererstraße, als er gleich sechs Treffer kassierte. Zwar konnte Trainersohn Roman Sindelar die 1:0-Führung der Allgäuer durch Ex-Nationalspieler Nentvich noch egalisieren, aber bereits im Gegenangriff lag der EC durch ein Tor des Letten Toman wieder im Hintertreffen. Das Schlußlicht ergab sich danach fast gegenwehrlos. Zaborowski, Nentvich, der Ex-Frankfurter Baier sowie Vieten brachten den SCM vor der ersten Drittelsirene mit 6:1 in Führung.
Im Mitteldrittel sahen die Fans angesichts der entschiedenen Partie nur noch zwei Treffer durch den zum drittenmal erfolgreichen Nentvich und Naroske. Im Schlußabschnitt trafen noch Keiler, Zaborowski, Deiter und Toman für den Sieger, Emminger sowie der als Verteidiger auflaufende Poddubny für den EC. jo.
Kurz gemeldet
Interkultureller Kochkurs Einen "Interkulturellen Kochkurs" bietet die Ökumenische Asiengruppe von Donnerstag, 11. Februar, bis Donnerstag, 1. März, speziell für deutsche und philippinische Frauen an. Anmeldungen unter Telefon 72 01 33 oder 72 01 34. Kinderkleidung vom Flohmarkt Einen Flohmarkt für Kindersachen organisiert das Frankfurter Kinderbüro am Mittwoch, 27. Januar, von 11 bis 13 Uhr in seinen Räumen, Leipziger Straße 67. Wer verkaufen will, kann sich anmelden unter der Telefonnummer 212 - 39 00 01. Tierärztlicher Notdienst auch nachts Der tierärztliche Notdienst in Frankfurt und Offenbach wird erweitert. Von Samstag, 23. Januar, an wollen die praktischen Tierärzte an allen Tagen des Jahres auch nachts für Notfälle zur Verfügung stehen. Der diensthabende Veterinär ist bei den Polizeidienststellen oder beim telefonischen Ansagedienst unter der Rufnummer 11 500 zu erfragen.
"So etwas hat die Ober-Rodener Sporthalle noch nicht gesehen. Dieses phantastische Turnier hat alles übertroffen, was wir hier je auf die Beine gestellt haben." Germania Ober-Rodens Wolfgang Hitzel kam aus dem Schwärmen einfach nicht mehr heraus, und 2000 Fußballfans waren mit ihm einer Meinung: Das A-Jugend- Hallenturnier der Germania war der fußballerische Höhepunkt der Region in diesem Winter.
Die Germanen hatten sich die Elite des deutschen Jugend-Fußballs in den Rodgau geholt, und die jungen Bundesliga-Spieler der Zukunft ließen keine Wünsche offen. Insgesamt 2000 Zuschauer strömten am Wochenende in die Halle. Die meisten nahmen sich vor, im nächsten Jahr wieder dabeizusein.
Das Tüpfelchen auf dem "i" war natürlich der Sieg durch die Truppe von Eintracht-Denkmal Charly Körbel. Die Eintracht besiegte in einem rasanten Finale den deutschen Rekordmeister VfB Stuttgart mit 7:4, obwohl die Riederwälder bereits mit 0:3 im Hintertreffen gelegen hatten. Die Siegprämie von 1500 Mark ging an den Riederwald. Die Stuttgarter erhielten 1000 Mark, und auf Rang drei blieben für den Karlsruher Sportclub immerhin noch 500 Mark.
Das KSC-Team war - ebenso wie die Stuttgarter - in der vierten Auflage des großen Turnieres erstmals dabei und erwiesen sich als echte Bereicherung. Erst im Siebenmeter- schießen scheiterten die Karlsruher im Halbfinale am VfB und besiegten im "kleinen Finale" den amtierenden deutschen Meister 1. FC Kaiserslautern mit 3:2. Die "Roten Teufel" enttäuschten etwas und zogen nur mit viel Glück in die Endrunde ein.
Mindestens ebenso stark präsentierte sich der Nachwuchs vom Bieberer Berg, der nur aufgrund der etwas schlechteren Tordifferenz nicht in das Semifinalspiel einzog.
Den großen Vorbildern entsprechend agierten die Youngsters des VfL Bochum: Sie schieden aus der Gruppe II ohne Punktgewinn sang- und klanglos aus. Erwartetermaßen kam auch die Vertretung der Gastgeber zu keinem Erfolgserlebnis, durfte jedoch beim 0:12 gegen die Eintracht und beim 0:13 gegen den VfB "Anschauungsunterricht" nehmen und traf beim 3:6 gegen Hertha Zehlendorf gar dreimal ins Netz.
Bereits im Gruppenspiel hatten die Frankfurter den VfB mit 6:4 besiegt und sich den Gruppensieg gesichert. Angetrieben vom Publikum, boten die Lokalmatadoren auch im Halbfinale eine große Partie und besiegten den amtierenden Meister Kaiserslautern mit 4:2. Im Finale sah es jedoch zunächst so aus, als würde die A-Jugend des VfB - parallel zur Meisterschaftssaison 91/92 in der Bundesliga - im Schlußspurt den Sieg davontragen: Zur Halbzeit führte der Rekordmeister mit 3:1.
Was die Frankfurter Jungs dann jedoch in den zweiten zwölf Spielminuten boten, das war Hallenfußball der Extraklasse. Sie überrannten den VfB förmlich und schossen noch einen 7:4- Erfolg heraus. Spieler wie Matthias Hagner, Michael Groh oder Thomas Sobotzik wird man möglicherweise bald an der Seite von Uwe Bein und Manfred Binz sehen. Darüber waren sich die begeisterten Zuschauer einig. Thomas Sobotzik sicherte sich mit zehn Treffern den Torjäger-Pokal und 100 Mark Prämie.
Die Ober-Rodener müssen sich indes Gedanken über die Örtlichkeiten ihres Turnieres machen, denn die Ober-Rodener Sporthalle "platzte aus allen Nähten". Hallensprecher Wolfgang Hitzel konnte sich angesichts der herrschenden Hochstimmung kaum verständlich machen und freut sich bereits heute auf die Neuauflage im nächsten Jahr. Die angereisten Mannschaften sicherten bereits ihr Interesse zu.
Kein Wunder, daß sie gerne zur Germania kommen. Neben den attraktiven Preisen sorgen die Germanen mit Unterstützung von Hauptsponsor Opel und einigen weiteren Gönnern für Unterkunft und Verpflegung, laden am Samstag alle Teams zum Abendessen ein und organisieren ihr Turnier perfekt. Die stattliche Kulisse ist natürlich zusätzliche Stimulanz für die jungen Kicker, die solche Zuschauerzahlen nicht alltäglich genießen dürfen. Die Kosten von 20 000 Mark sind bei einem solchen Zuspruch allemal gedeckt, so daß es überhaupt keine Frage ist, daß dieses Turnier zur "festen Einrichtung" bei der Germania werden soll. Und wenn man an der Turnhalle einiges anbauen muß . . .
RESULTATE UND TABELLEN: TABELLEN NACH DER VORRUNDE, GRUPPE I: 1. Eintracht Frankfurt 6:0 Punkte/22:7 Tore, 2. VfB Stuttgart 4:2/26:9, 3. Hertha Zehlendorf 2:4/12:16, 4. Germania Ober-Roden 0:6/3:31.
GRUPPE II: 1. Karlsruher SC 6:0/14:8, 2. 1. FC Kaiserslautern 3:3/8:8, 3. Offenbacher Kickers 3:3/7:7, 4. VfL Bochum 0:6/8:14.
HALBFINALE: Eintracht Frankfurt - 1. FC Kaiserslautern 4:2, Karlsruher SC - VfB Stuttgart 5:7 (3:3) nach Siebenmeterschießen.
PLAZIERUNGSSPIELE: Spiel um Platz drei: Karlsruher SC - 1. FC Kaiserslautern 3:2.
Finale: Eintracht Frankfurt - VfB Stuttgart 7:4. ina
HANDBALL REGIONALLIGA SÜDWEST, Männer: HSV Apolda - Tuspo Obernburg 17:17, SSV Erfurt - TSV Eschwege 13:31, HSG Asbach/Modau - SV Hermsdorf 20:14, TV Bürgstadt - TV Kirchzell 17:17, TuS Griesheim - TSG Münster 19:20, TSG Groß-Bieberau - TV Groß-Umstadt 18:13, TV Lützellinden - Hermannia Kassel 26:18.
REGIONALLIGA SÜDWEST, Frauen: ThSV Eisenach - BSC Urberach 20:16, HBV Jena - SV Darmstadt 98 12:15, TSG Leihgestern - Eintracht Wiesbaden 10:8, SG Bruchköbel - TSG Ober-Eschbach 16:12, TV Hofheim - SG Kirchhof 18:19, TV Flörsheim - SG Hessen Hersfeld 14:15.
POKALRUNDE AUF VERBANDSEBENE, Männer: TV Idstein - TV Flörsheim 28:21, TG Ober-Roden - TV Wicker 16:13, SG Bruchköbel - SG Anspach 23:18, TSG Bürgel - TV Büttelborn 16:29, TG Hochheim - TSG Sulzbach 27:21, SKV Mörfelden - TuS Dotzheim 25:27.
POKALRUNDE AUF VERBANDSEBENE, Frauen: TV Sulzbach - SV Crumstadt 15:13, SG Arheilgen - SW Griesheim 15:14, HSG Reichelsheim/Beerfurth - SVC Gernsheim 20:19, TSG Oberursel - SU Mühlheim 8:11, TV Niedermittlau - TSG Bürgel 9:19, TV Hattersheim - TSV Habitzheim 10:12, SKV Büttelborn - SSG Bensheim 13:14, TV Wicker - TG Bad Soden 12:11.
BEZIRKSPOKAL FRANKFURT, Halbfinale, Männer: FT Dörnigheim - TG Hainhausen 13:12.
BEZIRKSLIGA II FRANKFURT, Männer: TuS Zeppelinheim - HC Friedrichsdorf 12:25.
BEZIRKSLIGA I FRANKFURT, Frauen: TV Niedermittlau - FT Dörnigheim 10:11.
BEZIRKSLIGA II FRANKFURT, Frauen: TuS Steinbach - SG Hainburg 14:14.
KREISLIGA A FRANKFURT, Männer: MTV Kronberg - TSG Frankfurter Berg 20:16, TV Bergen-Enkheim - TGS Vorwärts Ffm. 19:18, SG Sossenheim - TSV 57 Sachsenhausen 15:11, TuS Nieder-Eschbach II - TV Gonzenheim 10:15, TSG Nordwest Ffm. - TV Bad Vilbel 17:21.
KREISLIGA A FRANKFURT, Frauen: TG Schwanheim - TV Petterweil 9:7, SG Nied - Tschft. Griesheim 11:12, TSG Nordwest Ffm. - TG Sachsenhausen 13:17, SG Riederwald - TSG Oberursel II 11:2, Usinger TSG - Grün- Weiß Ffm. III 18:8.
"Atomanlage bei Bagdad war das Ziel" Einschlag vor Hotel im Stadtzentrum
BAD HOMBURG. Bei einem Zimmerbrand am Sonntagnachmittag in der Kronberger Straße (die FR berichtete gestern bereits kurz) ist eine 80 Jahre alte Frau verletzt worden. Sie wurde wegen einer leichten Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht, teilte die Kriminalpolizei Bad Homburg gestern mit.
Die Frau hat den Brand demnach beim Füllen ihres Öl-Ofens selbst ausgelöst. Das Feuer habe dann auf ihre Möbel übergegriffen. Die Frau rannte laut Angaben von Nachbarn schreiend auf die Straße.
Die Flammen vernichteten ihr Wohnzimmer; der ölige Ruß schlug sich auch in den anderen Räumen nieder. Die Feuerwehr schätzt den Schaden auf 60 000 Mark. Sie war mit 18 Mann fast eineinhalb Stunden im Einsatz. stk/che/gero
BASKETBALL BUNDESLIGA, Männer, 20. Spieltag: ALBA Berlin - TSV Bayer Leverkusen 79:59 (41:24), Tübinger SV - SSV Ulm 79:81 (44:45), MTV Gießen - BG Stuttgart/Ludwigsburg 81:79 (41:39), SVD Dortmund - Brandt Hagen 61:86 (24:39), SG FT/MTV Braunschweig - BG Bramsche/Osnabrück 61:45 (39:23), TVG Basketball Trier - TTL Basketball Bamberg 72:83 (35:44). Gruppe Nord: 1. Bayer Leverkusen 19 16 3 1648:1407 32:6 2. ALBA Berlin 19 12 7 1615:1534 24:14 3. Bramsche/Osnabr. 20 11 9 1623:1652 22:18 4. Brandt Hagen 20 9 11 1667:1662 18:22 5. SG Braunschweig 20 9 11 1533:1583 18:22 6. SVD Dortmund 20 6 14 1500:1636 12:28 Gruppe Süd: 1. TTL Bamberg 20 13 7 1756:1589 26:14 2. SSV Ulm 1846 20 12 8 1611:1636 24:16 3. Stuttg./Ludwigsburg 20 11 9 1660:1663 22:18 4. MTV 1846 Gießen 20 10 10 1702:1661 20:20 5. TVG Trier 20 8 12 1487:1560 16:24 6. Tübinger SV 20 2 18 1523:1742 4:36
Ost oder West? Seit dem Beginn ihrer staatlichen Unabhängigkeit vor eineinhalb Jahren ist das die Gretchenfrage für die neue Ukraine. Ebensolange versuchen die Politiker in Kiew, diese Frage mit einem "Sowohl-Als-auch" zu beantworten: Während die Herzen vieler Ukrainer für den Westen schlagen, fesselt die harte wirtschaftliche Realität den 51- Millionen-Staat an Rußland.
Der Besuch der polnischen Ministerpräsidentin Hanna Suchocka Ende vergangener Woche hat gezeigt, daß auch die Beziehungen zum nächsten westlichen Nachbarn alles andere als einfach sind. Dabei fehlt es nicht an gutem Willen. Beide Seiten wollen die geschichtsbelastete Vergangenheit hinter sich lassen und nach neuen Wegen der Partnerschaft suchen. Der gemeinsame Wunsch beruht jedoch auf unterschiedlichen Interessen. Wirtschaftlich und politisch trennen Warschau und Kiew nämlich Welten.
Während in Polen der Kapitalismus im Sauseschritt voraneilt, droht die Ukraine im wirtschaftlichen Chaos zu versinken. Während viele Ukrainer in Polen das Tor zum Westen sehen und auf den Ausbau der Beziehungen zu Warschau hoffen, um ihre Abhängigkeit von Moskau zu verringern, stellt sich Polen eine andere Perspektive. Der Handel mit dem größten Nachbarstaat umfaßt nur noch ein Prozent des polnischen Außenhandels, zumeist Tauschgeschäfte. Da kann es nicht wundern, daß viele Polen am liebsten in die andere Richtung schauen würden - nach Washington, Brüssel, Bonn -, ohne sich nach hemmendem Ballast im Osten umzusehen.
Aber das geht nicht. Mit Sorge beobachtet man in Warschau das Erstarken nationalistischer Bewegungen jenseits der südöstlichen Grenze, vor allem im ehemals polnischen Lemberg (Lwow). Mit Sorge beobachtet man den Konflikt zwischen Kiew und Moskau. Mit Sorge schließlich blickt man auf das militärische Potential des unruhigen Nachbarn. Die im wirtschaftlichen Zerfall begriffene Ukraine ist nach wie vor eine Atommacht, und an der Weichsel fällt die Vorstellung schwer, daß sie sich freiwillig ihres einzigen Trumpfes gegenüber Washington und Moskau entledigen wird.
All dies dürfte Warschau bewogen haben, den Beziehungen zur unabhängigen Ukraine einen besonders hohen Rang einzuräumen. So war Polen das erste Land, welches den neuen Staat am Dnjepr nach dem Referendum vom 1. Dezember 1991 diplomatisch anerkannte - eine Geste, die in Kiew auch deshalb überraschte, da man die erste offizielle Depesche am liebsten aus Kanada erhalten hätte, wo die ukrainische Emigration traditionell besonders stark vertreten ist.
Aber dem gelungenen Auftakt folgten schwierigere Partituren und auch Mißklänge. Die polnische Ostpolitik folgt offiziell dem von Außenminister Krzysztof Skubiszewski bereits seit zwei Jahren gefahrenen Kurs der "Zweigleisigkeit", der gute Beziehungen zum mächtigen Moskau und zu den angrenzenden Nachfolgestaaten der Sowjetunion postuliert. Dieser Spagat wird in dem Maße schwieriger, wie sich die Beziehungen zwischen den einzelnen GUS-Staaten abkühlen.
Das zeigte sich bereits bei Hanna Suchockas Besuch im weißrussischen Minsk im November vorigen Jahres. Dort hatte eine Äußerung der polnischen Regierungschefin in einer halboffiziellen Gesprächsrunde, bei der sie ihren Wunsch nach mehr Selbständigkeit Weißrußlands bei der Lösung einiger Probleme hatte durchblicken lassen, zu deutlicher Verärgerung in Moskau geführt. In Kiew - so darf vermutet werden - wollte sie das zweite Gleis befahren. Suchocka erklärte offiziell, Polen sei "für die Stabilisierung und Entwicklung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten" - ein Statement, das bei der Mehrheit der national gesinnten Ukrainer überhaupt keine Begeisterung auslösen konnte, zumal sich Kiew wenige Tage vor dem GUS-Gipfel in Minsk am 22. Januar starkem Druck aus Moskau ausgesetzt sieht, die GUS-Statuten zu unterschreiben und auf einen Teil seiner nationalen Souveränität zu verzichten.
Aus Kiewer Sicht dürfte Warschau damit voll auf die Linie des Westens und insbesondere der USA eingeschwenkt sein, die ganz auf die russische Karte setzen. Diesen Eindruck konnte Suchocka auch nicht mit der schnell hinzugefügten Beteuerung verwischen, sie sei selbstverständlich auch für eine "völlig souveräne" Ukraine - um so weniger, da ihr ganzer Aufenthalt im Nachbarland offenbar geschickt zum Instrument der innenpolitischen Auseinandersetzung gemacht wurde. So fiel der angeblich einzige Termin für ihren Besuch in Kiew auf die beiden Tage, während der Präsident Leonid Krawtschuk zu einem lange geplanten Prestigebesuch in Israel weilte.
Hanna Suchocka war somit der erste ausländische Regierungschef, der in die Ukraine fuhr und nicht mit Krawtschuk sprach - obwohl die Außenpolitik bislang als dessen Domäne galt. Dafür traf sie mit Ministerpräsident Leonid Kutschma und Parlamentspräsident Iwan Pluschtsch zusammen, zwei gewieften Technokraten, die gemeinsam mit der einzigen organisierten Lobby des Landes, den Direktoren der Staatsbetriebe, Präsident Krawtschuk innenpolitisch immer stärker ausmanövrieren. Während Krawtschuk der steigenden Abhängigkeit seines Landes von Moskaus Wirtschafts- und Politdiktat gegensteuern will, versucht Ministerpräsident Kutschma, der aus dem militär-industriellen Komplex in Dnjepropetrowsk stammt, die Integration der ukrainische Wirtschaft mit der russischen zu erhalten, da er sie für allein nicht lebensfähig hält.
Was Präsident und Regierungschef verbindet, ist dabei die Konzeptlosigkeit im Zusammenhang mit marktwirtschaftlichen Reformen. Während Wirtschaftsexperten Kutschma vorwerfen, die Rettung für die Ukraine einzig in der Aufrechterhaltung der staatlichen Planwirtschaft zu suchen, hat Suchocka ihrem Gastgeber freundlich bestätigt, ein echter Reformer zu sein. Damit jedoch nicht genug der Stolpersteine auf dem Weg der diplomatisch unerfahreren Ministerpräsidentin. Auf dem Besuchsprogramm, das sie brav absolvierte, fanden sich zwei wunderschöne ukrainisch-orthodoxe Gotteshäuser, die dem Moskauer Patriarchat unterstehen. Für eine der touristisch sicherlich ebenfalls sehenswerten Kirchen des Kiewer Patriarchats (welches von Präsident Krawtschuk unterstützt wird) blieb hingegen keine Zeit mehr. Dies konnte in Kiew nicht unbemerkt bleiben, zumal sich die Anhänger beider Bekenntnisse im vergangenen Jahr regelrechte Schlägereien lieferten.
Und die Effekte der Reise? Von der Einrichtung einer gemeinsamen Schulbuchkommission und der Unterzeichnung einiger Standardabkommen abgesehen - nichts Konkretes, vor allem keine Neuansätze im wirtschaftlichen Bereich. So mußte sich die polnische Ministerpräsidentin nach ihrer Rückkehr zahlreiche kritische Bemerkungen von ihren Landsleuten gefallen lassen. Sie kann sich sicherlich trösten: Ihr Tun und Lassen wird auf die Schicksalsentscheidungen der Ukraine vorerst wenig Auswirkungen haben. Langfristig jedoch wird Polen der ihm zufallenden Brückenfunktion zwischen Ost und West sicherlich mehr Aufmerksamkeit widmen müssen.
SACHSENHAUSEN. Die Anwohner der Tiroler Straße können sich freuen: Die Bäume, die im Sommer auf der Liegenschaft 28 a abgeholzt wurden, sollen ersetzt werden. Das geht aus einem Magistratsbericht hervor, der in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) mehrheitlich angenommen wurde.
Dort heißt es weiter, die geschützten Bäume seien mit Zustimmung des Gartenamtes gefällt worden, da sie "krank (Borkenkäferbefall) oder aufgrund von Sturmschäden nicht mehr haltbar" gewesen seien. Das erklärt, was Anwohner im Sommer erstaunt zur Kenntnis nehmen mußten: Da wurden die Arbeiten mit Hinweis auf eine "Genehmigung zur Beseitigung geschützter Bäume" vorgenommen.
Unabhängig davon hatte die Eigentümergemeinschaft bereits zuvor Bäume "widerrechtlich" fällen lassen. Ob das dafür festgesetzte Bußgeld gezahlt wird, muß jetzt erst das Frankfurter Amtsgericht entscheiden: Die Eigner haben gegen den Bescheid Einspruch erhoben.
Im vorliegenden Bericht wird zudem bestätigt, daß sich die Ziele des Bebauungsplans Nr. 386 (Tiroler Straße) nicht geändert haben. Der "wertvolle Grünbestand" soll erhalten und "als Stadtbiotop fortentwickelt" werden. Es sei vorgesehen, das Gelände am Bahndamm von Bebauung freizuhalten und zu begrünen. Das hatten CDU-Stadtverordnete aus Sachsenhausen noch bezweifelt angesichts der "Rodungsarbeiten" auf besagtem Grundstück. ask
USA greifen Irak mit Marschflugkörpern an
Der deutsche Handball-Meister SG Wallau-Massenheim hat das Halbfinale im Europapokal erreicht. Nach dem 30:24- Hinspielerfolg reichte den Hessen am Sonntag beim finnischen Titelträger Hafnarfjördur ein 19:19 (11:13), um erstmals in der Vereinsgeschichte in die Vorschlußrunde dieses bedeutendsten Europapokalwettbewerbs einzuziehen. Herausragende Kräfte bei den Gästen waren Mikael Kaelmann sowie Torhüter Hofmann. Der Gegner der Wallauer, die eine geschlossene Mannschaftsleistung zeigten, im Halbfinale wird am Dienstag in Basel ausgelost. FR
Der Deutsche Handballmeister SG Wallau/Massenheim hat gleich bei seinem ersten Auftritt im Europacup der Landesmeister das Halbfinale erreicht. Die SG erreichte am späten Sonntagabend beim isländischen Titelträger Fimleikafelag Hafnarfjördur ein 19:19 (13:11) und wartet nun gespannt auf die Halbfinalauslosung am Dienstag in Basel. Vor 3000 Zuschauern in der ausverkauften Sporthalle in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt Reykjavik kristallisierte sich der Wiedereinsatz des zuvor schmerzlich vermißten Finnen Källman als wichtiger Stabilisationsfaktor für die Hessen heraus. Im Vorspiel in der Höchster Ballsporthalle hatte die SG einen keineswegs beruhigenden 30:24-Vorsprung erreicht.
Die Brand-Schützlinge mußten sich nicht nur wegen des 40 cm hohen Schnees auf der Insel von Beginn an "warm anziehen", die Schützlinge des Ex- Gummersbacher Spielertrainers Kristjan Arason gingen analog dem Vorspiel schnell mit 3:0 in Führung. Die Gäste zeigten jedoch ein abgebrühtes Spiel, konnten sich zudem auf einen gegenüber den letzten schwachen Spielen steigernden Torhüter Peter Hofmann verlassen. Der Ex-Leipziger hielt in kritischen Phasen im ersten Abschnitt gleich zwei Strafwürfe, vorne sorgten Schwalb (5), Källman und Oster (je 3) bereits vor dem Pausentee für einen angesichts des Vorspielvorsprunges Vorsprunges.
"Das war kein leichtes Unterfangen, immerhin haben wir den Meister aus dem Land des Olympiavierten ausgeschaltet", strahlte der vor Spielbeginn stundenlang nervös durch die Hotelhalle wandelnde Manager Bodo Ströhmann, der am Dienstag in Basel die Lose ziehen darf. Im zweiten Abschnitt wurde es für die SG nur kurz noch einmal bedrohlich, als die leidenschaftlich fightenden und nie aufsteckenden Spieler aus der 15 000 Einwohner zählenden Inselstadt nach einem 12:15-Rückstand (40. Minute) mit 19:17 in Führung gingen. Stoschek und Heckmann schafften den 19:19-Ausgleich, anschließend konnte die Feier am Polarkreis steigen.
Die SG-Tore markierten der mit einem Tapeverband auflaufende und noch stark hinkende Källman (3), Beuchler (3), Oster (4), Stoschek (2) und Heckmann (1). Bester Werfer war jedoch Rückraumspieler Martin Schwalb (6/3). Für Hafnarfjördur trafen Kapitän Arnason (7/2), Beinsveinsson (2), Pördarsson (3), Sveinsson (3), der Russe Trufan (3) und Arason (1). jo.
Immer trister gestaltet sich die Situation für den Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim. "Das Pech wird aber auch kübelweise über uns ausgeleert. Da habe ich sowieso schon den kleinsten Kader der Liga, dann fallen zu allem Überfluß noch vier wichtige Spieler aus. So sind wir auf Dauer mit unserem Miniaufgebot aufgeschmissen", resümierte der leidgeprüfte Trainer Rudolf Sindelar nach der unglücklichen und um mindestens zwei Tore zu hoch ausgefallenen 2:5 (1:0- 0:2-1:3)-Heimniederlage im ungleichen Duell zwischen Schlußlicht und Spitzenreiter Augsburger EV.
Die 1400 Zuschauer rieben sich des öfteren verwundert die Augen. Da fehlten dem gastgebenden EC mit Steffen Michel (Zerrung), Volker Lindenzweig (Halsnerv eingeklemmt, voraussichtlich längere Pause), Sven Paschek (Zerrung) und dem ab Dienstag wieder mit leichtem Training beginnenden Tim Schnobrich (seit 15. November auf Eis wegen eines Wadenbeinbruches) gleich fast eine komplette Reihe. Augsburg mußte die Hilfe von Glücksgöttin Fortuna in Anspruch nehmen, sicherte sich erst in den letzten beiden Minuten mit zwei späten Toren den optisch noch klaren Sieg. "Hätte Wolf doch nur getroffen. Aber er ist eben kein Stürmer, leider ein Abwehrspieler", trauerte Sindelar dem vier Minuten vor Schluß vergebenen Ausgleich nach.
"Wir hätten ein Pünktchen verdient gehabt, den hat leider unser Tabellennachbar Riessersee gegen Weißwasser beim 1:1 geholt. Jetzt wird es immer schwerer, noch die rote Laterne oder gar Platz elf abzugeben", stöhnte Sindelar. Immerhin gab ihm die Partie wertvolle Fingerzeige für die direkt nach dem Vorrundenfinale am 21. Februar beginnende Play-Off-Abstiegsrunde. "Der Rückzug von Walt Poddubny in die Verteidigung war ein Volltreffer. Vielleicht behalten wir diese aus der Personalnot geborene Variante bei", meinte Sindelar. Der ehemalige NHL- Profi Poddubny nahm seine "Rückversetzung" mit Humor: "Ich bin wohl zu alt fürs Stürmen." Es paßte so richtig in das Lazarett der Nauheimer, daß auch Poddubny (fiebrige Grippe) und sein zum lange Zeit haltenden 1:0 treffenden Landsmann David Latta (Schulterverletzung, konnte keinen Schlagschuß ausführen) angeschlagen ins Wochenende gehen mußten.
"Da bin ich wirklich mit meinem großen Aufgebot besser dran. Bei mir haben auch drei Spieler gefehlt, außerdem hat sich Andy Römer einen Bänderriß im Mitteldrittel zugezogen. Aber das fiel bei uns überhaupt nicht ins Gewicht", beschrieb Augsburgs schwedischer Coach Leidborg die ungleichen Voraussetzungen. Hier der Konkursclub aus der Wetterau - vom Konkursverwalterbüro erschien erneut kein Vertreter bei der Pressekonferenz - dort der Millionenclub aus dem Schwabenland. Unter diesen Voraussetzungen war das 2:5 ein moralischer Sieg für den EC. Nur kann sich das Team aus der Badestadt damit nichts kaufen, spätestens nach der deklassierenden 3:12-Packung am Sonntag in Memmingen geht es für den EC nur noch um das Erreichen des vorletzten Platzes. Riessersee liegt nur einen Punkt vor Schlußlicht Bad Nauheim, kam ebenfalls zweistellig unter die Räder. HANS ECKE
JERUSALEM, 18. Januar (AP/AFP/ Reuter/dpa). Mehrere Raketen des sowjetischen Typs Katjuscha sind am Sonntag im Nordwesten Israels niedergegangen, berichtete der israelische Rundfunk. Sie seien offenbar von Libanon aus abgefeuert worden. Menschen seien nicht verletzt worden; die Raketen seien in Felder eingeschlagen.
Israelische Soldaten haben am Sonntag im besetzten Gazastreifen wieder ein Kind getötet. Arabische Journalisten berichteten, einem 14jährigen Jungen sei in den Hals geschossen worden, als er im Flüchtlingslager Schati eine Flasche auf einen Soldaten werfen wollte. Bei der kurz darauf vorgenommenen Beerdigung des Jungen wurden den Berichten zufolge zehn weitere Menschen angeschossen, als es zu Demonstrationen kam. Erst am Samstag hatten die Israelis im Gazastreifen ein elfjähriges arabisches Mädchen mit einem Bauchschuß getötet.
Die Jerusalem Post berichtete, Umweltminister Jossi Sarid von der linksorientierten Partei Meretz habe bei der Kabinettsitzung am Sonntag beklagt, daß viele Kinder und Jugendliche bei den Auseinandersetzungen im Gaza-Streifen getötet würden; er habe Ministerpräsident Yitzhak Rabin aufgefordert, die tödlichen Schüsse auf Kinder durch stärkere Kontrollen zu unterbinden. Die Regierung solle über jeden Kinder-Todesfall unterrichtet werden. Zwei Drittel der 23 im Dezember dort erschossenen Palästinenser seien unter 16 Jahre alt gewesen, schätzte das Blatt. Zwei weitere Kabinettsmitglieder, Usi Baram und Chaim Ramon, verlangten, daß den Soldaten der Gebrauch von Schußwaffen bei der Auflösung von Protestversammlungen untersagt werden sollte. Wie die Tageszeitung Dawar meldete, lehnte Rabin diese Forderung mit dem Argument ab, dies würde das Leben der Soldaten gefährden.
PETIONVILLE, 18. Januar (AP). Die Militärregierung Haitis hat nach Angaben eines ranghohen Beauftragen der Vereinten Nationen (UN) der sofortigen Entsendung einer größeren internationalen Beobachtergruppe in die Inselrepublik endgültig zugestimmt. Wie UN-Sonderbotschafter Dante Caputo nach Gesprächen mit haitianischen Vertretern am Sonntag mitteilte, sollen diese UN-Beauftragten aus aller Welt zusätzlich zu den 16 bereits anwesenden Abgesandten der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) die Wiedereinführung der Demokratie in Haiti fördern. Das erste Kontingent von 60 bis 70 zivilen Beobachtern könnte schon innherhalb von einer Woche auf der Insel eintreffen, sagte ein UN-Sprecher. Im Zuge des Demokratisierungsprozesses soll auch die Rückkehr des im September 1991 gestürzten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide in sein Heimatland ermöglicht werden.
BONADUZ, 18. Januar (AP). Ein vermeintlicher Autounfall entpuppte sich am Samstag als versuchter Versicherungsbetrug. Wie die Polizei des Schweizer Kantons Graubünden am Sonntag mitteilte, hatte ein aufmerksamer Autofahrer gemeldet, daß auf dem Grunde der Versamerschlucht ein abgestürztes Auto liege. Ein Arzt und eine größere Rettungsmannschaft konnnte aber keine Verletzten finden. Die Ermittlungen ergaben schließlich, daß der Halter das Fahrzeuges sein Auto in der vorangegangenen Nacht in Zürich als gestohlen gemeldet hatte. In Wirklichkeit jedoch hatte er Kollegen beauftragt, den Wagen verschwinden zu lassen, um dafür Versicherungsgelder zu kassieren. Alle Beteiligten wurden laut Polizei überführt.
MOGADISCHU, 18. Januar (AP/dpa). Einem Plan der USA zufolge sollen die UN schon innerhalb der kommenden zwei Wochen das militärische Oberkommando über die internationale Eingreiftruppe in Somalia übernehmen. Wie ein Oberst der US-Marine, Fred Peck, am Sonntag in Mogadischu mitteilte, muß die Weltorganisation dafür allerdings noch eine konkrete Befehlsstruktur ausarbeiten, was einige Zeit in Anspruch nehmen könnte. Dennoch plane Washington, ein erstes Kontingent aus 850 Marineinfantristen bereits am Dienstag wieder nach Hause zu schicken.
In der nordsomalischen Hafenstadt Berbera legte erstmals seit über einem Jahr wieder ein UN-Schiff mit Lebensmitteln für die hungernde Bevölkerung an.
PHNOM PENH, 18. Januar (AP). Drei Mitglieder der UN-Friedenstruppen in Kambodscha sind von Rebellen der Roten Khmer als Geiseln genommen worden. Wie UN-Sprecher Eric Falt am Montag in der Hauptstadt Phnom Penh mitteilte, wurden die Männer - zwei Briten und ein Chilene - am Sonntag nach einem vereinbarten Treffen mit Guerillavertretern in der Provinz Kompong Thom an der Weiterreise gehindert. UN-Vertreter hätten sofort Verhandlungen für die Freilassung der Blauhelme aufgenommen, doch hätten sich die Roten Khmer am Montag beharrlich geweigert, ihre Gefangenen aufzugeben.
BANGKOK, 18. Januar (AP/Reuter). Bei Busunglücken in Thailand, Mexiko und China sind 63 Menschen ums Leben gekommen. In Thailand wurden 18 Menschen getötet und 23 verletzt, als zwei Omnibusse, von denen einer zu einer Beerdigung unterwegs war, in der Provinz Pichit im Norden des Lande zusammenstießen. In Zentral-Mexiko kamen laut der amtlichen Nachrichtenagentur Notimex 14 Menschen ums Leben, als ein Bus bei einem Überholmanöver auf der Mexiko-Laredo-Autobahn frontal mit einem anderen Bus zusammenprallte. 31 Menschen wurden verletzt.
In der chinesischen Provinz Jiangsu wurden nach Presseberichten 31 Menschen getötet, als ihr völlig überladenes Fahrzeug zwischen Shanghai und Nanking in einen Teich fuhr, berichtete die in Shanghai erscheinende Zeitung Xinmin Wanbao in ihrer Wochenendausgabe.
HONOLULU, 18. Januar (AP). Rund 10 000 eingeborene Bewohner von Hawaii haben am Sonntag in Honolulu gegen die Regierung der USA und deren Rolle beim Sturz der letzten hawaiianischen Königin vor 100 Jahren demonstriert. Die Menge zog singend und lärmend zum ehemaligen königlichen Palast, wo eine Professorin der Universität von Hawaii auf einer Kundgebung ausrief: "Sie (die US-Amerikaner) sind unsere Feinde, sie nahmen unser Land weg, sie haben unsere Königin eingesperrt, sie haben unsere Sprache verboten, sie haben uns gewaltsam zu einer Kolonie der Vereinigten Staaten gemacht." Die Kundgebung war der Abschluß einer fünftägigen Veranstaltung zum Gedenken an das Schicksal der Königin Lilioukulani.
MAINZ, 18. Januar (AP). Die Leistungen von Grundschülern im Fach Mathematik lassen sich durch den Einsatz von Lerncomputern deutlich verbessern. Dies ist das Ergebnis eines Modellversuchs, das von der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Rose Götte am Montag in Mainz vorgestellt wurde. An dem mehrjährigen Projekt, das von Wissenschaftlern der Universität Koblenz-Landau begleitet wurde, beteiligten sich vier Grundschulen in Rheinland-Pfalz.
Nach Angaben des Ministeriums haben die Schüler der dritten und vierten Klasse zweimal wöchentlich etwa eine Viertelstunde mit speziell entwickelten Programmen gearbeitet. Die Software decke alle übungsintensiven Themen der Grundschulmathematik ab. Bei den Übungen werde den Schülern auf eigene Anforderung oder nach Eingabe falscher Ergebnisse gezielte Hilfe geboten oder die Aufmerksamkeit auf die Fehlerquelle gelenkt.
Nach Mitteilung des Ministeriums glauben rund zwei Drittel der Kinder, daß ihnen dadurch geholfen werde, die eigene Rechenleistung zu verbessern. Auch die Einstellung zum Fach Mathematik habe sich bei vielen Kindern poitiv verändert. Knapp 98 Prozent der Eltern hätten sich für eine Fortsetzung des Rechnereinsatzes im Unterricht ausgesprochen.HELMUT KOHL, Bundeskanzler, hat dem scheidenden US-Präsidenten George Bush zum Ende von dessen Amtszeit vor allem für die Unterstützung bei der deutschen Vereinigung gedankt. Bush habe die Einheit "im Geiste der unsere Länder verbindenden Freundschaft von Anfang an energisch unterstützt und entscheidend zu ihrer Verwirklichung beigetragen", schrieb Kohl in einem Brief an den "lieben George", dem ein "Ehrenplatz im Buch der deutschen Geschichte" sicher sei. Der Bundeskanzler betonte, der US- Präsident habe sein Amt "in einer Zeit des welthistorischen Umbruchs" mit Umsicht ausgeübt und dabei "Ihr Land und die freie Welt insgesamt mit sicherer Hand und zielbewußt durch alle Fährnisse geführt". Kohl erwähnte vor allem, daß "unter Ihrer Leitung am Golf der Aggressor in die Schranken gewiesen" und im Nahen Osten "das Tor zum Frieden aufgestoßen" worden sei. Auch dem früheren US-Außenminister und derzeitigen Stabschef des Weißen Hauses, James Baker, dankte Kohl für seine Mitwirkung bei der deutschen Einigung. (AP/AFP)
BEIRUT, 18. Januar (AP). Der wegen einer Flugzeugentführung in Saarbrükken inhaftierte Libanese Mohammed Ali Hamadi hat sich erneut über seine Haftbedingungen beschwert. In einem vom 6. Januar datierten, handgeschriebenen Brief, den die libanesische Zeitung As Safir am Montag veröffentlichte, schrieb Hamadi, ihm und seinem Bruder Abbas werde ärztliche Betreuung versagt.
"Unser Zustand wird immer schlimmer", hieß es weiter. Die Gefängnisverwaltung ignoriere die Brüder seit langem. Außerdem werde ihnen jeglicher Kontakt zur Außenwelt untersagt.
Die Hamadi-Familie hatte zuvor den Vorwurf erhoben, die beiden Inhaftierten würden mißhandelt und gefoltert. Die deutschen Behörden hatten dies als falsch zurückgewiesen.
TOKIO, 18. Januar (AP). Die Zahl der Verletzten bei dem schweren Erdbeben in Japan ist nach einer neuen Bilanz der Behörden auf 614 gestiegen. 59 von ihnen wurden schwer verletzt, wie die Feuerwehr am Montag in Tokio mitteilte. Am Wochenende war die Zahl der Verletzten noch mit 425 angegeben worden. Bei dem schwersten Erdbeben in Japan seit zehn Jahren kamen am Freitag zwei Menschen ums Leben.
Auch die Seismologen berichtigten ihre Angaben: Die Stärke des Erdstoßes wurde jetzt von 7,7 auf 7,8 Punkte auf der Richterskala nach oben korrigiert. Das Zentrum des Bebens lag 120 Kilometer unter dem Meeresspiegel vor der Küste der Nordinsel Hokkaido.
KIEL, 18. Januar (AP). Die Grünen in Schleswig-Holstein wollen die Nachzählung aller Stimmzettel der Landtagswahl vom 5. April 1992 gerichtlich erzwingen. Wie Parteisprecherin Irene Fröhlich und ihr Kollege Rainder Steenblock am Montag in Kiel mitteilten, haben die vier Spitzenkandidaten der Grünen vor dem Oberverwaltungsgericht in Schleswig eine Beschwerde eingereicht. Der Landtag hatte im vergangenen November die Nachzählung aller Stimmen abgelehnt.
Die Grünen waren 1992 knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert: 382 Stimmen hatten zum Einzug ins Parlament gefehlt. Nach einer Überprüfung der Stimmen aus fünf Wahlbezirken hatte der Landtag die Wahlen für gültig erklärt. Bei dieser Nachzählung war es zu neun Abweichungen zwischen SPD und CDU gekommen. Die Grünen äußerten wiederholt Zweifel daran, daß die absolute Mehrheit der SPD, die sich auf ein Mandat stützt, zu Recht besteht.
MAINZ, 18. Januar (AP). Die rheinland- pfälzischen Freien Demokraten wollen bei Kommunalwahlen künftig auch Nichtmitglieder für die Partei kandidieren lassen. Der Landesvorsitzende Rainer Brüderle sagte nach einer Sitzung des Parteivorstandes am Montag in Mainz, die FDP werde auf Kreis- und Ortsverbandsebene "Liberale Klubs" für politikinteressierte Bürger gründen. Teilnehmer dieser Klubs sollen umfangreiche Mitwirkungsmöglichkeiten erhalten.
Parteisprecherin Ulrike Artz erläuterte, Klubmitglieder erhielten in Mitgliederversammlungen künftig Rederecht. Über eine sogenannte Antragsbörse soll es ihnen zudem möglich sein, Vorschläge und Forderungen zu unterbreiten. Das Stimmrecht bleibe jedoch den ordentlichen Mitgliedern vorbehalten.
TALLINN, 18. Januar (AP). Nach dem Stranden des Öltankers "Kihnu" droht Estland eine Umweltkatastrophe. Wie die Behörden am Montag mitteilten, liefen bisher 30 bis 40 Tonnen Rohöl in die Ostsee aus. Es bestehe die Gefahr, daß das Schiff auseinanderbricht.
Wie ein Sprecher des Marineministeriums in Tallinn mitteilte, mußten die Bergungsarbeiten wegen starker Stürme unterbrochen werden. "Keiner weiß, ob sie auseinanderbricht, aber die Möglichkeit besteht", sagte Kalle Pedak vom estnischen Marineministerium. Mati Raidma von der Estnischen Rettungsgesellschaft hielt es für sehr wahrscheinlich, daß der Schiffsrumpf in der tobenden See zerbricht. "Falls dies passiert, haben wir die schlimmste Ölkatastrophe in der estnischen Geschichte", sagte Raidma. Die "Kihnu" hatte rund 1500 Tonnen Rohöl an Bord, als sie am Samstag sieben Kilometer westlich des Hafens Talinn vor der Küste verunglückte. Sie sollte ihre Ladung von Tallinn zu einem anderen estnischen Ölterminal bringen.
Ein estnisches Schiff konnte am Montag eine Leine an dem Tanker festmachen, um ihn zu stabilisieren. Sollte sich das Wetter beruhigen und das Schiff keinen weiteren Schaden nehmen, wollten Bergungsmannschaften den Havaristen zurück in den Hafen und in eine Werft schleppen. Die neunköpfige Besatzung sei an Bord geblieben, könne jedoch jederzeit auf Anforderung innerhalb von 30 Minuten per Hubschrauber geborgen werden, sagte der Sprecher.
KOBLENZ/MAINZ, 18. Januar (AP). Ein 15jähriger türkischer Jugendlicher aus Hamburg ist mit einem Kilogramm Heroin im Gepäck in Koblenz festgenommen worden. Wie das rheinland-pfälzische Landeskriminalamt erst am Montag in Mainz bekanntgab, wurden der Junge und ein 28jähriger Landsmann aus dem Hunsrückort Morbach bereits am Mittwoch beim Versuch gestellt, das Rauschgift zu verkaufen. Auch der Hintermann des Geschäfts, ein 32jähriger Türke aus Bremen, sei festgenommen worden.
Nach Angaben des Landeskriminalamts spielte der 15jährige die Rolle des Drogenkuriers. Er soll das Heroin am Körper von Bremen nach Koblenz transportiert haben. Die Festgenommenen wurden inzwischen dem Haftrichter vorgeführt. Wie das LKA mitteilte, hätte die sichergestellte Drogenmenge ausgereicht, um 50 000 Konsumeinheiten daraus herzustellen.CDU wittert Rot statt Grün
BONN, 18. Januar (AP). Mit ungewöhnlich scharfen Attacken hat die Koalition auf die am Wochenende beschlossene Vereinigung von Grünen und Bündnis 90 reagiert. CDU-Generalsekretär Peter Hintze sagte am Montag in Bonn: "Die ostdeutsche Bürgerrechtsbewegung wird hierdurch zum Steigbügelhalter für die machtpolitischen Interessen der West- Grünen degradiert." Sein FDP-Kollege Uwe Lühr nannte die Fusion "eine späte Verzweiflungstat".
Hintze meinte weiter: "Die neuen Grünen sind nichts anders als die alten Roten aus dem Westen Deutschlands, die mit utopischen Konzepten auf ein Bündnis mit der SPD zusteuern." Tragisch dabei sei, "daß sich das Bündnis 90 dieser Neuauflage eines Sozialismusversuches angeschlossen" habe. Von dem Zusammenschluß gehe "ein Signal für Rückschritt, Wohlstandsgefährdung und Unregierbarkeit" aus.
FDP-Generalsekretär Lühr sagte, das Motiv für den Zusammenschluß sei nicht das Gefühl politischer Zusammengehörigkeit, sondern der Versuch des politischen Überlebens und der Machterhaltung. "Die Bürgerrechtler aus Ostdeutschland werden zukünftig in dieser Partei nichts mehr zu melden haben."
MANNHEIM, 18. Januar (AP). Der frühere Salzgitter-Manager Andreas Böhm ist am Montag wegen Beihilfe zum Bau einer Giftgasfabrik in Libyen zu einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt worden. Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Mannheim sprach zudem 100 000 Mark, die Böhm von dem Unternehmer Jürgen Hippenstiel-Imhausen bekommen hatte, der Staatskasse zu.
Böhm war Geschäftsführer der Salzgitter-Industriebau GmbH (SIG), die für die Lahrer Imhausen-Chemie im Rahmen des Projekts "Pharma 150" Pläne erstellte und lieferte. Das Projekt war der Tarnname für den Bau einer Giftgasfabrik in Rabta.
Die Richter glaubten der Zeugenaussage von Hippenstiel-Imhausen, wonach er Böhm bereits 1984 informierte, daß Libyen und nicht Hongkong der Standort von "Pharma 150" sei. Wenn Böhm aber den Standort gekannt habe, dann müsse er als Chemiker und wegen seiner Kenntnis des Außenwirtschaftsgesetzes auch erkannt haben, daß das Projekt zumindest "die Eignung hat, auch chemische Kampfstoffe zu produzieren", erklärte das Gericht. Er sei damit als Gehilfe zu verurteilen, weil er "die Taten Hippenstiel-Imhausens gefördert hat".
Böhms Verteidigung kündigte Revision an. Sie hatte Freispruch für ihren Mandanten beantragt; die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten gefordert.
WASHINGTON/KUSEL. Das Zusam- mentreffen mit dem Pfälzer Helmut Kohl steht für den künftigen US-Präsidenten Bill Clinton angeblich ganz oben auf der Prioritätenliste. Mit einem anderen, weit weniger bekannten Pfälzer wird der Mann aus Little Rock zumindest akustisch schon früher in Kontakt kommen: Der Zeremonienmarsch des Weißen Hauses stammt von Georg Drumm (1874-1959), einem Wandermusiker der Nordwestpfalz. Sein 1917 komponiertes Stück "Hail America" - später umbenannt in "Hail to the Chief" - kam 1952 bei der Militärkapelle des US-Präsidenten erstmals zu offiziellen Ehren. Es umrahmte schon zahlreiche Amtseinführungen und gilt als "Präsidentenmarsch".
Drumm gehörte zu den erfolgreichsten der vielen hundert Pfälzer Wandermusiker, die mit Notenbuch, Geige oder Blasinstrumenten in aller Welt ihr Glück suchten. Bei der Weltausstellung in St. Louis (USA) vertrat er Irland musikalisch und erhielt für seine Musik einen Ehrenpreis. Die Erfolgsaussichten für Marsch, Polka, Walzer, Polonaise und Jazz-Vorformen in der Neuen Welt bewogen den "Drumme Schorsch" schließlich, seine Familie aus Deutschland nachzuholen und Amerikaner zu werden. Seine letzten Jahre verlebte der Pfälzer in New York.
Als die Volksstimmmung 1917 nach dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkriegs antideutsch wurde, dachte Drumm wohl, er könne seinen Patriotismus mit einem Marsch namens "Hail America" beweisen, vermutet Paul Engel aus Kusel in der Nähe von Kaiserslautern, der seit Jahrzehnten die Geschichte der pfälzischen Wandermusiker erforscht. Bis zur Adelung des Stücks zum "Präsidentenmarsch" vergingen jedoch noch 35 Jahre.
Daß Bill Clinton seinen "Präsidentenmarsch" einem Pfälzer verdankt, geht indirekt auf die extreme Armut der südwestdeutschen Grenzregion um Kusel im letzten Jahrhundert zurück. Mißernten und Übervölkerung führten zu wirtschaftlich-sozialem Druck und steigenden Auswandererzahlen. Um 1900 waren weltweit rund 2500 Männer aus der Region als Wandermusiker unterwegs. dpa
BONN, 18. Januar (dpa). Die SPD sieht nach den Worten ihrer stellvertretenden Parteivorsitzenden Herta Däubler-Gmelin der Drohung von Bundeskanzler Helmut Kohl, den Einsatz von Bundeswehrsoldaten außerhalb des NATO-Gebietes notfalls zum Wahlkampfthema '94 zu machen, "sehr gelassen" entgegen. "Die Menschen bei uns wollen nicht, daß deutsche Soldaten bei Kriegen irgendwo auf der Welt mitkämpfen", sagte Frau Däubler-Gmelin der Kölner Zeitung Express am Montag. Die Menschen merkten auch genau, daß Kohl das Bundeswehrthema benutzte, um von den wirklichen Problemen im Lande und von seinen Fehlern abzulenken, meinte die SPD-Politikerin.
TOKIO, 18. Januar (dpa). Ein 13jähriger Schüler ist in der nordostjapanischen Stadt Shinjo von seinen Mitschülern zu Tode geprügelt worden, weil er sich weigerte, für sie den Clown zu spielen. Wie die Polizei am heutigen Montag berichtete, gestanden sieben Jugendliche im Alter zwischen 13 und 14 Jahren, sie hätten Yuhei Kodama durch Schläge und Fußtritte getötet. Kodama habe ihre Forderung ausgeschlagen, einige bekannte Comic- und Märchenfiguren zu imitieren. Die Leiche des schwer mißhandelten 13jährigen war am vergangenen Mittwoch, eingerollt in eine Turnmatte, in der Sporthalle der Städtischen Oberschule von Shinjo entdeckt worden. Nach Darstellung der Polizei sahen mindestens 50 Mitschüler tatenlos zu, als der Junge zusammengeschlagen wurde.
Die Dallas Cowboys hielten Wort: Das Team von Coach Jimmy Johnson, der 1989 das Erreichen der Super Bowl in spätestens fünf Jahren prophezeit hatte, erreichte am Sonntag (Ortszeit) durch das verdiente 30:20 bei den favorisierten San Francisco 49ers das Meisterschafts- Finale der National Football League (NFL) gegen die Buffalo Bills am 31. Januar in Los Angeles und holte gleichzeitig die Meisterschaft der National Football Conference. Die Bills, in den beiden vergangenen Jahren jeweils in der Super Bowl gescheitert, hatten zuvor mühelos 29:10 bei den enttäuschenden Miami Dolphins gesiegt.
"Zwei Auswärtssiege im Playoff-Halbfinale sind eine Sensation, aber es wird ein würdiges Finale", meinte Johnson, stieg auf den Massagetisch und schrie dreimal "phantastisch". Zwei Touchdowns des überragenden Running Backs Emmitt Smith, jeweils ein Touchdown von Daryl Johnston und Calvin Martin und ein Field Goal von Lin Elliott machten seinen Traum wahr. 1989 noch waren die Cowboys das schlechteste NFL-Team.
Fünf Ballverluste wurden den Dolphins zum Verhängnis. Die Bills kontrollierten dank einer überragenden Defensivleistung Spiel und Gegner nach Belieben und feierten die Touchdowns von Thurman Thomas, Kenneth Davis und fünf Field Goals von Steve Christie wie einen Super Bowl-Triumph. "Wir haben jetzt zweimal in der Super Bowl verloren, das wird dieses Mal nicht passieren", sagte Bills-Quarterback Jim Kelly. dpa
KOPENHAGEN, 18. Januar (dpa). Ein Rangierarbeiter ist am heutigen Montag beim Zusammenstoß zweier Züge nahe der dänischen Stadt Nästved auf der Insel Seeland ums Leben gekommen. Vier Reisende wurden zum Teil schwer verletzt. Nach Angaben der Eisenbahngesellschaft DSB kam es zu dem Unglück, als ein Güterzug und ein Personenzug zusammenstießen. Sechs Waggons des Personenzuges entgleisten. Über die Ursachen für das Unglück machte die Eisenbahngesellschaft zunächst keine Angaben.
Neuer Ölalarm
Tanker lief
vor Estland
TALLINN, 18. Januar (dpa/AFP/AP). Der mit 1500 Tonnen Öl beladene estnische Tanker "Kihnu" ist in der Nacht zum Montag vor dem Hafen von Tallinn auf Grund gelaufen. Eine erneute Ölkatastrophe droht.
Seit Montag morgen ist zu befürchten, daß das Schiff auseinanderbricht. Wie ein Sprecher des Marineministeriums in der estnischen Hauptstadt mitteilte, mußten die Bergungsarbeiten im Finnischen Meerbusen wegen starker Stürme unterbrochen werden.
Aus dem 60 Meter langen Havaristen sei schon ein Teil der insgesamt 1500 Tonnen Rohöl ausgelaufen. Das Schiff war bereits am Samstag aus noch ungeklärter Ursache sieben Kilometer westlich der estnischen Hauptstadt Tallinn verunglückt. Die neunköpfige Besatzung sei an Bord geblieben, könne jedoch jederzeit auf Anforderung innerhalb von 30 Minuten per Hubschrauber geborgen werden, sagte der Sprecher. Die finnische Küstenwacht habe ihre Hilfe durch den Einsatz von Hubschraubern und Bergungsschiffen angeboten.
ROM, 18. Januar (dpa). Zahlreiche Heuschreckenschwärme sind entlang der afrikanischen Küste des Roten Meeres beobachtet worden. Die Schädlinge bedrohen nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) vor allem die Küstengebiete Sudans, Eritreas und Saudi-Arabiens. Wie die FAO am Montag in Rom weiter mitteilte, breiten sich Wüstenheuschrecken auch in Ägypten und Jemen aus.
FAO-Generaldirektor Edouard Saouma setzte einen Krisenstab ein. "Es muß alles getan werden, um die Plage so schnell wie möglich zu bekämpfen", sagte Saouma in Rom. "Wir müssen verhindern, daß die Schädlinge auch auf andere afrikanische Länder übergreifen, wo die Menschen bereits unter Hunger und Bürgerkrieg leiden."
ADDIS ABEBA, 18. Januar (dpa). Zwei Wochen nach blutigen Zusammenstößen zwischen Studenten und der Polizei hat die äthiopische Regierung die Hauptuniversität von Addis Abeba bis auf weiteres geschlossen und die Leiter der Hochschule entlassen. Ministerpräsident Tamirat Layne begründete dies am Montag damit, daß der Präsident der Universität und dessen Stellvertreter nichts gegen "Agitatoren" unternommen hätten, die am 4. Januar eine Demonstration gegen einen Besuch von UN-Generalsekretär Butros Butros Ghali initiiert hätten.
Bei den Protesten war nach offiziellen Angaben ein Student ums Leben gekommen, als Polizisten in die Menge schossen. Gremien der Universität hatten eine öffentliche Untersuchung gefordert. Nach ihrer Darstellung waren weit mehr Demonstranten getötet worden. 12 000 Studenten traten in einen Streik, der den Hochschulbetrieb seither zum großen Teil lahmlegt.
MÜNCHEN/DEN HAAG (dpa). Die Daimler-Benz-Tochter Deutsche Aerospace (Dasa) will inhaltlich nicht zu Berichten Stellung nehmen, denenzufolge sie eine Neuverhandlung des Ende Oktober unterzeichneten Rahmenvertrages über ihren Einstieg beim Flugzeugbauer Fokker (Amsterdam) anstrebe. Die eingeleitete wirtschaftliche Überprüfung von Fokker sei noch nicht abgeschlossen, sagte ein Sprecher lediglich. Dasa soll für 51 Prozent an dem traditionsreichen Hersteller von Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen rund 780 Millionen Mark zahlen.
Am Montag fand im Wirtschaftsausschuß des niederländischen Parlaments eine nicht öffentliche Anhörung zu der geplanten Übernahme statt, an der Dasa- Finanzchef Manfred Bischoff teilnahm. Die Zeitung De Volkskrant hatte berichtet, daß Dasa wegen der unsicheren Finanzlage bei Fokker auf eine zusätzliche Unterstützung des niederländischen Staates dränge, der an dem Unternehmen mit knapp einem Drittel beteiligt ist. Dasa befürchte, daß Fokker wegen der Flaute in der Luftfahrtindustrie in Schwierigkeiten geraten könnte. Das Wirtschaftsministerium in Den Haag habe jedoch eine Neuverhandlung abgelehnt. Dem Dasa-Sprecher zufolge halte man an der Absicht fest, die Fokker- Mehrheit zu erwerben, lasse sich aber nicht unter Zeitdruck setzen.
FRANKFURT A. M., 18. Januar (dpa/ AFP). Nach den neuen alliierten Angriffen gegen den Irak haben Jordanien und Ägypten vor einer Esklation des Konflikts gewarnt. Der jordanische Informationsminister Machmud el Scherif forderte am Montag in Amman einen "Dialog" zwischen den Vereinten Nationen (UN) und Irak. Eine Eskalation diene niemand, sagte Scherif laut der ägyptischen Nachrichtenagentur MENA.
Der ägyptische Außenminister Amre Mussa betonte, die ägyptische Position habe sich nicht geändert, und warnte, Irak dürfe nicht "geteilt werden oder zerfallen", die Einheit des irakischen Volkes müsse erhalten bleiben. Gleichzeitig forderte er, das internationale Recht müsse überall beachtet werden, und spielte damit auf Israel an, das trotz einer entsprechender UN-Resolution die ausgewiesenen Palästinenser nicht zurückkehren lasse. Mussa rief Bagdad auf, jede Politik des "Abenteurertums und der Provokationen" aufzugeben.
Der stellvertretende Generalsekretär der Arabischen Liga, Adnan Omran, zeigte sich überzeugt, daß die Attacken in Irak "gänzlich unnötig" seien. Das Problem müsse durch einen "Dialog und Verhandlungen" gelöst werden, sagte Omran in einem Interview der Kairoer Abendzeitung "El Mesa". Für die Mächte, die die "militärische Oberhand" hätten, sei eine Militäraktion vielleicht "einfacher". Doch müßten sie die "schweren und schmerzlichen Konsequenzen für die Opfer" in Erwägung ziehen.
Das russische Außenministerium bezeichnete die Angriffe als "unangemessen". "Es ist eine Sache, Angriffe auf militärische Objekte durchzuführen, eine andere, wenn zivile Objekte darunter leiden müssen", sagte Viktor Goritidse, Abteilungsleiter im Ministerium, der Nachrichtenagentur Interfax. Er sei mit Vertretern der US-Botschaft in Moskau zusammengetroffen, um ihnen die Besorgnis Rußlands über das Schicksal der russischen Bürger in Irak klarzumachen. Moskau verlangte außerdem, daß sich der Weltsicherheitsrat mit der Lage am Golf erneut beschäftigen müsse.
Die Bundesregierung dagegen stellte sich hinter die Luftangriffe. Sie habe bereits in der vergangenen Woche beim ersten Schlag der Alliierten gegen Irak ihre Unterstützung deutlich gemacht, sagte Regierungssprecher Dieter Vogel in Bonn. Dies gelte "selbstverständlich auch heute". Vogel ließ offen, ob Bonn von den neuen Angriffen bereits im Vorfeld unterrichtet wurde. "Generell" habe die Bundesregierung aber gewußt, daß mit einem solchen Angriff zu rechnen sei.
Der künftige US-Präsident, Bill Clinton, der am Mittwoch sein Amt antritt, stellte sich voll hinter die Entscheidung der scheidenden US-Regierung. Die israelische Presse kritisierte die jüngsten Militärschläge als "nicht ausreichend", um Iraks Diktator Saddam Hussein zu stürzen. China als ständiges Mitgliedim UN- Sicherheitsrat bestand auf einer friedlichen Lösung des Golf-Konfliktes.
JOHANNESBURG, 18. Januar (AFP/ dpa). Bei einem Überfall auf ein Fahrzeug nahe der südafrikanischen Provinzhauptstadt Pietermaritzburg sind am Sonntag neun Menschen getötet worden. Wie die Polizei am Montag mitteilte, schossen die Täter auf den Wagen, als er die Schwarzensiedlung Gulume in der Provinz Natal verließ. Das Fahrzeug überschlug sich und rollte eine Böschung herunter. Anschließend schossen die Angreifer abermals und töteten neun Menschen, mehrere weitere wurden verletzt.
Bei einem Brandbomben-Anschlag auf ein Haus in der Schwarzensiedlung Ndaleni im Osten Südafrikas sind vier Menschen in den Flammen umgekommen. Wie der staatliche Sender SABC berichtete, waren unter den Opfern ein dreijähriges Mädchen und zwei Menschen im Alter von mehr als 80 Jahren.
LONDON, 18. Januar (dpa). Das Wetter über dem Nordatlantik spielt offenbar verrückt: Meteorologen haben dort in diesem Winter eine ganze Serie außergewöhnlich starker Tiefdruckgebiete beobachtet, die Orkane auslösten. "Verglichen mit den Stürmen zwischen 1987 und 1990 scheint jetzt eine Phase schwerer Stürme zu beginnen, deren Ursache in der globalen Erwärmung der Erde liegen könnte", zitiert die britische Wissenschaftszeitschrift New Scientist John Gould vom Institut für Ozeanographie im englischen Wormley.
So war der Orkan, der in der vergangenen Woche den Tanker "Braer" auseinanderbrechen ließ, an ein Tiefdruckgebiet mit 915 Millibar über den Shetland-Inseln gekoppelt. Es war der niedrigste Luftdruck, der seit Beginn regelmäßiger meteorologischer Aufzeichnungen vor 100 Jahren in dieser Region gemessen wurde. Die Wellen im Gebiet der Shetland-Inseln sind dem Bericht zufolge heute im Durchschnitt 50 Prozent höher als in den 60er Jahren.
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Weniger Rindfleisch auf dem Tisch In deutschen Haushalten stand im vergangenen Jahr weniger Rindfleisch auf dem Tisch. Der Pro-Kopf-Verzehr in der Bundesrepublik ging gegenüber 1991 um ein auf 12,5 Kilo zurück. Nach Angaben der Centralen Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) stabilisierte sich hingegen der Verbrauch an Schweinefleich bei 39,6 Kilogramm sowie von Hühnerfleisch bei 7,3 Kilogramm. Vor allem das ostdeutsche Nahrungsmittelgewerbe habe von der Rückbesinnung auf heimische Produkte profitiert. Stahlproduktion eingeschmolzen Die Produktion von Eisen und Stahl ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken: Bei Roheisen um rund acht Prozent, bei Rohstahl um 5,7 und bei Walzstahl-Fertigerzeugnissen um vier Prozent. Dies teilt das Statistische Bundesamt mit. Industrieproduktion in Polen steigt Nach einem fast zwei Jahr dauernden Rückgang ist die polnische Industrieproduktion 1992 um etwa 3,5 Prozent gestiegen. Dies berichtet das Zentrale Planungsamt in Warschau. Für die laufende Periode erwartet die Behörde eine Zunahme um rund vier Prozent.
Japan auf Konfliktkurs im Gatt Japans regierende liberaldemokratische Partei will am Importverbot für ausländischen Reis festhalten. Dies werde auch über die laufenden Gespräche im Gatt hinaus geschehen, heißt es in einem Standortpapier der LDP, das vom Parteitag in dieser Woche verabschiedet werden soll. Das Gatt drängt Japan, dieses Verbot aufzuheben. Mittelstand kritisiert Treuhand Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft hat die Treuhandanstalt kritisiert, sie bevorzuge bei der Privatisierung ihrer Betriebe westliche Großunternehmen. Der Verband sieht dabei eine "unheilige Allianz zwischen Treuhand, Großbanken und bankeigenen Beratungsgesellschaften" am Werk. Zudem gebe es in der Behörde Vetternwirtschaft, meint Verbandsgeschäftsführer Dieter Härthe: "Nicht nur Minister haben Verwandte, sondern auch Treuhandmitarbeiter." Guter Wein-Jahrgang 1992 Die Weinernte des vergangenen Jahres ist laut Statistischem Bundesamt von hoher Qualität. Mit 13,4 Millionen Hektolitern ist es die bisher zweitgrößte Lese.
MOSKAU (dpa/FR). Die neue russische Regierung mutet der Bevölkerung bei den Preisen für Grundnahrungsmittel ein Wechselbad zu. Regierungschef Viktor Tschernomyrdin soll nach massiver Kritik seiner reformfreudigen Minister einen noch nicht einmal drei Wochen alten Beschluß wieder zurückgenommen haben. Dies jedenfalls teilte Vize Anatoli Tschubais der Nachrichtenagentur Interfax mit. Eine entsprechende Erklärung sei in der Nacht zum Montag unterzeichnet worden.
Die Anordnung des konservativen ehemaligen Sowjetfunktionärs Tschernomyrdin vom 31. Dezember 1992 sah strikte Preiskontrollen unter anderem für Kindernahrung, Milch, Brot, Nudeln, Fleisch, Wurst, Fisch, Salz, Mehl, Tee und Seife vor. Auf diese Weise sollte die galoppierende Inflation eingedämmt werden. Die Angaben über den Anstieg der Verbraucherpreise im abgelaufenen Jahr schwanken zwischen mehreren hundert und zweitausend Prozent. Die Vizeregierungschefs Boris Fjodorow und Wladimir Schumeiko, die wirtschaftspolitisch dem Tschernomyrdin-Vorgänger und radikalen Reformer Jegor Gaidar nahestehen, hatten die Kontrollen als Fehler und nicht praktikabel bezeichnet.
BIELEFELD, 18. Januar (dpa). Rund 200 assyrische Christen aus der Südosttürkei, die in Deutschland leben, haben am Montag das Büro des FDP-Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe in Bielefeld mehrere Stunden lang besetzt. Die Gruppe wollte damit gegen ein "Massaker an Glaubensbrüdern" in der Türkei protestieren, sagte ein Sprecher.
Er warf der türkischen Regierung vor, von ihr angeheuerte kurdische Söldner hätten in der vergangenen Woche im Südosten des Landes zwei mit assyrischen Christen und kurdischen Yezidi besetzte Busse beschossen und dabei sieben Menschen getötet.
PRAG, 18. Januar (dpa). Ein zur Jüdischen Gemeinde Prag gehörender Friedhof in der mittelböhmischen Kleinstadt Golcuv Jenikov (Goltsch-Jenikau) ist von unbekannten Tätern geschändet worden. Die tschechische Nachrichtenagentur CTK meldete am Montag, 62 Grabsteine seien umgestürzt worden, sieben seien zerbrochen. Die Polizei habe die Ermittlungen aufgenommen.
BAYBURT/ANKARA, 18. Januar (AP/ dpa/Reuter). In der Nordosttürkei ist am Montag das Dorf Özengeli zum großen Teil von einer Lawine verschüttet worden. Ein Beamter der Ortsverwaltung, Faik Cakir, berichtete telefonisch, mindestens 13 der etwa 380 Dorfbewohner seien ums Leben gekommen. 15 Menschen seien lebend, aber verletzt geborgen worden. Unter den niedergegangenen Tonnen Schnee würden noch etwa 50 Menschen vermißt.
In ersten Berichten war von rund 300 Verschütteten die Rede gewesen. Dazu sagte Cakir, das Unglück sei deshalb relativ glimpflich verlaufen, weil viele Menschen nicht in ihren Häusern, sondern beim Morgengebet in der Moschee oder beim Versorgen des Viehs waren. Cakir berichtete, 50 der 85 Häuser des Dorfs seien unter den Schneemassen begraben worden, als die Lawine um 8.00 Uhr Ortszeit (7.00 Uhr MEZ) niederging. "Bevor wir noch begriffen, was los ist, war die Hälfte des Dorfs verschüttet", sagte er.
Nach Auskunft des Beamten waren die Überlebenden dabei, mit Schaufeln und Pickeln zu den Verschütteten vorzudringen. Aus der 35 Kilometer enfernten Provinzhauptadt Bayburt bahnten sich Bulldozer den Weg zum Katastrophenort. Am Abend traf das erste Ärzte-Team ein, das die Verletzten versorgte.
Zwei Armeehubschrauber aus der nahegelegenen Garnisonsstadt Erzincan hatten am Nachmittag wegen des schlechten Wetters wieder abdrehen müssen. Sie sollten unter anderem auskundschaften, ob Hilfsgüter abgeworfen werden können, ohne neue Lawinen zu verursachen. Im Gebiet Özengeli liegen zwei Meter Schnee, die Temperatur beträgt 25 Grad unter Null.
In der Provinz Trabzon wurden mindestens zwei Menschen von einer Lawine getötet, meldete der stattliche türkische Fernsehsender TRT. Offiziellen Angaben zufolge sind in der Ostschwarzmeer- Region durch heftige Schneestürme in sechs Provinzen mehr als 700 Dörfer und in Ostanatolien rund 2000 Dörfer völlig von der Außenwelt abgeschnitten. In dem Dorf Sarigül in der Provinz Artvin an der türkisch-georgischen Grenze wurden am Montag rund 200 in einem Schulgebäude eingeschlossene Menschen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten aus der Luft versorgt. Vor einem Jahr waren bei Lawinenunglücken im Osten und Südosten der Türkei insgesamt über 300 Menschen ums Leben gekommen.
Drei Tote bei Unwetter in Skandinavien OSLO/STOCKHOLM (dpa). Drei Menschen sind bei Unwettern in Norwegen und Schweden ums Leben gekommen.
Wie aus Oslo verlautete, starb eine 68 Jahre alte Frau in Odda an der norwegischen Westküste, als ihr Haus von einer Lawine begraben wurde. Ein Mann ertrank, als er sich trotz des Sturms ans Wasser wagte, um nach seinem Boot zu sehen. Mehrere hundert Einwohner von Odda wurden am Montag aus ihren lawinengefährdeten Häusern evakuiert.
Aus weiten Teilen Norwegens wurden erhebliche Störungen des Verkehrs durch zugeschneite Straßen und Schienenverbindungen gemeldet. Ähnliche Wetterbedingungen herrschten am Montag auch in Mittelschweden. In Borlänge wurde ein Mann von einem herabfallenden Dach erschlagen.
BRÜSSEL (dpa). Die EG-Finanzminister haben in Brüssel grünes Licht für ein Darlehen an Italien in Höhe von acht Milliarden Ecu (16 Milliarden Mark) gegeben. Das Land will damit seine Zahlungsbilanz stützen. Die Summe soll über einen Zeitraum von drei Jahren in vier gleichgroßen Tranchen ausgezahlt werden, wie der Bonner Finanzstaatssekretär Horst Köhler mitteilt. Der Kredit sei eine Art Vertrauensvorschuß in die Sanierungspolitik der italienischen Regierung, die ihre Absicht bekräftigt habe, die Lira wieder ins Europäische Währungssystem (EWS) zurückbringen zu wollen, wenn die Marktbedingungen solide seien. Die erste Tranche soll laut Köhler möglichst rasch ausgezahlt werden. Bei der Freigabe weiterer Beträge werde jedoch stets geprüft, ob Italien seine wirtschaftspolitischen Zusagen einhält.
Der EG-Währungsausschuß hatte bereits in der vergangenen Woche eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen. Rom hatte seine Partner im September 1992 kurz nach seinem Ausstieg aus dem Wechselkursmechanismus des EWS um eine Finanzhilfe gebeten. Die Währungsturbulenzen hatten Rom einen mehrstelligen Milliardenbetrag gekostet.
Auf der Tagesordnung der Minister stand gestern auch die Verabschiedung des geplanten Europäischen Investitionsfonds.Lettland gab Schätze zurück
BERLIN, 18. Januar (dpa). Lettland hat im Zweiten Weltkrieg verschollene archäologische Schätze an Deutschland zurückgegeben. Die Stücke aus einer germanischen Siedlung aus der Zeit des ersten bis dritten Jahrhunderts nach Christus waren zwischen 1937 und 1942 im märkischen Dorf Kablow südlich von Berlin gefunden worden.
Die Kablower Grabung gilt als größte archäologische Untersuchung eines germanischen Dorfes in Deutschland. Am Montag wurden die Keramikscherben und Werkzeuge im Berliner Märkischen Museum präsentiert. Berlins Kultursenator Ulrich Roloff-Momin dankte Lettland für die problemlose Rückführung.
BAMBERG. Hans Wollschläger hat die Regie des Karl-Kraus-Stückes "Die letzten Tage der Menschheit" am Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theater niedergelegt. Der Schriftsteller und Jocye-Übersetzer hatte den Text des Werkes gemeinsam mit Hermann Wiedenroth bearbeitet. Als die sechsstündige Fassung nach wochenlangen Diskussionen vom Intendanten auf 50 Prozent gekürzt wurde, distanzierte sich der Regisseur von der weiteren Zusammenarbeit. Die Premiere soll wie geplant am 30. Januar stattfinden. dpa
aud FRANKFURT A. M., 19. Januar. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hat die türkische Justiz aufgefordert, den deutschen Journalisten Stephan Waldberg unverzüglich aus der Haft zu entlassen. In einer Mitteilung des DJV heißt es, die Voraussetzungen für ein faires Verfahren in der Türkei seien nicht gegeben. Es müsse vielmehr befürchtet werden, daß die türkische Justiz an ihm ein Exempel in ihrem Kampf gegen die Kurdische Arbeiterpartei PKK statuieren wolle. Die Staatsanwaltschaft hat eine fünfjährige Haftstrafe gefordert.
Waldberg war am 23. Oktober 1992 verhaftet worden. Er wird nach Informationen des DJV in der Haft mißhandelt. Ähnliches hatte die FR aufgrund von Informationen seines Vaters berichtet. Ein offizielles Gesuch der deutschen Botschaft, den 29jährigen gegen Kaution freizulassen, war abgelehnt worden. Bonn hat wegen der Verschleppung des Falles bei der Türkei protestiert.
Waldberg, Mitarbeiter des unabhängigen badischen Senders Radio Dreyeckland, wird vom Staatssicherheitsgericht in Diyarbakir vorgeworfen, Kurierdienste für die PKK geleistet zu haben. Die PKK wird von den Behörden als "separatistische" Terrororganisation eingestuft. Tatsächlich, so der DJV, habe Waldberg in der Südosttürkei recherchiert. Der Sender hatte mehrmals bestätigt, daß Waldberg in seinem Auftrag in der Türkei und in Irak über die Verwendung deutscher Hilfsgelder recherchiert hatte.
Der DJV bewertet die Türkei ebenso wie das Internationale Presseinstitut (IPI) als das zur Zeit gefährlichste Land für Journalisten: "Allein im vergangenen Jahr sind 13 Journalisten ermordet worden." Gegen Journalisten hätten die Behörden 1392 Prozesse angestrengt. 121 Zeitungen würden in der Türkei zensiert oder ganz verboten. Kürzlich hatte die unabhängige prokurdische Tageszeitung Özgür Gündem ihr Erscheinen eingestellt, weil mehrere ihrer Reporter ermordet worden waren.
SAARBRÜCKEN/BONN, 18. Januar (dpa). Die wegen angeblicher Kontakte zur Unterwelt in die Schußlinie der Kritik geratenen saarländischen SPD-Politiker Oskar Lafontaine und Reinhard Klimmt haben Rückendeckung der Bundes-SPD erhalten. Parteichef Björn Engholm und Bundesgeschäftsführer Karlheinz Blessing wiesen am Montag in Bonn Zweifel an der Integrität ihrer Parteifreunde zurück. Die oppositionelle FDP forderte Lafontaine auf, sein Amt als Regierungschef und Bundesratspräsident bis zur Klärung aller Vorwürfe ruhen zu lassen.
Dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel zufolge soll Klimmt den mordverdächtigen und wegen anderer Delikte verurteilten Schwerverbrecher Hugo Lacour in einem Schreiben als "lieber Hugo" angeredet und über den Stand seines Verfahrens unterrichtet haben. Lafontaine habe einen als Schläger stadtbekannten Freund Lacours als Leibwächter in die Staatskanzlei geholt und ihm über eine Ausnahmegenehmigung seines Innenministers zu einer Schußwaffe verholfen.
Lafontaine, der am Montag als deutsch-französischer Kulturbeauftragter eine Rede an der Pariser Sorbonne-Universität hielt, nahm auch dort zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen nicht Stellung. SPD-Fraktionschef Klimmt wies die Vorwürfe auf einer Pressekonferenz in Saarbrücken als "absurd" zurück, bestätigte aber den Briefwechsel mit Lacour. Kritik, so Klimmt, könne man an der Form der Briefe üben, doch sei "juristisch nichts zu beanstanden". Die Saarbrücker Staatsanwaltschaft sieht nach Prüfung der im Spiegel erhobenen Vorwürfe keinen Grund, gegen Klimmt oder Lafontaine wegen versuchter Strafvereitelung zu ermitteln, teilte die Behörde am Montag mit. Lediglich im Fall von Justizminister Arno Walter (SPD) werde auf dessen eigenen Antrag hin noch geprüft, ob er sich möglicherweise der Verletzung von Dienstgeheimnissen schuldig gemacht habe und ein förmliches Ermittlungsverfahren eingeleitet werden müsse.
Engholm sagte am Montag in Bonn, bestimmte Medien wollten den stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Lafontaine offenkundig politisch in Frage stellen. Es könne niemand moralisch verurteilt werden, "weil er irgendwann irgendwo mal an einer Bar gesessen hat". Die Bundesrepublik gerate zunehmend in die Gefahr, "kleinkariert" zu werden. Auch die Briefe Klimmts seien nichts Ungewöhnliches, meinte Engholm. Allenfalls sei die persönliche Anrede zu bemängeln, aber auch dies sei keine Frage der Integrität.
Auf Antrag der FDP wird sich der saarländische Landtag am morgigen Mittwoch mit den Vorwürfen gegen Lafontaine und Klimmt befassen. Die CDU forderte eine Regierungserklärung Lafontaines zu den Vorwürfen. Sollte er nicht rasch "die Karten auf den Tisch legen", behalte sich die Union "alle parlamentarischen Möglichkeiten" vor.
Die Junge Union (JU) forderte eine schnelle Aufklärung der Vorwürfe. Es sei unerträglich, daß Lafontaine als Bundesratspräsident und damit zweithöchster Repräsentant der Bundesrepublik sich dem Verdacht von Kontakten zur Halb- und Unterwelt aussetze, erklärte JU-Vorstandsmitglied Patrick Warnking am Montag in Bonn.
(Weiterer Bericht und Kommentar auf Seite 3)
KÖLN, 19. Januar (dpa). Unter dem Verdacht schweren Menschenhandels, Zuhälterei und Körperverletzung hat die Polizei in Köln-Mülheim vier Türken im Alter von 25 bis 41 Jahren festgenommen. Die vier Männer werden verdächtigt, mindestens sieben junge Frauen aus der Türkei und anderen Ländern nach Deutschland gelockt und zur Prostitution gezwungen zu haben, teilte die Polizei jetzt in Köln mit. Die vier Männer seien vom Staatsanwalt wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Ausländerinnen wurden laut Polizei wegen verbotener Prostitution und illegalen Aufenthalts festgenommen. Sie werden wahrscheinlich abgeschoben.Staatsanwalt klagt Ex-Koko-Direktor an
BERLIN (Reuter/dpa). Die Staatsanwaltschaft hat beim Kammergericht Berlin wegen des Verdachts der mehrfachen Untreue und der teilweisen Beihilfe gegen einen ehemaligen Koko-Direktor und dessen westdeutschen Geschäftspartner Anklage erhoben. Dem 55jährigen Wolfgang K. werde vorgeworfen, als Direktor der Firma Berag aus dem Reich der Kommerziellen Koordinierung (Koko) des Ex-DDR-Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski die öffentliche Hand um mindestens 22 Millionen Mark geschädigt zu haben.
Der Angeklagte hatte Ende 1989 vom damaligen kommissarischen Leiter der Koko den Auftrag erhalten, das Unternehmen zu liquidieren und das Geld an den Staatshaushalt abzuführen. Stattdessen soll er den Betrieb in Kowimex umbenannt und die Summe auf die Konten dieser Firma überführt haben. Die beiden Beschuldigten hätten anschließend einige Zahlungen mit fingierten Verträgen und Rechnungen auf Konten von Gesellschaften umgeleitet, hinter denen der westdeutsche Kaufmann stand. Im Zeitraum von Mai 1990 bis Ende 1991 sollen dem Staatshaushalt auf diese Weise rund 2,6 Millionen Mark entzogen worden sein.
Rund zehn Millionen Mark soll der Ex- Direktor durch Überweisungen auf Privatkonten, Bezahlung eigener Rechnungen, Gewährung von Darlehen zwischen November 1990 und Oktober 1991 noch zusätzlich veruntreut haben.
Auch die sechste Partie des Finales im Schach-Kandidatenturnier um die Herausforderung von Weltmeister Garri Kasparow (Rußland) endete zwischen dem Briten Nigel Short und dem Niederländer Jan Timman in El Escorial am Montag mit einem Remis. Der 27jährige Short führt nach der sechsten von 14 Partien gegen seinen 14 Jahre älteren Kontrahenten aus den Niederlanden mit 3,5:2,5.
Der VfB Stuttgart wird Matthias Sammer nicht verpflichten. Dies erfuhr die dpa am Montag aus Präsidiumskreisen. Danach haben sich die Schwaben aus finanziellen Gründen gegen die Rückkehr des zu Inter Mailand gewechselten Nationalspielers entschieden.
SAN JOSÉ, 19. Januar (dpa). Die Beachtung der Menschenrechte in den Staaten Lateinamerikas muß mit der Lösung der Probleme in Gebieten wie Wirtschaft, Soziales und Umweltschutz einhergehen. Diese Auffassung vertraten am Montag mehrere Sprecher zum Auftakt der "Menschenrechtskonferenz für Lateinamerika und die Karibik" in der costaricanischen Hauptstadt San José. Das Treffen, an dem rund 500 Vertreter der verschiedenen Regierungen teilnehmen, dient zur Vorbereitung der "Weltmenschenrechtskonferenz", die im Juni in Wien stattfinden wird.
Fortschritte in den genannten Bereichen seien die Voraussetzung dafür, daß auch in Politik und Gesellschaft die Rechte der Menschen beachtet werden, meinte der Exekutivsekretär der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik, Gert Rosenthal.
BONN, 18. Januar (dpa). Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Doris Odendahl, hat davor gewarnt, die Bundesausbildungsförderung (Bafög) im Zuge der Bonner Sparpolitik einzuschränken. Odendahl sagte am Montag in Bonn, wenn Bund und Länder die Studienzeiten verkürzen wollten, dann gehöre dazu, die Studierenden ausreichend sozial abzusichern. Sie forderte die Bundesregierung auf, die im Herbst 1993 auslaufende Studienabschlußförderung für Studenten in der Examensphase unbefristet zu verlängern.
Odendahl äußerte die Befürchtung, daß die gegenwärtige Bildungsdiskussion unter dem Druck leerer Kassen auf das Thema "Verkürzung der Studienzeiten" verengt werde und "inhaltliche Fragen über Studieninhalte zu kurz kommen". Um den vom Bundeskanzler und von den Ministerpräsidenten der Länder angekündigten Bildungsgipfel "demokratisch vorzubereiten, muß das Gespräch mit den Betroffenen, mit Studierenden, Hochschuldozenten, Wirtschaft und Gewerkschaften geführt werden", sagte sie.
Zusammen mit den Juso-Hochschulgruppen hatte die SPD-Bildungspolitikerin dafür am Wochenende einen Anfang gemacht. Etwa 100 Teilnehmer aus allen wichtigen Verbänden hatten sich zu einem "Runden Tisch" getroffen. Dabei wurde gefordert, beim Bildungsgipfel nicht nur die Abstimmung von beruflicher Bildung und Studium zum Thema zu machen, sondern Verbesserungen zu vereinbaren, um die Berufsschulen in den neuen wie in den alten Ländern zu verbessern. Odendahl berichtete weiter, es herrsche bei allen Einvernehmen, daß die Attraktivität der betrieblichen Berufsausbildung gesteigert werden müsse. Eine "Bedarfslenkung" von jungen Menschen in bestimmte Ausbildungswege, wie sie im Kanzleramt "naiv überlegt" werde, sei aber abzulehnen.
Auch der Bundesvorsitzende der Liberalen Hochschulgruppen (LHG), Bernd- Alfred Bartels, forderte am Montag, die Studenten am Bildungsgipfel zu beteiligen. Die LHG bemängelten, daß die Überlegungen für die Studienreform ausschließlich "vom Leitbild des Vollzeitstudenten" ausgingen. Immer mehr Studierende würden aber parallel arbeiten und damit ein "Teilzeitstudium" absolvieren, was zu einer höheren Semesterzahl bis zum Examen führe. Der unionsnahe Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) übergab dem Wissenschaftsrat 20 000 Unterschriften gegen die Einführung einer generellen Studiengebühr. Der RCDS-Vorsitzende Eckhard Wälzholz warnte aber vor Streikaktionen, die dem Anliegen der Studenten mehr schaden als nützen würden. An zahlreichen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen sollen in dieser Woche nach Ankündigung der Allgemeinen Studentenausschüsse Protestaktionen gegen die von Kultusministern und Hochschul-Rektorenkonferenz geplante Zweiteilung des Universitätsstudiums stattfinden.
Der Wissenschaftsrat wird von Mittwoch an in Berlin tagen. Dabei sollen Thesen für die künftige Hochschulpolitik verabschiedet werden. Einer der heftig umstrittenen Vorschläge ist die Forderung, die Studenten künftig mit 1000 Mark pro Semester an den Kosten ihres Studiums zu beteiligen. Nach Aussagen der Wissenschaftsminister von Bund und Ländern dürfte dieses Modell keine Zustimmung mehr finden. Gleichzeitig wird aber mit Zustimmung zu umfassenden Strukturveränderungen des Hochschulstudiums gerechnet wird.
Kerngedanke ist dabei, das Universitätsstudium in eine zunächst stärker berufsbefähigende Studienphase für alle und in eine nachfolgende Ausbildung zu teilen. Die zweite Phase soll wenige zu wissenschaftlichen Nachwuchskräften ausbilden und Studenten an der Forschung beteiligen. Die erste Phase mit dem Abschluß Diplom, Magister oder Staatsexamen soll einschließlich Diplomarbeit und Prüfung nach neun Semestern abgeschlossen sein.
Wenn heute 30 Prozent eines Altersjahrgangs studierten (statt früher fünf), so bedinge dies eine andere Struktur des Studienangebotes, heißt es sinngemäß in dem Entwurf. Gleichzeitig plädiert der Wissenschaftsrat für einen stärkeren Ausbau der kostengünstigeren Fachhochschule als Alternative zur Universität.
WARSCHAU/BONN, 18. Januar (dpa). Zu Verhandlungen mit der polnischen Regierung über die Kooperation beider Länder in Asylfragen ist der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Johannes Vöcking, am Montag nach Warschau geflogen. Dabei gehe es vor allem um die Möglichkeit finanzieller und administrativer Hilfe der Bundesrepublik sowie um eine enge Zusammenarbeit der Grenzpolizeien, sagte ein Sprecher des Bonner Ministeriums. An den zweitägigen Beratungen nehme auf polnischer Seite Innenminister Andrzej Milczanowski teil.
Nach Worten des Ministeriumssprechers soll Polen unter anderem in die Lage versetzt werden, dafür zu sorgen, daß aus Deutschland abgeschobene Asylbewerber nicht unmittelbar danach wieder illegal in die Bundesrepublik kommen. In diesem Zusammenhang stehe vor allem der Rücktransport der Betroffenen in ihre Herkunftsländer zur Diskussion.
Die erste Lesung des gemeinsamen Entwurfs von CDU/CSU, FDP und SPD zur Änderung des Asylrechts wird am Donnerstag stattfinden. Das teilte die CDU/CSU-Fraktion in Bonn mit.
BONN, 18. Januar (dpa). Berlin und Brandenburg wollen nicht zusammengehen, wenn sie dadurch im neuen Bund- Länder-Finanzausgleich schlechter gestellt werden als bei getrennter Finanzverteilung. Dies hätten die Regierungschefs beider Länder dem Bundeskanzler mitgeteilt, sagte der Berliner Finanzsenator Elmar Pieroth (CDU) am Montag in Bonn. Zugleich forderte er übergangsweise bis 1995 weitere Leistungen und die Obhut des Bundes für Berlin. Beim neuen Finanzausgleich müsse auch die Hauptstadt gerecht behandelt werden und Bundesergänzungszuweisungen und daneben die Sonder-Einwohnerwertung von 135 Prozent erhalten.
Hierbei werden derzeit bei Hamburg und Bremen für den Anspruch im Finanzausgleich die Ausgaben pro Einwohner höher bewertet, da diese Stadtstaaten Aufgaben für die Pendler aus den angrenzenden Ländern miterfüllen. Nach Angaben Pieroths geht es hierbei für die Berliner um einen Differenzbetrag von jährlich vier Milliarden Mark.
BONN, 18. Januar (dpa). Als Skandal hat der Reichsbund der Kriegs- und Wehrdienstopfer, Behinderten, Sozialrentner und Hinterbliebenen, die Diätenerhöhung für die Bundestagsabgeordneten bezeichnet. Statt dessen sollten sich die Parlamentarier eine "Spardiät" verordnen, forderte der Verbandsvorsitzende Walter Franke am Montag in Bonn.
Es sei "blanker Hohn", wenn einerseits Einschnitte in das soziale Netz geplant seien und die Tarifparteien zu maßvollen Abschlüssen aufgefordert würden, andererseits "aber die schon wohldotierten Bundestagsabgeordneten das Parlament als Selbstbedienungsladen betrachten und in eigener Verantwortung einfach ihre Bezüge erhöhen", sagte Franke.
BONN, 18. Januar (dpa). Für eine Korrektur der herrschenden Vorstellungen vom Älterwerden und vom Alter hat sich Bundeskanzler Helmut Kohl ausgesprochen. "Viele unserer älteren Bürgerinnen und Bürger sind bis ins hohe Alter vital und aktiv. Sie wollen gemeinsam mit den jungen Menschen auch weiterhin die Gesellschaft gestalten", sagte Kohl am Montag in Bonn zum "Europäischen Jahr der älteren Menschen und der Solidargemeinschaft der Generationen", das in dieser Woche in Brüssel eröffnet wird.
Bundesseniorenministerin Hannelore Rönsch sagte, sie erhoffe sich von dem durch die EG-Kommission ausgerufenen Jahr Anstöße zu einem intensiveren Dialog zwischen Alt und Jung sowie weitere Schritte für eine abgestimmte europäische Seniorenpolitik.
BONN (dpa). Unmittelbar vor der Verbändeanhörung zur Bahnreform am heutigen Dienstag im Bonner Verkehrsministerium haben Industrie und Gewerkschaften grundsätzlich Zustimmung signalisiert, jedoch auch Verbesserungen an den Gesetzentwürfen gefordert. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) nannte die Reform zwingend, weil sich Bundes- und Reichsbahn angesichts ihrer Milliardenschulden "zum Haushaltsrisiko Nr. 1" entwickelt hätten.
Die geplante Bahn AG hält der BDI für die geeignete Rechtsform, dem Management notwendige Handlungs- und Entscheidungsspielräume zu eröffnen und unternehmensfremde Einflüsse zurückzudrängen. Kritisiert wird jedoch die Absicht, die Tarif- und Tarifgenehmigungs- sowie die Beförderungspflicht im Personenverkehr beizubehalten. Dies seien "Maßnahmen staatlicher Gängelung, die der gewünschten unternehmerischen Betätigung zuwiderlaufen". Der Bund müsse die Altschulden übernehmen.
Die Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands (GdED) spricht von gravierenden Mängeln im verkehrspolitischen Grundansatz und in den Rahmenbedingungen für eine Bahnreform. Ihr Vorsitzender Rudi Schäfer unterstreicht in einem zwölf Punkte umfassenden Positionskatalog die Notwendigkeit weiterer Verhandlungen. So sieht er vor allem Ergänzungs- und Änderungsbedarf bei den Themen Personal und Soziales.
Die Arbeitsbedingungen der künftigen Bahn sollten auch für Beamte attraktiv sein. Mit der GdED müßten Tarifverträge abgeschlossen werden, um die berechtigten Belange der derzeit Beschäftigten und die Anpassung an die veränderten Bedingungen sicherzustellen. Bestehende Sozialeinrichtungen seien von der Bahn AG anzuerkennen.
Verkehrsminister Günther Krause will das Gesetzeswerk zur Reform dem Kabinett im nächsten Monat vorlegen. Ziel ist es, spätestens vom 1. Januar 1994 die beiden deutschen Bahnen in privatwirtschaftlicher Rechtsform zu führen.
BONN, 18. Januar (dpa). Der jordanische Kronprinz Hassan ibn Talal ist am Montag zu Beginn eines fünftägigen Deutschland-Besuchs in Bonn mit Bundeskanzler Helmut Kohl zusammengetroffen. Auf dem Programm Hassans stand danach eine Unterredung mit Außenminister Klaus Kinkel. Nach den jüngsten Militärschlägen gegen den Irak erwarteten Beobachter, daß die Lage am Golf im Vordergrund steht. Amman hatte am Montag vor einer Eskalation gewarnt und einen "Dialog" zwischen den Vereinten Nationen und der UN gefordert.
Hassan ibn Talal hält sich seit Sonntag auf Einladung der SPD-nahen Friedrich- Ebert-Siftung in Deutschland auf.
BONN (dpa). Änderungen und Ergänzungen am geplanten Investitionserleichterungs- und Wohnbaulandgesetz haben Experten und Verbände gefordert. Die Zielrichtung der Vorlage wurde bei einer öffentlichen Anhörung im Bauausschuß des Bundestages zumeist begrüßt. Aus unterschiedlichen Gründen stießen aber Vorschriften des Entwurfs auf Bedenken, die zum Beispiel eine Verkürzung der Fristen für Bebauungspläne und eine veränderte Bürgerbeteiligung vorsehen.
Die Bundesregierung will mit dem Vorhaben durch schnellere Genehmigungsverfahren insbesondere in den neuen Ländern Investitionen fördern. Für die alten Länder steht die verstärkte Ausweisung von Wohnbauland im Vordergrund. Vorgesehen sind unter anderem Erleichterungen und Beschleunigungen im bau- und städtebaulichen Planungsrecht, Verkürzung des Raumordnungsverfahrens oder sogar ein völliger Verzicht.
Die Münchener Stadtbaurätin Christiane Thalgott warnte davor, bei der wegen der Wohnungsnot berechtigten Suche nach neuen Instrumenten zur Mobilisierung von Bauland die qualitativen Anforderungen zu sehr zu reduzieren. Sonst "bauen wir die Sanierungsgebiete von morgen", meint sie. Geringere qualitative Ansprüche an Planung seien nur vordergründig ein Beitrag zur Beschleunigung der Verfahren. Abzulehnen sei wegen des damit entstehenden Akzeptanzverlustes auch eine verkürzte Bürgerbeteiligung.
Mehrere Sachverständige setzten sich kritisch mit den auch von der SPD im Bundesrat am vergangenen Donnerstag heftig kritisierten Änderungen im Verhältnis von Baurecht und Naturschutz auseinander. Es müsse bundeseinheitlich verbindliche Maßstäbe für den bei Eingriffen in die Natur vorgesehenen Ausgleich und Ersatz geben, hieß es. Thalgott nannte in diesem Zusammenhang etwa die Bildung eines regionalen oder kommunalen Naturschutzfonds, aus dem örtliche oder überörtliche Landschaftsprogramme finanziert werden könnten. Keinesfalls dürfe die Ersatzregelung aber das "Bauen an der richtigen Stelle" weiter erschweren.
Nach Ansicht von Umwelt- und Naturschutzverbänden öffnet der Gesetzentwurf "dem hemmungslosen Zugriff auf Natur und Landschaft Tür und Tor, ohne daß eine Kompensation erreicht wird".
Zur Person:
WILHELM RAWE, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundespostministerium, tritt zurück. Er bat Bundeskanzler Helmut Kohl gleichzeitig darum, ihn nach der Kabinettsumbildung nicht erneut zu berufen. Der 63jährige CDU-Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur in Bonn, zur Begründung habe er dem Kanzler mitgeteilt, wenn die Zahl der Parlamentarischen Staatssekretäre drastisch verringert werden solle, sehe er ein, daß dazu auch die Abgeordneten aus Nordrhein-Westfalen (NRW) einen Beitrag leisten müßten. Als Vorsitzender der CDU-Landesgruppe NRW sei er zu diesem Schritt bereit. Rawe war zehn Jahre lang Parlamentarischer Staatssekretär im Postministerium. Rawe kam aus der westfälischen CDU nach Bonn. Von 1971 bis 1982 war er Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. (dpa)
SARAJEWO, 18. Januar (AFP/dpa). Die Verabschiedung einer Resolution zur militärischen Durchsetzung des Flugverbots über Bosnien-Herzegowina durch den UN-Sicherheitsrat wäre nach den Worten des bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic ein Hindernis für eine friedliche Lösung des Konflikts.
Ein solcher UN-Beschluß käme einem "Votum für den Krieg" gleich, sagte Karadzic der Londoner Times am Montag. Er habe die Hoffnung, daß das "Parlament" der selbsternannten Serbischen Republik in Bosnien-Herzegowina, das am Dienstag in Pale tagen soll, dem Genfer Friedensplan zustimmt.
Serbische Truppen haben in der Nacht zum Montag eine mehrtägige Offensive gegen den Kessel von Bihac im Westen Bosniens wegen hoher Verluste eingestellt. Schwere Kämpfe wurden dagegen aus der Save-Tiefebene sowie aus dem Osten Bosniens gemeldet. Wie der bosnische Rundfunk weiter berichtete, lag auch die Umgebung von Travnik in Zentralbosnien weiterhin unter heftigem Artilleriefeuer aus serbischen Stellungen. Kurz vor Ablauf des EG-Ultimatums an die bosnischen Serben haben Politiker von CDU/CSU und SPD ein militärisches Eingreifen in Bosnien-Herzegowina gefordert. In der Berliner Zeitung B. Z. begründeten sie dies damit, daß weitere Verhandlungen mit den Serben keinen Sinn mehr machten. Der frühere Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Peter Kurt Würzbach (CDU), sagte, er sei für einen internationalen Einsatz von Luftstreitkräften unter Einschluß der Deutschen.
Der Chef der Jungen Union, Hermann Gröhe, forderte Bundeskanzler Kohl auf, sich für ein militärisches Eingreifen einzusetzen: "Wer jetzt nicht handelt, macht sich mitschuldig." Der CSU-Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk sagte, Waffen seien "offenbar die einzige Sprache, die die Serben verstehen".
Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Horst Niggemeier betonte: "Wir müssen militärisch in Bosnien-Herzegowina eingreifen und das Waffenembargo gegen dieses Land aufheben."
Im Elsaß gibt es rund 200 Burgen und Burgruinen - eine in Europa wohl einmalige Konzentration. Viele dieser Baudenkmäler sind allerdings in sehr schlechtem Zustand und müßten dringend renoviert werden, um nicht ganz zu verfallen. Doch die Mittel sind knapp, und so konzentriert sich das elsässische Denkmalschutzamt auf einige wenige Bauwerke. "Da wir ohnehin nicht alles retten können, was rettenswert ist, haben die 46 Burgen und Schlösser Vorrang, die unter Denkmalschutz gestellt wurden", erläutert der Leiter des Amtes, Jorge Lopez da Fonseca.
25 dieser Bauwerke hat die Behörde vor rund zwei Jahren, nach Abschluß einer umfangreichen Bestandsaufnahme, in ein Wartungsprogramm aufgenommen, für das jährlich umgerechnet rund 650 000 Mark zur Verfügung stehen. "Ein Tropfen auf den heißen Stein", räumt Lopez da Fonseca ein. Mit diesem Geld können nur die dringendsten Reparaturen erledigt werden, die oft schon aus Sicherheitsgründen notwendig sind. Schließlich sind viele der Burgen und Ruinen beliebte Ausflugsziele für Wanderer und Spaziergänger.
Sanierungs- und Konsolidierungsarbeiten sind in diesem Jahr unter anderem an den im Südelsaß, nahe der Schweizer Grenze, gelegenen Burgen Morimont (Mörsberg) und Landskron vorgesehen, an der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Wangenburg im Nordelsaß oder auch an der Hohlandsburg bei Colmar.
Doch neben diesem Routine-Wartungsprogramm gibt es auch einige Prestigeobjekte, die Millionen verschlingen. So soll die im Jahre 1206 errichtete Burg Lichtenberg beim nordelsässischen Ingwiller renoviert und in ein Kulturzentrum mit Theater und Cafeteria umgewandelt werden. Möglicherweise wird hier auch das Dokumentationszentrum über die elsässischen Burgen untergebracht werden, das bereits seit einigen Jahren im Gespräch ist. Das ehrgeizige Projekt, das frühestens 1996 abgeschlossen sein dürfte, soll nach heutiger Veranschlagung immerhin rund 52 Millionen Francs (fast 16 Millionen Mark) kosten. Die Kosten werden im wesentlichen der französische Staat, die Region Elsaß und das Departement Bas-Rhin übernehmen.
Umfangreiche Konsolidierungsmaßnahmen sollen bis Mitte dieses Jahres an der Oedenburg, der "kleinen Schwester" der berühmten Hohkönigsburg, vorgenommen werden. Dank dieser Arbeiten können Zehntausende von Touristen, die jährlich die Hohkönigsburg aufsuchen, dann gleichzeitig die direkt daneben gelegene Oedenburg besichtigen. Die Kosten dafür werden von den Behörden auf umgerechnet rund zwei Millionen Mark beziffert. Auch die Burgruine des Winzerstädtchens Kaysersberg soll befestigt und für Touristen geöffnet werden. Ungeklärt ist bisher aber noch, ob die Besucher die Ruine per Aufzug erreichen sollen, oder ob gar eine kleine Bergbahn zu dem auf einem Felsen hoch über der Stadt gelegenen Baudenkmal führen soll.
Diese Projekte, die nicht zuletzt die Anziehungskraft des Elsaß für Touristen erhöhen sollen, stoßen aber nicht auf einhellige Zustimmung. So wirft der Vorsitzende der Gesellschaft für die Erhaltung der Kunstdenkmäler im Elsaß, Guy Bronner, den zuständigen Behörden vor, sich zu sehr auf einige "Prestige-Schlösser" zu konzentrieren und darüber zahlreiche andere erhaltenswerte Baudenkmäler zu vernachlässigen. "Die Folge dieser Politik ist, daß kunsthistorisch außerordentlich wertvolle Bauten verfallen, während man in andere Millionen steckt - wie beispielsweise in den Touristen-Magneten Hohkönigsburg", kritisiert Bronner.
JUTTA HARTLIEB (AFP)
WASHINGTON, 18. Januar (AFP/AP/ dpa). Der künftige US-Präsident Bill Clinton ist in der Nacht zum Montag bei seiner Ankunft in Washington von mehreren hunderttausend Anhängern begeistert empfangen worden.
In einer kurzen Rede vor dem Lincoln Memorial im Regierungsviertel der Stadt appellierte Clinton, der am Mittwoch die Nachfolge von George Bush im Weißen Haus antreten wird, an seine Landsleute, Solidarität und Zusammenhalt zu zeigen. "Laßt uns ein amerikanisches Haus bauen, in dem alle einen Platz haben und wo nicht ein einziges Kind allein gelassen wird", rief der designierte Präsident der Menge zu. "Wir müssen gemeinsam voran- schreiten, ansonsten werden wir überhaupt nicht voranschreiten." An dem Begrüßungskonzert für Clinton vor dem Lincoln Memorial nahmen so bekannte Pop- und Soul-Stars wie Michael Jackson, Stevie Wonder, Diana Ross und Ray Char- les teil. Zum Beginn des Konzerts hatte auch der inzwischen schon legendäre Folk- und Rock-Barde Bob Dylan einen Auftritt.
Auch Film-Stars wie Sydney Poitier und Whoopi Goldberg ließen sich auf der Veranstaltung zu Ehren des neuen Präsidenten blicken. Auf dem Höhepunkt des Konzerts stimmte Clinton mit seiner Frau Hillary und seiner zwölfjährigen Tochter Chelsea in die von den Stars gemeinsam vorgetragene Hymne "We are the world" ein. Die Zuschauer zündeten während des Liedes Hunderttausende von Lichtern an.
In Begleitung von mehreren tausend Menschen überquerte Clinton anschließend mit seiner Familie und seinem designierten Vizepräsidenten Al Gore die Memorial Bridge, die Washington mit dem Staat Virginia verbindet. Die Brücke war gebaut worden, um die Einheit zwischen den Süd- und Nordstaaten der USA nach dem Bürgerkrieg zu symbolisieren. Auf der anderen Seite des Potomac-Flusses angekommen, ließ Clinton eine Nachbildung der berühmten "Liberty Bell" ertönen, jener Glocke, die 1776 in Philadelphia zur Verkündung der Unabhängigkeit erklungen war. Damit gab Clinton das Startsignal für ein gigantisches Feuerwerk über der Hauptstadt. Zur selben Zeit erklangen im ganzen Land rund 200 Kirchenglocken.
Clinton, der sich am Samstag abend von seinem Heimatstaat Arkansas verabschiedet hatte, hatte die Feierlichkeiten zu seiner Amtseinführung am Sonntag morgen mit einem Besuch am Grab von Thomas Jefferson, eines der Väter der Vereinigten Staaten und ihrer Verfassung, begonnen. Clinton und Gore ließen sich gemeinsam mit ihren Familien durch die Ruhestätte des dritten Präsidenten der USA in Monticello (Virginia) führen.
Anschließend reiste der künftige Präsident in einem Bus in das 200 Kilometer entfernte Washington, auf derselben Strecke, die Jefferson im Jahr 1800, dem Jahr seiner Wahl zum Präsidenten, genommen hatte. Unterwegs suchten die beiden Politiker wie auf ihren Wahlkampfreisen immer wieder die direkte Begegnung mit der Bevölkerung.
Im Ort Warrenton in Virginia schlug der neue Präsident ernste Töne an, hob in einer kurzen Ansprache vor der alten Dorfkirche "die komplexen und schweren Probleme" hervor, die ihn erwarteten, und rief die Menschen zum gemeinsamen Voranschreiten auf.
Vor der riesigen Menschenmenge am Denkmal für den Präsidenten Abraham Lincoln in Washington verwies Clinton in seiner Rede auch auf den Haß, der in Bosnien, Somalia, Irak und anderswo herrsche, und forderte seine Landsleute auf, ihre Differenzen zu vergessen und gemeinsam in die Zukunft zu gehen. Er erinnerte daran, daß Lincoln bei der Amtseinführung gesagt habe "Wir sind keine Feinde, sondern Freunde. Wir dürfen keine Feinde sein."
Bis zur Amtsübernahme Clintons am Mittwoch sind zahlreiche Festivitäten in der Hauptstadt geplant, darunter eine Präsidenten-Gala am Dienstag, an der zahlreiche Pop- und Filmstars teilnehmen werden.
Bill Clinton ist der jüngste Präsident der USA seit John F. Kennedy. Mit der Amtseinführung des 46jährigen vollzieht sich ein Generationenwechsel, der vor drei Jahrzehnten im Weißen Haus seinen Anfang genommen hatte. Als Vertreter einer Jugendorganisation war Bill Clinton 1963 als 16jähriger erwählt worden, Präsident Kennedy, damals zwei Jahre im Amt und 46 Jahre alt, zu treffen.
JOHANNESBURG, 18. Januar (AFP). Bei einem Überfall auf ein Fahrzeug nahe der südafrikanischen Provinzhauptstadt Pietermaritzburg sind am Sonntag neun Menschen getötet worden. Wie die Polizei am Montag mitteilte, eröffneten die Täter das Feuer auf den Wagen, als er die Schwarzensiedlung Gulume in der Provinz Natal verließ. Das Fahrzeug überschlug sich und rollte eine Böschung herunter. Anschließend schossen die Angreifer ein zweites Mal und töteten dabei neun Menschen, mehrere weitere wurden verletzt. Die Polizei vermutete, daß das Attentat in Zusammenhang mit der blutigen Fehde zwischen Anhängern des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) und der konservativen Inkatha-Freiheitspartei (IFP) steht.
LONDON, 18. Januar (AFP). Die Ärzte eines Krankenhauses in der englischen Stadt Birmingham haben überraschend festgestellt, daß eine junge Frau, die nach einem Autounfall bereits seit einem Monat im Koma liegt, in der achten Woche schwanger ist. Das berichtete am Montag die britische Presse. Nach Angaben der Ärzte kann das Baby auch dann zur Welt kommen, wenn die 19jährige Mutter das Bewußtsein nicht wiedererlangen sollte. Die Eltern der jungen Frau haben den Angaben zufolge erst durch die Diagnose der Ärzte von der Schwangerschaft erfahren und noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob das Kind zur Welt kommen soll oder nicht.
BADEN-BADEN, 18. Januar (AFP). Krebserregende Asbest-Fasern sind nach einem Bericht des Fernsehmagazins "Report" von Wissenschaftlern in weitverbreiteten Medikamenten gefunden worden. Das Fraunhofer-Institut für Toxikologie in Hannover habe in den Medikamenten "Konakion" und "Rocephin" der Firma Hofmann-La Roche einen hohen Anteil an sogenannten Chrysotil-Asbest-Fasern entdeckt. Asbest gilt als krebserregende Substanz von hoher Gefährlichkeit. Das Medikament "Konakion" wird dem Bericht zufolge Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt als Prophylaxe gegen Hirnblutung gespritzt. Das Infusionsmittel "Rocephin" wird als Antibiotikum in Krankenhäusern intravenös verabreicht.
COLOMBO, 18. Januar (AFP). Bei einem Überfall tamilischer Rebellen auf eine Armeepatrouille im Nordosten Sri Lankas sind am heutigen Montag mindestens zwölf Soldaten getötet worden. Wie ein Militärsprecher mitteilte, eröffneten Mitglieder der "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE) das Feuer auf die Patrouille in Pulmudai. Die Armee sei vor möglichen Anschlägen der LTTE gewarnt gewesen, hieß es, nachdem am Wochenende zehn LTTE-Rebellen auf einem Schiff vor der Küste Indiens ums Leben gekommen waren. Das Schiff war von der indischen Marine aufgebracht worden. Unter den Toten befand sich ein Anführer der tamilischen Untergrundorganisation.
PARIS, 18. Januar (AFP). Der französische Justizminister Michel Vauzelle will auf eine Weltkonferenz zur Bekämpfung der Mafia hinarbeiten. Die Konferenz solle unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen stehen, sagte der Minister am Montag in einem Rundfunkinterview. Er wolle diesen Vorschlag seinen fünf Amtskollegen aus Italien, Spanien, Portugal und Griechenland unterbreiten. Die Minister kamen am Sonntag zu zweitägigen Beratungen in der südfranzösischen Stadt Arles zusammen, um über neue Maßnahmen bei der Mafia-Bekämpfung nachzudenken.
TOKIO, 18. Januar (AFP). Das Erdbeben, durch das am Freitag die nordjapanische Insel Hokkaido erschüttert wurde, war eines der schwersten, die Japan je erlebt hat. Nach Angaben des japanischen Meteorologischen Zentrums vom Montag erreichte das Beben die Stärke 7,8 auf der nach oben offenen Richter-Skala. Einer am Montag in Tokio veröffentlichten Bilanz der Katastrophe zufolge wurden zwei Menschen getötet, 614 verletzt und insgesamt 547 Häuser beschädigt. Auch am Montag morgen waren noch 9000 Haushalte der Stadt Kushiro ohne Gas und zahlreiche weitere ohne Wasser. Straßen und Eisenbahnstrecken blieben unpassierbar.
SANTIAGO DE CHILE, 18. Januar (AFP). Der chilenische Priester Eugenio Pizarro ist am Sonntag zum Präsidentschaftskandidaten des Parteienbündnisses Demokratische Linksbewegung Allendes (MIDA) für die Wahlen am 11. Dezember nominiert worden. Die Führerin der Kommunistischen Partei, Gladys Marin, gab bekannt, die Entscheidung, Pizarro ins Rennen zu schicken, sei auf einer Sitzung des Exekutivkomitees der Partei beschlossen und bei einem Treffen der sogenannten Nationalen Volksversammlung gutgeheißen worden.
KASSEL, 18. Januar (AFP). Wer kein steuerpflichtiges Einkommen hat, muß den Zuschlag zum Kindergeld spätestens jeweils sechs Monate nach dem Jahresende beantragen. Da helfen auch keine Tricks, wie sich ein Rentner aus dem Raum Freiburg vom Bundessozialgericht (BSG) sagen lassen mußte. Mit einem nachträglichen Antrag zur Steuerveranlagung hatte er versucht, die Frist zu umgehen. Als er 1988 feststellte, daß er für seinen Sohn in 1986 den Zuschlag noch nicht beantragt hatte, füllte er ein Steuerformular für 1986 aus. Doch damit kam er nicht durch. Das sei "rechtsmißbräuchlich", stellte das BSG in einem jetzt veröffentlichten Urteil fest (AZ: 10 RKg 21/91).
Affäre Lafontaine Klarstellung verlangt
SAARBRÜCKEN, 18. Januar (AP/AFP). Nach der CDU hat nun auch der SPD- Bundestagsabgeordnete Hans Büchler von Oskar Lafontaine eine Klarstellung der Vorwürfe verlangt, die gegen den saarländischen Regierungschef erhoben werden. Büchler sagte, in einer Zeit, in der immer mehr Politiker ins Zwielicht gerieten, sei Lafontaine zu einer umfassenden Reaktion verpflichtet. In der Neuen Osnabrücker Zeitung warnte Büchler jedoch vor einer Vorverurteilung von Lafontaine und des SPD-Fraktionschefs Reinhard Klimmt wegen angeblicher Kontakte zur saarländischen Unterwelt.
Lafontaine, dem vorgeworfen wurde, einen "der Polizei als Mitglied der kriminellen Rockerszene" bekannten Mann als Leibwächter zu beschäftigen, hatte am Samstag im ZDF eine Stellungnahmen dazu abgelehnt. CDU- und FDP-Politiker forderten am Wochenende den Rücktritt der beiden Sozialdemokraten.
Als "absoluten Unfug" hatte zuvor das saarländische Justizministerium einen Bericht des Magazins Spiegel bezeichnet, dem zufolge Klimmt die Justizbehörden bei Kontakten zu Kriminellen hintergangen haben soll.
Der Trierer Strafrechtler Heiner Kühne hat Klimmt gegen die Vorwürfe des Spiegel verteidigt, nach denen er einen Schwerverbrecher über den Stand seines Mordverfahrens im Saarland unterrichtet haben soll. Die Weitergabe von Informationen über den Stand eines Ermittlungsverfahrens sei ein "strafprozessual ganz normaler Vorgang".
Dagegen forderte die Junge Union Deutschlands (JU) Klimmt und Lafontaine auf, ihre politischen Ämter bis zu einer Aufklärung der Vorwürfe ruhen zu lassen. Der Vorsitzende des Bundestag- Rechtsausschusses, Horst Eylmann (CDU), fordert ein Ermittlungsverfahren gegen Klimmt.
TOKIO, 18. Januar (AFP). Drei 14jährige Schüler sind am Montag im Osten Japans unter dem Verdacht verhaftet worden, in der vergangenen Woche einen 13jährigen Mitschüler zu Tode geprügelt zu haben. Nach Angaben der Polizei wurden vier weitere Schüler der staatlichen Schule in Shinjo in Polizeigewahrsam genommen. Informationen von Untersuchungsbeamten zufolge wurde Yuhei Kodama von sieben Mitschülern angegriffen, weil er sich weigerte, vor ihnen zu singen und zu tanzen. Das gegenseitige Drangsalieren der Schüler stellt ein großes soziales Problem an Japans Schulen dar. Schon mehrere Schüler sind bei ähnlichen Vorfällen ums Leben gekommen.
SALZGITTER, 18. Januar (AFP). Die Verwendung von Mikrowellen-Kochgeräten kann nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz als gesundheitlich unbedenklich angesehen werden. Voraussetzung sei aber, daß die technischen Sicherheitsvorschriften und die angegebenen Garzeiten eingehalten werden, heißt es in einer am Montag in Salzgitter veröffentlichten Mitteilung der Behörde.
Würden die speziellen Garvorschriften für Mikrowellenherde nicht beachtet, könne es durch Überhitzen oder durch eine nicht ausreichende Erwärmung zu einer gesundheitlich bedenklichen Veränderung der Lebensmittel kommen. Bei Einhaltung der Garvorschriften entsprächen die Nährwertveränderungen denen bei konventioneller Erwärmung. Bei Prüfungen der "Leckstrahlung" an mehr als 130 Mikrowellengeräten habe sich gezeigt, daß die beim "normalen Gebrauch gemessenen Intensitäten von Mikrowellen" an der Geräteoberfläche im Mittel bei einem Prozent des Emissionsgrenzwertes liegen. Mit zunehmendem Abstand vom Gerät nehme die Mikrowellenintensität rasch ab. In 30 Zentimeter Entfernung sei noch etwa fünf bis zehn Prozent der an der Oberfläche des Gerätes gemessenen Intensität vorhanden.Empfohlen wurde eine regelmäßige Überprüfung von älteren und intensiv genutzten Geräten durch den Kundendienst.
BONN, 18. Januar (AFP). Der Vorschlag des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Rudolf Scharping (SPD), bis zum Sommer die Kernmannschaft für eine Bundesregierung im Falle eines SPD-Wahlsiegs zu benennen, ist von SPD-Bundesgeschäftsführer Karlheinz Blessing abgelehnt worden. Eine Nominierung "mehr als eineinhalb Jahre" vor der nächsten Bundestagswahl sei zu früh, sagte Blessing am Montag in Bonn.
Er bezog sich dabei auch auf Scharpings Anregung, ein Regierungsteam mit externen Fachleuten aus der Wirtschaft zu berufen. Kein Manager aus der Wirtschaft und auch kein Gewerkschaftsführer werde es sich leisten können, bereits jetzt einem Schattenkabinett beizutreten.
CARACAS, 18. Januar (AFP). In Venezuela haben sich die Spannungen verschärft, die durch Beschuldigungen über "massiven Wahlbetrug" bei den Regional- und Gemeindewahlen vom 6. Dezember 1992 ausgelöst wurden. Im Bundesstaat Sucre, wo sich sowohl der bisherige sozialdemokratische Gouverneur als auch sein Herausforderer von der gemäßigt linken "Bewegung zum Sozialismus" (MAS) zum Wahlsieger erklärten, wurden am Sonntag 300 Polizisten festgenommen. Entsandt hatte sie der Gouverneur des Bundesstaats Aragua, Carlos Tablante, der damit nach eigenen Angaben seinem "gewählten" MAS-Parteifreund Ramon Martinez helfen wollte.
Der bislang amtierende Gouverneur, Gaston Navarro von der landesweit regierenden sozialdemokratischen Partei Demokratische Aktion (AD), weigert sich, seinen Posten für Martinez freizumachen, obwohl dieser von der Wahlkommission des Bundesstaates zum Sieger erklärt worden war.
LYON, 18. Januar (AFP). Wegen Schändung eines jüdischen Friedhofs in Lyon sind zwei junge Franzosen im Alter von 19 und 20 Jahren am Montag vom Gericht der südostfranzösischen Stadt zu einer sechzehnmonatigen Freiheitsstrafe, davon acht Monate zur Bewährung, verurteilt worden. Die einen Monat nach dem Vorfall vom 12. und 13. September 1992 festgenommenen und seither inhaftierten Angeklagten mußten sich wegen Grabschändung und Anstiftung zu Rassenhaß und Gewalt verantworten. Gegen ihre drei minderjährigen Komplizen hatte das Jugendgericht am 29. Dezember zwei- bis viermonatige Bewährungsstrafen beziehungsweise zehn Monate Haft, davon zweieinhalb Monate ohne Bewährung verhängt.
Die beiden Skinheads erhielten außerdem ein Stadionverbot und müssen laut Urteil einer geregelten Arbeit nachgehen oder sich für eine Berufsausbildung entscheiden.Unita meldet Sieg in Huambo
ABIDJAN/LUANDA, 18. Januar (AFP). Nach Angaben der angolanischen Rebellenbewegung Unita sind die Regierungstruppen nach zehnstündigen "mörderischen" Kämpfen in Huambo "vollständig aufgerieben" worden. Bei den Gefechten am Sonntag habe es auf beiden Seiten mehr als 500 Tote und viele Verletzte gegeben, hieß es in einem am Montag in Abidjan verbreiteten Kommunique des Unita-Generalstabs.
In dem Kommunique wird bekräftigt, die Unita sei nicht gegen Friedensverhandlungenan sich , aber gegen Verhandlungen "unter dem Diktat" der regierenden MPLA. Die Waffenstillstandskonferenz hatte ursprünglich am Wochenende in Addis Abeba stattfinden sollen.
Die Schweizer Leiterin der Mission des Roten Kreuzes von Huambo, Isabelle Butticaz, sagte in Angolas Hauptstadt Luanda, die Kämpfe in der Stadt seien "die Hölle" gewesen. Wegen der Gefechte sei eine medizinische Versorgung der Verwundeten nicht möglich gewesen.
POTSDAM, 18. Januar (AFP). Die Führung des Bündnis 90 in Brandenburg zeigt nach dem Fusionsbeschluß der Bundesversammlungen von Grünen und Bündnis 90 weiterhin Unwillen gegen ein Zusammengehen. Er sei skeptisch, ob es auf Landesebene zu einer Einigung mit den Grünen kommen werde, sagte Landtags-Fraktionschef Günter Nooke am Montag in Potsdam. In Brandenburg seien die Unterschiede zwischen beiden Parteien "besonders groß". Er selbst stehe für ein "links-alternatives Abenteuer" nicht zur Verfügung, sagte Nooke.
Gemäß dem Auftrag der Bundesversammlung des Bündnis 90 soll in Brandenburg bis Ende Februar über einen Assoziationsvertrag auf Landesebene verhandelt werden.
NEU DELHI, 18. Januar (AFP). Indiens Ministerpräsident Narasimha Rao hat am Montag sein neues Kabinett vorgestellt. Rao ernannte den 67jährigen Diplomaten Dinesh Singh zum Außenminister, dessen Amt seit einem Jahr vakant war. Trotz scharfer Kritik hielt der Regierungschef an Innenminister S.B. Shavan und Verteidigungsminister Sharad Pawar fest, deren Rücktritt wegen der Unruhen zwischen fanatischen Hindus und Moslems gefordert worden war. Unter den zwölf neuen Kabinettsmitgliedern sind auch drei Moslems.
Die 58 Mitglieder des indischen Kabinetts waren am Samstag abend geschlossen zurückgetreten, um dem Ministerpräsidenten den Weg für die Regierungsumbildung freizumachen. Rao war nach der Zerstörung der Babri-Moschee in Ayodhya durch fanatische Hindus im vergangenen Monat und die anschließenden Unruhen zwischen Hindus und Moslems erheblich in die Kritik geraten. Kritiker Raos hatten ihm Unentschlossenheit und Tatenlosigkeit vorgeworfen.
POTSDAM, 18. Januar (AFP). In Brandenburg soll die Bevölkerung selbst über den Wahlmodus für die Bürgermeister und Landräte entscheiden. Dies sieht ein Kompromiß vor, den die Spitzen der Ampelkoalition aus SPD, FDP und Bündnis 90 am Montag in Potsdam vorstellten. Nach den Plänen sollen die Bürger bei den Kreistagswahlen am 3. Oktober 1993 zusätzlich über die Frage abstimmen, ob die Stadt- und Gemeindeoberhäupter von den Kommunalparlamenten oder direkt gewählt werden. Die Koalitionspartner hatten sich monatelang um eine Einigung bemüht.
Nach dem Entwurf, über den die Fraktionen am Dienstag entscheiden müssen, soll der Wahlmodus für jede Kommune einzeln festgelegt werden. Die Oberbürgermeister der kreisfreien Städte und Landräte sollen 1994 zunächst durch indirekte Wahlen der jeweiligen Kommunalparlamente bestimmt werden. Über den künftigen Wahlmodus soll ein weiterer Bürgerentscheid bestimmen.
DRESDEN, 20. Januar (AFP). Sachsens parlamentarische Staatssekretärin für Gleichstellung, Friederike de Haas (CDU), hat sich mit einem Schreiben auf amtlichem Briefpapier bei der kommunalen Wohnungsverwaltung Dresdens dafür eingesetzt, daß eine westdeutsche Unternehmerin Räume für ein Modegeschäft im Zentrum der Stadt erhält. Die Staatssekretärin sagte zu einem Zeitungsbericht über die "Briefbogen-Affäre", sie habe "ganz bewußt" ihren Briefbogen als Landtagsabgeordnete benutzt, nicht aber ihren Briefbogen als Gleichstellungsbeauftragte der Staatsregierung. Der Neustädter Markt im Zentrum Dresdens, um den es bei dem Immobilienwunsch ging, liege in ihrem Wahlkreis. Sie sei "schon lange der Auffassung, daß die Branchenstruktur am Neustädter Markt ausgewogener sein sollte".
Der Briefbogen de Haas' als Landtagsabgeordnete trägt neben dem Landeswappen den Kopf: "Friederike de Haas, Mitglied des Sächsischen Landtages, parlament. Staatssekretärin".
MOSKAU, 18. Januar (AFP/Reuter). Die beiden Kaukasus-Völker der Osseten und Inguschen haben sich auf die Aufnahme von Friedensgesprächen geeinigt, um die blutigen Kämpfe zu beenden, bei denen seit Ende Oktober mehr als dreihundert Menschen getötet wurden. Das meldete die Moskauer Nachrichtenagentur Itar-TASS am Montag. Den Angaben zufolge trafen sich die Führer der verschiedenen Autonomen Republiken des Nordkaukasus und der angrenzenden Gebiete im Beisein des von Moskau eingesetzten Leiters der provisorischen Verwaltung dieser Region, Sergej Schachrai.
Nach Angaben des russischen Radios einigten sich Osseten und Inguschen ferner auf den Wiederaufbau der Häuser und Dörfer in der Umgebung von Prigorodny, einem Vorort der nordossetischen Hauptstadt Wladikawkas, die bei den Kämpfen Ende Oktober zerstört wurden. 90 Prozent der inguschischen Bevölkerung Nordossetiens, etwa 35 000 Menschen, flüchteten Ende des vergangenen Jahres in die benachbarte Inguschische Republik. Moskau verhängte den Ausnahmezustand und setzte eine provisorische Verwaltung ein, die von rund 10 000 Soldaten des Innenministeriums und Truppen der Armee unterstützt wird.
Nach dem Abschuß von mindestens zwei ihrer Kampfflugzeuge haben aserbaidschanische Truppen ihre Offensive in der Armenier-Region Berg-Karabach am Montag wiederaufgenommen. Dies berichteten übereinstimmend die Nachrichtenagentur der Armenier und ein Sprecher des aserbaidschanischen Verteidigungsministeriums. Der Agentur zufolge wurde ein angreifender Verband der Aserbaidschaner umzingelt und vernichtend geschlagen. Während des seit fünf Jahren andauernden Konflikts sind bisher mindestens 2500 Menschen umgekommen. Das in Aserbaidschan liegende Berg-Karabach wird vorwiegend von Armeniern bewohnt.
In der nach Unabhängigkeit von Georgien strebenden autonomen Republik Abchasien haben die Kämpfe auch am Montag angehalten.
POTSDAM, 19. Januar (AFP). Ein 31jährige Vietnamese ist in der Nacht zu Montag in seiner Wohnung im brandenburgischen Rathenow von drei maskierten Männern angegriffen worden. Wie der Sprecher des Potsdamer Polizeipräsidiums, Geert Piorkowski, am Montag in Potsdam mitteilte, klingelten die Männer in der Nacht an der Wohnungstür des Vietnamesen und bedrohten den Mann mit einer Gaspistole. Der 31jährige wurde durch Schläge ins Gesicht leicht verletzt. Er mußte im Krankenhaus ambulant behandelt werden.
Als Tatverdächtige wurden noch in der Nacht vier Männer aus der näheren Umgebung festgenommen, die nach Angaben der Polizei der rechten Szene zuzurechnen sind. Die vier Männer zwischen 15 und 22 Jahren bestritten die Tat allerdings und wurden wieder auf freien Fuß gesetzt. Ein ausländerfeindlicher Hintergrund der Tat sei nicht auszuschließen, sagte der Polizeisprecher.
PRAG, 18. Januar (AFP). Die tschechische Regierungskoalition hat am Montag den früheren Präsidenten der Tschechoslowakei, Vaclav Havel, offiziell als ihren Präsidentschaftskandidaten für die Tschechische Republik benannt.
DIEBURG. Steckt Tilia Meyer (Bild) ihre Nase in anderer Leute Angelegenheiten, stöbert sie nicht selten Anrüchiges auf. Denn stinkt es den Menschen im Kreis Darmstadt- Dieburg, wird die "Immissionsschutz-Fachkraft"
Seit der Kreis im November 92 eine ganze Stelle für die Fachkraft einrichtete, mit der Dresdenerin besetzte und die Institution publik machte, "steht das Telefon nicht mehr still", berichtet sie. Gerade bei kalter Witterung beschwerten sich die Menschen vor allem wegen müffelnder Öfen in ihrer Nähe.
War die Beschwerde ihrer Nase nach nicht nur viel Rauch um nichts, informiert Tilia Meyer den zuständigen Schornsteinfeger, der nach dem Rechten sieht. Oder es wurden Dinge durch den Kamin gejagt, die dort nichts zu suchen haben: "Daß Hausmüll und Plastik verbrannt werden, ist nicht ungewöhnlich."
Auch wenn Tankstellen, Mist- und Komposthaufen oder Kneipen ruchbar werden, muß Frau Meyer sofort selbst an den Ort des Gestanks und die Nase in den Wind halten. Als einmal ein Restaurant den Besitzer und die Speisekarte gewechselt hatte und plötzlich eigentümliche Dünste verbreitete, gingen die Nachbarn auf die Barrikaden.
"Da appelliere ich dann an den guten Willen des Verursachers", sagt die Ingenieurin. "Einfach stillegen" wolle sie niemanden. Nutzt alles nichts, muß der vom Geruch Geplagte klagen.
Allerdings ist nicht immer klar, ob es nun wirklich stinkt. Wenn selbst Frau Meyer nicht mehr weiter weiß, kommen die Profi-Schnüffler - mit Meßgerät. Die dicke Luft wird außerdem von speziellen Ingenieurbüros in Beutel gefüllt, konzentriert und mehrmals bezahlten Probanden unter die Nase gehalten.
"Das sind meistens Studenten und Hausfrauen", berichtet Tilia Meyer. Oft wird erst dann klar, ob der Klagende den richtigen Riecher hatte - oder einfach nur Stunk machen wollte. dpa
MARBURG. Der Kanu-Unfall vom Sonntag auf dem Flüßchen Ohm bei Marburg hat zwei Menschenleben gefordert. Wie die Polizei berichtete, starb in der Nacht zum Montag ein 27jähriger in einem Marburger Krankenhaus an den Folgen von Unterkühlung und Wasser in der Lunge. Sein Zwillingsbruder war bereits am Sonntag im Rettungswagen auf der Fahrt ins Krankenhaus gestorben.
Die Freizeitsportler waren am Sonntag zwischen Marburg und Kirchhain mit ihrem Boot gekentert, von der Hochwasser- Strömung mitgerissen und zwei Kilometer flußabwärts bewußtlos im eiskalten Wasser gefunden worden. Die Polizei vermutet, daß die Kanuten die Strömung unterschätzt hatten und im Wasserstrudel an einem Wehr in die Tiefe gerissen wurden. lhe
BAD VILBEL, 18. Januar (lhe). Mehrere zehntausend Mark hat am Montag morgen ein Bankräuber in Bad Vilbel-Gronau (Wetteraukreis) erbeutet. Nach Mitteilung des Regierungspräsidiums Darmstadt hatte der etwa 25jährige Täter Kurz nach Kassenöffnung einer Angestellten aufgelauert, sie mit vorgehaltener Waffe in den Schalterraum dirigiert und sich das Geld geben lassen. Er konnte unerkannt flüchten.
ALSBACH. Die Tankstelle Alsbach (Kreis Darmstadt-Dieburg) an der Autobahn Darmstadt-Heidelberg ist am Montag morgen für vier Stunden gesperrt worden, weil aus einem Lastwagen ätzende Dämpfe entwichen. Wie die Polizei mitteilte, hatte der Fahrer eines Duisburger Lkwtwagens beim Tanken bemerkt, daß aus seinem Fahrzeug Dämpfe austraten und die Polizei alarmiert. Die Beamten sperrten vorsorglich die Rastanlage und verständigten die Werksfeuerwehr eines Darmstädter Chemieunternehmens.
Die Feuerwehr wechselte die Dichtung eines Behälters auf dem Anhänger des Fahrzeugs aus, in dem sich Dimethyl- Aminprophylamin befand. Die ätzende Flüssigkeit gilt als Gefahrgut und wird für die Kunststoffherstellung verwendet.
Die Transportfirma muß laut Polizei wegen des Verstoßes gegen die Gefahrgutvorschriften (GGVS) mit einem Bußgeldverfahren rechnen. lhe
WIESBADEN. Für die Weiterentwicklung des europäischen Binnenmarktes zu einer "Verbraucherunion" haben sich die für Verbraucherpolitik zuständigen SPD- Parlamentarier im Bundestag, in den Landtagen und Bürgerschaften sowie im Europäischen Parlament ausgesprochen. Eine verbraucherfreundliche Ausgestaltung Europas sei am wirkungsvollsten, um der Europamüdigkeit der Bürger entgegenzuwirken, sagte die Sprecherin der Bundestagsfraktion, Lilo Blunck.
An die Bundesregierung und an die EG-Kommission appellierten die Teilnehmer des Treffens, einem "vorsorgenden und vorbeugenden Verbraucherschutz" in der Europäischen Gemeinschaft (EG) Vorrang einzuräumen. Vordringlich sei die Verankerung des Verbraucherschutzes in einem Bundesgesetz und einer Rahmenregelung der EG. Besonderes Gewicht habe dabei die finanzielle Absicherung der Verbraucherorganisationen. lhe
Der Winter dehnt seine Pause immer weiter aus. Zumindest im Süden der Republik erregt das Wetter auch in dieser Woche eher Frühlingsgefühle als Kälteschauer. Sonne und Nebel zeigen sich abwechselnd am Himmel. "Teils freundlich, teils neblig-trüb, aber ruhig" lautet die Prognose der Meteorologen vom Wetteramt in Offenbach. Nicht ganz so gemütlich wird es voraussichtlich für die nördlichen Bundesländer und den Norden von Rheinland-Pfalz. Dort sagen die Wetterexperten stürmischen Westwind, Bewölkung und Regen voraus.
Vom Winter sehe er zur Zeit keine Spur, so der Meteorologe vom Wetteramt in Offenbach. "Was nicht ist, kann aber noch werden", tröstet er die Wintersportler: Der Februar sei oft der kälteste Monat und bringe häufig auch Schnee mit sich. Zudem könnten von Donnerstag an in den Hochlagen der Mittelgebirge - oberhalb von 800 Metern - einige Flokken fallen. "Mehr als Rutschen wird aber nicht möglich sein", prophezeit der Wetterfrosch.
Die Temperaturen bleiben fast überall in Deutschland oberhalb der Frostgrenze, nur nachts sind die Straßen bei minus zwei bis plus drei Grad stellenweise glatt. Tagsüber zeigt das Thermometer vier bis acht Grad an, in nebligen Gebieten aber nur "wenig über Null". (Mehr zum Wetter heute auf Seite 19)
Solidarpakt Nachtsitzung ergebnislos
BONN, 18. Januar (Reuter/dpa). Nach sechs Stunden haben die Spitzen der Regierungskoalition in der Nacht zum Montag in Bonn ihre Beratungen über ein Finanzierungskonzept für den angestrebten Solidarpakt ohne Ergebnis beendet. Am späten Nachmittag wollen sich die Fraktionsvorstände von Union und FDP mit dem Thema befassen. Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) hatte kurz vor Beginn der Gespräche bestritten, daß sich die Koalition bereits auf eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um einen Punkt auf 16 Prozent verständigt habe. Entsprechende Berichte bezeichnete Waigel als falsch.
Ab 1995 schloß der Finanzminister eine Neuauflage des Solidaritätszuschlags jedoch nicht aus. Dabei bekräftigte der CSU-Politiker, er suche unverändert das Gespräch mit den Sozialdemokraten. In der SPD waren vor allem Waigels vorgeschlagene Kürzungen von Sozialleistungen auf heftigen Widerstand gestoßen.
Hier ist geplant, Lohnersatzleistungen wie das Arbeitslosengeld und die Arbeitslosenhilfe oder die Sozialhilfe zu kürzen. Im Familienbereich sollen das Kindergeld und Erziehungsgeld stärker als bisher vom Einkommen abhängig gemacht werden. Die Vorschläge sehen auch Kürzungen bei den Zahlungen für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen vor.
Bei den Steuern ist daran gedacht, ab 1995 den Solidaritätszuschlag auf die Lohn- und Einkommenssteuer wieder einzuführen. Vor Beginn der Sitzung hatte Bundesfinanzminister Theo Waigel mitgeteilt, daß es 1993 und 1994 keine Erhöhung der "Ertragssteuern" geben solle. Dazu gehören die Lohn- und Einkommenssteuern. Die Versicherungssteuer soll auf zwölf oder 15 Prozent erhöht werden. Finanziert werden müssen auch noch fünf Milliarden Mark Zuschuß an die Bundesanstalt für Arbeit.
. . . und außerdem ,Tomahawks&rquote; gelten als präzise Waffen
Exakt zwei Jahre nach Beginn des Golf-Kriegs gegen Irak trugen sie am Sonntag abend wieder ihre tödliche Fracht gen Bagdad: die US-amerikanischen Marschflugkörper, auf englisch Cruise Missiles genannt. Militärexperten sprechen bei diesem Raketentyp von großer Zielgenauigkeit und hoher Zerstörungswirkung.
Der Sprecher im US-Präsidialamt, Marlin Fitzwater, gab den Einsatz der Cruise Missiles vom Typ "Tomahawk" am Sonntag abend vor Journalisten in Washington bekannt. Als Ziel sei eine Atomanlage in einem Außenbezirk Bagdads von ihnen angesteuert worden. "Wir haben einen Raketentyp benutzt, von dem wir glauben, daß er sehr präzise ist." Hauptgrund, weshalb man auf Raketen statt auf Kampfbomber setzte, sei gewesen, daß man nicht unnötig US-Soldaten und Piloten habe in Gefahr bringen wollen.
Marschflugkörper wurden in den Zeiten des Kalten Krieges ursprünglich für den Einsatz von Atomsprengköpfen entwickelt. Vor allem deshalb machte die Friedensbewegung Anfang der 80er Jahre gegen ihre Stationierung in der Bundesrepublik mobil. Heute werden Cruise Missiles meist mit konventionellem Gefechtskopf bestückt, wenn es darum geht, stark befestigte Anlagen des Gegners zu treffen und wenn zu befürchten ist, daß die Luftabwehr Kampfbombern gefährlich werden könnte.
Militärexperten zufolge werden die "Tomahawks" zumeist von Schiffen aus abgefeuert. Die Cruise Missiles, die pro Stück etwa 1,5 Millionen Dollar (2,4 Millionen Mark) kosten, gelten als Weiterentwicklung der von den Deutschen im Zweiten Weltkrieg auf London abgefeuerten V-1 und sind im Militärjargon fliegende, gelenkte 454-Kilo-Bomben.
Die modernen Cruise Missiles suchen ihre Ziele mit Hilfe einer Abtast-Elektronik, die sich nach den Bodenbeschaffenheiten ausrichtet. Dies läßt sie in 90 bis 95 Prozent der Fälle ihre Ziele treffen. Wie exakt die fliegenden Bomben eingesetzt werden können, demonstrierten die Amerikaner im Golf-Krieg vor zwei Jahren. Fernseh-Reporter schossen damals Bilder von anfliegenden Marschflugkörpern, die entlang von Straßen, dicht über ihnen, ihre Ziele ansteuerten.
Während Fitzwater Zahlenangaben über die am Sonntag eingesetzten Raketen verweigerte, verlautete aus Kreisen des Verteidigungsministeriums, es seien etwa 40 Stück von Marineschiffen im Golf und im Roten Meer abgeschossen worden. Im Januar 1991 wurden die Cruise Missiles von Lenkwaffenkreuzern der Aegis-Klasse abgefeuert, die jeweils mit bis zu 150 Raketen dieses Typs bestückt sind. Eingesetzt wurden sie auch von den alten Schlachtschiffen der USA aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, der "USS Wisconsin" und der "Missouri". Ungefähr eine Meile Flugzeit nach dem Abschuß wird der Marschflugkörper von Feststoff-Raketenantrieben auf Touren gebracht, Turbojet-Triebwerke bringen die Cruise Missiles dann zu ihren bis zu 2400 Kilometer weit entfernten Zielen. Häufig werden sie - wie am Sonntag - nachts eingesetzt, da sie im Vergleich zu aus der Luft abgefeuerten Lenkwaffen relativ langsam anfliegen und daher für die Luftabwehr verwundbare Ziele sind.
(Reuter)
NAIROBI, 18. Januar (Reuter/AP). Die Vereinten Nationen (UN) haben im Norden Somalias eine neue Route zur Versorgung der hungernden Bevölkerung eröffnet. Ein dänisches Schiff mit 1350 Tonnen Weizen des Welternährungsprogrammes der Vereinten Nationen (WFP) an Bord steuerte am Sonntag die Hafenstadt Berbera an.
Das WFP teilte mit, das Getreide werde an 37 500 ehemalige Milizkämpfer und deren Familien verteilt. Damit hätten diese Nahrung für rund drei Monate. In den kommenden Tagen sollen zwei kleinere Boote weitere 450 Tonnen Weizen in die Hafenstädte Zeila und Mait bringen, die ebenfalls am Golf von Aden liegen.
Das WFP hatte seine Hilfslieferungen nach Berbera Anfang 1992 ausgesetzt, nachdem 8000 Tonnen Getreide von Plünderen geraubt worden waren.
Einem Plan der USA zufolge sollen die UN innerhalb der kommenden zwei Wochen das militärische Oberkommando über die internationale Eingreiftruppe in Somalia übernehmen. Wie ein Oberst der US-Marine, Fred Peck, am Sonntag in Mogadischu mitteilte, muß die Weltorganisation dafür allerdings noch eine konkrete Befehlsstruktur ausarbeiten, was einige Zeit in Anspruch nehmen könnte. Dennoch plane Washington, ein erstes Kontingent aus 850 Marineinfanteristen bereits am morgigen Dienstag wieder nach Hause zu schicken.
Peck vertrat die Ansicht, daß sich die Lage in Somalia seit Beginn der "Operation Hoffnung" erstmals etwas beruhigt habe. Der einflußreichste der verfeindeten somalischen Clanführer, Mohammed Farah Aidid, sagte, daß der jüngst unterzeichnete Waffenstillstand halten werde.
PORT-AU-PRINCE, 18. Januar (Reuter). Haitis Militärregierung hat nach Worten eines UN-Gesandten der Stationierung einer internationalen Beobachtertruppe und auch Gesprächen zur Wiederherstellung der Demokratie in dem Karibikstaat zugestimmt. Der argentinische Gesandte, Dante Caputo, teilte nach zweitägigen Verhandlungen in der Republikhauptstadt Port-au-Prince am Sonntag mit, er habe entsprechende schriftliche Zusagen von Ministerpräsident Marc Bazin und vom Oberkommandierenden der Armee, Generalleutnant Raoul Cedras, erhalten. Innerhalb einer Woche könnten schon 70 Beobachter in Haiti eintreffen. Im September 1991 war der demokratisch gewählte Präsident Jean-Bertrand Aristide gestürzt worden.
BANGKOK, 18. Januar (Reuter). In Thailand sind bei einem schweren Busunglück am Sonntag 18 Menschen ums Leben gekommen. 20 weitere Personen seien verletzt worden, teilte die Polizei am heutigen Montag mit. Nach ihren Angaben stießen nördlich der Hauptstadt Bangkok zwei vollbesetzte Busse frontal zusammen. Unter den Toten sei auch einer der beiden Busfahrer.
PHNOM PENH, 18. Januar (Reuter). Die UN-Friedenstruppe in Kambodscha bemühte sich am heutigen Montag um die Freilassung von vier ihrer Mitglieder, die von den kommunistischen Roten Khmer verschleppt worden waren. Bei den Entführten handelt es sich um zwei Briten, einen Chilenen und einen einheimischen Übersetzer. Zunächst hatte es in UN-Kreisen geheißen, es seien vier Briten verschleppt worden. Die unbewaffneten UN-Soldaten hatten eine Erkundungsfahrt auf dem Sen-Fluß im Nordwesten des Landes unternommen. Nach Angaben aus UN-Kreisen waren sie zu einem Treffen mit den Roten Khmer verabredet.
MÜNCHEN, 18. Januar (Reuter). Bei der Explosion eines Pkw in Unterleinleiter im fränkischen Landkreis Bamberg ist am späten Sonntagabend ein 30jähriger Kfz-Meister ums Leben gekommen. Der Mann hatte nach Polizeiangaben in einer Garage an dem Fahrzeug gearbeitet. Nach der Explosion brach ein Brand aus, der aber schnell gelöscht werden konnte. Die Explosions- und Brandursache hängt nach Polizeiangaben vermutlich mit den Arbeiten am Pkw zusammen. Es entstand ein Sachschaden von rund 100 000 DM.
L O N D O N / P A R I S / B A G D A D / W A S H I N G T O N , 18. Januar (Reuter / dpa / AFP). Flugzeuge der Golfkriegs-Alliierten haben am Montag vormittag einen neuen Angriff auf Ziele im Süden Iraks unternommen, berichtete das britische Verteidigungsministerium. Die Ziele befänden sich im Bereich der Flugverbotszone, hieß es.
An der Aktion seien vier der in Dahran (Saudi-Arabien) stationierten sechs Tornado-Kampfbomber beteiligt, sagte ein Sprecher des Ministeriums in London. Wie von zuverlässiger Seite in Paris zu erfahren war, nahmen an dem Angriff am Montag morgen auch französische Flugzeuge teil. Ziel der Operation sei es, bereits am Mittwoch unter Beschuß genommene Objekte in Südirak nochmals zu beschießen. Die Mirage der französischen Luftwaffe sollten den alliierten Maschinen Schutz aus der Luft bieten, hieß es.
Ein Vertreter der Vereinten Nationen (UN) in der Türkei teilte hingegen mit, die Flugzeuge der Alliierten bombardierten Ziele in Nordirak. Er berief sich dabei auf Informationen von UN-Mitarbeitern in Irak.
Einwohner Saudi-Arabiens berichteten unterdessen, etwa zum Zeitpunkt des Angriffs hätten in den Ostprovinzen des Landes Luftschutzsirenen geheult. Der Osten Saudi-Arabiens war während des Golfkrieges mehrfach von irakischen Scud-Raketen getroffen worden.
Der zweite Luftangriff innerhalb von fünf Tagen folgt auf die Attacke mit Marschflugkörpern vom Sonntag abend, die von US-Schiffen abgefeuert worden waren. Ziel war eine atomare Anlage in einem Vorort von Bagdad gewesen. Bei dem US-amerikanischen Raketenangriff sind am Sonntag abend nach amtlichen irakischen Angaben drei Menschen getötet und 31 verwundet worden.
Hohe irakische Vertreter teilten mit, im Hotel Raschid, in dem auch zahlreiche ausländische Journalisten wohnten, seien zwei Empfangsdamen getötet worden. Eine weitere Frau sei ums Leben gekommen, als ihr Haus im Stadtteil Karrada getroffen worden sei. Unter den Verletzten im Hotel Raschid seien elf Teilnehmer einer Islam-Konferenz. Nach Angaben der Bild-Zeitung wurde auch deren Reporter Peter Brinkmann bei dem Angriff verletzt. Ein Arzt berichtete, in sein Krankenhaus seien 19 Verwundete eingeliefert worden. Sechs von ihnen seien schwer verletzt. Die USA hatten mit Marschflugkörpern eine Maschinenfabrik außerhalb der irakischen Hauptstadt angegriffen und zerstört. US-Präsidialamtssprecher Marlin Fitzwater erklärte, in der rund 20 Kilometer von Bagdad entfernten Anlage Saafaranijah sei spaltbares Material für das irakische Atomprogramm angereichert worden. Leitende Angestellte des völlig zerstörten Komplexes traten dieser Darstellung entgegen. Nach Angaben des Fabrikdirektors gab es in der Fabrik keine Toten oder Verletzten.
Die Anlage diente nach Angaben des früheren Atomwaffeninspektors der Vereinten Nationen, David Kay, "zivilen und militärischen" Zwecken. In ihr würden Starkstromgeräte, Schweißmaschinen und eine ganze Reihe anderer Maschinen hergestellt. In einem Interview des CNN- Fernsehens sagte Kay, die Fabrik habe aber auch in Verbindung mit der Calutron-Methode gestanden, wie die elektromagnetische Trennung von Isotopen zur Anreicherung von Uran genannt wird. Diese Aufgabe der Fabrik sei während des Golfkrieges noch nicht bekannt gewesen und erst durch einen "glücklichen Geheimhaltungsbruch" aufgedeckt worden. Das Calutron-Programm Iraks sei durch den Golfkrieg und die UN-Inspektionen danach "zerstört" worden. Es gebe für ihn keinen Zweifel, daß es von Bagdad "aufgegeben" wurde.
Die Zerstörung des Hotels Raschid schilderte der Reporter Peter Brinkmann. Er habe sich gerade in seinem Zimmer befunden, als ein "riesiger Feuerball" auf das Hotel zugerast sei, schrieb er für das Boulevardblatt Bild. Er habe sich auf den Boden geworfen, als ein fürchterlicher Knall das Hotel erschüttert habe. Überall hätten Glassplitter gelegen, schilderte Brinkmann. Seine rechte Gesichtshälfte sei von Splittern übersät. Er sei in das Kamara-Krankenhaus eingeliefert und dort ärztlich versorgt worden, so der Reporter. Staatspräsident Saddam Hussein habe das Krankenhaus besucht und sich persönlich nach seinem Befinden erkundigt.
Das Hotel im Zentrum Bagdads wurde nach Angaben der amtlichen irakischen Nachrichtenagentur INA von einer US- Rakete getroffen. Marlin Fitzwater sagte dagegen, möglicherweise hätten Flugabwehrgeschosse der Iraker den Schaden verursacht. Bagdad wirft Bush "Terrorismus" vor Die irakische Regierung ist nach den Worten von Informationsminister Hamed Jussef Hummai zu Gesprächen mit den USA bereit, will sich aber durch weitere Luftangriffe nicht unter Druck setzen lassen. Hummai sagte am Montag bei einer Inspektion des zerstörten Hotels Raschid, die USA und ihre Verbündeten müßten zu einer "diplomatischen, politischen Lösung" kommen. Die Luftangriffe seien zwecklos und würden nichts erreichen. Hummai sprach von einem "Akt des Terrorismus der Bush-Regierung". Er widersprach dem Vorwurf, daß Irak die Auflagen der Vereinten Nationen nicht eingehalten habe. "Wir haben erklärt, daß wir die UN-Resolutionen befolgen. Es sind die USA, die einen terroristischen Krieg gegen das irakische Volk führen", meinte Hummai. Nach dem Militärschlag der USA hatte Iraks Staatschef Saddam Hussein am Sonntag abend die Bevölkerung zum Kampf aufgerufen. "Greift sie an", sagte er in einer kurzen Rede an die Nation. Die USA hätten bei ihrer Attacke den "Zorn der scheußlichen Niederlage mitgebracht, der ihre früheren Versuche gekennzeichnet hat". Die Iraker pries Saddam als "Stolz und Krone aller Gläubigen", die bei ihrem Kampf auf die Unterstützung Gottes zählen könnten. Clinton begrüßt Angriff Der künftige US-Präsident Bill Clinton hat den Raketenangriff der USA gutgeheißen. Nach den fortgesetzten Provokationen des irakischen Präsidenten Saddam Hussein sei dies die angemessene Antwort gewesen, sagte Clinton. Am Mittwoch übernimmt er das Amt des Präsidenten. Clintons Sprecher DeeDee Myers stellte klar, daß Saddam Hussein unter Clinton mit ähnlichen Aktionen rechnen müsse, sollte er sich weiterhin gegen die Erfüllung der UN-Resolutionen und Waffenstillstandsbedingungen sperren. "Es hängt alles von Iraks Reaktion ab. Wir sind bereit, weiterzumachen, wenn es sein muß."
Der Entscheidung zum Einsatz von Marschflugkörpern waren nach den Worten von Premierminister John Major ausführliche Diskussionen der Alliierten USA, Großbritannien und Frankreich vorausgegangen. "Über die Art und den Zeitpunkt der Reaktion bestand zwischen den Alliierten volle Übereinstimmung", sagte Major nach dem Angriff am Sonntag abend. Die Alliierten reagierten nach seiner Darstellung damit auf die absichtliche und ständige Weigerung Iraks, die von den Vereinten Nationen auferlegten Forderungen zu erfüllen. UN weisen neue Vorschläge Iraks zurück Die Vereinten Nationen wiesen wenige Stunden nach dem US-Raketenangriff auf Bagdad die jüngsten Vorschläge der irakischen Regierung zu den UN-Flügen nach Irak zurück. Bagdad erfülle auch damit nicht seine Verpflichtungen gegenüber den UN, sagte der Sprecher der UN- Sonderkommission für die Abrüstung Iraks, Tim Trevan, in New York. Die UN- Inspektoren, die die Vernichtung der irakischen Massenvernichtungswaffen kontrollieren sollen, seien unter den "derzeitigen Umständen" weiterhin nicht in der Lage, zu ihrer Mission in den Irak abzufliegen. Trevan appellierte erneut an die irakische Regierung, ihre Position zu den UN-Flügen zu ändern.
Die Regierung in Bagdad hatte am Sonntag vor dem Raketenangriff der USA angeboten, sie könne die Sicherheit der UN-Flüge auch bei einem Anflug aus Bahrain garantieren. Sie nannte allerdings als Bedingung, daß die Kontrollflüge über der südlichen Flugverbotszone gestoppt werden, wenn die UN-Maschinen diesen Teil des irakischen Luftraums benutzen.
LISSABON, 18. Januar (Reuter). Die angolanische Rebellenbewegung Unita hat sich für ein Ende des neuaufgeflammten Bürgerkriegs ausgesprochen. Man werde aber nicht "mit einem Messer an der Kehle verhandeln", hieß es in einer Unita-Erklärung, die am Montag nach Lissabon übermittelt wurde. Die Rebellenbewegung betonte, sie sei entschlossen, der Regierung vor der Rückkehr an den Verhandlungstisch eine militärische Lektion zu erteilen. Ein Unita-Sprecher bestätigte, daß Regierungstruppen ihr Hauptquartier in Huambo zerstört hätten. Der Großteil der Stadt werde aber noch von der Unita kontrolliert.
FRANKFURT A. M. (cri/rtr). Die Textilgruppe Hof wird im Laufe der kommenden Monate drei Werke dichtmachen. Betroffen davon sind 450 Beschäftigte. Ihnen, so ein Sprecher des Unternehmens, könne "leider auch kein Ersatzarbeitsplatz" an einem anderen Standort angeboten werden. Mit dem Betriebsrat werde über einen Sozialplan verhandelt. Als Grund für die Schließungen führt der Konzern "Überkapazitäten" an.
Eingestellt wird die Fertigung in der Bleicherei Uhingen, wo bislang noch 260 Männer und Frauen arbeiten. Das Unternehmen fahre seit Jahren Verluste ein, heißt es. Außerdem schließt Hof die Teppichherstellung Plüderhausen mit 70 Leuten. Schließlich macht die Spinnerei Lauterecken zu, womit 120 Stellen wegfallen. Insgesamt führt die Gruppe derzeit noch 4500 Namen auf den Lohn- und Gehaltslisten.
Der Stellenabbau soll vor allem die Kosten reduzieren, damit Hof wieder aus der Verlustzone herausfindet. Mit dem bereits im vergangenen Jahr eingeschlagenen Sparkurs konnte das Minus auf 25 Millionen Mark halbiert werden. In der laufenden Periode soll nun die Gewinnschwelle erreicht werden. Der Umsatz ist nach ersten Schätzungen zuletzt um fünf Prozent auf 650 Millionen gesunken. Bedingt durch Zukäufe wird für 1993 mit Erlösen von einer Milliarde gerechnet.
JOHANNESBURG, 18. Januar (Reuter). Einen Verkehrsunfall, bei dem ein Mensch getötet wurde und elf verletzt wurden, hat eine Schildkröte in Südafrika verursacht. Die Polizei teilte am Montag mit, ein Lieferwagen sei in der Kap- Provinz gegen das Tier geprallt und habe sich überschlagen.
ZAGREB, 18. Januar (Reuter/dpa/AP). In Zentralbosnien haben am Montag die Kämpfe zwischen den gegen die Serben verbündeten Moslems und Kroaten angehalten. Kroatische Militärsprecher und Offiziere der UN-Schutztruppe berichteten , im Gebiet von Gornji Vakuf hätten sich beide Seiten mit Artillerie und Maschinengewehren beschossen.
Vor Beginn der Kämpfe zwischen den Volksgruppen hatte Bosniens kroatischer Verteidigungsminister Bozo Rajic moslemische Einheiten in drei kroatischen Regionen unter kroatisches Kommando stellen wollen. Der Befehlshaber der bosnischen Streitkräfte, Sefer Halilovic, hat dies Radio Sarajewo zufolge jedoch abgelehnt. Rajic hatte die Forderung damit begründet, seine Volksgruppe müsse in die Lage versetzt werden, die im Friedensplan für Kroaten vorgesehenen Provinzen zu verteidigen.
Serbische Truppen stellten in der Nacht zum Montag eine mehrtägige Offensive gegen den Kessel von Bihac im Westen Bosniens wegen hoher Verluste ein. Nach Angaben des bosnischen Rundfunks beklagten die Serben seit Beginn ihrer Großangriffe in der Vorwoche mehrere hundert Tote.
Schwere Kämpfe wurden dagegen aus der Tiefebene der Save im Norden sowie aus dem Osten Bosniens gemeldet. Wie der bosnische Rundfunk berichtete, lag auch die Umgebung von Travnik in Zentralbosnien weiterhin unter hef- tigem Artilleriefeuer aus serbischen Stellungen.
Auch an der Grenze zu Serbien bei Skelani dauerten die schweren Kämpfe zwischen Moslems und Serben an. Die Belgrader Nachrichtenagentur Tanjug meldete mindestens 46 Tote seit Beginn der Kämpfe am Samstag.
Das selbsternannte Parlament der bosnischen Serben entscheidet laut Belgrader Rundfunk am heutigen Dienstag über die Annahme des Genfer Verfassungsentwurfs für Bosnien.
Kroatiens Präsident Franjo Tudjman forderte den Westen zu einem Militärschlag gegen die bosnischen Serben auf, falls diese den Friedensplan nicht annehmen sollten. Der französischen Zeitung Le Figaro sagte er, 140 Kampfflugzeuge reichten zu einem Angriff auf militärische Ziele aus, wie er in Irak gerade stattgefunden habe.
Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) kündigte in Münster an, die Deutschen "würden alles dafür tun", das Blutvergießen im ehemaligen Jugoslawien "so schnell wie möglich zu beenden". Die Weltgemeinschaft, so Kohl, müsse ihrer Verantwortung für den Weltfrieden gerecht werden. Dies erfordere auch von Deutschland, sich an Maßnahmen zur Sicherung des Weltfriedens entsprechend der UN-Charta zu beteiligen. Nach Kohl regte auch die FDP eine Lockerung des Waffenembargos gegen Bosnien an. Es gebe "neue Gesichtspunkte", die die Diskussion über eine Änderung des Embargos nötig machten, sagte der FDP-Vorsitzende Otto Graf Lambsdorff in Bonn. Eine deutsche Beteiligung an einer militärischen Intervention in den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens kommt nach Ansicht der Liberalen auf keinen Fall in Frage. (Kommentar auf Seite 3)
FRANKFURT A. M. (rtr/FR). Die Bundesbank wird nach Auffassung ihres Vizepräsidenten Hans Tietmeyer auch in wirtschaftlich schwierigen Phasen an der entschlossenen Stabilitätspolitik festhalten. Die Teuerung liege in Deutschland seit einiger Zeit weit über dem, "was wir auf Dauer für akzeptabel ansehen". Der Auftrag der Währungshüter verlange es, "die Inflationsrate auf mittlere Sicht möglichst unter zwei Prozent zu drükken", betonte Tietmeyer gestern und fügte hinzu, mit der leichten Anhebung des Geldmengenzieles für 1993 sei ein Abgehen vom straffen geldpolitischen Kurs keineswegs beabsichtigt. Während Tietmeyers Äußerungen am Devisenmarkt so interpretiert wurden, daß die hiesigen Zinsen vorerst hoch bleiben dürften, dominierten am Frankfurter Aktienmarkt Hoffnungen auf sinkende Sätze. Auf die Kämpfe am Golf reagierten die Finanzmärkte ruhig, an den Ölmärkten stiegen die Preise zunächst nur leicht.
Tietmeyer bekräftigte seine Forderungen nach einer "überzeugenden" Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und einer "verantwortungsbewußteren" Lohnpolitik, die die Aufgabe der Währungshüter erleichtern würden. Das Haus Schlesinger habe durch seine Politik dazu beigetragen, daß über verringerte Inflationserwartungen der für Investitionsentscheidungen relevante Kapitalmarktzins inzwischen unter sieben Prozent liege, meldet Tietmeyer Erfolg und begegnet Vorwürfen, die Frankfurter würgten mit hohen Zinsen die Konjunktur ab. Die Umlaufrendite am Frankfurter Rentenmarkt fiel zum Wochenanfang weiter auf 6,93 Prozent. Für seine fünfjährigen Bundesobligationen zahlt der Bund "in Anpassung an die Marktentwicklung" von heute an nur noch eine Rendite von 6,67 nach zuvor 6,75 Prozent.
Der Präsident der Landeszentralbank von Niedersachsen, Bremen und Sachsen-Anhalt, Helmut Hesse, versicherte, daß die Bundesbank alle Gelegenheiten wahrnehmen werde, die Zinsen zur Konjunkturstützung zu senken, schränkte aber ein, "soweit dies die Stabilität der DM nicht gefährdet". Es sei unstrittig, daß "wir uns in einer Phase sinkender Zinsen befinden und 1993 weitere Zinssenkungen sehen werden", sagte Hesse, der auch Mitglied des Zentralbankrats der Bundesbank ist, voraus. Auch für ihn stellen die derzeitigen Zinsen kein Investitionshindernis dar.
Schützenhilfe bekam die Bundesbank gestern aus der Kreditwirtschaft. Der Spielraum für Zinssenkungen sei angesichts des Geldmengenwachstums und der Inflationsentwicklung nach wie vor begrenzt, meint der Bundesverband deutscher Banken. Und nach Ansicht des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes ist die Konjunkturschwäche nicht Folge hoher Zinsen, sondern einer nachlassenden Nachfrage. Beide Verbände sprechen von einer Beschleunigung des wirtschaftlichen Abschwungs. Der private Verbrauch werde vor allem durch die kosten- und steuerbedingt hohen Preissteigerungen gebremst, erklären die Sparkassen. Eine erhebliche Verschlechterung der Lage hauptsächlich in der Industrie erkennen die privaten Banken.
Die Kampfhandlungen am Golf ließen die Finanzmärkte gestern zunächst kalt. Stärker wirkten sich Zinsspekulationen aus. Am Frankfurter Aktienmarkt stieg der Dax-Index um knapp zwei Prozent. Vor allem aus dem Ausland genährte Hoffnungen auf niedrigere deutsche Leitzinsen sowie Käufe nach dem Durchbrechen der 1560-Punkte-Linie des Dax sorgten laut Händlern für Auftrieb. Daran habe auch Tietmeyer nichts geändert. In Paris zogen die Kurse ebenfalls an, während sie in London etwas nachgaben.
Der Dollar, sonst in Spannungszeiten gesuchte "Fluchtwährung", wurde dagegen von Erwartungen vorerst hoch bleibender deutscher Zinsen gedrückt. Er zeigte sich kaum beeinflußt vom neuerlichen Militärschlag der westlichen Golf- Alliierten gegen Irak. Nach einer etwas höheren Eröffnung bröckelte er bis zum "Fixing" in Frankfurt wieder auf 1,6246 (Freitag 1,6248) Mark ab.
Nach Ansicht hiesiger Konzerne bleibt der Golf-Konflikt vorerst ohne Folgen für die Öl- und Benzinpreise hierzulande. Öl aus Irak sei nicht am Markt, daher sei eine Verknappung durch die Kampfhandlungen nicht zu erwarten, sagte ein Esso- Sprecher. An der Londoner Rohölbörse stieg der Preis je Barrel (159 Liter) für die Sorte Brent (per März-Lieferung) geringfügig um 17 Cents auf 17,67 Dollar.
TOKIO, 18. Januar (Reuter). Ein Atomreaktor im Westen Japans ist am Montag abgeschaltet worden, nachdem eine Warnleuchte einen Fehler an einer Pumpe angezeigt hatte. Ein Sprecher der Betreiberfirma Chugoku Electric Power erklärte, es sei keine Radioaktivität ausgetreten. Ein Reaktor der Atomanlage Shimane bei Matsue sei nach der Fehlermeldung vom Netz genommen worden. Ein Teil der Pumpe müsse ersetzt werden.
BONN, 18. Januar (Reuter/FR). Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat sich persönlich dafür eingesetzt, daß seiner Tochter Beatrice Recherchen in der DDR für ihre Doktorarbeit möglich wurden. In einem in Bonn veröffentlichten Brief an den Herausgeber des Hamburger Nachrichtenmagazins Der Spiegel, Rudolf Augstein, schrieb Weizsäcker: "Ich tat dies, indem ich mich an Rechtsanwalt Professor Wolfgang Vogel wandte, überdies mit Hilfe der einzigen mir in Bonn für meine private Post zurVerfügung stehenden Adresse ,Villa Hammerschmidt&rquote;".
Seine Tochter, deren Dissertation über Städtepartnerschaften im geteilten Deutschland 1990 unter dem Titel "Verschwisterung im Bruderland" in Buchform erschien, erhielt nach dem Brief an Vogel die Möglichkeit zu Gesprächen mit Professor Joachim Misselwitz von der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR. Der Spiegel hatte die Hilfestellung von Weizsäckers am Montag gemeldet und darauf hingewiesen, daß anderen Studenten "der Zugang zu solchen Geistesgrößen der damaligen DDR" in der Regel versperrt gewesen sei. Weizsäcker schrieb an Augstein weiter, bei dem Gedanken, daß seine Tochter diese Arbeit geschrieben und ihr noch zur Zeit der Teilung den Titel gegeben habe, fühle er sich sehr wohl. "Ich freue mich, daß ich ihr an einer Stelle zur Realisierung verhelfen konnte, so wie ich auch allen anderen gern geholfen habe, die meine Unterstützung für deutschlandpolitische Informationen in Ost und West erbeten haben", schrieb er.
Eine Meldung der Bild-Zeitung, wonach er sich für seine Tochter um die Unterstützung Erich Honeckers bemüht habe, wies Weizsäcker als falsch zurück. Adressat des Wunsches sei "einzig und allein Vogel" gewesen, erklärte das Bundespräsidialamt. Bild beruft sich auf einen "Vermerk" Vogels, in dem es heißt, anläßlich einer Begegnung in Bonn habe Weizsäcker ihn gebeten, einige "sich nicht aufdrängende" Anliegen zu überprüfen und, "wenn ich es verantworten könnte, E. H. vorzutragen", auch den Gesprächswunsch der Tochter. Eine Stellungnahme Vogels gab es zunächst nicht.
NIZZA, 18. Januar (Reuter). Ein französischer Fälscher hat sein Handwerk im Gefängnis so perfektioniert, daß er nach seiner Entlassung hochwertige Blüten im Nennwert von 600 000 Dollar druckte. Die Polizei in Nizza teilte jetzt mit, Jacky Lopinot habe während seiner 18monatigen Haft bei einem Mitgefangenen gelernt, der wegen der Anfertigung von fast perfekten Franc-Fälschungen einsaß. Kaum in Freiheit, beschaffte er sich ein Farbkopiergerät und ging ans Werk - erfolglos. Am Freitag wurde er mit einem Komplizen und den Scheinen in Nizza gefaßt.
SOFIA, 18. Januar (Reuter). Internationale Experten der Gruppe der 24 Industrieländer (G-24) haben Bulgarien bei der geplanten Modernisierung von Atomkraftwerken im ehemaligen Ostblock Vorrang gegeben. Das bulgarische Atomkraftwerk Kosloduj werde "das erste Atomkraftwerk sowjetischer Bauart sein, das mit westlichem Geld und westlicher Technologie den Sicherheitserfordernissen angepaßt wird", sagte der Chef der bulgarischen Atomenergiebehörde, Yanko Yanev, in Sofia.
Die G-24 Experten seien am Wochenende mit Vertretern der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) sowie Vertretern der Europäischen Investment Bank (EIB) in Kosloduj zusammengetroffen.
CAPE CANAVERAL, 18. Januar (Reuter). Wegen schlechten Wetters soll die US-Raumfähre "Endeavour" am Dienstag früher als geplant zur Erde zurückkehren. Wie im Kennedy-Raumfahrtzentrum in Cape Canaveral mitgeteilt wurde, soll der Flug wegen der ungünstigen Wetterbedingungen an der Atlantik- und Pazifikküste der USA um eine Erdumkreisung verkürzt werden. Geplant sei eine Landung in Florida.
WASHINGTON/BAGDAD, 18. Januar (Reuter/AFP). Zum dritten Male in einer Woche haben die westlichen Alliierten am Montag einen Militärschlag gegen Irak geführt. US-amerikanische, britische und französische Kampfflugzeuge griffen Raketenstellungen im Süden und Norden des Landes an. Irakischen Angaben zufolge kamen dabei 21 Menschen um. Am Abend gab es erneut Alarm in Bagdad, aber keine Anzeichen für Angriffe.
An dem Luftangriff in der Flugverbotszone südlich des 32. Breitengrades waren US-amerikanischen und französischen Angaben zufolge 75 Flugzeuge der Alliierten beteiligt. US-Präsidialamtssprecher Paul Clarke sprach von einer Antwort auf die Stationierung irakischer Luftabwehrraketen in der Zone. Die Aktion habe gegen 7.30 Uhr (MEZ) begonnen und sei etwa um 10.00 Uhr beendet worden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Paris. Die Luftangriffe hätten denselben Zielen gegolten wie am Mittwoch, hieß es in der US-Regierung. Alle alliierten Maschinen seien von ihrem Einsatz zurückgekehrt.
Später verlautete aus dem US-Verteidigungsministerium, in der nördlichen Flugverbotszone hätten US-Kampfflugzeuge Raketen auf eine Radaranlage abgefeuert und eine mutmaßliche Flak-Stellung bombardiert. Die US-Luftwaffe habe damit auf den Versuch der Iraker reagiert, Maschinen der Alliierten mit Radar-Zieleinrichtungen zu erfassen.
Irak sei wiederholt gewarnt worden, die Resolutionen der Vereinten Nationen (UN) einzuhalten, sagte Clarke. Irak erkennt die von den Alliierten auf der Grundlage einer UN-Resolution geschaffenen Flugverbotszonen im Süden und im Norden des Landes nicht an. Der britische Verteidigungsminister Malcolm Rifkind kündigte weitere Militäraktionen an, wenn Irak sich weiter den UN-Resolutionen widersetze.
Aus westlichen Militärkreisen verlautete, Irak habe eine Rakete auf die saudiarabische Stadt Dhahran abgefeuert. Die mutmaßliche Scud-Rakete sei in der Luft zerstört worden. Israelische und britische Militärs dementierten die Meldung.
Am Sonntag hatten die USA mit Marschflugkörpern eine Fabrik außerhalb Bagdads angegriffen. Während die US-Regierung mitteilte, dort seien Komponenten zur Produktion von spaltbarem Atommaterial hergestellt worden, wies der Fabrik-Direktor Jahja Nsajef die Darstellung zurück. Die UN-Kommission zur Zerstörung der irakischen Massenvernichtungswaffen erklärte, die Inspektoren der UN und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hätten die Fabrik viermal untersucht und dabei einige der computergesteuerten Präzisionsmaschinen als verboten eingestuft. Irak hat eigenen Angaben zufolge acht US- Marschflugkörper abgeschossen. Drei Tote und rund 30 Verletzte gab es irakischen Angaben zufolge am Sonntag in der Hauptstadt Bagdad. Ein Marschflugkörper hatte das Luxushotel "Al Raschid" getroffen. Dabei wurden 25 Menschen verletzt, unter ihnen ein deutscher Journalist. Ein hoher Regierungsbeamter in Washington sagte am Montag, US-Militärs hätten "bestimmt nicht" auf das Hotel gezielt. Frankreich stellte sich am Montag hinter den US-Angriff vom Vortag und widersprach damit anderslautenden Meldungen vom Sonntag. Die Regierung in Bagdad machte unterdessen den Vorschlag, UN-Maschinen dürften künftig über Bahrein nach Irak fliegen, wenn UN-Vertreter erreichen, daß die alliierten Kontrollflüge im Süden des Landes aufhören. Zuvor hatte Irak die Sicherheit der UN-Maschinen nur garantieren wollen, wenn sie über Jordanien einfliegen. Beide Vorschläge lehnten die UN ab.
Wie der Sprecher der UN-Beobachter in Kuwait berichtete, baute Irak inzwischen sechs Grenzposten in Kuwait ab, deren Räumung die UN gefordert hatten. (Leitartikel auf Seite 3, weitere Berichte auf den Seiten 2 und 3)
Kurz gemeldet: WEU-Hauptquartier in Brüssel eröffnet
BRÜSSEL, 18. Januar (Reuter). Das von London nach Brüssel verlegte Hauptquartier der Westeuropäischen Union (WEU) ist am Montag formell eröffnet worden. Durch die Verlegung will die WEU die Kontakte zur Europäischen Gemeinschaft (EG) und zur NATO vereinfachen und verbessern, die beide ihren Sitz in der belgischen Hauptstadt haben. Frau in Belfast erschossen BELFAST, 18. Januar (AFP). In einem mehrheitlich von Protestanten bewohnten Viertel in der nordirischen Hauptstadt Belfast ist am Sonntag eine junge Frau erschossen worden. Die Polizei machte keine Angaben, ob sie katholisch oder protestantisch war. Rußlands Verteidigungsminister in Paris PARIS, 18. Januar (dpa). Die Verteidigungsminister Frankreichs und Rußlands, Pierre Joxe und Pawel Gratschow, haben am Montag in Paris ein Abkommen unterzeichnet, das unter anderem einen Austausch von Offiziersanwärtern vorsieht. Gratschow hält sich seit Sonntag in Frankreich auf. Präsidentschaftskandidat für Slowakei PRAG, 18. Januar (AP). Die slowakische Regierungspartei Bewegung für eine Demokratische Slowakei hat den stellvertretenden Ministerpräsidenten Roman Kovac als Kandidaten für das Amt des Staatspräsidenten nominiert. Die Präsidentenwahl soll am 26. Januar stattfinden. Rumänische Ungarn mit neuer Spitze BUKAREST, 18. Januar (dpa). Zum neuen Vorsitzenden des Demokratischen Verbandes der Ungarn Rumäniens ist der 42jährige Dichter und Publizist Bela Marko in Brasov (Kronstadt) gewählt worden. Zuvor hatte der für seine radikalen Forderungen bekannte reformierte Bischof Laszlo Tökes seine Kandidatur überraschend zurückgezogen. Militärs melden Tamilen-Überfall COLOMBO, 18. Januar (dpa). Bei einem Überfall tamilischer Rebellen auf eine Militärpatrouille im Nordosten Sri Lankas sind nach Militärangaben am Montag morgen 13 Soldaten und fünf Tamilen getötet worden.
STUTTGART, 18. Januar (Reuter). Die Metallarbeitgeber und die IG Metall im Südwesten wollen Anfang Februar miteinander über einen möglichen Aufschub der für den 1. April vorgesehenen Einführung der 36-Stunden-Woche in der Metallindustrie sprechen. Wie der Verband der Metallindustrie Baden-Württemberg (VMI) mitteilte, treffen sich am 3. Februar dazu Delegationen beider Seiten in Sindelfingen, angeführt vom VMI-Verbandsvorsitzenden Dieter Hundt und IG- Metall-Bezirksleiter Walter Riester. Es handele sich dabei lediglich um "ein Gespräch", nicht um Verhandlungen, sagte ein VMI-Sprecher.
Initiiert worden war das Treffen von den Arbeitgebern, die angesichts der düsteren Lage bei der Metall- und Elektroindustrie anstreben, die neue Verkürzung der Wochenarbeitszeit zu verschieben. Die Gewerkschaft hatte dieses Ansinnen bisher zurückgewiesen. IG-Metall-Vorsitzender Walter Riester hatte umgekehrt vorgeschlagen, die bis 1995 geplante weitere Arbeitszeitverkürzung vorzuziehen.
BERLIN, 18. Januar (Reuter). Die Tarifverhandlungen für die rund 100 000 Beschäftigten der ostdeutschen Chemieindustrie sind am Montag in Berlin nach Gewerkschaftsangaben in der 2. Runde ergebnislos auf den 27. Januar vertagt worden. Der Verhandlungsleiter der IG Chemie, Hans Terbrack, nannte das Arbeitgeberangebot von 5,5 Prozent Einkommenssteigerung ab Juli 1993 eine Provokation. Damit werde nicht einmal die Inflationsrate von zwölf Prozent ausgeglichen. Die Gewerkschaft verlangt mindestens einen Inflationsausgleich.
FRANKFURT A. M. (FR). In New York lag der Dow-Jones-Index 30 führender Industrie-Aktien gestern nach einer Stunde exakt auf dem Freitagsschluß von 3271,12 Punkten. Wegen des Martin-Luther-King- Gedenktages blieben viele Banken und die Kreditmärkte geschlossen.
Am Tokioter Aktienmarkt stieg gestern der Nikkei-Index für 225 Top-Titel um 101,64 auf zuletzt 16 617,24 Zähler.
MARDSCH AS SOHUR, 18. Januar (Reuter). Die von Israel deportierten 413 Palästinenser haben am Montag einen Kompromißvorschlag des israelischen Außenministers Schimon Peres für eine beschleunigte Rückkehr abgelehnt. Der Sprecher der Palästinenser, Abdul Asis el Rantissi, erklärte am Montag, Israel wolle wegen des internationalen Drucks nur Zeit gewinnen und suche verzweifelt einen Ausweg. Außerdem sei keiner der Ausgewiesenen an Terrorakten gegen Israel beteiligt gewesen. Peres hatte am Sonntag erklärt, wenn die Deportierten sich vom Terrorismus gegen Israel lossagten, könnte ihre Verbannungszeit erheblich verkürzt werden.
Die Palästinenser waren am 17. Dezember 1992 nach der Ermordung israelischer Soldaten durch die palästinensische Widerstandsbewegung Hamas wegen angeblicher Mitgliedschaft in dieser Untergrundorganisation aus den besetzten Gebieten ausgewiesen worden. Die Verbannungszeit reicht von sechs Monaten bis zu zwei Jahren. Israel war unter anderem vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) in der Resolution 799 aufgefordert worden, die Palästinenser zurückkehren zu lassen.
BONN, 18. Januar (Reuter/ptz). Die Vorstellungen der Koalition für den Solidarpakt stehen jetzt weitgehend fest. Finanzminister Theo Waigel stellte am Montag im CDU/CSU-Fraktionsvorstand eine Liste der geplanten Streichungen vor. Vorgesehen sind unter anderem Einsparungen beim Kinder- und Erziehungsgeld, der Sozialhilfe und der Arbeitslosen-Unterstützung sowie Subventionskürzungen. Die Spitzen der Koalition wollen darüber am heutigen Dienstag abschließend beraten. Ein Treffen am Sonntag abend hatte noch keine Einigung gebracht. Kanzler Helmut Kohl (CDU) versicherte, das Paket werde sozial verträglich ausfallen; eine "soziale Schieflage" werde es beim Solidarpakt nicht geben.
Waigel erklärte am Montag abend in Bonn, es werde generell angestrebt, Sozialleistungen stärker als bisher an die Einkommen zu binden. Dies soll für das Kindergeld wie für das Erziehungsgeld gelten. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen erläuterte der Finanzminister, bei Arbeitslosengeld und -hilfe sollten Mißbräuche eingedämmt werden. Bei der Sozialhilfe sollten nicht die Regelsätze gekürzt werden, sondern die Mehrbedarfssätze. Waigel habe bekräftigt, daß Ertragssteuern nicht vor 1995 erhöht werden sollten. Die Steuerabschreibung im Wohnungsbau nach Paragraph 10e solle im Falle eines Besitzerwechsels bei Altbauten halbiert werden. Als weitere Bereiche, in denen gestrichen werde, habe Waigel Subventionen für Steinkohlebergbau, Landwirtschaft und Werften sowie den Verteidigungsetat genannt. Er bekräftigte nach den Angaben in der Sitzung, die Koalition werde ihre Vorschläge notfalls alleine ins Parlament einbringen, wenn die SPD sich verweigern sollte.
Nach einer Sitzung des FDP-Parteipräsidiums räumte FDP-Vorsitzender Otto Graf Lambsdorff ein, daß die Regierung zusätzlich zum Sparpaket die Kreditaufnahme erhöhen müsse, um den Nachtragshaushalt für 1993 decken zu können. Wegen der verschlechterten Konjunkturlage werde der Nachtragsetat durch Steuermindereinnahmen und zusätzliche Ausgaben für die Arbeitsverwaltung um jeweils fünf Milliarden Mark anwachsen. Zu schließen sei eine Finanzierungslücke bis zu drei Milliarden Mark. Der FDP- Chef bestätigte, daß die Versicherungssteuer steigen soll, Lebensversicherungen jedoch ausgenommen bleiben. Eventuell werde die Mineralölsteuer angehoben.
GARY, 19. Januar (Reuter). Im US-Bundesstaat Indiana sind bei einem Zugunglück am Montag acht Menschen getötet worden. 52 Menschen wurden laut Feuerwehr zum Teil schwer verletzt, als zwei Pendlerzüge in der Industriestadt Gary am Ufer des Michigansees auf einer Schienenzusammenführung zusammenstießen. Fünf der Opfer wurden enthauptet. Das Unglück in der Stadt 40 Kilometer südöstlich von Chicago ereignete sich auf der Zufahrt zu einer eingleisigen Eisenbahnbrücke. Die Ursachen waren noch unbekannt. Irrtümlich freie Fahrt gegeben
NIKOSIA (AP). Bei einem Zugunglück in Iran sind acht Menschen getötet und 16 verletzt worden, wie die amtliche iranische Nachrichtenagentur IRNA am Dienstag meldete. Der Unfall, bei dem ein Personenzug mit einer Lokomotive kollidierte, ereignete sich am Montag in der Nähe von Semnan, 175 Kilometer östlich von Teheran. Unter Berufung auf einen Sprecher der Bahngesellschaft meldete IRNA weiter, daß ein Bahnangestellter der Lokomotive irrtümlich freie Fahrt gegeben habe.
TALLIN, 19. Januar (Reuter). Rußland könnte nach Angaben aus Kreisen seiner Streitkräfte bereits im Februar mit der Demontage von zwei Atomreaktoren auf einem ehemals sowjetischen U-Boot- Stützpunkt in Estland beginnen. Soldaten einer russischen Einheit dort teilten am Montag mit, man sei bereit, die Basis in der Ostsee-Hafenstadt Paldinski so bald wie möglich zu verlassen. Ein Befehl dazu aus Moskau sei aber noch nicht ergangen. Estland, das nach rund fünf Jahrzehnten unter sowjetischer Herrschaft 1991 seine Unabhängigkeit erlangt hatte, verlangt den Abzug aller russischen Truppen bis Mitte dieses Jahres.
Nach Angaben der estnischen Regierung wurde der Ministerpräsident der Balten-Republik, Mart Laar, bei einem Besuch auf dem Stützpunkt über den Zeitplan der Russen unterrichtet. Die Reaktoren seien nicht in Betrieb.
Aus und vorbei - knapp vier Stunden nach dem ersten Ballwechsel waren die Australian Open in Melbourne für ATP- Weltmeister Boris Becker zu Ende. "Ich bin froh, daß ich jetzt mal drei Wochen Pause habe", kommentierte der Weltranglistenvierte die 6:3, 5:7, 6:3, 3:6, 2:6-Niederlage gegen den schwedischen Qualifikanten Anders Jarryd überraschend gelassen. Eine leichte Zerrung am Oberschenkel soll mitentscheidend für die erste Auftaktschlappe Beckers in der Geschichte der Australian Open gewesen sein: "Ich habe die Verletzung erstmals im Halbfinale von Doha gegen Edberg gespürt, da ging es mir gar nicht gut. Nach sechs Wochen Pause war das wahrscheinlich alles zu viel."
Mühelos überstand dagegen Michael Stich (Elmshorn) sein Erstrundenspiel gegen den US-Amerikaner Alex O'Brien und trifft nun auf den Franzosen Fabrice Santoro (6:1, 6:1, 6:2 gegen Andrew McLean/Australien). Für eine positive Überraschung aus deutscher Sicht sorgte der Neusser Bundesligaspieler Lars Koslowski (Weltrangliste Nr. 131), der 7:5, 2:6, 3:6, 7:6, 6:2 gegen den fast 90 Plätze besser klassierten Italiener Omar Camporese gewann.
5:6 in elf Spielen lautete die deutsche Auftakt-Bilanz, 18 der 24 gestarteten Deutschen waren am Montag noch im Wettbewerb. Bei den Männer gab es vier weitere Niederlagen durch den Berliner Markus Zoecke nach einem Marathon- Match mit 6:7 (3:7), 7:6 (7:5), 6:7 (3:7), 7:6 (11:9), 3:6 gegen den Australier Richard Fromberg, den Hamburger Qualifikanten Jörn Renzenbrink mit 4:6, 3:6, 3:6 gegen Frombergs Landsmann Mark Woodforde, den Neusser Christian Saceanu mit 3:6, 2:6, 3:6 gegen den Amerikaner Kelly Jones und den Hagener Karsten Braasch mit 2:6, 6:7 (6:8), 3:6 gegen den Tschechen Martin Damm.
Bei den Frauen scheiterte lediglich die Münchnerin Maja Zivec-Skulj mit 1:6, 6:4, 5:7 an der Niederländerin Monique Kiene. Weiter kamen dagegen die Leverkusenerin Karin Kschwendt mit 2:6, 6:1, 6:4 gegen Nadine Ercegovic (Kroatien), die Heidelbergerin Silke Meier mit 6:1, 6:2 gegen die Japanerin Nana Migayi und Wiltrud Probst aus München mit 6:0, 6:3 gegen die Australierin Jane Taylor.
"Eine Vorhand, nur bitte eine Vorhand", flehte Becker auf dem Centre Court, legte den Schläger auf den Boden und richtete den Blick mit einer Geste der Machtlosigkeit gen Himmel. Doch je länger der zusammen mit Jim Courier meistgewettete Titelfavorit sich auf das Sicherheitsspiel des 31jährigen Jarryd einließ, desto aussichtsloser wurde die Lage. Dabei hatte er den 151. der Weltrangliste, gegen den die einzigen beiden Niederlagen in bisher acht Matches sechs Jahre zurückliegen, zunächst sicher im Griff. Jarryd startete so nervös, daß eine leichte Rückhandschwäche Beckers überhaupt nicht ins Gewicht fiel. 6:3 hieß es nach 40 Minuten.
Von der Verletzung, die Becker "an der Grundlinie hielt und beim Aufschlag hemmte", war zu diesem Zeitpunkt nichts zu sehen. Auch Doppelspezialist Jarryd, der wegen fehlender Einzelergebnisse seit zehn Jahren erstmals wieder über die Qualifikation in ein Grand-Slam-Turnier mußte, merkte kaum etwas. "Ich habe nur gedacht, daß er offenbar müder wird." Vielmehr als die Müdigkeit wurden Becker allerdings seine schwachen Grundschläge zum Verhängnis, sie ebneten Jarryd immer wieder den Weg ans Netz. Von dort aus punktete der Außenseiter, den rund 50 buntbemalte Schweden lautstark unterstützten, nach Belieben und bewies eindrucksvoll, warum er in seiner Doppel-Karriere alle vier Grand-Slam-Turniere gewonnen hat.
Im fünften Satz war Beckers ohnehin schwacher Widerstand endgültig gebrochen. Nur noch sechs Punkte gewann der Weltmeister am Netz, Jarryd dagegen spielte 15 unerreichbare Volleys und hatte schließlich mit dem zweiten Matchball den "Schritt, an den ich nie geglaubt habe" geschafft.
Kopfschüttelnd stand er da, während Becker mißmutig sein Schweißband in die Menge warf und schleunigst das Stadion verließ. Nur bei den French Open 1990 (gegen Goran Ivanisevic) war er bis dato in der ersten Runde eines Grand- Slam-Turniers gescheitert. sid
Der Ski-Weltverband FIS hat Rest-Jugoslawien, also Serbien und Montenegro, von der alpinen Weltmeisterschaft im japanischen Morioka (3. bis 14. Februar) und der nordischen Weltmeisterschaft im schwedischen Falun (18. bis 28. Februar) ausgeschlossen. Der FIS-Vorstand hielt sich an die Resolution der UN. Zu beiden Titelkämpfen hatte sich der Verband Jugoslawiens fristgerecht angemeldet.
Der Deutsche Fußballmeister VfB Stuttgart schrammte zum Abschluß des ersten Tages beim von ihm veranstalteten Turnier in der Schleyer-Halle nur knapp an einer Blamage vorbei. Gegen den Lokalrivalen Stuttgarter Kickers, der zum Auftakt gegen Grasshoppers Zürich 0:2 verlor, reichte es nur zu einem mühevollen 2:2. Die zweimalige Führung der Kickers durch Epp und Schwartz glichen Golke und Walter vor 6800 Zuschauern jeweils aus.
Trotz des Punktverlustes hat der VfB in der Gruppe I die besten Chancen, das Halbfinale am Dienstag zu erreichen. In ihrer ersten Partie bezwang die Elf von Trainer Daum Titelverteidiger Bröndby Kopenhagen durch einen Treffer von Walter 1:0. Der Finalsieger erhält in Stuttgart ein Preisgeld von 15 000 Mark und 120 Wertungspunkte für das Masters am 30./31. Januar in München.
In der Gruppe zwei steht der FC Bayern München bereits mit einem Bein in der Runde der letzten Vier. Nach dem 1:1 gegen Sparta Prag gab der Sieger des Turnieres vom vergangenen Wochenende in Berlin dem Karlsruher SC durch ein 3:1 das Nachsehen. Für die Bayern waren zweimal Schupp und Ziege erfolgreich. sid
HAUSEN. Für weitere fünf Jahre wählten die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr Hausen bei der Jahreshauptversammlung den seit 1978 amtierenden Wehrführer Ludwig Barthel an die Spitze der Einsatzabteilung. Barthel ist zugleich Vereinsvorsitzender und Vorsitzender des Hausener Feuerwehrausschusses.
Lothar Sturm, bisher stellvertretender Wehrführer, rückte an die Stelle des Zweiten Vorsitzenden. Neuer stellvertretender Wehrführer ist Rainer Glaab. In das Führungsgremium der Einsatzabteilung zog Regina Grossmann als Beisitzerin neu ein. Walter Barthel blieb Jugendfeuerwehrwart.
Die Wehr in Hausen zählt insgesamt 95 Mitglieder; in der Einsatzabteilung sind 32 Blauröcke aktiv. Die Hausener Feuerwehr wurde im vergangenen Jahr neunmal alarmiert und rückte zu 40 Einsätzen aus. Die Hausener Aktiven wurden auch zweimal nach Sturm- und Wolkenbrüchen gerufen. Dafür stehen mittlerweile verbesserte Geräte zur Verfügung. Die Hausener Wehr verfügt inzwischen außer einem Tanklöschfahrzeug (TLF 16) auch über ein Hilfeleistungsfahrzeug (HLF 8) der neuesten Generation (unter anderem ausgestattet mit Motorsäge und einer hydraulischen Schere) sowie über einen VW-Bus. Ludwig Barthel betonte, daß technische Hilfeleistung, gerade bei Unwettereinsätzen, ein Schwerpunkt der Ausbildung gewesen sei.
Das vergangene Jahr hatte für die Hausener Wehr ganz im Zeichen ihres 110jährigen Bestehens gestanden. Das Sommerfest sei ein Höhepunkt in der Veranstaltungsreihe gewesen, betonte Barthel in seinem Resümee. Zum Feuerwehrgeburtstag in Hausen waren auch Mitglieder der Partnerfeuerwehr aus Wundersleben/Thüringen gekommen. In diesem Jahr plant die Hausener Jugendfeuerwehr eine Reise nach Thüringen.
Außerdem will die Hausener Wehr 1993 das kleine Gerätehaus erweitern. Neben einem größeren Unterrichtsraum und separaten Umkleideräumen für weibliche Mitglieder der Einsatzabteilung wird auch die Stellfläche für Einsatzfahrzeuge vergrößert. Schließlich soll das Gerätehaus noch mit einer besseren Heizungsanlage ausgestattet werden. Der Beginn der Bauarbeiten steht noch nicht fest.
Insgesamt sieben Aktive sind bei der Jahreshauptversammlung befördert worden. Wehrführer Barthel überreichte die Beförderungsurkunden der Branddirektion zum Hauptfeuerwehrmann an Torsten Becker und Udo Reinert, die Urkunden zur Hauptfeuerwehrfrau an Dorothea Glaab und Andrea Bewer, zum Oberfeuerwehrmann an Carsten Irle, Mathias Lange und Markus Michalik. dixi
An diesem Wochenende wird Langen zur Billard-Metropole Deutschlands. Zumindest für die Fünfkegel- Billard-Spieler. Die tragen von Freitag bis Sonntag nämlich ihre Deutsche Meisterschaft in Langen aus. Ausrichter ist der 1. Langener Billard-Club, der mit Manfred Gottschalk auch den Titelverteidiger stellt. Insgesamt sind 32 Spieler gemeldet, darunter noch zwei weitere Langener: Detlef Schmidt und Hans-Jürgen Meisel. Allein daran sieht man, daß es der Billard-Club schon recht weit gebracht hat. Denn Fünfkegel-Billard ist eine Disziplin, die in Westdeutschland noch recht jung ist. Die Hochburgen liegen in Italien und Argentinien. In Deutschland kommt die Elite aus den fünf neuen Bundesländern.
Nötig für einen Start am Wochenende war eine erfolgreiche Teilnahme an den jeweiligen Landesmeisterschaften. Für die Hessen bedeutete dies mindestens Platz fünf, um die Qualifikation zu erreichen. Für Manfred Gottschalk war dies jedoch kein Problem. Er holte sich im Frühjahr 1992 souverän den Hessenmeistertitel. Seine Leidenschaft für Fünfkegel-Billard kommt nicht von ungefähr: Auch er stammt ursprünglich aus Leipzig und zog 1989 nach Langen. Er schloß sich dem hiesigen Billardverein an und erreichte seine größten Erfolge: Deutscher Meister 1990 und 1992 und Rang drei 1991. Bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr etablierte sich Gottschalk unter den besten 20. Nur mit etwas Pech verpaßte er den Einzug zu den besten acht, belegte im Gesamtklassement Rang 16.
Von den 32 Kontrahenten der diesjährigen Meisterschaft kommen nach Angaben von Klaus Baldeweg, dem Vorsitzenden des 1. Langener Billard- Clubs, etwa zwei Drittel der Teilnehmer aus den neuen Bundesländern, das restliche Drittel aus Niedersachsen und Hessen. Daß die "Deutschen" ausgerechnet in Langen stattfinden, daran hat wohl der Vorjahressieg von Manfred Gottschalk einigen Anteil. Die Bewerbung des Vereins bei der Deutschen Billard-Union kam jedenfalls an. Die Langener erhielten den Zuschlag.
Aber so ganz unbekannt ist der Verein ja nicht. Mit knapp 50 Mitgliedern gehört der Klub zu den größten Billard-Vereinen in Hessen. Bei Meisterschaften auf Landesebene stellte der LBC wiederholt das stärkste Teilnehmerfeld. Immerhin hat der Verein ja auch mal in der zweiten Bundesliga gespielt. Derzeit treten die Billard- Freunde zwar in der Oberliga an, haben aber in der laufenden Saison auch schon wieder einige Titel herausgespielt. Sowohl im Einzel wie auch mit der Mannschaft.
Was ist nun Fünfkegel-Billard? Ziel sind fünf kleine Kegel, die in Form eines Kranzes aufgestellt sind. Der rote Kegel in der Mitte zählt sieben Punkte, die vier weißen drumherum je zwei. Je nach dem, wie viele der Figuren umfallen, schlägt sich dies auf die Punktwertung nieder. In gewisser Weise, so Klaus Baldeweg, ähnele Fünfkegel-Billard dem Snooker, weil man auch versuchen müsse, dem Gegner nichts liegenzulassen. Doch immerhin erfreue sich diese Variante des Billards ständig wachsender Beliebtheit, auch unter Frauen. Die treten zwar am Wochenende nicht an. Generell stehe dem aber nichts im Wege, so Baldeweg.
Die deutsche Meisterschaft im Fünfkegel-Billard beginnt am Freitag um 12.30 Uhr. Die Spiele dauern dann bis 23 Uhr. Am Samstag kämpfen die Spieler zwischen neun und 20 Uhr um den Titel, am Sonntag zwischen 10 und 16 Uhr. Alle Spiele finden im Billardraum im Vereinsheim des FC Langen (am Waldstadion) statt. Der Eintritt ist frei. rip
Tips und Termine für den Main-Taunus-Kreis, Frankfurts westliche Stadtteile und Wiesbaden
MAIN-TAUNUS-KREIS
Theater / Konzerte
Hofheim. Konzert mit dem "Sinfonieorchester Thüringen - Philharmonie Suhl", Stadthalle, 20 Uhr.
Filmspiegel
Hattersheim. Kino am Kirchplatz Okriftel: Strictly Ballroom (17.30, 20.15 Uhr).
Hofheim. Capitol-Kino-Center, Lorsbacher Straße 3: Kino 1: Bodyguard (15, 20.15 Uhr).
Kino 2: Kevin - allein in New York (15); Der Tod steht ihr gut (20.15 Uhr).
Kino 3: Die Schöne und das Biest (15 Uhr); Sister Act (20 Uhr).
Kelkheim. Kino Hornauer Straße 102: Homo Faber (17.30, 20 Uhr).
Kronberg. Kronberger Lichtspiele, Friedrich-Ebert-Straße 1: Sister Act (20.15 Uhr).
Ausstellungen
Eppstein. Raule-Automobil-Museum, Hauptstraße 130: Historische Fahrzeuge und Mode, 8 bis 18 Uhr, Führungen nach Absprache Tel. 0 61 98 / 30 10.
Eschborn. Museum, Eschenplatz 1: Eröffnung der Ausstellung "Licht / Zeit A", eine Installation von Ottmar Schnee, Film, Video, Fotosequenzen, 20 Uhr.
Hofheim. Kunstverein Hofheim in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und dem Zentrum für altes und neues Wissen und Handeln e.V.: "Zwischen Traum und Tod", Kinderzeichnungen aus dem Getto Theresienstadt, Haindl-Hof, Hauptstraße 21, 16 bis 18 Uhr (bis 7. 2.).
Kreishaus, Am Kreishaus 1-5: "Augenblick mal!" - Ausstellung der Lebenshilfe Main-Taunus e.V., Bilder und Zeichnungen geistig behinderter Menschen, 8 bis 16.30 Uhr (bis 5. 2.).
Rathaus-Foyer: "Seh-Weisen" - Ausstellung der Lebenshilfe Main-Taunus e. V., zu den Rathaus-Öffnungszeiten (bis 31. 1.).
Kelkheim. Foyer der Druckerei Blei & Guba, Großer Haingraben 9: Aquarelle auf Seide "Venezianische Masken" von Bärbel Hoffmann, 8 bis 17 Uhr (bis 10. 2.). Vorträge / Kurse
Hofheim. DRK: Kursus "Sofortmaßnahmen am Unfallort", Schmelzweg 5, 18 bis 22 Uhr.
Deutsch-Französischer-Club: "L'age d'or a Beziers", Vortrag in französischer Sprache über die Stadt Beziers, Haus der Vereine, 20 Uhr. Beratung / Selbsthilfe
Bad Soden. Arbeitsgemeinschaft gegen Suchtgefahren: Beratungsstelle für Suchtkranke, Königsteiner Straße 105, 14 bis 21 Uhr, Kontakt: 0 61 96 / 2 30 59.
Frauenselbsthilfe nach Krebs: Kontakt unter Tel. 0 61 96 / 37 46.
Hofheim. Verbraucherberatung: Hattersheimer Straße 1, 10 bis 12 Uhr, Tel. 0 61 92 / 2 24 95.
Kelkheim. Katholisches Bezirksamt: Beratung für Kriegsdienstverweigerer, Kirchplatz 6, 18 Uhr. Offene Treffs Hochheim. Mütterzentrum Mamma mia: Offener Frühstückstreff, St.-Bonifatius-Gemeinde, Kolpingstraße 2, 9.30 bis 11.30 Uhr. Vereine / Organisationen Hochheim. Kolpingfamilie: "Wenn Toleranz ein Fremdwort ist" - Asylsuchende und ihre Probleme - gleiches Recht für alle? Dipl.-Theologe Arnold Tomaschek, Vereinshaus Wilhelmstraße, 20 Uhr.
Kelkheim. Verein für Bewegungstherapie und Herzsport: Osteporose- und Wirbelsäulengymnastik, kleiner Saal der Stadthalle, 15.30 bis 17 Uhr.
Bewegungsübungen für Behinderte, Bürgerhaus Fischbach, 18 bis 19.30 Uhr, Auskunft unter Tel. 0 61 95 / 6 46 49.
Sportverein Ruppertshain: Tischtennis für Kinder und Jugendliche, Schönwiesenhalle, 15 bis 17 Uhr, Auskunft bei Jürgen Berndt, Tel. 0 61 74 / 6 21 30. Senioren Flörsheim. Altenclub St. Gallus: Treffen im Pfarrgemeindezentrum, 14.30 Uhr.
Hattersheim. Seniorenzentrum Altmünstermühle, Erbsengasse 12: Treffen, Café, 10 Uhr; Kreativrunde, 13.30 Uhr; Bastel- und Handarbeitsrunde, Volksbildungsraum, 14 Uhr; Senioren-Singkreis, Tanzraum, 14.30 Uhr; Skatabend, Gewölbekeller, 19 Uhr.
Hochheim. Arbeitsgemeinschaft Hessischer Seniorenvertretungen: Sprechstunde, Altenwohnheim, Schwedenstraße 2, 9 bis 12 Uhr.
Hofheim. Seniorenzentrum, Hattersheimer Straße 5: Französisch-Stammtisch II, 10.30 Uhr; Französisch-Stammtisch I, 14 Uhr; Senioren-Treff, 14.30.
Kelkheim. "Café der offenen Tür" für alle Bürgerinnen und Bürger ab 50 Jahren, Haus Sindlinger Wiesen, Görlitzer Straße 2, 15 Uhr.
Schwalbach. Städtischer Seniorenclub: Treffen der Reisegruppe mit Herrn Dietz, Seniorenwohnanlage, Marktplatz 46 a, 15 Uhr. Kinder / Jugendliche Eschborn. Vorlesestunde "Motzarella und die Federkerle", Stadtbücherei, Rathausplatz 20, 16 Uhr.
Flörsheim. Kindertheater "Die verliebte Wolke", Flörsheimer Keller, 15 Uhr.
Hattersheim. Jugendtreff, Jugendkeller Eddersheim: Treffen des Videoteams, 15.30 bis 17.30 Uhr.
Jugendtreff Okriftel, Mainstraße 48: Jugendcafé mit Hausaufgabenbetreuung, 16 bis 19 Uhr; Sprechstunde mit Stadtjugendpfleger Thomas Kaiser, Tel. 0 61 90 / 48 67, 11 Uhr.
Hochheim. Jugendhaus, Massenheimer Landstraße: Geöffnet von 13 bis 21 Uhr.
Kelkheim. Jugendpflege der Stadt Kelkheim: Mädchentag, Jugendtreff Mitte an der Stadthalle, 15 bis 18 Uhr. Sonstiges Kelkheim. Informationsveranstaltung zum "Dualen System", Verwaltungsaußenstelle Ruppertshain, Schulgebäude, Robert-Koch-Straße 25, 16 bis 19 Uhr. WESTLICHE STADTTEILE
Filmspiegel Höchst. Filmforum im Neuen Theater: If (18 Uhr); Grenzland - eine Reise (20 Uhr), Emmerich-Josef-Straße 46 a. Kurse / Vorträge Höchst. "Abraham im Christentum", Referent: Christian Müller, katholisches Pfarrheim, Schleifergasse, 19.30 Uhr. Beratung / Selbsthilfe Höchst. Kinder-Jugend-Elternberatungsstelle: Beratung für die westlichen Stadtteile, Kurmainzer Straße 1, 8.30 bis 15.30 Uhr, Tel. 31 06 54 59.
Sossenheim. Arbeiterwohlfahrt: Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Robert- Dißmann-Straße 6, 15 bis 16 Uhr, Tel. 34 77 86. Vereine / Organisationen Unterliederbach. Evangelische Gemeinde: Ausgleichsgymnastik, Gemeindehaus, Wartburgstraße 1, 18.45 Uhr.
Zeilsheim. DJK-Sportgemeinschaft: Skatabend Pik 7, Clubhaus Labbeduddel, 19.30 Uhr.
Kinder / Jugendliche Höchst. Neues Theater, Emmerich- Josef-Straße 46 a: Kinderprogramm: Clownstheater Patü "Plabutsch ist futsch", 10, 15 Uhr.
Unterliederbach. Evangelische Gemeinde: Kinderclub mit Hausaufgabenbetreuung, "Treffpunkt", Burgunder Weg 2, 13.30 bis 16.30 Uhr; Jugendclub, 17 Uhr. Senioren Höchst. Senioreninitiative Gebeschusstraße 44: Theaterprobe, 9.30 Uhr; Literaturgruppe, 10.30 Uhr; Gesprächskreis "Abenteuer", 14.30 Uhr.
Unterliederbach. Evangelische Gemeinde: "Spiele mit Willi", 15 bis 18 Uhr, Hunsrückstraße 11. WIESBADEN
Filmspiegel Arkaden-Cinema 2000 am Ring, Bleichstraße 45/47: Bodyguard (14, 17, 20 Uhr).
Thalia-Theater, Mauritius-Galerie, Kirchgasse: Sister Act (13, 15.30, 18, 20.30 Uhr).
Hollywood, Mauritius-Galerie, Kirchgasse: Kevin - allein in New York (13.30, 16.30, 19.30 Uhr).
Apollo-Cinema, Moritzstraße 6: Der Tod steht ihr gut (13, 15, 17.30, 20, 22.30 Uhr).
Kino-Center, Moritzstraße 6: Atelier: Die Schöne und das Biest (13, 15.30, 18, 20.30 Uhr).
Alpha: Bitter Moon (14, 17, 20 Uhr).
Beta: Grüne Tomaten (14.30, 17.30, 20.30 Uhr).
Gamma: Ihr größter Coup (14.30, 17, 19.30, 22 Uhr).
Bambi-Cinema Petit, Mauritiusplatz: Kafka (14, 17, 20 Uhr).
Passage-Programmkino, Wellritzstraße: The crying game (17, 19.45 Uhr). Thelma und Louise (22.30 Uhr).
Archivkino Caligari, Marktplatz 9: Pippi Langstrumpf (15.30 Uhr); Die Herde (19 Uhr); Horror Vacui (21.30 Uhr).
Ausstellungen Galerie B. Haasner, Saalgasse 38 / Eingang Nerostraße, Druckgrafik von Antoni Tàpies und Louise Bourgeois, 14 bis 18.30 Uhr (bis 27. 2.).
Galerie Bellevue, Wilhelmstraße 32: Ausstellung Eddie Constantine "Architekturmodelle", 15 bis 18 Uhr (bis 14. 2.). Kurse / Vorträge Die große buddhistische Idee: "Die Säulen des Buddhismus: Die vier hohen Wahrheiten", Villa Schnitzler, Biebricher Allee 42, 19.45 Uhr.
"Hessische Soldaten und amerikanische Freiheitskämpfer im Unabhängigkeitskrieg", Referentin Prof. Dr. Inge Auerbach, Hessisches Hauptstaatsarchiv, Mosbacher Straße 55, 19.30 Uhr. Vereine / Organisationen Autonomes Frauen-Archiv: Forschungs- und Bildungsinstitut, Langgasse 20, Hinterhaus, 10 bis 15 Uhr. Kinder / Jugendliche Mädchentreff: Mädchencafé, Römerberg 24, 15 bis 18 Uhr. Sonstiges Polio-Schluckimpfung: Biebrich, Freiherr-vom-Stein-Schule, Wilhelm-Tropp- Straße 26, 15.30 bis 16.30 Uhr.
Fortsetzung der Literatur-Seminare von Dr. Marlene Lohner "Shakespeare und kein Ende", Villa Schnitzler, Biebricher Allee 42, 19.30 Uhr.
"Faß mich nicht an, Mann", Informationen von Dr. Walter Haberling zu einem immer größer werdenden Problem, Villa Schnitzler, Biebricher Allee 42, 19 Uhr.
Katholische Erwachsenenbildung: Seminar "Kreuzschmerz" unter der Leitung von Dr. med Maria Meesmann und Theologe Hartmut Meesmann, Roncalli-Haus, Friedrichstraße 26 - 28, 20 Uhr, Auskunft und Anmeldung Tel. 17 41 20.
Ganze Pfarrerin trotz halber Stelle Buchenbusch-Gemeinde: Astrid Hannappel will mehr Freiraum für Frauen erstreiten Von unserem Redaktionsmitglied Gerhard Bayer NEU-ISENBURG. Von ihrem dienstlichen Schreibtisch bis zur privaten Wohnzimmercouch sind es nur wenige Meter. Dennoch - oder gerade deswegen - mag sich Astrid Hannappel nicht als Hirtin sehen, die für ihre Schäfchen rund um die Uhr da ist. "Die Leute werden akzeptieren müssen, daß ich von der Seelsorge auch völlig abschalte, um wieder neue Kraft dafür zu schöpfen", sagt die 30jährige, die am kommenden Sonntag, 24. Januar, in der evangelisch-reformierten Buchenbuschgemeinde in Neu-Isenburg ordiniert wird - als Nachfolgerin des im vergangenen Jahr verstorbenen Pfarrers Franz Weber. Von ihrem Vorgänger hat Astrid Hannappel gerade mal fünfzig Prozent geerbt: Um den Kirchensäckel zu schonen, wurde Franz Webers Stelle halbiert. Und auch die große Dienstwohnung in der Freiherr-von-Stein-Straße 12 ließen die Verantwortlichen der Buchenbuschgemeinde durch eine Mauer teilen.
Für die Neue, unverheiratet und kinderlos, blieben dreieinhalb Zimmer. Offenbar kein Anlaß zu Selbstzweifeln: "Ich habe zwar nur eine halbe Stelle, aber ich bin keine halbe Pfarrerin", sagt sie ein wenig trotzig, die gebürtige Mainzerin, die Kindheit und Jugend in Wiesbaden als Tochter eines Architekten und einer Hausfrau verbracht hat.
Besonders religiös sei es im Elternhaus nicht zugegangen. Daß sie sich nach dem Konfirmandenunterricht in der gemeindlichen Jugendarbeit engagierte, bewertet Astrid Hannappel nicht als entscheidende Weichenstellung. Den "Kick hin zum christlichen Glauben" gab ihr ein Religionslehrer im Gymnasium: "Damals nahm ich mir vor, selbst einmal zu fragen, zu suchen und zu forschen, was an der christlichen Tradition dran ist."
Pfarrerin zu werden, kam ihr damals noch nicht in den Sinn. Eher schon Oberstufenlehrerin. Doch nach drei Semestern an der Universität in Tübingen merkte Astrid Hannappel, daß eines ihrer beiden Fächer, die Mathematik, kaum Zeit und Energie für das zweite übrigließ - die Religionswissenschaft. So sattelte sie um und studierte Theologie in Mainz und Marburg.
Ihre Suche nach dem, "was die Welt im Innersten zusammenhält", führte sie an der Marburger Universität auch ins autonome Frauenzentrum, in dem sie mitarbeitete - "in einem ganz und gar nichtkirchlichen Rahmen, das war gut". Auch während ihrer praktischen Ausbildung nach dem Studium, dem Vikariat in Gießen, engagierte sie sich weiter für Geschlechtsgenossinnen: im Frauenreferat der evangelischen Landeskirche.
Frauenarbeit nennt Astrid Hannappel, neben der Beschäftigung mit Jugendlichen, auch heute an erster Stelle, wenn es um ihr Engagement in der 2700-Seelen-Gemeinde in Neu-Isenburg geht, die sie sich mit Pfarrer Hans-Jürgen Ehrenfort teilt. Frauen sind in ihren Augen auch die Stützen jeder Kirchengemeinde.
Dennoch will sie die Initiative der ehrenamtlichen Helferinnen nicht nur fördern und koordinieren, sondern auch in Frage stellen: "Ich werde deutlich machen, daß das kirchliche Frauenbild sowohl eine unterdrückende Tradition hat als auch befreiende Tendenzen birgt." Diese zu verstärken, möchte Astrid Hannapel gemeinsam mit den Frauen in der Gemeinde versuchen. "Uns steht noch eine Menge Freiraum zu. Wir müssen ihn nur endlich erstreiten", sagt sie mit fester Stimme.
Ob derart radikal-reformerische Gedanken im Buchenbusch nicht nur Wohlwollen auslösen, sondern auch verunsichern und auf Widerstand stoßen könnten, vermag Astrid Hannappel noch nicht einzuschätzen. Seit sie Anfang Dezember vergangenen Jahres erstmals nach Neu- Isenburg kam, habe sie noch nicht viele Eindrücke gewinnen können. Nur soviel: "Die Leute scheinen gespannt darauf zu sein, was eine Pfarrerin mit ihnen macht." Bislang habe es in der Buchenbuschgemeinde als Seelsorger lediglich FR-Porträt "gestandene Männer" gegeben, noch nie jedoch eine junge Frau.
Die Isenburger werden sich auf eine Astrid Hannappel einstellen müssen, die auch einmal in Sportlerkluft durch die Straßen ihrer Gemeinde joggt. Denn Laufen zählt, ebenso wie Tanzen und Skifahren, zu den Dingen, die sie betreibt, wenn die Arbeit der "ganzen" Pfarrerin mit der halben Stelle hinter den Hobbys zurückzustehen hat.
Genaugenommen darf sich Astrid Hannappel erst in zweieinhalb Jahren Pfarrerin nennen. Solange ist sie "Beamtin auf Probe", mit dem Status einer Pfarrvikarin. "Aber nicht daß sie glauben, ich wäre eine Hilfspfarrerin." In ihr neues Amt wird sie am Sonntag, 24. Januar, um 10 Uhr während eines Gottesdienstes im Gemeindezentrum am Forstweg offiziell eingeführt - von einer anderen Frau: Pröpstin Gundel Neveling-Wagener.
NEU-ISENBURG. Als "soziale Demontage" bewertet SPD-Fraktionschef Werner Zimmermann die Versuche des bürgerlichen Blocks, die Finanznot der Stadt Neu-Isenburg zu lindern. CDU, FDP und FWG setzten den Rotstift vornehmlich im sozialen Bereich an, während sie Sport- und Kulturvereine weit weniger belasteten. Auch Joachim Luft von den Grünen kritisiert das mehrheitliche "Streichorchester": "Es soll dort gekürzt werden, wo der geringste Widerstand erwartet wird."
Am Wochenende setzten sich Parlamentarier aller Fraktionen in einer Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses zwei Tage lang darüber auseinander, wie das Sechs-Millionen-Loch im Haushalt 1993 gestopft werden kann. Es galt, über rund 600 Vorschläge der Parteien und Fraktionen abzustimmen. Die endgültigen Entscheidungen werden die Stadtverordneten in ihrer Februar-Sitzung fällen.
Werner Zimmermann kritisierte, daß Sport- und Kulturvereine nach den Anträgen der bürgerlichen Fraktionen Kürzungen von weniger als 20 Prozent hinzunehmen hätten. Dagegen sollten im sozialen Bereich durchschnittlich etwa 38 Prozent gestrichen werden: "Dort holen die sich, was sie brauchen."
Völlig wegfallen sollen demnach etwa ein Zuschuß von 100 000 Mark für Asylbewerber und 75 000 Mark Weihnachtsbeihilfe für Finanzschwache. Auch bei der Altenförderung werde überproportional gekürzt.
Den Vorwurf der einseitigen Demontage läßt CDU-Fraktionschef Theo Wershoven nicht gelten: "Die sozialen Vereine müssen wie andere Klubs spürbare Reduzierungen hinnehmen." Dagegen seien die sozialen Leistungen an einzelne "im Grunde" nicht in Frage gestellt.
Brisant ist auch eine andere Empfehlung der Ausschußmehrheit: Obwohl sich in den vergangenen Wochen sowohl Bürgermeister Robert Maier (CDU) als auch Kämmerer Berthold Depper (FDP) dagegen ausgesprochen hatten, stimmten CDU, FDP und FWG einem gemeinsamen Antrag zu, nach dem der Magistrat in den nächsten zwei Jahren zehn Prozent der Verwaltungsstellen abbauen soll. Maier und Depper hatten darauf hingewiesen, daß Entlassungen notwendig seien, um 40 der insgesamt 400 städtischen Arbeitsplätze streichen zu können: Doch dazu wären sie in keinem Fall bereit.
Theo Wershoven bringt seinen Parteifreund Maier sehenden Auges in Bedrängnis: "Wir wollen den Magistrat drängen, auch die personalpolitischen Dinge in den Griff zu bekommen. Zu Entlassungen muß es nicht kommen." Über das letztlich mögliche Ausmaß des Stellenabbaus könne verhandelt werden. "Wenn er nur acht Prozent erreicht, werden die Christdemokraten den Magistrat nicht verdonnern", sagte Wershoven.
Auch Freidemokrat Gerhard Gräber glaubt, daß niemand aus Reihen der Stadt entlassen zu werden braucht. Er schlägt vor, einen Teil der Verwaltung zu privatisieren. Wenn etwa Kulturamt und Betriebshof zu Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) umgewandelt würden, sei der Etat bereits um rund 40 Stellen entlastet. Seine Rechnung: "Die Zuschüsse für diese Unternehmen wären bestimmt geringer als die Kosten der jetzigen Ämter und Abteilungen." leo
NEU-ISENBURG. Die Freunde klassischer Klaviermusik kommen am Mittwoch, 20. Januar, auf ihre Kosten: In der Reihe "Isenburger Konzerte" wird der international renommierte Pianist Wilhelm Ohmen in der Hugenottenhalle gastieren und von 20 Uhr an Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Johannes Brahms spielen. Veranstalter des Klavierabends ist die Ärztehaus GmbH in Neu-Isenburg.
Wer am Donnerstag, 21. Januar, in die Hugenottenhalle kommt, muß sich auf Falltüren, rotierende Spiegel und geisterhafte Lichtspiele gefaßt machen - wenn auch nur auf der Bühne. Um 20 Uhr öffnet sich der Vorhang für "Das Phantom der Oper". Das "Schwarze Theater Zürich" setzt den Roman von Gaston Leroux als technisch aufwendige Persiflage um. Dazu wird Musik von Jacques Offenbach erklingen.
Zu einem "Isenburger Erdbeben" wird es am Freitag, 22. Januar, kommen. Ort der "Erschütterung" ist der Club Voltaire in der Friedrichstraße 43. Dort wird von 21 Uhr an zunächst die Frankfurter Gruppe "Shoxx unlimited" eine Mischung aus Rap und Punk bieten, bevor eine Band aus Neu-Isenburg, namens "Jimi's Revenge", mit Rockmusik und Blues auf die Bühne kommt. Einlaß ist um 20 Uhr.
Klavierwerke von Frédéric Chopin, Franz Schubert und Domenico Cimarosa stehen am Sonntag, 24. Januar, im Haus zum Löwen an der Isenburger Löwengasse auf dem Programm. Das Serenaden-Konzert mit der Pianistin Rimma Bobritzkaja beginnt um 19 Uhr.
Mitreißende Melodien und feurige Tänze: Emmerich Kálmáns weltberühmte Operette "Die Csárdásfürstin" wird am Dienstag, 26. Januar, in der Hugenottenhalle aufgeführt. Die Darsteller des Operetten-Tournee-Theaters aus Hannover sind dort von 20 Uhr an zu sehen und zu hören.
EGELSBACH. Flötentöne und Pianoklänge, komponiert von Händel und Bach, werden am Sonntag, 24. Januar, im Egelsbacher Bürgerhaus erschallen: Auf Einladung des Kunstfördervereins "Pro Arte" geben Querflötist Jens Josef und Alexander Goretzki am Klavier von 18 Uhr an ein gemeinsames Konzert. Der Eintritt ist frei, der Veranstalter hofft indes auf Spenden.
DREIEICH. Wer kennt schon russische Folklore jenseits der Don-Kosaken-Pfade und der TV-Traumwelt eines Iwan Rebroff? Für Leute, die es genauer wissen wollen, bietet das Ensemble "Rodniye Napjewi" aus Koltschugino am kommenden Donnerstag, 21. Januar, im Sprendlinger Bürgerhaus von 19.30 Uhr an ein kaum verfremdetes Potpourri an Liedern und Tänzen.
Daß er auch harten Rock spielen und singen kann, möchte Heinz Rudolf Kunze - einstmals Liedermacher, dann eher grell-poppig musizierender Brillenträger - am Dienstag, 26. Januar, um 20 Uhr im Bürgerhaus Sprendlingen unter Beweis stellen. An diesem Abend wird Heinz Rudolf Kunze auch die Songs seines neuesten Albums "Draufgänger leben länger" vorstellen.
LANGEN. "Der Besuch der alten Dame" ist der Titel der tragischen Komödie von Friedrich Dürrenmatt, mit dem das Tourneetheater Greve am Freitag, 22. Januar, in der Langener Stadthalle auftritt. Die Geschichte von Claire, die als junges Mädchen mit ihrem unehelichen Kind aus ihrer Stadt vertrieben wurde und dorthin - als Millionärin - nach mehr als 40 Jahren zurückkehrt, wird von 20 Uhr an erzählt.
Die Stadthalle in Langen wird am Samstag, 23. Januar, um 20 Uhr Aufführungsort eines ungewöhnlichen Schauspiels sein: "Heute weder Hamlet" von Rainer Lewandowski ist ein Stück über ein Theaterstück, das nicht stattfindet. Darin wird Hans Clarin einen Vorhangzieher darstellen, der unversehens vor dem Publikum steht.
Gleich doppelten Anlaß zum Feiern gibt es am Sonntag, 24. Januar, im Foyer des Rathauses in der südlichen Ringstraße 80: Die Jazz-Initiative besteht 1993 seit 15 Jahren, und die Solisten der Barrelhouse Jazzband stehen seit vierzig Jahren auf der Bühne. Der musikalische Frühschoppen mit der Frankfurter Hot-Jazz-Gruppe beginnt um 11 Uhr. fra
Namen + Notizen
FREDULRICH GOLZ (Foto), begeisterter Tischtennisspieler, feiert am morgigen Freitag, 22. Januar, ein besonderes Jubiläum. Seit 1953 ist er aktives Mitglied bei der TuS Hausen, und fast auf den Tag genau leitet er seit 30 Jahren die Tischtennisabteilung. Er zählt zu den Mitbegründern dieser sportlich erfolgreichsten Abteilung des Vereins. Besonders am Herzen liegt ihm die Nachwuchsarbeit, und die acht Schüler- und Jugendmannschaften mit mehr als 60 Mitgliedern bringen regelmäßig Pokale, Einzel- und Mannschaftsmeisterschaften mit nach Hausen. Mit seinem trockenen Humor begeistert der "Vater der Abteilung" immer wieder die Schüler und Jugendlichen. Beim morgigen Ehrenabend will der Vorstand den mit seinen 57 Jahren noch immer in der Mannschaft aktiven Tischtennisnarr, der auch gerne mal ein Bierchen trinkt, "überraschen". rw
PRAUNHEIM. Rückblick auf die Arbeit des vergangenen Jahres und Ausblick auf die Feste und Veranstaltungen, die 1993 auf die Praunheimer zukommen - das waren die bestimmenden Themen des Neujahrsempfangs im großen Saal des Gemeindezentrums der evangelischen Auferstehungsgemeinde, zu dem der örtliche Vereinsring eingeladen hatte.
"Dieser Empfang ist ein kleines Dankeschön an die Aktiven in den Vereinen und Organisationen, die das kulturelle und gesellige Leben in unserem Stadtteil prägen und mitgestalten", so begrüßte Vereinsring-Vorsitzender Friedel Vill die Gäste aus Vereinen, Parteien und Organisationen, der örtlichen Geschäftswelt und bekannte Praunheimer Bürger. Die Dachorganisation der Vereine hatte extra keine Stuhlreihen aufgestellt, damit möglichst viele Gäste miteinander ins Gespräch kommen konnten.
In ihren Grußworten berichteten die Vereinsvertreter vor allem aus ihrer Arbeit, gingen aber auch auf die politische Lage in Deutschland und in der Welt ein. "Bei uns gibt es keinen Fremdenhaß", bemerkte Frank Woitaschek, Vorsitzender der SG Praunheim, "unsere zwölf Jugendmannschaften mit mehr als 150 Jungen und Mädchen sind international zusammengesetzt."
Der prominente Neu-Praunheimer Uwe Günzler vom Hessischen Rundfunk, der sich im "Dorf an der Nidda" sehr wohl fühlt, kritisierte im Zusammenhang mit den Ausschreitungen gegen Ausländer auch die politischen Parteien. Sie hätten nicht genug getan. Er forderte die Vereins- und Organisationsvertreter auf, an den Stammtischen "gegen Fremdenhaß und Ausländerfeindlichkeit" zu diskutieren. Schließlich lebe Deutschland vom Export, "und der geht ins Ausland".
Humorvoll stellte Peter Koch, Vorsitzender des Praunheimer Kleingärtnervereins, seinen Club vor. "Das Verbeugen vor der Erde hält jung, unser ältestes Mitglied ist 85." Viel Beifall bekam er für seine gekonnten Vorträge von heiteren Gedichten in Frankfurter Mundart. "Gewinner" des Empfangs aber war Kantor Bernd Lechla von der evangelischen Auferstehungsgemeinde. Er konnte neben einer "Hutsammlung" des Abends auch noch einige Spenden für die neue Orgel in Empfang nehmen. Für die musikalische Untermalung der Stehparty sorgte Karl-Heinz Henkel mit seinem Rhythmus-Akkordeon. rw
HANAU. Grasnelken, Silber- und Schillergras, wie sie auf der "Waldwiese" des Hanauer Stadtteils Großauheim wachsen, sind vom Aussterben bedroht. Unter Naturschützern gilt das sechs Hektar große Binnendünen- Biotop als das letzte große Vorkommen seiner Art in Südwestdeutschland. Die Abteilung Arten- und Biotopschutz der Hessischen Landesanstalt für Umwelt kam zu dem Schluß, es sei "unverantwortlich, diese Fläche der Bebauung zu opfern" - die aber droht der "Waldwiese", liegt doch seit '89 ein rechtskräftiger Bebauungsplan vor.
Um Wohnhäuser zu verhindern, bemüht Hanaus bekanntester "Waldwiesen"-Kämpfer Rolf Neidhardt, zugleich Vorsitzender des städtischen Naturschutzbeirats, den seit 1987 gültigen Paragraphen 20 c des Bundesnaturschutzgesetzes. Danach ist das Zerstören von Biotopen wie Binnendünen "unzulässig". Nach Neidhardts Rechtsauffassung hat dieses Verbot selbst dann Vorrang, wenn eine Kommune wie Hanau bereits Erschließungsmittel für eine Siedlungsfläche im Etat ausgewiesen habe. Er fühlt sich bestärkt durch einen Entscheid des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs, der den weiteren Kalkabbau am "Hohlen Berg" von Großenlüder (Kreis Fulda) wegen der Gefahren für die Artenvielfalt zumindest vorläufig untersagte.
Da Hessen jenen Passus des Bundesnaturschutzgesetzes im Gegensatz zu anderen Bundesländern aber noch nicht in Landesrecht umgesetzt hat, initiierte Neidhardt eine Protestbrief- Kampagne, um das einzufordern. Wenn es nach ihm geht, soll die "Waldwiese" auch zum Streitthema zwischen den Koalitionspartnern SPD und Grüne werden.
Denn von der "unsäglich dürftigen Antwort" des zuständigen Naturschutzministers Jörg Jordan ist der Hanauer BUND-Mann enttäuscht. Der Minister hatte ihm geschrieben, er sehe keine Möglichkeit, auf die Planungshoheit der Stadt Hanau Einfluß nehmen zu können, und wiederholtedamit die Argumentation seiner CDU- Vorgängerin Irmgard Reichhardt.
Jordans Sprecherin Constanze Rauert sieht das Land in einer weiteren Zwickmühle: Zwar gehöre der Passus des Bundesnaturgesetzes zum "Novellierungspaket" für das Landesnaturschutzgesetz, aber wenn das vom Bund gewollte, von Hessen dagegen abgelehnte Investitionserleichterungs- und Wohnbaulandgesetz komme, "stellt Bonn das Thema Naturschutz neuerlich zur Disposition".
Das Ministerium hält den städtischen Bebauungsplan für rechtskräftig, weil er nicht beklagt worden sei. Wer dort bauen wolle, so Rauert, habe Binnendünen-Biotop ein Recht darauf. Neidhardt dagegen hält den Landschaftsplan für "regelrecht gefälscht". Daß dabei die botanische Bestandsaufnahme nach derBlühphase erfolgte und keine Aussagen zum Naturausgleich getroffen sowie die Folgen fürs Kleinklima nicht beachtet worden seien, habe die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt bestätigt und nahegelegt, die besonders schutzwürdigen Flächen der "Waldwiese" zu schonen.
Aufs RP setzte Neidhardt jetzt neue Hoffnung, nachdem er dessen Vorschläge für den fortzuschreibenden Raumordnungsplan Südhessen gelesen hatte. Für die darin enthaltene Option, die "Waldwiese" als Naturschutzgebiet vorzusehen, sammelte die Großauheimer Ortsbeirats-Fraktion "Bürgerliste Umweltschutz und Grüne" schon Unterschriften.
Aber die Antworten von RP-Sprecher Dieter Ohl auf eine entsprechende FR-Anfrage dürfte auf die Hanauer Naturschützer ernüchternd wirken. Danach handelt es sich beim bisher bekannten Landschaftsrahmenplan um eine bloße Grünflächen-Momentaufnahme von 1991. In der überarbeiteten Vorlage für die Regionale Planungsversammlung sei die "Waldwiese" dagegen nicht mehr als vorgesehenes Naturschutzgebiet eingezeichnet, sondern als Siedlungsfläche.
Auf Einwände der Stadt Hanau hin hatte sich die Mittelbehörde korrigiert. Daß nur die Kommune Einfluß darauf hat, vom Bebauen des Biotops wieder Abstand zu nehmen, betonte auch Ministeriumssprecherin Rauert.
Hanaus Stadtbaurat Jürgen Dressler läßt momentan einen Umlegungsplan ausarbeiten. Das bedeutet theoretisch, daß die ersten Erschließungsarbeiten näherrücken. In Gesprächen mit Bauwilligen stellte er aber fest, daß diese keine Vorstellung hatten, welche Kosten auf sie zukommen. Die Stadt muß nämlich nicht nur herkömmliche Gebühren für Straßen, Lärmschutz und Versorgungsleitungen erheben, sondern auch einen Ausgleich für den bevorstehenden Natureingriff. So summieren sich laut Dressler insgesamt 300 Mark pro Quadratmeter.
Er wie Neidhardt können sich vorstellen, daß sich so die Zahl derer, die wirklich auf der "Waldwiese" ihr Haus bauen wollen, so gering ist, daß der Bebauungsplan Makulatur wird.
Um diesen Prozeß zu unterstützen, schlägt Neidhardt Entschädigungszahlungen des Landes aus den Ausgleichsmitteln für Natureingriffe an die bisherigen Grundstückseigentümer vor. Sollte das alles nichts helfen, kündigte er bereits an, sich den Baggern in den Weg stellen zu wollen.
JOACHIM HAAS-FELDMANN
Sie haben gewiß Afrikaerfahrung, die belgischen Fallschirmjäger, die am 13. Dezember die Kontrolle über die Hafenstadt Kismayo übernommen haben. Sieben der 500 Mann sind schon 1964 im Kongo über Stanleyville abgesprungen. Alle haben ein knochenbrechendes Spezialtraining hinter sich, das die Eliteeinheit auf Kampfeinsätze unter extremsten Bedingungen vorbereitet. Doch "Somalia ist anders als wir uns vorgestellt hatten", gesteht einer aus der Truppe, der 1991 bei der Intervention in Kinshasa dabei war: "In Zaire hatten alle Respekt vor den Paras. Aber bei den Somalis wissen wir noch immer nicht, wie wir dran sind. Die haben ihren eigenen Stolz."
In Kismayo herrscht Arbeitsteilung: Das gleichzeitig gelandete US-Bataillon hat sich um den Flughafen außerhalb der Stadt eingerichtet. Die Belgier am Ende Von Helmut Opletal (Kismayo) der künstlichen Landzunge, die das Hafenbecken umschließt, wo die Sowjets eine kleine Marinebasis unterhielten. Ein kilometerlanger weißer Traumstrand erklärt, wieso man hier - zu besseren Zeiten - auch über Tourismusprojekte nachgedacht hat. Doch die belgischen Soldaten leiden eher unter den Alpträumen ihrer kaum berechenbaren Mission und des ungastlichen Platzes, der ihnen Tag für Tag ein sinnlos kaputtgeschlagenes Somalia im kleinen vor Augen hält.
Die Hafengebäude sind bis auf die Grundmauern geplündert, Kabel und Installationen wurden herausgerissen, Generatoren und Straßenlaternen mutwillig zerschossen. "Natürlich gibt es bei uns einige, die auf die Chance warten, endlich ihre Waffen einzusetzen. Aber wir würden es wahrscheinlich sehr bedauern, wenn es wirklich zum Kampf käme", meint der Rekrut Olivier, der uns durch das Camp auf einem der Sandhügel führt.
Die "Kompanie 21" unter Hauptmann Schoemakers und Oberfeldwebel Bloemen nimmt uns - die ersten Journalisten zu Besuch - auf eine Routinepatrouille durch Kismayo mit. Die Gewehre sind scharf geladen und während der gesamten Fahrt im Anschlag: Auch nach einem Monat fühlen sich die Soldaten noch unsicher, wie sie sich verhalten sollen, wissen auch nicht so recht, wie die Bevölkerung zu ihnen steht. "Zunächst waren alle sehr freundlich zu uns", meint der 21jährige Rolf Langer, ein Deutschbelgier, der sich freiwillig für den Einsatz gemeldet hat. "Aber jetzt haben die Kinder wieder angefangen, mit Steinen nach uns zu werfen." Inzwischen ist es auch zu einer tödlichen Schießerei gekommen.
Kismayo, einst Handels- und Verwaltungszentrum für Südsomalia, ist klein und beschaulich geblieben: Einige Betriebe verarbeiteten früher Agrarprodukte aus dem fruchtbaren Juba-Tal. Der Streit im Clankrieg war hier besonders heftig, doch anders als in Mogadischu sind die meisten Gebäude nicht zerschossen, sondern durch nachträgliche Plünderungen zerstört: Es fehlen die Dächer und die Installationen. Ein paar Marktstände haben wieder offen, seit die Belgier und US-Amerikaner da sind, doch viel gibt es nicht zu kaufen: Ein bißchen Obst und Gemüse aus der Umgebung; Reis, Mehl und Öl aus den Hilfslieferungen; aus Kenia importierte Spagetti, lokaler Kautabak und natürlich die milde Nationaldroge "Khat", für die somalische Männer mehr Geld ausgeben als für Essen. Akuten Hunger leidet man nicht in Kismayo: Die Speisezentren des Roten Kreuzes und der Unicef betreuen vor allem die Kriegsflüchtlinge von auswärts.
"Am Anfang sind wir immer mit rasender Geschwindigkeit durch den Ort gefahren. Jetzt rollen wir bewußt langsamer, um selbst mehr zu sehen und die Distanz zur Bevölkerung zu mindern", erklärt Colonel Marc Jacqmin, der die belgischen Truppen in Somalia befehligt. "Nicht nur mit einem Gewehr, sondern auch mit einem Lächeln" wolle man Präsenz zeigen, und tatsächlich wirken die Belgier entspannter als die US-Marines mit ihren versteinerten Mienen. Am Dienstag allerdings, wie berichtet wird, erschossen die Belgier einen Somalier, nachdem der Mann auf eine Gruppe belgischer Fallschirmjäger gefeuert hatte.
Als unsere Patrouille an einer Kreuzung anhält, um Fahrzeuge nach schweren Waffen zu durchsuchen, kommen sofort Passanten auf uns zu: "Wir sind sehr froh, daß die ausländischen Soldaten da sind, das ist unsere Rettung", sagt einer. "Es wird jetzt viel weniger geschossen in der Stadt, und wir können zumindest tagsüber wieder unbesorgt auf die Straße gehen." Die Kontrollen sind höflich, aber gründlich. Niemand murrt. Leichte Gewehre dürfen die Leute zum Selbstschutz gegen Banditen behalten. Schwere Kaliber werden ohne Diskussion konfisziert, auch alle Halterungen, mit denen sie auf Fahrzeugen montiert werden können.
Wir fahren auch an den Büros der Hilfsorganisationen vorbei, die Monate hindurch den Risken des Bürgerkriegs getrotzt haben: Das Internationale Rote Kreuz, die "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) und das Kinderhilfswerk Unicef, das allerdings sein Personal abzog, seit am 2. Januar, als die Belgier schon in der Stadt waren, der britische Mitarbeiter Sean Devereux ermordet wurde. Das ist das Dilemma der Eingreiftruppe: Eine echte Sicherheit kann auch sie den Hilfsorganisationen nicht garantieren.
"Die Lage ist jetzt sogar weniger berechenbar für uns", sinniert Julie von den "Ärzten ohne Grenzen". Die Belgier haben auch schon mal geholfen, eine kaputte Pumpe zu reparieren und angeboten, einen Truppenarzt in das einzige Spital der Stadt zu schicken, das von der jungen MSF-Mannschaft seit Monaten unter großem Einsatz am Laufen gehalten wird. Doch die Hilfsagenturen meiden eine allzu enge Verbindung mit den Militärs: "Wir haben mühsam ein Vertrauensverhältnis zu den Einheimischen aufgebaut und wollen jetzt nicht mit den Soldaten in einen Topf getan werden", sagt Julie.
Doch wie weit geht das Vertrauen wirklich? Man gibt es nicht gerne zu, aber natürlich haben sich auch die humanitären Organisationen lange in den eigenen Sack gelogen, immer wieder Erpressungen nachgegeben, immer mehr Geld für Büromieten, Autos, Chauffeure, "Landegebühren" und somalische "Sicherheitswachen" abgeliefert - MSF allein zuletzt über 200 000 Dollar im Monat. "Es gab so viel Arbeit für unschuldige Opfer des Krieges, daß wir meinten, solche Kompromisse eingehen zu können. Zu spät merkten wir, daß wir dadurch noch erpreßbarer wurden", gesteht einer der Helfer. Wohl werden jetzt auch die Organisationen ihre Identität überdenken müssen: In den Augen der meisten Somalis sind sie ohnehin nur Teil der westlichen Gesamtmaschinerie. Das von den UN sanktionierte Mandat lautet immer noch auf "Sicherung der humanitären Hilfe" - von Entwaffnung und Vermittlung eines politischen Kompromisses ist da keine Rede, und das macht das Handeln der Alliierten in Somalia auch so ungewiß. In Kismayo hat man sich entschieden, die Einrichtung einer lokalen Administration zu fördern, und sehr rasch ist man damit auch schon in der Bredouille: Denn der örtliche Machthaber und Ansprechpartner ist Omar Jess, ein wohlhabender Geschäftsmann ("Kismayos Obermafioso", wie ihn einer nennt), der den lokalen Khat-Markt kontrolliert, verbündet mit Mogadischus mächtigstem Kriegsherren Mohamed Aidid. In der Wahl seiner Mittel war Jess nie zimperlich. Über hundert Morde an politischen Gegnern kurz vor der Ankunft der Alliierten sollen auf das Konto seiner SPM ("Somali Patriotic Movement") gehen.
Der US-Kommandant, Brigadegeneral Lawson Magruder, hat die Notablen der Stadt zu einer "Sicherheitskonferenz" in ein Militärzelt in der belgischen Basis am Hafen geladen: An die dreißig Geschäftsleute, ehemalige Beamte, Clan- und Religionsführer sind gekommen. Omar Jess weilt im Ausland, der Provinzgouverneur Ali Dubbed Omar vertritt ihn. Ein Militärdolmetscher somalischer Abstammung in US-Uniform übersetzt, als Magruder recht forsch und wenig diplomatisch die Tagesordnung herunterbetet: Er will Zustimmung, daß auch alle kleineren Waffen aus der Stadt verbannt werden. Außerdem sind ihm die lokalen "Steuern" und Abgaben, die er "Erpressungsgelder" nennt, ein Dorn im Auge.
Die Mitarbeiter des Gouverneurs winden sich: Das Geld brauche man, um Gehälter zu zahlen und die Dienste der Administration wiederaufzubauen. "Sie haben es vor allem für die Milizen verwendet", wendet der US-General ein. Magruder stößt sich auch an den vorgeschlagenen Namen für ein neues lokales Hilfskomitee. Alle gelten als treue SPM-Vertreter. Er möchte ein "unabhängiges" Komitee. "Ich bin unpolitisch und unterstütze keine bestimmte Regierung", sagt er.
Der Gouverneur meldet sich zu Wort: Wer mit der lokalen Bevölkerung zusammenarbeiten will, müsse das über die anwesenden Honoratioren tun. Auch das Wort "Kolonisierung" fällt. "Wir haben Sie begrüßt, weil es keine Regierung gab. Aber Sie sollten sich nicht in unsere inneren Angelegenheiten einmischen. Sonst müssen wir glauben, daß Sie noch versteckte Absichten verfolgen", sagt der Gouverneur. Scharfe Worte. Doch auch er, erklärt uns nachher ein Somali, wolle nur seine eigenen Schäfchen, sprich Macht und Einkünfte, ins Trockene bringen. Man erahnt nur die Gefahr für die ausländischen Militärs, selbst in die lokalen Klüngeleien und Rivalitäten hineingezogen zu werden.
Immerhin einigt man sich, wieder 16 Polizisten als örtliche Ordnungskraft zu bewaffnen. Vor allem nachts würden immer noch Wohnhäuser überfallen und Menschen ermordet. Schon am nächsten Tag geht die Polizei zusammen mit den Belgiern auf Patrouille durch die Stadt. Die Bevölkerung scheint zu kooperieren, es kommen auch immer wieder Tips, wo noch Waffen und Munition zu finden sei. Gerade wurden in einem Depot mitten in der Stadt 112 Tonnen Waffen aufgespürt. Noch im Januar soll dann zum ersten Mal seit Oktober wieder ein Hilfsschiff mit 3500 Tonnen Getreide einlaufen, die an Flüchtlinge und Dörfer weiter im Landesinneren verteilt würden.
Tags darauf, auf einer Fahrt in die 60 Kilometer nordwestlich gelegene Kleinstadt Jamama, sieht man auch das regionale Agrarpotential, das nur genützt und gefördert werden müßte. Erstmals seit zwei Jahren haben viele Bauern ihre Felder wieder bestellt. Auf einigen stehen prächtiger Mais und riesige Wassermelonen. Doch mehr als die Hälfte der Flächen liegen brach, es fehlt auch an Saatgut, und, solange Krieg herrscht, an sicheren Lager- und Transportmöglichkeiten. Hassan Abdulahi, ein Agronom in Jamama, glaubt, daß man weniger Lebensmittel, sondern mehr Entwicklungshilfe schicken müßte: "Produzieren könnten auch die lokalen Bauern." Wenn allerdings der Markt von Gratishilfe überschwemmt wird, könnten sie ihr Getreide nicht verkaufen und würden bald wieder weniger anbauen, warnt Abdulahi.
In Jamama, es ist das erste Mal, daß ein Militärkonvoi die Stadt erreicht hat, werden die Belgier von der Bevölkerung wie Befreier begrüßt. Man merkt den Unterschied zur immer noch gespannten Atmosphäre in Kismayo. Ein Sack Mangos wechselt gegen ein paar Dollarscheine die Besitzer. Kinder singen ein Ständchen. Auch die hartgesottenen belgischen Fallschirmjägern läßt der wohlwollende Empfang spürbar lockerer werden.
Am Rückweg, an einer Stelle, wo die Straßenbrücke eingestürzt ist, merken wir nochmals den Unterschied zwischen den US-Marines und den weniger technisierten Europäern: Während die Belgier ihre Fahrzeuge mit Schützenpanzern durch das knietiefe Wasser ziehen, setzen die US-Soldaten ihren Fahrzeugkonvoi einfach mit Hubschraubern über den blockierenden Fluß. Die US-Marines wollen spätestens nach ein paar Monaten ihre Truppen nach Hause schicken, während die Belgier als UN-Blauhelme noch mindestens ein Jahr weitermachen sollen, unterstützt von einem neuen Kontingent indischer Soldaten. Doch was wirklich passieren wird, das traut sich auch Kommandant Jacqmin nicht vorherzusagen: "In keinem meiner militärischen Bücher findet sich eine Antwort auf die Probleme, die sich uns hier stellen."
NEU-ISENBURG. Weil Lichterketten und Mahnwachen ihrer Meinung nach nicht ausreichen, um gegen Fremdenhaß zu protestieren, haben zehn Jugendliche der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde in Gravenbruch in den ersten drei Tagen dieser Wochen mehr als 4000 Fragebogen an die Haushalte verteilt. "Unsere jungen Leute wollen so dazu beitragen, Vorurteile abzubauen, ohne sie beim Namen zu nennen", beschreibt Alexander Albert, katholischer Gemeindereferent, das Ziel der von den Jugendlichen selbst initiierten Aktion: "In den Köpfen der Bevölkerung geistert viel Falsches herum."
Das Besondere an den Bögen mit jeweils sechs Fragen: Die Antworten mit näheren Erläuterungen sind auf der Rückseite bereits aufgeführt. Laut Alexander Albert sollen so gerade jene Informationen zur Asyldebatte einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden, "die in der vom Wahlstimmenfang bestimmten Politik zu oft außen vor bleiben".
Wer den Fragebogen zur Hand nimmt und ausfüllt, erfährt dadurch, • daß 1991 laut UNO nur 0,8 Prozent der weltweit 17 Milliarden politischer Flüchtlinge in Deutschland um Asyl baten;
• daß seit 1991 100 000 Asylbewerber die Bundesrepublik wieder verlassen haben;
• daß hierzulande auf 1000 Einwohner lediglich zwei Flüchtlinge kommen;
• daß von den 100 000 Asylbewerbern, gegen die die Polizei 1991 ermittelte, rund 33 Prozent lediglich gegen das Verfahrensgesetz verstießen, weil sie beispielsweise unerlaubt die zugewiesene Gemeinde oder Stadt verlassen hatten;
• daß seit dem 1. Juli 1991, als das Arbeitsverbot für Asylbewerber aufgehoben wurde, diese nur dann einen Arbeitsplatz zugesprochen bekommen, wenn sich für die unbesetzte Stelle weder ein Deutscher noch ein EG-Ausländer interessiert;
• daß die in Deutschland arbeitenden Ausländer 1991 etwa 30 Milliarden Mark an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen in die Staatskasse zahlten, und daß selbst nach Abzug der Ausgaben und der Sozialzuschüsse für Asylbewerber und Ausländer ein "Gewinn" von zehn Milliarden Mark blieb. leo
Von Karl-Otto Sattler folgender Text an Combox Berlin zur Weiterleitung an die Redaktion = = = = = = = = = = = = = "Ausverkauf unserer Umwelt" - Öko-Institut kritisiert Investitionserleichterungsgesetz - "Neue Länder besonders benachteiligt"
FREIBURG. Scharfe Kritik an dem geplanten "Gesetz zur Erleichterung von Investitionen und der Ausweisung und Bereitstellung von Wohnbauland" übt das Freiburger Öko- Institut: Aus Sicht der renommiertesten ökologisch-alternativen Forschungseinrichtung in Deutschland führt dieses Gesetz, das nicht zuletzt in den neuen Ländern Investitionen und damit den Aufschwung Ost fördern soll, zu einem "Ausverkauf der Umwelt", so der rechtspolitische Sprecher Thomas Rahner in einer Stellungnahme. Die ökologischen Belange würden den Interessen der Industrie untergeordnet und die demokratischen Beteiligungsrechte der Bürger ausgehöhlt. Vielfältige Einschnitte im Bauplanungsrecht, bei immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren, bei Raumordnungsverfahren und beim Naturschutzrecht sowie die Beschneidung der Bürgerbeteiligung bei der beschleunigten Genehmigung von Müllöfen machten, so Rahner, "die Behörden zum ausführenden Organ der Industrie". "Erschreckend" sei überdies die Verwirklichung einer juristischen "Zwei-Klassen- Gesellschaft", da speziell in Ostdeutschland durch eine Beschränkung des Rechtsschutzes auf eine Gerichtsinstanz, durch den generellen Sofortvollzug bei allen "investitionsrelevanten Genehmigungen" und durch die Abschaffung der Normenkontrollklage gegen Bebauungspläne aller Art die Bürgerrechte in den neuen Ländern besonders drastisch beschnitten würden. Rahner: "Die Menschen sind allenfalls noch als Statisten gefragt, was zu einer weiteren Staatsverdrossenheit führen wird". Die für eine Demokratie lebensnotwendigen Beteiligungsrechte hätten in der Vergangenheit in vielen Fällen ökologisch "irrsinnige Vorhaben" verhindert, so beim Straßenbau oder bei Industrieansiedlungen.KARL-OTTO SATTLER
(Achtung: Laut Öko-Institut findet dazu am Montag, 18. Januar, eine Anhörung des Raumordnungsausschusses des Bundestags statt)
"Nidda literarisch":
Auf Anhieb
NIDDA. Die Stadt kann zufrieden sein. Ihre im Oktober angelaufene Reihe "Nidda literarisch" kommt an. Zur Eröffnungsveranstaltung mit dem prominenten Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki pilgerten etwa 1000 Menschen aus ganz Hessen. Die Lesung mit Erfolgsautor Mario Simmel verfolgten über 300. Die szenische Lesung von Böll-Texten mit Klaus Bauer vom Schauspiel Frankfurt lockte jetzt immerhin noch gut 150 Literaturbegeisterte aus Nidda und der näheren Umgebung an. "Optimistisch haben wir geglaubt, daß maximal 150 Leute zu unseren Veranstaltungen kommen", sagt Erster Stadtrat Georg Wegner.
Fünf oder sechs literarische Abende mit Jochen Hieber als Moderator will die Stadt jetzt jährlich in der Zeit von Oktober bis März anbieten. Ein oder zwei Abende pro Zyklus will Wegner wenig bekannten Talenten vorbehalten, "um dem Nachwuchs eine Chance zu geben".
12 000 Mark müsse die Stadt für die ersten fünf Veranstaltungen ausgeben. Der Stadtrat rechnet damit, daß nur etwa ein Viertel der Kosten nicht über Eintrittspreise und Sponsoren abzudecken sein wird. Die Reihe verknüpft sich für ihn mit der für den Sommer geplanten Eröffnung der neuen Stadtbibliothek. Im Krug'schen Haus untergebracht soll sie die alte Volksbücherei mit ihren etwa 8000 Bänden ablösen. mk
EGELSBACH. Was bringt das neue Gesundheits-Strukturgesetz? Wie hoch ist die Selbstbeteiligung? Gibt's noch eine Wahlfreiheit? Diese und ähnliche Fragen stehen im Mittelpunkt eines Informationsabends, zu dem das Egelsbacher Ortskartell des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für Donnerstag, 21. Januar, in den Lehrsaal des Feuerwehrhauses einlädt.
Über das derzeit bundesweit heiß diskutierte Thema werden von 19.30 Uhr an zwei Experten aus Stadt und Kreis Offenbach referieren: Max Vater, Geschäftsführer der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK), und Horst Kunze, Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes. leo
NEU-ISENBURG. Sehenswertes aus der Tierwelt, Nachdenkenswertes aus dem ehemaligen Jugoslawien und Beschauliches wie Sportliches aus der Winterzeit präsentieren die Isenburger Film- und Videofreunde am Freitag, 22. Januar, im Musikraum der Hugenottenhalle. Von 19.30 Uhr können sich Interessierte dort ansehen, was vier örtliche Kamerakünstler in eigener Regie gedreht haben.
"Hvar - das jugoslawische Madeira" nennt Rudolf Gabriel seinen Streifen über ein ehemaliges Touristenparadies, dem heute mancher begeisterte Jugoslawien-Urlauber nachtrauern dürfte. "Pirschgang mit der Kamera" ist einer der prämierten Tier- und Naturfilme von Helmut Hubeler, die dem Zuschauer ein Stück Natur zeigen, das er mit eigenen Augen nur selten beobachten kann.
In die Schwarzwald-Landschaften um Wildbad und Enzklösterle führt Norbert Schnoors Werk mit dem Titel "Zauberhafte Winterwelt". Dabei hat der Autor Auge und Kameraobjektiv vor allem auf zu Eis erstarrte Natur gerichtet. Dagegen ging es Heinz Witzke in seinem Film "Ski-Akrobaten" eher darum, die Faszination des extrem ausgeübten Wintersports aufs Zelluloid zu bannen. leo
Kulturspiegel · Kulturspiegel
DIETZENBACH. Horst Tappert, bekannter als Derrick, der Fernsehkommissar mit der Pomadenfrisur, hat am Mittwoch, 20. Januar, 20 Uhr, seinen Auftritt im Bürgerhaus. Er wird einer von "Zwölf Geschworenen" sein, die darüber entscheiden müssen, ob ein junger Mann zu Recht des Mordes angeklagt ist. Das Stück stammt von Reginald Rose und Horst Budjuhn.
Am Samstag, 23. Januar, 20 Uhr, gibt's "Hessisches Jazz-Kabarett" im Gasthof "Zur Linde" an der Darmstädter Straße. Rainer Bange und das Roland-Schneider-Trio wollen für einen abwechslungsreichen Abend sorgen.
RÖDERMARK. Georg Schramm gastiert am Mittwoch, 20. Januar, 20.30 Uhr, auf der Kleinkunstbühne in der Halle Urberach, um sein "bitterböses Kabarett" vorzustellen.
SELIGENSTADT. Salsa-Nacht in großen Saal des "Riesen": Die Gruppe Basement spielt dort am Freitag, 22. Januar, von 20 bis 24 Uhr Latin-Jazz, "der in die Beine geht", wie ein Sprecher des Kunstforums Seligenstadt ankündigt. fin
Der Weg zum "sanften" Reisen ist schwer. Zwar sind im Mitgliederverzeichnis der neuesten "Interessengemeinschaft der AnbieterInnen, VermittlerInnen und VeranstalterInnen von umwelt- und sozialverträglichen Reisen in Europa" (IGSR) mit Geschäftsstelle in Hamburg schon 70 Adressen enthalten. Über die Hälfte aber hat vom Verein "Ökologischer Tourismus in Europa" (ÖTE) entweder keine oder nur eine eingeschränkte Empfehlung erhalten. Der ÖTE wiederum ist ein Verein, der vor rund zwei Jahren unter maßgeblicher Vorarbeit des Deutschen Naturschutzringes und der Beteiligung von Natur- und Umweltschutzverbänden gegründet worden ist, um für umweltverträglichen und sozialverantwortlichen Tourismus einzutreten. Die Leute vom IGSR hatten den Verein gebeten, sich an der Beurteilung und Auswahl der Bewerber für den neuen Katalog zu beteiligen.
Die Aufnahmebedingungen sind schwer und umfangreich. Zweieinhalb Seiten umfassen sie im neuen Verzeichnis. Da werden für Hotels, Pensionen und Ferienhäuser Anschluß oder Zubringer zu öffentlichen Verkehrsmitteln verlangt, wird gefordert, daß keine umweltschädlichen Freizeitaktivitäten wie etwa Motorsport angeboten wird. Da wird darauf hingewiesen, daß in den Prospekten der Anbieter auf Umwelt- und soziale Probleme durch den Tourismus in den jeweiligen Destinationen hingewiesen und auf Erschließlung neuer Ziele in ökologisch sensiblen Gebieten bzw. Gegenden mit ethnischen Minderheiten verzichtet wird.
Die Reisebüroverkaufsgemeinschaft RZE mit über 170 Reisebüros in der Bundesrepublik hat nun zugesagt, das Mitgliederverzeichnis ab Frühjahr '93 in ihren Büros auszulegen. Ebenfalls ab Frühjahr soll die "Nachhaltige Reiseziele Datenbank" über BTX und Datex ständig aktualisierte Fakten und Daten über Ziele, Anbieter und Vermittler "sanfter" Reisen liefern. In Kooperation mit verschiedenen Firmen, so ist von der Interessengemeinschaft zu erfahren, wird gerade ein portables Terminal entwickelt, das dem Mittelstand und dem Einzelhandel eine papierfreie Möglichkeit eröffnen soll, auch umweltfreundliche Kleinstveranstalter anzubieten und zu buchen.
Das Mitgliederverzeichnis kann gegen Einsendung eines adressierten und mit 60 Pfennigen frankierten DIN A 4 Umschlags plus zwei Mark in Briefmarken bei der IG "Sanfte Reisen", Wohlersallee 25, 2000 Hamburg 50 bestellt werden. us
Zu einer Mahnwache gegen die Kriegsverbrechen an Frauen in Bosnien ruft das "Frankfurter Frauenbündnis gegen Kriegsverbrechen an Frauen" vom 25. bis 29. Januar täglich von 18 bis 19 Uhr an der Katharinenkirche auf.
ie Mahnwache ist Teil einer bundesweiten Aktionswoche unter dem Motto "Kroatische, moslemische und serbische Frauen gemeinsam mit deutschen Frauen gegen Kriegsverbrechen an Frauen in Bosnien".
In ihrem Aufruf zur Aktionswoche fordern die Verfasserinnen unter anderem die Auflösung der Vergewaltigungslager und Zwangsbordelle im ehemaligen Jugoslawien und die Aburteilung der Täter vom einem internationalen Gerichtshof.
Das "Frankfurter Frauenbündnis" hat eine Liste von Hilfsprojekten zusammengestellt, die unter der Telefonnummer 212-30 110 im Frauenreferat angefordert werden kann. reu
ESCHBORN. Eine Installation von Ottmar Schnee, die mit den Elementen Film, Video und Fotosequenzen arbeitet, wird heute um 20 Uhr im Museum eröffnet. Die Ausstellung mit dem Titel "Licht/ Zeit A" hat direkten Bezug zum Bauwerk des Museums mit Foto-Grafiken und Leucht-Skulpturen. Die Symmetrie des Raumes nimmt beispielsweise die Papier/Stein-Skulptur "Latent" auf. Roland Hoede spricht einführende Worte zur Eröffnung.
Der gebürtige Hofheimer Ottmar Schnee studierte in Offenbach Visuelle Kommunikation, lehrte Fotografie, Film und Video, führte seine Filme auf Festivals vor und installierte unter anderem die Ausstellung 140 Jahre Paulskirchenverfassung in Frankfurt. Ottmar Schnee engagiert sich seit 1977 im Eschborner Volksbildungswerk. Seine Installation ist noch bis zum 16. Februar zu sehen. she
Tips und Termine für den Main-Taunus-Kreis, Frankfurts westliche Stadtteile und Wiesbaden
MAIN-TAUNUS-KREIS
Filmspiegel Bad Soden. Kurtheater, Zum Quellenpark: Die Schöne und das Biest (16, 18 Uhr); Grüne Tomaten (20 Uhr).
Hattersheim. Kino am Kirchplatz Okriftel: Strictly Ballroom (17.30, 20.15 Uhr).
Hofheim. Capitol-Kino-Center, Lorsbacher Straße 3: Kino 1: Bodyguard (15, 20.15 Uhr).
Kino 2: Kevin - Allein in New York (15); Der Tod steht ihr gut (20.15 Uhr).
Kino 3: Die Schöne und das Biest (15 Uhr); Sister Act (20 Uhr).
Kelkheim. Kino Hornauer Straße 102: Kevin - Allein in New York (20 Uhr).
Kronberg. Kronberger Lichtspiele, Friedrich-Ebert-Straße 1: Die Schöne und das Biest (15 Uhr); Sister Act (20.15 Uhr). Ausstellungen Bad Soden. Galerie Jürgen Sander, Alleestraße 6: Porträts und Blumenbilder von Dyrck Bondzin, 9.30 bis 13 und 15 bis 18.30 Uhr (bis 30. 1.).
Eppstein. Raule-Automobil-Museum, Hauptstraße 130: Historische Fahrzeuge und Mode, 8 bis 18 Uhr, Führungen nach Absprache Tel. 0 61 98 / 30 10.
Eschborn. Museum, Eschenplatz 1: "Licht / Zeit A", eine Installation von Ottmar Schnee, Film, Video, Fotosequenzen, 15 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung Tel. 0 61 96 / 49 02 32 (bis 16. 2.).
Hofheim. Kunstverein Hofheim in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und dem Zentrum für altes und neues Wissen und Handeln e. V.: "Zwischen Traum und Tod", Kinderzeichnungen aus dem Getto Theresienstadt, Haindl-Hof, Hauptstraße 21, 16 bis 18 Uhr (bis 7. 2.).
Kreishaus, Am Kreishaus 1-5: "Augenblick mal!" - Ausstellung der Lebenshilfe Main-Taunus e. V., Bilder und Zeichnungen geistig behinderter Menschen, 8 bis 16.30 Uhr (bis 5. 2.).
Rathaus-Foyer: "Seh-Weisen" - Ausstellung der Lebenshilfe Main-Taunus e. V., zu den Rathaus-Öffnungszeiten (bis 31. 1.).
Kelkheim. Foyer der Druckerei Blei & Guba, Großer Haingraben 9: Aquarelle auf Seide "Venezianische Masken" von Bärbel Hoffmann, 8 bis 17 Uhr (bis 10. 2.). Vorträge / Kurse Hofheim. Volksbildungswerk Marxheim: Diavortrag "Madagaskar", von Anton Steurer, Grundschule Marxheim, Schulstraße, 19.45 Uhr. Parteien / Parlamente Hofheim. Öffentliche Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses, Rathaus, Chinonplatz 2, IV. OG, Raum 402 / 403, 20 Uhr.
Öffentliche Sitzung des Ortsbeirates Wildsachsen, Vereinsheim Wildsachsen, 20.05 Uhr. Beratung / Selbsthilfe Bad Soden. Frauenselbsthilfe nach Krebs, Kontakt unter Tel. 0 61 96 / 37 46.
Eppstein. Jugendamt MTK, Sozialer Dienst: Sprechstunde für Kinder, Jugendliche und Eltern, Rathaus II, Rossertstraße 21, 16 bis 18 Uhr.
Eschborn. Freiwillige Suchtkrankenhilfe: Information, Beratung, Selbsthilfegruppe, Niederhöchstadt, Hauptstraße 297, 19 bis 21 Uhr, Tel. 0 61 96 / 4 20 25, 0 61 73 / 48 70 und 0 60 07 / 28 08.
Hofheim. Anonyme Alkoholiker: Treffen, Krankenhaus, Schwesternwohnheim, Friedensstraße 10, 19.30 bis 21.30 Uhr, Kontakt unter Tel. 061 92 / 34 77.
Kelkheim. DRK: Psychosoziale Gesprächs-, Kontakt- und Beratungsstelle, Alte Schulstraße 8, Sprechzeiten: 8 bis 12 Uhr, Terminvereinbarung unter Telefon 0 61 95 / 55 59.
Guttempler-Gemeinschaft: Hilfe für Alkoholabhängige, katholisches Gemeindehaus Fischbach, Kirchgasse 12, 19.30 Uhr, Kontakt: Tel. 0 61 95 / 6 24 10 (G. und K. Röhrkohl). Vereine / Organisationen Flörsheim. Evangelischer Frauenkreis Weilbach: Handarbeiten und Basteln, Gemeindehaus, Faulbrunnenweg 3, 20 Uhr.
Hattersheim. Mittwochscafé mit Kinderbetreuung, Grünes Haus am Weiher, Untergärtenweg, 15 Uhr.
Kelkheim. Sportgemeinschaft: Sportliches Gehen der Wandergruppe, Treffpunkt Sportplatz Taunusblick, 18 Uhr.
Sportverein Ruppertshain: Aerobic - nicht nur für Frauen! Schönwiesenhalle, 20.30 bis 22 Uhr, Auskunft bei Jürgen Berndt, Tel. 0 61 74 / 6 21 30.
Kriftel. Tier- und Naturschutz (TUN): Stammtisch, Strawberry Hill, Frankfurter Straße 61, 21.30 Uhr. Senioren Bad Soden. Wohnstift Augustinum, Neuenhain, Sodener Waldweg 2: Tanz am Vormittag, Theaterfoyer, 10 bis 11.30 Uhr; VdK Sozialberatung, Malatelier, 16 bis 17 Uhr.
Hattersheim. Seniorenzentrum Altmünstermühle, Erbsengasse 12: Puppen- und Hexenbastelei, Volksbildungsraum, 10 Uhr; Musikgruppe mit der "Altmünster-Senioren-Band", Tanzraum, 14 Uhr.
Hofheim. Seniorenzentrum, Hattersheimer Straße 5: Tanzkreis, 9.30 Uhr; Schwimmen, Hallenbad, 10 bis 11 Uhr; Tischtennis, Steinbergschule, 14 Uhr; Handarbeitskreis, 14.30 Uhr; Russisch- Stammtisch, 17.30 Uhr.
Kelkheim. St. Dreifaltigkeitsgemeinde Fischbach: Kaffeestündchen mit Programm, Kirchgasse 12, 15 Uhr.
Schwalbach. Singkreis mit Renate Uthe, Bürgerhaus, Gruppenraum 1 und 2, 17 Uhr. Kinder / Jugendliche Hattersheim. Vorlesestunde für Kinder ab sechs Jahren, "Was man im Winter so alles anstellen kann", Stadtbücherei, Alter Posthof, Sarceller Straße 1, 15 Uhr.
Hochheim. Jugendhaus, Massenheimer Landstraße: Geöffnet von 16 bis 20 Uhr.
Hofheim. Figurentheater für Kinder ab vier Jahren "Freunde", Stadthalle, 10.30 Uhr (für Schulen und Kindergärten), 15.30 Uhr.
Kelkheim. Jugendtreff Mitte: 17 bis 21 Uhr. Sonstiges Bad Soden. Tanzstudio Bad Soden: "Tanz für Kurgäste", Königsteiner Straße 45, 15 bis 17 Uhr.
Flörsheim. Evangelische Gemeinde: Gymnastikstunde für jung und alt, Gemeindehaus, Erzbergstraße 13 a, 17.30 bis 18.30 Uhr.
Hochheim. Das Sondermüllfahrzeug steht am Berliner Platz, 15 bis 18 Uhr.
Kelkheim. Informationsveranstaltung zum "Dualen System", Verwaltungsaußenstelle Eppenhain, Altes Rathaus, Ehlhaltener Straße 29, 16 bis 19 Uhr. WESTLICHE STADTTEILE
Theater / Konzerte Höchst. Neues Theater, Emmerich- Josef-Straße 46 a: Peter Spielbauer "Wenn die Sonne scheint, scheint die Sonne zu scheinen", 20 Uhr.
Filmspiegel Höchst. Filmforum im Neuen Theater, Emmerich-Josef-Straße 46 a: Grenzland - eine Reise (20 Uhr). Ausstellungen Höchst. Firmenmuseum der Hoechst AG im Schloß: Kunst von Zaneta Vangeli, 10 bis 16 Uhr (bis 31. 1.). Vorträge / Kurse Höchst. Ökumenische Gespräche: "Abraham im Judentum", Referent Andrew Steinmann, katholisches Pfarrheim, Schleifergasse, 19.30 Uhr. Beratung / Selbsthilfe Höchst. Beratungs- und Vermittlungsstelle für Mobile Dienste: Windthorststraße 33, Sprechstunden 14 bis 16.30 Uhr, Tel. 0 69 / 30 30 04.
Psychosoziale Beratungsstelle: Bolongarostraße 154, Sprechzeiten 10 bis 15 Uhr, Tel. 30 32 14.
Verein Arbeits- und Erziehungshilfe (VAE): Jugend- und Suchtberatung, Gersthofer Straße 4, 9 bis 12 und 13 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung Tel. 30 20 03.
Verein zur Unterstützung der Arbeitnehmerjugend: Hilfe für arbeitslose Jugendliche, Kasinostraße 15, 9 bis 12 und 16 bis 18 Uhr.
Zeilsheim. Evangelische Kirchengemeinde Friedenau: Krabbelgruppe, Kellerskopfweg 28, 10 Uhr, Info unter Tel. 0 69 / 36 51 53 (Herr Schenck). Vereine / Organisationen Höchst. Bürgervereinigung Höchster Altstadt: Treff für Bürger mit Infos über Altbausanierung, Wed 13, 16 bis 18 Uhr.
Unterliederbach. Evangelische Gemeinde: Bastelkreis, Gotenstr. 121, 20 Uhr. Senioren Höchst. Senioreninitiative Gebeschusstraße 44: "Schwätzkaffee", 14.30 Uhr.
Unterliederbach. Evangelische Kirchengemeinde: Offener Treff, Altentagesstätte, Hunsrückstraße, 15 bis 18 Uhr. Kinder / Jugendliche Unterliederbach. Evangelische Gemeinde: Kinderclub mit Hausaufgabenbetreuung, "Treffpunkt", Burgunder Weg 2, 13.30 bis 16.30 Uhr.
Sossenheim. Deutscher Panda-Club: Treffen, Albrecht-Dürer-Schule, Riedstraße, 16 Uhr, Tel. 0 69 / 34 32 58 (Kissling). WIESBADEN
Theater / Konzerte Theater, Kleines Haus: Die chinesische Nachtigall, 11 Uhr.
Pariser Hoftheater, Spiegelgasse 9: "Heimat deine Sterne", Kleinkunsttalente aus der Region stellen sich vor, 20.30 Uhr.
Theater am Park, Wilhelmstraße 36: Hier sind Sie richtig, Schwank, 20.15 Uhr.
Café Cicero, Kirchgasse 50: Akzente e. V.: Fred Wesley Group, 20.30 Uhr.
Kurhaus: Symphoniekonzert des Hessischen Staatstheaters, 20 Uhr, Einführungsvortrag, 19 Uhr. Filmspiegel Arkaden-Cinema 2000 am Ring, Bleichstraße 45/47: Bodyguard (14, 17, 20 Uhr).
Thalia-Theater, Mauritius-Galerie, Kirchgasse: Sister Act (13, 15.30, 18, 20.30 Uhr).
Hollywood, Mauritius-Galerie, Kirchgasse: Kevin - Allein in New York (13.30, 16.30, 19.30 Uhr).
Apollo-Cinema, Moritzstraße 6: Der Tod steht ihr gut (13, 15, 17.30, 20, 22.30 Uhr).
Kino-Center, Moritzstraße 6: Atelier: Die Schöne und das Biest (13, 15.30, 18, 20.30 Uhr).
Alpha: Bitter Moon (14, 17, 20 Uhr).
Beta: Grüne Tomaten (14.30, 17.30, 20.30 Uhr).
Gamma: Ihr größter Coup (14.30, 17, 19.30, 22 Uhr).
Bambi-Cinema Petit, Mauritiusplatz: Taxi zum Klo (14, 17, 20 Uhr).
Passage-Programmkino, Wellritzstraße: The crying game (17, 19.45 Uhr). Thelma und Louise (22.30 Uhr). Ausstellungen Galerie Nilu und Dorrsgalerie präsentieren: "Cosmic Messengers", Malerei, Kunstobjekte, Installation von Jean Mandola, Karen Roberts-Pitts, Helmut Mando und Chris Clarke, Galerie Nilu, Adolfstraße 8, Sonderausstellung bei Dorrsgalerie, Rheinstraße 101 (bis 13. 2.).
Galeie B. Haasner, Saalgasse 38 / Eingang Nerostraße, Druckgrafik von Antoni Tàpies und Louise Bourgeois, 14 bis 18.30 Uhr (bis 27. 2.).
Penta-Hotel, Auguste-Viktoria-Straße 15: Aquarelle, Pastelle und Temperabilder von Dagmar Jost (bis 28. 2.).
Galerie Bellevue, Wilhelmstraße 32: Ausstellung Eddie Constantine "Architekturmodelle", 15 bis 18 Uhr (bis 14. 2.).
Stadtteilbibliothek Bierstadt, Theodor- Fliedner-Schule: "Naturerlebnis Aukamm", 9 bis 12.30, 15 bis 18.30 Uhr (bis 29. 1.).
Heimat- und Verschönerungsverein Dotzheim: Ständige Ausstellung mit Gegenständen, Fotos und Dokumenten zur Geschichte Dotzheims;
Sonderausstellung "Schätze aus der Tiefe" (bis 21. 3.) , Dotzheimer Museum, Römergasse 13, 17 bis 19 Uhr. Vorträge / Kurse Farbdiavortrag "Andalusien - Begegnung zwischen Morgen- und Abendland", Klaus Dieter Wolf, Rudolf-Dietz-Schule, Naurod, 20 Uhr.
"Der Rechtsextremismus in der Bundesrepublik heute", Referent Dr. H. Joachim Schwagerl, Fachhochschule Bleichstraße (ehemalige Luise-Schröder-Schule),19.30 Uhr. Vereine / Organisationen Autonomes Frauen-Archiv: Forschungs- und Bildungsinstitut, Langgasse 20, Hinterhaus, 11 bis 17 Uhr.
Ausländerbeirat: Plenumssitzung, Rathaus, Raum 22, 18 Uhr. Senioren. Villa Schnitzler, Biebricher Allee 42: "Treff für Senioren", Gesprächs- und Informationskreis im Rahmen der "Akademie für Ältere", 15.30 Uhr. Kinder / Jugendliche "terra uno communications" Disco mit einem internationalen Top-DJ, Tanzpalast Park-Café, Wilhelmstraße 36, 22 Uhr. Sonstiges Fortsetzung der Literaturseminare von Dr. Marlene Lohner "Shakespeare und kein Ende", Villa Schnitzler, Biebricher Allee 42, 10.30 Uhr.
Evangelische Albert-Schweitzer-Kirchengemeinde: "Training in aktiver Menschlichkeit", Gemeindezentrum, Albert-Schweitzer-Allee 44, 20 Uhr; Kontaktperson Wilfried Warneck, Tel. 60 38 32.
- ohne Gewähr -
DARMSTADT. Das erste Modell eines neuen "Kleides" für Tante Emma ist jetzt entworfen und soll maßgeschneidert für die Bedürfnisse der 1200 Einwohner von Sandwiese sein. In dem 1200 Einwohner großen Ortsteil von Alsbach-Hähnlein im Landkreis Darmstadt-Dieburg, einem bisher von allen Geschäften verlassenen Dorf, können vom nächsten Jahr an in einem 125 Quadratmeter großen Gemischtwarenladen Post-Päckchen aufgegeben und Briefmarken gekauft, Bankkonten erleichtert, Butter und Bananen eingekauft, Busfahrkarten erworben, Formulare der Gemeinde mitgenommen und Arztrezepte für die Bestellung von Medikamenten in der Apotheke eingereicht werden. Auch eine Lottozentrale ist dort geplant.
Die Stadt- und Kreissparkasse Darmstadt wird das kombinierte Wohn- und Geschäftshaus für zwei Millionen Mark bauen. Das Land steuert 80 000 Mark als Starthilfe bei. Ein Betreiber für den Nachbarschaftsladen ist bereits gefunden. Der Tante-Emma-Entwurf zur Wiederbelebung kleiner Einkaufs- und Dienstleistungsläden auf dem Land wurde von der Hessischen Landesentwicklungs- und Treuhandgesellschaft und der Betriebsberatung des hessischen Einzelhandels ausgearbeitet.
Zu dem Konzept gehört auch die Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, in der sich die Sandwieser Bürger durch den Kauf von 200-Mark- Anteilsscheinen engagieren und so ihre Sympathie für das neue Kundenzentrum beweisen können.
In Altheim bei Münster im Kreis Darmstadt-Dieburg ist vor zwei Wochen ein Tante-Emma-Laden nach Renovierungsarbeiten wieder eröffnet worden. Auch dort half das Land mit 60 000 Mark, die Gesamtkosten des von der Gemeinde und der Sparkasse unterstützten Umbaus lagen bei 300 000 Mark. Auch in anderen Gemeinden des Kreises regt sich die Bewegung für Tante-Emma-Läden. In Otzberg-Habitzheim beispielsweise gibt es Kontakte zur dortigen Volksbank. Um den absehbaren Rückzug des Post-Kundendienstes aus den Ämtern und Stellen abseits der Städte wenigstens zu verlangsamen, bemüht sich der Landkreis nach dem aktuellen Erfolg in Sandwiese um die Einführung weiterer Postagenturen unter dem Dach von Nachbarschaftsläden - nicht gerade zur Freude der Deutschen Postgewerkschaft.
Die Postämter Darmstadt und Bensheim prüfen im Rahmen des unter Schirmherrschaft des Bundesbauministeriums stehenden Projekts "Nachbarschaftsladen 2000" zur Verbesserung der Versorgung der ländlichen Bevölkerung derzeit noch, ob auch in Modautal-Ernsthofen künftig nach dem Tante-Emma-Modell neben Gemüse und Zeitungen auch Briefmarken erworben und Briefe per Einschreiben abgegeben werden können. Dem Förderprogramm und der begleitenden Werbeaktion des rot-grün regierten Kreises Darmstadt-Dieburg haben sich die Landräte der Kreise Odenwald, Bergstraße, Offenbach und Groß-Gerau angeschlossen. JÖRG FEUCK
Tips und Termine · Tips und Termine · Tips und Termine · Tips und Termine · Tips und Termine · Tips und Termine
Beratung / Selbsthilfe Friedberg. Diakonisches Werk: Gemeindeclub Knospe, 15-21 Uhr, Seewiese; Ehe-, Familien- und Lebensberatung, psychologische Beratung, Gesprächstermine nach telefonischer Vereinbarung unter 0 60 31 / 149 59, Leonhardstr. 16.
Wildwasser Wetterau: Beratung für Mädchen, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind, 14-16 Uhr, Hanauer Str. 12, Telefon: 0 60 31 / 640 00.
Altenbeirat Wetteraukreis: Sprechstunde, 10-12 Uhr, Zi. 402, Kreishaus Europaplatz, Tel. 0 60 31 / 833 59.
Bürgeraktive: SH-Gruppe zur Bewältigung von Eßstörungen, Treffen, 20 Uhr, Schützenrain 9.
Bad Nauheim. Frauen helfen Frauen Wetterau: Frauenhaus, Tel.0 60 32 / 47 84, Beratungsstelle des Frauenhauses: Mo. 13-16 Uhr, Mi. 9-12 Uhr, Fr. 9-12 Uhr u. nach Vereinbarung, Frankfurter Str. 1c, Tel. 0 60 32 / 47 74.
Haus der Gesundheit: 10 Uhr Atemgymnastik am Gradierbau; 16.30 Uhr Autogenes Training, Ausstellung über Herzinfarkt (siehe Ausstellungen).
Interessengemeinschaft der Verbraucher: Versicherungsberatung, 15-17 Uhr, Frankfurter Str. 34.
Bad Vilbel. Beratungsstelle für Aus- und Übersiedler: Sprechzeiten 8-12 Uhr, Pestalozzistr. 8, Tel. 0 61 01 / 830 45.
Karben. Diakonisches Werk, Außenstelle Karben: allgemeine Lebensberatung und Beratung für psychisch kranke Menschen, 11-12 Uhr, Rathausstr. 25, Tel. 0 60 39 / 436 86.
Mütterzentrum: Stillberatung, 10-11.30 Uhr, Ev. Gemeindehaus Klein-Karben.
Nidda. Frauen-Notruf: Berat., 19-20 U., Weiherstr. 12 Borsdorf, Tel. 0 60 43 / 44 71.
Büdingen. Caritas: allgemeine Lebensberatung und Suchtberatung, 9-12 Uhr, Berliner Str. 18, Tel. 0 60 42 / 39 22. Kulturmix Bad Nauheim. Kurkonzert, 15.30 Uhr, Trinkkuranlage.
Wölfersheim. Melbra Rai - "Oh, happy day", Gospels & Spirituals, 20 Uhr, evangelische Kirche.
Nidda. Kurkonzert, 10.30-11.30 u. 15-16.30 Uhr, Trinkkurhalle Bad Salzhausen.Gruppen / Vereine Bad Nauheim. Mütter- u. Familienzentrum: Offener Kaffeetreff (mit Kinderbetreuung), 10-12 Uhr, Alte Feuerwache; Plenum, 20 Uhr, Pizzeria Romana/Neumark Frankfurter Str.
Turn- und Gymnastikverein: Kinder von 5-7 J. 15-16.30 Uhr; Kinder von 7-10 Jahren, 16.30-18 Uhr; Kinder von 10-14 Jahren, 18-19.30 Uhr; Erwachsene, 20-21.30 Uhr, Turnhalle Mittelschule, Eingang Stadtschule Wilhelmskirche.
Bad Vilbel. Jugendpflege: Spiel- und Basteltreff für Kinder bis 12 Jahren: Kernstadt, 14-18 Uhr, Berkersheimer Weg; Gronau 14.30-17.30 Uhr, Breitwiesenhalle Aueweg; Treff für Kinder von 12-15 Jahren, ab 12 Uhr, Jugendhaus Saalburgstraße.
AWO-Seniorenclub Talstadt: Treffen, 15 Uhr, Frankfurter Str. 85.
Butzbach. Hausfrauenverband: Jahreshauptversammlung, 14.30 Uhr, Bürgerhaus. AWO-Begegnungsstätte: Krabbelkreis für Eltern mit Babys v. vier Monaten bis zu einem Jahr, 9.30-11 Uhr, J.-S.-Bach- Str. 26.
Karben. Jugendkulturzentrum: Vollversammlung, 16 Uhr, Selzerbrunnenhof.
Mütterzentrum: Café Mü(t)Ze, offener Kaffeetreff, 15-17 Uhr, Hauptstr. 84, Okarben.
Kirchengemeinde St. Bonifatius: Seniorenclub, 13.30-17 Uhr; Krabbel- und Kleinkindergruppe 15-17 Uhr.
Kirchengemeinde St. Bardo Petterweil: Mutter-Kind-Gruppe, 14.30-17.30 Uhr, Räume der Gemeinde.
Turngemeinde Groß-Karben 1891: Fitneß- und Konditionstraining, 20-22 Uhr, Kurt-Schumacher-Schule, Groß-Karben.
Altenstadt. BUND: Monatstreffen, 20 Uhr, Emma-Hof.
Jugendclub Treff: 15-18 Uhr, an der Altenstadthalle.
Nidda. Oberh. Philatelistenvereinigung Büdingen: Tauschtag, 20 Uhr, Bürgerhaus. Vorträge / Kurse Friedberg. Geschichtsverein: Vorstellung des 41. Bandes der Wetterauer Geschichtsblätter, 16 Uhr, Bibliothekszentrum Klosterbau Augustinergasse 8.
KVHS: Einführung in MS-DOS: 18 Uhr, Burg 34.
OVAG: Beratung zur Mikrowellenkochgerät, 14 Uhr, Hanauer Str. 22.
Bad Nauheim. Photo-Club Butzbach international 1987: Dia-Vortrag "Ägäische Inselwelt", 19.30 Uhr, Gaststätte Turnhalle Hauptstr.
Vortrag: "Was Sie über Herzinfarkt wissen sollten" von Dr. med. W. Koenig, 19.30 Uhr, Kurhaus.
Johanniter Unfallhilfe: Herz-Lungen- Wiederbelebung, Teil II, 20 Uhr, Rettungswache Hauptstr. 54.
Hilfe bei Bewältigung von Angst im Wasser, 16.30-17.30 Uhr, Parkhotel am Kurhaus. Bad Vilbel. VHS + Alte Mühle: Plastisches Arbeiten mit Ton, Kursbeginn, 10 Uhr, Lohstr. 13.
Volksbildungsverein Dortelweil: Yoga, Kursbeginn, 19 Uhr, Vereinshaus Theodor-Heuss-Str. OVAG: Beratung umweltschonendes Waschen, 14 Uhr, Friedberger Str. 8.
Nidda. Seniorenclub Ulfa: Referat der AOK Büdingen über die Gesundheitsreform, BH Ulfa.
Büdingen. Geschichtsverein: Dia-Vortrag "Romanische Kunst im Umkreis der Herren von Büdingen" v. K. P. Decker, 20 Uhr, Heuson-Museum im Rathaus.
KVHS: Einführung in MS-DOS: 18.30 Uhr, W.-Ernst-Gymnasium.
Parteien / Parlamente Bad Nauheim. Sitzung des Ausschusses für Sport und Kultur, 19 Uhr, Rosenmuseum Alte Schulstr. 1, Steinfurth.
Die Grünen: Treffen, 20 Uhr, Mörler Grund 3 Steinfurth.
Wöllstadt. Sitzung des Sport-, Kultur- und Sozialausschusses, 19 Uhr, MZH Ober-Wöllstadt.
Karben. Sitzung des Ortsbeirates Groß- Karben, 20 Uhr, Gaststätte Gehspitze.
Sitzung des Ortsbeirates Rendel, 20 Uhr, Feuerwehrgerätehaus.
Büdingen. Die Grünen: Treffen, 20 Uhr, Café Hell. Verschiedenes Friedberg. Credo-Bit '93, Kongreß für Computeranwendung in Theologie, Kirche, Diakonie, Stadthalle (bis 21.01.). Abfallsammlung Butzbach. Altpapiersammlung in Kernstadt Bezirk II.
Altenstadt. Altpapiersammlung. Ausstellungen Friedberg. Gianni Colombo - spazio curvo, der gekrümmte Raum, Di.-Do. und So. 11-20 Uhr, Görbelheimer Mühle, Bruchenbrücken (bis 30. 3.).
Bad Nauheim. Was Sie über Herzinfarkt wissen sollten und warum jede Minute zählt, Wanderausstellung, Haus der Gesundheit (bis 2. 2.).
Bad Vilbel. Brunnen- u. Heimatmuseum: Historische Bügelgeräte, So. 10-12 u. 14-17 Uhr, So. 19-21 Uhr (bis Februar). Echzell. Heimat- u. Geschichtsverein: "Was du ererbt von deinen Vätern", So. 10-12 u. 14-16 Uhr, Lindenstr. 3 (bis Ende Februar 1993).
Büdingen. Aus Kleiderschrank und Wäschetruhe, Di.-Fr. 10-12 Uhr, Mi. u. Sa. 15-17 Uhr, So. u. Feiertage 10-12 und 15-17 Uhr, Heuson-Museum im Rathaus (bis 28. 02. 93). Filmspiegel Friedberg. Roxy: Bodyguard (15, 20.15 Uhr) - Blende: Die Schöne und das Biest (15 Uhr); Eine Frage der Ehre (20 Uhr) - Studio: Kevin - allein in New York (15 Uhr); Sister Act (20.15 Uhr) - Keller: Der Tod steht ihr gut (15, 20.15 Uhr).
Bad Nauheim. Terminus: Grüne Tomaten (19 Uhr).
Butzbach. Capitol: Die Schöne und das Biest (20 Uhr) - Bambi: Boomerang (20 Uhr).
Büdingen. Royal + Princess: Ruhetag, keine Vorstellungen.
Schöneck. Sternpalast: Die siebente Saite (19.45 Uhr); IP 5 (22 Uhr).
Lich. Traumstern: Gestohlene Kinder (19.30 Uhr); Hamlet goes business (21.45 Uhr).
(ohne Gewähr)
KARBEN. Zu einem weiteren Treffen lädt die Elterninitiative zur Betreuung von Grundschülern aus Groß- und Klein-Karben (Pestalozzischule und Selzerbachschule) für Mittwoch, 20. Januar, um 20 Uhr ein. Die Zusammenkunft findet im Clubraum II des Bürgerzentrums statt. kg
WÄCHTERSBACH. Jazz, Kabarett, Theater, kurz Kleinkunst aller Art, wird künftig in Wächtersbach einen noch höheren Stellenwert erhalten. Nach einjähriger Renovierung und Sanierung nahmen etwa 80 Gäste am Wochenende den neuen Kulturkeller in der ehemaligen alten Schule neben der evangelischen Kirche in ihren Besitz. Bei kostenlosen Getränken und Soft-Rockmusik einer heimischen Band konnten sich die Besucher über die gelungene Innengestaltung des liebevoll renovierten Gewölbekellers überzeugen.
Eingeladen zur "Einweihungs- und Schnupperparty" hatte der Kleinkunstkreis "Märzwind", der künftig in etwa vierwöchigem Abstand Kleinkunst in dem neuen Keller offerieren möchte. Bislang war der Verein auf wechselnde Veranstaltungsorte für sein Programm angewiesen.
Nutznießer des im städtischen Besitz befindlichen Kulturkellers wird freilich nicht nur "Märzwind" sein. Alle Wächtersbacher kulturtreibende Vereine sollen nach Angaben von Bürgermeister Rainer Krätschmer in Zukunft den Keller nutzen dürfen. Und auch Privatleuten soll die neue Kulturstätte in Wächtersbach künftig dienlich sein. Im Gegensatz zu den Vereinen, die nichts bezahlen müssen, berechnet die Stadt für Privatpersonen allerdings einen Pauschalpreis von 110 Mark pro Abend.
Kleinkunst in verschiedenster Form soll es künftig alle vier Wochen geben, laut "Märzwind"-Sprecher Manfred Herrmann entweder am zweiten oder am vierten Freitag im Monat. Dies wurde mit der Stadt inzwischen so abgesprochen. Eingerichtet wurde der Keller, der maximal 80 Besuchern Platz bietet, im Stil von Café-Häusern. Auf eine Bühne wurde bewußt verzichtet, die Akkustik stimmt, wie sich die Gäste am Freitag abend vergewissern konnten. Für Anfang Februar plant "Märzwind" den Auftritt des Blues-Gitarristen Hannes Keller.
550 000 Mark hat die Sanierung des Gebäudes gekostet. Renoviert und ausgebaut wurden nicht nur der Keller, sondern auch das Dach der alten Schule. Das Dachgeschoß dient künftig als Lagerraum. Aber auch die Landfrauen finden dort ihr neues Domizil. An den Kosten hat sich das Land Hessen laut Bürgermeister Krätschmer mit 400 000 Mark im Rahmen der Stadterneuerung beteiligt. Ohne diese Landesmittel hätte Wächtersbach den Umbau nicht in Angriff nehmen können. Auf den Einbau einer Küche hat die Stadt bewußt verzichtet, um gastronomisch nicht in Konkurrenz zu anderen zu treten. are
HAMMERSBACH. Wer dieser Tage um sieben Uhr früh in Hirzbach aus dem Fenster schaute, konnte eine seltsame Gruppe Menschen über die Felder rund um den Weiler spazieren sehen, im Gänsemarsch, Zeitlupen-langsam und mit "fließenden" Handbewegungen durch die Luft fahrend.
15 Erwachsene hatten sich im Seminarhaus Kapellenhof für sechs Tage "eingenistet", um mit der fernöstlichen Technik "Tai Chi" an sich zu arbeiten.
Seit August 1991 ist auf dem Kapellenhof ein recht reger Seminarbetrieb angelaufen. Meditation, Therapie, Gestaltung sind Anliegen der Veranstaltung. Diesmal war die Reihe an dem Verein "Weißer Kranich, Freunde des Taiji und Wushu" aus Mainz. Von der Hausfrau bis zum Hochschullehrer waren Menschen aus unterschiedlichsten Lebensbereichen zusammen.
Bei den chinesischen Bewegungsübungen ließen sie sich von Cai Yi- Shuan, einem chinesisch-stämmigen Indonesier, anleiten, der unter dem westlichen Namen Andy Susanto-Ambach in Mainz lebt. Zunächst arbeitete er dort als freier Architekt, machte nach einiger Zeit aber seine Freizeitbeschäftigung zum Hauptberuf: Er vermittelt, was ihm seine Eltern schon als Achtjährigem beibrachten, das Tai Chi (auch "Taiji" geschrieben), ein Zweig der traditionellen chinesischen Kampfkunst Wushu. Die uralte Heilgymnastik soll Menschen dabei helfen, "ihre Mitte zu finden".
Sanfte Bewegungen - alles andere also, als die irreführende deutsche Bezeichnung "Schattenboxen" beinhaltet - führen zur Entspannung der gesamten Muskulatur und sollen auch innere Ruhe und Frische bewirken.
Wenn dabei unter Anleitung Susanto-Ambachs bestimmte Bewegungen geübt werden wie die "Pferdemähne, bei der der Hals eines imaginären Pferdes umfaßt wird, oder der "Weiße Kranich", der die Flügel ausbreitet, wird der Atem kontrolliert, bis er "frei fließen" kann.
Es werde, so Susanto-Ambach in einer Pressemitteilung des Seminarhauses Kapellenhof, nicht mit Muskelkraft, sondern mit der inneren, "Chi" genannten, Kraft gearbeitet. Ul
Mit über 4000 Ausstellern aus rund 150 Ländern will die Internationale Tourismusbörse (ITB), die in diesem Jahr vom 6. bis 11. März in Berlin stattfindet, wieder ihren Ruf als wichtigster Reisermarkt verteidigen. In 26 Hallen mit rund 100 000 Quadratmetern präsentiert sich die ganze Welt als Reiseziel, manchmal mit so abgelegenen Gegenden wie die südostafrikanische Inselgruppe Mayotte, die in diesem Jahr zum ersten Mal beteiligt ist.
Obwohl die Gruppierung "Tourismus mit Einsicht" (TmE) in diesem Jahr nicht mehr dabei ist, hat sich die Messeleitung bemüht, die Tourismuskritiker auch weiterhin zu Wort kommen zu lassen. Im neuen "Wissenschaftszentrum für Information und Anwendung" will man Universitäten, Fachhochschulen und wissenschaftlichen Institutionen die Möglichkeit bieten, sich einer breiten touristischen Öffentlichkeit darzustellen. Bei über 50 Veranstaltungen sollen aktuelle Trends, Probleme und Themen diskutiert und untersucht werden.
Ein von etlichen Organisationen aufgegriffenes und mit Spannung erwartetes Thema: Fremdenverkehr und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland. So hat das Kirchenforum seine alljährliche Veranstaltung unter das Motto "Viel gereist und nichts gelernt? Fremdenangst und Auslandsreiseerfahrung der Deutschen" gestellt. us
MAINTAL. Der Versichertenälteste der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), Rolf Friske, bietet am heutigen Dienstag, 19. Januar, von 8.30 bis 12 Uhr in der städtischen Verwaltungsstelle des Stadtteils Dörnigheim in der Maintal- Halle (Berliner Straße) kostenlose Sprechstunden an.
Wie berichtet übernimmt Rolf Friske die bisher von dem BfA-Ältesten Friedrich Volz geleisteten Dienste in Dörnigheim.
Volz bleibt noch bis zum Juli für den Stadtteil Bischofsheim zuständig und scheidet dann aus Altersgründen aus dem Beratungsdienst ganz aus.
Friske berät nicht nur Rentenanwärter, sondern auch Personen, die an einer Überprüfung ihres Versicherungskontos interessiert sind. Das kostenlose Angebot gilt auch für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in bezug auf die Zusatzversorgungskasse.
Weitere Sprechstunden wird Friske in Dörnigheim am 2. Februar und am 2. März anbieten. pom
SPORTRUNDSCHAU 15
"Der Igel verkriecht sich langsam in seinem Laub. Die Schwalben fliegen in die warmen Länder." Orhan, 13 Jahre alt, blättert stolz in seinem Aufsatzheft. "Die Adjektive schmücken den Satz", verkündet er in der leicht altklug klingenden Art eines Kindes, das weit über seine Zeit reifen mußte. Verlegen zeigt er den Heftumschlag, auf den er als Fach statt der Bezeichnung "Deutsch" das Wort "Deutschland" eingetragen hat. Da sind wohl die Wünsche und Träume mit ihm durchgegangen. Hastig und verlegen blättert er weiter: "Jetzt fliegen ein paar Buchfinken an das Futterhaus." Stolz verweist der Vater darauf, wie gut doch sein Sohn sprechen könne. "Papagei", kommentiert die Mutter dies mit liebevollem Lächeln. "Ich will immer die schönsten Wörter ausdrücken", sagt Orhan über sich, grinst verschmitzt wie ein echter Lausbub, geht ungelenk auf seinem krummen Bein zum Schrank und holt den dicken Band Grimms Märchen, seine Lieblingslektüre.
"Schiefes Bein" oder auch schon mal "Zigan" haben die mazedonischen Kinder ihm in Skopje nachgerufen, ihn geschubst, bis er weinte. Heute sagt nur der Alexander aus seiner Neusser Grundschulklasse manchmal "Brathähnchen" zu ihm, wegen seiner großen dunklen Augen, der schwarzen Haare, der braunen Haut. Doch Orhan stört das nicht weiter. Hier hat er Freunde, "na klar, Silke, Dominique, Marc-Oliver, Julian, Warren, Christina und Jenny". Und mit den Kindern aus seinem Container-Dorf, mit Aita aus Sri Lanka, Ersin und Fatma aus Kurdistan, spielt er Tischtennis. So gut er dies kann, mit seiner halbseitigen Lähmung, dem verkrüppelten Bein. Tennisstar will Orhan werden, guckt sehnsüchtig vor sich hin und sagt erklärend: "Ich nehme mir immer das Schwerste vor."
"Orhan hat starke Nerven", läßt die Mutter übersetzen. Die braucht der Roma-Junge auch. Vier bis fünf epileptische Anfälle hatte Orhan damals, als sie alle noch bettelarm in Skopje hausten. "Die Anfälle machen den Kopf ganz dusselig", erklärt er und wiegt seinen Oberkörper wie in Trance hin und her. Er will an diese Zeit am liebsten nicht erinnert werden. "Das war häßlich", lautet sein einziger Kommentar, und an die Mutter gewandt sagt er: "Du müßtest eigentlich zehn Jahre jünger aussehen, aber du siehst zehn Jahre älter aus." Woraufhin Sanija Jasarovska traurig lächelnd nickt und in ihrer Sprache ausdrückt, wie sehr sie sich sorgt, um die Familie, um das, was werden wird, wenn das Ausländeramt die bis zum 4. Februar geltende Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert. Wenn sie zurück müßten, jetzt, mitten im Winter. Wenn Orhan keine Tabletten mehr hätte, die ihn vor den Anfällen schützen, Enver gleich ins Gefängnis käme, weil er seiner Einberufung zum Militär nicht gefolgt ist, der 17jährige Sohn Ahmed sofort zu den Soldaten müßte, sie zurückbliebe ohne eine Bleibe mit dem kranken Kind. "Mutter viel Sorge, viel weinen", sagt Ahmed traurig.
Im Herbst 1989 kam die Familie Jasarovski nach Deutschland. Aus ihrer Heimat Jugoslawien hatte man sie regelrecht rausgeekelt. Der Vater versuchte immer wieder, wenigstens als Kofferträger das Notwendigste zu verdienen, bekam hierfür aber als Roma nie eine Arbeitserlaubnis. Später in Deutschland wird in einer Ablehnung seines Asylantrags lapidar der Satz stehen: "Das Recht auf Arbeit wird (in Jugoslawien) allen Staatsbürgern - auch den Sinti und Roma - zuerkannt." Woher die Richter das eigentlich wüßten, wundert sich Enver. Eine Arbeitserlaubnis hätte er nur gegen die Zahlung von Bestechungsgeldern bekommen. Dazu war er zu arm.
Enver unterstreicht seine Schilderung dieser Zeit durch heftige Gesten, Tritte, verächtlich wirkende Handbewegungen. "Du Roma, egal, ob Kinder essen", hätten die Polizisten gesagt. Zuletzt mußte er monatelang ins Gefängnis. Die Familie hungerte in der Zeit, es gab weiße Bohnen, Kartoffeln, sonst nichts. Ahmed wurde in der Schule ständig drangsaliert. Lehrer schlugen ihn allein schon, wenn er sich das Radiergummi des Nachbarn auslieh. "Zigan", der Ruf klingt ihm noch in den Ohren. Orhans Kinderlähmung konnte nicht behandelt werden. Gegen die epileptischen Anfälle gab es keine Tabletten.
Endlich in Deutschland, mußten sie alle in einem Raum eines Neusser Containerdorfes unterkommen. Inzwischen kam eine zweite Kammer für die Kinder hinzu. Für sie ist es das Paradies, trotz der schlaflosen Nächte wegen des Lärms auf dem Flur, des Drecks in der Unterkunft, deren Gemeinschaftsräume Orhans Vater Enver gegen ein Entgelt von zwei Mark pro Stunde jeden Tag schrubbt. Aus Angst vor Infektionen, wo doch so viele Menschen auf kleinstem Raum zusammenhocken. Einen Monat war Orhan gleich zu Beginn ihres Aufenthaltes in Deutschland in einem Krankenhaus. Seitdem nimmt er regelmäßig Tabletten gegen die Anfälle, die körperlichen Schäden, die seine Kinderlähmung hinterlassen hat, werden behandelt. Schon lange ist er anfallfrei, ihm geht es gut, auch in der Schule. In Aufsatz hat er eine Zwei. Rechnen kann er sowieso. Zur Zeit ist er mit der Frage beschäftigt, ob er im Sommer auf die Realschule gehen soll. Oder ob er es mit seinem dreirädrigen Fahrrad bis hin zur Gesamtschule schaffen wird?
Ein Problem, daß ziemlich abrupt durch die Ausländerbehörde gelöst werden könnte. Wie es aussieht, besteht offenbar ein "erhebliches öffentliches Interesse" (so der Kreis Neuss per Ordnungsverfügung) daran, daß die Jasarovskis die Bundesrepublik schnellstmöglich verlassen. Alle Argumente dagegen, der Verweis zum Beispiel auf die Unterdrückung der Roma als ethnische Minderheit, der näher rückende Krieg, die dem Vater angedrohte Haftstrafe, die zu erwartenden gesundheitlichen und seelischen Schäden bei den Kindern - all dies führte lediglich dazu, daß Verwaltungsrichter wie Ausländerbehörden "keine dringenden humanitären Gründe" dafür sahen, der Familie eine Bleibemöglichkeit zu gewähren. Den Eltern schrieben sie ins Stammbuch, es sei nun mal ihre Pflicht und Schuldigkeit, "erzieherisch auf die Kinder einzuwirken und dafür Sorge zu tragen, daß die Kinder nicht vor erhebliche Re- Integrationsprobleme gestellt werden". Das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht wies eine Beschwerde der Jasarovski mit der die Verhältnisse in Skopje geradezu verhöhnend negierenden Bemerkung zurück: "Einer etwaigen psychischen Belastung des Sohnes Orhan mit Krankheitswert müßte durch geeignete Betreuungsmaßnahmen Rechnung getragen werden."
Seit Oktober liegt ihre Bitte um Bleiberecht dem Petitionsausschuß des Düsseldorfer Landtags vor. Es ist ihre letzte Chance. Unterschrieben wurde ihr Hilferuf inzwischen von mehr als hundert Menschen. So lange die Entscheidung offen ist, "ich viel nervös", zeigt Vater Enver auf seinen Magen. Mutter Sanija hält sich verzweifelt den Kopf. "Wenn zurück, für mich kein Problem, ich sterben", sagt Enver. "Aber meine Kinder." Kürzlich, läßt Enver Ahmed übersetzen, kam ein Roma aus Skopje und erzählte, es gäbe dort nicht einmal mehr Kopfschmerztabletten. Für Orhans Medizin, gäbe es sie überhaupt, hätten sie kein Geld.
Nein, schüttelt Ahmed mit Überzeugung den Kopf, "nein, ich bin nicht stolz, Zigeuner zu sein. Weil die Leute, die mögen uns nicht. Die hassen uns. Und wir haben kein Land. Aber was soll ich machen. Ich bin als Zigeuner geboren." Orhan dagegen träumt trotzig davon, wenn er groß ist, den anderen mal zu zeigen, was Zigeuner alles können. Eine wichtige Person will er werden. Jemand, den die Menschen akzeptieren. Traurig fügt er hinzu: "Wir sind Roma, geschätzt nur wie ein bißchen Staub."
FRANKFURTER STADTRUNDSCHAU 21
Gastfreundschaft mit viel Herz und Programm: Kronberger erlebten eine faustdicke Überraschung im italienischen Porto Recanati Nach zehnjähriger Verlobung ging alles blitzschnell Eigentlich hatten die verblüfften Besucher aus dem Taunus noch gar nicht mit der Verschwisterung gerechnet Von Heitken Schwarzenau PORTO RECANATI/KRONBERG. Die Kronberger Reisegruppe, an der Spitze die Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Hilke Amthor und Bürgermeister Wilhelm Kreß, ist verblüfft: Quer über die Hauptstraße ist ein Tansparent gespannt, "Willkommen" steht darauf und "Porto Recanati saluta gli amici di Kronberg", die Stadt begrüßt ihre Freunde aus Kronberg. Ein außergewöhnlicher Empfang für sechs Leute, die eigentlich nur an einer Parlamentssitzung teilnehmen wollen, bei der beschlossen wird, daß einer zehnjährigen Freundschaft von Bürgern beider Kommunen im Mai ein offizieller Partnerschaftsstempel aufgedrückt wird. Noch am gleichen Abend dämmert es den Kronbergern, daß ganz andere Ereignisse angesagt sind: Der Beschluß ist längst gefallen, am 15. Januar soll der Partnerschaftsvertrag in einem Festakt unterzeichnet werden. Mißverständnisse bei der Kommunikation, Sprachschwierigkeiten oder was auch immer verhindert hat, daß die richtige Vorankündigung rechtzeitig in den Taunus gelangte, die Kronberger üben sich in Improvisation. Eine Premiere, aber sie funktioniert: Verkehrsamtsleiter Horst Neugebauer ist froh, daß er reichlich offizielle Geschenke eingepackt hat (er hat seine Erfahrungen mit den Franzosen in Le Lavandou!), und Hilke Amthor und Wilhelm Kreß suchen eine Stunde Zeit, um Grußworte vorzubereiten. Die Italiener bieten den Kronbergern in zwei Tagen Gastfreundschaft mit so viel Herz und Programm, daß die Touristen aus dem Taunus sich schnell daheim fühlen. Und so überstehen sie die Wechselbäder zwischen den Extremen von feierlichem Festakt über opulente Menüs bis zum Discobesuch unbeschadet.
Der Festakt im renovierten Jugendstil- Rathaus ist nicht nur für die Kronberger bestimmt: Am 15. Januar 1893, vor genau 100 Jahren, hat der italienische König das Dekret unterschrieben, das Porto Recanati die Unabhängigkeit verschafft hat. Der Stichtag ist für die Bürger wichtig, und der Beginn einer neuen Partnerschaft fügt sich da gut ein. Denn "der 15. Januar ist nicht nur ein Gedenktag an 100 Jahre Selbständigkeit, sondern auch Gelegenheit zum Blick in die Zukunft". Zu der gehört für die Stadt, sagt der Bürgermeister, auf jeden Fall der Bau eines Hafens: "Doch die Bürokratie legt das Projekt zur Zeit auf eine Sandbank." Hilke Amthor und Wilhelm Kreß stellen in ihren Ansprachen die Bedeutung von Städtefreundschaften angesichts eines zusammenwachsenden Europas in den Vordergrund. Kreß erinnert daran, daß Kronberg und die Stadt am Meer schon seit zehn Jahren durch Freundschaften der Bürger "verlobt" seien, die offizielle Partnerschaft klopfe das jetzt fest. Er hofft, daß die Kontakte zwischen den Bürgern durch Vereinsbegegnungen noch enger werden. Die erste Gelegenheit dazu ist das Jubiläum, das in Porto Recanati am 1. Mai gefeiert wird und zu dem viele Kronberger erwartet werden.
Diese Gewißheit tröstet den italienischen "Freundeskreis Kronberg" auch darüber hinweg, daß vom Freundeskreis aus Kronberg keiner mit dabei war. "Wir sind froh und stolz über die Partnerschaft mit Kronberg", sagt Anna Sirocchi- Massi, Präsidentin des Freundeskreises in Porto Recanati, "weil sie durch uns entstanden ist. Daß jetzt keiner vom Freundeskreis hier ist, weil es wohl Mißverständnisse gab, trübt die Freude etwas. Aber wir freuen uns auf den Mai."
Die kleine Stadt am adriatischen Meer präsentiert sich im Winterkleid: Nebel macht Meer und Himmel trüb, die Luft ist kalt - doch die herzliche Wärme der Gastgeber macht das wett. Besuche in Potenza Picena mit seinem berühmten Theater; in Recanati, wo dem Tenor Benjamino Gigli ein Museum gewidmet ist, und die Bibliothek des Dichters Giacomo Leopardi besucht wird: Freundschaft verband sich mit kulturellen Erlebnissen.
PORTO RECANATI. Die Gemeinde Porto Recanati liegt an der Adria in der Nähe von Ancona in Mittelitalien und gehört zum Regierungsbezirk Macerata in der Provinz Marche). Zwischen Kronberg und der neuen Partnerstadt liegen 1150 Kilometer Autobahn, der Ort liegt direkt an der A 14 (Mailand-Bologna-Bari). Die Gemeinde am Meer hat ungefähr 9000 Einwohner, aber 56 000 Wohnungen: Die Einwohner leben vom Tourismus, im Sommer bewohnen bis zu 100 000 Touristen die Wohnungen und Hotels, es gibt große Ferienanlagen.
Das zweite Standbein der Bürger ist die Fischerei, sie fahren allerdings nur mit kleinen Booten zweimal in der Woche aufs Meer. Einen richtigen Fischereihafen gibt es (noch) nicht, die Boote werden wie in vergangenen Zeiten an den Strand gezogen. Die Pläne für einen Hafen sind bereits gezeichnet, und am Ortsrand ist schon ein großes modernes Gebäude hochgezogen, das Hotel, Ferienwohnungen und andere Einrichtungen umfaßt, für die eigentliche Hafenanlage fehlt im Augenblick jedoch noch das Geld, der Staat mußte die Zuschüsse vorerst stoppen. In der Gegend wird außerdem Obst, Gemüse und Wein angebaut, die Keramikproduktion (Majolika) hat ebenfalls einen hohen Stellenwert.
Die Fischer-Ansiedlung gibt es schon seit Jahrhunderten, bis 1983 gehörte das Dorf zur Stadt Recanati (heute 18 000 Einwohner), die elf Kilometer landeinwärts auf einem Hügel liegt. Staufenkaiser Friedrich II. (1194-1250), der in Iesi in der Nähe geboren wurde, hatte Recanati einen Hafen versprochen, so entstand wohl Porto Recanati. Im 19. Jahrhundert strebte der Hafen die Trennung von der "Mutterstadt" an, weil die Leute aus Porto Recanati sich unter anderem darüber ärgerten, daß Recanati wenig in den Hafen investierte. Das Faß zum Überlaufen brachte der Bau eines palastähnlichen Rathauses, mit dem in Recanati 1991 begonnen wurde. Die Trennung der beiden Orte wurde genau am 15. Januar 1893 vollzogen. An diesem Tag unterzeichnte der italienische König Umberto I. die Urkunde, in der die Selbständigkeit von Porto Recanati festgeschrieben wurde, die am 1. Mai 1893 begann. Die 100jährige Unabhängigkeit ist für die Bürger von Porto Recanati ein Ereignis, das 1993 kräftig gefeiert wird. Auftakt war die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde mit Kronberg, am 1. Mai wird auch die offizielle Begründung der Partnerschaft mit im Mittelpunkt eines großen Volksfestes stehen. nau
FRANKFURTER STADTRUNDSCHAU 20
KRONBERG. Wer wen zu welchem Zeitpunkt eingeladen oder nicht eingeladen hat, läßt sich im nachhinein nicht mehr ermitteln: Die Fahrt der städtischen Delegation, begleitet von Journalistinnen, hat den Freundeskreis Porto Recanati in Kronberg verärgert. Im Rathaus, sagt Gisela Aha, ist aus der italienischen Stadt ein Fax angekommen, mit der Bitte, auch den Freundeskreis zur Reise einzuladen: "Das ist nicht weitergegeben worden." Bürgermeister Wilhelm Kreß sagt, die Einladung aus Porto Recanati habe nur den städtischen Gremien gegolten, in ihr sei nicht die Rede von einer Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages gewesen: "Das sollte nach unseren Informationen auch erst im Mai stattfinden." Fest steht, daß der Freundeskreis von den italienischen Partnern im Oktober, als eine offizielle Delegation aus Italien in Kronberg war, auf den Termin im Januar aufmerksam gemacht und im Dezember beim Weihnachtsmarkt auch eingeladen wurde. Das bestätigen nicht nur die Italiener, sondern auch Gisela Aha: "Wir hatten die Koffer schon gepackt und wollten mit eigenen Autos fahren."
Der Freundeskreis wäre auch gefahren, hätte es nicht die (angebliche?) Einladung per Fax aus Porto Recanati gegeben, die aus dem Rathaus nicht weitergeleitet worden sei. Aus Verärgerung hat der Freundeskreis-Vorstand beschlossen, nicht mitzufahren, auch nachdem Kreß einen Platz im städtischen Bus "freigemacht" hatte. Der italienische Freundeskreis, war in Porto Recanati zu vernehmen, hat noch mehrfach telefonische Einladungen ausgesprochen, ohne Erfolg. Die "Mißverständnisse" werden ausgeräumt: Gisela Aha trifft sich mit dem Bürgermeister zu einem Gespräch. nau
Ein Ort, "wo man nicht zu Hause und doch nicht an der frischen Luft ist" - so bezeichnet der Wiener Volksmund sie. Die berühmten Cafés und Kaffeehäuser von Paris und Rom, Wien und Madrid bieten seit jeher reichlich Stoff für Geschichtsbücher und Anekdotensammlungen. Bekannte Künstler, Diplomaten und Politiker nahmen dort in gediegenem Ambiente Platz; und bis heute haben diese Treffpunkte wenig von ihrem Glanz verloren. Gemessen daran nehmen sich die Cafés vor unserer Haustür bescheiden aus. Dennoch sind gerade sie es, die zur Belebung der Innenstädte beitragen und nicht selten auch ihr Flair ausmachen. Wir stellen ein paar von ihnen vor.
MAINTAL. Vertreterinnen der Maintaler Frauengruppen und Fraueninitiativen treffen sich nach längerer Pause wieder am heutigen Dienstag, 19. Januar, um 19.30 Uhr im Bürgerhaus des Stadtteils Wachenbuchen. Auch nicht organisierte Frauen sind zu dem Treffen eingeladen, wie die Frauenbeauftragte der Stadt Maintal, Anne Denecke, mitteilt. Vorgeschlagene Themen des Abends beträfen wesentlich die Gestaltung des Internationalen Frauentages (8. März) unter dem Motto "Lila Montag" und die Rolle der Frauen bei der Stadtplanung. pom
Waltraud Herrhausen spricht GLASHÜTTEN. Über die Sozialpolitik der CDU will die Landtagsabgeordnete Waltraud Herrhausen am heutigen Dienstag im Bürgerhaus Glashütten berichten. Beginn: 19.30 Uhr.
HANAU. Das neue Programmheft der Hanauer Volkshochschule liegt derzeit bei Firmen, Banken, Behörden sowie der Rathaus-Infothek und den Verwaltungsstellen aus. Für die meisten Kurse des breitgefächerten Angebots in den Fachbereichen Geschichte/Zeitgeschichte, Psychologie, Kunst, EDV/Naturwissenschaften, kreative Tätigkeiten, Gesundheitserziehung, Haushalt und Fremdsprachen kann man sich inzwischen schriftlich anmelden. Interessenten, die bei der VHS erstmals eine der zwölf unterschiedlichen Sprachen lernen wollen, sollten sich jedoch persönlich anmelden. Wer den ersten Termin verpaßt hat, kann dies noch am heutigen Dienstag, 19. Januar, sowie am Mittwoch, 20. Januar von 9 bis 12 Uhr sowie von 15 bis 19 Uhr im Volkshochschulgebäude in der Philippsruher Allee 22 nachholen. res
sch FRANKFURT A. M. Die westlichen Geldhäuser haben in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres weiter "eine restriktive Haltung bei der Kreditvergabe" an den "Rest der Welt" an den Tag gelegt. Dabei wurden vielfach langfristige Darlehen nicht erneuert. Im Gegensatz zum saisonüblichen Muster stiegen die Ausleihungen der Institute aus den USA, Kanada, Japan und 14 Ländern Europas an Kunden außerhalb dieses Gebietes immerhin, wenn auch nur um wechselkursbereinigt 1,8 Prozent oder 12,2 Milliarden Dollar. Wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) weiter berichtet, verzeichneten die Institute zugleich "beträchtliche" Einlagenabzüge. Besonders stark plünderten Taiwan (7,5 Milliarden Dollar), Saudi-Arabien (5,8 Milliarden) und Mexiko (2,3 Milliarden) ihre Konten.
Die Neukredite konzentrierten sich auf relativ wenige Ländern. Zu ihnen zählte Kuwait. An das Scheichtum flossen neue Mittel in Höhe von 3,3 Milliarden Dollar. Als wichtige Empfänger unter den Opec- Staaten nennen die Basler auch Iran, Saudi-Arabien und Venezuela. Der Zuwachs der Forderungen der Banken gegenüber Lateinamerika (ohne Venezuela) war mit 4,1 Milliarden Dollar der größte in einem Halbjahr seit acht Jahren, wie die "Bank der Notenbanken" anmerkt. Am meisten neue Mittel erhielten hier Brasilien (2,2 Milliarden), Argentinien und Chile. Den Einlagenabbau der Region um 5,8 Milliarden führen die Basler vor allem auf heimkehrendes Fluchtkapital zurück. In Asien sicherten sich Südkorea (2,6 Milliarden), sowie Thailand und Taiwan neues Geld, während die Bankenforderungen etwa an China abnahmen. Für Afrika registriert die BIZ nur Transaktionen unter 200 Millionen. In Osteuropa verzeichnete einzig die ehemalige Sowjetunion einen Anstieg ihrer Bankverschuldung um 2,4 Milliarden.
Insgesamt sorgten die Vorliebe der Geldhäuser für kurzfristige Handelskredite sowie zusätzliche Zinsrückstände der Schuldner dafür, daß sich das "Fälligkeitsprofil" der ausstehenden Bankkredite erneut verkürzte. Der Anteil der Kategorie "bis ein Jahr einschließlich" habe den Rekordstand von fast 48 Prozent erreicht. Zudem ging der Anteil der öffentlichen Hand in der Gesamtverschuldung bei den Banken auf 28 Prozent zurück, den bisher tiefsten Stand überhaupt.
MARBURG, 18. Januar (lhe). Der Kanuunfall vom Sonntag auf dem Flüßchen Ohm bei Marburg hat in der Nacht zum Montag ein zweites Menschenleben gefordert. Ein 27jähriger Mann starb nach Mitteilung der Polizei in einem Marburger Krankenhaus an den Folgen von Unterkühlung und Wasser in der Lunge. Sein Zwillingsbruder war bereits am Sonntag beim Transport ins Krankenhaus gestorben. Die beiden waren am Sonntag zwischen Marburg und Kirchhain mit ihrem Boot gekentert, von der Hochwasser-Strömung mitgerissen und zwei Kilometer flußabwärts bewußtlos im eiskalten Wasser gefunden worden.
HANAU. "Im Januar nächsten Jahres machen wir das wieder." Joachim Ehlert, Geschäftsführer des Kreisverbands Hanau des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), war am Sonntag sichtlich zufrieden mit der "Umwidmung" der großen Fahrzeughalle des DRK-Zentrums in der Feuerbachstraße. Wo ansonsten Rettungswagen auf den Alarm warten, begeisterten sich 300 bis 400 Besucher für Jazz vom Feinsten.
Weil die Hanauer Jazz-Szene die "Saison" üblicherweise erst mit dem Beginn wärmeren Wetters einläutet, hatte der DRK-Vorstand die Idee, ein bißchen früher im Jahr anzufangen. Engagiert wurde zunächst die allseits bekannte Hanauer Band "Sugar Foot Stompers", ihr folgte das "Jazzband Ball Orchestra" aus Krakau, das derzeit durch Deutschland reist.
Die Resonanz, so Ehlert, hätte zwar ein bißchen besser sein können, aber das vorfrühlingshafte Wetter am Sonntag hielt möglicherweise viele vom Besuch des Jazzfrühschoppens ab - ihr Fehler. Die Bands erfüllten alle Wünsche des zumeist "mittelalterlichen" Publikums. Beide sind seit Jahrzehnten "im Geschäft", haben ihren eigenen Stil entwickelt und pflegen Traditionen dieser Musik. Für Experimente ist da wenig Platz, und die wollen die Fans auch nicht.
Die Besucher beim DRK harrten auf jeden Fall lange aus und sparten nicht am mitunter jubelnden Beifall, und das Rote Kreuz hatte auch etwas davon: ein bißchen Werbung und einige Scheine in der Kasse. Die 30 bis 40 Helfer nicht nur am Bier- und Bratwurststand arbeiteten ehrenamtlich. Und noch ein Argument spricht für eine Wiederholung: Die schlichte Fahrzeughalle, ein reiner Zweckbau, hat eine verblüffend gute Akkustik. az
Ab heute gibt es Karten MAINTAL. Karten für die erste Senioren-Sitzung der Stadt Maintal sind ab heute bis Freitag, 22. Januar, täglich bis 12 Uhr im Rathaus Hochstadt erhältlich. Die Sitzung findet dann, wie bereits gemeldet, am Sonntag, 24. Januar, 14.11 Uhr, im Hochstädter Bürgerhaus statt. pom
WEILROD. Bereits seit mehreren Jahrtausenden hält sich im Orient ein ganz besonderer Bewegungsablauf in der Kultur-Hitliste: Bauchtanz. Die Volkshochschule (VHS) will jetzt auch den Frauen in Weilrod den richtigen Dreh beibringen. "Orientalischer Bauchtanz" steht im Programm der VHS-Außenstelle Weilrod für das kommende Semester - gemeinsam mit drei weiteren Angeboten.
Die "typischste aller weiblichen Tanztechniken", so heißt es im Kursverzeichnis, wirkt beruhigend und ausgleichend auf den Organismus und vermittelt neues Selbstbewußtsein für Körper und Psyche. Kursteilnehmerinnen lernen auch sogenannte Isolationsübungen, den berühmten Schleiertanz und bekommen eine Anleitung, ihr Kostüm selbst zu nähen.
Mitmachen können insgesamt zwölf Frauen, Alter und Figur sind unwichtig. Kursleiterin Tanja Mielke lädt für den 27. Januar, 20 bis 21.30 Uhr, zur ersten Unterrichtsstunde in die Weilroder Grundschule ein. Geplant sind 15 Mittwochabende, die Teilnahme kostet 102 Mark.
"A new start" nennt sich ein Kurs für Leute, die bereits vor längerer Zeit Englisch gelernt haben und ihre Kenntnisse jetzt auffrischen wollen. Wer etwa fünf bis sechs Jahre Schulenglisch oder vergleichbare Erfahrung mit der Sprache hinter sich hat, kann unter Anleitung von Christel Bömmer an 17 Abenden dazulernen: jeweils dienstags von 19.15 Uhr bis 21.30 Uhr, erstmals am 26. Januar. Treffpunkt ist die Grundschule Weilrod, das Ganze kostet 145 Mark.
Kinder im Alter ab sechs Jahren haben in den nächsten Wochen die Möglichkeit, mit Lydia Kiewel-Kaspers zu töpfern: mittwochs von 17 bis 18.30 Uhr, ebenfalls in der Grundschule. Am 27. Januar ist ein Infoabend, es folgen weitere sieben Treffen für insgesamt 74 Mark inklusive zehn Mark Materialkosten. Die Teilnehmerzahl ist auf zehn Kinder begrenzt.
Auch für den Frühling plant die Weilroder VHS schon vor. Am 16. Mai geht es bei einem thematischen Spaziergang "Rund um den Eichelbacher Hof" um Geschichte, Natur und alte Grenzen. Leiter des Ausflugs wird dann Joachim Bierwirth sein.
Anmeldung für alle Kurse bei der Leiterin der VHS-Außenstelle, Inge Thiem, Kegelbahnstraße 2 in 6251 Selters, Telefon 0 64 75 / 81 01. Dort sind ab sofort auch die Arbeitspläne für die einzelnen Kurse erhältlich. ill
BAD VILBEL. Bewegung und Entspannung speziell für Frauen bietet Barbara Dittmann, Therapeutin für Konzentrative Bewegungstherapie, in ihrer Praxis in der Friedberger Straße 23. Die erste Stunde findet am Montag, 25. Januar, von 9 bis 10.30 Uhr statt.
Konzentriert auf den eigenen Körper werden die Teilnehmerinnen versuchen, die eigenen Impulse wahrzunehmen: "In der Atmung, Bewegung und Ruhe können wir uns wieder ganz fühlen. Das ganzheitliche Erleben der Wechselwirkung zwischen Körperlichkeit und seelischem Erleben hilft uns, ein verbessertes Selbst-Bewußt-Sein zu entwickelt", heißt es in der Ankündigung, "wenn wir uns gestreßt, anfällig für Krankheiten oder außer uns fühlen, bedeutet das oft, daß wir unserem (Körper)Selbst zu wenig Aufmerksamkeit schenken."
Die Anmeldung zu der ersten "Schnupperstunde" kann telefonisch erfolgen - Tel. 8 36 69 - oder bei der ersten Zusammenkunft. Die Teilnahme an acht Gruppentreffen kostet 120 Mark. kg
EPPSTEIN. Am Montag, Dienstag und Mittwoch, dem 25., 26. und 27. Januar, tagen die Ortsbeiräte der Stadt Eppstein. Wichtiger Tagesordnungspunkt in allen Vertretungen: die Stellungnahme zur Haushaltssatzung und zum Haushaltsplan 1993, zum Investitions- und Finanzplan 1992 bis 1996 sowie der Wirtschaftsplan für die Stadtwerke Eppstein für das Jahr 1993.
Den Anfang machen am Montag die Beiräte von Vockenhausen und Eppstein. In Vockenhausen beginnt die Sitzung um 20 Uhr im Rathaus I, die Eppsteiner Vertretung tagt bereits um 18.30 Uhr im Gemeinschaftsraum des Theodor-Fliedner- Hauses (Untergasse 23).
Die Ortsbeiräte von Bremthal und Niederjosbach tagen am Dienstag, 26. Januar, jeweils von 19.30 Uhr an in der Verwaltungsstelle Bremthal beziehungsweise in der Kita Niederjosbach (Schulstraße). In Bremthal hat die SPD zusätzlich zu den Haushalts-Beratungen den Antrag gestellt, die Wiesbadener Straße bis zum neuen Einkaufsmarkt hin ausbauen zu lassen.
Am Mittwoch, 27. Januar, trifft sich schließlich der Ortsbeirat von Ehlhalten um 19.30 Uhr im Ratskeller der Dattenbachhalle. Dabei geht es auch um den Ausbau der Langstraße und einen Antrag der CDU, den Bahnübergang Eppstein von Eis und Schnee freizuhalten. md
Europas größte Windfarm entstand in Spanien
NIEDERDORFELDEN. Die 29. öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung von Niederdorfelden findet am Donnerstag, 21. Januar, um 20 Uhr im Saal des Bürgerhauses statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung haben die Einwohnerinnen und Einwohner des Dorfes maximal eine halbe Stunde lang Gelegenheit, sich mit Fragen und Anregungen an die Gemeindevertretung oder den Gemeindevorstand zu wenden.
Zentraler Punkt der Tagesordnung ist die Beratung und Beschlußfassung der Haushaltssatzung mit Haushaltsplan und Stellenplan 1993 und des Investitionsprogramms für die Jahre bis 1996. Danach stehen drei Anträge der Grünen zur Debatte. So soll die im September vom Bau- und Planungsausschuß beschlossene Prioritätenliste der Standorte für die Errichtung von Einfachst-Häusern zur Unterbringung von Asylbewerbern verändert werden. Zweitens soll es auf Wunsch der Grünen künftig in Bürgerversammlungen nicht mehr nur dem Bürgermeister zustehen, auf Fragen aus der Bürgerschaft zu antworten, sondern auch den Fraktionsvorsitzenden. Und schließlich soll auf dem bewaldeten Höhenzug "Kleine Lohe" der Parkplatz - ein von den Grünen "Restkurve" genanntes altes Teilstück der Kreisstraße 874 - aufgeforstet werden. pom
Die TSG Groß-Bieberau ließ dem TV Groß-Umstadt (18:13) im Schlager der Männer-Handball-Regionalliga Südwest keine Chance und führt jetzt die Tabelle mit zwei Punkten gegenüber dem TV Lützellinden (26:18 gegen Kassel) sowie der TSG Münster (strahlender 20:19-Sieger in Griesheim) an. Geht dem Absteiger aus der Zweiten Handball-Bundesliga, TuS Griesheim, die Luft aus? Nach der Heimniederlage im Verfolgertreffen gegen die TSG Münster rutschte er auf Platz vier zurück, bleibt jedoch bei drei Zählern Rückstand weiter im Geschäft. Zumal am Samstag der nächste Topschlager steigen soll: Die TSG Münster erwartet den Spitzenreiter TSG Groß-Bieberau (Samstag, 19 Uhr, Großsporthalle der Eichendorff-Schule, Am Waldeck). Davon will Griesheim (in Asbach-Modau) sowie vor allem Lützellinden (in Kirchzell) profitieren. Der TV Groß-Umstadt ist mit 17:13 Punkten definitiv aus dem Rennen. Gegen den Rangzwölften HSV Apolda (Sonntag, 18 Uhr, Großsporthalle Ernst-Reuter-Schule) ist jedoch die Fortsetzung der tollen Heimserie angesagt.
TSG Groß-Bieberau - TV Groß-Umstadt 18:13 (10:9). Bundesliga-Kulisse (1100 Zuschauer in der vollbesetzten Halle), die Vormachtstellung im nördlichen Odenwald ausgebaut: bei der TSG Groß- Bieberau stimmte nach einigen Unstimmigkeiten vor der Pause am Ende alles. Proppenvolle Kassen, wertvolle Punkte und noch ein kleiner Tore-Bonus ließen Handball-Chef Uwe Schulz sowie Spielertrainer Milan Brestovansky frohlocken. "Wir trinken jetzt mit dem TVG ein Bier zusammen, denn dieser kann uns noch wertvolle Hilfestellung leisten", konstatierte Schulz nach dem Abpfiff. Die freundschaftliche Stimmung resultierte nicht nur aus egoistischer Denkweise: Das nachbarschaftliche Verhältnis stimmt einfach.
Der Gastgeber bekam auch nichts geschenkt. Nach 25 Minuten (6:9) zeichnete sich eine faustdicke Überraschung ab. Der glücklos agierende Wolfram Volk mußte dann seinen Platz an Frank Schumann abgeben, und dieser avancierte zum Matchwinner. Bereits zur Pause hatte die TSG den Spieß umgedreht, hatte über den Kampf respektive die mannschaftliche Geschlossenheit zum Spiel gefunden. Der TVG gab nicht klein bei. Beim 13:11 (40.) und 15:12 (50.) loderte noch eine kleine Hoffnungsflamme. Sie wurde erst in der heißen Schlußphase ausgetreten. Tobias Maurer hatte gegen Fred Müller eine Top-Leistung gezeigt. Auch Jens Rousselot war in der Abwehr - neben Keeper Schumann - für die geringe Gegentrefferquote verantwortlich. Im Angriff erwies sich Christopher Malik als fulminanter Vollstrecker, kam am Schluß bei Groß-Bieberau auf eine Quote von genau 50 Prozent. Schumann zeigte, was ein sehr guter (und zufriedener) Torwart ausmacht. Martin Rauch bot beim Gast eine durchschnittlich gute Leistung. Sein neuer Ersatzmann (Alexander Weber) kam im Derby noch nicht zum Einsatz. Der (mit sich?) unzufriedene Michael Hahn hat beim TVG das Handtuch geworfen.
TSG GROSS-BIEBERAU: Wolfram Volk (bis 25.), Frank Schumann (Tor); Stefan Beißer (1), Jens Wackerfuß (1), Tobias Maurer (2), Milan Brestovansky (2), Jens Rousselot, Oliver Setterl (1). Bernd Ziegler (1), Kai Schenkel (1), Christopher Malik (9/5).
TV GROSS-UMSTADT: Martin Rauch (Tor); Jörg Riecke (3), Dietmar Tippe (1), Fred Müller (3/1), Per Brauneck, Klaus Keller, Thomas Müller, Oliver Kreß (1), Steffen Frankenberg, Joachim Czwikla (5/4).
SCHIEDSRICHTER: Ludwig (Eschborn) und Pitterling (Großkrotzenburg). - SIEBENMETER: 5/5:5/5. - ZUSCHAUER: 1100. hdp
Karneval in Münster: Nach dem 20:19-Sieg beim Zweit-Bundesliga-Absteiger TuS Griesheim haben sich die Aufstiegs-Perspektiven rund um den Kelkheimer Stadtteilverein weiter verbessert. Und gegen den Spitzenreiter TSG Groß-Bieberau soll der Zwei- Punkte-Rückstand endgültig kompensiert werden. Bei einer Tordifferenz von minus 13 gegenüber dem Team aus dem Sportkreis Dieburg-Darmstadt ist sogar ein Führungswechsel möglich. Die einfache Rechnung: Mit einer "goldenen Sieben" (sieben Treffer Vorsprung) würde Münster die Bieberauer überflügeln. Ob es freilich damit Rang eins würde, hängt ferner vom Resultat des TV Lützellinden in Kirchzell ab. Der Verein aus der Frauen-Handball-Hochburg Gießen hat bereits jetzt die beste Tordifferenz. Spannung ist also vor dem 16. Spieltag angesagt.
Fast 150 Fans unterstützten Münster in Griesheim, Groß-Bieberau vermeldete im Derby gegen Groß-Umstadt (18:13) stolze 1100 Zuschauer. Davon kann Münster nur träumen. Dort sind 300 im Alltag bereits stattlich. Jetzt darf jedoch mit einer doppelt so hohen Quote gerechnet werden.
TuS Griesheim - TSG Münster 19:20 (8:11). Altmeister Wolfgang Laubenheimer - bester Torschütze dieser Klasse - mußte sich mit vier Treffern begnügen. Noch in letzter Sekunde hatte er mit einem Freiwurf die Ausgleichschance, aber Torwart Uwe Simon wehrte den Wurf ab. Laubenheimer wurde wechselweise von Thomas Egenolf und Joachim Schreiber gedeckt. Das Konzept von Trainer Jochen Reindl ging auf. Zwar warf Ralf Domes sechs Treffer, den Takt gab jedoch stets der Gast an. Insbesondere vor dem Wechsel führte Münster in aller Regel mit drei Toren. Besonders Stefan Kirch und Oliver Klump (je 5) imponierten im Abschluß. Die kampfstarken Gastgeber ließen sich auch vom 16:18 (51. Minute) nicht beeindrucken, kamen binnen 180 Sekunden sogar zum 19:18 (einzige Führung) und schienen fast am Ziel ihrer Wünsche. Stefan Kirch (55.) glich mit einem Siebenmeter- Heber aus, Mark Nitschky (58.) machte mit sienem einzigen Treffer die erste Griesheimer Heimniederlage perfekt. Torwart Simon, die kompakte Abwehr sowie ein variantenreich spielender Angriff versetzten dem Favoriten den Knockout, der in der Meisterschaft richtungsweisend sein dürfte.
TSG MÜNSTER: Uwe Simon (Tor); Andreas Schreiber (3), Peter Heimburger (1), Artur Kollek (2), Rene Scheu, Mark Nitschky (1) Stefan Kirch (5/1), Thomas Egenolf (1), Joachim Schreiber (1), Rüdiger Finckh (1), Oliver Klump (5). - SCHIEDSRICHTER: Grossmann und Strasheim (Butzbach- Griedel). - SIEBENMETER: 3/2:2/1. - STRAFMINUTEN: 10:10. - ZUSCHAUER: 450. hdp
Die geplante Fehlbelegungsabgabe für gut verdienende Sozialmieter in Frankfurt stößt auf immer neue Hindernisse. Im November 1992 hatte die Kommune Fragebögen an 70 000 betroffene Haushalte verschickt - in einer ersten Bilanz mußte das städtische Wohnungsamt jetzt feststellen, daß 15 000 Mieter auf die Post aus dem Römer überhaupt nicht reagierten. Die Bürger sollten der Stadt unter anderem ihr Einkommen offenlegen, damit ein möglicher Aufschlag auf die jetzige Miete berechnet werden kann. Nach dem Gesetz über die Fehlbelegungsabgabe droht den 15 000 "Verweigerern" eigentlich der höchstmögliche Miet- Zuschlag von neun Mark pro Quadratmeter im Monat. Tatsächlich aber startet die Stadt in der kommenden Woche eine große "Mahn-Aktion" - die 15 000 Haushalte werden vom Wohnungsamt erneut angeschrieben und auf die Konsequenzen einer Weigerung hingewiesen.
Klaus Miehrig, Leiter des Amtes für Wohnungswesen, möchte den säumigen Bürgern weitere drei Wochen Zeit für eine Antwort einräumen: "Wir müssen zur Kenntnis nehmen, daß nicht jeder Mensch in dieser Stadt prompt reagiert - erst recht nicht, wenn es etwas Unangenehmes sein könnte." Miehrig schätzt, daß die "Verweigerer" aber nicht allein auf die Untätigkeit der Stadt setzen. Er glaubt auch, der zweiseitige Fragebogen der Kommune überfordere vielleicht gerade ausländische Mitbürger.
Neben dem Einkommen will die Stadt zum Beispiel die Größe der Wohnung, das Alter des Wohnhauses, die Ausstattungs- Merkmale der Wohnung wissen; gefragt wird auch nach Renovierungen auf Kosten der Mieter oder nach etwaigen Mitbewohnern. Die Fachleute des Wohnungsamtes müssen sich nicht nur mit den "Verweigerern" herumschlagen. Weitere 11 000 Briefe kamen als sogenannte "Irrläufer" wieder an die Behörde zurück - die angeschriebenen Empfänger waren entweder unbekannt, verstorben oder umgezogen. "Riesenfehler" (Miehrig) stecken offenbar in den Karteien der Wohnungsgesellschaften, deren Unterlagen über Jahrzehnte nicht auf den neuesten Stand gebracht wurden. Nun versuchen die Fachleute des Wohnungsamtes, zu ermitteln, wer tatsächlich in den preiswerten Sozialwohnungen lebt. Um all die Probleme bewältigen zu können, hat das Wohnungsamt mittlerweile fünf zusätzliche Mitarbeiter bekommen. Vorausgegangen waren zähe Auseinandersetzungen mit Personaldezernent Achim Vandreike (SPD) - der Stadtrat hatte zunächst auf die laufende städtische Sparaktion verwiesen. Um das Maß voll zu machen, sahen sich die Beschäftigten des Wohnungsamtes schließlich mit Fehlern in dem Computer-Programm konfrontiert, mit dessen Hilfe die Fragebögen ausgewertet werden sollen. Als Folge vermochten die Experten bisher noch keinen einzigen Bescheid über eine mögliche Fehlbelegungsabgabe an betroffene Mieter zurückzuschicken. jg
HANAU. Die Hanauer Jugendkunstschule bietet im neuen Semester über 50 Kurse für Kinder zwischen 7 und 14 Jahren an. Das Angebot, über das das neue Programmheft informiert, umfaßt inzwischen neben Malen, Zeichnen und Gestalten auch eine Druckerwerkstatt, Graffiti- Kurse, Maskenbau, Origami, Theaterspielen, Comics, Trickfilme, Videokurse und sogar einen Kinderzirkus. Es liegt in den Sekretariaten der Hanauer Schulen, den Verwaltungsstellen der Stadt, in der Infothek im Rathaus, im Verkehrsbüro und auch in der Hanauer Volkshochschule, Philippsruher Allee 22 aus. Interessenten können sich montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr sowie mittwochs von 15 bis 18 Uhr unter der Telefonnummer 29 59 02 informieren. res
Die SG Bruchköbel ist nach der Verpflichtung von Ex-Nationalspielerin Hanne Koch Hecht im Karpfenteich der Frauen-Handball-Regionalliga Südwest. Die Grünweiß Frankfurt-Filiale (hoffentlich mit mehr Geld im Rücken als die ehemalige Zentrale) dürfte mit Koch alle Spiele gewinnen, allerdings selbst damit zehn Punkte Rückstand auf das Führungsquartett nicht mehr aufholen. Andererseits zeigte das 16:12 gegen Ober-Eschbach, daß die Mannschaft wesentlich höher einzustufen ist.
Die TSG 1893 Leihgestern visiert im Jahr ihres 100. Vereinsgeburtstages erneut die Zweite Frauen-Handball-Bundesliga an. Mit dem 10:8 im Spitzenspiel gegen Tabellenführer TuS Eintracht Wiesbaden schlossen die Spielerinnen aus dem Lindener Stadtteil zum Team aus der Landeshauptstadt auf. Die Revanche für die 13:17-Vorrundenniederlage ist allerdings nicht ganz gelungen, wodurch Wiesbaden (plus 33 Tore) nicht nur im direkten Vergleich, sondern auch insgesamt um zwei Treffer vor der TSG (+31) rangiert. Ebenfalls 20:6 Punkte weisen Hessen Hersfeld (15:14 in Flörsheim) und die SG Kirchhof (19:18 Arbeitssieg in Hofheim) auf.
TSG Leihgestern - Eintracht Wiesbaden 10:8 (3:6). Vor dem Anwurf herrschte Karnevalstimmung in der Lindener Stadthalle, wo es mit 350 Zuschauern einen Saisonrekord gab. In der Halbzeit gab es beim mäßigen 3:6 eher betretene Mienen, aber nach dem Abpfiff durfte wieder ausgelassen gefeiert werden. Daran änderte auch der verworfene Siebenmeter von Andrea Utschig wenige Sekunden vor Spielende nichts mehr. Gerade die Rückraumspielerin, die gut drei Stunden später ihren 25. Geburtstag feiern konnte, erwies sich als Wurfkanone. Sieben Treffer, davon allerdings vier Siebenmeter, gingen auf das Konto der Bankkauffrau, die seit der C-Jugend dem Jubilar die Treue hält. Vergessen war das kleine Debakel vor der Pause, als dem Seriensieger (jetzt 18:0 Punkte hintereinander) nur ein Feldtor durch Regina Mühlich (25.) gelang, Wiesbaden bereits 5:1 (22.) führte und wie der sichere Sieger aussah. Nach einer gehörigen Standpauke wachte Leihgestern noch zeitig genug auf, während der Spitzenreiter mangels Trainingsmöglichkeiten konditionell einbrach. Andrea Utschig erzielte erst in der 50. Minute den Ausgleich (8:8), verwandelte einen weiteren Strafwurf (55.) und setzte mit einem im Nachwurf verwandelten Siebenmeter (58.) auch den Schlußpunkt. Claudia König (2) hatte Wiesbadens letzten Treffer in der 48. Minute geworfen und war nach der Pause als auffälligste Eintracht-Spielerin einzige Schützin bei dem im Angriff enttäuschenden Tabellenführer. Erste Weichenstellung bei der TSG: Trainer Dirk Langsdorf hört nach der Runde wegen eines längeren USA-Aufenthaltes auf, Andrea Wiegand (Grünweiß Frankfurt) soll das Team ab sofort verstärken. TSG LEIHGESTERN: Maren van Kessel, Ulrike Zeiss (22. bis 30. im Tor); Carmen Velten, Anke Wacker (1), Heike Münch, Katja Dölz, Andrea Utschig (7/4), Sandra Bleuel (1), Pia Schmidt, Sabine Weidmann, Regina Mühlich. SCHIEDSRICHTER: Pioro (Felsberg) und Strick (Hofgeismar). - SIEBENMETER: 6/4: 3/2. - STRAFMINUTEN: 8:4. - ZUSCHAUER: 350. SG Bruchköbel - TSG Ober-Eschbach 16:12 (6:5). Auch in Bruchköbel lockt das Bundesliga-Flair: Beim Debüt von Hanne Koch (B) sowie Ursula Unvericht (O) gab es mit etwa 250 Zuschauern die höchste Punktspielkulisse für die SGB seit vielen Jahren. Üblicherweise sind es 50 bis 100 Handballanhänger(innen). Angela Jordan wurde als Sonderbewacherin von Hanne Koch, die sich auf Rechtsaußen aufhielt, beordert, ließ die 97fache Nationalspielerin (3/2) selten zu ihren knallharten Würfen kommen. Dafür agierte die burschikose Spielerin mannschaftsdienlich. Nach 14 Minuten war der enttäuschende Titelanwärter mit dem 4:0 eigentlich schon besiegt. Die anschließende Aufholjagd, initiiert von Ursula Unvericht (4), bescherte zwar nach der Pause ein 7:6 für den Gast, aber die SGB erzielte in neun Minuten eine weitere Vierer-Serie (10:7), baute den Vorsprung sogar auf 14:9 (57.) aus und hatte damit das Spiel im Sack. Gute Torfrauen- und Abwehrleistungen, aber auch fehlende Konzentration beim Penalty - Petra Sattler, Sabine Zernikow und Kathrin Nüchter-Schmidt vergaben jeweils einen Strafwurf - führten zum letztlich klaren Ergebnis. Steffi Höflich-Schmidt und Petra Hoin überragten beim Sieger im Feld.
SG BRUCHKÖBEL: Elke Müller (bis 30.), Julia Voggenberger (Tor); Monika Berweiler (1), Petra Hoin (3), Regina Kirschig (4/2), Steffi Höflich-Schmidt (4/1), Heike Janus, Renate Spiegel (1), Hanne Koch (3/2). - SCHIEDSRICHTER: Schäfer (Bieber) und Heuchert (Niedermittlau). - SIEBENMETER: 5/5:6/3. - STRAFMINUTEN: 6:6. - ZUSCHAUER: 250.
HANS-DIETER PUTH
Briefe an die Redaktion
Nur eine Wartehalle wäre zum Warten da Die Halle am Bahnhof Mörfelden wird morgens erst geöffnet, wenn der Wirt der Bahnhofsgaststätte kommt und die Tür öffnet. Bahngäste hatten sich beschwert, daß sie bis dahin in der Kälte warten
Im Artikel über den Bahnhof Mörfelden erwähnen Sie eine Wartehalle. Eine solche Halle gibt es dort aber überhaupt nicht. Am Bahnhof Mörfelden befindet sich eine Schalterhalle.
In einer Halle, in der sich Schalter befinden, halten sich lediglich Käufer auf, die nicht sofort bedient werden können, weil zum Beispiel der Andrang an den Schaltern groß ist, und denen man nicht zumuten will, im "Freien" zu stehen. Wartehallen sind jedoch zum "Warten auf..." eingerichtet, und dann auch immer als solche gekennzeichnet.
Aber wo gibt es solche Wartehallen? An keiner Straßenbahnhaltestelle, an keiner Bushaltestelle, an keinem Taxihalteplatz und auch an keinem Warteplatz von Mitfahrgemeinschaften. Gefunden habe ich sie in größeren Bahnhöfen und Flughäfen, dort, wo Reisende auf Anschlußzüge / Flüge warten müssen.
Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Die Redaktion behält sich auf Kürzungen vor.
KELSTERBACH. Noch bis Ende Januar läuft eine Sammelaktion der Kolpingfamilie: Gesucht werden für die Dritte Welt von ihren hiesigen Besitzern nicht mehr benötigte Brillen unterschiedlichster Stärken und Größen. Die Brillen sind für Menschen in Entwicklungsländern gedacht, für die dort solche Sehverbesserungen oft unerschwinglich sind.
Über 800 Brillen und Brillengläser hat die Kelsterbacher Kolpingfamilie nach eigener Auskunft zusammengetragen. Weitere werden gesucht: Abgegeben werden können sie in der Herz-Jesu-Kirche, im katholischen Gemeindezentrum oder bei der Kolpingfamilie, nämlich dem Vorsitzenden Nikolaus Stein, Höhenstraße 20, und dem Vorstandsmitglied Walter Goy, Albert-Schweitzer-Straße 27.
Von Kelsterbach aus werden die gesammelten Brillen zu einer zentralen Einrichtung in Norddeutschland weitergegeben. Dort werden sie vermessen und gereinigt, bevor sie über Missionseinrichtungen zur Verteilung kommen.
Die Kelsterbacher Kolpingfamilie hat zudem für die kommenden Monate ein breit gefächertes Themen- und Veranstaltungsangebot. Das reicht von "Leid in unserem Leben" (27. Januar) bis zur Veranstaltung mit dem früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Otto Zink über die "Sozialwahlen 93" (5. März in Königstädten). Die Jahresmitgliederversammlung steht am Mittwoch, 10. März, 19.30 Uhr, im katholischen Gemeindezentrum an. Die Jahresfahrt führt am 24. Mai in den Bayerischen und Böhmischen Wald. cas
FREIGERICHT. 12 000 Mark Schaden und zwei Leichtverletzte ist die Bilanz eines Unfalls auf der Hauptstraße in Altenmittlau. Laut Polizeiangaben hatte ein Autofahrer nach links in die Somborner Straße einbiegen wollen und dabei ein entgegenkommendes Fahrzeug in Richtung Horbach nicht beachtet.
Bei dem Zusammenstoß erlitten beide Fahrer Blessuren, die beiden Autos Totalschaden. jan
Aus dem Bildschirm, aus dem Sinn. Die Shetlandinseln sind wieder aus unserem Bewußtsein verschwunden. Gut eine Woche lang hielt der archaisch anmutende Kampf des leckgeschlagenen Ölriesen Braer gegen die aufbrausenden Naturgewalten die Mitwelt in Spannung. Dann zerbrach der betagte dünnwandige Tanker, den seine Mannschaft fahrlässig auf Kollisionskurs gebracht und hernach in verständlicher Panik im Stich gelassen hatte. Das Wrack verschwand samt der 85 000-Tonnen-Ladung, es nach unten, sie in alle Richtung: zur Hälfte, da aus leichtflüchtigem Norwegeröl bestehend, verdampfend in die Atmosphäre, ansonsten abgesunken auf den Meeresboden oder in Millionen Fetzen zerquirlt in der See.
Die Shetländer atmen auf. Als der Sturm zu Ende war, "strahlte türkisfabenes Meer in der Sonne", berichtet ein Journalist. "Die Strände waren weißsandig, und die Luft war wieder klar und frisch." Also alles wieder in Ordnung? Die Katastrophe weggespült, weggepustet? Irgendeiner scheint die Hand über das Naturparadies vor Schottlands Küste gehalten Saubere Shetlands zu haben. "Es ist wie ein Wunder", läßt sich also ein Vertreter der Inselregierung vernehmen.
Die Shetländer wittern Morgenluft. Der Tourismus hat also doch wieder eine Chance . . . Gäbe es nur nicht die Umweltschützer, die es partout nicht lassen können, im unsichtbar geworden Öl herumzustochern. Daß das zerstobene Öl nun von Kleinlebewesen auf dem Meeresboden aufgenommen werde und dort schon zum Absterben von Muscheln und Krebsen geführt habe, wie Greenpeace-Experten berichteten, paßte nicht ins Frischwärts- Konzept. Retourkutsche der Inselregierung: Die Öko-Aktivisten verursachten unverantwortlicherweise eine wahre Massenhysterie.
Dabei wäre es sicher gut, nach beiden Seiten die Balance zu halten. Daß die Natur sogar bei Öl-Katastrophen oft am besten mit sich selbst zurechtkommt, weiß man, wenn man die Folgen der Alaska-Schrubberei nach dem Exxon-Valdez-Unglück kennt und die Natur-Regeneration im Persischen Golf verfolgt (was die Briten nicht vom Einsatz der chemischen Keule zur Zersetzung des Ölteppichs abhielt). Aber trotzdem ist eine Tankerkatastrophe alles andere als ein stoisch hinzunehmender Schicksalsschlag der Öl-Gesellschaft. Keinen Schwamm drüber. JOACHIM WILLE
Werden in der Frauen-Handball-Regionalliga Südwest alle Prognosen auf den Kopf gestellt? Zum einen weist die aktuelle Tabelle mit Eintracht Wiesbaden, TSG Leihgestern (8:10 im Schlagerspiel), Hessen Hersfeld (15:14- Zittersieg beim TV Flörsheim) und SG Kirchhof (19:18-Arbeitssieg in Hofheim), jeweils 20:6 Punkte, einen großen Unterhaltungswert auf, zum anderen sorgen die Neuverpflichtungen - resultierend aus dem Rückzug von Grünweiß Frankfurt - für völlig veränderte Kräfteverhältnisse. Einer der Leidtragenden war die TSG Ober-Eschbach (12:16 in Bruchköbel), die gegen Hanne Koch und Co. nicht ankam.
Bei Eintracht Wiesbaden sorgte die frühzeitige Bekanntgabe des Wechsels von Erfolgscoach Bela Gräser (geht im Sommer zum Lokalrivalen TuS Dotzheim/Männer-Oberliga) sicher nicht für einen Leistungsschub, ist allerdings das Aufstiegsinteresse weiterhin vorhanden, wie Manager Heinz Seliger bestätigte. Andere Sorgen haben Hofheim (7:19) und Flörsheim (6:20), die nach Eisenachs Sieg gegen Urberach weiter zurückfielen. Zumal die Mannschaft von Trainerin Tünde Hajdu am Samstag (19.30 Uhr, Massenheimer Weg) in Ober-Eschbach und das Aufgebot von Hartmut Schmidt am Sonntag (17 Uhr, Elsässer Platz) bei Eintracht Wiesbaden antreten müssen.
TSG Leihgestern - Eintracht Wiesbaden 10:8 (3:6). 350 Zuschauer (Saison- rekord), gute Stimmung, Tabellenzweiter gegen Spitzenreiter - die Voraussetzungen für ein Handballfest in der Stadthalle Linden waren selten idealer als am Samstag abend. Doch was machten beide Teams daraus? Positiv gesehen imponierte die Eintracht vor der Pause, dominierte Leihgestern nach dem Wechsel. Negativ betrachtet ließ der Gastgeber in den ersten 30 Minuten alle Wünsche offen, kam die Eintracht später nicht mehr zum Zuge. Lediglich die in jeder Hinsicht auffällige Claudia König (zwei Tore, zwei Zeitstrafen) traf nach der Pause beim Tabellenführer, der von allen guten Geistern verlassen schien. "Entscheidend waren unsere schlechten Trainingsmöglichkeiten in den letzten Wochen. Wir brachen konditionell ein", resümierte Trainer Gräser, der zudem auf krankheitsbedingte Schwächungen verwies. Dennoch führte sein Team nach 48 Minuten noch mit 8:6 durch Claudia König, blieb jedoch anschließend ohne zählbaren Erfolg.
Wo blieben Bettina Rau, Martina Peter, Marianne Sprenger? War es nur der grippale Infekt? "Wir konnten zu wenig trainieren, aber es war auch Bequemlichkeit im Spiel", konstatierte Bettina Rau. Sie bedauert den geplanten Trainerwechsel, führte aber die Leistung nicht darauf zurück. "Finanziell wäre der Aufstieg machbar. Jetzt ist die Mannschaft am Zuge", stellt Seliger die Situation dar.
EINTRACHT WIESBADEN: Michaela Kettenbach (Tor); Martina Peter (1), Bettina Rau (2/1), Erika Müller, Marion Jüngst (1), Marianne Sprenger (1), Sabine Eichner, Ulrike Kozyra (1), Claudia König (2).
SG Bruchköbel - TSG Ober-Eschbach 16:12 (6:5). Zuschauerboom auch in Bruchköbel (270 Fans) - die ehemaligen Bundesliga- (und teilweise National-) Spielerinnen Hanne Koch, Regina Kirschig, Julia Voggenberger, Renate Spiegel und Ottrun Weber sowie Ursula Unvericht beim Gast lockten die Handballfreunde hinterm Ofen hervor -, wo die Grünweiß-Frankfurt-Filiale die TSGO dominierte. Angela Jordans Sonderaufgabe gegen Hanne Koch (3/2) ließen Steffi Höflich-Schmidt (4/1) und Regina Kirschig (4/2) besser zum Zuge kommen. Beim Gast verlief nur das Debüt von Ursula Unvericht (4) zufriedenstellend. Sie war jedoch oft auf sich allein gestellt, zumal sich Petra Sattler vermutlich eine Fingerfraktur zugezogen hat. Blaß blieb auch Kathrin Nüchter-Schmidt. Birgit Specht verabreichte sogar eine Null-Diät. Und Sybille Arras weilte mitten in der Runde in Urlaub. Die Einstellung einiger Spielerinnen läßt bei der TSGO viele Wünsche offen.
TSG OBER-ESCHBACH: Kerstin Reviol, Christa Welter (bei zwei 7 m im Tor); Carola Schröder (1), Birgit Specht, Petra Sattler (1), Ursula Unvericht (4), Kathrin Nüchter-Schmidt (1/1), Monika Engel (1), Nasaria Makey (1), Sabine Zernikow (2/2), Angela Jordan (1).
TV 1860 Hofheim - SG Kirchhof 18:19 (9:12). Hofheim spielte nicht wie ein möglicher Absteiger, Kirchhof nicht wie ein kommender Meister. Im ersten Abschnitt schlug jedoch Sonja Hartung (4) bei den Nordhessinnen den Takt, war Exnationalspielerin Carla Grösch (7 Tore) ebenfalls ihren Gegnerinnen überlegen. Die löchrige Hofheimer Abwehr ließ bis auf Petra Westenberger den Gast immer wieder gewähren. Da jedoch Sabine Henninger, Caroline König und Martina Plankl im Angriff Gegengewichte setzen konnten, blieb das Geschehen bis zuletzt offen. Astrid Bender verkürzte auf 16:17, die SGK konterte, bevor Caroline König (18:19) für spannende 50 Sekunden sorgte. Der clevere Gast hielt jedoch das Leder gekonnt in den eigenen Reihen. Zwei verworfene Siebenmeter (Kristina van Loyen und Martina Plankl) verhinderten eine Überraschung.
TV 1860 HOFHEIM: Ines Madaler (bis 30.), Sabine Claas (Tor); Anke Nels (1), Caroline König (4), Petra Westenberger, Sandra Andersch (2), Kristina van Loyen (2), Sabine Henninger (4), Nadja Schott, Astrid Bender (1), Martina Plankl (4/2).
TV Flörsheim - Hessen Hersfeld 14:15 (7:10). Der Abstiegskampf interessiert fast niemand. 40 (!) Fans verfolgten das Spiel gegen den Titelanwärter, der in Zrinka Bors (9 Tore) erneut die alles überragende Akteurin stellte. Sie gab vor der Halbzeit die Richtung an. Später bekam sie der TVF besser in den Griff. Zumal Conny Moritz (7/2) "den Max machte" und Kristina Blaha (5/1) ebenfalls viel Musik ins Spiel der Flörsheimerinnen brachte. Corinna Fehler traf zweimal - das übrige Ensemble hatte Wurfpause. Gabi Dietz und Katja Szünder (Bänderabriß in der Schulter) wurden schmerzlich vermißt. Unglaublich: Der Turnverein führte nach zwölf Minuten 6:1 und lag zum Wechsel 7:10 zurück. Das zu statische Spiel, die miserable Chancenauswertung, das mäßige Überzahlspiel, aber auch das fehlende Glück ergaben eine völlig unnötige Niederlage. Die Osthessinnen kamen nach dem 14:14 durch Conny Moritz (58.) genau 55 Sekunden vor Schluß durch Zrinka Bors zum Siegestor. Die überragende Ursula Thon-Müller war hiergegen machtlos.
TV 1861 FLÖRSHEIM: Alexia Pfeifer (bis 30. Minute), Ursula Thon-Müller (Tor); Conny Moritz (7/2), Kristina Blaha (5/1), Corinna Fehler (2), Karin Sehring, Birgit Wolf, Diana Knopp, Corina Christ, Claudia Kramer, Ulrike Körner, Jutta Kaufmann. hdp
Es klingt beinahe wie eine Drohung. Er wolle, kündigte Udo Lattek an, wenige Stunden, nachdem er endlich seinen Trainerstuhl auf Schalke geräumt hatte, dem Fußball weiterhin verbunden bleiben, habe gar schon ganz konkrete Pläne. Offensichtlich füllt ihn die mehr als fürstlich entlohnte "Berater-Tätigkeit" von Eichbergs Gnaden für das nächste halbe Jahr bei den "Knappen" nicht aus. Udo Lattek, am Wochenende 58 Jahre alt geworden, tut sich, wie viele Diven vor ihm, sichtlich schwer, ins zweite Glied zurückzutreten.
Dabei wäre das genau das richtige. Hochdotierter Sportdirektor in Köln, Interimsübungsleiter in Müngersdorf ("Das Feuer ist nicht mehr da") Kolumnenschreiber für ein Groschenblatt, Trainer in Schalke ("Eine Herausforderung") - dies waren die letzten Stationen eines Mannes, der aus sportlicher Sicht sicherlich schon bessere Zeiten erlebt hat. Mit 14 Titeln hat Lattek sein Image als einer der erfolgreichsten Trainer in diesem Metier kultiviert; Bayern München, Borussia Mönchengladbach, FC Barcelona - das waren (und sind) in der Tat erste Adressen im Fußball. Doch derlei Erfolge liegen lang schon zurück.
Warum konnte der Mann, der über Jahrzehnte einiges für den deutschen, vielleicht sogar internationalen Fußball getan hat, der vieles erreicht und viele Verdienste im Laufe seiner Arbeit am Ball erworben hat, warum konnte dieser Mann nicht einfach abtreten? Warum nur mußte er auf Schalke nochmal in die Rolle des Clowns schlüpfen? Wir erinnern uns noch mit Grausen seiner Auftritte, einer Liftfaßsäule auf zwei Beinen gleich, wie er - der Trainingsanzug über und über mit Werbelogos bestückt - auch noch eine Baseball-Kappe mit Reklame aufsetzte und dergestalt angetan über die Sportplätze der Republik stapfte. Von der "Droge Fußball" habe er nicht loskommen können, sagte Lattek seinerzeit - und gleich die Hand für ein paar hunderttausend Mark aufgehalten.
Udo Lattek hat den rechtzeitigen Absprung verpaßt. Das halbe Jahr Schalke, lustlos, ideenlos und auch erfolglos begangen, hätte nun wirklich nicht mehr sein müssen. Sogar die Spieler atmeten auf, als der "eisgraue Wolf", wie er sich am liebsten sah, das Handtuch warf. Es gehört eine gewisse Größe dazu, den richtigen Zeitpunkt seines Abgangs zu bestimmen. Geld, Publicity, Beifall, Popularität sind offenbar für manche immer noch verlockend genug, um dafür den guten Namen aufs Spiel zu setzen. Udo Latteks Image als Erfolgstrainer hat Kratzer bekommen, er sollte nun endgültig abtreten, bevor es gänzlich zerstört ist.
THOMAS KILCHENSTEIN
KREIS GROSS-GERAU. Das Landratsamt in Groß-Gerau platzt aus allen Nähten. Deshalb denken Landrat Enno Siehr und Erster Kreisbeigeordneter Baldur Schmitt über Auslagerung von Teilen der Kreisverwaltung nach und haben dabei leerstehende Büroräume der Groß-Gerauer Firma "Richardson und Morell-Wick" im Visier. Darüber werde derzeit bereits verhandelt.
Siehr nannte bei einer Pressekonferenz eine Größenordnung von vermutlich 280 000 Mark im Jahr, die dafür an Mieten auf den Kreissäckel zukämen. All dies sage er bewußt und offen vor der Kommunalwahl, auch wenn es sich um ein unbequemes Thema in der breiten Öffentlichkeit handele.
In manchen Abteilungen des Landratsamtes sei heute die räumliche Enge "unerträglich". Dies gelte beispielsweise fürs Sozialamt, wo mehrere Leute in einem Raum säßen, Publikumsverkehr herrsche und viele Telefongespräche aufliefen.
Die Raumnot sei nicht auf eine explosionsartige Vermehrung des Beschäftigtenstandes zurückzuführen, sondern auf ständig gewachsene Aufgabenfelder der Kreisverwaltung, sagte Siehr. Seit Inbetriebnahme des auf den Kreistagsbeschluß von 1979 zurückgehenden neuen Anbaues des Landratsamtes seien nur 94 Beschäftigte hinzugekommen.
Durch Anmietung externer Räume könne für einen Zeitraum von fünf Jahren Luft geschaffen werden. Gedacht sei dabei an die Auslagerung von Abteilungen mit keinem oder nur wenig Publikumsverkehr. Auch der Auszug des Staatlichen Schulamtes als Landesbehörde aus dem Landratsamt werde überprüft.
Mittelfristig stelle sich aber die Frage nach einer Erweiterung des Landratsamtes, betonte Siehr. Bei einem weiteren Anbau müsse der Kreis nach ersten Hochrechnungen mit einer jährlichen Belastung von um die 800 000 Mark rechnen. Platz sei nicht etwa auf der Grünfläche an der Wilhelm-Seipp-Straße, sondern im südöstlichen Bereich des Landratsamtes vorhanden.
Siehr sprach sich in diesem Zusammenhang gegen eine Zentralisierung auf Verwaltungsseite im Kreis Groß-Gerau bei Auszahlung der Unterstützungsbeträge für Nichtseßhafte aus. Eine Dreiteilung des Kreises in einen Nord-, Mittel- und Südbereich sei dagegen nach seiner Auffassung eine denkbare Lösung.
Bewährt habe sich bereits, daß der Kreis für Wochenenden an Nichtseßhafte nur Gutscheine und kein Bargeld ausgebe. So werde eine Sogwirkung für diesen Personenkreis vermieden, die drohe, wenn der Kreis abweichend von der Praxis umliegender Gebietskörperschaften allein Bargeld auszahle. Immerhin gehe es dabei um eine Größenordnung von etwa einer Million Mark im Jahr. cas
KRONBERG. Grüner Punkt und Gelber Sack: Helfen sie, den Müllberg in Deutschland abzutragen - oder sind sie eher ein Rückschlag für Bestrebungen, bereits das Entstehen von Abfall zu vermeiden? Zu dieser Frage können die Kronberger heute abend einer illustren Expertenrunde die Meinung sagen: um 20 Uhr in der Stadthalle (Berliner Platz).
Vertreten sind die Sprecherin des "Dualen Systems Deutschland" (DSD), Edelgard Bially, sowie die kritische Verbraucherinitiative Bonn und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Über erste praktische Erfahrungen mit dem Gelben Sack können Erster Stadtrat Karsten Stahlberg, die Kronberger Umweltschutzbeauftragte Michaela Rosenberger sowie ein Vertreter der Entsorgungsfirma Wagner berichten. Die Diskussion moderiert der Oberurseler Förster Klaus Stolpp. mak
Golf-Alliierte fliegen erneut Luftangriffe gegen Irak
STEINAU. Politiker und Bürgerinitiativen setzen sich am morgigen Mittwoch, 20. Januar, in der Markthalle im Steinauer Rathaus mit der geplanten Schnellbahntrasse durch das Kinzigtal auseinander. Ab 20 Uhr wird über die Auswirkungen beim Beschleunigungsgesetz informiert, anschließend soll eine Diskussion zwischen Repräsentanten und Bürgern stattfinden.
Veranstalter sind die vier Bürgerinitiativen gegen die geplante Hochgeschwindigkeitstrasse aus Huttengrund, Breitenbach, Marborn und Weilers. jan
GROSSKROTZENBURG. Der umstrittene fünfte Block beim Kohlekraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg (Main- Kinzig-Kreis) ist nach Jahren des Widerstandes gerade in den Probebetrieb gegangen, da bahnt sich für die Umweltschützer bereits das nächste Großprojekt an. Derzeit läßt das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt prüfen, ob in den ersten drei Blöcken des Kraftwerkes Klärschlamm mit verbrannt werden kann. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) fürchtet zusätzliche Luftbelastungen, die den Dioxin-Emissionen einer Müllverbrennungsanlage gleichkämen.
Nach ersten Planungen ist vorgesehen, den 1,5 Millionen Tonnen Steinkohle, die jährlich in den Blöcken 1 bis 3 verfeuert werden, 50 000 und 100 000 Tonnen Klärschlamm aus dem Umland beizumischen. Jeweils in Tagesvorräten soll der rund 70 bis 80 Prozent wasserhaltige Schlamm bei Staudinger angeliefert, durch Abwärme getrocknet und dann verfeuert werden. Erste Großversuche unternimmt die Preussenelektra (Preag) derzeit in einem ihrer Kraftwerke in Bremen.
Bereits im Februar wird der TÜV Hannover mit den Untersuchungen für eine Umweltverträglichkeitsprüfung beginnen. Diese ist durch die Änderung des Bundesimmissionsschutzgesetzes zwingend vorgeschrieben. Sie soll klären, ob vom Verbrennen von Klärschlamm zusätzliche Umweltbelastungen ausgehen. Die neue Gesetzeslage erlaubt seit Mai 1990, Abfälle in Feuerungsanlagen wie Staudinger mit zu verbrennen. Die in der vergangenen Woche im Bundesrat vertagte Gesetzesinitiative zur TA (Technische Anleitung) Siedlungsabfall zielt ebenfalls in ähnliche Richtung. Vorgesehen ist auch hier die Verbrennung von nicht verwertbaren Abfällen, worunter auch Klärschlamm fallen würde.
Bei den Staudinger-Analysen des TÜV Hannover handelt es sich zunächst um Voruntersuchungen, die laut Regierungspräsidium rund ein Jahr dauern werden. Festgehalten werden sollen der gegenwärtige Stand der Umweltbelastung und die zu erwartenden neuen Schadstoff- Frachten.
Während Preussenelektra diese als gering einstuft, kritiseren Mitarbeiter des BUND nicht allein einen erhöhten Wasserdampf-Eintrag in die Atmosphäre durch die Verbrennung des wässerigen Schlamms. Sie befürchten vor allem auch, daß vermehrt Schwermetalle und Dioxine austreten. Die benachbarte Stadt Hanau hält bereits heute einen traurigen Hessenrekord: die höchsten Dioxin-Konzentrationen in der Luft.
Bislang hat die Betreiberfirma Preag noch kein offizielles Genehmigungsverfahren für die Klärschlammverbrennung beantragt. In Gang kam das Verfahren jedoch, weil die kleine Nachbargemeinde Hainburg Ende 92 beim Stromriesen Preussenelektra in Großkrotzenburg wegen einer "kostengünstigen" Verbrennung ihres Klärschlamms anklopfte. Die Gemeinde, die jahrelang am heftigsten gegen die Erweiterung des Kohlekraftwerkes Staudinger vor Gerichte gezogen war, wollte nach Aussagen ihres scheidenden Bürgermeisters Herbert Wemelka (CDU) auch einmal "Vorteile" aus dem Kraftwerk am gegenüberliegenden Mainufer ziehen. Großkrotzenburg läßt schon seit rund zehn Jahren seine 400 Tonnen Klärschlamm in den Kohleöfen verbrennen und spart Hunderttausende von Mark an Deponie- und Transportkosten.
Die Schwierigkeiten vieler Kommunen im Umkreis des Kraftwerkes, ihren Klärschlamm in der Landwirtschaft abzusetzen, sind auch der Grund, warum sich der Main-Kinzig-Kreis an das Verfahren angehängt hat. Von den jährlich im Kreis anfallenden rund 34 000 Tonnen Klärschlamm kommen gerade einmal fünf Prozent als Dünger auf die Felder. Es fehlt an einer organisierten Vermarktung und einer Instanz, die die Garantie für die Güte des Klärschlamms übernimmt.
Gerade für die Entgiftung und landwirtschaftliche Nutzung des Klärschlamms plädiert jedoch vehement der Umweltschutzbund. Auch die neueste Klärschlammverordnung von 1992 drängt auf diese ökologische Verwendung. Doch bisher wandert auch der "saubere" Klärschlamm, der die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte bei Schwermetallen und Dioxinen einhält, immer noch auf die mittlerweile überlasteten Deponien des Main-Kinzig-Kreises - oder möglicherweise demnächst in den Staudinger-Ofen.
Im Wetteraukreis und weiten Teilen des Verbreitungsgebietes des Frankfurter Umlandverbandes (UVF) hingegen werden 90 Prozent des anfallenden Klärschlamms an die Bauern abgegeben. Hier übernehmen die "Umweltdienst GmbH" und die Darmstädter "Entsorgungs AG" die Kompostierung, Grenzwertkontrolle und Vermarktung. Doch auch der Umlandverband ist an einer Verbrennung bei Staudinger interessiert. Dort will der Verband die zehn Prozent seiner jährlichen 50 000 Tonnen Klärschlamm verfeuern, die er nicht an die Landwirte loswerden kann. ASTRID LUDWIG
GELNHAUSEN / BIEBERGEMÜND / HASSELROTH. Gegen den Vergewaltigungskrieg im ehemaligen Jugoslawien demonstrieren am Donnerstag, 21. Dezember, um 19 Uhr Frauen in Gelnhausen, Biebergemünd-Kassel und Hasselroth-Niedermittlau. Die Kasseler Teilnehmerinnen treffen sich im Orber Weg, die Niedermittlauer an der Friedrich-Hofakker-Halle und die Gelnhäuser an der Kinzigbrücke. Sie setzen die Protestaktionen fort, zu denen Birsteiner Landfrauen Ende Dezember aufgerufen hatten (die FR berichtete).
Erneut gehen nun Frauen auf die Straße, um ihre Solidarität mit den weiblichen Opfern des Bürgerkrieges zu bekunden und ihre Forderung nach der sofortigen Auflösung der Vergewaltigungslager zu bekräftigen. Außerdem fordern sie psychische und medizinische Hilfe für die vergewaltigten Frauen in Ex-Jugoslawien und die Verurteilung der Vergewaltigungen als Kriegsverbrechen.
Die Idee zu dem Protestaufruf, dem sich unter anderem auch das Gelnhäuser Frauenzentrum und amnesty international angeschlossen haben, entstand in dem Dörfchen Wettges. Entsetzt über die "Greuel des Bürgerkriegs vor unserer Tür" beschloß eine Handvoll Landfrauen, sich den europaweiten Protestaktionen anzuschließen. tja
pid. GÖTTINGEN, 18. Januar. Unter starken Sicherheitsvorkehrungen hat am Montag vor dem Landgericht Göttingen der Prozeß gegen fünf Libanesen begonnen, die den Göttinger Drogenmarkt mindestens zwei Jahre lang mit Haschisch, Heroin und Kokain versorgt haben. Die Staatsanwaltschaft, die die Angeklagten, darunter drei Brüder, nach den Worten eines Sprechers "für ganz dicke Fische" hält, wirft den Männern im Alter zwischen 21 und 27 Jahren vor, mindestens 72 Kilogramm Haschisch im Wert von rund 720 000 Mark und mindestens 600 Gramm Heroin sowie Kokain in unbekannter Menge vor allem aus Westdeutschland nach Göttingen transportiert und dann an Zwischenhändler oder Endverbraucher verkauft zu haben. Zur Verhandlung wurden die Angeklagten in Handschellen aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Weil die Behörden offenbar einen Ausbruchversuch befürchten, wurde der Gerichtssaal nicht nur von der sogenannten Einsatzreserve der niedersächsischen Justiz, sondern auch von Polizisten in Zivil gesichert. Für das Verfahren, in dem 22 Zeugen gehört werden sollen, sind vorerst neun Verhandlungstage angesetzt.
Frau Margarete Gabrian, Bad Vilbel, zum 85. Geburtstag.
Frau Emilie Görg, Bad Vilbel, zum 85. Geburtstag.
Herrn Kurt Schuhmacher, Bad Vilbel, zum 85. Geburtstag.
Frau Marie Stoll, Bad Vilbel, zum 85. Geburtstag.
Frau Charlotte Blum, Bad Vilbel, zum 80. Geburtstag.
Frau Greta Nahrung, Klein-Karben, zum 73. Geburtstag.
Frau Greta Schmitt, Klein-Karben, zum 86. Geburtstag.
Frau Margarethe Schwarzhaupt, Rendel, zum 80. Geburtstag.
Frau Marie Beck, Rendel, zum 70. Geburtstag. Frau Johanna Braun, Bönstadt, zum 76. Geburtstag.
Ergebnis-Telegramm
AMERICAN FOOTBALL NATIONAL FOOTBALL LEAGUE (NFL), Play-off-Runde, Halbfinalspiele: San Francisco 49ers - Dallas Cowboys 20:30, Miami Dolphins - Buffalo Bills 10:29. - Damit im Super-Bowl- Finale: Dallas Cowboys - Buffalo Bills.
REGIONALLIGA, Frauen, Gruppe Südwest/ Nord: ACT Kassel - TV Saarlouis 75:71 (37:36); Eintracht Frankfurt II - TV Hofheim 73:57 (36:20); SCW Völklingen - ASC Mainz 81:71 (54:27); BSG Hillscheid - TV Oppenheim 36:85 (11:30); SV Dreieichenhain - Homburger TG 47:94 (20:40).
OBERLIGA HESSEN, Männer: SG DJK/TV Aschaffenburg-Mainhausen - VfB Gießen 67:100 (41:43), BG Offenbach/Neu-Isenburg II - TG Hanau 74:69 (45:31), SKG Roßdorf - TSV Grünberg 89:86 (49:40), BC Darmstadt - MTV Gießen II 115:57 (57:33), VfL Marburg - CVJM Kassel 75:60 (41:33).
OBERLIGA HESSEN, Frauen: EOSC Offenbach - SG A'urg-Mainhausen II 49:83 (16:50), Post SV Gießen - TV Langen 54:69 (33:35), TSV Grünberg - Gymnasion Oberursel 92:47 (45:21), BC Darmstadt - TSV Krofdorf-Gleiberg 66:47 (31:17), TSG Sulzbach - BC Wiesbaden 63:70 (31:37). EISHOCKEY
OBERLIGA NORD: ESC Wolfsburg - Schalker Haie 5:2, ESC Wedemark - Herforder EG 9:3, EC Harz-Braunlage - ETC Timmendorf 4:2.- Die Tabelle:
HALLENTURNIER in Stuttgart, Gruppe I: Grasshoppers Zürich - Stuttgarter Kickers 2:0, VfB Stuttgart - Bröndby Kopenhagen 1:0. - Gruppe II: Bayern München - Spartak Prag 1:1, 1. FC Kaiserslautern - Karlsruher SC 1:0. TENNIS
AUSTRALIAN Open in Melbourne (7,2 Mio. Dollar), Männer, 1. Runde: Jarryd (Schweden) - Becker (Leimen/Nr. 4) 3:6, 7:5, 3:6, 6:3, 6:2, Koslowski (Neuss) - Camporese (Italien) 7:5, 2:6, 3:6, 7:6 (7:3), 6:2, Woodforde (Australien) - Renzenbrink (Hamburg) 6:4, 6:3, 6:3, Stich (Elmshorn/Nr. 14) - O' Brien (USA) 6:4, 7:5, 6:2, Jones (USA) - Saceanu (Neuss) 6:3, 6:2, 6:3, Fromberg (Australien) - Zoecke (Berlin) 7:6 (7:3), 6:7 (5:7), 7:6 (7:3), 6:7 (9:11), 6:3, Damm (Tschechische Republik) - Braasch (Hagen) 6:2, 7:6 (8:6), 6:3,
Frauen, 1. Runde: Silke Meier (Heidelberg) - Myagi (Japan) 6:1, 6:2, Kschwendt (Leverkusen) - Ercegovic (Kroatien) 3:6, 6:1, 6:4, Kiene (Niederlande) - Zivec (München) 6:1, 4:6, 7:5. VOLLEYBALL
OBERLIGA, Männer: VC Ober-Roden - TSG Elgershausen 3:1, VC Ober-Roden - SG Rodheim 1:3, DSW Darmstadt - VC Dornheim 3:0, DSW Darmstadt - TV Babenhausen 3:0, FTG Frankfurt - TSV Trebur 3:0, FTG Frankfurt - TG Wehlheiden 3:1, Orplid Darmstadt II - Eintracht Frankfurt II 3:1, Orplid Darmstadt II - TGV Schotten 3:0.
OBERLIGA HESSEN, Frauen: TV Wächtersbach - TV Wetzlar 0:3, TV Wächtersbach - TV Oberstedten 2:3, Eintracht Frankfurt - TSV Spangenberg 0:3, Eintracht Frankfurt - TV Königstädten 2:3, VC Hofheim - TSG Wilhelmshöhe 2:3, VC Hofheim - SG Rodheim 0:3, TS Bischofsheim - VC Wiesbaden II 0:3.
LANDESLIGA MITTE, Männer: TV Salmünster - DJK Neuses 3:2, TV Salmünster - SG Rodheim II 1:3, PSV Blau-Gelb Frankfurt - VBC Büdingen 3:0, PSV Balu-Gelb Frankfurt - SC Friedberg 3:1, TV Bommersheim - DJK Großenlüder 3:2, TV Bommersheim - TV Oberrodenbach 3:1, BSC Offenbach - TSG Erlensee 2:3, BSC Offenbach - TG Hanau 0:3.
LANDESLIGA MITTE, Frauen: TG Hanau - TV Sindlingen 3:1, TG Hanau - FTG Frankfurt 3:2, TV Dipperz - TG Römerstadt 0:3, TV Dipperz - Eintracht Frankfurt II 3:1, TSV Hanau - Wacker Offenbach 0:3, TSV Hanau - PSV Blau-Gelb Frankfurt 1:3, TV Salmünster - TSV Sachsenhausen 0:3, TV Salmünster - TV Kesselstadt 3:1.
LANDESLIGA SÜD, Männer: VC Wiesbaden - SSV Brensbach 3:0, VC Wiesbaden - TSV Bleidenstadt II 3:0, TV Groß-Rohrheim - TG Naurod 3:0, TV Groß-Rohrheim - Rot-Weiß Auerbach 1:3, DSV Darmstadt II - VC Hofheim 2:3, DSW Darmstadt II - TuS Griesheim 3:0, TG Bad Soden - SVC Gernsheim 3:1, TG Bad Soden - TV Lampertheim 3:1.
LANDESLIGA SÜD, Frauen: TV Lampertheim - VC Hofheim II 3:1, TV Lampertheim - TV Dreieichenhain 0:3, TG 75 Darmstadt - Orplid Darmstadt II 1:3, TG 75 Darmstadt - Rot- Weiß Auerbach 1:3, TG Rüsselsheim II - TV Nauheim 3:2, TG Rüsselsheim II - TG Bad Soden 3:2, TV Königstädten II - VC Ober-Roden 0:3, TV Königstädten II - TV Groß-Umstadt 0:3.
Exakt am zweiten Jahrestag des Golf- Krieges, am Sonntag, zogen die Kometenschweife der irakischen Flugabwehr- Raketen zu Hunderten am nächtlichen Himmel von Bagdad entlang, als kurz nach 21 Uhr die erste Welle US-amerikanischer "Tomahawk"-Marschflugkörper über die Hauptstadt hinwegrauschte und im Vorort Saafaraniyeh ihr Ziel fand - die Maschinenfabrik "Arabiyeh", in der auch Präzisionsteile für das irakische Atomprogramm gefertigt werden könnten. Anders als vor zwei Jahren wurde an diesem Januarabend jedoch kein Sirenenalarm gegeben. Bagdad, nach dem Golf-Krieg im Eiltempo wieder aufgebaut, blieb hell erleuchtet. Der Verkehr floß weiter. Was sich als Geste der verächtlichen Herausforderung, gerichtet an die Adresse von Bush und Co., deuten ließe, dürfte in Wirklichkeit aber nur ein Zeichen militärischer Ohnmacht gewesen sein; denn Saddam Hussein hatte offensichtlich nicht damit gerechnet, daß ein Von Peter Gerner (Kairo) Schlag gegen der Großraum Bagdad geführt werden würde. Die irakischen Radareinheiten zeigten sich außerstande, den Schwarm der etwa 40 "Tomahawk" so früh zu melden, daß die Bevölkerung noch hätte gewarnt werden können.
Am Montag setzten die Golf-Kriegs-Alliierten die Serie der Militärschläge fort. US-amerikanische, britische und französische Kampfflugzeuge flogen bei Tagesanbruch einen weiteren Angriff auf vier Stellungen für Flugabwehrraketen in der Flugverbotszone südlich des 32. Breitengrades. Das irakische Verteidigungsministerium teilte mit, die Ziele hätten nahe der Stadt Samawah, 250 Kilometer südlich von Bagdad gelegen. Während des neuerlichen Angriffs heulten in der saudiarabischen Stadt Dahran und in Kuwait-Stadt die Luftschutzsirenen, doch handelte es sich jeweils um Fehlalarm.
In der Nacht zum Montag war der irakische Staatschef Saddam Hussein, gekleidet in seine olivgrüne Kampfuniform mit den roten Marschallsepauletten, zum zweiten Mal vor die Fernsehkameras getreten, um seinem Volk zu verkünden, daß die Attacke auf die Maschinenbaufabrik von Saafaraniyeh ein "Fehlschlag" gewesen sei.
Zerstört worden seien hingegen erneut Wohnhäuser in der Nachbarschaft - eine bis zur Stunde noch nicht bestätigte Behauptung, der die Bevölkerung Bagdads sofort um so bereitwilliger Glauben schenkte, als das Fünf-Sterne-Hotel "Al- Raschid" unweit des Stadtzentrums tatsächlich von einem Sprengkörper schwer in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Noch steht nicht fest, ob es sich dabei um eine irakische Flugabwehrrakete, einen "Tomahawk"-Irrläufer oder einen von der irakischen Luftabwehr aus der Zielanflugbahn geworfenen Marschflugkörper gehandelt hat - jedenfalls war die Explosion beim Einschlag des "Flugobjekts" nahe der "Raschid"-Umfriedungsmauer so stark, daß die Empfangshalle des etwa 30 Meter entfernt liegenden Hotels völlig verwüstet wurde. Dabei kamen drei Menschen ums Leben. Über 30 Hotelgäste wurden verletzt, darunter auch ein deutscher Journalist. Zum Zeitpunkt der Explosion war das "Raschid" - ein luxuriöses, aber überteuertes Hotel, in dem ausländische Journalisten zwecks besserer Überwachung bei Besuchen am Tigris quasi Zwangsquartier nehmen müssen - von 95 Berichterstattern aus aller Welt sowie rund 700 Mitgliedern einer Konferenz pro-irakischer Moslemaktivisten aus 56 Ländern belegt. Ein Umstand, den Saddams Propaganda umgehend zum Anlaß nahm, um Washington zu beschuldigen, das Hotel absichtlich beschossen zu haben. Wenngleich dieser Vorwurf aus der Luft gegriffen sein dürfte, so kann tatsächlich nicht ausgeschlossen werden, daß es sich bei dem Geschoß um eine "Tomahawk" gehandelt haben könnte. Jedenfalls zeigte ein irakischer Armee-Fotograf einen Splitter mit der Gravierung "Williams International, Jacksonville, Florida, Serie 9039. N 00019-89-c-0204". Ob dieser Splitter noch von einem Angriff aus der Zeit des Golf-Krieges stammt, müßte erst geklärt werden. Von "Williams International" werden, soviel ist sicher, die Antriebsaggregate der fraglichen Marschflugkörper hergestellt.
Zwar hatte der noch amtierende US- Präsident George Bush seine britischen und französischen Alliierten vor dem Angriff vom Sonntag konsultiert; im Gegensatz zur Attacke auf irakische Raketenstellungen in der südlichen Flugverbotszone am Mittwoch, unternahm er diesmal jedoch einen Alleingang, als er US-Flotteneinheiten im Persischen Golf und im Roten Meer Befehl erteilte, ihre 2000 Kilometer weit tragenden "Tomahawk" aus den Silos zu holen und auf den Saafaraniyeh-Außenbezirk von Bagdad zu richten. Das Ziel war mit Bedacht gewählt. Präsidentensprecher Marlin Fitzwater zufolge sollte Saddam Hussein zum zweiten Jahrestag des Kriegsbeginns am Golf mit aller Deutlichkeit klargemacht werden, daß er sich an die Waffenstillstandsbedingungen vom 28. Februar 1991 zu halten habe, falls er nicht weitere Strafexpeditionen gegenwärtigen wolle.
Der Adressat dieser Botschaft hatte diesen zweiten Jahrestag nur Stunden zuvor auf die ihm eigene Art begangen - mit militärischer Kraftmeierei und mit rhetorischen Provokationen, die für die Präsidentschaft von Bill Clinton noch manche unangenehme Überraschung aus Bagdad ahnen lassen - zumindest solange Saddam und seine Kumpane noch ihre Gewaltherrschaft ausüben. In einer mit einschläfernden Stimme vom Blatt abgelesenen, anderthalbstündigen Fernsehrede hatte er seinem Volk am frühen Nachmittag versprochen, daß die "Mutter aller Schlachten" - seine Formel für die Konfrontation mit dem Rest der Welt - noch nicht endgültig geschlagen sei, daß Irak letztendlich aber siegreich aus ihr hervorgehen würde. Und vor dem Hintergrund einer irakischen Fahne mit dem Schriftzug "Allahu akbar" - "Gott ist am größten" - verkündete der Diktator erneut sein politisches Credo, daß Irakis und Kuwaitis "eine Nation" seien - eine verbale Finte, mit der Saddam offen ließ, ob er den Begriff "Nation" im übergeordnet-panarabischen Sinn oder in seiner staatlichen Bedeutung gebraucht hatte.
Während einige zehntausend Irakis bei organisierten Massendemonstrationen am Sonntagvormittag höhnische Abgesänge auf George Bush hielten, ließ der scheidende US-Präsident ein weiteres Mal keinen Zweifel daran, daß er seinen Intimfeind Saddam bis zur letzten Minute seiner Amtszeit im Fadenkreuz behält: sozusagen als Auftakt für den "Tomahawk"-Angriff am Abend hatte die US-Luftwaffe am Vormittag im Norden eine irakische Mig 25 abgeschossen und eine Radarstation zerstört, die US-Maschinen auf Kontrollflügen über der Sperrzone nördlich des 36. Breitengrades angepeilt hatte. Während Washington behauptete, der Mig-Pilot habe den Flugverbotsbereich über Kurdistan verletzt, behauptete Bagdad, die Maschine sei südlich des 36. Breitengrades angegriffen und abgeschossen worden.
Obgleich die irakische Führung die beiden Flugverbotszonen im Norden und Süden des Landes auch weiterhin nicht anerkennt, hatte sie sich am Sonntag zu einem Kompromiß hinsichtlich der Bewegungsfreiheit von UN-Transportmaschinen im gesamten Luftraum Iraks bereiterklärt. Nachdem Saddam UN-Maschinen die Landerechte in Bagdad zunächst überhaupt verweigert und dann gefordert hatte, daß sie nur unter Aussparung der beiden Flugverbotszonen die Hauptstadt ansteuern dürften, wollte er jetzt die Sicherheit für die UN-Flüge übernehmen, falls die Alliierten zu den fraglichen Zeiten ihre Luftpatrouillen einstellten - ein "Angebot", das inzwischen von einem Sprecher des UN-Sicherheitsrates als inakzeptabel zurückgewiesen worden ist.
Die Arabische Liga forderte "Zurückhaltung und einen Dialog" zwischen Irak und den UN. In einer Erklärung bedauerte das Liga-Generalsekretariat "die Anwendung einer Politik der Eskalation gegen das Liga-Mitglied Irak" und verlangte von den UN, nicht weiter "zweierlei Maß" anzuwenden. Gleichzeitig forderte es Bagdad auf, seine Polizeikräfte von kuwaitischem Gebiet abzuziehen und die Souveränität Kuwaits zu respektieren.
Libyen verurteilte die Angriffe als "schwere Verletzung der pan-arabischen Sicherheit, die die arabische Nation in keiner Weise akzeptieren" könne. Das Komitee für die Einheit des libyschen Volkskongresses unterstrich laut Nachrichtenagentur JANA, Grenzstreitigkeiten arabischer Staaten könnten niemals durch "Raketen ausländischer Staaten" gelöst werden. Das Komitee warnte die UN davor, ihre Existenzberechtigung als Weltorganisation zu verlieren.
Links oder rechts - eine komplizierte Frage
GRÄVENWIESBACH. 30 000 Mark Schaden entstand bei einem Zusammenstoß auf der B 456 am Sonntag gegen 13.40 Uhr. Wie die Polizei mitteilt, hatte sich ein Autofahrer bei der Abfahrt nach Hundstadt auf der Linksabbiegespur eingeordnet, um in einen Feldweg abzubiegen. Kurzfristig habe er dann aber doch am rechten Straßenrand parken wollen und sei nach rechts ausgeschert, ohne auf folgende Autos zu achten. stk
BORNHEIM. "Bei uns bleibt immer alles beim alten!" An diesem Satz von Adolf Steib, dem Schriftführer des alteingesessenen Bornheimer Kegelclubs "Astloch" ist viel Wahres dran: Was die Kontinuität des Vorstandes und das Alter der Mitglieder angeht, dürften die Kegler so einige Rekorde halten. So änderte sich dann - wie erwartet - auch bei der diesjährigen Hauptversammlung des 1898 gegründeten Vereins nichts.
Erster Vorsitzender des Bornheimer Clubs ist weiterhin Franz Steul, Ludwig Schreiber wird wie in den vergangenen 33 Jahren als Kassierer über die Finanzen der Kegler wachen, und auch Adolf Steib hat sein Amt bereits seit 31 Jahren inne.
Das älteste noch aktive Mitglied der 14köpfigen Kegeltruppe zählt schon weit über 80 Jahre, der "Senior" hat bereits seinen 88. Geburtstag hinter sich. Obwohl der Spaß am Kegelsport bei allen noch uneingeschränkt vorhanden ist, steht bei den Mitgliedern das gesellige Beisammensein im Vordergrund. "Wir sind wie eine große Familie, nur mit dem Nachwuchs will es nicht so recht klappen", sagte Adolf Steib.
In diesem Punkt sind die Bornheimer etwas heikel: Nachwuchs wird zwar sehnlichst herbeigewünscht, "aber schließlich muß er sich in unsere harmonische Gruppe integrieren, damit die Mischung weiterhin stimmt", sagte Steib. So kam es auch bei der Jahreshauptversammlung in dieser Frage zu keiner Lösung. Fast schon spruchreif ist dagegen die Frühjahrstour in den Schwarzwald, zusammen mit der Damenriege. aar
Die Überfälle auf Frauen und Mädchen auch in der Wetterau beunruhigen besonders die Bürgerinnen. Zu unserem Bericht vom 12. Januar 1993 über eine solche Straftat in Nidda heißt es in dem folgenden Leserbrief:
"Eine Frau wurde nachts in ihrer Wohnung überfallen, mitten im Dorf - sicher nicht von einem zufällig da vorbeikommenden Mann. Da ist es doch nicht nur wahrscheinlich, sondern ziemlich sicher, daß der Täter aus demselben Ort sein muß, oder zumindest Mitglied einer Gruppe aus dem Ort ist. Denn wer kennt sich denn sonst so gut aus und weiß, wer wo wohnt?
Bauchschmerzen bereitet mir da die Tatsache, daß der Täter nicht zu finden sein soll. Da gibt es sicher immer Nachbarn, die sich mitkümmern, die in solch einer Situation aufmerksam werden und helfen. Sollte es auch Mitbewohner im Dorf geben, die, obwohl sie sicher helfende Hinweise an die Polizei geben könnten, das Schweigen bevorzugen? Es fällt schwer, sich das vorzustellen.
Die Tat ist vorbereitet worden, kein Zweifel. Dann gehe ich auch davon aus, daß der Täter mit dem einen oder anderen darüber gesprochen hat oder vielleicht hinterher etwas von sich gegeben hat. Mit Schrecken erfüllt mich der Gedanke, daß ich nicht wenigstens in meinem Wohnort sicher leben können soll, daß da nicht genug Schutz ist durch die Leute, die ebenfalls dort leben, daß sogar Menschen in meiner Nähe sein könnten, die bereit sind, Gewalt gegen Menschen anzuwenden!
Dazu kommt mir die Frage, Gewalt gegen wen haben wir wieder? Gegen die vermeintlich Schwächeren - wenn keine Asylbewerber, Aussiedler, Fremde da sind, dann nehme man eine Frau? In diesem Fall ging die ,Rechnung&rquote; zum Glück nicht auf: diese Frau schlug den Täter in die Flucht.
Es wir allerhöchste Zeit, daß wir alle aufwachen! Gewalt gegen Menschen dürfen wir nicht zulassen - und wir dürfen den Gewalttätern nicht schweigend (billigend) zuschauen. Jede / r von uns kann die oder der nächste Betroffene sein, wir müssen uns gegen diese Tendenzen gemeinsam wehren."
Ingrid Tschirner
Parkstraße 5
Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor. (Red.)
MAINTAL. Die Maintaler Sozialdemokraten, die als sogenannte "Themengruppe Soziales" einen Teil des Kommunalwahlprogramms erarbeitet haben, wollen gemeinsam mit Interessierten aus der Bevölkerung darüber nachdenken, wie im Westend des Stadtteils Dörnigheim doch noch eine neue Kindertagesstätte geschaffen werden kann. Ein erstes Treffen dazu findet am heutigen Dienstag, 19. Januar, um 20 Uhr im College der Maintalhalle in Dörnigheim, Berliner Straße, statt.
"Die Hoffnung, im Dörnigheimer Westend könnte schon bald eine zusätzliche Kindertagesstätte eingerichtet werden, ist wie eine Seifenblase geplatzt", teilt der Medien-Service der Maintaler SPD dazu mit und bezieht sich auf die ablehnende Haltung des Main-Kinzig-Kreises. Ein entsprechender Beschluß der Maintaler Stadtverordnetenversammlung, mit dem Main- Kinzig-Kreis über die Einrichtung eines Kindergartens in ungenutzten Räumen der Dietrich-Bonhoeffer-Gesamtschule zu verhandeln, war indes auf Antrag der CDU-Fraktion zustande gekommen, wie seinerzeit berichtet.
Landrat Karl Eyerkaufer (SPD) hatte es auf Anfrage des Maintaler Magistrats indes abgelehnt, die Schulräume für eine Umnutzung freizugeben, wie Sozialdezernentin Priska Hinz (Grüne) kürzlich dem Parlament mitgeteilt hat. Unter anderem habe Eyerkaufer auf die Möglichkeit verwiesen, daß es notwendig werden könnte, in der Bonhoefferschule eine zusätzliche Grundschule einzurichten. Und auch die Einrichtung einer Berufsschule sei nach wie vor denkbar.
Nun haben die Sozialdemokraten das Thema für sich reklamiert und teilen dazu weiter mit: "Die Themengruppe beschäftigt sich seit Monaten mit dem Westend Dörnigheims und speziell mit dem Mangel an Kindertagesstättenplätzen." Die Gruppe sei zu der Erkenntnis gelangt, "daß Kinder und Eltern in diesem Bereich eine Institution brauchen, die sich um ihre Belange kümmert".
Mit der Entscheidung ihres Genossen Eyerkaufer sei indes auch "deutlich geworden, daß dem Westend dringend benötigte Kindergartenplätze nicht geschenkt werden", heißt es weiter, und: "Wir werden etwas dafür tun müssen." Es müsse jemanden geben, der das angepeilte Ziel mit Nachdruck verfolge und auch bereit sei, die Trägerschaft für eine Einrichtung zu übernehmen.
"Ideal wäre ein Verein mit dieser Zielsetzung", meint die SPD. Und darüber soll heute abend schon konkret nachgedacht und beraten werden. Die Übernahme einer Trägerschaft bedeute nicht, die Einrichtung auch aus eigenen Mitteln zu finanzieren; sie bedeute auch nicht, die Betreuung der Kinder in eigener Regie zu betreiben; dies könnten nur ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher tun.
"Es geht vielmehr darum, das Projekt organisatorisch voranzutreiben und als Verhandlungspartner gegenüber Stadt und Land aufzutreten", stellt die SPD- Gruppe fest. Sie wolle "mithelfen, einen Verein aufzubauen, der überparteilich und unabhängig in jede Richtung sein muß".
Ob darüber wohl schon einmal mit den anderen Parlamentsfraktionen - speziell mit der CDU - gesprochen worden ist? Bei dem Ziel, einen überparteilichen und in jede Richtung unabhängigen Verein zu gründen, wäre das doch wohl nur logisch. pom
BAD VILBEL. Der 37jährige Unternehmensberater Peter Gellings ist Spitzenkandidat der Grünen für die Kommunalwahl am 7. März. Gellings ist gebürtiger Vilbeler, wohnt in Gronau und ist nach seiner Ausbildung als Steuerberater Geschäftsführer der in Vilbel ansässigen Firma "TAXPLAN Treuhand GmbH".
Gellings gehört der Partei nicht an - nicht mehr. Er ist nach eigenen Angaben Anfang der 80er Jahre aus der Partei ausgetreten. Er sei Pragmatiker und habe damals, als sich Realos und Fundis bei den Grünen erbitterte Flügelkämpfe lieferten, auch in Bad Vilbel keine Möglichkeit gesehen, "Politik möglich zu machen". Auf die Frage, ob er nunmehr beabsichtige, in die Partei einzutreten, sagte Gellings: "Warum? Nennen Sie mir einen vernünftigen Grund. Ich brauche auf diese Weise nicht wieder auszutreten und kann auch nicht ausgeschlossen werden." Die Mitgliedsbeiträge wolle er jedenfalls nicht sparen. Gellings: "Ich spende genug".
Als Stadtverordneter wolle er sich für mehr Transparenz und Ehrlichkeit in der Politik einsetzen, wie es die Grünen von Anfang an getan hätten. Es gehe darum, etwas gegen die Politikverdrossenheit weiter Kreise der Bevölkerung zu tun. Einzelheiten seiner politischen Vorstellungen will Spitzenkandidat Gellings erst mit der kurz bevorstehenden Veröffentlichung des Kommunalwahlprogramms bekanntgeben.
Nicht mehr als Spitzenkandidat oder überhaupt als Kandidat für das Stadtparlament steht Helmut Teichmann-Kucharskis zur Verfügung. Teichmann hatte die Grünen in den vergangenen vier Jahren als Fraktionsvorsitzender im Stadtparlament vertreten. Der Grund für seinen, als vorläufig bezeichneten Rückzug aus dem Stadtparlament nennt Teichmann, daß er sich auf Aufgaben als Parteisprecher, praktisch also die Arbeit eines Parteivorsitzenden, konzentrieren möchte. Außerdem wolle er sein langjähriges Mandat im Kreisvorstand der Grünen reaktivieren. Er habe jedenfalls nicht vor der absoluten Mehrheit der CDU in Bad Vilbel resigniert.
Er möchte aktive Parteiarbeit leisten, Veranstaltungen organisieren und neue Mitglieder werben. Spätestens bei der Kommunalwahl 1997 sollen die Grünen so fit sein, "daß Farbe in die Vilbeler Stadtregierung kommt", also die absolute Mehrheit der CDU gebrochen werde. Die Aussichten für den Verlust der absoluten CDU-Mehrheit schon am 7. März hält Teichmann für "relativ gering angesichts der vor einem Jahr errungenen 60 Prozent". Die Mitgliederversammlung der Grünen - 14 Personen waren anwesend, neun davon stimmberechtigt - wählte den kaufmännischen Angestellten Klaus Jung-Mülverstedt auf den aussichtsreichen Platz zwei der Kandidatenliste. Jung-Mülverstedt war innerhalb der vergangenen Legislaturperiode für Wulfhard Bäumlein in das Parlament nachgerückt. Er gehört den Grünen an. Nichtmitglied ist hingegen Astrid Ahrens-Danzer, die auf Platz drei kandidiert und wiederum für die Grünen im Ortsbeirat Massenheim tätig sein möchte.
Auf den weiteren Plätzen stehen Heidi Bahrenberg, Gabi Saur-Burmester (kein Parteimitglied), Wolfgang Vier, Martina Stöcker-Treckel (kein Mitglied) und Jörg Dinkelmann. Hans Möller will die Grünen im Ortsbeirat Dortelweil vertreten. Für Gronau gibt es keine Kandidatin und keinen Kandidaten.
Für die Wahl zum Stadtparlaments rechnen die Grünen mit dem Überschreiten der 10-Prozent-Hürde und mit mindestens drei Abgeordnetenplätzen. hm
ROCKENBERG. Das Gasthaus "Gerste" in der Ortsmitte von Rockenberg wird derzeit zum Flüchtlingswohnheim umgebaut. 65 Asylbewerberinnen und -bewerber sollen hier voraussichtlich Mitte Februar einziehen. Die Stimmung in der Bevölkerung sei "schon sehr erregt", berichtete Erster Beigeordneter Josef Witzel der FR.
In einer Bürgerversammlung am Freitag, 29. Januar, um 20 Uhr in der Wettertalhalle soll das Thema beraten werden. Dem Gemeindevorstand schwebt die Bildung eines "Sozialen Arbeitskreises" vor, wie er sich in Butzbach vorbildlich um die Flüchtlinge gekümmert hat.
Die katholische Kirche habe bereits angekündigt, daß sie sich an dem Arbeitskreis beteiligen wolle, sagte Witzenberger. Die Vereine des Ortes hätten sich noch nicht dazu geäußert. Sie waren am vergangenen Mittwoch über das Flüchtlingsprojekt informiert worden.
Das Gasthaus "Gerste" ist von dem Bad Nauheimer Architekten Heinz Wumm gekauft worden, der bereits ein Flüchtlingswohnheim in Nidda betreibt. Das Haus wird derzeit umgebaut. Ursprünglich sollte es schon Ende Januar bezugsfertig sein, es werde nun aber spätestens Mitte Februar zur Aufnahme von Flüchtlingen bereit sein, so Witzenberger zur FR.
Der Wetteraukreis hat laut Witzenberger für Rockenberg eine Quote von 35 Asylbewerberinnen und -bewerbern errechnet. Bislang sind noch keine untergebracht. Feindseligkeiten gegen das im Bau befindliche Wohnheim gab es laut Witzenberger bislang nicht. ieb
"Verdrossenheit" an der Politik oder an den Politikern? Parteien mahnen zum Urnengang Warnung vor Stimmenthaltung Von unserem Redaktionsmitglied Claus-Jürgen Göpfert Horst Hemzal ist zur "Wählerbeschimpfung" entschlossen. Jedem Bürger, der ihn mit gängiger "Politikverdrossenheit" (Wort des Jahres 1992) konfrontiert, hält der CDU- Fraktionschef im Römer entgegen: "Und was tun Sie - sind Sie bereit, sich für eine Sache zu engagieren?" Die SPD verspricht den knapp 410 000 Wahlberechtigten in Frankfurt auf großflächigen Plakaten, daß es "doch noch" Politiker gibt, die "etwas können" - und zeigt ihren Spitzenkandidaten Andreas von Schoeler. Die FDP beteuert, daß sie "schon mangels Masse keine Verfehlungen begehen konnte" (Kreisvorsitzender Hans-Joachim Otto) - die kleine Partei flog 1981 aus dem Rathaus. Die Grünen mutmaßen eine "Krise der politischen Kaste in der BRD" (Geschäftsführer Lutz Sikorski) - die als einzige Partei sie verschone. Wahlkampf sieben Wochen vor der Abstimmung am 7. März: Parteiübergreifendes Werben, daß Bürger überhaupt ihre Stimme abgeben - und nicht durch Enthaltsamkeit indirekt Rechtsradikale stärken. Rund 1,1 Millionen Mark an Wahlkampfinvestitionen gibt SPD-Geschäftsführerin Doris Michel-Himstedt zu - die CDU verrät "in etwa das gleiche" (Hemzal) finanzielle Engagement. Aber garantieren die Millionen, die in Sticker, Stelltafeln, Stände fließen, daß der Großstadt- Wähler, das wechselhafte Wesen, erreicht wird? Die letzten Kommunalwahlen in Frankfurt müßten mit Beteiligungen von 72,5 Prozent (1985) und 77,2 Prozent (1989) eigentlich nicht pessimistisch stimmen. Bei der Landtagswahl im Januar 1991 registrierten die Statistiker bei 66,3 Prozent Gesamtbeteiligung freilich schon Stadtteile, in denen rund die Hälfte der Berechtigten ihre Stimme nicht abgaben - etwa Gallus, Gutleut, Bahnhofsviertel.
Die Experten des städtischen Wahlamtes analysierten hinterher, "bei den großen sozialen und städtebaulichen Problemen" in diesen Quartieren hätten "Menschen keine Hoffnung mehr, durch Stimmabgabe ihre Lebensumstände zu verbessern". Ein Schlag ins Gesicht der Politiker - haben sie zwei Jahre später daraus gelernt? Angesichts einer Kette sogenannter (Bonner) "Skandale" und "Skandälchen" spricht CDU-Politiker Hemzal von einer "sehr starken Verdrossenheit". Als die CDU am vergangenen Wochenende auf der Zeil erstmals ihren "zentralen Info-Stand" aufbaute, war "das Interesse für die Kommunalwahl nicht sehr groß" - "zum Teil war gar nicht bekannt, daß bald gewählt wird".
Die Menschen, betont Hemzal dennoch im selben Atemzug, "sind zu erreichen!" Bloß wie? Der Terminkalender des SPD- Spitzenkandidaten von Schoeler zeigt zumindest, daß das Problem erkannt ist. "Die Personen sind die Themen!" (Michel- Himstedt): Unter diesem Motto besucht der OB mit prominenten Sozialdemokraten Stadtteile, in denen "soziale Unsicherheit eine Rolle spielt": Am 25. Januar mit Hans-Jochen Vogel in Fechenheim und mit der bayerischen Landesvorsitzenden Renate Schmidt in Sindlingen, am 5. Februar mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder in der Nordweststadt, am 24. Februar mit der Sozialministerin von Brandenburg, Regine Hildebrandt, in Bornheim.
Die Grünen differenzieren fein: Nicht eine Politik-, wohl aber eine "Politiker- Verdrossenheit" wähnt Römer-Geschäftsführer Lutz Sikorski. Die Bürger reagierten "nach wie vor total engagiert auf das, was um sie herum geschieht". Und die Grünen suchen nach Möglichkeit, die-
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Kleine FR
Gemeinschaftswald in alter Zeit HANAU. Der Großauheimer Heimatverein bietet am Dienstag, 19. Januar, ab 20 Uhr einen Vortrag über Gemeinschaftswald in alter Zeit an. Albert Schneider aus Klein-Auheim spricht im Bürgerhaus Alte Schule in der Taubengasse, Eingang Haggasse, über "Die Klein-)Auheimer Mark". Malkurs für Kinder HANAU. Die Familienbildungsstätte der Arbeiterwohlfahrt bietet ab Montag, 25. Januar, von 14.30 Uhr bis 16 Uhr einen Malkurs für Kinder im Schloß Philippsruhe an. Im Mittelpunkt steht die Förderung kindlicher Ausdrucksfähigkeit mit Stiften, Farben und Papier. Interessenten können sich unter der Telefonnummer 24 44 28 anmelden.
&blt; Vortrag von Eisenman und Olin
Im Rahmen des Projekts "Many Dreams of Many Gardens" referieren heute der amerikanische Architekt Peter Eisenman und der Landschaftsplaner Laurie Olin über "Architektur und Garten I". Veranstaltungsbeginn im Dominikanerkloster (Kurt-Schumacher-Straße 23): 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. &blt; Musikhochschule Detmold zu Gast Ein Ensemble der Musikhochschule Detmold, Abteilung Münster, gastiert am heutigen Dienstag im Forum der Frankfurter Sparkasse, Töngesgasse 40 in Frankfurt. Im Rahmen der Kammermusikreihe "Musikhoschschulen zu Gast" der Stadtbücherei und Musikbibliothek spielen Markus Billen (Tenor), Cordula Riedel (Flöte) und Tirza Seifert (Harfe) Werke von Britten, Heiss, Zdenek, Bozza, Kawanka und Eckleben. Beginn: 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. &blt; Grenzland - Eine Reise Das Filmforum Höchst zeigt am Dienstag und Mittwoch (jeweils ab 20 Uhr) den Film "Grenzland - Eine Reise" des Grimmelpreisträgers von 1992, Andreas Voigt. Im Anschluß an die Vorführung besteht die Möglichkeit, mit dem Regisseur über die Thematik des Films, das problematische Verhältnis zwischen Deutschen und Polen, zu diskutieren. &blt; Duoabend Marion Basting (Violoncello) und Franz Vorraber (Klavier) spielen ab 19.30 Uhr im Großen Saal der Hochschule für Musik, Eschersheimer Landstraße 29-39 in Frankfurt, Werke von Francaix, Hindemith und Beethoven. &blt; Franz Joseph Czernin liest im TAT Der österreichische Autor Franz Joseph Czernin liest am heutigen Dienstag (20 Uhr) im TAT-Café, Eschersheimer Landstraße 2 in Frankfurt, aus seinem Buch "Die Aphorismen . . . eine Einführung in die Mechanik". Mit dabei Peter Weibel, Institut für Neue Medien, und Jürgen Drews, Literaturwissenschaftler. &blt; Calvelli-Ausstellung Im Direktionsgebäude der Deutschen Service-Gesellschaft der Bahn (DSG), Guiollettstraße 18-22 in Frankfurt, sind bis Ende Juni Gemälde aus Industrie und Großstadt von Alexander Calvelli zu sehen.&blt; Jüdisches Bankwesen Im Kundenzentrum der Frankfurter Sparkasse, Neue Mainzer Straße 47-53 in Frankfurt, hält Hans-Dieter Kirchholtes heute ab 19 Uhr einen Vortrag über "Prägende jüdische Persönlichkeiten im Bankwesen - die Familien Mendelssohn, Bleichröder, Rothschild, Warburg, Oppenheim, Hirschland". &blt; Poetik-Vorlesung Dieter Kühn Dieter Kühn hält am heutigen Dienstag die erste Vorlesung seiner Poetik- Gastdozentur an der Universität Frankfurt. Das Thema lautet: "Dieter Kühn: Mein Lebensroman - Skizzen zum Modell einer Autobiographie". Hörsaal VI, Bauteil D, Gräfstraße. &blt; Führungen im MMK Das Museum für Moderne Kunst (Domstraße 10) bietet am 19. Januar (15.15 Uhr) eine Führung an zu "Reinhard Mucha und Lothar Baumgarten" und am 20. (11 Uhr) zu "Gerhard Richter".
HANAU. Die Staatliche Zeichenakademie Hanau lädt für Mittwoch, 20. Januar, ab 19.30 Uhr zu einem Vortrag über die "Augsburger Goldschmiedekunst vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert" in die Schule in der Akademiestraße 52 ein. Die Veranstaltung, bei der Dr. Hannelore Müller aus Augsburg über die berühmten Werkstätten der Stadt sprechen wird, wird gemeinsam mit dem Deutschen Goldschmiedehaus und der Gesellschaft für Goldschmiedekunst organisiert. res
KARBEN. Die Einrichtung einer Hobbybörse kündigte Ehrenbürgermeister und städtischer Seniorenbeauftragter Paul Schönfeld während eines gut besuchten Altennachmittags der SPD am Samstag im Bürgerhaus Petterweil an. Die Börse soll älteren, gleichgesinnten Menschen Gelegenheit geben, sich miteinander auszutauschen und gemeinsam ihren Interessen und Neigungen nachzugehen. "Ob Skat spielen oder Motorrad fahren", scherzte Schönfeld und erntete für seine Ankündigung riesigen Applaus, "wir werden alles tun, außer Ehen zu vermitteln."
Auf eine Partnerschaft ganz anderer Art setzt Schönfeld-Nachfolger Detlev Engel. Auf den am Sonntag erstmals präsentierten, farbigen Wahlplakaten der Karbener SPD empfiehlt sich der Bürgermeister freundlich-verschmitzt lächelnd den Karbener Bürger/innen als Partner im Rathaus. Gegenüber den mehr als 200 Seniorinnen und Senioren, die sich zu Kaffee und Kuchen sowie zum Tanz nach den Rhythmen Otto Ziegenhains in Petterweil eingefunden hatten, kündigte Detlev Engel an, die Stadt werde in diesem Jahr eine Studie über Größe und Ausstattung der geplanten Seniorenwohnanlage in Auftrag geben und anschließend zügig die Planung in Angriff nehmen.
Wahlkampftöne waren bei dieser nun schon zum vierten Mal von Ingeborg Kuhl gemeinsam mit Ulla Becker organisierten Veranstaltung kaum zu vernehmen. Die zahlreichen Funktions- und Mandatsträger der Karbener Sozialdemokraten übten sich in Zurückhaltung und waren vollauf mit dem Nachschub von Kaffee und Kuchen für die größtenteils nicht der Partei angehörigen Gäste beschäftigt, denen die Zeit nicht nur mit Tanz-Rhythmen, sondern auch mit einem kleinen Preisrätsel mit Fragen zur Stadtgeschichte verkürzt wurde.
Älteste Teilnehmerin war erneut Margarethe Strott. Die 90jährige wurde kürzlich Ur-Urgroßmutter, nachdem Enkelsohn Hans Puchtinger seit der Geburt des kleinen Felix nun selbst Großvaterfreuden genießt. mu
BAD ORB. Das ohnehin eher unterkühlte Verhältnis zwischen CDU und FDP ist in Bad Orb frostiger geworden, seit bei den Liberalen Stefan Bernhard zum Fraktionsvorsitzenden aufgerückt ist und offen seine Sympathie für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Sozialdemokraten bekundete, eine feste Koalition aber nicht eingehen möchte. Dies geschah jüngst wieder, als Bernhard im Zuge der Bekanntgabe der FDP-Liste für die Kommunalwahl darüber philosophierte, wie in der Kurstadt Politik gemacht werden könne für den Fall, daß die Christdemokraten bei den Wahlen am 7. März ihre absolute Mehrheit im Parlament einbüßen sollten.
Die Aussagen des FDP-Fraktionsvorsitzende sind aus Sicht der CDU alarmierend, mehr noch: die Liberalen "ein Sicherheitsrisiko" für Bad Orb. Die Union, die seit 1977 ihre 16 : 15-Stimmenmehrheit im Parlament wirkungsvoll einsetzt, mag sich offensichtlich nicht mit dem Gedanken anfreunden, was passieren könnte, wenn im Herzheilbad die kontinuierliche Linie der vergangenen 15 Jahre verlorenginge. Allein gelassen, reagiert die CDU mit einem verbalen Rundumschlag, der auch die SPD nicht ausspart: Diese, so heißt es in der Pressemitteilung, "begreife möglicherweise gar nicht, was es heißt, wenn es in einem Parlament bei Abstimmungen zu ständig wechselnden Mehrheiten kommt und eine Stadtregierung keine zuverlässige Mehrheit hinter sich hat." Können die Genossen auch nicht, schlußfolgert die Union weiter: schließlich "stecken sie doch in einem babylonischen Sprachgewirr, in dem sie sich gegenseitig nicht mehr verstehen." Was passiert, wenn die Union ihre absolute Mehrheit einbüßt, erfährt der Wähler ebenfalls. Die beiden FDP-Vertreter würden als Zünglein an der Waage das demokratische Gemeinwesen bestimmen und - durch ihre Unerfahrenheit in Verwaltungsangelegenheiten - Stadt- und Kurverwaltung bald lahmlegen. Die FDP als Mehrheitsbeschaffer ohne Koalitionsaussage, dahinter steckt "persönliche Großmannssucht", mutmaßt die CDU. Der Blick auf die siebenköpfige Wahlliste der Drei-Pünktchen-Partei, in Bad Orb de facto nur ein Zwei-Mann-Betrieb, lasse die Frage aufkommen, wie der "forsche und von Sachkenntnis ungetrübte Herr Bernhard" in der Kurstadt die Strukturen in den Gremien und Aufsichtsräten verändern wolle. jan
Schon beim Verladen wird Gefahrengut überprüft Neue Kontrollbehörde erarbeitet ein Firmenkataster Von Bernd Salzmann WETTERAUKREIS. Drei Männer und eine Frau kontrollieren in Wetterauer Firmen künftig den Umgang mit Gefahrengut. Zweiundzwanzig Kommunen bildeten dafür eigens einen neuen Ordnungsbehördenbezirk. Bevor der Außendienst beginnen kann, müssen allerdings noch Hindernisse beseitigt werden: Die Herren aus dem Quartett sind zwar bereits seit Wochen im Pferdsbacher Weg in Büdingen tätig, doch bis heute fehlt die offizielle Genehmigung durch den Wetterauer Kreisausschuß und den Regierungspräsidenten in Darmstadt. Hinzu kommt, daß alle bis auf einen Mitarbeiter sich in Lehrgängen des Hessischen Verwaltungsschulverbandes erst noch zu Gefahrengutexperten und Hilfspolizisten ausbilden lassen müssen. Das Team in Büdingen, mit Beate Amsel erst im Februar komplett, leistet Pionierarbeit. Ratschläge können sich die künftigen Kontrolleure bestenfalls im benachbarten Hochtaunuskreis holen, wo eine vergleichbare Behörde bereits seit August 1991 tätig ist. Die künftigen Kontrolleure betreten auch persönlich Neuland: Beate Amsel, die Mitte Februar in Büdingen anfangen wird, arbeitet derzeit noch bei der Stadt Frankfurt im Dezernat für Soziales. Helmut Schnierle, der Dienststellenleiter, ging bis zum Jahreswechsel einer Tätigkeit im Personalamt der Stadt Büdingen nach. Bodo Koch verfügt zwar über Fachwissen, das er sich in der Gefahrengutabfertigung der Flughafen AG erworben hat, aber lediglich Uwe Habermann, früher Hilfspolizist in Büdingen, ist bereits Absolvent beider Lehrgänge und könnte, sobald die Behörde über eine Genehmigung verfügt, sofort in den Firmen tätig werden.
Bei Überlandtransporten ist das Quartett nicht gefordert, dafür ist die Polizei zuständig. Die Kontrolleure, so will es das zuständige Landesministerium, üben ihre Tätigkeit allein auf Firmengelände aus. Sie kommen unangemeldet, überwachen das Be- und Entladen, können einen Lastwagen auf dem Firmengelände gegebenenfalls sogar stoppen, begutachten Zwischenlager. Ihr Urteilsvermögen ist gleich mehrfach gefordert: Sie müssen beispielsweise wissen, ob das Gefahrengut überhaupt für den Transport zugelassen, richtig verpackt und exakt gekennzeichnet ist.
Bevor sich einer als Experte für Gefahrengut ausgeben darf, muß er im Verwaltungsseminar Frankfurt die Schulbank drücken. Schnierle und Koch, beide bereits angemeldet, warten noch auf einen Termin. Bislang, so hieß es vom Hessischen Verwaltungsschulverband, seien für den Intensivkurs noch zu wenige Anmeldungen eingegangen, die Büdinger müßten sich gedulden. Im Gespräch mit der FR sicherte Hermann Kirchner, Referatsleiter Gefahrengutrecht im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie, Helmut Schnierle und dessen Team am Montag zu, daß die Fortbildung wunschgemäß nach dem Osterfest beginnen kann: "Kein Problem, das kriegt er."
Voraussichtlich im Februar kann die neue Behörde auch mit einer Genehmigung rechnen. Dieter Ohl, Pressesprecher des Regierungspräsidenten, sagte der FR ebenfalls, der Vertrag über die Bildung eines neuen Ordnungsbehördenbezirkes werde "unverzüglich bearbeitet" und "vorrangig genehmigt", sobald er in Darmstadt eingetroffen sei. "Per Fax" sei der Wetteraukreis bereits gebeten worden, den Regierungspräsidenten über "den Stand der Dinge" zu informieren und den Vertragstext seiner Behörde weiterzuleiten. Untätig braucht das Team von Schnierle trotzdem nicht zu sein. In den nächsten Wochen gilt es, die Gewerbelisten der beteiligten Kommunen zu sichten und einen Kataster mit allen Betrieben, die mit Gefahrgut hantieren, aufzustellen. Die Auswahl erfolgt unter schätzungsweise 3000 Betrieben. Ein Personal Computer, der in dieser Woche geliefert werden soll, wird die Arbeit erleichtern.
STADT UND KREIS OFFENBACH. Mehr Spielraum bei der Gestaltung der Arbeitszeit hilft sowohl den Frauen als auch den Unternehmen. Viel mehr Frauen würden liebend gern wieder ins Berufsleben zurückkehren, sich weiter qualifizieren, wenn die Unternehmen nur mehr Rücksicht auf die Doppelbelastung der Frauen in Familie und Arbeitswelt nehmen würden.
Das hat die Frauenbeauftragte der Stadt Offenbach, Ilona Hakert, bei der Befragung von 314 Frauen und 94 Arbeitgebern aus Stadt und Kreis Offenbach herausgefunden.
Als Konsequenz aus ihrer Studie fordert Ilona Hakert: "Die unterschiedlichen Interessen zwischen Arbeitnehmerinnen und Firmen müssen in Deckung gebracht werden." Optimal könnte dies gelingen, wenn ein Unternehmen sich bereit fände, in Zusammenarbeit mit Industrie- und Handelskammer (IHK), Kreishandwerkerschaft und Arbeitsamt zunächst modellhaft eine solche Klärungsstelle einzurichten.
Vorsorglich hat sie beim Land Hessen bereits einen Zuschuß für die Einrichtung einer solchen Modellberatung und Koordinierungsstelle gestellt.
Wenn es Frauen schwer haben, nach einer familienbedingten Unterbrechung wieder eine Arbeit zu finden, so liegt das auch daran, weil zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmerinnen Wünsche und Wirklichkeit über die Arbeitszeitgestaltung noch weit auseinanderklaffen, hat Ilona Hakert herausgefunden. Frauen bevorzugen vor allem Teil-, Gleitzeit und Schichtdienst, weil sich solche Arbeitszeiten mit dem Familienleben oder der Alleinerziehung in Einklang bringen lassen.
Die größte Sorge der Frauen ist: Wann, wie und wo kriege ich meine Kinder in einem Kindergarten oder in einem Hort unter? Wieviel Zeit habe ich, mein Kind zur Schule zu bringen oder von dort abzuholen?
Eine betriebliche Beteiligung an der Kinderbetreuung hält Ilona Hakert deshalb für notwendig.
Sie klagt: "Die Zahl der Unternehmen mit gezielten frauenfördernden Angeboten ist insgesamt in Offenbach noch recht gering. Die meisten Arbeitgeber setzen auf Motivation und Initiative der Frauen, ihre eigenen Beiträge wirken eher bescheiden gegenüber den Forderungen, die sie an die Frauen richten."
Außerdem: Viel zu wenig Unternehmen betrieben eine gezielte Personalplanung. Unternehmen, die Personalplanung praktizieren, hätten inzwischen erkannt, daß sie die Frauen brauchen, weil es viel zu wenig männliche Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt gibt. Ilona Hakert fand heraus: "Frauen weisen heute nach einer Berufsrückkehr eine hohe Firmentreue auf, während Männer der Karriere zuliebe wesentlich häufiger wechseln."
Besonders schwer, wieder einen Arbeitsplatz zu finden, haben es Frauen, die mehr als fünf Jahre nicht in ihrem Beruf gearbeitet haben. Ein Drittel der Arbeitgeber setzt diese Schwelle sogar schon bei ein bis drei Jahren Berufsabstinenz an.
Ilona Hakert verlangt deshalb auch in den Firmen ein breites Weiterbildungs- und Auffrischungsprogramm. Desweiteren müßten zielgruppen-orientierte Qualifizierungsprogramme entwickelt werden. Die Frauenbeauftragte denkt dabei besonders an Angebote für ausländische Frauen in der leder- und textilverarbeitenden Industrie. lz
Das Teilnehmerfeld für die am 7. Februar in der Hanauer Main-Kinzig- Halle terminierte Endrunde der Hanau/Gelnhäuser Frauenfußball-Hallenkreismeisterschaft ist komplett. In der Gelnhäuser Großsporthalle qualifizierten sich Titelverteidiger Viktoria Neuenhaßlau (12:0 Punkte/39:1 Tore), FSV Hailer (8:4/9:5) und die SG Hammersbach II (8:4/7:10) für das Finale. Die Oberligareserve der Spvgg. Langenselbold (7:5/6:7) schaute neben der SG Bad Soden Aufenau (5:7/7:14), Vorwärts Udenhain (1:11/1:17) und SV Altenmittlau (1:11/1:19) in die Röhre.
Während es an der Dominanz des Titelverteidigers nichts zu rütteln gab - Elisabeth Schröder (10 Tore), Birgit Belz (9) und Ute Honus (6) unterstrichen ihre Abschlußqualitäten deutlich - setzte Langenselbold vergeblich allein auf eine gutaufgelegte Toni Wagner, die alle sechs Treffer der Spielvereinigung erzielte.
Im alles entscheidenden Match gegen Hailer hätten den "Zehner- Frauen" ein Remis genügt. Hailer siegte nach Toren von Corinna Schmidt, Carda Wilke und Maria Martin-Villa 3:1. Neben den drei Endrundenqualifikanten komplettieren Rot- Weiß Großauheim, SG Hammersbach I und der Dörnigheimer SV die Finalrunde. hai
Kurz gemeldet
Tierärztlicher Notdienst auch nachts Der tierärztliche Notdienst in Frankfurt und Offenbach wird erweitert. Ab Samstag, 23. Januar, wollen die praktischen Tierärzte an allen Tagen des Jahres auch nachts für Notfälle zur Verfügung stehen. Der täglich wechselnde diensthabende Veterinär ist bei den Polizeidienststellen oder beim telefonischen Ansagedienst unter 1 15 00 zu erfragen. Akademie für Thomas von Aquin Eine Akademie "zu Ehren des heiligen Thomas von Aquin" veranstaltet die Philosophisch-Theologische Hochschule St. Georgen am Sonntag, 31. Januar, 10.45 Uhr. Das Hochschulorchester unter Leitung von Herbert Heine intoniert mit der Solistin Eva-Christine Huck Georg Philip Telemanns Konzertsuite für Violoncello in D-Dur, danach hält der Jesuitenprofessor Samir Khali den Festvortrag zum Thema "Christus im Koran - Eine historisch-theologische Auslegung". Internationaler Frauentreff Einen Internationalen Frauentreff für Frauen deutscher und ausländischer Herkunft plant die Evangelische Familienbildung im Zusammenarbeit mit dem Internationalen Familienzentrum. Interessierte Frauen treffen sich am kommenden Dienstag, 26. Januar, von 15 Uhr an im Haus der Familienbildung, Darmstädter Landstraße 81. Für Kinderbetreuung ist gesorgt.
Zu unserem Artikel "Grüne einigten sich auf Liste / Kandidaten in harmonischen Klima nominiert" vom 11. Januar, erreichte uns nun folgender Leserbrief eines Mitglieds der Partei Die Grünen aus Eschborn:
"Die Eschborner Grünen haben sich gegen den Neuanfang und für die eigene politische Bedeutungslosigkeit entschieden! Unter tätiger Mithilfe der in Kronberg wohnhaften "Import-Mitglieder" Rolf Keil (Mitglied des Kreisvorstands) und Evi Schönhut-Keil (Landtagsabgeorndete und stellvertretende Landtagspräsidentin) wurden im zweiten Anlauf, in einem korrekten Verfahren, Wilhelm Hennemuth und Bernd Wilhelm-Brzoska auf den Grünen-Listenplätzen eins und drei installiert.
Es ist schon peinlich für die Grünen- Frauenpolitik, wenn sich eine ihrer führenden Vertreterinnen auf Landesebene für den Grünen-Männerstammtisch in Eschborn stark macht. Schließlich waren es die Grünen-Gutsherren Hennemuth und Wilhelm-Brzoska, die in einem internen Positionspapier vom 18. Dezember 1992 zum besten gaben, daß sie "grundsätzlich" für das Frauenstatut der Grünen sind, aber seine Anwendung in Eschborn für "Dogmatismus" halten. Hier wird unter dem Grünen-Firmenlogo machtpolitischer Opportunismus zur Hochkultur entwickelt.
Damit steht die Grünen-Wählerklientel in Eschborn vor einer schweren Entscheidung, die die Mehrheitsfraktion des Ortsverbands zu verantworten und durchzustehen hat. Wenn die Grünen am 7. März die Fünf-Prozent-Hürde schaffen, geht der alte Trott weiter.
Hennemuth, als Sprecher der Grünen Stadtverordnetenfraktion und Wilhelm- Brzoska als Magistratsmitglied werden weiterhin ihren Privatkrieg gegen die BGE-Frauen Irmtraud Bottoms und Monika Bender unter dem Deckmantel grüner Interessenvertretung führen.
Ein Privatkrieg, der sich schon so weit entwickelt hat, daß Anträge, die Grünen- Positionen beinhalten, nur deshalb von Hennemuth und Wilhelm-Brzoska abgelehnt werden, weil sie von der BGE gestellt werden.
Mit diesem kleinkarierten Politikverständnis haben die beiden Grünen- Gutsherren in den letzten vier Jahren eine vorher gut funktionierende Fraktionsgemeinschaft ruiniert. Der Grünen- Ortsverband wird - da es in der repräsentativen Demokratie nun einmal aus guten Gründen kein imperatives Mandat gibt - die Grünen- Gutsherren weiterhin nicht unter Kontrolle bekommen. Aus Gründen der eigenen Glaubwürdigkeit wird sich der Ortsverband vielmehr bei jeder politischen Fehlleistung nach Gutsherrenart vor seine Parlamentarier stellen müssen. So würden zwar am 7. März die Grünen gewählt - aber keine Grünen-Politik!
Viel wahrscheinlicher ist es jedoch, daß die vierjährige Politikmixtur aus politischer Inkompetenz und Ausleben persönlicher Animositäten am 7. März sowieso mit einem Ergebnis unter der Fünf-Prozent-Schallmauer abgestraft wird. Dann wäre jede Stimme für die Grünen eine Stimme für den Mülleimer bzw. eine Stimme für die große Koalition.
Eine rationale Stimmabgabe für Grünen-Politik in Eschborn kann aus diesen Gründen am 7. März nur eine Stimme für die BGE sein. Ich werde jedenfalls am 7. März der Bürgergemeinschaft Eschborn meine Stimme geben!"
Jost Schröder-von der Brüggen Berliner Straße 17 Eschborn
Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor. (Red.)
WÄCHTERSBACH. Von einem erfolgreichen Geschäftsjahr 1992 spricht der Vorstand der Volksbank und Raiffeisenbank Kinzigtal in Wächtersbach. Für 1993 allerdings rechnen auch die Wächtersbacher Bänker mit einem Abwärts-Knick in der Erfolgskurve. Die Prognosen sind "nicht optimistisch", bekennen die Vorständler Heinz Colonius, Reinhard Hauck und Siegbert Remmel. So kassieren die Bänker bei ihren Kunden schnell noch einmal kräftig ab: Wer in Zusammenhang mit der neuen Zinsabschlagsteuer einen Freistellungsauftrag erteilt hat, wird mit zehn Mark Sondergebühr belastet.
Fürs vergangene Jahr immerhin stehen noch sehr erfreuliche Zahlen in der Bilanz, die in der Summe um fast 15 Millionen Mark (knapp neun Prozent) auf rund 190 Millionen Mark gestiegen sei. Diesen Zahlen liege ein Anstieg der Kundeneinlagen um rund 14 Millionen Mark auf über 165 Millionen Mark zugrunde.
Besonders erbaut zeigt sich der Vorstand von einer Ausweitung des Kreditgeschäfts. 1992 sei erstmals die 100-Millionen-Grenze überschritten worden, "und zwar beachtlich". Zum Jahresende weist die Bank in ihrer Bilanz Ausleihungen von über 112 Millionen Mark aus. Dies bedeute eine Steigerungsrate von mehr als 15 Prozent. Innerhalb der Kundeneinlagen seien die Termineinlagen, die kurzfristigen Festgelder, besonders stark angestiegen. Der Vorstand führt dies auf das Zinsniveau 1992 zurück. Die traditionellen Spareinlagen hätten sich bereits im Vorjahr wiederum stabilisiert und beliefen sich auf 69 Millionen Mark.
Der neuen Zinsabschlagsteuer weisen die Wächtersbacher Bänker ausdrücklich eine negative Rolle bei der Einlagenentwicklung zu. Ohne diese Steuer "wären die Einlagen noch wesentlich deutlicher angestiegen", meint der Vorstand und spricht von Kapitalflucht. Einige Gelder seien ins Ausland transferiert worden. Bei einem bundesweit auf 100 Milliarden Mark berechneten Abfluß in die Nachbarstaaten sei der Erfolg der neuen Steuer "sehr in Frage gestellt".
Vor allem mit den Freistellungsaufträgen hatten die Bänker ihre liebe Not. Erheblich sei das Arbeitspensum gewesen. Die Kunden hingegen, obzwar beim Gesparten vom Finanzamt nun zusätzlich geplagt, sollen es mit Fassung getragen haben, daß man sie für den zusätzlichen Verwaltungsaufwand von angeblich 100 000 Mark aufkommen ließ. Für die Belastung eines "Unkostenbeitrages" von 10 Mark hätten sie "weitgehend Verständnis gezeigt". Der Zorn wird sich einmal mehr gen Bonn gerichtet haben.
Auch über den Zinssteuercoup hinaus haben die Wächtersbacher Bänker an der Bundesregierung einiges auszusetzen. Statt die öffentliche Verschuldung als "relativ gering" zu beschönigen, sollte der Finanzminister lieber "rigoroses Sparen" als "oberstes Gebot" verordnen. "Unpopuläre Maßnahmen sollten nicht tabu sein", empfehlen die Provinzbänker Bonn.
Für das Kinzigtal kann der Vorstand der Genossenschaftsbank einstweilen nur hoffen, daß das ausbleibt, was schon vielerorts die Regel zu werden droht: schwerwiegende Firmenzusammenbrüche. Darüber hinaus stimmt er ein in den pessimistischen Chor der Main-Kinzig- Wirtschaftsexperten (die FR berichtete): "Sicherlich wird die Arbeitslosigkeit steigen und Kurzarbeit in einigen Betrieben unumgänglich sein, zumal viele Betriebe der heimischen Wirtschaft von der Entwicklung in der Automobilbranche abhängig sind."
Für das eigene Unternehmen glauben die Vorständler daran, den Marktanteil im Raum Wächtersbach ausbauen zu können. Dazu würden auch die Zweigstellen in Salmünster, Bad Soden, Aufenau, Kassel, Wittgenborn und Breitenborn ihren Anteil beisteuern. lex (Siehe auch "Im Hintergrund")
Herrn Hans Müller aus Niederrodenbach zum 80. Geburtstag am Dienstag, 19. Januar.
KREIS OFFENBACH. Zur Diskussionsveranstaltung "Talk im Kreis" mit dem Thema "Zukunft des Kreises" lädt die Junge Union Offenbach-Land am Donnerstag, 21. Januar, in die Räume des Aktionstheaters, im Bürgerhaus Dietzenbach. Beginn ist um 19.30 Uhr. Als Gesprächsteilnehmer geladen wurden CDU Landratskandidat Peter Walter und der Europasprecher der CDU-Landtagsfraktion, Gerald Weis. Für die Musik sorgt die Gruppe "Eine Band namens Wanda".
"Talk im Kreis" will die Junge Union als Veranstaltungsreihe etablieren, die Bewohner des Kreises Offenbach zu Gesprächsrunden versammelt, in denen aktuelle Themen diskutiert werden. fra
Amerikanische Gründe
Zweimal Feuerwerk: Über dem Lincoln Memorial in Washington wölbte sich am Sonntagabend ein feurigbuntes Lichtspektakel, das weithin sichtbar den Auftakt zur Amtsübernahme des zukünftigen US-Präsidenten Bill Clinton markierte. Halb um den Erdball zeigten Fernsehkameras am selben Abend über Bagdad die aus dem Golf- Krieg bekannten schummrig-grünen Nachtaufnahmen mit pervers attraktiven Lichtpunkten, die wie rasende Perlenketten in den Himmel sausten.
Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Lichterspiel als Ausdruck freudiger Erwartung und den Leuchtspuren als Beweis blutigen Ernstes. Saddam Hussein hat die von ihm selbst zähneknirschend gebilligten UN-Inspektoren in seinem Land genasführt, seitdem sie seinen nuklearen, chemischen und biologischen Waffengeheimnissen auf die Spur kommen wollten. Daran hatte sich auch am vergangenen Wochenende nichts geändert. Mit fintenreichen Einfällen versuchte Hussein den UN-Inspektoren immer neue Einreiseauflagen zu machen. Dazu hatte er kein Recht. Und so richtig die Kritik an den USA und ihren Alliierten auch ist, gegenüber Israel nicht die gleiche Entschiedenheit auf Einhaltung von UN- Resolutionen zu zeigen wie im Falle Iraks, so kann dies kein Argument dafür sein, mit Saddam Hussein nachsichtig umzugehen.
Gleichwohl hatte es in den zurückliegenden Monaten viel deutlichere Herausforderungen Saddams gegenüber den UN gegeben. Erinnert sei nur an Inspektoren, die tagelang in ihren Bussen auf einem Parkplatz campierten. Flogen damals Marschflugkörper? Erschien ein Bombenangriff auf Ziele in der Nachbarschaft von Zivilisten als verhältnismäßig?
Nein, und auch die penetranten Nadelstiche Husseinscher Art vom vergangenen Wochenende verlangten eher diplomatische Härte und Stehvermögen als Schläge mit Marschflugkörpern, die sich aller technischen Raffinesse zum Trotz offensichtlich noch in den Straßen von Bagdad verirren können. Also muß man wohl nach Washington schauen, um die Angriffsgründe zu finden.
Da gibt es zum einen die Erklärungsvariante: Bush holt für Clinton die Kastanien aus dem Feuer. Der amtierende Präsident befreit seinen Nachfolger sozusagen von der Last, in seinen ersten Amtstagen Angriffsbefehle erteilen zu müssen. Er verschafft ihm eine Atempause, denn Demokratische Präsidenten stehen insbesondere unter Beweisdruck, Härte zu zeigen, die Sicherheitsinteressen der USA auch mit Waffengewalt verteidigen zu wollen. Vor zwölf Jahren flog der letzte Demokratische Präsident, Jimmy Carter, vor allem deshalb aus dem Amt, weil er als glückloser wimp erschien, als Weichling, der weder den Mumm noch die Fortune hatte, die US-Geiseln in Teheran zu befreien. Und ob nun George Bush dieser Dienst für seinen Nachfolger besonders leicht von der Hand ging, weil er Saddam Hussein noch einmal zeigen wollte, wer von den beiden der "Sieger" des Golf-Krieges ist - wer vermag das schon wirklich zu sagen.
Aus dieser Logik folgt aber andererseits, daß Clinton ohnehin keine Chancen hätte, gegenüber Irak eine andere Politik zu vertreten als Bush. Also kann Bush auch buchstäblich bis in seine letzten Amtsstunden militärische Tatsachen schaffen, die seinen Nachfolger festlegen. Er kann Clinton sozusagen in die Fortsetzung seiner Politik hineinbomben.
Präsident Clinton ist wahrhaft nicht zu beneiden. Abgesehen davon, daß er in Somalia eine humanitäre Hilfsaktion von US-Streitkräften erbt, die stündlich zu einem bewaffneten Konflikt eskalieren kann, ist er nun auf Grund der zeitlichen Nähe unmittelbar in die Folgen des US-Raketenangriffes vom Sonntag verstrickt.Ein Angriff, an dem keine Alliierten beteiligt waren, worauf Bush bisher peinlichst geachtet hatte, um im UN-Sicherheitsrat nicht allein zu stehen. Und ganz im Gegenteil zu den Angriffen auf irakische Raketenstellungen ist die Zustimmung zu dem Marschflugkörperangriff nur in London noch uneingeschränkt. Sobald aber die UN-Koalition gegen Saddam Hussein Risse zeigt, wird Clintons politischer Spielraum noch geringer.
John F. Kennedy, Clintons Vorbild und der Präsident, an den sich so viele US-Wähler erinnerten, als sie für Clinton stimmten, mußte in seinen ersten Amtsmonaten erfahren, welche trübe Suppe ihm sein Vorgänger Eisenhower mit den Vorbereitungen für die Schweinebucht-Invasion auf Kuba eingerührt hatte. Er konnte nie wieder einen politischen Ansatz für den Umgang mit Fidel Castro finden. Von Saddam Hussein hat Clinton mit Sicherheit keinerlei Entgegenkommen zu erwarten, und so steht zu befürchten, daß auch der neue US- Präsident am Ende gar wohlmeinend von seinem Vorgänger in eine tief ausgefahrene Spur manövriert wurde.
Jutta Voss ist sprachgewandt. Gelernt hat sie diese Fähigkeit auch in der Kirche. Die studierte evangelische Theologin und Psychotherapeutin braucht nun dieses Können auch, denn am kommenden Donnerstag muß sie sich einem Lehrzuchtverfahren unterziehen. Württembergs oberster Protestanten- Hirte, Landesbischof Theo Sorg, selbst wird den Vorsitz der zu Gericht sitzenden Kommission führen. Angeklagt ist die Pfarrerin, die reformatorischen Glaubensdogmen in Frage zu stellen und "das biblisch reformatorisch verstandene Evangelium von Jesus Christus in entscheidenden Grundzügen preisgegeben und menschlichen Ansprüchen und Gedanken unterstellt" zu haben.
Die Amtskirche stützt ihre Anschuldigungen auf das von Voss verfaßte Buch "Das Schwarzmond-Tabu", das der Stuttgarter Kreuz-Verlag jüngst in Neuauflage wieder herausbrachte. Darin spürt sie den Wurzeln weiblicher Spiritualität nach und berichtet in einem kulturgeschichtlichen Abriß, warum diese verschüttet wurden. Mit der Installation der "männlichen hierarchischen Kirchenmacht" seien die weiblichen "Wandlungsmysterien" - die auf dem natürlichen Zyklus allen Lebens und insbesondere der Frau beruht hätten - "als Irrlehre ausgelöscht worden". Als Beispiel nennt Voss unter anderem, die christliche Lehre von der Erlösung durch das Blut des Mannes Jesu Christi ignoriere, daß in vorchristlichen Kulten das weibliche Blut Symbol erneuernden Lebens gewesen sei. "Das Reine wird zum Unreinen uminterpretiert, das ursprünglich Heilige des weiblichen Zyklus wird zum Fluch, und das Kindergebären ist nicht mehr potenter Schöpfungsakt, sondern Strafe", schreibt die streitbare Theologin.
Nun könnte der "Blutstreit" ein Fall für Religionswissenschaftler sein, wenn Voss nicht darauf bestünde, ihre Erkenntnisse innerhalb der evangelischen Kirche vertreten zu wollen. Auch nach einem von der Kirchenleitung im Sommer vergangenen Jahres angebotenen "brüderlichen Gespräch zur Bereinigung von Anstößen" war sie nicht bereit, freiwillig auf die Ordination (Einsetzung ins Pfarramt) zu verzichten. Sie rüttelt an den Dogmen der Kirchenväter, weil sie in zehn Jahren Krankenhausseelsorge mit krebskranken Frauen gemerkt hat, daß Dogmen den Menschen in Not nicht helfen. Dogmen seien nicht die Wahrheit, sondern "Ergebnisse einer Herrschaftstheologie zur Ausgrenzung Andersgläubiger".
Damit freilich trifft Voss, die seit 1990 "zwangsweise in den Wartestand" versetzt ist, den Nerv der verfaßten Kirche. Und sie besitzt den Mut, Schlüsse daraus zu ziehen, die an Grundfesten rütteln: Die "autoritäre Macht der Kirche basiert darauf, andere zu entmächtigen, indem sie ihnen Angst macht und das Rückgrat bricht".
Auch die These des Reformators Martin Luther, daß "alle Obrigkeit von Gott" sei, lehnt Voss "radikal" ab: "Mit diesem Dogma hat die Kirche sowohl den Mord an 6 bis 9 Millionen Frauen begründet, die als ,Hexen&rquote; in der Zeit des ,Humanismus&rquote; und der ,Aufklärung&rquote; lebendig verbrannt wurden, wie auch die Mittäterschaft im Dritten Reich gerechtfertigt". So aber finde "Jesu Evangelium, die von ihm gelebte Gute Botschaft der Befreiung des Menschen zu seiner eigenen Würde, in der Kirche nicht statt", schreibt die Pfarrerin, die, wenn ihr die Ordination abgesprochen werden sollte, alle Versorgungsansprüche verliert. Gegen die Entscheidung der Lehrzuchts-Kommission kann sie keine Rechtsmittel eingelegen.
Es ist nicht ihr Angriff auf die frauenverachtende Geschichte der Kirche, die Voss gefährlich macht für die Hierarchen, die so gern von "Schwestern und Brüdern" in der Kirche sprechen. Ärgerlich ist für sie die Dialogbereitschaft der Frau: "Ich greife nicht das männliche Gottesbild an, so hat es sich eben als Wunschprojektion der Männer in dieser patriarchalen Kultur entwickelt. Ich verweigere nur anzuerkennen, daß in dem Mann-Gott das ganz für die Menschheit notwendig Heilige, Heilende und Sinngebende repräsentiert wird".
Im frommen Ländle Württemberg wollen sich Kirchenmänner diese Aufmüpfigkeit nicht länger bieten lassen. Und weil sich die Kirche schon lange nicht mehr ihrer einstigen machterfüllten Stellung sicher sein kann, wird sie sich solche Querdenkerinnen in den eigenen Reihen noch viel weniger leisten wollen. Also wird es ein Lehrzuchtverfahren geben - das zweite seit dem Zweiten Weltkrieg in der württembergischen Landeskirche. KATHARINA SPERBER
Der Prozeß um die sogenannte Frankfurter Führerschein-Mafia ist jetzt vor dem Landgericht fortgesetzt worden. Wie Vorsitzender Richter Rolf Opitz mitteilte, sollen vorerst keine Zeugen vernommen werden. Vielmehr wird die Strafkammer erneut eine Verhandlungspause einlegen, bis sich im Februar mit dem ehemaligen Oberamtsanwalt Hans L. (60), einer der Hauptangeklagten, zur Sache einläßt.
Laut Anklage war L. die führende Figur einer kriminellen Vereinigung aus Anwälten, Sachverständigen und Verwaltungsangestellen, die unter Umgehung von Vorschriften dafür gesorgt haben soll, daß Alkoholsünder am Steuer vorzeitig wieder in den Besitz ihrer Fahrerlaubnis kamen. Von den neun Angeklagten haben sich nach elf Verhandlungstagen bisher erst zwei Rechtsanwälte zu den Vorwürfen geäußert. Lepp
Irritationen nach Einführung des DSD Magistrats-Pressekonferenz: Auch Stadtrat Schreiber hat noch Informationsbedarf Von Helmut Pomplun MAINTAL. Der Start des Dualen Systems Deutschland (DSD) hat in Maintal zu Verwirrungen geführt, von denen auch der zuständige Dezernent, Erster Stadtrat Dr. Karl-Heinz Schreiber (SPD), offenbar nicht verschont blieb, wie aus seinen Äußerungen zu einem improvisierten Quiz ("welcher Abfall gehört wohin?") in der jüngsten Magistratspressekonferenz zu schließen war: Schreiber machte zwei Fehler. - Hörbar gereizt nahm der Politiker zu "einem unglaublichen Anspruchsdenken" Stellung, das in zahlreichen Anrufen aus der Bürgerschaft - teilweise "mit arroganten Frechheiten" - geäußert worden sei. Momentan gebe es in Maintal "keine Alternative zum gelben Sack", betonte Schreiber und lobte allgemein das Engagement der Bevölkerung bei der ersten Sammelaktion in der vergangenen Woche. Seine Vorbehalte gegen das DSD seien indes nicht ausgeräumt. Die Stadt wolle kontrollieren, ob die sogenannte Leichtstoffaktion tatsächlich der Wiederverwertung zugeführt werde: "Und wenn das nicht geschieht, werden wir aus dem DSD auch wieder aussteigen." Das war eine schwere Stunde für Karl- Heinz Schreiber. Monatelang hatte er gegen das DSD gewettert, die "Grüne- Punkt-Aktion" von Industrie und Handel als großes Ablenkungsmanöver und gar als Schwindel gegeißelt. Nun mußte er - schon zum zweiten Mal nach der Bekanntgabe des Anschlusses der Stadt - für das DSD plädieren und die Bevölkerung für ihr überwiegend erfreuliches Mitmachen loben.
"Hier zeigt sich, daß die Bürger bereit sind, sich im Sinne des Umweltschutzes zu engagieren", stellte Schreiber fest. Entgegen anderslautenden Stellungnahmen zum Thema "gelber Sack" könne er feststellen, daß bei den Bürgern "eine hohe Akzeptanz" bestehe, obwohl "von interessierter Seite" schon vor Einführung des gelben Sackes Stimmung gegen das neue System gemacht worden sei.
Wie Schreiber berichtete, hat es zum Teil Weigerungen, Boykottandrohungen und "massive Beschimpfungen und arrogante Frechheiten" von einzelnen Bürgern und Hausmeistern gegenüber städtischen Bediensteten gegeben. Als Gipfel der Unverschämtheit bezeichnete Schreiber die telefonisch geäußerten Vorwürfe, "das Bändel" fehle am gelben Sack (was übrigens wirklich nicht stimmt, d. R.). Hier komme "ein unglaubliches Anspruchsdenken" zutage, rügte der Dezernent und lobte im nächsten Atemzug: "Gerade vor diesem Hintergrund negativer Stimmungsmacher bin ich sehr erfreut über den Erfolg des ersten Abfuhrtermins." In die Haare geriet sich Schreiber mit seinem Magistratskollegen und Genossen, Bürgermeister Dr. Walter Unger, der mit der Frage provozierte, was denn nun in den gelben Sack gehöre, und damit einen kleine Quiz auslöste, an dem sich auch die Pressevertreter beteiligten. Kronenkorken? "Restmüll", beharrte Schreiber, was nicht stimmt. Sie gehören in den Sack wie Schraubverschlüsse. Und wohin mit dem Inhalt des Aschenbechers? "In die braune Tonne zur Kompostierung", meinte der Schreiber (noch) lachend und somit offenlassend, ob er nicht auch wider besseres Wissen provozieren wollte. Daß Streichhölzer nicht gebündelt werden müßten, bestätigte er auf Anfrage der Presse.
Aber vorbei war es mit dem Spaß bei der Frage, wie denn mit "Ekel-Resten", etwa Fleisch- und Fischverpackungen, zu verfahren sei. Unger forderte die harte Linie: "Auch die gehören in den gelben Sack. Das DSD soll sehen, wie es damit fertig wird. Schließlich hat der Verbraucher bereits für die Entsorgung bezahlt." Schreiber plädierte für die Restmülltonne: "Grüner Punkt bedeutet nicht sofort gelber Sack. Bitte denken Sie daran, daß die Verpackungsabfälle von Hand sortiert werden müssen. Das heißt, es stehen Menschen am Fließband."
Und wie ist das mit Katzenfutterbüchsen, überhaupt mit Büchsen? Die könne man doch nach dem Geschirrspülen "mal eben durchs Wasser ziehen . . ." meinte der Umweltdezernent. Bürger, die noch Fragen zum DSD hätten oder bisher noch keine gelben Säcke hätten (was durchaus vorgekommen sein soll), könnten sich an die zuständige Mitarbeiterin im Amt für Stadtentwicklung und Umwelt, Ingrid Hegenbarth-Müller, wenden. Sie ist vormittags unter der Nummer 0 61 81/ 40 04 31 zu erreichen.
Hegenbarth-Müller ist ebenfalls leicht genervt, nicht nur wegen der Beschimpfungen, die sie sich anhören muß, sondern auch wegen der schier endlosen Anfragen, "die meisten sehr kritisch, viele beunruhigt". In absehbarer Zeit werde der neue Abfallratgeber vorliegen, tröstete die Fachfrau. "Der ist schon in Druck gegeben, und Ende Januar soll der erste Schub fertig sein." Wie eine Art Ringbuch soll der neue Leitfaden gestaltet sein, damit Seiten ausgetauscht werden können, wenn sich wieder etwas ändert in der Abfallwirtschaft der Stadt, was früher oder später der Fall sein wird.
Derzeit informiert das Amt noch mit Handzetteln und amtlichen Bekanntmachungen in vier Sprachen (deutsch, türkisch, griechisch und protugiesisch). Mit dem Abfallratgeber wird auch ein Abfuhr-Terminkalender für das ganze Jahr verteilt. Grundsätzlich gilt, daß der gelbe Sack in zweiwöchigem Rhythmus abgeholt wird. Die nächsten Termine sind für die Stadtteile Dörnigheim und Hochstadt der Dienstag, 26. Januar, für Bischofsheim und Wachenbuchen der Donnerstag, 28. Januar.
Auch Altpapier (grüne Tonne) wird in zweiwöchigem Rhythmus abgeholt, aber Bio-Abfall (braune Tonne) und Restmüll (schwarz beziehungsweise grau) wöchentlich. Und Glas gehört im Maintaler Stadtgebiet nach wie vor in die Sammel- Iglus, die in absehbarer Zeit durch Drei- Kammer-Container ersetzt werden (siehe auch "Im Hintergrund").
Das Zwischenrunden-Feld der 6. Friedberger Hallenfußball-Kreismeisterschaft ist komplett: Nachdem mit den direkt qualifizierten Klubs - Titelverteidiger SG Rodheim, Landesligist KSV Klein- Karben sowie den Bezirksoberligisten SV Steinfurth, SV Nieder-Weisel, SV Reichelsheim und SV Germania Ockstadt - und den Vorrunden-Siegern KSG/20 Groß-Karben, SV Nieder-Wöllstadt, KSV Bingenheim und SV Germania Leidhekken bereits zehn Klubs für die am 29. und 31. Januar in der Friedberger Dieffenbach-Halle steigende Zwischen- und Endrunde feststanden, zogen am letzten Wochenende sechs weitere Teams nach. In den Sporthallen Butzbach, Friedberg und Ober-Rosbach präsentierten sich dabei die Staffelsieger SVP Fauerbach, TuS Rockenberg, FC Ober-Rosbach sowie der B-Ligist SV 06 Bad Nauheim von ihrer besten Seite und ließen zum Teil höher eingeschätzte Mannschaften hinter sich.
So gelang es dem A-Ligisten SVP Fauerbach in der Gruppe 3, mit Butzbach und Hoch-Weisel zwei ambitionierte Bezirksligisten auszubooten. Auch die "Nullsechser" aus Bad Nauheim sorgten in der Gruppe 9 für eine echte Sensation, zumal die Schützlinge von Coach Bernd Müller die Hallen-Spezialisten des Türkischen SV Bad Nauheim, die in den ersten Januar-Wochen zwei Indoor-Meetings von Format für sich entscheiden konnten, zum Zuschauen verurteilten. Als durchaus programmgemäß ist hingegen das Weiterkommen des Bezirksligisten TuS Rockenberg (Gruppe 4) und FC Ober-Rosbach (Gruppe 10) zu werten.
Ein besonderes Kunststück vollbrachte der Traditionsklub VfB Friedberg, der mit zwei Auswahlen in der Runde der letzten 16 vertreten sein wird. War in Gruppe 8 der Vorstoß der zweiten Garnitur, die von VfB-Trainer Helmut Mayer "aus taktischen Gründen" mit den technisch stärkeren Spielern besetzt wurde, allgemein erwartet worden, so gelang der schwächer eingestuften "Ersten" in Gruppe 7 die Überraschung, mit Beienheim und Dorheim die eigentlichen Staffel-Favoriten in die Schranken zu weisen. Die Kreisstädter waren übrigens einer von insgesamt fünf Vereinen, denen es das Reglement aufgrund der B-Liga-Zugehörigkeit der jeweiligen Reserve-Teams erlaubte, mit zwei Mannschaften am Turnier teilzunehmen. Wußten die VfB-Auswahlen diesen Bonus entschlossen auszunutzen, so gab es in den Reihen des FC Nieder-Florstadt, VfR Ilbenstadt und des TV Bad Nauheim, deren "Erste" und "Zweite" auf der Strecke blieben, keinen Grund zum Jubel. Nieder-Weisel genoß hingegen den Vorteil, die A-Mannschaft automatisch in der Zwischenrunde zu wissen. Das B-Team mußte in Gruppe 4 TuS Rockenberg den Vortritt lassen. bo
HATTERSHEIM. Bürgermeister Alfred Schubert (SPD) nennt das Kind beim Namen: "Das ist ein Stück Sozialismus, das wir mit kapitalistischen Methoden realisieren." Der Vergleich verweist auf ein pfiffiges Verfahren bei der Ausweisung von Baugebieten, das in der Region ohne Beispiel ist - und das womöglich für andere Kommunen ein Modell für eine sozial verantwortliche Politik sein könnte: Wer in Hattersheim als Eigner von Akkerland durch Beschluß der Stadtverordneten über Nacht zum Besitzer wertvollen Baugeländes wird, den bittet die Stadt ordentlich zur Kasse.
Zwischen 25 und 40 Prozent des Geländes oder der Verkaufssumme für die Fläche muß der alte Eigner an die Kommune als Sozialbeitrag abgeben. Die Grundstücke oder das Geld kann die Stadt wiederum als Gelände für den Bau von Kindergärten oder Altenheimen nutzen oder mit den zusätzlichen Mitteln den Kauf von Eigentumswohnungen subventionieren.
Ein Stück "soziale Bodenreform" nennt Schubert das Hattersheimer Modell, das den Bürgerinnen und Bürgern mit geringem oder normalen Einkommen in Zeiten hoher Wohnungs- und Immobilienpreise zugute kommt.
Bislang hat die Stadt auf diese Weise etwa 3,4 Millionen Mark eingenommen. Mit dem Geld legte der Magistrat die Basis für einen Grundstücksfonds, der mit 2,4 Millionen Mark dotiert ist. Die übrige Summe hat die Kommune in mehreren Darlehen für den Wohnungsbau gewährt.
"Die Grundidee dabei war, daß die Kommune keine Möglichkeit hat, Planungswertvorteile abzuschöpfen", erläutert der Bürgermeister die Vorgeschichte des Verfahrens. Das heißt: Nach Gesetzeslage haben die Planer in den Städten und Gemeinden bislang keine Möglichkeit, auf jene Gewinne zuzugreifen, die durch die Ausweisung von Baugelände erzielt werden. Zwar hat es in der Vergangenheit verschiedene Vorschläge aus Politik und Wissenschaft gegeben, wie die Kommunen einen Teil der Gelder in die öffentlichen Kassen bringen könnten - etwa mit einer Bodenwertzuwachssteuer oder einer Baulandsteuer für unbebaute Grundstücke. Tatsächlich aber hat der Gesetzgeber nie entsprechende Abgaben beschlossen.
Den Preis dafür haben im Wortsinne sowohl die Häuslebauer wie auch die Kommune bezahlt, die nicht selten Gelände für öffentliche Bauten auf dem freien Markt kaufen und dafür ordentlich berappen muß. "Allein durch den Grunderwerb wird die Kasse dann schon stark belastet", beschreibt Schubert das Problem.
Weil es nicht angehen könne, "daß durch Beschluß der Stadtverordnetenversammlung aus Ackerland zu 17 Mark pro Quadratmeter plötzlich Bauland zu 700 Mark pro Quadratmeter wird", hat sich der Magistrat vor drei Jahren für das Modell der sozialen Umverteilung entschlossen. "Unser Ziel war, die gesamten Kosten für die Infrastruktur mit diesem Verfahren zu finanzieren", sagt Schubert.
In der Regel läuft das so ab: Bevor ein Baugebiet durch die Stadtverordnetenversammlung rechtskräftig ausgewiesen wird, verhandelt der Magistrat mit den Eigentümern über Höhe und Form des Beitrages.
Weigert sich ein Besitzer, einen Teil des zu erwartenden Gewinnes abzugeben, verzichtet der Magistrat darauf, der Stadtverordnetenversammlung ein neues Baugebiet vorzuschlagen. Ackerland bleibt dann Ackerland - der Spekulant schaut in die Röhre. Haben sich die Vertragspartner allerdings geeinigt, schlägt das verwaltende Gremium dem Parlament das neue Baugebiet vor.
Als die Stadt vor drei Jahren erstmals einen Grundstückseigentümer zur Kasse bat, "hat der erstmal geschluckt und gesagt, daß er nicht hoffe, daß sowas hessenweit Praxis wird". Tatsächlich ist es soweit nicht gekommen; mit den 1,8 Millionen Mark, die der Stadtsäckel 1990 eingenommen hat, gründete die Kommune einen Grundstücksfonds.
Die Zinserträge aus dieser Geldanlage gibt der Magistrat im Zuge der Umverteilung an die städtische Wohnungsbaugesellschaft als Darlehen weiter. Die öffentlichen Häuslebauer kaufen wiederum mit diesen Darlehen weitere Grundstücke für den Bau von Wohnungen. Die Zinsen aus diesem Darlehen, die von der Wohnungsbaugesellschaft an die Stadt gezahlt werden, werden schließlich nach den Richtlinien der Stadtverordnetenversammlung vergeben. Nutznießer sind jene einkommensschwachen Familien oder Normalverdiener, die sich eine Eigentumswohnung gekauft haben und finanzielle Unterstützung brauchen können.
JÜRGEN SCHULTHEIS
Im Blickpunkt: Kurden in Irak Furcht vor Großangriff
Nach den neuerlichen alliierten Luftangriffen gegen Irak wächst unter den Kurden im Norden des Landes die Furcht vor einer Offensive der irakischen Armee. Nach Einschätzung ausländischer Beobachter hat Saddam Hussein inzwischen etwa ein Drittel seiner Streitkräfte in Nordirak zusammengezogen. Neun Divisionen, so glauben die irakischen Kurden zu wissen, seien entlang der knapp 530 Kilometer langen Front zu den kurdisch kontrollierten Gebieten aufmarschiert. Sie gehen davon aus, daß Saddam die Kurden-Städte Chamchamal, Kifri und Sulaymaniyah, vor allem aber Arbil erobern will. Arbil ist Sitz jener kurdischen Regierung, die nach den ersten freien Parlamentswahlen in Irakisch-Kurdistan im Mai 1992 gebildet wurde. Diese Regierung wird zwar bisher von keinem ausländischen Staat anerkannt und von Bagdad für illegal erklärt, hat aber in der Kurdenregion ein beträchtliches Maß an Selbstverwaltung zustandegebracht.
Die von der Kurden-Regierung kontrollierte Region umfaßt etwa 40 000 Quadratkilometer, ein Gebiet von der Größe der Schweiz. Die Zahl der hier lebenden Menschen dürfte zweieinhalb bis drei Millionen betragen, von denen etwa 750 000 Flüchtlinge ohne eigene Erwerbsmöglichkeiten sind.
Saddam Hussein hatte den irakischen Kurden zwar Anfang dieses Monats angeboten, Verhandlungen über einen föderativen Status für die Kurdenregion aufzunehmen. Diese Initiative aus Bagdad stieß jedoch auf Mißtrauen, nachdem Saddam bereits in vergangenen Jahren ähnliche Angebote unterbreitete, denen er jedoch militärische Vernichtungsschläge gegen die Kurden folgen ließ.
Arbil liegt in der von den Alliierten verordneten Flugverbotszone, aber außerhalb der nach dem Golf-Krieg von der Koalition für die kurdischen Flüchtlinge eingerichteten Schutzzone. Diese beschränkt sich auf eine nur etwa 3500 Quadratkilometer umfassende Region im Bergland an den Grenzen zu Syrien und zur Türkei.
Zwar haben die USA, Großbritannien und Frankreich zum Schutz der Kurden und zur Überwachung des Flugverbots auf den türkischen Luftwaffenstützpunkten Incirlik, Diyarbakir und Batman 75 Flugzeuge stationiert, darunter 48 Kampfbomber. Sie können allerdings nur mit Einwilligung der Türkei eingesetzt werden. Ob Ankara einem solchen Einsatz zustimmt, ist fraglich: Die Türkei ist nicht nur um bessere Beziehungen zu Bagdad bemüht und möchte Spannungen mit den anderen arabischen Nachbarn vermeiden; Ankara beobachtet auch die Autonomiebestrebungen der irakischen Kurden mit Unbehagen, weil man davon eine Stärkung separatistischer Tendenzen unter den türkischen Kurden befürchtet. Allenfalls die Furcht vor einer neuerlichen Flucht von Menschenmassen aus Nordirak in den Südosten der Türkei, wie bereits nach dem Golf-Krieg, könnte Ankara dazu bewegen, einem solchen Einsatz zuzustimmen.
Unklar bleibt, was die Flugzeuge der Alliierten im Falle einer Offensive irakischer Bodentruppen gegen kurdische Städte im Norden überhaupt ausrichten könnten. Der Versuch, einen Angriff irakischer Streitkräfte auf eine der kurdischen Städte aus der Luft zurückzuschlagen, wäre, selbst wenn er gelänge, vermutlich mit hohen Verlusten unter der kurdischen Zivilbevölkerung verbunden.
Nach Informationen aus Ankara haben die irakischen Kurden inzwischen die Truppenstärke ihrer Peschmerga- Armee von 30 000 auf nahezu 70 000 Soldaten erhöht. Doch die schlecht ausgerüsteten Peschmerga könnten einem Angriff mit Panzern, Geschützen und, wie die irakischen Kurden fürchten, womöglich mit chemischen Waffen kaum lange entgegentreten. (GERD HÖHLER (Athen)
KREIS OFFENBACH. Da hat mancher die Qual der Wahl: Eine vielfältiges Kursprogramm mit über 370 Veranstaltungen bietet die Volkshochschule (VHS) des Kreises Offenbach in ihrem Frühjahrssemester 1993 an. Im blauen Programmheft 1/93 sind außerdem neben 188 Angeboten der VHS Rodgau und 146 Veranstaltungen der VHS Rödermark auch Kurzausschreibungen der anderen im Kreis Offenbach arbeitenden örtlichen Volkshochschulen zu finden, deren Zuschuß für 1993 um 50 000 Mark auf 200 000 Mark erhöht wurde.
Auf den farbig gestalteten Mittelseiten, dem "Frauenblatt", werden die Veranstaltungen für Frauen wieder gemeinsam präsentiert.
Erweitert wurde insbesondere das Angebot im Bereich Bildungsurlaub. So organisiert die Volkshochschule, passend zum Länderschwerpunkt während der Kreiskulturwochen 1993, zwei Bildungsurlaube in die Türkei.
Hinzu kommt unter anderem die Möglichkeit, sich im Kurs "Deutsch für Deutsche" weiterzubilden. Weitere Schwerpunkte sind Orientierungsveranstaltungen für Asylbewerber/innen, Kurse für Ältere in Psychologie und Selbsterfahrung sowie Angebote der beruflichen Weiterbildung.
Auch die Fremdsprachenpalette in diesem Semester ist bunt: Russisch und Arabisch stehen neben den üblichen mitteleuropäischen Sprachen ebenso zur Auswahl wie Dänisch, Schwedisch, Portugiesisch und Ungarisch.
Als Kursform können sich Lernwillige dabei zwischen siebentägigen Intensivkursen mit drei Stunden pro Abend, Wochenendseminaren, Bildungsurlauben im In- und Ausland und den bekannten Wochenkursen entscheiden. So beginnt am kommenden Montag, 25. Januar, in Dietzenbach ein Intensivkurs "Russisch für Anfänger" und am Donnerstag, 28. Januar, startet in Dreieich-Sprendlingen ein Intensivkurs "Englisch zum Auffrischen".• Weitere Informationen gibt es in den Programmheften der Kreisvolkshochschule, die bei allen Banken, Sparkassen, Rathäusern und Buchhandlungen im Kreis Offenbach ausliegen. Die Broschüre kann aber auch telefonisch angefordert werden unter der Rufnummer 069 / 80 68 - 5 66. fra
WEHRHEIM. Der Vertrag liegt schon unterschriftsreif auf dem Tisch von Bürgermeister Helmut Michel: Auch in diesem Jahr soll Wehrheim wieder zum Treffpunkt für "Entwicklungshelfer in Sachen Naturschutz" werden. Voraussichtlich vom 1. bis zum 21. August treffen sich junge Leute aus vielen Nationen zum dritten Wehrheimer "Internationalen Work-Camp".
Auf Vermittlung des Vereins für "Internationale Begegnung in Gemeinschaftsdiensten" waren bereits zwei Gruppen zu Gast. "Der Verein hat in Städten und Gemeinden angefragt, wer will", erinnnert sich Helmut Michel. "Wir wollten." Zum letzten Jugendlager im Juli 1992 kamen Studenten, ein Architekt und eine Ingenieurin nicht nur aus europäischen Nachbarländern, sondern auch aus den USA, Kanada, Mexiko und Algerien. Die 18- bis 30jährigen bauten damals eine Schutzhütte am Grillplatz vor dem alten Steinbruch von Pfaffenwiesbach, bastelten hölzerne Hinweisschilder für Wander- und Radwege und stellten Bio-Fallen gegen die Mäuse-Überbevölkerung auf.
Ähnliches schwebt den Planern auch für dieses Jahr vor. Offen ist noch, wo beispielsweise die neuen Wegschilder angebracht werden sollen. In Obernhain, glaubt Michel, wird es wegen der Flurbereinigung wenig Sinn haben. Alternativ käme Friedrichstal in Frage; dort soll eine weitere, ökologisch angelegte Schutzhütte für Wanderer entstehen.
Für die Gemeinde rentiert sich das Projekt allemal. Nur rund 11 000 Mark kostete das Unternehmen im vergangenen Jahr: 26 Mark pro Tag und Teilnehmer. Bürgermeister Michel rechnet für August 1993 mit Ausgaben etwa im gleichen Umfang. Zuschüsse gibt es sowohl vom Land Hessen als auch vom Bund. Als Unterkunft dient das Bürgerhaus, für Verpflegung sorgt eine Schulküche.
Auf dem Programm stehen außer der Arbeit im Grünen natürlich auch unterhaltsame Punkte für die Gäste: eine Tour durch Wehrheim, ein Besuch im Hessenpark, ein Ausflug nach Frankfurt, Partys im Jugendzentrum. Eingeladen sind stets auch die Wehrheimer. Am Work-Camp '92 beteiligten sie sich "je nach Gelegenheit", blickt Helmut Michel zurück: "Bei geselligen Anlässen natürlich mehr." Sobald der Vertrag für das neue "Internationale Work-Camp" unterzeichnet ist, will die Gemeinde das Vorhaben weiter publik machen. Wer mitmachen will, kann sich dann direkt an die Verwaltung wenden. ill
NEU-ISENBURG. Leicht verletzt wurden am Sonntag zwei Personen, als auf der L 3262 zwischen Zeppelinheim und der Rhein-Main Air Base ein Notarztfahrzeug und ein Personenwagen zusammenprallten. Das teilte die Polizei gestern mit. Nach ihren Angaben hatte der 23 Jahre alte Fahrer des Notarztwagens sowohl Blaulicht als auch Sirene eingeschaltet. Obwohl die Ampel Rotlicht zeigte, sei er von der Kreisstraße 163 auf die Landesstraße eingebogen.
Ein in Richtung Rhein-Main Air Base fahrendes Personenauto wurde beim Zusammenstoß quer über die Fahrbahn gegen die Leitplanken geschleudert. Nach ersten Schätzungen soll ein Schaden von etwa 24 000 Mark entstanden sein. leo
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Beratung / Selbsthilfe Friedberg. Pro Familia: Sozialberatung, Verhütungsberatung, 9-12 Uhr, Kleine Klostergasse 16, Tel. 0 60 31 / 23 36.
Verein "Ausweg" für soziale Selbsthilfe: Schuldner- und Sozialhilfeberatung, 19-21 Uhr, Haus Righi, Große Köhlergasse 10.
Diakonisches Werk: Ehe-, Familien- u. Lebensberatung, psychologische Beratung, Gesprächstermine nach telef. Vereinbarung unter 0 60 31 / 149 59, Leonhardstr. 16.
BfA: Sprechstunden, 8.30-12.30 u. 13.30-15.30 Uhr, Ludwigstr. 16, Tel. Voranmeldung unter 0 60 31 / 120 12.
Bad Nauheim. Frauen helfen Frauen Wetterau: Frauenhaus 0 60 32 / 47 84, Beratungsstelle des Frauenhauses: Mo. 13-16 Uhr, Mi. 9-12 Uhr, Fr. 9-12 Uhr u. nach Vereinbarung, Frankfurter Str. 1 c, Tel. 0 60 32 /47 74.
Haus der Gesundheit: 19.30 Uhr Kurseelsorge: "Wie sag ich's meinem Kinde?".
Naturheilverein: SH-Gruppe "Besser essen", 19.30 Uhr, Frankfurter Str. 34.
Bad Vilbel. Beratungsstelle für Aus- und Übersiedler, Sprechzeiten 16-18 Uhr, Pestalozzistr. 8, Tel. 0 61 01 / 830 45.
Anonyme Alkoholiker: Offenes Meeting, 20 Uhr, Grüner Weg, Erstkontakt unter Tel. 0 61 01 / 871 34.
Karben. Deutsch-Ausländischer Freundschaftskreis: Sprechstunde, 9-11 Uhr, Rendeler Str. 42, Klein-Karben.
Wöllstadt. Guttemplergemeinschaft "Neubeginn": Treffen, 20 Uhr, Ev. Gemeindehaus, Frankfurter Str. 31.
Nidda. Frauen-Notruf: Beratung, 11-12 Uhr, Weiherstr. 12, Borsdorf, Tel. 0 60 43 / 44 71. Kulturmix Bad Nauheim. Gesangsklasse H. Heinke: Gesangsabend mit Liedern und Arien, 20 Uhr, Pfarrscheune Steinfurth.
Kurkonzert, 15.30 Uhr, Trinkkuranlage.
Butzbach. Kulturprogramm: Münchner Tournee - "Miss Daisy und ihr Chauffeur", Komödie v. A. Uhry, 20 Uhr, Bürgerhaus. Nidda. Kurkonzert, 10.30-11.30 u. 15-16.30 Uhr, Trinkkurhalle Bad Salzhausen.Gruppen / Vereine Friedberg. Mädchen-Café: 15-18 Uhr, Gr. Klostergasse 5, Tel. 0 60 31 / 31 40.
Friedberger Friedensinitiative: Treffen, 20 Uhr, Literaturcafé.
Bad Nauheim. Johanniter Unfallhilfe: Kinder v. 8-11 J., 16-18 Uhr, Rettungswache. Regenbogenchor: Chorprobe, 20 Uhr, Altes Rathaus.
Schachclub: Spielnachmittag, 15 Uhr, Trinkkuranlage.
Singkreis: Chorprobe 18-18.45 Uhr, Altes Rathaus Rödgen.
Bad Vilbel. Bürgeraktive: Offener Männertreff, 20 Uhr, Frankfurter Str. 15.
Jugendpflege: Spiel- und Basteltreff für Kinder bis 12 J.: Kernstadt, 14-18 Uhr, Spielhaus Berkersheimer Weg; Heilsberg, 14.30-17.30 Uhr, Tee-Stube Jahnstr.; Treff für Kinder v. 12-15 J.: ab 14 Uhr, Gronau, Altes Rathaus Berger Straße.
Kinderschutzbund: Müttercafé, 10-12 Uhr, Frankfurter Str. 85.
AWO-Seniorenclub Gronau: Treffen, 15 Uhr, Bergerstr. 4.
Butzbach. Butzbacher Künstlerkreis: Treffen, 19.30 Uhr, Wendelinskapelle.
Geschichtsverein f. Butzbach u. Umgebung: Archäologische ArGe, Inventarisieren, Restaurieren, 19 Uhr, Wendelinskapelle. Echzell. VdK: Jahreshauptversammlung, 15 Uhr, Gaststätte Zum Landgrafen.
Karben. Elterninitiative zur Betreuung von Grundschüler / innen in Gr.- u. Kl.- Karben: Treffen, 20 Uhr, Bürgerzentrum.
Ev. Kirchengemeinde Groß-Karben: Bastelgruppe, 9.30 Uhr, Ev. Gemeindehaus Groß-Karben.
Mütterzentrum: Die Trotzköpfchen, Treff f. Mütter mit Kindern v. 2-4 J., 15-17 Uhr, Hauptstr. 84, Okarben.
Altenstadt. Jugendclub Treff, 19-22 Uhr, an der Altenstadthalle.
VfL: Joga für Fortgeschrittene, 16-17.30 Uhr, BGH Waldsiedlung.
Nidda. Altenclub: Treffen, Bürgerhaus.
Büdingen. Ev. Frauenhilfe: Frauencafé (für Frauen jeden Alters, mit und ohne Kinder), 10-12 Uhr, Marktplatz.
Stadtjugendpflege: Mädchen-Café, 14-17.30 Uhr, Marktplatz 3, Tel. 0 60 47 / 27 16.
Ranstadt. Jugendforum: Jugend-Treff, 19-21.30 Uhr, Räume unter d. kath. Kirche.Vorträge / Kurse Friedberg. Vortrag zur Religionsgeschichte "Tod- und Jenseitsvorstellungen der alten Ägypter" v. Prof. Dr. G. Deninger-Polzer, 20 Uhr, Bibliothekszentrum Klosterbau, Augustinergasse 8.
Bad Nauheim. Bad Nauheimer Forum: Vortrag "Wenn Eltern trauern - Wege der Trauer nach dem Tod des eigenen Kindes" v. H. v. Papen, 20.15 Uhr, Gemeindezentrum St. Bonifatius, Zanderstraße. Bad Vilbel. VHS: Vortrag "Jüdisches Brauchtum und Feste" v. P. Kunik, 20 Uhr, Christuskirchengemeinde, Grüner Weg 4-6.
Siedlungsgemeinschaft Heilsberg: Dia- Vortrag "Zu Besuch bei den Gorillas der Diane Fossey" v. H. Willrich, 19.30 UHr, Pestalozzistr. 10.
Evangelische Frauenhilfe: Autogenes Training, Kursusbeginn 16.30 Uhr, Grüner Weg 4-6.
Butzbach. AWO-Begegnungsstätte: Vortrag "Ernährung des Säuglings im 1. Lebensjahr", 20-21.30 Uhr, J.-S.-Bach-Str. 26.
Karben. Gemeindezentrum St. Michaelis Kl.-Karben: Yoga-Kursus, Beginn, 9-10.30 Uhr, Am Lindenbaum 6.
Büdingen. Vortrag "Marc Chagalls Kirchenfenster" v. Pfarrer A. Schechter, 15.30 Uhr, Steinweg 19.
Parteien / Parlamente Friedberg. Sitzung des Umweltausschusses, 18.15 Uhr, Altes Rathaus.
Sitzung des Ausschusses für Bauwesen und Planung, 18.15 Uhr, Stadthaus Bismarckstr. Florstadt. Sitzung der Gemeindevertreter, 20 Uhr, BH Leidhecken.
SPD: Schulgespräch mit Hess. Kultusminister Holzapfel, 15.15 Uhr, Bürgerhaus. Ranstadt. Sitzung der Gemeindevertretung, 20 Uhr, Rathaus. Verschiedenes Bad Nauheim. Tanzabend, 19 Uhr, Kurhaus.Abfallsammlung Butzbach. Altpapiersammlung in Nieder-Weisel mit Waldsiedlung, Hoch-Weisel und Ostheim. Ausstellungen Friedberg. Gianni Colombo - spazio curvo, der gekrümmte Raum, Di.-Do. und So. 11-20 Uhr, Görbelheimer Mühle, Bruchenbrücken (bis 30. 3.).
Bad Nauheim. Was Sie über Herzinfarkt wissen sollten und warum jede Minute zählt, Wanderausstellung, Haus der Gesundheit (bis 2. 2.).
Bad Vilbel. Brunnen- u. Heimatmuseum: Historische Bügelgeräte, So. 10-12 u. 14-17 Uhr, So. 19-21 Uhr (bis Februar). Echzell. Heimat- u. Geschichtsverein: "Was du ererbt von deinen Vätern", So. 10-12 u. 14-16 Uhr, Lindenstr. 3 (bis Ende Februar 1993).
Büdingen. Aus Kleiderschrank und Wäschetruhe, Di.-Fr. 10-12 Uhr, Mi. u. Sa. 15-17 Uhr, So. u. Feiertage 10-12 und 15-17 Uhr, Heuson-Museum im Rathaus (bis 28. 02. 93). Filmspiegel Friedberg. Roxy: Bodyguard (15, 20.15 Uhr) - Blende: Die Schöne und das Biest (15 Uhr); Eine Frage der Ehre (20 Uhr) - Studio: Kevin - allein in New York (15 Uhr); Eine Frauensache (20.15 Uhr) - Keller: Der Tod steht ihr gut (15 Uhr); Sister Act (20.15 Uhr).
Bad Nauheim. Terminus: Grüne Tomaten (19 Uhr).
Butzbach. Capitol: Die Schöne und das Biest (20 Uhr) - Bambi: Boomerang (20 Uhr).
Büdingen. Royal: Bodyguard (20 Uhr) - Princess: Sister Act (20 Uhr).
Schöneck. Sternpalast: Die siebente Saite (19.45 Uhr); IP 5 (22 Uhr).
Lich. Traumstern: Gestohlene Kinder (19.30 Uhr); Incident at Oglala (21.45 Uhr).
(ohne Gewähr)
Im Blickpunkt: PCB Ein heimtückischer Giftstoff
Kommunen müssen großflächig Leuchtstofflampen mit Kondensatoren austauschen, die hochgiftige polychlorierte Biphenyle (PCB) an die Umwelt abgeben. Schulen und Kindergärten werden saniert, weil dort mit PCB verrührte Fugenmasse verarbeitet wurde. Die neueste Hiobsbotschaft: In Kassel wurde in Brandschutzfarben an Wänden von öffentlichen Gebäuden PCB entdeckt. PCB ist, so sagt Umweltmediziner Bernd Köppl vom Umweltamt in Berlin-Steglitz, ein "heimtückischer Giftstoff". Beispiel Darmstadt: Konfuse Abstimmungen pro und contra Sanierung im Stadtparlament, seit Jahren in der Sache überforderte Politiker, die zudem Angst ums liebe Geld haben. Aufgebrachte Eltern, Schulschließungen nach alarmierenden Werten von 3000 Nanogramm (Milliardstel Gramm) pro Kubikmeter Raumluft, Notunterricht im Schichtsystem.
Laut Klöppl steckt PCB in den als Plattenbauten hochgezogenen Containern, Turnhallen und Schulen der 60er und 70er Jahre, wo die Knete als dauerelastische Fugendichtung gang und gäbe war, um Ritzen zu füllen, Löcher zu stopfen: auf Beton, an Fenstern, Türrahmen, zum Einpassen von Waschbecken. Wahrscheinlich wurde "oftmals auf der Baustelle selbst noch PCB unter die vorhandene Fugenmasse untergemischt", meint er.
Die Substanz wird seit 1929 massenhaft produziert und galt als Universalwerkstoff: nicht brennbar, gut geeignet als Kühlflüssigkeit, als gegen Strom isolierendes Trafoöl, als "Weichmacher" zur leichteren Verarbeitung von Dichtungs- und Abdeckmaterial. Schätzungsweise eine Million Tonnen PCB sind weltweit hergestellt worden. Mit verheerenden Folgen: Das Umweltgift verschwindet nicht mehr aus der Natur, reichert sich in der Nahrungskette an. Der Mensch nimmt es überwiegend über Essen, aber auch über Atmung auf und speichert PCB im Fettgewebe und Organen. In Muttermilch wurden exorbitant hohe Werte registriert.
PCB-Kondensatoren werden seit 1983 nicht mehr hergestellt. Seit 1989 gibt es in der Bundesrepublik eine allgemeine Produktions-Verbotsverordnung. Trotz Kontroversen um das Ausmaß der Gesundheitsrisiken durch PCB steht soviel fest: Es steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen, hat Anteil an möglicher Mißbildung bei Neugeborenen, an Wachstums- und psychomotorischen Entwicklungsverzögerungen, Schwächung des Immunsystems.
Bis heute gibt es von staatlichen Stellen keine Richtlinien und klaren Empfehlungen zum Umgang mit dem Chemie-Mix, nur schwammige Grenzwerte: Das Bundesgesundheitsamt sah bisher eine "Tagesdosis" bis 300 Nanogramm PCB in der Raumluft für ein zehn- bis 15 Jahre altes, 35 Kilogramm schweres Kind als "unbedenklich" an. Erst ab 3000 Nanogramm solle, so die laxe Vorgabe, an Sanierung gedacht werden. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden erkannte vor wenigen Monaten in einem Urteil konkrete Gefahr schon ab 1000 Nanogramm.
Was den Sanierungsexperten Kopfzerbrechen bereitet: PCB frißt sich mit der Zeit durch alle Baustoffe, sogar Beton; haftet in Lackanstrichen von Möbeln, im Putz, Teppichboden, in Turnmatten, lagert sich über Deckenplatten, in Lüftungsanlagen. Das BGA resümierte deshalb im vorigen Herbst, daß "befriedigende Sanierungskonzepte" bisher "nicht vorliegen".
Auch Köppl räumt ein: "Es gibt keine schnellen Erfolge" und noch "keinen sicheren Weg zu dem Ziel", die Raumluftbelastung unter 300 Nanogramm zu drücken. Köppl hat bundesweit "eine Reihe fehlgeschlagener Versuche" beobachtet, "wo mit wahnsinnigem Aufwand null Ergebnis erzielt wurde". "Nicht bewährt" haben sich nach Auskunft des Berliner Umweltexperten Methoden wie das "Ausbackverfahren" (Hochheizen der Räume und viel Lüften) oder das Überkleben der Fugen mit Metall- oder Teflonplatten. Zwei Verfahren sind derzeit Praxis: Herausbrechen und Abkratzen der Dichtungsfugen oder Vereisen der Fuge mit flüssigem Stickstoff, um die verfestigte Knetmasse abzuschlagen und dabei einen Teil des hochkontaminierten Betons mitabzutragen. Erstere Methode wurde unter Begleitung von Umweltmediziner Bernd Köppl an einer Schule in Berlin-Steglitz ausprobiert: Die Luftbelastung sank um die Hälfte. Daneben wurden Erfahrungen aus Köln-Rodenkirchen genutzt, um die weitere Abgabe von PCB wenigstens zu verschleppen: Fugenflanken wurden mit Epoxidharz überstrichen und neu verfüllt, die Wände mit Glasfasertapete und einem Latexfarbanstrich versehen, PVC- Scheuerleisten durch solche aus Holz ersetzt, Fenster abgeschliffen, die Baustelle täglich aufwendig gesäubert.
Die erste Messung danach brachte ein "ermutigendes Ergebnis", aber im Sommer muß nochmals kontrolliert werden. PCB scheint unberechenbar: Der Absperreffekt durch Farben und Tapete ließ nach wenigen Monaten stark nach, stieg später aber wieder steil an. JÖRG FEUCK (Darmstadt)
NEU-ISENBURG / LANGEN. Ein 50 Jahre alter Mann aus Dreieich hat sich jetzt bei der Isenburger Polizei selbst angezeigt: Wie es hieß, will er für den Brand verantwortlich sein, der am 10. Dezember in einem Mehrfamilienhaus in der Nordendstraße in Langen ausgebrochen war. Die Flammen hatten einen Schaden in Höhe von rund 60 000 Mark angerichtet.
Als Grund für seine vorsätzliche Tat gab der Mann an, daß er sich von seinem Arbeitgeber ungerecht behandelt gefühlt habe. Nachdem die Flammen um sich gegriffen hätten, habe er die Löscharbeiten der Feuerwehr von einer nahe gelegenen Gaststätte aus beobachtet. leo
Kleine Lokalrundschau
Ausländer und Kommunalwahl "Welche Rolle spielen die Ausländer bei den Kommunalwahlen?" Mit dieser Frage befaßt sich der Ausländerbeirat in seiner nächsten Plenumsitzung am Mittwoch, 20. Januar, um 18 Uhr im Rathaus.Der kleine Horrorladen Howard Ashmans und Alan Menkens Musical "Der kleine Horrorladen" wird am Samstag, 23. Januar, um 19.30 Uhr im Großen Haus des Staatstheaters aufgeführt.The Night on Fire Musik und Texte von Jim Morrisson and The Doors präsentiert die Gruppe "The Blues ist Back" am Samstag, 23. Januar, ab 20.30 Uhr im Cafe Cicero, Kirchgasse 50. Motto: "The Night on Fire". Nach uns die Sintflut? Klimaveränderungen und Zusammenhang zwischen Treibhauseffekt und Armutswanderungen ist Thema am Mittwoch, 27. Januar, um 19.30 Uhr im Rathaus. Gast ist der Diplom-Meteorologe Dieter Walch.
Kunst aus Lateinamerika Grafik und Lyrik aus Lateinamerika zeigt eine Ausstellung vom 28. Januar bis 18. März in der Kellergalerie der Büchergilde Gutenberg, Bismarckring 27. Eröffnung ist am Donnerstag, 28. Januar, um 17 Uhr. Stadtrat Berlitz hält Sprechstunde Umwelt- und Verkehrsdezernent Dieter Berlitz hält am Mittwoch, 20. Januar, von 16 bis 18 Uhr Sprechstunde im Umweltladen, Michelsberg/Ecke Schwalbacher Straße.
Film im Schloß: State of Grace In der Reihe "Verkannte Filme" zeigt das Kulturamt der Stadt am Dienstag, 26. Januar, 18.30 Uhr und 21 Uhr, im Biebricher Schloß die Originalfassung des amerikanischen Spielfilms "State of Grace" ("Im Vorhof der Hölle").
Vom 1. bis 28. Februar legt das Ensemble der Komödie am Park, Wilhelmstraße 36, eine Spielpause ein.
MAINHAUSEN. Die SPD Mainhausen will am heutigen Dienstag, 19. Januar, 19 Uhr, in der Gaststätte der Turnhalle Zellhausen über die Pläne der Deutschen Bundespost informieren, unweit der Sendeanlagen in Zellhausen ein Frachtzentrum zu errichten. Als Geprächspartner konnte der Bezirkssekretär der Postgewerkschaft, Bernd Duschka, gewonnen werden.
Laut Hans Christian Falkenberg, Sprecher der SPD Mainhausen, sollen durch das neue Center 900 Arbeitsplätze geschaffen werden.
Gleichzeitig sei damit zu rechnen, daß täglich rund 1000 Lastzüge den Komplex anfahren würden. fra
ERLENSEE. Wie alle anderen Kommunen mußte auch Erlensee zum 1. Januar ein neues Abfallkonzept umsetzen, nachdem das "Duale System" flächendeckend eingeführt wurde. Weil die Bürgerinnen und Bürger offensichtlich noch viele Fragen insbesondere zum "Gelben Sack" für den Verpackungsabfall haben, lädt die SPD für Mittwoch, 20. Januar, zu einem Informationsabend ein: ab 20 Uhr in der Kleinen Erlenhalle.
Als Experten werden Vertreter der Entsorgungsfirma und der Gemeinde und eine Vertreterin des Kreis-Dezernates Abfallwirtschaft Rede und Antwort stehen. az
WIESBADEN. Die Wiesbadener Volkshochschule hat in der Dotzheimer Straße 23 eine neue Geschäftsstelle eröffnet. Dort stehen neben Büros auch Unterrichtsräume zur Verfügung.
Das bisherige VHS-Domizil in der Dotzheimer Straße 3 soll demnächst abgerissen werden. Dort wird nämlich eine unterirdische Turnhalle für die benachbarte Elly-Heuss-Schule errichtet. Die VHS indes hofft langfristig auf einen Neubau am Platz der Deutschen Einheit. Bis dahin müssen allerdings weitere Unterrichtsräume zur Verfügung gestellt werden. Im Gespräch ist ein Haus in der Mainzer Straße.
Rund 1500 Kurse und Seminare bietet die Volkshochschule alljährlich an, 30 000 Wiesbadener nehmen daran teil. Sie werden von 40 "hauptamtlichen" und 400 "nebenamtlichen" Mitarbeitern unterrichtet.
Die CDU-Stadtverordnetenfraktion hat inzwischen die Unterbringung der Volkshochschule im Camp Lindsey gefordert. Denn angesichts der finanziellen Entwicklung in der Landeshauptstadt sei an einen Neubau für die VHS auf dem Platz der Deutschen Einheit vorerst nicht zu denken. maf
BAD VILBEL. Den Rekorderlös von 8800 Mark hat der siebte Dortelweiler Weihnachtsmarkt eingebracht. Das ist ein dicker Tausender mehr als "üblich". Nach Angaben von Theo Waltz, dem Sprecher der veranstaltenden zehn Dortelweiler Vereine, zeugt das Ergebnis von der Wetterfestigkeit und Spendenfreude seiner Mitbürger/-innen. Naßkaltes Wetter nämlich und möglicherweise der neue Standort an der Linde hatten, wie in der Frankfurter Rundschau berichtet, dafür gesorgt, daß das Publikum nicht gerade zahlreich zum Weihnachtsmarkt geströmt war.
Der Reinerlös wurde gesplittet. Je 4400 Mark konnten am Wochenende Günter Hochstadt als Geschäftsführer der Behindertenhilfe Wetterau und Dr. Hartmut Groß, Vorsitzender des Vereins "Christliche Aktion Mensch-Umwelt" entgegennehmen. Die Behindertenhilfe nutzt die Spende für die Ausstattung der "Schloßscheune" mit Fernsehapparaten und zur Anschaffung von Geschirr und Sonnenschirmen. In der Ockstädter Wohnstätte "Schloßscheune" leben 45 behinderte Frauen und Männer, die hier individuell betreut werden.
Die Aktion Mensch-Umwelt nutzt die Spende für die Anschaffung von medizinischem Gerät für eine Kinderklinik in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, in der Kinder betreut werden, die an Leukämie erkrankt sind.
Theo Waltz als Vorsitzender des Dortelweiler Vereinsrings durfte sich nicht nur über den Dank der mit Spenden Bedachten freuen, sondern wurde auch selbst beschenkt. Günter Hochstadt dekorierte ihn stellvertretend für die Dortelweiler Vereine mit der Albert-Schweitzer-Plakette. hm
WIESBADEN. Empört reagierten Wiesbadener Gewerkschafter auf die Nachricht, daß die Stadt den Republikanern am Freitag abend, 22. Januar, den Bürgersaal in der Biebricher Galatea-Anlage für eine Wahlveranstaltung überlassen will. Der Organisationssekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Wiesbaden, Sebastian Wertmüller, nannte die Haltung der Stadt "grob instinktlos" und sprach in einer Pressemitteilung von einem Skandal.
Während sich der zuständige Dezernent, Stadtrat Wolfgang Hessenauer, in einer ersten Stellungnahme darauf berufen hatte, der rechtsextremen Partei den Zugang zu städtischen Räumen nicht verwehren zu können, beschwert sich der DGB, daß die Republikaner noch nicht einmal die Gerichte bemühen müßten, um im Bürgersaal ihre rassistischen Parolen zu verkünden. In kleineren Nachbargemeinden wie Niedernhausen und Geisenheim hätten die Republikaner hingegen klagen müssen.
Weil nicht hingenommen werden könne, daß sich "Rechtsradikale an einem Ort versammeln dürfen, an dem vor wenigen Wochen noch mehrere hundert Biebricher friedlich gegen Ausländerfeindlichkeit und gegen Ausgrenzung demonstriert haben", ruft der Gewerkschaftsbund gemeinsam mit dem Ausländerbeirat zur Teilnahme an einer Protestkundgebung auf.
Treffpunkt zu der Demonstration ist am Freitag, 22. Januar, um 18.30 Uhr vor der Galatea-Anlage in der Straße der Republik. maf
WIESBADEN. "Zu Gast bei Achim Exner" heißt die Polit-Show, mit der die Wiesbadener Sozialdemokraten heute, Dienstag, 19. Januar, um 19.30 Uhr im Kurhaus ihren Kommunalwahlkampf eröffnen. Prominenter Gast ist der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Wolfgang Thierse. Außerdem wird die Jungunternehmerin Dr. Annette Winkler erwartet. Damit der Abend nicht in eine trockene Wahlveranstaltung ausartet, wurden Musiker und Jongleure verpflichtet: Sie sollen dem Partei- und Wählervolk einheizen. maf
Kleine FR
Feuerwehr tagt GROSS-GERAU. Gleich zwei Versammlungen stehen bei der Freiwilligen Feuerwehr heute, 22. Januar, im Feuerwehrhauptstützpunkt an. Um 20 Uhr ist Dienstversammlung (mit Jahresbericht und Beförderungen), anschließend Jahreshauptversammlung des Vereins der Freiwilligen Feuerwehr (mit Ehrungen). Sozialamt bittet um Hilfe KELSTERBACH. Einen Kinder-Sportwagen sucht das Sozialamt dringend. Meldungen werden entgegengenommen unter Telefon 0 61 07 / 77 33 48. Umweltausschuß tagt RAUNHEIM. Flugsicherheit und Gefahrenabwehr sind Thema beim Umweltausschuß Stadtverordnetenversammlung am Montag, 25. Januar, 20 Uhr, im Seniorenhaus "Waldblick". Jahreshauptversammlung KELSTERBACH. Zur Jahreshauptversammlung tritt die Freiwillige Feuerwehr am Sonntag, 24. Januar, 15 Uhr, im Gerätehaus zusammen. Telefon im Frauentreff MÖRFELDEN-WALLDORF. Der Frauentreff im "Goldenen Apfel" ist jetzt telefonisch erreichbar: 2 69 57. Die Kosten für Anschluß und Grundgebühr trägt die Stadt, der Verein zahlt seine Gespräche. TuS lädt ein KELSTERBACH. Zur "Danke-Schön"- Veranstaltung für Mitglieder und Helfer lädt der TuS für Sonntag, 24. Januar, 16 Uhr, ins Vereinsheim "Hinkelstein" ein. Betreuer gesucht BÜTTELBORN. Für die Ferienspiele vom 26. Juli bis 7. August sowie 23. August bis 4. September sucht die Kommune Betreuerinnen und Betreuer, mindestens 18 Jahre alt, die zu zweit für je 16 Kinder eine Projektgruppe leiten. Teilnahme an einer Ausbildung wird vorausgesetzt. Auskunft erteilt die Jugendpflege im Rathaus, Telefon 0 61 52 / 88 46. Närrischer Nachmittag NAUHEIM. Zum närrischen Seniorennachmittag lädt die Gemeinde: Sonntag, 24. Januar, 14.33 Uhr, SKV-Halle. Ausschuß tagt KELSTERBACH. Mit Bauanträgen wird sich am Montag, 25. Januar, 18 Uhr, der Planungs- und Bauausschuß des Stadtparlaments beschäftigen (Rathaus). Islam im Blickpunkt MÖRFELDEN-WALLDORF. Der Islam steht am Dienstag, 26. Januar, im Mittelpunkt des Vortrages im katholischen Pfarrzentrum von Walldorf. Die Veranstaltung im Rahmen der Erwachsenenbildungsreihe beginnt um 20 Uhr. Bilder aus Alt-Walldorf MÖRFELDEN-WALLDORF. Bilder aus Alt-Walldorf sieht sich die Evangelische Frauenhilfe am Mittwoch, 27. Januar, im Gemeindezentrum Ludwigstraße an; Beginn 14 Uhr. Kolping-Familie lädt ein KELSTERBACH. "Lebenserfahrung" ist Thema eines Abends der Kolping-Familie am Mittwoch, 27. Januar, 19.30 Uhr, im katholischen Gemeindezentrum.
WIESBADEN. Mehr als 7500 Mark haben die Geschwister-Scholl-Schüler für die Jungen und Mädchen der Peter- Zoranic-Schule in Stankovic gesammelt. Weitere Spenden sind unterwegs. Initiiert wurde die Spendenaktion von der Jahrgangsstufe 7 der Geschwister-Scholl-Schule.
Für Flüchtlingskinder aus Bosnien erstellten die Wiesbadener Kinder einen Stadtführer. Außerdem helfen sie ihnen bei der Eingewöhnung in der Stadt. Sie zeigten eine Ausstellung mit Fotos und Zeitungsausschnitten über die Kriegsgreuel auf dem Balkan und motivierten damit ihre Mitschüler aus anderen Schulen zu spontaner Mithilfe: Die Jungen und Mädchen der IGS Kastellstraße packten eifrig Päckchen für Kinder in Bosnien und schickten mehrere Säcke mit Winterschuhen und warmer Kleidung ins Kriegsgebiet.
Jungen und Mädchen der Riehlschule in Biebrich backten Plätzchen und verkauften sie auf dem Weihnachtsmarkt in Biebrich. Erlös: 300 Mark. Andere Schulklassen sammelten Spielzeug oder spendeten den Gewinn aus einem Verkauf vom Pausenfrühstück. Eine Firma verzichtete auf Weihnachtspräsente und stiftete Geld. maf
WIESBDADEN. Wer im ersten Halbjahr mit dem Bus in Wiesbaden und Mainz unterwegs ist, hat Igel, Rehbock, Steinmarder, Siebenschläfer oder gar ein Wildschwein in der Tasche. Die Viecherei ziert seit Anfang Januar die "Himmelblaue Monatskarte" der Stadtwerke. maf
WIESBADEN. Die Nassauische Sparkasse hat in Wiesbaden das Job-Ticket eingeführt. 270 Mitarbeiter nutzen seither die Möglichkeit, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Arbeitsplatz zu fahren. Sie müssen nur noch 32 Mark für eine Monatskarte berappen, die Naspa zahlt den Rest: 20 Mark.
Sicher ist dieser Arbeitgeberzuschuß zu den Fahrtkosten allerdings noch nicht. Nur wenn weitere 135 Mitarbeiter vom Auto auf Bus oder Bahn umsteigen, wird das Job-Ticket auch im nächsten Jahr beibehalten. maf
WIESBADEN. Die evangelische Albert- Schweitzer-Kirchengemeinde in Biebrich setzt ihr "Training in aktiver Menschlichkeit" am Mittwoch, 20. Januar, um 20 Uhr im Gemeindezentrum, Albert-Schweitzer- Allee 44, fort.
In kleinen Gruppen sollen sich die Teilnehmer mit Rollenspiel und Gesprächen auf Situationen vorbereiten, in denen sie mit ausländerfeindlichem Gerede oder gar Attacken konfrontiert werden. Pfarrer Wilfried Warneck: "Wir wollen nicht länger schweigen und ratlos sein. Den Kerzen sollen Taten folgen." maf
RÖDERMARK. "Mantras - Spiel mit Farben und Formen" heißt eine Ausstellung von Frank Weihe aus Rödermark, die von Montag, 1. Februar, bis Sonntag, 28. Februar, in der Galerie "Lou ihr Milljöh" zu sehen sein wird.
Zu seinem Thema hat der gebürtige Hildesheimer auch ein Spiel entwickelt: Unterschiedlich gestaltete Farbtäfelchen werden dabei an einer magnetischen Tafel individuell aneinandergefügt oder entfernt. Sie ergeben immer wieder neue Farbkompositionen. Weihe hat dabei das Prinzip der Mantras, im ursprünglichen Sinn gesprochene Meditationsformeln, auf die Malerei übertragen. So wie der Meditierende über die Mantras zu spirituellen Erlebnissen gelangt, könne man mit Hilfe des Farbspiels lernen, seine Kreativität zu entfalten. Das Spiel ist noch nicht im Handel erhältlich.
Die Galerie ist dienstags bis freitags von 9.30 bis 11.30 Uhr und von 16 bis 18 Uhr sowie montags und samstags von 9.30 bis 11.30 Uhr geöffnet. fra
Dienstag, 19. Januar
Theater Komödie, Neue Mainzer Str. 18, Tel. 28 45 80: 20.15 Uhr, "Hier kocht der Chef".
Volkstheater Frankfurt, Gr. Hirschgraben 21, Tel. 28 85 98: 20 Uhr, Stelldichein im Tivoli".
Goethe Theater, Leipziger Str. 36, Tel. 70 88 88 u. 62 55 30: 20.30 Uhr, "Das letzte Band".
English Theater, Kaiserstr. 52, Tel. 24 23 16 20: 20 Uhr, "The Boy Friend".
Mousonturm, Waldschmidtstr. 4, Tel. 40 58 95 - 20: 20 Uhr, Matthias Beltz - "Füße im Feuer", Kabarett.
Kommunales Kinder & Jugendtheater, Volksbildungsheim am Eschenheimer Tor, Tel. 44 72 30: 10.30 & 15 Uhr, "Ikarus".
Neues Theater Höchst, Emmerich-Josef-Str. 46 a, Tel. 30 30 90: 10 & 15 Uhr, Clownstheater Patü - "Plabutsch ist futsch!".
Hessischer Rundfunk, Foyer, Bertramstraße 8: 10 und 14 Uhr, Augsburger Puppenkiste.
Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20, Tel. 28 96 91: 20 Uhr, Internationale Weihnachtsrevue.Musik Alte Oper, Opernplatz: Grosser Saal: 20 Uhr, American Musical Gala - "Best of Broadway".
Sinkkasten, Brönnerstr. 5: 21 Uhr, Pete Haycock Band.
Jazz Life Podium, Kl. Rittergasse 22-26: 19.30 Uhr, Two Fingers.
Irish Pub, Kl. Rittergasse 11: 21 Uhr, Joe Ginnane. Werkstatt, Gr. Rittergasse 106: 19 Uhr, The Runners.
Jazzkneipe, Berliner Str. 70: 22 Uhr, Jazz- Trio.
Negativ, Walter-Kolbstr. 1: 20 Uhr, Asexuals.
La Bohème Weinkeller, Schloßstr. 117: 20.30 Uhr, Die Zwei - Jazzduo.
Jahrhunderthalle Hoechst, Tel. 36 01 240: 20 Uhr, Rock meets Classic.
Cooky's, Am Salzhaus 4: 22 Uhr, Club Supreme. Forum Fraspa, Töngesgasse 40: 19 Uhr, Hochschule für Musik Detmold - Kammermusik. Musikhochschule, Eschersheimer Landstr. 29-39: 19.30 Uhr, Duoabend - Violoncello & Klavier.
Palast Bar im Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20: 22 Uhr, Joan Faulkner und die Chicago Blues Busters. Literatur Literaturhaus, Bockenheimer Landstr. 102: 16.30 Uhr, Wolf Krämer liest "Albert Camus - Der Fremde".
TAT-Café, Eschersheimer Landstr. 2: 20 Uhr, Lesung Franz Joseph Czernin - "die aphorismen".Vorträge / Diskussionen Patronatsverein: 19 Uhr, Vortrag Martin Steinhoff - "Opernpolitik"; Oper am Theaterplatz, Chagall-Saal.
Polytechnische Gesellschaft: 19 Uhr, Vortrag "Prägende jüdische Persönlichkeiten im Bankwesen"; Kundenzentrum Fraspa, Neue Mainzer Str. 47-53.
IPPNW - Internationale Ärzte zur Verhütung eines Atomkrieges: 18 Uhr, Ringvorlesung: "Töte und teile. Zur Psychoanalyse von Kriegsverlangen und Friedensfurcht."; Klinikum der J.W.Goethe-Universität, Hörsaal 2, Haus 23 A, Theodor-Stern-Kai 7.
Institut für Öffentliches Recht, Universität Hörsaal V: 14 Uhr, Diskussion "Asylrecht: Europa - Zuflucht oder Festung?".
Dominikanerkloster, Kurt-Schumacher-Str. 23: 20 Uhr, Diskussion mit Peter Eisenmann - "Many Dreams of Many Gardens".
Christuskirche, Beethovenplatz: 20 Uhr, Vortrag "Der sogenannte Bonner Parteienkompromiß - nicht ,versöhnendes Signal' sondern Verhöhnung des Grundgesetzes".
Amerika Haus, Staufenstr. 1: 18.30 Uhr, Vortrag "Juristen in die USA - Studien- & Praktikamöglichkeiten für angehende Juristen".
Völkerkundemuseum: 18.30 Uhr, Vortrag "Das griechische Erbe im Islam und Probleme des europäischen Selbstbewußtseins"; Schillerschule, Morgensternstr. 3. Museen/Führungen Museum für Moderne Kunst, Domstr. 10: 15.15 Uhr, Führung zu "Reinhard Mucha und Lothar Baumgarten".
Was Frankfurter Museen und Galerien zeigen sowie die allgemeinen Führungstermine lesen Sie täglich auf der Seite "Kulturpanorama Frankfurt" in der Abendausgabe sowie donnerstags auf der Freizeitseite "Was-Wann-Wo". Kino/Filme Das Kinoprogramm entnehmen Sie bitte dem Filmspiegel im Anzeigenteil, S. 16. Sonstiges Schach-Senioren-Gruppe: 14 bis 18 Uhr, Spieltermin; Sozialzentrum Marbachweg, Cafeteria. City-Lauftreff, Alte Mainzer Gasse 4: 12 bis 14 Uhr, Laufstrecken 2 km, 4 km und 8 km.
PINS Single-Verein: 20 Uhr, Stammtisch; Gaststätte zum Goldenen Garten, Marbachweg (Info 789 56 28).
Stadtteilladen Dezentral, Sandweg 131 a: 20 Uhr, Kneipenabend & Vernissage.
Hausfrauen-Bund: 14 Uhr, Besichtigung Ausstellung zum Thema "Tibet"; Ledermuseum Offenbach, Frankfurter Str. 86 (Info 85 58 14).
Frankfurter Bund für Volksbildung: 15 Uhr, "Zauberer Dixon"; Marien-Krankenhaus, Gr. Hörsaal/UG, Richard-Wagner-Str. 14.
English Speaking Club, Haus Dornbusch, Eschersheimer Landstr. 248: 19.30 Uhr, Current Affairs. Märkte Dornbusch: 8 bis 18 Uhr, Wochenmarkt; Carl- Goerdeler-Straße. Apotheken Folgende Apotheken sind Dienstag, 8.30 Uhr, bis Mittwoch, 8.30 Uhr, ständig dienstbereit:
Arnsburg-Apotheke, Bornheim, Arnsburger Straße 78, Tel. 43 31 90; Bonifatius-Apotheke, Sachsenhausen, Holbeinstraße 63, Tel. 62 19 53; Centrum-Apotheke, Zeil 96, Tel. 29 51 29; Eschbach-Apotheke, Alt-Niedereschbach 2, Tel. 5 07 70 77; Hostato-Apotheke, Höchst, Hostatostraße 28, Tel. 30 60 36; Kaiser-Apotheke, Kaiserstraße 53, Tel. 23 23 62; Schwarzburg-Apotheke, Nordendstraße 65, Tel. 59 03 27; Severus- Apotheke, Heddernheim, Severusstraße 77, Tel. 57 29 40; Stern-Apotheke, Bockenheim, Am Kurfürstenplatz, Tel. 77 55 82. Ärztlicher Notdienst Der ärztliche Notdienst für das Stadtgebiet Frankfurt ist unter der Sammel-Rufnummer 1 92 92 jederzeit erreichbar. Er soll jedoch nur bei Verhinderung des Hausarztes in Anspruch genommen werden. Für ambulant zu versorgende Notfälle: Notdienstzentrale im Haus Galluswarte, Mainzer Landstraße 265 und Usinger Str. 5.
Sanitätsdienstliche Bereitschaft für Soldaten der BW Stadt Frankfurt, Stadt und Kreis Offenbach, Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis, während der allgemeinen Dienstzeit: StOArzt Frankfurt, Tel. 2 47 78 - 433; nach Dienst und an Wochenenden: SanZentr. 412 Mainz, Tel. 0 61 31 / 56 26 42. Zahnärztlicher Notdienst Der zahnärztliche Notdienst in Frankfurt ist bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen, Zahnärztehaus Niederrad, Telefon 66 07 / 2 71, zu erfragen. Tierärztlicher Notdienst 19 bis 23 Uhr Tierarzt Knell, Beethovenplatz 7, Tel. 72 66 66, danach bei den tierärztlichen Kliniken (siehe Branchenfernsprechbuch unter "Tierärzte"). Anwaltsnotdienst (24 Stunden täglich) Tel. 28 30 83. Telefonberatungen Tag und Nacht Telefonseelsorge im Ev. Volksdienst: Tel. 1 11 01; Telefonseelsorge im Haus der kath. Volksarbeit: Tel. 1 11 02.
Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche: 1 11 03. Notfall-Nummern Feuerwehr/Unfall-Rettungswache 112 Überfall 110 Polizei 75 51 Krankentransport 49 00 01-4 Hubschrauber-Rettungsdienst 44 10 33 ADAC-Pannenhilfe 1 92 11 ACE-Pannenleitstelle 1 92 16 AvD-Pannennotruf 6 60 66 00 VCD-Notrufzentrale 02 21/82 77 366 Zentrum für Entgiftungen und Giftinformation der Universität Mainz 0 61 31/23 24 66 Drogennotruf 62 34 51 Die Rubrik "Rat und Hilfe" erscheint jeden Montag in der Regionalausgabe und jeden Donnerstag in der Stadtteil-Rundschau mit allen Sprechstunden und Terminen für die gesamte Woche. Wir empfehlen, diese Seite aufzuheben.- ohne Gewähr -
DIETZENBACH. Bei einem Überfall auf eine Tankstelle in Dietzenbach-Steinberg hat ein bislang unbekannter Täter am Montag morgen mehrere tausend Mark erbeutet. Wie die Polizei berichtete, hatte der 49jährige Pächter kurz vor 6 Uhr das Gelände betreten, um die Beleuchtung einzuschalten. Plötzlich wurde er von hinten von einem Mann angesprochen und offensichtlich mit einer Waffe bedroht. Dann erhielt der Tankwart einen Schlag auf den Kopf und verlor das Bewußtsein. Erst einige Minuten später kam er wieder zu sich und konnte die Polizei verständigen. Die Polizei bittet um Hinweise (069 / 8 09 02 59). fra
Der Wunsch nach Sauberkeit und auch andere Bedürfnisse könnten die Frankfurter Schuldezernentin Jutta Ebeling jetzt teuer zu stehen kommen. Zumindest wenn es nach den Jugendlichen und Sozialarbeitern des selbstverwalteten Jugendzentrums in der Varrentrappstraße geht. Die haben der "lieben Jutta" jetzt eine Rechnung über 999,26 Mark geschickt - für die Putzmittel und Klopapierrollen, die im vergangenen Jahr so angefallen sind.
Schließlich habe sie in einem offensichtlichen "Anfall von Leichtsinn" versprochen, für die Hygiene im JUZ mit ihrer Privatschatulle geradezustehen, erinnern die Juzler die Stadträtin an gegebene Versprechen. Vor Monaten waren die Jugendlichen während einer Aktionswoche zur Fraktion der Grünen gekommen, um ihr finanzielles Leid zu klagen. Es fehlten die nötigen Sachmittel. Für Arbeitsmaterialien, Veranstaltungen und Reparaturen hätten sie gerade 4000 Mark zur Verfügung - nicht viel, wenn ein ansehnlicher Teil schon für Scheuerpulver und das Klopapier draufgehe. Ja, wenn es nur darum ginge, soll die Stadträtin da in "ausgesprochener Heiterkeit" ausgerufen haben, das könne sie leicht aus ihrer eigenen Tasche begleichen.
"Wir nehmen Dich hiermit beim Wort", schreiben die Juzler nun an Jutta Ebeling, und präsentieren ihre Rechnung. Wobei die Stadträtin sich noch darüber freuen kann, daß das Jugendzentrum in den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres wegen Bauarbeiten nur zwei Wochen lang geöffnet hatte. Da kamen gerade 53,37 Mark für die Reinigung zusammen. luf
HASSELROTH. "Die Arbeit hat sich gelohnt." 25 Jahre nach seiner Gründung zieht der "Arbeitskreis Wasseramsel" des Naturschutzbundes (NABU) Deutschland zufrieden Bilanz. Der flinke Singvogel, bundesweit als bedrohte Art in der "Roten Liste" aufgeführt, habe sich dank des Artenschutzprojektes so gut vermehrt, daß sein Bestand im Main-Kinzig-Kreis nicht mehr als gefährdet gelte.
Nur eines trübt die Freude der Naturschützer um den Hasselrother Raimer Thienhaus über diesen "beispielhaften" Erfolg: Erst kürzlich haben Unbekannte rund 28 Brutkästen zwischen Meerholz und Gründau "systematisch mit Brecheisen weggeschlagen". Und das könne den mittlerweile kreisweit agierenden Arbeitskreis "möglicherweise um ein paar Jahre zurückwerfen", bedauert Thienhaus. Denn mangelnde natürliche Bruthöhlen waren nach Angaben der Naturschützer "der Hauptgrund der geringen Bruterfolge in den 60er Jahren". Lediglich zehn Brutpaare zählte man damals, unterdessen ist der Bestand wieder auf 130 bis 150 Paare gewachsen. Auch bei Meerholz sollten nun weitere Wasseramseln gezielt angesiedelt werden. Doch nun fallen die abgeschlagenen Nistkästen an der Kinzig weg. Ob sich die Vögel in dem Gebiet selbst Nester bauen, ist aus Sicht von Thienhaus fraglich, weil natürliche Bruthöhlen in Gemäuern oder Steinen am Wasser fehlen. Und es wird einige Zeit dauern, bis der Arbeitskreis für Ersatz sorgen kann: "Es sei denn, es kommen unverhoffte Spenden." Nistkästen sind schließlich nicht billig, auch wenn sie selbst gebaut werden.
Cinclus cinclus, so der einheimische Singvogel im Ornithologen-Latein, ähnelt zwar äußerlich der Amsel, ist aber nicht näher mit ihr verwandt. Die Wasseramsel hat eine weiße Brust und Kehle sowie einen kürzeren Schwanz. Nach Angaben des Arbeitskreises paßt sie sich ihrem Lebensraum "außergewöhnlich an". Sie ernährt sich von Larven und Kleinkrebsen, die sie im fließenden Wasser fängt. Tauchen und Unterwasserjagd - für Cinclus cinclus kein Problem. Ihre Kugelnester versteckt sie in Höhlungen, um in deren Schutz die Jungen aufzuziehen.
Als sich der Bestand in den 60er Jahren mehr und mehr dezimierte, begann die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) die Fließgewässer des Kinzigtals wissenschaftlich zu untersuchen und brachte Nistkästen für Wasseramseln an. Auch der NABU, der sich damals noch Deutscher Bund für Vogel- und Naturschutz nannte, wurde aktiv. Um Raimer Thienhaus sammelte sich eine Gruppe, die den heimischen Wasservogel besser und flächendeckender schützen wollte.
1967 gründete sich dann der "Arbeitskreis Wasseramsel", und mit der Zeit weitete sich dessen Tätigkeit auf das gesamte Kreisgebiet aus. Heute kontrolliert der Arbeitskreis 57 Fließgewässer zwischen Vogelsberg und Spessart, betreut rund 300 Nistkästen auf einer Gesamtlänge von 350 Kilometern und untersucht die Gewässergüte.
Zu seinen wichtigsten Aufgaben zählt der Arbeitskreis die Kartierung bestehender Wasseramsel-Biotope und die Untersuchung der Flußregionen in seinem Einzugsgebiet. Geeignete Areale werden in Brutbiotope verwandelt, Nistkästen nach den neuesten Erkenntnissen angefertigt und großflächig angebracht. Das Ergebnis ihrer Arbeit veröffentlichen die Vogelschützer alljährlich.
"Der Bestand hat sich ganz toll entwikkelt", bilanziert Thienhaus nun. Trotz steigender Belastungen durch die vielen Großeingriffe im Kinzigtal sei der Wasseramsel-Bestand nicht mehr bedroht. Außerdem hat der "große Bruterfolg" von Cinclus cinclus einen erfreulichen Nebeneffekt: Denn auch Gebirgsstelzen, ebenfalls eine "Rote-Liste"-Art, nutzen sie "ebensogern".
Doch leider, stellen die Naturschützer immer wieder enttäuscht fest, "stellen die Nistkästen ein beliebtes Objekt menschlicher Zerstörungswut dar". Als "Vandalen" erweisen sich des öfteren auch Angler, die fälschlicherweise glauben, daß die Wasseramsel den Fischbestand reduziere. Dabei "hat die Wissenschaft eindeutig festgestellt, daß dem nicht so ist", betont Raimer Thienhaus.
Außerdem hat der Arbeitskreis noch ein weiteres "Phänomen" beobachtet: Hinter Kläranlagen fehle die Wasseramsel völlig. Auch verlasse sie alte Bruthabitate, wenn davor neue Kläranlagen gebaut würden. Die genauen Umstände dieser Entwicklung bedürften jedoch noch der Klärung. tja
HANAU. Die Hanauer Sozialdemokraten laden für Freitag, 22. Januar, zu einem Forum über Perspektiven der Sozialpolitik ab 18 Uhr ins Gelbe Foyer der Hanauer Stadthalle ein. Unter dem Motto "Sozialpolitik: Zukunftsaufgaben, die uns gestellt sind", werden der Osnabrücker Sozialdezernent Heinz Fitschen, die Vorsitzende des Stadtverordnetenausschusses "Frauen, Jugend und Soziales", Roswitha Kießling, der Leiter der Martin-Luther-Stiftung, Siegfried Thase, und Sozialdezernent Klaus Remer zum Gespräch eingeladen.
Nach einer einleitenden Podiumsrunde soll auch die Gelegenheit zur Diskussion mit Besucherinnen und Besuchern bestehen. res
Wir gratulieren
Frau Elisabeth Basché zum 80. Geburtstag am 19. Januar.
MAIN-TAUNUS-KREIS. Einen "Fonds gegen den Radikalismus" mit insgesamt 30 000 Mark hat der Kreisausschuß des Main-Taunus-Kreises eingerichtet. Er soll "Maßnahmen und Veranstaltungen zur Aufklärung über die Gefahren des Radikalismus" an den Schulen des Kreises unterstützen, erläuterte der Kreisbeigeordnete und Schuldezernent Werner Emde (FWG). Geld soll es für Unterrichtsmaterialien, Projekte beziehungsweise Fahrten zu Gedenkstätten oder Ausstellungen geben.
"Die Mittel sollen möglichst unbürokratisch und unkompliziert vergeben werden", sagte Emde: "Wir betrachten diesen Fonds als vorbeugende Maßnahme gegen extremistische Tendenzen bei Jugendlichen, gewissermaßen als Prophylaxe."
Konkrete Vorfälle oder Gewalttaten von rechts- oder linksextremer Seite habe es an den Schulen des Kreises "zum Glück noch nicht gegeben", berichtete der Schuldezernent. Allerdings müsse schon in der Schule das "Bewußtsein zum Kampf gegen den Radikalismus" geweckt werden.
Am Donnerstag, 21. Januar, sollen in einem Gespräch mit dem Schulamt die Unterstützungsmöglichkeiten für Klassen und Schülergruppen konkretisiert und Richtlinien erarbeitet werden.
Die Schulen können aber ab sofort Anträge bei Werner Emde stellen (Am Kreishaus 1-5, 6238 Hofheim am Taunus, Rufnummer 0 61 92 / 20 12 02) und sich auch über die Vergabe von Mitteln aus dem Fonds informieren.
"Ich entscheide dann, ob zum Beispiel eine Fahrt zu einem Konzentrationslager bezuschußt oder sogar ganz finanziert wird", sagte Emde. Das Schulverwaltungsamt wird dann überwachen, ob die Mittel auch der Bestimmung entsprechend verwendet wurden.
Der Main-Taunus-Kreis stellt die 30 000 Mark zunächst außerplanmäßig zur Verfügung; im Nachtragshaushalt soll ein Posten für den "Fonds gegen den Radikalismus" aufgestellt werden. md
SOSSENHEIM. Nach fast 200 Einbrüchen in Gartenhäuschen auf dem Gelände des Kleingartenvereins Sossenheim ist der Polizei nun ein erster Schlag gegen einen Serientäter gelungen. Am Samstag gegen 1 Uhr nachts alarmierten Vereinsmitglieder die Polizei. Die Kleingärtner hatten beobachtet, wie ein Mann sich am Schloß einer Hütte zu schaffen machte. Die Mannschaft einer Funkstreife entdeckte den Täter in einem Gebüsch und nahm ihn fest. Anschließend durchsuchten sie die Wohnung des Einbrechers, in der sie viele Gegenstände fanden, die aus Gartenhäuschen-Einbrüchen stammten.
Bei dem Täter handelt es sich um einen 38 Jahre alten, arbeitslosen Elektriker, dessen Lebensgefährtin drogenabhängig ist. Die Polizisten konnten dem Mann aber längst nicht alle Einbrüche nachweisen.
Die Beamten loben die Sossenheimer Kleingärtner wegen ihrer guten Zusammenarbeit mit dem 17. Revier: Die Vereinsmitglieder hatten wochenlang nächtliche Streifen organisiert, auf dem Schrebergarten-Gelände patrouilliert. gre
GROSS-GERAU. Noch bis zum 1. Februar sind Anmeldungen zur Teilnahme am Kreativmarkt möglich, der nach Auskunft des städtischen Kulturamtes und der "Initiative GG" vom 5. bis 7. März in der Jahnturnhalle geplant ist. Ausgestellt werden können Zeichnungen, Graphiken, Collagen, Materialobjekte, Skulpturen und Fotografien. Die Zahl der Ausstellungsstücke soll bei plastischen Arbeiten sieben, bei flächigen Arbeiten vier bis sechs und bei großformatigen Arbeiten ein bis zwei nicht überschreiten.
Auskunft und Anmeldung: telefonisch beim Kultur- und Sportamt, Tel. 716-277, schriftlich beim Magistrat der Kreisstadt Groß-Gerau, Presse-, Kultur- und Sportamt, Marktplatz 1, 6080 Groß-Gerau. cas
Wenn man den Programmzettel anschaut, lacht einem das Herz im Leib: Das ist ein Abend für Kenner und nicht für musikalische Fast-Food-Verzehrer, die über die drei B (Bach, Beethoven, Brahms) nicht hinauskommen und über die sehr viele Orchester nicht hinauskommen wollen, weil sie BBB eben schon im Schlaf spielen können (und so musizieren sie denn auch meistens). Nicht so das Württembergische Kammerorchester Heilbronn und sein Dirigent Jörg Faerber. Die waren schon immer für engagierte Programme gut.
Für den heutigen Donnerstagabend, 20 Uhr, im Großen Saal der Alten Oper, sind Haydn, Janacek, Hindemith und Schostakowitsch vorgesehen. Den Rahmen geben zwei Klavierkonzerte. Eines (D-Dur) von Haydn, den man endlich - über seine großen Sinfonien hinaus - auch als Komponisten von Instrumentalkonzerten wiederentdeckt, und eines für Klavier und Trompete von Schostakowitsch. Während der Frankfurt Feste hatte man es hier einmal hören können. Das Publikum war hingerissen.
Wahrscheinlich ist das auch heute so, zumal Solisten wie Martha Argerich (auch sie mag keine 08/15-Programme) und Guy Touvron (Schüler von Maurice Andre und Lehrer am Pariser Konservatorium) sich der solistischen Interpretation annehmen. Die beiden Solistenkonzerte rahmen eine Suite für Streichorchester von Janacek (übrigens auch einer der Lieblingskomponisten von Michael Gielen) und fünf Stücke für Streichorchester (op. 44) von Paul Hindemith ein. wp
FRANKFURT A. M./IDSTEIN. Die rechtsextremen "Republikaner" haben eine von ihnen bereits vor einem Monat angekündigte Demonstration gegen den Auftritt von Umweltminister Joschka Fischer (Grüne) in der Stadthalle von Idstein (Rheingau-Taunus-Kreis), die am heutigen Dienstag stattfinden sollte, kurzfristig abgesagt.
Ein Sprecher der "Republikaner" bestätigte der FR, daß die für 19 Uhr geplante und von der CDU-geführten Stadtverwaltung unter Auflagen genehmigte Kundgebung ausfalle, nachdem der Bundesvorsitzende Franz Schönhuber seine Zusage aus Termingründen zurückgezogen habe. Ohne Schönhuber aber, so Bernd Korbach, Fraktionsvorsitzender der "Republikaner" im Rheingau-Taunus-Kreis und Bundesvorstandsmitglied seiner Partei, hätte die Veranstaltung kaum Zulauf gefunden.
Die Demonstration, zur der die "Republikaner" Anhänger aus dem ganzen Bundesland nach Idstein bringen wollten, war als, so wörtlich, "Fanal gegen die wahren Veranwortlichen an der Gewalteskalation" propagiert worden. Fischer hatten die Rechtsextremen in einer Mitteilung als "Scharfmacher" bezeichnet, die seine "Forderungen zur multikulturellen Gesellschaft" nicht unwidersprochen vertreten dürfen.
Der Landesvorstand der Grünen bezeichnete daraufhin das angekündigte "Fanal" als "Aufruf zur gewaltsamen Störung". Die Grünen sehen in dieser Wortwahl einen weiteren Beweis, "daß die Republikaner nicht demokratiefähig sind". Landesgeschäftsführerin Margareta Wolf hatte gesagt, die Rechtsextremen zeigten mit ihrem Aufruf zu einem "Fanal", daß sie "identisch sind mit dem Straßenmob, der Asylbewerberheime anzündet und Menschen tötet".
Im Hintergrund der angekündigten und wieder abgesagten Idsteiner Demonstration stehen auch die Schwierigkeiten der "Republikaner", für den Kommunalwahlkampf Veranstaltungssäle zu bekommen. So war ihnen die Idsteiner Stadthalle für den 27. Januar (dort soll Schönhuber dann tatsächlich auftreten) von CDU-Bürgermeister Hermann Müller zwar zunächst überlassen worden. In der Stadtverordnetenversammlung lehnten dann aber fast alle Stadtverordneten von CDU, SPD, FDP und Grünen den Mietvertrag ab, der dann annulliert wurde.
Gegen diese Rücknahme der Zusage reichten die "Republikaner" Klage vor dem Verwaltungsgericht ein, was auch gegen die verweigerte Vermietung von Sälen in Niedernhausen bei Wiesbaden oder Freigericht (Main-Kinzig-Kreis) geschah, wo Schönhuber am Donnerstag, 21. Januar, auftreten soll.
Im Falle von Niedernhausen soll nach "Republikaner"-Angaben das Verwaltungsgericht der Partei zwar die Veranstaltungshalle zugestanden haben. Dort soll der Ortsverband laut Korbach jedoch zum beantragten Termin nie ernsthaft an eine Wahlveranstaltung gedacht und das Gerichtsverfahren aus "Präzedenzgründen" betrieben haben. -ke
ERLENSEE. Auf 17 800 Mark schätzt die Polizei den Schaden, der entstand, als in der Nacht zum Sonntag ein Wagen auf der Autobahn A 45 bei Erlensee gegen die Leitplanke prallte. Verletzt wurde niemand.
Der Fahrer gab später an, er habe einem Fußgänger ausweichen müssen, der über die Autobahn gelaufen sei. Der Mann sei nach dem Unfall davongelaufen. az
Tips und Termine · Tips und Termine · Tips und Termine
Filmspiegel Bad Homburg. Kaskade-Kino: Kevin allein in New York (15 Uhr); Bodyguard (17.15 und 20 Uhr).
Panda-Kino: Bodyguard (15 Uhr); "Der Doktor - ein gewöhnlicher Patient" (17 und 20 Uhr).
Kino im Schwedenpfad (KiS): keine Vorstellung.
Friedrichsdorf. Filmtheater Köppern: Deutschland bleiche Mutter (20 Uhr).
Neu-Anspach. Saalburg-Lichtspiele: keine Vorstellung.
Oberursel. Stadthallen-Kino I: Bodyguard (15.30, 18 und 20.30 Uhr).
Stadthallen-Kino II: Kevin allein in New York (15.30, 18 und 20.30 Uhr).
Kronberg. Kronberger Lichtspiele: Die Schöne und das Biest (15 Uhr); Sister Act (20.15 Uhr). Theater/Musik Bad Homburg. Konzert mit dem Kurensemble, Konzerthalle im Kurpark, 15.30 bis 17 Uhr. Ausstellungen Bad Homburg. Volkshochschule, Elisabethenstr. 4-8: Geologisches Zentrum Taunus-Wetterau, 9 - 11 und 16 - 18 Uhr.
Volkshochschule, Elisabethenstraße 4-8: "Wenn der Ton singt" - Leben und Kunsthandwerk der Pueblo-Indianer, 9 bis 12 und 15 bis 17 Uhr.
Galerie im Stadthaus: "Das akustische Spiel" von Frank Leissring, 15 bis 18 Uhr.
Königstein. Galerie im Haus Bender, Gerichtstr. 12: Farbradierungen von Günter Desch, 10 - 12 und 15 - 18 Uhr.
2. Kinder-Kunst-Ausstellung zum Thema "Igelhans", Stadtbücherei im Kurhaus Königstein, 10 bis 12 Uhr.
Steinbach. "Mit der Kamera auf Du und Du" - Heinz Jürgen Göttert zeigt Proben seines Schaffens. Eröffnung der Ausstellung im Heimatmuseum, Am Rathaus 7, um 17 Uhr. Vorträge/Kurse Bad Homburg. Fotoclub Bad Homburg: Diavortrag "Bali - Die Götterinsel im Umbruch" von H. Liebelt, Kino im Schwedenpfad, 20 Uhr.
Öffentliche Sternenführung am Fernrohr der VHS: "Mars - der rote Planet" mit Beobachtungen von Mars, Orionnebel und weiteren Objekten des Winterhimmels, VHS, Elisabethenstr. 4 - 8, Raum E 1 und Dachterrasse, 20 Uhr. Parteien/Parlamente Bad Homburg. Sprechstunde der CDU- Fraktion, Stadthaus, Zimmer 6, 10 bis 12 Uhr.
Sitzung des Bau- und Planungsausschusses der Stadtverordneten, Stadthaus, Marienbader Platz 1, Sitzungszimmer 1, 17.30 Uhr.
Sitzung des Ortsbeirates für den Stadtteil Ober-Eschbach, Vereinsraum des Feuerwehrgerätehauses, Kirchplatz, Ober-Eschbach, 19 Uhr.
Podiumsdiskussion der Frauen-Union zum Thema "Umwelt - was können wir tun?", Forum im Stadthaus, Marienbader Platz, 19.30 Uhr.
Neujahrsempfang des CDU-Ortsverbandes, Nebenraum der Gaststätte "Zum Alten Schlachthof", Urseler Straße, 19.30 Uhr.
Königstein. Sitzung des Ausschusses für Planungs-, Umwelt- und Baufragen, Bürgerhaus Falkenstein, 20 Uhr.
Gespräche mit SPD-Politikern über das Wohnungsbauprogramm, 17 Uhr, Limburger Straße. Beratung/Selbsthilfe Bad Homburg. Gesundheitsamt, Taunusstraße 3: Mütterberatung 11 bis 12 Uhr, Sprachheilberatung 14 bis 16 Uhr, Tel. 17 89 10.
Sprechstunde der Ökumenischen Wohnhilfe, Dorotheenstr. 9-11, 10 bis 14 Uhr, Tel. 0 61 92 / 3 90 54.
Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Stadt Bad Homburg, Dorotheenstr. 47, 9 bis 12 Uhr und 13.30 bis 15.30 Uhr, Tel. 2 91 09.
Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Hochtaunuskreises, Schaberweg 7, 8 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr, Tel. 17 83 92 / 3.
Sprechstunde für Aus- und Übersiedler, Hindenburgring 44, 9 bis 12 Uhr, Tel. 30 28 86.
Sprechstunde der Jugend- und Drogenberatung, Promenade 103, 9 bis 17 Uhr, Tel. 2 20 41.
Schuldnerberatung des Hochtaunuskreises, Landratsamt, Louisenstr. 86 - 90, 8 bis 12 Uhr, Tel. 17 82 15.
Treffen der Anonymen Alkoholiker sowie der Al-Anon-Familiengruppe, Unterkirche der Erlöserkirche, 19.45 Uhr.
Friedrichsdorf. Pro Familia, Dr.-Fuchs- Str. 5: Jugend-Sprechstunde 17 bis 19 Uhr, Männer-Sprechstunde 18 bis 20 Uhr.
Treffen der Freiwilligen Suchtkrankenhilfe, Altentagesstätte Friedrich-Ludwig- Jahn-Str. 29 a, 19 bis 21 Uhr, Kontakt-Telefon: 0 60 07 / 28 08.
Umweltberatung im Rathaus, Hugenottenstr. 55, Zimmer 406, Tel. 0 61 72 / 73 13 00.
Neu-Anspach. BDP-Jugendbüro, Schulstr. 3: Beratungsstelle für Jugendliche mit Problemen bei der Berufsfindung, 15 bis 17 Uhr, Tel. 0 60 81 / 4 17 72.
Oberursel. Elternberatung im Alten Hospital: 10 bis 12 Uhr, Tel. 50 24 58; in Oberstedten, Hauptstr. 52, 9 bis 10.30 Uhr, Tel. 0 61 72 / 3 35 76; in Weißkirchen, Urselbachstr. 59, 11 bis 12.30 Uhr, Tel. 7 35 61.
Beratung des Mieterschutzvereins Hochtaunus, Nassauer Str. 60, 16 bis 19 Uhr, Tel. 0 61 71 / 5 10 89.
Kronberg. Kath. Frauengemeinschaft Deutschlands: Hilfe für schwangere Frauen in Not, Tel. 0 61 73 / 7 87 17. Vereine/Organisationen Bad Homburg. Mütter-Baby-Treff der Arbeiterwohlfahrt, Vereinsraum der Freiwilligen Feuerwehr Ober-Eschbach, 15.30 bis 16.30 Uhr, Tel. 7 83 38.
VHS-Bücherbörse, Geschäftsstelle der VHS, 9 bis 12 und 15 bis 17.30 Uhr.
Treffen der Mitglieder der Elternaktion "Kleine Klasse", "Gasthaus Schick", Kirdorf, 20 Uhr.
Friedrichsdorf. Frauencafé in der Altentagesstätte Friedrich-Ludwig-Jahn-Str. 29 a, 9.30 bis 11.30 Uhr.
Treffen des Skatclubs in der Alten Schule Seulberg, 19 Uhr.
Neu-Anspach. Spielabend in Daggi's Dart-Club, 20 Uhr. Seniorentreffs Bad Homburg. Altentagesstätte im DRK-Zentrum, Promenade 5: Aquarellkurs und Spiele, 14 bis 17 Uhr.
Senioren-Tanz in der HTG-Turnhalle, Dorotheenstr. 5, 10.30 bis 11.30 Uhr.
Friedrichsdorf. Seniorenwerkstatt, Hugenottenstr. 24: Holzarbeiten 15 bis 18 Uhr; Tiffany-Glasarbeiten 15 bis 18 Uhr.
Oberursel. Gymnastik im Ferdinand- Balzer-Haus, Schulstr. 25, 9 bis 10 Uhr und 14 Uhr.
Seniorentagesstätte Altes Hospital: Bridge-Runde 14.30 Uhr.
Kronberg. Altkönig-Stift: Tanzstunde im Blauen Saal, 15.30 Uhr.
Königstein. Altenbegegnungsstätte, Kugelherrnstr. 6: Kreppelkaffee, 14 bis 17 Uhr.
Steinbach. Seniorentreff: Bewegungsübungen, 10 Uhr; Basteln, 15 Uhr. Kinder/Jugendliche Bad Homburg. Neue Kindergruppe des DRK für 8 bis 11jährige, DRK-Zentrum, Kaiser-Friedrich-Promenade 5, 1. Stock, 17.30 bis 19 Uhr.
Bilderbuchkino für Kinder ab vier Jahre, Stadtbibliothek, Dorotheenstr. 22, 15.30 Uhr.
Friedrichsdorf. Stadtbücherei: "Große lesen für Kleine", Vorlesestunde für Kinder ab vier Jahre, 15 Uhr.
Jugendzentrum Köppern, Dreieichstr. 20 a, 17 bis 22 Uhr. Sonstiges Bad Homburg. Treffpunkt zur Taunuswanderung: Kurhausvorplatz, Stadtbuslinie 1, 13.20 Uhr.
Königstein. Wanderung der Mittwochswandergesellschaft. Treffpunkt Parkplatz, 14 Uhr.
Sonderfahrt der Kurverwaltung zum Hessischen Rundfunk. Abfahrt: 12.50 Klinik Hainerberg, 13.00 KVB-Klinik, 13.15 Parkplatz.
Die Fachgruppe "Fuß + Rad" des VCD- Frankfurt lädt für den heutigen Dienstag zu einer Diskussion über das Für und Wider eines/r Fußgängerbeauftragten in der Stadtverwaltung ein. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr im Bürgertreff Westend in der Ulmenstraße 2.
Der alternative Verkehrsclub hatte vergangene Woche ein solches Amt gefordert, um die Interessen der Fußgänger bei Entscheidungen der Römer-Verwaltung besser koordinieren zu können. Vorbildfunktion für den VCD hat dabei der seit rund eineinhalb Jahren mit gutem Erfolg tätige Fahrradbeauftragte.
Die vorgesehene Diskussion hat zusätzlichen Reiz durch die Haltung der CDU-Stadtverordnetenfraktion bekommen. Für die Union hatte deren verkehrspolitischer Experte, Wolfgang Stammler, erklärt, ein Fußgängerbeauftragter sei überflüssig, weil alle Frankfurter Bürger auch Fußgänger und damit Experten seien. Ein extra bestellter Beauftragter hätte lediglich eine Alibifunktion. Zudem hatte Stammler betont, es sei sogar "politisch gewollt", daß bei Planungen und Bauausführungen die "Interessen von Fußgängern weniger berücksichtigt werden als die anderer Verkehrsteilnehmer".
Wenn Stammler die Interessen dieser schwächsten Gruppe der Verkehrsteilnehmer so gering schätze, erwiderte der VCD in einer Presseerklärung, stehe er selbst "vor einem Dilemma". Schließlich würden eine ganze Reihe von CDU-Mitgliedern im "Bund für Fußgänger" mitarbeiten, um die alltäglichen Diskriminierungen der Fußgänger im Straßenverkehr abzubauen. gang
HANAU. Das Frauenbildungszentrum der Arbeiterwohlfahrt im Schloß Philippsruhe bietet ab 23. Januar, einen Yoga- kurs für Frauen in den Wechseljahren an.
Interessentinnen, die sich auf die Umstellung vorbereiten und besser damit zurechtkommen wollen, können am Samstag von 10 bis 17 Uhr sowie am Sonntag, 24. Januar, von 9 bis 13 Uhr kommen. Anmeldungen sind unter der Telefonnummer 254428 möglich. res
BORNHEIM. "In Bornheim darf keine Glitzerkiste entstehen." Unter dieser Prämisse hat der Architekt Hans-Ulrich von Mende den Neubau für die Frankfurter Sparkasse entworfen. Im Herzen von Bornheim, in der Berger Straße / Ecke Wiesenstraße, wird die Frankfurter Sparkasse das alte Woolworth-Gebäude abreißen und für 13 Millionen Mark ihre neue Filiale errichten. Bei der Vorbereitung für das Projekt waren die Planer vor allem darauf bedacht, die Belästigung für die Anwohner so gering wie möglich zu halten.
So wird beispielsweise das alte Gebäude "per Hand" abgerissen - statt Abrißbirnen werden hydraulische Scheren und schallgedämpfte Preßlufthämmer verwendet. Zusätzlich wird das Gebäude in eine überdimensionale "Windel" gewikkelt, damit möglichst wenig Staub nach außen dringt. Die Verkehrsführung soll während der Bauzeit in enger Zusammenarbeit mit dem zuständigen Polizeirevier geregelt werden. Ende 1994 will die Frankfurter Sparkasse ihr neues Domizil beziehen; in zwei Wochen beginnen die Abrißarbeiten.
Die Entscheidung für ein neues Haus fiel, weil nach der Fusion von "1822" und Stadtsparkasse die beiden Geschäftsstellen in Bornheim - eine in der Berger Straße 212, die andere in der "Berger" 183 - zu klein wurden. Nun sollen die beiden Filialen zusammengelegt werden, es soll eine "richtige Stadtteil-Bank entstehen", betonte Peter Wieland, Leiter des Geschäftsstellenbezirks. In einer Pressekonferenz wurden die Entwürfe vorgestellt.
Tatsächlich lassen die Skizzen, die der Architekt von Mende vorlegte, nicht auf einen modernen Glaspalast schließen. Dennoch könnte man das Projekt mit dem Motto "Klotzen, nicht kleckern" umschreiben. Die reinen Baukosten - ohne bankspezifische Einrichtungen wie Tresore und ähnliches - belaufen sich auf 13 Millionen Mark. Das Gebäude entsteht exakt auf der Grundfläche des ehemaligen Kaufhauses. Doch dort, wo das Wooolworth-Gebäude im typischen Stil der 50er Jahre wie ein flacher "Betonkoffer" gestaltet war und als ein Fremdkörper wirkte, will der Neubau sich mehr an die Umgebung in der Berger Straße anpassen.
Hell- und dunkelgrauer Naturstein wird die Fassade zieren, dazwischen viele Fenster. Die Verbindung zwischen den beiden Gebäudehälften bildet ein Glaszylinder, der ebenfalls mit Natursteinen aufgelockert wird, "damit es nicht zu kalt wirkt", so von Mende. "Unser Ziel ist, das städtebauliche Ensemble zu ergänzen", sagte er.
Im Gegensatz zum jetzigen Zustand wird es auch in der Wiesenstraße eine geschlossene Häuserfront geben. Das Kaufhaus hatte in der Wiesenstraße nur ein eingeschossiges Lager angebaut, so daß zu den Nachbarhäusern eine große Lücke bestand. Dieses Loch soll mit drei zusätzlichen Stockwerken geschlossen werden, so daß eine einheitliche Linie von Dach zu Dach entsteht. In diesen drei Geschossen, die auch farblich von dem übrigen Gebäude abgehoben werden, werden sechs Wohnungen mit insgesamt 420 Fortsetzung auf Seite 5
Auf einen Blick
Seite II Bei Sprachverlust nach Schlaganfall: Ein Buch hilft den Angehörigen, der Patienten zu helfen.
Seite III Sparkasse in Bad Vilbel-Gronau überfallen: Unbekannter erbeutete am Montag morgen 52 000 Mark.
Seite IV Lokalsport: Fußballkreis Friedberg will mit Reserve-Punktrunden Spieler mehr fordern.
Bleibt im Bürgerhaus in Zukunft die Küche kalt? Pächter kündigte, Stadt sucht vergeblich Nachfolger Von Jörg Andersson WÄCHTERSBACH / STEINAU. Auf den ersten Blick verspricht das Objekt Umsatz und Rendite. Ein großer Saal für 350 Personen, ein kleiner für 150, dazu ein Foyer mit Saaltheke und vier Kegelbahnen stehen zu Bewirtschaftung frei: Für das Restaurant "Stadt Wächtersbach" wird ein neuer Pächter gesucht. Doch die Resonanz auf die Offerte blieb spärlich, die monatelangen Bemühungen des Magistrats um einen neuen Gastwirt für das Bürgerhaus hatten bescheidenen Erfolg. Gerade ein Bewerber hat sich gemeldet, "und allzuviel wird nicht mehr kommen", fürchtet der Bürgermeister. Direkt neben dem Rathaus, wo vier Jahre lang das in der weiteren Umgebung einzige französische Restaurant Gourmets anlockte, droht ab dem nächsten Monat Schmalhans Küchenmeister zu werden. "Viele Gründe" haben dazu geführt, daß die derzeitigen Pächter ihren Fünf- Jahres-Vertrag vorzeitig zum 1. März gelöst haben. "Wir konnten dort nicht das realisieren, was wir uns vorgestellt haben", umschreibt Nikolas Dieulangard, Mitinhaber und Chefkoch, in der Mittagspause vorsichtig die Erfahrungen, die das dreiköpfige Restaurationsteam in den vier Jahren im Bürgerhaus sammelte.
Seine Frau, Geschäftsführerin der "Dieulangard GmbH", ist derweil ein paar Kilometer weiter östlich damit beschäftigt, die letzten Vorbereitungen für die Eröffnung des neuen Restaurants zu treffen. Das Ehepaar hat in Steinau direkt gegenüber dem Rathaus ein schmuckes Fachwerkhaus gepachtet, in dem neben dem Restaurant auch ein kleines Hotel mit neun Betten geführt wird.
Trotz des zusätzlichen Beherbergungsbetriebes - in Steinau wird es künftig wieder eine Nummer kleiner für die Franzosen, was ihnen nur recht erscheint. "Es ist nicht einfach, einen Saal mit 500 Plätzen zu bewirten", weiß Nikolas Dieulangard mittlerweile. Als schwierig hat sich auch die Kooperation mit den Vereinen erwiesen. Hintergrund: Diese pochen bei eigenen Veranstaltungen darauf, auch die Bewirtung übernehmen und damit die Vereinskasse aufbessern zu können. Ein Auftritt von Musikbands beispielsweise finanziert sich leichter über den Getränkeverkauf denn über Eintrittsgelder. Der volkstümliche Rathauschef Rainer Krätschmer hat darauf mittlerweile reagiert. Im neuen Pachtvertrag soll sichergestellt werden, daß jeder Verein einmal pro Jahr kostenlos in die Räume darf und dazu auch sonst öfter "mal auf eigene Rechnung" (be)wirtschaften könne. Daß die neue Regelung einen potentiellen Pächter abschrecken könnte, glaubt der Bürgermeister nicht: "Wenn der Wirt freundlich und clever ist, gehen die Leute später in seinem Restaurant essen."
Ob allerdings im Bürgerhaus demnächst überhaupt noch einmal warme Küche angeboten wird, ist ungewiß. Denn Nicolas Dieulangard hat auch schlechte Erfahrungen mit einem Handelsriesen in unmittelbarer Nachbarschaft gemacht. "Das Mittaggeschäft ist kaputt", erzählt der 33jährige, "die Leute essen ja nur noch in der Globus-Caféteria."
Dazu kommt ein generelles Problem von Bürgerhäusern, die auch andernorts zumeist alleine durch ihre schlichte Funktionaltät bestechen. Keine Spur von Ambiente, so der Chefkoch. Und auch Krätschmer gesteht ein, daß die Räume in Wächtersbach "eher nüchtern und rational denn gemütlich" sind.
Die Schwierigkeiten, die der Magistrat bei der Suche nach einem neuen Pächter haben würde, will Nicolas Dieulangard der Stadt schon damals prophezeit haben: "Ich sagte ihnen, daß sie sich keine großen Hoffnungen machen sollten. Damals haben die noch gelacht."
Krätschmer gaubt derweil noch nicht, daß das Restaurant lange leersteht. "Es wird sich in absehbarer Zeit etwas finden, notfalls werden wir in Zusammenarbeit mit der Brauerei einen neuen Wirt finden."
HANAU. Die Hanauer Frauenbeauftragte Rosemarie Lück lädt für Dienstag, 26. Januar, ab 15.30 Uhr zur zweiten Zusammenkunft des "Treffs für alleinerziehende Frauen" in den "Treff für Jugendliche in Berufsnot", Bruchköbler Landstraße 39a ein. Für Betreuung der Kinder ist gesorgt. res
USINGEN. "Bernhard Keth hat sich keineswegs eindeutig für das Parkdeck entschieden. Ihm geht es genau wie den anderen BEU-Kandidaten vorrangig darum, daß die Stadt bei zukünftigen Ausgaben spart." Die Spitzenkandidatin der neugegründeten Wählergemeinschaft "Bürger für Ehrliches Usingen", Monika Mann, wies in einer Presseerklärung Vorwürfe eines "Interessenkonfliktes" zurück, in den der auf Platz drei für die BEU antretende Konditormeister Keth geraten sein könnte (FR vom 16. Januar).
Daß Keth als Geschäftsmann zugleich daran interessiert sei, möglichst viele Parkplätze in der Innenstadt zu haben, müsse nicht zwangsläufig zu einem Interessenkonflikt führen, erklärte Monika Mann. So vertrete die BEU ebenfalls die Ansicht, daß Parkplätze mit möglichst kurzem Weg wie zum Beispiel zum Rathaus unverzichtbar seien und der Schloßplatz "in der einen oder anderen Form" als Parkplatz erhalten werden müsse. Hier denkt die BEU unter anderem an "Kurzparkzeiten" mit schärferen Kontrollen auf den "besten Plätzen" in der Obergasse und am Schloßplatz, um die Dauerparker auf den "Neuen Marktplatz" zu treiben. cn
Unternehmen und Selbständige sind die Sieger im Verteilungskampf Die Vermögensunterschiede in Deutschland sind in den 80er Jahren größer geworden denn je / Von Ernst Ulrich Huster
FLORSTADT. Die Gemeindevertretung tagt am Mittwoch, 20. Januar, um 20 Uhr im Bürgerhaus Leidhecken. Auf der Tagesordnung steht die Debatte um den Haushaltsplan 1993 einschließlich Investitionsprogramm für die nächsten vier Jahre. Außerdem wird die neue Abfallsatzung beraten.
Weitere Diskussionspunkte sind unter anderem die Änderung des Bebauungsplans "Auf dem Hundsrükken" Nieder-Florstadt und Kreditaufnahmen.
Anträge und Anfragen der Grünen befassen sich unter anderem mit der Schulwegsicherung in Stammheim und Nieder-Mockstadt und der Neugestaltung der Gießener Straße mit Bäumen und Straßenmarkierung. hm
HANAU. Wer sich mit der französischen Sprache vertraut machen will, kann sich an das Frauenbildungszentrum der Arbeiterwohlfahrt im Schloß Philippsruhe wenden. Am Donnerstag, 28. Januar, beginnt ein Kurs, der einmal wöchentlich von 9.30 bis 11 Uhr schwerpunktmäßig das Sprechen vermittelt. Ab Montag, 1. Februar, wird ein abendlicher Kurs angeboten, der jeweils von 19 bis 20.30 Uhr dauert. Interessenten können sich unter der Telefonnummer 25 44 28 anmelden. res
KALBACH. Ortsvorsteher Franz Syha kandidiert für die nächste Wahlperiode nicht mehr. Das erklärte der CDU-Politiker beim Neujahrsempfang des Kalbacher Ortsbeirats (die FR berichtete). Den Entschluß habe er "nach reiflicher Überlegung und aus beruflichen Zwängen heraus" getroffen.
Welch wichtige Rolle Syha für den nördlichen Stadtteil in den vergangenen Jahren spielte, wird schon bei einem Blick auf die Zahlen deutlich. An 150 der 151 Sitzungen seit Einführung des Stadtteilgremiums 1972 nahm der Vater einer Tochter und eines Sohnes teil. Davon leitete er 125 als Ortsvorsteher, zu dem Syha immer wieder einstimmig gewählt wurde. Die Bilanz des 53jährigen: "Wir haben gemeinsam Akzente für den Stadtteil gesetzt."
Den Verzicht Syhas bedauerten die etwa 100 geladenen Gäste im Saal des Winfriedhauses. Artur Pöhlmann (SPD), Mitglied im Ortsbeirat und Stadtverordneter, sprach von "einem Verlust für den Ortsbeirat". In seinem Amt sei Syha sachlich und neutral gewesen und habe es verstanden zu vermitteln. Der Vertreter der Grünen, Wolfgang Diel, lobte "das über 20jährige und selbstlose Engagement Syhas". Für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Hans-Josef Schneider kam die Nachricht zwar nicht überraschend, doch "blieb uns nichts anderes übrig, als diesen Schritt mit Bedauern zur Kenntnis zu nehmen". Es sei auch für seine Partei ein Verlust.
Über einen möglichen Nachfolger für das Amt des Ortsvorstehers wollte der CDU-Politiker keine Angaben machen, da "wir unsere Listen erst zum Monatsende öffentlich machen werden". ara
sch FRANKFURT A. M. Die SüdwestLB in Stuttgart blickt auf eine "günstige" Entwicklung im vorigen Jahr zurück. Nach Angaben des Spitzeninstituts der baden-württembergischen Sparkassen wuchs das Geschäftsvolumen im Konzern um gut sieben Prozent auf 114,8 Milliarden Mark. Das Betriebsergebnis (einschließlich Eigenhandel) habe den zuvor erreichten Stand von 368 Millionen Mark im Konzern übertroffen.
Zum Beginn des neuen Jahres beteiligten sich die Stuttgarter (mit 12,5 Prozent) zusammen mit der Düsseldorfer WestLB an der Landesbank Rheinland-Pfalz in Mainz. Sie freuen sich nun, daß die Kooperationspartner in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland- Pfalz und Sachsen ein Landesbankbilanzvolumen von über 400 Milliarden Mark repräsentieren und mit mehr als 600 Milliarden rund 50 Prozent des Volumens aller Sparkassen Deutschlands betreuen.
Ihren Anteil von 25,1 Prozent an der SachsenLB konsolidierte die SüdwestLB, die 1992 eine "Politik der strategischen Allianzen" verfolgte, im übrigen noch nicht. Neben dem Engagement in Leipzig erinnert die Landesbank auch an die Fusion der SüdwestLB- und WestLB-Ableger in der Schweiz und die volle Übernahme der Chartered WestLB in London durch die WestLB Europa, an der die Stuttgarter gut ein Viertel halten.
GIESSEN. Der "Gießen Improvisers' Pool" ist ein Seitenzweig der Jazzinitiative, der sich der freien Improvisation verschrieben hat. Mit Unterstützung der Stadt und des Stadttheaters (das sein Studio zur Verfügung stellte) veranstaltete der Pool ein zweitägiges Festival unter dem Titel "Dialoge", das aus der chronischen finanziellen Not musikalische Tugend zu formen versuchte. Mit drei Gästen aus der Schweiz (Hans Koch, Tenor- und Sopransaxophon, Baß- und Kontrabaßklarinette, der Cellist Martin Schütz und der Posaunist Andy Mari) wurde mit Gießener Musikern ein siebenköpfiges Ensemble gebildet, dessen wechselnde Besetzungen die "Dialoge" führten.
Der erste Abend stellte kleine Formationen vor. Die drei Schweizer präsentierten sich als sensibles, flächig und klangorientiert arbeitendes Trio, das, auf Durchhörbarkeit bedacht, die energetische Komponente subtil zurückhält und nur zu kurzen, konzentrierten Eruptionen entfesselt. Größte Überraschung war Martin Schütz, der neben seinem Cello noch eine altehrwürdig aussehende Gambe auf der Bühne hatte, die er elektronisch verfremdet spielte - hätte jemand von einer Gambe eine Art beschleunigter Jimi-Hendrix-Phrasen erwartet?
Die Gießener Martin Speicher, Saxophone, und Joe Bonica, Schlagzeug, später noch Georg Wolf, Baß, und Frank Rühl, Gitarre, betonten eher Dynamik, die Tendenz zur Verdichtung und Überlagerung von Klängen und repräsentierten ein zu den Gästen durchaus divergentes Improvisationskonzept.
Die erste Begegnung beider Spielhaltungen fiel recht vorsichtig aus. Das Septett agierte behutsam, jeder schaute sich nach jedem um, formulierte Statements wie auf Widerruf, Einzelinitiativen wurden abwartend begleitet und erst nach einigem Zögern aufgegriffen, Fraktionsbildungen entlang der bekannten (nationalen) Linien vermieden. So entstand ein nervöses, abwechslungsreiches Tutti, das eher dem behutsamen Schweizer als dem expressiveren Gießener Konzept folgte.
Der zweite Abend bot ein aus kleineren Formationen sich anreicherndes Septett. Besonders kommunikationsfreudig zeigte sich Posaunist Andy Marti, der die Gruppe von verschiedenen Seiten und mit verschiedenen Verbündeten sehr konstruktiv aufzumischen versuchte. Im zweiten Set gab es an der Intensität des Gruppengeschehens und dem Reichtum des musikalischen Ergebnisses gelegentlich Abstriche - ein Risiko, dem sich freie Improvisation immer aussetzt. Insofern funktionierte das Bühnenkonzept der freien Musik bestens: Widersprüche wurden nicht in komponierten Formenzusammenhängen nivelliert, sondern ausagiert und weitergegeben.
Einzige Chance zum versöhnlichen, im Publikum und unter den Musikern konsensfähigen Abschluß war ein ohrenbetäubendes Tutti, ein langes, heftiges Ausrufezeichen hinter dem Projekt internationaler musikalischer Dialoge auf der Basis der Improvisation. H.-J. L.
MAIN-TAUNUS-KREIS. Er ist etwa so dick wie das Telefonbuch einer Großstadt und hat ungefähr soviel gekostet wie 1000 Meter der schmalen Asphaltbänder, die sich im Laufe der nächsten Jahre zusätzlich durch den Kreis ziehen sollen: Der Radverkehrsnetzplan. Landrat Jochen Riebel (CDU) und die Ingenieurin Gabriele Schmitteckert stellten das Werk, das der Kreistag während seiner Februar-Sitzung beschließen soll, gestern vor. Studiert man die vielen Pläne, auf denen Buntstifte markieren, was Wunsch und Wirklichkeit ist, fällt auf, daß die Linien sich meist nicht über die Ortsgrenzen hinaus fortsetzen.
Das 140 000 Mark teure Werk, an dem die Frankfurter Ingenieursocietät BGS zwei Jahre arbeitete, hat auch nicht zum Ziel, in die innerörtlichen Planungen der einzelnen Kommunen einzugreifen. Vielmehr sollten die Planer die Radwege der einzelnen Kommunen miteinander vernetzen - zumindest auf dem Papier - und den Main-Taunus-Kreis für Radler auch mit den Nachbarkreisen verbinden.
Das taten die Fachleute freilich nicht im Alleingang. Sie arbeiteten mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub und dem alternativen Verkehrsclub der Bundesrepublik Deutschland zusammen, fragten Schüler nach ihren Fahrgewohnheiten und diskutierten mit Behörden und Verbänden. Auch die Kommunen im Kreis, über deren Radwegenetz und seine Mängel jeweils mehrere Seiten und Zeichnungen im Plan informieren, sollten Bedenken und Anregungen formulieren, die in das Werk einflossen, bevor es in die Druckerei geschickt wurde.
Dabei fand Ingenieurin Gabriele Schmitteckert heraus: Im Norden des Kreises ist allein schon wegen der schwerer zu befahrenen Taunushänge das Radwegenetz schlechter ausgebaut als in den flacher gelegenen Städten der Südschiene, also in Hochheim oder Hattersheim. Auch Bad Soden, Eschborn und Schwalbach stellte die Fachfrau ein schlechtes Zeugnis aus: Es mangelt sehr stark an Radwegen.
Wie die insgesamt 66 Kilometer Rad- und Fußwege und die 200 Kilometer Wirtschaftswege, die Radler bereits befahren können, ergänzt werden sollen, legt eine Prioritätenliste fest. "Bis zu zehn Jahren kann das dauern, dies alles umzusetzen", schätzte Landrat Riebel. Die Planer halten 81 Kilometer zusätzliche Rad- und Fußwege für wünschenswert und möchten weitere 13 Kilometer als Wirtschaftswege anlegen lassen.
Wenn der Kreistag über den Plan abgestimmt hat, wird er sich nach der Wahl als nächstes über die Prioritätenliste einigen müssen. Anschließend gilt es, Detailpläne zu zeichnen, das Planungsrecht herzustellen, Grundstücke zu erwerben und Geld locker zu machen. Dabei machte ein Mitarbeiter des Kreisbauamtes allerdings deutlich, daß das Land 90 Prozent der neuen Wege zahlen wird, während der Kreis - nur für Bauten an Kreisstraßen zuständig - den Rest übernimmt. Schwierigkeiten mit dem Land dürfte es kaum geben, sind doch bis auf zwei oder drei Vorschläge alle Maßnahmen aus dem Kreisradwegenetz auch im Radwegeplan des Landes enthalten.
Der Plan soll nicht nur an die Kreistagsmitglieder und auszugsweise an die Kommunen gegeben werden, sondern auch "den mit dem Radwegebau befaßten Stellen", damit die ihn "beachten". Langfristig ist das Ziel, mittels eines guten Netzes, das Umwege und Steigungen so gering wie möglich hält, mehr Kreisbewohner zum Umsteigen auf den Drahtesel zu bewegen. Die Zahl der Berufsradler nehme zu, sagte Landrat Riebel. Zwar fahre wohl nur ein geringer Teil von der Wohnung bis zum Arbeitsplatz, aber immer mehr rollten mit dem Rad bis zur nächsten Haltestelle. Nach dem Motto: "Bike and Ride".
SUSANNE HOERTTRICH
Heinz Klaus Mertes, seit Jahresbeginn Informationsdirektor beim privaten TV- Sender Sat 1 und zuvor Fernsehchefredakteur des öffentlich-rechtlichen Bayerischen Rundfunks (BR), hat Ärger mit der Justiz. Nach umfangreichen Ermittlungen ist die Münchner Staatsanwaltschaft zu dem Ergebnis gelangt, daß Mertes im Verlauf eines Gerichtsstreits mit der SPD eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben hat. Die Ermittlungsbehörde hat nach Angaben ihres Leitenden Oberstaatsanwalts Heinz Stocker daher beim Amtsgericht München "Antrag auf Erlaß eines Strafbefehls" gestellt. Gibt das Amtsgericht, dessen Entscheidung noch aussteht, dem Antrag statt, dann ist eine Geldstrafe für Mertes fällig. Die Höhe der geforderten Geldstrafe wollte Stocker nicht nennen.
Den BR hatte der umstrittene Fernsehjournalist, der auf dem Bildschirm seine Nähe zur CSU wiederholt zum Ausdruck brachte, im November vergangenen Jahres überraschend verlassen. Der Chefredakteur-Vertrag beim BR wäre erst Ende 1995 ausgelaufan. Der Rundfunkrat des öffentlich-rechtlichen Senders, der Mertes Mitte 1990 mit deutlicher Mehrheit zum Chefredakteur gekürt hatte, war zuletzt wegen der Attacken gegen Brandenburgs SPD-Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und den Schriftsteller Günter Wallraff auf Distanz zu dem Fernsehjournalisten gegangen.
Der Strafantrag der Staatsanwaltschaft geht auf einen Vorfall zurück, der vor knapp vier jahren im BR und darüberhinaus für Aufregung gesorgt hatte. Ende März 1989 hatte Mertes, damals noch Nachrichtenchef im BR-Fernsehen, eine Meldung über die Forderung des damaligen Junge-Union-Landesvorsitzenden und heutigen CSU-Europaabgeordneten Gerd Müller nach der Todesstrafe für Rauschgifthändler aus der Sendung "Rundschau-Telegramm" gekipppt. Man müsse Politiker gelegenltich vor ihrer eigenen Dummheit schützen, ließ Mertes hierzu redaktionsintern unter anderem verlauten. Statt dessen war in der Nachrichtensendung "Rundschau-Telegramm" von einer Forderung Müllers nach "härteren Strafen" für Dealer die Rede.
Die SPD bezichtigte Mertes der "Nachrichtenfälschung". Dagegen wehrte sich Mertes erfolgreich bei Gericht. Die SPD durfte mit Billigung der Justiz weiter behaupten, Mertes habe redaktionsintern seinen umstrittenen Eingriff in das "Rundschau-Telegramm" auch mit den Worten gerechtfertigt, er habe "mit Müller telefoniert". Eine solche Äußerung hatten mehrere BR-Redakteure vor Gericht bezeugt. Das stand im Widerspruch zu einer eidesstattlichen Erklärung, die Mertes bei Gericht abgegeben hatte. Darin hatte Mertes beteuert: "Ich habe nicht geäußert, daß ich mit Müller telefoniert hätte." Dieser Widerspruch veranlaßte die Münchner Staatsanwaltschaft, gegen Mertes wegen Verdachts auf Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung zu ermitteln. Die Staatsanwaltschaft ließ mehr als ein Dutzend BR-Journalisten als Zeugen aufmarschieren und kam jetzt zu dem Ergebnis, die eidesstattliche Erklärung von Mertes sei im besagten Punkt falsch. KLAUS OTT
Tip-Vorschau
1. Real Madrid - CD Teneriffa 1
2. Espanol Barcelona - Athletic Bilbao 0
3. Real Saragossa - Atletico Madrid 0
4. Foggia Calcio - AC Florenz 0
5. Lazio Rom - Juventus Turin 1
6. AC Mailand - Genua 93 1
7. AC Parma - SSC Neapel 1
8. Pescara Calcio - Cagliari Calcio 2
9. Samdoria Genua - Brescia Calcio 1
10. Turin Calcio - Inter Mailand 2
11. Udinese Calcio - AS Rom 0 Tips für 6 aus 45 11 - 17 - 18 - 27 - 35- 43
FRANKFURT-NORDOST. Sie heißen "Die Fantastischen Vier", "Börsenkrakker" und "Vivian-House-Party". Gebraucht haben sie "9 ã Wochen" - aber gelangt hat es nicht, um das Präzisionsteam "Swatch" zu überrunden. Die Rede ist vom Planspiel "Börse 1992", bundesweit von den Sparkassen für Schüler ausgeschrieben. In und um Frankfurt haben sich daran mehr als 350 Gruppen beteiligt, heißt es in einer Presseinformation der Frankfurter Sparkasse. Frankfurter Sieger wurde das Team "Swatch" von der Eschersheimer Franz-Böhm- Schule.
Die Nachwuchs-Spekulanten vermehrten im letzten Quartal des vergangenen Jahres ihr Startkapital von 100 000 Mark um fast 23 Prozent auf 122 910 Mark. Als Siegprämie erhielten Daniel und Boris Heuchele eine Siegprämie von je 300 Mark, dazu gab es vom Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen weitere 500 Mark. Den zweiten Platz sicherte sich die "Vivian-House-Party" von der Hohen Landesschule in Hanau, die am Ende einen Depotwert von 116 500 Mark auf dem Konto hatten. Dritter wurden die Eschborner "Börsenkracker" von der Heinrich-von-Kleist-Schule, die ihr Kapital um 13 Prozent vermehrten.
Ihrem Namen alle Ehre machten "Die Fantastischen Vier" - das Team von der Klingerschule aus dem Nordend belegte den vierten Rang mit einer Steigerung von zwölf Prozent. Fünfter wurde eine weitere Frankfurter Gruppe, die "International-Money-Market-Business-Company"
Für den "Einstieg" ins Aktiengeschäft hatten sich die jungen Finanzjongleure bestens vorbereitet. Fünf Seminare und 20 Börsenbesuche standen auf dem Lernprogramm, dann ging es - unter Hilfe von Mitarbeitern der Frankfurter Sparkasse - aufs Börsen-Parkett.
Insgesamt nutzten etwa 400 000 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet die Chance, mit Hilfe des Planspiels ihr Wissen um die Funktion von Marktwirtschaft und Börse zu vertiefen. Das gelang dem Bundessieger überzeugend: Er vermehrte sein Kapital um 105 Prozent auf 204 766 Mark. Erstmals, teilt die Frankfurter Sparkasse mit, hätten auch ostdeutsche Schüler in insgesamt 1753 Gruppen teilgenommen. ak
Spagat zwischen Brüssel und ihrem Staat
Europas Regionen fühlen sich stärker denn je - Vielfalt in der Einheit als Zauberformel
Die Leidenschaft des Jordi Pujol ist gute tausend Jahre alt: Groß, stark und schön ist das emsige Katalonien - eine Region (nein, für ihn "eine Nation" im spanischen Teil Europas) mit Geschichte und Gewicht. Der kleine, temperamentvolle Mann fühlt sich in seinem Element, als er zu Tisch bittet in den Palast der Generalitat, dessen Ursprünge auf das Jahr 1414 zurückgehen und der heute wieder zentraler Ort politischen Geschehens in Kataloniens Hauptstadt Barcelona ist. Von hier aus lenkt Pujol seit zwölf Jahren geschickt die Geschicke "seiner" Madrid abgetrotzten Autonomen Republik.
Den Gästen im Palast hat der Regierungschef der reichen Katalanen mehr zu bieten als bloße Nahrungsaufnahme: Lustwandeln dürfen sie im Orangenhof unter Bäumen, die mit ihren Früchten auch im Januar protzen und im Saint- Jordi-Saal unter den Augen der schwarzen Madonna von Montserrat plaudern. Nach vollbrachtem Mahl läßt der 62jährige die Brille locker in der Hand schlenkern und seine weit ausgreifenden Armbewegungen gelten den historischen Fresken im Torres-Garcia-Saal aus dem 17. Jahrhundert ebenso wie einer Gegenwart, die ihm und den Regionen Europas "den Wind in die Segel" bläst. Dieses selbstsicher festzustellen, ist vorrangiger Zweck der prächtigen Präsentation, mit der Pujol - für ihn maßgeschneidert - Einstand feiert als (seit Juni 1992) neuer Präsident der Versammlung der Regionen Europas (VRE).
Mitten in Europa, wo die Angst vor dem Brüsseler Zentralismus, umgeht, heißt die Devise neuerdings "small is beautiful". "Bürgernähe" und "Subsidiarität" sind die Schlagworte, die Pujol und die VRE sich zunutze machen. "Mini", Größe in der Kleinheit, Vielfalt in der Einheit, heißt ihr Zaubermittel gegen die grassierende Euro-Phobie.
Die Nationalstaaten sehen sich so plötzlich zwiefach in die Zange genommen: von oben, also von Brüssel, an das sie Kompetenzen abtreten sollen, und von unten, wo die Regionen an ihrer Macht zu knabbern beginnen. Auf dieses doppelte Ansinnen reagieren sie höchst unterschiedlich: Während die Deutschen den Ländern in Europa-Angelegenheiten weitgehend Mitsprache einräumten, wollen die Briten das "Subsidiaritätsprinzip" vor allem nutzen, um von der EG Kompetenzen zurückzufordern, die sie keinesfalls nach unten abzugeben gedenken.
Beweis genug für die aktuell stürmische Groß-Wetterlage in Europa und den neuen Reiz des Themas war die Anwesenheit der Journalisten fast aller großer Zeitungen des Kontinents bei einem Symposium über die europäischen Regionen in der Olympiastadt Barcelona. Ihre Neugier galt weder den Hausfassaden wie Traumschiffen, die der Phantasie des Architekten Antonio Gaudi zu danken sind, noch den spielerischen Kunstwerken eines Joan Miró, die die graphische Strenge des Bauplans der Stadt aufzulösen scheinen in die "Leichtigkeit des Seins". Gekommen waren sie, um im Gefolge des Bürgergepolters nach Maastricht zu erfahren, wohin er führen soll, der Weg der europäischen Regionen? Was und wieviel diese unterschiedlichen Gebilde - deren Bandbreite von deutschen Bundesländern bis zu britischen Counties reicht - nun dem Nationalstaat an Kompetenzen entreißen wollen?
Wenn sich am morgigen Donnerstag in Bonn Vertreter der Regionen zu ihrer Generalversammlung treffen, können sie schon Erfolge ihres Feldzuges für Eigenständigkeit feiern: Tauchte das Wort Region in den Römischen Verträgen von 1957 noch gar nicht auf, so führt die 1985 gegründete VRE heute nicht weniger als 219 Mitglieder, darunter - bis auf zwei im Osten - alle deutschen Länder. Daß ihnen im Vertrag von Maastricht ein Regionalausschuß mit (allerdings nur) empfehlendem Charakter zugestanden wird, hat ihr Selbstbewußtsein durchaus poliert. Daß sie dieses Gremium gegen ihren Willen mit Städten und Gemeinden teilen müssen, schmälert die Regio-Euphorie nur geringfügig, soll doch der Anspruch auf den kommunefreien Ausschuß 1996 wieder auf die Tagesordnung.
Der wachsende Nationalismus in Europa, die Tatsache, daß der Zerfall Jugoslawiens aus zwei VRE-Mitgliedern, Slowenien und Kroatien, bereits eigenständige Staaten geschaffen hat, die Turbulenzen in den unruhigen Nachfolgestaaten der Sowjetunion - all das scheint die Angst vor einem Negativ-Image bei den Initiatoren und Promotoren des Regionalismus auf den Plan gerufen zu haben. So grenzen sie sich in Barcelona eifrig ab von gefährlichen Tendenzen des neuen Trends zu nationaler Selbstbestimmung und versichern ein ums andere Mal, daß sie dem Nationalstaat nicht ans Leder wollen. "Die Regionen sollen den Nationalstaat nicht zerstören. Wir streben keine Veränderung der Grenzen an", sagt Jordi Pujol. Der hat allen Grund zu solch - auch an die Adresse Madrids gerichteter - Zurückhaltung, will seine national-konservative Parteiengruppierung "Convergéncia y Unió" doch bei den Wahlen in diesem Jahr mit reichlich Abgeordneten ins Madrider Parlament und Félipe Gonzáles aus der Klemme und zur Mehrheit verhelfen. Wer im Nationalstaat mitreden will, kann ihn schließlich nicht schleifen.
Von der Lega Lombardo des Umberto Bossi in Norditalien, der ein Teilnehmer "wirtschaftlichen und ethnischen Rassismus" vorwarf, grenzt sich Pujol ebenso eilig ab. Bossis Bewegung habe nichts mit Regionalismus zu tun, sei "ganz etwas anderes". Und im Gegensatz zu Osteuropa sei Westeuropa ein sehr stabiler, konsolidierter halber Kontinent, betont er. Ausschließlich positiv besetzt ist sein Modell des Regionalismus, sieht er doch in ihm ein "Element der Identität, das menschlichem Bedürfnis entspricht" und dem um sich greifenden "global life-style" nicht entgegensteht, sondern ihn ergänzt. Der von ihm propagierte Regionalismus soll die "Demokratie vertiefen," er soll "Energien freisetzen, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit stärken". Nicht rückwärts gewandt "folkloristisch-romantisch" sei er, läßt Pujol sich vernehmen, sondern eine "moderne, fortschrittliche Bewegung - ausgerichtet auf kollektive Leistungsfähigkeit".
Ihm assistiert sein Stellvertreter, der ehemalige bayerische Landtagspräsident Franz Heubl. In Regionen sieht der Bayer eine Möglichkeit, die "emotionale Wucht" des neuen "Trends zur Heimat" in positive Bahnen zu lenken. Den Föderalismus - aus britischer Sicht das böse F-Wort - nennt er "ein Angebot an Europa", denn nur aus "örtlicher Kenntnis" könnten "sachgerechte Entscheidungen" erwachsen. Ein "einheitliches Europa von Schottland bis Kreta" - nicht nur in Heubls Sicht wäre das "kein Europa mehr". "Als politisches Sprachrohr, damit die Regionen nicht zu Empfängern irgendwelcher technokratischer Programme degradiert werden", skizziert schließlich Wolfgang Maier, der VRE-Generalsekretär, seine Organisation.
Die letzte Chance, das ländliche Leben zu erhalten, billigtder französische VRE- Vizepräsident Jacques Blanc, auch Präsident des Regionalrats von Languedoc- Roussillion, den Regionen zu. Europa, so ereifert sich Blanc, muß seine Politik völlig ändern, will es das Ausbluten ländlicher Gebiete verhindern - ein Problem, mit dem sich gerade Frankreich konfrontiert sieht. Sonst werde man einerseits Wüsten produzieren und auf der anderen Seite eine unerträgliche Konzentration in den Städten. Erfolgreich probt er bereits die grenzübergreifende Zusammenarbeit der Regionen Languedoc-Roussillion, Midi-Pyrénées und Katalonien, für die sich im Brüsseler Interregio-Fonds gut Mittel lockermachen lassen. Wortreich beschworenes Lieblingsprojekt Blancs ist die Erweiterung des Netzes des Hochgeschwindigkeitszuges TGV von Frankreich aus mit einem Tunnel, der allerdings viel Widerstand auf den Plan gerufen hat, ins spanische Barcelona und gar Valencia.
Bei all den schönen Visionen, die in Barcelona ausgebreitet wurden, blieb eine Gefahr im Hintergrund: Daß sich die wirtschaftlich leistungsstarken Regionen zusammenschließen und die armen noch weiter abhängen. Die ökonomischen Muskelprotze, so der feststellbare europaweite Trend, sind schon jetzt nicht bereit, mit Schwächeren zu teilen. Immerhin führte Burghelle Vernet von der EG- Generaldirektion für die Regionalpolitik das bis dahin nicht gefallene Wort "Solidarität" in die Diskussion ein, ohne die "Europa nur ein Europa der Händler" bleibe. Als arme Länder gelten in Europa diejenigen, deren Bruttosozialprodukt mindestens 25 Prozent unter dem EG- Durchschnitt liegt. Nicht zufällig finden sie sich an den EG-Rändern, etwa Griechenland, Portugal, Irland und Teile Spaniens sowie Süditaliens. Trotz der Verdoppelung der Mittel im Regionalfonds zeigte sich Vernet aber angesichts der Rezession skeptisch, daß die Armen aufholen können. Wahrscheinlich werde es in einigen Jahren noch mehr Ungleichheit geben. Gefahren für die Grenzräume sah durchaus auch Generalsekretär Maier: "Die Konkurrenz der großen Wirtschaftsräume läßt die leiden, die bisher schon einen Rückstand hatten."
Keine Frage, die Regionen Europas treten an, den Spagat zwischen Brüssel und dem Nationalstaat zu proben. Die Staaten sollen, so formuliert es der Arzt Blanc, für Europa das Skelett liefern und die Regionen das Fleisch dazu geben. Zu hoffen ist, so konterkarierte ein britischer Teilnehmer dieses Bild, daß nicht nur die starken Regionen vom Gerangel an den Brüsseler Fleischtöpfen satt werden.
ESCHBORN. Zu einem Informationsabend lädt der Stadtelternbeirat für Mittwoch, 20. Januar, um 20 Uhr in das städtische Verwaltungsgebäude an der Hauptstraße 295 ein. Unter anderem wollen die Eltern mit Erziehern über Kindereinrichtungen sprechen, in denen Mädchen und Jungen aus verschiedenen Altersgruppen miteinander spielen. Interessierte Eltern sind willkommen. Wer den Stadtelternbeirat anrufen möchte, erreicht Karl- Heinz Kohn unter Tel. 06196 / 48 14 80. she
nik FRANKFURT A. M., 21. Januar. Einen Schuldenerlaß der Bundesregierung für das kriegsverwüstete Land Mosambik haben das "Kinderhilfswerk terres des hommes" und der "Verein Koordinierungskreis Mosambik" gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen gefordert. Die Forderung, sagte ein Sprecher von terre des hommes, werde anläßlich der Januar-Sitzung des "Pariser Clubs" westlicher Gläubigerstaaten gestellt. Dort solle über ein neues Rahmenabkommen zur Umschuldung der mosambikanischen Verpflichtungen entschieden werden.
Die Bundesregierung, fordert das Hilfswerk, solle insbesondere deswegen die Schulden Mosambiks erlassen, weil "die gegenwärtigen Verbindlichkeiten kommerzielle Schulden der DDR" seien, die die Bundesregierung lediglich "geerbt" habe. Außerdem werde Mosambik es ohne einen Schuldenerlaß nicht schaffen, den im Oktober 1992 formell geschlossenen Frieden zu erhalten und eine demokratische Regierung aufzubauen.
WETTERAUKREIS. "Die Jäger müssen sofort auf Blei-Schrot verzichten", fordert Frank Uwe Pfuhl, Sprecher des Kreisverbandes Wetterau des Naturschutzbundes Deutschland. Pfuhl beruft sich auf eine Studie, derzufolge alljährlich 3000 bis 4000 Tonnen Blei aus den Patronen der Jäger in Boden, Oberflächen- und Grundwasser gelangen.
"Bei einem Schuß aus der Schrotflinte treffen lediglich zehn Prozent der Schrotkörner ihr Ziel, der Rest der 800 bis 1200 Körner verletzt entweder Unbeteiligte oder fällt auf die Erde zurück", so der Naturschutzbund-Sprecher. Bei der Jagd auf Enten seien die Verluste besonders schwer, weil das Blei am Ufer niedergehe und von "gründelnden", nahrungssuchenden Enten aufgenommen werde, die jämmerlich daran sterben würden.
Der von Pfuhl zitierten Untersuchung zufolge erliegen jährlich etwa 30 000 Vögel Bleivergiftungen. Durch die Jagd gelange eine fast genauso große Menge hochgiftiges Blei in die Umwelt wie durch Verkehr und Industrie. In Deutschland müsse ebenso wie in anderen Staaten Blei-Schrot verboten werden, fordert Frank Uwe Pfuhl. Bis dies geschehe, sollten die Jäger freiwillig auf bleihaltige Geschosse verzichten. Das bedeute auch keine allzu große Einschränkung, da mit Stahlmunition "eine erprobte Alternative angeboten wird".
Wenn gleichwertiges Material angeboten werde, seien die Jäger die letzten, die sich dem verschließen würden, erklärte Rolf Becker, Referent für Natuschutz beim Landesjagdverband, während einer Vorstandssitzung des Landesjagdverbandes in Bad Nauheim der FR. Die Untersuchung der Stahlgeschosse würde aber noch laufen und erst in einem halben Jahr abgeschlossen. Die Kostenfrage spiele dabei auch eine Rolle. Komme es zu einer industriellen Produktion der Stahlmunition, werde diese erschwinglich sein.
Dr. Klaus Röther, Pressesprecher des Hessischen Jagdverbandes, wehrt sich gegen die von Pfuhl genannten Zahlen. Die zitierte Untersuchung beziehe sich auf holländische Küstengewässer, wo kommerziell Jagd auf Enten betrieben werde.
Dr. Röther: "Die ballern mit Bleischrotkanonen in Entenschwärme." Diese Verhältnisse seien auf Hessen nicht übertragbar. Hier werde erheblich weniger mit Blei-Schrot geschossen. Dennoch seien die Jäger bemüht, das Blei-Schrot durch Stahl-Schrot oder andere Stoffe, beispielsweise eine Wismutlegierung, zu ersetzen. ieb
Fast öfter noch, als das russische Sankt Petersburg seinen Namen wechselte, änderte sich die Musik, die Söhne dieser Stadt hervorbrachten. Mit viel Gespür für die Programmzusammenstellung gab die Museums-Gesellschaft in ihrem 5. Sonntags-Konzert in der Alten Oper einen Überblick darüber, wobei Gegensätze von ungeahnter Deutlichkeit hörbar wurden.
Heinrich Schiff, seines Zeichens Cellist, leitete das Opernhaus- und Museums- Orchester bei dieser russischen Matinee und versuchte, das in Tönen wiederzugeben, was kurz zuvor Paul Bartholomäi im Rahmen eines Einführungsvortrages illustrativ schilderte. Aber auch ohne das Wissen um die konträren Intentionen von Strawinskys "Sinfonie in drei Sätzen" und der 6. Sinfonie von Schostakowitsch mußte man zunächst von der Interpretation enttäuscht sein.
Die Kraft der Strawinsky-Sinfonie liegt in den akzentuierten, sich immer wieder verlagernden, jagenden Rhythmen, denen das Museums-Orchester kaum gewachsen schien. Schiff beschränkte sich dabei rein auf das Schlagen des Taktes, was auch bitter nötig war, ein Auseinanderfallen der Struktur vor allem in den Bläsern jedoch nicht verhindern konnte. Erst der dritte Satz kam in Bewegung und hatte ansatzweise die Schärfe und Präzision, die diese Sinfonie in Spannung hält.
Ebenfalls dreisätzig, doch weit mehr als nur die sechs Jahre von Strawinskys neoklassizistischem Spätstil entfernt ist Schostakowitschs 6. Unter dem Eindruck echter existentieller Gefährdung schrieb Schostakowitsch hier ein Werk von kaum zu vereinbarender Zerrissenheit. Mit breiten Klangflächen, schwermütig, aber auch aufgewühlt und ruhlos formte Schiff den ausladenden 1. Satz, der dem Werk die Kritik der stalinistischen Kulturmächtigen einbrachte, "ein Rumpf ohne Kopf" zu sein.
Den folgenden, als humorvolle und lebensfrohe Scherzi verkleideten Sätze riß Schiff mit bestürzender Deutlichkeit die Maske vom Gesicht. Zum Vorschein kam, vom Orchester entlarvend überzogen markiert, eine grotesk überzeichnete Musik, mit Schlagwerk und Fanfaren wie in einem großen Zirkusrund.
Neben soviel bedrückender Emotion mußten die Polowetzer Tänze von Borodin trotz ihrer elementaren Wucht eher oberflächlich erscheinen. Mit den Chören des Cäcilien-Vereins und der Singakademie, die eindrucksvoll die Bühne einrahmten, war die Originalfassung dieser Opernszene zu hören - falls bei der etwas ungeklärten Urheberschaft von Borodins Lebenswerk überhaupt von Original die Rede sein kann.
Daß der gewaltige Chor zur reinen Klangmasse mutierte, war bei diesen Dimensionen nicht zu verhindern, so konnte man bis gegen Ende kaum feststellen, welcher Sprache er sich dabei bediente. Der Text wie überhaupt die ganze Ländlichkeit des heidnischen Slawenvolkes hatte ohnehin kaum Bedeutung gegenüber den stilistischen Kunstgriffen Strawinskys und Schostakowitschs.
STEFAN SCHICKHAUS
RÖDERMARK. Der Volkschor 1893 Ober-Roden wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Für die Dokumentation seiner Geschichte in einer Ausstellung, die am Samstag, 6. März, im Ober-Rodener Bücherturm eröffnet wird, suchen die beiden Chronisten Hans Groh und Franz Koser ältere Rodgauer/innen, die etwas über die Geschichte des Chores erzählen können. Für die lebendige Gestaltung der Ausstellung fehlen vor allem noch Fotos, die dem Verein, da sie abfotografiert würden, nur kurz zur Verfügung gestellt werden müßten.
Fotos, Berichte und Dokumente werden unter den Nummern 9 95 90 oder 9 05 24 entgegengenommen. fra
ESCHBORN. "Die Csardasfürstin" von Emmerich Kalman wird während eines Operettennachmittags für Senioren am Sonntag, 24. Januar, um 14.30 Uhr in der Stadthalle aufgeführt. Die Eintrittskarten dafür werden von sofort an im Rathaus beim Pförtner und in der Verwaltungsstelle Niederhöchstadt ausgegeben. Ältere Eschborner erhalten sie kostenlos, wenn sie ihr Einladungsschreiben für die Veranstaltung vorlegen.
Ein Bus wird die Senioren am Sonntag von Eschborn und Niederhöchstadt aus in die Stadthalle bringen; für Gehbehinderte ist wieder ein Taxidienst eingerichtet. she
HEDDERNHEIM. Aus dem "Dornröschenschlaf" erwacht ist der Karnevalistische Tanzsport-Club "Rot-Weiß", der künftig neben dem Gardetanz auch das Fastnachtsbrauchtum pflegen will. Eine Kostprobe gab der Verein bei seiner gut besuchten Narrensitzung in der Christ- König-Gemeinde in Praunheim.
In der Bütt gefielen Anneliese Repp ("Die Krone der Schöpfung"), Ursula Bröckl ("Tannenbaumhändlerin"), Jenifer Tschech ("Der Gartenzwerg") und Petra Amthor mit dem Vortrag "Ich tät so gern die Wahrheit sagen". Die kleine Garde des Vereins tanzte Polka und eine Show ("Die Schornsteinfeger"), die große eine "Charly-Chaplin-Parodie". Als Solistin gefiel Petra Fink. Das "Emmentaler-Duo" Edith Bertold und Claudia Willan, die Gruppe "Luisa Casuso" ("Orientalische Nächte") und "Stimmungsproduzent" Karl-Heinz Henkel rundeten das gelungene Programm ab. Für den guten Ton sorgte Holger Jantke. dixi
Der dreitägige Ausflug auf die Insel war nicht die auch von Manager Bodo Ströhmann befürchtete Endstation im Europacup der Landesmeister. Der Deutsche Handball-Meister SG Wallau/Massenheim schaffte mit dem verdienten 19:19 (13:11)-Remis beim isländischen Meister FH Hafnarfjördur den in sportlicher und primär wirtschaftlicher Hinsicht wichtigen Sprung ins Halbfinale. Im Los-Topf liegen am heutigen Dienstag in Basel der jugoslawische Meister RK Zagreb (Ex-Verein von Ex-Trainer Velimir Kljaic), der französische Titelträger HB Venisseuxv und der erklärte Pokalfavorit FC Barcelona.
"Mich würde Barcelona schon reizen. Da haben wir nicht viel zu verlieren, sind in der dankbaren Rolle des Außenseiters", blickte Trainer Heiner Brand nach der Leistungssteigerung auf der verschneiten Insel bereits nach vorne. "Mir wären die Franzosen lieber, Zagreb oder Barcelona würde ich mir gerne für das Endspiel aufheben. Aber bereits im Viertelfinale gab es keine leichten Gegner mehr", setzt der mit einem Tapeverband wieder aufgelaufene Finne Mikael Kaellman (3 Tore / bester Werfer war Schwalb mit sechs Treffern) auf ein glückliches Händchen seines "Chefs" Bodo Ströhmann. Nach Zagreb möchte die SG schon wegen der Kriegswirren nicht reisen. Das Mitwirken von Kaellman, der relativ schmerzfrei das Europacup-Match überstand, wirkte sich stabilisierend auf die zuletzt mit den Nerven und der Form kämpfenden Wallauer aus. "Wenn der alte Finne nur aufläuft, beflügelt das unser Spiel", meinte Ströhmann, dessen Team bereits am Samstag zum dritten Bundesliga-Auswärtsspiel hintereinander Folge beim heimstarken TBV Lemgo antreten muß. Diese Partie mußte wegen des Europacup-Viertelfinales um eine Woche verlegt werden, die Halbfinalspiele finden erst nach der Weltmeisterschaftspause am 24. April und 1. Mai statt.
"Die Leistungen in Hafnarfjördur in der ersten Halbzeit lassen mich hoffen, daß wir das Bundesligatief mit zuletzt drei Auswärtsniederlagen in Folge in Lemgo überwinden", zog Brand die Bilanz, bevor der Erfolg am Polarkreis gefeiert wurde. jo
Europapokal der Landesmeister, Viertelfinal- Rückspiel: HC Hafnarfjördur/Island - SG Wallau-Massenheim 19:19 (11:13). - Tore: Arnason (7/2), Trufan (3), Svinsson (3/2), Pordarson (3), Beinteinsson (2), Arason (1) für Hafnarfjödur - Schwalb (6/3), Kaellman (3), Oster (4), Stoschek (2), Beuchler (3), Heckmann (1) für Wallau. - Zuschauer: 3000 (ausverkauft)
An Kindergartenplätzen herrscht großer Mangel Wöllstädter Eltern diskutieren das Problem am Mittwoch Von Jörg Muthorst WÖLLSTADT. An Nachwuchs mangelt es der 5600 Einwohner-Gemeinde nicht. Ganz im Gegenteil. Die Zahl der jungen Wöllstädter steigt ständig an, neue Baugebiete, mit denen dem Siedlungsdruck Rechnung getragen werden soll, machen eine weitere "Verjüngungskur" für die noch weitgehend ländlich geprägte Gemeinde vorhersehbar. Allein, es fehlt schon jetzt an Betreuungsplätzen für die Wöllstädter Kinder, besonders im Ortsteil Ober- Wöllstadt. Dort will am Mittwoch, 20. Januar, die Interessengemeinschaft Wöllstädter Eltern das Thema um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle mit Vertretern der örtlichen Parteien diskutieren. Sorgenvoll blicken der Gemeindevorstand und die Parteien dem 1. Januar 1996 entgegen. Dann nämlich sollen Kinder ab vollendetetem dritten Lebensjahr Anspruch auf einen Kindergartenplatz in Hessen erhalten. Wer soll das bezahlen, fragen sich die verantwortlichen Politiker, wohl wissend, daß Betreuungsplätze für Dreijährige schon jetzt Mangelware sind. 21 von ihnen stehen laut Claudia Schirmer, Vorsitzende des Elternvereins, auf der Warteliste des aus allen Nähten platzenden katholischen Kindergartens in Ober-Wöllstadt. In den drei kleinen Gruppenräumen werden 71 Kinder betreut. Seit 30 Jahren sei die Einrichtung nicht mehr renoviert worden, so Frau Schirmer. Fenster und Fußböden müßten erneuert, die Räume vergrößert und um einen vierten Gruppenraum erweitert werden.
Weil das aber nur im Zuge eines Um- und Anbaus des kompletten Pfarrzentrums möglich scheint, sind hierfür von der Kirche Gesamtkosten von drei Millionen Mark kalkuliert worden.
Noch im Haushaltsansatz des Gemeindevorstandes waren für 1993 hierfür 760 000 Mark eingeplant. Doch im Parlament besannen sich insbesondere die Fraktionen von SPD und FWG eines anderen und strichen den kommunalen Zuschuß für die Pfarrgemeinde wieder zusammen. Nur ein zusätzlicher Gruppenraum für eine dreiviertel Million Mark erscheint Sozialdemokraten wie Freier Wählergemeinschaft zu unwirtschaftlich. Mit dem selben Betrag ließe sich unter Inanspruchnahme von Landesgeldern in gleicher Höhe ein komplett neuer, zweigruppiger Kindergarten mit 50 Plätzen errichten. Legt die Gemeinde nochmals eine halbe Million Mark drauf, rechnen die Sozialdemokraten vor, könnte bis 1995 ein nagelneuer, viergruppiger Kindergarten mit 100 Betreuungsplätzen zum Gesamtpreis von rund 2,5 Millionen Mark bezugsfertig sein. Er müßte dann allerdings in Nieder-Wöllstadt stehen, wo die Bemühungen, ein neues Baugebiet ausweisen, am weitesten fortgeschritten sind. In Nieder-Wöllstadt existiert bereits ein kommunaler Kindergarten mit 100 Betreuungsplätzen. Er ist, wie Bürgermeister Norbert Schilling erklärte, aber nicht erweiterbar. In Erwartung weiterer Häuslebauer mit Kindern sieht der Gemeindevorstand auch für Nieder-Wöllstadt zusätzlichen Betreuungsbedarf.
Ähnliches steht, wenn auch erst ein paar Jahre später, in Ober-Wöllstadt zu erwarten, wenn dort alle Grundstücksparzellen von der Gemeinde für ein neues Baugebiet zusammengefaßt worden sind. Allein aufgrund dieses Neuzuwachses sieht Bürgermeister Schilling für Ober-Wöllstadt einen zusätzlichen Bedarf an 20 Betreuungsplätzen. Die Erweiterung des katholischen Kindergartens um nur einen Gruppenraum könne daher den Gesamtbedarf (Dreijährige zuzüglich zu erwartende Kinder aus dem Neubaugebiet) gar nicht decken.
Von der Interessengemeinschaft Wöllstädter Eltern wie auch vom Elternbeirat des katholischen Kindergartens wird das anders gesehen. Zumindest für die nächsten fünf bis sieben Jahre wären die augenblicklichen Probleme bei einer Kindergartenerweiterung erst einmal gelöst, so Claudia Schirmer. Der Vorschlag von SPD und FWG, einen Teil der Ober-Wöllstädter Kinder in einem neuen Nieder- Wöllstädter Kindergarten zu betreuen, sei aufgrund des dann erforderlichen Bustransports nicht akzeptabel.
Das wiederum mag Bürgermeister Schilling, der sich ansonsten nicht in die Entscheidungsfindung der Parlamentsfraktionen einmischen will, nicht als Argument gelten lassen. Die Busfahrerei sei nur übergangsweise erforderlich, bis auch in Ober-Wöllstädter Baugebiet ein zusätzlicher Kindergarten errichtet sei.
HÖCHST. "Abraham im Alten und Neuen Testament und im Koran" ist der Titel einer Reihe ökumenischer Bibelgespräche, die die Höchster Kirchengemeinden vom heutigen Dienstag, 19. Januar, bis zum 21. Januar jeden Abend veranstalten. Jeweils um 19.30 Uhr sollen die entsprechenden Passagen aus den heiligen Büchern des Islam, der Juden und der Christen gelesen und besprochen werden. An jedem Abend wird ein kompetenter Vertreter der jeweiligen Religion in das Thema einführen. In Gesprächen wird dann die Rolle Abrahams in den einzelnen Religionen geklärt und vertieft. Abraham ist der Stammvater vieler Religionen - sowohl das Judentum als auch das Christentum beanspruchen ihn für sich.
Wer an den drei hintereinanderliegenden Bibelgesprächsabenden dabeisein will, kommt am heutigen Dienstag in das katholische Gemeindehaus in der Schleifergasse 2. gre
OFFENBACH. Jetzt, wo ihre beiden Kinder so gut wie erwachsen sind, hat Maria Eimann endlich mehr Zeit für ihren eigentlichen Beruf. Das beeindrukkende Ergebnis ihrer Arbeit ist in der Städtischen Galerie zu sehen: Maria Eimann stellt 35 Bilder vor; alle erst in den vergangenen drei Jahren entstanden.
Die in Ungarn geborene und seit 1966 in Offenbach lebende Künstlerin war bislang in der heimischen Kulturszene eher als Freizeitkünstlerin bekannt. Das lag daran, daß sie sich für die Allgemeinheit engagierte und 1978 den vakanten Vorsitz des Vereins der Offenbacher Freizeitkünstler übernahm.
Sie hilft zudem bei der Volkshochschule und beim deutsch-französischen Stammtisch. Ihre Partei, die FDP, hat sie jetzt auf Platz neun der Kandidatenliste für die Stadtverordnetenversammlung gewählt.
In den Jahresausstellungen der Freizeitkünstler fielen Qualität und Niveau ihrer Bilder deutlich auf. Die Absolventin der Budapester Kunstakademie profilierte sich seit 1980 bei zahlreichen Gemeinschaftsausstellungen professioneller Künstler in der Region. Die Ausstellung in der Städtischen Galerie ist ihre erste große Einzelausstellung. Kulturamtsleiterin Lydia Gesenhus sagt: "Maria Eimann hat diese Ausstellung verdient. Wir wollen ihr damit auch Dank sagen für ihr kulturpolitisches Engagement in dieser Stadt."
Die Schau ist aber beileibe keine Gefälligkeitsausstellung, dagegen spricht allein die Qualität der Bilder und Zeichnungen. Maria Eimann, der man viel Temperament nachsagt, beherrscht die unterschiedlichsten Techniken, bevorzugt als Sujet jedoch die Interpretation der Beziehungen zwischen Menschen, Mythen und Landschaften. Sie sagt: "Ich bin der festen Überzeugung, daß ein Künstler sich permanent verändern muß, wenn er am Ball bleiben will. Er sollte immer seinen jeweiligen Leidenschaften folgen, egal, was die Masse darüber denkt."
Die Eimann-Ausstellung in der Städtischen Galerie, Kaiserstraße 99, ist bis zum 11. Februar zu besichtigen. Die Galerie ist geöffnet dienstags bis freitags von 15 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr. lz
Bei den Hessichen Tanz-Meisterschaften in Obertshausen, Hauptklasse D-Standard, holten Jürgen Forkert und Christiane Kowalski von Schwarz-Silber Frankfurt den Landestitel. Den Vizemeister teilten sich die Paare Michael Birk und Nicole Schäfer (Schwarz-Silber) und Manfred Jost und Kerstin Hauner (Blau-Gold Darmstadt). Verbunden damit ist auch ein Aufstieg in die höhere C-Klasse.
Ein wahrer Goldregen ergoß sich über die Freistilringer des FSV Münster bei den Meisterschaften des Bezirks Darmstadt, die in Weiher (Odenwald) ausgetragen wurden. Zehnmal standen FSV-Ringer auf der obersten Stufe des Treppchens, drei Silber- und zwei Bronzemedaillen rundeten den Siegeszug der Münsterer Männer, A- und B-Jugendlichen ab. Im Aktivenbereich profitierten die Münsterer von der Abwesenheit des Liga-Rivalen AV Schaafheim, der in der Bundesliga- Aufstiegsrunde in Bonn anzutreten hatte. Hierdurch konnte das FSV- Team die Titelkämpfe fast nach Belieben dominieren. Thomas Wörner sicherte sich im Fliegengewicht (bis 52 kg) Gold, mußte hierzu lediglich zwei Konkurrenten besiegen.
Bantamgewichtler (bis 57) Thorsten Krebs mußte vier Siege einfahren, um zu Gold zu kommen. Christian Lehr sicherte sich in dieser Gewichtsklasse mit je zwei Siegen und Niederlagen noch das bronzene Metall. Im Federgewicht (bis 62) gingen immerhin 16 Ringer an den Start. Harald Hört genügten fünf Siege und eine Niederlage zur Silbermedaille. Thomas "Hasi" Hasieber setzte sich im Leichtgewicht (bis 68) durch drei Schulter- und einen Punktsieg an die Spitze. Markus Rill dominierte klar den Wettbewerb im Weltergewicht (bis 74) und errang mit fünf Schultersiegen souverän die Goldmedaille. Dieter Löbig scheiterte im Mittelgewicht (bis 82) nach vier Siegen knapp und mußte mit der Silbermedaille vorliebnehmen. Er ringt jedoch vorzugsweise griechisch-römisch und darf hochzufrieden sein.
Im Halbschwergewicht (bis 90) gingen wieder zwei Medaillen an den FSV: Klaus Schmitt holte sich die goldene, Olaf Herd die bronzene Plakette. Schwergewichtler Klaus Roth (bis 100) und Super-Schwergewichtler Thomas Winter setzten sich in ihren Klassen deutlich an die Spitze und fügten der Medaillensammlung zwei weitere goldene Stücke hinzu.
Auch der Nachwuchs des FSV bewies seine Klasse. Acht Talente schickte der FSV auf die Matten, drei davon schlossen als Sieger ab. Die einzige Medaille der B-Jugendlichen errang Bernd Lenz in der Klasse bis 37 kg. In der Konkkurenz bis 41 kg reichte es für Rene Kurth zum fünften, für Sascha Scharkopf zum achten Rang. Ebenfalls Fünfter wurde Boris Busch in der Klasse bis 50 kg.
Nach dem Erfolg bei den Männern sicherte sich Thomas Wörner bei den A-Jugendlichen seine zweite Goldmedaille. Das Münsterer Talent ließ in der Klasse bis 54 kg der Konkurrenz keine Chance.
Carsten Puschner fügte in der Klasse bis 56 kg einen weiteren Sieg hinzu. Eine Silbermedaille erkämpfte sich Daniel Vollhardt in der Konkurrenz bis 63 kg. jbp
Zwei Gesichter hatte die Musik, die die Pianistin Heike Ziecke, Studentin an der Musikhochschule, bei ihrem Soloabend im Hindemith-Saal der Alten Oper präsentierte. Das eine, das angenehm schmeichelnde, stammte aus den Salons der feinen Gesellschaft: Debussy steht dafür, oder auch Franz Liszt, dessen Variationen über Bachs "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen" Heike Ziecke im Programm hatte. Mit sicherer Hand filterte sie da das Ostinato basso-continuo-Motiv aus den mächtigen Klangkaskaden heraus und wahrte, wann immer möglich, den Schein eines polyphonen Gefüges.
Die angedeuteten Choräle nahm sie schlicht, soweit Liszt dies zuließ, so wie sie auch bei Debussys "Etudes pour les arpeges composés" die nötige Ruhe ausstrahlte; die Arpeggien, bei Ziecke keiner Etüde mehr bedürftig, hatten so den Raum, sich zu Klängen zu entfalten. Ausbrüche und Zurücknahme, Grundpfeiler impressionistischer Klangfarbe, lösten sich in ihrem Spiel organisch, manchmal etwas zu kontrolliert ab. Als Kontrapunkt zu Debussys Klanggewebe und Liszts Klangwoge stand Paul Hindemith mit seiner satirisch-grotesken "Suite 1922". Als Verächter des spätromantischen Klavierstils lag es an ihm, das böse, das verzerrte Gesicht seiner Zeit zu zeigen: mit seinen verqueren Tanzsätzen wie dem exzentrischen Modetanz "Shimmy" oder einem grob entstellten "Ragtime", von Heike Ziecke vehement vorgetragen, führt Hindemith hier die Kehrseite der "swinging twenties" vor Augen.
Die Pianistin ließ die Musik für sich sprechen, sie verzichtete auf vordergründigen Witz, auch dort, wo er durchaus wirkungsvoll gewesen wäre. Hindemiths Zeitkritik setzte sich so trocken und - mit Ausnahme des elegischen "Nachtstückes" - mit spröder Ironie um so stärker von den Pastelltönen des Impressionismus ab. STEFAN SCHICKHAUS
KELKHEIM. Spät kömmt sie, doch sie kömmt - die Kandidatenliste, mit der die Unabhängige Kelkheimer Wählerliste (UKW) zur Kommunalwahl am 7. März antreten wird. Die lange Kandidatenkür hat ein sichtbares Ergebnis: Mehr als 70 Anhänger haben ihre, wie UKW-Sprecher Albrecht Kündiger betont, "aktive Mitgliedschaft" via Liste dokumentiert. Spitzenkandidat ist das amtierende Magistratsmitglied, der Polizeikommissar Gerhard Schlosser. Nach "überzeugender Arbeit" soll Schlosser sein Amt auch in der kommenden Legislaturperiode behalten.
Auf Platz zwei tritt die Stadtverordnete Ursula Molsberger an. Die 30jährige Krankenschwester kümmert sich vorrangig um soziale Themen und Frauenpolitik. Auf Platz drei kandidiert der Jurastudent Albrecht Kündiger - als langjähriger Stadtverordneter und Grünen-Kreistagspolitiker ein "alter Hase" im kommunalpolitischen Geschäft. Ihm folgt das frühere UKW-Magistratsmitglied Stefan Thalheimer, der nach einem Auslandsjahr nun wieder aktiv mitmischen will.
Mit der Richterin Silvia Legatis aus Fischbach, dem Bauingenieur Rainer Tisch aus Kelkheim - als Mitglied der Kelkheimer Kindergarteninitiative bekannt - und dem Fischbacher Gärtnermeister Karl Schmidt kandidieren neue Gesichter auf Platz fünf bis sieben. Auf den achten Platz hat sich der Stadtverordnete Wolfgang Coy zurückgezogen. Nach neunjährigem "Dauersitz" im Parlament will er nun kürzertreten. Das will auch der Stadtverordnete Manfred Rosebrock. Der Vorsitzende des Umweltausschusses tritt als "Schlußlicht" an - auf dem Ehrenplatz der Liste.
Die Frau auf Platz neun heißt Ivaloo Schölzel-Dingeldein und ist als Leiterin des Kinderhauses Rosa Raupe bekannt. Ihr folgen als Neuling der Fischbacher Personalleiter Robert Stoegbauer und Wolf-Dieter Hasler aus Ruppertshain, bekannt durch sein Engagement im Arbeitskreis Asyl der Paulusgemeinde.
Politisch legt die UKW den Schwerpunkt auf die Themen Umwelt und Soziales - allen voran auf die Versorgung mit Kinderbetreuungsangeboten. "Wir sind die einzig wirkliche Opposition zu Bürgermeister Winfried Stephan, unsere Präsenz ist unverzichtbar", wirbt UKW-Sprecher Kündiger. Die SPD habe in der Vergangenheit die Chance der veränderten Mehrheiten im Parlament nicht genutzt. Statt dem "allmächtigen" Bürgermeister mit wechselnden Mehrheiten Paroli zu bieten, hätten sich die Sozialdemokraten über Haushaltsabsprachen fest an die CDU binden lassen. ana
LONDON, 18. Januar (AFP). Die Ärzte eines Krankenhauses in der englischen Stadt Birmingham haben überraschend festgestellt, daß eine junge Frau, die nach einem Autounfall bereits seit einem Monat im Koma liegt, in der achten Woche schwanger ist. Das berichtete am Montag die britische Presse. Nach Angaben der Ärzte kann das Baby auch dann zur Welt kommen, wenn die 19jährige das Bewußtsein nicht wiedererlangen sollte. Die Eltern der jungen Frau haben den Presseangaben zufolge erst durch die Diagnose der Ärzte von der Schwangerschaft ihrer Tochter erfahren.
MÜHLHEIM. Vom Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft läßt die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft derzeit prüfen, ob der Stadtverordnetenbeschluß, der Baugesellschaft die 127 städtischen Wohnungen für zwei oder auch drei Millionen Mark zu verkaufen, nicht gegen das Gesellschaftsrecht verstößt. Das erklärte deren Geschäftsführer Erwin Stang. Seine Gesellschaft hat nämlich nicht die Absicht, diese Wohnungen zu erwerben.
Die Baugesellschaft ist eine hundertprozentige Tochter der Stadt. Nach Auffassung Stangs greift der Stadtverordnetenbeschluß in den Aufgabenbereich einer juristischen Person des Privatrechts ein - eine solche stellt die Baugesellschaft dar. Außerdem lasse man prüfen, ob der von CDU, Grünen und Freien Sozialdemokraten getragene Beschluß von der Hessischen Gemeindeordnung gedeckt wird.
Damit haben sich auch schon Bürgermeister Karl-Christian Schelzke und erter Stadtrat Horst Lehr beschäftigt. Schelzke hat gestern dem Magistrat nach gründlicher rechtlicher Prüfung empfohlen, den Beschluß nicht anzufechten. Durch den Verkauf der Wohnungen an die Baugenossenschaft werde das Wohl der Gemeinde nicht in dem Maße beeinträchtigt, daß sie ihren Pflichtaufgaben (allgemeine Daseinsvorsorge) nicht mehr nachkommen könne, sagte Schelzke.
Gleichwohl bedauerte er erst wieder am vergangenen Freitag die Entscheidung der Stadtverordneten, weil das Geld, das die Stadt durch den Verkauf einnehme, nicht wieder in den Wohnungsbau gesteckt werde.
Am Freitag verlieh Paul Leo Giani, Direktor des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft, Erwin Stang, dem ehrenamtlichen Geschäftsführer Horst Lehr und dem stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden der Baugesellschaft, Reinhold Latzke, die silberne Ehrenmedaille des Verbandes. Alle drei feierten ihr 25jähriges Dienstjubiläum bei der Baugenossenschaft.
Erwin Stang erklärte in der kleinen Feierstunde, seit Gründung der Gemeinnützigen Baugenossenschaft im Jahr 1948 seien im Schnitt jährlich 28 Wohnungen gebaut worden. Zur Zeit sind 1174 Wohnungen der Baugesellschaft vermietet, sieben im Bau und mit 24 weiteren soll im Frühjahr begonnen werden. Insgesamt verfügt die Wohnungsbaugesellschaft damit demnächst über 1514 Vermietungseinheiten, worunter auch 294 Garagen und sieben Läden fallen.
Wegen der zunehmenden Wohnungsnot sieht die Baugenossenschaft zur Zeit keine Notwendigkeit, die 127 städtischen Wohnungen zu kaufen, machte Stang gegenüber der FR deutlich. Die Priorität der Baugesellschaft liegt deshalb auch auf dem Neubau, auf Modernisierung und auf der Instandsetzung ihres Wohnungsbestandes. Dafür und nicht für den Kauf von Wohnungen habe die Gesellschaft Rücklagen gebildet.
"Was würden denn die rund 4000 Mieter unserer Wohnungen sagen, wenn mit dem Geld für Instandsetzungen Wohnungen gekauft würden, um damit politische Wahlprogramme zu finanzieren?", fragte Stang. Die Freien Sozialdemokraten hatten den Verkauf der Wohnungen vorgeschlagen, um mit dem Geld andere Dinge zu finanzieren, beispielsweise den Kanalbau, den Ausbau von Straßen und die Modernisierung von Spielplätzen.
Das Bestreben der Baugenossenschaft besteht dagegen darin, weiterhin für Einkommensschwache preisgünstige Wohnungen zu bauen. Stang wollte nicht grundsätzlich ausschließen, die städtischen Wohnungen zu kaufen. "Wenn wir das für notwendig halten, kommen wir auf die Stadt zu." Dann müsse allerdings das Stammkapital erhöht werden, oder die Stadt müsse der Baugesellschaft zinsgünstige Darlehen zu diesem Zweck einräumen.
Stang machte in diesem Zusammenhang auch auf den Instandsetzungsbedarf der städtischen Wohnungen aufmerksam. Es handele sich schließlich um Häuser, die im Schnitt in den zwanziger Jahren gebaut worden seien, zwei datierten gar aus dem Jahre 1870. pmü
Der Traum von der Ersten Ringer-Bundesliga ist für die Staffel des AV Schaafheim ausgeträumt, noch ehe er richtig begann. Nach der deutlichen 4:27-Niederlage in Bonn-Duisdorf hat der AV keine Aussichten mehr, die Qualifikationsrunde auf dem ersten Platz abzuschließen, was Voraussetzung für den Aufstieg in die höchste deutsche Klasse ist. Was bleibt, ist das Abenteuer Aufstiegsrunde, das Sammeln von Erfahrung gegen hochkarätige Gegner und die Möglichkeit, den Fans in den noch ausstehenden zwei Heimkämpfen zwei Spitzenteams in Schaafheim präsentieren zu können. Es bleibt auch noch die gute Chance, als Dritter die Aufstiegsrunde abzuschließen, wenn die AV-Staffel am Samstag beim SV Halle den Hinkampferfolg wiederholen kann. Für die Fahrt nach Halle wurde ein Bus gechartert. Der Auftritt der Ringer wird mit einem Besuch in der Münsterer Partnergemeinde Mansfeld bei Halle verbunden. Die beiden Heimkämpfe gegen die Favoriten Köllerbach (30. Januar) und Bonn-Duisdorf (7. Februar) stellen den Abschluß der bisher erfolgreichsten Saison des AV Schaafheim dar.
Daß die Schaafheimer in dieser Aufstiegsrunde nicht um den Sieg kämpfen würden, war ohnehin zu erwarten. Dementsprechend gut konnte man mit der Niederlage beim hohen Favoriten in Bonn umgehen. "Der AV steckte die hohe Niederlage beim übermächtigen TKSV weg und konzentriert sich ganz auf den Kampf in Halle, wo zahlreiche Fans den AV unterstützen werden", erklärt AV- Pressewart Normen Krautwurst.
Während der AV in Halle um Platz drei kämpft, geht es zwischen Köllerbach und Bonn um den Aufstieg. Dem KSV Köllerbach genügt ein Sieg mit einem Punkt Differenz zum Aufstieg, doch Krautwurst schätzt die Duisdorfer stärker ein als den KSV.
Die Bonner präsentierten sich gegen den AV bereits in "Bundesliga-Form". Schaafheims Leistungsträger Engin Ürün konnte zu allem Übel aufgrund seiner in Köllerbach erlittenen Knöchelverletzung nicht antreten. Ralf Markgraf rückte in die 57-Kilo-Klasse und der Jugendringer Patrick Bertram ging dafür im Fliegengewicht an den Start, wo er gegen Valentin Kromov chancenlos war und nach zehn Sekunden aufgab.
Punkte zu erzielen vermochten nur die beiden Schaafheimer Ringertrainer Mario Gattnar (2:0 über Frank Dorn) und Tino Hempel (2:0 über Jochen Jahn). Ansonsten ging der AV leer aus. Etwas hinter den Erwartungen blieben Holger Kartschall (bis 48 kg) und Bernd Fröhlich (130 kg), der leichteste und der schwerste Schaafheimer, zurück. Gerade in diesen beiden Klassen hatten die Schaafheimer auf Erfolgserlebnisse gehofft. Ein Gutes hat jedoch die Niederlage, die für klare Verhältnisse sorgte: Die AV-Ringer dürfen wieder essen, was ihnen schmeckt. Es wird kein Gewicht mehr "gemacht". Damit geht für die Athleten eine strapaziöse Saison langsam dem Ende entgegen. Zu den abschließenden Heimkämpfen erhoffen sich die Schaafheimer noch einmal eine schöne Kulisse, da sich mit Köllerbach und Bonn-Duisdorf zwei sehr starke Staffeln präsentieren. Die treuen Schaafheimer Fans werden jenen des TKSV Bonn-Duisdorf nicht nachstehen wollen: Dort platzte die Halle mit 1500 begeisterten Fans fast aus allen Nähten, obwohl der Sieg der Gastgeber allgemein erwartet worden war.
TABELLE DER BUNDESLIGA-AUFSTIEGSRUNDE: 1. TKSV Bonn-Duisdorf 6:0 Punkte/68,5:19 Mannschaftspunkte, 2. KSV Köllerbach 4:2/62:27,5, 3. AV Schaafheim 2:4/28,5/57,5, 4. SV Halle 0:6/19,5/74,5. ina
Die Verteidigung des Europameister- Titels in London hat die fünf Nationalspielerinnen des Rüsselsheimer RK offenbar weniger strapaziert als motiviert, denn bei ihrem ersten Auftritt in der Rückrunde der Hallenhockey-Bundesliga präsentierten sie sich in blendender Verfassung. Der klare 10:2-Erfolg der Rüsselsheimerinnen über Blau-Weiß Köln beeindruckte die 200 Fans insbesondere durch die Art, wie er herausgespielt wurde. Acht blitzsaubere Feldtore legten die Rüsselsheimerinnen auf das Parkett und behaupteten durch diesen Sieg ihre Tabellenführung ebenso wie ihren Anspruch auf die deutsche Hallenhockey- Meisterschaft.
Das Team von Berti Rauth präsentierte sich als homogene Mannschaft, hatte in Marja Busch eine besonders auffällige Akteurin. Angesichts der stetig nach oben weisenden Formkurve der 17jährigen Junioren-Nationalspielerin scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann sie als A-Nationalspielerin Nummer sechs in den Listen des RRK geführt werden darf. Die Zuschauer waren vom technisch anspruchsvollen und temporeichen Spiel ihrer Mannschaft angetan. Da fiel auch kaum ins Gewicht, daß die Ekken-Verwertung des RRK unter den übliche Werten zurückblieb. Von neun Versuchen landeten nur zwei (Becker, Klecker) im Netz. Der Grund hierfür liegt jedoch darin begründet, daß Berti Rauth im Training auf seine Nationalspielerinnen verzichten mußte und das Einstudieren von Ecken daher etwas zu kurz kam.
Bis zum kommenden Wochenende wird der Rüsselsheimer Coach sicher Abhilfe schaffen, denn die Partien beim Club Raffelberg und beim RTHC Leverkusen sind von vorentscheidender Bedeutung im Kampf um die beiden Endrunden- Plätze. Besonders in Leverkusen dürfen die Rüsselsheimerinnen nicht verlieren, denn der RTHC weist nur zwei Punkte Rückstand auf. Die Frankfurter Eintracht würde im Falle einer RRK-Niederlage gar am Team von Berti Rauth vorbeiziehen. Im Hinspiel dominierte der RRK mit 9:5 recht deutlich. Ein ähnliches Resultat in Leverkusen würde das Team auf dem Weg zur Titelverteidigung einen guten Schritt voranbringen.
RÜSSELSHEIMER RK: Bianca Weiß (Tor); Britta Becker (2), Eva Hagenbäumer (2), Denise Klecker (1), Tanja Dickenscheid (1), Susanne Müller, Katrin Schmidt, Marja Busch (3), Angela Müller (1), Sybille Breivogel.
DIE TABELLE: 1. Rüsselsheimer RK 14:2 Punkte/62:31 Tore, 2. Eintracht Frankfurt 13:3/78:38, 3. RTHC Leverkusen 12:4/66:43, 4. Club Raffelberg 9:7/55:44, 5. Dürkheimer HC 6:10/33:45, 6. Blau-Weiß Köln 6:10/40:53, 7. SC 1880 Frankfurt 3:13/34:66, 8. THC Hanau 1:15/22:70. ina
NIEDERURSEL. Parkende Autos, die den Fußweg blockieren: Das ist an der Niederurseler Landstraße, Einmündung Alt-Niederursel oder an der Ecke Alt-Niederursel / Seibertsgasse kein seltenes Bild. Und das sorgt im Stadtteil zunehmend für Ärger, hat die FDP-Fraktion aus dem Ortsbeirat 8 festgestellt. Mütter mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und ältere Menschen aus der nahegelegenen Altenwohnanlage seien gezwungen, auf die Straße auszuweichen: Ein gefährliches und unnötiges Unterfangen, wie die Liberalen meinen.
In der jüngsten Sitzung des Stadtteilparlaments legten sie deshalb einen Antrag vor, nach dem das Parken in diesem Bereich verboten werden soll. Das Schreiben fand den einhelligen Beifall aller Fraktionen.
Durch die Ansiedlung von Geschäften auf dem früheren Taunushof-Gelände sei die Situation noch schlechter geworden, erläuterte der Theo Dechert (FDP). Die Fußgänger würden so zu einem chancenlosen Wettbewerb mit den Autofahrern gezwungen, und "das ist ein Unding", schimpfte Dechert. jot
BAD VILBEL. Der Volkschor Bad Vilbel kündigt seine Jahreshauptversammlung für Samstag, 23. Januar, um 19 Uhr in der Gaststätte "Hanauer Hof" in der Hanauer Straße an.
Auf der Tagesordnung stehen Vorstandsneuwahlen und die Terminplanung für das laufende Jahr und für 1994. hm
MÜNSINGEN, 18. Januar (KNA). Ein Lichterzug von etwa 2000 Menschen hat am Sonntag abend in Münsingen (Baden- Württemberg) an die Opfer der "Euthanasie" durch die Nazis im benachbarten Grafeneck erinnert. Die Demonstranten gingen auf die Straße, um ein "Lichtzeichen" gegen Behindertenfeindlichkeit, Rechtsradikalismus, Fremdenhaß und Gewalt zu setzen. Alle Kirchenglocken wurden geläutet.
In Grafeneck waren 1940 im Rahmen des sogenannten "Euthanasie-Programms" der Nazis mehr als 10 000 Behinderte und Kranke ermordet worden.
RODGAU. "Mein schönstes Bild von der Türkei" ist der Titel des achten Fotowettbewerbs der Volkshochschule, den sie in diesem Jahr veranstaltet.
Bis zum 1. Juli können Hobbyfotografen je ein Foto (schwarzweiß oder farbig) in den Größen 18 x 27 oder 20 x 30 Zentimeter einsenden. Nach Möglichkeit werden alle Fotos am Wochenende des 28./29. August im Bürgerhaus von Dudenhofen ausgestellt. Zu gewinnen gibt es kleine Sachpreise.
Die Fotos werden entgegengenommen von der VHS Rodgau, Postfach 1120, Rathaus Jügesheim. fra
KRIFTEL. Es ist und bleibt für FWG- Chef Wolfgang Gerecht das wichtigste Ziel der Freien Wähler bei der Kommunalwahl im skandalgeschüttelten Kriftel: "Die absolute Mehrheit der CDU brechen und den Bürgermeister sowie den Ersten Beirat durch zwei unbelastete Wahlbeamte ersetzen." Denn die "jahrzehntelange Herrschaft einer Partei" habe in der Obstbaugemeinde "zu einem Filz geführt, der nun unbedingt beendet werden muß: Sonst braucht sich niemand mehr über Politikverdrossenheit zu wundern."
Entsprechend lautet auch die Bündnisaussage der Freien Wähler: Mit der CDU nie und nimmer, mit den anderen Parteien könne man sich eine sachbezogene Zusammenarbeit "auf der Grundlage des FWG-Wahlprogramms" vorstellen. Bei der FDP fürchtet Gerecht jedoch, daß sie mit der CDU zusammengehen wird: "Wer FDP wählt, unterstützt die CDU."
Auf Platz eins der FWG-Kandidatenliste, die bei der Kommunalwahl vor vier Jahren 10,4 Prozent der Stimmen erhielt, steht der jetzige Fraktionsvorsitzende, der 45 Jahre alte Buchhaltungsleiter Wolfgang Gerecht. Auf Platz zwei Fraktionsvize und Kioskbesitzer Erich Wörner. Listenplatz drei, vier und fünf haben Politikneulinge inne: Ralf Schneider, Verwaltungsleiter, Bernd Frey, Versicherungskaufmann, und der Techniker Reinhard Stark.
Verdienste der Freien Wähler sind, so Gerecht, daß die Skandale um die stillgelegte Lederfabrik Fischer und die Unterschlagungen des verstorbenen Amtsrats M. aufgedeckt wurden; außerdem, daß der Landschaftsverbrauch in Kriftel gestoppt und die Industriemülldeponie der Hoechst AG diskutiert worden seien.
Wichtige Vorhaben der FWG für die kommende Legislaturperiode sind die Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus sowie die Vollendung des Kindergarten-Neubaus und des Seniorenwohnheims. Hoechst soll seine Industriemüllgrube räumen und der Verursacher des Grundwasserschadens "Im Bieth" zur Verantwortung gezogen werden.
Verhindern möchte die Krifteler FWG neue Schulden für die Gemeinde, den Ausbau des Rathauses, die Erhöhung der Gewerbesteuer. Außerdem soll das Hochfeld erhalten und die Gemarkung Engler III unbebaut bleiben.
Daß die Freien Wähler sich in den letzten Jahren Sympathien bei den Wählern erworben haben, davon ist Wolfgang Gerecht überzeugt und prophezeit seiner Partei ein gutes Wahlergebnis: "Die Leute hier haben von den großen Parteien die Nase voll." md
BAD VILBEL. "Zu Besuch bei den Gorillas der Diane Fossey" heißt der Dia- Vortrag des Afrika-Reisenden Bodo Willrich am Mittwoch, 20. Januar, um 19.30 Uhr im Festsaal des Altenheims auf dem Heilsberg und am Mittwoch, 27. Januar, um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum Dortelweil, Obergasse. Der Referent hatte im Sommer vorigen Jahres Ruanda und Zaire bereist und war auf den Spuren der von der US-amerikanischen Primatologin Diane Fossey beschriebenen und gefilmten Gorillas. Es gelang Willrich, die Gorillas für kurze Zeit zu beobachten und zu fotografieren. Der Eintritt für die Dia-Vorträge ist frei. hm
Dienstag, 19. Januar
Theater Komödie, Neue Mainzer Str. 18, Tel. 28 45 80: 20.15 Uhr, "Hier kocht der Chef".
Volkstheater Frankfurt, Gr. Hirschgraben 21, Tel. 28 85 98: 20 Uhr, Stelldichein im Tivoli".
Goethe Theater, Leipziger Str. 36, Tel. 70 88 88 u. 62 55 30: 20.30 Uhr, "Das letzte Band".
English Theater, Kaiserstr. 52, Tel. 24 23 16 20: 20 Uhr, "The Boy Friend".
Mousonturm, Waldschmidtstr. 4, Tel. 40 58 95 - 20: 20 Uhr, Matthias Beltz - "Füße im Feuer", Kabarett.
Kommunales Kinder & Jugendtheater, Volksbildungsheim am Eschenheimer Tor, Telefon 44 72 30: 10.30 und 15 Uhr, "Ikarus".
Neues Theater Höchst, Emmerich- Josef-Str. 46 a, Tel. 30 30 90: 10 & 15 Uhr, Clownstheater Patü - "Plabutsch ist futsch!".
Hessischer Rundfunk, Foyer, Bertramstraße 8: 10 und 14 Uhr, Augsburger Puppenkiste. Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20, Tel. 28 96 91: 20 Uhr, Internationale Weihnachtsrevue.Musik Alte Oper, Opernplatz: Grosser Saal: 20 Uhr, American Musical Gala - "Best of Broadway".
Sinkkasten, Brönnerstr. 5: 21 Uhr, Pete Haycock Band.
Jazz Life Podium, Kl. Rittergasse 22-26: 19.30 Uhr, Two Fingers.
Irish Pub, Kl. Rittergasse 11: 21 Uhr, Joe Ginnane.
Werkstatt, Gr. Rittergasse 106: 19 Uhr, The Runners.
Jazzkneipe, Berliner Str. 70: 22 Uhr, Jazz-Trio.
Negativ, W.-Kolbstr. 1: 20 Uhr, Asexuals.
La Bohème Weinkeller, Schloßstr. 117: 20.30 Uhr, Die Zwei - Jazzduo.
Jahrhunderthalle Hoechst, Tel. 36 01 240: 20 Uhr, Rock meets Classic.
Cooky's, Am Salzhaus 4: 22 Uhr, Club Supreme.
Forum Fraspa, Töngesgasse 40: 19 Uhr, Hochschule für Musik Detmold - Kammermusik. Musikhochschule, Eschersheimer Landstr. 29-39: 19.30 Uhr, Duoabend - Violoncello & Klavier.
Palast Bar im Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20: 22 Uhr, Joan Faulkner und die Chicago Blues Busters.
BADEN-BADEN, 18. Januar (AFP/dpa). Krebserregende Asbest-Fasern sind nach einem Bericht des Südwestfunk-Fernsehmagazins "Report" von Wissenschaftlern in weitverbreiteten Medikamenten gefunden worden. Wie die "Report"-Redaktion am Sonntag abend vorab in Baden-Baden meldete, entdeckte das Frauenhofer-Institut für Toxikologie in Hannover in den Medikamenten "Konakion" und "Rocephin" der Firma Hofmann-La Roche einen hohen Anteil an sogenannten Chrysotil-Asbest-Fasern. Asbest gilt als krebserregende Substanz von hoher Gefährlichkeit. Wissenschaftler verwiesen im Gespräch mit dem Fernsehmagazin darauf, daß vor allem asbestbelastete Injektionen ein erhöhtes Krebsrisiko für alle Organe des Körpers bedeuten. Bereits minimale Mengen Asbest-Fasern könnten Krebs auslösen. Das Medikament "Konakion" wird dem Bericht zufolge Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt als Prophylaxe gegen Hirnblutung gespritzt. Das Infusionsmittel "Rocephin" wird als Antibiotikum in Krankenhäusern intravenös verabreicht.
Nach Angaben des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie werden die Injektionslösungen nach international gültigen Richtlinien und Qualitätsanforderungen produziert und geprüft. Bisher habe es weltweit keine Beanstandungen einer Behörde gegeben.
Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie, Schaumainkai 63, Tel. 6 05 09 80: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Führungen Mi., 18.30 Uhr, Sa./ So., 11 Uhr; Graphische Sammlung; Anselm Kiefer "Über Räume und Völker" (bis Frühjahr 1993); Stephan Balkenhol "Skulpturen im Städelgarten" (bis Frühjahr 1993).
Städelschule Frankfurt, Dürerstr. 10, Tel. 60 50 08 - 0: Mo. bis Sa., 6 bis 21 Uhr, So. geschlossen; Ausstellung der Klasse Jochims (bis 6. 2.).
Museum für Moderne Kunst, Domstraße 10, Tel. 212 304 47: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, Sa., 12 bis 19 Uhr; Zeitgenössische Kunst von 1960 bis heute; Martin Honert - "Installation - Brachland: Feuer-Star-Bahnhäuschen" (bis 16. 5. 93); Szenenwechsel "7 neue Räume - Balkenhol, Flinzer, Slominiski, Artschwager/Nauman/Ruscha/Trockel, Bayrle, Cahn, Klemm" (bis Okt./Dez.); Manfred Stumpf - "Die Attrappe" (bis 26. 5.).
Senckenbergmuseum, Senckenberganlage 25, Tel. 7 54 20: Mo., Di., Do., Fr., 9 bis 17 Uhr; Mi., 9 bis 20 Uhr; Sa./So., 9 bis 18 Uhr; Führungen So., 10.30 Uhr, Mi., 18 Uhr; Dauerausstellungen "Urpferdchen und Krokodile - Messel vor 50 Millionen Jahren"; "Fossilien aus Libanon"; "Achate"; "Weg zur Unsterblichkeit - Mumien und Mumifizierung im alten Ägypten".
Historisches Museum, Saalgasse 19, Tel. 2 12 - 3 55 99: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Bibliothek: z. Z., geschlossen; Graphische Sammlung: Di. bis Do., 10 bis 13 Uhr; Führungen: Mi., 18 Uhr, So., 14 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. 2 12 - 34 611; Dauerausstellungen Altstadtmodell, -grabung, Saalhofkapelle, Frankfurter Fayencen, Frankfurter Ratssilber, Goldschmiedewerkstatt, bürgerliche Sammlungen des 18. Jh.; Historische Dokumentation 16.-18. Jahrhundert; Sonderausstellungen: "Anne aus Frankfurt" (bis auf weiteres); Sonderausstellung "Tony Sender 1888-1964 - Rebellin, Demokratin, Weltbürgerin" (bis 31. 1.); Kindermuseum: Lieblingsstücke aus Kinderhand (bis Ende 92); Malwettbewerb "Komm wir reißen Zäune ein" (bis 24. 1.); Frankfurter Äpfelweinmuseum, Gaststätte "Historix" im Historischen Museum: regelmäßige Führungen, Mi., 18 Uhr, an Wochenenden nach Vereinbarung, Anmeldung Tel. 212 - 3 77 73.
Münzkabinett, Saalgasse 19: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Glaspasten, geschnittene Steine, Arabische Münzgewichte, Münzen der Kelten, Münzen der römischen Kaiser in Alexandrien.
Liebieghaus, Museum alter Plastik, Schaumainkai 71, Tel. 2 12 - 3 86 17: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 b. 20 Uhr; Führungen So., 11 Uhr.
Museum für Kunsthandwerk, Schaumainkai 17, Tel. 2 12 - 3 40 37: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; allgemeine Führungen, So., 11 Uhr; Dauerausstellungen: I. Europäisches Kunsthandwerk, II. Kunst und Kunsthandwerk Ostasiens, III. Islamisches Kunsthandwerk, IV. Buchkunst und Graphik 14. bis 20. Jahrhundert, V. Russische Ikonen vom 18. bis 20. Jahrhundert; Sonderausstellung "Hell & Spar. Gestaltung von Energiesparleuchten" (bis 14. 2.).
Deutsches Filmmuseum, Schaumainkai 41, Tel. 212 - 3 88 30: Bibliothek, Di. bis Fr., 13 bis 17 Uhr; Mi. bis 19 Uhr, geöffnet; Dauerausstellungen I und II, Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi. bis 20 Uhr, Sonderausstellung "Sergej Eisenstein im Kontext der russischen Avantgarde 1920-1925" (bis 28. 2.).
Deutsches Architektur-Museum, Schaumainkai 43, Tel. 212 - 3 84 71: Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Führungen So., 11 Uhr, Mi., 18 Uhr, Gruppenführungen nach Absprache; Sonderausstellung "The Gate of the Present - 25 zeitgenössische Torentwürfe aus Lego Bausteinen" (bis 14. 2.); Sonderausstellung II "Peter Eisenman "Entwurfkonzept: Folding in Time - Wohn- & Gewerbepark am Rebstockgelände" (bis 31. 1).
Ikonen-Museum im Deutschordenshaus, Brückenstraße 3-7: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi. bis 20 Uhr.
Jüdisches Museum, Untermainkai 14-15, Tel. 212 - 3 50 00: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi., 10 bis 20 Uhr; Führungen: Mi., 18 Uhr, So., 14 Uhr in der Dauer- sowie Mi., 17 Uhr, So., 15 Uhr, in der Sonderausstellung; Dauerausstellung "Jüdisches Leben"; "Historische Ausstellung I (1100-1800) und II (1800-1950); Sonderausstellung "Zedaka: Jüdische Sozialarbeit im Wandel der Zeit. 75 Jahre Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland" (bis 28. 2.).
Museum Judengassse, Börneplatz: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr, Dauerausstellung "Die Frankfurter Judengasse: Fundamente - Geschichte - Alltagsleben"; Sonderausstellung "Stationen des Vergessens - Der Börneplatzkonflikt".
Museum für Vor- und Frühgeschichte, im Karmeliterkloster, Karmelitergasse/ Ecke Alte Mainzer Gasse, Tel. 212 - 3 58 96: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Dauerausstellung; "Mensch und Natur in der Jungsteinzeit" - Tastausstellung für Blinde & Sehbehinderte (geöffnet nach tel. Vereinbarung: 212 - 3 58 95; bis 30. 6.94).
Museum für Völkerkunde, Schaumainkai 29: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, "Mythos Maske - Ideen, Menschen, Weltbilder" (bis Ende 94).
Deutsches Postmuseum, Schaumainkai 53, Tel. 6 06 00: Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Sonderausstellung "Zeit der Postkutschen" (bis 21. 2.).
Goethehaus und Goethemuseum, Großer Hirschgraben 23, Telefon 28 28 24: Mo. bis Sa., 9 bis 17.30 Uhr, So., 10 bis 13 Uhr; Führungen werktags um 10.30 und 14 Uhr, So., 10.30 Uhr; Kabinettausstellung "Neues aus den Sammlungen des Frankfurter Goethe-Museums" (bis auf weiteres); Sonderausstellung "Goethes Vater reist in Italien" (bis 14. 2.).
Stoltzemuseum, Töngesgasse 34-36, Tel. 21 70 - 22 66: Mo. bis Fr., 9.30 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Dauerausstellungen "Friedrich Stoltze als Zeitzeuge des 19. Jahrhunderts" und "Leben und Werk des Mundartautors und Satirikers Friedrich Stoltze; Sonderausstellung "Kaspers lustige Streiche oder Friedrich Stoltze für kleine und große Kinder" (bis 31. 3.).
Steinhausen-Museum, Wolfsgangstr. 152: Ausstellung "Rose Steinhausen - Ein Leben für das Werk des Vaters".
Stadtwerke Verkehrsmuseum, Schwanheim, Rheinlandstraße, Tel. 2 13 -2 62 09: Sa., So. u. feiertags, 10 - 18 Uhr, Führungen nach tel. Vereinb.; ständige Ausstellung "Von der Pferdebahn zur U-Bahn".
Frankfurter Feldbahnmuseum, Am Römerhof 15 a, Tel. 70 92 92: jeden ersten So. im Monat, 14 bis 17 Uhr.
Heinrich-Hoffmann-Museum, Schubertstraße 20, Tel. 74 79 69: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; "Struwwelpeter aus aller Welt, Bilder, Dokumente, Bücher"; Sonderausstellung "Von Struwwelhitler bis Punkerpeter" (bis auf weiteres); "Struwwelpeter mit italienischen Augen gesehen"; "Struwwelpeter trifft Max und Moritz".
Struwwelpetermuseum, Sammlung der Originale Dr. Heinrich Hoffmanns, Hochstraße 45-47, Tel. 28 13 33: täglich außer Mo., 11 bis 17 Uhr, Mi. 11 bis 20 Uhr.
Dommuseum, Am Domplatz, Tel. 29 07 87: Di. bis Fr., 10 bis 17 Uhr, Sa., So., Feiertag, 11 bis 17 Uhr; Dom-Führungen täglich, 15 Uhr; Museumsführungen Di. bis Fr., 11 Uhr; Ausstellung kostbarster und schönster liturgischer Geräte und Paramente des früheren Stifts und der heutigen Stadtpfarrei St. Bartholomäus; Modelle, Grundrisse und Reproduktionen über die Baugeschichte der Kirche und Krönungen im Frankfurter Kaiserdom im Kreuzgang der Domkirche; Franziska Lenz-Gerharz - Plastiken (bis 31. 1.).
Uhren- und Schmuckmuseum im Glockenspielhaus, Höchst, Hostatostraße 3, Tel. 30 30 30: jeden ersten Samstag im Monat von 10 bis 16 Uhr, und nach Vereinbarung; Ausstellung wertvoller Exponate, die die geschichtliche und technische Entwicklung aufzeigen.
Museum für Höchster Geschichte und Firmenmuseum der Hoechst AG, Höchster Schloßplatz, Tel. 30 32 49: täglich, 10 bis 16 Uhr.
Heimatmuseum Bergen-Enkheim, Altes Rathaus, Marktstraße, Tel. 3 23 44: So., 15 bis 18 Uhr, Do., 20 bis 21.30 Uhr; Ortsgeschichte, Römerzeit, Vor- und Frühgeschichte, volkskundliche Abteilung, Naturgeschichte, Erdgeschichte.
Heimatmuseum Schwanheim, Wilhelm-Kobelt-Haus, Alt-Schwanheim 6, Tel. 35 60 07: So., 10 bis 12 Uhr (oder nach tel. Vereinbarung mit Erwin Schneider).
Heimatmuseum Nied, Beunestraße 9 a: So., 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung.
Chaplin-Archiv, Klarastr. 5: Fr., 17 bis 19 Uhr.
Radio-Museum, Bornheimer Landstraße 20, Tel. 43 84 53: Mo. bis Fr., 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung; Komplette Rundfunkgeschichte von 1923 bis in die späten 70er Jahre. Dokumente von 50 Jahren Mediengeschichte.
Zeppelin-Museum, Kapitän-Lehmann- Straße 2, Zeppelinheim, Tel. 69 43 90: Fr. bis So. und feiertags, 9 bis 17 Uhr, Di. bis Do., für Gruppen nach Anmeldung.
Schirn Kunsthalle, Am Römerberg: Mo., 14 bis 18 Uhr, Di. bis Fr., 10 bis 22 Uhr, Sa./So., feiertags 10 bis 19 Uhr, Allgemeine Führungen Di., 11 Uhr u. Di./Do., 19 Uhr, Gabriele Münter 1877-1962 (bis 14. 2.); Edward Hopper 1882-1967 - Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen & Graphiken (bis 14. 2.).
Portikus, Schöne Aussicht 2: Di. bis So., 11 bis 18 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, Jean-Frederic Schnyder - "Landschaft" (bis 21. 2.).
Förderverein Schöneres Frankfurt: 15 Arbeiten zeitgenössischer Künstler im Stadtgebiet; Info bei der Bürgerinformation am Römerberg.
Galerie Ulrich Gering, Textorstr. 91, Tel. 62 51 16: Di. bis Fr., 14 bis 18.30 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, Henri Vnadermoere - Malerei (bis 22. 1.).
Galerie Nikolaus Fischer, Braubachstr. 32, Tel. 29 24 47: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, "Die 20er und 30er Jahre - Arbeiten auf Papier" (bis 30. 1.).
Galerie Huber-Nising, Saalgasse 6, Tel. 202 13: Di., 14 bis 18.30 Uhr, Mi. bis Fr., 11 bis 18.30 Uhr, Sa, 10 bis 14 Uhr, Horst Antes - "Häuser - Daten - T-Shirts" (bis 30. 1.).
Galerie Paul Sties, Braubachstr. 12, Tel. 29 39 03: Zdenek Sykora (bis 31. 1.).
Büchergilde Gutenberg, Ladengalerie, BFG-Haus, Theaterplatz, Tel. 23 68 80: Mo. bis Fr., 9.30 bis 18.30 Uhr, Sa., 9.30 bis 14 Uhr, Christa Biederbick - Kleinskulpturen (bis 31. 1.).
Galerie Frank Hänel, Braubachstr. 26, Tel. 29 46 64: Di. bis Fr., 12 bis 18 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, Harald Gallasch - Neue Arbeiten (bis 31. 1.); Ausstellungshalle Nordendstr. 23: nach Vereinb., Lisa Brice, Michael Hattingh, Kwun Sun-Cheol & Valeriano.
Galerie ak Hans Sworowski, Gartenstr. 47, Tel. 62 21 04: Di. bis Fr., 14 bis 18 Uhr, Sa., 12 bis 14 Uhr, Erdogan Bulut, Young Hyang Lee, Albrecht Wild, Sabine Zimmermann (bis 6. 2.).
Galerie Wild, Bettinastr. 30, Tel. 7 41 08 23: Di. bis Fr., 13 bis 18.30 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr (Galerieferien vom 24.12. bis 10.1.92); Bernd Zimmer - Arbeiten von 1990 bis 1992 (bis 10. 2.).
Kommunale Galerie im Leinwandhaus, Weckmarkt 17: Di. bis So., 11 bis 18 Uhr, Mi., 11 bis 20 Uhr; Klaus Schneider - "Farbwort - Wortfarbe" (bis 14. 2.).
Ausstellungsraum Schmidl & Haas, Alte Mainzer Gasse 4-6, Tel. 60 50 08 68: Fr. bis So., 13 bis 18.30 Uhr; 70 Schneeflocken (bis 14. 2.).
Graphisches Kabinet im Westend, Barckhausstr. 6, Tel. 72 80 15: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Sa., 10 bis 14 Uhr, Bogdan Hoffmann. Neue Holzschnitte (bis 20. 2.).
Galerie Hilger, Beethovenstr. 71, Tel. 74 82 74: Mi. bis Fr., 12 bis 18 Uhr, Sa., 10 bis 13 Uhr, Heinrich Nicolaus - "Zeichnungen" (bis 21. 2.).
Galerie Niedenau, Niedenau 61/63, 5. OG: Montag bis Donnerstag 8 bis 16, Freitag 8 bis 12 Uhr; Alberto Rodriguez - Aquarelle (bis 26. 2.).
Galerie von Oertzen, Mainzer Landstr. 250-252, Tel. 759 04 0: Mo. bis Fr., 9 bis 17 Uhr, Ken Cato, Garry Emery, Barrie Tukker - Grafik-Design (26. 2.).
Galerie Helmut Pabst, Saalgasse 26, Tel. 297 73 53: Di., Mi., 17 bis 20, Do., Fr., 15 bis 20 Uhr, Sa., 11 bis 15 Uhr; Annette Schultze - "Kampfblätter", Neue Arbeiten auf Pergamin (bis 27. 2.).
Galerie Schwind, Braubachstr. 24: Di. bis Fr., 13 bis 18.30 Uhr, Gero Künzel - "Tod und Zuckerfäden" (bis 27. 2.).
Galerie Raphael, Grüneburgweg 89, Tel. 72 90 37: Di. bis Fr., 15 bis 19 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, Joan Miró - Grafik (27. 2.). Ausstellungen Stadtteilladen Dezentral, Sandweg 131 a: Mo. & Di. ab 21 Uhr, Joachim Mennicken - "Malerei und Graphik" (bis 19. 1.).
Deutscher Werkbund, Weißadlergasse 4: Di. bis So., 12 bis 18 Uhr, Lutz Fritsch - "Raumsichten" (bis 24. 1.).
Freunde Frankfurts, Verein zur Pflege der Frankfurter Tradition, Schellgasse 8, Tel. 61 59 18: Di., Fr., So., 14 bis 17 Uhr; Betti Häring: Zeichnungen, Aquarelle und Radierungen (bis 24. 1.).
Palmengarten, Siesmayerstr. 63: tägl. 9 bis 16 Uhr, Foyer Ost: Fotografien heimischer Orchideen (bis 24. 1.).
Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Str. 24: tgl., 10 bis 22 Uhr, Horst Wilbert - Neue Bilder (bis 26. 1.).
Gallus Theater, Krifteler Str. 55: Di. bis Sa., 15 bis 18 Uhr & zu den Veranstaltungen, Inge Hölscher - Farbenfrohe Bilder/Acryl auf Papier (bis 30. 1.).
Zentralbibliothek, Zeil 17-23, Tel. 212 - 45 10: Di. bis Fr., 10 bis 19, Sa., 10 bis 13 Uhr; Fotoausstellung "Der Goldene Ring" - Kreml- und Klosterbauten vom 12. bis 18. Jahrhundert in Rußland (bis 30. 1.).
Hessischer Rundfunk, Bertramstr. 8/ Foyer: tägl. 9 bis 19 Uhr, Augsburger Puppenkiste (bis 31. 1.).
Frankfurter Künstlerclub, Nebbiensches Gartenhaus, Bockenheimer Anlage: tägl.11 bis 17 Uhr, Hans Morgenstern - "Konstruktive Malerei" (bis 31. 1.).
Fotografie Forum Frankfurt, Leinwandhaus, Weckmarkt 17, Tel. 29 17 26: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Mi., 11 bis 20 Uhr, Sa. u. So., 11 bis 17 Uhr; Eberhard Grames "Kaputte Schönheiten" (bis 31. 1.).
Café Cult, Schillerpassage, Rahmhofstraße, Tel. 92 00 61: Uwe Groß (bis 31. 1.).
Deutsche Bibliothek, Zeppelinallee 4-8: Mo. bis Do., 9 bis 20 Uhr, Fr., 9 bis 18 Uhr, Sa., 9 bis 17 Uhr, Georg Joachim Göschen - "Dokumente zur Verlagsgeschichte aus den Beständen des Deutschen Buch- & Schriftmuseums" (bis 3. 2.).
Forum der Frankfurter Sparkasse, Töngesgasse 40: Mo. bis Fr., 9.30 bis 17 Uhr; Jürgen Kisch (bis 12. 2.).
Deutsch-Ibero-Amerikanische Gesellschaft, Gräfstr. 83: Mo. bis Do., 10 bis 13 Uhr & 15 bis 18 Uhr, Fr., 10 bis 13 Uhr, Gilda Neuberger - "Fresko auf Leinwand" (bis 19. 2.).
Palais Jalta, In der Bockenheimer Landstraße 104, Montag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr, Die Bilder von Fjodor Ljutov, (bis 19. 2.).
Künstlerhaus Mousonturm, Waldschmidtstr. 4: Di. bis So., 15 bis 19 Uhr und während der Abend-Vorstellungen; Maix Meyer - "via regia oder Frankfurt atmet geerdet", Fotos und Installationen (bis 28. 2.).
Eckstein, An der Staufenmauer 7, Tel. 28 75 20: Acht Junge Fotografen aus Frankfurt (bis 6. 3.).
Jahrhunderthalle Hoechst: tägl. 11 bis 15 Uhr, Henry, Brancusi, Man Ray, Umbo - "Sterne und Stars" (bis 28. 2.).
Ökozentrum / Eine Welt Laden, Schäfergasse 46: "Das Recht auf Asyl bleibt" (bis auf weiteres).
Institut für Jugendbuchforschung, Myliusstr. 30: Mo. bis Do., 10 bis 16 Uhr, "Großstadt in der Kinderliteratur 1900 bis 1933 - Motive in Texten und Bildern" (bis 2. 12. 93.). Jugendamt, Abt. Jugendpflege, Zeil 57: Mo. bis Fr., 8 bis 18.30 Uhr; "Jugendpflege Frankfurt im Spiegel von Plakaten".
Zentrale Meldestelle, Zeil 3: Mo. u. Mi., 7.30 bis 13.30 Uhr, Do., 10 bis 13.30 u. 15 bis 18 Uhr, Fr., 7.30 bis 13 Uhr; "Kunst im Amt" - Bilder von Künstlern aus dem Rhein-Main-Gebiet (bis auf weiteres).
HANAU. Die Stadt Hanau hat 23 Sozialhilfeempfänger seit vergangener Woche zu Arbeiten im Stadtreinigungs- und Fuhramt im Rahmen des Dualen Systems verpflichtet. Wie Abfalldezernent Norbert Kress (CDU) erklärt, werden sie für eine zusätzliche Entschädigung von zwei Mark pro Stunde schwerpunktmäßig zum Reinigen von Glastonnen eingesetzt, die derzeit im Stadtgebiet eingezogen werden. Ob die Beschäftigung im Rahmen des Dualen Systems als gemeinnützig gelten kann, ist rechtlich umstritten. Das "Basta-Info", das Sozialhilfeempfänger im autonomen Kulturzentrum in der Metzgerstraße berät, fordert daher alle Betroffenen auf, Widerspruch einzulegen.
Laut dem Bundessozialhilfegesetz können Sozialhilfeträger zu "gemeinnütziger und zusätzlicher Arbeit" von höchstens zwanzig Wochenstunden herangezogen werden. Sollten sie sich weigern, drohen Kürzungen oder Streichungen der Sozialhilfe. Die Vorschriften gelten jedoch nur für Personen, die arbeitsfähig sind und über einen längeren Zeitraum nicht vermittelt werden konnten. Nach Angaben von Pressesprecher Wolfgang Kischel sind die 23 Sozialhilfeempfänger, die Ende Dezember zur Arbeit aufgefordert wurden, nach diesen Kriterien ausgesucht worden. Anlaß sei eine entsprechende Aufforderung des Sozialhilfeträgers, des Main-Kinzig-Kreises, gewesen.
Die Mitarbeiter des "Basta-Infos" sehen in der Maßnahme des Sozialamtes dagegen eine Form von "Zwangsarbeit", die der "Einschüchterung und Disziplinierung" der Betroffenen diene. Den Menschen, so kritisieren sie, werden "ohne jeden vertraglichen und arbeitsrechtlichen Schutz kostengünstige Arbeitsleistungen abgepreßt".
Neben solcher grundsätzlichen Kritik melden "Basta"-Mitarbeiter im speziellen Hanauer Fall jedoch auch rechtliche Bedenken an. Die Stadt stünde bei der Müllentsorgung im Rahmen des "Dualen Systems" in Konkurrenz mit privaten Anbietern, die beispielsweise in Maintal die Müllabfuhr und -trennung übernehmen. Damit seien Tätigkeiten in diesem Bereich nicht gemeinnützig, bestätigt auch Rechtsanwalt Harald Uffelmann, der einen der Betroffenen vertritt. Die Arbeit ist nach seiner Rechtsauffassung außerdem nicht zulässig, weil sie ansonsten von städtischen Mitarbeitern übernommen werde. Und schließlich könne sie auch nicht als "zusätzlich" im Sinne des Bundessozialhilfegesetzes gelten, argumentiert Uffelmann, da sie auch ohne Sozialhilfeempfänger erledigt würde.
Die Verantwortlichen bei der Stadt Hanau wischen solche Bedenken vom Tisch. Weil die Arbeit nicht dem "Dualen System Deutschland", sondern der Stadt zugute komme, sei sie auch gemeinnützig, glaubt Oberbürgermeister Hans Martin. Der städtische Sozialamtsleiter Manfred Vosbeck ergänzt:" Die Arbeit im Stadtreinigungs- und Fuhramt dient allgemeinen Belangen." Möglichen Gerichtsverfahren sieht er gelassen entgegen: "Ich bin sicher, daß die Stadt einen solchen Rechtsstreit gewinnen würde." Sozialdezernent Klaus Remer, der "voll und ganz" hinter der Anweisung seines Amtes steht, will sich bemühen, solche Beschäftigungen noch auszuweiten.
Der Geschäftsführer der Hanauer Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), Michael Schweitzer, fordert dagegen: "Öffentliche Dienstleistungen sollten grundsätzlich in tariflich bezahlten Beschäftigungsverhältnissen geleistet werden." Abgesehen von dem menschlichen Aspekt der Demütigung sei es "unzulässig", wenn Sozialhilfeempfänger zur Erfüllung kommunaler Pflichtaufgaben herangezogen würden. "Unmöglich" findet er darüber hinaus, daß der Personalrat der Stadt Hanau nicht informiert wurde: "Die Sache hätte abgesprochen werden müssen", sagt Schweitzer.
Die Beschäftigung von Sozialhilfeempfängern für eine geringe zusätzliche Entschädigung von zwei bis vier Mark ist im Main-Kinzig-Kreis kein Einzelfall. Wie Kreispressesprecher Heinrich Sülzer erklärt, schwanken die Zahlen im Kreisgebiet "zwischen null und 100". Zum Teil habe sich die Beschäftigung bewährt. "Manche empfinden die Arbeit nicht als Strafe", sagt Sülzer. Das Hanauer Beispiel läßt anderes vermuten: Von den 23 Aufgeforderten sind derzeit "zwischen fünf und sieben" im Einsatz. Der Rest, so Pressesprecher Kischel, habe sich krank gemeldet oder fehle unentschuldigt. res
Firmen-Telegramm
Siemens greift in China zum Hörer Der Siemens-Konzern hat in China ein Gemeinschaftsunternehmen zur Fertigung von Nebenstellen-Telefonanlagen gegründet. Vom 14 Millionen Mark umfassenden Stammkapital hält der Münchner Multi 51 Prozent, der Rest liegt bei zwei staatlichen Firmen in Shanghai. Das Joint-venture soll mit 300 Beschäftigten zunächst jährlich rund 100 000 Anschlußeinheiten fertigen. Honda schiebt Vespa-Roller an Der weltweit führende Motorradhersteller Honda will künftig mit dem vor allem durch den Vespa-Roller bekannten italienischen Konzern Piaggio kooperieren. Die beiden Firmen wollen gemeinsam neue Modelle entwickeln. Außerdem werden die Japaner ihren italienischen Partner mit Einzelteilen wie Motoren versorgen. Lonrho bleibt auf Aktien sitzen Die Aktionäre des Firmenkonglomerats Lonrho haben ihr Bezugsrecht für Aktien im Wert von 169 Millionen Pfund (rund 420 Millionen Mark) nur zu 14,6 Prozent ausgeübt. Rund 95 Prozent der akzeptierten Papiere kaufte der deutsche Geschäftsmann Dieter Bock, der zusammen mit dem bereits zuvor von Firmenchef Tiny Rowland übernommenen Paket nun 19 Prozent der Anteile hält.
Wanderer läßt Ergebnis klettern Die Wanderer-Werke mußten im vergangenen Jahr zwar einen Umsatzrückgang um zwei Prozent auf 515 Millionen Mark hinnehmen, konnten ihren Gewinn aber weiter aufpolieren. Der Vorstand der Reinigungs- und Wäschereitechnikfirma stellt seinen Aktionären eine unveränderte Dividende (zuletzt waren neun Mark für Stämme und zehn für Vorzüge gezahlt worden) in Aussicht. Die gesamte Gruppe beschäftigt 2456 Leute. Schlecker schluckt Wachstumspille Die Drogeriemarktkette Anton Schlekker will die Zahl ihrer Filialbetriebe bundesweit um 500 auf 4000 erhöhen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 1992 machte die Kette einen Umsatzsprung von einem Viertel auf 4,3 Milliarden Mark. In der neuen Geschäftsperiode sollen mindestens fünf Milliarden eingenommen werden. Rolls-Royce fehlt Schubkraft Der britische Triebwerkbauer Rolls- Royce wird nach Informationen der Sunday Times erstmals seit der Privatisierung vor sechs Jahren die Dividende kürzen und zu deren Finanzierung in die Reserven greifen müssen. Außerdem sei der Abbau von weiteren 2000 Arbeitsplätzen geplant, berichtet das Blatt.
KREIS GROSS-GERAU. Prominenz hat sich als Wahlkampfhelfer bei der Kreis-SPD angesagt. Heute, Donnerstag, 20 Uhr, ist im Volkshaus Büttelborn der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Lothar Klemm, zu hören. Ebenfalls heute steht beim SPD-Ortsverein Gustavsburg um 19.30 Uhr im Bürgerhaus eine öffentliche Mitgliederversammlung mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Norbert Wieczorek und Landrat Enno Siehr an.
"Wir handeln für Hessens Schulen" heißt das Motto am Freitag, 22. Januar, 19 Uhr, im Bürgerhaus Wolfskehlen, wenn der hessische Kultusminister Hartmut Holzapfel kommt. Zur selben Zeit spricht der SPD-Bundesgeschäftsführer Karl- Heinz Blessing in der Stadthalle Rüsselsheim.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Rudolf Scharping wird am Montag, 25. Januar, 18 Uhr, in der Groß-Gerauer Jahnturnhalle erwartet. Am Freitag, 29. Januar, 19.30 Uhr, spricht im Nauheimer Saalbau Ruhland die Heidelberger Oberbürgermeisterin Beate Weber. cas
NIEDERRAD. Einen wahrhaft närrischen Geburtstag feiert der Niederräder Carneval-Verein (NCV) in der laufenden Kampagne: Er wird viermal elf Jahre alt.
Am heutigen Donnerstag, 21. Januar, wird um 19 Uhr eine Bilderausstellung in den Geschäftsräumen der Frankfurter Sparkasse Niederrad, Bruchfeldstraße 66-68, eröffnet. Die Ausstellung, die bis einschließlich Mittwoch, 24. Februar, zu sehen ist, zeigt Stationen der NCV-Geschichte und vermittelt einen Einblick in das rege Vereinsgeschehen. dixi
SCHWALBACH. Die Stadt läßt Zug um Zug neue Glascontainer aufstellen, in denen gemäß der Richtlinien des Dualen Systems Deutschland (DSD) Glas nach Farben getrennt gesammelt wird. Bisher hatte die Stadt an 63 Standorten 80 Glascontainer aufstellen lassen. Nach dem neuen System, das vorschreibt, grünes, braunes und weißes Glas getrennt zu sammeln, werden zunächst 20 neue Container aufgestellt. Sie sind nicht nur größer und mit drei Einwurfmöglichkeiten für die verschiedenen Sorten versehen, sondern bestehen aus glasfaserverstärktem Kunststoff, der den Lärm beim Einwerfen mehr dämmt als die alten Container aus Stahlblech.
Die Stadtverwaltung möchte insgesamt etwa alle 200 Meter Container aufstellen lassen, so daß sich nicht mehr als 500 Schwalbacher einen Container teilen müssen. she
KELSTERBACH. Diesmal sind Kelsterbachs Gesamtschüler lokalen Denkmälern und ihrer Geschichte auf der Spur. Anlaß ist der bundesweite Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um den "Preis des Bundespräsidenten", bei dem unter dem Oberthema "Denkmal" die Geschichte der Heimatstadt erforscht werden soll.
In diesem Wettbewerb haben Gesamtschüler mit dem Lehrer Harald Freiling schon in der Vergangenheit herausragendes geleistet, etwa bei Erforschung der Historie der örtlichen jüdischen Gemeinde. Dies war mit einem Preis honoriert worden.
Für Samstag, 23. Januar, 10 Uhr, laden die Schüler in den kleinen Saal der Martinsgemeinde in der Untergasse (neben der evangelischen Kirche) zu einem Vorbereitungstreff. Willkommen sind Bürger, die den wißbegierigen Schülern erzählen können. Folgende Themen sind ausgewählt:
Germania-Denkmal: Gesucht werden Fotos und Anekdoten, die mit den offiziellen Feierlichkeiten, Geschichte sowie Abriß verbunden sind.
Krieger-Denkmal am Mainufer und Opfer-Denkmal auf dem Friedhof: Neben Erinnerungen von einst interessiert, was die Kelsterbacher darüber denken, daß das Denkmal vom Mainufer auf den Friedhof gebracht wurde.
Geschichte der Kunstseide / Glanzstoff - heute Enka / AKZO - bis in die Nachkriegsjahre: Hier geht es um Zeitzeugnisse ebenso wie um persönliche Erinnerungen an die Entwicklung des Betriebs und der Arbeit. cas
Für die Patienten soll es mehr Duschen geben Modernisierung der Kreiskrankenhäuser angekündigt
KREIS GROSS-GERAU. 1993 soll ein wichtiges Jahr für die beiden zur Vollversorgung gedachten Krankenhäuser im Kreis werden. Beim Stadtkrankenhaus Rüsselsheim und dem Kreiskrankenhaus Groß-Gerau geht es um millionenträchtige Modernisierungen durch neue Duschen und Bäder, neue Organisationsformen und die Auswirkungen des neuen Bonner Gesundheitsstrukturgesetzes, das auch Kreis und Stadt Rüsselsheim als Krankenhaus-Träger wohl noch manches graue Haar kosten wird. Insgesamt stehen gewaltige Summen zur Disposition: Allein für Modernisierung der Kreiskrankenhäuser geht Landrat Enno Siehr von 34 Millionen Mark aus. Die beiden Krankenhäuser sind etwas in die Jahre gekommen, entsprachen aber zum Zeitpunkt ihrer Inbetriebnahme dem Standard. Großprojekt in beiden Fällen: Es sollen mehr und modernere Duscheinrichtungen für die Patienten, im Fachjargon Naßzellen genannt, her. Das ist baulich ziemlich aufwendig. Denkbar ist beispielsweise, solche Naßzellen an die vorhandenen Bausubstanzen, also an der Fassade vorzubauen. Während derzeit im Falle des Groß-Gerauer Krankenhauses der Zug in diese Richtung abfährt, gehen in Rüsselsheim jüngste Überlegungen dahin, ob es nicht günstiger und vielleicht kaum teurer ist, gleich einen Neubau des Bettenhauses zu errichten. Das Kreiskrankenhaus Groß-Gerau wurde im Oktober 1960 in Betrieb genommen. Die Einrichtung bietet planmäßig 284 Betten. 1990 wurden 8091 Patienten versorgt, lag der Ausnutzungsgrad bei 87 Prozent und die durchschnittliche Verweildauer bei 10,8 Tage.
Bis in die Jahre 1977/78 reichen nach Auskunft von Landrat Siehr die Modernisierungspläne zurück. Jetzt gingen die Pläne für Naßzellen in ein konkretes Stadium. Ihm sei aus Wiesbaden signalisiert worden, daß 1993 der Bewilligungsbescheid des Landes zu erwarten sei: "Es sieht sehr gut aus." Voraussetzung sei die Einigung über den Umfang der Modernisierung am Kreiskrankenhaus Groß-Gerau gewesen.
Nach dem Ausscheiden des Kreis-Sozialdezernenten Karl-Heinz Trageser zu Beginn des Monats Januar stünden personelle und organisatorische Neuerungen im Kreiskrankenhaus an, sowohl in der Leitung als auch in der Betriebsform. Der Kreis suche über ein Fachbüro für bald einen neuen Betriebsleiter. Der Neue solle sich bei Diskussion und Beschlußfassung über die künftige Organisationsform des Kreiskrankenhauses rechtzeitig einbringen können.
Die öffentliche Diskussion über die Zukunft des Kreiskrankenhauses, unter dem Stichwort mehr Marktwirtschaft geführt, hat laut Siehr zu erheblicher Verunsicherung unter den Beschäftigten der Einrichtung und teilweise auch zur Furcht um Arbeitsplätze geführt. Deshalb habe er zur Beruhigung klargestellt, daß auch künftig der Kreis Träger bleiben werde, egal welche Betriebsform gefunden werde.
Ziel der Bemühungen sei, zur Form eines Eigenbetriebs zu kommen, schließlich müsse nicht alles über den Schreibtisch des Landrates gehen. Welche Betriebsform für mehr Wirtschaftlichkeit letztlich gefunden werde, sei derzeit noch völlig offen. Siehr: "Das wird spannend."
Bereits im Juli 1956 wurde das Stadtkrankenhaus Rüsselsheim eröffnet. Die 510 stationäre Betten bietende Einrichtung - hinzu kommen fünf Betten einer Hämodialysestation - ist nach hessischem Eigenbetriebsgesetz ein Eigenbetrieb der Stadt. Der Jahresplan 1992 ging von 12 702 Aufnahmen aus, einem Nutzungsgrad von 82,72 Prozent und durchschnittlicher Verweildauer von rechnerischen 12,14 Tagen.
Abweichend vom Kreiskrankenhaus bietet das Rüsselsheimer Stadtkrankenhaus noch eine Besonderheit: Als "Akademisches Lehrkrankenhaus" zählt die Einrichtung zu den medizinsichen Fachbereichen der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Daher absolvieren jeweils rund 36 Medizinstudenten in Rüsselsheim einen Teil ihrer Ausbildung.
Die Neuerungen am Stadtkrankenhaus werden in diesem Jahr den Kommunalpolitikern noch reichlich Gesprächsstoff bescheren. Oberbürgermeister Norbert Winterstein hoffte vor der Presse, daß im Sommer mit einem neuen Personalwohnhaus begonnen werden kann. Vor allem aber gebe es neuerlich Überlegungen, ob es günstiger und "nicht viel teurer" sei, gleich ein neues Bettenhaus zu bauen, als den vorhandenen Trakt zu sanieren, sagte Winterstein. Denn letztlich habe man auch dann nur wieder ein altes Gebäude.
Vieles sei in einem Neubau leichter zu realisieren, auch die Belastungen für die Patienten während der Bauphase geringer. Das alles solle nach der Kommunalwahl in sachlicherer Atmosphäre diskutiert werden, empfahl der Oberbürgermeister. Zeit dafür hätten die Kommunalpolitiker genug: Erst ab 1995 könnte vermutlich überhaupt gebaut werden. Im Raum stehen dabei Investitionen von über zwanzig Millionen Mark. cas
GALLUS. Sondershausen- und Ackermannstraße im Gallus werden vielleicht doch gesperrt. Bedingung: An der Ecke Krifteler Straße / Mainzer Landstraße muß eine Ampel installiert werden, die den Verkehr aus der Krifteler Straße in Richtung Griesheim leitet. Das versprachen Rainer Michaelis (Ordnungsamt) und Klaus Wetterling (Stadtplanung) dieser Tage den Bewohnern der Friedrich-Ebert-Siedlung (die FR berichtete).
Bereits im Dezember hatte der zuständige Ortsbeirat 1 die Ampel beantragt und gefordert, diese Lichtzeichenanlage in das Beschleunigungsprogramm für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) aufzunehmen (die Stadtteil- Rundschau berichtete). "Das kann aber dauern", räumte Michaelis während der Bürgeranhörung ein. Schließlich sei das Beschleunigungsprogramm auf vier Jahre angelegt.
Ortsvorsteher Jürgen Hupe (SPD) gab sich dennoch optimistisch. "Bei der Finanzierung der Ampel sehe ich keine großen Probleme." Er stellte aber klar, daß dann die Stadt auch bald ihr "Okay" geben müßte.
Denn klar ist auch: Lange wollen die Bürger den Verkehr in Sonderhausen- und Ackermannstraße nicht mehr hinnehmen. Täglich quälen sich zahlreiche Autos von der Mainzer Landstraße durch die Friedrich-Ebert-Siedlung zur Kleyerstraße, belästigen die Bewohner mit Lärm, Abgasen und "gefährden die Kinder Ackermannschule", beschwerte sich eine Angestellte der Schule. Die heftigen Proteste der etwa 50 Anwesenden brachte ein junger Mann auf den Punkt: "Der Verkehr muß weg."
Darin sind sich auch alle Fraktionen im Ortsbeirat und das Planungsbüro Retzko + Topp einig. Bereits im Juni vergangenen Jahres hatten sie der Stadt ihr erstes Konzept für eine verkehrsberuhigte Friedrich-Ebert-Siedlung vorgelegt. Darin hatten sie vorgeschlagen, die Akkermannstraße von der Kleyerstraße abzutrennen, und die Sondershausenstraße zumindest einige Stunden täglich für den Durchgangsverkehr zu sperren.
Doch die städtische Tempo-30-Kommission hatte abgelehnt. Der Grund: Die beiden Straßen seien die Hauptverbindung von der Mainzer Landstraße zur Kleyerstraße - auch für den Schwerlastverkehr in Richtung Baustellen, bekräftigte Stadtplaner Wetterling jetzt noch einmal vor den Bürgern.
In der Kleyerstraße entsteht die Wohn- und Arbeitsstätte Galluspark, und das Unternehmen Telenorma errichtet dort derzeit einen großen Firmenkomplex. Tausende neue Mieter und Pendler werden künftig in das Viertel strömen, der Verkehr wird um ein vielfaches zunehmen. Für die Verantwortlichen der Stadt liegt das Problem auf der Hand: "Wir können doch nicht die ganzen Autos über die Galluswarte und die Rebstöcker Straße leiten", appellierten Wetterling und Michaelis an die "Vernunft" der Bürger.
Doch die wollten den beiden Beamten nicht so recht trauen, fühlten sich hingehalten. "Sie wollen sich Ackermann- und Sondershausenstraße freihalten, weil sie heute schon nicht wissen, wo sie morgen mit den vielen Autos hin sollen", interpretierte ein Anlieger das Nein der Stadt zu den ersten Entwürfen des Ortsbeirats und des Planungsbüros.
Die haben inzwischen neue Konzepte entworfen. Damit der Verkehr in der Siedlung erst einmal verlangsamt wird, schlugen Vertreter von Retzko + Topp den Bürgern zwei Alternativen vor. Erstens: Die Fahrbahnen werden verengt und Hindernisse aufgestellt.
Zweitens: Zumindest die Sondershausenstraße wird von der Kleyerstraße abgetrennt, gegebenenfalls auch von der "Mainzer". Allerdings würde dann die Blechlawine durch Ackermann- und Tevesstraße rollen.
Allenfalls als Zwischenlösung akzeptieren die Anlieger die "sanfte Variante". Nur Tempo-30 genügt ihnen nicht. Und deutlich wurde auch: Das Versprechen der Beamten aus dem Römer vergißt in der Friedrich-Ebert-Siedlung so schnell niemand. cob
BAD VILBEL. Das Missionsfest der Evangelischen Christuskirche findet am Sonntag, 31. Januar, ab 14.30 Uhr im Gemeindezentrum Grüner Weg statt.
Im Mittelpunkt des Nachmittags steht der Bericht einer sechsköpfigen Delegation in der Partnergemeinde in Venda/ Südafrika im vorigen Jahr. Die Vorführung eines Films und Dias, Musik und sogar eine Modenschau werden geboten. Anschließend wird aus den Partnergemeinden in Indien und den neuen Bundesländern berichtet.
Die Tombola hat wieder Werner Utter organisiert. Kuchenspenden sind willkommen und können unter der Telefonnummer 8 53 55 angekündigt werden.
Eingeladen sind alle Gemeindemitglieder und an den Partnerschaften Interessierte. Der Gottesdienst am 31. Januar um 10 Uhr von Pfarrer Hans Siebert unternimmt einen musikalischen Brückenschlag zu den Partnergemeinden. hm
DREIEICH. Aus der Feder der SPD stammt ein Antrag an das Stadtparlament, der den Alten mehr Gehör verschaffen soll: Die Fraktion wirbt für einen Seniorenbeirat. In diesem Gremium sollen alle Belange erörtert werden, die ältere Menschen betreffen. In der Begründung heißt es, der Anteil der Senioren an der Bevölkerung werde bis zum Jahr 2010 auf 35 Prozent wachsen. fra
Die Art der beruflichen Tätigkeit kann sich im Laufe der Zeit stark wandeln. Auch werden Beschäftigte verpflichtet, vertretungsweise einen anderen Arbeitsplatz zu übernehmen. In der betrieblichen Praxis passiert es jedenfalls häufiger, daß ein Arbeitnehmer neue Aufgaben bekommt. Für die jeweiligen Versetzungen ist zum einen die Mitwirkung des Betriebs- respektive Personalrates erforderlich. Zum anderen hängen sie von arbeitsvertraglichen Bedingungen ab, auf die Betroffene immer pochen können.
So wurde einem Hochschulangehörigen nach längerer Krankheit sein altes Arbeitsgebiet nicht wieder zugewiesen, sondern er bekam andere Aufgaben übertragen. Auf seine Klage hin hat im vergangenen Jahr das Landesarbeitsgericht Frankfurt entschieden, daß der Uni-Mitarbeiter zu den alten Bedingungen wieder beschäftigt werden muß (Az.: 13 Sa 77/91).
Bei Versetzungen darf der Arbeitgeber sein Weisungsrecht nicht beliebig ausüben, befanden die Richter. Die Grenzen dafür seien nicht allein durch die - zumeist abstrakten - Merkmale der entsprechenden tariflichen Eingruppierung definiert, sondern auch durch weitere Vereinbarungen im Arbeitsvertrag. Diese könnten sich zum Beispiel aus dem Text der Stellenanzeige und der dadurch initiierten Bewerbung sowie der sich anschließenden praktischen Beschäftigung ergeben. Auf diese Weise würden sich beiden Seiten für die vom Arbeitnehmer ausgeübte konkrete Tätigkeit vertraglich binden.
Auch der technische oder wissenschaftliche Wandel ist unter Umständen eine Schranke gegen Versetzungen. Wenn ein Arbeitnehmer, so die Richter, vor längerer Zeit einmal für eine ihm zugewiesene Aufgabe qualifiziert gewesen sei, müsse dies nicht mehr für den Fall gelten, daß aufgrund der technischen Weiterentwicklung nun ganz andere Fähigkeiten auf dem Arbeitplatz verlangt seien.
Beschäftigte, die anderweitig eingesetzt werden sollen, können also vom Arbeitgeber verlangen, daß die Erfüllung der künftigen Aufgabe neu vereinbart wird. Andernfalls muß dieser - unter Beachtung der Schutzvorschriften - eine Änderungskündigung aussprechen. tk
KÖNIGSTEIN. Rauschendes Wasser machte Spaziergänger am Sonntag gegen 17 Uhr auf einen Einbruch in ein Königsteiner Wohnhaus in der Straße Im Flemetz aufmerksam.
Die plätschernden Geräusche kamen ihnen seltsam vor, da offenbar niemand zu Hause war. Deshalb benachrichtigten die Passanten die Feuerwehr. Die stellte fest, daß der Keller des Hauses mit Wasser vollgelaufen war.
Die Quelle der Überschwemmung war ein zertrümmerter Wasserzähler. Die Polizei nimmt an, daß der Wasserzähler bei einem Einbruch zu Bruch gegangen ist, da im gesamten Haus Schubladen und Schränke durchwühlt und die Kellertür eingetreten worden war.
Ob die unbekannten Einbrecher auch etwas gestohlen haben, konnte die Königsteiner Polizei bislang noch nicht ermitteln. mak
SCHWALBACH. Luftschlangen, Girlanden und bunte Ballons schmücken den Raum, Kaffee dampft in den Kannen und Kreppel warten darauf, angebissen zu werden: Am Mittwoch, 17. Februar, feiern die Senioren Fastnacht im Schwalbacher Bürgerhaus. Sitzungspräsident Lothar Lüpke vom Carneval-Club Pinguine wird durch ein buntes Programm mit Gesang, Musik, Büttenreden und Gardetanz führen. Die Stadt lädt die Senioren ein. Eintrittskarten gibt es kostenlos bis zum Mittwoch, 10. Februar, bei der Information im Rathausfoyer. she
Notdienste
Apotheken Bad Homburg/Friedrichsdorf. Taunus- Apotheke, Bad Homburg, Gartenfeldstraße 51; Brunnen-Apotheke, Bad Homburg, Louisenstr. 163.
Oberursel/Steinbach. Apotheke am Holzweg, Oberursel, Holzweg 13.
Usinger Land. Saalburg-Apotheke, Wehrheim, Hauptstr. 13 b; Ursula-Apotheke, Niederreifenberg, Hauptstr. 16 (nachmittags: Taunus-Apotheke, Schmitten, Schillerstr. 6); Weiltal-Apotheke, Weilrod, Birkenweg 1; Löwen-Apotheke, Brandoberndorf, Cleeberger Str. 21.
Kronberg/Königstein. Apotheke am Westerbach, Kronberg, Westerbachstr. 23.
HEIDELBERG, 18. Januar (epd). Nicht haltbar ist nach Auffassung von Oberkirchenrat Tilmann Winkler, Sozialreferenten im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Ansicht, zahlreiche Arbeitslose schlügen Stellenangebote aus, um von staatlicher Unterstützung leben zu können.
Winkler sagte am Wochenende in Heidelberg, vor allem Langzeit-Arbeitslosen drohe der Verlust der Wohnung. Durch teilweise mehrjährige erfolglose Arbeitssuche würden sie "psychisch frustriert". Aufgabe staatlichen Handelns sei daher, diese Menschen besonders zu fördern, anstatt ihr Ansehen durch "Vorurteile, die längst wissenschaftlich widerlegt sind" zu schwächen.
opl NAIROBI, 18. Januar. Gegen die kenianische Polizei sind nach einer Serie von Gewalttaten gegen unschuldige Zivilisten schwere Vorwürfe erhoben worden. Nach Zeitungsberichten vom Montag sollen im Garissa-Distrikt in Ostkenia Rachemorde für den Tod von acht Ordnungshütern verübt worden sein.
Auf der Suche nach den Mördern zweier Kollegen in Nairobi prügelten Polizisten am Wochenende Dutzende unschuldige Passanten blutig, demolierten Gaststätten und Fahrzeuge und nahmen über tausend Menschen vorübergehend fest.
Kenianische Zeitungen brachten in großer Aufmachung Augenzeugenberichte von den Gewaltorgien. Oppositionspolitiker, darunter auch mehrere neugewählte Abgeordnete, sprachen von groben Menschenrechtsverletzungen durch die Sicherheitsbehörden.
Am vergangenen Donnerstag waren in einer Serie von Banditenüberfällen im Distrikt Garissa an der Grenze zu Somalia acht Polizisten umgekommen. Die gesamte Nordostregion Kenias ist seit Monaten Schauplatz von Bandenkriegen und organisierter Wegelagerei.
In dem Handelsposten Dadab, wo allein fünf Polizeibegleiter eines Buskonvois ums Leben gekommen waren, richtete sich eine Razzia tags darauf gegen die gesamte Ortsbevölkerung. Zuerst erschoß die Polizei nach Berichten der kenianischen Presse zur Vergeltung acht Zivilisten und verprügelte wahllos Geschäftsleute und Reisende. Alle Männer, Frauen und Kinder des Ortes mußten dann acht Stunden in der prallen Sonne ohne Essen und Wasser auf der Straße ausharren.
Kenias Behörden verdächtigen "aus Somalia eingesickerte Banditen" der Polizistenmorde. Allerdings sind auch die lokalen Bewohner großteils ethnische Somalis. In der Nähe befindet sich außerdem ein Lager mit über 100 000 Flüchtlingen aus dem Nachbarland.
Am Freitagabend wurden auch in der kenianischen Hauptstadt zwei Polizisten erschossen, die auf einem Streifgang den Fahrer eines verdächtigen Fahrzeuges befragen wollten. Beamte, die wenig später in Nairobis River-Road-Viertel nach den Mördern fahndeten, tobten sich wahllos an offenbar Unschuldigen aus.
Ahnungslose Kunden wurden aus den Bars und Imbiß-Buden gezerrt, Gäste der zahlreichen umliegenden Billigherbergen teilweise nackt auf die Straße getrieben. Mehr als tausend Menschen wurden in wartende Polizeiautos geprügelt und zur Befragung abgeführt. Ordnungskräfte zwangen zufällig vorbeikommende Autofahrer mit vorgehaltenen Waffen, sich flach auf den von Regenpfützen übersäten Boden legen. Einige Autos wurden dann benutzt, um versperrte Tore zu Innenhöfen aufzustoßen.
Als Journalisten wenige Stunden später am Ort des Polizeiterrors eintrafen, fanden sie über 30 demolierte Fahrzeuge, kaputte Auslagen und mehrere Bars, deren Einrichtung zu Kleinholz geschlagen war. Auf den Gehsteigen standen noch Blutlachen, Barbesitzer und Kunden klagten, daß die marodierenden Polizisten auch Geld und Wertgegenstände mitgehen ließen.
Die Mörder der beiden Polizisten konnten allerdings unbehelligt entkommen, und Kenias Polizei hat eine Belohnung von 50 000 Shillingen ausgesetzt, bisher aber weder eine Erklärung noch eine Entschuldigung für die Exzesse abgegeben. Nairobis Polizeichef Geoffrey Kinoti sagte nur, niemand habe sich beklagt oder Schadenersatz für beschädigtes Eigentum gefordert.
Bockenheim Dem Juz droht jetzt die Pleite Es fehlen 23 000 Mark
BOCKENHEIM. Dem Jugendzentrum (Juz) Bockenheim droht in diesem Jahr das Geld auszugehen. Die selbstverwaltete Einrichtung in der Varrentrappstraße muß nach den Worten von Sozialarbeiterin Ingrid Wunn "in diesem Jahr voraussichtlich mit 4000 Mark Sachmitteln" auskommen. Zum Vergleich: 1992benötigte das Juz 27 000 Mark. "Wenn wir keinen Zuschuß bekommen, können wir spätestens im Sommer dichtmachen", betonte die Sozialarbeiterin. Das Juz Bockenheim gehört zum "Zusammenschluß freier Kinder- und Jugendeinrichtungen", der von der Stadt Frankfurt mit jährlich drei Millionen Mark unterstützt wird. "Mit diesen Mitteln müssen wir 14 Einrichtungen und die Geschäftsstelle finanzieren", erläuterte Margitta Kunert-Zier vom Zusammenschluß. In den vergangenen beiden Jahren habe sich der Zuschuß nicht mehr erhöht, bemängelt Frau Kunert-Zier, doch die Mieten und Personalkosten seien gestiegen. Der Verein und die Einrichtungen stehen deshalb vor dem Dilemma, entweder Stellen zu streichen oder das Freizeitangebot einzuschränken. Beides führe zu Qualitätsverlust.
Im vergangenen Jahr gelang es dem Verein, zusätzliche 200 000 Mark "aus Restmitteln" zu beschaffen. Ein Teil dieses Betrages (14 000 Mark) stopfte auch das Loch im Etat der Bockenheimer Jugendeinrichtung. "Um die Finanzierung zu sichern, muß die Stadt nachbessern", forderte Ingrid Wunn. Vergleichbare städtische Einrichtungen hätten einen Etat, der "dreimal größer" sei als der des Juz, und zudem mehr Personal. Nach Ansicht von Margitta Kunert-Zier entzieht sich die Stadt in Bockenheim der Verantwortung, da es im Stadtteil kein städtisches Jugendzentrum gibt.
Auf Anfrage der Stadtteil-Rundschau entgegnete der Leiter der Kinder- und Jugendförderung, Pit Sehnert, es gäbe im Stadtteil schon einige Angebote für Jugendliche. Sehnert wußte um das finanzielle Problem des Zusammenschlusses, verwies jedoch auf die drastische Erhöhung des städtischen Zuschusses vor drei Jahren: "Dadurch konnte der Verein in fast jeder Einrichtung eine zusätzliche Stelle einrichten." Derzeit könne wegen der anstehenden Kommunalwahl und wegen der angespannten Finanzlage aber niemand "eine seriöse Aussage über eine etwaige Erhöhung machen". ara (Siehe nebenstehende Meldung)
BERLIN. Ein Showdown der Schluß: die Muse als Sieger, mit Palmwedel und Krone in Gold. Auf einer Parkett-Sessel- Wippe, unter Hoffmanns Gewicht lange mit Bodenhaftung, fährt sie triumphierend in die Höhe. Unterstützt von einem feierlichen Chor singt sie von den Siegen der Kunst über die Niedrigkeit des Lebens, derweil Hoffmann an der Rampe sich krümmt, ausgebrannt von der Kunst, vom Alkohol, von der Liebe.
Stella, die Sängerin, die er in vielerlei Gestalt begehrte, stößt er vor den Kopf, läßt sie abfahren, als sie nach beendeter "Giovanni"-Vorstellung in Lutters Keller kommt, ihm fragende Blicke zuwirft. Sie würde es schon noch mal mit ihm probieren. Aber Hoffmann weiß, es geht nicht mehr. Mit ihren aufgelösten Haaren läßt er sie stehen.
Die "Hoffmann"-Rahmenhandlung - eine gefeierte Sängerin, Stella, gibt ein Gastspiel als Donna Anna in Mozarts "Don Giovanni"; mit einem Hoffmann nie erreichenden Brief versucht sie, den einstigen Liebhaber zu einem Stelldichein nach der Vorstellung zu gewinnen - diese Rahmenhandlung ist in Harry Kupfers und Hans Schavernochs Berliner Neueinrichtung dieser einzigen Offenbach-Oper optisch präsent als schwarze Theater- Brandmauer im Bühnenhintergrund.
Türen und Fenster öffnen und schließen sich wie beim Weihnachtskalender. Das in der Pause flanierende Opern-Publikum ist dort zu sehen, die Primadonna bei ihren Auftritten oder umlagert in ihrer Garderobe. In die Blackbox des Grundraums schieben sich als Kästchen oder Vorhänge die imaginierten Räume von Hoffmanns Erzählungen seiner Frauen-Geschichten, die er, aufs Ende der Vorstellung wartend, den Kommers- Studenten auftischt im Weinkeller hinter dem Theater.
Ein giftgrünes Zeitgeist-Labor, in dem ihm die Puppe Olympia vorgeführt wird. Ihr mechanisches Koloraturen-Geklappere wird verdoppelt als Comic auf einem Riesenbildschirm. Mit Infrarot-Fernbedienung bringt der Meister die Singe- Barbie zum akustischen Kolorieren.
Im Venedig-Akt schiebt sich vor einen linsengrünen Lagunen-Prospekt eine Musicbox, aus der die ja nicht originär zu dieser Offenbach-Oper gehörende Barcarole, am Ende verdoppelt mit Video-Clip, ertönt. Im Wrack einer Luxuslimousine stößt Dapertutto mit Kapitänskostüm aus dem Fundus hinzu - und treibt's die Dame Giulietta mit ihrem Papagallo. Trips werden verkauft, es wirbeln die Dessous.
Der Antonia-Akt, hier als üblicherweise vierter angeordnet, spielt dann wie in einer Grabkammer. Ein weißer mechanischer Flügel - nicht sehr synchron allerdings mit Antonias Gesängen - hämmert darin. Vater Crespels Geigen hängen schnurgerade zum Trocknen im Kondom-Himmel - Anleihen beides bei der Dresdner Neuinszenierung Peter Konwitschnys vom letzten Frühjahr, wo allerdings der Antonia-Akt, der Schauspiel- Vorlage Barbiers und Carrés folgend, in die Mitte gerückt ist.
Wenn Antonia, glücklich, Hoffmann wiederzusehen, sich zu Tode singt, tritt die tote Mutter als ihr Über-Ich aus einem Bildrahmen sie zu begleiten ans Klavier, der sie anstachelnde Dr. Mirakel geigt dazu, auf dem Flügel tanzend und eine Teufelsgeige streichend wie ein glühend pulsierendes Herz. Und Mirakel entsorgt dann auch ins Leichenschauhaus die Tote. Eine der Türen öffnet sich dafür in der Brandmauer des Theater- Theaters.
Es gibt von Offenbachs "Contes d'Hoffmann" bekanntlich keine autorisierte Fassung. An der Komischen Oper spielt man die mit den Rezitativen. Musikalisch hat sie so unter Jörg-Peter Weigle eine gediegen einheitliche, wenn auch dem Stück eher fremdartig geschlossene Form.
Den Antonia-Akt stellt Regisseur Kupfer an den Schluß von Hoffmanns Frauen-Erzählungen, zum einen weil es der musikalisch ausgearbeitete Teil des Torsos ist; zum anderen aber, weil Kupfer das Stück sieht als "Abrechnung" des Dichters mit den Frauen und in der "Abrechnung" Hoffmanns mit der Sängerin Antonia zugleich Hoffmanns Endabrechnung mit der Kunst und der Liebe.
Indes stellt Kupfer mit seiner Sicht auf "Hoffmann" kaum mehr als seine eigene Privatproblematik mit dem Thema zur wiederholten Diskussion. Hoffmanns "Abrechnung" steigert in der Sicht des Regisseurs sich so: Als Puppe wird sie diffamiert im zweiten Akt; der Bruch der realen Beziehung mit Stella wird legitimiert in Giuliettas Käuflichkeit, und auch eine Krankheit wird ihr noch angedichtet in Antonias Verkrüppelung.
Was in dieser moralisierenden Schluß- variante sich austobt, ist der Muff der letzten (zumal) vierzig Jahre. Worum es in dem Stück aber eigentlich ja geht, ist eine höchst moderne Erörterung über Produktionsformen und Produktionsbedingungen von Kunst. Die Frauen sind hier zum einen Sinnbild dafür. Zum anderen sind sie Medium, die Produktivität des Dichters reizend und, zwanghaft von ihm auf- und ausgesogen, ihn in diesem Prozeß selbst verzehrend.
In der originalen Libretto-Vorlage sind die Frauen ja nicht zufällig am Ende alle tot - auch die Hoffmann durch ihre Käuflichkeit im Spiegel seine Identität als Schattenbild raubende Giulietta.
Eine richtige Überlegung zwar Kupfers Besetzung der Hoffmann antreibenden Muse alias Niklas mit einem Mann (im gleißend weißen Doktor-Outfit: Roger Smeets). Freilich bekommt der hier gleichfalls etwas mephistophelisch Moralisierendes. Am Ende, verbrieft in einem triumphierend hochgehaltenen Buch, kassiert er Hoffmanns Seele. Neil Wilson singt diesen Hoffmann mit warmem Timbre, aber doch etwas kleiner Stimme.
Für die dreiplusein Frauen bringt Dagmar Schellenberger zwar ihre leichtgängige Stimme, aber doch ein allzu schmales schauspielerisches Talent mit auf die Bühne. Die Hoffmann-Widersacher Lindorf (alias: Coppelius, Dapertutto, Mirakel) - E.T.A. Hoffmanns Abspaltungen seines künstlerischen Ichs - spielt mit Souveränität Siegfried Vogel.
Mit einer Mini-Rolle als Schankwirt Lutter darf Rudolf Asmus, der Lindorf der Felsenstein-Einstudierung der legendären "Contes" von vor ziemlich genau 35 Jahren, sich punschreichend in Erinnerung bringen.
Viel Beifall gab's und einige Buhs. Ein Fernsehfilm von der Einstudierung ist - was Felsenstein recht war, scheint Kupfer billig - in Vorbereitung. Verantwortlich dafür - welch' Seltsamkeit der kommunizierenden Röhren - zeichnet Georg Quander. Sein Amt als Staatsopern-Intendant scheint ihn nicht ganz zu füllen.
Aber das Haus ist ja auch ansonsten voll der Spukgeschichten. Ein andermal wäre da vielleicht einiges wieder zu erzählen. GEORG-FRIEDRICH KÜHN
(Nächste Vorstellungen an der Komischen Oper: 22. 1.; 1. und 3. 2.)
SELIGENSTADT. Die Arbeitsgmeinschaft für Bildungsfragen (AfB) im SPD- Unterbezirk Offenbach lädt für Donnerstag, 21. Januar, 20 Uhr, zu einem Informations- und Diskussionsabend in den "Riesen" ein. Das Thema lautet "Veränderte Kindheit - eine pädagogische Herausforderung für unsere Schulen". Auf dem Podium sitzen - unter anderen - Kreisbeigeordnete Adelheid Tröscher, Seligenstadts SPD-Ortsvereinsvorsitzende Karin Hansen und AfB-Mitglieder. fin
LANGENSELBOLD. Eine Kinderfreizeit im Schullandheim Bernau veranstaltet die Stadt Langenselbold vom 17. bis 23. April für Kinder zwischen 10 bis 14 Jahren.
Geplant sind Ausflüge in die Umgebung des Schwarzwaldes sowie Basteltage, Wanderungen und gemeinsame Spiele. Teilnehmen können 40 Jungen und Mädchen. Die Freizeit kostet 320 Mark. Auf Antrag werden Preisnachlaß der Kostenübernahme gewährt. Anmeldungen nehmen die beiden Jugendarbeiter der Stadt, in Zimmer eins, des Rathauses, Tel: 8 02 32, entgegen. alu
BONN (dpa/has). Einem "Müllmißstand" will der CDU-Abgeordnete Steffen Kampeter auf die Spur gekommen sein: Seinen Recherchen zufolge tragen Zigarettenschachteln keinen Grünen Punkt des Dualen Systems Deutschland (DSD) als Zeichen für die Rücknahme und Verwertung der gebrauchten Packungen. Kampeter kritisiert, die Glimmstengel- Branche sei die einzige Sparte, die bisher keinen Pfennig zu dem mittlerweile bundesweit errichteten Erfassungssystem beigetragen habe. Da an den Verkaufsstellen aber keine Rücknahmemöglichkeiten vorhanden noch geplant seien, erblickt der CDU-Mann einen Verstoß gegen die Verpackungsverordnung.
Ein DSD-Sprecher versteht ebenfalls nicht, warum die Zigarettenindustrie beim Dualen System nicht mitmacht. Da der Großteil der Packungen aus Papier bestehe, könne eine "Recycling-Garantie" abgegeben werden. Ein Spitzenvertreter des Verbands der Cigarettenindustrie bezweifelt dies. Er behauptet, kleine Verpackungen wie die Schachteln seiner Branche "können überhaupt nicht entsorgt werden". Dies liege an den Verfahrensweisen in den Sortieranlagen. Ein Gutachten des TÜV Berlin soll nun diese Argumentation untermauern.
GRÄVENWIESBACH. Das Kandidaten-Karussell für die Bürgermeisterwahlen dreht sich im Usinger Land nicht nur in Neu-Anspach, Weilrod und Usingen, wo die vakanten Stellen am 9. Mai neu zu besetzen sind. In der nördlichsten Taunusgemeinde läuft in gut einem Jahr die Amtszeit von Hellwig Herber (parteilos) ab. Der neue Rathauschef kann zwar frühestens im Herbst gekürt werden, doch im Vorfeld von Kommunalwahl und Koalitionen werden im Dorf schon die Namen von zwei Bewerbern - neben Herber - gehandelt: Die Spitzenkandidaten von SPD und CDU, so heißt es, wollen antreten.
Werner Knörr, Nummer eins der SPD, Beigeordneter und unterlegener Gegenkandidat von Herber vor fünf Jahren, will das Gerücht weder bestätigen noch dementieren: "Ich bin schon mehrfach darauf angesprochen worden", erklärt er und teilt immerhin mit, daß das Thema schon im Parteivorstand zur Sprache gekommen sei.
Die Meinung über seine Aussichten scheint sogar schon gefaßt, obwohl es noch keinen Beschluß geben soll: "Die SPD weiß, daß sie wohl nur mit mir eine Chance hat."
Nicht zuletzt ist der SPD-Spitzenkandidat sogar davon überzeugt, "daß alle im Parlament vertretenen Parteien einen Bewerber für die Bürgermeisterwahl aufstellen werden". Aber die konkrete Frage, ob er antritt, weist er denn doch als verfrüht zurück. "Das ist erst nach der Kommunalwahl ein Thema."
Der frisch gekürte (siehe Kasten) Spitzenkandidat der CDU für die Gemeindevertretung, Bernhard Lindner, tritt ebenfalls den Gerüchten nicht entgegen: "Das ist zum jetzigen Zeitpunkt für die CDU kein Thema. Erst muß die anstehende Kommunalwahl bewältigt werden." Als "echter Dorfbub" bestätigt er nur eines: seinen Namen in diesem Zusammenhang schon gehört zu haben. Allerdings weist er auch nicht von der Hand, daß die CDU nach der Wahl die Verantwortung übernehmen will - "in welchem Umfang und in welcher Form wird sich noch zeigen". Und nicht zuletzt läßt der 35 Jahre alte Finanzbeamte auch die Frage offen, ob die CDU Herber wieder unterstützen wird. 1988 war dieser auf Vorschlag der FWG mit den Stimmen der CDU gewählt worden.
Die FWG, zweitstärkste politische Kraft nach der SPD und mit dieser zur Zeit in "sachlicher Zusammenarbeit" verbunden, zeigt als einzige schon vor dem 7. März Flagge. "Wir stehen voll und ganz hinter dem Bürgermeister. Wir haben den Mann geholt, beste Erfahrungen gemacht und können uns gar keine Alternative vorstellen", sagt klipp und klar der FWG-Spitzenkandidat Heinz Radu. Mehr noch: "Mit Herber ins Jahr 2000" gehört zu den Wahlkampfaussagen der Wählergemeinschaft.
Sollten sich die Gerüchte bestätigen (Radu: "Solange keine klare Aussage vorliegt, ist was dran."), will der FWG-Chef Folgen für die künftige Zusammenarbeit mit anderen Parteien nicht ausschließen: "Wir tun uns sicherlich sehr weh, nach den Wahlen mit anderen zu verhandeln, die einen Gegenkandidaten zu Herber aufstellen." CLAUDIA NENNINGER
MÖRFELDEN-WALLDORF. Es hat mächtig geklingelt in den Sammelbüchsen der Sternsinger, die vor gut zwei Wochen ausströmten. Die Jungen und Mädchen, die unter dem Motto "Sauberes Wasser" für ein Projekt in Nigeria sammelten, kehrten von ihren Touren mit fast 7000 Mark zurück. Die Mörfelder Sternsinger erhielten exakt 3235 Mark an Spenden, die Walldorfer Kinder sammelten 3712 Mark. wal
DREIEICH. "Mein Kind kommt in die Pubertät": Unter diesem Titel bietet die Soziologin Jutta Kamarowsky-Eichholz im Autrag der Familienbildungsstätte der Arbeiterwohlfahrt Eltern eine Gesprächsgruppe an, die Probleme mit ihren heranwachsenden Kindern haben.
Das erste von fünf Treffen ist am Donnerstag, 4. Februar, 20.15 Uhr, im AW- Haus in Sprendlingen, Eisenbahnstraße 9. Die Teilnahme kostet 45 Mark. Anmeldungen werden unter Telefon 0 61 03 / 8 22 97 oder 0 60 74 / 36 94 entgegengenommen. fra
BAD VILBEL. Mehr als eine halbe Milliarde Flaschen mit Brunnengetränken hat die Firma "Hassia & Luisen Mineralquellen Bad Vilbel GmbH und Co" im Jahr 1992 abgefüllt. Das ist nach Firmenangaben ein Rekordergebnis.
Maßgeblich beigetragen zu dem Rekord hat das im Sommer 1991 nahe Chemnitz eröffnete neue Werk in Niederlichtenau mit fast 100 Millionen Füllungen der eigenen Marke "Lichtenauer" im Jahr 1992. Hassia & Luisen hat damit den Absatz an Mineralwasser und Brunnensüßgetränken gegenüber 1991 um 16 Prozent gesteigert und 180 Millionen Mark umgesetzt, 25 Millionen mehr als 1991. hm
HOCHTAUNUSKREIS. "Beispiele dafür geben, daß das Leben trotz Krebs lebenswert ist" - das will die "Frauenselbsthilfe nach Krebs". Die Gruppe, eine von mehr als 270 in Deutschland, die unter dem Dach der "Deutschen Krebshilfe" arbeiten, besteht seit 1980. Sie hat in dieser Zeit ein enormes Wachstum bewältigt: Aus den neun Frauen, die die Selbsthilfeeinrichtung vor 13 Jahren gründeten, sind inzwischen 230 geworden, und auch betroffene Männer machen inzwischen mit. Neue Leiterin wurde jetzt Anneliese Heimann.
Die Oberurselerin trat die Nachfolge von Erika Grein (Bad Homburg) an, die bei der Gründung und seither die treibende Kraft war. Stellvertretende Gruppenleiterin ist Doris Willig (Bad Homburg).
Zu den Gruppentreffen kommen Mitglieder aus dem gesamten Hochtaunuskreis. Jeden ersten Donnerstag im Monat um 15 Uhr ist die Unterkirche der Bad Homburger Erlöserkirche Schauplatz dieser Zusammenkünfte. "Krebskranke helfen Krebskranken" lautet das Motto der Arbeit, die ehrenamtlich geleistet wird. Dies schließt die seelische Begleitung Krebskranker, Hilfe bei der Überwindung der Angst vor weiteren Behandlungen und Vorschläge zur Festigung der Widerstandskraft ebenso ein wie konkrete Hilfen für eine bessere Lebensqualität und Informationen aus dem Sozialrecht.
Neben der persönlichen Betreuung bietet die Gruppe gemeinsame Sport- und Freizeitaktivitäten an sowie Gespräche mit Experten: Ärzten, Psychologen, Fachleute aus dem Sozial- und Versicherungswesen: "Wissen vermindert Angst."
Viel kosten dürfen Referenten freilich nicht, denn es gibt keine Mitgliedsbeiträge, nur kleinere Zuschüsse von Kreis und Kommunen, ein paar Spenden von Firmen und Privatleuten. Erika Grein: "Es langt für die Telefonkosten, für Infomaterial, Porto und manchmal ein kleines Geschenk bei Besuchen im Krankenhaus." Den schönsten Lohn ihrer Arbeit sehen die Frauen dann, wenn es gelingt, daß ein Patient sich wieder aufrappelt - gemäß dem Leitsatz, daß "man auch mit oder nach einer Krebserkrankung ein sinnvolles und erfülltes Leben führen kann".
Wer mit der Gruppe in Kontakt treten möchte, kann Anneliese Heimann (0 61 71 / 49 05) oder Doris Willig (0 61 72 / 4 42 32) anrufen (Spendenkonto "Frauenselbsthilfe nach Krebs" 808 822, Frankfurter Volksbank in Bad Homburg). tom
Waren die achtziger Jahre gekennzeichnet von Stagnation und geradezu abenteuerlichen Inflationsraten, so verspricht die laufende Dekade eine goldene Ära für Israels Wirtschaft zu werden. "Zum ersten Mal seit 23 Jahren", jubeln Kommentatoren nach Lektüre der Daten, die das Statistische Zentralamt gerade herausgegeben hat, ging die Teuerung "auf eine einstellige Zahl" zurück - auf 9,4 Prozent, was eine Halbierung gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Mit 6,4 Prozent lag "das Wirtschaftswachstum 1991 und 1992 höher als in allen Industriestaaten der Welt", wagte die Tageszeitung Haaretz sogar einen euphorischen Vergleich mit Japan. Die Exporte stiegen um elf Prozent, und Kapitalanleger erzielten an der Börse in Tel Aviv deutlich höhere Gewinne (durchschnittlich 70 Prozent), als auf allen anderen internationalen Märkten zu holen waren.
Nicht einmal die Einwände, daß das Wachstum ganz wesentlich das Ergebnis der Bauwut des ehemaligen Bauministers Ariel Sharon war und daß die Exporterfolge mit Abwertungen des Schekels (21 Prozent) erkauft wurden, kann den Optimismus stören. Für das neue Jahr prognostiziert die Zentralbank ein noch stärkeres Wachstum, denn "die Internationalisierung der israelischen Wirtschaft treibt die Maschine der Privatwirtschaft an", frohlockt Präsident Yaacov Fraenkel. "Israel ist das einzige Land, das ein Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten hat und gleichzeitig besondere Beziehungen zur Europäischen Gemeinschaft unterhält." Seit Beginn des Jahres gelten die EG-Normen auch für den Warenaustausch mit den Efta-Staaten. Weitere Verhandlungen sollen die Verbindungen zu Brüssel noch verbessern. "Am Ende", so wünscht sich Fraenkel, sollte "Israels volle EG-Mitgliedschaft erreicht" sein, "so daß wir uns in der einmaligen Position befinden, mit einem Bein auf dem nordamerikanischen Kontinent und mit dem andern in Europa zu stehen".
Ein weiterer Hoffnungsschimmer gilt den Exporten in die Länder der ehemaligen Sowjetunion. Bisher muß Israel einen hohen Anteil seines - absolut geringen - Handels mit diesen Staaten noch über Drittländer abwickeln. Doch mit der Normalisierung der Beziehungen zum einstigen Ostblock und der Aufnahme diplomatischer Beziehungen sind auch Handelsabkommen zu erwarten, die den Warenaustausch erleichtern und steigern werden.
Auch ausländische Ökonomen und Analytiker stimmen in den Jubelchor ein. Die Wochenzeitschrift Business Week schreibt den "Aufschwung" und das "gestiegene Vertrauen in Israels Wirtschaft" vor allem der neuen Regierung unter Ministerpräsident Yitzhak Rabin zu, die den Verkauf staatlicher Unternehmen forcierte und einige Steuern drastisch senkte, um der Privatwirtschaft Investitionsanreize zu geben: So wollen Rabins Finanzexperten zum Beispiel gegen das Versprechen der Softdrink-Industrie, 500 neue Arbeitsplätze zu schaffen, die Steuern auf Limonade bis September schrittweise völlig abbauen. Die Mehrwertsteuer wurde von 18 auf 17 Prozent verringert.
Die Zölle auf Produkte aus den Efta- Ländern sind gestrichen und andere Importabgaben deutlich reduziert. Gleichzeitig scheinen die Eingriffe gegen Monopolisierung und Kartellbildung, die Schwächung des einst allmächtigen Gewerkschaftskonglomerats Histadrut sowie die Privatisierung der Wirtschaft Erfolge zu zeitigen: Langsam würden "Bürokratie, Vergeudung und Ineffizienz abgebaut", loben die Verfasser einer Studie der amerikanischen Brokerfirma und Investmentbank Forman-Zaltz Investment.
"Der Schlüssel aber für die optimistischen Prognosen", so die Banker, liegt in der "Massenimmigration nach Israel". Bis zu 600 000 Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion sowie 100 000 weitere aus Äthiopien werden in den kommenden vier bis fünf Jahren erwartet. Dies bedeute eine stattliche Bevölkerungszunahme. Die derzeitige Einwohnerzahl beträgt 5,1 Millionen. Doch nicht die Quantität sei entscheidend, sondern die Qualität der Einwanderer. Die meisten von ihnen seien ein Gewinn für den Arbeitsmarkt. 40 Prozent könnten einen akademischen Abschluß vorweisen. Dabei sind Israels Arbeitnehmer, von denen 20 Prozent ein Hochschulstudium beendet haben, schon heute weit höher qualifiziert als die in vielen anderen Ländern.
Die Techniker und Wissenschaftler aus dem vorhergesagten Einwandererstrom könnten den ohnehin schon blühenden High-Tech-Sparten der Industrie zusätzlichen Schwung verleihen. Zwar arbeitet in Israel niemand für Hungerlöhne wie in einigen Ländern Südostasiens, doch mit einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von 1600 bis 1700 Dollar sind die Akademiker immer noch erheblich billiger als ihre europäischen oder amerikanischen Kollegen. Dieser Umstand locke natürlich ausländische Export-Unternehmen zu Investitionen. Safra, Bronfman, IBM, Digital Eguipment, Motorola, Microsoft oder Intel, die alle bereits Niederlassungen oder Beteiligungen am Jordan haben, führen den Trend an. Investmentbanken wie Salomon, Oppenheimer oder Shearson-Lehmann-Hutton empfahlen erst neulich ihren Kunden, Anteile an israelischen Firmen zu erwerben, weil "in Israels Wirtschaft gute Wachstumschancen bestehen, die auch amerikanische Investoren nützen" könnten.
Gleichzeitig steigere der Zustrom von Neu-Bürgern auch die Binnennachfrage in ausreichendem Umfang, um ein jährliches Wirtschaftswachstum von acht Prozent zu sichern. Eine solche Rate werde auch nötig sein, die Immigranten ohne größere Probleme wirtschaftlich zu integrieren. Die 200 000 Arbeitslosen (elf Prozent), so die Forman-Zaltz-Studie, "schwächen die Fundamente der optimistischen Untersuchung nicht". Israel könne sogar einen zeitweiligen Anstieg der Arbeitslosigkeit vertragen.
Denn die Friedensverhandlungen und die Normalisierung der israelisch-arabischen Beziehungen machten negative Begleiterscheinungen der Masseneinwanderung mehr als wett. Als Konsequenz der positiven Veränderungen im Verhältnis mit den arabischen Nachbarn könnten Gelder, die bisher für das Militär ausgegeben werden mußten, gespart und in produktive Zweige fließen. Weniger Streiks und Ausgangssperren in den besetzten Gebieten erhöhten zudem die Produktivität. Und die mögliche Aufhebung des arabischen Wirtschaftsboykotts eröffne völlig neue Horizonte.
"Israel ist heute schon eine wirtschaftliche Erfolgsstory, die an das überraschende Wachstum der südostasiatischen Nationen der vergangenen Dekade erinnert", urteilen die Analytiker von Forman-Zaltz: Das Land könnte "der nächste Wirtschaftstiger" werden. Voraussetzung ist allerdings ein erfolgreicher Abschluß der Friedensverhandlungen. Wenn diese fehlschlügen, müsse man sich wieder auf völlig andere Bedingungen einstellen.
ARMIN WERTZ
BORNHEIM. Die Existenzphilosophie prägt auch die neuen Bilder von Horst Wilbert. Jegliche Gegenständlichkeit vertreibt der Maler aus seinen Werken, die in den vergangenen drei Jahren entstanden sind. Und doch ist der als Figur verbannte Mensch in jedem Bild wiederzuentdecken: als Subjekt, das sich in Form und Farbe zu seinen Gefühlen bekennt.
Im wesentlichen hat sich der Frankfurter seit 1989 mit der Farbe Blau beschäftigt. Die Ruhe, die von der Farbgebung ausgeht, wird zusätzlich durch eine matte Oberflächenlasur unterstützt. Je nach Kulturkreis und Epoche wird dieser Farbe eine andere Bedeutung zugesprochen. Blau als Metapher für die unendliche Leere des Himmels, aber auch als Code für die Unermeßlichkeit psychischer Tiefen, ein Ausdruck der Selbstreflexion.
Wilbert malt in weichen, leicht gebogenen Strichen, suggeriert den unendlichen Raum. Den Hintergrund in seinen neuen Bildern bildet meistens eine kobaltblaue, glatte Farbfläche. Danach werden mit weichen Bewegungen blau-grüne, selten auch gelb-orangefarbene Linien aufgetragen. Die zarten Gesten erinnern an gebündeltes Licht, das reflektiert und schillernde Farbformationen freisetzt. Bisweilen setzt Wilbert auch dramatische Linien: ineinander verwobene, zumeist graue Netze. Dicke Spinnweben, die durch ihre Kompaktheit manchmal leider an Wirkung verlieren.
Horst Wilbert absolvierte zunächst eine Lehre als Dekorationsmaler. Später nahm er an Abendkursen der Werkkunstschule Offenbach teil und besuchte von 1953 bis 1957 die Meisterschule in München, eine Schule für Kunsthandwerker. Ab 1962 beteiligte sich der Maler an Ausstellungen in Dortmund, Hannover und München. In Frankfurt präsentierte er seine Arbeiten unter anderem in der Paulskirche, im Steinernen Haus und in der Galerie der Heussenstamm-Stiftung.
Anfang der 80er Jahre löste sich Horst Wilbert allmählich von der gegenständlichen Malerei. Aus der Erkenntnis heraus, mit abstrakter Malerei seinen gestischen Ausdruck an Emotionen und Gefühlen besser darzustellen. Der Künstler als Existenzkämpfer, der sein Leben als rätselhaft beschreibt und so auch zeigen will.
Diese Malerei läßt viel Raum für Phantasie und freie Assoziationen, auch wenn einige Werke - ironischerweise gerade die Arbeiten, die auf der Vernissage zuerst verkauft wurden - knapp an der sogenannten Dekorationskunst vorbeischlittern. Dabei handelt es sich meistens um Bilder, die rein nach den Gesetzen der Schönheit gestaltet wurden, dabei an innerer Spannung verlieren. Herausragende Werke der Ausstellung sind die beiden Aquarelle aus dem Jahr 1990. Hier hat der Frankfurter Maler mit Kraft und Vehemenz Farbflächen pointiert.
Bis 26. Januar sind die "Neuen Bilder" von Horst Wilbert im Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Straße 24, zu sehen. Das Foyer des Bürgerhauses ist täglich von 10 bis 22 Uhr geöffnet. tin
Notdienste
Apotheken Bad Homburg/Friedrichsdorf. Nord- Apotheke, Bad Homburg, Gluckensteinweg 91.
Oberursel/Steinbach. Hubertus-Apotheke, Oberursel, Lange Straße/Ecke Burgstraße. Usinger Land. Apotheke im Ärztehaus, Neu-Anspach, Schubertstr. 32, und Löwen-Apotheke, Brandoberndorf, Cleeberger Str. 21.
Kronberg/Königstein. Falkenstein-Apotheke, Königstein-Falkenstein, Alt Falkenstein 47.
KÖNIGSTEIN. Bei einem Auffahrunfall an der Kreuzung B 8/Altkönigstraße wurden am Sonntag gegen 13 Uhr zwei Personen leicht verletzt. Wie die Polizei mitteilte, hatte ein Autofahrer zu spät bemerkt, daß ein vorausfahrender Wagen an der Ampel vor der Kreuzung schon bei "Gelb" stoppte. Der Sachschaden beträgt etwa 15 000 Mark. mak
DIETZENBACH. Stadtverordnetenvorsteher Gottfried Kuzelka weist darauf hin, daß am Montag, 25. Januar, 19.30 Uhr, im Zimmer 208 / 209 des Rathauses der "runde Tisch" für ein humanes Miteinander gebildet werden soll.
Die Teilnehmer - Vertreter von Magistrat, Parteien, Ausländerbeirat, Jugendparlament, Verbänden, Vereinen, Gewerkschaften, Schulen, Kirchen und Polizei - werden sich anschließend regelmäßig treffen. fin
FRIEDBERG. Vermutlich betrunken war der Autofahrer aus Frankfurt, der am Sonntag gegen 22.35 auf der Fahrt von Rosbach nach Friedberg mit seinem Auto auf die Bankette geriet. Sein Auto überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. Die Polizei ordnete eine Blutentnahme an und stellte den Führerschein sicher. Am Fahrzeug des Fankfurters entstand ein Schaden von 25 000 Mark.
ALTENSTADT. Ein Schaden von 10 000 Mark entstand bei einem Verkehrunfall am Sonntag um 19.45 Uhr auf der Landesstraße bei Oberau. Ein aus Richtung Waldsiedlung kommender Autofahrer beachtete beim Überqueren der Landesstraße in Richtung Oberau nicht die Vorfahrt eines Autos aus Limeshain. ieb
SCHÖNECK. Auf rund 10 000 Mark schätzt die Polizei den Schaden eines Brandes im Kindergarten in der Büdesheimer Kirchgasse. Dort war am Samstag gegen 17.35 Uhr aus bislang unbekannter Ursache eine Lichtkuppel im Dach in Flammen aufgegangen; brennende Teile stürzten dabei ins Innere.
Vermutlich, so die Polizei, liege Brandstiftung vor. Näheres ist jedoch noch nicht bekannt. Auch wurden keine Spuren eines Einbruchs entdeckt. az
Parteien + Wähler
BAD HOMBURG. Einen Wahlaufruf wollen die Bad Homburger Grünen bei einer Ortsversammlung am Mittwoch, 20. Januar, ab 20 Uhr im Vereinshaus Dornholzhausen, Saalburgstraße 158, verabschieden. Zuvor steht eine ausführliche Diskussion des Wahlprogramms an. Außerdem bereiten sie für Freitag, 26. Februar, eine Kulturveranstaltung im Bürgerhaus Kirdorf vor. Bei ihr sollen eine ghanesische Tanzgruppe, das Hamburger Kabarett "Müller, Müller Kuntz" sowie die Frankfurter Band "The Runners" auftreten. Nähere Informationen zum Wahlkampf gibt es unter Tel. 2 09 65. Joschka Fischer kommt
FRIEDRICHSDORF. Eine Veranstaltung mit dem hessischen Umweltminister Joschka Fischer eröffnet am Dienstag, 16. Februar, im Bürgerhaus Köppern die heiße Phase des Wahlkampfs der Friedrichsdorfer Grünen. Beendet wird sie am Mittwoch, 3. März, mit einem Friedrichsdorf- Besuch von Rupert von Plottnitz, Fraktionschef der Landtags-Grünen.
RODENBACH. Der Bau- und Umweltausschuß tagt am heutigen Dienstag, 19. Januar, 20 Uhr, im Sitzungsaal des Rathauses. Beraten werden die Mitglieder des Aussschusses unter anderem über die Pläne, zehn Pappeln in der Gemarkung zu fällen. Auf der Tagesordnung stehen außerdem mehrere private Bauanträge.Kommt er, kommt er nicht: Seit Wochen wird über den "Solidarpakt" für den Osten gestritten. Weitgehend ausgeblendet bleibt bei dieser Diskussion die sozialpolitische Situation in Ost und West. In der "Dokumentation" wollen wir in loser Folge verschiedene Beiträge veröffentlichen, die sich mit der sozialpolitischen Lage in Deutschland und dem "Sozialpakt" beschäftigen. Wir beginnen mit einem Beitrag von Ernst-Ulrich Huster (Ev. Fachhochschule, Bochum) zur schroffen Segmentierung in Ost und West. Es ist die gekürzte Fassung eines Aufsatzes, der in dem Buch "Umverteilen" im Bund-Verlag (Herausgeber: Rudolf Hickel, Ernst-Ulrich Huster, Heribert Kohl) erschienen ist.
NIDDATAL. Ein Seminar für orientalischen Bauchtanz für Frauen mit Vorkenntnissen findet am Sonntag, 24. Januar, von 12 bis 17 Uhr im Praxisstudio Wickstadt statt. Auf dem Programm stehen Schrittkombinationen im Baladi- Rhythmus und ein Lichtertanz. Gläser mit Teelichtern sind mitzubringen.
Anmeldungen bei der Seminarleiterin Gisela Rosing bei ZEGAM Wickstadt, Telefonnummer 0 60 34 / 32 00. hm
JERUSALEM. Der Philosoph Jeshaja Leibowitz ist "für sein Lebenswerk und sein spezielles Verdienst um Staat und Gesellschaft" mit dem höchsten Preis des israelischen Staates, dem Israelpreis, ausgezeichnet worden. Die Jury würdigte zudem "sein originelles Denken" uns seinen "Standpunkt als Kritiker der israelischen Gesellschaft". Leibowitz, der in Jerusalem lebt und in diesem Jahr 90 wird, ist umstritten; vor allem sein Aufruf an die Soldaten Israels, den Waffendienst in den besetzten Gebieten zu verweigern, wurde stark kritisiert.
Leibowitz wurde 1903 in Riga geboren, studierte in Berlin Chemie und Medizin und promovierte mehrfach. Den Doktor der Medizin erhielt er als einer der letzten Juden in Deutschland 1934, bevor das Naziregime dies unmöglich machte. Seit 1935 lehrt Leibowitz an der Hebräischen Universität Jerusalem Chemie, Medizin, Psychologie und seit 1973 auch Philosophie. Nur wenige seiner zahlreichen Werke liegen in Deutsch vor, darunter (1990) sein Spätwerk "Gespräche über Gott und die Welt". epd
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Filmspiegel Bad Homburg. Kaskade-Kino: Kevin allein in New York (15 Uhr); Bodyguard (17.15 und 20 Uhr).
Panda-Kino: Bodyguard (15, 17.15 und 20 Uhr).
Kino im Schwedenpfad (KiS): Stalingrad (17 und 20 Uhr).
Friedrichsdorf. Lichtspiele Köppern: Die Schöne und das Biest (16.00 Uhr); Deutschland bleiche Mutter (20.00 Uhr).
Neu-Anspach. Saalburg-Lichtspiele: Keine Vorstellung.
Oberursel. Stadthallen-Kino I: Bodyguard (15.30, 18 und 20.30 Uhr).
Stadthallen-Kino II: Kevin allein in New York (15.30, 18 und 20.30 Uhr).
Kronberg. Kronberger Lichtspiele: Bodyguard (20.15 Uhr).
Theater/Musik Bad Homburg. Kurkonzert mit dem Kurensemble, Konzerthalle im Kurpark, 15.30 bis 17 Uhr.
Königstein. Sonderkonzert mit dem Mandolinen-Club Falkenstein, KVB-Klinik, Vortragsraum, 19.30 Uhr. Ausstellungen Bad Homburg. Volkshochschule, Elisabethenstr. 4-8: Geologisches Zentrum Taunus-Wetterau, 9 bis 11 Uhr und 16 bis 18 Uhr.
Galerie im Stadthaus: "Das akustische Spiel" von Frank Leissring, 15 bis 18 Uhr.
VHS, Elisabethenstraße 4-8: "Wenn der Ton singt" - Leben und Kunsthandwerk der Pueblo-Indianer, 9 bis 12 und 15 bis 17 Uhr.
Königstein. Galerie im Haus Bender, Gerichtstr. 12: Farbradierungen von Günter Desch, 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr.
Stadtbücherei im Kurhaus Königstein: 2. Kinder-Kunst-Ausstellung zum Thema "Igelhans", 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr. Vorträge/Kurse Friedrichsdorf. Beginn des Kurses "Aktiv entspannen - Streß abbauen" des DRK, DRK-Heim Köppern, Friedberger Straße, 21 Uhr.
Usingen. Informationsveranstaltung zum "Berufsorientierungskurs mit EDV" für erwerbslose Frauen, Hattsteiner Allee 17, 15 Uhr. Parteien/Parlamente Königstein. Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses, Bürgerhaus Falkenstein, Kleiner Saal, 20 Uhr.
Steinbach. Sitzung des Bau- und Umweltausschusses, Sitzungszimmer des Rathauses, 18 Uhr. Beratung/Selbsthilfe Bad Homburg. Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Stadt Bad Homburg, Dorotheenstr. 47, 9 bis 12 Uhr und 13.30 bis 15.30 Uhr, Tel. 2 91 09.
Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Hochtaunuskreises, Schaberweg 7, 8 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Tel. 17 83 92- 3.
Sprechstunde für Aus- und Übersiedler, Hindenburgring 44, 9 bis 12 Uhr, Tel. 30 28 86.
Schuldnerberatung des Hochtaunuskreises, Landratsamt, Louisenstr. 86-90, 8 bis 12 Uhr und 14 bis 17.30 Uhr, Tel. 17 82 15.
Jugend- und Drogenberatung, Promenade 103, 9 bis 17 Uhr, Tel. 2 20 41.
Beratung des Mietervereins Bad Homburg und Umgebung, Schulberg 1, 18 bis 20 Uhr, nur nach Voranmeldung unter Tel. 4 72 73.
Schwimmen für Versehrte und Behinderte (auch Kinder), Seedammbad, 18.30 bis 21 Uhr.
Friedrichsdorf. Sprechstunde der Frauenbeauftragten, Rathaus, Zimmer 410, 14 bis 18 Uhr, Tel. 73 13 03.
Pro Familia, Dr.-Fuchs-Str. 5: Beratung 15 bis 18 Uhr, Tel. 0 61 72 / 7 49 51.
Rheuma-Liga: Ergotherapie in der Altentagesstätte Friedrich-Ludwig-Jahn-Str. 29a, 9.30 bis 10.30 Uhr.
Koronar-Sportverein: Training unter ärztlicher Aufsicht, Kreissporthalle am Bürgerhaus Köppern, 20 Uhr.
Umweltberatung im Rathaus, Zimmer 406, Tel. 0 61 72 / 73 13 00.
Oberursel. Elternberatung im Alten Hospital, 10 bis 12 Uhr, Tel. 50 24 58, sowie in Stierstadt, ehemaliges Rathaus, 14.30 bis 16.30, Tel. 7 34 02.
Sprechstunde der Behindertenbeauftragten, Rathaus, Zimmer 287, 8 bis 12 Uhr, Tel. 50 23 68.
Sprechstunde des Mieterschutzvereins Hochtaunus, Nassauer Str. 60, 16 bis 19 Uhr, Tel. 55 10 89.
Behindertenschwimmen im Hallenbad, 18 bis 19 Uhr.
Kronberg. Kath. Frauengemeinschaft Deutschlands: Hilfe für schwangere Frauen in Not, Tel. 7 87 17.
Königstein. Treffen der Anonymen Alkoholiker, Haus Amelung, Altkönigstr. 16, 19.30 Uhr. Vereine/Organisationen Bad Homburg. Spielkreis der Arbeiterwohlfahrt, Vereinsraum der Freiwilligen Feuerwehr Ober-Eschbach, 16 bis 17.30 Uhr.
VHS-Bücherbörse, VHS-Geschäftsstelle, 9 bis 12 und 15 bis 17.30 Uhr.
Freiwillige Feuerwehr Dornholzhausen: Jahreshaupt- und Mitgliederversammlung, Feuerwehrhaus, Valkenierstr. 19, 20 Uhr.
Gesprächsabend der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde zum Thema "Wirtschaft und Moral", Kirchgasse 3 a, Bad Homburg-Gonzenheim, 20 Uhr.
Friedrichsdorf. Familientreff in der Sozialstation, Dreieichstr. 22 a, 15 bis 17 Uhr.
Neu-Anspach. Treffen im Müttercafé "Schnaufpause", Konrad-Adenauer-Str. 2, 9.30 bis 11.30 Uhr. Seniorentreffs Bad Homburg. Altentagesstätte im DRK-Zentrum, Promenade 5: Handarbeiten und Spiele, 15 bis 17 Uhr.
Friedrichsdorf. Seniorenwerkstatt, Hugenottenstr. 24: Seidenmalen 10 bis 13 Uhr; Töpfern an der Scheibe ab 15 Uhr.
Vereinszentrum "Alte Schule", Am Placken: Schach, Skat, Rommé und Canasta, 14.30 bis 17 Uhr.
Seniorenkegeln in der Gaststätte "Stadt Berlin", Seulberg, 17.30 bis 19.30 Uhr.
Oberursel. Seniorentagesstätte, Hospitalstr. 9: Gemütliches Beisammensein, 15 Uhr.
Steinbach. Seniorentreff: Seniorentanz (Anfängerkurs) 10 Uhr; Tanz ab 15.30 Uhr.
Königstein. Altenbegegnungsstätte Kugelherrnstr. 6: Skat und Rommé 14 bis 17 Uhr. Kinder/Jugendliche Bad Homburg. "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig" - ein Film nach dem Buch von C. Nöstlinger für Kinder ab 8 Jahren, Jugendbücherei Ober-Erlenbach, 14 Uhr.
Friedrichsdorf. Jugenzentrum Köppern, Dreieichstr. 20 a, 16 bis 21 Uhr.
Steinbach. Jugendhaus: Offene Beratung, 14 bis 17 Uhr; Film-AG, 19 Uhr. Sonstiges Bad Homburg. Präsentation aller Fahrzeuge anläßlich der 61. Rallye Monte Calo, Kurhaus O und I-Ebene, 8 bis 14 Uhr.
Start der 61. Rallye Monte Carlo, Kurhausvorplatz, 18.07 Uhr.
Nein, es ist nicht Joschka Fischer, der den jüngsten Müllmißstand geißelt, sondern ein gewisser CDU-Abgeordneter in Bonn namens Steffen Kampeter. Ihn erzürnt das Fehlen der Grünen Punkte auf Zigarettenschachteln. Die Glimmstengel- Produzenten haben bisher keinen Pfennig zum Aufbau des privatwirtschaftlichen Abfallkonzepts unter dem Dach des Dualen Systems Deutschland (DSD) gelöhnt. Ein Skandal? Mitnichten.
Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen, die Streit mit dem Einzelhandel und der Grüne-Punkt-Firma scheuen und sich deshalb mit dem Dualen System arrangieren, legen die Zigaretten-Hersteller Ehrlichkeit an den Tag. Sie geben zu, daß ihre Verpackungen durch DSD derzeit noch nicht entsorgt, letztlich also nicht wiederverwertet werden können. Angeblich fallen die aus Papier, Aluminium und Folie bestehenden Gebinde in den Sortieranlagen durch den Rost, weil sie für eine Erfassung schlicht zu klein sind. Und an einer "Verbrauchertäuschung wollen wir nicht mitwirken", versichert der Verband der Cigarettenindustrie.
Das verdient Respekt. Warum sollen Kunden für den Grünen Punkt Geld hinlegen, wenn die durch das Emblem suggerierte Wiederverwertung für das Produkt nicht gewährleistet ist? DSD attestiert den Schachteln zwar die "Recyclingfähigkeit", muß jedoch einräumen, daß "kleine Einheiten" Probleme in den Sortieranlagen bereiten. Allerdings: Der Streit zwischen dem Dualen System und den Zigarettenfirmen wird sich bald in Luft auflösen. "Mit Hochdruck", heißt es beim Verband, werde an veränderten Schachteln mit nur noch zwei Materialien gearbeitet. Sind die Schwierigkeiten beim Umgang mit kleinen Verpackungen gelöst, wird auch diese Branche dann beim Grünen Punkt mitmachen. Herr Kampeter kann sich also getrost abregen.
Natürlich handeln derweil die Glimmstengel-Firmen nicht ohne Eigennutz. Zum einen würde der Grüne Punkt die "Lungenbrötchen" weiter verteuern, was nach den jüngsten Preiserhöhungen höchst unwillkommen, weil absatzhemmend wäre. Zudem wissen die Zigarettenhersteller um die Sensibilität ihres Produkts. Das Stichwort Gesundheitsschädlichkeit mag da genügen. Ein möglicher Müllskandal, wenn mit dem Grünen Punkt versehene Schachteln auf Deponien entdeckt würden, soll daher gar nicht erst riskiert werden. has
HEUTE . . .
. . . setzte sich der gewichtige Besucher auf das neue, zierliche Designerstühlchen. Er saß eine Stunde, dann ging er, und als er gegangen war, sagte der Mann zu seiner Frau: "Jetzt könne merr uns aach emal setze, Sieglinde! Er hält!"
. . . sagte der Mann: "Was maane Se, die hawwe merr heut nacht e Gans gestohle!" - "E Gans? Ei, des werd en Fuchs gewese sei!" - Im Läwe net! Des letzte Fichsje, des wo ich hier in de Gechend gesehe hab, des hatt' die Fraa Fleckenstaa um de Hals!"
. . . fragte der Mann die Verkäuferin: "Dhut der Allesklewer werklisch alles klewe?" - "Alles! Bombefest! Wann den die Leedi Di gehabt hätt, wär se noch mit ihrm Dschalli beisamme!"
KARBEN. Einen Blutspendetermin kündigt das Deutsche Rote Kreuz für Montag, 25. Januar, von 18 bis 21 Uhr in der Grundschule Klein-Karben an. Zum Blutspenden aufgerufen sind Männer und Frauen im Alter von 18 bis 65 Jahren. Die Spender/innen werden ärztlich untersucht und erhalten kostenlos einen Unfallhilfe- und Blutspendepaß.
Der Blutspendedienst Hessen des DRK versorgt 150 Krankenhäuser und benötigt bis zu 4600 Blutspenden in der Woche, um den Bedarf zu decken, der entsteht nach Verkehrs- und Betriebsunfällen, beim Sport und im Haushalt. hm
RODENBACH. Die Gemeindevertreter der Kommune Rodenbach kommen am Donnerstag, 21. Januar, 20 Uhr, in der Bürgerhalle in Niederrodenbach zu ihrer nächsten Parlamentssitzung zusammen.
Auf der Tagesordnung an diesem Abend stehen unter anderem Beratungen über private und kommunale Bauvorhaben.Ernst des Lebens beginnt: Anmeldung für Schule
SCHWALBACH. Allmählich wird es ernst für junge Schwalbacherinnen und Schwalbacher, die bis zum 1. Juli sechs Jahre alt werden. Ihre Eltern müssen sie für die Zeit nach den Sommerferien in der zuständigen Grundschule anmelden - die Kleinen sind schulpflichtig geworden.
Kinder, die zwischen dem 2. Juli und dem 1. Januar 1994 sechs Jahre alt werden, können, müssen aber nicht für die Schule angemeldet werden. Anmeldetermine bietet die Georg-Kerschensteiner-Schule am Ostring am Donnerstag, 11. Februar, zwischen 15 und 18 Uhr, am Freitag, 12. Februar, zwischen 8 und 12 Uhr und am Samstag, 13. Februar, von 10 bis 13 Uhr an.
Die Geschwister-Scholl-Schule an der Eschborner Straße bietet am Donnerstag, 11. Februar, von 8 bis 12 Uhr, am Freitag, 12. Februar, zwischen 8 und 12 Uhr und am Samstag, 13. Februar, von 10 bis 12 Uhr Anmeldetermine an.
Die Eltern sollen mit ihren Kindern gemeinsam in die Schule kommen und einen Paß oder Geburtsurkunde der Kleinen mitbringen. she
Wegen der anhaltenden Krankheit der Schauspielerin Judith Engel mußte das Programm des Januar-Spielplans des Schau- und Kammerspiels umgebaut werden. Am Donnerstag, 21. Januar, wird im Kammerspiel das Stück "Die Präsidentinnen" durch "Glückliche Tage" von Samuel Beckett ersetzt. Tags darauf steht "Tarelkins Tod oder der Vampir von St. Petersburg" für "Die Jungfrau von Orleans" auf dem Programm des Kammerspiels.
Am 23. und 24. Januar erzählt Bernhard Minetti "Märchen in Deutschland" (im Schauspiel). "Antigone" fällt an beiden Tagen aus. Die Voraufführung von Tankred Dorsts "Karlos" ersetzt am Mittwoch, 27. Januar, im Kammerspiel "Die Präsidentinnen".
Weitere Aufführungen von "Antigone" fallen am 29. und 30. Januar aus. Dafür bietet das Schauspiel am Freitag "Katarakt" von Reinald Goetz an. Am Samstag gibt es kein Ersatzprogramm. Im Nachtfoyer beginnt um 22.30 Uhr die szenische Collage "Wenn ich einmal der Herrgott wär . . . ". hu
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Dia-Vortrag zu Brasilien BAD HOMBURG. Einen Dia-Vortrag über eine Brasilien-Reise zeigt Gerhard Wolf am Mittwoch, 20. Januar, ab 19.30 Uhr bei der Ackermann-Gemeinde im Pfarrheim St. Marien, Dorotheenstraße 19. Wolf hat das Land zusammen mit der Kolpingfamilie bereist. Osteoporose-Gymnastik BAD HOMBURG. Gymnastik für Osteoporose-Patienten bietet das Deutsche Rote Kreuz vom 26. Januar bis 16. März jeweils dienstags von 14.30 bis 15.15 Uhr im Dornholzhäuser Alten- und Pflegeheim "Haus Louise" an. Versicherte von AOK, BEK und DAK erhalten die Kosten voll erstattet. Interessenten müssen sich unter Tel. 12 95 35 anmelden.
Ausschuß debattiert Brandholz HOCHTAUNUSKREIS. Über die Beschickung der Mülldeponie Brandholz sowie die Überprüfung der Planunterlagen zur mißlungenen Deponiegas-Nutzung berät der Umweltausschuß des Kreistages auf Antrag von Grünen und SPD am Mittwoch, 27. Januar, ab 18 Uhr im großen Sitzungssaal des Landratsamtes.
"Macht zuviel Information dumm?" BAD HOMBURG. "Macht zuviel Information dumm?" fragen sich die Teilnehmer des Diskussionsvormittags in der Volkshochschule am Mittwoch, 27. Januar, ab 10 Uhr. Ausschuß berät Partywagen HOCHTAUNUSKREIS. Über einen Partywagen für die Taunusbahn diskutiert der Bau-, Planungs- und Verkehrsausschuß des Kreistags am Donnerstag, 28. Januar, ab 18 Uhr in der Cafeteria des Bad Homburger Kreiskrankenhauses. Ernstere Themen sind das geplante Parkhaus an der A 5, die Reorganisation des öffentlichen Nahverkehrs im Kreis und die Ausschreibung von Aufträgen und anderen Veröffentlichungen des Kreises.
LANGENSELBOLD. Der Langenselbolder Gesamtschullehrer Franz Fink hat unter dem Titel "Propellerfaszination" einen Bildband veröffentlicht, der die Zeit der klassischen Luftfahrt vor dem Düsenantrieb dokumentiert.
Seit 1984 hat Fink auf den europäischen Flughäfen seltenen Propellermaschinen nachgespürt, die sich in seinem Buch auf über 90 brillanten Farbfotos wiederfinden.
Darunter so Luftfahrtseltenheiten wie Vickers Viscount, Douglas DC 3 und Anatow An 2.
In drei Kapiteln dokumentiert Fink die Historie der alten Propellerflieger und ihre technischen Daten.
Ein Buch für Luftfahrtfans, nachdem man auf dem deutschen Buchmarkt, so der Linsengerichter Verleger Michael Kroeber, bislang vergebens suchte.
Ein Bildband, "bei dessen Betrachtung man glaubt, das sonore Brummen der Sternmotoren zu hören".
Eine Fortsetzung des deutsch- und englischsprachigen Werkes hat Franz Fink bereits in Vorbereitung, wird weiter mitgeteilt.
Zu kaufen ist der Bildband im Luftfahrt-Fachhandel, im Handel oder beim Direktversand für den Betrag von 39,40 Mark. alu
Streit über Bebauung des Binnendünen-Biotops "Waldwiese" gleicht einer unendlichen Geschichte Naturschützer will sich
Bagger in den Weg stellen Konflikt, wenn Erdgasanschlüsse verlegt werden Von Joachim Haas-Feldmann HANAU. Der Streit darüber, ob das für Südwestdeutschland einmalige Binnendünen-Biotop "Waldwiese" in Großauheim bebaut wird, gleicht einer unendlichen Geschichte. Und die erfährt momentan eine neue Episode: Auf der einen Seite läßt Stadtbaurat Jürgen Dressler an einem Umlegungsplan arbeiten, damit die Eigentümer zu ihrem Recht kommen, wie es der Bebauungsplan begründet. Andererseits kämpfen Naturschützer mit dem Hanauer Naturschutzbeiratsvorsitzenden Rolf Neidhardt an der Spitze mit neuen Mitteln, Wohnhäuser auf der Wiese zwischen Bahnlinie und Schnellstraße zu verhindern. Daß womöglich in den nächsten Monaten vollendete Tatsache zu erwarten sind, ahnt Neidhardt: "Der Konflikt steht ins Haus, wenn die ersten Erdgasanschlüsse verlegt werden sollen." Für die ersten Erschließungsarbeiten muß die Untere Naturschutzbehörde den Eingriff genehmigen und bedarf dazu der Zustimmung des Beirats. Der aber, so Neidhardt, werde sich querlegen. Er selbst kündigte an, sich dem ersten Bagger in den Weg zu stellen.
Eine weitere juristische Handhabe sieht Neidhardt darin, in Hessen endlich den Paragraphen 20c des Bundesnaturschutzgesetzes umzusetzen, der Binnendünen-Biotope vorm Zerstören bewahren soll (siehe dazu auch Hessen-Seite). Die zuständigen Ministeriumssprecherin Constanze Rauert meinte, das gehöre zum "Novellierungspaket" fürs Landesnaturschutzgesetz, aber womöglich stelle der Bund den Naturschutz "zur Disposition" mit dem Investitionserleichterungs- und Wohnbaulandgesetz.
Den Bebauungsplan für die "Waldwiese" hält sie für rechtskräftig, weil er nicht beklagt worden sei. Zudem könne ein Landesministerium nicht in die Planungshoheit einer Kommune eingreifen. Deren Stadtbaurat läßt für den längst fälligen Umlegungsplan derzeit nicht nur die Kosten für Erschließungsstraßen, Lärmschutzwände, Versorgungsleitungen ermitteln, die Bauwillige für jeden Quadratmeter auf der "Waldwiese" zu zahlen haben. Vielmehr gehören auch die Ersatzzahlungen dazu, die für den Natureingriff aufzubringen sind. In Bürgergesprächen vor Weihnachten habe sich gezeigt, so Dressler, "daß die meisten nicht wußten, welche Kosten noch auf sie zukommen". Der Stadtbaurat geht von insgesamt 300 Mark pro Quadratmeter aus, schätzt er vorsichtig.
Ließen Grundstückseigentümer ihre Bauabsicht fallen und würden entschädigt, rechnet er mit höchstens 20 Mark pro Quadratmeter, weil es sich um Wiesengelände handele. Neidhardt dagegen will sich beim hessischen Naturschutzminister dafür einsetzen, daß aus den Ausgleichsmitteln für Natureingriffe 177,50 Mark pro Quadratmeter gezahlt würden. Diesen Preis hatte die Baulandkammer 1991 festgelegt, als sich Stadt und Grundstückseigentümer um den Umlegungsbeitrag stritten. Etwa die Hälfte der umstrittenen sechs Hektar Fläche gehören der Stadt, ein Sechstel einer katholischen Kirchengemeinde in Großauheim und der Rest Privatbesitzern.
Die Baulandkammer hatte einen Umlegungsplan bis Ende 1992 angeraten. Daher werfen die "Waldwiesen"-Eigentümer dem Stadtbaurat vor, das Verwaltungsverfahren absichtlich zu verzögern. Dressler hatte dem Ortsbeirat Großauheim gegenüber Ende 1992 argumentiert, wegen der großen Anfrage nach Familienheimgrundstücken auf der "Waldwiese" brauche das Rathaus noch Zeit. Dagegen hat Neidhardt den Eindruck, daß die Zahl der wirklich Bauwilligen auf ein Minimum geschrumpft sei. Aus einer Hoffnung der Bebauungsgegner wird wohl nichts: Hatten sie auf das Ausweisen der "Waldwiese" als Naturschutzgebiet im Entwurf für den neuen Regionalen Raumordnungsplan Südhessen gesetzt, ist diese Vorlage laut Regierungspräsidium (RP) Darmstadt überholt. Die Regionale Planungsversammlung habe als Grundlage für ihren Entscheid die "Waldwiese" als Siedlungsfläche anzusehen, sagte Sprecher Dieter Ohl. (Siehe untenstehenden Kasten).
BORNHEIM. Unter den Außenseitern des Hollywood-Kinos gehört er sicher zu den schrägsten Figuren: John Turturro. Nach Jahren, in denen künstlich auf "street credibility" gestylte Gesichter wie die von Sam Shepard und Mickey Rourke die Außenseiterrollen des US-amerikanischen Mainstream-Kinos gepachtet hatten, stellt Turturro eine erfrischende Abwechslung dar.
Seine Charaktere sind kantig und weich zugleich, er kann unangenehm ruppig werden, aber auch anrührend zärtlich - kurz: Turturro ist unberechenbar. In Tony Bills "Five Corners" und im preisgekrönten "Barton Fink" (unter der Regie der Coen-Brüder) spielte er den Rest der Darsteller zumeist an die Wand. In seinem neuesten Film "Mac" knüpft er Eine Nacht mit Wesley an diese Rollen an, schrieb außerdem auch das Drehbuch und inszenierte selbst. Jetzt wird der Film im "Ber- ger Kino" (Berger Straße 177) aufge- führt; Start ist voraussichtlich der 4. Februar.
Außerdem im neuen Monatsprogramm des "Berger": "White Men Can't Jump" - deutscher Titel: "Weiße Jungs bringen's nicht", der am heutigen Donnerstag, 21. Februar anläuft. Ron Sheltons Film nimmt ein ur-amerikanisches Thema zum Ausgangspunkt: Basketball. Kein ritueller Sportfilm allerdings (wie die unsäglichen Baseball-Filme der vergangenen Jahre), sondern eine Geschichte über eine schwarz-weiße Partnerschaft. Im Zentrum steht ein gemischtes Basketball- Doppel, das über Straßen-Turniere den großen Erfolg sucht.
Den schwarzen Part des dynamischen Duos in "White Men Can't Jump" spielt Wesley Snipes. Ihm wird das "Berger" im Februar auch eine "Lange Nacht" mit drei Filmen des Schauspielers widmen: Am Freitag, 29. Januar, und Samstag, 30. Januar, laufen außer "White Men Can't Jump" noch der Spike-Lee-Film "Jungle Fever" und Mario van Peebles' "New Jack City".
Als weitere Erstaufführung kündigt das Kino die aufwendige Hollywood- Produktion "Sneakers - die Lautlosen" an. Regisseur Phil Alden Robinson ("Feld der Träume") verfügte bei seiner Krimikomödie über ein eindrucksvolles Star- Aufgebot. Die Bande von Hi-Tech-Freaks, die jede Alarmanlage knacken und jeden Code hacken können, ist mit Dan Aykroyd, River Phoenix, Ben Kingsley, Sidney Poitier und Robert Redford besetzt. Der Film läuft am Donnerstag, 28. Januar, an.
Weitere Filme im Februar: Leo Carax' "Die Liebenden von Pont-Neuf" mit Juliette Binoche; "The Big Blue - Im Rausch der Tiefe", Luc Bessons Unterwasser-Abenteuer, sowie eine "Lange Frauen-Nacht" am 19. und 20. Februar mit "Pretty Woman", "Thelma & Louise" und "Basic Instinct". two
FRANKFURT A. M. Was macht aus Soldaten Bestien, die Köpfe zertreten können, Frauen und Kinder als Zielscheiben benutzen, zu Tode foltern? Wie verändert sich ein Mensch als Rädchen in einer Militärmaschine, in der er nur noch Befehlsempfänger ist, verantwortlich lediglich für die perfekte Umsetzung von Anordnungen? Was geschieht, wenn einer, der Befehle geben darf, jedes Maß verliert und Verbrechen befiehlt? Nicht gerade unbekannte Fragen in einer Zeit, in der in Bosnien eine marodierende Soldateska den 30jährigen Krieg mit den Mitteln moderner Waffenarsenale nachzustellen scheint und in der bei uns in Mauerschützenprozessen die Berufung auf einen "Befehlsnotstand" wieder salonfähig wird. Als könne ein Befehl einen Menschen jemals von der Verantwortung für sein Tun befreien, die schicke Uniform jemals eine Lizenz zum Töten sein.
Diese Fragen wirft Rob Reiners Film "Eine Frage der Ehre" auf. Einmal zieht darin eine Nebenfigur sogar den Bogen über das Massaker an einer Dorfbevölkerung in My Lai/Vietnam und den Prozeß gegen den verantwortlichen Offizier bis hin zu den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen.
Es geht um einen Totschlag, den zwei Soldaten der US-Elitetruppe der Marineinfantristen auf dem vorgeschobenen kubanischen Stützpunkt in Guantanamo begangen haben - auf einen Befehl ihres Lieutenant, nach einem ungeschriebenen Ehrenkodex, dem "Code Red". Die beiden Soldaten sollen pro forma bestraft werden, der Fall keine Schlagzeilen verursachen. Es soll alles schnell gehen. Deswegen beauftragt man den besonders gerissenen Navy-Junganwalt Kaffee (Tom Cruise) mit der Verteidigung. Der hat nämlich noch nie einen Gerichtssaal von innen gesehen, so tüchtig ist er, wenn es sich um die im amerikanischen Justizsystem üblichen Vorabsprachen und juristischen Deals geht.
Kaffee sieht den Fall so, wie alle seine Fälle zuvor: als einen Kampf zwischen zwei Gebrauchtwagenhändlern: der geschicktere gewinnt. Aber die junge Anwältin JoAnne (Demi Moore) überzeugt ihn, daß er an die Vorgesetzten der beiden Täter heran muß. In einem dramatischen Finale gelingt es ihm, Colonel Jessep, den Oberbefehlshaber der Marines in Guantanamo, zu Fall zu bringen: Jack Nicholson zelebriert wieder einmal die arrogante Edelbestie, diesmal mit ordensgeschmückter Brust. Tom Cruise schwitzt mächtig angesichts dieses selbstgefälligen militaristischen Urviechs, dem die Welt ein ewiger Krieg gegen das Reich des Bösen ist, in dem natürlich alles erlaubt ist, fraglos auch ungesetzliche Strafmaßnehmen nach dem "Code Red" gegen den Schwächling der Kompanie.
Daß Rob Reiners Gerichtsfilm nach einem erfolgreichen Theaterstück von Aaron Sorkin nie die Brillanz der Klassiker des Genres wie "Die zwölf Geschworenen" von Sidney Lumet und "Anatomie eines Mordes" von Otto Preminger erreicht, liegt vor allem an der mangelnden Radikalität in der Analyse des Falles. Der Kadavergehorsam der Angeklagten bringt ihnen sogar noch den Freispruch von der Mordanklage. Sie werden - nur - unehrenhaft aus der Armee entlassen, und einer von ihnen salutiert noch beim Verlassen des Gerichtssaales vor der modernen Militärdoktrin des gezähmten Gehorsams, die Tom Cruise als Offizier der Yuppie-Generation vertritt.
Alle tun in schmucken Uniformen ihre patriotische Pflicht. Das ist eine Frage der Ehre. Die moralische Integrität der Militärmaschine ist wieder einmal gerettet. Als hätte Klaus Theweleit niemals gefährliche "Männerphantasien" in soldatischen "Tugenden" entdeckt und die militärische Aristokratie alter und neuer Herrenmenschen in den Militärapparaten dieser Welt jemals abgedankt. (Cinema, Elysee 2) JOSEF SCHNELLE
BRUCHKÖBEL. Landrat Karl Eyerkaufer hat mit großem Abstand das Rennen gewonnen - zwar noch nicht das um den Einzug ins Hanauer Landratsamt nach dem 9. Mai. Aber immerhin das Prominenten-Schubkarrenrennen, zu dem die Kerb-Veranstalter gestern nach Bruchköbel-Roßdorf neben dem Main-Kinzig-Landrat und ehemaligen Spitzen-Leichtathleten den Chef der Kreisbehörde aus dem Kreis Genthin in Sachsen-Anhalt, Heinz Bautisch, sowie den Bruchköbeler Bürgermeister Helmut Irmen an den Start gebeten hatten. Der Bruchköbeler Verwaltungschef und begeisterte Fußballer hatte schließlich das Nachsehen. Er landete noch hinter Bautisch - das sächsische Roßdorf ist dem Bruchköbeler Stadtteil partnerschaftlich verbunden -, heftig nach Luft ringend, auf dem letzten Platz.
Das Roßdorfer Schubkarrenrennen, inzwischen zum 66. Male ausgetragen und im Jahre 1927 aus einer Bierlaune heraus entstanden - lockte auch in diesem Jahr wieder Hunderte von Besuchern nach Roßdorf. Für dieses Jahr hatten sich die Schubkarrenfreunde mit Klaus Werner an der Spitze, die sich inzwischen als richtiger Verein eingetragen haben, mächtig ins Zeug gelegt und endlich neue Schubkarren bauen lassen.
Die neuen sind schmaler und etwas leichter. Gebaut wurden sie von dem 80jährigen Heinrich Dürmer aus Erlensee, der einzige Wagner im Main- Kinzig-Kreis, der sein Handwerk noch ausübt.
50 bis 60 Teilnehmer hatten sich zuvor im Vereinslokal, der Gaststätte "Zum Löwen", in die Starterlisten eintragen lassen, darunter auch Läufer aus der Partnergemeinde aus der Ex- DDR. Gelungene Einlagen gaben die Kindergarten-Kinder, aber auch die Senioren zeigten Flagge und liefen mit. Zumindest eine ältere Dame kam am Ziel an und verriet den Journalisten: "Die Männer waren zu feige."
Schnellster im "Rennen der Besten" war schließlich Michael Gerlach aus Erlensee. Mit 59,11 Sekunden auf dem 400-Meter-Parcours lief er eine der besten Zeiten in der langen Geschichte des Schubkarrenrennens. Bester einheimischer Verein waren die Roßdorfer Fußballer. are
FRANKFURT A. M., 18. Januar. Die Planungen des geschäftsführenden Bundesvorstands des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), die Mittelzuteilungen für die Bereiche Frauen, Beamte, Angestellte, Handwerk, Jugend und berufliche Bildung zu verändern, hat in den DGB-Landesbezirken Besorgnis ausgelöst. War es bislang so, daß zu Beginn eines Jahres die Personengruppen und Sparten die Mittel aus der Düsseldorfer Zentrale getrennt zugewiesen bekamen, so sollen diese nun in einen Pool fließen. Aus diesem zentralen Topf soll das Geld dann schwerpunktmäßig verteilt werden. Kritiker des Konzeptes fürchten, daß so gewachsene Gewerkschaftsstrukturen in Kreisen zerschlagen werden, denen kein Geld zur Verfügung gestellt wird.
Zwar seien die Geldmittel in den vergangenen Jahren immer weniger geworden, dennoch hätten zum Beispiel die örtlichen DGB-Kreise "was tun" können - und sei es nur ein Tageslehrgang, sagte die hessische DGB-Frauensekretärin Marita Eilrich der FR. Besonders Frauen fürchten nun um "fatale" Folgen der "Steuerungs-Mittelverteilung" (DGB- Pressestelle) - und um die Zukunft der DGB-Offensive "Frau geht vor".
Nach Auskunft der DGB-Pressestelle soll "Frau geht vor" ein Schwerpunkt künftiger Planungen bleiben. Weitere Schwerpunkte festzusetzen und die Kriterien für die Förderung auszuarbeiten, bleibe einer Arbeitsgruppe vorbehalten, die noch gebildet werden müsse, berichtete DGB-Sprecherin Sabine Nehls. Sie dementierte, daß es bundesweit künftig nur 20 Schwerpunkt-Kreise geben solle. Diese Zahl "geistert durch die Gegend", sei aber falsch. Sie bestätigte, daß die Etat-Vorstellungen "Unruhe" ausgelöst hätten. Auch die Beamten hätten Protest angemeldet. Nehls verwies aber darauf, daß der Etat noch vom DGB-Bundesvorstand und dem Bundesausschuß akzeptiert werden müsse. Auch sei nicht geplant, die Mittel ausschließlich in die Schwerpunkt-Kreise zu lenken.
Auf dem Platz der Republik haben drei Männer einen 19jährigen Passanten überfallen. Das Trio schlug gegen 1 Uhr auf das Opfer ein und nahm ihm 60 Mark ab. Der Überfallene konnte der Polizei den Hinweis geben, die Räuber seien in einem Renault geflüchtet. Im Verlauf der Fahndung sichtete eine Zivilstreife des Sonderkommandos Nord das Fahrzeug auf der Kreuzung Miquelallee/ Eschersheimer Landstraße. Wenig später holte die Polizei drei Männer aus dem Auto.
Sie trugen eine Schreckschußpistole und einen Spielzeugrevolver bei sich, mit denen sie den 19jährigen bei dem Überfall bedroht hatten. Die drei - im Alter zwischen 21 und 41 Jahren - waren bei der Polizei wegen unterschiedlicher Ermittlungen, darunter auch Rauschgiftverfahren, bereits aktenkundig. habe
Kleine Lokalrundschau
Heute: Senioren besuchen Bücherei RÖDERMARK. Senioren, die sich für die neue Bücherei in Ober-Roden, Trinkbrunnenstraße, interessieren, können heute, 20. Januar, an einer Führung teilnehmen; Treffpunkt 15 Uhr, Caféteria. Anmeldung erforderlich: Telefon 91 12 53. Wie gehen Menschen miteinander um? RÖDERMARK. Der Umgang der Menschen untereinander ist das Thema einer Diskussion am Mittwoch, 27. Januar, in der Rodgauschule, Kapellenstraße. Anlaß der Veranstaltung ist ein Projekttag zum Thema Ursachen und Auswirkungen von Gewalt, mit dem sich die Schüler/innen an diesem Tag auseinandersetzen. Beginn der Diskussion ist um 18 Uhr. "Ich esse meine Suppe nicht" RÖDERMARK. Wenn Kinder sich trotzig zeigen, haben Eltern es oft schwer. Wie mit dem Trotz der Kleinen besser umgegangen werden kann, darüber spricht am Mittwoch, 27. Januar, Diplom- Psychologe Georg Sonntag-Löw im Evangelischen Gemeindehaus, Rathenaustraße 1, Ober-Roden; Beginn 20 Uhr. Wahlprogramm der Kreis-Grünen HAINBURG. Frank Kaufmann, Erster Kreisbeigeordneter der Grünen, ist am Donnerstag, 21. Januar, zu Gast bei einer Veranstaltung der Hainburger Grünen im Kolleg des Hessischen Hofs, Hauptstraße 56, in Hainstadt.
Thema Erziehung DIETZENBACH. "Typisch männlich - typisch weiblich" lautet das Motto eines Kurses, der am Donnerstag, 21. Januar, 20 Uhr, in der Familienbildungsstätte an der Wiesenstraße beginnt. Computerkurs für Frauen DIETZENBACH. Barbara Wagner und Monika Prechtel leiten einen neuen Computerkurs für Frauen. Die Familienbildungsstätte weist auf den ersten Termin hin: Freitag, 22. Januar, 17 Uhr, im Kollegraum des Bürgerhauses. Familiennachmittag RÖDERMARK. Zu einem Familiennachmittag lädt die SPD Bürger/innen am Sonntag, 24. Januar, ins KSV-Heim nach Urberach ein. Beginn ist um 15 Uhr. Peter Walter zu Gast in Dietzenbach DIETZENBACH. Der CDU-Landratskandidat Peter Walter ist am Donnerstag, 21. Januar, 19.30 Uhr, im Bürgerhaus zu Gast. Er will sich den örtlichen Unionsleuten vorstellen. Am Montag, 15. Februar, 20 Uhr, kommt er in den "Wienerwald" - nicht um Brathendl zu essen, sondern um mit der CDU zu diskutieren. Motorsportclub trifft sich HAINBURG. Der Motorsportclub Klein-Krotzenburg trifft sich am Sonntag, 24. Januar, 14 Uhr, im Vereinsheim zu seiner Jahreshauptversammlung.
SCHWALBACH. "Vorsicht Kunst" - unter diesem Motto stellen sechs Künstlerinnen und Künstler vom Samstag, 13. Februar, an im Rathaus-Pavillon aus. Die Verkaufsausstellung, die die Kunsthandlung Pfeifer gemeinsam mit dem Schwalbacher Maler Thomas Laszlo Zahoczky organisierte, wird Aquarelle, Zeichnungen, Ölbilder und Skulpturen umfassen. Neben Künstlern aus Deutschland stellen auch zwei Hawaianer aus. Zur Eröffnung um 17 Uhr spricht Christel M. Karesch.
Die Werke sind bis zum Sonntag, 28. Februar, zu sehen. Wochentags von 11 bis 13 und zwischen 15 und 19 Uhr, samstags von 12 bis 13 und 15 bis 18 Uhr und sonntags zwischen 15 und 18 Uhr. she
QUITO, 19. Januar (epd/ips). In Ecuador soll eine von den Inkas Ende des 15. Jahrhunderts gebaute Straße jetzt als Touristenattraktion instandgesetzt werden. In Zusammenarbeit mit Indianerorganisationen sollen Ingenieure am 31. Januar zunächst mit der Restaurierung eines zehn Kilometer langen Straßenstücks nahe der Hauptstadt beginnen, teilte Projektleiter Pedro Santamaria jetzt in Quito mit. Die aus Steinen und Erde gebaute, insgesamt 5400 Kilometer lange Straße führte von Popayan im Süden Kolumbiens durch das gesamte Inka-Reich und über die Anden bis nach Tucuman in Nord-Argentinien. Das 700 Kilometer lange Teilstück in Ecuador, das nun restauriert werden soll, ist 400 Kilometer kürzer als die heutige Hauptverkehrsader, die "Panamericana".
Nach den Worten Santamarias ist die ein bis vier Meter breite Inka-Straße die bedeutendste Ingenieurleistung im vorkolonialen Amerika. Weder Erdbeben noch Vulkanausbrüche hätten dem in einer geologisch stabilen Zone errichteten Bauwerk über die Jahrhunderte etwas anhaben können. Die meisten Schäden seien durch die Ausbreitung der Städte und Dörfer Ecuadors entstanden. Aufgrund ihrer strategischen Bedeutung hätten sowohl die spanischen Eroberer als auch der lateinamerikanische Befreiungsheld des 19. Jahrhunderts, Simon Bolivar, die Straße benutzt, um ihren militärischen Einfluß in der Region auszuweiten.
Die fast schnurgerade und zu Dränagezwecken mit Wasserkanälen versehene Straße sei unter den Inkas Militärführern, Verwaltungsbeamten, Medizinmännern und Boten vorbehalten gewesen, berichtete der US-amerikanische Anthropologe Frank Salomon. In Abständen von fünf Kilometern hätten sich Raststätten befunden, an denen sich die Reisenden mit Nahrungsmitteln, Wasser und Kokablättern gegen die Müdigkeit eindecken konnten. Das Netz der kleineren Pfade, die von der Inka-Straße in die Küsten- und Urwaldregionen führten, soll nach Schätzungen von Experten rund 40 000 Kilometer umfaßt haben.
Indios fordern Rückzug der Goldgräber BRASILIA (KNA). Die sofortige Abgrenzung der indianischen Gebiete in Brasilien und den Rückzug der 8000 Goldgräber und Holzhändler, die ungehindert und illegal in das Indianerland vordringen, haben rund 350 Vertreter vom Volk der Yanomami, Makuxi, Taurepang, Wai-Wai, Wapixana und Ingariko gefordert. Wie der katholische Indianermissionsrat (CIMI) am Montag in Brasilia berichtete, haben sich die im Bundesstaat Roraima beheimateten Ureinwohner vergangene Woche zu ihrer 22. Generalversammlung zusammengefunden.
BRASILIA (AFP). In Brasilia hat eine Richterin am Montag den Abzug sämtlicher Abholzungsfirmen aus den Indianerreservaten im südbrasilianischen Amazonasgebiet angeordnet. Auf Beschluß der Richterin, Silene de Almeida, müssen die Firmen innerhalb von zehn Tagen ihre Niederlassungen in den Reservaten Arawete, Apyterewa und Trincheira Bacaja im Bundesstaat Para auflösen und ihr gesamtes Material und alle ihre Beschäftigten abziehen.
Für jeden Tag Verspätung müssen die Unternehmen, die in dem insgesamt 3 620 000 Hektar umfassenden Gebiet Straßen zur Abholzung von Mahagoni angelegt haben, ein Strafgeld von umgerechnet etwa 1150 Mark bezahlen.
Die Nationale Indianerstiftung (FUNAI) hat nach dem Urteil der Richterin ihrerseits zehn Tage, um dort, wo die Straßen in die Reservate münden, Kontrollposten einzurichten. Diese sollen den Zugang von unberechtigten Fahrzeugen und Personen in die Indianerreservate verhindern. Die Zahl der hauptsächlich vom Fischfang und von der Jagd lebenden Arawete-Indianer beträgt nach Angaben des Ökumenischen Dokumentations- und Informationszentrums (CEDI) 205, die der in Apyterewa lebnden Parakanan-Indianer 156. Sie gehören zu den Ureinwohnern Brasiliens, die am wenigsten Kontakt zur Außenwelt unterhalten.
Der zweitletzte Spieltag in der Bowling-Bundesliga wurde zum schwarzen Wochenende für die meisten Hessenvereine. So kamen die bei den Frauen vorn rangierenden Teams Nordwest und BV 77 in Stuttgart nur auf 6:12 bzw. 8:10 Punkte. Den mit 54:36 bzw. 52:38 Punkten führenden Frankfurterinnen rückte der Vorjahresmeister NSF Berlin mit 50:40 Punkten erheblich näher. Pech hatte Nordwest durch eine Erkrankung ihrer Spitzenspielerin Christa Mergert. Aber auch beim BV 77 befanden sich die Nationalspielerinnen Manuela Herre und Martina Beckel nicht in bester Verfassung.
Bei den Männern rutschte der BC 67 Hanau mit nur 6:12 Tagespunkten vom zweiten auf den dritten Platz ab. I-Bahn 34 Frankfurt liegt trotz 10:8 Tagespunkten und zweitbester Mannschaftsleistung auf dem zweitletzten Platz.
In der zweiten Bundesliga, die in Mainz spielte, verteidigte Inter Frankfurt bei den Männern den zweiten Rang hinter Ludwigshafen, hat allerdings drei Punkte weniger. Condor Steinheim konnte sich auf Rang 6 verbessern und hat gute Aussichten auf den Klassenerhalt. Die Hoffnungen der Frankfurter Frauenteams erfüllten sich nicht. Die mit Aufstiegswünschen gestartete FTG ist nur Fünfter mit 16 Punkten Abstand zu der führenden Crew von Leu Nürnberg und darf ebenso wie Inter als Sechster nur mit einem Mittelplatz rechnen. Schwer wird es für den FSV Frankfurt, der als Achter noch Punkte gegen den Abstieg braucht. bm
GLAUBURG. Einer der schnellsten Jagdfalken der Welt ist tot. Erschossen mit einer Schrotflinte. Sein Besitzer, Falkner Dieter Schiele, hat den bislang nicht geschnappten Schützen angezeigt. "Ich habe Informationen, wer es gewesen sein könnte", sagt er, will aber die Ermittlungen der Polizei abwarten. Der Schütze hat nach Schieles Auffassung gegen Arten- und Naturschutz verstoßen. Wird der Täter dingfest gemacht, hofft der Falkner, wenigstens den Anschaffungspreis ersetzt zu bekommen. "Den ideellen Wert kann sowieso niemand ersetzen." Der tote Hybrid-Jagdfalke "Leif" war einer von nur acht Zuchtgreifvögeln seiner Art weltweit, erklärt Schiele. Mit 300 bis 350 Stundenkilometern Geschwindigkeit konnte er zur Erde zurücksausen. Von seinem letzten Übungsflug kehrte "Leif" jedoch nicht nach Gut Leustadt zurück. Das Tier geriet in den Bereich der Angliederungsfläche des gemeinschaftlichen Jagdbezirkes Ober-Mockstadt im Leustädter Wald. Erst am nächsten Abend gelang es Schiele, seinen Falken, der einen Sender am Bein trug, zu orten. Er lag, von einer Ladung Schrot zerfetzt, unter der Erde: Jemand hatte den Kadaver 20 Zentimeter tief verscharrt.
Schiele glaubt nicht, daß der Schütze dem Vogel aufgelauert hat, um ihn zu töten. "Der hat wahrscheinlich erst hinterher gemerkt, daß er einen Fehler gemacht hat und daß das böse enden kann." Auf alle Fälle aber müsse der Person am Abzug klargewesen sein, daß sie auf einen Greifvogel ziele. "Eine Verwechslung ist ausgeschlossen." Greifvögel aber seien grundsätzlich geschützt. mk
KARBEN. Der Ortsbeirat Klein-Karben tagt am Donnerstag, 21. Januar, um 20 Uhr im Kolleg der Gaststätte "Ludwigshöhe".
Auf der Tagesordnung stehen Beratungen über die neue Verkehrsregelung im Bereich Uhlandstraße und Im Breul, die nunmehr vom Magistrat vorgeschlagen wird, sowie der Rückblick auf die 800- Jahrfeier.
Es wird über Schreiben von Bürgern an den Ortsbeirat gesprochen sowie über die neuen Containerstandorte und das neue Entsorgungssystem, und schließlich hat der Bürger das Wort.
Abschließend will Ortsvorsteher Hans Speidel einen Rückblick über die Arbeit während der vierjährigen Wahlperiode des Ortsbeirats geben. hm
Aus Protest gegen die immer schlechter gewordenen Arbeitsbedingungen bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft ist Ende vergangener Woche die Personalvertretung, der fünfköpfige Staatsanwaltsrat zurückgetreten. Vergeblich, so Staatsanwalt Klaus Honnecker, einer der fünf Mitglieder des Gremiums, hätten sie als Personalvertreter im alten Jahr versucht, angesichts wachsender Aktenberge und zum Teil geschlossener Geschäftstellen mit Hessens Justizministerin Christine Hohmann-Dennhardt (SPD) ein Gespräch über die Mißstände zu bekommen. Sie habe lediglich eine Unterredung mit ihrem Staatssekretär Dieter Schmidt angeboten. Den Anklagevertretern war dies nicht ausreichend, "da Herr Schmidt ja nicht am Kabinettstisch in Wiesbaden sitzt". In einer fünfseitigen internen Hausmitteilung wurden am vergangenen Freitag die mehr als 100 Anklagevertreter von dem Schritt unterrichtet. Wie Honecker jetzt sagte, wurde das Schreiben so lang, weil die Situation "jetzt so schlimm wie noch nie war".
Die Arbeitsbelastung der Staatsanwälte, des Geschäftsstellenpersonals und des Schreibdienstes sei in den vergangenen Jahren auf ein nicht mehr erträgliches Maß angestiegen. Zwischen 1980 und 1992 habe die Frankfurter Anklagebehörde nur drei neue Planstellen für Staatsanwälte und eine für einen Oberstaatsanwalt bekommen. Auf der anderen Seite seien neue Aufgaben auf die Anklagebehörde zugekommen. Die Kriminalitätsbelastung Frankfurts sei stark angestiegen. Es reiche nicht aus, nur die Polizei personell zu verstärken und bei der Staatsanwaltschaft alles beim alten zu belassen.
Verstöße gegen Bestimmungen des Asylverfahrensgesetzes ("zwischen 500 und 900 Neueingänge pro Monat") verfolge nur ein einziger Kollege, der völlig überlastet sei. Da Geschäftsstellen- und Schreibdienstpersonal fehle, würden Haft- und Gnadensachen zum großen Teil den Staatsanwälten gar nicht mehr vorgelegt. Honnecker: "Immerhin geht es hier um die persönliche Freiheit Betroffener."
Das Justizministerium in Wiesbaden trage dem Umstand personell nicht Rechnung, daß in den vergangenen Jahren bei der Anklagebehörde eine Umweltschutzabteilung arbeite, eine Wirtschaftsstrafabteilung einzig wegen der Bestechungsfälle in der öffentlichen Verwaltung gebunden sei und die Frankfurter Staatsanwaltschaft die Zuständigkeit für Geldwäscheverfahren bekommen habe. Belastung sei für die Behörde zudem die Ausbildung junger Staatsanwälte aus Thüringen, von denen 1992 16 hierher kamen.
Reinhild Rumphorst, Pressesprecherin von Justizministerin Hohmann-Dennhardt, verteidigte dagegen die Weigerung der SPD-Politikerin, sich mit den Personalvertretern zu unterhalten. Dafür sei grundsätzlich der Staatssekretär zuständig. Den zurückgetretenen Staatsanwaltsrat forderte sie auf, die Beschwerden zunächst schriftlich an die Ministerin zu richten. In diesem Zusammenhang verwies sie darauf, daß im Landeshaushalt 93 für alle hessischen Anklagebehörden sieben neue Planstellen für Staatsanwälte, eine für einen Sachbearbeiter im Bereich Bekämpfung der Wirtschaftsdelikte, 19 für Geschäftsstellen- und Schreibpersonal sowie 15 Wachtmeisterstellen geschaffen worden seien. "Bei personellen Zuwächsen ist jetzt Ende der Fahnenstange." Die Äußerung des rechtspolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion, Christean Wagner, der Rücktritt der Personalräte sei "ein verzweifelter Aufschrei gegen die Tatenlosigkeit der Ministerin", wies Rumphorst als "dreist" zurück. "Was wir jetzt erreicht haben, kam gegen die Stimmen der CDU zustande." enk
Das Porträt: Dänemarks Premier Rasmussen "Wolle im Mund"
Poul Nyrup Rasmussen ist am Ziel. Der 49jährige Parteichef bringt Dänemarks Sozialdemokraten nach mehr als zehn Jahren konservativer Regierung wieder an die Macht. Genau dies hatte seine Partei von ihm erwartet, als sie ihn im April des Vorjahres zu ihrem Vorsitzenden kürte - entgegen sozialdemokratischen Traditionen in einer Kampfabstimmung gegen Svend Auken, seinen keineswegs rücktrittswilligen Vorgänger. Dabei hatte Auken seine Partei eben erst zu einem großen Wahlerfolg geführt. Doch Rasmussen (Bild: dpa) hat, was Auken mangelte: die landesväterliche Ausstrahlung, die Geborgenheit vermittelt. Auken streute spitze Bonmots um sich. Rasmussen spricht, sagen die Dänen, "mit Wolle im Mund": lang, freundlich, verschlungen, so daß zuletzt doch niemand weiß, was er eigentlich meinte und niemand sich daher verletzt fühlen kann. Auken stieß die kleinen bürgerlichen Mitteparteien ab, ohne deren Hilfe in Dänemark niemand regieren kann. Mit Rasmussen könnten sie eher zusammenarbeiten, seufzten die Radikalliberalen, die in der Innenpolitik stets eine Schlüsselrolle innehaben. Die nach einem Comeback dürstenden Sozialdemokraten verstanden die Botschaft und putschten den zweiten Mann an die Parteispitze. Jetzt liefern Rasmussen und die Radikalen die bestellte Ware: die Sozialdemokraten sind erstmals seit 1982 wieder Regierungspartei.
Regierungserfahrung fehlt dem neuen Ministerpräsidenten, im Parlament sitzt er erst seit 1988. Rasmussen ist ein Aufsteiger aus klassisch sozialdemokratischem Milieu: Sohn einer Putzfrau und eines Lagerarbeiters, Abitur, Politologie- und Wirtschaftsstudium, als Wirtschaftsfachmann beim Gewerkschaftsbund, dort schließlich Chefökonom und ab 1987 als stellvertretender Vorsitzender in der Parteispitze. Damals in der Öffentlichkeit noch kaum bekannt, braucht er jetzt keinen Widersacher mehr zu scheuen: befragt, wie Dänemark nach dem erzwungenen Rücktritt des Konservativen Poul Schlüter regiert werden sollte, zog eine Mehrheit der Dänen ein bürgerliches Kabinett einem sozialdemokratischen vor. Von allen Kandidaten für das Amt des Premiers aber erhielt Nyrup Rasmussen bei weitem die meisten Stimmen.
Das Nein der Dänen beim Maastricht-Referendum vom 2. Juni war eine Niederlage des damals frischgewählten Parteichefs: es war ihm nicht gelungen, den EG-skeptischen Parteianhang auf Ja-Kurs zu trimmen. Mit dem "nationalen Kompromiß" aber, der nun die Grundlage für die zweite dänische Volksabstimmung zur EG- Union darstellt, lieferte Rasmussen sein Gesellenstück. Er stellte nicht nur das Papier zusammen, das nun sieben von acht Parlamentsparteien zur Annahme empfehlen, sondern band auch die Sozialistische Volkspartei, führende Nein-Partei des Juni-Referendums, in die Ja-Kampagne ein.
Bei Interviews und Fernsehauftritten unerträglich weitschweifend - "manchmal ist es wichtig, sich nicht festzulegen", lautet seine Entschuldigung -, ist Nyrup Rasmussen privat ein witziger Redner und prächtiger Sänger mit Faible für Arbeiterlieder und Opernarien. Kein Wunder, daß der zweimal geschiedene Politiker seine neue Verlobte bei einem Pavarotti-Konzert der staunenden Öffentlichkeit präsentierte: es war Lone Dybjkaer, eine der wichtigsten Politikerinnen der Radikalliberalen, womit Nyrup bewies, daß die Radikalen - von seinem Vor-Vorgänger Anker Jörgensen als "schlüpfrige Seife" gescholten - seinem Herzen nahestehen.
Nach zehn Schlüter-Jahren will Rasmussen mit radikaler Hilfe die sozialdemokratische Wende, mit größerem Einsatz zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, auch wenn er eine Rückkehr zur Vollbeschäftigung für Utopie hält. Den Wohlfahrtsstaat will er bewahren, aber modernisieren. "Und die Wolle", sagt er, "nehme ich auch bald aus dem Mund."
H. GAMILLSCHEG (Kopenhagen)
KARBEN. Mit einem Dia-Vortrag über die Kathedrale von Chartres eröffnet der Geschichtsverein das Programm 1993. Friedrich K. Herrmann aus Ilbenstadt, in Karben kein Unbekannter, will die Besucher/-innen in die Kunst der Hochgotik und die Kunst der Meister des 12. Jahrhunderts einführen.
Der Vortrag findet am Freitag, 22. Januar, um 20 Uhr im Saal des Evangelischen Gemeindehauses Groß-Karben statt. Der Eintritt ist für Mitglieder und Schüler/-innen frei. hm
Kleine FR
Bilder aus der Ex-Sowjetunion LANGEN. Wulf Jonen zeigt am Donnerstag, 21. Januar, 20 Uhr, im Studiosaal der Stadthalle Dias und einen Film von seinen Reisen in Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan. Eintritt: drei Mark. Alte können kreativ werden DREIEICH. Im Haus Falltorweg wird ein Kurs vorbereitet, der der Kreativität keine Grenzen setzen soll. Was gemacht wird, wird am Donnerstag, 21. Januar, 14 Uhr, im Falltorweg 2 besprochen. Naturheiltage im Bürgerhaus DREIEICH. Die Arche 2000, Veranstalter von Ausstellungen in den Bereichen Kunst, Esoterik und Umwelt, lädt zu "Naturheiltagen" von Freitag bis Sonntag, 22. bis 24. Januar, ins Bürgerhaus Sprendlingen ein. Außer Vorträgen über ganzheitliche Medizin gibt es eine Verkaufsausstellung und ein Konzert am Samstag um 20.15 Uhr. Der Eintritt kostet zehn Mark, das Konzert zwölf Mark. Neujahrsempfang der CDU DREIEICH. Die CDU lädt für Freitag, 22. Januar, Vereine, Gewerbetreibende sowie Mitglieder und Freunde der Partei zum Neujahrsempfang im Burghofsaal Dreieichenhain. Beginn: 19 Uhr. Eine Lese- und Malstunde DREIEICH. In der Stadtbücherei Sprendlingen wird am Freitag, 22. Januar, 15 Uhr, aus dem Buch "Mach die Tür auf, Jonathan" vorgelesen. Anschließend wird gemalt. Sofortmaßnahmen am Unfallort NEU-ISENBURG. Pflichtübung für Führerscheinbewerber: Die Johanniter- Unfall-Hilfe startet am Samstag, 23. Januar, 9 Uhr, in der Rheinstraße 3 einen Kurs "Sofortmaßnahmen am Unfallort". Vier Doppelstunden sind vorgesehen. Dia-Vortrag im Haus Falltorweg DREIEICH. Im Haus Falltorweg in Buchschlag führt Hermann Krischel am Samstag, 23. Januar, 14.30 Uhr, "Mit der Kamera durch die Berge und Gebirgsdörfer des Engadin". Max-Eyth-Schule stellt sich vor DREIEICH. Die May-Eyth-Schule in Sprendlingen lädt für Samstag, 23. Januar, von 10 bis 16 Uhr, zum Tag der offenen Tür.
BERGEN-ENKHEIM. Grund zur Freude haben kleine Bergen-Enkheimer und ihre Eltern: Der etwas karge, aber dennoch beliebte Spielplatz hinter der Schelmenburg ist in den vergangenen Monaten zu einem regelrechten Spielparadies geworden. Eine mehrere Meter hohe Burg aus Holz kann dort über einen ebenfalls hölzernen Wehrgang erstürmt werden. "Fluchtweg" vom Burgturm nach unten ist eine Röhrenrutsche. An Seilen, Palisaden und in einem großen Netz können sich die Kinder bei allerlei Kletterübungen austoben.
Entlang der Böschung, die zur Schelmenburg abfällt, zieht sich nun eine kleine Mauer aus großen Natursteinen, die mit ihren Zinnen einer echten Wehrmauer nachempfunden ist. Aber auch die auf anderen Spielplätzen üblicherweise vorhandenen Schaukeln, Wippen und "Wipptiere" fehlen nicht. Schließlich gibt es auch noch eine Tischtennisplatte und eine Malwand. Bis die neugepflanzten Bäume einen hinreichenden Sonnenschutz bieten werden, wird wohl allerdings noch einige Zeit vergehen.
Mit einigen schattenlosen Bänken und wenigen Spielgeräten war der Platz früher weder für unternehmungslustige Kinder noch für die Erwachsenen eine große Attraktion. Trotzdem pilgerten 25 Jahre lang Eltern mit ihren Sprößlingen dorthin. Auch der Bergen-Enkheimer SPD-Stadtverordnete Franz Frey erinnert sich an die Zeit, da er den Spielplatz mit dem eigenen Nachwuchs aufsuchte. Vor allem bei großer Hitze habe er damals ein schattiges Plätzchen vermißt. Die Kinder hatte es dann zum kühlen Naß des wassergefüllten Grabens der Schelmenburg gezogen, der unmittelbar an das Gelände angrenzt. Das niedrige Eisengitter, das den Wassergraben umgibt, stellt kaum ein Hindernis dar.
Zur Schelmenburg werden die Eltern ihren Kindern nicht mehr nachrennen müssen: Denn im nächsten Sommer können sich die Kleinen mit dem Wasser erfrischen, das eine Pumpe vom Burggraben auf den darüberliegenden Spielplatz befördert. Von dort läuft es dann über einen künstlichen Bach mit "Staustufen" wieder zurück.
Die aufwendige Gestaltung des Geländes war nicht gerade billig: 680 000 Mark kostete die Schönheitskur. Für die teuersten Spielplätze der Stadt wurden bis zu einer Million Mark ausgegeben. Sicher, für einen Kinderspielplatz sei das "eine Menge Geld", gibt Franz Frey zu. Doch müsse man auch vergleichen, "was andere Sachen kosten". Schließlich sei nach 25 Jahren eine "Generalüberholung" des Platzes ohnehin fällig gewesen.
Wie Elke Gensler, Kinderbeauftragte für Bergen-Enkheim, jedoch vom Kinderbüro zu hören bekam, wird es derart kostspielige Plätze nicht mehr geben. Nicht nur weil dafür das Geld fehlt, sondern weil es auch sinnvoller sei, auf den vorhandenen Spielplätzen öfter mal die Geräte auszutauschen, um den Kleinen Abwechslung zu bieten. Denn auch ein Spielplatz "veralte" nach einiger Zeit, sagte die Kinderbeauftragte.
Zudem kenne sie das Argument der Stadt, wenn eine größere Summe für eine Spielfläche lockergemacht wurde: "Die haben jetzt erst mal was, das muß für die nächsten zehn Jahre reichen." gap
Lange war "er" an allem schuld: der Mann. Er hatte die Macht und mißbrauchte sie. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - bis in die Gegenwart hinein fühlen Frauen sich unfrei, ungleich, ausgeschlossen. In der Frauenbewegung suchten sie nach einer Identität jenseits der vom Mann erdachten Bilder und Rollen. Viele entwickelten dabei eine "nicht zu übersehende Neigung, uns den Mann als Feindbild zu konstruieren", wie es jetzt im neuen Programm der Frankfurter Frauenschule heißt. Die Zeit ist reif, "das Geschlechterverhältnis erneut zu thematisieren", urteilen die Betreiberinnen. Während eines "Projektmonats Männer" im März soll mit den eigenen Vorurteilen aufgeräumt und ein Versuch der Annäherung unternommen werden.
Nachdem "männliche" Durchsetzungsfähigkeit - zum Beispiel im Beruf - als falsches Vorbild entlarvt und mit der sogenannten Geschlechterdifferenz das bewußte Anderssein und Anders-leben-Wollen propagiert wurde, erfolgt nun die (theoretische) Hinwendung zum Mann auf allen Ebenen: als Lebenspartner, Vater, Sohn, Autor, Lustobjekt.
So geht es in dem besagten Workshop darum, "auch den männlichen Körper als erotischen Körper wiederzuentdecken". In einem anderen wird das "Thema Mann" kabarettistisch-grotesk aufgegriffen. Kursleiterin Brigitte Kucharczewski ist sicher, daß dazu keine einzige Szene erfunden werden muß: "Es reichen unsere alltäglichen Beobachtungen und Erfahrungen." Außer "Klamotten zum Verkleiden" werden die Teilnehmerinnen gebeten, ein "Requisit" mitzubringen, das sie mit dem Thema Mann assoziieren.
An einem Wochenende für Mütter mit erwachsenen Söhnen soll anhand von Fotos im Kleinkind- und im Erwachsenenalter über erfüllte und unerfüllte Erwartungen nachgedacht werden. Ein anderer Kurs geht dem Zusammenhang von Vater-Tochter-Beziehungen und weiblicher Kreativität nach. Man könne gegen Fremdenfeindlichkeit wenig ausrichten, wenn man selber mit Feindbildern im Kopf umherlaufe, begründet Karin Walser das Bemühen, Klischees zu überwinden. Außer dem Männer-Projekt werden auch in diesem Semester wieder Tagungen, Bildungsurlaube und Jahreskurse angeboten. Das Programm ist in der Frauenschule, Hohenstaufenstraße 8, Telefon 74 56 74, erhältlich. ft
HOCHTAUNUSKREIS. Für weniger Wanderwege im Naturschutzgebiet Altkönig / Weiße Mauer plädiert die CDU im Umlandverband Frankfurt (UVF). In einem Antrag an den Verbandstag, das ist das UVF-Parlament, forderte die CDU- Fraktion, die Zahl der Wanderwege in dem Bereich zwischen Fuchstanz und Hohemark zu reduzieren und dies in der Rahmenkonzeption Großer Feldberg festzuschreiben.
Die bestehenden Wege im Schutzgebiet hätten die Landschaft bereits über Gebühr strapaziert, bemängelt die CDU. An den keltischen Ringwällen habe der stetige Zustrom der Erholungsuchenden schwere Schäden verursacht, etwa im Bereich der früheren Streng-Hütte und am Abstieg zum Fuchstanz.
Um den Druck auf das historisch wichtige Gebiet zu verringern, sollen daher nicht nur bestehende Wege geschlossen werden. Auch die geplante neue Verbindung zwischen Fuchstanz und Hohemark müsse um den Altkönig und die Weiße Mauer herumgeführt werden, verlangt die CDU; das Konzept für den Landschaftsrahmenplan sehe das bereits vor.
Zudem halten es die Christdemokraten für wichtig, die Mountainbiker künftig aus dem Altköniggebiet in einen anderen Bereich umzuleiten. Insgesamt betont die Fraktion in ihrem Antrag, daß das Gebiet für Wanderer "weder gesperrt werden soll noch kann". Um auf verantwortungsvollen Umgang mit der Natur hinzuwirken, sollten aber beispielsweise Hinweisschilder aufgestellt werden, die die historische Bedeutung der keltischen Anlage hervorheben. ill
Der Festtag begann mit Jefferson und endete mit Hollywood. Die Clintons und die Gores begannen die letzte Etappe ihrer langen Reise nach Washington am Wohnsitz des USA-Gründervaters Thomas Jefferson im ländlichen Virginia und brachten ihren Wahlkampf-Bus am Ende vor dem "Lincoln Memorial" zum Stehen: vor einer halben Million US-Bürgern, die sich mit Kind und Kegel zu einer so populistischen wie pompösen Party versammelt hatten.
Doch zwischen der Morgenmesse auf halbem Weg in Culpeper und dem triumphalen Einzug in der Kapitale ließ sich die auf den zukünftigen Präsidenten wartende Politik nicht ganz draußen vor halten. Von Bord seines durch die Vorstädte rollenden Busses mußte Bill Clinton dem Noch-Präsidenten George Bush für seine "angemessene" und "entschiedene" Reaktion auf die jüngste Provokation Saddam Husseins gratulieren. Der donnernde Vorbeiflug einer Kampfbomberstaffel geriet da zu einer allzu aktuellen Demonstration US-amerikanischer Wehrhaftigkeit. Aus dem Feiern über den "Neuen Beginn" wurde in Irak ein Feuern zur Bewältigung alter Aufgaben.
Doch den wenigsten, die an diesem herrlichen Wintersonntag zur symbolischen "Wiedervereinigung Amerikas" zusammengekommen waren, wußten von dem Marschflugkörper, der in Bagdad mal wieder den falschen Abzweig genommen hatte. Ihnen ging es um die Wiedereroberung ihres Landes durch den "Common Man", also das "gemeine Volk", dessen vom Komponisten Aaron Copland vertonte Fanfare zum musikalischen Rahmen der Festivitäten wurde.
Dazwischen lag ein Star-Konzert, so erhaben und emotional, so glamourös und geschmacklos, so wohlorganisiert und wunderbar, wie dies nur in Amerika möglich ist. Von Jack Nicholson bis Lauren Bacall war sich niemand zu schade, dem neuen Clinton-Zeitalter seine verbale Huldigung zu leisten. Talkshowmaster und Seifenopern-Stars zitierten Lincoln und Kennedy mit der unglaublichen Leichtigkeit ihres S(ch)eins.
Produzent Quincy Jones hatte gerufen, und alle waren sie gekommen. Vom unvermeidlichen Michael Bolton bis zum Polit-Rapper LL. Cool J.; von der Sopranistin Kathleen Battle bis zum Superstar Michael Jackson. Wer hätte sich das in der vergangenen Dekade greiser und konservativer Präsidenten vorstellen können, daß der nächste Mann im Weißen Haus mit einem Bob- Dylan-Song - der war wirklich da - und den Klängen von Elvis' "Heartbreak Hotel" - Elvis wurde nur hier und da "gesichtet" - die Macht ergreifen würde.
Die Show geriet endgültig zum Kitsch-as-Kitsch-can, als Bill Clinton im Kameralicht die Worte des auf die Großleinwand "gebeamten" John F. Kennedy nachflüsterte, als hätte er dies seit seinem 3. Lebensjahr geübt. Oder als Diana Ross in knallroten Puffärmelchen wie die synthetisierte Mutter Michael Jackson die Marmorstufen des "Memorials" herunterflatterte und dabei "God Bless America" schmetterte. Doch die Menge liebte es, Stars und Symbolik und alles. Und wirklich schien jenes von den Akteuren der Gala beschworene Amerika aller Hautfarben und Herkünfte drunten auf dem zermatschten Rasen eine so friedliche und buntgemischte Gestalt angenommen zu haben, wie sie sich selbst der große Vereiniger Abraham Lincoln nie erträumt hätte.
Nur eine peinliche Panne hatte der zur Schau gestellte Populismus. Um die über 25 Millionen Dollar teuren Festlichkeiten dieser Inaugurations-Woche zu finanzieren, hatte das Clinton-Team die Übertragungsrechte exklusiv an den Kabelkanal HBO verkauft. Doch selbst in Amerika hat noch nicht jeder "common man" Kabelfernsehen, manche schauten in die Röhre. Wie leicht, so fragten sich politische Beobachter, wird diese Regierung zu kaufen sein, wenn sie erst einmal angetreten ist?
Doch die 500 000 auf der "Mall" zwischen den Gedenkstätten George Washingtons und Lincolns störte dies nur wenig. Weiter ging es auf der Bühne Schlag auf Schlag. Die pelzgeschmückte Soulkönigin Aretha Franklin, die mit Ausnahme der Tierfellschützer alle Anwesenden in ihren Bann zog, und Ray Charles, noch lebendiger als in seinem Pepsi-Cola-Commercial. Dieses Land ohne seine Entertainer, es wäre so undenkbar wie Bill Clinton ohne Hillary, deren große Party dies schließlich war. Ihr Song ist die nationale Yuppie- Hymne "We are the World", ihre Kultur wird von den Vierzigjährigen an der Westküste produziert. In diesem Sinne war die Präsidentschaft Ronald Reagans nur das Vorspiel, das B-movie. Bill Clintons Amtszeit, so müssen elitäre Puristen seit diesem Sonntag befürchten, wird die wahre Präsidentschaft Hollywoods werden. ROLF PAASCH (Washington)
Das Einrichtungshaus "Möbel Mann" an der Kaiserstraße 1-3 macht zu: Dem Vernehmen nach wird der Handel mit Abschluß des Winterschlußverkaufs eingestellt. Während Inhaber Johannes Mann für Auskünfte nicht erreichbar war, hieß es in der Filiale, die Firma Mann-Wertkauf werde in Sprendlingen neu bauen. Nachfolgerin im geräumten Möbelhaus: Die Unternehmensgruppe Christ, die mit ihrem Gebäude am Roßmarkt 5 "nicht mehr zufrieden" sei.
Wie in der hausverwaltenden Firma Printz & Schwenk mitgeteilt wird, habe Möbel Mann die letzten "zehn Jahre zu Wohnungsmieten" in der Kaiserstraße residiert. Als sich das Auslaufen des Vertrages angekündigt habe, seien mit der Eigentümerin, der Cronstetten-Hynspergischen Evangelischen Stiftung, neue Verhandlungen geführt worden.
Obwohl die künftige Miete "an der unteren Grenze dessen gewesen wäre, was an der Ecke zu erzielen ist", habe man nicht zu einer Einigung gefunden. Kurt Hofmann von Printz & Schwenk: "Die sind der Meinung, daß sie auf dem platten Land für acht Mark den Quadratmeter bauen können." Eigentümerin und Hausverwaltung bedauerten den Verlust für die Innenstadt. Nach dem Auszug von Möbel Mann zum 31. März steht an der Kaiserstraße laut Hofmann unter der Regie von Uhren-Christ "ein toller Schmuckladen" ins Haus, "europaweit das Flaggschiff der Juweliere". Im Oktober werde die Eröffnung sein: Verkauf im Erdgeschoß, Büros und Werkstätten im 1. Stock, im 2. Stock Untervermietung.
Bis dahin werde "das ganze Gebäude aufgewertet. Es entstehe "eine schicke Fassade", so Hofmann - aus grauem Granit, abgesetzt in braun und blau, mit einem großen Eck-Eingang zum Salzhaus / Kaiserstraße. clau
Der Durchmarsch der Düsseldorfer EG an der Bundesliga-Spitze ist kaum mehr zu stoppen. Am 35. Spieltag baute Spitzenreiter DEG mit dem 5:2 beim ERC Schwenningen die Führung auf zehn Punkte aus und eilt dem Kölner EC davon. Der einzige Verfolger mußte mit dem 2:3 gegen Mannheimer ERC seine zweite Saisonniederlage auf eigenem Eis hinnehmen. Der EC Hedos München behauptete den dritten Tabellenplatz mit einem 2:0 über den ESV Kaufbeuren.
Dem EHC Freiburg gelang mit einem klaren 6:1 beim Berliner SC Preussen ein Erfolg. Die Freiburger haben jetzt nur noch einen Punkt Rückstand auf die Niederbayern. Der EHC Freiburg hatte vor dem Gastspiel in Berlin für Wirbel gesorgt. Trainer Ladislav Olejnik wurde nach einem Spieleraufstand vorerst suspendiert. Für den 60 Jahre alten Brünner, der den Sonntag in seinem Haus in Bad Nauheim verbrachte, stand in Berlin der Spieler Thomas Dolak an der Bande.
Laut eigener Schilderung war Olejnik am Samstag auf der Fahrt mit seinem Pkw nach Bad Nauheim über Autotelefon von Kouba gebeten worden, auf die Reise nach Berlin zu verzichten, da ein Teil der Mannschaft erneut gegen ihn meutere. Nach dem 1:5 gegen den EC Ratingen hatte sich die Mehrheit der Mannschaft in geheimer Abstimmung gegen den Trainer ausgesprochen.
Über seine Zukunft war sich der frühere Bundestrainer nicht im Klaren. "Ich bin ziemlich ratlos und weiß selber nicht, wie man die Entscheidung formulieren soll", so Olejnik.
Im Kampf um den Einzug in die Play- off-Runde mußte der Tabellen-Neunte EV Landshut, der sich am Mittwoch von Trainer Pavel Volek getrennt hatte und noch auf Suche nach einem Nachfolger ist, mit der 1:5-Niederlage beim Krefelder EV einen Rückschlag hinnehmen. Der Krefelder Reemt Pyka, der von Tobias Abstreiter an der Kehle getroffen wurde, mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Der Landshuter Ralf Hantschke, der nach einem Stockschlag von Jayson Meyer gegen den Kopf mit einer Platzwunde genäht wurde, traf später mit dem Stock den Krefelder Königer. dpa
GÜNTER HÖLTER, Leiter der Auslandshilfe des Deutschen Caritasverbands, hat darauf hingewiesen, daß Hilfen für Notleidende in aller Welt durch Militäreinsätze gefährdet werden können. Die Frage nach der Berechtigung weltweiter militärischer Bundeswehreinsätze müsse getrennt bleiben von der Diskussion über die Beteiligung der Bundeswehr an humanitären Aktionen, betonte Hölter in Freiburg. Die Caritas beobachte mit Sorge, daß die humanitäre Hilfe in der aktuellen Diskussion "politisch instrumentalisiert wird". Humanitäre Hilfe müsse allen Konfliktopfern, "auf allen Seiten der Fronten", gelten. Die Verwirklichung dieses Grundprinzips der kirchlichen und anderen Hilfsorganisationen werde durch Militäreinsätze beeinträchtigt, wie Erfahrungen etwa aus Kambodscha, Irak und zur Zeit auch aus Somalia zeigten. (KNA)
Hat die Fresenius-AG ihr Areal zu billig gekauft? Verfahren der EG-Kommission wegen Friedberg-Deal Von Bruno Rieb HOCHTAUNUSKREIS. Die Generaldirektion für Wettbewerb der Kommission der Europäischen Gemeinschaft hat wegen eines Grundstücksgeschäfts der Stadt Friedberg mit dem Oberurseler Pharmaunternehmen Fresenius ein Verfahren nach Artikel 93 Absatz 2 des EWG-Vertrags eingeleitet. Die Kommission geht davon aus, daß dem Unternehmen unzulässige Beihilfen gewährt wurden. Für nur 19 Mark pro Quadratmeter hatte Friedberg im April 1988 ein 172 000 Quadratmeter großes Areal an Fresenius verkauft. Die Entscheidung der EG-Kommission könne nur folgende drei Konsequenzen haben, meint der Wirtschaftsfachmann der Friedberger Grünen, Karl Moch, der die EG-Kommission wegen des Grundstücksdeals angerufen hatte:
Entweder zahlt die Fresenius AG einen noch festzulegenden Ausgleichsbetrag an die Stadt (aus der EG-Kommission seien Summen zwischen einer Million und 14 Millionen Mark bekanntgeworden). Oder sie gibt das Grundstück gegen Erstattung des Kaufpreises zurück. Oder - dritte Möglichkeit - die Bundesregierung beweist, daß der Preis doch nicht zu niedrig war.
Friedbergs Bürgermeister Ludwig Fuhr will sich seinen Worten zufolge an Spekulationen über die Konsequenzen der EG-Entscheidung nicht beteiligen. Es handele sich um ein schwebendes Verfahren, sagte er der FR. Die Bundesregierung sei am Zuge. Sie müsse nun beurteilen, ob das Grundstücksgeschäft mit illegalen Subventionen verbunden war. Gegen die Entscheidung der Bundesregierung könne die Stadt die deutschen Verwaltungsgerichte anrufen.
"Wir sind bisher noch nicht von der EG-Kommission informiert worden", merkte der Pressesprecher der Fresenius-AG, Matthias Brasser, in Oberursel zu dem Vorgang an. Es gebe noch keine Überlegungen des Unternehmens, wie es auf die Entscheidung der Kommission reagiere. Beim Abschluß des Verkaufsvertrages hätten weder die Stadt Friedberg noch die Fresenius-AG Anlaß zu juristischen Bedenken gehabt.
Der Wetterauer FDP-Europaabgeordnete Martin Holzfuss wundert sich über das Eingreifen der EG in das Friedberger Grundstücksgeschäft. Es handele sich um eine Angelegenheit der Kommune, meint er. Wenn sich die EG europaweit um solche Fälle kümmere, werde sie nicht mehr
OBERURSEL. Mit der Gründung einer Tochtergesellschaft in Prag hat die Pharmaziefirma Fresenius jetzt auf die "wachsende Bedeutung der Märkte Mittel- und Osteuropas" reagiert. Das Arzneimittel- und Medizintechnik-Unternehmen mit Sitz in Oberursel und Bad Homburg will damit nach eigener Aussage seine führende Position bei der Dialyseversorgung in der Tschechischen und in der Slowakischen Republik sichern und ausbauen. Fresenius ist hier in rund 80 Dialysezentren mit fast 500 -geräten vertreten.
Die "Fresenius-Prag-GmbH" beschäftigt derzeit elf Frauen und Männer, diese betreuen auch eine Dependance in der Slowakischen Republik. Geschäftsführerin der 100prozentigen Tochtergesellschaft wurde Jitka Chabrova. Sie bearbeitet den tschechoslowakischen Markt bereits seit 1980 von der Oberurseler Firmenzentrale aus. stk
SECKBACH. "Wir wollen Projekte und Aktionen anregen, die helfen, daß Deutsche und Ausländer aufeinander zugehen", erklärte Martin Schauß, der Pfarrer der evangelischen Mariengemeinde. Um dies zu verwirklichen, kamen am Wochenende etwa 30 Seckbacher Bürger und Vertreter von Institutionen in den Gemeindesaal, um - nach zweistündiger Diskussion - das "Seckbacher Aktionsbündnis gegen Ausländerfeindlichkeit" zu gründen.
Martin Schauß hatte in einem Brief an Vereine, Parteien und Bürgerinitiativen des Stadtteils zur Mitarbeit in dem neuen Bündnis aufgerufen. Mit Erfolg: Die meisten schickten einen Vertreter oder sagten ihre Unterstützung zu - angefangen bei den beiden Kirchengemeinden, allen vier im Ortsbeirat 11 vertretenen Parteien bis hin zur Freiwilligen Feuerwehr, der Fußballgesellschaft 02, dem Turnverein 1875, der Sängervereinigung, Arbeiterwohlfahrt, "Seckbacher Friedensgespräche" und der Bürgervereinigung.
Auch über den Zweck des Treffens waren sich die Anwesenden im klaren: "Ich bin nicht hierher gekommen, um Papier zu produzieren, sondern um bei konkreten Problemen zu helfen", erklärte eine Teilnehmerin. Ein anderer ergänzte: "Wir müssen nicht nur für die ausländischen Mitbürger etwas tun, sondern auch für die Deutschen. Damit die verstehen, um was es eigentlich geht."
Der Abstimmung einzelner Aktionen dient ein fünfköpfiges "Organisationsteam", bei dem binnen einer Woche die Gruppen ihre Vorschläge schriftlich abgeben sollen: "Wenn beispielsweise die örtliche SPD eine Hausaufgabenhilfe für Kinder von Asylbewerbern anbietet, müssen nicht andere etwas ähnliches machen - aber sie können sich sehr wohl dort engagieren", meinte Schauß. "Eine große Hilfe ist es natürlich auch, wenn man Räume für Veranstaltungen zur Verfügung stellen kann."
Die verschiedenen Ideen wird das Organisationsteam in Form einer Zeitung veröffentlichen. Möglichst viele Seckbacher sollen dadurch über die Gründung informiert werden. Im Büro der Mariengemeinde wird eine Anlaufstelle eingericht, wo sich Interessierte unter der Telefonnummer 47 91 31 für eine Mitarbeit melden können.
Das nächste Treffen wurde für Montag, 15. Februar, um 19.30 Uhr vereinbart. Die Mitglieder des Bündnisses treffen sich dann im Vereinsheim der Fußballgesell-
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FRANKFURT A. M., 18. Januar (FR). In der Nordhälfte etwas Regen, in der Südhälfte heiter bis wolkig und trocken sagt das Wetteramt vorher. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen vier bis acht, die Tiefstwerte zwischen ein und fünf Grad. Weitere Aussichten: regnerisch, windig, mild.
(Siehe auch Lokalteil)
fa AUGSBURG, 18. Januar. Die Gegner des geplanten Einsatzes von MOX-Brennelementen im bayerischen Atomkraftwerk Gundremmingen haben Bayerns Umweltminister Peter Gauweiler (CSU) aufgefordert, zur Fortsetzung des Erörterungstermins in Augsburg am heutigen Dienstag zu erscheinen. Gauweiler solle sich selbst ein "realistisches Bild" davon machen, unter welchen Bedingungen die MOX-Gegner ihre Einwände vorbringen müßten, heißt es in einem Schreiben des "Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz" (BBU) an den Minister.
Die Einwender würden "menschenunwürdig" und "in fast unglaublicher Weise wie Schwerverdächtige beziehungsweise Terroristen" behandelt, kritisierte BBU- Vorstandsmitglied Eduard Bernhard die "hermetischen Absperrungen" und "schikanösen Eingangskontrollen durch eine Wagenburg von Containern" vor dem Eingang der Schwabenhalle. Der Sprecher des Umweltministeriums, Robert Schreiber, teilte mit, Gauweiler werde nicht nach Augsburg fahren, weil es sich bei dem Erörterungstermin um ein reines Verwaltungsverfahren handele, über das der Minister "hinreichend informiert" sei.
GROSSKROTZENBURG. Helmut Zeller und Bernd Kurzschenkel sind die Spitzenkandidaten der Großkrotzenburger FDP für die Wahlen im März. Auf Platz drei und vier der Liste folgen Klaus Filgers und Jürgen Kerl, der die Freien Demokraten derzeit im Gemeindevorstand vertritt.
Für einen Sitz im Parlament nach dem 7. März kandidieren außerdem noch Janina Röber, Hans Uhlenbruch, Gerhard Heuser und Matthias Lampe, heißt es in der Mitteilung der Großkrotzenburger Liberalen. alu
Die Lage der Hanauer Hockeyspielerinnen in der Bundesliga-Südgruppe hat sich weiter verschlechtert. Mehr noch als die einkalkulierte Niederlage gegen den Tabellendritten RTHC Leverkusen fällt dabei das 5:7 gegen Blau-Weiß Köln ins Gewicht. Hierbei handelte es sich um die Neuansetzung der Vorrundenpartie, die wegen eines Formfehlers der beiden Schiedsrichter aus der Wertung genommen wurde. Auch im zweiten Anlauf schafften es die Hanauerinnen nicht zu punkten. Da der direkte Konkurrent im Kampf um den Klassenerhalt, der SC 1880 Frankfurt, gegen den Dürkheimer HC einen Punktgewinn verbuchte, beträgt der Rückstand der Hanauerinnen auf den rettenden siebten Tabellenrang nunmehr zwei Zähler. Am kommenden Wochenende steht die Rückrundenpartie gegen Köln und das Spiel gegen den Dürkheimer HC (Sonntag, 11 Uhr, Sporthalle an den Günterteichen) an.
Die Hanauerinnen starteten gegen den hoch favorisierten RTHC gar nicht einmal schlecht. Nach acht Minuten hatte Eva Weiß-Bollandt gar die Führung auf dem Krummstock, doch sie traf nur den Pfosten. Im Gegenzug ging der Favorit in Führung und baute diese bis zur Pause auf 5:0 aus. Die Treffer von Heike Stutzer und Claudia Büchting waren bedeutungslos.
Auch gegen Köln stellte Torfrau Julia Bingel, die auf dem Sprung in die Nationalmannschaft steht, ihr Können unter Beweis, konnte jedoch die Niederlage nicht verhindern. Wiederum ließen die jungen Hanauerinnen zunächst einige gute Tormöglichkeiten aus und ermöglichten ihrem Gegner andererseits durch Unkonzentriertheiten in der Abwehr bis zur 13. Minute drei Treffer. Eva Weiß-Bollandt setzte das 1:4 per Strafecke, doch Köln zog wiederum auf 1:5 davon, ehe die stärkste Phase der Mannschaft von Albrecht Gürtler anbrach. Diese führte zu drei Treffern in Folge durch Claudia Severin, Susi Koch und Eva Weiß-Bollandt. Beim Stand von 4:5 wurde der "Lauf" der Gastgeberinnen durch die Pause unterbrochen. Doch Claudia Severin besorgte zwei Minuten nach dem Wechsel den Ausgleich. 20 Minuten warteten die Fans vergeblich auf das Führungstor, und dann waren es in der 52. Minute auch noch die Gäste, die das umkämpfte 6:5 erzielten. Die Hanauerinnen drängten zwar vehement auf den Ausgleich, Trainer Gürtler nahm sogar in der Schlußminute Julia Bingel aus dem Tor, um eine weitere Feldspielerin zu bringen. Doch trafen die Kölnerinnen zum entscheidenden 7:5 ins leere HTHC-Gehäuse.
1. HANAUER THC: Julia Bingel (Tor); Susi Koch (1), Amina Böhmert, Nina Methfessel, Claudia Büchting (1), Claudia Severin (2), Anne Däther, Kerstin Däther, Heike Stutzer (1), Eva Weiß-Bollandt (2) ina
Um ein Haar nur verpaßten die Regionalliga-Hockeyspieler des 1. Hanauer THC den Sieg über Spitzenreiter SC 1880 Frankfurt. Mit 9:6 hatte das Team um Spielertrainer Harald Koch in der Halle an den Günterteichen bereits geführt, doch innerhalb der letzten fünf Minuten bescherte Ex-Nationalspieler Stefan Blöcher dem Tabellenführer mit seinem lupenreinen Hattrick noch den glücklichen Punktgewinn. So standen die Hanauer am Ende etwas ratlos da, denn sie wußten nicht, ob sie sich freuen oder ärgern sollen. Spielertrainer Harald Koch ging als gutes Vorbild voran und zog am Ende ein positives Fazit: "Es war ein spannendes, ein tolles Spiel und unsere beste Mannschaftsleistung in dieser Saison. Weil wir noch nicht clever genug sind, haben wir am Ende den Sieg verspielt".
Zunächst wechselte die Führung ständig: Wolfgang Koch, Jens Ritter, wiederum Wolfgang Koch und Harald Tauchert brachten die Gastgeber jeweils um ein Tor nach vorn. Beim Stand von 4:3 ging es in die Pause, und die bekam Hanaus Carsten Eimer offenbar am besten. Er traf gleich zweimal, und der HTHC schien endgültig auf der Siegerstraße zu sein, als erneut Tauchert und Sören Mertens die Führung auf 8:4 ausbauten. Die Gäste kamen zwar wieder auf 8:6 heran, doch zehn Minuten vor dem Ende gelang Jens Ritter das 9:6, das bis zur 55. Minute dauerte. Dann gingen die Frankfurter auf "volles Risiko" und spielten aggressives Vorchecking. Noch haben es die Hanauer also nicht geschafft, ihr Punktekonto in den "schwarzen" Bereich zu führen. Gelegenheit hierfür ergibt sich am Samstag beim Tabellenschlußlicht HC Heidelberg und gegen den HC Speyer.
1. THC HANAU: Kai Bachmann (Tor); Harald Koch, Wolfgang Koch (2), Sören Mertens (1), Jens Ritter (2), Joachim Ritter, Jan Schmidt, Marco Jankowsky, Harald Tauchert (2), Carsten Eimer (2) ina
FREIGERICHT. Mit dem Tausch gemeindeeigener Wege und Flächen im Zuge der geplanten Erweiterung des Altenmittlauer Kalksteinbruchs befaßt sich der Freigerichter Planungs- und Strukturausschuß in seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 19. Januar, um 19 Uhr im Rathaus.
Außerdem muß sich der Ausschuß mit dem Kindergarten-Neubau in Somborn beschäftigen. tja
Die Offenbacher waren schneller als Adenauer Ein Vertrag wird 30 Jahre alt / Deutsch-französischer Stammtisch: "Heute ist alles so selbstverständlich" Von unserem Redaktionsmitglied Siegfried Scholz OFFENBACH. "Das ist alles so selbstverständlich und unproblematisch geworden", blickt Heide Uhl, die Vorsitzende des deutsch-französischen Stammtisches, zurück. Vor 30 Jahren, am 22. Januar 1963, setzten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle ihre Unterschriften unter einen historischen Vertrag: Die durch Generationen und durch Jahrhunderte in zahlreichen blutigen Kriegen verstrickten "Erbfeinde" schworen sich ewigen Frieden und ewige Freundschaft. Die Offenbacher und die Puteauxer (bei Paris) waren den beiden Staatsmännern jedoch mit Siebenmeilenstiefeln in ein Vereintes Europa vorausgeeilt. Bereits sieben Jahre zuvor hatten die beiden Städte einen Verschwisterungsvertrag geschlossen. Weil sie zu den ersten europäischen Kommunen der Aussöhnung gehörten, wurden sie dafür mit der "Europa-Fahne" ausgezeichnet. Anfänglich gab es nur die offiziellen Kontakte über die Rathäuser, inzwischen laufen die vielen persönlichen Beziehungen längst an den Verwaltungen vorbei, so daß so recht niemand mehr einen vollständigen Überblick hat. Selbstverständlich geworden ist der deutsch-französische Jugendaustausch. Viele Schulklassen pflegen Verbindungen nicht nur nach Puteaux, sondern nach ganz Frankreich. Viele Vereine besuchen sich, ohne Umwege über die Stadtverwaltungen. Scharen von Offenbachern fahren mit Kind und Kegel in die Puteaux-Feriendörfer auf Korsika oder in die Bretagne.
Dennoch gibt es den deutsch-französichen Stammtisch erst seit neun Jahren. Er verdankt seine Entstehung auch weniger dem deutsch-französischen Freundschaftsvertrag, als der frankophilen Heide Uhl, amtlich vereidigte Dolmetscherin für Französisch und Englisch. Sie knüpfte die Beziehungen zwischen Puteaux und Offenbach immer enger. Als Volkshochschuldozentin bekam sie von ihren Sprachschülern außerdem zu hören: "Wir wollen mehr über Frankreich und die Franzosen wissen."
Aber nicht nur Franzosen, die im Rhein-Main-Gebiet leben, suchen den Kontakt zum Stammtisch. "Wir sind mittlerweile ziemlich multikulturell und pflegen das auch bewußt", sagt Heide Uhl. Das drückt sich auch in der Themenvielfalt der monatlichen Vortrags- und Kulturveranstaltungen aus. Sonntags ab elf Uhr, wenn es halbwegs warm ist, wird vor dem Büsing-Palais Boule gespielt. Auch wer noch sehr wenig oder überhaupt kein Französisch spricht oder versteht, kann zum Stammtisch kommen. Babylonische Sprachverwirrung gibt es nicht: Man spricht Deutsch, oder es wird irgendwie übersetzt.
Heide Uhl pflegt engen Kontakt zur Volkshochschule, zur Musikschule, zur Jugendkunstschule, zu den Freizeitkünstlern und vielen anderen multikulturellen Einrichtungen. Ein Höhepunkt der Offenbacher Sommerfeste war bislang immer die deutsch-französische Party im Hof der Volkshochschule. Weil dort ein Investor eine "Baulücke" füllt, braucht der Stammtisch ein Ausweichquartier.
Der Stammtisch, um den sich so um die 80 bis 90 Stammgäste versammeln, trifft sich jeden Dienstag ab 20 Uhr im Seniorentreff Nordend des Arbeiter-Samariter-Bundes, Pirazzistraße/Ecke Bettinastraße. Heide Uhl muß immer wieder erklären, wie man deutsche und französiche Arbeitsplätze und Wohnsitze wechseln kann, wie man wo Au-pair-Mädchen wird, und wie man als Franzose in Deutschland seinen 16monatigen Ersatzdienst ableisten kann.
Die Maastrichter Verträge werden keine großen Auswirkungen auf den Stammtisch haben: "Das Vereinte Europa haben wir schon lange. Bei uns war schon immer jeder willkommen." Als Dolmetscherin erhofft sich Heide Uhl aber, daß die europäische Bürokratie abgeschafft wird: "Es wäre schön, wenn es einheitliche Formulare geben würde. Es ist völlig überflüssig, daß man immer noch ein französisches und deutsches Abiturzeugnis Wort für Wort übersetzen muß."
"In dieser Form wird es keinen Umwelttag mehr geben", sagt Reinhard Sander, Vorsitzender des Vereins "Deutscher Umwelttag" (DUT). Der Verein werde sich nach Ende der Vergleichsverhandlungen auflösen, "unabhängig davon, ob unser Angebot angenommen wird oder nicht", kündigt Sander an.
Inzwischen haben mehrere Gläubigerfirmen des DUT Kontakt miteinander aufgenommen, um eine gemeinsame Strategie für die Verhandlung abzusprechen, die nach Auskunft des Frankfurter Amtsgerichts für den 11. März, 9.30 Uhr, im Raum 101 des Gerichtsgebäudes B terminiert ist.
Wie berichtet, bietet der DUT seinen Gläubigern an, 35 Prozent der insgesamt etwa 1,5 Millionen Mark zu erstatten, die bei der Veranstaltung im vergangenen September an unbezahlten Rechnungen aufgelaufen sind. Einige Gläubiger haben nach Angaben des DUT-Vorsitzenden Sander bereits auf ihre Forderungen verzichtet. Wie viele Firmen und Referenten vom DUT noch Geld zu kriegen haben, wußte Sander "so genau gar nicht zu sagen". In jedem Fall dürften es "mehrere hundert" sein. Sie alle würden in den nächsten Tagen vom Vergleichsverwalter benachrichtigt. Inzwischen haben sich mehrere Firmen "empört" über das Angebot des DUT geäußert. Für Thomas Barten von der Veranstalterfirma "Hollywood" würde die 35-Prozent-Quote beispielsweise bedeuten, mehr als 20 000 Mark abschreiben zu müssen, die er für Verpflegungskosten bei den "Öko-Märkten" auf dem Opernplatz und im Grüneburgpark vorgestreckt hat.
"Da geht es bei unserer kleinen Firma um die Existenz", sagt er. Besonders wütend mache ihn, daß hinter dem DUT "eine Menge bekannter Organisationen und Persönlichkeiten stecken, die jetzt alle abgetaucht sind".
Auch Anette Müller-Guthmann, deren Veranstaltungsfirma noch 21 000 Mark vom DUT zu bekommen hätte, rügt die "miserable Planung der Veranstaltung, für die jetzt keiner mehr verantwortlich sein will".
Die beiden Firmen wollen möglichst viele Gläubiger um sich sammeln, um bei der Verhandlung mit einer Stimme sprechen zu können. Der Vergleich gilt nach Auskunft des Amtsgerichts nur dann als angenommen, wenn 80 Prozent der Gläubiger ihm zustimmen.
Im Falle einer Ablehnung werde der DUT-Verein von Amts wegen aufgelöst. Für die Gläubigerfirmen bliebe dann nach Ansicht Sanders "gar nichts mehr übrig". mat
BAD HOMBURG. Informationen aus der Welt des Unvorstellbaren - dafür hat die Bad Homburger Volkshochschule Joachim Labudde. Der 39jährige Jurist ist in seinem Hobby Astronomie so fit, daß seine Angebote auf ständig steigendes Interesse stoßen. Seit zehn Jahren organisiert Labudde Sternführungen und Fachvorträge an der VHS - und hat ihr damit einen "exotischen" Bereich beschert, um den sie von manch anderem Institut beneidet wird. Für das Jubiläumsjahr hat Joachim Labudde ein Programm mit hochkarätigen Referenten vorbereitet - heute abend geht's los.
Offensichtlich versteht es der Bad Homburger, Leute mit Fakten aus der Unermeßlichkeit des Universums zu faszinieren - einer Thematik, die letztlich von Laien nicht zu begreifen ist. So gesehen sind Labuddes Veranstaltungen ein Phänomen. Alfred Schläger, Leiter der VHS: "Er hat da etwas Erstaunliches geschaffen; das ist etwas Besonderes."
Labudde, der seit seinem 14. Lebensjahr in die Sterne schaut, betrat im Februar 1983 mit einem astronomischen Einführungskurs Neuland in Bad Homburg. Lediglich im Winter 1947 hatte es ein paar Vorlesungen gegeben. 500 Zuhörer kamen 1992 zu den Vorträgen, und im Dezember 1992 wurde die insgesamt 2000. Besucherin begrüßt. Das Verdienst, den Hobby-Astronomen für die Bad Homburger Volkshochschule gewonnen zu haben, gebührt deren früherer Chefin Friedel Beling. Zuvor verbreitete Labudde seine Kenntnisse an der Volkssternwarte Frankfurt.
In der Elisabethenstraße lobt man Labuddes "enormes Engagement": "Er ist ein Crack, und er hat Kontakte in alle Welt." Welch Spezialist er im Lauf der Jahre geworden ist, belegt auch die Tatsache, daß andere Sternwarten und Veranstalter den Bad Homburger zu Gastvorlesungen einladen.
Neben dem Versuch, höchst komplizierte Materie leicht verdaulich darzustellen, bestechen die Abende durch die Praxis: Ist der Himmel klar, können die Teilnehmer anschließend auf der Dachterrasse einen Blick durchs VHS-Fernrohr werfen und den Planeten und Sternen auf die Pelle rücken. Das Gerät hat rund 2500 Mark gekostet und vergrößert bis zu 200fach.
Für das Jubiläumssemester hat Labudde ein Programm mit sechs Themen und sechs verschiedenen Referenten vorbereitet. Den Auftakt am heutigen Mittwoch, 20. Januar, macht der Meister selbst: Thema ab 20 Uhr ist "Mars - der rote Planet". Anschließend können unser Nachbar sowie der Orionnebel und weitere Objekte des Winterhimmels beobachtet werden.
Am 17. Februar steht Besuch aus der Nachbarschaft ins Haus: Die Volkssternwarte Wetterau aus Bad Nauheim kommt mit ihrer erfolgreichen Multivisionsschau "Impressionen aus dem All" - eine Kombination aus Bild, Musik und Information, die das All näherbringt.
Um die geheimnisvollen, masselosen Neutrinos geht es am 17. März. Der Titel: "Das Gallex-Experiment - Neutrinos aus dem Sonnenofen." Über atomare Prozesse im Sonneninneren und das Schicksal unseres Universums spricht Stephan Fichtner vom Heidelberger Max-Planck- Institut für Kernphysik.
Vom üblichen Schema - Treff jeweils am dritten Mittwoch im Monat in der VHS - weicht die Veranstaltung im April ab. Bereits am Dienstag, 20. April, berichtet Wilhelm Kegel von der Universität Frankfurt im Kurhaus über den Aufbau und die Entwicklung des Kosmos.
Am 19. Mai wenden sich die Astronomen der Astrologie zu. Mit Reinhard Wiechoczek, dem Leiter der Volkssternwarte Paderborn, spricht ein Referent, der sich in zwei Büchern als Experte für dieses benachbarte Thema ausgewiesen hat. Sein Thema: "Astrologie - Aberglaube im wissenschaftlichen Gewand." Nach den Worten erlaubt das Teleskop bei schönem Wetter einen Blick auf Planeten und Sternbilder.
Zum Sommeranfang berichtet Brigitte Peglow (Kronberg), als Gastreferentin in der Kurstadt schon bekannt, am 16. Juni, über "Die Sonne - unser nächster Stern." Von 19 Uhr an können die Zuhörer die untergehende Sonne durch die Linse in Augenschein nehmen. Bei allen Vorträgen kostet der Eintritt - ohne Anmeldung - sechs Mark.
Wer sich neu für die Sternkunde interessiert, dem bietet die VHS wieder einen Einführungskurs über zehn Abende an. Er beginnt am Montag, 15. Februar, und dauert jeweils von 19.30 bis 21 Uhr. Oliver Debus, Mitarbeiter Labuddes, leitet die Reihe. Die Teilnahme kostet 57 Mark; Anmeldungen sind mit der grünen Anmeldekarte der VHS möglich. THOMAS RÜGGEBERG
GROSS-UMSTADT. Alte Flaschenkorken nimmt der Bund für Umwelt- und Naturschutz in Groß-Umstadt schon seit zwei Jahren entgegen, um sie wiederverwerten zu lassen. Die Korken werden in Schweinfurt zu Granulat zerkleinert, das sich als Dämmaterial beim Holzhausbau sowie als Isolierung für Fußböden eignet.
Eine Sammelstelle hat der BUND in Groß-Umstadt in der Pfälzer Gasse 12. Größere Mengen können montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr beim Wurzelwerk in Groß-Umstadt-Richen abgegeben werden. sch
Auf einen Blick
Seite II GRÄVENWIESBACH. Ein halbes Jahr vor der Bürgermeister-Neuwahl dreht sich bereits das Personalkarussell. Amtsinhaber Hellwig Herber muß Konkurrenz von CDU und SPD fürchten. Weder der CDU-Spitzenkandidat für die Gemeindevertretung Bernhard Lindner, noch SPD-Fraktionschef Werner Knörr dementieren Gerüchte über mögliche Ambitionen. Seite III KRONBERG. Überraschung auf italienisch: In Porto Recanati fand am Wochenende bereits die offizielle Verschwisterung mit Kronberg statt. Dabei hatte die Delegation aus dem Taunus die Unterzeichnung der Urkunde erst für Mai geplant. Seite IV SPORT. Handball-Regionalliga Südwest: Ober-Eschbacherinnen hatten in Bruchköbel nichts zu bestellen.
STUTTGART, 18. Januar. Die Übereinkunft von Union, FDP und SPD zum Asylrecht hat bei einer Anhörung der Grünen im Stuttgarter Landtag ausgesprochen schlechte Noten bekommen. "Nicht mehr als eine leere Hülse wird vom Grundrecht auf Asyl übrigbleiben", prophezeite der Frankfurter Verwaltungsrichter und Dozent Bertold Huber. Die Vereinbarung verstoße in mehreren Punkten gegen die völkerrechtlichen Bestimmungen der Genfer Flüchtlinskonvention und werfe in anderen erhebliche Zweifel auf. Wie Huber sprach Michael Funke-Kaiser, Richter und derzeit Mitarbeiter beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, dem "Kompromiß" die Verfassungskonformität vor allem wegen mangelnden effektiven Rechtsschutzes ab.
Funke-Kaiser vertrat zwar zunächst die Auffassung, daß der Bundestag "grundsätzlich fast alles" dürfe und deshalb ein Grundrecht "auch so umschreiben darf, daß es in der Realität kaum zur Anwendung kommt". Denn: "Auch zynisches Verfassungsrecht ist nicht von vornherein zu beanstanden." Verfassungswidrig sei es aber etwa, Personen in sogenannte sichere Drittstaaten abzuschieben, wenn sie keine Möglichkeiten hätten, sich darauf zu berufen, daß der Drittstaat eben doch nicht sicher sei. Auch gebe es in EG-Ländern wie Irland oder Griechenland kein Rechtsbehelfs- Verfahren. Für verfassungswidrig und "auch nicht konsensfähig" bei den Karlsruher Verfassungsrichtern hielte es der Jurist ferner, wenn die Hürden für Asylbewerber zu hoch angesetzt würden, die ihre politische Verfolgung in einem sogenannten Nichtverfolgerstaat belegen wollen.
Laut Huber kann künftig nur noch seinen Asylanspruch durchsetzen, wer nach einem Direktflug aus dem Verfolgerstaat deutschen Boden betritt. So seien zuletzt nur acht Prozent der Asylbewerber gekommen. Die Folge entsprechender Gesetze werde sein, daß Nachbarstaaten ihrerseits keine Flüchtlinge mehr aufnähmen. Der Grünen-Abgeordnete Rezzo Schlauch versicherte, für seine Partei bleibe Artikel 16 "politisch unantastbar".
FLÖRSHEIM. Nach gutsherrlicher Art hat sich am Sonntag ein 34 Jahre alter Mann aus Wiesbaden zu einer Überlandpartie aufgemacht. Im Flörsheimer Stadtteil Weilbach war die Fahrt dann schneller zu Ende, als der Ausflügler angenommen hatte. In der Frankfurter Straße brach die Deichsel des Wagens.
Der Kutscher aus der Kurstadt verlor daraufhin die Kontrolle über das Gefährt. Der Wagen rollte zunächst über die andere Fahrbahnseite und kam schließlich am Zaun eines Anwesens zum Stehen.
Der 34 Jahre alte Ausflügler wurde nach Angaben der Polizei glücklicherweise nicht verletzt. Die von ihrer Last befreiten Pferde sollen ebenfalls wohlauf sein. Die Höhe des Sachschadens bezifferte die Polizei auf etwa 800 Mark. schu
WESTKREIS OFFENBACH. Angeführt vom italienischen Carneval-Club (ICC) werden die Dreieicher Narren am Samstag, 23. Januar, 15.11 Uhr, das Rathaus in Sprendlingen stürmen. Gleiches wird sich am Sonntag, 24. Januar, in Egelsbach zutragen: Die "Rädelsführer" der Karnevalsgesellschaft wollen sich mit allen streitbaren Narren um 15.30 Uhr vor dem Eigenheim treffen, um kurz vor 16 Uhr zum Sturm auf die Verwaltungshochburg anzusetzen. Nach dem vermutlich erfolgreichen Versuch ist neben Tanz und Musik der Einzug des Prinzenpaares in den Rathaussaal geplant. dac / leo
Die neue Wärmeschutzverordnung kommt. Bloß wann es endlich soweit ist, steht noch in den Sternen. Dringenden Handlungsbedarf attestierte die Bonner Koalition vor gut einem Jahr. "Auf die Raumwärme entfällt gut ein Drittel des gesamten Energiebedarfs, bei den privaten Haushalten sogar fast 80 Prozent", lautete die Diagnose der Bundesregierung im Dezember 1991, festgehalten im Energiebericht. Anzustreben sei deshalb bei Neubauten ein Niedrigenergiestandard, "wodurch eine Minderung des Energieverbrauchs um bis zur Hälfte im Vergleich mit den seit 1982/84 relativ hohen Anforderungen . . . erzielt werden könnte".
Bau- und Wirtschaftsressort erarbeiteten in den nachfolgenden Monaten denn auch zügig einen Referentenentwurf. In diesen flossen im Herbst 92 die Stellungnahmen anderer Ministerien und der Verbände ein. Dann war es um den Elan geschehen. Entwicklungshilfeminister Carl-Dieter Spranger (CSU) verhinderte durch Einwände, daß das Kabinett sich im Dezember mit dem Entwurf befaßte.
Das "Verhältnis von Nutzen und Kosten" stimme nicht, mäkelte Spranger, dessen Ministerium beim UN-Erdgipfel im vergangenen Juni in Rio de Janeiro vehement für einen umweltgerechteren Umgang mit fossilen Brennstoffen geworben hatte. Munitioniert wurde der CSU- Politiker vor allem von der in Bayern bedeutenden Ziegelindustrie und der dortigen Architektenkammer. Den Herstellern traditioneller, nicht zusätzlich gedämmter Baustoffe mißfallen die verschärften Anforderungen an die Wärmeundurchlässigkeit; sie fürchten um Marktanteile. Die Architekten wiederum kritisieren Eingriffe in Gestaltungsspielräume und führen hohe Kostensteigerungen ins Feld. In den nächsten Tagen, heißt es im Bauministerium, könnten die Planer nochmals ihre Bedenken darlegen. Ein fester Termin für die Beratung im Kabinett steht noch nicht fest.
Die Lobbyisten der Umweltverbände sind mit ihrem Hauptanliegen längst gescheitert. Sie hatten gefordert, das Gesetz müsse auch der Energieverschwendung im Wohnungsbestand einen Riegel vorschieben. Umsonst. Bei bestehenden Gebäuden sieht der Referentenentwurf nur bei Um- und Anbauten deutlich schärfere Auflagen vor. PETER ZILLER (Bonn)
FRIEDRICHSDORF. Ins neue Jahr gerutscht ist die Jahresabschlußversammlung des Roten Kreuzes Burgholzhausen: Die Bereitschaft lädt ein für Dienstag, 26. Januar, um 20 Uhr ins DRK-Heim. Sie wählt einen Vize-Bereitschaftsführer.
Zu einem knappen, aber verdienten 3:2- Erfolg kamen die Volleyballerinnen des TV Oberstedten in der Oberliga-Begegnung beim TV Wächtersbach. Die Schützlinge von Trainer Wolfgang Preussler hatten sich ihre Aufgabe beim 10:15, 15:4, 15:13, 16:17, 15:10 leichter vorgestellt. Probleme in der Annahme und im Angriff führten zu den beiden Satzverlusten. Dagegen lief es vor allem im zweiten Durchgang so richtig rund bei den Gästespielerinnen, den sie deutlich für sich entscheiden konnten.
Keine Chance hatten die Wächtersbacherinnen dann jedoch im Tie-Break, den sie durch ein 17:16 im vierten Satz erzwingen konnten, denn Oberstedten ging hier wieder - angetrieben von der sicheren Zuspielerin Gaby Kutschbach - sehr konzentriert zur Sache.
Außerdem spielten für den TV Oberstedten: Martina Acs, Uschi Heid, Britta Banaski, Tanija Mendrzyk, Steffi Tessner, Gudrun Aicher, Martina Ackermann, Alena Bena und Bettina Müller.
Die nächste Partie steht am Wochenende für den TV Oberstedten beim starken Mitaufsteiger TSV Spangenberg an. hm
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GELNHAUSEN. Über die neue Düsseldorfer Tabelle für den Kindesunterhalt referiert am Donnerstag, 21. Januar, die Rechtsanwältin Maria Rinkenberger-Binner im Gelnhäuser Frauenzentrum, Kuhgasse 8. Der Informationsabend beginnt um 20 Uhr. tja
Das Wetter
Wetterlage Während der Norden und Osten Deutschlands von schwachen Störungen überquert wird, überwiegt im Süden leichter Hochdruckeinfluß. Vorhersage bis Mittwoch früh Im Norden stark bewölkt und etwas Regen. Später Übergang zu wechselnder Bewölkung mit einzelnen Schauern. Im Süden nach Auflösung von Nebel heiter bis wolkig und trocken.
Tageshöchsttemperaturen 4 bis 8 Grad. Nachts im Süden meist klar, sonst Bewölkungsaufzug und aufkommender Regen. Tiefsttemperaturen im Süden um 1 Grad, sonst um 5 Grad. Schwacher bis mäßiger, im Norden frischer Wind aus Südwest bis West. Wochenvorhersage Mittwoch: Im Süden anfangs aufgeheitert, später wie im Norden stark bewölkt und zeitweise Regen. Temperaturen 8 bis 12 Grad. Nachts um 6 Grad. Stark auffrischender Südwestwind.
Donnerstag bis Freitag: Im Süden aufgelockert, sonst stark bewölkt und regnerisch. Frischer bis starker, im Norden stürmischer Wind um Südwest. Temperaturen um 10 Grad.
Samstag bis Montag: Wechselnde, vielfach starke Bewölkung mit Schauern, in höheren Lagen in Schnee übergehend. Am Alpenrand ab Sonntag länger andauernde Schneefälle. Naßkalt mit Tageshöchstwerten um 4 Grad.
Wetter und Temperaturen von Montag, 13.00 Uhr Ausland
Ort Wetter Grad
Algier
leicht bewölkt 18
Amsterdam
leicht bewölkt 7
Athen
leicht bewölkt 16
Brüssel
leicht bewölkt 8
Dublin
leicht bewölkt 8
Helsinki
wolkig 3
Istanbul
wolkenlos 9
Las Palmas
wolkig 20 Lissabon
leicht bewölkt 11 London
leicht bewölkt 8 Madrid
wolkenlos 6 Mallorca
leicht bewölkt 16 Moskau
wolkig 4 Paris
leicht bewölkt 7 Rom
stark bewölkt 12 Warschau
bedeckt 8 Wien
wolkenlos 13 Zürich
stark bewölkt 5
Deutschland
Berlin
wolkig 7 Feldberg/Ts.
wolkig 2 Feldberg/Schw.
in Wolken 0 Frankfurt/M.
wolkig 7 Freiburg
stark bewölkt 9 Garmisch
leicht bewölkt 5 Hamburg
wolkig 6 Köln/Bonn
wolkig 8 München
leicht bewölkt 8 Rostock
leicht bewölkt 5 Sylt
leicht bewölkt 6 Zugspitze
leicht bewölkt -6
Telefonansagedienste
Wettervorhersage 11 64 Reisewettervorhersage 1 16 00 Segelflugwetter 1 15 06 Medizinisch-meteorologische Tips, unter anderem für Allergiker und Herz-Kreislauf-Patienten 1 16 01 Smogwerte 06 11 - 58 12 42 (Wenn die Grenzwerte nach der Smogverordnung überschritten werden, melden wir dies an gesonderter Stelle.)
Sonnenaufgang 8.15 Uhr Sonnenuntergang 16.58 Uhr
FRANKFURT-SÜD. Narretei nach Oberrad brachte der Karnevalverein "Die Schlumpfe" Sachsenhausen. Im vollbesetzten Bürgertreff "Depot" am Buchrainplatz präsentierte das Sachsenhäuser Musik-Corps unter der Leitung von Georg Reiser zum Auftakt ein großartiges Bühnenspiel. Es folgte ein mehrstündiger Spaß, gemixt aus Büttenreden, Musikvorträgen, Gesang, Tanz und Showeinlagen. Einen herzlichen Empfang bereiteten die Narren auch den Frankfurter Tollitäten.
Der neue Sitzungspräsident Thomas Peukert hatte alles fest im Griff und Peter Kappler führte souverän Regie. Gleich nach Peukerts Begrüßung erzitterten die Bühnenbretter beim Gardetanz der Bornheimer "Pierrette"-Mädchen (einstudiert von Roswitha Herrlein), die später noch einen feschen Can-Can- Schautanz zeigten. Den Reigen in der Bütt eröffnete die "Wirtin" Margot Kappler. Weiter ging es mit dem Vortrag "Brunnenkönigin" von Carmen Abersfelder, der "Familie Fuchs" mit Vater Karl- Heinz und den Sprößlingen Dagmar und Christian, mit dem "eingebildeten Kranken" Willi "Bubi" May und einem "Käwwern"-Zwiegespräch nach echt Bernemer Art.
Die Oberräder "Wespen" steuerten einen sehr schönen Solotanz von Micha Busch bei, die "Pierrette" noch ihr Männerballett (lustige Matrosen), der Verein "Haneklasia" aus Steinau eine "Muppet Show" und die "Stimmungs-Philharmoniker". Zum großen Finale leitete schließlich der "Gefangenenchor" der Sachsenhäuser "Schnaken" über. dixi
In einem Zeil-Kaufhaus sind mittags zwei Taschendiebe entlarvt worden. Ein 20jähriger und seine um ein Jahr ältere Begleiterin wurden der Polizei übergeben. Die Frau war aufgefallen, als sie einer Kaufhauskundin gegen 13.30 Uhr das Portemonnaie aus der Handtasche zog. Als sich die Geschädigte umdrehte, ließ die Diebin die Geldbörse fallen.
Damit gab sich die Bestohlene nicht zufrieden. Sie packte die andere so fest an den Haaren, daß diese nicht davonlaufen konnte. Zeugen hatten derweil den 20jährigen überwältigt, nachdem der seiner Komplizin zu Hilfe kommen wollte. Dieser Mann entledigte sich einer Geldbörse, deren Verlust eine 55jährige Amerikanerin gerade auf dem 1. Revier angezeigt hatte. habe
wüp BERLIN. Nach heftigen Protesten aus den neuen Bundesländern hat die Bonner Koalition die geplante Vermögensabgabe für "redliche Erwerber" gestrichen, also für jene Ostdeutschen, die bis zum 18. Oktober 1989 Haus-, Wohnungs- oder Grundstückseigner in der DDR wurden. Über weitere Änderungen am vorliegenden Referentenentwurf des Entschädigungsgesetzes werde noch verhandelt, heißt es im Bundesfinanzministerium. Die für den 27. Januar geplante Verabschiedung im Kabinett ist freilich geplatzt. Denn nun tut sich eine Lücke von rund einer Milliarde Mark im Entschädigungsfonds auf, deren Deckung ungeklärt ist. Durch den Einnahmeausfall ist das Ziel von Finanzminister Theo Waigel (CSU) gefährdet, die Befriedigung von Alteigentümern, die ihr früheres Hab und Gut in der Ex-DDR nicht zurückerhalten, ausschließlich aus dem Fonds und nicht aus Steuergeldern zu finanzieren.
Im brandenburgischen Finanzministerium wurde der Bonner Beschluß begrüßt. "Ein wichtiger Streitpunkt ist damit vom Tisch", heißt es in Potsdam. Sowohl die Finanzminister der neuen Länder als auch die ostdeutschen CDU-Bundestagsabgeordneten um Verkehrsminister Günther Krause hatten gegen die für "redliche Erwerber" geplante halbe Vermögensabgabe von 16,66 Prozent protestiert, da sie für die Betroffenen, die zumeist in den Häusern wohnten, eine "soziale Härte" darstelle. Ostdeutsche und westdeutsche Alteigentümer, die ihren enteigneten Besitz nun vom Staat zurückerhalten, sollen dagegen weiterhin eine Vermögensabgabe von einem Drittel bezahlen (basierend auf den Einheitswerten von 1935, multipliziert je nach Vermögensart mit einem Faktor zwischen vier und 27). Bonn hofft so insgesamt auf 13 Milliarden Mark für die Entschädigung, die von 1996 an fließen soll.
Nicht ausgeschlossen wird wegen der Milliardenlücke nun ein neuerlicher Streit in der Bonner Koalition über die Kappung der Vermögensabgabe in besonderen Fällen. Diese Regelung hatten das Bau- und das Wirtschaftsministerium in den Beratungen durchgesetzt. Sie sieht bisher vor, daß die Abgabe bis auf 30 Prozent verringert werden kann, sofern derjenige, der Haus oder Betrieb zurückbekommt, nachweist, daß der Restbetrag in die Sanierung gesteckt wird.
Günter Grass möchte die Darstellung seiner Haltung zu UN-Einsätzen der Bundeswehr korrigiert sehen ("Zurücktreten, um sich treu zu bleiben", FR vom Samstag). Er legt Wert auf die Feststellung, daß sich die Bundeswehr an UN-Einsätzen beteiligt, aber in Form einer "Bekämpfung von Hungersnöten und Katastrophen". Nur so werde seine Einschätzung verständlich, daß die Bundeswehr für diese neuen Aufgaben umgerüstet werden müsse und auch "Wehrdienstverweiger für ein solches Konzept Interesse aufbringen könnten". FR
Kulturspiegel
OFFENBACH. Der 6. "Schriftsteller im Bücherturm", Jürgen Groß, liest am Mittwoch, 20. Januar, 20 Uhr, im Bücherturm, Herrnstraße 84, aus seinen Werken.
Märchen in türkischer Sprache liest Zeyneb Bassa am Donnerstag, 21. Januar, 15 bis 16.30 Uhr, im Klingspor- Museum, Herrnstraße 80, vor. Anmeldungen unter Tel. 80 65 - 32 37.
"Die Pampel-Muse zieht durchs Land" heißt das Programm der Kabarettistin Almut Grytzmann, die am Freitag, 22. Januar, zu Gast bei der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) im Kolpinghaus, Luisenstraße 53, ist. Beginn: 19.30 Uhr.
Jazz und Jazzrock ist am Freitag, 22. Januar, von der Gruppe Odysseus Broz im Isenburger Schloß, Schloßstraße 66, zu hören. Das Konzert beginnt um 21 Uhr.
Moderner Jazz und Post-Bop wird Jazzfans ebenfalls am Freitag im "Mezza Luna", im Bootshaus der Rudergesellschaft "Undine", geboten. Um 22 Uhr spielt dort das Marcus Oeschger Quartett.
Spaßige Geschichten mit den Schattenfiguren Karagöz und Hacivat führt Hatice Güler-Meisel am Samstag, 23. Januar, um 15 Uhr und am Sonntag, 24. Januar, um 11 Uhr im Klingspor- Museum, Herrnstraße 80, vor.
In der Reihe des 3. Lauterborner Klavierfrühlings sind am Samstag, 23. Januar, Sonaten von Scarlatti, Mozart, Chopin und Brahms zu hören. Charakterstücke von Grieg, Schumann, Prokofjew und anderen werden am Sonntag, 24. Januar, gespielt. Weiter geht es am Dienstag, 26. Januar, mit Suiten und Fantasien von Mozart, Debussy, Chopin und Schumann. Alle Konzerte beginnen um 19.30 Uhr in der Richard-Wagner-Straße 115.
Jerry Sterners Komödie "Geld anderer Leute" ist am Samstag, 23. Januar, 19 Uhr, im Bühnenhaus des Theaters in der Goethestraße zu sehen.
"Musik - zwei - drei" heißt das Stück des Kindertheaters Töfte, das am Dienstag, 26. Januar, um 11 Uhr auf der Studiobühne, Kaiserstraße, aufgeführt wird.
MÜHLHEIM. August von Kotzebues Sturm-und-Drang-Posse "Die respektable Gesellschaft" zeigt das transparente theater am Mittwoch, 20. Januar, im Kino Augenblick, Bahnhofstraße 77. Beginn ist um 19.30 Uhr. fra
pit FRANKFURT A. M., 18. Januar. Gegen die Berufung des 73jährigen Hans-Joachim Sewering zum künftigen Präsidenten des Weltärztebundes werden Proteste aus der deutschen Ärzteschaft laut. Sewering war 1933 in die nationalsozialistische SS und ein Jahr später in die NSDAP eingetreten.
Der Göttinger Universitätsmediziner Michael M. Kochen ruft in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift für Allgemeinmedizin dazu auf, die am 1. Oktober vorgesehene Amtsübernahme Sewerings durch einen neuen Beschluß zu verhindern. Gerade in Zeiten, in denen "ein guter Teil der deutschen Bevölkerung couragiert gegen Rassismus, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit demonstriert", sei eine Präsidentschaft Sewerings "untragbar". Der Vorsitzende des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte, Winfried Beck, kündigte Widerstand gegen Sewerings Berufung beim Deutschen Ärztetag im Mai an. Sewering war von 1973 bis 1978 Präsident der Bundesärztekammer und seit 1971 Schatzmeister des Weltärztebundes. Bis vor zwei Jahren führte er die bayerische Landesärztekammer.
Der Taxiservice der Stadtwerke wird immer beliebter. Im vergangenen Jahr bestellten erstmals mehr als 1000 Fahrgäste ein Auto zur Zielhaltestelle, um von dort aus die letzte Strecke mit der Droschke zurückzulegen. Wie Stadtwerkesprecher Frank Döbert sagte, lag der neue Rekord mit 1058 Bestellungen deutlich über dem Wert des Vorjahres. 1991 waren insgesamt 899 Kunden an einer Haltestelle des öffentlichen Nahverkehrs in ein Taxi umgestiegen.
Das Serviceangebot der Stadtwerke wurde 1985 eingeführt und beschränkte sich damals lediglich auf die Endhaltestellen der U-Bahnen, Straßenbahnen und Omnibusse und galt auch nur für die Zeit nach 22 Uhr. Lediglich Schwerbehinderten und Blinden riefen die Fahrer der Busse und Bahnen auch tagsüber ein Taxi. Der Fahrer meldete den Wunsch des Kunden per Funk an die Stadtwerkeleitstelle. Diese verständigte die Taxizentrale, so daß der Wagen nach Möglichkeit bereits bei der Ankunft des Busses oder der Tram an der Haltestelle wartete.
Mit dem 1. Januar 1991 weiteten die städtischen Verkehrsbetriebe ihr Angebot aus. Fortan konnten die Taxis zu jeder Uhrzeit zu (fast) allen Haltestellen geordert werden. Ausgenommen blieben lediglich zentrale Stationen wie Flughafen, Hauptwache oder Konstablerwache, da dort im Regelfall immer ausreichend Droschken zur Verfügung stehen.
Es folgte die Einbeziehung der Nachtbusse und der seit 10. Januar im Frankfurter Norden verkehrenden (privaten) Kleinbusse.
Sowohl Stadtwerkesprecher Döbert wie auch Walter Cambeis, Geschäftsführer der Taxizentrale, sprechen von einer "hervorragenden Zusammenarbeit". Vereinzelte Beschwerden über angeblich ausgebliebene Taxen haben nach Darstellung Cambeis "in aller Regel" den gleichen Grund: "Die Leute waren zu ungeduldig, weil nicht sofort ein Wagen kam."
Allerdings: Ganz ohne Reibungsverluste scheint die Kooperation nicht zu laufen. Während die Stadtwerke bislang davon ausgingen, daß die Frankfurter Taxizentrale auch Fahrzeuge ins Umland schickt - beispielsweise zur Endhaltestelle des 53er Busses in Hattersheim, zur Linie 14 an die Stadtgrenze von Neu- Isenburg oder zum 30er Bus nach Bad Vilbel -, bedienen Frankfurter Taxen nach Angaben von Cambeis diese Haltestellen "nur in Ausnahmefällen, wenn gerade eines unserer Autos in der Nähe ist". Ansonsten ist den Droschken die Anfahrt zu weit.
Zwar könnten die Frankfurter die Kollegen aus dem Umland telefonisch von den Fahrtwünschen der FVV-Kunden verständigen, doch dafür, sagt Walter Cambeis, "fehlt uns die Zeit". Die Umlandproblematik, zieht Stadtwerkesprecher Döbert den Schluß "aus der für uns überraschenden Darstellung der Taxizentrale", bedarf "offenbar eines klärenden Gesprächs". gang
WÄCHTERSBACH. Erst im zweiten Anlauf ist es Einbrechern gelungen, in die Gesamtschule Wächtersbach einzudringen. Die Unbekannten, die Freitag nacht noch vor einer verschlossenen Tür zum Physikraum kapitulierten, gelangten nun zwei Tage später in den Lehrraum und entwendeten von dort ein Videogerät.
Laut Kripo hatten die Diebe "Ortskenntnis". jan
BAD VILBEL. 52 000 Mark Bargeld hat am Montagmorgen ein Unbekannter beim bewaffneten Raubüberfall auf die Filiale der Sparkasse Wetterau in Gronau erbeutet. Der Mann ist flüchtig. Nach ihm wurde bei Redaktionsschluß noch gefahndet.
Wie die Kriminalpolizei mitteilt, hatte der 26 oder 27 Jahre alte auffällig mit einem knallroten Blouson und Blue Jeans bekleidete, 1,85 Meter große Mann kurz nach acht Uhr in unmittelbarer Nähe der Schulbushaltestelle gewartet und um 8.25 Uhr die mit dem Auto zum Dienst kommende Angestellte mit einer Handfeuerwaffe gezwungen, die Bank und einen Tresor zu öffnen. Dem Tresor entnahm er die Beute und flüchtete zu Fuß in Richtung Neue Straße.
Der Mann wird als schlank und von gepflegter Erscheinung beschrieben und hat kurzes blondes Haar. Er war nicht maskiert. Die Kripo, Tel. 0 60 31 / 60 10, bittet um Zeugenhinweise. Der Mann muß vor der Tat von vielen Personen bemerkt worden sein. Insbesondere soll sich eine ältere Person melden, die vermutlich gesehen hat, wie der Mann an das Auto der Angestellten herantrat. Wie die Kriminalpolizei ergänzend mitteilt, sind im vorigen Jahr in Gronau am 26. Juni und am 5. August zwei andere Bankfilialen überfallen worden. am 16. Juli und am 10. November waren Bankfilialen in Massenheim überfallen worden. Je einer der Überfälle wurde aufgeklärt. Insgesamt sind im Wetteraukreis im vorigen Jahr 21 Banken überfallen worden, wobei neun Fälle geklärt wurden. Die 21 Banküberfälle sind ein Rekord. hm
LINSENGERICHT. Die Sozialdemokraten läuten den Wahlkampf mit einer ungewöhnlichen Verzichtserklärung ein: Wenn die SPD ans Regieren in der Großgemeinde kommt, so die Botschaft an die Wähler, wird sie den Stuhl des Bürgermeisters Theo Ratzka unangetastet lassen. Ratzka, formal jedenfalls ein Mann der Bürgerliste, stellt sich am 9. Mai zur Wiederwahl - über die nach der neuen Regel erstmals alle wahlberechtigten Bürger und nicht nur das Parlament zu entscheiden haben. Die SPD will keinen Gegenkandidaten aufstellen, falls sie bis dahin die Macht in der Gemeindevertretung erobert hat.
Da von der Direktwahl abgesehen die Position des Bürgermeisters keinen wesentlichen Machtzuwachs erhält, glauben die Sozialdemokraten an ein Arrangement mit dem als umgänglich und absolut integer bekannten Ratzka. Schon seit geraumer Zeit vermittelt das kommunalpolitische Geschehen in der Gemeinde den Eindruck, daß Ratzka die größten Probleme nicht mit der Opposition hat. Mehrmals brachten ihn Mannen aus den eigenen Reihen, voran der gelegentlich als "Überbürgermeister" apostrophierte streitbare Listenführer Otto Wagner ins Schleudern.
Nicht immer stieß Ratzkas Einsicht in Notwendigkeiten und Grenzen des Machbaren bei der Bürgerliste auf Gehör. Manches Mal half die SPD dem Bürgermeister über die Klippen und lieferte die Stimmen für die "Bürgermeistermehrheit" im Parlament.
Ratzka sei "immer fair" gegenüber der SPD gewesen, so die offizielle Lesart zur Begründung des Verzichtes auf den Chefsessel im Rathaus. So können sich die Sozialdemokraten vorstellen, eine noch intensivere Zusammenarbeit zu ermöglichen, zumal doch die Bürgerliste zur Genüge gezeigt habe, daß sie "ohne Phantasie und konzeptionslos Politik macht", wie SPD-Fraktionschef Bernd Becker meint. Für die SPD kommt es nun darauf an, den Linsengerichtern deutlich zu machen, daß erstmals die Parlamentswahl nicht indirekt gleichzeitig über den Bürgermeister entscheidet. Die Ausgangsüberlegung bei den SPD-Wahlstrategen ist die Annahme, daß es ein beträchtliches Potential SPD-freundlicher Wähler gibt, die gleichwohl ihren Bürgermeister im Amt belassen wollen, auch wenn seine Couleur eine andere ist.
Die bisherigen Wahlergebnisse scheinen das zu bestätigen. Stets waren die Werte der SPD bei überörtlichen Abstimmungen drastisch besser als bei der Gemeindewahl.
Ohne den Bürgermeisterbonus gegen sich zu haben, hoffen die Sozialdemokraten auf kräftigen Zuwachs. "Wir kämpfen um die absolute Mehrheit", sagt Becker, und prophezeit "einen spannenden Wahlkampf". Schließlich sei die SPD in den vergangenen vier Jahren die gestaltende Kraft in der Gemeindevertretung gewesen. Nicht zuletzt hätten die Sozialdemokraten den Bau der Turnhalle Lützelhausen, den Ganztagskindergarten in Altenhaßlau und die Betreuungsschule in Eidengesäß auf den Weg gebracht.
Auch die Sicherung des Schulstandortes Altenhaßlau rechnet die SPD zu ihren Verdiensten, nicht anders als die projektierten Erweiterungen der Feuerwehrgerätehäuser in Geislitz und Eidengesäß. Sollten solche Verdienste im Verein mit projektierten Veränderungen hin zu mehr Umwelt- und Menschenfreundlichkeit im Linsengericht für die absolute Mehrheit nicht ausreichen, kommt für die SPD auch eine Koalition in Betracht. Mögliche Partner wären die Grünen, falls ihnen im ersten Anlauf der Sprung ins Parlament gelingt. Aber Bernd Becker schloß im Gespräch mit der FR auch nicht aus, daß eine Zusammenarbeit mit der CDU, jetzt noch mit der Bürgerliste liiert, in Erwägung gezogen werden könnte. lex
ESCHBORN. Gleich zweimal ist ein 22 Jahre alter Asylbewerber aus Bangladesch am Wochenende Opfer von Überfällen geworden.
Am Samstag abend war der junge Mann zusammen mit einem 17jährigen Asylbewerber im S-Bahnhof Eschborn angekommen. Nachdem die beiden Jugendlichen gegen 23.20 Uhr den Bahnhof betreten hatten, forderte der 17jährige das Geld des 22jährigen. Der junge Mann aus Bangladesch weigerte sich, das Geld herauszugeben. Daraufhin durchsuchte der 17jährige die Taschen seines Kollegen und soll 20 Mark entwendet haben. Nach Angaben der Polizei soll der Jugendliche aus Algerien mehrfach nach dem 22jährigen geschlagen und gedroht haben, ihn zu erschießen. Beamte nahmen den Asylbewerber aus Algerien fest, der später auf Anweisung der Staatsanwaltschaft wieder entlassen wurde.
Einen Tag später wurde der 22jährige erneut Opfer eines Überfalles. Gegen 22.50 Uhr kamen ihm in der Elisabethenstraße in Eschborn zwei Männer entgegen. Das Duo forderte den jungen Mann auf, Geld und Zigaretten herauszugeben. Zugleich hätten die Täter auf den 22jährigen eingeschlagen und ihn mit Füßen getreten. Nach Angaben des Opfers sollen die beiden Männer Algerier sein. Der 22jährige Asylbewerber aus Bangladesch erlitt bei dem Überfall Prellungen und Platzwunden am ganzen Körper. schu
In der Albert-Griesinger-Schule fehlen nach wie vor Aufzüge zu den im Obergeschoß liegenden Klassenräumen. Behinderte Kinder, die im Rollstuhl sitzen, dorthin zu bringen, ist sehr umständlich und zeitaufwendig. Der Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) will deshalb auf Initiative der CDU-Fraktion vom Magistrat wissen, wann die Aufzüge nun installiert werden können. jot
Wie hoch sind die bisherigen und die (geschätzten) künftigen Kosten für die Einrichtung von Tempo-30-Zonen im Ortsbezirk 8 (Nordweststadt, Heddernheim, Niederursel)? Das will der Ortsbeirat in einer CDU-Anfrage wissen, die gegen die Stimmen der Grünen verabschiedet wurde. Außerdem fordert das Gremium eine Auskunft über die Höhe der Werbekosten. jot
Die interessante Sportnotiz
Hilfe für ostdeutschen Fußball Kein Geld, aber organisatorische Hilfen sollen die ostdeutschen Fußballklubs von ihren westdeutschen Kollegen erhalten. Dies beschloß der Ligaausschuß am Wochenende in Darmstadt. Auf Kosten der Liga sollen Fachleute für EDV und das Haushaltswesen den Vereinen helfen. Pyka liegt in der Neuro-Chirurgie Mit Verdacht auf Gehirnblutung wurde der Krefelder Eishockey-Nationalspieler Reemt Pyka am Sonntag in die neurochirurgische Klinik Düsseldorf eingeliefert. Pyka war nach einem Ellbogencheck des Landshuters Tobias Abstreiter im Bundesligaspiel am Sonntag in Krefeld mit dem Hinterkopf aufs Eis geschlagen. Sanierungsrat soll KSV Kassel retten Ein Sanierungsrat soll den mit rund zweieinhalb Millionen Mark verschuldeten hessischen Fußball-Oberligisten KSV Hessen Kassel vor dem Konkurs bewahren. Kassels Bürgermeister und Sportdezernent Ludolf Wurbs gaben am Wochenende bekannt, daß sich die Stadt gemeinsam mit Wirtschaftsvertretern und dem Klub um die Sanierung bemühen werde. Dickhaut und Cakici bleiben in Kassel Mirko Dickhaut, der einen Profivertrag bei Eintracht Frankfurt unterschrieben hat, und Ali Kayhan Cakici, der wahrscheinlich zum VfR Limburg wechseln wird, werden nun doch bis zum Ende der laufenden Serie beim Fußball-Oberligisten Hessen Kassel bleiben. Maskes WM-Kampf in Düsseldorf Der dreimal verlegte Weltmeisterschaftskampf von Profiboxer Henry Maske wird am 20. März in Düsseldorf ausgetragen werden. Maske boxt gegen Weltmeister Charles Williams aus den USA um den Titel der International Boxing Federation (IBF) im Halbschwergewicht. Natalie Siebel gewann Surf-Weltcup Die Konstanzerin Natalie Siebel feierte beim ersten Surf-Weltcup des Jahres den Gesamtsieg. Der 23jährigen genügte vor Silver Rock/Barbados ein Tagessieg im Wellenreiten. In dieser Disziplin ist sie auch Weltmeisterin. Short und Timman wieder remis Auch die sechste Partie des Finales im Schach-Kandidatenturnier um die Herausforderung von Weltmeister Garri Kasparow (Rußland) endete zwischen dem Briten Nigel Short und dem Niederländer Jan Timman in El Escorial am Montag mit einem Remis. Der 27jährige Short führt nach der sechsten von 14 Partien gegen seinen 14 Jahre älteren Kontrahenten aus den Niederlanden mit 3,5:2,5.
Einigkeit bei CDU und SPD, aber kein Ausweg: So manches Kommunalparlament ist schlicht und einfach zu groß&rquote; 800 000 Mark Kosten und jede Menge Leerlauf Kreistag hat mehr Abgeordnete als mancher Landtag Von Stefan Kuhn HOCHTAUNUSKREIS. Der Brandenburgische Landtag besteht aus 88 Abgeordneten, der von Schleswig-Holstein aus 74. Mecklenburg-Vorpommern kommt mit 66 Volksvertretern aus, das Saarland gar mit 51. Hessen mit seinem 34-Milliarden-Etat und 5,6 Millionen Einwohnern wird von 110 Abgeordneten regiert - und die 215 000 Hochtaunus-Bewohner leisten sich für einen 375-Millionen-Etat einen Kreistag mit 81 Mitgliedern. "Die sind natürlich unterbeschäftigt", urteilt Gerd Krämer, als Fraktionschef der Kreistags-CDU fachkundig. "Die Gemeindeparlamente sind schlicht und einfach zu groß", stimmt ihm Helmut Bruns, Geschäftsführer der Kreis-SPD, zu. Ändern läßt sich auf die Schnelle wenig, die Zahl der Abgeordneten ist in Gemeinde- und Landkreisordnung festgeschrieben - und die wurde gerade erst überarbeitet. Der Kreistag will wenigstens an den Ausschüssen sparen. Für den Bad Homburger Kreistagsabgeordneten Lutz Elbert, Vorkämpfer für kleinere Parlamente in der CDU, sind Stadtverordnetenversammlung, Kreistag und Umlandsverbandstag (105 Abgeordnete) angesichts ihrer Kompetenzen verglichen mit den Landesparlamenten schlicht "aufgemotzt". Doch obwohl auch sein SPD-Kreistagskollege Helmut Bruns sie für "einfach zu groß" hält - die partei- übergreifende Einigkeit bleibt folgenlos.
"Es gibt keinen Spielraum", bescheinigt Gert-Uwe Mende, Sprecher des hessischen Innenministers, den Kreis- und Gemeindeparlamenten Einflußlosigkeit in eigener Sache. Für Kreise mit 200 001 bis 300 000 Einwohnern schreibt die Kommunalverfassung bindend 81 Abgeordnete vor, das Parlament der Kreisstadt Bad Homburg muß laut Gemeindeordnung 59 Sitze umfassen. Kleiner kann es nur werden, wenn die Einwohnerzahl sinkt - mit rund 2000 Einwohnern weniger würde Bad Homburg unter die 50 000er Marke rutschen und bräuchte nur noch 45 Abgeordnete.
Kleinere Zahlen festzuschreiben wurde bei der im Mai abgeschlossenen Überarbeitung der Kommunalverfassung im Innenministerium nicht einmal diskutiert, so Mende, "das Anliegen wurde auch nicht an uns herangetragen". Das soll sich ändern. Krämer will die Landtagsabgeordneten der Hochtaunus-CDU, Wilhelm Küchler aus Kronberg und Bernd Hamer aus Bad Homburg, einschalten.
Der Kreistag habe immer weniger zu entscheiden, argumentiert Krämer. Zuletzt habe die Direktwahl dem Parlament die Aufgabe genommen, den Landrat zu wählen; davor haben die geschrumpften finanziellen Spielräume die Gestaltungsmöglichkeiten auf Schule und Kultur beschränkt: "99 Prozent des Haushalts sind Pflichtaufgaben." Angesichts des geringen Entscheidungsspielraums ist für den CDU-Fraktionschef die Zahl von 81 Abgeordneten "abstrus". Er möchte sie glatt halbieren, 41 Abgeordnete seien sinnvoll.
Diese Zahl sei groß genug, "daß auch eine kleine Fraktion noch arbeiten kann und alle Gemeinden in den großen Fraktionen vertreten sind", urteilt Gerd Krämer: "Wir haben in der CDU-Fraktion darüber gesprochen, dort ist großes Einvernehmen gewesen." Die SPD hat sich nicht offiziell mit der Kreistagsgröße befaßt. Da die Kommunalverfassung erst kürzlich geändert wurde, ist Krämers Vorschlag für Helmut Bruns ohnehin "für die nahe Zukunft illusorisch".
Die Verringerung der Ausschüsse hat der Kreistag dagegen selbst in der Hand. "Wer vom Sparen redet, sollte bei sich anfangen", hat Krämer im Parlament als Parole ausgegeben. Die CDU-Fraktion hat sich bereits früher einstimmig für eine Halbierung der Ausschußzahl von acht auf vier ausgesprochen. Dies hinderte sie allerdings nicht, bei den Etatberatungen gemeinsam mit der FDP einen entsprechenden SPD-Antrag (Bruns: "Wir haben als einzige versucht, das umzusetzen") abzulehnen. Man wolle dem neuen Kreistag, der im März gewählt wird, nicht arrogant vorgreifen, hieß es.
Dieser wird sich jedoch mit vier oder fünf Ausschüssen begnügen, meinen Bruns und Krämer übereinstimmend. Sport und Kultur, Jugend und Schule Weniger Ausschüsse? könnten beispielsweise dann von einem statt von jetzt zwei Ausschüssen bearbeitet werden, der zudem seltener tagen soll. Krämer verweist auf baren Gewinn: "Das wird auch zu einer Einsparung bei den Sitzungsgeldern führen."
Rund 3000 Mark bringt jede gesparte Ausschußsitzung der Kreiskasse; auf diese Summe addieren sich die 60-Mark-Sitzungsgelder für Ausschuß und das vorhergehende Treffen der Fraktionsarbeitsgruppen, der Ersatz von Verdienstausfall und Fahrtkosten für die 15 Mitglieder. Wenn's ums Geldsparen geht, wäre eine Verkleinerung des Kreistags weit gewinnbringender: 1440 Mark erhalten alle Abgeordneten pro Jahr, zudem gehen 900 Mark je Mitglied an die Fraktionen - macht Grundkosten von 2340 Mark je Abgeordneten ohne eine einzige Sitzung.
Den Parteivertretern geht es allerdings nicht in erster Linie ums gesparte Geld. Wichtiger ist Bruns und Krämer die gestraffte und effektivere Kreistagsarbeit, "frei von Leerlauf", so der CDU-Fraktionschef. Mit den vielen Sitzungen "macht man Politik wirklich unattraktiv", klagt er. Schließlich tage zu jedem Ausschuß ein Fraktionsarbeitskreis, und "bei uns ist jeder in zwei Ausschüssen", berichtet er aus dem Alltag gestreßter Politiker, die zudem meist zusätzlich in ihren Gemeinden aktiv sind.
Probleme von Parteien, ihre Kandidatenlisten zu füllen, zeigen für Lutz Elbert schon jetzt die Folgen. Die Straffung der Arbeit soll deshalb laut Gerd Krämer "genug und vor allem die richtigen Bürger motivieren, in den kommunalen Parlamenten mitzuarbeiten".
MAINTAL. Wer getrennt sammelt, wird belohnt. Das ist der Kern der Müllgebührensatzung, die seit 1. Januar gilt. Die Stadt verschickt Bescheide mit der Aufforderung, per Rückantwort mitzuteilen, welche Tonnen benutzt werden. Wer nur die Restmülltonne (schwarz oder grau) benutzt, zahlt 3,10 Mark pro Liter. Bei Mitbenutzung einer weiteren Tonne (grün oder braun) sind nur 2,75 Mark fällig, und lediglich 2,50 Mark werden kassiert, wenn alle drei Tonnen benutzt werden.
Berechnungsgrundlage ist die Größe der Restmülltonne. Das hat viele Bürger zu der Überlegung geführt, sie könnten mit einer kleineren Restmülltonne - etwa mit nur 50 statt 120 Litern Inhalt - nochmals Geld sparen. Zudem wird der Einwand vorgebracht, mit größeren Tonnen würde nicht zur Müllvermeidung angeregt.
Dazu erklärte der Leiter des Amtes für Finanzen und Steuern, Horst Werner auf Anfrage der FR. "Wir müssen uns als Verwaltung an die Satzung halten, wobei 16 bis 18 Liter pro Woche und Kopf zugrunde gelegt werden. Bundesweit geht man von 25 Litern aus, und die Stadt Hanau liegt beispielsweise noch bei 25 bis 35 Litern. Seit Jahr und Tag hat Maintal weitum - und meines Wissens sogar bundesweit - den niedrigsten Ansatz. Wir rechnen bei drei Personen mit 48 Litern, das heißt, mit einer 50-Liter- Tonne wird der Satzung entsprochen", rechnet Werner vor.
Schwierig werde es bei einem 4-Personen-Haushalt (4x16=64 Liter), das heißt, eine 80-Liter-Tonne wäre sogar noch für einen 5-Personen-Haushalt gut. "Aber die 80er haben wird nicht", bedauert Werner. Es gibt nur Tonnen mit 50, 120 und 240 Litern und Container mit 1,1, 4 und 7 Kubikmetern.
"Ohne Abfalltrennung hatten die Leute schon von sich aus mehr Volumen gefordert. Jetzt aber, wo die Tonnen aufgrund der Trennung nur noch halb voll werden, wollen die Leute nochmals sparen. Aber das geht nicht, denn aus den Gebühren für die Restmülltonnen muß die Stadt auf ihre Gesamtkosten kommen." pom
In den beiden Kammern des italienischen Parlaments geht es zu wie in einem Wanderzirkus. Für jeden Geschmack wird etwas geboten: Wie Trapezkünstler, Dompteure, Parterreakrobaten und Clowns treten Christdemokraten und Sozialisten auf, alte und neue Kommunisten, Liberale und Republikaner. Separatisten und Radikale wirbeln durcheinander, Mafia- Gegner, Rentner, Grüne, Tiroler und Neofaschisten. Wahrscheinlich habe ich noch ein paar vergessen, denn nach den Aprilwahlen des vergangenen Jahres zählte man in Rom 16 Programmnummern, die sich Fraktionen nennen.
Ein solches Ensemble ist selbst für die auf ihre Individualität bedachten Italiener zu bunt. Aus diesem Grund studierten sie die europäischen Konkurrenzunternehmen in London, Paris und Bonn und kamen zu dem Schluß, daß dort zwar weniger Artisten am Römischer Zirkus Werke sind, dafür aber nur diejenigen Kräfte, die auf viele Publikumsstimmen zählen können. "Das machen wir auch", jubelten die Reformer in Rom und gaben ihrem geplanten Zirkus schon einen Namen: Zweite Republik.
Leider war keiner aus der Truppe damit einverstanden, daß seine Programmnummer gestrichen wird. Selbst der kleinste Jongleur verlangte eigensinnig, seine Bälle werfen zu dürfen, und der Magier, der nicht einmal eine Jungfrau zersägen konnte, hielt sich für einen unersetzlichen Star. Aber auch die Reformer in der Manege waren zerstritten und kamen zu keinem gemeinsamen Urteil. Der Dompteur knurrte grimmig, Seiltänzer seien nicht mehr modern und gehörten abgeschafft. Die Kunstreiter meinten verächtlich, der Feuerschlucker lasse die Zuschauer kalt. Die fliegenden Menschen am Trapez fragten ungeduldig, wozu der Zirkus überhaupt einen Tierpark brauche.
Nun gut, das Publikum sollte entscheiden! "Aber jede Stimme muß gezählt werden", schrien die Proportionalisten in der Truppe; sie gehörten meist den kleineren Grüppchen an und befürchteten, unter die Räder des Zirkuswagens zu geraten. "Nur wer den stärksten Beifall bekommt, darf auftreten", widersprachen die Mehrheitsanhänger, die sich ihrerseits in eine englische und eine französische Fraktion spalteten, je nachdem ob sie die Methoden des Londoner oder des Pariser Zirkus für besser hielten. "Für die Nachmittagsvorstellung zählt das eine, für den Abend das andere System", schlugen endlich die Rückversicherer vor. "Nicht in Rom, sondern in Mailand muß der Zirkus sein Hauptquartier haben", bellte der knochige Schwertschlucker. Einer, der aufreizend mit Hammer und Sichel jonglierte war sogar der Meinung, alle Mehrheitsartisten taugten nichts und dürften deshalb nicht mitbestimmen.
Dramatisch wurde die Lage, als einer der Direktoren mit den Einnahmen einer ganzen Woche durchbrannte. Die Polizei sucht noch heute nach ihm. Im Publikum vor dem großen Zelt wurden derweil Stimmen laut, den alten Zirkus überhaupt abzuschaffen. Er sei viel zu teuer. Und weil Römer sich oft nur spät, manchmal auch gar nicht entscheiden können, wird über den geeigneten Weg zur Zweiten Republik noch immer diskutiert. SIRIUS
"Wir wollten denen so richtig schön auf die Nerven gehen - und das ist uns wohl geglückt." So bilanziert Doris Rüger, Sprecherin der Frankfurter "Greenpeace"-Kontaktgruppe, den Erfolg einer Protestaktion vom Sonntag abend im Zoo-Gesellschaftshaus.
20 "Greenpeace"-Mitstreiter hatten sich nach dem Ende einer Diaschau des norwegischen Fremdenverkehrsamtes in die Saaltüren gestellt und keinen der Besucher passieren lassen, ohne ihm ein Flugblatt in die Hand zu drücken. In einer "zweiten Reihe" wurden Transparente entrollt. Gemeinsame Botschaft auf Handzetteln und Spruchband: "Stoppt den Walfang!"
Gemeint war die Ankündigung der norwegischen Regierung, skandinavischen Fischern die "kommerzielle Jagd auf Minkewale" zu gestatten. Die Erlaubnis widerspricht einem Verbot der "Internationalen Walfang-Kommission" (IWC) aus 1985.
Die Folgen des norwegischen Ausscherens laut "Greenpeace": "Drastischer Rückgang der Bestände und langes qualvolles Sterben der Tiere. Der Todeskampf kann 50 Minuten und mehr andauern."
"Greenpeace" steht mit dem Protest nicht allein. Das Europäische Parlament und EG-Vizepräsident und -Fischereikommissar Manuel Marin haben gefordert, "die angestrebte EG-Mitgliedschaft Norwegens von der Einhaltung des Walfangverbots abhängig zu machen".
Die Besucher der Frankfurter Fremdenverkehrs-Diaschau sollten, so die örtlichen "Greenpeace"-Leute, "so lange auf Urlaub in Norwegen verzichten, bis die Regierung ihren Entschluß rückgängig macht". peh
Über eines einigen sich die Parteien in Frankfurt auch sieben Wochen vor der Kommunalwahl rasch: Dieser Wahlkampf kennt kein großes, übergreifendes Thema - anders als 1989. Damals beherrschte die vom CDU-Magistrat begonnene Ausländerkampagne gerade zum Ende hin die Szene - mit der fatalen Folge, daß die rechtsradikale NPD in das Stadtparlament einzog. Heute nennen die Wahlkampf-Manager eher zögerlich mehrere Stichworte, auf die es Reaktionen gibt an Informationsständen und bei Saalveranstaltungen. Und gleich sind sie wieder beim Kardinalproblem: überhaupt Kontakt aufzunehmen zum Großstadt-Wähler.
Einen deutlichen spontanen Widerhall aus der Mitgliederschaft erfuhr die Frankfurter SPD sinnigerweise, als der außerordentliche Bundesparteitag den sogenannten "Asylkompromiß" beschloß. Eine "zweistellige Zahl" der 7000 Frankfurter Sozialdemokraten schickte aus Protest gegen das Plazet für die Grundgesetz-Änderung die Parteibücher zurück - so Geschäftsführerin Doris Michel-Himstedt.
Dabei sähe es die Parteispitze doch viel lieber, wenn die Fans sich bei den Wahlkampf-Abenden drängten. 350 Bürger zählte die SPD am vergangenen Wochenende im Bürgerhaus Südbahnhof, als der stellvertretende Bundesvorsitzende Wolfgang Thierse sprach. Ein Beleg, "daß die Partei sich mobilisieren läßt" (Michel-Himstedt) - was freilich heißt, daß auch Parteimitglieder mit mehr oder weniger Nachdruck zur Teilnahme aufgefordert werden. Bei den traditionellen Abschluß-Kundgebungen mit Bundesprominenz (SPD: 5. März, Björn Engholm in der Festhalle, CDU: 4. März, Helmut Kohl im Zoo-Gesellschaftshaus) karren die Parteien die Zuhörerschaft gleich busweise heran. Michel-Himstedt: "Das machen doch alle!" Und wo bleiben nun die Themen? CDU-Wahlkampfmanager Horst Hemzal, seine SPD-Kollegin und Frankfurts FDP-Chef Hans-Joachim Otto sind sich einig, daß die Zukunft des Wohnens, daß der Wohnungsbau die Menschen bewegt. Michel-Himstedt: "Das ist am konkretesten anfaßbar!" Übereinstimmung auch beim zweiten Wahlkampfstoff, der inneren Sicherheit. Danach aber zerfasert die Politiker-Erkenntnis: CDU und FDP setzen auf Verkehr - nein, besser: auf "rot-grüne Verkehrsschikanen" (Hemzal). Der ehrliche Otto: "Damit können Sie die Stammtische erreichen!"
Aus ganz verschiedener Richtung übrigens. Denn auch der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, Lutz Sikorski, sieht und sucht sein Thema in der Verkehrspolitik - da geht es aber eher darum, daß aus vier Fahrspuren künftig zwei werden. jg
HIRZENHAIN. Das Narrenvolk in Merkenfritz und Umgebung soll etwas zu lachen haben. Der Vereinsring wartet Karnevalisten mit vier Veranstaltungen im Dorfgemeinschaftshaus auf. Wer an einer der beiden Fremdensitzungen am Samstag, 6. oder 13. Februar (jeweils ab 19.11 Uhr), teilnehmen will, kann sich für acht oder zehn Mark schon jetzt ein Plätzchen sichern. Eintrittskarten werden am Samstag, 23. und 30. Januar, jeweils von 16 bis 18 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus verkauft.
Außerdem plant der Vereinsring für Sonntag, 14. Februar, um 14.11 Uhr einen Kindermaskenball mit Kindersitzung und für Rosenmontag einen Ball. mk
BONN, 18. Januar. Die Sozialdemokraten machen die Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Aufklärung des Bestechungsskandals um das Rüstungsprojekt Lapas vom Ergebnis der internen Untersuchungen von Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) abhängig. Die SPD-Politiker Walter Kolbow und Manfred Opel forderten Rühe am Montag in Bonn auf, dem Verteidigungsausschuß des Bundestages am morgigen Mittwoch einen lückenlosen Bericht zu liefern. Bei unzureichenden Auskünften stehe ein Untersuchungsausschuß "unweigerlich bevor", sagte Kolbow. Ein Sprecher Rühes kündigte an, der Minister werde am Mittwoch über die bisherigen Erkenntnisse berichten.
Die beiden SPD-Politiker äußerten den Verdacht, daß einige Befürworter des umstrittenen Projekts schon am vergangenen Mittwoch von der zwei Tage später aufgeflogenen Bestechungsaffäre wußten. So zumindest ließe sich ihrer Ansicht nach erklären, warum die Abstimmung im Verteidigungsausschuß über einen Vertrag zur Beschaffung sogenannter Lapas-Langläuferteile für 377 Millionen Mark in "Hast und Eile durchgepeitscht" worden sei.
Die Sozialdemokraten lehnen die Beschaffung des Aufklärungsflugzeuges Lapas als "Relikt des kalten Krieges" ab, das zudem technisch unausgereift und mit zusätzlichen Kostenrisiken behaftet sei. Opel geht davon aus, daß sich der Gesamtaufwand statt der vom Verteidigungsministerium veranschlagten rund drei Milliarden Mark auf sechs bis sieben Milliarden Mark belaufen wird.
Für eine endgültige Entscheidung über das vorläufig gestoppte Lapas-Projekt will das Ministerium die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarten. Der frühere Luftwaffeninspekteur Eberhard Eimler und mindestens ein Mitarbeiter der Rüstungsabteilung des Ministeriums stehen im Verdacht, von der am Projekt beteiligten Firma Grob im Allgäu Bestechungsgelder erhalten zu haben.
SULZBACH. Nachts um 2.20 Uhr klirrte Glas, ein Pflasterstein flog in die Tür einer Reinigung in der Bahnstraße. Doch für den 24 Jahre alten Sulzbacher blieb die Suche nach Geld und Diebesgut erfolglos: Noch in der Reinigung nahm ihn die Polizei fest; da half auch das Versteckspiel hinter Kleiderständern wenig. Der 24jährige gab an, unter dem Einfluß von Drogen und Alkohol gehandelt zu haben. Ein entsprechender Test aber verlief nach Angaben der Polizei negativ. md
RIEDERWALD. Peter Reinwart (SPD), Ortsvorsteher im Bezirk 11, tritt zurück. Vier Jahre lang stand Reinwart dem Beirat vor, der für die Stadtteile Fechenheim, Seckbach und Riederwald zuständig ist. Beim Neujahrsempfang des Ortsbeirates kündigte er an, daß er wegen beruflicher Verpflichtungen in der kommenden Wahlperiode nicht mehr für das Amt kandidieren wird.
Der scheidende Kommunalpolitiker nutzte die Gelegenheit, um ein kleines Resümee zu ziehen. Er habe während seiner Amtszeit gemerkt, daß die Erwartungen aus der Bevölkerung an die Ortsvorsteher außerordentlich hoch seien. "Viele glauben, das ist ein hauptamtlicher Job", sagte er. Doch auch in dem Ehrenamt habe er stets versucht, den Anforderungen der Bürger gerecht zu werden. Als wichtigste Aufgabe des Ortsbeirates in den vergangenen vier Jahren nannte Reinwart die Verkehrsberuhigung in Seckbach und Fechenheim. Bei umstrittenen Punkten wie der Verkehrsführung im Staffel habe der Ortsbeirat auch gezeigt, "daß wir Beschlüsse korrigieren können".
Weiterhin habe sich das Gremium dafür stark gemacht, den öffentlichen Nahverkehr im Frankfurter Osten zu verbessern: Die Verlängerung der U 7 bis Enkheim, die besseren Taktzeiten der Linie 43 und die Wiedereinführung der Linie 44 seien erste Erfolge dieser Bemühungen. Reinwart sparte allerdings auch nicht an Kritik, vor allem an der Frankfurter Verwaltung: Es sei "erschreckend", wie die Leute in den Ämtern die Ortsbeiräte behandeln würden - "wie gehen die dann erst mit normalen Bürgern um?"
Da müsse sich dringend etwas ändern, wandte sich Reinwart an Oberbürgermeister Andreas von Schoeler, der ebenfalls zum Empfang ins Haus Riederwald gekommen war. Von Schoeler verteidigte seine Verwaltung: Man könne nicht pauschal alle Mitarbeiter als "unwillig und bösartig" verurteilen, sagte von Schoeler. Es gebe zwar auch "schwarze Schafe", doch viele Mitarbeiter seien sehr engagiert und bemüht, dem Bürger zu helfen. Der Oberbürgermeister dankte Reinwart für seine Arbeit im Ortsbeirat. Er habe durch seine "sachbezogene Art", mit der er die Probleme im Stadtteil angegangen sei, das Vertrauen der Bürger in den Ortsbeirat gestärkt.
Ein großes Lob zollte der Oberbürgermeister den Bürgern aus dem Frankfurter Osten für ihren Einsatz gegen Ausländerfeindlichkeit. Spontane Demonstrationen, bei denen in Seckbach und Fechenheim Hunderte auf die Straßen gingen, "haben unsere Stadt geehrt", sagte von Schoeler. Etwas von diesem Elan solle man mitnehmen ins neue Jahr: "Wir sollten uns nicht damit abfinden, daß in Frankfurt noch einmal rechtsextreme Parteien in den Römer und die Stadtteilparlamente einziehen." rea
Völkerfreundschaft muß im Alltag verankert sein: Deutsch-französische Verschwisterungen im Main-Kinzig-Kreis Wie Großauheim zu Conflans kam Aktuelle Frage: Kann Städtepartnerschaft überleben, wenn Europa Gewohnheit wird? Von Ulrich Gehring
Wenn also der Freundschaftsvertrag der beiden "großen Alten" auch eine Initialwirkung für manche Jumelage gehabt haben mag, so dürfe nicht übersehen werden: In der Gemeinde, die als erste politische Einheit im Nachkriegsdeutschland die Handlungsfreiheit wiedererlangte, wurde diese vielfach zum Kontakt mit den "Feinden" von gestern genutzt. Dabei begegneten sich als Amtsinhaber oft gestandene Antifaschisten, in Frankreich waren viele Résistancekämpfer in die mairie eingezogen. Die französischen Bürgermeister hatten es häufig schwer, ihre Bevölkerung für die Freundschaft zu gewinnen.
Der Vorschlag des Apothekers Wissel aus dem Jahr 1962 stieß so im Großauheimer Rathaus schon auf etwas wie eine Vorgeschichte: Bürgermeister Flämig war zuvor Stadtverordnetenvorsteher in Seligenstadt und saß als solcher im Hauptausschuß des "Rats der Gemeinden Europas" (RGE); zeitweise war er sogar Vorsitzender im Unterausschuß "Verschwisterungen". Seligenstadt hatte sich schon zu seiner Zeit mit einer Gemeinde an der Seine verbunden, darin dem Beispiel Hainstadt /Vernoillet folgend. Hans Muntzke, Vorsitzender im Offenbacher Kreistag und "großer Pro-Europäer", der ebenfalls im RGE aktiv war, hatte die Hainstädter Jumelage als deutsch-französische Premiere im weiten hessischen Umkreis eingefädelt.
Seligenstadt verband sich mit einer Nachbarkommune Vernoillets. Der Großauheimer Christian Wissel wiederum, der in Seligenstadt seine Apotheke betrieb, kannte die Gegend vom Urlaub. Nachdem nun durch seine Vermittlung auch Großauheim "unter die Haube" kam, reihten sich an der Seine wie am Main die benachbarten Partnerstädte wie Perlen einer Kette aneinander.
Zwar haben sowohl Großauheim als auch Conflans ihre Sehenswürdigkeiten, doch war touristische Attraktivität, so Flämig ganz entschieden, damals bei der Wahl von Partnergemeinden kein Kriterium. Sonst hätte Großauheim wohl schwerlich Brignoles nahe Toulon ausgeschlagen, das ihm der RGE angetragen hatte, der damals auch als "Eheanbahnungsinstitut für Kommunen" fungierte. Immerhin liegen der Stadt Brignoles Côte d'Azur wie Seealpen vor der Haustür. Gegen Brignoles sprach allerdings, daß die Entfernung bei den damaligen Verkehrsverbindungen noch zwei Tage Anreise voraussetzte.
Flämig und anderen war der europäische Gedanke, der Austausch mit möglichst ähnlich gearteten Gebietskörperschaften wichtig. Für Conflans-Ste.-Honorine traf das zu: Man hatte eine Stadt in vergleichbarer Lage an einem wichtigen Binnenschiffahrtsweg, in Metropolennähe und nicht zuletzt mit ähnlicher Wirtschaftsstruktur, war in Conflans doch vor der Krise der 80er Jahre wie in Großauheim ein großer Elektrobetrieb Hauptarbeitgeber - dort das Telefonwerk LTT, hier BBC / ABB. Bürgermeister Flämig fuhr im Mai 1964 "mal rüber", einige Stadtverordnete in der Begleitung. Maurice Chaval, Vizebürgermeister in Conflans ließ sich als erster in Großauheim sehen. Zur offiziellen Verschwisterung gab es im folgenden Jahr Open-air-Veranstaltungen auf den Plätzen beider Städte mit eindrucksvollem Publikumszulauf.
In Großauheim war inzwischen Hans- Helmut Kämmerer auf den Bürgermeistersessel gerückt. Mit zahlreichen Vereinsfreundschaften - Fußball, Tischtennis, Sänger(innen), Feuerwehr und andere - blühte die Partnerschaft, die auch unter der Eingemeindung Großauheims nicht litt. Betriebsdelegationen besuchten sich, ebenso pflegten und pflegen die Lindenau- und die private Mädchen-Realschule den Kontakt ins Nachbarland.
Seit der Eingemeindung liegt die Abstimmung der jährlichen Begegnungen beim Partnerschaftsverein. Solche Komitees sind nach Gerhard Flämigs Einschätzung die gesunde Grundlage, um Beziehungen lebendig zu erhalten. Bleibt die Sorge darum hingegen allein an den Verwaltungen hängen, verkümmert die Partnerschaft zum Vorwand für Dienstreisen und ist bei jedem Amtswechsel im Rathaus vom Aus bedroht. Nach der Euphorie der frühen Tage, das weiß Alt-Europäer Flämig, sind von vielen Partnerschaften nur noch die schmucken Ortsschilder übriggeblieben.
Dabei sind die Verschwisterungen doch die Basis, ohne die auch der Überbau, das zwischenstaatliche Freundschaftsabkommen, hohl wird. - Was ist heute, knapp 30 Jahre nach dem ersten gegenseitigen Beschnuppern aus der Freundschaft zwischen Großauheim und Conflans-Ste.-Honorine geworden? Fragt man Johannes Gruber, Verwaltungsstellenleiter in Großauheim, so läßt er keinen Zweifel daran, daß die Jumelage nach wie vor lebendig sei. Vereine, Organisationen und viele Privatleute pflegen sie. Der Wermutstropfen: Im Partnerschaftskomitee sitzen heute überwiegend Rentner(innen), fast nur Leute, die wie er selbst von der ersten Stunde dabei sind.
Für diese Generation war der europäische Gedanke noch eine erstrebenswerte Vision. Sie haben es noch mit Bewegung erlebt, wie französische Gemeindevertreter über den Schatten ihrer Ressentiments sprangen, um über die Aussöhnung zur Völkerfreundschaft zu gelangen. Doch heute wird manchem Komitee- Mitglied langsam aber sicher auch die 700 Kilometer lange Tagreise nach Conflans zu beschwerlich; zwar werde, so Gruber resolut, der Bus zu den jährlichen Besuchen immer noch voll. Doch wie lang noch, wenn nicht bald Nachwuchs dazukommt?
Die Jungen nähmen die Koordinationsdienste des Komitees gern in Anspruch, zum Glück. Herzliche Freundschaften gebe es auch unter ihnen. Doch scheinen sie sich nicht mehr binden zu wollen. Teils mag dies Ausdruck der allgemeinen Vereinsmüdigkeit sein.
Es zeigt aber auch schlicht den Erfolg von Aussöhnungsbemühungen der Eltern- und Großelterngeneration: Wer in Europa frei zu reisen gewohnt ist, kann nicht mehr nachvollziehen, welche Gefühlswallungen den Nachkriegsjugendlichen Gruber bei einer Radtour ins Elsaß überkamen - Schlüsselerlebnisse, die bis heute nachwirken.
BUTZBACH. Heute sollen die letzten in der Schloßkaserne untergebrachten Asylbewerber in andere hessische Erstaufnahmequartiere verlegt werden. Das teilte das Darmstädter Regierungspräsidium mit. Demnach wurden gestern etwa 80 Flüchtlinge zur Sixt-von-Arnim-Kaserne in Wetzlar gebracht. Heute sollen die restlichen 100 in der Schloßkaserne verbliebenen Asylbewerber in die Marburger Tannenberg-Kaserne umziehen. mk
Mit "Millionen von Anrufen" rechnet man in Bonn vom 1. Februar an, wenn jeder Bundesbürger unter der Rufnummer 01 30 / 5 55 55 beim "Postdienst" die ab 1. Juli gültigen neuen Postleitzahlen abfragen kann - kostenlos. Auskünfte sind aber auch über BTX oder von den Kundenberatern in den einzelnen Postämtern zu haben. Auch in Zeitungsanzeigen und über die Medien wird entsprechende Aufklärung zuteil.
Wer nämlich dann an Familien-, Freundes- oder Geschäftsadressen in Leipzig oder in München einen Brief schickt, muß das "O" und das "W" für Ost- und Westdeutschland weglassen und die neue fünfstellige Nummer eintragen. Zwar erhalten Betriebe und Haushalte das größte postalische Druckwerk aller Zeiten, den tausend Seiten dicken Wälzer mit diesen Nummern, kostenlos. Dennoch erwarten Firmen und Fachleute in den ersten Wochen "chaotische Zustände", werden viele Fragen zu beantworten sein.
In Frankfurt wird der "Postdienst" (die alte "gelbe Post"), seit Jahresbeginn völlig getrennt von "Telekom", am 29. Januar zusammen mit Oberbürgermeister Andreas von Schoeler das erste Postleitzahlenbuch vorstellen und an Frankfurter Beispielen aufzeigen, was sich ändert.
In der Mainmetropole gibt es allein 400 Zustellbezirke. "6000 Frankfurt 70" beispielsweise, Leitzahl für Sachsenhausen und andere südliche Bereiche, fällt dann weg. Es wird lediglich eine 60 vorgesetzt, gefolgt von drei weiteren Kennziffern, "die wir aber jetzt selbst noch nicht kennen", sagt dazu der zuständige Pressesprecher Dieter Heinbuch.
Deutschland wird in 83 Briefregionen eingeteilt. Frankfurt und sein Umland haben mit 60 und 61 dann gleich zwei Leitzahlen. Außer Frankfurt selbst zählen noch Königstein, Bad Nauheim, Friedberg, Oberursel, Bad Homburg und Usingen zu diesen Leitzahlen.
Unter 63 firmieren Offenbach, Langen, Hanau, Gelnhausen, Büdingen, Wächtersbach, Aschaffenburg und Miltenberg. 64 umfaßt Groß-Gerau, Darmstadt, Dieburg, Erbach und Bensheim.
Zu 65 (Rüsselsheim, Wiesbaden, Rüdesheim, Limburg, Idstein) gehören auch Frankfurt-Höchst mitsamt Nied oder Sossenheim (bisher 6230 Frankfurt 80), also die Briefregion Rheingau. "Das deshalb, weil wir nicht nach kommunalpolitischen Grenzen gehen, sondern nach den technisch günstigsten Bereichen", sagt Heinbuch. Was heißt, daß Frankfurt-Höchst günstiger einem anderen Zustellpostamt zuzuordnen war als die eigentliche Großstadt selbst.
Das zwingt allerdings dazu, die Mainzer Landstraße beispielsweise, die ja weit nach Nied hineinführt, irgendwo "abzutrennen" und ab dort mit der 65 statt der 60 zu belegen.
Im übrigen erhalten Großkunden mit mehr als 2000 Sendungen pro Tag (Nekkermann beispielsweise verschickt täglich rund 300 000 Briefe und 100 000 Pakete) zwecks schnellerer Abfertigung eigene Leitzahlen. In Hessen wird es 28 Städte mit mehr als einer Postleitzahl geben.
Die Post wendet für diese durch die deutsche Einigung bedingte Neuaufteilung - es sind rund 25 Millionen Adressen zu ändern - rund 80 Millionen Mark auf.
Millionenbeträge kostet das Ganze auch die größeren Firmen, Nutznießer sind die Druckereien: Schon heute sind sie mit Vorbestellungen eingedeckt, auch von Freiberuflern. Wenn alles klar ist, müssen neue Briefköpfe, Rechnungen oder Visitenkarten hergestellt werden, dann laufen die Maschinen, gleich ob in "O" oder "W", rund um die Uhr. -vau
MÜHLHEIM. Den Geschwindigkeitssündern wird es in diesem Jahr stärker an den Kragen oder exakt: ans Portemonnaie gehen, kündigte erster Stadtrat Horst Lehr an. Die Verwaltung will mit der Stadt Seligenstadt eine Vereinbarung treffen, wonach deren Geschwindigkeitsmeßwagen in Zukunft auch in Mühlheim eingesetzt werden soll. In der Stadt sind mehr als 15 000 Autos zugelassen.
Im vergangenen Jahr hat nur die Polizei in Mühlheim die Raser geblitzt. Bei 43 Geschwindigkeitsmessungen wurden mehr als 21 000 Fahrer kontrolliert. Es gab 1250 Anzeigen und Verwarnungen, 223 Ordnungswidrigkeitsverfahren mit Bußgeldern und Punkten in Flensburg.
Insgesamt brausten sieben Prozent der Fahrzeuge zu schnell durch die Stadt. Als Hauptrennstrecke hat sich die Fichtestraße erwiesen. 60 Kilometer pro Stunde dürfen dort gefahren werden. Der schnellste Raser hatte 129 Sachen drauf.
Wenn Mühlheim die Vereinbarung mit Seligenstadt unterschrieben hat, die Leute am Geschwindigkeitsmeßgerät ausgebildet sind, werden neben den Hauptverkehrsadern auch die 14 Tempo-30-Zonen in der Stadt verstärkt kontrolliert, stellte Lehr in Aussicht.
Die Gelder, die dann bei den Temposündern abkassiert werden, werden in die Stadtkasse fließen. "Wir wollen daran nicht verdienen, aber auch nichts drauflegen", sagt Lehr. Er hofft, daß der Aufwand für die Kontrollen - wie Personalkosten - durch die Bußgelder wieder hereinkommt. pmü
HATTERSHEIM. In einer gemeinsamen Aktion von Polizeibeamten und Bürgern ist es Samstag nacht in Okriftel gelungen, drei Autoknacker im Alter von 18 bis 19 Jahren festzunehmen. Zunächst war einer der Jugendlichen von drei Bürgern festgehalten und der alarmierten Polizei übergeben worden. Nach einer Observierung eines Autos gelang es den Beamten schließlich, zwei weitere junge Männer festzunehmen. Zuvor hatte das Trio ähnliche Straftaten begangen. schu
Anwälte wollen Honecker als Zeugen nach Berlin holen Ehemaliger SED-Chef soll seine einstigen Untergebenen entlasten / "Verteidigungsminister war gegen Selbstschußanlagen"
BERLIN, 18. Januar. Der letzte DDR- Verteidigungsminister Heinz Keßler will gegen den Einsatz der Selbstschußanlagen an der innerdeutschen Grenze, der sogenannten Splitterminen vom Typ SM, gewesen sein. Keßler habe diese Anlagen wegen der tödlichen Wirkung auf Menschen abgelehnt, sagte sein Anwalt Peter Mildebrath am Montag im Prozeß gegen die ehemalige DDR-Führung vor dem Berliner Landgericht. Mildebrath will den ehemaligen Mitangeklagten Erich Honecker als Zeugen für die Haltung Keßlers laden.
Der Ex-Staats- und Parteichef könne die Einwände Keßlers gegen den Aufbau von Splitterminen ebenso bekunden wie die Tatsache, daß Keßler als Soldat einen entsprechenden Beschluß als Befehl befolgt habe. Als späterer Verteidigungsminister seit 1985 habe er sich dann vor allem um den Abbau dieser Minen gekümmert.
Der Vorsitzende Richter Hans Boß teilte in einer dienstlichen Erklärung mit, daß Honecker den Wunsch Keßlers, als Zeuge dazu auszusagen, abgelehnt habe. Boß hatte am vergangenen Mittwoch, als endgültig feststand, daß Honecker die Haft als freier Mann verlassen würde, den zweiten Richter Michael Abel zu Honecker geschickt, der ihn über Keßlers Wunsch unterrichtete und ihn zugleich auf sein Recht auf Aussageverweigerung hinwies. Die Verteidigung stellte wegen dieses Vorgangs Befangenheitsanträge gegen Boß und Abel. Sie erklärte, Honekker habe nach der faktischen Einstellung seines Verfahrens kein Recht zur Aussageverweigerung mehr. Wenn ein weiterer Richter ausscheidet, könnte der ganze Prozeß platzen.
Boß machte deutlich, daß der Prozeß gegen den inzwischen nach Chile gereisten Honecker noch nicht abgeschlossen ist. Wie berichtet, hatte das Kammergericht der Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen den außerhalb der Hauptverhandlung gefaßten Einstellungsbeschluß stattgegeben; die Aufhebung des Haftbefehls gegen Honecker aber hat das Kammergericht bestätigt.
Der langjährige Sekretär des DDR-Verteidigungsrates, der 66jährige Fritz Streletz, berief sich in seiner Vernehmung auf sowjetische Anweisungen. "Ohne Vorgabe, Zustimmung und Einverständnis der Sowjets geschah an der Staatsgrenze zur Bundesrepublik und zu West-Berlin nichts." Streletz, der sich als "für 15 Jahre Beauftragter für die Abstimmung zwischen der DDR und den sowjetischen Organen" bezeichnete, belegte anhand von Dokumenten, die zum Teil dem Gericht und der Staatsanwaltschaft unbekannt waren, die enge Verzahnung zwischen der DDR und der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. "Wir waren abhängig in diesen Fragen." So habe Honeckers Vorgänger Walter Ulbricht den Sowjet-Botschafter über Grenzsicherungen informiert. Im DDR- Oberkommando habe ein sowjetischer General gesessen, "vor dem gab es keine Geheimnisse". Streletz sagte, im Verteidigungsrat sei es stets darum gegangen, den Frieden zu erhalten und zu sichern. "Gerade an der Grenze zu West-Berlin konnte jeder Funke einen Großbrand auslösen."
BAD HOMBURG. Die schwarze Hochburg gerät ins Wanken, und keiner weiß, wohin sie fällt. Im 215 000 Einwohner zählenden Hochtaunuskreis stehen die spannendsten Kommunalwahlen seit Jahrzehnten bevor. Im Kreistag und im Rathaus der Kreisstadt Bad Homburg, wo es bei allen Wahlen seit 1977 nur um die Frage ging, ob die CDU die absolute Mehrheit schafft oder die Schützenhilfe der stets willigen FDP benötigt, scheint nach dem 7. März fast alles möglich: Rotgrüne Verbindungen mit freien Wählern ebenso wie absolute Mehrheiten trotz sinkender Wählerstimmen. Ein Paradoxon, das zwar nicht wahrscheinlich, aber auch nicht ausgeschlossen ist: Dann nämlich, wenn FDP, Grüne, freie Wähler und Rechtsradikale allesamt an der Fünf-Prozent-Hürde straucheln und CDU und SPD den Kuchen allein überlassen.
Denn so viel ist klar: Die Konkurrenz zur CDU (1989: 42,9 Prozent) ist so groß wie lange nicht mehr. Neben SPD (34,8 Prozent), Grünen (11,1) und FDP (8,6) rechnen sich auch die rechtsextremen "Republikaner" (bei der Europa-Wahl kreisweit über der Fünf-Prozent-Hürde) und die freien Wähler reelle Chancen auf den Einzug ins Landratsamt aus. Der reiche Hochtaunuskreis, dessen 13 Städte und Gemeinden sich vom Nordrand der Main-Metropole Frankfurt über das namengebende Mittelgebirge verteilen, ist nicht nur Lieblingssitz zahlloser Prominenter aus Politik und Wirtschaft. Seit jenem Novembertag nach Buß- und Bettag 1991, als die Frankfurter Staatsanwaltschaft sechs kommunale Spitzenpolitiker ins Untersuchungsgefängnis karren ließ, haftet ihm das Prädikat der "höchsten Korruptionsdichte Deutschlands" an.
14 Monate danach ermittelt der Frankfurter Staatsanwalt noch gegen 170 große und kleine Politiker, Rathaus-Beschäftigte und einstmals bedeutende Bauunternehmer; viele haben Geständnisse abgelegt. Die ersten Anklagen sollen "in den nächsten Monaten" auf den Tisch gelegt werden. Das Wählervolk kann früher als die Richter sein Urteil über den Sumpf der 70er und 80er Jahre sprechen.
Erste Entscheidungen sind schon gefallen - manche unter eher skurrilen Vorzeichen: Im noblen Kronberg, wo die Nachfahren der einstigen Landgrafen von Hessen noch immer als "Königliche Hoheit" gegrüßt werden, will eine "Wähler-Initiative Enthaltung" (Kürzel: WIE) mit der erklärten Absicht ins Rathaus einziehen, "einfach nichts" zu machen: "Es ist eine Art symbolischer Tritt in den Hintern der Politiker." Und im 365 Einwohner zählenden Usinger Stadtteil Michelbach hat sich eine Wählergemeinschaft von Dorf-Prominenten ausschließlich mit dem Ziel gebildet, den weitgehend einflußlosen Ortsbeirat zu erobern.
Ganz und gar nicht symbolisch verstehen hingegen die Freie Wählergemeinschaft (FWG/UBN) im Siedlungsschwerpunkt Neu-Anspach und die "Bürger Ehrliches Usingen" (BEU) ihren Kampf um den Einzug ins Rathaus. In beiden Gemeinden führen derzeit Staatskommissare das Zepter, weil die Bürgermeister Heinz Born (SPD) und Rolf Eggebrecht (CDU) der Bestechlichkeit beschuldigt und abgewählt sind. Wo immer die beiden Wählergemeinschaften auftauchen, füllen sie die Säle - nicht zuletzt mit enttäuschten Neubürgern, die überhöhte Erschließungsbeiträge zurück- erhalten wollen, die zum Teil in die Taschen von Bürgermeistern und Baufirmen flossen.
Auch in der Kur- und Kreisstadt Bad Homburg, deren CDU/FDP-Magistrat die Korruptionsaffäre unbeschadet überstand, drängten sich bei der Kür der Kandidaten der neuen "Freien Homburger Wähler" (FHW) über 70 Frauen und Männer und damit mehr als tags darauf beim (Wahl-)Programmparteitag der regierenden CDU. Gegner eines Hotelprojekts in einer bisher ruhigen Villensiedlung und Kontrahenten einer Klärschlamm-Trocknungsanlage, die der Umlandverband Frankfurt am Ortsrand des ländlichen Stadtteils Ober-Erlenbach bauen will, haben sich in der FHW ebenso zusammengefunden wie im Zorn geschiedene frühere SPD-Politiker.
18 nicht parteigebundene Gruppierungen haben bisher in den 13 Städten und Gemeinden des Hochtaunus parlamentarische Ambitionen angemeldet - neben den traditionell konservativen, vor allem auf Sparsamkeit bedachten Gruppierungen auch eine Reihe neuartiger Zusammenschlüsse, die mehr Bürgerbeteiligung und mehr Umweltschutz auf ihre Fahnen geschrieben haben. Zu letzteren gehört erstmals auch ein kreisweiter Zusammenschluß: die "Unabhängigen Bürger im Taunus" (UBiT) rüsten zum Sturm aufs Landratsamt, in dem einst so manche Korruptionsdrähte zusammenliefen.
Die Reaktion der alteingesessenen Parteien auf die neuen Herausforderer findet bisher überwiegend in den Zeitungsspalten statt: Sieht man von Neu-Anspach und Usingen ab, lassen sich Spuren von Wahlkampf kaum entdecken. Dabei stehen nicht nur die Fastnacht, sondern auch die Parteien im wahrsten Sinne des Wortes vor der Tür: "Wenn die Leute nicht mehr zu uns kommen, müssen wir zu den Leuten gehen", gibt der Bad Homburger SPD-Chef Udo Fröhlich, dessen Partei in der Spielbank-Stadt zuletzt unter die 30-Prozent-Marke abgerutscht war, die Marschrichtung an. Im Kampf um die Wählergunst wollen SPD und CDU gleichermaßen Klinken putzen.
Der von der Korruptionsaffäre am heftigsten erschütterten Union ist im übrigen mit der Nominierung ihrer Kandidaten für den Kreistag eine außergewöhnliche politische Säuberung gelungen. Exakt die Hälfte der aussichtsreichen Plätze von 1 bis 40 ist mit Neulingen besetzt, darunter der frühere stellvertretende DGB-Bundesvorsitzende Gustav Fehrenbach (Kronberg). "Die Unschuldsvermutung hat uns in dieser schwierigen Situation nicht mehr gereicht", bekennt der derzeitige Fraktionschef Gerd Krämer (Oberursel), "schon der vage Schuldverdacht hat genügt, um nicht mehr auf die Liste zu kommen." GÜNTHER SCHERF
FRANKFURT A. M. (FR). Die deutschen Aktienmärkte starteten mit zumeist höheren Notierungen in die neue Woche. Händler auf dem Frankfurter Parkett begründeten den Aufschwung vor allem mit der lebhafteren Nachfrage durch Großanleger aus dem In- und Ausland. Das Hauptinteresse habe den Standardwerten gegolten. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloß mit 1573,13 Punkten. Er lag damit fast 1,9 Prozent höher als am Freitag.
Marktteilnehmer zeigten sich überrascht von dem Wochenauftakt und rätselten über die Gründe für die Kaufinitiativen. Von den fundamentalen Daten her gebe es nichts Neues, hieß es. Einzig die anhaltenden Hoffnungen auf sinkende Zinsen, die auch am Rentenmarkt für eine freundliche Stimmung sorgten, hatten Händler als Erklärung für den Kursaufschwung parat.
Aus dem allgemeinen Geschehen ragten bei den Dividenden-Papieren Daimler mit einem Plus von 13,50 Mark heraus. Verwiesen wurde in diesem Zusammenhang auf eine Kaufempfehlung der Analyse-Tochter der Deutschen Bank. Für Aufsehen sorgte auch der Anstieg der Hoechst-Aktie um 9,20 Mark respektive 3,7 Prozent. Bayer rückten im übrigen 6,60 und BASF um 4,50 Mark vor.
Die Zinsphantasien lösten am Rentenmarkt Kurssteigerungen bei öffentlichen Anleihen aus. Sie reichten bis 0,35 Mark, während Abschläge bis 0,10 Mark klar in der Minderheit blieben. Die Durchschnittsrendite fiel geringfügig von 6,94 auf 6,93 Prozent. Die Bundesbank schleuste Titel im Nennwert von 628,7 Millionen Mark in den Markt. Freundlich tendierten auch Mark-Auslandsanleihen.
Erich Naumann schwärmt. "Das ist die hölzernste Messe, die ich je erlebt habe", urteilt der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Möbelindustrie über die heute beginnende Internationale Möbelmesse in Köln. Tatsächlich liegen Einrichtungsgegenstände aus dem Naturprodukt im Trend. Vor allem alte Stämme wie Eiche und Kirschbaum bevorzugen die Kunden - aber auch Ahorn, Birnbaum, Buche, Nußbaum oder Erle werden wieder entdeckt.
Meist helle und freundliche Farben dominieren die Kölner Schau. So wird beispielsweise auch Eiche jetzt im Beizton "Cognac" vorgestellt. Immer stärker ins Angebot drängen Massivholzmöbel oder aber Stücke, die "massiv" wirken sollen. Dabei arbeiten die Hersteller oft mit einem Trick: Die Front eines Schrankes etwa besteht aus einem massiven Teil, dagegen sind die Seitenteile und Rückseiten streifig furniert.
Verwendet werden für die Schränke, Tische oder Stühle vor allem die Bäume der nördlichen Halbkugel. Die deutsche Industrie hat den Tropenwald weitgehend aus ihren Sortimenten verbannt, behauptet Naumann. Ähnliches berichten auch die Aussteller auf der Messe. Nur vereinzelt offerieren Firmen noch einige Stücke aus Mahagoni oder Teak, wie etwa die Firma Wilhelm Pötter aus Herzebrock-Clarholz in der Nähe von Gütersloh. Die Produktion ließe sich nicht so einfach von heute auf morgen umstellen, berichtet der Inhaber. Trotzdem will Wilhelm Pötter die edlen Furniere möglichst bald aus dem Sortiment verbannen. Als Motiv für den Umstieg nennt er, daß "Tropenhölzer in der Öffentlichkeit ein schlechtes Image haben".
Anders als die deutschen Unternehmen haben die ausländischen Hersteller allerdings noch nicht so konsequent auf den Naturstoff aus der Dritten Welt verzichtet, berichtet Lobbyist Naumann. Besonders die Briten würden den Stoff noch zahlreich verarbeiten. Der Kunde muß also weiterhin damit rechnen, im Handel auf die umstrittenen Hölzer zu treffen. Schließlich stammt etwa ein Fünftel der hierzulande angebotenen Schränke, Regale, Sessel oder Stühle von jenseits der Grenzen.
Die Vorliebe der Käufer für Naturprodukte sei wahrscheinlich auf die derzeitige gesellschaftliche Lage zurückzuführen, vermutet Verbandschef Naumann: "Angesichts der unsicheren Zeiten wollen es die Menschen zu Hause behaglich und gemütlich haben." Dieser "beschauliche" Trend zeigt sich nicht zuletzt bei romantischen Schlafzimmern mit Himmelbetten, die derzeit "in" sind. Da krönen schon einmal hölzerne Lanzen den Baldachin, und goldene Quasten raffen blauen Plüsch.
Bei den Bezugsstoffen für Polstermöbel setzen die Hersteller auf kräftige Farben wie Marineblau oder Hummerrot. Aber auch Pastell-Töne wie Apricot oder Beige sind gefragt. Immer mehr Wert legen die Aussteller auf gesunde Stoffe. So präsentiert etwa die Firma Otto Schlüter aus Stadthagen in der Nähe von Hannover Sessel und Sofas, die anstatt mit Schaumstoff mit Stroh, Schafschurwolle oder Latex gepolstert sind. Ein Fabrikant hat die Sitzfläche seiner Stühle mit einem Lattenrost ausgestattet. Wichtig sind angesichts der zunehmenden Zahl von Single-Haushalten und der schrumpfenden Größe der Zimmer auch praktische Fähigkeiten der Möbel, wie etwa verwandelbare Sofas, die sich mit einigen Handgriffen zum Bett oder zur Chaiselongue umfunktionieren lassen.
Schließlich wollen die kostbaren Stükke entsprechend behandelt werden. So präsentiert ein Aussteller ein spezielles Pflegeset für Ledergarnituren. Damit lassen sich sogar Kugelschreiber-, Mayonaise-, Öl- und Ketchupflecken beseitigen. Außerdem soll es ein Ausbleichen des Leders durch die Sonne verhindern.
Die Möbelmesse mit ihren mehr als 1500 Ausstellern aus 46 Ländern dauert noch bis zum Sonntag. Mit Ausnahme des letzten Tages ist der Eintritt allein dem Fachpublikum vorbehalten. ANDREAS HOFFMANN
GRÄVENWIESBACH. Bernhard Lindner führt die CDU wieder als Spitzenkandidat durch den Kommunalwahlkampf. "Wir wollen den Aufwärtstrend fortsetzen", nennt der 35jährige Finanzbeamte und stellvertretende Fraktionsvorsitzende als Wahlziel seiner Partei. Bei den letzten Kommunalwahlen hatten die Grävenwiesbacher Christdemokraten als einziger CDU-Ortsverband im Kreis zugelegt. Ein Plus von 2,8 Prozent brachte ihnen fünf Sitze im Gemeindeparlament - und nur 15 Stimmen fehlten für das sechste Mandat.
Die CDU tritt mit einer "gut gemischten und verjüngten" (Lindner) Mannschaft an: Auf Platz zwei der Kandidatenliste steht ein Neuling, Jörg Glaser aus Hundstadt. Ihm folgt der derzeitige Gemeindevertreter Rolf Tausch (Laubach) und das CDU-Gemeindevorstandsmitglied Jürgen Reitz (Grävenwiesbach). Auf den weiteren, sicheren Plätzen fünf bis sieben kandidieren der zweite Neuling Lothar Stöckmann (Naunstadt), Edith Diess (Mönstadt) und die Fraktionsvorsitzende Ursula Vogel (Grävenwiesbach). cn
BAD NAUHEIM. "Wenn Eltern trauern" ist Thema beim nächsten Vortrag des Bad Nauheimer Forums am Mittwoch, 20. Januar, um 20.15 Uhr im Gemeindezentrum St. Bonifatius in der Zanderstraße. "Wege der Trauer nach dem Tod eines eigenen Kindes" will Pastoralreferent Hartwig von Papen aufzeigen. Er hat sich als Klinikseelsorger in den Bereich "verwaiste Eltern" eingearbeitet.
Der Alptraum aller Eltern, daß ihr Kind vor ihnen sterben könnte, sei noch immer ein Tabu-Thema unserer Gesellschaft, heißt es in der Vortragsankündigung.
Für diejenigen, die sich intensiver mit dem Problem befassen wollen, plant das oberhessische Bildungswerk für das dritte Maiwochenende ein Seminar im Feriendorf Herbstein. Information und Anmeldung unter Tel. 06 41 / 7 34 71 oder 0 60 32 / 3 54 25. mk
Lepp FRANKFURT A. M. Nach fünf Monaten Verhandlungsdauer im Frankfurter co op-Prozeß hat der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Alfons Lappas begonnen, sich zu den Vorwürfen der Anklageschrift zu äußern. Bei seiner Vernehmung betonte er, er persönlich wie auch die Gewerkschaften hätten sich im Zusammenhang mit der Fast-Pleite des Handelskonzerns kein Versagen vorzuwerfen.
Ohne zunächst auf Einzelheiten einzugehen, nannte Lappas den gegen ihn erhobenen Vorwurf des Betrugs und der Untreue "an den Haaren herbeigezogen". Wie unseriös die Staatsanwaltschaft ermittelt habe, ergebe sich schon aus ihrer Behauptung, die Gewerkschaftsholding BGAG habe ihr co op-Aktienpaket damals nur verkauft, um die wegen der Neuen-Heimat-Krise entstandenen Liquiditätsprobleme zu lösen. Das sei "absurd und lächerlich", zumal mit dem Verkaufserlös die Milliardenprobleme der Neuen Heimat nicht zu bewerkstelligen gewesen seien.
Wiederholt beklagte Lappas, sein "Persönlichkeitsbild" sei mittlerweile "total deformiert und demoliert" worden. Sein persönliches Desaster habe mit der Weigerung begonnen, 1986 im parlamentarischen Untersuchungsausschuß "Neue Heimat" auszusagen. Während sein Instinkt ihm geraten habe, nicht zu schweigen, hätten ihm renommierte Juristen den falschen Rat zur Aussageverweigerung erteilt. Als Höhepunkt seines Schicksals bezeichnete der 63jährige die Verhaftung Ende November 1989. Sie habe zu einer dramatischen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes geführt.
Zu den Problemen um die Neue Heimat, mit denen er als Mitglied des BGAG-Managements konfrontiert war, meinte Lappas, die Misere sei "größtenteils herbeigeredet worden", und zwar aus politisch durchsichtigen Gründen. Trotz Schwierigkeiten in der Sparte Städtebau sei das gewerkschaftseigene Unternehmen an sich gesund gewesen. Rückblickend sei festzustellen, daß die Gewerkschaften ihre fraglos vorhandenen finanziellen Probleme gelöst hätten, während andere Firmen zu Lasten der Gläubiger in Konkurs gegangen seien.
Auf die Anklagevorwürfe will Lappas im Detail morgen bei der Fortsetzung des Prozesses eingehen. Vor Beginn seiner Einlassung hatten seine Verteidiger mehr als 50 Beweisanträge dazu gestellt, daß der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende für Betrug und Untreue im co op- Konzern nicht verantwortlich sei.
Noch acht Spieltage stehen in der "normalen" Mammutrunde (44 Spiele pro Verein) der zweiten Eishockey-Bundesliga auf dem Programm. Anschließend beginnt für die vier "Sitzengebliebenen" im 12er-Feld die Play-off-Abstiegsrunde genau eine Woche nach dem letzten Vorrundenmatch. Dazu zählen neben dem Neunten EHC Essen-West, dem Zehnten SC Memminmgen, dem tief abgerutschten Altmeister SC Rießersee auch der EC Bad Nauheim. Der Achtplazierte ECD Sauerland ist selbst rein theoretisch nicht mehr vom EC einzuholen, die ersten acht Teams kämpfen um den einen freien Platz in der ersten Liga. Der Zweitplazierte bestreitet Relegationsspiele gegen den Erstliga-Vorletzten. Die Runden beginnen am 20. Februar.
Für den EC geht es nur noch um eine etwas bessere Ausgangsposition vor den alles entscheidenden Abstiegsendspielen. Der vorletzte Platz ist noch realisierbar bei nur einem Punkt Rückstand zum SC Rießersee, würde Heimvorteil in einem möglicherweise entscheidenden Spiel gegen den SCR bedeuten. "Wir müssen nicht nur in Richtung Rang elf schauen, die Formkurve muß noch bis zu den Play- Off-Spielen nach oben zeigen. Wer jetzt schludert, ist rettungslos verloren und findet nicht mehr den leistungsmäßigen Anschluß", läßt EC-Trainer Rudolf Sindelar erst gar keinen Schlendrian bei den "Roten Teufel" vor dem viertletzten Vorrunden-Wochenende aufkommen. Am Freitag (19.30 Uhr) steht eine mögliche Generalprobe für die erste Runde in der Play-Off-Abstiegsrunde an, wenn der Neuntplazierte EHC Essen-West zum zweitenmal in dieser Saison seine Visitenkarte in der Badestadt abgibt.
Am Sonntag gastiert Bad Nauheim beim einzig verbliebenen Ostclub der zweiten Liga, dem im vorderen Mittelfeld zu findenden ES Weißwasser. Bisher gab es 1:5-Punkte gegen die Lausitzer, die nach schwachem Start inzwischen den Erstligaabstieg verdaut haben. Weißwasser ist durchaus wieder die Rückkehr in die erste Liga zuzutrauen, der EC tritt als krasser Außenseiter die lange Reise an die polnische Grenze an. Walt Poddubny wird weiterhin in der Defensive spielen, seit Dienstag steht auch wieder sein amerikanischer Mannschaftskollege Tim Schnobrich auf dem Eis. Nach seinem am 15. November erlittenen Wadenbeinbruch hat der Torjäger noch Schwierigkeiten, schmerzfrei zu trainieren. "Ich brauche noch mindestens drei Wochen, um wieder fit zu werden. ", meinte Schnobrich, der Kontakte zu seinem Ex-Verein EC Kassel bestätigte. "Eine längst noch nicht beschlossene Rückkehr kommt frühestens nach Saisonende in Frage, ich möchte noch einige Tore für Nauheim schießen", meinte der Linksaußen. der (nur zwei sind erlaubt) den Kanadier Mike Latta jo
BAD VILBEL. Der Pommernkreis lädt alle Pommern und Freunde zum Lungwurst-Essen auf den Heilsberg ein. Der gemeinsame Schmaus soll am Samstag, 23. Januar, ab 16 Uhr im Bürgerhaus Heilsberg stattfinden. kg
OBERURSEL. Eine Waldorfschule für den Vordertaunus soll noch in diesem Sommer gegründet werden. Dies kündigt der Waldorfschulverein an, in dem seit Jahren Eltern unter anderem aus Kronberg, Oberursel, Steinbach und Bad Homburg die Gründung vorbereiten. Der Verein lädt alle Interessierten ein, sich am heutigen Dienstag in einer offenen Gesprächsrunde über die Schule und ihr Konzept zu informieren: Beginn ist um 20 Uhr in den vorläufig angemieteten Räumen in der Krebsmühle, an der Straße zwischen Ober- und Niederursel (oberhalb des Restaurants "Linse".
Zur Zeit bestehen bereits eine erste und eine zweite Klasse, die noch als Dependance der Frankfurter Waldorfschule firmieren. Auskünfte über die neue Schule geben auch Corinna Hölterhoff (Tel. 0 69 / 58 37 24) oder Claudia Grah-Wittich (0 69 / 57 89 52). esi
Die Studenten der Fachhochschule am Nibelungenplatz haben zum sechsten und letzten Mal die Nibelungenallee im laufenden Wintersemester blockiert. Dazu aufgefordert hatte der ASTA. Wie immer haben sich die Studenten auf der Fahrbahn niederlassen, um für einen ampelgesteuerten Überweg in Höhe der Nordendstraße zu demonstrieren.
Der Rat der Fachhochschule, in dem auch die Dekane der Fachbereiche sitzen, hat den Rektor aufgefordert, zur nächsten Ratssitzung am 27. Januar einen Vertreter der Stadt einzuladen.
Sollte ein Abgesandter des Magistrats erscheinen, dann will ihm der Verkehrsreferent des AStA, Carsten Joost, eine Liste mit 1000 Unterschriften für den Ampelbau überreichen.
Die Straßenverkehrsbehörde hat jetzt gegenüber der FR bekräftigt, daß sie einer Signalanlage in Höhe der Nordendstraße keine Priorität einräume.
Nach ihrer Ansicht ist es den Studenten durchaus zuzumuten, den nahegelegenen Überweg am Nibelungenplatz zu benutzen. Eine weitere Ampel koste laut Schätzung des Hochbauamtes 200 000 Mark.
Der Darstellung der Behörde zufolge umfaßt die Liste mit den geplanten Neubauvorhaben insgesamt 90 Positionen. Der Katalog werde derzeit aktualisiert, doch es zeichne sich ab, daß die geforderte Ampel in der unteren Hälfte eingestuft werde. habe
REICHELSHEIM. Die Dorferneuerung von Reichelsheim steht im Mittelpunkt einer Bürgerversammlung am heutigen Dienstag, 19. Januar, 20 Uhr, im Bürgerhaus. Zunächst berichtet Vorplaner Dr. Dieckmann über seine Tätigkeit, anschließend sind die Arbeitsgruppen an der Reihe. Das Duale System für die Wertstofferfassung steht ebenso auf der Tagesordnung wie ein Bericht über die Projekte der Kommune für 1993. Das teilt Stadtverordnetenvorsteher Hagen Behrens mit. sal
OFFENBACH. Von zwei Schüssen getroffen wurde ein Mann, als er am Montag kurz nach 16 Uhr die Gaststätte Joker in der Offenbacher Innenstadt in der Bieberer Straße verließ. Er wurde in Bauch und Brust getroffen und mußte schwer verletzt mit dem Notarztwagen in die Städtischen Kliniken gebracht werden.
Wie die Polizei weiter sagt, steht die Identität des Verletzten noch nicht fest, vermutlich handle es sich um einen 40- bis 50jährigen Italiener. Die Hintergründe der Schüsse sind nicht bekannt. Die Polizei hat auch nur Zeugen, die zwei Schüsse gehört haben. Aber niemand hat gesehen, woher oder von wem. Hinweise an die Kripo, Telefon 0 69 / 809 0 - 2 59. buc
MAINTAL. Im Vorstand der Wählergemeinschaft "Freie Maintaler" (FM) ist ein Machtkampf entbrannt. Hintergrund der Kontroverse ist das Verhalten der beiden ehemaligen Maintaler CDU-Politiker - und neuen FM-Mitglieder - Wilhelm Drolshagen und Joseph Wipperfürth, die bei Aufstellung der FM-Kandidatenliste nicht zum Zuge gekommen sind und sich (deshalb?) auf die Kreistagsliste der Freien Wähler setzen ließen - ohne Wissen des Vorstandes.
Drolshagen, ehemals CDU-Stadtverordneter und bis vor kurzem noch Kreistagsabgeordneter, kam auf Platz 5 der Kreisliste. Wipperfürth, ehemals Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Maintal-Bischofsheim und Stadtverordneter, im Sommer bei der Maintaler Asyldebatte in die Negativ-Schlagzeilen geraten, doch erst jetzt aus der CDU ausgetreten, kam immerhin auf Platz 8.
FM-Pressesprecher Christoph Kalka fordert den Aussschluß von Drolshagen und Wipperfürth und will speziell dazu eine besondere FM-Mitgliederversammlung einberufen wissen. Kalka verweist auf einen früheren Mitgliederbeschluß, wonach die FM sich auf Kreisebene nicht engagieren wollte.
Die heimliche Kandidatur der beiden Ex-Christdemokraten sei ein Affront für die "Freien Maintaler", und ihr Ausschluß sei nicht mehr und nicht weniger als "eine natürliche Selbstreinigung" der Gruppe.
Mit der Forderung hat sich Kalka in einer Vorstandssitzung am Freitag offenbar nicht durchsetzen können. Denn 2. FM-Vorsitzender Ludwig Stein teilt dazu mit, Drolshagen und Wipperfürth seien zwar FM-Mitglieder, "kandidieren jedoch nicht als solche, sondern als reine Privatpersonen für den Kreistag und können somit auch nicht für die FM dort tätig werden".
Die Satzung der Freien Wählergemeinschaft Main-Kinzig lasse eine Mitgliedschaft oder Kandidatur im Kreistag unabhängig von einer Mitgliedschaft in einer kommunalen Wählergemeinschaft zu, argumentiert Stein und betont denn auch abschließend: "Es bleibt bei dem Beschluß der Freien Maintaler, sich auf die Politik der Stadt Maintal zu konzentrieren." pom
FREIGERICHT. Freigericht bleibt zumindest vorerst von einer publicityträchtigen Wahlkampfveranstaltung der rechtsextremen "Republikaner" verschont. Der für 21. Januar geplante Auftritt des Bundesvorsitzenden Franz Schönhuber in der Freigericht-Halle ist geplatzt.
Nachdem der Gemeindevorstand das Ansinnen der Rechtsextremen abgewiesen hatte, war die Partei mit einem Antrag auf einstweilige Anordnung vor den Kadi gezogen (die FR berichtete). Das Verwaltungsgericht Frankfurt erteilte jedoch am Montag dem Begehren der "Republikaner" eine Absage.
Damit schlossen sich die Frankfurter Richter der Entscheidung des Gemeinvorstands an. Der hatte den Auftritt von Chefagitator Schönhuber mit der Begründung abgelehnt, die Freigericht-Halle stehe als öffentliche Einrichtung nur örtlichen Vereinen und Körperschaften zur Verfügung.
Die Justizbehörde folgt dieser Einschätzung. Man habe den Antrag der "Republikaner" abgelehnt, "weil die geplante Veranstaltung den Widmungszweck der Halle sprengen würde". tja
ESCHBORN. Das Regierungspräsidium (RP) in Darmstadt als obere Bauaufsicht hat jetzt Entscheidungen des Eschborner Magistrats und des Kreisbauamts in Hofheim korrigiert. Beide hatten grünes Licht für ein Bauprojekt an der Rudolf-Diesel-Straße in Niederhöchstadt signalisiert, das vom rechtskräftigen Bebauungsplan abweicht.
Wie berichtet, wollte die Bayrische Hausbau GmbH & Co auf dem schmalen Grundstück an der S-Bahn ein fünfgeschossiges Bürogebäude mit 400 Arbeitsplätzen als geschlossenen Riegel hochziehen. Der Bebauungsplan sieht aber nur vier Vollgeschosse und aufgelockerte Bauweise vor.
Der Magistrat erklärte dennoch sein Einvernehmen, weil die erlaubte Ausnutzung wegen des schmalen Grundstückes in vier Geschossen nicht möglich gewesen wäre. Und auch das Kreisbauamt wollte den eingereichten Bauantrag genehmigen.
Doch der Rechtsanwalt der Anlieger, die sich von Licht und Sonne abgeschnitten sahen und den von der geschlossenen Wand zurückgeworfenen Lärm der S-Bahn fürchteten, schaltete das Regierungspräsidium ein. Das stellte nicht nur fest, daß ein positiver Bauvorbescheid für den Vorbesitzer des Grundstücks Henning Kammler nicht mehr gültig war. Es formulierte auch Bedenken: denn die Voraussetzungen für eine Befreiung vom Bebauungsplan waren nach Auffassung des RP nicht gegeben. Diese setzten einen atypischen Sonderfall voraus, der aber bei der Bayrischen Hausbau GmbH & Co nicht zu erkennen war.
Das Kreisbauamt wird nun nach Auskunft von Amtsleiter Gernot Kaup Gespräche mit der Bauherrin führen. Sie könne die eingereichten Pläne ändern oder zurückziehen und müsse sich an den Bebauungsplan halten. Auf die Frage, ob der Einspruch des RP nicht eine Schlappe für sein Amt sei, sagte Kaup, er wolle das nicht kommentieren. she
WETTERAUKREIS. Freies Reden in schwierigen Situationen und Argumentationsübungen sind Schwerpunkte eines Bildungsurlaubes, den die Arbeitsgemeinschaft "Arbeit und Leben" (DGB und VHS) vom 15. bis 19. Februar in der Familienbildungsstätte Oberreifenberg anbietet. Anmeldungen für den Rhetorikkursus werden in der Kreisvolkshochschule in Büdingen, Gymnasiumstraße, Tel. 0 60 42 / 88 51 92, oder in Friedberg, Burg 18, Tel. 0 60 31 / 8 38 40, entgegengenommen. mk
Die jüngsten Sprüche von Kanzler und Co. für eine Aufhebung des Waffenembargos in Bosnien sind hoffentlich nur leere Drohungen. Das wäre noch am besten. Sie sind auf jeden Fall ein Eingeständnis, mit dem Latein am Ende zu sein - also an der gleichen Stelle, wo die internationale Politik ganz am Anfang des Krieges in Ex-Jugoslawien gestanden hatte.
Damals hätte man am liebsten weggeschaut, wie die Völker da weit hinten aufeinanderschlugen. Heute wäre eine Aufhebung des Waffenembargos eine vergleichbare Übung, verbunden mit der Aufforderung: Regelt eure Probleme gefälligst allein, möglichst schnell, wir hier in den feineren Etagen des europäischen Hauses halten den Schlachtenlärm nicht mehr aus.
Jetzt offiziell Waffen in die geschundene Region liefern zu wollen, ist der gefährlichste und kriegsverlängernde Weg, um die krasse militärische Unterlegenheit der Angegriffenen auszugleichen. Ihre Benachteiligung muß dadurch behoben werden, daß den Aggressoren das Ausspielen der Überlegenheit unmöglich gemacht wird - etwa indem durch strenge Überwachung des Flugverbots über Bosnien der Nachschub für die serbische Kriegsmaschinerie reduziert wird.
Vorschläge, wie das Kriegsfeuer nach und nach schwächer gemacht, wenn schon nicht gleich gelöscht werden kann, gibt es zuhauf. Entscheidungen darüber kann man nicht mit einer Aufhebung des Waffenembargos umgehen. Damit würde eine erhebliche Ausweitung des Brandes riskiert. Die Bereitschaft dazu ist nur mit der Ahnung erklär-, nicht entschuldbar, daß aus dem Vance/Owen-Plan ob mit oder ohne serbische Zustimmung ohnehin kein Frieden entsteht. ens
(Fortsetzung auf Seite II)
SANTIAGO, 18. Januar (AFP). Der chilenische Priester Eugenio Pizarro ist am Sonntag zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Linksbewegung Allendes (Movimiento de Izquierda Democratico Allendista - MIDA) für die Wahlen vom 11. Dezember nominiert worden. Die Führerin der Kommunistischen Partei, Gladys Marin, gab bekannt, die Entscheidung sei auf einer Sitzung des Exekutivkomitees der Partei beschlossen und bei einem Treffen der sogenannten Nationalen Volksversammlung gutgeheißen worden.
FRIEDBERG. Im Frauenzentrum beginnt am Montag, 25. Januar, um 20 Uhr ein Seminar mit dem Titel "Harninkontinenz - ein Tabu-Thema?" An sechs Abenden stehen neben Beckenbodentraining auch Wahrnehmungs- und Atemübungen auf dem Programm. Anmeldungen werden bis Donnerstag, 21. Januar, im Frauenzentrum, Usagasse 8, Tel. 0 60 31 / 25 11, angenommen. mk
MAIN-TAUNUS-KREIS. Frauen aus verschiedenen Einrichtungen und Vereinen haben für Mittwoch, 27. Januar, zu einer Demonstration gegen die Massenvergewaltigungen in Bosnien aufgerufen. Der Protestmarsch formiert sich um 17 Uhr am Rathaus in Hofheim (Elisabethenstraße) und zieht durch die Stadt in Richtung "Altes Rathaus" in der Fußgängerzone, wo sich Demonstrantinnen und Demonstranten um 18 Uhr zu einer Kundgebung versammeln.
"Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger auf, die ebenso betroffen sind über diese Berichte von angeordneter Massenvergewaltigung und über Frauen, die gegen ihren Willen in Bordell-Lagern interniert sind, sich zahlreich an dieser Demonstration zu beteiligen." Die Organisatorinnen fordern die Verurteilung der Vergewaltigungen als Kriegsverbrechen, eine Aufnahmegarantie für die betroffenen Frauen und ihre Familien sowie Fluchtstätten, wo die vergewaltigten Frauen und Mädchen medizinisch und psychosozial betreut werden können. Darüber hinaus verlangen die Organisatorinnen, daß die Vergewaltigungslager sofort aufgelöst werden.
Zur Demonstration rufen die Gleichstellungs- und Frauenbeauftragten des Kreises auf, der Verein "Frauen helfen Frauen", amnesty international, die Kreistagsparteien sowie die Volkshochschule des Kreises. schu
sp HANNOVER, 18. Januar. Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD) trifft mit seinem Eintreten für Rüstungsexporte nach Taiwan auch in der eigenen Partei auf Widerstand. Bei einer Vorstandssitzung des SPD-Bezirks Hannover übten die Teilnehmer am Wochenende fast einstimmig Kritik an Schröder. Am Mittwoch wird sich der Landtag in einer Aktuellen Stunde mit dem Thema befassen.
Die Grünen, die mit der SPD die Landesregierung bilden, verständigten sich am Montag auf eine eindeutige Distanzierung von Schröders Auffassung. Dabei wurde auf die geltenden Richtlinien der Bundesregierung aus dem Jahre 1982 hingewiesen, in denen es heißt, arbeitsmarktpolitische Argumente dürften bei Entscheidungen über Rüstungsexporte nicht den Ausschlag geben. Schröder hatte seinen Vorstoß ausschließlich mit der Sorge um Arbeitsplätze in der Schiffbauindustrie begründet. Taiwan will zehn U- Boote und zehn Fregatten bauen lassen.
Niedersachsens Wirtschaftsminister Peter Fischer (SPD) erklärte am Montag, er leugne nicht, daß der Auftrag helfen würde, ein Drittel der rund 2000 Arbeitsplätze der Thyssen-Nordseewerke in Emden zu sichern. Aus grundsätzlichen Erwägungen habe er aber schon im Dezember Aufforderungen aus der CDU zurückgewiesen, sich in Bonn für dieses Geschäft stark zu machen.
Haben wir nun einen riesigen Skandal oder haben wir ihn nicht? Gibt es jetzt im Saarland zwei herausragende Belege für den Sittenverfall der politischen Klasse oder haut der Spiegel - warum auch immer - bloß mit aufgeblähtem Material zwei altgediente Informations-Kumpel in die Pfanne? Fragen gibt es in diesem Zusammenhang in Hülle und Fülle. Mit den Antworten dagegen ist es schon etwas schwieriger.
Auch am Tage nach den Vorführungen von Ministerpräsident Oskar Lafontaine und dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Reinhard Klimmt im Hamburger Nachrichtenmagazin will sich die Dimension der schummrigen Geschichten aus den Grenzregionen der Republik nicht vollends erschließen. Sagen läßt sich dies: Politiker mit halbseidenen Bekannten müssen sich nicht wundern, daß die Töne schriller werden, wenn ihre kleinen Schrägeleien ans Tageslicht kommen - auch wenn das Land wahrlich andere Sorgen hat.
Soweit bisher erkennbar, haben die brieflichen und arbeitsrechtlichen Kontakte der beiden Sozialdemokraten zu einstigen Milieugrößen keine strafrechtliche Relevanz. Was im Augenblick debattiert werden kann, sind Stilfragen. Und wer könnte da schon behaupten, es sei das Normalste von der Welt, wenn Vertreter des Volkes "Unterweltskönigen" gefällig und ehdem stadtbekannte Schläger als Helfer in der Staatskanzlei tätig sind. Genug an Information, um den Stab zu brechen? Sicher noch nicht. Es wird mehr geben müssen, um sich ein abschließendes Urteil zu bilden. rr
BAD HOMBURG. Der Information über die Fachschule für Technik an der Georg-Kerschensteiner-Berufsschule dient ein Workshop, der am Freitag, 22. Januar, von 9 bis 15 Uhr dauert. Eingebunden ist die Veranstaltung in eine Projektwoche, die am Montag begann und noch bis Freitag dauert.
Die Studierenden stellen ihre Projekte vor. Auch ehemalige Schüler und Firmenvertreter werden erwartet. tom
WIESBADEN. Eine scharfe Handgranate, eine Pistole und Munition stellte die Polizei am Wochenende in der Wohnung eines 51 Jahre alten Mannes sicher. Die Waffen hatte der Wiesbadener in einem Aktenkoffer deponiert.
Wie die Polizei gestern mitteilte, war die Tochter des 51jährigen mit der Auflösung dessen Wohnung betraut: Der Mann sitzt wegen eines Falschgelddeliktes in einem Gefängnis in Prag. Ein Freund ihres Vaters hatte sie vor einem Aktenkoffer gewarnt: In dem sollten sich brisante Gegenstände befinden.
Die Tochter schaute erst gar nicht nach: Sie rief gleich die Polizei. Experten des Landeskriminalamtes nahmen sich der Waffen an. Sie wollen nun die Herkunft von Pistole und Handgranate klären. Nach Angaben der Tochter ist ihr Vater Journalist. Bei den Waffen könne es sich um Souvenirs aus seiner Zeit als Kriegsberichterstatter handeln. kkü
KIEL, 18. Januar (AP). Über 70 Vögel mit ölverschmiertem Gefieder sind innerhalb weniger Tage auf den Nordseeinseln Föhr und Sylt gefunden worden. Der Leiter der Rettungs- und Forschungsstation für verölte Seevögel auf Sylt, Gerd-Heinrich Neumann, sagte am Montag: "Ich vermute, daß das Öl an den Tieren von dem Tankerunglück vor den Shetland-Inseln stammt." Noch nie habe es an der nordfriesischen Küste innerhalb so kurzer Zeit so viele Vögel mit ölverschmiertem Gefieder gegeben.
Auch sei die Beschaffenheit des Öls anders: In anderen Fällen seien einzelne Vögel mit leichtem Betriebsöl verschmutzt gewesen; diesmal sei das Öl dickflüssig wie Lebertran. Derzeit untersuche das Chemische Institut der Universität Münster Gefiederproben. Von den Shetland-Inseln seien Öl- und Gefiederproben zum Vergleich angefordert worden.Streit um Schwanheimer Bahnstraße SPD und Grüne vertagen Thema bis nach der Kommunalwahl
Im Verkehrsausschuß des Stadtparlaments ist jetzt deutlich geworden, daß die rot-grüne Römerkoalition in der Frage über die Zukunft der Schwanheimer Bahnstraße mittlerweile unterschiedliche Positionen einnimmt. Die Sozialdemokraten wären durchaus bereit, den gemeinsamen Beschluß, die direkte Verbindung zwischen dem Stadtteil und dem Flughafen zu kappen und die Asphaltpiste zum größten Teil wieder aufzuforsten, aufzuheben.
Die Grünen beharren jedoch auf dem Plan. Die Koalitionspartner haben das Thema jedoch bis nach der Kommunalwahl auf Eis gelegt. Solange wird sich an der Verkehrslage auf der Bahnstraße nichts ändern.
Die Meinungsverschiedenheiten wurden in der Bürgerfragestunde deutlich. Die bestritt diesmal eine Delegation der Bürgerinitiative (BI), die im Stadtteil unterdessen 6000 Unterschriften gegen eine Schließung der Straße gesammelt hat. Sprecher Armin Heuser machte dem Ausschuß klar, daß unterdessen auch die Genossen in Schwanheim auf BI-Linie eingeschwenkt seien. Vor diesem Hintergrund wunderte sich der Sprecher über die SPD-Fraktion im Verkehrsausschuß, weil die sich nicht festlegen wollte und einen gleichlautenden CDU-Antrag zurückstellte.
"Wir halten uns an die Koalitionsvereinbarung", begründete Isa Petersohn den SPD-Standpunkt. Klaus Sturmfels ergänzte jedoch, falls die Koalition bei der Wahl bestätigt werde, solle über das Thema erneut geredet werden. Uli Baier von den Grünen: "Vielleicht bietet sich im Stadtwald eine andere Straße für den Rückbau an."
Der Aufschub fiel der Koalition leicht, weil ihr Aufforstungsbeschluß für absehbare Zeit ohne praktische Konsequenzen bleibt. Dagegen hat die BI nämlich eine Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht, über die aller Voraussicht nach in diesem Jahr nicht mehr befunden wird. In der Koalition besteht Konsens darüber, daß vor einer juristischen Entscheidung am Zustand der Schwanheimer Bahnstraße nicht gerüttelt werden soll. Isa Petersohn: "Da passiert nichts. Die Straße bleibt offen."
Diese Erklärung genügte den Vertretern der Bürgerinitiative allerdings nicht. Für den Fall einer Rücknahme der Klage könnten ihren Mitgliedern die Kosten des Verfahrens erspart werden. habe
HARTMUT HABIG, Wehrführer in Kronberg, hat in der Jahreshauptversammlung auch der Vorsitz des Feuerwehrvereins übernommen. Er wurde Nachfolger von HEINZ FEGER, der dieses Amt seit 1964 inne hatte und für seine 50jährige Mitgliedschaft geehrt wurde. Ebenfalls schon 50 Jahre engagieren sich FRIEDEL KRAFT, AXEL FISCHER, WALTER WEIDMANN und EDMUND WEIDMANN
MARGOT JUGL, seit 1969 bei der Stadt Oberursel angestellt, ist am 30. November in den Vorruhestand gegangen. Sie arbeitete in der Stadtsanierungs- und in der Bauhofsverwaltung und erstellte die Grundlagen für die Lohnabrechnung. Mit ihr werden am Donnerstag, 21. Januar, in einer kleinen Feierstunde noch drei andere städtische Bedienstete verabschiedet. HORST BUG war seit 1974 im Rechnungsprüfungsamt angestellt, wo er unter anderem Wohngeld-Vorgänge betreute. Der gelernte Modellbauer und Großhandelskaufmann hat ebenfalls Ende November aufgehört. RUTH NICHOLS fing 1978 in der Schreibzentrale der Stadt an und arbeitete zum Schluß im Vorzimmer des Rechnungsprüfungsamtsleiters. Sie ging Ende des vergangenen Jahres in Rente. Und MARIA STEYER schließlich begann 1972 in der städtischen Telefonzentrale und saß zum Schluß hinter dem Schalter des Einwohnermeldeamtes. Sie scheidet am 31. Januar aus.
Die "falsche Auswertung" seiner Kenntnisse über Sicherheitsmängel im System hat einem Computer-Spezialisten eine Geldstrafe von 7500 Mark eingebracht. Als Leiter der Abteilung Kundenbetreuung und Telefonservice in einer Frankfurter Bank nutzte er seine Position aus, um an die Kreditkarten von mehreren Dutzend Kunden zu gelangen.
Einen Schaden verursachte der 35 Jahre alte Angeklagte zwar nicht; trotzdem wurde er jetzt von einem Frankfurter Schöffengericht wegen Computerbetrugs, Urkundenfälschung und -unterdrückung verurteilt.
Warum der glänzend verdienende - und schuldenfreie - Abteilungsleiter im November 1991 begann, seine Kenntnisse über die Schwachstellen des Kreditkartenbereichs der Bank für sich selber auszunutzen, vermochte der Angeklagte auch nach monatelanger Überlegung nicht zu sagen. "Um auf Sicherheitslücken aufmerksam zu machen", so der Angeklagte vage, habe er vielleicht damit angefangen. Als er dann aber merkte, wie mühelos ihm geheime Auskünfte erteilt wurden - so genügte etwa ein Anruf bei einer Landesgirokasse, und schon hatte er das Paßwort, mit dem er in die Kundenkarteien eindringen konnte - entstand die Idee, sich die Kreditkarten von den Kunden seiner Bank zu verschaffen.
Sein Plan war recht aufwendig konstruiert: Zunächst mietete er zwei Wohnungen in Mainz an, wo er eine fiktive Briefkastenfirma unterbrachte. Der Bank teilte er sodann mit, seine Kreditkarte sei abhanden gekommen, und die neue möge an eine neue Adresse geschickt werden. Seinen Brief unterzeichnete er mit den Unterschriften der jeweiligen Kunden, und tatsächlich erhielt er in 58 Fällen die erbetenen Karten, ohne daß seine diversen Unterschriften zuvor kontrolliert worden wären. Anschließend drang der Sicherheitsspezialist erneut in die Computerdateien ein und brachte die Daten wieder auf den alten Stand, um seine Spuren zu verwischen.
Obwohl er die Karten zügig und ohne Komplikationen erhalten hatte, nutzte er sie doch kein einziges Mal für sich selbst. Als im Januar dann die ersten Monatsrechnungen für die diversen Kunden bei seiner Mainzer Adresse eintrudelten, verlor er nicht nur den Überblick über seinen Plan, wie er vor Gericht angab, sondern lieferte sich auch "selbst ans Messer": Er gestand die Datenmanipulationen gegenüber seinem Arbeitgeber und gab alle 58 Kreditkarten ungebraucht zurück.
"Zum Glück" sei bei dem Computerbetrug kein Schaden entstanden, so das Gericht. Als "erschreckend" und "frappierend" bezeichneten es sowohl Staatsanwaltschaft und Verteidigung wie auch die Richterin, wie leicht es sei, an geheime Daten zu kommen und wie wenig, angeblich aus Kostengründen, auf die Sicherheit der Kundeninformationen geachtet werde.
KASSEL. Mit dem Staat, dessen Richter ihn hinter Gittern brachten, will ein in der Kasseler Justizanstalt sitzender Häftling offenbar nichts mehr zu tun haben. Er hat die Entlassung aus der deutschen Staatsangehörigkeit beantragt - vergeblich allerdings.
Der hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hat den Mann abgewiesen und dabei belehrt. Denn nach geltendem Recht darf hierzulande niemand in die Staatenlosigkeit entlassen werden. Das sei aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen nur möglich, wenn die Staatsbürgerschaft eines anderen Landes beantragt und die Verleihung auch zugesichert worden sei, erklärte der 12. Senat.
Der in der ehemaligen DDR geborene Kläger ist wegen verschiedener Verbrechen verurteilt worden. Er sitzt schon seit zwölf Jahren hinter Gittern, und auch dort steht eine Entlassung derzeit nicht zur Debatte. In den vergangenen Jahren hatte der Mann also viel Zeit zum Nachdenken, und dabei kam ihm wohl die Idee, daß eine Gesellschaft auf ihn als "Volksschädling" nicht nur verzichten könne, sondern müsse: Es sei die Pflicht des Staates, ihm die Staatsbürgerschaft abzuerkennen.
So beantragte er, von dieser Gesellschaft auch formal "ausgegrenzt" zu werden. Dabei stützte er sich auf den römischen Juristen "Domitius Ulpianus" (in dessen Werken anläßlich der Klage dann auch die Richter blätterten): Wer etwas wollen könne, so soll dieser Gelehrte einmal gesagt haben, "habe auch das Recht, etwas nicht zu wollen".
Soweit es sein Wille ist, das Land nach seiner Haftentlassung zu verlassen, wird ihm vermutlich niemand einen Stein in den Weg legen. Solange er kein Land findet, das ihm eine neue Staatsbürgerschaft zusichert, wird er freilich irgendwann als deutscher Staatsangehöriger im Ausland leben müssen. (Aktenzeichen: 12 UE 2654/92) ari
Multikultureller Kalender mit falschen Feiertagen USA nicht notiert, Iran-Jubiläen stehen drin Von unserem Redaktionsmitglied Peter Holle Der SPD-Stadtverordnete Bernhard Ochs und der CDU-Parlamentarier Albrecht Magen sind sich einig gegen den Grünen-Stadtrat Daniel Cohn- Bendit. Der von dessen Dezernat erstmals herausgegebene "multikulturelle Kalender" mit dem Titel "Feste der Völker 1993" sei "einseitig in der Auswahl von Feier- und Gedenktagen" (Ochs), "das Ding", so Magen, müsse deshalb "sofort zurückgezogen werden". In dem Kalender, der in einer Auflage von 1500 Stück erscheint und an Kindergärten und Schulen geht, sind zwar eine Reihe iranischer Polit-Gedenktage aufgelistet, es fehlen indes die zentralen US- Feiertage "Independence Day" (Unabhängigkeitstag) am 4. Juli und "Thanksgiving" (Erntedank). Das ärgert Bernhard Ochs, der sich vor seinen "amerikanischen Freunden schämt".
So würden via Kalender vom Multikultur-Amt "zum Feiern und Gedenken" anempfohlen: "Jahrestag der islamischen Republik Iran" (11. Februar), "Jahrestag der Anerkennung der islamischen Republik" (1. April), "Jahrestag der Nationalisierung des Erdöls" (20. März), "Jahrestag des Aufstandes gegen das Schah-Regime" (5. Juni). Ochs kann diese "bewußt einseitige Auswahl" nicht verstehen: "Was war da noch mit Salman Rushdie? Und: Ist mittlerweile im Iran eine demokratische Regierung an der Macht?"
Christdemokrat Albrecht Magen, der auch Präsident der Steuben-Schurz-Gesellschaft für deutsch-amerikanische Freundschaft ist, wertet "das Vergessen" der US-Feiertage zum einen als Beleg für "die amateurhafte Art, wie die in Cohn-Bendits Amt ihr Geschäft betreiben". Zum anderen sieht er Freud bestätigt: "Auch ein Fehler zeigt, wie ich denke."
Magen, der einen Beschwerdebrief an OB Andreas von Schoeler (SPD) geschrieben hat, verweist auch auf die in Frankfurt lebenden oppositionellen Iraner, die vor dem Khomeiny-Regime geflüchtet sind: "So ein Kalender - das ist doch für diese Menschen so, als ob einem Emigranten der NS-Zeit in seinem Exil empfohlen würde ,Nu feiert mal schön Führers Geburtstag&rquote;."
Stadtrat Cohn-Bendit räumt Fehler ein: "Die US-Festtage hätten aufgenommen werden müssen." Sie seien "aus dem Blick" geraten, weil der Kalender "zielgruppenorientiert" auf Kitas und Schulen zugeschnitten worden sei: "Da gibt es kaum amerikanische Kinder."
Die Auswahl der Iran-Gedenktage müsse "differenziert betrachtet werden": Die Ausrufung der islamischen Republik und der Schah-Sturz am 11. Februar 1979 seien beispielsweise "auch in den Augen vieler iranischer Oppositioneller ein herausragendes Ereignis in der Geschichte". Der Jahrestag der Französischen Revolution werde, so Cohn-Bendit, "ja auch gefeiert, auch wenn diese Greueltaten nach sich gezogen hat." Cohn-Bendit zieht aus all dem Lehren für den Kalender &rquote;94: Eine Kommission mit Mitgliedern der Ausländervertretung und der Parteien solle diskutieren und befinden, "was rein soll und was rauskommt". peh
In der Pressekonferenz im saarländischen Landtag wurde Reinhard Klimmt förmlich: "Zu den Obliegenheiten von Abgeordneten gehört es, sich in vielfacher Weise mit Angelegenheiten aus Strafanstalten zu beschäftigen." In diese Kategorie reiht der Lafontaine-Vertraute, der 1990 Wahlkampfmanager des SPD-Kanzlerkandidaten war und seit 1985 SPD- Fraktionsvorsitzender im saarländischen Landtag ist, auch den Briefwechsel mit dem wegen Mordverdachts per Haftbefehl gesuchten, in Frankreich einsitzenden Hugo Peter Lacour ein.
Der 50jährige Politroutinier Klimmt, der seit 1975 im saarländischen Landtag Von Michael Grabenströer (Saarbrücken) und Helmut Lölhöffel (Bonn) sitzt und als heimlicher Parteivorsitzender der Sozialdemokraten an der Saar gilt, hatte dem "lieben Hugo" nach Rücksprache mit dem Saar-Justizminister Arno Walter (SPD) Informationen über den Stand seines Verfahrens zugesichert. Hugo Peter Lacour gilt allerdings an der Saar als Schwerkrimineller, der, mehrfach verurteilt, an etlichen krummen Dingern beteiligt war. Zuletzt wurde er wegen des Verdachtes, den Besitzer eines Saarbrücker Eros-Centers ermordet zu haben, gesucht.
Klimmt kennt den Ganoven aus alten Tagen. "Sechs, sieben Mal" will er ihn in den Saarbrücker "Goethestuben" getroffen haben, einer Kneipe, in der auch der heutige CDU-Landesvorsitzende Klaus Töpfer, damals unter dem CDU-Ministerpräsidenten Franz-Josef Röder Mitarbeiter in der Staatskanzlei, verkehrt habe. Einmal sei man "mit der ganzen Korona mit Ehefrauen" in der Bar des stadtbekannten Unterweltlers gewesen, die auf den Namen einer Freundin Lacours lief. Mehr war nicht, meinte Klimmt am Montagmittag vor Fernsehkameras - bis die Briefe aus dem Gefängnis kamen.
Den Briefwechsel des SPD-Fraktionsvorsitzenden mit dem schweren Jungen von der Saar hatte das Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel aufgedeckt. Klimmt, der die Echtheit der Schreiben bestätigte, gab sich angesichts der öffentlichen Reaktion zerknirscht: "Durchaus zu Recht kann an der Form der Briefe an Lacour Kritik geübt werden." Die Schlußfolgerungen des Magazins, die eine enge Verbindung zwischen saarländischen Spitzenpolitikern und der Saarbrücker Halbwelt nahelegten, wies Klimmt jedoch als "falsch" zurück. Nach dem dritten Schreiben aus dem Gefängnis in Metz habe er "von sich aus den Briefwechsel eingestellt", sagte Klimmt. Weitere Briefe habe er "nicht mehr angeschaut".
Als Beistand hatte Klimmt zu seiner Pressekonferenz am Montag Justizminister Arno Walter mitgebracht, gegen den nach den Spiegel-Veröffentlichungen von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft wegen möglicherweise rechtswidriger Weitergabe von Informationen über den Stand eines Strafverfahrens eingeleitet wurde. Walter, der die Unterrichtung Klimmts über den Fall Lacour einräumte, habe den Sachverhalt aus seinem juristischen Wissen heraus sofort klären können. Daß die Ermittlungen wegen Mordverdacht gegen Lacour trotz der Einstellung des Verfahrens in Frankreich in Deutschland weitergelaufen sei, habe er nicht erst aus den Akten entnehmen müssen.
Insgesamt seien ihm 13 Gnadenanträge Lacours vorlegt worden. Darunter seien die sechs Briefe an Klimmt ebenso gewesen wie ein Schreiben Lacours an den Bundespräsidenten, das vom Bundespräsidialamt zuständigkeitshalber nach Saarbrücken weitergeleitet wurde. Walter wies die Vorwürfe gegen sein Ministerium als "abwegig" zurück. "Ich will gereinigt werden von den Vorwürfen", erwartet Walter als Ergebnis des Ermittlungsverfahrens.
Saar-Ministerpräsident Oskar Lafontaine, der am Montag zu einem Vortrag an der Pariser Sorbonne weilte, äußerte sich nicht. "An Klatsch beteiligt er sich nicht", ließ er durch seinen Sprecher Jochen Flackus mitteilen. Allerdings will ihn die Opposition im Landtag dazu zwingen. Für CDU und FDP passen die vom Spiegel erhobenen Vorwürfe über Verbindungen zwischen Politik und Unterwelt an der Saar in die "Serie des Machtmißbrauches im Land", sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Jacoby. Er verlangte, daß Lafontaine in einer Regierungserklärung schon am Mittwoch "klipp und klar Auskunft" gibt. Ob Lafontaine, der laut Spiegel einen Ex-Rocker als persönlichen Beschützer, der sogar von der Polizei an einer Waffe ausgebildet wurde, in die Staatskanzlei holte und dort bis zum Jahresende beschäftigte, vor dem Parlament reden wird, ist noch unklar. Klimmt jedenfalls, der über den Inhalt seiner Briefe heute sagt, "das waren blanke Floskeln", sieht "keine Konsequenzen für den Ministerpräsidenten". Die einzige Konsequenz für ihn sei, besser auf den Inhalt von Briefen zu achten. Als Abgeordneter will er sich auch weiterhin mit Vorbestraften in Sprechstunden oder bei Hausbesuchen treffen können.
Mit einem bitteren Anflug von Sarkasmus meint er: "Sonst könnte ich weder Lambsdorff noch Augstein die Hand schütteln." Angesichts der "Kübel von Schmutz, die die Medienwelt über Politiker auskippt", beeilte sich Saar-Justizminister Walter jedoch unmißverständlich klarzustellen: "Ich habe nie eine Begegnung mit Herrn Lacour gehabt." Man kann ja nie wissen.
Bei den Bonner Spitzen-Sozialdemokraten hielt sich der Schrecken über die montäglichen Enthüllungen in Grenzen. Obwohl Spiegel-Stories dieser Art mit Überschriften wie "Blüten im Sumpf", "Das Kartell der Kassierer" oder "Die Geschichten des ,O'." heutzutage eigentlich in den Parteizentralen, den Ministerien und im Parlament Unruhe auslösen müßten - die politisch Aktiven blieben merkwürdig gelassen.
Die einen, wie Regierungssprecher Dieter Vogel, versuchten der "Legende" entgegenzusteuern, "als ob in Bonn ein Grauschleier von Beziehungen und moralisch fragwürdigen Einflußnahmen" herrsche. Andere, wie SPD-Bundesgeschäftsführer Karlheinz Blessing, stemmten sich so gegen den Trend in den Medien: "Man braucht heute offenbar im Kloster aufgewachsene geschlechtslose Politiker, um nicht in die negative Berichterstattung zu geraten." Und Blessing brachte gleich ein Beispiel, um Lafontaine zu entlasten: "Ich habe vor Jahren einem Drogensüchtigen zu helfen versucht. Der wurde später Dealer. Daraus könnte nun die Schlagzeile gebastelt werden: ,Blessing hilft Rauschgifthändler&rquote;."
Die in der SPD-Zentrale entworfene Gegenstrategie war geprägt von dem auf den Spiegel gemünzten Stichwort "Räuberpistole". Parteichef Björn Engholm nahm seinen Stellvertreter Lafontaine und das Vorstandsmitglied Klimmt in Schutz: Die Geschichte enthalte "karge Fakten" und sei "aufgebauscht".
Zugleich streute die SPD aus, das Hamburger Nachrichtenmagazin sitze schon länger auf seinen Informationen und habe nur aus geschäftlichen Gründen den Zeitpunkt der Veröffentlichung gewählt. Die stellvertretende SPD-Sprecherin Dagmar Wiebusch sprach es offen aus: "Im Zuge des Konkurrenzkampfes schreckt Der Spiegel offenkundig auch nicht mehr vor skrupellosen Methoden zur Auflagensteigerung zurück." Der Hintergrund ihrer Vermutung: An diesem Montag erschien die erste Nummer des Focus aus München, der dem norddeutschen Spiegel Konkurrenz machen möchte.
Und wie es der Zufall will: Der Marktneuling brachte zur Premiere ein - wegen der schwierigen Produktion der ersten Nummer seit Wochen vereinbartes - Interview mit Lafontaine. "Das ging jetzt natürlich, mit der Spiegel-Geschichte, voll ins Leere", klagte ein Focus-Redakteur. Dabei hatte das Jung-Magazin den früher vom Spiegel gehätschelten, jetzt niedergemachten Gesprächspartner mit der Bildzeile gerühmt: "Der Realist".
Solidarität hat ihren Preis. Umsonst sind Beistand und Rückendeckung nicht zu haben. Das gilt auch für den Solidarpakt, den die Bonner Regierung mit der SPD, insbesondere mit deren Ministerpräsidenten, mit Gewerkschaften sowie Ländern und Gemeinden schließen will.
Das nach den internen Verhandlungen der Bundesregierung skizzierte Finanzgerüst reicht freilich nicht aus, um die Zeche auch nur annähernd zu zahlen. Die mittels einer ungerechten Streichliste und durch eine höhere Kreditaufnahme eingesammelten Milliarden verschwinden in Löchern des Bundeshaushalts, die demnächst durch einen ersten Nachtragshaushalt gestopft werden müssen. Für den Aufbau Ost oder gar den versprochenen Erhalt industrieller Kerne/ Standorte in der ehemaligen DDR fällt hingegen kaum was ab.
Die geplanten Abstriche bei der Arbeitslosenstütze und Sozialhilfe begründen für sich bereits einen Skandal. Solidarität mit dem Osten kann nicht aus den Taschen der Ärmsten im Westen bezahlt werden. Kanzler Kohl weiß genau, daß SPD und Gewerkschaften dies nicht mittragen könnten. An dieser Kante wird er deshalb Zugeständnisse machen.
Doch dies darf nicht reichen. Solidarität ist so billig nicht zu haben. Denn Flickschusterei hilft nicht mehr. Der Aufbau einer konkurrenzfähigen Industrie verschlingt Milliarden. Der Ausbau der Ost-Infrastruktur muß beschleunigt, die Sanierung der Umwelt vorgezogen werden, damit die Menschen bald Arbeit bekommen. Nötig ist die Solidarität der gut und auch der mittelprächtig Verdienenden. Demnächst schon. Kohl muß endlich die Wahrheit sagen. ptz (Bonn)
MÜHLHEIM. Der Donnerstag ist im Haus für die Jugend den Kindern reserviert. Jeweils zwischen 15 und 17 Uhr werden in den nächsten Monaten spezielle Angebote für die Kleinen gemacht. Beginn ist am Donnerstag, 21. Januar. "Heute backen wir Waffeln", ist der Nachmittag überschrieben, dazu soll eine fruchtige Sauce komponiert werden. 1,50 Mark beträgt der Unkostenbeitrag.
Am 28. Januar soll ein riesiges Bild gemalt werden, und am 4. Februar ist das Mitmachtheater Pati Patu mit dem "Schatz der Kling-Klong" zu Gast. Die um 15 Uhr beginnende Aufführung ist für Kinder ab sechs Jahren geeignet und kostet fünf Mark Eintritt.
Am 11. Februar soll eine Schneeburg gebaut werden. Wenn es keinen Schnee gibt, wird ein Film gezeigt. Am 18. Februar steigt eine Faschingsparty, am 25. Februar werden Windrädchen gebastelt.
Im März sind noch zwei Termine im Vierteljahresprogramm vorgesehen. Am 4. des Monats wird getanzt, gesungen, Theater gespielt, am 11. März können die Kinder mit Salzteig modellieren. pmü
WIESBADEN. Skeptisch äußert sich der als "Diätenkritiker" bekannte Speyerer Verwaltungsrechtler Hans Herbert von Arnim über den "Wert von Anhörungen" in den Parlamenten. Vor dem Hearing des Landtages über das "Hessische Ministergesetz" und die "Rechtsstellung und Finanzierung der Fraktionen im Hessischen Landtag" erinnerte von Arnim an die Anhörung über die Anhebung der Abgeordnetenentschädigung, die bei der Festsetzung der Höhe der Entschädigung "ohne sachliche Konsequenzen geblieben" sei.
Die Parlamentarier hatten damals die Anregung, ihre Diäten in Höhe des durchschnittlichen Einkommens von Freiberuflern (10 200 Mark) festzusetzen, begierig aufgegriffen. Dabei hätten sie sich jedoch, so bemängelt Arnim heute, über die "sachlichen Konsequenzen", analog zur Situation der Freiberufler auf die aus der Staatskasse finanzierte Altersversorgung zu verzichten, hinweggesetzt.
Kern des neuen hessischen Ministergesetzes ist für von Arnim die "Beseitigung der bisherigen Überversorgung" in Hessen. Damit schlage das Land den Weg ein, den Niedersachsen bereits gegangen sei und den auch andere Bundesländer wie zum Beispiel Rheinland-Pfalz beschreiten wollen. Schon durch die Vorlage des Gesetzes, so von Arnims Interpretation, habe die Landesregierung "die Unangemessenheit der bisherigen Überversorgung" bei Ministern eingeräumt. "Unangemessene Gesetze im Bereich staatlicher Politikfinanzierung aber sind verfassungswidrig", stellt von Arnim fest.
Der Experte in Sachen Politiker-Selbstversorgung will deshalb auch nicht gelten lassen, daß Hessens Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) eine rückwirkende Inkraftsetzung des Gesetzes ausschließt. Eine solche "Verfassungssperre" gelte nach Ansicht des Verwaltungsrechtlers nicht. Die "Rücknahme überzogener und verfassungswidriger oder auch nur verfassungsrechtlich zweifelhafter Gesetze mit Wirkung für zukünftige Leistungen" hält von Arnim "möglicherweise sogar verfassungsrechtlich für geboten".
So hätten in Hamburg alle Senatoren die Streichung der 1987 eingeführten Versorgungsprivilegien rückwirkend hinnehmen müssen. Dabei gehe es, so von Arnim, nicht um die "scharfe Form der Rückwirkung", die Rückzahlung, sondern um die Frage, ob laufende Zahlungen oder Anwartschaften aus alter gesetzlicher Regelung auch für die Zukunft aufrechterhalten werden können.
Das besondere Augenmerk des Spezialisten für Politikfinanzierung gilt allerdings dem Fraktionsgesetz. Die Geldflüsse an die Fraktionen hätten bundesweit zu "teilweise grotesken Wachstumsraten geführt", stellt von Arnim fest. In 25 Jahren hätten sich im Bonner Bundestag die Gelder für die Fraktionen auf zuletzt 109 Millionen "verzweiunddreißigfacht".
In Hessen sei der Fraktionsapparat 1992 mit 5,4 Millionen Mark finanziert worden. Dazu kämen noch einmal rund drei Millionen Mark für die Fraktionsangestellten, die wie politische Beamte behandelt werden. Für von Arnim eine "Skurrilität", die dazu führt, daß Fraktionsmitarbeiter jederzeit in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden können. Bezahlt werden sie dann weiter vom Hessischen Landtag.
Beispiel dafür ist der Landesgeschäftsführer der rheinland-pfälzischen SPD, der für die Mainzer ehrenamtlich tätig ist, aber auf der Gehaltsliste des Hessischen Landtags steht, seit sich die SPD- Fraktion von ihm trennte. Der Diäten- Professor Hans Herbert von Arnim nennt diese Regelung "politisch abwegig und rechtswidrig".
Für problematisch hält er die Anerkennung einer eigenständigen Öffentlichkeitsarbeit der Fraktionen und die Zulassung öffentlicher Mittel für diesen Bereich. Dies könne zu einer Ausweitung der Mittel als Ersatz für "Werbetätigkeit der Mutterparteien" führen. Außerdem möchte von Arnim erreichen, daß die Fraktionsetats wie jeder staatliche Bereich vom Landesrechnungshof kontrolliert werden können. Bislang soll die Kontrolle "allein durch den Präsidenten des Rechnungshofes" erfolgen. Zur Kontrolle müßten die Fraktionsgelder auch nach "Art und Zweck spezifiziert im Haushaltsplan ausgewiesen werden", verlangt von Arnim, der in den Parlamenten einen "gesteigerten Bedarf an öffentlicher Kontrolle bei Entscheidungen in eigener Sache" feststellt.
MICHAEL GRABENSTRÖER
WIESBADEN. Verbrennungen im Gesicht, an Hals und Händen hat sich ein 12jähriger Junge am Freitag in einer Toilette der Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken zugezogen. Der Junge hatte nach Angaben der Polizei seinen Freunden bei einem Besuch im Krankenhaus zeigen wollen, wie Desinfektionsmittel brennen. Beim wiederholten Versuch, die Flüssigkeit anzuzünden, explodierte die Flasche offenbar und entzündete den Jungen. schu
WEILROD. Die FDP, die in den letzten acht Jahren nicht im Gemeindeparlament vertreten war und sich 1992 erst wieder in einem Ortsverband formierte, tritt zur Wahl an. Ihr Vorsitzender Uwe Zickmann (Altweilnau) ist Spitzenkandidat. Auf Platz zwei der Bewerberliste steht Georg Pohl (Mauloff), gefolgt von Heide Elfenbein. An vierter Stelle kandidiert Dieter Schmidt. "Wir wollen eine seriöse und glaubwürdige Politik machen, bürgernah und transparent, wie sie auch bisher durch die FDP im Kreistag betrieben wurde", sagt Uwe Zickmann. cn
BAD NAUHEIM. Die Kommunalwahl steht im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion des Deutschen Frauenringes. Der Ortsring Wetterau lädt für Donnerstag, 21. Januar, 17 Uhr, in den Terrassensaal des Kurhauses von Bad Nauheim ein.
Auf dem Podium debattieren Gerda Larsch und Christiane Trömel (beide SPD), Annemarie Nickel und Brigitte Kielhorn (beide CDU) sowie Gila Gertz (Die Grünen). sal
Wer freiwillig Landrat im Kreis Uekkermünde wird, muß schon eine Portion Lust am Unmöglichen mitbringen. Die dünnbesiedelte Region ganz oben im Osten bietet jedem Kommunalpolitiker ausreichend Gewißheit, daß dort der Aufschwung wohl zu allerletzt Einkehr hält. 50 Prozent real Arbeitslose und ein Bruttosozialprodukt, das den Kreis in der Statistik klar als Schlußlicht offenbart - pro Kopf gerechnet beträgt der Wert aller dort erwirtschafteten Güter und erbrachten Dienstleistungen gerade die Hälfte von dem, was sonst die neuen Länder nach dem Niedergang des Volkseigentums so zustande bringen. "Bei uns", pflegen die Ueckermünder zu sagen, "wächst selbst das Gras rückwärts."
Siegfried Wack muß das gewußt haben, als er vor gut einem Jahr vom Saarland aus den Umzugswagen diagonal durchs neue Deutschland in seinen nordöstlichen Zipfel schickte und dort den vakanten Landratsposten antrat. Mal was ganz anderes sollte es sein, nach rund 15 Jahren im Bürgermeisteramt einer saarländischen Großkommune. Und dies verhieß Ueckermünde auf alle Fälle.
Ueckermünde, Ueckermünde . . . nie gehört? Das wiederum könnte auch für Müßiggänger ein Fehler sein. Denn die Landschaft als solche, hoch oben an der Haffküste, vor der pommerschen Ostsee- Bucht, ist von malerischer Schönheit: Schneeweiße Sandbuchten verstecken sich im dichten Schilf. Ein Hauch von Meeresbrise hängt in der Luft. Pappelalleen führen durch weite Koppeln und Heide. An flachen Seen und sich dahinschlängelnden Flüssen fischen noch Störche und Adler. Eben. Natur pur.
Zu DDR-Zeiten pflegten im Osten des Kreises die Stasi-Oberen - ganz privat - die Jagd. In bekannter klandestiner Art hatten sie ihrem Lieblingsrefugium, der Friedländer Großen Wiese, den Decknamen "Rotwildforschungsgebiet" verpaßt. Auch die Generale der Nationalen Volksarmee gingen gern mit auf die Pirsch. Die damals im Kreis stationierten 14 000 NVA-Soldaten verfluchten dagegen heimlich das einsame Land an der polnischen Grenze, das sie "Waldmeer, Sandmeer, Nichtsmehr" tauften.
Nun ist das einstige Militär-Ost auf "niveauvolle Größe West" geschrumpft, wie örtliche Kommunalpolitiker es höflich umschreiben. Noch 3600 Bundeswehrsoldaten schieben Dienst in den alten Kasernen. Auch aus anderen realsozialistischen Projekten, die zu DDR-Zeiten "künstlich etwas aufgebläht waren", so der Kreisdezernent für Planung und Bau, Friedrich Deicke, ist die Luft raus. Beispielsweise im ehemaligen Kombinat Ferdinandshof, das die Rindermast industriell betrieb. 22 000 Rinder stehen heute dort im Stall, früher waren es doppelt so viele. Nicht nur zum Ausmisten müssen heute 200 Beschäftigte langen, einst waren es 1600. Also Knochenarbeit in der Fleischproduktion. Für etwas mehr als einen Hungerlohn.
Düsteres Zahlenwerk läßt sich an weiteren Beispielen aufzeigen. Einen krassen Schwund an Arbeitsplätzen verzeichnen alle drei Städte des Kreises: Sowohl Eggesin, wo die ehemalige "Elmo" (Elektro-Motoren) sitzt (früher 1300 Beschäftigte, nach der Privatisierung blieben 80), als auch das südlich gelegene Torgelow im ansässigen Stahl- und Maschinenbau (früher 2000, heute 130) oder Ueckermünde, die Haff-Stadt, in der seit dem 15. Jahrhundert das Geld vor allem in der Ziegelei verdient wurde. Zu DDR-Zeit nährte die Ziegel-Produktion 300, derzeit noch 40 Arbeiter. Die Märkte sind eng. Rentabilität hat ihren Preis.
Zudem hapert's nicht nur an der Nachfrage, sondern auch am Angebot. Als die Bundeswehr neue Uniformen für die Offiziere in Auftrag geben wollte, suchte sie vergebens. "Niemand", wundert sich Oberst Rainer Stuckenschmidt noch immer, "fand sich zum Schneidern." Das gleiche wiederholte sich, als neue Möbel für die Kasernen angeschafft werden sollten. "Da mußten wir den Krempel in Berlin bestellen."
Und bei alledem sollte ausgerechnet die PDS die politischen Weichen stellen. Die Nachfolger der (fehl-)planwirtschaftenden SED waren aus der Kreistagswahl in den Wendemonaten als stärkste Fraktion hervorgegangen. Um die DDR- Nostalgiker - vor allem das große Potential an ehemaligen NVA-Berufsoffizieren hatte der PDS den Wahlerfolg beschert - in die Opposition zu drängen, mußte die ganz große Koalition gezimmert werden: aus CDU, DSU, SPD und FDP.
Das ließ sich tatsächlich machen - und manches andere auch. Recht pfiffig holten die Kommunalpolitiker Fördermittel ein. Obwohl der Bevölkerungsanteil des Kreises Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern nur 2,5 Prozent ausmacht, beträgt der Batzen an Landesförderung 6,5 Prozent. "Manchmal", sagt dazu Axel Curdts, der in der Kreisverwaltung für Tourismus, Gewerbe und Kultur zuständig ist, im verschmitzten Ton, "ist es eben die Frage, wie man das Gesetz auf den Spieß dreht."
Curdts setzt auf den Fremdenverkehr, auf Naturliebhaber und Familien mit Kleinkindern, die nicht den Luxus, sondern preiswerte Erholung suchen. Die unternehmungslustigen Berliner "sind dabei unsere Hauptkundschaft". Hier können sie in die Pedale treten (ein Radwegenetz mit 75 Kilometern steht auf dem Reißbrett), im Flachwasser waten oder an den Küsten entlangsegeln. Eine alte Kuhweide am Haff wird gerade zum Yachthafen ausgebaggert. Hauptsache, sagt Curdts, "sie fahren uns nicht nur die Straßen platt".
Die Hauptattraktion dürfte die Fahrgastschiffahrt nach Stettin oder Swinemünde bleiben, inklusive zollfreiem Einkauf auf freier See. Diese Ausflügler sollen künftig in Ueckermündes weiche Betten fallen. Zumindest für ein, zwei Nächte. Doch selbst wenn das klappt, rechnet man im Kreis damit, daß nicht mehr als acht Prozent der Erwerbstätigen vom Tourismus leben können. Alles kann das nicht sein. Mancher nennt das Kleckerei.
Wer da kommt und klotzen will, dem öffnen sich in der Ueckerregion leicht die kommunalpolitischen Türen. So geschehen im ehemaligen Eisenindustrie-Städtchen Torgelow. Dort soll ein gigantischer Müllplatz plus Verarbeitung von Sonderabfällen auf einer Fläche so groß wie 130 Fußballfelder entstehen. Dafür kämpft der parteilose Bürgermeister Ralf Gottschalk. Und die Inova-Plan aus Essen hat sich den klangvollen Namen ausgedacht: IRUT, Industriepark für Recycling und Umweltwirtschaft Torgelow, mit etwa zwanzig Betriebseinheiten. Dahinter freilich verbergen sich wenig appetitliche Vorhaben wie Altreifen-Vernichtung, das Verbrennen kontaminierter Klärschlämme, Verwertung von FCKW-Geräten und ein Zwischenlager für giftigen Sondermüll. Gesamte Jahreskapazität: 1,3 Millionen Tonnen Schrott aller Art. So etwas schafft Arbeitsplätze, knapp 1100 sollen es werden, weckt aber selbst in Deutsch- Nordost den Bürgerzorn.
"Ja sind wir denn bescheuert", erregt sich sogar der DSU-Politiker Dietrich Eick über den "Euro-Müllplatz". Ähnlich denken 2500 Torgelower, die sich auf eine Zeitungsumfrage hin gegen das Großprojekt wandten. Und die Bürgerinitiative Torgelow - Wahlspruch: "die Müllmafia verdummt uns" - hat es tatsächlich geschafft, eine kommunale Bürgerbefragung über IRUT durchzusetzen, die erste in den neuen Bundesländern. Ob der Müllplatz kippt, darüber wird am kommenden Sonntag abgestimmt.
An diesem Januarabend hocken sie im eiskalten Speisesaal der ehemaligen Torgelower Gießerei, mitgebrachte Zeitungen auf die nackten Holzbänke gelegt. "Um hier nicht festzufrieren", stupst eine eine ältere Frau ihre Nachbarin an. Hitzig dagegen ist die Stimmung unter den Müllgegnern. Hat ihnen doch Bürgermeister Gottschalk in letzter Minute den komfortableren Versammlungssaal in der Medizinmöbel-Fabrik verwehrt. Rappelvoll ist der in dem trostlosen Industrie- Labyrinth versteckte Saal trotzdem geworden. Aufmerksam lauschen die Torgelower dem Vortrag von Otmar Wassermann, Chef der toxikologischen Abteilung der Universität Kiel, eignen sich Begriffe wie Dioxine, Hexachlor-Benzol und anderes Hochtoxisches an. "Daß es man nur reicht am Sonntag", sagen sie.
Wo also liegt die Zukunft im Kreis Ueckermünde? Im knallharten Geschäft mit dem Müll, im sanften Tourismus, in der Neubelebung des Mittelstandes?
In dieser Woche feiert der Landkreis 175jähriges Bestehen. Lange zurück reicht auch der Ruf als Armenhaus Preußens. Jetzt droht die Region das Altersheim Deutschlands zu werden. Der anhaltende Treck gen Westen hat die ehemals 60 000 Bewohner auf 48 000 dezimiert. Wer Lösungen finden will, muß die Menschen zum Bleiben bewegen.
Das Wetter
Wetterlage Während der Norden und Osten Deutschlands von schwachen Störungen überquert wird, überwiegt im Süden leichter Hochdruckeinfluß. Vorhersage bis Mittwoch früh In der Nordhälfte Durchzug starker Bewölkung und etwas Regen. Nachmittags Übergang zu wechselnder Bewölkung mit einzelnen Schauern. In der Südhälfte nach Auflösung von Nebelfeldern heiter bis wolkig und trocken. Tageshöchsttemperaturen 4 bis 8 Grad. Nachts im Süden meist klar, sonst Bewölkungsaufzug und von Nordwesten aufkommender Regen. Tiefsttemperaturen im Süden um 1 Grad, sonst um 5 Grad.
Schwacher bis mäßiger, im Norden zeitweise frischer Wind aus Südwest bis West.
Wochenvorhersage Mittwoch: Im Süden anfangs aufgeheitert, später - wie im Norden - stark bewölkt und zeitweise Regen. Höchsttemperaturen 8 bis 12 Grad. Nachts um 6 Grad. Stark auffrischender Südwestwind.
Donnerstag bis Freitag: Im Süden am Donnerstag aufgelockerte Bewölkung, sonst stark bewölkt und wiederholt Regen. Frischer bis starker, im Norden stürmischer Wind um Südwest. Tages- und Nachttemperaturen um 10 Grad.
Samstag bis Montag: Wechselnde, vielfach starke Bewölkung mit Schauern, in höheren Lagen in Schnee übergehend. Am Alpenrand ab Sonntag länger andauernde Schneefälle. Naßkalt mit Tageshöchstwerten um 4 Grad.
Wetter und Temperaturen von Montag, 13.00 Uhr Ausland Ort Wetter Grad
Algier
leicht bewölkt 18 Amsterdam
leicht bewölkt 7 Athen
leicht bewölkt 16 Barcelona
stark bewölkt 12 Bordeaux
Nebel 6 Bozen
Nebel -1 Brüssel
leicht bewölkt 8 Dublin
leicht bewölkt 8 Helsinki
wolkig 3 Innsbruck
leicht bewölkt 6 Istanbul
wolkenlos 9 Kairo
leicht bewölkt 17 Larnaka
leicht bewölkt 16 Las Palmas
wolkig 20 Lissabon
leicht bewölkt 11 Locarno
wolkig 7 London
leicht bewölkt 8 Madrid
wolkenlos 6 Malaga
leicht bewölkt 15 Mallorca
leicht bewölkt 16 Moskau
wolkig 4 Neapel
wolkig 14 Nizza
leicht bewölkt 13 Paris
leicht bewölkt 7 Rom
stark bewölkt 12 St. Petersburg
bedeckt 4 Stockholm
leicht bewölkt 5 Tunis
wolkenlos 14 Varna
leicht bewölkt 17 Venedig
wolkig 6 Warschau
bedeckt 8 Wien
wolkenlos 13 Zürich
stark bewölkt 5
Deutschland
Berlin
wolkig 7 Dresden
Regen 6 Feldberg/Ts.
wolkig 2 Feldberg/Schw.
in Wolken 0 Frankfurt/M.
wolkig 7 Freiburg
stark bewölkt 9 Garmisch
leicht bewölkt 5 Hamburg
wolkig 6 Köln/Bonn
wolkig 8 Leipzig
bedeckt 7 München
leicht bewölkt 8 Norderney
leicht bewölkt 6 Rostock
leicht bewölkt 5 Sylt
leicht bewölkt 6 Zugspitze
leicht bewölkt -6
Telefonansagedienste Wettervorhersage 11 64 Reisewettervorhersage 1 16 00 Segelflugwetter 1 15 06 Medizinisch-meteorologische Tips, unter anderem für Allergiker und Herz-Kreislauf-Patienten 1 16 01 Smogwerte 06 11 - 58 12 42 (Wenn die Grenzwerte nach der Smogverordnung überschritten werden, melden wir dies an gesonderter Stelle.)
Sonnenaufgang 8.15 Uhr Sonnenuntergang 16.58 Uhr
sp HANNOVER, 19. Januar. Die niedersächsischen Grünen haben sich von Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD) distanziert, der bei einem Ausstieg aus der Atomenergie einen Ersatz für alle Atomkraftwerke durch herkömmliche Kohle- oder Gaskraftwerke für nötig hält. Schröder hatte diese Meinung jetzt in Bonn unter Berufung auf Gutachter vertreten. Der Atomexperte der Grünen im Niedersächsischen Landtag, Hannes Kempmann, sagte am Montag, auch wenn einzelne konventionelle Großkraftwerke zusätzlich gebaut werden müßten, könnten wesentliche Ersatzkapazitäten für Atomreaktoren relativ schnell nur über eine bessere Ausnutzung bereits vorhandener Gaskaftwerke geschaffen werden. Dies sei die gemeinsame energiepolitische Basis der rot-grünen Landesregierung. Etwas anderes wäre "weder bei den Grünen noch in der SPD mehrheitsfähig", mahnte Kempmann den Regierungschef.
Positiv reagierten die Grünen auch auf ein Gesprächsangebot über einen Ausstieg aus der Atomenergie seitens der Energieunternehmen. "Der Vorschlag von Veba und RWE ist so ernsthaft, daß es sich lohnt, zumindest darüber zu reden", sagte Kempmann laut Reuter. Der Rücktritt von Hermann Krämer als Chef der Preussenelektra Hannover sei "beachtlich", weil sich Krämer immer für Atomkraftwerke eingesetzt habe. "Da bewegt sich was", sagte Kempmann.
GALLUS. Es paßte so recht in das Konzept der Organisatoren der Gallus-Kulturwochen, daß im Stadtteil ein Vereinsgeburtstag gefeiert werden konnte: Das 80jährige Bestehen des bekannten Herchenröder-Quartetts 1913. Das "Haus Gallus" war fast zu klein, um allen Besuchern und Gratulanten Platz zu bieten. Kein Wunder, denn die "Herchenröder", wie die Sänger genannt werden, haben einen hervorragenden Ruf.
Bernhard Herchenröder hatte 1913 zunächst ein Gesangs-Quartett gegründet. Daraus wurde ein großer Chor, dessen Weg nach dem Zweiten Weltkrieg steil nach oben führte. Den Ruhm verdanken die Sänger vor allem dem heutigen Ehrenvorsitzenden Horst Schneider sowie dem verstorbenen Dirigenten Rudolf Heukäufer, der über 40 Jahre den Chor im In- und Ausland von Erfolg zu Erfolg führte. Schneider leitete den Verein als Vorsitzender von 1955 bis 1989. Diese erfolgreiche Führung setzt sich mit Eberhard Mayer und seinen Vorstandsfreunden fort.
Für Musikfreunde ist es immer wieder ein Ohrenschmaus, den von Stefan Laasch musikalisch geleiteten Chor mit etwa 40 Sängern zu hören. Beim Jubiläumskonzert waren auch Stadträtin Linda Reisch und Vereinsring-Vorsitzender Josef Häfner begeistert, als die "Herchenröder" mit dem Chor der Priester aus Mozarts "Zauberflöte" einen phantastischen Auftakt boten. Die Kulturdezernentin unterstrich in ihrer Laudatio auf den Verein auch die große Bedeutung der "Kulturwochen im Gallusviertel", für die sich auch die "Herchenröder" engagieren. Linda Reisch lobte beispielsweise das gelungene Experiment "Jazz und Rock" mit Beteiligung des Herchenröder-Quartetts.
Der Vereinsgeburtstag im "Haus Gallus" war zugleich ein Sängertreffen befreundeter Chöre. Herchenröder-Vorsitzender Eberhard Mayer begrüßte den gemischten Chor "Cecilia" aus Aulhausen, den Chor der Sängervereinigung 1864 Eschersheim und der Chorgemeinschaft 1857 Griesheim. Ein besonderer Gruß galt den Tänzern und Sängern der russischen Folkloregruppe "Schwarze Erde". Sie alle gratulierten musikalisch zum 80. Geburtstag.
Es gab herzlichen Beifall für die gesanglichen Darbietungen, aber auch für verblüffenden Zauberkunststücke von Jeff Sheridan aus den USA und das gemeinsame Finale aller Chöre. dixi
Kasperle kommt OBERURSEL. "Kasper im Räuberwald" heißt das Puppenspiel für Kinder ab drei Jahren, das am Donnerstag, 21. Januar, in der Aula der Grundschule Nord aufgeführt wird. Beginn: 15 Uhr. Kindermaskenball OBERURSEL. Der Kindermaskenball des Vereins Frohsinn findet nicht, wie ursprünglich gemeldet, am 14. Februar, sondern am Samstag, 20. Februar, statt. Karten gibt es an der Tageskasse. Mineralien- und Fossilienbörse OBERURSEL. Der Verein für Geschichte und Heimatkunde veranstaltet am Samstag und Sonntag (23./24. Januar), jeweils von 10 bis 17 Uhr im Foyer der Stadthalle die 15. Oberurseler Mineralien- und Fossilienbörse. Kulturausschuß tagt OBERURSEL. Das "Café Durchblick", das Kulturprogramm 1993 und der Spielplatz "An der Bleiche" sind Themen einer Sitzung des Kulturausschusses am Donnerstag um 17.30 Uhr im Rathaus. Mal- und Theaterkurse KÖNIGSTEIN. Die Kinderkunstwerkstatt in Königstein hat noch Plätze in ihren Malkursen für zehn- bis 13jährige frei: montags oder donnerstags von 16.45 bis 18.15 Uhr. Kinder aller Altersstufen können sich noch für die Theaterkurse anmelden (Tel. 0 61 74 /2 23 53). Parkausweise für die Altstadt KRONBERG. Die Parkausweise für die Kronberger Altstadt sind abgelaufen. Neue können ab sofort unter Vorlage des alten Ausweises für 30 Mark im Ordnungsamt, Katharinenstraße 12, beantragt werden.
Die Industriegewerkschaft Metall (IGM) ist neuer Großkunde des FVV. Zum 1. Januar hat die IGM für ihre zirka 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Vorstandsverwaltung einen Job-Ticket- Vertrag mit dem Verkehrsverbund geschlossen. Der Vertrag bietet den Angestellten der größten deutschen Einzelgewerkschaft die Möglichkeit, zwischen Arbeitsplatz und Wohnort alle Busse und Bahnen des FVV zu nutzen. Das Job-Tikket ist auch in der Freizeit gültig. Es ist allerdings nicht übertragbar.
FVV und Gewerkschaft haben einen Preis von 40,30 Mark pro Ticket und Monat ausgehandelt. Die IGM gibt das Tikket kostenlos an die Belegschaft weiter.
Der FVV hofft, daß die Vereinbarung mit der IGM andere Firmen aus der Bürostadt Niederrad zur Nachahmung veranlassen wird. Schließlich seien die "schnellen Verbindungen durch Bahnen und Busse in die Bürostadt Niederrad ein starkes Argument zugunsten des öffentlichen Personennahverkehrs", heißt es in einer Erklärung des Verbundes. Die Bürostadt ist mit den S-Bahnlinien S 13, S 14 und S 15, den Straßenbahnlinien 21 und 26 und der Omnibuslinie 79 erschlossen.
Die IG Metall ist das 34. Unternehmen, das mit dem FVV einen solchen Vertrag geschlossen hat. gang
NEU-ANSPACH. Die SPD-Kreistagsfraktion hat sich einhellig für das Konzept "Schule 2000" ausgesprochen, das der Kreis für den Schulstandort Neu-Anspach erstellt hat. "Der Hochtaunuskreis hat in Neu-Anspach den richtigen Weg in der Schulpolitik eingeschlagen", urteilt der schulpolitische Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion, Walter Gräf. Da zugleich die Vorstellungen der Sozialdemokraten im wesentlichen übernommen worden seien, werde die SPD dieses Konzept mittragen und auf seine zügige Verwirklichung achten.
Landrat Jürgen Banzer (CDU) hatte in der vergangenen Woche die lange geforderte Konzeption vorgelegt. Drei Modelle stehen zur Diskussion, die Investitionen bis zu 25 Millionen Mark, verteilt bis über das Jahr 2000 hinaus, vorsehen (FR vom 14. Januar).
Die SPD begrüßt außerdem die "Lernfähigkeit" des Landrats, die zum Beispiel am Ganztagsangebot abgelesen werden könne. So sei für Neu- Anspach endlich ein Tagesheim vorgesehen.
"Unsere diesbezüglichen Anträge sind bisher bei der CDU nur auf blankes Unverständnis und taube Ohren gestoßen", sagt Gräf und erinnert daran, daß im Hochtaunuskreis bis heute keine entsprechende Einrichtung geschaffen wurde.
Im Usinger Land fehlten darüber hinaus selbst Betreuungsangebote an den Grundschulen. "Im Vordertaunus sind sie inzwischen erfolgreich und werden von den Eltern dankbar angenommen", sagt der SPD-Politiker. Die Ideen der SPD hätten schon früher verwirklicht werden können, bedauert Gräf. cn
Die oft totgesagte Institution Familie lebt - in veränderter Form und nicht selten mit vielen Widrigkeiten. Die Ansprüche an die Familie als Ort der Erziehung und Konfliktbewältigung sind gestiegen und steigen in dem Maße, in dem Staat und Gesellschaft versagen. Die Familie, hat Barbara Uhdris, Leiterin einer Familienbildungsstätte in der Wetterau beobachtet, "ist immer stärker gefordert".
38 hessische Familienbildungsstätten und Elternschulen suchen seit ihrem Zusammenschluß vor 25 Jahren mehr zu sein als eine Notadresse bei Konflikten: Sie wollen Familien kontinuierlich begleiten und Hilfe bei der Bewältigung des ganz normalen Familienalltags anbieten. Diese Arbeit, darauf wies gestern Uhdris in Frankfurt hin, sei bedroht.
1991 nahmen 200 000 Familien die Angebote der Bildungsstätten in Anspruch. Doch Uhdris befürchtet eine "Leistungskürzung". Verantwortlich dafür seien neben steigenden Mieten für Unterrichtsräume und wachsenden Personalkosten die unzureichenden Zuschüsse von Kommunen und Land.
Enttäuscht zeigte sich die Arbeitsgemeinschaft der Bildungsstätten auch vom jüngst verabschiedeten Kinder- und Jugendhilfegesetz. Dort waren sie zwar erstmals als Leistungsanbieter verankert worden. Die Hoffung, daß damit auch die Finanzierung ihrer Arbeit gewährleistet ist, hat sich dagegen nicht erfüllt. Der Gesetzgeber deklarierte die öffentliche Unterstützung als freiwillige Leistung.
Die Folgen der Sparpolitik: Während kleine Bildungsstätten von der Schließung bedroht sind, müßten auch die von den christlichen Kirchen geführten Einrichtungen ihr Angebot reduzieren oder die Dauer von Seminaren verkürzen.
Die Finanzierungssorgen treffen die Arbeitsgemeinschaft zu einem Zeitpunkt, wo Familien nach Beobachtung von Sigrid Pörtner dringlicher denn je Hilfestellung benötigen. Nach Angabe der Vertreterin der katholischen Familienbildungsstätten haben die Einrichtungen gerade im Zuge veränderter Siedlungsstrukturen, der expandierenden Neubaugebiete in ländlichen Regionen eine neue Klientel gewonnen: junge Familien, die mit der Hoffnung auf ein eigenes Haus in die Provinz ziehen - oft unter Aufgabe ihrer sozialen Kontakte.
Für diese Paare, die sich zumal nach der Geburt eines Kindes zunehmend isoliert sehen, bieten die Einrichtungen seit Jahren Eltern-Kind-Spielkreise an, die auch den Kontakt unter den Eltern fördern sollen. Für sie dürften die Wartezeiten jetzt noch länger werden. sar
ptz BONN, 18. Januar. Steuerausfälle, die durch die Konjunkturschwäche bedingt sind, und zusätzliche Ausgaben für die Bundesanstalt für Arbeit schränken den Spielraum der Bundesregierung bei den Verhandlungen über einen Solidarpakt weiter ein. Unverzichtbarer Bestandteil der von Kanzler Helmut Kohl (CDU) gewollten Übereinkunft seien aus Sicht der SPD industrie-, branchen- und umweltpolitische Konzepte für Ostdeutschland, bekräftigte SPD-Geschäftsführer Karlheinz Blessing am Montag. Nach einer Sitzung des FDP-Parteipräsidiums räumte FDP-Vorsitzender Otto Graf Lambsdorff ein, daß die Regierung zusätzlich zum Sparpaket die Kreditaufnahme erhöhen muß, um den Nachtragshaushalt für 1993 decken zu können.
Die koalitionsinternen Gespräche über Nachtragshaushalt und Solidarpakt sollen am heutigen Dienstag abgeschlossen werden. Lambsdorff bezeichnete die Beratungen als außerordentlich schwierig. Wegen der verschlechterten Konjunkturlage werde der Nachtragsetat durch Steuermindereinnahmen und zusätzliche Ausgaben für die Arbeitsverwaltung um jeweils fünf Milliarden Mark anwachsen. Vorgesehen sind zudem zusätzliche Hilfen für Rußland und für die Wiedereinführung der kommunalen Investitionspauschale von zusammen drei Milliarden Mark. Zu schließen sei eine Finanzierungslücke bis zu drei Milliarden Mark. Der FDP-Chef bestätigte, daß die Versicherungssteuer steigen soll, Lebensversicherungen jedoch ausgenommen bleiben. Noch nicht entschieden sei über höhere Zuschläge zu den Einheitswerten bei der Vermögensteuer. Ansonsten bestehe Einvernehmen, die Steuern zur Finanzierung der Einheit nicht vor 1995 anzuheben, sagte Lambsdorff. Eventuell werde die Mineralölsteuer steigen.
Finanzminister Theo Waigel (CSU) kündigte AP zufolge in München Abstriche beim Erziehungsgeld an. Dies soll auch in den ersten sechs Monaten abhängig vom Einkommen gestaffelt werden. Das Sparkonzept des Bundes sei im CSU- Vorstand positiv beurteilt worden.
"Bei hundert Stück höre ich - vielleicht - auf": Ingrid Wagner ist leidenschaftliche Bügeleisen-Sammlerin Suche mit Fachbuch unterm Arm Ausstellung im Museum Von Jörn Koppmann BAD VILBEL. Ingrid Wagner (50) erwartet am Feierabend kaum weniger Arbeit als andere Mütter, Ehefrauen oder Freundinnen auch. Jede Woche landen auf dem Bügelbrett der Bad Vilbeler Justizangestellten allein ein knappes Dutzend Hemden - die Wäsche ihres Lebensgefährten Josef Görlich (45). Das Glätten von Kragen und Manschetten, vielen ein Greuel, verrichtet Ingrid Wagner jedoch "gerne". Mit einem Dampfbügeleisen, von dem sie sich wohl niemals trennen wird. Nicht daß das Haushaltsgerät etwas Besonderes wäre - es ist nur das modernste, aber längst nicht einzige Bügeleisen der 50jährigen. Die Mutter zweier erwachsener Töchter und junge Oma sammelt seit neun Jahren Bügeleisen, vom Nachkriegsmodell bis zum historischen Plättapparat. Mittlerweile besitzt sie 63 davon. Das älteste ist etwa 120 Jahre alt.
Eine Ausstellung ihrer schönsten Exponate im Brunnen- und Heimatmuseum Bad Vilbel (die FR berichtete) wurde jetzt verlängert. Bis Mitte Februar sind dort noch Geräte von Ingrid Wagner und ihres Neu-Isenburger Sammlerfreundes Volkmar Christoph (53) zu besichtigen. Öffnungszeiten: sonntags von zehn bis zwölf und 14 bis 17 Uhr.
Was nicht in den Museums-Vitrinen steht, blieb im Flur von Ingrid Wagners Wohnung zurück. Auf langen Regalen, die über den Türen angebracht sind und bis zur Decke reichen, lagern die Bügeleisen: Elektrische, gas- und petroleumbetriebene, solche, die mit Holzkohle gefüllt, sowie Bolzen-, Wechsel- und Anlegeeisen, deren Kern oder Platte im Ofen erhitzt werden muß. Während ihrer Kindheit, erzählt die 50jährige, sei es noch üblich gewesen, die Eisen vor dem Bügeln auf dem Herd zu erwärmen.
An ihr Elternhaus, einen Bauernhof mit Krämerladen, Gaststube und Poststation im nordhessischen Willershausen, mußte Ingrid Wagner auch denken, als sie 1974 auf einem Stapel Sperrmüll in der Bad Vilbeler Römerstraße ein ausrangiertes Bügeleisen entdeckte: "Das ist ja so eins, wie wir's früher hatten." Nach kurzem Überlegen, schmunzelt sie, sei sie zwar zunächst auf ihrem Weg zum Arbeitsplatz weitergegangen, an der nächsten Straßenecke aber wieder umgedreht. "Mit dem Eisen hinterm Rücken" stahl sie sich anschließend in ihr Büro im Bad Vilbeler Amtsgericht.
Später bekam das Dekorationsstück einen Ehrenplatz zwischen Zimmerpflanzen auf der Fensterbank. Ingrid Wagner kaufte noch ein zweites für die andere Seite des Blumentopfs und bekam ein drittes geschenkt. "Ich wollte gar nicht sammeln", verteidigt sie ihr ausgefallenes Hobby, "aber da ging es los."
Sie kaufte sich Literatur über die Entwicklung des Haushaltsgeräts, dessen älteste Vorläufer, glutgefüllte Plättpfannen, vor etwa 2000 Jahren in China gebraucht wurden, und begann, auf Besonderheiten zu achten. Einfache gußeiserne Bügelgeräte für Pfennigbeträge ließ sie bald stehen. Statt dessen stöbert sie gemeinsam mit Freund Josef Görlich auf Flohmärkten und in Antiquitätengeschäften nach schönen Eisen mit ziselierten Jugendstilornamenten ums Firmenemblem. Eines der ergatterten Schmuckstücke: Das Kohleeisen der Firma Gross AG, um die Jahrhundertwende in Schwäbisch Hall gefertigt, dessen Holzgriff von zwei eisernen Delphinen gehalten wird.
Beim Einkaufsbummel hält sich die Sammlerin an eine selbst aufgestellte Regel: Der Preis darf 100 Mark nicht überschreiten. Und wie oft sie dieses Limit unterboten hat, steht unter jedem Sammelstück. Auf kleinen Klebeetiketten hat Ingrid Wagner Kaufdatum, Ort und Preis vermerkt. Notizen wie "Flohmarkt Karben, 1986, sieben Mark" sollen helfen, daß ihre Erben einmal die Bügeleisen nicht unter Wert verscherbeln. Sie selbst will sich ohnehin von keinem einzigen trennen. Aus Platzmangel soll die Sammlung allerdings höchstens auf 100 Stücke anwachsen. Sowieso findet Ingrid Wagner nicht bei jedem Flohmarktstreifzug die ersehnten Bügeleisen, nach denen sie mit dem Fachbuch unterm Arm fahndet. Dafür aber andere Dinge zum Mitnehmen: Eine alte Fotografie, eine Taschenuhr, Bowlegläser, eine Vase. Die Justizangestellte umgibt sich gern mit antiquierten Gegenständen. In ihrem Wohnzimmer dominiert die alte, englische Eßgruppe, in einer Zimmerecke steht ein restaurierter Lehnstuhl, auf der Schrankwand ein Samowar. Auch auf Urlaubsreisen klappert Ingrid Wagner Flohmärkte und Basare ab und freut sich über jedes erfeilschte Schnäppchen, wie das schwere Block-Bügeleisen, das der irische Trödler irrtümlich als Türstopper angesehen hatte. Ingrid Wagner: "Ich liebe die Flohmärkte."
Erstandene Bügeleisen bearbeitet die Sammlerin übrigens mit feinem Schmirgelpapier, um den Rost zu entfernen, und anschließend mit Schuhcreme, um erneuter Korrosion vorzubeugen: "Farblos" für die silberfarbigen und "schwarz" für die gußeisernen Geräte.
Dieses Geheimrezept verriet ihr Volkmar Christoph. Und der muß es als Besitzer von mehr als 1000 (in Worten: eintausend) Bügeleisen wissen. Den Neu-Isenburger Kaufmann und Unternehmer, der seit mehr als 30 Jahren diesem Hobby nachgeht und die deutsche Bügeleisensammlerszene auf etwa 250 Frauen und Männer schätzt ("die Dunkelziffer ist hoch"), lernte Ingrid Wagner zur Vorbereitung der Ausstellung im Heimatmuseum kennen. Und angesichts dessen Sammelwut schränkt sie prompt ihren guten Vorsatz ein: Sie sammele nur "bis 100 Stück", wiederholt Ingrid Wagner, und beeilt sich hinzuzufügen, "vielleicht auch mehr."
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Washington Clinton und viel Hollywood Seite 2
Leitartikel Amerika und Irak Seite 3
Evangelische Kirche Verfahren gegen Theologin Seite 4
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Dokumentation Wer zahlt den Solidarpakt? Seite 10
Wirtschaft Bundesbank hält Zinskurs Seite 11
Sport Aus für Becker Seite 14
Frankfurt Parteien mahnen Wähler Seite 17
Kulturspiegel Fritz Winters Bauhaus-Zeit Seite 21
Hessen Klärschlamm fürs Kraftwerk? Seite 22
Aus aller Welt Schneelawine in Osttürkei Seite 24
Fernsehen und Funk Seiten 8+9
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Freie Aussprache Seite 14
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Roman Seite 20
BONAMES. Das Bürgerhaus Bonames ist nach gründlicher Renovierung wiedereröffnet worden. Gleichzeitig wurde die an den Komplex des Hauses "Nidda" angeschlossene neuerrichtete Turnhalle der Öffentlichkeit übergeben. Die Kosten für das von der Saalbau finanzierte Projekt betragen etwa 17 Millionen Mark.
Oberbürgermeister Andreas von Schoeler (SPD) wies in seiner Festrede vor Vertretern des zuständigen Ortsbeirats 10, Sportdezernentin Sylvia Schenk (SPD) und anderen Kommunalpolitikern auf die Bedeutung des Bürgerhauses und der Turnhalle für die Bonameser Bevölkerung hin. "Was mich freut, ist die Tatsache, daß durch den Umbau des Bürgerhauses weitere und intensivere Nutzungsmöglichkeiten entstanden sind, die den vielen Klubs im Vereinsring Bonames und der gesamten Bürgerschaft zugute kommen", meinte von Andreas von Schoeler.
Das Haus "Nidda" im Harheimer Weg 24 verfügt künftig über ein attraktives Raumangebot. Neben dem Saal, in dem bis zu 500 Personen Platz haben, gibt es drei Clubräume mit insgesamt rund 150 Plätzen. Besonderheit im Saal, der zuvor hauptsächlich als Turnhalle diente und für diverse Feste umgebaut werden mußte, ist die Empore im hinteren Teil, die vorwiegend für kleinere Versammlungen oder Feiern genutzt werden soll.
Modernsten Ansprüchen genügt die neu erbaute Dreifelder-Turnhalle. Behindertengerecht ausgestattet, bietet sie Möglichkeiten für viele Sportarten: neben den "Klassikern" Hand-, Basket- und Volleyball können hier demnächst auch internationale Wettkämpfe im Geräteturnen und anderen "außergewöhnlichen" Sportarten abgehalten werden. Ein Geschoß wurde als Tiefgeschoß gebaut, um die Halle der bestehenden Bebauung anzupassen.
Helmut Stette, Vorsitzender des Vereinsrings, der bei den Planungen eng mit der Saalbau kooperiert hat, zeigte sich zufrieden mit der Lösung. Was ihn allerdings bedrückt, sind die hohen Miet- und Nebenkosten für Beleuchtung und Strom. "Ich hoffe, daß zu diesem Thema das letzte Wort noch nicht gesprochen ist" sagte er in Richtung der Saalbau.
Stette dürfte jedoch nicht der einzige sein, der etwas zu bemängeln hat. Das benachbarte städtische Jugendhaus, das zu der Feierstunde keinen Vertreter entsandt hatte, ist von der Verteilung der Trainingsstunden ausgeschlossen worden. Die Sportvereine, allen voran der TSV Bonames 1875, blockieren sämtliche Termine. jot
WASHINGTON, 18. Januar (epd/ips). Die von der US-Regierung in den 80er Jahren eingeleitete Politik der militärischen Drogenbekämpfung in den Anbauländern Lateinamerikas ist nach Ansicht unabhängiger Drogenexperten gescheitert. Obwohl das US-Verteidigungsministerium zuletzt rund 900 Millionen US- Dollar (rund 1,5 Milliarden Mark) jährlich für militärische Einsätze zur Vernichtung von Koka-Feldern in Bolivien, Kolumbien oder Peru ausgegeben habe, sei die Koka-Produktion in den Andenstaaten in den vergangenen vier Jahren um 15 Prozent gestiegen, heißt es in einem jetzt in Washington veröffentlichten Bericht der nichtstaatlichen "Stiftung für Drogenpolitik".
Nach Statistiken des US-Außenministeriums hätten die Koka-Anbauländer in der Andenregion ihre Produktion von 293 700 Tonnen im Jahr 1989 auf 337 100 Tonnen im vergangenen Jahr gesteigert, schreiben die Fachleute weiter.
Die bisherige Politik der USA, den Drogenabbau in den Herkunftsländern zu unterbinden, sei eine "zum Scheitern verurteilte Strategie", heißt es in dem Bericht der Stiftung. Der von den USA verkündete "Krieg gegen die Drogen" habe lediglich zu einer Militarisierung in den lateinamerikanischen Ländern geführt. Die Opfer dieses Krieges seien meist unschuldige Bürger oder Bauern auf dem Land gewesen.
Statt Militärhilfe solle die US-Regierung den lateinamerikanischen Drogenanbauländern künftig mehr Wirtschaftshilfe zur Verfügung stellen, damit sie die Hauptursachen des Koka-Anbaus, die weit verbreitete Armut und die soziale Ungerechtigkeit, bekämpfen könnten, forderte die US-Stiftung. Zwei Polizisten in Medellín ermordet
BOGOTÁ (AP). In der kolumbianischen Drogenmetropole Medellín sind zwei Polizisten auf offener Straße erschossen worden. Nach Behördenangaben handelten die Attentäter, die unerkannt entkommen konnten, offenbar im Auftrag des örtlichen Kokainkartells.
Honecker ist frei, weil die Würde des Menschen unantastbar ist (FR vom 14. 1. 1993 "Erich Honecker ist wieder auf freiem Fuß"). Er durfte erfahren, wie ein Rechtsstaat funktioniert. Nur mit was wird die, nach der Entlassung, bevorzugte Behandlung begründet?
Weshalb der Aufwand mit gepanzerter Limousine und Polizeieskorte, seine Solidaritätskumpanen hätten ihn doch auch zum Flughafen fahren können.
Bis er, wie jeder andere Bürger auch, nach entsprechender Wartezeit seinen Reisepaß erhalten hätte, konnte er sich doch unter des Volk begeben, in dessen Namen die ach so freie und unabhängige Gerichtsbarkeit urteilt.
Könnte es sein, daß der freiheitlich demokratische Rechtsstaat Angst vor der Reaktion seines Volkes hat, das wäre unbegründet. Die meisten Menschen haben begriffen, daß vor dem Gesetz alle gleich sind, nur die "Honeckers" sind gleicher.
Hoffentlich vergißt der Rechtsstaat nicht das Glückwunschtelegramm zu Honeckers 85. Geburtstag.
Ihre Karikatur auf Seite 1 hat meine Meinung genau getroffen.
Heinrich Mathes, Oberursel
Vor nunmehr 13 Jahren, unsere Stadt nannte sich damals "Kabel-Pilotprojekt", war ich Mitglied des Juso-Stadtverbandsvorstands in Ludwigshafen am Rhein. Wir haben eindringlich vor der tiefgreifenden und negativen Veränderung der Medienlandschaft gewarnt, die mit den privaten Fernsehsendern einhergeht. Umsonst, heute sind viele unserer Befürchtungen Realität geworden (FR vom 13. 1. 1993 "Neuer ARD-Chef Plog mahnt zur Wachsamkeit" und "Wird nun Vox gegen den Sender DSF ausgespielt").
Die Befürworter des Privatfernsehens haben uns damals ein Medien-Paradies versprochen, es wurde viel von hohem Niveau, reichhaltiger Auswahl und gesicherter Ausgewogenheit gesprochen. Medienkonzentration, das war ein beliebtes Argument gegen die öffentlich-rechtlichen Anstalten, sei beim Kabel nahezu ausgeschlossen.
Wie die Wirklichkeit aussieht, brauche ich hier nicht zu schildern. Wir erleben das täglich via Kabel. Und die Medienerneuerer haben ihr selbstgestecktes Ziel immer noch nicht erreicht, die nächste Runde ist bereits eingeläutet: die faktische Eliminierung vom ARD und ZDF (Schäuble).
Neil Postman hat 1985 in seinem Buch "Wir amüsieren uns zu Tode" vor den Folgen der neuen Medienlandschaft auf die Gesellschaft gewarnt. Die Mehrheit hat ihm offensichtlich nicht geglaubt, wundert sich heute jedoch über das mangelnde Bildungsniveau und die Gewaltbereitschaft der Jugend.
Der vermehrte Rückgriff auf vermeintlich einfache Lösungen (Ausländerfeindlichkeit) ist die unausweichliche Folge einer Gesellschaft, in der die Mehrheit zwischen dümmlichen Spielshows, billigen US-Serien und nächtlicher TV-Erotik gar nicht mehr zu Besinnung kommt. Für uns alle (Schäuble & Co. eingeschlossen) wird es wohl irgendwann ein böses Erwachen geben, denn die Geister, die man rief, wird man so schnell nicht wieder los.
Michael Schöfer, Mannheim
KRONBERG. 87 Jahre nach der Gründung will sich der Musik-Verein Kronberg nun in das Vereinsregister eintragen lassen. Als Grund für diese jetzt in der Jahreshauptversammlung beschlossenen Satzungsänderung nennt Pressesprecher Hubert Schwarte Haftungsgründe und die neue Zinsbesteuerung.
In der Vorstandsriege des Blasorchesters hat sich wenig geändert. Neu in dem zwölfköpfigen Gremium um die beiden Vorsitzenden Hans Hartmann und Dieter Krieger sind Regina Hartmann als Schriftführerin und Reiner Ziegler als Zweiter Beisitzer. mak
Parteien + Wähler
SPD auf Ortsteil-Tour GRÄVENWIESBACH. Die Sozialdemokraten touren durch die Ortsteile, um auf Fragen zur Entwicklung der Gemeinde Rede und Antwort zu stehen. Los geht es mit einem Frühschoppen am Sonntag, 31. Januar, um 10.30 Uhr am und ums Dorfgemeinschaftshaus Naunstadt. Am Sonntag darauf, 7. Februar, ist zur selben Stunde Frühschoppen in Hundstadt.
Nach Mönstadt kommt am 14. Februar, 10.30 Uhr, auch der SPD-Landtagsabgeordnete; vor dem Politplausch wird der Sportplatz besichtigt. In Heinzenberg ist am 21. Februar das Dorfgemeinschaftshaus Ziel der SPD-Karawane (10.30 Uhr), in Grävenwiesbach am 28. Februar um 10.30 Uhr das Bürgerhaus.
Das Finale steigt am Dienstag, 2. März, um 19 Uhr in der Gaststätte Schubert, wo Hessens Verkehrsminister Ernst Welteke erwartet, Musik gemacht und langjährige Mitglieder geehrt werden.
Die Nachlese, sprich: die Wahlparty, steigt am Sonntag, 7. März, um 18.30 Uhr in der Gaststätte Wick am Bahnhof. che
NEU-ISENBURG. Farbe bekennen und Klartext reden sollen Vertreter aller fünf Isenburger Parteien bei einer Podiumsdiskussion, zu der die Kolpingfamilie für Freitag, 22. Januar, einlädt. Von 20.15 Uhr an werden im katholischen Gemeindezentrum in der Kirchstraße 20 nicht nur die Programme zur Kommunalwahl am 7. März erläutert, sondern auch Fragen aus dem Publikum beantwortet.
Ihre Teilnahme angekündigt haben: Oliver Quilling (CDU), Werner Zimmermann (SPD), Maria Marx (Grüne). Die FDP entsendet Alexis Taeger und Andreas Frache. Der Vertreter der FWG stand noch nicht fest. Den Part des Moderators wird Richard Seredzun von der Kolpingfamilie übernehmen. leo
Parteien mahnen . . .
Mit der gleichen Zahl von Parteifreunden in elf Ortsgemeinschaften versucht die Frankfurter FDP nach zwölf Jahren ein Römer-Comeback. Schon mangels Geldes trifft man sich eher im kleinen Wahlkampf-Kreis mit einem bis zwei Dutzend Sympathisanten. Und angesichts "verbreiteten Mißbehagens über Politik und Politiker" gibt FDP-Chef Otto die Parole aus: "Wichtiger als taktische Vorteile ist eine hohe Wahlbeteiligung."
(Siehe "Das große Wahlkampfthema . . .)
"Verdrossenheit" an der Politik oder an den Politikern?
Ein traditionsreiches Unternehmen ist in großen Schwierigkeiten: Das Forschungs-Institut Battelle kündigte jetzt an, daß zwei seiner drei Geschäftsbereiche in Frankfurt "im Laufe des Jahres 1993" aufgegeben werden. Wie Battelle-Geschäftsführer Gert Hewig sagte, gehen von den derzeit etwa 400 Arbeitsplätzen der Firma nahe dem Opel-Kreisel deutlich mehr als die Hälfte verloren. Als Ursachen nannte Hewig die "allgemeine wirtschaftliche Rezession" und die gegenwärtigen Kürzungen im Bundeshaushalt - der Bund war einer der wichtigsten Auftraggeber von Battelle. Der geplante Neubau des Battelle-Institutes im Zuge des beabsichtigten Dienstleistungs- Quartiers Rebstock mit über 4000 Büro-Arbeitsplätzen und 2000 Wohnungen kommt wahrscheinlich nicht zustande.
Im Römer war gestern abend sogar von einem drohenden Konkurs des gesamten Unternehmens die Rede. Dagegen erklärte Geschäftsführer Hewig, der Firmenbereich Energie- und Verfahrenstechnik werde als "wirtschaftlich stabil" und "zukunftsträchtig" weitergeführt. Es schließt die Battelle Motor- und Fahrzeugtechnik GmbH. Und Battelle zieht sich auch aus dem Zweig Elektronische Systeme, Produktregistrierung und -bewertung zurück. Das Institut sucht nach Möglichkeiten, diesen Teil des Unternehmens in eine "eigenständige, von Battelle unabhängige Firma umzuwandeln".
Sowohl das Geschäft des Institutes mit dem Bund - darunter auch Rüstungsprojekte - wie auch die Aufträge aus der Industrie "sind ständig zurückgegangen" (Hewig). Die betroffenen Mitarbeiter erfuhren nach den Worten des Geschäftsführers gestern offiziell vom Verlust der Arbeitsplätze.
Im Römer gab es gestern keine offizielle Reaktion. Bei Fachleuten im Rathaus gingen die Meinungen auseinander. Die einen beteuerten, auf das geplante Dienstleistungsviertel Rebstock habe die Notlage von Battelle wirtschaftlich keine direkten Auswirkungen. Sie gingen davon aus, daß die beiden wichtigsten Investoren der möglichen Bürostadt, die Zürich-Versicherung und die Bauunternehmung Philip Holzmann, an ihren Plänen festhalten. Für das riesige Grundstück, auf dem eigentlich ein neues Battelle-Institut entstehen sollte, ließen sich Interessenten finden. Von anderer Seite hieß es, die beginnende Rezession stelle auch das Dienstleistungsquartier Rebstock zumindest im geplanten Umfang in Frage.
1952 hatte die Stadt das riesige Battelle-Gelände dem Unternehmen überlassen, einer damals neugegründeten Tochter des gleichnamigen US-Institutes. Der frühere CDU-Magistrat akzeptierte dann 1987, daß Battelle den größten Teil des Areals an private Investoren verkaufte. Von den 100 Millionen Mark Erlös bekam die Stadt damals nur die Hälfte, 50 Millionen Mark durfte Battelle behalten - schon vor sechs Jahren gab es wirtschaftliche Probleme bei der Firma, die sich so sanieren sollte. Das Geschäft kam gegen den heftigen Protest der seinerzeitigen SPD-Opposition zustande: Sie sprach von einem "völlig unnötigen Millionengeschenk" an das Unternehmen. jg
"Wenn der Automat für die Fahrkarte einen Preis von 2.60 Mark anzeigt, begnügt er sich ja auch nicht mit zwei Mark. Umgekehrt sehe ich nicht ein, daß ich mehr zahlen soll, als nach den Bestimmungen des FVV erforderlich ist." Und die teilen den Tag nun einmal in zwei Hauptverkehrszeiten morgens und abends sowie in den Rest, den der Verbund "Talzeit" nennt. Damit nicht alle Leute im Berufsverkehr fahren und die Bahnen noch mehr verstopfen, bietet der FVV seinen Kunden mit einem Preisnachlaß einen Anreiz, Busse und Bahnen in der Talzeit zu nutzen.
Die Auswirkungen des Tarifsplittings sind insbesondere abends zu bestaunen. Kurz vor 18.30 Uhr bilden sich vor den Automaten manchmal meterlange Schlangen. Denn Schlag 18.30 Uhr werden die Tickets billiger. Dann kostet beispielsweise die Kurzstrecke im Stadtgebiet von Frankfurt statt 2,10 nur noch 1,50 Mark. Auf der Strecke zwischen Wiesbaden und Frankfurt wird die Fahrkarte sogar zwei Mark billiger.
Das Gleiche spielt sich morgens ab. Um 6.30 Uhr beginnt für den FVV die Hauptverkehrzeit. Zuvor kann man billiger fahren - wenn der Automat mitmacht. In Hanau-Wilhelmsbad aber, sagt der FR-Leser Christian R., ist dies nicht der Fall. "Entgegen dem Zeigerstand auf der Bahnhofsuhr springt der Automat jedesmal drei bis vier Minuten zu früh um", konstatiert der Bahnkunde immer dann, wenn er seine Tochter morgens zur Schule nach Frankfurt begleitet. Statt drei Mark für den Kinderfahrschein verlangt der Automat bereits kurz vor halb sieben 3.90 für die Hauptverkehrzeit. Ein Irrtum des FR-Lesers "ist ausgeschlossen", sagt er. Sein Beweis ist der Fahrplan. Der Zug nach Frankfurt fährt nämlich um 6.29 und damit eine Minute bevor der Automat eigentlich umspringen dürfte.
Kurt Stadler, Pressesprecher der Bundesbahndirektion Frankfurt, betont, "daß dies eigentlich nicht vorkommen dürfte". Denn: "Die Automaten sind mit den Bahnhofsuhren gekoppelt". Zum Vorteil der Kunden würden sie zudem "im Fünf-Minuten-Rhythmus erst nachträglich umspringen". Will heißen: Wenn der Zeiger auf 6.28 Uhr steht, druckt der Automat auf die Fahrkarte noch immer 6.25. Erst exakt um 6.30 Uhr springt die Automatenuhr auf den nächsten Fünfer-Platz.
Für Stadler ist nur denkbar, "daß die Uhr im Fahrkartenautomat defekt ist". Dies käme hin und wieder schon mal vor. Wer zuviel gezahlt hat, sagt Stadler, kann sich am FVV-Schalter im Hauptbahnhof sein Geld zurückholen. Für einen Hinweis auf defekte Automaten ist die Bahn nach Angaben ihres Sprechers dankbar. Unter der Telefonnummer 265 55 95 notiert ein Bahnmitarbeiter die Meldungen. gang
USINGEN. Semesterbeginn auch in Usingen: Ab Montag, 25. Januar, heißt die Volkshochschule Lernwillige willkommen. Das Programm der Bad Homburger VHS-Außenstelle umfaßt diesmal 26 Kurse aus unterschiedlichsten Bereichen - vom Klöppeln über Sprachen und einen ökologischen Spaziergang bis zum Existenzgründungs- und Immobilienseminar.
Das Vermitteln des nötigen Fachwissens haben sich die kaufmännischen, büro- und finanztechnischen Kurse zum Ziel gesetzt, die sich diesmal an die Existenzgründer und Immobilienkäufer richten. Basiskenntnisse über die moderne EDV und das am häufigsten eingesetzte Betriebssystem MS-DOS können bei den bewährten "PC-Führerscheinen" erworben werden, die gleich doppelt angeboten werden (im Februar und Ende April). Der Textverarbeitungskurs "WORD-Grundlagen" wird ebenfalls zweimal laufen (ab 28. Januar und 11. Mai).
Praktisches Wissen fürs Büro lehrt ein Grundkurs "Buchführung 1", der für Anfänger und zum Auffrischen geeignet ist. "Buchführung 2" löst hingegen die schwierigen Buchungsfälle. Schreibmaschinen- und Stenographiekurse für Anfänger und Fortgeschrittene erweitern das Standardangebot.
Auf Englisch und Französisch liegt der Schwerpunkt beim Sprachprogramm. Konversations- und Lektürekurse werden neben dem normalen Unterricht abgehalten. Die Englischfreunde können sich zusätzlich auf einen Kurs freuen, der sie auf Besuche im englischsprachigen Café- Theater in Frankfurt vorbereitet.
Seidenmalen oder Klöpplen heißt die Frage für die Kreativen. Außerdem wird wieder zugeschneidert und genäht.
Mittwoch abends ist im Landratsamt der traditionelle "Frauentreffpunkt Usingen": Das neue Thema muß noch gemeinsam bestimmt werden, nachdem der Schwerpunkt des vergangenen Jahres "Fraueninfobörse" erfolgreich erledigt wurde.
Die Natur- und Wanderfreunde werden für Sonntag, 2. Mai, zu einem besonderen Mai-Spaziergang eingeladen: Ein historisch-ökologischer Rundweg um den Hattsteinweiher steht auf dem Programm. Weitere Einzelheiten zum VHS- Angebot sind dem Arbeitsplan zu entnehmen, der ab sofort in allen Banken, Buchhandlungen und vielen Einzelhandelsgeschäften der Stadt ausliegt. Anmeldungen sollten mit dem beiliegenden Formular an Karin Born, Weilburger Straße 10, 6390 Usingen, geschickt werden. cn
Die Schüler der Deutschherrenschule müssen keine Nachteile befürchten wegen der Teilnahme an einer Demonstration für die Opfer von Mölln. Das sagte der Leiter des Staatlichen Schulamtes Frankfurt, Fritz Bleienstein, im Anschluß an ein Gespräch mit der Rektorin der Sachsenhäuser Realschule, Monika Intrau. "Ausführlich" habe man im Beisein eines Amtsjuristen über die Vorwürfe, die zuletzt in der Sitzung des Ortsbeirats 5 laut geworden waren diskutiert.
Zur Sprache kamen auch die Verbote, die Frau Intrau laut Aussage von Schülern und Lehrern ausgesprochen haben soll: Ausländische Schüler sollten auf dem Schulhof nicht mehr in ihrer Muttersprache reden und türkische Mädchen sollten das Kopftuch abnehmen. Bleienstein nannte dies "weder pädagogisch sinnvoll, noch praktikabel".
Davon unabhängig hat das Kollegium der Deutschherrenschule eine Stellungnahme an das Schulamt gesandt, in der sie sich "betroffen und empört" über die Vorkommnisse zeigen. Bislang wurde das Schreiben von 15 der 24 Lehrer unterzeichnet. Bleienstein versprach, die Aussagen der Lehrer zu prüfen. ask
Zwei Schreibfehler (computer- "korrigiert") machen im Artikel bzw. "Offenen Brief" von Elmar Schmähling (FR vom 13. 1. 1993 "Soldaten werden ohne rechtliche Basis in Abenteuer geschickt") einen ganz wesentlichen und bisher weitgehend unberücksichtigten Aspekt der Problematik des zukünftigen Einsatzspektrums der Bundeswehr deutlich: weder müssen die Befürworter eines erweiterten Einsatzes der Bundeswehr "Ihr Leben" einsetzen, noch geht es um die Versorgung "Ihrer Familien".
Tatsächlich sind in beiden Fällen jene Soldaten bzw. deren Familien betroffen, die sich wegen der Verteidigung des Rechts und der Freiheit des deutschen Volkes als Zeit- und Berufssoldaten in die Bundeswehr gemeldet haben, nicht aber jene, die meinen, Soldaten dienten der Bundesrepublik Deutschland auch im Persischen Golf oder am Horn von Afrika treu. Sie gerade kommen ja für solche Einsätze an der wirklichen Front nicht in Frage, sind dort überhaupt nicht zu gebrauchen und auch nicht gefährdet.
Und was den "Eidnehmer", also die "Bundesrepublik Deutschland" angeht: diese Formulierung des Eides wurde nicht in Hinblick auf spätere "Gummiband"-Interpretationen so gewählt, sondern gerade vor dem Hintergrund der Geschichte: der Eid auf eine Einzelperson ("den Führer") hatte deutsche Soldaten einerseits am Widerstand gehindert, andererseits allzulange das "Vaterland" (z. B.) bei Stalingrad oder am Nordkap oder eben in Afrika "verteidigen" lassen.
Im Grunde aber ist die "neue" Bundesrepublik Deutschland heute da, wo die "alte" 1950 / 55 war: inmitten des "Kampfes um den Wehrbeitrag", d. h. in der Grundsatzdiskussion über Sinn und Zweck von deutschem Militär.
Dr. Dieter Hartwig (Fregattenkapitän), Kiel
Kleine Lokalrundschau
Dias aus Jablonec SULZBACH. Beigeordneter Gerhard Schöffel zeigt am Montag, 25. Januar, Dias und Fotos vom Besuch einer Sulzbacher Delegation in der tschechischen Partnerstadt Jablonec nad Iserou. Die Gruppe war zur Feier der fünfjährigen Partnerschaft angereist. Die Diaschau beginnt um 19.30 Uhr im Rathaus an der Hauptstraße 11. Abfuhr von Monitoren FLÖRSHEIM. In Flörsheim-Stadtmitte, Wicker und Keramag werden wieder Fernsehgeräte und Monitore eingesammelt: In Flörsheim-Stadtmitte am Dienstag, dem 26. Januar 1993, und in Wicker, Weilbach sowie Keramag am Mittwoch, dem 27. Januar. Abgeholt wird jedoch nur nach Anmeldung über das Abfall-Telefon der Stadt Flörsheim: 503 - 40 Sondermüll in Hattersheim HATTERSHEIM. Das Sondermüll- Fahrzeug des Main-Taunus-Kreises kommt an folgenden Terminen in die Mainstadt: Dienstag, 26. Januar, Okriftel, Albert-Schweitzer-Schule. Mittwoch, 27. Januar, Hattersheim, Parkplatz Stadthalle. Dienstag, 23. Feburar, Eddersheim, Am weißen Stein - jeweils von 15 bis 18 Uhr.
Arabische Frauenliteratur und Laute SULZBACH. Aus arabischer Frauenliteratur liest Chérifa Magdi am Donnerstag, 28. Januar, im evangelischen Gemeindesaal. Riad Kheder begleitet die Lesung auf der Laute. Die Veranstaltung des ökumenischen Literaturkreises beginnt um 20 Uhr. Treffen der Jäger EPPSTEIN. Die Versammlung der Jagdgenossenschaft Eppstein trifft sich am Freitag, 5. Februar 1993, von 17 Uhr an im Rathaus II in der Rossertstraße 21. Es geht um die Neuverpachtung des gemeinschaftlichen Jagdbezirks Eppstein. Der Jagdvorstand weist außerdem darauf hin, daß das Jagdkataster für den Bezirk Eppstein vom 20. Januar bis 3. Februar im Rathaus I, Hauptstraße 99, in der Finanzverwaltung ausliegt. Dornröschen zum Dritten EPPSTEIN. Wegen der großen Nachfrage spielen die Eppsteiner Burgschauspieler zum dritten Mal "Dornröschen": am Sonntag, dem 24. Januar, um 15 Uhr im Bürgerhaus Eppstein in der Rossertstraße. Der Eintritt kostet drei Mark für Kinder und fünf Mark für Erwachsene.
Gegen zwei Polizeibeamte, die zusammen mit Oberbürgermeister Andreas von Schoeler für ein Wahlplakat der SPD posierten (siehe Bildmontage auf dieser Seite), wird wegen des Verdachts eines Dienstvergehens ermittelt. Wie der Frankfurter Polizeisprecher Karl-Heinz Reinstädt gestern mitteilte, gehören die beiden Polizeibeamte der SPD-Betriebsgruppe an.
Die Aufnahmen für das Wahlplakat, die den OB in der Art US-amerikanischer Actionthriller mit dem Funktelefon in der Hand als "Einsatzleiter" zeigen, sei in der Freizeit der Polizisten gemacht worden, versicherte Reinstädt.
Außer der Uniform sind keine weiteren "dienstlichen Ausrüstungsgegenstände" - wie etwa Schußwaffen - beim Fototermin mitgeführt worden. Der Sprecher: "Wir wollen nicht zwischen die parteipolitischen Mühlsteine geraten, ich hätte mir etwas mehr Sensibilität der beiden gewünscht."
Reinstädt ließ erkennen, daß der Mißbrauch der Uniformen für die Parteiwerbung - das Plakat wurde 890mal in Frankfurt geklebt - im Präsidium nicht allzu hoch gehängt wird, daß die Mißbilligung der Polizeiführung aber deutlich gemacht werden müsse.
Die Sozialdemokraten sind über die amtliche Reaktion - und die damit verbundene Berichterstattung in den Medien - nicht unglücklich. Mona Selig, die Wahlkampfmanagerin der SPD, wies darauf hin, daß auch früher schon uniformierte Wahlhelfer von Parteien ins Bild gesetzt wurden.
Im Römer erinnern sich sozialdemokratische Politiker noch gut an Fotos des ehemaligen CDU-Ministerpräsidenten und Frankfurter OB Walter Wallmann mit Forstbeamten.
Nach Informationen der Sozialdemokraten ist der Werbeauftritt der beiden Frankfurter Polizisten vom CDU-Kreisverband "thematisiert" worden. Mona Selig: ". . . daß die das erst nach einer Woche gemerkt haben". cg
Gemeinsam mit den Christdemokraten hat Sozialdezernent Martin Berg (SPD) im Jugend- und Sozialausschuß bedauert, daß der Magistrat in der Vilbeler Landstraße 45 keinen Jugendclub einrichten will. Wie Berg berichtete, hatte die "Arbeitsgruppe Räume und Gebäude" die Anmietung der Räume aus Kostengründen abgelehnt.
Offenbar werde die Jugendpolitik jetzt von der Arbeitsgruppe und damit von einem Gremium gemacht, das in der Sache keine Kompetenz besitze, vermutete der Stadtverordnete Dieter Mönch (CDU). Die Arbeitsgruppe habe bereits den geplanten Jugendclub im ehemaligen Möbelhaus Hess an der Konstablerwache verhindert. Im Baugebiet Enkheim-Ost sei vorgesehen, "irgendwann einmal ein Jugendzentrum zu bauen". Die Vilbeler Landstraße 45 wäre "ideal gewesen, den Zeitraum bis dahin zu überbrücken".
Berg wies den Vorwurf zurück, daß in der Jugendpolitik sachfremde Kriterien ausschlaggebend seien. Die "Arbeitsgruppe Räume und Gebäude", die vom Magistrat eingerichtet wurde, sei mit sämtlichen Anmietungen der Stadt befaßt. Sie lege ziemlich strenge Maßstäbe an und in Zeiten knapper Haushaltsmittel "vielleicht noch strengere", räumte der Dezernent ein. "Die entscheiden mal so und mal so. Wir haben Pech, daß sie in unserem Fall ,nein&rquote; gesagt haben." ft
Trockne Spröde erobern Terrain zurück 200 Jahre altes Gebäck besteht gegen Konkurrenz der Salzsticks und Tiefkühl-Hörnchen
Während der Blütezeit der Zwieback- Produktion soll es in Friedrichsdorf und im näheren Umfeld 30 Zwieback-Bäckereien gegeben haben. Heute steht nur noch ein Betrieb uneingeschränkt in der Tradition früherer Zwieback-Dynastien: Praum. Pauly, ein weiterer ehemaliger Familienbetrieb, gehört seit Mitte der 70er Jahre schon mit Mehrheit zum Brandt-Konzern.
Die komplette Geschichte des Friedrichsdorfer Zwiebacks ist noch ungeschrieben. Das hessische Wirtschaftsarchiv, eine Neugründung von acht hessischen Industrie- und Handelskammern, hat diese Woche die Altakten der Zwiebackfabrik Ferdinand Stemler in seinen feuerfesten und klimatisierten Magazinen verwahrt. Ansonsten ist die wechselvolle Tradition des Handwerks lediglich in Ansätzen festgehalten, zum Beispiel in der Broschüre zum 300jährigen Bestehen der Hugenottenstadt, die die heutige Kreisheimatpflegerin Angelika Baeumerth 1987 verfaßt hat. Dem bisherigen Stand zufolge könnte die Einführung des Zwiebacks zwei Männern zugeschrieben werden (ohne daß es dafür einen eindeutigen Beleg gibt): dem Bäcker und langjährigen Seefahrer Christoph Stemler, der 1788 die Bäckerei seines verstorbenen Bruders Philipp übernahm und auf dem Schiff vermutlich mit dem "groben (und dauerhaften) Zweyback" Bekanntschaft gemacht hatte, und seinem Konkurrenten Friedrich Seidel, der aus Berlin kam und die Friedrichsdorfer auf den biskuitähnlichen Geschmack des "feinen Zweybacks" gebracht hat.
Bernhard, Nickel, Bruder, Achard, Arrabin, Pauly und Praum gesellten sich zu den Pionierbetrieben Stemler und Seidel; weitere Betriebe folgten seit Anfang des 19. Jahrhunderts, lieferten ihr Produkt in Kurhotels umliegender Badeorte.
Schnell und familienübergreifend wurden neue Zwieback-Betriebe gegründet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zwieback-Bäkkerei zur Industrie. Der Übersee-Versand und Vertrieb in alle Himmelsrichtungen in Dosen und stabilen Exportkisten setzte ein: Bis nach Assuan reichten zum Beispiel die Geschäftskontakte von H. Pauly Anfang des 20. Jahrhunderts; andere lieferten bis China, England, Kanada, Japan. Ungezählte Schornsteine prägten das Stadtbild um die Jahrhundertwende.
Der Kampf um die Vorherrschaft im Zwiebackgeschäft nahm an Schärfe zu. Firmen wurden erweitert, Zwiebackbuben angestellt, versucht, die Produktion durch neue 30 Meter lange Hochleistungskettenöfen und Röstmaschinen zu erhöhen. Die neuen Maschinen ersetzten zum Teil zehn Beschäftigte. Die Konkurrenz belebte nicht immer das Geschäft, kleinen Familienunternehmen machte die Fließbandarbeit den Garaus.
1946 geriet Friedrichsdorf in eine Absatzkrise. Zu lange hatte man nicht über den eigenen Tellerrand hinausgeschaut, Bahlsen und Brandt waren von Friedrichsdorf bislang unbeachtet zum Marktführer geworden, aus den Lehrlingen waren die Meister geworden. 1946 waren nur noch sechs Fabriken in Betrieb, die Produktion erlebte einen Einbruch. Sticks, Salzbrezeln, Waffeln und Torteletts wurden die Hoffnungsträger. Doch die Talfahrt ging weiter: 1968 schlossen sich einst heftig rivalisierende Betriebe zusammen. Pauly gab 51 Prozent an Brandt ab, kaufte selbst T.A.G. und stellte letztlich die Zwiebackproduktion in Friedrichsdorf weitgehend ein. Knackige Salzstangen und teigige Hörnchen verließen zu Millionen das Firmengelände.
Freilich: Pauly fand zu seinen Ursprüngen wieder zurück, nachdem Mitte der 80er Jahre sogar beabsichtigt war, Friedrichsdorf als Firmensitz ganz aufzugeben und ausschließlich in Wenkbach bei Marburg zu produzieren. Proteste hagelte es damals, die Pauly-Unternehmensleitung ließ sich erweichen - jedoch nur zu einem gewissen Grad: Die Produktion von Salzsticks wurde in den Folgejahren ausgelagert, die Hörnchen-Fabrikation im Sommer 1992 eingestellt. Statt dessen kümmert sich die Unternehmensführung in Friedrichsdorf wieder um das Zweigebackene: Etwa 30 Beschäftigte sind in der Produktion von rund 15 Zwieback- Sorten tätig; darunter auch die hauseigene Marke in Butter- und Diätausführung.
Durchgestanden hat den traditionsvernichtenden Konzentrationsprozeß um das bröselige Gebäck auch der Familienbetrieb Praum, der 1850 gegründet wurde. Mit Zwieback allein, so sagt Otto Praum, wäre auch dieser Betrieb nicht mehr zu halten.
Drei Standbeine sind's, auf denen das Unternehmen steht: außer Friedrichsdorfer Zwieback noch Feingebäck und natürlich Sticks - zum Knabbern während des Fernsehens. Die aber werden in einem Zweigbetrieb in Weckesheim (Wetteraukreis) hergestellt. Und tragen auf der Verpackung ihren nominalen Herkunftsort. WALTRAUT ROHLOFF
Hausbesuche und persönliche Gespräche sollen im Wahlkampf Materialschlachten und Flugblatt-Berge ersetzen
Die CDU hat ihre jahrelange Ablehnung des Kindersofortprogramms aufgegeben und würde die Förderung der freien Träger auch nach einem Wahlsieg am 7. März weiterführen. Das erklärte ihr schulpolitischer Sprecher Gerhard Ley jetzt im Schulausschuß.
Gleichwohl sehe die CDU das Programm als Hilfe in einer "Notsituation" an. Auf Dauer seien unterschiedliche Standards in den Betreuungseinrichtungen kaum zu dulden, betonte sein Fraktionskollege Karlheinz Bührmann. Er warf die Frage auf, ob in städtischen Kindertagesstätten nicht mehr Kinder untergebracht werden könnten.
Sebastian Popp von den Grünen wertete das Programm dagegen als die Chance für ein differenziertes Betreuungsangebot. Schuldezernentin Jutta Ebeling - ebenfalls Grüne - warnte davor, die Standards in den städtischen Einrichtungen abzusenken.
Mit dem Sofortprogramm hat der rot- grüne Magistrat in den vergangenen dreieinhalb Jahren mehr als 1500 Betreuungsplätze in Kinderläden, Schülerläden und Krabbelstuben geschaffen. Anfänglich war die CDU heftig gegen das Programm zu Felde gezogen, weil damit nur "rot-grüne Klientel" bedient und die städtischen Kindertagesstätten vernachlässigt würden.
Den Vorwurf, das Sofortprogramm eigne sich nur für Mittelschichteltern, sieht Schuldezernentin Jutta Ebeling mittlerweile als widerlegt an. Der internationale Hort der Lehrerkooperative im Gallusviertel, wo der Schulausschuß tagte, sei das beste Gegenbeispiel, sagte Ebeling. In dem Hort spielen und lernen 28 Kinder nach der Schule. Drei Viertel von ihnen sind Ausländer.
Sie machen dort mindestens eine Stunde am Tag Hausaufgaben, erläuterte die Erzieherin Birgit Madsen. Viele Kinder hätten große Konzentrationsschwierigkeiten, seien besonders aggressiv oder gar verhaltensgestört. Manche besuchen eine Therapie. Alle Kinder bräuchten aber die intensive Zuwendung der vier Betreuer.
Der Hort ist mit Förderung der Stadt in den Räumen einer ehemaligen Autowerkstatt entstanden. "Das kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wie das hier mal aussah", sagte Willy Preßmar vom Stadtschulamt.
Heute basteln, malen und essen die Kinder in den Räumen. Im Keller hat die Lehrerkooperative einen Raum zum Toben mit dicken Matten, Höhlen und Tischtennisplatten eingerichtet. "Regel 1" des Hortes lautet "Wer im Keller spielt, muß auch aufräumen." luf
SACHSENHAUSEN. "Vor ein paar Jahren war das hier wie in der Lindenstraße: Lauter Leute, die länger als zehn Jahre hier lebten und sich kannten." Rainer Dorsch (Name geändert) reibt sich das Kinn und moniert: "Heute kennt man keinen mehr." Wie die Lindenstraße sieht die Seehofstraße nun wirklich nicht aus. Als Durchgangsstraße für den Autoverkehr in Richtung Offenbach zählt sie schon lange nicht mehr zu den Traum- Wohngegenden.
In den vergangenen Jahren hat sie weiter an Lebensqualität verloren, findet Dorsch, der hier seit vier Jahrzehnten lebt: "Jedes Monatsende seh' ich hier Möbelwagen steh'n. Und wo früher Lebensmittelläden waren, sind heute Büros - oder die Räume stehen ganz leer." Ein Rund-Blick am Beginn der Seehofstraße scheint ihm Recht zu geben: Steuerberater, Werbeagentur, Versicherung, geschlossene Rolläden. Zwei alte Fahrrad- Felgen über einem Schaufenster und ein altbacken geschwungener Schriftzug erinnern noch an "Das Fahrradlädchen". Aber nicht nur Geschäftsräume, auch Wohnungen stünden seit Monaten leer, sagt Rainer Dorsch, der in dieser Kante großgeworden ist und sich manchmal wehmütig an die Zeiten erinnert, als der Schlachthof die angrenzenden Straßenzügen noch geprägt hatte.
Wilfried Voss von der "Bürgerinitiative Alt-Sachsenhausen" hat ähnliche Beobachtungen gemacht: "Leute, die jahrelang hier gewohnt haben, werden einfach 'rausgedrängt." Mit dem geplanten Wohnungs-, Hotel- und Gewerbekomplex "Deutschherrnviertel" auf dem Schlachthofgelände soll nach seiner Einschätzung ein ganzer Stadtbezirk umgemodelt werden. "Wenn das steht, werden wir diese Ecke hier nicht wiedererkennen", sagt Voss, der seit 25 Jahren in Sachsenhausen lebt und bei der Kommunalwahlen für den Ortsbeirat 5 kandidiert. Wilfried Voss' Prognose: Im Erdgeschoß nur noch Büros, oben drüber teure Mietwohnungen.
Jürgen Jörger, der als Geschäftsführer einer Hausverwaltungsgesellschaft auch für ein Gebäude in der Seehofstraße zuständig ist, teilt die Vision von einem grundlegenden Strukturwandel zwischen Frankensteiner Platz und dem Schlachthofgelände nicht: "Nach meinen Informationen gibt es da keine übergeordnete Planung." Daß auch in dem alten Haus in der Seehofstraße 6 zwei Mietern gekündigt wurde, gibt er unumwunden zu. Monatelangen Mietrückstand nennt er als profanen Grund - "und in einem Fall handelte es sich nicht mal um eine Wohnung, sondern um ein Maklerbüro". Die Räume seien in einem äußerst schlechten Zustand, sagt Jörger, "die mußten erstmal von grundauf renoviert werden. Deshalb standen sie eine ganze Zeitlang leer. Aber demnächst werden die wieder vermietet". Ohne Mieterhöhungen wird das freilich nicht gehen. Schließlich werden in einigen der alten Wohnhäuser in der Seehofstraße noch immer sehr niedrige Mieten gezahlt, weiß Brigitte Weißbäcker, die selbst in einer dieser Wohnungen wohnt.
Gerhard Eisenhauer, der vor knapp zwei Jahren ein Mehrfamilienhaus in der Seehofstraße gekauft hat, sieht die Mieten in seinem Haus "50 Prozent unter dem derzeitigen Mietniveau der Stadt". Vier bis neun Mark pro Quadratmeter hält er denn doch für zu niedrig, und so wolle er "im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten", also alle drei Jahre um maximal 30 Prozent, die Mieten in seinem Haus sukzessive dem Frankfurter Mietspiegel anpassen. Einige Wohnungen in der Seehofstraße werden jedoch schon sehr bald mit ganz neuen Preisen angeboten. "Wenn ich die zwei Wohnungen im Dachgeschoß völlig umbauen lasse, werde ich sie natürlich nicht wieder für neun Mark vermieten, sondern für Preise, die der Markt zuläßt", sagt Gerhard Eisenhauer.
Dem Vorwurf, die neuen Hausbesitzer in diesem Stadtteil seien nur auf "das schnelle Geld" aus, widerspricht Gerhard Eisenhauer vehement. Langfristig, so bekennt er freimütig, möchte er mit diesem "Objekt" allerdings durchaus eine ordentliche Rendite einfahren, und er läßt das Wort "Altersversorgung" fallen.
Die Kündigungen, von denen Rainer Dorsch berichtet, will der Hausbesitzer nicht bestätigen: Nur im Parterre habe er einem Mieter gekündigt, weil er selbst aus dem Odenwald hierher ziehen wolle. "Über die Brücke sind's nur ein paar Minuten zum meinem Büro in Bornheim", sagt der Steuerberater. Zwei Mieter unter dem Dach hätten im vergangenen Jahr von sich aus gekündigt, "weil sie Eigentum erworben haben".
Auch wenn der Steuerberater keine Anzeichen dafür sieht, daß sich die Gegend rund um das geplante Deutschherrnviertel zu einer noblen Wohngegend entwickelt, dürfte zumindest eine Prognose von Wilfried Voss eintreten: Mit dem "Schmuddelviertel", wie Voss diese bislang billige Wohngegend durchaus liebevoll nennt, ist in absehbarer Zeit Schluß. Rainer Dorsch hat nach eigenen Angaben bereits seine Kündigung in der Tasche. ran
"Wir haben etwas bewegt", freute sich die CDU-Stadtverordnete Walburga Zizka im Jugend- und Sozialausschuß und berichtete, daß das Land bereits dabei sei, den Personalmißstand beim Landesversorgungsamt "in den Griff zu kriegen". Dort waren aufgrund von Stellenstreichungen viele Anträge auf einen Behindertenausweis nicht fristgerecht bearbeitet worden.
Auch Sozialdemokraten und Grüne wollen, daß der Magistrat im Römer künftig über die Situation berichtet. Die Koalitionspartner betonten, daß der Grundstein für die Personalmisere schon zu Zeiten gelegt worden sei, als die Christdemokraten selbst auf der Regierungsbank saß. ft
Zwei Künstler, die sich nicht erst seit Hoyerswerda, Mölln und Rostock mit dem Zusammenleben von Türken und Deutschen auseinandersetzen, kommen jetzt ins Neue Theater Höchst: das "Knobibonbon-Kabarett". Und Sinasi Dikmen und Muhsin Omurça machen dort das, was sie seit Jahren mit wachsender Begeisterung tun: "Kabarett von Türken für Deutsche"; Titel des aktuellen Programms: "Der Beschneider von Ulm." Das Programm der Woche
Donnerstag, 21. Januar, 20 Uhr: "Undine geht", Solo-Stück mit Doris Batzler nach Ingeborg Bachmanns gleichnamiger Erzählung, im Gallus Theater (Krifteler Straße 55); "Wenn die Sonne scheint, scheint die Sonne zu scheinen", ein bunter Abend mit dem "Artist, Jongleur, Improvisateur und Literateur" Peter Spielbauer, im Neuen Theater Höchst (Emmerich- Josef-Straße 46 a); Strindbergs "Fräulein Julie" in einer neuen Inszenierung des Theaters Grüne Soße, im Theaterhaus (Schützenstraße 12).
20.30 Uhr: "Die Freuden der Liebe, sie dauern nur ein Hui", eine Lesung mit Texten zur Liebe, verlesen vom Freien Schauspiel Ensemble im Philanthropin (Hebelstraße 17); "Aysche und Richard", Peter Slaviks Stück über die Lebensläufe einer jungen Türkin und eines jungen Deutschen, im Theater in Bornheim (TiB, Bornheimer Landwehr 35).
Freitag, 22. Januar, um 20 Uhr: "Undine geht" im Gallus, Peter Spielbauer in Höchst und Strindberg im Theaterhaus.
20.30 Uhr: "So schön, schön war die Zeit", die schrille Schlager-Revue des Freien Schauspiel Ensembles, im Philanthropin; "Das Martyrium des Piotr O'Hey", die aktuelle Produktion des Kellertheater-Ensembles (Mainstraße 2); Thomas Bernhards "Der Schein trügt", eine Inszenierung des Theaters Tamen The, in der Brotfabrik (Bachmannstraße 2-4); "Aysche und Richard" im TiB.
23 Uhr: eine weitere Runde für Cornelia Niemanns "Solo im Supermarkt", im Theaterhaus.
Samstag, 23. Januar, 15 Uhr: "Lilly Lilliput", Hexenmärchen des Kinder- und Jugendtheaters Speyer für Besucher ab vier Jahren, Gallus Theater.
19 Uhr: "Nachtwache", das strapaziöse Psychodrama des Freien Schauspiel Ensembles, im Philanthropin. 20 Uhr: Weitere Vorstellungen für "Undine geht", "Wenn die Sonne scheint . . ." sowie "Fräulein Julie"; 20.30 Uhr: "Der Schein trügt", "Aysche und Richard" und "Das Martyrium des Piotr O'Hey"; 23 Uhr: "Solo im Supermarkt".
Sonntag, 24. Januar, 15.30 Uhr: Kindertheater in der Brotfabrik mit dem Zauberer Manioli (für Kinder ab vier Jahren). 16 und 20 Uhr: "Varieté am Sonntag", die 13. Artisten-Revue mit Jongleurinnen, Clowns und Musikanten im Neuen Theater Höchst.
Mittwoch, 27. Januar, 20 Uhr: "Der Beschneider von Ulm", das neue Kabarett-Programm vom Duo Knobibonbon, im Neuen Theater Höchst;
20.30 Uhr: "A Melange, a Musi, a Melancholie", eine Reverenz des Freien Schauspiel Theaters an die Wiener Kaffeehaus-Kultur, im Philanthropin (Nordend). two
Die Stadt will die Ausstattung der Gutenbergschule schnell mit 210 000 Mark verbessern. Dafür werde unter anderem ein neues Fotolabor eingerichtet, kündigte Schulamtsleiter Tom Stryck im Schulausschuß an. Eine gründliche Renovierung des heruntergekommenen Gebäudes sei aber vorerst nicht sinnvoll, solange nicht grundsätzlich über den Ausbau des Berufschulzentrums Hamburger Allee entschieden sei, sagte Schuldezernentin Jutta Ebeling.
Nach den ursprünglichen Plänen hätte der Umbau bereits beginnen sollen. Im Zuge der Sparmaßnahmen war die mit 160 Millionen Mark angesetzte Maßnahme im vergangenen Frühjahr zunächst verschoben worden. Heute könne sie nicht dafür garantieren, ob die dringend erforderliche Modernisierung des Berufschulzentrums überhaupt noch beschlossen werde, sagte Ebeling im Ausschuß. Mit den zusätzlichen Mitteln für die Ausstattung wolle die Stadt aber der Schule schnell helfen.
Die CDU-Stadtverordnete Helga Haller von Hallerstein hatte im Ausschuß über die großen Defizite an der Schule berichtet. Lehrer strichen selbst die Wände, um Geld zu sparen. Ein Schüler habe ihr berichtet, ein ganzes Jahr kein einziges Mal praktisch im Fotolabor gearbeitet zu haben. Der junge Mann macht eine Ausbildung als Fotolaborant. luf
Am Himmel tut sich was - genaugenommen: In manchen Redaktionen tut sich etwas. Offenbar mag keiner mehr hinnehmen, daß das Wetter so ist, wie es eben ist, wenn es morgens am Horizont heraufzieht; mal Regen und mal Sonnenschein.
So unterlegt einer der neuen Nachrichten-Fernsehsender, "n-tv" seinen pfiffig gestalteten Wetterbericht obstinat mit Azur. Das "Zweite" hat das Wetter gar zur eigenen Sendeeinheit erklärt - mit eigener Redaktion, unter Vertrag genommenen Meteorologen. Die können den Regen auch nicht wegscheuchen, wenn er denn mal kommt, aber das Haus darf jetzt einen Werbeblock zwischen Nachrichten und den Wetterbericht legen. - Das "Erste Deutsche" ist da vorläufig noch etwas altmodisch mit seiner allabendlichen Wetterkarte.
Boulevard-Zeitungen stellen Grafiker an, die Sonne oder Blitz und Donner in kräftigen Farben herausheben - ob die dann auch kommen oder nicht, wie etwa die "Glitschige Rachel", das weiß der Autofahrer oft genug erst hinterher. "Bild" dagegen betet in großen Lettern den Schnee schon jetzt aus dem Erfahrungsbereich der Menschen weg. Offenbar haben deren Redakteure die Nachricht des deutschen Wetterdienstes nicht mitbekommen, derzufolge Differenzen von etwa 15 Grad plus/minus im Januar keine Seltenheit sind - ermittelt aus hundertjähriger Wetterdaten- Aufzeichnung. Ihr Bastian
Das Wiener Caféhaus im Hotel "Schwarzer Bock": Fünf Jahrhunderte lassen grüßen
Kultur im Krankenhaus: Der Zauberer "Dixon" tritt am Donnerstag, 21. Januar, 15 Uhr, im Clementine-Krankenhaus, Theobald-Christ-Straße 16 (Ostend), mit einem Kinderprogramm auf. Am Dienstag, 26. Januar, 15 Uhr, unterhält Klaus Michel mit Parodien und Stimmimitationen in der BG-Unfallklinik, Friedberger Landstraße 430. di/03
Der WWF-Panda-Club gestaltet am Donnerstag, 21. Januar, 15 Uhr, eine Ausstellung zum Thema "Tierspuren". Die Kinder im Alter zwischen elf und 13 Jahren treffen sich im Lehrgehölz des Panda-Clubs, Welscher Weg, Forstabteilung 87 (Sachsenhausen). Näheres bei Rosita Haas unter Tel. 77 59 17. di/03
Ein vogelkundlicher Spaziergang wird am kommenden Sonntag, 24. Januar, zwei Stunden lang durch den Frankfurter Ostpark führen. Abmarsch ist um 9.30 Uhr an der Eissporthalle (Haltestelle U 7). Die Leitung des Parkspaziergangs hat Helga Wünsch, Tel. 5 97 89 98. di/03
Taunus-Klub: Am Sonntag, 24. Januar, wird über 12 Kilometer durch die Untermainebene (Fechenheimer bis Enkheimer Wald) gewandert. Abfahrt ist 12.39 Uhr mit der U 7 ab Hauptwache, Ankunft 12.53 Uhr Gwinnerstraße, dort Treffpunkt 13 Uhr. Die Führung haben Ingrid Schmidt und Herbert Hammerstein. Der Singkreis trifft sich am Mittwoch, 27. Januar, 19 Uhr, in der Dreieichstraße 59 VI (Sachsenhausen). Die Leitung hat Waltraut Zeisoldt, Tel. 53 19 50. di/03
Amateurfilmclub Frankfurt: Der Autor Bernd Walter hält am Montag, 25. Januar, 19.30 Uhr, in der Fahrgasse 6 (Altstadt) einen Bildvortrag über das "Westliche Amerika". di/03
Der Verband der Heimkehrer lädt am Mittwoch, 27. Januar, 16 Uhr, zu einem "Kappenabend" ins Bürgerhaus Südbahn
Aktion "Bürger ohne Wohnung": Ab Montag, 25. Januar, bis Freitag, 12. Februar, werden Obdachlose in der evangelischen Weißfrauenkirche, Gutleutstraße 20/Ecke Weserstraße (Bahnhofsviertel) mit einem Mittagessen, Broten, Tee und Obst versorgt. Auch Kleider werden verteilt. di/03
Einen Tag im Zirkus Roncalli können Kinder bei einer Aktion der VEDES- Fachgeschäfte gewinnen. Voraussetzung: Fotos von geschminkten Kindern in ihren Lieblingskostümen, von denen die schönsten prämiert werden. Die zehn Gewinner dürfen einen ganzen Tag lang hinter die Kulissen des berühmten Zirkus Roncalli schauen. Teilnahmekarten gibt es im VEDES-Fachgeschäft S. Meder, Spessartstraße 9, 6000 Frankfurt 60. Einsendeschluß für die Fotos ist Mittwoch, 17. Februar. di/03
Rupert von Plottnitz, Mitglied der Grünen-Fraktion im Hessischen Landtag, spricht am Donnerstag, 21. Januar, um 20 Uhr über das Thema "Ausländische Mitbürger in Deutschland - auf Dauer wahl(rechtlos)?" Der Vortrag mit anschließender Diskussion ist in der Aula der Bockenheimer Max-Beckmann-Schule, Sophienstraße 70, zu hören. ara/03
Die Stadtteil-Rundschau stellt Frankfurter Bands vor: "Relaxte Atmosphäre" möchte nicht "die Großen aus Amerika nachäffen"
Werden die traditionellen Rollen zementiert? Teilzeitarbeit - viele Frauen wünschen sie sich · Von Jenny Bernack
Nur zu Hause zu sein - das könnte ich mir nicht vorstellen. Andererseits würde ich die Hausarbeit und meine interessanten Hobbys zeitlich nicht schaffen, wenn ich den ganzen Tag arbeiten würde", begründet Anneliese R. (57) ihre Entscheidung, als Teilzeitkraft in einem großen Warenhauskonzern zu arbeiten. Gleich nach der Lehre in einem kleinen Familienbetrieb wechselte sie in den Konzern und verkauft bis heute - mit wenigen zeitlichen Unterbrechungen - Damen- und Herrenkonfektion. Viele Jahre lang hat sie mit befristeten Verträgen gearbeitet. Seit vier Jahren ist Anneliese R. jedoch erst wieder sozialversicherungspflichtig mit einem Pensum von 420 Stunden im Jahr angestellt. Jeweils zu Wochenanfang wird ihr mitgeteilt, wann und wie lange sie in den kommenden Tagen zu arbeiten hat.
Mosaik-Verlag, Neumarkter Straße 18, 8000 München, 80, Preis: 24,90 DM.
61. - "Women & Money", Neuer Wall 40, 2000 Hamburg 36.
Die CDU-Fraktion zweifelt an der Effektivität des Beschleunigungsprogrammes für Busse und Bahnen. Sie verlangte jetzt im Verkehrsausschuß, der Magistrat solle die Pläne für die Straßenbahnlinien 11 und 15 sowie für den 33er Bus zurückziehen. Zunächst einmal müsse der Magistrat den Nachweis erbringen, daß die Investition von 40 Millionen Mark tatsächlich deutlich kürzere Fahrzeiten bewirke.
Wolfgang Stammler, verkehrspolitischer Sprecher der Union, ist überzeugt, daß dies dem Magistrat schwerfallen wird. Die Beschleunigungsprogramme für die Linie 16 und die Buslinie 34 seien bereits 1991 verabschiedet worden, doch bis heute habe sich nichts geändert.
Stammler mußte sich daraufhin von Baustadtrat Protzmann und Stadtwerkedirektor Oehm sagen lassen, daß die technischen Voraussetzungen für die Beschleunigung dort wegen langer Planungszeiten erst in diesem Jahr geschaffen werden. Protzmann stellte klar, daß für die drei nächsten Maßnahmen keine 40, sondern nach Abzug der Zuschüsse von Bund und Land lediglich Kosten von 9,5 Millionen Mark entstünden. Der Antrag der CDU wurde abgelehnt. habe
Rechtzeitig zur jetzigen Sondersitzung im Römer hat es Hessens Innenminister Herbert Günther per Eilbrief und "rechtsverbindlich" mitgeteilt: Die 51 Abgeordneten von Frankfurts Kommunaler Ausländervertretung (KAV) können bis zum Ende ihrer Legislatur - Dezember 1995 - ihr Mandat ausüben. Eine Neuwahl als "Ausländerbeirat" im November dieses Jahres, wie sie die Novellierung der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) ermöglicht, ist nicht zwingend vorgeschrieben. Der KAV entstehen auch keine Nachteile, wenn sie weiter in alter Besetzung "bis zum Schluß" amtiert - im Gegenteil: Ihr wachsen die weitergehenden Rechte eines Ausländerbeirats im Sinne der neugefaßten HGO zu.
Mit dem Expreßbrief aus Wiesbaden waren die Sorgen, die die im Dezember 1991 gekürten Mitglieder der KAV über ihre künftige "Rechtsstellung" hegten, zerstreut. Man hatte befürchtet, daß das parlamentarische Gremium im Herbst aufgelöst werden müßte und Neuwahlen ausgeschrieben würden.
Grund für die Existenzsorgen: Die novellierte Hessische Gemeindeordnung schreibt vor, daß in allen Kommunen des Landes, in denen mehr als tausend ausländische Frauen und Männer leben, Ausländerbeiräte zu küren seien. Bislang lag das in der freiwilligen Entscheidung von Städten und Gemeinden, ob sie eine Vertretungskörperschaft für Nichtdeutsche zulassen. Die deutschen Parlamente und Magistrate bestimmten auch Wahlmodus und Kompetenzen "ihrer" jeweiligen Ausländergremien. So geschah das 1991 auch in Frankfurt für die örtliche KAV.
Mit diesen kommunalen "Hoheitsrechten" ist nun Schluß. Die novellierte HGO gibt klare gesamthessische Vorgaben, wie viele Abgeordnete gewählt werden müssen und welche Kompetenzen die Gremien haben. So "müssen" beispielsweise künftig "die Ausschüsse der Gemeindevertretung in ihren Sitzungen den Ausländerbeirat zu den Tagesordnungspunkten hören, die Interessen der ausländischen Einwohner berühren" - in Frankfurt zur Zeit nur eine Kann-Bestimmung.
Die neuen HGO-Paragraphen decken also nicht mehr die Frankfurter Realität. Die KAV ist vom Umfang her "zu groß" und hat zur Zeit geringere Rechte und Einflußmöglichkeiten als die künftigen Ausländerbeiräte im Hessenland. Von daher die Mutmaßung im Römer: Das Landesgesetz werde Neuwahlen dekretieren.
Das ist seit dem Ministerwort nun erst einmal vom Tisch. Indes: Die KAV muß zwar nicht, aber kann sich - freiwillig - einer neuen Ausländerwahl stellen. Die Debatte über das Für und Wider einer solchen Selbstauflösung dauerte bei Redaktionsschluß noch an. peh
Dienstag, 19. Januar
Vorträge / Diskussionen Patronatsverein: 19 Uhr, Vortrag Martin Steinhoff - "Opernpolitik"; Oper am Theaterplatz, Chagall-Saal.
Polytechnische Gesellschaft: 19 Uhr, Vortrag "Prägende jüdische Persönlichkeiten im Bankwesen"; Kundenzentrum Fraspa, Neue Mainzer Str. 47-53.
IPPNW - Internationale Ärzte zur Verhütung eines Atomkrieges: 18 Uhr, Ringvorlesung: "Töte und teile. Zur Psychoanalyse von Kriegsverlangen und Friedensfurcht."; Klinikum der J.W.Goethe-Universität, Hörsaal 2, Haus 23 A, Theodor-Stern-Kai 7.
Institut für Öffentliches Recht, Universität Hörsaal V: 14 Uhr, Diskussion "Asylrecht: Europa - Zuflucht oder Festung?".
Dominikanerkloster, Kurt-Schumacher-Str. 23: 20 Uhr, Diskussion mit Peter Eisenmann - "Many Dreams of Many Gardens".
Christuskirche, Beethovenplatz: 20 Uhr, Vortrag "Der sogenannte Bonner Parteienkompromiß - nicht ,versöhnendes Signal' sondern Verhöhnung des Grundgesetzes".
Amerika Haus, Staufenstr. 1: 18.30 Uhr, Vortrag "Juristen in die USA - Studien- & Praktikamöglichkeiten für angehende Juristen".
Völkerkundemuseum: 18.30 Uhr, Vortrag "Das griechische Erbe im Islam und Probleme des europäischen Selbstbewußtseins"; Schillerschule, Morgensternstr. 3. Museen/Führungen Museum für Moderne Kunst, Domstr. 10: 15.15 Uhr, Führung zu "Reinhard Mucha und Lothar Baumgarten".
Was Frankfurter Museen und Galerien zeigen sowie die allgemeinen Führungstermine lesen Sie täglich auf der Seite "Kulturpanorama Frankfurt" in der Abendausgabe sowie donnerstags auf der Freizeitseite "Was-Wann-Wo". Kino/Filme Das Kinoprogramm entnehmen Sie bitte dem Filmspiegel im Anzeigenteil, S. 16. Sonstiges Schach-Senioren-Gruppe: 14 bis 18 Uhr, Spieltermin; Sozialzentrum Marbachweg, Cafeteria. City-Lauftreff, Alte Mainzer Gasse 4: 12 bis 14 Uhr, Laufstrecken 2 km, 4 km und 8 km.
PINS Single-Verein: 20 Uhr, Stammtisch; Gaststätte zum Goldenen Garten, Marbachweg (Info 789 56 28).
Stadtteilladen Dezentral, Sandweg 131 a: 20 Uhr, Kneipenabend & Vernissage.
Hausfrauen-Bund: 14 Uhr, Besichtigung Ausstellung zum Thema "Tibet"; Ledermuseum Offenbach, Frankfurter Str. 86 (Info 85 58 14).
Frankfurter Bund für Volksbildung: 15 Uhr, "Zauberer Dixon"; Marien-Krankenhaus, Gr. Hörsaal/UG, Richard-Wagner-Str. 14.
English Speaking Club, Haus Dornbusch, Eschersheimer Landstr. 248: 19.30 Uhr, Current Affairs. Apotheken Folgende Apotheken sind Dienstag, 8.30 Uhr, bis Mittwoch, 8.30 Uhr, ständig dienstbereit:
Arnsburg-Apotheke, Bornheim, Arnsburger Straße 78, Tel. 43 31 90; Bonifatius-Apotheke, Sachsenhausen, Holbeinstraße 63, Tel. 62 19 53; Centrum-Apotheke, Zeil 96, Tel. 29 51 29; Eschbach-Apotheke, Alt-Niedereschbach 2, Tel. 5 07 70 77; Hostato-Apotheke, Höchst, Hostatostraße 28, Tel. 30 60 36; Kaiser-Apotheke, Kaiserstraße 53, Tel. 23 23 62; Schwarzburg-Apotheke, Nordendstraße 65, Tel. 59 03 27; Severus- Apotheke, Heddernheim, Severusstraße 77, Tel. 57 29 40; Stern-Apotheke, Bockenheim, Am Kurfürstenplatz, Tel. 77 55 82. Märkte Dornbusch: 8 bis 18 Uhr, Wochenmarkt; Carl- Goerdeler-Straße. Ärztlicher Notdienst Der ärztliche Notdienst für das Stadtgebiet Frankfurt ist unter der Sammel-Rufnummer 1 92 92 jederzeit erreichbar. Er soll jedoch nur bei Verhinderung des Hausarztes in Anspruch genommen werden. Für ambulant zu versorgende Notfälle: Notdienstzentrale im Haus Galluswarte, Mainzer Landstraße 265 und Usinger Str. 5.
Sanitätsdienstliche Bereitschaft für Soldaten der BW Stadt Frankfurt, Stadt und Kreis Offenbach, Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis, während der allgemeinen Dienstzeit: StOArzt Frankfurt, Tel. 2 47 78 - 433; nach Dienst und an Wochenenden: SanZentr. 412 Mainz, Tel. 0 61 31 / 56 26 42.
Der zahnärztliche Notdienst in Frankfurt ist bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen, Zahnärztehaus Niederrad, Telefon 66 07 / 2 71, zu erfragen.
Tierärztlicher Notdienst 19 bis 23 Uhr Tierarzt Knell, Beethovenplatz 7, Tel. 72 66 66, danach bei den tierärztlichen Kliniken (siehe Branchenfernsprechbuch unter "Tierärzte").
Anwaltsnotdienst
(24 Stunden täglich) Tel. 28 30 83.
Telefonberatungen
Tag und Nacht Telefonseelsorge im Ev. Volksdienst: Tel. 1 11 01; Telefonseelsorge im Haus der kath. Volksarbeit: Tel. 1 11 02.
Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche: 1 11 03. Notfall-Nummern Feuerwehr/Unfall-Rettungswache 112 Überfall 110 Polizei 75 51 Krankentransport 49 00 01-4 Hubschrauber-Rettungsdienst 44 10 33 ADAC-Pannenhilfe 1 92 11 ACE-Pannenleitstelle 1 92 16 AvD-Pannennotruf 6 60 66 00 VCD-Notrufzentrale 02 21/82 77 366 Zentrum für Entgiftungen und Giftinformation der Universität Mainz 0 61 31/23 24 66 Drogennotruf 62 34 51 Die Rubrik "Rat und Hilfe" erscheint jeden Montag in der Regionalausgabe und jeden Donnerstag in der Stadtteil-Rundschau mit allen Sprechstunden und Terminen für die gesamte Woche. Wir empfehlen, diese Seite aufzuheben. - ohne Gewähr -
Die in diesem Jahr für den Tennis-Bundesligisten Heidelberg startende Darmstädterin Andrea Glass, die bislang in der Regionalligamannschaft von Rotweiß Neu-Isenburg das Racket schwang, gewann im australischen Bendigo das ITF-Turnier der Gruppe II für Juniorinnen. Im Finale setzte sich die frühere Jugend-Weltmeisterin gegen die Nummer 9 der Junioren-Weltrangliste, Ludmilla Richterova (CR) mit 3:6, 6:4, 7:6 durch.
Erst im Finale mußte sich bei den internationalen bayerischen Hallenmeisterschaften der Frauen in Coburg Gabriela Mach vom TC Palmengarten Frankfurt geschlagen geben. Die Ungarin hatte sogar zwei Matchbälle gegen Heike Thoms aus Saarlouis, verlor dann aber noch mit 4:6, 6:2, 7:5. Mach hatte auf dem Weg ins Finale drei gesetzte Spielerinnen aus dem Wettbewerb geworfen.
Holger Speker (TC Rot-Weiß Stuttgart) und Julia Jehs (TC Weissenhof Stuttgart) gewannen am Sonntag die Turniere um den Dunlop Südwest Cup in Offenbach. Speker setzte sich im Finale gegen Michael Gysin (Waiblingen) mit 6:2, 6:1 durch. Julia Jehs besiegte im Endspiel ihre Klubkameradin Anke Marchl 6:2, 6:3. FR
EISENACH. Im Jahre 1508 erschien der Ritterroman "Amadis de Gaula" (Amadis von Gallien), verfaßt von Garci Rodriguez (Ordóñez) de Montalvo. Von dem vierbändigen Werk über Leben, Taten und Tod des in einer Kiste am Meeresufer gefundenen und vom schottischen König Gandales aufgezogenen Helden Amadis erzählt das Kindlersche Literaturlexikon, daß es unter anderem von Karl V., Montaigne, Cervantes, Torquato Tasso und Goethe bewundert oder nachgeahmt worden sei. Zu ergänzen wäre noch Karl May, dessen "Waldröschen - die Rächerjagd rund um die Erde" voll von Ritterlichem und Schurkischem ist.
Neun Opern und zwei Parodien wurden zwischen 1685 (Jean-Baptiste Lully) und 1922 (Jules Massenet) auf den "Amadis"- Stoff komponiert - auch von Georg Friedrich Händel (1715) und Johann Christian Bach. Dessen "Amadis de Gaules - Tragédie-lyrique" wurde 1779 in Paris uraufgeführt, verschwand nach sieben Aufführungen in der Versenkung - ein Erfolgskomponist war der vorher erst als Mailänder Domorganist tätige, später als Italiener im Londoner Musikleben unter anderem mit einer "Favourite-Sammlung Songs" aus seiner ersten Oper ("Orion oder die gerächte Diana") renommierte Bach gegen Ende seines Lebens nicht mehr. Das Profil des "Amadis" verlor sich zwischen den Fronten der Gluckisten und Piccinisten. Jeder wußte, wie eine Oper zu sein habe, keiner hörte mehr zu. Die zwischen Zeitgeschmack und Genialität, Sanftmut der Kantilenen, Zartheit des Kolorits, dramatischer Vehemenz und aufregenden Dissonanzeffekten changierende Musik wurde nicht ästimiert.
Vor etwa zehn Jahren machte die Hamburger Staatsoper mit einer ambitionierten Produktion auf das Werk aufmerksam, das dann auch bei den Frankfurt Festen und auf Platte erschien. Nun hatte "Amadis" am ein weiteres Mal mit exzellenter Arbeit beeindruckenden Landestheater Eisenach Premiere.
Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme: Andreas Herrmann. Er hält sich, damit auf einer Darstellungsebene mit Robert Bressons "Lancelot du Lac", von allem, was als "Ritterromantik" herumgeistert, fern, bringt Zwielicht, Doppelbödigkeit, Brisanz, frappierende Spannung und Befremdlichkeiten ins Spiel um Liebe und Mord, Rache und Rettung, exponiert dies alles schon in einer die quirlig-festliche Ouvertüre mit gleichermaßen karger wie hochdramatischer Optik und konzentrierter Expression scharf kontrastierenden Pantomime der Protagonisten. Sie werden von einem listig in die Handlung eingeführten "Regisseur" (Horst Warneyer) zur Darstellung der verhängnisvollen Vorgeschichte aufgestellt. Zwei Frauen und drei Männer, altmodisch gewandet, zwischen beweglichen Wandsegmenten. Ein "Mord", Verzweifelung und Aggressionen: der knallrote Schal wird vom chicen Schmuck des eitlen Künstlers zum Signal des Unheils. Die Farbe akzentuiert weiterhin im Unguten die Szene - als "Blutspur" am Boden, bei den Gewändern heimtückischer Phantome. Streng und dunkel gewandet erscheinen die "Bösen", beim "guten" Paar schimmert Weiß auf Perücke, Reifrock und Kniehosen. Am Ende wird indes auch das Strahlende fahl-vervielfacht in leicht verzerrender Imitation werden Amadis und Oriane ihrer Einmaligkeit enthoben, von finsteren Mienen, sinistren Gesten wird das "glückliche Ende" vergällt.
Vor auseinanderstrebenden Kulissen und kaltem Lichtpunktegeglitzer singt das von jetztzeitlich gekleideten, aber auch von den "Dämonen" des ersten Aktes durchsetzte Ensemble die sanften Töne und besänftigenden Worte des Finales ("Kommt in das Reich des Friedens . . . die Wonnen süßer Ruh . . . ruht euch von Müh und Plage aus . . .") ins mählich erhellte Auditorium wie als Verabreichung einer sedierenden Droge.
Man versteht jedes Wort: überaus sorgfältig artikulieren nicht nur die Solisten Fred Hoffmann (Amadis), Sonja Müller (Oriane), Amy Rodenburg (Arcabonne), Ernst Volker Schwarz (Arcalaus), sondern auch die Träger der kleineren Partien und die hinter Stoffbahnen verborgenen Chormitglieder.
Mit dem kleinstbesetzten Orchester schafft Harke de Roos hochexpressive, transparente und vehement lebhafte Klanglichkeit. Die dritte "Amadis"-Aufführung hatte ihr verdientes aufmerksames und animiertes Publikum.
VERA LUMPE
HONGKONG, 19. Januar (AP). Ein schweres Erdbeben hat am Montag die chinesische Region Tibet erschüttert. Das seismologische Institut der Volksrepublik China meldete am Dienstag, die Erdstöße hätten eine Stärke von 6,3 auf der nach oben offenen Richterskala erreicht. Das Epizentrum lag etwa 180 Kilometer nordwestlich der tibetischen Hauptstadt Lhasa. Da das Beben jedoch eine nur dünn besiedelte Gegend heimgesucht habe, dürften die Schäden gering sein. Berichte über Tote oder Verletzte lagen noch nicht vor.
GARY, 19. Januar (AP). Beim frontalen Zusammenstoß zweier Personenzüge sind am Montag abend in der Nähe von Chicago sieben Menschen getötet und etwa 70 zum Teil schwer verletzt worden. Der Branddirektor von Gary im US-Staat Indiana, Benjamin Perry, berichtete, die beiden Züge hätten beim Aufprall einander "wie riesige Rasiermesser" aufgeschlitzt. Einige der Opfer seien regelrecht enthauptet worden. Glücklicherweise seien die beiden Züge mit insgesamt etwa 100 Reisenden nur schwach besetzt gewesen, fügte Perry hinzu. Die Unfallursache war zunächst noch ungeklärt.
WASHINGTON, 19. Januar (AP/AFP/ Reuter). Mit einer Würdigung des 1968 ermordeten schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King hat der künftige US- Präsident Bill Clinton am Montag die Serie der Festakte zu seiner Amtseinführung fortgesetzt.
In seiner Rede in der Washingtoner Howard-Universität bekannte sich Clinton zu dem Traum eines Amerikas ohne Rassenschranken, für den King sein Leben gegeben habe. Zuvor hatte sich Clinton in der Georgetown-Universität, seiner eigenen früheren Hochschule, zu Prioritäten seiner Außenpolitik geäußert.
"Zwei Söhne der Südstaaten sind dabei, den Gipfel der amerikanischen Demokratie zu besteigen - ein Präsident aus einer kleinen Stadt in Arkansas und ein Vizepräsident aus dem Bergland von Tennessee. Und beide bekennen sich zu der Verwirklichung des Traums von Martin Luther King und den Verpflichtungen, die sich daraus ergeben", sagte Clinton vor Studenten und Akademikern. Er versprach, aus der Botschaft Kings die Lehren zu ziehen, und stimmte in die Hymne der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung ein: "We Shall Overcome."
Zuvor hatte Clinton seine eigene frühere Universität besucht, wo ihm Studenten einen begeisterten Empfang bereiteten. In seiner Rede dort bezeichnete er die Sicherung der wirtschaftlichen Stärke Amerikas als vorrangiges Ziel, das auch seine Außenpolitik bestimmen werde. Dies bedeute unter anderem eine Kürzung der Rüstungsausgaben. Ohne eine gesunde Wirtschaft in den USA könne es kein aktives Engagement im Ausland geben, sagte Clinton. Gleichzeitig kündigte er jedoch erneut eine Fortsetzung der harten Linie gegenüber Irak an.
In den Straßen von Washington wurden unterdessen weitere Vorbereitungen für die Amtseinführung am Mittwoch getroffen. Entlang der Route, die der neue Präsident abfahren will, wurden sämtliche Kanaldeckel festgeschweißt und Zuschauertribünen mit kugelsicherem Glas abgeschirmt.
6000 Polizisten sollen für die Sicherheit des künftigen Präsidenten sorgen. Dies sind 1000 Ordnungshüter mehr als bei der Amtsübernahme von George Bush 1988. Die Anwohner der Pennsylvania Avenue, die Clinton nach seiner Vereidigung hinabfahren wird, wurden angewiesen, die Fenster geschlossen zu halten.
Bereits bei den Festivitäten in der Hauptstadt zu Ehren des künftigen Präsidenten wurden strengste Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Scharfschützen wurden auf Dächern plaziert, Beamte in Zivil mischten sich in die versammelten Menschenmengen, um bei dem geringsten Verdacht eines möglichen Anschlags rasch eingreifen zu können. Zahlreiche auf das Aufspüren von Sprengsätzen abgerichtete Hunde kamen zum Einsatz.
Clinton hatte in der traditionsreichen Georgetown-Universität das diplomatische Korps empfangen. Bei dieser Gelegenheit bekräftigte er seine Entschlossenheit, auf die "Provokationen" des irakischen Präsidenten Saddam Hussein zu antworten.
Ein Mittagessen mit Clinton stand unter dem Motto "Gesichter der Hoffnung". Eingeladen waren 53 US-Bürger, die Clinton während seiner Wahlkampfkampagne wegen ihres vorbildlichen Verhaltens beeindruckt hatten. Am Dienstag wird sich der 42. US-Präsident, der zwölf Jahre lang Gouverneur des Staates Arkansas war, unter anderem zu einem Essen mit den 50 Gouverneuren des Landes treffen.
Für Dienstag abend steht eine große Präsidentengala auf seinem Programm, für die sich zahlreiche Pop- und Filmstars angesagt haben, darunter auch die zu Ehren Clintons wiedervereinigte kalifornische Rockgruppe Fleetwood Mac. Einen Hit dieser Gruppe, "Don't stop thinking about tomorrow" ("Hör nicht auf, an morgen zu denken") hatte Clinton als offizielle Hymne seines Wahlkampfes ausgewählt.
Kurz vor seinem Amtsantritt hat der designierte US-Präsident Clinton die Grundlagen seiner Außenpolitik umrissen. Vor Diplomaten in Washington erklärte er, seine Außenpolitik baue auf drei Säulen auf: wirtschaftliche Sicherheit in den USA, Umbau der amerikanischen Streitkräfte sowie die Unterstützung demokratischer Werte weltweit. Clinton würdigte die Außenpolitik des scheidenden Präsidenten George Bush und kündigte Kontinuität an.
DÜSSELDORF, 19. Januar (AP). Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Bundestag, Rudi Walther, hat sich für einen Verzicht auf den Bau des Aufklärungsflugzeugs Lapas ausgesprochen. Der in Düsseldorf erscheinenden Westdeutschen Zeitung vom Dienstag sagte der SPD-Politiker, die Technologie des Flugzeuges sei veraltet. Die Vertragsunterzeichnung war vom Verteidigungsministerium abgesagt worden, nachdem Bestechungsvorwürfe gegen zwei ehemalige Ministerialbeamte und den früheren Luftwaffeninspekteur Eberhard Eimler erhoben worden waren.
Lawinenunglück in der Türkei 30 Menschen tot geborgen
ANKARA, 19. Januar (AP/Reuter/dpa). Rettungsmannschaften in dem nordosttürkischen Dorf Özengeli haben in der Nacht zum Dienstag ihre fieberhafte Suche nach Überlebenden der Lawinenkatastrophe fortgesetzt und bislang 30 Opfer tot geborgen. Nach dem Unglück sind, wie der staatliche Rundfunk am Dienstag weiter meldete, 21 Menschen mit Verletzungen gerettet worden. Unter den Schneemassen in dem Dorf in der Provinz Bayburt würden aber noch Verschüttete vermutet. Die Schneelawine hatte am Montag morgen einen Großteil des Dorfes unter sich begraben. Hilferufe unter den Schneemassen lassen auf die Bergung weiterer Überlebender hoffen. Zahlreiche Dorfbewohner mußten mit Knochenbrüchen ins Krankenhaus gebracht werden, wie ortsansässige Ärzte mitteilten.
Rund 22 Stunden nach der verheerenden Lawinenkatastrophe haben Rettungsmannschaften am Dienstag morgen zwei weitere Menschen lebend geborgen. Wie die halbamtliche Nachrichtenagentur Anadolu aus Üzengili meldete, wurden der 21jährige Dorf-Imam (Vorbeter) und ein 15jähriger Junge verletzt gerettet und nach erster Behandlung vor Ort in ein Krankenhaus der Provinzhauptstadt Bayburt transportiert. Nach Angaben des Provinzgouverneurs Erol Ugurlu werden noch 25 Bewohner vermißt. Auch etwa 700 Nutztiere seien verendet.
Urgulu fügte hinzu, bei anhaltenden Schneefällen und Schneehöhen um sechs Meter sowie Minustemperaturen bis 25 Grad hätten die rund 70 in Üzengili eingetroffenen Soldaten, Rettungsmannschaften und das Ärzteteam übermenschliche Kräfte entwickelt, um Überlebende in den 50 unter den Schneemassen begrabenen Häusern zu entdecken und zu befreien. In den 100 Häusern des Dorfes sind etwa 1400 Bewohner registriert.
GRAYSON, 19. Januar (AP). Ein 17jähriger Schüler hat am Montag in den USA seine Englischlehrerin während des Unterrichts erschossen und seine Klassenkameraden vorübergehend als Geiseln genommen. Wie die Polizei in dem kleinen Ort Grayson im US-Staat Kentucky mitteilte, tötete der Jugendliche mit seinem Revolver dann auch noch den von den Schüssen aufgeschreckten und zu Hilfe herbeieilenden Hausmeister. Anschließend ergab er sich den Beamten. Die aus seiner Gewalt befreiten Mitschüler berichteten später, die Lehrerin sei aus nächster Nähe erschossen worden. Der Revolverschütze habe die ganze Zeit eiskalte Ruhe bewahrt und mit niemandem geredet, bis er plötzlich schweigend aus dem Klassenzimmer hinausgegangen sei.
TOKIO, 19. Januar (AP). Einstimmig hat der japanische Kronrat am Dienstag die Verlobung des 32jährigen Kronprinzen Naruhito mit der 29jährigen Masako Owada gebilligt. Ministerpräsident Kiichi Miyazawa, der den Vorsitz in diesem zehnköpfigen Gremium führt, sagte anschließend: "Ich möchte meine Freude darüber ausdrücken, daß der Prinz solch eine wunderbare Prinzessin gefunden hat. Unser Land hat lange auf die Verlobung gewartet." Die Hochzeit findet voraussichtlich Ende Mai oder im Juni statt.
Die offizielle Zustimmung, die auch die erste amtliche Mitteilung über die Verbindung des ältesten Sohnes von Kaiser Akihito mit der Tochter des höchstrangigen Diplomaten Japans darstellt, erfolgte 13 Tage, nachdem die Medien des Landes erstmals über die bevorstehende Hochzeit berichtet hatten.
BONN, 19. Januar (AP). Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Jürgen Rüttgers, hat den saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine wegen dessen angeblichen Unterweltkontakten zum Rücktritt aufgefordert. Der CDU-Politiker sagte am Dienstag im Fernsehsender RTL in Bonn, es sei "unappetitlich", wenn ein Ministerpräsident solche Beziehungen habe. Bei Rücktritten dürfe nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. Rüttgers fügte mit Blick auf den scheidenden Wirtschaftsminister Möllemann hinzu: "Wenn andere Leute wegen irgendwelcher Briefbögen zurücktreten müssen, dann ist im jetzigen Fall ein Rücktritt an der Zeit."
MÜNCHEN, 19. Januar (AP). Nach den umstrittenen Werbeaktionen hochrangiger FDP-Politiker für Privatfirmen wollen die bayerischen Liberalen ihren Mandatsträgern eine Art "Polit-Knigge" für das richtige Benehmen im Amt an die Hand geben. Wie FDP-Landeschef Max Stadler am Montag abend in München sagte, erarbeitet die Vereinigung liberaler Kommunalpolitiker einen Verhaltenskodex, der den Umgang mit Wirtschaftsunternehmen, die Teilnahme an geschäftlichen Terminen, Eröffnungsveranstaltungen oder Betriebsjubiläen regeln soll. Zugleich soll festgelegt werden, welche Geschenke als "sozial adäquat" gelten können. Das Konzept soll demnächst dem Landesvorstand vorgelegt werden. Stadler sprach von einer "vertrauensbildenden Maßnahme gegenüber der Öffentlichkeit".33 Tote bei Restaurantbrand
TAIPEH, 19. Januar (AP). Bei einem Großfeuer in einem Restaurant in der taiwanischen Hauptstadt Taipeh sind am Dienstag 33 Menschen getötet und 21 verletzt worden. Wie die Feuerwehr mitteilte, wüteten die Flammen in der Gaststätte in der zweiten Etage eines zehnstöckigen Hochhauses etwa 90 Minuten lang, bevor sie unter Kontrolle gebracht werden konnten. Die Polizei schloß Brandstiftung nicht aus.
Bürgermeister Huang Ta Chou, der gemeinsam mit Ministerpräsident Hau Pei Tsun die Brandstätte besichtigte, bot unterdessen seinen Rücktritt an, da er die Verantwortung dafür trage, daß das Restaurant ohne Lizenz betrieben wurde.
KHARTUM, 19. Januar (AP). Der Militärmachthaber Sudans, Generalleutnant Omar Hassan el Beschir, hat sich von zwei einflußreichen Mitstreitern getrennt, wie am Montag abend in Khartum mitgeteilt wurde. Der Brigadegeneral Faisal Medani Muchtar, Mitglied des regierenden Revolutionären Kommandorates und auch Gesundheitsminister, wurde entlassen. Die Zahl der Mitglieder der Junta, die am 30. Juni 1989 die Macht an sich riß, hat sich damit von ursprünglich 15 auf nunmehr neun verringert.
Überraschend enthob Beschir auch den Generalmajor El Subair Mohammed Saleh, der stellvertretender Vorsitzender des Kommandorates und des Kabinetts ist, des Amtes als Innenminister. Neuer Innenminister wurde Brigadegeneral Abdul Rahim Mohammed, bisher Generalsekretär der Junta. Seit Monaten wird in Khartum spekuliert, ob Beschir seinen eigenen Übergang zu einem zivilen Herrscher vorbereite.
TALLINN, 19. Januar (AP). Aus dem vor der estnischen Hauptstadt Tallinn im Golf von Finnland gestrandeten Öltanker "Kinhu" ist auch am Dienstag noch Öl in geringen Mengen ausgelaufen. Rettungsmannschaften pumpten mit langen Schläuchen das verbliebene Rohöl in Tanks am Hafen. Nach Schätzung des stellvertretenden Direktors der Estnischen Rettungsgesellschaft, Mati Raidma, liefen 30 bis 40 Tonnen der 1500-Tonnen- Ladung bislang in die Ostsee.
Während noch am Montag Stürme mit Windgeschwindigkeiten von 100 Kilometern pro Stunde und hohe Wellen die Rettungsaktionen behindert hatten, war die Ostsee bei Tallinn am Dienstag ruhig. Momentan bestehe keine Gefahr, daß die "Kinhu" auseinanderbreche, sagte ein Besatzungsmitglied des finnischen Rettungsschiffs "Halli" der AP. Raidma hatte am Montag von der schlimmsten Ölkatastrophe in der Geschichte Estlands gesprochen, falls der Rumpf in der tobenden See zerbreche.
Der 60 Meter lange Frachter war am Samstag nur wenige hundert Meter vor der Küste auf Grund gelaufen. Eine Ursache wurde von offizieller Seite noch nicht bekanntgegeben, doch meldete der estländische Sender KUKU, der Kapitän habe seine Route abkürzen wollen.
PHNOM PENH, 19. Januar (AP/Reuter). Rebellen der kambodschanischen Roten Khmer haben am Dienstag drei seit Sonntag gefangengehaltene Friedenssoldaten der Vereinten Nationen (UN) freigelassen. In der Stadt Pailin im Westen des Landes umstellten die Roten Khmer unterdessen den Sitz der UN- Friedenstruppe, wie deren Sprecher Eric Falt mitteilte. Nach Angaben des kambodschanischen Militärs dürfen die zwölf dort stationierten Blauhelme das Gebäude nicht verlassen. Falt sagte, die Situation verschärfe sich.
Die drei freigelassenen Offiziere, zwei Briten und ein Chilene, die während eines Treffens mit Vertretern der Roten Khmer am Stoeng-Sen-Fluß in der Provinz Kompong Thom gefangengenommen worden waren, seien nach eigenen Angaben von ihren zehn bis 15 bewaffneten Bewachern gut behandelt worden, sagte Falt. Ebenfalls freigelassen wurde eine Gruppe von Blauhelmen, die über Nacht in der Provinz Kompong Cham nordöstlich von Phnom Penh festgehalten worden war. Die Roten Khmer, unter deren Regime in den 70er Jahren Hunderttausende Kambodschaner getötet wurden, haben in jüngster Zeit des öfteren Mitglieder der Friedenstruppe als Geiseln genommen. Wie Falt sagte, wird die Arbeit der UN in Pailin seit zwei Wochen behindert. Die Roten Khmer hätten den UN-Truppen an der Grenze zu Thailand am 8. Januar verboten, Versorgungsgüter auf dem Luftweg einzubringen. Rebellen hätten häufig Friedenssoldaten mit Waffen bedroht. Die Roten Khmer weigern sich, mit den UN zusammenzuarbeiten und ihre Waffen abzugeben. Der Vorsitzende des Obersten Nationalrats in Kambodscha, Prinz Norodom Sihanuk, sprach sich dennoch gegen das Ölembargo aus, das die UN gegen die Rebellenorganisation verhängt haben.
Der französische Präsident François Mitterrand will Kambodscha am 11. Februar besuchen und mit Vertretern aller Bürgerkriegsparteien zusammenkommen. Frankreich stellt innerhalb der UN- Friedenstruppe das größte Kontingent.
BONN, 19. Januar (AP). Trotz der geringfügig niedrigeren Zahl von Rauschgifttoten im vergangenen Jahr ist nach Angaben des Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Eduard Lintner, noch keine Trendumkehr bei Rauschgiften zu beobachten. "Der Drang des Rauschgiftes nach Mitteleuropa hält unverändert an", sagte Lintner am Dienstag bei der Vorlage der Rauschgiftbilanz 1992 in Bonn.
Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizeibehörden starben im vergangenen Jahr in Deutschland 2096 Menschen an Drogen. 1991 waren es 2100 gewesen. Diese "stagnierende" Zahl deute aber keine Trendwende an, warnte Lintner. Eine "Rauschgiftschwemme" sorge dafür, daß immer reineres Rauschgift zu immer niedrigeren Preisen auf den europäischen und deutschen Markt dränge und damit die Nachfrage steigere.
Nach den vorläufigen Zahlen stieg die Zahl der polizeilich registrierten Erstkonsumenten harter Drogen im vergangenen Jahr auf rund 13 000 an. Für 1991 hatte die Zahl rund 11 700 betragen, war aber nach späteren Ermittlungen deutlich gestiegen. Die Zunahme um rund 13 Prozent von 1991 zum vergangenen Jahr ging fast ausschließlich auf die Zunahme der Heroin-Konsumenten zurück, deren Zahl sich von knapp 8400 um 15 Prozent auf mehr als 9600 erhöhte.
Auch die Menge der sichergestellten Drogen stieg nach Lintners Angaben im vergangenen Jahr deutlich an. So seien mit rund 1,3 Tonnen Kokain 41 Prozent mehr und mit 105 Kilogramm Amphetaminen 28 Prozent mehr als 1991 beschlagnahmt worden. Der Umsatz der Drogenhändler werde allein in Deutschland auf 1,5 bis zwei Milliarden Mark im Jahr geschätzt.
Obwohl sich der Rostocker Überseehafen zum "Brennpunkt für Kokainzufuhren" entwickelte und dort von Juli bis November 221 Kilogramm des Rauschgifts sichergestellt wurden, habe sich die Drogenkriminalität in den neuen Bundesländern nach bisherigen Erkenntnissen langsamer als erwartet entwickelt, sagte Lintner. Im vergangenen Jahr seien drei Tote und 338 neue Erstkonsumenten harter Drogen registriert worden.
HAMBURG, 19. Januar (AP). Ein ehrlicher Finder hat am Dienstag beim Hamburger Polizeirevier 41 eine Ledertasche mit 180 000 Mark abgegeben. Wie die Polizei mitteilte, hatte ein 30 Jahre alter Angestellter einer estnischen Firma die Geldtasche kurz zuvor auf dem Parkdeck eines Supermarktes im Einkaufswagen liegenlassen. Der Finderlohn von 5420 Mark wurde sofort ausgezahlt.
Der Mitarbeiter der estnischen Firma hatte den Auftrag, bei einem Hamburger Geldinstitut 180 000 Mark abzuholen. Nachdem er das Geld abgehoben hatte, ging er zum Einkaufen in einen Supermarkt. Erst in seiner Wohnung bemerkte er den Verlust der Geldtasche. Er fuhr zum Polizeirevier 37 und bat die Beamten um Hilfe.
Noch während Polizisten in einem Streifenwagen das Parkdeck des Supermarktes absuchten, meldete das Polizeirevier 41, daß ein größerer Geldbetrag abgegeben worden war. Es war die gesuchte Geldtasche mit den 180 000 Mark.
KOBLENZ, 19. Januar (AP). Bei einer bundesweiten Razzia hat die Polizei am Dienstag eine internationale Waffenschieberbande ausgehoben, wie der leitende Koblenzer Oberstaatsanwalt Norbert Weise mitteilte. Es wurden insgesamt 36 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Die Beschuldigten, die aus Deutschland, Polen, der Ex-Sowjetunion und Kongo stammen, stehen im Verdacht, mit Panzern, Flugabwehrsystemen und Maschinengewehren gehandelt zu haben. Die seit April 1992 andauernden Ermittlungen deuten auf Verbindungen zur osteuropäischen Rüstungsindustrie hin. Auch Betäubungsmittel sollen im Spiel gewesen sein.
Nach Weises Angaben sind bei der Aktion, deren Schwerpunkt in Berlin lag, Haftbefehle gegen drei Personen vollstreckt worden. Hausdurchsuchungen habe es zudem in Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hessen gegeben.
BONN, 19. Januar (AP). Der jordanische Kronprinz Hassan Bin Talal hat Europa aufgefordert, fühlbar am Friedensprozeß im Nahen Osten teilzunehmen. Zu Bundespräsident Richard von Weizsäcker sagte der künftige König von Jordanien am Dienstag in Bonn, das Mittelmeer dürfe nicht Grenze, sondern müsse Brücke zwischen Europa und Nahost sein. Hassan hält sich auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung der SPD in Deutschland auf und war zuvor mit Bundeskanzler Helmut Kohl und Außenminister Klaus Kinkel zusammengetroffen.
In verschiedenen Fernsehsendern warf der jordanische Tronfolger den UN wegen des Angriffs auf Irak Einseitigkeit und doppelte Moral vor. In der arabischen und islamischen Welt herrsche deshalb große Frustration, Ärger und Bitterkeit. Im Falle Bosnien-Herzegowina würden die UN-Resolutionen nicht durchgesetzt, in Somalia sei sehr spät eingegriffen worden, gleiches gelte für die von Israel deportierten Palästinenser. Der Irak könne nur demokratisch werden, wenn das UN-Embargo gelockert werde.
MOGADISCHU/GENF, 19. Januar (AP). In Somalia hat am Dienstag der Abzug des ersten Kontingents der mehr als 25 000 Soldaten begonnen, die die USA in dem ostafrikanischen Land stationiert haben. Bis zum Mittwoch sollen 850 Marineinfanteristen in ihre Garnison Camp Pendleton in Kalifornien zurückkehren. Unklar ist noch, wann die USA das Militärkommando in Somalia an die UN abtreten werden. Unterdessen meldete das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) eine Verschlechterung der Sicherheitsbedingungen für Somalier in Flüchtlingslagern entlang der kenianischen Grenze.
Die 850 Mann eines Regiments der Marineinfanterie werden mit gecharterten Flugzeugen in die USA zurückgeflogen.
Nach Angaben von US-Militärs signalisiert der beginnende Truppenabzug auch, daß die USA bald schon das militärische Oberkommando den UN übergeben möchten. UN-Vertreter meinten allerdings, dieser Wechsel werde nicht so frühzeitig stattfinden, wie es sich Washington erhoffe. Auf jeden Fall werden auch nach der Kommandoübergabe noch Soldaten aus den USA in Somalia stationiert sein.
Die Sprecherin des UNHCR, Sylvana Foa, sagte in Genf, seit die internationalen Truppen zum Schutz der Hilfslieferungen in Somalia eingetroffen seien, hätten versprengte Milizen in höherem Maße Flüchtlingslager an der Grenze zu Kenia überfallen und Warenlager ausgeraubt. Allein in der vergangenen Woche seien bei solchen Überfällen 18 Menschen getötet worden. Da die Lkw-Fahrer Angst hätten, die Lager anzufahren, gingen allmählich die Vorräte aus. Auch habe das UNHCR aufgrund der Sicherheitslage seine Repatriierungsbemühungen vorübergehend einstellen müssen.
In den vier größten Flüchtlingsunterkünften entlang der Grenze leben laut Foa 160 000 Menschen. Das UN-Hochkommissariat habe bislang 4000 Somaliern zur Rückkehr in die Heimat verhelfen können, weitere 15 000 seien zur Heimkehr bereit.
BOCHUM. Der Deutsche Krimipreis 1993 ist dem deutschen Schriftsteller Bernhard Schlink für seinen Roman "Selbs Betrug" und dem Spanier Andreu Martin für "Bis daß der Mord euch scheidet" verliehen worden. Eine Jury aus Kritikern, Literaturwissenschaftlern und Buchhändlern zeichnete außerdem Martin Grzimek für seinen "Feuerfalter", das Autorenduo Leo Ard und Michael Illner für "Gemischtes Doppel", Bataya Gur für "Denn am Sabbat sollst du ruhen" sowie Jerome Charyn und dessen "Paradis Man" aus. AP
FRANKFURT A. M., 19. Januar (AP). In der Bonner Koalition bahnt sich neuer Streit um Bundeswehreinsätze außerhalb des NATO-Gebiets an. Entgegen der ablehnenden Haltung der FDP forderten der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, der CDU-Politiker Hans Sterkken, und CDU-Generalsekretär Peter Hintze, daß die deutschen Besatzungen der AWACS-Aufklärungsflugzeuge im Einsatz bleiben, falls die Vereinten Nationen das Flugverbot über Bosnien-Herzegowina mit Waffengewalt durchsetzen wollen.
Stercken sagte am Dienstag im Saarländischen Rundfunk, die internationale Staatengemeinschaft hätte überhaupt kein Verständnis dafür, wenn die Deutschen sich aus diesen "nicht eigentlich mit Kampfhandlungen verbundenen Aktionen" zurückzögen. CDU-Generalsekretär Hintze sagte der in Bielefeld erscheinenden Neuen Westfälischen, es sei "das politische und moralische Mindestgebot", daß sich deutsche Soldaten weiter an den AWACS-Flügen beteiligten.
WASHINGTON/MOSKAU, 19. Januar (AP/Reuter/dpa). Die USA stoßen mit ihren Angriffen auf Irak auf wachsenden Widerspruch. Dennoch attackierten US- Kampfflugzeuge am Dienstag erneut zwei Ziele in in der Flugverbotszone im Kurdengebiet Nordiraks mit Raketen und Splitterbomben. Wie ein Beamter des Verteidigungsministeriums in Washington mitteilte, feuerte der Pilot eines Kampfflugzeugs eine Rakete auf eine Stellung für Boden-Luft-Raketen ab, deren Radargerät ihn ins Ziel genommen habe. Drei Stunden später sei eine Splitterbombe auf eine Geschützstellung der Iraker abgeworfen worden, aus der eine Maschine zuvor beschossen worden sei.
Am Montag hatten die USA, Großbritannien und Frankreich mit Kampfflugzeugen Ziele im Norden und Süden Iraks angegriffen. Amtlichen irakischen Angaben zufolge kamen dabei über 20 Menschen ums Leben. Insgesamt seien bei den alliierten Bomben- und Raketenangriffen seit der vergangenen Woche 43 Menschen getötet und mindestens 45 verwundet worden.
Der Chefsprecher des russischen Außenministeriums, Sergej Jastrschembski, sagte am Dienstag, die Reaktion der Verbündeten auf die Verstöße Iraks gegen UN-Resolutionen habe in keinem Verhältnis zum Fehlverhalten der Iraker gestanden. Rußland hatte Washington am Montag aufgefordert, nicht mehr ohne ausdrückliche Zustimmung des UN-Sicherheitsrates zu handeln. In einer formellen Note des Moskauer Außenministers Andrej Kosyrew an seinen US-Kollegen Lawrence Eagleburger wurden massive Vorbehalte gegen das Vorgehen der westlichen Golfkriegsverbündeten geltend gemacht. In der Note heißt es laut Nachrichtenagentur Itar-Tass, der Schlüssel für eine Normalisierung liege in Bagdad, das wiederholte Warnungen mißachtet habe. Auf Antrag Rußlands setzte der Sicherheitsrat für Dienstagnacht (MEZ) eine Sitzung hinter verschlossenen Türen an.
Das Moskauer Außenministerium wies mit "besonderem Bedauern" darauf hin, daß bei den jüngsten Luftangriffen auch Zivilisten umgekommen seien. Den USA wurde ferner bedeutet, Moskau lege "größten Wert" auf die Sicherheit der in Bagdad lebenden und arbeitenden Russen - deren Zahl auf 60 geschätzt wird. Itar-Tass zufolge hatte Kosyrew mit den Außenministern der meisten arabischen Staaten in der Region am Persischen Golf - außer dem irakischen - telefoniert und dabei Zustimmung für seine Haltung gefunden.
Der saudi-arabische König Fahd, von dessen Land aus die Angriffe gegen Südirak gestartet werden, ließ anklingen, daß er zweierlei Maß bei der Durchsetzung von UN-Resolutionen mißbillige. Alle UN- Entschließungen müßten respektiert werden, "ob sie nun die Lage am Golf oder die Sache der Palästinenser oder diejenige der Nation von Bosnien-Herzegowina betreffen", schrieb Fahd in einer Stellungnahme.
Am Dienstag abend kündigte Irak einen einseitigen Waffenstillstand für die Flugverbotszonen im Norden und Süden des Landes an. Der regierende Revolutionäre Kommandorat unter Vorsitz von Präsident Saddam Hussein erklärte, es werde wegen der Amtseinführung von US-Präsident Bill Clinton am Mittwoch keine weiteren Angriffe auf amerikanische, britische oder französische Flugzeuge geben. Die Waffenruhe trete um 08.00 Uhr (Ortszeit) am Mittwoch in Kraft. Dies sei "eine Geste des guten Willens an die Regierung Clinton und das amerikanische Volk".
Ein Sprecher Clintons sagte in Washington, Iraks Angebot eines Waffenstillstands in Bezug auf die Flugzeuge der Alliierten reiche nicht aus. Man erwarte die volle Einhaltung "aller Vorschriften der UN-(Waffenstillstands-)Resolutionen", sagte Clintons Mitarbeiter George Stephanopoulos. Das sei noch nicht erreicht. Kurz zuvor hatte Abdul Dschaber Mochsen, der Pressechef Husseins, Clinton in einem offenen Brief aufgefordert, ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen beiden Ländern aufzuschlagen. Irak sei kein Feind der USA und wolle auch keiner sein, heißt es in dem Brief.
Der Vatikan erklärte sich bereit, auf Wunsch Iraks bei den UN zu intervenieren, um Verhandlungen über eine Beendigung der Militärschläge der Golf- Kriegsalliierten zu ermöglichen.
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PALE, 19. Januar (AP/dpa). Der bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic hat in Pale bei Sarajewo den Moslems Kriegstreiberei vorgeworfen. Unmittelbar vor Beginn der entscheidenden Beratungen der Serben über den Friedensplan für Bosnien sagte Karadzic, die Moslems wollten dadurch eine internationale Intervention in Bosnien-Herzegowina provozieren.
Die als Parlament bezeichnete Versammlung der bosnischen Serben beriet am Dienstag über den in Genf ausgehandelten Friedensplan von EG und UN. Eine Entscheidung lag bis Redaktionsschluß noch nicht vor. Die EG hatte dem Parlament eine Frist bis Mitternacht gesetzt, den Plan anzunehmen. Er sieht vor, Bosnien in zehn weitgehend autonome Provinzen zu gliedern, die Republik aber als Einheit zu erhalten. Im Weigerungsfall will die EG der UN die völlige Isolierung Serbiens vorschlagen. Die Jugoslawien-Vermittler Cyrus Vance und Lord Owen verlangten nach Angaben aus informierten Kreisen die bedingungslose Zustimmung zum Genfer Friedensplan. Rußland warnte die Serben davor, den Friedensplan abzulehnen.
Karadzic hatte in Genf dem Plan zugestimmt und für den Fall eines Scheiterns seinen Rücktritt angekündigt. Dagegen sieht seine Stellvertreterin Biljana Plavsic in dem Papier einen "Verrat an der serbischen Sache". Eine Annahme des Plans schien unter der Bedingung möglich, daß die Serben die Kontrolle über einen Korridor Bosniens erhalten, der für den Zugang zu ihrer Bastion in Banja Luka im Westen sowie zu den Serbengebieten in Kroatien von Bedeutung ist.
Der als Parlamentspräsident bezeichnete Serbenfunktionär Momcilo Krajisnik meinte: "Die Abgeordneten werden nichts annehmen, was unseren strategischen Zielen im Wege steht." Dazu gehört laut Krajisnik die "Freiheit, unseren eigenen Staat zu etablieren und die Serben in der Region miteinander zu verbinden".
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DRESDEN, 19. Januar (AP). Grobe Fahrlässigkeit bei der Reparatur der hauseigenen Feuerlöschanlage hat laut Angaben des sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf zu dem folgenschweren Gasunfall vorige Woche in der Gemäldegalerie des Dresdner Zwingers geführt. Dabei erlitten zwölf Mitarbeiter zum Teil lebensgefährliche Kohlendioxidvergiftungen. Zwei von ihnen hätten am Dienstag noch im Koma gelegen und trügen zumindest bleibende schwere Schäden davon, sagte Regierungssprecher Michael Sagurna der AP.
Laut Angaben Biedenkopfs verschuldeten Arbeiter einer Kölner Firma den Unfall. Mit der Wartung einer Feuerlöschanlage im Keller der Galerie beauftragt, hätten sie 5000 Kilogramm CO2 aus einem Tank in einen nicht abgedichteten Deponieraum abgelassen, anstatt das Gas vorschriftsgemäß in einen Auffangtank abzupumpen. Die Galerieleitung hätten sie davon nicht einmal informiert. Schwerer als Luft und fast geruchlos, habe sich das CO2 unbemerkt in den Kellerräumen ausgebreitet und die dort arbeitenden Galeriemitarbeiter vergiftet.
Aufgespießt
"Die CDU ist eigentlich keine Programmpartei. Mit Programmen werden in der Union für gewöhnlich diejenigen beschäftigt, die man damit gern beschäftigt sehen möchte, damit sie ansonsten kein Unheil anrichten." Der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) über die GrundsatzprogrammKommission der Partei.
WIESBADEN, 19. Januar (AP). Das hessische Landeskabinett hat sich am Dienstag auf Eckpunkte für ein Gleichberechtigungsgesetz verständigt. Wie Regierungssprecher Erich Stather in Wiesbaden mitteilte, stimmten die Ressortchefs der rot-grünen Koalition dem von Frauenministerin Heide Pfarr vorgelegten Papier einhellig zu.
Das hessische Gleichberechtigungsgesetz soll für rund 400 000 Beschäftigte gelten. Ziel ist es, über verbindliche Frauenförderpläne eine gleichgewichtige Teilhabe von Männern und Frauen an Berufen im öffentlichen Dienst zu erreichen. In den Förderplänen soll festgeschrieben werden, daß mehr als die Hälfte der offen werdenden Stellen mit Frauen besetzt werden müssen. Ausnahmen sind nur möglich, wenn sich nicht genügend qualifizierte Frauen bewerben oder die Tätigkeit nur von einem Mann ausgeübt werden kann.
POTSDAM, 19. Januar (AP). Nach der Zustimmung Berlins zur Länderehe mit Brandenburg hat jetzt auch das Potsdamer Kabinett nach den Worten von Ministerpräsident Manfred Stolpe sein Ja- Wort gegeben. Allerdings fiel die Entscheidung am Dienstag abend in Potsdam im Gegensatz zu der im Berliner Senat nicht einstimmig. Die zwei Minister von Bündnis 90 machten ihre Ankündigung wahr und stimmten in einem wesentlichen Punkt gegen die Vereinigungspläne. Auf den zunächst erwogenen Koalitionsvorbehalt, der einem Veto gleichkommt und die Entscheidung blockiert hätte, verzichtete Bündnis 90 aber.
"Der Weg ist frei", betonte Stolpe nach der Kabinettssitzung. Das von der gemeinsamen Regierungskommission nach einjähriger Beratungszeit im Dezember veröffentlichte Empfehlungspapier, das die Länderfusion bis Ende 1999 befürwortet, kann nun den Parlamenten zugeleitet werden.
. . . und außerdem Student ist in einen Delphin verliebt
Ein Schwimmer treibt in den rauhen Wogen vor der französischen Atlantikküste. Plötzlich taucht ein dunkelgrauer Körper pfeilschnell neben ihm auf, eine spitze Flosse ragt aus dem Wasser und umrundet den im fremden Element unbeholfenen Menschen. Ein Hai? Keine Angst, nur ein neugieriger Delphin. "Ich war von Anfang an wie verzaubert von diesem Wesen", berichtet Kai von Tettenborn von seiner ersten Begegnung mit einem freilebenden Delphin.
Der 28jährige Student der Mainzer Universität lernte das Delphin-Weibchen Jean-Louise vor sechs Jahren in einer kleinen Bucht in der Bretagne kennen. "Ich habe mich wirklich in sie verliebt", beschreibt Kai seine Gefühle. Ihm ist die Begeisterung ins Gesicht geschrieben, wenn er von den Meeressäugern aus der Familie der Zahnwale spricht. Er sammelt alle erreichbaren Informationen über sie, verschlingt wissenschaftliche Fachliteratur und Esoterisches zum Thema und hält inzwischen schon Vorträge über die Kommunikation mit Delphinen.
"Es ist so, als schaue der Delphin direkt in mich hinein und reagiere entsprechend meiner Gemütsverfassung", erzählt er und erläutert: Delphine haben ein Biosonar, mit dem sie die Größe und das Material von Gegenständen wie mit einem Echolot erfassen können, bei Lebewesen angeblich sogar deren Krankheiten und Schmerzen fühlen. Sie spüren einen aufgeregten Herzschlag des menschlichen Schwimmers sofort und bemühen sich, den Landbewohner nicht unnötig zu erschrecken. "Einmal war ich ganz traurig. Da kam Jean-Louise und jonglierte vor mir von Flosse zu Flosse mit einem zerknüllten Papiertaschentuch. Das sah witzig aus und brachte mich zum Lachen."
Aus seiner Bewunderung macht Kai von Tettenborn kein Hehl: Die Meeressäuger entwickelten sich Jahrmillionen vor den Menschen und erreichten ebenfalls ein intelligentes Bewußtsein mit einer eigenen Sprache. Die Wale, zu denen die Delphine gehören, kommunizieren miteinander. Kais Schlußfolgerung: Delphine sind für ihn die erste außerirdische Intelligenz, die der Landbewohner Mensch kennengelernt habe. Früher, als noch nicht so viele lärmende Schiffsschrauben durch die Meere pflügten, konnten sich die Wale rund um die Erde verständigen.
Doch ist es nicht gelungen, mit ihnen zu reden, obwohl die Tiere scheinbar versuchten, Wissenschaftlern ihre Quiek- Laute beibringen zu wollen. Forscher erzählen sich diese Anekdote über ihre Lehrmethode: Eine Versuchsperson ließ sich für eine Videoaufzeichnung von zwei Delphinen retten, indem sie ins Wasser sprang und um Hilfe rief. Die Delphine kamen ihr tatsächlich zu Hilfe. Doch weil der Objektivdeckel noch vor der Kamera saß, mußte die Aufnahme wiederholt werden. Dem erneut vorgeblich Ertrinkenden verabreichten die Delphine eine Tracht Prügel mit der Schwanzflosse, offensichtlich, weil er ein Notsignal mißbraucht hatte.
Wale sind soziale Wesen. Sie bleiben bei verletzten, kranken oder sterbenden Artgenossen und folgen ihrem Leittier auch bis in den Tod auf flachem Strand. Weil soziales Verhalten höher einzuschätzen sei als das darwinistische Überleben des Stärkeren, könnten die Menschen von den Delphinen lernen, findet Kai von Tettenborn. So wie er sich bei seiner Begegnung mit Jean-Louise angenommen, geliebt und glücklich gefühlt habe, so könnte die Menschheit aus der Verständigung mit den Delphinen ein weltumspannendes Bewußtsein erlangen.
Esoterische Spinnereien? Ist nicht die Verständigung der Menschen untereinander schon schwierig genug? Und dann noch mit Delphinen? In diesem Sommer fuhren Kai von Tettenborn und seine Frau Jutta eigens nach Irland, um den Delphin Fungi zu besuchen. Das freilebende Tier sucht dort seit einiger Zeit Kontakt zu Menschen und sorgt mittlerweile für erheblichen Touristenrummel. Zurückhaltender wurde Fungi erst, als ein Taucher versuchte, ihm einen Fisch in die Atemöffnung zu stopfen.
MICHAEL PÖRTNER (dpa)
BERLIN, 19. Januar (dpa/ulf). Die Verhandlungen über eine Revision der im Frühjahr 1991 vereinbarten Tarifverträge für die ostdeutsche Metall- und Elektroindustrie sind festgefahren. Die IG Metall gab sich in ersten Gesprächen über eine von den Arbeitgebern angestrebte Abkehr vom vereinbarten Stufenplan zur Lohnangleichung kompromißlos.
Unterschiedlich war nur die Dauer der Gespräche in den Tarifbezirken: In Thüringen schenkten sich beide Sei- ten knapp zwei Stunden Gehör. In Mecklenburg-Vorpommern wurden die Gespräche nach einer Stunde vertagt, in Berlin/Brandenburg nach eineinviertel Stunden.
Die Argumente beider Seiten sind bekannt. Nach Ansicht der Arbeitgeber verkraften die meisten der noch rund 2800 Betriebe keine Erhöhung der Löhne zum 1. April um durchschnittlich 26 Prozent auf 82 Prozent der Westtarife. Weiteren 70 000 Arbeitnehmern drohe die Entlassung, sagen sie. Die Zahl der Arbeitsplätze sei seit 1989 um mehr als eine Million auf rund 400 000 zurückgegangen. Finanzierbar wäre maximal ein Inflationsausgleich von neun Prozent. Für viele Betriebe sei selbst dies zu hoch.
Die IG Metall räumt wirtschaftliche Probleme der Betriebe ein. Sie pocht jedoch darauf, daß nicht die Löhne daran schuld seien, sondern fehlende Absatzförderung und Sanierung. Überdies lägen die Einkommen im Osten real bei nur 52 Prozent des West-Niveaus. Es sei notwendig, die Wirtschaftspolitik zu ändern, nicht die Tarifverträge. Sollten Betriebe durch die Tarife in Schwierigkeiten geraten, seien Lohn- oder Absatz-Subventionen erforderlich.
Für die zweite Runde Ende Januar signalisiert die IG Metall Härte. Eine Einigung sei auch über ein dann folgendes Schlichtungsverfahren nicht zu erwarten. Der 2. Vorsitzende der IG Metall, Klaus Zwickel, sagte in Frankfurt/Main, bei den Revisionsgesprächen stehe die "Glaubwürdigkeit" seiner Organisation auf dem Spiel. Die Arbeitgeber verfolgten ein politisch-strategisches Ziel: Sie wollten im Osten vorführen, daß man Tarifverträge revidieren könne. Dann wäre ihre Verbindlichkeit nicht mehr zu garantieren.
Aus dem Arbeitgeberverband auszutreten, würde den einzelnen Unternehmen kaum etwas nützen, da sie bis 1994 an den Tarifvertrag gebunden sind. Ein Unterlaufen der Vereinbarungen bedarf der Zustimmung der Arbeitnehmer in den jeweiligen Betrieben. Warnstreik der HBV in Chemnitz
ulf FRANKFURT A. M. Rund 150 Arbeitnehmer der Allianz-Versicherung in Chemnitz traten am Dienstag in einen dreistündigen Warnstreik. Damit bekräftigten sie die Forderung der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), die Tarife im ostdeutschen Versicherungsgewerbe von jetzt 75 Prozent des westdeutschen Niveaus rückwirkend zum 1. Dezember auf 90 Prozent anzuheben. Die Arbeitgeber hatten lediglich 8,4 Prozent mehr angeboten. Außerdem fordert die HBV, die Arbeitszeit von jetzt 40 auf 38 Stunden pro Woche zu verkürzen.Moslems und Kroaten legen Konflikt bei
SARAJEWO / ZAGREB, 19. Januar (dpa/AFP/Reuter). Moslemische und kroatische Truppen haben in der zentralbosnischen Stadt Gornji Vakuf ihre Kämpfe gegeneinander beendet. Der Konflikt war in der vergangenen Woche ausgebrochen, nachdem sowohl Moslems als auch Kroaten Anspruch auf die alleinige Kontrolle der Stadt erhoben hatten. Wie der kroatische Rundfunk am Dienstag morgen berichtete, legten "moslemische Extremisten" in der Nacht offenbar die Waffen nieder.
In einer Fernsehansprache hatte der bosnische Präsident Alija Izetbegovic noch am Montag abend eine "neue Aggression" gegen sein Land angeprangert. Diese gehe diesmal nicht von den Serben, sondern von den Kroaten aus, sagte Izetbegovic angesichts der Kämpfe in Gornji- Vakuf, 130 Kilometer westlich von Sarajewo. Er bezeichnete diese Kämpfe als das "schönste Geschenk" für die Serben. Izetbegovic warf der Regierung Kroatiens vor, sie sei an diesen Kämpfen beteiligt und warnte, er werde den UN- Sicherheitsrat anrufen, falls sich diese "Aggression" fortsetze.
Die bosnische Armee und der kroatische Verteidigungsrat hatten im Herbst ein offizielles Bündnis gegen die Serben geschlossen. Dieses Abkommen wurde zwar im allgemeinen eingehalten, jedoch kam es in den von den Kroaten beherrschten Gebieten gelegentlich zu Verstößen gegen die Bündnisvereinbarung.
Die bosnischen Serben wollen am heutigen Dienstag in einer Sitzung ihres "Parlaments" in Pale bei Sarajewo über den Genfer Friedensplan für Bosnien- Herzegowina abstimmen. Der Präsident der Serben-Republik, Radovan Karadzic, hat angekündigt, daß er bei einer Ablehnung durch das Parlament zurücktreten will. Der Friedensplan war von den Jugoslawien-Vermittlern Lord Owen und Cyrus Vance ausgearbeitet und von Karadzic am Dienstag voriger Woche in Genf nach zähen Verhandlungen gebilligt worden. Die Vertreter der bosnischen Kroaten und der Moslems hatten dem Plan bereits früher im Grundsatz zugestimmt. Er sieht die Einteilung Bosniens in zehn weitgehend autonome Provinzen unter einer von den drei Volksgruppen gemeinsam gestellten Regierung vor. Aus Ostbosnien wurden schwere Kämpfe gemeldet, die auch in der Nacht zum Dienstag hohe Verluste gefordert hatten. Nach Angaben des bosnischen Rundfunks wurden allein in der Umgebung von Zvornik an der Grenze zu Rest-Jugoslawien mindestens 73 Menschen bei ununterbrochenen Angriffen serbischer Truppen getötet.
Die Behörden der seit Monaten von serbischen Truppen belagerten ostbosnischen Stadt Srebrenica baten UN-Generalsekretär Butros Butros-Ghali um Hilfe. In dem am Dienstag von der Zagreber Zeitung Vecernji List veröffentlichten Schreiben an Butros-Ghali wurde die sofortige Entsendung von Friedenstruppen der Vereinten Nationen in den Osten Bosniens zur Unterbindung der ständigen serbischen Angriffe gefordert.
Ghali wurde in dem Schreiben auf die hohen Verluste unter der Zivilbevölkerung aufmerksam gemacht. Innerhalb von 24 Stunden seien 108 Menschen ums Leben gekommen, darunter 62 Kinder. Zudem seien 27 Einwohner in Folge von Hunger und Kälte gestorben.
Der kroatische Präsident Franjo Tudjman erklärte unterdessen erstmals öffentlich seine Bereitschaft, unter bestimmten Voraussetzungen einer Verlängerung der Stationierungsfrist für die nach Kroatien entsandten UN-Friedenstruppen (UNPROFOR) zuzustimmen. Kroatien sei bereit, "die Möglichkeit einer Erneuerung des Mandats" der UNPROFOR zu prüfen, sagte Tudjman. Das Mandat der in Kroatien stationierten 14 000 Blauhelm-Soldaten läuft am 28. Februar aus. Die UN-Truppen waren nach dem Waffenstillstand nach Kroatien entsandt worden, der am 3. Januar 1992 den Krieg zwischen Serbien und Kroatien beendet hatte.
Tudjman hatte mehrfach gedroht, die Verlängerung des Mandats der UNPROFOR zu verweigern. Er hatte den UN- Truppen vor allem vorgeworfen, sie erfüllten nicht ihre durch den UN-Friedensplan festgelegten Aufgaben, für eine Wiedereinsetzung der kroatischen Behörden in den noch serbisch kontrollierten Gebieten sowie für die Rückführung von Flüchtlingen zu sorgen.
SARAJEWO, 19. Januar (Reuter/AP/ dpa/AFP). Bosniens moslemischer Präsident Alija Izetbegovic hat den Kroaten "Aggression" gegen sein Land vorgeworfen. Izetbegovic forderte am Dienstag in Radio Sarajewo den bisherigen Bündnispartner auf, die Angriffe auf bosnische Armee-Einheiten in der Republik einzustellen. Die im Kampf gegen die Serben verbündeten Kroaten und Moslems hatten sich in den vergangenen Tagen Kämpfe in der bosnischen Stadt Gornji Vakuf geliefert. Die Gefechte flauten nach Agenturmeldungen am Dienstag ab.
Izetbegovic sagte, seine Regierung erwäge, beim UN-Sicherheitsrat Protest gegen die "neue Aggression parallel zu der serbischen Aggression" einzulegen. Jugoslawien-Vermittler Lord Owen schlug ein Treffen beider Seiten vor, um den Konflikt zu beenden.
Die Behörden der seit Monaten von Serben belagerten ostbosnischen Stadt Srebrenica baten UN-Generalsekretär Butros Butros-Ghali um die Entsendung von UN-Soldaten. In einem am Dienstag von der Zagreber Zeitung Vecernji List veröffentlichten Schreiben an Butros Butros-Ghali hieß es, innerhalb von 24 Stunden seien 108 Menschen ums Leben gekommen, darunter 62 Kinder. 27 Einwohner seien an Hunger und Kälte gestorben.
Die medizinische Versorgung in dem von Serben eingeschlossenen Zepa in Ostbosnien ist nach Ansicht des UN- Flüchtlingsexperten Larry Hollingworth erschreckend. Hollingworth kehrte mit einem UN-Versorgungskonvoi aus dem Ort zurück, der erstmals von Serben nach Zepa durchgelassen worden war. Die Ärzte verfügten über keine Medikamente mehr, Amputationen müßten ohne Betäubungsmittel vorgenommen werden, berichtete er. Die Ernährungslage sei etwa mit der in Sarajewo vergleichbar. Beweise für ein Massensterben wegen Hungers und Kälte habe er nicht entdeckt.
Die EG will in den kommenden zwei Monaten rund 325 000 Care-Pakete mit Nahrungsmitteln an Kriegsflüchtlinge in Serbien und Montenegro verteilen.
TALLINN, 19. Januar (dpa). Taucher haben in der Nacht zum Dienstag ein Leck in dem vor dem Hafen von Tallinn gestrandeten Öltanker "Kihnu" vorläufig abgedichtet. Wie das Seefahrtsamt in Helsinki am Dienstag mitteilte, soll im Tagesverlauf außerdem versucht werden, die 1500 Tonnen Öl aus dem vom Auseinanderbrechen bedrohten Tanker über eine 600 Meter lange Leitung an Land abzupumpen. Bisher sind nach Schätzungen etwa fünfzig Tonnen Öl ausgelaufen. Die Bergungsarbeiten wurden weiter von stürmischen Winden behindert. Der estnische Tanker war bereits am Samstag auf Grund gelaufen.
Daviscup
Boris Becker
verzichtet
MELBOURNE / HAMBURG, 19. Januar (dpa). Boris Becker wird in diesem Jahr nicht im Daviscup spielen. Daviscup- Teamchef Niki Pilic bestätigte am Dienstag, daß ihm Becker am Samstag telefonisch seinen Teilnahmeverzicht mitgeteilt habe.
"Ich denke, seine Entscheidung gilt nicht nur für das erste Spiel, sondern für das ganze Jahr", sagte Pilic, dessen Team in der ersten Runde vom 26. bis 28. März gegen Rußland antritt.
Becker begründete seine Absage damit, daß er sich voll und ganz darauf konzentrieren wolle, wieder Nummer eins der Weltrangliste zu werden. Ohne Becker sind die deutschen Chancen rapide gesunken, die Mannschafts-Weltmeisterschaft zum dritten Male nach 1988 und 1989 zu gewinnen.
Steffi Graf hat bei den Internationalen Tennismeisterschaften von Australien mühelos die zweite Runde erreicht. Die Weltranglistenzweite gewann am Dienstag in Melbourne gegen die Französin Nathalie Herreman mit 6:2, 6:1.
SÖMMERDA, 19. Januar (dpa). Ein 16jähriger Schüler hat in der Kantine einer Berufsschule bei Sömmerda in Thüringen einer Klassenkameradin eine Schreckschußpistole an die Schläfe gehalten und abgedrückt. Die 15jährige wurde verletzt und mußte zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden, wie die Polizei am Dienstag berichtete. Warum der 16jährige auf das Mädchen geschossen hatte, war bislang noch unklar.
MOSKAU, 19. Januar (dpa). Russischen Unternehmergeist beweist ein kleiner Moskauer Handwerksbetrieb, der ausgediente Flugzeugsessel zu Komfort-Klos umbaut. Die Jugendzeitung Moskowski Komsomolez berichtete am Dienstag, dank der verstellbaren Rückenlehne sei diese Toilette außergewöhnlich bequem. Laut Angaben des Herstellers gibt es allerdings Schwierigkeiten bei der Vermarktung: Die Handarbeit zum stolzen Preis von 50 000 bis 100 000 Rubel (184 bis 368 Mark) übersteigt das monatliche Durchschnittseinkommen einer vierköpfigen Familie um das Vier- bis Siebenfache.Steffi-Power macht Seles sauer! Neue "Grunz-Affäre" um Seles / Damen in Runde zwei / Edbergs Geburtstagsständchen Von den Mitgliedern der 10a des Gymnasiums Gernsheim
MELBOURNE (dpa). Begleitet von einer zehnköpfigen deutschen Damen- Riege folgte Steffi Graf ihrer Rivalin Monica Seles im Gleichschritt in die zweite Runde der Australien Open. Doch im Gegensatz zu der gebürtigen Jugoslawin konte die Weltranglisten-Zweite aus Brühl am Dienstag im Flinders Park von Melbourne bei ihrem 6:2, 6:1 über die französische Qualifikantin Nathalie Herreman deutliche Sympathiepunkte verbuchen. Steffi Grafs 54minütiger Vortrag wurde von den 11 000 Zuschauern mit starkem Beifall begleitet.
Sorgte am ersten Tag Boris Becker mit seinem Scheitern für die Schlagzeilen, so wurde am Dienstag Ivan Lendl ein prominentes Opfer. Der 32 Jahre alte Neu- Amerikaner und zweifache Melbourne- Titelträger erlitt, kaum wiederhergestellt von einer Leistenverletzung, mit 4:6, 4:6, 6:2, 4:6 einen nicht überraschenden Erstrunden-K.o. Und wie am Vortag Anders Jarryd war es mit Christian Bergström erneut ein Schwede, der mit seinem Erfolg das Turnier aus seiner Routine riß. Ansonsten setzten sich am Dienstag durchweg wieder die Großen durch. Auch Bergströms Landsmann Stefan Edberg, der seinen 27. Geburtstag auf dem Centre Court mit einem standesgemäßen Dreisatz-Sieg über den Mexikaner Leonardo Lavalle beging und von Schweden-Fans mit "Hoch soll er leben" gefeiert wurde.
Steffi Graf war gegen Nathalie Herreman froh, daß ihre Gegnerin wenigstens ab und zu einen vernünftigen Ball übers Netz brachte. Immer wieder versuchte sich die Brühlerin am Netz. Diese Übung wird sie vorausssichtlich auch in der zweiten Runde gegen die Weltranglisten-130. aus den USA, Jennifer Santrock, fortsetzen können. Auf jeden Fall vermittelte die "Gräfin" den Eindruck einer Spielerin, die es in ihrem ersten offiziellen Match nach ihrem Masters-Debakel gegen Lori McNeil und ihrer Vorjahres- Pause bei den Australien Open aller Welt wieder einmal zeigen wollte. Mit Spannung dürfte auch noch ihr erster gemeinsamer Doppel-Auftritt mit Jennifer Capriati (USA) erwartet werden, gegen die sie in Barcelona das Olympia-Endspiel verloren hatte.
"Ausgesprochen erfreulich" fand Federationcup-Kapitän Klaus Hofsäß die Bilanz der deutschen Damen. Zehn von elf eine Runde weiter, das hat es bei einem Grand Slam-Turnier noch nie gegeben. Am zweiten Tag qualifizierten sich noch Meike Babel (Neu-Isenburg), Barbara Rittner (Leverkusen), Sabine Hack (München) sowie die drei Heidelbergerinnen Claudia Porwik, Veronika Martinek und Anke Huber für Runde zwei.
Bei den Herren schafften noch der Neu-Deutsche David Prinosil (Amberg), Marc Goellner (Neuss) und Bernd Karbacher (München) den Sprung unter die letzten 64. Dagegen kam für Patrik Kühnen (Mannheim) sowie Karsten Braasch (Hagen) das Aus gleich zu Beginn. Damit haben fünf von zwölf gestarteten deutschen Herren die erste Runde überstanden. Carl-Uwe Steeb (Stuttgart) spielte am Abend noch gegen Pete Sampras (USA).
Indessen zeichnet sich um Monica Seles eine neue "Grunz-Affäre" ab. Bei ihrem 6:1, 6:2 zum Auftakt über die Italienerin Gloria Pizzichini in 53 Minuten hatten größere Teile der Zuschauer erstmals das Stöhnen der 19 Jahre alten Titelverteidigerin bei jedem ihrer Schläge im Chor imitiert, was Monica Seles irritierte und Australiens Zeitungen am Dienstag nicht ohne Vergnügen berichteten.
Monica Seles fand es "lustig", daß ein Teil der Zuschauer ihr Gegrunze mit einem kollektive Gestöhn begleitete. Doch sollte das Beispiel Schule machen, und einige Zeitungen fordern durch die Art ihrer Berichterstattung geradezu dazu auf, dann wird die gegenwärtig weltbeste Spielerin nur noch wenig Spaß im Flinders Park haben. Beim letzten Wimbledon-Turnier wurden die Laute der Monica Seles mit einem "Grunzometer" gemessen. Das Ende vom Lied war eine entnervte junge Frau, die beim Finale gegen Steffi Graf auf jeden Urlaut verzichtete - und unheimlich, still und leise "unterging". Achtung: Folgt 2. Zusammenfassung nach dem Match Steeb - Sampras Blockade in Gorleben Protest gegen Atommüll
GORLEBEN, 19. Januar (dpa/AP). Rund 400 Demonstranten blockierten am Dienstag vormittag aus Protest gegen einen Atommülltransport die Zufahrtsstraße zum atomaren Zwischenlager bei Gorleben in Niedersachsen.
Die Kundgebungsteilnehmer bauten Barrikaden aus Bruchholz, Buschwerk, Verkehrsschildern sowie Leitpfählen und zündeten einige von ihnen an. Die Zahl der demonstrierenden Atomkraftgegner nimmt ständig weiter zu. Vor den zwei Einfahrtstoren des Zwischenlagers haben sich rund 200 Polizisten postiert.
Demonstranten und Polizei warten auf vier Spezialtransporter mit radioaktiven Abfällen aus der belgischen Kernforschungsanlage Mol. Zwei der Lkw sollen sich auf einem Bundeswehrgelände bei Munster befinden. Eine Sprecherin der am Protest beteiligten Bürgerinitiativen kündigte eine Sitzblockade an. Auf jeden Fall solle der Widerstand gewaltlos bleiben, sagte sie.
Wie der Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums, Volker Benke, mitteilte, startete der Transport vom Atomkraftwerk Unterweser in Esensham in der Nacht um 0.48 Uhr unter starkem Polizeischutz.
Der schwach bis mittel radioaktive Atommüll, der zunächst im belgischen Mol und dann im Kernforschungszentrum Karlsruhe wiederaufbereitet worden war, war Mitte Dezember auf seinem Weg von Karlsruhe nach Gorleben wegen starker Proteste ins Kernkraftwerk Unterweser umgeleitet worden.
Die niedersächsische Landesregierung hält die Einlagerung in Gorleben für "überflüssig", weil in den Atomkraftwerken ausreichend Kapazitäten vorhanden seien. Bundesumweltminister Klaus Töpfer hat jedoch eine Weisung erlassen, nach der 1200 Kubikmeter Abfälle aus Mol zurückgenommen werden müssen.
ERFURT, 19. Januar (dpa). Die thüringische Landeshauptstadt Erfurt sucht für die Sommerzeit einen Bierausrufer, der in Schenken und Biergärten für den kühlen Gerstensaft wirbt. Als Idealvorstellung schwebe der Stadt ein etwa 1,80 Meter großer Mann vor, der "wohlgenährt, urgemütlich und ein wenig musikalisch" sein sollte, sagte Michael Paak, Leiter des Fremdenverkehrsamtes, am Dienstag. In einer historischen Tracht von 1635 soll der Bierausrufer dazu beitragen, daß in Erfurt die jahrhundertealte Tradition der Bierbrauerei neu belebt wird.
HAMBURG, 19. Januar (dpa). Seine Vergangenheit hat den "Mann ohne Gedächtnis" eingeholt: Der 39jährige wurde am Montag von der Polizei in Hamburg festgenommen. Nach dem Mann wurde seit etwa 14 Tagen mit Haftbefehl gesucht, wie ein Polizeisprecher am Dienstag mitteilte. Er soll sich auf betrügerische Weise Autos verschafft haben. Der Mann hatte sich am 7. Januar in der südspanischen Stadt Malaga an die Polizei gewandt und erklärt, er sei möglicherweise Opfer eines Unfalls oder Raubüberfalls geworden und habe dabei sein Gedächtnis verloren.
Wie der Polizeisprecher weiter berichtete, war der Mann am Montag in Begleitung eines Journalisten im Hamburger Polizeipräsidium erschienen, nachdem er in Zeitungsberichten angekündigt hatte, die Behörden aufzusuchen. Dabei sei er von einem Beamten als der mit Haftbefehl Gesuchte identifiziert worden.
MÜNCHEN. Der Historiker Karl Bosl ist im Alter von 84 Jahren in München gestorben. Ein Schwerpunkt seiner Forschungen war die Geschichte Bayerns, über die er mehrere Standardwerke verfaßte. Außerdem erschienen von Bosl Studien zum mittelalterlichen Europa, zur pluralistischen Gesellschaft und zur Geschichte der böhmischen Länder. dpa
"Sudden death" und kurze Ecken FIFA will neue
Der einst konservative Internationale Fußball-Verband (FIFA) ist zur treibenden Kraft bei einer Reform der Fußball- regeln geworden. Nach der neuen Rückpaßregel, die als voller Erfolg gewertet wird, plant die FIFA weitere Neuerungen: Bei der "U 20"-Junioren-Weltmeisterschaft im kommenden März in Australien wird die bisher übliche Verlängerung von unentschiedenen Spielen durch ein "Sudden death" ersetzt. Diese Änderung wird in Hinblick auf die Weltmeisterschaft 1994 der A-Nationalmannschaften in den USA auf ihre Tauglichkeit getestet. "Die Amerikaner lieben das Elfmeterschießen nicht", begründet FIFA-Pressesprecher Guido Tognoni.
Beim im Eishockey bewährten "Sudden death" (plötzlicher Tod) folgt ab dem Viertelfinale bei einem Remis nach 90 Minuten eine Verlängerung von zweimal 15 Minuten, die jedoch sofort zu Ende ist, wenn ein Tor fällt. Falls nach 120 Minuten keine Entscheidung gefallen ist, folgt wie bisher das Elfmeterschießen. Dieser Modifizierung sollen weitere Änderungen echter Spielregeln folgen. Die Studiengruppe "Fußball 2000" der FIFA, der als Spielervertreter Rudi Völler angehört, bereitet die nächsten Experimente vor: Bei der "U 17"-Junioren-Weltmeisterschaft in Japan werden in diesem Jahr "Einstöße" ("Kick in") statt Einwürfe ausprobiert werden. Der Chef der Technischen Kommission der FIFA, Walter Gagg (Schweiz), kündigte bei einem Trainerseminar am vergangenen Wochenende in Wien an, daß auch Veränderungen des Abwehrmauerabstandes in Zukunft getestet würden. Statt neun Meter könnten statt dessen elf, zwölf oder sogar 15 Meter zum neuen Maßstab werden. Gagg sagte zudem, daß indirekte Freistöße demnächst durch direkte ersetzt werden könnten. Zudem prüfe die FIFA die Einführung von "kurzen Ecken", die vom Berührungspunkt der Strafraumlinie mit der Torauslinie ausgeführt würden.
Ein weiterer Vorschlag, Eckstöße vom Strafraumeck, also innerhalb des Feldes, auszuführen, hat selbst bei aufgeschlossenen Experten Kopfschütteln ausgelöst. Auch die Anregung, die Spielerzahl auf zehn pro Mannschaft zu reduzieren, für die sich auch Franz Beckenbauer stark machte, hat kaum Aussichten auf Realisierung. Ein anderer Beckenbauer-Vorschlag findet ebenfalls kaum Gegenliebe. Die Einführung eines Oberschiedsrichters auf der Tribüne, der strittige Spielsituationen anhand von Fernsehbildern analysieren soll, gilt als unpraktikabel.
Tatsache bleibt aber, daß die FIFA- Führung selbst überraschend progressive Vorschläge für Regel- und Wettbewerbsänderungen unterbreitet. Sepp Blatter (Schweiz), Generalsekretär des Verbandes, unterstützte den Vorstoß, die Tore zu vergrößern, damit mehr Treffer fallen. Diese Maßnahme würde jedoch erhebliche Kosten verursachen. Der DFB rechnete aus, daß allein die Umrüstung aller deutschen Fußballplätze rund 75 Millionen Mark kosten würde. dpa
Zur Person:
FELIPE GONZALEZ, spanischer Ministerpräsident, erhält in diesem Jahr als "einer der großen Motoren der europäischen Einigung" den Internationalen Karlspreis zu Aachen. Dies teilte Direktoriumssprecher Hugo Cadenbach mit. Der mit 5000 Mark dotierte Preis wird Persönlichkeiten verliehen, die sich um die Verständigung und Zusammenarbeit der Länder in Mitteleuropa verdient gemacht haben. Das Karlspreis-Direktorium sieht den 50jährigen Sozialisten als "einen wirklich überzeugten Europäer, der keine Gelegenheit ausläßt, auch im eigenen Land darauf hinzuweisen, was Europa auch für Spanien bringt und schon gebracht hat". Gonzalez wird den Preis am 20. Mai entgegennehmen. (dpa)
KARL-FRIEDRICH GROSSER, wegen Unterstützung der terroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) verurteilt, hat seine vorzeitige Haftentlassung beantragt. Dies bestätigte das baden-württembergische Justizministerium. Der 35jährige, der in der Justizvollzugsanstalt Bruchsal einsitzt, war im November 1986 wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung und wegen eines Überfalls auf zwei Geldbotinnen zu neuneinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Bundesanwaltschaft lehnte eine Stellungnahme ab. (dpa)
STRASSBURG, 19. Januar (dpa/AFP). Das Europaparlament hat vor einer ökologischen Katastrophe in der Ostsee gewarnt und einen gemeinsamen Umweltfonds verlangt, um die Meeresverschmutzung zu bekämpfen. Um zu verhindern, daß das Meer umkippt, müßten für etwa zehn Milliarden Mark rund 1200 Kläranlagen errichtet werden, hieß es in der am Dienstag in Straßburg verabschiedeten Entschließung des Umweltausschusses des EG-Parlaments. "Von den 442 000 Quadratkilometern der Ostsee ist ein Viertel biologisch tot", sagte der liberale Berichterstatter des Ausschusses, Karl Partsch. Das Meer befinde sich derzeit im Stadium "eines Brackwassermeeres mit steigendem Salzgehalt". Die Abgeordneten verlangten, die Ostsee-Fische stärker zu kontrollieren. Vergiftete Fische dürften nicht in den Handel gelangen.
In der Entschließung wird Rußland zudem aufgefordert, die EG über versenkten sowjetischen Nuklearabfall und chemische Kampfstoffe im östlichen Teil der Ostsee aufzuklären. Wegen der Korrosion der Behälter stellten diese Stoffe eine Bedrohung ungeahnten Ausmaßes dar.
In Polen, das nach Angaben von Partsch größter Verschmutzer unter den sechs Anrainerstaaten Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland und Rußland ist, fehlten 600 Kläranlagen. Zu den Verursachern der Meeresverschmutzung gehörten landwirtschaftliche Betriebe mit massiven Einleitungen von Phosphaten, Nitraten und Ammoniak.
Auch die 50 schwedischen Zellstoff-Fabriken seien für hochgiftige Einleitungen verantwortlich. Nach Ansicht des Parlaments sollte die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung Umweltschutzmaßnahmen für die Ostsee mitfinanzieren.Geld für Deutschkurse fehlt
MAINZ, 20. Januar (dpa). Die Bonner Fördermittel für Deutschkurse ausländischer Arbeitnehmer drohen nicht für das ganze Jahr zu reichen. Die in dieser Woche versandten Bewilligungsbescheide über insgesamt 30,5 Millionen Mark für rund 560 Volkshochschulen und andere Bildungseinrichtungen sicherten die Bundeszuschüsse nur bis September, sagte der Geschäftsführer des Sprachverbandes, Gerhard Fiedler, in Mainz. "Es kann sein, daß danach gar nichts mehr kommt", meint der für die Verteilung der Gelder zuständige Verbandschef.
Wegen der in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegenen Nachfrage nach Deutschkursen hätten die Bildungsträger Zuschüsse von knapp 50 Millionen Mark beantragt. Auf diese Summe müßten die Bonner Mittel mindestens aufgestockt werden, forderte Fiedler. Statt dessen liege der Ansatz 1993 um rund zehn Prozent unter den 34 Millionen Mark, die dem Verband 1992 zur Verfügung standen.
JÜRGEN FLIMM, Intendant des Hamburger Thalia-Theaters, ist jetzt ebenso wie der Schriftsteller Günter Grass aus Protest gegen den Bonner Asylkompromiß aus der SPD ausgetreten. Das bestätigte die Pressesprecherin des Theaters. Flimm war mehr als 20 Jahre SPD-Mitglied. Am 30. und 31. Januar finden im Thalia-Theater eine Konferenz und ein Konzert gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit statt. (dpa)
FRANKFURT A. M. Der Dozent und Autor Albert Hourani, ein Mittler zwischen islamischer und westlicher Welt, ist im Alter von 78 Jahren in Oxford gestorben. Er galt als ein führender Gelehrter der arabischen Welt. Seine "Geschichte der Arabischen Völker" liegt im Frankfurter S.-Fischer-Verlag vor. dpa
FRANKFURT A. M., 19. Januar. In der Dominikanischen Republik sitzen rund 40 deutsche Pauschalurlauber fest, weil ihr Reiseveranstalter Hotelrechnungen nicht voll bezahlt hat. Den Karibik-Touristen seien in ihrem Hotel in der Hauptstadt Santo Domingo am Wochenende die Pässe abgenommen worden, bestätigte das Frankfurter Unternehmen Aquarius Reisen am Dienstag. "Gewisse Summen" seien noch offen, sollten aber rasch beglichen werden. Aquarius Reisen war vor einigen Wochen in die Schlagzeilen geraten, weil sich die Fluglinie Taino Air wegen nicht voll bezahlter Tickets geweigert hatte, Kunden des Unternehmens mitfliegen zu lassen.
Mit einer Minute "Rückstand" ist Steffi Graf ihrer großen Rivalin Monica Seles in die zweite Runde der Australian Open gefolgt. Doch die Weltranglisten-Zweite aus Brühl konnte am Dienstag im Flinders Park von Melbourne bei ihrem 6:2, 6:1 über die französische Qualifikantin Nathalie Herreman deutliche Sympathiepunkte verbuchen. Steffi Grafs 54minütiger Vortrag wurde von den 11 000 Zuschauern mit starkem Beifall begleitet, wenn sie auch eine Minute länger gebraucht hatte als Seles am Vortag. Die deutschen Frauen schlossen die erste Runde mit einer blendenden Bilanz ab: Von den elf Starterinnen sind noch zehn übrig. Bei den Männern lautet die Rechnung 5:7.
Sorgte am ersten Tag Boris Becker mit seinem Scheitern für die Schlagzeilen, so wurde am Dienstag Ivan Lendl ein prominentes Opfer. Der 32 Jahre alte Neu- Amerikaner und zweifache Melbourne- Titelträger erlitt, kaum wiederhergestellt von einer Leistenverletzung, mit 4:6, 4:6, 6:2, 4:6 einen nicht überraschenden K.o. und scheiterte erstmals seit Wimbledon 1981 in der ersten Runde eines Grand Slam-Turniers. Und wie am Vortag Anders Jarryd war es mit Christian Bergström erneut ein Schwede, der mit seinem Erfolg das Turnier aus seiner Routine riß.
Ansonsten setzten sich am Dienstag durchweg die Großen durch. Das traf auch auf Pete Sampras zu. Das unglückliche Opfer des Mitfavoriten war beim 1:6, 2:6, 1:6 der Stuttgarter Carl-Uwe Steeb, der in nur 1:16 Stunden abgefertigt wurde. Stefan Edberg beging seinen 27. Geburtstag auf dem Centre Court mit dem standesgemäßen Dreisatz-Sieg über den Mexikaner Leonardo Lavalle und wurde von schwedischen Fans mit "Hoch soll er leben" gefeiert.
Indessen zeichnet sich um Monica Seles eine neue "Grunz-Affäre" ab. Bei ihrem 6:1, 6:2 zum Auftakt über die Italienerin Gloria Pizzichini hatten viele Zuschauer erstmals das Stöhnen der 19 Jahre alten Titelverteidigerin bei jedem ihrer Schläge im Chor imitiert, was Monica Seles irritierte und Australiens Zeitungen am Dienstag nicht ohne Vergnügen berichteten. Monica Seles fand es "lustig", daß ein Teil der Zuschauer ihr Gegrunze mit einem kollektiven Gestöhn begleitete. Doch sollte das Beispiel Schule machen, und einige Zeitungen fordern durch die Art ihrer Berichterstattung geradezu dazu auf, dann wird die gegenwärtig weltbeste Spielerin nur noch wenig Spaß im Flinders Park haben. Beim letzten Wimbledon-Turnier wurden die Laute der Monica Seles mit einem "Grunzometer" gemessen. Das Ende vom Lied war eine entnervte junge Frau, die beim Finale gegen Steffi Graf auf jeden Urlaut verzichtete - und unheimlich, still und leise "unterging".
Steffi Graf war gegen Nathalie Herreman froh, daß ihre Gegnerin wenigstens ab und zu einen vernünftigen Ball übers Netz brachte. Immer wieder versuchte sich die Brühlerin am Netz. Diese Übung wird sie voraussichtlich auch in der zweiten Runde gegen die Weltranglisten-130. aus den USA, Jennifer Santrock, fortsetzen können. Auf jeden Fall vermittelte Steffi Graf den Eindruck einer Spielerin, die es in ihrem ersten offiziellen Match nach ihrem Masters-Debakel gegen Lori McNeil und ihrer Vorjahres-Pause bei den Australian Open aller Welt wieder einmal zeigen wollte. Mit Spannung dürfte auch noch ihr erster gemeinsamer Doppel-Auftritt mit ihrer möglichen Viertelfinal-Gegnerin Jennifer Capriati (USA) erwartet werden, gegen die sie in Barcelona das Olympia-Endspiel verloren hatte.
"Ausgesprochen erfreulich" fand Federationcup-Kapitän Klaus Hofsäß die Bilanz der deutschen Frauen. Am zweiten Tag qualifizierten sich noch Meike Babel (Neu-Isenburg), Barbara Rittner (Leverkusen), Sabine Hack (München) sowie die drei Heidelbergerinnen Claudia Porwik, Veronika Martinek und Anke Huber für Runde zwei.
Bei den Männern schafften noch der Neu-Deutsche David Prinosil (Amberg), Marc Goellner (Neuss) und Bernd Karbacher (München) den Sprung unter die letzten 64. Dagegen kam für Patrik Kühnen (Mannheim) sowie Karsten Braasch (Hagen) das Aus. dpa
MÜNCHEN (dpa/FR). Die VW-Tochter Audi hat 1992 mehrere Rekorde aufgestellt. Erstmals wurden 16 Milliarden Mark beim Umsatz überschritten, womit ein prozentualer Zuwachs in zweistelliger Höhe herausgesprungen sein dürfte. Genaue Zahlen nennen die Ingolstädter hierzu noch nicht. Ganz im Gegensatz zur Produktion, die um reichlich neun Prozent auf 492 100 Pkw hochgeschraubt wurde, und zu den Auslieferungen an die Händler, die um knapp sechs Prozent auf 474 100 Vehikel stiegen. Dabei zog vor allem der Export an, während der Inlandsverkauf praktisch stagnierte. Völlig bedeckt hält sich das Unternehmen wiederum mit Aussagen über den Gewinn.
Das Investitionsvolumen blieb mit knapp 950 Millionen Mark im Vergleich zum vorherigen von knapp 1,1 Milliarden hoch. Die Belegschaft wurde um rund 1200 auf noch 37 160 Leute verringert. Bis Ende des Jahres ist ein weiterer Abbau angekündigt, der zwischen 3000 und 4000 Stellen kosten wird. Kurzarbeiten müssen im Augenblick 25 000 Beschäftigte.
Für das erste Halbjahr hatte Audi von einem Vorsteuer-Gewinn von 315 Millionen Mark berichtet. Der Rückgang um reichlich 13 Prozent wurde damals mit der Zunahme des ertragsschwächeren Auslandsgeschäfts erklärt.
WARSCHAU, 19. Januar (dpa). Der Staatssekretär im Bonner Innenministerium, Johannes Vöcking, hat mit Polen noch kein Übereinkommen über die Folgen der Neuregelung des Asylrechts in Deutschland erreicht. Zum Abschluß seiner fast zweitägigen Gespräche teilte er am Dienstag in Warschau mit, die Gespräche sollten in drei Wochen in Bonn fortgesetzt werden. Die deutsche Seite sei bereit, den Polen "administrative Hilfe" zu leisten. Über finanzielle Fragen sei nicht gesprochen worden. Bonn ist bestrebt, den weiteren Zustrom von Asylbewerbern über Polen zu stoppen.
Wie der stellvertretende polnische Innenminister Jerzy Zimowski betonte, plädiert Polen für eine gesamteuropäische Lösung des Problems der Wanderungsbewegung. In Polen werde befürchtet, daß das reiche Deutschland seine Probleme auf Polen abschiebt.
HAMBURG, 19. Januar (lno). Der als "Pate von St. Pauli" bekanntgewordene Reinhard "Ringo" Klemm (46) hat zugegeben, sich - allerdings erfolglos - um den Kauf größerer Mengen Kokain bemüht zu haben. Das geht aus einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung zum Auftakt des Prozesses hervor, in dem sich Klemm seit Dienstag vor dem Hamburger Landgericht wegen Drogenhandels verantworten muß.
Unter größten Sicherheitsvorkehrungen wurde die Verhandlung gegen die Hamburger Kiezgröße vor einer Großen Strafkammer eröffnet. Gemeinsam mit dem 30jährigen Heinz Bauer muß sich Klemm wegen Kokainhandels in mindestens fünf Fällen verantworten.
Klemm und Bauer wird vorgeworfen, zwischen Oktober 1991 und März 1992 mehrere Kilogramm Kokain an den Mann gebracht zu haben. Zudem soll Klemm von seinem drogensüchtigen Kiezkollegen "Joe" Marx 200 Gramm Kokain gekauft und Drogengeschäfte mit fast 60 Kilogramm "Koks" geplant haben, die jedoch nicht zustande kamen.
BERLIN. Der Berliner PDS-Abgeordnete Dieter Klein hat nach eigenen Angaben zu DDR-Zeiten seine Wohnung für konspirative Treffen des ostdeutschen Dramatikers Heiner Müller mit der Staatssicherheit zur Verfügung gestellt. Das habe er jetzt eingeräumt, nachdem die Stasi-Kontakte Müllers bekanntgeworden seien, sagte die PDS-Fraktionsvorsitzende Gesine Lötzsch. Müller, von dem eine IM-Kartei, aber bisher keine Berichtsakte in der Gauck-Behörde gefunden wurde, hat bestritten, als Inoffizieller Mitarbeiter für die Stasi tätig gewesen zu sein. Klein habe sein bisheriges Leugnen damit begründet, daß er Heiner Müller nicht habe ins Gerede bringen wollen, so Frau Lötzsch.
Sein Verhalten sei in der Fraktion auf scharfe Kritik gestoßen. Ein Antrag, ihm die Mandatsniederlegung zu empfehlen oder ihn aus der Fraktion auszuschließen, habe bei einer Klausurtagung in der vergangenen Woche keine Mehrheit gefunden; die Fraktion werde sich über das weitere Vorgehen verständigen.
Möglicherweise wird Klein, der von 1969 bis 1979 stellvertretender Intendant der Volksbühne Berlin war, als kulturpolitischer Sprecher der Fraktion abgelöst.
Der 56jährige Diplompolitologe steht seit längerem im Verdacht, seine Wohnung für konspirative Zwecke zur Verfügung gestellt zu haben. Bei der Gauck- Behörde existiert eine Karteikarte mit einer entsprechenden Eintragung. Der PDS-Parlamentarier hatte aber nach Angaben von Frau Lötzsch bisher erklärt, er wisse nicht, wie dies zustande gekommen sei.
Da der parlamentarische Ehrenrat, der die Abgeordneten im vergangenen Jahr auf eine eventuelle Stasi-Mitarbeit überprüft hatte, den tatsächlichen Sachverhalt nicht klären konnte, soll der Fall von einem Untersuchungsausschuß weiter geprüft werden. dpa
ISTANBUL, 19. Januar (dpa). Anhaltende Schneefälle, Winterstürme und Temperaturen bis zu minus 25 Grad erhöhten am Dienstag die Gefahr neuer Lawinenkatastrophen in der Türkei. Weite Teile der östlichen Bergregionen mit fast 3000 Dörfern waren am Dienstag von der Außenwelt abgeschnitten. Die Menschen mußten teilweise von Armeehubschraubern versorgt werden.
In dem nordosttürkischen Dorf Özengeli in der Provinz Bayburt kamen unter den Schneemassen, die am Montag fast 50 Häuser unter sich begraben hatten, mehr als 50 Menschen ums Leben. Wie der Provinzgouverneur von Bayburt, Erol Ugurlu, am Dienstag am Unglücksort mitteilte, werden unter den Schneemassen der Lawine noch mehrere Menschen vermißt. Der 21jährige Dorf-Imam (Vorbeter) von Üzengili, ein 15jähriger Junge sowie eine Frau überlebten 24 Stunden unter dem Schnee und sagten nach ihrer Rettung, die Lawine sei "wie ein Stück Berg" auf das Dorf niedergegangen. Dabei seien Menschen und Häuser ins Tal gedrückt worden.
Sintflutartige Regenfälle in Mexiko TIJUANA (AP). Sintflutartige Regenfälle haben im Nordwesten Mexikos große Überschwemmungen ausgelöst, denen gewaltige Erdrutsche zu folgen drohten. Rettungsdienste evakuierten am Montag in einem Wettlauf gegen die Zeit Hunderte von Einwohnern im Uferbereich des Flusses Tijuana, der in seinem südöstlichen Verlauf zum reißenden Strom geworden ist. Seit Beginn der Unwetter vor zwei Wochen sind in Mexiko mindestens 28 Menschen ums Leben gekommen, über 4400 haben ihre Behausungen verlassen. Wie am Montag gemeldet wurde, ertranken sechs Kinder und zwei Erwachsene, nachdem der Tijuana- Fluß am Samstag über die Ufer getreten war. Am Sonntag wurde die Leiche eines elfjährigen Jungen an Land geschwemmt, der am Freitag in die tosenden Fluten stürzte. Eine Mutter und ihr Sohn wollten sich vor dem Hochwasser über eine Eisenbahnbrücke retten, sprangen jedoch in ihren Tod, als sie einem ankommenden Zug ausweichen mußten.
DÜSSELDORF. Die während des vergangenen halben Jahres oft beschworene "Krise des Buchhandels" ist ausgeblieben. Der Buchhandel in den alten Bundesländern habe das Jahr 1992 sogar mit einem Umsatzplus von 4,1 Prozent abschließen können. Darauf hat der Verband der Verlage und Buchhandlungen in Nordrhein-Westfalen hingewiesen.
Die "Unkenrufe" einzelner "Kaffeesatzleser" sind nach Ansicht des NRW-Verbandsvorsitzenden Aurel Bongers ganz einfach zu erklären: Angesichts der nach schleppendem Frühjahrsverkauf noch vollen Bücher-Läger hätten die Händler bei den "außergewöhnlich frühen Bestellterminen" für die Herbst-Titel 1992 nicht so lebhaft zugegriffen.
Möglicherweise habe der Buchhandel im vergangenen Jahr auch deshalb nicht soviel von sich reden gemacht, weil es die "absoluten Renner" unter den Buchtiteln nicht gegeben habe, sagte Bongers. Der gestiegene Umsatz sei offenbar auf die immens gestiegene Zahl von Bürgern mit Abitur oder Hochschulabschluß, der "traditionellen Buchhandelsklientel", zurückzuführen. dpa
MOSKAU, 19. Januar (dpa). Die unter Bürgerkriegswirren leidende frühere Sowjetrepublik Tadschikistan hat die Vereinten Nationen angesichts der katastrophalen Lage im Land um rasche finanzielle und humanitäre Hilfe gebeten. Die Moskauer Nachrichtenagentur Itar-Tass meldete am Dienstag aus New York, die tadschikische Regierung habe den UN eine Aufstellung der Schäden des Krieges zwischen moslemischen und kommunistischen Kräften überreicht. Den Angaben zufolge hat der Konflikt bisher Schaden in Höhe von 200 Milliarden Rubel (etwa 730 Millionen Mark) angerichtet.
Die Industrieproduktion sei um 23 Prozent gesunken, die Ernte des vergangenen Jahres fast völlig vernichtet. Nach Regierungsangaben wurden rund 600 000 Quadratmeter Wohnfläche zerstört.
ARMONK (dpa/rtr/FR). Der EDV-Multi IBM hat für das vergangene Jahr einen Rekordverlust von knapp fünf Milliarden Dollar ausgewiesen. Big Blue, wie der Computerriese auch genannt wird, steckte bereits 1991 mit fast 2,9 Milliarden in den roten Zahlen. Der Konzern mußte zuletzt zudem mit rund 64,5 Milliarden ein leichtes Umsatzminus hinnehmen. In der gerade abgelaufenen Periode verbuchte er Sonderbelastungen von 11,6 Milliarden Dollar, vor allem durch den Stellen- und Kapazitätsabbau. IBM schickte 1992 nach eigenen Angaben insgesamt 40 000 Beschäftigte nach Hause. In diesem Jahr sollen weltweit weitere 25 000 Stellen gestrichen werden.
Im letzten Vierteljahr 1992 schrumpften die Erlöse um elf Prozent auf 19,6 Milliarden. Der für diesen Zeitabschnitt bilanzierte Sonderaufwand von 7,2 Milliarden sorgte für einen Nettoverlust von fast 5,5 Milliarden. Erstmals in einem Quartal entstand auch ein Betriebsverlust, und zwar von 45 Millionen Dollar.
Bei IBM Deutschland fiel der Gesamtumsatz 1992 um 6,9 Prozent auf 13,8 Milliarden Mark. Nach Angaben der Stuttgarter konnten sie das "erwirtschaftete Ergebnis im positiven Bereich" halten. Aufgrund von Kapazitätsanpassungen und außerordentlicher Vorsorge werde man aber erstmals einen Verlust ausweisen.
SÖLLINGEN, 19. Januar (dpa). Die kanadischen Streitkräfte haben nach etwa 40jähriger Anwesenheit in Europa ihre letzten 24 Kampfflugzeuge aus Deutschland abgezogen. Die Maschinen vom Typ CF 18 starteten am Dienstag vom badischen Militärflugplatz Söllingen (Kreis Rastatt) in Richtung Heimat. Auf dem Flughafen, der Ende 1993 geschlossen werden soll, waren bis zu 48 Militärjets stationiert.
BONN. Nach wochenlangem Streit haben sich die Stadt Bonn und ihr Opernintendant Gian-Carlo del Monaco über die künftige Zusammenarbeit geeinigt. Die Stadt Bonn teilte mit, del Monaco habe eine Änderung seines Vertrages unterschrieben, die "unter anderem eine bessere Steuerung der Haushaltsführung bei der Oper gewährleisten" solle.
Wegen einer Etatüberschreitung in Höhe von knapp vier Millionen Mark hatte die Stadt mit der Kündigung gedroht, als del Monaco erst vier Monate amtierte. dpa
WARSCHAU, 19. Januar (dpa). Der Ausschuß für Gesetzesinitiativen im polnischen Senat hat am Dienstag in Warschau beschlossen, der zweiten Kammer des Parlaments ein Abtreibungsverbot ohne Ausnahmen vorzuschlagen. Der Ausschuß ging damit auf den ursprünglichen, von streng katholischen Fraktionen ausgearbeiteteten Entwurf zurück, der vom Abgeordnetenhaus am 7. Januar etwas abgemildert worden war. Nach dem Entwurf des Ausschusses soll Abtreibung auch dann strafbar sein, wenn das Kind unheilbar krank zur Welt kommen wird, die Schwangerschaft von einer Vergewaltigung herrührt oder mit dem Abbruch Gesundheitsschäden für die Mutter abgewendet werden. Bestraft werden soll auch die Frau, die selbst eine Unterbrechung ihrer Schwangerschaft vornimmt. Einzige Ausnahme ist ein Eingriff zur Rettung des Lebens der Frau.
Falls der Senat dieser strengen Version des Gesetzes zustimmt, muß das Abgeordnetenhaus erneut abstimmen. Um die Verschärfungen des Senats abzuwenden, ist eine absolute Mehrheit erforderlich.
TIRANA, 19. Januar (dpa). Etwa 500 000 Albaner haben nach Berechnungen der unabhängigen Organisation "Atdheu" (Vaterland) in den letzten fünf Jahren ihre Heimat verlassen. Die meisten lebten in Griechenland, Italien, der Schweiz, Deutschland und Österreich, teilte sieam Dienstag mit. Rund 200 Albaner hätten den Versuch, das Land zu verlassen, mit dem Leben bezahlt. Das Auswanderungsministerium erklärte, man habe immer noch keine präzise Statistik, aber die Zahlen könnten stimmen. Wirtschaftsminister Genc Ruli hatte kürzlich mitgeteilt, daß die Auslandsalbaner jährlich Devisen im Wert von 400 Millionen Dollar an ihre Angehörigen in Albanien schickten.
ROTHENBURG, 20. Januar (dpa). Der bayerische Verfassungsschutz ermittelt gegen die Nationaldemokratische Partei (NPD) wegen eines Flugblatts, das gegen den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) gerichtet ist. In der in Rothenburg ob der Tauber und Zirndorf verteilten Schrift ist unter anderem die Rede von "Sturmabteilungen" des DGB, die aus "Asozialen, Schwulen, Pennern und Arbeitsscheuen" bestünden. Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Nürnberg/ Fürth bestätigte am Dienstag, daß auch sie den Sachverhalt prüfe.
Nach Angaben von Marta Kruse aus Herzogenaurauch, die presserechtlich für das Flugblatt verantwortlich gezeichnet hat, war der Text vom Landesverband der Partei genehmigt worden.
PRAG, 21. Januar (dpa). Tschechische Widerstandskämpfer, die zwischen 1938 und 1945 in deutschen Konzentrationslagern und Zuchthäusern inhaftiert waren, wollen von der Bonner Regierung eine Entschädigung fordern. Dies teilte der Vorsitzende des tschechischen Verbandes der Freiheitskämpfer, Jakub Cermin, am Dienstag in Prag mit. Von denjenigen, die während des Hitler-Regimes politisch verfolgt waren, seien Tschechen und Slowaken die einzigen, denen bislang Wiedergutmachung von deutscher Seite verwehrt worden sei, sagte Cermin.
HANNOVER, 20. Januar (dpa). Drei zu Hause arbeitende Prostituierte in Hannover und Langenhagen sind am Dienstag nur knapp dem Tod entronnen. Ein Unbekannter hatte als Parfümerie-Sendung getarnte lebensgefährliche Bomben-Päckchen an die Frauen verschickt, die aber nicht explodierten. "Wir wundern uns, daß nichts passiert ist", sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes. Am Mittwoch wurde ein weiteres Päckchen in einem Postamt entdeckt.
Bei den Sendungen handelt es sich den Angaben zufolge um handelsübliche Päckchen der Bundespost der Größe A. In ihnen waren mehrere Signalpatronen und ein Zündmechanismus eingebaut, der beim Öffnen ausgelöst wird. Die Päckchen wurden wahrscheinlich alle in ein und demselben Postamt in Hannover aufgegeben.
WARSCHAU, 20. Januar (dpa). Der ehemalige stellvertretende polnische Kulturminister Kazimierz Clapka, der Reportern des deutschen Fernsehmagazins "Monitor" Ende Dezember die Lieferung von großen Mengen radioaktiven Materials angeboten hatte, ist festgenommen worden. Wie das polnische Fernsehen am Dienstag abend berichtete, wurde er auf Veranlassung des Staatsschutzamtes am vergangenen Sonntag zusammen mit drei Komplizen gefaßt.
Das Staatsschutzamt hat die Staatsanwaltschaft in Warschau mit den Ermittlungen beauftragt. Es sei jedoch noch nicht sicher, ob Clapka und seine Komplizen hinter Gittern bleiben, denn zur Zeit suche man eine einschlägige Strafvorschrift, die eine weitere Untersuchungshaft rechtfertigen würde.
Ein Deutscher und zwei Polen wurden an einem Grenzübergang zwischen der Schweiz und Frankreich mit vier Kilogramm Cäsium 133 erwischt. Die Zollbehörde in Besançon teilte mit, die Schmuggler hätten angegeben, für einen Auftraggeber in Litauen zu arbeiten.
BONN, 19. Januar (dpa). Die mit 1,83 Millionen Studenten überfüllten deutschen Hochschulen brauchen bis zum Jahr 2000 rund 50 000 zusätzliche Stellen für Wissenschaftler und 40 000 zusätzliche Stellen für Technik und Verwaltung, um ihre Aufgaben in Lehre, Forschung und Weiterbildung zu erfüllen. Dies geht aus einem Gutachten zum Personalbedarf der Hochschulen hervor, das der Bildungsforscher Michael Weegen im Auftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) einem Expertenkreis in Bonn vorstellte.
Der Wissenschaftler sagte, er habe bei seiner Personalberechnung nicht "gewerkschaftliche Wünsche", sondern offizielle Kriterien des Wissenschaftsrates und der Kultusminister herangezogen. Die Personalmehrkosten belaufen sich auf fast sieben Milliarden Mark jährlich. GEW-Vorstandsmitglied Gerd Köhler sagte, natürlich könnten die Länder einen solchen "Kraftakt" nicht auf einmal vollziehen. Mit Blick auf den für Juni angekündigten "Bildungsgipfel" verlangte Köhler einen Stufenplan, um den Hochschulen verläßliche Rahmendaten für ihre Personalplanung zu geben.
BONN, 19. Januar (dpa). Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat den Bundestag aufgefordert, die Hälfte der bis 2010 vorgesehenen Straßenbauprojekte des Bundes und der Länder zu streichen und die dafür vorgesehenen rund 100 Milliarden Mark für den Bahnausbau einzusetzen. Insbesondere forderte er am Dienstag vor der Presse in Bonn einen Stopp der Pläne für die neuen Autobahnen zwischen Lübeck und der polnischen Grenze (A 20), durch den Thüringer Wald von Erfurt nach Schweinfurt (A 81), durch den Hunsrück (A 60/B 50) und durch das Rothaargebirge (A 4).
Steininger warf der Regierung und der Koalition vor, "über alle möglichen Sparpläne" insbesondere im Sozialbereich zu diskutieren, aber nicht im mindesten an eine Verringerung der Straßenbaumittel zu denken. Der BUND verlangt einen Ausbau des Schienennetzes über die geplanten 3300 Kilometer hinaus.
BONN (dpa/FR). Das Bonner Wirtschaftsministerium rechnet in diesem Jahr eher mit einem realen Rückgang des westdeutschen Bruttoinlandsprodukts um ein Prozent als mit einer Stagnation. 1992 war ein Zuwachs von 1,5 Prozent herausgesprungen. Trotz der "zunehmend verschlechterten" Wirtschaftslage werde aber unterstellt, "daß noch im Verlauf von 1993 ein konjunktureller Wendepunkt eintritt", teilt das Ministerium zu seinen Vorgaben für den Jahreswirtschaftsbericht mit.
Finanzstaatssekretär Horst Köhler hatte am Vortag in Brüssel unter Berufung auf die interministerielle Arbeitsgruppe zur Wirtschaftsentwicklung die voraussichtliche Abschwächung auf 0,5 Prozent taxiert und damit offenbar den Mittelwert genannt. Das Wirtschaftsministerium bestätigt dagegen die kürzlich bereits in Umlauf gebrachte Annahme: Es sei mit einer Verringerung "zwischen null und ein Prozent" zu rechnen, "wobei aus heutiger Sicht eher ein Rückgang nahe dem unteren Ende der Marge zu erwarten ist".
Die EG-Kommission revidierte unterdessen ihre Vorhersage für Westdeutschland auf "Null", während die Wirtschaftsforscher der Deutschen Bank nun als neue Marken minus 0,7 Prozent und minus 0,2 Prozent (gesamtdeutsch) in die Welt setzen. Bonn erwartet für die neuen Bundesländer ein reales Plus zwischen fünf und sieben Prozent und damit in Gesamtdeutschland "in diesem Jahr (durchschnittlich) kein Wirtschaftswachstum". Das vereinigte Inlandsprodukt nahm nach Ermittlungen des Statistischen Bundesamtes 1992 um real 1,9 Prozent zu. Nominal überschritt es die Dreibillionenmarke, woran die neuen Länder mit nicht ganz 232 Milliarden beteiligt waren.
Der Jahreswirtschaftsbericht soll diesmal nicht - wie vorgeschrieben - Ende Januar dem Bundeskabinett vorliegen, sondern wegen der Verhandlungen über den sogenannten Solidarpakt und des Wechsels an der Spitze des Wirtschaftsministeriums erst am 10. Februar präsentiert werden.
Jürgen Möllemann, der an diesem Freitag sein Amt an den Berliner Treuhandvorstand Günter Rexrodt abgeben wird, ließ in das jüngste Papier aus seinem Haus noch einmal hineinschreiben, daß die Talfahrt ein entsprechendes Verhalten aller Beteiligten verlange. Ein "schärferer, länger anhaltender Konjunktureinbruch" sei nur mit harten Konsolidierungsanstrengungen in den öffentlichen Haushalten und mit "einer spürbaren Anpassung der tarifpolitischen Entscheidungen in West- und Ostdeutschland an das deutlich verschlechterte konjunkturelle Umfeld" zu vermeiden. Dann seien auch weitere Zinssenkungen möglich.
Bonn (dpa). Die Tschechische Republik will ab sofort die Währungskontrollen an ihren Grenzen verschärfen. Wie die Botschaft der Tschechischen Republik in Bonn am Dienstag mitteilte, soll notfalls auch durch Leibesvisitationen sichergestellt werden, daß kein Ausländer mehr als die auch bisher schon geltende Menge von 100 Kronen (ca. sechs Mark) ein- oder ausführt. dpa hö rm
Folgende Parlamentarische Staatssekretäre scheiden nach Angaben von Bundeskanzler Helmut Kohl aus dem Amt (in Klammern Alter, Partei und bisheriges Ministerium):
Georg Gallus (63, FDP, Landwirtschaft) Wilhelm Rawe (63, CDU, Post)
Torsten Wolfgramm (56, FDP, Bildung) Dieter Schulte (51, CDU, Verkehr)
Erich Riedl (60, CSU, Wirtschaft)
Gottfried Haschke (57, CDU, Landwirtschaft) Ingrid Roitzsch (52, CDU, Verteidigung) Außerdem soll es bei den Parlamentarischen Staatssekretären folgende Umbesetzungen geben:
Wolfgang Gröbl (51, CSU, Verkehr) ins Landwirtschaftsministerium
Michaela Geiger (49, CSU, Entwicklungshilfe) ins Verteidigungsministerium Reinhard Göhner (40, CDU, Justiz) ins Wirtschaftsministerium
Jürgen Echternach (55, CDU, Bau) ins Finanzministerium
Paul Laufs (54, CDU, Umwelt) ins Postministerium
Manfred Carstens (49, CDU, Finanzen) ins Verkehrsministerium. (dpa)
BONN, 19. Januar (dpa/Reuter/FR). Die Spitzen der Bonner Koalition haben sich am Dienstag auf einen Sparkatalog verständigt. Demzufolge sind Einschnitte im Sozialbereich, bei steuerlichen Vergünstigungen und anderen Ausgaben vorgesehen. Mit dem Geld soll im Rahmen des sogenannten Solidarpaktes der Aufbau Ost gefördert und das Loch im Nachtragsetat gestopft werden. Für 1995 ist ein Solidaritätszuschlag geplant.
Die etwa 50seitige Vereinbarung soll am heutigen Mittwoch in den Fraktionen von CDU/CSU und FDP erneut beraten werden. Vor allem ostdeutsche CDU-Abgeordnete zeigten sich enttäuscht. Sie halten die für den Osten für 1993 vorgesehene Summe von 1,5 Milliarden Mark für zu niedrig und werteten das Programm als "konjunkturhemmend". Die SPD übte scharfe Kritik an dem Papier.
Gekürzt werden sollen zum Beispiel die Leistungen für Arbeitslose mit mindestens einem Kind um ein Prozent und für sonstige Arbeitslose um drei Prozent. Dies betrifft die Arbeitslosenhilfe, das Arbeitslosengeld, das Schlechtwettergeld, das Kurzarbeitergeld und das Übergangsgeld bei vorzeitigem Ausscheiden aus dem Berufsleben. Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) könne die pauschalen Kürzungen noch verhindern, heißt es in dem Papier. Dazu müsse Blüm aber bis zum 15. Mai den Nachweis erbringen, daß der "Mißbrauch" von Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe und Kurzarbeitergeld so gebremst werden könne, daß ab 1993 ein jährliches Einsparvolumen von einer Milliarde Mark erbracht wird.
Für höhere Einkommensgruppen soll der Wohngeldanspruch gekürzt werden. Auch Kindergeld und Erziehungsgeld sollen stärker vom Einkommen abhängig gemacht werden. Auch bei Ausgaben für den Umweltschutz soll gespart werden.
Die Einnahmen, die zur Finanzierung der Altlasten der Bahn nötig sind und mit jährlich zwölf bis 14 Milliarden Mark beziffert werden, sollen ab 1994 durch eine Straßenbenutzungsgebühr für Pkw und Lkw sowie durch die Erhöhung der Mineralölsteuer erzielt werden. Außerdem sind Kürzungen bei den Subventionen für die Landwirte vorgesehen.
Durch den Nachtragsetat, mit dem unter anderem für Ostdeutschland die kommunale Investitionspauschale mit 1,5 Milliarden Mark wieder eingeführt wird, erhöht sich die Neuverschuldung des Bundes 1993 um weitere etwa zehn Milliarden auf 53 Milliarden Mark. Einschließlich der Mittel für die neuen Länder und der Mittel des Einheitsfonds erhöht sich das gesamtstaatliche Finanzierungsdefizit damit auf 133,5 Milliarden Mark. 1992 waren es 119,5 Milliarden Mark.
Der Bundesetat 1993 wird nicht, wie zunächst geplant, um 2,5, sondern um 3,0 Prozent steigen. Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) bezeichnete in seinem Sparpapier die Kürzungen "sozial gerecht" verteilt. Insgesamt entfallen dabei neun Milliarden Mark auf Sozialausgaben und neun Milliarden Mark auf steuerliche Entlastungen für den Staat.
(Leitartikel auf Seite 3, weitere Berichte auf dieser Seite, Seite 4 und Wirtschaft)
Im Blickpunkt: Solidarpakt Die Bonner Streichliste
Zur Finanzierung des Aufbaus Ost und zur Absicherung der öffentlichen Haushalte stützt sich die Bonner Koalitionsspitze in ihrer am Dienstag vorgelegten Sparliste auf Kürzungen im Sozialbereich, bei sonstigen Ausgaben und auf die Verringerung steuerlicher Vergünstigungen. Die Maßnahmen reichen von Zulagenkürzungen und Einsparungen von Stellen im öffentlichen Dienst bis zur Halbierung der steuerlichen Wohneigentumsförderung für Altbauten. •Öffentlicher Dienst:
-Personalstellen: Abbau 1994 und 1995 um jeweils ein Prozent bei den obersten Bundesbehörden und im nachgeordneten Bundesbereich.
-Sonderzuschläge: Besoldungsrechtliche und tarifliche Sonderzuschläge werden bei Bund, Ländern und Gemeinden 1993 um 430 Millionen Mark verringert.
-Strukturelle Regelungen: Überprüft werden Dienstaltersstufen, Altersgrenzen, die Anpassung der Beihilfen an die Gesundheitsreform, Funktionszuschläge.
•Verteidigung:
-Hier werden Leistungen wieder abgebaut, die als zusätzlicher Anreiz bei der Erhöhung der Wehrpflichtdauer von 15 auf 18 Monate geschaffen wurden.
-Besoldungsanspruch für Zeit- und Berufssoldaten erst ab dem 7. Dienstmonat. Vorher gilt Gleichstellung mit Wehrpflichtigen.
-Entlassungsgeld: Kürzung für Grundwehr- und Zivildienstleistende von 2500 auf 1700 Mark.
-Verpflegungsgeld: Für Wehrpflichtige einfacher, nicht mehr doppelter Betrag im Falle von Dienstbefreiung und Urlaub; Streichung des Verpflegungsgelds für Soldaten, die zu Hause schlafen.
-Grundwehrdienstleistende können sich nicht mehr als Soldat auf Zeit für 15 oder 18 Monate verpflichten. -Bahnfahrten: Soldaten sollen verstärkt ermäßigte Bahnfahrten in Anspruch nehmen.
•Zivildienst:
-Weniger Entlassungsgeld für Männer, die zu Hause wohnen.
•Landwirtschaft:
-Der Einkommensausgleich wird 1993 auf 2,5 Prozent, 1994 auf 1,5 und 1995 auf 0,5 Prozent gekürzt. Einsparung für Bund und Länder zusammen 360 Millionen.
•Kohle:
-Mit neuer Kokskohlen-Vereinbarung für 1995 bis 1997 muß eine vergleichbare Einsparung wie in der Landwirtschaft gefunden werden.
-Bei den sonstigen Kohlehilfen sollen bis 1996 zusammen 250 Millionen Mark eingespart werden: durch Kürzung des Anpassungsgeldes für neue Anspruchsberechtigte sowie durch verringerte Zuschüsse.
-Die Bergbau-Sondervermögen werden zugunsten des Bundeshaushaltes aufgelöst.
•Werften:
-Die aufgestockten Wettbewerbshilfen werden mit Gesamtvolumen von 160 Millionen Mark über drei Jahre zurückgenommen.
•Lohnpolitik:
-"Die Tarifpartner üben bei der Tarifentwicklung in Wirtschaftszweigen und -standorten mit hohem Subventionsbedarf besondere Zurückhaltung." •Kindergeld:
-Es wird verstärkt einkommensabhängig gestaltet. Oberhalb einer neuen Einkommensgrenze von 100 000 Mark brutto wird das Kindergeld bei drei Kindern je Kind auf 70 Mark pro Monat begrenzt.
•Erziehungsgeld:
-Die Einkommensgrenzen für das Erziehungsgeld von monatlich höchstens 600 Mark gelten von der Geburt des Kindes an und nicht mehr erst ab dem siebten Monat der Auszahlung.
•BAföG:
-Die Anpassung wird um zwei Jahre auf 1996 verschoben. Die Studienabschlußförderung läuft zum 31. September 1993 aus.
•Wohngeld:
-Obere Einkommensgruppen werden vom Wohngeld ausgeschlossen.
-Weniger Freibeträge und Anrechnung bisher unberücksichtigter Einnahmen. -Wegfall des Pauschalabzugs von sechs Prozent vom Einkommen.
-Tabellen sollen aktuelle Änderung von Einkommens- und Mietbelastungen berücksichtigen.
•Lohnersatzleistungen:
-Für Arbeitslose sollen Meldepflichten eingeführt und Mißbrauchsmöglichkeiten verringert werden.
-Gelingt dem Arbeitsminister für 15. Mai 1993 nicht der Nachweis, daß er dadurch ab 1993 jährlich mindestens eine Milliarde Mark einspart, wird bei folgendem gekürzt. Und zwar um drei Prozentpunkte und bei mindestens einem Kind um ein Prozent: die Arbeitslosenhilfe von 56 auf 53 Prozent des Nettolohns beziehungsweise von 58 auf 57 Prozent, das Arbeitslosen-, Schlechtwetter- und Kurzarbeitergeld von 63 auf 60 oder von 68 auf 67 Prozent, das Altersübergangsgeld einheitlich von 65 auf 62 Prozent.
-Das Unterhaltsgeld (entsprechend das Übergangsgeld) soll von 65 Prozent beziehungsweise 73 Prozent auf das Niveau des Arbeitslosengeldes gedrückt werden. Ist Blüm bei der Mißbrauchsregelung erfolgreich, ginge die Kürzung auf 63 beziehungsweise 68 Prozent zurück, andernfalls auf 60 beziehungsweise 67 Prozent.
-In den neuen Ländern wird die Anpassung der Lohnersatzleistungen auf den ganzjährigen Turnus wie in den alten Ländern umgestellt.
•Illegale Beschäftigung:
-Verstärkte Kontrollen der Bundesanstalt sollen illegale Beschäftigung und die Hinterziehung von Sozialbeiträgen aufdecken.
•Sozialhilfe:
-Keine Beschlüsse, aber als Alternativen Verringerung der Regelsätze oder der Mehrbedarfszuschläge für Erwerbstätige sowie die Anhebung der Altersgrenze von 60 auf 65 Jahre für die Gewährung von Alterszuschlägen. Besonders soll der Zunahme der Inanspruchnahme von Jugendlichen entgegengewirkt werden.
•Sonstiges:
-Für den Staat, insbesondere für die Kommunen, sind durch eine Fülle von Maßnahmen Einsparungen vorgesehen: so durch verringerte Umweltstandards in den alten Ländern, bei Abwässeranlagen, beim Siedlungsabfall, beim Schwimm- und Badewasser. Weitere Entlastungen für den Staat betreffen Architektenhonorare, Vermessungsmonopole, Statistiken, Prozeßkostenhilfe und Notargebühren. Abbau von Steuerbegünstigungen •Ausländische Investmentsfonds, deren Ausschüttungen im Inland ausgezahlt werden, werden durch den 30prozentigen Zinsabschlag erfaßt.
•Kapitalvermögen:
-Bei der Besteuerung von Einnahmen aus Kapitalvermögen werden Rechtsunsicherheiten in den Fällen beseitigt, in denen sich Stammrecht und Dividendenschein in unterschiedlichen Händen befinden.
•Renten:
-Für hohe Renten oberhalb von 5000 Mark monatlich sollen die Ertragsanteile entsprechend der gestiegenen Lebenserwartung gesteigert werden, was 1994 etwa 300 Millionen Mark bringen soll.
•Bewirtungsspesen:
-Hier soll der Mißbrauch abgestellt werden, die Begrenzung der abzugsfähigen Kosten auf 80 Prozent zu umgehen und so einen überhöhten Vorsteuerabzug bei der Umsatzsteuer zu erzielen. •Privatvermögen:
-Die Vermögensteuer hierauf wird zum 1. Januar 1995 um 0,5 Prozentpunkte angehoben. Ausgeklammert davon bleiben im Privatvermögen gehaltene Beteiligungswerte wie Aktien und GmbH-Anteile. Zugleich wird der persönliche Freibetrag von 70 000 Mark zur Schonung kleinerer Vermögen erhöht (Einsparung für die Länder ab 1995 eine Milliarde)
•Steuerschuld:
-Bei der Zahlung der Steuern soll die fünftägige Zahlungsschonfrist für Scheck- und Barzahler aufgehoben werden.
•Versicherungssteuer:
-Sie wird zum 1. Juli 1993 von zehn auf zwölf Prozent und ab 1. Januar 1995 auf 15 Prozent angehoben. Betroffen sind besonders Auto- und Hausbesitzer. Feuerversicherungen sind nicht betroffen. Lebensversicherungen bleiben unversteuert. Ab 1995 mehr als vier Milliarden Mark Mehreinnahmen. •Die Bergmannsprämie von zehn Mark je Untertage-Schicht wird steuerpflichtig. •Wohneigentumsförderung nach Paragraph 10 e:
Halbierung für Altbauten. Für Länder und Gemeinden Sie "sind aufgefordert, in eigener Verantwortung jede weitere Sparmöglichkeit zu nutzen"
-Schrittweiser Personalabbau
-Mehr Effizienz in den Behörden
-Privatisierung von Aufgaben und Unternehmen
-Beachtung der Kostendeckung auch bei kulturellen Einrichtungen
-Verzicht auf das 13. Schuljahr
-Kostensenkende Studienreform
-Einführung von Studiengebühren nach Ablauf der Regelstudienzeiten
-Überprüfung von Standards im Wohnungs- und Straßenbau und Umweltschutz -Verzicht auf Straßenrückbau. (dpa)
WASHINGTON / BAGDAD, 19. Januar (AP/Reuter/AFP/dpa). Rußland hat die USA aufgefordert, keine weiteren militärischen Aktionen in der Golf- Region zu starten, wenn diese zuvor nicht ausdrücklich vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) gebilligt worden sind. In einem Schreiben von Außenminister Andrej Kosyrew an seinen US-Kollegen Lawrence Eagleburger, das am Montag vom russischen Botschafter im Washingtoner Außenministerium abgegeben wurde, ist von einem äußerst kritischen Stadium im Golf-Konflikt die Rede.
Kosyrew zeigte sich kritisch gegenüber der Regierung in Bagdad, die wiederholte Warnungen ignoriert und versucht habe, die Einhaltung von UN-Resolutionen zu umgehen. Dennoch wurde die US-Regierung zu einem gemäßigteren Vorgehen aufgerufen. "Wir sind der Auffassung, daß auf das Verhalten Bagdads angemessen reagiert werden muß, doch müssen solchen Reaktionen einstimmige Entscheidungen vorausgehen", schrieb der russische Außenminister.
Saudi-Arabien forderte die uneingeschränkte Umsetzung von UN-Resolutionen. Das gelte für Beschlüsse über die Lage am Golf, über die Palästinenser und in Bosnien-Herzegowina, erklärte die Regierung nach einer Kabinettssitzung unter Leitung von König Fahd.
Die Arabische Liga hatte die USA und ihre Verbündeten nach deren neuem Militärschlag gegen Irak am Montag aufgefordert, bei der Umsetzung von UN-Entschließungen nicht zweierlei Maß anzulegen. Während Irak angegriffen werde, schütze der Westen die Moslems in Bosnien nicht und schrecke vor Sanktionen gegen Israel zurück. Vor Doppelmoral warnte auch Jordaniens Kronprinz Hassan in einem ARD-Interview. Der jordanische König Hussein forderte eine diplomatische Lösung. Er sei zutiefst verärgert über das Vorgehen der USA, sagte er.
Durch den Luftangriff der Golfkriegsalliierten am Montag in Südirak wurde nach Angaben aus US-Militärkreisen die irakische Luftabwehr in dieser Zone vollständig ausgeschaltet. "Wir können kategorisch sagen, daß die Luftabwehrstellungen im Süden Iraks neutralisiert worden sind", sagte in Washington ein hoher US- Militär, der anonym bleiben wollte. Durch den Angriff, an dem 75 Maschinen der US-amerikanischen, britischen und französischen Luftwaffe beteiligt waren, seien die irakischen Kommando- und Kontrollbunker sowie Kommunikationszentralen zerstört oder soweit beschädigt worden, daß sie nicht mehr funktionsfähig seien.
Der scheidende US-Präsident George Bush richtete erneut eine scharfe Warnung an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein. Bush unterstrich, er hoffe, daß die Militärschläge Wirkung auf Saddam zeigten. "Wir haben getan, was getan werden mußte", betonte der noch amtierende US-Präsident und fügte hinzu, er wünsche "ehrlich", daß Saddam Hussein "die Botschaft" verstanden habe. Bush begrüßte zugleich die Unterstützung, die er von seinem Amtsnachfolger Bill Clinton für sein Vorgehen gegen Irak erhalten hat. Clinton, der sein Amt am Mittwoch antreten wird, bekräftigte unterdessen seine Entschlossenheit, auf "die kontinuierlichen Provokationen Saddam Husseins zu reagieren". Dieser müsse verstehen, daß die Entschlossenheit der US-Regierung auch nach dem Wechsel im Weißen Haus nicht nachlassen werde.
In Bagdad meldete am Montag abend die amtliche irakische Nachrichtenagentur INA, die irakische Luftabwehr habe am Sonntag abend bei dem US-Raketenangriff auf eine Fabrikanlage in einem Vorort von Bagdad acht US-Marschflugkörper vom Typ "Tomahawk" abgeschossen. Radio Bagdad hatte zuvor noch berichtet, sieben "Tomahawk"-Raketen seien abgefangen oder zerstört worden. Der hohe US-Militär, der anonym bleiben wollte, konnte diese Zahl nicht bestätigen. Er wisse nur von einer abgeschossenen "Tomahawk"-Rakete, nämlich jener, die in dem Hotel El Raschid eingeschlagen war.
Zugleich teilte der US-Militär mit, daß die Fabrik in Saafarania bei Bagdad, die Ziel des Raketenangriffs vom Sonntag abend war, voll getroffen worden sei. Er räumte ein, daß die Fabrik zuletzt nicht mehr im Rahmen des irakischen Atomwaffenprogramms genutzt worden sei.
(Leitartikel und weiterer Bericht auf Seite 3)
Zur Person
WERNER MÜNCH, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, zahlt nach Ansicht der SPD-Opposition im Landtag eine zu niedrige Miete für seine im Gästehaus der Landesregierung gelegene Wohnung. Wie die Bild-Zeitung berichtete, zahlt Münch (CDU) nach Angaben des Magdeburger SPD-Finanzpolitikers Wolfgang Schäfer für seine 82 Quadratmeter große Wohnung noch immer eine Warmmiete von 677 Mark, soviel wie vor den am 1. Januar in den neuen Ländern in Kraft getretenen Mieterhöhungen um bis zu zwei Mark je Quadratmeter. Damit liege die Miete des Ministerpräsidenten 164 Mark unter der Summe, die einem "Normalbürger" abverlangt werde, kritisierte der SPD-Politiker. Ein Sprecher Münchs sagte zu den Vorwürfen, die Miete der Wohnung sei im Vorjahr von der Verwaltung festgelegt worden. Über eine Mieterhöhung sei mit dem Ministerpräsidenten nicht gesprochen worden. (AFP)
JERUSALEM, 19. Januar (AFP). Eine 13jährige Palästinenserin ist am Dienstag von einem israelischen Siedler in der Stadt Gaza erschossen worden.
Nach Angaben von Palästinensern im israelisch besetzten Gaza-Streifen befand sich das Mädchen zur Tatzeit auf dem Schulweg. Einige Kinder in seiner Begleitung hätten Steine gegen ein vorbeifahrendes Fahrzeug geschleudert, in dem der Siedler fuhr. Dieser sei aus seinem Wagen gestürzt und habe mit einer Pistole auf die Kinder geschossen. Eine Kugel habe das Mädchen mitten ins Herz getroffen. Es sei auf der Stelle tot gewesen. Es ist bereits der fünfte minderjährige Palästinenser, der innerhalb einer Woche im Gaza-Streifen getötet wurde.
Am Montag wurden bei Zusammenstößen im Gaza-Streifen zehn Palästinenser durch Schüsse israelischer Soldaten verletzt. Die Unruhen waren ausgebrochen, nachdem der dritte gewaltsame Tod eines Palästinensers innerhalb von 24 Stunden bekannt geworden war. Ein 23jähriger Palästinenser, der am Sonntag von Soldaten im Flüchtlingslager Schatti in den Kopf geschossen worden war, starb am Montag. Zusammenstöße gab es auch im Flüchtlingslager Bureidsch und in der Stadt Gaza.
Der Gesandte der Vereinten Nationen, Chinmaya Gharekhan, beriet am Montag in Genf mit dem Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Cornelio Sommaruga, über die Lage der über 400 aus Israel deportierten Palästinenser. Nach Angaben des libanesischen Regierungschefs Rafic Hariri vom Wochenende hatten die UN-Interimstruppen (UNIFIL) dem IKRK nicht erlaubt, für Hilfstransporte in das in Südlibanon gelegene Lager die Hubschrauber der Blauhelm-Soldaten zu benutzen. Die über 400 deportierten Palästinenser harren seit Mitte Dezember in dem zwischen den israelischen und libanesischen Stellungen gelegenen Camp aus.
BELFAST, 19. Januar (AFP). Eine protestantische Untergrundorganisation, der Freiwilligen-Verband von Ulster (UVF) hat die Verantwortung für den Mordanschlag auf eine junge Frau am Sonntag in einem protestantischen Viertel im Norden Belfasts übernommen. Das teilte die Polizei am Montag abend mit.
Die 27jährige Frau war in der Wohnung ihres Freundes von zwei Männern erschossen worden. In seinem Kommunique bezeichnete der UVF die Frau als Mitglied der katholischen Untergrundorganisation INLA. Die Polizei sagte, sie könne dies nicht bestätigen.
GRAYSON, 19. Januar (AFP). Ein 17jähriger Schüler hat im US- Bundesstaat Kentucky während des Unterrichts seine Englischlehrerin erschossen. Anschließend tötete er auch den herbeigeeilten Hausmeister, wie die Polizei am Montag mitteilte. Die Motive der Tat, die sich in der Kleinstadt Grayson ereignete, waren zunächst ungeklärt. Der 17jährige feuerte während der Unterrichtsstunde einen Schuß auf seine 48jährige Lehrerin ab. Die Kugel verfehlte ihr Ziel, woraufhin er nochmal schoß. Die Lehrerin wurde von der Kugel getroffen und war auf der Stelle tot. Als der 51jährige Hausmeister in die Klasse stürzte, wurde auch er von dem 17jährigen erschossen.
JERUSALEM, 19. Januar (AFP). Die israelische Tageszeitung Hadaschot hat einen Rechtsstreit mit der Militärzensur für sich entscheiden können. Ein Gericht in Tel Aviv entschied, daß die Zeitung mit ihrer Berichterstattung über die Tötung zweier festgenommener Palästinenser durch Geheimdienstagenten im Jahr 1984 nicht gegen die Regeln der Militärzensur verstoßen habe. Dies sei "ein großer Sieg für die Pressefreiheit", da das Urteil Maßstäbe setzen werde, sagte ein Vertreter der Zeitungsredaktion. Hadaschot hatte enthüllt, daß Agenten des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Beth mit Kolbenhieben zwei Mitglieder eines palästinensischen Untergrundkommandos erschlagen hatten, das einen Autobus entführt hatte.
SYDNEY, 19. Januar (AFP). Im "biblischen" Alter von 47 Jahren ist am Dienstag im Zoo der australischen Stadt Sydney der Klammeraffe "Minnie" gestorben, das vermutlich älteste Tier dieser Spezies, das jemals in menschlicher Gefangenschaft gehalten wurde. Minnie erreichte ein Alter, das doppelt so hoch ist wie in seiner Art allgemein üblich. Experten nannten das gemäßigt-angenehme Klima in Sydney als möglichen Grund dafür, daß der aus Zentralamerika stammende Affe so alt wurde. Als ältestes Säugetier des Zoos waren Minnies Geburtstage in den vergangenen Jahren stets besondere Ereignisse, über die australische Medien oft berichteten.
HONGKONG, 19. Januar (AFP). China wird den ostrussischen Hafen Sarubino bei Wladiwostock pachten, um Zugang zum Japanischen Meer zu erhalten. Das berichtete die pekingnahe Tageszeitung Wen Wei Po am Dienstag unter Berufung auf den Gouverneur der nordostchinesischen Provinz Jilin, Guao Yan. Eine entsprechende Einigung sei mit der russischen Regierung getroffen worden. Beschleunigt worden sei das Projekt durch Vermutungen, daß sich Nordkorea bald ausländischen Märkten öffnen könnte, hieß es.
China will in dem Hafen Liegeplätze für Schiffe von insgesamt drei Millionen Tonnen bauen. Damit sollen chinesische Güter aus der Binnenprovinz Jilin über russisches Gebiet Zugang zu den Märkten in Japan und Nordamerika erhalten. Gao zufolge ist der Bau einer Schienenstrecke von Hunchun in Jilin nach Sarubino bereits angelaufen.
LONDON, 19. Januar (AFP). Großbritannien zieht bis zum 15. März seine letzten Armeeangehörigen aus Korea ab und beendet damit nach 43 Jahren endgültig seine militärischen Verpflichtungen auf der Halbinsel. Das teilte der Staatsminister für die Streitkräfte, Archie Hamilton, am Montag in einer schriftlichen Erklärung dem Unterhaus mit. Der Schritt erfolge im Rahmen des Abzugs der britischen Armee aus Hongkong, fügte Hamilton hinzu. Das letzte britische Kontingent in Korea - Teil einer Ehrengarde der Vereinten Nationen - besteht aus einem Offizier und 36 Armeeangehörigen, die offiziell in Hongkong stationiert sind.
PERTH, 19. Januar (AFP). Nachdem er zwei Wochen mit gebrochenem Mast auf offenem Meer umhertrieb, ist der Franzose Luc Dupont am Montag von einem australischen Kriegsschiff vor der Küste Westaustraliens geborgen worden. Wie die australischen Behörden am Dienstag bestätigten, wurde der 33jährige, der die Welt solo umsegeln wollte, von dem Geleitschiff "HMAS Derwent" am Montag nachmittag 45 Kilometer südöstlich des Hafens Albany aus dem Meer gefischt. Dupont erscheine trotz der wochenlangen Irrfahrt entspannt, hieß es. Er sei fest entschlossen, seine Weltumseglung bald fortzusetzen, sagte ein Sprecher der Hafenbehörde.
BONN / BERLIN, 19. Januar (AFP). Die SPD-Finanzexpertin Ingrid Matthäus- Maier hat sich erneut gegen eine Kürzung der Sozialhilfe im Rahmen des Solidarpakts für den Aufbau Ost gewandt.
Im Berliner Sender RIAS sagte sie am Dienstag, da bisher die Kosten für die Einheit ungerecht verteilt worden seien, könne nicht beim Solidarpakt - der ja solidarisch sein solle - nun wieder in erster Linie bei den kleinen Leuten angesetzt werden. Unterdessen berät im Kanzleramt erneut eine Spitzenrunde der Bonner Koalition über die Ausgestaltung des Solidarpakts. Das Konzept sollte den Fraktionen der Regierungsparteien am Dienstagnachmittag vorgelegt werden.
Die SPD-Politikerin regte an, die Verteidigungsausgaben stärker zu senken. Wer Milliarden ausgebe für den Bau des Jäger 90 oder für die Senkung des Spitzensteuersatzes, der habe nicht das Recht, bei der Arbeitslosenhilfe, beim Kindergeld oder bei der Sozialhilfe zu kürzen. Sie äußerte die Vermutung, daß entgegen den Bekundungen der Bundesregierung die Steuern noch vor 1995 angehoben würden.
CDU/CSU-Fraktionschef Wolfgang Schäuble hat nach Angaben der Leipziger Volkszeitung berichtet, daß es zur Finanzierung des Nachtragshaushalts und des Solidarpakts "keine Senkung der Prozentsätze" bei den Sozialleistungen geben solle. Auf scharfe Kritik ist bei Ost-CDU- Abgeordneten die Absicht gestoßen, im 13-Milliarden-Nachtragshaushalt nur 1,5 Milliarden Mark für die Wiedereinführung der kommunalen Investitionspauschale für die neuen Länder vorzusehen.
Der Vize-Fraktionsvorsitzende Johannes Nitsch sagte dem Blatt, er könne "nicht mehr erkennen", daß die Förderung von Industrie- und Infrastruktur in den neuen Ländern Schwerpunkt der Bonner Beratungen sei.
JERUSALEM, 19. Januar (Reuter/dpa/ AFP). Die seit über einem Monat in Südlibanon festsitzenden 413 Palästinenser haben am Dienstag gedroht, durch die israelischen Linien nach Semraja durchzubrechen. Semraja ist eine Grenzstation der israelisch besetzten Sicherheitszone im Süden Libanons. Sie ist mit Minen versehen worden, um die Palästinenser an der Rückkehr zu hindern. Der Sprecher der Abgeschobenen, Abdul Asis el Rantisi, sagte, Hunger, Durst und Kälte mache es ihnen unmöglich, in dem Zeltlager zu bleiben.
Die Angriffe westlicher Alliierter gegen Irak wertete Rantisi als Beweis dafür, daß bei der Durchsetzung von Resolutionen der Vereinten Nationen (UN) mit zweierlei Maß gemessen werde. Der Sicherheitsrat hatte Israel aufgefordert, die Palästinenser zurückkehren zu lassen.
Der deutsche Entwickungshilfeminister Carl-Dieter Spranger (CSU) sagte bei einem Treffen mit Jordaniens Kronprinz Hassan ibn Talal in Bonn, die Bundesregierung betrachtet die Deportation von über 400 Palästinensern durch Israel als ein "ernstes Friedenshindernis" und erwartet, daß Israel den Deportierten die Rückkehr gestattet. Hassan plädierte für eine stärkere Mitwirkung Europas an der Herstellung eines Nahost-Friedens.
Eine 13jährige Palästinenserin wurde am Dienstag von einem israelischen Siedler in der Stadt Gaza erschossen. Nach Angaben von Palästinensern im israelisch besetzten Gazastreifen befand sich das Mädchen zur Tatzeit auf dem Schulweg. Einige Kinder in seiner Begleitung hätten Steine gegen ein vorbeifahrendes Fahrzeug geworfen, in dem der Siedler fuhr. Dieser sei aus seinem Wagen gestürzt und habe mit einer Pistole auf die Kinder geschossen. Eine Kugel habe das Mädchen mitten ins Herz getroffen. Es ist bereits der fünfte minderjährige Palästinenser, der innerhalb einer Woche im Gazastreifen getötet wurde. Im besetzten Westjordanland wurde ein Israeli von einem Unbekannten angeschossen. Der Mann sei schwer verletzt, sagte ein Armeesprecher.
SANTIAGO DE CHILE, 19. Januar (AFP). Die chilenische Kirche ist auf Distanz zur Präsidentschaftskandidatur des Priesters Eugenio Pizarro gegangen. Dieser will bei den Wahlen am 11. Dezember für die Demokratische Linksbewegung Allendes (Movimiento de Izquierda Democratico Allendista - MIDA) antreten. Mit seiner Kandidatur habe sich Pizarro von der Kirche entfernt, hieß es in einer Erklärung des Erzbistums von Santiago de Chile. Die Kirche habe sich stets der Armen und Schutzlosen angenommen. Daher sei es nicht gerechtfertigt, wenn sich ein Priester mit der Begründung, er wolle sich für die Unterprivilegierten einsetzen, aktiv in der Politik engagiere.
Der 53 Jahre alte Pizarro war am Sonntag von einer MIDA-Versammlung mit rund 1500 Delegierten zum Präsidentschaftskandidaten nominiert worden. In der Partei sind sieben linke Gruppierungen zusammengeschlossen, die sich auf den Marxismus berufen.
SAARBRÜCKEN, 19. Januar (AFP). Gegen die Einführung von Studiengebühren an Hochschulen hat sich die neue Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Steffie Schnoor, ausgesprochen. Einen Tag vor der Sitzung des Wissenschaftsrates zur künftigen Hochschulpolitik sagte die CDU-Politikerin am Dienstag im Saarländischen Rundfunk, Sudiengebühren seien "nicht der richtige Weg". Damit würden die Türen geöffnet "für alle Wohlsituierten, lange zu studieren". Diejenigen, die von Haus aus wenig Geld mitbrächten, müßten in kurzer Zeit studieren. "Das können wir nicht wollen."
Die Kultusministerin von Mecklenburg-Vorpommern hält eine Zweiteilung des Studiums in eine berufsbefähigende Phase und eine nachfolgende Ausbildung zu wissenschaftlichen Nachwuchskräften für "unumgänglich, um wieder die klare Übersicht in den Hochschulen zu haben". Es dürfe nicht sein, daß die durchschnittliche Studienzeit an einzelnen Universitäten 15 Semester betrage. Eine Verkürzung sei nur durch "Anreize und Sanktionen" zu erreichen. "Wenn die Regelstudienzeit um einige Zeit überschritten wird, sollte man exmatrikulieren."
PORT-AU-PRINCE/WASHINGTON, 19. Januar (AFP). An den Wahlen in Haiti zur Neubesetzung des Parlaments haben sich am Montag nach Korrespondentenberichten nur wenige Menschen beteiligt. Die Opposition hatte zum Boykott der von ihr als unrechtmäßig bezeichneten Wahlen aufgerufen, bei denen zehn von 27 Mitgliedern des Senats und vier von 83 Mitgliedern des Abgeordnetenhauses neu gewählt werden sollten.
Die Ergebnisse der Wahlen waren zunächst nicht bekannt. Die zentrale Wahlkommission annulierte wegen "gravierender Unregelmäßigkeiten" am Abend die Wahlen in der Westprovinz mit der Hauptstadt Port-au-Prince. Auch aus anderen Gebieten wurden Unregelmäßigkeiten gemeldet. Beobachter rechneten damit, daß die Kandidaten der vom Militär unterstützten Regierung von Ministerpräsident Marc Bazin die Mehrheit der zu besetzenden Sitze gewonnen hätten.
Das US-Außenministerium hatte sich in der vergangenen Woche gegen den Urnengang ausgesprochen, weil die Bedingungen für "freie und faire Wahlen" in dem Karibischen Inselstaat nicht gegeben seien.
LUANDA, 19. Januar (AFP). Angolanische Regierungstruppen haben am Dienstag eine Luft-Offensive gegen die Rebellen der UNITA eingeleitet, die am Montag die Küstenstadt Sovo im Norden umzingelt hatten. Wie aus Kreisen der UN-Mission für Angola (UNAVEM) verlautete, entbrannten in der Nähe der Stadt, die in der Provinz Zaire liegt, wieder heftige Gefechte. Die Stadt sei wieder in der Hand der Regierung. Mitarbeiter ausländischer Firmen seien aus dem umkämpften Gebiet in der mit dem Nachbarland namensgleichen Provinz Zaire in Sicherheit gebracht worden.
Aus Regierungskreisen verlautete, auf der Seite der UNITA kämpften sowohl Soldaten aus dem Nachbarstaat Zaire als auch weiße Söldner. Auch in anderen Teilen des Landes dauerten nach UN-Angaben am Dienstag die Kämpfe an.
BONN, 19. Januar (AFP). Die Bundestagsgruppe PDS/Linke Liste hat bei Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) gegen das "Hauruck-Verfahren" protestiert, mit dem die Asylrechtsänderung am Donnerstag in erster Lesung im Bundestag behandelt werden soll. Bis zum Dienstag hätten den Abgeordneten noch nicht die vollständigen Gesetzentwürfe vorgelegen, kritisierte die PDS-Abgeordnete Ursula Fischer in Bonn. Zudem hätten die Parlamentarischen Geschäftsführer vereinbart, die Debattenzeit von vier auf zwei Stunden zu verkürzen.
"Offenkundig betrachten die Fraktionsspitzen von CDU/CSU, FDP und SPD die Änderung des Asylrechts bereits durch ihre Vereinbarungen hinter verschlossenen Türen als erledigt und wollen den Bundestag nun nur noch zur bloßen Akklamation degradieren", rügte Fischer. Die PDS werde eine Geschäftsordnungsdebatte dazu beantragen.
MÜNCHEN, 19. Januar (AFP). Alleinstehende Schwangere, alleinerziehende Mütter und Väter sowie kinderreiche Familien sollen in Bayern künftig leichter an preisgünstige Wohnungen kommen. Dazu verabschiedete der Bayerische Landtag am Dienstag auf Antrag der CSU ein Aktionsprogramm. Es sieht vor, im Freistaat eine "angemessene Zahl von Sozialwohnungen" für jenen Personenkreis zu reservieren.
Bei der Vergabe von Wohngeld sollen darüber hinaus ungeborene Kinder schon vom 6. Schwangerschaftsmonat an berücksichtigt werden. Für schwangere Wohnungssuchende werden nach dem Programm spezielle Anlaufstellen eingerichtet. Bauland soll vermehrt durch Erbpachtgrundstücke kommunaler, kirchlicher und karitativer Träger bereitgestellt werden. Auf diese Weise werde die "Politik für das Leben" der CSU konsequent fortgesetzt, sagte der sozialpolitische Sprecher der CSU-Fraktion im Landtag, Konrad Kobler.
ERIWAN, 19. Januar (AFP). In der zumeist von Armeniern bewohnten Kaukasusenklave Berg-Karabach ist es am Dienstag nach armenischen Angaben erneut zu Angriffen durch aserbaidschanische Truppen gekommen. Nach Angaben der armenischen Truppen in Nagorny Karabach wehrten armenische Streitkräfte einen Angriff auf das Dorf Kitschan in der Region Mardakert ab. Vom Stützpunkt Agdam am östlichen Rand der Enklave hätten die Aserbaidschaner auch mehrmals die Hauptstadt Stepanakert und Karailuch angegriffen.
STRASSBURG, 20. Januar (AFP). Mißhandlungen auf französischen Polizeiwachen prangert das Anti-Folterkomitee des Europarates in einem Bericht an, der jetzt von der französischen Regierung veröffentlicht wurde. Dem Komitee sei von "einer ziemlich großen Zahl mehr oder weniger schwerwiegender Mißhandlungen" von Festgenommenen berichtet worden, darunter Faustschläge ins Gesicht, Schläge auf den Kopf mit einem Telefonbuch, der Entzug von Nahrung und Medikamenten sowie psychologischer Druck, heißt es in dem Bericht.
Fälle von Folter in Haftanstalten oder Polizeistationen seien dagegen nicht bekannt geworden. Das Komitee bemängelte außerdem die Überbelegung sowie den schlechten Zustand der französischen Vollzugsanstalten.
Das Anti-Folterkomitee, das vom 27. Oktober bis 8. November 1991 eine Reihe französischer Polizeistationen und Gefängnisse besucht hatte, forderte die Regierung in Paris auf, Festgenommenen das Recht einzuräumen, sich anwaltlich beraten oder ärztlich untersuchen zu lassen. Ferner sollten sie eine Person ihrer Wahl über ihre Festnahme informieren dürfen, wird in dem Bericht gefordert. Aus dem Fehlen dieser Garantien sowie den bekannt gewordenen Zwischenfällen müsse geschlossen werden, daß für Festgenommene "ein nicht unerhebliches Risiko einer Mißhandlung" bestehe.
Die französische Regierung betonte in einem am Dienstag veröffentlichten Antwortschreiben, daß ab März Gesetze Festgenommenen das Recht auf ärztliche Untersuchung und auf die Benachrichtigung einer Person ihrer Wahl einräumten. Nach Ablauf von 24 Stunden werde auch der Kontakt mit einem Anwalt gewährt. Von 1994 an sollten polizeilich festgehaltene Personen sofort einen juristischen Beistand konsultieren dürfen.
Das Anti-Folter-Komitee bemängelte ferner die Überbelegung der französischen Gefängnisse. Die in Marseille-Baumettes besuchte Haftanstalt sei zu 140 Prozent belegt gewesen, und in der Vollzugsanstalt Nizza seien mehr als doppelt so viele Gefangene wie vorgesehen einquartiert. Die hygienischen Bedingungen ließen "zu wünschen übrig". Auch hier versicherte die Regierung in Paris, sie habe umfassende Verbesserungen vorgenommen. In Nizza sei die Zahl der Gefangenen bereits von 763 auf 617 reduziert worden. Weitere Häftlinge sollten verlegt werden, so daß in Zukunft noch 550 Gefangene in der Haftanstalt untergebracht seien. Auch in Marseille-Baumettes sei die Zahl der Gefangenen verringert worden.Raubüberfall auf Tankstelle in Gießen
GIESSEN, 19. Januar (lhe). Bei einem Raubüberfall auf eine Tankstelle in Gießen hat ein mit einer Pistole bewaffneter Mann in der Nacht zum Dienstag rund 1200 Mark erbeutet. Der 30 bis 40 Jahre alte, rotblonde Räuber bedrohte nach Angaben der Polizei den Tankwart mit der Waffe und zwang ihn, den Kasseninhalt herauszugeben. Anschließend sprühte er dem 29 Jahre alten Tankwart Tränengas ins Gesicht und flüchtete.
5700 Kinder besuchen Vorschulen In Hessen besuchen zur Zeit rund 4250 Kinder sogenannte Vorklassen an Grundschulen und weitere 450 Kinder eine solche Einrichtung an Sonderschulen. Die Zahl der Vorkläßler liegt damit nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Wiesbaden um 250 oder 5,4 Prozent höher als im Schuljahr 1991/92. In der Vorschule würden im Regelfall schulpflichtige, aber noch nicht schulreife Kinder betreut, berichtete das Landesamt. Etwa 65 Prozent der Vorkläßler seien Jungen, obwohl sie in der Verteilung der Geschlechter in dieser Altersgruppe nur 50 Prozent ausmachten.
Die Oper Frankfurt meldet für die erste Hälfte der Spielzeit 92/93 eine gute Auslastung von durchschnittlich 88,61 Prozent. So waren die Karten für den "Rosenkavalier", die "Fledermaus", die "Zauberflöte" und "La Traviata" jeweils zu mehr als 90 Prozent verkauft. Nur Verdis "Maskenball" fand deutlich weniger Interessenten, nur etwa die Hälfte der Karten wurden verkauft.
Mit "Lady Macbeth von Mzensk" von Dimitri Schostakowitsch bringt die Frankfurter Oper erstmals in Deutschland ein Musiktheater-Stück in russischer Sprache auf die Bühne. Die Premiere am 7. März richtet Werner Schroeter ein, die musikalische Leitung hat Eberhard Kloke. Die tragende Partie übernimmt die aus Polen stammende Kristine Ciesinski. Sie hat die Rolle bereits in Mailand und Paris gesungen. fr/lhe
FRIEDBERG. In immer mehr Kirchengemeinden haben der Personal-Computer (PC) und die Elektronische Datenverarbeitung (EDV) Einzug gehalten. Pfarrer aller Konfessionen entwerfen am Bildschirm ihre Sonntagspredigten, speichern die Daten ihrer Schäfchen. Über diesen neuen Trend im theologischen Bereich berichteten am Dienstag in Friedberg (Wetteraukreis) die Organisatoren des Kongresses "Credo Bit" für Computeranwendung in Kirche und Theologie. Bis zum Mittwoch werden bei dem Treffen, das 1992 erstmals stattfand, 500 Teilnehmer aus dem Bundesgebiet erwartet.
In vielen Gemeindem erleichtert der PC nicht nur die Verwaltung. Auch im Konfirmandenunterricht und im Gottesdienst leiste die EDV inzwischen gute Dienste, berichtete Mitorganisator Detlef Rose, evangelischer Pfarrer in Nürnberg. Bei einem Bibelquiz am PC lernten die Konfirmanden spielend, die Jugendlichen seien von dem neuartigen Unterricht gar nicht wegzukriegen, meint Rose.
Ein Pfarrer des Vereins "Pfarrer und PC", der 1986 gegründet wurde, hat das Quiz entworfen und nach eigener Darstellung bisher mehr als 150 Originale auch ins Ausland verschickt. Ähnlich funktioniert ein Computerlernspiel mit dem Titel "Das Bibelschloß", das in vielen Gymnasien im Religionsunterricht benutzt wird.
Computergestützte Gottesdienste verspricht zudem eine neues Programm, das von einem "Credo Bit"-Aussteller angeboten wird. Die Orgel kann mit dem PC verbunden werden und so elektronisch gesteuert zum musikalischen Rahmen der Feier beitragen. Orgelspieler seien oft Mangelware und zumal an Wochentagen kaum zu finden, meint Rose. lhe
FRANKFURT A. M. 20 der 48 hessischen Betriebskrankenkassen haben mit Beginn des neuen Jahres ihre Beiträge erhöht.
Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Sätze um Werte zwischen 0,5 und zwei Prozentpunkte. Das teilte der Landesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) in Frankfurt mit. Während der durchschnittliche Beitragssatz im vergangenen Jahr bei 11,5 Prozent lag, kletterte er auf nunmehr rund zwölf Prozent. In Hessen gehören den Betriebskassen 800 000 Mitglieder und ihre Familien an.
Als Grund für die Anhebung der Beiträge wurden zweistellige Kostensteigerungen für zahnärztliche Behandlungen und im Krankenhauswesen genannt. Auch die Betriebskrankenkassen in anderen Bundesländern haben nach den Angaben auf diese Entwicklung mit Beitragssteigerungen reagiert. Bundesweit gibt es rund 750 Firmen-Assekuranzen, von denen 170 ihre Beiträge angehoben haben.
Als Folge des seit 1. Januar geltenden Gesundheitsstrukturgesetzes rechnen die betrieblichen Kassen allerdings mit einer Stabilisierung der Beitragssätze. lhe
Wegen eines Bankraubs mit rund 40 000 Mark Beute hat die 14. Strafkammer des Landgerichts einen 26jährigen berufslosen Italiener zu dreieinhalb Jahren Haftstrafe verurteilt. Der 26jährige verübte am 16. April 1992 zusammen mit einem unbekannten Mittäter einen dreisten Banküberfall in unmittelbarer Nähe eines Polizeireviers. Erst einen Monat nach der Tat wurde der Mann festgenommen, weil eine ungewöhnlich gute Personenbeschreibung vorlag. Der Täter war bei dem Überfall von einer Kamera in der Bank gefilmt worden. Ein Beuteanteil in Höhe von 18 000 Mark, versteckt in einem Bücherregal, wurde sichergestellt.
Angesichts der überzeugenden Indizien legte der 26jährige ein Geständnis ab. Vor Gericht erklärte er, daß er den Bankraub unter erheblichem Drogeneinfluß verübt habe. lhe
ESCHWEGE. In brutaler Wildwestmanier hat ein unbekannter Pkw-Fahrer in Nordhessen einen anderen Verkehrsteilnehmer bedroht und in den Straßengraben abgedrängt. Wie die Eschweger Polizei mitteilte, zwang der rabiate Mann Dienstag früh auf einer Bundesstraße bei Hessisch-Lichtenau einen 23jährigen bosnischen Autofahrer nach mehreren Überhol- und Bremsmanövern zum Anhalten und bedrohte ihn mit einer Stichwaffe und einer Pistole.
Als sich ein Lastwagen dem Ort der Auseinandersetzung näherte, sprang der bewaffnete Fahrer wieder in seinen Wagen und raste davon. Der 23jährige nahm die Verfolgung auf, wurde allerdings bei dem Versuch, dem erneut bremsenden Verkehrsrowdy auszuweichen, von diesem in den Straßengraben abgedrängt, wo das Fahrzeug des Bosniers umkippte. Ein ausländerfeindliches Motiv war für die Polizei nicht erkennbar. lhe
TOKIO, 19. Januar (dpa). Nach der offiziellen Zustimmung des japanischen Thronrats ist die Hochzeit des japanische Thronfolgers Naruhito (32) mit seiner bürgerlichen Braut Masako Owada (29) nahezu perfekt. Zwei Wochen nach dem Bekanntwerden der Heiratspläne gab der zehnköpfige Rat, der für alle Fragen der Monarchie zuständig ist, am Dienstag einstimmig seine Einwilligung.
Ministerpräsident Kiichi Miyazawa, der die Sitzung leitete, lobte die Wahl des Kronprinzen in einer Erklärung. "Fräulein Owada hat eine ausgezeichnete Persönlichkeit und ist ein Mensch, der hochgradig geeignet ist, die Kronprinzessin zu werden", beschrieb Miyazawa die junge Karrierediplomatin. Die Hochzeit ist für Ende Mai oder Anfang Juni geplant.
In der ersten Fernseh-Pressekonferenz des Paares überraschte die Tochter eines Staatssekretärs im Außenministerium die Nation durch ungewöhnliches Selbstbewußtsein. Statt sich auf kurze, belanglose Antworten zu beschränken und alles andere dem künftigen Tenno zu überlassen, nahm Masako Owada zu jeder Frage ausführlich Stellung. Das älteste Kaiserhaus der Welt weist der Frau des Herrschers nach wie vor die Rolle einer Untergebenen zu.
"Ich werde mein Bestes geben, um den Kronprinzen glücklich zu machen", versprach die 29jährige, die ein hellgelbes Kostüm trug. Naruhito sagte: "Ich danke Masako von ganzem Herzen dafür, meinen Antrag angenommen zu haben." Die Diplomaten-Tochter hatte sich lange gegen seinen Antrag gesträubt. Auf die Frage, wie viele Kinder das Paar wünsche, meinte die junge Frau: "Ich hoffe nicht, daß der Kronprinz künftig ein ganzes Orchester dirigieren will."
CHICAGO, 19. Januar (Reuter). Der US-Ärzteverband (AMA) hat den designierten Präsidenten des Weltärztebundes, Hans Sewering, wegen dessen angeblicher Nazi-Vergangenheit aufgefordert, auf sein Amt zu verzichten. Der Vorsitzende des US-Ärzteverbandes, Raymond Scalettar, sagte in Chicago, Vertreter des Weltverbandes müßten den höchsten Idealen der Medizin und Ethik entsprechen. Dem deutschen Mediziner Sewering wird vorgeworfen, ein behindertes Mädchen in eine Euthanasie-Anstalt der Nationalsozialisten und damit in den Tod geschickt zu haben. Sewering hat zugegeben, nationalsozialistischen Organisationen angehört zu haben, eine Beteiligung am sogenannten Euthanasieprogramm der Nazis jedoch bestritten.
BOGOTA, 19. Januar (Reuter). Der kolumbianische Drogenboß Pablo Escobar hat angekündigt, er werde den bewaffneten Kampf gegen den Staat wiederaufnehmen. Ihm bleibe nichts anderes übrig, da seine Anwälte behindert würden und das Leben von Verdächtigen in Polizeigewahrsam gefährdet sei, schrieb der Chef des Kokain-Kartells von Medellin in einem am Montag veröffentlichten Brief an Generalstaatsanwalt Gustavo de Greiff. Er kündigte die Bildung einer neuen bewaffneten Formation an. Escobar hatte zwischen 1989 und 1990 einen blutigen "Drogenkrieg" gegen den Staat geführt, der Hunderte Menschen das Leben gekostet hatte. Im Juni 1991 stellte er sich den Behörden. Ein Jahr später floh er aus dem Gefängnis.
TAIPEH, 19. Januar (Reuter). Bei einem Feuer in einem vollbesetzten Restaurant in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh sind Dienstag früh 33 Menschen ums Leben gekommen. 21 Gäste wurden nach Polizeiangaben verletzt. In Panik sprangen einige Gäste aus den Fenstern des im zweiten Stock gelegenen Restaurants Lun Ching. Die Brandursache stand noch nicht fest. Brandstiftung sei nicht ausgeschlossen, erklärte Staatsanwalt Lu Jen-fa. Nach Polizeiangaben war die hohe Zahl der Toten darauf zurückzuführen, daß zwei der drei Notausgänge blockiert waren. Das Lokal war nach Angaben eines Sprechers der Stadtverwaltung seit fünf Jahre ohne Konzession betrieben worden. Bürgermeister Huang Ta-chou bot seinen Rücktritt an, weil die Stadtverwaltung versäumt habe, das Lokal zu schließen.
BONN, 19. Januar (Reuter). Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) will am heutigen Dienstag die angekündigte Kabinettsumbildung bekanntgeben. Am Freitag sollen die neuen Minister im Bundestag vereidigt werden. Fest steht, daß der CDU-Abgeordnete Jochen Borchert dem ausscheidenden Landwirtschaftsminister Ignaz Kiechle (CSU) folgt. Auf Wunsch der FDP soll der Treuhand-Vorstand Günter Rexrodt von Jürgen Möllemann das Wirtschaftsministerium übernehmen. Als sicher gilt auch, daß CSU-Landesgruppenchef Wolfgang Bötsch neuer Postminister wird. Als Nachfolger von Forschungsminister Heinz Riesenhuber wurde in Medienberichten der CDU-Abgeordnete Matthias Wissmann genannt.
MÜNCHEN (rtr/FR). Die westdeutsche Industrie hat ihre Sachanlage-Investitionen in der ehemaligen DDR nach Berechnungen des Ifo-Instituts 1992 zwar verdoppelt, die Pläne jedoch nicht voll realisiert. Anstelle der vorgesehenen 18 Milliarden wurden lediglich 16,5 Milliarden Mark ausgegeben. Dies ermittelten die Münchner Wirtschaftsforscher anhand einer Befragung, die ferner zutage förderte, daß in diesem Jahr eine Aufstockung auf rund 17,5 Milliarden Mark in Aussicht genommen ist.
Als Gründe für die Verzögerung und Aufgabe von Investitionen nannten die Unternehmen an erster Stelle "Schwierigkeiten mit der Treuhandanstalt und Behörden vor Ort". Auch die verschlechterten Absatzbedingungen sind den Ifo- Leuten zufolge "zu einem wichtigen Faktor geworden". Ferner verzögerten oder verhinderten überdurchschnittlich oft Rückgabeansprüche früherer Eigentümer vorgesehene Projekte. Gut ein Viertel gab aber auch an, auf keine nennenswerten Hemmnisse gestoßen zu sein.
Einen wesentlich höheren Anteil ihrer Gesamtinvestitionen als die Industrie gibt die Bauwirtschaft jenseits von Elbe und Werra aus. Für diese Branche dürften die Chancen in Ostdeutschland auch größer als für das Verarbeitende Gewerbe sein. Die dortigen Investitionen hiesiger Baufirmen taxiert Ifo in diesem Jahr auf zwei Milliarden nach zuvor 1,8 Milliarden Mark.
TOKIO, 19. Januar (Reuter). Die japanischen Sozialisten haben am Dienstag eine neue Parteispitze gewählt. Beim Parteitag in Tokio wurde der 56jährige Sadao Yamahana wie erwartet zum Vorsitzenden bestimmt. Der noch weitgehend unbekannte 44jährige Hierotaka Akamatsu übernimmt das Amt des Generalsekretärs.
Ex-Parteichef Makoto Tanabe war im Dezember zurückgetreten. Grund waren seine persönlichen Verbindungen zu dem Politiker Shin Kanemaru von der regierenden Liberal-Demokratischen Partei, der in einen Skandal verwickelt ist.
PARIS, 19. Januar (Reuter/dpa). Frankreichs regierende Sozialisten müssen bei den Parlamentswahlen im März nach einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage mit dramatischen Verlusten rechnen. Von ihren 270 Sitzen im Parlament sind ihnen derzeit nur noch 83 sicher, ergab die von der Tageszeitung Le Figaro abgedruckte Erhebung des Instituts SOFRES. Die bürgerlichen Oppositionsparteien können dagegen der Umfrage zufolge damit rechnen, ihren Anteil von 259 auf 439 der insgesamt 577 Mandate zu steigern. Die Kommunisten könnten 28 statt bisher 25 Sitze erhalten.
Die Franzosen wählen am 21. März ein neues Parlament. Am 28. März finden Stichwahlen statt.
Mit der Aufstellung eigener Kandidaten in 31 Wahlkreisen tat der ehemalige französische Verteidigungsminister Jean- Pierre Chevenement am Dienstag einen weiteren Schritt aus der Sozialistischen Partei. Chevenement selbst tritt in Belfort (Ostfrankreich) gleichzeitig für die Sozialisten und die von ihm gegründete "Bürgerbewegung" an.
LONDON, 19. Januar (Reuter). Der Umweltschutzorganisation Greenpeace zufolge kann der Ölverbrauch auf der Erde innerhalb von 40 Jahren durch den Einsatz effizienterer Verfahren und alternativer Technologien halbiert werden. Die Gruppe stellte am Dienstag in London eine Studie mit dem Titel "Energie ohne Öl" vor, nach der ein verringerter Ölverbrauch ohne schwere wirtschaftliche Einbußen möglich ist. Dazu fehle derzeit aber der politische Wille.
Der Ölverbrauch solle durch effektivere Energieausnutzung im Verkehr und bei der Stromgewinnung gesenkt werden, heißt es in der Studie.
BRÜSSEL (rtr/FR). Die EG-Kommission hofft auf einen Abschluß der Uruguay-Runde des Gatt noch unter dem am 2. März auslaufenden US-Verhandlungsmandat. Sie habe der neuen Regierung in Washington Gesprächsbereitschaft signalisiert, betont Außenhandelskommissar Sir Leon Brittan. In den vergangenen Wochen habe man mit den scheidenden amerikanischen Politikern zwar keinen Abschluß geschafft, aber auch keine Zeit vergeudet. Um die Ansichten des neuen US-Präsidenten Bill Clinton kennenzulernen, will sich Brittan so schnell wie möglich mit dessen Handelsbeauftragten Mickey Kantor treffen.
Gestern hatte das Handelskomitee des Gatt in Genf seinen letzten vergeblichen Versuch gestartet, noch mit der alten Bush-Administration zu einer Basisvereinbarung über die seit sieben Jahren dauernde Uruguay-Runde zu kommen.
Der Schlüssel für ein Abkommen sei ein weitreichendes Paket über Marktzugang, meint Brittan. Es bestehe jedoch wenig Spielraum für substantielle Änderungen am Kompromiß-Papier von Gatt- Generalsekretär Arthur Dunkel.
Querschüsse kommen dagegen erneut von den Landwirtschaftsministern der EG. Sie beschlossen am Montag, den Agrarkompromiß mit den USA durch einen Sonderausschuß überprüfen zu lassen. Dies könnte das Abkommen über den Abbau von Subventionen in Frage stellen und das Gatt-Abkommen um Monate verzögern. Der Vorsitzende des Treffens, der Däne Laurits Toernaes, erklärte, mehrere Delegationen hätten Zweifel geäußert, daß der Kompromiß mit den Beschlüssen der EG zur Kürzung von Beihilfen übereinstimme. Haupttreiber ist der französische Agrarminister Jean- Pierre Soisson, dessen Regierung im März Parlamentswahlen zu bestehen hat.
Der künftige Bundeslandwirtschaftsminister, Jochen Borchert (CDU), will die nach seinen Worten "erfolgreiche Politik" seines Vorgängers Ignaz Kiechle (CSU) fortsetzen. Der habe sowohl mit der EG- Agrarreform als auch mit dem Kompromiß bei den Gatt-Verhandlungen "gute Grundlagen" geschaffen. So existiere auf den Märkten ein "annäherndes Gleichgewicht", das eine Begrenzung der Produktion erlaube. Borchert räumt aber ein, daß die Landwirtschaftspolitik nicht ohne Konflikte verlaufen werde. Das könne bei einem Berufsstand mit solchen erheblichen Veränderungen nicht anders sein. Er hoffe aber, daß die "Konflikte auch in Zukunft möglichst rational ausgetragen werden". Er sei entschlossen, den Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft sozial zu flankieren. Bei seiner Arbeit in Brüssel komme es darauf an, die EG-Agrarreform weiterzuentwickeln. Er rechne mit schwierigen Verhandlungen.
MAILAND, 19. Januar (Reuter). Ein helles Leuchten am Himmel hat am frühen Dienstag morgen in Teilen Nord-Italiens die Nacht zum Tage gemacht. Einwohner berichteten, kurz vor zwei Uhr sei der Himmel in einem Gebiet zwischen Bergamo und Pescara an der Adria in hellem Blau oder Rot erstrahlt, und es seien Knalle zu gehören gewesen, die Fenster und Wände erschüttert hätten. Als wahrscheinlichste Ursache nannten Experten einen Meteoriten oder Teile eines Kometen, die auf die Erde zugestürzt und in der Atmosphäre verglüht seien. Dabei deuteten die Phänomene am Himmel darauf hin, daß es sich um ein recht großes Stück gehandelt habe.
OSLO, 19. Januar (Reuter). Ein norwegischer Forschungsreaktor hat nach Angaben des Instituts für Energietechnik in Oslo im vergangenen April eine geringe Menge Schweren Wassers verloren. Wie das Institut am Dienstag mitteilte, trat etwa ein halber Liter der leicht radioaktiven Flüssigkeit an der undichten Stelle einer Leitung aus. Der Störfall in dem Reaktor bei Oslo sei erst jetzt entdeckt worden. Die Umwelt sei nicht gefährdet worden.
KABUL, 19. Januar (Reuter/dpa). Bei Raketenangriffen auf Kabul sind am Dienstag drei Menschen getötet worden. In Regierungskreisen in der afhghanischen Hauptstadt hieß es weiter, 25 Menschen seien verletzt worden. In den Kreisen wurde die radikale Modjaheddin- Gruppe Hesb-i-Islami von Gulbuddin Hekmatyar für die neuen Angriffe mit über 30 Raketen verantwortlich gemacht. Wohngebiete und die Umgebung des Flughafens seien getroffen worden. Seit Sonntag ist Kabul täglich beschossen worden.
Der afghanischen Nachrichtenagentur AIP zufolge begannen Regierungstruppen einen Großangriff gegen Stellungen Hekmatyars. Die Truppen würden von Panzern und Hubschraubern unterstützt.
CAPE CANAVERAL, 19. Januar (Reuter). Die US-Raumfähre "Endeavour" ist am Dienstag sicher auf dem Kennedy- Raumfahrtzentrum in Florida gelandet. Die Rückkehr des Raumgleiters hatte sich wegen Nebels geringfügig verspätet. Um 14.38 Uhr (MEZ) kehrte die "Endeavour" nach 96 Erdumkreisungen zur Erde zurück. Sie war am 13. Januar mit fünf Astronauten an Bord in den Weltraum gestartet. Die Besatzung hatte unter anderem einen Fernmeldesatelliten ausgesetzt. Es war die erste von acht Fähren- Missionen, die die US-Raumfahrtbehörde NASA für dieses Jahr plant.
BONN, 19. Januar (AP/Reuter/dpa). Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Johannes Nitsch, hat die Finanzpolitik der Bonner Regierung scharf kritisiert. Er könne nicht mehr erkennen, daß die Förderung von Industrie- und Infrastruktur in Ostdeutschland noch Schwerpunkt der Bonner Beratung sei, sagte er der Leipziger Volkszeitung am Dienstag. Der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Manfred Kolbe meinte in der selben Zeitung, vom Konzept zur Haushaltskonsolidierung und zum Aufbau Ost sei "nichts mehr da". Unter dem Strich drohten die neuen Länder nun schlechter als vorher dazustehen, da nicht nur der Bund, sondern auch die Länder mit konjunkturbedingten Steuermindereinnahmen fertig werden müßten. Sachsens Regierungschef Kurt Biedenkopf (CDU) warnte vor einem Scheitern des Solidarpakts.
Die Junge Union nannte die geplanten Kürzungen beim Kinder- und Erziehungsgeld, unakzeptabel. Das Erziehungsgeld sei kein Almosen des Staates, sondern eine Anerkennung für die Erziehungsarbeit von Frauen und Männern.
Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) forderte SPD-Opposition, Tarifparteien und Länder auf, das Sparprogramm der Koalitionsspitzen unvoreingenommen zu prüfen. Er wolle sich am 27. Januar mit den Länderchefs treffen, versprach er.
SPD-Chef Björn Engholm kritisierte das Sparprogramm scharf. Seine Partei beharre auf einer sozial gestaffelten Ergänzungsabgabe von Besserverdienenden ab 1994 und auf einer Arbeitsmarktabgabe von Abgeordneten, Selbständigen und Beamten.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel forderte seinen CDU- Parteifreund und Bundeskanzler Helmut Kohl auf, schnellstmöglich die Verhandlungen über den Solidarpakt in einer Klausurtagung mit allen Beteiligten fortzusetzen.
Als Teilnehmer nannte er neben den Bonner Koalitionsparteien ausdrücklich die Opposition im Bundestag, Vertreter des Bundesrates, der kommunalen Spitzenverbände, der Gewerkschaften und Arbeitgeber und der Deutschen Bundesbank.Korruptionswächterin Italien verdächtig
ROM, 19. Januar (Reuter). Die obersten Korruptionswächter Italiens müssen sich gegen den Vorwurf wehren, in den Mißbrauch öffentlicher Gelder verwickelt zu sein. Im Fernsehen bestritt der Generalbevollmächtigte des Corte dei Conti (oberster Rechnungshof, d. Red.), Emidio Di Giambattista, entsprechende Vorwürfe am Dienstag. Diese seien Teil einer Kampagne, die italienischen Institutionen zu verunglimpfen.
Di Giambattista und der Chef der Institution zur Verfolgung der Korruption, Giuseppe Carbone, sollen Untersuchungen über Schmiergeldzahlungen verhindert haben.
Die Beschuldigungen beziehen sich auf die Staatsholding IRI und die italienische Eisenbahn. Am 9. Februar soll eine Anhörung stattfinden, nach der über eine Anklageerhebung entschieden werden soll.
Di Giambattista und Carbone drohen Gefängnisstrafen zwischen zwei und sechs Jahren.
SARAJEWO, 19. Januar (Reuter). Die aus Sarajewo evakuierten behinderten Kinder sind am Dienstag nachmittag in einer Maschine der Bundesluftwaffe auf dem Flughafen Halle/Leipzig eingetroffen. An Bord der Boeing 707 befanden sich nach Angaben des Sozialministers von Sachsen-Anhalt, Werner Schreiber (CDU), 59 behinderte Kinder, Jugendliche und Heranwachsende sowie 21 Betreuer und neun begleitende Eltern. Die Gruppe hatte am Freitag Sarajewo mit Bussen verlassen und war in die kroatische Hafenstadt Split gefahren. Die Kinder sollen in drei Heimen in Sachsen-Anhalt untergebracht werden.
Um den neuerlichen Transport von Kindern aus Sarajewo nach Deutschland war es zwischen den Initiatoren, den beiden Landtagsabgeordneten Jürgen Angelbeck (parteilos) und Karsten Knolle (CDU), und der Landesregierung zu einer heftigen Kontroverse gekommen. Nachdem die Landesregierung gedroht hatte, die beiden müßten alle Kosten für die Unterbringung übernehmen, hatten sie sich am Wochenende aus der Aktion zurückgezogen. Der Transport wurde letztlich von der Landesregierung in Abstimmung mit dem Auswärtigem Amt und der Bundesluftwaffe organisiert.
MÜNCHEN, 19. Januar (Reuter). In der Nähe der fränkischen Ortschaft Wassertrüdingen bei Ansbach ist am Dienstag ein Bundeswehrflugzeug vom Typ Tornado abgestürzt. Beide Piloten retteten sich nach Polizeiangaben mit dem Schleudersitz, einer von ihnen wurde verletzt. Die Maschine vom Jagdbombengeschwader aus Memmingen bohrte sich in eine Wiese. An Bord befanden sich nach Auskunft der Polizei keine Waffen. Die Absturzursache war zunächst unbekannt.
GENF, 20. Januar (Reuter). UN-Generalsekretär Butros Butros-Ghali hat sich für die Verabschiedung eines Vertrags zum weltweiten Stopp aller Atomtests ausgesprochen. Zu Beginn einer UN-Abrüstungskonferenz in Genf sagte Butros- Ghali am Dienstag, nach der Unterzeichnung des START-II-Vertrags über die Reduzierung der Zahl strategischer Atomwaffen durch Rußland und die USA sei die Zeit günstig, sich verstärkt für einen solchen Vertrag einzusetzen.
Der neuseeländische Außenminister Douglas Graham sagte, ein dauerhafter Atomteststopp wäre ein entscheidender Schritt, um die Weiterentwicklung von Atomwaffen zu verhindern. Neuseeland liegt in der Nähe der französischen Atomtestgelände.
NEW YORK/KÖLN, 20. Januar (Reuter/FR). Das US-Justizministerium untersucht, ob dem designierten Präsidenten des Weltärztebundes, Hans-Joachim Sewering, wegen seiner NS-Vergangenheit die Einreise in die USA untersagt werden kann. In einem Brief vom Dienstag an den Jüdischen Weltkongreß schrieb Abteilungsleiter Neal Sher, zuständig im Justizministerium für NS-Ermittlungen, er habe mit einer Untersuchung begonnen.
Shers Amt hat die Möglichkeit, den 76jährigen Sewering auf eine Liste zu setzen, die Personen die Einreise in die USA untersagt, welche den Nationalsozialisten geholfen haben.
Der langjährige deutsche Ärztefunktionär ist bereits zum nächsten Präsidenten des Weltärztebundes ab Oktober 1993 gewählt worden. Ärzte aus Deutschland, den USA, Kanada und Israel riefen dazu auf, die Entscheidung rückgängig zu machen. Sewering hat zugegeben, Angehöriger von SS und NSDAP gewesen zu sein.
Die Bundesärztekammer, die Sewering in Schutz nimmt, wies darauf hin, daß ihr "der Zeitpunkt der Kampagne" gegen den 76jährigen "völlig unverständlich" sei, "denn mit seiner Wahl zum ,president- elect&rquote; (designiertem Präsidenten, Red.) gibt Professor Sewering jegliches Stimmrecht im Vorstand des Weltärztebundes auf". Er werde dort nur noch "eine rein repräsentative Funktion" wahrnehmen.
JERUSALEM, 19. Januar (Reuter). Das israelische Parlament hat nach einer Meldung des israelischen Rundfunks dafür gestimmt, die Kontakte zur PLO zu legalisieren. In der Meldung hieß es am Dienstag abend, die Knesset (Parlament) habe mit 39 gegen 20 Stimmen entschieden, das bislang generell geltende Verbot aller Kontakte für Israelis mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) aufzuheben. Bislang galt die PLO in Israel als "terroristische Vereinigung". Mit der Entscheidung setzte sich die von Ministerpräsident Yitzhak Rabin geführte Labour-Koalition gegen die oppositionellen rechtsgerichteten Parteien durch.
Beobachter sehen in der Entscheidung des Parlaments einen ersten vorsichtigen Schritt in Richtung auf einen offiziellen Dialog mit der PLO. Bislang hat Rabin der PLO die Beteiligung am Nahost-Dialog verweigert.
Menschenrechts-Report Irak und Serben foltern
WASHINGTON, 20. Januar (Reuter). Die US-Regierung hat Irak und den bosnischen Serben schwerste Verletzungen der Menschenrechte vorgeworfen. Dies geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht des Außenministeriums zur Lage der Menschenrechte in insgesamt 150 Staaten hervor. In Sachen Folter und Massenexekution habe Irak 1992 erneut einen traurigen Rekord gehalten. Und die Verbrechen der bosnischen Serben stellten alles in den Schatten, was Europa seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt habe. Israel habe mehr Palästinenser erschossen als je zuvor.
Der Menschenrechtsbericht sollte offenbar auch als Grundlage für die harte Haltung der USA gegen Irak dienen. In den irakischen Gefängnissen würden die Häftlinge mit Elektroschocks und glühenden Eisen gequält, heißt es im Bericht. Auch Vergewaltigungen und Kastrationen seien verbreitet.
Die größten Verbrechen der bosnischen Serben sind nach dem Bericht der systematische Beschuß und die dauerhafte Belagerung großer Städte. Hauptziel ihrer Militäraktionen seien die Zivilisten. Doch auch die bosnischen Kroaten und Moslems hätten sich Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht.
Die israelischen Sicherheitskräfte töteten dem US-Außenministerium zufolge im vergangenen Jahr 158 Palästinenser, 60 mehr als im Vorjahr. Berichte legten den Schluß nahe, daß die Israelis Verdächtige häufig töteten, obwohl sie sie auch verhaften könnten, heißt es.
Als Beleg für die teilweise positive Entwicklung in China führt das US-Außenministerium die Freilassung zahlreicher Mitglieder der Demokratie-Bewegung an.
In Genf starteten internationale Frauengruppen eine Kampagne mit dem Ziel, Vergewaltigung als Kriegsverbrechen einzustufen.
Die Fußball-Bundesliga ist ein Fernseh-Exportschlager: In 19 Länder werden die Spiele übertragen, für die Münchner Sportrechte-Agentur ISPR eine Millionenangelegenheit. Die Münchner Agentur - als eigenes Profitcenter organisiert, aber kapitalmäßig mit dem Hause Springer/Kirch und damit mit dem deutschen Bundesligarechte-Inhaber SAT.1 verbunden - ist mit der Bundesliga zufrieden. 120 Millionen Mark zahlen die Münchner pro Saison an die Liga. Geschäftsführer Daniel Beauvois sagt: "Wir sind sicher, am Ende der Laufzeit unseres Vertrages Geld verdient zu haben." ISPR hat die Rechte bis 1995 und verfügt über eine zweijährige Option.
Finanziell sind die Summen, die SAT.1 sowie ARD und ZDF zahlen, natürlich der dickste Brocken in der Bilanz, doch die Beliebtheit der Bundesliga läßt sich an den Anfragen aus dem Ausland ablesen. Einzelverträge bestehen mit Brasilien, Thailand, Indonesien, Japan, Mexiko, Italien, Norwegen, Großbritannien, Spanien, Portugal, Dänemark, Österreich, Niederlande, Schweiz, Griechenland, Frankreich, Polen, der Türkei und China; für den gesamten afrikanischen Kontinent wickelt die Kölner Firma Transtel die Verbreitung der Bundesliga via Video-Kassetten ab.
"Inhaltlich sind die Verträge sehr verschieden. Das geht von zwei kompletten Spielen, davon eins live, bei Pay-TV-Sendern in Italien und Großbritannien bis zu einer 30minütigen Zusammenfassung eines Spieltages. Andere wiederum wollen nur die Tore für Kurzberichte", erklärt Beauvois.
Einen Sonderstatus nimmt die "Deutsche Welle" ein. Die strahlt via Satellit in deutscher Sprache jeden Dienstag abend eine einstündige Bundesliga-Zusammenfassung aus. Beauvois: "Da haben wir nicht aufs Geld geschaut, sondern da geht es in Absprache mit dem Deutschen Fußball-Bund darum, daß jeder Deutsche, egal, wo er auf dieser Welt lebt, sich über die Bundesliga informieren kann." Insgesamt macht die Auslandsverwertung beim Finanzvolumen aber nur fünf Prozent des Umsatzes aus, also rund sieben Millionen Mark. Im Inland sieht Beauvois noch Reserven für die ISPR: "Die neuen Nachrichtenkanäle werden irgendwann vielleicht auch Bilder von der Bundesliga haben wollen, und mit dem Deutschen Sportfernsehen haben wir bislang auch noch nicht verhandelt." sid
Die Nachricht war eigentlich schon längst bekannt, doch Boris Becker wartete mit seiner Erklärung und zelebrierte sie - in Jackett, Krawatte und mit der Lebensgefährtin Barbara Feltus an seiner Seite - in gebührendem Rahmen beim Abendessen am Meer: "Ich spiele in diesem Jahr keinen Daviscup, weil ich wieder möglichst nah an die Nummer eins herankommen will. Ich bin auch nur ein Mensch und kann nicht auf allen Bühnen tanzen."
Der Mann, der das deutsche Tennis- Nationalteam zu zwei Siegen 1988 und 1989 führte und im traditionsreichsten Mannschaftswettbewerb der Welt unvergeßliche Spiele zeigte, stellt - wie schon 1990 - die Einzelkarriere in den Vordergrund. "Seit ich wieder hart gearbeitet habe, spüre ich: Da ist noch was drin in mir. Und um das rauszuholen, brauche ich Pausen und genügend Kraft."
Am Samstag hatte er seinem Teamchef Niki Pilic die Entscheidung telefonisch mitgeteilt. Sie sei für den gebürtigen Kroaten allerdings nicht mehr überraschend, sondern vielmehr das zu erwartende Ergebnis langer Überlegungen und mehrerer Gespräche gewesen. "Niki kennt mich gut genug, um zu wissen, daß ich nicht zu beeinflussen bin. Er hat das auch nicht versucht", so Boris Becker.
Pilic, zu Hause in München erreichbar, verbarg seine Enttäuschung nicht: "Es ist wirklich schade." Doch lange schon weiß der Mann, der einst vier Freunde zum erfolgreichsten Team in der deutschen Daviscupgeschichte geformt hatte, daß er jegliche Entscheidungen seines "Leithammels" hinnehmen muß. "Er ist ein erwachsener Mann. Ich muß das respektieren. Außerdem hat Boris viel für Deutschland getan." Er wäre nicht Nikola Pilic, wenn er diesen Nachsatz vergessen hätte.
Am 26. März gegen Rußland in Moskau führt nun Michael Stich den Rest der Mannschaft an. Der olympische Doppelpartner Beckers sprach im September beim geschafften Klassenerhalt (5:0 gegen Belgien) in Essen von seinem Traum, einmal den Daviscup zu gewinnen. Becker und Stich hatten sich das gemeinsame Ziel in die Hand versprochen - zwar nicht wie Freunde es tun, aber erfolgreiche Zweckgemeinschaften.
Als Becker Stich in Melbourne die Entscheidung mitteilte, "war der erstmal still und hat es zur Kenntnis genommen". Keine weitere Reaktion. Carl-Uwe Steeb, der mit Becker gut befreundet ist, versteht ihn immer und kommentiert ohnehin selten.
Becker macht kein Hehl daraus, daß eine veränderte Stimmung im Team den Rückzug erleichtert hat: "Es ist klar, daß sich vieles veränderte und von den vier Freunden nur noch einer übrig ist." Aber er hätte auch in der alten Situation - wenn auch schwereren Herzens - nicht anders gehandelt. "Wenn ich die Turniere voll spiele, kann ich im Daviscup nicht bringen, was ich will. Und halbe Sachen mache ich nicht."
Er, dem der Teamwettbewerb immer über alle anderen Ziele gegangen war, hat aber inzwischen auch generelle Probleme mit dem Daviscup: "Der Haß, der Fanatismus, bloß weil du für dein Land spielst, das ist nicht menschlich." Noch einmal - wie beim Erstrunden-Aus gegen Brasilien in Rio vergangenes Jahr - bespuckt, beschimpft und mit Steinen beworfen zu werden - "darauf kann ich gern verzichten".
Und schließlich, so die beruhigende Nachricht, ist auch nichts so endgültig wie es derzeit klingen mag. "Wenn es im September gegen den Abstieg gehen sollte und sie fragen mich, denke ich sicher nochmal nach." Und ständen, sinnierte Becker weiter, die Deutschen im Halbfinale - "womöglich noch gegen Schweden in Deutschland" - wäre das vielleicht auch eine Überlegung wert. Auch McEnroe macht Daviscup-Pause
Auf den früheren Weltranglisten-Ersten John McEnroe muß der amerikanische Tennis-Teamchef Tom Gorman zumindest beim Start des Daviscupsiegers USA im März in Melbourne gegen Australien verzichten. Wie der 33jährige New Yorker der Los Angeles Times erklärte, habe er Gorman gebeten, ihn in den Planungen für die ersten Daviscup- Runden nicht zu berücksichtigen. sid
Ein erneutes Debakel erlebten am Dienstag die Männer des Deutschen Ski- Verbandes (DSV). Beim Riesenslalom im schweizerischen Veysonnaz, den überraschend Lokalmatador Michael von Grünigen gewann, konnten sich Markus Wasmeier, Tobias Barnerssoi und Peter Roth mit durchweg blamablen Leistungen im ersten Durchgang nicht einmal für das Finale der besten 30 Läufer qualifizieren. Armin Bittner war zum Start im ersten Lauf erst gar nicht angetreten.
Strahlende Gesichter dagegen im eidgenössischen Team über den ersten Weltcup-Sieg von Michael von Grünigen. Der 23jährige verwies mit einer Gesamtzeit von 2:29,51 Minuten den Italiener Alberto Tomba (2:29,58) und den Norweger Lasse Kjus (2:29,71) auf die Ehrenplätze. Die bisherigen Riesenslaloms der Saison hatten der Norweger Kjetil Andre Aamodt und Marc Girardelli (2) gewonnen. Der Luxemburger führt auch weiterhin im Gesamtweltcup: Nach seinem vierten Platz (2:30,28) weist er nun 925 Punkte auf und liegt vor Verfolger Tomba (612).
Michael von Grünigen hatte noch nie in seiner Karriere auf dem "Stockerl" gestanden, sein bislang bestes Resultat war ein vierter Platz beim Riesenslalom von Kranjska Gora in der vergangenen Saison. Schon einmal, beim Riesenslalom in Alta Badia, hatte der 23jährige im ersten Durchgang Bestzeit erzielt, war dann aber auf den fünften Rang abgerutscht.
Die deutschen Männer setzten dagegen beim letzten Riesenslalom vor den Weltmeisterschaften ihre rasante Talfahrt fort. Nicht einmal Peter Roth (Königssee), der zwei Tage zuvor beim Slalom in Lech den sechsten Platz belegt hatte, konnte das erneute Fiasko verhindern. Im ersten Durchgang hatte er einen Rückstand von 2,48 Sekunden auf die Laufbestzeit von Sieger Grünigen, war damit als 44. zwar bester Deutscher, verpaßte jedoch wie seine Kollegen deutlich das Finale der besten 30 Läufer.
Auch Markus Wasmeier (Schliersee) schien völlig von der Rolle. Ohne den nötigen Biß und offensichtlich verunsichert rutschte der 29jährige über die schwere "Piste de L'Ours" und landete mit einem Rückstand von 3,12 Sekunden auf die Bestzeit nur auf Rang 60. Tobias Barnerssoi (Halblech) erging es nur unwesentlich besser. Beim ersten Riesenslalom der Saison in Sestriere hatte er noch den vierten Platz belegt, danach ging es ständig bergab, jetzt erreichte er mit dem 46. Platz im ersten Lauf (2,60 Sekunden Rückstand) ebenfalls den Tiefpunkt. sid
Der Deutsche Fußball-Meister VfB Stuttgart konnte bei dem von ihm veranstalteten Turnier in der Schleyer-Halle seinen Heimvorteil nutzen. Durch einen hartumkämpften 7:5-Erfolg nach Siebenmeterschießen gegen Bayern München, das am Sonntag noch das Turnier in Berlin gewonnen hatte, qualifizierten sich die Schwaben für das Finale und haben bereits ein Preisgeld in Höhe von 7000 Mark sicher.
Im besten Spiel des Turnieres glich Gaudino mit zwei Treffern die Münchner Führung durch Helmer und Schupp aus. Im Siebenmeterschießen scheiterte Schupp vor 7000 Zuschauern am Stuttgarter Torhüter Trautner, während der VfB alle fünf Versuche verwandelte. Im Finale trifft der VfB auf den 1. FC Kaiserslautern, der den Titelverteidiger Bröndby Kopenhagen nach Siebenmeterschießen mit 6:4 bezwang.
Matchwinner war der Pfälzer Schlußmann Serr, der drei Strafstöße parierte. Der Sieger erhält in Stuttgart, wo erstmals vier statt wie bisher fünf Feldspieler eine Mannschaft bildeten, eine Prämie in Höhe von 15 000 Mark und 120 Wertungspunkte für das Masters in München. sid
Der Deutsche Fußballmeister VfB Stuttgart hat den dritten Sieg nach 1988 und 1991 beim von ihm veranstalteten Turnier in der Schleyer-Halle verpaßt. Im Finale unterlagen die Schwaben vor 7000 Zuschauern dem 1. FC Kaiserslautern mit 3:5 im Siebenmeterschießen. Nach regulärer Spielzeit hatte es 2:2 gestanden.
Die Führung der Pfälzer durch Vogel wandelten Walter und Gaudino in eine 2:1-Führung des VfB um. Zwölf Sekunden vor dem Ende traf Hotic zum Ausgleich für den Ex-Meister vom Betzenberg. Den entscheidenden "Strafstoß" schoß der Stuttgarter Strehmel am Gehäuse der Pfälzer vorbei. Für den FCK verwandelten Kuntz, Wagner, Marin, Vogel und Ritter, während für den VfB im Siebenmeterschießen Strunz, Golke und Frontzeck erfolgreich waren.
Den dritten Platz belegte Titelverteidiger Bröndby Kopenhagen. Die Dänen schlugen im "kleinen Finale" Bayern München, die noch am vergangenen Sonntag das Turnier in Berlin für sich entschieden hatten, mit 3:1.
Durch einen hartumkämpften 7:5- Erfolg nach Siebenmeterschießen gegen Bayern München hatte der VfB das Endspiel erreicht. Der 1. FC Kaiserslautern benötigte im Halbfinale ebenfalls ein Siebenmeterschießen, um sich gegen Kopenhagen mit 6:4 durchzusetzen. sid
Tips und Termine für den Main-Taunus-Kreis, Frankfurts westliche Stadtteile und Wiesbaden
MAIN-TAUNUS-KREIS
Filmspiegel Bad Soden. Kurtheater, Zum Quellenpark: Bodyguard (20 Uhr).
Hofheim. Capitol-Kino-Center, Lorsbacher Straße 3: Kino 1: Bodyguard (15, 20.15 Uhr).
Kino 2: Kevin - Allein in New York (15); Der Tod steht ihr gut (20.15 Uhr).
Kino 3: Die Schöne und das Biest (15 Uhr); Sister Act (20.15 Uhr).
Kelkheim. Kino Hornauer Straße 102: Bodyguard (20 Uhr).
Kronberg. Kronberger Lichtspiele, Friedrich-Ebert-Straße 1: Bodyguard (20.15 Uhr). Ausstellungen Bad Soden. Galerie Jürgen Sander, Alleestraße 6: Porträts und Blumenbilder von Dyrck Bondzin, 9.30 bis 13 und 15 bis 18.30 Uhr (bis 30. 1.).
Eppstein. Raule-Automobil-Museum, Hauptstraße 130: Historische Fahrzeuge und Mode, 8 bis 18 Uhr, Führungen nach Absprache Tel. 0 61 98 / 30 10.
Eschborn. Museum, Eschenplatz 1: "Licht / Zeit A", eine Installation von Ottmar Schnee, Film, Video, Fotosequenzen, 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung Tel. 0 61 96 / 49 02 32 (bis 16. 2.).
Hofheim. Kunstverein Hofheim in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und dem Zentrum für altes und neues Wissen und Handeln e. V.: "Zwischen Traum und Tod", Kinderzeichnungen aus dem Getto Theresienstadt, Haindl-Hof, Hauptstraße 21, 16 bis 18 Uhr (bis 7. 2.).
Kreishaus, Am Kreishaus 1 - 5: "Augenblick mal!" - Ausstellung der Lebenshilfe Main-Taunus e. V., Bilder und Zeichnungen geistig behinderter Menschen, 8 bis 18 Uhr (bis 5. 2.).
Rathaus-Foyer: "Seh-Weisen" - Ausstellung der Lebenshilfe Main-Taunus e. V., zu den Rathaus-Öffnungszeiten (bis 31. 1.).
Kelkheim. Foyer der Druckerei Blei & Guba, Großer Haingraben 9: Aquarelle auf Seide "Venezianische Masken" von Bärbel Hoffmann, 8 bis 17 Uhr (bis 10. 2.). Vorträge / Kurse Hofheim. Volkssternwarte Marxheim, "Einführung: Astronomie mit dem Feldstecher" von Dr. E. Schmidt, Vortragsraum der Bibliothek, Bahnstraße 6, 19.30 Uhr.
Kriftel. Malteser-Hilfsdienst: Erste-Hilfe-Kursus, DLRG-Räume, Freibad, 19 Uhr. Lesungen Hofheim. Frauen helfen Frauen MTK, Café Flot und VHS: "Kassandra" Zeichnungen und Lesung, Café Flot, Hauptstraße 4, 20 Uhr.
Beratung / Selbsthilfe Bad Soden. Arbeitsgemeinschaft gegen Suchtgefahren: Beratungsstelle für Suchtkranke, Königsteiner Straße 105, 8.30 bis 17 Uhr, Tel. 0 61 96 / 2 30 59.
Guttempler: Hilfe für suchtkranke Menschen, Einzel- und Gruppengespräche, Kreiskrankenhaus Bad Soden, Zimmer E 703, 19 bis 20 Uhr; Info unter Tel. 0 61 96 / 4 56 73 (Frau Fetscher).
Hofheim. Frauen helfen Frauen: Beratung und Hilfe bei praktischen, gesetzlichen und psychosozialen Problemen, Zeilsheimer Straße 27a, 9 bis 12 Uhr; Kontakt unter Tel. 0 61 92 / 2 42 12.
Jugend- und Drogenberatung: Hattersheimer Straße 5, Sprechstunde, 9 bis 17 Uhr, Kontakt unter Tel. 0 61 92 / 70 62, Abendtermine nach Vereinbarung.
Kinderschutzbund: Sorgentelefon für Kinder, Tel. 0 61 92 / 1 11 03, 15 bis 19 Uhr.
Caritasverband: Allgemeine Lebensberatung, Schwangerschaftskonfliktberatung, Altenberatung; Kuren und Erholung für Mütter, Kinder und Senioren, Pfarrgasse 4, Sprechstunden, 8 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, Kontakt unter Tel. 0 61 92 / 73 33.
Eltern- und Jugendberatung: Vincenzstraße 29 a, 9 bis 12 und 13 bis 16 Uhr, Anmeldung unter Tel. 0 61 92 / 70 38.
Verbraucherberatung: Hattersheimer Straße 1, Tel. 0 61 92 / 2 24 95, 16 bis 18 Uhr.
Kelkheim. Malteser Soziale Dienste: Stundenweiser Betreuungs-, Begleit- und Besorgungsdienst für Senioren und Kranke, Tel. 0 61 95 / 6 22 22, 8 bis 16 Uhr.
DRK: Psychosoziale Gesprächs-, Kontakt- und Beratungsstelle, Alte Schulstraße 8, Sprechzeit, 8 bis 12 Uhr, Terminvereinbarung unter Tel. 0 61 95 / 55 59.
DRK-Sozialstation: Ambulante Alten-, Kranken-, Haus- und Familienpflege, Betreuungs-, Einkaufs- und Fahrdienst, Besuche, Beratungen, Alte Schulstraße 8, Terminvereinbarung unter Tel. 0 61 95 / 55 57, 8 bis 12 und 14 bis 17 Uhr. Vereine / Organisationen Hattersheim. Verband der Kriegs- und Wehrdienstopfer: Kreppelkaffee, Stadthalle, 14.30 Uhr.
Kelkheim. DRK: Gymnastik, Stadthalle, kleiner Saal, 14.30 bis 15.30 und 15.45 bis 16.45 Uhr (hintere Eingangstür).
Verein für Bewegungstherapie und Herzsport: Atem- und Bewegungstherapie für Atemwegserkrankte, Stadthalle, kleiner Saal, 20 bis 21.30 Uhr; Bewegungstherapie für Herz-Kreislaufkranke, Turnhalle, Pestalozzischule, 18.45 bis 20 Uhr; Auskünfte unter Tel. 0 61 95 / 6 46 49.
Sportgemeinschaft: Rundwanderung der Wandergruppe, Treffpunkt: Sportplatz Taunusblick, 18 Uhr.
Sportverein Ruppertshain: "Fit über 45", Fitnesstraining für Frauen und Männer, Ballspiele, Leichtathletik, Gymnastik u. a., Schönwiesenhalle, 18.30 bis 20 Uhr;
Tischtennis für Erwachsene, Schönwiesenhalle, 20 bis 22 Uhr; Auskunft bei Jürgen Berndt, Tel. 0 61 74 / 6 21 30.
Bad Soden. Wohnstift Augustinum, Neuenhain, Sodener Waldweg 2: Gesprächskreis Literatur, Gedanken zur Novelle "Kein Ort, Nirgends" von Christa Wolf, Vortragssaal, 16 Uhr.
Flörsheim. Altenkegeln, Stadthalle, 14.30 bis 16.30 Uhr.
Handarbeitskreis St. Josef: Treffen im Pfarrzentrum St. Josef, 14.30 bis 17 Uhr.
Hattersheim. Seniorenzentrum Altmünstermühle, Erbsengasse 12: Arbeiten mit Holz, 10 Uhr; "Bewegungsgruppe" im Tanzraum, 10.30 Uhr; Kaffeeklatsch, Senioren-Café, 14 Uhr.
Hochheim. Seniorenbeirat: Sprechstunde, Altenwohnheim, Schwedenstraße 2, 15 bis 17 Uhr.
Hofheim. Seniorenzentrum, Hattersheimer Straße 5: Englisch-Kurs, 9 Uhr; Englisch-Kurs, 10.30 Uhr; Singkreis, 14 Uhr; Seidenmalerei, 14 Uhr.
Flörsheim. "Güterschuppen": Jugendcafé, Bahnhofstraße, 14 bis 19 Uhr.
Hattersheim. Jugendtreff Okriftel, Mainstraße 48: Café und Hausaufgabenhilfe, 16 bis 21.30 Uhr; Sprechstunde mit Stadtjugendpfleger Thomas Kaiser, 11 Uhr, Tel. 0 61 90 / 48 67.
Liederbach. Jugendcafé: Spiel- und Bastelnachmittag für Kinder von 6 bis 12 Jahren, Sportlerheim, Wachenheimer Straße, 15.30 Uhr. Sonstiges
Bad Soden. DRK: Blutspendetermin, Hasselgrundhalle, Gartenstraße 2 a, 18 bis 20 Uhr.
Kelkheim. Rentenberatung der BfA durch das DGB-Ortskartell Kelkheim, "Haus Sindlinger Wiesen", Görlitzer Straße 2, 17 bis 18.30 Uhr.
WESTLICHE STADTTEILE
Theater / Konzerte Höchst. Neues Theater, Emmerich- Josef-Straße 46 a: Peter Spielbauer "Wenn die Sonne scheint, scheint die Sonne zu scheinen", 20 Uhr. Filmspiegel Höchst. Filmforum im Neuen Theater: Weiblich, ledig, jung sucht . . . (18.30 Uhr); Fremde Schatten (20.30 Uhr), Emmerich- Josef-Straße 46 a. Ausstellungen Höchst. Firmenmuseum der Hoechst AG im Schloß: Kunst von Zaneta Vangeli, 10 bis 16 Uhr (bis 31. 1.). Vorträge / Kurse Höchst. "Abraham - Ibrahim im Islam", Referenten Niyazi Günes und Yasar Yörük, katholisches Pfarrheim, Schleifergasse, 19.30 Uhr. Beratung / Selbsthilfe Höchst. Kinder-Jugend-Elternberatungsstelle: Beratung für die westlichen Stadtteile, Kurmainzer Straße 1, 8.30 bis 15.30 Uhr, Tel. 31 06 54 59.
Psycho-soziale Beratungsstelle, Bolongarostraße 154, Sprechzeiten 10 bis 15 Uhr; Treff für Angehörige psychisch Kranker, 18 Uhr, Tel. 30 32 14.
Institut für Legastheniker-Therapie, telefonische Beratung bei Lese- und Rechtschreibproblemen, 11 bis 12 Uhr, Tel. 31 32 00.
Evangelisches Beratungszentrum: Psychologische Beratungsstelle, Hospitalstraße 48, 8.30 bis 12 Uhr, Anmeldung unter Tel. 0 69 / 31 56 01.
Caritasverband: Internationale Jugendberatung, Kasinostraße 16, 14 bis 18 Uhr.
Verein Arbeits- und Erziehungshilfe (VAE): Gersthofer Straße 4, Jugend- und Suchtberatung, 13 bis 17 Uhr; Selbsthilfe für Alkoholabhängige, 19 bis 21 Uhr und nach Vereinbarung Tel. 30 20 03.
Pro Familia: Sexualberatung / Familienplanung, Hostatostraße 16, 9 bis 11; offene Sprechstunde: 17 bis 19 Uhr.
Anonyme Alkoholiker: Treff, 19.30 Uhr, Stadtkrankenhaus, Gotenstraße, Hauptgebäude (erster Stock, Raum 1443), weitere Information unter Tel. 5 97 42 74.
Höchster Bildungsschuppen: Königsteiner Straße 49, Beratung, 9 bis 12 Uhr, Info unter Tel. 31 19 92.
Beratungs- und Vermittlungsstelle für Mobile Dienste, Windthorststraße 33 I/7, Tel. 30 30 04.
Nied. Guttempler: Beratung, 18.30 Uhr; Gesprächsgruppe, 19 Uhr; Gemeinschaft, 20 Uhr, Christuskirchen-Gemeinde, Oeserstraße 3 a.
Sossenheim. Arbeiterwohlfahrt: Ehe-, Familien- und Lebensberatung, 9 bis 11 Uhr, Robert-Dißmann-Straße 6, Tel. 34 77 86.
Höchst. Schnüffler un' Maagucker: Treffen der Bürgervereinigung für saubere Luft und sauberes Wasser, Café Libertad, Palleskestraße 2, 20.30 Uhr, Tel. 31 18 20.
Zeilsheim. Kreis für Alleinerziehende: "Treffpunkt Sonnenblume", katholisches Gemeindezentrum St. Bartholomäus, Alt- Zeilsheim 18 - 20, 16 bis 18 Uhr.
Höchst. Senioreninitiative Gebeschusstraße 44: Schachspielen, 10 bis 12 Uhr; Geschichtsgruppe, 15 Uhr.
Unterliederbach. Evangelische Gemeinde: Seniorenclub, Hunsrückstraße 11, 14 Uhr.
WIESBADEN
Theater / Konzerte Theater, Großes Haus: Der Evangelimann, 19.30 Uhr.
Theater, Kleines Haus: Die chinesische Nachtigall, 11 Uhr.
Pariser Hoftheater, Spiegelgasse 9: Herrchens Frauchen "Herrenlos", ein Programm über Sexualität und Macht, 20.30 Uhr.
Theater am Park, Wilhelmstraße 36: Hier sind Sie richtig, Schwank, 20.15 Uhr.
Arkaden-Cinema 2000 am Ring, Bleichstraße 45/47: Bodyguard (14, 17, 20 Uhr).
Thalia-Theater, Mauritius-Galerie, Kirchgasse: Sister Act (13, 16.30, 19.30 Uhr).
Hollywood, Mauritius-Galerie, Kirchgasse: Stalingrad (14, 17.15, 20.30 Uhr).
Apollo-Cinema, Moritzstraße 6: Die Schöne und das Biest (13, 15 Uhr); Der Tod steht ihr gut (17.30, 20, 22.30 Uhr).
Kino-Center, Moritzstraße 6: Atelier: Der letzte Mohikaner (13, 15.30, 18, 20.30).
Alpha: Verhängnis (14.30, 17, 19.30, 22).
Beta: Grüne Tomaten (14.30, 17.30, 20.30 Uhr).
Gamma: Kevin - Allein in New York (13.30, 16.30, 19.30, 22.30 Uhr).
Bambi-Cinema Petit, Mauritiusplatz: Bitter Moon (13, 16, 19, 22 Uhr).
Passage-Programmkino, Wellritzstraße: Weiße Jungs bringen's nicht - White man can't jump (17, 19.45 Uhr). Bob Marley - time will tell (22.30 Uhr).
Galerie Ressel, Schöne Aussicht 24: Arbeiten auf Papier und Keramik von A. R. Penck, Eröffnung mit Jazz Konzert, 18 Uhr.
Penta-Hotel, Auguste-Viktoria-Straße 15: Aquarelle, Pastelle und Temperabilder von Dagmar Jost (bis 28. 2.).
Benefizveranstaltung zugunsten der Wiesbadener Aids-Hilfe mit Disco und mehr, Tanzpalast Park Café, Wilhelmstraße 36, 21 Uhr. - ohne Gewähr -
Das Hohelied vom Wirtschaftswachstum ist nicht mehr zu hören
HOFHEIM. Nie ist sie so wertvoll wie zu Zeiten des Wahlkampfs: Eine weiße Weste. Die der Christdemokraten im kleinsten unter Hessens Kreisen hat jedoch Flecken. Als gerade die Korruptionsaffären bei den beiden Abwasserverbänden des Kreises im vorigen Frühjahr "ausgestanden" schienen, mußte ausgerechnet einer ihrer verläßlichsten Stimmenfischer, Kriftels Bürgermeister Hans- Werner Börs, Ende Oktober wegen des Verdachts der Bestechlichkeit in Untersuchungshaft. Ein Image- und Vertrauensverlust, der nach 16jähriger CDU- Herrschaft den Regentenstuhl im Kreishaus kosten könnte. Die CDU meint "nein": Etliche Unionschristen spekulieren auf Mitleidseffekt und Trotzstimmen.
Dennoch, eine satte Mehrheit in ihrer traditionellen Hochburg traut der CDU niemand mehr zu. Zumal die Unterschiede zwischen ihr und der SPD spätestens seit der vergangenen Legislaturperiode unter dem Triumvirat aus CDU, SPD und der Freien Wählergemeinschaft (FWG) nicht mehr klar erkennbar sind. Der umtriebige sozialdemokratische Erste Kreisbeigeordnete Gerd Mehler hat dabei mit Aktionen in den Bereichen Abfallwirtschaft, Recycling und Sozialpolitik gegenüber seinem christdemokratischen Kontrahenten, Landrat Jochen Riebel, selbst bei der konservativen Wähler-Klientel Boden gutgemacht.
So glaubt denn auch keine Partei im 209 000 Einwohner zählenden und finanzstärksten Kreis Hessens ernstlich daran, daß die Troika aus CDU, SPD und FWG mit dem Prinzip der wechselnden Mehrheiten zugunsten der früheren CDU-FDP- Koalition abtreten muß. Die FWG signalisierte bereits, diesmal einem möglichen Bündnis von SPD und Grünen keine Abfuhr zu erteilen, sollten die rechtsextremen "Republikaner" - die möglicherweise erstmals kreisweit antreten - in das Parlament auf dem Hofheimer Hochfeld einziehen. Mit einer großen Mehrheit aus dem konservativen oder gar rechten Lager, meint die FWG-Spitzenkandidatin Erika Bänfer, seien die anstehenden Probleme nicht zu bewältigen.
Allen Themen voran die Wohnungsnot, Folge eines jahrzehntelangen Siedlungsdrucks entlang der zentralen Verkehrsader A 66, die den Zwölf-Kommunen- Kreis durchschneidet und ihn in eine günstige Verkehrslage zwischen Frankfurt und Wiesbaden rückte. Die Städte und Gemeinden wußten das in Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs zu nutzen. Riesige Gewerbegebiete entstanden, Verwaltungssitze potenter Großunternehmen sicherten lukrative Arbeitsplätze und ließen Steuern in die kommunalen Kassen fließen. Der land- und forstwirtschaftlich geprägte Raum zwischen Main und Taunus, der erst 1928 als "Puffer" zwischen den expansionswütigen Großstädten Frankfurt, Wiesbaden und Mainz künstlich zusammengestückelt wurde, expandierte innerhalb der kurzen Nachkriegszeit selbst zum hochrangigen Wirtschaftsstandort. Gleichzeitig zog er als metropolennahes Wohngebiet mit "Bergen, Burgen und Bädern" großstadtgestreßte Bürger an.
Der nur 222 Quadratkilometer große Kreis entwickelte sich zu einer der dichtbesiedelsten Regionen Deutschlands. Immer mehr Straßen, lautete die Antwort auf die zunehmenden Verkehrsprobleme - freier Grund wurde rar. Nur ein Beispiel: Von 1990 bis 1991 nahm die unbebaute Fläche um 23 Prozent ab, knapp eine Milliarde Mark wurde allein bei Grundstücksverkäufen umgesetzt. Entsprechend schnellten die Bodenpreise in die Höhe - besonders eklatant in der Kurstadt Bad Soden, beim Gewerbe-Moloch Eschborn und in Kelkheim oder der Kreisstadt Hofheim, wo Häuslebauer gut und gerne 1000 bis 2000 Mark pro Quadratmeter auf den Tisch blättern müssen.
Phantasiepreise haben aber auch Mieter zu bezahlen: "Durchschnittsverdiener können sich das Wohnen hier kaum noch leisten. In Familien müssen beide Eltern arbeiten." Für den Ersten Kreisbeigeordneten und Sozialdezernenten Gerd Mehler (SPD) ist das nur der Beginn einer Problemspirale, die immer mehr Menschen - auch im reichen Main-Taunus- Kreis mit dem dritthöchsten Pro-Kopf- Einkommen in Deutschland (nach Starnberg und dem Hochtaunuskreis) - in soziale Not treibt. 500 Menschen waren 1992 obdachlos gemeldet. Offiziell. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein.
Die Wohnungsnot ist jedoch nur ein Mosaiksteinchen der Misere: Umweltschutz, Müll, Verkehr, fehlende Angebote für Kinder und Jugendliche, die Versorgung alter Menschen sind wie in allen Ballungsräumen die zentralen Stichworte. Aufgaben, die besonders in den anstehenden mageren Zeiten schwerfallen, in denen qua Gesetz weniger Geld aus dem kommunalen Finanzausgleich zwischen Bund, Land und Kommunen in die Gemeindekassen fließen wird.
Zumindest von der Theorie her haben alle Parteien im Kreis die Probleme erkannt - entsprechend finden sich die Schlagworte in all ihren Wahlprogrammen. Sogar von Konservativen und Freidemokraten ist das Hohelied vom Wirtschaftswachstum nicht mehr zu hören. "Mehr Lebensqualität" und "qualitatives Wachstum" lautet statt dessen bei allen das Credo. Und: Ein stärkeres Regionalbewußtsein.
Aufgaben könnten künftig nur noch in Arbeitsteilung von allen Kreisen und Städten im Rhein-Main-Gebiet gemeinsam gelöst werden. Ideen regionaler Zweckverbünde und Konzepte einer Regionalplanung haben denn auch sowohl Landrat Jochen Riebel (CDU) als auch die SPD im Kreis schon vorgelegt.
Um angesichts der "Eintracht" dennoch die Wähler für sich zu gewinnen, werden sich die Parteien an vergangenen "Taten" messen lassen müssen. Und da sind die Konservativen noch in Beweisnot. Setzte ihr Rotstift bisher ausschließlich im sozialen Bereich an. Kommentar eines FWG-Politikers: Die Bürger verstehen es nicht, wenn neun Millionen Mark Jahresmiete fürs Kreishaus ausgegeben werden, aber nur acht Millionen Mark für freiwillige Leistungen übrig bleiben.
ANITA STRECKER
EGELSBACH. Der Landrat des Kreises Offenbach sieht keinen Anlaß, gegen den "Schnüffel-Paragraphen" in der Egelsbacher Abfallsatzung vorzugehen - zumindest noch nicht. Dies teilte Josef Lach (SPD) jetzt den Christdemokraten im Gemeindeparlament in einem Schreiben mit. Die CDU hatte sich Ende vergangenen Jahres mit Fragen an den Landrat gewendet, die zuvor vom Landtagsabgeordneten Rüdiger Hermanns aus Dreieich aufgeworfen worden waren und für Unruhe in den Parlamenten in Dreieich und Egelsbach gesorgt hatten.
Der Christdemokrat bezweifelt, daß kommunale Beauftragte durch einen entsprechenden Passus in der Satzung berechtigt werden können, auf privaten Grundstücken mit einem Blick in die Mülltonne zu kontrollieren, ob die Bürger das Getrenntsammelgebot befolgten.
Landrat Lach verweist in seinem Schreiben an die Egelsbacher CDU darauf, daß sich ähnliche Formulierungen in den Satzungen aller Kommunen im Kreis fänden und, wie im Falle von Obertshausen und Mainhausen, sogar weit darüber hinausgingen. An den zugrundeliegenden Mustertexten des Städte- und Gemeindebundes seien auch Vertreter der Landesministerien für Inneres, Justiz und Umwelt sowie der hessische Datenschutzbeauftragte Winfried Hassemer beteiligt gewesen. Vergleichbare "Betretungs- und Überwachungsrechte" gebe es beispielsweise auch in der hessischen Bauordnung.
Erst Mitte Dezember hatte der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof in Mannheim ein entsprechendes "Betretungsrecht" in der Abfallwirtschaftssatzung des Landkreises Rottweil für unzulässig erklärt. Laut Josef Lach werde sich "in Kürze" sowohl der hessische Städte- und Gemeindebund als auch die Landesregierung mit diesem Urteil befassen.
Geklärt werden solle vor allem, ob die Begründung für den Spruch der Mannheimer Richter auch auf Hessen übertragbar sei und ob - angesichts der "Schnüffel-Paragraphen" in den Satzungen nahezu jeder hessischen Kommune - ein "landesweiter Handlungsbedarf" bestehe. Wegen der "unsicheren Rechtslage" will der Landrat die Kommunen im Kreis Offenbach bitten, von der "Schnüffel"-Ermächtigung nur dann Gebrauch zu machen, "wenn dies unabweisbar scheint". leo
sch FRANKFURT A. M. Der Aufsichtsrat der im Dezember gegründeten Deutsche Börse AG hat Reto Francioni in den Vorstand berufen. Der 1955 in Zürich geborene Jurist wird dort Anfang April die Verantwortung für Handel und Marktaufsicht, Produkte und Anwendungen sowie Recht übernehmen. Francioni wirkte beim Aufbau der Schweizer Terminbörse Soffex mit, gehörte zur Leitung der Vereinigung der Börsen von Zürich, Genf und Basel und war zuletzt beim Pharmakonzern Hoffmann-La Roche tätig.
Zum Aufsichtsratschef wählte das Kontrollgremium wie erwartet Rolf Breuer. Das Vorstandsmitglied der Deutschen Bank hatte Friedrich von Metzler empfohlen, der seit der Gründung der Frankfurter Wertpapierbörse AG 1990 an der Spitze des Gremiums stand. Im vorigen September kündigte von Metzler dann an, mit der Schaffung der Deutsche Börse AG sein Amt niederlegen zu wollen.
Ebenfalls auf Vorschlag des bisherigen Vorsitzenden von Metzler wählte der Börsenvorstand der Frankfurter Wertpapierbörse Breuer jetzt zu seinem neuen Chef. Hier wie im Aufsichtsrat der Deutsche Börse AG wurde von Metzler zu einem von fünf Stellvertretern bestimmt. Der Vorstand berief außerdem Francioni mit Wirkung vom 1. April zum Börsengeschäftsführer.DGB-Frauen stecken zurück
ulf FRANKFURT A. M., 19. Januar. Die Frauen im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) haben für dieses Jahr den Themenschwerpunkt "Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz" aus ihrem Aktionsprogramm gestrichen. Als Grund wurde in einem jetzt bekanntgewordenen Brief der Frauen-Abteilung der Düsseldorfer DGB-Spitze angegeben, "daß wir in diesem Jahr die finanziellen Mittel für diese Maßnahmen nicht mehr zur Verfügung haben".
Ursprünglich war geplant gewesen, Gewerkschafter aus der Bildungsarbeit über das Thema aufzuklären. Die Kosten dafür sollten aus der DGB-Frauenoffensive "Frau geht vor" bezahlt werden. Die Frauen-Abteilung teilte den DGB-Landesbezirken aber mit, daß sie das Thema dennoch für "dringend erforderlich" hält und kündigte an, die Mittel dafür 1994 erneut zu beantragen.
Tips · Termine Notdienste
Theater / Musik / Literatur Rüsselsheim. Konzert: Hoochie-Coochie-Bluesband, Sa., 20 Uhr, Museumskeller. Disco: Beef-Dance, Sa., 22 Uhr, das Rind.
Kindertheater: Der Froschkuß oder Die eisige Henriette, So., 15 Uhr; Konzert: Leipziger Flötenquartett, So., 17 Uhr, Stadttheater.
Groß-Gerau. Orientalischer Tanzabend mit Reyhan und Saida, Sa., 20 Uhr, Kulturcafé. Rathauskonzert mit dem Duo Lettviga aus Riga, So., 17 Uhr, Historisches Rathaus. Gernsheim. Lesung mit Christa Schreiber: Rabengefieder, So., 20 Uhr, Aula des Gymnasiums, Theodor-Heuss-Straße. Kinos / Filme Mörfelden-Walldorf. Lichtblick Kino- treff: Die Schöne und das Biest (Sa., So., 14.30, 17, 20 Uhr).
Groß-Gerau. Lichtspielhaus: Kevin allein in New York (Sa., So., 15 Uhr); Der Tod steht ihr gut (Sa., 19.30 Uhr; So., 17, 20 Uhr); Doppelprogramm: Der Tod steht ihr gut und Die Eroberung des Paradieses (Sa., 21.30 Uhr). - Bambi: Die Eroberung des Paradieses (Sa., 15.15, 20.30 Uhr; So., 14.30, 16.30, 20.30 Uhr).
Rüsselsheim. Rex-Kino-Center: Rex I: Bodyguard (Sa., 15, 17.30, 20, 22.45 Uhr; So., 13.10, 15.20, 17.30, 20 Uhr); Zauber der Venus (So., 11 Uhr). - Rex II: Die Schöne und das Biest (Sa., 15 Uhr; So., 11, 13.30, 15 Uhr); Eine Frage der Ehre (Sa., So., 17, 20 Uhr; Sa., 22.45 Uhr). - Cinema: Kevin allein in New York (Sa., 15 Uhr; So., 11, 13.10, 15.20, 15 Uhr); Sister Act (Sa., So., 17.30, 20.30 Uhr; Sa., 22.45 Uhr).
Nauheim. Ried-Casino: Die Commitments (OmU, Sa., So., 17.30 Uhr); Die siebente Saite (Sa., So., 19.30 Uhr); The Crying Game (Sa., So., 21.45 Uhr); In einem Land vor unserer Zeit (So., 15 Uhr).
Ginsheim-Gustavsburg. Burglichtspiele Gustavsburg: Das kleine Gespenst (Sa., So., 15 Uhr). Fasching / Karneval Kelsterbach. Prunksitzung der Feuerreiter, Sa., 19.11 Uhr, Bürgerhaus. Vorträge / Kurse Mörfelden-Walldorf. Erste-Hilfe-Lehrgang, Sa., 9 Uhr, DRK-Mörfelden, Annastraße 27. Parteien / Parlamente Mörfelden-Walldorf. SPD-Walldorf: Frühschoppen, So., 10.30 Uhr, SKG-Gaststätte, An der Trift.
Rüsselsheim. CDU-Groß-Gerau: Kreisparteitag, Sa., 9 Uhr, Stadthalle, Lasalleplatz. Ginsheim-Gustavsburg. AsF-UB Groß- Gerau: Jahreshauptversammlung, Sa., 14 Uhr, Bürgerhaus Ginsheim. Vereine / Organisationen Kelsterbach. Freiwillige Feuerwehr: Jahreshauptversammlung, So., 15 Uhr, Feuerwehrgerätehaus. Beratungen / Offene Treffs Mörfelden-Walldorf. Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle "Kamin- Club", Schillerstr. 16, Tel. 0 61 05 / 7 67 60.
Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe, Steinweg 22: Begegnungstreff, So., 14.30 bis 19 Uhr, Tel. 0 61 05 / 12 95.
Rhein-Main. Fluglärmbeschwerdestelle des Rhein-Main-Flughafens, Tel. 0 69 /6 90 22 00. Ärzte Mörfelden-Walldorf. Sa., 8 bis Mo., 8 Uhr: Notdienstzentrale, Schubertstr. 37 (Ärztehaus Mörfelden), Tel. 0 61 05 / 14 14.
Kelsterbach. Sa., 8 bis Mo., 7 Uhr: Notdienstzentrale Raunheim, Ringstraße 107, Tel. 0 61 42 / 2 33 50.
Riedstadt. Sa., 8 Uhr bis Mo., 7 Uhr: Notdienstzentrale für den Südkreis Groß- Gerau in den Räumen des Philippshospitals, Tel. 0 61 58 / 183-330. Zahnärzte Kreis Groß-Gerau. Sprechstunden: Sa., 10 bis 12 Uhr und 16 bis 18 Uhr, So., 10 bis 12 Uhr, Rufbereitschaft, Sa., 8, bis So., 24 Uhr.
Nördlicher Bereich: Dr. Werner Dettmer, Mörfelden, Tizianplatz 31, Tel. 0 61 05 / 2 32 66; priv. 069 / 63 23 92.
Südlicher Bereich: Dr. Majda Baumann, Rüsselsheim, Berliner Str. 3, Tel. 0 61 42 / 4 10 21; priv. 0 61 31 / 88 15 52.
Südliches Ried. Sprechzeiten 10 bis 12 und 16 bis 18 Uhr. Sa. und So.: Michael Oheim,Riedstadt-Leeheim, Klappergasse 5, Tel. 0 61 58 / 7 29 92; priv. 0 61 58 / 7 29 40. Apotheken Kelsterbach. Sa., 12.30 bis 21 Uhr; So., 8 bis 21 Uhr: Flughafen-Apotheke, Terminal-Mitte, Abflug B.
Mörfelden-Walldorf. Sa. u. So.: Bären- Apotheke, Mörfelden, Tizianplatz 37, Tel. 0 61 05 / 2 66 33.
Medikamenten- und Pflegenotdienst für Mörfelden-Walldorf / Kelsterbach / Raunheim und Flörsheim: Fr., 20, bis Mo., 5 Uhr; Service-Nr. 01 30 / 82 10 10 (zum Ortstarif).
Zentrum für Entgiftung in Mainz, Tel. 0 61 31 / 23 24 66. Frauenhaus-Initiativen Groß-Gerau. Haus für mißhandelte Frauen und Kinder, Tel. 0 61 52 / 3 99 77.
Raunheim/Rüsselsheim. 0 61 42 / 4 63 89.
(Ohne Gewähr)
Von der Liebe wenig. Aber wilde Kämpfe, viele Scherze, und ein schweres Sterben
MÜNCHEN. Damit beginnt "Romeo und Julia" am Münchner "Residenztheater": Ein schlanker Transvestit, ein gewisser Naso, der in Shakespeares Personenverzeichnis nicht auftaucht, vielleicht eine vage Anspielung auf den römischen Dichter der Zeitenwende Ovidius Publius Naso (den Verfasser der "Liebeskunst" und der "Metamorphosen"), erscheint auf der Vorderbühne und tut so, als könne er aus der leeren Faust eine Fliege hervorzaubern - nichts zu sehen zwar von dem Insekt, aber auf einmal hört man es doch summen. Kraft der Phantasie, alles Einbildung, Täuschung, it's all in your head.
Wie von weit hergerufen, treten dann auch die ersten Figuren der Tragödie in das dunstige toskanische Panorama des Bühnenbildes von Bernhard Kleber, das den Schauplatz von Verona und Mantua nach San Gimigniano verlegt, der Stadt der wehrhaften "Geschlechtertürme", mit denen einst die herrschenden Familien dort sich voreinander geschützt und gegeneinander behauptet hatten. Die Gefolgsleute der verfeindeten Clans Capulet und Montague, später auch die beiden, als alte Trottel hinzukommenden Oberhäupter der Sippen, sprechen (zur Markierung der Entfernung) zunächst englisch, erst nach einer Weile auch den deutschen Text der Übersetzung von Schlegel (Mutter Capulet, Gabriele Köstler, hält sich freilich überwiegend ans Italienische).
Sogleich wird gestritten, gerauft, gekämpft. Nicht zm letzten Mal in dieser Aufführung zeigen die Trainer für Fechten und Akrobatik (Riemerschmid und Linke), wie weit sie das Ensemble hinsichtlich der Vorführung realistisch-turbulenter Schlägereien haben bringen können. Es wird herumgesprungen und draufgehauen, daß die Fetzen fliegen. So rasch kann also eine Phantasiegeburt Eigendynamik entwickeln und Lebensnähe gewinnen. Doch will gerade dieser Realismus der Tumulte den Wahnwitz der Irrtümer illustrieren, in dem die Gesellschaft sich verfangen hat: Mit den Kämpfenden drehen sich gegeneinander auch Segmente der Dekoration, das Leben als irrendes Kreiseln, kein Halt, keine Ordnung, alles durcheinander.
Auch die Gefühle der Liebe verfallen der allgemeinen Verwirrung. Nur in sehr wenigen Augenblicken, nur ansatzweise, besteht die Inszenierung Leander Haußmanns darauf, daß die Neigung, die Romeo und Julia füreinander fassen, zum Gegenbild der die beiden umgebenden Verhältnisse taugen könnte. Das blutjunge Paar, Guntram Brattia und Anne- Marie Bubke, ist herzig, hübsch anzuschauen, die beiden Schauspieler, besonders Bubke, haben Frische, unverbrauchte Grazie. Aber einen Zauber, der anrühren würde, bewegen könnte zu irgendeiner Art von "Mitgefühl" für ihr trauriges Schicksal, ist in den Szenen ihrer Begegnung kaum. Gegen die Radikalität ihres Verlangens gilt den beiden (bei Shakespeare) sogar die Verstoßung durch die Eltern nichts, sie zahlen schließlich mit dem Leben dafür. Wäre nicht gerade diese extreme Entschlossenheit auch für eine Inszenierung heute die größte Konzentration und allen Ernst wert?
Dagegen ist es das auffälligste Merkmal der Aufführung Haußmanns, daß ein ironisch instrumentierter Pessimismus alles unterläuft und durchkreuzt. Tiefes Mißtrauen richtet sich nicht nur gegen das gesellschaftliche Gefüge, durch das die Tragödie provoziert wird, also gegen die in München sorglos behandelte politische Dimension des Dramas, sondern auch gegen jedes Gefühl. Das bevorzugte Mittel solcher Skepsis, die sich natürlich auch ganz anders ausdrücken könnte, ist oft leider nur das der Veralberung.
In dieser Richtung nimmt Haußmann sich viel heraus. Wenn zum Beispiel Romeo hinauf will auf den Balkon zu Julia, brechen an der Leiter, die er anlegt, nacheinander die einzelnen Stufen weg. Die Sehnsucht, die den Jungen zu immer neuen Versuchen antreibt: eine komische Nummer. Ebenso forciert "witzig" gibt sich der Einfall, nach dem späteren Zusammensein von Romeo und Julia die Mutter und die Amme des Mädchens nach Flecken auf einem Bettlaken suchen zu lassen. Wenn bei anderer Gelegenheit im Text einmal nach einem Wundarzt gerufen wird, geht einer nach vorne und adressiert das Publikum: "Wetten, daß der jetzt keine zwanzig Ärzte auf die Bühne bringt . . ."
Das sind reichlich juvenile Späßchen, von durchaus geringem Unterhaltungswert. Gleichzeitig wird der Zusammenhang von Liebe und Tod in dem Stück (und überhaupt) mit eher schwerfälligen, allzu illustrativen Chiffren bedeutet: In der Münchner Lesart wütet nämlich in Verona/San Gimigniano die Pest, wenn es zum Finale geht, liegen eitrig entstellte Leichen herum. Und wiederbelebte Tote - Tybalt, Mercutio und andere - schauen in der Gruft des letzten Auftritts dem Doppelselbstmord des Liebespaares zu; will sagen: Death is so permanent. Das ergibt ein "interessantes" Bild. Doch mildert, schönt der Bildwert auch die Härte der Szene. Weil die Regie offenbar ihre Zuschauer kraß unterschätzt, wird Bedeutung oft derart dick unterstrichen, daß der Kitsch nicht mehr weit ist.
Durch die allzu vielen Zutaten verzettelt sich die Aufführung in der Handlung, die schon von Shakespeare eher umwegig erzählt wird. Und sie wird lang und länger, bis sie fast an fünf Stunden heranreicht. Daran hat, so gut er seine Sache als der eingangs erwähnte, hinzuerfundene Naso macht, mit wiederholten Auftritten auch Ralf Dittrich einigen Anteil: Die Funktion dieses Conferenciers bleibt unscharf, man könnte ihn immerhin, wenn die Aufführung nach der Premiere im Lauf dieser Woche gekürzt wird, möglicherweise gegen allerhand Abschweifungen als resümierenden Erzähler zur Straffung des Abends einsetzen.
Mit der Neigung, einzelne Partien, besonders die freilich virtuos ausgeführten Keilereien, maßlos auszuweiten, seinem Spieltrieb hemmungslos nachzugeben, zeigt die Arbeit von Haußmann eine Tendenz zur Überführung von Theater ins wirkliche Leben (das ja auch phasenweise aus jeder Proportion geraten kann). Es müßte dann allerdings auch den Zuschauern eingeräumt werden, wozu mancher sich gedrängt fühlt: Mal rauszugehen auf ein Bier oder die vielgelobte Rote Grütze im Residenztheater-Foyer, um nach einer Weile nachzusehen, was sich inzwischen auf der Bühne getan hat (wie die Schlacht steht).
Willkür und Achtlosigkeit der Maßgebung (Theater ist aber: Form) bringen die Schauspieler in ärgste Schwierigkeiten. Immer wenn sie den Rummel szenischer Betriebsamkeit verlassen und plötzlich doch einen Charakter erfassen, einen Menschen spielen sollen - nimmt sich ihre Spielweise, das ist durch den fehlenden Vorlauf fast unvermeidlich, sehr alt aus, chargierend, mindestens konventionell.
So munter, aufgekratzt, albernd und (etwa durch die Grundierungen mit amerikanischer Pop-Musik) vermeintlich heutig die Aufführung daherkommt - so wenig "modern" ist sie also in der einzelnen Rollenzeichnung. Wolfgang Hinze (Graf Capulet), Alois Strempel (Montague), die allerdings bravourös italienisierende Gabriele Köster (Gräfin Capulet), Volker Spahr (Bruder Lorenzo) und Margit Carstensen (als Amme der Julia mit mehr als dem üblichen Spielraum versehen) hätten, wie sie sich hier zeigen, auch schon im alten Theater Ulrich Erfurths auftreten können. (Die wirklich phantasiereichen, intelligent erdachten, stilistisch auf das 19. Jahrhundert verweisenden Kostüme Doris Haußmanns verstärken diesen Eindruck eher unfreiwillig.)
Die Schauspieler werden in viele Verrenkungen getrieben, unverhältnismäßig häufig müssen sie zu Boden: Regie muß für Haußmann eben nicht nur sein, sondern vor allem als Exekution von Einfällen sichtbar werden. Daß jedoch dieser Regisseur bei aller Anfälligkeit für die ausufernde (auch eitle) Übertreibung, die im "Residenztheater" trotz des großen Einsatzes, den das Haus und sein Intendant Günther Beelitz für diese Produktion erbracht haben, offenbar niemand beeinflussen konnte - daß Leander Haußmann dennoch die Begabung keineswegs verloren hat, die an seinen Interpretationen von Ibsens "Nora" und Schillers "Fiesko" in Weimar aufgefallen war, beweist er in München mit der Sterbeszene des Mercutio.
Ein Gewitter ist aufgezogen. Tybalt von den Capulets (Hans-Werner Meyer) und Mercutio von den Montagues (Wolfgang Bauer) sind aneinander geraten. Es ist ein langer, wilder Kampf, ein Fechten mit Haken und Ösen. Mercutio wird getroffen. Man sieht die Wunde kaum, aber der sie empfangen hat, weiß, daß sie tödlich ist, er muß aus dem Leben. Er hält inne - und beginnt dann zu laufen, immer im Kreis, Musik überflutet die Szene, "I wish I were in Dixie", das atemlose Rennen beginnt als Flucht vor dem Ende und wird: Abschied vom Leben, Herauslaufen aus der Zeit. Dann sinkt der Mann nieder, "So", das ist das letzte Wort.
Ein Theatermoment, der sich zu großer Emphase und Emotion steigert, von Wolfgang Bauer hinreißend verwirklicht, so stark, daß die Erinnerung daran nachwirkt in allem, was in den folgenden Stunden noch kommt. In dieser Sterbeszene, aufs Ganze des Stücks gesehen: einem Ereignis am Rande, hat die Aufführung die Radikalität, der sie sonst eher ausgewichen ist.
Manchmal muß man viel aushalten im Theater - bis es einmal wahr wird wie in so einem Augenblick. Der lohnt dann aber auch über die Maßen. PETER IDEN
(Nach einer Überarbeitung wird die technisch sehr aufwendige Inszenierung erst am 31.Januar wieder gezeigt.)
HOCHHEIM. Der Gelbe Sack ist nun auch in Hochheim da, die ersten sind bereits wieder abgeholt. Es bleibt jedoch Skepsis bei den Bürgern.
Auch wenn sich Marianne Hummel, die Prokuristin der Firma Knettenbrech, und Manfred Vogel, Prokurist des Wallauer Unternehmens Meinhardt, redliche Mühe gaben, das Konzept des Dualen Systems (DSD) zu erklären: Die über 100 Hochheimer, die zu einem Informationsabend ins Feuerwehrgerätehaus gekommen waren, stellten überwiegend kritische Fragen.
Was geschieht mit dem Kunststoff, landet der nicht in der Müllverbrennungsanlage? Was gehört in den Gelben Sack und was nicht? Andere beklagten, daß bisher nur wenige Bürger wüßten, daß sie die Gelben Säcke in den Lebensmittel-Märkten und im Rathaus abholen könnten.
"Das Ganze hat uns überrollt", entschuldigte sich Marianne Hummel für die unzureichende Information der Hochheimer Haushalte: Erst kurz vor Weihnachten habe sich entschieden, daß nun das ursprünglich für 1991 geplante Duale System eingeführt werde.
Nun sollen die Säcke alle 14 Tage zusammen mit dem Hausmüll abgeholt werden. Jeder Haushalt bekommt zunächst zwölf Säcke. Dort dürfen hinein: Kunststoffe, Schaumstoffe, Styropor, Milch- und Safttüten, Metalle, Verbundstoffe. Ab 1994 sollen die Bürger zwischen Gelbem Sack und Gelber Tonne wählen können. Vorerst allerdings setze man auf den Gelben Sack, sagte Knettenbrech-Vertreterin Hummel: Das System könne so jederzeit und ohne Aufwand umgestellt werden.
Etwa, wenn das Duale System ganz oder teilweise scheitert? Für Bürgermeister Harald Schindler (SPD) ist das durchaus möglich - "dann wird es allerdings erst recht teuer". Die Stadtverwaltung werde sich bemühen, die Müllgebühren auf dem jetzigen Stand zu halten - die erhoffte Gebühren-Senkung durch das Duale System werde es allerdings nicht geben. md
WÄCHTERSBACH. Nicht alle Kunden der Volks- und Raiffeisenbank Wächtersbach haben so überaus verständnisvoll darauf reagiert, daß ihnen als Extra-Gebühr für den Freistellungsauftrag unversehens zehn Mark abgeknöpft wurden. Mancher hat, räumt Bankvorstand Reinhard Hauck ein, durchaus gänzlich unverblümt die Abwesenheit jeglichen Verständnisses für diesen unfreiwillig zu entrichtenden Obolus signalisiert.
Für zusätzlichen Verdruß mag gesorgt haben, daß viele Kunden erst von der Gebühr erfuhren, als der Zehner schon vom Konto abgebucht war. Rein formal betrachtet dürfte die Bank zwar ganz rechtens gehandelt haben. Vorstand Hauck verweist auf die Veröffentlichung der neuen Gebühr im aktuellen Gebührenaushang. Aber wer schaut sich denn schon ohne besonderen Grund solch Kleingedrucktes an? Als die Formulare für das Freistellen von der Zinsbesteuerung an die Kunden verschickt wurden, sah jedenfalls alles nach einem kostenlosen Service der Bänker aus. Von einer Gebühr war keine Rede, wie auch Hauck bestätigt.
In der Tat scheint die Wächtersbacher Bank mit dem Zehn-Mark-Coup vorgeprescht zu sein. Die Konkurrenz hält sich bisher zurück. Die Kreissparkasse Gelnhausen zum Beispiel veranlaßt die Freistellung kostenlos für ihre Kunden und auch die Volks- und Raiffeisenbank in Bad Orb kassiert noch keine Gebühren für diesen Service.
Allerdings machen sich auch die Genossenschaftsbänker in der Kurstadt bereits Gedanken, wie die Kosten gedeckt werden können, die aus dem beträchtlichen Verwaltungsaufwand für die neue Steuer auf Zinseinnahmen erwachsen. Vorstandsvorsitzender Bruno Wolf schließt nicht aus, daß auch in Orb fürs Freistellen kassiert werden könnte. Einstweilen sei "alles offen".
Der Gelnhäuser Sparkassendirektor Karl König stimmt zwar in das Klagelied ein, was die Kosten der Aktion angelangt: "Bei uns bisher 300 000 Mark". Aber er fühlt sich an eine Absprache gebunden, die von den Verbänden der Kreditwirtschaft mit dem Bundesfinanzminister getroffen worden sei (in Wächtersbach weiß man davon angeblich nichts): "Für den Kunden soll das kostenlos laufen". Zunächst jedenfalls, offenbar um den Unmut gegen die Bonner Kassierer und ihre unfreiwilligen Handlanger in den Banken nicht noch anzuheizen.
Die Gebühr kommt voraussichtlich auch bei den jetzt noch großzügig erscheinenden Geldhäusern. Die nächste Gelegenheit zum Kassieren bietet sich am Ende des Jahres. Dann stellen die Banken Bescheinigungen über abgeführte oder nicht abgeführte Steuern aus Zinseinnahmen aus. Die Kunden benötigen dieses Papier, um es beim Finanzamt vorzulegen. Und König geht davon aus, "daß die nächsten Jahresbescheinigungen Gebühren kosten".
Bei alledem trifft es ein weiteres Mal die Kleinsten. Während Betuchtere, die ordentlich Steuern zu zahlen haben, die Gebühr beim Finanzamt als steuermindernde Werbungskosten geltend machen können, sieht mancher Kleinsparer nun gar sein Guthaben dezimiert, weil die Gebühr fürs Freistellen die Zinseinnahmen übersteigt. Kinder zum Beispiel, die ihren Münzschatz aus dem Sparschwein als bescheidenen Grundstock auf die hohe Kante legen, könnten beim Zusammentreffen unglücklicher Umstände mitunter staunend erleben, daß die Regel von der Vermehrung des Geldes bei der Bank nicht mehr gilt.
Daß derartige Erkenntnisse der Bank keinesfalls nützen werden, hat der Vorstand inzwischen schon herausgefunden. In Grenzfällen wie beschrieben habe man gelegentlich auf Nachfragen hin die Gebühren storniert und wolle auch weiterhin kulant sein, sagt Hauck. Solch wenige Ausnahmen sind jedoch kein Trost für die große Mehrheit. Für die gilt: Zahlen - an die Bank, ans Finanzamt oder beide. Während das Finanzamt bedauerlicherweise konkurrenzlos ist, besteht bei Banken durchaus Gelegenheit zum Leistungs- und Gebührenvergleich - besonders im Kleingedruckten. lex
ulf FRANKFURT A. M., 19. Januar. Politikerinnen und andere Frauen des öffentlichen Lebens rufen auf zu einem internationalen Frauen-Tribunal am 7. Februar in Zagreb. Im früheren Jugoslawien seien Tausende Mädchen und Frauen in Lagern gefangen. Sie würden vergewaltigt und ermordet, heißt es in einem Aufruf, der unter anderem von Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU), der stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Herta Däubler-Gmelin sowie der FDP-Politikerin Cornelia Schmalz-Jacobsen unterzeichnet wurde. Die Demütigung der Frauen sei Teil der Kriegsführung, heißt es weiter. "Die Frauen brauchen Hilfe. Wir, die Frauen in Freiheit, sind gefordert, die Opfer zu befreien, ihre Freilassung zu erzwingen."
Weitere Auskünfte über das Frauen- Tribunal erteilt "Perspektive Berlin", Telefon 030 / 2 16 30 44.
Eine "Initiative Heidelberger Frauen gegen Vergewaltigungslager" ruft bundesweit auf zu einer Frauendemonstration. Sie soll am Samstag, 13. Februar, um 11 Uhr in Bonn auf dem Münsterplatz beginnen. Unter anderem fordert die Initiative, die Vergewaltigungs- und Todeslager im ehemaligen Jugoslawien sofort aufzulösen und Vergewaltigung als Kriegsverbrechen anzuerkennen.
Das schwere Unglück am Morgen des 11. Januar, als an der Bruchwiese in der Gemarkung Ober-Roden die vier Insassen eines Kleintransporters um 7.33 Uhr bei der Kollision mit dem Personenzug 7912 nach Offenbach den Tod fanden, hat uns nach den Sicherheitsvorkehrungen an einer Strekke fragen lassen, auf der von 1997 an S-Bahn-Züge mit 120 Stundenkilometern verkehren sollen. In der Vergangenheit hat es auf dieser Linie mehrere tödliche Unfälle gegeben.
Gesperrt - aber offen Heute auf Seite V
Kleine FR
Viktoria sammelt nicht mehr KELSTERBACH. Ab sofort führt der 1. FC Viktoria keine Altpapiersammlungen mehr im Stadtgebiet durch. Das geht auf die neue Abfallsatzung der Stadt zurück. Danach sollen Privatleute Altpapier und Kartonagen über im Stadtgebiet aufgestellte Container entsorgen. Auftakt zur Geburtsvorbereitung KELSTERBACH. Einen Kurs zur Geburtsvorbereitung für werdende Mütter (ab 28. Schwangerschaftswoche) startet die VHS heute, Mittwoch, 18 Uhr, in der Karl-Treutel-Schule. Die Leitung hat die Hebamme Anett Mehltretter. Geplant sind acht eineinhalbstündige Abendveranstaltungen. Der Teilnehmerbeitrag ist auf 32 Mark festgesetzt worden. Tanz für Senioren BISCHOFSHEIM. Einen Kurs "Seniorentanz" starten am Mittwoch, 20. Januar, VHS Mainspitze und die Heimat- und Kulturpflege Bischofsheim. Mitmachen könne alle, die über 60 Jahre alt sind. Treffpunkt ist um 15.45 Uhr die Empore des Bischofsheimer Bürgerhauses. Kostüme basteln BISCHOFSHEIM. Einen Service zu Karneval bietet die Volkshochschule Mainspitze: Angeboten wird ein zweitägiger Kurs all jenen, die sich an den tollen Tagen im selbstgeschneiderten Kostüm zeigen wollen. Der Kurs läuft in in der Georg-Mangold-Schule Bischofsheim am Freitag, 22. Januar, 16 bis 20 Uhr, und Samstag, 23. Januar, 9 bis 12 und 13 bis 16 Uhr. Der Teilnehmerbeitrag: 30 Mark. Angler ziehen Bilanz RIEDSTADT. Zur Jahreshauptversammlung kommt der Angelsportverein Leeheim am Samstag, 23. Januar, 19.30 Uhr, im "Rheintal" zusammen. Mainuferweg wird ausgebaut KELSTERBACH. Für 203 119 Mark hat der Magistrat die Arbeiten zum Ausbau des Mainufersweges in Auftrag gegeben. Interessierte eingeladen RÜSSELSHEIM. Interessierte Frauen sind zur Vorstandssitzung des Vereins Wildwasser, Kreis Groß-Gerau, am Montag, 25. Januar, 19 Uhr, in die Räume des Frauenzentrums, Haßlocher Straße 150, eingeladen.
Kinoreihe für Kinder RÜSSELSHEIM. Vom 25. bis 28. Januar zeigt das Jugendamt den Film "Vorstadtkrokodile". Kostenlose Vorführungen für Kinder von sechs bis zwölf Jahren gibt es jeweils ab 14.30 Uhr: am Montag im Freizeithaus Eichgrund, Ahornallee 10; am Dienstag im Kinderhaus Innenstadt, Frankfurter Straße 25; am Mittwoch in den Kinderräumen Königstädten, Im Reis 29; am Donnerstag im Freizeithaus Dicker Busch, Hessenring 76.
BAD NAUHEIM. Den Auftakt zur Reihe mit Kirchenmusikveranstaltungen in der Dankeskirche macht am Samstag, 23. Januar, um 20 Uhr der international bekannte Organist Rainer Lille mit einem Orgelkonzert. Ein vielseitiges, kontrastreiches Programm mit Werken aus drei Jahrhunderten ist angekündigt. So werden Präludium und Fuge G des Barock- Komponisten Bruhns, die d-Moll-Passacaglia von Buxtehude, Fantasie und Fuge c- Moll von Telemann und die Orgelsonate D von Carl-Philipp-Emanuel Bach zu hören sein. Den Abschluß des Orgelkonzertes bilden der "Marche episcopale" von Vierne und sein strahlendes Finale aus der ersten Orgelsinfonie.
Das neue Kirchenmusikprogramm der evangelischen Kirchengemeinde Bad Nauheim erscheint in diesen Tagen und wird auf Wunsch zugesandt. ks
FRANKFURT A. M., 19. Januar. Auf einer Straße in Frankfurt-Fechenheim ist heute morgen eine 57 Jahre alte Frau von einem unbekannten Täter erschossen worden. Wie Polizeisprecher Peter Borchardt mitteilte, fielen die Schüsse in der Konstanzer Straße wenige Minuten vor sieben Uhr. Mehrere Augenzeugen haben gesehen, wie der Täter unmittelbar darauf in einen Wagen mit Wiesbadener Kennzeichen stieg und flüchtete.
Über das Motiv konnte die Polizei wenige Stunden nach dem Mord noch keine genaue Aussage machen, vermutet wird jedoch eine "Beziehungsstraftat". Die Zeugen verständigten unmittelbar nach der Tat, um 6.58 Uhr, die Polizei.
Deren Sprecher berichtete, die 57jährige Edith S. habe um kurz vor sieben Uhr ihre Wohnung in der Straße Am Hennsee 12 verlassen, wahrscheinlich auf dem Weg zur Arbeit. Dabei lief sie auf der Konstanzer Straße in südliche Richtung. Kaum 30 Meter von ihrem Wohnort entfernt, der im alten Ortsteil Fechenheims liegt, lauerte ihr ein etwa 50jähriger Mann auf. Der laut Zeugenaussage mit einem Parka bekleidete Täter verwickelte sie in ein Gespräch. Bei der anschließenden Rangelei auf der Straße vor dem Kiosk mit der Hausnummer 48 stürzte die Frau. Der Täter zog daraufhin eine Pistole und schoß mehrmals auf die am Boden Liegende. Wie Sprecher Borchardt erklärte, traf einer der Schüsse auch "den Kopfbereich".
Der Mann bestieg daraufhin ein Auto, das vor dem Haus der Getöteten stand, und fuhr in Richtung Hanauer Landstraße davon. Unklar ist der Wagentyp. Die Zeugen, die bei Redaktionsschluß noch vernommen wurden, sagten, es handle sich um einen Renault oder einen Opel.
Ebenfalls keine genauen Aussagen konnte die Polizei zum Motiv machen. Ein Raubmord sei aber "höchstwahrscheinlich auszuschließen". Auch Hinweise, der Hintergrund für die Tat sei "im Milieu" zu suchen, lagen nicht vor. Sprecher Borchardt ging vielmehr von einer "Beziehungsstraftat" aus.
öhl ATHEN, 19. Januar. Das griechische Umweltministerium hat am Dienstag für die Hauptstadt Athen Smogalarm ausgelöst und den gesamten privaten Autoverkehr im Stadtzentrum gestoppt. Auch in den Außenbezirken gab es Verkehrsbeschränkungen. Dort durften nur Fahrzeuge mit ungerader Endziffer auf dem Nummernschild fahren. Trotz des Fahrverbots wurden aber, wie schon tags zuvor, stark erhöhte Schadstoffkonzentrationen gemessen. Bei völliger Windstille und fast sommerlichen Temperaturen von 18 Grad lag eine graubraune Dunstglocke über der griechischen Hauptstadt. Mit 433 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritt die Stickstoffdioxid-Anreicherung erheblich die Alarmgrenze von 250 Mikrogramm. Auch die festgestellten Kohlenmonoxid- und Ozon-Mengen lagen über den Grenzwerten.
Allein am Dienstag vormittag mußten nach Angaben der Rettungsdienste nahezu 700 Athener mit akuten Kreislauf- oder Atembeschwerden in die Kliniken gebracht werden. Angesichts völliger Windstille, wolkenlosen Himmels und fast sommerlichen Temperaturen von achtzehn Grad prognostizieren die Meteorologen vorerst ein Anhalten der Smog-Wetterlage.
pid GÖTTINGEN, 21. Januar. Mieter in Wohngemeinschaften sind jetzt durch ein Urteil des Landgerichts Göttingen in ihren Rechten gegenüber dem Vermieter gestärkt worden. Das Landgericht verurteilte einen Vermieter dazu, eine Frau als Hauptmieterin in den Mietvertrag mit aufzunehmen, die für ein ausgeschiedenes Mitglied in eine bereits bestehende Wohngemeinschaft eingezogen war. Hierzu war der Vermieter nicht bereit gewesen. Er wollte statt dessen einen Einzelmietvertrag mit höherer Miete abschließen (AZ: 5 S 123/92 und 22 C 120/92). Gegen das Urteil hat der Vermieter, eine Göttinger Immobilienfirma, Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht.
FLÖRSBACHTAL. Ein dritter Kindergarten in der kleinsten Kreisgemeinde nimmt konkrete Konturen an: Das Land Hessen hat für die Einrichtung einer Betreuungsstätte in Flörsbach einen Zuschuß von 396 000 Mark bewilligt, teilte Bürgermeister Horst Sakschewski mit.
Derzeit ist der Bedarf an Plätzen in der Gemeinde durch die zwei Kindergärten in Lohrhaupten und Kempfenbrunn noch gedeckt, doch ist nach einer Untersuchung der Gemeinde bereits im nächsten Jahr mit einem Fehlbedarf zu rechnen. Um auch den Flörsbachern ein wohnortnahes Angebot zu bieten, verhandelt der Rathauschef mit der evangelischen Kirchengemeinde, um den neuen Kindergarten im Gemeindehaus zu integrieren. Die Kirche würde dann als freier Träger fungieren, die Gemeinde jedoch die Betriebskosten übernehmen. jan
GROSS-GERAU. Wer mehr über die Kontakte der Kreisstadt zum thüringischen Apolda wissen will, als daß die Südhessen konkrete Hilfe beim Aufbau demokratischer Verwaltungsstrukturen in der Ex-DDR leisten, dem dient jetzt eine Ausstellung im Stadthausfoyer als Informationsquelle. Apoldas Kultur- und Sozialdezernent Volker Heerdegen eröffnete die bis zum 26. Februar zu sehende Ausstellung, die auf acht großen Bildtafeln Vergangenheit und Gegenwart, Kultur und Wirtschaft des 30 000 Köpfe zählenden Gemeinwesens präsentiert.
Da ist allerlei Wissenwertes über das 1119 erstmals unter dem Mainzer Erzbischof Adelbert urkundlich erwähnte Apolda zu hören, das 1691 ins Herzogtum Sachsen-Weimar eingegliedert wurde. Deshalb wird 1994 das 875jährige Bestehen gefeiert, und in Apolda hofft man dabei auch auf ein Echo in Groß-Gerau, obwohl man um die dortigen Anstrengungen um den Hessentag weiß.
Unabhängig von solchen Terminen wünschte sich Heerdegen noch mehr kulturelle Kontakte. Die bestehen dem Vernehmen nach bisher unter anderem mit der Chorgemeinschaft Dornheim und übers Kulturcafé. In Apolda gebe es eine rege Vereinsszene, schon immer und besonders in der Nachwendezeit.
Nach Weimar gingen auch heute noch viele Kontakte, werde beispielsweise über die Neuordnung der Kreise Thüringens dahingehend nachgedacht, den Kreis Apolda mit dem Weimars zusammenzulegen, berichtete Heerdegen. Er verwies als Botschafter seiner Stadt vor allem auch auf den enormen Aufbauwillen und -pläne, beispielsweise zur Renovierung im Bereich des Apoldaer Schlosses.
Allerdings: Probleme gebe es reichlich auf wirtschaftlichem Gebiet, drücke zudem in der Region Arbeitslosigkeit von um die 18 Prozent. So sei die früher prägende Textilindustrie - Apolda war das Obertrikotagenzentrum der DDR gewesen - stark zurückgegangen. Allerdings hätten manche Betriebe, wenn auch mit stark verminderter Beschäftigtenzahl, überlebt, würden ihnen gute Chancen eingeräumt. Textilindustrie bleibe auch weiter wichtiger ökonomischer Faktor am Ort.
Heerdegen verwies auf weitere Teile der Ausstellung. Da erfährt der Betrachter allerlei über die seit 1988 ruhende Glockenbauer-Tradition und, daß in Apolda einst das Apollo-Auto gebaut worden war. Auch die Hunderasse Dobermann stammt übrigens aus Apolda: benannt nach dem Züchter Louis Dobermann. cas
GELNHAUSEN. Günter Engel steht an der Spitze der Kandidatenliste der Hailerer SPD zur Ortsbeiratswahl. Die Mitglieder verabschiedeten die Liste einstimmig. Weitere Kandidaten sind Karlheinz Viehmann, Rotraud Schäfer, Ingolf Hänsel, Hans-Gerd Schäfer, Klaus Geppert, Hildegard Eckert, Eckart Lindemeyer, Reinhardt Wetjen, Magda Runte Krajnovic, Ingrid Reußwig und Norman Peetz.
"Die Entscheidungen eines Ortsbeirates gelten zwar nur als Empfehlungen", so die Hailerer SPD-Vorsitzende Rotraud Schäfer, "aber sie sollten in einer demokratischen Kommunalpolitik durchaus Einfluß auf Entscheidungsprozesse haben." Die Arbeit des Ortsbeirates wirke entscheidend mit bei der Minderung der Anonymität und Undurchschaubarkeit von Verwaltungspraxis. Das Gremium sei ein wichtiges Instrument zur Überbrükkung der Entfremdungs- und Frustrationsprozesse auf kommunaler Ebene. lex
WASHINGTON. Mitte Dezember erschien die Times Picayune mit einer Karikatur von Walt Handelsmann: Einer Höhle entsteigt eine Gruppe seltsamer Gestalten, Männer mit Bärten und Frauen mit seltsamen Frisuren, alle in T- Shirts gekleidet mit aufgedruckten Slogans und Emblemen, die die bunte Schar als Angehörige der Rebellenkultur der 60er und 70er Jahre ausweisen: Das Frauenemblem, "No Nukes", "Save the Animals", "ACLU" ("American Civil Liberties Union"). Vor der Höhle steht ein Kameramann des Nature Channel und ein Reporter mit Mikrophon: "Nach zwölf Jahren erzwungenen Winterschlafs beginnen kleine Gruppen von radikalen Liberalen aus ihren Löchern zu kommen, sie sind auf dem Weg zu ihren Laich- und Brutstätten in Washington." Kehrt also mit dem Sieg Bill Clintons der intellektuelle Aufbruch der 60er Jahre wieder, wie die Times Picayune zu befürchten scheint, diese Stimme aus dem tiefsten konservativen Süden Amerikas?
Bei der Reaktion amerikanischer Intellektueller auf Clintons Wahlsieg sind die Stimmen dreier Generationen und dreier Typen von Intellektuellen herauszuhören. Da ist die Generation Arthur Schlesingers, ehemaliger Berater John F. Kennedys, der den Wahlausgang im New Yorker kommentiert. Er sieht im Sieg Bill Clintons den langersehnten Rückschwung des Pendels, aber keine grundlegende Umwälzung. Die nächste Generation, für die der Kreis von Intellektuellen um die Zeitschrift Tikkun ein Beispiel ist, sieht die Ambitionen der 60er bestätigt. Sie hält ihre Stunde für gekommen und drängt nach Einfluß und Macht. In der Zeitschrift Rolling Stone hingegen meldet sich mit den Autoren William Greider und Jon Katz ein neuer, radikaler und nahezu antiintellektueller Typ von Intellektuellen zu Wort; für sie ist die Stunde der Intellektuellen nicht gekommen, sondern hat vielmehr geschlagen. Der Sieg Bill Clintons ist für sie der Anbruch einer neuen Ära und das Ende von Politik alten Stils. Wahl und Wahlkampf hätten gezeigt, daß die Wähler weder intellektuelle Politikvermittler noch intellektuelle Gesellschaftstheorie noch überhaupt Herrschaft der Intellektuellen wollen, sondern "unmittelbare Demokratie".
Um diese Reaktionen einzuschätzen, ist ein Blick in die Geschichte hilfreich. In seinem neuen Buch Lila zeichnet Robert Pirsig, Autor des Kultbuchs Zen und die Kunst der Motorradwartung, die neue gesellschaftliche Bedeutung der Intellektuellen in der Politik Amerikas nach. Sie kündigte sich nach dem Ersten Weltkrieg in den Worten Wilsons an: "Zur Verhinderung künftiger Kriege müssen wir von unserer Intelligenz Gebrauch machen. Gesellschaftliche Einrichtungen gewährleisten nicht von selbst moralische Politik, sie müssen vom Intellekt gesteuert werden." Franklin D. Roosevelt war es dann, der den Einfluß des Intellektuellen in der Politik sicherstellte. Seine Regierung und der New Deal markierten den Machtantritt der Intellektuellen in der amerikanischen Politik als Sozialingenieure europäischer Prägung.
Vor Roosevelt waren Intellektuelle wenig mehr als geschätzte Diener der Gesellschaft gewesen, deren Dienste man wohlfeil erwerben konnte, wie die von Ärzten oder Notaren. Das änderte sich mit Roosevelt. Namen wie Tugwell, Rosemann, Berle, Moley, Hopkins, Douglas, Morgenthau, Frankfurter bekamen einen Klang, der den der reichsten und mächtigsten Familien zu übertönen begann, den der Rockefellers, Vanderbilts, Melons, Carnegies.
Doch der Bedeutungszuwachs der Intellektuellen ging weder widerspruchslos vonstatten noch war er endgültig. Nach Arthur Schlesinger wechseln in der amerikanischen Politik Phasen, in denen mal intellektuelle Programme, mal der Markt bestimmend sind. Perioden, in denen private Initiative und privates Interesse dominieren, folgen auf Phasen, in denen politische Intervention und soziale Planung die Geschicke der Republik steuern. Arthur Schesinger jr., Autor von Biographien der Kennedy-Brüder, beruft sich in seinem Kommentar zum Sieg Clintons auf seinen Vater, den Historiker Arthur Schlesinger sr., der 1939 voraussah, daß in einem dreißigjährigen Zyklus alle 15 Jahre das Pendel in die eine und dann in die andere Richtung schlägt. Während die Republikaner zur Partei der Wirtschaft wurden, entwickelten sich die Demokraten zur Partei der Regierung.
30 Jahre sind ungefähr eine Generationsspanne. Jene, die wie Franklin und Eleanor Roosevelt unter der Herrschaft Theodor Roosevelts und Woodrow Wilsons inspiriert wurden, verhalfen deren Ideen 30 Jahre später erneut zum Durchbruch, ebenso wie jene, die unter Roosevelt und Truman politisch groß wurden - die Kennedys, Lyndon Johnson und Hubert Humphrey - abermals dreißig Jahre später die Ideen ihrer politischen Väter revitalisierten. Und so wie Kennedy und Johnson Kinder FDRs waren, sind Bill Clinton und Al Gore Kennedys Kinder. In den Phasen dazwischen regierten jeweils die Generationen der anti- intellektuellen Laissez-faire-Politiker Hoover, Eisenhower, Nixon, Reagan, Bush.
Das mutet wie eine resignierende Sicht auf die Pendelschläge der Geschichte an. Schlesingers Artikel im New Yorker erschien mit einer Zeichnung, die an das Rad der Fortuna erinnert, auf deren Scheitelpunkt gerade Clinton und Gore erscheinen, ebenso dazu verurteilt, in den Orkus der Entmachtung zu fahren, wie vor ihnen Reagan und Bush: "Regno, regnavi, regnablo!" (ich herrsche, ich herrschte, ich werde herrschen). Nicht gerade eine begeisterte Begrüßung des Machtwechsels.
In der Zeitschrift Tikkun kommt jene nächste Generation von Intellektuellen zu Wort, die hofft, mit Clinton an die Macht zurückzukommen, von der sie, abgesehen vom Interregnum Jimmy Carters, seit Nixons Wahlsieg verbannt war. "Wir müssen uns mit Bill Clinton verbünden und ihn dabei gleichzeitig zu uns herüberziehen, zu den Positionen, die wir einst einzunehmen wagten", schreibt der Begründer der Zeitschrift, Michael Lerner. Tikkun veröffentlichte das erste einer geplanten Serie von Memoranden an Bill Clinton, in denen er zu einer "amerikanischen Perestrojka" ermutigt wird: die Entmachtung des militärisch-industriellen Komplexes, die Verlagerung des wirtschaftlichen Schwerpunktes vom Großkapital weg hin zu genossenschaftlichem, gemischtem Kapitaleigentum und Kleinunternehmern.
In diesen Forderungen melden sich mit einem Unterton von Selbstkritik jene Intellektuellen zu Wort, die aus den Rückschlägen der Reagan-Jahre Lehren zu ziehen versuchen. In ihren Jubel auf den Sieg der Demokraten mischt sich die Ahnung, daß weder die 60er-Generation noch die alte Rooseveltsche Intelligenzia ungebrochen wieder an die Macht kommen wird. Wie Clinton selber brechen seine Ratgeber und Unterstützer bewußt mit den klassischen Glaubenssätzen der Demokratischen Partei: großangelegte Regierungsprogramme und Keynesianische Defizite. Dies deshalb, weil Clintons (und das seiner beratenden Intellektuellen) neue Bibel das Buch von David Osborne und Ted Gaebler ist: Regierung neu erfinden - von der Transformation des öffentlichen Sektors durch das Prinzip des Unternehmertums. Ihr Credo: "Regierung soll nicht rudern, sondern steuern, Regierung muß unternehmerisch handeln und die Gesetze des freien Marktes ausnutzen. Das ist in der Tat ein Abschied von den Sozialprogrammen der Ära Roosevelt und Johnson.
Von einer amerikanischen Perestrojka sprechen auch die Autoren, die sich im Rolling Stone zu Wort melden, nur hat diese ihrer Meinung nach schon weitgehend stattgefunden. Wer den amerikanischen Wahlkampf des vergangenen Jahres verfolgt und wer gesehen hat, wie der Prozeß der politischen Willensbildung sich entwickelte, ahnt, daß die Intellektuellen alter Prägung nie wieder an die Macht zurückkehren werden. Nicht die Intellektuellen, die von Bush als "Talking Heads" kritisierten Meinungsmacher, haben diesen Wahlkampf bestimmt. Bush hat schon deshalb verloren, weil er anders als Clinton diese politische Umwälzung nicht verstand: Das Neue an diesem Wahlkampf war nämlich die Ausschaltung der klassischen intellektuellen Vermittler von Politik.
Wer diese Umwälzung verstehen will, muß einen Blick zurück auf den Wahlkampf werfen und auf die Art, wie Ross Perot die politische Kultur Amerikas verändert hat. In Europa ist Perot weitgehend als ein Kuriosum amerikanischer Politik gesehen worden. Perots Eingreifen in den Wahlkampf 1992 aber hat nicht nur die Wahlkämpfe in Amerika vermutlich auf alle Zeit verändert, sondern auch die Art, in der Regierte und Regierende miteinander kommunizieren.
Ross Perot verstieß gegen alle Gesetze des politischen Geschäfts. Die angeblich vom Fernsehen geblendeten und unmündigen Bürger, die mehr als die 20-Sekunden-Botschaften aufzufassen nicht in der Lage sind, waren von traditioneller Politik gründlich bedient. Jenseits aller intellektuellen Analysen wußte dieser Bürger nur eins: Das Land ist in einer Krise, und die traditionelle Politik hat versagt. Ross Perot war der einzige, der das verstanden und umgesetzt hat. "The medium is the message", und so veränderte Perrot noch einmal die Medien und vielleicht sogar das Medium der Politik überhaupt.
Perot hielt im Fernsehen halbstündige Vorträge anhand von statistischen Schaubildern, und die Einschaltquoten übertrafen die der populärsten Serien. Statt der traditionellen Wahlkampfreisen arrangierte er Konferenzschaltungen, elektronisch vermittelte Diskussionsrunden, in denen sich Bürger aus allen Landesteilen mit dem Kandidaten direkt in Verbindung setzen konnten.
Was für die mediale Aufbereitung von Politik gilt, gilt künftig auch für das Entwerfen von Politik selbst: Es wird kein Zentrum der Intellektuellen mehr sein. Perots Idee vom Dialog der Regierenden mit den Regierten per Computerschaltungen, durch landesweite elektronische "Volksabstimmungen", ist ein Schritt in eine neue Dimension politischer Beteiligung. Und ebenso wie im Wahlkampf die Wähler unter Umgehung von Moderatoren und Kommentatoren in unmittelbaren Kontakt mit den Politikern zu treten wünschten, werden sie in Zukunft nach Wegen suchen, unmittelbar am politischen Prozeß beteiligt zu sein. Die Einfluß der Intellektuellen auf die amerikanische Gesellschaft, die Robert Pirsig beschreibt, könnte abgelöst werden durch eine neue Herrschaft der am politischen Prozeß medial partizipierenden Bevölkerung. PETER TAUTFEST
HANAU. Beim zweiten Meisterkonzert in diesem Jahr spielt am Sonntag, 31. Januar, ab 17 Uhr das "Ensemble Avance". Diesmal wird die Musik jedoch nicht wie gewohnt im Weißen Saal des Schlosses Philippsruhe erklingen, der zur Zeit renoviert wird, sondern im Comoedienhaus Wilhelmsbad.
Die Gruppe, die 1983 in Stuttgart gegründet wurde, trägt Werke russischer Komponisten der klassischen Moderne sowie drei Werke der jungen deutschen Avantgarde vor. Außerdem erklingt ein Stück des Komponisten Claus Kühnl, der auch durch das Programm führt. Das Stück wurde als Gesprächskonzert konzipiert. Das Publikum kann nach jedem Stück Fragen an die Interpreten und die anwesenden Komponisten stellen. res
HANAU. Um 4,9 Prozent werden rückwirkend zum 1. Januar die Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen für knapp 18 000 Beschäftigte im hessischen Friseurhandwerk angehoben.
Darauf haben sich in Hanau der Landesinnungsverband des Friseurhandwerks und die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) geeinigt. az
KÖNIGSTEIN. Die Aktionsgemeinschaft Lebenswertes Königstein (ALK) plädiert weiter für einen Umbau des Königsteiner Kreisels. Die Vorstellung im Generalverkehrsplan, den neuralgischen Knotenpunkt mit sogenannten Pförtnerampeln an der B 8 zu entschärfen, berge große Nachteile, betont Fraktionsvorsitzender Berthold Malter.
Zum einen würden die Staus auf dieser Nord-Süd-Verbindung lediglich vor die Stadtgrenzen verlagert. Da außerdem im Generalverkehrsplan für die Ost-West- Achse (B 455) keine Pförtnerampeln vorgesehen seien, werde so - zumal wenn der Feldbergzubringer fertig ist - noch mehr Verkehr angezogen. Auch die Straße von Ruppertshain, der Ölmühlweg, bleibe ohne Ampel ein attraktiver Schleichweg aus dem Hintertaunus. Pförtnerampeln sind Lichtanlagen am Stadtrand (der Generalverkehrsplan sieht sie an der B 8 am Johanniswald im Süden und der Eselsheck im Norden vor), die wie ein Pförtner nur so viele Autos nach Königstein einfahren lassen, wie der Kreisel verkraften kann.
Eine bessere Lösung als die Ampeln an der B 8 ist für den ALK-Fraktionsvorsitzenden ein Umbau des Kreisels. Ein "Durchstich" oder "Varianten ohne Kreisverkehr" könnten den Knoten viel leistungsfähiger machen, ist Malter überzeugt. Diese Auffassung stütze auch ein neues Gutachten des Straßenbauamtes, das der Fraktion seit kurzem vorliege.
Aber auch mit der innerstädtischen Verkehrsführung, wie sie der Generalplan vorsieht, ist Malter nicht einverstanden. Wenn etwa das Einbiegen von der B 8 in die Adelheidstraße nicht mehr erlaubt sei, müßten Autofahrer aus dem Norden Königsteins Supermärkte, Post, Rathaus oder Grundschule im Zentrum über das "Nadelöhr Kreisel" ansteuern.
Ehe eine Tiefgarage unter der Konrad- Adenauer-Anlage gebaut wird, sollte nach ALK-Meinung genau geprüft werden, ob die unterirdischen Abstellplätze überhaupt angenommen würden. Malter: "Das Beispiel Kronberg, wo dies nicht der Fall ist, sollte Anlaß zum Nachdenken sein." Die Finanzierung der Tiefgarage stehe ebenfalls "noch in den Sternen": Zwar könne die Stadt, um an Geld für den Bau zu kommen, das Gelände an einen privaten Investor verkaufen. Aber damit sei dann auch die Möglichkeit verloren, Einfluß auf die Gestaltung der Konrad-Adenauer-Anlage zu nehmen. Malter: "Das Familiensilber sollte uns zu schade sein."
Gelegenheit zur Diskussion über den Generalverkehrsplan ist bei einer Bürgerversammlung am Montag, 25. Januar, um 20 Uhr im katholischen Gemeindezentrum. mak
Eine Diskussion in ihrer Partei und unter Pädagogen, auch unter Leserinnen und Lesern der FR, hat Beate Scheffler, Abgeordnete der Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag, mit einem Beitrag über das Versagen antiautoritärer Erziehung ausgelöst. Wir dokumentieren den Text, der in einer Broschüre der Grünen im Düsseldorfer Landtag stand. Beate Scheffler (40) ist Lehrerin und kommt aus Bochum. In einer Debatte des NRW-Landtags griff der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Helmut Linssen (49), Diplom-Kaufmann aus Kleve, die Zitate auf und nutzte das Eingeständnis zu einem Plädoyer für eine streng an konservativen Werten orientierte Erziehung. Wir geben Auszüge aus seiner Rede wieder. Aus anderer Warte widersprach der SPD-Bundestagsabgeordnete Friedhelm Julius Beucher (44), Schulrektor aus Bergneustadt, Vorsitzender eines überregional bekannten Projekts zur Beschäftigung jugendlicher Arbeitsloser, dem Denkanstoß von Beate Scheffler. Seinen Text schickte Beucher der FR zu.
Beate Scheffler: Das Aggressions- und Gewaltpotential, die Bereitschaft, auch Brandsätze zu werfen, hat alle aufgeschreckt. Und es muß gerade uns heute Vierzigjährigen nachdenklich machen. Denn selbst wenn wir die gesellschaftliche Entwicklung in der BRD in vielen Punkten anders gewünscht hätten: Die Jugendlichen von heute sind unsere Kinder, unsere SchülerInnen, sie sind auch das "Produkt" unserer Erziehung.
Es war unsere Revolte, die viele Wertesysteme hat zusammenbrechen lassen. Waren wir es nicht, die gegen alle Normen angekämpft haben? Wir haben jede Autorität in Frage gestellt, wollten die Familien am liebsten auflösen. Haben wir als Erziehende unseren Kindern nicht zu selten die Chancen zur Auseinandersetzung mit uns gegeben? Wir ließen sie diskutieren, bestimmen und entscheiden. Wir setzten möglichst wenige Grenzen, sprachen ungern Verbote aus, mit denen sich die Kinder hätten auseinandersetzen hätten müssen.
Ich halte die emanzipatorische Erziehung nach wie vor für richtig, muß aber feststellen: Wir haben unsere Erziehungsziele nicht erreicht. Statt der mündigen, sozial und ökologisch engagierten, politisch hochmotivierten Jugend hat unsere Erziehung eine Spezies hervorgebracht, die zum überwiegenden Teil egozentrisch, konsumorientiert und im schlimmsten Falle sogar gewalttätig und fremdenfeindlich ist.
Was also ist schiefgelaufen?
Haben wir zu große Hoffnung in die Möglichkeiten von Schule und Erziehung gesteckt? Haben wir die gesellschaftlichen Bedingungen unterschätzt? Es ist uns nicht gelungen, ein stabiles Wertesystem aufzubauen, das der Individualisierung und Beliebigkeit hätte Vorschub leisten können.
Helmut Linssen: Sehr geehrte Frau Scheffler, die "antiautoritäre Erziehung" war keine Erziehungsarbeit, sondern war eine systematische Zerstörungsarbeit an der Jugend. Die damals übliche offene Ermutigung zu "Regelverletzungen" ("Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt", "Macht kaputt, was euch kaputt macht"), die Ermutigung zur Gewalt gegen Sachen, das ist nur ein Teil der Saat, die jetzt wieder einmal aufgeht. (. . .)
Erziehung gegen Pflichtgefühl, gegen Familie, gegen Einordnung in die Gemeinschaft, getarnt als Kampf gegen Streß und Ausbeutung, unterhöhlt nicht nur die Autorität von Eltern, Lehrern und Vorgesetzten, sondern unterhöhlt vor allem das Vertrauen in die Bindungen, die schon Konfuzius als Grundlage jeden menschlichen Zusammenlebens beschrieb: Eltern-Kinder, Lehrer-Schüler, und letztlich Bürger-Staat. (. . .)
Dieses Wissen von der Bedeutung der Erziehung trägt dann aber logischerweise in sich die Fähigkeit zur Einsicht, daß Erziehung keineswegs beliebig sein darf. Sie aber, Frau Scheffler, bedauern, daß es Ihnen nicht gelungen ist, ein Wertesystem zu schaffen, das der "Individualisierung" und "Beliebigkeit" hätte Vorschub leisten können. (. . .) Tatsächlich ist der schlimmste Fall eingetreten, Frau Scheffler!
Wir alle müssen bereit sein, aus diesem schrecklichen Fehlschlag zu lernen. Es ist richtig, den Staat zu kontrollieren, wo er das Erziehungswesen organisiert - doch dazu bedarf es freilich des gemeinschaftsorientierten, pflichtbewußten, disziplinierten und urteilsfähigen Bürgers. Und diesen wiederum bekommt man nur durch Erziehung.
Friedhelm Beucher: Die pauschale Methode, mit der Beate Scheffler antiautoritäre Erziehung als eine Ursache für rechtsradikale, gewalttätige und Brandsätze werfende Jugendliche darstellt, ist oberflächlich, konstruiert und falsch. Natürlich haben wir uns die gesellschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik in vielen Punkten anders gewünscht! Ist Frau Scheffler aber entgangen, daß es uns gelungen ist, unseren Staat in Teilen prägend mitzugestalten? Haben wir wirklich gegen alle Normen angekämpft, jegliche Autorität in Frage gestellt? Und wollten wir tatsächlich am liebsten die Familien auflösen?
Erinnert sich Beate Scheffler nicht daran, daß wir sehr früh die antirepressive Erziehung der antiautoritären erfolgreich entgegensetzten? Verdrängt sie, daß die emanzipatorische Erziehung nicht nur richtig war und ist, sondern wir auch auf Millionen mündige, sozial und ökologisch engagierte und politisch hochmotivierte Jugendliche verweisen können?
Wie sonst ließen sich die jugendlichen Mitglieder bei Greenpeace, Robin Wood, amnesty international, in Naturschutzverbänden und kirchlichen kritischen Gruppen, bei den Jungsozialisten, den Jungliberalen, den Grünen, auch in der Jungen Union, in den Gewerkschaften und nicht zuletzt in der Friedensbewegung erklären?
Gewalttätig und fremdenfeindlich dagegen sind leider überwiegend Jugendliche, die in einfachen Beschäftigungsverhältnissen stehen oder arbeitslos sind, schlechte oder kaum Schulbildung hatten, aus gestörtem Umfeld kommen und für sich geringe Perspektiven sehen. Diese Ursachen können nur in aller Konsequenz mit gesellschaftlichen und politischen Mitteln sowie persönlichem Engagement aller Bürgerinnen und Bürger bekämpft werden, aber bestimmt nicht mit weinerlichem Lamento über angebliche Mängel einer offenen Pädagogik.
Kurz gemeldet: Aktionstag der Gewerkschaften
ulf FRANKFURT A. M., 19. Januar. Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) ruft für den 2. April einen europäischen Aktionstag aus. Überall in Europa sind an diesem Tag Veranstaltungen geplant, bei denen die Forderung nach einem "solidarischen Europa" und der Kampf gegen Fremdenhaß und soziale Ausgrenzung im Mittelpunkt stehen. Jelzin beruft neuen Stabschef MOSKAU, 19. Januar (AP). Rußlands Präsident Boris Jelzin hat den bisherigen stellvertretenden Parlamentspräsidenten Sergej Filatow zu seinem neuen Stabschef berufen. Vier Kandidaten in Bratislava BRATISLAVA, 19. Januar (dpa). In der Slowakei bewerben sich jetzt vier Kandidaten um das Präsidentenamt: Für die Bewegung für eine Demokratische Slowakei (HZDS) Roman Kovac, für die rechts-gerichtete Slowakische Partei (SNS) der stellvertretende Parlamentspräsident Jozef Prokes, für die Christdemokraten der Abgeordnete Anton Neuwirth und für die Partei der Demokratischen Linken (SDL) deren Fraktionsvorsitzender Milan Ftacnik. Mitterrand besucht Indochina PARIS, 19. Januar (AP). Der französische Staatspräsident François Mitterrand will im Februar Vietnam und Kambodscha einen Staatsbesuch abstatten. Togos Premier wieder im Amt ACCRA, 19. Januar (dpa). Der Ministerpräsident Togos, Joseph Kokou Koffigoh, hat sein Amt zurückerhalten. Eine Woche zuvor hatte Togos Staatsoberhaupt General Gnassingbe Eyadema Koffigoh entlassen. Der Ministerpräsident kündigte die Vorbereitung allgemeiner Wahlen an. Neuer Innenminister in Caracas CARACAS, 19. Januar (AFP). Der venezolanische Staatspräsident Carlos Andres Perez hat den 58jährigen Rechtsanwalt Jesus Carmona zum neuen Innenminister ernannt.
ALTENSTADT. Die Vorführgeräte im Apollo-Kino laufen wieder: Auf besonderen Wunsch vieler Jugendlicher zeigt Karin Rogalski morgen sowie am Samstag, 23. Januar, und Sonntag, 24. Januar, jeweils um 16 Uhr den Film "Moonwalker" mit Popstar Michael Jackson in der Hauptrolle. Der Streifen ist auch am Montag, 25. Januar, und Dienstag, 26.Januar, um 20 Uhr zu sehen.
Noch einen Kino-Hit aus den derzeitigen Filmcharts hat die engagierte Kinomacherin nach Altenstadt geholt: "Sister Act" mit Whoopi Gooldberg als Nonne. Er flimmert am Freitag, Samstag und Sonntag jeweils um 20 Uhr über die Leinwand des Apollo-Kinos und wird noch einmal von Freitag, 29. Januar bis Mittwoch, 3. Februar, um 20 Uhr sowie am Montag, 25. Januar, und Dienstag, 26. Januar um 16 Uhr gezeigt.
Zwei weitere Übergänge sollen den Stau auflösen Einzige Nord-Süd-Verbindung ist der SPD zu wenig Von unserem Redaktionsmitglied Peter Müller OBERTSHAUSEN. "30 Jahre CDU - die Schranke ist noch immer zu." Dieser Slogan habe an Aktualität bis heute nichts verloren, erklärt SPD- Fraktionschef Karl-Heinz Schmidt, um wieder einmal der Stadtverordnetenversammlung mittels eines Antrages Vorschläge zu unterbreiten, wie den alltäglichen und nervenden Staus in der Bahnhofstraße zu begegnen sei. Wie schon häufig in der Vergangenheit sieht die SPD die Lösung des Problems in weiteren Bahnübergängen in Obertshausen. Bislang verbindet nur die Bahnhofstraße den südlichen mit dem nördlichen Stadtteil, wobei die Schranken an den Schienen diesen Verkehrsfluß regelmäßig bremsen. Mit dem Bau der S-Bahn soll dort eine Unterführung in Omegaform entstehen. Schaue man auf den Stadtplan, dann fielen sofort zwei Möglichkeiten ins Auge, den Verkehrsstau in der Durchgangsstraße - der Bahnhofstraße und der Heusenstammer Straße, wie sie weiter südlich heißt -, aufzudröseln. Zum einen sollte im Westen der Stadt ein zweiter Bahnübergang in Höhe Grenzstraße / Laakirchener Straße entstehen, zum anderen sehe die SPD die Möglichkeit, als dritten Übergang die Gartenstraße mit der Badstraße über die Schienen hinweg zu verbinden. Mit beiden Übergängen wäre die Stadt mit einem Schlag an das überörtliche Straßennetz auf kurzen Wegen verbunden, sagt Schmidt.
Dieser Schritt sei seit langem überfällig, meint der Spitzenkandidat seiner Partei und fordert die CDU auf, Farbe zu bekennen. Das letzte Argument der CDU, mit einem zweiten Bahnübergang gefährde man den Bau der Umgehungsstraße, sei mittlerweile angesichts des Bau- und Finanzierungsfortschritts für diese Straße obsolet geworden, sagt Schmidt. Bedenken der Anwohner im Laakirchener Gebiet, mit dem neuen Übergang werde der Verkehr in den Stadtteil gezogen, suchte er mit dem Hinweis auf verkehrslenkende Maßnahmen zu zerstreuen. Dadurch könne der Durchgangsverkehr unattraktiv gemacht werden. Für den Bau dieses neuen Überganges, der laut Bundesbahnkreuzungsgesetz nur als Unter- oder Überführung möglich ist, fordert die SPD eine Planung im Jahr 1994 und eine Finanzierung für die Jahre von 1995 bis 1998. Nach der derzeitigen S-Bahn-Planung soll lediglich der Übergang Lämmerspieler Wegschneise für Radfahrer und Fußgänger an die Grenzstraße verlegt werden.
Gegen diese Lösung hatte sich in der Vergangenheit immer wieder Bürgermeister Josef Seib (CDU) ausgesprochen und eine zehnjährige Bauzeit prophezeit.
Der zweiten Idee der SPD, die Badstraße mit der Gartenstraße zu verbinden, scheint die CDU schon eher zugeneigt. Als die Union jüngst ihr Wahlprogramm vorstellte, erklärte die CDU-Fraktionsführerin Hildegard Bühl, über einen zweiten Übergang lasse man mit sich reden, wenn nicht der im Westen gemeint sei. Bürgermeister Josef Seib hatte bereits im vergangenen März bei einer Informationsveranstaltung der CDU zur Omegaunterführung angedeutet, nach dem Bau der Umgehungsstraße könne an einen zweiten Übergang im Stadtgebiet gedacht werden und zwar dort, wo der meiste Schwerlastverkehr hingehe. Und der strebt bekanntlicherweise zum größten Unternehmen am Ort, zur Firma Mayer.
Von der B 448 oder der dann fertiggestellten Umgehung kommend könnten die Lastwagen über die mittlerweile ausgebaute und an den Knoten angebundene Badstraße über den neuen Bahnübergang bequem zum Mayer-Werk fahren. "Wir erkennen eine mögliche Reduzierung der Verkehrsströme im innerstädtischen Bereich, möchten das aber im Zuge der Aufstellung des Verkehrsentwicklungsplanes untersucht wissen", sagt Schmidt.
Ginge es nach der FDP, dann müßten sich weder SPD, noch CDU, noch Stadtverwaltung mit derartigen Fragen beschäftigen. Die Liberalen fordern nämlich als ausgemachte Gegner der Omega- Lösung den Magistrat auf, mit der Bundesbahn zu verhandeln, ob die Trasse der S-Bahn nicht entlang der Bundesstraße 448 geführt werden könnte. Dann wären die Schienen raus aus Obertshausen.
BAD ORB. Die seit über einem Jahr aufs Abstellgleis rangierte Orber Kleinbahn soll ab Montag, 1. Februar, wieder den Fahrbetrieb zwischen der Kurstadt und Wächtersbach aufnehmen. Das teilte der Leiter der Verkehrsbetriebe der Kreiswerke Gelnhausen (KWG), Winfried Jackel, auf Anfrage der FR mit.
In diesen Tagen sind am Bahnübergang in der Martinusstraße neue Blinklichter installiert worden. Der Kreuzungspunkt von Schiene, Straße und Fußgängerweg ist seit mittlerweile drei Monaten mehr oder weniger eine Baustelle. Bereits Ende Oktober waren die ersten Kontakte eingebaut worden. Die Verzögerungen bei den Arbeiten führt Jackel vor allem darauf zurück, daß sich die Lieferung der Schrankenbäume verzögert habe.
Rund eine halbe Million Mark kostet der Einbau der Halbschranken. Land, Kreis und Stadt zahlen die Summe zu jeweils einem Drittel.
Die Orber Kleinbahn war im Dezember 1991 stillgelegt worden, weil man den unbeschrankten Bahnübergang aufgrund einiger Unfälle nicht mehr für sicher genug hielt. Seitdem fahren Busse im "Schienenersatzverkehr". Der "Bimmel", wie sie in Orb genannt wird, droht jedoch nach wie vor zum 31. Dezember 1995 das "Aus". Dann endet ein Vertrag zwischen der Stadt und dem Bahnbetreiber KWG, dem der Zug jährlich über eine Million Mark Miese beschert. jan
"Wer sich zu klug, zu fein, zu erfolgreich dünkt für die Politik, wird dadurch bestraft, daß er von weniger Klugen, weniger Feinen, weniger Erfolgreichen regiert wird." Wolfgang Assmann, Bad Homburger Oberbürgermeister, beim Neujahrsempfang Frankfurter Versicherungen zur Politikverdrossenheit.Von Alexander Kraft
Zwei Künstler, die sich nicht erst seit Hoyerswerda, Mölln und Rostock mit dem Zusammenleben von Türken und Deutschen auseinandersetzen, kommen jetzt ins Neue Theater Höchst: das "Knobibonbon-Kabarett". Und Sinasi Dikmen und Muhsin Omurça machen dort das, was sie seit Jahren mit wachsender Begeisterung tun: "Kabarett von Türken für Deutsche"; Titel des aktuellen Programms: "Der Beschneider von Ulm." Das Programm der Woche
Donnerstag, 21. Januar, 20 Uhr: "Undine geht", Solo-Stück mit Doris Batzler nach Ingeborg Bachmanns gleichnamiger Erzählung, im Gallus Theater (Krifteler Straße 55); "Wenn die Sonne scheint, scheint die Sonne zu scheinen", ein bunter Abend mit dem "Artist, Jongleur, Improvisateur und Literateur" Peter Spielbauer, im Neuen Theater Höchst (Emmerich- Josef-Straße 46 a); Strindbergs "Fräulein Julie" in einer neuen Inszenierung des Theaters Grüne Soße, im Theaterhaus (Schützenstraße 12).
20.30 Uhr: "Die Freuden der Liebe, sie dauern nur ein Hui", eine Lesung mit Texten zur Liebe, verlesen vom Freien Schauspiel Ensemble im Philanthropin (Hebelstraße 17); "Aysche und Richard", Peter Slaviks Stück über die Lebensläufe einer jungen Türkin und eines jungen Deutschen, im Theater in Bornheim (TiB, Bornheimer Landwehr 35).
Freitag, 22. Januar, um 20 Uhr: "Undine geht" im Gallus, Peter Spielbauer in Höchst und Strindberg im Theaterhaus.
20.30 Uhr: "So schön, schön war die Zeit", die schrille Schlager-Revue des Freien Schauspiel Ensembles, im Philanthropin; "Das Martyrium des Piotr O'Hey", die aktuelle Produktion des Kellertheater-Ensembles (Mainstraße 2); Thomas Bernhards "Der Schein trügt", eine Inszenierung des Theaters Tamen The, in der Brotfabrik (Bachmannstraße 2-4); "Aysche und Richard" im TiB.
23 Uhr: eine weitere Runde für Cornelia Niemanns "Solo im Supermarkt", im Theaterhaus.
Samstag, 23. Januar, 15 Uhr: "Lilly Lilliput", Hexenmärchen des Kinder- und Jugendtheaters Speyer für Besucher ab vier Jahren, Gallus Theater.
19 Uhr: "Nachtwache", das strapaziöse Psychodrama des Freien Schauspiel Ensembles, im Philanthropin. 20 Uhr: Weitere Vorstellungen für "Undine geht", "Wenn die Sonne scheint . . ." sowie "Fräulein Julie"; 20.30 Uhr: "Der Schein trügt", "Aysche und Richard" und "Das Martyrium des Piotr O'Hey"; 23 Uhr: "Solo im Supermarkt".
Sonntag, 24. Januar, 15.30 Uhr: Kindertheater in der Brotfabrik mit dem Zauberer Manioli (für Kinder ab vier Jahren). 16 und 20 Uhr: "Varieté am Sonntag", die 13. Artisten-Revue mit Jongleurinnen, Clowns und Musikanten im Neuen Theater Höchst.
Mittwoch, 27. Januar, 20 Uhr: "Der Beschneider von Ulm", das neue Kabarett-Programm vom Duo Knobibonbon, im Neuen Theater Höchst;
20.30 Uhr: "A Melange, a Musi, a Melancholie", eine Reverenz des Freien Schauspiel Theaters an die Wiener Kaffeehaus-Kultur, im Philanthropin (Nordend). two
Wenn nur noch Solidarität das Herz erwärmt
Ex-Betriebsräte aus vier Kontinenten klagten über das Arbeitsleben im Hoechst-Konzern
"Die Schaffer des Reichtums sind die Arbeiter, egal ob in der ersten, zweiten oder dritten Welt. Laßt uns versuchen, auch ein kollektives Bewußtsein zu schaffen", rief der brasilianische Gewerkschafter José Sebastiao Gratao dem Publikum zu. Anheimelndes Pathos war gefragt im Gemeindesaal des Frankfurter Stadtteils Griesheim. Man rückte zusammen, über Kontinente hinweg. Die Hoffnung blühte auf, daß man dem gemeinsamen politischen Gegner künftig geschlossener entgegentreten und mehr Mitbestimmung abtrotzen kann: dem Hoechst-Konzern. Appelle an die Solidarität häuften sich.
Es war nicht bloß die Tatsache, daß sie alle von ihrem Arbeitgeber Hoechst gefeuert worden waren, die die Brasilianer und den Australier, die Südafrikaner und den Deutschen auf der Bühne im Saal der Segensgemeinde vereinte. Vor allem war es der Eindruck, der Konzern habe mit diesen Entscheidungen mißliebige Arbeitnehmervertreter herausboxen wollen. "Hoechst kündigt weltweit" nannte die Gruppe "Forum", die im Hoechst-Betriebsrat gegen die IG-Chemie-Mehrheit opponiert, folglich ihre Veranstaltung.
Zum Beispiel Südafrika. "Hoechst hat inzwischen den Ruf, der schlimmste Betrieb zu sein, schlimmer als unter der Apartheid-Gesetzgebung", schleuderte der Chemiegewerkschafter Louis Mashego heraus. Früher habe der Staat Interessenvertreter der Arbeiter als Kommunisten oder Terroristen verfolgt. Das - und die Billiglöhne - habe Unternehmen wie den deutschen Chemieriesen angelockt. "Seit Beginn der Demokratisierung 1989/90 mußte Hoechst stärker die Disziplinierung selber in die Hand nehmen. Mit dieser Veränderung wurden drei von vier gewerkschaftlichen Vertrauensleuten entlassen", berichtete Laurence Ntlokoa. Mashego und er gehörten dazu. Zur Begründung seien Vorwürfe erfunden worden. Die dicke "blaue Bibel" der Arbeitsbestimmungen - Mashego stemmte sie zur Demonstration nach oben - diene bestenfalls als Richtschnur. Der südafrikanische Zweig der Weltfirma sei dabei, sein Ziel zu erreichen: die Arbeitervertretung ganz zu zerschlagen.
Diese Befürchtung herrscht auf allen vier Kontinenten gleichermaßen. Nie habe Hoechst in Brasilien einen Betriebsrat zugelassen, erzählte Sebastiao. "Wir drei haben die Firma beunruhigt und mußten sie verlassen. Die Leute, die jetzt unsere Arbeit machen, sind ständigem Druck ausgesetzt. Im Grund handelt es sich um so etwas wie Verfolgung." Die Zuschauer klatschten. Einer flüsterte der Nachbarin ins Ohr: "Ist ja genau wie bei uns."
Das Thema war höchst aktuell - aktueller, als die Veranstalter selbst hatten ahnen können. "Hoechst ist die einzige Firma in Australien, die in 20 Jahren drei Betriebsräte entlassen hat aus den gleichen Gründen", wetterte Helmut Gries, der einer von ihnen ist: "Und heute offenbar den vierten!" In der Bundesrepublik hatte den deutschstämmigen Australier die Nachricht erreicht, daß seinem Nachfolger als Betriebsrat, Chris Cliffe, am Dienstag gekündigt worden sei.
Die Entlassungen seien nur ein Mittel, um Firmenpolitik ungestört verfolgen zu können, meinten die Betroffenen übereinstimmend. "Mein Eindruck war, daß die Hoechst AG in allen diesen Ländern so eine Art Vorreiter für Veränderungen der Arbeitsbeziehungen, der Wirtschaftspolitik, der Sozialpolitik ist", faßte der Berliner Politologe Bodo Zeuner die Diskussion zusammen.
In Australien etwa strebe Hoechst ganz offen an, nur noch direkte Verträge mit den Arbeitnehmern zu schließen, erzählte Helmut Gries. Dadurch würden gewerkschaftliche Verhandlungen über Tarife und Arbeitsbedingungen ausgehebelt. Und in Deutschland versuche der Konzern die Arbeitnehmervertretung zu behindern, indem er nicht-freigestellte Betriebsräte auch dann zur Arbeit verpflichte, wenn sie im Betriebsrat zu tun hätten, berichtete Emanuel Schaaf aus dem Werk Griesheim. Er wurde entlassen, weil er sich gegen dieses Verfahren sträubte - und führt nun einen Prozeß gegen Hoechst vor dem Arbeitsgericht.
Das nahegelegene Mutter-Unternehmen hatte im Vorfeld versucht, die Veranstaltung herunterzuspielen. Sie solle "nur dazu dienen, ein politisches Spektakel zu veranstalten, Hoechst in Mißkredit zu bringen und Stimmung zu machen im Hinblick auf die Gerichtsverhandlung", rügte es per Pressemitteilung. Ganz allgemein verwahrte sich das Unternehmen darin gegen Vorwürfe, "Hoechst kündige grundlos, politisch motiviert und arbeite gegen kritische Betriebsräte".
Die berichteten Vorfälle aus den Übersee-Niederlassungen vermochte das Unternehmen jedoch nicht aufzuklären. Die dortigen Werke arbeiteten "personal- und sozialpolitisch eigenverantwortlich", sagte Hoechst-Sprecher Hans-Bernd Heier der FR. Oft erfahre die Frankfurter Zentrale erst spät von Entscheidungen vor Ort. Und er zitiert die 1988 veröffentlichte Unternehmensleitlinie: Derzufolge handeln die Auslands-Töchter "im Rahmen gemeinsamer Zielsetzung in eigener Verantwortung und aus eigener Initiative. Hoechst respektiert dabei die sozialen und politischen Verhältnisse des Landes."
Ein Satz, der angesichts mancher Vorwürfe in Griesheim einen eigenartigen Beigeschmack bekam. Hoechst habe Angestellte im Vorfeld der jüngsten brasilianischen Präsidentschaftswahlen zur Fortbildung geschickt, berichtete José Sebastiao. Den Titel des Seminars zitierte er so: "Die Vorteile, die wir mit der Wahl Collor de Mellos haben werden." Gelächter im Saal. Denn die Besucher wußten, daß der damals gewählte Konservative Collor inzwischen wegen Bestechungsvorwürfen hatte zurücktreten müssen.
Die Praktiken des Konzerns waren bereits hinlänglich angeprangert, als am späten Abend die Diskussion begann. Also knöpfte man sich den nächsten Gegner vor: die stromlinienförmigen Gewerkschafts-Kollegen von der IG Chemie. "In Hoechst gibt es eine angenehme Form, ein Leben als Betriebsrat zu führen", hatte Organisator Hans-Werner Krauss eingangs unter dem wissenden Schmunzeln der Versammlung formuliert: "Stelle Fragen, wie Hoechst sie hören will; glaube den Antworten des Unternehmens; vermittle sie den Arbeitern."
Was das Publikum denn doch erstaunte, war die Tatsache, daß auch die Übersee-Oppositionellen bei der großen deutschen Gewerkschaft nur Desinteresse registriert hatten - durchgehend. In Australien und Uruguay trafen nie Antworten auf Schreiben der Hoechst-Beschäftigten ein; Südafrikaner und Brasilianer scheiterten bei Besuchen in Deutschland mit dem Versuch, irgendwo von IG-Chemie-Offiziellen empfangen zu werden. Und auch in Griesheim trat keiner ihrer Vertreter auf. So war es nicht verwunderlich, daß die schließlich verabschiedete Resolution in zwei Richtungen zielte: Hoechst solle Kündigungen gegen Arbeitnehmervertreter weltweit zurücknehmen; und der Frankfurter Betriebsrat, der mehrheitlich Schaafs Entlassung gebilligt hatte, müsse zurücktreten.
Starke Forderungen, und trotzdem folgte ein bißchen Katzenjammer. Denn plötzlich fiel manchem ein, daß die Fraktion des "Forums" von einer Mehrheit im Betriebsrat weit entfernt ist. Aber immerhin - für einen Abend hatten Solidarität, Bockwurst und Gulaschsuppe mächtig das Arbeiterherz gewärmt.
Zwei Künstler, die sich nicht erst seit Hoyerswerda, Mölln und Rostock mit dem Zusammenleben von Türken und Deutschen auseinandersetzen, kommen jetzt ins Neue Theater Höchst: das "Knobibonbon-Kabarett". Und Sinasi Dikmen und Muhsin Omurça machen dort das, was sie seit Jahren mit wachsender Begeisterung tun: "Kabarett von Türken für Deutsche"; Titel des aktuellen Programms: "Der Beschneider von Ulm." Das Programm der Woche
Donnerstag, 21. Januar, 20 Uhr: "Undine geht", Solo-Stück mit Doris Batzler nach Ingeborg Bachmanns gleichnamiger Erzählung, im Gallus Theater (Krifteler Straße 55); "Wenn die Sonne scheint, scheint die Sonne zu scheinen", ein bunter Abend mit dem "Artist, Jongleur, Improvisateur und Literateur" Peter Spielbauer, im Neuen Theater Höchst (Emmerich- Josef-Straße 46 a); Strindbergs "Fräulein Julie" in einer neuen Inszenierung des Theaters Grüne Soße, im Theaterhaus (Schützenstraße 12).
20.30 Uhr: "Die Freuden der Liebe, sie dauern nur ein Hui", eine Lesung mit Texten zur Liebe, verlesen vom Freien Schauspiel Ensemble im Philanthropin (Hebelstraße 17); "Aysche und Richard", Peter Slaviks Stück über die Lebensläufe einer jungen Türkin und eines jungen Deutschen, im Theater in Bornheim (TiB, Bornheimer Landwehr 35).
Freitag, 22. Januar, um 20 Uhr: "Undine geht" im Gallus, Peter Spielbauer in Höchst und Strindberg im Theaterhaus.
20.30 Uhr: "So schön, schön war die Zeit", die schrille Schlager-Revue des Freien Schauspiel Ensembles, im Philanthropin; "Das Martyrium des Piotr O'Hey", die aktuelle Produktion des Kellertheater-Ensembles (Mainstraße 2); Thomas Bernhards "Der Schein trügt", eine Inszenierung des Theaters Tamen The, in der Brotfabrik (Bachmannstraße 2-4); "Aysche und Richard" im TiB.
23 Uhr: eine weitere Runde für Cornelia Niemanns "Solo im Supermarkt", im Theaterhaus.
Samstag, 23. Januar, 15 Uhr: "Lilly Lilliput", Hexenmärchen des Kinder- und Jugendtheaters Speyer für Besucher ab vier Jahren, Gallus Theater.
19 Uhr: "Nachtwache", das strapaziöse Psychodrama des Freien Schauspiel Ensembles, im Philanthropin. 20 Uhr: Weitere Vorstellungen für "Undine geht", "Wenn die Sonne scheint . . ." sowie "Fräulein Julie"; 20.30 Uhr: "Der Schein trügt", "Aysche und Richard" und "Das Martyrium des Piotr O'Hey"; 23 Uhr: "Solo im Supermarkt".
Sonntag, 24. Januar, 15.30 Uhr: Kindertheater in der Brotfabrik mit dem Zauberer Manioli (für Kinder ab vier Jahren). 16 und 20 Uhr: "Varieté am Sonntag", die 13. Artisten-Revue mit Jongleurinnen, Clowns und Musikanten im Neuen Theater Höchst.
Mittwoch, 27. Januar, 20 Uhr: "Der Beschneider von Ulm", das neue Kabarett-Programm vom Duo Knobibonbon, im Neuen Theater Höchst;
20.30 Uhr: "A Melange, a Musi, a Melancholie", eine Reverenz des Freien Schauspiel Theaters an die Wiener Kaffeehaus-Kultur, im Philanthropin (Nordend). two
Zwei Künstler, die sich nicht erst seit Hoyerswerda, Mölln und Rostock mit dem Zusammenleben von Türken und Deutschen auseinandersetzen, kommen jetzt ins Neue Theater Höchst: das "Knobibonbon-Kabarett". Und Sinasi Dikmen und Muhsin Omurça machen dort das, was sie seit Jahren mit wachsender Begeisterung tun: "Kabarett von Türken für Deutsche"; Titel des aktuellen Programms: "Der Beschneider von Ulm." Das Programm der Woche
Donnerstag, 21. Januar, 20 Uhr: "Undine geht", Solo-Stück mit Doris Batzler nach Ingeborg Bachmanns gleichnamiger Erzählung, im Gallus Theater (Krifteler Straße 55); "Wenn die Sonne scheint, scheint die Sonne zu scheinen", ein bunter Abend mit dem "Artist, Jongleur, Improvisateur und Literateur" Peter Spielbauer, im Neuen Theater Höchst (Emmerich- Josef-Straße 46 a); Strindbergs "Fräulein Julie" in einer neuen Inszenierung des Theaters Grüne Soße, im Theaterhaus (Schützenstraße 12).
20.30 Uhr: "Die Freuden der Liebe, sie dauern nur ein Hui", eine Lesung mit Texten zur Liebe, verlesen vom Freien Schauspiel Ensemble im Philanthropin (Hebelstraße 17); "Aysche und Richard", Peter Slaviks Stück über die Lebensläufe einer jungen Türkin und eines jungen Deutschen, im Theater in Bornheim (TiB, Bornheimer Landwehr 35).
Freitag, 22. Januar, um 20 Uhr: "Undine geht" im Gallus, Peter Spielbauer in Höchst und Strindberg im Theaterhaus.
20.30 Uhr: "So schön, schön war die Zeit", die schrille Schlager-Revue des Freien Schauspiel Ensembles, im Philanthropin; "Das Martyrium des Piotr O'Hey", die aktuelle Produktion des Kellertheater-Ensembles (Mainstraße 2); Thomas Bernhards "Der Schein trügt", eine Inszenierung des Theaters Tamen The, in der Brotfabrik (Bachmannstraße 2-4); "Aysche und Richard" im TiB.
23 Uhr: eine weitere Runde für Cornelia Niemanns "Solo im Supermarkt", im Theaterhaus.
Samstag, 23. Januar, 15 Uhr: "Lilly Lilliput", Hexenmärchen des Kinder- und Jugendtheaters Speyer für Besucher ab vier Jahren, Gallus Theater.
19 Uhr: "Nachtwache", das strapaziöse Psychodrama des Freien Schauspiel Ensembles, im Philanthropin. 20 Uhr: Weitere Vorstellungen für "Undine geht", "Wenn die Sonne scheint . . ." sowie "Fräulein Julie"; 20.30 Uhr: "Der Schein trügt", "Aysche und Richard" und "Das Martyrium des Piotr O'Hey"; 23 Uhr: "Solo im Supermarkt".
Sonntag, 24. Januar, 15.30 Uhr: Kindertheater in der Brotfabrik mit dem Zauberer Manioli (für Kinder ab vier Jahren). 16 und 20 Uhr: "Varieté am Sonntag", die 13. Artisten-Revue mit Jongleurinnen, Clowns und Musikanten im Neuen Theater Höchst.
Mittwoch, 27. Januar, 20 Uhr: "Der Beschneider von Ulm", das neue Kabarett-Programm vom Duo Knobibonbon, im Neuen Theater Höchst;
20.30 Uhr: "A Melange, a Musi, a Melancholie", eine Reverenz des Freien Schauspiel Theaters an die Wiener Kaffeehaus-Kultur, im Philanthropin (Nordend). two
GELNHAUSEN. Um Alkohol am Arbeitsplatz dreht sich eine Schulung für Betriebs- und Personalräte, die das Bildungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) anbietet. Der eintägige Lehrgang ist für Donnerstag, 18. Februar, 9 bis 16 Uhr, in der Gelnhäuser Stadthalle geplant.
Erläutert werden soll besonders, welche Aufgaben Betriebs- und Personalräte in Fällen von Alkoholmißbrauch wahrnehmen können. Als fachkundiger Referent ist Wolfgang Kittel von der hessischen Landeszentrale für Suchtgefahren angekündigt. Anmeldungen werden bis zum 12. Februar im DGB-Büro Gelnhausen, Hailerer Straße 22, Telefon 0 60 51 / 2230, entgegengenommen. lex
Fast tausend Kilometer fährt der Bus von Durban aus zu Südafrikas größter Touristenattraktion, dem Krüger Nationalpark an der Grenze zu Mozambique. Eine weite Reise durch Zuckerrohrfelder und eintönige Eukalyptuswälder. Monokultur dort, wo die Großgrundbesitzer das Sagen haben. Vom Lowveld auf das Highveld, von der Ebene in die Berge. Auf grellgrünem Rasen spielen weißgekleidete Weiße Kricket, an der Straße arbeiten schwarze Frauen, die sich das Gesicht mit rotem Ton gegen die Sonne eingerieben haben.
Südafrika hat eine gute Infrastruktur, denn die Afrikaaner reisen gern im eigenen Land: kleine Hotels, Bungalows hinter Bougainvillea-Büschen und Jacaranda-Bäumen. Dort kehren weiße Gäste ein, die von schwarzem Personal bedient werden. Auch im Krüger Nationalpark, mit 350 Kilometern Länge und 60 Kilometern Breite der größte von rund 32 Naturparks, sind die Besucher vornehmlich weiß. Schwarze Wächter radeln Patrouille auf den gut ausgebauten Asphaltstraßen. Die Urlauber sind in Bussen und eigenen Autos unterwegs, aussteigen verboten.
Es hat wenig geregnet in letzter Zeit, die schlimmste Trockenheit seit hundert Jahren. Das ist schlecht für die Natur, aber gut für die Touristen, denn die Flüsse sind nur noch Rinnsale und an den künstlich geschaffenen Wasserlöchern geht es zu wie auf der Arche Noah: Flußpferde liegen wie abgeschliffene graue Felsen im Wasser, Affen toben durch die Kaktusbäume, Elefanten trotten gemächlich über den Weg, neugierig hören mit großen Ohren die Kudus zu, Schaulaufen der Impalas auf jeder Lichtung. Immer wenn mehrere Autos irgendwo zusammenstehen und die Insassen in eine Richtung blicken, ist Aufregenderes zu erwarten, ein Löwe vielleicht, ein Nashorn mit Kind.
Der Krügerpark ist gut möbliert. Im größten Camp, einer Ansammlung von komfortablen Rundhütten nach Landesart, können gut und gerne 800 Personen übernachten. Das Camp heißt Shukuza (der Mann, der alles verjagt). Diesen Namen gaben die schwarzen Siedler in der Gegend dem Colonel James Stevenson- Hamilton, der sie, als erster Oberaufseher, vertrieb, um für die Tiere Lebensraum zu schaffen. Beim üppigen Buffet am Abend werden die schwarzen Bediensteten angetrieben von weißen Bossen, die mit ihren kurzhosigen Khakiuniformen aussehen wie vergreiste Pfadfinder. Draußen im Sabie Fluß gleiten lautlos Krokodile vorbei. Die Mücken sirren in der Hitze der Tropennacht.
Der Krügerpark liegt in Transvaal, der nördlichsten der vier südafrikanischen Provinzen. Vom Lowveld, der Ebene mit ihrer ausgedehnten Graslandschaft in fahlem Rot und Ocker unter einem weiten Himmel, durchsetzt mit kräftigem Grün, wenn es einmal geregnet hat, geht es in engen Serpentinen in die zerklüfte-
HANAU. Das Freizeit- und Sportamt lädt für Sonntag, 7. Februar, ab 17.45 Uhr zu einer Fahrt zum Hessischen Rundfunk in Frankfurt ein, die mit der Teilnahme an der Sendung "Sportkalender" verbunden ist. Die Hanauer Gruppe, der sich alle Interessenten ab 14 Jahren anschließen können, werden ab 21 Uhr zurückerwartet. Anmeldungen sind unter der Telefonnummer 29 52 92 möglich. res
WEILROD. Eine Frage geht um in der Großgemeinde, seit die FWG-Liste bekannt ist: Warum tritt der kommunalpolitische Routinier Hartmut Haibach nicht mehr an? Die Antwort des 50jährigen Vollerwerbslandwirts macht allen Spekulationen ein Ende: "Ich habe die Absicht, mich um das Bürgermeisteramt zu bewerben", teilt er auf Anfrage mit. Nach Wolfgang Haub, den die SPD im November als ihren Kandidaten für die Wahl am 9. Mai vorschlug, ist der FWG-Politiker der zweite "einheimische" Aspirant auf den vakanten Bürgermeistersessel.
Der Landwirt aus Rod an der Weil tritt jedoch nicht als Kandidat für die Freie Wählergemeinschaft (FWG) an - zumindest noch nicht. "Ich will das offenlassen und versuchen, mich auf die Sachprobleme zu konzentrieren und das parteipolitische Denken zurückzudrängen", erklärt er. Er will sich als Bürgermeisterkandidat für alle Weilroder bewerben und hält seine Chancen für nicht schlecht - dank der direkten Wahl durch "Volkes Stimme". Hinzu kommt das seiner Ansicht nach günstige, neue "Weilroder Klima": Durch das Platzen der SPD/Grünen- Mehrheit im vergangenen Jahr seien die "verhärteten Fronten" aufgebrochen und eine "große Sachlichkeit" eingekehrt. Die Grünen interpretieren den Wandel hingegen als große Koalition, die sich zuletzt bei der Verabschiedung des neuen Haushaltes durch eine SPD-CDU-FWG-Mehrheit zu erkennen gab.
Der Kommunalpolitiker, der 1972 mit der Gründung der FWG in die Politik ging und seitdem im Gemeindeparlament sitzt, hat daher alles auf eine Karte gesetzt. Sollte er bei der Wahl scheitern, ist er aus der Kommunalpolitik draußen. Die FWG-Liste hat er als Sicherheitsnetz abgelehnt und sich nicht auf einem der hinteren Plätze aufstellen lassen.
Als Arbeitsschwerpunkt des künftigen Bürgermeisters nennt Haibach die Ausweisung von neuen Gewerbe- und Wohngebieten sowie die Förderung des Fremdenverkehrs. Im sozialen Bereich sieht er vor allem in der Jugendarbeit einen Mangel. Für die Kindergärten sei dagegen schon viel investiert worden, und die Altenarbeit funktioniere ehrenamtlich. "Man muß allerdings klipp und klar sagen, daß wegen der Finanzlage nichts Großes zu bewegen ist", stellt Haibach fest. Weilrod zählt zu den am höchsten verschuldeten Gemeinden im Kreis.
Verwaltungserfahrung, so räumt der Kandidat von sich aus ein, habe er nicht. Die ist seiner Meinung nach auch gar nicht nötig: "Wir haben eine gut funktionierende Verwaltung." Statt dessen bringe er 20 Jahre kommunalpolitische Erfahrung, darunter als Vorsitzender des Haupt- und Finanz- sowie Land-, Forst- und Umweltausschusses, mit. Und nicht zuletzt den "Stallgeruch" als Einheimischer.
Sein Parteifreund und neuer FWG- Spitzenkandidat für die Kommunalwahl, Dieter Rieger, hat allerdings genau entgegengesetzte Vorstellungen über die Qualifikation des künftigen Bürgermeisters. "Es sollte möglichst ein Verwaltungsfachmann sein und nicht jemand, der nur gut reden kann", erklärt er und stellt im übrigen fest: "Wir wissen von niemand, den wir jetzt unterstützen könnten und wollten."
Das gleiche läßt die CDU verlauten. Fraktionschef Ewald Pauli gibt an, bisher nur das nächste Ziel - die Kommunalwahl am 7. März - im Blick zu haben. "Erst danach wird über Bürgermeisterkandidaten nachgedacht." Immerhin hat der Denkprozeß über die Qualifikationen für das Amt auch bei der CDU schon begonnen. "Wir brauchen weniger einen Verwaltungsfachmann als einen Manager, der auch die Mentalität der Leute und die Struktur hier kennen sollte", meint Pauli. Das Parteibuch könnte dabei sogar zweitrangig werden, gibt er zu bedenken - und dem Kandidaten-Karussell zugleich einen kräftigen Schubs: "Der Wille ist da, mit einem geeigneten Kandidaten egal welchen Parteibuchs grundsätzlich arbeiten zu können." Die Unterlagen des SPD-Bewerbers Schaub liegen der CDU inzwischen vor. "Irgendwann werden wir darüber befinden."
CLAUDIA NENNINGER
Zu unserem Artikel "Nie etwas anderes als Baustelle gesehen", Nieder Bürgerrunde fordert viele Verbesserungen, vom 9. Januar erhielten wir noch folgenden
"Ihrem Bericht über die von der ,Bürgerrunde östliches Nied&rquote; aufgezeigte Misere im Stadtteil Nied sowie deren Forderung nach Verbesserung der Zustände, kann ich nur zustimmen!
Seit über zehn Jahren wohne ich mit meiner Familie im Stadtteil Nied, doch weder meinem Mann noch mir ist es bis heute gelungen, uns hier wirklich zu Hause zu fühlen. Der überwiegende Teil dieser ,Vorstadt&rquote; wirkt schon rein äußerlich farblos und öde.
Als Beispiele hierfür mögen die verkehrsberuhigte Straße Alt-Nied sowie die Mainzer Landstraße gelten, die den Stadtteil (nicht nur geografisch) zerteilt. Beide Straßen sind an Häßlichkeit und Tristesse wohl kaum zu überbieten.
Entsprechend grau und langweilig ist auch die Atmosphäre auf diesen Straßen; ich würde nie auf die Idee kommen, hier freiwillig spazierenzugehen.
Wo gibt es den schön gestalteten, zentralen Treffpunkt für jung und alt, wo die gemütliche Einkaufsstraße mit netten Läden und Cafés, die zum Flanieren einlädt? Wo gibt es ein kulturelles Zentrum für deutsche und ausländische Frankfurter/innen, wo sind genügend Jugendtreffs für die vielen Heranwachsenden? Kurzum, wo sind all die Einrichtungen, die einen Stadtteil erst lebendig machen?
Auch bei der Planung der architektonisch erheblich gelungeneren Neubausiedlung Nied-Ost wurden die stadtplanerischen Versäumnisse der restlichen Ortsteile von Nied nicht nachgeholt. Die Chance, wenigstens diesen neuesten Teil von Nied durch menschenfreundliche, bürgernahe Einrichtungen zu beleben, wurde vertan!
Das geplante Vorhaben der Stadt Frankfurt, auf die einzig noch freie größere Fläche eine überregionale Berufsschule zu setzen, löst in mir nur Wut aus, Wut auf die Ignoranz der politisch Verantwortlichen gegenüber den grundlegenden Bedürfnissen der hier lebenden Menschen. Das Argument der Politiker, für die von der Nieder Bürgerrunde geforderte Erfüllung dieser Grundbedürfnisse sei kein Geld da, offenbart für mich einmal mehr, welchen Stellenwert Forderungen nach einem städtebaulich und sozial intakten Wohnumfeld in den Augen vieler Politiker haben, zu gern werden sie sogenannten Sachzwängen geopfert. Außerdem gilt auch hier die Maxime: "Wer am lautesten schreit, bekommt am meisten." Da in Nied bisher nur eine relativ kleine Bürgerbewegung existiert, ist der Druck auf die Entscheidungsträger im Römer offensichtlich nicht stark genug.
Die Meinung des Ehepaares Bay im Leserbrief ,Wir leben gern in Nied&rquote; in der (Lokalrundschau vom 13. 1. 1993) kann ich nicht teilen. So sehr auch ich die Spaziergänge an der nahen Nidda und am Main schätze, im Stadtteil selbst herrscht Langeweile und Öde. Eine Mitgliedschaft im Gesangs- oder Obst- und Gartenbauverein, deren langjähriges Bestehen vom Ehepaar Bay gewürdigt und als Beitrag urbanen Stadtteillebens gesehen wird, sind nicht jederfrau/jedermanns Sache, schon gar nicht die von jüngeren Neubürger/innen im Stadtteil. Ebenso scheint mir fraglich, inwieweit die (im übrigen begrüßenswerte) Initiative der Nieder Kirchen ,Nied im Gespräch&rquote; in Zeiten zunehmender Abwendung der Menschen von der Kirche eine dauerhafte Begegnung zwischen den Bewohnern herbeiführen kann. Ein oder mehrere kulturelle Treffpunkte in den verschiedenen Ortsteilen von Nied mit Angeboten für alle Bevölkerungsgruppen könnte wesentlich mehr dazu beitragen, die Anonymität, besonders in den Hochhaussiedlungen, aufzubrechen. Bleibt die Hoffnung, daß Nied, ,die vergessene Vorstadt&rquote;, bald aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und aus dem Engagement einer Handvoll unzufriedener Bürger eine starke, einflußreiche Bürgerbewegung für ein besseres Nied entsteht." Beatrice Setiadi Kurt-Blaum-Straße 8 6230 Frankfurt 80
Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor. (Red.)
KRIFTEL. Weil er es "doof findet, daß die Neonazis die Ausländer schlagen", geht Oliver Triber mit. Und damit es nicht so langweilig wird auf der Demonstration "Mein Freund ist Ausländer", hat er seinen Kumpel Abel Parra mitgenommen, dessen Eltern aus Spanien stammen und der genau wie Oliver in der Jugendfeuerwehr Kriftel aktiv ist. Nicht alle aus der Jugendfeuerwehr-Gruppe hätten mitlaufen wollen, erzählt Abel, "manchen war das zu öde". Schließlich ist aber doch mehr als die Hälfte gekommen, "weil bei uns Ausländer und Deutsche gemeinsam in der Gruppe sind und wir keine Probleme miteinander haben".
500 Menschen aller Altersgruppen und politischer Richtungen setzten vorgestern abend in Kriftel ein Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhaß. Aufgerufen hatte der Vereinsring der Obstbau-Gemeinde; dessen Vorsitzender Otto Silberling betonte, daß "in den Vereinen die ausländischen Mitbürger überhaupt nicht mehr wegzudenken sind und gerade die Sportvereine einen vorbildlichen Beitrag zur Integration leisten".
Mit dabei war auch die örtliche Parteiprominenz von CDU bis zu den Grünen, in der ersten Reihe Silberling und der Erste Beigeordnete und Interimsbürgermeister Paul Dünte; weiter hinten flatterte eine einsame Juso-Fahne, und neben den Jusos liefen die Frauen des "Ökumenischen Arbeitskreises Asyl" der Kirchengemeinden.
Für Paul Dünte (CDU) ist eine solche Lichterdemonstration "eine Selbstverständlichkeit, auch wenn es traurig ist, daß sie überhaupt stattfinden muß - weil Menschen Gewalt angetan wird, nur weil sie anderer Nationalität sind". Ganz gleich, aus welchem Grunde Asylbewerber nach Kriftel kämen und welche Politik in Bonn gemacht werde: "Wir haben die Pflicht, Menschen, die zu uns kommen, menschenwürdig aufzunehmen und zu behandeln." Froh ist der Erste Beigeordnete, daß in Kriftel bisher noch keine Straftaten gegen Ausländer begangen wurden.
Doch es sind nicht alleine Baseballschläger, die Menschen verletzen: Inge Hildebrand hat dies erfahren. Ihre vier Töchter tragen den Nachnamen ihres ersten Mannes, eines Italieners. "Und da wird schon einmal getuschelt", sagt sie - das kränkt. "Und darum bin ich hier auf der Demonstration: Ich möchte mich nie dieses Namens schämen müssen." md
Moskau warnt vor weiteren Angriffen . . .
Die Gräber der Medici FRIEDBERG. Über "Michelangelo-Medici-Gräber in Florenz" referiert am Montag, 25. Januar, um 19.30 Uhr im Bibliothekszentrum Klosterbau Peter Liebhart aus Friedberg in einem Diavortrag. Der Volksbildungsverein lädt herzlich zu der Veranstaltung ein. Bibliotheksführung FRIEDBERG. Wer die Bibliothek im Klosterbau näher kennenlernen möchte, ist zu einer Führung am Dienstag, 16 Uhr, eingeladen. An dem Termin wird auch der EDV-Katalog erläutert. Raku-Workshop BAD VILBEL. In die alte japanische Töpfertechnik "Raku" führt am Wochenende, Samstag und Sonntag ab 10 Uhr, Marion Beyer im Kulturzentrum Alte Mühle ein. An diesem ersten Termin sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Herstellung und Gestaltung von Gefäßen und Objekten erlernen. Ein zweites Workshopwochenende am 6. und 7. Februar ist für das Glasieren und Brennen der Raku-Arbeiten vorgesehen. Die Kursgebühr beträgt 150 Mark. Nähere Informationen bei Marion Beyer (0 61 01) 15 74. Einführung in Kammerkonzerte BAD NAUHEIM. Mit einer Auswahl von Tonbeispielen führt am Sonntag, 24. Januar, Peter Schombert, Musiklehrer am Ernst-Ludwig-Gymnasium, in die Bad Nauheimer Kammerkonzert-Reihe 93. Sein Vortrag beginnt um 1930 im Spiegelsaal des Kurhauses. Vom Reich zur Republik BAD NAUHEIM. Aus historischer Sicht sucht Professor Dr. Wolf D. Gruner in seinem Vortrag "Die deutsche Frage: Vom Reich zur Republik" am Montag, 25. Januar, um 19.30 Uhr im Terrassensaal des Kurhauses Antworten auf Fragen wie: "Droht in Europa ein Viertes Reich"? zu geben. Mit dem Referat des Dozenten der Universität Hamburg eröffnet die Arbeitsgemeinschaft Geschichte Bad Nauheim ihre diesjährige Vortragsreihe, die unter dem Motto "Deutschland und die Deutschen" steht.
&blt; Martha Argerich in der Alten Oper
Das Württembergische Kammerorchester und die Pianistin Martha Argerich gastieren am Donnerstag, 21. Januar, im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt. Martha Argerich spielt Haydns Klavierkonzert D-Dur. Beginn 20 Uhr. &blt; "Liebe von Kopf bis konfus" Im Frankfurter Theater am Turm hat heute Achim Freyers "Liebe von Kopf bis konfus" Uraufführung. Beginn um 20 Uhr, weitere Aufführungen bis Samstag. &blt; "Sanft und sündig" "Hautnah und ohne Verstärker" sind am heutigen Mittwoch (20 Uhr) die Göttinger Musiker von "Ganz schön feist" im Gallustheater, Krifteler Straße 55, zu hören. Ihr Programm ist "sanft und sündig". &blt; Paul F. Cowlan Im Nostradamus gastiert am heutigen Mittwochabend, 20. Januar, Paul F. Cowlan, englischer Singer und Songwriter, der in Sachsenhausen lebt. &blt; Vorträge Im Palais Jalta (Bockenheimer Landstraße 104) hält Barbara Klain am heutigen Mittwoch einen Vortrag über "Vernichtung und Utopie - Deutsche und polnische Stadtplanung in Warschau in den Jahren 1939 bis 1945". Beginn 19 Uhr. Im Historischen Museum spricht um 18 Uhr Gisela Apitzsch über "Bildung für Flüchtlingskinder - Gnade vor Recht?" Und an der Frankfurter Uni (Hörsaal H 6, Gräfstraße, Hörsaalgebäude) spricht ab 18 Uhr László Sólyom, Präsident des Verfassungsgerichts in Ungarn, über "Das Verfassungsgericht im Prozeß der Transformation Ungarns". &blt; Englische Autoren Die Stadtbücherei stellt am heutigen Mittwoch ab 19.30 Uhr englische Autorinnen und Autoren vor: Brian Aldiss, Esther Freud, Andrew Motion und Margaret Mulvihill. Der Literaturabend in englischer Sprache wird vom British Council in Köln mitveranstaltet. &blt; Ausstellungseröffnung Malerei von Waldi Bauer zeigt die Galerie McCann-Erickson (Ulmenstraße 39) bis ungefähr Mitte Februar. Ausstellungseröffnung am heutigen Mittwoch ab 19 Uhr. Öffnungszeiten der Galerie Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr, Samstag von 9 bis 13 Uhr. &blt; Invisible Touch Die Galerie Martina Detterer, Hanauer Landstraße 20-22, zeigt bis zum 16. Februar unter dem Titel "Invisible Touch" Werke von Claudia Di Gallo, Alba D'Urbano, Sylvie Fleurie, Tamara Grcic, Marylène Negro und Susanne Stövhase. Wer bei einer Klangarbeit von Marylene Negro mitwirken möchte, kann die Telefonnummer 069 / 44 90 70 anrufen und nach dem Signalton des Anrufbeantworters einen der vier folgenden Ausdrücke auf Band sprechen: Oft - Von Zeit zu Zeit - Selten - Niemals. (Öffnungszeiten der Galerie: Dienstag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr, Samstag von 11 bis 14 Uhr.) &blt; Tuba-Abend der Hochschule Werke von Danielssohn, Händel, Bach, Rossini und anderen spielt Jozsef Juhasz- Aba, Student der Tuba-Klasse David Glidden, am heutigen Mittwoch (19.30 Uhr) in der Frankfurter Musikhochschule, Eschersheimer Landstraße 29-39.
"Dienstleistung hält Stadt am Leben" / Krise zwischen Banktürmen schwerer erkennbar Frankfurt steht noch ganz gut da Dennoch mehr Arbeitslose Von unserem Redaktionsmitglied Lutz Fischer Wolfgang Lenz hat gut zu tun. Jeden Morgen studiert er ganz "gelassen" den Wirtschaftsteil der Zeitung. Wenn ihm da wieder die Worte "Rezession" oder "Krise" entgegenspringen, dann kann er sich ausrechnen, daß 1993 ein gutes Jahr wird. Lenz ist als Obermeister der Schuhmacherinnung in einer Branche, der das Wirtschaftstief meist einen Boom beschert. "Wir sind immer ein wenig antizyklisch." Bisher aber sei die Auftragsschwemme in diesem Handwerksbereich ausgeblieben, sagt Lenz. Mit diesen Beobachtungen liegt der Obermeister auf einer Linie mit dem Konjunkturbeobachter der Industrie- und Handelskammer (IHK), Johann Birner. Der notiert in vielen Unternehmen noch "verhaltenen Optimismus". Jedenfalls sehe es in Frankfurt wirtschaftlich bei weitem nicht so düster aus, wie die bundesweiten Schreckensmeldungen aus einigen Industriezweigen nahelegten. Ausschlaggebend dafür sei die "hohe Tertiarisierung" - die vielen Dienstleistungsunternehmen also.
Gleichwohl sind die Zeichen der Krise auch zwischen den glitzernden Frankfurter Banktürmen nicht mehr zu übersehen. Steil nach oben geht die Kurve, die Karl-Heinz Renner vor Augen hat. Für den Leiter der Abteilung Arbeitsvermittlung im Arbeitsamt ist der "Trend eindeutig". Schließlich lag die Zahl der Arbeitslosen Ende 1992 mit mehr als 30 000 um ein Fünftel höher als zwölf Monate zuvor, die Zahl der Kurzarbeiter hat sich in dem Zeitraum gar auf 6000 verdoppelt. Der "obere Wendepunkt" sei nicht erkennbar, meint Renner - und doch stehe Frankfurt dank seines starken Finanzsektors besser da als andere Großstädte. "Die Einbrüche gibt es vor allem im gewerblichen Bereich." Die Analyse des Arbeitsamt-Mannes kann dem Ersten Bevollmächtigten der IG Metall in Frankfurt Sorgenfalten bereiten. Wenn Heinz Bierbaum die bedrohten Arbeitsplätze in den kritischen Branchen Autozulieferer und Maschinenbau addiert, kommt er ganz schnell auf 2000 bis 2500. "Diese Zahl kann sich noch deutlich erhöhen."
Obwohl die Krise vor allem die Industrie trifft, spüren auch andere Branchen die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftsflaute. Die Makler beispiels (Fortsetzung auf Seite 20)
Frankfurt: Frau auf Weg zur Arbeit erschossen
Frau Anna Schwimmbeck, Bad Vilbel, zum 89. Geburtstag.
Frau Pauline Müller, Bad Vilbel, zum 86. Geburtstag.
Frau Frieda Schrott, Bad Vilbel, zum 70. Geburtstag.
Herrn Heinrich Kohlas, Groß-Karben, zum 72. Geburtstag.
Herrn Friedrich Schreitz, Groß-Karben, zum 74. Geburtstag.
Frau Maria José, Kloppenheim, zum 77. Geburtstag.
Frau Käthe Kämpf, Rendel, zum 78. Geburtstag.
Herrn Wilhelm Heyer, Burg-Gräfenrode, zum 86. Geburtstag.
Herrn Ernst Stübing, Bönstadt, zum 78. Geburtstag.
Namen + Notizen
PATER STANKO RIJAVEC ist am 31. Dezember im Alter von 50 Jahren gestorben. Er wurde am 19. Oktober 1942 in Dolenja Trebusha in Slowenien geboren und am 29. Oktober 1978 in Ulm (Donau) zum Priester geweiht. Stanko Rijavec wirkte als Kaplan oder Pfarrverwalter in Goldstein, Schwanheim, in Seckbach und Bornheim, darüber hinaus bis 1989 in Hattersheim (Main- Taunus-Kreis). ak
GELNHAUSEN. Collagen, Objekte und Ölkreidearbeiten sind das Metier der Grafikerin Doris Geron, die eine Auswahl ihrer Werke bis zum 31. Januar in der ehemaligen Synagoge präsentiert. Eröffnet wird die Ausstellung, die den Titel "Avalanche" trägt, am heutigen Donnerstag, 21. Januar, ab 19 Uhr.
Die 1961 in Gelnhausen geborene Künstlerin arbeitet als freiberufliche Werbe- und Computergrafikerin. Ihre Bilder weisen nicht nur stets einen direkten Bezug zu ihrer Umwelt auf. Sie stehen häufig auch in direktem Zusammenhang mit dem täglich genutzten Medium.
Kleinstteile aus der Elektronik schleichen sich ein oder eine Leiterplatte aus einem Computer mutiert scheinbar zum Raumschiff auf dem Weg zu fernen Galaxien. In den Bildern wetteifert nahezu ungezügelt erscheinendes Farbenspiel mit nicht minder eindrucksvollen Kompositionen aus den markanten Strukturen verschiedener Materialien.
Die Öffnungszeiten der ehemaligen Synagoge: Freitag und Samstag von 14 bis 18 Uhr, Sonntag von 11 bis 18 Uhr. lex
GELNHAUSEN. Ihre neuesten Arbeiten zeigt die Malerin und Architektin Spasa Milasinovic von 23. Januar bis 25. Februar in der Gelnhäuser Galerie Ambiente. Die Ausstellung wird am Samstag, 23. Januar, um 20 Uhr eröffnet.
Spasa Milasinovic, dank mehrerer Einzel- und Gruppenausstellungen in der Region wohlbekannt, stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien. Seit 1974 lebt die ausgebildete Grafikerin in der Bundesrepublik.
Zentrales Thema ihrer expressionistischen Arbeiten ist der Mensch, besonderen Wert legt sie auf die Vielfalt der Technik und die Sprache der Farben. tja
FRIEDBERG. Vierzehn Jahre ist es her, daß sich Heidi Zink und Richard Kurländer in einer der ältesten Kneipen Münchens trafen. Ein "folgenreicher Abend": Im "Fraunhofer" gründeten sie die Gruppe "Fraunhofer Saitenmusik". 1981 stieß Gerhard Zink zu dem Duo. Zu dritt machen sie seitdem erfolgreich Volksmusik im besten Sinne mit Hackbrett, Harfe, Kontrabaß, Waldzither und Kontrabaß.
Zu ihrem Repertoire gehören neben Eigenkompositionen von Richard Kurländer Weisen aus dem alpenländlichen und bayerischen Raum sowie Melodien aus der Bretagne, Irland und Skandinavien. Die "Fraunhofer Saitenmusik" ist am Sonntag, 24. Januar, ab 11 Uhr im Klosterbau in der Augustinergasse zu hören. Karten zu neun und zwölf Mark gibt es an der Tageskasse.
FRANKFURT-NORDOST. Sie heißen "Die Fantastischen Vier", "Börsenkrakker" und "Vivian-House-Party". Gebraucht haben sie "9 ã Wochen" - aber gelangt hat es nicht, um das Präzisionsteam "Swatch" zu überrunden. Die Rede ist vom Planspiel "Börse 1992", bundesweit von den Sparkassen für Schüler ausgeschrieben. In und um Frankfurt haben sich daran mehr als 350 Gruppen beteiligt, heißt es in einer Presseinformation der Frankfurter Sparkasse. Frankfurter Sieger wurde das Team "Swatch" von der Eschersheimer Franz-Böhm- Schule.
Die Nachwuchs-Spekulanten vermehrten im letzten Quartal des vergangenen Jahres ihr Startkapital von 100 000 Mark um fast 23 Prozent auf 122 910 Mark. Als Siegprämie erhielten Daniel und Boris Heuchele eine Siegprämie von je 300 Mark, dazu gab es vom Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen weitere 500 Mark. Den zweiten Platz sicherte sich die "Vivian-House-Party" von der Hohen Landesschule in Hanau, die am Ende einen Depotwert von 116 500 Mark auf dem Konto hatten. Dritter wurden die Eschborner "Börsenkracker" von der Heinrich-von-Kleist-Schule, die ihr Kapital um 13 Prozent vermehrten.
Ihrem Namen alle Ehre machten "Die Fantastischen Vier" - das Team von der Klingerschule aus dem Nordend belegte den vierten Rang mit einer Steigerung von zwölf Prozent. Fünfter wurde eine weitere Frankfurter Gruppe, die "International-Money-Market-Business-Company"
Für den "Einstieg" ins Aktiengeschäft hatten sich die jungen Finanzjongleure bestens vorbereitet. Fünf Seminare und 20 Börsenbesuche standen auf dem Lernprogramm, dann ging es - unter Hilfe von Mitarbeitern der Frankfurter Sparkasse - aufs Börsen-Parkett.
Insgesamt nutzten etwa 400 000 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet die Chance, mit Hilfe des Planspiels ihr Wissen um die Funktion von Marktwirtschaft und Börse zu vertiefen. Das gelang dem Bundessieger überzeugend: Er vermehrte sein Kapital um 105 Prozent auf 204 766 Mark. Erstmals, teilt die Frankfurter Sparkasse mit, hätten auch ostdeutsche Schüler in insgesamt 1753 Gruppen teilgenommen. ak
BAD VILBEL. Einem Ausbau des Knotens Frankfurter Straße/Kasseler Straße/ Am Südbahnhof zum Kreisel hat laut Vilbeler Magistrat jetzt das Landesstraßenbauamt in Gießen zugestimmt. Der Stadt Bad Vilbel fehlt jedoch noch das Baurecht. Ohne ein langwieriges Planfeststellungsverfahren läßt sich die Bundesstraße nicht umbauen. Die Stadt, so war aus dem Magistrat zu erfahren, habe daher im vergangenen Jahr mit Verweis auf die parallel geführte B 3 a eine Rückstufung der B 3 zur innerstädtischen Gemeindestraße beim Land Hessen beantragt. Da die B 3 zwischen Karben und Bad Vilbel dann jedoch als Kreisstraße ausgewiesen würde, muß auch der Wetteraukreis, auf den damit die Kosten für die Unterhaltung dieses Streckenabschnittes zukämen, dem Vorhaben der Stadt Bad Vilbel zustimmen. Dieses Einverständnis steht laut Vilbeler Magistrat noch aus.
Die hessische Straßenbauverwaltung konnte die Kommune für das Projekt gewinnen, indem sie mit Hilfe einer Verkehrszählung nachwies, daß die Verkehrsbelastung der B 3 seit Fertigstellung der B 3 a um 40 Prozent abgenommen habe und damit ein Kreisel in Höhe des Südbahnhofes hinreichend aufnahmefähig für das verbliebene Verkehrsaufkommen sei.
Der Kreisverkehr soll nach den Vorstellungen des Magistrats einspurig geführt werden, die Fahrbahnbreite sieben Meter und der Durchmesser der Mittelinsel 18 Meter betragen. Für die Fußgänger sind "Zebrastreifen" vorgesehen, Fahrbahnteiler sollen als zusätzliche Querungshilfen dienen.
Freuen dürfte sich auch der Vilbeler Ortsverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), der seit langem einen Radweg entlang der B 3 hinauf zum Heilsberg fordert. Verkehrsplaner Storost habe den Auftrag, so der Magistrat, die Planung für einen Radweg von der Massenheimer Unterführung bis zum Heilsberg zu erstellen. Nach Möglichkeit soll dieser Weg dann in den Kreisel einbezogen werden.
Die Vorteile der Kreisellösung liegen für den Magistrat auf der Hand: Ein Kreisel biete für die Verkehrsteilnehmer größere Sicherheit, da sich hier nachweislich (50 bis 80 Prozent) weniger und zudem auch leichtere Unfälle als auf einer Kreuzung ereigneten. Das Einfädeln in den Kreisverkehr führe automatisch zu Absenkung der Geschwindigkeit.
Weniger Zwangsaufenthalte durch Ampelstopps führten zu einem verbesserten Verkehrsfluß, was auch der Umwelt zugute komme. Überdies werde die bislang wenig attraktive Kreuzung künftig durch einen "begrünten Eingang unserer Innenstadt" optisch aufgewertet: "Ein Brunnen in der Kreiselmitte könnte symbolisch auf die Brunnenstadt hinweisen." mu
Frau Erna Sallge, Bad Vilbel, zum 80. Geburtstag.
Herrn Johann Lotz, Bad Vilbel, zum 75. Geburtstag.
Herrn Erich Hirschberger, Klein-Karben, zum 77. Geburtstag.
Frau Elisabethe Koch, Okarben, zum 77. Geburtstag.
Frau Henny Hau, Rendel, zum 73. Geburtstag. Herrn Nicolas Sergiou, Rendel, zum 73. Geburtstag.
Frau Mina Bauer, Assenheim, zum 77. Geburtstag.
Herrn Anton Kollmann, Ilbenstadt, zum 94. Geburtstag.
jk FRANKFURT A. M. In bemerkenswertem Gegensatz zu Volkswagen, Mercedes-Benz und Ford ist bei Opel in diesem Jahr kein drastischer Personalabbau angesagt. Vorstandschef David Herman führt dafür als Begründung an, daß das Management "rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkannt und gehandelt hat". Bereits vor längerem sei damit begonnen worden, "Kostenstrukturen und . . . Produktivität zu verbessern". Nicht zuletzt habe man "der Versuchung widerstanden, nur mit Blick auf die Statistik bedingungslos Volumen zu machen". Somit glauben die Rüsselsheimer - anders als das Gros der deutschen Autoindustrie - den Nachfragerückgang ohne einen starken Verlust an Arbeitsplätzen meistern zu können.
Personalchef Walter Schlotfeldt beziffert den voraussichtlichen Abbau in diesem Jahr auf "netto 1000 bis 1500" Stellen. Dies sei problemlos über die normale Fluktuation zu schaffen. Entlassungen soll es ebensowenig geben wie ein neues Vorruhestandsprogramm. Auf die beiden Angebote vorzeitiger Pensionierung im abgelaufenen Jahr sind rund 3300 Beschäftigte eingegangen. Sie bildeten damit den weitaus überwiegenden Teil der Personalreduzierung um nicht ganz 3700 auf noch annähernd 53 150 Männer und Frauen. Ein Grund, daß es mit dem Vorruhestand erst einmal vorbei ist, liegt freilich auch an dessen Kosten. Denn die jüngste Aktion bezog den Jahrgang 1935, also die 57 Jahre alten Opelaner, mit ein. Und solch früher Abschied in die Rente ist trotz gesetzlicher Flankierung für die Unternehmen eine ziemlich kostspielige Angelegenheit.
Eine weitere Belastung für die Ertragslage waren die "dramatischen Verschiebungen" im Europäischen Währungssystem im Spätsommer und Herbst, die die deutsche Tochter von General Motors laut Herman "einen dreistelligen Millionenbetrag" gekostet haben; und zwar selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, daß der Konzern im Rahmen des europäischen Produktionsverbundes in Großbritannien und Spanien über Werke verfügt und Opel aus diesen Ländern auch Fertigungsmaterial bezieht. Ferner trieb der Produktionsstart in Eisenach die Kosten in die Höhe, was alles zusammen nach den Worten Hermans 1992 zu einem "sehr viel niedrigeren Gewinn als in den sehr guten Vorjahren" führte. Wieviel weniger heraussprang, will er jedoch noch nicht sagen.
Der Umsatz allerdings konnte erneut gesteigert werden. Mit 29 Milliarden Mark kamen rund sieben Prozent mehr in die Kassen. Gleichzeitig wuchsen die Auslieferungen an Händler um 6,6 Prozent auf 1,3 Millionen Einheiten, während die Produktion von Autos sogar um mehr als neun Prozent auf knapp 1,1 Millionen und die von Teilesätzen für die Montage in ausländischen Werken sogar um 20 Prozent auf 341 000 Stück kletterten. Diese Zahlen werden im laufenden Jahr nicht wieder erreicht. Schließlich rechnen die Rüsselsheimer in Deutschland mit einem Rückgang neuzugelassener Pkw und Kombi um annähernd 20 Prozent auf 3,2 Millionen und in Westeuropa um gut acht Prozent auf 12,3 Millionen.
Wenn der Vorstand dennoch einen gewissen Optimismus an den Tag legt, hat das auch etwas mit der Einführung des neuen Corsa im Frühjahr zu tun, der in Spanien und in Eisenach von den Bändern rollen wird. Technik-Chef Peter Hanenberger macht schon jetzt mächtig Reklame für den Kleinwagen, in dem er Ausstattungsdetails wie Airbag, Gurtstraffer, ABS und Klimaanlage rühmt, die bisher nur bei Autos ein oder zwei Klassen darüber zu finden seien.
BISCHOFSHEIM. "In Bischofsheim regiert seit Kriegsende die SPD mit absoluten Mehrheiten. In all diesen Jahren hat sich eine Filzstruktur herausgebildet, die Außenstehenden fast jede Kontrolle verunmöglicht und einen verschwiegenen, an den Umständen partizipierenden Kreis von Vorteilsnehmern und Vorteilsgebern hat entstehen lassen." Dies erklärte der Geschäftsführer der Grün-Alternativen Liste Bischofsheim (GALB), Dieter Beorchia, zur Verhaftung des Bischofsheimer Bauamtsleiters wegen Verdacht der Vorteilnahme im Amt.
Alleinherrschaft einer Partei lasse manchmal ein Klima entstehen, in dem Bestechlichkeit oder Vorteilnahme begünstigt werde. Seit ihrem Einzug ins Gemeindeparlament 1985 habe die GALB immer wieder versucht, diesen Filz aufzubrechen und Vorgänge im Rathaus transparent zu machen, betonte auch Klaus-Peter Klingelschmitt für diese Fraktion. Immer wieder seien diese Vorstöße an der Phalanx der Sozialdemokraten gescheitert, die sich - zunächst noch zusammen mit der CDU - jedem Versuch widersetzt hätten, "Licht in das Dunkel vor allem der undurchsichtigen Ausschreibungsvorgänge zu bringen".
Daher sei die von führenden SPD-Mitgliedern jetzt geäußerte Betroffenheit, nichts weiter als "pure Heuchelei", meint die GALB. Auch würden dem Parlament seit langem Unterlagen vorenthalten, mit denen dieses seiner Kontrollfunktion ansatzweise hätte nachkommen können. Eine umfangreiche Reform der Beziehungen zwischen Verwaltung und Parlament mit dem Ziel größtmöglicher Transparenz sei nötig.
Kritisch äußerte sich in Groß-Gerau Landrat Enno Siehr gegenüber Journalisten zu manchen Stellungnahmen, die dieser Tage nach der Verhaftung des Bischofsheimer Bauamtsleiters laut wurden. Er warnte vor Vorverurteilungen, wollte aber nicht ausschließen, daß die Verhaftung in Bischofsheim der letzte Fall dieser Art im Kreis Groß-Gerau gewesen sei. cas
FRIEDRICHSDORF. Junge Frauen und Mädchen ab 13 Jahre können bei einem Seminar am Samstag/Sonntag, 27. und 28. Februar, die Kunst der Selbstverteidigung lernen. Es wird nicht nur körperliches Training geboten, sondern auch Information, Diskussion, Erfahrungsaustausch, Rollenspiele und geistiges Training. Das Seminar findet an beiden Tagen ab 10 Uhr im Vereinszentrum Alte Schule in Burgholzhausen, Königsteiner Straße, statt. Ab Montag, 25. Januar, können sich Interessierte bei Stadtjugendpflegerin Claudia Schünemann im Rathaus, Hugenottenstraße 55, Zimmer 102 (Tel. 0 61 72 / 731-270), anmelden. s
sch FRANKFURT A. M. Das deutsche Netto-Auslandsvermögen, das Mitte 1991 mit 564 Milliarden Mark den bisherigen Höchststand erreicht hatte, ist zuletzt kleiner geworden. Wachsende Leistungsbilanzüberschüsse hatten in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre für einen sprunghaften Anstieg gesorgt. Von Mitte 1991 bis Mitte 1992 schmolz dagegen der Saldo aus Forderungen und Schulden des vereinigten Deutschlands jenseits der Grenzen wegen der im Zuge der Einheit ins Minus gerutschten Bilanz um 54 Milliarden ab. Die Bundesbank registriert in ihrem Monatsbericht nun noch eine Netto-Vermögensposition gegenüber dem Ausland von 510 Milliarden Mark.
Dieser Betrag ergibt sich als Saldo der Brutto-Aktiva und -Passiva der Bundesbank, der Kreditinstitute, Unternehmen und Privatpersonen sowie der öffentlichen Stellen. Er liegt immer noch um mehr als ein Drittel über dem Stand von Ende 1988, der allerdings nur Westdeutschland berücksichtigt.
Bei der Einbeziehung der Ex-DDR gab es für die Volkswirte des Hauses Schlesinger ein "besonderes Problem": Die Bewertung von deren Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber den Ländern des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Diese auf Transferrubel lautenden Posten wurden zum Kurs von 2,34 D-Mark für einen Transferrubel in den gesamtdeutschen Status übernommen. Demnach wies die frühere DDR zum Ultimo 1990 eine statistisch erfaßte Netto- Vermögensposition gegenüber dem Ausland von 18 Milliarden Mark auf. Die Werthaltigkeit der "eingebrachten" Summe hänge aber entscheidend von der Qualtität der Transferrubel-Forderungen ab, merken die Währungshüter an. Die Gespräche über deren Bedienung seien jedoch noch nicht abgeschlossen. Mit Rußland, auf das der größte Teil entfällt, vereinbarte Bonn eine auf die nächsten fünf Jahre befristete "Stillhaltevereinbarung".
In Verbindung mit dem kleineren Auslandsvermögen fielen die Netto-Kapitalerträge deutlich, die Deutschland jenseits der Grenzen kassiert. Die Bundesbank schätzt sie für das vergangene Jahr auf 14 Milliarden Mark, halb so viel wie 1991.
Im internationalen Vergleich sind die Bundesrepublik und Japan dem Monatsbericht zufolge die größten Gläubigernationen unter den westlichen Industrieländern. Ende 1991 kam Deutschland auf ein Netto-Auslandsvermögen von umgerechnet 340 Milliarden Dollar, Nippon auf 385 Milliarden. Pro Kopf der Bevölkerung gerechnet liegen die Deutschen mit 4300 Dollar aber vor den Japanern mit 3100. Dagegen waren die USA mit netto 360 Milliarden oder 1400 Dollar pro Kopf jenseits der Grenzen verschuldet.
BÜDINGEN. Eine kulturelle Städterunde, vom Büdinger Kulturtreff ins Leben gerufen, soll im Ostkreis der Wetterau die Möglichkeit schaffen, das kulturelle Angebot vielfältiger zu gestalten. Bereits im vergangenen Jahr trafen sich Vertreter des Büdinger Kulturtreffs mit Organisatoren der Kulturkreise aus Ortenberg und Altenstadt, um gemeinsame Veranstaltungen zu planen. Mit Erfolg: So gastierte ein russischer Chor aus Petersburg statt nur in Büdingen in allen drei Städten, wurde die "Heilige Nacht" von Ludwig Thoma mit Erfolg in Ortenberg und Büdingen aufgeführt.
Dieser Tage nun stießen zu der Gruppe noch die Kulturausschußvorsitzende aus Gedern, Irmtraud Köhler, und Petra Schade vom noch im Entstehen begriffenen Gederner Kulturkreis. Ziel der kulturellen Städterunde, so erläutert Ingrid E. Schwann, ehrenamtliche Leiterin des Büdinger Kulturtreffs und Mitorganisatorin der Kulturrunde, soll es sein, "alle Kulturschaffenden unter einen Hut zu bekommen und konzentriert an einem Konzept zu arbeiten". Auch Niddas Erster Stadtrat Georg Wegner hat sein Interesse an einer Mitarbeit signalisiert. Hauptanliegen des ersten Treffens in diesem Jahr war die Bestandsaufnahme von Gruppen und Vereinen, die in den Wetteraustädten ein kulturelles Angebot machen.
Als gemeinsame Aufgabe sieht die "Kulturrunde" Fragen der Werbung, Pressearbeit und eines Kulturkalenders an. Mit "Know-how" kann der Büdinger Kulturtreff hierbei schon aufwarten. "Seit September '92 haben wir den Kulturspiegel, in dem alle kulturellen Veranstaltungen in Büdingen aufgeführt sind. Die Publikumsresonanz zeigt, daß er sich hervorragend bewährt hat", so Ingrid E. Schwann.
Als weiteren Vorteil der Runde erhoffen sich die Initiatoren, Kosten reduzieren zu können. Ingrid E. Schwann: "Der Austausch von Veranstaltungen, Künstlern und in- und ausländischen Gästen, die dann mehrmals im Umkreis auftreten könnten, könnte den Arbeitsaufwand und die Kosten reduzieren." Gagen, Übernachtungs- und Anfahrtskosten müßten auf die beteiligten Städte umgelegt werden.
Eine Konkurrenz oder gar geringeren Publikumszuspruch durch den mehrmaligen Auftritt eines Theaterensembles oder einer Musikband in benachbarten Städten befürchten die Initiatoren der Kulturrunde nicht. "Ausdrücklich betont wurde bei dem ersten Treffen, daß Konkurrenzdenken abgebaut werden soll und die sichtbaren kulturellen Schwerpunkte in den einzelnen Städten sowie die gewachsene Struktur erhalten bleiben sollen", berichtet Ingrid Schwann. Was die Kulturrunde ebenfalls nicht will, ist ein zusätzlicher Aufwand an Bürokratie. So sollen die Treffen - zweimal pro Jahr - vor allem dem gemeinsamen Erfahrungsaustausch der Programm- und Terminabstimmung dienen. Sie sind nicht nur für Kulturkreise oder Vereinsvorsitzende offen, sondern wollen auch Veranstaltern die Gelegenheit geben, sich und ihr Programm bekannter zu machen.
"Mit Kreativität, Phantasie und modernem Management, unterstützt von städtischen Zuschüssen und der finanziellen und ideellen Rückenstärkung der kulturell interessierten Bevölkerung, soll die Vielfalt des Angebotes erhöht und die Qualität weiter verbessert werden", ist die Kulturtreff-Leiterin optimistisch. Interessenten an der Kulturrunde können bei ihr unter der Rufnummer 0 60 42 / 75 56 nähere Informationen erhalten. cor
HOCHTAUNUSKREIS. Es war ein schwerer Brocken für die Anspacher Gemeindekasse. 150 Mark und 60 Pfennig sollte der gußeiserne Brunnen kosten, den die Mitarbeiter der Usinger Eisenhandlung Otto Schweighöfer da anschleppten - einschließlich Beschlag und Lieferung. Bestellt war er ja, da blieb den Empfängern nichts anderes übrig, als den Brunnen "abzustottern": mit zwei Raten zu 100,60 und 50 Mark innerhalb eines Dreivierteljahres. Man schrieb schließlich das Jahr 1885. Die Mark war noch entschieden mehr wert als heute.
Karl Baeumerth aus Neu-Anspach berichtet im neuen Jahrbuch des Hochtaunuskreises über das amüsante Geschäft. Der 48jährige Architekt und Mitarbeiter des Hessenpark-Museums befaßte sich zwei Jahre lang mit den vielen gußeisernen Brunnen, die es im Usinger Land zu sehen gibt.
Dabei stieß er auch auf die uralte Rechnung der Eisenhandlung Schweighöfer. Am 15. Juli 1885 lieferte sie den 663 Kilo schweren Trog nach Anspach. Hergestellt hatte das Schwergewicht die "Audenschmidte F. Lr. Buderus" im Weiltal. Sie ließ den Brunnen zunächst nach Usingen transportieren, und zwar am 14. Juli vom "Fuhrmann Feller aus Ansbach". Auch dafür fand Karl Baeumerth den Beleg. Solche Volltreffer in den Archiven waren jedoch eher selten während der Recherche des Neu-Anspachers. Er vermutet aber, daß ein großer Teil aller Brunnen des Usinger Landes in derselben Schmiede gefertigt wurden. Denn bestimmte Elemente tauchen immer wieder auf.
Auf Reisen hatte Baeumerth vor Jahren bemerkt: "Da stehen noch erstaunlich viele Dorfbrunnen aus dem vergangenen Jahrhundert 'rum." Und zwar nicht irgendwelche, sondern Lauf-, Spring- und Leitungsbrunnen, die "vollkommenste Art", wie der Forscher betont. Was ihn beeindruckte, war nicht etwa die große Zahl der Brunnen, denn: "Wasser wurde ja überall gebraucht." Und nicht nur das: Auch für die Kommunikation im Dorf waren die Brunnen ganz entscheidende Orte, an denen sich besonders die Frauen täglich trafen.
Im Usinger Land gab es deshalb nicht mehr Zapfstellen als sonstwo. Aber andere. Die leistungsfähige Eisenindustrie im Weiltal bescherte den nahegelegenen Dörfern gußeiserne Brunnen, während sie etwa im Odenwald aus Stein gehauen wurden.
Beim Muster ließen sich die Designer vor gut hundert Jahren nicht viel einfallen. Stets sind die Brunnenwände mit rechteckigen Kästen verziert, die an den vier Ecken immer die gleichen Ornamente tragen.
Aus dem Zentrum der Rechtecke grüßen mal eiserne Löwen, mal Akanthusrosetten, mal die Jahreszahlen der Herstellung. So zu sehen in Hundstadt, Hasselbach, Anspach, Grävenwiesbach, Laubach, Mauloff und in vielen weiteren Orten.
Der Grävenwiesbacher Laufbrunnen aus der Bachstraße wird übrigens zur Zeit gerade neu gegossen. Er war von einem Auto ramponiert worden. Die Bürger hatten sich anschließend dafür ausgesprochen, den Brunnen nicht ersatzlos zu streichen, sondern ihn so wiederherzurichten, wie er einst gewesen war - Ende des vergangenen Jahrhunderts.
Karl Baeumerth war ein halbes Jahr damit beschäftigt, seine Brunnenexpeditionen für einen längeren Artikel auszuwerten. "Natürlich nicht jeden Tag", lacht er, schließlich muß er ja auch noch im Museum arbeiten. Aber die Wochenenden gehörten in dieser Zeit ganz den gußeisernen Wassertrögen. Der ausgebildete Architekt Baeumerth zeichnete auch selbst Skizzen der verschiedenen Wandmotive und fotografierte.
Inzwischen weiß er, daß nicht nur der modebewußte Brunnen im ausklingenden 19. Jahrhundert unbedingt Eisen tragen mußte.
Auch die meisten Gebrauchsgegenstände wechselten in der allgemeinen Schwermetall-Euphorie ihr Äußeres: Leuchter, Füllfederhalter, Briefbeschwerer, Tintenfäßchen wurden aus Eisen gegossen. Nur der Schreibtisch darunter durfte weiterhin aus Holz sein.
So gern sich Karl Baeumerth in den vergangenen Jahren auch mit gußeisernen Brunnen beschäftigt hat - sein "Leib- und Magenmaterial" ist ein anderes: Keramik. Und daraus hat man wohl in keinem Landstrich Brunnen gemacht, oder? "Ich wäre da nicht so sicher", lacht der 48jährige.
"Die Wohnungsnot macht uns das Leben schwer" Debatte über Fall türkischer Familie / Antrag abgelehnt Von Regine Schlett HANAU. Die Hanauer Stadtverordneten wollen einer türkischen Familie, die in der Hanauer Hausmannstraße in einem abbruchreifen Haus wohnt, nicht per Beschluß helfen. Nach ausführlicher Diskussion lehnten Sozialdemokraten und Christdemokraten bei der vergangenen Sitzung am Montag einen entsprechenden Antrag der Grünen ab. Die Partei fordert die Unterbringung der Menschen in einer bezahlbaren Ersatzwohnung und einen Widerruf der Abrißgenehmigung, nachdem die FR Anfang Dezember über den Fall berichtet hatte. Der Grüne Wulf Hilbig schilderte die Verschärfung der Wohnsituation, seit die Hanauer Stadtverordneten bei der vergangenen Sitzung abgelehnt hatten, den Antrag überhaupt zu diskutieren. Während der starken Kälte zum Jahreswechsel sei ein Heizungsrohr geplatzt und ein Wasserschaden entstanden. Die Wohnung konnte mit den Ölöfen nur schlecht beheizt werden.
Die Unzumutbarkeit dieser Lage sieht freilich auch die SPD. Doch die Hanauer Bauverwaltung müsse täglich noch schlimmere Fälle abweisen. "Die Wohnungsnot macht uns das Leben schwer", sagte Baudezernent Jürgen Dressler. SPD-Fraktionsvorsitzender Carl-Edward Günther bezeichnete den Antrag daher auch als "Scharlatanerie". Die Stadt könne nicht bei einem Einzelfall den Eindruck erwecken, daß sie die Wohnungsprobleme löse. "Die Ehrlichkeit gebietet, daß wir sagen, daß wir nicht helfen können", erklärte Günther.
Die Grünen sahen das anders. Die Stadt müsse die Wohnraumzweckentfremdungsverordnung konsequent anwenden, forderte deren Abgeordneter Wulf Hilbig. Damit könne die Stadt "Hunderte" von Wohnungen schaffen. Zusätzliche Stellen für eine effektive Kontrolle durch die Bauverwaltung, die die Grünen bei den Etatberatungen gefordert hatten, könnten durch Bußgelder finanziert werden. Auch im Fall der Hausmannstraße, glaubt Hilbig, sei die Verordnung anzuwenden: "Die größte Zweckentfremdung ist der Abriß", zitierte er juristische Kommentare. Die Stadt solle daher die Abrißgenehmigung zurücknehmen. "Das Haus ist sanierbar", sagte Hilbig.
Baudezernent Jürgen Dressler (SPD) widersprach. Die Renovierung müsse für den Eigentümer zumutbar sein. Eine Ortsbesichtigung habe jedoch ergeben, "daß das Gebäude leider als abgängig zu bezeichnen sei". Das heißt im Klartext: Es ist abbruchreif. Eine Sanierung würde nach Einschätzung des Baudezernats rund 700 000 Mark kosten, da es fast bis auf die Grundmauern abgerissen werden müßte. Der geplante Neubau, bei dem nach Angaben des Architekten zwölf statt bisher sechs Wohnungen entstehen, koste rund eine Million Mark. Dressler konnte den Menschen daher nur eine Hilfe in Aussicht stellen: Die Stadt werde nochmals das Einkommen der Familie prüfen. Wenn es unter der Berechtigungsgrenze für Sozialwohnungen liegt, könnte die Verwaltung bei der Vermittlung einer Ersatzwohnung helfen. Ansonsten bliebe nur die Suche auf dem freien Wohnungsmarkt.
Den Vorwurf der Grünen, daß die Bauverwaltung sich nicht um zweckentfremdeten Wohnraum kümmere, wies Dressler zurück: "Wir sind im Rahmen der Rechtssprechung bemüht, die Verordnung anzuwenden." Wie er gegenüber der FR erklärte, habe die Stadt bei den freiwerdenden Wohnungen der Amerikaner bereits Bußgeldandrohungen angekündigt, um private Eigentümer zu Neuvermietungen zu zwingen. Dies sei jedoch erst möglich, wenn die Bundesvermögensverwaltung komplett leerstehende Häuser freigibt. Derzeit werde mit den Verantwortlichen bei der US-Armee und der Bundesvermögensverwaltung verhandelt, ob einige Gebäude durch eine Umsetzung der noch in Hanau wohnenden Amerikaner geräumt werden könnten.
Die CDU hielt sich in der Diskussion zurück. Lediglich der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Klaus Romeis polemisierte gegen die Grünen: Sie würden freien Zuzug für Deutschland fordern und "in Afrika und Asien Schilder aufstellen", daß alle kommen sollen. Daher dürften sie sich auch nicht über die Wohnungsnot beschweren, meinte Romeis.
DIETZENBACH. "Ich will wirken in dieser Zeit" heißt eine Ausstellung anläßlich des 125. Geburtstags von Käthe Kollwitz im Bürgerhaus Dietzenbach. Radierungen, Lithographien und Holzschnitte aus der Sammlung des Staatlichen Museums Schwerin geben bis 25. Februar Einblick in das Schaffen der 1867 in Berlin geborenen Künstlerin.
Kollwitz, die sich ausschließlich der Darstellung des Menschen widmete, gehört zu den prominentesten Gestalten der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts, obwohl die Frauen ihrer Generation noch keine Kunstakademien besuchen durften und gegen männliche Vorurteile anzukämpfen hatten. fra
Auftakt zum Jubiläum "1000 Jahre Schlüchtern" / Viele Veranstaltungen lassen Blick zurück und nach vorn zu Gefeiert wird ein ganzes Jahr lang Ein Denkmal erinnert schon jetzt daran / Minister kam erst spät zur Sache Von Katja Schoßer SCHLÜCHTERN. Wenn es nach Bürgermeister Falko Fritzsch (SPD) geht, soll Schlüchterns 1000-Jahr-Feier "keine Veranstaltung von wenigen für wenige" werden. Angesichts des ganzjährigen Festprogrammes unter dem Motto "Tradition und Zukunft", an dem sich viele Bürger aktiv beteiligen, könnte dieser Wunsch in Erfüllung gehen. Es ermöglicht nicht nur einen umfassenden Rückblick auf die Vergangenheit der Bergwinkelstadt, sondern soll auch "Impulse für die künftige Stadtentwicklung geben" und ist eine bunte Mischung aus traditionellen Festen, Historie, Kunst und Kultur. Offiziell eröffnet wurde das Festjahr am Montag von Hessens Innenminister Herbert Günther, zu Ende geht es am 12. Dezember.
Vor dem Festakt in der Stadthalle hatte der Minister ein Denkmal aus rotem Sandstein enthüllt, das künftig im Rathaus- Foyer an das Stadtjubiläum erinnern wird. Der schlichte, sorgfältig bearbeitete Gedenkstein mit
Auch wie sich ein solches Jubiläum feiern läßt, war in Schlüchtern nicht unumstritten. Viele Sitzungen und kontroverse Diskussionen seien nötig gewesen, erinnerte der Verwaltungschef, ehe sich die Kulturkommission auf das "Wie" der Feier einigte. Im April 1991 trat dann Heidrun Kruse ihren Dienst an, die das Festjahresprogramm organisiert hat. Ergebnis: Volkstümliche und künstlerische Veranstaltungen kommen ebensowenig zu kurz wie Wissenschaft und Historie.
Daß sich die Feierlichkeiten über das ganze Jahr ziehen, ist aus Sicht von Fritzsch nicht übertrieben. Aus der weltgeschichtlichen Vogelschau seien 1000 Jahre Schlüchtern zwar lediglich eine Marginalie, aber aus Sicht derer, "die dort wohnten, lebten und litten", sei das umfangreiche Ganzjahresprogramm durchaus gerechtfertigt. "Es kommt eben auf die Perspektive an."
Neben den allmonatlichen Veranstaltungen weist das Festjahr einige Höhepunkte auf. Dazu zählt der Bürgermeister das Forum "Zukunftswerkstatt", bei dem alte und junge Bewohner Ideen sammeln sollen, wie sie sich Schlüchterns Zukunft
vorstellen. Nicht zu vergessen der historische Festzug am 1. August, an dem 1000 Jahre Stadtgeschichte in lebenden Bildern vorüberziehen. Am Donnerstag, 21. Ja-
"Ganz neue Wege" in Sachen Kultur geht die Stadt mit dem Bildhauersymposion im Juli, wenn hessische Kunsthochschul-Absolventen einen Monat in Schlüchtern leben und arbeiten. Hinzu kommen etliche Bücher, die eigens für das Festjahr zusammengestellt wurden, darunter das historische Lesebuch samt Vortragsreihe und ein Band über Schlüchterns Frauen, das die Journalistinnen Ilse Werder und Susanne Gries- Engel zusammengestellt haben.
Nur ein kleiner Schatten fiel auf den Auftakt des Festjahres: Minister Günther kam zwar eigens zur Eröffnung aus Wiesbaden angereist, trug sich ins Goldene Buch Schlüchterns ein und packte charmant den Gedenkstein aus. Doch seine langatmige Festansprache enttäuschte die Zuhörer in der dichtbesetzen Stadthalle.
"Ich hab' immer darauf gewartet, daß der Mann endlich zur Sache kommt", ärgerten sich mehrere Besucher über den Grandseigneur der Landtags-Genossen. "Bis auf ein paar kleine Anmerkungen hatte die Rede doch gar nichts mit Schlüchtern zu tun." Erst der Schlußsatz über ihre "wunderschöne Stadt", die sowohl Altes und Bewährtes gepflegt als auch Neues gestaltet habe und den Vergleich mit anderen Kommunen nicht zu scheuen brauche, versöhnte die Kritiker ein wenig.
In Dietzenbachs Vereinswelt herrscht wieder Frieden Aber Clubheim des FC soll außerhalb des Waldstadion-Bereichs entstehen / Bau mit viel Eigenleistung Von unserem Redaktionsmitglied Martin Feldmann DIETZENBACH. Der Streit in der Dietzenbacher Vereinswelt um ein geplantes Heim des Fußballclubs (FC) im Waldstadion ist geschlichtet. Das versicherten am Dienstag Bürgermeister Jürgen Heyer (SPD) und der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Sportvereine Dietzenbach (IGS), Joachim Müller. Doch, so sagte Müller, gleichzeitig zweiter Chef der Sportgemeinschaft (SG) Dietzenbach, "wir werden es nicht akzeptieren, daß der FC auf dem Gelände des Stadions ein Heim errichten kann". Er schlug einen Bauplatz außerhalb vor. Welche Alternativen in Betracht kämen, so kündigte Bürgermeister Heyer an, werde er zusammen mit dem Ersten Stadtrat Lothar Niemann (Grüne) und den Fachämtern prüfen. Wenn die Verwaltung kurzfristig zu einem Ergebnis gekommen sei, würden die IGS und die betroffenen Vereine hinzugezogen. Heyer sagte, daß der FC noch in diesem Jahr bauen will.
Schon vor Silvester hatte es in Dietzenbach heftig gekracht. Müller hatte dem Bürgermeister einen Brief geschrieben und darauf hingewiesen, daß die Vereine kopfstünden. Schuld daran sei die Äußerung des FC-Vorsitzenden Werner Hummel, daß man nur die richtigen Leute kennen müsse, um ein neues Vereinsheim bauen zu können. Andere Vereinsfunktionäre vermuteten daraufhin, daß der FC mit der SPD gemauschelt habe. Und Stadtrat Niemann warf dem SPD-Fraktionschef Werner Hoch vor, "mal wieder am Bürgermeister vorbei Sachen an sich gerissen zu haben". Die ganze Geschichte sei unglücklich gelaufen. Heyer bedauerte, daß bereits in der Hektik vor Weihnachten einiges danebengegangen sei. Richtig sei, daß die SPD mit dem FC über die Zuschußmodalitäten verhandelt und anschließend einen Antrag vorgelegt habe, der in der rot- grünen Koalition erörtert und anschließend im Parlament verabschiedet worden sei. Danach soll der FC einen Zuschuß von 30 000 Mark erhalten, weitere 100 000 Mark werden als ein zunächst zinsloses Darlehen gewährt. Laut Vertragsentwurf soll dem Verein zudem das Baugrundstück in Erbpacht überlassen werden.
IGS-Chef Müller war besonders erbost darüber, daß der Dachverband der Vereine - wie sonst üblich - nicht in das Verfahren einbezogen worden sei. Gestern schlug er moderate Töne an. Niemand habe etwas dagegen, daß der FC beim Bau seines Heimes unterstützt werde, nur auf den Standort komme es an. Der Magistrat hatte zuvor mit allen Vereinen, die von dem FC-Vorhaben tangiert sind, ein Gespräch geführt, "in angenehmer Atmosphäre", wie Bürgermeister Heyer hervorhob. Damit sei ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung gemacht worden, um zu einer Lösung zu kommen, "die im Interesse der betroffenen Vereine, der Stadt und vor allem des Initiators FC Dietzenbach liegt". Der FC will sein neues Heim mit viel Eigenleistung aus dem Boden stampfen.
Müller, der dafür bekannt ist, daß er sich um Ausgleich in der Vereinswelt bemüht, weiß von dem Konkurrenzdenken zwischen den Vereinen, das seine Historie habe. Die SG Dietzenbach, die seit 1951 quasi Hausrecht auf dem städtischen Gelände hatte - es war zunächst ein einfacher Bolzplatz gewesen - mußte in den 70er Jahren das Stadion plötzlich mit dem FC teilen. Gegen diesen neuen Verein bestanden damals gewisse Antipathien, handelte es sich doch bei den Mitgliedern um Dietzenbacher, die sich zuvor in Disharmonie von der SG getrennt hatten.
Laut Müller haben sich aber die Zeiten geändert. Heute sei das Verhältnis zwischen den Vereinen nicht schlecht.
SELIGENSTADT. "Bei uns fällt an der Fassade der Putz von der Wand", klagt Ernst Meergans. Der Direktor des Amtsgerichts Seligenstadt berichtet außerdem von "unserem feuchten Keller, was den Akten überhaupt nicht bekommt". Und durch die Fenster pfeife der Wind. Die uralte Ölheizung entspreche nicht mehr den heutigen Anforderungen des Umweltschutzes.
Kurzum, so Meergans, es müsse etwas passieren. Das hessische Justiz- und das Finanzministerium hätten inzwischen zugesichert, das Gebäude noch 1993 sanieren zu lassen. Meergans: "Das ist auch notwendig, denn sonst wäre die Bausubstanz stark gefährdet."
Nach Angaben des Amtsgerichtsdirektors hat das Land Hessen lange nichts unternommen, weil nicht klar war, ob, wann und wie das Haus erweitert werden sollte. Wie Meergans sagt, war ursprünglich vorgesehen, das Gerichtsgebäude für drei Millionen Mark auszubauen. Doch es habe sich herausgestellt, daß nach diesen Plänen insgesamt vier Millionen Mark investiert werden müßten. Somit sei das Vorhaben erst einmal auf Eis gelegt worden.
Inzwischen ist auch das Dach undicht geworden.
Das Amtsgericht ist seit etwa 30 Jahren in diesem 70 Jahre alten Gebäude untergebracht, in dem zuvor die Finanzbeamten saßen, um in Seligenstadt und Umgebung die Steuer einzutreiben.
Die Fachministerien haben dem Direktor des Amtsgerichts zugesichert, in den kommenden Wochen auch zu entscheiden, wie die Platzprobleme gelöst werden sollen.
Wenn hausintern - zum Beispiel im Dachgeschoß - nicht erweitert werden könne, so Meergans, gebe es als Alternative nur noch einen Neubau oder die Auslagerung bestimmter Amtsstellen in angemietete Gebäude.
Des Themas hat sich auch der CDU- Landtagsabgeordnete Frank Lortz aus dem Seligenstädter Ortsteil Froschhausen angenommen. Er richtet an die Landesregierung eine kleine parlamentarische Anfrage zur "Zukunft des Amtsgerichts", um Dampf zu machen. Er will klipp und klar wissen, ob die Landesregierung an "einen Neubau in Seligenstadt oder auch anderswo im östlichen Kreisgebiet" denkt.
Lortz erinnert daran, daß schon viel über die Zukunft des Seligenstädter Amtsgerichts spekuliert werde. Dessen jetziger Zustand sei untragbar. fin
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Beratung / Selbsthilfe Friedberg. Frauenzentrumsverein: sozialrechtliche Beratung für berufstätige Frauen, 19 Uhr, Usagasse 8 (Eingang Judengasse). Pro Familia: ärztliche Sprechstunde, Beratung, 15-19 Uhr, Kleine Klostergasse 16, Tel. 0 60 31 / 23 36.
Wildwasser Wetterau: Beratung für Mädchen, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind, 16-18 Uhr, Hanauer Str. 12, Tel. 0 60 31 / 640 00.
Diakonisches Werk: Ehe-, Familien- und Lebensberatung: psychologische Beratung, Gesprächstermine nach tel. Vereinbarung unter 0 60 31 / 149 59, Leonhardstr. 16.
Aids-Beratung des Gesundheitsamtes: 14-15.30 Uhr, Tel. 0 60 31 / 832 96.
Bad Nauheim. Frauen helfen Frauen Wetterau: Frauenhaus, Tel. 0 60 32 / 47 84, Beratungsstelle des Frauenhauses: Mo. 13-16 Uhr, Mi. 9-12 Uhr, Fr. 9-12 Uhr u. nach Vereinbarung, Frankfurter Str. 1c, Tel. 0 60 32 /47 74.
Haus der Gesundheit: 10 Uhr Atem- und Entspannungsübungen am Gradierbau. Interessengemeinschaft der Verbraucher: allgemeine Beratung, 10-12 Uhr, Frankfurter Str. 34.
Frauenselbsthilfe nach Krebs: Zusammenkunft, 15-17 Uhr, Ev. Frauenbildungsstätte, Frankfurter Str. 34.
Morbus-Bechterew-Gruppe: Gymnastik, 18 Uhr, Solebad.
Rheuma-Liga: Zusammenkunft, 14.30 Uhr, Frankfurter Str. 34.
Naturheilverein: SH-Gruppe "Besser essen", Treffen, 19.30 Uhr, Frankfurter Str. 34.
Bad Vilbel. Bürgeraktive: Beratungsstunde für Gesundheits- und Ernährungsfragen, 18.30-19.30 Uhr, Frankfurter Str. 15.
Arbeitskreis für Behindertenfragen der Stadt Bad Vilbel: 15.30- 16.30 Uhr, OVAG, Friedberger Straße 8.
Beratungsstelle für Aus- und Übersiedler: Sprechzeiten 8-12 Uhr, Pestalozzistr. 8, Tel. 0 61 01 / 894 78.
Karben. Gesprächskreis für Suchtkranke, Suchtgefährdete und Angehörige: 17-19 u. 20-22.30 Uhr, Kath. Gemeindezentrum St. Bonifatius, Klein-Karben.
Diakonisches Werk, Außenstelle Karben: allgemeine Beratung für psychisch kranke Menschen, 16-17 Uhr, Rathausstr. 25, Tel. 0 60 39 / 436 86.
Allgemeiner Sozialer Dienst: Sprechstunden, 15-16.30 Uhr, Bauhof, Robert- Bosch-Straße.
Kulturmix Bad Nauheim. Komödie Düsseldorf - "Verlängertes Wochenende" v. C. Flatow, 19.30 Uhr, Kurhaus.
Kurkonzert, 15.30 Uhr, Trinkkuranlage.
Karben. Stadtjugendring: Roots - rock live, 20 Uhr, JUKUZ Selzerbrunnen.
Nidda. Kurkonzert, 10.30-11.30 u. 15-16.30 Uhr, Trinkkurhalle Bad Salzhausen.Gruppen / Vereine Friedberg. Frauenzentrumsverein: Frauencafé, 14-19 Uhr, Usagasse 8 (Eingang Judengasse).
Bad Nauheim. Turn- und Gymnastikverein: Erwachsenenturnen, 20-21.30 Uhr, Turnhalle Mittelschule, Eing. Stadtschule le Wilhelmskirche.
Seniorenclub: Tag der Begegnung, 14 Uhr, Tagungsstätte Blücherstr.
Bad Vilbel. Kinderschutzbund: Müttercafé, 9.30-11.30 Uhr, Frankfurter Str. 85 (I. Stock).
Jugendpflege: Spiel- und Basteltreff für Kinder bis 12 J.: Kernstadt: 14-18 Uhr, Berkersheimer Weg; Treff für Kinder v. 12-15 J.: Dortelweil, ab 14 Uhr, Altes Rathaus Bahnhofstraße.
Möwe Jonathan: Meditative Gestaltarbeit, 20-22 Uhr, Altenheim Heilsberg.
AWO-Seniorenclub Heilsberg: Treffen, 15 Uhr, BH Heilsberg Samlandweg 101.
Butzbach. BUND für Umwelt und Naturschutz: Monatsversammlung, 20 Uhr, Gasthaus Werdenfels.
Butzbacher Senioren 1976: Versammlung, 14.30 Uhr, Bürgerhaus.
Karben. Mütterzentrum: Café Mü(t)Ze, offener Kaffeenachmittag, 15-17 Uhr, Hauptstr. 84, Okarben.
Kath. Gemeinde St. Bonifatius: Krabbel- / Kleinkindergruppe, 9.30-11 Uhr.
Kath. Gemeinde St. Bardo Petterweil: Seniorenclub, 14-17 Uhr.
Altenstadt. Jugendclub Treff: Mädchen- Treff, ab 16 Uhr, a.d. Altenstadthalle.
Seniorenclub Lindheim / Enzheim: Zusammenkunft, 14.30 Uhr, Feuerwehrhaus Lindheim.
Friedberg. Geschichtsverein: Vortrag "Graf von Oriola" v. M. Keller, 20 Uhr, Bibliothekszentrum Klosterbau, Augustinergasse 8.
KVHS: Einführung in das Betriebssystem MS-DOS, 19 Uhr, Burg 34.
MS-DOS-III-Workshop, 18.30 Uhr, Gesamtschule. Bad Nauheim. VHS: Dia-Vortrag "Istanbul - Stadt der Kaiser und Sultane" v. H.D. Tausend, 19.30 Uhr, Trinkkuranlage. Deutscher Frauenring: Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen der Kreistag-Parteien, 17 Uhr, Kurhaus.
Johanniter-Unfallhilfe: Erste Hilfe am Kind, Teil 1, 20-21.30 Uhr, Rettungswache Hauptstr. 54.
Bad Vilbel. VHS: Zeichnen mit Kreiden u. Stiften sowie Pastellkreiden, 9 Uhr, Künstlerwerkstatt; Streifzüge durch die Kunst der Antike, 19 Uhr, Remise; beide Lohstr. 13.
Butzbach. Bund für Volsksbildung: Dia- Vortrag "Leonardo da Vinci - der Techniker", 20 Uhr, Bürgerhaus.
AWO-Begegnungsstätte: Osteoporose- Vorsorge I, 17-17.45 Uhr, II 17.45-18.30 Uhr; Yoga I, 20.45-22.15 Uhr, II 20.45-22.15 Uhr, J.-S.-Bach-Str. 26.
Karben. KVHS: Einführung in den Umgang mit Computern, 19 Uhr, K.-Schumacher-Schule. Gedern. KVHS: Einführung in den Umgang mit Computern, 19 Uhr, Gesamtschule.Parteien / Parlamente Friedberg. Sitzung des Haupt- u. Finanzausschusses, 17.15 Uhr, Bismarckstr. 2.
Die Grünen: Treffen, 20 Uhr, Altes Rathaus. Bad Nauheim. Sitzung des Ausschusses für Bau- und Planungswesen, 20 Uhr, Rathaus Friedrichstr. 3.
Butzbach. Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Verkehr, Bau und Planung, 20 Uhr, Rathaus.
Wöllstadt. Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses, 19 Uhr, BH Nieder- Wöllstadt.
Karben. Sitzung des Ortsbeirates Klein-Karben, 20 Uhr, Gaststtätte Ludwigshöhe. Hirzenhain. SPD: Diskussionsabend mit Gerhard Becker, 20 Uhr, DGH Merkenfritz. Kefenrod. Sitzung der Gemeindevertretung, 20 Uhr, DGH Burgbracht.
Bad Vilbel. Magistrat: winterlicher Ausflug in den Taunus (nur für Senioren), Abfahrt ca. 13 Uhr.
Nidda. Wanderungen durch Wald und Flur unter ortskundiger Führung, Treffpunkt: 13.30 Uhr vor Kurverwaltung Bad Salzhausen.
Butzbach. Altpapiersammlung in Fauerbach, Münster, Bodenrod, Maibach, Hausen-Oes und Wiesental.
Rosbach. Abfuhr der gelben Säcke in Nieder-Rosbach und Rodheim, morgen in Ober-Rosbach.
Friedberg. Gianni Colombo - spazio curvo, der gekrümmte Raum, Di.-Do. und So. 11-20 Uhr, Görbelheimer Mühle, Bruchenbrücken (bis 30. 3.).
Bad Nauheim. Was Sie über Herzinfarkt wissen sollten und warum jede Minute zählt, Wanderausstellung, Haus der Gesundheit (bis 2. 2.).
Bad Vilbel. Brunnen- u. Heimatmuseum: Historische Bügelgeräte, So. 10-12 u. 14-17 Uhr, So. 19-21 Uhr (bis Februar).
Echzell. Heimat- u. Geschichtsverein: "Was du ererbt von deinen Vätern", So. 10-12 u. 14-16 Uhr, Lindenstr. 3 (bis Ende Februar 1993).
Büdingen. Aus Kleiderschrank und Wäschetruhe, Di.-Fr. 10-12 Uhr, Mi. u. Sa. 15-17 Uhr, So. u. Feiertage 10-12 und 15-17 Uhr, Heuson-Museum im Rathaus (bis 28. 02. 93).
Friedberg. Roxy: Bodyguard (15, 20.15 Uhr) - Blende: Die Schöne und das Biest (15 Uhr); Eine Frage der Ehre (20 Uhr) - Studio: Kevin - allein in New York (15 Uhr); Sister Act (20.15 Uhr) - Keller: Der Tod steht ihr gut (15, 20.15 Uhr).
Bad Nauheim. Terminus: Rote Laterne (19 Uhr); Fatale Begierde (21.15 Uhr).
Butzbach. Capitol: Die Schöne und das Biest (20 Uhr) - Bambi: 1492 - Die Eroberung des Paradieses (20 Uhr).
Büdingen. Royal: Bodyguard (20 Uhr) - Princess: Sister Act (20 Uhr).
Schöneck. Sternpalast: Wolfsblut (16 Uhr); Gestohlene Kinder (19.45 Uhr); Mo&rquote;money (22 Uhr).
Lich. Traumstern: Am Ende eines langen Tages (19.30 Uhr); Simple Men (21.45 Uhr). (ohne Gewähr)
FRIEDRICHSDORF. "Erziehen oder erziehen lassen? - Über die Verantwortung für unsere Kinder" ist Thema einer Diskussion, zu der die Frauenbeauftragte für Montag, 1. Februar, 20 Uhr, ins Kolleg des Bürgerhauses Köppern einlädt.
Es geht dabei um die Frage, ob Eltern es sich heute zu leicht machen und die Verantwortung für ihre Kinder an Lehrer/innen oder Erzieher/innen abgeben. Und es soll diskutiert werden, ob sich dadurch das Sozialverhalten der Jungen und Mädchen verändert. s
MAINHAUSEN. Vor Ende des Jahres wird das Verfahren, landesweit noch nach anderen Standorten für eine Sondermülldeponie zu suchen, nicht abgeschlossen sein. Das hat der hessische Umweltminister Joschka Fischer (Grüne) der Rodgauer SPD-Landtagsabgeordneten Judith Pauly-Bender versichert.
Fischer hatte angeordnet, daß die Fachbehörden landesweit nach Alternativen zu "Mainhausen" Ausschau halten sollten. Ungeachtet dessen ist das Planfeststellungsverfahren für die schon teilweise fertiggestellte, brachliegende Deponieanlage nicht abgeschlossen. Der Widerstand der Gemeinde Mainhausen und der Bürgerinitiative gegen Umweltzerstö-
Trinkwasserreservoir
rung (BIGUZ) gegen eine Giftmüllkippe ist ungebrochen. Ihr Hauptargument gegen die Deponie ist die geohydrologische Beschaffenheit des Geländes. Dort, so hatten auch schon Gutachter erklärt, befinde sich ein riesiges Trinkwasserreservoir. Das Hessische Oberbergamt hatte als zuständige Planfeststellungsbehörde auf Fischers Anordnung hin die Hessische Industriemüll GmbH (HIM) aufgefordert, andere Standorte - besonders nach dem Gesichtspunkt der Umweltverträglichkeit - abzuklopfen.
Gleichzeitig müsse überprüft werden, ob Mainhausen nach den heutigen Anforderungen überhaupt noch als Standort für eine Kippe geeignet sei.
Wie Judith Pauly-Bender erfuhr, geht das Ministerium auch davon aus, daß die Resultate der bis vor wenigen Monaten laufenden Untersuchungen der Grundwasserströme in Mainhausen nicht vor April vorlägen. Solche Studien hatte das Oberbergamt 1991 beim Mainhäuser Erörterungstermin gefordert, der wegen gravierender Mängel in den Planfeststellungsunterlagen geplatzt war.
Nach Darstellung Fischers müssen die Ergebnisse aller Gutachten sorgfältig ausgewertet werden. Und erst danach werde eine Entscheidung getroffen.
Die Rodgauer SPD-Abgeordnete will ungeachtet dessen noch einmal in Wiesbaden nachbohren, ob die jüngsten Grundwasseruntersuchungen in Mainhausen auch wirklich nach dem heutigen Standard erfolgt sind. Ferner ist sie der Ansicht, daß für die Suche nach Alternativen zu "Mainhausen" genügend Zeit eingeplant werden müsse.
Pauly-Bender: "Wenn wir in der Region bemängeln, das frühere Standortauswahlverfahren habe nur deshalb zu ,Mainhausen&rquote; führen können, weil nach den alten Auswahlkriterien nicht erfaßt wurde, was gegen ,Mainhausen&rquote; spricht, dann müssen wir jetzt geradezu darauf drängen, daß zumindestens nachträglich alle Sorgfalt angewandt wird."
Die Abgeordnete meint, daß auf keinen Fall das Grundwasser gefährdet sein dürfe. "In Hessen hat der Grundsatz ,Schutz intakter Grundwasserreservoirs&rquote; mittlerweile einen exorbitanten Stellenwert."
Und: "Je nachdem, was die Untersuchungen ergeben, müssen wir, wenn's darauf ankommt, mit diesem Pfund wuchern. Wir haben nämlich gerade ein solches intaktes Grundwasserreservoir - und zwar eines in einem Wachstumsraum." fin
DIETZENBACH. Nicht auf einem privaten, sondern auf einem Grundstück der Deutschen Stadtentwicklungsgesellschaft (DSK) sei das aus sieben Bau- und Campingwagen bestehende "Dorf" im Steinberger Gewerbegebiet errichtet worden, erklärt der Verein "Wohnen, Arbeiten, Leben" (WAL). Somit könne ein Heidelberger Zementwerk die Siedlung nicht räumen lassen. Der Magistrat, der behauptet hatte, es sei das Grundstück des Zementwerkes, hatte das Unternehmen über die Besetzung des brachliegenden Terrains informiert. Die Firma kündigte daraufhin an, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und das "Dorf" räumen zu lassen.
Die jungen Leute hatten sich dort kürzlich niedergelassen, nachdem die besetzten Häuser in der Darmstädter Straße geräumt worden waren. Vorübergehend hatten sie daraufhin auch in einer Notunterkunft am Starkenburgring gewohnt.
WAL wandte sich jetzt ans Katasteramt und stellte fest, daß es sich um Grund und Boden der DSK handelt, die für die Stadt Dietzenbach die Entwicklungsmaßnahme abwickelt. Es sei somit quasi ein städtisches Grundstück. WAL- Sprecher Erik Engel: "Wir haben ein städtisches Grundstück ausgesucht, weil wir nicht den Privatbesitz einer Person oder Firma in Frage stellen, sondern von der Stadt eine Duldung oder Verpachtung erwirken wollen, da diese auch unsere jetzige Wohnsituation verursacht hat, indem sie Häuser räumte, für deren Erwerb und Sanierung konkrete Vorschläge bereit lagen und die nun zugemauert und ungenutzt vor sich hinrotten."
Engel erläutert: "Wir sind eine Gruppe Jugendlicher, die gemeinsam leben wollen. Im sozialen Miteinander Konflikte lösen, voneinander lernen, miteinander umgehen - das sind unsere Vorstellungen eines lebenswerten Lebens. Nachdem die Stadt - insbesondere die SPD - uns die Möglichkeit genommen hat, diese Ziele in der Altstadt zu verwirklichen, sehen wir als Alternative dieses Bauwagendorf."
Bauwagendörfer gebe es sei einigen Jahren fast überall in Deutschland, argumentiert WAL, und seien "eine Antwort auf die wachsende Wohnungsnot und die Schwierigkeiten, die gerade Jugendliche, Auszubildende oder Studenten haben, also Leute, die noch nicht auf gesicherter Basis im Leben stehen, freundlich gesinnte Vermieter zu finden".
Die meisten Wagenburgen in der Bundesrepublik haben nach Informationen des Vereins schließlich legale Stellplätze erhalten. "Wir erwarten da von Dietzenbach keine Ausnahme."
Der Leiter des städtischen Ordnungsamtes, Heinz Schmitt, sagte, "daß es sich tätsächlich um DSK-Gelände handelt". Der Verwaltung sei zunächst ein Irrtum unterlaufen. Aber die Parzellen seien somit auch in Privatbesitz und nicht städtisch. Was mit dem Wagendorf passiere, könne er nicht abschätzen. Bürgermeister Jürgen Heyer und Erster Stadtrat Lothar Niemann waren bis Redaktionsschluß nicht zu erreichen. fin
has FRANKFURT A. M. Der Drang der Bundesbürger, ihren Urlaub im sonnigen Südeuropa oder in noch ferneren Gefilden zu verbringen, dürfte spätestens 1994 zurückgehen. Diesen Schluß legt eine Analyse der Dresdner Bank über "Struktur und Perspektiven des deutschen Auslandsreiseverkehrs" nahe. Die Volkswirte des Geldhauses sprechen von einer nachhaltigen konjunkturellen Schwächephase hierzulande, weshalb sich die Aussichten der Touristikbranche ungünstiger darstellten. Da Verbraucher mit "zeitlicher Verzögerung" auf eine gedämpfte Konjunktur reagierten, könnte dies dazu führen, "daß wir 1994 kaum noch Zuwächse bei Auslandsreisen sehen werden".
Erste Auswirkungen schließt die Dresdner auch für die laufende Periode nicht aus. Gleichwohl erwartet sie für 1993 noch einen Anstieg der Reiseausgaben der Deutschen im Ausland von sechs Prozent auf rund 61 Milliarden Mark. Die Einnahmen der Bundesrepublik von ausländischen Touristen könnten um etwa vier Prozent auf knapp 19 Milliarden zunehmen, womit das Defizit in der Reisebilanz auf 42 Milliarden steigen würde.
Im vergangenen Jahr belief sich dieser Fehlbetrag auf gut 40 Milliarden Mark. Während die Einnahmen aus dem Tourismus bei rund 18 Milliarden stagnierten - obwohl sich hierzulande ausländischen Gästen wegen der neuen Bundesländer "im wahrsten Sinne des Wortes neue Perspektiven" eröffnen -, kletterten die Ausgaben jenseits der Grenzen um über 14 Prozent auf stark 58 Milliarden. Die Volkswirte der Bank fragen: Reisen die Deutschen "über ihre Verhältnisse"? Der Hintergrund: Anfang der achtziger Jahre gab es eine Diskussion über Devisenbeschränkungen angesichts der großen Reiselust, da die Zahlungsbilanz in die roten Zahlen gerutscht war. Derzeit, so die Dresdner, stelle sich die Situation ähnlich dar. "Dramatischen Maßnahmen" wie Devisenbeschränkungen erteilen die Banker aber eine Absage; sie seien "sicherlich deplaziert". Das Defizit in der Leistungsbilanz könne als "vorübergehend angesehen" werden.
Der zuletzt registrierte Fehlbetrag sei von dem "beträchtlichen Konjunkturgefälle" zwischen Deutschland und seinen Handelspartnern bestimmt, was sich 1993 ändern werde.
Kleine Lokalrundschau
Feuerwehr-Hauptversammlung RODGAU. Die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Hainhausen ist am Donnerstag, 28. Januar, um 20 Uhr im Feuerwehrgerätehaus. Pastellarbeiten von Martina Rupp DIEBURG. 26 Bilder, vor allem in Pastell gearbeitet, stellt die Künstlerin Martina Rupp noch bis zum 28. Januar im Foyer des Rathauses aus. Heide Pfarr im Seniorenstift HAINBURG. Die hessische Ministerin für Frauen, Arbeit und Sozialordnung, Professor Dr. Heide Pfarr, besucht am Mittwoch, 27. Januar, 18 Uhr, das Seniorenstift im Ortsteil Klein-Krotzenburg. Um 20 Uhr spricht sie über das Thema "Pflegeversicherung". "Stillen von älteren Kindern" DIETZENBACH. Die Stillgruppe Dietzenbach lädt für Montag, 25. Januar, 14.30 Uhr, zu einem Vortrag über "Das Stillen von älteren Kindern" in die Familien- bildungsstätte an der Wiesenstraße 9 ein. Näheres unter Telefon 0 60 74 / 4 37 49 oder 9 98 93. Öffentliche Sicherheit DIETZENBACH. Mit der öffentlichen Sicherheit in Dietzenbach befaßt sich der Ausschuß für Jugend, Kultur, Sport und Soziales am Montag, 25. Januar, 18 Uhr, im Rathaus. Kriminaldirektor Rainer Schmid wird erläutern, wie Kriminalität vorgebeugt werden kann. Erste Hilfe RODGAU. Die Johanniter-Unfall-Hilfe macht am Samstag, dem 23. Januar, von 8.30 bis 15 Uhr im Sozialzentrum am Puiseauxplatz in Nieder-Roden einen Erste- Hilfe-Kurs für Führerscheinbewerber. Café im Seniorenzentrum DIETZENBACH. Im Seniorenzentrum Steinberg wird am Sonntag, 24. Januar, von 15 bis 17 Uhr der Gemeinschaftsraum in ein "Café" umgewandelt. Ein "Tanzcafé" gibt's am Samstag, 30. Januar, 15 Uhr, im Göpfert-Haus. Tierschutzverein tagt SELIGENSTADT. Der Tierschutzverein Seligenstadt und Umgebung trifft sich am Dienstag, 26. Januar, 19.30 Uhr, im Matthias-Grünewald-Kolleg des Riesen zu seiner Jahreshauptversammlung.Für Kinderkrebshilfe 800 Mark RODGAU. Die Benefizveranstaltung der Rodgauer SPD mit dem "Zirkus Rämmi-Dämmi" hat einen Erlös von 800 Mark erbracht, der der Kinderkrebshilfe zugute kommt.
Das erste große Indoor-Spektakel im Fußballkreis Büdingen, wo sich mehr als ein Drittel der Oberliga-Elite, potente Landesligavereine wie der SV Bernbach und KSV Klein-Karben sowie "mutige" Büdinger Kreisvertreter ein Stelldichein gaben, bescherte dem ebenso mutigen Ausrichter FC 1961 Wallernhausen einen Erfolg. Nach dem kärglichen Interesse beim Stadtmeisterschafts-Eintopf (80 Besucher), anderen Privatturnieren in dieser Region lockte die höhere Ebene mehr als 1000 zahlende Zuschauer (insgesamt waren es laut dem Ausrichter rund 1500) in die Sporthalle der Haupt- und Realschule Nidda. Die Organisation von "Macher" Jürgen Rinker (30 Jahre, Spielausschuß-Mitarbeiter beim FCW) trug das Prädikat "professionell".
Die Halle war von den Dimensionen her genau richtig, die Ränge stets sehr gut besetzt, die Bewirtung im Foyer sowie im VIP-Zelt klappte reibungslos, wenngleich am Samstagnachmittag kurzzeitig die Milch für den Kaffee ausgegangen war. Diese Banalität beeinflußte die positive Stimmung nur am Rande, zumal der Budenzauber durch die Mischung zwischen Amateur-Elite und Amateur- Basis stimmte. Spannende und hochklassige Begegnungen wechselten sich mit kampfbetonten, aber auch einseitigen Spielen ab. Bei David gegen Goliath konnten Teams wie Turniersieger Viktoria Aschaffenburg oder der Rangzweite OFC Kickers (3:2 im Finale), Rot-Weiss Frankfurt, Eintracht Haiger, SV Wiesbaden sowie der SV Bernbach und KSV Klein-Karben "zaubern".
Zauberhaft schnitt auch Lokalmatador SC Viktoria Nidda ab. Die Mannschaft von Trainer Gerhard Thiele unterstrich, daß sie technisch das beste (Hallen-) Team im Kreisgebiet ist. Der vierte Platz des Bezirksligisten (2:6 im "kleinen Finale" gegen Rot-Weiss Frankfurt) wurde mit 300 Mark "versilbert". Die Jung- Schützlinge nahmen einen halben Tausender mit ans Brentanobad. Beeindrukkend auch die Gruppenspielleistungen der SG 05 Büdingen, die jedoch in der Endrunde vom OFC (1:7) aus der Halle gefegt wurde. Bezirksoberligist KSG Ober-Seemen scheiterte hingegen im Kreisderby an Viktoria Nidda (2:3). Die anderen Vereine dieser Region schieden in der Vorrunde aus, waren großteils überfordert.
Die Präsenz der Ober-/Landesliga- Klubs kam bei den Fans besonders gut an, zumal sie bis auf den (dennoch spielstarken) OFC Kickers mit ihrer ersten Garnitur in den Fußballkreis Büdingen gekommen waren. "Am Tor zum Vogelsberg", wie sich Nidda geographisch einordnet, waren die Tore für manchen Kreisliga-Keeper zu groß, aber etwa vier Treffer pro Spiel (279/68) waren vertretbar (beim 10:0 des Turniersiegers Aschaffenburg gegen Gelnhaar) wurde es zweistellig. Die meisten Treffer fielen im Halbfinalspiel OFC Kickers gegen Viktoria Nidda (7:4), als die Halle tobte. Es zeigte, daß die Mischung "Lokalkolorit und Oberliga-Flair" stimmte. Der Zuschauerservice war durch die Riege um Klaus Mörschel, Olaf Kruse und Jürgen Kremer (Heldenbergen) sowie Pressewart Reinhold Luft und seine Mitarbeiter optimal, auch die Darbietungen sowie der Service im VIP-Zelt (Musik und Unterhaltung) kamen an.
"Wir werden das Teilnehmerfeld im nächsten Jahr etwas reduzieren, dafür die Spielzeit leicht erhöhen", resümierte Jürgen Rinker, dem nach den Gruppenspielen ferner Überkreuzvergleiche vorschweben. Dank der guten Zuschauereinnahmen, vor allem aber der Werbepartner ließen die erste Veranstaltung dieser Art im gesamten östlichen Wetteraukreis zu einem Erfolg werden.
Vier Monate bereitete der fünf Köpfe zählende Turnierausschuß diesen Budenzauber vor, die guten Kontakte zur Oberliga Hessen - Walldorfs Manager Edi Hausmann stellte das Zelt zur Verfügung - wurden in der Endabrechnung zum Erfolgsgaranten, daran konnte auch die Absage des FSV Frankfurt (hatte schon zugesagt) nichts mehr ändern. Zum Gelingen trugen die überragenden Schiedsrichterleistungen bei, Bezirks-Schiedsrichterobmann Albert Walz (Wöllstadt) leitete auch das Finale in souveräner Manier. Keine rote Karte, keine gravierende Verletzung, keine Ausschreitungen - das Zusammenspiel zwischen den Spielern und Unparteiischen klappte wie am Schnürchen.
Auch bei den Referees war die Palette zwischen Bezirks- und Oberliga angesiedelt. 3000 Mark Preisgeld, allein 1500 für den finanziell arg gebeutelten Oberligisten Viktoria Aschaffenburg, zeigten den Wert dieses Hallenfestes des Bezirksligisten FC 1961 Wallernhausen, der als erster Kreisverein ein Risiko einging und belohnt wurde. Die vom 1. Vorsitzenden Erwin Steuernagel propagierte "Werbung für den Fußball", besonders im Jugend- und Kinderbereich", ist rundherum gelungen. ERGEBNISSE UND TABELLENAUSZUG: Gruppe A: 1. Kickers Offenbach II 9:1 Punkte /17:6 Tore, 2. KSG Ober-Seemen 6:4/7:7. - Gruppe B: 1. SC Viktoria Nidda 8:2 /9:3, 2. SG 05 Büdingen 7:3/9:7. - Gruppe C: 1. SV Wiesbaden 8:2/16:2, 2. Rot-Weiss Frankfurt 7:3/15:4. - Gruppe D: 1. Eintracht Haiger 10:0/20:4, 2. Viktoria Aschaffenburg 8:2/25.5. - ENDRUNDE (VIERTELFINALE): OFC Kickers - SG Büdingen 7:1, KSG Ober-Seemen - SC Viktoria Nidda 2:3, SV Wiesbaden - Viktoria Aschaffenburg 1:3, Rot-Weiss Frankfurt - Eintracht Haiger 4:2. - HALBFINALS: OFC Kickers - Viktoria Nidda 7:4, Vikt. Aschaffenburg - Rot- Weiss Frankfurt 1:0. - SPIEL UM PLATZ DREI: Rot-Weiss Frankfurt - Viktoria Nidda 6:2. - FINALE: Viktoria Aschaffenburg - OFC Kickers 3:2. HANS-DIETER PUTH
Erster Titel im Jubiläumsjahr: Der 1. Hanauer FC 1893 ist Hanauer Fußball-Stadtmeister. Eine Woche vor der großen Hanauer Fußball-Gala - siehe separater Bericht - war Hessens ältester Klub hellwach, besiegte im Finale seinen Erzrivalen TSV 1860 Hanau 3:0. Der einzige Bezirksoberliga- Vertreter der 16 Hanauer Vereine, die sich an der Punktrunde im HFV beteiligen, wurde in der August-Schärttner- Halle seiner Favoritenstellung gerecht. Die "Sechziger" zeigten beim Hallen-Meeting, daß sie weiterhin als Nummer zwei zu werten sind. Der FC Alemannia Klein-Auheim (Bezirksliga Offenbach) enttäuschte mit Rang zehn am meisten. Dafür konnte B-Ligist TSV Klein-Auheim (nach dem 3:2 gegen den Hanauer Bezirksliga-Vertreter FC Türk Gücü Dritter) kurzzeitig aus dem Schatten des FC Alemannia heraustreten.
In den Halbfinals hatte sich 1860 Hanau gegen Türk Gücü, das sich am morgigen Donnerstag (19 Uhr, Vereinsheim 1860 Hanau, Sandelmühle) wegen der Vorfälle in Niederrodenbach vor dem Bezirks-Rechtsausschuß verantworten muß, klar mit 4:1 durchgesetzt, während der Jubilar HFC 1893 nur knapp mit 1:0 gegen das überraschungsteam vom TSV Klein- Auheim siegte. Auch in den Viertelfinals waren der TSV 1860 (4:1 gegen Rot-Weiß Großauheim) dominanter als die "93er" (2:0 gegen den FC Ararat), die sich ihre Kräfte geschickter einteilten und im Endspiel groß auftrumpften. 500 Mark Siegergeld und der Wanderpokal wanderten ins Herbert-Dröse-Stadion. Trainer Willi Kern war die Spaltung zwischen Feld- und Hallenfußball am besten gelungen. Er führte nach Türk Gücü Hanau jetzt auch den Hanauer FC 1893 zum Hallenchampion.
Eine deutlich verbesserte Organisation - für den sportlichen Ablauf war das Sportamt der Stadt Hanau, für den wirtschaftlichen Betrieb der FC Rot-Weiß Großauheim verantwortlich -, ein akzeptables Niveau und ideale sportliche Voraussetungen in der Schärttner-Halle sorgten bei immerhin 700 zahlenden Zuschauern (zusammen an den beiden Tagen) für eine klare Steigerung gegenüber den letzten Jahren. "Mit den übrigen Spielern, Funktionären etc. waren es sogar insgesamt 1000 Zuschauer, was ein klares Plus bedeutete, wenngleich es immer noch nicht toll ist", konstatierte Sportamtsleiter Karl-Heinz Rehbein. Die 1000 Mark Preisgelder kamen auf jeden Fall rein. Der Überschuß soll bei den Jugend-Stadtmeisterschaften 1994 an die Vereine aufgeteilt werden.
FINALE: FC Hanau 93 - TSV 1860 Hanau 3:0. Die "93er" drehten im Endspiel vor 500 Zuschauern erst richtig auf, waren ihrem Erzrivalen drückend überlegen und siegten klar verdient. Schließlich schlugen neben den drei Treffern noch vier Latten- und Pfostenschüsse zu Buche. Überragender Hallenakteur war Michael Jablonski. FC HANAU 93: Wenzel (Tor); Antonio Iglesias, Francisco Iglesias, Jablonski, Koc, Erdrul, Trageser, Munoz, Kaden, Freese, Ullmann, Robles, Fernandez, Bilgili, Zilz.
TORE: 1:0 und 2:0 Jablonski, 3:0 Erdrul. - SCHIEDSRICHTER: Östreich (Ostheim). - ZUSCHAUER: 500.
HANAUER FUSSBALL-STADTMEISTERSCHAFTEN, Ergebnisse und Tabellenauszüge: Gruppe I: 1. FC Mittelbuchen 4:2-Punkte/9:5-Tore, 2. FC Ararat Hanau 4:2/7:4. - Gruppe II: 1. TSV 1860 Hanau 6:0/6:0, 2. TSV Klein-Auheim 3:3/4:5. - Gruppe III: 1.FC Hanau 93 6:0/8:2, 2. FC Türk Gücü Hanau 3:3/5:1. - GRUPPE IV: 1. Hanauer SC 1960 6:0 /10:1, 2. Rot-Weiß Großauheim 4:2/6:6.
VIERTELFINALE: Mittelbuchen - TSV Klein-Auheim 1:2, Rot-Weiß Großauheim - 1860 Hanau 1:4, FC Ararat - Hanau 93 0:2, FC Türk Gücü - Hanau 1960 2:1 nach Verlängerung.
HALBFINALS: TSV Klein-Auheim - Hanau 93 0:1, 1860 Hanau - FC Türk Gücü 4:1.
SPIEL UM PLATZ DREI: TSV Klein-Auheim - FC Türk Gücü 3:2.
FINALE: FC Hanau 93 - TSV 1860 Hanau 3:0. hdp
Der Econ Verlag (Düsseldorf) bringt am 20. Januar zum ersten Mal das politische Programm von Bill Clinton, der am heutigen Mittwoch in das Amt des US-amerikanischen Präsidenten eingeführt wird, und seines Stellvertreters Al Gore in deutscher Sprache auf den Markt. Aus dem Buch mit dem Titel "Weil es um die Menschen geht - Politik für ein neues Amerika" dokumentieren wir diejenigen Abschnitte, die sich mit der Zukunft der amerikanischen Städte und der Umwandlung von Rüstungsbetrieben befassen. Bill Clinton und Al Gore entwerfen ein Programm, das europäischen Modellen von staatlicher Verantwortung für Infrastruktur und Wohlfahrt nahekommt.
FRIEDRICHSDORF. Informationen über die "duale Abfallwirtschaft" können die Bürger bei einer Ausstellung erhalten, die bis zum 2. Februar in der TaunusSparkasse in Köppern, Im Hahlgarten 1, zu sehen ist. Geöffnet ist während der Kassenzeiten.
Dort wird erklärt, welche Abfälle in die einzelnen Mülltonnen gehören und welche in die gelben Säcke (sie sind dort kostenlos zu erhalten). Die Ausstellung wird gleichzeitig in der Grundschule Köppern gezeigt. Dort sollen nicht nur die Kinder und Lehrer informiert werden, sondern auch die Eltern, die die Kinder von der Schule abholen.
Vom 4. bis 26. Februar zieht die Ausstellung in die Taunus-Sparkasse nach Seulberg. In der Zeit vom 9. Februar bis 3. März werden im Rathaus außerdem verschiedene Trennsysteme für die Abfall- und Wertstoffsammlung im Haushalt gezeigt. Acht Hersteller von Küchensystemen haben ihre Teilnahme zugesagt.
Eine weitere Informationsveranstaltung findet am Mittwoch, 10. Februar, 20 Uhr, im Musikkolleg des Bürgerhauses Köppern statt. s
Luftschutz-Sirenen haben ausgeheult
Eine technische Ära unseligen Angedenkens geht zu Ende. Auch in Frankfurt werden "Straßenzug um Straßenzug" die zumeist schon vor dem Zweiten Weltkrieg installierten Luftschutz-Sirenen abgebaut. Von ursprünglich 439 dieser Alarmauslöser gibt es nur noch 260, wie am Dienstag Rolf Kroll von der Abteilung Katastrophenschutz der Berufsfeuerwehr bestätigte.
Die Jüngeren kennen diese unheilvollen Sirenenklänge nurmehr von den Probealarmen, die zuletzt im Herbst 1990 zu hören waren. Die Älteren, die noch die schweren Bombenangriffe des März 1944 erlebten, erinnern sich eher mit Grauen daran, wie der Anflug der Bomberflotten auf diese Weise gemeldet wurde und sie zur Flucht in die Keller zwang. Danach lagen ganze Stadtteile unter Schutt und Asche oder brannten im Phosphorfeuer.
Wurden vor Jahren noch die Freiwilligen Feuerwehren in den Vororten, etwa in Oberrad, "vom Dach her" bei Bränden alarmiert, so hat sich auch das dank moderner Elektronik geändert. Die "Schüsseln" schweigen längst auch dort. Funkmeldeempfänger holen diese Feuerwehrmänner "individuell" aus dem Bett oder vom Arbeitsplatz. Die Berufsfeuerwehr ist ja ohnedies immer einsatzbereit in ihren Stützpunkten zu erreichen.
Über Hochwasser oder andere Naturkatastrophen kann die Bevölkerung im Zeitalter der Medien heute ebenfalls schnell unterrichtet werden. Seit der Wende und dank des politischen Wandels in Europa, vor allem zwischen Rußland und den USA, sind alte Feindbilder verschwunden, ist der ursprüngliche Zweck der Sirenen, "Alarm im Verteidigungsfall" auszulösen, ebenfalls erledigt. Was beim Abbau der mittlerweile technisch veralteten Sirenen (in Frankfurt sind sie alle "abgeschaltet")am teuersten zu Buche schlägt, ist die "Nachbesserung", also Beseitigung der Löcher in den Dächern, der Kabel und Laufbretter sowie da und dort der Schaltrelais in den Kellern.
Diese Kosten muß der Bund tragen. Den Städten und Gemeinden war es freigestellt, die Sirenen weiterhin in eigener "Obhut" zu belassen. Doch haben das die meisten Kommunen abgelehnt. Bundesweit mußten zuletzt jährlich 70 Millionen Mark allein an Postgebühren für die Leitungen gezahlt werden. -vau
"In anderen Städten ist bei derartigen Veranstaltungen ein größerer Run auf die Karten festzustellen", zeigt sich der Vorsitzende des 1. Hanauer FC 1893, Heinz Arnold, von der Zwischenbilanz (zirka 1500 verkaufte Dauerkarten) wenige Tage vor Beginn der Hanauer Fußball- Gala in der August-Schärttner-Halle (23./24. Januar) eher enttäuscht. Bisher scheinen sich nur die großen Insider für das Auftreten von Dynamo Dresden, Werder Bremen, Türkyemspor Berlin, FC Hanau 93 (Gruppe A) sowie FC Kopenhagen, Eintracht Frankfurt, SV Bernbach und Bayern Alzenau (Gruppe B) zu interessieren. "Ich rechne dennoch mit einer realistischen Zahl von insgesamt 4000 zahlenden Zuschauern", ergänzt der erfahrene Vorsitzende. Damit wäre die Halle allerdings gerade gut zur Hälfte gefüllt.
Joachim Hassler, Leiter des für die Organisation beauftragten Sportmarketing- Unternehmens, kalkuliert indes weiter mit 5500 bis 6000 Besuchern, womit eine Auslastung der Halle von zirka 75 Prozent erreicht wäre. Bis zu 3800 Besucher können durch Zusatz-Tribünen aufgenommen werden. "Von den Sponsoren aus Hanau sowie von der Hilfestellung durch die politischen Gremien bin ich weniger angetan. Die sollten sich ein Beispiel an der lokalen Presse nehmen", hofft Arnold auch auf diesem Gebiet noch mit einem kurzfristigen Engagement.
"Der Kartenverkauf läuft durchaus zufriedenstellend", entgegnet Joachim Hassler. "Schließlich entsprechen 1500 Dauerkarten bereits 3000 Zuschauern", lautet seine plausible Erläuterung. Die guten Plätze sind praktisch weg, wodurch sich die Besucher jetzt mit der mittleren und unteren Güteklasse begnügen müssen. Die Fußballfreunde können weiterhin täglich (von 9 bis 18 Uhr) Karten an der Schärttner-Halle sowie bei der Firma CD-Ticket (Goldschmiedehaus) erwerben. Am Samstag und Sonntag sind die Kassen ab neun Uhr besetzt, während die Halle jeweils ab elf Uhr geöffnet sein soll.
Das VIP-Zelt, die Tribünen und Banden sollen bis Donnerstag aufgebaut sein. Die Organisatoren sind voll im Zeitplan. Am Freitagnachmittag werden die Teams vom SV Werder Bremen und FC Kopenhagen am Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt und am frühen Abend im Hanauer Brüder-Grimm-Hotel - die Empfangsparty soll ab 19 Uhr steigen - erwartet. Wegen schlechter Verbindungen kommt Dresden mit dem Bus. Auch Türkyemspor Berlin (mit seinem zusätzlichen Fan-Bus) will auf diese Weise in den Main-Kinzig-Kreis kommen.
Die Zugkraft der Eintracht, der Bekanntheitsgrad von Werder Bremen respektive von Otto Rehhagel sowie die Indoor-Künstler aus Kopenhagen sollten neben den Vereinen aus dieser Region (vor allem SV Bernbach und FC Bayern Alzenau) doch noch eine volle Hütte garantieren. Schließlich setzt Arnold auf die türkischen Fans, die Türkyemspor unterstützen wollen. "In der Türkei kennen die Fans keinen Vorverkauf".
Die größte Unbekannte stellt die Fan- Gemeinde des Jubilars selbst dar, denn mehr als 250 kommen selten zu einem Heimspiel ins Herbert-Dröse-Stadion. Noch vor einem Jahrzehnt waren es rund 1000 bis 1500 pro Begegnung. Allerdings bilden 16 Stadtvereine eine stolze Zahl, sollte diese einmalige Fußball-Gala auch in der 85 000 Einwohner zählenden "Hauptstadt" des Main-Kinzig-Kreises genügend Interesse auslösen.
HANS-DIETER PUTH 1. HANAUER FUSSBALL-GALA, Terminplan (Samstag, 23. Januar): 12.15 Uhr: Eröffnungsfeier, 12.45 Uhr: Dynamo Dresden - SV Werder Bremen, 13.12 Uhr: FC Kopenhagen - Eintracht Frankfurt, 13.39 Uhr: Türkyemspor Berlin - FC Hanau 93, 14.06 Uhr: SV Werder Bremen - FC Bayern Alzenau, 14.28 Uhr: Einlagespiel FC Hanau 93/Minis; 15.20 Uhr: Dresden - Berlin, 15.47 Uhr: Kopenhagen - Bernbach, 16.11 Uhr: Bremen - Hanau 93, 16.38 Uhr: Frankfurt - Alzenau.
Sonntag, 24. Januar: 12.30 Uhr: Dresden - Hanau 93, 12.57 Uhr: Kopenhagen - Alzenau, 13.21 Uhr: Bremen - Berlin, 13.48 Uhr: Frankfurt - Bernbach, 14.10 Uhr: Einlagen Gymnastik-Gruppe Hanau 93 und Hanau Hawks (Football), 15.05 Uhr: erstes Halbfinale (Sieger Gruppe A gegen Zweiter Gruppe B), 15.42 Uhr: zweites Halbfinale (Sieger Gruppe B gegen Zweiter Gruppe A), 16.19 Uhr: Spiel um Platz drei, 16.56 Uhr: Endspiel. hdp
Bündnis . . .
Neben kulturellen Veranstaltungen wurde auch vorgeschlagen, einen Workshop anzubieten. Dabei soll eingeübt werden, wie man sich in schwierigen Alltagssituationen verhalten kann: "Wie reagiere ich am besten, wenn ein Ausländer in der U-Bahn angepöbelt wird?" Verschiedene Mitgründer des Bündnisses sprachen sich auch dafür aus, mit Informationen, beispielsweise über den Islam oder die sogenannte Dritte Welt, an die Seckbacher Bürger heranzutreten.
Zum Schluß wurde noch über den endgültigen Namen diskutiert - alle Teilnehmer wollten das "gegen" streichen. Doch konnte man sich in der verbleibenden Zeit nicht auf eine Version einigen und vertagte die Entscheidung auf das nächste Treffen: "Wichtiger sind die Dinge, die wir auf den Weg bringen", sagte Pfarrer Schauß. laf
BAD VILBEL. Eine ungewöhnliche Nascherei bietet das Theater am Kurfürstendamm am Freitag, 22. Januar, um 20 Uhr im Bad Vilbeler Kurhaus an: "Zwiebeln und Butterplätzchen". Hinter dem Titel verbirgt sich ein Lustspiel von Johnnie Mortimer und Brian Cooke um zwei Strohwitwer, die beim Seitensprung ins Stolpern kommen. In den Hauptrollen sind Chariklia Baxevanos und Peer Schmidt zu sehen. Inszeniert wird das von Wolfgang Spier ins Deutsche übersetzte Stück von Christian Wolffer.
Die Erklärung von Michael Stich am Abend des 26. September 1992 in der Essener Grugahalle hatte zu den schönsten Hoffnungen Anlaß gegeben. "Wenn wir gesund und fit sind, gehe ich davon aus, daß wir auch spielen werden", hatte der Tennis-Profi nach dem gesicherten Klassenerhalt gegen Belgien für sich und Boris Becker gesprochen, die Teilnahme am Daviscup-Wettbewerb 1993 betreffend. Becker saß daneben und hatte den Worten seines Kompagnons, der die Monate zuvor eine ähnliche Durststrecke durchschritten hatte wie er selbst, nichts hinzuzufügen. Der dritte Gewinn der Nationen-Meisterschaft unter Teamchef Pilic schien damit schon beschlossene Sache.
Keine vier Monate später darf sich Tennis-Deutschland von diesem Wunschdenken aber schon wieder verabschieden, weil die Mannschaft der unbestrittenen Führungsperson verlustig geht. Zwar ist Boris Becker weder außer Form noch schwerwiegend verletzt, die langjährige Verkörperung des Daviscup-Geistes aber hat in den letzten Wochen für sich wieder andere Prioritäten gesetzt. Wie schon 1990 und 1991 verzichtet der Leimener erneut auf den Daviscup, weil ihm sein eigenes Fortkommen wichtiger ist als das der deutschen Mannschaft.
Der neue Egoismus kommt nicht von ungefähr. Wenn der persönliche Erfolg sich wieder einstellt, braucht es keine moralische Aufrüstung vermittels eines Wir-Gefühls. Mit dem Triumph bei der Tennis-Weltmeisterschaft in Frankfurt hat Becker neue Motivation gefunden, noch einmal die Nummer eins des Tennis zu werden. Zusätzlicher Raubbau an den Kräften, wie ihn der Daviscup einfordert, sind der Fitneß eines ohnehin über die Maßen belasteten Körpers dabei alles andere als dienlich. Daß Becker zudem Probleme mit dem Wettbewerb hat, weil er sich als Kosmopolit vom engstirnigen nationalen Denken verabschiedete, spricht auch nicht eben gegen ihn.
Unter Druck steht nach Beckers Verzicht damit wieder Michael Stich, der sich der Aufgabe, die Hauptlast der deutschen Daviscup-Hoffnungen tragen zu müssen, beim Halbfinale 1991 in den USA nicht gewachsen gezeigt hatte. Seither aber ist der Elmshorner sowohl als Spieler wie als Mensch gereift, und durch die neue Ausgangsposition eröffnet sich für ihn eine neue Chance zum Image-Gewinn. Weil mit Carl-Uwe Steeb ein dritter deutscher Spieler zur erweiterten Weltklasse gehört, sind allzu große Sorgen um das erfolgreiche Bestehen der Erstrundenbegegnung in Moskau gegen Rußland unbegründet. Prekär würde die Lage nur, wenn nun auch Michael Stich vom Ich- Gefühl gepackt würde. REINHARD SOGL
Wer die Welt neu beschreiben will, muß sie anschauen. Für den im vergangenen Sommer gegründeten Frankfurter Verein "Künstlerförderung in Leipzig" ist dies Gleichnis und Auftrag zugleich. Unabhängigkeit als oberstes Gut eines jeden Künstlers, danach strebt der Verein.
In Form von Arbeits- oder Reisestipendien oder zur Finanzierung von Atelierraum versucht das Kuratorium, bestehend aus Jean-Christophe Ammann (Direktor des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt am Main), Peter Guth (Leipziger Kunstkritiker) und Klaus Werner (Förderverein der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst), bildenden Künstlern aus Leipzig Geld zur Verfügung zu stellen. In Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und privaten Mäzenen werden Künstler aus Leipzig, einst ein bedeutendes Zentrum der bildenden Kunst in der DDR, unterstützt.
Die ersten beiden Stipendien in Höhe von 6000 Mark wurden jetzt an Till Exit und Uwe Kowski vergeben. Beide Künstler haben an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst studiert und arbeiten in Leipzig.
Der Verein, zu dessen Gründungsmitgliedern auch der ehemalige Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann zählt, führt damit den 1989 begonnen Kulturdialog zwischen den beiden Partnerstädten Frankfurt und Leipzig fort, der am Anfang im wesentlichen der Kontaktaufnahme und dem Erfahrungsaustausch diente.
(Weitere Informationen über den Verein "Künstlerförderung in Leipzig" gibt Anna Abel, Georg-Speyer-Straße 14 in 6000 Frankfurt am Main 90, Telefonnummer 0 69 / 77 93 30.) hu
pl KIEL, 19. Januar. Der Landesvorsitzende der schleswig-holsteinischen SPD, Willi Piecyk, hat die sozialdemokratische Landesregierung unter Ministerpräsident Björn Engholm aufgefordert, sich unmißverständlich gegen Rüstungsgeschäfte mit Taiwan auszusprechen. Er bekräftigte damit die Kritik von Sozialdemokraten an den Vorstellungen des niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder (SPD). Schröder hatte sich für U-Boot- und Fregatten-Exporte für Taiwan ausgesprochen und seine Meinung mit der Sorge um Arbeitsplätze auf deutschen Werften begründet.
Zwar seien die Bundesregierung und der Bundessicherheitsrat allein für die Genehmigung von Bau- und Exportgenehmigungen in der Rüstungsindustrie verantwortlich, erklärte Piecyk. Wenn aber "norddeutsche Werften Bewerber um ein derartiges Geschäft sind, kann man eine klare Haltung der Landesregierung erwarten". Im Fall des Taiwan-Geschäftes könne dies "aus Sicht der SPD nur Ablehnung bedeuten", meint der Landesparteichef. Daß dieses noch nicht geschehen sei, "ist bedauerlich". Piecyk nannte die Beschlußlage in der gesamten SPD zu diesem Bereich "eindeutig: keine Waffenexporte außerhalb der Nato". Im Interessenkonflikt zwischen der Ablehnung von Rüstungsexporten und regionaler Arbeitsplatzpolitik "mag es Grenzfälle geben, aber wir haben für uns Grenzen definiert". Im Hinblick auf die Diskussion in der SPD über den Einsatz von Bundeswehrsoldaten als UN-Blauhelme meinte Piecyk: "Erst Rüstung exportieren und dann Blauhelme senden, wäre grundfalsch."
Die Kieler Landesregierung hatte zuvor noch einmal versichert, keinen Auftrag an den niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder (SPD) erteilt zu haben, mit der Bundesregierung über das Waffengeschäft zu reden. Eine Äußerung, wie sie selbst zu dem Geschäft steht, gab sie nicht. Sie betonte, der Bundessicherheitsrat sei das allein zuständige Gremium. Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Kieler Landtag, Wolfgang Kubicki, hat eine aktuelle Stunde des Parlamentes zu diesem Thema angekündigt.
Ohne Geld kein Blick in den verseuchten Boden Altlast in der Wiesenstraße: Stadt wartet auf Zuschuß Von Thomas Rüggeberg BAD HOMBURG. Die Stadt übt sich in Geduld. Und wartet aufs Geld aus Wiesbaden. Solange passiert nichts auf dem Grundstück in der Wiesenstraße. Klar ist bislang nur, daß das Erdreich dort mit Altlasten verseucht ist. Erst wenn der Landeszuschuß gesichert ist, sollen die Untersuchungen beginnen. Die sind der Stadt wichtig, denn sie will auf dem Grundstück 26 Einfachwohnungen bauen und nebenan einen Spielplatz anlegen. Im vergangenen März wurde die Altlast entdeckt. Seither ist das Areal eingezäunt, aber für Nachbarn und Passanten hat sich nichts getan, jedenfalls nichts Sichtbares. "Ergänzende Untersuchungen", so Umweltdezernent Heinrich Gerhold (FDP), seien notwendig; angesichts des dort schlummernden Gefahrenpotentials "muß man etwas tun".
Fachleute vom Kreisgesundheitsamt, Regierungspräsidium und Wasserwirtschaftsamt Friedberg trafen sich in Gonzenheim mehrfach zu Ortsterminen mit den Vertretern der Stadt. Herausgekommen ist ein Untersuchungsprogramm. Es soll ergeben, wie groß der belastete Bereich in Länge, Breite und Tiefe ist, wie das Erdreich zusammengesetzt ist und welche Gefahren von den Altlasten ausgehen. Diese Untersuchung ist Voraussetzung für eine Behebung der Schäden, die auf eine frühere Müllkippe zurückgehen.
130 000 Mark soll das Bodengutachten kosten. Stadtrat Gerhold hofft auf knapp 100 000 Mark Zuschuß vom Land. Im August schickte die Verwaltung den Beihilfeantrag nach Wiesbaden, und da liegt er seither. Warum die Zustimmung soviel Zeit braucht, kann sich Gerhold nicht erklären; daß das Geld letztlich kommt, steht für den Magistratsmann außer Zweifel. Und in der Tat, die Chancen stehen gut: Laut Umweltministerium ist die Expertise im Finanzierungsprogramm 1993 für Altlasten vorgesehen. Das Geld müßte in Kürze über den Regierungspräsidenten ausgezahlt werden.
Für die Sanierung der Fläche gibt es vorbehaltlich der Erkenntnisse der Gutachter eine grobe Schätzung: Rund 800 000 Mark dürfte sie wohl kosten - zusammen mit dem Aufwand für die Untersuchungen eine Summe, bei der Heinrich Gerhold vor jeglichem städtischem Vorpreschen warnt, will Bad Homburg nicht die Unterstützung des Landes aufs Spiel setzen.
Auch wenn die Gefahrenbeseitigung aufwendiger werden sollte: Das Projekt der Wohnungen hält Stadtrat Gerhold nach wie vor für wichtig: "Angesichts des Mangels an Bauflächen ist es unverzichtbar." Ein Gebäude haben die Planer verschoben und so von den Altablagerungen weggerückt. Die 26 geplanten Einfachwohnungen braucht die Stadt, um vorübergehend oder länger Opfer von Zwangsräumungen und andere Bürger, die ihr Domizil verloren haben, unterzubringen, daneben möglicherweise auch Nichtseßhafte. Einen weiteren Vorteil sieht der Magistrat darin, daß die Spiel- und Lernstube Feldstraße direkt benachbart ist; damit ist für eine Betreuung der Bewohner gesorgt.
Über die Zusammensetzung der Altlast in der Wiesenstraße gibt es im Stadthaus nur vage Informationen. Die Hinweise, ob es sich um mehrere kleine oder eine große zusammenhängende Müllgrube handelt, widersprechen sich. Vor allem Bauschutt soll dort liegen, aber auch Hausmüll wird vermutet. Anfang der 50er Jahre dürfte die Deponie stillgelegt worden sein. Die Altlasten liegen in Wasser- und Quellenschutzzonen.
HOCHTAUNUSKREIS. Während die SPD-Kreistagsfraktion die gewerbliche Berufsschule gefährdet sieht, hat der Schulausschuß dem Konzept von Landrat Jürgen Banzer (CDU) für die Neuordnung der berufsbildenden Schulen zugestimmt. Die Mehrheit von CDU und FDP billigte am Montag abend gegen SPD und Grüne die "Satzung über die Bildung von Schulbezirken für die Berufsschulen". Zentrales Thema: der geplante Umzug der Georg-Kerschensteiner-Schule von Bad Homburg nach Oberursel.
Wie mehrfach berichtet, will der Kreis die Kerschensteiner-Schule aus den veralteten Gebäuden in Bad Homburg in die Oberurseler Bleibiskopfstraße umsiedeln. Der gewerbliche Bereich soll ihr verbleiben, der kaufmännische der Feldbergschule Oberursel zugewiesen werden. Diese Veränderungen sind für 1996 vorgesehen. Bereits im Schulentwicklungsplan hat das Kreisparlament diese Absichten festgeschrieben.
Daß dabei vorübergehend die Kfz.- Schlosser an der Usinger Saalburgschule unterrichtet werden sollen, kritisiert die SPD. Deren schulpolitischer Sprecher Walter Gräf meint, eine Trennung des Ausbildungsbereichs Metall sei pädagogisch nicht vertretbar. Fehle hier eine intensive integrierte Zusammenarbeit, sei zu befürchten, daß viele Schüler nach Frankfurt abwanderten. Letztlich, so Gräf, drohe der gewerblichen Berufsschule der Verlust der Lebensfähigkeit.
Brigitte Kölsch (CDU), die Vorsitzende des Schulausschusses, sieht das "nicht so dramatisch". Das Konzept sei flexibel genug. Nichts werde zementiert, falls sich die Entwicklung ändere. Die Georg-Kerschensteiner-Schule habe nun eine Perspektive, berichtet die Christdemokratin von einem Besuch vor Ort, und die vorübergehende Kfz-Auslagerung nach Usingen werde angenommen.
Daß die Abwanderung von Schülern nach Frankfurt - wie von der SPD unterstellt - von den Aufsichtsbehörden gewollt sei, läßt Brigitte Kölsch nicht gelten. Das Regierungspräsidium habe lediglich Daten abgefragt. tom
BAD VILBEL. Unter spektakulären Masken und Schwellköpfen verborgen, karikiert das Wiener Masken- und Musiktheater in seinem Stück "Body und Nobody" Alltägliches und Absonderliches.
Mehr noch: In seiner Kombination von klassischer Musik und Rock, von Mozart bis Cocker, stellt es die Hörgewohnheiten auf den Kopf. Ein Spektakel für Augen und Ohren, das am Mittwoch, 27. Januar, ab 20.30 Uhr im Kulturzentrum Alte Mühle aufgeführt wird.
Parteien + Wähler
"Umwelt, was können wir tun?" BAD HOMBURG. Eine Podiumsdiskussion "Umwelt - was können wir tun?" veranstaltet die Bad Homburger Frauen- Union am Mittwoch, 20. Januar, ab 19.30 Uhr im Forum des Stadthauses. Unter Leitung der CDU-Fraktionschefin Gudrun Hofmann diskutieren Cornelia Alsheimer-Barthel, Königsteiner CDU-Abgeordnete beim Umlandverband, die CDU- Stadtverordneten Christel Elbert und Ursula Jungherr sowie der Vorsitzende des städtischen Umweltausschusses, Gerhard Trumpp.
HANAU. Eines der ersten Ost-West- Stücke über die Wiedervereinigung wird am Dienstag, 9. Februar, um 19.30 Uhr in der Hanauer Stadthalle zu sehen sein. Gespielt wird die Geschichte von Billi Kotte, dem olympiadereifen Zehnkämpfer, den man in der ehemaligen DDR wegen Verdachts auf Republikflucht zehn Jahre lang in eine Nervenheilanstalt gesperrt hat und der im Sommer 1990 in seine Heimatstadt zurückkehrt, wo sich buchstäblich alles windet und wendet. Auf der Suche nach den Verantwortlichen muß der Heimkehrer schließlich erkennen, daß alle um ihn herum in die Kampagne gegen ihn verstrickt waren oder sind und nun mit Lügen, Ausreden und neuen Schuldzuweisungen versuchen, sich aus der (Stasi-)Affäre zu ziehen.
Klaus Pohls "Karate-Billi kehrt zurück" ist nach der Uraufführung im Schauspielhaus Hamburg zum Erfolgsstück der Spielzeit 91/92 avanciert und ist auf 14 weiteren Bühnen nachgespielt worden. Für die Theatergastspiele Kempf hat Karin Hercher Regie geführt, eine in Ost- wie in Westdeutschland renommierte Film-, Tv- und Theaterfrau. Die Figur des Karate-Billi spielt Reiner Schöne, der sich mit seiner Rolle geradezu identifiziert: "In Karate-Billi begegne ich meiner eigenen und ganz persönlichen Vergangenheit. Karate-Billi ist ein Stück von mir selber. Betrogen von Ideologen, verladen, mit Zorn im Herzen. Ich selber hatte zwar die Chance, aus der DDR abzuhauen, doch den DDR-Bürger legt keiner von uns ab . . .Nie." Schöne hat Klaus Pohls Text um das Lied "Staub im Wind" erweitert, in dem es heißt: "Aus Schweigern werden wieder Schweiger / Gestern noch die Basis der Partei / Schnell bereit den neuen Herrn zu dienen / Heute wieder vorn dabei". Wie das Kulturamt mitteilt, steht dem Hauptdarsteller ein Ensemble exzellenter Theaterschauspieler zur Seite, das sich aufgrund persönlicher DDR- Erfahrung um eine besonders authentische Interpretation bemühen wird. Das Zeitstück, von der Zeitschrift "Theater heute" zum "Stück der Stunde" kreiert, dürfte auch für junge Leute und Schulklassen interessant sein. Eintrittskarten gibt es bei CD-Tickets, Am Goldschmiedehaus und bei der Volksbühne Hanau, Nürnberger Straße 2 a. rd
Herrn Erhard Huhn aus Erlensee- Rückingen zum 80. Geburtstag am Mittwoch, 20. Januar.
SULZBACH. Der Anstand gebietet es Jochen Riebel, über Details nicht zu sprechen. Gewiß ist aber, daß der CDU-Landrat wie viele Jungen und Mädchen auch in seiner Schulzeit die Filmvorführungen in den Biologie- und Physiksälen als willkommene Abwechslung geschätzt hat - nicht nur wegen der erbaulichen Inhalte. Solcher Spaß am Lichtspiel in der Schule hat die Zeit überdauert, auch wenn sich Lehrer und Schüler aus unterschiedlichen Motiven auf die Vorführungen freuen. Sicher ist jedenfalls, daß die Bestände der Kreisbildstelle, die seit Juli an der Staufenstraße 32 in Sulzbach untergebracht sind, an Beliebtheit bei den etwa 1400 Lehrerinnen und Lehrern sogar gewonnen haben.
Das umfangreiche Angebot der Einrichtung gibt den Pädagoginnen und Pädagogen an den 60 Schulen im Kreis auch genügend Gelegenheit dazu: Im Archiv im "Zentrum für audiovisuelle Medien" lagern beispielsweise mehr als 350 Videokassetten, etwa 3000 16-mm- Filme und über hundert Bände an Büchern und Zeitschriften. Hinzu kommen Ton-Dia-Reihen und zahlreiche Audiokassetten.
Die 100 Ausleiher, zu den neben den 60 Schulen auch Kindertagesstätten und Vereine im Kreis zählen, haben in der Vergangenheit häufig auf das Archiv des Zentrums zugegriffen. Dabei fällt auf, daß der 16-mm-Film nach wie vor als wichtigstes Medium auch am häufigsten ausgeliehen wird. Zugleich aber belegt die Statistik, daß der Filmstreifen zugunsten der Videokassette an Beliebtheit verliert. Roland Haag, stellvertretender Leiter der Kreisbildstelle, erklärt die Tendenz mit dem einfacheren Umgang, die eine Videokassette im Vergleich zum 16-mm-Film gestattet. Seit spezielle Videoprojektoren auch großflächige Präsentationen der Bilder ermöglichen, kommen die alten Filmapparate zusehends aus der Mode. Außerdem verursachen die modernen Rekorder weniger Nebengeräusche als die massigen 16-mm-Projektoren. Wachsendes Interesse besteht zudem an Diareihen und am Angebot des Zentrums, Schulfunksendungen zu kopieren.
Nach dem Auszug der Kreisbildstelle aus dem alten Domizil an der Hofheimer Gartenstraße ist die Einrichtung seit Juli des vergangenen Jahres in ehemaligen Klassenräumen des Gesamtschule Sulzbach untergebracht. Im September 1991 hatte der Umbau der Räume begonnen, der mit 690 000 Mark beim Kreis zu Buche schlug. Nun sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des audiovisuellen Zentrums in sechs Räumen mit insgesamt 430 Quadratmeter Nutz- und Verkehrsfläche untergebracht. Außerdem verfügt das Personal in der neuen Unterkunft über eine Teeküche, ein Lager und einen Abstellraum.
Neben dem umfangreichen Archiv stehen Lehrerinnen und Lehrer auch ein Audio- und Videoschneideraum zur Verfügung. Mehrere Rekorder und ein Schnittplatz ermöglichen das Bearbeiten selbstgedrehter Videobänder. Die gute technische Ausstattung gestattet semiprofessionelles Arbeiten, einzelne Szenen können im Technikraum präzise zusammengeschnitten werden. Neben der Bearbeitung sogenannter Rohkassetten ermöglicht die Ausrüstung zudem, Videofilme zu kopieren und nachzuvertonen.
Die Aufgaben der vom Kreis unterhaltenen Bildstelle, die zugleich auch eine Tonstelle ist, gehen freilich über das Verleihen von Filmen und Bänder hinaus. Roland Maag, Lehrer an der Heinrich- von-Brentano-Schule in Hochheim und stellvertretender Leiter des Medienzentrums, sieht den Beitrag des Zentrums auch in der Vermittlung von Medienpädagogik - Anleitung zum vernünftigen und kritischen Umgang mit Medien also. Und dazu gehören etwa Tips und Tricks im Umgang mit dem Film. Der Leiter der Einrichtung, Ernst F. Poppel, ebenfalls Lehrer an der Hochheimer Gesamtschule, berät dann schon mal Ratsuchende.
Angesichts des zunehmenden Einflusses elektronischer Medien im Alltag auch von Schülerinnen und Schülern wird das Filmvorführen in der Klasse seinen Stellenwert behalten und mancher Generation noch Spaß bereiten - das verbindet Landrat Jochen Riebel mit der jüngeren Generation. JÜRGEN SCHULTHEIS
Braune Komposttonne wird zur Pflicht Private Betreiber haben das Nachsehen / Opposition wirft SPD/DKP Wortbruch vor Von Astrid Ludwig LANGENSELBOLD. Zum Juli dieses Jahres werden in der Stadt Langenselbold die braunen Komposttonnen aufgestellt. Jeder Haushalt der Gründaustadt, auch wer im eigenen Garten schon kompostiert, wird die Biotonne vor die Haustüre stellen müssen. Über den Anschlußzwang, der noch im vergangenen Jahr von der Verwaltung in Abrede gestellt worden war, entbrannte ein heftiger Streit in der Parlamentssitzung am Montagabend. Die Opposition warf der SPD/DKP Wortbruch vor. Die Mehrheitsfraktionen verabschiedeten die Satzungsänderung ohne die Stimmen von CDU, FDP und SL. Zum 1. Juli sollen die Langenselbolder die braunen Komposttonnen mit Pflanzen, Garten- und Küchenabfällen füllen. Jeweils 120- oder 240-Liter-Behälter werden je nach Größe des Haushaltes aufgestellt und alle zwei Wochen geleert. Für die FDP und auch die CDU war die Änderung der Müllsatzung zu wenig durchdacht. Die Christdemokraten halten die braunen Komposttonnen zwar für notwendig, doch müßten nach ihrer Ansicht und der von SL und FDP Ausnahmegenehmigungen möglich sein. Wer im Garten bereits kompostiere oder einen Schnellkomposter bei der Stadt erstanden habe, solle vom Anschlußzwang befreit werden. In der Nachbargemeinde Gründau, so CDU-Sprecher Schneider, werde das so praktiziert. "Auch jede Tonne Biomüll muß die Stadt teuer bezahlen." Bei den kompostierbaren Abfällen müsse ebenfalls Müll vermieden und auf diese Weise Gebühren gespart werden. Die Selbolder Liste brachte einen entsprechenden Änderungsantrag ein, daß "Betreiber von Kleinkompostieranlagen, die ordnungsgemäß betrieben werden", die braune Tonne nicht erwerben müssen. Der Antrag der SL wurde jedoch von SPD/DKP abgelehnt. Der SPD-Fraktionschef Fritz Schüßler begründete die Ablehnung mit dem Hinweis, daß nicht alle Garten- und Küchenabfälle auf dem eigenen Gartenkomposthaufen entsorgt werden könnten. Zitrusfrüchte, zumeist mit Pestiziden behandelt, und Knochenabfälle müßten in die braune Tonne, weil sie im Garten oder im Kleinkomposter nicht verrotteten. Nur in der Kompostieranlage würden Temperaturen erreicht, so daß auch diese Abfälle zersetzt werden.
SPD und DKP sehen in der braunen Tonne eine sinnvolle Ergänzung zum eigenen Komposthaufen. Schüßler stimmte für den Anschlußzwang, weil der Restmüll sortenrein gehalten werden müsse. Bei einem zu hohen Anteil an Biomüll in den normalen Mülltonnen müßte die Stadt sonst mit Gebührenerhöhungen rechnen. Der Kreis habe in dieser Hinsicht bereits strenge Kontrollen angekündigt. Die Opposition warf der Mehrheitsfraktion und Bürgermeister Hans-Peter Ebner Wortbruch vor, da dieser noch im vergangenen Jahr erklärt habe, wer selbst kompostiere, brauche die braune Tonne nicht zu bestellen. Gleiche Aussagen fänden sich auch in der Abfallfibel der Stadt.
Die Mitglieder des Magistrates konnten an diesem Abend dazu keine Angaben machen, denn sowohl der Bürgermeister als auch der erste Stadtrat Schäfer waren erkrankt. Die übrigen Magistratsvertreter zeigten sich eher konfus. Stadtverordnetenvorsteher Herbert Steinhauser überließ SPD-Fraktionschef Schüßler das Wort, der nur nochmals wiederholte, was er zuvor schon zur biogerechten Kompostierung gesagt hatte. Zum Vorwurf des Wortbruches erklärte er lediglich, daß sich mittlerweile bei der Stadt andere Erkenntnisse breitgemacht hätten. Nachdem von seiten der DKP Antrag auf Schluß der Debatte gestellt worden war, meldete sich nochmals Stadtrat Willi Mäurer zu Wort, der den Sinneswandel aber auch nicht erhellen konnte. Die Verwirrung war perfekt, als nach der Abstimmung über die Müllsatzung der stellvertretende Leiter des städtischen Liegenschaftsamtes, Günter Volz, ans Mikrofon trat und erklärte, daß kein Benutzungszwang für die braune Tonne bestehe. Im Garten kann danach weiter kompostiert werden, aber bezahlen müssen die Haushalte für die braune Tonne.
57 Jahre alte Frau auf der Straße erschossen Polizei sucht als mutmaßlichen Täter den Ehemann Von Alexander Kraft und Jürgen Schenk Eine 57 Jahre alte Sekretärin ist am Dienstag kurz vor 7 Uhr in der Konstanzer Straße in Fechenheim vermutlich von ihrem Ehemann erschossen worden. Die Kripo fahndet nach dem 55jährigen. Er soll nach Angaben von Polizeisprecher Peter Borchardt unmittelbar nach der Tat mit einem Mietwagen, einem blauen Renault mit dem Wiesbadener Fahrzeugkennzeichen WI-JX 618, geflüchtet sein. Als Hintergrund der Tat vermutete die Mordkommission am Dienstag die angespannte Situation zwischen den Eheleuten: Die 57jährige Frau hatte im Herbst vergangenen Jahres die gemeinsame Wohnung in Bergen-Enkheim verlassen und war nach Fechenheim gezogen. Ihr 55 Jahre alter Mann soll sie daraufhin laut Zeugenaussagen mehrfach bedroht haben. Anwohner der Konstanzer Straße verständigten unmittelbar nach der Tat, um 6.58 Uhr, die Polizei. Wie der Polizeisprecher sagte, hatte die 57jährige Edith S. nur wenige Minuten zuvor ihre Wohnung in der Straße Am Hennsee 12 verlassen. Sie sei wahrscheinlich auf dem Weg zur Arbeit gewesen.
Dabei lief sie auf der Konstanzer Straße in südliche Richtung. Kaum 30 Meter von ihrer Wohnung im alten Ortsteil Fechenheims entfernt, lauerte ihr der Täter auf. Er war nach Zeugenaussagen mit einer Parka bekleidet und verwickelte die Frau in ein Gespräch.
Bei der anschließenden Rangelei auf der Straße vor dem Kiosk mit der Hausnummer 48 stürzte die Frau. Der Täter zog daraufhin eine Pistole und schoß mehrmals auf die am Boden Liegende. Wie Polizeisprecher Borchardt erklärte, traf einer der Schüsse auch "den Kopfbereich".(Fortsetzung auf Seite 20)
Sparkasse . . .
Die Büros in der dritten und vierten Etage sollen frei vermietet werden. Der Bauherr hat auch auf Umwelt-Aspekte geachtet: Es werden ein Brauchwasserkreislauf und eine Solaranlage installiert und für Vollwärmeschutz gesorgt. rea
SCHMITTEN. Wer hätte das gedacht? Die Welle der Hilfsbereitschaft für die "Vergessenen" in der rumänischen Psychiatrie hat selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen. Überall im Kreis bewegte das Elend der "unerwünschten" Erwachsenen und Kinder, Kranken und politisch Verbannten in Nucet sowie die selbstlose Hilfsaktion des Arnoldshainer Ehepaares Maria und Franz Max die Herzen der Menschen. Rund 400 gaben unzählige Sachspenden und knapp 10 000 Mark für den zweiten Hilfsgütertransport, der am Sonntag startete.
"Das Echo ist wahnsinnig", meint Maria Max. Die evangelische Kirchengemeinde von Rod am Berg hat eine Patenschaft für eine Kinderschwester für drei Jahre übernommen. Ein zehnjähriger Junge, der drei Mark Taschengeld in der Woche erhält, hat versprochen, ein Jahr lang fünf Mark im Monat zu spenden.Die Usinger Christian-Wirth-Schule hat gesammelt, die Schmittener Feuerwehr eine großzügige Summe draufgelegt.
Von den Geldspenden können bisher vier Kinderschwestern in der "vergessenen" psychiatrischen Anstalt eingestellt werden; derzeit erledigen auf der Kinderstation mit rund 100 Betten nur zwei ungelernte Frauen das Notdürftigste. Rund 120 Mark kostet eine rumänische Fachkraft im Monat, weshalb Familie Max nach dem Anblick der apathisch auf dem Boden sitzenden kleinen "Mumien" die "Aktion Kinderschwester" ins Leben rief. Wenn 24 Leute fünf Mark im Monat zu spenden bereit sind, so die Kalkulation, ist das Gehalt für eine Schwester zusammen. "Jetzt werden die Kinder zumindest nicht mehr getreten und geschlagen", sagt Maria Max.
Von den Geldspenden will die Familie außerdem Stühle und Tische für Kinder und Schwestern bezahlen; ein Schreiner aus Nucet soll sie herstellen. Mobiliar gibt es in dem Krankenhaus nicht. An Sachspenden sind wieder doppelt so viele "wunderschöne und sehr gut erhaltene" Dinge im Rauhecksweg 28 eingegangen, die das Ehepaar im Lastwagen (mit Anhänger) unterbringen kann. Neben Bettwäsche, Oberbekleidung und pädagogischem Spielzeug trafen Hunderte von Kuscheltieren und Schokoladentafeln ein. Die Arnoldshainer Frauen buken zudem unzählige Plätzchen, die sie für jedes Kind in einer Tüte verpackten.
Arnoldshain und Schmitten sind zwar zwangsläufig das Zentrum der Hilfsaktion, die großzügige Unterstützung durch seine Bürger jedoch nicht selbstverständlich. Die Kirchengemeinde hilft, eine Firma stellt ihr Faxgerät für die gesamte Korrespondenz kostenlos zur Verfügung. Für weitere Spenden ist ein "großer Flohmarkt" im Februar geplant.
CLAUDIA NENNINGER
Diavortrag über Bergtouren HANAU. Wolfgang Kahle hält bei der Hanauer Sektion des Deutschen Alpenvereins am Dienstag, 26. Januar, in der Stadthalle (Raum 2 und 3) einen Diavortrag über Bergtouren auf Mallorca. Der Eintritt kostet zwei Mark.
BAD VILBEL. 740 Mark haben die Hauptschüler/-innen der Klasse 8 e an der Kennedy-Schule für eine Schule in Kroatien gesammelt. Die Schülerinnen und Schüler waren ausführlich über die Zustände an der Mittelpunktschule "Ivan Mazuranic" in der kroatischen Stadt Vinkovci informiert worden und hatten noch vor den Weihnachtsferien den Plan gefaßt, für diese Schule zu sammeln. Jede(r) der etwa 500 Kennedy-Schüler/-innen sollte wenigstens eine Mark spenden. Das angepeilte Ergebnis wurde weit übertroffen. 740 Mark konnten inzwischen auf ein Konto der Freunde der kroatischen Schule in Frankfurt ( Nummer 9365339 bei der Deutschen Bank) überwiesen werden.
Angefangen hatte die beispielhafte Aktion damit, daß die Klassenlehrerin der 8 e, Elke Fischer, die private Kontakte zum ehemaligen Jugoslawien unterhielt, einen Brief bekam, in dem die schlimmen Zustände im Gefolge des barbarischen Kriegs geschildert wurden.
Es wurde Verbindung mit Nadja Klesinger aufgenommen. Sie stammt aus dem Krisengebiet und wohnt schon seit längerem in Deutschland. Sie demonstrierte mit Fotos und einem Video die Schäden, die die Bombardierungen in Kroatien angerichtet haben. Davon war auch die Mittelpunktschule von Vinkovci betroffen, an der ein Jahr lang kein Unterricht stattfinden konnte. Schüler, Lehrer und Eltern haben die Schule inzwischen wieder notdürftig hergerichtet. Seit September war wieder Unterricht möglich.
Im Winter fehlte es an Geld für Heizmaterial. Schulbücher, Sammlungen, Geräte und Instrumente, die nun einmal zum Unterricht gehören, fehlen weitgehend.
Die Mittel, die die 8 e H gesammelt hat, werden sicher dazu beitragen, daß die kroatischen Kinder weiter vorankommen.
hm
OBERURSEL. Wie Umweltschutz in der Kommune aussehen könnte, wollen die Oberurseler Grünen bei ihrem Wahlkampfauftakt am Donnerstag, 21. Januar, 20 Uhr, im Foyer der Stadthalle darstellen. Dort wollen sie grüne Lösungsvorschläge für ökologische Probleme wie Trinkwasserversorgung, Grundwasserschutz sowie Natur- und Landschaftserhalt bei steigendem Flächenverbrauch durch den Wohnungsbau aufzeigen.
Als Referenten haben die Oberurseler Grünen den Friedrichsdorfer Landtagsabgeordneten Horst Burghardt und Michael Gloger, den Leiter des Umweltamtes in Dreieich, eingeladen. mak
HOFHEIM. Der "Hofemer" genannte Stadtbus der Kreisstadt hat zwei neue Haltestellen: An den FVV-Haltestellen Rheingaustraße und Mainzer Straße legt nun auch der Bus auf der Route Busbahnhof-Kreishaus- Marxheim-Busbahnhof einen Stopp zum Ein- und Aussteigen ein. Als Abfahrtszeiten gelten die der Haltestelle Rheingau-/Römerstraße (in Richtung Kreishaus) und die der Haltestelle Rheingaustraße/Mainzer Straße (aus Richtung Kreishaus).
Anregungen aus der Bevölkerung hätten zu diesen Verbesserungen geführt, erläuterte Hofheims Bürgermeister Rolf Felix (CDU). Da man den "Hofemer" zu einer "wirklichen Alternative zum Auto ausbauen" wolle, verstehe es sich von selbst, daß man mit den Verbesserungen "keinen Tag" warte.
Und eine weitere Kinderkrankheit des Stadtbusses ist beseitigt: Die Bahnsteige am Busbahnhof waren zu hoch für die extra niedrigen Einstiege der Busse. Jetzt liegen dort acht Zentimeter Teer mehr auf der Straße, damit das Ein- und Aussteigen problemlos vonstatten geht. md
Alte Regelung im "Oberfeld . . .
Er bot eine Variante an, die die untere Dietrichstraße entlasten könnte und trotzdem den Verkehr in der Heilmannstraße verringern würde. Die Straße Am Alten Schloß würde bis zur Oberfeldstraße weitergeführt, so daß Autofahrer nicht durch den unteren Teil der Dietrichstraße fahren müßten. Burgholzer rechnet damit, daß nach einer Eingewöhnungszeit die Autofahrer diesen Bereich meiden würden. Bei den Anliegern stieß er damit nur auf Unverständnis. Ihr Argument: weder Tempo-30- noch die Einbahnstraßenschilder würden ihre Funktion erfüllen. Manche Autofahrer kümmerten sich überhaupt nicht darum. Nach Ansicht der Bürger seien verstärkte Kontrollen das einzige Mittel.
Nach langem Hin und Her verabschiedete der Ortsbeirat einen Initiativantrag der SPD, der die alte Verkehrsführung fordert. Der CDU-Antrag für eine erneute Bürgerbefragung wurde abgelehnt. SPD- Fraktionsvorsitzende Helga Diehl erklärte:" Wir beugen uns der Mehrheit." Frank Mahlmeister (Grüne ) meinte säuerlich: "In der Sache haben die Anwohner recht, doch die Art und Weise, wie sie die Forderungen durchsetzen, mißfällt mir sehr."
Auch die anderen Fraktionen verurteilten die Vorgehensweise der Anlieger. CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Rätzke nahm den Ingenieur in Schutz: "Der Ortsbeirat hat das Planungsbüro beauftragt, Herr Burgholzer ist ein qualifizierter Mann." jot
ORTENBERG. "Gutes Kabarett beginnt mit einer Kastration", behaupten die beiden Kabarettisten Sinasi Dikmen und Muhsin Omurca von "Knobibonbon" in ihrem neuen Stück "Der Beschneider von Ulm". Die bundesweit bekannten türkischen Kabarettisten, die in der Wetterau bereits an verschiedenen Spielorten ihr Programm "Frisch integriert" , so auch im "Fresche Keller", zeigten, kommen am Wochenende auf Einladung der Ortenberger Kleinkunstbühne in die Burghalle nach Lißberg. Morgen sowie am Samstag, 23. Januar, werden sie jeweils ab 20 Uhr ihr Programm zeigen, dem "nicht nur Vorhäute, sondern auch sämtliche alte Zöpfe in der Ausländer- und Asylbewerberfrage" zum Opfer fallen. Karten können bei Photo-Weidig unter der Rufnummer (0 60 46) 13 73 vorbestellt werden.
Tips und Termine · Tips und Termine
Theater / Musik / Literatur Rüsselsheim. Kindertheater: Der Froschkuß oder Die eisige Henriette (ab 4 Jahre), 15 Uhr, Stadttheater.
Theater: SOS im Regenwald, (ab 8 Jahre), 16 Uhr, Stadttheater, Studiobühne. Kinos / Filme Mörfelden-Walldorf. Lichtblick - Walldorfer Kinotreff: Die Schöne und das Biest (17 Uhr); Bob Roberts (20 Uhr).
Groß-Gerau. Lichtspielhaus: Der Tod steht ihr gut (20 Uhr). - Bambi: 1492 - Eroberung des Paradieses (20.30 Uhr).
Rüsselsheim. Rex I: Bodyguard (15, 17.30, 20 Uhr). Rex II: Eine Frage der Ehre (17, 20 Uhr); Die Schöne und das Biest (15 Uhr). Cinema: Sister Act (17.30, 20.30 Uhr); Kevin allein in New York (15 Uhr).
Nauheim. Ried-Casino: Die siebente Saite (19.30 Uhr); The Crying Game (21.45 Uhr).
Ginsheim-Gustavsburg. Kommunales Kino Mainspitze: Alien 3 (20 Uhr). Vorträge / Kurse Mörfelden-Walldorf. Referat: Impuls der Hugenotten für Kultur und Wirtschaft in Deutschland, 20 Uhr, ev. Gemeindezentrum Walldorf.
Walldorfer Gesundheitsgespräch: Husten und Bronchitis in der Homöopathie, 20 Uhr, ev. Gemeindezentrum.
Dia-Vortrag, Dolomiten, 16 Uhr, Wilhelm-Arnoul-Schule Walldorf.
Beratungen / Offene Treffs Mörfelden-Walldorf. Sozialstation Mörfelden-Walldorf, Tel. 0 61 05 / 7 60 74.
Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle "Kamin-Club": Tel. 7 67 60.
Blaues Kreuz Mörfelden Walldorf: Gruppentreffen, 19.30 Uhr, Daimlerstr.5.
Groß-Gerau. Kinderschutzbund, Mainzer Str. 12, Tel. 0 61 52 / 8 24 24, psychologische Beratung: Tel. 0 61 52 / 4 02 89.
Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche: Tel. 78 98.
Wildwasser-Beratungsstelle: 13 bis 15 Uhr, Schöneckenstraße 2, Tel. 3 99 99.
Rüsselsheim. Pro Familia: Beratung, 8.30 bis 19 Uhr, Lahnstraße 30, Tel. 1 21 42.
Verbraucherberatung, Markstr. 29: 14.30 bis 17.30 Uhr, Tel. 0 61 42 / 6 32 68.
Beratung Kriegsdienstverweigerung, 17 Uhr, Ev. Dekanatsjugendpfarramt, Godesberger Straße 34.
Büttelborn. Mütterberatung, 14 Uhr, Gemeinschaftsraum der Sporthalle, Klein-Gerau.
Riedstadt. Pro Familia, 9 bis 12 Uhr, Freiherr-v.-Stein-Str. 9, Tel. 0 61 58 / 16 39.
Rhein-Main. Fluglärmbeschwerdestelle, Tel. 0 69 / 6 90 22 00. Frauenhaus-Initiativen Groß-Gerau. Haus für mißhandelte Frauen und Kinder, Tel. 0 61 52 / 3 99 77.
Raunheim/Rüsselsheim. 0 61 42 / 4 63 89.
(Ohne Gewähr)
HANAU. Nicht überall, wo auf Verpackungen "light" draufsteht, ist auch wirklich leichte Nahrung drin. Darauf weist die Hanauer Verbraucherzentrale
Wer mehr über Inhaltsstoffe in "Leicht-Produkten" erfahren will, erhält bei der Hanauer Verbraucherberatung ein Faltblatt. Darin heißt es, daß "Light"-Produkte keine langfristige Gewichtsabnahme garantieren, weil sich dadurch die Eßgewohnheiten nicht positiv verändern. Im oft falschen Glauben, Kalorien zu sparen, nähmen Menschen sogar mehr Portionen zu sich, als ihnen guttue. Bei der Verarbeitung gingen solchen Produkten wichtige Inhaltsstoffe wie Vitamine, wertvolle Fettsäuren und Geschmacksstoffe verloren.
Wer gelegentlich zu einem "Leicht"- Produkt greife, schade seiner Gesundheit nicht.
SELIGENSTADT. Die Grünen wollen am Freitag, 22. Januar, "einen letzten Versuch starten", um für die Kommunalwahl doch noch eine Liste für Seligenstadt aufstellen zu können. Vor vier Jahren hatten sie mit 4,9 Prozent der Stimmen das Ziel Stadtparlament nur knapp verfehlt. Die Grünen rufen die Bürgerinnen und Bürger auf, sich - auch ohne Parteimitglied zu sein - auf einer offenen Liste zur Wahl zu stellen. Für die Veranstaltung, die um 20 Uhr im Kollegraum der Alten Schmiede, Am Marktplatz, beginnt, haben der Erste Kreisbeigeordnete Frank Kaufmann und das Hainburger Kreisvorstandsmitglied, Hans-Peter Bicherl, ihr Kommen und ihre Unterstützung zugesagt. fra
WETTERAUKREIS. Der Journalist und Fotograf Horst Schüßler ist tot. Am Montag abend starb er 65jährig in einer Gießener Klinik an den Folgen einer schweren Krankheit, die ihn bereits Ende des vergangenen Jahres ans Bett fesselte. Sein früher Tod, nicht einmal ein Jahr nach seiner Pensionierung, wird viele Menschen in der Wetterau traurig stimmen. Als langjähriger Redakteur der Frankfurter Rundschau war er der bekannteste Vertreter der Wetterauer Journaille. In den mehr als 40 Berufsjahren als schreibender Fotograf und fotografierender Schreiber hat er in jeder Stadt, in dem kleinsten Dorf des aus den einstigen Kreisen Friedberg und Büdingen vor zwei Jahrzehnten hervorgegangenen Wetteraukreises deutliche Spuren hinterlassen. Und zwar in den Köpfen der Menschen, die ihm begegneten.
Horst Schüßler war kein Leisetreter. Überall dort, wo etwas geschah, tauchte früher oder später der kräftige weißhaarige Mann mit der Stentorstimme auf; und wenn es zuvor still war, beim Erscheinen von Horst Schüßler wurde es garantiert lebendig. Er ging auf die Menschen zu, hielt die Kamera ins volle Leben, mischte sich ein und berichtete ebenso engagiert wie präzise.
Ein rauhbeiniger Journalist also, ein knallharter Rechercheur, frei von persönlichen Empfindungen? Ja und nein. Horst Schüßler war gleichermaßen stur und empfindsam, grob und zart in seiner Sprache. Ungezählte Reportagen, Porträts und Kommentare zeugen davon. Horst Schüßler war ein Lebenskünstler. Er schwankte zwischen Pessimismus und Zuversicht, steckte aber immer voller Lebenslust und -freude. Wenn mal wieder der Teufel los war, in der Kombination von Terminen und unerwarteten Ereignissen die Redaktion zum Tollhaus zu werden drohte, verlor einer nicht die Nerven. Dann tauchte unser Redaktionssenior für ein paar Minuten in der Menschenmasse der Friedberger Kaiserstraße unter, um dann schwerbepackt wiederzukommen: mit frischem Pflaumenkuchen oder dampfendem Leberkäse: "So, jetzt wird erst einmal gegessen!" Diesem lauten Befehl konnte sich niemand entziehen.
Horst Schüßler war kein stiller Mensch. Das deutliche Wort hat er gleich nach dem Abitur bei der Marine gelernt, wo er schon als junger Mensch die Grausamkeit der letzten Kriegstage an der Front hatte erleben müssen. Das Schicksal spülte den 1927 in Dieburg geborenen Sohn eines Beamten nach dem Krieg nach Bad Nauheim. Damals war die Kurstadt ähnlich wie Bad Homburg eine Art heimliche Hauptstadt der amerikanischen Besatzungszone. Seine englischen Sprachkenntnisse verhalfen ihm zu Fotoaufträgen für US-Zeitungen und -Agenturen. Nach einer soliden Fotografenlehre verdingte er sich als freier Journalist erst bei der Wetterauer Zeitung und dann ausschließlich bei der Frankfurter Rundschau, deren dienstältestes Redaktionsmitglied er bei seiner Pensionierung im März des vergangenen Jahres war.
Sein Ruhestand war - erwartungsgemäß - ein Unruhestand. Wir freuten uns, wenn er seinen Nachfolger im Urlaub vertrat oder eine Story servierte, die er früher aus Zeitnot nicht hatte schreiben können. Auch in seinem Ruhestand verbreitete er viel Unruhe, in den FR-Redaktionen in Friedberg und Bad Vilbel sowie in Thüringen, wo er wie kein anderer Wetterauer Journalist nach dem Fall der Grenze Kontakte zu dort arbeitenden Journalisten pflegte.
Was alles hatte Horst Schüßler noch anpacken wollen! Noch im November vergangenen Jahres sprachen wir über die sinnvolle Verwertung der vielen tausend Fotos und Negative in seinem Archiv. Es sind die Dokumente der Nachkriegsgeschichte der Wetterau. Es sollte ein Bildband entstehen, mit Schüßler- Fotos und Schüßler-Texten über beinahe fünf Jahrzehnte Geschichte einer hessischen Region.
Wir trauern um Horst Schüßler.
Seine Kolleginnen und Kollegen von der Frankfurter Rundschau
Der Umgang mit Medien, vor allem der mit Film und Fernsehen, ist seit jeher umstritten. Während die Gralshüter des humanistischen Bildungsgutes und traditioneller Vermittlungsformen nicht zu Unrecht vor zuviel bunten Bildern warnen, plädieren Medienbegeisterte auf der anderen Seite zuweilen für eine beinahe vorbehaltlose Nutzung der neuen Kommunikationsmittel. Ernst F. Puppel, Leiter der Kreisbildstelle, versucht zwischen den Extremen zu vermitteln. In einem Aufsatz für das Jahrbuch des Main-Taunus-Kreises plädiert der Pädagoge für einen kritischen Umgang mit den modernen Medien. "Mit dem Buchdruck sahen Zeitgenossen Gutenbergs den Untergang des Abendlandes heraufziehen, mit dem Telefon sollte die Kommunikationsfähigkeit der Menschen leiden", schreibt er.
Ein Buch sei nicht per se gut und damit der lesende Fahrgast in der S-Bahn als bildungsbeflissen gekennzeichnet. Walkman-Träger sollten beispielsweise nicht von vornherein verurteilt werden, weil sie möglicherweise Musik hörten, die entspannender sei als Umweltgeräusche. "Medienschelte wird uns nicht weiterbringen, sehr wohl jedoch eine genaue Beobachtung der Auswirkungen des vernetzten Merchandising-Systems (Puppel meint die Verbindung von populären Trickfiguren mit Produkten, d. Red.), das ohne die neuen Medien als Träger nicht möglich wäre." An geeigneten Stellen seien wenigstens die Folgen aufzuzeigen.
"Spätestens wenn - wie in Bayern geschehen - der Kultusminister fordert, die Kinder mit Hilfe von Medienkompetenz gegen die Medieneinflüsse zu immunisieren, wird die Schule zum Reparaturbetrieb für politisch-gesellschaftliche Vorgaben, die sie nicht zu verantworten hat und die sie ohne bessere, vor allem personelle Ausstattung, nicht leisten kann." Weder Resignation noch Aktionismus für oder gegen Medien sind nach Einschätzung Puppels wünschenswert. schu
LANGENHAIN. Angst und Ratlosigkeit bestimmen oft den Umgang mit Sterbenden, auch nach dem Tod eines Verwandten, Bekannten oder Freundes wissen viele Betroffene nicht, wie sie den Verlust verkraften können. Eine Gesprächsreihe der evangelischen Kirchengemeinden Langenhain-Ziegenberg und Ober-Mörlen will Hilfestellung geben, Sterben und Tod zum Thema machen. Sie beginnt am Montag, 25. Januar, um 20 Uhr im Gemeindehaus Langenhain mit dem Beitrag über Sterbeforschung und Kirchenlehre: "Sterben ist doch ganz anders." Fortgesetzt wird sie am 8. Februar, um 20 Uhr mit Gesprächen über die Frage, was Sterbende Lebenden vermitteln können. Den Abschluß macht das Seminar "Was können wir noch tun? Sterbe- und Trauerprozesse" am 15. Februar um 20 Uhr im Gemeindehaus Langenhain. Anmeldung beim Pfarramt, Tel. 0 60 02 / 16 96. cor
KORR
Behindert heißt, daß Sophie noch nicht richtig laufen kann, obwohl sie nun schon sieben und in der Schule ist. Deutlich sprechen kann sie auch nicht. Aber das lernt sie vielleicht noch. Mama und Papa müssen Sophie immer tragen - die Treppe rauf und runter, ins Badezimmer, ins Bett.
Mama sagt, Sophie wird ihr bald zu schwer. Ihr Rücken macht das nicht mehr mit. Wenn ich groß bin, trage ich Sophie. Aber vielleicht kann sie bis dahin auch selber laufen. Zweimal in der Woche geht Mama mit Sophie zum Turnen. Und zu Hause machen sie auch immerzu Übungen. Das nervt. Früher durfte ich dabei überhaupt nicht stören. Aber weil ich jetzt schon so stark bin, läßt Mama mich manchmal helfen.
(Entnommen aus: Sam Solidam, Nr. 24/ März '92).
fe für geistig Behinderte e. V., Raiffeisenstr. 18, 3550 Marburg/Lahn.)
Es gibt so viele Dinge, die Behinderte können, auch wenn sie im Rollstuhl sitzen. Was sie brauchen, ist Hilfe, um Verbesserungen durchzusetzen, die ihnen das Leben erleichtern.
(Bilder: Wolfgang Weihs/ Thomas Eyrich/ Karen Schliehe)
WETTERAUKREIS. Wenn Gerhard Becker vorübergehend mal den Faden verliert, dann ist immer noch Otto da. Otto Geyer ist der Geschäftsführer der sozialdemokratischen Partei im Wetteraukreis und Wahlkampfleiter seiner Partei. Otto Geyer ist der, der immer aufmerksam zuhört, wenn der Vorsitzende des SPD-Unterbezirks und Landtagsabgeordnete spricht und sich dann blitzschnell einzuschalten weiß: "Hast Du denn die FWG/UWG schon?"
Sieben Parteien treten am 7. März mit Aussichten auf einen Platz im Kreistag an, da kann schon mal passieren, daß man auf die verflixte siebte einfach nicht kommen will. Nur die beiden großen, die sich stolz Volksparteien nennen, können gewiß sein, wieder eine der beiden gewohnten Rollen spielen zu dürfen: als Regierungs- oder Oppositionspartei. Ob es die fünf anderen schaffen werden, Gerhard Becker hält alles für möglich. Für den Sozialdemokraten, dem der vom Kanzlerkandidaten Engholm eingeschlagene Kurs in puncto Asyl und Blauhelmeinsatz nicht paßt, ist die März-Wahl in mancher Hinsicht eine wichtigerer Wettstreit als 1989. Zwar ging es damals für die SPD darum, sich als dominierende Kraft in der Wetterau zu behaupten, doch diesmal, weiß Becker, schenkt sogar das Ausland dem Wahlkampf in Hessen besondere Aufmerksamkeit, da geht es um mehr als den Erfolg auf lokaler Ebene. Kommunen wie Wölfersheim, Münzenberg oder Bad Nauheim, Hochburgen der alten und neuen Rechten, könnten, obwohl nicht repräsentativ, ein Deutschland-Bild zeichnen, an dem einer Demokratie nicht gelegen sein kann. Nach Hoyerswerda, Rostock und Mölln läßt Becker nicht mehr gelten, wenn ein Votum für Nationaldemokraten oder Republikaner als Protestwahl ausgegeben wird: "Wer jetzt Reps, NPD oder sonstige Neonazis wählt, der wählt eindeutig Gewalt und Haß gegen Ausländer und andere Mitbürger."
Schon jetzt spürt Becker, daß die Kommunalwahl "eh schon überlagert von bundes- und landespolitischen Themen" ist. Besonders fürchtet er, daß Debatten über Zuwanderung immer größeres Gewicht erhalten könnten, zumal es im Wetteraukreis an neuen politischen Reizthemen fehlt. "Wir müssen aufpassen, daß das nicht alles erschlägt", sagt der Parteichef, der viel lieber die eigenen Leistungen seiner Partei und des mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Landrats Rolf Gnadl in den Blickpunkt rücken möchte: "Wir Sozis haben im Wetteraukreis gute Arbeit geleistet."
Im SPD-Wahlkampf ist Gnadl, erst zwölf Monate im Amt, überall. Bevor der Wähler sich in das Wahlprogramm einlesen kann, begegnet ihm zunächst das Konterfei des Spitzenkandidaten. Ein Kandidatenfaltblatt (Auflage: 80 000 Exemplare), mit dem früheren Glauburger Bürgermeister im Blickpunkt, ist der einzige Werbestoff, den die SPD flächendekkend an alle Haushalte verteilt. Die drei Schwerpunkt-Flugblätter zu Umwelt-, Verkehrs- und Finanzpolitik, die ebenfalls in hoher Auflage für Informationsstände gedruckt wurden, verkünden auf dem Deckblatt "schlagwortartig" (Geyer) Aussagen des Landrates, die auf der Rückseite durch "entsprechende Argumentation" angefüttert werden: "Ja, wir haben viel Geld ausgegeben. Für soziale Hilfen, für Schulen ohne Asbest, für Sie, unsere Kinder und die Zukunft."
Für manchen Beobachter ist die Person Gnadls das eigentliche SPD-Programm, zumal die Partei den Wählern nicht etwa riesige Projekte verspricht, sondern eine zähe Weiterarbeit an begonnenen Reformen. Als "wichtigste Aufgabe" der Landkreise gilt im Parteiprogramm die "Verbesserung ihrer Finanzausstattung". Das heißt, wenig populär: Es muß gespart werden. Dafür bieten die Sozialdemokraten ihren Front-Mann, getreu dem kostenneutralen Motto "Menschlich denken - ehrlich handeln".
Nach den Statuten ist das Schicksal Gnadls nicht mit der Wahl am 7. März verbunden. Er ist auf sechs Jahre gewählt, und die Hessische Gemeindeordnung sieht für die Zukunft die Direktwahl der Landräte vor. Sollte es freilich zu einem Machtwechsel im Kreistag kommen, stünde gewiß rasch ein Abwahlantrag der heutigen Opposition auf der Tagesordnung - und die Bürgerinnen und Bürger aus der Wetterau könnten sich auf eine Direktwahl im Spätherbst diesen Jahres einstellen.
Wohl auch aus diesem Grund greift der Unterbezirk seinem Spitzenkandidaten tief in die Tasche, um den Wahlkampf überhaupt finanzieren zu können. Obwohl auch in Geyers Parteizentrale das Geld knapp ist ("Zwei Konten haben wir, da is nix druff"), will der Wahlkampfleiter mindestens 45 000 Mark ausgeben: Gnadl, so sieht es der Finanzplan vor, berappt davon alleine 7000 Mark, der Beigeordnete Joachim Pollmar zahlt 5000 Mark, die ersten 50 Männer und Frauen auf der Kreistagswahlliste sind gebeten worden, die Parteikasse mit jeweils 250 Mark zu füllen. Der übliche "Bettel-Brief" an alle 6200 Parteimitglieder gehörte für Geyer zum vorweihnachlichen Routine-Geschäft. Erhoffte Einnahme: 20 000 Mark. Spenden aus der Wirtschaft, so Geyer und Becker übereinstimmend, träfen tröpfchenweise ein, fielen aber vergleichsweise bescheiden aus.
Schätzungsweise 60 Wahlkampfveranstaltungen mit der Wetterauer Spitzenmannschaft weist der Terminkalender in der SPD-Geschäftsstelle für die Zeit von Mitte Dezember bis zum Wahltag aus. Wiesbaden unterstützt die Genossen in der Wetterau durch Ministerauftritte. Kabinettschef Hans Eichel persönlich eröffnete an der Seite von Gnadl den Wahlkampf, heute reist Kultusminister Hartmut Holzapfel durch die Wetterau. Am 1. Februar erwartet die Wahlkampfleitung in Rosbach einen Gast aus Bonn, der im Erich-Ollenhauer-Haus nicht ruhig zuschauen will, wenn sich die Hessen abstrampeln: "Wat mut, dat mut."
Die SPD tritt in jeder Stadt und in jeder Gemeinde mit einer eigenen Liste an. Allein bei den Ortsbeiratswahlen geht sie auch Listenverbindungen ein. Im kleinen Stornfels, das zu Beckers Heimatstadt Nidda gehört, treten Sozialdemokraten gemeinsam mit anderen auf einer "Offenen Bürgerliste" an.
Gerade für die Ortsbeiräte wird es immer schwerer, Kandidaten zu gewinnen. Sie könnten zwar eine wichtige Rolle in den Kommunen spielen, doch weil sie nach der hessischen Gemeindeordnung praktisch nichts zu sagen haben, drängt sich kaum einer nach diesen Aufgaben. Selbst für Stadtverordnetenversammlung und Gemeindevertretungen, so Becker, falle es zunehmend schwerer, kompetente Kandidaten zu gewinnen. Selbst in den kleinen Kommunen auf dem Land nimmt die Arbeitsbelastung in der Freizeit-Politik drastisch zu, "weil sachlich alles so kompliziert geworden ist" (Becker). Immer häufiger schalte ihn einer der örtlichen Parteifunktionäre mit der Bitte ein: "Mensch, Du kennst den doch, der will nicht mehr mitmachen, red' doch mal mit dem."
Für die Frauen gilt hingegen in größerem Maße als früher, daß sie auch innerhalb der SPD die Angelegenheiten nicht mehr alleine den Männern überlassen wollen. Zwar war es für die SPD besonders in den kleineren Kommunen hier und da noch schwierig, deutlich mehr Frauen als in der Vergangenheit aufzubieten, doch zeigt sich in der Kreispolitik bereits ein verändertes Bild: Auf den aussichtsreichen ersten 38 SPD-Plätzen für das Wetterauer Parlament kandidieren 16 Frauen. BERND SALZMANN
Mittwoch, 20. Januar
Theater Schauspiel Frankfurt, Theaterplatz, Tel. 212 37 444: Schauspielhaus: 19.30 Uhr, "Das weite Land"; Kammerspiel: 19.30 Uhr, "Tarelkins Tod".
Die Komödie, Neue Mainzer Str. 18, Tel. 28 45 80: 20.15 Uhr, "Hier kocht der Chef".
Volkstheater Frankfurt, Gr. Hirschgraben 21, 28 85 98: 20 Uhr, "Stelldichein im Tivoli".
Die Schmiere, Seckbächer Gasse, Tel. 28 10 66: 20.30 Uhr, "Ist Ihnen auch so komisch?".
Goethe-Theater, Leipziger Str. 36, Tel. 70 88 44 / 62 55 30: 20.30 Uhr, "Das letzte Band".
Die Maininger, Neue Rothofstr. 26 a, Tel. 28 02 27: 20.30 Uhr, "Kassa blanka - und schweigende Lämmer".
Die Katakombe, Pfingstweidstr. 2, Tel. 49 17 25: 20 Uhr, "Die Dreigroschenoper".
Gallus Theater, Krifteler Str. 55, Tel. 738 00 37: 20 Uhr, Ganz Schön Feist - "Sanft & Sündig".
English Theater, Kaiserstr. 52, Tel. 24 23 16 20: 20 Uhr, "The Boyfriend".
Mousonturm, Waldschmidtstr. 4, Tel. 40 58 95 - 20: Theatersaal: 20 Uhr, Mathias Beltz - "Füße im Feuer".
Theater am Turm, Eschersheimer Landstr. 2, Tel. 15 45 110: 20 Uhr, Achim Freyer - "Liebe von Kopf bis konfus".
Kommunales Kinder- & Jugendtheater, Volksbildungsheim am Eschenheimer Tor, Tel. 44 72 30: 10.30 & 15 Uhr, "Ikarus".
Neues Theater Höchst, Emmerich-Josef-Str. 46 a, Tel. 30 30 90: 20 Uhr, Peter Spielbauer - "Wenn die Sonne scheint, scheint die Sonne zu scheinen".
Theaterhaus, Schützenstr. 12, Tel. 299 861 10: 20 Uhr, Theater Grüne Sosse - "Fräulein Julie".
Theater für Kinder, Pfingstweidstr. 2, Tel. 49 17 25: 10 Uhr, "Ein Fest bei Papadakis".
Hessischer Rundfunk, Bertramstr. 8/Foyer: 10 & 14 Uhr, Die Augsburger Puppenkiste.
Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20, Tel. 28 96 91: 20 Uhr, Internationale Weihnachtsrevue.Musik Oper, Theaterplatz, Tel. 23 60 61: 20 Uhr, "Artifact" (Ballett).
Alte Oper, Opernplatz, Tel. 13 40 400: Großer Saal: 20 Uhr, American Musical Gala - "Best of Broadway".
Sinkkasten, Brönnerstr. 5: 21 Uhr, Bill Bruford's Earthworks.
Jazzlife Podium, Kl. Rittergasse 22-26: 19.30 Uhr, Two Fingers.
Brotfabrik, Bachmannstr.: 21 Uhr, Salsa Disco. Irish Pub, Kl. Rittergasse 11: 21 Uhr, Eammonn Comerford.
Werkstatt, Gr. Rittergasse 106: 19 Uhr, Third Man Lost.
Spritzenhaus, Kl. Rittergasse 41-43: 19 Uhr, Town Rebells.
Jazzkneipe, Berliner Str. 70: 22 Uhr, Hank English Trio.
Mampf, Sandweg 64: 21 Uhr, Hajo Demmig, Wolfgang Güttler, Bülent Ates.
Cooky's, Am Salzhaus 4: 22 Uhr, Joey Negro & Andrew Doc Livingstone - "House/Neo Disco". Hochschule für Musik, Eschersheimer Landstr. 29-39: 19.30 Uhr, Tuba-Abend.
Palast Bar im Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20: 22 Uhr, Joan Faulkner und die Chicago Blues Busters. Literatur Zentralbibliothek, Zeil 17-23: 19.30 Uhr, Lesungen Brian Aldiss, Esther Freud, Andrew Motion & Margaret Mulvihill - "New Writing" (engl.).
Literaturhaus, Bockenheimer Landstr. 102: 16.30 Uhr, Lesung "Antoine de Saint Exupery - Wind, Sand und Sterne".
Vorträge / Diskussionen Freies Deutsches Hochstift: 18 Uhr, Vortrag "Die phantastische Sozialpädagogik des Erzählers Achim von Arnim; Senckenbergmuseum, Senckenberganlage 25.
Gesellschaft für Deutsch & Polnische Kultur: 19 Uhr, Vortrag "Vernichtung und Utopie. Deutsche und polnische Stadtplanung in Warschau in den Jahren 1939"; Palais Jalta, Bokkenheimer Landstr. 104.
Palmengarten, Siesmayerstr. 63: 19.30 Uhr, Diavortrag "Die Sahara, ein Garten Allahs. Pflanzenleben in der Wüste."
Deutsch-Griechische Gesellschaft: 19.30 Uhr, Diavortrag "Liebe und Leidenschaft im Denken der Griechen"; IHK, Börsenplatz 6-8.
DBV Naturschutzbund Deutschland (KV Ffm): 19.30 Uhr, Diavortrag "Naturkundliche Reise im Westen der USA, Nationalparks, Naturschutzgebiete & Tierreservate".
Universität des 3. Lebensalters, J. W. Goethe-Universität, Hörsaalgebäude, Hörsaal I: 16 Uhr, Vortrag von See "Die Wikinger in Amerika".Museen / Führungen Städelsches Kunstinstitut, Dürerstr. 2: 18.30 Uhr, Führung in der Gemäldegalerie zum Thema "Die deutsch-französischen Beziehungen in der Kunst um 1910".
Museum für Völkerkunde, Schaumainkai 29: 18 Uhr, Führung zur Ausstellung "Mythos Maske. Ideen-Menschen-Weltbilder".
Museum für Moderne Kunst, Domstr. 10: 11 Uhr, Führung zu "Gerhard Richter - 18. Oktober 1977".
Filmmuseum, Schaumainkai 41: 18 Uhr, Führung durch die Ausstellung "Sergej Eisenstein im Kontext der russischen Avantgarde".
Liebieghaus, Schaumainkai 71: 18.30 Uhr, Führung, "Restaurierte Skulpturen des Mittelalters". Schirn Kunsthalle am Römerberg: 11 Uhr, Führung zum Thema "Der ,verlassene&rquote; und der ,wirkliche&rquote; Raum bei Edward Hopper" sowie um 19 Uhr, zum Thema "Die Rolle der Volkskunst in den Werken des ,Blauen Reiters&rquote;".
Museum für Kunsthandwerk, Schaumainkai 17: 18 Uhr, Führung zum Thema "Schönheit und Transparenz - Betrachtungen zu Trinkgläsern und Vasen vom Klassizismus bis zum Jugendstil".
Senckenbergmuseum, Senckenberganlage 25: 18 Uhr, Führung zum Thema "Die Erde im Wandel der Zeiten".
Historisches Museum, Saalgasse 19: 18 Uhr, Vortrag "Bildung für Flüchtlingskinder - Gnade vor Recht?"; 18 Uhr, Führung zum Thema "Tony Sender: Politik nur für Frauen".
Jüdisches Museum, Untermainkai 14/15: 18 Uhr, Führung, "ZEDAKA - Ethik und Geschichte der jüdischen Sozialarbeit".
Was Frankfurter Museen und Galerien zeigen sowie die allgemeinen Führungstermine lesen Sie donnerstags auf der Freizeitseite "Was- Wann-Wo" und täglich auf der Seite "Kulturpanorama Frankfurt" in der Abendausgabe. Kino / Filme Das Kinoprogramm entnehmen Sie bitte dem Filmspiegel auf Seite 26 im Anzeigenteil. Sonstiges Frankfurter Bund für Volksbildung: 15 Uhr, Zauberer Dixon; Universitätsklinikum, Theodor-Stern-Kai 7, Haus 23 b/II.OG.
City-Lauftreff am Römer: 12 bis 14 Uhr, Alte Mainzer Gasse 4, Laufstrecken 2, 4 und 8 km.
Hausfrauen-Verband, Eschersheimer Landstr. 1: 15 Uhr, Stammtisch "10 Gebote zum vernünftigen Umgang mit Arzneien"; IC-Restaurant, Hauptbahnhof.
Bund gegen das Zwangsmitrauchen: 19 Uhr, Offenes Treffen für alle die frei durchatmen wollen; Philanthropin, Hebelstr. 17/ R.3. Märkte Bornheim: 8 bis 18 Uhr, Wochenmarkt; Berger Straße.
Bergen-Enkheim: 8 bis 18 Uhr, Wochenmarkt; vor der Stadthalle / Schelmenburg. Apotheken Folgende Apotheken sind von Mittwoch, 8.30 Uhr bis Freitag, 8.30 Uhr, ständig dienstbereit:
Bonifatius-Apotheke, Sachsenhausen, Holbeinstr. 63, Tel. 62 19 53; Brocks'sche-Apotheke, Berger Str. 38, Tel. 44 24 35; Bruchfeld Apotheke, Niederrad, Frauenhofstr. 25, Tel. 67 60 21/22; Hellerhof-Apotheke, Mainzer Landstr. 372, Tel. 73 59 17.
Hostato-Apotheke, Höchst, Hostatostr. 28, Tel. 30 60 36; Kalbach-Apotheke, Kalbach, Kalbacher Hauptstraße 51, Tel. 50 36 85.
Lukas-Apotheke, Parlamentsplatz 4 a, Tel. 44 75 71; Raimund-Apotheke, Ginnheim, Kurhessenstr. 164, Tel. 52 23 63.
Rundschau-Apotheke, Gr. Eschersheimer Str. 16, Tel. 28 40 20. Ärztlicher Notdienst Der ärztliche Notdienst für das Stadtgebiet Frankfurt ist unter der Sammel-Rufnummer 1 92 92 jederzeit erreichbar. Er soll jedoch nur bei Verhinderung des Hausarztes in Anspruch genommen werden. Für ambulant zu versorgende Notfälle: Notdienstzentrale im Haus Galluswarte, Mainzer Landstraße 265 und Usinger Str. 5.
Sanitätsdienstliche Bereitschaft für Soldaten der BW Stadt Frankfurt, Stadt und Kreis Offenbach, Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis, während der allgemeinen Dienstzeit: StOArzt Frankfurt, Tel. 2 47 78 - 433; nach Dienst und an Wochenenden: SanZentr. 412 Mainz, Tel. 061 31 / 56 26 42. Zahnärztlicher Notdienst Der zahnärztliche Notdienst in Frankfurt ist bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen, Zahnärztehaus Niederrad, Telefon 66 07 / 271, zu erfragen.
Tierarzt Knell, Beethovenplatz 7, Tel. 72 66 66; danach bei den tierärztlichen Kliniken (siehe Branchenfernsprechbuch unter "Tierärzte").Anwaltsnotdienstin Strafsachen (24 Stunden täglich)
Telefonseelsorge im Ev. Volksdienst: Tel. 1 11 01; Telefonseelsorge im Haus der kath. Volksarbeit: Tel. 1 11 02.
Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche: 1 11 03. Notfall-Nummern Feuerwehr/Unfall-Rettungswache 112 Überfall 110 Polizei 75 51 Krankentransport 49 00 01-4 Hubschrauber-Rettungsdienst 44 10 33 ADAC-Pannenhilfe 1 92 11 ACE-Pannenleitstelle 19 21 6 AvD-Pannennotruf 6 60 66 00 VCD-Notrufzentrale 02 21/82 77-366
Zentrum für Entgiftungen und Giftinformation der Universität Mainz 0 61 31 / 23 24 66
Die Rubrik "Rat und Hilfe" erscheint jeden Montag in der Regionalausgabe und jeden Donnerstag in der Stadtteil-Rundschau mit allen Sprechstunden und Terminen für die gesamte Woche. Wir empfehlen, diese Rubrik aufzuheben.- ohne Gewähr -
pid GÖTTINGEN, 20. Januar. Die Kleinwanzlebener Saatzucht AG (KWS) in Einbeck, deren Forschungsgesellschaft "Planta" die ersten bundesdeutschen Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben beantragt hat, hat bereits auf konventionellem Weg Rübensorten entwickelt, die unempfindlich gegen die Pilzkrankheit Rizomania sind. Dies bestätigte eine Firmen-Sprecherin auf Anfrage. Das Unternehmen hatte die Freilandversuche hauptsächlich damit begründet, daß mit herkömmlichen Methoden keine Rübensorte gezüchtet werden könne, die gegen die Pilzkrankheit resistent sei. Die Rizomania, die in Italien den Zuckerrübenanbau bereits zum Erliegen gebracht habe, werde sich daher immer weiter ausbreiten.
Die Kleinwanzlebener Saatzucht AG, die zu den weltweit größten Saatzuchtunternehmen gehört, vertreibt drei rizomaniatolerante Sorten: "Rizor" in Deutschland, "Gina" in Italien sowie "Dora" in Deutschland und Italien. Diese Sorten, so sagte Unternehmenssprecherin Christine Urban, brächten auch auf solchen Flächen noch "akzeptable Erträge", die einen starken Rizomania-Befall aufwiesen. Der Ernteertrag liege je nach Bodenbeschaffenheit zwischen 10 und 15 Prozent unter den Erträgen herkömmlicher Sorten auf befallsfreien Flächen.
Nach Ansicht des Unternehmens sind die Probleme für die Zuckerrübenanbauer damit aber noch nicht gelöst. Auch wenn der Rizomania-Virus bei toleranten Sorten keinen großen Schaden mehr anrichte, breite er sich trotzdem immer weiter aus, sagte Urban. Deshalb sei es nötig, eine resistente Sorte zu züchten, die ein stabiles Gen aufweise, das von dem Virus nicht durchbrochen werden könne.
Die Kritiker sehen das anders: "Alternativen werden erst gar nicht mehr geprüft. Statt dessen werden Forschungsgelder bevorzugt für gentechnische Arbeiten ausgegeben", sagt der Sprecher des Arbeitskreises gegen Gentechnologie in Göttingen, Markus Raubuch. Die Gegner vermuten hinter den Freilandversuchen denn auch ein ganz anderes Motiv: Das Unternehmen wolle konkurrenzfähig bleiben, wenn es darum gehe, Sorten auf den Markt zu bringen, die gegen Pflanzenvernichtungsmittel resistent sind.
OBERURSEL. Mit einem Wagen, der ohne Licht entgegenkam, ist ein Autofahrer am Montag abend gegen 19 Uhr auf der Lange Straße zusammengestoßen. Der "Schwarzfahrer", der in Richtung Goldackerweg fuhr, hatte trotz Dunkelheit vergessen, die Scheinwerfer einzuschalten.
Bei der Kollision sind beide Fahrzeuge erheblich beschädigt worden. Das zerknautschte Blech wieder zu richten, dürfte nach Schätzung der Polizei etwa 20 000 Mark kosten. mak
DIETZENBACH. "Karagöz und Hacivat" heißen die beiden Helden des türkischen Schattentheaters, die, aufgeführt von Hatice Güler-Meisel, am Sonntag, 24. Januar, im Jugendzentrum Rodgaustraße spannende Geschichten erzählen werden. Da die beiden beim Bau der Moschee mehr Witze machten und sich Geschichten erzählten, als zu arbeiten, ließ der Sultan sie töten. Bald vermißte er sie jedoch und ließ deshalb ihre Figuren aus Kamelhaut nachbilden. So leben sie bis heute als Schattenfiguren weiter und schildern die Geschichte vom "Honig, der die Leute zum Stottern bringt". Die Vorstellung, für Kinder von fünf Jahren an, beginnt um 15 Uhr. fra
HANAU. Der BUND Main-Kinzig hält das von der Atomlobby im Rahmen eines Energiekonsenses geforderte "geordnete Auslaufen" alter deutscher Atomkraftwerke für "völlig indiskutabel". Er ist der Auffassung, daß bei der Konstruktion der von Siemens gebauten Reaktoren die reale Gefahr einer Kernschmelze, von Super-GAU und Wasserstoffexplosion nicht mit der gebotenen Sorgfalt nach Stand von Wissenschaft und Technik berücksichtigt worden sei.
Daher wäre eher zu prüfen, ob nicht längst die Bedingungen gegeben seien, um auf Entzug der atomrechtlichen Betriebsgenehmigungen zu bestehen, meint der BUND. him
FRIEDRICHSDORF. Umweltschutz, Wohnen sowie die Kinder- und Jugendpolitik wollen die Friedrichsdorfer Grünen als Schwerpunkt-Themen bis zur Kommunalwahl am 7. März herausstellen. Zudem weisen sie dem kreisweiten Bestechungsskandal eine "zentrale Rolle im Wahlkampf" zu. Mit diesen Themen und prominenter Unterstützung durch Auftritte von Umweltminister Joschka Fischer und Rupert von Plottnitz, Fraktionschef der Landtags-Grünen, streben sie einen fünften Sitz im Stadtparlament an. Vor vier Jahren hatten sie 9,9 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten. Naturschutz ist für den Grünen-Spitzenkandidaten Horst Burghardt "auch für die wirtschaftliche Entwicklung von herausragender Bedeutung". Um Wohnungsbau und Naturschutz unter einen Hut zu bringen, plädiert die Öko-Partei für eine maßvolle Verdichtung von Baugebieten. Das Neubaugebiet Römerhof will sie künftig für mehrstöckige Häuser genutzt sehen. "Wir brauchen mehr Wohnungen und können deshalb nicht mehr jeden Wunsch nach einem Einfamilienhaus erfüllen", erklärt Burghardt. stk
WETTERAUKREIS. Mit dem Entwurf eines Partnerschaftsvertrages in der Tasche reiste Stanislav Navratil, Kreisbürgermeister des tschechischen Kreises Bruntal, am Montag nach Hause. Fünf Tage lang hatte sich eine 14köpfige Delegation aus Bruntal den Wetteraukreis angesehen und damit - nach dem Besuch der Wetterauer Delegation Anfang Oktober - einen weiteren Schritt zur offiziellen Kreispartnerschaft getan. Am 11. Februar soll der Wetterauer Kreistag einen Grundsatzbeschluß über die Partnerschaft fassen, kündigte Erste Kreisbeigeordnete Gila Gertz (Grüne) am Montag abend an. Im Juni soll schließlich eine Delegation mit Vertreterinnen und Vertretern aller politischen Parteien nach Bruntal reisen, um die Partnerschaft zu besiegeln.
"Ich kann jetzt sagen, daß in Friedberg unsere Freunde wohnen." Mit diesen Worten verabschiedete sich Kreisbürgermeister Navratil am Montag. "Gesprächsbereitschaft bei allen Gruppierungen, auch und besonders bei den Organisationen der Vertriebenen" hatte Landrat Rolf Gnadl (SPD) festgestellt. Reinhard Schwarz aus Ilbenstadt, Kreisobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft, sprach von einem Weg, "den beide gehen können, um zueinander zu finden".
Die Bemühungen um die Partnerschaft mit Bruntal haben ihren Ursprung in der Kündigung der Patenschaft des Wetteraukreises mit dem Vertriebenen-Kreis Tepel-Petschau. Die rot-grüne Kreisregierung hielt diese Patenschaft für politisch überholt und wollte statt dessen eine Partnerschaft mit einem real existierenden Kreis in der damaligen Tschechoslowakei.
Der Kreis Bruntal hat rund 110 000 Einwohner. Die größte Stadt ist Krnov, das frühere Lägerndorf, mit rund 28 000 Einwohnern. Nach dem Sturz des Sozialismus wurden die großen Staatsbetriebe in kleinere Unternehmen aufgegliedert. Es gibt Stahlindustrie und Maschinenbaubetriebe, Kunststoffproduktion und Holzverarbeitung sowie Fremdenverkehr.
"Deutsche Unternehmer sollen kommen, um unsere Unternehmen anzusehen und zu sehen, daß wir gar nicht so schlecht sind", sagte Jiri Germanic von der Tschechischen Handelskammer Opava während des Besuches der Delegation im Wetteraukreis. Die Tschechen besichtigten während ihres Wetterau-Besuches einige Betriebe, darunter die Präzisionstechnik-Firma Niedecker in Gedern. Dort wurde konkret über ein Weiterbildungsprogramm für 15 Personen gesprochen. Der Geschäftsführer der Industrie und Handelskammer Friedberg, Dr. Heinrich Wassermann, versprach der Delegation, sich um Kooperationsmöglichkeiten zu kümmern und in der Kammerzeitung eine ständige Rubrik einzurichten.
Bei Besuchen in verschiedenen Wetterauer Kommunen und in der Vogelsberg- Stadt Schotten wurden Städtepartnerschaften angebahnt. Fünf Stunden lang traf sich Karbens Bürgermeister Detlev Engel zum Gedankenaustausch mit den Gästen. Die waren stark an der Arbeit der Stadtverwaltung, besonders an deren elektronischer Datenverarbeitung, interessiert. Eventuell legte der Besuch den Grundstein für eine Verschwisterung Karbens mit Krnov. Sofort nach der Kommunalwahl soll das Stadtparlament eine Entscheidung treffen, kündigte Engel an.
Die Stadt Schotten erwägt, sich mit Rymarov zu verschwistern. Unabhängig vom Wetteraukreis hatten die beiden Kommunen angebandelt. Schotten will die Sache aber langsam angehen lassen. Man wolle die Partnerschaft zwei bis drei Jahre prüfen, sagte Schottens Bürgermeister Hans Otto Zimmermann am Montag abend. ieb
STADT UND KREIS OFFENBACH/ FRANKFURT. Was die sozialdemokratischen Oberbürgermeister der Rhein- Main-Region seit Monaten einfordern, postuliert nun auch ihre christdemokratische Konkurrenz: Angesichts des Vereinten Europas müßten die Kommunen zwischen Wiesbaden, Hanau, Darmstadt und Gießen enger zusammenrücken, um sich der Konkurrenz anderer europäischer Ballungsgebiete erwehren zu können.
Erstmals in einem Kommunalwahlkampf präsentieren sich Spitzenkandidaten aus verschiedenen Kommunen gemeinsam. Die CDU-Bewerber für die Oberbürgermeister-Stühle in Frankfurt und Offenbach, Petra Roth und Stefan Grüttner, sowie Landratskandidat Peter Walter demonstrierten vor Journalisten im Hofgut Neuhof den kommunalen und regionalplanerischen Schulterschluß.
Peter Walter ist Beispiel dafür, daß die meisten der 1,6 Millionen Menschen im Umlandverband nicht mehr nur im Schatten ihres Kirchturmes arbeiten und wohnen. Der 40jährige Kriminaldirektor ist stellvertretender Leiter der Frankfurter Kripo, wohnt in Dreieich und will nun Landrat für den ganzen Kreis Offenbach werden. Er kritisiert, daß sich bislang nur die Großstädte der Region zu einer engeren Zusammenarbeit verabredet haben. Auch die Kreise müßten in diesen Verbund einbezogen werden.
Die Landtagsabgeordnete Petra Roth meinte unter dem Kopfnicken ihrer Parteifreunde, daß trotz der guten Arbeit des 15 Jahre alten Umlandverbandes nun die Gründung eines Regionalverbundes vorbereitet werden muß. Sie versicherte jedoch allen Frankfurter Nachbarn, vor allem den Offenbachern: "Wir denken überhaupt nicht an eine Eingemeindung."
Ein bißchen stichelten die CDU-Wahlkämpfer auch gegen die rot-grünen Mehrheiten in Kreis, Land und Frankfurt. Grüttner sagte: "Die Landesregierung ist kommunalfeindlich. Sie muß bei der Förderung besser differenzieren."
Wenn sie Oberbürgermeisterin wird, will Petra Roth die Entwicklung Frankfurts einbetten in ein mit allen Nachbarn entworfenes Konzept für die ganzen Region. Unter ihrer Ägide werde es keine Alleingänge mehr in der Drogen- und der Sozialpolitik geben.
Die Christdemokraten sind für regelmäßige regionale Abstimmungs-Konferenzen der Sozial- und Gesundheitsämter, damit Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose, Obdachlose und Suchtkranke nicht von einer Bürokratie in die nächste abgeschoben werden. Kultur-, Sport- und Freizeiteinrichtungen sollen von allen Kommunen gemeinsam getragen werden.
Sie verlangen auch eine "Kommunalisierung der Landesplanung", damit der öffentliche Nahverkehr entsprechend den Pendlerströmen zunächst im Frankfurter Verkehrsverbund (FVV) und dann übergehend in einem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ebenso wie der Flughafen mit der Option Erbenheim ausgebaut werden, daß die Anwohner der Einflugschneisen weniger Lärm und schlechte Luft einatmen. Walter reklamiert Selbstbewußtsein: "Eine Metropole Frankfurt gibt es nicht ohne uns. Die S-Bahn sollte deshalb nicht nur auf das Frankfurter Zentrum ausgerichtet werden. Wir brauchen auch einen Tangentialverkehr."
Mittels Kommunalgrenzen übergreifender Raumplanung sollen der Wohnungsmangel und die damit verbundenen exorbitanten Mietsteigerungen bekämpft werden. Die drei Spitzenkandidaten sind für die Förderung des sozialen und des freifinanzierten Wohnungsbaues. Petra Roth: "Es gibt noch genügend Flächen in der Region für den Wohnungsbau und die Gewerbeansiedlung. Sie müssen nur ausgewiesen werden, Kapital ist da."
Der 36jährige Offenbacher Sozialdezernent Stefan Grüttner plädiert für einen schnellen Ausbau des Kaiserleis. Mit Roth ist er der Meinung, daß Wohnungs- und Gewerbebau nicht mehr so strikt getrennt werden sollen: "Mehr Wohnungen im Gewerbegebiet reduzieren den Verkehr." Grüttner kann sich angesichts der angestrebten guten Nachbarschaft zwischen Offenbach und Frankfurt vorstellen, daß die Offenbacher Messegesellschaft im Kaiserlei zwar neue Hallen baut, sich aber die Frankfurter Messegesellschaft an den Kosten beteiligt. Klar für ihn ist allerdings, daß die Lederwarenmesse in Offenbach bleibt. lz
NEU-ISENBURG. Augenscheinlich angetrunken hat sich in der Nacht zum Dienstag ein 22 Jahre alter Mann mit seinem Wagen auf dem Gravenbruchring überschlagen. Wie die Polizei mitteilte, sei der Mann mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen, als das Fahrzeug in Höhe der Heinestraße nach rechts von der Straße abkam, eine Straßenlaterne rammte und erst nach einem Überschlag mit den Rädern nach oben auf einer Mauer zum Liegen kam. Der Schaden wird auf 4000 Mark geschätzt.
Der Fahrer blieb unverletzt und verließ die Unfallstelle zu Fuß. Er konnte durch eine Fahndung der Polizei ausfindig gemacht werden. Die Beamten ordneten eine Blutentnahme an. Den Führerschein konnten sie dem 22jährigen nicht abnehmen: Er besitzt keine Fahrerlaubnis. leo
Tips und Termine
Offenbach. Türk. Schattentheater, Sa., 15 Uhr; So., 11 Uhr; Schattenfiguren basteln, Sa., 16.30 Uhr, Klingspor-Museum.
Komödie: Geld anderer Leute, Sa., 19 Uhr, Theater an der Goethestraße.
Lauterborner Klavierfrühling: Sonaten, Sa., 19.30 Uhr; Charakterstücke, So., 19.30 Uhr, Lauterborngemeinde, RIchard-Wagner-Str.
Konzert: Fracture - Steel Dawn, Sa., 20 Uhr, F 63, Frankfurter Straße 63.
Dietzenbach. Jazzkabarett, Sa., 20 Uhr, Gasthaus zur Linde.
Türkisches Schattentheater: Karagöz und Hacivat, So., 15 Uhr, Juz Rodgaustr.
Egelsbach. Pro Arte-Konzert: Querflöte und Klavier, So., 18 Uhr, Bürgerhaus.
Langen. Theater: Heute weder Hamlet, Sa., 20 Uhr, Stadthalle.
Jazzfrühschoppen: Barrelhouse Jazzband, So., 11 Uhr, Rathaus-Foyer.
Neu-Isenburg. Klavierkonzert, So., 19 Uhr, Haus zum Löwen. Kinos / Filme
Offenbach. Kino-Center: Gloria: Bodyguard (Sa., So., 15, 17.45, 20.30, Sa. 23 Uhr); Liebling, jetzt haben wir ein Riesenbaby (So., 11 Uhr). - Palast: Die Schöne und das Biest (Sa., So., 15 Uhr); Eine Frage der Ehre (Sa., So., 17.30, 20.15 Uhr; Sa., 22.45 Uhr). - Lux: Sister Act (Sa., So., 15.15, 17.45, 20.15 Uhr; Sa., 22.30 Uhr). - Rex: Stalingrad (Sa., So., 14.45, 17.30, 20.15 Uhr; Sa., 22.45 Uhr).- Broadway: Kevin allein in New York (Sa., So., 15.15 Uhr); Der letzte Mohikaner (Sa., So., 17.45, 20.15 Uhr; Sa. 22.30 Uhr).
Dietzenbach. Kinderkino, Bürgerhaus: Die Wölfe von Willoby (So., 15 Uhr).
Dreieich-Sprendlingen. Rex: Bodyguard (Sa., So., 16, 18, 20.30 Uhr). - Viktoria: Der Tod steht ihr gut (Sa., 20.30 Uhr, So. 16, 18, 20.30 Uhr); Der Tod steht ihr gut + Bodyguard (Sa. 22.45 Uhr).
Langen. Hollywood: Die Schöne und das Biest (Sa., So. 15 Uhr); Bodyguard (Sa., So., 17.15, 20 Uhr; Sa., 22.45 Uhr). - Fantasia: Kevin allein in New York (Sa., So. 15 Uhr); Der Tod steht ihr gut (Sa., So., 17.30, 20 Uhr; Sa., 22.45 Uhr).
UT-Kino: Stalingrad (Sa., So., 20 Uhr).
Mühlheim. Roxy-Kino: Augenblick: Das kleine Gespenst (Sa., So., 15.30 Uhr); Bodyguard (Sa., So., 17.30, 20.15 Uhr; Sa. 22.45 Uhr). - Zeitlos: Kevin allein in NY (Sa., So., 15.15 Uhr); Sister Act (Sa., So., 17.15, 19.45 Uhr); I P 5 (Sa., So., 22 Uhr).
Neu-Isenburg. Autokino-Gravenbruch: Ihr größter Coup (Sa. 20 Uhr, So. 19 Uhr); Friedhof der Kuscheltiere II (Sa. 22 Uhr; So. 21 Uhr).
Rodgau-Jügesheim. Kronen-Lichtspiele: Kevin allein in New York (Sa., So., 14.30, 17 Uhr); Eine Frage der Ehre (Sa., So., 20.15 Uhr).
Rödermark-Urberach. Neue-Lichtspiele: Das kleine Gespenst (Sa., So., 14.30 Uhr); Der Tod steht ihr gut (Sa., 20.30 Uhr; So. 17, 20.30 Uhr).
Seligenstadt. Turmpalast: Das kleine Gespenst (Sa., 14, 16.15 Uhr, So., 14 Uhr); Bodyguard (Sa. 20, 20.30 Uhr; So 16.15, 20.15 Uhr). - Turmstudio: Der Tod steht ihr gut (Sa. und So., 14, 16, 20 Uhr); Im Rausch der Tiefe (Sa., 22.30 Uhr). Fasching / Karneval Dreieich. Rathaus-Sturm der Karnevalvereine, Abmarsch So., 14.30 Uhr, vom Kerbplatz Breslauer Straße.
Mühlheim. Fremdensitzung der BSG Löbro, Sa., 19.31 Uhr, Rothe Warte, Henri- Dunant-Straße 15.
Seligenstadt. Ratsherrenfest der TGS, Sa., 19.30 Uhr, "Kleine Ewweletsche-Bar". Vorträge / Kurse Dreieich. Mit der Kamera durch die Berge und Gebirgsdörfer des Engadin, Sa., 14.30 Uhr, Haus Falltorweg. Parteien / Parlamente Dreieich. CDU: Zersiedelung Buchschlags ?, So., 11 Uhr, Bürgersaal Buchschlag. Hainburg. SPD: Hessen sozial gerecht, ökologisch sensibel, So., 10 Uhr, Turnhalle in Klein-Krotzenburg, Jahnstraße 1.
Rodgau. SPD: Gewalt-Rechtsradikalismus, So., 10 Uhr, Bürgerhaus Weiskirchen.Vereine / Organisationen Dreieich. Odenwaldclub Dreieichenhain: Wanderer-Ehrung, Sa., 17 Uhr, Burghofsaal Dreieichenhain.
Langen. Briefmarkensammlerverein: Sonntagstausch, So., 9 Uhr, Stadthalle.
Mainhausen. Jahreshauptversammlung des MSC-Klein-Krotzenburg, So., 14 Uhr, Clubheim am Fasanengarten.
Neu-Isenburg. TUS-Zeppelinheim: Treffen zur Januar-Wanderung, So., 9.30 Uhr, am Sportplatz Zeppelinheim. Verschiedenes Offenbach. Bücherflohmarkt in der Jugendbücherei, Sa., 10-13 Uhr, Herrnstr.
Dietzenbach. Café im Seniorenzentrum Steinberg, So., 15 bis 17 Uhr.
Dreieich. Tag der offenen Tür, M.-Eyth- Schule, Sa., 10-16 Uhr, Am Hirschsprung.
Mühlheim. Kartsport-Wochenende, Sa., 9-19 Uhr; So., 9-17 Uhr, Bürgerhaus.
Neu-Isenburg. Basar für Kommunionkleidung und Zubehör, So., 11.30 bis 16 Uhr, Kath. Gemeindezentrum St. Josef.
Obertshausen. Flohmarkt im Bürgerhaus Hausen, Sa., 8 bis 13 Uhr.
Tag der offenen Tür der Georg-Kerschensteiner-Schule, Sa., 10 bis 14 Uhr.
Seligenstadt. Tag der offenen Tür in der Jugendbegegnungsstätte, So., ab 14 Uhr, Steinheimer Straße 47.
Frauenhaus-Initiativen
Ostkreis Offenbach: Tel. 0 61 06 / 1 33 60.
Westkreis Offenbach: Tel. 0 61 03/5 18 84.
Kreis DA-Dieburg: Tel. 0 60 71 / 3 30 33.
Dietzenbach. Montag: 17 bis 18 Uhr, Kindertagesstätte Martinstraße.
Mainhausen. Montag: 17 bis 18 Uhr, Käthe-Paulus-Schule Zellhausen.
(Ohne Gewähr).
Mittwoch, 20. Januar
Theater Schauspiel Frankfurt, Theaterplatz, Tel. 212 37 444: Schauspielhaus: 19.30 Uhr, "Das weite Land"; Kammerspiel: 19.30 Uhr, "Tarelkins Tod".
Die Komödie, Neue Mainzer Str. 18, Tel. 28 45 80: 20.15 Uhr, "Hier kocht der Chef".
Volkstheater Frankfurt, Gr. Hirschgraben 21, 28 85 98: 20 Uhr, "Stelldichein im Tivoli".
Die Schmiere, Seckbächer Gasse, Tel. 28 10 66: 20.30 h, "Ist Ihnen auch so komisch?". Goethe-Theater,Leipziger Str. 36, 70 88 44 62 55 30: 20.30 h, "Das letzte Band".
Die Maininger, Neue Rothofstr. 26 a, Tel. 28 02 27: 20.30 Uhr, "Kassa blanka - und schweigende Lämmer".
Die Katakombe, Pfingstweidstr. 2, Tel. 49 17 25: 20 Uhr, "Die Dreigroschenoper".
Gallus Theater, Krifteler Str. 55, Tel. 738 00 37: 20 Uhr, Ganz Schön Feist - "Sanft & Sündig".
English Theater, Kaiserstr. 52, Tel. 24 23 16 20: 20 Uhr, "The Boyfriend".
Mousonturm, Waldschmidtstr. 4, Tel. 40 58 95 - 20: Theatersaal: 20 Uhr, Mathias Beltz - "Füße im Feuer".
Theater am Turm, Eschersheimer Landstr. 2, Tel. 15 45 110: 20 Uhr, Achim Freyer - "Liebe von Kopf bis konfus".
Kommunales Kinder- & Jugendtheater, Volksbildungsheim am Eschenheimer Tor, Telefon 44 72 30: 10.30 & 15 Uhr, "Ikarus".
Neues Theater Höchst, Emmerich- Josef-Str. 46 a, Tel. 30 30 90: 20 Uhr, Peter Spielbauer - "Wenn die Sonne scheint, scheint die Sonne zu scheinen".
Theaterhaus, Schützenstr. 12, Tel. 299 861 10: 20 Uhr, Theater Grüne Sosse - "Fräulein Julie".
Theater für Kinder, Pfingstweidstr. 2, Tel. 49 17 25: 10 Uhr, "Ein Fest bei Papadakis".
Hessischer Rundfunk, Bertramstr. 8/ Foyer: 10 & 14 Uhr, Die Augsburger Puppenkiste. Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20, Tel. 28 96 91: 20 Uhr, Internationale Weihnachtsrevue.Musik Oper, Theaterplatz, Tel. 23 60 61: 20 Uhr, "Artifact" (Ballett).
Alte Oper, Opernplatz, Tel. 13 40 400: Großer Saal: 20 Uhr, American Musical Gala - "Best of Broadway".
Sinkkasten, Brönnerstr. 5: 21 Uhr, Bill Bruford's Earthworks.
Jazzlife Podium, Kl. Rittergasse 22-26: 19.30 Uhr, Two Fingers.
Irish Pub, Kl. Rittergasse 11: 21 Uhr, Eammonn Comerford.
Spritzenhaus, Kl. Rittergasse 41-43: 19 Uhr, Town Rebells.
Jazzkneipe, Berliner Str. 70: 22 Uhr, Hank English Trio.
Mampf, Sandweg 64: 21 Uhr, Hajo Demmig, Wolfgang Güttler, Bülent Ates.
Cooky's, Am Salzhaus 4: 22 Uhr, Joey Negro & Andrew Doc Livingstone - "House/Neo Disco".
Hochschule für Musik, Eschersheimer Landstr. 29-39: 19.30 Uhr, Tuba-Abend.
Palast Bar im Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20: 22 Uhr, Joan Faulkner und die Chicago Blues Busters.
KASSEL. Beim Entsorgen salzhaltiger Abwässer aus der Kaligewinnung wollen hessische und thüringische Behörden künftig enger zusammenarbeiten: Zu diesem Zweck wurde in Kassel der "Koordinierungsausschuß Salzabwasser" gegründet. Er soll die Auswirkungen der Salzwasser-Einleitung (in Werra und Ulster) und des Versenkens kalihaltiger Abwässer anhand vorliegender Beobachtungen und Meßwerte prüfen und Regelungen erarbeiten.
Geprüft werden soll unter anderem, ob es einen Zusammenhang zwischen der Abwasserversenkung in 300 bis 400 Meter Tiefe und dem Austreten salzhaltigen Wassers an der Erdoberfläche gibt.
Der neugegründete Ausschuß unter Vorsitz von Rudolf Czerny, Leiter der Abteilung Umwelt und Technik im Kasseler Regierungspräsidium, ist das erste gemeinsame hessisch-thüringische Gremium im Umweltbereich. Ihm gehören unter anderem Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes Fulda, der Hessischen Landesanstalt für Umwelt und des Hessischen Landesamtes für Bodenforschung an. ebo
Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie, Schaumainkai 63, Tel. 6 05 09 80: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Führungen Mi., 18.30 Uhr, Sa./ So., 11 Uhr; Graphische Sammlung; Anselm Kiefer "Über Räume und Völker" (bis Frühjahr 1993); Stephan Balkenhol "Skulpturen im Städelgarten" (bis Frühjahr 1993).
Städelschule Frankfurt, Dürerstr. 10, Tel. 60 50 08 - 0: Mo. bis Sa., 6 bis 21 Uhr, So. geschlossen; Ausstellung der Klasse Jochims (bis 6. 2.).
Museum für Moderne Kunst, Domstraße 10, Tel. 2 12 - 3 04 47: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, Sa., 12 bis 19 Uhr; Zeitgenössische Kunst von 1960 bis heute; Martin Honert - "Installation - Brachland: Feuer-Star-Bahnhäuschen" (bis 16. 5. 93); Szenenwechsel "7 neue Räume - Balkenhol (bis 14. 2), Flinzer, Artschwager/Nauman/Ruscha/Trockel (bis 2. 11.), Manfred Stumpf - "Die Attrappe" (bis 26. 5.).
Senckenbergmuseum, Senckenberganlage 25, Tel. 7 54 20: Mo., Di., Do., Fr., 9 bis 17 Uhr; Mi., 9 bis 20 Uhr; Sa./So., 9 bis 18 Uhr; Führungen So., 10.30 Uhr, Mi., 18 Uhr; Dauerausstellungen "Urpferdchen und Krokodile - Messel vor 50 Millionen Jahren"; "Fossilien aus Libanon"; "Achate"; "Weg zur Unsterblichkeit - Mumien und Mumifizierung im alten Ägypten".
Historisches Museum, Saalgasse 19, Tel. 2 12 - 3 55 99: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Bibliothek: z. Z., geschlossen; Graphische Sammlung: Di. bis Do., 10 bis 13 Uhr; Führungen: Mi., 18 Uhr, So., 14 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. 2 12 - 3 46 11; Dauerausstellungen Altstadtmodell, -grabung, Saalhofkapelle, Frankfurter Fayencen, Frankfurter Ratssilber, Goldschmiedewerkstatt, bürgerliche Sammlungen des 18. Jh.; Historische Dokumentation 16.-18. Jahrhundert; Sonderausstellungen: "Anne aus Frankfurt" (bis auf weiteres); Sonderausstellung "Tony Sender 1888-1964 - Rebellin, Demokratin, Weltbürgerin" (bis 31. 1.); Kindermuseum: Lieblingsstücke aus Kinderhand (bis Ende 92); Malwettbewerb "Komm wir reißen Zäune ein" (bis 24. 1.); Frankfurter Äpfelweinmuseum, Gaststätte "Historix" im Historischen Museum: regelmäßige Führungen, Mi., 18 Uhr, an Wochenenden nach Vereinbarung, Anmeldung Tel. 2 12 - 3 77 73.
Münzkabinett, Saalgasse 19: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Glaspasten, geschnittene Steine, Arabische Münzgewichte, Münzen der Kelten, Münzen der römischen Kaiser in Alexandrien.
Liebieghaus, Museum alter Plastik, Schaumainkai 71, Tel. 2 12 - 3 86 17: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 b. 20 Uhr; Führungen So., 11 Uhr.
Museum für Kunsthandwerk, Schaumainkai 17, Tel. 2 12 - 3 40 37: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; allgemeine Führungen, So., 11 Uhr; Dauerausstellungen: I. Europäisches Kunsthandwerk, II. Kunst und Kunsthandwerk Ostasiens, III. Islamisches Kunsthandwerk, IV. Buchkunst und Graphik 14. bis 20. Jahrhundert, V. Russische Ikonen vom 18. bis 20. Jahrhundert; Sonderausstellung "Hell & Spar. Gestaltung von Energiesparleuchten" (bis 14. 2.).
Deutsches Filmmuseum, Schaumainkai 41, Tel. 2 12 - 3 88 30: Bibliothek, Di. bis Fr., 13 bis 17 Uhr; Mi. bis 19 Uhr, geöffnet; Dauerausstellungen I und II, Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi. bis 20 Uhr, Sonderausstellung "Sergej Eisenstein im Kontext der russischen Avantgarde 1920-1925" (bis 28. 2.).
Deutsches Architektur-Museum, Schaumainkai 43, Tel. 2 12 - 3 84 71: Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Führungen So., 11 Uhr, Mi., 18 Uhr, Gruppenführungen nach Absprache; Sonderausstellung "The Gate of the Present - 25 zeitgenössische Torentwürfe aus Lego Bausteinen" (bis 14. 2.); Sonderausstellung II "Peter Eisenman "Entwurfkonzept: Folding in Time - Wohn- & Gewerbepark am Rebstockgelände" (bis 31. 1).
Ikonen-Museum im Deutschordenshaus, Brückenstraße 3-7: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi. bis 20 Uhr.
Jüdisches Museum, Untermainkai 14-15, Tel. 2 12 - 3 50 00: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi., 10 bis 20 Uhr; Führungen: Mi., 18 Uhr, So., 14 Uhr in der Dauer- sowie Mi., 17 Uhr, So., 15 Uhr, in der Sonderausstellung; Dauerausstellung "Jüdisches Leben"; "Historische Ausstellung I (1100-1800) und II (1800-1950); Sonderausstellung "Zedaka: Jüdische Sozialarbeit im Wandel der Zeit. 75 Jahre Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland" (bis 28. 2.).
Museum Judengassse, Börneplatz: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr, Dauerausstellung "Die Frankfurter Judengasse: Fundamente - Geschichte - Alltagsleben"; Sonderausstellung "Stationen des Vergessens - Der Börneplatzkonflikt". Museum für Vor- und Frühgeschichte, im Karmeliterkloster, Karmelitergasse/ Ecke Alte Mainzer Gasse, Tel. 2 12 - 3 58 96: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Dauerausstellung; "Mensch und Natur in der Jungsteinzeit" - Tastausstellung für Blinde & Sehbehinderte (geöffnet nach tel. Vereinbarung: 2 12 - 3 58 95; bis 30. 6. 94).
Museum für Völkerkunde, Schaumainkai 29: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, "Mythos Maske - Ideen, Menschen, Weltbilder" (bis Ende 94).
Deutsches Postmuseum, Schaumainkai 53, Tel. 6 06 00: Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Sonderausstellung "Zeit der Postkutschen" (bis 21. 2.).
Goethehaus und Goethemuseum, Großer Hirschgraben 23, Telefon 28 28 24: Mo. bis Sa., 9 bis 17.30 Uhr, So., 10 bis 13 Uhr; Führungen werktags um 10.30 und 14 Uhr, So., 10.30 Uhr; Kabinettausstellung "Neues aus den Sammlungen des Frankfurter Goethe-Museums" (bis auf weiteres); Sonderausstellung "Goethes Vater reist in Italien" (bis 14. 2.).
Stoltzemuseum, Töngesgasse 34-36, Tel. 21 70 - 22 66: Mo. bis Fr., 9.30 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Dauerausstellungen "Friedrich Stoltze als Zeitzeuge des 19. Jahrhunderts" und "Leben und Werk des Mundartautors und Satirikers Friedrich Stoltze; Sonderausstellung "Kaspers lustige Streiche oder Friedrich Stoltze für kleine und große Kinder" (bis 31. 3.).
Steinhausen-Museum, Wolfsgangstr. 152: Ausstellung "Rose Steinhausen - Ein Leben für das Werk des Vaters".
Stadtwerke Verkehrsmuseum, Schwanheim, Rheinlandstraße, Tel. 2 13 - 2 62 09: Sa., So. und feiertags, 10 bis 18 Uhr, Führungen nach tel. Vereinb.; ständige Ausstellung "Von der Pferdebahn zur U- Bahn".
Frankfurter Feldbahnmuseum, Am Römerhof 15 a, Tel. 70 92 92: jeden ersten So. im Monat, 14 bis 17 Uhr.
Heinrich-Hoffmann-Museum, Schubertstraße 20, Tel. 74 79 69: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; "Struwwelpeter aus aller Welt, Bilder, Dokumente, Bücher"; Sonderausstellung "Von Struwwelhitler bis Punkerpeter" (bis auf weiteres); "Struwwelpeter mit italienischen Augen gesehen"; "Struwwelpeter trifft Max und Moritz".
Struwwelpetermuseum, Sammlung der Originale Dr. Heinrich Hoffmanns, Hochstraße 45-47, Tel. 28 13 33: täglich außer Mo., 11 bis 17 Uhr, Mi. 11 bis 20 Uhr.
Dommuseum, Am Domplatz, Tel. 29 07 87: Di. bis Fr., 10 bis 17 Uhr, Sa., So., Feiertag, 11 bis 17 Uhr; Dom-Führungen täglich, 15 Uhr; Museumsführungen Di. bis Fr., 11 Uhr; Ausstellung kostbarster und schönster liturgischer Geräte und Paramente des früheren Stifts und der heutigen Stadtpfarrei St. Bartholomäus; Modelle, Grundrisse und Reproduktionen über die Baugeschichte der Kirche und Krönungen im Frankfurter Kaiserdom im Kreuzgang der Domkirche; Franziska Lenz-Gerharz - Plastiken (bis 31. 1.).
Uhren- und Schmuckmuseum im Glockenspielhaus, Höchst, Hostatostraße 3, Tel. 30 30 30: jeden ersten Samstag im Monat von 10 bis 16 Uhr, und nach Vereinbarung; Ausstellung wertvoller Exponate, die die geschichtliche und technische Entwicklung aufzeigen.
Museum für Höchster Geschichte und Firmenmuseum der Hoechst AG, Höchster Schloßplatz, Tel. 30 32 49: täglich, 10 bis 16 Uhr.
Heimatmuseum Bergen-Enkheim, Altes Rathaus, Marktstraße, Tel. 3 23 44: So., 15 bis 18 Uhr, Do., 20 bis 21.30 Uhr; Ortsgeschichte, Römerzeit, Vor- und Frühgeschichte, volkskundliche Abteilung, Naturgeschichte, Erdgeschichte.
Heimatmuseum Schwanheim, Wilhelm-Kobelt-Haus, Alt-Schwanheim 6, Tel. 35 60 07: So., 10 bis 12 Uhr (oder nach tel. Vereinbarung mit Erwin Schneider).
Heimatmuseum Nied, Beunestraße 9a: So., 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung.
Chaplin-Archiv, Klarastr. 5: Fr., 17 bis 19 Uhr.
Radio-Museum, Bornheimer Landstraße 20, Tel. 43 84 53: Mo. bis Fr., 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung; Komplette Rundfunkgeschichte von 1923 bis in die späten 70er Jahre. Dokumente von 50 Jahren Mediengeschichte.
Zeppelin-Museum, Kapitän-Lehmann- Straße 2, Zeppelinheim, Tel. 69 43 90: Fr. bis So. und feiertags, 9 bis 17 Uhr, Di. bis Do., für Gruppen nach Anmeldung. Führungen Städelsches Kunstinstitut, Dürerstr. 2: 18.30 Uhr, Führung in der Gemäldegalerie zum Thema "Die deutsch-französischen Beziehungen in der Kunst um 1910".
Museum für Völkerkunde, Schaumainkai 29: 18 Uhr, Führung zur Ausstellung "Mythos Maske. Ideen-Menschen-Weltbilder". Filmmuseum, Schaumainkai 41: 18 Uhr, Führung durch die Ausstellung "Sergej Eisenstein im Kontext der russischen Avantgarde".
Liebieghaus, Schaumainkai 71: 18.30 Uhr, Führung, "Restaurierte Skulpturen des Mittelalters".
Schirn Kunsthalle am Römerberg: 19 Uhr, Führung zum Thema "Die Rolle der Volkskunst in den Werken des 'Blauen Reiters".
Museum für Kunsthandwerk, Schaumainkai 17: 18 Uhr, Führung zum Thema "Schönheit und Transparenz - Betrachtungen zu Trinkgläsern und Vasen vom Klassizismus bis zum Jugendstil".
Senckenbergmuseum, Senckenberganlage 25: 18 Uhr, Führung zum Thema "Die Erde im Wandel der Zeiten".
Historisches Museum, Saalgasse 19: 18 Uhr, Vortrag "Bildung für Flüchtlingskinder - Gnade vor Recht?"; 18 Uhr, Führung zum Thema "Tony Sender: Politik nur für Frauen".
Jüdisches Museum, Untermainkai 14/15: 18 Uhr, Führung, "ZEDAKA - Ethik und Geschichte der jüdischen Sozialarbeit". Schirn Kunsthalle, Am Römerberg: Mo., 14 bis 18 Uhr, Di. bis Fr., 10 bis 22 Uhr, Sa./So., feiertags 10 bis 19 Uhr, Allgemeine Führungen Di., 11 Uhr u. Di./Do., 19 Uhr, Gabriele Münter 1877-1962 (bis 14. 2.); Edward Hopper 1882-1967 - Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen & Graphiken (bis 14. 2.).
Portikus, Schöne Aussicht 2: Di. bis So., 11 bis 18 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, Jean-Frederic Schnyder - "Landschaft" (bis 21. 2.).
Förderverein Schöneres Frankfurt: 15 Arbeiten zeitgenössischer Künstler im Stadtgebiet; Info bei der Bürgerinformation am Römerberg.
Galerie Ulrich Gering, Textorstr. 91, Tel. 62 51 16: Di. bis Fr., 14 bis 18.30 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, Henri Vnadermoere - Malerei (bis 22. 1.).
Galerie Nikolaus Fischer, Braubachstr. 32, Tel. 29 24 47: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, "Die 20er und 30er Jahre - Arbeiten auf Papier" (bis 30. 1.).
Galerie Huber-Nising, Saalgasse 6, Tel. 2 02 13: Di., 14 bis 18.30 Uhr, Mi. bis Fr., 11 bis 18.30 Uhr, Sa, 10 bis 14 Uhr, Horst Antes - "Häuser - Daten - T-Shirts" (bis 30. 1.).
Galerie Paul Sties, Braubachstr. 12, Tel. 29 39 03: Zdenek Sykora (bis 31. 1.).
Büchergilde Gutenberg, Ladengalerie, BFG-Haus, Theaterplatz, Tel. 23 68 80: Mo. bis Fr., 9.30 bis 18.30 Uhr, Sa., 9.30 bis 14 Uhr, Christa Biederbick - Kleinskulpturen (bis 31. 1.).
Galerie Frank Hänel, Braubachstr. 26, Tel. 29 46 64: Di. bis Fr., 12 bis 18 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, Harald Gallasch - Neue Arbeiten (bis 31. 1.); Ausstellungshalle Nordenstr. 23: nach Vereinb., Lisa Brice, Michael Hattingh, Kwun Sun-Cheol & Valeriano.
Galerie ak Hans Sworowski, Gartenstr. 47, Tel. 62 21 04: Di. bis Fr., 14 bis 18 Uhr, Sa., 12 bis 14 Uhr, Erdogan Bulut, Young Hyang Lee, Albrecht Wild, Sabine Zimmermann (bis 6. 2.).
Galerie Wild, Bettinastr. 30, Tel. 7 41 08 23: Di. bis Fr., 13 bis 18.30 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr (Galerieferien vom 24. 12. bis 10. 1. 92); Bernd Zimmer - Arbeiten von 1990 bis 1992 (bis 10. 2.).
Kommunale Galerie im Leinwandhaus, Weckmarkt 17: Di. bis So., 11 bis 18 Uhr, Mi., 11 bis 20 Uhr; Klaus Schneider - "Farbwort - Wortfarbe" (bis 14. 2.).
Galerie Martina Detterer, Hanauer Landstr. 20-22: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, Claudia Di Gallo, Alba D'Urbano, Sylvie Fleurie, Tamara Gricic, Marylène Negro, Susanne Stövhase (bis 16. 2.).
Graphisches Kabinett im Westend, Barckhausstr. 6, Tel. 72 80 15: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Sa., 10 bis 14 Uhr, Bogdan Hoffmann. Neue Holzschnitte (bis 20. 2.).
Galerie Hilger, Beethovenstr. 71, Tel. 74 82 74: Mi. bis Fr., 12 bis 18 Uhr, Sa., 10 bis 13 Uhr, Heinrich Nicolaus - "Zeichnungen" (bis 21. 2.).
Galerie Niedenau, Niedenau 61/63, 5. OG: Mo., bis Do., 8 bis 16, Fr., 8 bis 12 Uhr; Alberto Rodriguez - Aquarelle (bis 26. 2.).
Galerie von Oertzen, Mainzer Landstr. 250-252, Tel. 75 90 40 Mo. bis Fr., 9 bis 17 Uhr, Ken Cato, Garry Emery, Barrie Tukker - Grafik-Design (26. 2.).
Galerie Helmut Pabst, Saalgasse 26, Tel. 2 97 73 53: Di., Mi., 17 bis 20, Do., Fr., 15 bis 20 Uhr, Sa., 11 bis 15 Uhr; Annette Schultze - "Kampfblätter", Neue Arbeiten auf Pergamin (bis 27. 2.). Ausstellungen Deutscher Werkbund, Weißadlergasse 4: Di. bis So., 12 bis 18 Uhr, Lutz Fritsch - "Raumsichten" (bis 24. 1.).
Freunde Frankfurts, Verein zur Pflege der Frankfurter Tradition, Schellgasse 8, Tel. 61 59 18: Di., Fr., So., 14 bis 17 Uhr; Betti Häring: Zeichnungen, Aquarelle und Radierungen (bis 24. 1.).
Palmengarten, Siesmayerstr. 63: tägl. 9 bis 16 Uhr, Foyer Ost: Fotografien heimischer Orchideen (bis 24. 1.).
Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Str. 24: tgl., 10 bis 22 Uhr, Horst Wilbert - Neue Bilder (bis 26. 1.).
Gallus Theater, Krifteler Str. 55: Di. bis Sa., 15 bis 18 Uhr & zu den Veranstaltungen, Inge Hölscher - Farbenfrohe Bilder/Acryl auf Papier (bis 30. 1.).
Zentralbibliothek, Zeil 17-23, Tel. 212 - 45 10: Di. bis Fr., 10 bis 19, Sa., 10 bis 13 Uhr; Fotoausstellung "Der Goldene Ring" - Kreml- und Klosterbauten vom 12. bis 18. Jahrhundert in Rußland (bis 30. 1.).
Hessischer Rundfunk, Bertramstr. 8/ Foyer: tägl. 9 bis 19 Uhr, Augsburger Puppenkiste (bis 31. 1.).
Frankfurter Künstlerclub, Nebbiensches Gartenhaus, Bockenheimer Anlage: tägl.11 bis 17 Uhr, Hans Morgenstern - "Konstruktive Malerei" (bis 31. 1.).
Fotografie Forum Frankfurt, Leinwandhaus, Weckmarkt 17, Tel. 29 17 26: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Mi., 11 bis 20 Uhr, Sa. u. So., 11 bis 17 Uhr; Eberhard Grames "Kaputte Schönheiten" (bis 31. 1.).
Café Cult, Schillerpassage, Rahmhofstraße, Tel. 92 00 61: Uwe Groß (bis 31. 1.).
Deutsche Bibliothek, Zeppelinallee 4-8: Mo. bis Do., 9 bis 20 Uhr, Fr., 9 bis 18 Uhr, Sa., 9 bis 17 Uhr, Georg Joachim Göschen - "Dokumente zur Verlagsgeschichte aus den Beständen des Deutschen Buch- & Schriftmuseums" (bis 3. 2.).
Forum der Frankfurter Sparkasse, Töngesgasse 40: Mo. bis Fr., 9.30 bis 17 Uhr; Jürgen Kisch (bis 12. 2.).
Deutsch-Ibero-Amerikanische Gesellschaft, Gräfstr. 83: Mo. bis Do., 10 bis 13 Uhr & 15 bis 18 Uhr, Fr., 10 bis 13 Uhr, Gilda Neuberger - "Fresko auf Leinwand" (bis 19. 2.).
Palais Jalta, Bockenheimer Landstr. 104, Mo. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Die Bilder von Fjodor Ljutov, (bis 19. 2.).
Künstlerhaus Mousonturm, Waldschmidtstr. 4: Di. bis So., 15 bis 19 Uhr und während der Abend-Vorstellungen; Maix Meyer - "via regia oder Frankfurt atmet geerdet", Fotos und Installationen (bis 28. 2.).
Universitätsbibliothek, Bockenheimer Warte, B-Ebene: Mo. bis Fr., 8.30 bis 19.30 Uhr, Dieter Kühne (bis 28. 2.).
Eckstein, An der Staufenmauer 7, Tel. 28 75 20: Acht Junge Fotografen aus Frankfurt (bis 6. 3.).
Jahrhunderthalle Hoechst: tägl. 11 bis 15 Uhr, Henry, Brancusi, Man Ray, Umbo - "Sterne und Stars" (bis 28. 2.).
Ausstellungen Deutscher Werkbund, Weißadlergasse 4: Di. bis So., 12 bis 18 Uhr, Lutz Fritsch - "Raumsichten" (bis 24. 1.).
Freunde Frankfurts, Verein zur Pflege der Frankfurter Tradition, Schellgasse 8, Tel. 61 59 18: Di., Fr., So., 14 bis 17 Uhr; Betti Häring: Zeichnungen, Aquarelle und Radierungen (bis 24. 1.).
Palmengarten, Siesmayerstr. 63: tägl. 9 bis 16 Uhr, Foyer Ost: Fotografien heimischer Orchideen (bis 24. 1.).
Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Str. 24: tgl., 10 bis 22 Uhr, Horst Wilbert - Neue Bilder (bis 26. 1.).
Gallus Theater, Krifteler Str. 55: Di. bis Sa., 15 bis 18 Uhr & zu den Veranstaltungen, Inge Hölscher - Farbenfrohe Bilder/Acryl auf Papier (bis 30. 1.).
Zentralbibliothek, Zeil 17-23, Tel. 212 - 45 10: Di. bis Fr., 10 bis 19, Sa., 10 bis 13 Uhr; Fotoausstellung "Der Goldene Ring" - Kreml- und Klosterbauten vom 12. bis 18. Jahrhundert in Rußland (bis 30. 1.).
Hessischer Rundfunk, Bertramstr. 8/ Foyer: tägl. 9 bis 19 Uhr, Augsburger Puppenkiste (bis 31. 1.).
Frankfurter Künstlerclub, Nebbiensches Gartenhaus, Bockenheimer Anlage: tägl.11 bis 17 Uhr, Hans Morgenstern - "Konstruktive Malerei" (bis 31. 1.).
Fotografie Forum Frankfurt, Leinwandhaus, Weckmarkt 17, Tel. 29 17 26: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Mi., 11 bis 20 Uhr, Sa. u. So., 11 bis 17 Uhr; Eberhard Grames "Kaputte Schönheiten" (bis 31. 1.).
Café Cult, Schillerpassage, Rahmhofstraße, Tel. 92 00 61: Uwe Groß (bis 31. 1.).
Deutsche Bibliothek, Zeppelinallee 4-8: Mo. bis Do., 9 bis 20 Uhr, Fr., 9 bis 18 Uhr, Sa., 9 bis 17 Uhr, Georg Joachim Göschen - "Dokumente zur Verlagsgeschichte aus den Beständen des Deutschen Buch- & Schriftmuseums" (bis 3. 2.).
Forum der Frankfurter Sparkasse, Töngesgasse 40: Mo. bis Fr., 9.30 bis 17 Uhr; Jürgen Kisch (bis 12. 2.).
Deutsch-Ibero-Amerikanische Gesellschaft, Gräfstr. 83: Mo. bis Do., 10 bis 13 Uhr & 15 bis 18 Uhr, Fr., 10 bis 13 Uhr, Gilda Neuberger - "Fresko auf Leinwand" (bis 19. 2.).
Palais Jalta, Bockenheimer Landstr. 104, Mo. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Die Bilder von Fjodor Ljutov, (bis 19. 2.).
Künstlerhaus Mousonturm, Waldschmidtstr. 4: Di. bis So., 15 bis 19 Uhr und während der Abend-Vorstellungen; Maix Meyer - "via regia oder Frankfurt atmet geerdet", Fotos und Installationen (bis 28. 2.).
Universitätsbibliothek, Bockenheimer Warte, B-Ebene: Mo. bis Fr., 8.30 bis 19.30 Uhr, Dieter Kühne (bis 28. 2.).
Eckstein, An der Staufenmauer 7, Tel. 28 75 20: Acht Junge Fotografen aus Frankfurt (bis 6. 3.).
Jahrhunderthalle Hoechst: tägl. 11 bis 15 Uhr, Henry, Brancusi, Man Ray, Umbo - "Sterne und Stars" (bis 28. 2.).
BAD VILBEL. Spät, womöglich zu spät sind jetzt die Bad Vilbeler Sozialdemokraten aktiv geworden, um das Jüdische Diaspora Museum zu retten. In einem Antrag will die SPD in der nächsten Stadtverordnetenversammlung den Magistrat auffordern, "ein Fortbestehen des Jüdischen Diaspora Museums in Bad Vilbel zu gewährleisten" und die Finanzierung der bislang fast ausschließlich von dem Frankfurter Kaufmann Michael Messmer getragenen Museumsarbeit in Verhandlungen mit Kreis, Land und Bund zu sichern.
Weil die Sozialdemokraten wissen, daß die Zeit drängt und Messmer das Museum zum Monatsende schließen will, fordern sie den Magistrat auf, "nicht erst die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung abzuwarten, sondern unmittelbar zu handeln und zunächst allein die Finanzierung des Museums für eine Übergangszeit sicherzustellen".
Nach Auffassung der Sozialdemokraten soll die Stadt die Trägerschaft des Museums übernehmen. Das Engagement von Pfarrer Hummel, einen Förderverein zu gründen, sei begrüßenswert, so SPD- Stadtverordneter Marcus Gräser. Ein solcher Verein könne aber allein nicht die Last der Trägerschaft auf sich nehmen, dazu sei "städtisches Rückgrat vonnöten". Voraussetzung für eine kommunale Trägerschaft sei die vertragliche Zusicherung Michael Messmers, die Exponate als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen, sowie eine Katalogisierung des Museumsbestandes.
Nach Ansicht der SPD muß das Diaspora Museum nicht unbedingt an seinem jetzigen Platz in einer Geschäftshaus-Etage in der Innenstadt bestehen bleiben. Der Magistrat solle prüfen, inwieweit das Museum eine Dokumentation zur Geschichte der Vilbeler Juden ergänzt und dann im Rahmen einer räumlichen "Verbundlösung" Teil eines neu konzipierten städtischen Museums werden könnte, das dann das bisherige Brunnen- und Heimatmuseum in seiner derzeitigen Form ablösen beziehungsweise erweitern würde.
"Die Bedeutung des Jüdischen Museums als Teil des kulturellen Lebens unserer Stadt ist in unseren Augen ebenso unumstritten wie die pädagogische Funktion, die die Museumsarbeit erfüllt", so Marcus Gräser. Um so bedauerlicher sei es, daß der Magistrat bis jetzt nur wenig Initiative gezeigt habe, das Museum der Stadt Bad Vilbel zu erhalten. "Die öffentlichen Reaktionen hierzu", so der SPD-Stadtverordnete, "vor allem die Stellungnahme des Bürgermeisters, bewegten sich leider am Rande der Flapsigkeit." Angesichts der großzügigen Zuschußpraxis, die der Magistrat in anderen Fällen wie etwa der Patenschaft Tepl-Petschau an den Tag gelegt habe, erscheine ein - auch finanzielles - Engagement der Stadt hier "unbedingt angebracht". mu
WIESBADEN. Aus den Geschichtsbüchern kennen sie die Greuel der Nazizeit: Daten, Fakten und Zahlen - emotionslos präsentiert und von den meisten ebenso emotionslos verarbeitet. Und dann der Mahngang durch Wiesbaden: "Plötzlich", erzählt die 23 Jahre alte Tanja Sachs, "erfuhren wir, daß das alles tatsächlich stattgefunden hat, überall, auch bei uns, und wie schrecklich es gewesen ist." Tanja Sachs ist Studentin der Wiesbadener Fachhochschule. Sie und ihre Kommilitonen im Fachbereich Sozialwesen hatten in einem Aktionstag Fremdenhaß und Rechtsextremismus hinterfragt - in Arbeitsgruppen und während des historischen Rundgangs durch Wiesbaden und bei einem Besuch der Psychiatrischen Klinik Eichberg. Sie sei politisch sensibler geworden, schlußfolgert Tanja Sachs, und vermöge nun, Zusammenhänge zu erkennen und anders zu deuten.
Zu den einzelnen Stationen nationalsozialistischer Lokalgeschichte in Wiesbaden führte der Lehrer Lothar Bembeneck die FH-Studenten. Beispiel Drudenstraße Nr. 4: Dort war der Nazi Karl Ludwig nach einer Auseinandersetzung mit Kommunisten gestorben - ein unglücklicher Sturz führte zu seinem Tod. Bei den Nazis freilich mutierte dieser Unfall zu einem politischen Mord.
In der Walkmühlstraße erfuhren die jungen Leute von einer dort ehemals ansässigen Firma, die das Gas Zyklon herstellte und 1928 mit dem Hinweis dafür warb, daß es für die Ungezieferbekämpfung bestens geeignet sei - eine zynische Prognose für die spätere Verwendung dieses Giftgases in den Todeszellen der Konzentrationslager.
Der Weg zur Gedenkstätte "Unter den Eichen", wo Häftlinge aus Luxemburg interniert waren, führte die Fachhochschüler auch an jene Stelle, wo sich zwei Deserteure auf ihrem Fluchtweg trennten. Lothar Bembeneck gab dort einen interessanten Denkanstoß: "Müssen Deserteure, die sich dem wahnsinnigen Krieg verweigerten, nicht ebenfalls zum Widerstand gezählt werden?"
Große Betroffenheit vor allem bei der Gruppe der FH-Studenten, die bei dem Besuch der Psychiatrischen Klinik Eichberg überall auf die Spuren der Euthanasie stießen. Die Toten waren damals auf dem Gelände beerdigt worden, wo heute buchstäblich Gras über das Grauen vor rund 50 Jahren wachsen soll - Wiesen und ein Fußballplatz. Die Studenten verharrten immer wieder auf ihrem Weg, legten Schweigeminuten ein, "geboten sich Einhalt zur Besinnung", wie es Professor Dr. Reinhard Peukert im Rückblick formuliert. 3000 Erwachsene und 500 Kinder sind zwischen 1939 und 1945 auf dem Eichberg umgekommen, viele wurden ermordet, einige starben wegen Vernachlässigung. Die Studenten sahen den "Bunker", in den auffällig gewordene Kranke gesteckt wurden: ein vergittertes Kellerloch mit einer Grundfläche von einem halben Quadratmeter. Sie erfuhren von Dokumenten, in denen die Diagnose der Patienten festgehalten wurde - und die nicht etwa auf medizinischen, sondern auf sozialen Merkmalen basiert: "aufsässig", "umtriebig". Und sie hörten von solchen Akten, in denen versucht wurde, die Tötung der Kranken wissenschaftlich zu begründen.
Hans Oppelt, ehemaliger Verwaltungsmitarbeiter auf dem Eichberg, hatte die Studenten gemeinsam mit der Klinikpfarrerin über das Gelände geführt. Immer wieder müsse man an die Geschehnisse im Dritten Reich erinnern, mahnte Oppelt. Ärzte und Pflegerinnen, die damals getötet haben, seien zum großen Teil "gar keine schlechten Menschen" gewesen. Man müsse aufpassen, daß sich die schrecklichen Taten der Nazis nicht wiederholten, was Hans Oppelt für durchaus möglich halte, "denn der Mensch ist ja wachsweich".
Werden die Studenten die Erkenntnisse der beiden Mahngänge in politisches Handeln ummünzen? Tanja Sachs will sich da nicht festlegen: "Das werde ich von Fall zu Fall entscheiden." Fest steht nur, daß alle Teilnehmer der Spurensuche eine Wiederholung wünschen - vor allem für jene Studienkollegen, die beim ersten Mal noch nicht mit dabei waren.
Mit den "vermutlichen Minderwertigkeitskomplexen" von Oskar Ott, Spitzenkandidat der "Bürger für Hanau", setzt sich der folgende Leserbrief auseinander. Er bezieht sich damit auf einen FR-Bericht vom 15. Januar:
"Aristoteles fordert in seinen Schriften zur Ethik und Politik, daß ,Dilettantismus verhütet werden&rquote; und - außer der Tugend - auch ,die möglichste Befähigung zu den Geschäften des politischen Amtes gehören sollte&rquote;. An dieses Postulat muß man beim Lesen des Berichtes über Oskar Ott denken. Wenn der Spitzenkandidat sich im wesentlichen darauf beschränkt, mit Verbalinjurien gegen seine früheren Magistratskollegen OB Martin (Hanswurst von Funktionärskadern) und Stadtbaurat Anderle (Professor Doktor mit DDR-Methoden) zu wettern, ohne darzutun, auf welche Weise er die vielfältigen kommunalen Probleme besser als die bisher agierenden Parteien lösen will, so darf wohl davon ausgegangen werden, daß ihn nicht primär die Förderung des Gemeinwohls der Hanauer Bürger ein Anliegen ist, sondern übersteigerte Egozentrik, verbunden mit Geltungsstreben, durch die er vermutlich seine Minderwertigkeitskomplexe kompensieren möchte.
Wie ansonsten wäre seine zum Ausdruck kommende Animosität gegen Juristen und Lehrer, denen gegenüber er offenbar auf Grund seines Berufsweges ein Unterlegenheitsgefühl hat, zu erklären.
Vermutet werden kann ferner, daß er heute nicht bei den ,Bürgern für Hanau&rquote; sich engagieren würde, wenn ihn seine frühere Partei 1988 nicht hätte fallen lassen und er weiterhin die Position eines hauptamtlichen Stadtrates begleiten könnte. Auch dies wirft ein bezeichnendes Licht auf die Motive seines heutigen Wirkens. Was er an unsachlichen Argumenten vortrug, ist Ausdruck einer beleidigten Primadonnna.
Abschließend noch folgende Bemerkung: Es fehlen zwar für hochdotierte Wahlbeamte berufsqualifizierende Ausbildungs- und Prüfungsvorschriften, durch die der Bewerber den Nachweis führen muß, daß der die notwendige Sachkompetenz für sein Amt besitzt, wie dies im sonstigen Berufsleben üblich ist (kein Buchhalter z. B. würde ohne buchhalterische Kenntnisse von einem Arbeitgeber eingestellt). Gleichwohl sollten die politischen Gremien, die für die Aufstellung und Wahl eines solchen Wahlbeamten zuständig sind, darauf achten, daß die Bewerber sich durch eine berufsqualifizierende Ausbildung - und Berufsausübung legitimieren. Unter diesem Aspekt ist es mehr als erstaunlich, daß Herr Ott über 24 Jahre immer wieder von der Hanauer Stadtverordnetenversammlung gewählt wurde.
Hans Friedrich, Erlensee
"Behauptung ist wahrheitswidrig" Oskar Ott, Spitzenkandidat der "Bürger für Hanau", stellt im folgenden Leserbrief seine Sicht eines Wahlkampfauftritts dar und widerspricht damit Passagen aus der FR-Berichterstattung vom 15. Januar:
"Unter der Überschrift ,Kandidat Oskar Ott und der kleine Korse&rquote; heißt es unter anderem: , . . . seine Botschaft heißt: Für gute Kommunalpolitk bedarf es keines Jurastudiums.&rquote; Diese Behauptung ist falsch und wahrheitswidrig, da eine solche Botschaft während meiner einstündigen Rede von mir nie verkündet wurde und auch nicht sinngemäß aus meiner Rede zu entnehmen ist.
Die weitere Behauptung, damit nicht soviel Lehrer in der Stadtverordnetenversammlung rumsitzen und sich Sitzungsgeld im Etat einsparen läßt, könnte ich mir 20 Abgeordnete weniger vorstellen, entspricht nicht der Wahrheit und ist falsch. Tatsache ist, daß ich die Verringerung der Sitzzahl der Kommunalparlamente allgemein und für die Stadtverordnetenversammlung in Hanau um mindestens zehn oder besser zwanzig ohne Nennung einer Berufsgruppe oder sonstiger Kriterien gefordert habe.
Ihre Zeitung stellt die falsche Behauptung auf, ich hätte zu meiner Zeit als Sozialdezernent keine Äußerungen über Kosten- und Zeitkonzept über Pumpstation, Orangerie oder Remise gemacht. Tatsache ist, daß ich schon vor vielen Jahren, auch öffentlich und nicht nur nach Lage der Akten im Rathaus, ein Gesamtkonzept für Pumpstation, Haus der Jugend (jetzt Olof-Palme-Haus), Falkenheim, Schloßverwaltung, Schloß mit Remise und Orangerie und Mainwiesengelände als Freizeit-, Jugend- und Kulturmeile gefordert habe.
Dies gilt auch für meine Forderung nach mehr Unabhängigkeit für das Rechnungsprüfungsamt. Daß Bedienstete davonlaufen, weil sie in der freien Wirtschaft besser bezahlt würden, habe ich nicht gesagt.
Ich sagte, daß hochqualifizierte Mitarbeiter wegen Perspektivlosigkeit davonlaufen, was auf eine Personalpolitik zurückgehe, die sich nach Familienbeziehung und Parteibuch richtet.
P. S.: Über meine Rede und die Atmosphäre im Saal besteht eine Tonbandaufzeichnung."Oskar Ott, Hanau
Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor. (Red.)
RÜSSELSHEIM. Das Erscheinungsbild des Bahnhofes soll verbessert werden. Das sagte die Bundesbahndirektion auf einen Vorstoß von Oberbürgermeister Norbert Winterstein hin zu. In der Vergangenheit war das Ambiente des Bahnhofes immer wieder beklagt worden.
Jetzt erklärte sich die Bahn laut städtischem Presseamt bereit "zur Verbesserung der Gesamtsituation im und am Bahnhof Rüsselsheim" und erläuterte ihre "Konzeption zur Verbesserung der Servicebetriebe". Danach soll "unter Beachtung der vertraglichen Gegebenheiten" der Kiosk im Seitentrakt geschlossen werden. Dies wertet die Bahndirektion als einen "wesentlichen Beitrag zur Entspannung der Lage". Veränderungen stehen in der Schalterhalle durch einen Servicebetrieb zum Verkauf von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern sowie Einrichtung eines Stehcafés in Anbindung an die Bahnhofsgaststätte an. cas
Edle Steine funkeln in den Vitrinen des Dotzheimer Museums
WIESBADEN. Farbenprächtig und funkelnd liegen sie in den Vitrinen - edle Steine, die der Geowissenschaftliche Freundeskreis Mainz-Wiesbaden "Schätze aus der Tiefe" nennt und die vom Dotzheimer Heimat- und Verschönerungsverein noch bis zum 21. März im Dotzheimer Museum gezeigt werden. Und dabei erfahren die Besucher eine Menge über das "Reich der Mineralien". Denn die Steine sind weit mehr als nur begehrte Schmuckstücke. Quarz ist heute beispielsweise im Baugewerbe, in der Glasindustrie und zur Ultraschalluntersuchung in der medizinischen Diagnostik unersetzlich. Oder der Apatit - ein Kalziumphosphat, das der Düngemittelindustrie als Rohstoff dient und in der orthopädischen Chirurgie als Knochenersatz verwendet wird. "Wir sind alle von den Mineralien abhängig, sie gehören zu unserem täglichen Leben", schlußfolgern die Steine-Sammler.
Die Ausstellung, die vom Geowissenschaftlichen Freundeskreis zusammengestellt wurde, ist im Heimatmuseum, Römergasse, mittwochs von 17 bis 19 Uhr und sonntags von 10 bis 12 Uhr geöffnet. maf
RODGAU. Einen Schwerverletzten und Schaden in Höhe von etwa 106 000 Mark gab es bei einem Auffahrunfall zwischen zwei Lastzügen am Montag vormittag auf der Bundesstraße 45. Die beiden Laster waren nach Angaben der Polizei hintereinander in Richtung Hanau unterwegs. Etwa 100 Meter vor der Einfahrt in den Kreisel II mußte der Lenker des vorausfahrenden Lastwagens anhalten. Sein 43jähriger Hintermann konnte nicht mehr bremsen und fuhr auf. Er wurde schwer verletzt. fra
KORR
Er sieht das Problem physikalisch- technisch: Widerstand kann "ein Maß für das Hindernis sein, das ein elektrischer Leiter dem Strom entgegensetzt". Kein Wunder bei einem, der im Max-Planck- Institut für Psycholinguistik zu Nijmwegen "Vorträge über Sprachforschung und Aphasie" gehört hat, die genügt hätten, "ganze Lyrikerschulen aus den Angeln zu heben". Nochmals Grünbein: "Elektrotechnisch betrachtet, arbeitet Sprache in der Dichtung immer nach dem Prinzip Stau und Entladung, Widerstand und Kondensator." Paralogisch ausgedrückt: "Die Katze fängt den Mond."
RÜSSELSHEIM. Die Verabschiedung des Kommunalwahlprogrammes steht im Mittelpunkt des CDU-Kreisparteitages am Samstag, 23. Januar, 9 Uhr, in der Stadthalle. Außerdem wurde als prominenter Gastredner der thüringische Justizminister und frühere Wiesbadener Oberbürgermeister Hans-Joachim Jentsch verpflichtet. cas
Tips und Termine
Theater / Musik / Literatur Offenbach. Jazz: Odysseus Broz, 21 Uhr, Isenburger Schloß.
Easy-Listening-Jazz: Marcus Oeschger Quartett, 22 Uhr, Mezza Luna, Bootshaus Undine, Fechenheimer Mainufer.
Kabarett: Almut Grytzmann - Die Pampelmuse zieht durchs Land (Veranstaltung der AsF), 19.30 Uhr, Kolpinghaus. Dreieich. Vorlesen und Malen für Kinder ab 5 Jahren: "Mach die Tür auf, Jonathan"; 15 Uhr, Bücherei, Spielezimmer.
Langen. Schauspiel: Der Besuch der alten Dame, 20 Uhr, Stadthalle.
Neu-Isenburg. Isenburger Erdbeben: Shoxx Unlimited, Jimi's Revenge; 21 Uhr, Club Voltaire, Friedrichstr. 43 HH.
Rödermark. Gruselige Geschichten für Kinder ab 6 Jahren, 14.30 und 17 Uhr, Bücherturm, Rothaha-Saal, Ober-Roden.
Seligenstadt. Salsa Nacht, 20 Uhr, Großer Saal des Riesen. Kinos / Filme Offenbach. Kino-Center: Gloria: Bodyguard (15, 17.45, 20.30, 23 Uhr). - Palast: Die Schöne und das Biest (15 Uhr); Eine Frage der Ehre (17.30, 20.15, 22.45 Uhr). - Lux: Sister Act (15.15, 17.45, 20.15, 22.30 Uhr). - Rex: Stalingrad (14.45, 17.30, 20.15, 22.45 Uhr). - Broadway: Kevin allein in New York (15.15 Uhr); Der letzte Mohikaner (17.45, 20.15, 22.30 Uhr).
Dietzenbach. Kommunales Kino im Bürgerhaus: Cyrano de Bergerac und Greencard (21 Uhr).
Dreieich-Sprendlingen. Rex: Bodyguard (20.30 Uhr). - Viktoria: Der Tod steht ihr gut (20.30 Uhr).
Langen. Hollywood: Bodyguard (20 Uhr). - Fantasia: Der Tod steht ihr gut (20 Uhr).
Mühlheim. Roxy-Kino-Center: Augenblick: Bodyguard (20.15, 22.45 Uhr). - Zeitlos: Sister Act (19.45 Uhr).
Neu-Isenburg. Neu-Isenburger Film- und Videofreunde: Zauberhafte Winterwelt; Pirschgang mit der Kamera; Hvar - das jugoslawische Madeira; Skiakrobaten; 19.30 Uhr, Hugenottenhalle.
Rodgau-Jügesheim. Kronen-Lichtspiele: Eine Frage der Ehre (20.15 Uhr).
Rödermark-Urberach. Neue-Lichtspiele: Der Tod steht ihr gut (20.30 Uhr).
Seligenstadt. Turmpalast: Bodyguard (20.15 Uhr). - Turmstudio: Der Tod steht ihr gut (20 Uhr). Parteien / Parlamente Dreieich. CDU-Neujahrsempfang, 19 Uhr, Burghofsaal.
Langen. SPD-Senioren-Treff, 15 Uhr, Altentagesstätte, Südliche Ringstr. 107.
Seligenstadt. Wahlveranstaltung der Grünen, 20 Uhr, "Alte Schmiede", Am Marktplatz. Vereine / Organisationen Dreieich. Kerbverein Götzenhain: Jahresschlußversammlung, 20 Uhr, Gasthaus Darmstädter Hof, Wallstr. 19.
Langen. Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Langen, 19 Uhr, Darmstädter Str. 66.
Obertshausen. Tausendfüßler: Frauenfest, 20 Uhr, Friedrich-Ebert-Str. 20. Ausstellungen Dietzenbach. "Ich will wirken in dieser Zeit" - Radierungen, Lithographien, Holzschnitte von Käthe Kollwitz, Eröffnung 19.30 Uhr, Bürgerhaus. Sonstiges Dreieich. Naturheiltage, Eröffnung 15 Uhr, Bürgerhaus Sprendlingen (bis 24. 1.). Beratungen / Offene Treffs Offenbach. Jugend- und Drogenberatungsstelle Wildhof, 12 bis 14 Uhr, Herrnstraße 16, Telefon 0 69 / 81 17 11.
Selbsthilfegruppe für Alkohol- und Medikamentenabhängige, Städtische Kliniken Offenbach, Altbau, erster Stock, Cafeteria, 17 bis 18.30 Uhr.
Straßenverkehrsamt: Beschwerdetelefon zum S-Bahn-Bau, Tel. 80 65 -22 19.
Ostkreis Offenbach. Jugend- und Suchtberatung, Nieder-Roden, Breslauer Str. 43, Rufnummer 0 61 06 / 7 40 99.
Rödermark. Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle "Die Brücke", 9 bis 12 Uhr, Dockendorffstr. 2, Ober-Roden, Tel. 0 60 74 / 9 40 11.
Neu-Isenburg. Verein Hilfe für ältere Bürger, 9 bis 13 Uhr, Ludwigstr. 75-79.
Kinderschutzbund, 9 bis 12 Uhr, Stoltzestraße 8, Tel. 25 47 47.
Awo, Mobiler sozialer Hilfsdienst, 8 bis 10 Uhr, Kronengasse, Telefon 3 37 77.
Sanitätsverein, 10 bis 12 Uhr, Ludwigstr. 75-79.
Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle "Die Brücke", 11.30 bis 12.30 Uhr, Löwengasse 8.
Verein für Suchtgefährdeten- und Suchtkrankenhilfe, 19 bis 22 Uhr, Friedrichstraße 43, Tel. 0 61 02 / 66 55.
Dreieich. Club Behinderter und ihrer Freunde (CBF), 9 bis 16 Uhr, Robert- Bosch-Str. 26, Tel. 0 61 03 / 37 11 42; Fahrdienst: 37 11 49.
Jugend- und Drogenberatungsstelle des Wildhof, 10 bis 14 Uhr, Hauptstr. 32-36 (Hinterhaus), Sprendlingen, Tel. 6 49 47.
Egelsbach. Pro Familia, Kirchstr. 2, 15 bis 17 Uhr, Tel.0 60 74 / 22 65.
Langen. Awo, Essen auf Rädern/Mobiler Soz. Hilfsdienst, 8-14 Uhr, Wilhelm- Leuschner-Platz 5, Tel. 0 61 03 /2 40 61.
Kinderschutzbund, 9 bis 12 Uhr, Wiesenstraße 5, Telefon 0 61 03 / 5 12 11.
Mütterzentrum, Zimmerstraße 3: Treff, 9.30 bis 11.30 Uhr, Telefon 0 61 03 / 5 33 44. Frauenhaus-Initiativen Ostkreis Offenbach, Tel. 0 61 06 / 1 33 60.
Kreis DA-Dieburg, Tel. 0 60 71 / 3 30 33.
Westkreis Offenbach, Tel. 0 61 03 / 5 18 84.
(Ohne Gewähr)
doe FRANKFURT A. M. Im europäischen Binnenmarkt wird es keine vereinbarte Kontrolle von Versicherungsprodukten durch das Berliner Branchen-Aufsichtsamt BAV geben. Überlegungen, an die Stelle der 1994 auslaufenden gesetzlichen Tarifaufsicht als "freiwillige Ehrensache" ein von der deutschen Assekuranz und der Behörde entwickeltes Gütesiegel für Risikoschutz-Angebote zu setzen, lassen sich nach Angaben von Georg Büchner "nicht verwirklichen". Der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) setzt deshalb nun auf das Marketing als wichtigstes Schutzschild gegen unliebsame Konkurrenz: Die Versicherungen würden "Wege gehen, die wir bislang nicht erproben mußten". Auch vergleichende Werbung sei geplant.
Auf dem Neujahrsempfang des Bundesverbandes der Geschäftsstellenleiter (VGA) legte Büchner, der Ende März aus dem Amt scheidet, zunächst ein flammendes Bekenntnis für die Einigung des alten Kontinents ab: "Europa", so der studierte Philologe, sei für ihn "die beste Idee seit der Aufklärung" und sicher "wichtiger als die deutsche Einheit". In der Praxis der Versicherungsbranche ist von dieser geistesgeschichtlichen Einordnung allerdings wenig zu spüren: Während der Neugeschäftsboom aus der Ex- DDR freudig vereinnahmt wurde, sorgt Europa bislang kaum für Begeisterung. Auch Büchner warnte gestern erneut vor drohender "Intransparenz" des Marktes und "Verwirrung" der Verbraucher.
Intern aber hat sich die Risiko-Gilde inzwischen damit abgefunden, daß vom Juli 1994 an jede in einem EG-Mitgliedsland zugelassene Gesellschaft ohne weitere Formalien über die Grenzen expandieren kann und ihre Bilanzen nur noch im Sitzland offenbaren muß. Die dritte Neuerung - weitgehende Abschaffung der staatlichen Produktkontrolle - hält Büchner unverändert für gefährlich. Allerdings räumt er ein, daß es der Assekuranz (dank geschickter Lobbyarbeit) inzwischen gelungen ist, für die Lebens- und die private Krankenversicherung nationale Sonderregeln durchzudrücken, die wesentliche bisherige Vertragsstandards hierzulande festschreiben.
Augenblicklich, so Büchner, seien die deutschen Assekuranzprodukte "prinzipiell einheitlich". Im kommenden Sommer werde an deren Stelle ein "buntes System der neuen Chancen und Risiken" treten. "Noch notwendiger" als bisher werde daher eine qualifizierte Ausbildung der Vermittler, die Aufklärung durch Test-Zeitschriften und schließlich das Marketing der Versicherungen. Mit "viel Kreativität" würden die Gesellschaften versuchen, "schwer zu Unterscheidendes unterscheidbar" zu machen.
Nachrichtenbörse
Handwerk wächst in Ostdeutschland Die Zahl der Handwerksbetriebe in den neuen Bundesländern hat sich 1992 gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent auf 132 000 erhöht. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der dort Beschäftigten um drei Prozent auf 556 000 gestiegen. Die Branche rechnet mit einem weiteren Anwachsen um jeweils weitere zwei Prozent im laufenden Jahr. Costa Rica interveniert in Bonn Über den sogenannten "Bananenkrieg" wird der Präsident von Costa Rica, Rafael Angel Calderon, während seines am Donnerstag beginnenden Staatsbesuchs mit Vertretern des Bundeslandwirtschaftsministeriums sprechen. Er will in Hamburg auch mit deutschen Importeuren eine gemeinsame Strategie besprechen. Wegen der geplanten EG-Restriktionen für den Import der in Deutschland besonders beliebten Frucht haben in Bonn auch der costaricanische Außenminister Bernd Niehaus und Außenhandelsminister Roberto Rojas interveniert. AgV rechnet mit höheren Obstpreisen Mit höheren Preisen für Bananen und andere Obstsorten rechnet die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV). Nach den jüngsten EG-Beschlüssern erwartet die AgV, daß die gelbe Frucht Mitte des Jahres 50 bis 100 Prozen teurer wird, andere Obstarten dagegen fünf bis zehn Prozent.
Ende für Treuhandgeschäft in Rostock Ihr operatives Geschäft beendet hat die Treuhandniederlassung Rostock. Sie wird nun in eine Geschäftsstelle umgewandelt. Die Zentrale in Berlin teilt mit, von den ursprünglich 362 Unternehmen im Bestand der Filiale seien 162 privatisiert, 34 reprivatisiert und neun an Kommunen übereignet worden. Abgewickelt würden noch 28 Firmen, vier seien in der Gesamtvollstreckung. Von den Arbeitsplätzen seien 23 630 vertraglich gesichert worden. Durch die Verkäufe habe die Niederlassung 299 Millionen Mark erwirtschaftet. Elf Firmen befänden sich weiterhin in ihrem Bestand. Tokio und Moskau wieder im Gespräch Japan und Rußland haben die ersten bilateralen Wirtschaftsverhandlungen seit Oktober 1990 aufgenommen. Inhalt der zweitägigen Gespräche sind der gegenwärtige Zustand der Beziehungen sowie Möglichkeiten der japanischen Wirtschaftshilfe an Moskau. Start für "Einkaufsoffensive" im Osten Die Treuhand wird mit 30 westdeutschen Konzernen Ende Februar eine "Einkaufsoffensive Neue Bundesländer" starten. Auf der Hannover-Messe im April sollen an einem erweiterten Treuhand-Stand Einkäufer aus dem Westen mit Anbietern aus den neuen Ländern verhandeln.
Keine "Glitzerkiste", aber ein Schmuckstück: Die neue "Fraspa"
BUTZBACH. Der Umbau des ehemaligen Turnerheimes zum "Waldhaus" auf der Pfingstweide steht ganz oben auf der Tagesordnung, wenn der Ausschuß für Umwelt und Verkehr, Bau und Planung am Donnerstag, 21. Januar, um 20 Uhr im Rathaus Butzbach zu seiner nächsten öffentlichen Sitzung zusammentritt. Der Vorentwurf für das Turnerheim soll beraten werden.
Eine lange Liste von Bebauungsplanverfahren reiht sich an: Wohnanlage der Jugendvollzugsanstalt an der Kleeberger Straße, Degerfeld III, Kleingärten - Am Seepfad / Auf der Gans in Nieder Weisel, Kleingärten - Erichgärten in Feuerbach und Kleingärten Bornwiesen / Borngärten in Münster. Desweiteren sollen sich die Ausschußmitglieder auch mit der Bauleitplanung der Nachbargemeinden beschäftigen. mk
RODGAU. Schwere Verletzungen erlitt eine 69jährige Fußgängerin bei einem Verkehrsunfall am Montag gegen 17 Uhr auf der Querstraße. Ein 33jähriger Autofahrer kam von der Ringstraße. Kurz nach der Kreuzung mit der Straße Zum Wingertsgrund mußte er anhalten. Um einem entgegenkommenden Auto die Fahrbahn freizumachen, fuhr er rückwärts, wie die Polizei sagt. Dabei erfaßte er mit seinem Auto die Fußgängerin, die in diesem Moment hinter ihm über die Querstraße gehen wollte. fra
Im Blickpunkt: Kräfteverhältnis am Golf Kaum Chance für Irak
Im Rückblick auf die Raketenattacken gegen Saudi-Arabien und Israel während des Golf-Kriegs durchlebte der Nahe Osten am Montag bange Stunden, ehe feststand, daß die Nachricht vom Abschuß einer irakischen "Scud" auf das ostsaudische Öl-Dorado Dhahran falsch war. In Dhahran mit seinem riesigen alliierten Luftstützpunkt und in Kuwait war Fehlalarm gegeben worden. Zwar hatte Saddam wieder mit Vergeltungsschlägen gedroht. Doch ein Kräftevergleich zeigt, daß er kaum eine Chance hätte. Kernstück der westlichen Streitmacht am Golf ist die Luftwaffe. Ohne die Luftverbände Saudi-Arabiens und der fünf anderen Staaten des Golf-Kooperationsrates unterhält die Golfkriegs-Allianz aus USA, Großbritannien und Frankreich eine Luftflotte von mehr als 200 modernen Kampfmaschinen, Tankflugzeugen und fliegenden Radarstationen vom Typ Awacs in der Region. Dem Londoner Institut für Strategische Studien (IISS) zufolge haben die USA allein in Dhahran 20 F-16 Falcon, 20 F-15E, 20 F-15C, zwölf A-10 Warthog, 20 F-4G Wild Weasel und sechs EF-111 stationiert - allesamt hochmoderne Jäger, Kampfbomber, Anti-Panzer-Jäger und Anti-Radar-Maschinen. Neben Awacs- und U 2-Himmelsspionen kommen auf den Stützpunkten Khamis Muschayt in Südwest-Saudi-Arabien sowie Taif im Westen nahe Mekka und der Roten-Meer-Küste noch zwölf für das Radarauge unsichtbare F-111A-Tarnkappenbomber hinzu. In der Luft aufgetankt werden die Kampfflugzeuge von KC-10-Maschinen, die in der Hauptstadt er-Riadh in Zentral-Saudi- Arabien stationiert sind.
Ebenfalls in Dhahran unterhält Frankreich ein Geschwader von zehn Mirage 2000, Großbritannien eine Staffel Tornado-Tiefaufklärer, GR-1- Kampfbomber und zwei VC-10-Tanker. An der Nordgrenze Iraks, auf der Luftwaffenbasis Incirlik in der Südosttürkei, halten die drei Westalliierten rund 80 weitere hochmoderne Kampfmaschinen sowie Aufklärungs- und Tankflugzeuge stationiert. Zusätzlich kreuzt derzeit der US-Flugzeugträger "Kitty Hawk" mit 70 Maschinen an Bord im Golf. Verstärkung aus dem östlichen Mittelmeer und dem Roten Meer wäre jederzeit möglich.
Gewiß werden "Kriege am Boden gewonnen". Aber angesichts der theoretisch totalen Luftherrschaft der drei westlichen Alliierten könnte auch das auf rund 350 000 bis 400 000 geschrumpfte frühere Millionenheer Saddam Husseins kein Aggressionsabenteuer wagen. Von den ehemals acht "Elite"-Divisionen der "Republikanischen Garden" gelten fünf bis sechs als intakt. Der Rest der sieben Armee-Korps hat sich vom Schlag des Kuwait-Konfliktes nicht mehr erholt. Damals haben die irakischen Streitkräfte 3000 Panzer, nahezu 2000 gepanzerte Fahrzeuge und 2150 Geschütze verloren. Für die ihnen verbliebenen 2300 Panzer, 2900 gepanzerte Fahrzeuge und 1000 schwere Geschütze, nahezu alle ex-sowjetischer Herkunft, fehlt es an Ersatzteilen. Im Ernstfall wären diese Truppen also nur begrenzt einsatzfähig. Neben etwa 3000 Luftabwehrgeschützen verfügt Irak dem IISS zufolge über eine "beträchtliche" Anzahl von relativ modernen sowjetischen SA-Luftabwehrraketen verschiedener Typen, die von den Alliierten als "hauptsächliche Gefahrenquelle" eingestuft werden.
Zu Saddams Luftwaffe: Von den nahezu 550 Kampfflugzeugen zu Beginn des Kuwait-Konfliktes sind noch etwa 150 bis 200 zumeist veraltete Maschinen geblieben, deren Einsatzbereitschaft nicht abzuschätzen ist, da wegen des UN-Embargos Ersatzteilmangel herrscht. Seine moderneren Maschinen hatte Saddam während des Kuwait-Konfliktes im ehemals feindlichen Iran "geparkt". Doch Teheran gibt sie nicht wieder heraus. Sie gelten dort als "Anzahlung" auf Irans Reparationsforderungen an Irak aus der Zeit des Grenzkonfliktes um den Schatt al Arab in Höhe von mindestens hundert Milliarden Dollar.
Bleiben die "Scud"-Raketenbatterien. Obgleich die Alliierten im zweiten Golf-Krieg behauptet hatten, die meisten "Scuds" zerstört zu haben, soll Irak derzeit noch über 50 bis 100 dieser sowjetischen Boden-Boden- Raketen und ihrer Weiterentwicklungen auf fahrbaren Abschußrampen verfügen. Höchst zielungenau und ausgerüstet nur mit konventionellen Sprengköpfen sind sie aber keine ernstzunehmende Gefahr.
(HANS PETER GERNER (Kairo)
WUPPERTAL. Beherrscht wird Peter Papsts Szenerie im Barmer Opernhaus von einem Schiffswrack. Hoch ist es über Klippen aufgetürmt, die Bühne selbst ist mit Sand bedeckt. Dieser Strand mit der gescheiterten Hoffnung ist der Handlungsort für Pina Bauschs neuen Tanzabend: titellos wie noch heute, nach über einem Jahr, sein Vorgänger. Nicht nur Freude kann im Tanztheater namenlos sein, Trauer auch.
Tatsächlich breitet der erste - ungleich eindrücklichere - Teil dieses Tanzabends ein großes Lamento aus, dem nur wenige pointillistische Kontrastfarben aufgetupft werden. Baßakkorde, vorn rechts an der Rampe von einer Tänzerin auf dem Akkordeon gespielt, grundieren den Auftakt in akustischer Düsternis. Und das Überleben der gestrandeten Schiffsgesellschaft erleben wir zunächst als Fortsetzung der alten Lebens- und Geschlechterkämpfe Pina Bauschs. Jan Minarík, seit langem kein Tänzer mehr, sondern der dramaturgische Zeremonienmeister der Truppe, schleppt im korrekten Anzug samt Straßenschuhen die kleine barfüßige Beatrice Libonato herbei. Beide werden fortan ein altes Leit- und Leidensmotiv Pina Bauschs inszenieren: meist wird die Frau wie ein Hund auf allen vieren von dem Mann über die Bühne geführt, einmal sogar in gefährlichem Balan- ceakt hoch oben an der Reling des Kutters.
Doch dieses körperliche Leiden der Menschen an einer Hierarchie der Geschlechter ist nur ein Aspekt des neuen Stücks, dem das Motiv des Überlebens in einer Extremsituation lediglich als komische Einzelnummer eingezogen ist: wenn ein Mann einen Kohlkopf auspackt, Kartoffeln schält und im Indianerschleichgang über die sandige Bühne in einen Kochtopf transportiert. Diesem Strang und dem vom Geschlechterkampf werden mit teilweise denselben Protagonisten die Gegenbilder übergelegt: Fluchtversuche aus der physikalischen Bedingtheit des Menschen.
Da klettert die Libonati mehrmals über den aufrecht stehenden Minarík hoch an einer Wand, und wenn er unter der Frau beiläufig wegtritt, scheint sie für einen Augenblick die Schwerkraft überwunden zu haben: so leichthändig klammert sie sich an ein Gestänge, während dem Mann gleichzeitig Jean-Laurent Sasportes mit ansatzlosem Rückwärtssalto in die offenen Arme springt. In einer anderen Szene halten ein paar Männer die kleine Frau über dem flach wie eine Rampe ansteigenden Körper Dominique Mercys, um sie im Fortheben der Erdanziehungskraft zu entziehen. Sie breitet alsbald mit den Armen die Seele wie Flügel aus, als flöge sie nach Haus.
Solchen Wunschbildern des entgrenzenden Augenblicks ist nicht deutschromantisches Musikkolorit unterlegt. Neben barocken Opern- und Oratorienarien hat das von Victoria de los Angeles vorgetragene spanische Renaissance-Lied "Porqué es dama tantos quereros" eine zentrale Funktion: ein Lamento über die verbrennende Glut der Liebe. Minarík und Libonati führen sie als komisches Intermezzo vor, wenn er sie mit nichts als den sich im Kuß berührenden Lippen von der Bühne treibt, und Mercy besprüht die zu Gluck-Klängen sich im Sand drehende Helena Pikon aus einer Löschspritze mit Wasserdampf. Die Gefühle können eine mörderische Intensität gewinnen (wie weite Teile des Programms).
Die Wiederholung einzelner Ohrwürmer, nicht immer dramaturgisch überzeugend, hat ihre Funktion insofern, als die Musiken Anlaß zu großen weiblichen Soli geben - nur Mercy hat im ersten Teil Anlaß zu zwei männlichen Soli. In diesen Nummern wird, mehr mit den Armen und dem Kopf als mit den Beinen, getanzt: in einem Umfang, wie er bei Pina Bausch überrascht. Diese Soli laufen auf dem Bühnensand ab, sind aber keineswegs in den Sand gesetzt: große Klagen über die Befindlichkeit der Menschheit, in denen die Stars des Ensembles ihre Qualitäten beweisen können.
Die Solonummern, selten von Ansätzen zu einem Pas de deux oder Slapstick-Effekten unterbrochen, runden sich zweimal zu echten Ensembles. Das erste wird als eine der berühmten Bausch-Diagonalen über einer Sardana von elf Männern mit halbrund erhobenen Armen getanzt, bis sich in die Zwischenräume zehn Frauen einordnen. Das zweite ist das Finale I, in dem Männer und Frauen zwei Kreise formieren, die sich einmal schneiden, aber sonst nie berühren.
Dem zweiten Teil fehlt die gespannte Geschlossenheit des ersten. Jetzt wird die musikalische Unterfütterung - abgesehen von dem mit der Drehleiter erneut auftretenden Matthias Burkert als musikalischem Führer - an exotische Naturgeräusche und populäre Musik aus der Alten und Neuen Welt delegiert: Teilweise in jener exorbitanten Lautstärke, mit der Pina Bausch ihr Leiden an der Welt zu einem Leiden der Umwelt umfunktioniert. Das Lied von den fallenden Herbstblättern eröffnet die Szene mit einem Regen im Gewitter, ein Ensemble der wechselseitig ihre Partner zu Purzelbäumen zwingenden Frauen und Männer täuscht einen nicht eingelösten gesellschaftlichen Bezug vor. Das Stück versandet allmählich, die Wiederaufnahme zahlreicher Motive und Haltungen aus dem ersten Teil vermittelt kaum einen dramaturgischen Zusammenhang, einzelne Mitglieder machen Zuschauer in der ersten Parkettreihe an - bis hin zur Präsentation eines nackten Hinterns.
Die Männer spielen ein wenig Tarzan an hängenden Lianen, bis Minarìk die Libonati wieder als Hund vorführt, sie an sich hochklettern läßt und den floppenden Jean-Laurent Saspotes in den Armen auffängt. Dazu erklingt Walter von der Vogelweides Liebeslied "Under der linden", das schon im ersten Teil unpassend den Untergrund zu einem exotisch fauchenden weiblichen Tanzsolo gegeben hatte: Tanderadei! Derweil hat sich das Corps auf den Kutter zurückgezogen und posiert für ein Erinnerungsfoto: Der Fels, an dem das Schiff zerschellt, rettet bekanntlich den Seebrüchigen.
Um das glaubhaft zu machen - oder zu dementieren -, muß Pina Bausch am zweiten Teil des offiziell als unfertig bezeichneten Stücks noch mächtig arbeiten. Die Vorzeichen, daß daraus ein wirkliches Stück wird, sind so verlockend wie lange nicht mehr. ULRICH SCHREIBER
(Weitere Aufführungen am 20., 23., 24. und 29. Januar; im Februar nur Wiederaufnahmen von Glucks "Orpheus undEurydike".)Für die Zentrale Leitstelle ist 1993 das Jahr des großen Umbaus: nicht nur das Meldesystem wird modernisiert Ein Knopfdruck ersetzt Worte und Funksprüche Auch Second-hand-Anlage aus Hanau wird installiert
MAIN-TAUNUS-KREIS. Der Blick auf den Bildschirm ersetzt viele Worte. Zahlen sagen den Männern am Schreibtisch, welcher der elf Krankenwagen und mehr als hundert Feuerwehrwagen zwischen Hochheim und Eschborn gerade für welchen Zweck auf Tour ist. Drückt ein Krankenwagen-Fahrer auf seinem Handapparat besipielsweise die Ziffer 1, wissen die Männer am Computer der Zentralen Leitstelle: die Helfer sind einsatzbereit und auf Funk, aber unbeschäftigt. Status 3 bedeutet, sie haben einen Auftrag übernommen - und wenn Status 8 aufleuchtet, ist ein Wagen am Transportziel angekommen. Das neue Funkmeldesystem (FMS), Gesamtkosten rund 54 000 Mark, übermittelt die Daten schneller, es hilft auch dabei, Einsätze gezielter zu überwachen - und sie auszuwerten.
Die Zentrale Leitstelle an der Elisabethenstraße kommt aus den Schlagzeilen nicht mehr heraus. Allerdings guten, meint Leiter Lothar Nenninger zufrieden. 1993 ist für acht hauptamtliche und 40 ehrenamtliche Mitarbeiter ein Jahr der Veränderungen. Mit dem Funkmeldesystem (FMS), das seit 17. Dezember viele Gespräche zwischen den Einsatzkräften draußen und der Leitstelle per Knopfdruck überflüssig macht, ist nämlich nur der erste Schritt in die Moderne gemacht.
Weitere Projekte bis Mitte Sommer: Das Amt 38, zuständig für Brandschutz und Rettungswesen, bekommt als erste Kreishaus-Behörde externe Büroräume - und zwar am Hofheimer Feuerwehr- Stützpunkt. Genauer: in einem zweigeschossigen Container-Gebäude, das ab April auf einem Grundstück angrenzend an die Feuerwehrhalle aufgestellt wird und 483 000 Mark plus 40 000 Mark für die Einrichtung kostet. "Mitbewohner" ist die Hofheimer Feuerwehr. Was das mit der Leitstelle zu tun hat? Sie bekommt jene Räume, die durch den Umzug der Wehrleute in die Mobil-Büro-Anlage freiwerden - und damit endlich mehr Platz.
Bis Mitte Mai werden in der Leitstelle zunächst Trennwände abgebaut, Decke angehoben und ein Doppelboden verlegt. Und dann geht's ans Eingemachte: die Technik. Umbau und Erweiterung werden 200 000 Mark kosten, die Technik 100 000 plus 50 000 Mark für Funktische.
Kurz: Anlässe genug für Gerd Mehler (SPD), Kreis-Dezernent für Brandschutz und Rettungswesen, zur Pressekonferenz in den Ort des Geschehens zu laden. Während es um ihn herum blinkt und piepst, funkt und knirscht, blickt Mehler auch zurück. Nachdem der Kreis vor einem Jahr die Trägerschaft der Leitstelle von einer Arbeitsgemeinschaft übernommen hatte, machte ein "hilfreicher Blitz" geheime Modernisierungswünsche greifbar, wie Mehler erzählt. Am 20. Juni vergangenen Jahres war die Leitstelle Opfer eines Unglücks, bei dem sie üblicherweise Hilfe vermittelt. Der Blitz zerstörte große Teile der Technik, und Mittel aus der Versicherungssumme der Blitzschäden werden Kreis und Land dabei helfen, eine neue Technik zu finanzieren. Oder besser: eine neuere.
Alles, was an der Elisabethenstraße um- und eingebaut wird, ist eine Interimslösung für etwa acht Jahre. Bekanntlich will die Stadt Hofheim den Hauptstützpunkt der Feuerwehr ins Gewerbegebiet Am Nordring verlegen - gegenüber vom Finanzamt ist ein Grundstück reserviert. Da auch die Zentrale Leitstelle dort komplett neue Räume und eine nagelneue Technik bekommen soll, sind bis dahin alle Anschaffungen potentielle Wegwerfware, für die insbesondere das Land Hessen so wenig Geld wie möglich ausgeben will. Die Lösung: Da die technischen Einrichtungen der Hanauer Leitstelle erst 1986 eingebaut wurden und dort nicht mehr gebraucht werden, ziehen sie nach Hofheim um - natürlich erst nach vorheriger Generaluntersuchung. Technik, die dem zeitgemäßen Standard entspricht, aber nicht allzu teuer ist.
Eine komplett neue Anlage, wie sie in einigen Jahren am neuen Stützpunkt eingebaut werden soll, würde nach Schätzung Hans-Joachim Kraus, stellvertretender Kreis-Brandinspektor und Leiter des Amtes 38, bis zu 600 000 Mark kosten. Zuviel zum Wegwerfen, wie auch Mehler betont. Da sei die Second-hand-Anlage eine gute Lösung. Nur die Funktische kommen nicht aus Hanau, sondern werden vom Main-Taunus-Kreis gekauft - neu.
Somit wird die Zeit des Provisoriums bis zum Neubau also für Feuerwehr wie auch Leitstellen-Mitarbeiter, für die inklusive des geplanten Hausnotruf-Platzes vier "stromversorgungsunabhänige" Arbeitsplätze mit zwei Bildschirmen geschaffen werden, keinesfalls zur Durststrecke. Und auch das Amt 38, im Kreishaus mehr als beengt, bekommt in der mobilen Büroanlage - 120 Quadratmeter Bürofläche pro Stockwerk - eine Bleibe, in der es zunächst einmal auszuhalten ist.
Damit alles wirklich nach Zeitplan umgebaut, eingerichtet und angeschlossen wird, ist viel Arbeit nötig. Das geht eben - anders als das Funkmeldesystem - nicht auf Knopfdruck. PETRA MIES
ROSBACH. Hubert Reß, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Stadtparlament, ist nicht wenig stolz auf die Kandidatenlisten für die Kommunalwahl am 7. März. Es ist nämlich gelungen, 35 Personen für die Wahl zum Stadtparlament zu aktivieren, das sind immerhin 17 mehr als auf der Liste zur Kommunalwahl vor vier Jahren. Reß: "Viele neue Leute haben sich spontan wählen lassen." Es sei ein ausgezeichneter Querschnitt in Bezug auf Ortsteile, Berufe und Alter gelungen. "Nur die Damen", so Reß, "sie mußten für vordere Plätze überredet werden." Immerhin sind 10 der 35 Listenkandidaten Frauen. Gerda Fornoff, die Witwe des unvergessenen Rodheimer Feuerwehrmannes und Heimatforschers, steht als erste Frau auf dem noch für aussichtsreich gehaltenen Platz 7.
An der Spitze der Liste steht natürlich Hubert Reß - mit noch 66 Jahren (am 3. Februar wird er 67) kommunalpolitisch aktiv und einflußreich wie seit einem Dutzend Jahren nicht mehr. Auf den nächsten Plätzen folgen erfahrene Kommunalpolitiker wie Gerhart Baie, Frank Romeike und der jetztige Stadtrat Paul Groetsch. Mit dem Maschinenbautechniker Jürgen Pietsch aus Ober-Rosbach präsentieren die Freien Wähler einen Neuling auf Platz 5, gefolgt von einem "Oldtimer": Horst Wedel, der einige Jahre pausiert hatte, ist mit Platz 6 in einer aussichtsreichen Position.
Auf Platz 8 versucht der Landwirtschaftsmeister Gerhard Metzger, wieder in das Parlament einzuziehen. Auf Platz 9 wird der Diplomingenieur Peter Neu präsentiert, der in das Neubaugebiet Obergärten gezogen ist und sich nun für die FWG engagiert.
Die Freien Wähler haben nach Angaben von Reß bei der Aufstellung von Listen für die Ortsbeiräte, die in Rosbach neu eingeführt werden, darauf geachtet, daß Doppelkandidaturen möglichst vermieden werden. Die Stadtverordneten sollen frei entscheiden können, ohne unmittelbar an Ortsbeiratsbeschlüsse gebunden zu sein. Die Liste von Nieder- Rosbach führt der Landwirt Walter Simon an, dessen Vater zu den Gründern der Freien Wähler gehörte. Rudolf-Peter Patzak und die gebürtige Ober-Rosbacherin Hiltrud Kleinillbeck wollen im Ortsbeirat Ober-Rosbach die Freien Wähler vertreten, und für Rodheim stehen Gerda Fornoff und Heinz Lieb zusammen mit dem Landwirt Helmut Preiß an der Spitze der Liste. Das Wahlprogramm wollen die Freien Wähler in einer Mitgliederversammlung am Montag, 25. Januar, beschließen. Es ist aber nach Angaben von Reß kein Geheimnis, daß sich die Freien Wähler nicht schon jetzt auf die Zusammenarbeit mit irgendeiner Fraktion festlegen. Sie wollen nach der Wahl mit allen Fraktionen eine gedeihliche Zusammenarbeit suchen und wie in der Vergangenheit "praktische Kommunalpolitik höher stellen als Parteipolitik". hm
BAD HOMBURG. Punkt 18.19 Uhr soll Armin Schwarz mit seinem Mitsubishi als erster Fahrer vor dem Kurhaus zur Rallye Monte Carlo starten. Nach dem Start geht's am Donnerstag wieder durch die Fußgängerzone, wenn auch inzwischen mit Katalysator. Zuvor gibt es ab morgens 8 Uhr volles Programm - mit einer Oldtimer-Sternfahrt als Höhepunkt.
50 Autos, die allesamt zwischen 1925 und 1981 an der Rallye teilgenommen haben, treffen sich ab 12.30 Uhr an der Spielbank, um sich ab 13.30 Uhr auf der Startrampe vor dem Kurhaus dem Publikum zu präsentieren. Danach fahren die Oldtimer durch den Taunus. Nach dem Rallye-Start stellen sie sich ab 18.55 Uhr noch einmal den Motorsport-Fans vor.
Frühaufsteher können ab 8 Uhr im Kurhaus der technischen Abnahme der Autos und der Vorstellung ihrer Fahrer beiwohnen. Von 13 bis 14 Uhr sollen die Stars der 26 Teams präsentiert werden. Den ganzen Tag laufen Rallye-Filme und Musik; um 11 Uhr starten am Kurhaus eine Buggy-Show und ein Zuschauer- Wettbewerb. Es gewinnt, wer am schnellsten Schneeketten aufzieht. stk
Der Kunstrasen im Gelnhäuser Stadtteil Hailer steht auch in diesem Jahr wieder für das Aufgalopp zur Freiluftsaison Deutschlands liebster Ballsportart, dem Fußball, zur Verfügung. Zum fünften Mal haben am Samstag, 23. Januar, die Verantwortlichen des Zehntplazierten der Bezirksliga Gelnhausen eingeladen, das Feld der teilnehmenden Mannschaften wurde dabei auf sechs Vereine aufgestockt. Die Kontakte zum Ex-Landesligisten Nieder-Roden sind abgerissen, der Höchster Trainer Manfred Elzenbeck hat sich zurückgezogen, Turnierneulinge sind Landesligist Spvgg. Langenselbold mit dem heimischen Trainer Heiner Ott sowie Bezirksoberligist KSG Ober-Seemen, der Günther Heil betreut wird.
Die Gruppe 1 mit dem Landesliga- Schlußlicht Langenselbold vervollständigen die Sportfreunde Seligenstadt und der FSV Ravolzhausen (beide Bezirksoberliga Frankfurt-Ost). Die Neuberger trugen sich vor zwei Jahren bereits in die Siegerliste ein umd empfahlen sich durch den Hallen-Turnier-Erfolg vor 14 Tagen in Langenselbold. Cupverteidiger Nordlandesligist SG Bad Soden/Ahl, der Büdinger Vertreter Ober-Seemen und Gastgeber FSV Hailer bilden die Gruppe 2. Von den drei erfolgreichen Torschützen des letzten Pokalgewinners Bad Soden, Gaul, Bangert und Malich, jagt lediglich noch "Entertainer" Mike Gaul für die Kurstädter dem Leder nach. Der Vilbeler Thomas Dechant (löste Bernd Putze im Dezember ab) gibt bei den Platzherren seinen Einstand und kann bis auf Jörg Schicktanz sein bestes Aufgebot ins Rennen gegen die allesamt höherklassigen Vereine schicken. Gerüchte, wonach die beiden Liebloser, der spielberechtigte Michael Niedenthal und der Hailerer Jürgen Knöll (trainierte im Januar schon bei seinem Heimatverein mit) in der Rückrunde für den FSV Hailer spielen werden, gelten nach wie vor in das Wunschdenken des Gelnhäuser Stadtteilvereins.
Neben den sportlichen Aspekten - in knapp sechs Stunden wird am Samstag, den 23. Januaer der Cupgewinner ermittelt - gehört der sich anschließende traditionelle Hüttenabend zum festen Bestandteil des Fußball-Wintercups. 1000 Mark Siegprämie sowie zusätzlich 100 Mark für das torhungrigste Team gehören zur willkommenen Nebensache, für die es sich schon mal zu "kicken" lohnt.
Der Spielplan: 13 Uhr: Langenselbold - Ravolzhausen, 13.35 Uhr: Bad Soden/Ahl - Hailer, 14.10 Uhr: Spfr. Seligenstadt - Langenselbold, 14.45 Uhr: Ober- Seemen - Bad Soden/Ahl, 15.20 Uhr: Ravolzhausen - Seligenstadt, 15.55 Uhr: Hailer - Ober-Seemen, 16.30 Uhr: Spiel um Platz fünf, 17.15 Uhr: Spiel um Platz drei, 18 Uhr: Endspiel. wh
MAIN-TAUNUS-KREIS. Lothar Nenninger, Leiter der Zentralen Leitstelle, pocht auf ein Heft: die Statistik. 1992 seien mit 19 556 Einsätzen zwar 419 weniger als im Vorjahr registriert worden, aber der Blick ins Detail belege: "Es gibt immer mehr Arbeit."
Ein Beispiel: Gegenüber '91 fuhren die Notarztwagen 1992 zu 316 Einsätzen mehr. Insgesamt waren es 2752 Touren, eine Steigerung von 13 Prozent. Alle 24 Stunden acht Alarme. Im Rettungsdienst ist ebenfalls ein Zuwachs zu verzeichnen: 61 Fahrten mehr, insgesamt 6810.
Nur bei den Krankentransporten mußten die Helfer im vergangenen Jahr etwas weniger arbeiten. 9994mal wurden Kranke zum Arzt oder Krankenhaus gefahren - immerhin, so Nenninger, 796 Touren weniger.
Die 36 Feuerwehren waren noch stärker eingespannt. Mit 2571 Einsätzen haben sie sich 1991 um 16 Prozent gesteigert. 511mal mußten sie zur Brandbekämpfung, 1460mal zu technischen Einsätzen, vor allem Sturm- und Wasserschäden, und 600mal wurden sie getäuscht: Fehlalarm. pms
HEUSENSTAMM. Mit einer Bastelstunde beginnt das neue Programm für Kinder in der Stadtbücherei am Montag, 25. Januar, 15.30 Uhr. Die Kinder können einen Affen als Hampelmann basteln. Das Puppenspiel "Ein Sommer- und ein Wintergarten" wird am 12. Februar, 15 Uhr, aufgeführt; am 15. Februar wird von 15.30 Uhr an eine Wäscheklammerflotte gebaut. Vom Wiesentroll handelt ein Marionettentheater, das am Montag, 1. März, um 15 Uhr beginnt, bevor es am 29. März an Osterbasteleien geht. pmü
BAD SODEN. Gut zwei Jahre lang schien das Kriegsbeil zwischen der Kurstadt und ihrem Ex-Bürgermeister Volker Hodann (CDU) begraben. Der "Wust" an gegenseitigen Regreßansprüchen und Schadenersatzforderungen war auf Eis gelegt; beide Seiten wollten sich gütlich einigen. Doch es ging nichts voran. Jetzt pochen der geschaßte Rathauschef und dessen Bruder auf knapp mehr als 300 000 Mark Schadenersatz.
Die Stadt hatte Hodann 1985 vom Dienst suspendiert, nachdem er in Verdacht geraten war, von Bauunternehmen Bestechungsgelder in Millionenhöhe angenommen und - in einem anderen Fall - Geld unterschlagen zu haben. Hodann wurde abgewählt und zu mehreren Jahren Haft verurteilt. In einem spektakulären Wiederaufnahmeverfahren sprach ihn das Gericht Ende 1991 jedoch vom Vorwurf der Unterschlagung frei.
Für Hodann Anlaß, sich gegen die Regreßforderungen der Stadt Bad Soden zu wehren und seinerseits Forderungen - in erster Linie Anwaltskosten - geltend zu machen. Unmittelbar nach Hodanns Verhaftung hatte sein Nachfolger Berthold Gall (CDU) Schadenersatz in Höhe von 700 000 Mark bei ihm und seinem in Österreich lebenden Bruder angemeldet. Der besaß eine Bankvollmacht vom Sodener Rathauschef, wurde dadurch in die Sache verwickelt und zahlte rund 85 000 Mark an die Stadt. Pfändungen folgten. Hodann klagte dagegen vor dem Verwaltungsgericht und erhielt Recht. Die Stadt ging in die Berufung, bot aber gleichzeitig Ende 1991 Vergleichsverhandlungen an. Hodann willigte ein, "Gall und der Kämmerer Kohl waren schließlich nicht mehr im Amt" - doch seine Anwälte wurden mit den städtischen Unterhändlern, Hauptamtsleiter Bimmel und Stadtkämmerin Schulz, nicht einig. Im November '92 habe Hodann deshalb selbst Gespräche geführt und gedroht, die Sache endgültig vor Gericht klären zu lassen.
Für Bürgermeister Bender kamen Hodanns Forderungen nach eigenen Worten "überraschend". Auch die Höhe des Betrages kenne er nur Gerüchten nach - nicht aber von Hodann oder dessen Anwalt. Hingegen versichert Hodann, daß seine Forderungen bis auf eine Anwaltsrechnung seit Ende 91 aufgelistet im Rathaus lägen: "Wenn der Hauptamtsleiter oder die Stadtkämmerin den Bürgermeister nicht informieren, ist das sein Problem." Am 1. Februar soll im Rathaus die Entscheidung fallen, ob weiter verhandelt oder prozessiert werden soll. ana
HANAU/HAMMERSBACH. Wegen eines "räuberischen Angriffs auf einen Kraftfahrer" im minder schweren Fall hat die Erste Große Strafkammer am Hanauer Landgericht gestern einen wohnsitzlosen 24jährigen aus Pirmasens zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt.
Das Gericht sah es als erwiesen an, daß der 24jährige am 26. Juli vergangenen Jahres gemeinsam mit einem gegenwärtig noch flüchtigen Komplizen versucht hat, einen Hanauer Taxifahrer auf der Autobahnraststätte Langenbergheim zu berauben.
Der Taxifahrer hatte sich erfolgreich gegen die Täter zur Wehr setzen können. Wenig später wurden sie von einer über Funk herbeigerufenen Polizeistreife festgenommen.
Während der gestern Verurteilte in Untersuchungshaft blieb, wurde sein Komplize im Sommer vom Haftrichter wieder freigelassen, weil man in ihm nicht den Haupttäter gesehen hatte. Auch der geflüchtete Hanauer soll ohne Wohnsitz sein. Die beiden Täter hatten sich an jenem Sommertag nach einem durchzechtem Abend von Hanau aus auf der A 45 in Richtung Gießen fahren lassen. Dem Taxifahrer kam es schnell eigenartig vor, daß beide kein konkretes Ziel angaben. Auf der Autobahnraststätte hielt er an, weil seine Gäste vorgaben, auf die Toilette zu müssen.
In diesem Moment war für den Taxifahrer klar: Die beiden wollen abhauen, weil sie die Fahrt nicht bezahlen wollten. Er ließ nur einen der beiden gehen, der andere mußte im Auto auf seinen Komplizen warten. Als dieser zurückkam, setzte er sich auf die Hinterbank, zog einen spitzen Gegenstand hervor - einen Schlüssel oder eine Glasscheibe - drückte diese dem Taxifahrer an den Hals, rief gleichzeitig "Überfall" und forderte ihn auf, auf der Autobahn weiter in Richtung Norden zu fahren.
Dieser Aufforderung kam der Taxifahrer verständlicherweise nicht nach ("Ich hatte eine Riesenangst"), sondern fuhr kurz an und stoppte seinen Wagen durch eine Vollbremsung ab. Durch dieses Manöver konnte er sich aus dem Auto befreien und auf den Täter einschlagen. Dieser wurde durch Tritte und Schläge leicht verletzt.
Der 24jährige, der ebenso wie sein Komplize zur Tatzeit laut Zeugenaussagen ziemlich betrunken war, zeichnete gestern ein tristes Bild von seinem bisherigen Leben. Als uneheliches Kind geboren, wuchs er zunächst mit seiner Mutter und seinem Stiefvater in Pirmasens auf. Der Stiefvater habe seine Mutter zur Prostitution gezwungen, erzählte er gestern vor Gericht. Als er neun Jahre war, sei seine Mutter "auf dem Strich" in Kaiserslautern von einem Freier umgebracht worden.
Seine Jugend habe er bei seiner Großmutter verbracht, der einzige Mensch, der ihm "etwas bedeutet" hat. Als die Großmutter etwa drei Jahre vor der Tat ein Pflegefall wurde, ging es mit dem 24jährigen permanent bergab. Zunächst brach er die Lehre ab, dann jobte er kurz, später ging er zu einer "Drücker-Kolonne", ein halbes Jahr vor der Tat ging er "auf die Walz".
Weil er nicht vorbestraft ist und vermutlich den Taxifahrer zunächst auch nicht überfallen, sondern sich lediglich vor der Zeche drücken wollte, wertete die Kammer die Tat als minder schwer.
Nach der Haftentlassung will der 24jährige auf keinen Fall wieder nach Pirmasens zurück, sondern versuchen, sich woanders Wohnung und Arbeit zu suchen.
Daß dies durch die jetzige Verurteilung nicht gerade einfacher wird, war auch dem Angeklagten klar. Er wird seine Strafe vermutlich im offenen Vollzug absitzen. are
BAD NAUHEIM. In der Alten Feuerwache (Johannisstraße 5) geht es ab 8. Februar wieder rund. Die Jugendabteilung der Stadt startet ihr neues Kursprogramm, das vor allem für ältere Jugendliche erweitert wurde.
Töpfern, Basteln, Steinbildhauern, Fahrradbau und -technik sowie Fotografieren werden in 15 Kursen für Jungen und Mädchen ab sechs Jahren angeboten. Um die Kurse homogener zu gestalten, werden einzelne Altersgruppen zusammengefaßt und das Angebot entsprechend angepaßt. Weil besonders viele Jugendliche über 13 Jahren in jüngster Zeit in die Feuerwache strömten, wurden beim Töpfern zwei und beim Fotografieren ein weiterer Kursus für sie eingerichtet. Das Angebot richtet sich vorwiegend an Bad Nauheimer Kinder und Jugendliche. Für jeden Kursus, der zehn eineinhalbstündige Treffen in den Werkstätten einschließt, müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer 60 Mark zahlen. Wer mitmachen will, muß sich vorab bei der städtischen Jugendabteilung anmelden (Johannisstraße 1, Zimmer 10, Tel. 0 60 32 / 34 32 96). Dort sind auch weitere Informationen erhältlich. mk
Das Problem sind die Männer. Wenngleich Christoph Scherpner das Attribut "degeneriert", das einem zur Ironie neigenden Mitarbeiter jüngst entfuhr, nicht gelten läßt. Dem Zustand - oder genauer den Zuständen - im Gehege der Mantelpaviane nähert sich der kommissarische Leiter des Frankfurter Zoos statt dessen mit einer vorsichtigen Umschreibung: "Es gibt eine gewisse Unruhe unter den Pavianen." Der gestörte Familienfrieden ist nur ein Indiz für ein umfassenderes, von vielen europäischen Zoologischen Gärten geteiltes Problem, das Scherpner so beschreibt: "Wir haben zunehmend Schwierigkeiten, die Tiere unterzubringen."
Nachdem Zoologen sich in den vergangenen Jahrzehnten um die Bestandserhaltung gefährdeter Arten bemüht hatten, sind die hohen Aufzuchtraten heute Anlaß, den eigenen Erfolg zu bremsen. Auf die unter den Zoologischen Gärten zirkulierenden Anbieter- Listen werden Paviane derzeit gar nicht mehr registriert; auch bei den Kanaken und den Orang-Utans, sagt Scherpner, "fängt das schon an". Das Weißkopf- Seeadlerpaar darf nur noch, statt auf eigenem Gelege, auf Gipseiern sitzen.
"Wir sahen die Entwicklung kommen", sagt Scherpner, weshalb man mittels Ovulationshemmern bestandsregulierend tätig wurde und künftig verstärkt tätig werden wird. Bei den Pavianen geschah dies unglücklicherweise zu einer Zeit, als mehrere Geburten eine stark männliche Dominanz beschert hatten.
Wo Männer dominieren, ist der soziale Friede in Gefahr. So bei erwähnten Pavianen, wo stabile Dreiecksverhältnisse als friedenssichernd gelten: Ein Männchen, zwei Weibchen und die gemeinsamen Jungtiere bilden jene Großfamilien, welche die Distanz zu ihresgleichen nur des Nachts oder zum Zweck der Verteidigung aufgeben. 1:2 also lautet der Harmonieschlüssel für die Pavian-Gesellschaft, welche der jüngste interne Jahresbericht zu einem Wunschquotienten werden ließ: 17 Männchen und 14 Weibchen springen im Frankfurter Gehege herum oder kuscheln sich auf ihren angestammten Lieblingsplätzen.
Die unfreiwillig zölibatären männlichen Paviane finden keine Ruhe. Sie jagt das Alleinsein, ein Status, der sie den Familienvätern als potentielle Konkurrenten erscheinen läßt, die es zu vertreiben gilt. Neben aus solchen Verdachtsmomenten resultierenden Tätlichkeiten beobachten die Zoologen unzweideutige Gebärden der Unterwürfigkeit: "Das sexuelle Sichanbieten", sagt Scherpner und scheut nicht den Kulturvergleich, "ist auch ein Mittel des appeasement."
"Bezaubernd", nennt der Zoologe seine Tiere, und ist doch ungeachtet der emotional gefestigten Bindung "verzweifelt" bemüht, Tiere wie die Kragenbären "loszuwerden". Da kommt der zoologische Aufschwung Ost dem Ansinnen der Frankfurter entgegen: Jetzt beherbergt Hoyerswerda ein Frankfurter Kranichpaar. sar
MÖRFELDEN-WALLDORF. Ein gefälschter Rezeptvordruck, den er einem Apotheker in Mörfelden am frühen Montagabend vorlegte, wurde einem 26jährigen Drogenabhängigen zum Verhängnis. Der Apotheker schöpfte Verdacht und alarmierte die Polizei, die den 26jährigen noch in der Apotheke festnahm. Der Mann, bei dem die Beamten noch einen gefälschten Vordruck fanden, war laut Polizeibericht geständig. wal
Zweigeteilte . . .
(Fortsetzung von Seite I)
Denn Geschichte ist in Südafrika immer die Geschichte der Weißen. Und die ganz Hartnäckigen behaupten sowieso, daß Schwarze und Weiße einst gleichzeitig nach Südafrika eingewandert seien und daß die Weißen mit ihrem Vorrücken nur ein Blutbad zwischen den Schwarzen verhindert hätten.
Auch im fruchtbaren Transvaal mit Tabakfeldern, Weinbergen, Obstgärten und Forellenteichen ist die Wirklichkeit zweigeteilt. Auf den Äckern arbeiten ausschließlich Schwarze, Frauen, die ihre Kleinkinder auf dem Rücken tragen. In der Nähe der weißen Herrenhäuser mit reich verzierten Giebeln ducken sich die Baracken der Landarbeiter. Ländliche Townships.
Die städtischen Pendants, Ghettos für Millionen, bekommen Touristen für gewöhnlich nicht zu Gesicht. Die Reiseveranstalter vermeiden einen längeren Aufenthalt in Johannesburg und weichen aus auf Pretoria, in dem es sich angeblich weniger gefährlich lebt. Die Hauptstadt gibt sich behäbig. Das Besichtigungsprogramm bleibt knapp: durch blaublühende Jacaranda-Alleen zum Haus von Paul Krüger, reinblütiger Voortrekker, erster Präsident von Transvaal und noch heute eine Kultfigur der Buren. Sein Denkmal steht mächtig auf dem Church Square. Vor der Stadt auf einem Hügel, eine Art Walhalla, das Vortrekker-Monument. Damit hat sich das weiße Afrika ein gigantisches Denkmal gesetzt in Erinnerung an den Großen Treck und an die Schlacht am Blood River, wo tausende von Zulus niedergemetzelt wurden. Das ist den Afrikaanern noch heute einen Feiertag wert.
In Johannesburg reicht die Zeit nur für einen kurzen Besuch in der Shopping Mall und für einen ungefährlichen Rundum-Blick vom fünfzigsten Stock des Carlton Hotels. Dort oben hängen Fotos von den Anfängen der Stadt, als es nur Zelte, Bretterbuden und natürlich Goldminen gab. Deren gelbe Abraumhalden durchziehen heute die Stadt wie Lärmschutzwände. "Universität von Witwatersrand" steht auf der Orientierungstafel in Richtung Nordwesten und im Südwesten: "Soweto". Das liegt unendlich weit weg von den Glaspalästen und den gut bewachten Wohnburgen der Reichen.
Am Wochenende fahren die Johannesburger gerne ans Meer nach Durban, auch dies eine lange Fahrt durch unterschiedlichste Landschaften: baumlose Steppe mit Mais und Weizenfeldern bis zum Horizont, große Güter mit silbernen Silotürmen wie Fabrikschornsteine, später die Drakensberge, über deren steile Zinnen gegen Abend die Blitze zucken. "Barriere der erhobenen Speere" nennen die Zulus die Bergkette, die ihr Gebiet nach Norden hin abschließt. Höhlen mit Buschmänner-Zeichnungen gäbe es hier zu besichtigen. Stattdessen treibt's die Reiseleiterin erneut in ein sogenanntes Zuludorf: Phe Zulu im Tal der tausend Hügel, das man von Durban aus mit einem Eisenbähnchen erreichen kann. Eine Chance die "Nachkommen von Shaka kennenzulernen" steht im Prospekt. Diesmal tanzen junge Männer mit nacktem Oberkörper und Fellen um die Lenden. Der Blick geht weit über eine endlose Reihe lieblicher grüner Hügel, die sich im Dunst verlieren. Das Paradies hält seine verborgenen Schrecken nur für den bereit, der es bewohnt.
Die interessante Sportnotiz
Springstein-Verfahren eingestellt Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg gegen Thomas Springstein, den Trainer der Sprinterin Katrin Krabbe, ist eingestellt worden. Das bestätigte am Dienstag abend Springstein-Anwalt Ralph-Jörn Kurschus. Als Grund für die Einstellung wird "kein gegebener hinreichender Tatverdacht" genannt. Die Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren schon vor einiger Zeit eingestellt, diese Mitteilung aber aus nicht genannten Gründen bis jetzt zurückgehalten. Super Bowl-Party in der Music Hall Das NFL-Finale zwischen den Buffalo Bills und den Dallas Cowboys überträgt der Fernsehsender Premiere (Kommentator ist Galaxy-Manager Oliver Luck) auch in die Frankfurter Music Hall. Die von einer Fete umrahmte Veranstaltung (Eintrittspreis 15 Mark) beginnt am Sonntag, 31. Januar, um 21.30 Uhr. Ministerin will Formel 1 zurückholen Mit finanzieller staatlicher Unterstützung will Frankreichs Sportministerin Frederique Bredin den Motorsport- Grand-Prix zurück ins Land holen. Wie die Ministerin am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Paris erklärte, lägen Garantien der Regierung vor, um den wegen des Verbots der Tabakwerbung aus dem WM-Kalendar gestrichenen französischen Formel-1-Lauf sowie den Motorrad- Grand-Prix wieder zurückzuholen. Rund 150 Millionen Mark aus den Tabak-Steuereinnahmen stünden laut Bredin bereit Ufa vermarktet Bayern Die zum Bertelsmann-Konzern gehörende Film- und Fernsehgesellschaft Ufa übernimmt einen Teil der Vermarktung des Fußball-Bundesligisten Bayern München. Teil des über vier Jahre laufenden Vertrages ist die Veranstaltung von Hallen-Turnieren mit den Bayern durch die Ufa. Fair-play-Trophäe an Esther Weber Die Behindertensportlerin Esther Weber hat die deutsche Fair-play-Trophäe des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS) erhalten. In Oberstdorf wurde ihr am Dienstag ein weißer Porzellanlöwe für ihre faire Haltung im Fecht- Wettbewerb bei den Paralympics im vergangenen Jahr in Barcelona von der früheren Skiolympiasiegerin Ossi Reichert überreicht. Esther Weber hatte in einem Florett-Vorkampf dem Schiedsrichter angezeigt, daß ihr ein Treffer zu Unrecht gutgeschrieben worden war. Schrempf ist "Basketballer des Jahres" Detlef Schrempf, 29 Jahre alter Spieler bei den Indiana Pacers in der nordamerikanischen Profiliga (NBA), ist zu Deutschlands "Basketballer des Jahres" gewählt worden. VfB bietet nun doch für Sammer Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart bietet 6,5 Millionen Mark Ablöse für Nationalspieler Matthias Sammer vom italienischen Nationalligisten Inter Mailand. "Jetzt ist Inter am Zug", erklärte Stuttgarts Vereinspräsident Gerhard Mayer- Vorfelder auf einer Pressekonferenz am Rande des Hallenturniers in der Stuttgarter Schleyerhalle.
JÜRGEN MATTIS, in den vergangenen vier Jahren Pfarrer der evangelischen Johannesgemeinde in Neu-Isenburg, legt sein Amt nieder und wird künftig als Stadtjugendpfarrer in Frankfurt arbeiten. Aus diesem Anlaß lädt die Gemeinde für Sonntag, 31. Januar, 9.30 Uhr, zu einem Abschiedsgottesdienst in die Friedrichstraße 94 ein. Daran soll sich gegen 10.30 Uhr ein Empfang anschließen.
SILVIA BÜRVENICH vom Schachverein 1926 in Neu-Isenburg ist die Gewinnerin der internationalen deutschen Schachmeisterschaft 1993 für die weibliche Jugend bis einschließlich 20 Jahre. Am Turnier, das im Januar elf Tage lang in Leipzig ausgetragen wurde, nahmen 16 Spielerinnen aus sechs europäischen Ländern teil. leo
öhl ATHEN, 19. Januar. Der türkische Ministerpräsident Süleyman Demirel und sein Außenminister Hikmet Cetin sind am Dienstag in Begleitung weiterer Kabinettsmitglieder zu einem zweitägigen offiziellen Besuch in Damaskus eingetroffen, der ersten Visite eines türkischen Regierungschefs seit 1987. Die Beziehungen der beiden Nachbarländer wurden in der Vergangenheit durch den Streit um das Euphratwasser belastet: Syrien warf der Türkei vor, sie zweige am Oberlauf des Flusses so viel Wasser für die Landwirtschaft ab, daß den stromabwärts gelegenen Syrern nicht genug übrigbleibe.
Ankara dagegen beschuldigte die Regierung in Damaskus, sie dulde im syrisch kontrollierten Bekaa-Tal des Libanon Ausbildungslager der kurdischen Arbeiterpartei PKK, deren Rebellen in der Südosttürkei für einen eigenen Kurdenstaat kämpfen. Nachdem Syrien im vergangenen Jahr die Auflösung dieser PKK-Lager anordnete, zeichnet sich nun eine spürbare Verbesserung der türkisch- syrischen Beziehungen ab. Der Streit um das Euphratwasser dagegen konnte bisher nicht beigelegt werden.
"Schlimmer hätte es nicht kommen können. Aber wer Europacup-Sieger der Landesmeister werden will, muß auch das vielleicht weltbeste Vereinsteam ausschalten", kommentierte Wallaus Handball-Manager Bodo Ströhmann die von ihm selbst vorgenommene Halbfinalauslosung am Dienstag in Basel. Der FC Barcelona gastiert am 24. oder 25. April zunächst in der Höchster Ballsporthalle, eine Woche darauf muß der deutsche Handball-Meister in der Olympiastadt antreten. "Daß wir auch noch zuerst zu Hause antreten müssen, ist gar nicht nach meinem Geschmack. Da habe ich kein glückliches Händchen gehabt", meinte Ströhmann, der in der zweiten Paarung Badel RK Zagreb (Titelverteidiger) Frankreichs Meister Venissieux zuloste.
Im IHF-Cup treffen die SG Leutershausen und Bayer Dormagen aufeinander. Pokalsieger TuSEM Essen muß sich mit Bramac Vezprem (Ungarn) auseinandersetzen. In den Frauen-Wettbewerben hat es der deutsche Meister Walle Bremen mit GOG Gudme (Dänemark) zu tun, Pokalsieger Lützellinden muß zunächst in Trondheim antreten, außerdem treffen Frankfurt/Oder und Gjerpen (Norwegen) aufeinander. Sollte der SC Leipzig gegen Aserbaidschan bestehen, ist Tempo Partizanske (Tschechische Republik) nächster Gegner der Sachsen.
Barcelona setzte sich im Viertelfinale noch problemloser als Wallau (Sieg und Remis gegen den isländischen Meister Hafnarfjördur) durch, besiegte zweimal den dänischen Titelträger GOG Gudme mit 27:13 und 22:21. "Vierzehn Tore Vorsprung in Barcelona, vielleicht ist da doch das Heimspiel gar nicht so schlecht", kommentierte Pressesprecher Dirk Metz das Los.
Barcelona hatte 1991 den Europacup der Landesmeister bereits gewonnen. Außerdem eroberten die Katalanen bereits dreimal den Pokalsiegercup. Da machte Wallaus Rückraumspieler Martin Schwalb ganz schlechte Erfahrungen. Der Torjäger spielte damals, Ende der 80er Jahre, noch für den TV Großwallstadt, als er in der Schlußminute unglücklich den Ball verlor. Barcelona gewann mit dem daraus resultierenden letzten Angriff den Europacup. "Da ist noch eine Rechnung offen", freute sich zumindest Schwalb, aber auch Trainer Heiner Brand stieß ins gleiche Horn: "Wenn wir bis zum April wieder unsere Form vom Dezember erreichen können, liegt auch Barcelona auf keinem anderen Stern für uns. Zagreb wäre auch nicht viel leichter geworden."
Bekanntester Spieler der Katalanen, die bereits wieder die Meisterschaftsendrunde in Spanien vorzeitig erreicht haben, ist Torwart Rico. Wegen des Europacup-Halbfinals wurde die Bundesliga-Partie der SG in Fredenbeck auf den 21. April und das Heimspiel in Rüsselsheim gegen Verfolger VfL Hameln vom 2. auf 5. Mai verlegt. jo
EGELSBACH. Wer für mehrmonatige Seminare nicht die erforderliche Begeisterung, Disziplin oder Zeit mitbringt, kann sich bei der Volkshochschule (VHS) Egelsbach auch an einem Wochenende fortbilden. Im neuen Halbjahresprogramm werden für Freitag und Samstag, 19. und 20. Februar, fünf Zwei-Tages-Kurse angeboten: Esoterik, Weben, Einführung in den Umgang mit Computern, Auffrischen von Französischkenntnissen und Körperbewußtsein mit T'ai Chi Ch'uan.
Sprachbegabte können bei der VHS wählen zwischen Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Für Ausländer gibt es zwei Deutschkurse: als Anfänger- oder Fortgeschrittenenlehrgang.
Unter den Stichworten "Sport und Entspannung" reicht die Palette von Yoga und autogenem Training über orientalischen Tanz bis hin zu Selbstverteidigung für Frauen und Mädchen. Wem der Sinn eher nach kreativem Zeitvertreib steht, kann die Seidenmalerei erlernen, sich in die Technik des Aquarellierens einführen lassen oder Puppen basteln.
• Auskünfte über das Programm der Volkshochschule, Kurszeiten und Gebühren gibt es im Egelsbacher Rathaus: montags von 9 bis 12 Uhr sowie donnerstags zwischen 15 und 18.30 Uhr - entweder direkt in Zimmer 29 oder unter der Rufnummer 0 61 03 / 405 - 169. leo
öhl ATHEN, 22. Januar. Die rund 16 000 Rechtsanwälte in der griechischen Hauptstadt Athen setzen ihren vor vier Monaten begonnenen Streik zunächst bis zum 5. Februar fort. Das wurde mit großer Mehrheit auf einer turbulent verlaufenen Vollversammlung der Anwaltskammer beschlossen. An der Versammlung nahmen etwa 3500 Anwälte teil. Der Streik richtet sich gegen die Rentenreform der konservativen Regierung.
RÖDERMARK. Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren können sich am Freitag, 22. Januar, im Rothaha-Saal (Bücherturm) in Ober-Roden mal richtig schön gruseln. Der Spezialist für unheimliche Vorgänge, "Ferri", erzählt Gruselgeschichten, begleitet von schauerlichen Tönen aus dem Phonomobil. Es geht um Angst und wie man mit ihr fertig wird. Die Kinder sollen als musikalische Gespenster mittun, sie dürfen mit den Zähnen klappern, heulen, stöhnen: von 14.30 bis 17 Uhr. fra
ULRIKE GÜRLET aus Mainz ist für ihre Diplomarbeit über die "Lebenssituation alleinstehender obdachloser Frauen" mit dem Förderpreis der Evangelischen Hochschulgesellschaft ausgezeichnet worden. Der 1991 ausgelobte und mit 1000 Mark dotierte Preis für Diplomarbeiten an der Evangelichen Fachhochschule Darmstadt wurde erstmals verliehen. Ulrike Gürlet nannte als wichtigste Erkenntnis ihrer Arbeit: "Die Zeit des Ignorierens ist vorbei." Für ihre Untersuchung hatte sie bei verschiedenen Ämtern und Behörden recherchiert, Kontakt zu Risikogruppen aufgenommen und in zwei Einrichtungen für obdachlose alleinstehende Frauen hospitiert.
HANAU. Der FDP-Landtagsabgeordnete Dirk Pfeil hat das hessische Verkehrsministerium kritisiert, weil es seiner Ansicht nach den Umbau des Tannenmühlkreisels als Teil des Zubringers zur A 3 verzögere.
Wenn das Ministerium nicht über genug Personal verfüge, um den Planfeststellungsbeschluß zügig vorlegen zu können, sei das ein Ergebnis einer verfehlten Einstellungs- und Personalpolitik.
Um möglichst rasch an Stelle des bestehenden Kreisels eine Brücke bauen zu können, müßten die Planabschnitte parallel und nicht hintereinander wie bisher ablaufen.
Werde die Öffentlichkeit früh einbezogen, lasse sich weitere Zeit gewinnen, meint Pfeil. him
GELNHAUSEN/MAINTAL. Frauen müssen leider draußen bleiben: Ausschließlich an Männer bis 24 Jahre richtet sich eine Veranstaltungsreihe des Kreis-Jugendbildungswerks, die am 28. Januar im Gelnhäuser Kreishaus und im "Frankfurter Hof" im Maintaler Stadtteil Dörnigheim beginnt.
Unter dem Motto "Selbst ist der Mann" werden an fünf Abenden - jeweils donnerstags von 19.30 bis 22 Uhr - Seminare und Workshops angeboten, "in denen man sich austauschen, diskutieren, aber auch aktiv werden kann".
Die kostenlosen "Donnertagstreffen", so das Jugendbildungswerk, sollen ein breites Themenspektrum abdecken. Geplant seien unter anderem: "Ich bin nicht nur Mann - auch Sohn"; "Angeboren oder anerzogen: der kleine Unterschied"; "Wieviel Sport braucht ein Mann?"; "Wie seh' ich mich, wie seh'n mich andere?"; "Männer baggern wie blöde?"; "Arbeit, Karriere, Faulenzen" und schließlich das Thema "Beziehungsfrust? - Beziehungslust?"
Man kann in diesen Veranstaltungen verschiedene Medien und Methoden verwenden, seien es Zeitung, Video, Fotografie oder Rollenspiele. "Neue Ideen und unkonventionelle Methoden" wünschen sich die Mitarbeiter des Jugendbildungswerkes, "sollen die Eigeninitiative stärken und den Blick auf den Stoff lenken", aus denen dann "Gespräche, Aktionen, Spiele und Projekte" gestaltet werden sollen.
Die Veranstaltungsreihe ist kostenlos, nähere Informationen erhalten potentielle Teilnehmer beim Jugendbildungswerk unter den beiden Telefonnummern 0 60 51 / 8 54 80 und 0 66 61 / 7 14 88. tja
FRANKFURT A. M. Viele wissen nicht, wohin sich ältere, kranke und behinderte Menschen wenden können, wenn sie die mobilen Dienste - ob nur vorübergehend oder auch auf Dauer - in Anspruch nehmen wollen. Dazu zählen Hilfe in der Wohnung und beim Einkaufen, ambulante Pflegehilfe und "Essen auf Rädern".
Die Mitarbeiter der Beratungs- und Vermittlungsstellen für mobile Dienste informieren über die die Möglichkeiten der einzelnen ambulanten Dienste und helfen, die passende Hilfe zu finden und zu vermitteln. Für die Frankfurter Stadtteile sind folgende Stellen zuständig:
Obermain (Ostend, Innenstadt, westliches Nordend, Altstadt): Hanauer Landstraße 16 a, Telefon 44 20 86 und 44 20 88.
Eschersheim (Eschersheim, Frankfurter Berg, Preungesheim, Dornbusch, Berkersheim, Eckenheim, Ginnheim): Johanniter-Cronstetten-Altenhilfe, Carl-von-Drais-Straße 20, Telefon 54 90 09;
Gallus (Griesheim, Gutleut, Gallus, Bahnhof): Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum, Gutleutstraße 317 a, Telefonnummer 2 71 06 80 oder 2 71 06 81;
Bockenheim (Rödelheim, Westhausen, Westend, Kuhwald, Hausen, Carl- Schurz-Siedlung): Frankfurter Verband, Friesengasse 7, Telefon 77 60 18;
Bornheim (Bornheim, östliches Nordend): Caritas Hauspflege, Böttgerstr. 22, Telefon 46 70 31;
Sachsenhausen (Sachsenhausen, Oberrad): Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe, Johanna- Melber-Weg 1, Telefon 62 80 66;
Nordweststadt (Praunheim, Bonames, Römerstadt, Nieder-Eschbach, Harheim, Nieder-Erlenbach, Heddernheim, Kalbach, Niederursel): Deutsches Rotes Kreuz, Mendelssohnstraße 78, Telefonnummer 71 91 91 21;
Bergen-Enkheim (Riederwald, Fechenheim, Seckbach, Bergen-Enkheim): Hilfezentrum im Hufeland- Haus, Wilhelmshöher Straße 34, Telefon 4 70 42 29, 4 70 42 81 oder 4 70 43 44;
Goldstein (Goldstein, Schwanheim, Niederrad): Evangelischer Regionalverband, Blauenstraße 3 (Niederad), Telefon 6 78 70 03. jan
sch FRANKFURT A. M. Turbulenzen an den Devisenmärkten und ein heftiges Auf und Ab an den Aktien- und Rentenbörsen haben im vergangenen Jahr auch bei den deutschen Investmentfonds Spuren hinterlassen. Sparer mit einer glücklichen Hand bei der Geldanlage können sich dennoch über zum Teil zweistellige Wertsteigerungen freuen. Für Kunden der Branche, die Pech mit der Wahl des Topfes hatten, in die sie ihr Geld steckten, hagelte es aber auch Verluste. Nach einer Aufstellung des Bundesverbandes der Deutschen Investment-Gesellschaften (BVI) über das Abschneiden der Publikumsfonds ihrer Mitglieder gilt dies für Anleger, die 1992 auf Aktienfonds setzten. Rentenfonds lagen dagegen fast durch die Bank im Plus. Ausnahmslos Wertsteigerungen bescherten die Immobilienfonds ihren Besitzern.
Wer sein Geld in Aktien-Sondervermögen mit Anlageschwerpunkt Deutschland anlegte, war am Jahresende laut BVI im Schnitt um 3,6 Prozent ärmer. Dahinter verbergen sich freilich große Unterschiede. So verzeichnete der BIL Deutscher Spezialwerte Fonds der Gesellschaft Euroinvest ein Minus von 20 Prozent. Vorne lag der Select Universal mit einem Plus von 9,3 Prozent. Der Verband tröstet über die wenig erfreuliche Entwicklung von Anfang bis Ende 1992 damit hinweg, daß die Fonds dem Charakter nach eher ein langfristiges Anlagemedium seien, und verweist auf Wertsteigerungen im Zehn- Jahres-Vergleich von 79 bis 308 Prozent.
Bei Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt im Ausland reichte die Spannweite der Wertentwicklung von minus 12,7 Prozent (SMH-International) bis zu plus 13 Prozent (Mundus Universal). Besonders hart traf es Investoren, die es wagten, sich in Fonds mit Konzentration auf Optionsscheine zu engagieren. Hier reichten die Rückgänge bis zu 40,6 Prozent.
Anleger in Rentenfonds konnten dagegen fast ausnahmslos Wertsteigerungen verbuchen. An der Spitze lag hier bei den Sondervermögen, die auf deutsche Titel ausgerichtet sind, der Uni 91/97 der Union Investment mit einem Plus von 13,4 Prozent. Bei den international orientierten Rententöpfen schnitt der Japan CB Universal mit einer Zunahme von 14,4 Prozent am besten ab.
Bei den gemischten Fonds, die in Aktien und festverzinslichen Wertpapieren investieren, reichte die Spanne von minus 10,7 bis plus 10,4 Prozent. Durchweg mit Wertsteigerungen warteten die offenen Immobilienfonds auf. Den Spitzenwert von 11,2 Prozent sicherte sich der Despa-Fonds der Sparkassen.
Von den Luxemburger Fonds deutscher Provenienz, die nicht zu den BVI-Mitgliedern zählen, krallte sich der DB Tiger Fonds ein Plus von 19 Prozent.
Städelsches Kunstinstitutund Städtische Galerie, Schaumainkai 63, Tel. 6 05 09 80: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Führungen Mi., 18.30 Uhr, Sa./So., 11 Uhr; Graphische Sammlung; Anselm Kiefer "Über Räume und Völker" (bis Frühjahr 1993); Stephan Balkenhol "Skulpturen im Städelgarten" (bis Frühjahr 1993).
Städelschule Frankfurt, Dürerstr. 10, Tel. 60 50 08 - 0: Mo. bis Sa., 6 bis 21 Uhr, So. geschlossen; Ausstellung der Klasse Jochims (bis 6. 2.).
Schirn Kunsthalle, Am Römerberg: Mo., 14 bis 18 Uhr, Di. bis Fr., 10 bis 22 Uhr, Sa./So., feiertags 10 bis 19 Uhr, Allgemeine Führungen Di., 11 Uhr u. Di./Do., 19 Uhr, Gabriele Münter 1877-1962 (bis 14. 2.); Edward Hopper 1882-1967 - Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen & Graphiken (bis 14. 2.).
Museum für Moderne Kunst, Domstraße 10, Tel. 212 304 47: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, Sa., 12 bis 19 Uhr; Zeitgenössische Kunst von 1960 bis heute; Martin Honert - "Installation - Brachland: Feuer-Star-Bahnhäuschen" (bis 16. 5. 93); Szenenwechsel "7 neue Räume - Balkenhol (bis 14. 2), Flinzer, Artschwager/Nauman/Ruscha/Trockel (bis 2. 11.), Manfred Stumpf - "Die Attrappe" (bis 26. 5.).
Senckenbergmuseum, Senckenberganlage 25, Tel. 7 54 20: Mo., Di., Do., Fr., 9 bis 17 Uhr; Mi., 9 bis 20 Uhr; Sa./So., 9 bis 18 Uhr; Führungen So., 10.30 Uhr, Mi., 18 Uhr; Dauerausstellungen "Urpferdchen und Krokodile - Messel vor 50 Millionen Jahren"; "Fossilien aus Libanon"; "Achate"; "Weg zur Unsterblichkeit - Mumien und Mumifizierung im alten Ägypten".
Historisches Museum, Saalgasse 19, Tel. 2 12 - 3 55 99: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Bibliothek: z. Z., geschlossen; Graphische Sammlung: Di. bis Do., 10 bis 13 Uhr; Führungen: Mi., 18 Uhr, So., 14 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. 2 12 - 34 611; Dauerausstellungen Altstadtmodell, -grabung, Saalhofkapelle, Frankfurter Fayencen, Frankfurter Ratssilber, Goldschmiedewerkstatt, bürgerliche Sammlungen des 18. Jh.; Historische Dokumentation 16.-18. Jahrhundert; Sonderausstellungen: "Anne aus Frankfurt" (bis auf weiteres); Sonderausstellung "Tony Sender 1888-1964 - Rebellin, Demokratin, Weltbürgerin" (bis 31. 1.); Kindermuseum: Lieblingsstücke aus Kinderhand (bis Ende 92); Malwettbewerb "Komm, wir reißen Zäune ein" (bis 24. 1.); Frankfurter Äpfelweinmuseum, Gaststätte "Historix" im Historischen Museum: regelmäßige Führungen, Mi., 18 Uhr, an Wochenenden nach Vereinbarung, Anmeldung Tel. 212 - 3 77 73.
Münzkabinett, Saalgasse 19: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Glaspasten, geschnittene Steine, Arabische Münzgewichte, Münzen der Kelten, Münzen der römischen Kaiser in Alexandrien.
Liebieghaus, Museum alter Plastik, Schaumainkai 71, Tel. 2 12 - 3 86 17: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Führungen So., 11 Uhr.
Museum für Kunsthandwerk, Schaumainkai 17, Tel. 2 12 - 3 40 37: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; allgemeine Führungen, So., 11 Uhr; Dauerausstellungen: I. Europäisches Kunsthandwerk, II. Kunst und Kunsthandwerk Ostasiens, III. Islamisches Kunsthandwerk, IV. Buchkunst und Graphik 14. bis 20. Jahrhundert, V. Russische Ikonen vom 18. bis 20. Jahrhundert; Sonderausstellung "Hell & Spar. Gestaltung von Energiesparleuchten" (bis 14. 2.).
Deutsches Filmmuseum, Schaumainkai 41, Tel. 212 - 3 88 30: Bibliothek, Di. bis Fr., 13 bis 17 Uhr; Mi. bis 19 Uhr, geöffnet; Dauerausstellungen I und II, Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi. bis 20 Uhr, Sonderausstellung "Sergej Eisenstein im Kontext der russischen Avantgarde 1920-1925" (bis 28. 2.).
Deutsches Architektur-Museum, Schaumainkai 43, Tel. 212 - 3 84 71: Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Führungen So., 11 Uhr, Mi., 18 Uhr, Gruppenführungen nach Absprache; Sonderausstellung "The Gate of the Present - 25 zeitgenössische Torentwürfe aus Lego Bausteinen" (bis 14. 2.); Sonderausstellung II "Peter Eisenman "Entwurfkonzept: Folding in Time - Wohn- & Gewerbepark am Rebstockgelände" (bis 31. 1).
Ikonen-Museum im Deutschordenshaus, Brückenstraße 3-7: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi. bis 20 Uhr.
Jüdisches Museum, Untermainkai 14-15, Tel. 212 - 3 50 00: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi., 10 bis 20 Uhr; Führungen: Mi., 18 Uhr, So., 14 Uhr in der Dauer- sowie Mi., 17 Uhr, So., 15 Uhr, in der Sonderausstellung; Dauerausstellung "Jüdisches Leben"; "Historische Ausstellung I (1100-1800) und II (1800-1950); Sonderausstellung "Zedaka: Jüdische Sozialarbeit im Wandel der Zeit. 75 Jahre Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland" (bis 28. 2.).
Museum Judengassse, Börneplatz: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr, Dauerausstellung "Die Frankfurter Judengasse: Fundamente - Geschichte - Alltagsleben"; Sonderausstellung "Stationen des Vergessens - Der Börneplatzkonflikt".
Museum für Vor- und Frühgeschichte, im Karmeliterkloster, Karmelitergasse/Ecke Alte Mainzer Gasse, Tel. 212 - 3 58 96: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Dauerausstellung; "Mensch und Natur in der Jungsteinzeit" - Tastausstellung für Blinde & Sehbehinderte (geöffnet nach tel. Vereinbarung: 212 - 3 58 95; bis 30. 6.94).
Museum für Völkerkunde, Schaumainkai 29: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, "Mythos Maske - Ideen, Menschen, Weltbilder" (bis Ende 94).
Deutsches Postmuseum, Schaumainkai 53, Tel. 6 06 00: Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Sonderausstellung "Zeit der Postkutschen" (bis 21. 2.).
Goethehaus und Goethemuseum, Großer Hirschgraben 23, Telefon 28 28 24: Mo. bis Sa., 9 bis 17.30 Uhr, So., 10 bis 13 Uhr; Führungen werktags um 10.30 und 14 Uhr, So., 10.30 Uhr; Kabinettausstellung "Neues aus den Sammlungen des Frankfurter Goethe-Museums" (bis auf weiteres); Sonderausstellung "Goethes Vater reist in Italien" (bis 14. 2.).
Stoltzemuseum, Töngesgasse 34-36, Tel. 21 70 - 22 66: Mo. bis Fr., 9.30 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Dauerausstellungen "Friedrich Stoltze als Zeitzeuge des 19. Jahrhunderts" und "Leben und Werk des Mundartautors und Satirikers Friedrich Stoltze; Sonderausstellung "Kaspers lustige Streiche oder Friedrich Stoltze für kleine und große Kinder" (bis 31. 3.).
Steinhausen-Museum, Wolfsgangstr. 152: Ausstellung "Rose Steinhausen - Ein Leben für das Werk des Vaters".
Stadtwerke Verkehrsmuseum, Schwanheim, Rheinlandstraße, Tel. 2 13 -2 62 09: Sa., So. und feiertags, 10 bis 18 Uhr, Führungen nach tel. Vereinb.; ständige Ausstellung "Von der Pferdebahn zur U-Bahn".
Frankfurter Feldbahnmuseum, Am Römerhof 15 a, Tel. 70 92 92: jeden ersten So. im Monat, 14 bis 17 Uhr.
Heinrich-Hoffmann-Museum, Schubertstraße 20, Tel. 74 79 69: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; "Struwwelpeter aus aller Welt, Bilder, Dokumente, Bücher"; Sonderausstellung "Von Struwwelhitler bis Punkerpeter" (bis auf weiteres); "Struwwelpeter mit italienischen Augen gesehen"; "Struwwelpeter trifft Max und Moritz".
Struwwelpetermuseum, Sammlung der Originale Dr. Heinrich Hoffmanns, Hochstraße 45-47, Tel. 28 13 33: täglich außer Mo., 11 bis 17 Uhr, Mi. 11 bis 20 Uhr.
Dommuseum, Am Domplatz, Tel. 29 07 87: Di. bis Fr., 10 bis 17 Uhr, Sa., So., Feiertag, 11 bis 17 Uhr; Dom-Führungen täglich, 15 Uhr; Museumsführungen Di. bis Fr., 11 Uhr; Ausstellung kostbarster und schönster liturgischer Geräte und Paramente des früheren Stifts und der heutigen Stadtpfarrei St. Bartholomäus; Modelle, Grundrisse und Reproduktionen über die Baugeschichte der Kirche und Krönungen im Frankfurter Kaiserdom im Kreuzgang der Domkirche; Franziska Lenz-Gerharz - Plastiken (bis 31. 1.).
Uhren- und Schmuckmuseum im Glockenspielhaus, Höchst, Hostatostraße 3, Tel. 30 30 30: jeden ersten Samstag im Monat von 10 bis 16 Uhr, und nach Vereinbarung; Ausstellung wertvoller Exponate, die die geschichtliche und technische Entwicklung aufzeigen.
Museum für Höchster Geschichte und Firmenmuseum der Hoechst AG, Höchster Schloßplatz, Tel. 30 32 49: täglich, 10 bis 16 Uhr.
Heimatmuseum Bergen-Enkheim, Altes Rathaus, Marktstraße, Tel. 3 23 44: So., 15 bis 18 Uhr, Do., 20 bis 21.30 Uhr; Ortsgeschichte, Römerzeit, Vor- und Frühgeschichte, volkskundliche Abteilung, Naturgeschichte, Erdgeschichte.
Heimatmuseum Schwanheim, Wilhelm-Kobelt-Haus, Alt-Schwanheim 6, Tel. 35 60 07: So., 10 bis 12 Uhr (oder nach tel. Vereinbarung mit Erwin Schneider).
Heimatmuseum Nied, Beunestraße 9 a: So., 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung.
Chaplin-Archiv, Klarastr. 5: Fr., 17 bis 19 Uhr.
Radio-Museum, Bornheimer Landstraße 20, Tel. 43 84 53: Mo. bis Fr., 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung; Komplette Rundfunkgeschichte von 1923 bis in die späten 70er Jahre. Dokumente von 50 Jahren Mediengeschichte.
Zeppelin-Museum, Kapitän-Lehmann-Straße 2, Zeppelinheim, Tel. 69 43 90: Fr. bis So. und feiertags, 9 bis 17 Uhr, Di. bis Do., für Gruppen nach Anmeldung. Deutscher Werkbund, Weißadlergasse 4: Di. bis So., 12 bis 18 Uhr, Lutz Fritsch - "Raumsichten" (bis 24. 1.).
Freunde Frankfurts, Verein zur Pflege der Frankfurter Tradition, Schellgasse 8, Tel. 61 59 18: Di., Fr., So., 14 bis 17 Uhr; Betti Häring: Zeichnungen, Aquarelle und Radierungen (bis 24. 1.).
Palmengarten, Siesmayerstr. 63: tägl. 9 bis 16 Uhr, Foyer Ost: Fotografien heimischer Orchideen (bis 24. 1.).
Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Str. 24: tgl., 10 bis 22 Uhr, Horst Wilbert - Neue Bilder (bis 26. 1.).
Zentralbibliothek, Zeil 17-23, Tel. 212 - 45 10: Di. bis Fr., 10 bis 19, Sa., 10 bis 13 Uhr; Fotoausstellung "Der Goldene Ring" - Kreml- und Klosterbauten vom 12. bis 18. Jahrhundert in Rußland (bis 30. 1.).
Hessischer Rundfunk, Bertramstr. 8/Foyer: tägl. 9 bis 19 Uhr, Augsburger Puppenkiste (bis 31. 1.).
Frankfurter Künstlerclub, Nebbiensches Gartenhaus, Bockenheimer Anlage: tägl.11 bis 17 Uhr, Hans Morgenstern - "Konstruktive Malerei" (bis 31. 1.).
Fotografie Forum Frankfurt, Leinwandhaus, Weckmarkt 17, Tel. 29 17 26: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Mi., 11 bis 20 Uhr, Sa. u. So., 11 bis 17 Uhr; Eberhard Grames "Kaputte Schönheiten" (bis 31. 1.).
Deutsche Bibliothek, Zeppelinallee 4-8: Mo. bis Do., 9 bis 20 Uhr, Fr., 9 bis 18 Uhr, Sa., 9 bis 17 Uhr, Georg Joachim Göschen - "Dokumente zur Verlagsgeschichte aus den Beständen des Deutschen Buch- & Schriftmuseums" (bis 3.2.).
Forum der Frankfurter Sparkasse, Töngesgasse 40: Mo. bis Fr., 9.30 bis 17 Uhr; Jürgen Kisch (bis 12. 2.).
Deutsch-Ibero-Amerikanische Gesellschaft, Gräfstr. 83: Mo. bis Do., 10 bis 13 Uhr & 15 bis 18 Uhr, Fr., 10 bis 13 Uhr, Gilda Neuberger - "Fresko auf Leinwand" (bis 19. 2.).
Palais Jalta, Bockenheimer Landstr. 104, Mo. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Die Bilder von Fjodor Ljutov, (bis 19. 2.).
Künstlerhaus Mousonturm, Waldschmidtstr. 4: Di. bis So., 15 bis 19 Uhr und während der Abend-Vorstellungen; Maix Meyer - "via regia oder Frankfurt atmet geerdet", Fotos und Installationen (bis 28. 2.).
Universitätsbibliothek, Bockenheimer Warte, B-Ebene: Mo. bis Fr., 8.30 bis 19.30 Uhr, Dieter Kühne (bis 28. 2.).
Jahrhunderthalle Hoechst: tägl. 11 bis 15 Uhr, Henry, Brancusi, Man Ray, Umbo - "Sterne und Stars" (bis 28. 2.). Portikus, Schöne Aussicht 2: Di. bis So., 11 bis 18 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, Jean-Frederic Schnyder - "Landschaft" (bis 21. 2.).
Förderverein Schöneres Frankfurt: 15 Arbeiten zeitgenössischer Künstler im Stadtgebiet; Info bei der Bürgerinformation am Römerberg."Romeiser-Affäre":SPD beantragt Sondersitzung
MAINTAL. Die "Romeiser-Affäre" schlägt weiter Wellen in der Maintaler Parteien-Landschaft und scheint nun doch zum Wahlkampf-Thema zu werden. Die SPD hat dazu eine Sondersitzung des Sozialausschusses beantragt. Die CDU distanziert sich von ihrem Fraktions-Pressesprecher. Mit einer Presseerklärung hatte der CDU-Stadtverordnete und CDU- Fraktions-Pressesprecher Kurt Romeiser eine Maintaler Kindertagesstätte und eine Hanauer Beratungsstelle angegriffen, die in einem Fall des Verdachts auf sexuellen Mißbrauch das getan haben, was sie für nötig und angemessen hielten. Nach einem Sorgerechts-Verfahren läuft "der Fall" - wie berichtet - derzeit in zweiter Instanz.
Als "beschämend und erschütternd" bezeichnen die SPD-Stadtverordneten Kornelia Schild-Kreuziger und Alexander Kühn das Verhalten des Christdemokraten und stellen die Frage, wem er denn wohl habe "helfen" wollen - außer seiner Partei.
Solche Pressemitteilungen könnten höchstens denen dienen, "die ein Interesse an der Behinderung der Aufklärung von Sexualdelikten haben. Das macht die Zeilen eines erfahrenen Stadtverordneten unbegreiflich", heißt es in einer Stellungnahme der Maintaler SPD, und weiter wörtlich:
"Die beiden SPD-Stadtverordneten haben eine umgehende Sondersitzung des Sozialausschusses beantragt, der sich mit dem Thema und dem Verhalten des Stadtverordneten Romeiser beschäftigen muß."
Täte die SPD nicht besser daran, diesen brisanten "Fall" aus der öffentlichen Diskussion herauszunehmen, wenn er denn schon durch mehr als unsensibles Verhalten hineingeraten ist? Die SPD ist im Gegenteil sogar gewillt, eine öffentliche Ausschuß-Sitzung zu fordern, wie Schild-Kreuziger gestern auf Anfrage erklärte. "Die Erzieherinnen fühlen sich zutiefst verunsichert", kommentierte Bürgermeister Dr. Walter Unger (SPD). Es bestünde die Gefahr, daß sie künftig nicht mehr dem Verdacht von Gewalt gegen Kinder nachgehen würden aus Angst, zum Gegenstand parteipolitischer Kontroversen zu werden. Das wäre ein unabsehbarer Schaden. Laut Schild- Kreuziger geht es unter anderem darum, "die Erzieherinnen zu bestärken, daß sie korrekt gehandelt und nicht Tadel, sondern eher Lob verdient haben".
Der CDU-Stadtverband teilte gestern mit, er halte die öffentliche Debatte vor dem rechtskräftigen Abschluß des Gerichtsverfahrens für "unangebracht". Dem stimme auch Romeiser zu, der Wert auf die Feststellung lege, "daß seine bisherigen Erklärungen dazu seine ureigene persönliche Stellungnahme war".
Der Stadtelternbeirat der Kindertagesstätten unterstützt in einer Presseerklärung die bereits vom Elternbeirat der beschuldigten Einrichtung bezogene (von der FR wiedergegebene) Position. pom
FRANKFURT A. M. "Neue Klänge wurden geschaffen, eine neue Art von Melodie erschien, ein neuer Zugang zum Ausdruck von Stimmungen und Charakteren wurde entdeckt. . ." So sprach Arnold Schönberg im Jahre 1937 über seinen fast dreißig Jahre zuvor entstandenen Liederzyklus mit Vertonungen von fünfzehn Gedichten aus "Das Buch der hängenden Gärten" von Stefan George. Gemischte Gefühle zeigt der in Denver, Colorado, gehaltene Vortrag. Nicht nur seine Aufbruchstimmung beschreibt der Komponist, sondern auch mißliche Erfahrungen " . . . auf einem neuen, aber dornenvollen Weg": Ablehnung, Verkennung, Vorurteile. Als " . . . eine wilden Mann, als Barbar, einen gesetzbrecherischen Eindringling im musikalischen Kulturbereich" fühlte sich Schönberg behandelt - zu Unrecht: "Weder hatte ich keinen oder nur einen sehr kümmerlichen Bildungshintergrund, sondern im Gegenteil, ich war in der Brahmsischen Kultur groß geworden. . ."
Damit ist der zweite Komponistenname des Abends genannt, den die Sängerin Brigitte Fassbaender, die Rezitatorin Marianne Hoppe und der Pianist Wolfram Rieger im Mozart-Saal der Frankfurter Alten Oper mit einem gleichermaßen konzentrierten wie schlüssigen Programm gestalteten: Mit einer Folge von Brahms-Liedern nach Stefan Georges Dichtung, zwischen deren ersten und dritten Teil Arnold Schönbergs Vertonungen.
Brahms' ausgewählte Lieder nach Dichtungen des Hafis von Georg Friedrich Daumer sind Facetten von Liebesregungen, solchen der melancholischen, verhaltenen, schwärmerischen, leidenschaftlichen, glücklichen und tragischen Art - melodiöser Klageton, akkordische Emphase, suggestive Klangsprache. Bilder- und emotionsdicht die Verse, die bisweilen den poetischen Exaltationen der George-Gedichte ähneln. Intensiv begleitet, stellt Brigitte Fassbaender das spätromantische Sentiment der sechs Gesänge mit routiniert-sensibler Beherrschung ihres Vokalmaterials eher in versonnener Expression dar, läßt die Stimme nur ganz selten ins Hochsentimentale ausbrechen.
Dergleichen aus dem Rahmen von Liedgesangskunst herausquellende Stimmwallungen trüben die vehement sorgfältige Interpretation der George- Vertonungen nur in vereinzelten Momenten. Ansonsten hält die Sängerin den oft exzessiven Gefühlsschüben zwischen fahlen Lyrismen und ungestümen Ausbrüchen stand. In Gesang und Klavierpart wird deutlich, welche Affekttraditionen hier überwunden wurden, und auch, wie immens die Anstrengungen dafür sein mußten.
Die Inspirationsbrisanz von Nuancen der Sprachmelodie, der Wortexpression für den Komponisten wurde spürbar in Marianne Hoppes Rezitation, gleichermaßen magisch sanft wie enflammiert.
Stimmungen und Bilder, Szenen, Gedanken beschwörend, oft beim Sprechen fast zum Singen abhebend. Leise, schlicht, mit Andacht und fragiler Ironie wurden hier allem Gesang unerreichbare Vorbilder gesetzt, solche, von denen Arnold Schönberg beim Komponieren seines "Pierrot Lunaire" geträumt haben könnte. V. L.
MARBURG/BUTZBACH. Es ist einer jener Tage im Januar, die einem das Autofahren ganz schön verleiden können. Der Verkehrsfunk nach den Sechsuhrnachrichten meldet Glatteis im Bereich Kassel und in den angrenzenden Bundesländern. Freie Fahrt in Hessens Mitte? Der Mann im Radio irrt: Kurz hinter Marburg glänzt der Rauhreif im Licht der Scheinwerfer. Die Straßen sind glatt. Auch hier. Der Verkehr wälzt sich gen Süden. Zu den Arbeitsplätzen. Und die sind in Gießen, in Frankfurt. Am Nordkreuz auf dem Gießener Ring, der Verbindung zur A 45, Richtung Dortmund und nach Limburg: Ein Lkw, von der A 480 kommend, zieht knapp vor uns raus auf den Ring. Ohne zu blinken. Mein Wagen gerät ins Schlingern. Ich bremse, mein Hintermann nicht. Der Abstand zwischen uns wird kleiner. Jetzt hupt der noch und schimpft - und rast vorbei. Mit diesem überlegenen Grinsen. Mach schon Platz, soll das wohl heißen. Um Haaresbreite hätte es gekracht. Es war schon verdammt knapp.
Andere haben weniger Glück. Rein statistisch gesehen ereigneten sich 1992 auf den Autobahnen im Regierungspräsidium Darmstadt alle vier Stunden fünf Unfälle. Die Ursachen sind seit Jahren dieselben: nicht angepaßte Geschwindigkeit, ein zu geringer Sicherheitsabstand, Mißachtung der Vorfahrtsregeln, Alkohol. Jetzt will die südhessische Behörde mit Sonderkontrollen Drängler und Raser zur Räson bringen. Drei Teams in mit Videokamera und modernster Bordelektronik ausgerüsteten Spezialfahrzeugen (Stückpreis 100 000 Mark) haben vor wenigen Tagen auf dem Streckennetz der Polizeiautobahnstation (PAST) in Butzbach mit der Überwachung begonnen.
Eine Kollision auf der Fahrt zu den "Kontrolleuren", das hätte gerade noch gefehlt. Ich schimpfe wie ein Rohrspatz. Mein 2 CV hat keinen Seitenaufprallschutz und kein ABS. Bloß 28 PS unter der Haube. Wo das Recht des Stärkeren oberstes Prinzip ist, ist derjenige, der nicht mithalten kann, ein Verkehrshindernis. Fair geht vor? "Die deutschen Autobahnen", wird Polizeihauptmeister Wolfgang Schneider in wenigen Stunden einen Gutachter vor dem Frankfurter Amtsgericht zitieren, "sind die offenen Abteilungen der Psychiatrie."
Obwohl das gestiegene Verkehrsaufkommen den Slogan "Freie Fahrt für freie Bürger" längst ad absurdum geführt hat, ist die Illusion in den Köpfen unverändert präsent. Da ist jener Kitzel, die Tachonadel bis zum Anschlag auszureizen. Sich von der Geschwindigkeit berauschen zu lassen, weil die Technik beherrschbar scheint. Vom "Aggressionsabbau auf Autobahnen" spricht der Butzbacher Polizeibeamte Volker Knapp. "Die kommen her und toben sich hier aus. Das ist für viele ein Sport."
Daß der mitunter tödlich endet, belegen die Zahlen. 97 Menschen starben zwischen Januar und November 1992 auf den knapp 600 Autobahnkilometern des Darmstädter Regierungspräsidiums. 9891mal hat es gekracht in den elf Monaten, 2767 Personen wurden verletzt. Auf den darin enthaltenen 161 Kilometern der PAST Butzbach, der größten in Hessen, summierte sich der entstandene Sachschaden der fast 4000 Karambolagen, die sich in ihrem Zuständigkeitsbereich ereignet haben, auf stolze 45 Millionen Mark.
Die Straßen sind trocken, als die beiden Polizeihauptmeister Ulf Kunz und Volker Knapp in ihrem 185 PS starken und 230 Stundenkilometer schnellen Gefährt auf die A 5 rollen. Dem metallic- blauen Opel, "getarnt" als 2.0i, sieht man seine sechs Zylinder nicht an. Auf der Rückbank ist die rundum schwenkbare Kamera installiert. Und der ins Auto- Cockpit integrierte Bordcomputer errechnet in Sekundenschnelle Geschwindigkeit und den Abstand zwischen zwei Fahrzeugen.
Die Tachonadel pendelt zwischen 120 und 160. Wir fahren inzwischen die A 5 Richtung Norden. Volker Knapp hat einen Firmenwagen ins Visier genommen. Die Kamera wird eingeschaltet. Die 125 Stundenkilometer, die links unten auf dem Monitor auftauchen, sind zwar nicht übermäßig viel, der Abstand, den der junge Fahrer zu seinem Vordermann hält, ist allerdings entschieden zu klein. "0,44 Sekunden, das entspricht weniger als 18 Meter", sagt der Polizist. Ein paar Minuten lang beobachten die Experten die beiden Autos. Die ahnen noch nicht, daß sie am nächsten Parkplatz erst einmal eine Zwangspause einlegen werden. Der zivile Meßwagen überholt. Per Knopfdruck fährt an der Rückscheibe die Jalousie hoch. "Polizei folgen."
"Man hängt sich halt dran und denkt gar nicht weiter drüber nach", sagt der Verkehrssünder, als er auf dem Rücksitz Platz nimmt und auf dem Monitor seine Fahrt betrachtet. Er erhält eine Lektion in Sachen Verkehrserziehung und eine Anzeige obendrein. Knapp zückt den Block. Was es kostet? Der Polizist holt die Tabelle. Erst müsse natürlich das Band ausgewertet werden. Doch zwischen 80 und 150 Mark werde er schon berappen müssen. Zusätzlich gebe es ein bis drei Punkte in Flensburg. Der Mann schluckt vernehmlich. Nach einer kurzen Belehrung darf er weiterfahren. Zum "dringenden Termin" nach Reiskirchen.
Seit dem 21. Dezember werden die Taten von Verkehrsrowdies in Hessen auf Videofilm gebannt. Den Anfang machte die PAST Darmstadt. Vor zwei Jahren erhielt auch Butzbach einen solchen Wagen. Heute sind im gesamten Bundesland acht dieser Fahrzeuge im Einsatz. Die jüngste Bilanz des mittelhessischen Überwachungsteams: 53 Ordnungswidrigkeiten und vier Vergehensanzeigen im November 1992; fünf zu bemängelnde Fahrzeuge, 43 Ordnungswidrigkeiten und drei Strafanzeigen im Dezember. "Die Verkehrsmoral", wissen Volker Knapp und Ulf Kunz, "läßt viel zu wünschen übrig."
Auf einem Parkplatz nahe der A 5 treffen wir Heinrich Adler und Wolfgang Schneider. Die beiden Polizeihauptmeister aus Darmstadt fahren in einem Team aus Wiesbaden die Sonderkontrollen. Auf dem Monitor werden die "Tagesergebnisse" abgespult: ein Mann, der sich nicht an das Tempolimit beim Gambacher Kreuz hielt und erst nach einer hartnäckigen Verfolgung an der Raststätte Wetterau gestoppt werden konnte; ein Lkw-Fahrer, der einen Kilometer lang seinem Trucker-Kollegen bedrohlich auf den Pelz rückte. "Nichts Außergewöhnliches eigentlich", sagt Heinrich Adler. Warum so gefahren wird? "Denen ist einfach nicht klar, wie gefährlich das ist."
Auf einer Kassette hat Volker Knapp die "spektakulären Fälle" zusammengestellt. Da ist jener schwarze Golf, der am 25. November 1992 die Tempo-100-Zone auf dem Gießener Ring mit gemessenen 175,6 Sachen entlangbretterte. Die Reaktion des Temposünders, erinnert sich Knapp, sei so "lapidar wie typisch" gewesen. Als der sich seinen Husarenritt auf Video anschaute, meinte er: "Ja, ich sehe ein, daß ich wohl zu schnell war." Die Einsicht kam etwas spät: 400 Mark Bußgeld, ein Monat Fahrverbot.
Was tun gegen die Unvernunft auf den Straßen? Horst Garbe, Leiter der PAST Butzbach, plädiert für eine "intensivere Fahrerausbildung". Und er fordert Geschwindigkeitsbegrenzungen: Auf der A 5 zwischen Reiskirchen und Alsfeld seien die Unfallzahlen und die Schwere der Unfälle erst dann zurückgegangen, als Wiesbaden die Höchstgeschwindigkeit auf 100 festlegte. "Und weil die Polizei auf diesem Streckenabschnitt konsequent kontrolliert", betont Garbe.
Bemerkenswert ist indes, daß immer weniger Menschen bereit sind, sich von rücksichtslosen Autofahrern "drangsalieren" zu lassen. Drängler und Raser müssen heute damit rechnen, für rowdyhaftes Verhalten bei den Behörden angezeigt zu werden. Im Durchschnitt gehen bei den Beamten der Butzbacher PAST zwischen 50 und 70 Strafanzeigen pro Monat ein. Die Beschwerden erboster Verkehrsteilnehmer wegen Nötigung nehmen zu. VOLKER TRUNK
Trotz Hochwassers unterhalb der Mauer läßt Verband auf Stausee Ahl nichts kommen Konzipiert für extreme Fluten
Von Jörg Andersson BAD SODEN-SALMÜNSTER. Die Situation in der vergangenen Woche schien groteske Züge zu tragen. Während im Kinzigstausee eine fast spiegelglatte Wasserfläche ruhte und das Gewässer zwischen Ahl und Steinau kaum mehr als die Hälfte der maximalen Ausdehnung erreichte, tobten unterhalb der Staumauer die Fluten. Wenige 100 Meter entfernt war, wie ein Beobachter vermerkte, "die Baustelle der A 66 abgesoffen", im benachbarten Bad Soden stand die Hauptgeschäftsstraße unter Wasser, der Pegelstand der Kinzig stieg auf 3,45 Meter über normal an. Der Kinzigstausee - Hochwasserschutz ohne Wirkung? Über 70 Millionen Mark hat das Projekt verschlungen, 16 Jahre liegen zwischen dem Baubeginn 1975 und der endgültigen Abnahme 1991. Während der Probestauphase mußte er einmal völlig entleert und eine zusätzliche Dichtwand eingebaut werden, um Unterspülungen zu verhindern.
Auch anderweitig ist der See umstritten. Im Wasser wimmelt es von Bakterien. Unzureichend geklärte Abwässer und auf dem Boden vermodernde organische Substanzen verhindern bis heute die zweite Funktion, die dem See zukommen sollte: In dem geplanten Freizeit- und Erholungsgebiet gilt ein Badeverbot, nicht einmal Surfer dürfen aufs Wasser. Alleine ein paar Tretboote dümpeln im Sommer vor sich hin.
Während in den nächsten Jahren allenfalls noch ein paar Segler auf ein neues Refugium zwischen Ahl und Steinau setzen, verteidigt der Wasserverband Kinzig die Talsperre. Als Hochwasserschutz, dem der Stausee in erster Linie diene, erfülle er alle in ihn gesetzten Erwartungen, erklärt der Betreiber, dem die Städte Frankfurt, Hanau und der Main-Kinzig- Kreis angehören. "Der See ist absolut sicher und dicht", versichert Dieter Waffenschmidt. Auch bei dem "kleineren Hochwasser" in der vergangenen Woche hat der Stausee nach Angaben des technischen Leiters, der beim Wasserverband für Hochwasserschutz und Abflußregelungen zuständig ist, bei der Wasserregulierung keineswegs versagt, sondern die Aufgabe, "dem Hochwasser die zerstörerischen Spitzen zu nehmen", erfüllt.
Die Funktion ist vom Regierungspräsidium per Auflage festgelegt. Danach muß das einlaufende Hochwasser in der Talsperre bis auf 40 Kubikmeter pro Sekunde zurückgehalten werden, ein Wert, der einer "bordvollen Kinzig" entspricht, wie Waffenschmidt sich ausdrückt. 90 Kubikmeter Wasser pro Sekunde transportierte der Fluß am Dienstag vergangener Woche in den See, der sich an der Staumauer auf etwas über neun Meter einpendelte, knapp drei Meter unter der maximalen Stauhöhe. Damit ist er "etwa zu 60 Prozent gefüllt", sagt der Wasserverbandstechniker. Inhalt: etwas über vier Millionen Kubikmeter. Die Speicherkapazität liegt bei rund sieben Millionen. Dann erstreckt sich die Wasserfläche über etwa 5,5 Kilometer Länge und dehnt sich zwischen Ahl und Steinau auf 125 Hektar aus.
Am letzten Dienstag hatte sich Waffenschmidt zunächst auf ein schlimmeres Hochwasser eingestellt. "Nach den Wetterprognosen mußten wir zunächst damit rechnen, daß am Mittwoch eine zweite Welle auf uns zukommt", erläutert er, "und die ist dann gefährlich". Doch soweit kam es nicht, weil die Niederschläge nachließen.
Den maximalen Stau hat es noch nie ge- geben. Beim jüngsten "Schadenshochwas- ser", wie es im Amtsjargon heißt, vor fast drei Jahren wurden etwas über elf Meter gemessen. 120 Kubikmeter pro Sekunde schossen im April 1989 aus der Kinzig.
Für solche Extremsituationen sei die Talsperre letztlich auch konzipiert, "nicht um überflutete Keller und Straßen zu verhindern", erklärt Waffenschmidt.
Die häufigeren Überschwemmungen im Kinzigtal sollen schon aus ökologischen Gründen nicht verhindert werden, bilden sie doch die Lebensgrundlage für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Ganz vermag der Stausee bei starker Schneeschmelze und ergiebigen Regenfällen das Hochwasser ohenhin nicht einzudämmen. Dazu bedürfte es weiterer Staubecken an den Hauptzuflüssen Bracht und Salz.
Dennoch kann sich die Bilanz der Talsperre laut Waffenschmidt durchaus sehen lassen. Seit ihrer Inbetriebnahme habe es in Gelnhausen die gefürchtete Hochwasserstufe drei, wo sich der Pegel allmählich der Fünf-Meter-Marke nähert, nicht mehr gegeben.
Nicht die TG Hanau/Erlensee, die eigentlich die bessere Ausgangsposition aufwies, sondern der 1. BV Maintal hat es am letzten Doppelspieltag der 2. Badmintonbundesliga noch geschafft, sich direkt für die Saison 1993/94 in der neu gebildeten zweigleisigen 2. Bundesliga zu qualifizieren.
Die Maintaler erzielten am abschließenden Wochenende in den beiden Hessenderbys beim VfN Hattersheim (7:1) und beim PSV Grün-Weiß Wiesbaden (4:4) drei Punkte und schließen die Saison auf dem dritten Rang ab, während die Hanau/Erlenseer durch einen nachträglichen Punktabzug und nur einen Punktgewinn in Hattersheim (4:4) bei einer 3:5-Niederlage in Wiesbaden auf den vierten Platz, den Relegationsrang, abrutschten.
Die Maintaler werden nicht der einzige hessische Vertreter in der neuen 2. Bundesliga Süd-Gruppe sein. Ob der zweite hessische Verein die etablierte TG Hanau/Erlensee sein wird oder der aufstrebende Oberligameister SG Anspach, entscheidet sich am 6. und 7. März in zwei Relegationsspielen. Der Gesamtsieger aus diesen Partien wird in der 2. Bundesliga dabeisein, der Verlierer muß mit der - ebenfalls neu eingerichteten - Regionalliga vorlieb nehmen.
Die Ausgangsposition der Hanau/Erlenseer hatte sich bereits vor dem Abschlußwochenende verschlechtert. Das 4:4 gegen den VfB Linz wurde am "grünen Tisch" in ein 3:5 umgemünzt, da die Hanauer den Indonesier Hargiono als Ersatzspieler eingesetzt hatten, er jedoch als Stammspieler gemeldet war. Da dies nicht satzungsgemäß ist, ging der Protest der Linzer durch.
Dennoch hätten der Spielgemeinschaft drei Punkte aus dem Abschlußwochenende genügt, um in der Endabrechnung den BV Maintal zu überflügeln. Doch bereits in Wiesbaden lief es sehr schlecht für die Gäste. Das Fraueneinzel (Rabbia Khan), -doppel (Khan/Riedel) und das Mixed (Riedel/Schmidt) gingen erwartungsgemäß verloren, wodurch sich der Druck auf die Männer verstärkte. Diesem Druck nicht standhalten konnten Hagen Skibbe und Alexander Merget. Beide verloren ihre Einzel in drei Sätzen, sodaß der Sieg von Thomas Wurm, dem "frischgebackenen" Südwestdeutschen Vizemeister im Doppel und Mixed, im Spitzeneinzel bedeutungslos blieb.
Den entscheidenden Minuspunkt in Hattersheim mußte überraschend das 2. Männerdoppel Schmidt/Skibbe bereits im Auftaktspiel hinnehmen. Da auch in Hattersheim Hanaus Frauen nichts ausrichten konnten, war trotz der Siege in allen Männereinzeln und im 1. Doppel nicht mehr als eine Punkteteilung zu erreichen.
Bis zu den Relegationsspielen will Hanaus Abteilungsleiter Horst Kröll den Einsatz des indonesischen Weltklassespielers Hargiono vom Verband endgültig genehmigt bekommen. Sollte Hargiono spielen können, dürfte der Zweitligist im Männerbereich Vorteile gegenüber den Anspachern verbuchen, die allerdings bei den Frauen klar besser besetzt sind. "50 zu 50", so meint Horst Kröll, stehen die Chancen in den beiden wichtigen Partien. Sicher ist hingegen die Klassenzugehörigkeit der 2. Mannschaft für die kommende Saison: Die "zweite Garnitur" der Hanau/Erlenseer sicherte sich ungeschlagen mit 26:2 Punkten die Meisterschaft in der Verbandsliga und steigt in die Hessenliga auf.
Die Maintaler präsentierten sich zum Saisonabschluß und damit im entscheidenden Moment in Bestform. Zunächst besiegten sie den VfL Hattersheim in überzeugender Manier. Beim 7:1-Erfolg mußte lediglich das Frauendoppel Ira und Daniela Kühnel gegen Bohlender/ Pastor Mareno einen Punkt abgeben. Alle übrigen Partien gingen glatt in zwei Sätzen an den BV. In Wiesbaden ging es etwas knapper und recht spannend zu: Nach Siegen der beiden Männerdoppel (Budiono/Henning Vöpel und Harald Vöpel/Dietz) sowie Henning Vöpel im dritten Einzel mußte Routinier Karl-Heinz Fix im zweiten Einzel eine Zweisatzniederlage hinnehmen.
Harald Vöpels Spitzenspiel gegen Rosennow mußte über Niederlage oder Remis entscheiden. Der Maintaler behielt die Nerven und siegte in einem spannenden dritten Satz mit 17:14. Erst später erfuhren die Maintaler, daß sie sich sogar eine Niederlage hätten erlauben können. Während die Hanauer nun in die "Verlängerung" müssen kann sich das BV-Team ganz auf die anstehenden Einzel-Turniere konzentrieren und in aller Ruhe für die Saison 1993/94 planen, die der BV Maintal wiederum in der zweithöchsten deutschen Spielklasse bestreiten wird.
ABSCHHLUßTABELLE DER 2. BADMINTON BUNDESLIGA:
1. SV Unkel 20:8 Punkte/67:45 Sätze, 3. VfB Linz 20:8/64:48, 3. 1. BV Maintal 17:11/64:48, 4. TG Hanau/Erlensee 15:13/60:52, 5. PSV Grün-Weiß Wiesbaden 14:14/57:55, 6. TuS Wiebelskirchen II 12:16/52:60, 7. PSV Ludwigshafen 9:19/47:65, 8. VfN Hattersheim 5:23/37:75
INA SCHNEIDER
USINGEN. Ihren "Damenabend" müssen die Usinger Narren heute ohne die wichtigste Dame feiern: Fastnachtsprinzessin Babs I. fällt aus gesundheitlichen Gründen überraschend für den Rest der Kampagne aus. Prinz Carlos I. wird allein hofhalten.
"Man muß alles ausprobieren", hatte Ihre Hoheit zu Beginn der Kampagne gesprochen und war Prinzessin geworden. Zu ihrem Bedauern fiel die Probezeit kürzer aus als erwartet. Der geschockte Hofstaat hat die Hoffnung auf eine Rückkehr noch nicht ganz aufgegeben. "Babs I. zu Buchstein de la Champagne" heißt also vorerst wieder Helga Baldus und überläßt das Regieren ihrem Gatten Carlos I. ill
"Es war ein wunderbares Wochenende, herrliches Wetter, und Marburg und Wolfhagen sind zwei schöne Städtchen". Franz Bohr, Frauenwart beim TTC Assenheim, erzählt vom jüngsten Auswärts- Doppelspieltag mit den Regionalliga- Tischtennisspielerinnen, als sei es ein Vereinsausflug gewesen. Kein Wunder: Über die Partien gegen den TB Andernach und den TFC Wolfhagen gibt es wirklich nicht viel zu berichten. Beide Aufeinandertreffen gerieten zu einer recht langweiligen Angelegenheit, denn die Assenheimerinnen waren ihren Gegnern dermaßen überlegen, daß zwei glatte 8:0-Siege heraussprangen und in beiden Begegnungen zusammen nur fünf Sätze verlorengingen. Angesichts dieser sportlichen Dominanz können sich die Mannschaftsbetreuer schon einmal zurücklehnen.
Was in anderen Klubs vielleicht für Jubelstürme sorgen würde, das reißt in Assenheim niemanden mehr vom Hocker, denn der TTC führt mit 24:0 Zählern die Tabelle an und steuert zielstrebig der 2. Bundesliga entgegen. Nun nahmen sich auch noch die Konkurrenten gegenseitig wichtige Punkte ab und hinken bereits sechs Punkte hinter den "Überfliegern" aus der Wetterau her. Kein ernstzunehmender Mensch zweifelt noch an der Meisterschaft des TTC Assenheim. In Andernach und in Wolfhagen wurde die Extra-Klasse des TTC wieder einmal überdeutlich. Branka Batinic, Karina Giese, Cornelia Böttcher und Sandra Bohr "fegten" ihre Gegner von den Tischen. Besonders erfreut war Trainer Wieland Speer über die Steigerung von Sandra Bohr, die ihre Einzel durchweg in zwei Sätzen "nach Hause" brachte. Die intensive Trainingsarbeit der Assenheimer Nummer vier macht sich immer mehr bezahlt.
Der nächste "Wochenendtrip" führt die Assenheimerinnen nun nach Zellertal (30. Januar) und Pirmasens (31.). Mit einem Sieg beim Tabellenzweiten TSG Zellertal können die Assenheimerinnen ihren Vorsprung weiter ausbauen. Zudem gilt es, einen vereinsinternen Wettstreit zu gewinnen: Auch die 2. Mannschaft des TTC führt mit 24:0 Punkten, allerdings "nur" 96:23 gegenüber 96:21 Sätzen der Ersten, die Tabelle der 2. Verbandsliga an. Der ganze Ehrgeiz der "Zweiten" gilt nun dem Satzverhältnis, das am Ende mindestens ebenso gut sein soll wie das des Regionalligateams. Am kommenden Wochenende sind die Regionalligaspielerinnen aus Assenheim bei den Hessenmeisterschaften aktiv, ehe es zum nächsten Wochenendtrip und zur Fortsetzung des internen Duells geht. Ob auch Zellertal und Pirmasens solch hübsche Städtchen sind ? ina
has FRANKFURT A. M. Die "Fusionitis", die seit der Niederlage des Kartellamts vor dem Berliner Kammergericht im Fall des Zusammenschlusses von co op und Wandmaker Mitte der achtziger Jahre im Lebensmittelhandel ausgebrochen ist, beschäftigt nun auch die Monopolkommission. Ihr Vorsitzender, Professor Carl Christian von Weizsäcker, betonte auf einem vom Landesverband des Bayerischen Einzelhandels und von der Lebensmittelzeitung veranstalteten Symposium, das Gremium habe damals in einem Sondergutachten keinen wettbewerbspolitischen Handlungsbedarf gesehen. Auf den Märkten habe sich inzwischen einiges geändert. Es bestehe Anlaß, sich der Sache erneut anzunehmen.
Mit Spannnung dürfte Dieter Wolf die Ergebnisse erwarten. Der Präsident des Kartellamtes erläuterte, daß für die Konzentration aufgrund machtbedingter Ursachen die besonders günstigen Konditionen entscheidend seien, die die großen Lebensmittelhändler bei der Warenbeschaffung hätten. Die Konditionenvorteile überstiegen in vielen Fällen die Umsatzrendite. Sie seien der Anreiz für den Erwerb von Wettbewerbern. Zugleich seien sie das Finanzierungspotential, das für den Kauf benötigt werde. Ergo: Die Konzentration finanziere sich zu großen Teilen selbst.
Wolf wies auf der Veranstaltung darauf hin, daß seine Behörde seit dem Richterspruch zu co op/Wandmaker keine Mittel zur Untersagung von Fusionen in dieser Branche hat. Doch machte auch er auf die veränderten Märkte aufmerksam. Und deshalb kündigte er an, sein Haus werde den Gang vor die Gerichte noch einmal wagen, wenn sich ein geeigneter Fall anbiete, um das Kammergericht mit den aktuellen Bedingungen im Handel zu konfrontieren. Der Präsident hob hervor, im Lebensmittelhandel sei eine Konzentration erreicht, bei der man jene Warner, die eine Abnahme der Wettbewerbsintensität befürchten, sehr ernst nehmen müsse. Gestiegene Gewinnspannen seien Indikatoren dafür, daß der Wettbewerb schweren Schaden nehmen könnte, wenn die Konzentration wie bisher weiterlaufe. In den vergangenen zehn Jahren seien aus der Gruppe der zehn führenden Unternehmen sechs von den anderen gekauft worden.
Hoffnungen, nach denen ausländische Anbieter den Markt betreten könnten, schließt sich Wolf nicht an. Zum einen sei die Umsatzrendite im deutschen Lebensmittelhandel noch immer im europäischen Vergleich relativ gering; zum anderen seien alle Vertriebsschienen in der Bundesrepublik gut besetzt. Und schließlich gebe es logistische Untergrenzen, die von Neulingen aus dem Stand kaum erreicht werden könnten.
HANAU. Stadtkämmerer Norbert Kress (CDU) hat in der Magistratspressekonferenz den aktuellen städtischen Schuldenstand beziffert. Danach betrugen die roten Zahlen Ende 1992 496,26 Millionen Mark, ein Jahr zuvor waren es noch 487,3 Millionen Mark. Die prozentuale Neuverschuldung liege damit bei 1,48 Prozent.
Das schaffe weder Land noch Bund, rechtfertigte er sich gegen Vorwürfe, nichts gegen den wachsenden Schuldenberg getan zu haben. him
EGELSBACH. SPD-Politiker aus Bund, Land und Gemeinde werden am Montag, 25. Januar, von 19 Uhr an im Egelsbacher Bürgerhaus über Pflegeversicherung und Alterssicherung für Frauen diskutieren und auf Fragen antworten.
Ihre Teilnahme haben zugesagt: Rudolf Dreßler, sozialpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, seine Parlamentskollegin Uta Zapf, Landtagsabgeordneter Matthias Kurth, Hannes Ziller vom Unterbezirksvorstand sowie Bürgermeister Heinz Eyßen und Fraktionsvorsitzender Wolfgang Becker. leo
KEFENROD. Bei der nächsten öffentlichen Sitzung der Gemeindevertretung am Donnerstag, 21. Januar, ab 20 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Burgbracht wird der Haushalt für 1993 vorgelegt. Darüber hinaus stehen Beschlüsse in Sachen Wasserversorgung für Burgbracht und Kauf einer mobilen Spritze für die Feuerwehr Hitzkirchen an. Erst nach den Mitteilungen des Gemeindevorstandes und den Anfragen der Parlamentarier können Bürgerinnen und Bürger mit ihren Fragen zu Wort kommen. mk
Familiensauna im Fischer-Bad bleibt HANAU. Sport- und Freizeitdezernent Klaus Remer hat versichert, daß die Familiensauna im Heinrich-Fischer-Bad nicht wegen Personalmangels wegfallen müsse. Das sei auch wirtschaftlich unsinnig, weil diese beliebten Saunazeiten mehr Einnahmen mit sich brächten als gleichzeitig entstehende Personalkosten.
NEU-ISENBURG. "Rückt Deutschland nach rechts?" ist die Frage, der SPD-Bundespolitiker Peter Glotz am Montag, 25. Januar, um 20 Uhr in der Hugenottenhalle nachgehen wird. Auf Einladung der Jusos im Kreis Offenbach soll Glotz über Gründe für den aktuellen Rechtsextremismus und Gegenstrategien referieren.
Eine Stunde zuvor, um 19 Uhr, wird der renommierte, in Heidelberg lebende "Poster-Künstler" Klaus Staeck eine Ausstellung mit einer Auswahl seiner politischen Plakate eröffnen, die in der Hugenottenhalle bis 4. Februar zu sehen ist. leo
LIEDERBACH. Gut ein Jahr hat's gedauert, heute schicken sich rund 50 der insgesamt 200 Liederbacher Geschäftsleute und Selbständige an, Nägel mit Köpfen zu machen: Um 20 Uhr treffen sie sich in der Liederbachhalle, um den ersten Gewerbeverein der Gemeinde zu gründen. Überfällig ist er schon lange, sagen die Initiatoren Dieter Blank und Joachim Unverzagt. Sei in punkto Gewerbeansiedlung doch einiges fehlgelaufen in der kleinsten Gemeinde des Kreises: "Viele Angebote des Kleingewerbes sind überhaupt nicht vorhanden. Die Leute müssen auswärts einkaufen gehen." Und das schädige wiederum die ansässigen Betriebe. Denn wer zum Schuster nach Kelkheim oder Frankfurt fährt, deckt dort gleich all seine Begehrlichkeiten.
Eine "Struktur- und Bedarfsermittlung" nennen Blank und Unverzagt denn auch als vorrangige Aufgabe des neuen Vereins. "Wir müssen überlegen, wie wir das ansässige Gewerbe halten können und wie es für seine Angebotspalette werben soll, um die Kunden im Ort zu erreichen." Keine leichte Aufgabe für einen kleinen Gewerbeverein, wissen die Initiatoren. Zum einen seien die Interessen der unterschiedlichen Berufsgruppen nur schwer unter einen Hut zu bringen; zum zweiten stehen die drei nach der Gebietsreform zusammengefaßten Gemeinden Oberliederbach, Niederhofheim und Liederbach nach wie vor als drei Zentren unverbunden nebeneinander.
Die Geschäfte und Gaststätten rund um den Villebonplatz im Herzen Liederbachs hätten noch die geringsten Sorgen. Kaum angenommen würden hingegen die Läden rund um den neuen Marktplatz in der Siedlung oberhalb der Liederbachhalle. "Der Supermarkt dort wird zwar gut besucht, aber der Eingang liegt ausgerechnet auf der rückwärtigen Seite des Marktplatzes." Eine "klare" Fehlplanung moniert der Architekt Unverzagt, würden die Ladengalerien um den Platz herum von den Bürgern gar nicht wahrgenommen. Gut 40 Prozent der Geschäfte stünden leer. "Wenn nichts da ist, geht niemand hin. Und wenn niemand hinkommt, kann sich kein Geschäft halten."
Neben gemeinschaftlichen Werbeaktionen und einer Struktur-, Standort- und Bedarfsanalyse haben sich die Initiatoren noch weitere Aufgaben für den neuen Verein überlegt: So wollen sie als Interessengemeinschaft bei der Ansiedlung von Betrieben und der Ausweisung neuer Gewerbeflächen bei den politischen Gremien vorsprechen. Darüber hinaus wollen sie jährliche Gewerbeschauen organisieren und mit Liederbacher Vereinen und Verbänden ebenso mit anderen Gewerbevereinen in der Region zusammenarbeiten. Über die Vorschläge soll heute diskutiert, gleichzeitig auch ein vorläufiger Vorstand gewählt werden, der bis zum 30. April im Amt sein wird, um den formalen Akt der Gründung über die Bühne zu bringen. Unverzagt: "Wir wollen nur einen vorläufigen Vorstand, damit die künftigen Mitglieder auch eigene Vorstellungen einbringen können. ana
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Beratung / Selbsthilfe Friedberg. Altenbeirat Wetteraukreis: Sprechstunde, 10-12 Uhr, Kreishaus Europaplatz, Zi. 420, Tel. 0 60 31 / 833 59.
LVA: Sprechtag, 8-12 Uhr, Auskunfts- und Beratungsstelle, Hanauer Str. 30.
Wildwasser Wetterau: Beratung für Mädchen, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind, 10-12 Uhr, Hanauer Str. 12, Tel. 0 60 31 / 640 00.
Diakonisches Werk: Gemeindeclub Knospe, Offener Treff für Menschen in Krisensituationen, 14-20 Uhr, Seewiese; Ehe-, Familien- und Lebensberatung, psychologische Beratung, Gesprächstermine nach telef. Vereinbarung unter 0 60 31 / 149 59, Leonhardstr. 16.
Bad Nauheim. Frauen helfen Frauen Wetterau: Frauenhaus, Tel. 0 60 32 / 47 84, Beratungsstelle des Frauenhauses: Mo. 13-16 Uhr, Mi. 9-12 Uhr, Fr. 9-12 Uhr u. nach Vereinbarung, Frankfurter Str. 1c, Tel. 0 60 32 /47 74.
Treffen für Wiedereinsteiger (mit Kinderbetreuung), 10-11.30 Uhr, Alte Feuerwache Johannisstr. 5.
Echzell. Freundeskreis Wetterau, Verein für Suchtkrankenhilfe: Gruppenstunde, 20-22 Uhr, Ev. Gemeindehaus, Lindenstr. 4, Kontakttelefon 0 60 08 / 315.
Nidda. Frauen-Notruf: Selbsthilfegruppen, 19.30-22 Uhr, Weiherstr. 12 Borsdorf, Tel. 0 60 43 / 44 71.
Büdingen. Kath. Gemeinde St. Bonifatius: Mutter-Kind-Kreis, 10 Uhr, Haus Walburga.
Gedern. FFw. Wenings: Jahreshauptversammlung, DGH Wenings. Kulturmix Friedberg. Café Kaktus: The Stage Band in concert, 21 Uhr, Hospitalgasse 16.
Volksbühne: Westfälisches Landestheater - "Hitlerjunge Quex" v. H.J. Utzenrath u. K. Mißbach, 20 Uhr, Stadthalle.
Bad Nauheim. Kurkonzert: 15.30 Uhr, Trinkkuranlage.
Bad Vilbel. Abonnement-Theater: Theater am Kurfürstendamm - "Zwiebeln und Butterplätzchen", Komödie v. J. Mortimer u. B. Cooke, 20 Uhr, Kurhaus.
Karben. Jugendpflege: Roots - rock live, 20 Uhr, JUKUZ Selzerbrunnenhof.
Nidda. Kurkonzert, 10.30-11.30 u. 15-16.30 Uhr, Trinkkurhalle Bad Salzhausen. Ortenberg. Kleinkunstbühne Fresche Keller: Kabarett Knobi Bonbon - "Der Beschneider von Ulm", 20 Uhr, Burghalle Lißberg. Gruppen / Vereine Friedberg. Frauenzentrumsverein: Frauen-Kneipe, ab 20 Uhr, Usagasse 8 (Eing. Judengasse).
Bad Nauheim. Mütter- u. Familienzentrum: Babytreff, 15-17 Uhr, KiGa Steinfurth. Eisenbahnfreunde: Klubabend, 20 Uhr, Klubheim.
Hiesbachverein: Stammtisch, 20 Uhr, Sportheim.
Schachklub: Jugend spielt Schach, 16 Uhr, allgemeiner Spielabend, 19.30 Uhr, Musikpavillon Trinkkuranlage.
DLRG: Abnahme aller Schwimmprüfungen, 17.30 Uhr, Usa-Wellenbad.
Gem. Usa-Gärten: Stammtisch, 18 Uhr.
FFw. Jahreshauptversammlung, 20 Uhr, Feuerwehrstützpunkt Schwalheimer Str.
Bad Vilbel. Bürgeraktive: Französische Konversation, 9-10.30 Uhr, Frankfurter Str. 15.
Jugendpflege: Spiel- und Basteltreff für Kinder bis 12 J.: Massenheim, 14.30- 17.30 Uhr, Altes Rathaus an der Kirche.
Kinderschutzbund: Stillgruppe, 10-12 Uhr; Leseklub, 15-17 Uhr, Frankfurter Straße 85 (I. Stock).
Rosbach. SG Rodheim: Lauftreff, Treffpunkt 18.30 Uhr, Klubheim Mainzer Str.
Butzbach. Verein der Köche Bad Nauheim: Vorentscheid z. Rudolf-Achenbach- Wettbewerb, 17.30 Uhr, Berufsschule.
Gesangverein 1838: Jahreshauptversammlung, 20 Uhr, Sängerheim / Alte Turnhalle.
MSC Wettertal: Hauptversammlung.
Musikverein Hoch-Weisel: Jahreshauptversammlung, Rathaussaal.
MSC Germania Nieder-Wiesel: Generalversammlung, Gasthaus Glocke.
Echzell. Musikverein 1893: Versammlung, 20 Uhr, Horlofftalhalle.
Niddatal. FFw. Ilbenstadt: Jahreshauptversammlung, 20 Uhr, Gerätehaus.
AKG Assenheim: 1. Probe, 19.30 Uhr, BGS.
Wöllstadt. BUND OV: Jahreshauptversammlung, 19.30 Uhr, Gaststätte Weide.
Karben. TV Die Naturfreunde: Jahreshauptversammlung, 20 Uhr, Schutzhütte Okarben.
Altenstadt. Jugendklub Treff: 19-22 Uhr, a.d. Altenstadthalle.
VfL: Joga für Frauen und Männer mit Grundkenntnissen (auch für Nicht-Mitglieder des VfL), 20-21.30 Uhr, Brunnenstr. 16, Heegheim, Tel. 0 60 47 / 20 32.
Nidda. GV Eichelsdorf: Jahreshauptversammlung, 20 Uhr, BH Eichelsdorf.
FFw. Ulfa: Generalversammlung, Bürgerhaus Ulfa.
GV Wallernhausen: Jahreshauptversammlung, 20 Uhr, BH Wallernhausen.
Büdingen. Mädchen-Café, 15-18 Uhr, Am Marktplatz 3, Tel. 0 60 42 / 27 16.
Hirzenhain. TV 1856 Hirzenhain: Jahreshauptversammlung, 20 Uhr, Gaststätte Stolberger Hof.
Limeshain. Club der Tümmler-Freunde 1992 Nidderau: Tümmlertauben-Schau, MZH Hainchen (bis So.). Vorträge / Kurse Friedberg. Musikschule: Studioworkshop E-Gitarre, 17-22 Uhr, Augustinergasse 10.
Bad Nauheim. Dia-Vortrag "Island", 19.30 Uhr, Trinkkuranlage.
Echzell. Sportschützengemeinschaft: Vortrag "Bewußtseinsgeschichte der Menschheit und das Bogenschießen" v. D. Loth, 20.15 Uhr, Schützenhaus.
Karben. Geschichtsverein: Vortrag "Das Mysterium der Kathedrale von Chartres" v. F.K. Herrmann, 20 Uhr, ev. Gemeindehaus Gr.-Karben.
NABU-DBV & ArGe Kultur: Dia-Vortrag "Einheimische Spinnen" v. W. Schößler, 20 Uhr, ev. Gemeindezentrum. Parteien / Parlamente Friedberg. CDU: Neujahrsempfang mit Dr. A. Dregger, 19 Uhr, BH Bruchenbrükken. Rockenberg. SPD: Jahreshauptversammlung OV Oppershofen, 19.30 Uhr, Gasthaus Marienschloß Klostergasse 18. Verschiedenes Rosbach. Stadt Rosbach: Neujahrsempfang, 19.30 Uhr, Adolf-Reichwein-Halle.
Nidda. Wanderungen durch Wald und Flur unter ortskundiger Führung, Treffpunkt: 13.30 Uhr, vor der Kurverwaltung.
Abfallsammlung Rosbach. Abfuhr der gelben Säcke in Ober-Rosbach.
Butzbach. Altpapiersammlung in Kirch-Göns, Pohl-Göns, Ebersgöns und Griedel.
Friedberg. Gianni Colombo - spazio curvo, der gekrümmte Raum, Di.-Do. und So. 11-20 Uhr, Görbelheimer Mühle, Bruchenbrücken (bis 30. 3.).
Bad Nauheim. Was Sie über Herzinfarkt wissen sollten, und warum jede Minute zählt, Wanderausstellung, Haus der Gesundheit (bis 2. 2.).
Bad Vilbel. Brunnen- u. Heimatmuseum: Historische Bügelgeräte, So. 10-12 u. 14-17 Uhr, So. 19-21 Uhr (bis Februar).
Echzell. Heimat- u. Geschichtsverein: "Was du ererbt von deinen Vätern", So. 10-12 u. 14-16 Uhr, Lindenstr. 3 (bis Ende Februar 1993).
Büdingen. Aus Kleiderschrank und Wäschetruhe, Di.-Fr. 10-12 Uhr, Mi. u. Sa. 15-17 Uhr, So. u. Feiertage 10-12 und 15-17 Uhr, Heuson-Museum im Rathaus (bis 28. 02. 93).
Schotten. Ding Dong - "Comics x Cartoons x Cunst", Stadtbibliothek. (bis 19. 02.) Filmspiegel Friedberg. Roxy: Bodyguard (15, 20.15, 22.30 Uhr) - Blende: Die Schöne und das Biest (15 Uhr); Eine Frage der Ehre (20, 22.30 Uhr) - Studio: Kevin - allein in New York (15 Uhr); Sister Act (20.15, 22.30 Uhr) - Keller: Der Tod steht ihr gut (15, 20.15, 22.30 Uhr).
Bad Nauheim. Terminus: Fatale Begierde (19 Uhr); Rote Laterne (21.15 Uhr).
Bad Vilbel. Alte Mühle: Wir Enkelkinder (20.15 Uhr); Ilona und Kurt (22.45 Uhr).
Butzbach. Capitol: Die Schöne und das Biest (20 Uhr) - Bambi: 1492 - Die Eroberung des Paradieses (20 Uhr).
Altenstadt. Apollo Lichtspiele: Moonwalker (16 Uhr); Sister Act (20 Uhr).
Büdingen. Royal: Bodyguard (20, 22.30 Uhr) - Princess: Sister Act (20, 22.30 Uhr).
Schöneck. Sternpalast: Wolfsblut (16 Uhr); Gestohlene Kinder (19.45 Uhr); Mo&rquote;money (22 Uhr).
Lich. Traumstern: Boyz&rquote;n the Hood (17.15 Uhr); Am Ende eines langen Tages (19.30 Uhr); Simple Men (21.45 Uhr); Walker (24 Uhr).
(ohne Gewähr)
Einen Tag nach der Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten hätten die Franzosen der 200jährigen Amtsaus- führung eines nicht nur unverdienten Monarchen gedenken können, der allerdings das Pech hatte, zu Revolutionszeiten seines Amtes walten zu müssen. Die grande nation läßt sich sonst kaum etwas entgehen, was von Ruhm und Ehre Zeugnis ablegen könnte, und sogar ein rollender Königskopf konnte dazu im Vaterland der Großen Revolution herhalten. Der Hinrichtung Ludwigs XVI. jedoch soll am Donnerstag trotz der prächtig sich rundenden Jahreszahl nur kleinlaut gedacht werden (und von der armen Marie-Antoinette, seiner trostlosen Gattin, die ein dreiviertel Jahr später zum Schafott gekarrt wurde, scheint überhaupt niemand mehr sprechen zu wollen.)
Da, wo dereinst die Guillotine stand und den Willen des Volkes ohne Rücksicht auf Geschlecht und Stand vollzog, am Concorde-Platz, soll eine diskrete Feier stattfinden. In zahlreichen Kirchen der französischen Hauptstadt und sogar im Ausland (Bayern, München!) werden Gedenkmessen zelebriert - Notre-Dame auf der Seine-Insel aber bleibt verschlossen: Der Pariser Erzbischof befürchtet eine "politische Ausschlachtung" des Ereignisses.
Ei was denn - sollte der König, der nach übereinstimmendem Urteil der Historiker ein potentiell guter, wenngleich schwankender war, denn ein zweites Mal abgeschlachtet werden? Im Gegenteil, seiner sollte zumindest anteilnehmend gedacht werden, ohne daß damit der Revolution als solcher eine späte Absage erteilt worden wäre. Doch das offizielle Frankreich konnte sich zu einem Gedenken nicht durchringen. Des Beginns von Robespierres Rübe-ab-Schreckensherrschaft sich nun gar im Büßergewand zu erinnern hätte womöglich irgendwie unvorteilhaft ausgesehen, nachdem man vor ein paar Jährchen erst den Startschuß zur Revolution noch pompösest und nicht eben mit geschärftem Blick auf Blutopfer gefeiert hatte.
So müssen Frankreichs Royalisten nun zähneknirschend mit kleinen Lilien- Gebinden sich begnügen, und ob der sowohl geschichts- wie repräsentations- bewußte Präsident der Republik mit der kleinen Lösung tiefinnerlich zufrieden ist, das muß er mit seinem sozialistischen Gewissen auskämpfen. Eine Umfrage immerhin ergab, daß neun Prozent der Franzosen "heute noch den Tod des Königs befürworten würden" - eine um so erstaunlichere Zahl, wenn man bedenkt, daß die sie verbreitende Agence France Presse ihr das Wörtchen "nur" voranstellt. Es kann nur von einem Nachfahren der revolutionären Schreckensmänner in die Meldung hineinredigiert worden sein.
Was denn nun die Geschichte von Ludwigs "Dernière" mit Bills "Première" zu tun hat? Nun, der europäische Monarch hatte sich seinerzeit nicht nur für Kriegsgefangene und potentielle Folteropfer in humanem Sinne eingesetzt, sondern auch die amerikanischen Unabhängigkeitskämpfer seines königlichen Wohlwollens versichert. Weshalb wir heute bei Mr. Clinton genau hinhören werden, ob er, beim fälligen Rückblick in die Geschichte seines Landes, ein freundliches Wort übrig hat für einen Mann, der samt dem von ihm repräsentierten System unterging in dem Moment, da in der neuen Welt ein anderes sich konstituierte. HS
RODGAU. Für rund 110 000 Mark wird der Erweiterungsbau der Friedrich-von- Bodelschwingh-Schule in Weiskirchen verputzt. Den Auftrag dazu hat der Kreisausschuß Offenbach jetzt erteilt. Landrat Josef Lach geht davon aus, daß der Erweiterungsbau zum Schuljahresbeginn 1993/94 eröffnet werden kann. Die Gesamtkosten für den Aus- und Umbau der Bodelschwingh-Schule, in der behinderte Kinder unterrichtet werden, belaufen sich auf etwa fünf Millionen Mark. fra
BAD NAUHEIM. Auf dem Weg zu ihrer Arbeit ist gestern morgen eine 27jährige Frau aus Bad Nauheim von einem circa 20jährigen Mann überfallen worden.
Die junge Frau war mit ihrem Fahrrad gegen 6.50 Uhr von ihrer Wohnung in der Beethovenstraße aufgebrochen, um nach Schwalheim zu radeln, als sie an der Abzweigung in den befestigten Weg an den Salinen auf einen jungen Fahrradfahrer aufmerksam wurde, der ihr entgegenkam. Der Mann beschleunigte seine Fahrt, so daß er die Bad Nauheimerin einholte, bevor sie die Bundesstraße 3 erreicht hatte. Er brachte sie mit ihrem Rad zu Fall und versuchte, sie an sich zu zerren. Die laut schreiende Frau konnte sich unter heftiger Gegenwehr losreißen und in Richtung Beethovenstraße flüchten, wobei sie jedoch mehrfach stürzte und sich Verletzungen zuzog. Der Mann entkam unerkannt.
Nach Angaben des Opfers soll er etwa 1,80 Meter groß sein und dunkles, schulterlanges Haar tragen. Bekleidet war er mit einer hellbeigen gesteppten Jacke mit großen Karos, einer Blousonjacke sowie einer hellgrauen Hose, eventuell auch einer ausgewaschenen Jeans. Am Tatort wurde ein mit hellem Klebeband geflickter Weide-Henkelkorb gefunden, der dem Täter gehören könnte. Hinweise erbittet die Kripo Friedberg unter Tel. 0 60 31 / 60 10. cor
Sonderabfälle HANAU. Sonderabfälle nimmt die Besatzung des Sammelfahrzeugs am Freitag, 22. Januar, in Hanau an: von 11 bis 12.30 Uhr an der Verwaltungsstelle Mittelbuchen, von 13 bis 14.30 Uhr im Industriegebiet Nord (Donaustraße) und von 15 bis 16.30 Uhr an der Verwaltungsstelle Großauheim.
KARBEN. Wahlprüfsteine, mit deren Hilfe ökologisch engagierte und interessierte Karbener die örtlichen Parteien hinsichtlich deren Umwelt- und Naturschutzpolitik besser beurteilen können, hat jetzt der Ortsverband des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) vorgelegt.
Alle im Parlament vertretenen Parteien wurden angeschrieben und um Stellungnahmen zu den verschiedensten ökologischen Themenbereichen wie allgemeine Naturschutzbelange, Bauwesen, Verkehrsbereich oder Müllpolitik gebeten. Insgesamt 33 Fragen gilt es für SPD, CDU, Grüne und FDP zu beantworten, so etwa nach einer Extensivierung der Landwirtschaft, nach einer Ausweisung neuer Naturschutz- oder auch Baugebiete, zur Einführung eines Umwelttickets nach Freiburger Muster, zur Förderung regenerativer Energiequellen oder zur Errichtung eines Kreisverkehrs anstelle der Kreuzung L 3205/B 3.
Mit den Antworten rechnet der BUND in etwa vier Wochen. Die Naturschützer wollen die Positionen und Planungsabsichten der Parteien dann gegenüberstellen und zur Kommunalwahl als Entscheidungshilfe für die Bürger/-innen veröffentlichen. mu
LANGENSELBOLD. An der Vergabe eines Baugrundstückes in der Birkenstraße im Langenselbolder Neubaugebiet hat sich in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung zwischen den Fraktionen ein heftiger Streit entfacht. Grund dafür sind sowohl der Grundstückspreis als auch die Käuferin. Veräußert werden soll das Areal nämlich an ein Familienmitglied des städtischen Bauamtsleiters zu günstigen Konditionen.
Die Opposition und vor allem die Selbolder Liste argwöhnten, daß bei der Auswahl der Bewerberin nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Wie Magistratsmitglied Willi Mäurer (SPD) zuvor geschildert hatte, war die Vergabe nach zweimaliger Ausschreibung in den örtlichen Tageszeitungen an die Interessentin beschlossen worden. Sie hatte auf einer Bewerberliste gestanden und den Zuschlag erhalten, nachdem das Interesse an dem Grundstück sehr gering war.
Den Preis von 300 Mark begründet die Stadt mit der ungünstigen Lage des Grundstückes, das auf einer Seite von der Straße und auf der anderen Seite von zwölf Garagen begrenzt werde. Der Main- Kinzig-Kreis, so SPD-Fraktionschef Fritz Schüßler, besitze auf der gegenüberliegenden Seite ähnliche Grundstücke, die er ebenfalls nur schwer loswerde.
Die SL forderte hingegen die Neuausschreibung. Sie verlangte zudem, die genauen Termine der öffentlichen Ausschreibung zu erfahren, die nach anfänglicher Unkenntnis später von Stadtverordnetenvorsteher Steinhauser mit zwei Terminen Anfang und Mitte des Jahres 1991 benannt werden konnten. SL-Chef Frenzel forderte außerdem nähere Auskünfte über die Bewerberin und in welchem Verwandschaftsgrad sie zu dem Langenselbolder Bauamtsleiter stehe, ein Ansinnen, das Stadtrat Mäurer als unzumutbar zurückwies.
Einen falschen Zungenschlag hatte Mäurer der Diskussion zunächst selbst gegeben, als er von der Fürsorgepflicht sprach, die die Stadt gegenüber ihren Mitarbeitern habe. CDU-Fraktionschef Bernd Matt warf dem Magistrat daraufhin vor, er erwecke den Eindruck, daß hier die Vergabevorschriften der Hessischen Gemeindeordnung umgangen würden. Danach müsse die Zustimmung der übergeordneten Behörde, dem Kreis, eingeholt werden, wenn Grundstücke nicht zu ihrem vollen Wert, sondern zu sozialverträglichen Preisen veräußert würden.
Mit den Stimmen von SPD und DKP wurden sowohl ein SL- als auch ein FDP- Antrag, die beide auf die Neuausschreibung zielten, abgelehnt. Die CDU votierte wegen der genannten rechtlichen Bedenken nicht mit. Gegen die Stimmen der übrigen Opposition wurde schließlich der Verkauf des Grundstücks beschlossen. alu
HANAU. In den Oberpfälzer Wald (12. bis 18. April), nach Hamburg und Umgebung (21. bis 30. Juni), nach Königsberg und Litauen (im Mai) führen die Mehrtagesfahrten, die das Hanauer Freizeit- und Sportamt älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern anbietet. Anmeldungen ab 21. Januar: Barbara Heddendorp (Telefon 2 95 - 2 92) im Amt, Nordstraße 88. Für die Litauen-Fahrt sind bei einem Vorbereitungstreffen am 30. März Visaanträge auszufüllen, dann werden auch Reisepässe und jeweils drei Paßbilder eingesammelt. Bei den Anmeldungen sind Anzahlungen von 100 Mark zu leisten. him
MÜHLHEIM. Wer sich für Karts interessiert, die kleinen schnellen Flitzer auf, denen schon viele späteren Formel-1- Rennfahrer ihre Karriere begonnen haben, der ist am Wochenende im Bürgerhaus bestens aufgehoben. Von Samstag, 23. Januar, 9 bis 19 Uhr, und Sonntag, 24. Januar, 9 bis 17 Uhr, stellen dort die führenden Hersteller und Importeure ihre Produkte vor. Die Veranstalter rechnen damit, daß namhafte Rennfahrer an den Ausstellungsständen ihrer Vertragsfirmen auftauchen.
Außerdem ehrt der Deutsche Motorsportverein bei dieser Gelegenheit auf der "Kart 2000", so der Titel der Veranstaltung, die Kartmeister der Saison 1992. Gleichzeitig zur Ausstellung treffen sich die Kartsportclubs - auch aus den neuen Bundesländern - zu ihrer Jahrestagung. fra
Stadt will gleich dreifach vom Verkauf des Grundstücks neben dem Kurbad profitieren Ein neues Hotel für die Kurstadt Feuchtgebiet soll bleiben Von Eva Schultheis KÖNIGSTEIN. Der Magistrat hat die erneute Offenlegung des veränderten Bebauungsplanes "Kurbad" beschlossen. Damit ist die erste Voraussetzung für ein neues Hotel neben dem Schwimmbad geschaffen. Der Plan sieht außerdem eine zweite Parkebene für die Schwimmhalle vor. Auf dem nordwestlich angrenzenden Privatgrundstück zwischen Kurbad und Hugo-Amelung-Straße dürfen etwa 100 Wohnungen gebaut werden, wobei das dortige Feuchtgebiet durch Auflagen weitestgehend erhalten bleiben soll. Die neue Version des Bebauungsplanes für das Gebiet nördlich der Le-Cannet- Rocheville-Straße (B 8) steht am heutigen Mittwoch auf der Tagesordnung des Ausschusses für Planungs-, Bau- und Umweltangelegenheiten. Am 28. Januar müssen dann die Stadtverordneten über die Offenlegung abstimmen. Nach dem Ende der Offenlegungsfrist könnte der Plan noch in diesem Sommer endgültig beschlossen werden. "Damit ist dann der Weg für das Hotel frei", sagt Erster Stadtrat Klaus Dehler. Der Bebauungsplan mußte in den vergangenen Jahren mehrfach verändert werden, weil Träger öffentlicher Belange ökologische Einwände erhoben hatten.
Diese Bedenken kann der Magistrat mit dem Entwurf des Friedrichsdorfer Ingenieurs Rainer Lindenmann jetzt ausräumen, sind sich Dehler und Bürgermeister Bertram Huke sicher. So bleibt der vorhandene Bachlauf, der Höhenbach und Reichenbach verbindet und an den Seiten dicht mit Bäumen bewachsen ist, erhalten. "Keiner der geschützten Bäume im Feuchtgebiet muß fallen", versichert Huke.
Wichtigste Elemente des neuen Planes sind jedoch das geplante Hotel und der öffentliche Parkplatz für das Kurbad. "Das Hotel ist für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zwingend", sagt Huke. In Königstein sei die Zahl der Fremdenzimmer seit Jahren rückläufig, die Nachfrage dagegen sei unvermindert hoch. Kur und Tourismus brächten der Stadt jährlich eine halbe Million Mark über den Finanzausgleich ein. Deshalb hat sich der Magistrat entschlossen, das 5000 Quadratmeter große Areal neben dem Kurbad zu verkaufen. Verdienen wird die Stadt daran gleich dreifach: Zum ersten am Verkauf des Grundstücks, zum zweiten an der besseren Nutzung des Kurbades - der künftige Hotelbetreiber darf nämlich in seinem Haus weder Sauna noch Schwimmbad anbieten, wodurch sich die Stadt jährlich 350 000 Mark Mehreinnahmen für das Kurbad erhofft.
Zum dritten ist für Kurbad und Hotel ein gemeinsames Blockheizkraftwerk geplant. Zwei im Auftrag der Stadt erstellte Energiegutachten besagen, daß eine solche gemeinsame Energieversorgung wirtschaftlich wäre - zumal die Heizung des Kurbades 20 Jahre alt ist und sowieso erneuert werden müßte. Eventuell sollen auch die neuen Wohnungen auf dem Privatgelände angeschlossen werden.
Das Hotel soll etwa 100 Betten haben und muß sich gestalterisch an das Kurbad anpassen. Das heißt: Es darf nicht höher als das Bad werden, die Geschosse werden gestaffelt. Für die Autos der Hotelgäste wird eine Tiefgarage errichtet, was wegen der starken Hanglage schwierig zu lösen war. Um ein tiefes Ausgraben unter dem Hotel zu vermeiden, will der Magistrat deshalb nach vorne zum öffentlichen Parkplatz hin ein Unterbauen der Straße "Im Wiesengrund" erlauben.
Der 120 Stellflächen bietende Parkplatz vor dem Kurbad bekommt eine zweite, tiefere Ebene für noch einmal etwa 60 Autos. Die bisherige Einfahrt von der B 8 muß erhalten bleiben, eine zusätzliche Anbindung war wegen der Erhaltung des Feuchtgebiets nicht möglich. Der bisherige Entwurf sah neue Parkplätze entlang der B 8 vor, was einer Baumreihe an der Straße das Leben gekostet hätte. Die Einfahrt zur Tiefebene soll auf die hintere Seite des Parkplatzes kommen und gleichzeitig der Übergang zu den neuen Häusern auf dem Privatgrundstück sein.
Von dem zwei Hektar großen Privatgelände, auf dem zur Zeit nur die Villa des Besitzers steht, dürfen 0,2 Hektar überbaut werden. Durch Vorgaben oder Empfehlungen soll das Feuchtgebiet geschützt werden. So müssen Zuwege und Parkplätze einen wasserdurchlässigen Belag bekommen, die Häuser dürfen keine Drainagen haben, um kein Wasser abzuziehen. Die Häuser - sofern der Besitzer dort bauen möchte - dürfen maximal zwei bis drei Geschosse haben. Quer durch das Gelände wird ein Bach fließen, in der Mitte soll ein Teich entstehen.
Für das künftige Hotel gibt es laut Huke bereits seit längerem einen "ernsthaften Interessenten". Trotzdem soll das Grundstück zum Verkauf ausgeschrieben werden, um auch anderen potentiellen Investoren eine Chance zu geben. Da eine Nutzung des Areals als Hotel festgeschrieben sei, werde man keinen "Grundstücks-Poker" betreiben.
"Das Hotel bringt uns bei 70prozentiger Auslastung 100 000 Mark mehr Kurabgabe im Jahr", erläutert Huke die wirtschaftlichen Vorteile für die Stadt, "dazu bringen die Gäste, niedrig angesetzt, noch einmal 2,9 Millionen Mark zusätzliche Kaufkraft in die Stadt." Außerdem würden 50 bis 60 neue Arbeitsplätze geschaffen.Schwer verletzt
FLORSTADT. Schwer verletzt wurde eine Autofahrerin bei einem Verkehrsunfall am Dienstag um 3.15 Uhr auf der L 3189 zwischen Nieder-Florstadt und dem Stammheimer Kreuz. Wie die Polizei berichtet, kam das Auto bei Glatteis ins Schleudern und überschlug sich auf dem Acker. Es entstand ein Schaden von 3000 Mark.
ROSBACH. Schaden von mehreren tausend Mark entstand beim Einbruch in ein Reihenhaus in der Brunnenstraße am Montag zwischen 15.45 und 18.30 Uhr. Wie die Kripo mitteilt, waren Unbekannte zunächst in das Nachbargebäude eingedrungen, ohne etwas zu stehlen. In dem anderen Haus wurden dann unter anderem Foto- und Videoausrüstung, ein Funktelefon, Koffer und goldener Schmuck, ein Nappaledermantel und eine dunkelgrüne Lederjacke, beide Größe 48, sowie Erbschmuck entwendet. Die Kripo warnt dringend vor dem Ankauf des Diebesgutes. Hinweise unter Tel. 06031 / 6010.
hm
PARIS, 19. Januar. Ein Jahr nach der Flugzeugkatastrophe am Odilienberg im Elsaß, bei der am 20. Januar 1992 eine Maschine vom Typ Airbus A 320 der innerfranzösischen Fluggesellschaft Air Inter beim Landeanflug auf Straßburg zerschellte und 87 Menschen ums Leben kamen, hat der mit der Untersuchung des Unglücks befaßte Richter Francois Guichard jetzt gegen ein früheres Vorstandsmitglied der Fluggesellschaft, Jacques Rantet, den Vorwurf der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung erhoben. Die Anschuldigungen des Colmarer Untersuchungsrichters stützen sich auf die Tatsache, daß die auf den Inlandsstrecken eingesetzten Flugzeuge der Gesellschaft damals nicht mit einem Bodenabstandswarnsystem GPWS (ground proximity warning system) ausgerüstet waren.
Als der für Sicherheitsfragen zuständige Betriebsdirektor von Air Inter habe es Rantet "nicht vermocht, die Entscheidung zu treffen oder von der Fluggesellschaft treffen zu lassen, die Airbus-A-320-Flotte mit einem Bodenabstandswarnsystem auszurüsten". Wie der Richter in seinem Gutachten festhält, hätte die Installation eines GPWS "während einer ausreichend langen Zeit ein nachdrückliches Warnsignal gegeben, um es einer ausgebildeten und erfahrenen Besatzung zu ermöglichen, noch rechtzeitig wieder Gas zu geben". Als Unglücksursache wird ein frühzeitiger und steiler Sinkflug angenommen, ohne daß bisher erklärt werden konnte, warum die Piloten vor dem Aufprall an dem Berg nicht mehr reagierten.
Als Reaktion auf die Vorwürfe des Untersuchungsrichters, der mit der Beschuldigung des inzwischen auf seinem Posten abgelösten Ex-Direktors praktisch die Fluggesellschaft für die Katastrophe verantwortlich macht, hat der Präsident von Air Inter, Jean-Cyril Spinetta, in einem Schreiben an den Untersuchungsrichter darum gebeten, ebenfalls beschuldigt zu werden. Die Entscheidung, die Flugzeuge nicht mit einem derartigen Warnsystem auszurüsten, falle nicht in die Zuständigkeit einer einzigen Person, sondern betreffe das gesamte Unternehmen. Erst im Februar 1992 war als Konsequenz des Unglücks die Installierung von Bodenabstandswarnsystemen im Airbus A320 von der französischen Luftfahrtbehörde DGAC vorgeschrieben worden.
Auf den Einbau des GWPS, das es seit zwanzig Jahren gibt und mit dem heute 80 Prozent der Verkehrsflugzeuge ausgestattet sind, hatte Air Inter damals offenbar wegen des Risikos häufiger Fehlalarme verzichtet. In einem Brief an die Fluggesellschaft hatte sich die DGAC jedoch einen Monat vor der Katastrophe "beunruhigt" über den Verzicht auf diese "für die Verhinderung eines Unglücks wesentlichen Geräte" geäußert.
HANAU. Immer wenn die Hanauer Müllwerker die blauen Papiertonnen leeren, sind vom 25. Januar an auch die gelben Säcke oder Behälter für die Verpakkungsfraktion des Dualen Systems Deutschland (DSD) an den Straßenrand zu stellen. Die gelben Säcke sollen bis Ende Januar im gesamten Stadtgebiet verteilt sein.
Da die Rufnummer des Abfallberaters (295-566) wegen vieler Dualer-System-Anfragen aus der Bürgerschaft oft belegt ist, soll es am Samstag, 30. Januar, eine Telefonaktion mit mehreren erreichbaren Anschlüssen geben. Am kommenden Samstag, 23. Januar, informiert das Stadtreinigungs- und Fuhramt auf dem Hanauer Wochenmarkt über die Änderungen durchs DSD. him
ALTENSTADT. Ohne auf die Vorfahrt eines in Richtung Höchst fahrenden Autos aus Lindheim zu achten, bog laut Polizei ein Autofahrer am Montag morgen nach links auf die Bundesstraße Richtung Friedberg ein. Beim Zusammenstoß der beiden Fahrzeuge wurden drei Insassen des Lindheimer Autos und die Beifahrerin in dem zweiten Wagen leicht verletzt. Den Schaden schätzt die Polizei auf 16 000 Mark. cor
KRONBERG. Seit einem Jahrzehnt treten die verschiedenen Kronberger Frauenvereinigungen gemeinsam für ihre Interessen ein. Die Idee für den Zusammenschluß hatte Ruth Kötter, die Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland, die genau heute vor zehn Jahren zur Gründung der "Arbeitsgemeinschaft Kronberger Frauenverbände" eingeladen hatte. Seither habe das Netzwerk hervorragende Arbeit geleistet, lobt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Rita Kellotat.
Neben den vielfältigen Bildungs- und Kulturangeboten, die der Frauenverband organisiert habe, hebt Kellotat vor allem zwei Ausstellungen heraus, die über die Grenzen Kronbergs hinaus Beachtung gefunden hätten: "120 Jahre Frauenbewegung" (1985) sowie "Frauen und Nationalsozialismus" (1989). Nach dem Fall der Mauer 1989 hätte die Arbeitsgemeinschaft zudem viele Kontakte zu Frauen in der Partnergemeinde Ballenstedt geknüpft.
Heute sind in dem Netzwerk rund 2000 Kronbergerinnen organisiert. Außer den Gründungsinitiativen Katholische und Evangelische Frauengemeinschaft sowie dem Deutschen Frauenring haben sich die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, der Internationale Club, die Runde (eine VHS-Initiative) und zuletzt auch die Frauenunion der CDU dem Verband angeschlossen. mak
WETTERAUKREIS. Mit Prominenz wartet der CDU-Kreisverband Wetterau vor den Kommunalwahlen bei seinem Neujahrsempfang am Freitag, 22. Januar, um 19 Uhr im Bürgerhaus Bruchenbrükken (Friedberg) auf.
Als Gastredner ist Alfred Dregger, Bundestagsabgeordneter und Ehrenvorsitzender der hessischen Christdemokraten, eingeladen. mk
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KARBEN. Der Kartenvorverkauf für die Fremdensitzungen der FSG Burg- Gräfenrode am 13. und 20. Februar in der Sporthalle werden zum Preis von 12 Mark am Samstag, 23. Januar, ab 14 Uhr in der Gaststätte "Zum Treffpunkt" verkauft.Erich-Kästner-Schule lädt ein
ROSBACH. Einen "Tag der offenen Tür" veranstaltet die Erich-Kästner-Schule Rodheim am Samstag, 23. Januar, von 10 bis 13 Uhr. Eltern können den Arbeitsplatz ihrer Kinder in Augenschein nehmen und sich in kleinen Ausstellungen informieren lassen. Wahlausschuß Rosbach tagt ROSBACH. Der Wahlausschuß tagt am Dienstag, 2. Februar, um 19 Uhr in der Adolf-Reichwein-Halle und prüft unter den Augen der Öffentlichkeit die Gültigkeit der Wähler/-innenlisten. Wahlausschuß Karben tagt KARBEN. Der Wahlausschuß tagt öffentlich am Dienstag, 2. Februar, um 19 Uhr im Clubraum I des Bürgerzentrums. Erbsesupp in Dortelweil BAD VILBEL. Zum "Erbsesuppesse" lädt die Freiwillige Feuerwehr Dortelweil am Sonntag, 31. Januar, ab 11 Uhr in das Gerätehaus ein. Es werden außerdem zu dem gemütlichen Beisammensein mit Freunden und Bekannten Bratwürste, Bratenbrötchen , Pommes sowie heiße und kalte Getränke angeboten. Fotolaborkursus BAD VILBEL. Einen Laborkursus für Schwarzweißfotografie bietet die Kreisvolkshochschule zusammen mit dem Volksbildungsverein Dortelweil ab Freitag, 5. Februar, an. Frank Fiedler und Rudolf Vey bitten um telefonische Voranmeldung unter 0 61 01 / 8 31 19 und geben weitere Informationen. Kräppelnachmittag FLORSTADT. Einen Kräppelnachmittag veranstaltet der Obst- und Gartenbauverein am Samstag, 23. Januar, um 14.30 Uhr im Bürgerhaus Ober-Florstadt. Die Teilnehmer/-innen werden gebeten, das Kaffeegedeck selbst mitzubringen, "damit der Spülvorgang erspart bleibt" - so die Veranstalter. Gelegenheit zum Mitfahren FLORSTADT. Mitfahrgelegenheiten bietet Herbert Unger, Telefon 72 31, für die SPD-Veranstaltung zum Thema "Betreuung statt Vormundschaft und Pflegschaft" mit Professorin Erika Fellner (Bad Vilbel) am Donnerstag, 28. Januar, um 19 Uhr im Bürgerhaus Heuchelheim.
BAD VILBEL. Eine Sommerfreizeit für Jugendliche von 14 bis 16 Jahren in Schweden bietet das Evangelische Jugendwerk unter Leitung von Pfarrer Dr. Klaus Neumeier vom 23. Juli bis 8. August zu Kosten von 795 Mark an. Anmeldungen unter Telefon 0 61 01 / 8 53 55.
BAD VILBEL. "Närrische Nacht" heißt die Faschingsveranstaltung der Tanzsportabteilung des SSV Heilsberg, die am Freitag, 12. Februar, ab 20.11 Uhr im Bürgerhaus Heilsberg stattfindet. Der Eintritt kostet 9,99 Mark. Der Alleinunterhalter "Charly" sorgt für Stimmung. Über einheimische Spinnen
KARBEN. Über einheimische Spinnen informiert Wolfgang Schößler aus Gießen am Freitag, 22. Januar, um 20 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum Klein- Karben in einer Veranstaltung von Naturschutzbund und Arge Kultur. Der Referent will dazu beitragen, die Vorbehalte gegenüber Spinnen abzubauen.
Einführung in orientalischen Tanz BAD VILBEL. Ein Seminar "Einführung in den orientalischen Tanz" findet am Samstag, 23. Januar, von 14 bis 17 Uhr zu Kosten von 40 Mark in der Alten Mühle statt. Anmeldungen bei der Bürger-Aktive, Telefon 13 84. Es sind Gymnastikanzug, Tanzschläppchen, eine Decke und ein Tuch für die Hüfte mitzubringen. Biblische Frauengestalten KARBEN. "Frauengestalten aus der Bibel - was haben sie mit uns zu tun?" ist das Thema einer Veranstaltungsreihe des Diakonischen Werks, die am Donnerstag, 4. Februar, um 20 Uhr an fünf Abenden alle zwei Wochen in der Rathausstraße 35, Klein-Karben, beginnt. Die Unkosten betragen pro Abend zwei Mark. Anmeldung bis 1. Februar unter den Telefonnummern 63 84 oder 0 60 31 / 26 38. Hawaiianischer Kappenabend BAD VILBEL. Ein Kappenabend mit dem Motto "Eine Nacht in Hawaii" veranstaltet die KSG Dortelweil am Samstag, 6. Februar, ab 20.11 Uhr im Saalbau Steul. Der Vorverkauf für numerierte Karten findet am Samstag, 30. Januar, ab 9 Uhr im Clubraum der KSG auf dem Sportgelände statt. Die Karten kosten 13 Mark.
ESCHBORN. "Jugend musiziert" ist das Motto der ersten Matinee, zu der die Musikschule Taunus in diesem Jahr ins Museum am Eschenplatz einlädt. Am Sonntag, 24. Januar, spielen Bläser, Streicher und ein Gitarrenduo, was sie auch bei dem Wettbewerb "Jugend musiziert" zu Gehör bringen.
Es erklingen unter anderem Werke von Bach, Haydn, Sammartini und Godard. Die Matinee beginnt um 11 Uhr; der Eintritt ist frei. she
Autogenes Training und Naturkosmetik BAD NAUHEIM. Vom Autogenen Training über Naturkosmetik bis zu Informationen über berufliche Aufstiegsmöglichkeiten reicht das Programm der "Fortbildung im Fremdsprachensekretariat" in der Kaufmännischen Schule am 21. und 22. Januar, jeweils ab 8 Uhr.
HANAU. Das autonome Kulturzentrum in der Hanauer Metzgerstraße 8 bietet am Donnerstag, 21. Januar, ab 20 Uhr eine Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema "Asyl-un-Recht, Abschiebelager (auch in Gelnhausen) und antirassistischer Widerstand" an.
Die Mitglieder der Arbeitsgruppe "Für Freies Fluten" referieren über bereits bestehende und geplante Asylrechtsverschärfungen gegen Asylsuchende, die Umsetzung des neuen Asylverfahrensgesetzes und die Einrichtung von Abschiebelagern. res
KURT EIFERT, stellvertretender Kreisbrandinspektor, ist von der Grävenwiesbacher Freiwilligen Feuerwehr zum Ehrenmitglied ernannt worden. Die Hauptversammlung stimmte dem Vorschlag des Wehrvorstands geschlossen zu. Kurt Eifert solle damit für besondere Verdienste in Grävenwiesbach geehrt werden, hieß es zur Begründung.
STEINAU. Brandstiftung ist laut Polizei wahrscheinlich die Ursache für ein Feuer in der Brüder-Grimm-Straße gewesen. Ein Schuppen, in dem nahezu wertloses Gerümpel gelagert wurde, ging am Montag gegen 21 Uhr in Flammen auf.
Ein Passant entdeckte das Feuer und schlug Alarm. Binnen weniger Minuten hatte die Feuerwehr die Lage unter Kontrolle. Der Schaden: 500 Mark. lex
FREIGERICHT. Vom Aufbrechen verkrusteter Strukturen hält die örtliche SPD anscheinend wenig. Zumindest, wenn es um das autonome Jugend- und Kulturzentrum Café Wojtyla geht, das kürzlich Katholiken und Kommunalpolitiker mit einem satirisch gemeinten, aber als Beleidigung aufgenommenen Flugblatt zur Asylproblematik auf die Barrikaden getrieben hatte. Anstelle eines Vorstands wirkt in dem Jugendtreff ein "Organisationsteam", und das genügt den Genossen nach Angaben ihres Fraktionschefs nicht. Zwar hält auch Herbert Reck viel von "eigener Verantwortlichkeit", nur muß sie seiner Sicht wohl von oben verordnet werden. "Bei der Organisation der Jugendtreffs bedarf es klarer Vorgaben der Gemeinde", betont er und fordert neue Richtlinien für deren Nutzung.
Zu dererlei "grundlegenden Überlegungen" fühlen sich Reck und die Genossen wegen der "fortdauernden Diskussion um die Schließung des Café Wojtyla" getrieben. Bürgermeister Manfred W. Franz (CDU) hingegen kann sich über die "am ,Fall Wojtyla&rquote; aufgehängte Grundsatz-Diskussion" und die damit verbundene SPD- Kritik am "offenbar überforderten" Gemeindevorstand nur wundern. Nach seiner Darstellung verfügt Freigericht schon seit mehreren Jahren über eine detaillierte Benutzungsregelung für Jugendtreffs. Sie enthalte nicht nur alles, was nun als Forderung nach Verhaltensmaßregeln erhoben werde, sondern werde auch von der Verwaltung kontrolliert und "weitestgehend" eingehalten. Reck hatte unter anderem ein dreiköpfiges Vorstandsgremium pro Jugendtreff verlangt, das seine Aufgabe in eigener Verantwortlichkeit erledigen und "selbstschuldnerisch und solidarisch für alle Schäden und Vorkommnisse haften" müsse. Auch habe sich der Vorstand schriftlich dazu zu verpflichten und so die "strikte Einhaltung" der vom Gemeindevorstand vorgegebenen Hausordnung zu garantieren. Außerdem erwartet Reck eine umfassende Stellungnahme von Franz zur kommenden Sitzung des Gemeindeparlamentes. Und: Falls nicht vorhanden, müsse die Verwaltung Hausordnungen für alle kommunalen Räume erarbeiten, getreu dem Motto "Gleiches Recht für alle".
Auf solch "schulmeisterliche Belehrungen" glaubt der Bürgermeister indes verzichten zu können. Gemeindevorstand und -verwaltung wüßten sehr genau, was zu tun und wann einzuschreiten sei. In den bereits vorhandenen, "umfassenden" Benutzungsregeln werde den jeweils drei Verantwortlichen der Jugendtreffs bei der Schlüsselübergabe per Unterschrift die Erklärung zur Einhaltung der Vorschriften abverlangt. So auch im Falle des Café Wojtyla.
"Natürlich" weiß auch Franz, daß es bereits verschiedentlich Probleme mit der Einhaltung der Vorschriften in allen kommunalen Einrichtungen gegeben habe. Deshalb habe er sowohl in Altenmittlau und Horbach als auch im Somborner Wojtyla die Räume kurzfristig geschlossen. Nach Klärung der Vorfälle konnten die Treffs nach Angaben des Bürgermeisters jedoch wieder genutzt werden. In diesem Sinne sei auch kürzlich eine Besprechung mit den Wojtylanern über die erneute massive Kritik an dem Jugendzentrum und deren mögliche Konsequenzen verlaufen. "Diese Hinweise sind sehr wohl verstanden worden", betont der Verwaltungschef. Bleibe abzuwarten, ob das künftige Verhalten der Verantwortlichen mit den Zusagen in Sachen "Ordnung und Sauberkeit" übereinstimme. tja
KREIS OFFENBACH. Der Neujahrsbrief von Karl May an die mehr als 200 Sportvereine in Stadt und Kreis Offenbach sorgt für neuen Wirbel um die Vereinsförderung seitens des Kreises Offenbach. Der scheidende Vorsitzende des Sportkreises Offenbach attackiert in seinem Jahresrückblick die rot-grüne Koalition. Ihr seien "Froschzählungen, Libellenkartierungen und vieles mehr wichtiger gewesen als eine angemessene Unterstützung der Vereine".
Die jüngst angekündigte Erhöhung der Zuschüsse, die 1992 drastisch zusammengestrichen worden waren, wertete May als ein "Wahlgeschenk". Landrat Josef Lach (SPD) wies diesen Vorwurf als "absurd" zurück. Er sei zunehmend enttäuscht über die "Scheinheiligkeit des Herrn May", der ihm in persönlichen Gesprächen immer wieder versichert habe, Kritik an Kürzungen wie sehr er ihn schätze. Der Brief sei ein "Wahlkampf-Pamphlet", das eine sachliche Auseinandersetzung erschwere.
Durch den Neujahrsbrief flammt der Streit über die Vereinsförderung des Kreises wieder auf, der bei den Beratungen zum Haushalt 1992 heftig geführt worden war. Der Funktionär an der Spitze des Sportkreises erneuerte seine Kritik, mit der 50prozentigen Kürzung der Zuschüsse sei die bis dato gute Sportförderung der Kreises (1991: 550 000 Mark) ein "Opfer der rot-grünen Koalition" geworden.
Der gesundheitliche, soziale und gesellschaftliche Wert der Arbeit sei dabei nicht bedacht worden. "Ein großer Teil der Politiker will halt nicht wahrhaben, daß die Vereine durch ihre Jugendarbeit die jungen Menschen von der Drogenszene fernhalten", meinte May. Diese Kurzsichtigkeit sei für die Jugend lebensgefährlich und für die Allgemeinheit sehr teuer. Therapieplätze kosteten täglich 400 Mark. Auch die Jugendkriminalität sei ein Auswuchs, der durch die Einschränkung der Jugendarbeit an Boden gewinne.
Daß der Kreis in diesem Jahr die Mittel um 100 000 Mark erhöht, ließ May gegenüber den Vereinen nicht unerwähnt. Allerdings wäre das aus seiner Sicht nur dann eine spürbare Verbesserung, wenn der Betrag auf Dauer festgeschrieben würde. Daß er mehr als ein Wahlgeschenk sei, dazu fehle ihm das Vertrauen. Irreführend sei, so May, daß weitere 50 000 Mark als Sportförderung für die Vereine propagiert würden, die dem Nachmittagssport an den Schulen zugute kommen sollen.
Aus der Sicht von Landrat Lach verrät der Brief "unausrottbare Vorurteile" gegenüber Rot-grün. Außerdem befördere er "schreckliche Vereinfachungen" wie die, das Drogenproblem könne durch die Vereinsförderung gelöst werden.
Lach betonte, der Kreis erkenne die Arbeit der Vereine sehr wohl an. "Ich habe den Eindruck, daß mir das viele Ehrenamtliche auch abnehmen." Ein Wahlgeschenk wäre die Erhöhung der Zuschüsse gewesen, wenn die Förderung auf das alte Niveau wieder angehoben worden wäre. Das sei angesichts der entspannteren Haushaltslage möglich, wäre aber in den Folgejahren nicht zu verkraften. Außerdem erinnerte Lach daran, daß er den Vereinen versprochen hatte, die Kürzung bei veränderten Verhältnissen zu überprüfen.
Für Lach hat May mit seinem Brief Wahlkampfhilfe für die CDU betrieben, die bei ihren Attacken gegen Rot-grün auch das Thema "Vereinsförderung" in den Vordergrund stellt. Die Argumentation der Christdemokraten sei jedoch scheinheilig, meinte der Landrat und verwies auf eine "Streichliste" des Bundesfinanzministeriums, das den Abbau der Hilfe für die Sportvereine ausdrücklich fordere.
Durch Mays Brief düpiert zeigte sich auch die zuständige Dezernentin im Kreis, Adelheid Tröscher (SPD). Zu den 50 000 Mark für das Landesprogramm "Schule und Vereine" sagte sie, auch die Vereine seien Nutznießer dieser Förderung, da sie die Jugendlichen an sich binden könnten. Dem Kreis gehe es um eine "modifizierte" Unterstützung der Vereine. Die zusätzlichen Mittel würden gezielt in die Jugendarbeit gesteckt. dac
WETTERAUKREIS. "Rockenberg und Oppershofen - Die historischen Ortskerne und ihre ehemaligen Dorfbefestigungen" heißt ein Kursus, den die Kreisvolkshochschule (KVHS) jetzt in ihr Programm aufgenommen hat.
Stilgerecht tagen orts- und heimatgeschichtlich Interessierte im alten Rittersaal der historischen Burg zu Rockenberg am Freitag, 29. Januar, ab 19 Uhr sowie am Samstag, 30. Januar, und Samstag, 6. Februar, jeweils ab 9 Uhr.
Zwischendurch verlassen sie die Feste zu Exkursionen, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Kursleiter Manfred Breitmoser will nebenbei auch auf gewachsene Traditionen der ehemaligen Kurmainzer Dörfer und bäuerliches Brauchtum eingehen.
Anmeldungen nimmt die Friedberger Geschäftsstelle der KVHS, Burg 18, Tel. 0 60 31 / 8 38 40, entgegen. mk
HANAU. Daß womöglich gesundheitsgefährdende Dämmfasern aus der Schalldämmung in den Inneraum der Schweinehalle gelangen, hält Hanaus Stadtbaurat Jürgen Dressler für ausgeschlossen. Dennoch habe er einen Ortstermin mit dem Kreisgesundheitsamt vereinbart, sagte er in der jüngsten Magistratspressekonferenz und reagierte damit auf Vorwürfe der Bürgerliste (die FR berichtete).
Aus seinen Antworten auf eine CDU- Anfrage geht hervor, daß der Trägerverein in eigener Verantwortung die Schalldämmung eingebaut und dabei das Bauaufsichtsamt nicht überwacht habe. Nach Einschätzung des Fachamts, dessen Vertreter während des Einbaus mehrmals in der Konzerthalle zugegen waren, gebe es "keinerlei Hinweise", die Zweifel am sachgemäßen Verarbeiten der Mineralwolle-Dämmstoffe begründen könnten.
Dressler weist in seiner Antwort auch darauf hin, daß die seit 1980 veröffentlichten Forschungsergebnisse den Verdacht nicht bestätigt hätten, daß die Dämmfasern das Krebsrisiko beim Menschen erhöhen könnten. Das habe das Bundesgesundheitsamt 1991 bestätigt.
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FRIEDBERG. Für "unverzichtbar" hält der Vorstand des Kinderhauses Wetterau die Rücknahme der Strafanzeigen gegen die Jugendzentrums-Besetzer (die FR berichtete). In einer Stadt von der Größe Friedbergs könne es nicht angehen, schreibt Christa Möller für den Vorstand, "daß keinerlei Räumlichkeiten vorhanden sind, in denen sich Jugendliche und auch Kinder ohne Konsumzwang, wie er in den Kneipen üblich ist, treffen können". Der Vorstand des Kinderhauses Wetterau fordert deshalb den Magistrat der Stadt auf, endlich aktiv zu werden und in die konkrete Planung eines Jugend- und Kulturzentrums einzusteigen. Provisorisch könnte der "Usa-Bau" als Jugendzentrum eingerichtet werden. Die erforderlichen Mittel für Planung und Errichtung eines Jugendzentrums sollten noch in dieser Legislaturperiode über einen Nachtragshaushalt bereitgestellt werden.
Der Vorstand des Kinderhauses Wetterau kündigt ferner an, die Arbeit in einem neuen Jugendzentrum aktiv unterstützen zu wollen. cor
Den Nachlaß an Briefen, Beschreibungen, Gedichten, Tagebüchern und Skizzen des expressionistischen Malers, Graphikers und Literaten Ludwig Meidner wird die Stadt Darmstadt für 35 000 Mark erwerben. Darauf einigte sich Oberbürgermeister Günther Metzger nach langwierigen Verhandlungen mit dem in einem Kibbuz in Israel lebenden Sohn des Künstlers, David Meidner.
Neben einem umfangreichen Fundus an graphischen Werken besitzt die Stadt Darmstadt bereits seit etlichen Jahren einen Großteil der Gemälde des 1884 in Schlesien als Sohn jüdischer Eltern geborenen Malers.
Innerhalb des Zirkels Berliner Expressionisten nahm Meidner ab 1907 eine unabhängige Position ein. Der Künstler galt als "wildester" und besonders eindringlicher Darsteller von Mensch und Zivilisation: In seinen apokalyptischen Visionen ahnte er die Zerstörung der Städte voraus; seine Porträts waren im Stil heftig und von psychologischer Tiefe.
Meidner floh 1939 vor den Nazis nach London und kehrte 1953 nach Deutschland zurück, wo er zunächst in Marxheim bei Frankfurt am Main, von 1963 bis zu seinem Tod im Mai 1966 in Darmstadt lebte.
Die Stadt Darmstadt hatte den Expressionisten bereits 1920 mit einer damals aufsehenerregenden Ausstellung seiner Werke gewürdigt. Auf der Mathildenhöhe war 1991 eine große Meidner-Retrospektive zu sehen. feu
Ihren Unmut mit der Frankfurter Schulplanung wollen Eltern aus Goldstein, Niederrad und Schwanheim bei einer Podiumsdiskussion mit Schuldezernentin Jutta Ebeling am heutigen Mittwoch, 20. Januar, um 20 Uhr im Bürgerhaus Goldstein deutlich machen. Die Eltern sind enttäuscht darüber, daß die Carl-von-Weinberg-Schule nun vorerst doch keine Gymnasiale Oberstufe bekommen soll.
Mit dem Hinweis auf diese von vielen Eltern im Frankfurter Südwesten gewünschte Oberstufe hatte die Schuldezernentin der Weinberg-Schule die Klassen 5 und 6 genommen. Ansonsten, so damals die Argumentation der Stadträtin, fehlten die Räumlichkeiten an der Schule. Die Eltern seien aber gar nicht damit einverstanden, daß es nun weder fünfte und sechste Klassen noch eine Oberstufe an der Weinberg-Schule geben soll. luf
HANAU. 4000 Mark haben Einbrecher in einem Klein-Auheimer Supermarkt erbeutet. Nach Angaben der Polizei drehten sie am Montag während der Mittagspause den Schließzylinder der Eingangstür ab und drangen dann in den Laden in der Seligenstädter Straße ein. Anschließend knackten sie zwei Registrierkassen.
USINGEN. Neue Ideen hatten nur die Zuhörer. Ihre Vorschläge, wie die geplante Erweiterung der Deponie Brandholz verhindert werden könnte - und ihr Nachbohren, warum die "Regierenden" sie bisher nicht verhindert haben, setzten das Politiker-Podium am Montag abend in der Stadthalle unter Druck. Es wurde viel erklärt - aber nichts beschlossen. Die Bürgerinitiative Brandholz hatte als "neutrale Organisation" die Spitzenkandidaten aller Parteien und Wählergemeinschaften aus Usingen und Neu-Anspach zur Diskussion geladen.
Und alle waren sie gekommen - bis auf die SPD Neu-Anspach. Eine Haupt- und Finanzausschußsitzung nannte SPD- Parteichef Arno Münker als Grund für sein Fehlen. "Die Anspacher haben gekniffen", hieß es dagegen im Saal. Die SPD hatte als einzige Partei für die Deponieerweiterung gestimmt. Alle Anwesenden - von CDU, SPD (Usingen), FWG und Grünen sowie die nicht im Parlament vertretene FDP, BEU und FWG/ UBN - konnten hingegen unisono versichern, dagegen zu sein.
"Was haben Sie konkret getan, um die Willensbildung im Umlandverband zu ändern?" wollte daher jemand aus dem voll besetzten Saal wissen. Die Fraktionschefs Liese und Bellino für die CDU sowie Braun (SPD) und Vielhauer (FWG) beteuerten, tausend Beschlüsse gefaßt und alle Hebel bewegt zu haben. Und bedauerten im gleichen Atemzug den "sehr geringen Einfluß" des Usinger Landes - bei lediglich zwei von 105 UVF-Abgeordneten.
So mancher der rund 80 Besucher schien jedoch davon überzeugt, daß die CDU/SPD-Mehrheit im Umlandverband (UVF) längst die Erweiterung beschlossen habe. Und der "Genehmigungszug" nur wegen der bevorstehenden Wahl angehalten worden sei, damit "die Hunde vor Ort" bellen könnten.
Während Vielhauer dem nicht grundsätzlich widersprach ("In meinen Augen sind die Würfel gefallen"), erklärte Liese Interpretationen seiner Worte in diese Richtung für zu "undifferenziert".
An Ideen schlugen die Zuhörer vor, ein Gegengutachten erstellen lassen. Dafür sprächen auch neue Ansatzpunkte, wie etwa die Themen Wasser oder Feuchtbiotope, die in der bisher einzigen Untersuchung von Professor Böhm noch nicht berücksichtigt worden seien. Alle Podiumsteilnehmer bekundeten, dafür Gelder bereitstellen zu wollen - bis auf CDU-Chef Liese, der die Finanzierung vom UVF fordert. Weitere Vorschläge aus dem Publikum betrafen das Erweiterungsgelände: "Warum wird der Boden nicht quadratmeterweise an die Bürger verkauft?" und "Warum wird der Wald nicht zum Schutzgebiet erklärt?" Hier blieben die Politiker die Antwort schuldig. Statt dessen sprachen sie sich alle dafür aus, den Klageweg zu beschreiten, wenn die Planfeststellung eingeleitet wird. Diesmal einschließlich Liese - allerdings nur als Privatmann und nicht als Fraktionschef: "Ich persönlich würde den Klageweg mitgehen." Wie ernst es die "Regierenden" mit ihren Bekenntnissen meinen, so die BEU- Chefin Monika Mann, könnten sie noch vor der Kommunalwahl beweisen: "Ein Gegengutachten kann auf der letzten Parlamentssitzung beantragt werden." cn
BRUCHKÖBEL. Noch bis zum 1. Februar ist im Sitzungssaal des Bruchköbeler Rathauses die von der Zeitschrift "Brigitte" zur Verfügung gestellte Ausstellung "Aus aller Frauen Länder" zu sehen. Gezeigt werden 73 Fotos in 15 Reportagen von Nomi Baumgartl, Giesela Floto, Jean-Luc Manaud, Gabo, Kristina Jentzsch, Vera Lentz, Jörg Maurer, Jörg Modrow, Rolf Nebel, Manfred Schamberg und Hans Siwik.
Die Ausstellung zeigt und berichtet über die Mütter und Schwestern politischer Gefangener in Südkorea, Indiofrauen im peruanischen Bürgerkrieg, Gemüsebäuerinnen im Senegal, Straßenhändlerinnen in indischen Großstadtslums, katholische Nonnen in den Bordellvierteln Kolumbiens, Umweltschützerinnen am Rande afrikanischer Wüsten.
Die Reportagen sind Momentaufnahmen aus einer Welt, die ohne diese Beispiele weiblicher Stärke noch weiter aus den Fugen geraten würde.
Die Frauen, von denen diese Geschichten handeln, verändern vielleicht nicht gleich die ganze Gesellschaft, aber sie setzen Zeichen. are
SÖMMERDA, 19. Januar (dpa). Ein 16jähriger Schüler hat in der Kantine einer Berufsschule bei Sömmerda in Thüringen einer Klassenkameradin eine Schreckschußpistole an die Schläfe gehalten und abgedrückt. Die 15jährige wurde verletzt und mußte zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden, wie die Polizei am Dienstag berichtete. Warum der 16jährige auf das Mädchen geschossen hatte, war bislang noch unklar.
Fast eine Woche lang beschäftigte sich der deutsche Handball-Meister SG Wallau/Massenheim nur mit dem Europacup-Geschehen. Erst der viertägige Ausflug nach Island, am Dienstag die Auslosung mit dem Knüller gegen den FC Barcelona. Die Spieler erfuhren die "Schreckensnachricht" auf der Busfahrt zwischen Luxemburg und Wallau. "Barcelona ist jetzt erst mal kein Thema. Bis dahin gehen noch gut drei Monate ins Land. Unsere ganze Konzentration muß nun der Bundesliga-Runde gelten, wo wir zuletzt ganz schön Federn gelassen haben", nahm sich Trainer Heiner Brand seine Schützlinge nach dem schönen und erfolgreichen Ausflug auf die tief verschneite isländische Insel "zur Brust".
"In Hafnarfjördur haben wir eine Halbzeit ganz ordentlich gespielt. In der zweiten Hälfte war die Luft raus. Wir müssen uns steigern, um nicht weiteren Boden zu verlieren", meinte "Mister Europacup" Heiner Brand mit Blick auf das dritte Liga-Auswärtsspiel hintereinander. Am Samstag (Kreissporthalle Lüttfeld, Anwurf 18.30 Uhr) gastiert der mittlerweile hinter dem VfL Hameln auf Rang zwei liegende Meister beim heimstarken TBV Lemgo. In Ost-Westfalen zogen die SG-Cracks in der Vergangenheit - mit einer Ausnahme - stets den kürzeren. Ein erneuter doppelter Punkteverlust würde die vierte Auswärtsniederlage in Reihenfolge (zuvor in Gummersbach, dem noch nicht abgeschlossenen "Kapitel" Leutershausen und Großwallstadt) bedeuten.
"Wir werden mit der in Aschaffenburg gegen Großwallstadt gezeigten Einstellung noch weitere Desaster erleben. Hoffentlich ist nun auch dem letzten Spieler klar, daß ohne Kampfgeist in der unheimlich ausgeglichenen Liga kein Blumenstrauß zu erben ist. Zur Zeit schlägt doch selbst ein fast schon feststehender Absteiger wie der TV Eitra den Viertplazierten Magdeburg", weist Brand auf die weitgefächerte Leistungsdichte hin.
Erstes "Opfer" nach der 16:25-Derbypleite in Großwallstadt: Der seit Beginn des neuen Jahres unter Normalform spielende Stephan Schoene wurde in Hafnarfjördur nur noch (einigermaßen effektiv) in der Defensive eingesetzt. Bei seinen wenigen Wurfversuchen traf der noch um einen neuen Vertrag kämpfende Ex-Düsseldorfer nicht ins Schwarze. Die Rückkehr von Mikael Källman, der mit einem Tapeverband gehandicapt auflaufen dürfte, läßt einen kleinen Hoffnungsschimmer zwecks Beendigung der Auswärtsmisere.
Lemgo stand zu Beginn an der Spitze, fiel inzwischen auf Rang acht (21:19-Punkte) zurück. In erster Linie durch die Auswärtsschwäche. Zu Hause gab es dagegen 14:4-Zähler. Mit Torwart Grosser, dem ungarischen Spielmacher Marosi sowie den deutschen Nationalspielern Zerbe, Mudrow und Bezdicek verfügt Lemgo über eine Reihe von hochkarätigen und hochgewachsenen Spielern. Der TBV will Revanche für die klare Vorspielniederlage in Rüsselsheim. Wallau möchte wieder an die Spitze, denn Hameln steht nach dem Heimsieg gegen Dormagen ganz vorne und würde bei einem SG-Erfolg wieder zurückfallen. Und im Hintergrund lauern das nach Minuspunkten mit Wallau gleichauf liegende TuSEM Essen und der TV Niederwürzbach, die im direkten Duell in der Gruga-Halle aufeinanderprallen. Zumindest Langeweile wird in der Bundesliga nicht aufkommen . . . jo
Kleine FR
FDP-Kandidaten HEUSENSTAMM. Die Kandidaten der FDP stellen sich am Donnerstag, 21. Januar, 20 Uhr, im "Alten Rathaus", Schloßstraße 10 den Fragen der Bürger. Methadongestützter Entzug OFFENBACH. Der Leiter der Entzugsstation Cleanok, Jan Heudtlass, spricht am Donnerstag, 21. Januar, 20 Uhr, im Bella Vista, Berliner Straße 118, über den methadongestützten Entzug. Geschlossen und umgezogen OFFENBACH. Morgen, 21. Januar, ist die Wohnungsvermittlung im Rathaus zu. Vom 28. Januar an hat das Sport- und Badeamt nach dem Umzug ins technische Rathaus, Stadthof 13, wieder Sprechzeit: Dienstag und Donnerstag, 8 bis 12 Uhr.
In zahlreichen Vorträgen, Aufsätzen und Büchern hat er das Zeitgeschehen begleitet, und, streitbar und verständnisvoll, sein Publikum immer wieder zum Stellungnehmen für Toleranz, Gerechtigkeit und Demokratie herausgefordert. (Bild: dpa)
spi DUISBURG. Die aktuelle Lage der deutschen Stahlindustrie ist ernster als während der europaweiten Krise zwischen Mitte der siebziger und achtziger Jahre. Nach den Worten von Ekkehard Schulz, Vorstandschef von Thyssen Stahl, kommen zu den immer noch vorhandenen Überkapazitäten in Westeuropa jetzt als neues Element die Einfuhren aus Osteuropa hinzu. Für die Branche "stehen die Zeichen zur Zeit auf Sturm, noch ohne Anzeichen für eine Wende zum Besseren". Die Importe aus dem ehemaligen Ostblock erfüllten eindeutig den Tatbestand des Dumping, klagt Schulz. Exakt den gleichen Vorwurf bekamen allerdings die Westeuropäer vor einiger Zeit aus den Vereinigten Staaten zu hören, die daraufhin Strafzölle verordneten.
Der deutsche Branchenführer reagiert auf die Marktlage mit einem drastischen Personalabbau. Bis zum Herbst nächsten Jahres soll jede siebente Stelle gestrichen werden. Mehr als 8000 der noch rund 57 700 Beschäftigten in der Sparte Stahl droht der Verlust des Arbeitsplatzes, wobei das Management auch Kündigungen nicht ausschließt. Im letzten Quartal 1992 mußte Thyssen die Rohstahlproduktion um fast ein Viertel auf 2,1 Millionen Tonnen zurückfahren. In fast allen Betrieben sind Zwangspausen angeordnet, nahezu 12 000 Menschen im Januar von Kurzarbeit betroffen.
Das Kernübel liegt nach Ansicht der Thyssen-Leute darin, daß im Grunde bankrotte Hütten mit Subventionen am Leben erhalten würden, unter anderem in Spanien und Italien. Aber auch deutsche Konkurrenten wie Saarstahl und Maxhütte hätten nur aufgrund staatlicher Hilfen überleben können. Nicht zuletzt werden die Klöckner-Werke aufs Korn genommen, die Mitte Dezember in Vergleich gegangen sind. Durch den verlangten Forderungsverzicht von etwa 1,4 Milliarden Mark und einem 18 Monate dauernden Stillhalte-Abkommen mit von Zinszahlungen befreiten Schulden erhalte das Unternehmen eine Art "Gläubiger- Subvention" zu Lasten der Konkurrenz. Prompt habe Klöckner diese Vorteile am Markt in Form von Preisnachlässen eingesetzt - getreu dem Motto, wonach "Liquidität vor Rentabilität" gehe.
Einen Ausweg aus der Krise sieht Thyssen nur über Kartelle. Sei es ein amtliches EG-Krisenkartell, wobei Brüssel jedem Unternehmen die erlaubten Produktionsmengen zuteilt, oder sei es ein in Duisburg favorisiertes, freiwilliges europaweites Strukturkrisenkartell der Unternehmen, über das die EG-Kommission im nächsten Monat entscheidet.
Die Bilanz für das am 30. September beendete Geschäftsjahr 1991/92 ist alles andere als eine Augenweide. Die Edelstahl-Gruppe erlitt einen Verlust nach Steuern von 354 Millionen Mark nach zuvor 79 Millionen. Die alte Thyssen Stahl beziffert ihr Vorsteuer-Ergebnis auf gerade noch 125 Millionen Mark, womit es binnen Jahresfrist um 80 Prozent geschrumpft ist. Schwarze Zahlen werden derzeit nur noch in der Schienenproduktion und bei rostfreien Flacherzeugnissen geschrieben. Thyssen Stahl und die Edelstahl-Schwester, bislang getrennt geführt, bilden seit dem 1. Oktober eine wirtschaftliche Unter-Einheit im Konzern mit zusammen 12,5 Milliarden Mark Umsatz und elf Millionen Tonnen Rohstahl- Erzeugung. Die Zusammenfassung soll Kostenvorteile bringen.
WEHRHEIM. 67mal mußten die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr Wehrheim im vergangenen Jahr ausrücken - aber nicht jedesmal, um Feuer zu löschen. Während ihrer Jahreshauptversammlung zog die Wehr Bilanz über 1992: Technische Hilfe wird ihr immer noch am häufigsten abverlangt.
Fünfmal war ein Großbrand der Grund des Alarms, ebenso oft ein Brand mittleren Ausmaßes. Insgesamt achtmal wurden die Helfer zu Verkehrsunfällen gerufen, darunter zu zwei Unfällen mit Todesfolge.
Robert Schana erhielt während der Jahreshauptversammlung das silberne Brandschutzehrenzeichen als Anerkennung für seine 25jährige Dienstzeit. ill
SULZBACH. Zur großen Galasitzung lädt die Turn- und Sportgemeinde für Samstag, 6. Februar, in die Eichwaldhalle ein. Der Saal wird um 18 Uhr geöffnet, von da an gibt es auch Speisen am Buffet. Das Programm beginnt um 19 Uhr. Nach den närrischen Einlagen spielen die "Telestars" zum Tanz.
Karten zu 14 und 16 Mark verkauft der Verein am Freitag, 22. Januar, zwischen 19 und 21 Uhr im Garderobenraum des Bürgerhauses. she
Gemeinhin eilt Bernd Hölzenbein der Ruf voraus, einerseits ein zwar schlitzohriger, andererseits aber durchweg friedfertiger Zeitgenosse zu sein. In diesen Tagen freilich, da der Vizepräsident von Eintracht Frankfurt auf vielerlei Ebenen wichtige und vielleicht auch zukunftsweisende Gespräche zu führen hat, kann der Mann bisweilen richtig fuchtig werden. Vor allem eine Frage sollte man sich dann tunlichst verkneifen, obwohl doch alle Welt, zumindest die, deren Herz an Eintracht Frankfurt hängt, brennendes Interesse dafür hegt. "Wer wird in der neuen Saison Trainer?"
"Jeder fragt nur nach der neuen Saison, keiner fragt danach, was wir in der Rückrunde noch alles vorhaben", stöhnt der "Vize", und ist doch zu lange schon im Geschäft, um nicht genau zu wissen, daß das Thema "Stepanovic-Nachfolge" derzeit vieles überlagert. Dennoch will sich Hölzenbein "nicht unter Druck setzen lassen"; es sei dies auch "keine prekäre Situation", fügt er noch schnell hinzu, keinesfalls wolle man sich drängen lassen. Spätestens in den "nächsten acht Wochen" wolle die Eintracht einen geeigneten Übungsleiter für die kommende Saison gefunden haben. Toppmöller (Waldhof Mannheim), mit dem Hölzenbein im alten Jahr noch schnell ein paar Worte gewechselt hatte, Lothar Buchmann (Kickers Offenbach), Winfried Schäfer (Karlsruhe) - all dies, sagt der 46jährige, seien Gerüchte, an deren Verbreitung er sich nicht beteiligen wolle.
Allerdings hat der "Weltmeister" genaue Vorstellungen von den Fähigkeiten und Fertigkeiten, die der neue Mann mitzubringen hat: "Er darf kein Sicherheitsfanatiker sein, der nur auf Konter spielt. Wir wollen weiterhin Angriffsfußball bieten. Zudem muß er Ausstrahlung haben und Verantwortung zu übernehmen gewohnt sein. Ein Co-Trainer kommt also nicht in Frage." Darüber hinaus läßt der Vize-Präsident keinen Zweifel daran, daß es diesmal "einsame Entscheidungen" von ihm, wie im Falle Stepanovic, nicht mehr geben wird. "Daß ich allein den Kopf hinhalte, habe ich einmal gemacht, das reicht." Er habe zwar das Vorschlagsrecht, dennoch wolle man die Entscheidung "auf mehrere Schultern verteilen."
Einen möglichen Autoritätsverlust von Stepanovic bei den Spielern hat Hölzenbein, der die Mannschaft beim Trainingslager auf Gran Canaria begleitet und selbst einige Trainingseinheiten mitgemacht hatte, nicht festgestellt. "Da hat sich niemand hängen lassen." Für Hölzenbein steht zudem außer Frage, daß keiner "nur für den Stepi spielt, sondern jeder nur für sein eigenes Konto".
Und an der Zukunft der Spieler und der Eintracht, die am Dienstagmorgen erstmals wieder am Riederwald trainierten, bastelt der Vize-Präsident mit Verve. Immerhin laufen zum Ende der Saison zwölf Verträge aus. Mit Uli Stein, Uwe Bein, Edgar Schmitt und Rudi Bommer hat Hölzenbein auf Gran Canaria bereits gesprochen und ihnen darüber hinaus ein Angebot unterbreitet. Rudi Bommer, den Stepanovic am liebsten mit nach Leverkusen nehmen wollte, hat mittlerweile seinen Kontrakt um ein Jahr verlängert; die anderen Spieler hatten um Bedenkzeit gebeten. Axel Kruse etwa will erst abwarten, wer künftig bei der Eintracht das Sagen auf dem Trainingsplatz hat, ehe er in die Verhandlung eintritt. "Es wird auf jeden Fall keine finanziellen Kopfstände geben." In sechs oder sieben der noch anstehenden Gespräche könne man "ganz locker rangehen", sagt der 46jährige, da müsse die Leistung der nächsten Wochen und Monate entscheiden, "ob wir sie behalten oder nicht." Binz, Falkenmayer und Yeboah (trotz hartnäckigen Werbens aus München) haben noch längerfristige Kontrakte, die Option für Weber will die Eintracht in den nächsten Tagen wahrnehmen, und der "Aufsteiger des Jahres", Vertragsamateur Augustine Okocha, hat seinen Profivertrag, der beim DFB hinterlegt ist, bereits unterschrieben.
Diesem "vertragslosen Zustand" kann Bernd Hölzenbein schließlich sogar einige Vorteile abgewinnen. Spieler, die um einen neuen, verbesserten Kontrakt pokern, seien auf dem Spielfeld gefordert, weil sie wüßten, daß mehr Geld nur über bessere Leistungen zu erzielen sei. Lothar Sippel, nennt "Schlitzohr" Hölzenbein ein Beispiel aus der vergangenen Saison, habe bis zum Schluß mit der Eintracht verhandelt, und in dieser Zeit seine besten Spiele geliefert. "Deswegen mache ich mich nicht verrückt. Das gibt oft einen gehörigen Schub."
Und den habe die Eintracht nötig, will sie doch ihre Ziele - Pokalsieger und möglichst lange um die Meisterschaft zu spielen - realisieren. "Wir müssen im nächsten Jahr im europäischen Wettbewerb vertreten sein, sonst gerät unser Finanzrahmen in Unordnung."
Runde 1,5 Millionen Mark wird die Eintracht für den Georgier Kachaber Zchachadse an Dynamo Moskau überweisen, sobald die erforderlichen Papiere in Frankfurt eingegangen sind. Mit Moskau und dem kopfballstarken Abwehrspieler ist sich die Eintracht einig. Und vielleicht kommt ein weiterer Spieler hinzu: Lennard Steenkamp aus Südafrika, der Hölzenbein während seines Florida-Urlaubs empfohlen worden war, tauchte am Dienstag zum Training im Zelt plötzlich auf. Eine gute Möglichkeit, Bernd Hölzenbein mal eine andere Frage zu stellen.
THOMAS KILCHENSTEIN
NIDDA. "Quasi wieder am Punkt null" steht nach Auskunft von Kommissariatsleiter Karl-Heinz Leß die Friedberger Kripo bei ihren Ermittlungen zum Überfall auf eine 51jährige Frau in Ulfa in der letzten Dezemberwoche des vergangenen Jahres. Unter dem Vorwand, in einer Notlage zu sein, hatte sich ein noch unbekannter junger Mann Zugang zur Wohnung der 51jährigen verschafft, sie dort brutal niedergeschlagen und ihr angedroht, sie zu vergewaltigen. Durch heftige Gegenwehr konnte die Frau den Mann in die Flucht schlagen.
Zeugen für den Überfall gab es keine. Auch die Personenbeschreibung des Opfers führte die Polizei nicht weiter, doch gab es Anzeichen dafür, daß es sich bei dem Täter um einen Ortsansässigen handeln könnte. Denn die körperliche Attacke war nicht der erste Angriff auf die Frau, die sich auch politisch engagiert. Unbekannte hatten auf ein Plakat gegen Fremdenhaß und Ausländerfeindlichkeit am Zaun ihres Hauses ein Hakenkreuz und SS-Runen geschmiert. "Nicht mit absoluter Sicherheit ausschließen" will Kommissar Leß deshalb, des es sich bei der Tat "um einen Racheakt" handelte. Die Polizei ging Hinweisen in dieser Richtung nach, doch ergab sich kein konkreter Tatverdacht. Die potentiell in Frage kommenden Jugendlichen hatten ein Alibi. Auszuschließen ist nach Angaben von Kommissariatsleiter Leß hingegen, daß es sich bei dem Täter um den gleichen Mann handelte, der im Herbst vergangenen Jahres mehrere Frauen in Nidda vergewaltigt hatte. Weder die Personenbeschreibung noch der Ablauf der Verbrechen stimmten überein. Doch auch die Suche nach dem Vergewaltiger von Harb ist bislang erfolglos geblieben. "Wir haben die Vergewaltigungen behandelt wie ein unaufgeklärtes Tötungsdelikt", beschreibt Leß den Einsatz seiner Beamten. Mehrere Wochen observierten 20 Beamte, zum Teil von Hochsitzen aus, die Waldgebiete um die Wetteraustadt. Eine Beamtin wurde als Lockvogel eingesetzt - vergeblich. Vergeblich war auch die Polizeiaktion, auf 5000 Handzetteln und 600 Plakaten die Bevölkerung um Hinweise auf den Mann zu bitten. Kein einziger Hinweis sei nach der Aktion bei der Kripo eingegangen, bedauert Leß. Auch in dem neuerlichen Verbrechen wird die Bevölkerung um Mithilfe gebeten. Nicht nur von der Kripo.
In einer Anzeige rufen 14 Frauenorganisationen und -institutionen, vom Frauen-Notruf Nidda über die CDU Frauen Union des Wetteraukreises bis zum Verein Frauen helfen Frauen, die Bürgerinnen und Bürger von Ulfa auf, "eine solche Untat nicht schweigend hinzunehmen". Sie appellieren, Zivilcourage zu zeigen, und beziehen klar Stellung: "Ausgrenzung, Fremdenhaß, Diskriminierung und Gewalt sind kriminelle Vorgehensweisen, die wir ablehnen." CORINNA WILLFÜHR
ZEILSHEIM. Zu ihrem Neujahrsempfang lädt die Zeilsheimer CDU für den heutigen Mittwoch, 20. Januar, um 20 Uhr in die Stadthalle Zeilsheim.
Bei Bier, Ebbelwoi und Brezeln will Petra Roth, Oberbürgermeister-Kandidatin der Frankfurter Christdemokraten, ihre politischen Vorstellungen erläutern und mit Bürgern plaudern. gre
PERTH, 19. Januar (AFP). Zwei Wochen trieb er mit gebrochenem Mast auf offenem Meer umher - nun konnte der Franzose Luc Dupont am Montag von einem australischen Kriegsschiff vor der Küste Westaustraliens geborgen werden. Wie die australischen Behörden am Dienstag bestätigten, wurde der 33jährige, der die Welt solo umsegeln wollte, 45 Kilometer südöstlich des Hafens Albany aus dem Meer gefischt. Dupont erscheine trotz der wochenlangen Irrfahrt entspannt, hieß es. Er sei fest entschlossen, seine Weltumseglung bald fortzusetzen, sagte ein Sprecher der Hafenbehörde.
HOFHEIM. Zwei Hände drücken sich auf gelbem Untergrund und wünschen einander mehrsprachig "willkommen". Plakate werben so überall in der Kreisstadt für "Gute Nachbarschaft auf dem Hochfeld". Um diese trotz Protesten von Hofheimern gegen die mobilen Flüchtlingsunterkünfte hinter dem Kreishaus herzustellen, laden "pax christi", der Arbeitskreis Hofheimer Friedenstage und die Hofheimer Jungsozialisten für Samstag, 23. Januar, zu einem Gespräch zwischen Deutschen und Flüchtlingen in die Bodelschwinghschule am Königsberger Weg 31 ein.
Nicht nur Gespräche sollen das Verständnis von Deutschen und Ausländern füreinander fördern, sondern auch verschiedene Musikgruppen, Spiele für die Kinder sowie jede Menge Speisen und Getränke.
Freunde klassischer Musik werden gerne einem Ensemble der Musikschule lauschen, Bernd Sangmeister bringt Pop und Folk zur Gitarre, "Safety First" sorgt für rockige Klänge, und die senegalesische Gruppe "Beugue Fallou" tritt ebenfalls auf.
Die Jusos, der Arbeitskreis Friedenstage und "pax christi" fordern die Hofheimer auf, die Veranstaltung zu besuchen und den Flüchtlingen ihre Solidarität zu zeigen. Das Fest, mit dem die Veranstalter Rechtsradikalismus und Fremdenhaß eine eindeutige Absage erteilen wollen, beginnt um 16 Uhr. she
KRONBERG. Für ein "radfahrerfreundliches Klima" in Kronberg wirbt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in einem offenen Brief an die Parteien im Stadtparlament. Kernpunkt des ADFC-Papiers ist der Vorschlag, den Radlern in Kronberg zu erlauben, Einbahnstraßen in beiden Richtungen zu befahren.
Zur Begründung schreibt Jutta Krabbe vom ADFC, daß auch die Pedaleure nach der neuen Straßenführung wie die motorisierten Verkehrsteilnehmer längere Wege in Kauf nehmen müßten. Bei solchen Umwegtouren müßten sich die Radler dann auch noch auf zusätzlichen Steigungsstrecken abstrampeln. Die ADFC- Frau: "Das ist nicht fair."
Um das Fahrradfahren in der Taunusstadt attraktiver zu machen, müßten aber keine Berge versetzt werden, betont Krabbe: "Schließlich gibt es eine große Auswahl an bergtüchtigen Rädern. Es genügen vielmehr Kleinigkeiten wie beispielsweise abgesenkte Bordsteinkanten." In verkehrsberuhigten Orten dürfe die Straße nicht allein für die Autofahrer da sein. Während die nämlich dann immer noch viel Platz für zu schnelles Fahren hätten, kämen sich auf dem Trottoirs die Radler und die oft fünfmal langsameren Fußgänger ins Gehege.
Die Antworten der Parteien auf seine Vorschläge will der ADFC als Grundlage für eine Wahlempfehlung nutzen. mak
Abschied von der Farbe Rot Der Umbau des Gewerkschaftshauses ist abgeschlossen
Viel Licht, viel weiß und ein wenig blau. Der DGB-Vorsitzende Dieter Hooge fühlt sich ans Mittelmeer erinnert: "Griechenland. Da gibt es diese Farben auch. Das wirkt sympathisch, freundlich." Seit einem guten Jahr wird das Gewerkschaftshaus in der Wilhelm-Leuschner-Straße nun umgebaut und eigentlich sollte es zum traditionellen Neujahrsempfang heute fertig sein. Doch Hooge ist auch mit dem vorläufigen Ergebnis sichtbar zufrieden. "In diesen Sesseln und in dieser Umgebung - da kommt die richtige Sitzungsatmosphäre auf", meint der DGB-Chef im Sitzungssaal 3. Es riecht nach Holz und Leder. Früher war in dieser Ecke des Erdgeschosses die Gaststätte untergebracht. Mit Unbehagen erinnern sich die 400 Beschäftigten an die glücklose Geschichte der "Roten Nelke" und die "Steierer Stuben". In Zukunft wird ein Catering-Unternehmen ein Selbstbedienungs-Restaurant führen. Hooge geht davon aus, "daß damit das Problem ein für alle Mal gelöst ist".
Nur mit Glaswänden ist das Restaurant vom Foyer abgeteilt, das durch mehrere geschickte Durchbrüche der Decke vom Licht durchflutet wird und kaum wiederzuerkennen ist. Auch hier viel Weiß und wenig Blau. Der Abschied von der Farbe Rot, der sich in den Briefköpfen des DGB längst abzeichnete, ist mit dem Umbau endgültig vollzogen. Hooge: "Rot ist eine traditionelle Farbe der Arbeiterbewegung. Aber sie muß nicht unbedingt bei der Raumgestaltung berücksichtigt werden."
Postmodern statt altbacken zeigt sich nun das neu möblierte Innere des denkmalgeschützten Gebäudes. Sitzungssäle wurde neu zugeschnitten, der große Saal von aller Verstaubtheit befreit und ein Raum für Kinder reserviert. "Bei unserer Knappheit an Büroraum nicht einfach."
Der Umbau soll auch Ausdruck eines inneren Wandels der Gewerkschaften sein: der viel beschworenen Öffnung gegenüber den Angestellten.
Wäre der Frankfurter DGB nicht an einem bundesweiten Modellprojekt zur Angestelltenwerbung beteiligt - es würde kein "Gewerkschaftshaus 2000" geben. Fünf Millionen wurden für den Umbau zunächst veranschlagt. Doch das ist Hooge nicht genug. "Der Eingangsbereich muß einen freundlicheren Empfang gewährleisten." Derzeit hängen dort nur Tafeln mit den Namen der Einzelgewerkschaften und der Etage, auf der sie residieren. Hooge: "Das ist nichts. Da gehört eine Infothek hin und am besten auch ein Pförtner."
Der Hinterausgang, durch den sich die Besucher nach 19 Uhr quetschen mußten, wurde zugemauert. Statt dessen gibt es jetzt einen großen Seiteneingang, leichter zu finden und behindertengerecht. Nun hofft Hooge, daß sich das Gewerkschaftshaus, daß durch die Umbauarbeiten abends wie ausgestorben war, wieder mit Leben füllen wird. ft
Die Kommunale Ausländervertretung (KAV) hat sich jetzt nach gut zweistündiger Debatte mit großer Mehrheit gegen vorgezogene Neuwahlen im November 1993 ausgesprochen. Die 51 Abgeordneten des seit einem Jahr amtierenden parlamentarischen Gremiums für die nichtdeutschen Frankfurter werden demnach bis zum Frühjahr 1997 ihre Mandate behalten - solange, bis an einem Wahlsonntag "auf einen Streich" sämtliche neuen Ausländerbeiräte im Land Hessen gekürt werden.
Der Frankfurter KAV war die Debatte über eine eventuelle rasche Selbstauflösung vom Landtag aufgezwungen worden. Der hatte vor kurzem die Hessische Gemeindeordnung (HGO) novelliert und dabei verfügt, daß künftig in allen Kommunen, in denen mehr als tausend Ausländer leben, Beiräte zu wählen sind. Diese Parlamente erhalten gleiche Rechte und Pflichten. Beendet wurde damit die bisherige Praxis, bei der es den Städten und Gemeinden ins Belieben gestellt war, ob sie überhaupt Ausländerbeiräte zulassen und, wenn ja, welche Kompetenzen sie ihnen einräumen.
Die "neuen Rechte", die die neugefaßte HGO auch der Frankfurter KAV zuwachsen läßt, müssen jedoch noch in die alte Satzung des Gremiums eingearbeitet werden - egal, wann Neuwahlen anstehen. Dazu beschloß die Ausländervertretung: Eine gemeinsame Kommission aus KAV-Mitgliedern und Stadtverordneten soll die Neufassung erarbeiten.
Nicht zufrieden ist die KAV mit der neuen HGO-Vorschrift, daß in Ausländerbeiräten im Höchstfalle 37 Frauen und Männer Sitz und Stimme haben dürfen. Das seien zu wenig Repräsentanten für die in der Stadt lebenden 170 000 Ausländer, hieß es in der Debatte, man wolle deshalb vom Landesgesetzgeber eine Ausnahmeklausel, in der die 51 Mandate für das große Frankfurt festgeschrieben werden. Stadtverordnetenversammlung und Magistrat sollten sich, so die KAV, dafür in Wiesbaden stark machen. peh
Wenn den neuen Schulen im Osten die Kinder fehlen Über den demographischen Zusammenbruch, der in der deutschen Geschichte ohne Beispiel ist
Zur Installierung dieses gegliederten Schulsystems mußten insgesamt etwa 6000 Schulen rechtlich und faktisch aufgelöst werden. Damit sollten die "äußeren" Voraussetzungen für eine kontinuierliche Phase des Neuaufbaus geschaffen werden. Dieser Neuaufbau ist jedoch, kaum daß er begonnen wurde, schon wieder gefährdet: Die Kopplung kontraktiver Tendenzen bei der demographischen Entwicklung mit der Expansion bei der Bildungsbeteiligung stellen die Zukunft der gerade erst installierten Schulstruktur in Frage.
Die demographische Kontraktion läßt sich so skizzieren: Im Gebiet der neuen Länder sowie im östlichen Teil von Berlin vollzieht sich derzeit ein demographischer Zusammenbruch, der in der deutschen Geschichte in diesem Ausmaß ohne Beispiel ist. 1989 wurden in der DDR noch knapp 200 000, 1990 nur noch 175 000, 1991 dann nur noch 107 000 und 1992 nach ersten Hochrechnungen schließlich sogar nur noch etwa 80 000 Kinder geboren. In den wenigen Jahren von 1989 bis 1992 reduzierten sich damit die Geburtenzahlen auf etwa 40 Prozent. Einen derartigen Rückgang in so kurzer Zeit hatte es nicht einmal zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Deutschland gegeben. Während der gleichen Zeitspanne, von 1914 bis 1917, verringerten sich damals die Geburtenzahlen von 1,8 auf 0,9 Millionen, also "lediglich" auf 50 Prozent.
Dieser Einbruch wiegt um so schwerer, weil der gegenwärtige Geburtenrückgang mit zwei weiteren demographischen Entwicklungen gekoppelt ist: Zum einen vollzieht sich der jetzige Geburtenrückgang vor dem Hintergrund eines "ersten" Geburtenrückgangs, den die DDR in den sechziger und siebziger Jahren ähnlich wie die damalige Bundesrepublik und wie die meisten industrialisierten Länder erlebt hat. Die höchsten Geburtenzahlen der DDR lagen zuvor bei jährlich bis zu 300 000. Mitte der siebziger Jahre wurden dann nur noch um 175 000 Geburten gezählt. Danach stieg die Zahl der jährlichen Geburten allerdings wieder auf bis zu 240 000. Zum anderen wird die aktuelle Verringerung der Geburtenzahlen und die ihr folgende massive Verkleinerung der Einschulungsjahrgänge und insgesamt der Schülerzahlen von der immer noch anhaltenden Abwanderung aus den neuen Ländern begleitet. Immerhin hat sich die Bevölkerung im Gebiet der neuen Länder und des östlichen Teils von Berlin in den drei Jahren von Ende 1988 bis Ende 1991 von 16,7 auf 15,8 Millionen, also um fast eine Million, verringert. Unter den Abwanderern befinden sich besonders viele junge Menschen, also zahlreiche potentielle Schüler und Schülerinnen sowie viele "Eltern von morgen".
In diesen beispiellosen demographischen Zusammenbruch, dessen Ende noch nicht abzusehen ist, wächst nun, nahezu explosionsartig, eine gesteigerte Bildungsbeteiligung hinein. Zu Zeiten der DDR nutzten bis zu 14 Prozent eines Altersjahrganges Bildungswege, die - mit oder ohne Berufsausbildung - zum Abitur führten. 1992/93 indessen besuchen deutlich mehr als 30 Prozent der Grundschulabsolventen in den neuen Ländern Gymnasien. In Sachsen, wo der Zugang zum Gymnasium an das Erreichen einer Durchschnittsnote von mindestens 2,3 in der Grundschule gekoppelt ist, wechselten sogar zwischen 35 und 40 Prozent der Grundschulkinder zu Gymnasien! Für dieses Anwachsen von 14 Prozent auf über 30 Prozent haben die alten Länder nahezu 40 Jahre benötigt: Anfang der 50er Jahre besuchten dort 14 Prozent eines Jahrganges die Klasse 5 der Gymnasien, gegenwärtig tun dies im Durchschnitt der alten Länder knapp über 30 Prozent. Diese Entwicklung belegt - nebenbei - wieder einmal eine Beobachtung aus der "alten" Bundesrepublik: Selbst wenn Gymnasien nur als Worthülsen und als Gebäude bestehen, selbst wenn keine korrekte Vorstellung ihrer Bildungsprogramme vorhanden ist, führt das Versprechen erwartbarer Zertifikate und gesellschaftlicher Heraushebung zu hoher Attraktivität.
Das Zusammenspiel von demographischer Kontraktion und Expansion bei der Bildungsbeteiligung produziert nun erhebliche Gefährdungen für die künftige Schulentwicklung in den neuen Ländern, Gefährdungen, die mit den Stichworten "Schulstandortsicherung" und "Personalerneuerung" benannt werden können.
Der Geburtenrückgang, soviel läßt sich schon heute absehen, wird eine tiefe Spur im Schulsystem der neuen Länder hinterlassen. Während zu dem jetzt laufenden Schuljahr etwa 220 000 Kinder eingeschult wurden, werden zum Schuljahr 1998/99, also schon in sehr kurzer Zeit, im gesamten Gebiet der ehemaligen DDR nur noch etwa 80 000 Kinder in den ersten Klassen der Grundschulen aufgenommen werden. Angesichts der Tatsache, daß die Grundschulen in den neuen Ländern jetzt schon vielfach nur jeweils eine Eingangsklasse führen und daß ihre durchschnittliche Klassenfrequenz zwischen 20 und 25 liegt, kann die tendenzielle Drittelung der Jahrgangsstärken kaum mehr durch Verkleinerung der einzelnen Standorte aufgefangen werden. Da, wo die Schulwege dies zulassen, wird es daher in erheblichem Umfang zu Schließungen von (gerade erst errichteten) Grundschulen kommen, da, wo dies in Folge der dünnen Besiedelung nicht geht oder da, wo dies aus anderen Gründen nicht akzeptiert werden wird, droht die Installierung einklassiger "Dorfschulen". Noch dramatischer wird diese Standortgefährdung - einige Jahre später - bei den weiterführenden Schulen. Wenn mehrere Schultypen der Sekundarstufe I um die immer weniger werdenden Schüler und Schülerinnen eines Jahrgangs konkurrieren und wenn die Gymnasien dabei ihre Attraktivität beibehalten, entstehen bald für Hauptschulen (wo sie es gibt) und für Realschulen bzw. für die Haupt- und Realschulzweige erhebliche Bestandsgefährdungen. Im Land Brandenburg z. B. besuchen dieses Schuljahr etwa 5500 Grundschulabsolventen Realschulen. Wenn die damit erreichte Übergangsquote zur Realschule von etwa 14 Prozent auch nach der Jahrhundertwende erhalten bleibt, so werden dann im ganzen Land noch 1900 Jugendliche aus den Grundschulen zu Realschulen wechseln. Was diese Zahl für einen dünn besiedelten Flächenstaat bedeutet, zeigt sich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß allein in einer Stadt wie Frankfurt am Main knapp 1600 Schüler und Schülerinnen eines Jahrgangs Realschulen besuchen.
Die Durchsetzung eines gegliederten Schulsystems wird in den neuen Ländern, dies läßt sich einigermaßen sicher absehen, mit extrem kleinen Schulen, vielfach unerträglich weiten Schulwegen und voraussichtlich mit pädagogisch unsinniger Konkurrenz zwischen den Schultypen bezahlt werden müssen. Der Exportartikel "gegliedertes Schulsystem" mit seinem Verkaufsschlager "Gymnasium" wird zum Problemexport werden, wenn die Drittelung einer gedrittelten Population alltäglich vollzogen werden muß!
So wie die gerade erst installierten Grundschulen und die weiterführenden Schulen in den späten neunziger Jahren und danach um ihren Bestand bangen müssen, so müssen sie auch um ihre personelle Erneuerung besorgt sein: Der dramatische Rückgang der Schülerzahlen, der sich für die Jahre nach 1995 abzeichnet, wird - wenn die Meßzahlen der Lehrerzuweisung nicht drastisch geändert werden - eine starke Lehrerbedarfsminderung nach sich ziehen. Insbesondere im Bereich der Grundschulen ist zu befürchten, daß als Folge der absehbaren Verminderung der Schülerzahlen auf viele Jahre hin (auf jeden Fall bis über die Jahrhundertwende hinaus) so gut wie keine Neueinstellungen erfolgen werden. Eine solche Entwicklung würde bedeuten, daß die Lehrerkollegien in den neuen Ländern eine pädagogisch nicht wünschbare Altersstruktur bekommen würden, sie würde darüber hinaus bedeuten, daß pädagogische Reformen in den Schulen der neuen Länder weitgehend über die Fort- und Weiterbildung der schon eingestellten Lehrer und Lehrerinnen erfolgen müßten. Innovationen könnten kaum über neu ausgebildete Lehrkräfte in die Schulen gelangen. Ein faktischer Einstellungsstopp würde zudem dazu führen, daß die ebenfalls gerade erst neu installierte Lehrerbildung in den Hochschulen der neuen Länder weithin ins "Leere" laufen würde.
Die hier prophezeiten ausgesprochen schlechten Aussichten auf dem "Teilarbeitsmarkt Schule" werden von den Abiturienten in den neuen Ländern übrigens offensichtlich schon bei ihrer Studienwahl berücksichtigt. Die Abiturientenbefragung 1992 ergab im Bereich der neuen Länder und des östlichen Teils von Berlin, daß nur 942 der etwa 21 000 Abiturienten ein Lehramtsstudium aufnehmen wollten: 525 darunter für ein Lehramt an Gymnasien und 35(!) für das Lehramt an berufsbildenden Schulen.
Damit die hier skizzierten Tendenzen nicht tatsächlich in dem beschriebenen Ausmaß die Wirklichkeit der späten neunziger Jahre und die Zeit nach der Jahrhundertwende bestimmen, damit die neuen Schulen in den neuen Ländern überhaupt eine dauerhafte Entwicklungschance erhalten, müssen ganz vorrangig zentrale bildungspolitische Entscheidungen getroffen werden. Zum einen muß überall in den neuen Ländern geklärt werden, unter welchen Bedingungen Schulstandorte erhalten bleiben sollen. Dabei müssen vor allem die Länge der Schulwege und die infrastrukturelle Ausstattung einzelner Regionen Entscheidungskriterien sein. Die dafür erforderliche Lehrerzuweisung muß dann abweichend vom gegenwärtig gültigen Zuteilungsschlüssel zugesichert werden. Dies ist auch deshalb von hoher Bedeutung, weil dadurch für Zeiten wieder steigender Schülerzahlen (wenn sich die demographische Entwicklung "normalisiert" haben wird) ein Schulnetz erhalten bleibt. Des weiteren muß eine mittelfristige Klärung des Einstellungsbedarfs für Lehrer und Lehrerinnen in den neunziger Jahren und danach herbeigeführt werden. Die quantitative Beschreibung eines "Einstellungskorridors" ist auch deshalb erforderlich, damit die Kapazitätsplanung der Lehrerbildung in den Hochschulen abgestimmt erfolgen kann. Schließlich sollte - im Licht der Schülerzahlenentwicklung - bei den in den meisten Ländern angekündigten Überarbeitungen der vorläufigen Schulgesetze die Grundsatzentscheidung für miteinander konkurrierende Sekundarschulen noch einmal kritisch überprüft werden.
Wenn sich die Schulpolitik nicht sehr bald der hier grob umrissenen Probleme konstruktiv und mit Phantasie annimmt, werden zahlreiche Schulen in den neuen Ländern keine Entwicklungschancen erhalten, dann werden viele Heranwachsende dort den Umbruch nur als Abbruch, als bleibende Baustelle, erleben.
KLAUS KLEMM
HANAU. Der Bootsverleih von Erich Frey an der Hanauer Kinzigmündung ist der einzige am Main zwischen Frankfurt und Aschaffenburg. Seit den 60er Jahren bietet er an der Hellerbrücke dieses Freizeitvergnügen.
Doch seit die Brücke samt Philippsruher Allee umgebaut wird, ist der Bootssteg der Stadtverwaltung ein Dorn im Auge.
Obgleich Stadtbaurat Jürgen Dressler den Freizeitbetrieb dort weiter zulassen will, hat er sich dafür stark gemacht, den Gestattungsvertrag mit Frey zu kündigen.
Ihn stören die Umweltbelastungen, die nach seiner Darstellung vom Bootsverleih ausgehen.
Ist das Wetter nämlich entsprechend, mehren sich an der Kinzigmündung die Autos dort, wo sie nicht geparkt sein dürfen: im Landschaftsschutzgebiet Hessische Mainauen.
Danach bleiben Picknickabfälle zurück. Ungeklärte Abwässer, so Dressler, landeten im Fluß.
Und für alles macht der Stadtbaurat Bootsverleiher Frey verantwortlich, denn er betreibe auch einen bisher nur geduldeten Imbiß.
Hinzu komme, ergänzte Oberbürgermeister Hans Martin in der Magistratspressekonferenz, daß der Steg wenig ansehnlich sei und in seiner bisherigen Form nicht ins neue Bild von Hellerbrükke und Philippsruher Allee passe.
Daß mit dem Endausbau gegenüber dem Bootsverleih an der Philippsruher Allee rund 45 Parkplätze mit wassergebundener Decke angelegt werden sollen, erwähnten Dressler und Martin während der Pressekonferenz nicht. Als die FR nachhakte, kam der Stadtbaurat darauf zu sprechen.
Frey selbst erfuhr auch erst durch Pressevertreter davon, daß ihm die Kündigung für seinen Gestattungsvertrag droht.
Da er außer dem Bootsverleih auch eine Segelschule betreibt, sei der Fortbestand seines Unternehmens für ihn existenziell wichtig.
Einen Antrag, die bestehende wasserrechtliche Genehmigung zu verlängern, habe er schon gestellt. Adressat dafür sei aber die Untere Wasserbehörde, nicht die Stadt Hanau.
Frey bestreitet Dresslers Darstellung, jemals behauptet zu haben, ohne Imbiß lohne sich der Betrieb nicht. Er besitze einen Gewerbeschein für Automatengetränke, Eis und warme Snacks. Dieser Straßenverkauf sei erlaubt, so der Bootsverleiher, und habe mit einem Imbiß, für den er auch nicht genug Personal hätte, nichts zu tun. Die beklagten Umweltverschmutzungen rührten nicht ursächlich vom Bootssteg her, sondern von Freizeittreibenden drumherum. Daß er Bänke aufgestellt habe, könne ihm nicht vorgeworfen werden, denn er wolle wartende Bootsgäste oder Segelschüler nicht längere Zeit stehen lassen. Er sei "höllisch dahinter her", daß Abfälle aus seinem Verkauf nicht im Wasser oder auf dem Gras landeten und daß seine Gäste nicht unmittelbar am Steg parkten. Die Stadt betone zwar offiziell immer, wie wichtig sein Bootsverleih für Freizeitsuchende sei. Seit aber die Hellerbrücke zu bauen begonnen worden sei, fühlt sich Frey von der Verwaltung unfair behandelt. Er sei vorher nie gehört, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt worden und habe sich um eine andere Zufahrt kümmern müssen. Während des Brückenneubaus habe die Stadt ihn aufgefordert, seinen Standort zu verlegen. Aber ans Ufer der Bundeswasserstraße Main dürfe er wegen des Schiffsverkehrs nicht.
Und an der Kinzig gebe es im Stadtgebiet kein anderes geeignetes Uferstück als das seit Jahren genutzte, um einen Bootsverleih zu betreiben. him
HAINBURG. "Auf die Dauer Mädchenpower": Einen Selbstverteidigungskurs für Mädchen zwischen 13 und 16 Jahren veranstaltet das Jugendbildungswerk des Kreises Offenbach am Wochenende des 13. und 14. Februar in Hainburg. Die Mädchen können dabei lernen, sich stark zu fühlen und im Falle eines Angriffs zu verteidigen. Selbstverteidigungstechniken und Selbstbehauptungsübungen stehen dabei im Mittelpunkt. Außerdem sind Diskussionen geplant.
Interessentinnen können sich unter Telefon 069 / 80 68-886 an das Jugendbildungswerk wenden. fra
MAIN-KINZIG-KREIS. "Unser Angebot - Ihre Chance?". Unter diesem Motto hatten die Industrie- und Handelskammer und die Kreishandwerkerschaft Hanau im Dezember ihr Weiterbildungsangebot vorgestellt. Verschickt wurde das blaue Heft unter anderem an zahlreiche Unternehmen, die Kreisverwaltung, alle Kommunen sowie die Arbeitsämter. Nach ersten Erfahrungen wurde das Angebot gut angenommen, auch wenn nicht alle Wünsche der Interessenten erfüllt werden konnten. So hat die Industrie- und Handelskammer zwar keinen Vorbereitungskurs zum "geprüften Weinkellner" in ihrem Angebot, konnte aber dem Nachfrager immerhin die Kammer in Frankfurt als Anbieter nennen. Zusammen mit der Kreishandwerkerschaft will man trotz der ersten Erfolge weiterhin die Werbetrommel rühren.
So laufen beispielsweise ab Februar verschiedene Lehrgänge an, die noch nicht voll besetzt sind. Unter anderem ein CNC-Lehrgang, MS-DOS für Anfänger, CAD-Technik oder ein SPD-Lehrgang. Auch die PC-Anhänger finden unter dem reichhaltigen Angebot "ihren" Kurs. So beginnen Lehrgänge, die die Erklärung verschiedener Software zum Inhalt haben wie WORD 5,5 und Exel 4,0 am März in Hanau und Gelnhausen.
Das Seminarangebot für Februar und März beinhaltet neben einem Rhetorik- Seminar und dem Lohnsteuerseminar auch ein Tagesseminar mit dem Titel "Erfolg im Leben durch positive Grundeinstellung". Für das Seminar "Arbeitspraxis im Sekretariat" konnte die IHK eine sachkundige Dozentin gewinnen, und Vorgesetzte können sich in dem Seminar "Mitarbeiterführung durch Motivation" mit den neuesten Führungstechniken vertraut machen. Bei Rückfragen stehen die IHK und Kreishandwerkerschaft zur Verfügung. Bei Bedarf können dort auch weitere Exemplare des Weiterbil- dungsangebotes angefordert werden. are
FRANKFURT-NORDWEST. Die Einbahnstraßenregelung in der Siedlung "Oberfeld", die im Rahmen von Tempo-30 seit November 1992 gültig ist, wird wegen massiver Bürgerproteste aufgehoben. Im Gebiet zwischen Rudolf-Hilferding-Straße, Praunheimer Weg, Am Stockborn und Bernadottestraße in der Nordweststadt gilt künftig wieder die alte Verkehrsführung. Den entsprechenden Antrag verabschiedete der Ortsbeirat 8 in seiner jüngsten Sitzung.
Während der Bürgerfragestunde des Stadtteilparlaments, das für Heddernheim, Niederursel und die Nordweststadt zuständig ist, kam es zu heftigen Kontroversen. Dabei gingen die Anwohner der unteren Dietrichstraße Ingenieur Rolf Burgholzer vom Planungsbüro Burgholzer und Trieb auch persönlich an. Die Bürger klagten über eine unzumutbare Belastung. Grund dafür: seit November des vergangenen Jahres müssen Autofahrer, die vom Praunheimer Weg über die Bernadottestraße in die Nordweststadt wollen, über die Straße Am Alten Schloß, Dietrichstraße und Heilmannstraße fahren. Früher konnten sie dagegen den direkten Weg über die Heilmannstraße nehmen.
Burgholzer hatte die Verkehrsführung geändert, da die Heilmannstraße ein zu hohes Verkehrsaufkommen aufgewiesen habe. Außerdem sei die Unfallgefahr an der Ecke Am Alten Schloß / Oberfeldstraße zu hoch gewesen. "Mein generelles Ziel war es, so den Fremdverkehr aus dem Gebiet herauszubekommen", erklärte Burgholzer.
Das ist nach Meinung der Dietrichstraßenbewohner nicht gelungen. Sie hatten 44 Autos in einer Stunde gezählt. Was in anderen Stadtteilen nur ein müdes Lächeln hervorrufen würde, sorgte im Oberfeld für Mißstimmung und heftigen Protest. Eilig wurde eine Liste mit 180 Unterschriften zusammengestellt und dem Ortsbeirat überreicht. Doch dabei blieb es nicht: Ortsvorsteher Helmut Gärtner erhielt anonyme Drohanrufe, das Planungsbüro wurde einen Tag lang mit Telefonterror belästigt.
In der Sache willigte der Ortsbeirat dennoch in die Forderungen ein. Die Dietrichstraße mißt nur 4,65 Meter in der Breite und hat einen Bürgersteig, der 55 Zentimeter schmal ist; sie ist damit die engste Straße in der Siedlung. Fußgänger mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer sind durch vorbeikommende Autos gefährdet. Hinzu kommen eine Baustelle und neu markierte Parkplätze in der Straße. Ein Durchkommen für Lastkraft- wagen und Feuerwehrfahrzeuge ist kaum möglich.
Problematisch ist jedoch, daß nach der Rücknahme der Verkehrsführung mit Protesten der Anwohner der Heilmannstraße zu rechnen ist. Sie hatten die Entlastung ihrer Straße auf einer früheren Bürgeranhörung begrüßt. Burgholzer sagte dazu: "Wir kennen es aus anderen Stadtteilen. Eine für alle bequeme Lösung gibt es nicht, aber sehr oft handeln die Leute nach dem St.-Florians-Prinzip."
Er bot eine Variante an, die die untere Dietrichstraße entlasten könnte und trotzdem den Verkehr in der Heilmannstraße verringern würde. Die Straße Am Alten Schloß würde bis zur Oberfeldstraße weitergeführt, so daß Autofahrer nicht durch den unteren Teil der Dietrichstraße fahren müßten. Burgholzer rechnet damit, daß nach einer Eingewöhnungszeit die Autofahrer diesen Bereich meiden würden. Bei den Anliegern stieß er damit nur auf Unverständnis. Ihr Argument: weder Tempo-30- noch die Einbahnstraßenschilder würden ihre Funktion erfüllen. Manche Autofahrer kümmerten sich überhaupt nicht darum. Nach Ansicht der Bürger seien verstärkte Kontrollen das einzige Mittel.
Nach langem Hin und Her verabschiedete der Ortsbeirat einen Initiativantrag der SPD, der die alte Verkehrsführung fordert. Der CDU-Antrag für eine erneute Bürgerbefragung wurde abgelehnt. SPD- Fraktionsvorsitzende Helga Diehl erklärte:" Wir beugen uns der Mehrheit." Frank Mahlmeister (Grüne ) meinte säuerlich: "In der Sache haben die Anwohner recht, doch die Art und Weise, wie sie die Forderungen durchsetzen, mißfällt mir sehr."
Auch die anderen Fraktionen verurteilten die Vorgehensweise der Anlieger. CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Rätzke nahm den Ingenieur in Schutz: "Der Ortsbeirat hat das Planungsbüro beauftragt, Herr Burgholzer ist ein qualifizierter Mann." jot (Siehe auch Kästchen)
BONN, 19. Januar. Der von der Bundesregierung angestrebte Solidarpakt zur Finanzierung der deutschen Einheit darf nach Ansicht der Nationalen Armutskonferenz nicht auf Kosten der sozial Schwächsten finanziert werden. "Ein Sozialhilfeempfänger hat nichts abzugeben", sagte Ulrich Schneider, Sprecher dieses Zusammenschlusses der Sozialhilfeverbände, am Dienstag in Bonn. "Der Ansicht, daß alle Bevölkerungsschichten gleichermaßen zur Finanzierung des Solidarpakts herangezogen werden müssen, können wir in einem Sozialstaat nicht folgen", betonte Schneider. "Die Schwächsten unter uns haben bei allen Sparmaßnahmen absolut tabu zu sein."
Immer mehr Menschen in Deutschland und Europa sind arm. Derzeit erhalten in der Bundesrepublik etwa 4,2 Millionen Menschen Zuwendungen von den Sozialämtern. In der Europäischen Gemeinschaft werden etwa 50 Millionen Frauen und Männer als arm eingestuft. Diese "traurigen Rekordzahlen" stehen in dem Bericht der Nationalen Armutskonferenz. Wegen der immer schneller wachsenden Armut stehe die Bundesrepublik vor einer "sozialen Zerreißprobe", sagt der Bericht voraus. Notwendig sei eine "existenzsichernde Grundsicherung" statt weiterer Kürzungen und Streichungen .
"Die jetzt zu treffenden sozialpolitischen Entscheidungen kommen einer Weichenstellung für das neue vereinte Deutschland gleich", sagte Schneider. Es gehe darum, "ob das Deutschland der Zukunft weiterhin der Sozialstaat der alten Bundesrepublik sein wird, oder ob sich das vereinte Deutschland zu einem Staat wandelt, der mittels kalter Ausgrenzung seiner sozial Schwachen die Pobleme bewältigt". Mit Erschrecken habe die Armutskonferenz bemerkt, daß immer mehr über angeblichen Mißbrauch von Sozialleistungen geredet werde. Zugleich habe die Bonner Regierung vorgeschlagen, den Regelsatz für die Sozialhilfe einzufrieren. "Solche Vorschläge zeigen, daß diejenigen, die sie unterbreiten, nicht wissen, worum es geht", rügte Schneider.
Der Umfang des Mißbrauchs sei "unbedeutend", teilte die stellvertretende Sprecherin der Konferenz, Erika Biehn, mit. Allerdings sei zu erwarten, daß weiteren Kürzungen ein Anstieg des Mißbrauchs folgen werde. Zum Beispiel dann, wenn Sozialhilfeempfänger aus der finanziellen Not heraus, verstärkt zu Schwarzarbeit oder illegaler Leiharbeit griffen, um das schmale Familienbudget aufzustocken.
Nach Angaben von Ruth Brand, Vertreterin der Nationalen Armutskonferenz im European Anti-Poverty Network (Europäisches Netzwerk gegen Armut), gibt es in der EG eine Definition, wonach arm ist, wer weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens bezieht. Demnach waren Mitte 1992 etwa 50 Millionen Menschen in der EG als arm anzusehen. Im nationalen Armutsbericht wird "Armut als eine in verschiedener Hinsicht belastete und belastende Lebenssituation" verstanden. Ausgehend von lebenslanger Armut müsse sie als "Kumulation von Unterversorgungslagen definiert werden". Die Nationale Konferenz wolle deshalb einen Armutsbegriff verwenden, der die "Bandbreite der Lebenslagen" erfaßt und nicht allein von finanziellen Größen abhänge.
Die Nationale Armutskonferenz, die erstmals mit einem schriftlichen Positionspapier in die Öffentlchkeit ging, will sich zum "Anwalt" der Armen machen. "Die Armut ist stumm. Wir haben uns vorgenommen, ihr eine Sprache zu geben", sagte Schneider. "Wir werden Finger auf die Wunde legen mit kontinuierlichen öffentlichkeitswirksamen Aktionen für die Anliegen benachteiligter Bevölkerungsgruppen, um zu sensibilisieren und Solidarität zu wecken."
Dem Zusammenschluß gehören die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband, das Deutsche Rote Kreuz, das Diakonische Werk, die Bundesarbeitsgemeinschaften für Schuldnerberatung, soziale Brennpunkte, Sozialhilfeinitiativen und der Wohnungslosenhilfe, die Bundesarbeitsgruppen der Initiativen gegen Arbeitslosigkeit und Armut sowie die Arbeitsgruppe "Armut und Unterversorgung" an.
BONN, 20. Januar (epd). In ostdeutschen Mahn- und Gedenkstätten können jetzt Zivildienstleistende eingesetzt werden. Dies teilte der Bundesbeauftragte für den Zivildienst, Dieter Hackler, in Bonn mit. Für eine Frist von sechs Jahren bestehe seit Anfang Januar eine Ausnahmeregelung, nach der in Ostdeutschland für Zivildienstleistende neben den Sozialdiensten und dem Umweltschutz weitere Einsatzfelder eröffnet werden. Danach kann der 15monatige Dienst in den neuen Ländern jetzt auch in Bildungseinrichtungen wie Volkshochschulen und Akademien, in Museen und Internaten sowie bei der Pflege von Friedhöfen, Schloß- und Parkanlagen geleistet werden. Hackler rechnet damit, daß in diesen Einsatzfeldern rund 1000 Zivildienstplätze geschaffen werden können.
Kessler oder Keller lautete die Frage bei den hessischen Meisterschaften der Asphaltkegler in Aschaffenburg-Damm. Im Wettbewerb der Männer lieferten sich der Riederwälder Hans-Otto Kessler und Olympia Mörfeldens Ludwig Keller einen packenden Zweikampf um den Titel, wobei der 32jährige Frankfurter am Ende die Nase vorn hatte. Kessler hatte zunächst wie der sichere Sieger ausgesehen, denn seine beiden Vorlauf-Resultate hatten in weit nach vorn gebracht. 888 Holz im ersten Endlauf unterstrichen diese Vorgabe. Mit 880 Holz im ersten Endlauf "pirschte" sich jedoch Keller heran und erzielt im zweiten Endlauf mit 921 gar eine wesentlich bessere Marke als Kessler, der auf 881 abfiel. Dennoch reichte es für den Riederwälder noch zum Sieg.
Dritter hinter Ludwig Keller wurde der Bockenheimer Hans-Jürgen Walther, der im zweiten Endlauf mit 941 Holz noch einmal mächtig aufholte. Hans-Otto Kessler wird damit die Farben Hessens bei den deutschen Meisterschaften vertreten, während Ludwig Kellers Silbermedaille nicht zur Qualifikation bei den Aktiven reichte.
Auch Rang vier und fünf gingen an die Zweitliga-Kegler von Olympia Mörfelden: Martin Kessler (4.) und Steffen Ulbrich (5.) verpaßten nur knapp eine Medaille. Kessler verbesserte sich mit grundsoliden 902 und 900 vom siebten auf den vierten Rang, während Steffen Ulbrich seine Chance bereits in den Vorläufen vertan hatte. Er hatte dort nur auf Rang 11 gelegen und arbeitete sich mit 917 und 888 noch auf den fünften Rang vor. Der jüngste Teilnehmer unter den besten zwölf, der 27jährige Markus Weyrich aus Rüsselsheim, rutschte nach vielversprechenden Vorlaufergebnissen noch auf den zehnten Rang ab.
Bei den Senioren A qualifizierten sich hingegen Mörfeldens Frank Keller als Sieger und Manfred Schulmeyer, der überraschend Keller den Vortritt lassen mußte, als Zweitplazierter für die "Deutschen". Die beiden Mörfelder dominierten die Konkurrenz und verwiesen den Weiskirchener Alfred Wiens deutlich auf den dritten Rang. Drei Tickets zu den deutschen Meisterschaften lösten bei den Senioren B Horst Landgraf (KSV Bischofsheim), Erich Geier (SKV Nauheim) und Willi Born von den gastgebenden Aschaffenburgern.
Bei den Junioren ging es gleich um vier Plätze bei den Bundes-Titelkämpfen. Hier konnten die besten Kegler der Vorläufe ihre Plätze behaupten. Holger Walter (SKV Lorsch) überrundete im zweiten Endlauf mit fabelhaften 955 Holz noch den Offenbacher Albert Markolin (zweiter Platz) und Frank Bonarius (ESV Bischofsheim, 3.). Den vierten Rang, und damit das letzte Ticket zu den deutschen Meisterschaften, sicherte sich der Aschaffenburger Alex Schachner.
Auch bei den Frauen qualifizierten sich die besten vier Werferinnen. Ute Hock aus Aschaffenburg setzte auf ihr gutes Vorlaufergebnis noch zwei grundsolide Endläufe und holte sich den Titel vor Claudia Schuhmann (FTV Frankfurt), die in den Endläufen mächtig Boden gutmachte, aber Ute Hock nicht mehr gefährden konnte. Den dritten Rang sicherte sich die Riederwälderin Minka Reser vor Rita Sporys vom ESV Blau-Gold. Petra Schwanke vom ESV Bischofsheim verpaßte den vierten Rang nur knapp.
Bei den Juniorinnen setzte sich Ricarda Kraft vom FTV überlegen durch. In den Vorläufen sowie in beiden Endläufen markierte die 22jährige Frankfurterin die besten Ergebnisse und erzielte als einzige Juniorin über 1700 Holz. Mit 1730 Holz wäre sie in der Frauen-Konkurrenz die Viertbeste gewesen. Zu den deutschen Meisterschaften begleiten wird sie Tanja Sünner vom SKV Nauheim. Die 21jährige arbeitete sich mit einer ausgeglichenen Leistung in den beiden Endläufen noch auf den zweiten Rang vor. Die Bronze- Medaille, aber kein Ticket zu den "Deutschen", ging an Daniela Glanzer aus Lorsch, die nur einen Punkt weniger als Tanja Sünner verbuchte.
Bei den Seniorinnen bestätigten sich weitestgehend die Vorlauf-Ergebnisse. Hergard Kamp (KBV Kelsterbach, Gold), Edith Huberly (TV Nauheim, Silber) und Karin Biemüller (Bockenheim, Bronze) werden die hessischen Farben hochhalten.
Routinierteste Vertreterin Hessens wird die 70jährige Johanna Demuth aus Hanau sein, die sich bei den Seniorinnen B mit zwei ausgeglichenen Endläufen (404 und 413) noch an die Spitze setzte. Astrid Wagner (Praunheim) mißlang der zweite Endlauf hingegen mit 362 Holz, was sie den Titel kostete. Doch sie wird - ebenso wie Anna Haidt aus Bensheim (Bronze) - bei den deutschen Meisterschaften dabeisein. ina
MARBURG. Ein toter Säugling ist am späten Montagnachmittag in der Feldgemarkung des Marburger Stadtteils Moischt aufgefunden worden. Nach Angaben der Kriminalpolizei entdeckte ein junger Mann das Mädchen auf einer Wiese neben einem Feldweg. Dort lag der Leichnam in einer kunstledernen Einkaufstasche, die außerdem einen gestreiften Bettbezug und ein Laken enthielt.
Nach ersten Untersuchungen des Gerichtsmediziners soll das vollständig entwickelte Kind vermutlich schon drei bis sechs Tage tot gewesen sein, die Geburt habe maximal zwei Wochen zu früh stattgefunden. Ob der Säugling nach der Geburt gelebt hat, muß durch eine Obduktion geklärt werden. tap
MAIN-TAUNUS-KREIS. Die Telefone stehen nicht mehr still bei den für die Müll-Entsorgung im Main-Taunus- Kreis zuständigen Firmen Meinhardt und Knettenbrech.
Täglich 200 Anruferinnen und Anrufer kommen beim Wallauer Müll-Spezialisten Meinhardt durch; die Zahl derer, die unter der Nummer 06122 / 60 19 nur das Besetztzeichen hören und entnervt aufgeben, ist groß. "Die Leute fragen nach Abholterminen und danach, was nun in den Sack kommt", sagt Prokurist Manfred Vogel: "Kritische Fragen zum Recycling sind seltener". Zwei Angestellte der Firma kümmern sich zwischen 10 und 17 Uhr ausschließlich um die Anrufer.
Dagegen geht es mit 50 Anrufen pro Tag bei Knettenbrech (0611 / 69 60) fast geruhsam zu. Auch hier stehen konkrete Fragen zur Neuorganisation der Müll-Entsorgung im Vordergrund, "obwohl doch alles auf unseren Handzetteln steht", wie sich Abfall-Wirtschafter Peter Kober wundert. md
Der Essener Energie-Riese RWE ist um eine Sorge ärmer: Die inzwischen hundertprozentige Tochter Nukem, die in ihrer unrühmlichen nuklearen Vergangenheit wiederholt für negative Schlagzeilen gesorgt hatte, macht positiv von sich reden. Denn erstens wird das Unternehmen, das jetzt in Alzenau residiert, nach dem Umzug nicht mehr unmittelbar mit der nur einen Katzensprung entfernten Stadt Hanau in Verbindung gebracht ("Hanauer Brennelemente-Skandal"). Und zweitens produziert die Firma in Bayern nun unter anderem "Strom statt Marmor" (Werbetext) - nicht aus spaltbarem Material, sondern mit Hilfe der Sonne: "Photovoltaik", die direkte Umwandlung des Sonnenlichts in Energie , heißt eines der Schlagworte, das jetzt die Richtung angibt.
Die jahrelangen Bemühungen um Rehabilitierung fanden jetzt eine besondere Würdigung: Die Firma erhält den vom Wirtschaftsclub Rhein-Main und der Düsseldorfer Wirtschaftswoche ausgelobten "Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft 1992". Die Ehrung unter der Schirmherrschaft des scheidenden Bonner Forschungsministers Heinz Riesenhuber (CDU) streicht die Firma für die Entwicklung neuer Solarzellen ein, die, so meint Nukem-Manager Winfried Hoffmann, die Herstellung der grauschimmernden Scheiben "einfacher, umweltfreundlicher und kostengünstiger" machen. Die Produktverbesserung wurde "maßgeblich" aus dem 750-Millionen-Solartechnik-Fördertopf des Forschungsministeriums unterstützt.
Dabei soll es aber nicht bleiben. Hoffmann hofft nun auf weitere Fördermillionen, die Schaffung eines heimischen Marktes durch Investitionszuschüsse und Abschreibemöglichkeiten für Bauherren, die sich Solarzellen statt Marmor an die Fassade schrauben wollen, sowie die Unterstützung von Ländern "in den Sonnenregionen dieser Erde" zwecks größerer Absatzchancen. Die Auszeichnung könne der "Startschuß zu einer konzertierten Aktion zwischen Politik und Photovoltaik-Industrie" sein, wagt er sich weit in die Sphären der Futurologie hinein.
Der Innovationspreis wird am Samstag in Frankfurt überreicht. Dort erhält auch der Mittelständler Gottlob Auwärter für einen modernen Reisebus (Neoplan) den mit 10 000 Mark dotierten Sonderpreis. czyk
Bockenheim: Lob und Tadel für Verkehrspolitik
Der Ortsbeirat 2 hat das Gesamtverkehrskonzept für Bockenheim, das der Magistrat Ende vergangenen Jahres vorgelegt hat, kritisiert. Gleichzeitig lobte er die Fortschritte bei der Verkehrsberuhigung. Alle Fraktionen im Ortsbeirat akzeptierten den Bericht nur als Zwischenbericht. Die Stadtteilpolitiker forderten gleichzeitig den Magistrat auf, die Bürger öffentlich anzuhören und das Verkehrskonzept des Ortsbeirates zu berücksichtigen. mic
MAIN-KINZIG-KREIS. "Die Schulkonferenz - ein Chance für mehr Demokratie in der Schule." Mit dieser soeben erschienenen Schrift gibt der Elternbund Hessen (ebh) den Eltern einen praktischen Begleiter in die Hand, um für die tägliche Arbeit in der Schulkonferenz gewappnet zu sein. Mit dem neuen Schulgesetz und der Schaffung des Gremiums "Schulkonferenz" will das hessische Parlament die Demokratisierung in der Schule weiter vorantreiben.
Der Elternbund sieht darin eine Chance für die Eltern, sich stärker dafür einzusetzen, daß die Schule auf die veränderte Lebenswelt reagiert und ausgehend von den Bedürfnissen der Betroffenen neue Angebote macht.
Wenn Schüler auf diese Weise ernst genommen werden, verfallen sie nicht dem vielbeklagten Frust und damit auch nicht den radikalen "Heilsbringern", die ihnen alles Mögliche versprechen. Wer sich selbst als Handelnder erlebt oder als einen, dem man zuhört, ist dagegen eher gefeit.
Die Schulkonferenz ist ein Entscheidungsgremium vor Ort, in dem Eltern zum ersten Mal wirklich mitentscheiden können. Der Elternbund möchte, daß Eltern dafür vorbereitet sind.
Neben vielen Veranstaltungen und Wochenendseminaren bietet der ebh in einer Broschüre den Müttern und Vätern den Gesetzestext zur Schulkonferenz mit Erläuterungen und Beispielen.
Für eine Schutzgebühr von einer Mark plus eine Mark Porto ist die Broschüre beim Elternbund Hessen, Postfach 10 07 20, 6000 Frankfurt, oder Telefax 069/5962695 zu beziehen. are
BIEBESHEIM. Ein Ermittlungsverfahren gegen die Hessische Industriemüll GmbH (HIM) hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt eingeleitet. Dabei geht es darum, daß in der HIM-Sondermüllverbrennungsanlage Biebesheim (Kreis Groß-Gerau) anfallende Schlacke in Nordrhein- Westfalen aufbereitet und im Straßenbau wiederverwendet wird.
Der Sprecher der Anklagebehörde, Oberstaatsanwalt Georg Nauth, sagte gegenüber der FR: "Es gibt einen Anfangsverdacht, daß das nicht okay ist." Demgegenüber erklärte HIM-Pressesprecher Hubertus Hess, alles sei in Ordnung und Rechtens.
Aufgefallen waren der Wasserschutzpolizei die Schlacketransporte der HIM nach Duisburg zu einem Unternehmen, wo das Material zur Wiederverwertung hergerichtet wird, sagte Nauth. Und: "Wir wollen schauen, ob das überhaupt geht." Schließlich handle es sich um die Schlakke ehemaligen Sondermülls.
Untersucht würden die Zusammensetzung der aus Biebesheim stammenden Schlacke, der Transport und die Arbeitsweise der Duisburger Firma. Vom Ergebnis der Ermittlungen hänge ab, ob auch beim Straßenbau bereits verwendetes Schlackematerial untersucht werde. Mit den ersten Ermittlungen habe man die Wasserschutzpolizei beauftragt.
Die war auch bereits bei der HIM und erhielt nach Auskunft von Pressesprecher Hess Einblick in die gewünschten Unterlagen. Die Beamten hätten einige Papiere mitgenommen, von einer formalen Beschlagnahme könne aber keine Rede sein.
Hess berichtete weiter, daß die HIM seit etwa einem halben Jahr Schlacke zu dem Unternehmen in Duisburg bringe und sie anschließend wiederverwende. Dabei handle es sich um eine Jahreskapazität von 7000 Tonnen. Die HIM sei aufgrund der Abfallgesetzgebung sogar ausdrücklich gehalten, alle Möglichkeiten der Wiederverwertung von Reststoffen wie der Schlacke zu prüfen, und dies sei auch geschehen. cas
ECHZELL. Vor 25 Jahren wurde in Echzell der Landfrauenverein gegründet. Am Wochenende 30. / 31. Januar wird gefeiert: Samstags ab 19 Uhr bitten die Landfrauen zum Sektempfang, der fröhlichen Einstimmung auf den Kommersabend, der um 20 Uhr beginnt. Dazu sind alle Mitglieder, Freundinnen und Freunde des Vereins eingeladen.
Das Programm gestalten der Sing- und Volkstanzkreis sowie der Männerchor und der Musikverein Echzell. Am Sonntag geht's ab 14 Uhr mit einem Familiennachmittag weiter. Der Nachmittag steht unter dem Motto "Kommt alle versuchen - den guten Landfrauenkuchen". Das "alle" ist wörtlich gemeint. Beide Veranstaltungen finden in der Horlofftalhalle statt. mk
SAARBRÜCKEN, 19. Januar (gra/AP). Der saarländische Ministerpräsident Oskar Lafontaine (SPD) will vor dem Landtag des Saarlandes am heutigen Mittwoch keine Erklärung über die vom Nachrichtenmagazin Spiegel behaupteten Kontakte zur Unter- und Halbwelt abgeben. Dies teilte die saarländische Staatskanzlei am Dienstag mit. Lafontaine gab jedoch zugleich der Bild-Zeitung eine erste Stellungnahme: Er habe sich "nicht das geringste" vorzuwerfen. Es sei lächerlich, von einer Affäre zu sprechen. Er wies die Vorwürfe zurück, einen "stadtbekannten Schläger" als Leibwächter eingestellt zu haben. Sein Mitarbeiter Totila Schott sei nicht vorbestraft, gegen ihn liege nichts vor. Ihm würden Jugendsünden vorgeworfen, die 30 Jahre zurücklägen. "Warum soll ich ihm keine Chance geben?" fragte Lafontaine.
Der vom Spiegel als "halbseidener Freund" bezeichnete Schott kündigte an, das Magazin wegen Rufschädigung und Verletzung der Persönlichkeitsrechte zu verklagen. Dem TV-Sender "Premiere" sagte der 51jährige, er sei jetzt beruflich erledigt. Ein großes Unternehmen, in das er habe wechseln wollen, zog nach seinen Angaben am Montag die Zusage einer Anstellung wieder zurück. Schott wies auch die Darstellung des Spiegel zurück, jemals Mitglied oder Anführer der Rokkerbande "Road-Gang" gewesen zu sein. Er sei lediglich vor einiger Zeit zusammen mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Reinhard Klimmt zum Ehrenmitglied des Motorradclubs "Lucy-Gang" ernannt worden. Klimmt hatte eingeräumt, sich für den in Frankreich einsitzenden mordverdächtigen Unterweltler Hugo Lacour beim Saar-Justizminister über den Stand des Verfahrens kundig gemacht zu haben.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Rüttgers, forderte Lafontaine am Dienstag zum Rücktritt auf. Das Bundeskriminalamt und das Saarbrücker Landeskriminalamt erklärten auf Anfrage, es gebe derzeit keine Anhaltspunkte für eine Verbindung von Politik und organisierter Kriminalität im Saarland.
Kleine Lokalrundschau
Junio geht ins Naturschutzgebiet HEUSENSTAMM. Zu Rodungsarbeiten im Naturschutzgebiet Gräbenwäldchesfeld trifft sich die Jugendgruppe Junio (Jugend und Natur in Obertshausen) am Samstag, 23. Januar, 14 Uhr, an der B 448 gegenüber von der Aral-Tankstelle oder um 13.45 Uhr am Eingang des Waldbades. In dem Naturschutzgebiet müssen Gebüsche geschnitten und die Äste abtransportiert werden. Quartiere gesucht OFFENBACH. Für Besucher/innen der Lederwarenmesse vom 13. bis 16. Februar werden noch Einzel- und Doppelzimmer in Offenbach gesucht, die auch nur für eine Nacht vermietet werden können. Vermieter sollen sich mit der Offenbach- Information am Stadthof unter Rufnummer 80 65-21 56 in Verbindung setzen. Rügen in Bildern OFFENBACH. 15 Fotografien von Stefan Simon und zehn Acrylgemälde und Aquarelle von Marc Simon, die die Lanschaft der Ostseeinsel Rügen darstellen, werden vom Montag, 25. Januar, bis 28. Februar in der Stadtbücherei, Herrnstraße 84, ausgestellt. Die Bilder sollen angesichts der Naturzerstörung das Bewußtsein der Betrachter für die Umwelt schärfen. Stefan Simon ist Geophysiker und freischaffender Fotograf, Marc Simon lebt als freischaffender Maler und Graphiker in Offenbach. Wer steigert mit? OFFENBACH. Eine Gitarre oder einen Fernsehapparat können Interessenten bei einer Versteigerung der Stadt am Dienstag, 26. Januar, im Rathaus erwerben; Beginn 14 Uhr im Zimmer 814. Vortrag über Kanada OFFENBACH. Zu einem Lichtbildervortrag über Kanada in deutscher Sprache lädt der deutsch-französische Stammtisch für Dienstag, 26. Januar, 20 Uhr, in den Seniorentreff Norden, Pirazzi-/Ecke Bernardstraße ein. Tausendfüßler informieren OBERTSHAUSEN. Zu einem Informationsabend laden die Tausendfüßler für Mittwoch, 27. Januar, 20 Uhr, in ihr neues Haus in die Seligenstädter Straße 43a ein. Der Verein für Frauen und Kinder bietet ab Februar zudem einen Geburtsvorbereitungskurs für Frauen und Paare an. Anmeldungen und Informationen bei der Hebamme Dorothea Kühn, Telefon 0 61 04 / 7 57 35 und bei der Hebamme Christine Eckhard, Telefon 0 61 04 / 6 27 90.
In den letzten Stunden seiner Amtszeit kann US-Präsident George Bush eine letzte Kerbe in seinen Gewehrkolben schnitzen; er hat nun auch noch die Allianz zur Strecke gebracht, die ihm zwei Jahre lang geholfen hat, die Aktionen gegen Iraks Diktator als Aktionen der Vereinten Nationen durchzuführen. Die früher verbündeten arabischen Regierungen haben sich sofort von den jüngsten Kriegshandlungen distanziert. Nun setzen sich auch die vier anderen ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats von der Supermacht USA ab. Rußland brachte das Thema im Rat zur Sprache. China widersetze sich der Einrichtung der Flugverbotszonen. Großbritannien und Frankreich spielen das amerikanische Bombenspiel nun auch nicht mehr mit.
Die Kontaktsuche des irakischen Außenministers Tarik Aziz beim Bush- Nachfolger Bill Clinton wird zunächst folgenlos bleiben. Sie war aber mehr als nur ein Ablenkungsmanöver, wie der ungewöhnliche Schritt Bagdads zeigt, den Vatikan um Vermittlung zu bitten. Die Äußerung des Vatikan-Sprechers Joaquin Navarro, offenkundig habe Bagdad provoziert, doch die militärische Antwort sei Überreaktion gewesen, ist deutlich genug.
Kurz: Ein paar Stunden vor seinem Ausscheiden hat Bush die USA in die Isolation geführt. Bleibt der Nachfolger auf diesem Kurs, so wird man dem Verhalten Washingtons im Nahen Osten das Wort "Politik" nur mehr unter starkem Vorbehalt zubilligen können. Wirft er aber das Ruder herum, versucht er es dennoch mit Diplomatie, so wird es ohne beträchtlichen Gesichtsverlust nicht abgehen. Diese Situation beschreibt am genauesten der Begriff: Scherbenhaufen. gro
HOCHTAUNUSKREIS. Demokratie gibt es nicht umsonst - die Entscheidungsfindung des Volkes und seiner Vertreter kostet bares Geld. 500 000 Mark stehen im Etat des Kreises für 1993 als "Aufwendungen für ehrenamtliche Tätigkeit". 275 500 Mark schlagen außerdem als Zuschüsse an die Kreistagsfraktionen von CDU, SPD, FDP und Grünen zu Buche.
So erhält jede Kreistagsfraktion monatlich 4000 Mark zur Deckung ihrer Geschäftskosten. Hinzu kommen 75 Mark je Mitglied und Monat.
Die Abgeordneten selbst erhalten monatlich eine Aufwandsentschädigung von 120 Mark. Diese erhöht sich für die neun ehrenamtlichen Mitglieder der Kreisregierung auf 300 Mark und für Ausschußvorsitzende auf 200 Mark monatlich. Die vier Fraktionschefs erhalten 400 Mark je Monat, der Kreistagsvorsitzende Ekkehard Gries 600 Mark.
Zusätzlich gibt es für jede Sitzung des Kreistags und seiner Gremien sowie der Fraktionen und ihrer Untergruppen 60 Mark Sitzungsgeld. Zudem werden der Verdienstausfall (Durchschnittssatz: 60 Mark) sowie Fahrtkosten ersetzt. All diese Sätze sind in der Entschädigungssatzung des Kreises für ehrenamtlich Tätige festgelegt; sie wurden seit 1985 nicht mehr erhöht.
Reich werden können die Abgeordneten allerdings von vornherein nicht: Die meisten treten Sitzungsgelder und Aufwandsentschädigung ganz oder teilweise an ihre Parteien ab. "Freiwillig", wie Vertreter von CDU und SPD betonen, aber geschlossen.
Indirekt profitieren die Parteien und Fraktionen also von staatlicher Zuwendung, auch wenn "Parlamentsarbeit nicht der Parteienfinanzierung dienen" darf, wie CDU-Fraktionschef Gerd Krämer betont. Sie würden bei einem kleineren Kreistag Zigtausende verlieren. Rund 70 600 Mark spülen die Abgaben der 36 Abgeordneten und vier Kreisausschußmitglieder beispielsweise jährlich in die Parteikasse der CDU; zusätzlich zu den 84 000 Mark Staatsknete aus Geschäftskosten- und Pro-Kopf-Zuschuß an die größte Kreistagsfraktion.
Eine Halbierung der Abgeordnetenzahl, wie sie Gerd Krämer anstrebt, würde seine Partei und Fraktion wegen des Wegfalls der an die Abgeordnetenzahl gebundenen Gelder zusammen fast 50 000 Mark im Jahr kosten.
Es sei denn, die Entschädigungssätze würden zuvor erhöht. stk
STUTTGART (dpa/rtr/FR). Bei der Südmilch wird ein hartes Sanierungskonzept durchgezogen, dem rund 730 Arbeitsplätze zum Opfer fallen. Für 1992 dürfte das Unternehmen einen Verlust von annähernd 30 Millionen Mark ausweisen. Dafür hat der frühere Vorstandschef Wolfgang Weber die Verantwortung übernommen und nun sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender niedergelegt. Zudem mußten zwei weitere Manager ihre Jobs aufgeben.
Nun rotiert erst einmal der Rotstift bei Südmilch. In der Stuttgarter Zentrale fallen 160 Arbeitsplätze weg. Weitere 270 Stellen gehen verloren, weil Produktionen von Stuttgart nach Heilbronn verlagert werden. Dies war ursprünglich erst für 1994 geplant, soll jetzt aber wegen der Misere schon Ende Juni dieses Jahres über die Bühne gehen. Zudem macht Südmilch das Werk Künzelsau, wo teure Instandsetzungen erforderlich gewesen wären, dicht; betroffen davon sind 300 Männer und Frauen.
Vorstandschef Frank Staudacher will mit seinem Sanierungskonzept in diesem Jahr die Rückkehr in die Gewinnzone schaffen. Sein Programm sieht des weiteren eine Senkung des Milchpreises vor, der derzeit bei knapp 64,8 Pfennig pro Liter liegt. Geplant ist ein Abschlag von zweieinviertel Pfennig.
Noch immer baut die Stadt an ihren Alternativen zur offenen Drogenszene Taunusanlage. Im Westend wird jetzt einer der Bausteine in Frage gestellt. Das in der Schubertstraße vorgesehene "Sleep- in" für obdachlose und drogengefährdete Mädchen und junge Frauen wird, so fürchten Nachbarn, "erhebliche Probleme in den Stadtteil ziehen". Von der Aktionsgemeinschaft Westend (AGW) hingegen werden die Bürger gemahnt, "auch die Lasten gemeinsam zu tragen".
Das Haus, das zum geschützten Raum für 20 bis 24 Mädchen und junge Frauen in wechselnder Zusammensetzung werden soll, ist vom Verein "Arbeits- und Erziehungshilfe" von Privat gemietet worden. Es handelt sich um ein seit zehn Jahren als Bürogebäude zweckentfremdetes Dreifamilienhaus. Seit einiger Zeit wird umgebaut, schon im vergangenen November sollte es eröffnet werden. Doch es ist mehr zu sanieren als gedacht. Jetzt rechnet man im Sozialdezernat, daß es im Februar oder März eröffnet wird.
Unterdessen hat auch die Nachbarschaft von dem Projekt erfahren. Und mancher zürnt: "Bei solchen problematischen Entscheidungen gehört die Information der Bevölkerung dazu." Dagegen argumentiert Roland Frischkorn als Referent des Sozialdezernenten Martin Berg mit dem besonderen Schutz der Klientel, die im Westend unter der Aufsicht einer Ärztin von Sozialarbeitern und der Heimleitung betreut werden soll: Schon die genaue Adresse hütete man sich der Öffentlichkeit preiszugeben. Da es sich um die soziale Einrichtung eines freien Trägers handele, sei man nicht verpflichtet gewesen, die Meinung des Ortsbeirats einzuholen.
"Viele Leute sind beunruhigt", hat der Arzt Peter Kroneberger als Anlieger reihum den zuständigen Stellen mitgeteilt. Man fürchte sich vor dem ständigen Aus und Ein einer "problematischen Klientel", die "womöglich nicht therapiefähig" sei, vielmehr "auch Dealer anzieht". "Mit dieser Entscheidung", so hat Kroneberger an den Verein Arbeits- und Erziehungshilfe geschrieben, "verlagern Sie Probleme in eine bisher relativ unproblematische Wohnstraße hinein." Kurzum: "Eine Einrichtung am falschen Platz".
Laut Roland Frischkorn ist die Auswahl des Gebäudes mit der Nähe zur Innenstadt begründet. Gegen das Argument hoher Fluktuation setzt er die Information, Kern der Einrichtung werde eine feste Wohngruppe sein. Auch werde das Haus, anders als das Sleep-in für junge Männer, "nicht nur abends auf- und morgens zugemacht".
"Das Westend kann sich nicht gegen so was sperren", sagt Barbara Heymann für die AGW. Zumal: "Die Junkies fallen hier doch eh durch die Vorgärten, wir haben längst keinen blankgeputzten Stadtteil mehr." Die AGW-Vorsitzende wünscht "dem Ding erst einmal einen unbelasteten Start". clau
Fischerdorf war das falsche Urlaubsdomizil Touristinnen wollten Unterhaltung / Geld zurück Von unserem Redaktionsmitglied Norbert Leppert Nach einem Gang durch zwei Gerichtsinstanzen ist es zwei Touristinnen gelungen, ihre strapazierte Urlaubskasse wieder aufzufüllen. Wie das Landgericht entschied (Az.: 2/24 S 277/92), muß ihnen der Reiseveranstalter nach verpatztem Mexiko-Trip jetzt 3822 Mark zurückzahlen. Statt der erwarteten Abwechslung und Unterhaltung hatten die Frauen mit der Einsamkeit eines abgelegenen Fischerdorfs vorlieb nehmen sollen. Juristisch umstritten war der Fall insofern, als es sich bei dem Angebot um eine sogenannte Fortuna- Flugreise handelte. Im Gegensatz zu dem in der Regel teureren Standardprogramm erfährt der Urlauber hierbei erst nach Ankunft im Zielgebiet, wo genau er untergebracht wird. Doch auch bei diesen Reisen, so das Landgericht in seiner jetzt veröffentlichten Entscheidung, darf der Veranstalter nicht schalten und walten, wie es ihm gerade in seine Organisation paßt. Hatten sich die beiden bei dem Fortuna-Angebot Cancun auf "sehr viel Abwechslung, Unterhaltung und Erlebnisse" gefreut, erwartete sie bei Ankunft eine Enttäuschung: Statt im geschäftigen Cancun-City wurden sie im 70 Kilometer entfernten Fischerdorf Playa del Carmen untergebracht, wo es weder Discos, Läden, Bars noch ein interessantes Straßenleben gab - ein Ort, der nach Überzeugung der Richter eher "für Senioren und die Einsamkeit liebende Philosophen, aber nicht für lebenslustige Damen geeignet" wäre.
Als obendrein auch das Hotel in dem Dorf noch zu wünschen übrig ließ, hatten die Frauen endgültig die Nase voll. Kurzerhand packten sie ihre Sachen und reisten nach Cancun, wo sie die gewünschte Unterkunft fanden. Zu Hause wieder angelangt, machten sie dem Reiseveranstalter ihre Rechnung auf und verlangten 3822 Mark, darunter auch 565 Mark als Entschädigung für drei verlorengegangene Erholungsurlaubstage.
In erster Instanz vor dem Amtsgericht bekamen die Klägerinnen Ende Juni vergangenen Jahres nicht mal zur Hälfte Recht. Nur aufgrund der nachweisbaren Mängel im Hotel - laute und penetrant muffige Klima-Anlage, verstopfte sanitäre Anlagen - sollten ihnen 1781 Mark zustehen, was einer Minderung des Reisepreises von 45 Prozent entsprach. Doch in der Berufungsinstanz ließ es die 24. Zivilkammer unter Vorsitz von Richter Otto Tempel damit nicht bewenden. Der Amtsgerichtsspruch wurde abgeändert, mit der Maßgabe, daß die Frauen auch Anspruch auf ein Ersatzquartier hatten.
Wie aus dem Urteil hervorgeht, konnte sich der Reiseveranstalter nicht darauf berufen, der Name "Cancun" sei neben dem Stadtnamen "auch ein Begriff für die gesamte Region". Der Reisende, heißt es in den Ausführungen des Landgerichts "sucht sich sein Urlaubsziel in der Regel nicht nach Regionen aus, deren Vorhandensein und Ausdehnung er bei fremden Ländern ohnehin nicht kennt, sondern nach bestimmten Städten, mit denen sich oft eindeutige Erwartungen verbinden". Solche Verhaltensweise sind dem Urteil zufolge Bestandteil der Verkehrssitte, die auch vom Veranstalter einer Fortuna- Reise zu berücksichtigen sei.
Hinter der alten Bundesrepublik liegen fette Jahre. Für die bevorstehenden mageren Jahre gilt es, Phantasie, Kreativität und Beweglichkeit an den Tag zu legen; nicht nur nach mehr Geld, sondern auch nach mehr Inhalten zu rufen. Die jungen Länder haben hier in mancher Hinsicht eine Vordenkerrolle übernommen. Aber sie stoßen noch viel zu oft auf bequemes Beharren. Will unser Land die Fähigkeit, die Zukunft unter veränderten Bedingungen zu meistern, bewahren, dann muß jetzt zum Beispiel sehr ernsthaft die jahrelang verschleppte bildungspolitische Debatte geführt werden. Dann darf der Bildungsgipfel beim Bundeskanzler - der übrigens ein Bildungsgipfel, nicht ein Hochschulgipfel sein soll - nicht nur zu einem Gipfel an finanziellen Forderungen werden, sondern er muß auch ein Gipfel des inhaltlichen Gesprächs sein.
In diesem Jahr jährt sich die Wiedererlangung der staatlichen Einheit Deutschlands zum dritten Male. Die Einigung unseres Landes hat ohne Zweifel Fortschritte gemacht. (. . .) Aber es ist beunruhigend, daß die Diskussion, die den Einigungsprozeß begleitet, zunehmend durch die wirtschaftlichen Aspekte dieses Prozesses beherrscht wird. (. . .)
Die Einigung Deutschlands als Chance zur Modernisierung zu begreifen - diese Perspektive verdiente mehr Aufmerksamkeit in der politischen Debatte.
Die Kultusministerkonferenz wird sich der Aufgabe stellen, ihren Beitrag zur Vollendung der inneren Einheit Deutschlands zu leisten. Bei ihr liegt es nicht zuletzt, die geistige Dimension des Vollzugs der Einheit immer wieder in den Vordergrund zu rücken. Dazu gehört zum Beispiel die abschließende Klärung der Anerkennung von Berufsabschlüssen. Die Versetzung eines Lehrers von Schwerin nach Nürnberg oder Hamburg ist noch nicht so problemlos wie von Düsseldorf nach Hannover.
Zum Vollzug der inneren Einheit gehört zum Beispiel auch die Frage der gleichmäßigen Verteilung der Ressourcen im Kultus- und Wissenschaftsbereich. In den jungen Ländern ist die Neustrukturierung des Hochschulwesens weit vorangeschritten oder schon abgeschlossen. In Stralsund oder Greifswald oder Leipzig oder Halle zu studieren, wird bald selbstverständlich sein. Den alten Ländern eröffnet sich die Möglichkeit, die Überlast an ihren Hochschulen zu verringern. Die jungen Länder haben sich dazu prinzipiell bereit erklärt. Sie erwarten allerdings, daß im westlichen Teil der Bundesrepublik beim Hochschulbau zurückgesteckt wird und mehr Mittel in den Hochschulbau im östlichen Teil Deutschlands fließen, damit sie mehr Studierende aufnehmen können. (. . .)
Steffie Schnoor, Kultusministerin von Mecklenburg-Vorpommern, anläßlich der Übernahme des Amtes der KMK-Präsidentin
Notrufmelder im Weinbergpark will der Ortsbeirat 5 installieren lassen. In einem einstimmig verabschiedeten Antrag der SPD werden die Rufeinrichtungen gefordert, da der vor dem Park installierte Notruf zu weit entfernt sei, um bei einem Unfall auf den Spielplätzen rasch Hilfe anfordern zu können. kan
MÖRFELDEN-WALLDORF. Der Wunsch nach neuen Räumen, im vergangenen Jahr zentrales Anliegen beim Verein Frauentreff, war auch am Dienstag abend während der Jahreshauptversammlung ein Thema. Doch die angeschlagenen Töne sind versöhnlich, trotz fortgesetzter Klagen über Gerüche aus der angrenzenden Küche des "Goldenen Apfel" und die durch Kochcontainer oft versperrte Tür zur Toilette. Aber mit dem Raum an sich sei der Verein zufrieden, auch wenn er langsam eng werde. Vorstandsfrau Helga Fritz wies erneut darauf hin, daß es derzeit nur donnerstags freie Kapazitäten gebe, an den übrigen Tagen "mußten wir auch schon Gruppen abweisen".
Die Forderungen nach neuen Räumen, erläuterte Ellen Lutter, seien im Grunde nur eine Absichtserklärung, daß man sich gern räumlich ausweiten wolle. "Aber das dauert halt, und das wissen wir auch." Es gehe darum dranzubleiben, damit die Stadt, wenn neue Räume verteilt würden, im Hinterkopf habe, daß es auch seitens des auf rund 60 Mitglieder angewachsenen Frauentreffs Wünsche gebe.
Finanzielle Wünsche haben sich bereits erfüllt. Dank eines städtischen Zuschusses von 1000 Mark hat der Verein jetzt mehr Spielraum bei der Organisation von Veranstaltungen, will sich auch künftig verstärkt darum bemühen, über den jährlichen Vereinszuschuß hinaus noch Unterstützung für einzelne Veranstaltungen zu bekommen.
Die nächste ist für den 16. Februar als Podiumsdiskussion im Vereinsraum geplant. Politiker aller Parteien sollen eingeladenen Gruppen und Initiativen, aber auch interessierten Bürgerinnen und Bürgern Rede und Antwort stehen, ob die Stadt eine menschenfreundliche Kommune ist.
Am 30. März folgt der Vortrag zum Thema "Frauen in der Gewerkschaft". Auch die ersten drei Vorträge der neuen Angebote sind fest: Am 29. April geht es um Karrierefrauen, am 25. Mai um Hexen und am 22. Juni steht "Umweltschutz im Haushalt" auf dem Programm. wal
Im Riesenpark der Kronberger Sekt-Villa Mumm will Hessen keine Alternative zum Container-Lager zulassen Passen Asylbewerber nicht neben Flüchtlingskinder? Stadt und Kreis liegen im Clinch mit Ministerin Blaul Von Marcel Keiffenheim KRONBERG. Die Stadt Kronberg und der Hochtaunuskreis wollen auf dem Gelände der Villa Mumm Asylsuchende unterbringen. Doch die zuständige Ministerin Iris Blaul (Grüne) legt sich quer: Ein Lager dort würde das Heim für minderjährige Flüchtlinge "beeinträchtigen", das die Arbeiterwohlfahrt in der Villa betreibt. Kronberg ist in Verzug. 309 Asylsuchende hätte die Stadt bis zum Ende des vergangenen Jahres aufnehmen müssen, nur 159 sind tatsächlich untergebracht worden - fast alle in einem Containerlager nahe der Altkönigschule (AKS). Damit Kronberg seine Verpflichtungen erfüllt, müßten jedoch schnellstens noch 150 Flüchtlinge einquartiert werden. Weitere kommen dieses Jahr dazu. Bloß: Das Lager an der Altkönigstraße ist nicht nur voll belegt, es hat zudem auch einen so niedrigen Standard, daß nur junge männliche Asylbewerber aufgenommen werden. In einem Antrag zum Thema nannte die CDU die Container-Ansammlung kürzlich "die schlechteste Asylbewerber- Unterkunft, die es im Hochtaunuskreis gibt".
Die Stadt muß also neue Flächen finden, auf denen ein neues Lager aufgeschlagen werden könnte. Das geeignetste Areal ist nach Auffassung von Bürgermeister Wilhelm Kreß (SPD) und des Kreisbeigordneten Peter Barkey (FDP) der riesige Park der Villa Mumm. Das herrschaftliche Anwesen des Sekt-Fabrikanten am nordwestlichen Stadtrand gehört dem Land Hessen. Die Arbeiterwohlfahrt (AW) hat das Anwesen gepachtet, in "Haus Waldfriede" umgetauft und dort ein "Aufnahmeheim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge" untergebracht - für etwa 50 Jungen und Mädchen von sechs bis 18 Jahren, die es ohne Familie nach Deutschland verschlagen hat. 50 Kinder auf einem über 60 000 Quadratmeter großen Gelände: "Da läßt sich etwas für andere Flüchtlinge abzwacken", ist Kreß überzeugt. Und Barkey sekundiert: "Hier kann das Land zeigen, daß es auch einen Beitrag zur Unterbringung leisten will."
Doch das Land - verkörpert durch Ministerin Iris Blaul - will nicht. In dem der FR vorliegenden Antwortbrief schreibt sie: "Eine gleichzeitige Nutzung für unbegleitete Minderjährige auf der einen Seite und Erwachsene auf der anderen Seite" sei "so gut wie nicht durchführbar". Ihre Sprecherin Claudia Weisbart erläutert, daß die Flüchtlingskinder eine besondere Betreuung brauchten, um ihnen über den Verlust ihrer Familie und ihrer Heimat hinwegzuhelfen. Dabei seien "Ruhe und Abgeschiedenheit" oberstes Gebot.
Heimleiter Ottfried Weber beschreibt die möglichen Konflikte zwischen den Flüchtlingsgruppen: Im Vergleich zu den "Lagerkindern" - im Gegensatz zur Altkönigstraße sollten auf dem Mumm-Areal auch Familien unterkommen - hätten die "Heimkinder" einige Vorteile: Taschengeld, bessere Kleidung, bessere Verpflegung, bessere Betreuung und "Da ist der Neid vorprogrammiert" Deutschunterricht. Da sei Neid vorprogrammiert. "Und die Kinder voneinander fernzuhalten, zumal wenn sie einer Nationalität sind - wie soll das denn gehen", fragt der Pädagoge. Er will seine Schutzbefohlenen aus einem Lagerbetrieb raushalten. "Ich sehe kommen, daß beide Einrichtungen immer mehr miteinander verschmelzen."
Kreß sieht dagegen vor allem das riesige Areal, das sich von der B 455 im Süden bis zum Waldrand im Norden, von der Landstraße nach Falkenstein im Westen bis zur Straße "Am Oberen Aufstieg" erstreckt und das "von den 50 Kindern überhaupt nicht ausgeschöpft werden kann". Und dann denkt er an das dicht belegte Container-Lager direkt neben der AKS mit ihren 1600 Schülern. Barkey findet, "daß der Schulelternbeirat die unvermeidlichen Belastungen durch das Männerlager geradezu stoisch erträgt". Beide hegen den Eindruck, daß die Ministerin die pädagogischen Bedürfnisse der AKS- Schüler und die der Flüchtlingskinder mit zweierlei Maß mißt.
Damit die Kinder auf dem Mumm-Gelände nicht durch die anderen Flüchtlinge gestört würden, schlägt Kreß vor, das Lager auf den südlichen Abschnitt um die Gärtnerei zu begrenzen, irgendwo zwischen Gewächshaus und Pförtnerhaus einen Zaun zu ziehen und den nördlichen Teil als AW-Heim zu belassen. Für das Asylbewerberlager könnte man schließlich einen separaten Eingang schaffen. Der Bürgermeister hebt hervor, daß es sich bei dem Lager "nicht um eine feste Einrichtung, sondern nur um eine vorübergehende Angelegenheit" handele.
Ihre Argumente haben Kreß und Barkey diese Woche in einem gemeinsamen Brief an die Ministerin noch einmal dargelegt. Mit der Hoffnung "auf Ihr Entgegenkommen und Verständnis" bitten sie darin Iris Blaul, ihre ablehnende Haltung noch einmal zu überdenken. Die Konsequenz, falls die Ministerin dieses freundliche Ansinnen ablehnt, steht auch schon in dem Schreiben: "Die Stadt Kronberg kann ansonsten ihrer Aufnahmeverpflichtung nicht zügig nachkommen."
Doch auch falls sich die Ministerin bewegt, erteilt Barkey allen Wünschen, das Lager an der Altkönigstraße aufzulösen, eine Absage: Weil Kronberg seine Quote längst nicht erfülle, sei "gar nicht daran zu denken, einen Standort aufzugeben, wenn man einen anderen gefunden hat". Der Bürgermeister arbeitet dagegen auf den Abbruch des Containerdorfes hin: "Wir werden uns bemühen, das wegzubekommen, wenn der Pachtvertrag in zwei Jahren ausläuft." Um das zu schaffen, muß er freilich bald Alternativen finden.
HANAU. Eine nachträgliche Weihnachtsüberraschung gab es jetzt für den Leiter der Kaufmännischen Schulen II, Oberstudiendirektor Norbert Klink. Tanja Püster, eine Schülerin des Beruflichen Gymnasiums, überreichte ihm einen Scheck in Höhe von über 6000 Mark.
Das Geld stammt aus den Überschüssen der von Schülern gegründeten Verlagsgesellschaft Adventure Cooperation, die schon seit einigen Jahren erfolgreich im Unterricht erstellte Ausflugsbücher und Radwegeführer vertreibt. Nachdem bereits im vergangenen Jahr 3000 Mark für die Frankfurter Kinderkrebsklinik gespendet werden konnten, sind die jetzt überreichten 6000 Mark für den Aufbau einer Bibliothek an den Kaufmännischen Schulen bestimmt.
Tanja Püster konnte dem Schulleiter Hoffnung auf weitere Geldspritzen von Schülerseite aus machen. Zwei Buchprojekte des rührigen Schülerverlages stehen kurz vor dem Abschluß. Mit "Tour de Burg" wird im März ein unterhaltsamer Führer zu den Burgen und Schlössern des Main- Kinzig-Kreises erscheinen und im Frühjahr werden die Freunde des Apfelweins in "Ebbelwoi on tour" erfahren, wo der beste Schoppen in unserer Region ausgeschenkt wird. are
hll BONN, 19. Januar. Die SPD sucht auch in Zukunft die begrenzte Zusammenarbeit mit der Bundesregierung, auch wenn die Regierung selbst dies gar nicht will. Nach einer Reihe von Gesprächen habe er den Eindruck, daß die Bundesregierung "an wirklich ehrlicher Zusammenarbeit nicht interessiert" sei, sagte SPD-Chef Björn Engholm (Bild: dpa) am Dienstag in Bonn. Wenig später meinte Hans-Ulrich Klose, der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, er wolle keinen "Kurs stärkerer Konfrontation" einschlagen, wie es die Union der SPD unterstelle. Er werde sich von seinem Konzept, das er mit den Stichwörtern "Kritik, Kontrolle, Alternative, Zusammenarbeit" umschrieb, "nicht abhalten lassen".
Engholm teilte mit, er werde ein "Schattenkabinett" erst im Sommer 1994, kurz vor der Bundestagswahl, bekanntgeben. Demnächst wolle er ein "politisches Grundteam aus der Partei" benennen.
EGELSBACH. Mit Sperrungen und Tempo 40 wollen die Egelsbacher Grünen ignoranten und rasenden Autofahrern zu Leibe rücken. In zwei Anträgen, über die in der nächsten Sitzung des Gemeindeparlaments abgestimmt werden soll, geht es um Schleichverkehr auf Feldwegen und eine neue Geschwindigkeitsregelung für die alte Kreisstraße 168 und die Woogstraße.
Im Detail: Nach Auffassung der Grünen hat sich der Wirtschaftsweg zwischen Theodor-Heuss-Straße und verlängerter Schillerstraße mittlerweile zu einer Art "Umgehungsstraße" entwickelt - ungeachtet der Schilder und Hindernisse, die in der Vergangenheit aufgestellt worden waren. Sie fordern den Einbau einer "wirksamen Sperre" westlich des Hofes der Familie Best, um den Schleichverkehr zu unterbinden. Ebenfalls gesperrt werden solle der Feldweg von der Langener Straße zur Dr.-Horst- Schmidt-Halle.
Tempo 40 verlangen die Grünen für die alte K 168 und die Woogstraße. Bei Geschwindigkeitsmessungen habe sich gezeigt, daß die meisten Autofahrer auch in diesem Bereich weit schneller als die erlaubten 50 Stundenkilometer fahren. Bürgermeister Heinz Eyßen (SPD) solle in seiner Funktion als verantwortliche Straßenverkehrsbehörde das geforderte Tempolimit anordnen oder bei übergeordneten Behörden beantragen.
Bereits im Juni 1989 habe das Egelsbacher Parlament den Gemeindevorstand aufgefordert, mit dem Kreis über Tempo 30 im gesamten Ortsbereich zu verhandeln und zwischenzeitlich an den Ortseingängen Schilder mit der Aufschrift "Freiwillig Tempo 30" aufzustellen. Bislang sei dieser Beschluß jedoch ohne Folgen geblieben, monieren die Grünen. leo
Was ist eigentlich ein "Langzeitstudent"? Anmerkungen einer Betroffenen zu Studienzeiten, Studiengebühren und einer "Reform"
Doch was ist überhaupt ein "Langzeitstudent"? Bei genauerer Betrachtung gilt die Kritik älteren Studenten und solchen, die lange studieren; was nicht immer ein und dieselbe Gruppe ist.
Zum Kritikpunkt "alte Studenten":
Ein Student, der eine Ausbildung absolviert hat - was von den Personalchefs immer wieder als gewünschte Qualifikation hervorgehoben wird -, ein Jahr Berufserfahrung gesammelt und Zivil- oder Wehrdienst abgeleistet hat, kann frühestens mit 25 Jahren ein Studium beginnen. Dann wäre er selbst bei Einhaltung der staatlich gewünschten Regelstudienzeit am Studienende schon 30 Jahre alt. (Für Frauen mit Berufsausbildung gilt das gleiche, natürlich abzüglich der zwei Jahre). Folgt man/frau dann noch dem Wunsch der Stellenangebote nach einem - ach so vorteilhaften - Auslandsaufenthalt, ist die Qualifikation unschlagbar, das 30. Lebensjahr aber leicht erreicht.
Zum Kritikpunkt der zu hohen Semesterzahl:
Die vom Staat ausgedachten Regelstudienzeiten sind utopisch. Die Politiker haben nämlich vergessen, daß zum Studieren auch die Abschlußprüfungen gehören. So kann ein Student der Volkswirtschaftslehre nie und nimmer in der geforderten Regelstudienzeit von 9 Semestern zum Abschluß kommen, selbst wenn er/sie das Studium (sprich Vorlesungen, Scheine) in der Minimalzeit von 8 Semestern schafft. Zum Bestehen des Diploms muß der Student eine sechsmonatige Diplomarbeit schreiben (die ja auch nicht aus dem hohlen Bauch heraus entsteht, sondern monatelang vorbereitet werden muß) und die Diplom-Klausuren bestehen, deren Vorbereitung mindestens ein Jahr beansprucht. So ist schon per Definition (der Prüfungsbedingungen) an eine Einhaltung der Regelstudienzeit, die als "Normalstudienzeit" verkauft wird, gar nicht zu denken.
Nach Ablauf der "Regelstudienzeit" werden die Bafög-Zahlungen gestoppt; gerade dann, wenn für die meisten Studenten die Anlaufsphase für Diplom, Staatsexamen oder Magister beginnt. Zum Sparpaket der Bundesregierung gehört auch die Streichung der Abschlußförderung. Auch sind Studenten entgegen der herrschenden Meinung nicht sozialhilfeberechtigt. Was soll man in dieser Lage also anderes tun, als zu jobben und somit gezwungenermaßen das Studienpensum auf die Hälfte (oder weniger) herunterzuschrauben?
Vielfach sorgen auch die Zustände an der jeweiligen Universität oder Fakultät dafür, daß es unmöglich ist, vorgegebene Studienzeiten einzuhalten. Davon sind besonders Lehramts- und Magisterstudenten betroffen, die mehrere Fächer studieren und die Angebote der verschiedenen Fakultäten vereinbaren müssen. Da kommt es vor, daß sich Vorlesungen überschneiden, Seminare überfüllt sind oder in einem Semester nicht angeboten werden. So kann der Schein erst im nächsten Semester gemacht werden.
Wer z. B. im Vordiplom bei den Ingenieur- oder Wirtschaftswissenschaften in nur einer von vielen Klausuren durchfällt, kann diese entweder kurz danach wiederholen oder sich die Vorlesung vor einem erneuten Versuch lieber noch einmal anhören. Da nach drei verpatzten Versuchen der Rausschmiß droht, ist es naheliegend, die Vorlesung besser noch einmal zu wiederholen. Dadurch verschiebt sich das Vordiplom aber um zwei Semester, denn jede Vorlesung wird nur einmal pro Jahr angeboten.
Auch der "Ausnahmefall" Krankheit ist nicht zu unterschätzen. Arbeitnehmer sind bei Krankheit versichert, ein Student muß Prüfungen und Vorlesungen um ein Jahr verschieben und zusehen, wo das Geld für die zusätzliche Zeit herkommt. Auch der Fall, daß ein Professor stirbt oder die Universität verläßt, wird oft nicht bedacht. Es ist gängige Praxis, daß die Dozenten aus Karrieregründen die Hochschule wechseln oder eine Stelle in der Wirtschaft annehmen. Der Nachteil für die Studenten ist, daß die Dozenten nur zwei Jahre nach ihrem Weggehen zur Abnahme von Prüfungen verpflichtet sind. Hat ein Student eine Vorlesung bei einem Dozenten vor drei Jahren gehört, muß er die Vorlesung bei einem anderen Dozenten wiederholen, um in dem Fach geprüft werden zu können.
Die Tatsache, daß auch Studentinnen Kinder bekommen, wurde immer wieder versucht, an den sozialen Rand zu drängen. Warum sollten Studentinnen, die Ende 20 sind, nicht eine Familie gründen? Weil sie noch kein geregeltes Einkommen haben? Das ändert aber auch nichts daran, daß für Frauen, die auf die 30 zugehen, eine Erstgeburt mit der Zeit immer risikohafter wird. Auch ökonomisch gesehen. Was ist belastender für die Gesellschaft: eine Studentin, die wegen eines Babys zwei Jahre länger bis zum Abschluß braucht, oder eine Arbeitnehmerin, die kurz nach der Einstellung schon Mutterschaftsurlaub nimmt?
Um ein Studium zu schaffen, muß man dazu fähig, fleißig und finanziell in der Lage sein. Wer nicht den nötigen Fleiß an den Tag legt und sich wirklich mehr Zeit nimmt, schadet weder seinen Kommilitonen noch dem Staat. Er lebt ja nicht auf Staatskosten, sondern entweder von den Eltern oder jobbt. Bafög wird er zurückzahlen müssen, sobald er kein Student mehr ist. Da mit längerer Studienzeit die Einstellungschancen sinken, wird er einem schneller Studierenden mit gleicher Abschlußnote keinen Spitzenjob wegschnappen. Hier regelt sich der Markt von selbst. Das ist doch Sanktion genug. Wozu also die Zwangsexmatrikulation? Am schärfsten ist an den Plänen zur Studienverschärfung zu kritisieren, daß das Studium vielen unmöglich gemacht werden soll, und zwar denen aus ärmeren Familien. Wenn diese Studenten (mittlerweile 25 Prozent) heute schon kaum wissen, wie sie Studium und das Verdienen des Lebensunterhalts vereinbaren können, wie sollen sie erst Studiengebühren aufbringen? 1000 Mark pro Semester sind im Gespräch! Klar ist die Absicht hinter dem geplanten Bestrafungs- und Belohnungssystem: (Allgemein-)Bildung ist out, Verwertbarkeit für die Wirtschaft ist angesagt.
Zu den Fakten: Wie lange studiert ein deutscher Student wirklich? In der Spiegel-Umfrage 1990 wurden die durchschnittlichen Studienzeiten für 17 Fachbereiche (im Westen) ermittelt. Der Schnitt lag bei allen Fächern zwischen 11,0 und 12,9 Semestern. Ist es denn so tragisch, sechs Jahre zu studieren? Die tatsächlichen Studienzeiten weisen auf eines hin: die völlige Fehleinschätzuung der Politiker, wie schnell ein Studium bewältigt werden kann, sei es aufgrund hoher Anforderungen, studientechnischer Mängel oder finanzieller Probleme.
Sollen die Studienzeiten wirklich gedrückt werden, gibt es nur zwei Möglichkeiten, die sozial verträglich sind:
Verlängerung der Dauer der Bafög- Zahlungen und Verbesserung der Studienbedingungen, das heißt häufigere Prüfungstermine, keine Überschneidungen, vielfältigere Lehrangebote und Herunterschrauben extrem hoher Studienanforderungen, die in keinem Zusammenhang zum wissenschaftlichen Anspruch, Berufsbild und restlichen Studium stehen. GABRIELE OTTO
Die Autorin (23) studiert im 7. Semester Volkswirtschaft an der Universität Bielefeld
Immer neue Bordelle im Bahnhofsviertel, die eingesessene Mieter verdrängen: In einem Brief an Oberbürgermeister Andreas von Schoeler beklagt der Pfarrer der evangelischen Weißfrauengemeinde, Martin Reinel, daß "die neue Toleranzzone für die Wohnbevölkerung im Bahnhofsviertel nicht nur Gutes bedeutet". Mit dem Haus Taunusstraße 37 nennt Reinel dem OB das mittlerweile siebte Gebäude, in dem Mieter seit Genehmigung der Toleranzzone am 30. Juni 1992 zum Auszug gezwungen würden.
Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) versprach den Bürgern jüngst, daß er in allen sieben Fällen die Umnutzung der Wohnhäuser verhindern wolle. Wie der Stadtrat sagte, hat die Bauaufsicht bei sämtlichen Projekten inzwischen Anhörungsverfahren eingeleitet - den neuen Besitzern der Gebäude wurden Termine gesetzt, bis zu denen sie ihre Absichten offenzulegen haben. Tatsächlich sind nach Reinels Worten in sechs Häuser Prostituierte eingezogen - oder ihr Einzug steht kurz bevor. Der Pfarrer nannte unter anderem die Adressen Taunusstraße 36, Taunusstraße 39, Moselstraße 42 und Elbestraße 55.
Reinel schildert dem OB, daß im Haus Taunusstraße 37 zwei Mietparteien noch im Januar ihre Wohnung verlassen, die verbleibenden zwei würden vom neuen Hausbesitzer "mit Nachdruck" gebeten, auszuziehen. Der Hauseigentümer beteuere, sein Ziel sei kein Bordell, sondern "eine Pension oder ähnliches".
Der Pfarrer appelliert an den Oberbürgermeister: Die Stadt müsse den betroffenen Mietern Ersatzwohnraum anbieten. Reinel schlägt die städtischen Wohnhäuser Ecke Mainlust- und Gutleutstraße im Bahnhofsviertel vor. Um sie hatte es 1992 schon viel Aufregung gegeben: Ursprünglich noch vom früheren CDU-Magistrat für kinderreiche, wohnungssuchende Familien versprochen, hatte die Kommune sie dann leitenden Kultur-Bediensteten der Stadt zur Verfügung gestellt, darunter Ballett-Chef William Forsythe. jg
Auf einen Blick
Seite II Eine Delegation aus Bruntal besuchte die Wetterau: Partnerschaft der Landkreise wird im Juni besiegelt. Seite III Die Greifvogelfreunde in Nieder- Wöllstadt betreuen seit 1980 kranke und verletzte Tier. Seite IV Lokalsport: Viktoria Aschaffenburg gewann in Nidda den Rambach-Cup.
RODENBACH. Zuspruch und auch Ablehnung hat der Wunsch des Rodenbachers Jürgen Zern erfahren, in der Gemeinde am 30. Januar eine Lichterkette gegen Ausländerfeindlichkeit zu entzünden. Ein Vorbereitungstreffen für die Rodenbacher Lichterkette ist für Donnerstag, 21. Januar, im katholischen Pfarrzentrum geplant. Wer mitmachen möchte, sollte sich um 19.30 Uhr dort einfinden.
BIEBESHEIM. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat ein Ermittlungsverfahren gegen die Hessische Industriemüll GmbH (HIM) eingeleitet: Erkundet werden soll laut Oberstaatsanwalt und Pressesprecher Georg Nauth, was es mit aus der Biebesheimer HIM-Sondermüllverbrennungsanlage stammender Schlacke auf sich hat, die per Schiff zu einem Unternehmen in Duisburg zur Aufarbeitung und anschließender Wiederverwertung im Straßenbau transportiert wurde. HIM- Pressesprecher Dr. Hubertus Hess sagte zur FR, diese Transporte und Nutzungen seien korrekt und Rechtens. Seit etwa einem halben Jahr werde die Schlacke - Jahreskapazität 7000 Tonnen - nach Duisburg geliefert. cas (Bericht auf der Hessen-Seite)
Kleine FR
Burgruine geschlossen MÜNZENBERG. Die Burgruine in Münzenberg ist in der Zeit vom 16. Februar bis 1. März geschlossen. Ansonsten kann das Kulturdenkmal im Januar und Februar täglich von 10 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr besichtigt werden, ab März bis 18 Uhr. Bewußtsein und Bogenschießen ECHZELL. Über die "Bewußtseinsgeschichte der Menschheit und das Bogenschießen" spricht Detlev Loth aus Bingenheim am Freitag, 22. Januar, um 20.15 Uhr im örtlichen Schützenhaus. Zu dem Vortrag lädt die Echzeller Schützengemeinschaft ein. Tümmlerschau WETTERAUKREIS. Der Club der Tümmler-Freunde aus Nidderau richtet am nächsten Wochenende, 23. und 24. Januar, in der Mehrzweckhalle Hainchen (Limeshain) seine erste "Allgemeine Tümmlerschau" aus. Etwa 600 Tümmlertauben aus dem gesamten Bundesgebiet werden gezeigt. Die Schau ist samstags von 10 bis 18 Uhr sowie sonntags von 10 bis 15 Uhr zu sehen. Eröffnet wird sie bereits am Freitag um 20 Uhr.
HOCHHEIM. Auf der Suche nach brauchbarem Werkzeug scheinen Einbrecher gewesen zu sein, die sich an einer Gartenhütte in der Hochheimer Kleingartenanlage zu schaffen machten. Die bisher Unbekannten brachen in der Nacht zum Montag eine Hütte auf und entwendeten Werkzeug.
Wie die Polizei mitteilt, war der Schaden an der aufgebrochenen Hütte selbst gering. Die Elektrowerkzeuge hingegen seien um die 300 Mark wert gewesen. she
Der Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) kann dem Jugendhaus Varrentrappstraße finanziell nicht helfen. Dies wurde bei der jüngsten Sitzung deutlich. "Die Stadt", erklärte Günter Zenk (SPD), "steckt in der gleichen Situation wie das Jugendhaus: Sie hat nicht genügend Geld." Grünen-Fraktionvorsitzender Jürgen Bredtmann meinte bedauernd, bei vielen Gruppen, die Unterstützung verdienten, würde Geld gestrichen. Dennoch versprachen alle Fraktionen, sich über ihre Stadtverordneten für das Jugendhaus einzusetzen.
Die 25 Jugendlichen, die in der Bürgerfragestunde auf ihre Not aufmerksam gemacht hatten, waren damit unzufrieden. "Es geht für uns", klagte ein Jugendlicher, "um eine Minimalausstattung: Putzmittel, Klopapier und Glühbirnen." Das Jugendzentrum kämpfe nicht um Luxus, sondern um seinen Erhalt. mic
HÖCHST. Einen rabenschwarzen Tag muß eine 30jährige Höchsterin am Montag gehabt haben: Innerhalb kurzer Zeit wurde sie gleich zweimal bestohlen.
Wie die Polizei mitteilt, wollte die junge Frau in der Fußgängerzone in der Königsteiner Straße einkaufen gehen und stellte ihr Fahrrad gegen 15 Uhr dort ab. Sie öffnete ihre Handtasche, um den Schlüssel für ihr Fahrradschloß herauszuholen und hantierte anschließend an dem Schloß. Dazu hatte sie die Handtasche hinter ihrem Rücken auf dem Boden abgestellt. Das nutzte ein bislang unbekannter Dieb aus. Er griff sich das Täschchen und rannte davon. Die Höchsterin merkte den Diebstahl sofort und nahm die Verfolgung auf. Dabei verlor der Täter die Geldbörse aus der noch offenen Handtasche. Die Frau hatte ihr Portemonnaie wieder. Der Dieb konnte mit Schlüsseln, Schecks, Brieftasche und Sonnenbrille entkommen.
Sie ging sofort zur Polizei um Anzeige zu erstatten. Die Beamten nahmen die 30jährige im Streifenwagen mit, um nach dem Täter Ausschau zu halten. Nachdem die Fahndung jedoch erfolglos war, setzten die Polizisten die Frau gegen 19 Uhr wieder an der Fußgängerzone ab.
Dort fuhr der Frau abermals der Schreck in die Knochen: Ihr Fahrrad war gestohlen worden, wegen der Verfolgungsjagd hatte sie keine Zeit gehabt, den Drahtesel abzuschließen. Und wieder mußte die Höchsterin zum Polizeirevier gehen.
Die Polizei schätzt den Schaden auf 1700 Mark. gre
Der Bau neuer Wohnungen und Bürogebäude am Hauptbahnhof, im Gutleut und entlang der Mainzer Landstraße sowie im Gallus macht nach Ansicht der CDU-Stadtverordnetenfraktion eine weitere Mainbrücke erforderlich. Wie der verkehrspolitische Sprecher der Union, Wolfgang Stammler, jetzt sagte, sei die Friedensbrücke als einzige Mainquerung dort bereits heute dem Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen. Mit den geplanten und teils im Bau befindlichen Projekten wie Behördenzentrum, Galluspark I und II, Bundesbahn-Zentrale oder dem Wohnkomplex an der Idsteiner Straße entstehe jedoch zwangsläufig zusätzlicher Autoverkehr. Dem müsse Rechnung getragen werden.
Die CDU regt deshalb an, direkt neben der vorhandenen Main-Neckar-Eisenbahnbrücke in Verlängerung der Camberger Straße eine neue Brücke über den Main zu schlagen. Auf der nördlichen Flußseite würde die Trasse an die Mainzer Landstraße anbinden. Südlich des Mains könnte die Brücke, mit einer zweispurigen Straße dicht an den Bahndamm der Eisenbahn angelehnt, zur Kennedyallee geführt werden. Nach Stammlers Darstellung sei die Verwirklichung "relativ unproblematisch", da nur einige "weniger bedeutende Gebäude" im Bereich der Universitätsklinik sowie ein Wasserbehälter der Bundesbahn weichen müßten.
Die Brücke wäre mit zwei Fahrspuren ausreichend dimensioniert, weil auch der Anschluß an die Kennedyallee sowie die Camberger Straße nur zweispurig erfolgen könne. Angeschlossen werden müßte die Brücke auf der Niederräder Seite, zusätzlich an die Mainuferstraße in Richtung Schwanheim sowie auf der anderen Mainseite an die Gutleutstraße.
Stammler erinnerte daran, daß eine zusätzliche Mainquerung bereits im Generalverkehrsplan (GVP) der Stadt aus dem Jahre 1982 sowie im GVP des Umlandverbandes von 1984 enthalten sei. Damals war ein Brückenschlag in Höhe des Flußhafens Gutleuthof / Niederräder Luftbad vorgesehen. Das Bauwerk hätte jedoch das gesamte Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs queren und bereits am Mainufer mit dem innerstädtischen Verkehrsnetz verknüpft werden müssen: Eine städtebaulich "höchst problematische" Sache. Die Baukosten schätzt die CDU auf 60 Millionen Mark. gang
BRUCHKÖBEL. Auch in diesem Jahr sollen Ende Februar in Bruchköbel wieder zahlreiche Sportlerinnen und Sportler geehrt werden. Der Sportlerball findet um 20 Uhr im Bürgerhaus statt.
Die Verwaltung weist darauf hin, daß nur solche Sportler geehrt werden können, die aufgrund außergewöhnlicher Leistungen von ihren Vereinen gemeldet werden. Dies geht vor allem diejenigen Sportler an, die Vereinen außerhalb Bruchköbels angehören.
In diesen Fällen können die Leistungen schriftlich oder telefonisch bei der Stadtverwaltung im Rathaus, Zimmer 25 bei Frau Dietz, Tel.: 06181 / 701-214 gemeldet werden. Die Meldungen müssen bis zum 31. Januar abgegeben worden sein. are
Theo Waigel hat künftig ein paar Freunde weniger. Die hiesige Versicherungswirtschaft schäumt wegen der geplanten abermaligen steuerlichen Mehrbelastung ihres Angebots. "Kaum mehr ertragbarer Unsinn" sei da im Hause des Finanzministers erfunden worden, wettert ein Experte des Assekuranzverbandes. Und ein anderer Funktionär murmelte gar etwas von "kranken Hirnen", die derartige Pläne ausbrüteten.
Bemerkenswerte Reaktionen. Arbeitet die Lobby der Risikoschützer bislang doch blendend mit der konservativ-liberalen Koalition zusammen. Egal, ob es um das Übertragen von Spargeldern auf neue Holdingkonstruktionen, das Kündigungsrecht für Policen, die erforderliche höhere Altersrückstellung in der privaten Krankenversicherung oder das Raubrittertum in den neuen Ländern geht - niemals hat die Regierung die mächtige Branche wirklich zur Brust genommen. Im Gegenteil: Bei manchem Gesetzentwurf leistete die Assekuranz-Lobby gar Formulierungshilfe. Erst vor kurzem empfahl das vorgesetzte Bonner Finanzministerium der Berliner Branchenaufsicht, auf die Veröffentlichung einer ostdeutschen Beschwerdestatistik mit peinlichen Details über die Machenschaften einiger Gesellschaften zu verzichten. Von Verbraucherschutz keine Spur.
Nein, im Interesse der Kunden hätte der Finanzminister einen Konflikt mit der Versicherungsgilde nie riskiert. Allein seine leeren Kassen haben ihn nun zu diesem Schritt bewogen. Und bei genauer Betrachtung bleibt sich die Koalition mit ihrem jüngsten Vorstoß treu. Die höheren Steuern auf Hausrat-, Haftpflicht- oder Kaskopolicen müssen nämlich keineswegs von den Risikoschützern getragen werden, die dank des Ost- Booms über rezessive Tendenzen bislang kaum klagen können. Ins Portemonnaie wird auf diesem Wege vielmehr der Klientel gegriffen, und dies schon zum dritten Mal in vier Jahren. Knapp 200 Mark pro anno können da - die beabsichtigten Erhöhungen in diesem und im übernächsten Jahr zusammengezählt - für den Durchschnittshaushalt leicht als Zusatzbelastung anfallen.
Daß der Fiskus den Zugriff auf die Assekuranzprodukte lediglich dem Mehrwertsteuersatz von 15 Prozent anpasse und überdies der europäischen Harmonisierung Rechnung trage, sind fadenscheinige Argumente. Anders als bei der Umsatz- ist bei der Versicherungssteuer hierzulande nämlich kein Vorabzug für bereits gezahlte Abgaben möglich. Jenseits der Grenzen schließlich wird die staatliche Belastung des Risikoschutzes gerade abgebaut oder existiert gar nicht.
Es gäbe wahrlich genügend Grund, das Assekuranzgeschäft einmal kritisch unter die Lupe zu nehmen. Doch der Versicherten wird sich diese Regierung wohl erst wieder erinnern, wenn sie das nächste Mal Geld braucht. doe
NOTIZ von jw an rei und ptz
Liebe rei, lieber ptz,
Wenn Ihr eine inhaltliche/fachspezifische Riesenhuber-Bilanz schreiben könnt, wäre Klinkenberg bereit, sie auf seiner Wissenschaftsseite am Samstag zu bringen - wo sie ja meines Erachtens auch gut stehen würde. Es gibt ja über die lange Ära Riesenhuber einiges zu sagen (Kalkar, Transrapid, Gentechnik- Gesetz, Raumfahrt, Klimaforschung fallen mir ein). Vielleicht gäbe es auch einen Ausblick auf Wissmann.
Wenn Ihr meint, wir sollten es so auf der Wissenschaftsseite machen, gebt doch bitte morgen (Mittwoch) Klinkenberg per Tel (Nachmittag) oder Fax bescheid, damit er den Platz freihält. Ich habe mich bereiterklärt, nötigenfalls den Umbruch zu übernehmen, da kli möglicherweise Zeitprobleme hat.
Wenn Ihr meint, wir sollten es anders handhaben, also auf einer anderen Seite oder früher oder später, bitte erzählt es mit und kli und allen anderen wichtigen Leuten ...
Schönen Gruß, Euer Joachim Wille
Das ist neu in einem Kommunalwahlkampf: Christdemokratische Spitzenkandidaten aus verschiedenen Gemeinden treten gemeinsam auf und fordern ein kommunale Grenzen übergreifendes Entwicklungskonzept für die gesamte Rhein- Main-Region.
Die Bewerber für den Frankfurter und den Offenbacher Oberbürgermeisterstuhl, Petra Roth und Stefan Grüttner, und der Landrats-Kandidat für den Kreis Offenbach, der Frankfurter Kriminaldirektor Peter Walter, setzten sich jetzt vor Journalisten im Hofgut Neuhof (Dreieich) für die Umwandlung des Umlandverbandes in einen größeren Regionalverband ein.
Die Christdemokraten wollen damit die Zusammenarbeit der Kommunen und Kreise zwischen Wiesbaden und Hanau sowie Gießen und Darmstadt beim öffentlichen Nahverkehr, beim Wohnungsbau, bei der Gewerbeansiedlung, bei der öffentlichen Sicherheit und auch bei der Suchtbekämpfung verbessern.
Nur eine Koordinierung der Kommunal-, Planungs- und Entwicklungspolitik sichere der Region Prosperität und Zukunft im Hinblick auf die wachsende Konkurrenz anderer europäischer Ballungsräume. Die Christdemokraten verlangen eine Überarbeitung der Regionalplanung und die Ausweisung weiterer Flächen für den Wohnungsbau und die Gewerbeansiedlung. lz
GRÜNDAU. Einen Blick in eine Puppenwerkstatt können die Seniorentreff- Besucher der Landeskirchlichen Gemeinschaft Lieblos am Freitag, 22. Januar, werfen. Deren Leiterin zeigt verschiedene Stücke aus ihrer Kollektion.
Wer noch eine Puppe aus seiner Kindheit besitzt, sollte sie mitbringen. Wer abgeholt werden will, meldet sich unter der Rufnummer 28 48. tja
LANGENSELBOLD. Heimlichtuerei und einen schlechten politischen Stil sah die Selbolder Liste. Die SPD sprach indes von einem Versäumnis der Opposition. Gegenstand der gegenseitigen Schuldzuweisungen war die Stellungnahme der Stadt Langenselbold zum Regionalen Raumordnungsplan Südhessen, der derzeit in Darmstadt erstellt wird. Die SL hatte in einem Antrag an das Stadtparlament gerügt, daß die Stadt den Parlamentariern diese bislang vorenthalten habe. SL-Sprecherin Vera Heim nannte es einen politischen Skandal, daß die Fraktionen weder Kenntnis hätten noch ihnen Mitspracherecht eingeräumt wurde. Sie forderte die Zusendung der städtischen Stellungnahme sowie die der Träger öffentlicher Belange mit der Einladung zur nächsten Parlamentssitzung.
SPD-Fraktionschef Fritz Schüßler erklärte daraufhin, daß sehr wohl im Ausschuß mit einem Fachreferenten über den Plan diskutiert worden sei. Die Opposition habe jederzeit Anfragen an den Magistrat zum Sachstand oder Anträge an das Parlament stellen können. CDU- Chef Bernd Matt erwartete dagegen ebenso wie die SL eine Information seitens des Magistrats zum weiteren Fortgang des Verfahrens.
Schüßler kritisierte seinerseits den SL- Antrag. Sein Zorn entzündete sich dabei an der eher belanglosen Formulierung, daß die Stellungnahme der Stadt in der Stadtverordnetenversammlung zur Diskussion gestellt werden müsse. Die SL solle den parlamentarischen Weg einhalten und Anträge zu speziellen Fragen stellen. Eine Kritik, die die CDU so interpretierte, daß die SPD eine Information mit aller Gewalt blockieren wolle.
In einem Änderungsantrag, der auch angenommen wurde, forderte anschließend die SPD den Magistrat auf, in der nächsten Sitzung über den derzeitigen Planungsstand zu berichten. Kurz vor Beginn der Sitzung war die Verwaltung dem Anliegen in Teilen nachgekommen und hatte die Stellungnahme an die Fraktionen verteilt. Sie stammt bereits vom Oktober 1992. Darin weist die Stadt darauf hin, daß neben der Fortschreibung des Regionalen Raumordnungsplanes (RROP) derzeit die Überarbeitung des Flächennutzungsplanes betrieben werde und die Ausweisung eines Gewerbegebietes an der Gelnhäuser Straße geplant sei. Die Stadt dringt in ihrer Stellungnahme darauf, das im Plan an dieser Stelle verzeichnete "Kaltluftentstehensgebiet" zu streichen, da dies nur in geringem Maße zutreffe.
Der FDP-Mann Günter brachte es anschließend auf den Punkt: Dem Parlament bliebe nur noch übrig, entweder die Stellungnahme der Stadt zu rügen oder eine weitere nachzuschieben. alu
LINSENGERICHT. Die Verhandlungen im Tarifstreit bei Kelviplast Maschinen- und Apparatebau in Großenhausen ziehen sich weiter in die Länge. In den neun Wochen seit dem mehrstündigen Warnstreik der Beschäftigten im November 1992 ist nach Auskunft des IG-Metall-Sekretärs Gunther Heinz "nichts Weltbewegendes passiert".
Offenbar haben sich die Gemüter möglicherweise auch unter dem Eindruck der Wirtschaftsflaute wieder beruhigt, nachdem beide Seiten zunächst mit markigen Worten und Drohungen nicht gegeizt hatten. Die knapp 50 Mitarbeiter von Kelviplast streben aber nach wie vor einen Anerkennungstarifvertrag an, eine förmliche Vereinbarung über die Übernahme des Tarifvertrages für das bisher nicht tarifgebundene Unternehmen. Dies soll vor allem zur endgültigen Klärung ansonsten immer wieder auftauchender Streitpunkte in dem Betrieb beitragen.
Im November hatten die Arbeitnehmer versucht, die ihrer Ansicht nach allzu hartleibige Firmenleitung mit einem Ultimatum in Bewegung zu versetzen. Zwei Verhandlungstermine wurden angeboten, nach denen im Falle von neuerlichem Stillstand die Urabstimmung beantragt werden sollte. Dann wurde laut Heinz entschieden, daß kurz vor der Weihnachtszeit solch drastische Konsequenzen nicht mehr gezogen werden sollten.
Inzwischen ist der Konflikt bei der IG Metall auf einer höheren Ebene angesiedelt worden, wie der Hanauer Sekretär Heinz wissen ließ. Die Bezirksleitung der Gewerkschaft verhandele nun. lex
Das immerhin hat Heike J. gelernt: "Wer aufs Kindergeld angewiesen ist, sollte nicht damit rechnen, daß er es gleich bekommt." Schon beim Beantragen der monatlichen 70 Mark für das erste Kind gibt es nach Ansicht der FR-Leserin Probleme bei der Kindergeldstelle im Arbeitsamt. Nachdem im Oktober ihre Tochter geboren worden war, habe sie dort telefonisch nach dem Antragsverfahren gefragt, erzählt die Mutter. Eine Mitarbeiterin habe ihr gesagt, ein formloser Antrag genüge, wenn die Abstammungsurkunde der Neugeborenen mitgeschickt werde. Dies tat Heike J. - und wartete gut zwei Monate, ohne daß etwas geschah.
Auf erneute Nachfrage beim Arbeitsamt sei ihr dann Mitte Januar gesagt worden, daß ein formloses Schreiben nicht genüge, es müsse "immer" ein Formular ausgefüllt werden. Weil die Geburt nun auch länger als vier Wochen zurückliege, sei auch die Abstammungsurkunde nicht mehr ausreichend. Vielmehr müsse Heike J. jetzt eine Bescheinigung der Meldebehörde einreichen, aus der hervorgehe, daß die Tochter in ihrem Haushalt wohne.
Auch diese Information sei, "wenn sie so gegeben sein sollte", nicht ganz richtig, sagt Klaus-Peter Olbrich von der Kindergeldstelle. Die Abstammungsurkunde reiche in den ersten sechs Monaten aus, wenn darauf die Adresse des Kindes angegeben ist. Die Auskunft mit dem formlosen Antrag könne also nur ein "Mißverständnis" gewesen sein. Nur wenn eine schriftliche Mitteilung innerhalb eines halben Jahres nach der Geburt beim Arbeitsamt eingeht, wird das Kindergeld rückwirkend gezahlt.
Allerdings muß Olbrich zugeben, daß es bei etwa einem Drittel der Anträge "Probleme und Verzögerungen" gebe, weil Unterlagen fehlten. Doch würden diese meist von Sachbearbeitern "ziemlich umgehend" nachgefordert. Aber auch wenn alle Papiere vorlägen, dauere es vier bis acht Wochen, bis das Kindergeld überwiesen werde. mat
MAINTAL. Die Maintaler Sozialdemokraten haben sich bei der Arbeit an ihrem Wahlprogramm an der Frage orientiert: "Was können wir mit Anstand versprechen?" Da die SPD praktisch seit Kriegsende in allen vier Stadtteilen regiere, könne sie - schon aus ihrem Selbstverständnis heraus - sich nicht erst nach der Wahl die Frage stellen, wie ihre Forderungen zu finanzieren sind. Somit sei ihr Programm auch "ein vorgezogenes Regierungsprogramm".
Unter diesem allgemeinen Aspekt stellten Parteivorsitzende Kornelie Schild- Kreuziger, Fraktionsvorsitzender Mario Arendt und Bürgermeister Dr. Walter Unger (in seiner Funktion als Spitzenkandidat) gestern bei einer Pressekonferenz im Fraktionszimmer der SPD im Technischen Rathaus Hochstadt die (noch) auf 32 DIN-A-4-Seiten maschinengeschriebene Endfassung vor. Das Programm ist im Druck und wird - in handlichem DIN- A-5-Format - ab dem 29. Januar zu haben sein.
"Noch nie haben wir ein Programm so breit vorbereitet und erarbeitet. Rund 200 Leute haben mitgewirkt. Dadurch ist das eine ganz ehrliche Sache geworden, und es soll auch alles verwirklicht werden", kommentierte Schild-Kreuziger und skizzierte den Aufbau des Werkes nach drei Themen: Menschen in Maintal, Lebensqualität in Maintal und Unser Lebensraum. Das erstgenannte sei das wichtigste.
Als Vorsitzender der Wahlprogramm- Kommission ging Arendt näher auf diesen ersten Teil des Gesamtwerkes ein, das von zwölf Arbeitsgemeinschaften zusammengestellt, am vergangenen Mittwoch von der Delegiertenkonferenz mit diversen Änderungen beraten und verabschiedet worden ist. "Mit Erfolg in die Zukunft - SPD Maintal", lautet der Slogan.
Arendt ist überzeugt, daß die Sozialdemokraten nach dem 7. März weiterregieren werden, gerade weil die Wünsche und Ziele derjenigen berücksichtigt würden, "die aus der üblichen Sichtweise herausfallen": Kinder, Jugendliche, Frauen, Ausländer und Senioren.
Das seien keine Randgruppen unserer Gesellschaft, die besonderer Aufmerksamkeit bedürften im Sinne von Objekten, sondern Personen, die als handelnde Subjekte in kommunalpolitische Entscheidungsprozesse mit einbezogen würden. Verkehrspolitik müsse sich zum Beispiel auf diese Gruppen beziehen, die aus dem allgemeinen Blickwinkel herausfielen, weshalb es auch bereits eine Frauenbeauftragte und eine Kinderbeauftragte gebe.
"Es geht uns also nicht darum, etwas für die Leute - beispielsweise die Senioren - zu tun, sondern mit ihnen", erlärte Arendt. Das heißt, sie sollen selbst Stimme und Einfluß haben. Deshalb steht auch im Programm, die bisher nichtöffentlich und nur beratend arbeitende Frauenkommission künftig durch einen Frauenbeirat zu ersetzen, der aktionsfähiger und nicht in die Gemeindeordnung eingebunden ist.
Schwerpunkte des SPD-Programms sind Energiepolitik, öffentlicher Personennahverkehr, Altenbetreuung (und Altenheim) sowie Ausländerinnen und Ausländer. "Dabei wollen wir deutlich machen, daß ein Klima in der Stadt entsteht, in dem sich die Ausländer wohl fühlen und auch das Gefühl haben, ernstgenommen zu werden", betonte Unger. Wenn dazu bei der Delegierten-Konferenz gefordert worden sei, auch speziell für Ausländer zusätzliche Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, sei das ein Beispiel einer kaum finanzierbaren Forderung. Festgeschrieben worden sei deshalb eben nur der in der Diskussion gefundene Kompromiß.
Der lautet wörtlich: "Wir werden (. . .) die Einbeziehung der ausländischen Bürgerinnen und Bürger in alle Lebensbereiche weiter verstärken sowie die in diesem Bereich tätigen Vereine und Organisationen unterstützen und ihnen genauso wie allen anderen örtlichen Vereinen die erforderlichen Räume zur Verfügung stellen."
Zur Forderung der Jungsozialisten, die Förderrichtlinien zu den Kindergartengebühren noch stärker zu differenzieren, erklärte Unger, man habe auch hier "einen bemerkenswerten Konsens" gefunden mit einer deutlichen Zielvorgabe. Zitat aus dem Programm: "Keine Sozialpolitik kommt ohne den Grundsatz aus, daß die finanziell Bessergestellten einen verhältnismäßig großen Anteil und die finanziell Schlechtergestellten einen verhältnismäßig kleinen Anteil der entstehenden Kosten tragen müssen. Auch die Höhe von Gebühren, die die öffentliche Hand für Leistungen erhebt, (. . .) sollte sich an die materiellen Möglichkeiten derer anpassen, die diese Leistungen in Anspruch nehmen".
Zum weiteren Ausbau des Gewerbegebietes Bischofsheim, ehemals ein "Knackpunkt" in der rot-grünen Koaltion, sagte Unger auf Anfrage der FR: "Es gab zunächst Ruhe wegen zuvor notwendiger Altastenuntersuchungen. Aber jetzt fodern wir die Erweiterung wieder, fast wortgleich wie vor vier Jahren." pom
MAIN-KINZIG-KREIS / GELNHAUSEN. Eine Woche nach dem entsprechenden CDU-Parteitag treffen sich die Sozialdemokraten Main-Kinzig am Samstag, 23. Januar, ab 9 Uhr in der Gelnhäuser Stadthalle zu ihrem Unterbezirksparteitag. Im Mittelpunkt steht die Beratung und Verabschiedung des SPD-Kreiswahlprogrammes für die Legislaturperiode 1993 bis 1997. Die Main-Kinzig-SPD versteht die Veranstaltung als Auftakt des Kommunalwahlkampfes. are
SCHWALBACH. Während ihrer letzten Sitzung in dieser Legislaturperiode wollen die Stadtverordneten grünes Licht für die Gründung einer Gesellschaft für Wohnungsbau und Stadtentwicklung geben. SPD, FDP und Unabhängige Liste einigten sich jetzt im Finanzausschuß auf einen Gesellschaftsvertrag, der in wesentlichen Punkten von der ursprünglichen Vorlage des Magistrates abweicht. Nach Auskunft des FDP-Fraktionsvorsitzenden Ulrich Schneider hatte der Magistrat dem Parlament einen Mustervertrag vorgelegt. Damit hätte die Gesellschaft von der Erstellung eines Bebauungsplanes bis hin zur Vermakelung von Grundstücken alles tun können. Schneider: "Das war uns zu weitgehend."
Die drei Fraktionen einigten sich vielmehr darauf, die Gesellschaft vor allem auf den Wohnungsbau zu verpflichten. Auch Gemeinschaftsprojekte, die die Wohnqualität fördern, soll sie übernehmen können. Beispielsweise das geplante Jugendhaus, die neue Stadtbücherei oder das Bürgerhaus.
Stadtverordnete der drei Fraktionen einigten sich außerdem darauf, die Stadt solle alleiniger Gesellschafter sein und auch alleine das Stammkapital von zwei Millionen Mark halten. Der Magistrat hatte offen gelassen, wer Gesellschafter sein soll, und der Stadt nur einen Anteil von 50 Prozent reservieren wollen.
Die Stadtverordneten stockten auch den Aufsichtsrat von sieben auf neun Mitglieder auf. Parlamentarier sollen darin mit sechs Mitgliedern die Mehrheit haben, die restlichen drei stellt der Magistrat. Für Ulrich Schneider ist damit "ausgeschlossen", daß die Stadtentwicklungsgesellschaft am Parlament vorbei Projekte betreibt.
Die Grünen sind jedoch mißtrauisch. Sprecher Arnold Bernhardt kritisiert insbesondere, die Gesellschaft könne Grundstücksgeschäfte unter Ausschluß der Öffentlichkeit betreiben.
Doch Ulrich Schneider kontert: Die Gesellschaft kann nur Grundstücke erwerben, die Wohnungszwecken dienen. Die Grünen wollen zur Parlamentssitzung jedenfalls einen Ergänzungsantrag stellen: Um sicher zu gehen, daß die Gesellschaft wichtige Vorhaben nach den Vorgaben des Parlamentes behandelt, soll sie solche Angelegenheiten mit dem Haupt- und Finanzausschuß beraten. she
WETTERAUKREIS. Um Flüchtlingsbewegungen und die Zuwanderung in die Bundesrepublik Deutschland dreht sich ein Wochenendseminar, das das DGB-Bildungswerk für 27. und 28. Februar im Gästehaus "Hubertus" in Butzbach-Münster plant. Die Veranstalter wollen damit laut Ankündigung "alle Bürgerinnen und Bürger ansprechen, unabhängig ihrer Position zur Aufnahme von Flüchtlingen in unserem Land".
Zum einen soll die augenblickliche Situation analysiert werden. Zum anderen geht es darum, juristische und gesetzliche Regelungen zu beleuchten und nach Handlungsmöglichkeiten zu suchen.
Als Gesprächspartner(innen) sollen auftreten: Ozan Ceyhun, Referent im hessischen Büro für Einwanderung, ein Vertreter des Innenministeriums in Wiesbaden, eine Vertreterin des Landesflüchtlingsbeirates und / oder Landesausländerbeauftragte sowie Christoph Momberger, Rechtsanwalt aus Friedberg.
Die An- und Abfahrt müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst organisieren. Die Seminarkosten, Unterbringung und Verpflegung übernimmt das DGB-Bildungswerk Wetterau. Anmeldungen sollten schnellstmöglich an folgende Ardresse geschickt werden: DGB- Kreis Wetterau, Kettelerstraße 19, 6360 Friedberg, Fax 0 60 31 / 34 92. mk
FRANKFURT A. M., 19. Januar (FR). In der Nordhälfte zeitweise Regen, in der Südhälfte wechselnde Bewölkung, kaum Niederschläge sagt das Wetteramt vorher. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen fünf und neun, die Tiefstwerte zwischen null und fünf Grad. (Siehe auch Lokalteil)
Das Wetter
Wetterlage Die Kaltfront eines Nordmeertiefs dringt im Tagesverlauf in den Norden Deutschlands vor. Der Hochdruckeinfluß über der Südhälfte wird allmählich abgebaut.
Vorhersage bis Donnerstag früh: In der Nordhälfte bedeckt und zeitweise Regen. In der Südhälfte wechselnd wolkig und vor allem südlich der Donau auch einzelne Aufheiterungen, kaum Niederschlag.
Tageshöchsttemperaturen 5 bis 9 Grad. Tiefstwerte nachts null bis 5 Grad.
Im Süden schwacher bis mäßiger, im Norden starker und in Böen Sturmstärke erreichender Wind aus Südwest bis West.
Weitere Aussichten für Donnerstag: Auch im Süden zunehmend stark bewölkt und gelegentlich Regen, weiterhin mild. Wetterdaten vom Vortag, 13 Uhr MEZ Ausland Ort Wetter Grad
Algier
leicht bewölkt 16 Amsterdam
wolkig 7 Athen
leicht bewölkt 16 Barcelona
leicht bewölkt 11 Bordeaux
wolkig 13 Bozen
wolkenlos 0 Brüssel
wolkig 7 Dublin
bedeckt 8 Helsinki
Schneefall -1 Innsbruck
leicht bewölkt 6 Istanbul
wolkenlos 10 Kairo
wolkenlos 19 Larnaka
leicht bewölkt 18 Las Palmas
leicht bewölkt 20 Lissabon
wolkig 11 Locarno
leicht bewölkt 7 London
stark bewölkt 8 Madrid
wolkenlos 7 Malaga
leicht bewölkt 16 Mallorca
leicht bewölkt 15 Moskau
Schneeschauer 0 Neapel
wolkig 12 Nizza
wolkig 11 Paris
wolkig 11 Rom
stark bewölkt 12 St. Petersburg
bedeckt -1 Stockholm
leicht bewölkt 1 Tunis
wolkenlos 14 Varna
wolkenlos 13 Venedig
leicht bewölkt 9 Warschau
leicht bewölkt 5 Wien
wolkenlos 7 Zürich
stark bewölkt 6
Deutschland
Berlin
wolkig 5 Dresden
stark bewölkt 7 Feldberg/Ts.
in Wolken 1 Feldberg/Schw.
in Wolken -2 Frankfurt/M.
wolkig 8 Freiburg
leicht bewölkt 9 Garmisch
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bedeckt 5 Köln/Bonn
Regen 6 Leipzig
stark bewölkt 5 München
leicht bewölkt 7 Norderney
Regen 6 Rostock
Regen 3 Sylt
stark bewölkt 6 Zugspitze
wolkig -9
Telefonansagedienste
Wettervorhersage 11 64
Reisewettervorhersage 1 16 00
Segelflugwetter 1 15 06
Medizinisch-meteorologische Tips, unter anderem für Allergiker und Herz-Kreislauf-Patienten 1 16 01 Smogwerte 06 11 - 58 12 42 (Wenn die Grenzwerte nach der Smogverordnung überschritten werden, melden wir dies an gesonderter Stelle.)
Sonnenaufgang 8.14 Uhr Sonnenuntergang 17.00 Uhr
PARIS (rtr). Der staatlich kontrollierte französische Mineralölkonzern Elf Aquitaine übernimmt über seine Pharma- und Kosmetik-Gruppe Sanofi den Luxusartikelhersteller Yves Saint-Laurent (YSL). Das Geschäft soll durch einen Aktientausch abgewickelt werden, teilt Sanofi in Paris mit.
Bisher wurde YSL von dem Unternehmer und Pariser Opernchef Pierre Berge, der mit Frankreichs Staatschef François Mitterrand befreundet ist, sowie dem Modeschöpfer Yves Saint-Laurent beherrscht. Berge hatte schon im Herbst angekündigt, Kapitalanteile versilbern zu wollen. Bei Saint-Laurent ist zu bedenken, daß er bisher keinen Erben hat.
Mit der Übernahme durch Sanofi wird verhindert, daß der Luxusartikelhersteller in ausländische Hände fällt. Die Elf- Tochter kontrolliert bereits 60 Prozent von Yves Rocher und 49 Prozent von Nina Ricci sowie die Marken Stendhal, Oscar de la Renta und Van Cleef et Arpels, Roger und Gallet.
YSL erzielt gut drei Viertel seines Umsatzes von umgerechnet etwa 900 Millionen Mark mit Kosmetikprodukten. Mit YSL wird sich Sanofi neben Moët- Hennessy Louis Vuitton (LVMH) und L'Oreal als dritte große französische Gruppe in der weltweiten Luxuswarenindustrie etablieren können.
sch FRANKFURT A. M. Die Frankfurter Sparkasse hat seit Ende Dezember einen Stützpunkt in Luxemburg. Die "1822" scheute sich nicht vor einem Konflikt mit dem Spitzeninstitut Helaba, das eigentlich für dortige Geschäfte der regionalen Kassen zuständig ist, und lockt nun die Kundschaft in ihre neue Geschäftsstelle im Großherzogtum. Angeboten werden im Prinzip alle Bankgeschäfte, der Schwerpunkt liegt nach Auskunft der Fraspa bei der Vermögensanlage.
Das Wertpapierkundengeschäft mit einem Rekordumsatz von 2,5 Milliarden und einschließlich sparkasseneigener Papiere von 4,2 Milliarden Mark streicht das Institut auch in einem ersten Überblick über die Geschäftsentwicklung im vergangenen Jahr als eine ihrer "besonderen Stärken" heraus. Die Gesamtverbindlichkeiten gegenüber Kunden standen zum Ultimo mit 13,5 Milliarden in der Bilanz, die Forderungen an diese dank eines trotz abgeflauter Konjunktur "sehr dynamischen" Kreditgeschäftes mit 13,1 Milliarden. Die Bilanzsumme wuchs um 6,7 Prozent auf 20,4 Milliarden.
Zins- und Provisionsergebnis weitete das zu den größten deutschen Sparkassen gehörende Geldhaus um acht respektive zwölf Prozent aus. Da gleichzeitig die Sach- und Personalkosten kräftig gestiegen seien, nahm der Betriebsgewinn den Angaben zufolge nicht im gleichen Umfang zu. Er werde aber über den 158 Millionen von 1991 liegen. Auch der voraussichtliche Jahresüberschuß dürfte das Resultat der Vorperiode, als 35,6 Millionen ausgewiesen wurden, übertreffen.
Den Personalbestand der Geschäftsstellen stockte die Frankfurter Sparkasse um 48 Leute auf. Insgesamt blieb die Beschäftigtenzahl mit 3339 Männern und Frauen jedoch nahezu unverändert. Derzeit umfaßt das Vertriebsnetz 134 Filialen, darunter drei Selbstbedienungs- Standorte. Bares können sich die Kunden an 61 (plus zwölf) ec-Geldautomaten ziehen. Zur Palette des Electronic Banking gehört inzwischen "ZV Light". Dieses Angebot ermöglicht es Firmen- und Privatkunden, rund um die Uhr Zahlungsverkehrsdaten über Telefon dem Zentralcomputer der Fraspa zu übermitteln.
Das Allfinanzgeschäft lieferte nach Angaben des Instituts in der abgelaufenen Periode erneut "gute Ergebnisse". Zu den AKtivitäten auf diesem Feld zählen ein Versicherungsservice und eine Immobiliengesellschaft.Einbrecher erbeuteten Schmuck und Bargeld
NIED. Bei einem Einbruch in ein Einfamilienhaus in der Birminghamstraße erbeuteten Unbekannte am Montag Bargeld, Schmuck sowie eine Goldkette für 1200 Mark. Wie die Polizei mitteilt, waren die Täter über die Fassade zur Wohnung im ersten Stock hochgeklettert und hatten ein Fenster aufgehebelt. gre
Das seit Jahresanfang sendende private Deutsche Sportfernsehen (DSF) darf in Hamburg nicht über die Antennen verbreitet werden. Das Verwaltungsgericht der Hansestadt bestätigte jetzt eine entsprechende Entscheidung der Hamburgischen Anstalt für neue Medien (HAM). Danach darf das aus dem früheren kommerziellen Vollprogramm Tele 5 hervorgegangene Spartenprogramm in Hamburg nicht mehr terrestrisch verbreitet werden, die Zulassung wurde widerrufen.
Gegen diesen Widerruf und dessen sofortigen Vollzug hatte der DSF-Veranstalter, die Münchner Kabel Media Programmgesellschaft, Widerspruch eingelegt und den Antrag auf aufschiebende Wirkung gestellt. Das Gericht begründete seine Ablehnung mit dem Überwiegen des öffentlichen Interesses gegenüber dem privaten Interesse der Sportfernseh- Betreiber. Dabei prognostizierte es gleichzeitig, daß der Widerspruch gegen den am 17. Dezember erfolgten Widerruf der Frequenzen "aussichtslos" sein dürfte. Der HAM-Bescheid erscheine "sowohl formell als auch materiell rechtmäßig".
Als entscheidend bezeichnete es das Verwaltungsgericht, daß der Zulassungsgrundsatz - wie er für das Vorgängerprogramm des Deutschen Sportfernsehens, das Vollprogramm Tele 5, gegolten habe - nachträglich nicht mehr eingehalten werde. Das neue Programm der Antragsstellerin entspreche nicht mehr der ursprünglichen Zulassung und bedürfe somit einer neuen Genehmigung. Dem zugrundeliegenden Anspruch nach "unterschiedlichen Inhalten" entspreche das DSF nicht. Mit der Einschränkung auf den Sport- und Freizeitbereich lasse es ein vielfältiges dauerhaftes Programm nicht erwarten. Angesichts der Knappheit terrestrischer Frequenzen in Hamburg bestehe ein öffentliches Interesse daran, daß eine solche Frequenz, die eigentlich für ein Vollprogramm vorgesehen sei, "nicht über mehrere Jahre hinweg bis zum rechtskräftigen Abschluß des Rechtsbehelfsverfahrens mit einem thematisch verkürzten Spartenprogramm belastet wird".
Auch in Schleswig-Holstein wird voraussichtlich dem DSF die Zulassung für die terrestrische Programmausstrahlung entzogen werden. Der Direktor der Unabhängigen Landesanstalt für das Rundfunkwesen (ULR), Gernot Schumann, hat dies der Versammlung vorgeschlagen. Wenn das Gremiumauf der morgigen Sitzung den Lizenzentzug beschließt, kann das DSF in Kiel, Flensburg und Lübeck nicht mehr über Antenne empfangen werden. Grund für den Beschlußvorschlag sei, daß die Verbreitung des Programms DSF nicht mehr durch den Zulassungsbescheid der ULR aus dem Jahr 1991 gedeckt ist. "Der Widerruf der Zulassung ist nach der Programmumwandlung vom Landesrundfunkgesetz zwingend geboten", sagte Schumann. epd
BIEBESHEIM. Mit 60 Gramm Speed, wie das als Droge verwendete Amphetamin in der Szene heißt, wurde ein Darmstädter als mutmaßlicher Dealer von der Polizei in Biebesheim geschnappt. Bei weiteren Ermittlungen stellten die Beamten nochmals 300 Gramm sicher und nahmen einen weiteren Mann fest. Die Polizei vermutet, daß die Drogen für den Verkauf im südlichen Kreis Groß-Gerau bestimmt waren. Beide Festgenommenen werden dem Haftrichter vorgeführt. cas
WETTERAUKREIS. "Frau geht vor" - das vom DGB zunächst beschlossene und dann doch abgelehnte Motto zum 1. Mai 1993 darf nun gerade noch als Gewerkschaftsmotto zum Internationalen Frauentag herhalten. Der DGB-Kreis Wetterau will nun darangehen, verschiedene Aktivitäten für den 8. März zu koordinieren und vorzubereiten. Vereine, Gruppen und Einzelpersonen, die mitarbeiten wollen, sind zu einem ersten Treffen am Donnerstag, 28. Januar, um 20 Uhr in die DGB-Kreisgeschäftsstelle, Kettelerstraße 19 in Friedberg, eingeladen.
Begleitend zum Frauentag bietet der Gewerkschaftsbund in der Wetterau eine Abendseminarreihe zum Thema "Ungeschützte Arbeitsverhältnisse - von Teilzeitarbeit bis Leiharbeit" an. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer treffen sich an drei Dienstagen in Folge, und zwar am 16., 23. und 30. März, jeweils um 20 Uhr im Konferenzraum der Stadthalle. Als Referentinnen sind Brunhilde Hofmann, Bundesfrauensekretärin der IG Bau-Steine-Erden, und Barbara Senser-Joster, Rechtsreferendarin, angekündigt. mk
CHICAGO, 19. Januar (Reuter). Der US-Ärzteverband AMA hat den designierten Präsidenten des Weltärztebundes, Hans-Joachim Sewering, wegen dessen angeblicher Nazi-Vergangenheit aufgefordert, auf sein Amt zu verzichten. Der Vorsitzende des US-Ärzteverbandes, Raymond Scalettar, sagte am Montag in Chicago, Vertreter des Weltverbandes müßten den höchsten Idealen der Medizin und dem höchsten Standard der medizinischen Ethik entsprechen. Dem 76jährigen Deutschen Sewering werden seine Mitgliedschaften in SS und NSDAP während der Zeit des Nationalsozialismus vorgeworfen.
Der Präsident der Bundesärztekammer, Karsten Vilmar, teilte in einem am Montag veröffentlichten Brief an den US- Ärzteverband mit, seine Organisation unterstütze Sewering weiter. Die bloße Wiederholung alter Vorwürfe ändere diese Haltung nicht.
BAD VILBEL. Einen "winterlichen" Ausflug in den Taunus bietet die Seniorenbetreuung der Stadt am Donnerstag, 21. Januar, für außerordentlich Gehbehinderte an. Die Teilnehmer/-innen werden gegen 13 Uhr zu Hause abgeholt.
Literatur
Wenn Bill Clinton heute abend im Westflügel des Weißen Hauses ins Bett steigt, wird er ein anderer sein. Nach viertägigem Feiern, nach dem Amtseid vor dem Kapitol und noch vor der triumphalen Parade vom Parlament zur ersten Adresse der Nation in "1600 Pennsylvania Avenue", ist aus Bill Clinton, dem Gouverneur des Kleinstaates Arkansas, an diesem 20. Januar 1993 um punkt 12.01 Uhr mittags plötzlich der mächtigste Von Rolf Paasch (Washington) Mann dieses Erdballs geworden. Ausgestattet mit allen Insignien der Macht, aber auch mit ihren Verantwortlichkeiten. Vorbei sind dann die Zeiten, da dem Volk leere Wahlkampfversprechungen hingeschleudert werden konnten und die Kritik der Weltgeschichte in Jugoslawien oder in Irak kostenlos war. Dann sind Taten gefragt. Dann wird der erst 46jährige "Billy Boy" auch erfahren müssen, was er als 42. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika so alles verkörpert. Er soll Diener sein und Führer zugleich. Als Regierungschef und Staatsoberhaupt wird er zur Zielscheibe aller Projektionen. Er muß als Staatsmann auftreten, und gelegentlich auch als Feldherr. Er ist Gottkönig mit vierjähriger Amtszeit, aber auch Klempner für die technischen Probleme des Landes und Psychiater für die geschundene Seele der Nation. Kurzum, Bill Clinton hat dann eine Stellung, die viele im Rausch der Macht zur Hybris verleitet hat; gleichzeitig einen Job, vor dessen Größe einem gewöhnlichen Menschen angst und bange werden kann.
Aber letzteres ist von Bill Clinton nicht zu erwarten. Von dieser politischen Karriere hat er schon als Knabe geträumt, an seiner Inaugurations-Rede arbeitete er im Geiste bereits als Teenager. Kaum ein Präsident vor ihm war inhaltlich so gut auf seine Aufgabe vorbereitet wie der Musterschüler, Rohdes-Stipendiat, Anwalt und jüngste US-Gouverneur aller Zeiten; selbst George Bush nicht, der doch vor seiner Wahl beinahe alle erdenklichen Karrierejobs eines "öffentlichen Dieners" von der UN bis zur CIA durchlaufen hatte. Clintons Leben war und ist die Politik. Im Wahlkampf ermüdete er selbst seine ausdauerndsten Berater, wenn er im regelmäßigen Takt eines 20-Stunden-Tags abends der letzte war, der redete und morgens der erste, der joggte. Im Dezember beeindruckte er die Experten mit seiner Moderation einer großangelegten Wirtschaftskonferenz, die er mit dem Charme eines Talkshowmasters und der Expertise eines Ökonomieprofessors leitete. Nein, Qualifikation und Kenntnisreichtum streiten ihm nicht einmal seine ärgsten Feinde ab. So steht über seiner Präsidentschaft nur eine große Frage: Wird er mit all seinem Wissen, seinem Elan und seiner Cleverness harte Entscheidungen treffen können? Wird der gewiefte Stratege, überzeugungsfähige Kompromißler und anbiederungsfähige Politiker dem Land klare Alternativen präsentieren und die notwendigen Opfer abverlangen?
Die bisherige "Transition", die drei Monate zur Organisation der Machtübernahme, vermögen hier nur wenige Anhaltspunkte zu geben. Bill Clinton hat sich eine Regierung zusammengestellt, in der die erklärten "Freihändler" und Defizit- Falken gegenüber den Anhängern eines vorsichtigen Protektionismus und den Keynesianern ein deutliches Übergewicht haben. In der Außenpolitik stehen sich ausgesprochene Diplomaten wie sein Außenminister Warren Christopher und entschiedene Interventionisten wie Verteidigungsminister Les Aspin gegenüber. An der Kompetenz all dieser Minister und Berater besteht kaum ein Zweifel, in den meisten Fällen auch nicht an ihrer Loyalität dem Präsidenten gegenüber. Doch wie Clinton die Zielkonflikte zwischen Haushaltssanierung und Wachstumsprogrammen, zwischen Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und freiem Handel, zwischen nationalem und partikularen Wirtschaftsinteressen am Ende lösen wird, darüber ist bisher nichts bekannt. Ob bei den festgefahrenen GATT-Verhandlungen über ein globales Handelsabkommen, bei den im März vorzulegenden Haushaltsprojektionen oder den Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft, Clinton wird sich hier in den ersten hundert Tagen seiner Amtszeit klar entscheiden müssen; solange ihm der demokratische Kongreß noch wohlgesonnen ist und ihm auch die Öffentlichkeit noch einen Vertrauensvorschuß gewährt. Angesichts dieser innenpolitischen Herausforderungen dürfte er in der Außenpolitik kaum Experimente wagen.
Mindestens ebenso wichtig für den Erfolg seiner Amtszeit sind die versprochenen bürokratischen Reformen. Allen voran die des völlig aus den Fugen geratenen Gesundheitssystems und die der Wahlkampffinanzierung. Denn ohne die Erweiterung der Krankenfürsorge auf die 35 Millionen Nichtversicherten und eine drastische Kostensenkung bei den Gesundheitsleistungen läßt sich das derzeit vielleicht dringenste Alltagsproblem für viele US-Bürger nicht lösen und schon gar nicht das Haushaltsdefizit bekämpfen. Und ohne die obszöne Abhängigkeit der Politiker von den Wahlkampfspenden der Lobbygruppen wird sich auch die interessenbedingte Blockade des politischen Prozesses nicht aufheben lassen.
Als "Agent des Wandels" angetreten, hat sich Bill Clinton zwar ein Kabinett ausgewählt, das mit zahlreichen weiblichen, schwarzen und hispanischen Mitgliedern "ganz wie die USA" aussehen mag. Erschreckend gemeinsam ist seinen Ministern allerdings ihre Zugehörigkeit zum Washingtoner Establishment aus Anwälten und Lobbyisten. Ob die Justizministerin Zoe Baird, der Handelsbeauftragte Mickey Kantor oder der schwarze Handelsminister Ronald Brown; sie alle haben sich ihren Ruf als knallharte Anwälte für die mächtigsten Firmen des "corporate America" (Großkapitals) erworben. Dabei kann die Anstellung von solchen "Insidern" zur Durchführung von radikalen Reformen durchaus nützlich sein, wie Ex-Präsident Jimmy Carter bestätigen wird, der Ende der 70er Jahre mit seiner hausbackenen Regierungsmannschaft aus Georgia in Washington kläglich scheiterte. "Allerdings muß man wissen", so der ehemalige Kennedy-Berater und Herausgeber des Washington Monthly, Charles Peters, "wie man diese Leute einsetzt und gegeneinander ausspielt." Daß Clinton die Positionen der Unterstaatssekretäre, welche die wichtigste Schnittstelle zwischen Politikformulierung und ihrer Durchführung ausmachen, bis heute noch nicht besetzt hat, stimmt den Bürokratie-Experten in dieser Hinsicht nicht gerade optimistisch.
Der große Meister in der Instrumentalisierung von "Insidern" zur bürokratischen Reform war Franklin D. Roosevelt, der diese Fähigkeiten als langjähriger Unterstaatssekretär der Navy erlernt hatte. Zur Durchsetzung seiner legendären Wirtschaftsreform des "New Deal" verband Roosevelt in den 30er Jahren die bürgernahe Überzeugungskraft eines Roland Reagan mit den manipulativen Zügen eines Lyndon B. Johnson; beides Eigenschaften, die sich Clinton erst noch mühsam erwerben müßte. Denn der neue Präsident ist weder ein Volksheld noch ein Machiavellist, sondern ein Politico, mit dem Herzen am rechten Fleck, aber auch dem Bedürfnis, von allen geliebt zu werden. Zur Durchsetzung seiner Reformversprechen wird er dagegen gleich zu Beginn seiner Amtszeit eine Reihe von Gruppeninteressen verletzen müssen. Verzichtet Clinton beispielsweise darauf, im Zuge seiner Gesundheitsreform die mächtige Ärztelobby herauszufordern, dann wäre dies nur das erste Anzeichen für seinen frühen Ausverkauf an die Interessengruppen und politisches "business as usual". Doch noch sind die Hoffnungen der Bevölkerung in die Clinton-Administration beinahe grenzenlos. Denn in all den sogenannten "post-materiellen" Themen besitzt Bill Clinton eine Glaubwürdigkeit, die sich aus seiner persönlichen Lebensgeschichte, seiner politischen Karriere und seinen programmatischen Äußerungen nährt. Die Frauen erwarten einen sofortigen präsidentiellen Erlaß zum Verbot der staatlichen Schwangerschaftsberatung und ein liberales Abtreibungsgesetz. Schließlich ist Bill mit Hillary verheiratet, der emanzipiertesten First Lady der USA. Die Homosexuellen rechnen mit der Öffnung der Streitkräfte und einer verbesserten Aidsbekämpfung. Immerhin hat Clinton ihre Anliegen im Wahlkampf zu den seinen gemacht. Die Kulturschaffenden setzen auf einen neuen Wind in der Kunstförderung, stammt doch Billy's Kulturverständnis aus den liberalen 60er Jahren. Die Umweltbewegung will neue Gesetze zum Schutz der Natur und sieht in Vize- Präsidenten Al Gore deren Garanten. Die Schwarzen und andere Minderheiten verlangen mehr Hilfe für die innerstädtischen Gettos sowie eine verbesserte politische Repräsentation. Denn als Südstaaten-Baptist, der in den 60er Jahren für die Bürgerrechte auf die Straße ging, genießt Clinton unter der nicht-weißen Bevölkerung einen größeren Vertrauensvorschuß als seine republikanischen Vorgänger zusammengenommen. Bill Clinton also verkörpert einen Generationswechsel und Neubeginn wie vor ihm nur John F. Kennedy. Und wenn seine Amtszeit nichts anderes bringt, dann doch einen Wandel des politischen Klimas.
Diese veränderte Atmosphäre ist bereits in Bill Clintons Inauguration sichtbar, dem Ritual der Erneuerung. Die Symbolik der Amtseinsetzung ist immer dann von besonderer Bedeutung, wenn der Präsident wie Clinton nur mit einer knappen Mehrheit und einem begrenzten Mandat an die Macht gekommen ist. Und wenn er statt eines Tapetenwechsels im Weißen Haus einen historischen Richtungswechsel herbeizuführen verspricht, wie Lincoln, Roosevelt und Wilson. Es war Abraham Lincoln, der die Nation nach dem Bürgerkrieg in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts neu definierte; Teddy Roosevelt, der das Land mit seinem "Neuen Nationalismus" um die Jahrhundertwende in das industrielle Zeitalter einführte und Woodrow Wilson, der die USA mit seinem Konzept von der "Neuen Weltordnung" durch Eintritt in den 1. Weltkrieg an seine führende Rolle in der Welt heranführte. Nun liegt es an Bill Clinton, die USA in ihrer verwirrenden Vielheit wieder neu zu versammeln ("New Covenant") und mit reformierten politischen Institutionen ("to reinvent government") in das 21. Jahrhundert zu führen. Deswegen strotzt seine Amtseinführung in diesen Tagen nur so von historischem Pomp und symbolischen Akten, von den altertümlichen Einladungskarten mit dem prätentiösen Schriftzug "William Jefferson Clinton lädt ein . . ." bis hin zu der multikulturellen Korrektheit seiner Kabinettsauswahl. Nur so wird sich Clinton, der seinen Kurswechsel weder auf eine schwere Krise noch auf einen Krieg stützen kann, die Begeisterung und das Mandat für seine Reformen verschaffen können. Am Ende jedoch wird allein sein Handeln über den Erfolg seiner Präsidentschaft entscheiden. Nur wenn er - ohne auf seine Wiederwahl zu schielen - mit hohem politischen Risiko regiert, könnte er zum Ausgang dieses Jahrhunderts zu den Jeffersons, Jacksons, Lincolns und Roosevelts in den Pantheon der großen US-Präsidenten aufsteigen.
HÖCHST. Artist, Jongleur, Improvisateur und Literateur: Thomas Spielbauer ist alles zugleich und tobt am heutigen Mittwoch mit seinem Programm "Wenn die Sonne scheint, scheint die Sonne zu scheinen" über die Bühne im Neuen Theater. Seinen "philosokomischen" Auftritt hat Spielbauer bis Samstag jeden Abend, jeweils von 20 Uhr an. Karten gibt es sowohl im Vorverkauf (Telefon 30 30 90) als auch an der Abendkasse. tos
pid GÖTTINGEN, 22. Januar. Die Universitäten Göttingen und München übernehmen eine Vorreiterrolle bei der Erforschung des Universums. Die astronomischen Forschungsinstitute der beiden Hochschulen werden sich an dem neuen Groß-Spiegel-Teleskop auf dem Mount Locke in Texas beteiligen. Die Göttinger Universität unterzeichnete jetzt einen entsprechenden Kooperationsvertrag mit dem McDonald Observatory (Texas).
Die Göttinger Sternwarte beteiligt sich mit zwei Millionen Mark an dem Bau des Großteleskops. Nach der Fertigstellung im Jahr 1996 können dann die Göttinger Experten für extragalaktische Astrophysik, die Professoren Klaus Fricke und Klaus Beuermann, zehn Jahre lang das Gerät nutzen. Sie erhoffen sich neue Erkenntnisse über die Randbezirke des Universums.
Bis Ende März sind wahrscheinlich die Überlegungen innerhalb der National Football League (NFL) abgeschlossen, ob und wenn ja, in welcher Form, die Weltliga 1994 ihren Betrieb wieder aufnimmt. Auf Beschluß der NFL-Eigentümer pausiert die Liga bekanntlich in diesem Jahr, weil sie in der bisherigen Form (mit drei Mannschaften aus Europa, einer aus Kanada und sechs aus den USA) ein Minus- Geschäft war; lediglich die Frankfurt Galaxy hatte die Saison 1992 mit einem Gewinn abgeschlossen.
Wie Oliver Luck, Manager der Galaxy und der NFL-Filiale in Deutschland, und Marketing-Direktor Christoph Heyne auf einer Pressekonferenz berichteten, wird die Liga ihren "Schwerpunkt in Europa haben" mit den alten Teams aus Barcelona, London und Frankfurt sowie je einem weiteren aus den jeweiligen Ländern (Düsseldorf ist dabei erster Kandidat in Deutschland). Die finanziellen Bande zur Mutter NFL sollen lockerer werden, denn die einstigen Zuschüsse von mehr als einer halben Million Dollar von jedem NFL-Klub pro Saison fließen nicht mehr. Deshalb ist ein Denkmodell entstanden, wonach die Liga, die vielleicht gar Europa- statt Weltliga heißen wird, sich ihr ökonomisches Auskommen durch ein Joint-venture dergestalt sichert, daß sie sich selbst quasi an ein Unternehmen verkauft und diesem dafür Vermarktungs-Rechte einräumt. Ein positives Votum der NFL vorausgesetzt, soll ein detailliertes Konzept für die Saison 1994 im Mai vorliegen.
In den Verhandlungen mit seinen Arbeitgebern in New York hat Luck den Eindruck gewonnen, daß die Liga "ernst genommen wird". Immerhin ist Europa für die NFL trotz der ökonomisch insgesamt gescheiterten Weltliga ein wichtiger Markt für ihre Produkte, die Fan-Accessoires. Und hier spielt Deutschland nach den Worten Heynes für die NFL eine Vorreiter-Rolle, da es das viel früher von der NFL beackerte Großbritannien im Umsatzvolumen schon fast überholt hat.
American Football soll aber im Entwicklungsland Deutschland "nicht nur Zuschauersport bleiben" (Luck). Um das sportliche Niveau an der Amateurbasis zu heben und Jugendliche dank guter Anleitung bei der Stange zu halten, investiert die NFL eine halbe Million Mark in ein Ausbildungsprogramm in Deutschland, Spanien und England. Chuck Noll, in Rente gegangener Coach der Pittsburg Steelers, Jack Elway und Jack Bicknell, Trainer der Galaxy respektive der Barcelona Dragons, touren im Februar durch die Lande und unterrichten Trainer und solche, die es werden wollen.
Um nun nach der Zwangspause für die Galaxy ein "football-loses Jahr im Rhein- Main-Gebiet" (Luck) zu verhindern, hatte sich Frankfurt um die diesjährige American Bowl bemüht, das Freundschaftsspiel zweier NFL-Teams vor Beginn der Football-Saison in den Staaten. Den Zuschlag erhielt aber - neben Tokio, Barcelona und London - wie schon in drei Jahren zuvor Berlin; dort waren im Schnitt 60 000 Zuschauer gekommen. Ausschlaggebend war nach Einschätzung des Galaxy-Managers die Olympia-Bewerbung der Hauptstadt, in der zuschauerträchtige Groß-Veranstaltungen im Olympia-Stadion nämlich, auch mangels eines Fußball-Bundesligisten, eher selten stattfinden. Mit der American Bowl am 7. August - die Mannschaften werden in der kommenden Woche bekanntgegeben - soll Berlin sich als Ausrichter international profilieren. Die Galaxy wird übrigens Football-Fans aus der Rhein-Main- Region in einem Sonderzug (für 150 Mark pro Person gibt's Fahr- und Eintrittskarte) zur American Bowl befördern.
Also weder NFL noch Weltliga 1993 in Frankfurt, womit sich der Auftritt von US-Profis auf das Arena-Spektakel zwischen Detroit Drive und Tampa Bay Storm, ergänzt durch die deutschen Spieler Andreas Motzkus und Dirk Reesing, am Samstag, 30. Januar, in der Festhalle beschränkt. ah
Beim Ausdauertest bekam Anita Liebholz Farbe im Gesicht. Zehn Minuten trat die Betriebsratsvorsitzende der Hertie- Zentrale bei steigender Belastung in die Pedale. "Das war zum Schluß ganz schön anstrengend", fand Liebholz. Lohn der Mühe: Der Drucker am Fahrrad-Ergonometer spuckte sofort eine Meldung über die Fitneß der Betriebsratsvorsitzenden aus. Das Ergebnis war allerdings nicht überwältigend. Zweimal die Woche Ausdauertraining lautete die gedruckte Empfehlung.
Was Liebholz als "meinen einzigen Minuspunkt" bezeichnete, macht auch anderen Arbeitnehmern zu schaffen, die vornehmlich im Büro sitzen. Deshalb bietet die AOK großen Unternehmen, aber auch städtischen Ämtern neuerdings sogenannte Gesundheitstage an, bei denen die Mitarbeiter ihre körperliche Fitneß testen können. Erkrankungen vorzubeugen und gesundheitsbewußtes Verhalten zu fördern, ist das Ziel. Davon profitieren Mitarbeiter, Unternehmen und die Krankenkasse gleichermaßen. Im Frühjahr können sich Flughafen-Mitarbeiter untersuchen lassen; mit weiteren Unternehmen steht die AOK in Verhandlungen.
In der 1200 Beschäftigte zählenden Hertie-Zentrale in der Niederräder Bürostadt war die AOK jetzt zum ersten Mal. Neben dem Fitneß-Test konnten sich die Teilnehmer auch in puncto Ernährung und Sport beraten lassen. "Wir verstehen uns nicht als Gesundheitsapostel. Das Ganze soll auch Spaß machen", versicherte die Sportwissenschaftlerin Susann Pochanke von der neuen AOK-Unterabteilung Betriebliche Gesundheitsförderung.
Die Hertie-Mitarbeiter hatten bei einer Fragebogenaktion vor den Gesundheitstagen "sehr großes Interesse" an den Themen Ernährung und Bewegung gezeigt, sagte Betriebsrätin Sylvia Wagner. Parallel zum Fitneßtest bietet die Kantine Vollwertkost, Müsli- und Salatbuffet. Dies möchte der Betriebsrat zur dauerhaften Einrichtung machen. Beim betrieblichen Sportprogramm "stehen wir noch ganz am Anfang", meinte Wagner. Zwei oder drei Gymnastiktermine in der Woche sind das angestrebte Ziel - alles eine Frage der Kosten. Die AOK will auch bei den weiteren Gesundheitstagen die Unternehmen anregen, auf Dauer Sportprogramme für die Mitarbeiter zu fördern. vo
HANAU. Die Innenstadt und die ambulanten Hilfsangebote der Martin-Luther- Stiftung in der Nähe und viele Menschen gleichen Alters nebenan in der Französischen Allee wohnend. - Das sind die Vorteile, die aus der Sicht der Stiftung "Althanauer Hospital" alte Menschen dazu bewegen sollen, größere Wohnungen für Familien mit Kindern zu räumen und an die Lothringer Straße umzuziehen. Dort hat die Stiftung die Baugesellschaft beauftragt, 34 Altenwohnungen zu bauen. Im kommenden Mai sind sie bezugsfertig. Jetzt wurden sie der Presse vorgestellt. Rund 6,2 Millionen Mark kostet der Bau der Altenwohnungen. Davon übernimmt das Land Hessen 2,6 Millionen Mark und weitere 435 000 Mark für altengerechte Ausstattung wie Aufzug, breitere Türen für Rollstuhlfahrer und tiefersitzende Badewannen mit Haltegriffen. Die Stadt gewährte ein Darlehen über 825 000 Mark. Die Stiftung selbst brachte 1,3 Millionen Mark Eigenkapital ein und beschaffte sich zusätzlich eine Million Mark auf dem Kapitalmarkt.
Der Mietpreis pro Quadratmeter darf in diesem öffentlich geförderten Wohnungsbau 6,75 Mark nicht überschreiten. Bei 45 bis 53 Quadratmeter bedeutet das zwischen 300 und 400 Mark Monatsmiete für jeweils zwei Zimmer, Küche, Bad und Balkon. Dieser relativ niedrige Preis soll Anstoß geben, bisherige größere Wohnungen zu verlassen.
Die Wohnungen verteilen sich auf ein Haus mit 26 und eins mit acht Wohnungen. Dazwischen soll ein Innenhof entstehen, der zum Sonnen und Unterhalten einlädt. Im Erdgeschoß des Hauses direkt an der Lothringer Straße soll eine Begegnungs- und Beratungsstätte entstehen. Dieses Altencafé hat zum Innenhof hin große Glasfassaden, so daß eine gemütliche Atmosphäre zu erwarten ist.
Fast alle Altenwohnungen sind bereits vergeben. Menschen ab 60, die die noch verbleibenden Chancen nutzen wollen, wenden sich ans Hanauer Sozialamt. Denn der Sozialdezernent ist laut Satzung des Bauherrn "Althanauer Hospitals" gleichzeitig Geschäftsführer der Stiftung. (Siehe auch "Zur Sache). him
OBERURSEL. Mit der City-Karte können die Oberurseler künftig auf folgenden Linien im Stadtgebiet fahren: Der S-Bahn zwischen Weißkirchen und Oberursel, der U-Bahn zwischen Hohemark und Weißkirchen- Ost, den FVV-Bussen 917 (zwischen Zeppelinstraße und Zollhaus), 916 (zwischen Oberursel-Bahnhof und Weißkirchen-Bahnhof) und 72 (innerhalb von Weißkirchen, Haltestellen Ost bis Bahnhof). Zudem mit zwei Bussen der Verkehrsgesellschaft Untermain: 5931 (zwischen Zeppelinstraße und Hohemark) und 5942 (zwischen Wartehalle und Hohemark). Dazu mit drei Oberurseler Stadtbussen: Linie 1 von Oberstedten nach Weißkirchen, Linie 2 von Weißkirchen zum Hauptfriedhof und Linie 3 vom Bahnhof zum Zimmersmühlenweg.
Die neuen Tickets kosten für Erwachsene 1,50 Mark (ab 1. 1. 94 voraussichtlich 1,60 Mark), in der Spitzenzeit 2,10 (2,20) Mark. Kinder zahlen 0,70 Mark (0,80 Mark) in der Talzeit und 1,10 Mark in der Spitzenzeit (keine Erhöhung ab 1994). Sechser-Karten fallen weg. Eine Monatskarte kostet für Erwachsene 39 (47) Mark, Kinder zahlen 29 (35) Mark. Für das gesamte Tarifgebiet grün können weiterhin Tages- oder Dreitageskarten gezogen werden. Wochenkarten werden zunächst 12 Mark für Erwachsene und 9 Mark für Kinder kosten. esi
Nachdem das ZDF in der vergangenen Woche Einschaltzahlen für 1992 publiziert hatte, bei denen die Zuschauer in den neuen Bundesländern schlicht vergessen worden waren, ließ es sich ARD- Programmdirektor Günther Struve bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im Münchner Presseclub nicht nehmen, nun vollständige Zahlen zu nennen. Diese sehen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk durchweg (noch) relativ gut aus. So lagen die Marktanteile für die ARD bei 21,7 Prozent, für das ZDF bei 21,3 Prozent, es folgen RTL mit 16,9 Prozent, SAT 1 mit 13,2 Prozent, die Dritten Programme der ARD insgesamt mit 8,1, Pro 7 mit 6,7 und Tele 5 mit 3,3 Prozent. Gemessen wurde jeweils die Bevölkerung von sechs Jahren aufwärts. Die durchschnittliche Sendedauer pro Tag lag 1992 bei 170 Minuten.
Struve nannte auch die Quoten der Nachrichtensendungen. Hier lag (jeweils Hauptausgabe) die Tagesschau mit 20 Prozent vor heute mit 18 Prozent, RTL aktuell mit 6 Prozent und Sat 1 News mit 4 Prozent. Es folgte eine weitere Erfolgsmeldung, die politischen Magazine betreffend: Hier rangieren die Montagsmagazine der ARD mit 13 Prozent vor denen des ZDF (8 Prozent), Spiegel TV erreicht 4,34 Prozent, stern tv 3,48 Prozent und Akut (von Sat 1) 2,45 Prozent.
Der Kommentar des seit Mai vergangenen Jahres amtierenden Programmdirektors: "Man glaubt ja angesichts der fast täglich veröffentlichten Segment-Zahlen, es gäbe nichts anderes als die privaten Anbieter." Struve, der einleitend gesagt hatte, er rede lieber über Quantitäten, weil es schwerer sei, "sich über Qualitäten zu streiten", bekannte dennoch, kein "Quantitätenfetischist zu sein", weil man "bei diesen Zahlen auch nicht zum Fetischisten werden könne". Insgesamt meinte er jedoch, die Marktanteile der öffentlich-rechtlichen Anbieter insgesamt lägen doch über 50 Prozent, und er selbst hoffe, daß auch weiterhin eine fünf vor den Prozentzahlen stehenbleibe. Im ersten Ansturm sei die von den Privaten geplante "Schwächung" oder gar "Vernichtung" jedoch gescheitert, sie werden auch nicht gelingen, man müsse sich jedoch auf andere Zahlen einstellen.
Nicht äußern wollte sich Struve, der den bemerkenswerten Satz sagte, die "Zuschauerbindung der ARD kann nur über das Erste erfolgen", über die Erfahrungen mit dem seit dem 1. Januar teilharmonisierten Vorabendprogramm. Außer dem Erfolg für die Tagesschau um 18.30 Uhr (7 Prozent), der jedoch stark vom programmlichen Umfeld abhinge, sei alles andere "schwer zu bewerten", weil die dort ausgestrahlten Serien zum Teil dieselben seien wie im vergangenen Jahr. Ohnedies sei nicht "die Struktur, sondern die Ware entscheidend". Es ist kein Geheimnis, daß die ARD mit dem Erfolg der Serie "Marienhof" kaum zufrieden ist. Insgesamt, so Struve, sei der Vorsprung des ZDF im Vorabendprogramm "so stark wie nirgends sonst".
Auf Anfrage äußerte sich der Programmdirektor auch zu der für Anfang April geplanten neuen Sendung mit "journalistischer Unterhaltung" oder "unterhaltender Journalistik", über die in der nächsten Woche abschließend beraten werden soll. Die Sendung, bislang ohne Titel, die nach der Kultur und den Tagesthemen am Sonntagabend ins Programm kommen soll, wird gemeinsam oder abwechselnd von der "ZAK"-Redaktion des Westdeutschen Fernsehens und Redaktionen des Bayerischen und Süddeutschen Rundfunks gestaltet. Eine Probesendung rühmte Struve als "witzige, überraschende Form und sehr skurril". Die (politischen) Themen würden auf "bizarre Art" aufgelöst.
Noch in diesem Jahr soll nach Struves Vorstellung die Entscheidung über den Ausbau von Eins Plus zum Informationskanal folgen. Dies wäre eine "sinnvolle Ergänzung unserer Produktpalette". Deutsche Welle, Österreich und die Schweiz wären laut Struve "hochwillkommene Partner", doch müßte die ARD realistisch einschätzen, wie sie dies auch allein "stemmen" könnte.
JOACHIM HAUSCHILD
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Behindert heißt, daß Sophie noch nicht richtig laufen kann, obwohl sie nun schon sieben und in der Schule ist. Deutlich sprechen kann sie auch nicht. Aber das lernt sie vielleicht noch. Mama und Papa müssen Sophie immer tragen - die Treppe rauf und runter, ins Badezimmer, ins Bett.
Mama sagt, Sophie wird ihr bald zu schwer. Ihr Rücken macht das nicht mehr mit. Wenn ich groß bin, trage ich Sophie. Aber vielleicht kann sie bis dahin auch selber laufen. Zweimal in der Woche geht Mama mit Sophie zum Turnen. Und zu Hause machen sie auch immerzu Übungen. Das nervt. Früher durfte ich dabei überhaupt nicht stören. Aber weil ich jetzt schon so stark bin, läßt Mama mich manchmal helfen.
gra an Nachrichten/ Demonstrationen gegen Bildungspolitik gra MAINZ, 19. Januar. Gegen die rheinland-pfälzische Schulpolitik will ein Bündnis aus der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft(GEW),Landeschülervertretung und Grünen landesweite Protestaktionen durchführen. Erste Schülerdemonstrationen soll es bereits in dieser Woche geben. Die GEW will die Lehrer aller rheinland- pfälzischen Schulen zu einer Protestkundgebung nach Mainz aufrufen. GEW- Landesvorsitzender Tilman Boehlkau sprach von einem landesweiten Bildungsabbau auf Kosten der Schüler und Lehrer. Boehlkau warf der sozial-liberalen Landesregierung vor, als erste bundesweit eine Arbeitszeitverlängerung einzuführen. Angesichts wachsender Schülerzahlen hatte das Kabinett in Mainz Im Dezember beschlossen, die Unterrichtsverpflichtung für Gymnasiallehrer um eine Wochenstunde und für Lehrer an Haupt-, Sonderschulen und Gesamtschulen um eine halbe Wochenstunde anzuheben. Die GEW warnte vor einer landesweiten Einschränkung des Bildungsangebotes. Das Bündnis warf der SPD "undemokratische Informationspolitik" vor. GEW-Vorsitzender Boehlkau drohte mit der Möglichkeit, daß alle Lehrerinnen und Lehrer im Land "freiwillige Angebote solange ruhen lassen, bis allen Bildungspolitikern bewußt wird, daß Schule vom Engagement der Kolleginnen und Kollegen lebt."
LANGEN. Nach den Beobachtungen von Peter Oeben-Heinrichs, Lehrer am Dreieich-Gymnasium, haben Schüler ihre liebe Not damit, sich die Erde richtig vorzustellen. Weil der Urlaubsflug nach Mallorca nicht länger dauert als die Fahrt zur Oma am Wochenende, entstehen im Kopf Bilder von der Welt, bei der das Nahe weit weg und das Ferne nah ist.
Auch der Erdkundeunterricht schaffe keine Klarheit in jungen Schülerköpfen. "Das Chaos im Kopf ordnet sich nur langsam", sagt Peter Oeben- Heinrichs. Ihre Welt haben mehr als hundert Gymnasiasten nun in sogenannten Kopfbildern, Zeichnungen und Modellen dargestellt.
Da liegen beispielsweise Langen, Holland, Belgien und die Nordsee nah beieinander. Die Ausstellung, die nach Ansicht des Lehrers viel Phantasie, aber auch eine gehörige Portion Wissen enthüllt, ist im Foyer des Langener Rathauses während der Öffnungszeiten bis zum 29. Januar zu sehen. dac (FR-Repro: Grieshaber)
BAD VILBEL. Der Blues war überall, damals, Anfang des Jahrhunderts, in den Bars und Kneipen von New Orleans. Sein unverwechselbarer melancholischer Klang war auf den Baumwollfeldern ebenso zu hören wie in den Vergnügungslokalen, erzeugt von Schwarzen.
Doch es gab noch eine andere Musikrichtung: Fröhlich und laut stimmten im Vergnügungsviertel Storyville in New Orleans Schwarze mit Klarinetten, Posaunen, Trommeln, Kornett und Trompete ihre Lieder an. Eine Musik, die ganz ohne Saiteninstrumente auskam, französische Marschmusik mit afrikanischen Rhythmen vermengte: der Jazz. Noch fehlte der neuen Musik das, was sie später einmal auszeichnen sollte: die Improvisation.
Wie sich der Jazz in den ersten fünfzig Jahren seit seiner Entstehung entwickelte, konnte das Publikum bei "History of Jazz" mit Horst Langkamm, der Frankfurter Barrelhouse Jazzband und Gästen (Wolfgang Lösch, Trompete, Harald Blöcher, Posaune, Klaus Thel, Klarinette und Saxophon, Engelbert Christmann, Susaphon) in der Alten Mühle mitfühlen: mit wippenden Beinpaaren, schnippenden Fingern, rhythmisch klatschenden Händen. Ein Raunen ging durch den Saal, als Langkamm "Trouble in mind" ankündigte, zärtlich reichte sich manches Paar zu "Mood indigo" die Hand, ließ bei Evergreens von Louis Armstrong, Count Basie und Duke Ellington die Sehnsucht nach der Jugendliebe zu.
Ob letztlich jeder nach der Veranstaltung zwischen Dixieland, New-Orleans-, Chicago- oder Harlemstil unterscheiden konnte, schien dabei gar nicht so wichtig, die Jazzfreunde genossen vor allem die Musik - und die Musiker, die mit kleinen Slapstickeinlagen, ihrer Freude am Spiel für das sorgten, was ein gelungenes Jazzkonzert auch auszeichnet: die gute Beziehung zum Publikum. Mit Zwischenapplaus würdigte dieses die Soli, dankte stürmisch für gelunge Arrangements und war schon zur Pause bereit, eine Zugabe zu fordern. Die Veranstalter der Alten Mühle können sicher sein, daß auch die Fortsetzung des "History of Jazz" mit Swing, ebenfalls mit der Barrelhouse Jazzband, für ein ausverkauftes Haus sorgen wird. CORINNA WILLFÜHR
Das "Sams" ist in Karben
KARBEN. Herr Taschbier hat ziemlich viel Angst, so ziemlich vor allem und ganz besonders vor Menschen, die schimpfen und befehlen, bis er eines Tages das "Sams" trifft. Was dann mit ihm passiert, können junge Menschen ab fünf Jahren bei der Aufführung der Geschichte von Paul Maar mit dem Rrrrabatz- Theater am Sonntag, 24. Januar, im Bürgerzentrum erleben. "Eine Woche voller Samstage", das bereits mehrfach vor ausverkauftem Haus in Bad Vilbel gespielt wurde, beginnt um 15 Uhr.
BAD VILBEL. Kunst zu Kunst präsentiert ab Dienstag, 26. Januar, 20 Uhr, der Maler Reinhard Klesse im Café-Bistro Dominique in der Alten Mühle. Der in Saalfeld/Thüringen geborene Künstler stellt in dem Lokal Zeichnungen und Bilder zu dem Volksstück "Daheim is daheim " von Fitzgerald Kusz aus, das am Freitag, 29. Januar, sowie am kommenden Wochenende jeweils um 20 Uhr in der Alten Mühle vom Bad Vilbeler Amateurtheater "Die Bühne" aufgeführt wird. Klesse zeichnete unter anderem Bilder zu den Balladen und Liedern von François Villon, illustrierte "Die Winterreise" von Franz Schubert und versuchte Kleists "Der zerbrochene Krug" bildlich darzustellen. Seine Illustrationen zu dem Bühnenstück des fränkischen Autors sind ein weiterer Versuch, darstellende und bildende Kunst gemeinsam zu präsentieren.Schröder: Nicht unmoralisch
sp HANNOVER, 19. Januar. Der niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD) hat am Dienstag vor Journalisten in Hannover eingeräumt, daß er mit seinem Engagement für Rüstungsexporte nach Taiwan den Beschlüssen seiner Partei zuwiderhandele. Wegen der Rezession im Schiffbau halte er jedoch die Auffassung, die er dem Bundeskanzler vorgetragen habe, nicht für unmoralisch. Im Kriegsschiffbau ließen sich höhere Preise erzielen als im Handelsschiffbau.
Daß das Regime Taiwans die Menschenrechte verletze, daß dies ein Spannungsgebiet sei, wohin nach den geltenden Richtlinien keine Rüstungsgüter geliefert werden sollen, und daß Konflikte in Südostasien durch die Aufrüstung Taiwans eskalieren könnten, sei ihm von vornherein bewußt gewesen, aber dazu habe er sich nicht geäußert, sagte Schröder. Der niedersächsische Minister für Bundesangelegenheiten (Grüne) warf Schröder vor, er habe mit seinem Handeln die Kabinettsdisziplin verletzt.
NIDDERAU / SCHÖNECK. Die Abschiede sind immer tränenreich. Was von zwei Wochen Schüleraustausch hängenbleibt, ist nicht nur die aufgemöbelte Motivation zum Sprachenlernen. Ein Schüler, der voriges Jahr mit war, hat Fachbereichssprecherin Ulrike Schwartz eben erzählt, daß er zu Weihnachten fünf Mädchen aus den Vogesen mit Postkarten beglückt hat. In nicht wenigen Fällen bleiben Freundschaften über die 9. Klasse hinaus.
Die Bertha-v.-Suttner-Schule Nidderau pflegt seit nun fast 14 Jahren eine Schulpartnerschaft mit dem Collège d' Enseignement Secondaire in Fraize. Und laut Schulleiter Wilfried Röhling ist die Affäre zwischen den beiden Lehreinrichtungen noch immer recht hitzig.
Wichtig ist dabei natürlich der Effekt, daß Schüler(innen) im Alltag erfahren, was sie an ihren Fremdsprachenkenntnissen haben. Mindestens genauso ernst nehmen die drei Französischlehrkräfte der Suttnerschule aber kulturelles Lernen. Das Leben in den Gastfamilien ist immer wieder eine spannende (Selbst-)Erfahrung, bei der nebenbei auch der Umgang mit Fremdem innerhalb der eigenen Gesellschaft gelernt werden kann.
Wenn am ersten Morgen in Fraize die hessischen Neuntkläßler(innen) aus den Familien kommen, berichten sie ihrer Lehrerin schon mal ganz erstaunt: "Die haben ja nicht mal einen Videorekorder." In Sachen Höflichkeit herrschen jenseits des Rheins - zumindest in den Familien des relativ ländlichen Fraize - noch andere Standards. Und wenn die schulpflichtigen Jugendlichen abends nach acht einmal das Haus verlassen, ist das - anders als bei ihren Nidderauer Altersgenoss(inn)en - seltene Ausnahme.
Die tiefsten Fettnäpfchen zu umgehen, lernen die Suttnerzöglinge neuerdings schon zeitig: Wer - zumeist in der neunten Klasse - am Austausch teilnehmen möchte, besucht vorher alle 14 Tage zwei Zusatzstunden, die Französisch-AG. Hier wird über Land und Leute gesprochen, also Wissen über Gesellschaft, Kultur, Geographie vermittelt. Natürlich ist manchen ihre nachmittägliche Freizeit hierfür zu schade, und so beteiligen sich an den Frankreichfahrten auch nur 55 bis 60 Prozent eines "Franz-Jahrgangs"; rund 25 Leutchen, so Schwartz, im Schnitt.
Der gründlichen Vorbereitung auf die zwei Wochen Austausch dienen daneben die schon zu Beginn des Französischunterrichts begründeten Brieffreundschaften. Hierzu gibt es keinen Zwang.
Die Nidderauer Schüler(innen) schreiben schon nach wenigen Fachstunden einen "Steckbrief" zur eigenen Person. Die noch ungelenken Resultate werden gebündelt an die Partnerschule geschickt, wo das Kollegium nach Korrespondenten(innen) Ausschau hält. Es muß rührend sein, wenn wenige Wochen später die ersten Deutschen mit Briefchen in den Unterricht kommen, von denen sie zunächst kaum ein Wort verstehen.
Der Austausch selbst, der außer in zwei Jahren bisher stets stattgefunden hat, besteht aus je einem einwöchigen Besuch im einen Land, bei dem man sich kennenlernt. Es folgt unmittelbar - das große Ereignis - die gemeinsame Fahrt zur Woche im anderen Land, manchmal mit Halt in Colmar oder Straßburg.
Die jungen Nidderauer(innen) gehen in Fraize nicht nur in den örtlichen Deutschunterricht, in die zum touristischen "Muß" avancierte Bonbonmanufaktur oder die Geramont-Käserei. Sie müssen während ihres Aufenthalts in Grüppchen zudem ein "Programm" erledigen, das sie sich in der AG vorgenommen haben: Da wird etwa der Bürgermeister zum Interview über die Lage der Jugendlichen und der Wirtschaft gebeten, wird untersucht, was es mit der berühmten französischen Küche so auf sich hat, werden Essays über das Familienleben ausgearbeitet. Ein Themenschwerpunkt ist seit 1987 eine gemeinsame Fahrt der deutschen und französischen Schüler(innen) zum früheren Konzentrationslager Struthof in den Vogesen, an deren Finanzierung sich die Landeszentrale für politische Bildung beteiligt.
Die Schulpartnerschaft ist aber mehr als ein Zweckbündnis zur Verschickung von Sprachschülern(innen). Über den Fachbereich Französisch hinaus hat sie Schülerschaft und Kollegium in unterschiedlicher Weise erfaßt. Obwohl Lehrer(innen) heute gemeinhin nicht eben begeistert sind, wenn sie eine Klassenfahrt mitmachen sollen, gibt es für die von je einer Französisch- und einer anderen Lehrkraft zu begleitende Fraizetour Wartelisten der Nichtfranzösischlehrer(innen).
Auch die Aufnahme der französischen Kollegen bleibt nicht am Fachbereichspersonal hängen. Sportmannschaften und Chöre der beiden Schulen haben sich schon besucht, Anlässe waren mit den hüben und drüben gefeierten Festen in den zurückliegenden Jahren genügend gegeben (10 Jahre Partnerschaft, 20 Jahre Suttnerschule). Das nächste Vorhaben dieser Art, so Röhling, sind gegenseitige Ausstellungen von künstlerischen und polytechnischen Arbeiten.
Damit der Faden zwischen beiden Instituten nicht abreißt, erhalten die Partnerschaftsaktivitäten der Suttnerschule Beihilfen vom deutsch-französischen Jugendwerk wie von Nidderau und Schöneck. Über Schöneck, von wo viele der Gesamtschüler(innen) stammen, lernten sich übrigens die Schwesterschulen kennen: Schöneck unterhält seit Anfang der 70er Jahre eine Jumelage mit dem Vogesenörtchen Anould; der Nachwuchs von Anould aber geht im benachbarten Fraize auf die weiterführende Schule.
Wenn es trotz all der optimistischen Töne dieses Jahr voraussichtlich keinen Austausch gibt, liegt dies daran, daß die französische Schule neuerdings auch Klassenfahrten in andere Länder (Großbritannien, Tschechoslowakei) unternimmt. Die Eltern in Fraize sind aber nach Darstellung von Ulrike Schwartz ohnehin wegen jedem Stundenausfall so besorgt, daß etwa die Austauschklasse auch in ihrer Nidderauer Woche jeden Morgen Mathe pauken muß. Da seien zwei Fahrten in einem Jahr einfach undenkbar. Doch habe M. Barthélemy, der Leiter des Collège, bereits schriftlich versichert, daß man nächstes Jahr in jedem Fall weitermachen wolle. Ul
WETTERAUKREIS. Mit den Themen Europa / Maastrichter Vertrag, Landwirtschaft, Schule und der Kreispolitik wollen sich die Wetterauer JungsozialistInnen im neuen Jahr in vier Arbeitskreisen befassen. Jeder und jede können mitarbeiten, unabhängig von einer Mitgliedschaft in der SPD.
Insbesondere beim Thema Europa, mit dem sich der Arbeitskreis "politische Bildung" beschäftigen will, sieht der Juso- Unterbezirk Wetterau angesichts der kontroversen Diskussionen um den Maastrichter Vertrag und der Verwirklichung des EG-Binnenmarktes ein "erhebliches Informationsdefizit", wie Pressesprecher Michael Strecker formuliert. Der Arbeitskreis wolle aber auch über die aktuelle Tagespolitik hinaus über die "Idee und Vision Europa" und über das vielzitierte "europäische Haus" reden.
"Ökologie im ländlichen Raum" ist Schwerpunktthema des Arbeitskreises Umwelt. Daneben stehen der öffentliche Personennahverkehr und die Abfallpolitik vor Ort auf der Themenliste.
Im Arbeitskreis Schule wollen die Jusos einerseits darüber sprechen, wie die Schule der Zukunft aussehen soll, und sich andererseits mit den "schulpolitischen Realitäten des Wetteraukreises" auseinandersetzen. In diesem Zusammenhang wollen die Jungpolitiker auch überlegen, wie Schülerinnen und Schüler für politische Arbeit gewonnen werden können.
Die Kreispolitik faßt der Arbeitskreis Kommunalpolitik ins Auge. Michael Strecker dazu: "Nachdem sich die Jusos und ihr Kandidat Wolfgang Dittrich auf dem letzten Parteitag der Wetterauer SPD einen vorderen Listenplatz auf der SPD-Kreistagsliste erkämpften, wollen sie sich in der nächsten Legislaturperiode besser als bisher in die Kreispolitik einbringen und ihre Vorstellungen durchzusetzen versuchen."
Wer in einem der Arbeitskreise mitarbeiten oder einfach einmal unverbindlich vorbeischauen will, kann sich an folgende Adressen halten: Eric Lehner ("politische Bildung", Tel. 0 60 39 / 18 50), Matthias Meuser ("Umwelt", Tel. 0 60 04 / 13 33), Matthias Höreth ("Schule", Tel. 0 60 33 / 6 71 65) und Michael Strecker ("Kommunalpolitik", Tel. 0 60 41 / 65 88). mk
Eine "Große Koalition gegen Obdachlose" sehen die Grünen im Gutleutviertel am Werk. SPD und CDU im Stadtteil ließen sich, so Martina Schmiedhöfer, die sozialpolitische Sprecherin der Römer- Grünen, "wegen Stimmenfang im Wahlkampf offensichtlich zu populistischer Stimmungsmache gegen Obdachlose hinreißen". Schmiedhöfer bezieht sich dabei auf die Diskussionen vor Ort, die sich um Initiativen der evangelischen Gutleutgemeinde drehen: Die will auf ungenutzten Grundstücken zwei Wohnwagen postieren und Holzhütten bauen lassen.
Christ- und Sozialdemokraten indes machten dagegen öffentlich Stimmung, "reden eine Bedrohung für Alte und Kinder herbei" und provozierten damit "ablehnende Reaktionen bei den Bewohnern der benachbarten Wurzelsiedlung".
Diese Kommunalpolitiker gefährdeten damit, so Schmiedhöfer, "die mühevollen Ansätze der Gutleutgemeinde zur Obdachlosenarbeit". peh
BAD NAUHEIM. Mit "La regina dei magnani - Die Königin der Kesselflikker", einem akrobatischen, clownesken musikalischen und phantastischen Märchen für jung und alt, beginnen die Kulturveranstaltungen 1993 der Gemeinschaft zur Förderung der Waldorfpädagogik am Dienstag, 26. Januar.
Der Vorhang für die "Compagnia teatro Dimitri" öffnet sich um 18 Uhr im Saal der Freien Waldorfschule in Bad Nauheim.HORST SCHÜSSLER, bis zu seiner Pensionierung im März 1992 dienstältester Redakteur der Frankfurter Rundschau, starb am Montag im Alter von 65 Jahren an den Folgen einer längeren schweren Krankheit. Als schreibender Fotograf und fotografierender Schreiber war er ein journalistisches Multi-Talent. Über vier Jahrzehnte berichtete er für die FR aus den früheren Landkreisen Friedberg und Büdingen, die 1972 zum Wetteraukreis verschmolzen. Horst Schüßlers Fotos über Elvis Presley in den sechziger Jahren wurden vielbeachtet. Der Rock- Star verbrachte damals seine Militärzeit in der US-Kaserne Friedberg und seine Freizeit in der Kurstadt Bad Nauheim. Schüßlers Alltag als FR-Journalist war in den fünfziger Jahren besonders strapaziös: Berichte und Fotos von Ereignissen in Oberhessen lieferte er noch per Fahrrad im Rundschauhaus in Frankfurt ab.
BERLIN, 19. Januar. Kritik an den Beschlüssen des Berliner Verfassungsgerichtshofs und des Landgerichts im Verfahren gegen den einstigen DDR-Staatschef Erich Honecker haben die Berliner Generalstaatsanwälte Christoph Schaefgen und Dieter Neumann geäußert. Das Verfassungsgericht habe eine eigene Tatsachenentscheidung getroffen, statt die Übereinstimmung von Gerichtsentscheidungen mit der Verfassung zu prüfen, sagte Schaefgen im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau; "dazu fehlte dem Gericht die Kompetenz."
Besonders monierte Schaefgen, daß der Verfassungsgerichtshof allein nach der Aktenlage entschieden, Honecker also überhaupt nicht zu Gesicht bekommen habe. Das Landgericht habe seine Entscheidung, das Verfahren weiterzuführen, aufgrund von Tatsachenfeststellungen in einer Hauptverhandlung getroffen gehabt, die "naturgemäß in den vom Verfassungsgericht herangezogenen Akten nicht enthalten waren". Schaefgen: "Deshalb hätte sich das Verfassungsgericht zurückhalten müssen."
Als "nicht nachvollziehbar" bezeichnete Neumann die Behauptung der Berliner Verfassungshüter, die Kammer habe offenbar nicht geprüft, ob das Grundrecht Honeckers auf Achtung seiner Menschenwürde verletzt werde. "In keinem anderen Prozeß in den letzten Jahren wurde die Frage der Menschenwürde so intensiv beachtet wie im Prozeß gegen Honecker." Man habe sich in den vergangenen Wochen fast allein um die Frage gekümmert, ob der Gesundheitszustand Honeckers das Verfahren weiterhin zulasse. Alle Überlegungen gingen davon aus: "Man kann nur gegen einen Menschen verhandeln, der das gesundheitlich erträgt." Man sei zum Schluß gekommen, daß Honecker es ertrage. Der 27. Strafkammer werfen die Generalstaatsanwälte vor, zu schnell über die Haftentlassung und die Einstellung des Verfahrens entschieden zu haben. Sie habe den vom Verfassungsgericht gelassenen "Spielraum nicht genutzt". Dann hätte sie das Verfahren endgültig und nach neuen Gutachten einstellen können. Nachdem inzwischen das Berliner Kammergericht der Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Einstellung stattgab, geht für Schaefgen und Neumann das Honecker- Verfahren weiter. Ohne den Angeklagten könne es auch nicht beendet werden. Man habe ihn noch kurz vor dem Abflug über die Entscheidung des Kammergerichts unterrichtet. Auf die Frage, ob die Staatsanwälte Honecker erneut auf der Anklagebank sehen wollen, gibt es die Auskunft: "Er befindet sich in Chile. Eine realistische Chance, ihn nach Berlin zu bekommen, haben wir nicht. Sollte sich sein Gesundheitszustand so stabilisieren, daß seine Lebenserwartung über die Berliner Annahmen weit hinausgeht, wird die Staatsanwaltschaft prüfen, ob man Honecker im Wege der Rechtshilfe wieder nach Berlin holen soll. Noch ist das rein spekulativ." Strafanzeige aus Bayern MÜNCHEN (AP). Acht bayerische CSU-Landtagsabgeordnete haben Strafanzeige gegen die Richter am Berliner Verfassungsgerichtshof erstattet, die sich für die Freilassung Erich Honeckers ausgesprochen hatten. Mit ihrer Entscheidung hätten sich die Juristen der Rechtsbeugung, Gefangenenbefreiung und Strafvereitelung verdächtig gemacht, heißt es in einem am Dienstag in München veröffentlichten Brief an die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Berlin. Honecker will kein Zeuge sein BERLIN (dpa). Erich Honecker ist offensichtlich nach wie vor nicht bereit, als Zeuge im Prozeß gegen seine ehemaligen Mitangeklagten auszusagen. Sein Verteidiger Wolfgang Ziegler sagte am Dienstag in Berlin, ihm lägen keine Erkenntnisse vor, wonach Honecker in Chile seine Ansicht geändert habe.
In Berliner Justizkreisen wird es für möglich gehalten, daß das Gericht zu einem späteren Zeitpunkt nach Chile fliegt, um Honecker dort zu vernehmen.
Kleine FR · Kleine FR
Ausländeramt zu WETTERAUKREIS. Das Ausländeramt des Wetteraukreises ist von Montag, 25. Januar, bis einschließlich Freitag, 29. Januar, geschlossen. In dieser Zeit sollen Rückstände aufgearbeitet und dringend notwendige Archivarbeiten erledigt werden, teilt Landrat Rolf Gnadl mit. Er begründet diese Maßnahme mit der "schwierigen Personalsituation und dem stark angestiegenen Arbeitsaufkommen".
Selbstverteidigung für Frauen
BUTZBACH. Ein Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungswochenende bietet die Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt in Butzbach "sportlichen und unsportlichen Müttern mit ihren Töchtern (12 bis 16 Jahre)" an. Es findet am Samstag, 6. März, von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag, 7. März, von 10 bis 16 Uhr statt. Die Gebühr beträgt 100 Mark für Mutter und Tochter. Anmeldungen werden bis zum 22. Januar unter Tel. 0 60 33 / 61 50 entgegengenommen. Kursus in Erster Hilfe BAD NAUHEIM. Einen Kursus in Erster Hilfe bietet die Johanniter-Unfall- Hilfe am Wochenende 30./31. Januar jeweils von 9 bis 17 Uhr an. Dieser Lehrgang gilt für alle Führerscheinklassen, Betriebshelfer, Trainerscheine, Boots- und Segelscheine. Anmeldungen nehmen die Johanniter unter Tel. 0 60 32 / 3 19 16 entgegen. Ausschüsse beraten über Fenster WETTERAUKREIS. Welche Fenster künftig in kreiseigenen Gebäuden verwendet werden sollen, darüber lassen sich der Haupt- und Finanzausschuß, der Umweltausschuß, der Kulturausschuß und der Ausschuß für Kreisentwicklung des Kreistages in einer gemeinsamen Sitzung am Montag, 25. Januar, um 16 Uhr im Plenarsaal des Kreishauses informieren. Eingeladen sind Referenten verschiedener Firmen. Yoga-Kursus für Kinder . . . ALTENSTADT. Einen Yoga-Kursus für sechs- bis zehnjährige Kinder bietet der VfL Altenstadt zusammen mit der Praxis für Gesundheitsberatung an. Die erste Übungsstunde ist am 1. Februar von 15 bis 16 Uhr in der Turnhalle der Grundschule. Der Lehrgang endet am 15. März. Anmeldungen nimmt die Praxis für Gesundheitsberatung, Tel. 0 60 47 / 20 32, entgegen.. . . und Erwachsene BUTZBACH. Ein zusätzlich ins Programm der Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt in der Johann-Sebastian- Bach-Straße aufgenommener Yoga-Kursus beginnt am Donnerstag, 21. Januar, um 20.45 Uhr. Er wird von Traude Karl aus Hoch-Weisel geleitet und umfaßt zehn Abende mit jeweils eineinhalb Stunden. Anmeldung unter Tel. 0 60 33 / 61 50. Muskeltraining für Frauen BUTZBACH. In dem Kurs "Isometrisches Muskeltraining zur Osteoporose- Vorsorge für Frauen", der am Donnerstag, 21. Januar, um 17 Uhr im Sozialzentrum der Arbeiterwohlfahrt in der Johann-Sebastian-Bach-Straße beginnt, sind noch Plätze frei. Anmeldung und nähere Information unter Tel. 0 60 33 / 61 50. SPD Rockenberg tagt
ROCKENBERG. Über die Situation der Kommunalpolitik seit der Wiedervereinigung spricht Ex-Landrat Herbert Rüfer (SPD) während der Jahreshauptversammlung des SPD-Ortsvereins Rockenberg/Oppershofen am Freitag, 22. Januar, um 19.30 Uhr im Gasthaus "Marienschloß", Klostergasse 18. Außerdem spricht der Spitzenkandidat der Rockenberger Sozialdemokraten, Peter Friis.
Auch der Turngau Kinzig kommt langsam wieder in die Gänge. Am Samstag, 23. Januar treffen sich der Vorstand und die Vereinsvertreter im Bürgerhaus Lieblos zur Frühjahrstagung. Auf dem Programm steht die Besprechung der 1993 anstehenden Veranstaltungen innerhalb des Turngaus sowie Informationen über das Landesturnfest, das vom 27. bis 31. Mai in Hanau stattfindet. ih
BAD HOMBURG. Um Gerhard Steuding (Bad Homburg) hat sich der Vorstand der UBiT (Unabhängige Bürger im Taunus) erweitert. Nachdem die Mitglieder der FHW (Freie Homburger Wähler) den Kaufmann für den Vorstand der UBiT vorgeschlagen hatten, folgte die Mitgliederversammlung der neuen Wählergemeinschaft auf Kreisebene am Montag abend diesem Wunsch.
UBiT-Sprecher Robert Rohr sagte, man sei dem Vorschlag gerne gefolgt, da er den Informationsfluß zwischen den beiden Gruppierungen unterstütze. Steuding kandidiert auf Platz sieben der FHW- Liste fürs Stadtparlament. tom
Laufen die Dinge nicht so, wie er es gern hätte, dann wird Helmut Kohl unwirsch, nervös, und er neigt dazu, sich in seinen Sätzen zu verheddern. Am Dienstagmittag war es wieder so weit. Kohl präsentierte seine neuen Minister - und nichts war so gelaufen, wie er es sich vorgestellt hatte. Vor Jahresfrist noch hatte er eine "große Kabinettsreform" angekündigt und zur Halbzeit eine Mann- und Frauschaft, die das christlich-liberale Bündnis erfolgreich ins Wahljahr 1994 führen sollte.
Halbzeit ist nun, aber von dem großen Wurf ist keine Rede mehr. Tapfer versicherte Kohl zwar: "Das ist eine Regierungsumbildung und eine Straffung des Kabinetts." Aber der Kanzler mußte schon die vergangenen zwölf Monate bemühen, um wenigstens den Eindruck einer Regierungsumbildung zu produzieren. Weil das, was er am Dienstag präsentierte, wohl in seinen eigenen Augen nicht so überzeugend ist, rechnete er dieser Regierungsumbildung gleich die Ministerwechsel des Jahres 1992 zu. Das sollte die Sache imponierender machen.
Tatsächlich hatten die entscheidenden Wechsel schon im vergangenen Jahr stattgefunden. Schritt für Schritt und ohne eine erkennbare aktive Beteiligung Helmut Kohls. Erst stolperte Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg über dubiose Waffenlieferungen und beförderte den forschen Volker Rühe aus der CDU-Zentrale an die Spitze der Bundeswehr. Dann verabschiedete sich Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt (CSU) wegen erwiesener Unfähigkeit und machte ihrem Parteifreund Horst Seehofer Platz.
Im April brach mit Hans Dietrich Genscher dann ein Eckpfeiler der Koalition weg. Der peinliche Tanz der FDP um seine Nachfolge offenbarte nicht nur, wie verwirrt Genscher seine Partei zurückließ. Sondern auch, daß Helmut Kohl keinen Einfluß auf die zentralen Ministerien seiner Regierung hat. Hilflos mußte er zuschauen, wie die Freidemokraten sich um die Ministerien balgten. Justizminister Klaus Kinkel wechselte als Überraschungssieger ins Außenressort. Die unbekannte Sabine Leuttheusser-Schnarrenberger durfte ins Justizministerium- Von Martin Winter (Bonn) einziehen. Und Kohl durfte das alles nur noch absegnen.
Seit damals herrscht unterdrückte Wut in der Unionsfraktion über den Koalitionspartner. So wollte man sich nicht noch einmal "vorführen lassen". Die von Kohl immer wieder geheimnisvoll angekündigte große Kabinettsreform wuchs sich in manchen Köpfen zum großen Befreiungsschlag aus, zur Erneuerung und Verjüngung. Doch diejenigen in Fraktion und Kanzleramt, die sich ihren kühlen Kopf nicht von Wunschträumen vernebeln ließen, wußten schon im Herbst, daß aus der großen Kabinettsreform mangels Masse nichts mehr werden konnte.
Aber Kohl spielte weiter mit der Regierungsumbildung. Zum einen festigte er damit seinen Ruf, in Personaldingen "unberechenbar" und für eine positive Überraschung gut zu sein. An den Realitäten der Politik verzagenden Abgeordneten bewahrte er so die Hoffnung auf bessere Zeiten. Die, die in der Fraktion mit den Füßen scharrten, hielt er auf der anderen Seite im Zaum. "Solange eine Regierungsumbildung angekündigt ist, traut sich doch keiner gegen Kohls Politik vor. Jeder hofft doch, selber etwas zu werden." So klagte schon im Herbst ein junger CDU-Abgeordneter.
Was nun herausgekommen ist, "verdient" nach Meinung eines langjährigen Beobachters Bonner Personalien den Namen Regierungsumbildung nicht. "Ersatz wäre da das angemessenere Wort." In der Tat hatte Kohl zu guter Letzt kaum noch Spielraum. Nur die Ablösung von Technologieminister Heinz Riesenhuber durch den Wirtschaftssprecher der Fraktion, Matthias Wissmann, und die Verringerung der Posten der Parlamentarischen Staatssekretäre waren eigene Entscheidungen Kohls.
Die drei anderen Ministerien mußte der Kanzler neu besetzen, weil ihm die alten Amtsinhaber auf die eine oder andere Weise abhanden gekommen waren. Postminister Christian Schwarz-Schilling, zehn Jahre lang ein stiller und angepaßter Gefolgsmann Kohls, merkte plötzlich, daß im Kabinett weder diskutiert noch politisch entschieden wurde. Mit einem großen Knall verließ er die Runde. Der Freidemokrat und Wirtschaftsminister Jürgen W. Möllemann stürzte über Vetternwirtschaft. Und Landwirtschaftsminister Ignaz Kiechle von der CSU wollte eh aufhören.
Gestaltungsspielraum gewann Kohl dadurch aber nicht. Als Wirtschaftsminister "wählte" die FDP den Berliner Treuhandvorstand Günter Rexrodt, der dem Kanzler dann auch gleich in peinlicher Weise klar machte, daß er diese Wahl nur noch zu bestätigen habe. Um wenigstens sein Gesicht zu wahren, schickte Kohl dem FDP-Vorsitzenden Otto Graf Lambsdorff einen groben Brief. Folgen hatte das nicht. Alternativlos war Kohl auch bei der Berufung des Landesgruppenvorsitzenden der CSU, Wolfgang Bötsch. Der drängt schon seit Jahren in die Regierung. "Einmal Minister sein, egal für was", ist ein Spott, der selbst in seiner eigenen Partei über ihn umgeht. Nun wird er eben Postminister, weil die CSU für den zurückgetretenen Ignaz Kiechle entschädigt werden mußte.
Ob Kohl seiner Partei einen Gefallen getan hat, als er im Tausch gegen das Postministerium von der CSU das Landwirtschaftsressort für den Christdemokraten Jochen Borchert übernahm, muß sich noch herausstellen. Lorbeeren oder gar Profil kann seine Partei mit dem neuen Posten kaum gewinnen. Die jüngsten, lautstarken Proteste der Bauern in Bonn haben der CDU plastisch vor Augen geführt, daß es den Bauern eigentlich nie recht zu machen ist, zumal dann nicht, wenn man sich wie Kohl so eindeutig auf die europäische Integration festgelegt hat. Borchert, haushaltspolitischer Sprecher seiner Fraktion, Landwirt und schon zum vierten Mal im Bundestag, geht einen schweren Gang.
Von einer Verjüngung des Kabinetts, über die Kohl gelegentlich Andeutungen gemacht hat, kann auch keine Rede mehr sein. Bötsch, Borchert und Rexrodt liegen mehr oder minder deutlich über fünfzig. An Lebensjahren gezählt dürfte nur Wissmann mit 43 Jahren zu den Jüngeren zählen. Seine politische Biographie allerdings weist ihn als ganz alten Hasen aus. Vor genau zwanzig Jahren zum Bundesvorsitzenden der Jungen Union gewählt, machte er eine gerade und steile Karriere in der CDU. Schon zum fünften Mal wurde er in den Bundestag gewählt und seit zehn Jahren ist er wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Kein neues Gesicht also.
Auch die Operation "schlanke Regierung" hat kaum etwas gebracht. Gerade mal sieben der 33 Parlamentarischen Staatssekretäre wurden gestrichen. Was Kohl als "Politik der sparsamen Haushaltsführung" verkauft, ist genau besehen ein minimaler Einschnitt: Kohl hat die Zahl der Parlamentarischen Staatssekretäre nur wieder dahin gebracht, wo sie vor zwei Jahren waren. Aus der "Reform" des Kabinetts ist auch nichts geworden. Mit der denkwürdigen Begründung, die Minister seien schon jetzt terminlich so belastet, daß eine Umstrukturierung von Kompetenzen "nichts bringt", legte Kohl die Reform ad acta.
Väterlich mahnte der Kanzler auf die bohrenden Fragen der Journalisten nach der Qualifikation der Neuen, denen doch erst mal eine Chance zu geben. Selbst für Rexrodt, der sich schon bei seinem ersten Presseauftritt blamiert hatte, fand Kohl Verständnis. Daß man sich mal verspreche, "das passiert mir doch auch dauernd", gestand er. Etwa an diesem Mittwoch: Stoltenberg habe 1992 Rühe abgelöst, verkündete Kohl den verblüfften Journalisten und korrigierte sich erst auf Zuruf. Als ihm das gleiche Mißgeschick wenige Minuten später erneut unterlief, da mochte keiner im Raum mehr an Zufall glauben. Auf dem Weg aus dem Kanzleramt brüteten die ersten Journalisten bereits darüber, ob Kohl seinen Rühe wohl nicht mehr mag.
Firmen-Telegramm
Telenorma schließt Werk Landstuhl Die zu Bosch gehörende Telenorma- Gruppe macht ihr Werk im pfälzischen Landstuhl Ende September dicht. Betroffen davon sind dort 240 Beschäftigte, darunter 150 in der Leiterplattenfertigung. Der geplante Verkauf letzterer Sparte, so Telenorma, konnte "nicht erfolgreich abgeschlossen werden". Der Leiterplattenmarkt sei geprägt von weltweiten Überkapazitäten und Preisverfall. Walther winkt mit höherer Dividende Der Börsenneuling Möbel Walther aus Gründau verspricht seinen Aktionären wegen der 1992 erzielten Gewinnsteigerungen eine höhere Dividende. Für 1991 waren elf Mark auf Stammaktien und zwölf Mark auf Vorzüge gezahlt worden. Brüssel prüft Pakt von Philips/Thomson Die EG-Wettbewerbshüter wollen ein Gemeinschaftsunternehmen der Elektronikkonzerne Philips (Niederlande) und Thomson (Frankreich) detailliert prüfen. Der geplante Pakt der Firmen in der digitalen Anzeigentechnik mit Flüssigkristallen soll auf abgestimmte Verhaltensweisen und mögliche Marktabsprachen hin unter die Lupe genommen werden.
"Unsere Teile finden Sie in fast jedem Auto", sagt stolz der Manager des Zuliefer-Unternehmens, das es mit seiner "Firmenpolitik" nicht vereinbaren kann, den Namen in der Zeitung zu lesen. "Für jedes Auto, das jetzt nicht gebaut wird, fehlt uns die Nachfrage." Weil derzeit viele nicht gebaut werden, kommt jetzt der Frankfurter Betrieb in Nöte. Anfang Januar schickte man die Belegschaft erst einmal eine Woche lang in den Urlaub.
So wie dieses Unternehmen bekommen auch andere Frankfurter Betriebe die Krise in der weiten Welt heftig zu spüren. Personalchef Jochen Kamenick mußte der Belegschaft des Werkzeugherstellers Günther & Co. kurz vor Weihnachten erklären, daß ihre Präzisionsbohrer und -fräser derzeit keinen Absatz finden.
120 der 650 Mann und Frau starken Belegschaft sollen im Lauf des Jahres gehen. "Wenn wir nicht jetzt umstrukturieren, wann dann?" fragt Kamenick. Schließlich wolle das Unternehmen gerüstet sein, wenn 1994, wie erhofft, die Konjunktur anspringt.
Während IG-Metall-Bevollmächtigter Bierbaum fast schon jeden fünften Arbeitsplatz im Maschinenbau und bei den Autozulieferern wackeln sieht, stehen die meisten Finanz- und Dienstleistungsunternehmen in Frankfurt vergleichsweise proper da.
Für Ulrich Geißler, den persönlichen Referent des Oberbürgermeisters von Schoeler, wird damit augenfällig, daß sich die These einer "gefährlichen Monostruktur" in Frankfurt nicht bestätigt hat. Die Dienstleistungsunternehmen seien so vielfältig und differenziert, daß sie gar nicht unter einen Hut paßten. "Was haben denn ein hochspezialisiertes Ingenieurunternehmen und Gebäudereiniger miteinander zu tun?" fragt auch Johann Birner von der Industrie- und Handelskammer.
Gleichwohl gebe die Entwicklung Anlaß zur Hoffnung, daß Frankfurt im Vergleich zu anderen Wirtschaftsregionen noch am besten durch die Krise komme, sagt Geißler. Dazu müsse die Stadt aber ihre "Lebensadern" - sprich: Flughafen, Messe und Börse - weiter kräftigen und pflegen. luf
Wer in die Berge unterwegs ist, sollte in dieser Jahreszeit nach einem Rat des ADAC stets mit Winterreifen fahren und vorsorglich Schneeketten mitnehmen. Selbst auf so gut ausgebauten Strecken wie dem Brenner, der Tauern-Autobahn oder der Gotthard-Route können plötzlich einsetzende starke Schneefälle das Fahren erheblich erschweren. Wer dann mit einem nicht wintertauglichen Auto unterwegs ist, gefährdet nicht nur sich und andere, sondern riskiert auch, daß er stekkenbleibt und sein gewünschtes Fahrziel nicht rechtzeitig erreicht. Wer mit dem Auto zum Skifahren in die Berge fährt, und sei es auch nur für einen kurzen Tagesausflug, sollte auf jeden Fall mit Winterausrüstung unterwegs sein. Bei einem Wetterumschwung kommt der Winterdienst vor allem auf Nebenstrecken mit dem Räumen der Fahrbahn oft nicht nach. FR
MÖRFELDEN-WALLDORF. Ein Vierteljahr noch, dann strahlt der Waldenserhof wieder in altem Glanz. Voraussichtlich im April diesen Jahres soll die Walldorfer Traditionsgaststätte fertig sein. Momentan werden Trockenbau-Arbeiten an der Fassade gemacht. Aber auch drinnen wird gewerkelt: Heizung und Sanitär ist zu richten, die Klempner kommen jetzt ebenso zum Zug wie Schreiner und Fliesenleger.
Billig war der Spaß nicht, das unter Denkmalschutz stehende Gebäude, das Anfang des 19. Jahrhunderts als Wohnhaus errichtet und später zum Wirtshaus umgemodelt wurde, von Grund auf zu sanieren. 3,28 Millionen Mark stehen seit Februar vergangenen Jahres als geschätzte Kosten auf dem Papier. Doch immerhin erwies sich die Rechnung als stabil. "Nach dem Vergabestand wird sie nicht überschritten", sagt Inge Auer von der Stadtverwaltung. Dort sieht man sich derzeit nach einem Pächter für die neue, alte Kneipe um. Es gebe sechs Bewerbungen, und es seien bereits umfangreiche Gespräche geführt worden, berichtet Auer. Sie geht davon aus, daß die Bewerber sich - wie es auch beim Alten Rathaus am Mörfelder Dalles gehandhabt wurde - im Magistrat vorstellen werden. Dessen Mitglieder haben dann die Qual der Wahl, müssen sich entscheiden, wem sie am ehesten zutrauen, das traditionsreiche Lokal mit neuem Leben zu erfüllen.
Derweil wird schon das nächste Bauprojekt angepeilt. Auch der Saalbau des Waldenserhofes bedarf einer gründlichen Sanierung. Ging Bürgermeister Bernhard Brehl in ersten Schätzungen von einer runden Million Mark Kosten aus, mußte nach detaillierter Planung kräftig nachgelegt werden. 2,5 Millionen Mark sind veranschlagt, um den Saalbau wieder auf Vordermann zu bringen. Dafür soll das Dach saniert, die veraltete Haustechnik modernisiert und das Gebäude nach heutigem Standard isoliert werden. Gleichzeitig soll zugunsten des Pool-Billard- Clubs aufgestockt werden.
Die entsprechende Magistratsvorlage passierte im November vergangenen Jahres das Parlament, die Pläne stecken im Baugenehmigungsverfahren. Sobald der Bescheid da ist, soll es losgehen. Drei Bauabschnitte hat die Stadt bis 1994 vorgesehen.
Phase eins umfaßt die Arbeiten an der Südfassade sowie Aufstockung und Anbau. Im zweiten Abschnitt sollen Dach, Fenster, Türen und die Wärmedämmung angepackt werden, bevor in der dritten und letzten Bauphase, wo auch eine Innenrenovierung vorgesehen ist, die Haustechnik auf den neuesten Stand gebracht wird. wal
"Die Forderung", sagte Claudia Wallner vom Münsteraner Institut für soziale Arbeit, "ist ganz einfach. Mädchen wollen, was ihnen zusteht: die Hälfte von allem." Die Realität sieht anders aus, auch in der Jugendpolitik. Die, so die übereinstimmenden Erfahrungen von Mitarbeiterinnen Frankfurter Mädchenprojekten, fördert noch immer vorrangig die Interessen männlicher Jugendlicher zum Nachteil von Mädchen und junge Frauen, die mit ihren Problemen meist "weniger auffällig" sind.
Zu einer Diskussion über die "Mädchenpolitik in Frankfurt" hatten die Grünen im Römer geladen: Ein Forum auch für Expertinnen, um Ansprüche zu formulieren. Die sind nicht gering: Nach Ansicht von Claudia Wallner müssen sowohl kommunale wie freie Träger von Jugendhilfe- Einrichtungen überprüfen, ob sie auch den Mädchen des Stadtteils geschlechtsspezifische Angebote machen. "Weg von den Männerklitschen": Dieses Ziel zu erreichen, gebe das neue Kinder- und Jugendhilfegesetz den Kommunen die rechtliche Handhabe, in die "Trägerautonomie" einzugreifen und so gegebenenfalls auf programmatische Änderungen in den Einrichtungen freier Träger zu drängen.
Lene Schiermeister-Dill von der Arbeitsgruppe "Mädchenpolitik in Frankfurt" verwies auf bestehende Einrichtungen wie das Mädchentreff im Gallus und die Mädchenetage im Jugendzentrum Bockenheim.
Diese Errungenschaft sei der privaten Initiative einzelner Frauen zu verdanken. Um die Arbeit in diesen Häusern aber finanziell und personell abzusichern, sei eine strukturelle Verankerung von Mädchenpolitik notwendig. Zudem fehlten betreute Wohngruppen für Mädchen und junge Frauen insbesondere aus muslimischen Kulturkreisen.
Denn gerade dort lebten junge Frauen in einem immerwährenden konfliktträchtigen Spannungsfeld zwischen Schule und Elternhaus, berichtete Nevil Gültekin, die in Bornheim die Zufluchtsstätte leitet.
Den mädchenpolitischen Standpunkt ihrer Partei machte die Grüne Martina Schmiedhofer deutlich: Die Grünen setzten sich für die gleichrangige För- derung von Mädchen und Jungen ein. So forderten sie die Einrichtung von Mädchenräumen in allen Jugendhäusern. sar
BAD HOMBURG. Die "Naturfreunde" treffen sich am Sonntag, 24. Januar, um 14 Uhr zur Mitgliederversammlung im "Homburger Haus" am Sandplacken. Die Mitglieder sollen dazu ihre Bilder für den Fotowettbewerb 1992 mitbringen.
OBERURSEL. Mit Beginn des Winterfahrplans 1993/94 wird in Oberursel die "City-Karte" eingeführt. Damit gibt es im gesamten Stadtgebiet einen einheitlichen Fahrschein für Busse und Bahnen. Die neue Tarif-Kooperation mit dem Frankfurter Verkehrsverbund (FVV) wird die Stadt in diesem Jahr etwa 180 000 Mark kosten. Geprüft wird nun, ob sich mit Einführung der Karte der Linienplan und die Fahrzeiten der Stadtbusse verbessern lassen.
"Wir glauben, daß die City-Karte eine positive Sache für die Bürger ist", sagte Erster Stadtrat Eberhard Häfner bei der Vorstellung des Konzepts. Den Finanzausschuß und den Bauausschuß hat das Papier bereits mit großer Mehrheit passiert, am Donnerstag, 28. Januar, werden die Stadtverordneten darüber abstimmen. Bislang kam nur aus Reihen der FDP Widerstand, die sich in den Ausschüssen der Stimme enthielt.
Häfner und Bürgermeister Thomas Schadow hoffen, daß die Vereinfachung von drei Tickets (FVV, Stadtwerke Oberursel und Verkehrsgesellschaft Untermain) auf eines mehr Leute in Busse und Bahnen locken wird. In den mehr als einjährigen Verhandlungen mit dem FVV hatte die Stadt durchgesetzt, daß sie nur das Stadtgebiet und nicht die gesamte Tarifzone grün des FVV "einkaufen" mußte, die 67 Mark im Monat gekostet hätte. "Für Stadtbusbenutzer wird das Fahren etwas teurer, weil die Sechser- Karten wegfallen", räumt Häfner ein, "doch U-Bahn-Fahrer zahlen für die Monatskarte jetzt über 20 Mark weniger."
Teurer wird's auch für die Busbenutzer zwischen Bad Homburg und Oberursel, die nun ein Ticket für die grüne Zone lösen müssen. Zudem wird die City-Karte bereits ab 1. 1. 1994 teurer, weil der FVV seine Fahrpreise erhöht. Dann wären die City-Karte plus die gelbe FahrBunt-Karte des FVV für das Frankfurter Stadtgebiet viel billiger als die gelb-grüne FahrBunt- Karte, und Oberursel müßte die Differenz an den FVV zahlen.
Aber auch so muß die Stadt zunächst mal kräftig zahlen: 70 000 Mark bekommt der FVV 1993 als Ausgleichszahlungen für die niedrigeren Fahrpreise bei U- und S-Bahn, 1994 werden es (dank der teureren City-Karte) noch 50 000 Mark sein. Und dabei zahlt das Land Hessen freiwillig noch einmal denselben Betrag an den FVV. Dazu kommen 100 000 Mark für neue Schaukästen und für einen neuen Fahrscheinautomaten an der Haltestelle Holzweg. Die neuen Fahrscheine können künftig bei den Busfahrern oder an den FVV-Automaten mittels der bisherigen "Kurzstrecken"-Taste gekauft werden. Monatskarten wird es nur an den Vorverkaufsstellen geben. Aufgrund der bisherigen Benutzerzahlen schätzt Stadtwerke- Direktor Jürgen Funke, daß pro Monat etwa 1000 Erwachsene und 400 Kinder das Angebot nutzen werden.
Demnächst will sich die Stadt nun überlegen, wie der Linienplan verbessert werden und ob für den Stadtbus ein 20- Minuten-Takt eingeführt werden kann. Gedacht wird auch an eine Busspur auf der Frankfurter Landstraße sowie an Vergünstigungen für ältere und finanziell schwächere Bürger. Häfner sieht das neue Ticket als bewußten Vorgriff auf den 1995 anvisierten Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Zwar sei noch unklar, ob es im Rahmen des RMV weiterhin Stadttarife geben werde, doch "wenn wir den Stadttarif jetzt einführen, wird es leichter sein, ihn zu behalten". esi
Wie Kindern und Müttern in Bosnien- Herzegowina auch vom Sport geholfen werden kann, darüber wird Nasija Olma von der dortigen Kultur- und Sportgemeinschaft am kommenden Mittwoch, 27. Januar (19.30 Uhr), im Bürgerhaus Südbahnhof (Diesterwegplatz) berichten. Veranstalter ist die dem Sportkreis Frankfurt angeschlossene "Arbeitsgemeinschaft Frankfurter Frauenverbände". "Über eine rege Beteiligung würde sich der Sportkreisvorstand freuen", appelliert Sportkreis-Frauenwartin Martha Gumbrecht an die Frankfurter Turn- und Sportvereine, auf die Veranstaltung hinzuweisen. dixi/03
HANAU. Zweck der Stiftung "Althanauer Hospital" ist es, Altenwohnungen zu errichten und zu unterhalten. Im Kiefernweg und in der Keplerstraße entstanden in den 60er Jahren insgesamt 127 Wohnungen für rund 170 Menschen - ohne Rücksicht auf ihre Konfession.
Die Tradition des Althanauer Hospitals ist evangelisch. Vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg hatte die selbstlos tätige Stiftung in der Hospitalstraße ihr Domizil mit Kirche.
Die mehr als 600jährige Geschichte der Stiftung wäre 1960 beinahe zu Ende gewesen, weil die Altenwohnungen in der Hospitalstraße zerstört, der Stiftungszweck so nicht mehr zu erfüllen war und der Hospitalrat für Auflösung plädierte. Später stellte dieser aber fest, daß sich durch die gestiegenen Preise der Verkaufswert der eigenen Grundstücke im neu ausgewiesenen Bau- und Industriegebiet auf 1,3 Millionen Mark erhöht hatte. 1963 folgte daher der Beschluß, die Stiftung weiterzuführen.
Der Hospitalrat besteht aus dem jeweiligen Hanauer Oberbürgermeister als Vorsitzenden, aus dem Bürgermeister und dem Sozialdezernenten der Stadt sowie jeweils einem Vertreter der evangelischen Marien- und Johanneskirchengemeinde. him
Freiwillige Feuerwehr Heddernheim: Jahreshauptversammlung am Sonntag, 24. Januar, um 10 Uhr, im Gerätehaus (Dillgasse 8). Eingeladen sind auch Mitglieder der Ehren- und Altersabteilung sowie die Feuerwehrjugend. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die Wahl eines Jugendfeuerwehrwartes. nd/03
WIESBADEN. Beamte der Kriminalwache City haben in den frühen Morgenstunden des vergangenen Freitag in der Coulinstraße zwei Männer im Alter von 19 Jahren festgenommen. Das Duo steht unter dem Verdacht, zusammen mit vier weiteren Tätern im Alter von 15 bis 22 Jahren mehr als 30 Einbrüche in Wohnungen, Geschäfte, Kindertagesstätten und Personenwagen begangen zu haben. Der Haftrichter hat inzwischen gegen die zwei 19jährigen Haftbefehl erlassen.
Bei der Kontrolle in der Coulinstraße hatte einer der beiden Männer versucht zu flüchten. Die Beamten stellten den Mann aber wenig später und nahmen ihn fest. Bei der Durchsuchung fand die Polizei zwei Schraubenzieher, eine Taschenlampe und einen Fotoapparat, den die beiden mutmaßlichen Täter unter einem Auto versteckt hatten.
Auf der Wache legte einer der beiden ein umfangreiches Geständnis über zahlreiche Einbrüche ab. Ermittlungen führten die Beamten schließlich zu vier Männern, die an den Straftaten beteiligt gewesen sein sollen.
Nach Angaben eines Sprechers der Polizei sind alle sechs Männer bereits einschlägig bekannt. schu
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Wanderung entlang der Nidda NEU-ISENBURG. 14 Kilometer durch den Bad Vilbeler Wald entlang der Nidda führt eine Wanderung des TuS Zeppelinheim. Treffpunkte: am Sonntag, 24. Januar, 9.30 Uhr Zeppelinheimer Sportplatz, 10.30 Uhr Stadthalle Bergen-Enkheim. Basar für Kommunionkleidung NEU-ISENBURG. Einen Basar für Kommunionkleidung und "Zubehör" veranstaltet die Pfarrgemeinde Sankt Josef am Sonntag, 24. Januar, 11.30 Uhr bis 16 Uhr, im Gemeindezentrum, Kirchstraße 18. Anmeldung für Verkäufer: Tel. 3 69 30. Am Sonntag wird gewandert DREIEICH / LANGEN. Die Naturfreunde Dreieichenhain wandern am Sonntag, 24. Januar, 10 Uhr, von ihrem Heim zum Naturfreundehaus Langen. Wer sich der Kolpingfamilie der Langener Gemeinde St. Albertus Magnus anschließen will, kommt um 10 Uhr zum Jahnplatz: Sie wandert durch den Koberstädter Wald zur Bulau und durch Offenthal wieder zurück. Anmeldung: Tel. 2 36 01. CDU-Frühschoppen in Buchschlag DREIEICH. Um die Zukunft von Buchschlag soll es beim Frühschoppen der CDU "Dialog mit unseren Mitbürgern" am Sonntag, 24. Januar, 11 Uhr, in der Keglerstube im Bürgersaal gehen.
KRIFTEL. Die Grünen Kriftel wählen ihre Kandidatinnen und Kandidaten für die Kommunalwahl am 7. März am kommenden Dienstag, 26. Januar, um 20 Uhr in der Pizzeria "Zum Hirsch" in Kriftel.
Eingeladen sind "Freunde und Mitglieder der Grünen Kriftel"; über die Kandidatenliste dürfen allerdings nur die Mitglieder entscheiden. "Es ist sehr wichtig, daß ihr alle kommt", appelliert Grünen- Vertreter Stefan Heil in einer Pressemitteilung an die Basis. md
HIRZENHAIN. Das Brauchwasser im künftigen Verwaltungsgebäude und den beiden Sozialwohnungen soll durch Solarenergie erwärmt werden. Seitens des Landes wurde dafür jetzt laut Rathausmitteilung ein knapp 30prozentiger Zuschuß in Höhe von 15 600 Mark gewährt.
Das Land fördert den Einsatz umweltfreundlicher und energiesparender Technik bei öffentlichen und privaten Projekten. Private Bauherren können sich beim Umweltministerium (Tel. 06 11 / 81 50) informieren. mk
BONN, 19. Januar. Dem Kabinett von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) gehören ab Freitag vier neue Minister an. Die am Dienstag von Kohl bekanntgegebene, lange erwartete Regierungsumbildung sieht außer der Neubesetzung der Ministerien für Wirtschaft, Landwirtschaft, Forschung und Post die Entlassung von sieben der 33 Parlamentarischen Staatssekretäre vor. Die neuen Minister werden am Freitag vereidigt.
Das Forschungsministerium übernimmt der CDU-Wirtschaftsexperte Matthias Wissmann. Heinz Riesenhuber (CDU) scheidet nach zehn Jahren an der Spitze des Ressorts aus. Der bisherige Treuhandvorstand Günter Rexrodt (FDP) übernimmt das Wirtschaftsministerium von Jürgen Möllemann (FDP), der Anfang des Monats wegen des Vorwurfs der Vetternwirtschaft seinen Rücktritt erklärt hatte. Der CDU-Politiker Jochen Borchert folgt Ignaz Kiechle (CSU) als Landwirtschaftsminister. CSU-Landesgruppenchef Wolfgang Bötsch wird neuer Minister für Post und Telekommunikation. Er übernimmt das Amt von Christian Schwarz-Schilling (CDU), der seinen Rücktritt im Dezember mit Untätigkeit der Bundesregierung im ehemaligen Jugoslawien begründet hatte.
Die Ministerien für Justiz, Ernährung, Landwirtschaft, wirtschaftliche Zusammenarbeit, Verkehr, Umwelt, Bau und Bildung haben künftig nur noch einen Parlamentarischen Staatssekretär. Bisher hatten sie zwei solcher Posten. Kohl bezeichnete diese Einsparung als ein Zeichen für eine sparsame Haushaltsführung. Er werde im Laufe des Jahres zusätzlich die Stellen von zwei beamteten Staatssekretären einsparen.
Von den Ministern, die Kohl bei seiner Regierungsübernahme im Herbst 1982 ins Kabinett berief, ist jetzt nur noch Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) im Amt. Kohl würdigte vor Journalisten die Verdienste der Minister Riesenhuber und Kiechle, die nach zehn Jahren ausscheiden. Die Neubesetzung des Forschungsministeriums mit dem 43jährigen Wissmannn begründete der Kanzler mit der angestrebten Kabinettsverjüngung.
(Kommentar S. 3, Berichte S. 3 u. 4)
rb/doe FRANKFURT A. M. Die Bundesregierung erntet mit ihrer Streichliste harsche Kritik der betroffenen Verbände. Im Mittelpunkt der Attacken stehen die Kürzungen der Leistungen für Erwerbslose, die geplante Abschaffung der Arbeitnehmer-Sparzulage sowie die Erhöhung der Versicherungssteuer.
Als "schlicht und ergreifend unanständig" bezeichnet IG-Metall-Vorsitzender Franz Steinkühler die Absicht, bei Arbeitslosengeld und -hilfe zu kürzen. Die Opfer der falschen Wirtschaftspolitik würden jetzt gezwungen, diese Politik auch noch zu finanzieren.
Die Einschnitte beim Unterhaltsgeld für Umschüler stellen "eine Bestrafung für Bildungswillige" dar, betont der zuständige DGB-Experte Wilhelm Adamy im Gespräch mit der FR. Der Anreiz zur Qualifizierung falle dadurch weg. Die von Arbeitsminister Norbert Blüm zugesagte Einsparung bei der Nürnberger Bundesanstalt durch stärkere Bekämpfung von Leistungsmißbrauch und Schwarzarbeit finde die Unterstützung der Gewerkschaften, doch seien dazu vor allem mehr Stellen in den Arbeitsämtern nötig. Die Bundesanstalt habe vor kurzem zusätzlich 180 Kräfte für diese Aufgaben gefordert, was Bonn jedoch ablehnte.
Die Arbeitnehmer-Sparzulage ("936- Mark-Gesetz") sollte nach Ansicht der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) "aus gesellschaftlichen Gründen zumindest für Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern beibehalten werden". Für die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP) würde durch den Wegfall "die Vermögensbildung ihren Sinn verlieren". Angesichts "laufender Tarifverträge und vielzähliger Mitarbeiterbeteiligungsmodelle" sollte zumindest an eine Übergangsregelung gedacht werden. Mittels eines Investivlohngesetzes könne die Spar- in eine Investitionsförderung umgestaltet werden.
Über eine "Sonder-Bestrafung" für seine Klientel klagt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die von Finanzminister Theo Waigel geplante zweistufige Erhöhung der Steuer auf Schaden- und Unfallschutzpolicen von derzeit zehn auf zwölf (von Juli an) und dann 1995 auf 15 Prozent sei "ungerecht", "sozialpolitisch falsch" und eine "Sünde wider den Geist des EG-Binnenmarktes", sagt GDV-Präsident Georg Büchner: "Gerade diejenigen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und Vorsorge treffen, müssen bluten."
Erst Anfang 1989 habe die Bonner Regierung die Versicherungsabgabe, die voll auf die Kunden abgewälzt wird, von fünf auf sieben Prozent und dann vor anderthalb Jahren auf zehn Prozent erhöht. "Der Finanzminister hat geradezu eine Leidenschaft für diese Steuer entwickelt", moniert Büchner. Zuletzt habe der Fiskus acht Milliarden Mark beim Einzug der Versicherungsbeiträge mit abkassiert.
Die Versicherungswirtschaft "will und wird zum Solidarpakt beitragen", betont Büchner. So plane die Branche Investitionen von einer Milliarde für den Ost-Wohnungsbau. Die Steuererhöhung aber stelle eine "Zumutung" für die Kunden dar.
Ergebnis-Telegramm
EISHOCKEY OBERLIGA: Frankfurter Löwen - ESC Wolfsburg 15:2. FUSSBALL HALLENTURNIER in Stuttgart zweiter Spieltag, Gruppe 2: Bayern München - 1. FC Kaiserslautern 1:1; Sparta Prag - Karlsruher SC 3:1. - Halbfinale: Kopenhagen - Kaiserslautern 4:6; Stuttgart - Bayern 7:5. - Damit sind Stuttgart und Kaiserslautern im Finale.
ENGLAND: Queens Park Rangers - Manchester United 1:3. RADSPORT BREMER SECHSTAGERENNEN, Stand vor der letzten Nacht: 1. Risi/Betschart (Schweiz) 327 Punkte, eine Runde zurück: 2. Clark/ Stumpf (Australien/Dittelbrunn) 445, 3. Freuler/Pieters (Schweiz/Niederlande) 444, 4. Kappes/de Wilde (Bremen/Belgien) 326, drei Runden zurück: 5. Günther/Veggerby (Lippstadt/ Dänemark) 305, sieben Runden zurück: 6. Chrabtschow/Ganejew (Rußland) 256. SKI ALPIN WELTCUP-RIESENSLALOM der Männer in Veysonnaz/Schweiz: 1. von Grünigen (Schweiz) 2:29,51 Minuten (1:13,51+1:16,00), 2. Tomba (Italien) 2:29,58 (1:13,75+1:15,83), 3. Kjus (Norwegen) 2:29,71 (1:13,75+1:15,96), 4. Girardelli (Luxemburg) 2:30,28 (1:14,22+1:16,06), 5. Pieren (Schweiz) 2:30,31 (1:14,59+1:15,72), 6. Aamodt (Norwegen) 2:30,63 (1:14,16+1:16,47), 7. Bergamelli (Italien) 2:30,84 (1:14,57+1:16,27), 8. Salzgeber (Österreich) 2:31,03 (1:14,49+1:16,54), 9. Nobis (USA) 2:31,04 (1:14,44+1:16,60), 10. Piccard (Frankreich) 2:31,25 (1:14,57+1:16,88), Nicht für das Finale der 30 besten Läufer qualifiziert: 44. Roth (Königssee) 1:15,99, ... 46. Barnerssoi (Halblech) 1:16,11, ... 60. Wasmeier (Schliersee) 1:16,63. TENNIS AUSTRALIAN OPEN in Melbourne (4,9 Millionen Dollar), zweiter Spieltag: Männer, erste Runde: Göllner (Neuss) - Herrera (Mexiko) 6:7 (4:7), 4:6, 6:4, 6:1, 6:4, Karbacher (München) - Apell (Schweden) - 6:1, 3:6, 6:4, 7:6 (7:4), Prinosil (Amberg) - Yzaga (Peru) 6:3, 6:7 (7:9), 7:5, 5:7, 6:1, Sampras (USA/Nr. 3) - Steeb (Essen) 6:1, 6:2, 6:1, Vacek (Tschechei) - Naewie (Neuss) 6:3, 6:4, 3:6, 4:6, 6:3.
Frauen, erste Runde: Graf (Brühl/Nr. 2) - Herreman (Frankreich) 6:2, 6:1, Huber (Heidelberg/Nr. 11) - Pratt (Australien) - 6:3, 6:1, Martinek (Heidelberg) - Rinaldi (USA) 6:4, 6:2, Rittner (Leverkusen) - Wood (Großbritannien) 7:5, 6:3, Porwik (Heidelberg) - Perfetti (Italien) 6:1, 6:3, Hack (München) - Nowak (Polen) 6:4, 2:6, 7:5, Babel (Neu-Isenburg) - Smylie (Australien) 6:2, 6:3.
zba/hll MAGDEBURG, 19. Januar. Als "unvereinbar" mit dem Grundsatzprogramm der CDU hat der CDU-Landesvorstand Sachsen-Anhalt am Dienstag in Magdeburg die "Denkschrift zu nationalen deutschen Fragen" des CDU-Bundestagsabgeordneten Rudolf Karl Krause (Bonese/Altmark) bezeichnet. "Unmißverständlich" nannte der Vorstand Sprache und Inhalt der Denkschrift unverständlich und befremdlich.
Der CDU-Vorstand forderte den Tierarzt auf, sich bis spätestens 31. Januar von Inhalt und Sprache seiner eigenen Denkschrift zu distanzieren. Falls Krause bis dahin keine "zufriedenstellende Erklärung" abgebe, erwartet der Landesvorstand, daß er für seine Parteimitgliedschaft "die Konsequenzen zieht". Sonst will der Vorstand eine "Ordnungsmaßnahme" aussprechen, beispielsweise ein "Verbot der Ausübung von Parteiämtern".
Wie berichtet hatte der Bundestagsabgeordnete in der Denkschrift Töne angeschlagen, wie sie bis dahin selbst in rechtsradikalen Schriften nur selten anzutreffen waren. Ausdrücke wie "kerndeutsche Anständigkeit", "gesundes Volksempfinden", "deutsche Volksgenossen", "christlich-germanische Kameradschaft" und wüste Beschimpfungen in Deutschland lebender Ausländer finden sich in der Denkschrift.
Auch die Bonner Fraktionsführung der CDU/CSU will sich mit dem Fall Krause beschäftigen. In weiten Kreisen der Fraktion ist Unmut über die Äußerungen des Abgeordneten verbreitet. Unter anderem geht es darum, ob Krause Mitglied in der Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte bleiben kann. Unter den CDU-Mitgliedern dieser Kommission gibt es ernsthafte Vorbehalte. Der SPD- Sprecher in der Enquete-Kommission, Markus Meckel, hatte gefordert, Krause abzuberufen, weil "niemand eine Diktatur aufarbeiten kann, der den Wortschatz aus einer Diktatur verwendet".
Frauencafé
HÖCHST. Viele sind nicht gekommen, es sind gerade vier Frauen beim neuen Höchster Frauentreff. Treffpunkt ist die Teeküche im Höchster Jugendzentrum, die jedoch eher einem Saal, denn einer gemütlichen Küche ähnelt. Die vier wirken auch ein bißchen verloren in dem großen Raum, der leicht drei Dutzend von ihnen aufnehmen könnte. Eine große, dicke Teekanne steht auf dem Bistrotischchen. Aber Gemütlichkeit kommt nicht so recht auf. Drei Reihen Neonröhren verbreiten von der hohen Decke ein weißes, kaltes Licht. Aber das Domizil Jugendzentrum soll auch nur ein vorübergehendes sein, denn der Treff ist für erwachsene Frauen.
Angefangen hatte alles im Sommer mit dem Programm des Frauenreferats "Frauen nehmen sich die Stadt", erzählt Anja. Animiert durch die verschiedenen Veranstaltungen, die speziell in Höchst angeboten wurden, kamen die Frauen dann auf die Idee, für ihre Interessen selbst etwas zu tun. Erstes Ergebnis: ein Selbstverteidigungskursus von den Frauen selbst auf die Beine gestellt. Frauen von Mitte 20 bis an die 60 Jahre kamen sich persönlich näher. Die Frauen aus den verschiedensten Berufen lernten sich näher kennen, "ohne daß man sonst etwas von den anderen wußte", beschreibt eine der Teilnehmerinnen die Erfahrungen.
Ja, und danach war eigentlich klar, daß Frau nicht wieder einfach sang- und klanglos auseinandergehen wollte, wo doch gerade so ein gutes Anfangsband geknüpft worden war.
Karin, eine der engagiertesten Frauen, setzte sich gleich hin und verfaßte unter dem schon bekannten Motto "Höchst erfraulich" eine Einladung zu einem regelmäßigen Treff. Alle Teilnehmerinnen der verschiedenen Aktionen, die ihre Adressen hinterlassen hatten, erfuhren hierin, daß der Grundstein für eine Fraueninitiative gelegt worden war.
Vom Jugendzentrum gab's den Raum und ein Termin war auch schnell gefunden. Jeden zweiten Freitagabend im Monat können die Frauen sich treffen, um ein bißchen zu schwätzen, neue Leute kennenzulernen oder vielleicht sogar Freundschaften zu schließen. Neben dem Treff hat sich bereits eine Gruppe zusammengefunden, die einen Verein gründen will. Ziel: ein Frauencafé zu eröffnen. "Gerade in Höchst, wo für die Frauen überhaupt keine Infrastruktur existiert, wäre doch ein Café ein idealer Ort, um sich zu treffen", erläutert Karin die Pläne. Die normalen Cafés haben abends und meist auch am Wochenende geschlossen, und für eine Frau sei es ja nicht so angenehm, allein in irgendeine Kneipe zu gehen. Das Projekt steht noch ganz am Anfang. Wer Ideen hat, kann sie schnell in die Tat umsetzen. Es gibt noch keine Satzung, und über die Ziele und Aktivitäten des zukünftigen Vereins diskutieren die Frauen ausführlich. Von "alten Profis" haben sie auch schon Tips bekommen: Die Frauen treffen sich mit den Initiatorinnen des Bockenheimer Frauencafés. Und eigene Ideen gibt es reichlich. Damit es eine echte Alternative bieten kann, soll das Café täglich geöffnet sein, vielleicht Lesungen veranstalten, eine kleine Bibliothek einrichten, Fahrten organisieren . . . .
Über die Zukunft im Frauencafé begeistert sich Karin und kann andere mit ihrem Tatendrang richtig mitreißen. Bei der Stadt hat sie schon um Unterstützung nachgefragt und sich mit dem Frauenreferat in Verbindung gesetzt. Aber sie bleibt auch realistisch: "Natürlich ist es schwer, so etwas nebenher auf die Beine zu stellen, gerade auch für Berufstätige. Und viele Frauen halten sich zurück, weil ein Frauenprojekt oft in eine feministische Ecke gerückt wird, womit sie nichts anfangen können." Auch hier müßten noch Hemmungen überwunden werden, meint Karin.
Bisher war die Resonanz noch nicht so überwältigend, aber wenn die Frauen etwas bewegen wollen, müssen sie selbst in Bewegung bleiben. Zum Beispiel beim nächsten Selbstverteidigungskursus, der für Mütter angeboten wird, Kinderbetreuung inklusive.
Aufgespießt
"Die Mutter aller Parties." Die britische Zeitung The Independent über die Einführungsfeierlichkeiten für den 42. US- Präsidenten Bill Clinton.
CHRISTA SCHWEDES, Lehrerin aus Gambach, führt die Liste der Münzenberger Grünen für die Kommunalwahl am 7. März an. Auf Platz zwei folgt DIETHARDT STAMM, bislang noch Kreistagsabgeordneter der Öko-Partei, der jedoch wegen seines ortspolitischen Engagements nicht mehr für den Kreistag kandidiert. Auf Platz drei tritt die Krankenschwester KATRIN VÖLKEL-LUTZ an und auf Platz vier Dr. HANS D. BAUMANN. Insgesamt umfaßt die Liste der Öko- Partei elf Personen - so viele wie noch nie. Derzeit haben die Grünen einen Sitz im Münzenberger Parlament.Spaltung statt Solidarität
So kann's nicht gehen. Die finanzpolitischen Eckwerte, die die Koalition nun endlich vorlegt, ermöglichen nicht den Kraftakt, der den neuen Bundesländern und den dort lebenden Menschen aus der Patsche helfen könnte. Dort fehlen mehr als drei Millionen Arbeitsplätze; bei den noch vorhandenen Betrieben im verarbeitenden Gewerbe - den zu industriellen Kernen hochgeredeten Restbeständen - steht weiterer Aderlaß bevor. Die Unternehmen werden zwischen Konjunkturkrise und Tarifabschlüssen, die Arbeitgeber und Gewerkschaften unter falschen Prämissen vereinbart hatten, zerrieben.
Was die Bundesregierung in dieser zugespitzten wirtschaftlichen Lage nun aber einfordert, ist nicht schmerzhafte Solidarität aller mit dem Osten, sondern bloß Rückendeckung für die fehlgeschlagene Haushalts- und Finanzpolitik in Bonn. Die vielversprechende, freilich kleine Chance einer großen gemeinsamen Kraftanstrengung von Bund, Ländern und Gemeinden, Gewerkschaften und Arbeitgebern, Regierungsparteien und Opposition ist fast vertan. Die Hauptschuld hieran trägt die Bonner Regierung. Sie verweigert den überfälligen Schlußstrich unter das Kapitel der Wählertäuschung. Und sie verscheucht durch eine unsoziale Sparpolitik Gewerkschafter und Sozialdemokraten vom Verhandlungstisch.
Klammheimliche Freude hierüber wird es in allen Lagern geben. Nicht nur Oskar Lafontaine warnt davor, die SPD für unvermeidbare Härten haftbar machen zu lassen. Die IG Metall befindet sich in einer vertrackten Lage. Gibt sie den unhaltbaren Stufenplan auf, der im verarbeitenden Gewerbe der Ex- DDR demnächst die Löhne um über ein Viertel in die Höhe schnellen läßt, laufen ihr die Leute davon. Die zur Abschreckung im Gegenzug verlangten Garantien für Beschäftigung und Betriebe sind den ordnungspolitischen Hardlinern in Union und FDP ein Graus. Auch in westdeutschen Städten, wo noch nicht die letzte Fußgängerzone aufwendig gepflastert ist und unverändert Museen und Schwimmbäder auf Reißbrettern entstehen, ist die Einsicht arg begrenzt. Wer dem Volk aufs Maul schaut, weiß genau, daß niemand etwas abgeben will.
Solche Verweigerung läßt sich nur aufbrechen, wenn die zur Kasse Gebetenen den ihnen abverlangten Beitrag subjektiv als gerecht empfinden können. Dazu paßt nicht, daß Beamte und Selbständige die strukturelle Erwerbslosigkeit im Osten nicht mitfinanzieren. Im Gegensatz zu Arbeitern und Angestellten zahlen sie keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Dies ist der Hauptgrund, warum die Einheit einkommensschwache Schichten relativ härter als wohlhabende trifft.
Die Steuern, die Bonn vorgeblich nicht erhöhen wollte, kletterten schon zum Jahresanfang, und auf Teilgebieten wird erneut an der Schraube gedreht. Mit geradezu aberwitziger Energie verweigert die Koalition aber den Zugriff bei der Einkommensteuer. Kohl gilt sein ohnehin mehrfach gebrochenes Wahlversprechen mehr als eine solide Finanzgrundlage für eine gestaltende Politik. Dabei hatte die bis Mitte vorigen Jahres erhobene Ergänzungsabgabe den Vorteil, nicht "sozial blind" die Bürger abzukassieren. Hohes Einkommen, hohe Steuern, hoher Beitrag zum Aufbau Ost. Das ist gerecht. Und ohne Gerechtigkeit gibt es keine Solidarität.
Waigels föderales Konsolidierungsprogramm beansprucht zu häufig das untere Drittel der Einkommenspyramide. Gekappt wird bei Sozialhilfeempfängern und einkommensschwachen Mietern. Die Bundesanstalt für Arbeit soll durch - wie es nun heißt - Mißbrauchsbekämpfung und verschärfte Zumutbarkeit eine Milliarde einsparen. Das hört sich zwar besser an als das böse Kanzlerwort, man müsse den sozialen Wildwuchs beschneiden. Es läuft jedoch auf dasselbe hinaus. Und mit ihrer Rotstiftaktion beim Kinder- und Erziehungsgeld beseitigt die Koalition teilweise die Rahmenbedingungen, die dem neuen Paragraphen 218 über Karlsruher Hürden helfen sollen.
Von den blühenden Landschaften, die der Kanzler einst versprach, ist wenig zu sehen. Verhängnisvolle politische Fehler (insbesondere der Vorrang der Rückerstattung von Eigentum anstelle einer Entschädigung) und das unendliche - und bis heute nicht gebrochene - Vertrauen auf die Selbstheilungskräfte des Marktes begünstigten das Desaster. Die Fehler von gestern, der Verzicht auf zusätzliche Steuern und damit auch eine aktive Politik, programmierten die Fehler von heute. Die von der konservativ-liberalen Koalition auf Pump finanzierte deutsche Einheit schafft erst die Sachzwänge, die ein Umsteuern verhindern.
Mangels Masse muß Bonn nun am Kapitalmarkt noch mehr Geld leihen. Dies hält die Zinsen oben, verhindert Investitionen und hemmt so den Aufschwung West. Die neuen Länder will Bonn mit lächerlichen 1,5 Milliarden Mark für kommunale Investitionen abspeisen. Mit solcher Politik läßt sich vielleicht eine Koalition zusammenhalten, das Land spaltet sie mit Sicherheit."Wenn wir kein Juz haben, hängen wir am Schloßplatz rum" Demonstration für Wiedereröffnung des Jugendzentrums / Chancen für Jugendpflegerstelle scheinen deutlich gestiegen zu sein
USINGEN. Jörg Kastner hatte einen ganzen Stapel Argumente mit zum Rathaus gebracht. "Wenn wir kein Juz haben, hängen wir am Schloßplatz rum oder am Busbahnhof", sagte der 14jährige. "Außerdem kommen wir dann eher auf dumme Gedanken - und das nervt die anderen Leute." Für Jörg lag es auf der Hand: "Wir wollen einen Jugendpfleger, damit sich endlich wieder jemand um uns kümmern kann. Deshalb haben wir beschlossen: Es ist das Beste, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren."
Knapp 40 Gleichgesinnte schlossen sich am Dienstag nachmittag der Demo vor dem Rathaus an: Jugendliche, Eltern, Kommunalpolitiker. Eine Jugendinitiative hatte mit Flugblättern zum Protest aufgerufen. Die Gruppe besteht, seitdem das Jugendzentrum (Juz) im Usinger Goldschmidtshaus geschlossen ist.
Der Juz-Vorstand hatte die Arbeit niedergelegt, weil er sich von der Stadt nicht ausreichend unterstützt fühlt. Anne Brähler vom Vorstand bekräftigte während der Demonstration: "Wenn wir einen Jugendpfleger kriegen, machen wir weiter. Wenn nicht, bleibt das Juz zu."
Dirk Schimmelfennig, der in den vergangenen acht Jahren die Hauptarbeit für die Jugendlichen geleistet hatte, richtete erneut Vorwürfe an die Stadt: "Uns wurden nur Versprechungen gemacht, die dann niemand gehalten hat", sagte er. Die Jugendlichen seien die Leidtragenden; sie müßten nun sehen, wie sie über die Runden kämen.
Der kommissarische Bürgermeister Detlef Ortmann (parteilos) bekannte: "Wir müssen einsehen, daß Herr Schimmelfennig über Jahre hinweg der Motor des Juz gewesen ist." Nach dem Rücktritt des Vorstands um Schimmelfennig sei das Zentrum "in ein Loch gefallen". Gleichwohl warnte Ortmann, auch ein hauptamtlicher Jugendpfleger hätte nicht nur die Aufgabe, "von morgens bis abends" im Juz zu sein. Er müsse sich auch um Bereiche wie die Integration ausländischer Jugendlicher oder Ferienspiele kümmern. "Dann ist die Notwendigkeit ja noch viel größer, endlich einen einzustellen", fand eine Mutter.
Diese Notwendigkeit sehen auch SPD und Grüne. Beide Parteien haben für die nächste Stadtverordnetensitzung Mitte Februar Anträge auf einen hauptamtlichen Jugendpfleger eingereicht. Harry Strehlow (SPD) rechnet bereits fest mit einer Mehrheit für die Anträge: "In einem Vierteljahr ist das Problem vom Tisch", prophezeite er. ill
DREIEICH. Die neue Genehmigung des Kreises Offenbach für Veranstaltungen in der Burg Dreieichenhain hat offenbar für Mißverständnisse gesorgt. Anwohner interpretierten den Bescheid des Kreises so, als erlaube er fünfzig Festspieltage. Bei den genehmigten fünfzig Tagen handelt es sich jedoch um alle Veranstaltungen in der Burg einschließlich aller lauten öffentlichen Proben. Das stellte jetzt der Geschichts- und Heimatverein klar. Der Bescheid des Kreises bedeutet: Wenn in diesem Jahr wieder Festspiele stattfinden, müssen sie gegenüber den Vorjahren deutlich abgespeckt werden. Das entspricht den Wünschen vieler Altstadtbewohner.
Dem Verein, Eigentümer der Burg, liegt sehr daran, daß die Mißverständnisse ausgeräumt werden. Er teilte mit, er werde die Burg nur für eine reduzierte Zahl von Veranstaltungstagen vermieten. Er selbst und die Stadt Dreieich planten 15 Veranstaltungen. Für die Festspiele stünden nicht mehr als 30 Tage einschließlich der Proben zur Verfügung. Fünf Tage seien noch nicht belegt.
Dem Kläger gegen die alte Genehmigung für die Burg, Helmut Moll, warf der Verein vor, ihm gehe es nicht um eine Reduzierung der Belastungen für die Anwohner, sondern um "Selbstdarstellung und Eigeninteresse". Grund für diese Kritik: Moll habe nicht auf die Aufforderung des Vereins reagiert, sich zu einer einvernehmlichen Lösung für das Streitverfahren zu äußern. In diesem Zusammenhang hob der Verein hervor, daß das Gericht in der Sache noch nichts entschieden habe.
An die Hainer Altstadt-Initiative, die für eine Reduzierung von Veranstaltungen in der Altstadt kämpft, appellierte der Verein, Vorschläge zu machen.
Anlaß, sich zu Wort zu melden, sah der Verein auch in einer anderen Angelegenheit: Es geht um den Pavillon neben dem alten Rathaus in Dreieichenhain. Er fordert, den "Schandfleck" zu beseitigen, und ruft Bürger und Institutionen auf, in diesem Sinne bei den Behörden vorstellig zu werden.
Mit der Einigung zwischen der Stadt Dreieich und dem Kreis Offenbach, wonach das städtische Bauamt in die alte Schule am Weiher einziehen kann, ist nach Ansicht des Vereins der Zeitpunkt gekommen, das "Provisorium Pavillon" zu beenden. Da auch der alte Schulhof genutzt werden könne, solle der Pavillon um hundert Meter dorthin versetzt werden. Das Stadtbild beim alten Rathaus werde dann seinem Gesamtcharakter als denkmalgeschützter Bereich gerecht.
Nach den Plänen von Stadt und Kreis bleibt der Pavillon, wo er ist, und wird vom Kreis und dem Verein genutzt. dac
In Downing Street ist es wie in alten Zeiten: Der britische Premierminister steht dem US-Präsidenten treu zur Seite, was die US-amerikanischen Militärmaßnahmen gegen Irak betrifft. Britische Flugzeuge mischen mit bei den gezielten Schlägen gegen Saddams Arsenale. Hinter den Kulissen freilich, in den Korridoren Westminsters, mehrt sich die Sorge, der Einsatz könne "außer Kontrolle geraten". Und bei der Opposition gibt es klare Stimmen, die "Bushs Abschiedsgruß" für eine Geste mit verhängnisvollen Folgen halten.
Auch in der britischen Bevölkerung ist, seit Anfang dieser Woche, ein Stimmungsumschwung zu verzeichnen. Zunächst waren die meisten Briten wenig an den Vorgängen in Irak interessiert - und die sich dafür interessierten, standen zu neunundneunzig Prozent hinter "Vergeltungsmaßnahmen" gegen Saddam Hussein. Seit aber US-Raketen am Sonntag Zivilisten in Bagdad töteten, sind viele nachdenklicher geworden. Auch die Aussicht auf eine weitere Eskalation des Konflikts, mit den jüngsten Drohungen Saddams und der Verlegung von "Patriot"-Abwehrraketen der USA nach Kuwait, hat wenig zur Beruhigung der Gemüter beigetragen.
In der oppositionellen Labour Party, die schon beim Golf-Krieg vor zwei Jahren zwei widerstreitende Seelen in ihrer Brust fand, hat sich die Linke wieder klar gegen "das neue amerikanische Abenteuer im Golf" ausgesprochen. Der prominenteste linke Abgeordnete, Tony Benn, streitet dem US-Präsidenten dabei rundheraus die Befugnis ab, "im Namen der internationalen Gemeinschaft zu töten oder auch nur aufzutreten". Die Parteiführung hingegen hat sich bisher davor gehütet, die Militär-Intervention direkt zu kritisieren. Doch auch Parteichef John Smith sagte am Dienstag, "eine Pause" sei vonnöten, um "die Umstände neu zu überdenken".
Nur wenn die Schläge gegen Irak "proportional" zu den betreffenden Provokationen seien, und nur solange die Vereinten Nationen diese Schläge voll sanktionierten, dürfe London sich an den Anti-Saddam-Aktionen mit gutem Gewissen beteiligen, meint man bei Labour. Der Militärexperte der Partei, David Clark, warnte davor, daß die Spirale aus irakischen Provokationen und alliierten Vergeltungschlägen "außer Kontrolle" geraten könnte. Man könne sich, meinte Clark, des dummen Gefühls nicht erwehren, daß man durch Saddams "Spiel mit dem Feuer" in einen neuen Krieg hineingezogen werde: "Und den sollten wir doch, wenn's überhaupt möglich ist, vermeiden."
Ähnliche Befürchtungen sind auch im konservativen Lager weit verbreitet. Einer der einflußreichsten Tory-Abgeordneten, der frühere Kabinettsminister David Howell, heute Vorsitzender des Unterhaus-Ausschusses für Auswärtige Politik, brachte sie in dieser Woche diskret aufs Tapet. Howell trat für größere Vorsicht, zumindest für die Wiedereinberufung des UN-Sicherheitsrates, für eine erneute politische Rükkendeckung ein: "Wir brauchen hier ein bißchen mehr, was die langfristige Strategie anbelangt."
Daß Howell und andere Tories der Regierung ihre Zweifel an der US-Politik deutlich gemacht haben, ist kein Geheimnis. Während die konservative Fraktion die Maßnahmen der Alliierten und die Beteiligung Britanniens nach außen hin geschlossen unterstützt, halten nicht wenige Tories die US-Intervention für einen riskanten Knalleffekt, mit dem sich George Bush aus dem Amt verabschieden möchte.
Selbst in Regierungskreisen scheint man besorgt darüber zu sein, daß die Dinge sich im Golf erneut zuspitzen könnten. Premier John Major, so verbreitete dessen Amt unter der Hand, habe zu Wochenbeginn bereits ein halbes Dutzend mal mit dem US-Präsidenten telefoniert, um Bush zur Mäßigung zu bewegen. Offiziell ist davon freilich nichts zu hören. Die alleinige Schuld für die Strafexpeditionen, beharrt Majors Regierung, liege bei Saddam; und die Gegenmaßnahmen der Verbündeten, einschließlich der Bombeneinsätze der britischen Air Force, seien durchaus "proportional" und im UN-Rahmen vollkommen zu rechtfertigen.
Ablehnend reagierte London dagegen auf eine Einladung Kuwaits, zum Schutze des Emirats britische Bodentruppen nach Kuwait zu entsenden. Ein starkes Bedürfnis nach solcher "Einmischung" am Golf besteht in London nicht: Und der Tod des ersten britischen Soldaten in Bosnien vorige Woche hat die Bereitschaft nach einem parallelen Engagement im Wüstensand nicht gerade verstärkt.
PETER NONNENMACHER (London)
Wolfgang Ehmke, Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow- Dannenberg, kommentierte das Geschehen mit Bitterkeit und Wut. "Der Atomstaat marschiert", sagte der Gymnasiallehrer, der sich seit Jahren gegen die Lagerung von Atommüll im Ostzipfel Niedersachsens engagiert.
Der "Atomstaat", der am Dienstag mehrere Hundertschaften der Polizei marschieren ließ, um einen Atommüll- Transport nach Gorlerben zu begleiten und die Blockade des dortigen Zwischenlagers durch Umweltschützer aus dem Kreis Lüchow-Dannenberg zu brechen, ist das rot-grün-regierte Niedersachsen. Doch wer in Hannover für Umweltschutz und für Polizeieinsätze verantwortlich ist, macht für Ehmke "keinen Unterschied, wenn Demonstrantinnen und Demonstranten, wie üblich, an den Haaren weggezerrt werden".
Kurz nach ein Uhr in der Nacht hatten vier Container das Gelände des Atomkraftwerks Unterweser bei Esenshamm verlassen. Beobachter der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die sich seit Tagen in der Nähe aufgehalten hatten, nahmen die Verfolgung auf und informierten die Bürgerinitiative im Kreis Lüchow-Dannenberg. Zwei Transporter rollten in Richtung Bremen, die beiden anderen in Richtung Stade. Auf solche "Verwirrspiele" der Polizei waren die Umweltschützer vorbereitet.
Schon wenige Minuten nach drei Uhr fanden sich vor dem Zwischenlager in Gorleben die ersten 40 Demonstranten ein und entzündeten kleine Feuer, um sich daran zu wärmen. Sie hofften, wiederum, wie schon vor einigen Wochen, durch eine Blockade verhindern zu können, daß die beiden Container mit Abfällen aus dem belgischen Nuklearzentrum Mol in Gorleben eingelagert werden. Vor Weihnachten hatte die niedersächsische Landesregierung, um Zusammenstöße zu vermeiden, veranlaßt, daß die Container zeitweilig in Esenshamm untergestellt wurden.
Mit 60 Begleitfahrzeugen der Polizei rollten die beiden Container nun wieder ostwärts. Auf dem Bundeswehrgelände in Munster machte der Transport einen Zwischenhalt. Die verfolgenden Fahrzeuge wurden wiederholt abgehängt. Das gelang der Polizei, indem sie die Autos anhielt und die Fahrer kontrollierte. Aber Greenpeace fand jedesmal schnell wieder Anschluß.
Kurz vor sechs Uhr befanden sich schon fast 200 Atomkraftgegner vor dem Tor des Zwischenlagers. Ehmke erklärte, daß noch viele weitere Transporte mit Abfällen aus Mol, die aus dem Erbe der Skandalfirma Transnuklear stammen, zu erwarten seien. "Wir wehren uns dagegen, daß Gorleben als Atommüllzentrum zementiert wird. Der Müll muß dort gelagert werden, wo er entsteht. Ist die Lagerkapazität erschöpft, muß ein Atomkraftwerk vom Netz", forderte der Sprecher der Bürgerinitiative. Und an die Adresse der rot-grünen Landesregierung in Hannover gab er den Rat: "Die ungelöste Entsorgungsfrage muß ein Hebel für den Ausstieg aus der Atomenergie sein."
Innenminister Gerhard Glogowski (SPD) hatte in der vergangenen Woche bei einem Besuch in Gorleben die Umweltschützer aufgerufen, Proteste "erträglich" zu gestalten. Nun ließ er die Polizei mit Tränengas und Hundestaffeln anrücken. Als der Konvoi am späten Vormittag in Gorleben anlangte, waren dort in strömendem Regen etwa 400 Atomkraftgegner versammelt, unter ihnen etliche kommunale Mandatsträger, in der ersten Reihe der Lüchow- Dannenberger Landrat Christian Zühlke (SPD) mit seiner Frau. Aus Baumstämmen war eine Barrikade gebaut worden. Am Mittag meldete die Polizei, ein Steinwurf aus den Reihen von Demonstranten habe einen 28jährigen Beamten am Kopf verletzt. Um 13 Uhr kam die erste Aufforderung an die Demonstranten, den Weg freizumachen. Es folgten drei weitere Aufforderungen, bis um 13.50 Uhr die Beamten zugriffen. Um 14.24 Uhr erklärte die Polizeiführung, die Aktion sei beendet.
Nachdem die beiden Container mit sechs Atommüllfässern hinter dem Tor des Zwischenlagers verschwunden waren, gewann Ehmke dem Geschehen doch noch etwas Tröstliches ab: Viele Polizisten hätten in Diskussionen mit Mitgliedern der Bürgerinitiative klargemacht, "wie es ihnen stinkt, immer wieder ins Feuer geschickt zu werden". ECKART SPOO (Hannover)
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BAD HOMBURG. "Macht zuviel Information dumm?" fragen sich die Teilnehmer des Diskussionsvormittags in der Bad Homburger Volkshochschule am Mittwoch, 27. Januar, ab 10 Uhr. Die Veranstaltungsreihe im Zwei-Wochen-Rhythmus leitet weiter Eva Beiling. Die Teilnahme ist kostenlos.
Ausschuß berät Partywagen
HOCHTAUNUSKREIS. Über einen Partywagen für die Taunusbahn diskutiert der Bau-, Planungs- und Verkehrsausschuß des Kreistags am Donnerstag, 28. Januar, ab 18 Uhr in der Cafeteria des Bad Homburger Kreiskrankenhauses. Ernstere Themen sind unter anderem das geplante Parkhaus an der A 5, die Reorganisation des öffentlichen Nahverkehrs im Kreis und die Ausschreibung von Ausschreibungen und anderen Veröffentlichungen des Kreises. Basar zur Kommunion BAD HOMBURG. Einen Basar für Kommunionkleidung veranstaltet die katholische Kirchengemeinde St. Johannes am Samstag, 30. Januar, von 10 bis 12 Uhr im Gemeindezentrum St. Franziskus am Gluckensteinweg 101. Wer etwas verkaufen will, kann sich unter Tel. 3 31 31 melden. Die Kleider werden am Freitag, 29. Januar, von 16-18 Uhr angenommen. Wahl des Stadtbrandinspektors FRIEDRICHSDORF. Die turnusgemäß fällige Wahl des Stadtbrandinspektors und seines Stellvertreters steht im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung der Feuerwehren aller vier Stadtteile am Freitag, 26. Februar, um 20 Uhr im Bürgerhaus Köppern. Es wird erwartet, daß der amtierende Feuerwehr-Chef Rolf Röder (Köppern) sich für weitere fünf Jahre zur Wahl stellt. Basar "Rund um das Kind" FRIEDRICHSDORF. Einen Basar "Rund um das Kind" organisiert die Elterninitiative "Alte Schule Seulberg" am Samstag, 13. Februar, von 13 bis 16 Uhr in der Seulberger Grundschule. Feilgeboten werden Umstands- und Babykleidung, Kinderwagen und Hochstühle, Spielzeug und Wippen. Wer etwas verkaufen will, kann sich unter Tel. 0 61 72 / 56 25 näher informieren.
Mit stark eingeschränktem Programm mußten sich am gestrigen Dienstag Hörer des Lokalfunks in Nordrhein-Westfalen begnügen. Zwei Tage vor Wiederaufnahme der Tarfiverhandlungen hatte die IG Medien die Beschäftigten in den 43 Lokalfunkstationen an Rhein und Ruhr zu einem Streik aufgerufen.
Ein Sprecher der Gewerkschaft sagte dazu, nach mehr als einjährigen Verhandlungen müsse man endlich zu einem Tarfivertrag kommen. Da die wirtschaftlichen Träger des Lokalfunks in Nordrhein-Westfalen vor allem die Zeitungsverleger des Landes sind, will die IG Medien einem Gehaltsabschluß unter Zeitungsniveau nicht zustimmen. FR
FRIEDBERG. Jugendliche seien beim Ortstermin von dem Bahngebäude über der großen Unterführung als Jugendzentrum begeistert gewesen, berichtete CDU- Vorsitzender Ulrich Kiefer beim FR-Forum zum Juz. "Sie lügen", mußte er sich seitens einiger Jugendlicher daraufhin anhören. Junge Leute, die für das Juz streiten, haben nun zu Papier gebracht, warum sie den massiv geforderten offenen Treff nicht zwischen Schienensträngen sehen wollen. "So kommt die Jugend zum Zuge - von genutzten Bahngleisen umgeben", quittieren sie den CDU-Vorschlag ironisch.
Als letztlich "entscheidenden Aspekt" haben die Jugendlichen die Kostenfrage ausgemacht. Niemand könne derzeit abschätzen, was es kosten würde, das Bahngebäude in ein Jugendzentrum zu verwandeln. Das Treppenhaus sei zu eng, um Anlagenteile für Konzerte durchzubugsieren. Behinderte kämen auch nicht nach oben. Daher müßte ein (Lasten-) Aufzug her. Der Renovierungsaufwand sei hoch. Die Mietkosten würden eines Tages den Verkaufspreis, den die Stadt für den von Jugendlichen als Juz favorisierten Usa-Bau zu erzielen hofft, übersteigen. Auch gebe es "ominöse Hinweise" darauf, daß das Gelände um den Bahnbau möglicherweise durch Schlacke verseucht sei. Bodenproben und eine mögliche Entgiftung würden die Kosten weiter in die Höhe treiben.
Fazit der Jugendlichen: Die Zeit, bis Pläne und ein Gutachten erstellt seien und letztlich doch nur dazu führten, daß das Bahngebäude als Juz aus Kostengründen ausscheide, würde unnütz verstreichen. Aber nicht nur immense Kosten führen die Jugendlichen gegen den CDU-Vorschlag ins Feld. Beim Ortstermin hätten Christdemokraten "beständig auf die schöne Aussicht und die besondere Eignung der Räumlichkeiten" hingewiesen. Ein Bahnbeamter habe indes zu verstehen gegeben, "daß bei lauten Konzerten und sonstigen Aktivitäten Streß in Form von Beschwerden programmiert sei". Schließlich schliefen im anderen Trakt des H-förmigen Gebäudes Lokführer. Nicht gerade verlockend erscheint den Jugendlichen auch die Vorstellung, daß ihr Juz - weil zwischen Gleisen gelegen - von etwa zwei Meter hohen, stacheldrahtgekrönten Zäunen umgeben werden müßte. "Den Zaun könne man ja begrünen, vertröstete man uns", mokieren sie sich. Generell sei auch die Lage "ziemlich unattraktiv". Parkplätze fehlten, und auf junge Frauen wirke es "ziemlich ernüchternd", wenn sie - um ins Juz zu kommen - zunächst durch den düsteren Tunnel laufen müßten.
Die "angebliche Begeisterung" für das Projekt, die Kiefer gespürt haben will, sei "allerhöchstens angesichts der Fotos zu spüren gewesen, die sich ja später als recht trügerisch erwiesen". Auf den Abbildungen sei überwiegend die Kantine des Gebäudes zu sehen gewesen und deren Nutzung im Vorfeld der Begehung "fast schon zugesichert worden". Vor Ort seien die Jugendlichen dann aber auf ein Lagergebäude verwiesen worden, "das sich aber als absolut indiskutabel erwies". mk
MÜNZENBERG. Er wolle sich für die Ausweisung eines kleinen Neubaugebietes für die Eigenentwicklung von Trais- Münzenberg einsetzen und dafür sorgen, daß der FC Trais-Münzenberg so schnell wie möglich ein Vereinsheim bekommt, versprach der Bürgermeisterkandidat der Münzenberger CDU, Wolfgang Zenkert, während einer Wahlkampfveranstaltung der Union in Trais-Münzenberg. Wenn er gewählt werde, wolle er schnell nach Münzenberg umziehen, kündigte der in Rosbach-Rodheim wohnende CDU-Kandidat an. ieb
BAD HOMBURG. Die Welle der Hilfe für die russische Stadt Peterhof in der Nähe von St. Petersburg rollt weiter.
3333 Mark kamen bei dem Jazz-Konzert zusammen, das die Power-House- Jazzband am vergangenen Sonntag im Kurpark-Café bestritt (die FR berichtete). Als Bandleader Wolfgang Zöll das letzte Stück des Auftritts - das klassische "Icecream" - für 50 Mark "verkauft" hatte, konnte Heinz-Jörg Docken, der Schatzmeister des Deutsch-Russischen Fördervereins, das schnapszahlartige Gesamtergebnis verkünden. Das Geld soll vor allem dem Krankenhaus in Peterhof zugute kommen.
Docken berichtet von zwei weiteren beträchtlichen Hilfen für die Klinik: Die Usinger Pharmafirma Palmicol spendete Arzneimittel im Wert von mehr als 100 000 Mark, und das Bundesamt für Zivilschutz gab aus den Beständen des Innenministeriums 1000 Infusionsbestecke und 1200 Transfusionsgeräte ab.
Um Lebensmittel und Krankenhaus- Wäsche zu kaufen, bittet der Förderverein um weitere Spenden auf das Konto 131 113 1 bei der Taunus-Sparkasse. tom
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BAD SODEN. "Ich habe die Entlassung des Kurgeschäftsführers veranlaßt." Bis kurz vor halb vier hatte Bürgermeister Kurt Bender gestern am Telefon gewartet. Doch der Anwalt des Noch-Kurgeschäftsführers Peter Huppert meldete sich nicht, um fristgemäß vorzuschlagen, wie Hupperts Vertrag "für alle Beteiligten akzeptabel" gelöst werden könne.
Hintergrund des Streits: Huppert war Ende Dezember in Verdacht geraten, private Ausgaben über die Kurkasse abgerechnet zu haben. Was sich laut Bürgermeister Bender zwar nicht bestätigte. Die Prüfung habe aber gezeigt, daß Huppert "einiges eigenmächtig über die Köpfe der Ratsmitglieder hinweg" entschieden habe. Eine Zusammenarbeit sei deshalb nicht länger möglich. ana
DIETZENBACH. Der Verein zur Förderung der deutsch-nicaraguanischen Beziehungen Monimbo erhält von der Stadt die im Etat eingeplanten 40 000 Mark, um damit in der Partnerstadt Masaya den Bau von Wasserleitungen und Wohnhäusern zu finanzieren. An diesem Projekt beteiligen sich auch die niederländische Stadt Nijmwegen und Leicester (England) sowie die EG. In den Gettos von Masaya, wo die Bevölkerung vielfach noch in Notunterkünften aus Kartons und Plastikplanen haust, sollen 404 Gebäude aus Hohlblocksteinen entstehen. Ein solches Häuschen mit einer Grundfläche von 40 Quadratmetern kostet etwa 2400 Dollar. Unter Anleitung eines Bauleiters sollen die Hütten in Eigenleistung entstehen - fünf bis zehn pro Monat. fin
RÜSSELSHEIM. "Mach's gut, Richard", unter diesem Motto wurde gestern der langjährige Betriebsratsvorsitzende der Adam-Opel-AG, Richard Heller (59), im Opel-Forum bei einer Feier mit viel Prominenz offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Zeitweilig war beinahe das hessische Kabinett beschlußfähig, reisten doch neben Ministerpräsident Hans Eichel auch Stellvertreter Joschka Fischer und die Minister Heide Pfarr und Ernst Welteke an. Aus Rheinland-Pfalz erwies dem geborenen Mainzer Ministerpräsident Rudolf Scharping die Ehre.
Gefeiert wurde in entspannter Atmosphäre über Tarifparteigrenzen hinweg. Persönliches und Freundliches klang ebenso offen an wie alte und neue Konflikte, machte das ganze fast zum Lehrstück praktizierter Sozialpartnerschaft.
Im Mittelpunkt stand dabei der Mann, der 1956 als Modellschreiner bei Opel begann und als engagierter IG-Metaller an die Spitze der Arbeitnehmervertretung rückte: 1972 in den Betriebsrat gewählt wurde Heller 1975 dessen Vorsitzender, blieb das unangefochten bis zum Abschied, saß seit 1978 im Aufsichtsrat und wurde 1987 Gesamtbetriebsratschef.
Wenn auch mit vollem Herzen Opelaner, habe er sich für soziale Belange über den Werkszaun hinaus engagiert, würdigten Redner. Zu Recht gelte Heller als Rebell, manche hätten gar von "Richard Löwenherz" gesprochen, lobte Rudi Müller, neuer Betriebsratschef und langjähriger Wegbegleiter. Er charakterisierte Hellers Engagement so: Arbeitswillen eines Pferdes und Gedächtnis eines Elefanten.
Jede Menge Glückwünsche und Blumen gab's auch für Ehefrau Rosi, und mancher erfuhr bei dieser Gelegenheit vielleicht zum ersten Mal auch mehr über den Menschen Richard Heller, der Großvater ist, gerne reist, sich für Kultur und Weinbau interessiert.
Heller als harten, aber fairen Gegenspieler würdigte Opel-Generaldirektor David Herrmann. Als langjähriger Verhandlungskontrahent entwarf Arbeitsdirektor Dr. Walter Schlotfeld ein beeindruckendes Bild: "Wir haben verdammt harte Auseinandersetzungen gehabt", aber am Ende habe immer ein Kompromiß gestanden. "Wenn ich Sie jetzt so anschaue, dann ist es für mich natürlich eine gewisse Genugtuung, daß durch diese Auseinandersetzungen nicht nur ich, sondern auch Sie graue Haare bekommen haben." Schlotfeld lobte Heller als Partner, der immer zu seinem Wort und Abmachungen gestanden habe. "Da wir beide die Lösung wollten, da wir beide wußten, daß ein dritter uns keine bessere Lösung bringen würde, als die, zu der wir uns durchringen würden, haben wir den Kompromiß geschafft." Konflikte seien nie persönlich geworden, man habe sich immer in die Augen sehen können. Nicht von ungefähr sei Opel oft um diesen Betriebsratsvorsitzenden beneidet worden.
Für die IG Metall gratulierte das geschäftsführende Vorstandsmitglied Karin Benz-Overhage, für die Stadt Rüsselsheim Oberbürgermeister Norbert Winterstein, für die SPD als Überraschungsgast der frühere Bundesvorsitzende Hans-Jochen Vogel und fürs Land Ministerpräsident Hans Eichel. Der nutzte die Gelegenheit zu dem Sonderlob "Ich bin stolz auf dieses Unternehmen" und dankte besonders, daß mit Opel es ein hessisches Unternehmen gewesen sei, das als erstes eine Belohnung zur Ergreifung der Täter von Mölln ausgesetzt und ein Zeichen für das friedliche Miteinander von Deutschen und Ausländern gesetzt habe.
Gegen Politikverdrossenheit empfahl Richard Heller: "Man muß hinter dem stehen, was man sagt. Man muß sagen, was man denkt. Man muß mehr denken, als man sagt." Richard Heller wäre nicht er selbst, hätte er bei seinem Dank nicht auch an diesem Tag klare Worte parat gehabt: Notwendig seien in unserer Gesellschaft paritätische Mitbestimmung, reel geteilte Macht zwischen Arbeit und Kapital. WALTER KEBER
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Somalia Erste US-Soldaten ziehen ab Seite 2
Leitartikel Spaltung statt Solidarität Seite 3
Gorleben Proteste bei Atommüll-Ankunft Seite 4
Feuilleton Pina-Bausch-Ballett Seite 8
Medienrundschau Konzentration im TV-Geschäft Seite 11
Dokumentation Clintons und Gores Visionen Seite 12
Wirtschaft Bonn erwartet BSP-Minus Seite 13
Sport Daviscup ohne Becker Seite 16
Frankfurt Mord auf offener Straße Seite 19
Kulturspiegel Hollywood am Main Seite 23
Hessen Gelbe Säcke unterwegs Seite 24
Aus aller Welt Richter beschuldigt Luftlinie Seite 30
Fernsehen und Funk Seiten 9/10
Freie Aussprache Seite 14
Börse Seite 15
Roman Seite 16
Filmspiegel Seite 26
Ein kraftvoller Neuanfang in der Mitte der Legislaturperiode - so hat sich der Bundeskanzler das Kabinettsrevirement einmal vorgestellt. Gemessen am eigenen Anspruch ist seine Regierungsumbildung ein Flop. Drei Ministerien hat Kohl neu besetzt, weil er es wegen angekündigter oder bereits erfolgter Rücktritte mußte. Lediglich die Ablösung Heinz Riesenhubers war ihm nicht aufgezwungen worden. Mit dem Kraftakt für den Endspurt bis zum Wahljahr 1994 kann ja wohl die Berufung eines neuen Forschungsministers nicht gemeint gewesen sein.
Die Tatsache, daß mit Matthias Wissmann ein CDU-Wirtschaftsmann das Erbe Riesenhubers antritt, ist wohl eine Mahnung an die FDP. Die darf zwar nach dem gescheiterten Möllemann das Wirtschaftsressort wieder besetzen, doch wird der neue Forschungsminister in Sachen Wirtschaftspolitik kräftig mitmischen. Vertan auch die Chance, durch eine energische Straffung der Regierungsmannschaft Geld einzusparen. Sieben Staatssekretäre weniger wiegen die Unterlassung nicht auf, sinnvollerweise ganze Ministerien zusammenzulegen. Es leuchtet besonders in Zeiten knapper Kassen nicht ein, warum sich eine Regierung jeweils ein Ministerium für Frauen und Jugend sowie für Familie und Senioren leistet.
Die Regierungsumbildung ohne Überraschungen läßt kein Konzept erkennen, wie Helmut Kohl die anstehenden Probleme etwa bei der Umsetzung des am selben Tag verhandelten Solidarpakts meistern will. Sein letztes Aufgebot steht jedenfalls nicht für einen mutigen zweiten Anfang. rei (Bonn)
FRANKFURT A. M. Die anhaltende Krise in der Golfregion mit den Angriffen der alliierten Streitkräfte gegen Irak beeinflußt die deutschen Aktienmärkte nicht. "Das ist hier kein Thema", sagte ein Frankfurter Händler. Überwiegend freundlich tendierten die Dividendenpapiere gestern erneut am Main, allerdings schloß der Deutsche Aktienindex (Dax) mit 1578,83 Zählern in der Nähe seines Tagestiefs. Eine weit größere Rolle als die Vorgänge im Irak spielten Marktteilnehmern zufolge die vorwiegend im Ausland weiterhin gehegten Hoffnungen auf sinkende Zinsen. Ferner hieß es: "Verschiedene internationale Investmenthäuser scheinen den hiesigen Markt nicht mehr so negativ zu beurteilen."
Von Bedeutung war gestern, da die Umsatztätigkeit im Vergleich zum Wochenauftakt nachließ, das Engagement der Terminbörse. Ihr schrieben Händler zu, daß sie für steigende Aktienkurse sorgte.
Auf großes Interesse stießen beispielsweise Bauwerte. Holzmann kletterten um 34 Mark. Strabag legten zwölf Mark zu.
Die am Vortag mit Kursgewinnen aufgefallenen Titel der Großchemie mußten Korrekturen hinnehmen. Sie büßten zwischen 0,80 (Bayer) und 3,60 Mark (Hoechst) ein. In dieser Branche fällt übrigens der Kurssturz der "Spezialität" Schering auf. Dieser Wert verlor gestern 28 Mark.
Ruhiger als tags zuvor ging es am Rentenmarkt zu. Uneinheitlich zeigten sich öffentliche Anleihen. Die Durchschnittsrendite verharrte bei 6,93 Prozent. Keine klare Tendenz zeigten auch Mark-Auslandsanleihen.Das Wetter
Wetterlage Die Kaltfront eines Nordmeertiefs dringt im Tagesverlauf in den Norden Deutschlands vor. Der Hochdruckeinfluß über der Südhälfte wird allmählich abgebaut. Vorhersage bis Donnerstag früh: In der Nordhälfte bedeckt und zeitweise Regen. In der Südhälfte wechselnd wolkig und vor allem südlich der Donau auch einzelne Aufheiterungen, kaum Niederschlag.
Tageshöchsttemperaturen 5 bis 9, Tiefstwerte nachts null bis 5 Grad.
Im Süden schwacher bis mäßiger, im Norden starker und in Böen Sturmstärke erreichender Wind aus Südwest bis West. Weitere Aussichten für Donnerstag: Auch im Süden zunehmend stark bewölkt und gelegentlich Regen, weiterhin mild. Wetterdaten vom Vortag, 13 Uhr MEZ Ausland Ort Wetter Grad
Algier
leicht bewölkt 16 Amsterdam
wolkig 7 Athen
leicht bewölkt 16 Barcelona
leicht bewölkt 11 Bordeaux
wolkig 13 Bozen
wolkenlos 0 Brüssel
wolkig 7 Dublin
bedeckt 8 Helsinki
Schneefall -1 Innsbruck
leicht bewölkt 6 Istanbul
wolkenlos 10 Kairo
wolkenlos 19 Larnaka
leicht bewölkt 18 Las Palmas
leicht bewölkt 20 Lissabon
wolkig 11 Locarno
leicht bewölkt 7 London
stark bewölkt 8 Madrid
wolkenlos 7 Malaga
leicht bewölkt 16 Mallorca
leicht bewölkt 15 Moskau
Schneeschauer 0 Neapel
wolkig 12 Nizza
wolkig 11 Paris
wolkig 11 Rom
stark bewölkt 12 St. Petersburg
bedeckt -1 Stockholm
leicht bewölkt 1 Tunis
wolkenlos 14 Venedig
leicht bewölkt 9 Warschau
leicht bewölkt 5 Wien
wolkenlos 7 Zürich
stark bewölkt 6
Deutschland
Berlin
wolkig 5 Dresden
stark bewölkt 7 Feldberg/Ts.
in Wolken 1 Feldberg/Schw.
in Wolken -2 Frankfurt/M.
wolkig 8 Freiburg
leicht bewölkt 9 Garmisch
wolkig 5 Hamburg
bedeckt 5 Köln/Bonn
Regen 6 Leipzig
stark bewölkt 5 München
leicht bewölkt 7 Norderney
Regen 6 Rostock
Regen 3 Sylt
stark bewölkt 6 Zugspitze
wolkig -9
Telefonansagedienste Wettervorhersage 11 64 Reisewettervorhersage 1 16 00 Segelflugwetter 1 15 06 Medizinisch-meteorologische Tips, unter anderem für Allergiker und Herz-Kreislauf-Patienten 1 16 01 Smogwerte 06 11 - 58 12 42 (Wenn die Grenzwerte nach der Smogverordnung überschritten werden, melden wir dies an gesonderter Stelle.)
Sonnenaufgang 8.14 Uhr Sonnenuntergang 17.00 Uhr
Wirtschaftskraft: "Dienstleistung hält die Stadt am Leben"
Auf einen Blick
Seite II USINGEN. 40 Jugendliche demonstrierten vor dem Rathaus: Sie fordern einen Jugendpfleger. Seite III KÖNIGSTEIN. Ein neues Hotel und 100 Wohnungen neben dem Kurbad? Stadt schafft Rechtsgrundlagen. Seite IV HOCHTAUNUSKREIS. Muß Fresenius draufsatteln? EG ermittelt wegen Grundstücksdeals mit Friedberg.
Frankfurt steht noch ganz gut . . .
Obwohl die Krise vor allem die Industrie trifft, spüren auch andere Branchen die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftsflaute. Die Makler beispielsweise einen ganz ungewohnten Rückgang der Büromieten. Oder das Forschungsinstitut Battelle: Es meldet gerade mit Verweis auf die Rezession den Abbau von mehr als 200 Arbeitsplätzen. Auch Viel-Sterne-Hotels stöhnen, daß der früher so dollarschwere Kunde aus Übersee heute lieber ein paar Sterne billiger logiert.
Das Gros der Frankfurter Wirtschaft scheint jedoch noch weitgehend unbeeindruckt von den düsteren Konjunkturprognosen zu sein. Der Optimismus bei den Dienstleistungsunternehmen sei womöglich "nicht mehr ganz so ausgeprägt" wie ehedem, weiß IHK-Mann Birner, aber das Echo auf die regelmäßige Kammerumfrage nach der konjunkturellen Befindlichkeit laute immer noch: "Es geht uns weiter gut." Die Frankfurter Sonderrolle führt Birner auf den geringen Anteil von "deutlich unter 25 Prozent" Industriearbeitsplätzen zurück.
Bei den Konsumenten jedenfalls scheint die Krisenstimmung noch nicht angekommen zu sein. Sie kaufen sich gleich neue Schuhe, anstatt die alten bei Schuhmacher Lenz für 40 bis 80 Mark noch mal besohlen zu lassen. Und selbst Herbert Kämpfer, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, scheint ganz erstaunt, daß sich auf seine Umfragen die Einzelhändler "nicht so pessimistisch" äußern, nachdem ein guter Dezember den schwachen November wieder wettgemacht hatte.
Die Käufer kaufen, die Umsätze stimmen, die "starke Dienstleistungsbranche", sagt Kämpfer, "hält Frankfurt am Leben".
(Siehe auch: Keine Rede von . . .)
57 Jahre alte Frau auf der Straße erschossen . . .
Der Mann bestieg anschließend ein Auto, das vor dem Haus der Frau stand, und fuhr in Richtung Hanauer Landstraße davon. Den Wagen hatte er laut Polizei am Vortag in Dreieich bei einer Autovermittlung angemietet. Von dem Täter fehlte am Dienstag noch jede Spur. Für die 57jährige kam alle Hilfe zu spät. Sie erlag ihren Verletzungen kurz nach dem Anschlag. Die 57jährige Edith S. war seit fünf Jahren als Sekretärin bei der Frankfurter CDU-Kreisgeschäftstelle beschäftigt. Dort arbeitete sie unter anderem auch für die OB-Kandidatin der CDU, Petra Roth. Bis zu ihrem Umzug nach Fechenheim war sie Mitglied der CDU-Fraktion im Ortsbeirat 16 (Bergen-Enkheim).
Wie CDU-Kreisgeschäftsführer Heinz Daum am Dienstag sagte, hätten die Kolleginnen und Kollegen bereits seit Monaten mitbekommen, daß ihr Mann, der unter psychischen Problemen litt, die 57jährige nach der Trennung immer wieder bedrohte. Einmal habe er dies sogar in der CDU-Geschäftstelle versucht. Daum: "Polizei und sein Psychiater waren informiert. Wir haben Edith S. Sympathie entgegengebracht, aber helfen konnten wir ihr nicht."
Ein Mountainbike-Fahrer hat am Dienstag gegen 7.50 Uhr in der Straße Am Hohen Weg in Hausen auf einem Gehweg einen fünfjährigen Jungen umgefahren, schwer verletzt und anschließend Unfallflucht begangen. Das Kind erlitt einen Schienbeinbruch und mußte in ein Krankenhaus gebracht werden.
Wie die Polizei mitteilte, hatte der Radfahrer weder den markierten Radweg benutzt noch die Beleuchtung seines Fahrrads eingeschaltet. An der Ecke Langweidenstraße erfaßte er den Fünfjährigen, schleuderte ihn mit dem Rad zu Boden und fuhr weiter. Der Vater des Jungen, dessen Wohnung nicht weit entfernt ist, brachte sein Kind ins Krankenhaus.
Mögliche Zeugen des Unfalls werden gebeten, sich mit dem 11. Polizeirevier unter der Telefonnummer 78 23 41 in Verbindung zu setzen. enk
DIETZENBACH. Rund 800 000 Mark will die Stadt in den kommenden drei Jahren investieren, um die elektronische Datenverarbeitung im Rathaus weiter auszubauen. Der Magistrat appelliert an das Stadtparlament, einen entsprechenden Sperrvermerk im '93er Haushalt aufzuheben. Außerdem sollen 90 000 Mark eingeplant werden, um für zwei Jahre mit Fachleuten einen Beratervertrag abschließen zu können. fin
Frankfurt hat einen Diplomaten mehr: Die litauische Regierung hat den Frankfurter Unternehmer Karl Rothenberger zum Honorarkonsul der baltischen Republik ernannt. Die Bestätigung des Auswärtigen Amtes und der hessischen Staatskanzlei liegt bereits vor.
Das neue litauische Konsulat in der Gutleutstraße 163 (Telefon: 23 23 33) ist für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland zuständig. Es sei das erste Honorarkonsulat Litauens in Europa. mat
Der CDU-Landesvorstand Sachsen-Anhalt hat ein Machtwort im Fall des Bundestagsabgeordneten Rudolf Krause gesprochen: Entweder jener distanziert sich von der eigenen Denkschrift, oder der Vorstand verhängt eine Ordnungsmaßnahme, falls der Herr nicht vorher selbst die Partei verläßt.
Warum aber ließ diese Distanzierung so lange auf sich warten? Immerhin kursierte Krauses "Denkschrift zu nationalen deutschen Fragen" in seiner Heimat Altmark schon seit Ende November. Die Bonner wie die Magdeburger CDU, die davon wußten, haben zunächst offenbar geglaubt, sie könnten die dummdreisten Sprüche aus dem Wörterbuch des Unmenschen als Ausrutscher eines politisch Unerfahrenen abtun.
Rudolf Krause scheint Einsicht nicht zu zeigen. Da nützt eine Frist nichts. Wie sagte CDU-Vorstandsmitglied Norbert Blüm bei der Trauerfeier in Mölln: "Wir brauchen keine alten und keine neuen Nazis." Will die CDU in Bund und Ländern glaubwürdig bleiben, hilft nur die scharfe Trennung. "Ordnungsmaßnahmen" verkleistern den Grundkonflikt.
Mit Sprüchen vom "gesunden Volksempfinden" und vielem mehr hat Krause ungeschriebene, aber den allermeisten Deutschen nach Auschwitz stets bewußte Regeln durchbrochen. Ihm ist ein Volkshochschulkursus in Demokratie zu empfehlen; er gehört nicht in den Deutschen Bundestag. Am Stammtisch im Altmarkdörfchen Bonese mag er nach dem zehnten Humpem Bier solche Gedanken äußern, ohne Schaden für die deutsche Demokratie. zba
DIETZENBACH. "Die CDU begrüßt den Sinneswandel der SPD hinsichtlich einer rechtlichen Selbständigkeit des Bürgerhauses und der Zusammenlegung der Miniämter für Kultur und Vereine", erklärt Dr. Heinrich Volz als Sprecher der CDU-Fraktion. Das werde mit Genugtuung zur Kenntnis genommen. Die SPD gehe auf alte CDU-Forderungen ein. Und offenbar könne sich die SPD auch damit anfreunden, "erst nach der Kommunalwahl einen neuen Bürgerhausmanager zu bestellen".
Neben der Entideologisierung der Kulturarbeit durch diese Organisationsänderungen", so Volz, müsse zukünftig sichergestellt werden, daß die Vereine die Bürgerhausräume künftig häufiger und zu geringeren Gebühren nutzen könnten. Gleichzeitig müßten die Kosten für das Bürgerhaus - derzeit betrügen sie rund 1,3 Millionen Mark - durch einen Programmverbund mit Bürgerhäusern der Nachbargemeinden gesenkt werden. fin
FRANKFURT A. M. (FR). Die New Yorker Aktienbörse hat sich am Dienstag nach rund einer Stunde Geschäftszeit in deutlich schwächerer Verfassung präsentiert. Der Dow-Jones-Index verlor 20,00 Punkte. Am Vortag war er um 3,79 auf 3274,91 Zähler vorgerückt.
In Tokio stieg der Nikkei-Index für 225 Top-Werte um 181,40 auf einen Schlußstand von 16 798,64 Punkte.
Ruf doch mal an. Den Slogan der Telekom kann einer ihrer Kunden nicht mehr hören, ohne in krampfartige Zustände zu verfallen. Seit beinahe zwei Wochen hatte er versucht, die Fernmelderechnungsstelle zu erreichen. Eine kleine Frage nur, sicher schnell zu klären, weil etwas mit der neuen Rechnung nicht stimmte.
So hatte er es gelegentlich probiert, ohne Erfolg, denn dort war immerzu besetzt.
Gestern wollte der Mann es wissen. Den ganzen Vormittag versuchte er sein Glück, ohne sich durch das nervtötende Tut-tut-tut des Besetzt-Zeichens abschrecken zu lassen. Zweimal kam er wirklich durch. Doch die Freude währte nur kurz. Nach langem Klingeln sprang der Ruf aufs Besetzt- Zeichen um.
Ein verzweifelter Versuch, über die Zentrale des Fernmeldeamtes 3 weiterzukommen, blieb vergeblich, weil da niemand abhob.
Die besorgte Anfrage eines Journalisten, ob sich das Amt in Luft aufgelöst habe, fand keine Antwort. Bei der Pressestelle der Telekom war immer besetzt.
Am Nachmittag kam der Ruf bei der Fernmelderechnungsstelle doch mal an. Ein Anrufbeantworter teilte freundlich mit, daß diese Stelle für telefonische Anfragen nur montags bis freitags von 8 bis 11.30 Uhr besetzt sei. Vielleicht sollte es der Telekom- Kunde mit Trommeln versuchen. Ihr Bastian
Klage zurückgewiesen Wahlmaschine darf eingesetzt werden
KREIS OFFENBACH. Das Bundesverfassungsgericht hat jetzt die bereits vor zwei Jahren eingereichte Klage eines Nieder-Rodeners gegen den Gebrauch von Wahlmaschinen im Bundestagswahlbezirk 144 zurückgewiesen. Wie der stellvertretende Kreiswahlleiter im Offenbacher Landratsamt, Werner Pohlmann, schlußfolgerte, steht somit auch dem Vorhaben nichts mehr im Wege, zur Kommunalwahl am 7. März in Dietzenbach, Hainburg, Mainhausen, Rodgau und Seligenstadt Wahlmaschinen einzusetzen. Diese Städte und Gemeinden im Kreis Offenbach gehören zu dem 144er Bundestagswahlkreis. Lediglich in Rödermark wird - aus Tradition - auf die Stimmzählgeräte verzichtet und mit Bleistift und Stimmzettel gewählt. fin
DIETZENBACH. Die Kleingartenanlage östlich des Bahndamms und nördlich des Gewerbegebietes wird im Frühjahr erweitert. 48 Gärten mit je 150 Quadratmetern kommen hinzu. Der Magistrat beauftragte die Deutsche Stadtentwicklungsgesellschaft (DSK), den Ausbau vorzubereiten. Wasserleitungen werden von den Stadtwerken verlegt. Die meisten Gärten sollen an Bewohner des nahen Starkenburgrings verpachtet werden. fin
Vermutlich derselbe Täter hat am Montag morgen kurz hintereinander in Bockenheim, im Nordend sowie im Westend drei Frauen überfallen und beraubt. Wie die Polizei mitteilte, hatte der Mann, der in einem Opel Kadett Caravan unterwegs war, den ersten Überfall auf eine 44 Jahre alte Frau gegen 7 Uhr in der Basaltstraße in Bockenheim verübt. Er riß sie von hinten zu Boden, würgte sie und entriß ihr die Handtasche mit 500 Mark.
Nur eine Viertelstunde später war eine 55jährige in der Schlosserstraße im Nordend sein Opfer. Die Frau hatte sich in ihr Auto gesetzt und wollte gerade wegfahren, als der Unbekannte plötzlich die Tür aufriß, der 55jährigen ins Gesicht schlug und ihr einen Einkaufsbeutel entriß. Wenig später überfiel er im Kettenhofweg im Westend eine 48jährige. Sie hatte gerade die Firma betreten wollen, bei der sie arbeitet. Diese Frau beobachtete dann auch, wie der Täter in den Opel Kadett einstieg und flüchtete. Das Kölner Kennzeichen hatte die Endziffern . . . 29, mehr konnte die Frau nicht mehr erkennen.
Der Täter ist nach übereinstimmender Beschreibung der Frauen etwa 1,65 Meter groß, schlank und zierlich. Er trug auffallend kurze, schwarze Haare und war mit einer hellen Jacke bekleidet. Hinweise auf den Mann nimmt die Polizei unter der Rufnummer (069) 755-4014 oder -4040 entgegen. enk
Erst kam eine Gruppe Pauschalurlauber aus Frankfurt nicht weg, jetzt sitzt eine weitere Gruppe in Santo Domingo fest: In beiden Fällen hatten die Touristen bei Aquarius-Reisen ihren Karibik- Urlaub gebucht. Wie schon Anfang Januar, als Urlauber erst nach Zahlung eines Aufschlags von 888 Mark an Bord der Maschine nach Santo Domingo gehen durften (die FR berichtete), hängt es auch jetzt am Geld. Etwa 40 Touristen müssen zwangsweise in der dominikanischen Hauptstadt bleiben, weil Aquarius- Reisen mit einer Hotelkette wegen der Rechnung im Clinch liegt. Die Deutschen hatten die Wahl, entweder noch einmal zu zahlen oder ihr Hotel zu verlassen. Nun wurden ihnen die Pässe abgenommen, um dem Nachdruck zu verleihen.
Zu allem Überfluß soll auch der Reiseleiter der Gruppe nicht mehr Herr der Lage sein. "Die Probleme sind ihm offenbar über den Kopf gewachsen", meinte Baki Kiper von der Aquarius-Geschäftsleitung in Frankfurt. Derzeit sei man "nicht im Bilde, wer wo wohnt". Führungslos, so scheint es, warten die Urlauber auf Erlösung. Kiper wies jede Schuld an dem Fiasko von sich und sprach von einem "Gewaltakt" der Hotelkette. Die habe die Gäste nicht in dem Haus untergebracht, das vorgesehen war. Daraufhin minderte Aquarius die vereinbarte Summe, und das Unglück nahm seinen Lauf.
Heute soll ein Mitarbeiter nach Santo Domingo fliegen, um die Rechnung zu begleichen. Das Geld will der Veranstalter dann auf dem Gerichtsweg zurückbekommen. Womöglich wenden sich die gestreßten Urlauber mit saftigen Regreßansprüchen an den Reiseveranstalter - wenn sie denn wieder hier sind. vo
Baut die Post in Mainhausen ein Frachtzentrum? SPD will entsprechende Informationen haben: Sie steht dem Vorhaben positiv gegenüber, hat aber noch Fragen Von unserem Redaktionsmitglied Martin Feldmann MAINHAUSEN. "Nach unseren Informationen läuft alles darauf hinaus, daß der Deutsche Postdienst in Mainhausen ein großes Frachtzentrum bauen will", sagt SPD-Sprecher Hans Christian Falkenberg. Die Telekom besitze in Mainhausen zwei große Grundstücke, wo Platz für ein solches Vorhaben sei. Zum einen komme das Gelände der Sendefunkstelle Mainflingen in Frage, zum anderen ein Terrain an einer Sendeeinrichtung südwestlich der Autobahn am Hundeübungsplatz Zellhausen. Eine Vertreterin der Telekom- Pressestelle erklärt: "Zu dem Vorhaben geben wir zur Zeit keine Auskunft." Gründe werden jedoch nicht genannt. Eine Sprecherin der Generaldirektion des Deutschen Postdienstes in Bonn: "Wir prüfen alle Angebote." Der Zellhäuser Postgewerkschafter Jochen Janzer, der - als SPD-Mitglied - auch am Dienstag abend in einer Informationsveranstaltung der Mainhäuser Sozialdemokraten über den Stand der Dinge berichtete, weist darauf hin, daß er bereits vor einiger Zeit erfahren habe, daß der Postdienst mit der Telekom wegen eines Grundstücks im Mainhausen verhandele. Unabhängig davon habe der Mainhäuser Bürgermeister Dieter Gröning (CDU) dann in dem Gemeindeblättchen verlautbaren lassen, daß "500 wertvolle Arbeitsplätze" für Mainhausen durch eine "behördliche Einrichtung" in Aussicht seien. Janzer: "Aus unserer Sicht entstehen bestenfalls ganz wenige Arbeitsplätze für Mainhäuser - und nur solche mit geringer Qualifikation."
Der Grund sei die sogenannte Postreform, durch die Tausende von Menschen im Rhein-Main-Gebiet ihren alten Job bei der Post verlören. Doch tarifvertraglich hätten sie das Recht auf Weiterbeschäftigung. Janzer schlußfolgert: "Das heißt, die Post bringt ihre Arbeitnehmer sozusagen mit nach Mainhausen." Janzer ist auch Personalrat im Fernmeldezeugamt der Telekom in Heusenstamm, das 1995 geschlossen werden soll. Personal, das dort Zug um Zug abgebaut werde, können beim Postdienst nicht unterkommen. "Die müssen ja erst mal ihre eigenen Leute unterbringen."
Wenn die Pläne, in Mainhausen konkret würden, müßten die Kommunalpolitiker mal ein paar konkrete Fragen an den Postdienst stellen, meint Janzer. So müsse nachgehakt werden, wie viele Lastzüge täglich das Zentrum anführen und ob ein neuer Autobahnanschluß an der A 3 gebaut werden könne. Denn sonst drohe in der Gemeinde der Verkehrskollaps. Die SPD steht dem Vorhaben insgesamt wohlwollend gegenüber, weil so für die Postler der gesamten Region Arbeitspätze geschaffen werden können.
Nach Angaben des für den Postdienst zuständigen Bezirkssekretärs der Deutschen Postgewerkschaft, Bernd Duschka, sucht die Post im Großraum Frankfurt Standorte für zwei Frachtzentren. Bundesweit entstünden 33 davon, um die Paketbeförderung rationeller abzuwickeln. Das erste Zentrum entstehe bei Hagen in Westfalen. 26 weitere Standorte stünden fest, doch im Ballungsraum gestalte sich die Suche nach Grundstücken als äußerst schwierig. Duschka schätzt, daß in einem solchen Center 800 Menschen beschäftigt werden könnten. Laut Postgewerkschaft ist noch offen, ob Telekom in Mainhausen an den Postdienst verkaufen werde.
Während Bürgermeister Gröning zur Zeit verreist ist, war auch Erster Beigeordneter Wolfgang Amerschläger gestern nicht zu erreichen.
Tschechei befürchtet Gewalt
Offiziellen Angaben der seit Jahresbeginn aufgelösten Tschechoslowakei zufolge lebten 1989 zusammen rund 180 000 Sinti und Roma in den beiden mittlerweile unabhängigen Republiken. Nach neuesten Schätzungen hat sich ihre Zahl vervierfacht. Bei einer Umfrage der früheren CSFR gaben 72 Prozent der Befragten an, den Zigeunern feindselig gegenüberzustehen.Für Senioren kostenlose Sport-Untersuchung
Voraussichtlich ab Februar können sich Seniorinnen und Senioren, die Sport treiben wollen, vom Gesundheitsamt wieder kostenlos untersuchen und beraten lassen. Wie Amtsleiterin Margarete Peters im Gesundheitsausschuß erklärte, werde dann die dafür vorgesehene Halbtagsstelle wieder besetzt sein.
Die Stelle, die im Oktober 1991 auf Wunsch aller Fraktionen geschaffen wurde und vom Sport- und Badeamt finanziert wird, war einige Zeit nicht besetzt gewesen. Rund 700 Untersuchungen im Jahr waren vorgenommen worden, bis die entsprechende Ärztin auf eine Ganztagsstelle gewechselt war. Die Fraktionen betonten erneut, wie wichtig es sei, im Alter geeigneten Sport zu betreiben. ft
Als Bestätigung rot-grüner Politik wertete Oberbürgermeister Andreas von Schoeler (SPD) jetzt den Rückgang der Zahl von Drogentoten in Frankfurt von 147 im Jahre 1991 auf 127 im Jahre 1992. Hessens Innenminister Herbert Günther (SPD) hatte die Zahlen zuvor offiziell bekanntgegeben.
Oberbürgermeister-Referent Ulrich Geissler erklärte, das Vorgehen der Polizei gegen die Drogenkranken in der früheren offenen Szene der Taunusanlage und die Verstärkung der sozialen Hilfsangebote zeigten Wirkung.
Die Vergabe des Ersatzstoffes Methadon an die Betroffenen komme allerdings noch nicht so in Gang wie vom Magistrat gewünscht. Es würden mehr Ärzte benötigt, die am Methadonprogramm teilnehmen. Und den Medizinern müsse es erlaubt werden, jeweils eine höhere Zahl von Drogenkranken zu betreuen.
Die vom Hessischen Innenminister Günther veröffentlichten Daten zeigen aber auch, daß die Zahl der Drogentoten in Frankfurts Nachbarstädten Darmstadt und Wiesbaden gestiegen ist. In Darmstadt gab es 1992 genau 22 Opfer gegenüber 16 im Vorjahr, in Wiesbaden wuchs die Zahl von 14 auf 21.
In Offenbach (15 Tote), Gießen (zwölf) und Hanau (zehn) gingen die Zahlen der Todesopfer auf der Drogenszene dagegen zurück. jg
Samstag, 23. Januar Demokratische Mitte Frankfurt. "Lob der Volksvertreter": Literarischer Nachmittag. Texte von Heinrich Heine bis Volker Kühn. Mit Hannelore Zeppenfeld, Sylvia Hoffmann, Pit Krüger, Rüdiger Lichti, Wolfgang Bieger und Ferry Ahrlé. Haus Dornbusch, 15 Uhr. Sonntag, 24. Januar SPD: Sonn-Talk des Ortsvereins Rödelheim mit Armin Clauss, Rita Streeb- Hesse, Sebastian Rottner und Wendelin Leweke. Jazz-Musik mit Willy Kalberlah. Ab 11 Uhr im Vereinsringheim Rödelheim, Assenheimer Straße 24. Sonntag, 31. Januar CDU: Talk-Show, Thomas Mann interviewt Petra Roth. Gespräche mit Bürgern. Kaffee, Kuchen, Musik, Unterhaltung. Heimfahrtdienst für Senioren und Behinderte. Bürgertreff Depot, Buchrainplatz, 15 Uhr.
"Die Substanzerhaltung der Schulen hat nie gelitten." Baudezernent Hanskarl Protzmann (SPD) wies am Dienstag im Bauausschuß die Vorwürfe der CDU- Fraktion zurück, wegen der schlechten Haushaltslage der Stadt seien in den vergangenen Jahren in vielen Schulen wichtige Bauerhaltungsmaßnahmen und dringende Reparaturen nicht ausgeführt worden. Die CDU-Abgeordneten Gerhard Ley und Helmut Reischmann hatten behauptet, Gebäude würden "verfallen" und aussehen wie Schulen "früher in der DDR".
Anlaß für die Vorwürfe der Christdemokraten war ein Bericht des Magistrats, in dem dieser selbst eingeräumt hatte, daß 1990 von den vorgesehenen 170 Schulbaumaßnahmen 45 und im Jahre 1991 von 240 sogar 93 nicht realisiert worden waren. Die meisten dieser Positionen, war im Magistratsbericht zu lesen, hätten wegen Personalmangel im Hochbauamt verschoben werden müssen.
Am Dienstag lieferte der Baudezernent zwei weitere Erklärungen nach. Schuld an "dem gewissen Tal, das wir 1990 durchschritten haben" sei zum einen die Neuorganisation des Hochbauamtes gewesen, wo aus zwei Abteilungen drei gebildet wurden. Zum anderen sei der zögerliche Ablauf der Baumaßnahmen eine Folge des Korruptionsskandals.
Da nach Bekanntwerden der Bestechungsaffäre jede Baumaßnahme ausgeschrieben werden müsse, hätten sich die Arbeiten wegen der "langwierigen und formalisierten Vergabeverfahren" entsprechend in die Länge gezogen. Inzwischen, so Protzmann, sei "einiges von der Liste abgearbeitet" worden. So habe die Stadt 1991 mit 35,9 insgesamt sieben Millionen Mark mehr ausgegeben worden als veranschlagt. Auch 1992 hätten die tatsächlichen Investitionen mit 34,9 exakt 4,2 Millionen Mark über dem im Haushalt vorgesehenen Satz gelegen. Als Unsinn wies Protzmann die Behauptung zurück, Reparaturen seien dann sofort durchgeführt worden, wenn es "politische Vorgaben" gab. Weil es in das Konzept des Magistrats passte, die Pausenhöfe auch nachmittags als Spielplätze zu öffnen, seien kaputte Fensterscheiben "anstandslos innerhalb von Null Komma Josef" ausgetauscht worden". Protzmann dementierte das "entschieden": "Da überschätzen sie aber die Verwaltung. Glauben sie, die überlegen ob dies eine Scheibe aus der Schule, einer Sozialstation oder vom Römer ist?" gang
"Sondergebiet - das heißt: es passiert nichts", kommentierte Norbert Wildhirt süffisant die Amts-Terminologie. "Höchst
md
Das Wahlplakat der Frankfurter SPD, das Oberbürgermeister Andreas von Schoeler in der Art amerikanischer Actionthriller als "Einsatzleiter" zeigt, will die CDU in der kommenden Woche in der Plenarsitzung des Landtags zur Sprache bringen. Der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Volker Bouffier, sagte, seine Fraktion wolle von der Landesregierung wissen, "wie sie die Bereitstellung von Ausrüstung und Personal der Frankfurter Polizei für Wahlkampfzwecke beurteilt". enk
UN-Organisation rüstet zum Kampf gegen Heuschreckenplage FAO beruft Krisenstab ein / Küstengebiete Sudans, Eritreas und Saudi-Arabiens bedroht / Verhandlungen mit Industrieländern Von unserem Korrespondenten Horst Schlitter
ROM, 20. Januar. Nach frühzeitigen Regenfällen Ende des vergangenen Jahres erwarten die nordostafrikanischen Länder gute Ernten. Doch die willkommene Feuchtigkeit bringt zugleich eine Gefahr mit sich, die dem Schwarzen Kontinent immer wieder schwer zu schaffen macht: Heuschrecken. Bedroht sind die Küstengebiete Sudans, Eritreas und Saudi-Arabiens. Wie die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) jetzt in Rom mitteilte, sind auch Ägypten und Jemen durch Schwärme von Wanderheuschrecken bedroht. FAO-Generaldirektor Edouard Saouma rief deshalb erneut den seit 1986 bestehenden Krisenstab zur Heuschreckenbekämpfung zusammen, "damit die Plage so schnell wie möglich bekämpft werden kann". Vor allem müsse verhindert werden, warnte Saouma, daß die Schädlinge auch auf andere afrikanische Länder übergreifen, deren Bewohner bereits unter Hunger und Bürgerkrieg leiden. Schnelles Handeln ist auch deshalb wichtig, weil das zu erwartende wärmere Wetter die Verbreitung der Heuschrecken begünstigt. Im Dezember hatten die Schwärme an den Küsten beiderseits des Roten Meeres bereits eindeutig zugenommen; das geht aus einem neuen FAO-Bericht über die Verbreitung der Schädlinge hervor. Fachleute rechnen damit, daß sich die Plage in Ost-Afrika, vor allem in Sudan und Saudi-Arabien, weiter ausbreiten wird.
Der bisher schwerste Heuschreckenbefall der Nachkriegszeit hatte im Jahre 1986 zur Aufstellung des Krisenstabs geführt, der sich seitdem schon nach dem ersten Alarmzeichen zusammenfindet. Damals hatten sich die normalerweise weniger gefährlichen Grashüpfer in Westafrika rasch ausgebreitet und schließlich die Sahelzone heimgesucht, als sie auf keinen Widerstand stießen. Die in diesem Jahr vor allem beobachtete Wüstenwanderheuschrecke ist deshalb gefürchtet, weil sie große Strecken zurücklegen kann.
Im Normalfall sind Heuschrecken Einzelgänger. Nur wenn die Lebensbedingungen für sie besonders günstig werden, schließen sie sich mit anderen zusammen und bedecken oft unübersehbare Flächen. In Sudan zogen am vergangenen Jahresende viele kleine Schwärme übers Land, die nur einige hundert Tiere umfaßten; andere Schwärme hingegen erreichten eine Größe von etlichen tausend Quadratmetern und befanden sich in ständiger Bewegung. Äthiopien wird von vielen Beobachtern als das am dichtesten befallene Gebiet angesehen. Allerdings mußten sich die Helfer der FAO auf Luftbeobachtung beschränken, weil unberechenbare Kriegshandlungen eine Kontrolle am Boden unmöglich machten.
In Saudi-Arabien bewegt sich eine größere Anzahl von Schwärmen über eine Fläche von rund 350 Quadratkilometern. Mit Sicherheit haben die Heuschrecken hier schon einen großen Teil ihrer Eier abgelegt. In Südägypten hingegen ist die Entwicklung der Plage noch nicht soweit fortgeschritten.
Am Wochenende wird der Krisenstab in Rom mit Vertretern der wichtigsten Geberländer, darunter der Bundesrepublik Deutschland, zusammentreffen, um sie über die jüngste Entwicklung zu unterrichten und finanzielle Unterstützung anzufordern. "Wenn Gefahr besteht, zeigen sich die Industriestaaten meist interessiert", äußerte sich ein Insider optimistisch. Hilfe wird sowohl bilateral gegeben wie auch über die FAO.
In akuten Fällen führt heute noch kein Weg daran vorbei, möglichst viele Schädlinge mit Insektiziden zu vernichten. "Wir sind zwar dabei, alternative Methoden zu entwickeln", heißt es in der römischen UN-Ernährungsorganisation, "doch steht der endgültige Erfolg noch aus."
BÜDINGEN. Bei der Anmeldung für die Wolfgang-Ernst-Schule können Eltern jetzt wählen, ob ihr Kind im Gymnasium zuerst Englisch oder Französisch lernen soll. Ein einmaliges Angebot für den östlichen Wetteraukreis, stellt Schulleiter Martin Günther heraus. Und Bernd Wenderoth, der sich sehr dafür einsetzt, daß Französisch als erste Fremdsprache eingeführt wird, betont: "Das Alter von zehn bis elf Jahren ist lernpsychologisch gesehen besonders günstig, um mit der von uns als schwierig empfundenen Sprache zu beginnen."
Die Ansicht, mit Englisch komme man überall durch, hält er für eine Fehleinschätzung, der viele Schülerinnen und Schüler bislang aufsäßen. Inzwischen gäben viele Französisch nach der elften Klasse ab und machten mit nur noch einer Sprache Abitur. Die "Sprachbarriere" zu Französisch sei ohnehin ungleich höher als zu Englisch. Dazu komme, daß viele mit der ersten Fremdsprache vertrauter seien. Englisch als "Sprache Nummer eins" werde nicht so leichtfertig abgewählt, und daher hofft Wenderoth, daß künftig wieder mehr Jugendliche auf ihrem Reifezeugnis mindestens zwei Fremdsprachen stehen haben werden.
Eine wichtige Rolle für die anstehende Neuerung spielten auch die intensiven Kontakte zwischen Büdingen und der bretonischen Stadt Loudeac. Beide Städte sind seit fast zehn Jahren verschwistert, seit 17 Jahren schon herrscht ein reger Schüleraustausch. Bemühungen, mit einer englischen Schule Kontakt aufzunehmen, scheiterten hingegen immer wieder, so Schulleiter Günther. Aber auch ohne den Austausch liegen Besuche in Frankreich buchstäblich näher als in England.
Etwa zwölf Prozent aller französischen Schüler lernen zunächst Deutsch. Umgekehrt sind es bislang nicht einmal halb so viele. Wenderoth sieht das neue Angebot daher auch als "Beitrag zur deutsch-französichen Verständigung", von dem die Lernenden direkt profitieren könnten. Dank der besonders engen Verbindung von Deutschland und Frankreich sei es in Schule, Studium und Beruf ein leichtes, vorübergehend ins Nachbarland zu wechseln. Französisch sei eine der wichtigsten internationalen Sprachen, besonders in Europa, Frankreich "unser bedeutendster Partner im wirtschaftlichen und politischen Bereich". Dazu erleichtere der "systematische Charakter" der französischen Sprache das Erlernen der zweiten Fremdsprache Englisch. Gute Kenntnisse in beiden Sprachen wiederum ergäben Vorteile in Studium und Beruf.
Ob es denn auch für die Schule selbst "gute Gründe" für Französisch als erste Fremdsprache gegeben habe wie etwa den Erhalt der Konkurrenzfähigkeit bei sinkenden Schülerzahlen? "Ein Sahnehäubchen aufs Tortenangebot zu setzen, war kein Motiv", wehrt Schulleiter Günther ab und meint, die Schule habe eher zuviel als zuwenig Zulauf. Es sei "schon eher ein Motiv", "daß wir Schüler haben wollen, die sehr leistungsfähig sind".
Für Kinder, die ernsthafte Schwierigkeiten haben, überhaupt mitzukommen, will er Französisch als erste Fremdsprache nicht empfehlen. Denn schließlich hat das Angebot auch Nachteile. Erbringt ein Kind die am Gymnasium erforderlichen Leistungen nicht, muß es den Schulzweig wechseln. In der Realschule aber gibt es keine Französischklassen. Bei einem generellen Schulwechsel können ähnliche Schwierigkeiten auftreten. Probleme könnte es auch geben, wenn ein Schüler hängenbleibt und vielleicht keine Französischklasse nachkommt.
Doch das befürchten weder Schulleiter Günther noch Französischlehrer Wenderoth. Eine Umfrage bei der letztjährigen Einschulung ergab, daß bei 178 Anmeldungen insgesamt 34 Kinder mit Französisch angefangen hätten. Und wie viele Kinder müssen es jetzt sein, damit eine Extraklasse zusammenkommt? "18 bis 30", meint Günther und versichert gleich, daß er auch mit 15 loslegen würde. "Dann würden wir eine gemischte Klasse machen, die sich während des Fremdsprachenunterrichts teilt. Man darf auf keinen Fall beim ersten Mal, bis sich das Angebot herumgesprochen hat, das Handtuch werfen."
Für Mitte März planen Fachkräfte und Schulleitung einen Informationsabend für die Eltern der neuen Fünftkläßler. Außerdem ist Wenderoth auch bereit, das Angebot an Grundschulen vorzustellen.
MONIKA KAPPUS
Briefe
"Den leidigen Disput endlich abschließen" Für die Fortsetzung der Debatten um eine Schmalspurbahn vom Bahnhof Saalburg zum Hessenpark hat ein FR-Leser kein Verständnis mehr.
"Am 6. Januar zitierte die FR den Besitzer des Freizeitparks Lochmühle, Herrn Zwermann, mit den Worten: Nur Multimillionäre oder die öffentliche Hand könnten die nur saisonal zu betreibende Bahn finanzieren, und sie sei ein klares Zuschußgeschäft.
Schon im November hatten Bürgermeister Michel und andere klar denkende Bürger und Behörden den Schmalspurplänen eine Absage erteilt. Dennoch können ihre Verfechter noch immer ihr Trommelfeuer für die Schmalspurbahn abschießen.
Sicher wäre nicht nur ich dankbar für eine Stellungnahme des Gemeindevorstands, ohne dessen Zustimmung die Bahn nicht gebaut werden kann. Damit sollte die Diskussion aber auch beendet werden. Paul Mäder 6393 Wehrheim
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BAD HOMBURG/FRIEDRICHSDORF. Wasser ist das Element, mit dem Frank Leissring arbeitet. Sein Ziel ist, die Klänge von Tropfen, Bächen und Wasserkreisläufen hörbar zu machen, sie zu zerlegen - und zu beweisen, daß die Unordnung des Elementes nur scheinbar ist. Die Extreme von Ordnung und Chaos faszinieren den Klang-Magier oder Klang-Architekten, wie er sich nennt. Seine Installationen und akustische Spiele sprengen den Rahmen jedes Ausstellungsraumes. Vor allem auch deshalb, weil er bewußt auf ein bleibendes Endprodukt seiner Arbeit verzichtet und das Material für seine Wasser-Musik immer am Ort der Konzerte zusammensucht.
In der Galerie im Stadthaus hat Leissring jetzt versucht, seine Arbeit zu dokumentieren, zu demonstrieren, wie er sich auf ein neues akustisches Spiel zubewegt und wie er es auch anschließend aus der Erinnerung auf Bildern festhält. Die Dokumentation umfaßt die letzten sechs Jahre seiner künstlerischen Arbeit.
Das erste "Akustische Spiel für Wasser und Gesang" hat er 1988 im Kloster von Serabonne in Frankreich installiert, "Konzert für 100 Zuhörer" hat er es genannt. Die Hörer sind aus Gips und Ästen geformt und haben die Reisen über Berlin nach Warschau, wo das akustische Spiel ebenfalls gezeigt wurde, mitgemacht. Ein großer Erfolg war auch seine Aktion in Perm in Sibirien, wo er den Wasserkreislauf eines Kraftwerkes anzapfte und auf Trommeln und anderen Resonanzkörpern hörbar machte: Ein Konzert mit bizarren Klängen entstand, mit dem Titel "Eismusik für drei erstarrte Wächter".
Die Ausstellung im Stadthaus zeigt, daß die so zufällig zusammengetragenen Installationen für die akustischen Spiele genau geplant sind: Leissring zeichnet Grundrisse des Veranstaltungsortes, hält die Wasserquellen im Plan fest und fügt seine Instrumente zeichnerisch ein.
Die Aufbauten werden nach den Aktionen wieder abgebaut, doch sie bleiben in der Erinnerung des Künstlers. Zwei Jahre dauert es ungefähr, sagt Leissring, bis er die Erinnerungen an die akustischen Spiele auch auf der Leinwand festhält. Planung und Erinnerung sind für Leissring ebenfalls Extreme, die er in künstlerische Verbindung bringen will.
Das akustische Spiel wird inzwischen auch durch "Thermischen Gesang" ergänzt - der Franzose Michel Moglia hat eine Feuerorgel gebaut, die als Gegenpol zu den Wasser-Spielen mit eingesetzt wird.
Wer über die Dokumentation in der Stadthaus-Galerie hinaus Einblick in Leissrings Arbeit bekommen möchte, hat dazu am Freitag, 29. Januar, 20 Uhr, in Garnier's Keller in Friedrichsdorf Gelegenheit. Leonie See wird aus ihrer Erzählung "Kurons Wanderungen", die Leissrings akustische Spiele als Hintergrund hat, vorlesen. Dazu tanzt die Argentinierin Celia Rojas Szenen nach Klängen von Wasser.
Die Dokumentation "Das akustische Spiel" ist in der Galerie im Stadthaus noch bis zum 31. Januar zu sehen. Geöffnet ist montags bis freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr. nau
KÖNIGSTEIN. Die lebensgroße Pappmaché-Figur des Igelhans gleich am Eingang zieht den Besucher sofort in ihren Bann. Fast bedrohlich, wie er da so auf dem Stuhl sitzt mit seinen bunten Stacheln auf dem Rücken, leicht vornübergebeugt, mit dem Dudelsack in der Hand. Die Sonnenbrille auf seiner Nase soll diesen Eindruck brechen, zeugt von der Zuneigung, die die Kinder diesem halb menschlichen, halb tierischen Märchenwesen entgegenbringen. Zehn Kinder, zwischen zehn und 13, haben ihn im vergangenen Herbst gebastelt. Jetzt ist er in der zweiten Semesterausstellung der Königsteiner Kinder-Kunst-Werkstatt zu sehen, in der Stadtbücherei im Kurhaus.
Über 100 Kinder beschäftigten sich im Herbst mit dem Märchen "Igelhans" der Brüder Grimm, das am 31. Oktober im Frankfurter Kinder- und Jugendtheater Premiere hatte. Sie malten Bilder, arbeiteten mit Pappmaché, bastelten in Kartons Situationen aus dem Märchen nach. Die Mädchen waren besonders von der Prinzessin fasziniert. "Zu Hause spiele ich auch gern Prinzessin", schreibt die sechsjährige Sophie zu ihrem Bild. So ist denn auch die Hochzeit am Ende des Märchens ein Hauptthema. Liebevoll mit Löckchen, Schleifen und bunten Gewändern verziert, feiern der Igelhans und seine Prinzessin im Schloß. Nur der achtjährige Alexander mißtraut dem Happy- End: "Wenn ich ein echter König wäre, würde ich meine Tochter nicht dem Igel zur Frau geben", schreibt er.
Die Werke sind noch bis Freitag, 29. Januar, zu sehen, montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr, montags, dienstags und donnerstags auch 15 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr. esi
Weshalb soll man solch ein Buch lesen, dessen tiefe Tragik nach den ersten Seiten bekannt ist? Weil Barbara Gowdy familiäre Strukturen so erzählt, als gäbe es den psychologischen Jargon nicht, als handele es sich um nie gekannte Gefühle, als müsse jede Regung des Herzens ganz neu und in ganz einfachen Worten erfunden werden. Zwar behauptet Barbara Gowdy in der Widmung, daß ihre eigenen Eltern anders gewesen seien als die Eltern in ihrem Roman, aber das Mittelklassen-Milieu hat sie studiert.
Es ist bemerkenswert, mit welchen Bildern, Assoziationen und Adjektiven Scholl-Latour sein Feindbild vermittelt. Es wimmelt im Text von Ausdrücken wie "entfesselte(m) Mob", "fundamentalistische(m) Eifer", von zusammengerotteten "Agenten" mit "finstere(n) Visagen", von "exotischer Wildheit", mörderischen Instinkten, aber auch "apathischen Orientalen". Bezeichnend ist auch seine Charakterisierung algerischer Präsidenten: Ben Bella gilt als von Frauen angehimmelter "Typ des orientalischen Schlagersängers", Boumedienne als "unerbittliche Dracula-Gestalt" und Boudiaf, dessen Ermordung der omnipräsente Reporter "gewissermaßen als Augenzeuge" miterlebt haben will - nämlich vor dem Fernseher im über 3000 km entfernten St. Petersburg -, als "mediokre Persönlichkeit".
Peter Scholl-Latour: Aufruhr in der Kasbah. Krisenherd Algerien. Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart 1992, 319 Seiten, 39,80 DM.
Kurz gemeldet
Ortsbeirat Nieder-Eschbach tagt Nur einen Antrag berät heute der Ortsbeirat 15 (Nieder-Eschbach). Das Gremium tagt um 19.30 Uhr im Nachbarschaftszentrum der evangelischen Gemeinde "Am Bügel", Ben-Gurion-Ring 39. Experten zur Gesundheitsreform "Was ändert sich durch das neue Gesundheitsstrukturgesetz (GSG)?" Das will die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD am heutigen Mittwoch, 20. Januar, 17.30 Uhr, im Bürgerhaus Bornheim klären. Themen für Frauen "Frauen in der Lebensmitte und danach" sind Thema eines Seminars, zu dem das Frauenreferat des Katholischen Bildungswerks, ins Haus der Volksarbeit, Eschenheimer Anlage 21, bittet. Auftakt der Gesprächsabende ist am heutigen Mittwoch, 17.45 bis 19.45 Uhr. Über Ungarns Verfassung Der Präsident des Verfassungsgerichts in Ungarn, Professor Laszlo Solyom, hält heute um 18 Uhr im Hörsaal 6 der Universität einen Vortrag über "Das Verfassungsgericht im Prozeß der Transformation Ungarns".
KRONBERG. Das Mumm-Gelände ist nicht die einzige Alternative zum Asylbewerber-Lager in der Altkönigstraße. Die CDU listete jüngst in einem Antrag die Grundstücke Im Tries und Im Kronthal auf - südlich von Kronberg im Rentbachtal gelegen.
Während "Im Kronthal" nach Überzeugung von Bürgermeister Wilhelm Kreß zu abgelegen ist, sei "Im Tries durchaus mehrheitsfähig". Das Grundstück gehöre einer öffentlichen Stiftung in Frankfurt, die mit einem Lager dort auch einverstanden sei, hat er recherchiert. Doch sei das Gelände, ebenso wie "Im Kronthal", Wasser- und Landschaftsschutzgebiet.
Kreß: "Beim Umlandverband Frankfurt haben die uns nicht einmal eine vorübergehende Nutzung erlauben wollen."
Ein Paar, das gut funktioniert
Die blutigen Vorfälle der vergangenen Monate in Deutschland haben bei Franzosen wie Deutschen Ängste wachgerufen. Zumal aus französischer Sicht die Reaktion deutscher Demokraten auf sich warten zu lassen schien, während beim Golf-Krieg die deutschen Straßen voller Demonstranten waren. Die Franzosen zeigten sich daher von den Kundgebungen ergriffen, die spät, aber beeindrukkend auf das Verbrechen von Mölln folgten. Ich habe in Paris Tränen der Rührung vor den Fernsehern gesehen, die Bilder von den Menschenketten zeigten.
Dennoch leben die Vorstellungen eines bedrohlichen Deutschlands weiter. Diese Klischees sind so sehr in den Köpfen verankert, daß hemmungslos immer wieder Argumente und Seiten gewechselt wurden. Das Gespenst von Revanchismus und Militarismus aus den fünfziger Jahren hat sich seit den achtziger Jahren in das Schreckensbild eines Deutschland verwandelt, das in Neutralismus abgleitet und gegenüber den Sirenenklängen eines aufweichenden Pazifismus wehrlos ist. Deutschland wurde verdächtigt, eine Remilitarisierung zu beabsichtigen. Es wurde verdächtigt, sich gegenüber dem Osten in einen unterwürfigen Pazifismus zu begeben. Es wurde beschuldigt, der Knecht des US-Imperialismus zu sein. Ihm wurden Finnlandisierungs-Neigungen unterstellt. Es wurde bezichtigt, den status quo abzusegnen, um es dann zu verdächtigen, Großdeutschland wieder anzustreben.
Die Wunden des Krieges sind noch gegenwärtig. Und wie sollten sie es auch nicht sein, da der von Hitler verbreitete Schrecken durch sein Ausmaß selbst ein Rätsel bleibt, das bei einfachen Gemütern für all die Vorurteile gegenüber dem "Volksgeist" sorgt? Das Erstaunliche aber ist, daß es dennoch eine tiefgreifende Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland gibt: ein Zeichen für das massive Verschwinden dieser Vorurteile. Anfang 1990 waren 68 Prozent der Franzosen für die Wiedervereinigung Deutschlands. Das war ein höherer Grad an Zustimmung als ihn Umfragen damals in der Bundesrepublik ermittelten.
Wie alle Paare haben auch Frankreich und Deutschland Stimmungsschwankungen durchgemacht, denen oft gegenseitige Mißverständnisse zugrunde lagen. Trotz der mitunter abweichenden Interessen bildet dieses Paar einen funktionierenden Haushalt. Ein kleiner Motor, der immer bereit ist, den großen stotternden Motor Europa in Gang zu halten. Am wichtigsten ist die tiefgreifende Veränderung in der Haltung der französischer Eliten zu Deutschland. Und dies nicht nur wegen des wachsenden Bewußtseins, was in Europa auf dem Spiel steht.
Es hat sich also ein neues Gleichgewicht zwischen Frankreich und Deutschland eingestellt. Nach der Wiedervereinigung hat Deutschland seine eigene Anfälligkeit entdeckt, während Frankreich seinen Anspruch auf die Rolle der Primadonna verloren hat. Beide haben ihre ärgerliche Arroganz aufgegeben: Frankreich die politische und Deutschland die ökonomische. Die wirtschafts- und währungspolitische Situation Frankreichs kann keinesfalls allein durch die französischen Entwicklung saniert werden. Das "Modell Deutschland" empfiehlt sich besonders in währungspolitischer, aber ebenso in sozialer Hinsicht oder im Bereich der Berufsschulausbildung. Franzosen müssen sich nicht schämen, wenn sie dabei gute Schüler Deutschlands sind.
Frankreich ist lange Zeit der "Vormund" des "politischen Zwergs" Deutschlands gewesen - eine Rolle, die es nun nicht mehr spielen will. Aber Deutschland braucht Frankreich weiter, so wie Frankreich, dessen gefestigte Währung von nun an zur "DM-Zone" gehört, Deutschland braucht. Während die Öffnung Europas sie objektiv voneinander entfernt - Deutschland schaut nach Osten, Frankreich nach Süden - müßte dies beide subjektiv einander annähern. Aber die Politik ist nicht immer logisch.
Der Autor war Chefredakteur von Libération; Übersetzung: Neumann
Von einst 30 Betrieben, die Zwieback aus Friedrichsdorf in alle Welt exportierten, sind noch zwei geblieben
I. Zweite Garage
B könnte gegen U Anspruch auf Ersatz der Reparaturkosten und des Nutzungsausfalles für den zweiten Gasragenplatz 1. Werkvertrag,
2. Mangel
a. Ein dem Werk selbst unmittelbar anhaftender Mangel
Garage und Hebebühne sind aber mangelfrei b. Mangelfolgeschaden
Ergebnis: es liegt kein Mangelschaden im Sinne des § 635 BGB vor.
635 BGB ist ein Anspruch wegen Nichterfüllung der Leistungspflicht. Allerdings reicht er wegen seiner Anbindnung an § 634 BGB für den Ersatz von Mangelfolgeschäden nicht aus. Durch die mangelhafte Ausführung der Werkleistung kann dem Besteller ein weiteren Schaden in einem anderen Rechtsgut, zum Beispiel Eigentum, entstehen, dann handelt es sich um einen "ausgesprochenen Mangelfolgeschaden" BGHZ 58, 305
Bei dem fehlenden Abwasserkanal handelt es sich um einen Werkmangel, der typischerweise nur dann auftritt, wenn er einen sogenannten Mangelfolgeschaden verursacht hat. Der Besteller soll in solchen Fällen nicht auf die Mängelbeseitigung beschränkt sein, sondern wegen des Folgeschadens auch einen Ersatzanspruch wegen "Positiver Forderungsverletzung" geltend machen können. BGHZ 58, 57
Dagegen wird eingewandt, der Ausdruck "Schadensersatz wegen Nichterfüllung" umfasse in § 635 BGB alle auf der Nichterfüllung ursächlich beruhenden Schäden, also auch deie Mangelfolgeschäden. § 635 sei lex specialis gegenüber den allgemeinen Vorschriften bei Schäden, die auf Werkmängel zurückzuführen sind. § 635 ist jedoch an den § 634 BGB angebundeni. Er setzt daher voraus, daß der Unternehmer den Mangel nicht fristgerecht beseitigt hat. Die Regelung geht davon aus, daß dann ein Schaden der zu ersetzen wäre, nicht mehr bestehe. Dies trifft aber gerade auf den Mangelfolgeschaden nicht zu. Dieser bliebe also unberücksichtigt. Dies spricht dafür, in § 635 BGB nur eine Regelung hinsichtlich des reinen Mangelschadens zu sehen. Mü/ Ko-Soergel § 538, Rn. 18, Palandt - Thomas Vorm. § 638 Rn. 4e
Für eine Positive Forderungsverletzung kommen also nur Ansprüche auf Ersatz von Schäden in Betracht, welche weder in einem dem Werk unmittelbar oder "eng"anhaftenden Nachteilen bestehen noch sonst eng und unmittelbar mit dem WerkMangel zusammenhängen. BGHZ 35, 130, 132; 37, 341, 343; 46, 238, 239
Zudem müßte der Schaden an einem anderen Rechtsgut als dem Werk entstanden BGHZ 92, 308) und von U auch schuldhaft verursacht worden sein.
1. Dem Werk selbst nicht anhaftender Mangel
Eine Haftung aus § 635 BGB scheidet somit dann aus, wenn der Schaden durch einen Mangel verursacht worden ist, der das Werk als solches nicht berührt.
Die Tiefgarage war über eine Hebebühne benutzbar. Diese würde auch über das Jahr 1992 hinaus brauchbar sein, wenn nicht das angesammelte Niederschlagswasser Leitungen und Kabel beschädigt hätte. Das Wasser konnte nicht abfließen. Da die Hebebühne immerhin - trotz des nicht ablaufenden Wassers - von Beginn an über mehr als fünf Jahre tauglich war, ist sie nicht mit einem Mangel behaftet. Ihre Funktionsuntauglichkeit ist durch Einflüsse von außerhalb zerstört worden. Der Schaden ist dadurch entstanden, daß außerhalb der Garage eine Abwasserleitung nicht verlegt wurde. Ein Schadensersatz aus Nichterfüllung ist somit nicht entstanden.
Zudem müßte B in einem
anderen Rechtsgut geschädigt
worden sein. Da die Garage samt Hebebühne ungerügt im Juli 1987 von B abgenommen wurden, ist ihm ein Schaden durch Mangel an der Werkleistung nicht entstanden. Der Schaden liegt in den Reparaturkosten und dem Nutzungsausfall für die zweite Garage.
ALPHA - Telefon 28 31 28 - 14.30, 17.15, 20.15 Uhr: Bitter Moon (in orig. English version).
BERGER KINOS - Air Condition! - Te- lefon 45 64 05 - 13.45, 15.45, 20.45, 23.00 Uhr: Der Tod steht ihr gut; 17.45 Uhr (OmU), 20.15 Uhr (dt. Fass.): Die Lie- benden von Pont-Neuf; 17.45, 19.15, 23.00 Uhr: Die Reinkarnation des Khensur Rinpoche; 13.30, 15.30: Der Eisbärkönig (o. Altersbeschr.).
BETA - Telefon 28 31 28 - 14.30, 17.30, 20.30 Uhr: Grüne Tomaten.
CINEMA - Telefon 28 29 33 - 14.15, 17.15, 20.15 Uhr: Eine Frage der Ehre.
CINEMONDE - Telefon 28 29 33 - 13.00, 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Der Tod steht ihr gut.
CINESTAR - Telefon 28 29 33 - 13.15, 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Sister Act.
EDEN - Telefon 28 52 05 - 11.00, 14.00, 17.00, 20.00 Uhr: Grüne Tomaten.
ELDORADO - Telefon 28 13 48 - 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Verhängnis.
ELITE - Telefon 28 52 05 - 10.30, 13.00, 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Der letzte Mohi- kaner.
ELYSEE 1 - Telefon 28 71 57 - 10.00, 12.30, 15.15, 18.00, 20.45 Uhr: Kevin - allein in New York.
ELYSEE 2 - Telefon 28 71 57 - 11.15, 14.15, 17.15, 20.15 Uhr: Eine Frage der Ehre.
ESPLANADE 1 - Telefon 28 57 89 - 10.30, 13.00, 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Sister Act.
ESPLANADE 2 - Telefon 28 57 89 - 12.00, 14.45, 17.30, 20.15 Uhr: Bitter Moon.
ESPRIT 1 - Telefon 28 52 05 - 10.00, 12.00, 14.15, 16.30, 18.45, 21.00 Uhr: Can- dyman's Fluch.
ESPRIT 2 - Telefon 28 52 05 - 10.00, 12.00, 14.00, 16.15, 18.30, 20.45 Uhr: Die Schöne und das Biest.
EUROPA - THX-Lucas-Soundsystem - Telefon 28 52 05 - 10.00, 12.30, 15.15, 18.00, 20.45 Uhr: Bodyguard.
EXCELSIOR 1 - Telefon 25 30 23 - 2.15, 5.15, 8.15 p. m.: A Few Good Men (in orig. English language).
EXCELSIOR 2 - Telefon 25 30 23 - 1.00, 3.30, 6.00, 8.30 p. m.: DAMAGE (in orig. English language).
EXCELSIOR 3 - Telefon 25 30 23 - 14.00, 17.00, 20.00 Uhr: Wiedersehen in Howards End.
FILMFORUM HÖCHST - Telefon 31 06 - 56 64 - 20.00 Uhr: Grenzland - eine Reise v. A. Voigt (Dokumentarfilm in Anwesenheit des Regisseurs).
GAMMA - Telefon 28 31 28 - 15.15, 17.45, 20.15 Uhr: Von Mäusen und Menschen.
HARMONIE - Telefon 61 35 50 - 20.15, 22.45 Uhr: The Crying Game (dt. Fass.); 18.00 Uhr: Nie wieder schlafen; 17.45, 20.00, 22.15 Uhr: Simple Man (OmU); 16.00 Uhr: Die Biene Maja (ab 6 J.).
JUGENDKINO - Telefon 43 26 26 - Mi., Do. keine Vorstellung.
KOMMUNALES KINO - Telefon 21 23 88 30 - 17.30 Uhr: Ciné-club fran- çais: Alain Robbe-Grillet La Belle Cap- tive, Frankreich 1983, OmU, Daniel Mesguich, Gabrielle Lazure; 19.45 Uhr: Der Kurzfilm, Ralph Steiner H2O, USA 1929 OF; 20.15 Uhr: American Indepen- dent: Jon Jost Zu Gast im Kommuna- len Kino: Jon Jost. Der amerikanische Filmemacher stellt seinen Film All the Vermeers in New York (USA 1990, OmU, mit Emmanuelle Chaulet und Katherine Bean) vor.
MAL SEH'N - Telefon 5 97 08 45 - 17.45 Uhr: Dügün - Die Heirat v. J. Elci (BRD/Türkei 1990/91); 19.45 Uhr: Erst- aufführung Winternachtstraum v. A. Veiel (der Reg. ist am Do., 14. 1., per- sönl. anwesend); 22.00 Uhr: Home of the Brave v. L. Anderson.
OLYMPIA - Telefon 28 31 28 - 15.00, 17.45, 20.30 Uhr: Verhängnis.
ORFEO - Telefon 70 22 18 - 18.00, 20.15 Uhr: Gestohlene Kinder; 22.30 Uhr: Diva.
ROYAL - Telefon 28 95 20 - 14.30, 17.30, 20.30 Uhr: Bodyguard; 23.00 Uhr: Rain Man (DM 9,-).
TURMPALAST 1 - Telefon 28 17 87 - 15.00, 18.00, 21.00 Uhr: Bitter Moon.
TURM 2 - 15.30, 18.00, 20.30, 23.00 Uhr: Die Stunde der Patrioten.
TURM 3 - 15.15, 17.45, 20.15, 22.45 Uhr: Mein Bruder Kain.
TURM 4 - 15.15, 17.45, 20.15, 22.45 Uhr: Candyman's Fluch.
STUDIO 5 im Turmpalast - Telefon 28 17 87 - 15.00, 17.30, 20.00, 22.30 Uhr: Der letzte Mohikaner.
TURM 6 - 15.00, 17.45, 20.30, 23.30 Uhr: The Bodyguard (in orig. English ver- sion).
TURM 7 - 15.15, 17.45, 20.15, 22.45 Uhr: Last of the Mohicans (in orig. English version).
ZEIL 1 - Telefon 28 51 05 - 13.00, 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Der Tod steht ihr gut.
ZEIL 2 - Telefon 28 51 05 - 13.15, 15.45, 18.15, 20.45 Uhr: Die Schöne und das Biest.
ZEIL 3 - Telefon 28 51 05 - 13.15, 15.45, 18.15, 20.45 Uhr: Kevin - allein in New York.
ZEIL 4 - Telefon 28 51 05 - 12.30, 15.00, 17.45, 20.30 Uhr: Eine Klasse für sich.
ZEIL 5 - Telefon 28 51 05 - 13.30, 15.45, 18.00, 20.15 Uhr: Housesitter - Lügen haben schöne Beine.
ZEIL 6 - Telefon 28 51 05 - 13.30, 15.45, 18.00, 20.15 Uhr: Mo' Money - meh' Geld.
AUTOKINO GRAVENBRUCH - Telefon (0 61 02) 55 00 - 20.00 Uhr: Der letzte Mohikaner.
AUTOKINO MTZ - Telefon (0 61 96) 2 33 44 - 20.00 Uhr: Bodyguard.
WIESBADEN, 19. Januar (AP). Das hessische Landeskabinett hat sich am Dienstag auf Eckpunkte für ein Gleichberechtigungsgesetz verständigt. Wie Regierungssprecher Erich Stather in Wiesbaden mitteilte, stimmten die Ressortchefs der rot-grünen Koalition dem von Frauenministerin Heide Pfarr vorgelegten Papier einhellig zu.
Das hessische Gleichberechtigungsgesetz soll für rund 400 000 Beschäftigte gelten. Ziel ist es, über verbindliche Frauenförderpläne eine gleichgewichtige Teilhabe von Männern und Frauen an Berufen im Öffentlichen Dienst zu erreichen. In den Förderplänen soll festgeschrieben werden, daß mehr als die Hälfte der offen werdenden Stellen mit Frauen besetzt werden müssen. Ausnahmen sind nur möglich, wenn sich nicht genügend qualifizierte Frauen bewerben oder die Tätigkeit nur von einem Mann ausgeübt werden kann.
Es ist wieder soweit: ältere Männer, die durch "die Gnade der späten Geburt" nie einen scharfen Schuß gehört haben und auf sicheren Regierungssesseln und Parlamentsstühlen sitzen, können es kaum erwarte unsere Kinder wieder auf die Schlachtbänke des Krieges überall in der Welt zu schicken (FR vom 14. 1. 1993 "Einigung über Kampfeinsätze").
Das nennt man im euphemistischen Jargon der Politiker friedenschaffende Einsätze, es handelt sich aber um grausamen Krieg. Man will mit militärischen Kampfeinsätzen Frieden schaffen, nachdem man vorher alles dafür getan hat, Frieden zu zerstören: z. B. durch Waffenexporte in alle Welt.
Es gibt kaum ein Land, in dem bei einem Kampfeinsatz der Bundeswehr unsere Jungs nicht durch solche Waffen zu Tode kommen können, die unser Land vorher gewinnbringend für die Rüstungsindustrie dorthin verkauft hat.
Weitere friedenzerstörende Ursachen, die die reichen Länder zu verantworten haben sind: die ungerechte "Wirtschaftsordnung", die zahlreichen Länder der dritten Welt in Verschuldung und Verarmung trieb, in der die reichen Industrieländer mehr Zinsen aus diesen Ländern preßten als sie Entwicklungshilfe zahlten, die Stützung zahlreicher korrupter diktatorischer Regime um wirtschaftlicher Vorteile willen und schließlich die Naturzerstörung, die durch Klimaveränderung zu Verwüstung und Versteppung und damit zu Hungersnot in Ländern der dritten Welt führten.
Die bedenkenlose Kolonialisierung mit Zerstörung der sozialen Strukturen, willkürlichen Grenzziehungen und danach Aufrüstung wirken sich heute noch immer aus. Die Unfähigkeit der Politiker und der Egoismus der reichen Völker soll durch das Blut unserer Kinder korrigiert werden.
Die lautesten Schreier sind bei den Parteien, deren C im Namen eigentlich eher an eine Verbindung zur Bergpredigt Jesu Christi denken läßt als an Kampfeinsätze. Ausgerechnet die Partei, die vorgibt (ungeborenes) Leben schützen zu wollen, will junges Leben in den Tod schicken.
Die FDP ist bereits umgefallen und die SPD zeigt bedenkliche Schlagseite. Ein SPD-Ministerpräsident sorgt sogar für Waffenlieferungen in das Spannungsgebiet Taiwan-China, auch ein Zielort für dereinstige friedensschaffende Kampfeinsätze der Bundeswehr.
Was passiert denn, wenn die Truppen wieder abziehen und dieselben grausamen Zustände wie vorher wieder auftreten?
Was passiert, wenn statt Hunderttausenden von Flüchtlingen aus Notländern Millionen Europa überschwemmen werden, weil das Leben in ihren Ländern durch unsere Mitschuld, durch unser Nichtstun - außer Kampfeinsätzen - nicht mehr gelebt werden kann? Werden wir dann statt einer elektronischen Mauer aus Radarstrahlen eine Mauer à la Honecker aus Beton mit Selbstschüssen und Maschinengewehren bauen? Ich versteh&rquote; nicht, wieso sich unsere Verantwortung für unseren Planeten geändert hat, nach der Wiedervereinigung, warum jetzt ausgerechnet Kampfeinsätze?
Unsere Verantwortung heißt wirtschaftliche und finanzielle Opfer, Abrüstung, Stopp des Waffenexportes, Entschuldung der armen Länder, faire Marktpreise für Rohstoffe aus den armen Ländern, Aufbau einer naturschützenden Wirtschaft. Das ist unsere Verantwortung für friedenschaffende Maßnahmen und nicht Blutvergießen in Kampfeinsätzen.
Dr. Walter Baumhauer, Mannheim
Leider muß ich Herrn Asher Reich zustimmen (FR vom 15. 1. 1993 Asher Reich: "Der Nazismus ist nicht tot - er schläft nur"). Die schlafende "schweigende Mehrheit" träumt einen paradiesischen Traum und erwacht erst in der Phase des Alptraumes.
Die Entnazifizierung von 1945 war einfach nur lächerlich - wer wollte auch ein ganzes Volk vom ideologischen Unkraut des Nazismus befreien? Der Boden war total damit verseucht. Zuviel Arbeit. Folglich nahm man guten Samen und nun - in der Gegenwart - sprießt das Unkraut und siehe da, seine Wurzeln sind sehr tief geraten.
Das Pflänzchen läßt sich nicht so einfach ausziehen. Das hat mit der Vereinigung Deutschlands wenig zu tun.
Ich kann nur jeden ermutigen, sich selbst nach diesem Unkraut zu untersuchen, es eventuell, falls überhaupt vorhanden, zu vernichten, den "Garten" Familie, Verwandtschaft, Bekanntschaft danach zu durchforsten - immer größere unkrautfreie Zonen schaffend. Mit mutigen Gesprächen ist da sehr viel zu erreichen. Aufklärung tut not. Angst vor den "anderen" ist abzubauen.
Auf die Damen und Herren in Bonn zu warten, verlängert nur den vermeintlich guten Schlaf, und Worte des tiefen Bedauerns und Entsetzens sind genug im Gesprächskreis Bonn gefallen, es müssen Taten folgen. Noch kann man für die Demokratie "kämpfen" - packen wir's an.
Dagmar Urbansky, Kronberg
Mittwoch, 20. Januar
Literatur Zentralbibliothek, Zeil 17-23: 19.30 Uhr, Lesungen Brian Aldiss, Esther Freud, Andrew Motion & Margaret Mulvihill - "New Writing" (engl.).
Literaturhaus, Bockenheimer Landstr. 102: 16.30 Uhr, Lesung "Antoine de Saint Exupery - Wind, Sand und Sterne". Vorträge / Diskussionen Freies Deutsches Hochstift: 18 Uhr, Vortrag "Die phantastische Sozialpädagogik des Erzählers Achim von Arnim; Senckenbergmuseum, Senckenberganlage 25.
Gesellschaft für Deutsch & Polnische Kultur: 19 Uhr, Vortrag "Vernichtung und Utopie. Deutsche und polnische Stadtplanung in Warschau in den Jahren 1939"; Palais Jalta, Bokkenheimer Landstr. 104.
Palmengarten, Siesmayerstr. 63: 19.30 Uhr, Diavortrag "Die Sahara, ein Garten Allahs. Pflanzenleben in der Wüste."
Deutsch-Griechische Gesellschaft: 19.30 Uhr, Diavortrag "Liebe und Leidenschaft im Denken der Griechen"; IHK, Börsenplatz 6-8.
DBV Naturschutzbund Deutschland (KV Ffm): 19.30 Uhr, Diavortrag "Naturkundliche Reise im Westen der USA, Nationalparks, Naturschutzgebiete & Tierreservate".
Universität des 3. Lebensalters, J. W. Goethe-Universität, Hörsaalgebäude, Hörsaal I: 16 Uhr, Vortrag von See "Die Wikinger in Amerika".Museen / Führungen Städelsches Kunstinstitut, Dürerstr. 2: 18.30 Uhr, Führung in der Gemäldegalerie zum Thema "Die deutsch-französischen Beziehungen in der Kunst um 1910".
Museum für Völkerkunde, Schaumainkai 29: 18 Uhr, Führung zur Ausstellung "Mythos Maske. Ideen-Menschen-Weltbilder".
Museum für Moderne Kunst, Domstr. 10: 11 Uhr, Führung zu "Gerhard Richter - 18. Oktober 1977".
Filmmuseum, Schaumainkai 41: 18 Uhr, Führung durch die Ausstellung "Sergej Eisenstein im Kontext der russischen Avantgarde".
Liebieghaus, Schaumainkai 71: 18.30 Uhr, Führung, "Restaurierte Skulpturen des Mittelalters". Schirn Kunsthalle am Römerberg: 11 Uhr, Führung zum Thema "Der ,verlassene&rquote; und der ,wirkliche&rquote; Raum bei Edward Hopper" sowie um 19 Uhr, zum Thema "Die Rolle der Volkskunst in den Werken des ,Blauen Reiters&rquote;".
Museum für Kunsthandwerk, Schaumainkai 17: 18 Uhr, Führung zum Thema "Schönheit und Transparenz - Betrachtungen zu Trinkgläsern und Vasen vom Klassizismus bis zum Jugendstil".
Senckenbergmuseum, Senckenberganlage 25: 18 Uhr, Führung zum Thema "Die Erde im Wandel der Zeiten".
Historisches Museum, Saalgasse 19: 18 Uhr, Vortrag "Bildung für Flüchtlingskinder - Gnade vor Recht?"; 18 Uhr, Führung zum Thema "Tony Sender: Politik nur für Frauen".
Jüdisches Museum, Untermainkai 14/15: 18 Uhr, Führung, "ZEDAKA - Ethik und Geschichte der jüdischen Sozialarbeit".
Was Frankfurter Museen und Galerien zeigen sowie die allgemeinen Führungstermine lesen Sie donnerstags auf der Freizeitseite "Was-Wann-Wo" sowie täglich auf der Seite "Kulturpanorama Frankfurt" in der Abendausgabe.Kino / Filme Das Kinoprogramm entnehmen Sie bitte dem Filmspiegel auf Seite 26 im Anzeigenteil. Sonstiges Frankfurter Bund für Volksbildung: 15 Uhr, Zauberer Dixon; Universitätsklinikum, Theodor-Stern-Kai 7, Haus 23 b/II.OG.
City-Lauftreff am Römer: 12 bis 14 Uhr, Alte Mainzer Gasse 4, Laufstrecken 2, 4 und 8 km.
Hausfrauen-Verband, Eschersheimer Landstr. 1: 15 Uhr, Stammtisch "10 Gebote zum vernünftigen Umgang mit Arzneien"; IC-Restaurant, Hauptbahnhof.
Bund gegen das Zwangsmitrauchen: 19 Uhr, Offenes Treffen für alle die frei durchatmen wollen; Philanthropin, Hebelstr. 17/ R.3. Märkte Bornheim: 8 bis 18 Uhr, Wochenmarkt; Berger Straße.
Bergen-Enkheim: 8 bis 18 Uhr, Wochenmarkt; vor der Stadthalle / Schelmenburg. Apotheken Folgende Apotheken sind von Mittwoch, 8.30 Uhr bis Freitag, 8.30 Uhr, ständig dienstbereit:
Bonifatius-Apotheke, Sachsenhausen, Holbeinstr. 63, Tel. 62 19 53; Brocks'sche-Apotheke, Berger Str. 38, Tel. 44 24 35; Bruchfeld Apotheke, Niederrad, Frauenhofstr. 25, Tel. 67 60 21/22; Hellerhof-Apotheke, Mainzer Landstr. 372, Tel. 73 59 17; Hostato-Apotheke, Höchst, Hostatostr. 28, Tel. 30 60 36; Kalbach-Apotheke, Kalbach, Kalbacher Hauptstraße 51, Tel. 50 36 85; Lukas- Apotheke, Parlamentsplatz 4 a, Tel. 44 75 71; Raimund-Apotheke, Ginnheim, Kurhessenstr. 164, Tel. 52 23 63; Rundschau-Apotheke, Gr. Eschersheimer Str. 16, Tel. 28 40 20. Ärztlicher Notdienst Der ärztliche Notdienst für das Stadtgebiet Frankfurt ist unter der Rufnummer 1 92 92 jederzeit erreichbar. Er soll jedoch nur bei Verhinderung des Hausarztes in Anspruch genommen werden. Für ambulant zu versorgende Notfälle: Notdienstzentrale im Haus Galluswarte, Mainzer Landstraße 265 und Usinger Str. 5.
Sanitätsdienstliche Bereitschaft für Soldaten der BW Stadt Frankfurt, Stadt und Kreis Offenbach, Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis, während der allgemeinen Dienstzeit: StOArzt Frankfurt, Tel. 2 47 78 - 433; nach Dienst und an Wochenenden: SanZentr. 412 Mainz, Tel. 061 31 / 56 26 42.
Zahnärztlicher Notdienst Der zahnärztliche Notdienst in Frankfurt ist bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen, Zahnärztehaus Niederrad, Telefon 66 07 / 271, zu erfragen. Tierärztlicher Notdienst (19 bis 23 Uhr)
Tierarzt Knell, Beethovenplatz 7, Telefon 72 66 66; danach bei den tierärztlichen Kliniken (siehe Branchenfernsprechbuch unter "Tierärzte").Anwaltsnotdienstin Strafsachen (24 Stunden täglich)
Telefonseelsorge im Ev. Volksdienst: Tel. 1 11 01; Telefonseelsorge im Haus der kath. Volksarbeit: Tel. 1 11 02.
Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche: 1 11 03. Notfall-Nummern Feuerwehr/Unfall-Rettungswache 112 Überfall 110 Polizei 75 51 Krankentransport 49 00 01-4 Hubschrauber-Rettungsdienst 44 10 33 ADAC-Pannenhilfe 1 92 11 ACE-Pannenleitstelle 19 21 6 AvD-Pannennotruf 6 60 66 00 VCD-Notrufzentrale 02 21/82 77-366 Zentrum für Entgiftungen und Giftinformation der Universität Mainz 0 61 31 / 23 24 66 Drogennotruf 62 34 51.
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Der 1953 gegründeten ndl sollte kürzlich vom neuen Aufbau-Verlagsboß, dem Ex-Maoisten und Immobilienhändler Lunkewitz, der Garaus gemacht werden. Doch konnten ein gesamtdeutscher Autorenprotest und die Bereitschaft der Literaturfonds, Geld zuzuschießen, das bei Schriftstellern beliebte Monatsorgan erst einmal retten. Allerdings wurde bei dieser Gelegenheit der bisherige Chefredakteur Werner Liersch ausgebootet. Von ursprünglich sieben Redakteuren sind noch zwei vorhanden: Christian Löser ("ehrenamtlich") und Achim Roscher; eine Sekretärin gibt es nicht mehr. Allein der Arbeitsaufwand dürfte bewirken, daß die Zeitschrift ab 1994 nur noch alle zwei Monate erscheint.
"Das Maß der Dichtung ist ihre Wahrheit", dekretiert im November-Heft des Merkur der in Jerusalem lebende Autor Jakob Hessing in einem Aufsatz über Gedichte nach Auschwitz. Bei Bergengruen, der vage von Schuld spricht, aber die Täter nicht nennt, meint Hessing solche Wahrheit nicht zu finden, wohl aber in Versen von Johannes Bobrowski und Nelly Sachs, Ingeborg Bachmann und Paul Celan, die sich auf unterschiedliche Weise der Ungeheuerlichkeit der Judenvernichtung stellen.
Über jüdische George - Rezeption schreibt Thomas Sparr (ebenfalls im Merkur). Bekanntlich zählten zur engsten Umgebung des Meisters zahlreiche Juden, voran Karl Wolfskehl und Friedrich Gundolf. Stefan Georges Gedichte fanden bei jüdischen Intellektuellen eine besondere Resonanz; sie suchten darin, heißt es, ihr "Deutschtum". George schuf, so Sparr, den archaischen und wirklichkeitsblinden "Mythos von einer deutsch- jüdischen Wahlverwandtschaft, einer inneren Ähnlichkeit von Deutschen und Juden". So im (bald erloschenen) "Stern des Bundes": "Blond oder schwarz demselben schoos entsprungne / Verkannte brüder suchend euch und hassend / Ihr immer schweifend und drum nie erfüllt!" Daß auch Wolfgang Hildesheimer ein lebenslanger Verehrer Stefan Georges und seiner Dichtung war, ist eine Überraschung.
Wenn romanische Steine singen, dann rezitieren die Statuen Staglienos: Dramen von Giacosa, Ibsen, Ferrari, der Scapigliatura, von Verga, Bracco, D'Annunzio, Pirandello, Labiche, Feydeau, Strindberg in einem Durcheinander von Hertzschen Wellen, die aufeinandertreffen und sich kreuzen, überladen mit Stimmen und Geräuschen. Nichts ist weniger schweigsam als dieser unerschöpflich raunende Friedhof. Der Pére-Lachaise ist männlich und abendländisch. Staglieno ist weiblich und orientalisch wie Genua. Die Unordnung, der Wahn des Inbesitznehmens und Überschwemmens mit aktiver Faulheit, die jedem Orient zu eigen sind, gehören zu Staglieno. Seine Toten sind die östlichen Bürger eines nordischen Reiches gewesen; nachdem alle Pflichten gegenüber dem piemontesischen König beendet waren, befreiten sie sich von jeglicher Hemmung im Tode.
Fotos: Isolde Ohlbaum
Der wegen Steuerhinterziehung verurteilte Otto Graf Lambsdorff wähnt "die Politik" in der Krise und resümiert am Ende seiner Kolumne (FR vom 16. Januar 1993) "Im Wortlaut: Otto Graf Lambsdorff - Medienverdrossenheit") einen Mangel an Presseverantwortung, just zu der Zeit, da der Deutsche Bundestag, unter kräftiger Beteiligung der Partei, der er selber angehört, wieder einmal eine Diätenerhöhung beschließt, während das Land z. B. unter der Migräne Ost stöhnt und bei sozial Schwachen ungeniert in den (ohnehin dürftigen) Geldbeutel langt.
Über Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten. "Die Politik" sehe ich allerdings nicht in der Krise, sondern höchstens die von ihm mitzuverantwortende der letzten Jahre.
Ich wäre auch dankbar, wenn Herr Graf etwas präzisieren könnte, wem er mangelnde Presseverantwortung vorwirft.
Gab es da nicht auch eine Schelte des Herrn Bundespräsidenten, vor gar nicht langer Zeit?
Hans Ingebrand, Berlin
Einschnitte in das soziale Netz. Das trifft uns alle. Solidarpakt. Da müssen alle etwas geben oder auf etwas verzichten - oder etwa nicht? Für eine besonders notleidende Gruppe ist in unserer Gesellschaft erstaunlicherweise noch Geld da: für unsere armen Bundestagsabgeordneten: 451 Mark mehr im Monat (FR vom 16. 1. 1993 "Diätenerhöhung in Bonn").
Wie muß man es interpretieren, daß nur ein Zehntel der Abgeordneten an der Abstimmung teilnahm? Schämten sich etwa die anderen? Oder sollte das ganze nur still und heimlich durchgezogen werden? Wegen der Parteien- und Politikverdrossenheit der unvernünftigen Wähler?
Dr. Hans-Peter von Soosten
Seit Monaten marschieren Hunderttausende Bürger in Deutschland mit Kerzen in den Händen und bilden Lichterketten gegen Rassismus und Antisemitismus - sie wollen dem Neo-Nazismus wehren. Doch wie steht es mit dem "Alt-Nazismus"? Angeblich sollen diese Lichterketten der Welt beweisen, daß wir aus der jüngsten Vergangenheit gelernt haben. Haben wir das?
Während man hier versucht, durch Verfolgung der Stasi-Untaten der Welt zu beweisen, daß wir als Rechtsstaat die Vergangenheit der DDR aufarbeiten wollen, scheint unsere Justiz jetzt jedes Interesse verloren zu haben, die noch viel schlimmeren Taten der Nazi-Justiz und Gestapo verfolgen zu wollen.
Die Erfahrungen des Peter Finkelgruen bei dem Versuch, den Mörder seines Großvaters von einem deutschen Gericht aburteilen zu lassen und sein Scheitern dabei, scheint mir stellvertretend für die Haltung der deutschen Nachkriegsjustiz im allgemeinen zu sein (FR vom 9. 1. 1993 "Justiz-Schutz für Mörder").
Wer wie ich einige Male den Majdanek-Prozeß in Düsseldorf im Gerichtssaal verfolgt hat, der muß jedes Vertrauen in die deutsche Justiz verloren haben.
Die Hauptangeklagte durfte monatelang im Hotel wohnen. Sie durfte vor Gericht überlebende Opfer ihrer unmenschlichen Grausamkeit auf das wüstete beschimpfen, ohne daß der Richter eingriff.
Wen, der die ARD-Sendung Titel, Thesen, Temperamente gesehen hat, kann es da wundern, wenn dieser Dortmunder Oberstaatsanwalt Klaus Schacht ohne jede menschliche Regung im Gesicht für rechtens erklärt, warum er den Prozeß gegen den Mörder Anton Mallot verhindert hat?
Man kann Ralph Giordano nur zustimmen, wenn er diesen Oberstaatsanwalt einen Ochsenfrosch nennt, denn mehr Gefühle scheint er auch nicht zu haben. Dieser Oberstaatsanwalt ist der lebende Beweis für das Buch von Ralph Giordano über "Die zweite Schuld der Deutschen" - nämlich, daß sie es solchen Juristen überlassen haben, die Vergangenheit nicht zu verarbeiten.
Doch welche Juristen sollten denn eigentlich die Verbrechen der Nazi-Zeit aufklären und verurteilen? Wurde doch fast der gesamte Justiz-Apparat der Nazis in die Bundesrepublik eingegliedert. Wundert man sich da, wenn keinem einzigen Nazi-Juristen ein Haar gekrümmt wurde? Auch mein Bruder wurde 1937 wegen Widerstandes ermordet - sein Mörder ist wohl an Altersschwäche gestorben, nachdem er in Ruhe seine bundesdeutsche Pension verzehren durfte . . .
Ich mußte - im Widerstand stehend - 1935 aus Deutschland flüchten, und bin im Zusammenhang mit der "Studenten- Revolte" in den sechziger Jahren hierher zurückgekehrt, um meinen Beitrag bei der Entwicklung einer humanen Gesellschaft zu leisten.
Es war eine Selbsttäuschung, deswegen kann ich heute nicht enttäuscht sein, wenn ich diese Entwicklung nicht sehe. Oder besser gesagt nur schwach bemerke.
Niemals in den vielen Jahren, die ich jetzt hier verlebt habe, ist mir ein nur annähernd ähnliches "Bedürfnis" in der Bevölkerung nach Aburteilung der Nazi- Verbrecher bewußt geworden, wie es heute um Aufklärung der Stasi-Spione und Stasi-Verbrechen geht. Dabei war die Stasi - um es polemisch zu sagen - ein Kindergarten gegen die SS und Gestapo.
Die völlige Gleichgültigkeit der Bevölkerung, wenn es um Verbrechen der Nazi-Zeit geht, zeugt leider immer noch, lieber Ralph Giordano, von dem "Verlust der humanen Orientierung".
Der Fall Finkelgruen legt Zeugnis davon ab, mit welch zweierlei Maß hier gemessen wird.
Ich leide mit Ralph Giordano und frage mich - besonders als Jude - warum ich hier immer noch lebe.
Norbert Ernst, Mainz
Die Eishockeymannschaft des Frankfurter ESC ist weiterhin dabei, sich in der Finalrunde der Oberliga-Nord mit Riesenschritten von der Konkurrenz abzusetzen. Am Dienstag abend feierten die "Löwen" in eigener Halle mit dem 15:2 (5:0, 7:0, 3:2) den siebten Sieg im siebten Spiel und das gegen einen ESC Wolfsburg, der selbst zuletzt fünfmal in Folge siegreich gewesen und daraufhin nach einer vorausgegangenen Schwächeperiode wieder als härtester Mitbewerber der Frankfurter angesehen worden war. Nun beträgt die Differenz zwischen diesen beiden Mannschaften wieder fünf Minuspunkte.
Am Dienstag abend waren es sogar Welten, die zwischen den Gegnern lagen. Hier der Frankfurter ESC, der von Beginn an druckvoll nach vorne und konzentriert in der Abwehr spielte, bereits nach fünfeinhalb Minuten für eine 3:0- Führung gesorgt hatte und in der Folgezeit mehr mit als gegen Wolfsburg spielte. Bei diesem Ergebnis hatten die Niedersachsen nicht die Spur einer Chance, auch nur vorübergehend einen gleichwertigen Gegner abzugeben. Die "Löwen" dagegen begeisterten manchen unter den 7000 Zuschauern in der ausverkauften Halle bis zur Ekstase. Phasenweise schien es, als würden sich die "Löwen" selbst aus ungünstigsten Situation locker befreien können, während die Wolfsburger bei den wenigen erfolgsversprechenden Aktionen schon im Ansatz stecken blieben. Offensichtlich waren die Gäste angesichts ihres Vorhabens, vornehmlich das von allen Gegnern gefürchtete Angriffsspiel der "Löwen" zu zerstören, nach dem frühen Rückstand einfach nicht in der Lage umzudenken. Selbst die schwächsten Mannschaften der Oberliga hatten sich in der Vergangenheit in der Eishalle am Bornheimer Hang mehr Chancen herausgespielt, als jetzt der letztjährige Zweitligist.
Zwar gab es bei den Frankfurtern, die ohne die verletzten Scholz und Lux auskommen mußten, auch sonst keinen schwachen Punkt. Doch geradezu sensationell spielte der erste Block, in dem sich sämtliche Spieler auch als Torschützen hervortaten. Am spektakulärsten tat das Leos Cajic, der bei schnellen Gegenstößen nicht zu halten und ein ums andere mal erfolgreich war. Die Tore für den Sieger erzielten Cajic (3), Schaal, Thurnburry, Wolf, Jaufmann (je 2) sowie Erhardt, Thom, Eckert und Hannan. Sim
Normales Unglück Barbara Gowdys "Fallende Engel"
Weshalb soll man solch ein Buch lesen, dessen tiefe Tragik nach den ersten Seiten bekannt ist? Weil Barbara Gowdy familiäre Strukturen so erzählt, als gäbe es den psychologischen Jargon nicht, als handele es sich um nie gekannte Gefühle, als müsse jede Regung des Herzens ganz neu und in ganz einfachen Worten erfunden werden. Zwar behauptet Barbara Gowdy in der Widmung, daß ihre eigenen Eltern anders gewesen seien als die Eltern in ihrem Roman, aber das Mittelklassen-Milieu hat sie studiert.
Der Roman beginnt wie ein amerikanischer Film. Drei Mädchen sitzen auf dem Vordersitz eines Autos. "Das fette Mädchen mit der Brille fährt. Hinten sitzt ihr Vater und schläft." Sterben, Leben und Sterben ist wie ein Gang von der Straße ins Haus und wieder durch die gleiche Tür hinaus. Das Auto mit den vier Fields parkt vor der Leichenhalle. Sandy geht auf die Toilette und klebt sich die falschen Wimpern doch wieder an. Lou sagt: "Du hast zuviel Make-up drauf. Da glaubt doch keiner, daß du am Boden zerstört bist." Norma fragt: "Ist sie ganz da drin?" Lou sagt: "Sie ist tot." Letzte Nacht hat sie sich die Seele aus dem Leib geweint. "Ihre süße kleine Mutter, die Steptanz konnte . . . haben sie ihr die Beine abgeschnitten? Auf keinen Fall wird Lou in den Sarg gucken."
Der Roman beginnt im Jahr 1969 und endet ein paar Tage später. Dazwischen werden zwanzig Jahre zurückgeblättert. Die Vergangenheit wird aus der beschränkten Perspektive der drei heranwachsenden Girls erzählt, die von Tschechows drei Schwestern nur so weit entfernt sind, wie es die rüde Sprache des Fernsehzeitalters ist. Lous, Normas und Sandys Erlebnishunger, ihre Neugier, ihre unterschiedlichen Charaktere bestimmen die Geschichten ihrer Phantasie. Barbara Gowdy beschreibt meisterlich die klaglose Selbstverständlichkeit, mit der die Kinder es hinnehmen, daß die Mutter nichts tut, nur lethargisch im Stuhl sitzt und trinkt.
RODGAU. Jetzt sind auch die Akten der bis Ende 1976 selbständigen Gemeinde Weiskirchen archiviert. Dr. Ernst Jakoby, seiner Verdienste um die Ordnung von Gemeindeunterlagen wegen als "Archiv-Papst" bezeichnet, hat Bürgermeister Paul Scherer die Bände überreicht, in denen er alle vorgefundenen Dokumente unter Dach und Fach gebracht hat.
Als nächstes macht sich der Archivar aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg an die Sichtung der Dudenhofener Hinterlassenschaften - was alte Aktenordner füllende Papiere, Verträge und Protokolle betrifft. Wenn er in voraussichtlich zwei Jahren damit fertig sein wird, kann sich Rodgau rühmen, vorbildliche Arbeit geleistet zu haben und die Geschichte seiner heutigen fünf Stadtteile bis Ende 1976 übersichtlich "im Griff zu haben".
Denn tatsächlich soll alles greifbar sein, und wenn sie ein berechtigtes Interesse nachweisen können, wird auch Bürgern Einblick gewährt - sofern der Datenschutz nicht entgegensteht.
Ob es sich dabei - wie jetzt beim Beispiel Weiskirchen - um die Akten über den Zuzug von Flüchtlingen nach Ende des Zweiten Weltkrieges handelt oder auch um Schriften über die Feststellung von Gemeindebesitz bis hin zur Inventarliste der einstigen Feuerwehr, die laut erhaltener Unterlagen 1850 über exakt 57 lederne Feuerlöscheimer verfügte - all' das ist abrufbar.
Die Bauzeichnungen für das Bürgerhaus aufzubewahren, erwies sich ebenfalls als nützlich, und zwar beim Umbau, als man dankbar war, Aufschlüsse über die Statik des Bauwerks zu erhalten.
Selbst Viehzählungen bleiben der Nachwelt erhalten; 1946 standen in Weiskirchen 63 Pferde im Geschirr, weideten noch sechs Schafe, meckerten 231 Ziegen, muhten 300 Rindviecher, gackerten 1100 Hühner, schnatterten 200 Gänse, mümmelten 412 Kaninchen.
Wenn auch Dudenhofens Papiere geordnet und gebunden sein werden, wird die Stadt für diese Art von Geschichtsschreibung 200 000 Mark ausgegeben haben. Daneben entstehen Kosten dafür, auch die aktuellen Unterlagen seit 1977, der Geburtsstunde von Rodgau, nicht verstauben zu lassen. ttt
MAINZ/WIESBADEN. Graz und Chile sind derzeit überall. Die Versorgung ist flächendeckend und denkbar gering die Chance, den Rennern der Saison, Ariel Dorfmans "Der Tod und das Mädchen" oder einer der ganz eigenen Mundartkomödien von Werner Schwab zu entgehen. Mit Inszenierungen in vierzig Ländern wurde Dorfmans Angebot einer Strategie von Vergangenheitsbewältigung bereits als der "internationale Superhit der neunziger Jahre" annonciert, nach den Erstaufführungen in Wien und München soll das Stück noch an vierzig Bühnen im deutschsprachigen Raum gegeben werden. Nicht anders bei Schwab. "Total im Sumpf, bei den Lappen" werde er jetzt schon gespielt, staunte der kürzlich in einem Interview; diese Übersetzung ins Finnische allerdings war es auch, auf die sich der Autor einzig noch freuen konnte. Ansonsten findet er fremde Inszenierungen seiner graziösen Stücke "grauenhaft". In dieser Saison, meinte er, "habe ich so zwischen 35 und 40 Premieren, und da ist es mir scheißegal, wenn davon 20 total in den Arsch gehen oder wenn jemand völlig gegen mich inszeniert". Hauptsache, die Kasse stimmt.
Wo kalkulierte Provokation und zynische Offenheit zur Strategie der Selbstvermarktung gehören, sind die Chancen entsprechend gering, mit einer weiteren Inszenierung "Ehre einzulegen" - allenfalls die vielleicht, die Machart Schwabscher Konfektionsware aus ihrem Effekt zu veranschaulichen. Und das immerhin gelingt, offenbar unbeabsichtigt, Verena Plümer mit ihrer Wiesbadener Inszenierung der "Volksvernichtung", bei der es sich einmal mehr erweist, daß Schwabs Spezialidiom seine Wirkung allein bei der Lektüre entfalten kann und dem derb "Fäkalischen", das für die Lacher sorgen muß und sorgt, doch nur aufgesetzt ist. Weil das "schwäbische" Sprachlabor selbst also kahl und nüchtern bleibt, müssen seine Wände mit Bildern der lieben Verwandten geschmückt und eine Reise durch die jüngere Theatergeschichte angetreten werden.
So sehen wir zunächst einmal eine streng naturalistische Milieustudie, den quengelnden Hermann Wurm (André Eisermann) als das geistig behinderte, dereinst vom geilen Onkel sexuell mißbrauchte Kind einer verhärmten und bigotten Mutter (Helga L. Schoon). Betroffenheit und Schock halten sich angesichts dieser ärmlichen Wohnküche und der dann natürlich sozial determinierten Gemein- und Geschmacklosigkeiten noch die Waage. Doch "die böse Sprache", so läßt Schwab Frau Kovacic theoretisieren, "meint sich selber ja nicht so ernst". Sie meint nicht die Erniedrigten und Beleidigten eines Kroetz oder Faßbinder, sondern die lustvoll ihre Spießigkeit austobenden Mittelständler des zweiten Akts, Familie Kovacic als Ekel Alfred samt Anhang in neureich gestylter Geschmacklosigkeit, von zahlreichen Halogenleuchten kurios erhellt (Ausstattung Annegret Ritzel). In diesem Ambiente erst entwickeln einzig Manfred Kranich und Ingrid Domann als Herr und Frau Kovacic den tolldreisten Ton grotesker Absurdität, der Schwabs Kunstgriffen eigen ist. Maja Scholz dagegen wird wieder nur in der Tradition "verortet" und knottert ihre Misanthropismen als eine Schwester von Bernhards Theatermacher in der düsteren Abendmahlsszenerie der beiden Schlußakte.
Werden hier Milieu und gesellschaftliche Unterfütterung der Schwabschen Clownerien insgesamt gar zu ernst genommen, so treffen wir in Mainz auf eine in anderer Weise ernsthafte Bemühung um Ariel Dormans mythisch aufgerauhten Politreißer. Ein Zufall hat Paulina, der während der Pinochet-Diktatur Gefolterten und zigfach vergewaltigten den einstigen Peiniger, den Arzt Roberto, wehrlos ausgeliefert. Gegen den Willen ihres Mannes, der in eine Alibikommission zur Aufdeckung der Regierungskriminalität berufen wurde, zwingt Paulina den Leugnenden, ein Geständnis auf Band zu sprechen.
Regisseur Peter Carp hat sich von der Eigeninterpretation des auch in den dramaturgischen Mitteln des Stückes zwischen Nord- und Südameriak pendelnden Autors so sehr leiten lassen, daß der tragische Konflikt zwar nicht entschärft, jedoch nahezu ausschließlich in die Psyche der Handelnden verlagert wird. In diesem Besonderen, Individuellen eben spiegelt Dorman das Allgemeine, die Mechanismen eines staatlichen Unterdrükkungsapparates überall in der Welt und auch in der ehemaligen DDR - allein, die politischen Dimension wird dadurch brüchig. Paulinas Privat-Tribunal wird so zum Albtraumspiel, das durch folkloristisch verbrämten Surrealismus eingedunkelt wird: Paulina selbst erscheint in Elke Marie Wollmanns Darbietung mal als schrille Psychopathin, die von ihrem karrierebewußten Ehemann (Winfried Küppers) wie ein Kind behandelt wird, dann aber auch wieder als zielstrebig kalkulierender Racheengel. Beinah wohltuend realistisch, nämlich kühl und undurchschaubar glatt, bleibt dabei am Ende nur der von Clemens Kuntzsch sehr treffend zurückgenommene Folter-Arzt Roberto.
Bilder und offenbar an Filmen orientiert Bildzitate leisten diesem Unwirklichen dadurch letztlich auch ungefährlich Wirkenden der Szenerie Vorschub. Auf Kathrin-Susanne Broses Bühne irrlichtert eine Gruppe blinder Musiker, und den Abschluß bildet ein stummer Reigen, ein Totentanz, bei dem die Männer mit den aus mexikanischem Totenkult bekannten, bunt überzuckerten Schädeln in der Hand die Frage nach Sein oder Nichtsein zu stellen scheinen. Eine anspruchsvolle Interpretation, die das Lokalkolorit trifft, eine rechte "Übersetzung" aus dem Lateinamerikanischen jedoch nicht bietet.
Vielleicht folgt die dann Ende Januar, wenn "Der Tod und das Mädchen" im benachbarten Wiesbaden zu sehen sein wird. MICHAEL GRUS
RODGAU. In Sachen Rodgau-Ringstraße und deren von Heusenstamm hartnäkkig verhinderter Öffnung für den Verkehr zwischen Jügesheim und Hainhausen läßt Bürgermeister Paul Scherer nicht locker. Schriftlich hat er die beiden Landtagsabgeordneten Judith Pauly-Bender und Frank Lortz sowie Landrat Josef Lach aufgefordert, ihre Beziehungen in Wiesbaden und dort namentlich zu Verkehrsminister Ernst Welteke spielen zu lassen und auf die Dringlichkeit hinzuweisen, das Planfeststellungsverfahren von Weiskircher Kreisel und B 45 bis zum Wasserturm zu beschleunigen.
Aber auch seinen Stellvertreter, den Ersten Stadtrat Thomas Przibilla (SPD), hat der Christdemokrat Scherer aufgefordert, seine Kontakte aus seiner Vor-Rodgauer Wiesbadener Tätigkeit für die Wiesbadener Landtagsfraktion zu nutzen.
Der Abschluß dieses Prüfungs- und Genehmigungsverfahrens ist bekanntlich laut einem gerichtlichen Vergleich Voraussetzung, die Stadt Heusenstamm zu bewegen, einer Verkehrsfreigabe für das praktisch fertige Straßenstück zuzustimmen.
Nach der Stadt Rodgau vorliegenden Berichten aus dem Regierungspräsidium in Darmstadt sind die Unterlagen für dieses Verfahren im Oktober/November vergangenen Jahres von Darmstadt nach Wiesbaden auf den Weg gebracht worden und liegen seitdem dort dem Ministerium zur Prüfung und Genehmigung vor.
Mit Enttäuschung hat Bürgermeister Scherer auf die Nachricht aus der Landeshauptstadt reagiert, daß erst im März mit der Prüfung der Unterlagen begonnen werden solle, mit dem Abschluß des Verfahrens kaum vor Ende Mai zu rechnen sei.
"Ihnen ist bekannt", bittet der Bürgermeister die beiden Landtagsabgeordneten und den Landrat um Schützenhilfe, "daß den Bürgern, insbesondere unseres Stadtteils Hainhausen, der durch die dortige außerordentlich schmale Ortsdurchfahrt fließende Verkehr immer mehr zu einer gesundheitlichen Belastung wird". Da die Nachbarstadt Heusenstamm offensichtlich nicht zum Einlenken bereit sei, sei die Stadt Rodgau im Interesse ihrer lärm- und verkehrsgeplagten Bürger gehalten, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Erfüllung des Vergleichs mit Heusenstamm sicherzustellen und damit die nahezu fertige Straße dem Verkehr zu übergeben. ttt
Nomen est omen: Friedrich von Fuchs, ein Bayer in Hessen, stellt seit 25 Jahren in Antiquariaten, auf Floh- und anderen Märkten seinem vielbeinigen Namensvetter nach und hat es seither auf eine Sammlung von über 1200 Füchsen und Fuchsiaden aller Varianten gebracht, von denen er bis zum 28. März einiges in der Galerie im Rathaus seiner Wahlheimat Linden nahe Gießen ausstellt. Das Nachtwesen, das sich in Ermangelung seiner Leibspeise Kaninchen auch mit Mäusen begnügt und - entgegen dem Lied - kaum eine Gans zu bewältigen vermag, hat die Phantasie des Raubtiers Mensch seit Jahrhunderten beflügelt. Künstler aller Gattungen hat es zu liebevollen bis spöttischen Personifizierungen angeregt, von denen Dichtung, Malerei, plastische Kleinkunst, nicht zuletzt die Karrikatur immer wieder neu bevölkert wird.
Im dreistöckigen Treppenhaus des neuen Rathauses, das im noch umgewühlten Neubaufeld zwischen Großen- Linden und Leihgestern in Klinker und mit Türmchen etwas älter aussehen möchte, ist von (Kopien) jahrhundertealten Kupferstichen bis zu Gemälden und Fuchs-Bilderbüchern aus aller Welt, von porzellanenen Fuchsfamilien bis zum Lauertier in der Form einer Flasche oder der Landser-Postkarte vom Truppenübungsplatz, auf dem sich "die Füchse gute Nacht sagen", alles beisammen. Sogar die Karrikatur, Zote und der Schabernack, den sich Waidmänner unter sich mit einem der Ihren im heimischen Revier geleistet haben sollen: Der stolze Jägersmann traf mit dem ersten Schuß nicht etwa das Tier, sondern einen präparierten Balg.
Vulpes (lateinisch), ausgestopft oder in Tierzeichnungen, Jagdszenen, gibt sich ausgesprochen treuherzig, verspielt. In der Vorstellung des Menschen haftet ihm aber seit der uralten, von Goethe aufgenommenen Dichtung "Reineke Vos" der vorgetäuschte Biedermann an. Unter dem Umhängemäntelchen unantastbarer Ehrwürdigkeit verbirgt er hinterhältigste Schläue, Listigkeit, Gewitzt-, Gerissen-, Gewieftheit, womit er über alle anderen Tiere obsiegt. Vielleicht geriet er in dieses Odium, weil er außer dem Menschen und Krankheiten keine natürlichen Feinde hat. So übertölpelt er in Literatur, Illustration, hier auch figürlich heuchlerisch alle anderen Tiere, sogar deren gekrönten König, den Löwen.
Das Sittenbild fällt weniger auf ihn selbst, als auf den Menschen zurück, dem damit der Spiegel vorgehalten wird.
Jedenfalls enthält die Ausstellung bis hin zum "Fuchstanz" im Taunus in gedrängter Form alles Hauptsächliche zum Thema. Sie ist montags, dienstags, donnerstags, freitags von 8 bis 12, mittwochs von 13.30 bis 18 Uhr sowie an den Sonntagen 7. und 28. März von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Schulklassen oder Gruppen können auf Anschreiben auch die Gesamtsammlung in der "Villa Fuchsbau", Dresdener Straße 22, 6307 Linden-Leihgestern, besichtigen. er
RODGAU. Eine neue Ära der Müllbeseitigung hat zwar noch nicht begonnen, so lange der gelbe Sack noch nicht eingetroffen ist, dafür "feiert" in der größten Stadt des Kreises am Mittwoch, 17. Februar, in Hainhausen die knallrote "Wertmarke" Premiere. Wer künftig einen Kühlschrank, eine Waschmaschine oder ein anderes Großgerät aus seinem Haushalt ausrangieren will, marschiert ins Rathaus, in eine der städtischen Anlaufstellen oder zum Recyclinghof im Jügesheimer Industriegebiet, blättert 50 Mark auf den Tisch des jeweiligen Hauses und bekommt eine Wertmarke.
Die klebt er auf Kühltruhe, Mikrowellenherd oder Wäschetrockner, schaut in den Abfallkalender der Stadt Rodgau auf Seite 21 und erfährt den nächsten Abfuhrtermin. An dem Tag müßte das Gerät bis 6.30 Uhr vor dem Haus stehen.
Nota bene: Bei der Sperrmüllabfuhr werden diese Klötze - weil sie Schadstoffe enthalten und ihre Entsorgung teuer ist - nicht mehr berücksichtigt. ttt
RODGAU. Die organisatorischen Weichen für die Kommunalwahl am Sonntag, 7. März, sind in der Rodgauer Stadtverwaltung - genauer gesagt: beim Wahlamt - gestellt. Die Stimmzettel sollen in der zweiten Februarwoche angeliefert werden, und von diesem Zeitpunkt an kann auch die Briefwahl beginnen. Rund 32 000 Wahlberechtigte werden in Kürze mittels Wahlbenachrichtigung zum Urnengang aufgerufen; gegenüber der Kommunalwahl 1989 eine Zunahme um 3500 oder auch ein Zeichen für das anhaltende Wachstum der Stadt Rodgau.
Vor vier Jahren hatten die Rodgauer übrigens keine Politikverdrossenheit an den Tag gelegt; da war die Wahlbeteiligung höher noch als 1985.
Für die Wahl stehen insgesamt 36 Wahlbezirke zur Verfügung, davon fünf Briefwahlbezirke.
In dem Großteil der Wahllokale werden die stimmberechtigten Rodgauerinnen und Rodgauer ihre Entscheidung per handgeschriebenem Kreuzchen treffen müssen, denn die vorhandenen 19 Wahlmaschinen reichen nur für die vier größten Wahlbezirke, und die sind im Bürgerhaus Dudenhofen, in der Rodgau-Bank in Jügesheim, im Bürgerhaus Nieder-Roden und in der Georg-Büchner-Schule in Jügesheim.
Gegenüber der Kommunalwahl '89 ändern sich in vier Bezirken die Wahllokale. Die im Mai abgebrannte Wilhelm- Busch-Schule kommt aus verständlichen Gründen noch nicht wieder in Frage, dort wird in die Radsporthalle in der Elbinger Straße ausgewichen.
Von der Alten Schule in der Ludwigstraße in Jügesheim wird ins Haus der Begegnung in der Vordergasse umgezogen, wegen des Umbaus der Friedrich- von-Bodelschwingh-Schule in Weiskirchen bietet sich als Alternative der Haus St. Peter in der gegenüberliegenden Schillerstraße an, in Nieder-Roden steht nach dem Umbau wieder das Bürgerhaus zur Verfügung.
Für die Wahlvorstände werden 252 Helfer gebraucht, die sich vornehmlich aus den kandidierenden Parteien rekrutieren. Pro Wahlbezirk werden sieben Helferinnen und Helfer gerechnet. Die Fäden laufen im Rathaus zusammen, wo nach Schließung der Wahllokale interessierte Bürger auch die einlaufenden Ergebnisse verfolgen können. ttt
Klaus von Beyme Zivilgesellschaft contra Staatsversagen Politik, Kultur und Öffentlichkeit im wiedervereinigten Deutschland
Hängematte auszupolstern, wurde zum Massensport, der ohne Gewissensbisse ausgeübt wurde.
Weitere Betätigungsfelder für die Ansätze einer Zivilgesellschaft müssen entdeckt werden. Nur mit Aufklebern "Fremdenhaß - ohne uns" ist das Problem nicht zu lösen. Das hat die Kampagne der sozialistischen Partei Frankreichs gezeigt, die gegen den populistischen Len-Pen-Radikalismus die Parole "Ne touche pas mon pôte", "Rühr meinen Kumpel nicht an", ausgegeben hatte. Gruppen zur aktiven Betreuung von Ausländern und Asylanten sind an vielen Orten entstanden. Integrationsbemühungen müssen auf Dauer gestellt werden, jedenfalls für den Teil der Immigranten, die ein längerfristiges Bleiberecht in Deutschland erhalten. Die Wirtschaftsblindheit mancher sozialer Bewegungen und einiger idealistischer Konzeptionen der Zivilgesellschaft müssen nicht auf Dauer erhalten bleiben.
Die Staatsverdrossenheit am Ende der achtziger Jahre war eher von einem passiven Zynismus getragen. Neopopulistische Kritik an der politischen Klasse hat diese medienverstärkt weiter verbreitet. Aber es fehlte ein positives Konzept. Die Einsicht, daß in einer postindustriellen Gesellschaft der Staat nur eine begrenzte Fähigkeit zur Steuerung behält, ist wichtig, darf aber nicht in zynische Untätigkeit der Gesellschaft umschlagen. Den Theoretikern der Entzauberung des Staates fällt noch heute kaum ein Konzept für ein akteursbetontes Handeln der Gesellschaft ein. Große Teile der Gesellschaft haben diese abstrakten Debatten nicht zur Kenntnis genommen und zu handeln begonnen. Es zeigte sich, daß es kein einseitiges Staatsversagen gibt. Staatsversagen ist immer auch Gesellschaftsversagen - das haben die Ansätze zu einer neuen Zivilgesellschaft gezeigt.
Klaus von Beyme, zur Zeit am Wissenschaftszentrum Berlin, ist Ordinarius für Politikwissenschaften in Heidelberg.
mit Paradoxen eines ehrbaren philosophischen Denkens. Es erlaube uns, die Wahrheit aus jener Umklammerung zu "befreien", die die traditionelle Forderung nach Übereinstimmung von Erkenntnis und deren Gegenstand darstelle. Was sich hieraus ergibt, ist jedoch, vereinfachend gesagt, eine von den Erfordernissen des Alltags (und, nicht zuletzt, deren Lenkern) manipulierte und propagierte Wahrheit. Nicht länger ist sie Orientierungspunkt, wie die himmlischen Sternbilder, die Konstellationen, sie dem Erdenwanderer einst boten (und m. E. noch immer bieten), sondern schlicht (Weg-) Beleuchtung, die den Zeitgenossen dorthin zu (ver-)führen sucht, wo es ihr in die Rechnung paßt.
RODGAU/RÖDERMARK. Als sich der Fahrer des blauen Dienstfahrzeuges im Weiskircher Aigesweg um 13.37 Uhr den Gleisen nähert, um - fünfzig Meter vielleicht vom Bahnhof entfernt - die Schienen zu überqueren und zur Sendestation des Hessischen Rundfunks zu gelangen, da bringt er sein Auto fast zum Stillstand, blickt sichernd nach rechts und nach links. Fast zur gleichen Zeit kommt ihm ein einsamer Radfahrer entgegen, einer, der noch einen sogenannten Gesundheitslenker an seinem Stahlroß der Marke NSU in der Hand hält. Beide können weit und breit keinen Zug entdecken. Aber wenn sie die Ohren aufsperren, hören sie, wie der Lokführer auf der Dieselmaschine Nummero 212 001 2, mit fünf Uralt-Waggons im Schlepptau, am Übergang Häuser Weg jenseits der Autobahn Frankfurt-Würzburg dreimal sein Signalhorn hat brüllen lassen. Als er unter der Autobahnunterführung auftaucht, sind Autofahrer und Radler schon über alle Berge.
Gleichwohl tönt sein Signal bei der Einfahrt in den Weiskircher Bahnhof erneut, unüberhörbar und warnend. In diesem Personenzug mit der Nummer 7917 lärmen um diese Zeit von Offenbacher Gymnasien und der Obertshausener Georg-Kerschensteiner-Schule heimkehrende Pennäler, balgen sich auch schon einmal, rauchen, obwohl noch nicht 16. Zwei Frauen waren zum Einkaufen in der großen Stadt, tauschen ihre Erfahrungen über verschiedene Geschäfte aus. Ein, wie man sich auf dem Zug kennt, alleinstehender Rentner mit Schlapphut reist zurück in seine Wohnung, die nach dem Tod der Gefährtin so unendlich leer ist.
Sie alle wissen von dem furchtbaren Unglück, das am 11. Januar vier Menschen das Leben gekostet hat. Sie haben davon in der Zeitung gelesen, daß morgens um 7.33 Uhr an der Bruchwiese in der Gemarkung Ober-Roden drei 21, 27 und 34 Jahre alte Deutsche und ihr 60jähriger türkischer Arbeitskollege in einem Kleintransporter mit dem Zug 7912 aus Ober-Roden kollidiert sind und auf der Stelle tot waren.
Der Rödermärker Bürgermeister Walter Faust, als einer der ersten an der Unglücksstätte und noch Tage später sichtlich erschüttert, erfährt aus berufenem Munde von einem Arzt, daß die menschlichen Organismen einem Aufprall mit mehr als 40 Stundenkilometern nicht gewachsen sind. Das entspricht einem Sturz aus dem dritten Stockwerk eines Hauses. Der Zug am Morgen des 11. Januar soll Tempo 60 bis 70 gefahren sein, er war mit drei funktionierenden Positionslichtern ausgestattet, laut Zeugenaussagen hat der Lokführer seiner Pflicht genügt und das getan, was er und seine Kollegen aus ihrer Dienstvorschrift kennen: P & L, was so viel bedeutet wie "Pfeifen und/oder Läuten". Im eigenen Interesse und um jedem Verdacht vorzubeugen, hält der Mann von der Diesellok dem Arzt den Oberarm zur Blutprobe entgegen.
Die Bundesbahn, selbst entsetzt über diese Katastrophe, die vier Familien - Ehefrauen, Eltern, Geschwister - ins Unglück gestürzt hat, enthält sich jeder Stellungnahme; die Staatsanwaltschaft ermittelt. Das kann natürlich eher in Ursachenforschung münden denn in posthume Schuldzuweisung. Zur Zeit des Unfalls herrschte Dunkelheit und Schmuddelwetter.
Der fragliche Bahnübergang zwischen Rollwald und Ober-Roden ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt, nur Anlieger zur Kläranlage, zum Clubgelände des Vereins Deutscher Schäferhunde und die Landwirte haben Zugang. Doch niemand macht ein Hehl daraus, daß die bewußte asphaltierte Straße für im Breidert oder an der Plattenhecke wohnende Ober-Röder ein nicht immer, aber immer mehr genutzter Geheimtip oder "Schleichweg" war, um die lästige Ortsdurchfahrt zu meiden.
Wer denn schon berechtigt war, den besseren Feldweg zu benutzen, der durfte auf dem letzten Stück nur noch Tempo 20 fahren, wurde dann gewarnt vor dem sogenannten "Bahnkörper" durch ein sogenanntes Andreaskreuz, das seinen Namen einem Bruder des Apostels Petrus verdankt, der als Märtyrer im heute griechischen Fährhafen Patras an einem Kreuz mit schrägen Balken sein Leben verlor.
Zurück in den Zug Nr. 7917, der Offenbach fahrplanmäßig um 13.22 Uhr verlassen hat und inzwischen auf Hainhausen zurollt. Weder Schüler, noch Hausfrauen oder Schlapphut erinnern sich, daß hier vor wenigen Jahren eine alte Frau vom Zug überrollt worden ist. Sie hatte sich sogar über die gebündelten Drähte zu den Signalen hinweggesetzt, nur um sich ein paar Meter Umweg zu ersparen.
Überlebt hat sie es nicht.
Wer genau hinsieht, erkennt am Schotter, wo es solche "Wildwechsel" gibt. Das Steinbett zwischen den Bohlen verfärbt sich, wenn nicht die Böschung gar mehr oder weniger abgetragen wird. An der Elbinger Straße in Jügesheim oder am Toom-Markt in Dudenhofen kann sich jeder davon überzeugen.
Auch wenn - in vier, fünf Jahren vielleicht - die S-Bahn-Züge, mehr als verdoppelt in ihrer Zahl von jetzt 15 auf dann 37 täglich in beiden Richtungen, verdoppelt auch in ihrer Geschwindigkeit, ihren Weg in den Rodgau bahnen, werden unvernünftige Menschen ihre Schlupflöcher suchen und finden. Der homo sapiens ist längst zu bequem geworden, um ein paar Schritte sicheren Umweg in Kauf zu nehmen.
Und eingezäunt wird die Strecke schon gar nicht: "Wieso", heißt es von seiten der Bundesbahndirektion, "die Autobahn ist doch auch nicht verriegelt und verrammelt." Zwischen dem Bahnhof Offenbach-Ost einerseits sowie Ober-Roden und Dietzenbach andererseits, auf insgesamt genau 29,6 Kilometer Länge, gibt es gegenwärtig noch 35 "schienengleiche" Bahnübergänge. Fünfzehn davon sollen im Zuge des S-Bahn-Ausbaus verschwinden - unter- oder überirdisch, dreizehn sollen technisch mit Signalanlagen und Halbschranken besser abgesichert werden, über drei ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Im Hinblick auf die 120 Stundenkilometer schnelle S-Bahn sähe die Bahn am liebsten alle Kreuzungen zu ebener Erde abgeschafft. Denn auch die mit Signalanlagen und Halbschranken versehenen Übergänge bergen Gefahren in sich. In Hainstadt hat vor nicht langer Zeit ein kleiner türkischer Junge den Tod gefunden - trotz Rotlicht und heruntergelassenem Schlagbaum.
Walter Henss, Sprecher der Bundesbahndirektion Frankfurt, sieht aber keineswegs kindlichen Leichtsinn und jugendlichen Übermut als Hauptgefahrenquelle: "Der Krieg auf der Straße wird härter." Immer mehr Autofahrer sähen ihre Blechkarosse als Ersatz für die früher gebrauchten Ellenbogen, führen unter dem Motto "Hoppla, jetzt komm' ich" wie Slalomkönig Tomba bei Rotlicht um Halbschranken herum, die eigentlich nur dazu dienten, daß niemand zwischen zwei völlig heruntergelassenen Sperren eingeschlossen bliebe.
Der Zug Nr. 7917 ist weitergefahren, befindet sich in Nieder-Roden in Höhe der Fontanestraße. Ein Teil der Schüler ist in Jügesheim und Dudenhofen ausgestiegen, der alte Mann auch. Die restlichen paar im Zug gebliebenen Fahrgäste verschwenden natürlich keinen Gedanken daran, daß vor wenigen Jahren ein Altersgenosse an dem hier mit einem "Drängelgitter" versehenen Fußgänger- und Radfahrer-Übergang sein Leben gelassen hat, als er mit seinem Moped die Gleise überqueren wollte.
Ob der Tod von vier Menschen diejenigen umstimmt, die statt der Unterführungen die bisherigen Bahnübergänge beibehalten wollen? Der Rodgauer Bürgermeister Paul Scherer zuckt mit den Schultern. Natürlich stehen auch andere Interessen bei der Bürgerinitiative dahinter. Eine im Kontext mit der Tunnellösung viel Verkehr verheißende Straße vor dem eigenen Vorgarten, wo bisher die lieben Kleinen ungefährdet spielen konnten. Und es gibt ja auch jene, in der Kasseler- und Eisenbahnstraße in Jügesheim etwa, die sich auf den Tag freuen, an dem stinkende und brummende Benzinkutschen nicht mehr unter ihrem Fenster stehen, sondern die neue Unterführung am Kapellchen benutzen.
Der Personenzug Nr. 7917, vom Frankfurter Verkehrsverbund (FVV) schon zukunftweisend als "S 9" gehandelt, in Wirklichkeit mit seinen jahrzehntealten, oft unbeleuchteten, un- oder zu stark beheizten, längst abgeschriebenen "Silberfischen" der letzte Schrott, hat Nieder-Roden hinter sich gelassen, Rollwald im Visier. Keiner denkt mehr daran, daß dort vor mehr als zehn Jahren ein Lastwagenfahrer tödlich verunglückt ist, der täglich das Zementwerk ansteuerte, das im Firmensignet zwar ein vierblättriges Kleeblatt führt, ihm aber kein Glück brachte.
Wir nähern uns im "7917" der Bruchwiese mit ihrem todbringenden Übergang. Schon vor und unabhängig von dem schrecklichen Unglück stand fest, daß im Zuge des S-Bahn-Ausbaus dort "technische Sicherheiten" eingeplant waren. Vor dem stärker werdenden Schleichverkehr mochte auch das Straßenbauamt die Augen nicht mehr verschließen. Für vier Männer in ihren besten Jahren, die sich an dem verhängnisvollen Morgen vielleicht über Istanbuler Fußballergebnisse oder auch mögliches Schlechtwettergeld unterhalten haben, kommt das zu spät, kann für die Angehörigen kein Trost mehr sein.
Der Begriff "Sicherheit" unterliege subjektiven Maßstäben, hat Diplom-Ingenieur Hans Wiedemann, einst Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbahn, einmal formuliert. Die Frage, welche Sicherheitsvorkehrungen als "ausreichend" anzusehen seien, lasse sich deshalb nicht ohne weiteres beantworten. So werde jeder Betroffene bei einem Unfall stets dazu neigen, die Sicherheitsmaßnahmen als nicht ausreichend anzusehen. Wiedemann: "Hinzu kommt, daß entgegen der populären Ansicht, Sicherheit kenne keinen Preis, auch der Aufwand für Sicherheit wirtschaftlichen Zwängen unterliegt. So kann Sicherheit kein Selbstzweck sein, sondern findet dort eine Grenze, wo der Unternehmenszweck der Deutschen Bundesbahn, nämlich marktgerechte Transportleistungen zu erbringen, konterkariert würde."
Und derselbe Wiedemann hat einmal gesagt, daß die Eisenbahn im Vergleich mit anderen Verkehrssystemen für sich in Anspruch nehmen könne, ein sehr sicheres Verkehrsmittel zu sein, spektakuläre Unfälle seien außerordentlich selten. Kurz vor seiner Pensionierung holte ihn und seinen hohen Anspruch die Wirklichkeit ein. Da passierte 1990 das schwere Bahnunglück in Rüsselsheim mit seinen 17 Todesopfern.
BASEL. Nun war es soweit. Wochenlang hatten Basler und Zugereiste sich an der hellen Riesentonne mitten im Stadttheaterfoyer vorbeigedrückt. Jetzt durften sie hinein, durften sie sich auf die Tribüne hocken, deren roter Teppichboden beides ist: Stufe und Sitzfläche. Dieses Rot und das Weiß der Wände: Irgendwie spanisch kommt's einem vor, und eine Arena en miniature stellt's denn auch dar.
Herbert Wernicke, der Regisseur und Bühnenbildner, als Architekt: Er war es, der den ungewöhnlichen Spielort für ein ungewöhnliches Unternehmen ersann. Als sein Basler Operettenstreich Nr. 5 sollte es die spanische Sonderform der Zarzuela sein, und damit es besser hält, länger und doppeldeutiger wird, verfuhr Meister Wernicke nach dem Prinzip "Aus zwei mach eins".
Philipp IV. ist an allem schuld. Das Schlößchen bei Madrid, in dem er sich von schwerer Jagdarbeit erholte und sich Gereimtes mit Musik vorführen ließ, hieß "La Zarzuela", und das kommt von "zarza", Dorngestrüpp. Die Stücke, die sie im dornumstandenen Landhaus Seiner Majestät gaben, wollte allerdings Mitte des 18. Jahrhunderts niemand mehr sehen. Abermals rund hundert Jahre später tauchte die Zarzuela freilich auf wie der Phönix aus der Asche.
Landauf, landab wurde sie gespielt - eine nationale Lustbarkeit, in der, anders als in der Wiener Operette mit ihren unerkannten und verarmten Edlen, die Geschichte häufig von unten betrachtet wurde, die kleinen Leute das Singen und Sagen hatten - das Sagen mehr als das Singen, denn zwei Drittel des Ganzen machten die an Wortspielen reichen Dialoge aus. Zunächst wurde nach Leibeskräften von der in Mode stehenden italienischen Oper abgekupfert, der die Ergebnisse denn auch zum Verwechseln ähnlich sahen.
Einer der ersten, die sich in der zweiten Phase der wiedererstarkten Zarzuela aufs Spanische in der Musik besannen, auf die Melodien und Rhythmen der Folklore, war Jerónimo Giménez. Er lebte von 1854 bis 1923 und schrieb 1896 "Die Welt ist Komödie oder Der Hausball Luis Alonsos". Und weil's so schön und erfolgreich war, schob er ein Jahr darauf die Vorgeschichte nach: "Die Hochzeit Luis Alonsos oder Die Nacht vor dem Stierkampf".
Titel Nr. 2 nahmen die Basler jetzt fürs Ganze, und sie vertauschten die beiden Stücke - inhaltlich selbstredend vernünftig, musikalisch eher etwas zweifelhaft. Dafür ließen sie fünfe gerade sein und mengten den griffigen Einfällen des Señor Giménez ein paar Hits aus Kollegenfeder bei. Variieren wir Mozarts Figaro-Titel und nennen wir das also entstandene fidele Produkt "Alonsos Hochzeit oder Die tolle Nacht".
Daß der Anti-Illusionist Wernicke die Nacht zum hellichten Tage macht und wir uns den abendlichen Stierauftrieb und den schummrigen Garten denken müssen, versteht sich bei ihm von selbst. Das kreisrunde Spielpodest - das sind die Bretter, die eine kleine Welt bedeuten und auf denen die Figuren samt ihren Macken präsentiert werden. Und das heißt bei Wernicke auch: überzeichnet, überdreht.
Don Alonso, fortgeschrittenes Semester, Tanz- und Benimmlehrer zu Cádiz, ist noch nicht ganz durch die Schwingtür der Arena, da landet er erst mal der Länge nach auf der Nase. Bei dem einen Mal bleibt's nicht - the same procedure . . . Der etwas hochnäsige, etwas schmierige Elegant, will uns dieser Stolperer sagen, ist halb so viel, wie er ohn' Unterlaß von sich behauptet. Und André Jung, rechtschaffen fies, dem Seitensprung wenigstens aufgeschlossen, wie er's zu Unrecht von seiner um Dezennien jüngeren Gemahlin mutmaßt, läßt denn auch, Auslaufmodell eines geschniegelten Lackaffen, das Hohle hinter der Fassade immerzu durchscheinen.
Und das wollen sie allesamt dort unten in der Arenamitte: mehr sein als scheinen - der Toreador, der Hals über Kopf Reißaus nimmt, wenn der Stier los ist; die (riesenhaft-männliche) Matrone, die ihre (unbedarft-männlichen) Töchter zwecks Schuldentilgung mit aller Gewalt unter die Haube bringen möchte (beide Male der hinreißende Jürg Löw, der schon in Wernickes "Fledermaus"-Entlarvung als Gefängnisdirektor dabei war und auch hier wieder seine knickebeinige Besoffenenkiste abfahren darf); der senile Marqués der's, vor Altersgeilheit bibbernd, immer noch mit den jungen Weibern hat (eine rüstige Stotternummer von Buddy Elias).
Mit der Flasche haben sie's auf diesem angeblich so renommierten Hausball, der unterderhand zum galoppierenden Skandal wird. Und wenn unser geprüftes spätes Ehepaar (wer's glaubt . . .) sich am Ende ziemlich ausgelaugt abermals ewige Treue schwört, dann wirkt dergleichen Bekenntnis reichlich schal.
Wernickes Spanier sind allemal auch Über-Spanier. Er stellt dar und aus. Er zeigt Haltungen und karikiert sie zugleich und das mit kräftigen Pinselstrichen, mit "Olé!" und "Caramba!", daß sich der Tanzboden unterm Absatzknallen biegt, die Klamottenschwarte kracht und der Kalauer Urständ' feiert.
Dabei gerät ihm indes auch eine mitunter so anrührende Gestalt wie Desirée Meisers Ehefrau Maria Jesús: jung und schön und schon etwas verhärmt in einem, wie sie da, einen Tango auf den Lippen, die Bohlen schrubbt und, wenn sie singt, geradezu etwas von Cante jondo-Rauheit in der Kehle hat.
Anders als in der "Fledermaus", in der es auch ein paar Sänger gab, anders auch als in der "Opern-Zarzuela" denkbar, sind hier ausschließlich Schauspieler am Werk. Und geben wir's zu: Welcher Sänger könnte auch einen so reibeisenstimmigen Kotzbrocken von einem Eifersüchtling dahernölen wie Martin Schneider; welche Sängerin vermöchte eine so tobende Furie aufs Podest zu wuchten wie Gundi Ellert, von der man fürchtet, sie haue augenblicklich den ganzen Laden kurz und gartenklein?
Wernickes Zarzuela-Her- und Zurichtung, dieser Dauer-Slapstick, hinterläßt freilich auch ein wenig Unbehagen. Intimkenner der Zarzuela-Bräuche, der man nun mal nicht ist, argwöhnt man, der Regisseur könne und wolle sich diesmal nicht so recht zwischen Ernstnehmen und Verarschen, zwischen Hommage und knalligem Haut-den-Lukas entscheiden und habe es sich diesmal auch gelegentlich etwas leicht gemacht.
Franz Wittenbrink und seine elfköpfige Kapelle wirken raumfüllend. Im Gegensatz zur "Fledermaus", deren Musik sich in der Salonmontur schier verkrümelte, werden die Zarzuela-Rechte mit Habanera und Menuett, mit Fandango und Polka trotz der orchestralen Schlankheitskur gewahrt. Nicht umsonst stellt das Programmbüchlein ein Zitat des großen Manuel de Falla voran. 1919 unkte der: "Sie werden sehen, ich mache mit zwanzig Instrumenten genauso viel Krach wie mit hundert." HEINZ W. KOCH
RODGAU. Die Freidemokraten melden wieder Anspruch auf Sitze und Stimmen im Parlament der größten Stadt des Kreises an. Als Spitzenkandidat bei der Kommunalwahl am 7. März tritt ihr Vorsitzender, der 45 Jahre alte Diplom-Kaufmann Hans-Jürgen Grebe an, der für sich Schwerpunktthemen wie Wirtschaft und Verkehr beansprucht.
Ihm folgt auf Platz zwo der sechs Jahre ältere Klaus Monkowius, Diplom-Ingenieur mit den Spezialgebieten Wirtschaft, Sport und Jugend.
Auf Platz drei dann mit Brigitte Bonifer eine Nachwuchspolitikerin, Bankkauffrau ihres Zeichens, die sich für Umweltschutz, Verkehr und Kultur kompetent fühlt, auf Platz vier die Heilpraktikerin Birgit Grebe mit Neigungen zu Gesundheits-, Sozial- und Schulpolitik, ehe mit dem Diplom-Physiker Armin Hönig an fünfter Stelle ein Kommunalpolitiker und Umweltschützer folgt, der als einziger Erfahrungen im Rodgauer Stadtparlament mitbringt, ehe die Liberalen dort 1985 die Bühne räumen mußten. Die FDP nennt keine Namen, sondern sagt, daß sie einer Koalition oder einer "koalitionsähnlichen Vereinbarung" mit einer anderen demokratischen Kraft nicht abgeneigt ist, sie hat auf dem Sektor Verkehrs- und Sozialpolitik bestimmte Forderungen artikuliert wie Freigabe der Rodgau-Ringstraße, Tempo 30 im gesamten Stadtgebiet einschließlich konsequenter Überwachung, ein flächendeckendes Radwegenetz.
Außerdem wollen die Liberalen, um die es in den vergangenen Jahren seit den Zeiten eines aufmüpfigen Klaus Henkel still geworden war, die Erhaltung und Schaffung vernetzter Biotope, die Renaturierung der Rodau, den Rückbau von Entwässerungsgräben. Sie haben in ihrem Wahlprogramm beitragsfreie Kindergartenplätze festgeschrieben und verlangen eine "gezielte kontinuierliche kommunale Wirtschaftsförderung durch die Einschaltung einer privaten Förderungsgesellschaft". ttt
Die Autorin ist auf seiten der drei Mädchen, sie erzählt davon, wieviel Kinder akzeptieren, ohne sich zu beschweren, und daß Liebe etwas ist, das nichts mit Kochen, Putzen und Reden zu tun hat. Die Autorin erzählt von den Kinderwunden und von den Schmerzen, die unvergeßlich sind: Als die Katze stirbt und die drei, um den Vater zu strafen, beschließen, ihr Elternhaus für immer zu verlassen. Als der Vater, anstatt wie versprochen, im Disneyland und im Wohnwagen mit ihnen Ferien zu machen, aus Atomkriegsangst das Experiment Überleben im Erdloch im Garten durchführt, als sie zum ersten Mal von Jimmy erfahren, der als Baby vom Arm der Mutter in die Niagara-Fälle fiel. Jimmy, der jetzt der große Bruder wäre und das Baby im Himmel ist, wird zur Symbolfigur, zum "schwebenden Engel", zum Geheimnis der Familie und zum Verhängnis. Die Existenz Jimmys macht die Fields zu etwas Besonderem, zu einer Gemeinschaft, die eine eigene Geschichte hat.
Leider greift Barbara Gowdy fürs sexuelle Pfadfindertum ihrer Girls hemmungslos ins Klischee. Wie sie die Entdeckungsreisen der Mädchen beschreibt, ist allerdings alles andere als abgedroschen. Es wird gezeigt, daß es zwei nebeneinander herlaufende Welten im Bewußtsein dieser Mädchen gibt, daß der Fernsehalltag keine eigene Erfahrung übernimmt, keine Ratlosigkeit, ersetzt, keine Ansprache ist, nur ein Tranquilizer sein kann. Als Lou, Norma und Sandy sich nach dem Tod der Mutter in ihrem Haus verschanzen, stellen sie als Trauergehilfen den Fernseher an, einfach hinzusehen, noch jemand im Zimmer zu haben, der doch nicht körperlich eingreifen kann, tut ihnen gut.
Barbara Gowdy gehört zu den unprätentiösen Erzählerinnen, die sich keine Poetisierung, keinen geschönten Ton erlauben. Ihr ist ein scharfgezeichnetes Porträt der Familie Field gelungen, ernstzunehmen, desolat, nicht ohne Witz und nicht in Hoffnungslosigkeit ertränkt. Das Raffinierte an dieser Erzählerin ist ihr moralisches Understatement. Barbara Gowdy stellt das Komplizierte mit entspannter, unsentimentaler Leichtigkeit dar. Man stelle sich einen hiesigen Autor vor solch einer Schutthalde vor!
Vergleicht man Barbara Gowdys Field- Saga zum Beispiel mit Elke Heidenreichs so übertrieben erfolgreichen Lonsome love-Stories, offenbart sich der Unterschied im psychischen Humor mit einem Schlag. Kennenzulernen ist mit Barbara Gowdys Fallenden Engeln eine neue Erzählerin der Short Story-Kultur. Kein ganz außergewöhnliches, aber ein beachtliches Talent. VERENA AUFFERMANN
Barbara Gowdy: Fallende Engel. Roman. Aus dem Englischen von Sigrid Ruschmeier. Verlag Antje Kunstmann, München 1992, 218 Seiten, 36 DM.
Die beiden Artikel (FR vom 16. 1. 1993 "Diätenerhöhung in Bonn" und "Im Wortlaut: Otto Graf Lambsdorff - Über Medienverdrossenheit") mögen ja rein zufällig am selben Tag in der Frankfurter Rundschau gestanden haben, jedoch sollte man sich über die zunehmende Politik(er)verdrossenheit nicht wundern. Die von ca. 40 (!) Bundestagsabgeordneten beschlossene Diätenerhöhung paßt wie ein Mosaikstein in diese, von allen Parteien beklagte Politikverdrossenheit.
Dabei geht es nicht nur um die Erhöhung der Diäten zum jetzigen Zeitpunkt, wo vielen Mitbürgern ein realer Lohnverzicht abverlangt wird.
Es stellt sich vielmehr auch die Frage, wieso die steuerfreie Pauschale stärker angehoben wird als die zu versteuernden Gehälter?
Aber da sich nur etwa 65 Abgeordnete - die zum Teil noch herbeigerufen werden mußten - an der Abstimmung beteiligt haben, könnte es allerdings auch sein, daß sich die schweigende Mehrheit der neunzig Prozent nicht anwesenden Parlamentarier auf diese Weise gegen eine Erhöhung ihrer Diäten aussprechen wollte.
Zumindest scheinen sie einer Erhöhung ihrer Bezüge keine allzugroße Bedeutung beizumessen und könnten vielleicht auch darauf verzichten?
Thomas Kalkert, Bad Soden
Zeit der Flagellanten Kleiner Bericht zur Lage der deutschen Intellektuellen-Nation
"Nach einem oberflächlichen Blick auf die Gesellschaft könnte man gut und gern zu der Ansicht kommen, das Zeitalter der Trottel sei angebrochen."
EDWARD CONZE
Die Bundesrepublik ist in Bewegung geraten. Es herrscht wieder Krieg. Was in diesem Jahrhundert der Kriege keiner mehr erwartet hätte, ist eingetreten. Noch sind nicht alle Teile der Bevölkerung im Kriegszustand, aber es wird damit gerechnet, daß sich der Bazillus des Kampfes über die gesamte Fläche der Republik verbreitet hat. Auch ist noch unklar, wer gegen wen kämpft, weil sich die Uniformen gleichen, und keineswegs ist sicher, ob grundsätzlich für oder gegen etwas gekämpft wird. Und um die Verwirrung total zu machen, kämpfen einige Verbände in den östlichen Teilen gegen etwas, das sie in den westlichen Teilen verteidigen.
Während der Bundespräsident in einem weitverbreiteten Interview den Politikern mangelnde Kampfbereitschaft unterstellt hat, hat sich die Straße formiert. Das Volk steht, wenn auch geteilt, aber keiner weiß genau, für wen und hinter wem es steht. Manche stehen nur für sich, andere für andere. Mittlerweile sind Kämpfe darüber ausgebrochen, wem das Volk, wenn es überhaupt eines gibt, gehört. Volk ja, sagen die Eliten, aber Pöbel nein. Wem aber gehört Pöbel, wenn nicht Volk?
Jahrelang hat man uns eingeredet, wir hätten endlich das Ende der Geschichte erreicht, das Reich des heiteren Ausgleichs betreten. Jeder soll sagen dürfen, was er denkt, auch wenn er nichts zu sagen und nicht nachgedacht hat, besonders im Fernsehen. Die Vorbereitungen der Veränderungen des Parlaments in eine Talk-Show-Runde waren in vollem Gange, als die Nachrichten von heftigen Auseinandersetzungen eintrafen. Was tun? Die Armee konnte nicht eingesetzt werden, da sie sich in einer Kampfhandlung mit sich selbst befand und unabkömmlich war: Teile der Armee wollten in anderen Ländern für den Frieden kämpfen, wurden aber von anderen Einheiten mit brutaler Gewalt daran gehindert. Die Militärexperten sind sich noch unschlüssig, wie der herrschende Krieg zu bezeichnen ist, denn leider handelt es sich nicht um einen begrenzten klassischen Bürgerkrieg mit zwei zerstrittenen Seiten, die aufeinander losdreschen im Namen ihrer je eigenen Wahrheit. Es geht auch nicht um Fragen der gerechten Herrschaft, der besten Ordnung und des wirklichen Friedens. Es geht vielmehr um Kampfformen, die in den heute beliebten und gerne gelesenen Büchern zur Theorie und Geschichte des Kriegs - von Clausewitz bis C. Schmitt, um nur die Bestseller zu nennen - nicht Erwähnung finden.
Wo Kommunikation war, vor allem Tele-Kommunikation, sollen jetzt wieder die Waffen sprechen, so etwa stellt sich acht Jahre vor der Jahrtausendwende den Kriegsberichterstattern die Situation dar. Da die Wirtschaftskriege, die sozialen Schlachten und Medienkämpfe, um nur einige Auseinandersetzungen zu nennen, schon an anderer Stelle ausführlich gewürdigt wurde, wollen wir uns mit den Intellektuellenkämpfen befassen, die den Militärexperten am meisten Kopfzerbrechen bereiten.
Auf diesem Gebiet kämpft inzwischen jeder gegen jeden und alles. Die Annahme, daß diese archaische Form des Kampfes im Verlauf der gesellschaftlichen Evolution einer friedlichen Kommunikation Platz gemacht hätte, hat sich als folgenschwerer Irrtum erwiesen. Gerade die außergewöhnlich brutalen Ausschreitungen bei den jüngsten Kommunikationsprozessen, die im Namen der richtigen Theorie der Gesellschaft geführt wurden, sollten denen zu denken geben, die eine verbindliche Diskursethik favorisiert haben.
Interessant und abweichend von früheren Kriegen ist z. B. die wechselnde Lagerbildung. Vor einem Jahr etwa lief eine linke Mehrheit schlagartig ins rechte Lager über, zog deren Uniformen an, die wunderbarerweise paßten, und benutzte deren Losungen, so daß die Rechten unsicher waren, wo der Feind stand und deshalb zur Erstarkung der eigenen Kampfkraft eine Erstarkung der Linken forderte.
Einige Rechte dagegen überquerten die letzten linken Linien, um überhaupt einen Frontverlauf zu markieren, so daß die Linken sich nach ihnen umwenden mußten und plötzlich mit dem Rücken zum Feind standen. Die Mehrheit der Schriftsteller dagegen, eben noch gegen die Autorität, den Staat, verbarrikadierte sich im Parlament, um sich mit den linken Rechten und den liberalen Linken gegen das Volk im Osten und gegen den Pöbel im Westen zu verteidigen, und umgekehrt. Solcherart Irritationen führten dazu, daß manche Intellektuelle in Ermangelung von eindeutigen, leicht zu identifizierenden Feinden sich selbst zum Feind erklärten. So wurden auf den Marktplätzen süddeutscher Universitätsstädte Philosophieprofessoren beobachtet, wie sie sich bei lebendigem Leibe stückchenweise die Geschichtsphilosophie aus den Rippen schnitten, die dort seit den Sechzigern wie eine bösartige Geschwulst wucherte. Und in der Nähe des Jungfernstiegs (in Hamburg) wird Kriegstouristen aus ärmeren Gegenden eine Blutlache gezeigt, die ein Schriftsteller bei der Ausmerzung utopischen Gedankenguts aus seinem Kopf verursacht hat, unter lautem Beifall der Redakteure einiger Zeitschriften, die aus den offenen Fenstern ihrer Redaktion "Gibs Dir", "Mach Dich fertig" gerufen haben sollen. Der Schriftsteller, leer im Kopf, ist jetzt Kriegsberichterstatter geworden.
Es wäre leichtfertig, diese Formen des sog. Auto-Kriegs als Selbstverstümmelungen klassischer Art der Psychopathologie von Intellektuellen zuzuschreiben, wie sie noch in den sechziger Jahren gelehrt wurde. Wer einmal miterlebt hat, wie unter heutigen Bedingungen blutdürstig der eigene Kopf oder zumindest die eigene Geschichte gefordert wird, der kann nicht mehr an die Ammenmärchen der Psychologie, an Ich-Schwäche und fehlgeleitete Mutterbindung, denken. Hier bricht sich etwas Bahn, das nur noch in den Kategorien des Krieges sinnvoll beschrieben werden kann.
"Ich bin nicht mehr ich", mit diesem Aufschrei zerschlug kürzlich ein nach drei Gastsemestern in Paris zurückgekehrter Berliner Soziologe seinen eigenen Ruf, zertrümmerte planmäßig alles, was ihn bis dahin ausgemacht hatte, steckte es, weil es nicht viel war, in eine Cola-Dose, und mußte von der Familie unter dem kriegslüsternen Johlen der Studenten ins Narrenspital verbracht werden, weil die Pension auf dem Spiel stand.
Häufig anzutreffen in letzter Zeit sind auch schriftlich vorgetragene Kriegserklärungen an die eigene Person oder an das eigene Werk, wobei auffällt, daß nicht nur wie früher den Jugendschriften, sondern auch Texten aus der jüngsten Vergangenheit der Krieg erklärt wird. So ging der Fall eines Bochumer Politologen durch die Kriegspresse, der sich nicht verzeihen wollte, in seinem Werk den Begriff Nation seiner Bedeutung gemäß diskutiert zu haben. Ob es zum offenen Schlagabtausch gekommen ist, ist nicht bekannt. Das Photo in der Zeitung zeigte jedenfalls einen Menschen, der für sein Versagen bis zum letzten Blutstropfen zu kämpfen bereit war.
Sind solche modernen Belebungen von mittelalterlicher Geißler- und Flagellantentum noch Einzelfälle, die das gesellschaftliche Ganze weitehend unbeeindruckt lassen - sieht man von der Verhäßlichung des Straßenbildes durch die vielfach Blessierten einmal ab -, so finden sich in dem hier beschriebenen Milieu auch Kampfformen, die auf keine Tradition zurückblicken können.
Schwerpunkte der kriegerischen Auseinandersetzungen sind eigentümlicherweise die Friedhöfe geworden, auf denen die "Grablegung des Intellektuellen" zelebriert wird. Es beginnt damit, daß ein Intellektueller, der sich noch bester Gesundheit erfreut, unter großem Pomp symbolisch zu Grabe getragen wird, wobei Tag und Stunde der "Beerdigung" in der Kriegspresse angekündigt worden sind. Es folgt in stark beleidigender Weise die Verlesung der Taten des für tot Erklärten, anschließend gibt es sog. Mundkriege der verschiedenen anwesenden Parteien, die meist in lautem Geschrei enden, dann beginnen aus dem Grab heraus die Grabenkämpfe, die von bis zu vier Fernsehanstalten übertragen werden dürfen.
Bemerkenswert ist auch das Auftauchen paramilitärischer Verbände. Während in Frankfurt plötzlich der in jeder Hinsicht unbeleckte Autor Altenheim eine bewaffnete Truppe gebildet hat, die aggressiv gegen alle Schriftsteller, die schreiben können, zu Felde zieht, hat sich im Kölner Vorort Marienburg ein schlagender Haufen um den "General" Mechow gesammelt, der jeden, der den Namen des südwestdeutschen Philosophen Heidegger im Munde führt, unnachsichtig verfolgt.
Es ist hier nicht der Platz, weitere Beispiele aus unserer reichen Sammlung zu veröffentlichen. Das überlassen wir gerne den überlebenden Historikern, die einst die deutsch-deutschen Scharmützel nach der Vereinigung, die Schüsse aus Kanonen auf Spatzen, die Befreiungsschläge und die Geschichte der Kollaboration schreiben werden. Ob die Wahrheit je auf den Tisch kommt, ist ungewiß. Andererseits setzt man sich, Herrn Prof. Bolz zufolge (Buch-Markt 8/92), ohnehin "dem Verdacht der Unseriosität aus, wenn man noch den Begriff der Wahrheit benutzt".
Brauchen wir tatsächlich einen äußeren Feind, der uns von uns und unseren Kriegsspielen ablenkt? Sind wir tatsächlich so kopflahm, daß die Hauptsorge der Intellektuellen der Funktion der Intellektuellen gilt? Sind die widerlichen Schlachten um jeden verrückt gewordenen Wichtigtuer wichtiger als die Kunst, die Philosophie, die Geschichte? Sind wir vom Fernsehen schon so verblödet, daß wir dessen Argumentationsformen als verbindlich hinnehmen? Vielleicht hat ja der oben zitierte Norbert Bolz recht, daß "die alteuropäische Kultur zum Arkanwissen, zur Arkandisziplin, zur Geheimdisziplin des 21. Jahrhunderts wird", während in der sog. Öffentlichkeit die sinnentleerten Köpfe toben.
Diese Kultur zu retten, bedarf es keiner Einsatztruppen und keiner Schlägerbanden, keiner Helden und keiner Märtyrer. Es braucht Ideen und Phantasie. Jeder, der noch seine fünf Tassen im Schrank hat, weiß, daß ein dritter Weltkrieg möglich geworden ist, der, wie in Jugoslawien, das alte Wissen zerstören wird. Aber der größte Teil der westeuropäischen Intellektuellen und Schriftsteller bespritzt sich in einem behüteten Reservat mit Wasserpistolen. Wir sind gespannt, ob und wie die kommende Entwicklung unser Denken und Handeln verändern wird. Eine Kerze in der Hand jedenfalls wird nicht ausreichen, unser kulturelles Selbstverständnis zu formulieren. MICHAEL KRÜGER
Mit dieser literarischen Volte über die intellektuelle Szene in Deutschland beginnt der 40. Jahrgang der literarischen Zeitschrift "Akzente". Sein Herausgeber Michael Krüger ist C. Hanser-Verlagsleiter, Lyriker und Erzähler. fr
"Einer alten Frau zwanzig Mark wegzunehmen, wäre eine Schande" Der Brief, den der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU, Heiner Geißler, an die Bundestagsabgeordneten schrieb
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
da ich wegen meiner Verletzung noch nicht in Bonn sein kann, möchte ich auf diesem Wege als der in unserer Fraktion für Arbeit und Soziales und Arbeitnehmer- fragen verantwortliche stellvertretende Vorsitzende zu den bisher bekannt gewor- denen Sparvorschlägen Stellung nehmen.
Die Ziele des Solidarpakts, der von mir schon vor über einem Jahr gefordert worden war, sind unbestritten. Sie können auch nur erreicht werden, wenn in den öffentlichen Haushalten gespart wird.
Man muß allerdings zunächst die Frage stellen, ob es klug war, wenige Tage vor Weihnachten mit den Sozialdemokraten eine Streichliste von Sozialleistungen zu erörtern, weil man wissen mußte, daß die SPD so etwas sofort auf den Markt bringt. Sie hat denn auch die Gespräche über Weihnachten in der Bevölkerung - was die Politik betrifft - beherrscht, bis hin zu den vorgeschlagenen pauschalen Kürzungen von Sozialhilfe, Arbeitslosenhilfe und Arbeitslosengeld.
Ich habe, entgegen den Behauptungen von Theo Waigel und Wolfgang Bötsch, die Bundesregierung nicht angegriffen, sondern ich habe zur Sache Stellung genommen. Dies gehört zu meiner Aufgabe, zumal die internen Kürzungsvorschläge, die dann auch zum Teil durch Interviews des Bundesfinanzministers autorisiert worden waren, zuvor mit keinem der zuständigen und verantwortlichen Sozialpolitiker der Fraktion erörtert worden waren.
Ich habe mich in meinen Ausführungen ausschließlich auf zwei Punkte konzentriert: 1. auf die pauschale, möglicherweise dreiprozentige Kürzung der Sozialhilfe, des Arbeitslosengeldes und der Arbeitslosenhilfe. 2. auf die Finanzierung der aktiven Arbeitsmarktpolitik durch lohnbezogene Beiträge der Arbeitnehmer und der Betriebe. zu 1) Die Behauptung, Sozialhilfeempfänger bekämen oftmals netto mehr als aktive Arbeitnehmer in unteren Lohngruppen, trifft nicht zu und kann allenfalls an einigen wenigen exotischen Beispielen konstruiert werden. Mißbrauch gibt es hier natürlich genauso wie bei der Inanspruchnahme von Steuervergünstigungen und Subventionen.
Richtig ist, daß der Abstand zwischen Sozialhilfe und Nettoeinkommen unterer Lohngruppen geringer wird, wenn man Haushalte mit mehreren Kindern vergleicht. Das hängt aber damit zusammen, daß die Sozialhilfe für Kinder, vor allem für das erste und zweite Kind höher ist als das Kindergeld, weil dieses leider immer noch nicht das Existenzminimum von Kindern abdeckt. Der Vorschlag, das Kindergeld pauschal zu kürzen, ist in diesem Zusammenhang geradezu widersinnig.
Der eigentliche Mißbrauch in diesem Bereich besteht darin, daß viele Sozialhilfe, Arbeitslosengeld oder Arbeitslosenhilfe beziehen und gleichzeitig schwarzarbeiten. Diesen zweifellos vorhandenen Mißständen kann man aber nicht durch eine pauschale Kürzung der Sozialhilfe oder des Arbeitslosengeldes beikommen. Der Schwarzarbeiter wird seine Schwarzarbeit nicht deswegen aufgeben, weil er bei der Sozialhilfe 15,- DM verliert.
Eine pauschale Kürzung der Sozialhilfe z. B. wäre aber ein nicht hinnehmbares Unrecht für Millionen von Menschen, die ausschließlich von der Sozialhilfe leben müssen, vor allem für Millionen von Behinderten, Pflegebedürftigen, aber auch z. B. von alleinstehenden Müttern, für die eine solche Kürzung eine bittere Ungerechtigkeit wäre. Einer alten Frau, die zusätzlich zu ihrer kleinen Rente noch einen Sozialhilfeanspruch hat, 15 oder 20 DM wegzunehmen, wäre eine Schande.
Wirksame Einsparmöglichkeiten bestehen dagegen z. B.
- in der Einführung von weiteren Einkommensgrenzen für alle Sozialleistungen, die nicht durch Beiträge oder durch Aufopferungsansprüche, wie z. B. in der Kriegsopferversorgung, begründet sind
- durch den Wegfall von Steuervergünstigungen für Bezieher hoher Einkommen z. B. nach § 10 e Einkommensteuergesetz im Wohnungsbau (siehe Sachverständigenrat). zu 2) Die jetzige Finanzierung der Sozialismusfolgekosten (hohe Arbeitslosigkeit als Folge des Niedergangs der Industrie, zerstörte Umwelt) ist wirtschaftlich schädlich und sozial ungerecht. Ich begründe dies wie folgt:
Die aktive Arbeitsmarktpolitik, also Förderung der beruflichen Bildung und der beruflichen Rehabilitation, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Lohnkostenzuschüsse für Ältere, Kurzarbeitergeld, Förderung der Arbeitsaufnahme und Vorruhestand, hat eine große Bedeutung für den Übergang von der sozialistischen Kommandowirtschaft zur sozialen Marktwirtschaft in den neuen Bundesländern. 1992 wurden dafür rund 36 Mrd. DM aufgewendet.
Die arbeitsmarktpolitischen Effekte sind hoch: 1992 wurden für rund 1,8 Mill. Arbeitnehmer in den neuen Ländern dadurch Arbeitslosigkeit vermieden. Zu dieser Politik gibt es keine Alternative.
Problematisch ist jedoch ihre Finanzierung. Sie erfolgt zum überwiegenden Teil, nämlich in Höhe von 28 Mrd. DM, durch die lohnbezogenen Beiträge für Arbeitnehmer und ihrer Betriebe zur Bundesanstalt für Arbeit. (Zum Vergleich: 1 Prozent Beitrag zur Bundesanstalt für Arbeit = 11 Mrd. DM).
Diese eben beschriebenen Aufgaben in den neuen Bundesländern haben jedoch mit dem Sinn einer Sozialversicherung nichts mehr zu tun. Die Folgen des gescheiterten Sozialismus und die damit verbundene Arbeitslosigkeit ist eine Erblast, die, wie der Sachverständigenrat gesagt hat, "grundsätzlich von der Gesamtheit der Steuerzahler zu tragen ist".
Die Hauptargumente gegen die Finanzierung dieser allgemeinen staatlichen Aufgabe durch die Sozialversicherung sind folgende:
- Höhere Beiträge zur Bundesanstalt für Arbeit steigern die Lohnnebenkosten. Steigende Lohnnebenkosten verschlechtern die Ertragslage der deutschen Unternehmen und damit auch die Investitionsfähigkeit der Firmen im Osten.
- Die Aufbringung der Mittel erfolgt nicht nach dem Prinzip der Leistungsfähigkeit. (Einkommensproportionale Beiträge nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze, keine Berücksichtigung von besonderen Belastungen z. B. durch Kinder oder pflegebedürftige Angehörige.)
Die Beiträge sind in den letzten zwei Jahren entsprechend gestiegen (bis März 1991 4,3 Prozent, dann bis Ende 1991: 6,8 Prozent, 1992 6,3 Prozent, ab Januar 1993: 6,5 Prozent).
Nachdem der Solidaritätszuschlag weggefallen ist, sind die erhöhten Beiträge zur Bundesanstalt für Arbeit die wichtigste Abgabe zur Finanzierung des Finanztransfers des Bundes für die neuen Bundesländer. Die unteren Arbeitnehmerhaushalte werden dadurch zusätzlich und besonders belastet. Die Einkommen von Selbständigen und Beamten, aber auch von uns Abgeordneten, werden erheblich weniger oder gar nicht herangezogen. (. . .)
Deshalb folgender Vorschlag:
Um die Finanzierung der durch die sozialistische Erblast verursachten Arbeitslosigkeit von der Gesamtheit der Steuerzahler tragen zu lassen, ohne gleichzeitig eine höhere Gesamtbelastung der deutschen Volkswirtschaft zu bekommen, müßte der Solidaritätszuschlag z. B. in Höhe von 7 Prozent der Einkommensteuerschuld, wieder eingeführt werden (auf 4 oder 5 Jahre befristet, degressiv ausgestaltet). Gleichzeitig müßte der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung um zwei Prozentpunkte gesenkt werden und die damit verbundenen Mindereinnahmen der Bundesanstalt für Arbeit durch einen entsprechenden Bundeszuschuß ausgeglichen werden.
Diese Regelung hätte folgende Vorteile:
- Die Belastung der Volkswirtschaft bliebe unverändert.
- Steuermehreinnahmen durch den Solidaritätszuschlag (ca. 22 Mrd. Mark 1991/92) entsprächen den Beitragsmindereinnahmen bei der Bundesanstalt für Arbeit mit ca. 22 bis 23 Mrd. DM.
Ich möchte eine Schlußbemerkung machen: Ich warne davor, die Erörterung derart wichtiger Fragen in der Fraktion zu tabuisieren und Alternativvorschläge, wie ich sie gemacht habe, in persönliche Angriffe gegen den Finanzminister umzufälschen. Ich stimme ausdrücklich zu, daß es keine Arbeitsteilung geben darf zwischen denen, die die Mittel herbeischaffen, und denen, die die Mittel ausgeben. Wir tragen alle eine Gesamtverantwortung. Dies gilt aber für die Finanzpolitik genauso wie für die Sozialpolitik. Deshalb habe ich auch Einsparungs- und Finanzierungsvorschläge gemacht. Aber es muß genauso beachtet werden, daß Kürzungen von Sozialleistungen mit der Heckenschere das Klima vergiften, der Union als Volkspartei schaden und den Solidarpakt gefährden.
Die negative, mit pauschalen Kürzungen arbeitende Sozialpolitik der amerikanische Regierung, von Reagan begonnen, von Bush fortgesetzt, war eine der wichtigsten Gründe für die Wahlniederlage der Republikaner in den USA im letzten Herbst.
Mit freundlichem Gruß bin ich Ihr Dr. Heiner Geißler
Der Zeitpunkt paßte in die Landschaft. Pünktlich zum Auftakt der rheinischen Karnevalssaison brachte Richard Blömer, Kulturausschußvorsitzender der Stadt Köln, kraft seines Amtes als kulturpolitischer Sprecher der örtlichen CDU-Fraktion einen Vorschlag in die Medien. Zehn Millionen Mark, so lautete dessen Kern, seien im Jahr zu sparen, wenn die Opernhäuser von Düsseldorf und Köln sowie das Kölner Tanzforum und das Ballett der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg zusammengelegt würden.
Hatte der Mann je davon gehört, daß beim Kölner Tanzforum - gemäßigt - moderner Tanz gepflegt wird, vom Corps der Rheinoper aber klassisches Ballett? Waren ihm nicht die Grenzen der Kooperationsfähigkeit bekannt geworden, als Köln mit Düsseldorf-Duisburg den "Ring des Nibelungen" unter Kurt Horres und Hans Wallat produzierte? Die Probleme fingen damit an, daß in Köln die Bühnenzüge 350 Kilo, in Düsseldorf aber 1000 Kilo tragen - was für die Bühnenbildner eine gewaltige Vorgabe bedeutete. Und hatte unser Reformer nicht bemerkt, daß Kölns Oper ein Stagionebetrieb mit einem kleinen Ensemble und vielen Gästen ist, während die Rheinoper am alten Ensembletheater mit wenigen Gästen hängt?
Wer in der Gegenwart etwas für die Zukunft ändern will, sollte über die geschichtliche Entstehung seines Reformobjekts Bescheid wissen. So war der Blömer-Plan von Fachleuten schnell als theaterpolitische Begleiterscheinung zum Hoppeditz-Erwachen abgetan. Aber die entpuppte sich als Prolog zu einem Trauerspiel. Ziel des in periodischen Abständen erwachenden Eifers der Kulturpolitiker in Nordrhein-Westfalen ist die Zerschlagung der gewachsenen Opernlandschaft am Rhein mit den Häusern in Bonn, Köln, Düsseldorf und Duisburg.
Der erste Akt dieser sich abzeichnenden Tragödie lief als Satyrspiel ab. In Bonn brachte der neue Opernintendant Giancarlo del Monaco das Kunststück fertig, noch bevor in seinem zum Zwecke der Erweiterung umgebauten Haus der Vorhang zum erstenmal hochging - das wird erst im Februar der Fall sein - den Etat um 3,9 Millionen Mark zu überziehen.
Die Folge: Eine Abmahnung für den Intendanten und seinen Generalmusikdirektor Dennis Russel Davies, der beim letzten Beethoven-Fest der Stadt um 332 000 Mark überzogen hatte. Verbunden mit der Abmahnung war ein etatistischer Maulkorberlaß: del Monaco darf fortan ohne schriftliche Einwilligung seines Verwaltungsdirektors keine finanzielle Verpflichtung eingehen. Ferner muß er dem Kulturamtsleiter monatlich eine Aufschlüsselung der Ausgaben vorlegen. Außerdem gab die Staatsanwaltschaft bekannt, daß sie wegen des Verdachts der Untreue gegen den Opernchef Ermittlungen aufgenommen habe.
An jenem 17. Dezember, als das Bonner Satyrspiel bekannt wurde, begann die Tragödie in Düsseldorf. Dort traf sich der Verwaltungsrat der Deutschen Oper am Rhein und legte dem Zweistädte-Institut einschneidende Sparzwänge auf: Der Etat der laufenden Spielzeit wird für die nächsten Jahre eingefroren, die zu erwartenden Mehrkosten aufgrund der fälligen Tariferhöhungen müssen - anders als beispielsweise in Stuttgart - aus ihm bestritten werden.
Außerdem bekundete Hubert Werder, Verwaltungsratsmitglied und Kulturausschußvorsitzender in Düsseldorf, die Möglichkeit weiterer Einsparungen. Er ging damit zwar nicht so weit wie sein Kollege und Parteigenosse Blömer in Köln, der sich mit den von ihm genannten zehn Millionen populistisch vorgewagt hatte. Werder wählte Köpfe als Zahlungseinheit in seiner Rechnung, als er von einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung der Rheinoper die positive Antwort auf seine Frage erhoffte, ob man auch mit 70 statt mit 100 Bühnenarbeitern auskommen könne. Daß es zu einer Überzahl gekommen ist, hat Hubert Werder bei der Aushandlung von Arbeitszeitregelungen allerdings nicht zu verhindern gewußt. Und vielleicht weiß er auch nicht, daß die Eine-Stadt-Oper Köln 70 Bühnenarbeiter hat und wie es kommt, daß einem Geiger nach dreieinviertel Stunden Arbeit der Bogen aus der Hand fällt: tariflich abgesichert.
Eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung, wie sie an der Rheinoper schon einmal nutzlos durchgeführt wurde, war in Bonn am Tage zuvor von Oberstadtdirektor Dieter Diekmann angekündigt worden: kein Wunder angesichts eines Intendanten, der bei Millionen anscheinend nicht bis vier zählen kann. Andererseits wäre es im Bürgerinteresse, wenn einmal die Verwaltung jener Stadt (und vergleichbarer) einer betriebswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen würde, die einen Intendanten zur Wahl vorschlägt, von dessen Qualitäten im Führen eines Hauses nur das totale Scheitern in Kassel bekannt wurde. Aber offenbar herrscht hierzulande eine Doppelmoral.
Mit Händen greifbar ist sie in Düsseldorf und Duisburg, wo Oberstadtdirektor Richard Klein abkommandiert wird, um die Kommunen der Republik in den Tarifauseinandersetzungen mit der Gewerkschaft ÖTV zu vertreten. Dieselben Politiker, die mit den Gewerkschaften die jährlichen Tariferhöhungen aushandeln und sich dabei selten als standfest erweisen, markieren gegenüber den Theatern ihrer Städte den starken Mann. Sie verlangen denen einfach die von ihnen selbst ausgehandelten Erhöhungen wieder ab und scheuen sich außerdem nicht, selbst als im öffentlichen Dienst Beschäftigte die mit der Gegenseite vereinbarten Gehaltsverbesserungen einzustreichen. Das ist die beste Methode, um ein Bewußtsein für die Probleme der tarifpolitisch Geschädigten zynisch zu verdrängen.
Auf die Deutsche Oper am Rhein kommt dieser Zynismus der Politiker knüppeldick nieder. Zu Beginn der laufenden Spielzeit ist der Etat um 1,5 Millionen reduziert worden, es folgten 500 000 Mark aus den vom Institut selbst zu tragenden Tariferhöhungen. In Anbetracht der langen Vorlaufzeit von Opernverträgen kommen solche Forderungen einer Strangulierung gleich. Sie haben etwa bewirkt, daß die Rheinoper leistungs- und konzepttragende Sänger wie Gabriele Schnaut als Brünnhilde in Wagners "Ring des Nibelungen", wie Eberhard Büchner als Wagners Lohengrin oder Jochen Kowalski als Händels Julius Cäsar nicht mehr bezahlen kann. Der Niedergang zur Provinzbühne ist eingeleitet.
Die Deutsche Oper am Rhein steht vor dem Abgrund. Nicht nur, weil die ohne Sachkenntnis verfügten Sparmaßnahmen direkt ins künstlerische Fleisch schneiden. Hinzu kommt, daß der seit 1956 bestehende und 1994 auslaufende Vertrag zwischen Düsseldorf und Duisburg noch nicht verlängert worden ist. Es scheint, als habe in Duisburg der Oberstadtdirektor mehr Interesse an der Renovierung der Bühnenuntermaschinerie als am Erhalt dieses republikweit aufgrund seines Leistungs-Kosten-Verhältnisses neidisch betrachteten Doppel-Instituts.
Und in Düsseldorf, wo sich in einer landesweit belachten Politposse die kleinkarierten Vertreter der Großparteien wegen ein paar Republikaner in der überfälligen Wahl eines neuen Oberstadtdirektors selbst blockieren, scheint sich der seit wenigen Monaten amtierende Kulturdezernent Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff als Etatstreichgehilfe des nun nicht gerade wegen eines erwiesenen Kulturverständnisses zu seinem Amt gekommenen Stadtkämmerers profilieren zu wollen. Zu allem Unglück steht eine halbjährige Schließung des Hauses wegen allfälliger Asbestsanierung für die zweite Jahreshälfte 1994 auch noch an.
Kölns Oper hat es da schon besser. Gewiß: das Haus ist samt dem benachbarten Schauspiel in vielen Bereichen sanierungsbedürftig, und gespart werden muß wie in den nördlichen Nachbarstädten. Aber in Köln gibt es noch Spurenelemente von Kulturpolitik. So wurde der jährliche Sparzwang von 1,5 Millionen für die Oper und einer Million für das Schauspiel in einer mittelfristigen Finanzplanung auf fünf Jahre verteilt - so daß trotz der vorgegebenen Endsumme von 12,5 Millionen im Gegensatz zu Düsseldorf-Duisburg ein gewisses Shiften von einem Rechnungsjahr ins andere die übelsten Härten mildert.
Auch ist es dem Kölner Oberstadtdirektor Lothar Ruschmeier mit dem Kulturdezernenten Peter Nestler im Schlepptau geheimdiplomatisch gelungen, den derzeitigen Schauspielchef Günter Krämer als Generalintendanten für beide Häuser ab 1995 zu verpflichten. Das war künstlerisch ein Glücksgriff, zumal der in der Kölner Philharmonie als rheinischer Musik-Napoleon sich gebärdende Franz Xaver Ohnesorg schon öffentlich sein Interesse an der Übernahme der Oper signalisiert hatte. Krämer sieht in realistischer Einschätzung der Gegebenheiten einen wesentlichen Teilaspekt seiner Aufgabe darin, die Reibungswiderstände des zwischen den seit 1975 getrennten Häusern bestehenden Überbaus von Verwaltung und Werkstätten kostensenkend zu mindern.
Zudem hat er fern allen Machtwahns bekundet, seine internationale Karriere als Opernregisseur weitgehend zu beschneiden. Nach seiner Amtsübernahme in Köln hat er nur noch "Die ägyptische Helena" von Richard Strauss mit der Wiener Staatsoper verabredet - und will sie als Koproduktion auch an den Rhein bringen. Zu wünschen wäre ihm, daß er auch dem fast zwischen Oper und Schauspiel zerriebenen und um seine Existenz fürchtenden Kölner Tanzforum ein neues Heimatgefühl verschafft.
In Köln gibt es jedenfalls trotz aller Spardiktate in schweren Zeiten so etwas wie einen theaterpolitischen Horizont. In Bonn werden die Intendanten-Karten möglicherweise nach dem für Februar angekündigten Untersuchungsergebnis der Staatsanwaltschaft neu gemischt. In Duisburg bittet wenigstens noch Oberbürgermeister Josef Krings als einsamer Rufer in der Wüste um den Erhalt der gewachsenen Opernehe mit Düsseldorf.
Doch in Düsseldorf selbst fehlt es an kulturpolitischer Weitsicht in den Großparteien. Auch der nun laut gewordene Ruf nach einer durchaus diskussionswürdigen Abkoppelung des Rheinopernballetts vom Opernbetrieb ist bislang nicht seriös diskutiert worden - von einer Funktionsaufteilung mit dem Kölner Tanzforum ganz zu schweigen. Dabei wäre gerade in Zeiten schwindender Ressourcen der Gemeinden eine Reformierung reformierbarer Strukturen mit Hilfe des Landes vordringlich. Die Aufgabe der Politik besteht bekanntlich darin, Rahmenrichtlinien für das kollektive Überleben zu entwickeln. In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf wird die Opernkultur davon ausgenommen: wirklich ein Trauerspiel.
ULRICH SCHREIBER
ZAGREB, 20. Januar (dpa). Der mysteriöse Meteorit, der Anfang dieser Woche mit einem eigenartigen nächtlichen Spektakel die Bewohner Norditaliens entlang der Adriaküste erschreckt hat, hat in Kroatien vermutlich zwei Todesopfer gefordert. Wie die Zagreber Zeitung Vjesnik am Mittwoch berichtete, wurde das Haus zweier Brüder in der Ortschaft Kosinozici in der Nähe von Porec auf der Halbinsel Istrien durch den Einschlag eines "unbekannten Objekts" zerstört. Die beiden Männer im Alter von 80 und 65 Jahren waren auf der Stelle tot.
Die "kriegserfahrenen" Behörden schlossen eine Explosion militärischer Natur aus. Augenzeugen berichteten, daß der Explosion ein mehrere Minuten dauerndes "seltsames Leuchten" am Himmel vorausgegangen war.
ROM, 20. Januar (AP). Der in der vergangenen Woche verhaftete Mafia-Pate Salvatore "Toto" Riina hat bestritten, je etwas Unrechtes getan zu haben, wie Richter Agostino Gristina nach einem Verhör mitteilte. Riina habe erklärt, sein Wissen über die Mafia stamme nur aus der Zeitung, hieß es am Dienstag in einer Meldung der Nachrichtenagentur ANSA. Dem 62jährigen Riina wird die Beteiligung an mehr als 50 Morden vorgeworfen, darunter auch die Attentate auf die Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino. Riina, der meistgesuchte Mafiaboß Italiens, war am Freitag festgenommen worden. Etliche Kronzeugen der italienischen Justiz hatten ihn schwer belastet.
JERUSALEM, 20. Januar (AP/AFP). Der erneut ins Stocken geratene Nahost- Friedensprozeß hat am Dienstag neuen Auftrieb erhalten, nachdem das israelische Parlament die Aufhebung des Kontaktverbots zur Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) mit 30 gegen 20 Stimmen aufgehoben hatte. Vertreter der Palästinenser werteten dies als gute Chance, einer friedlichen Beilegung des Konflikts in ihrer Region einen Schritt näher zu kommen.
Mit dem Beschluß vom Dienstag wurde ein Zusatz aus dem Jahre 1986 zum israelischen Antiterrorgesetz annulliert, der Kontakte zu Mitgliedern von terroristischen Organisationen unter Strafe stellte. Die PLO galt in Israel nach der Definition dieses Gesetzes als Terrororganisation. Verstöße konnten mit bis zu drei Jahren Gefängnis geahndet werden.
Mehrere israelische Pazifisten, darunter der international bekannte Abbie Nathan, waren zu Haftstrafen verurteilt worden, weil sie sich dennoch mit PLO- Vertretern getroffen hatten. In Tunis nannte PLO-Sprecher Bassam Abu Scharif das Votum der Knesset "einen neuen, echten und ernsthaften Schritt auf dem Wege zu einem gerechten und umfassenden Frieden in der Region".
Die Sprecherin der palästinensischen Delegation bei der Nahost-Friedenskonferenz, Hanan Aschrawi, erklärte, die Entscheidung werde eine bessere Verständigung mit der PLO ermöglichen und somit den Friedensprozeß fördern. Sie betonte jedoch, daß die Palästinenser auch weiterhin sämtlichen Friedensverhandlungen fernbleiben würden, solange ihre aus Israel deportierten Landsleute, die seit über einem Monat im südlibanesischen Niemandsland festsitzen, nicht in ihre Heimat zurückkehren dürfen.
Auch der Vizevorsitzende der Delegation, Saeb Arekat, nannte am Dienstag abend in Jerusalem den Beschluß der Knesset "einen Schritt vorwärts", wobei er ebenfalls auf die Deportation der 400 Landsleute verwies, die den Friedensprozeß bedauerlicherweise behindere.
In Israel selbst reagierten vor allem Bürgerrechtler und Vertreter linker und liberaler Organisationen positiv auf die Aufhebung des Kontaktverbots. Friedensaktivist Abie Nathan, der mehr als ein Jahr hinter Gittern verbracht hatte, weil er sich mehrmals mit PLO-Chef Jassir Arafat getroffen hatte, kündigte ein weiteres Treffen mit dem PLO-Chef an. Er wolle Arafat dazu bewegen, nun seinerseits ein Versöhnungsangebot an Israel zu unterbreiten, sagte Nathan im israelischen Rundfunk.
In jüngster Zeit waren unter israelischen Politikern vermehrt Stimmen laut geworden, die für direkte Gespräche der israelischen Regierung mit der PLO plädieren. Einer Umfrage zufolge befürworten fast die Hälfte aller Knesset- Abgeordneten und zwei Drittel der Parlamentsfraktion der regierenden Arbeitspartei solche Kontakte auf höchster Ebene.
Ministerpräsident Yitzhak Rabin hat Verhandlungen mit der PLO aber stets abgelehnt, da sie nur dazu führen würden, daß Israel sofort über die Errichtung eines Palästinenserstaates in den besetzten Gebieten Westjordanland und Gaza- Streifen sprechen müsse. Israel hat jedoch stillschweigend geduldet, daß die palästinensische Delegation bei der Nahost-Friedenskonferenz von der PLO beraten wird, was Beobachter als indirekte Verhandlungen mit der Befreiungsorganisation werten. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) ist in der Frage der von Israel deportierten Palästinenser mit seiner Geduld am Ende. Der UN-Sondergesandte Chinmaya Gharekhan sagte nach einem Treffen mit dem israelischen Außenminister Schimon Peres am Mittwoch, nach Ansicht des Sicherheitsrates sei die Frage lange genug verschleppt worden und dulde keinen Aufschub mehr. Er wolle Israel allerdings keine Frist für die Einhaltung seiner Resolutionen setzen. Der Sicherheitsrat hatte die Deportation verurteilt.
Der UN-Diplomat hält sich bereits zum zweiten Mal in Israel auf, um eine Lösung für die über 400 von Israel abgeschobenen Palästinenser zu erreichen. Auch ein Treffen mit Rabin war geplant. Israel weigert sich, die am 17. Dezember wegen angeblicher Verbindungen zur extremistischen Hamas-Bewegung nach Südlibanon deportierten Palästinenser wieder ins Land zu lassen. Sie harren in bitterer Kälte im Niemandsland aus.
WASHINGTON, 20. Januar (AP). Einfallsreiche Fans des verstorbenen Rockstars Elvis Presley sind in den USA auf einen neuen Trick gekommen, wie sie sich ein besonderes Andenken an den "King" und einen seiner berühmtesten Songs - "Return to Sender" - verschaffen können. Sie verschicken nach Angaben der amerikanischen Postbehörde Briefe mit der gerade herausgebrachten Elvis-Briefmarke an Adressen, die es gar nicht gibt. Prompt kommen die Briefe zurück, gestempelt mit "Return to Sender" - zurück an den Absender.
TOKIO, 20. Januar (AP). Weite Teile Japans sind am Dienstag abend erneut von heftigen Erdstößen erschüttert worden. Nach Angaben des Meteorologischen Instituts hatte das Beben eine Stärke von 6,8 auf der nach oben offenen Richter-Skala. Sein Epizentrum lag etwa 500 Kilometer unter dem Meeresboden der Wasserstraße zwischen Japan und der koreanischen Halbinsel. Schäden wurden vorerst nicht gemeldet. Erst am vergangenen Freitag war Japan von dem schwersten Erdbeben seit zehn Jahren heimgesucht worden, das auf der Nordinsel Hokkaido ein Todesopfer und über 600 Verletzte forderte. Nach Angaben der Experten bestand jedoch zwischen jenem Beben der Stärke 7,8 und den jüngsten Erdstößen kein unmittelbarer Zusammenhang.
HAMBURG, 20. Januar (AP). Die Wünsche von Schwangeren nach sanfter Geburtshilfe werden in vielen Kliniken immer noch nicht ernstgenommen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der Zeitschrift Eltern, an der sich mehr als 11 000 Frauen beteiligten.
Obwohl sich über 80 Prozent der werdenden Mütter einen Kreißsaal ausgesucht hatten, in dem sie sich frei bewegen und unterschiedliche Geburtspositionen einnehmen konnten, mußten letztlich doch 77 Prozent liegen.
Nur 14 Prozent der Frauen haben ihr Baby in einer aufrechten Haltung, sitzend oder kniend, bekommen und sechs Prozent auf einem Gebärstuhl. "Der Gebärhocker stand in der Ecke, aber ich durfte mich nicht draufsetzen. Wer fängt während der Geburt schon an zu streiten?", fragte eine Mutter. 92 Prozent aller deutschen Babys kommen auf Entbindungsstationen großer Krankenhäuser zur Welt, nur ein Prozent der Frauen entscheidet sich für eine Hausgeburt. Der Wunsch der meisten Eltern (78 Prozent) ist eine möglichst selbstbestimmte Entbindung in einer Klinik.
Um gut auf die Geburt vorbereitet zu sein, nutzen fast 99 Prozent der werdenden Mütter laut Umfrage Vorsorgeuntersuchungen. Für dreiviertel der Schwangeren gehört dazu auch ein Vorbereitungskurs auf die Geburt. Doch das allein nütze nichts, erklärte eine der Befragten. "Man müßte vor der Entbindung einen Kurs ,Wie setze ich mich in der Klinik durch?&rquote; absolvieren."
Oft bekomme das Vertrauen schon an der Kliniktür einen Knacks, wenn Mütter mit Wehen wieder nach Hause geschickt würden. Eine Mutter schilderte ihre Erlebnisse: "Ich hatte die ganze Nacht Wehen gehabt, als wir morgens ins Krankenhaus fuhren. Ich freute mich, daß es nun nicht mehr lange dauern konnte, bis wir unser Kind in den Armen halten. Doch die Hebamme winkte ab mit den Worten, das könne ich gar nicht beurteilen, und ließ mich eine halbe Stunde liegen." Die Frau sagte, sie habe ihr Kind dann zehn Minuten später bekommen, nachdem sie vor einer Badewanne ausgerutscht sei. Nach Meinung von Müttern ist es daher kein Wunder, daß zwei Drittel aller Frauen nach solchen und ähnlichen Querelen die Wehen nicht ohne Medikamente überstünden. 21 Prozent brauchten ein Schmerzmittel, 29 Prozent bekamen wehenfördernde Medikamente, und 16 Prozent mußten mit einer örtlichen Betäubung entbinden. Dennoch stellt die Mehrzahl der jungen Mütter ihrer Hebamme ein gutes Zeugnis aus. 81 Prozent fühlten sich liebevoll betreut. "Sie wollte mir noch etwas Zeit lassen, hätte mir erlaubt, mich vor das Bett zu knien, aber der Arzt war in Eile und hat einfach mehr Macht", erklärte eine Frau.
Dabei sind die meisten Schwangeren auf die Streicheleinheiten der Hebamme heute gar nicht mehr so angewiesen wie früher: 86 Prozent der Väter waren der Umfrage zufolge bei der Geburt dabei. Sechs Prozent der Frauen hatten eine Freundin oder Verwandte neben sich. Für Frau und Kind überwinden viele Männer nach der Studie nicht nur ihre Angst vor Krankenhäusern, sondern auch vor Operationen. 14 Prozent der Kinder kamen mit Kaiserschnitt zur Welt; 80 Prozent der Männer sind laut Umfrage auch dann bei ihrer Frau geblieben.
Die meisten Mütter erinnern sich nach eigenen Angaben auch nach Jahren meist noch minutiös an die Geburt ihrer Kinder. Die Aufregung, die Schmerzen und die Eingriffe seien zwar nicht aus dem Gedächtnis verschwunden. 83 Prozent der Frauen gaben aber an, sie dächten trotz allem gern an die Geburt zurück. Eine Mutter erinnerte sich: "Da lag mein Kind in meinem Arm, blinzelte mich gegen die Helligkeit an, und ich wußte: Was auch hinter mir lag - es hat sich gelohnt!"
LOS ANGELES. Der italienische Regisseur Federico Fellini soll in diesem Jahr mit einen "Oscar" für seine langjährigen Verdienste um die Filmkunst ausgezeichnet werden. Wie die amerikanische Filmakademie in Los Angeles mitteilte, soll der besondere "Oscar" für "filmische Erfolge, die unzählige Zuschauer in aller Welt unterhalten und begeistert haben", am 29. März verliehen werden. Fellini ist mit Filmen wie "Das süße Leben", "Amarcord" oder "Satyricon" unter den Kinogängern zur Kultfigur geworden. AP
BAGDAD / NEW YORK, 20. Januar (AP/Reuter). Nach einer Serie von militärischen Angriffen der Golfkriegsalliierten auf Ziele in Irak hat sich die Regierung in Bagdad um eine Entschärfung der Krise bemüht.
Der einseitigen Verkündung eines Waffenstillstands für die Flugverbotszonen im Norden und Süden des Landes folgte am späten Dienstag abend die Zusage an die Vereinten Nationen (UN), ihren Rüstungsinspekteuren wieder uneingeschränkten Zugang nach Bagdad in UN- Flugzeugen zu gewähren.
Nach einer Sitzung des Weltsicherheitsrats teilte der französische UN-Botschafter Jean-Bernard Merimee mit, niemand habe sich dagegen ausgesprochen, das jüngste Angebot Bagdads anzunehmen. Sein britischer Kollege David Hannay betonte, daß es entgegen ursprünglichen Vermutungen mit keinerlei Bedingungen verknüpft sei.
Der Vorsitzende des mit der Zerstörung der irakischen Massenvernichtungswaffen beauftragten UN-Sonderausschusses, Rolf Ekeus, kündigte daraufhin eine baldige Wiederaufnahme der Inspektionsflüge an. Der irakische UN-Botschafter Nisar Hamdun habe ihn davon überzeugt, daß die Sicherheit der Inspekteure bei der direkten Einreise von Bahrain aus gewährleistet sei, sagte der schwedische Diplomat. Irak hatte sich am 8. Januar geweigert, weitere UN-Flugzeuge ins Land zu lassen, und dann für die Wiederzulassung eine Reihe von Bedingungen gestellt, die von der Weltorganisation stets abgelehnt worden waren.
Zuvor hatte der regierende Revolutionäre Kommandorat Iraks unter Vorsitz von Präsident Saddam Hussein erklärt, es werde wegen der Amtseinführung von US-Präsident Bill Clinton keine weiteren Angriffe auf US-amerikanische, britische oder französische Flugzeuge in den sogenannten Schutzzonen mehr geben. Die Waffenruhe trete um 8 Uhr Ortszeit am Mittwoch in Kraft und solle anhalten, "wenn die andere Seite nicht fortfährt zu schießen". In einem offenen Brief an den neuen US-Präsidenten, der am Dienstag in der Regierungszeitung Al Thaura erschien, hieß es, Irak sei kein Feind Amerikas und wolle dies auch nicht sein.
Clinton meinte im Fernsehsender CBS, seiner Ansicht nach sei es unvorstellbar, daß die USA gute Beziehungen zu Irak haben könnten, solange Saddam an der Macht sei. "Verschwörung scheiterte 1992"
WASHINGTON (Reuter). Eine Verschwörung gegen Iraks Staatschef Saddam Hussein ist nach Angaben des Nationalen Sicherheitsberaters von US- Präsident George Bush, Brent Scowcroft, im vergangenen Jahr gescheitert. Die Washington Post zitierte Scowcroft am Mittwoch mit den Worten, der Umsturzversuch sei dem Erfolg ziemlich nah gewesen. Scowcroft betonte, daß die USA keinen Anteil an der Verschwörung gehabt hätten. Nach Angaben irakischer Emigranten hatten loyale Truppen im Juni 1992 einen Umsturzversuch gegen Saddam Hussein niedergeschlagen.
(Kommentar auf Seite 3)
JARRATT, 20. Januar (AP). In der Haftanstalt von Jarratt im US-Staat Virginia ist am Mittwoch der 39jährige Charles Stamper auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet worden. Stamper, der 1988 bei einem Streit mit anderen Gefängnisinsassen eine Wirbelsäulenverletzung erlitten und seitdem im Rollstuhl gesessen hatte, wurde auf die Schultern seiner Wärter gestützt zur Hinrichtungsstätte gebracht. Er hatte 14 Jahre in der Todeszelle zugebracht, länger als jeder andere Todeskandidat in Virginia zuvor.
Stamper war im Jahr 1978 für schuldig befunden worden, in einem Restaurant von Richmond, in dem er damals als Koch arbeitete, drei seiner Kollegen beraubt und ermordet zu haben. Er selbst hat diese Tat stets bestritten.
FRANKFURT A. M., 20. Januar (AP). Bundesbahn und Reichsbahn wollen künftig mit allen rechtlichen Möglichkeiten gegen ausländerfeindliche Handlungen unter ihren knapp 500 000 Mitarbeitern vorgehen. Das kündigte der Vorstand in der Mitarbeiterzeitschrift Wir an, die am morgigen Donnerstag erscheint. Bei "nachweislichen Verstößen gegen ein anständiges menschliches Miteinander" werde man nicht zögern, "die Möglichkeiten des Disziplinar- und Arbeitsrechts auszuschöpfen", hieß es im Vorspann eines Aufrufs des Vorstands und der Hauptpersonalräte gegen Ausländerfeindlichkeit. Bei beiden deutschen Bahnen sind nach Angaben der Zentrale in Frankfurt rund 11 000 Ausländer aus 38 Nationen beschäftigt.
BERLIN/DÜSSELDORF, 20. Januar (AP/dpa). Die Tarifverhandlungen für die rund 30 000 Bankenbeschäftigten in Ostdeutschland sind am Dienstag abend in Berlin ergebnislos vertagt worden. Eine Sprecherin der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) nannte den Abbruch eine "maßlose Enttäuschung für die Beschäftigten". HBV und die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) kündigten Warnstreiks an.
Die Arbeitgeber legten den Angaben zufolge kein neues Angebot vor. Ihr früherer Vorschlag, den ostdeutschen Bankbeschäftigten 75 bis 80 Prozent der Westgehälter zu zahlen, reicht nach Ansicht der DAG nicht einmal zur Sicherung der Reallöhne aus. Derzeit liegt das Gehaltsniveau bei 70 bis 75 Prozent.
Für die 430 000 Beschäftigten der westdeutschen Banken fordert die HBV ab Februar monatlich 270 Mark mehr. Die Tarifrunde für die Branche beginnt am heutigen Donnerstag.
PHNOM PENH, 20. Januar (AP). Die kambodschanische Rebellenorganisation Rote Khmer hat der Freilassung der zwölf im Nordwesten des Landes festgehaltenen UN-Friedenssoldaten am Mittwoch nur unter der Bedingung zugestimmt, daß diese sich unverzüglich in die Hauptstadt Phnom Penh begeben. Wie der Sprecher der UN-Truppen in Kambodscha, Eric Falt, sagte, können sich die Soldaten außerhalb des UN-Gebäudes bewegen, dürfen aber die Stadt Pailin nicht verlassen.
Bewaffnete Posten der Roten Khmer hatten am Montag das UN-Quartier in Pailin umstellt, nachdem zuvor drei gefangengehaltene UN-Soldaten freigelassen worden waren. Sie boykottieren die Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen zur Vorbereitung freier Wahlen.
GIESSEN. Die wegen Mordes an ihren beiden fünf und sieben Jahre alten Töchtern Melanie (7) und Karola (5) zu lebenslanger Haft verurteilte Monika Weimar will eine Wiederaufnahme ihres Verfahrens erreichen. Das Büro ihres Verteidigers, des Hamburger Rechtsanwalts Gerhard Strate, bestätigte am Mittwoch eine entsprechende Meldung des Magazins stern. In einem neuen Gutachten sollen erhebliche Zweifel an der Schuld der 34jährigen aus Philippsthal-Röhrigshof im Kreis Hersfeld-Rotenburg angemeldet werden.
Monika Weimar war 1988 nach einem spektakulären Indizienprozeß verurteilt worden. Als schwer belastend hatte das Landgericht Fulda damals die Aussage eines Experten des hessischen Landeskriminalamtes gewertet, wonach gelbe Faserspuren an der Kleidung der toten Kinder von einer Bluse der Mutter stammten. Sie seien, so die Schlußfolgerung des Gerichts, beim Transport der Leichen übertragen worden.
Der Hamburger Textiltechnologe Professor Jo Tensfeldt hat nach Auskunft der Illustrierten jetzt mit einer Materialanalyse und durch Versuche im Fachhochschullabor für Textil- und Polymerchemie herausgefunden, daß diese Bluse, die Frau Weimar laut Zeugenaussagen zur Tatzeit getragen hat, als "Spurengeber" nicht in Frage kommt. Diese sei aus einem Kunststoffaden gewirkt, der sich durch besondere Festigkeit auszeichne und keine Fasern abgebe.
Von der Angeklagten war damals die gesamte Garderobe (26 Teile) sichergestellt worden. Nach den neuen Erkenntnissen könnten die Fasern von keinem dieser Kleidungsstücke stammen, berichtet das Blatt.
Der Prozeß, der vom 23. März bis zum 8. Januar 1988 gedauert hatte, war von der Öffentlichkeit mit großem Interesse verfolgt worden, weil abwechselnd beide Eltern in Verdacht geraten waren: zunächst die Mutter, dann der Vater, dann wieder die Mutter. Monika Weimar hatte vor dem Landgericht Fulda ihren Mann bezichtigt, die Kinder getötet zu haben; doch der bestritt die Tat.
In seiner schriftlichen Urteilsbegründung berief sich das Fuldaer Gericht den Angaben zufolge auf die Aussage des LKA-Experten, es seien keine Fasern gefunden worden, die dem Vater zuzuordnen gewesen wären. Von Reinhard Weimar, so Frau Weimars Verteidiger, habe die Kripo lediglich drei Kleiderstücke sichergestellt: eine Jeans und zwei T- Shirts.
Der 240seitige Wiederaufnahmeantrag des Rechtsanwalts Gerhard Strate war im Dezember vergangenen Jahres bei der Staatsanwaltschaft in Gießen eingereicht und vor einer Woche ergänzt worden, wie der Sprecher dieser Behörde, Joachim Müller, am Mittwoch auf Anfrage berichtete. Die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft werde in den nächsten Tagen an das für die Entscheidung zuständige Landgericht Gießen weitergeleitet.
In dem Antrag, der sich mit Details des für die Verurteilung zentralen Faser-Gutachtens des Landeskriminalamtes auseinandersetze und auch Feststellungen des Experten des Landeskriminalamtes beanstande, würden auch zwei weitere Zeugen benannt, sagte Müller. Laut stern sollen die Richter mit der beeideten Aussage einer Zeugin konfrontiert werden, der Reinhard Weimar einen Monat nach der Verurteilung seiner geschiedenen Frau gestanden habe: "Ich war's, ich hab' die Kinder totgemacht."
Ein Zeitpunkt für die Entscheidung der Gießener Richter steht laut Landgerichtssprecher Fritz Nies noch nicht fest. ekr
BONN, 20. Januar (AP/dpa). Die CDU- Nachwuchsorganisation Junge Union (JU) ist "unzufrieden" mit dem Umfang der jüngsten Kabinettsumbildung. JU- Chef Hermann Gröhe sagte am Mittwoch in Bonn, Bundeskanzler Helmut Kohl sei "zu kurz gesprungen". Bei der katastrophalen Situation der Hochschulen hätte ein neuer, tatkräftiger Politiker an die Stelle von Bildungsminister Rainer Ortleb (FDP) treten müssen. Außerdem habe die JU eine Eingliederung des Wohnungsbauministeriums in das Wirtschaftsministerium gefordert.
MÜNCHEN, 20. Januar (AP). Die rechtsextremen "Republikaner" haben vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Organklage gegen Bundesinnenminister Rudolf Seiters (CDU) und dessen Anweisung erhoben, die Partei mit nachrichtendienstlichen Mitteln vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Wie "Republikaner"-Chef Franz Schönhuber am Mittwoch in München erklärte, wurde in Karlsruhe gleichzeitig eine einstweilige Anordnung beantragt, die Seiters verpflichten soll, den Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel gegen die Partei vorläufig einzustellen.
MOGADISCHU, 20. Januar (AP). Die USA haben am Mittwoch den Abzug ihrer Truppen aus Somalia fortgesetzt. Nachdem am Dienstag bereits 556 Soldaten das ostafrikanische Land verließen, machten sich am Mittwoch weitere 560 Männer auf den Heimweg. Insgesamt haben die USA damit noch rund 25 000 Soldaten in Somalia stationiert. Der Abzug der Truppen soll erst dann fortgesetzt werden, wenn die UN das Kommando der "Operation Hoffnung" zum Schutz der Hilfslieferungen für die hungernde Bevölkerung übernehmen. Mit der Ablösung wird UN-Vertretern zufolge nicht vor dem 1. Februar gerechnet. Außer den US- Truppen befinden sich in Somalia noch 11 800 Soldaten aus 20 Staaten.
Zuvor war ein US-Soldat in Mogadischu auf dem Weg zu seiner Botschaft angeschossen und leicht verletzt worden, wie ein Sprecher der US-Truppen sagte.
SARAJEWO/BELGRAD, 20. Januar (AP/AFP). Nach schweren Kämpfen haben die moslemischen Truppen bei der Schlacht an der Drina in Ostbosnien offenbar ihren ersten großen militärischen Sieg im Bosnienkrieg errungen. Die Belgrader Agentur Tanjug meldete am Mittwoch, die Serben hätten im Gebiet von Srebrenica den Rückzug angetreten.
Die Entscheidung an der Drina fiel, als Moslemtruppen nach viertägigem Angriff den strategisch wichtigen Höhenzug um den Gipfel Jezero einnahmen. Von dort können weite Teile der Drina sowie das serbische Ufer des Grenzflusses kontrolliert werden. Die serbischen Verteidiger retteten sich Tanjug zufolge auf die jugoslawische Seite des Grenzflusses.
Serbische Truppen setzten nach Angaben des bosnischen Rundfunks jedoch ihre Artillerieangriffe auf die nordbosnische Stadt Gradacac fort. Auch Sarajewo lag unter schwerem Beschuß.
Der bosnische Kroatenführer Mate Boban befahl seinen Truppen, das Feuer auf moslemische Soldaten einzustellen. Ein Sprecher sagte, Boban erwarte eine entsprechende Anordnung von moslemischer Seite. Die Spannungen zwischen den Verbündeten stiegen jedoch weiter. In Bugojno und Novi Travnik in Mittelbosnien stünden neue Auseinandersetzungen bevor, hieß es. Am Sonntag war es in Gornji Vakuf westlich von Sarajewo zu heftigen Kämpfen zwischen den Verbündeten gekommen, bei denen nach kroatischen Angaben zwölf Kroaten ums Leben kamen und 40 verletzt wurden.
An der Südfront bei Trebnije in der Herzegowina griffen nach Angaben von Tanjug reguläre Verbände aus Kroatien Stellungen der bosnischen Serben mit Panzern, Artillerie und Infanterie an.
Das US-Außenministerium bezeichnete die Situation in Bosnien in seinem jährlichen Menschenrechtsbericht als das schlimmste aktuelle Beispiel der "Barbarei" und verglich die vornehmlich von Serben begangenen Greueltaten mit denen der Nazis in Deutschland.
AUGSBURG, 20. Januar (dpa/AP/Reuter). Das Erörterungsverfahren über die rund 40 000 Einsprüche gegen den geplanten Einsatz plutoniumhalter Brennelemente im Atomkraftwerk Gundremmingen ist am Mittwoch nachmittag in Augsburg nach viertägiger Dauer überraschend beendet worden. Ohne die Vertreter des Bündnisses "Schutz gegen MOX", die am Dienstag aus Protest gegen die Verhandlungsführung die Messehalle verlassen hatten, nahm die Erörterung ein rasches Ende. Es dauerte knapp drei Stunden, bis sich die Kraftwerksbetreiber Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk (RWE) und Bayernwerk zu den schriftlich vorgebrachten Einwänden geäußert hatten. Dann erklärte Verhandlungsleiterin Edeltraud Böhm-Amtmann den Erörterungstermin für beendet.
Das bayerische Umweltministerium hatte am Mittwoch den Antrag der Atomkraftgegner auf Abbruch der Anhörung abgelehnt. Nur die Gutachter, Sprecher der Betreiberfirmen sowie Behördenvertreter nahmen daraufhin an der letzten Verhandlungsrunde teil.
Sprecher des Bündnisses "Schutz vor Mox" begründeten ihren Auszug damit, daß das bayerische Umweltministerium ein "schikanöses und undemokratisches Verfahren" praktiziert habe. In einem Antrag hatten die MOX-Kritiker die beiden Energieversorgungsunternehmen aufgefordert, weitere Unterlagen für ihren Antrag auf Zulassung der MOX- Brennelemente nachzureichen. Außerdem sollten die bisherigen Teilgenehmigungen für das Atomkraftwerk Gundremmingen in die Erörterungen einbezogen werden. Weiter verlangten die Einwender eine Umweltverträglichkeitsprüfung. In einem vierten Antrag, dessen Behandlung die vom Umweltministerium entsandte Verhandlungsleiterin Böhm-Amtmann ebenfalls ablehnte, bezweifeln die Umweltschützer, daß der zum Betrieb des Atomkraftwerks nötige Entsorgungsnachweis für abgebrannte Brennelemente überhaupt besteht.
In einer Erklärung des Bündnisses "Schutz vor MOX" hieß es, die Bürgerinitiativen machten eine solche "Politik des Aushungerns" nicht mehr mit.
STUTTGART, 20. Januar (AP). Beamte des baden-württembergischen Landeskriminalamtes haben am frühen Dienstag morgen in sechs Städten Hausdurchsuchungen bei Mitgliedern der rechtsextremistischen Szene vorgenommen. Das teilte Innenminister Frieder Birzele (SPD) am Mittwoch in Stuttgart mit.
Den Beamten seien Beweisstücke zur Aufklärung von Straftaten in die Hände gefallen, berichtete der Minister. Zu eventuellen Verhaftungen und Ermittlungsverfahren gegen die Betroffenen wollte er keine Angaben machen.
Zur Person:
KLAUS SCHÜTZ, ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin und von 1977 bis 1981 Botschafter in Israel, ist zum Vorsitzenden des Heinz-Galinski- Kreises gewählt worden. Der Kreis will sich eigenem Bekunden zufolge in Erinnerung an den Namensgeber intensiv mit dem Problem des Rechtsradikalismus und damit auch des Antisemitismus in Deutschland beschäftigen. Der frühere Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und des Direktoriums des Zentralratese der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, war 1992 gestorben. (KNA)
RUDOLF KRAUSE, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Sachsen-Anhalt, will sich nicht vom Inhalt seines umstrittenen Positionspapiers zur Deutschland-, Sicherheits- und Asylpolitik distanzieren, das in der Wortwahl selbst manche Rechtsradikale übertrifft. Er warf dem Landesvorstand "Methoden der Inquisition" vor. Der CDU-Landesvorstand hatte von Krause verlangt, von dem Papier abzurücken. In seinen Thesen spricht Krause unter anderem von "deutschen Volksgenossen", einem "staatszersetzenden krankhaften Liberalismus" und einer "kerndeutsche Anständigkeit". Aus der Unionsarbeitsgruppe in der Enquêtekommission des Bundestages zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ist Krause ausgeschlossen worden. (dpa)
MONIKA GRIEFAHN, niedersächsische Umweltministerin, hat sich gegen die Lagerung von Atommüll ausschließlich in Gorleben ausgesprochen. Die Bundesländer sollten sich über die Aufnahme einer begrenzten Menge einigen, sagte die SPD-Politikerin im ZDF. "Niedersachsen kann nicht das Atomklo ganz Deutschlands werden." Sie sprach erneut von "Weisungsterror" durch Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU). Die Landesregierung sei verpflichtet, gegen ihren Willen Müllcontainer zu lagern. Diese Konfrontationen schadeten der Demokratie. "Wir kommen hier in eine Balkanisierung der Bundesrepublik", sagte Griefahn, "weil Niedersachsen sich ja schon fast überlegen muß, aus der Bundesrepublik auszuscheren, wenn wir hier gegen den Willen der Landesregierung und der Bevölkerung als Endlager mißbraucht werden." Zu den jüngsten Versuchen von Demonstranten, die Zwischenlagerung belgischen Atommülls in Gorleben zu verhindern, sagte die Ministerin, sie habe Verständnis für die Proteste. (AP)
HAMBURG (AP). Die Hamburger Werft Blohm + Voss will ungeachtet der politischen Diskussionen Kriegsschiffe für Taiwan bauen. Konzernchef Peter Beer bestätigt, daß sich sein Unternehmen weiter intensiv um das umstrittene Geschäft bemüht: "Wir sind an diesem Auftrag sehr interessiert. Wenn wir aus Taiwan den Auftrag für die fünf Schiffe erhalten, ist die Werft fünf Jahre lang zu 30 Prozent ausgelastet." Sanktions-Drohungen aus China hält er für "nicht beeindruckend". Auf die bisherigen Aufträge der Volksrepublik für deutsche Werften könne man verzichten. Beer hofft, daß der Bundessicherheitsrat in den kommenden Tagen grünes Licht für das Geschäft geben wird.
Die Gesamtleistung des Hamburger Konzerns lag im vergangenen Geschäftsjahr (30. September) mit 1,2 Milliarden Mark um acht Prozent niedriger als in der Vorperiode. Der Jahresüberschuß des Unternehmens war nach Angaben des Vorstandes mit 24 Millionen Mark ebenfalls gesunken. Das Unternehmen, das bereits 1992 rund 400 Arbeitsplätze abgebaut hat, will heuer noch einmal 350 Stellen streichen. Derzeit werden 5600 Leute beschäftigt.
BONN, 21. Januar (AP). Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) hat den Aufruf der IG Medien scharf kritisiert, am 29. Januar für 15 Minuten die Arbeit niederzulegen, um gegen Ausländerfeindlichkeit zu demonstrieren. Derartige Pläne würden keinem Ausländer helfen. Sie richteten nur wirtschaftlich Schäden an, heißt es in einem am Mittwoch in Bonn veröffentlichten Schreiben des Verlegerverbandes an den Hauptvorstand der Gewerkschaft.
Der BDZV erklärte, der Appell der Gewerkschaft sei ein "Aufruf zum politischen Streik und deshalb rechtlich unzulässig". Das Problem der Fremdenfeindlichkeit sei zu ernst, um es "als Hebel für gewerkschaftliche Ziele zu mißbrauchen".
SAARBRÜCKEN, 20. Januar (AP). Der saarländische Landtag wird sich in einer Sondersitzung am 1. Februar mit den angeblichen Unterweltkonktakten von SPD- Spitzenpolitikern beschäftigen. Dies beschloß das Präsidium des Landtags am Mittwoch in Saarbrücken. Die Entscheidung fiel am Rande einer Landtagssitzung. Die SPD lehnte einen Antrag der Opposition ab, Ministerpräsident Oskar Lafontaine ins Parlament zu zitieren.
Wie die Staatsanwaltschaft in Saarbrücken mitteilte, hat Justizminister Arno Walter nicht rechtswidrig Informationen über das Verfahren gegen den Mordverdächtigen Hugo-Peter Lacour weitergegeben. Gegen Walter werde kein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Verletzung von Dienstgeheimnissen eingeleitet. Der Justizminister soll dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel zufolge den SPD-Fraktionschef Reinhard Klimmt hinter dem Rücken von Gericht und Staatsanwaltschaft über den Stand des Lacour-Verfahrens informiert haben.
Der ehemalige Saarbrücker "Unterwelt-König" Lacour ist Zeugenaussagen zufolge in der vergangenen Woche mehrfach im Saarland gesehen worden. Das saarländische Innenministerium bestätigte die Existenz eines polizeiinternen Fernschreibens, nach dem Lacour zuverlässig "in Grenznähe auf saarländischer Seite" erkannt worden sei. Lacour verbüßt als Freigänger eine Haftstrafe wegen Raubes in Frankreich.
LUANDA, 21. Januar (AP/AFP). Im neu ausgebrochenen angolanischen Bürgerkrieg hat die Aufständischenbewegung Unita größere Erfolge erzielt. Wie am Mittwoch abend in der Haupstadt Luanda bekannt wurde, eroberte sie ihr Hauptquartier in der zweitgrößten angolanischen Stadt Huambo zurück, das Anfang Januar in die Hand der Regierungstruppen gefallen war.
Im Norden Angolas mußten die Regierungseinheiten nach Mitteilung eines ihrer Militärs das Ölproduktionszentrum Soyo nach mehrtägigen schweren Kämpfen räumen.
17 ausländische Geiseln, die bei der Einnahme von Soyo in die Hände von Unita-Rebellen gefallen waren, seien offenbar wohlauf, sagte ein Sprecher der Erdölfirma Fina in Luanda am Donnerstag unter Berufung auf Diplomaten, die Kontakt zur Unita hielten. Der Chef der Unita, Jonas Savimbi, stellte die Freilassung mehrerer Geiseln in Aussicht.
. . . und außerdem Bankexpress - von Berbern für Berber
Mit Banken haben die Mitarbeiter und Leser des Bankexpress nichts am Hut. Sie schätzen zwar die warmen Luftschächte vor Kölner Geldinstituten, auf denen sie sich im Winter ein bißchen vor der Kälte schützen können. Mit dem Titel ihrer Zeitung spielen sie auf das Stadtmobiliar an, das vielen von ihnen die Möglichkeit gibt, sich einmal lang auszustrecken und ihre Habseligkeiten abzustellen: öffentliche Sitzgelegenheiten.
Deutschlands ungewöhnlichste Zeitung erscheint seit Juni in unregelmäßigen Abständen und wendet sich vor allem an Berber, wie sich viele Obdachlose selbst bezeichnen, auf der Straße, in Wohnheimen, Hotels und Entzugsanstalten.
Im Untertitel nennt sich das mit Ausnahme eines Zivildienstleistenden "von Berbern für Berber" geschriebene Blatt "parteilich" und "abhängig". Auf Mitarbeiter aus dem eigenen Milieu legt die Redaktion Wert, denn durch die Artikel über Obdachlose, die in den "richtigen Zeitungen" erscheinen, fühlen sich die Betroffenen oft schlecht vertreten.
"Abhängig" ist der "Bankexpress", da er sich aus Spenden der Benedikt-Labre- Hilfe finanziert, die nach einem 1881 heiliggesprochenen französischen Bettler benannt ist. Der Verkaufspreis von 50 Pfennig pro Exemplar deckt nicht die Druckkosten. "Parteilich" ist das Blatt, weil es nach den Worten der Bankexpress-Redakteure den Betroffenen Gelegenheit gibt, sich "mal so richtig auszukotzen". Wie etwa die drei obdachlosen Frauen Gisela, Gabi und Silke. "Am heutigen Tag sitzen wir mit zehn Personen unten am Rheinufer mit Suff und etwas zum Essen. Kötten (also Betteln) ohne Ende. Es geht ums Überleben", schildert eine von ihnen. "Durch Gespräche kommen Einzelschicksale zum Vorschein. Und das könnt ihr glauben, nur Scheiße", fügt eine andere hinzu, fragt: "Mensch werden, aber wie?"
Auf Seite 3 ist der Hilfeschrei solch eines Einzelschicksals festgehalten, aus dem Angst und Verzweiflung eines vor der Entlassung stehenden Häftlings sprechen: "Das heist dann für mich wider, Schlafsack, Bahnhoff, Alkohol, Tarbletten, Heroin, Intensiefstazijon. Ich möchte von ganzem Herzen wider Mensch werden, aber wie?" Die Rechtschreibung wird original wiedergegeben.
Eine Else berichtet mit ungeschminkten Worten über ihren letzten, vom Wohnungsamt vermittelten Hotelaufenthalt: "Die Zustände in diesem Haus sind unter aller Sau. Der zuständige Hausmeister ist wohl der Ansicht, daß nur er der Herrscher ist. Alleinstehenden Frauen stellte er sehr gerne nach. Vor den Türen von Pärchen belauschte er deren Intimitäten. Nachts gegen zwei Uhr stand er bei mir im Zimmer. Unter solchen Umständen habe ich es vorgezogen, Platte zu machen." Die Betroffene schlief also lieber im Freien.
Die Redakteure des Bankexpress können den Männern und Frauen, die Platte machen - das heißt: auf der Straße liegen -, auch kein Dach über dem Kopf besorgen. "Aber wir können das Selbstwertgefühl der Autoren und Leser stärken", sagt Wolfgang, der "Zivi" in der Redaktionsmannschaft. "Und wir wollen die Öffentlichkeit aufrütteln", ergänzt Dieter, der im Gegensatz zu seinen übrigen Redaktionskollegen zwar einen Job, aber keine Bleibe hat. Dieter schläft nachts in seinem Auto. MARION LEU (dpa)
NÜRNBERG / BONN, 20. Januar (dpa/ AFP). Eine Beitragssatz-Erhöhung bei der Arbeitslosenversicherung lehnt der künftige Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, strikt ab.
"Ich glaube, daß die Beitragsschiene ausgereizt ist und daß in der Zukunft über die Steuerschiene gefahren werden muß." Sobald das Instrument der Arbeitsmarktabgabe verfassungsrechtlich geklärt sei, müsse auch darüber "ernsthaft nachgedacht werden", sagte er.
Jagoda will sich je nach Arbeitsmarktlage im Frühsommer dafür einsetzen, der Bundesanstalt wieder mehr finanziellen Spielraum für den Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente zu geben. Es müßten aber die von der Politik gesetzten Vorgaben eingehalten werden.
Jagoda fordert außerdem schärfere Strafen bei der mißbräuchlichen Inanspruchnahme der Arbeitslosenunterstützung. "Arbeitslose, die schwarz arbeiten oder Unternehmer, die Schwarzarbeiter beschäftigen" sollten neben einer Strafe in Zukunft auch die Kosten für die Aufdeckung ihres illegalen Handelns zahlen. Jagoda sprach sich zugleich gegen Kürzungen bei Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe aus.
Die Zahl der Arbeitslosen in den westlichen Bundesländern wird sich in diesem Jahr nach Einschätzung des scheiden- den Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit, Heinrich Franke, um zwischen 200 000 und 300 000 erhöhen. Im Jahresdurchschnitt werde es in den alten Ländern über zwei Millionen Arbeitslose geben, sagte Franke den Stuttgarter Nachrichten am Mittwoch. In Ostdeutschland er- wartet er einen Anstieg von derzeit 1,17 Mil- lionen auf durchschnittlich 1,25 Millionen Arbeitslose. Zugleich kritisierte Franke die Kürzungen der Bundesregierung im Etat der Nürnberger Bundesanstalt. Dadurch gingen in diesem Jahr 50 000 Stellen für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und 100 000 bis 150 000 Fortbildungs- und Umschulungsplätze verloren.
MADRID, 20. Januar (dpa). Bei einem Attentat, das die Handschrift der baskischen Terrororganisation ETA trägt, ist am späten Dienstag abend in der baskischen Stadt San Sebastian (Nordostspanien) ein Mann erschossen worden. Nach Polizeiangaben wurde Jose Antonio Santamaria in einem Restaurant in der Altstadt durch einen Kopfschuß getötet. Der Täter, ein junger Mann, hatte sich dem 47jährigen kurz vor Mitternacht wortlos von hinten genähert, den Schuß abgegeben und war zu Fuß unerkannt geflüchtet. Das Opfer hat enge Verbindungen zu dem prominenten Politiker Jose Maria Benegas von der regierenden Sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens.
PALE, 20. Januar (dpa). Das Parlament der selbsternannten Serbischen Republik in Bosnien-Herzegowina hat in der Nacht in Pale bei Sarajewo die Debatte über den von der Genfer Jugoslawien-Konferenz erarbeiteten Friedensplan für Bosnien auf den Vormittag vertagt. Die Beratungen wurden um 10 Uhr heute morgen wiederaufgenommen. Bereits um Mitternacht war das EG-Ultimatum zur Annahme der Genfer Vorschläge abgelaufen.
In der äußerst kontroversen Debatte ging es um den Verfassungsplan, der eine Dezentralisierung der Staatsgewalt bei weitgehender Autonomie der geplanten zehn Provinzen Bosniens vorsieht. Serbenführer Radovan Karadzic hatte vor den 81 Abgeordneten erklärt, das militärische Hauptziel der vergangenen neun Monate zum Schutz der serbischen Bevölkerung in Bosnien sei bereits erreicht worden.
Karadzic hatte dem Plan schon in der Vorwoche in Genf unter der Bedingung zugestimmt, daß dieser vom "Parlament" angenommen werde. Damit wurde das Scheitern der Genfer Friedenskonferenz verhindert, die nunmehr noch in dieser Woche fortgesetzt werden soll. Zuletzt hatten auch Politiker Rest-Jugoslawiens und Serbiens die bosnischen Serben gedrängt, dem Plan zuzustimmen. Andernfalls rückt ein militärisches Eingreifen des Auslandes gegen die Serben näher.
Die beiden Vorsitzenden der Genfer Jugoslawien-Konferenz, Cyrus Vance (UN) und Lord Owen (EG), werden an diesem Mittwoch in Sarajewo erwartet, um auf Wunsch der beiden Seiten im Konflikt zwischen den bosnischen Moslems und Kroaten zu vermitteln. Anschließend wollen sie noch am selben Tag nach Zagreb weiterreisen.
Der Generalsekretär der Westeuropäischen Union (WEU), Wim van Eekelen, schließt Aktionen der WEU im ehemaligen Jugoslawien nicht aus, wenn die UN ihre Pläne nicht realisieren könne.
Im Verlauf schwerer und verlustreicher Kämpfe im Osten Bosniens haben serbische Truppen in der Nacht zum Mittwoch eine Reihe von Stellungen entlang der Drina aufgegeben. Dabei hätten die Moslems strategisch wichtige Höhen besetzt, von denen das gesamte Gebiet östlich von Srebrenica sowie die serbische Seite der Drina überwacht werden könne.
"Die Moslems sind in der Überzahl und zudem auch noch besser motiviert", zitierte Tanjug einen der serbischen Soldaten nach dem "erfolgreichen" Rückzug.
Für ein sofortiges militärisches Eingreifen internationaler Truppen unter UN-Kommando in Bosnien-Herzegowina hat sich der stellvertretende CDU-Vorsitzende und baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel ausgesprochen. Teufel sagte am Mittwoch in Stuttgart, nachdem das selbsternannte Parlament der bosnischen Serben das Ultimatum ohne Annahme des Genfer Friedensplans habe verstreichen lassen, müsse davon ausgegangen werden, daß die bosnischen Serben zum Frieden nicht bereit seien.
Er sehe nur noch bei raschem Handeln eine Chance zur Rettung der bedrängten bosnischen Bevölkerung, betonte Teufel. Nur durch eine friedensherstellende Intervention könnten die Menschen "vor den brutalen Angriffen der serbischen Kampfeinheiten und vor dem Hunger- und Erfrierungstod gerettet werden". Wer jetzt nicht bereit sei, diesen Schritt mitzugehen, mache sich schuldig.
WASHINGTON, 20. Januar (dpa/AP). Der künftige US-Präsident Bill Clinton, der am heutigen Mittwoch (18 Uhr MEZ) in Washington vereidigt wird, hat seine Amtsübernahme am Vorabend mit einer Vielzahl von Stars aus dem Show- und Filmgeschäft gefeiert. Am zweistündigen Galaabend des Präsidenten beteiligten sich die Sänger Barbra Streisand, Michael Jackson, Aretha Franklin, Judy Collins, Chuck Berry, die Rockgruppe Fleetwood Mac sowie die Schauspieler und Entertainer Jack Lemmon, Warren Beatty, Bill Cosby und Goldie Hawn.
Die kalifornische Rockgruppe Fleetwood Mac hatte sich für den Anlaß nach Jahren erstmals wieder zusammengefunden. Vielumjubelt war auch der Auftritt von Barbra Streisand. Die Sängerin, die sich an vorderster Stelle für den bisherigen Gouverneur von Arkansas im Wahlkampf engagiert hatte, sagte, Clinton habe unter den Menschen "neue Zuversicht und neues Vertrauen" geweckt.
Pop-Star Michael Jackson, der ein Lied für an einen an Aids gestorbenen Freund sang, bat Clinton, genügend Mittel für den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit zur Verfügung zu stellen. Nach viertägigen Feiern in Washington, die von den kriegerischen Auseinandersetzungen mit Irak überschattet waren, wird Clinton an diesem Mittwoch vor dem Kapitol in Washington den Eid als 42. amerikanischer Präsident leisten. Der mit 46 Jahren jüngste Präsident seit John F. Kennedy steht in den USA für einen Generationswechsel.
Clinton und seine Frau Hillary wollten sich vor der Zeremonie der Vereidigung im Weißen Haus mit dem scheidenden Präsidenten George Bush und dessen Frau Barbara zum Kaffee treffen. Anschließend war geplant, daß die Paare gemeinsam zum Kapitol fahren.
Einen Tag vor seinem offiziellen Amtsantritt besetzte Clinton noch eine Reihe von bedeutenden Regierungsposten. Er ernannte am Dienstag eine Reihe von Staatssekretären und Unterstaatssekretären im Außenministerium. Dabei schuf er den neuen Posten eines ranghohen Beraters für den globalen Umweltschutz sowie für Menschenrechte und Flüchtlingsfragen. Hierfür wurde Tim Wirth vorgeschlagen, ein liberaler ehemaliger Senator aus Colorado, der sich vor allem mit seinem Engagement im ökologischen Bereich einen Namen gemacht hat. (Weitere Berichte auf den Seiten 2 und 3)
ZAGREB, 20. Januar (dpa). Ein mysteriöser Meteorit hat in Kroatien vermutlich zwei Todesopfer gefordert. Wie die Zagreber Zeitung Vjesnik am Mittwoch berichtete, wurde das Haus zweier Brüder in der Ortschaft Kosinozici auf der Halbinsel Istrien durch den Einschlag eines "unbekannten Objekts" zerstört. Die Männer im Alter von 80 und 65 Jahren waren auf der Stelle tot. Die Behörden schlossen eine Explosion militärischer Natur aus. Augenzeugen berichteten, der Explosion sei ein "seltsames Leuchten am Himmel" vorausgegangen.
KOPENHAGEN, 20. Januar (dpa). Dänemark erhält wahrscheinlich noch diese Woche eine sozialdemokratisch geführte Mehrheitsregierung. Dies zeichnete sich am Mittwoch in Kopenhagen ab, nachdem der Parteichef der Sozialdemokraten und voraussichtliche neue Ministerpräsident, Poul Nyrup Rasmussen, Rundfunkangaben zufolge in der Nacht einen Durchbruch bei Koalitionsverhandlungen mit den Sozialliberalen (Radikale Venstre), den Zentrumsdemokraten und der Christlichen Volkspartei erzielt hat. Diese Vierer-Koalition könnte sich im Parlament auf 91 von 179 Mandaten stützen und wäre Dänemarks erste Mehrheitsregierung seit 1971. (Weiterer Bericht auf Seite 7)
KIEL/HANNOVER, 20. Januar (dpa). Gegen den U-Boot-Export nach Taiwan hat sich der SPD-Bundesvorsitzende und Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Björn Engholm, ausgesprochen. "Nach meiner politischen Grundhaltung bin ich nicht für den Bau von U- Booten für Staaten außerhalb der NATO. Dazu gibt es auch eine klare Beschlußfassung meiner Partei", sagte Engholm dem Flensburger Tageblatt (Mittwochausgabe). Im Gegensatz dazu hatte sich Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD) im Auftrag aller Küstenländer für den umstrittenen Rüstungsauftrag ausgesprochen. Der Niedersächsische Landtag beschäftigt sich heute in einer "Aktuellen Stunde" mit der U-Boot- und Fregatten-Order aus Taiwan.
ERFURT, 20. Januar (dpa). Im Zuge der Ermittlungen nach dem spektakulären Kunstdiebstahl von Weimar hat die Erfurter Staatsanwaltschaft offenbar einen V-Mann der Polizei inhaftiert und damit seine Anonymität aufs Spiel gesetzt. Die Thüringer Generalstaatsanwaltschaft hat jetzt ein Ermittlungsverfahren gegen die beiden beteiligten Staatsanwälte eingeleitet. Ihnen wird Freiheitsberaubung vorgeworfen. Damit bestätigte am Mittwoch ein Sprecher des Thüringer Justizministeriums einen Bericht des Rundfunksenders Rias.
Der Rias hatte berichtet, auf Veranlassung der Staatsanwälte sei ein Mann tagelang inhaftiert worden, der von der Polizei als V-Mann in die Szene der mutmaßlichen Bilderdiebe eingeschleust worden war. Möglicherweise befindet sich der Mann, von dem der entscheidende Tip zum Auffinden der wertvollen Cranach-Bilder gekommen sein soll, nun in Lebensgefahr. Der V-Mann soll nicht an der Straftat beteiligt gewesen sein.
LISSABON, 20. Januar (dpa). Die angolanische Guerilla-Bewegung UNITA hat nach eigenen Angaben den wichtigen Öl- hafen Soyo im Nordwesten eingenommen und dabei 17 Ausländer in ihre Gewalt gebracht. Nach Angaben des staatlichen Rundfunks vom Mittwoch handelt es sich bei den Verschleppten um insgesamt 14 Portugiesen, einem Briten, einem Italiener und einem Argentinier. Der UNITA- Sender "Schwarzer Hahn" bestätigte diese Details nicht. Bei den Kämpfen um Soyo sei umfangreiches Kriegsmaterial der Regierungstruppen erbeutet worden, meldete die UNITA (Nationale Einheit für die totale Befreiung Angolas) ferner.
Die interessante Sportnotiz
Timman glich gegen Short aus Beim Finale des Kandidatenturniers um die Herausforderung von Schach- Weltmeister Garri Kasparow hat am Mittwoch Großmeister Jan Timman ausgeglichen. Der Niederländer schlug den Briten Nigel Short in der siebten Partie in San Lorenzo de El Escorial bei Madrid. Damit steht es bei Halbzeit der 14 Spiele 3,5:3,5. Timman, der mit weißen Steinen spielte, siegte nach 31 Zügen.
Die weltbeste Schachspielerin, die 16jährige Ungarin Judit Polgar, tritt gegen den aus Rußland stammenden und jetzt in Frankreich lebenden Schachprofi Boris Spassky an. Ihr Vater und Coach Laszlo Polgar bestätigte, daß die über zwölf Spiele angesetzte Begegnung am 31. Januar in Budapest beginnen wird.
Fußball-Zweitligist SV Darmstadt 98 hat im Trainingslager an der portugiesischen Algarve den 25 Jahre alten Mittelfeldspieler Thorsten Wörsdörfer unter Vertrag genommen. Die "Lilien" liehen den Profi vom Ligakonkurrenten Stuttgarter Kickers bis zum Saisonende aus, wo er nicht mehr zum Kader gehörte. Unterdessen hat der 1. FC Köln Interesse an der Verpflichtung von Darmstadts Trainer Alexander Mandziara bekundet.
Springstein verklagt SC Neubrandenburg Der Streit zwischen dem früheren Trainer von Katrin Krabbe, Thomas Springstein, und dem Verein SC Neubrandenburg weitet sich aus. Der Coach will den ihm verwehrten Zugang zu den Sportstätten des SC Neubrandenburg (SCN) notfalls auf gerichtlichem Wege erzwingen, nachdem die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg das Ermittlungsverfahren gegen Springstein, dem ein Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz zur Last gelegt wurde, einstellt hatte.
Antonio Santamaria ermordet Der international bekannte ehemalige spanische Fußballspieler Jose Antonio Santamaria ist in San Sebastian durch einen Genickschuß ermordet worden. Nach Angaben einiger spanischen Medien steht er im Verdacht, in kriminelle Machenschaften verwickelt zu sein.
Möhlmann verlängert beim HSV Der Hamburger SV hat den Vertrag mit seinem Erfolgscoach verlängert. Benno Möhlmann unterschrieb bei dem Fußball-Bundesligisten einen Einjahresvertrag für die kommende Saison.
Der SG Flensburg-Handewitt gelang ein großer Coup in der Handball-Bundesliga. Der Aufsteiger hat den 28fachen Nationalspieler Markus Hochhaus vom TV Großwallstadt verpflichtet. Der 24 Jahre alte Rückraumspieler unterschrieb in Flensburg einen Dreijahresvertrag. Der Pole Zbigniew Tluczynski (36) wechselt vom VfL Fredenbeck zum klassentieferen Zweitligisten TuS Nettelstedt.
Der Tischtennis-Bundesligist TTC Esslingen hat Konkurs angemeldet. Schulden in sechsstelliger Höhe haben den 1. Vorsitzenden Christian Scholz zu diesem Schritt veranlaßt. Ob ein Verfahren am Amtsgericht Esslingen eröffnet wird, ist allerdings noch ebenso ungewiß wie die sportliche Zukunft des Vereins.
Hansen segelte allen davon Der Kieler Hochseesegler Tilmar Hansen kam mit seiner Yacht "High 5" bei der Key-West-Woche vor Floridas Küste zu einem Tagessieg gegen 21 Boote aus vier Nationen. Bei zehn bis 15 Knoten Wind segelte die Hansen- Crew der starken amerikanischen Konkurrenz, darunter der siegreiche America's Cup-Skipper Buddy Melges, auf und davon.
Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund muß in der Rückrunde zweimal auf seinen Schweizer Torjäger Stephane Chapuisat verzichten. Der Nationalspieler fehlt in den Punktspielen gegen Wattenscheid (17. April) und gegen Saarbrücken (1. Mai), weil er für WM- Qualifikationsspiele der Eidgenossen abgestellt ist.
Der mehrfache Hessenmeister im Ringen, Federgewichtler Franz Mink vom ASV Frankfurt, erlag am Dienstag im Alter von 45 Jahren einem Herzinfarkt.
MOSKAU, 20. Januar (dpa). Bei Kämpfen in der armenischen Kaukasusenklave Berg-Karabach sind in der Nacht zu Mittwoch mindestens zehn Menschen getötet und weitere 60 verletzt worden. Das meldete die aserbaidschanische Nachrichtenagentur Turan unter Berufung auf Militärs in der Hauptstadt Baku.
Armenische Einheiten hätten mit Artillerie die Stadt Agdam unter Beschuß genommen. Berg-Karabach liegt in Aserbaidschan und wird zumeist von Armeniern bewohnt.
NEAPEL, 20. Januar (dpa). Erstmals haben Schiffe der NATO bei der Durchsuchung eines Handelsschiffes in der Adria eine umfangreiche Waffenlieferung für das Kriegsgebiet im ehemaligen Jugoslawien entdeckt. Wie die NATO-Streitkräfte Südeuropa in Neapel am Mittwoch mitteilten, seien bei der Durchsuchung der "Dolphin 1", die unter der Flagge des karibischen St. Vincent fuhr, zahlreiche Waffen und militärisches Gerät gefunden worden, die alle unter die UN-Sanktionen fielen.
Unter den Waffen befanden sich nach Angaben des italienischen Fernsehens Hunderte von Boden-Boden-Raketen chinesischer und sowjetischer Bauart sowie viele tausend Schuß Munition verschiedenen Kalibers. Das Schiff mit einem türkischen Kapitän und einer 20köpfigen Besatzung aus Türken und Polen war von NATO-Schiffen zum Anlaufen des italienischen Hafens Taranto gezwungen worden. Angeblicher Zielhafen sei das kroatische Rijeka gewesen.
STOCKHOLM, 20. Januar (dpa). Ein Fischerboot mit 425 kurdischen Flüchtlingen hat den mehrtägigen schweren Sturm auf der Ostsee überstanden und ist am Mittwoch vor der schwedischen Insel Gotland eingetroffen. Die Flüchtlinge waren vor einer Woche von der lettischen Hauptstadt Riga aus mit dem 35 Meter langen Boot in See gestochen und in den seit Jahren schlimmsten Sturm auf der Ostsee geraten. Mehrere von ihnen waren so geschwächt, daß sie sofort ins Krankenhaus gebracht wurden.
Die Küstenwache hatte das Boot die Nacht über beobachtet und die Polizei benachrichtigt. Es ist das vierte Mal in drei Monaten, daß Boote aus den baltischen Staaten mit kurdischen oder anderen Flüchtlingen aus dem Nahen Osten nach Schweden gelangten.
LEIPZIG, 20. Januar (dpa). Die berüchtigten Waldheimer Prozesse 1950 in der DDR waren nach Aussagen einer heute 80jährigen Zeugin Schnellverfahren ohne juristischen Beistand für die Angeklagten. Ihr Prozeß, bei dem sie zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, habe höchstens eine Viertelstunde gedauert, sagte sie am Mittwoch vor dem ersten Strafsenat des Leipziger Landgerichts.
An den beisitzenden Richter Otto Jürgens, der jetzt wegen Rechtsbeugung und Mord angeklagt ist, konnte sich die heute in Köln lebende Frau nicht mehr erinnern. Laut Akten soll Otto an ihrem Prozeß beteiligt gewesen sein. Der ehemaligen Sekretärin im Reichsministerium für besetzte Ostgebiete war vorgeworfen worden, an der Vorbereitung des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion beteiligt gewesen zu sein.
Im Zuchthaus des sächsischen Städtchens Waldheim waren 1950 innerhalb von zwei Monaten mehr als 3400 mutmaßliche Nazi- und Kriegsverbrecher sowie Unschuldige im Schnellverfahren abgeurteilt worden.
FRANKFURT A. M. (dpa/rtr/FR). Die Bundesbank senkt die Leitzinsen auf der heutigen Sitzung des Zentralbankrates trotz der düsteren Konjunkturaussichten noch nicht. Dies ist überwiegend die Meinung von Bankern und Finanzexperten. Völlig ausgeschlossen wird in den Kreisen eine geringfügige Ermäßigung des Lombardsatzes mit Blick auf die Beruhigung am Devisenmarkt freilich nicht.
Mit dem jüngsten Wertpapierpensionsgeschäft zu 8,60 Prozent deute das Haus Schlesinger an, daß es am Stabilitätskurs festhalten wolle, lautet ein Hinweis auf zunächst unveränderte Sätze. Verwiesen wird auch auf Äußerungen aus der Bundesbankspitze, wonach die Inflationsbekämpfung weiter Vorrang habe. Andererseits hatten Währungshüter angekündigt, Spielräume für sinkende Zinsen nutzen zu wollen. Daraus schließt ein Experte, daß die Chancen auf eine Lockerung der Geldpolitik "50:50" stünden. Gegen ein Signal schon jetzt spreche aber, daß wichtige Tarifrunden wie die im öffentlichen Dienst noch ausstehen. Auch der von der Bonner Regierungskoalition vorgelegte Rahmen für einen Solidarpakt dürfte die Währungshüter kaum zu einer "zinspolitischen Vorleistung" veranlassen, meint ein anderer Fachmann.
Eine spürbare Senkung der derzeitigen Leitzinsen (Diskontsatz 8,25 und Lombardsatz 9,50 Prozent) forderte unmittelbar vor der heutigen Sitzung die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG): "Eine Abkehr von der restriktiven Geldpolitik ist im Hinblick auf die drohende rezessive Wirtschaftspolitik überfällig." Auch im Ausland wächst die Kritik an den Frankfurter Währungshütern. Frankreichs Präsident François Mitterrand etwa nennt deren Politik zu restriktiv.
Dem Kapitalmarkttrend folgend fallen zur Freude der Häuslebauer unterdessen die Sätze für Baugeld weiter. Die Allgemeine Hypothekenbank in Frankfurt verlangt bei fünf- und zehnjähriger Zinsbindung nun effektiv noch 7,88 respektive 7,87 Prozent. Die Deutsche Hypothekenbank Frankfurt nennt für beide Fristen 7,98 Prozent. Auch anderswo sinken die Kreditzinsen. Die Deutsche Ausgleichsbank nimmt die Nominalsätze für Existenzgründungen und Umweltprojekte um einen Viertelprozentpunkt zurück.
Knapp dem Ausscheiden entronnen ist Michael Stich bei den Australian Open am Mittwoch in Melbourne. Nach 3:27 Stunden in der Gluthitze des Center Courts siegte er mit 6:7 (3:7), 6:2, 6:2, 4:6, 6:4 gegen den französischen Kämpfer Fabrice Santoro mit Mühe und Not und zog in die dritte Runde ein. Mit dem Vorjahres-Halbfinalisten Richard Krajicek (Niederlande) und den Amerikanern Michael Chang und Lori McNeil überstanden drei Gesetzte die zweite Runde nicht, hingegen gelangten die Titelverteidiger und Weltranglisten-Ersten Monica Seles (Jugoslawien) und Jim Courier (USA) souverän in die Runde der letzten 32. Gestoppt wurden auch Lars Koslowski (Neuss), Wiltrud Probst (München) und Karin Kschwendt (Leverkusen). Das neue "Traum-Doppel" Steffi Graf und Jennifer Capriati bestand nur auf dem Papier, die Amerikanerin zog ihre Partnerschaft wegen eines angeblichen Darmvirus' zurück.
Stich blieb es vorbehalten, für die größte Aufregung des Tages zu sorgen. Gegen Santoro spielte er wieder einmal Extremtennis in einem Match, das er nach eigenen Angaben eigentlich hätte "glatt in drei Sätzen" gewinnen müssen und doch fast noch verschenkt hätte. 5:2 und 4:1 führte der hoch überlegene Weltranglisten-15. gegen den 41. des ATP-Computers in den Sätzen eins und vier und konnte sie trotzdem nicht gewinnen. Im Zitterfinale, als sich Stich sogar mit dem Schiedsrichter anlegte und dafür eine Verwarnungn kassierte, half beim Stand von 4:4 und Breakball Santoro das Glück. Stichs nächster Gegner ist der Australier Jason Stoltenberg.
Eine Stunde vor Stich hatte Andrej Medwedew aus der Ukraine dem Neusser Lars Koslowski mit 6:0, 6:1, 6:0 eine Lehrstunde gegeben. Ebenfalls ausgeschieden sind die Münchnerin Wiltrud Probst (2:6, 6:4, 2:6 gegen Nathalie Tauziat/Frankreich) und Karin Kschwendt aus Leverkusen (4:6, 6:1, 4:6 gegen Julie Halard/ Frankreich). Während Steffi Grafs Konkurrentinnen Monica Seles und Gabriela Sabatini jeweils souverän in die dritte Runde einzogen, hatte die Weltranglistenzweite frei. sid
STRASSBURG, 20. Januar (dpa). Kritische Äußerungen des dänischen Außenministers und amtierenden EG-Ratsvorsitzenden Uffe Ellemann-Jensen über die Opposition Griechenlands gegen eine Anerkennung der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien haben im Europaparlament tumultartige Proteste griechischer Abgeordneter hervorgerufen. "Ich schäme mich für Griechenland, das mit seinem Veto die Anerkennung Mazedoniens verhindert", sagte der Außenminister am Mittwoch in Straßburg. Außerdem könne er nicht verstehen, wieso Griechenland Angst vor so einem kleinen Land wie Mazedonien haben könne.
Der griechische Sozialist Christos Papoutsis warf Ellemann-Jensen vor, seinen Auftrag und sein Amt zu mißbrauchen. Ellemann-Jensen beendete die ausufernde Debatte mit einer Entschuldigung "an die griechischen Freunde". "Ich wollte Griechenland nicht beleidigen und habe auch nicht im Namen der elf Regierungen gesprochen." Als letztes Wort fügte er allerdings hinzu, "daß die elf Regierungen ziemlich die Nase voll haben von der Obstruktionspolitik der Griechen".
LONDON. Die vor allem unter dem Namen Victoria Holt bekannt gewordene britische Erfolgsautorin Eleanor Hibbert ist im Alter von 82 Jahren bei einer Mittelmeerkreuzfahrt gestorben. Die Schriftstellerin hat seit 1947 unter mehreren Pseudonymen über 100 Romane vor dem Hintergrund der britischen Geschichte verfaßt.
Zuvor schrieb sie Kurzgeschichten unter verschiedenen Namen für den "Evening Standard". Auf Deutsch sind zahlreiche Werke von ihr erschienen, etwa "Meine Feindin, die Königin", "Die Ashington-Perlen" und "Die Geheime Frau". dpa
BAGDAD/WASHINGTON, 20. Januar (dpa/AP). Die von Irak einseitig verkündete Feuerpause, die seit dem Mittwoch morgen gilt, hält offenbar. Bis zum Nachmittag wurden keine neuen Zwischenfälle gemeldet. Die Golf-Kriegs-Alliierten äußerten sich aber zurückhaltend, daß damit die aktuelle Krise endgültig beendet ist, auch wenn die UN jetzt die Basis für weitere Waffeninspektionen im Irak wieder gegeben sehen.
Mit Blick auf die Amtseinführung von Bill Clinton als US-Präsident hatte der Revolutionäre Kommandorat Iraks am Dienstag abend erklärt, ab 8 Uhr Ortszeit (6 Uhr MEZ) werde nicht mehr das Feuer eröffnet, "ausgenommen bei Beschuß durch die andere Seite". Bagdad hatte die Feuerpause nach vier Angriffen der Alliierten damit begründet, daß man der neuen US-Regierung unter Clinton Zeit geben wolle, die zum Schutz von Kurden und Schiiten im Norden des Iraks verkündeten Flugverbotszonen zu überprüfen. Dies solle in Ruhe möglich sein.
Dem US-Fernsehsender CBS sagte Clinton dazu, er halte gute Beziehungen zu Saddam Hussein solange für kaum möglich, wie dieser "kein Anzeichen erkennen läßt, daß er ein verläßliches Mitglied der Gemeinschaft der Nationen ist". Das hänge davon ab, was Saddam Hussein unternehme und ob er mehr Bereitschaft erkennen lasse, alle UN-Resolutionen umzusetzen.
Der britische Premierminister John Major nannte das Angebot Bagdads irrelevant. Ansonsten müsse man abwarten, sagte ein Sprecher des Premiers am Mittwoch. Saddam Hussein habe einen erheblichen Rückzieher gemacht. "Aber die Geschichte wird seine Taten beurteilen, nicht seine Worte", hieß es in London.
Frankreich schloß sich am Mittwoch der Kritik an den USA wegen des jüngsten Raketenangriffs auf Bagdad an, da er über das von den UN erteilte Mandat hinausgegangen sei. Außenminister Roland Dumas äußerte auch die Hoffnung, daß mit dem Amtsantritt Clintons eine Entspannung im Golf-Konflikt eintrete.
In New York wurde unterdessen die umgehende Wiederaufnahme der UN-Inspektionen in Irak in Aussicht gestellt, die bisher wegen des Streits um die Flugverbotszonen im Süden und Norden des Landes blockiert wurden. Nach einer Sitzung des Weltsicherheitsrats sagte am Dienstag abend der französische UN-Botschafter Jean-Bernard Merimee, niemand habe sich dagegen ausgesprochen, das jüngste Angebot Bagdads anzunehmen. Sein britischer Kollege David Hannay betonte, daß es entgegen ursprünglichen Vermutungen mit keinerlei Bedingungen verknüpft sei. Der Vorsitzende des mit der Zerstörung der irakischen Massenvernichtungswaffen beauftragten UN- Sonderausschusses, Rolf Ekeus, kündigte die Wiederaufnahme der Inspektionsflüge an. In Bahrain standen 25 UN-Inspektoren zur Abreise nach Bagdad bereit.
Kritik an den alliierten Angriffen gegen Irak übte am Mittwoch auch der geistliche Führer Irans, Ayatollah Ali Chameini. Er sagte laut amtlicher iranischer Nachrichtenagentur IRNA, sein Land wende sich gegen die Herrschaft Saddam Husseins, "doch kann es sich nicht gleichgültig gegenüber dem Schicksal des irakischen moslemischen Volkes verhalten".
KOPENHAGEN, 20. Januar (dpa). Der Vorsitzende der dänischen Sozialdemokraten, Poul Nyrup Rasmussen, hat am Mittwoch unerwartete Schwierigkeiten bei der Bildung einer Mehrheitsregierung bekommen, die von ihm geführt werden soll. Der 49jährige Sozialdemokrat hatte zunächst von einem "Durchbruch" bei seinen Gesprächen mit den Sozialliberalen (Radikale Venstre), den Zentrumsdemokraten und der Christlichen Volkspartei gesprochen. Danach kündigten drei Abgeordnete aus diesen Parteien an, sie würden Rasmussen die Unterstützung verweigern. Ohne diese Parlamentarier würde die angestrebte Vierer-Koalition nur über 88 von 179 Mandaten verfügen und die Parlamentsmehrheit um zwei Stimmen verfehlen.
Neben dem nicht mehr in der sozialdemokratischen Fraktion arbeitenden Abgeordneten Hans Erenbjerg wollen auch Lis Noer Holmberg und Jette Pors von den Zentrumsdemokraten eine Regierung Rasmussen nicht stützen.
SAARBRÜCKEN, 20. Januar (dpa). Das hochverschuldete Saarland soll vom Bund von 1995 an fünf Jahre lang je eine Milliarde Mark erhalten. Darauf habe sich die Bonner Koalition geeinigt, teilte der saarländische CDU-Vorsitzende, Bundesumweltminister Klaus Töpfer, am Mittwoch in Saarbrücken mit. Gemeinsam mit dem Vorschlag, auch künftig "Sonderbundesergänzungszuweisungen" von zunächst jährlich 2,5 Milliarden Mark bei abfallender Entwicklung bereitzustellen, könne damit die Entschuldung des Saarlandes insgesamt erreicht werden. Gegenwärtig ist das Saarland mit rund 13,5 Milliarden Mark verschuldet.
POTSDAM, 20. Januar (dpa). Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) hat die geplanten Staatsverträge zur Verflechtung seines Landes mit Berlin als Nagelprobe für eine Länderehe bezeichnet. An Punkten wie unter anderem dem Landesentwicklungsprogramm, der gemeinsamen Müllentsorgung und der Energiepolitik müßten Politiker zeigen, daß sie es mit einem Interessenausgleich ernst meinten, sagte Stolpe in Potsdam.
Die Potsdamer Ampelkoalition hatte am Dienstag abend alle Sachpunkte der Fusionsempfehlung der Regierungskommission beider Länder gebilligt.
Der Entwurf für einen Neugliederungsstaatsvertrag soll bis Herbst 1993 vorliegen. Mit dem Volksentscheid, in dem eine Ländervereinigung in Berlin und Brandenburg gebilligt werden muß, rechnet Stolpe für 1994/95.
HAMBURG, 20. Januar (dpa). Bundes- und Reichsbahn läuten das Computerzeitalter für Zugbegleiter ein. Auf dem Bahnhof Hamburg-Altona wurden am Mittwoch zwei ICE-Begleiterteams Handcomputer für den Fahrkartenverkauf im Zuge übergeben. Die Speicherkapazität des etwa ein Kilogramm schweren und 34 Zentimeter großen Handterminals reicht nach Angaben der Bundesbahn für alle 8000 Tarifpunkte im Bereich der Bundes- und Reichsbahn.
BERLIN. Die Stadt Berlin bemüht sich darum, den gesamten Nachlaß von Marlene Dietrich an die Spree zu holen. Voraussichtlicher Ausstellungsort: Das künftige Film-Museum im geplanten Sony- Bau am Potsdamer Platz.
Der Nachlaß der Diva, bisher in Depots in Frankreich und den USA aufbewahrt, wurde erst nach ihrer Beisetzung in Berlin im vergangenen Mai geöffnet. 680 Koffer, Kisten und Schachteln füllt das einzigartige Glamour-Erbe: Schmuck, Tausende von Kleidern und Kostümen, Schuhe, Hüte, Federboas und Orden. Weitere 48 Kartons enthalten Fotos. dpa
HAMBURG, 20. Januar (dpa). Im Katastrophen-Atomkraftwerk Tschernobyl muß der Block 1 nach Ansicht deutscher Experten wegen schwerer Sicherheitsmängel sofort abgeschaltet werden. Ein am Mittwoch in Hamburg vorgelegtes Brandschutz-Gutachten im Auftrag der Europäischen Gemeinschaft stellt fest, daß "eine nukleare Inbetriebnahme des Blocks 1 nicht vertretbar" ist. Bereits im November 1992 war das Kraftwerk, in dem es in der vergangenen Woche zweimal gebrannt hat, erneut angefahren worden.
In Tschernobyl war 1986 der vierte Block explodiert und hatte weite Teile Europas radioaktiv verseucht. Einer der Schwachpunkte der Reaktoren vom Typ Tschernobyl, von denen es in Osteuropa noch 16 gibt, ist der Brandschutz. In dem Reaktorkomplex hat es zwischen 1980 und 1988 mindestens 25mal gebrannt.
Die Experten, die im Oktober das Werk untersucht hatten, kritisierten hauptsächlich den Feuerschutz und die schlechte Verarbeitung der zum Teil verschlissenen Materialien.
Zur Person:
RUDOLF KRAUSE, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Sachsen-Anhalt, will sich nicht vom Inhalt seines umstrittenen Positionspapiers zur Deutschland-, Sicherheits- und Asylpolitik distanzieren, das in der Wortwahl selbst manche Rechtsradikale übertrifft. Er warf dem Landesvorstand "Methoden der Inquisition" vor. Der CDU-Landesvorstand hatte von Krause verlangt, von dem Papier abzurücken. In seinen Thesen spricht Krause unter anderem von "deutschen Volksgenossen", einem "staatszersetzenden krankhaften Liberalismus" und einer "kerndeutsche Anständigkeit". Aus der Unionsarbeitsgruppe in der Enquêtekommission des Bundestages zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ist Krause ausgeschlossen worden. (dpa)
JERUSALEM, 20. Januar (dpa). In Israel soll Gott bald per Fax erreichbar sein. Die nationale Telekommunikationsgesellschaft Bezek hat eine spezielle Nummer in Jerusalem eingerichtet, an die Gläubige ihre Gebete faxen können, berichtete der Rundfunk am Mittwoch. Ein Angestellter stecke das Dokument dann in eine Spalte der sogenannten Westlichen Mauer, einziges Relikt des antiken Jüdischen Tempels. Nach alter Tradition werden Bitten, die in diese Mauer gesteckt werden, von Gott erfüllt.
MÜNCHEN. Bislang unbekannte Notenschriften der "Ursonate" des Dada- Künstlers Kurt Schwitters (1887- 1948) haben Münchner Wissenschaftler entdeckt. Schwitters, von den Nationalsozialisten zum "entarteten" Künstler gestempelt, ließ die handschriftlichen Arbeiten 1940 bei seiner Flucht bei einem befreundeten Organisten zurück. Dieser übereignete sie einem kanadischen Professor.
Schwitters hatte immer wieder versucht, seine "Ursonate", ein Gesamtkunstwerk aus Musik und bedeutungslosen Sprachfetzen, für die Nachwelt zu erhalten.
HAMBURG/PANAMA (dpa). Der Streit über die EG-Beschränkungen für die Einfuhr von Bananen aus südamerikanischen Ländern geht unvermindert weiter. Der Präsident der Union Bananenproduzierender Länder (UPEB), Enrique Betancourt, befürchtet dadurch mindestens 174 000 Arbeitslose zusätzlich und den Verlust der Existenzgrundlage für 600 000 Menschen in Lateinamerika.
Vertreter der deutschen Bananen-Importeure, Reedereien und Seehafenbetriebe trafen sich gestern in Hamburg mit dem Präsidenten Costa Ricas, Rafael Angel Calderon, um über gemeinsame Strategien gegen die neue Regelung zu beraten. In einer Mitteilung heißt es, mit den EG-Beschlüssen würden sich Investitionen deutscher Reedereien in Fruchtschiffe sowie der Seehäfen in spezielle Fruchtumschlagsanlagen als verfehlt erweisen und dreistellige Millionensummen entwertet. Kurzfristig sei mit einem Importrückgang von lateinamerikanischen Bananen um 50 Prozent zu rechnen. Die sogenannten AKP-Bananen aus den ehemaligen Kolonien der EG-Staaten werden nach Angaben des Verbandes vorzugsweise über portugiesische, spanische und französische Seehäfen umgeschlagen. Die Verteilung würden dann Lastwagen auf Europas ohnehin überlasteten Straßen übernehmen. "Von diesem groben protektionistischen Unfug sind mindestens 2000 Betriebe unmittelbar und mittelbar im Bananenverkehr in den deutschen Seehäfen und ihrem Hinterlandverkehr betroffen", heißt es.
Der Agrar-Ministerrat hatte kürzlich beschlossen, die bisher zollfreien süd- und mittelamerikanischen Bananen künftig Zöllen zu unterwerfen und die Importmengen zu beschränken, um die AKP-Bananen zu fördern. Der Beschluß, der vom 1. Juli an gelten soll, muß noch von der Kommission bestätigt werden.
HAMBURG, 20. Januar (dpa). Der Hamburger SPD-Senat hat dem städtischen Wohnungsunternehmen SAGA im April 1987 - rund einen Monat vor der Bürgerschaftswahl - verboten, die Mieten zu erhöhen. Das bestätigen Unterlagen der Finanzbehörde, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Die Behörde bestätigte am Mittwoch, die Akten seien in der Affäre um das Hamburger Unternehmen bereits an den parlamentarischen Untersuchungsausschuß geliefert worden. Die Baubehörde rechtfertigte unterdessen den Mietenstopp. Die SAGA verwaltet in Hamburg rund 96 000 Wohnungen.
Nach den jetzt bekanntgewordenen Akten geht das Verbot der Mieterhöhung auf Bausenator Eugen Wagner zurück und wurde unter Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) vom Senat beschlossen. Im Gegensatz zur Baubehörde ist die Finanzbehörde der Meinung, das Einfrieren der günstigen Mieten habe gegen die Landeshaushaltsordnung verstoßen. Der SAGA seien viele hunderttausend Mark Einnahmen entgangen.
BERLIN. Bei der Privatisierung des Ostberliner Aufbau-Verlages hat die Treuhandanstalt Nachbesserungen in Millionenhöhe an den neuen Eigner geleistet. Grund für die Nachbesserung sei eine falsche Einschätzung der "Verlustlage" des Verlages gewesen, erklärte die Treuhand. Sie wies Darstellungen zurück, Mehrheitseigner Bernd F. Lunkewitz, ein Frankfurter Makler, habe einen "Immobilien-Deal" getätigt. Das Grundstück des Aufbau-Verlages in bester Citylage Berlins sei noch vor Vertragsabschluß abgetrennt und an die Liegenschaftsgesellschaft der Treuhand übergeben worden. Lunkewitz habe "nie eine Möglichkeit gehabt, an die Immobilie zu kommen". dpa
Theo Waigel mußte gestern beim Zentralbankrat wegen der voraussichtlich höheren Staatsverschuldung Asche auf sein Haupt streuen. Dabei gäbe es doch ein einfaches Mittel, um die Finanzen in den Griff zu bekommen: Im Rahmen eines nationalen Solidarpaktes schicken die Bundesbürger Spenden nach Bonn.
Ein Vorbild dafür könnte die slowakische Republik sein. Mit einer weltweiten Spendensammlung unter Bürgern des Landes sowie Auslandsslowaken soll die finanzielle Situation des jungen Staates verbessert werden. Die Slowakische Nationalbank und die "Matica Slovenska", eine landsmannschaftliche Stiftung, stellten gestern ihren gemeinsamen Plan vor: Danach sollen vom 1. Februar an alle Slowaken die Möglichkeit erhalten, über die Banken ihrem Staat Geld und Gold zu schenken. So solle ein "Nationalschatz" geschaffen werden, um die noch nicht eingeführte slowakische Währung zu stützen. Als Gegenleistung werden die Spender eine Gedenkmedaille erhalten.
Wie zu hören ist, hat Waigel gestern bereits die erste Spendenzusage erhalten - von der Bundesbank. dpa/rb
MIAMI, 21. Januar (dpa/AFP). Die USA haben am Mittwoch zwischen dem amerikanischen Festland und der Inselrepublik Haiti eine Barrikade aus Schiffen errichtet. Die Barrikade, an der sich nach Angaben der US-Küstenwacht in Miami/ Florida insgesamt 21 Kutter und Schiffe mit Unterstützung von 17 Hubschraubern beteiligten, soll einen Ansturm von Bootsflüchtlingen aus Haiti verhindern.
Der neue US-Präsident Bill Clinton hatte in der vergangenen Woche im Gegensatz zu seinen früheren Aussagen angekündigt, daß "vorerst" auch die neue Regierung auf See aufgegriffene Flüchtlinge nach Haiti zurückbringen wird.
102 haitianische Flüchtlinge sind am Mittwoch von Kuba nach Haiti zurückgekehrt. Einer der Rückkehrer, der auf der Flucht das Kentern seines Bootes überlebt hatte, sagte, bei dem Unglück seien mehr als 200 Menschen ertrunken. Seit Beginn der zwischen Kuba und Haiti am 12. Januar eingerichteten Luftbrücke sind 1298 Haitianer zurückgekehrt.
Mit Europapokalsieger Werder Bremen ist im neuen Jahr noch nicht viel los. Der FC St. Pauli Hamburg bereitete dem Team von Trainer Otto Rehhagel am Mittwoch abend mit einem 3:2 (1:0)-Sieg eine negative Überraschung und sicherte sich damit den dritten Platz bei einem in Co-Produktion mit dem Bundesligisten organisierten internationalen Fußball- Turnier. Das Finale hatte zuvor im Wilhelm-Koch-Stadion der niederländische Ehrendivisionär FC Groningen gegen den russischen Meister und Pokalsieger Spartak Moskau nach Elfmeterschießen mit 9:7 (2:2, 1:1) gewonnen. dpa
WASHINGTON, 21. Januar (dpa). Die Postämter in den 26 US-amerikanischen Ortschaften, die den Namen Clinton tragen, konnten sich vor Anfragen kaum retten. Tausende von Briefmarkensammlern und Souvenirjägern aus dem In- und Ausland hatten um einen Poststempel zur Amtseinführung des Präsidenten Bill Clinton gebeten. Allein in Clinton (US-Bundesstaat Illinois) hatte das Postamt 3000 Anfragen zu bewältigen. Postamtsleiter Steve Bowling richtete sich auf Überstunden ein. Die meisten Sammler wollten die neue Briefmarke von Elvis Presley - dem Lieblingssänger von Clinton - abgestempelt haben (Siehe auch Berichte auf Seite 2 und Kommentar auf Seite 3).
BONN, 20. Januar (dpa/AFP). Bundesverteidigungsminister Volker Rühe (CDU) rechnet Ende Februar mit einer Entscheidung für den humanitären Einsatz von Bundeswehrsoldaten in vom Bürgerkrieg zerrütteten Somalia.
Rühe erklärte in Bonn, er nehme an, daß die UN zu diesem Zeitpunkt Deutschland um die Entsendung bitten werden. Das Bundeskabinett hatte am 17. Dezember beschlossen, 1500 Soldaten nach Somalia zu schicken. Die Pioniere, Sanitäter und Fernmelder sollen durch 100 bewaffnete Infanteristen geschützt werden.
Rühe erläuterte, daß vor dem Einsatz auf jeden Fall noch der Bundestag darüber diskutieren müsse. Die SPD wendet sich scharf gegen die Entsendung der Infanteristen. Sie sieht darin einen Kampfeinsatz, den sie ablehnt. Die SPD droht mit einer einstweiligen Anordnung des Bundesverfassungsgerichtes.
Kampfeinsätze der Bundeswehr sind auch in der Union umstritten. Der sozialpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe Gerhard Scheu sagte, die Koalitionsvorlage sei mit heißer Nadel gestrickt.
Ein US-Soldat ist am Dienstag abend in der Nähe einer Zigarettenfabrik in der somalischen Hauptstadt Mogadischu verletzt worden. Wie am Mittwoch zu erfahren war, wurde der Marineinfanterist in ein Krankenhaus gebracht.
BONN, 20. Januar (dpa). Die Bundeswehrpiloten dürfen nach Ansicht von Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) bei einer militärischen Durchsetzung des UN-Flugverbots über Bosnien nicht aus den NATO-Aufklärungsflugzeugen "AWACS" zurückgezogen werden. In den Maschinen, die schon jetzt den bosnischen Luftraum beobachten, sind zu einem Drittel deutsche Besatzungen eingesetzt. Außenminister Klaus Kinkel (FDP) hatte klargemacht, deutsche Soldaten müßten aussteigen, wenn die AWACS-Flugzeuge NATO-Jagdmaschinen in Schußpositionen gegen serbische Kampfflugzeuge leiten. Es sei unvertretbar, da ohne Grundgesetzänderung mitzumachen.
BONN (dpa). Arbeitgeber wie Gewerkschaften beurteilen die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte auf der Grundlage von zwischenstaatlichen Werkverträgen äußerst kritisch. Bei einer Anhörung im Sozialausschuß des Bundestages plädierten sie zumindest für eine Einschränkung der Kontingente. Zugleich sollten mehr Möglichkeiten für Saison- und Gastarbeiter geschaffen werden, die zu gleichen Bedingungen wie ihre deutschen Kollegen beschäftigt wären.
Die Botschaften der hauptsächlich betroffenen Länder - Polen, Ungarn sowie die tschechische und slowakische Republik - machten dagegen geltend, daß eine Gastarbeiter-Konstruktion die mit den Regierungsabkommen verfolgten Ziele nicht erfüllen könne. Die Beschäftigung aufgrund von Werkverträgen solle zum Aneignen westeuropäischer Fachkenntnisse und Erfahrungen beitragen, die nach der Rückkehr den marktwirtschaftlichen Aufbau zu Hause fördere.
Deutsche Arbeitgeber beklagten dagegen eine zunehmende Verzerrung des Wettbewerbs durch Beschäftigte osteuropäischer Subunternehmen. Selbst wenn deutsche Facharbeiterlöhne gezahlt würden, hätten sie wegen fehlender Sozialabgaben noch erhebliche Kostenvorteile. Dies treffe vor allem die Bauwirtschaft.
Auf zunehmenden Mißbrauch, der auch durch die seit Januar 1993 geltenden verstärkten Kontrollen und Sanktionen nicht behoben werden könne, wiesen mehrere Sprecher hin. Illegale Beschäftigung nehme zu, und die Löhne seien zum Teil um die Hälfte niedriger als die für Deutsche. Die Werkvertragskonstruktion ermöglicht nach Ansicht des DGB eine Behandlung der östlichen Beschäftigten als Arbeitnehmer dritter Klasse. Eine entsprechende Kontrolle der osteuropäischen Unternehmen sei schwierig.
Die Bundesanstalt für Arbeit verwies darauf, daß die illegale Beschäftigung von Arbeitskräften aus Osteuropa insgesamt besorgniserregend zunehme. Ihre Arbeits-, Lohn- und Lebensbedingungen seien zum Teil menschenunwürdig. Im Rahmen einer bundesweiten Ermittlungsaktion auf 61 Baustellen und anderen Objekten seien im Dezember 1992 Stundenlöhne zwischen fünf und acht Mark festgestellt worden.
BONN, 20. Januar (dpa). Die CDU/CSU- Fraktion lehnt die von der SPD und Verbraucherverbänden geforderte allgemeine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel ab, die mit Hilfe der Gentechnik hergestellt werden. Dies diene nicht dem Verbraucherschutz, sondern "gewissen Interessengruppen", die über den Verbraucher, unter Ausnutzung seiner Ängste, ihr politisches Ziel - eine generelle Verhinderung der Anwendung der Gentechnik - über die Hintertür durchsetzen wollen", erklärten ihr forschungspolitischer Sprecher Christian Lenzer und Unionsobmann Erich Maaß am Mittwoch.
Der Bundestag wird sich an diesem Donnerstag mit einem SPD-Antrag befassen, mit dem die Bundesregierung aufgefordert werden soll, für eine eindeutige Kennzeichnungspflicht einzutreten.
Seit dem Inkrafttreten des Gentechnik- Gesetzes von 1991 wurden in Deutschland 594 Anträge auf die Begutachtung neuer gentechnischer Anlagen gestellt. Rund 500 davon haben die Länderbehörden bereits genehmigt.
BONN, 20. Januar (dpa). Das Bundeskabinett hat auf Vorschlag von Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) die Grenzwerte für die hochgiftigen Dioxine und Furane verschärft. Die am Mittwoch beschlossene Verordnung sieht vor allem vor, daß der Grenzwert für das Seveso- Dioxin auf 0,001 Milligramm pro Kilogramm halbiert wird. Dieser Schadstoff steht im Verdacht, Krebs auszulösen und Erbanlagen zu schädigen.
Die Bezeichnung für diese berüchtigte Chemikalie stammt von dem norditalienischen Seveso, wo 1976 bei einem Störfall einige hundert Gramm in die Umwelt gelangten und eine Katastrophe auslösten. Im Blick auf die neuen Vorschriften, die noch vom Bundesrat gebilligt werden müssen, sprach Töpfer von einem "weiteren Baustein zum Schutz des Menschen und der Umwelt". Die Verordnung lege weltweit die niedrigsten Grenzwerte für Dioxine in Stoffen, Vorprodukten und Erzeugnissen fest.
Im einzelnen wird die Zahl der einbezogenen chlorierten Dioxine von bisher acht auf 17 erhöht. Damit werden alle giftigen Substanzen dieser Art erfaßt. Erstmals werden auch Grenzwerte für acht bromierte Dioxine und Furane festgesetzt. Neu eingeführt wird eine Anzeigepflicht für Zwischenprodukte, falls bestimmte Dioxingehalte überschritten werden. Das Ministerium verwies darauf, daß die Industrie bestimmte Herstellungsverfahren entweder ändern oder nicht weiter betreiben darf. In einer Reihe von Bereichen gibt es bereits strenge Dioxin-Vorschriften. So darf im Abgas von Verbrennungsanlagen der Grenzwert von 0,1 Nanogramm (ein Nanogramm entspricht einem milliardstel Gramm) nicht überschritten werden. Auch wurde die Verwendung von chlor- und bromhaltigen Zusätzen in verbleitem Benzin verboten, um eine Dioxinbildung bei der Verbrennung zu vermeiden.
Vor diesem Hintergrund wertete es das Ministerium als positiv, daß sich der Austritt von Dioxin in die Umwelt in den letzten Jahren bereits verringert habe. So sei ein deutlicher Rückgang des Dioxingehalts in der Muttermilch festgestellt worden. Lob für Katalysator
ESSEN (dpa). Der geregelte Drei-Wege- Katalysator ist die beste Technik zur Reduzierung von Schadstoffemissionen - wenn er regelmäßig überwacht, eingestellt und gewartet wird. Das ist das Fazit der "ersten Felduntersuchung der Abgasemissionen in der Bundesrepublik Deutschland", die der Rheinisch-Westfälische Technische Überwachungsverein (Essen) gemeinsam mit dem TÜV Rheinland (Köln) im Auftrag des Berliner Umweltbundesamtes angestellt hat.
Wenn dennoch Grenzwerte überschritten wurden, habe es meist an defekten Zündkabeln, verschmutzten Vergasern und Luftfiltern gelegen.
BONN, 21. Januar (dpa). Die Stillegung und Entsorgung der atomaren Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) wird die Steuerzahler nach SPD-Angaben teuer zu stehen kommen. Der SPD-Abgeordnete Horst Kubatschka sagte jetzt unter Hinweis auf einen Bericht des Bundesforschungsministerium, die Stromunternehmen wollten von der Gesamtsumme von fast zwei Milliarden Mark nur die Hälfte übernehmen. Das übrige Geld müßten der Bund und das Land Baden- Württemberg aufbringen.
Der Abgeordnete befürchtet, daß die 1990 genannte Summe von 1,925 Milliarden Mark noch steigen werde.
LONDON, 20. Januar (AFP). Der ukrainische Preisträger eines 1965 vom BBC World Service veranstalteten literarischen Wettbewerbs ist jetzt, mit 28 Jahren Verspätung, endlich in den Genuß seines Preises gekommen: eines Hin- und Rückfluges nach London. Am Dienstag traf der heute 62jährige Alexej Brasnik in der britischen Hauptstadt ein. 1965 hatte Brasnik dem russischen Nachrichtendienst von BBC einen Aufsatz über "Das Leben in Großbritannien" zugesandt, Thema des damals veranstalteten Wettbewerbs. Obwohl er zum Sieger gekürt wurde, konnte er den Preis nicht in Anspruch nehmen, da die sowjetischen Behörden ihm kein Visum ausstellten.
Justiz
Behinderter
in den USA
JARRATT, 20. Januar (AFP). Ein wegen Mordes zum Tode verurteilter behinderter Mann ist am Dienstag abend in den Vereinigten Staaten auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet worden.
Wie Korrespondenten berichteten, stützten Gefängnisaufseher den 39jährigen Charles Stamper, der seit einer gewaltsamen Auseinandersetzung im Gefängnis von der Hüfte abwärts gelähmt war, bei den letzten Schritten. Stamper hatte vierzehn Jahre auf seine Hinrichtung gewartet. Er hatte darauf bestanden, seinen letzten Gang nicht im Rollstuhl anzutreten.
Er hatte sich stets für unschuldig erklärt. Ein letzter Einspruch war kurz zuvor von einem Gericht verworfen worden.
Stamper war für schuldig befunden worden, im März 1978 drei Arbeitskollegen in einem Restaurant in Richmond erschossen zu haben. Er ist der 190. zum Tode verurteilte Häftling, der seit der Wiederzulassung der Todesstrafe in den USA 1976 hingerichtet wurde, jedoch der erste Behinderte.
LONDON, 20. Januar (AFP). Der irakische Staatspräsident Saddam Hussein ist am Dienstag abend erstmals in einem Werbespot der anglikanischen Kirche "aufgetreten". Wie die Tageszeitung The Times am Mittwoch berichtete, besteht die von der Diözese von Lichfield in Auftrag gegebene Werbesendung aus mehreren bedrückenden Fotografien, denen jeweils die Frage "Warum?" folgt. James McCobb von der verantwortlichen Werbeagentur Cogent sagte, der Spot wolle "versuchen, Gott wieder auf die Tagesordnung zu bringen". Zum Auftritt Saddam Husseins sagte er: "Wir suchten ein Symbol, daß schnell mit der weltweiten Zwietracht in Verbindung gebracht wird."
LEIPZIG/BONN, 20. Januar (AFP/AP). Der Amtswechsel im Weißen Haus wird nach Ansicht von Außenminister Klaus Kinkel (FDP) keine grundlegenden Veränderungen im deutsch-amerikanischen Verhältnis zur Folge haben. Die transatlantische Partnerschaft werde für beide Seiten weiter "die Bedeutung behalten, die sie in der Vergangenheit hatte", sagte Kinkel am Mittwoch im Mitteldeutschen Rundfunk. Eine "transatlantische Partnerschaft neuen Typs" erhofft sich der SPD- Vorsitzende Björn Engholm vom neuen US-Präsidenten. "Wir unterstützen die von Ihnen und Ihrer Administration angestrebte Stärkung der Vereinten Nationen", heißt es in einem Schreiben an Clinton.
Kurz gemeldet: Bonn sagt Äthiopien Hilfe zu
BONN, 20. Januar (AFP). Die Bundesregierung hat Äthiopien Finanzhilfen in Höhe von 25 Millionen Mark zugesagt. Mit dem Geld sollen dringend benötigte Ersatzteile und Rohstoffe für die äthiopische Privatindustrie beschafft werden. PLO-Diplomat flüchtet aus Paris PARIS, 20. Januar (AFP). Aus Furcht vor einem Anschlag radikaler Palästinenser hat der Ständige Vertreter der PLO in Frankreich, Ibrahim Souss, Ende der vergangenen Woche Frankreich mit unbekanntem Ziel verlassen. Thatcher ermuntert Dänen zu Nein KOPENHAGEN, 20. Januar (AP). Die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher hat die Dänen zu einem erneuten Nein zum Vertrag von Maastricht aufgerufen. Tschechen wählen Präsidenten PRAG, 20. Januar (Reuter). Die Wahl des Präsidenten der Tschechischen Republik soll am kommenden Dienstag stattfinden. Aussichtsreichster Kandidat der drei Bewerber ist der von der Regierungskoalition nominierte Ex-Staatschef der CSFR, Vaclav Havel. Tschechen und Slowaken UN-Mitglieder NEW YORK, 20. Januar (AP). Die Tschechische und die Slowakische Republik sind als neue Mitglieder in die Vereinten Nationen aufgenommen worden. Die Zahl der Mitgliedsstaaten der Weltgemeinschaft erhöhte sich damit auf 180. EG-Mitarbeiter in Uganda freigelassen KAMPALA, 20. Januar (dpa). Zwei Mitarbeiter eines EG-Entwicklungsvorhabens, die vor zwei Wochen in Uganda von Rebellen entführt worden waren, sind wieder frei. Die beiden Männer sind nach offiziellen Angaben gesund und in der Geiselhaft nicht mißhandelt worden.
MANAGUA, 21. Januar (AFP). Bei Gefechten in Nordnicaragua zwischen früheren Contra-Rebellen und Regierungstruppen sind im vergangenen Monat 40 Menschen umgekommen und 32 verletzt worden. Die sogenannten Recontras hätten den Bürgermeister von El Salto, José Reyes, vom konservativen Koalitionslager UNO getötet, sagte Militärsprecher Milton Sandoval in Managua.
Die Armee habe mit ihrer am 22. Dezember begonnenen Offensive gegen die Rebellen deren Plan vereitelt, Ziele im Innern Nicaraguas anzugreifen, erläuterte Sandoval. Man habe die Recontras zur Rückkehr in ihre Enklave in der Berggegend von Nueva Segovia gezwungen.
Nach Angaben der nicaraguanischen Zeitung La Prensa verfügt die an der Grenze zu Honduras operierende Rebellengruppe "Nordfront 3-80" über mindestens zwölf Luftabwehrraketen vom Typ "Red Eye", die die USA an die Contras lieferten, als diese in den 80er Jahren gegen die Sandinisten kämpften.
ADELAIDE, 20. Januar (AFP). Australische Wissenschaftler haben am Mittwoch mit der Untersuchung von Materialproben eines rätselhaften, fußballgroßen Kugelkörpers begonnen, der am Dienstag nahe der südaustralischen Stadt Adelaide eingeschlagen war. Die Einschlagstelle liegt auf dem Gelände des Kamelbesitzers Rex Ellis, der dort für Touristen Ausritte mit Kamelen anbietet. Nach den Schilderungen von Ellis glühte der nicht identifizierte Kugelkörper noch zwanzig Minuten, nachdem er offenbar aus dem All niedergegangen war.
Der Meteoriten-Experte Allen Pring vom Südaustralischen Museum sagte nach ersten Untersuchungen, es handle sich um geschmolzenes Glas oder Keramik, das von kleinen Eisenstücken durchsetzt sei. "Es sind ganz gewöhnliche Materialien, nicht gerade extra-terrestrisch", fügte Pring hinzu.
WASHINGTON, 20. Januar (AFP). Die Lage der Menschenrechte in Lateinamerika hat sich nach Erkenntnissen des US- Außenministeriums im vergangenen Jahr verbessert. Zahlreiche Länder, insbesondere Haiti, wiesen jedoch nach wie vor die diktatorischen Züge der Vergangenheit auf. Dort verübten die Sicherheitskräfte schwere Menschenrechtsverletzungen, heißt es in dem am Dienstag vorgelegten Jahresbericht, der auf Berichten der US-Botschaften beruht.
Auch in Mexiko seien weiterhin Verbrechen und Folterungen seitens der Polizei vorgekommen, heißt es. In Peru macht der Bericht die Untergrundorganisation Leuchtender Pfad (Sendero Luminoso) für die gravierendsten Verstöße verantwortlich. In Venezuela ließen sich dem Bericht zufolge die Sicherheitskräfte bei der Niederschlagung zweier Putschversuche Übergriffe zuschulden kommen.
In El Salvador gab es 1992 dem Bericht zufolge erstmals keine amtlich bestätigten Morde durch die Todesschwadronen.
Das einzige Land, in dem sich die Lage laut US-Außenministerium "erheblich verschlechtert" hat, ist Kuba. Dort habe die Verfolgung von Bürgerrechtlern und Dissidenten massiv zugenommen.
BONN, 20. Januar (AFP/FR). Die Sparpläne der Bonner Koalitionsspitzen zur Finanzierung des Nachtragshaushaltes sind bei der Opposition und den Gewerkschaften, aber auch in Teilen der Koalition auf scharfe Kritik gestoßen. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine warf der Regierung am Mittwoch vor, ihr fehle "völlig" das soziale Gewissen. Mit den geplanten Steuererhöhungen, drastischen Einschnitten im sozialen Bereich sowie dem Abbau von Subventionen werde die jetzt schon bestehende soziale Schieflage weiter verschärft, sagte Lafontaine, der auch Verhandlungsführer der SPD für den sogenannten Solidarpakt zur Finanzierung des Aufbaus Ost ist. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Peter Struck, bezeichnete die geplanten Kürzungen bei Sozialleistungen und Arbeitslosenunterstützung als "Schweinerei", die von der SPD spätestens im Bundesrat gestoppt werde. Mehrere SPD-Politiker forderten eine Ergänzungsabgabe für Besserverdienende und eine Arbeitsmarktabgabe für Beamte und Selbständige.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund sprach von einem "Abgrund an Ungerechtigkeit". Pauschale Kürzungen bei der Arbeitslosenunterstützung vernachlässigten "sträflich die Prinzipien von Gerechtigkeit und Solidarität". Die meisten Arbeitslosen müßten bereits jetzt mit weniger als der Hälfte ihrer bisherigen Nettobezüge auskommen. Die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr wies das Sparpaket als "unsolidarisch" zurück. Der Deutsche Beamtenbund monierte, der öffentliche Dienst werde "überproportional belastet". Der Chef der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft, Roland Issen, warnte, die bestehende "Gerechtigkeitslücke" bei der Finanzierung der Einheit werde noch vergrößert.
Auf Anregung der Sozialpolitiker aus der Union schraubte die Koalitionsspitze bei familienpolitischen Leistungen ihre angepeilten Kürzungen vom Vortag zurück. Demzufolge wird beim Kindergeld keine Einkommensgrenze eingeführt. Es soll wie bislang weitergezahlt werden. Auch beim Erziehungsgeld soll eine Einkommensgrenze nicht schon ab dem ersten Monat, sondern - wie bislang - ab dem siebten Monat gelten. Allerdings wird das monatliche Erziehungsgeld von 600 auf 550 Mark zusammengestrichen.
Ostdeutsche CDU-Abgeordnete forderten eine Milliarde Mark mehr für die neuen Länder, als das Sparpaket bislang vorsieht. Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) sagte dazu am Abend, es wäre zwar "wünschenswert", den Ost- Ländern mehr Geld zu geben, er sehe hierfür aber "keinen Spielraum". Thüringens Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) kündigte an, die Ost-Länder würden sich nicht mit den in Aussicht gestellten Geldern zufriedengeben.
Mit nur einer Gegenstimme bei der FDP und 14 Gegenstimmen bei der CDU/ CSU billigten die Bundestagsfraktionen der Koalition am Mittwoch abend dasüberarbeitete Sparkonzept. Finanzminister Waigel (CSU) will die Sparpläne heute der Bundesbank vorlegen.
(Weiterer Bericht Seite 3)
WASHINGTON, 20. Januar (paa/AFP/AP). Nach zwölf Jahren konservativer Herrschaft hat Bill Clinton von der Demokratischen Partei am Mittwoch den Eid auf die Verfassung der Vereinigten Staaten abgelegt und damit offiziell als 42. Präsident der USA die Macht im Weißen Haus übernommen. Clinton hatte bei den Wahlen vom November den Amtsinhaber George Bush von der Republikanischen Partei geschlagen. Der erste US-Präsident, der nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurde, sagte, eine Zeit amerikanischer Erneuerung habe begonnen.
In seiner 15minütigen Antrittsrede nach der Vereidigung versprach Clinton den Zehntausenden vor dem Kapitol und den Millionen vor den Bildschirmen wirtschaftliche und politische Reformen, die Aufrechterhaltung der amerikanischen Führungsrolle in der Welt, und er forderte seine Landsleute auf, zur Bewahrung der amerikanischen Ideale auch persönliche Opfer auf sich zu nehmen. Weiter sagte er: "Um Amerika zu erneuern, müssen wir unsere Demokratie neu beleben".
In Anlehnung an die Wahlkampfthemen des unterlegenen unabhängigen Präsidentschaftskandidaten Ross Perot versprach er, daß "Macht und Privilegien" den Willen der Bevölkerung nicht länger unterdrücken dürften. "Wir müssen die Hauptstadt den Bürgern zurückgeben", rief Clinton. In Anspielung an einen von seiner Administration geplanten sozialen Dienst im Austausch für freie Ausbildungsfinanzierung forderte der Präsident die "neue Generation" zu einer "Saison des Dienstes" für Amerika auf. Wie im Wahlkampf so standen die Schlagworte vom "Wandel" und "Neubeginn" auch im Zentrum seiner Antrittsrede. Es sei jetzt, so Clinton, "Zeit für den dramatischen Wandel", den Gründervater Thomas Jefferson hin und wieder nötig gehalten habe: "Es gibt nichts, was in Amerika schlecht ist, das nicht durch etwas Gutes in Amerika kuriert werden könnte."
Am Dienstag hatte Clinton noch eine Reihe bedeutender Regierungsposten besetzt. Zugleich hatte der Senat sechs der von ihm vorgeschlagenen Minister bestätigt. Clinton schuf unter anderem den neuen Posten eines ranghohen Beraters für den globalen Umweltschutz sowie für Menschenrechte und Flüchtlingsfragen. Hierfür wurde Tim Wirth vorgeschlagen, ein liberaler ehemaliger Senator aus Colorado, der sich vor allem im ökologischen Bereich engagiert hat.
Zur Zeremonie nach der Vereidigung, die von 6000 Polizisten geschützt wurde, gehörten neben Clintons Antrittsrede ein Essen im Kongreß und dann die große Parade vom Kapitol zum Weißen Haus. Den Abschluß sollten in der Nacht elf Bälle bilden, die Clinton alle kurz besuchen wollte. Die Kosten der Feierlichkeiten wurden auf 30 Millionen Dollar (49 Millionen Mark) beziffert. Sie sollen von Sponsoren bezahlt werden. Moskau betont Kontinuität
MOSKAU/BONN (dpa). Rußlands Präsident Boris Jelzin hofft auf eine reibungslose Fortsetzung der Beziehungen zwischen Rußland und den USA. Das Verhältnis solle auf der Grundlage fortgesetzt werden, die in Bushs Amtszeit geschaffen worden sei.
Auch aus Bonn erhielt Clinton am Mittwoch erste Glückwünsche. Bundespräsident Richard von Weizsäcker versicherte, Deutschland werde dem neuen US-Präsidenten "in verläßlicher Partnerschaft und Freundschaft verbunden sein". Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) schrieb in einem Telegramm, gemeinsam mit den USA und den anderen Verbündeten werde sich die Bundesrepublik den "neuen Herausforderungen in einer veränderten Welt" stellen. Auch er äußerte sein Interesse an einem baldigen Treffen.
(Kommentar Seite 3)
COTTBUS, 21. Januar (AFP/D). Das Kreisgericht Lübben hat am Dienstag eine 22jährige Frau wegen schwerer Brandstiftung an einem Asylbewerberheim zu einer zweieinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Eine 21jährige Mitangeklagte wurde zu einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung verurteilt. Bei dem Brandanschlag im Juli 1992 hatten die Frauen zwei selbstgebastelte Brandsätze gegen die Eingangstüren des Heimes geworfen, die dabei in Brand gerieten. Es war niemand verletzt worden.
Die Frauen, von denen eine nach eigenen Angaben der inzwischen verbotenen rechtsradikalen "Deutschen Alternative" angehörte, hatten die Tat gestanden und als Motiv "Abenteuerlust" angegeben. Die Jüngere stand zur Tatzeit unter Alkoholeinfluß.Griechenland protestiert
ATHEN, 21. Januar (AFP). Griechenland hat beim dänischen Botschafter in Athen offiziell gegen die Kritik des dänischen Außenministers Uffe Ellemann- Jensen an der Haltung Griechenlands in der Mazedonien-Frage protestiert. Dies wurde am Mittwoch abend in Athen von offizieller Seite mitgeteilt. Ferner sei der griechische Botschafter in Dänemark angewiesen worden, bei der dänischen Regierung Protest einzulegen.
Der dänische Außenminister und derzeitige EG-Ratspräsident hatte vor dem Europaparlament erklärt, Griechenland verhalte sich "völlig irrational", und er "schäme" sich für Griechenland. Auf Druck Griechenlands hin hatten sich die EG-Mitglieder im vergangenen Jahr darauf verständigt, Mazedonien nur anzuerkennen, wenn die ehemalige jugoslawische Teilrepublik ihren Staatsnamen ändere. GIESSEN / FULDA, 20. Januar (lhe). Auf ein neues Fasergutachten und die Aussage einer Zeugin stützt sich ein Wiederaufnahmeantrag im Mordfall Monika Weimar. Die Staatsanwaltschaft in Gießen teilte am Mittwoch mit, in den nächsten Tagen werde der Antrag an das Landgericht Gießen weitergeleitet. Das Magazin stern berichtet, Weimar-Verteidiger Gerhard Strate (Hamburg) begründe seinen Antrag auf ein neues Verfahren mit einem Gutachten eines Hamburger Textiltechnologen.
Die ehemalige Kinderpflegerin aus Philippsthal (Kreis Hersfeld-Rotenburg) war im Januar 1988 vom Landgericht Fulda zu lebenslanger Haft wegen der Ermordung ihrer Töchter Melanie (7) und Karola (5) verurteilt worden.
Für ein neues Verfahren führt Strate auch die beeidete Aussage einer Zeugin an, der der Ex-Ehemann Reinhard Weimar (40) nach dem Urteil die Morde gestanden haben soll. In dem Verfahren hatten sich beide Elternteile gegenseitig beschuldigt.
GIESSEN, 20. Januar (lhe). Zwei Schwerverletzte und 60 000 Mark Schaden waren die Folge eines Zusammenstoßes von einem Taxi und einem Feuerwehrauto am frühen Mittwoch morgen in Gießen. Das Feuerwehrfahrzeug war laut Polizeibericht mit Blaulicht und Sirene bei "Rot" über eine Kreuzung in der Gießener Innenstadt gefahren, als aus einer Querstraße das Taxi auf die Kreuzung fuhr. Die Droschke sei mit solcher Wucht gegen den Löschwagen gestoßen, daß der umgeworfen wurde. Beide Fahrer wurden mit schweren Verletzungen in Gießener Krankenhäuser gebracht.
Die BHF-Bank will einen wesentlichen Teil ihrer Frankfurter Aktivitäten nach Offenbach verlagern. Für 150 Millionen Mark baut das hauptsächlich im Firmenkundengeschäft tätige Institut bis Ende 1994 ein neues technisches Zentrum am Offenbacher Kaiserlei. Wie einer der Geschäftsinhaber, Wulf von Schimmelmann, mitteilte, bleibt die Zentrale der Berliner Handels- und Frankfurter Bank allerdings in Frankfurt.
Die BHF-Bank, in Frankfurt auf zehn verschiedene Adressen verteilt, wird in Offenbach in einem siebenstöckigen Gebäude die Abteilungen internationaler Zahlungsverkehr, Effekten- und Devisenverkehr sowie Controlling und Rechnungswesen konzentrieren. 700 Mitarbeiter sollen umgesetzt werden. Mit einer Bilanzsumme von 46 Milliarden Mark 1992 gehört das Institut nach eigenen Angaben zu den zehn größten Geschäftsbanken in Deutschland.
Für den Offenbacher Stadtkämmerer, Gerd Grandke, ist die Neuansiedlung Beweis für die Attraktivität des neuen Dienstleistungszentrums Kaiserlei. Neben der BHF-Bank und der Landesversicherungsanstalt werden sich hier nach den bisherigen Plänen noch zwei andere Banken mit ihren Rechenzentren ansiedeln, teilte Grandke mit. Während in Frankfurt die Büromiete zwischen 60 und 80 Mark pro Quadratmeter liege, seien in Offenbach etwa 30 Mark zu zahlen. lhe
WIESBADEN. Verkehrsminister Ernst Welteke (SPD) will noch vor Ablauf der Legislaturperiode des Landtags im Frühjahr 1995 einen Gesetzentwurf zur Organisation des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Hessen vorlegen. Dazu will er indes die Vorstellungen des Bundes über die ÖPNV-Struktur, die Zuordnung von Zuständigkeiten und zur Finanzierung regionaler Verkehrsverbunde abwarten.
Ein ÖPNV-Gesetz dürfe sich nicht auf die Regelung des Nahverkehrs auf Schiene und Straße beschränken, sondern müsse auch Vorschriften zur Verminderung und Vermeidung von Verkehr enthalten, sagte der Minister in Wiesbaden. Zur Entlastung der Städte vom motorisierten Individualverkehr befürwortete Welteke sogar die Möglichkeit einer von den Kommunen zu erhebenden "Maut" für die Fahrt mit dem eigenen Auto in die Innenstadt.
Den von der FDP vorgelegten ÖPNV- Gesetzentwurf, der Beifall auch bei der Regierungskoalition von SPD und Grünen gefunden hatte, bezeichnete Welteke als unseriös. Die grundsätzliche Bereitschaft der FDP, sich nach jahrelangem Zögern nun doch für eine Stärkung des ÖPNV einsetzen zu wollen, sei begrüßenswert.
Der FDP-Entwurf scheitere aber an den unausgereiften Vorstellungen der Partei, ob die Sicherung eines attraktiven Nahverkehrs den Kommunen zur freiwilligen oder zur Pflichtaufgabe gemacht werden solle. lhe
OFFENBACH. Darmstädter Staatsanwälte haben am Mittwoch im Zusammenhang mit Bestechungsvorwürfen das Tiefbauamt der Stadt Offenbach und zwei Frankfurter Baufirmen durchsucht. Bei der Vergabe von mindestens zwei Bauaufträgen für die Offenbacher S- Bahn-Linie über insgesamt neun Millionen Mark sei es zu "Unregelmäßigkeiten" gekommen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Verbindungen zur südhessischen Korruptionsaffäre bestünden nicht, der Hinweis auf den Fall sei aus Offenbach gekommen.
In den vergangenen Wochen hatte die Staatsanwaltschaft Darmstadt bereits die Bauämter von Bensheim (Kreis Bergstraße), Groß-Zimmern (Kreis Darmstadt- Dieburg) und Bischofsheim (Kreis Groß- Gerau) sowie mehrere Baufirmen durchsucht. Einige städtische Bedienstete sitzen seitdem in Untersuchungshaft. lhe
OFFENBACH. Darmstädter Staatsanwälte haben am Mittwoch das Tiefbauamt der Stadt Offenbach und zwei Frankfurter Firmen durchsucht.
Bei der Vergabe von mindestens zwei Bauaufträgen für die Offenbacher S- Bahn-Linie über insgesamt neun Millionen Mark sei es zu "Unregelmäßigkeiten" gekommen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Nach Angaben der Stadt Offenbach gab es im Rathaus keine Festnahmen. Bürgermeister Klaus Bodensohn sagte, er selbst habe die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, nachdem verwaltungsintern Hinweise auf mögliche Manipulationen festgestellt worden seien: "Zur Zeit gibt es jedoch keinen Anhaltspunkt, daß städtische Bedienstete in diese möglichen Manipulationen verwickelt sind."
Verbindungen zur Korruptionsaffäre in den Kreisen Bergstraße, Darmstadt-Dieburg und Groß-Gerau bestehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht. lhe
Solidarpakt "Streichkonzert" ohne SPD
BONN, 20. Januar (Reuter/dpa/AFP). Die Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und FDP wollen am Mittwoch über das Konzept des Solidarpakts entscheiden, auf das sich die führenden Vertreter der Regierungskoalition verständigt haben. Die SPD lehnt eine Zustimmung zu dem "skandalösen Streichkonzert" im Sozialbereich ab. Zur Bewältigung der DDR-Altlasten und zur Finanzierung des Nachtragshaushaltes 1993 will die Regierung unter anderem Sozialleistungen kürzen, Steuern erhöhen und ab 1995 den Solidaritätszuschlag wieder einführen. Bundeskanzler Helmut Kohl forderte SPD-Opposition, Tarifparteien und Länder auf, die Beschlüsse der Koalition über den Solidarpakt unvoreingenommen zu prüfen.
Eine Zustimmung der Regierungsfraktionen gilt als sicher, auch wenn in der Union Kritik laut wurde. Vor allem die geplanten Kindergeld-Kürzungen werden von vielen Abgeordneten moniert.
Die Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ingrid Matthäus-Maier, hat die Koalitions-Vereinbarungen scharf kritisiert. Die Sparmaßnahmen seien ungerecht verteilt, sagte sie am Mittwoch morgen im Deutschlandfunk und bekräftigte die Forderung ihrer Partei nach einer stärkeren Einbeziehung der Besserverdienenden in den geplanten Solidarpakt. Im Sat 1-Frühstücksfernsehen sagte sie, die beabsichtigten Kürzungen bei den Zuschüssen für Familien seien möglicherweise verfassungswidrig.
Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine betonte, daß es "ohne eine Beseitigung der sozialen Schieflage" bei der Finanzierung der Einheit mit seiner Partei keinen Solidarpakt geben werde. In der Bild-Zeitung bekräftigte er die SPD-Forderungen nach einer Arbeitsmarktabgabe für Beamte und Selbständige sowie nach einer Ergänzungsabgabe für Besserverdienende. (Kommentar S. 3)
Die Staatsanwaltschaft sucht 500 Millionen Mark. Um diese Summe soll die Treuhandanstalt bei der Privatisierung der Agrotechnik Leipzig geprellt worden sein. Nun will die Breuel-Behörde das Unternehmen zurückhaben. Irgendwann muß es dann wieder neu ausgeschrieben werden. Wertvolle Zeit vergeht.
Die Agrotechnik ist das bislang krasseste Beispiel für eine Welle von Betrügereien in Ostdeutschland. Auch aus dem einmal im nordsächsischen Lauta geplanten Recyclingpark - kurzzeitig geisterte er als einer der größten Investitionen in Ostdeutschland durch die Medien - wird nichts. Der Investor blieb den Kaufpreis schuldig.
Dieser Fall hatte am 20. Februar 1991 begonnen. Damals erwarb das Familienunternehmen Sommer Metallwerke aus Bayern von der Treuhand ein 211 Hektar großes Gelände in dem sächsischen Ort. Mit Investitionen von rund einer Milliarde Mark sollte ein Werk für die Aufbereitung von Autowracks, Haushaltsgeräten und Altreifen entstehen. Die eigens dafür gegründete Tochter Sommer Recycling (SRL) versprach, an die 800 Arbeitsplätze zu schaffen.
Doch außer einem undurchsichtigen Verwirrspiel um den Verkauf von Gesellschafteranteilen und Firmenumbenennungen ist in Lauta nichts geschehen. Nachdem der Kaufpreis für das Grundstück auch am letztmöglichen Termin Mitte November nicht in Berlin eingegangen war, ordnete die Anstalt die "Rückabwicklung" an - Ende des angeblichen Projektes Recyclingpark.
Nach den Worten von Karl Heinz Starosta war das "Glück im Unglück" für die Stadt. Starosta ist Beauftragter des Treuhand-Liquidators der Lautawerke, zu denen das 211 Hektar große Terrain für den angeblichen Entsorgungspark gehörte. Nach seinen Erkenntnissen wollten die Bayern die Immobilie schon im Dezember 1991 ausschlachten. "Mehr als die Hälfte des Geländes sowie Gebäude und 60 Werkswohnungen sollten herausgelöst und einer neuen Gesellschaft zugeschlagen werden", berichtet er. 40 Millionen Mark hätten sich auf diese Weise abkassieren lassen. Nur aufgrund glücklicher Umstände seien die mysteriösen Geschäfte in die Hose gegangen.
Über Betrügereien können die Breuel- Leute lange Storys erzählen. Bei einer steht die Leipziger Verlagsgesellschaft im Mittelpunkt. Vor der Privatisierung im Rahmen eines Management-Buy-Out hatten die beiden Geschäftsführer einen beträchtlichen Teil des Nachlasses des Dichters Josef Roth sowie eine Sammlung von 120 Originalgrafiken deutscher Expressionisten verkauft, ohne das der Treuhand mitzuteilen. Strafanzeige wegen Untreue und Rücknahme des Unternehmens waren auch hier die Folge. Beim Verkauf der Agrotechnik Leipzig an eine Hamburger Firma geht es um 500 Millionen Mark. Der Erwerber belieh Grundstücke, ohne vorher bezahlt zu haben. Auch hier folgten Strafanzeige und "Rückabwicklung". Schwerer als der materielle Verlust wiegt für Treuhandsprecher Franz Wauschkuhn jedoch ein "immaterieller Schaden". So habe die Agrotechnik, die sich am Markt bewähren sollte, Zeit für Rationalisierung und Umstellung auf das neue Wettbewerbsumfeld verloren.
Die Leute in Lauta schöpfen dagegen neue Hoffnung. "Zehn Investoren haben wir innerhalb der letzten vier Wochen gefunden", berichtet Bürgermeister Rainer Rischer. So wollten die Selmer Entsorgungsfirma Rethmann, die Duisburger Sachtleben Chemie und eine Thyssen- Tochter 120 Arbeitsplätze schaffen. Allerdings - "die laufen uns aber wieder weg, wenn hier nichts passiert". Denn die Hoffnung auf eine schnelle Räumung des Geländes blieb bisher unerfüllt. Die geforderte Herausgabe der Schlüssel habe die SRL mit einem Hausverbot für Liquidator Rüdiger Mocker beantwortet, berichtet Starosta. Jetzt soll eine Klage des Lautawerks beim Landgericht Berlin die Dinge in Fluß bringen. "Doch vor Ende März ist da auch kein Ergebnis abzusehen." rtr)
DORTMUND (rtr/FR). Die Immobilienholding Harpener hat ihre Mehrheitsbeteiligung an der Deutsch-Schweizerischen Bank verkauft. Dieser Schritt war seit längerem geplant gewesen. Das Geldinstitut schrieb zuletzt rote Zahlen.
Der Harpener-Anteil von 75 Prozent an der Bank (Bilanzsumme etwa 230 Millionen Mark) sei von einer kasachisch-türkischen Käufergemeinschaft übernommen worden, teilt die Ex-Bergwerksgesellschaft in Dortmund mit. Über den Kaufpreis macht sie keine Angaben.
Im einzelnen ging das Geschäft wie folgt über die Bühne: Die Alem Bank-Kasachstan sicherte sich 40 Prozent an der Deutsch-Schweizerischen Bank; die übrigen 35 Prozent aus dem Harpener-Paket erwarb eine türkische Gruppe, die aus der Plus Communications & Technology in London und dem Unternehmer Ahmet Özal besteht. Bei letzterem handelt es sich um den Sohn des türkischen Staatspräsidenten. Mit dem Erwerb verfolgten die Käufer das Ziel, ihre geschäftlichen Beziehungen nach Deutschland auszubauen. Die Alem Bank wickelt 75 Prozent aller Import-Export-Transaktionen der Republik Kasachstan ab.
Harpener war in den vergangenen Jahren wiederholt wegen der dubiosen Machenschaften ihres Ex-Hauptaktionärs Werner Rey in die Schlagzeilen geraten. Geschäfte mit anderen Firmen aus dem Reich des Finanzjongleurs hatten Harpener schwer angeschlagen.
ANKARA, 20. Januar (Reuter). Kurdische Rebellen haben nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Anatolien bei einem Überfall vier türkische Soldaten getötet und sechs verwundet. Die Agentur berichtete am Mittwoch, Mitglieder der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) hätten am Vortag im Südosten des Landes zwei Militärfahrzeuge mit Maschinengewehren angegriffen. Seit Beginn des Unabhängigkeitskampfes der PKK im Jahre 1984 sind über 5400 Menschen umgekommen.Feuer auf Flugzeugträger
MOSKAU, 20. Januar (Reuter). Auf dem russischen Flugzeugträger "Noworossiisk" im Hafen von Wladiwostok ist in der Nacht zum Mittwoch ein schwerer Brand ausgebrochen, der jedoch gelöscht werden konnte. Die Nachrichtenagentur RIA zitierte einen Sprecher der russischen Pazifikflotte mit den Worten, nur durch das sofortige Eintreffen von Löschmannschaften und das gezielte Eingreifen der Besatzung sei eine "größere Katastrophe" verhindert worden. Das Feuer sei eventuell durch einen Fehler im Treibstoffsystem ausgelöst worden.
BONN (rtr/dpa). Die Verfolgung von Straftaten im Zusammenhang mit der deutschen Währungsunion soll vereinfacht und zentralisiert werden. Das sieht ein vom Kabinett verabschiedeter Gesetzentwurf des Bonner Finanzministeriums vor. Das gesamte Verfahren zur Rückforderung illegal umgetauschter Gelder soll von den Kreditinstituten abgezogen und auf das Bundesamt für Finanzen übertragen werden. Die bisherige Praxis sei "administrativ nicht sachgerecht", heißt es in dem Entwurf.
Die Prüfbehörde Währungsumstellung soll in das Bundesamt eingegliedert und mit mehr Kompetenzen ausgestattet werden. Damit einhergehend will der Gesetzgeber die Geldinstitute dazu verpflichten, der Behörde Einsicht in Unterlagen zu gewähren. Das soll für Konten gelten, die zwischen dem 1. Januar 1990 und der Währungsumstellung Zu- oder Abgänge von mindestens 200 000 DDR-Mark aufweisen oder die nach dem 1. Januar vor drei Jahren neu eingerichtet wurden und auf denen nach der Umstellung mehr als 250 000 D-Mark lagen. Das Haus Waigel weiß von zahlreichen Fällen rechtswidriger Bereicherung beim Übergang von der DDR-Währung auf die D-Mark.
Aufgespießt
",Der Bundesminister der Finanzen&rquote; wird nach dem Willen der Bundesregierung sein Geschlecht verlieren." Anfang einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters zum Beschluß des Bonner Kabinetts, die Ministerien künftig amtlich mit "Das Ministeri- um . . ." statt wie bisher mit "Der Minister . . ." zu bezeichnen.
FRANKFURT A. M. (FR). Der Solidarpakt hat die Hoffnungen auf eine baldige Zinssenkung wieder gesenkt und damit auch die Stimmung an den bundesdeutschen Aktienmärkten gedrückt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) konnte seine freundliche Anfangstendenz nicht halten. Er sank um 3,95 Punkte und schloß nahe seinem Tagestief von 1572 Zählern. Vorübergehend war er bis auf 1587,87 Einheiten geklettert.
Angesichts der hohen Neuverschuldung des Bundes werde die Bundesbank "wohl kaum" einen Anlaß für Zinssenkungen sehen, sagte ein Börsianer. In den vergangenen Tagen waren entsprechende Hoffnungen als Motor für den Aufwärtstrend genannt worden. Heute tagt der Zentralbankrat der Währungshüter in Frankfurt.
Für den Rest der Woche wird mit einem ruhigen Geschäft gerechnet. Eine Fortsetzung der Konsolidierung bis auf einen Stand des Dax von 1560 Punkten schließen viele Experten nicht aus.
Die Autoaktien gehörten zu den wenigen Papieren, die Zuwächse verbuchten. BMW kletterten um zwei und Daimler um eine Mark. Hingegen gaben VW geringfügig nach.
Von den Finanzwerten stiegen Commerzbank um 1,50 Mark. Deutsche fielen um 6,80 und Dresdner notierten unverändert.
Am Rentenmarkt zeigte die Entwicklung abwärts. Die Kurse der öffentlichen Anleihen wurden um bis zu 0,30 Mark zurückgenommen. Die Durchschnittsrendite stieg auf 6,96 (6,93) Prozent. Die Bundesbank kaufte Titel im Nennwert von 70,8 Millionen Mark.
KARLSRUHE, 20. Januar (Reuter). Der Bundesgerichtshof (BGH) hat jetzt einige Klauseln in Formular-Mietverträgen für unwirksam erklärt und damit die Rechte der Mieter gestärkt. In der am Mittwoch in Karlsruhe verkündeten Entscheidung geht es um das Halten von Haustieren, die Verteilung der Nebenkosten und um das Verschließen von Dübellöchern beim Auszug des Mieters (Aktenzeichen: VIII ZR 10/92).
Die Bundesrichter in Karlsruhe erklärten die in Formularmietverträgen häufig verwendete Klausel "Das Halten von Haustieren ist unzulässig" für unwirksam, weil ein solches totales Verbot auch solche Tiere erfassen würde, die - wie etwa Zierfische - die Beziehungen zwischen Mieter und Vermieter in keiner Weise beeinflussen könnten. Nicht mehr verwendet werden darf künftig auch die Klausel, wonach "bei Beendigung des Mietverhältnisses Dübeleinsätze zu entfernen, Löcher ordnungsgemäß und unkenntlich zu verschließen und durchbohrte Kacheln durch gleichartige zu ersetzen sind".
Für unwirksam erklärten die Richter auch die Klausel, wonach der Vermieter für die Umlegung der Betriebskosten bei fehlender Vereinbarung eines Verteilerschlüssels einen "geeigneten" Umlegungsmaßstab bestimmen kann. Heiz- und Warmwasserkosten dürfen nur nach der Heizkostenverordnung aus dem Jahr 1981 abgerechnet werden.
WASHINGTON, 20. Januar (Reuter). Rußlands Außenminister Andrej Kosyrew hat am Mittwoch angeboten, sein Land wolle im Golf-Konflikt vermitteln. Zugleich verlangte er von Irak, alle Resolutionen der Vereinten Nationen (UN) einzuhalten.
Irak gestattete den UN wieder Direktflüge in das Land und kündigte an, daß Flugzeuge der Alliierten nicht länger angegriffen werden. Frankreichs UN-Botschafter Jean-Bernhard Merimee sagte, die Krise sei vorbei. Der US-Angriff auf eine Fabrik bei Bagdad vom Sonntag war nach Ansicht Frankreichs nicht durch UN-Resolutionen gedeckt.
Kosyrew sagte in Minsk, Irak müsse sich für die Einhaltung aller UN-Resolutionen entscheiden. Er drängte die Regierung in Bagdad, die Botschaft der Militärschläge der vergangenen Woche ernst zu nehmen. Das Vorgehen gegen Irak dürfe nicht als Verschwörung gegen die Einheit des Landes oder seine Zivilbevölkerung mißverstanden werden.
Die Forderungen der Vereinten Nationen an Irak nannte Kosyrew umfangreich, aber nicht überzogen. Rußland habe versucht, Irak zur Einhaltung der Resolutionen zu bewegen und stehe weiter in Kontakt mit der Regierung in Bagdad. Es sei bereit, zwischen Irak und der internationalen Staaten-Gemeinschaft zu vermitteln.
Weitere Zwischenfälle wurden aus den umstrittenen Schutzzonen für die irakischen Kurden im Norden und die Schiiten im Süden des Landes nicht gemeldet. (Weiterer Bericht auf Seite 2)
Im Namen der Gleichberechtigung und der Genauigkeit hat das Bundeskabinett am Mittwoch größere Veränderungen auf den Briefköpfen der Ministerien beschlossen. Künftig soll es auf Briefköpfen und anderen offiziellen Schriftstücken heißen: "Das Bundesministerium für . . .". Bisher stand dort - auch bei Ministerien mit einer Frau an der Spitze - "Der Bundesminister für . . .".
Die Regelung ersetzt einen Kabinettsbeschluß von 1950, in dem die männliche Bezeichnung festgelegt worden war. Regierungssprecher Dieter Vogel teilte "zur Beruhigung des Steuerzahlerbundes" mit, nennenswerte Kosten werde die Umstellung nicht verursachen: Das alte Briefpapier darf aufgebraucht werden. Im übrigen stünden demnächst im Zuge der Postleitzahlen-Umstellung ohnehin größere Umstellungen an. Deren Kosten veranschlagt die Regierung allein für ihren Bereich auf einige hunderttausend Mark. (Reuter/AFP/dpa)
BERLIN, 21. Januar (Reuter). Der Zentralrat der Juden in Deutschland will bei der Gestaltung der Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus nicht mit den Organisationen der Stalinismus-Opfer zusammenarbeiten. In einem Interview mit dem Berliner Sender Inforadio 101 sagte der Gedenkstättenbeauftragte des Zentralrats, Andrea Nachama, die Organisation deutscher Juden erwäge, die Mitarbeit an der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Sachsenhausen einzustellen. Es sei völlig indiskutabel, Opfer der Nazizeit und Opfer des sowjetischen Geheimdienstes NKWD in Sachsenhausen gleichermaßen zu ehren.
"Hier werden - vom Prinzip her - Opfer und Täter auf eine Stufe gestellt", sagte Nachama. Der Radiosender berichtete, der Zentralrat wolle im Kuratorium der Stiftung "Brandenburgische Gedenkstätten" nicht mit den Verbänden der Nachkriegs-Opfer zusammenarbeiten. Die Stiftung soll ein neues Konzept für die Gedenkstätten ausarbeiten.
MELBOURNE, 20. Januar (sid). Michael Stich bleibt weiter im Rennen bei den mit 4,82 Millionen Dollar dotierten Australian Open in Melbourne. Der Elmshorner, beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres an Nummer 14 gesetzt, mußte gegen den Franzosen Fabrice Santoro allerdings hart kämpfen, ehe er nach fünf Sätzen 6:7 (3:7), 6:2, 6:2, 4:6 und 6:4 in die dritte Runde einzog. Der 24 Jahre alte Daviscup-Spieler muß sich nun mit dem Australier Jason Stoltenberg auseinandersetzen, der sein Zweitrundenmatch gegen den Argentinier Alberto Manchini 0:6, 4:6, 6:1, 6:2, 6:4 gewann.
Ergebnis-Telegramm
Frauen, Einzel, zweite Runde: Halard (Frankreich) - Kschwendt (Leverkusen) 6:4, 1:6, 6:4, Tauziat (Frankreich/Nr. 13) - Probst (Fürth) 6:2, 4:6, 6:2, Seles (Jugoslawien/Nr. 1) - Strandlund (Schweden) 6:2, 6:0, Sabatini (Argentinien/ Nr. 3) - Baudone (Italien) 6:0, 6:1, Martinez (Spanien/Nr. 6) - Javer (Großbritannien) 7:5, 6:1, White (USA) - Novotna (Tschechei/Nr. 8) 4:6, 7:5, 6:2, Pierce (Frankreich/Nr. 10) - Date (Japan) 6:1, 6:1, Garrison-Jackson (USA/Nr. 16) - Faber (USA) 4:6, 6:4, 6:2, Oremans (Niederlande) - Reinach, (Südafrika) 6:1, 6:1, Po (USA) - cia Hy (Kanada) 6:4, 6:2, Davenport (USA) - Kiene (Niederlande) 7:5, 6:4, Fendick - Grossman (beide USA) 6:1, 7:6 (8:6), Fernandez - Arendt (beide USA) 6:4, 7:6 (9:7), Dahlman (Finnland) - Stafford (USA) 6:1, 6:2, Demongeot (Frankreich) - Endo (Japan) 2:6, 6:2, 6:2. VOLLEYBALL
EUROPAPOKAL der Landesmeister, Endrunde, Männer: Dinamo Bukarest - Moerser SC 0:3 (10:15, 11:15, 5:15).
EUROPAPOKAL der Landesmeister, Frauen: Parmalat Matera/Italien - USC Münster 3:0 (15:5, 15:8, 15:0).
EUROPAPOKAL der Pokalsieger, Endrunde, Männer: 1. VC Hamburg - Jose Soria/Spanien 3:1 (16:14, 15:10, 15:17, 15:12).
EUROPAPOKAL der Pokalsieger, Frauen: ZSKA Moskau - CJD Berlin 3:1 (15:8, 16:14, 6:15, 15:1).
CEV-POKAL der Männer, Halbfinale: Bayer Wuppertal - Desimle Torhout/Belgien 3:0 (15:7, 15:5, 16:14).
CEV-POKAL der Frauen, Viertelifinale, Hinspiel: CJD Feuerbach - San Giovanni/Italien 2:3 (4:15, 16:14, 15:4, 14:16, 16:18).
Sie galten stets als die "Verrückten der Eisrinne" und jagten dennoch unverdrossen jahrzehntelang bäuchlings auf einem starren Metallschlitten liegend den legendären Cresta-Run von St. Moritz hinunter - die Skeleton-Piloten. Seit Ende der 80er Jahre erlebt die Sportart, die 1928 und 1948 (jeweils in St. Moritz) auf dem olympischen Programm stand, eine Renaissance.
Ausschlaggebend dafür war vor allem die Öffnung der neuen Kunsteisbahnen für den Skeletonsport, denn die Bahnen kämpfen überall um ihre volle Auslastung, damit sie einigermaßen rentabel betrieben werden können. Auch Ostdeutschlands Eisschlangen in Oberhof und Altenberg sind Domizil für wagemutige Fans des Skeleton-Sports geworden. Die Thüringer Sektion zählt mittlerweile bereits 24 Mitglieder. Der Weltcup-Saisonstart im thüringischen Oberhof wurde für die Einheimischen nicht zum erhofften Erfolg: Ernst Lisson aus Friedrichroda landete beim Sieg des Österreichers Franz Plangger auf dem 14. Platz. Insgesamt jedoch bewiesen 44 Piloten aus neun Ländern, daß Skeleton kein Chaotensport, sondern eine attraktive Wintersportdisziplin ist.
"Die Veranstaltung war ein toller Erfolg", meinte der Schweizer Ueli Geissbühler, der 1987 in der Internationalen Bob- und Schlittenföderation (FIBT) den Vorsitz der Skeleton-Kommission übernommen hat. Zwar hatte in Oberhof auch der Krankenwagen einige Einsätze, aber außer Platzwunden hatten die Ärzte kaum Arbeit.
Von Oberhof zieht die Weltelite, die von Schweizern, Österreichern, Kanadiern und Amerikanern angeführt wird, nach Innsbruck-Igls zum nächsten Weltcup. Nach der Weltmeisterschaft im französischen La Plagne steht vom 9. bis 13. Februar auf der Bahn von Altenberg im Osterzgebirge das Weltcup-Finale an.
Verdienen können am Skeleton-Sport bislang allenfalls die Stars aus den Alpenländern um den WM-Zweiten Gregor Stähli (Schweiz), während der in Kanada lebende Weltmeister Bruce Sandford (Neuseeland) in Oberhof wegen fehlender finanzieller Mittel absagen mußte. Ueli Geissbühler ist sicher, daß sich der Boom der Sportart fortsetzt und dann auch mehr Sponsoren investieren. Immerhin wuchs die Anzahl der Mitgliedsverbände von acht auf 21, klopfen Rußland, Lettland und Armenien an die Tür. sid
Ladislav Olejnik hat beim EHC Freiburg kapituliert. Nach seiner Suspendierung in der vergangenen Woche sah sich der ehemalige Bundestrainer nicht mehr imstande, den Eishockey-Bundesligisten gegen den Willen der Spieler weiter zu betreuen. Am Dienstag trennte sich der 60jährige daher "in beiderseitigem Einvernehmen" von den Breisgauern.
"Der Vorstand des EHC Freiburg bedauert die Trennung, die aber von beiden Seiten als einziger realistischer Ausweg aus der derzeitigen Situation angesehen wurde", teilte der Vorstand mit. Insider der Freiburger Eishockey-Szene spekulieren, daß der Klub die Entlassung Olejniks nur aus arbeitsrechtlichen Gründen um eine Woche hinausgezögert hat.
Die überwiegende Mehrheit der Spieler hatte nach Wochen der Erfolglosigkeit mit sechs Niederlagen in Folge in einer internen Abstimmung Olejnik ihr Mißtrauen ausgesprochen. Dem Vorstand wurde die Pistole auf die Brust gesetzt, indem sich die Mannschaft weigerte, am vergangenen Sonntag unter Olejnik das Auswärtsspiel beim Berliner SC Preussen zu bestreiten. Mit Stürmer Thomas Dolak an der Bande gewannen die Freiburger überraschend 6:1. Der 40jährige wird Olejniks Aufgaben auch künftig übernehmen.
Bereits am Sonntag hatte Olejnik angedeutet, daß er wohl nicht mehr auf den Trainerstuhl des EHC Freiburg zurückkehren werde: "Da ist nichts mehr zu reparieren." Gleichwohl hatte er betont, daß er mit seiner Zeit in Freiburg zufrieden war. Olejnik hatte zu Beginn der vergangenen Saison das Traineramt bei den Südbadenern übernommen und das Team auf den fünften Platz geführt.
Nach Hartmut Nickel (EHC Eisbären Berlin), Craig Sarner (Berliner SC Preussen), Vladimir Martinec (ESV Kaufbeuren) und Pavel Volek (EV Landshut) mußte Ladislav Olejnik bereits als fünfter Trainer der laufenden Spielzeit vorzeitig seinen Hut nehmen.
Olejnik zeigte sich enttäuscht vom Verhalten einiger Spieler und meinte resignierend: "Die Mannschaft hätte mir doch konkret sagen können, was nicht paßt." Jetzt will Olejnik "Abstand gewinnen". Als ein "Lückenbüßer" will Olejnik in dieser Saison keinesfalls bei einem anderen Verein einspringen. Damit räumte er Verbindungen zum EV Landshut aus, der nach der Entlassung von Pavel Volek einen neuen Coach sucht. sid/dpa
Rolf-Jürgen Otto, einziger Kandidat für das Amt des Präsidenten beim Fußball- Bundesligisten Dynamo Dresden, ist weiter auf der Suche nach einer breiten Mehrheit für die Wahlversammlung, die am Donnerstag (Beginn: 19.30 Uhr) im Dresdner Hygienemuseum stattfindet. Deshalb traf sich Otto mit Mitgliedern des bislang oppositionellen "Freundeskreis Dynamo Dresden".
"Wir stehen der Kandidatur Ottos nicht im Wege, weil ein besserer Vorschlag derzeit nicht auf dem Tisch liegt", zog Freundeskreis-Sprecher Thomas Stern eine Bilanz der Unterredung. Positiv, so Stern, sei gewesen, daß Otto und sein Partner Walter Hoff gegenüber dem Freudeskreis mit offenen Karten gespielt hätten.
Dagegen kritisierte er, daß Otto neben Hoff und Jürgen Behr auch die amtierenden Präsidiumsmitglieder Dieter Burmester und Georg Schaudz in seine neue Führungsmannschaft übernehmen wolle. "Die Meinung des Freundeskreises ist, daß Burmester und Schaudz auf der Wahlversammlung zunächst zurücktreten müßten, um sich danach ordentlich zur Wahl zu stellen." sid
Heike Henkel wird "auf keinen Fall generell nein sagen" zu einem WM-Boykott, der die Preisgeld-Forderung von Athleten gegenüber dem Leichtathletik-Weltverband IAAF unterstützen soll. Dies erklärte Rainer Henkel, Ehemann und Manager der Hochsprung-Olympiasiegerin. Zuvor hatte der amerikanische Manager Brad Hunt erklärt, die von ihm betreuten Olympiasieger Mike Conley, Michael Johnson und Gwen Torrence würden die Hallen-WM in Toronto boykottieren.
Rainer Henkel sagte: "Die IAAF hat deutlich höhere Einnahmen, da Weltmeisterschaften nun alle zwei Jahre stattfinden. Ich würde es für angebracht halten, wenn Athleten von gesteigerten Erträgen profitieren könnten. Natürlich wäre es schade, wenn gerade Stuttgart darunter leiden würde. Aber wenn sich viele Weltklasse-Athleten einig wären über einen Boykott, würde Heike einen solchen Schritt nicht grundsätzlich ablehnen."
Robert Wagner, österreichischer Manager von Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler und rund 20 weiteren deutschen Spitzenathleten, sieht vorerst einen Alleingang von Brad Hunt und glaubt, daß sich die Manager-Vereinigung IAAR auf Gespräche mit der IAAF konzentrieren solle. Wagner: "Von einem Boykott würde ich meinen Athleten derzeit abraten. Er bringt nur was, wenn sich international sehr viele einig sind."
Hunt, ebenso wie Wagner und 51 andere in der Internationalen Manager-Vereinigung IAAR organisiert, ritt diese neue Attacke gegen den Weltverband ganz gezielt vor dessen Council-Tagung am Wochenende in Djakarta. Von dort kam prompt die Reaktion von IAAF-Präsident Primo Nebiolo, der keine Probleme für Stuttgart sieht. "Ein Boykott ist lächerlich. Wenn einige Athleten fehlen, haben wir Millionen andere." Meldungen, wonach die European Broadcasting Union (EBU) im Falle eines Athleten-Boykotts den bis 1995 reichenden 91-Millionen- Dollar-Vertrag mit der IAAF kündigen werde, wies Nebiolo zurück und betonte, auch der IAAF-Jahresetat von 40 bis 45 Millionen Dollar sei aufgrund der vielfältigen Ausgaben des Verbandes nur begrenzt. sid
Die politischen Differenzen über die Förderung des ostdeutschen Sports sind offenbar beigelegt. Der Sportausschuß des Deutschen Bundestages befürwortete auf seiner Sitzung am Mittwoch in Bonn, daß der Bund Mittel über die Sportstättenförderung in den neuen Ländern aus dem Solidarpakt "Aufschwung Ost" bereitstellt. Konkrete Beschlüsse wurden aber noch nicht gefaßt.
Wie der sportpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Wilhelm Schmidt (Salzgitter), nach den Beratungen erklärte, ist zwischen den Fraktionen Einigkeit erzielt worden, aus Bundesmitteln zu helfen. Zuvor hatte monatelang die Regierungskoalition den Standpunkt vertreten, lediglich die Förderung des Leistungssportes sei Angelegenheit des Bundes und entsprechende Anträge der Opposition abgelehnt.
Schmidt: "Wir denken daran, den neuen Ländern jährlich 175 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen, damit die Städte und Gemeinden die maroden Sportstätten ausbessern können. Dies ist jetzt mehrheitsfähig, weil die Lösung über den Solidarpakt auch eine Investitionsförderung für die angeschlagene Ost-Wirtschaft beinhaltet."
Der Parlamentarische Staatssekretär Eduard Lindner (CSU) hingegen schloß eine Förderung zunächst generell aus. Lindner gab dann aber doch seine Zustimmung, sah allerdings für 1993 keine Möglichkeit mehr, über den Nachtragshaushalt Gelder bereitzustellen.
Zu Beginn der dreistündigen Beratung hatte der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Hans Hansen, seine Forderungen dargelegt. "Die DDR hat uns ein schlimmes Erbe hinterlassen", sagte Hansen und bat um "Angleichung der Lebensverhältnisse für den Sport". Der DSB-Präsident verwies auf den vor zwei Monaten beschlossenen "Goldenen Plan Ost", der für einen Zeitraum von 15 Jahren für die fünf neuen Länder und Berlin-Ost Investitionen von 11,1 Milliarden Mark für die Sanierung und 13,7 Milliarden Mark für die Renovierung von Sportanlagen forderte. sid van Almsick-Trainer darf hoffen
Die Anti-Doping-Kommission des Deutschen Sportbundes (DSB) hat noch keine Empfehlung abgegeben, ob der Trainer der vierfachen Olympiamedaillengewinnerin Franziska van Almsick, Dieter Lindemann aus Berlin, hauptamtlich für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) tätig werden sollte. Wie der Vorsitzende, Hans Evers, nach einer Sitzung des Gremiums in Frankfurt/Main erklärte, habe die Kommission keine Bedenken, daß Lindemann und vier weitere Trainer aus der ehemaligen DDR ein auf drei Monate befristetes vorübergehendes Anstellungsverhältnis zur Probe beim DSV abschließen können. Bis zur nächsten Sitzung am 11. Februar soll weiteres Material überprüft werden, das Aufschluß über mögliche Doping-Vergehen der ostdeutschen Trainer geben könnte.
Im Vertragspoker zwischen Inter Mailand, dem VfB Stuttgart und Borussia Dortmund sitzt Matthias Sammer zwischen allen Stühlen. Nach dem aktuellen Stand ist die Rückkehr des deutschen Fußball-Nationalspielers in die Bundeslige mehr als fraglich geworden.
Der VfB unterbreitete Mailand am Dienstag ein letztes Angebot, mit welchem die Stuttgarter gleichzeitig die Option, die sie auf den Rückkauf von Sammer besaßen, verwirkten. "Das Vorkaufsrecht orientierte sich am Höchstgebot, und das war für uns eine Nummer zu groß", erklärte Manager Dieter Hoeneß. Gleichwohl gingen die Schwaben an die Grenze des Vertretbaren und sind bereit, eine Ablösesumme in Höhe von rund 6,5 Millionen Mark zu bezahlen. Hoeneß: "Mehr ist nicht machbar. Wir spielen nicht Harakiri."
Verwunderung dagegen bei Inter Mailand. Auf telefonische Anfrage des Sport- Informations-Dienstes (sid) erklärte der Vize-Präsident Piero Boschi: "Bis jetzt hat sich Stuttgart noch nicht gemeldet." Am Mittwoch um 17 Uhr lief die Option des Deutschen Meisters VfB Stuttgart für eine Verpflichtung des 25jährigen Sammer ab. Boschi wunderte sich über das Verhalten der Schwaben und mutmaßte: "Vielleicht haben sie ihr Angebot per Post geschickt." Im Hinblick auf das Erlischen des Vorkaufsrechts meinte Boschi: "Wir schauen zwar nicht auf die Uhr, aber wir können ab Donnerstag frei verhandeln. Alle Türen stehen offen."
Wie aus Inter-Kreisen verlautet, wollen die Italiener bei dem Transfer kein Geld verlieren. Im vergangenen Jahr mußte Inter noch 11,5 Millionen Mark auf den Tisch legen, um Sammer zu verpflichten. Da auch Vizemeister Borussia Dortmund nicht mehr bereit ist, den Wechsel zu den von Mailand diktierten Bedingungen zu tätigen, muß der frühere Dresdner womöglich in Italien bleiben.
"Wir haben keine Eile und warten ab, wie Inter auf unser Angebot reagiert", sagte Borussia-Manager Michael Meier, der vor einer Woche für Sammer noch zehn Millionen Mark geboten hatte. Doch nachdem sich der Wechsel bis zum 15. Januar nicht hatte realisieren lassen, kann Sammer von Dortmund im UEFA-Pokal- Spiel im März gegen den AS Rom nicht eingesetzt werden.
Dortmunds Präsident Gerd Niebaum erklärte: "Damit hat sich für uns die Geschäftsgrundlage verändert." Trainer Ottmar Hitzfeld plädiert zwar nach wie vor für eine Verpflichtung von Sammer, doch innerhalb der Mannschaft hat sich bereits eine Opposition gegen den Italien-"Legionär" gebildet. Einige Stammspieler fürchten um ihren Platz, darunter Michael Rummenigge.
Matthias Sammer kann auf die Entscheidung keinen Einfluß mehr nehmen. Tatenlos muß er in Mailand die Entwicklung verfolgen. "Ich kann nur hoffen," sagte Sammer, "aber wenn nichts mehr passiert, dann hat es eben viel Wirbel um mich gegeben - und sonst nichts." sid
VfL Hameln - Bayer Dormagen 21:17 (9:11).- Tore: Hauck (8/6), Tempelmeier (3), Mävers (2), Hönnige (2), Hahn (2), Koring (1), Fegter (1), Lache (1), Gyurka (1) für Hameln. - Kohlhaas (9), Andersson (3/1), Sproß (2), Fitzek (2), Springel (1) für Dormagen. - Zuschauer: 2200. Hameln damit Tabellenführer.
Die souveränsten Siege beim Europapokal-Großkampftag am Mittwoch feierten der deutsche Volleyball-Männer-Meister Moerser SC und die Männer von Bayer Wuppertal im CEV-Pokal. Beide Teams feierten jeweils 3:0-Siege und haben sich damit ihre Titelchancen gewahrt. Hoffnungen kann sich auch noch der deutsche Pokalsieger 1. VC Hamburg machen, derweil für die drei deutschen Frauen-Vertreter die Europacup-Lichter auszugehen scheinen.
Den ersten Sieg in der Landesmeister- Endrunde nach dem 0:3 in Ravenna feierte der Moerser SC beim 3:0 als Gast von Dynamo Bukarest, und mit dem gleichen Resultat siegte Wuppertal vor 1500 Zuschauern in eigener Halle gegen den belgischen Vertreter VT Torhout.
Trotz der 0:3-Niederlage beim Viertelfinal-Hinspiel in Belgien hat das Werksteam damit die Endrunde im CEV-Pokal erreicht, da das Punkteverhältnis mit einem Plus von sieben Zählern den Ausschlag zugunsten der Wuppertaler gab. Hoffnungen auf die Finalrunde macht sich auch Cupsieger 1. VC Hamburg mit seinem 3:1 gegen Jose Soria aus Spanien.
Deklassiert wurde der USC Münster, der in nur 46 Minuten mit 0:3 bei Parmalat Matera die Segel streichen mußte. Kaum noch Hoffnungen hat der CJD Feuerbach nach erlittener 2:3-Niederlage im Viertelfinale gegen San Giovanni Mailand. Pokalsieger CJD Berlin verlor 1:3 bei SKA Moskau, hofft aber im Rückspiel in einer Woche an der Spree, den Spieß noch umdrehen zu können. sid
Japans Wahlvolk erfuhr aus erster Hand, was es wohl ohnehin schon geahnt hat. Auch das neue Kabinett von Ministerpräsident Kiichi Miyazawa ist wieder eine Millionärs-Riege. Nach einem ursprünglich selbstgeschaffenen Ehrenkodex und seit den jüngsten Korruptionsskandalen auch durch Parlamentsbeschluß sind die Minister und Staatsminister Nippons gehalten, einmal im Jahr ihr Privatvermögen offenzulegen. Ergebnis diesmal: Bei den 21 Kabinettsmitgliedern kommen zusammengerechnet 22,4 Milliarden Yen - das entspricht 280 Millionen Mark - zum Vorschein.
Die Summe errechnete die Nachrichtenagentur Kyodo auf Basis des amtlichen Berichts, wobei sie Immobilien- und Aktienbesitz, soweit bekannt, am aktuellen Zeitwert mißt. Denn gerade auf diesem Feld geht es drunter und drüber, werden Wertpapiere und Grundstücke häufig zu früheren Anschaffungspreisen angesetzt oder schlicht vergessen.
Angeblich reichster Mann ist der Chefsekretär des Kabinetts, Yohei Kono, der sein Vermögen offiziell auf umgerechnet knapp 16 Millionen Mark beziffert. Aber möglicherweise ist der 55 Jahre alte Regierungssprecher auch der größte Trickser des erlauchten Kreises. Zeitungen haben nämlich umgehend errechnet, daß seine Privatschatulle - kalkuliert man die 13 "Filet"-Grundstücke in der Tokioter Innenstadt sowie der benachbarten Kanagawa-Industrieregion mit dem Marktpreis - wohl rund 155 Millionen Mark birgt. Allein die Kono-Residenz im Nobelviertel Minato-ku soll knapp 40 Millionen wert sein.
Auch Ministerpräsident Miyazawa scheint ein bißchen zu schummeln. Mit zugegebenen zwei Millionen Mark steht er auf dem achten Platz der Liste. Allerdings hat seine Ehefrau nach groben Schätzungen 17 Millionen Mark auf der hohen Kante. Zudem machte der als fintenreich bekannte Regierungschef geltend, daß sein persönlicher Grundbesitz in allerbester Hauptstadtlage innerhalb von zwölf Monaten 50 Prozent des Wertes eingebüßt habe, was selbst gerichtsnotorische Immobilienspekulanten als "starke Manipulation" bezeichnen. So wird auch diesmal die Öffentlichkeit veralbert.
Die am 11. Dezember umformierte Regierung stellt sich in ihrem Vermögensbericht sogar als Opfer der "Bubble-Ökonomie" hin. Die geplatzte Blase der japanischen Spekulationswirtschaft habe das private Vermögen des neuen Kabinetts gegenüber den Amtsvorgängern um etwa 30 Prozent reduziert. Das Bedauern der 90 Millionen Wähler dürfte sich aber in Grenzen halten, denn außer einem einzigen Kabinettsmitglied haben alle anderen nach der Kyodo-Berechnung neben ihren Immobilienschätzen immer noch Aktien im Wert von wenigstens 1,3 Millionen Mark auf der Hinterhand. Und nicht aufgeführt sind zum Beispiel Mitgliedschaften in exklusiven Golfklubs, die sich leicht für mehrere Millionen Mark an interessierte Nachfolger verkaufen lassen, wobei das Geld - gewissermaßen als steuerfreie stille Reserve fürs Altenteil - gern am Fiskus vorbeigereicht wird.
In durchaus ehrenwerter Absicht hatte der einstige Premierminister Yasuhiro Nakasone mit seiner 1984 geborenen Idee der Vermögensoffenlegung das Vertrauen zwischen Volk und Regierung stärken wollen. Das konnte aber schon deswegen nicht gelingen, weil die Damen (eine unter Miyazawa) und Herren niemals zugegeben haben und es künftig auch nicht tun werden, wie hoch die Spenden sind, die sie aus der Wirtschaft und teils auch aus der Unterwelt erhalten, um ihren Wahlkampf zu führen. Seit der jüngste Korruptionsskandal um die Speditionsfirma Sagawa Kyubin das Urteil nährte, daß fast alle japanischen Volksvertreter bestechlich sind, nimmt das Parlament nicht nur die Regierung, sondern auch alle Abgeordneten in die Offenlegungspflicht.
Ob der jüngste "Eigentums-Striptease" an dem Vertrauensverhältnis zwischen Wählern und Gewählten etwas ändert, muß dahingestellt bleiben. Sicher ist nur eins: Die Erkenntnis der japanischen Bürger, von Leuten regiert zu werden, die daran ganz gut verdienen.
RAINER KÖHLER (Tokio)
NEW YORK (whp/rtr). Die Großbanken in den USA und die Regierungsstellen, die sie seit Jahren auf Schritt und Tritt beobachten, können aufatmen: Nach verlustreichen Perioden vor allem in Folge spekulativer Ausleihungen am Immobilienmarkt, wurde 1992 wieder Geld verdient. Fürchtete die Aufsicht noch vor zwei Jahren, diese Geldhäuser könnten den Sparbanken, deren Sanierung bereits Milliardensummen verschlang, in den Abgrund folgen, zeigt sich die Branche jetzt erholt. So geht aus den ersten Abschlüsse hervor, daß einige Institute den Bestand an notleidenden Krediten schneller abgebaut haben als von Experten erwartet.
Wells Fargo aus San Francisco überraschte etwa mit der Mitteilung, daß ihre vorsorglichen Rückstellungen für Kreditverluste von 700 Millionen auf 300 Millionen Dollar zurückgegangen seien. Die Bank gehört zu den führenden Instituten Südkaliforniens, das von einer Krise am Grundstücks- und Häusermarkt heimgesucht wird. Das Geldhaus weist für 1992 einen Anstieg des Reingewinns von 21 auf 283 Millionen Dollar aus.
Neben einer Erholung bei Immobilien wirkten sich eine etwas lebhaftere Konjunktur in den Vereinigten Staaten und eine niedrigere Inflationsrate positiv für die Institute aus. Die Banken profitierten auch von den niedrigen Zinsen, die sie ihren Einlegern zahlen, während sie für Kredite noch immer happige Sätze verlangen. Die Währungsturbulenzen im dritten Quartal dürften für die meisten Händler ein "einmaliges Erlebnis" gewesen sein, meinen Fachleute. Obwohl die Gewinne aus dem Devisenhandel im Schlußquartal gesunken seien, dürfte für die Banken im Jahresvergleich auch in diesem Geschäft ein Plus herausgesprungen sein.
Einige Institute konnten auch durch Zusammenschlüsse Einsparungen erzielen. Zu ihnen zählt die Holding Chemical Banking. Das Haus verbuchte im ersten vollen Geschäftsjahr nach der Fusion mit Manufacturers Hanover einen Überschuß von knapp 1,1 Milliarden Dollar. Die Citicorp verkaufte als nicht strategisch betrachtete Vermögenswerte und baute die Kosten in den beiden vergangenen Jahren um 1,3 Milliarden ab. Die Beschäftigtenzahl sank seit Ende 1990 drastisch um 14 000 auf 81 000. Die Nummer eins der Branche in den USA verdiente zuletzt 722 Millionen Dollar, nach einem Vorjahresverlust von 457 Millionen.
Bei der New Yorker Chase Manhattan wuchs der Gewinn um mehr als ein Fünftel auf 639 Millionen Dollar. Das Institut merkt aber an, daß die Risikovorsorge für Kredite wegen der weltweit flauen Konjunktur und des US-Immobilienmarkts weiter relativ hoch sein müsse.
Trotz aller Kritik von CDU und SPD bleibt gegenseitige Schelte doch verhalten. Und in Entre-nous-Gesprächen geben Vertreter beider Seiten offen zu, daß niemand ernstlich mit der Demontage des Triumvirats nach dem 7. März rechnet. Der Grünen-Kreistagsabgeordnete Albrecht Kündiger hält den demonstrierten Trennungswillen der beiden Dezernenten für bloße Schau: "Die Duzfreunde präsentieren sich auch politisch als einträchtiges, eingespieltes Team." In Ausschußsitzungen, spottet Kündiger, spielten sie sich die Bälle zu, um ihre Vorschläge durchzusetzen. "Man hat den Eindruck, daß sie sich untereinander eher einig sind als mit ihren Parteifreunden."
Auch einigen Genossen, insbesondere aus den Reihen der Jusos und dem linken Lager, gab die Eintracht des Regierungsgespanns im Laufe der vier Jahre zu denken. Ernsthafte Kritik wurde nur bei der Privatisierung des maroden Kreisaltenheims in Bad Soden laut. Ein Projekt, das Mehler zunächst unter keinen Umständen mittragen wollte, es aber doch tat, als er keine Mehrheit fand. Das Schweigen der SPD-Lämmer registrierte die Union mit Häme: Die SPD bestehe aus einem Mann - Gerd Mehler.
Die Bilanz der Grünen klingt rigoros: Entscheidendes sei nicht geschehen, politische Akzente suche man vergebens. Die Dezernenten dümpeln auf Kompromißkurs: Landrat Riebel, Protegé des Koch- Clans, beschränke sich aufs Verwalten. Sozialdemokrat Mehler lege unermüdlichen Aktionismus an den Tag, doch mehr als Konzepte oder qua Gesetz auferlegte Pflichtaufgaben, so im sozialen Bereich, sei nicht herausgekommen.
Kritik, die FWG-Spitzenkandidatin Erika Bänfer entschieden zurückweist. Das Regierungstrio, dirigiert von wechselnden Mehrheiten ohne feste Partner, habe sich bewährt. Ihre Fraktion stehe uneingeschränkt dazu. Was nicht verwundert: Die von den Grünen gewünschte Koalition aus SPD, Grünen und FWG hatte die "Partei ohne Programm", erst seit 1985 im Kreistag vertreten, entschieden abgelehnt; auch ein Bündnis mit CDU und FDP war dem "Sechs-Personen-Zünglein" an der Kreistagswaage nicht genehm. Nur im Spiel wechselnder Mehrheiten konnten sie ihren Einfluß voll ausspielen. "Wir liegen in manchen Bereichen, zum Beispiel in der Finanzpolitik, eher auf CDU-Linie, in der Sozial- und Umweltpolitik eher auf SPD-Kurs." Bänfer: Koalitionsverpflichtungen hätten der Entscheidungsfreiheit den Garaus gemacht.
Das "von der FWG erzwungene" freie Spiel der Kräfte hat ihrer Meinung nach politische Kultur ins Kreishaus zurückgebracht: "Früher haben die Fraktionen übereinander geredet, heute redet man miteinander; jede Seite ist gezwungen, Mehrheiten mit Argumenten zu erreichen." Das Ergebnis könne sich sehen lassen: Eine vielfältige Schullandschaft sei geschaffen worden. "Mit einer CDU- oder SPD-Mehrheit wäre je nach Ideologie ein Teil unter den Tisch gefallen."
Positiv fällt ihr Resümee auch für den sozialen Bereich aus: Ohne die SPD - insbesondere den "Macher" Mehler - wäre nicht der Bruchteil des Geleisteten umgesetzt oder zumindest auf den Weg gebracht worden. Die Kritik ihres Grünen-Kollegen, außer Konzepten und großen Worten sei nichts geschehen, teilt sie nicht: "Da ist in der Vergangenheit nur demontiert und nichts gemacht worden; das läßt sich in vier Jahren nicht einfach wieder aus dem Boden stampfen." Besonders, wenn Geld knapp ist, gleichzeitig aber mehr Aufgaben zu bewältigen sind.
Die FWG-Frau braucht nicht lange nachzudenken, ihr wäre die Neuauflage des Triumvirats die liebste Lösung. Dabei stand gerade ihr Vertreter, Schuldezernent Werner Emde, von allen Seiten am stärksten unter Beschuß. Kein Wunder, mußte er doch als Oberhaupt des einzig wirklich strittigen Gebietes - der Schulpolitik - als Buhmann qua Amt herhalten. Den positiven FWG-Einfluß auf die "Großen", der sie verstärkt zur Sach- statt Parteipolitik gezwungen habe, sehen Politvertreter aus den anderen Fraktionen jedenfalls nicht. In der Vergangenheit hätten sich vielmehr CDU und SPD in den wesentlichen Punkten versucht zu arrangieren, während der FWG die Rolle des Feigenblatts - oder gar des Schwarzen Peters - zugeschoben wurde. Beim umstrittenen Schulentwicklungsplan - von CDU und FDP wesentlich diktiert - war es der FWG-Mann, der die Schelte erboster Eltern, Lehrer und nicht zuletzt des Kultusministers einstecken mußte. Indes: Die CDU wusch ihre Hände in Unschuld.
"Die FWG hat politisch nichts gebracht", lautet das harsche Urteil des scheidenden FDP-Fraktionschefs Hans Kolb. Wenig rosig sieht er allerdings die Einflußgewalt seiner Partei. Die hausgemachte "unwürdige" Demontage der schulpolitischen Sprecherin Irmhild Colmar und der Machtkampf um den Vorsitz seines Parteikollegen Heiner Kappel hätten das Image der Fraktion angekratzt. Ebenso wie für Kündiger (Grüne) stehen für ihn die Zeichen auf "Elefantenhochzeit" von SPD und CDU. Ein Trend, der sich laut Kündiger in etlichen Kommunen des Kreises abzeichne.
FWG-Spitzenkandidatin Erika Bänfer gibt sich hingegen selbstbewußt: Denn sollten die "Republikaner" antreten und den Sprung ins Kreisparlament schaffen, sei ihre Fraktion auch zur Koalition mit SPD und Grünen bereit, um einer konservativen bis rechten Übermacht von vornherein keine Chance zu geben. In dem Punkt scheint sie Landrat Riebel zu mißtrauen, der bisher vage auf Abstand zu den Republikanern ging. Schwer dürfte der FWG (in neuer Besetzung) ein Schmusekurs mit der SPD nicht fallen, liegen sie doch in den Schwerpunkten Wohnungsbau, Umwelt und Sozialpolitik grob auf einer Linie. Im Falle dieser Dreier-Koalition müßte Landrat Riebel noch vor Ablauf seiner Amtszeit den Schreibtisch räumen. Die SPD als Mehrheitspartei im Regierungssattel würde dann den ersten Mann im Kreis stellen wollen.
MAIN-TAUNUS-KREIS. Was 1928 als unbedeutender "Puffer" begann, künstlich zusammengestückelt aus Kommunen der Landkreise Höchst, Wiesbaden, Usingen, dem "Hilfskreis" Königstein und dem Hochtaunuskreis und lediglich geschaffen, die Expansionswut der umliegenden Großstädte zu stoppen, mauserte sich zur wirtschaftsstärksten Region Hessens: der Main-Taunus-Kreis mit seinen neun Städten und drei Gemeinden. Gerade mal 222 Quadratkilometer groß, galt er bald als begehrtes Ansiedlungsgebiet potenter Gewerbebetriebe und Wohngebiet von Gutverdienern. Abzusehen war der Aufstieg freilich nicht, als der Landrat des ehemaligen Kreises Höchst, Wilhelm Apel, bei der preußischen Regierung beantragte, den "Puffer" zu gründen.
Dennoch ging es rapide aufwärts: Die Bevölkerungszahl im damals noch 300 Quadratkilometer großen Kreis stieg von 63 000 auf knapp 200 000. Unter sozialliberalem Ruder von Landrat Valentin Jost (SPD) und Kreisbeigeordnetem Wolfgang Knoll (FDP) entstanden seit 1966 Schulen, Sporthallen und soziale Angebote. Jähe Einbrüche folgten mit den Gebietsreformen in den 70ern. Verkleinert um über 8400 Hektar Fläche blieben von 49 Kommunen nur zwölf übrig.
Der Unmut der Bürger wurde bei der Kommunalwahl 1977 deutlich, die einen Erdrutschsieg für die CDU brachte. 1978 setzte die Union mit dem Paderborner Verwaltungsjuristen Bernward Löwenberg einen eigenen Landrat durch. Am FDP-Mann Wolfgang Knoll als Erstem Kreisbeigeordneten hielt die neue Mehrheit jedoch fest. Löwenberg erwies sich als Baulöwe und Förderer der Denkmalpflege. Die Zeit war günstig: Der Bauboom Ende der 70er erfaßte den Kreis.
Den Rotstift setzte der Paderborner hingegen im sozialen Bereich an: Das Jugendbildungswerk wurde aufgelöst, freien Trägern und dem Kreisjugendring der Geldhahn zugedreht. Eine Politik, die sich von '83 an unter Sozialdezernent Jürgen Nagel (CDU) verschärfte: '84 wurden 1,5 Millionen Mark bei Sozialleistungen gekürzt - eine Million Mark flossen hingegen an Zuschüssen für die Denkmalpflege.
Einschnitte auch in der Schulpolitik: Bereits nach Amtsantritt 1978 proklamierte die CDU die Rückkehr zum dreigliedrigen Schulsystem. Obwohl der Kreistag erst kurz zuvor die Gymnasien in Hofheim und Schwalbach als GOS konzipiert hatte. Die FDP stand erst noch hinter der Schulpolitik der SPD. Was 1987 vergessen war.
SPD-Oppositionsführer Gerd Mehler kritisierte darüber hinaus Löwenbergs Ausgabenpolitik und aufwendigen Verwaltungsstil, der dem finanzstärksten Kreis Hessens "zielstrebig" die höchste Pro-Kopf-Verschuldung im Land eingebracht hatte. Die umstrittene Finanzierung der Verwaltungsburg war für SPD und Grüne, die seit 1980 im Kreistag sitzen, zudem das Tüpfelchen auf dem "i" fahrlässiger Mißwirtschaft.
Mitte der 80er war's vorbei mit dem Aufwärtsboom. Die Belastung des Kreishausbaus forderte Tribut: Restriktive Ausgabenpolitik stand denn auch an erster Stelle des CDU-Wahlprogramms 1985. Dennoch wurde die Erweiterung der beiden Kreisaltenheime geplant, der Umzug von Polizeistation, Arbeitsamt und Finanzamt in die neue Kreisstadt Hofheim angekündigt. In puncto ÖPNV drängte die CDU auf eine Fusion mit dem FVV.
1985 war erstmals die Freie Wählergemeinschaft angetreten, die CDU verlor ihre absolute Mehrheit. Der Finanzrahmen wurde eng: 1986 waren kaum noch Investitionen möglich, die Schulden stiegen bis '89 auf rund 350 Millionen Mark an. Prestigprojekte leistete sich die CDU dennoch: Die Eröffnungsfete des Kreishauses kostete stolze 300 000 Mark. Immerhin: 1987 wurden die Kreiskliniken für 40 Millionen Mark erweitert.
Ein Jahr später klaffte ein Dreimillionenloch im Etat; verschärft durch eine erhöhte LWV-Umlage und Einnahmeverluste nach der Steuerreform. Vor der Kommunalwahl '89 war erstmals ein Umdenken christdemokratischer Sozialpolitik zu spüren: Sie stimmten der von der SPD geforderten Schuldnerberaterstelle zu, die psychosoziale Beratungsstelle wurde eingerichtet, Geld floß wieder für Verbände wie Elternschule und KJR. ana
Tips und Termine für den Main-Taunus-Kreis, Frankfurts westliche Stadtteileund Wiesbaden
MAIN-TAUNUS-KREIS
Filmspiegel Bad Soden. Kurtheater, Zum Quellenpark: Bodyguard (20, 22.45 Uhr).
Hattersheim. Kino am Kirchplatz, Okriftel: Sister Act (20.15 Uhr).
Hofheim. Capitol-Kino-Center, Lorsbacher Straße 3: Kino 1: Bodyguard (15, 20.15 Uhr).
Kino 2: Kevin - Allein in New York (15); Der Tod steht ihr gut (20.15 Uhr).
Kino 3: Die Schöne und das Biest (15 Uhr); Sister Act (20.15 Uhr).
Kelkheim. Kino Hornauer Straße 102: Bodyguard (20 Uhr).
Kronberg. Kronberger Lichtspiele, Friedrich-Ebert-Straße 1: Das kleine Gespenst (15 Uhr); Bodyguard (17.30, 20.15, 22.45 Uhr). Ausstellungen Bad Soden. Galerie Jürgen Sander, Alleestraße 6: Porträts und Blumenbilder von Dyrck Bondzin, 9.30 bis 13 und 15 bis 18.30 Uhr (bis 30. 1.).
Eppstein. Raule-Automobil-Museum, Hauptstraße 130: Historische Fahrzeuge und Mode, 8 bis 18 Uhr, Führungen nach Absprache Tel. 0 61 98 / 30 10.
Eschborn. Museum, Eschenplatz 1: "Licht / Zeit A", eine Installation von Ottmar Schnee, Film, Video, Fotosequenzen, 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung Tel. 0 61 96 / 49 02 32 (bis 16. 2.).
Hofheim. Kunstverein Hofheim in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und dem Zentrum für altes und neues Wissen und Handeln e.V.: "Zwischen Traum und Tod", Kinderzeichnungen aus dem Getto Theresienstadt, Haindl-Hof, Hauptstraße 21, 16 bis 18 Uhr (bis 7. 2.).
Kreishaus, Am Kreishaus 1 - 5: "Augenblick mal!" - Ausstellung der Lebenshilfe Main-Taunus e.V., Bilder und Zeichnungen geistig behinderter Menschen, 8 bis 15 Uhr (bis 5. 2.).
Rathaus-Foyer: "Seh-Weisen" - Ausstellung der Lebenshilfe Main-Taunus e. V., zu den Rathaus-Öffnungszeiten (bis 31. 1.).
Kelkheim. Foyer der Druckerei Blei & Guba, Großer Haingraben 9: Aquarelle auf Seide "Venezianische Masken" von Bärbel Hoffmann, 8 bis 17 Uhr (bis 10. 2.). Vorträge / Kurse Kelkheim. Kulturgemeinde: "Das Städelsche Kunstinstitut - Die Geschichte seiner Gemäldesammlungen", Lichtbildervortrag von Dr. Jochen Sander, Bürgerhaus Fischbach, 20 Uhr.
Parteien / Parlamente Eschborn. CDU: Schlachtfest mit Musik und Tanz, Bürgerzentrum Niederhöchstadt, 19.30 Uhr. Beratung / Selbsthilfe Bad Soden. Frauenselbsthilfe nach Krebs: Kontakt unter Tel. 0 61 96 / 37 46.
Arbeitsgemeinschaft gegen Suchtgefahren: Beratungsstelle für Suchtkranke, Königsteiner Straße 105, 8.30 bis 16 Uhr, Tel. 0 61 96 / 2 30 59.
Hofheim. Frauen helfen Frauen: Beratung und Hilfe bei praktischen, gesetzlichen und psychosozialen Problemen, Zeilsheimer Straße 27 a, 9 bis 12 Uhr; Kontakt unter Tel. 0 61 92 / 2 42 12.
Jugend- und Drogenberatung: Hattersheimer Straße 5, Sprechstunde, 9 bis 16 Uhr, Tel. 0 61 92 / 70 62, Abendtermine nach Vereinbarung.
Caritasverband: Allgemeine Lebensberatung, Schwangerschaftskonfliktberatung, Altenberatung; Kuren und Erholung für Mütter, Kinder und Senioren, Pfarrgasse 4, Sprechstunden, 8 bis 12 Uhr, Kontakt unter Tel. 0 61 92 / 73 33.
Eltern- und Jugendberatung: Vincenzstraße 29 a, 9 bis 12 Uhr, Anmeldung unter Tel. 0 61 92 / 70 38.
Kinderschutzbund: Sorgentelefon für Kinder, 15 bis 19 Uhr, Tel. 0 61 92 / 1 11 03.
Verbraucherberatung: Hattersheimer Straße 1, 10 bis 12 Uhr, Tel. 0 61 92 / 2 24 95.
Kelkheim. Malteser Soziale Dienste: Stundenweiser Betreuungs-, Begleit- und Besorgungsdienst für Senioren und Kranke, 8 bis 16 Uhr, Tel. 0 61 95 / 6 22 22.
DRK: Psychosoziale Gesprächs-, Kontakt- und Beratungsstelle, Alte Schulstraße 8, Sprechzeit, 8 bis 12 Uhr, Terminvereinbarung unter Tel. 0 61 95 / 55 59.
DRK-Sozialstation: Ambulante Alten-, Kranken-, Haus- und Familienpflege, Betreuungs-, Einkaufs- und Fahrdienst, Besuche, Beratungen, Alte Schulstraße 8, 8 bis 12 und 14 bis 15.30 Uhr, Terminvereinbarung unter Tel. 0 61 95 / 55 57. Vereine / Organisationen Hofheim. Karnevalgesellschaft 1900: Fremdensitzung mit Herrenkomitee, Stadthalle, 20 Uhr.
Kelkheim. Sportverein Ruppertshain: Aerobic - nicht nur für Frauen! Schönwiesenhalle, 20 bis 22 Uhr, Auskunft bei Jürgen Berndt, Tel. 0 61 74 / 6 21 30. Senioren Flörsheim. Liederkreis "Frohsinn": Treffen im Gemeindezentrum St. Gallus, 15.30 Uhr.
Hattersheim. Seniorenzentrum Altmünstermühle, Erbsengasse 12: Café, 14.30 Uhr.
Hochheim. Arbeitsgemeinschaft Hessischer Seniorenvertretungen: Sprechstunde, Altenwohnheim, Schwedenstraße 2, 9 bis 12 Uhr.
Kolpingfamilie: Seniorengruppe, Gespräch mit Ehrenpräses Pfr. K. Frosch, Vereinshaus Wilhelmstraße, 16 Uhr.
Hofheim. Seniorenzentrum, Hattersheimer Straße 5: Gymnastik, Turnhalle, Zeilsheimer Straße 2, 9 Uhr; Faustball, Ländcheshalle Wallau, 10 Uhr; Englisch- Stammtisch I, 10 Uhr; Schachtreff, 14 Uhr; Kino-Nachmittag (jeden 1. Freitag im Monat).
Schwalbach. Städtischer Seniorenclub: Senioren-Café, Seniorenwohnanlage (Marktplatz 46 a) und Jugendhaus (Schulstraße 7), 15 bis 17 Uhr.
Kinder / Jugendliche Hattersheim. Begegnungshaus Eddersheim, Kreuzstraße: Discotime, Jugendraum (Keller), 18 bis 21.30 Uhr.
Hochheim. Jugendzentrum, Massenheimer Landstraße: Geöffnet von 13 bis 21 Uhr. Sonstiges Hattersheim. Wochenmarkt, Marktplatz, 14 bis 18 Uhr. WESTLICHE STADTTEILE
Theater / Konzerte Höchst. Neues Theater, Emmerich- Josef-Straße 46 a: Peter Spielbauer "Wenn die Sonne scheint, scheint die Sonne zu scheinen", 20 Uhr.
"Dixieland im Frack" mit der "Semper- House-Band", Dresden, Jahrhunderthalle, 20 Uhr. Filmspiegel Höchst. Filmforum im Neuen Theater: Kinderfilm Die Konferenz der Tiere (15 Uhr); Fremde Schatten (18.30 Uhr); Weiblich, ledig, jung, sucht . . . (20.30 Uhr), Emmerich-Josef-Straße 46 a. Ausstellungen Firmenmuseum der Hoechst AG im Schloß: Kunst von Zaneta Vangeli, 10 bis 16 Uhr (bis 31. 1.).
AOK-Geschäftsstelle, Palleskestraße 1: Textilcollagen "Fadenphantasien" von Gabriele Schmolck-Hieber, 8.30 bis 13 Uhr (bis 26. 2.).
MKW-Kundenzentrum, Brüningstraße 1: "Erneuerbare Energien", 9 bis 14 Uhr (bis 26. 3.).
Beratung / Selbsthilfe Höchst. Kinder-Jugend-Eltern-Beratungsstelle: Beratung für die westlichen Stadtteile, Kurmainzer Straße 1, 8.30 bis 13 Uhr, Tel. 31 06 54 59.
Nachbarschaftsbüro der Flüchtlingsarbeitsgemeinschaft, c/o Christophorusgemeinde, Hospitalstraße 42: 18 bis 20 Uhr, Tel. 30 49 21.
Evangelisches Beratungszentrum: Psychologische Beratungsstelle, Hospitalstraße 48, 8.30 bis 12 Uhr, Anmeldung unter Tel. 0 69 / 31 56 01.
Verein Arbeits- und Erziehungshilfe (VAE): Jugend- und Suchtberatung, Gersthofer Straße 4, 9 bis 12 und 13 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung Tel. 30 20 03.
Pro Familia: Sexualberatung/Familienplanung, Hostatostraße 16, 9 bis 11 Uhr.
Psychosoziale Beratungsstelle: Offener Treff, Bolongarostraße 154, 14 bis 17 Uhr, Tel. 30 32 14.
Caritasverband: Sozialdienst für Italiener, 9 bis 12.30 ; für Spanier, 9 bis 12 Uhr, Kasinostraße 16.
Arbeiterwohlfahrt: Königsteiner Straße 49 H, Sozialberatung, 15 bis 18 Uhr, Kontakt unter Tel. 0 69 / 31 87 77.
Beratungs- und Vermittlungsstelle für Mobile Dienste, Windthorststraße 33 I/7, Tel. 0 69 / 30 30 04.
Nied. Schachclub König Nied: Spielabend, 20 Uhr, Haus Nied, Luthmerstraße.
Zeilsheim. Skatclub "Froschkönige": Spielabend, Sportlerheim, Lenzenbergstraße 24, 19 Uhr.
Höchst. Senioreninitiative Gebeschusstraße 44: Aquarellmalerei, 10 Uhr; Singkreis, 14.15 Uhr; Redaktionsgruppe, 14.30 Uhr; Stammtisch "Da Vincenco", ab 17 Uhr. Kinder / Jugendliche
Höchst. Schachclub 1910 Höchst: Juniorschach, Johannesallee 39 (Eingang im Hof), 18 bis 20 Uhr.
Unterliederbach. Jugendcafé Pinguin: Hunsrückstraße 11, 18 bis 23 Uhr.
Zeilsheim. Evangelische Kirchengemeinde: Jugendgruppe für 14 bis 16jährige, Gemeindehaus Rombergstraße 63, 20 Uhr. WIESBADEN
Theater / Konzerte Theater, Großes Haus: "Hänsel und Gretel", 19.30 Uhr.
Theater, Kleines Haus: "Volksvernichtung oder Meine Leber ist sinnlos", 19.30 Uhr.
Pariser Hoftheater, Spiegelgasse 9: Herrchens Frauchen "HerrenLos", ein Programm über Sexualität und Macht, 20.30 Uhr.
Komödie am Park, Wilhelmstraße 36: "Hier sind Sie richtig", Schwank, 20.15 Uhr.
Villa Clementine, Frankfurter Straße 1: Ensemble Klassik mit Werken von Milhaud, Ravel, Bartok u.a., 20 Uhr.
Kurhaus: Juristenball, 19.30 Uhr.
Arkaden-Cinema 2000 am Ring, Bleichstraße 45/47: Bodyguard (14, 17, 20, 23 Uhr).
Thalia-Theater, Mauritius-Galerie, Kirchgasse: Sister Act (13, 16.30, 19.30, 22.30 Uhr).
Hollywood, Mauritius-Galerie, Kirchgasse: Stalingrad (14, 17.15, 20.30, 22.30 Uhr).
Apollo-Cinema, Moritzstraße 6: Die Schöne und das Biest (13, 15 Uhr); Der Tod steht ihr gut (17.30, 20, 22.30 Uhr).
Kino-Center, Moritzstraße 6: Atelier: Der letzte Mohikaner (13, 15.30, 18, 20.30, 23.30 Uhr).
Alpha: Verhängnis (14.30, 17, 19.30, 22 Uhr).
Beta: Grüne Tomaten (14.30, 17.30, 20.30, 23.30 Uhr).
Gamma: Kevin - Allein in New York (13.30, 16.30, 19.30, 22.30 Uhr).
Bambi-Cinema Petit, Mauritiusplatz: Bitter Moon (13, 16, 19, 22 Uhr).
Passage-Programmkino, Wellritzstraße: Weisse Jungs bringen's nicht - White man can't jump (17, 19.45 Uhr). Bob Marley - time will tell (22.30 Uhr).
KiKi-Kinderkino: Asterix bei den Briten (13, 15 Uhr). Ausstellungen
Rathaus-Galerie, Schloßplatz: "Wiesbadener Ansichten" von Ruth Westerwelle, 10 bis 19 Uhr (bis 21. 2.).
Galerie Ressel, Schöne Aussicht 24: Arbeiten auf Papier und Keramik von A.R. Penck, 14 bis 18 Uhr (bis 19. 2.).
Galerie Nilu und Dorrsgalerie präsentieren: "Cosmic Messengers", Malerei, Kunstobjekte, Installation von Jean Mandola, Karen Roberts-Pitts, Helmut Mando und Chris Clarke, Galerie Nilu, Adolfstraße 8, Sonderausstellung bei Dorrsgalerie, Rheinstraße 101 (bis 13. 2.).
Villa Clementine, Frankfurter Straße 1: Malereien von Emil Szymannsky, 15 bis 18 Uhr (bis 31. 1.).
Galerie B. Haasner, Saalgasse 38 / Eingang Nerostraße, Druckgrafik von Antoni Tàpies und Louise Bourgeois, 14 bis 18.30 Uhr (bis 27. 2.).
Penta-Hotel, Auguste-Viktoria-Straße 15: Aquarelle, Pastelle und Temperabilder von Dagmar Jost (bis 28. 2.).
Galerie Bellevue, Wilhelmstraße 32: Ausstellung Eddie Constantine "Architekturmodelle", 15 bis 18 Uhr (bis 14. 2.).
Stadtteilbibliothek Bierstadt, Theodor- Fliedner-Schule: "Naturerlebnis Aukamm", 9 bis 12.30 Uhr (bis 29. 1.).
Hessische Landesbibliothek, Rheinstraße 55/57: "Amerika - Europa: Entdekkung, Eroberung und Erforschung eines Kontinents", 9 bis 16.30 Uhr (bis 5. 2.).
Museum Wiesbaden, Friedrich-Ebert- Allee 2: "Die Wiesbadener Sammlung - Aus Dresden rückgeführte Gemälde" (bis 7. 2.); Jörg Schöner - Fotografie aus Görlitz (bis 21. 2.); Kunst von Mechthild Frisch (bis 7. 2.); Öffnungszeiten des Museums: 10 bis 16 Uhr.
Aids-Hilfe: Karl-Glässing-Straße 5, Bürozeiten: 10 bis 14 Uhr, Tel. 30 24 36; telefonische Beratung: 19 bis 21 Uhr, Tel. 1 94 11.
Verein Soziale Hilfe: Beratungsstelle, Bismarckring 3, 10.30 bis 12.30 und 14 bis 15.30 Uhr, Tel. 06 11 / 30 09 91.
Pro familia: Langgasse 3, offene Sprechstunde, Verhütungsmittelberatung, 9 bis 12 Uhr; Schwangerschaftskonfliktberatung nach Absprache, Tel. 37 65 16.
Arbeitsamt: Sprechstunde der Berufsberatung, Klarenthaler Straße 34, Zimmer 333, Kurzinformationen, 8 bis 12.30 Uhr; ausführliche Beratung nach Absprache, Tel. 94 94 35 6.
Verein Hilfe für Kinder und Jugendliche: Kinder- und Jugendtelefon, 15 bis 19 Uhr, Tel. 06 11 / 1 11 03.
Altenhilfeprojekt St. Elisabeth: Vermittlung von Haushaltshilfen, Zietenring 18, 10 bis 12 Uhr, Tel. 40 10 81.
Jugend- und Drogenberatung "Oase": Stiftstraße 12, 9 bis 15 Uhr, persönliche Beratung nach Absprache, Tel. 52 40 18.
Landesversicherungsanstalt Hessen: Scharnhorststraße 24, Sprechstunde, 8 bis 12 Uhr.
Kinderschutzbund: Sorgentelefon für Kinder, Schwalbacher Straße 72, 15 bis 19 Uhr, Tel. 06 11 / 5 11 22.
Interessenverband Unterhalt und Familienrecht: "Sorgentelefon Scheidung" (keine Rechtsberatung), Tel. 06 11 / 54 30 69.
Wiesbadener Hilfe, Opfer- und Zeugenberatung, Adelheidstraße 74, 8 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung, Tel. 3 08 23 24 und 3 08 23 25.
- ohne Gewähr -
BAD HOMBURG. Die Nachmittagskonzerte in der evangelischen Christuskirche gibt es seit 19 Jahren, und vor allem junge, besonders begabte Künstler haben hier eine Auftrittschance. Jedes Konzertjahr hat seine besonderen Schwerpunkte, in diesem Jahr können erstmals Förderpreise an Nachwuchskünstler gegeben werden. Die Stiftung "Initiative und Leistung" von der Nassauischen Sparkasse hat die Mittel zur Verfügung gestellt.
Das nächste Konzert ist am Samstag, 23. Januar, 17 Uhr, in der Kirche im Stettiner Weg. Beim Klavier-Recital sind unter anderem Werke von Scarlatti, Schubert, Liszt und Mussorgski zu hören.
Bei "Ars concertante" in der Tanzschule Karabay, Mühlweg 9, am Sonntag, 24. Januar, 11 Uhr, ist ein Klavier-Recital zu hören. Bernd Ickert spielt Klaviermusik von Bach, Janacek und Beethoven. Künstlerischer Leiter des Konzertes ist Ladislav Jelinek.
Das Rundfunkorchester Pilsen gastiert am Dienstag, 26. Januar, 20 Uhr, im Kurtheater (Abonnement A). Unter der Leitung von Josef Helperin spielt das Orchester "Karaminskaja" von Michael Glinka, Teile aus Edvard Griegs Per-Gynt-Suiten, ein Oboenkonzert von Ralph Williams und die Musik zum "Sommernachtstraum" von Felix-Mendelssohn-Bartholdy.
Beim Schloßkonzert am Freitag, 22. Januar, 20 Uhr, wird das Ensemble "Musica Antiqua" aus Köln Musik von "Mozarts Freunden" spielen. Das ursprünglich für diesen Termin vorgesehene Gastspiel der Kremsierer Hofkapelle muß aus personellen Gründen verschoben werden. "Mozarts Freunde" sind diesen Abend Johann B. Vandal, Pietro Nardini, Stephen Storace, J. Michael Haydn und Antonio Salieri.
Es ist zeitgenössische Musik, die im Wien des 18. Jahrhunderts aus jedem geöffneten Fenster klang. Karten für das Konzert gibt es im Verkehrsamt im Kurhaus (Tel. 0 61 72 / 12 13 10) und an der Abendkasse. s
KELSTERBACH. "Keine Gewalt an unserer Schule" ist an der Integrierten Gesamtschule (IGS) der Slogan einer modellhaften Aktion gegen Gewalt, und zwar nicht nur gegen Ausländer, sondern grundsätzlich als Mittel der Konfliktlösung. Für eine längere Kampagne sind nach Auskunft von Direktor Alfred Harnischfeger verschiedene Initiativen bereits angelaufen. Sichtbares Zeichen soll der neue Button "Fair geht vor - IGS Kelsterbach" sein.
In der kommenden Woche wollen über achtzig Schüler/innen der IGS mit dem Besuch einer Großveranstaltung den Auftakt zu der Aktion machen: Ziel ist in Frankfurts Festhalle die Veranstaltung "Spitzensportler und Musiker gegen Gewalt und Fremdenhaß". Solche Ziele wollen die teilnehmenden jungen Leute aus Kelsterbach über den Tag hinaus unterstützen.
Wer mitmachen will, unterschreibt dazu formell eine Verpflichtungsermächtigung gegen Gewalt. Auf diese Weise sollen möglichst viele andere ermuntern werden, ebenfalls gegen Gewalt in jeglicher Form einzutreten, Streitigkeiten ohne Anwendung oder Androhung von Gewalt zu lösen. Dafür gibt's dann die Buttons, die vom Sportlehrer Reinhard Odey und dem Lehrer für Gesellschaftskunde, Harald Freiling, ausgeteilt werden.
In dieser Verpflichtung finden sich Sätze wie: "Ich will nicht wegsehen, wenn Schülerinnen und Schüler bedroht oder mit Worten oder Fäusten verletzt werden. Über Unrecht darf man nicht schweigen. Ich will auch in einem Streit die Würde eines anderen Menschen nicht dadurch verletzen, daß ich ihn wegen seiner Herkunft, seiner Religion, seiner Hautfarbe oder seines Geschlechts beschimpfe." Wer an der Aktion mitmacht, verpflichtet sich auch ausdrücklich, keine Gegenstände mit sich zu führen, mit denen andere verletzt werden könnten. Wörtlich heißt es auch: "Ich möchte, daß jeder ohne Angst vor mir in die Schule kommen kann."
Bei alledem bewegen sich die Teilnehmer auf dem Boden fester Grundwerte, wie sie laut Harnischfeger in der Hessischen Verfassung festgeschrieben sind: "Leben und Gesundheit, Ehre und Würde des Menschen sind unantastbar." Darauf ist in der Verpflichtungsermächtigung ausdrücklich Bezug genommen worden.
Im Hintergrund der auch vom Magistrat für die Stadt als Schulträger unterstützten Aktion steht die laut Harnischfeger bei jungen Leuten insgesamt besorgniserregend gewachsene Bereitschaft zur Gewalt - sowohl gegen Personen als auch Sachen. Von diesem Trend sei auch die Kelsterbacher Gesamtschule nicht ausgenommen. Die Spanne reiche von Prügeleien bis zu Vandalismus, beispielsweise an schulischen Einrichtungen. Dem solle mit der Aktion gezielt entgegengewirkt werden: "Wir wollen das nicht einfach hinnehmen."
Gedacht ist auch an eine Gesamtkonferenz mit Lehrern, Eltern und Schülern zum Thema Gewalt. Dabei soll beraten werden, wie den zunehmenden Erscheinungsformen der Gewaltbereitschaft begegnet werden könne. "Das ist wie eine ansteckende Krankheit", kommentierte Schulleiter Harnischfeger. cas
Die kurzen, kräftigen Hände, deren zerfurchte Haut von lebenslanger Arbeit erzählt, ruhen für einen Moment auf der gemusterten Kittelschürze. Dann kreisen die Finger wieder umeinander, und in die blauen Augen von Solange T., der 72jährigen Bäuerin aus dem nordbretonischen Marktflecken, steigt die Erinnerung an einen Sommertag des Jahres 1943. Ein leises Lächeln begleitet die innere Rückschau, und ihre Wangen röten sich vor Aufregung und nicht wie vor 50 Jahren aus panischer Angst, wenn sie an ihr erstes Zusammentreffen mit "den Deutschen" zurückdenkt.
An jenem Morgen war der jungen Magd auf dem kleinen Bauernhof, von dem die Besatzer Milch, Eier, Fleisch und anderes Eßbares bezogen, ein Mißgeschick passiert. Eine nervöse Kuh hatte den Melkeimer umgetreten, und die täglichen 20 Liter "pour les Allemands" wären nur auf Kosten der Milchration für die Bauernkinder lieferbar gewesen. Deshalb ("Die Kinder brauchten das doch viel dringender") kippte Solange T. reichlich Wasser in die requirierte Milch; und es sollte zu der denkwürdigen, das Deutschen-Bild der Bretonin ein halbes Jahrhundert lang prägenden Begegnung mit dem Offizier in Feldgrau kommen.
Zornig, über Sabotage und "Wehrkraftzersetzung", Résistance und Todesstrafe zeternd, stellte der Uniformierte den Hofbesitzer zur Rede, der jedoch von der gepanschten Milch nichts wußte und folglich auch keine Erklärung parat hatte. Das Geschrei wurde lauter, das Gewehr senkte sich und das Herz der Magd, die sich in der Scheune verborgen hielt, pochte immer schneller. Als sie ihren "Patron" schon kurz vor dem Exekutionskommando wähnte, trat sie aus ihrem Versteck und gestand stotternd und am ganzen Leibe zitternd die "böse Tat" zum Wohl der Kinder ihres Herren - bereit, an seiner Stelle bestraft zu werden.
Doch zu ihrer Überraschung verrauchte der Zorn des fremden Mannes mit der Waffe. Ein umgefallener Melkeimer - "das kann schon mal passieren", sagte er besänftigend, denn auch er, so stellte sich heraus, "war ein Bauer". Das mit dem Wasser aber sollte sie besser lassen, sondern gleich zugeben, daß es nicht genug Milch für alle gibt, wenn wieder einmal eine törichte Kuh danebentreten sollte.
"Justice", Gerechtigkeit, so sagt Solange T. heute, sei ihr in dieser Situation widerfahren, weshalb sie "auch keine Rechnung mit den Deutschen offen hat". Trotzdem, da gab es die Angst der bretonischen Landbevölkerung, daß ihnen zwar nicht der Himmel, aber doch die herabstürzenden Flugzeuge auf den Kopf fallen könnten, die bei ihren Luftkämpfen über den Klippen der Côte de Goelo und den flachgeduckten Bauernhöfen herumkariolten. Und es gab die Résistance, deren zäher Kampf gegen die Besatzer aus dem Osten auch und gerade in der Bretagne von den Menschen getragen und eindrucksvoll unterstützt wurde.
Aber es gehört zur heute manchmal erstaunlichen Leichtigkeit eines deutschen Seins in der französischen Provinz, daß solche Begebenheiten auch von den Alten als zwar wichtige, aber der Vergangenheit angehörende Ereignisse erzählt und vor den lauschenden Enkeln im Beisein der Zugereisten ausgebreitet werden. Der Alltag, die Normalität in einem winzigen Weiler nahe der Küstenlinie, dessen Rhythmus von Ebbe und Flut bestimmt wird und vom Wechsel der Jahreszeiten, nimmt den Fremden heute bereitwillig auf.
Noch Anfang der siebziger Jahre war diese Gelassenheit des Umgangs miteinander und die Selbstverständlichkeit, mit der die Deutschen heute Grund und Boden erwerben oder mit Verwaltungen und der Telecom verhandeln können, durchaus nicht üblich in Galliens Provinzen. Der Freiwillige der Aktion Sühnezeichen, der seinen 18monatigen Zivildienst als "Friedensdienst" in einem normannischen Erziehungsheim absovierte, sah sich damals immer wieder mit endlosen französischen Fernsehserien über hirnlos-brutale "Boches" konfrontiert. Die Ressentiments, ja beinahe offenen Feindseligkeiten bei Behördengängen, Straßenkontrollen oder beim Plausch mit deutschen Landsleuten im Bistro, der jedes andere Gespräch am Tresen verstummen ließ: Sie gehören ebenso der Vergangenheit an wie der Hochmut der kartesianischen Intellektuellen über die "Mystiker" vom anderen Rheinufer, der einst die teutonische Ökologiebewegung traf.
Im Gegenzug ging allerdings auch manches hiesige, von den Altvorderen gepflegte (Vor)urteil über Bord. So etwa über die Anfälligkeit französischer Technik in Haus, Hof und Automobil, die Schlaglochhäufigkeit der Straßen, die Unzuverlässigkeit von Handwerkern und Verwaltungen oder die romantisch verklärte leichte "Lebensart", hinter der in Wirklichkeit eine von harter Arbeit geprägte gesellschaftliche Wirklichkeit steckt, in der High-Tech- Anwendungen weiter als in Deutschland verbreitet sind.
Die streckenweise verblüffende Effizienz und Leistungsbereitschaft, mit der staatliche und private französische Unternehmen auch dem deutschen Kunden gegenübertreten, steht in einem merkwürdigen Kontrast zu den Legenden, die noch immer in Frankreich über die hiesigen Pendants gepflegt werden. Auch Solange T., die ihren Kanton in der Nordbretagne nicht einmal verließ, mißt den Deutschen nachgerade überirdische Organisationstalente zu - wie schön, daß es nicht die bösen Kriegserinnerungen sind, die heute diese Mär stützen. HANS-HELMUT KOHL
RÜSSELSHEIM. Szenen aus dem Leben junger Leute stehen im Mittelpunkt mehrerer Theaterszenen, die Auszubildende bei der Adam-Opel-AG einstudiert haben und bei der Premiere am Freitag, 22. Januar, ab 19 Uhr, im "Forum" aufführen werden. Die jungen Leute wollen Themen wie Alkoholmißbrauch und Rechtsradikalismus aufgreifen. Weitere Vorführungen sind geplant. cas
Kurz notiert
Tips und Termine für den Main-Taunus-Kreis, Frankfurts westliche Stadtteile und Wiesbaden
MAIN-TAUNUS-KREIS
Samstag
Theater / Konzerte Hattersheim. "Heartbreakers", Oldies, Posthofkeller, 21 Uhr.
Hofheim. Musikschule des Volksbildungsvereins: "Vorspiel der Klavierklasse Berthold Mann", Kleines Kulturzentrum, Hauptstraße 38, 15 Uhr.
Kelkheim. Jazzclub Kelkheim: "Ladies' choice", drei Sängerinnen und ein Kontrabaß, Alte Schule Hornau, Rotlintallee, 20.30 Uhr.
Vorträge / Kurse Flörsheim. Diavortrag "Rückblick Ferienspiele 1992", Flörsheimer Keller, 15 Uhr.
Vereine / Organisationen Bad Soden. Taunusclub: Wanderung zum Homburger Haus, Hasselgrundhalle, Gartenstraße 2 a, 9 Uhr.
Hattersheim. Kulturverein der Griechen: Neujahrs-Feier, Stadthalle, 19 Uhr.
Sängervereinigung Okriftel: Närrische Singstunde, Haus der Vereine Okriftel, 19.11 Uhr.
Kelkheim. Sportgemeinschaft: Wandergruppe, sportliches Gehen, Treffpunkt: Sportplatz Taunusblick, 18 Uhr. Beratung / Selbsthilfe Eschborn. Anonyme Spieler: Selbsthilfegruppe für zwanghafte Spieler, Treffen, Niederhöchstadt, Hauptstraße 297, 16.30 bis 18 Uhr, Tel. 0 61 73 / 6 15 75. Fastnacht Flörsheim. MGV Harmonie: 1. Kappensitzung, Goldbornhalle, 19.11 Uhr.
Flörsheimer Carneval Verein: 1. Fastnachtssitzung, Stadthalle, 20.11 Uhr. Sonstiges Hofheim. AK Hofheimer Flüchtlingstage, Jusos Hofheim, Pax Christi Hofheim: Flüchtlinge und BürgerInnen im Gespräch "Gute Nachbarschaft auf dem Hochfeld", mit Folk, Rock, Klassik, Tanz und Spielen, Bodelschwingh-Schule, Königsberger Weg 31, ab 16 Uhr. Sonntag
Theater / Konzerte Eschborn. Musikschule Taunus: Museums-Matinee mit Werken von Bach, Haydn, Sammartini und Godard, Museum Eschborn, 11 Uhr.
"Die Csardásfürstin", Operette von Emmerich Kálmán, Stadthalle, 19.30 Uhr.
Hochheim. Kolpingfamilie: "Meditative Gesänge aus Taize", Pfarrkirche St. Peter und Paul, 17 Uhr.
Hofheim. Musikschule des Volksbildungsvereins: Vorspielen der Teilnehmer am Wettbewerb "Jugend musiziert", Kleines Kulturzentrum, Hauptstraße 38, 17 Uhr.
Schwalbach. Theater Dreiländereck Basel: Vergnüglicher Emil-Kästner- Abend. Rainer Hunold, Dieter Ballmann, Frithjof Vierock u.a. spielen "Drei Männer im Schnee", Bürgerhaus, 20 Uhr.
Schwalbach. SPD: Historischer Stadtrundgang, Treffpunkt: Historisches Rathaus, 14 Uhr.
Vereine / Organisationen Flörsheim. FC Germania, Jugend: Fußballturnier, Weilbachhalle, ab 10 Uhr.
Hattersheim. Schachclub: Mannschafts-Schachwettkämpfe, Alter Posthof, Volksbildungsraum 2, 13.30 Uhr.
Hofheim. Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit: Dokumentarfilm über Theresienstadt, Kleines Kulturzentrum, Hauptstraße, 17 Uhr.
Turnverein Lorsbach: Winterlauf- und Wanderserie, Treffpunkt: Turnhalle Lorsbach, 8 Uhr.
Kelkheim. Taunusclub Fischbach: Winterwanderung mit Einkehr, Treffpunkt: Bürgerhausplatz Fischbach, 13 Uhr.
Kriftel. Kunstforum Kriftel: Gedenkprogramm zum 7. Todestag von Joseph Beuys, Immanuel-Kant-Straße 1, Raum 1, 15 bis 21 Uhr. Fastnacht Hattersheim. Senatsfrühschoppen des Hattersheimer Carneval Clubs, Stadthalle, 10.33 Uhr. Filmspiegel
Wochenende Bad Soden. Kurtheater, Zum Quellenpark: Die Schöne und das Biest (Sa., So. 15 Uhr); Bodyguard (Sa., So. 17, 20 Uhr, Sa. 22.45 Uhr).
Hattersheim. Kino am Kirchplatz Okriftel: Sister Act (Sa., So. 15, 17.30, 20.15 Uhr.
Hofheim. Capitol-Kino-Center, Lorsbacher Straße 3: Kino 1: Bodyguard (Sa., So. 15, 17.30, 20.15 Uhr).
Kino 2: Kevin - Allein in New York (Sa., So. 15 Uhr); Der Tod steht ihr gut (Sa., So. 17.30, 20.15 Uhr).
Kino 3: Die Schöne und das Biest (Sa., So. 15 Uhr); Sister Act (Sa., So. 17.30, 20.15 Uhr).
Kelkheim. Kino Hornauer Straße 102: Bodyguard (Sa., So. 17, 20 Uhr).
Kronberg. Kronberger Lichtspiele, Friedrich-Ebert-Straße 1: Bodyguard (Sa., So. 15, 20.15 Uhr, Sa. 22.45 Uhr).
WESTLICHE STADTTEILE
Samstag
Höchst. Neues Theater, Emmerich- Josef-Straße 46 a: Peter Spielbauer "Wenn die Sonne scheint, scheint die Sonne zu scheinen", 20 Uhr.
Jahrhunderthalle: "Dixieland im Frack" mit der "Semper-House-Band", Dresden, 20 Uhr. Parteien / Parlamente
Höchst. SPD-Frühstückstreff, SPD-Laden, Bolongarostraße 166, 10 bis 13 Uhr. Sonntag
Höchst. Neues Theater, Emmerich- Josef-Straße 46 a: Varieté am Sonntag, 16, 20 Uhr.
Unterliederbach. Musical für Kinder "Knasterbax und Siebenschütz", evangelisches Gemeindehaus, Wartburgstraße 1, 17 Uhr.
Filmspiegel
Höchst. Filmforum im Neuen Theater, Emmerich-Josef-Straße 46 a: Kinderfilm Die Konferenz der Tiere (So.: 15 Uhr); Der Mieter (Sa. 18.30 Uhr, So. 20.30 Uhr); Weiblich, ledig, jung, sucht. . . (Sa. 20.45 Uhr, So. 18.30 Uhr); Jimi Hendrix at the Isle of Wight (Sa. 22.45 Uhr). WIESBADEN
Samstag
Theater / Konzerte Theater, Großes Haus: "Der kleine Horrorladen", 19.30 Uhr.
Theater, Kleines Haus: "Das Dschungelbuch", 19.30 Uhr.
Theater, Foyer: "Un après-midi-musical-culinaire à la chanson francaise", 15 Uhr.
Pariser Hoftheater, Spiegelgasse 9: Herrchens Frauchen "HerrenLos", ein Programm über Sexualität und Macht, 20.30 Uhr.
Theater am Park, Wilhelmstraße 36: "Hier sind Sie richtig", Schwank, 20.15 Uhr.
Café Cicero, Kirchgasse 50: "The night on fire" Musik und Texte von Jim Morrisson und "The Doors", präsentiert von "The Blues is back", 20.30 Uhr.
Fastnacht Prunk-Sitzung "Fidele Elf", Rhein- Main-Hallen, 19.11 Uhr. Sonstiges "Das Auto zur Vernunft bringen", mit Prof. Dr. Ulrich Steger "Umweltvorstand" der Volkswagen AG und Dr. Jürgen Wefelmeier, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie, Holiday Inn, Bahnhofstraße 10 - 12, 10 Uhr. Sonntag
Theater / Konzerte Theater, Großes Haus: "Otello", 16 Uhr.
Theater, Kleines Haus: "Des Teufels General", 16 Uhr.
Pariser Hoftheater, Spiegelgasse 9: Lars Reichow "Ich bin auf jeden Fall da", Musikkabarett, 20.30 Uhr.
Filmspiegel Arkaden-Cinema 2000 am Ring, Bleichstraße 45/47: Bodyguard (Sa., So. 14, 17, 20, Sa. 23 Uhr).
Thalia-Theater, Mauritius-Galerie, Kirchgasse: Sister Act (Sa., So. 13, 16.30, 19.30, Sa. 22.30 Uhr); Vorpremiere: Sneakers - die Lautlosen (So. 11 Uhr).
Hollywood, Mauritius-Galerie, Kirchgasse: Stalingrad (Sa., So. 14, 17.15, 20.30, Sa. 22.30 Uhr).
Apollo-Cinema, Moritzstraße 6: Die Schöne und das Biest (Sa., So. 13, 15 Uhr); Der Tod steht ihr gut (Sa., So. 17.30, 20, 22.30 Uhr).
Kino-Center, Moritzstraße 6: Atelier: Der letzte Mohikaner (Sa., So. 13, 15.30, 18, 20.30, Sa. 23.30 Uhr).
Alpha: Verhängnis (Sa, So. 14.30, 17, 19.30, 22 Uhr).
Beta: Grüne Tomaten (Sa., So. 14.30, 17.30, 20.30, Sa. 23.30 Uhr).
Gamma: Kevin - Allein in New York (Sa., So. 13.30, 16.30, 19.30, 22.30 Uhr).
Bambi-Cinema Petit, Mauritiusplatz: Bitter Moon (Sa., So. 13, 16, 19, 22 Uhr).
Passage-Programmkino, Wellritzstraße: Weisse Jungs bringen's nicht - White man can't jump (Sa., So. 17, 19.45 Uhr). Jodie-Foster-Doppelnacht: "Angeklagt" und "Das Schweigen der Lämmer" (Sa. 22.30 Uhr). Das Schweigen der Lämmer (So. 22.30 Uhr).
KiKi-Kinderkino: Asterix bei den Briten (Sa., So. 13, 15 Uhr). ohne Gewähr
Notdienste
Ärzte Offenbach. Ärztliche Notdienstzentrale Städtische Kliniken, Starkenburgring, Tel. 0 69 / 1 92 92.
Heusenstamm/Obertshausen/Mühlheim-Lämmerspiel. Ärztliche Notdienstzentrale Obertshausen, Beethovenstr. 2, Tel. 0 61 04 / 46 06, Sa., 8, bis Mo., 7 Uhr.
Mühlheim. Ärztl. Notdienstzentrale Mühlheim, Sozialstation, Friedensstr. 20, Tel. 0 61 08 / 7 69 82, Sa., 11, bis Mo., 7 Uhr.
Dietzenbach. Sa., 9, bis Mo., 6.30 Uhr, Ärztl. Notdienstzentrale, Steinberg, Siedlerstraße 66, Tel. 0 60 74 / 1 92 92.
Hainburg/Seligenstadt/Mainhausen. Notdienstzentrale Seligenstadt, Frankfurter Str. 31, Tel. 0 61 82 / 2 53 33.
Babenhausen. Sa. u. So.: Dr. Jakobi, Schaafheim, Schlierbacher Str. 3, Tel. 0 60 73 / 94 29.
Dieburg. Über DRK, Tel. 0 60 71 / 27 55.
Rodgau/Rödermark-Urberach/Messel. Sa., 7, bis Mo., 7 Uhr, Dudenhofen, Friedberger Str. 30, Tel. 0 61 06 / 212 72.
Neu-Isenburg. Medizinisches Institut (Ärztehaus), Georg-Büchner-Str. 1, Tel. 0 61 02 / 2 74 73, Fr., 20, bis Mo., 7 Uhr.
Dreieich. Notdienst, Ringstr. 114, Tel. 0 61 03 / 8 10 40, Sa., 7, bis Mo., 7 Uhr.
Egelsbach. Sa., 8, bis Mo., 7 Uhr, Tel. 0 61 03 / 5 21 11 und 1 92 92.
Langen. Sa., 7, bis Mo., 7 Uhr, Notdienstzent. Langen, Tel. 0 61 03 /5 21 11 und 1 92 92 (wenn Hausarzt nicht erreichbar). Zahnärzte Rufbereitschaft: Sa., 8, bis Mo., 8 Uhr; (Sprechstunden Sa., 15 bis 18 Uhr, So., 9 bis 12 und 15 bis 18 Uhr).
Offenbach. Sa. und So.: Dr. Hermann Stein, Offenbach, Frankfurter Str. 50, Tel. 81 81 52 oder priv. 85 13 33.
Östlicher Kreis: Sa. und So.: Ulrike Mandel, Obertshausen, Otto-Hahn-Str. 2, Tel. 0 61 04 / 4 16 68.
Westlicher Kreis. Sa. und So.: Dr. ArnoWehrenberg, Sprendlingen, Damaschkestr. 4-6 (über Sternapotheke), Tel. 0 61 03 / 3 24 46, priv. 0 62 57 / 8 13 24. Tierärzte Offenbach/Frankfurt. Sa., 14 Uhr bis Mo., 6 Uhr: Tierärztin Meißen, Frankfurt, Thomas-Mann-Str. 6 b, Tel. 58 70 51 6 und Dr. Metzger, Ffm.-Nordend, Vogelsbergstr. 32, Tel. 44 20 16.
Ostkreis Offenbach. Sa., 14 Uhr bis Mo., 7 Uhr: Tierarzt Hartmann, Heusenstamm, Tel. 0 61 04 / 6 31 02.
Westkreis Offenbach. Den Notdienst erfahren Sie von Ihrem Hausarzt. Apotheken Offenbach. Sa.: Schiller-Apotheke, Frankfurter Str. 61, Tel. 88 74 73, Süd-Apotheke, Eberhard-v.-Rochow-Str. 3, Tel. 83 59 23 und PAM-Apotheke, Geleitsstr. 6, Tel. 8 00 49 00; So.: Kaiser-Apotheke, Kaiserstr. 29, Tel. 88 36 13 und Berg-Apotheke, Bieber, Aschaffenburger Str. 58, Tel. 89 14 70.
Heusenstamm/Obertshausen. Sa. u. So.: Alexander-Apotheke, Obertshausen, Heusenstammer Str. 32, Tel. 4 15 24.
Mühlheim. Sa. u. So.: Sonnen-Apotheke, Dietesheimer Str. 29, Tel. 7 14 61.
Dietzenbach. Sa.: Bieber-Apotheke, Steinberg, Gallische Str. 2-4, Tel. 3 19 17; So.: Stern-Apotheke, Taunusstr. 24, Tel. 2 69 50.
Rodgau. Sa.: Sonnen-Apotheke, Dudenbofen, Saalbaustr.3, Tel. 2 30 00; So.: Stern-Apotheke, Jügesheim, Vordergasse 38, Tel. 92 61.
Seligenstadt/Hainburg/Mainhausen. Sa.: Rosen-Apotheke, Kl.-Krotzenburg, Wilhelm-Leuschner-Str. 42, Tel. 41 91 und St.-Kilian-Apotheke Mainflingen, Schillerstr. 25, Tel. 2 46 47; So.: Stadt-Apotheke, Seligenstadt, Marktplatz 4, Tel. 33 08.
Babenhausen. Sa. und So.: Löwen-Apotheke, Fahrstr. 59, Tel. 25 34.
Dieburg/Münster/Groß-Zimmern. Sa.: Apotheke am Rathaus, Münster, Mozartstr. 6,Tel. 3 23 63 und Adler-Apotheke, Groß-Zimmern, Jahnstr. 3, Tel. 4 11 56; So.: Apotheke in Dieburg, Altstadt 11, Tel. 2 22 20.
Neu-Isenburg. Sa.: Kronen-Apotheke, Tel. 3 290481 So.: Stadt-Apotheke, Bahnhofstr. 35, Tel. 2 27 03.
Dreieich. Sa.: Offenthal-Apotheke, Offenthal, Mainzer Str. 8-10, Tel. 0 60 74 / 71 51;So.: Rosen-Apotheke, Dreieichenhain,Hanau Str. 2-12, Tel. 8 68 64.
Langen / Egelsbach. Sa.: Braun'sche Apotheke, Langen, Am Lutherplatz 2, Tel. 0 61 03 / 2 37 71; So.: Münch'sche Apotheke, Langen, Darmstädter Str. 1, Tel. 0 61 03 / 2 23 15.
Medikamenten- und Pflegenotdienst, bis Mo. 5 Uhr: 01 30 / 82 10 10 (Ortstarif). Krankentransporte Stadt und Kreis Offenbach. Unfallrettung und Krankentransport-Leitstelle der Berufsfeuerwehr, Tel. 0 69 / 85 20 14 oder 85 20 73. - Rettungshubschrauber, Tel. 0 69 / 44 10 33. - Wachen des DRK: Nieder-Roden, Tel. 0 61 06 / 7 15 48; Seligenstadt, Tel. 0 61 82 / 36 35; Neu-Isenburg, Tel. 0 61 02 /2 33 89; Langen, Tel. 0 61 03 / 2 37 11.
Dietzenbach/Rodgau/Rödermark. Abrufbereit unter Johanniter-Unfallhilfe, Rettungswache Nieder-Roden, Tel. 0 61 06 / 2 40 92; Behindertenfahrdienst, Mobiler Sozialer Hilfsdienst, Tel. 0 61 06 / 25 35. Gemeindeschwestern Dietzenbach. Sa. u. So.: Godela Dürrschmidt,Tel. 36 16, priv. 069 / 89 75 11.
Dreieich. Pflegedienste Dreieich, Ev. Kirchl. Zweckverband, Tel. 0 61 03 / 3 63 37.
Dreieich-Offenthal. Schwester Elsa Pippig, Tel. 0 60 74 / 56 25.
Langen. Zentrum Gemeinschaftshilfe, Südliche Ringstr. 77, Tel. 0 61 03 /2 20 21.
Neu-Isenburg. Über Anrufbeantworter des Sanitäts-Vereins, Tel. 0 61 02 / 2 22 50. Kanalverstopfungen Neu-Isenburg. Sa. und So., Tel. 40 39. Elektro-Notdienst Stadt und Kreis Offenbach. Sa./So., Elektro-Hild, Offenbach, Bischofsheimer Weg 30, Tel. 0 69 / 86 23 34.
(Ohne Gewähr)
RIEDSTADT. Unter dem Motto "Korken für Kork" startet das Umweltamt eine neue Sammelaktion. Wer bisher nicht wußte, wie er Korken von Wein- oder Sektflaschen loswerden sollte, und sich fragte, ob das nun kompostierfähiges Material oder Verpackung ist, dem kann jetzt geholfen werden. Alt-Korken können in allen Riedstädter Ortsverwaltungen, im Rathaus Goddelau und im Umweltamt abgegeben werden.
Die so gesammelten Stücke werden in den Werkstätten des Epilepsiezentrums bei Kehl in Dämmstoffe für den Hausbau umgewandelt. cas
Im Blickpunkt: Metall-Arbeitszeit Flexibilität wenig genutzt
Längere und flexiblere Arbeitszeiten, wie sie die Tarifverträge in der Metall- und Elektrobranche seit Jahren ermöglichen, werden in der Praxis wenig genutzt. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der Industriegewerkschaft Metall. Flexible Arbeitszeiten sind in der Metall- und Elektrobranche seit 1984 möglich. Als das Tabu der 40-Stunden- Woche mit einem siebenwöchigen Streik gebrochen wurde, vereinbarte die größte deutsche Gewerkschaft für die damals vier Millionen Beschäftigten der Branche die 38,5-Stunden- Woche, gab allerdings den Unternehmern die Möglichkeit, mit einzelnen Arbeitnehmern individuell die 40- Stunden-Woche beizubehalten. Tarifvertraglich festgelegt war, daß in den Betrieben im Durchschnitt die 38,5- Stunden-Woche erreicht werden mußte. Wenn einzelne länger arbeiteten, mußten folglich andere weniger als 38,5 Stunden schaffen.
Im Frühjahr 1990 wurde der Tarifvertrag geändert. Seitdem wird den Betrieben generell zugestanden, daß - nach Tarifgebiet unterschiedlich - 13 Prozent oder 18 Prozent ihrer Belegschaft abweichend von der damals vereinbarten 37-Stunden-Woche bis zu 40 Stunden arbeiten dürfen. Die Mehrarbeit, so der Tarifvertrag, ist freiwillig und soll durch Geld (allerdings ohne Überstundenzuschlag) oder Freizeit abgegolten werden.
Im vergangenen Herbst sandte die IG Metall an alle 8003 Betriebe der metallverarbeitenden Industrie Fragebögen, in denen sie die Betriebsräte nach dem Unternehmerinteresse an diesen Möglichkeiten von differenzierten Arbeitszeiten befragte. Der Rücklauf lag mit 3670 Fragebögen bei fast 50 Prozent und erfaßte weit mehr als 1,8 Millionen Beschäftigte.
Insgesamt, so das Ergebnis, machten nur knapp 18 Prozent der Unternehmen von der Chance der 40-Stunden-Regelung Gebrauch. In den Großbetrieben mit über 1000 Beschäftigten war der Trend dazu deutlich häufiger festzustellen als in Klein- und Mittelbetrieben. Auf die erfaßten 1,8 Millionen Beschäftigten umgerechnet heißt das nach Gewerkschaftsangaben: Nur 2,23 Prozent der Arbeitnehmer dieser Branche fallen unter die Rubrik Arbeitszeitverlängerung. Allerdings sind hierbei die Beschäftigten nicht berücksichtigt, die außertariflich beschäftigt sind. Rechnet man die AT- Angestellten dazu, die in der Regel länger als 37 Stunden pro Woche arbeiten, so kommt man auf den Prozentsatz von 7,4.
Die IG Metall wertet diese Zahlen als Bestätigung ihrer Politik. Sie zeigten, sagt der Zweite Vorsitzende Klaus Zwickel, daß "das Geschrei" des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall nach längeren Arbeitszeiten und der 40-Stunden-Woche größer sei als das Interesse seiner Mitglieder daran.
Fast vier Fünftel der "40-Stündler" sind Angestellte, häufig Gruppenleiter und ihre Stellvertreter, "Leistungsträger" in Schlüsselfunktionen sowie Ingenieure in Forschung, Entwicklung und Konstruktion oder EDV-Fachkräfte. Aber auch Chefsekretärinnen arbeiten länger, unter den gewerblichen Arbeitnehmern sind es Meister, Instandhaltungs- sowie Wartungspersonal. Generell, so das Fazit, ist Arbeitszeitverlängerung "ein Männerphänomen". Sie werde "in der Regel als Auszeichnung, Ehre, Statusverbesserung, kurz als symbolische Gratifikation" wahrgenommen.
90 Prozent der Arbeitnehmer lassen sich die Mehrarbeit durch Geld ausgleichen. Dies kommt nach Angaben der Gewerkschaft daher, daß in fast zwei Drittel (64 Prozent) der Fälle die Unternehmen ihnen keine andere Wahl ließen, weil sie nur Geld anboten, faktisch also den Tarifvertrag verletzten. Daraus zieht Klaus Zwickel den Schluß, daß bei künftigen Vereinbarungen Sanktionsmöglichkeiten und ein Vetorecht des Betriebsrates verankert werden müßten, um Mißbrauch zu vermeiden.
Aber auch im verbleibenden Drittel mit Wahlchance favorisierten die Beschäftigten Geld. Zwei von drei wählten diese Möglichkeit. Sie wollten die Zeit nicht innerhalb von zwei Jahren "abfeiern", wie es der Tarifvertrag ermöglicht. ULRIKE FÜSSEL
KREIS GROSS-GERAU. "Die Quote und ihre Folgen" sind das Thema bei einer Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) im Unterbezirk Groß-Gerau am Samstag, 23. Januar, 14 Uhr, im Bürgerhaus Ginsheim. Referentin ist die Landtagsabgeordnete Dr. Haidi Streletz. Gleichzeitig wird die Jahreshauptversammlung abgehalten. Auf der Tagesordnung stehen Neuwahl des AsF-Unterbezirksvorstandes und Delegiertenkür.
Um Müttern die Teilnahme zu erleichtern, soll Kinderbetreuung angeboten werden, teilte die AsF mit. Dazu wird um telefonische Anmeldung gebeten bei Ulla Wolter, Tel. 0 62 58 / 32 96. cas
Der vorige Woche nach der Haftentlassung nach Chile gereiste einstige DDR-Staatschef Erich Honecker hat noch in der Untersuchungshaft in Berlin-Moabit dem anglikanischen Theologen und Direktor des Versöhnungszentrums an der Kathedrale von Coventry, Paul Oestreicher, ein Interview gegeben. Oestreicher (rechts im Bild), der 1988 die "Studienaufenthalte" der damals im Zusammenhang mit der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration von der DDR inhaftierten Bürgerrechtler vermittelte, arbeitet an einem Forschungsauftrag der Alexander von Humboldt-Stiftung (Bonn) über Staat und Kirche in der DDR. Honecker hatte ihm zunächst nur gestattet, den Text im Rahmen seiner Forschung zu verwenden. Die FR veröffentlicht Auszüge aus dem Interview.
DREIEICH. Die Situation in den städtischen Kindergärten sorgt weiterhin für Unmut bei den Eltern und beschäftigt Verwaltung und Politik. Die Elternbeiräte der Kindergärten Gravenbruchstraße und Erich-Kästner-Straße, die ihre Sorgen über die "miserable Personalsituation" öffentlich gemacht hatten, haben nun Unterstützung von den Grünen bekommen. Auch sie halten eine bessere Bezahlung der Erzieherinnen für unerläßlich und kritisierten ihren sozialdemokratischen Koalitionspartner, er stehe dieser Forderung "realitiv abgeneigt" gegenüber. Sozialdezernent Werner Müller (SPD) erklärte unterdessen, zu dem Thema werde im Rathaus an einer Vorlage für die Stadtverordneten gearbeitet.
Sonja Arnold (Grüne / BI) gibt in ihrem offenen Brief den Eltern recht, daß die Situation des Personals in den Kitas "nicht von großer Zufriedenheit geprägt ist". Engpässe in der Gravenbruchstraße hätten schon öfters nur unzureichend behoben werden können. Dieser Mißstand scheine sich auszudehnen.
Die Grünen hatten nach eigenen Angaben im Juni 1992 den Magistrat gebeten zu prüfen, ob und wie die Erzieherinnen finanziell besser gestellt werden könnten. Bürgermeister und Personaldezernent Bernd Abeln (CDU) habe den Bericht jedoch zu spät vorgelegt, um bei den Haushaltsberatungen entsprechende Anträge zu stellen, monierte Arnold.
"Der Bericht spiegelt nicht gerade den Vorsatz wider, hier wirklich etwas zu tun", heißt es in dem Brief weiter. Der Magistrat hatte im November mitgeteilt, das Kita-Personal werde bereits jetzt übertariflich bezahlt. Eine weitere Verbesserung der Einkommen könne angesichts der Haushaltslage und im Hinblick auf die Gleichstellung der städtischen Mitarbeiter nicht befürwortet werden.
Auch in anderen Bereichen sind städtische Mitarbeiter nur schwer zu bekommen, gab der Magistrat zu bedenken. Ingenieursstellen zu besetzen, sei ein Glücksfall geworden. Wie bei den Zulagen könne auch der Bau oder die Vergabe von Wohnungen für städtische Mitarbeiter nicht auf den Personenkreis der Erzieherinnen beschränkt werden.
Das war offenbar nicht das letzte Wort aus dem Rathaus. Sozial- und Personalamt bereiten nach Angaben von Müller derzeit eine Vorlage vor, die der Magistrat an das Parlament leiten will. Dabei kann es aus seiner Sicht nicht nur um die Kindergärten in der Gravenbruchstraße und die Erich-Kästner-Straße gehen. Auch die Einrichtung in der Osterwijker Straße und die Horte seien einzubeziehen. Die Grünen versprachen, das Thema nicht ruhen zu lassen. Auch die Frauenbeauftragte der Stadt, Karin Siegmann, macht sich für eine bessere Bezahlung der Erzieherinnen stark. dac
Genau 30 Jahre ist es her, seit Konrad Adenauer und Charles de Gaulle den Vertrag über die deutsch- französische Zusammenarbeit unterzeichneten. Regelmäßige Regierungstreffen, kultureller Austausch und das deutsch-französische Jugendwerk sind bis heute spürbare Folgen der Unterschriften im Elyseepalast, die die Annäherung der einstigen Feindstaaten bekräftigten. Völkerfreundschaft lebt aber von Menschen, von der Verankerung hehrer politischerZiele im Alltag der Städte und Gemeinden. Einige Kommunen und Institutionen im heutigen Main- Kinzig-Kreis haben sich schon früh bemüht, die Verständigung zwischen den Völkern mit Verschwisterungen zu unterfüttern. Stellvertretend beleuchtet die FR die Jumelage zwischen dem einst selbständigen Großauheim und Conflans-Ste.-Honorine sowie die Beziehung von Nidderaus Gesamtschule zum Collège d' Enseignement Secondaire in Fraize / Vogesen.
FRIEDBERG. Sie suchen mitten im Sommer einen Büttenredner für die Geburtstagsfeier eines närrischen Verwandten oder wollen als Attraktion fürs Straßenfest einen Elefanten? "Faks" in Friedberg kann Ihnen helfen. "Faks", die Abkürzung für Freizeit, Abenteuer, Kultur und Spaß, sind Stephan Kunz und Harry Thyssen.
Durch ihre "Sozialisation als Pfadfinder" schon als Buben verbunden, betreiben die beiden seit 1. Januar gemeinsam eine Vermittlungsagentur für Veranstaltungen jeder Art: von der Kinderfreizeit über Betriebsausflüge bis zu Gruppenreisen ins In- und Ausland, von der Komplettkonzeption von Firmenjubiläen bis zum Engagement von Clowns und Musikbands - und das von A wie Anmeldung über B wie Betreuung bis zu Z wie Zuschüsse. Ganz nach Wunsch und Budget des Kunden. Denn die Qualität bestimmt den Preis, und der läßt sich nur nach den individuellen Erfordernissen errechnen. Eines ist sie, die Faks-Gagenskala: nach oben offen.
Im Büro von "Faks" klingelt das Telefon. Harry geht dran, es ist aber eine Anfrage für Stephan. Anfragen haben die Jungunternehmer für ihre Gesellschaft bürgerlichen Rechts schon viele: So sollen sie die Konzeption für Abenteuerspielplätze in Gießen erstellen, eine Mädchenfreizeit auf einem Reiterhof organisieren, für den "Tag der offenen Tür" eines Möbelhauses einen Dudelsackspieler engagieren.
"Der Service", so sagen Diplom-Sozialpädagoge Stephan Kunz und Promoter Harry Thyssen, "ist unsere Stärke." Um diesen zu gewährleisten, setzt das Duo auf seinen reichen Fundus an Erfahrungen und Kontakten, vor allem auf das Organisationstalent, das beide schon bewiesen haben: Harry unter anderem durch seine Tätigkeit als Verantwortlicher für die Programmplanung der Kleinkunstbühne im Café Kaktus und als Hälfte des Jonglier-Duos "Mr. Joc & Mr. Hart", Stephan durch seine langjährige Arbeit als Kreisjugendpfleger und Sozialpädagoge, unter anderem im Jugendzentrum Bad Nauheim.
Das Telefon klingelt wieder, auf dem Tisch noch Briefe, viel unerledigte Post. Erst einmal erledigt haben Stephan und Harry, denen die Idee zu der Agentur während einer Kanufahrt kam, ihr Rundschreiben an Firmen, Stadtverwaltungen, Kirchen, Parteien. Denn an sie richtet sich in erster Linie ihr Angebot.
Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, alles wollen die beiden in Bad Nauheim aufgewachsenen Jungunternehmer jedoch nicht machen. Stephan Kunz: "Wenn uns jetzt die Deutsche Volksunion anrufen würde und uns den Auftrag für die Organisation eines Sommerfestes erteilen würde, den würden wir nicht machen." Geschmackloses auch nicht, wie die Striptease-Tänzerin, die aus der Herrentorte steigt.
Bei der Konzeption von Kinder- und Jugendfreizeiten haben die Profis für Entertainment über die Animation hinaus ein pädagogisches Anliegen: "Die Kinder sollen soziales Verhalten und demokratische Spielregeln erlernen." Mit Spaß versteht sich, denn der steht schließlich bei den "Faks"-Machern und ihrer Firma ganz obenan. Zu erreichen sind sie unter Tel. 0 60 31 / 1 32 45. CORINNA WILLFÜHR
Tips und Termine · Tips und Termine · Tips und Termine · Tips und Termine
Kinos Hanau. Arabella: Der Tod steht ihr gut (15.15, 17.30, 20 Uhr).
Central: Der letzte Mohikaner (14.45, 17.30, 20.15 Uhr).
C'est la vie: Bodyguard (15, 17.45, 20.30 Uhr).
Kino-Center im Grimm-Center: Kino I: Stalingrad (14.30, 17, 20 Uhr).
Kino II: Die Schöne und das Biest (14.45, 17.15, 20.15 Uhr).
Kino III: Kevin - allein in New York (15, 17.30, 20.30 Uhr).
Palette: Sister Act (15.30, 18, 20.15 Uhr).
Schöneck. Sternpalast: Wolfsblut (16 Uhr), Gestohlene Kinder (19.45 Uhr); Mo' money (22 Uhr).
Mühlheim. Augenblick: Bodyguard (20.15 Uhr).
Zeitlos: Sister Act (19.45 Uhr), I P 5 (22 Uhr).
Gelnhausen. Pali: Sister Act (20.30 Uhr).
Casino: Bodyguard (20.15 Uhr). Kulturmix Hanau. "Heute weder Hamlet" von Rainer Lewandowski, 20 Uhr, Comoedienhaus Wilhelmsbad.
"Gräfin Mariza", Operette, 20 Uhr, Stadthalle.
Jazzkeller Philippsruher Allee, "Open stage", (Session), 21 Uhr.
Schöneck. "Irish Folk Abend" mit Nikolai de Treskow in der Eisdiele (mit Irish Beer und Irish Stew), Kilianstädten, Frankfurter Straße.
Kurse Familienbildungsstätte der Arbeiterwohlfahrt, Mittelstraße 23, Telefon 25 44 28; 9, 15 und 19 Uhr Nähkurse, 9.15 Uhr Spiel- und Lerngruppe für Kinder, 10.45 Uhr Bewegung und Spiel für Babys, 14.15 Uhr Hausaufgabenhilfen für Heine- Schule, 16.15 und 17.05 Uhr Rückenschule für Frauen.
Katholische Familienbildungsstätte, Im Bangert 4, Telefon 2 23 12; 8.30, 9.30 und 10.30 Uhr Gymnastik, 9 Uhr Nähen, 9.30 Uhr Babytreff für Kinder unter 6 Monaten, 9.30 und 15.30 Uhr Spielkreis, 14.45 und 15.45 Uhr Spielen und Turnen mit Babys, 17 Uhr Gymnastik für ältere Frauen, 18 und 19 Uhr Gymnastik für junge Frauen, 20 Uhr Stillgruppe. Parteien/Parlamente Großkrotzenburg. Informationsveranstaltung der SPD zum "Grünen Punkt", 20 Uhr, Bürgerhaus.
Rodenbach. Öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung, 20 Uhr. Bürgerhalle Niederrodenbach.
Niederdorfelden. Öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung, 20 Uhr, Bürgerhaus. Hammersbach. Öffentliche Sitzung des Bau- und Planungsausschusses, 20 Uhr, Rathaus Köbler Weg 44. Beratung/Selbsthilfe Hanau. Selbsthilfekontakt-Telefon 10 bis 12 Uhr, 25 55 00.
Beratung für Frauen und Mädchen durch den Verein Frauen helfen Frauen, Telefon 2 68 67.
Sprechstunde des Ortsgerichts Mittelbuchen, 17.30 Uhr, Wachenbucher Straße 17, Telefon 7 23 38.
Treffen der Anonymen Alkoholiker, 19.30 Uhr, evangelisches Gemeindezentrum, Theodor-Heuß-Straße 1, Großauheim. Information und Beratung für Alkoholgefährdete und Angehörige durch den Guttempler-Orden, 19.30 Uhr, Pavillon im Schulhof der alten Hola, Julius-Leber- Straße 2, Kontakt-Telefon 0 61 83 / 7 33 17.
Anonyme Beratung für straffällig gewordene Jugendliche und deren Eltern durch den Verein zur Förderung der Jugendgerichtshilfe, 15 bis 18 Uhr, Telefon 1 58 56.
Beratung für Jugendliche und junge Erwachsene durch die Familien- und Jugendberatungsstelle, 9 bis 17 Uhr, Sandeldamm 21, Telefon 1 40 51.
Treffen des Seniorenschutzbundes Graue Panther, 15 Uhr, Dietrich-Bonhoeffer-Haus, am Goldschmiedehaus.
Treffen der Emotion Anonymous, Selbsthilfegruppe für seelische Gesundheit, 9.30 Uhr, Dietrich-Bonhoeffer-Haus, am Goldschmiedehaus, Kontakt-Telefon 8 12 31 oder 3 97 26.
Beratung für Kriegsdienstverweigerer und Zivildienstleistende durch die DFG, 19 bis 21 Uhr, Café Zeitlos, Martin-Luther-Anlage. Sprechstunde des Versichertenältesten der BfA, Wolfgang Bruder, 15 bis 16.30 Uhr, Barmer Ersatzkasse, Nürnberger Straße 2.
Sprechstunde des Bürgerbeauftragten, Helmut Würl, 16 bis 18 Uhr, Verwaltungsstelle Steinheim.
Treff für Jugendliche in Berufsnot, 10 bis 13 Uhr offener Treff, 14 bis 17 Uhr Beratung, Bruchköbeler Landstraße 39 a, Telefon 8 48 00.
Sprechstunde der Jugend- und Drogenberatung des Diakonischen Werks, 11 bis 19 Uhr, Gustav-Hoch-Straße 10, Telefon 80 98 31.
Sprechstunde der Lawine Beratungsstelle für Betroffene von sexuellem Mißbrauch, 10 bis 12 Uhr, Nürnberger Straße 11, Telefon 25 66 02.
Suchtkrankenhilfe/Erwachsenenberatung des Diakonischen Werks, 10 bis 14 Uhr, Gustav-Hoch-Straße 10, Telefon 80 98 24.
Maintal. Treffen der Anonymen Alkoholiker und Angehörigen, 19.30 Uhr, evangelisches Gemeindezentrum, Berliner Straße 58, Dörnigheim, Telefon 0 61 81 / 25 10 97.
Gelnhausen. Beratung für Selbsthilfe in der SEKOS, 16 bis 20 Uhr, Altenhaßlauer Straße 21, Telefon 7 45 77.
Schlüchtern. Rosengarten Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit seelischen Problemen, 9 bis 12 Uhr, Weitzelstraße 11, Telefon 0 66 61 / 7 14 14. Initiativen/Organisationen Hasselroth. Treffen des BUND Gebietsverbandes "Unteres Kinzigtal", 20 Uhr, im Puszta-Keller, Neuenhaßlau, Jahnstr. 22. Verschiedenes Hanau. Information- und Diskussionsveranstaltung der "AG für Freies Fluten" zum Thema "Asyl-un-Recht, Abschiebelager (auch in Gelnhausen) und antirassistischer Widerstand", Metzgerstraße 8.
Bürgerkeller Großauheim, 16 Uhr, Theater- und Geschichte(n)gruppe, altes Bürgerhaus.
Evangelische Kirchengemeinde am Limes, Großauheim, 14.30 Uhr Kinderkeller, 17 Uhr FAN 70 offener Treff im Teehaus Marienstraße, 15 Uhr Mutter-Kind-Treff im Gemeindezentrum Großkrotzenburg, 19 Uhr Malen und Meditation im Gemeindezentrum Waldsiedlung.
Maintal. Evangelische Kirchengemeinde Hochstadt, Ringstraße 13, 10 Uhr Mutter-Kind-Spielgruppe, 14 Uhr Hausaufgabenhilfe, 16 Uhr offener Spieleflur.
Jugendzentrum Hermann-Löns-Straße 2, Dörnigheim, 16 bis 19.30 Uhr, Gruppenarbeit, Sport, Mädchengruppe.
Evangelische Kirchengemeinde Bischofsheim, Gemeindehaus Rhönstraße 2, 8 bis 12 Uhr Kindergarten, 14.45 Uhr Kinder- und Damenballett, 15 Uhr Töpfern.
Bruchköbel. Seniorentreff: 15.30 Uhr Treffen im Don-Bosco-Haus, Dia-Vortrag "Von der Ostsee zu den Alpen"; 15 Uhr Landfrauentreff im ST Mitte.
Schöneck. Jahreshauptsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Oberdorfelden, 20 Uhr, alte Schule (an der Kirche).
Jugendtreff Café Mars, 16 bis 19 Uhr Video-AG, 18 bis 21 Uhr offener Treff, altes Hofgut Büdesheim.
Nidderau. Treffen der Stilllgruppe des Kindervereins, 15.30 Uhr, Schloßberghalle. Langenselbold. Kostenloser Handarbeitsnachmittag für Schüler/innen der Klassen 1 bis 12, 15 Uhr, Sozialstation Uferstraße.
Kinderspielenachmittag "Wir bauen ein Wurfspiel", 15 Uhr, im Schloß.
Tauschabend der Briefmarkenfreunde, für Jugendliche von 17.30 bis 19.30 Uhr, für Senioren ab 20 Uhr.
Seniorentreff: 14.30 Uhr DRK-Handarbeitsgruppe; 14 Uhr Singkreis, Sozialstation Uferstraße.
Evangelische Kirchengemeinde, 19 Uhr, Jugendkreis, Im Ellenbügel 95.
Rodenbach. Evangelische Kirchengemeinde, Buchbergstraße 6, ab 15 Uhr Musizieren mit Kindern.
Seniorentreff, 14.30 Uhr TGS-Seniorengymnastik Schulturnhalle, 15 Uhr DRK- Gymnastikgruppe DRK-Haus, Ahornweg 3, 17.30 Uhr Kegeln in der Bürgerhalle.
Großkrotzenburg. Treffen des Arbeitskreises "Freizeitsituation von Jugendlichen in Großkrotzenburg", 19 Uhr, Bürgerhaus. Kartenspielen für Senioren, 14 bis 17 Uhr, Theodor-Pörtner-Haus.
Öffnungszeiten des Jugendzentrums Schulstraße, 15 bis 21 Uhr.
Gelnhausen. Frauenzentrum Kuhgasse 8, 15 Uhr Mutter-Kind-Café mit Kinderbetreuung, 19.30 Uhr offener Treff.
REICHELSHEIM. Mit Komplimenten sparte Hanjo Dieckmann bei der Bürgerversammlung in Reichelsheim nicht. In dem mit etwa 250 Menschen gutbesetzten Bürgerhaus lobte der Vorplaner der Dorferneuerung die "Reize" des gleichnamigen Ortsteils der Gesamtgemeinde, das Engagement des vor einem halben Jahr aktiv gewordenen Dorferneuerungsbeirates und der Arbeitsgruppen. Des Vorplaners Resümee: "In vieler Hinsicht hat Reichelsheim eine großartige Chance, ein in die Zukunft weisendes Entwicklungsprogramm zu machen."
Schließlich ist die Motivationsphase, in der herausgefunden werden soll, "wo es im Dorf fehlt", noch nicht ganz abgeschlossen . . . Horst Diehl weiß inzwischen, wo es fehlt, und machte aus seinem Herzen keine Mördergrube: am Engagement der Bürger für ihren Ort. Aus seinen Versuchen, eine Arbeitsgruppe für die Hauptdurchfahrtsstraße, die "Bingenheimer", zu schaffen, sei nichts Ordentliches geworden. Mit drastischen Worten wusch er seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern den Kopf: "Ich habe mir den Arsch aufgerissen - der Erfolg war Scheiße".
Zwischen ins Mikrophon gesprochenen hochfliegenden Ideen und im Publikum gehandelten, erfahrungsbedingten Absagen daran schwankte der Abend. Während Dieckmann Reichelsheim im Jahr 2000 entwarf, zischelte es: "Das hört sich ja alles gut an, aber . . . " Diesem Einwand versuchte Dieckmann die Spitze zu nehmen: "Wir müssen hoch zielen, gerade in der Krise lernen, aus eigener Kraft gegenzusteuern."
Des Vorplaners Ziel: "Reichelsheim soll wieder seine historische Mittlerfunktion zwischen Wetterau und Vogelsberg und Frankfurt, also Rhein-Main-Gebiet, einnehmen." Dem alten Ortskern bescheinigte er eine "interessante Bausubstanz" sowie ein "vielseitiges infrastrukturelles Gefüge", das allerdings bedroht sei. Ein Pluspunkt auch die "Übergangsstruktur vom Wohnen zur Natur". Als negativ bewertete Dieckmann die Siedlungsentwicklung über den Bahnhof hinaus in Richtung Heuchelheim. Das Siedlungsband fliehe den Ortskern. Nicht nur räumlich.
Die jüngere Generation und die Neubürger wohnten draußen. Ein "unharmonisches Gefälle" sei entstanden. Um dieses Ungleichgewicht aufzuheben, sollte der "Brachbereich" im Bahnhofsumfeld belebt werden. Daneben sieht der Vorplaner als Hauptaufgaben der Dorferneuerung: Ortskernsanierung, Verkehrsberuhigung der "Bingenheimer", Ortsbegrünung sowie soziale und kulturelle Dienstleistungsangebote. Es reiche nicht, "etwas Schminke über den Ort zu bringen". Verkehr, Konsum und Wohnqualität müßten "nach vorne gebracht" und damit das gesamte Stadtbild verbessert werden.
Die Darstellung, wie "vernachlässigte lokale Potentiale" aktiviert werden könnten, überließ der engagierte Mann den Arbeitskreisen. Nicht alle sprachen vor. Horst Diehl warf vor allem Fragen auf: Wie soll der Marktplatz aussehen? Wo sollen Bänke stehen? Soll die "Bingenheimer" gepflastert werden, breit bleiben oder abspecken?
Mit sehr konkreten Vorstellungen wartete Wolf-Dieter Heidorn vom Arbeitskreis "gemeinschaftliches Wohnen" auf. Auf zwei oder drei benachbarten Hofreiten könnten kleine Wohneinheiten entstehen mit Gemeinschaftsräumen für die Bewohner. "Es geht darum, der Vereinzelung von Menschen entgegenzuwirken, von der meist ältere Menschen betroffen sind", erklärte Heidorn. Doch sollten ruhig Alte und Junge dort zusammenleben und ins Projekt ihre Talente einfließen lassen. Vielleicht ließen sich Reichelsheimer finden, die ihre Reite gegen eine Entschädigung "einbringen". Dann könnte ein Verein entstehen, in dem alle, die mitmachen wollen, ihr Wohnprojekt planen. "Und dann kommt der Denkmalschutz und sagt ,nein&rquote;", raunte eine Frau im Publikum zu der beispielhaften Idee.
Peter Burkert berichtete, was sich seine Gruppe zum Ortsausgang Nord überlegt hat. Das Ortsschild müßte Richtung Bingenheim versetzt werden, so daß Autofahrer früher vom Gas gehen. "Optische Bremsen" könnten ein übriges tun. Zudem solle der Bürgersteig entlang der Hauptstraße gen Bingenheim verlängert werden. Ein Radweg bis zur Bingenheimer Mühle sei denkbar, wünschenswert eine Tempo-30-Beschränkung im Bereich der Einmündung der Nauheimer Straße.
Der Arbeitskreis Ortsbegrünung hat laut Erich Sehrt einen innerörtlichen Rundweg angedacht und die "Vision", daß die wenigen Alleebäume an der "Bingenheimer" durch junge Pflanzen ergänzt werden könnten. "Erhebliche Aufklärungsarbeit" sei bei privater Hausbegrünung nötig, um der Skepsis der Eigentümer entgegenzuwirken.
Dieckmann schließlich hängte noch die Forderung Jugendlicher nach einem eigenen Treffpunkt an. Er regte an, "jugendpflegerische Arbeit" durch privates Engagement zu realisieren.
Die Reichelsheimer hörten sich das alles an, mockierten sich teilweise leise beim Tischnachbarn - sagten aber nichts laut, als sie dazu aufgefordert waren. Parlamentschef Hagen Behrens blieb da nur zu hoffen, das Auditorium habe gespürt, "daß Dorferneuerung keine trockene und dröselige Angelegenheit ist, sondern Spaß und eine neue Sicht der Gemeinde bringt" - und daß künftig noch mehr Menschen in den Arbeitsgruppen mitmachen. MONIKA KAPPUS
Privatisierung heißt das magische Wort Bürgerblock liebäugelt mit GmbH / SPD und Grüne warnen vor US-Verhältnissen Von unserem Redaktionsmitglied Gerhard Bayer NEU-ISENBURG. Was der ehrenamtliche Stadtrat Gerhard Gräber (FDP) in die jüngsten Haushaltsdebatten einbrachte und was Bürgermeister Robert Maier (CDU) zumindest eine "Prüfung in jedem Einzelfall" wert ist, könnte das Gesicht der Stadtverwaltung grundlegend verändern. "Privatisierung" heißt das magische Wort. Wer es ausspricht, will Ämter und städtische Betriebe zu GmbHs "verzaubern". Während der bürgerliche Block damit liebäugelt, um die Rathauskasse zu entlasten, befürchten SPD und Grüne, daß der Sozialstaat so auf lange Sicht bis auf seine Knochen abgespeckt wird. Amerikanische Verhältnisse in Neu-Isenburg? Der Gedanke ist nicht neu: "Befreit" von staatlichen Rahmenbedingungen sollen die jeweiligen Ämter und Betriebe nach streng wirtschaftlichen Gesichtspunkten organisiert werden und damit weniger Zuschüsse benötigen oder gar Gewinnen einfahren. Was bei der Post bereits praktiziert und bei der Bundesbahn immer wieder diskutiert wird, kann, so mag sich Gerhard Gräber gedacht haben, für die Stadt Neu-Isenburg nicht falsch sein.
"Wie wäre es denn, das Kulturamt zu einer Kultur-GmbH zu machen", lautete einer seiner Vorschläge. Ebenso könnten Teile des Betriebshofes privatisiert und nur die Werkstätten aufrechterhalten werden. Stadtgärtnerei und Müllabfuhr könnten in Unternehmen verwandelt oder deren Aufgaben an privaten Firmen abgegeben werden.
Damit hat der Stadtrat ausschließlich Verwaltungsbereiche im Auge, die relativ wenig Steuern verschlingen und sich möglicherweise selbst tragen könnten - als eigenständige Firmen. "Es reicht ja, wenn die Zuschüsse für diese neuen Unternehmen geringer ausfallen als gegenwärtig."
Gräber führt gedanklich fort, was CDU, FDP und FWG im Fall der Stadtwerke und des "Alten Stadthauses" begonnen haben: Zur Jahreswende verwandelte der Magistrat die mit Gewinn wirtschaftenden Stadtwerke in eine GmbH, um Steuervorteile einzustreichen und die Mitarbeit durch höhere Löhne attraktiver zu machen.
Denn als Privatfirma sind nunmehr die Stadtwerke nicht mehr an den Bundesangestelltentarif (BAT) gebunden und können versuchen, mit den in der freien Wirtschaft üblichen Gehältern mitzuhalten. Von der "Alten Stadthaus GmbH" verspricht sich Bürgermeister Robert Maier, den Umbau flexibler planen sowie schneller und preiswerter fertigstellen zu können. Notgedrungen, denn die Stadtkasse ist leer und der einzige interessierte private Investor war nach langwierigen Verhandlungen abgesprungen.
Eine "Privatisierungswelle" wird es laut Gerhard Gräber nicht geben. Sowohl die hoheitlichen Aufgaben - etwa Ordnungs-, Standes- und Einwohnermeldeamt - als auch der Sozialverwaltungsbereich dürften wegen der gesetzlichen Vorgaben nicht ausgegliedert werden. In allen übrigen Ämtern und Betrieben müsse geprüft werden, ob sie preiswerter zu organisieren seien. Zwar plädiert Gräber für mehr wirtschaftliches Denken im Rathaus, aber nicht um jeden Preis: "Wir wollen uns nicht aus der sozialen Verantwortung verabschieden."
Genau das befürchtet Joachim Luft von den Grünen. Dann nämlich, wenn Gräbers Vorschlag zum Isenburger Patentrezept werde. Wenn sich alle einigermaßen rentablen Bereiche der Stadtverwaltung auf eigene Füße stellten, blieben im Rathaus lediglich die Ämter übrig, die das Gesetz verlange oder die auf dem freien Markt - weil zu kostenträchtig - keine Überlebenschance hätten.
In seiner Vision drohen in Neu-Isenburg amerikanische Verhältnisse einzukehren: "Das Rathaus wird nur noch für die unteren Schichten da sein." Die bislang freiwilligen Leistungen wie das Kulturangebot oder die Alten- und Jugendpflege könnten sich im "GmbH-Zeitalter" lediglich diejenigen kaufen, die genug Geld hätten.
Bürgermeister Robert Maier gibt sich zurückhaltend: "Wenn es darum geht, den städtischen Haushalt zu entlasten, können Strukturfragen nicht ausgeklammert werden." Einzelne Bereiche auszugliedern oder Privatfirmen damit zu beauftragen, Aufgaben für die Stadt zu übernehmen, dürfe jedoch nicht "mit dem Lineal" geschehen, sondern müsse in jedem Einzelfall geprüft werden.
Der Verwaltungschef ist sich, wie er einräumte, unsicher, ob damit ein "Allheilmittel" gegen die städtische Finanznot gefunden sei. Eines glaubt er heute bereits zu wissen: "Auch wenn wir über GmbHs nachdenken - Entlassungen wird es nicht geben."
Nach den Worten von Gerhard Elsner können CDU und FDP mit der Unterstützung der FWG rechnen. "Wenn sich damit die angespannte Haushaltslage wirklich verbessern läßt, werden wir dafür einstehen", sagte der FWG-Parteivorsitzende und ehrenamtliche Stadtrat.
In den Augen von SPD-Fraktionschef Werner Zimmermann geht es Gräber und Maier vor allem darum, die Arbeit in den betroffenen Bereichen nach marktwirtschaftlichen Prinzipien "effektiver" zu machen. "Und das kriegen sie nur hin, wenn entweder Stellen wegfallen oder das Leistungsangebot reduziert wird." Eine derart "abgespeckte" öffentliche Hand könne - ähnlich wie in den USA - zur "Verarmung" und "Verwahrlosung" der Kommune führen.
Obwohl die Sozialdemokraten solchen Plänen "äußerst skeptisch" gegenüberstehe, lehnen sie, so Zimmermann, das Mittel der Privatisierung nicht pauschal ab: "Wir sind nur in den Fällen dagegen, in denen es keinen Sinn macht." Deswegen habe seine Fraktion auch gegen die Umwandlung der Stadtwerke - "eine Milchmädchenrechnung" - und gegen die Gründung der Stadthaus GmbH votiert: "Keine Stadt sollte in die Rolle eines Investors schlüpfen und in der Marktwirtschaft mitspielen."
NEU-ISENBURG. Auch die Besucher der beiden städtischen Schwimmbäder werden künftig den Sparkurs im Isenburger Rathaus zu spüren bekommen. Gilt es doch, in diesem Jahr ein Sechs-Millionen-Loch in der Haushaltskasse zu stopfen. Nach dem Motto "Kleinvieh macht auch Mist" will die Stadt durch kürzere Öffnungszeiten und ein Absenken der Wassertemperaturen jährlich 93 000 Mark einsparen.
Wie Bürgermeister Robert Maier (CDU) gestern mitteilte, kostete der Unterhalt des Frei- und des Hallenbades pro Jahr etwa 2,5 Millionen Mark. Da jedoch durch Eintrittsgebühren lediglich 400 000 Mark eingenommen würden, sei bislang ein Zuschuß von 2,1 Millionen Mark zu zahlen.
Die Öffnungszeit des Freibades soll am Beginn und Ende der Badesaison um jeweils zwei Wochen reduziert werden. Die Folge: rund 43 000 Mark weniger Strom-, Wasser- und Heizkosten. 8600 Mark können dadurch eingespart werden, daß, so Maiers Rechnung, das Wasser im Freibad nicht mehr auf 24 Grad, sondern nur noch auf 22 Grad erwärmt wird.
Das Hallenbad soll sogar fünf Wochen weniger geöffnet werden: Anders als bislang wird es keine "Überlappung" mehr bei den jährlichen Benutzungszeiten von Frei- und Hallenbad mehr geben - macht 25 000 Mark Ersparnis. Da die "Wellenmaschine" im Hallenbad nur noch halb so oft - einmal pro Strunde - eingeschaltet wird, sollen weitere 12 000 Mark im Stadtsäckel verbleiben können.
Auch die Schwimmer im Hallenbad müssen sich auf kältere Zeiten gefaßt machen: Die Wassertemperatur soll um ein Grad vermindert werden. An Warmbadetagen würden dennoch immerhin 30 Grad Celsius erreicht. leo
BAD HOMBURG. "Mölln ist überall" - unter dieses Motto hat die Humboldtschule einen großen Aktionstag zu den Themen Ausländerhaß und Gewalt gestellt. Am Mittwoch, 27. Januar, befassen sich die Schülerinnen und Schüler der Mittel- und der Oberstufe auf vielfältige Weise mit der hochaktuellen Problematik. Die Idee dazu stammt aus dem Fachbereich Gemeinschaftskunde. Der Aktionstag bezieht sich nicht nur auf die derzeitige Welle von Fremdenfeindlichkeit in Deutschland, sondern auch auf den 30. 1. 1933, als Adolf Hitler an die Macht kam - ein Datum, das sich zum 60. Mal jährt.
Für die Klassen 11 bis 13 fällt am Mittwoch der Unterricht aus. Statt dessen wird das Thema auf verschiedene Weisen behandelt: Es gibt Besuch von Referenten, Vorträge, Filme und Diskussionen. Zusammen mit dem Jugendtreff E-Werk wird dort außerdem ein Workshop zum Thema Gewalt durchgeführt.
Die Klassen 7 bis 10 des Gymnasiums bleiben im Gegensatz zur Oberstufe in ihrem Unterricht, aber auch sie befassen sich mit dem Inhalt dieses Tages. Dazu sind Materialien, Filme und Diskussionen vorbereitet worden.
Die Organisation des Aktionstages liegt bei Ernst von Wangenheim und Bernhard Klother-Karrenberg. tom
ERLENSEE. "Es ist Zeit, auch in Erlensee endlich gegen Gewalt gegen Ausländer auf die Straße zu gehen."
Der Arbeitskreis Asyl der evangelischen Gemeinde Langendiebach ist sich sicher, daß die Bereitschaft der Erlenseer groß ist, ähnlich wie in vielen anderen Kommunen durch eine Licherkette diesem Protest Ausdruck zu verleihen. Er lädt daher interessierte Vereine, Kirchengemeinden, Schulen, Kindergärten, Parteien und den Gemeindevorstand zu einem vorbereitenden Gespräch ein. Geplant ist es für Dienstag, 26. Januar, 20 Uhr, im evangelischen Gemeindehaus. az
Gerhard Auer gilt in der Branche als Nestbeschmutzer. Kein Wunder - verdarb der Geschäftsführer der Firma Wasa Massivholzmöbel den Einrichtern im letzten Jahr doch beinahe die Freude an ihrer hierzulande größten Leistungsschau, der Kölner Möbelmesse. Ein großer Teil der angebotenen Schränke, Tische oder Sofas müsse eines schönen Tages als "Sonderabfall" entsorgt werden, behauptete der streitbare Auer.
Solch massive Mißtöne werden die Möbelmesse in diesem Jahr nicht stören. Der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie und verwandte Industriezweige (HDH) stoppte Auer längst mit einer einstweiligen Verfügung. Auch von den Behörden bekommen die Möbelbauer Flankenschutz: Von Sondermüll zu reden sei "verfehlt", sagt Franz Puder, zuständig für kommunale Abfallentsorgung beim Umweltbundesamt in Berlin.
Mit dem Austausch der Begriffe ist das Problem des Einrichtungs-Mülls jedoch nicht aus der Welt. Unbrauchbare Tische, Stühle oder Sessel enden hierzulande meist auf Deponien. Rainer Marutzky von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Holzforschung in Braunschweig erwartet, daß die Abfallmenge deutlich anwachsen wird. Bei sieben Millionen Tonnen neuer Einrichtungsgegenstände, die jährlich aus Holz, Kunststoffen oder Metallen produziert werden, sei demnächst mit rund 2,5 Millionen Tonnen Altmöbeln per annum zu rechnen. Zum Vergleich: Auf Deponien landen heute nach Schätzungen rund 425 000 Tonnen.
Für die anschwellende Flut ausrangierter Einrichtungen brauchen Deutschlands Möbler ein Entsorgungskonzept. Großes Kopfzerbrechen mache ihnen zunächst der "Altbestand", räumt auch Erich Naumann, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM) ein. Dabei denkt er etwa an die Regale, Tische oder Stühle aus den sechziger Jahren, die nun Zug um Zug ausgemustert werden. Alpträume verursachen dem Lobbyisten etwa die sogenannten "Chrom-6-Salze", die möglicherweise bei der Produktion eingesetzt wurden und die als krebserregend gelten.
Weitere Stoffe, die "unter Umweltgesichtspunkten besonders unerwünscht" sind, nennt Rainer Marutzky von der Braunschweiger Arbeitsgruppe für Holzforschung: Da sind etwa PVC-Folien, Lackschichten, deren Farbpigmente Schwermetalle enthalten oder formaldehydreicher Leim. "Insgesamt wissen wir wenig über die Altlasten", gibt Marutzky zu. Und dazu zählt der Forscher alle Möbel aus der Produktion bis 1983. In den modernen Verfahren sollen diese Problem-Substanzen inzwischen verdrängt sein, betont die Möbel-Lobby.
Trotzdem sieht die Industrie auch in bezug auf ihre neuesten Machwerke möglichen gesetzlichen Vorschriften zur Entsorgung nicht gerade gelassen entgegen. Wo der Schuh drückt, zeigt ein Brief der VDM-Geschäftsführung: "Man kann gegenwärtig noch nicht beurteilen, inwieweit die thermische Verwertung gleichberechtigt neben dem eigentlichen Recycling stehen wird", heißt es dort. Es geht also darum, ob Möbel-Müll auch in Zukunft in größerem Umfang verbrannt werden darf. "Das ist für die deutsche Möbelwirtschaft geradezu eine Lebensfrage", meinen die VDM-Lobbyisten.
Hinter den Ängsten der Branche steht ein ganz einfacher Grundsatz. Recyclen - also wiederverwenden - lassen sich Stoffe in der Regel nur, wenn recht homogene Altprodukte vorliegen. Je stärker bei der Produktion unterschiedliche Materialien vermischt werden, desto schwieriger wird die sogenannte stoffliche Verwertung. Möbel haben nun zum Teil einen sehr "komplexen" Materialmix, sagt Rainer Marutzky. So bestehe schon die Platte eines einfachen Küchentischs in der Regel aus Spänen, Bindemittel, einer Melaminbeschichtung und einer Kante aus Kunststoff. Ein Verfahren zur Trennung und schließlich Wiederverwertung der Ausgangsstoffe sei bei Möbeln aus einem solchem Werkstoffcocktail zur Zeit wirtschaftlich undenkbar.
Werden viele heute übliche Material- Mixturen nicht durch recyclinggerechte Produktionen ersetzt, bleibt für einen großen Teil der Möbel dann wohl tatsächlich nur die "Entsorgung" durch Verbrennen. Das sei aber in modernen Verbrennungsanlagen möglich, ohne daß es etwa zu problematischen Emissionen komme, betonen die Lobbyisten. Allerdings: Eingehende Untersuchungen zur "thermischen Verwertung" von Altmöbeln an Pilotanlagen oder auch Untersuchungen zur Zusammensetzung der übrigbleibenden Asche und ihrer Entsorgung stehen noch aus. MARIE-LUISE HOFFMANN
.Hochwasser im Kinzigtal, so sah es in der vergangenen Woche aus: eine "reißende Flut" unterhalb des Ahler Stausees (Foto oben bei Neuwirtheim) und eine kaum mehr als zur Hälfte gefüllte Talsperre (rechts).
(FR-Bilder: Markus Miorandi)
MÜHLHEIM. "Der Bieberbach ist am dreckigsten und der Main am saubersten", sagen die Schüler der Arbeitsgemeinschaft Ökologie des Friedrich-Ebert- Gymnasiums. Sie müssen es wissen, arbeiten sie doch seit Sommer 1991 an einem "Gewässergüteatlas".
Dafür haben sie Wasserproben aus Bieberbach, Rodau, Main und den Seen im Naherholungsgebiet Steinbrüche chemisch analysiert. In der AG arbeiten zwischen zehn und 15 Schüler aus Mittel- und Oberstufe.
Am Dienstag abend wurden die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihrem Lehrer von der Stadt für ihre Bemühungen um den Umweltschutz mit dem mit 1000 Mark dotierten Umweltpreis ausgezeichnet.
"In den vergangenen zwölf Jahren wurde der Preis nur siebenmal vergeben", erklärte Erster Stadtrat Horst Lehr. "Ein Zeichen dafür, daß wir den Preis nicht um jeden Preis vergeben, die Preisträger vielmehr aus dem allgemeinen Level herausragen müssen."
Im Rathaus ist die von dem Biologie- und Geographielehrer Michael Steinmetz betreute Arbeitsgemeinschaft aufgefallen, als sie vor einiger Zeit an einem Umwelttag einmal sämtliche Abfälle, die während eines Tages in der Schule anfallen, auf den Schulhof kippte - neun Müllsäcke voller Unrat. "Das war für die Schule der Einstieg in die Getrenntsammlung, in die Altpapiersammlung", erklärt Michael Steinmetz den Sinn der Aktion. Die einzelnen Klassen schafften daraufhin aus der eigenen Klassenkasse Boxen an, in denen seither das Altpapier gesammelt wird. In Zukunft sollen auch organische Abfälle gesammelt und für den Schulgarten kompostiert werden.
Solcherart Umweltbewußtsein und praktisches Handeln zu initiieren, ihm Breitenwirkung nicht nur in der Schule, sondern auch im Elternhaus und der Öffentlichkeit zu geben, ist ein Ziel der AG, machte Steinmetz deutlich. Für die Stadt war genau dies ein Grund für die Preisverleihung, erklärte Lehr und fügte hinzu, die Stadt werfe bei der Preisverleihung "mit der Wurst nach dem Schinken", verstehe die Auszeichnung als Ansporn. "Umweltschutz lebt nur vom Mitmachen", sagte er.
Die Idee, eine solche Öko-AG ins Leben zu rufen, hatten die Schüler geäußert, erzählt Michael Steinmetz. Schließlich habe die "Luxusveranstaltung" beim Direktor auch durchgesetzt werden können. Luxus, weil die Schüler frei vom Leistungsdruck und nur vom eigenen Interesse geleitet in einer Art und Weise praktisch arbeiten könnten, wie sie im Unterricht nicht möglich sei, erläutert der Lehrer. So haben die Schüler verschiedene Exkursionen, beispielsweise zum Thema Waldsterben, unternommen und deshalb auch schon mal das Wochenende drangehängt. In der Schule wurden Nistkästen gebaut, die Folie des Teichs erneuert. Ein Hit war der Verkauf von selbstgezogenen fleischfressenden Pflanzen beim Schulfest. Der Begriff Öko trage zum Teil ein negatives Image, sagte Steinmetz. Die AG habe aber gezeigt, daß der Begriff nichts mit Sektierertum zu tun habe: "Der Preis ist uns Verpflichtung und Ansporn." Das Geld soll für Instrumente für Wasseranalysen ausgegeben werden. pmü
Donnerstag, 21. Januar
Theater Schauspiel Frankfurt, Theaterplatz, Tel. 212 37 444: Schauspielhaus: 19.30 Uhr, "Der Kaufmann von Venedig"; Kammerspiel: 19.30 Uhr, "Glückliche Tage".
Rémond Theater, Alfred-Brehm-Platz 16, Tel. 43 51 66: 20 Uhr, "Sturmwarnung" (Premiere).
Die Komödie, Neue Mainzer Str. 18, Tel. 28 45 80: 20.15 Uhr, "Hier kocht der Chef".
Frankfurter Volkstheater, Gr. Hirschgraben, Tel. 28 85 98: 20 Uhr, "Stelldichein im Tivoli".
Die Schmiere, Seckbächer Gasse, im Karmeliterkloster, Tel. 28 10 66: 20.30 Uhr, "Schmiere - Spezial."
Goethe Theater, Leipziger Str. 36, Tel. 70 88 44, 62 55 30: 20.30 Uhr, "Das letzte Band".
Kabarett Die Maininger, Neue Rothofstr. 26 a, Tel. 28 02 27: 20.30 Uhr, "Kassa blanka - und schweigende Lämmer".
Die Katakombe, Pfingstweidstr. 2, Tel. 49 17 25: 20 Uhr, "Die Dreigroschenoper".
Gallustheater, Kriftler Str. 55, Tel. 738 00 37: 20 Uhr, Doris Batzler - "Undine geht".
English Theater, Kaiserstr. 52, Tel. 24 23 16 20: 20 Uhr, "The Boy Friend".
Mousonturm, Waldschmidtstr. 4, Tel. 40 58 95 - 20: 20 Uhr, Matthias Beltz - "Füße im Feuer".
Theater am Turm, Eschersheimer Landstr. 2, Tel. 15 45 110: 20 Uhr, Achim Freyer - "Liebe von Kopf bis konfus".
Kommunales Kinder- & Jugendtheater, Volksbildungsheim am Eschenheimer Tor, Tel. 59 83 43: 10.30 & 15 Uhr, "Ikarus".
Neues Theater Höchst, Emmerich-Josef-Str. 46 a, Tel. 30 30 90: 20 Uhr, Peter Spielbauer - "Wenn die Sonne scheint, scheint die Sonne zu scheinen".
Theaterhaus, Schützenstr. 12, Tel. 299 861 10: 20 Uhr, Theater Grüne Sosse - "Fräulein Julie".
Theater für Kinder am Zoo, Pfingstweidstr. 2, Tel. 49 17 25: 10 Uhr, "Cinderella".
TIB-Studiobühne, Bornheimer Landwehr 35, Tel. 4 93 05 03: 20.30 Uhr, "Aysche und Richard" (Premiere).
Hessischer Rundfunk, Foyer, Bertramstr. 8: 10 & 14 Uhr, Augsburger Puppenkiste.
Café Cult, Schillerpassage, Rahmhofstr. 2-4, Tel. 92 00 61 - 23: 20 Uhr, Festival der Magie.
Freies Schauspiel Ensemble: 20.30 Uhr, "Die Freuden der Liebe, sie dauern nur ein Hui".
Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20, Tel. 28 96 91: 20 & 23.30 Uhr, Internationale Weihnachtsrevue.Musik Oper, Theaterplatz, Tel. 23 60 61: 19.30 Uhr, "Carmen".
Alte Oper, Opernplatz, Tel. 13 40 400: Großer Saal: 20 Uhr, Württembergisches Kammerorchester. Batschkapp, Maybachstr. 24: 20 Uhr, Giant Sand feat. Chris Cacavas/Cropdusters.
Sinkkasten, Brönnerstr. 5: 21 Uhr, Disco.
Jazzkeller, Kl. Bockenheiemer Landstr. 18 a: 21.30 Uhr, The Nat Adderley Quintett.
Jazzlife Podium, Kl. Rittergasse 22-26: 19.30 Uhr, Stateside Band.
Brotfabrik, Bachmannstr. 2-4: 21 Uhr, Zig Zag.
Irish Pub, Kl. Rittergasse 11: 21 Uhr, John Morrell.
Werkstatt, Gr. Rittergasse 106: 20 Uhr, Third Man Lost.
Spritzenhaus, Kl. Rittergasse 41-43: 21 Uhr, Phantamor.
Al Andalus, Affentorhaus 1: 19 Uhr, Live Guitarra mit Salvator Lastra.
Jazzkneipe, Berliner Str.: 22 Uhr, Piano George.
Institut Français: 18 Uhr, Musik- & Lyrikabend "Heinrich Heine"; Commerzbank, Neue Mainzer Str. 32-36.
Palast-Bar im Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20, Tel. 92 00 22 - 92: 22 bis 3 Uhr, Show-Time - Joan Faulkner und Chicago Blues Busters. Literatur Literaturhaus, Bockenheimer Landstr. 102: 16.30 Uhr, Lesung "Doris Lessing - ,Afrikanische Geschichten&rquote;"; 20 Uhr, Vortrag & Lesung "Die deutsche Grenze im Werk Uwe Johnsons". Kino/Filme Das Kinoprogramm entnehmen Sie bitte dem Filmspiegel im Anzeigenteil. Museen/Führungen Museum für Moderne Kunst, Domstraße 10: 15.15 Uhr, Führung zu "Das Museum im Spannungsfeld neuer Aufgaben".
Was Frankfurter Museen und Galerien zeigen sowie die allgemeinen Führungstermine lesen Sie donnerstags auf der Freizeitseite "Was- Wann-Wo" sowie täglich auf der Seite "Kulturpanorama Frankfurt" in der Abendausgabe.
Vorträge Max-Beckmann-Schule, Sophienstr. 70, Bokkenheim: 20 Uhr, Vortrag & Diskussion "Ausländische Mitbürger in Deutschland auf Dauer (wahl-)rechtlos?".
Ev. Frauenbund: 15.30 Uhr, Vortrag "Mecklenburg-Vorpommern, einst und jetzt"; Dominikanerkloster, Kurt-Schumacher-Str. 23.
Deutsch-Italienische Vereinigung, Arndtstr. 12: 20 Uhr, Vortrag "Carlo Goldoni: ". . . die Natur nicht zu verderben . . .". Sonstiges frankfurter werkgemeinschaft, Lenaustr. 24: 14 Uhr, Treff; 17 Uhr, Spielerei.
Stadtwerke - Hobbythek, Beratungszentrum An der Hauptwache: 17 Uhr, "Wie gut sind moderne Waschmittel?".
Männerzentrum, Neuhofstr. 41 HH: 20 Uhr, Männerforum zu einem heiklen Thema.
Frankfurter Bund für Volksbildung: 15 Uhr, "Zauberer Dixon mit speziellem Kinderprogramm"; Clementine-Kinderkrankenhaus, Theobald-Christ-Str. 16.
Ökologische Linke Liste: 19 Uhr, "Flugzeuge im Wasser"; Sachsenhausen, Affentorhaus.
City-Lauftreff am Römer, 12 bis 14 Uhr.
Schach-Senioren-Gruppe: 14 bis 18 Uhr, Sozialzentrum Marbachweg. Apotheken Folgende Apotheken sind von Donnerstag, 14 Uhr, bis Freitag, 6 Uhr, ständig dienstbereit:
Apotheke am Palmengarten, Bockenheimer Landstr. 72, Tel. 72 76 13; Apotheke an der Warte, Mainzer Landstr 236, Tel. 73 14 06; Boulevard-Apotheke, Müncher Str. 8, Tel. 23 43 56; Dom-Apotheke, Fahrgasse 7, Tel. 28 31 57; Eichwald-Apotheke, Berger Str. 131, Tel. 49 31 76; Elch-Apotheke, Griesheim, Zum Linnegraben 18, Tel. 39 46 19; Rosegger-Apotheke, Eschersheim, Eschersheimer Landstr. 383, Tel. 56 12 21; Trift-Apotheke, Niederrad, Triftstr. 19, Tel. 6 78 75 95; Westerbach-Apotheke, Sossenheim, Westerbachstr. 293, Tel. 34 28 72. Ärztlicher Notdienst Der ärztliche Notdienst für das Stadtgebiet Frankfurt ist unter der Sammel-Rufnummer 1 92 92 jederzeit erreichbar. Er soll jedoch nur bei Verhinderung des Hausarztes in Anspruch genommen werden. Für ambulant zu versorgende Notfälle: Notdienstzentrale im Haus Galluswarte, Mainzer Landstraße 265 und Usinger Str. 5.
Sanitätsdienstliche Bereitschaft für Soldaten der BW Stadt Frankfurt, Stadt und Kreis Offenbach, Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis, während der allgemeinen Dienstzeit: StOArzt Frankfurt, Tel. 2 47 78 - 4 33; nach Dienst und an Wochenenden: SanZentr. 412 Mainz, Tel. 0 61 31 / 56 26 42. Zahnärztlicher Notdienst Der zahnärztliche Notdienst in Frankfurt ist bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen, Zahnärztehaus Niederrad, Telefon 66 07 / 2 71, zu erfragen. Tierärztlicher Notdienst (19 bis 23 Uhr) Tierarzt Knell, Beethovenplatz 7, Tel. 72 66 66 (priv. 06101 / 4 44 99); danach bei den tierärztlichen Kliniken (siehe Branchenfernsprechbuch unter "Tierärzte"). Anwaltsnotdienst in Strafsachen (24 Stunden täglich)
Tel. 28 30 83. Telefonberatungen Tag und Nacht Telefonseelsorge im Ev. Volksdienst: Tel. 1 11 01; Telefonseelsorge im Haus der kath. Volksarbeit: Tel. 1 11 02.
Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche: 1 11 03. Notfall-Nummern Feuerwehr/Unfall-Rettungswache 112 Überfall 110 Polizei 75 51 Krankentransport 49 00 01 - 4 Hubschrauber-Rettungsdienst 44 10 33 ADAC-Pannenhilfe 1 92 11 ACE-Pannenleitstelle 1 92 16 AvD-Pannennotruf 6 60 66 00 VCD-Notrufzentrale 02 21/82 77 366 Zentrum für Entgiftungen und Giftinformation der Universität Mainz 0 61 31 / 23 24 66 Drogennotruf 62 34 51 Die Rubrik "Rat und Hilfe" erscheint jeden Montag in der Regionalausgabe und jeden Donnerstag in der Stadtteil-Rundschau mit allen Sprechstunden und Terminen für die gesamte Woche. Wir empfehlen, diese Seite aufzuheben.- ohne Gewähr -
P.I.V. hat Behinderten nach 40 Jahren entlassen Teil-Sieg der IG Metall beim Arbeitsgericht: Abfindung Von Thomas Rüggeberg BAD HOMBURG. Einen Teil-Sieg errang ein Schwerbehinderter, der vor dem Arbeitsgericht Frankfurt gegen seine Entlassung klagte. Seinem Arbeitgeber, dem Homburger Unternehmen P.I.V. Antrieb Werner Reimers GmbH. & Co KG, bescheinigte das Gericht, die Kündigung sei rechtswidrig. Allerdings befand es, die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses sei dem Kläger nicht mehr zumutbar, und setzte eine Abfindung von 61 200 Mark fest. Ob die P.I.V. dieses Urteil hinnimmt oder den Weg in die nächste Instanz beschreitet, steht noch nicht fest; Personalleiter Horst Peters erklärte gestern, zunächst müsse er die Urteilsbegründung schriftlich haben. Bei der IG Metall geht man allerdings davon aus, daß es zu einer Berufung kommen wird.
Der Kläger, ein 60 Jahre alter Schwerbehinderter, arbeitete seit Juni 1952 bei P.I.V. Im Dezember 1991 erfuhr er, daß er zu den 68 Mitarbeitern gehöre, die in Bad Homburg und im Zweigwerk Bad Soden- Salmünster Opfer einer Entlassungswelle werden sollten. Wirksam wurde die Kündigung zum 30. 9. 1992. Im Sozialplan ging der 60jährige leer aus.
Nach Informationen der IG Metall wurde dies damit begründet, daß er bereits in Rente gehen könne. Der Betroffene habe sich aber finanziell darauf eingerichtet, länger zu arbeiten. Deshalb erhob er Klage beim Arbeitsgericht Frankfurt.
Nach den Worten von Barbara Schirge (IG Metall Frankfurt) konnte die P.I.V. im Prozeß weder Gründe dafür darlegen, warum im Rahmen der Sozialauswahl gerade der Kläger ausscheiden sollte, noch konnte sie das Gewerkschafts-Argument widerlegen, daß gerade in dessen Abteilung (Härterei) noch zur Zeit der Kündigung zahlreiche Überstunden anfielen. In der Verhandlunghabe der P.I.V.-Vertreter zudem erklärt, selbst ein Sieg werde dem Kläger wenig helfen, da die nächste Kündigungswelle bereits vorbereitet werde.
Der Prozeßvertreter der Gewerkschaft wies darauf hin, es gehe auch ausdrücklich darum, den abgeschlossenen Sozialplan zu korrigieren: Wenn Massenentlassungen schon nicht zu verhindern seien und ältere Kollegen zugunsten von jüngeren auf ihren Arbeitsplatz verzichten sollten, müsse das Unternehmen entsprechende Abfindungsangebote machen.
Das Urteil verkündete die 16. Kammer des Arbeitsgerichts unter Vorsitz von Richter Köttinger am Freitag. P.I.V.-Personalleiter Horst Peters merkte gegenüber der FR an, die Hauptfürsorgestelle, zuständig für Behinderte in Betrieben, habe der Kündigung zugestimmt.
Vorbehaltlich der Prüfung der Urteilsbegründung hält es der Personalchef "nicht für denkbar", daß das Unternehmen eine Abfindung in dieser Höhe bezahle. Derzeit beschäftigt die P.I.V. 685 Leute in Bad Homburg und 179 im Zweigwerk. 57 Mitarbeiter wechselten, wie berichtet, Ende 1992 in den Vorruhestand. Weitere Personalreduzierungen sind laut Peters derzeit nicht vorgesehen.
BAD HOMBURG. An der Volkshochschule kann auch im neuen Semester wieder geflirtet werden. Nachdem beim letzten Mal 50 Männer und Frauen zu den Flirtkursen kamen, steht Walter Haberling am Sonntag, 31. Januar, wieder bereit, seinen Schützlingen in Theorie und Praxis alles Wissenswerte über diese "wichtige Kulturtechnik" zu vermitteln. Der Kurs dauert von 9 bis 18 Uhr und kostet 39 Mark.
Einige Fragen, die behandelt werden: Wie fängt man einen Flirt an? Wann und wo sollte man (nicht) flirten? Wodurch kann man seine Flirt-Attraktivität erhöhen? Nach welchen Kriterien sucht man sich einen Flirtpartner aus? Wie behandelt man einen "zu heiß" gewordenen Flirt? Was muß man wissen und können, um richtig zu flirten?
"Knigge-Zirkel" heißt ein weiteres VHS-Wochenendseminar, in dem es um Etikette und guten Ton geht. Auch hier gibt es neben theoretischen Informationen praktische Übungen. Der Kurs läuft an den Sonntagen, 7. und 14. Februar, jeweils von 9 bis 16 Uhr und kostet 46 Mark. Die VHS rät für beide Angebote zu schneller Anmeldung durch Zahlung der Kursgebühr.
Weitere Informationen gibt sie unter Telefon 2 30 06. tom
Minister will Bedingungen für die Registrierung von Wohnungssuchenden abschaffen Wohnung vom Amt für Auswärtige Stadt fürchtet Andrang Von unserem Redaktionsmitglied Claus-Jürgen Göpfert 450 Menschen und mehr drängen sich an einem Vormittag im Wohnungsamt - in der Hoffnung auf eine bezahlbare Sozial-Unterkunft. Und nun, sagt Roland Frischkorn, "kommt auf Frankfurt ein wahnsinniger zusätzlicher Druck zu - das ist nicht verantwortbar!" Was den Referenten von Sozialdezernent Martin Berg (SPD) so aufbringt, ist ein zwölfseitiger Verordnungsentwurf von Hessens Wohnungsminister Jörg Jordan (SPD) - er will die Stadt zwingen, alle Bewerber mit dem zulässigen Einkommen "ohne Rücksicht auf ihren Wohnort als Wohnungssuchende zu registrieren". Bisher mußten Bürger nicht nur unter die Einkommensgrenzen fallen, sondern zahl- reiche andere Bedingungen erfüllen, um in Frankfurt überhaupt einen Antrag abgeben zu dürfen - ein Jahr lang sollen sie schon in der Stadt leben, "besondere Bindung" an die Kommune besitzen: Arbeits- und Ausbildungsplatz oder Verwandte.
Eben diese Voraussetzungen an die Registrierung zu knüpfen, ist für Minister Jordan "weder sachgerecht noch mit dem Grundrecht auf Freizügigkeit nach Artikel 11 des Grundgesetzes vereinbar". Es "geht um Gerechtigkeit", wirbt Jordans Sprecherin Constanze Rauert, "wir öffnen jetzt den engen Rahmen, der allen Bewerbern heute noch gesetzt ist!" Und Franz-Josef Blum, zuständiger Beamter im Wohnungsministerium, nennt es zwar "sicherlich richtig, daß die Zahl der Wohnungssuchenden sich damit erhöht" - von "allen beteiligten" Politikern aber sei dies "gewollt". Es gelte, in allen hessischen Gemeinden endlich "einheitlich zu verfahren", so das Heer der Wohnungssuchenden "zu entzerren" (Rauert).
Im Römer, wo der rot-grüne Magistrat "bis Anfang März" (Blum) zu Jordans Plänen Stellung beziehen muß, sind Wut und Verdruß groß: "Wir fühlen uns im Stich gelassen", sagt Referent Frischkorn, "beängstigend" sei die Perspektive, mit Tausenden neuer, auswärtiger Wohnungssuchender fertig werden zu müssen. Von "weltfremden Wiesbadener Bürokraten" ist im Wohnungsamt die Rede. Tatsächlich trifft Jordans Vorstoß die Kommune in einer ohnehin prekären Lage - Stichworte: Die Zahl der Antragsteller für eine Wohnung liegt schon jetzt bei über 13 000, im vergangenen Jahr, so Frischkorn, konnten nur wenig mehr als 3000 Wohnungen vermittelt werden.
Erst vorige Woche hatten die Fachleute im Wohnungsamt zugeben müssen, daß 1992 nur etwa 350 neue öffentlich geförderte Wohnungen in Frankfurt bezugsfertig wurden. Planungsdezernent Martin Wentz (SPD), der im Dezember 1992 noch als "Rekordjahr für den Wohnungsbau" mit genehmigten Anträgen für über 5000 Wohnungen feierte, räumt jetzt kleinlaut ein, daß er dabei auch Umbauten bestehender Häuser mitzählte. Die Vorschrift lautet nämlich: Immer, wenn die Statik einer Behausung durch Umbau verändert wird, braucht es einen Bauantrag.
Wieviele neue Wohnungen tatsächlich in der Statistik stecken, weiß Wentz nicht zu sagen. Dafür sind im Planungsdezernat andere schlechte Nachrichten schon bekannt: Das Land Hessen hat im neuen Haushalt 1993 das Geld für die Wohnungsbau-Förderung um 20 Prozent auf 666,5 Millionen Mark gekürzt - das bedeutet Einbußen in noch unbekannter Höhe auch für Frankfurt. Sehr zum Leidwesen des rot-grünen Magistrats strich die rot-grüne Landesregierung gerade beim sogenannten "ersten Förderweg" - wo Wiesbaden mit 120 000 Mark pro Wohnung die jeweils höchste Summe zuschießt. Fazit von Wentz: "Wir werden weniger Geld zur Verfügung haben."
Auch aus dem Stadtsäckel. Der bisherige Kraftakt von 250 Millionen Mark Frankfurter Steuergeld jährlich für den öffentlich geförderten Wohnungsbau "wird nach 1993 nicht mehr zu halten sein" (Berg-Referent Frischkorn). Skeptiker fürchten, daß schon mit dem Nachtragsetat 1993 die Fördersumme nach unten korrigiert werden muß - was Planungsdezernent Wentz noch dementiert.
Und in dieser mehr als schwierigen Situation jetzt die drohende Vorgabe des Landes, Wohnungsbewerber ohne Einschränkung zu registrieren. Mehr noch: Der Entwurf aus Wiesbaden fordert, das bisherige System von Dringlichkeitsstufen bei der Wohnungsvermittlung zu überarbeiten - als Kriterien führt das Land doch wieder unbestimmt "die Dauer der Gemeindezugehörigkeit", die "Wartezeit" und den "Anlaß der Wohnungsbewerbung" ein.
Aus Frankfurter Sicht wäre eine Änderung "ein riesiger bürokratischer Aufwand mit fragwürdigem Ergebnis" (Referent Frischkorn). Das städtische Wohnungsamt verfügt bereits über sechs eigene Dringlichkeitsstufen - allein in der obersten Prioritäts-Kategorie warten gegenwärtig knapp 5000 Antragsteller auf eine Wohnung.
(Siehe auch "Die Niederländer . . ." unten)
&blt; Wieder "Glückliche Tage"
Becketts Stück "Glückliche Tage" wird heute im Kammerspiel wiederaufgenommen. Die Inszenierung von Peter Eschberg beginnt um 19.30 Uhr. &blt; Festival der Magie im Café Cult Der Weltmeister der Mikro-Magie, Francis Tabary aus Frankreich, und sein Schweizer Kollege Roberto Giobbi zeigen vom heutigen Donnerstag bis Sonntag ihre Kunststücke im Restaurant-Theater Café Cult in der Schillerpassage in Frankfurt. Beginn um 20 Uhr. &blt; Ausstellungseröffnungen Verschiedene Galerien eröffnen heute ihre Ausstellungen: Skulpturen und Zeichnungen von Abraham David Christian sind in der Galerie Meyer-Ellinger, Brönnerstraße 22 in Frankfurt, bis zum 6. März zu sehen. Vernissage: 19 Uhr. Öffnungszeiten Dienstag bis Freitag von 10 bis 18.30 Uhr, Samstag von 10 bis 13 Uhr. Arbeiten auf Papier und Keramik von A. R. Penck stellt die Galerie Ressel in Wiesbaden (Schöne Aussicht 24) bis 19. Februar aus. Die Ausstellung wird um 18 Uhr eröffnet; dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags von 12 bis 15 Uhr und donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. &blt; Lesungen Jochen Nix liest ab 20 Uhr im Literaturhaus Frankfurt (Bockenheimer Landstraße 102) aus dem Werk Uwe Johnsons und Wilfried F. Schoeller hält einen Vortrag über den Schriftsteller. Zur selben Zeit stellt Gertrud Koch im Buch-Café im Jüdischen Museum, Untermainkai 14 / 15 in Frankfurt, ihr neues Buch "Die Einstellung ist die Einstellung" vor. &blt; Musik- und Lyrikabend Das Institut Français und die Deutsch- Französische Gesellschaft laden zum Musik- und Lyrikabend "Heinrich Heine und Franz Liszt in Paris" mit Vladimir Stoupel und Helmut Rühl. Veranstaltungsbeginn im Großen Saal der Commerzbank Frankfurt, Neue Mainzer Straße 32 - 36: 18 Uhr. &blt; "Undine geht" im Gallustheater Ingeborg Bachmanns Stück "Undine geht" wird von Donnerstag bis Samstag jeweils um 20 Uhr im Gallustheater, Krifteler Straße 55 in Frankfurt, aufgeführt. &blt; Opernball ausverkauft Der diesjährige Frankfurter Opernball am 20. Februar mit Deborah Sasson und Peter Hofmann ist bereits ausverkauft. &blt; Gesangs- und Theaterkurse Das Frankfurter Frauenkulturhaus bietet ab Februar wieder Gesangsseminare sowie eine Theatergruppe für Frauen an. Am Montag, 1. Februar, beginnen zwei neue Gesangsseminare und am 2. Februar ein Seminar über Sprecherziehung. Am 8. Februar soll der Grundstein für eine Frauen-Theatergruppe gelegt werden. Anmeldung: Frauenkulturhaus, Am Industriehof 7-9, Telefon (069) / 70 10 17. &blt; Regie nicht von Christiane Schultes Christiane D. Schultes möchte - trotz gegenteiliger Angaben im Programmheft - nicht als Regisseurin der Neufassung von "Aysche und Richard" im Theater in Bornheim genannt werden (vgl. FR vom 16. Januar). Diese neue Fassung habe TiB-Chef Werner Andreas erstellt.
ALZENAU / HANAU. Für ihre Solarzellenentwicklung hat die Nukem den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft 1992 gewonnen, den die "Wirtschaftswoche" und der Wirtschaftsclub Rhein-Main jährlich verleiht. Mit den Solarzellen läßt sich Sonnenlicht direkt in elektrischen Strom umwandeln. him
Narren können sich dem Rock 'n' Roll hingeben
BIEBERGEMÜND. Gleich zweimal können die Fans an diesem Wochenende in Biebergemünd zum "Rockfasching" gehen. Am Freitag, 22. Januar, geht es im Bürgerhaus mit der Gruppe "Change" rund. Veranstalter ist der Gesangverein "Harmonie". In Bieber hauen am Samstag abend gleich zwei Bands auf die Pauke. Zum "1. Rockfasching" hat der Sportverein Germania die Gruppe "black-foot" verpflichtet, die aktuelle Hits aus den Charts, Klassiker sowie "besondere Stükke am Rande des sonst üblichen Spektrums" zu ihrem Repertoire zählt.
Als Vorgruppe im Saal "Grüner Baum" spielt die Gruppe "Clear-Water" Oldies aus den 60er und frühen 70er Jahren. jan
WETTERAUKREIS. Wenn im Briefkasten an der Kaiserstraße 35 in Friedberg, wo sich die Wetterauer FDP ein Büro eingerichtet hat, wieder einmal Post für die liberale Kreistagsfraktion steckt, dann schmunzelt Kreisvorsitzender Jörg-Uwe Hahn: Der Absender richtet sein Anliegen an ein Phantom. Im Wetterauer Kreisparlament gibt es keine Freidemokraten mehr, seit vier Jahren immerhin schon, doch manch einer hat es offenbar bis heute nicht gemerkt. Das liegt nicht zuletzt an Hahn, einem jugendlich wirkenden Rechtsanwalt, der es in Wiesbaden bereits zum innenpolitischen Sprecher der FDP-Landtagsfraktion geschafft hat. Unsichtbare Hände helfen ihm dabei, beinahe täglich in den Redaktionsstuben mit Texten präsent zu sein. Für die Schwierigkeiten der Kreisverwaltung, Asylbewerber unterzubringen, findet er so drastische Formulierungen wie die vom "Unterbringungsnotstand", in der Debatte um einen Autobahnanschluß für Limeshain/Hammersbach mahnt er heute "flexible Lösungen" an. Hahn traut sich, zu beinahe allem etwas zu sagen und versucht den Eindruck zu erwecken, kreativer und durchsetzungsfähiger als andere zu sein. "Man-Power" ist eines seiner Lieblingsworte. Landrat Rolf Gnadl (SPD) hingegen tituliert ihn schlicht als "Besserwisser". Auf alle Fälle: Hahn ist im Gespräch - und mit ihm die FDP, die sich vor vier Jahren mit 4,1 Prozent der Stimmen aus dem Kreisparlament verabschieden mußten: Lediglich 6406 Menschen votierten damals noch für "Die Liberalen", nahezu 2000 weniger als bei der Wahl zuvor.
Der Kreisvorsitzende, der sich längst im Wiesbadener Landesparlament eingerichtet hat, steht bei diesem Wahlkampf allerdings gar nicht an der Spitze. Die neuen FDP-Wahlkampfplakate im Großformat zeigen Barbara Uhdris aus Büdingen. Eine geborene Berlinerin, die seit 1977 die Evangelische Familien-Bildungsstätte im Wetteraukreis leitete. Sie, das erhofft sich die Partei, wird das miese Image der FDP in sozialpolitischen Fragen verbessern und glaubhaft für die Möglichkeiten von Frauen innerhalb der Partei stehen. So warnt sie beispielsweise das rot-grüne Bündnis, Spareffekte durch das Streichen sogenannter freiwilliger Leistungen, etwa der Zuschüsse für private Kindergärten, erzielen zu wollen. Wer die Schuldenlast tatsächlich verringern wolle, der müsse "mit dem Abbau von Personal und dem Streichen von Stellen" in der Kreisverwaltung beginnen. Das Gutachten einer professionellen Unternehmensberatung, so lautet ihr Rat, könnte dem Landrat und seinen Mitstreitern einen gangbaren Weg weisen. Ein hauptamtlicher Beigeordneter, das glaubt sie schon jetzt zu wissen, sei auf jeden Fall überflüssig.
Anfang Februar tourt die Spitzenkandidatin mehrere Tage lang mit einem Info- Bus durch die Wetterau, das Fahrzeug ist vom Landesverband geliehen. Einen "sparsamen Wahlkampf" kündigt sie an: "Aus Überzeugung, nicht nur, weil wir die kleinste Partei sind." Veranstaltungen, etwa mit Paul Morell vom Hessischen Bund der Steuerzahler zu den Kreisfinanzen oder mit Landesparteichef Wolfgang Gerhardt über die "Kultur im ländlichen Raum", und Zielgruppengespräche sollen den gewünschten Erfolg bringen: Kürzlich plauderte sie mit Handel und Gewerbe in Butzbach, demnächst steht eine Fahrt zu den Geschäftsleuten in Nidda im Terminkalender.
Im Hintergrund lenkt Volker Gundel, Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen, als Wahlkampfmanager. Der Endzwanziger, der erste Erfahrungen in den jüngsten Bundestags- und Landtagswahlkämpfen erwerben konnte, tut das auch in eigener Sache: Er kandidiert hinter Frau Uhdris auf Listenplatz zwei für den Kreistag. Zirka 12 000 Mark will seine Partei für den Wahlkampf ausgeben, 7000 Mark davon übernimmt der Landesverband. Zwar sind in der Vorwahlkampfzeit auch "6000 Mark Spenden eingelaufen" (Hahn), doch die gelten derzeit noch als eiserne Reserve.
Anders als für die Bonner FDP, die immer wieder vom Koalitionsproporz profitiert, mußten die Wetterauer Liberalen Bescheidenheit üben. Ihre Basis in der Region ist dünn, in den Dörfern, da redet Hahn gar nicht drumherum, sogar "schlecht" - "insbesondere im Ostkreis". Gerade einmal 350 Parteimitglieder knöpfen sich in Wahlkampfzeiten das Etikett "liberal" ans Revers. In vielen Kommunen, etwa in Nidda, Büdingen und Kefenrod, treten die Freien Demokraten gemeinsam mit Freien oder Unabhängigen Wählern an, um politisch überhaupt eine Rolle spielen zu können, in zahlreichen Kommunen sind sie gar nicht vertreten. Wenn es einmal gelingt, wie diesmal in Echzell, ein eigene Liste aufzustellen, dann müssen Uhdris und ihre Mitstreiter damit rechnen, daß irgendwo anders im Kreis plötzlich keine Wahlkampfmannschaft mehr zustande kommt, weil sich einige Aktive "aus persönlichen Gründen" nicht mehr wie gewohnt engagieren können: Beispiel Limeshain.
Was vielerorts den politischen Einfluß der FDP garantiert, ein Pakt mit einer Wählergemeinschaft, kam für die Kreistagswahl nicht zustande. Obwohl, das zeigt die Lektüre programmatischer Verlautbarungen, aus dem Zweckbündnis durchaus eine Liaison hätte werden können.
Für Barbara Uhdris ging es bei der Debatte über eine gemeinsame Liste mit der FWG/UWG ("ein sicheres Ticket") um die politische Moral. Unüberwindbares Hindernis war der Spitzenkandidat der Wählergemeinschaften, der über die Müll-Affäre gestürzte Ex-Landrat Helmut Münch. Der Gedanke, gerade er könnte wieder in der Abfallpolitik mitbestimmen, habe einen "mutigen Schritt" erfordert, selbst "wenn das Risiko für uns angestiegen ist". BERND SALZMANN
BAD HOMBURG. Zwei jungen Männern, die in einem Kaufhaus ihre alten Turnschuhe gegen dort ausgestellte neue austauschen wollten, kam am Dienstag nachmittag ein Hausdetektiv auf die Spur. Doch bevor er einschreiten konnten, ergriffen die beiden die Flucht.
Der Kaufhausdetektiv verfolgte die Männer bis zum Bahnhof. Dort kam es zwischen ihm und einem der Täter zu einer Schlägerei, teilt die Polizei weiter mit.
Während dessen Komplize spurlos verschwand, nahm ein inzwischen hinzugezogener Polizeibeamter den anderen jungen Mann fest. tom
KARBEN. Das Thema Verkehrsberuhigung stand am Dienstag abend im Mittelpunkt einer mit über 60 Teilnehmern überdurchschnittlich gut besuchten Ortsbeiratssitzung im Stadtteil Rendel. Diskutiert wurde dort mit Anliegern und Vertretern des Kindergarten-Elternbeirates über eine Entschärfung der Situation in der Jahnstraße und Im Taunusblick.
Die beiden zwischen dem Bornwiesenweg und der Klein-Karbener Straße verlaufenden Parallelstraßen werden nicht nur von den Anliegern, sondern auch von vielen anderen Rendelern genutzt, um ihren Weg in Richtung Klein-Karben abzukürzen. Weil in beiden Straßen meist nur auf einer Seite geparkt wird, fühlen sich viele Autofahrer motiviert, stärker aufs Gaspedal zu drücken - was insbesondere in der Jahnstraße zu einer Gefährdung der Kindergartenkinder führt.
Bürgermeister Detlev Engel stellte den Mitgliedern des Ortsbeirates sowie den eigens eingeladenen Anliegern und Eltern die Pläne des Magistrats zur Verkehrsberuhigung vor. Demnach sollen in beiden Straßen versetzte Parkflächen markiert und an deren Kopfenden jeweils Pflanzenkübel postiert werden. Diese Maßnahmen stießen in der Diskussion mit den Bürgern/-innen jedoch auf ein geteiltes Echo. Während die Anwohner der Jahnstraße die Pläne einhellig begrüßten, wollen die Anlieger der Straße Im Taunusblick erst einmal die Auswirkungen in der Jahnstraße abwarten. Eine Verkehrsberuhigung in ihrer Straße könnte freilich unverzichtbar sein, weil sich nach Einschätzung des Magistrats ein Teil des Verkehrs von der Jahnstraße in den Taunusblick verlagern dürfte.
In die Verkehrsberuhigungsmaßnahme miteinbezogen werden sollte nach Auffassung der meisten Anwohner der Bornwiesenweg. Die Anliegerstraße mit ihrer brüchig gewordenen Betondecke, einstmals lediglich als landwirtschaftlicher Weg genutzt, befindet sich in einem desolaten Zustand. Der Beton muß getrümmert und mit einer Asphaltdecke überzogen werden. Die Sanierung ist laut Bürgermeister Engel bereits geplant, allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt. Bis dahin soll aber nicht gewartet werden. Auch im Bornwiesenweg soll es nun - wie in der Jahnstraße - versetzte Parkbuchten und Pflanzkübel geben. Sowie die Witterung es zulasse, so Detlev Engel, solle mit der Verkehrsberuhigung begonnen werden. mu
FRIEDRICHSDORF. Wie die Konkurrenz von den anderen Parteien will auch die CDU nur noch ein begrenztes und verkraftbares Wachstum der Stadt. Im neuen kommunalpolitischen Programm spricht sie sich gegen eine Änderung des Flächennutzungsplans und gegen die Ausweisung immer neuer Bauflächen aus, solange die bestehenden Baugebiete und die Möglichkeiten der Verdichtung noch nicht ausgeschöpft sind. In den Abschnitten Römerhof 5 und 6 soll der Anteil an Gemeinschaftsflächen größer sein als bisher.
Die CDU tritt für öffentlich geförderte Wohnungen (3. und 4. Förderungsweg) ein, ist aber gegen klassische Sozialwohnungen. Vor allem junge und kinderreiche Familien sollen so mit preiswerten Wohnungen versorgt werden. Für Senioren soll im Römerhof ein von einem privaten Investor zu bauendes Seniorenstift vorgesehen werden.
In der Verkehrspolitik sprechen sich die Christdemokraten für die Köpperner Entlastungsstraße, für Lärmschutzmaßnahmen zugunsten der Anwohner und für den Ausbau der Autobahnauffahrt aus. Besser werden soll das Angebot an Bussen und Bahnen. "Wir müssen im öffentlichen Nahverkehr weiterkommen", sagt Jürgen Funke, einer der vier Autoren des Programms; "er muß benutzerfreundlicher werden, auch für umsteigende Autofahrer." Alle S-5-Züge sollen im 20-Minuten-Takt bis Friedrichsdorf fahren, und auch die Verlängerung bis nach Friedberg steht in dem Papier.
Im Zeichen einer zunehmenden Kriminalität soll Friedrichsdorf eine eigene Polizeistation erhalten. Dies sei und bleibe das Ziel der CDU, auch wenn es angesichts leerer Kassen in Wiesbaden nicht so schnell zu verwirklichen sei. Bis dahin wünscht sie sich mehr Streifenfahrten der Homburger Polizisten in der Stadt und feste Ansprechpartner in der dortigen Station für Friedrichsdorfer Bürger.
"Wir sind auf Partner in diesem Parlament angewiesen", meint Funke zu den Machtverhältnissen nach der Kommunalwahl im März. Die CDU werde Mehrheiten suchen. Das Wahlprogramm wird am heutigen Freitag, 22. Januar, um 20 Uhr im Bürgerhaus Köppern von den Parteimitgliedern diskutiert. tom
Tips und Termine · Tips und Termine · Tips und Termine
Theater / Musik / Literatur Groß-Gerau. Rathauskonzerte: Duo Letvia, 17 Uhr, Historisches Rathaus.
Rüsselsheim. Independent-Konzert: Die Shivas, 21 Uhr, das Rind.
Kelsterbach. Irish Night: Paddy goes to Holyhead, 20 Uhr, Schloßkeller.
Ginsheim-Gustavsburg. VHS-Nähkurs für Faschingskostüme, 16 bis 20 Uhr, Georg-Mangold-Schule, Bischofsheim.
Mörfelden-Walldorf. Lichtblick Kino- treff: Die Schöne und das Biest (17, 20 Uhr).
Groß-Gerau. Lichtspielhaus: Der Tod steht ihr gut (19.30 Uhr); Doppelprogramm: Der Tod steht ihr gut + Die Eroberung des Paradieses (21.30 Uhr). - Bambi: 1492 - Die Eroberung des Paradieses (20.30 Uhr).
Rüsselsheim. Rex-Kino-Center: Rex I: Bodyguard (15, 17.30, 20, 22.45 Uhr). - Rex II: Eine Frage der Ehre (17, 20, 22.45 Uhr); Die Schöne und das Biest (15 Uhr). - Cinema: Sister Act (17.30, 20.30, 22.45 Uhr); Kevin allein in New York (15 Uhr).
Nauheim. Ried-Casino: Die Commitments (17.30 Uhr); Die siebente Saite (19.30 Uhr); The Crying Game (21.45 Uhr).
Ginsheim-Gustavsburg. Burglichtspiele Gustavsburg: Alien 3 (20 Uhr).
Rüsselsheim. VHS: Kam das Leben aus dem Weltraum?, 20 Uhr, Max-Planck- Schule, Aula, Joseph-Haydn-Str. 1.
Rüsselsheim. SPD: Soziale Gerechtigkeit - nur mit uns!, 19 Uhr, Stadthalle.
Büttelborn. SPD-Wahlveranstaltung mit Lothar Klemm, 20 Uhr, Volkshaus.
Riedstadt. SPD-Wahlveranstaltung: Wir handeln für Hessens Schulen, 19 Uhr, Bürgerhaus Wolfskehlen. Vereine / Organisationen
Mörfelden-Walldorf. Akkordeon Club Walldorf: Jahreshauptversammlung, 19 Uhr, Stadthalle Walldorf.
Freundeskreis Städtepartnerschaft: Geburtstagsfeier des Vereins, 20 Uhr, Stadthalle Walldorf. Beratungen / Offene Treffs
Mörfelden-Walldorf. Sozialstation Mörfelden-Walldorf, Waldstr. 16 1/10, Tel. 0 61 05 / 7 60 74: 9 bis 12 Uhr.
Jugend- und Drogenberatungsstelle: 10 bis 15 Uhr, Hermannstraße 3 in Mörfelden, Tel. 0 61 05 / 2 46 76.
Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle "Kamin-Club", Kochgruppe: 11 bis 13.30 Uhr, Schillerstr. 16, Tel. 0 61 05 / 7 67 70.
Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe, 20 Uhr, Steinweg 22.
Frauentreff: offener Treff, 20 Uhr, Mörfelden, Langgasse 45.
Groß-Gerau. Kinderschutzbund, 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr, Mainzer Straße 12, Telefon 0 61 52 / 4 02 89.
Verein Frauen helfen Frauen, 10 bis 12 Uhr, Schöneckenstr. 2, Tel. 0 61 52 / 3 99 99.
Rüsselsheim. Notruf für vergewaltigte Frauen im Kreis Groß-Gerau, 10 bis 12 Uhr, Frauenzentrum, Haßlocher Straße 150, Tel. 0 61 42 / 5 20 20.
Verbraucherberatung, Marktstr. 29, 9 bis 12.30 Uhr, Tel. 0 61 42 / 6 32 68.
Pro Familia, 8.30 bis 18 Uhr, Lahnstr. 30, Tel. 0 61 42 / 1 21 42.
Caritas, Beratung für Suchtkranke, von 8 bis 12 Uhr, Freiligrathstraße 10.
Raunheim. Frauentreff, Frankfurter Str. 13, 10-12 Uhr, Tel. 0 61 42 / 4 63 11.
Rhein-Main-Flughafen. Fluglärmbeschwerdestelle, Tel. 0 69 / 6 90 22 00.
Frauenhaus-Initiativen
Groß-Gerau: Tel. 0 61 52 / 3 99 77.
Raunheim/Rüsselsheim. 0 61 42 / 4 63 89.
(Ohne Gewähr)
NEU-ISENBURG. Rund 130 Hektar Wald in der Gemarkung von Zeppelinheim - das entspricht ungefähr einer Größe von rund 130 Fußballfeldern - sollen so schnell wie möglich unter staatlichen Schutz gestellt werden.
Mit dieser Bitte hat sich jetzt die Stadt Neu-Isenburg an den Regierungspräsidenten (RP) in Darmstadt gewandt. Nach den Worten von Neu-Isenburgs Bürgermeister Robert Maier (CDU) drängt der städtische Magistrat mit Nachdruck darauf, das Areal zwischen den Autobahnen A 5 und A 3, der Rhein-Neckar-Bahntrasse und dem Autobahnzubringer, der Landesstraße 3262, als "Bannwald" einzustufen. Bei der Einstufung "Bannwald" handelt es sich um die höchste Schutzkategorie des hessischen Forstgesetzes: Bannwälder dürfen weder gerodet noch anderweitig genutzt werden - zumindest grundsätzlich. Und genau darin verbirgt sich der Zweck des Neu-Isenburger Engagements: Durch das betroffene Gelände soll Planungen zufolge in den kommenden Jahren die Trasse der Schnellbahnverbindung zwischen den Städten Köln und Frankfurt geführt werden. Die Stadt Neu- Isenburg scheint diesen Plan zwar nicht vereiteln zu wollen; aber sie hofft die Bäume, die für das Projekt fallen müßten, solange wie möglich schützen zu können.
Nach dem Willen des Isenburger Magistrats soll die Deutsche Bundesbahn, wenn ihre Pläne auf dem Tisch liegen, einen Antrag stellen, die notwendigen Flächen aus dem geschützten Status herauszunehmen. Anschließend müsse dann in einem öffentlichen Verfahren darüber entschieden werden. Der Darmstädter Regierungspräsident wiederum will das Waldgebiet beim Stadtteil Zeppelinheim erst dann als einen Bannwald ausweisen, wenn der Verlauf der Bahntrasse genau feststeht.
Das Regierungspräsidium plant derzeit, insgesamt 3700 Hektar des Frankfurter Stadtwaldes - mit Ausnahmen der Fläche in Zeppelinheim - unter Bannwald-Schutz zu stellen, um eine weitere Rodung dieses ökologisch wertvollen Gebiets zu verhindern.
Allein seit 1945 waren so, nicht zuletzt durch die Ausweitung des Frankfurter Flughafens, etwa 500 Hektar verlorengegangen. leo
HANAU. Viele hielten sich die Ohren zu oder wichen einige Meter zurück. Laut ging's wieder zu bei der diesjährigen närrischen Rathauserstürmung am vergangenen Wochenende in Großauheim.
Aus Kanonen wurde geschossen, was das Zeug hält, Dutzende von Gewehrsalven bewegten Oberbürgermeister Hans Martin endlich, sich in die Macht der Karnevalisten zu begeben.
Für den FR-Fotografen Axel Häsler, der in Großauheim seiner journalistischen Pflicht nachkam, wird der Tag noch lange in Erinnerung bleiben. Nicht, weil er besonders angetan vom närrischen Treiben war, sondern weil er seit jenem Samstag auf einem Ohr kaum noch etwas hören kann, in den höheren Tonfrequenzen ist er regelrecht taub, wie es ihm ein Arzt inzwischen auch attestierte.
Für Häsler ist eindeutig, wer ihm den Schaden zugeführt hat: einer der vielen Kanonenschläge, denen er offenbar beim Fotografieren zu nahe gekommen ist.
Ein sogenanntes Knall-Trauma hat der Mediziner bei Häsler festgestellt, er befindet sich vermutlich noch bis zum Samstag im Krankenhaus und wird mit durchblutungsfördernden Medikamenten behandelt.
Der Fotograf erwägt eine Anzeige wegen Körperverletzung und Schadenersatz-Forderungen bei den veranstaltenden Karnevalisten.
"Dies kann er ruhig tun, er kann mir ja ein Attest bringen", gibt sich Heinz Groh von der 1. Hanauer Husarengarde, die verantwortlich für die Knallerei war, selbstsicher und läßt gleichzeitig erkennen, daß er einen Zusammenhang zwischen dem Ohrschaden und den Kanonenschlägen für ausgeschlossen hält.
Groh ist seit fast dreißig Jahren im närrischen Geschäft. Ihm sind seit dieser Zeit eigenen Angaben zufolge noch niemals irgendwelche Beschwerden von Besuchern zu Ohren gekommen.
Für die Kanonen wird ein Gemisch aus Salpeter und Holzkohle verwendet, bei den Gewehren tun es normale Platzpatronen. Im letzten Jahr in Steinheim sei es noch lauter gewesen, sagt Groh, die Häuser hätten dort noch dichter zusammengestanden und überhaupt: "In diesem Jahr haben wir nur die Hälfte der sonst üblichen Mengen verschossen."
Außerdem achte man bei derartigen Veranstaltungen stets darauf, daß sich niemand in der Schußrichtung befindet. Darüber hinaus habe der Präsident der Großauheimer Karnevalsgesellschaft, Herbert Reymann, übrigens selbst gelernter Feuerwerker, mehrfach über Mikrofon die Besucher ermahnt, aus dem Schußfeld zu gehen. Reymann sagte der FR gegenüber, noch kurz vor Beginn der Knallerei habe er entsprechende Warnungen über Mikrofon ausgesprochen. Gegen Verletzungen dieser Art ist weder die veranstaltende Großauheimer Karnevalsgesellschaft noch die 1. Hanauer Husarengarde versichert.
Für den Betroffenen sind die Äußerungen der Karnevalisten wenig hilfreich. Er führt seine Verletzungen auf einen Kanonenschlag zurück, bei dem er ziemlich weit entfernt und nicht in der Schußrichtung gestanden habe. Die Druckwelle sei an einer Hauswand gebrochen worden und habe ihn dort voll erwischt. Er will den Karnevalisten in den nächsten Tagen ein Attest vorlegen, aus dem ein Zusammenhang zwischen dem närrischen Treiben und seiner Ohrverletzung hervorgeht.Wir gratulieren
Frau Marie Bürger aus Nidderau-Windecken zum 85. Geburtstag am Donnerstag, 21. Januar.
Frau Elisabeth Grund aus Rodenbach zum 92. Geburtstag am Donnerstag, 21. Januar.
pit FRANKFURT A. M., 20. Januar. "Auf Distanz zum politischen Extremismus" stehen die Deutschen laut einer Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach. Angesichts rechtsradikaler Gewalttaten sei diese Abneigung "in den letzten beiden Jahren nicht kleiner, sondern größer geworden", heißt es in dem jetzt vorgelegten Bericht.
Grundlage für diese Einschätzung ist eine repräsentative Erhebung, bei der die Befragten Personengruppen ankreuzen sollten, "die Sie nicht gern als Nachbarn hätten". Keine Gruppe wurde daraufhin häufiger genannt als Rechtsextremisten, denen 77 Prozent der Bundesbürger nicht zu nahe kommen möchten. 1990 hatten dies nur 62 Prozent der damals befragten Westdeutschen angegeben.
Auch die Antipathie gegen Linksextremisten ist der Umfrage zufolge gewachsen: Sie wurden als Nachbarn bei der aktuellen Umfrage von 62 Prozent abgelehnt gegenüber 51 Prozent im Jahr 1990.
Parlament fordert eine Umgehungsstraße Entlastung vom Durchgangsverkehr / FDP-Antrag Von Astrid Ludwig LANGENSELBOLD. Die FDP forderte endlich konkrete Schritte. Ähnlich wie in anderen Kreisgemeinden ist auch für die Stadt Langenselbold seit Jahren eine Umgehungsstraße geplant. Sie soll parallel zur Autobahn 45 verlaufen und insbesondere die Rote Hohl und die Ringstraße vom Durchgangsverkehr entlasten. Die Liberalen stellten in der jüngsten Sitzung des Parlamentes den Antrag, die Umsetzung dieser Planungen erneut einzufordern. Ein Anliegen, dem sich auch die Mehrheit der Stadtverordneten anschloß. Die Verkehrsbelastung der Gründaustadt ist seit langem Thema von Auseinandersetzungen. Vor allem in der Roten Hohl und in der Ringstraße hat der Durchgangsverkehr eine Dimension angenommen, "die", laut FDP, "kaum mehr zumutbar ist". Die dort angebrachten Schilder Tempo 30 und die in der Ringstraße aufgestellten Betonkübel hätten weder eine spürbare Entlastung noch eine höhere Sicherheit gebracht. Die zügige Realisierung der Umgehungsstraße sieht die FDP als Möglichkeit der innerstädtischen Verkehrsentzerrung.
SPD-Sprecher Fritz Schüßler stimmte dem Antrag zwar zu, hielt jedoch die Realisierung für fraglich. Gerade auch im Hinblick auf ein zukünftiges Gewerbegebiet an der Ravolzhäuser Straße sei eine Umgehungsstraße und in erster Linie ein zusätzlicher Autobahnanschluß wesentlich.Schüßler hegte jedoch Befürchtungen, daß eine Umgehungsstraße möglicherweise noch mehr Verkehr in die Stadt ziehen werde. "Dann ist uns die Lösung Rote Hohl lieber." Er regte an, dort eine Kontaktampel zu installieren, um das Tempo des Durchgangsverkehrs weiter zu verlangsamen.
Zustimmung zu dem Antrag signalsisierte auch die CDU. Deren Sprecher Dörr forderte dennoch erneut den seit Jahren von seiner Partei favorisierten Generalverkehrsplan ein. In Langenselbold herrsche das Verkehrschaos. Da nutze auch kein Verkehrsberuhigungsplan, wie ihn die Stadt jetzt habe erstellen lassen. Punktuelle Maßnahmen seien nur Stückwerk.
SL-Redner Lothar Kühn hieb in eine andere Kerbe. Seine Partei war der Ansicht, daß eine Umgehungsstraße nur noch mehr Belastung bringe. Er forderte vielmehr, daß die Stadt Verkehrsadern wie die Ringstraße erhalte, statt überall den Verkehr zu beruhigen. Die in der Ringstraße aufgestellten Betonkübel hinderten den Verkehrsfluß und böten keinerlei Sicherheit für die Schulkinder.
Daß die umstrittenen Kübel demnächst durch Bäume ersetzt werden sollten, erklärte die DKP-Fraktionsvorsitzende Hedi Walter. Sie sprach sich dagegen aus, die Straße zu verbreitern. Die Kommunisten stehen einer Umgehungsstraße eher skeptisch gegenüber. Sie plädierten vielmehr dafür, gemeinsam mit anderen Kommunen bei den Genehmigungsbehörden auf einen zusätzlichen Autobahnanschluß in der Nähe der Ravolzhäuser Straße zu drängen. Gerade die Deponiepläne des Main-Kinzig-Kreises und die zu erwartende Mehrbelastung durch Müllfahrzeuge mache dies zwingend notwendig. Mit den Stimmen von SPD, CDU und SL, bei Enthaltung der DKP, wurde der FDP-Antrag angenommen.
NEU-ISENBURG. "Die Zahl der Starts und Landungen hat wieder einmal zugenommen. Gleichzeitig sind die Flugzeuge aber auch leiser geworden." Mit diesen Worten faßte der Leiter des Isenburger Rechtsamtes, Horst Goltz, die Ergebnisse der Fluglärmmessungen der Frankfurter Flughafen AG vom vergangenen Jahr zusammen. Seine Bilanz: "Die durchschnittliche Belastung für die Bevölkerung ist zwar leider nicht geringer geworden, aber glücklicherweise auch nicht größer."
Laut Goltz haben die Piloten im Jahr 1992 eine "Schallmauer" durchbrochen. Erstmals in der Geschichte des Frankfurter Flughafens seien im Jahresmittel pro Tag mehr als 1000 Flugzeuge gestartet und gelandet. Anfang der 80er Jahre waren es, so vermerkt die Statistik, noch rund 600 "Flugbewegungen" im Jahresmittel pro Tag.
Dagegen sei das "Nachtleben" mit 80 Starts und Landungen zumindest quantitativ gleich geblieben. "Aber ich erkenne Tendenzen, auch die Zahl der Nachtflüge zu erhöhen", sagte Rechtsamtsleiter Goltz. Nur so könne sich der Frankfurter Flughafen gegen die immer stärker werdende internationale Konkurrenz behaupten.
Als erfreulich bewertete er, daß mittlerweile etwa 60 Prozent der in Frankfurt ankommenden und abfliegenden Flugzeuge relativ leise Triebwerke besäßen. Vor allem in der Nacht dürften nach den gesetzlichen Bestimmungen nur noch sogenannte "lärmarme" Flugmaschinen fliegen.
"Trotzdem kann es sein, daß den Isenburgern der Fluglärm mehr zur Last gefallen ist als noch 1991", räumte Horst Goltz ein und verwies auf die außergewöhnlichen Wetterverhältnisse des vergangenen Jahres. Auffällig oft - in rund einem Viertel aller Fälle, üblich sind 20 Prozent - sei der Wind aus östlicher Richtung gekommen. Die Folge: Die Flugzeuge starteten an diesen Tagen über Neu-Isenburg hinweg. "Solche Wetterlagen hatten wir besonders häufig im Sommer", erinnert sich der Amtsleiter, "da haben bestimmt viele Leute im Freien gesessen und sich wegen des Düsenkrachs geärgert."
Die von Mai bis Oktober 1992 von der Frankfurter Flughafen AG ermittelten Werte bestätigen auch seine Einschätzung. Danach erhöhten sich die "Dauerschallpegel" im vorigen Jahr am Meßpunkt Neu-Isenburg Nord, während sie in Zeppelinheim leicht abnahmen. Und: Über dem Isenburger Rathaus ging es 1992 genauso laut zu wie in den Jahren zuvor. leo
Fall Weimar soll neu aufgerollt werden
FULDA. Nach der Ankündigung der Frankfurter CDU-Spitzenkandidatin Petra Roth, Wahlplakate mit Konterfei des SPD-Oberbürgermeisters Andreas von Schoeler zum Thema im Landtag machen zu wollen, sehen sich Hessens Christdemokraten nun selbst wegen möglicherweise unlauterer Wahlwerbung heftiger Kritik ausgesetzt. Die Fuldaer SPD und die in der Domstadt im Parlament vertretene Bürgerinitiative Christliche Wähler- Einheit (CWE) beabsichtigen, eventuell sogar gerichtlich gegen führende Unionspolitiker in Osthessen vorzugehen.
SPD und CWE werfen der Stadt und dem Kreis - beide von der Union geführt - vor, seit Anfang des Monats mit einer Anzeigenkampagne in der örtlichen Presse gegen die Neutralitätspflicht staatlicher Organe in der Vorwahlzeit verstoßen zu haben. Unter anderem geht es dabei um eine von CDU-Landrat Fritz Kramer unterzeichnete Anzeige, in der für einen Ratgeber für pflegende Familienmitglieder geworben wird, um ein Inserat der Stadt Fulda mit der Ankündigung über die Verteilung eines "persönlichen Umweltkalenders" und einer neu aufgelegten Abfallfibel.
Sowohl die Sozialdemokraten als auch die Christliche Wählereinheit sehen darin eine Wahlwerbung der Union mit Steuergeldern. Unter Hinweis auf ein Urteil des Hessischen Staatsgerichtshofes, bei dem es um die vom Gericht untersagte Wahlwerbung des damaligen Wirtschaftsministers Alfred Schmidt (FDP) ging, fordern die beiden Organisationen, die Anzeigenserie in der Vorwahlzeit zu stoppen. -ke
GEORG HAX aus Babenhausen hat in knapp vier Wochen mit dem Drahtesel das Hessenland umradelt und dabei rund 1270 Kilometer zurückgelegt. Sein besonderes Interesse galt historischen Grenzsteinen. Über seine Erkenntnisse wird er am Mittwoch, 27. Januar, um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle Harreshausen in einer Veranstaltung des Geschichtsvereins berichten. sch.
GÜNTER ZIERZ, ehemaliger Leiter der Jügesheimer Georg-Büchner- Schule, viele Jahre Vorsitzender des DGB-Ortskartells und als Ruheständler ehrenamtlicher Leiter des Jügesheimer Heimatmuseums, kann am Freitag, 29. Januar, aus der Hand von Landrat Josef Lach den ihm vom Ministerpräsidenten zuerkannten Ehrenbrief des Landes Hessen entgegennehmen. ttt
ANNEGRET LÜDECKE, Offenbacher Archäologin, spricht am Samstag, 23. Januar, um 15.30 Uhr in der Dieburger Post-Fachhochschule in einer Veranstaltung der "Archäologischen und Volkskundlichen Arbeitsgemeinschaft - Verein für Heimatforschung" über Keltische Kunst. sch.
HANAU. Eine Schnittwunde im Gesicht trug am Dienstag eine 21 Jahre alte Frau aus Gründau davon, als sie gegen 18.40 Uhr in der Graf-Philipp-Ludwig- Straße von einem Unbekannten überfallen wurde. Der 20 bis 25 Jahre alte Mann, der eine schwarze Lederjacke und Blue Jeans trug, bedrohte die Frau mit einem Messer und griff dann in ihre Handtasche, aus der er 100 Mark raubte. Dabei kam es zu einem Gerangel, bei dem die junge Frau die Verletzung erlitt. Der Mann floh in einem dunklen BMW in Richtung Nordstraße.
Nur Ausweispapiere erbeutete bereits am Montag abend ein ebenfalls unbekannter Räuber bei einem Überfall auf eine 61 Jahre alte Frau. In der Rebengasse entriß er ihr von hinten die Handtasche, wobei er die Frau zu Boden riß und mehrere Meter mitschleifte. Prellungen und Hautabschürfungen waren die Folge für die 61jährige. Sie konnte den Täter nicht beschreiben.
Auf ihrem Einkaufswagen hatte am Dienstag mittag eine 80 Jahre alte Frau ihre Handtasche abgelegt, als sie ihre Gartentür in der Rathenaustraße in Steinheim aufschließen wollte. Diesen Moment nutzte ein Mann: Er stahl die Tasche, die neben 90 Mark auch zwei Sparbücher enthielt, und lief davon.
Auf Zeugen schließlich hofft die Polizei für einen vierten Raub: In der Jahnstraße hat am Dienstag nachmittag ein Täter einem Auslieferungsfahrer für Tabakwaren Zigaretten und Münzgeld entwendet. Der Vorfall spielte sich gegen 17 Uhr vor der Gaststätte "Jahnhalle" ab.
In allen vier Fällen bittet die Polizei um Hinweise, die von jedem Revier entgegengenommen werden. az
Je t'aime - moi non plus . . .
Ich kann schon all diejenigen verstehen, denen das Getöse um den deutsch- französischen Schmusekurs doch arg gekünstelt erscheint. Sicherlich: "Der Deutsche" will bestimmt nicht mehr, in eine Uniform verkleidet, in Paris einmarschieren, aber "dem Franzosen" traut er nach wie vor noch nicht so richtig über den Weg.
Ist "der Deutsche" Ökologe, dann weiß er genau, wie rückschrittlich das Umweltbewußtsein jenseits des Rheins immer noch ist. Und die teilweise sensationellen Wahlerfolge der französischen Grünen bucht er auf das Konto eines geschichtlichen Mißverständnisses.
Der "deutsche Pazifist" wiederum erinnert sich noch mit Inbrunst an den Verrat der französischen Linken in den seligen Zeiten der Nachrüstungsdebatte.Bevor auch diesseits des Rheins der bellizistische Virus sein Unheil anrichten konnte, starb der französische Pazifismus an seiner antitotalitären Immunschwäche.
So oder ähnlich urteilten die reinen, friedensbewegten deutschen Seelen, als Helmut Schmidt in jenen Tagen unerwartete Schützenhilfe von linken französischen Intellektuellen erhielt. Dieser wiederum, doch echter deutscher Kanzler, lobte zwar unermüdlich seinen Freund Valerie, um allerdings keine Gelegenheit zu verpassen, die französische wirtschafts- und finanzpolitische Unfähigkeit zu geißeln.
Der deutsche Unternehmer wiederum meidet seine französischen Kollegen, wenn es um ein joint-venture-adventure gegen Osten geht, trifft sich aber natürlich sehr gern zu einem gepflegten Rotwein in Paris.
Da wären wir endlich angelangt bei der wahren Bewunderung deutscher Menschen für die Franzosen. "Der Franzose" weiß, wie und was man ißt, er kennt das Leben. So träumt der "deutsche Mann" - von links bis rechts - von einer "französischen Domina", sozusagen zuständig für Lebensinitiationen in allen Lebenslagen und jeglichem Lebensalter.Denn "der Franzose", so "der Deutsche", kann eigentlich nichts, aber vom Leben versteht er mehr.
Leider entspricht dies auch nicht der Wahrheit. Denn diesseits und jenseits des Rheins versteht man vom Leben und von den Problemen dieser Welt genauso wenig oder genauso viel.
Aber trotzdem scheint die deutsch- französische Freundschaft nur zu leben, um den deutsch-französischen Projektionen ihren Lebensraum zu erhalten. Vielleicht wird eines Tages die französische republikanische Idee des jus soli als Grundlage für das Staatsangehörigkeitsrecht in Windeseile die deutsche politische Seele erobern und im Gegenfeldzug die deutsche Mitbestimmungsbesessenheit sowohl die französischen Unternehmerverbände befallen als auch die französischen Gewerkschaften heimsuchen.
Während die ersten deutsch-französischen Grenadiere Schulter an Schulter in echter Männerfreundschaft friedenstiftend in Sarajewo tätig sein werden, wird gleichzeitig eine unendliche deutsch-französische Lichterkette von Marseille bis Rostock endgültig den deutsch-französischen anti-rassistischen Grundkonsens der staunenden Weltöffentlichkeit vorführen.
Den Herren Le Pen und Schönhuber - auch ein deutsch-französisches Paar - bliebe nichts anderes übrig, als sich diesem Grundkonsens anzuschließen und in Rente zu gehen.
Mal sehen, wann wir solche deutsch-
Der Autor ist ehrenamtlicher (grüner) Stadtrat für Multikulturelle Anlegen- heiten in Frankfurt.
Mit dem Taxi auf Sightseeing-Tour
"Das gehört in die Abteilung Entertainment", beschreibt Michael Linke seinen Job. Im selben Atemzug weist der Taxi- Unternehmer, der sich selbst als "Häuptling der Stadtrundfahrer" bezeichnet, auf das seriöse Wissen der Taxi-Fremdenführer hin, die seit fünf Jahren Touristen Sehenswertes in Frankfurt zeigen. Dichtung und Wahrheit müssen die 50 Fahrerinnen und Fahrer mit der Lizenz zur Rundfahrt auseinanderhalten - und gleichzeitig als Werk Goethes identifizieren.
Damit das geballte Wissen gezielt unter die Leute gebracht werden kann, betreibt die Taxi-Union jetzt verstärkt Werbung. "Die Vermarktung haben wir etwas blauäugig angegangen", meint Linke. Nun werden sich neben dem Verkehrsamt auch Reiseveranstalter in die Vermittlung einklinken. Sie bekommen eine Provision, und die Touristen die Chance, eine individuelle Sightseeing- Tour zu erleben. Die Flexibilität hält Linke für den wesentlichen Vorzug gegenüber den Bus-Rundfahrten. Egal ob nachmittags, um Mitternacht oder im Morgengrauen, die Taxifahrer starten immer.
Für einen Pauschalpreis von 140 Mark können bis zu vier Personen im Wagen Platz nehmen. Die Standardtour führt natürlich zu Römerberg, Dom und Messeturm. Aber auch Häuserkampf, Börneplatz-Streit oder Nitribitt-Affäre sollten für die angelernten Stadthistoriker im Taxi kein Fremdwort sein. "Jedes neue Hochhaus, jede neue statistische Zahl wird in die Unterlagen eingearbeitet", versichert Linke.
Die "Unterlagen" büffeln die Fremdenführer-Azubis während einer achtwöchigen Ausbildung, ehe in einer Prüfung entschieden wird: "Die können wir auf die Menschheit loslassen."
Was die Führer an der Aufgabe reizt? "Mit Menschen aller möglichen Nationen zu tun zu haben", meint Joske Kruyssen. "Ich komme aus der Reisebranche", sagt Christiane Kurt, und für den Berufsfahrer Heinz Lomnitz ist es "mal etwas anderes". So gemischt wie die Schar der Fahrer ist auch die Kundschaft. Neben Ausländern lassen sich "erstaunlich viele" Deutsche und sogar Frankfurter durch die Stadt schaukeln. Einmal, erinnert sich Linke, habe ein betagtes Ehepaar aus den USA, das zu einer Visite in die Heimatstadt zurückgekehrt sei, bei ihm im Taxi gesessen. "Die beiden haben 80 Prozent des Textes bestritten." Und Linke konnte noch etwas dazu lernen. vo
KRIFTEL. Der CDU-Gemeindeverband wird nicht müde, die Frankfurter Staatsanwaltschaft zu attackieren. Er wirft der Behörde nun auch "eine sehr einseitige Art der Öffentlichkeitsarbeit" vor. Die Erklärungen der Ermittler zum Fall Hans- Werner Börs (CDU) ließen "Zweifel aufkommen, ob hier so fair und unvoreingenommen ermittelt wird, wie das Gesetz dies vorschreibt".
Börs sitzt seit 13 Wochen in Untersuchungshaft und ist vorläufig vom Dienst als Bürgermeister suspendiert. Ihm werden Betrug, Bestechlichkeit und versuchte Erpressung vorgeworfen. Richter des Landgerichts Frankfurt halten die Verdachtsmomente für so gravierend, daß sie eine Haftbeschwerde abgelehnt haben.
Ungeachtet dessen richtet sich der Zorn der CDU, die erneut betont, daß "Bürgermeister Börs" ihr Spitzenkandidat für die Kommunalwahl bleibe, gegen die Ermittler. Was sagen die Attackierten zu den Vorwürfen? Da Sprecher Hubert Harth in Urlaub ist, kann er nicht Stellung beziehen. In einem FR-Gespräch am 7. Januar jedoch hatten Harth und der im Fall Börs ermittelnde Staatsanwalt Günter Wittig gesagt, daß sie sich bei ihrer Arbeit weder von Schmähbriefen noch Drohanrufen beeindrucken ließen. Meist ginge der Schuß nach hinten los. Harth: "Der Rechtsstaat wird nur geliebt, wenn er den Gegner in der Zange hat. Wer die Justiz angreift, stellt sich ins Abseits, da erübrigt sich jeder Kommentar."
Aber die CDU Kriftel will auch klarstellen: Zur umstrittenen Wohnsituation des Bürgermeisters schreibt sie erneut, daß die Gemeinde das Haus von einem Privatmann miete und dem Ehepaar Börs weitervermiete - ihm allerdings einen Teil der Kosten erlasse, "da sich in dem Haus ein dienstlich genutztes Arbeitszimmer befindet". Das sei 1981 einstimmig vom Parlament beschlossen worden. Und die niedrige Miete glichen die Eheleute Börs dadurch aus, daß sie "sämtliche Reparatur-, Modernisierungs- und Instandsetzungsarbeiten" aus eigener Tasche bezahlt hätten. Unterm Strich, schließt die CDU, lägen die Kosten "im Bereich der üblichen Marktmiete".
Was die Union übergeht: Das Landgericht hat bei der Ablehnung der Haftbeschwerde die Umstände der Vermietung als Bestechlichkeit gewertet und zu den Verdachtsmomenten gegen Börs gezählt. Vermieter ist der Architekt Helmuth Müller, der von der Gemeinde öfter Aufträge zugeschanzt bekommen haben soll.
Auch beim Kassenbuch, das CDU- Schatzmeisterin Helene Börs nicht mehr findet, wiederholen die Parteifreunde ihre "Verteidigung": Da sämtliche Originalbelege vorhanden seien, habe die Staatsanwaltschaft alle Informationen. Helene Börs habe die Kasse korrekt geführt.
Staatsanwalt Wittig mochte gestern nicht viel zur CDU-Erklärung sagen. Nur soviel: "Weder Polemik noch inhaltliche ,Klarstellungen&rquote; sind irgendwie neu." pms
KELKHEIM. Die Mittelstandsvereinigung der CDU (MIT) im Main-Taunus- Kreis fordert, daß "Ausländer, die straffällig werden, sofort ausgewiesen und abgeschoben werden". Dies war in der CDU bisher nicht Gegenstand öffentlicher Wahlkampfaussagen, wohl aber bei den Republikanern. "Macht nichts, dann sind wir die ersten in der CDU", so der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung, Rudolf Trapp, der gleichzeitig im Vorstand der Main-Taunus-CDU und im Landesvorstand der MIT sitzt.
In einer 16 Seiten umfassenden "Wahlkampfplattform zur Kommunalwahl 1993" schreibt die christdemokratische Unterorganisation: "Die zunehmende Kriminalität von (gerade auch jugendlichen) Ausländern wird von der Bevölkerung mit wachsender Sorge beobachtet. Noch mehr beunruhigt sie, daß die Mittel der Justiz nicht ausreichen, das kriminelle Bedrohungspotential dieser Bevölkerungsgruppe wirksam zu bekämpfen. Vom Rechtsstaat wird aber verlangt, daß er zunächst einmal seine eigenen Bürger schützt. Daher muß nach aller bisherigen Erfahrung davon ausgegangen werden, daß diese Problematik nur in den Griff zu bekommen ist, wenn Ausländer, die straffällig werden, sofort ausgewiesen und abgeschoben werden."
Die Broschüre wurde nach Angaben von Trapp vom Bundesvorstand gelobt und zur Verbreitung empfohlen: "Man muß das Rad ja nicht zweimal erfinden", habe es in einem Brief aus Bonn geheißen. Vom Landesvorstand Hessen wurde die Broschüre als nachahmenswert an alle Kreisverbände geschickt. "Viele haben den Text inzwischen unverändert übernommen", sagte Trapp.
Neben den Vorstellungen der MIT zur Ausländer- und Asylpolitik ("Grundgesetzänderung gegen Asylmißbrauch", Einwanderungsquote bevorzugt für Osteuropäer mit Qualifikationsnachweis) enthält die "Wahlplattform" allgemeine Forderungen zur Wirtschaftspolitik ("Entlastung des Mittelstandes"), Bildungspolitik ("Wiederanerkennung für Rechnen, Schreiben und Lesen"), Wohnungsbau, öffentliche Sicherheit und Ordnung (die Schutzgelderpressung durch "Jugoslawen- und Chinesenbanden" soll besser bekämpft werden), Verkehr und Umweltschutz ("keine deutsche Vorreiterrolle in Europa"). "Mit der Politik im Kreis sind wir zufrieden", begründet Trapp, daß nur eine kommunalpolitische Forderung erhoben wird: Eschborn-Süd und Niederrad sollen besser an den Nahverkehr und die Autobahn angebunden werden. md
Kurchef hat Kräfte illegal beschäftigt
BAD SODEN. Hinter der "Trennung" von Kurgeschäftsführer Peter Huppert steckt nun doch mehr der bislang zitierte "Vertrauensverlust": Er soll im vorigen Jahr Aushilfskräfte - darunter etliche ohne Arbeitserlaubnis - "schwarz" beschäftigt und deren Lohnabrechnungen auf den Namen einer ehemaligen Mitarbeiterin verbucht haben.
Weiterer Grund für die fristlose Kündigung, die Bürgermeister Kurt Bender (CDU) am Dienstag aussprach (die FR berichtete): Huppert rechnete seine Mitgliedsbeiträge bei einem Automobil- und einem Touristikklub auf Kurkasse ab. Er begründete die Ausgabe mit dem Hinweis auf Werbungskosten, doch bezweifeln einige Mitglieder des Verwaltungsrats, ob Huppert die faktische "Zulage" auch versteuert habe.
Eigentlich wollte der Bürgermeister die "unliebsame" Geschichte "diskret" abwikkeln: "Schließlich hat der Mann ja Familie, und mit dem Vorwurf sind ihm weitere Chancen verbaut." Nachdem aber weder Huppert noch dessen Anwalt auf das Angebot eines Auflösungsvertrages "in Güte" eingegangen waren, hielt sich auch Bender nicht mehr zurück. Braucht die Stadt doch stichhaltige Gründe für eine fristlose Kündigung, sollte der geschaßte Kurchef dagegen klagen. SPD-Stadtverordneter und Verwaltungsratsmitglied Karl Thumser geht ebenfalls davon aus.
Drei Monatsgehälter lautete das erste Angebot, mit dem die Stadt Huppert abfinden wollte. Dessen Anwalt hingegen drängte auf das Salär für die Hälfte der laut Vertrag verbleibenden Amtszeit, die in zweieinhalb Jahren abgelaufen wäre. Bender erhöhte das Angebot auf sechs Monate Gehaltsfortzahlung - unterm Strich 60 000 Mark. Bis Ablauf der Verhandlungsfrist kam keine Reaktion.
Der neue Vorwurf war der Prüfungskommission im Verwaltungsrat nur aufgefallen, weil auch eine Mitarbeiterin im Gremium sitzt und ihr sofort auffiel, daß die noch immer auf der Lohnliste geführte Angestellte bereits vor einem Jahr nach einem Schlaganfall ausgeschieden war. Huppert hatte sich von ihr monatliche Zahlungen von 500 Mark quittieren lassen. Ob dem Kurchef noch mehr vorgeworfen werden könnte, darüber mag Thumser nur spekulieren: "Wir haben einige Belege nicht mehr geprüft." Huppert äußerte sich bisher nicht, er war auch gestern nicht für die FR zu erreichen. ana
Schwierige Aufgaben erfordern oftmals außergewöhnliche Maßnahmen. Eine Binsenweisheit, die problemlos auch auf den Sport übertragbar ist. Trainerin Sylvia Hübener sowie Manager und Co-Trainer Jürgen Baier vom Frauen-Volleyball- Zweitligisten VS Wiesbaden haben sich wohl Mitte der letzten Woche an diesen Leitsatz erinnert. Die deprimierende Auswärtsniederlage der Vorwoche noch im Gedächtnis, lag mit dem Gastspiel beim SC Leipzig ein weiterer dicker Brocken vor den ambitionierten Wiesbadenerinnen.
Vor allem die lange, beschwerliche Anreise bereitete den VCW-Verantwortlichen Kopfzerbrechen: "Die war in der vorherigen Saison mitentscheidend für unsere Niederlage in Leipzig", erinnerte sich Baier nur ungern an die vorweihnachtliche Bescherung im Jahr 1991. Nur knapp eine Stunde vor Spielbeginn war seine Mannschaft damals müde und ausgelaugt in der Messestadt eingetroffen. Ein Umstand, der sich 1993 nicht wiedeholen sollte. "Wir sind bereits am frühen Samstagmorgen in Wiesbaden abgefahren und waren um 15 Uhr in Leipzig", verriet Baier. Verantwortlich für den späteren 3:1 (15:18, 13:15, 15:8, 15:8)-Auswärtssieg waren offensichtlich aber auch die vom Trainergespann verordneten Lockerungsübungen auf diversen Autobahnparkplätzen. Da hat so mancher Autofahrer sicherlich "Bauklötzer gestaunt".
Dementsprechend hellwach gingen die Hübener-Schützlinge im Sachsenland in die Begegnung und schockten die Gastgeberinnen mit einer schnellen 10:1-Führung im ersten Satz. "Unsere Spielerinnen wußten nach der Pleite von Fechingen, um was es ging", freute sich Baier über ein hochmotiviertes VCW-Team, das den Ausfall der grippekranken Pragerin Eva Zackova problemlos wegsteckte. Lediglich im zweiten Satz war kurzfristig Sand im Getriebe des VSW-Motors. "Da dachten wohl alle, daß das Spiel locker im Kasten ist", monierte Baier.
Mit Beginn des dritten Satzes war die Gegenwehr der Leipzigerinnen jedoch gebrochen. "Am Schluß haben wir denen nach langen Spielzügen mit zahlreichen ,big points&rquote; den Zahn gezogen", jubilierte Manager Jürgen Baier, dessen Team am kommenden Samstag um 19.30 Uhr in der Sporthalle am Zweiten Ring haushoher Favorit im Heimspiel gegen die TG Rüsselsheim ist. Trainer der Rüsselsheimerinnen ist seit Beginn dieser Saison Thomas Brunner.
Dessen alte Schützlinge, die Regionalliga-Volleyballer des TSV Bleidenstadt, waren im ersten Heimspiel des Jahres gegen TuS Kriftel II ohne Chance. Ohne die verletzten und erkrankten Stammspieler Jochen Esser und Stefan Frutig behielt die Reserve des Bundesligisten ganz klar mit 3:0 (15:7,15:11,15:13) die Oberhand. An Stelle von Stefan Frutig versuchte sich der neue Coach Andy Meusel in der Rolle des Zuspielers, konnte jedoch auch nicht verhindern, "daß wir im ersten Satz regelrecht vorgeführt wurden", so TSV-Spieler Jochen Esser. Kopfzerbrechen bereitete Meusel auch der dritte Satz, in dem er mit seinem Team bereits mit 10:1 führte und am Ende dennoch das Nachsehen hatte. Auch beim kommenden Gegner Eintracht Frankfurt (Samstag, 20 Uhr) wird sich solche Freigiebigkeit möglicherweise bitter rächen.
Eine Heimniederlage mußten auch die TSV-Frauen in der Regionalliga im Nachbarschafts-Derby gegen die TSG Bretzenheim hinnehmen. Der Aufsteiger hatte in dem zweistündigen Match beim 1:3 (8:15, 15:8, 14:16, 12:15) jedoch mehrmals die Möglichkeit, das Blatt zu wenden. Wer weiß, wie das Spiel ausgegangen wäre, hätten die Taunussteinerinnen im dritten Abschnitt ihren Satzball beim Stande von 14:13 verwandelt? Auch die TSV'lerinnen gehen am Sonntag auf Reisen. Ihr Gastgeber ist um 15 Uhr Blau-Gelb Marburg. ms
Bewegte Schatten heißt ein Vortrag am Samstag, 26. Januar, 19 Uhr, in dem die einzige Scherenschnittfilmerin der Welt frühe Werke zeigt und ihre Arbeitstechniken vorstellt. Die Schau läuft in der Reihe "Kulturbuffet" der Stadtteilbücherei Nordweststadt im Nordwestzentrum. di/03
Leichtathletik-Hochschulmeisterschaften: Im Sport- und Freizeitzentrum Kalbach sind am Mittwoch, 27. Januar, die 11. Internationalen Deutschen Hochschulmeisterschaften der Leichtathletik. Etwa 500 Studenten aller deutschen Hochschulen und auch aus dem Ausland (Polen, CSFR, Schweiz, Frankreich und der GUS) werden dazu erwartet. di/03
Kaum Überlebenschancen für ölverklebte Vögel auf den Shetlands Sturmtaucher-Kolonie ausgerottet / Kranke Seehunde werden mit roher Heringssuppe und Spritzen wieder aufgepäppelt Von unserem Korrespondenten Peter Nonnenmacher
LONDON, 20. Januar. Für die britischen Behörden ist die Ölkatastrophe vor den Shetlands zu Ende. Die 85 000 Tonnen Leichtöl, die aus dem verunglückten Tanker "Braer" ausgeflossen sind, haben sich angeblich durch das stürmische Wetter in alle Winde verflüchtigt - nur wenige Küstenabschnitte, heißt es, seien noch von der Ölpest verseucht. Die Vogelfreunde und Umweltschützer vor Ort aber sehen die Sache anders. Das Ausmaß des shetländischen Umwelt-Desasters, meinen sie, beginne sich erst abzuzeichnen. Und was sich abzeichne, lasse für die kommenden Wochen nichts Gutes erwarten. Nach Angaben der Umweltschützer auf den Shetlands hat das Öl schon jetzt schweren Schaden unter der gefiederten Tierwelt der Inseln angerichtet. Die gesamte Sturmtaucher-Kolonie der südlichen Shetland-Spitze sei vom Öl ausgerottet worden, meint der Ornithologe John Morton; außerdem seien fast zwei Drittel der Krähenscharben (Shags) und ein hoher Prozentsatz der schwarzen Lummen (Guillemots) im Öl umgekommen. Hunderte von toten und sterbenden Enten sind von Rettungseinheiten an den Stränden aufgelesen worden. Die Zahl der Vogel-Opfer insgesamt wird auf viele Tausend geschätzt. Nur die wenigsten Vögel, die mit dem Öl in Berührung kommen, haben eine Chance zu überleben. Mit ölverschmiertem Gefieder sind sie der Kälte und, beim Abpicken des Öls, der unweigerlichen Selbstvergiftung preisgegeben. Helfern, denen solche Tiere in die Hände fallen, bleibt normalerweise nichts anderes übrig, als sie zu töten, um ihrer Qual ein rasches Ende zu bereiten. Nur wenige Vögel, die kräftig genug wirken, werden aussortiert, in Decken gewickelt und abtransportiert. Diese Glücklichen erhalten eine echte Chance, der Ölpest zu entkommen: Sie werden entweder in rasch eingerichteten Tierheimen behandelt, wie in der zu diesem Zweck vorübergehend umfunktionierten Gemeindehalle in Boddam, nahe der Unglücksstelle der "Braer". Teilweise werden sie weitergeflogen ins Vogel- Krankenhaus in Inverkeithing, nicht weit von Edinburgh entfernt, wo ihnen unter dem schützenden Dach der Schottischen Gesellschaft gegen die Grausamkeit an Tieren professionelle Hilfe zuteil wird.
Das "Wildlife Hospital" in Inverkeithing ist in der Tat in Schottland die einzige Anlaufstelle dieser Art. Im üblichen Jahresverlauf behandelt es rund tausend verletzte Vögel aus dem britischen Norden. Seit der Öl-Katastrophe vor den Shetlands hat es, mit Hilfe einer kleinen Armee von Freiwilligen, seine "300-Vogelbetten-Kapazität" voll ausgeschöpft und sich auf die Rettung von Öl-Opfern konzentriert. Die Vögel werden zunächst mit einer salz- und zuckerhaltigen Spezialflüssigkeit am Leben gehalten und später, mit Bürste, Abwaschmittel und viel Geduld, gründlich geschrubbt. Nach einer Prozedur, die ihr Gefieder wieder wasserdicht macht und ihnen eine gute Ruhepause verschafft, werden sie in einem kleinen Becken zum "Probeschwimmen" ausgesetzt. Erst dann, nach mehreren Tagen Aufenthalt in der Vogel-Klinik, zeigt sich, ob sie das Unglück überstanden haben und wieder ausgesetzt werden können.
Das Aussetzen freilich ist in diesem Falle "ein echtes Problem", wie die Klinikchefin Sandra Hogben erklärt: Zurück in ihre alten Nistplätze können die Vögel nicht gebracht werden, da sie sich dort nur erneut im Öl verfangen würden. Neue Plätze zu finden, ist hingegen nicht einfach, da alteingesessene Vogelkolonien ein bißchen reagieren wie menschliche Nesthocker - sie betrachten die Neuankömmlinge gern als Störenfriede. Im übrigen weiß auch Sandra Hogbens Team, daß viele der gesundgepflegten Vögel bald nach ihrem Aussetzen umkommen werden. Das zeigt die Erfahrung, meint ein an den Rettungsaktionen beteiligter Greenpeace-Aktivist: "Und dennoch will man den armen Viechern doch irgendwie helfen."
Auf Hilfe rechnen können vor Ort immerhin auch Shetlands Seeotter, von denen auf den Inseln gerade noch 900 Exemplare existieren, und für die ein tierliebendes englisches Ehepaar in einer alten Scheune im Nordwesten der Shetlands ein provisorisches 19-Otterbetten-Krankenhaus eingerichtet hat. Seehunde wiederum werden im benachbarten "Seal Sancturay" in Hillswick gepflegt, wo die örtliche Pub-Besitzerin Jan Morgan vor sieben Jahren eine Zufluchtsstelle für kranke Seehunde gegründet hat.
Mittlerweile hilft ein holländisches Experten-Team, die ölverseuchten Tiere an abgelegenen Stränden aufzulesen und sie in Jan Morgans Garten mit roher Heringssuppe und antibiotischen Spritzen wieder aufzupäppeln. Auch hier sind freilich die Möglichkeiten begrenzt: Mehr als sechs Plätze kann das "Seal Sanctuary" den notleidenen Patienten beim besten Willen nicht bieten.
WEILROD. Mit Norbert Bargon auf Platz eins geht die CDU Weilrod ins Kommunalwahlrennen. Die Parteimitglieder gaben während ihrer jüngsten Versammlung "grünes Licht" für die etwa 50 Namen umfassende Liste.
Platz zwei nimmt der derzeitige Fraktionsvorsitzende Ewald Pauli ein, gefolgt von Brigitte Kleinschmidt, der einzigen Frau unter den ersten zehn CDU-Kandidaten.
Ulrich Schwickert ist die Nummer vier auf der Liste. Es folgt Christoph Meckel, der erstmals fürs Gemeindeparlament kandidiert. Die Plätze sechs bis zehn nehmen ein: Helmut Eichhorn, Hermann Mühle, Rainer Menz, Gerd Arenz und Norbert Hüttmann. Nicht mehr zur Wahl stellen wird sich Fritz Jope, nachdem er zum Vorsitzenden des Gemeindewahlausschusses gewählt wurde.
Bei der Kommunalwahl 1989 erhielten die Christdemokraten 26 Prozent der Stimmen und acht Sitze im Gemeindeparlament. Damit sind sie zweitstärkste Kraft hinter der SPD, knapp gefolgt von der FWG.
Vorsitzender Gerd Arenz räumte ein, daß sich in der Weilroder CDU insgesamt sehr wenige Frauen für Gemeindevertretung und Ortsbeiräte zur Wahl stellten. "Das lag aber nicht an uns", sprach er stellvertretend für die überproportional vertretenen Männer: "Viele Frauen waren aus Zeitgründen nicht bereit, zu kandidieren." ill
BAD ORB. Der Rathauschef war sichtlich gutgelaunt und manch Stadtverordneter traute dem Kalender kaum. Eine Haushaltsrede im Januar - wann hatte es das schon einmal gegeben in Bad Orb, wo sich das Parlament oft genug erst im Mai oder Juni über die städtischen Finanzen zankt.
Der Bürgermeister verheimlichte den Grund seiner Freude nicht lange. Stolz erwähnte er bereits im dritten Satz den satten Haushaltsüberschuß - immerhin 3,6 Millionen Mark. Die Kurstadt kräftig bei Kasse - da reibt sich Hugo Metzler anderthalb Monate vor der Wahl die Hände. Doch trotz Rekordguthaben knüpft er heimlich Kontakte zu den Banken - weil sich die Stadt in den nächsten Monaten fünf Millionen Mark pumpen muß. Davon erfuhren die Zuhörer allerdings nichts.
Vermutlich haben einige Parlamentarier den Kredit, der die Stadt rund 400 000 Mark Zinsen jährlich kosten wird, auch längst vergessen. Schließlich liegt es fast zwei Jahre zurück, daß sie dem Bürgermeister die Handlungsvollmacht für die Anleihe erteilten. Das Geld wurde angeblich im Mai 1991 benötigt. Hintergrund: die Sanierung des Leopold-Koch-Bades. Die fünf Millionen Mark, so der Originalton Metzlers, "sollen zur Kapitalaufstockung der Bad Orb Holding beitragen und letztlich dazu führen, daß die dringenden Investitionen im Bereich Kureinrichtung, speziell des Leopold-Koch-Bades, möglichst schnell realisiert werden können."
Obwohl die Planung für das Thermalbad stockt und die Sanierungsarbeiten bis heute nicht begonnen haben, transferierte die Stadt zügig fünf Millionen Mark auf das Konto der Bad Orb Holding, einer Dachgesellschaft, unter deren Fittichen sich die chronisch finanzkranke Kurverwaltung befindet. "Durch eine Kapitaleinlage der Stadt Bad Orb wurde die Eigenkapitalbasis verbessert", vermerkten die Wirtschaftsprüfer im Jahresabschlußbericht für 1991, und auch der neueste Haushaltsplan verrät die Kontenverschiebung auf Seite 206.
Eine akrobatische Finanzleistung Metzlers, der, wie er später zugab, für die Millionensumme nicht etwa den gewährten Kredit beanspruchte, sondern ein verstecktes Polster des städtischen Haushaltes strapazierte. Über Jahre hatten sich dort sogenannte Restposten zu einem Millionenbetrag summiert - Gelder aus etatisierten aber niemals begonnenen Baumaßnahmen wie zahlreiche Wanderwege oder Straßen, die bis heute auf den veranschlagten Ausbau warten.
Nun befindet sich der Orber Rathauschef in einer ebenso glücklichen wie mißlichen Lage. Einerseits hat er noch den Kredit, andererseits zwingt ihn die Hessische Gemeindeordnung (HGO), das Darlehen nun aufzunehmen. Spätestens bis zur Genehmigung des Haushaltes, das schreibt Paragraph 103 vor, muß er sich fünf Millionen Mark pumpen, sonst verfällt die Kreditermächtigung. Gut möglich, daß Metzler, der das Geld derzeit weder für die Thermalbadreparaturen noch im gut gefüllten Stadtsäckel benötigt, es gleich wieder auf die Bank bringt - um zumindest ein Teil der Zinsbelastung aufzufangen.
Doch die Opposition, die den CDU- Bürgermeister der "Bilanzkosmetik" bezichtigt und davon spricht, daß "Metzler bewußt Haushaltsprojekte nicht verwirklicht, um mit diesem Geld die Kurverwaltung am Leben zu halten" - so der SPD-Vorsitzende Wolfgang Bauer -, macht noch eine andere Rechnung auf. Danach werden schon in Kürze wieder stattliche Summen bei der Holding benötigt. Der Blick in die Bücher zeigt Bauer, daß das zuletzt aufgestockte Eigenkapital demnächst schon wieder verbraucht seien könnte.
Nach SPD-Darstellung dienten die fünf Millionen Mark, um die Dachgesellschaft, deren Kapitaldecke Ende 1990 auf knapp eine Million Mark geschrumpft war, vor dem finanziellen Kollaps zu bewahren. Nach Abzug von 2,1 Millionen Mark Miesen, die die Kurverwaltung 1991 erwirtschaftete, hätten die Bilanzen zum 31. Dezember noch 3,38 Millionen Mark Eigenkapital ausgewiesen - eine Summe, mit der die Stadt allenfalls noch einmal die Verluste des vergangenen Jahres decken könne. Bauer: "Danach muß wieder Geld her."
Sein Parteifreund Leo Markstedt hat dem Rathauschef zuletzt vorgerechnet, daß die Holding in ihrer fünfjährigen Geschichte auf diese Weise rund 11,5 Millionen Mark geschluckt hat.
JÖRG ANDERSSON
ERLENSEE. Vorläufig festgenommen wurden zwei 30 und 43 Jahre alte Männer, die in der Hanauer Straße in Erlensee einer Polizeistreife aufgefallen waren. Angesichts der Ordnungshüter warfen die beiden Männer Kleidersäcke von ihren Fahrrädern.
Bei der anschließenden Überprüfung ergab sich der Verdacht, daß sie mit einem Einbruch in ein Bekleidungsgeschäft in der Dieselstraße etwas zu tun haben könnten. az
Touristische Tips
"Wormser Nibelungenschatz" Die Geschichte auf Schritt und Tritt erleben Urlauber in Worms. Die Stadt, in der Martin Luther 1521 seine Glaubenslehre verteidigte, offeriert verschiedene Kennenlern-Angebote, etwa den "Wormser Nibelungenschatz" mit einer Übernachtung, Frühstück, zwei Mittagessen, Eintrittskarten für 135 Mark pro Person. Auskunft: Verkehrsverein, Neumarkt 14, 6520 Worms, Telefon 0 26 41-2 50 45. Von Kulmbach nach Weimar Die Bier- und Burgenstraße führt jetzt offiziell von Kulmbach in die Goethe- und Schillerstadt Weimar. Damit hat der geschichts- und kulturträchtige Reiseweg zwischen den beiden Städten eine Länge von 130 Kilometern erreicht. Auf fränkischer Seite finden sich Orte wie Weißenbrunn, Kronach, Förtschendorf und Lauenstein; in Thüringen bringt die Route die Urlauber über Saalfeld und Blankenhain nach Weimar. Auskunft über die touristische Straße gibt die Tourist Information Frankenwald, Amtsgerichtsstraße 21, 8640 Kronach, Telefon 0 92 61-57 48. Bad Bergzabern macht fit Reis serviert Bad Bergzabern an der Südlichen Weinstraße den Gästen, die gesund, schlank und fit aus den Ferien nach Hause zurückkommen wollen. Die siebentägige Natur-Reis-Kur kostet mit Aufenthalt im Apartment 378 Mark. Ein Apartment für zwei Personen wird pro Woche ab 290 Mark vermietet. Sprudelnde Lebensfreude im Thermalbad bietet das Bad derzeit zum Sympathiepreis von 8,50 Mark, das Kombiticket Thermal- und Saunabaden kostet 17 Mark. Auskunft über die bis März geltenden Sonderangebote: Kurverwaltung, Postfach, 6748 Bad Bergzabern, Telefon 0 63 43-88 11.
Ins Lahntal zwischen Taunus und Westerwald entführt das Urlaubsjournal '93 des Nassauer Landes. Die Palette der Pauschalen reicht von der dreitägigen Wochenend-Wanderung durch den Naturpark (ab 112 Mark) bis zu Kanu- und Radtouren und Hobbykursen. Übernachtung / Frühstück wird in dieser Region ab 25 Mark angeboten, eine Ferienwohnung für zwei Personen gibt es pro Woche ab 320 Mark. Auskunft: Touristik im Nassauer Land, Postfach 11 07, 5408 Nassau/ Lahn, Telefon 0 26 04-7 02 30. "Kurfürst" in Bad Neuenahr
"Kur-fürstliche Tage" wünscht Bad Neuenahr-Ahrweiler seinen Gästen mit einer Palette ausgesuchter Pauschalen. Das "Verwöhnprogramm für Körper und Geist" beispielsweise kostet mit drei Übernachtungen ab 497 Mark, wer leben möchte wie ein "Kurfürst" zahlt für zwei Übernachtungen ab 163 Mark. Die Wandertour durch Wälder und Weinberge können Gruppen ab sechs Personen mit vier Übernachtungen ab 299 Mark pro Teilnehmer buchen. Auskunft: Kur- und Verkehrsverein, Hauptstraße 60 in (W-5483) Bad Neuenahr-Ahrweiler, Telefon 0 26 41-22 78.
GRÜNDAU. Um die Nisthöhlen in ihrem Gebiet sorgt sich die Breitenborner Vogelschutzgruppe. Bei Kontrollen stellten die Betreuer fest, daß im vergangenen Jahr 86 der vereinseigenen Nistkästen entweder gestohlen oder mutwillig zerstört wurden.
"Besonders Jugendliche haben zur Silvesterzeit zahlreiche Meisenhöhlen mit Sprengkörpern zerstört", berichtet Vorsitzender Heinz Ewig. Aus diesem Grund bitten die Vogelschützer um erhöhte Aufmerksamkeit. Wer Nest-"Vandalen" auf frischer Tat ertappt, soll sie umgehend beim Vorstand melden. tja
Kleine Lokalrundschau
"Das Auto zur Vernunft bringen" Mit Fachleuten will Verkehrsdezernent Dieter Berlitz am Samstag, 23. Januar, um 10 Uhr im Holiday Inn, Bahnhofstraße 10-12, in einer Wahlveranstaltung der SPD über die künftige Verkehrspolitik diskutieren. Gäste sind Prof. Steger von der Volkswagen AG Wolfsburg und Dr. Jürgen Wefelmeier vom hessischen Verkehrsministerium. Thema der Diskussionsrunde: "Das Auto zur Vernunft bringen"."Dreck" im Nacht-Studio Robert Schneiders Monolog "Dreck" wird am Samstag, 23. Januar, um 22 Uhr im Nacht-Studio des Wiesbadener Theaters von Henry Meyer aufgeführt. Solidarität mit Ausländerkindern In der Kindertagesstätte Bertramstraße ist am Montag, 25. Januar, um 20 Uhr eine Diskussion mit einer Kindertherapeutin zum Thema "Toleranz kann man lernen" geplant. Auch ein Vertreter des Ausländerbeirats wird an dem Gespräch teilnehmen. Seniorenbeirat konstituiert sich Der neugewählte Seniorenbeirat trifft sich am Dienstag, 26. Januar, um 15 Uhr zu seiner konstituierenden Sitzung im Rathaus. Geplant ist die Wahl des neuen Vorsitzenden und seines Stellvertreters. Miteinander leben in Wiesbaden Die Wiesbadener Grünen laden ein zu einer Wahlveranstaltung am Freitag, 22. Januar, um 20 Uhr im Hilde-Müller-Haus am Wallufer Platz, zu der auch Hessens Familienministerin Iris Blaul erwartet wird. Motto des Abends: "Miteinander leben in Wiesbaden". Gründer von Dyckerhoff Über die Geschichte eines Familienunternehmens referiert Dr. Gabriele Fünfrock auf Einladung der familienkundlichen Gesellschaft für Nassau und Frankfurt am Mittwoch, 3. Februar, um 17 Uhr im Vortragsraum des Hessischen Staatsarchivs, Mosbacher Straße 55: "Die Gründergeneration der Dyckerhoff AG". Berlinerin fotografiert Wiesbaden "Wiesbaden - Impressionen einer Stadt" heißt eine Ausstellung der Fotografin Ruth Westerwelle aus Wiesbadens Partnerstadt Berlin-Kreuzberg. Oberbürgermeister Achim Exner wird die Schau am Freitag, 22. Januar, um 18 Uhr im Rathaus eröffnen. Sie ist dann bis zum 21. Februar montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Ungewollt kinderlos? Paare mit unerfülltem Kinderwunsch sind eingeladen zu einer Gesprächsgruppe in der Evangelischen Familien-Bildungsstätte, Emser Straße 3. Zusammen mit Pro Familia bietet sie soziale und medizinische Beratung und Gelegenheit zum Austausch mit anderen Betroffenen. Erstes Treffen am Mittwoch, 27. Januar, um 19.30 Uhr. Auskünfte unter Telefon 0611 / 52 40 15.
WIESBADEN. Als Rückfall in die ökologische Steinzeit werten die Grünen im Rathaus die Absicht der Stadt, die Sohle des Weihers am Warmen Damm zu betonieren. Stadtverordneter Jan Karsten Meier: "Wem nur Betonlösungen einfallen, hat auch nur Beton im Kopf." Für den Magistrat ist der Vorwurf "viel Lärm um nichts". Der kleine Teich müsse befestigt werden, um ihn reinigen zu können. Andernfalls drohe das Gewässer im Park zu versumpfen. Im übrigen habe der Weiher schon von jeher eine Betonsohle, die jetzt nur erneuert werden solle. maf
WIESBADEN. Der Fahrgastverband "Pro Bahn" hat die Forderungen der Industrie- und Handelskammer (IHK) zurückgewiesen, das Anwohnerparken im Dichterviertel der Landeshauptstadt wieder aufzuheben.
Wer über zu lange Fahrzeiten mit Bus oder Bahn von der Wohnung zur Arbeitsstelle klage, müsse "logischerweise eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs fordern, statt auf alte untragbare Verkehrsverhältnisse zurückzugreifen", sagte ein Sprecher der Initiative.
In diesem Zusammenhang mahnt Pro Bahn die Reaktivierung der Aartalbahn an. Darüber hinaus fordert die Gruppe den Ausbau und die Elektrifizierung der Ländchesbahn nach Niedernhausen und eine Verbesserung der Situation auf der Rheingaustrecke. "Wer ertragbare Verkehrsverhältnisse in der Stadt will, muß hier Verbesserungen schaffen", heißt es in einer Stellungnahme des Fahrgastverbandes.
Pro Bahn geht noch einen Schritt weiter: Künftig leerstehende Parkplätze sollten in kleine Grünanlagen verwandelt werden. Ein Sprecher des Fahrgastverbandes: "Der Weg, den die Stadt Wiesbaden eingeschlagen hat, ist richtig und muß weitergegangen werden." maf
Kleine FR · Kleine FR
Flughafenbesichtigung HANAU. Das Freizeit- und Sportamt der Stadt Hanau bietet am kommenden Sonntag, 24. Januar, eine Flughafenbesichtigung an. Die Teilnehmer fahren mit S- und U-Bahn. Interessenten können sich unter der Telefonnummer 6 57 23 anmelden.Polizeisport für jedermann HANAU. Der Hanauer Polizeisportverein steht nicht nur Ordnungshütern offen: Er bietet jeden Mittwoch von 19 bis 20 Uhr Gymnastikkurse für jedermann in der Sporthalle an der Umgehungsstraße 20 an. Näheres erfährt man bei Walter Müller, Telefon 0 61 81 / 3 18 12.
WIESBADEN. SPD-Fraktionschef Dieter Horschler hat die Kritik der Wiesbadener Gastronomen an der Getränkesteuer zurückgewiesen. "Mit deren Aufkommen von zwölf Millionen Mark kann die Stadt jährlich die Personalkosten von zwölf Kindertagesstätten finanzieren", weist der Sozialdemokrat auf die Bedeutung der Einnahmen hin.
Bonner Kürzungsbeschlüsse hätten den Kommunen keine andere Wahl gelassen, "als nach neuen Einnahmequellen zu suchen". Deshalb sollten die Gastwirte ihren Protest auch an die Adresse der Regierung Kohl richten, zumal die auch für die Erhöhung der Mehrwertsteuer verantwortlich sei. Die SPD verkenne nicht, daß die wirtschaftliche Lage einiger Kneipiers in der Stadt "kritischer" geworden sei. Daran trügen aber Mieten, Biereinkaufspreise und Sozialabgaben einen entscheidenderen Anteil als die kommunale Getränkesteuer.
Als unredlich empfindet der SPD-Politiker das Versprechen der CDU, die Getränkesteuer im Falle ihres Wahlsiegs abschaffen zu wollen. Zuvor nämlich müßten die Christdemokraten sagen, wie sie dann das Zwölf-Millionen-Loch im städtischen Haushalt stopfen wollten. maf
WIESBADEN. In den Dr.-Horst- Schmidt-Kliniken wird derzeit ein Positronen Emissions Tomograph (PET) installiert - ein 1,6 Tonnen schweres Gerät, das den Medizinern bei der Diagnose von Herz- und Krebserkrankungen ebenso hilft wie bei der Erkennung psychischer und neurologischer Störungen, zum Beispiel Schizophrenie, Epilepsie oder der Alzheimer Krankheit.
Der PET wird in der privat geführten Fachabteilung "Radiologie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie" des Wiesbadener Krankenhauses genutzt. maf
HANAU. Die Hanauer Stadtbibliothek lädt für Freitag, 22. Januar, ab 15 Uhr zur Vorlesestunde ein.
Diesmal geht es um "Amanda und das Sternenkind". Marga Albach nimmt die kleinen Besucher zu einer Traumreise durch die Schönheit der Nacht mit. Weitere Termine sind für den 12. Februar, den 26. März und den 14. April vorgesehen. res
Tips und Termine · Tips und Termine
Filmspiegel Bad Homburg. Kaskade-Kino: Kevin - allein in New York (15 Uhr); Bodyguard (17.15, 20 und 22.45 Uhr).
Panda-Kino: Bodyguard (15, 17.15, 20 und 22.45 Uhr).
Kino im Schwedenpfad (KiS): Max + Moritz und andere Streiche (15.30 Uhr); Stalingrad (17, 20 und 22.30 Uhr).
Friedrichsdorf. Lichtspiele Köppern: Die Schöne und das Biest (16 Uhr); Bodyguard (20 Uhr).
Neu-Anspach. Saalburg-Lichtspiele: Die Schöne und das Biest (20.15 Uhr).
Oberursel. Stadthallen-Kinos I und II: keine Vorstellung.
Kronberg. Kronberger Lichtspiele: Das kleine Gespenst (15 Uhr); Bodyguard (17.30, 20.15 und 22.45 Uhr). Theater/Musik Bad Homburg. Kurkonzert mit dem Kurensemble, Konzerthalle im Kurpark, 15.30 bis 17 Uhr.
Schloßkonzert "Mozarts Freunde" mit dem Ensemble Musica Antiqua, Köln. Schloßkirche, 20 Uhr.
Friedrichsdorf. Garnier's Keller, Hugenottenstr. 117: "Lyrik & Musik" - Claudia Zehnacker und das Duo Classico, 20 Uhr.
Kronberg. Receptur, Friedrich-Ebert- Str. 6: Karaoke mit Kalle Kaspers, 20 Uhr.
Königstein. Meisterkonzert: Daniel Veis und Helena Veisova mit Werken von Beethoven, Brahms, Martinu und Saint- Saëns, Luxemburger Schloß, Burgweg 9, 19.30 Uhr. Ausstellungen Bad Homburg. Galerie im Stadthaus, Marienbader Platz 1: "Das akustische Spiel" von Frank Leissring, 15 bis 18 Uhr.
VHS, Elisabethenstr. 4-8: "Wenn der Ton singt" - Leben und Kunsthandwerk der Pueblo-Indianer, 9 bis 12 und 15 bis 17 Uhr.
Englische Kirche, Ferdinandsplatz: Ausstellung "Europäischer Fotopreis" mit Arbeiten von 16 europäischen Künstlern. Eröffnung,19 Uhr.
Königstein. Galerie im Haus Bender, Gerichtstr. 12: Farbradierungen von Günter Desch, 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr.
Stadtbücherei im Kurhaus: 2. Kinder- Kunst-Ausstellung zum Thema "Igelhans", 10 bis 12 Uhr. Vorträge/Kurse Kronberg. Hellhof, Königsteiner Str. 2: Literarischer Abend "Hölderlin und Diotima" mit Günther Amberger, 20 Uhr. Beratung/Selbsthilfe Bad Homburg. Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Stadt Bad Homburg, Dorotheenstraße 47, 9 bis 12 Uhr, Tel. 2 91 09.
Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Hochtaunuskreises, Schaberweg 7, 8 bis 12 Uhr, Tel. 17 83 92-93.
Umweltberatung im Umweltbüro der Grünen, Louisenstr. 23, 10 bis 12 Uhr, Tel. 2 09 65.
Sprechstunde der Jugend- und Drogenberatung, Promenade 103, 9 bis 16 Uhr, Tel. 2 20 41.
Frauenzentrum, Louisenstr. 38: SOS- Treffen für Frauen, die gerade einen Angehörigen durch Tod oder Trennung verloren haben, 19 bis 21 Uhr.
Treffen der Freiwilligen Suchtkrankenhilfe, Promenade 103, 19 bis 22 Uhr, Tel. 0 60 07 / 28 08.
Treffen der Anonymen Alkoholiker, 20 Uhr, Gemeindehaus St. Marien, Dorotheenstraße. Friedrichsdorf. Umweltberatung im Rathaus, Hugenottenstr. 55, Tel. 0 61 72 / 73 13 00.
Treffen der Freiwilligen Suchtkrankenhilfe, Altentagesstätte Friedrich-Ludwig- Jahn-Straße, 19 bis 21 Uhr, Tel. 0 60 07 / 28 08.
Pro Familia, Dr.-Fuchs-Str. 5: Sprechstunde 9 bis 12 Uhr, Tel. 7 49 51.
Usingen. Treffen der Al-Anon-Familiengruppe, Kath. Gemeindezentrum, Schlagweg 14, 20 Uhr.
Oberursel. Beratung des Mietervereins, Altes Hospital, 18.30 bis 20 Uhr.
Kronberg. Kath. Frauengemeinschaft Deutschlands: Hilfe für schwangere Frauen in Not, Tel. 0 61 73 / 7 87 17.
Königstein. Gymnastik der Behindertensportgemeinschaft, Kurbad, 20.15 Uhr. Vereine/Organisationen Bad Homburg. Mapendo-Eine-Welt-Laden, Dorotheenstr. 9: 15 bis 18.30 Uhr.
Frauenzentrum, Louisenstr. 38: Kleinkindbetreuung für 2- bis 4jährige, 9 bis 12 Uhr, Tel. 2 44 34.
Friedrichsdorf. Freiwillige Feuerwehr Burgholzhausen: Jahreshauptversammlung, Feuerwehrhaus, Webergasse, 20 Uhr. Seniorentreffs Bad Homburg. Altentagesstätte im DRK-Zentrum, Promenade 5: Singkreis Schilling und Spiele 15 bis 17 Uhr.
Altentagesstätte Gartenfeld, Heuchelheimer Str. 92 c: Seidenmalen, 9 bis 11 Uhr; Tischtennis und Billard, ab 14 Uhr.
Friedrichsdorf. Singkreis, Altentagesstätte Friedrich-Ludwig-Jahn-Str. 29 a, 15 bis 17 Uhr.
Schach, Skat, Rommé und Canasta, Köppern, Dreieichstr. 22 a, 14.30 - 17 Uhr.
Oberursel. Altes Hospital: Schach, Skat, Rommé und Canasta, 14 bis 18 Uhr.
Steinbach. Seniorentreff: Spielnachmittag ab 14 Uhr.
Kronberg. Altkönig-Stift: Vorlese-Stunde im Blauen Saal, 15.30 Uhr.
Königstein. Altenbegegnungsstätte, Kugelherrnstr. 6: Vorschläge zum Wochenende, 14 bis 17 Uhr. Kinder/Jugendliche Bad Homburg. E-Werk, Wallstr. 24: Rock- und Underground-Pop mit der Gruppe "Ananas", 20 Uhr.
Friedrichsdorf. Jugendzentrum Köppern, Dreieichstr. 20 a: 17 bis 22 Uhr.
Oberursel. Allgemeines Sportfest des TV Weißkirchen. Grundschulsporthalle Weißkirchen, 15 Uhr.
Steinbach. Jugendhaus: Kickerturnier, 19 Uhr.
Königstein. Jugendhaus: Heiße Disco mit DJ Funky und DJ Fun, 20 Uhr. Blutspende Glashütten. Rotes Kreuz: Blutspendetermin. Bürgerhaus, 17 bis 20 Uhr.
Königstein. Abfuhr der Bäume (ohne Schmuck) im gesamten Stadtgebiet.
RODGAU. Die Verbindungsstraße zwischen dem Kieswerk am Badesee Nieder-Roden und der Kreisquerverbindung ist schon seit geraumer Zeit fertig, momentan wird die Ampelanlage an der Einmündung installiert, am Donnerstag, 28. Januar, um 14 Uhr werden die Signalanlage und damit auch die Privatstraße in Betrieb genommen.
Dann werden die Nieder-Röder nicht mehr durch die schweren Kiestransporter belästigt, die jetzt noch durch ihren Stadtteil rollen und für Lärm und Gestank sorgen. Die Grünen in der Rodgauer Stadtverordnetenversammlung hatten zuletzt "Dampf gemacht", damit die Firma die seit langem geforderte Entlastungsstraße baute. Willkommener Nebeneffekt: Aus der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Dietzenbach und Rodgau wird mit der Ampel das Tempo, das gerade dort schon einige Todesopfer gefordert hat, herausgenommen. (ttt/FR-Bild: Weiner)
BAD VILBEL. Schnell beseitigt war die Gefahrenquelle an der Pergola gegenüber der Hauptpost. Kaum hatten Magistrat und Verkehrsclub Deutschland die Telekom darauf hingewiesen, daß die massige Behindertentelefonzelle an der Postbrücke Radfahrern die Sicht auf den Zebrastreifen über die Friedberger Straße verstellt, wurde schnell gehandelt insbesondere weil deswegen zwei Radfahrerunfälle passiert waren. Die Zelle kam weg. Nicht weniger schnell war von Telekom zugesagt, daß in absehbarer Zeit an der gleichen Stelle wieder ein behindertengerechtes Telefon installiert wird und zwar eines, das die Sicht für Radler nicht behindert.
Soweit wäre alles gut - wenn sich das Ganze nicht schon vor einem halben Jahr ereignet hätte. Die "Hütte" (Postjargon) war nämlich bereits am Mittwoch, 8. Juli 1992, abgebaut worden (die FR berichtete am Freitag, 10. Juli "Gefahrenquelle ist beseitigt"). Die Lükke, die die Beseitigung der Behindertentelefonzelle gerissen hatte, besteht fort.
Der Laie mag denken, daß es eine relativ einfache Sache ist, eine Telefonzelle abzubauen und eine andere, kleinere, am selben Fleck zu installieren. Drei, vier Wochen würde der Nichtfachmann der Telekom vielleicht zugestehen, aber sechs Monate?
Aus Sicht der Telekom war es so: Im Sommer vorigen Jahres stand fest, daß das Unternehmen nach ausführlichen Konsultationen der Behindertenverbände einen neuen Typ Behindertentelefone einführen wird, der denn auch im Herbst '92 offiziell vorgestellt wurde. Diese "Hauben" sind keine geschlossenen Zellen mehr, sondern offen, aber nicht minder behindertengerecht als die "Hütten". Nun begab es sich, daß dieser neue Typ nicht im traditionellen Postgelb produziert und ausgeliefert werden sollte, sondern in den neuen Farben der Telekom "Grau und Magenta". Da es in Bad Vilbel nun aber am Standplatz vor der Hauptpost zwei "normale" Telefonzellen gibt, und zwar in Postgelb, wollte Telekom die behindertengerechte "Haube" nicht in den neuen Firmenfarben, sondern noch im alten Gelb installieren.
"Bundesweit", so Telekomsprecher Klaus Flössel vom Fernmeldeamt Eschborn, habe man nach einer gelben "Haube" gesucht. Im Dezember sei eine in der Niederlassung Bad Homburg eingetroffen. "In den nächsten Wochen" - so Flössel zunächst gegenüber der Frankfurter Rundschau - werde sie installiert.
Erst auf hartnäckiges Nachfragen der FR, ob es denn als normal gelten könne, wenn ein halbes Jahr bis zur Installation einer neuen Telefonzelle verstreichen muß, konnte Flössel einen akzeptablen Termin versprechen: In der ersten Februarwoche werde die gelbe Haube aufgebaut.
Der Eschborner Pressesprecher verhehlt nicht, daß der Austausch der Behindertentelefonzelle für Telekom ein "teurer Spaß" geworden ist. Entgegen ursprünglicher Erwartungen nämlich kann die ehemals installierte "Hütte" nicht wieder anderswo aufgebaut werden, weil es ja die neuen und grau-magenta gespritzen "Hauben" gibt. Die Hütte also müsse verschrottet werden, und das koste schon mal ein paar Tausender. Die Sicherheit auf dem Radweg sollte dem Telfonunternehmen aber dieser Verlust wert sein.
HANNES MATHIAS
WETTERAUKREIS. Im vergangenen Jahr wurde das "Jubiläum" des 500. Jahrestages der Eroberung Lateinamerikas weltweit gefeiert. Doch wie sind die heutigen Lebensbedingungen im Süden dieses großen Kontinents? Darüber soll in einem Kursus der Kreisvolkshochschule gearbeitet werden. Es geht um Themen wie Schuldenkrise, Ausbeutung, Völkerkunde und Kultur der indianischen Urbevölkerung. Mit Hilfe von Filmen soll eine Grundlage für Gespräche geschaffen werden. Die Teilnehmer können die Auswahl der Filme weitgehend beeinflussen.
Aufhänger dieses Kursus ist eine karikaturartige Dia-Reihe über eine fiktive Entwicklung: Was wäre geschehen, wenn die Inkas auf der Suche nach dem Seeweg in Richtung China zufällig Europa "entdeckt" hätten? Der Lehrgang beginnt am 21. Januar in der Kreisbildstelle in Friedberg, Burg 3. Er dauert sechs Abende und wird geleitet von Dr. Monika Rhein. ks
MAIN-TAUNUS-KREIS. Vier Jahre Verlängerung oder das Aus für den Notvorstand aus CDU, SPD und Freier Wählergemeinschaft (FWG)? Für jenes Bündnis, das mangels eindeutiger Mehrheitsverhältnisse im Main-Taunus-Kreis zum Jahreswechsel 89/90 angetreten ist. Aus den Basen von CDU und SPD kommt ein entschiedenes "Nein". Hatten sie doch - die Vision politischer Eiertänze und fauler Kompromisse vor Augen - dem Regierungs-Sharing nur zähneknirschend zugestimmt. Auch ihre Protagonisten, Landrat Jochen Riebel (CDU) und Erster Kreisbeigeordneter Gerd Mehler (SPD), werden nicht müde, ihren Willen zur Regentschaft zu betonen - ohne den anderen. Lediglich die FWG scheint zufrieden und will das Bündnis fortsetzen.
ROSBACH. Zu einem Neujahrsempfang lädt erstmals die Stadt Rosbach ein. Am Freitag, 22. Januar, um 19.30 Uhr in der Adolf-Reichwein-Halle sollen verdiente Vereinsmitglieder ausgezeichnet und gleichzeitig erfolgreiche Rosbacher Sportler geehrt werden. mu
MAINTAL/FRANKFURT. Der Ökosophische Gesprächskreis Maintal und die Ateliergemeinschaft Mozartstraße laden gemeinsam zu einer Doppelveranstaltung ein, bei der es um den US-amerikanischen Maler Edward Hopper geht, dessen Werk derzeit in der Frankfurter Kunsthalle "Schirn" zu sehen ist.
Die Veranstaltung beginnt am Sonntag, 24. Januar, um 14.30 Uhr in der QNSD-Galerie der Ateliergemeinschaft in Maintal-Dörnigheim, Mozartstraße 3, mit einem knappen Einführungsreferat von Christine Grawe über Hoppers Kunst.
Anschließend besteht Gelegenheit zur Diksussion, an der auch Mitglieder der gastgebenden beziehungsweise veranstaltenden Kreise teilnehmen werden. Nach einer angemessenen Pause steht ein gemeinsamer Besuch der Hopper-Ausstellung in der Frankfurter "Schirn" auf dem Programm. Die Ausstellung ist am Sonntag bis 19 Uhr geöffnet.
Ökosophen und QNSD-Künstler nehmen die Ausstellung zum Anlaß, auf die Bedeutung Edward Hoppers (1882 - 1967) "aus der Sicht unserer Umbruchzeiten" aufmerksam zu machen und den amerikanischen Künstler auch dem Maintaler Publikum näher zu bringen.
"Hoppers künstlerisches Spannungsfeld zwischen Stillstand und Bewegung der klassischen Industriegesellschaft und speziell der amerikanischen Gesellschaft wird als ,magischer Realismus&rquote; mit Sicherheit auch bald Eingang finden in das theoretisch-philosophische Umfeld der Öko- Bewegung", prophezeien die Veranstalter. Seine Bilder von Vereinzelten in weiten, unbewohnten Räumen sprächen nicht, wie der "american dream", von den unbegrenzten Möglichkeiten, "sondern machen Räume zu verlassenen Orten, Tatorten gleich. Hier ist das Warten vergeblich, alles Vergangenheit, alles schon passiert . . ."
Daraus ergeben sich für die Maintaler Ökosophen und Künstler die Fragen, ob Hopper noch zur Moderne - mit unbegrenzten Möglichkeiten - gehöre, oder ob er bereits ein postmodernes Thema ("anything has gone") vorweggenommen habe. "Und warum wird Hopper ausgerechnet heute in ,Deutschland&rquote; entdeckt?" Diese und andere Fragen sollen am Sonntag zur Debatte stehen. pom
80 000-Mark-Renovierung im Landratsamt: Rechnungsprüfer erheben neue Vorwürfe Ex-Landrat Jürgens hat mitgetrickst Galuschka war nicht allein Von Stefan Kuhn HOCHTAUNUSKREIS. Landrat Klaus-Peter Jürgens (CDU) wußte Bescheid und hat mitgemacht. Das enthüllen die Rechnungsprüfer des Kreises in ihrem Jahresbericht 1990 schwarz auf weiß. Es geht um die eigenmächtige, an allen Kontrollen vorbeigeschleuste Renovierung des Sitzungszimmers 407 im Landratsamt. Bisher wurde sie allein dem damaligen Vize-Landrat Hans-Joachim Galuschka (damals CDU) in die Schuhe geschoben - auch von Jürgens. Aufträge über 80 000 Mark wurden freihändig ohne Kostenvergleich vergeben, zusammengehörende Bestellungen widerrechtlich geteilt, um unter erlaubten Höchstgrenzen zu bleiben. Alles lief illegal am Kreisausschuß vorbei. Die Aufteilung der Kosten auf drei verschiedene Stellen des Haushalts erschwerte zudem die Kontrolle des Kreisparlaments.
So wurden Lampen (im Hausjargon "Vogeltränken" genannt) für 3500 Mark aufgehängt, die Rauhfasertapete durch eine 20 000 Mark teure Holzvertäfelung ersetzt, für 7000 Mark Türen und für 7500 Mark eine Klimaanlage eingebaut.
Auf elf Seiten belegen die Prüfer alle Vorwürfe im Zusammenhang mit der eigenmächtigen Renovierung des Sitzungszimmers. Und erheben neue: Der damalige Landrat Jürgens höchstselbst habe die neuen Möbel bestellt - im Sommer 1990 hatte er in Kreisausschuß und Öffentlichkeit jedes Wissen bestritten.
Jürgens-Nachfolger Jürgen Banzer (CDU) und der Kreisausschuß bestätigen die Beteiligung des früheren Landrats in zwei Stellungnahmen ausdrücklich. Diese sind neben den Ergebnissen der Rechnungsprüfer in dem "Schlußbericht über die Prüfung der Jahresrechnung 1990" abgedruckt. Der Kreisausschuß hat ihn gestern abend diskutiert, er geht jetzt den Kreistags-Fraktionen zu. Sie hatten die Prüfung der ominösen Modernisierung eigens gefordert. Jürgens wies die Vorwürfe gestern zurück, lehnte aber eine detaillierte Stellungnahme wegen fehlender Unterlagen und seiner Schweigepflicht gegenüber dem früheren Arbeitgeber ab.
Nach dem Prüfbericht hat er Konferenzsessel, -tisch und Chefzimmeranrichten für 22 923,12 Mark bestellt - und damit gegen die "Dienstanweisung für die Bearbeitung von Investitionen" verstoßen. Diese sieht vor, daß Aufträge über 20 000 Mark vom elfköpfigen Kreisausschuß beschlossen werden müssen.
Um die Vorschrift zu umgehen, wurde die Einrichtung getrennt in zwei Aufträgen bestellt, kritisieren die Prüfer. Dabei seien Tisch und Stühle als "eine Einheit anzusehen". Für einen bewußten Trick spricht auch, daß sie am gleichen Tag beim gleichen Händler bestellt wurden.
Zudem hat Jürgens eine der Bestellungen ohne die ebenfalls vorgeschriebene Unterschrift des Leiters der Finanzverwaltung abgeschickt, so der Bericht. Der Kreisausschuß begründet dies damit, daß der Auftrag in einer Dezernentenbesprechung direkt unterzeichnet wurde - und offenbart so, daß eine solche Besprechung überhaupt stattgefunden hat. Jürgens dagegen hatte damals auf Nachhaken der SPD ("Wer hat das bestellt?") gepaßt und öffentlich auf seinen Stellvertreter Hans-Joachim Galuschka verwiesen: "Fragen Sie meinen Kollegen." So hielt sich bis heute das Bild, Galuschka allein habe die Renovierung des Zimmers 407 zu verantworten - was gut dazu paßte, daß er ein Jahr später als eine Schlüsselfigur im kreisweiten Bestechungsskandal verhaftet wurde. Galuschka hat allerdings die "kurzfristige Anordnung" zur Modernisierung getroffen - in den Ferien, während der Kreisausschuß pausierte. Er hat auch selbst Aufträge über 20 000 Mark geteilt herausgegeben, geht aus dem Bericht hervor. Auf Ausschreibungen und schriftliche Preisvergleiche wurde bei allen elf Aufträgen im Zusammenhang mit der Renovierung verzichtet. Die Prüfer können auch nicht die von Galuschka reklamierte "Dringlichkeit" erkennen.Alles soll bleiben, wie es ist "Wählergruppe Oberurseler Bürger" (WOB) will ins Parlament
OBERURSEL. Die etablierten Parteien in Oberursel bekommen Konkurrenz: Auf dem Wahlzettel am 7. März gibt es eine Möglichkeit mehr, sein Kreuzchen zu machen. Die "Wählergruppe Oberurseler Bürger", kurz WOB, will mit ins Parlament. "Wir wollen den Parteien ein bißchen Feuer unterm Hintern machen", faßt Rüdiger Emrich, Zweiter auf der WOB-Liste, knapp zusammen.
Im November gegründet, hat die WOB die erforderlichen 90 Unterstützungs- Unterschriften "locker" zusammenbekommen. Auf der Liste stehen nur zwei Namen: der Vorsitzende Heinrich Mathes, Angestellter beim Kreiswehrersatzamt in Eschborn, und Rüdiger Emrich, der eine Autowerkstatt besitzt.
Erklärtes Ziel der WOBler ist, so Emrich, die "Besitzstandswahrung". Sprich: In Oberursel soll alles möglichst so bleiben, wie es ist. Das heißt vor allem keine neuen Firmen mehr - die neu entstandenen Industriegebiete hält die WOB für einen Fehler. Auch das Thema Verkehrsberuhigung ist für die Wählergruppe ein rotes Tuch: "Die sollen erstmal fertigbauen, was geplant ist, zum Beispiel die Südumgehung", meint Emrich.
Die Beruhigung von Straßen bedeute "Stillstand". Die WOB setzt dagegen: "Man muß den Verkehr fließen lassen." Ins politische Spektrum einordnen lassen will sie sich ausdrücklich nicht: "Wir sind ganz frei und unterliegen keinem Abstimmungszwang." Man werde auf keinen Fall eine Koalition eingehen. Mit "1000 bis 2000 Stimmen" rechnet die WOB bei der Wahl. "Früher", meint Emrich, "haben wir die Welt immer nur am Stammtisch verändert." Das soll jetzt anders werden. esi
FRANKFURT A. M. Um 200 000 Mark hat das Land Hessen jetzt das Stiftungskapital der Deutschen Aids-Stiftung "Positiv leben" erhöht. Wie Gesundheitsministerin Iris Blaul (Grüne) am Mittwoch auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Stiftung in Frankfurt erläuterte, werde dieser Betrag "sehr viel mehr bewirken". Die Bundesregierung habe zwei Millionen Mark zugesagt, wenn die Bundesländer ebenfalls die Stiftung mit zusammen zwei Millionen Mark unterstützen. "Ich hoffe, daß diese Summe in den nächsten Wochen zusammenkommt", sagte Blaul.
Die Stiftung "Positiv leben" wurde 1987 gegründet, um Menschen finanziell zu helfen, die durch die Krankheit Aids in Not geraten sind. Sie übernimmt Mietkosten und Telefonrechnungen oder stellt beispielsweise eine Waschmaschine zur Verfügung.
"90 Prozent der Betroffenen, die sich an uns wenden, sind unter 40 Jahre alt", sagte der Geschäftsführer der Stiftung, Ulrich Heide. "Sie haben kaum Rücklagen. Viele erfahren durch ihre Familie keine oder nur geringe Unterstützung." 30 Prozent der Antragsteller seien Frauen, obwohl sie unter den Erkrankten nur einen Anteil von neun Prozent ausmachten. Die Zahl der Bedürftigen nehme ständig zu und werde weiter wachsen.
"Immer mehr Menschen", so Heide, "sind auf uns angewiesen. Wir müssen deshalb - was wir eigentlich gar nicht wollten - an die öffentliche Hand herantreten." Bisher sei die Stiftung hauptsächlich aus Spenden finanziert worden.
Gesundheitsministerin Blaul lobte die Arbeit der Stiftung als vorbildlich und unverzichtbar. "So schnell und unbürokratisch können die Behörden nicht handeln". Der "Kampf gegen die Mühlen der Bürokratie" sei aidskranken Menschen nicht zuzumuten. Die aus der Schwulenbewegung heraus entstandene Stiftung zeige beispielhaft, "wie man Selbsthilfe und kompetentes Handeln koppeln kann".
Stefan Majer von der Frankfurter Stiftung erklärte, daß Aidskranke in Hessen die Stiftung nur selten benötigten, weil in diesem Bundesland "die Aids-Arbeit gut unterstützt" werde. "Hier funktioniert das auch mit den Sozial- und Gesundheitsämtern viel besser als in anderen Bundesländern." ft
OTZBERG/MÜHLTAL. Zum ausnahmsweise unbequemen Besuch waren ein erboster Manfred Kanther, Gottfried Milde und andere Größen der hessischen CDU anno 1989 vorgefahren, um den beiden Bürgermeistern und Parteifreunden den Pakt mit dem Teufel auszureden. Bewegen konnten sie mit Druck und harten Worten jedoch nichts. Zudem waren Mißbilligungsanträge auf Kreisebene und der Widerstand in den Ortsvereinen doch schneller weggefegt als geglaubt. Zitterpartien bei den Abstimmungen von Gemeindefraktion und Parteibasis, die ein Zusammengehen mit den Grünen zum Machterhalt gutheißen sollten, blieben aus. Bis heute haben die schwarz-grünen Bündnisse in Otzberg und Mühltal (Kreis Darmstadt-Dieburg) gehalten und sogar Vorzeigbares auf die Beine gestellt.
Die beiden Koalitionen funktionieren - auf lokaler und überschaubarer Ebene, wo es fast nur ehrenamtliche Posten gibt, wo man einander persönlich kennt, einschätzen kann und bundespolitische Reizthemen ausklammert, um nicht für harte Fronten und Sprachlosigkeit zu sorgen. Erweiterung von Friedhöfen, Zuschüsse für den Turnverein und Jugendtreff oder Instandhaltung des Feuerwehrgerätehauses sind nun mal was anderes als der Paragraph 218.
"Es hat geklappt", anders könne er das "sehr positive Verhältnis" und die "stolze Bilanz" der so ungleichen Partner im jetzigen Kommunalwahlkampf nicht beschreiben, resümiert Otzbergs Bürgermeister Reinhold Müller. Otzberg, finanzschwache Gemeinde am Rande des Odenwaldes, mit gut 6000 Einwohnern verstreut auf sechs Ortsteile, war bisher klare CDU-Mehrheiten gewohnt. Doch die Kommunalwahl 1989 bescherte ein Patt zwischen CDU und SPD, die drei Abgeordneten der Grün-Alternativen Liste Otzberger Bürger (Galob) wurden zum Zünglein an der Waage. Und sie brachten die CDU-Männer ganz schön auf Trab.
Hier, wo das Gemeindeparlament im ersten Stock einer Gastwirtschaft vor der Fototapete mit Alpenseepanorama debattiert, beifällig auf die Tische mit den weiß-rot-karierten Decken klopft, wenn Geburtstage verdienter Mitbürger verlesen werden - hier wurden die Weichen gestellt für Anruf-Sammeltaxis, für die Stelle einer Umweltberaterin, für die Gründung einer Wohnungsbau-GmbH, um private Geschäftemacherei bei der Unterbringung von Asylbewerbern auszuschließen, eine sozialverträgliche Aufnahme zu gewährleisten und mögliche Überschüsse aus den Asyl-Tagessätzen des Landes in den sozialen Wohnungsbau zu lenken. Nach solchen Kraftakten kann das Bündnis im Gasthaus "Zum Löwen" routiniert den Generalangriff der SPD- Opposition, sich nur noch tiefer in Schulden verstrickt zu haben, abwehren.
Im Nachhinein tragen die Partner so manche Abstimmungsniederlage (etwa bei der Schaffung einer Sozialarbeiter- Stelle) mit Humor. Da hatte man eben vorher nicht genau die Regie abgesprochen und mußte es zwei Sitzungstermine später ausbügeln. Die herzliche Verbundenheit muß auch mit der Person des Bürgermeisters Reinhold Müller zu tun haben, der als seit zwei Jahrzehnten im Kreis engagierter Politiker sein Amt erst 1989 antrat und über sich sagt, er sei ein "Individualist" und "nicht sehr bequem".
Die Grünen waren in beiden Gemeinden in Sondierungsgesprächen zum Ergebnis gekommen, daß die SPD ein unsicherer Kantonist sei. Und die CDU war ihrerseits erstaunt, daß die Große Koalition ("die war naheliegender, das gebe ich zu", sagt Müller) längst nicht die favorisierte Zweckehe war, nachdem man die Grünen erstmal abgetastet hatte.
Mühltals Bürgermeister Ansgar Rinder erinnert sich an das damals große "Risiko": "Wir sind ins erste Gespräch gegangen, um klipp und klar zu sagen, wo es langgeht". Er wollte keine "Spinnereien und Höhenflüge mitmachen", so à la ABC-waffenfreie Zone, "denn wir sind nicht in Bonn". Den Grünen gefiel die klare Sprache. Und die Mühltaler CDU ging "schockiert" aus der ersten Sitzung heraus, weil sich die Grünen "auf unsere Gangart einließen". Rinder: "Wie sag ich's meinem Kinde? Mit denen konnte man tatsächlich reden".
Taten folgten: In Otzberg Tempo-30-Zonen, das Baustoff-Recyclinglager, die Millionen verschlingende Kanalsanierung, der anstehende Neubau des Gemeindezentrums, in dem die Toilettenspülung mit Regenwasser funktioniert und wo für eine Elterninitiative eine Krabbelstube eingerichtet wird. Otzberg ist auf dem Weg zur Vollversorgung mit Kindergartenplätzen. Künftig wird knapp eine Million Mark für Kinderbetreuung ausgegeben - bei einem Haushaltsvolumen von rund 13 Millionen Mark.
Landesweite Beachtung erregt das mit jährlich 600 000 Mark ausgestattete "Otzberg-Programm" zum Schutz des mit Nitraten gefährlich hoch belasteten Trinkwassers: Alle Bauern unterschrieben den freiwilligen Vertrag zur Einhaltung des Gewässerschutzes, verpflichteten sich zum kontrollierten verringerten Düngereinsatz, zum Zwischenfruchtanbau, Verzicht auf bestimmte Pflanzenchemie, halten Regeln beim Umgang mit Gülle und Mist ein. Außerdem kauft die wasserreiche Gemeinde Flächen an, um Bauern anderes Anbauland außerhalb der Wasserschutzzonen anzubieten und die Biotopvernetzung voranzutreiben.
Während der Koalitionsvertrag in Otzberg nur vier Seiten stark ist, zurrten die nur eine Stimme von der absoluten Mehrheit entfernte CDU- und die fünf Grünen-Abgeordneten in Mühltal Punkt für Punkt auf 22 Seiten fest - Sicherheit schwarz auf weiß.
Das Bündnis in der 13 000 Einwohner großen Gemeinde am Rande Darmstadts ist weniger harmonisch. "Die Grenzen der Zusammenarbeit wurden allen Beteiligten recht bald klar", sagt die hauptamtliche parteilose Erste Beigeordnete Marianne Streicher-Eickhoff, "Personalprodukt" des Bündnisses.
Eine absolute Mehrheit der CDU im Gemeindevorstand "erschwert" doch einiges, meint die studierte Städteplanerin und Architektin. So gab es "Diskrepanzen" in der Bauleitplanung: "Kann ich standortgerechtes Gehölz vorschreiben, ein Grasdach, soll ich für die Bürger nachteilige Sanktionen erlassen?" Ansgar Rinder will demgegenüber bei behutsamen umweltpolitischen Eingriffen in Eigentumsverhältnisse "keine Knebelung" durch Vorschriften.
Eine großangelegte Verkehrsberuhigung erregte Widerstand und bekam eine für das Bündnis schwer zu steuernde irrationale Eigendynamik. Sicher: Ein Kindergartenbedarfsplan wird erarbeitet, ein Umweltberater wurde eingestellt, Erfolge gab es bei Biotopvernetzung, Getrenntmüllsammlung, Jugend- und Altenpflege, betreuende Grundschule. Aber die großen Visionen über 1993 hinaus fehlen; die Karten werden eben am 7. März neu gemischt, auch wenn der Bürgermeister im Wahlkampf begründen will, daß "die Zusammenarbeit gut und fruchtbar war".
JÖRG FEUCK
SCHLÜCHTERN. Für "frauen- und familienfreundliche Stellplätze" legt sich JU-Chef Matthias Hebeler ins Zeug. Nach Meinung des CDU-Nachwuchses ist die "Parkplatzsituation in Schlüchtern gerade für schwangere Frauen und junge Mütter verheerend". Während das Zentrum hauptsächlich von Dauerparkern "zugestellt" sei, müßten Frauen, die kurze Besorgungen machen oder zum Arzt wollten, auf die großen Parkplätze am Heinlein-Gelände und Untertor ausweichen.
Daß dies nicht gerade eine Erleichterung darstelle, glaubt Hebeler, "wird jeder bestätigen können, der einmal mit einem Kleinkind durch die ganze Stadt gelaufen ist, um ein Buch oder ein paar Brötchen zu kaufen".
Unerträglich sei auch, wenn Mütter oder Schwangere vor Arztbesuchen auf eine "Parkplatzodyssee" geschickt würden.
Aus diesem Grund macht sich die JU mit Unterstützung ihrer Mutterpartei, die einen entsprechenden Antrag im Stadtparlament einbringen will, für die Einrichtung "frauenfreundlicher" Parkplätze am Rathaus, in der Obertorstraße und in der Nähe jeder Arztpraxis stark. Derlei Flächen dürften dann mit einem entsprechenden Parkausweis ausschließlich von Frauen genutzt werden. tja
"Von oben" wird der "Solidarpakt" zwischen Bundesregierung, Opposition, Arbeitgebern und Gewerkschaften hergestellt. Auf die problematischen Folgen dieser Politik in den neuen Bundesländern macht der folgende Beitrag aufmerksam. Die Diskussion und Entscheidung über diesen Pakt fänden außerhalb der Reichweite der Betroffenen statt, schreiben Hartwick Oswald, früher ÖTV-Sekretär im Westen, jetzt Geschäftsführer der ÖTV-Kreisverwaltung Erfurt, und die ehemalige Erfurter Lehrerin und jetzige ÖTV-Gewerkschaftssekretärin Frauke-Maria Eidam in der nächsten Ausgabe der Gewerkschaftszeitschrift "Mitbestimmung", die die Hans-Böckler-Stiftung herausgibt.
"Grundbesitzer verkennen wirtschaftliche Lage" Mieterverein: Nachverhandlungen nicht akzeptabel Von Joachim Haas-Feldmann HANAU. Bisher war es stets so, daß Haus- und Grundbesitzer- sowie Mieterverein zum Jahresende rechtzeitig den neuen Hanauer Mietspiegel für ein oder zwei Folgejahre vorlegten. Doch jetzt ist der Januar schon fast vorbei, und noch immer liegt keine Liste für 1993 vor, anhand derer Mieter und Vermieter Zinserhöhungen aushandeln können. Auf Anfrage der FR hin sagte Hanspeter Geibel, Vorsitzender des Grundbesitzervereins, die Steigerung sei "sehr moderat" ausgefallen, wobei er Prozentzahlen nicht vor einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Mieterverein nennen wollte. Beim Mieterverein hieß es, die zeitliche Verzögerung hänge damit zusammen, daß die Vermieterlobby habe nachverhandeln wollen mit dem Ziel nicht akzeptabler Steigerungsraten, so Mietersprecher Hans-Egon Heinz.
Auch Geibel gab zu, daß die Mietspiegel-Verhandlungen "schwieriger als in den letzten Jahren" gewesen seien. Das hänge zusammen mit dem Kostendruck, der für die Vermieter gewachsen sei, und dem knapper gewordenen Budget der Mieter. Beide Seiten hätten aber ihre Meinungsverschiedenheiten ausgeräumt und sich geeinigt.
Aus der gestrigen Sicht des Mietervereins sieht das aber anders aus. Sprecher Heinz sagte, der Mieterverein sei "empört und enttäuscht", daß der Grundbesitzerverein "die wirtschaftliche Lage der Mieter verkennt". Daß die Lohnabschlüsse 1992 nur um drei bis fünf Prozent gestiegen, die Renten sich nur um anderthalb bis zwei Prozent erhöht hätten und die Inflationsrate vier Prozent betrage, spiele bei den Vermieter-Überlegungen keine Rolle. Mieter könnten schließlich nicht mehr ausgeben, als sie hinzugewönnen.
Der Mieterverein war im vergangenen November mit der Forderung einer Nullrunde in die Mietspiegel-Verhandlungen gegangen, weil in den vergangenen drei Jahren der Hanauer Mietspiegel Zinssteigerungen von rund 20 Prozent zugelassen habe. Das Gegenangebot der Vermieter waren drei bis fünf Prozent Mietsteigerung für 1993. Beide Seiten hätten sich zunächst bei durchschnittlich vier Prozent geeinigt, so Heinz.
Anfang Januar habe der Haus- und Grundbesitzerverein aber plötzlich weitergehende Forderungen nachgeschoben, offenbar weil Vereinsvorsitzender Geibel bei den November-Verhandlungen nicht zugegen gewesen und ihm die ausgehandelten Abschlüsse zu niedrig ausgefallen seien. Entgegen der eigenen Forderung, so Heinz, habe der Geschäftsführer des Grundbesitzervereins für die verschiedenen Baualtersklassen bis zu 6,4 Prozent mehr haben wollen.
Bei einem neuen Treffen zwischen beiden Seiten habe der Geschäftsführer der Vermieter diese Zahlen wieder leicht nach unten korrigiert. Daraufhin habe Mietervereinsvorsitzender Wilhelm Engel eine Nullrunde vor allem für Wohnungen aus den Jahren 1965 bis 1980 gefordert und dafür angeboten, den von den Vermietern gewollten höheren Mietzins für Wohnungen über 105 Quadratmeter zu akzeptieren. Dieser Vorschlag hat um so mehr Gewicht, als in der Baualtersklasse 1965 bis 1980 die meisten Wohnungen vermietet werden.
Als beide Seiten nach dem weiteren Treffen auseinandergingen, war das Verhandlungsergebnis unklar. Daher ist Mietersprecher Heinz jetzt gespannt, welche Zahlen Geibel für die hält, auf die sich die Kontrahenten geeinigt hätten.
Können sich beide Verhandlungspartner nicht einigen, gilt laut Heinz zunächst der Mietspiegel von 1992 weiter.
WIESBADEN. Das "Tor zum Westen" ist aufgestoßen: Seit Anfang dieser Woche gibt es eine internationale Flugverbindung zwischen Breslau, der polnischen Partnerstadt Wiesbadens, und dem Frankfurter Flughafen. Dreimal wöchentlich fliegt die deutsche Fluggesellschaft "Eurowings" von der Rhein-Main-Drehscheibe in die niederschlesische Stadt. Den Jungfernflug ließ sich eine Wiesbadener Delegation mit Stadtverordnetenvorsteher Günter Retzlaff an der Spitze nicht entgehen. Retzlaff glaubt, daß es durch die Flüge zu einem "immensen wirtschaftlichen Aufschwung für Westpolen" kommen wird. Der regelmäßige Flug zwischen Ost und West diene dem Abbau von Vorbehalten und Vorurteilen. Vielleicht, so orakelte er, wird es bald Bürgerreisen via Flugzeug geben.
Deutsche Delegationen wird der Preis von 448 Mark (Flieg- und Spar-Tarif) sicherlich nicht erschüttern. Anders sieht es für die polnischen Nachbarn aus. Bei einem monatlichen Durchschnittsverdienst von rund 260 Mark sind solche Preise vermutlich nicht zu bezahlen. Geschäftsreisende, die nicht wochenlang im voraus buchen, werden mit 1 200 Mark zu Kasse gebeten. Bei einer Auslastung von knapp 50 Prozent der Flüge schreibt "Eurowings" schwarze Zahlen. Fliegen weniger Gäste mit, dann muß die Stadt Breslau im Rahmen einer Ausfallbürgschaft das Defizit ersetzen. Weshalb leistet sich die Stadt diese Form der Subvention einer privaten Fluggesellschaft? Für den Breslauer Stadtpräsidenten Bogdan Zdrojewski liegt die Antwort auf der Hand: "Die Verbindung mit Frankfurt ist die Verbindung mit der Welt."
Der Stadtpräsident hofft auf einen regen deutsch-polnischen Geschäftsreiseverkehr, auf künftige Kooperationen zwischen polnischen und deutschen Firmen. Der touristische Aspekt sei zu vernachlässigen, maximal zehn Prozent aller Reisenden werden keine Geschäftsleute sein, schätzt der Breslauer Rathauschef. Und deutsche Touristen, so seine Einschätzung, werden auch weiterhin mit dem Auto anreisen.
Bisher zogen 95 Prozent aller deutschen Besucher die Benutzung ihres privaten Vehikels der Anreise mit der Bahn oder mit dem Flugzeug über Warschau vor. Der Tourismus könne solange noch nicht florieren, wie fehlende Hotels, mangelnde Gastronomie und ein holpriges Straßennetz das Bild prägen, sagte der Stadtpräsident.
Zum Ausbau der Infrastruktur hoffen die Breslauer weiterhin auf deutsche Unterstützung. Der Umbau des ehemaligen Militärflughafens Breslau, der in den letzten drei Jahrzehnten auch von Warschau und Krakau aus angeflogen wurde, ist ein Beispiel für deutsch-polnische Zusammenarbeit. Fachleute des Frankfurter Flughafens griffen den polnischen Kollegen während der Planungen und der Bauzeit unter die Arme.
Als die deutsche Delegation am Montag mittag eintraf, präsentierte sich das Flughafengebäude in reiner Jungfräulichkeit. Die frisch verklebten Fliesen und strahlend-weiße Wände verströmten noch Neubau-Geruch, als die ersten "internationalen Fluggäste" ihren Fuß über die Schwelle setzten. Noch tut sich der polnische Staat schwer mit den marktwirtschaftlichen Ideen aus dem Westen. Die staatliche Genehmigung zum Betrieb der deutschen Luftverbindung erreichte die "Eurowing"-Manager denkbar knapp: Am Freitagabend um 18 Uhr kam das Plazet aus Warschau. kug
HANAU. Heinz Steudel ist ein Maler der alten Garde: "Wenn mir etwas gefällt, will ich es festhalten, will es wiedergeben", sagt der Klein-Auheimer, für den der Umgang mit Pinsel und Farbe im Ruhestand zur intensiven Beschäftigung wurde. Der rüstige 70jährige, der jedes Jahr einige Reisen am liebsten in den Süden unternimmt, bleibt seit Jahrzehnten der naturalistischen Abbildung treu. Seine Bilder, in denen er verschiedene Techniken erprobt, zeigen Idyllen - seien es die Ölgemälde fotogener Hanauer Ansichten aus Wilhelmsbad und Steinheim oder die zahlreichen Urlaubserinnerungen aus Häfen, südlichen Altstädten und Kulturdenkmälern in Aquarell. Auch Blumensträuße, Porträts und Stilleben zählen zum Repertoire seiner konventionellen Motive und Darstellungsformen.
Die Arbeit in freier Natur hat für ihn Vorrang vor dem Atelier, auch wenn ein Maler mit der Staffelei in der Land- Das FR-Porträt schaft inzwischen zum Exoten wurde. Zwar ist sich Steudel bewußt, daß die Idyllen, die er darstellt, in der Realität der zerstörten Umwelt an Gültigkeit verloren haben: "Aber es gibt immer noch viele schöne Flecken." Kein Wunder, daß Steudel im Urlaub besonders produktiv ist. Über ein Dutzend Aquarelle bringt er manchmal von einer Reise mit.
Den Ruch des Hobbykünstlers, des "Wald- und Wiesenmalers," den die Motive mit sich bringen, trägt der 70jährige mit Gelassenheit. Den meisten Bürgern, insbesondere den älteren, gefällt seine konservative Malweise, weiß er aus Gesprächen mit Ausstellungsbesuchern.
Zu solchen Kontakten besteht derzeit wieder reichlich Gelegenheit: Bis Ende Januar zeigt Steudel rund 50 Arbeiten aus den vergangenen drei bis vier Jahren im Hanauer Rathausfoyer. Nach der Jubiläumschau in der Steinheimer Kulturhalle vor fünf Jahren ist dies die zweite große Einzelausstellung anläßlich des 70. Geburtstags im Dezember. Ansonsten sind die Bilder Steudels regelmäßig bei Gemeinschaftsausstellungen der beiden Hanauer Künstler-Vereinigungen zu sehen, denen er seit Jahren angehört. 1971 trat er in die Gemeinschaft Steinheimer Kunstschaffender ein, 1979 wurde er in den Künstlerbund Simplicius aufgenommen.
Zu abstrakter Kunst, expressiver Überzeichnung oder surrealer Verfremdung hat Steudel keinen Bezug. "Ich kann damit nichts anfangen", sagt er offen. Doch der Rentner akzeptiert die unterschiedlichen Ausdrucksformen anderer Künstler. "Mir würde das keinen Spaß machen", gesteht er ein, "und wenn ich male, muß ich Lust haben." Der inhaltliche Anspruch muß bei dieser Kunstauffassung auf der Strecke bleiben.
Steudel formuliert diesen Anspruch auch nicht. Zwar hat er auch kritische Ansichten, lehnt beispielsweise als ehemaliger Soldat, der vier Jahre in amerikanischer Gefangenschaft war, jeden Militäreinsatz ab, doch die künstlerische Umsetzung dieser Haltung reizt ihn nicht. Ein oder zwei Kriegsbilder, erzählt er, hat er damals für sich gemalt. Andere Menschen möchte er damit nicht aufrütteln. "Es wird doch heute genug Elend gezeigt", sagt er, "die Menschen stumpfen ab." Gefälligkeit ist ein Merkmal seiner Bilder, das er nicht als Abwertung versteht.
Steudel will sich in der naturalistischen Darstellung weiterentwickeln, Lichtverhältnisse und Farbtöne verbessern in dem Bewußtsein: "Man kommt nie an den Punkt, an dem man alles erreicht hat."
Dieses Motto gilt für die Malerei. Privat ist der gelernte Lithograph zufrieden mit seinem Lebensweg. Im Reichenbach im Erzgebirge geboren, bildete er sich nach der Lehre an der Gewerbeschule weiter. Schon von Kind an malt und zeichnet er gern. In den Nachkriegsjahren, in denen die Sorge um die Existenz den Alltag bestimmt, bleibt für dieses Hobby keine Zeit. Erst als er 1949 in die Bundesrepublik Deutschland nach Kassel übersiedelt, fängt der junge Mann damit wieder an. Jetzt widmet er sich dem Aktzeichnen, besucht Kurse zunächst in der nordhessischen Stadt, nach seiner beruflichen Veränderung 1952 nach Klein-Auheim auch in Hanau und Frankfurt.
In dem Hanauer Stadtteil, in dem Steudel, der auch leidenschaftlich gern Schach spielt, nun voraussichtlich seinen Lebensabend verbringen wird, wollte er eigentlich nicht bleiben. "Hier werde ich bestimmt nicht alt", dachte er, als er damals aus dem Zug ausstieg. Es zog ihn in die Großstadt. Doch daraus wurde nichts. Er traf seine Frau, heiratete, baute ein Haus und 1954 war der Sohn unterwegs, der vor fünf Jahren für ein Enkelkind sorgte. "Mit Familie wird man seßhaft", sagt er. Sein Wunsch für die Zukunft steht für den 70jährigen fest: "Ich möchte noch möglichst viel malen und sehen."
Die Ausstellung im Foyer des Hanauer Rathauses dauert noch bis 31. Januar und kann täglich von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr besichtigt werden.
KRONBERG. Auch Lucas schimpft: "Ich finde Autos zum Kotzen." Aber er schimpft nicht nur, der kleine Junge, er weiß auch eine Lösung. Und die schrieb er (wenn auch in eigenwilliger Orthographie), in das Gästebuch der jetzt zu Ende gegangenen Ausstellung "Alptraum Auto" - damit auch andere von seinen Einsichten profitieren: "Man sollte sie - die Autos - lieber abschaffen und sich ein Pferd kaufen."
Aber wie das so ist mit wirklich revolutionären Vorschlägen: Andere kriegen sie einfach nicht mit. So fragt sich ein - nach der Schrift zu urteilen, offensichtlicher erwachsener - Günter: "Wo wird die Alternative gezeigt?" Und Brigitte Möller, Frau des Ex-Bürgermeisters, schrieb den Organisatoren ins Stammbuch: "Man kann nicht ohne Auto leben, es sei denn, man ist so blauäugig wie die Aussteller."
Die meisten Besucher hat die Anti- Automobil-Ausstellung indes beflügelt - manche zu guten Vorsätzen (Christof aus Frankfurt: "Sie haben mich zum Nachdenken animiert. In der Zukunft will ich weniger Auto fahren."), andere sogar zum Dichten: "Auch die Leute von Kronberg, die fahren sehr gern, / Normales Leben - das ist der Kern. / So rasen sie jahrein und jahraus, / Glatt über Vogel, Kind und Maus. / Bis daß sie stehen vorm Alten Herrn - aus!"
Zumindest einer zog aus der - bundesweit zusammengestellten - Bilderschau jedoch auch einen kleinen Trost: "Ich bin erschüttert, was da andernorts alles zerstört wurde. Gott sei Dank, daß in Kronberg die Welt noch in Ordnung ist." Das sieht eine Frau, die im Buch als "Altstadtbewohnerin" unterschrieben hat, vollkommen anders: "Kronberg ist der passende Ort für diese Ausstellung!
Ich wünsche mir, daß die Altstadt komplett für Autos gesperrt wird." mak
OFFENBACH. Zum Thema "Gegen Ausländerfeindlichkeit - für Asylrecht!" diskutieren bei einer Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes am Dienstag, 26. Januar, die SPD-Bundestagsabgeordnete Uta Zapf, Pfarrer Detlef Lüdterwald und der Offenbacher CDU- Stadtrat Stefan Grüttner.
Die Diskussion beginnt um 17 Uhr im Stadtverordnetensitzungssaal im Rathaus, Berliner Straße 100. fra
BAD HOMBURG. Knapp 300 Besucher, darunter auch Asylbewerber aus Bad Homburger Flüchtlingsunterkünften, kamen zu der Veranstaltung "Rock gegen rechts" ins Jugendmusiklokal Gambrinus. Die zwei Bands "Automanic" und "Cucumbercrisis" heizten den Zuhörern ein. Das Gambrinus übernahm die Kosten und spendete 1000 Mark aus den Einnahmen. Das Geld geht an Kinder,die unter dem Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien leiden.
Zur Eröffnung hatten die beiden Organisatoren, Daniel Briem und Marc Kolbe, "Engagement von unten" gefordert und sich gegen jegliche Gewalt ausgesprochen. Den deutschen Staat sehen sie in einer Krise, weil "in den Köpfen der meisten Wohlstand und persönliches Wohlergehen Priorität besitzen". tom
Noch ist er noch nicht wieder voll im "Bonner Geschäft". Doch der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Heiner Geißler, der einen Sportunfall auskuriert, greift bereits aktiv in die derzeitigen Entscheidungsprozesse über den sogenannten Solidarpakt ein. Seine Stellungnahmen zur Sparpolitik und zum Rotstiftkatalog wurden in der Bundesregierung scharf kritisiert. Gegen die Zurechtweisungen vor allem von Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) setzt sich Heiner Geißler in einem Brief an die Bundestagsabgeordneten der CDU/CSU-Fraktion zur Wehr. Wir veröffentlichen den Brief Heiner Geißlers im Wortlaut.
BAD SODEN-SALMÜNSTER / STEINAU. Zumindest in der kommenden Saison setzen die beiden Nachbarstädte ihren gemeinsamen Theaterring fort. Ob's danach weitergeht, "hängt von der Resonanz ab", betonten Steinaus Bürgermeister Hans-Joachim Knobeloch (SPD) und sein Kollege Bruno Döring (CDU), die jetzt den Spielplan 1993/94 präsentierten. Falls die Besucher das Programm annehmen und sich die Abonnements mehren, stehe einer Fortsetzung des "Theatervergnügens in der Provinz" nichts im Weg.
Bisher verfügt der Theaterring über rund 160 Abonnenten aus der Kurstadt, im benachbarten Steinau sind's weniger: Etwa 25 Theaterfans haben sich dort bisher für eine feste Buchung des Programmes entschieden. "Demnächst werden's bestimmt mehr", ist sich Knobeloch sicher. Über mangelnde Besucherzahlen kann sich die Märchenstadt dennoch nicht beklagen. Zur jüngsten Vorstellung in der Halle "Am Steines" kamen immerhin rund 400 Zuschauer.
Um die Zukunft des Theaterrings zu sichern, appellieren die beiden Verwaltungschefs an ihre Bürger, das Angebot eifrig zu nutzen. "Denn nur dann können wir Weltliteratur auf Bühnen vor Ort anbieten." Kein ganz billiges Vergnügen, wie Knobeloch und Döring versichern. Das Engagement der Tourneetheater sei wesentlich teurer geworden. Kostete eine Aufführung früher rund 5000 Mark, müsse man dafür im Schnitt zwölf- bis 14 000 Mark berappen. Damit sich das rechnet, müssen pro Vorstellung rund 400 Besucher kommen. Auch wollen sich Knobeloch und Döring noch einmal an die örtlichen Schulen wenden. "Da hapert's noch." Und das, obwohl sich die Aufführungen beispielsweise gut in den Deutschunterricht integrieren ließen. "Bisher sind wir da leider nicht auf offenen Ohren gestoßen", bedauert Döring.
Das Programm in der kommenden Saison stellt eine "gute Mischung" aus anspruchsvollen und Boulevard-Stücken dar: Die Spielzeit 93/94 beginnt am 30. September mit Grillparzers "Medea" in der Salmünsterer Stadthalle, in einer Version des Kleinen Theaters Bonn/Bad- Godesberg. Leichtere Kost folgt am 21. Oktober, wenn das Theater am Kurfürstendamm das Stück "Othello darf nicht platzen" vorstellt.
Weiter geht's am 12. November in Steinau, wo die Konzertdirektion Landgraf in der Halle "Am Steines" Inge Meysel in "Teures Glück" präsentiert. Dort ist dann am am 22. März 1994 auch "Ein netter Herr" in einer Bearbeitung der Bühne 64 zu sehen. Als folgende Theaterring- Vorstellung inszeniert die Konzertdirektion Landgraf in Salmünster das Hauptmann-Stück "Die Ratten". Nächster Termin ist dann am 2. Mai in Steinau, wo das Münchner Tourneetheater das Stück "Eine ganz normale Familie" aufführt. Außerdem soll in der kommenden Saison die bisher "relativ schlechte" Akkustik in der Mehrzweckhalle "Am Steines" verbessert werden, verspricht Knobeloch. tja
"Station Rose": Das war ein Multimedia-Labor in Wien, 1988 von den Medienkünstlern Elisa Rose und Gary Danner installiert. 1991 schlossen sie die Station, um nach Frankfurt umzuziehen, der (Techno-)Musik wegen. Ihre Erforschung der "Virtuellen Realität" setzten sie seither vor allem auf dem Versuchsfeld Tanzboden (in der Disco "XS") fort. Warum das als Teil einer weltumspannenden künstlerischen Strategie zu verstehen ist (Stichwort: "Cyberspace"), versucht das Duo derzeit in einer "Station Rose"- Schau in der Frankfurter Galerie Tröster & Schlüter zu demonstrieren (bis 23. Januar, 15 bis 21 Uhr). Thomas A. Wolff sprach mit ihnen.
Ein Programmpunkt im "Station Rose"- Menü ist die Kunst; warum erscheinen da auf dem Monitor vor allem psychedelische Muster, die eher nach trendgemäßem Mode-Design aussehen? Was hat Psychedelia mit Medienkunst zu tun?
Elisa Rose: Ich denke, daß Psychedelik in den Sechzigern der Anfangspunkt war, zu einer neuen Sprache zu finden, indem du eben von Dingen, die du in der realen Welt findest, weggehst und auch noch andere Welten erforschst. Es gibt von Timothy Leary den Spruch "From Psychedelics to Cybernetics". Das ist genau unser Ansatz. Psychedelische Muster waren jetzt wirklich ein Trend, das war vor einiger Zeit aber überhaupt nicht so. Das heißt aber nur, daß es ein Level angenommen hat, das mehrere Leute anspricht und nicht nur eine kleine Künstler-Elite. Das finde ich aber nicht negativ. Wir haben auch nicht nur psychedelische Muster in unserem digitalen Bild-Archiv.
Was uns dabei nur am Rande interessiert, sind die 3-D-Grafiken. Damit werden eigentlich immer nur Wohnräume und Küchen nachkonstruiert. Wir glauben, daß es gerade bei Psychedelik auch um andere Räume geht. Warum muß zum Beispiel ein Raum vier Wände haben? Das muß alles einmal neu erforscht werden.
Das Projekt hat sich außerdem die Verbreitung theoretischer Äußerungen zum Thema "Virtuelle Realität" zur Aufgabe gemacht. Auf der neuen CD-Rom von "Station Rose" wird das nun vor allem in Form von Schlagworten und trivialen Statements behandelt. Diese sogenannten Theorien erscheinen mir sehr auf Effekte gezielt und wenig durchdacht.
Gary Danner: Die Leute, die wir zitieren, sind Leute wie Leary, Morton Heilig, Howard Rheingold - das sind Leute, die sehr medial denken und auch denken müssen, weil es ihr Beruf ist. Das liegt auch an der amerikanischen Sprache, daß es teils sehr "trivial und plakativ" klingt - aber das ist die Sprache, die diese Leute sprechen.
Eine maximale Reizfrequenz ist offenbar etwas, was die Ästhetik der Cyberspace-Kultur sehr stark prägt, sei es in der Techno-Musik, in den Video-Bildern oder im Totalangebot der Daten-Netzwerke. Da kommen einem schnell Schlagworte wie "Reizüberflutung" in den Sinn.
Danner: Da gibt es ein anderes Schlagwort von Leary: "Ent-Individualisierung von Über-Information."
Rose: Ich glaube, daß die Wahrnehmung vieler Menschen langsamer ist als es die wirklichen Umstände schon jetzt erfordern. Ich bin mir sicher, daß wir alle innerhalb einer extremen Reizüberflutung agieren, daß wir alle wie Säuglinge darin herumschwimmen, weil wir noch gar nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen. Auch wir sind überfordert, wenn wir im Netz sind und Daten herausholen, weil einfach zuviel zur selben Zeit läuft, weil du dich definitiv im virtuellen, elektronischen Dschungel verlierst. Wir müssen alle lernen, damit umzugehen.
Offenbar setzt man sich bei "Station Rose" nicht besonders kritisch mit diesem Phänomen auseinander, sondern reflektiert es nur.
Rose: Ich glaube, man muß erstmal drauf surfen, sich da irgendwie zurechtfinden. Es ist ein Dschungel mit allem Drum und Dran . . .
. . . den "Station Rose" aber mitkonstruiert. Rose: Wir bauen daran mit, haben uns da reingeworfen. Wir sind aber nicht ganz kritiklos. "Virtuelle Realität" ist für uns nicht die Lösung oder die Alternative oder die wahre Wahrheit. Sie ist einfach vorhanden.
fw FRANKFURT A. M., 22. Januar. Das Verteidigungsministerium will die Altersgrenze zur Einberufung von Wehrpflichtigen von 28 auf 25 Jahre herabsetzen. Das sieht ein jetzt bekanntgewordener Gesetzentwurf der Hardthöhe vor. Dieser bringe für bestimmte Gruppen von jungen Männern jedoch entscheidende Nachteile mit sich, meint Ulrich Finckh, der Vorsitzende der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer. Außerdem sei die Vorlage mit einem "fragwürdigen Verfahren" bereits Mitte Dezember teilweise in Kraft gesetzt worden, bevor sie den Bundestags- Abgeordneten zugeleitet worden sei.
Schon heute werden Wehrpflichtige über 25 Jahren in der Regel nicht mehr zum Bund geholt, obwohl das gegenwärtige Gesetz den 28. Geburtstag als Stichtag vorsieht. Dies ermöglicht eine in den meisten Fällen gewährte "administrative Ausnahme". Sie wurde zu Zeiten eingeführt, als die geburtenstarken Jahrgänge ausreichend Rekruten lieferten. Der Hardthöhen-Entwurf sieht nun vor, auch im Gesetz die Altersgrenze auf 25 festzuschreiben.
Sie soll freilich nicht für alle gelten. Ausgenommen sind beispielsweise junge Männer, die wegen einer begonnenen Ausbildung zurückgestellt wurden, und diejenigen, die wegen Unfall oder Krankheit als "vorübergehend nicht verwendungsfähig" gelten. Diese Wehrpflichtigen will das Ministerium wieder bis zum 28. Lebensjahr einziehen. "Damit wird die Altersgrenze für diese Gruppe de facto nach oben gesetzt", meint Finckh. Genau diesen Teil des geplanten Gesetzes hat die Hardthöhe bereits per Dienstanweisung in Kraft gesetzt.
Die für die Einberufung zuständigen Kreiswehrersatzämter wurden am 17. Dezember über die Neuregelung informiert. Die Bundestags-Abgeordneten, die das Gesetz erst in Kraft setzen können, erhielten den Entwurf erst am 29. Dezember. Das bestätigte der SPD- Sicherheitsexperte Dieter Heistermann der FR.
Finckh moniert, es gehe nicht an, daß die Verwaltung die Altersgrenze ändere, "wie es ihr gerade in den Kram paßt". Schließlich sei die Einberufung ein tiefgreifender Einschnitt in Lebensläufe.
SPD-Politiker Heistermann wirft der Bundeswehrverwaltung vor, es gehe ihr nur darum, ihre Probleme mit der Truppenstärke auf bürokratischem Weg lösen. Indirekt bestätigt dies Jörg-Jost Schattenberg, Sprecher des Verteidigungsministeriums. Gegenwärtig seien die geburtenschwachen Jahrgänge "im dienstfähigen Alter". Aus diesem Grund würden die Rekruten künftig schon in jungen Jahren mit 20 oder 21 Jahren eingezogen. Und mit der Altergrenze von 28 bei Zurückgestellten schaffe sich die Bundeswehr ein Potential gut ausgebildeter Männer für die anspruchsvolleren Aufgaben in der Armee. Kritik am Verfahren seines Ministeriums weist der Sprecher zurück: "Es handelt sich doch nur um eine verwaltungsinterne Regelung, die eine andere abgelöst hat."
Spätschicht, Frühdienst, Nachtschicht und für zwei Tage ab nach Bad Hersfeld. Bis zur nächsten Spätschicht in Frankfurt. So, vermutet Polizeiobermeister Thomas Homburg, "werde ich das wohl die nächsten 28 Jahre machen müssen". Denn die Aussichten des ehemaligen Grenzschützers, der seit März vergangenen Jahres bei der Frankfurter Bereitschaftspolizei im Einsatz ist, eine Stelle im Nordhessischen zu finden, sind alles andere als rosig: Homburg hat inzwischen die für Versetzungen ministeriell festgelegte Altersgrenze von 30 Jahren überschritten. Daher werde seine Familie "das wohl in Kauf nehmen müssen", sagt der Beamte, der gemeinsam mit 239 weiteren Polizisten, die seit Herbst 1991 in Frankfurt ihren Dienst angetreten haben, im Römer von Oberbürgermeister Andreas von Schoeler empfangen wurde.
"Etwa 1000 Kollegen" von insgesamt rund 2600 Schutzpolizisten und 650 Kriminalbeamten, schätzt Hansgeorg Koppmann, Personalratsvorsitzender der Polizei, pendeln zwischen Dienststelle und ihren Wohnorten in Mittel- und Nordhessen. Und manche nehmen noch weitere Anreisen in Kauf, seit sie nach Frankfurt versetzt worden sind. Beispielsweise Daniela Hein. Auch für die 24jährige gilt: Spätschicht, Frühdienst, Nachtschicht und flugs mit ihrer Fahrgemeinschaft Dillenburg ansteuern. Dort hat sie ihren Wagen geparkt - für die Weiterfahrt nach Dortmund. "Heimisch", erzählt die Polizeimeisterin, fühle sie sich in Frankfurt nicht. Wie auch, wenn sich die Polizistin nach Dienstschluß mit einem Zimmer in einem der drei Polizei-Wohnheime begnügen muß. Denn "mit dem Gehalt" ist es aussichtlos, gibt Polizeikommissar Walter Lenz zu bedenken, etwas auf dem freien Wohnungsmarkt zu suchen.
Eine Situation, die Oberbürgermeister Andreas von Schoeler als "absurd" bezeichnet: Für eine frei finanzierte Wohnung verdienen die Beamten zuwenig, für eine Bleibe, die aus dem sozialen Wohnungsbau gefördert wurde, zuviel. Daher habe die Stadt sich der Sache angenommen: Allein in diesem Jahr sollen 133 neue Wohnungen Beamten der Polizei zur Verfügung gestellt werden.
Nur auf diesem Weg lasse sich "dem Legionärsdasein entgegensteuern", findet auch Personalrat Koppmann. Denn dadurch, daß es für die Beamten möglich wird, auch in der Nähe ihres Einsatzortes eine Bleibe zu haben, in der zudem auch die Familie untergebracht werden könne, "wird das Gefühl gefördert, hier nicht nur zu arbeiten". Zumal auf die Polizisten aus Nord- und Mittelhessen nicht verzichtet werden kann: "Wir brauchen die Kollegen", läßt Polizeipräsident Karlheinz Gemmer keine Zweifel aufkommen. Neben der Sorge um die Wohnungen aber bereitet dem Polizeipräsidenten auch der Wunsch vieler Beamter Kopfzerbrechen, wieder in die Nähe ihres Wohnortes versetzt zu werden. Rund 700 Schutzpolizisten, vermutet Gemmer, wollen wieder zurückkehren. Von ihnen wurde der Einsatz in Frankfurt nur deshalb "hingenommen", berichtet Walter Lenz, solange eine Versetzung möglich erscheine. Gehe jedoch "diese Perspektive verloren", käme es häufig zur "inneren Kündigung".
Die Möglichkeiten sind begrenzt: In den ländlichen Gebieten stehen nur wenige Stellen zur Verfügung, die auch dem Dienstgrad der Polizisten entsprechen. Das führe auch dazu, erklärt Gemmer, daß "auf eine Beförderung verzichtet wird". ing
Von der Neuauflage eines Experiments, das schon vor 25 Jahren gescheitert ist, sollte man nicht unbedingt neue Ergebnisse erwarten. Kaum etwas ist so inkompatibel wie Rock und Klassik. Hie haben wir die Genialität des "street kid", dessen Virtuosität sich in der halsbrecherischen Beherrschung der E-Gitarre mißt, dort "repressiv entsublimierte" Bienenwerker in Frack und Fliege, die in nahezu militärischer Disziplin wohldosierte Klangkanonaden produzieren. Ein Rockgitarrist auf symphonischem Klangkörper wirkt immer ein bißchen wie ein Bulldozer, der einen ökologisch wertvollen Ameisenhaufen planiert.
Es war wohl ein Minderwertigkeitskomplex vor "echter" Musik, der Rockmusiker Ende der sechziger Jahre dazu animierte, ihren Lärmkaskaden symphonische Klangteppiche zu unterlegen. Deep Purple, die Moody Blues, nicht zuletzt Procul Harum sorgten so für Harmonie, wo vorher Krach war. Die Schrapnells dieses frühen "Crossovers" führten zu elektronischer Aufrüstung: der simple Moog-Synthesizer mutierte zu einer Klangmaschine, die von der Triangel bis zum komplexen Bläsersatz, von der Solo- Violine bis zur Harfe alles nachbilden kann, bis hin in die Glissandi. Seither gehören die Klangphrasen der Beethovens, Mozarts und Dvoraks zum unentbehrlichen Rüstzeug moderner Popmusik; selbst wenig begabte Tastenfingerer können heute per Knopfdruck die Illusion eines kompletten Symphonie-Orchesters erzeugen.
Nun betritt Ex-Procul-Harum-Sänger Gary Brooker - "A Whiter Shade of Pale" - erneut die Bühne: Weißer als blaß?
Als Verstärkung dient ihm das - jawoll - "tschechoslowakische Symphonieorchester mit Chor", das den nationalstaatlichen Zerfall der Heimat irgendwie überlebt hat und in der Ansage heute als "Bohemian" firmiert. Ex-Toto-Sänger Bobby Kimball - noch immer ein begnadeter Sangeskünstler aus der amerikanischen Hitretorte - dient als Einheizer: "Music was my first love, music of the future, music of the past." Nach kurzer Pause betritt die Vergangenheit höchstpersönlich die Bühne.
Keine Frage: Die wunderbaren Schnulzen "A Salty Dog" und "A Whiter Shade of Pale" gehören ins Köchelverzeichnis der Popmusik. In ihrer harmonischen Struktur, im Song-Aufbau übertrafen sie Ende der sechziger Jahre fast alles, was sonst in den Top Ten zu hören war. Als Co-Autor und Sänger personifiziert Gary Brooker, 57, noch heute die Hinwendung der U- zur E-Musik. Einzig: Er hat seit 1967 nichts dazugelernt. Noch immer wirken die symphonischen Arrangements hausbacken, noch immer wird die Kadenz als Erleuchtung intoniert, noch immer bestimmt kirchenmusikalisches Gerümpel die Stimmführung des Chores, noch immer spielen die Bratschen Baß- Choral, noch immer trummt der Rockschlagzeuger mit gelegentlichen Synkopen unablässig vier Viertel, noch immer steht ein Synthesizer oben auf der Hammond-Orgel (und wird fahrlässigerweise sogar benutzt), noch immer rollt das Symphonie-Orchester nur dekorative Klangteppiche aus, noch immer reicht der "klassische" Chor nur bis in die höheren Lagen des Baritons herab (wg. Baß- Konflikt), noch immer sorgen die weiblichen Kehlen nur für die Höhenlagen, die dem Manne vorne fehlen, noch immer gilt: "Rock trifft Klassik" - knallhart und ohne Rücksicht auf Verluste.
Gary Brooker sieht's gelassen, plaudert, deutschelt mit dem Publikum. Ein Mozart wollte er eh' nie werden. Zum Schluß gibt's ein zünftiges Rock 'n' Roll- Medley, das reißt die Leute von den Stühlen. Die Inszenierung funktioniert; sie funktionierte schon immer: Nur hat damals die Klassik-Injektion pubertierende Feten-Pärchen auf die Matratzen gezwungen. Es war eben schon damals: amüsant. Klar: Man sollte auch im Scheitern das Schmunzeln nicht verlernen.
WOLFGANG SPINDLER
doe FRANKFURT A. M. In die völlig festgefahrene Diskussion über eine Reform der Post kommt wieder Bewegung. SPD-Experte Arne Börnsen, der als entschiedener Befürworter einer Teilprivatisierung von Telekom, Postdienst und Postbank gilt, ist überraschend aus der Verhandlungskommission seiner Fraktion ausgeschieden. Er wolle einen möglichen Kompromiß mit der Deutschen Postgewerkschaft (DPG) nicht durch seine Person erschweren, schreibt der Parlamentarier in einem Brief an Fraktionschef Hans-Ulrich Klose. Erst im Dezember hatte Börnsens parteiinterner Gegenspieler Peter Paterna, der die Umwandlung der Post in Aktiengesellschaften ablehnt, sein Mandat zurückgegeben.
Nach Meinung Börnsens hat der angekündigte Rückzug der Postbank aus der Fläche (siehe FR vom 16. Januar) den Druck auf Regierung und Opposition, in den Verhandlungen zur Postreform eine Einigung zu erzielen, erhöht. Die Auflösung des Schalterverbundes zwischen dem "blauen" Institut und seiner "gelben" Schwester sei für die SPD "unzumutbar" und stelle "eine politische Provokation" dar, da sie die Versorgung der Bevölkerung auf dem flachen Land gefährde. Zu verhindern wäre dies nur durch die kapitalmäßige Verknüpfung von Postdienst und Postbank, wie sie in dem interfraktionellen Kompromiß vor Weihnachten schon ausgehandelt worden sei.
Der Fortgang der Postreform, für die eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag erforderlich ist, stockte dann jedoch, weil die Gewerkschaft eine Teilprivatisierung ablehnte, Minister Christian Schwarz- Schilling zurücktrat und die SPD durch den Streit ihrer Experten paralysiert war.
"Wenn wir ein Ergebnis erzielen wollen, geht dies nur mit Akzeptanz der Gewerkschaft", sagt Börnsen. Er glaube, daß das Zerwürfnis zwischen Postdienst und Postbank die prinzipielle Bereitschaft der DPG zu einem Kompromiß vergrößert habe. Sein Rückzug aus der ursprünglich dreiköpfigen Verhandlungskommission sei ein "Angebot, in der Sache voranzukommen". Die DPG favorisiert bislang die Umwandlung der Postunternehmen in öffentlich-rechtliche Anstalten. Der neue Minister Wolfgang Bötsch (CSU) hat sich zur Sache noch nicht geäußert.
BAD NAUHEIM. Mit einem Vollwertkochkursus, der an vier Dienstagabenden in Bad Nauheim stattfindet, startet der Naturheilverein sein Kursusprogramm 1993. Für alle, die aufgrund von Krankheiten oder aus Überzeugung auf den Verzehr von tierischem Eiweiß verzichten wollen, beginnt der Kochkurs am Dienstag, 26. Februar, um 19 Uhr in der Stadtschule. Die Treffen dauern jeweils etwa drei Stunden. In dem Kursus sind noch Plätze frei. Anmeldung und weitere Informationen bei Ingrid Enderlein, Tel. 0 60 34 / 27 01. mk
KARBEN. "Eine reizvolle Geschichte" wäre das, so Bürgermeister Detlev Engel, und auch in der SPD-Fraktion ist man nach der Verschwisterung mit St. Égrève, Ramonville und Luisenthal einer vierten Städtepartnerschaft, diesmal mit einer osteuropäischen Kommune, nicht abhold.
Anders, als bei den mittlerweise vom Magistrat als gescheitert erklärten, zweijährigen Bemühungen um einen Partner in Ungarn, bräuchten jetzt die Karbener bloß zuzugreifen.
Im Zuge der Verschwisterung, die der Wetteraukreis in Nachfolge der Patenschaft mit dem Vertriebenenkreis Tepl- Petschau mit dem tschechischen Kreis Bruntal anstrebt (siehe FR vom 20. Januar: "Delegation aus Bruntal besuchte die Wetterau"), könnte sich Karben mit der größten Kommune des Kreises Bruntal, der 28 000 Einwohner-Stadt Krnov liieren. Wenn es nach den Tschechen ginge, so der Eindruck von Bürgermeister Engel, der während des Delegationsaufenthaltes gemeinsam mit Vertretern der örtlichen SPD- und CDU-Fraktion ein mehrstündiges Gespräch mit seinem Amtskollegen Bedrich Marek führte, wäre schon jetzt alles unter Dach und Fach gebracht worden.
Doch soweit wie in Krnov, dem einstigen oberschlesischen Lägerndorf, ist man in Karben noch nicht. Bislang hat noch nicht einmal der Magistrat über eine neue Städtepartnerschaft beraten, geschweige denn ist ein anderes städtisches Gremium mit diesem Projekt befaßt. Und vor der Kommunalwahl, das machte Engel seinem tschechischen Kollegen deutlich, sei mit einer Entscheidung kaum zu rechnen.
Gleichwohl stehen die Chancen nicht schlecht für die tschechisch-deutsche Städteverschwisterung. Krnov, so Detlev Engel zur FR, passe seiner Struktur nach ganz gut zu Karben. Im Werbeprospekt, den der Bürgermeister zusammen mit einem kurzen Video-Film über die Stadt nahe der polnischen Grenze in Händen hält, stellt sich das bereits vor 1260 urkundlich erwähnte Krnov als eine auch für den Fremdenverkehr attraktive "Stadt der Webstühle und Orgelbauer" inmitten einer reizvollen Landschaft vor. Krnov verfügt über Maschinenbaubetriebe, über holzverarbeitende sowie kunststoffproduzierende Industrie und ist ansonsten eine historisch gewachsene Stadt mit einer Fülle alter Bausubstanz, wie etwa der Wallfahrtskirche auf dem Burgberg, dem ehemaligen Minoriten-Kloster aus dem 13. Jahrhundert oder dem um 1900 errichteten Rathaus und einer nicht minder großen Zahl gesellschaftlich aktiver Gruppen wie Musik- und Sportvereinen.
"Machbar wäre es", schätzt Bürgermeister Engel die Möglichkeit einer Verschwisterung ein. Karben müsse allerdings Grenzen abstecken, um sich mit der vierten Partnerschaft nicht zu übernehmen. Hilfestellung im Verwaltungs- oder allgemeinen organisatorischen Bereich sei, anders als beim thüringischen Luisenthal, in Krnov schwieriger zu leisten. Gleichwohl habe Bürgermeister Marke bereits sehr konkrete Vorstellungen entwicklelt, in welchen Bereichen seine Stadt gerne von Karben lernen würde und sich in Karben bereits für Themen wie Haushaltsplanung und elektronische Datenverarbeitung in der Verwaltung interessiert.
Magistrat und Stadtverordnete sind von Bürgermeister Marek nach Krnov eingeladen worden, um sich vor Ort ein Bild von der womöglich neuen Schwesterkommune zu machen. Eine solche Delegationsreise soll nun für die Zeit nach der Kommunalwahl geplant werden. mu
USINGEN. Die "Hugenotten in Hessen" sind das Thema eines Vortrags, zu dem der Geschichtsverein für den heutigen Donnerstag einlädt. Werner Wagner aus Butzbach-Griedel wird über die Flüchtlingsbewegung aus Frankreich nach Hessen berichten, die Usingen um das Jahr 1700 unter anderem die Barockstadt am alten Marktplatz brachte. Fürst Walrad nahm damals die Glaubensflüchtlinge auf, die König Ludwig XIV. vertrieben hatte, und gab ihnen kostenlos Bauplätze und Material. Der Vortrag beginnt um 20 Uhr im Hotel "Sonne". ill
KARBEN. Wie mühevoll die Akzeptanz anderer Kulturen ist, wird gerade in letzter Zeit immer wieder deutlich. Beispiele dafür sind das Auseinanderbrechen der großen Vielvölkerstaaten wie auch die verstärkt auftretende Fremdenfeindlichkeit bei uns. In solchen Situationen sind bi-kulturelle Partnerschaften besonders belastet. Deshalb bietet die Kreisvolkshochschule einen zweitägigen Kursus zu den Problemen und Chancen dieser Partnerschaften an.
Eigene Erfahrungen sollen ausgetauscht werden, aber auch über vorliegende Erfahrungen, wie zum Beispiel die von Betty Mahmoody in ihrem Buch "Nicht ohne meine Tochter" oder Heidemarie Pandey in "Zwei Kulturen - Eine Familie", gesprochen werden.
Der Kursus beginnt am Freitag, 5. Februar, um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus Groß-Karben und wird am Samstag, 6. Februar, um 10 Uhr fortgesetzt. Anmeldung unter Tel. 0 60 31 / 8 38 40.
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MAINTAL. Im städtischen Kinderclub in der Dietrich-Bonhoeffer-Gesamtschule Dörnigheim findet am heutigen Freitag, 22. Januar, von 18 bis 21 Uhr eine Disco statt. Gedacht ist die Tanzveranstaltung für Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 15 Jahren. Der Eintritt kostet 2,50 Mark mit Disco-Ausweis und ohne drei Mark. pom
BAD HOMBURG. Gar nicht einverstanden ist der Ober-Eschbacher Horst Lang mit dem Bebauungsplan Nr. 50, den die Stadt für das Gelände der ehemaligen Firma Vitapan aufgestellt hat. Auf fünf Seiten hat er seine Kritik am künftigen "Gewerbegebiet Ober-Eschbacher Straße / Gartenstraße / Norsk-Data-Straße" - so der offizielle Titel des Plans - zusammengefaßt und Kopien des Einspruchs gleich an die vier Parlamentsfraktionen und den Ortsbeirat geschickt. Ein Hauptpunkt dabei: Der 35-Meter-Abstand zu den Gräbern des Friedhofs sei zu großen Teilen nicht gewahrt.
Lang, Anwohner in der Gartenstraße, hat sich im Rahmen der Bürgerbeteiligung geäußert. Die Frist dafür läuft Ende der kommenden Woche ab. Der Bürger sieht den Erlaß des hessischen Innenministers verletzt, wonach zur Einhaltung der Totenruhe zwischen Gräbern und Gebäudekanten ein Abstand von 35 Metern liegen soll. Im Planentwurf sei aber bei den neuen U-förmigen Gewerbebauten diese Distanz an vier Stellen um mindestens 15 Meter unterschritten.
Weiter findet Lang, daß der Entwurf die Chance ungenutzt läßt, Raum für eine Friedhofserweiterung vorzusehen. Dabei weist auch die Stadt auf die "knappe Bestattungsfläche" in Ober-Eschbach hin. Für undurchführbar hält der Einwender ferner die angestrebte Schließung der Ober-Eschbacher Straße und die Verlegung des U-Bahn-Übergangs. Denn die Feuerwehr-Zufahrt zur Autobahn müsse unbedingt erhalten bleiben. Der Umweg über die Kalbacher oder die Norsk-Data- Straße sei lang und mithin riskant.
Fraglich findet es der Bürger, ob der Ortskern wirklich vom Durchgangsverkehr entlastet wird. Überhaupt trage der Entwurf dem Umweltschutz nicht Rechnung. Angesichts der Wohnungsnot würde Lang eine Wohnbebauung vorziehen.
Weil sich das Bebauungsplanverfahren noch in einem frühen Stadium befinde, nahm die Verwaltung gestern der FR gegenüber noch nicht Stellung zu den Einwänden. Dies, so Rathaus-Sprecherin Patricia Tratnik, geschehe nach der Offenlegung des Entwurfs. Die Gremien werden dann den Plan detailliert beraten. tom
SCHMITTEN. Die schier unendliche Geschichte "Jugendraum" bekommt nun doch konkrete Konturen. Gestern abend beriet der Haushalts- und Finanzausschuß über den Entwurf des Haushalts 1993, wonach 65 000 Mark für einen Raum bereitgestellt werden sollen. Bürgermeister Josef Braun (FWG) ist zuversichtlich, daß das Projekt bei der Verabschiedung des Haushaltes Anfang Februar im Gemeindeparlament endlich auf den Weg gebracht wird. "Schwierig ist noch die Frage nach dem Wohin. Sobald ein möglicher Standort ruchbar wurde, regte sich immer Nachbarprotest wegen Lärmbelästigung", erklärt Braun.
Am Protest der Anlieger scheiterten bisher Standorte an den Umkleidekabinen des Sportplatzes sowie in einem gemeindeeigenen Haus in Brombach. Beim augenblicklichen Stand der Planung besteht insofern Einigkeit, als der Jugendraum nach Schmitten oder Arnoldshain kommen soll - in Oberreifenberg besteht schon der "Katholische Jugendclub" im Keller des Pfarrhauses. Nach den Vorstellungen des Gemeindevorstandes kämen dann sowohl ein Wohncontainer als auch ein anzumietender "richtiger" Raum in Betracht. "Der Gemeindevorstand erwartet dafür noch konstruktive Vorschläge von den Parteien", sagt Braun.
Bisher sei die Resonanz auf entsprechende Aufforderungen "Null" gewesen - was bei der Wohnungsnot in Schmitten aber auch verständlich sei. Jede Ecke werde benötigt, die Gemeinde müsse zum Beispiel viele Spätaussiedler unterbringen. Zur Zeit laufe es daher wahrscheinlich auf einen Wohncontainer hinaus.
"Heißer Tip" als Standort für diesen Container wäre das Schmittener Schwimmbad. Das Grundstück war schon einmal aktuell: Im Frühjahr des vergangenen Jahres sollte hier eine Holzhütte - ein Geschenk des DLRG Wiesbaden - Treffpunkt für die Jugendlichen werden. Die Hütte jedoch wurde für den Transport so "fachmännisch" zersägt, daß sie anschließend nicht wieder aufzubauen war.
Für den Standort am Schwimmbad spräche auch, daß eine entsprechende Bauvoranfrage beim Kreis positiv beschieden wurde; die Gemeinde hatte hierfür bereits 5000 Mark an Planungskosten zur Verfügung gestellt. Gesichert werden müßte nur noch die Erschließung mit Wasser und Abwasser. Nach Aussage Brauns müßte außerdem dafür gesorgt sein, daß die Gemeinde einen Ansprechpartner auf Seiten der Jugendlichen bekommt. "Es reicht nicht, daß wir das Ding da hinsetzen. Deshalb müßten die Jugendlichen einen Vorstand gründen oder einen Verantwortlichen stellen." Auf einen Zeitpunkt, wann die Jugendlichen also endlich einen eigenen Jugendraum bekommen, will Josef Braun sich jedoch noch nicht festlegen. jd
Nein, weiße Tücher wurden diesmal nicht herausgehängt gegen das Scharmützel am Persischen Golf, es gab auch keine "Spontandemonstrationen" wie beim Golf-Krieg um Kuwait. Die Friedensbewegung hat keine Zeit dazu, sie ist nach Auskunft des Bonner "Netzwerks Friedenskooperative" damit beschäftigt, "den Schaden aus militärischer Intervention zu begrenzen: Menschen in Bosnien zu helfen, den Winter zu überleben und die Antikriegsbewegung dort zu unterstützen".
Die Sorge der organisierten Friedensfreunde konzentriert sich nach Angaben ihres Bonner Zusammenschlusses auf die Tendenz hinter den US-Attacken gegen den aufmüpfigen Saddam Hussein: "auf diese auch in der deutschen Diskussion um sich greifende Militarisierung der Außenpolitik, die Vernachlässigung ziviler Konfliktvorbeugung und -bearbeitung und die Zerstörung aller Hoffnungen auf eine konstruktive Rolle der UN durch die Willkür der herrschenden Großmächte" USA, Frankreich und Großbritannien. Die Glaubwürdigkeit der UN werde zerstört, auf eine Reform der Weltorganisation sei nicht mehr zu hoffen. Geholfen werde weder Kurden noch Schiiten in Irak.
Der Friedensbund hofft, daß sich "von Belgrad über Bonn, Washington und Bagdad die Einsicht" durchsetzt, daß "unter dem Ozonloch" nur noch nichtmilitärische Konfliktbearbeitung eine Überlebenschance bietet.
Starke Worte fordert die offensichtliche persönliche Rivalität Bush-Saddam heraus: "Wir nennen es Mord: Bushs letztes Schlachtfest" empört sich der "Bund für soziale Verteidigung", eine andere Friedens-Dachorganisation. Die "Deutsche Friedensgesellschaft" (DFG/VK) kommt angesichts US-Interventionen von Vietnam bis Panama zu dem Schluß, Bush und Saddam könnten sich "die Hand geben". Nähme dies auch der neue US- Präsident Bill Clinton wörtlich, wäre die Hauptforderung der Friedensgruppen nach einem Ende der "Kanonenbootpolitik" erfüllt. EDGAR AUTH
Aufwendige Aufträge an private Firmen, die künstlerische Etats von Oper und Schauspiel "in nicht mehr hinnehmbarer Weise belasten": Im Juni 1992 hatte die CDU-Opposition im Römer diesen Verdacht in eine Anfrage an den Magistrat gekleidet. Jetzt antwortet Kulturdezernentin Linda Reisch (SPD) auf die Vorwürfe - oder besser: sie reiht in einem Bericht ohne jeden erläuternden Kommentar Zahlen aneinander. Es läßt sich addieren: In der Spielzeit 1991/92 gaben Schauspiel und Oper nur für Dekorationen und nur bei entsprechenden Aufträgen an private Unternehmen mehr als 475 000 Mark aus.
Der kulturpolitische Sprecher der CDU-Opposition, Hans-Jürgen Hellwig, hatte schon im Sommer 1992 sein Urteil gefällt: Das Versprechen der Kulturdezernentin, die Spartentrennung von Oper, Schauspiel, Ballett ohne höhere Kosten zu verwirklichen, sei "unhaltbar". Fehlende Kapazitäten der städtischen Theaterwerkstätten müßten durch teure Vergaben an private Unternehmen ausgeglichen werden.
Die Kulturdezernentin enthält sich in ihrem Bericht jeder Bewertung und erklärt Bürgern und Stadtverordneten auch nicht, wie die einzelnen Summen zustande kamen. Das teuerste Beispiel liefert das Schauspiel Frankfurt: Für "verschiedene Bühnenbilder" der Produktion von "Onkel Wanja" zahlte die Stadt 204 170 Mark. Bei "Bauer als Millionär" nach Ferdinand Raimund im Schauspiel bedurfte es auf der Bühne eines "Spezialfahrwagens" und verschiedener "Dekorationsteile": 56 276,73 Mark. Auch das "Spiel vom Fragen" (Peter Handke) kam ohne "Spezialdekoration" nicht aus (23 000 Mark) und die Produktion von "Rotkäppchen" (Martin Mosebach) erwies sich als besonders kompliziert, da fast das ganze Bockenheimer Depot zur Bühne, auf vier Spielflächen gespielt wurde: 56 400 Mark, so verrät die Kulturdezernentin, berechneten die privaten Hersteller für "Bühnenbildelemente", 26 315,79 Mark kosteten "Bühnenbildobjekte" und "Stahlunterkonstruktionen", weitere 9500 Mark "Bühnenpodeste". Unter dem Strich fielen nur im Schauspiel in der abgelaufenen Spielzeit mehr als 422 000 Mark für Dekorationen an, die private Firmen fertigten.
Weitere 52 778,38 Mark zahlte die Stadt an Dritte, die an Bühnenbildern der Oper arbeiteten. Beim Ballett gab es nach Auskunft der Kulturdezernentin keine Aufträge an Private.
Reischs Bilanz wird der Diskussion neuen Auftrieb geben, die seit Monaten im Römer um eine Privatisierung der städtischen Theaterwerkstätten geführt wird. Denn die einfache Rechnung - gerade von FDP oder Grünen immer wieder angestellt -, private Fachleute arbeiteten in jedem Fall billiger und effektiver, geht nicht auf.
Im Zeichen der städtischen Finanzkrise müssen die Kulturpolitiker im Römer vielmehr endlich die Frage beantworten, welche Standards sie denn in Zukunft bei Aufführungen der Theater Frankfurt für nötig halten.
CLAUS-JÜRGEN GÖPFERT
FRIEDBERG. Das Frauenzentrum Friedberg bietet für den Workshop "Selbstverteidigung und Selbstbehauptung" mit dem "Verein unvergeßlich weiblich" noch Plätze an. Er findet am Samstag, 30. Januar, von 10 bis 18 Uhr und am darauffolgenden Sonntag von 10 bis 16 Uhr in der gemeinsamen Musterschule in Friedberg statt.
Ebenso sind noch einige Plätze für Frauen frei, die sich an zehn Abenden "in den Tarot" einführen lassen wollen. Der Kurs beginnt am Donnerstag, 4. Februar, um 20 Uhr im Frauenzentrum (Usagasse 8, Eingang Judengasse). Dort werden unter der Rufnummer 0 60 31 / 25 11 auch Anmeldungen für beide Angebote angenommen. mk
Kirche im Sozialismus oder: "Es war doch eine bestimmte Geborgenheit in der DDR" Der frühere Staatschef Erich Honecker im Gespräch
mit dem anglikanischen Theologen Paul Oestreicher
Paul Oestreicher: Der Marxismus-Leninismus hält alle Religion letztlich für einen Irrweg, für unwissenschaftlich, schädlich und im Sozialismus für sinnlos. Blieb das bei aller Kompromißbereitschaft letztlich Ihr Standpunkt und die Grundlage der Kirchenpolitik der DDR?
Erich Honecker: Ich denke, man muß einen Unterschied machen zwischen unserer materialistischen Geschichtsauffassung einerseits und der Kirchenpolitik der Deutschen Demokratischen Republik als Staat andererseits. Ob ein Schöpfungsakt die menschliche Gesellschaft bestimmt oder die materielle Grundlage des menschlichen Lebens den entscheidenden Einfluß hat, ist für das Verhältnis - ich sage jetzt mal ganz offen - des Kommunisten zum Christen nicht entscheidend. Ihnen dürfte ja bekannt sein, daß ich als Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands seit Beginn meiner politischen Tätigkeit - und das war immerhin seit 1928 - stets ein gutes Verhältnis gesucht habe und auch zu einem großen Teil gefunden habe zu christlich eingestellten Menschen, sowohl Protestanten als auch Katholiken.
Oestreicher: In der ersten Phase der DDR, in der Sie in der Freien Deutschen Jugend, also der FDJ, Verantwortung trugen, gab es ein massives Vorgehen gegen Christen, vor allem junge Christen, auch in der FDJ, wo die Zusammenarbeit relativ schnell zusammenbrach. Wie steht das im Einklang mit Ihrer persönlichen, positiven Haltung zu Christen?
Honecker: Zuerst möchte ich sagen, daß die Zusammenarbeit nach dem 8. Mai 1945 eine gute war. Es ist bekannt, daß ich mich gerade in der damaligen Zeit bei den verantwortlichen kirchlichen Stellen und Persönlichkeiten um ein gutes Verhältnis beim Aufbau der antifaschistischen Jugendausschüsse der damaligen Sowjetischen Besatzungszone und um die Entwicklung dieser Arbeit in den westlichen Zonen bemüht habe.
Damals hatte ich Verbindung zur evangelischen Kirche über den Pfarrer Hanisch und zum Domvikar Lange von der katholischen Kirche. Mit ihnen gemeinsam saß ich in der Führung der Freien Deutschen Jugend. Was diese Stimmung betraf, so werden die Dokumente, die jetzt offensichtlich vorliegen, zeigen, daß diese Störungen nicht von uns kamen, sondern die kamen von außerhalb.
Es gab ja damals Kommandanten, und es gab sie nicht nur in der Sowjetischen Besatzungszone, sondern auch in der britischen, amerikanischen und französischen Besatzungszone. Die Störungen kamen seitens der Besatzungsbehörden, seitens der Sowjetischen Militäradministration. Wir haben uns auch später bei Propst Grüber entschuldigt, und zwar Margot Feist - hieß sie noch damals - und ich persönlich, wir gingen in sein Büro und haben uns entschuldigt.
Oestreicher: Im großen und ganzen war ja unmittelbar nach dem Krieg die sowjetische Haltung zu den Kirchen relativ positiv, verglichen etwa mit der Haltung in der Sowjetunion selbst . . .
Honecker: Vom Grundsatz her wurde das auch von ihr durchgehalten bis zum Schluß, im Unterschied zur Entwicklung in der Sowjetunion selbst. Es ist ja nicht unbekannt, daß der Rundfunk schon damals kirchliche Sendungen hatte und daß Gottesdienste, Druck der Bibel und kirchlicher Schriften möglich war.
Oestreicher: Warum traf das gerade im Bereich der Jugend nicht zu?
Honecker: Die sowjetischen Truppen hatten einen furchtbaren Krieg hinter sich und waren ja nicht als willkommene Leute hierher gekommen. Sie mußten ja Berlin erobern mit großen Verlusten, so daß sie von vornherein nur geneigt waren, antifaschistische Jugendausschüsse zuzulassen, keine speziellen Organisationen von Parteien und Kirchen, und daß sie später, im Dezember 1945, zur Gründung der Freien Deutschen Jugend nur zu bewegen waren, wenn das die einzige Jugendorganisation in ihrem Gebiet blieb.
Oestreicher: Der einzelne Christ hatte es in der langen Geschichte der DDR oft nicht leicht. Vor allem unter der Jugend wurde der Atheismus aktiv gefördert.
Honecker: Wissen Sie, wenn sie von dem einzelnen Christen sprechen, werde ich an mein Gespräch mit den evangelischen Bischöfen unter Leitung von Bischof Schönherr erinnert. Wir sind damals zu sehr umfassenden Vereinbarungen gekommen, die sowohl für die Kirche nütz- lich als auch für die DDR nützlich waren. Als damals die Beratungen beendet waren, sagte Herr Bischof Schönherr: "Jetzt wollen wir abwarten, wie das unten wirkt."
Also zu Ihrer Frage: Selbstverständlich müssen wir davon ausgehen, daß damals oben nicht alles klar war und unten erst recht nicht. Aber, daß Christen gehemmt wurden in ihrer berufsmäßigen Entwicklung - mit Absicht - war nicht der Fall, im Gegenteil. Nehmen Sie beispielsweise die Pfarrer, die 1989 hervortraten, die hatten doch alle eine großartige Bildung. Das hat doch der Arbeiter- und Bauernstaat ermöglicht. Daß jemand wegen seiner religiösen Überzeugung in seiner Entwicklung gehemmt wurde auch in bezug auf Studium, habe ich nie festgestellt. Es gab wohl einige Fälle, wo man das bereinigt hat.
Schauen Sie mal den Herrn Stolpe gegenwärtig an, wenn Sie diese Frage schon berühren. Er war damals der Vertreter der evangelischen Kirche und ich kam ja sehr oft mit ihm zusammen. Aber ich möchte sagen, das war immer ein Mann der Kirche. Aber natürlich war er Staatsbürger der DDR, Gott sei Dank. Und dieser Ausdruck damals, "Kirche im Sozialismus", den haben wir mit Sympathie aufgenommen, wie sollte sie im sozialistischen Staat der damaligen Zeit anders wirken?
Oestreicher: Das Ministerium für Staatssicherheit hat sich, wie jetzt offenkundig geworden ist, in die inneren Angelegenheiten der Kirche gemischt und hat das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat unterwandert. Haben Sie das eigentlich gewollt oder haben sie es einfach nur geduldet?
Honecker: Ich möchte Ihnen sagen, über dieses Ministerium wird ja sehr viel geschrieben, und es gab bei diesem Ministerium bestimmt einen großen Papierkram, aber das Ministerium hatte nie die Aufgabe, der Trennung zwischen Staat und Kirche - diesem Grundprinzip - zu widersprechen. Wenn Sie diese Entwicklung in Richtung also der Geheimdienste ansprechen, so möchte ich Ihnen sagen, in der DDR waren ja sehr viele Geheimdienste tätig, nicht nur der Geheimdienst der DDR, sondern der Geheimdienst der Sowjetunion KGB, Polens, der CSSR. Es war auch der Geheimdienst der USA tätig hier, Großbritanniens und auch die französische Securité. Die haben ja alle hier in Berlin gewirkt, haben sich gegenseitig bekämpft, miteinander zusammengearbeitet in verschiedener Form, aber das vollzieht sich ja meistens unter der Decke. Ich würde zuviel sagen, wenn ich zum Ausdruck bringen würde, das Bild war mir dort klar. Es kann bei Geheimdiensten gar nicht klar sein. Später erlebt man immer wieder Überraschungen auf diesem Gebiet.
Jedenfalls, solange ich in der Leitung der Partei und Staates war, gab es keinen Auftrag, daß der Geheimdienst die Trennung zwischen Kirche und Staat zu überwinden habe durch Tätigkeit dort. Es gab einfach den Auftrag an die Staatssicherheit, so zu arbeiten, daß der Staat gesichert wird. Es gab nichts Antikirchliches.
Oestreicher: Hat Sie erstaunt, daß leitende Mitarbeiter in die kirchliche Bürokratie von der Staatssicherheit eingeschleust wurden und daß man versucht hat, die Personalpolitik der Kirche zu beeinflussen?
Honecker: Nicht erstaunt, das möchte ich sagen. Ich war überrascht über das Wirken. Aber ich möchte doch verschiedenes in Zweifel ziehen. Ich verstehe zum Beispiel nicht, das gestehe ich ganz offen, daß nach der Zwangsversteigerung der DDR mit der Bundesrepublik Deutschland man jetzt ein solches Feuer organisiert gegen kirchliche Institutionen. Das verstehe ich einfach nicht.
Oestreicher: Unter den bekanntesten Kritikern der SED-Politik waren nicht wenige, die das westliche, kapitalistische Modell abgelehnt und von einem besseren Sozialismus gesprochen haben, also eine reformierte DDR zum Ziel hatten. Einer von ihnen war Propst Heino Falcke in Erfurt. Warum sind gerade diese Christen zu Staatsfeinden erklärt und auch zum Teil so behandelt worden?
Honecker: Ich kenne Herrn Heino Falcke überhaupt nicht. Ich weiß bloß, daß im Zusammenhang mit der Perestroika, die ja nach meiner Auffassung eine Angelegenheit der Sowjetunion war, bei der man voraussehen konnte, daß die Sowjetunion Schiffbruch erleidet, daß in diesem Zusammenhang die Reden, die damals über Perestroika und Glasnost gehalten wurden, auf einmal zum Gedankengut kirchlicher Vertreter wurden, aber auch ein Weg in die Irre. Natürlich bin ich für die Verbesserung des Sozialismus zu jeder Zeit, das wäre schlecht, wenn es ständige Erneuerung nicht gebe. Das ist ganz klar. Aber es war ein Irrtum dieser Leute, die damals nicht die Erneuerung des Sozialismus im Sinne hatten, sondern es stand das Streben im Vordergrund, den sozialistischen Staat zu vernichten.
Und die Ergebnisse der Annexion der DDR durch die Bundesrepublik Deutschland im Zusammenwirken mit der damaligen sowjetischen Partei- und Staatsführung liegen ja auf der Hand. Man braucht sich ja nur die Lage anzusehen, wie sie in der Ex-DDR jetzt ist. Und es gibt verschiedene Damen und Herren, die damals solche Auffassung vertraten, die sagen jetzt, das haben wir nicht gewollt. Natürlich hat das keiner gewollt. Aber nehmen Sie zum Beispiel die Massenarbeitslosigkeit. Es ist doch auch ein christliches Anliegen, daß die Menschen Arbeit haben. 50 Prozent der Arbeitsplätze wurden offiziell beseitigt, desgleichen Kinderkrippen, Kindergärten und anderes. Das ist überhaupt keine Verbesserung, im Gegenteil: ein Restaurieren des Kapitalismus in der DDR.
Oestreicher: Sie haben bereits Manfred Stolpe erwähnt. Ihm wird heute von seinen Gegnern vorgeworfen . . .
Honecker: Furchtbar, furchtbar . . .
Oestreicher: . . . daß er mehr staats- als kirchenloyal war. Wenn Sie zurückschauen auf die Geschichte, meinen Sie, daß die Kirche eigentlich mit Leuten wie Stolpe und Schönherr dazu beigetragen hat, die DDR, soweit das ging, zu stabilisieren? Oder waren sie letzten Endes doch eher das Gegenteil, nämlich ein trojanisches Pferd?
Honecker: Wieso soll es was Schlechtes sein, wenn Vertreter der Kirche einen Beitrag zur Stärkung des Staates leisten, in dem sie leben? Soweit ich weiß, ist es im Evangelium überhaupt nicht vorgesehen, daß die Kirche ewig den kapitalistischen Staat unterstützen muß. Es ist durchaus gegeben, daß sie sehr lange in einem sozialistischen Staat gelebt hat und vielleicht in Zukunft bestimmt auch wieder leben wird.
Solchen Vertretern der Kirche, die mit den entsprechenden staatlichen Institutionen im Gespräch waren, heute einen Vorwurf daraus zu machen, ist abwegig. Nötig wäre vielmehr das Gegenteil: Man müßte sie aus der Sicht der Kirche dafür belobigen. Denn ich meine, es waren 40 Jahre der DDR. Und vorher waren es fünf Jahre nach der Befreiung, und weder wir noch die Kirche konnten damals die Menschen sich selbst überlassen.
Oestreicher: Würden Sie jetzt aus zeitlicher Distanz sagen, daß die Kirche im großen und ganzen für die DDR doch eine gute Sache war?
Honecker: Natürlich war sie eine gute Sache. Das ist doch besser als Konfrontation. Und außerdem haben ja nicht nur die Bischöfe was davon, auch die Menschen. Die Bischöfe sind ja tätig, wie sie sagen, im Dienst der Menschen. Es war doch eine bestimmte Geborgenheit in der DDR.
MAIN-KINZIG-KREIS. Elf Kommunen im Main-Kinzig-Kreis unterhalten insgesamt dreizehn Partnerschaften mit französischen Gemeinden. Hier ein Überblick, der auf einer Umfrage des Kreistagsbüros basiert:
"Spitzenreiter" ist Hanau, das mit seinen Stadtteilen Steinheim und Großauheim auch deren seit 1972 beziehungsweise 1965 bestehende Partnerschaften mit Francheville (Rhône) und Conflans-Ste.-Honorine übernommen hat. Hanau brachte selbst die schon seit dem 21. März 1964 bestehende Jumelage mit Neuilly-sur-Seine ein. Die ehemalige Kreisstadt Gelnhausen hat sich besonders früh um eine Beziehung ins westliche Nachbarland bemüht, Clamecy ist seit 1963 Partnerstadt. Anfang der 60er Jahre hat auch Linsengericht zu St. Etienne du Bois gefunden, Wächtersbach ist seit 1964 mit Châtillon-sur-Chalaronne liiert, Gründau seit 1966 mit Lausonne.
Auf Anfang der 70er geht die Verbindung Freigericht / St. Quentin-Fallavier zurück, auf 1973 gehen die Beziehungen, die Schöneck mit Anould (Vogesen), Maintal mit Luisant (bei Chartres) und Niederdorfelden mit Saint Sever (Calvados) unterhalten. Großkrotzenburg ist mit Achère, Langenselbold mit Mondelange verschwistert. Ul
Kurz warf dem Hörfunk "Verleumdungen" vor Ausländer in Gelnhausen "schon immer willkommen" Von Alexander Polaschek GELNHAUSEN. Das Verhältnis der Stadt Gelnhausen zu den Flüchtlingen in der örtlichen Ex-Kaserne hat Stadtverordnetenvorsteher Willi Kurz zum Leitthema seiner Neujahrsansprache gemacht. Der CDU-Politiker wies Mediendarstellungen von angeblicher Fremdenfeindlichkeit in der Stadt mit Nachdruck zurück und warf besonders dem Hessischen Rundfunk vor, mit Manipulationen und Verdrehungen von Gegebenheiten ein falsches Bild zu vermitteln. Mehr als 100 Repräsentanten des öffentlichen Lebens im Kinzigtal hatten sich zum Neujahrsempfang des Stadtverordnetenvorstehers im Romanischen Haus versammelt. Kurz machte wie gewohnt auch bei dieser Gelegenheit aus seinem Herzen keine Mördergrube und ging mit denjenigen ins Gericht, die von Ignoranz und dem vorsätzlichen Willen geprägt seien, "unsere liebenswerte Heimatstadt in der öffentlichen Meinung in Mißkredit zu bringen" und nicht nur ihm schlaflose Nächte bereitet hätten. Er wandte sich gegen "verleumderische Reden einiger weniger, die auf der einen Seite die Achtung der Menschenrechte fordern, auf der anderen Seite aber die Ängste und Gefühle ihrer Nachbarn mit Füßen treten".
Kurz räumte ein, daß es im Zusammenhang mit der Einweisung von Asylbewerbern in die Kaserne Besorgnisse, Aufgeregtheiten und auch Ängste gegeben habe. "Daraus jedoch Fremdenfeindlichkeit oder Haß, gar Pogromstimmung in der Bevölkerung herleiten zu wollen, blieb allein dem Hessischen Rundfunk überlassen", fügte der Stadtverordnetenvorsteher an. Der Sender scheine es nicht gut mit den Gelnhäuser Bürgern zu meinen.
Als Beispiele dafür nannte Kurz die umstrittene Fernsehsendung "Stadtgespräch", bei der zum Asylthema Meinungsäußerungen Gelnhäuser Bürger zu wenig berücksichtigt worden seien, und die Sendung "Fremde in Gelnhausen", die zu vielen empörten Anrufen geführt habe. Der Hörfunkbeitrag war zunächst kurzfristig abgesetzt worden, laut Kurz infolge massiven Einspruchs des Gelnhäuser Bürgermeisters Jürgen Michaelis (CDU). "Zu unser aller Entsetzen", ging die Reportage in überarbeiteter Form am vergangenen Freitag doch noch über den Sender. Kurz: "Entstellungen, Verdrehungen, Verleumdungen."
Der Parlamentschef betonte demgegenüber, Ausländer "sind und waren schon immer in Gelnhausen willkommen". Es sei nach wie vor wichtigstes Ziel, "den für uns untragbaren Zustand, hunderte von Menschen aus insgesamt 36 Nationen ohne Vorbereitung und soziale Betreuung in unsere Kleinstadt zu schicken, nachhaltig zu verändern". Entschlossener Widerstand der Gelnhäuser Verantwortlichen richte sich weiterhin gegen die völlig verfehlte Politik, die zur Einrichtung des Erstaufnahmelagers in der Kaserne geführt habe, nicht aber gegen die Menschen, die nach Gelnhausen geschickt worden seien. Die große Mehrheit der Bevölkerung sei dieser Meinung. Mit ausdrücklichem Dank bedachte Kurz neben allen denjenigen im Dienste der Allgemeinheit die Jugend. Sie habe sich auch gegen den Rechtsextremismus engagiert und dafür gesorgt, daß Chaoten keinen Platz hätten und man in Gelnhausen von rechtsradikalen Übergriffen gegen die ausländischen Mitbürger verschont geblieben sei. Dankesworte richtete er auch an all jene Menschen aus den unterschiedlichsten Staaten, "die überall in unseren Betrieben mit zu unserem Wohlstand und der Sicherung unserer Zukunft beitragen".
Auch in anderer Hinsicht sieht Kurz Gelnhausen von der großen Politik eingeholt, wie er mit kritischen Verweisen auf Lavieren und Unentschlossenheit aller Parteien in Bonn sagte. Die Lokalpolitiker hätten es jedoch nicht verdient, wenn sich das Unbehagen bei den anstehenden Kommunalwahlen auch gegen sie wende. Sie seien nicht untätig gewesen und hätten beherzt Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten wahrgenommen und Entscheidungen zum Wohl der Stadt und ihrer Bürger getroffen. Jetzt, da der Staat infolge der Lasten aus der Vereinigung an die Grenzen des Möglichen gestoßen sei, gelte es, die Ärmel hochzukrempeln und in die Hände zu spucken, anstatt zu nörgeln und in Träumereien aufzugehen. So benötige die Stadt "noch mehr Bürgersinn, Ideenreichtum und vor allem in noch stärkerem Maße die engagierte Mitwirkung ihrer Bürger".
MAINTAL. Zum Neujahrskonzert der Stadt Maintal am Freitag, 22. Januar, um 20 Uhr im Bürgerhaus Maintal-Bischofsheim gastiert das Tschechische Symphonie-Orchester Prag unter der Leitung von Bernhard Groppe (Berlin). Solist ist der Frankfurter Alexander Olscheschsky (Violine). Geboten werden Werke von Strauß, Sibelius, Massenet.
"Das Tschechische Symphonie-Orchester Prag gehört zu den großen Orchestern Europas. Der Auftritt in Maintal ist das erste Konzert des Ensembles im süddeutschen Raum." pom
REDAKTION: Corinna Willführ
Auf einen Blick
Seite II USINGER LAND. Den Preis von 150 Mark für einen Brunnen mußte das arme Anspach dereinst abstottern. Seite III KRONBERG. "Und der Fischer wird immer dicker" - Wie WIE ins Parlament einziehen will - oder? Seite IV KULTURSPIEGEL TAUNUS. Wasser- Musik: Dokumentation über Frank Leissrings akustische Spiele. Seite V KRONBERG. Warum Asylbewerber und Flüchtlingskinder angeblich nicht nebeneinander in den Park passen?
MÖRFELDEN-WALLDORF. Der Förderkreis Hüttenkirche ruft zu Spenden für einen Hilfstransport für die nach Osijek geflüchteten Menschen von Laslovo im ehemaligen Jugoslawien auf. Der Transport, eine gemeinsame Aktion von Mörfelden-Walldorf und der niederländischen Partnerstadt Wageningen, soll am Samstag, 30. Januar, von Mörfelden-Walldorf abgehen. 40 Tonnen Ladekapazität stehen zur Verfügung, 15 entfallen auf Mörfelden-Walldorf. Sie sollen Winterkleidung, Schuhen, Decken bestehen.
Spenden an: Elfriede Michel, Kelsterbacher Straße 10, oder Käthe Raiss, Kelsterbacher Straße 90. wal
MAIN-KINZIG-KREIS. "Dies wird sich die CDU-Fraktion nicht gefallen lassen. Wir lassen dem Kreistagsvorsitzenden Lothar Klemm seine rüde parteipolitische Manipulation nicht durchgehen." Mit diesen Worten hat der CDU-Kreistagsvorsitzende Dr. Rolf Müller auf den Umstand reagiert, daß Klemm einen CDU-Antrag, Landrat Karl Eyerkaufer (SPD) zu rügen, nicht auf die Tagesordnung der nächsten Kreistagssitzung genommen hat.
Müller wirft Eyerkaufer vor, im Kreisausschuß einen rechtswidrigen Beschluß über die Zahlung von rund 10 Millionen Mark an das Finanzamt verantwortet zu haben. Die Zahlung steht im Zusammenhang mit dem geplanten Teilverkauf der Kreiswerke Gelnhausen an einen oder mehrere Energieversorgungsunternehmen. Die 10 Millionen Mark müssen steuerrechtlich vorab gezahlt werden, um den bei einem Verkauf sonst fällig werdenden rund 50prozentigen Steueranteil aus dem Gewinn zu vermeiden. Finanzdezernent Erich Pipa war deswegen mehrfach in Wiesbaden vorstellig.
Nach Ansicht der CDU darf nur der Kreistag über solche Zahlungen beschließen. Die Christdemokraten erwägen sogar ein Dienstaufsichtsverfahren gegen Eyerkaufer. are
has FRANKFURT A. M. Die Essener Ruhrgas-Gruppe widerspricht mit Nachdruck einer Darstellung des Konkurrenten Wintershall, wonach dieser künftig das Versorgungsgebiet der Südhessischen Gas und Wasser mit Erdgas beliefern wird (siehe FR vom 16. Januar). Auf FR-Anfrage hatte Wintershall berichtet, das Unternehmen mit Sitz in Darmstadt, bisher Kunde der Ruhrgas, sei künftig ein "weiteres Glied in der Kette der Regionalversorger von uns", was "einiges an Überzeugungsarbeit gekostet" habe.
Ein Ruhrgas-Sprecher betont, sein Haus habe die Südhessische Gas und Wasser keineswegs als Kunden verloren. Man werde auch weiterhin deren Versorgungsgebiet, das südlich von Frankfurt bis zur baden-württembergischen Landesgrenze 42 Städte und Gemeinden mit rund 830 000 Einwohnern umfaßt, abdekken. Ruhrgas werde auch künftig den in dieser Region anfallenden Erdgasbedarf von etwa 6,7 Milliarden Kilowattstunden befriedigen.
Bei dem Kontrakt, den Wintershall mit der Südhessischen Gas und Wasser geschlossen habe, handelt es sich nach Ruhrgas-Angaben "nur um einen Mini- Vertrag". Dieser betreffe "sehr geringe Erdgasmengen" für die Kommunen im Weschnitztal. Dieses Statement deckt sich im übrigen mit mittlerweile bei der FR von anderer Seite eingegangenen Informationen, womit der Ruhrgas-Widerspruch als berechtigt erscheint.
Auf einen Blick
Seite II GRÄVENWIESBACH. Sorgen um die Taunusbahn: Fahren abends nur Busse anstatt Züge? Seite III STEINBACH. Von Mord bis Sport - Mit seiner Kamera hat Heinz Jürgen Göttert Geschichte festgehalten. Seite IV SPORT. Ein Sieg über Kassel würde den HTG-Basketballerinnen die Aussicht auf Platz 2 eröffnen.
USINGEN. Der städtische Bauhof in der Weilburger Straße 46 wird am Samstag, 30. Januar, zum Recyclinghof. Von 9 bis 12.30 Uhr können dort Wertstoffe abgegeben werden.
Bürgermeister Detlef Ortmann bittet die Usinger, sich im Müllratgeber 1992, Rubrik "Recyclinghof", darüber zu informieren, welche Abfälle sie mitbringen dürfen. Alle Kunststoffe, die dort nicht aufgeführt sind, gehören in den Hausmüll. Sie werden am Samstag nicht angenommen - auch nicht, wenn sie einen "Grünen Punkt" aufweisen.
Ortmann weist ausdrücklich darauf hin, daß nur Usinger Bürger den Recyclinghof in Anspruch nehmen dürfen: "Fremdanlieferer werden abgewiesen!" Auf Verlangen des städtischen Personals müssen die Ausweise gezeigt werden. ill
Was wirklich zählt in einem Menschenleben, sagt der gesellschaftliche Konsens, seien Liebe, Freundschaft und - davon abgeleitet - Zuverlässigkeit. Sie werden den bleibenden Werten zugerechnet. Auch wenn Tag für Tag das Leben beweist, daß Gefühle kommen und gehen und statt ihrer meist nur die Sehnsucht nach ihnen beständig bleibt, hält man an diesen Idealen fest. Roman, Bühne und Film kommen nicht aus ohne Figuren, deren blindes, rührendes Vertrauen in die Macht und Beständigkeit der Gefühle ein Publikum ergreift und die Hoffnung auf Gleiches im realen eigenen Leben stärkt.
Ein Archetyp solcher Sehnsucht ist der gestandene, vom Leben gebeutelte Mann, der unbeirrt auf seinen Grundsätzen, seiner Liebe und Freundschaft beharrt. Ihm huldigen die Generationen seit den zwanziger Jahren bis in die späten fünfziger Jahre. Hemingway hat ihn wieder und wieder beschworen. Zuckmayers General Harras ist ein deutsches Pendant. Ihn wiederum überragt jene Gestalt, die dem deutschen (Massen-)Publikum für Jahrzehnte zum Inbegriff diesen Mannestums wurde: Hans Albers, der es in seinen besten Film- und Theaterrollen hinreißend und im wörtlichen Sinne verkörperte.
Inmitten einer seit längerem von gebrochenen Männerfiguren dominierten Theater- und Filmszenerie zeichnet nun der gemeinhin als sozialkritischer Lyriker und Dramatiker geschätzte Ludwig Fels erneut einen solchen Archetyp der Beständigkeit. "Sturmwarnung" heißt sein Stück über einen Kapitän, der auf seinem gestrandeten Schiff ausharrt und der totgeglaubten Frau Treue über den Tod hinaus wahrt. Protagonist der Uraufführung heute abend im Rémond- Theater: Hans Joachim Kulenkampff.
Was Inhaltsskizze und der Name des Stars vermuten lassen, bestätigt der Autor im Gespräch: Er hat dem Schauspieler (nach einer Idee Kulenkampffs, der sich von einer Zeitungsnotiz anregen ließ) Stück und Rolle auf den Leib geschrieben, beeindruckt von der Persönlichkeit, der Ausstrahlung und Bühnenpräsenz des Stars. Ob das Stück über den Tag und die Person des Protagonisten hinaus Bestand haben wird, interessiert Fels nur am Rande.
Gleichwohl: Bloßes Gebrauchstheater, darin stimmen Fels, Kulenkampff und Regisseur Ilo von Janko überein, soll nicht über die Bühne gehen. Man möchte Zeichen setzen wider die Unbeständigkeit, die Autor, Regisseur und Star als hervorstechendes Merkmal unserer Zeit sehen; Wegwerfgesellschaft ist ihr gemeinsames Stichwort.
Und Hans Albers. (Insbesondere, der Vergleich liegt ja auch nahe, dessen zwischen Selbstaufgabe und Selbstüberwindung changierende Glanzrolle im Film "Wasser für Canitoga".) Hans Joachim Kulenkampff scheut keinesfalls den Vergleich. Es ehrt ihn, daß er Albers' Ausstrahlung und Typik nicht auf die eigene Person, sondern auf die zu verkörpernde Rolle bezieht. Ein Kerl vom Format des (Film-)Albers soll auf der Rémond-Bühne erscheinen, in sich ruhend, aber auch verwundbar. Hans Joachim Kulenkampff, dem allzuoft vom sogenannten Showmaster Kuli überstrahlten Schauspieler, ist dies zuzutrauen. Auch, daß er jene leisen Brüche spielt, von denen er erzählt: Die uneingestandene Angst jenes standhaften Kapitäns, an Land den Boden unter den Füßen zu verlieren; die Unsicherheit gegenüber der Welt, die ihn desto starrsinniger am Konzept einer nach ewigen Regeln geordneten Welt festhalten läßt.
Gelingt's, so dürfte zwar nicht die unumstößliche Gültigkeit jener eingangs beschriebenen, bleibenden Werte bewiesen sein, von der alle an der Inszenierung maßgeblich Beteiligten fortwährend reden. Wohl aber die Faszination, die von derart unbeirrbaren (Theater-)Figuren und ihren Grundsätzen ausgeht. Das Risiko des Genres besteht in eben dem, was seine Anziehungskraft ausmacht: in der (Schein-)Identität von Darsteller und Kunstfigur. Einem Spencer Tracey als Hemingways altem Fischer, einem Curd Jürgens als des Teufels General nahm man alles ab, nur eines nicht - die Unebenheiten und Widersprüche der Charaktere, die sie darstellten. Das Charisma der Schauspielerperson überstrahlte das des Schauspielers. Nicht was über menschliche (männliche) Befindlichkeit ausgesagt wurde, sondern wie es geschah, war maßgebend. Diesem auf Manneskult basierenden Wie fiel jeder Zwischenton, jeder Zweifel am Mann von "echtem Schrot und Korn" zum Opfer.
Übrig blieb das Klischee vom ewig sich selbst treuen Mann, dem die platte Redensart den "weichen Kern in rauher Schale attestiert"; oder, um beim Thema "Sturmwarnung" zu bleiben, ihn als zwar zerklüfteten, aber beständigen Fels in der Brandung mißverstehen könnte.
So verläßt man das in den Endproben fiebernde Rémond-Theater irritiert. "Sturmwarnung", so scheint es, zielt ab auf die Lauterkeit eines Don Quichotte und steht in der Gefahr einer philiströsen Mär über Glaube, Liebe, Hoffnung. Ob es zum einen oder anderen ausschlägt, hängt weitgehend vom Hauptdarsteller ab und seinem Vermögen, gewissermaßen Cervantes statt Boulevard-Hemingway zu spielen. Für den Schauspieler Hans Joachim Kulenkampff hieße das womöglich, gegen die ihm auf den Leib geschriebene(n) Rolle(n) anzuspielen.
DIETER BARTETZKO
Auf einer Erfolgswelle trieben die Aktiven der Schwimmgemeinschaft Frankfurt (SGF) durch das Jahr 1992, das zum besten der SGF seit ihrem Bestehen wurde. Höhepunkt der wahren Titelflut, die mit 84 hessischen Jahrgangsmeistern begann, war der Aufstieg der Frauenmannschaft in die erste Bundesliga. Sprinter aus Frankfurt machten schon häufig von sich reden - zuletzt allerdings vor acht Jahren, als Linda Hemling und Heiko Schäfer den Deutschen-Meister-Titel holten. Nun trug sich Julia Voitowisch über die Schmetterling-Strecke in die Siegerliste ein und sammelte mit Mona von Moller, Jennifer Pahls und Anja Munk auch noch Meisterehren in der Lagenstaffel.
Auf gute Nachwuchsarbeit hat die SGF schon immer Wert gelegt. Wie gut sie ist, das zeigt auch, daß das SGF-Team zum drittenmal hintereinander mit dem Ehrenpreis des Hessischen Schwimmverbandes für die beste Nachwuchsmannschaft ausgezeichnet wurde. Daß die Vorbereitung auf dem Weg nach oben kontinuierlich ist, beweisen auch die Erfolge beim Mannschaftsfinale des Deutschen Schwimmverbandes (DSV). Das Sextett Sven Rehse, Harry Sedlmayr, Ingo Kolb, Fredy Zölls, Patrick Dohm und Carlo Walther wurde bei der männlichen Jugend B-Meister.
Den Höhenflug führen die Verantwortlichen der SGF auch auf die verbesserten Trainingszeiten zurück, die ihnen Sportdezernentin Sylvia Schenk im Stadtbad Mitte und im Bezirksbad Süd einräumte. Diese Umnutzung der Bäder hatte für ziemlich viel Wirbel gesorgt, weil sich zahlende Stammgäste benachteiligt fühlten. Doch die Sportdezernentin berichtete, "daß es trotz der Veränderungen keinen Verlust an zahlendem Publikum gegeben hat. Der Schwankungsgrad von zehn Prozent bei den Besuchern ist normal."
Wie jedes Jahr bei den traditionellen Pressekonferenzen brachte auch diesmal der SGF-Vorsitzende Michael Wolski den Dauerbrenner der Schwimmer - ein eigenes Trainingsbad - in die Diskussion. Doch das eigene Becken wird zunächst weiter ein Wunschtraum bleiben - vor allem, weil sich die Kommunen derartige Projekte finanziell derzeit nicht leisten können. Auch der Wunsch nach einem hauptamtlichem Cheftrainer wird sich momentan nicht realisieren lassen. Die Sportdezernentin sieht harte Zeiten auf ihre Klientel zukommen und die Umverteilungskämpfe im Sport härter werden. Und sie fürchtet, daß sich Verbände und Vereine über die drohenden Probleme nicht im klaren sind. "Während der Deutsche Schwimmverband über Doping diskutiert, werden überall Schwimmbäder geschlossen und den Schwimmern damit im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser abgegraben."
Die Politik, so die Dezernentin, könne nicht weiter die Probleme des Sports austragen. Der Sport müsse diese Aufgabe selbst übernehmen "und die Schwimmer eben konkret Stellung beziehen, wenn sie der Meinung sind, daß zwischen Leistung und Förderung der einzelnen Sportarten Ungerechtigkeiten bestünden".
Was die finanzielle Unterstützung angeht, nehmen sich die 45 000 Mark - rund ein Zehntel der Summe, mit der etwa Frankfurts Leichtathleten gefördert werden - bescheiden aus. Doch mit mehr ist auch 1993 nicht zu rechnen. Deshalb sind die SGF-Verantwortlichen froh, neben einer Badebekleidungsfirma als Sponsor auch noch einen Mäzen gefunden zu haben: Günter Hein, Hotelbesitzer aus Neu-Isenburg und Schwimmfreund, möchte "ein sinnvolles Freizeitangebot" für Kinder und Jugendliche unterstützen. Froh sind die Schwimmer auch über die Frankfurter Sporthilfe, die "Patenschaften" für fünf Schwimmer übernommen hat. Und so konnte Trainer Michael Ulmer den "Patenkindern" einen Scheck als Ausgleich für entstandene Kosten bei Trainingslagern überreichen. bs
Im Blickpunkt: Zweite Tarifrunde der ÖTV Die Stimmung ist gedrückt
Am heutigen Freitag gehen die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst in Stuttgart in die zweite Runde. Im ersten Durchgang vor zwei Wochen hatten die Arbeitgeber entgegen bisherigen Gepflogenheiten bereits ein Angebot vorgelegt, nämlich die Löhne für die 2,3 Millionen Arbeiter und Angestellten bei Bund, Ländern und Gemeinden sowie für die rund 400 000 Beschäftigten bei Bahn und Post rückwirkend vom 1. Januar an um 2,25 Prozent zu erhöhen. Aller Voraussicht nach wird die zweite Runde die vorletzte sein, denn beide Seiten möchten einen Tarifabschluß bis Mitte Februar unter Dach und Fach bringen. Die ÖTV - und wie sie die Deutsche Angestelltengewerkschaft (DAG) - will für die Arbeitnehmer herausholen, was möglich ist, noch ehe sie möglicherweise an die Kette eines Solidarpakts gelegt wird und bevor die erwartete Verschlechterung der Wirtschaftsdaten den Arbeitgebern Argumente für noch bescheidenere Lohnerhöhungen liefert. Und die öffentlichen Arbeitgeber fühlen sich aufgerufen, Signale für die anderen Branchen zu setzen.
"Die Stimmung ist gedrückt." Mit diesem Satz wird in Gewerkschaftskreisen der Hintergrund beschrieben, vor dem die Tarifrunde läuft. Einträchtig haben Arbeitgeber und Gewerkschaftsführungen alle Erwartungen nach Kräften gedämpft: Nun wissen es alle, daß es 1993 nicht viel zu verteilen gibt. Eine symbolträchtige Frage wird sein, ob eine Drei vorm Komma steht - wenig genug angesichts einer Inflationsrate, die schon jetzt näher bei Vier liegt. Das Wort von der Reallohnsicherung wird auch bei ÖTV und DAG praktisch nicht mehr in den Mund genommen.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist die soziale Komponente, die die ÖTV - außer einer linearen Lohnerhöhung um fünf Prozent - verlangt hat. Sie ist in der Gewerkschaft so umstritten, daß bis heute kein Modell für ihre konkrete Ausgestaltung öffentlich präsentiert wurde. Dabei steckt die ÖTV in einem mehrfachen Dilemma. Wenn mit der sozialen Komponente wenigstens ein nennenswerter Teil der Schlechtverdienenden an den Inflationsausgleich herankommen soll, müßte eine um so niedrigere Prozentzahl (womöglich unter 3,0?) für die große Mehrheit der Arbeitnehmer hingenommen werden.
Außerdem hat die Arbeitgeberparole "Leistung soll sich wieder lohnen" auch bei Gewerkschaftern Anhänger: Bei den Arbeitern, heißt es, sei in den vergangenen Jahren eine Menge getan worden; wenn hier erneut draufgesattelt werde und die Abstände sich wiederum verringerten, würden qualifizierte Fachkräfte murren.
Schlechte Karten haben auch die Befürworter der Arbeitszeitverkürzung. Auch hier ist, aus unterschiedlichen Motiven, eine gewisse Übereinstimmung in beiden Lagern zu beobachten. Die Arbeitnehmer setzen in übergroßer Mehrheit ganz aufs Geld - zumal viele von ihnen befürchten müssen, daß erneut Leistungsverdichtung folgt.
Inzwischen haben sich die Arbeitgeber bei diesem Thema so hartleibig gezeigt, daß vielleicht nur die Absichtserklärung herauskommt, noch in diesem Jahr, aber erst später, werde hierüber eigens verhandelt. Nur Optimisten glauben noch an den ursprünglich von der ÖTV verlangten Stufenplan mit einer weiteren kürzeren Wochenstundenzahl ab 1994.
Angesichts der leeren öffentlichen Kassen finden Hinweise kaum Gehör, daß der öffentliche Dienst, wenn er leidlich attraktiv auch für den Nachwuchs bleiben soll, nicht allzu weit hinter der Industrie zurückbleiben darf. (Im öffentlichen Dienst wird 38,5 Stunden gearbeitet, die Metaller gehen am 1. April auf 36 Stunden.)
"Es ist ja nicht die letzte", heißt der matte Trost von ÖTV-Leuten beim Blick auf die Tarifrunde 1993. Bei diesem Treffen dürfte sie vorankommen, in Richtung eines vom Sparzwang diktierten Abschlusses.
Die von Finanzsorgen geplagte ÖTV hat schon mit Sparen angefangen. Der Beirat strich kürzlich den Bezirksleitern und den Mitgliedern des geschäftsführenden Hauptvorstands eine ursprünglich vereinbarte Einmalzahlung von 1000 Mark. PETER HENKEL (Stuttgart)
OBERURSEL. Einen offenen Brief hat dieser Tage der "Stamm Graue Bären" des Pfadfinder-Bundes an die Spitzenkandidaten und Fraktionsvorsitzenden der Oberurseler Parteien geschickt. Auch Bürgermeister Thomas Schadow haben sie angeschrieben. Der Grund: Die Grauen Bären sind in Raumnöten - und eine Lösung ist nicht in Sicht.
"Seit mehr als zehn Jahren sind wir im Haus der Jugend untergebracht und suchen verzweifelt größere Räume", schildet "Stammesführer" Alexander Quirin, 20, die Situation. Unzählige Male habe man sich bereits an die Stadt gewandt, doch bis jetzt sei nichts passiert.
Deshalb wollen die engagierten Jugendlichen jetzt von den Parteien wissen, was sie in der nächsten Legislaturperiode zu tun gedenken, um ihnen zu helfen.
Für die Pfadfindergruppe ist der Zustand, den sie seit Jahren aushalten müssen, schlicht unerträglich: 75 Mädchen und Jungen, verteilt auf sieben Gruppen und mehrere Arbeitsgemeinschaften, teilen sich einen 15 Quadratmeter großen Raum ohne Wasseranschluß.
In einem zweiten, neun Quadratmeter kleinen Zimmerchen lagern sie ihre Materialien: Farben, Bastelgerät, Theaterutensilien. "Unsere größte Gruppe, die Acht- bis Zwölfjährigen, hat 20 Mitglieder", sagt Alexander Quirin. "Die haben natürlich einen ungeheuren Aktionsdrang."
Im Sommer versuchen die Pfadfinder deshalb, möglichst viel Zeit draußen zu verbringen, etwa auf dem Spielgelände an der Bleiche. Doch im Herbst und Winter hocken sie förmlich aufeinander. Vor kurzem bekam die Stadt zwei Räume im Gemeinschaftshaus Rosengärtchen zum Mieten angeboten. "Aber das wäre nur für gelegentliche Treffen, und wir brauchen Räume, die wir ständig benutzen und in denen wir Sachen lagern können", erklärt Alexander.
Vor etwas über einem Jahr gründete sich ein Förderverein für die Grauen Bären, in dem meist Eltern der Pfadfinder mitarbeiten. Der sollte die nicht vorhandene Lobby der Jugendgruppe ersetzen, die überkonfessionell ist. Aber auch die Mithilfe der Eltern brachte bislang kein Ergebnis, obwohl sie alle paar Wochen bei der Stadt vorstellig werden und nachfragen, ob sich was getan hat.
"Ich weiß, daß Räume in Oberursel knapp sind", sagt Alexander. Doch er meint, die Stadt müßte mehr für die Jugendarbeit tun. Habe doch der Bürgermeister vor Weihnachten in einem Brief an die Vereine angemerkt, daß es in Oberursel glücklicherweise nicht so viel Gewalt etwa gegen Ausländer gebe wie anderswo.
Das aber ist für Alexander und seine Freunde auch eine Folge der Jugendarbeit der Vereine. "Man darf die Jugendlichen nicht vernachlässigen und muß ihnen deshalb ein Angebot schaffen", fordern sie. esi
Selbst auf einer bisherigen Nebenstrecke wie der Rodgaulinie ist der Sicherheitsstandard der Deutschen Bundesbahn hoch.
An den meisten Übergängen sind kombiniert Signalanlagen und Halbschranken installiert, die unabhängig voneinander funktionieren. Wenn beispielsweise die Schranke klemmt, blinkt das Rotlicht dennoch.
Der Lokführer, der so lange als Begleiter auf dem Führerstand mitgefahren ist, bis er vor allem nach eigener Einschätzung "streckenkundig" ist, wird von Baken an den nahenden Übergang erinnert und verfügt über eine zusätzliche Kontrolle: Wenn auch nur eines der beiden Systeme Schranke oder Ampel ausfällt, blinkt eine weiße Lampe vor der jeweiligen Überführung und veranlaßt ihn zum Anhalten. Danach darf er nur im Schritttempo an den Überweg heranfahren und muß die Polizei benachrichtigen, ehe ihn sein Zugbegleiter, der den Autoverkehr inzwischen angehalten hat, über die Gefahrenstelle winkt.
Die Bahnhöfe sind nicht selten mit Signalen verbunden, die erst dann freie Fahrt geben, wenn die Schranken geschlossen sind. ttt
Wer zuerst zur Volkshochschule kommt, lernt zuerst Das Volk mault, weil bei beliebten Lehrgängen wie PC-Kursen vorerst noch das Recht des Schnelleren gilt
WETTERAUKREIS. Wer zuerst kommt, malt zuerst. Diese ebenso einfache wie klare Regel gilt in besonderem Maß auch für die Volkshochschule des Wetteraukreises. Denn Bildungshungrige brauchen sich nur für mehrtägige Kompaktseminare und -kurse vorher anzumelden. Für alle andere Angebote reicht es, einfach bei Veranstaltungsbeginn anwesend zu sein, wie der Leiter der Kreisvolkshochschule, Dr. Wolfgang Schönfeld, der FR gestern sagte.
Doch was passiert, wenn mehr Interessenten erscheinen als Plätze vorhanden sind? Das fragten sich am Mittwochabend über ein Dutzend Menschen, die das Computer-Betriebssystem MS-DOS in der Burg in Friedberg kennenlernen wollten, jedoch keinen der bereits besetzten 16 Plätze mehr ergattern konnten. Eine Antwort wußte auch die Kursusleiterin nicht. Ihr Tip: Zunächst auf eine Warteliste einschreiben und es dann am heutigen Donnerstag bei dem Parallelkursus ihres Kollegen erneut zu versuchen.
Das Problem dabei: Sowohl der MS- DOS-Einführungskursus am Dienstag und Donnerstag waren öffentlich von der Kreisvolkshochschule angeboten worden. Deshalb wäre es ungerecht, den Teilnehmern auf der Warteliste eine Zusage zu dem heutigen Kursus zu geben. So plausibel dies ist, so unverständlich ist es jedoch, daß die Kreisvolkshochschule nicht ihrer Kursusleiterin mitteilte, wie bei einer erneuten größeren Nachfrage zu verfahren sei.
Deshalb ist es wahrscheinlich, daß einige Interessierte zum zweiten Mal vergebens nach Friedberg kommen. Auf Anfrage sagte VHS-Chef Dr. Schönfeld, daß die Teilnehmer auf jeden Fall erfahren werden, ob gegebenenfalls ein weiterer Kursus eingerichtet wird, oder aber ausgelost werden muß, wer sich auf den nächsten Kursus vertrösten muß. Kaum zu glauben: Da bietet die Kreisvolkshochschule zukunftsträchtige Kurse an, organisiert diese jedoch wie anno dazumal. Viele die Umwelt belastende Irrfahrten zu den Terminen der Volkshochschule könnten beispielsweise durch eine vorherige Anmeldung nebst Bestätigung verhindert werden. Das treffe jedoch nur für einzelne Veranstaltungen zu, meint Dr. Schönfeld, da bei den meisten Kursen noch Plätze frei seien. Schönfeld versprach, zumindest bei solchen Kursen, die traditionell stark nachgefragt werden, über die Einführung einer Anmeldepflicht nachzudenken. Grundsätzlich will Schönfeld an dem derzeitigen Vergabesystem festhalten, weil sonst die Nachfrage insgesamt sinken könnte. Hinzu komme, daß die sieben Bediensteten der Kreisvolkshochschule, die mit der verwaltungsmäßigen Abwicklung der Kurse beschäftigt sind, den damit verbundenen organisatorischen Mehraufwand nicht verkraften könnten. REINER STRACK
DUISBURG (spi/rtr). Die wichtigsten Gläubiger der Klöckner-Werke haben nach den Worten des Vorstandschefs Hans Christoph von Rohr das Vergleichskonzept des Unternehmens gebilligt. Der Manager rechnet nun mit der richterlichen Eröffnung des Verfahrens bis Mitte März und - nach der Gläubigerversammlung - mit der Bestätigung des Vergleichs bis Ende April. Der endgültige Vergleichsvorschlag werde "höchstwahrscheinlich" auch zwei Besserungsscheine enthalten. Nach diesen Überlegungen sollen die Gläubiger, die auf 60 Prozent ihrer Forderungen von rund 2,7 Milliarden Mark verzichten müssen, in den Genuß eines allgemeinen Besserungsscheins für künftige Gewinne des Konzerns kommen. Ein zweiter soll für Sonderausschüttungen bei Stahl "maßgeschneidert" werden. Er käme zum Tragen, wenn höhere Beträge aufgebracht würden als für die Sanierung der Stahltöchter erforderlich sind. Am meisten "bluten" muß der von der gesamten deutschen Wirtschaft getragene Pensions-Sicherungsverein, der für die von den Duisburgern zugesagten Betriebsrenten in Höhe von 600 Millionen geradezustehen hat. Völlig futsch sind wohl die 370 Millionen Mark Strukturhilfen aus Steuergeldern.
Vorwürfe von Thyssen Stahl, Klöckner mißbrauche seinen neuen Status, um durch Preisnachlässe den Absatz anzukurbeln (siehe FR von gestern), bezeichnet von Rohr als "dummes Zeug".
Gemütlicher SPD-Abend MAINTAL. Der SPD-Ortsverein Maintal-Dörnigheim veranstaltet am Samstag, 23. Januar, um 19 Uhr im Lokal "Treffpunkt" einen "Gemütlichen Abend". Dabei sollen auch Jubilare geehrt werden.
"Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, / erwirb es, um es zu besitzen", läßt Deutschlands meistgenutzter Zitatlieferant seinen Faust sagen. Da kann der Herr Waigel aber nur schmerzlich aufheulen. Was die Väter des deutschen Sozialismus ihren Erben hinterlassen haben - uns -, das ist erstens herzlich wenig, zweitens sauteuer und drittens ein Besitz, dessen Erwerb sich nicht so recht lohnt. Es sei denn, er würde verschleudert, was ja auch vorkommen soll. Die Treuhand kann ein Lied davon singen, das Lied vom Schuldenberg, der sich bis Ende nächsten Jahres zu runden 250 Milliarden Gesamtdeutschmark aufgetürmt haben wird.
Soweit das Finanzielle, jetzt zum Verbalen, wenn nicht gar zum Kulturvorbehalt. Denn wer die Begriffe diktiert, der besetzt bekanntlich auch die Inhalte.
Die "Bewältigung der Erblastschulden des Sozialismus" hat sich der Finanzminister aufs Panier geschrieben, und dazu bedürfe es einer "Erblastabgabe". Mal ganz abgesehen davon, daß die Bundesregierung ein gerüttelt Teil zur Erblast selbst beitrug, indem sie, statt etwa mittels Steuern ihre Treuhand zu finanzieren, teures Geld auf dem Kapitalmarkt aufnahm -: Abgesehen von diesem Akt der Selbstenterbung erinnert der Begriff doch verdächtig an einen anderen, der in Deutschland einst gepflegt und noch immer nicht vergessen ist: den "Erbfeind".
Das war einmal der Franzos', über mehrere Kriege hinweg. Als deren letzter verlorenging, da trat der Kommunismus an seine Stelle, hilfsweise flankiert vom Sozialismus. Und der erwies sich nicht nur als Belastung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung auf einem Gebiet, für das die sich zuständig fühlte, das sie aber nicht betreten durfte; nein, er hinterließ auch Lasten, von deren Gewicht sich keiner eine zutreffende Vorstellung gemacht hatte.
Der Sozialismus, der sich des "klassischen Erbes" zu versichern trachtete (freilich erst nach Überwindung langjähriger Berührungsängste), der so manches bereits zum "sozialistischen Erbe" uminterpretierte, was er selbst nicht ansparen konnte: Er wird nun von Minister Waigel vorgeführt als ein Erblasser, der allenfalls ein Erbschleicher war, mit Sicherheit jedoch ein Erbeverschleuderer. Am Ende stand er im Hemd da, ja sogar ganz ohne, worauf das für die Aufräumarbeiten geschaffene "Föderale Konsolidierungskonzept" vom Volkswirtmund flugs mit FKK abgekürzt wurde. Deshalb wurde es in "Föderales Konsolidierungsprogramm" umgetauft. Das macht die Abtragung der Erblast des Erbfeindes keineswegs billiger, jedoch, mit dem Etikett "Erblastabgabe" versehen, irgendwie selbstverständlicher, dringlicher - seufzt hier jemand wohlig? -, unabweislicher. Sozusagen ein Winterhilfswerk für die Frostschäden und Rohrbrüche des Sozialismus.
Weshalb dieser ganze Finanzärger, von etwas höherer Warte und nicht nur beim Geldzählen betrachtet, auch etwas Positives hat. Denn, nicht wahr: Dies alles sind doch auch Beiträge zu einer besonders schönen Leich', zu einer Leichenfeier des Sozialismus. Und die sollten sich liberal- konservative Marktwirtschaftler gern etwas kosten lassen, zumal es sich um Investitionen in die diesbezüglich erbfeindlose Zukunft handelt.
Darum hat sich der bayrisch-humanistisch gebildete Finanzminister vielleicht längst eines Spruchs aus dem Lateinunterricht erinnert und an ihm ergötzt, dem 221. des Publilius Syrus: Heredis fletus sub persona risus est. Auf gut Bonner Deutsch: "Das Weinen des Erben ist ein maskiertes Lachen." HS
cri FRANKFURT A. M. Zur Vermeidung noch größerer sozialer Spannungen muß Bonn einen anderen wohnungspolitischen Kurs einschlagen. Dies fordert der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VSW). Sein Direktor Paul Leo Giani mahnt vor allem eine baldige Anhebung der seit mehr als zehn Jahren nicht korrigierten Einkommensgrenzen im sozialen Wohnungsbau an. Wegen der niedrigen Limits hätten selbst Bevölkerungsgruppen mit bescheidenem Monatsverdienst keinen Anspruch auf eine solche Bleibe. Der soziale Schaden, der durch diese "irreale Vergabepraxis" entstehe, sei noch gar nicht abzuschätzen. Der noch immer bestehende "latente Rechtsruck" stelle dabei nur einen von vielen Faktoren dar.
Die Lösung der "gewaltigen aktuellen" Probleme setzt nach Ansicht von Giani "ein grundsätzliches Umdenken" voraus. Unter anderem müßten die bestehenden wohnungswirtschaftlichen Instrumente auf ihre Tauglichkeit hin überprüft werden. Als "Lichtblick" wertet der Verbandschef die wachsende Bereitschaft in den Ländern zu "flexibleren Regelungen". Beispielhaft sei die Ausgestaltung des vierten Förderweges in Hessen zu nennen. Damit könnten neue Finanzierungsmodelle für die Errichtung von Wohnungen entwickelt werden. Der VSW zählt in Hessen und Rheinland-Pfalz über 200 Mitgliedsfirmen, die mehr als 400 000 Heime bewirtschaften.
Eine Tote auf freier Strecke, ein Mopedfahrer an einem mit Drängelgitter anscheinend gesicherten Übergang, ein Lastwagenfahrer, der seine "Furt" seit Jahr und Tag aus dem "Effeff" kannte, und nun vier Arbeiter, die morgens auf tragische Weise ihr Leben verlieren. Weder an beschrankten oder sonstwie gesicherten Bahnübergängen, noch an lediglich mit Risiko mindern einem Andreaskreuz versehenen Querungen gibt es eine objektive oder absolute Sicherheit.
Die Autofahrer müssen eine besondere Aufmerksamkeit an den Tag legen, wenn sie sich einem Gleiskörper nähern. Ein Lokomotivführer muß noch achtsamer sein als auf seiner gesamten Strecke ohnehin, wenn ein Bahnübergang in Sichtweite kommt.
Vor menschlichem Versagen aber ist niemand gefeit. Deshalb wird es auch in Zukunft Unfälle zwischen Zügen und Autos geben. Ob mit oder ohne Schranke.
Unter- und Überführungen können das Risiko mindern. JOCHEN NOTTROTT
opl NAIROBI, 20. Januar. Kenia hat am Dienstag überraschend angekündigt, eine halbe Million Flüchtlinge aus Somalia, Äthiopien und Sudan "unverzüglich" in ihre Heimatländer zurückschaffen zu wollen. In einer Erklärung gibt das Amt des Staatspräsidenten den Bürgerkriegs- Flüchtlingen die Schuld an der dramatisch angewachsenen Bandenkriminalität im Norden Kenias.
Das UN-Hochkommissiariat für Flüchtlinge (UNHCR) hat hat gegen diese Absicht protestiert. Sie wäre eine kaum vorstellbare humanitäre Tragödie. Bis jetzt gebe es keine Anzeichen für Bandenkriminalität durch Flüchtlinge, sagte am Mittwoch UNHCR-Sprecher Panos Moumtzis in Nairobi.
Nach UN-Statistiken leben derzeit rund 300 000 somalische Flüchtlinge in Nordkenia, ferner 80 000 Äthiopier und 20 000 Sudanesen. Versorgt werden sie fast ausschließlich durch das UN-Flüchtlingswerk und mehrere private Hilfsorganisationen, die Lebensmittel und medizinische Betreuung zur Verfügung stellen.
Tatsächlich ist durch den raschen Zustrom einer halben Million Menschen in die dünn besiedelten Steppenregionen das ökonomische und ökologische Gleichgewicht empfindlich gestört. Die Zahl der Flüchtlinge übertrifft längst die der nomadischen Bewohner. Da sie zum Teil auch ihre Herden mitgebracht haben, sind viele Gebiete überweidet, Wasserreserven versiegen, die Bodenerosion schreitet viel rascher voran als vorher.
Darüber hinaus macht Kenia die Flüchtlinge auch für die zunehmende Unsicherheit verantwortlich: Viele Somalis brächten ihre Waffen mit und überfielen "unschuldige kenianische Bürger". In den letzten Monaten sind neun Polizisten und Armeeangehörige und zahlreiche Zivilisten getötet worden. Auch 53 Überfälle auf die Lager sowie Lebensmitteldepots und Transporte wurden registriert.
Moumtzis nennt es eine "Übertreibung", das Banditentum allein den Flüchtlingen in die Schuhe zu schieben. Viele Überfälle würden auch von Kenianern verübt.
BAD HOMBURG. Auf 24 ist mittlerweile die Zahl der Baufirmen angewachsen, die auf der "Schwarzen Liste" des Bauamts stehen, also von der Stadt Bad Homburg nicht mehr mit Aufträgen bedacht werden, weil sie in den Korruptionsskandal verwickelt sind. Der Magistrat hat in dieser Woche sieben weitere Unternehmen gesperrt.
Dabei handelt es sich um vier Firmen aus der Usinger Moses-Gruppe, darunter die Terra-Bau, um zwei Firmen der Krekel-Gruppe in Weilmünster und um die Baufirma Friedrich Lehr & Söhne aus Schöffengrund, die auch eine Niederlassung in Friedrichsdorf hat. tom
öhl ATHEN, 20. Januar. Im Streit um das Euphrat-Wasser gab es bei zweitägigen Gesprächen, die der türkische Ministerpräsident Süleyman Demirel bis Mittwoch in Damaskus führte, keine Annäherung. Syrien wirft der Türkei vor, sie zweige am Oberlauf des Flusses zuviel Wasser ab. Demirel versicherte dagegen, auch in Zukunft werde niemand in Syrien und Irak Durst leiden. Die türkischen Staudämme am Oberlauf des Flusses seien auch ein "Gewinn" für die Staaten am Unterlauf. Einen Vertrag über das Euphratwasser lehnte Demirel ab.
Eine Annäherung zwischen Ankara und Damaskus scheint es dagegen in der Kurdenfrage zu geben. Staatschef Hafiz al-Assad habe ihm zugesichert, die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK habe "keine Aussicht, in Syrien zu gedeihen", berichtete Demirel. PKK-Guerillakämpfer, die früher Ausbildungslager in Syrien und im syrisch kontrollierten Bekaa- Tal des Libanon unterhielten, habe man vertrieben, sagte Assad laut Demirel.
BUND sattelt auf Rohstoff Kork um Gebietsverband "Unteres Kinzigtal stellt langjährige Aluminiumsammlung ein
RODENBACH / MAIN-KINZIG-KREIS. Der BUND "Unteres Kinzigtal" stellt seine langjährige Aluminiumsammlung ein. Grund dafür ist die flächendeckende Einführung des Gelben Sackes durch das Duale System im Main-Kinzig-Kreis. Da Aluminium ab sofort in die Plastiktüten des DSD wandert, sattelt der BUND auf den Rohstoff Kork um. Der Umweltverband hofft damit ähnliche Erfolge zu erzielen wie bei der Leichtmetallsammlung, bei der immerhin in sechs Jahren über sechs Tonnen Aluminium zusammenkamen. Gegenüber dem Dualen System und der Auszeichnung von Produkten mit dem grünen Punkt bleibt der BUND skeptisch. Er weist erneut daraufhin, daß Verpackungen mit dem Punkt nicht umweltgerecht oder umweltschonend seien. Die Auszeichnung bedeute lediglich, daß der Hersteller eine Lizenzgebühr für die Sammlung und Sortierung der Verpakkung bezahlt habe. Umweltgerecht sei daher nicht das Sammeln dieser Verpakkungen, sondern weiterhin die Müllvermeidung. Trotz seiner kritischen Haltung gegenüber dem gelben Sack bittet der BUND- Gebietsverband die Bürger darum, nicht länger Aluminium an den gewohnten Sammelstellen abzugeben. Der BUND will sich jetzt verstärkt auf den Rohstoff Kork konzentrieren, der bislang noch nicht getrennt gesammelt wird.
Zusammen mit der Stadt Langenselbold möchte der Gebietsverband in den Gemeinde des unteren Kinzigtales Kork für die Wiederverwertung als Dämmstoff sammeln. Angenommen werden Flaschenkorken, Pinnwände, Untersetzer aus Kork sowie Fußbodenplatten oder Tapetenreste. Darauf geachtet werden sollte, daß die Korkprodukte keine Metall-, Holz- oder Klebstoffreste enthalten.
Von den zentralen Sammelstellen, die die gleichen sind wie schon beim Aluminium, wird der Kork dann zum Langenselbolder Bauhof gebracht, wo er von der Schweinfurter Kork GmbH abgeholt wird. Die verwandelt ihn mittels neuer technischer Verfahren in Granulat, das als Schüttgut für die Hohlraumdämmung verwandt wird. Ein ökologischer Baustoff, wie der BUND versichert.
Bislang wird dieser Rohstoff hauptsächlich in Spanien, Portugal und Nordwestafrika gewonnen. Doch die Korkeichrinde kann erst ab dem 25. Lebensjahr des Baumes gewonnen werden und auch dann nur in einem Ernteabstand von acht bis zwölf Jahren. Durch die Sammlung des Naturstoffes lasse sich nicht nur der Abfall wiederverwerten, so der BUND, sondern könne auch das häufige Schälen der Bäume und die damit verbundenes Beeinträchtigung des Ökosystems vermieden werden.
Folgende Sammelstellen nehmen in den Gemeinden Kork an: Rodenbach: Bettina Klose-Asbach, In den Krehlwiesen 7 B, Felix Müller-Heydenreich, Buchbergstraße 6, und Norbert Robok, Landwehr 16. Langenselbold: Der kleine Laden, Buchbergblick 37; Das Lädchen, Bremegasse 5, sowie der Kellerladen, Bonifatiusstraße 4. In Neuberg-Rüdigheim sammelt Biotopia, Mittelgasse 9, in Freigericht unter anderem Koch und Huth, Burgstraße 1, und in Hammersbach-Langenbergheim die Gärtnerei Wolf, Am Seedamm 4. Weitere Sammelstellen gibt es in Hasselroth und Ronneburg. Gesammelt wird jeden ersten Samstag im Monat von 10 bis 12 Uhr. Der Bauhof in Langenselbold nimmt freitags von 14.30 bis 17 Uhr sowie samstags von 9 bis 12 Uhr Kork an. alu
MICHELSTADT. Bei einer Razzia in der Odenwald-Stadt hob die Polizei ein illegales Spielkasino aus. Nach Angaben der Polizeidirektion Erbach wurden 20 Personen in der Spielhölle angetroffen, die lediglich eine Konzession für Automatenspiele und Billard hat. Einige der Gäste wurden beim Roulettespiel mit Jetons ertappt, die an der Kasse erworben worden waren.
Die Spieler waren beim Eintreffen der Schutz- und Kriminalpolizei noch von einer Aufsicht des Etablissements mit einer Alarmglocke gewarnt worden. Der Kasinobetreiber und die beiden Croupiers wurden vorübergehend festgenommen. Die Polizei beschlagnahmte zwei Roulettetische, einen Black-Jack-Tisch, zwei Spielkessel und die Kasse.
Bereits im Mai 1992 waren die Ordnungshüter am selben Ort fündig geworden, weil ein genehmigtes Kugelbeobachtungsspiel zu einem illegalen Roulettespiel abgeändert worden war - es wurde wie in einer staatlichen Spielbank ohne Höchstgrenze beim Geldeinsatz gespielt. Die Croupiers hielten die Bank und strichen sämtliche Verluste der Gäste ein. Deshalb läuft bei der Staatsanwaltschaft noch ein Ermittlungsverfahren. feu
Auf einen Blick
Seite II Französisch als erste Fremdsprache: Ein neues Angebot der Wolfgang- Ernst-Schule in Büdingen. Seite III Bitte warten . . . In Bad Vilbel wurde Behinderten-Telefonzelle vor Monaten abgebaut und bislang nicht ersetzt. Seite IV Kulturspiegel: "Faks", ein Zwei- Männer-Unternehmen in Friedberg, organisiert Veranstaltungen aller Art.
KRONBERG. Der Herr um die 50 hat sich so langsam in Fahrt geredet: "Die Grünen sind mittlerweile selbst etabliert. Von den anderen gar nicht zu sprechen. Und der Fischer - der wird nur immer dicker. Außerdem sind alle Politiker sowieso Verbrecher!" Auch wenn es sich nicht so anhört, der Mann mit dem distinguierten Aussehen fordert gerade einen Schüler auf, doch Politiker zu werden. Und die anderen, die da im Kronberger "Adler" zusammensitzen, stimmen ihm zumindest in einem Punkt zu: "Politik", sagt einer aus der Runde, "nervt."
Deshalb werden sie jetzt eine politische Partei gründen: die "Wähler-Initiative Enthaltung", die unter dem sinnigen Kürzel WIE am 7. März gerne in die Kronberger Stadtverordnetenversammlung einziehen würde. Einzige Daseinszweck von WIE wäre, durch ihre bloße Anwesenheit im Parlament die Politiker an die Politikverdrossenheit zu erinnern.
Doch vor dem WIE muß erst mal das Ob klar sein. Sieben Kronberger, so will es das Wahlstatut, müssen die Gründungsurkunde unterzeichnen. Und die sind nicht da. Zwei fehlen, obwohl sie ihr Kommen fest zugesagt haben. "Das ist diese Trägheit", weiß Initiator Thomas Nast: "viele interessieren sich, aber nur wenige engagieren sich." Irgendeinen Zusammenhang mit dem eigenen Verweigerungs-Programm leugnet der Schüler entschieden: "Durch uns können die Wähler Proteststimmen abgeben, ohne daß die Republikaner davon profitieren."
Um genügend Unterschriften für Gründung zu haben, telefoniert Nast Freunde herbei. "Klar unterstützen wir den Thomas", sagt einer. Aber ob er auch WIE wählen wird? "Na ja, vielleicht . . ." mak
sch FRANKFURT A. M. Viele ausländische Geldhäuser werden Form und Umfang ihres Engagements hierzulande im Rahmen eines Europakonzeptes überdenken. Dies sagt Hans-Georg Engel voraus, Vorsitzender des Verbandes der Auslandsbanken in Deutschland. Die Institute würden dabei die neuen EG-Regelungen der Niederlassungsfreiheit ("europäischer Paß") und grenzüberschreitender Dienstleistungen nutzen. Dies könne zu einer Zentralisierung einzelner Geschäftsfelder in der Bundesrepublik, aber auch in anderen Ländern der Gemeinschaft führen. Ob letztlich die Zahl der hierzulande vertretenen Häuser von jenseits der Grenzen steigt oder sinkt, macht Engel auch davon abhängig, was sich bei den Regeln für den hiesigen Finanzmarkt und der Besteuerung konkret tut.
Die bisherigen Änderungen hätten den Finanzplatz Deutschland per saldo gestärkt, meint der Verband, dessen Forderungskatalog denn auch kürzer wurde. So begrüßt die Lobby etwa, daß auch Niederlassungen ausländischer Häuser zur Konsortialführung bei DM-Auslandsanleihen zugelassen wurden, und lobt die Deutsche Börse AG als "Grundstein für einen modernen internationalen Wertpapier- und Terminbörsenplatz". Die Organisation mahnt aber erneut ein Wertpapieraufsichtsamt an, das personell praxisnah ausgestattet werden und seinen Sitz in Frankfurt haben sollte. Überzeugende gesetzliche Insiderregeln seien erforderlich. Auf der Wunschliste steht ferner noch die Beseitigung von "Hemmnissen" im deutschen Finanzmarkt (Mindestreserven, Verbot von Geldmarktfonds, Vorbehalte gegen Verwendung von Ecu und Fremdwährungen). Als Pluspunkte für den hiesigen Platz führt Engel andererseits politische Stabilität sowie Bedeutung von Wirtschaft und Währung an.
Kein Verständnis hat Engel, Mitglied der Geschäftsleitung der US-Bank J. P. Morgan in Deutschland, dafür, daß die Auslandsbanken nicht in den Aufsichtsrat der Deutsche Börse AG aufgenommen wurden, obwohl sie zehn Prozent des Kapitals halten. "Eher störend" im Markt wirke sich das Zinsabschlaggesetz aus. Nicht zufrieden ist er mit dem Fiskus. Bereits jetzt würden Zweigniederlassungen von Banken hierzulande viel höher besteuert als in anderen europäischen Staaten. Neues Ungemach wittert er im Entwurf des Standortsicherungsgesetzes, das für ausländische Institute Regelungen enthalte, die zu einer erheblichen Mehrbelastung bei rechtlich selbständigen Tochterbanken führen würde.
Die Zahl der Auslandsbanken gibt der Verband mit inzwischen 180 an. Das Geschäftsvolumen betrug Ende 1991 rund 285 Milliarden Mark. Die Beschäftigtenzahl wuchs um 1000 auf 20 800.
Die Rationalisierungsmaßnahmen in der Industrie treffen nach Angaben der Industriegewerkschaft Metall (IGM) vor allem ausländische Frauen. Als an- und ungelernte Arbeiterinnen sind ihre Aussichten, eine neue Beschäftigung zu finden, gering. In der jetzt vorgelegten Broschüre "Die ,vergessenen&rquote; Arbeitsplätze" weisen die Autorinnen Elge Wörner und Monika Hohlung darauf hin, daß eine ganze Bevölkerungsgruppe "an den Rand der Gesellschaft und aus den Betrieben" gedrängt werden soll. Kernstück der Broschüre ist eine Fragebogenaktion, an der sich über 100 Arbeiterinnen beteiligten.
"Wenn ich hier abends rausgehe, dann habe ich kein Gefühl mehr. Ich fühle mich leer", schrieb eine 45 Jahre alte Akkordarbeiterin, die wie die meisten anderen Kolleginnen den vorgegebenen Akkordsatz täglich um 30 bis 40 Prozent überschreitet. Als Ursache für diesen "Übereifer" nennt die Broschüre vor allem die niedrigen Ausgangslöhne in den unteren Lohngruppen - der durchschnittliche Nettolohn der befragten Frauen liegt bei 1600 Mark netto im Monat - aber auch die Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes.
Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt sehen die Frauen "realistisch": Knapp die Hälfte der 104 Befragten geht davon aus, daß sie im Raum Frankfurt einen anderen Arbeitsplatz nicht bekommen wird, weil sie keine Ausbildung vorweisen kann, zu alt ist oder zu schlecht deutsch spricht.
Die Rationalisierungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren seien "nicht reibungslos und nicht in allen Betrieben gleichzeitig" verlaufen, erläutern die Autorinnen. Deshalb habe die Möglichkeit bestanden, zum Beispiel von VDO zu Sterling oder zu Schöller zu wechseln. Derzeit werde eine Strukturveränderung nach "japanischem Muster" angestrebt mit "Stammbelegschaften, die nur noch ein Drittel der Beschäftigten umfassen sollen. Diese Stammbelegschaften seien "(fast) ausschließlich männlich", während sich Frauen in der sogenannten "Randbelegschaft" mit Teilzeitarbeit und befristeten Verträgen zufriedengeben müßten.
Die Fragebogen machen deutlich, daß die meisten Frauen unter großen körperlichen Belastungen und gesundheitlichen Beschwerden leiden. Dennoch streben nur wenige einen anderen, besseren Arbeitsplatz an. "Stückzahlen und der Takt der Maschine gewährleisten eine feste unumstößliche Ordnung, die eben auch die innere Ordnung gewährleistet und persönlich entlastend wirken kann", vermuten die Autorinnen. Sie stellen nicht nur eine mangelnde Bereitschaft zur Fort- und Weiterbildung bei den Frauen fest, sondern kritisieren auch ein zu geringes Angebot in den Betrieben für diesen Personenkreis. Wie berichtet, versucht das Frauenreferat seit kurzem zusammen mit dem Arbeitsamt eigene Umschulungsprogramme auf die Beine zu stellen. In der Adalbertstraße 18 wurde eine erste Anlaufstelle für an- und ungelernte Arbeiterinnen geschaffen, die sich beruflich umorientieren wollen.
82 der 104 befragten Frauen sind Ausländerinnen, von denen die meisten seit etwa zwanzig Jahren in Deutschland leben. Viele von ihnen waren, obwohl sie Kinder haben, ohne Unterbrechung erwerbstätig. Man dürfe diese Frauen nicht ihrem Schicksal überlassen, fordern die Autorinnen. ft
HEUSENSTAMM. Die Kuh scheint vom Eis zu sein. Im Jugendausschuß der Stadtverordnetenversammlung erklärten sich jetzt die Jugendlichen, die das Bistro in St. Cäcilia bis zur Kündigung der Räume zum Jahresende eigenverantwortlich betrieben hatten, bereit, das Bistro im städtischen Jugendzentrum unter der Leitung der städtischen Jugendpflege weiterzuführen. Weitgehende Selbständigkeit unter lockerer Führung der Jugendpflege, so faßte Bürgermeister Josef Eckstein (CDU) nach einigen Irritationen zusammen.
Zuvor hatte es etwas Mühe gemacht, von den anwesenden Jugendlichen eine klare Stellungnahme zu bekommen. Der FDP-Stadtverordnete Heinz Willi Ziegler überraschte seine Ausschußkollegen mit der Mitteilung, die Jugendlichen hätten tags zuvor bei einem Gespräch mit FDP- Vertretern die ihnen von Eckstein vorgelegte Nutzungsverordnung für ein selbstverwaltetes Jugendbistro im Jugendzentrum unterschrieben. Eckstein hatte den Jugendlichen eine Frist bis zum 4. Januar gesetzt, dies zu tun, wartete aber vergeblich darauf.
Dem entgegengesetzt berichtete der städtische Jugendpfleger Richard Eder, Anfang des Jahres seien zahlreiche ehemalige Bistro-Besucher und -Betreiber bei ihm im Jugendzentrum aufgetaucht. Sie hätten mittlerweile eingewilligt, daß das Jugendcafé letztlich nicht eigenständig, sondern unter der Verantwortung der Jugendpflege dort fortgeführt werden sollte.
Soll es jetzt ein selbstverwaltetes Jugendbistro geben oder eines, bei dem die Stadt die Trägerschaft und damit die Verantwortung übernimmt? wollte daraufhin der Bürgermeister wissen. Unabhängigkeit von der Stadt, gleichzeitig gepaart mit der Ablehnung, Verantwortung zu übernehmen, sei nicht denkbar.
Markus Wolf vom Gremium des Jugendbistros beschied, "wir wollen beides verknüpfen, wir wollen mit der Stadt zusammenarbeiten, aber auch ein Stück Selbstverantwortung tragen". Eder hatte zuvor als Linie beschrieben, unter seiner lockeren Führung solle die Basis für eine eigenständige Arbeit der Bistroleute geschaffen werden. Er kritisierte dabei, ohne Namen zu nennen, "Erwachsene", die gegen das Jugendzentrum intrigiert und bei den Jugendlichen ein falsches Bild von der städtischen Einrichtung vermittelt hätten. Diese Erwachsenen hätten die Jugendlichen mißbraucht und ihnen ihr Denken übergestülpt und damit deren eigenständiges Handeln verhindert. Marita Wolf, eine der Mütter, die sich im Bistro in St. Cäcilia stark engagiert hatten, fühlte sich betroffen, erklärte jedoch dazu: "Ich habe breite Schultern."
Im Sommer hatten es viele Jugendliche aus dem Bistro noch abgelehnt, ins JUZ umzuziehen. Es habe einen miserablen Ruf, hieß es damals. pmü
Notdienste
Apotheken Bad Homburg/Friedrichsdorf. Liebig- Apotheke, Bad Homburg, Graf-Stauffenberg-Ring 3; Rosen-Apotheke, Ober-Erlenbach, Wetterauer Str. 3 a, und Daniel- Apotheke, Köppern, Köpperner Str. 70.
Oberursel/Steinbach. Apotheke am Holzweg, Oberursel, Holzweg 13.
Usinger Land. Adler-Apotheke, Usingen, Obergasse 13.
Kronberg/Königstein. Rats-Apotheke, Oberhöchstadt, Borngasse 2; Glaskopf- Apotheke, Glashütten, Limburger Str. 29.
BIEBESHEIM. Zu einem "Schnittkurs für Hochstämme" lädt für Samstag, 23. Januar, 9.30 Uhr, der Obst- und Gartenbauverein 1893 in seine Streuobstanlage ein. Treffpunkt ist der "Neue Weg" am Heegstücksee. Fachkundige Tips gibt diesmal Otto Neeb. Der Obst- und Gartenbauverein besitzt seit 1979 eine Streuobstanlage. Deren Bedeutung ist nach Auskunft des Vereins vor dem Hintergrund gewachsener Sensibilität für Naturschutz und Landschaftspflege stetig gewachsen. Der Baumschnitt von Altobstanlage bedarf besonderer Unterweisung. In der Biebesheimer Gemarkung gibt es eine Reihe solcher Bestände. cas
he STUTTGART, 20. Januar. Die Industriegewerkschaft Metall hat entgegen ihrer früheren Haltung nun der Sonntagsarbeit bei der Chip-Fertigung zugestimmt. Anlaß für die Kurskorrektur bot das massive Drängen der Firma Bosch, in Reutlingen eine Halbleiter-Produktionsstätte mit 300 Arbeitsplätzen und sogenannter Konti-Schicht einzurichten. Andernfalls will das Unternehmen die Produktion ins Ausland, wahrscheinlich nach Schottland, vergeben.
Der Reutlinger IG-Metall-Bevöllmächtigte Jürgen Röder sagte, bei einem Nein des Betriebsrats hätte das ganze Mikro- Elektronik-Zentrum von Bosch in Reutlingen mit tausend Arbeitsplätzen auf dem Spiel gestanden. Zugleich räumte er ein, daß die Fertigung der hochempfindlichen Chips in sogenannten Feinsträumen "technischen Zwängen" unterworfen sei und "daß es nicht mehr geht, sie in der Fünf-Tage-Woche herzustellen".
Donnerstag, 21. Januar
Theater Schauspiel Frankfurt, Theaterplatz, Tel. 212 37 444: Schauspielhaus: 19.30 Uhr, "Der Kaufmann von Venedig"; Kammerspiel: 19.30 Uhr, "Glückliche Tage".
Rémond Theater, Alfred-Brehm-Platz 16, Tel. 43 51 66: 20 Uhr, "Sturmwarnung" (Premiere).
Die Komödie, Neue Mainzer Str. 18, Tel. 28 45 80: 20.15 Uhr, "Hier kocht der Chef".
Frankfurter Volkstheater, Gr. Hirschgraben, Tel. 28 85 98: 20 Uhr, "Stelldichein im Tivoli".
Die Schmiere, Seckbächer Gasse, im Karmeliterkloster, Tel. 28 10 66: 20.30 Uhr, "Schmiere - Spezial."
Goethe Theater, Leipziger Str. 36, Tel. 70 88 44, 62 55 30: 20.30 Uhr, "Das letzte Band".
Kabarett Die Maininger, Neue Rothofstr. 26 a, Tel. 28 02 27: 20.30 Uhr, "Kassa blanka - und schweigende Lämmer".
Die Katakombe, Pfingstweidstr. 2, Tel. 49 17 25: 20 Uhr, "Die Dreigroschenoper".
Gallustheater, Kriftler Str. 55, Tel. 738 00 37: 20 Uhr, Doris Batzler - "Undine geht".
English Theater, Kaiserstr. 52, Tel. 24 23 16 20: 20 Uhr, "The Boy Friend".
Mousonturm, Waldschmidtstr. 4, Tel. 40 58 95 - 20: 20 Uhr, Matthias Beltz - "Füße im Feuer".
Theater am Turm, Eschersheimer Landstr. 2, Tel. 15 45 110: 20 Uhr, Achim Freyer - "Liebe von Kopf bis konfus".
Kommunales Kinder- & Jugendtheater, Volksbildungsheim am Eschenheimer Tor, Telefon 59 83 43: 10.30 & 15 Uhr, "Ikarus".
Neues Theater Höchst, Emmerich- Josef-Str. 46 a, Tel. 30 30 90: 20 Uhr, Peter Spielbauer - "Wenn die Sonne scheint, scheint die Sonne zu scheinen".
Theaterhaus, Schützenstr. 12, Tel. 299 861 10: 20 Uhr, Theater Grüne Sosse - "Fräulein Julie".
Theater für Kinder am Zoo, Pfingstweidstr. 2, Tel. 49 17 25: 10 Uhr, "Cinderella". TIB-Studiobühne, Bornheimer Landwehr 35, Tel. 4 93 05 03: 20.30 Uhr, "Aysche und Richard" (Premiere).
Hessischer Rundfunk, Foyer, Bertramstr. 8: 10 & 14 Uhr, Augsburger Puppenkiste. Café Cult, Schillerpassage, Rahmhofstr. 2-4, Tel. 92 00 61 - 23: 20 Uhr, Festival der Magie.
Freies Schauspiel Ensemble: 20.30 Uhr, "Die Freuden der Liebe, sie dauern nur ein Hui".
Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20, Tel. 28 96 91: 20 & 23.30 Uhr, Internationale Weihnachtsrevue. Musik Oper, Theaterplatz, Tel. 23 60 61: 19.30 Uhr, "Carmen".
Alte Oper, Opernplatz, Tel. 13 40 400: Großer Saal: 20 Uhr, Württembergisches Kammerorchester.
Batschkapp, Maybachstr. 24: 20 Uhr, Giant Sand feat. Chris Cacavas/Cropdusters. Sinkkasten, Brönnerstr. 5: 21 Uhr, Disco. Jazzkeller, Kl. Bockenheiemer Landstr. 18 a: 21.30 Uhr, The Nat Adderley Quintett. Jazzlife Podium, Kl. Rittergasse 22-26: 19.30 Uhr, Stateside Band.
Brotfabrik, Bachmannstr. 2-4: 21 Uhr, Zig Zag.
Irish Pub, Kl. Rittergasse 11: 21 Uhr, John Morrell.
Werkstatt, Gr. Rittergasse 106: 20 Uhr, Third Man Lost.
Spritzenhaus, Kl. Rittergasse 41-43: 21 Uhr, Phantamor.
Al Andalus, Affentorhaus 1: 19 Uhr, Live Guitarra mit Salvator Lastra.
Jazzkneipe, Berliner Str.: 22 Uhr, Piano George.
Institut Français: 18 Uhr, Musik- & Lyrikabend "Heinrich Heine"; Commerzbank, Neue Mainzer Str. 32-36.
Palast-Bar im Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20, Tel. 92 00 22 - 92: 22 bis 3 Uhr, Show-Time - Joan Faulkner und Chicago Blues Busters.
Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie, Schaumainkai 63, Tel. 6 05 09 80: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Führungen Mi., 18.30 Uhr, Sa./ So., 11 Uhr; Graphische Sammlung; Anselm Kiefer "Über Räume und Völker" (bis Frühjahr 1993); Stephan Balkenhol "Skulpturen im Städelgarten" (bis Frühjahr 1993).
Städelschule Frankfurt, Dürerstr. 10, Tel. 60 50 08 - 0: Mo. bis Sa., 6 bis 21 Uhr, So. geschlossen; Ausstellung der Klasse Jochims (bis 6. 2.).
Museum für Moderne Kunst, Domstraße 10, Tel. 212 304 47: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, Sa., 12 bis 19 Uhr; Zeitgenössische Kunst von 1960 bis heute; Martin Honert - "Installation - Brachland: Feuer-Star-Bahnhäuschen" (bis 16. 5. 93); Szenenwechsel "7 neue Räume - Balkenhol (bis 14. 2), Flinzer, Artschwager/Nauman/Ruscha/Trockel (bis 2. 11.), Manfred Stumpf - "Die Attrappe" (bis 26. 5.).
Senckenbergmuseum, Senckenberganlage 25, Tel. 7 54 20: Mo., Di., Do., Fr., 9 bis 17 Uhr; Mi., 9 bis 20 Uhr; Sa./So., 9 bis 18 Uhr; Führungen So., 10.30 Uhr, Mi., 18 Uhr; Dauerausstellungen "Urpferdchen und Krokodile - Messel vor 50 Millionen Jahren"; "Fossilien aus Libanon"; "Achate"; "Weg zur Unsterblichkeit - Mumien und Mumifizierung im alten Ägypten".
Historisches Museum, Saalgasse 19, Tel. 2 12 - 3 55 99: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Bibliothek: z. Z., geschlossen; Graphische Sammlung: Di. bis Do., 10 bis 13 Uhr; Führungen: Mi., 18 Uhr, So., 14 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. 2 12 - 34 611; Dauerausstellungen Altstadtmodell, -grabung, Saalhofkapelle, Frankfurter Fayencen, Frankfurter Ratssilber, Goldschmiedewerkstatt, bürgerliche Sammlungen des 18. Jh.; Historische Dokumentation 16.-18. Jahrhundert; Sonderausstellungen: "Anne aus Frankfurt" (bis auf weiteres); Sonderausstellung "Tony Sender 1888-1964 - Rebellin, Demokratin, Weltbürgerin" (bis 31. 1.); Kindermuseum: Lieblingsstücke aus Kinderhand (bis Ende 92); Malwettbewerb "Komm wir reißen Zäune ein" (bis 24. 1.); Frankfurter Äpfelweinmuseum, Gaststätte "Historix" im Historischen Museum: regelmäßige Führungen, Mi., 18 Uhr, an Wochenenden nach Vereinbarung, Anmeldung Tel. 212 - 3 77 73.
Münzkabinett, Saalgasse 19: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Glaspasten, geschnittene Steine, Arabische Münzgewichte, Münzen der Kelten, Münzen der römischen Kaiser in Alexandrien.
Liebieghaus, Museum alter Plastik, Schaumainkai 71, Tel. 2 12 - 3 86 17: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 b. 20 Uhr; Führungen So., 11 Uhr.
Museum für Kunsthandwerk, Schaumainkai 17, Tel. 2 12 - 3 40 37: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; allgemeine Führungen, So., 11 Uhr; Dauerausstellungen: I. Europäisches Kunsthandwerk, II. Kunst und Kunsthandwerk Ostasiens, III. Islamisches Kunsthandwerk, IV. Buchkunst und Graphik 14. bis 20. Jahrhundert, V. Russische Ikonen vom 18. bis 20. Jahrhundert; Sonderausstellung "Hell & Spar. Gestaltung von Energiesparleuchten" (bis 14. 2.).
Deutsches Filmmuseum, Schaumainkai 41, Tel. 212 - 3 88 30: Bibliothek, Di. bis Fr., 13 bis 17 Uhr; Mi. bis 19 Uhr, geöffnet; Dauerausstellungen I und II, Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi. bis 20 Uhr, Sonderausstellung "Sergej Eisenstein im Kontext der russischen Avantgarde 1920-1925" (bis 28. 2.).
Deutsches Architektur-Museum, Schaumainkai 43, Tel. 212 - 3 84 71: Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Führungen So., 11 Uhr, Mi., 18 Uhr, Gruppenführungen nach Absprache; Sonderausstellung "The Gate of the Present - 25 zeitgenössische Torentwürfe aus Lego Bausteinen" (bis 14. 2.); Sonderausstellung II "Peter Eisenman "Entwurfkonzept: Folding in Time - Wohn- & Gewerbepark am Rebstockgelände" (bis 31. 1).
Ikonen-Museum im Deutschordenshaus, Brückenstraße 3-7: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi. bis 20 Uhr.
Jüdisches Museum, Untermainkai 14-15, Tel. 212 - 3 50 00: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi., 10 bis 20 Uhr; Führungen: Mi., 18 Uhr, So., 14 Uhr in der Dauer- sowie Mi., 17 Uhr, So., 15 Uhr, in der Sonderausstellung; Dauerausstellung "Jüdisches Leben"; "Historische Ausstellung I (1100-1800) und II (1800-1950); Sonderausstellung "Zedaka: Jüdische Sozialarbeit im Wandel der Zeit. 75 Jahre Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland" (bis 28. 2.).
Museum Judengassse, Börneplatz: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr, Dauerausstellung "Die Frankfurter Judengasse: Fundamente - Geschichte - Alltagsleben"; Sonderausstellung "Stationen des Vergessens - Der Börneplatzkonflikt". Museum für Vor- und Frühgeschichte, im Karmeliterkloster, Karmelitergasse/ Ecke Alte Mainzer Gasse, Tel. 212 - 3 58 96: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Dauerausstellung; "Mensch und Natur in der Jungsteinzeit" - Tastausstellung für Blinde & Sehbehinderte (geöffnet nach tel. Vereinbarung: 212 - 3 58 95; bis 30. 6.94).
Museum für Völkerkunde, Schaumainkai 29: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, "Mythos Maske - Ideen, Menschen, Weltbilder" (bis Ende 94).
Deutsches Postmuseum, Schaumainkai 53, Tel. 6 06 00: Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Sonderausstellung "Zeit der Postkutschen" (bis 21. 2.).
Goethehaus und Goethemuseum, Großer Hirschgraben 23, Telefon 28 28 24: Mo. bis Sa., 9 bis 17.30 Uhr, So., 10 bis 13 Uhr; Führungen werktags um 10.30 und 14 Uhr, So., 10.30 Uhr; Kabinettausstellung "Neues aus den Sammlungen des Frankfurter Goethe-Museums" (bis auf weiteres); Sonderausstellung "Goethes Vater reist in Italien" (bis 14. 2.).
Stoltzemuseum, Töngesgasse 34-36, Tel. 21 70 - 22 66: Mo. bis Fr., 9.30 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Dauerausstellungen "Friedrich Stoltze als Zeitzeuge des 19. Jahrhunderts" und "Leben und Werk des Mundartautors und Satirikers Friedrich Stoltze; Sonderausstellung "Kaspers lustige Streiche oder Friedrich Stoltze für kleine und große Kinder" (bis 31. 3.).
Steinhausen-Museum, Wolfsgangstr. 152: Ausstellung "Rose Steinhausen - Ein Leben für das Werk des Vaters".
Stadtwerke Verkehrsmuseum, Schwanheim, Rheinlandstraße, Tel. 2 13 -2 62 09: Sa., So. und feiertags, 10 bis 18 Uhr, Führungen nach tel. Vereinb.; ständige Ausstellung "Von der Pferdebahn zur U- Bahn".
Frankfurter Feldbahnmuseum, Am Römerhof 15 a, Tel. 70 92 92: jeden ersten So. im Monat, 14 bis 17 Uhr.
Heinrich-Hoffmann-Museum, Schubertstraße 20, Tel. 74 79 69: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; "Struwwelpeter aus aller Welt, Bilder, Dokumente, Bücher"; Sonderausstellung "Von Struwwelhitler bis Punkerpeter" (bis auf weiteres); "Struwwelpeter mit italienischen Augen gesehen"; "Struwwelpeter trifft Max und Moritz".
Struwwelpetermuseum, Sammlung der Originale Dr. Heinrich Hoffmanns, Hochstraße 45-47, Tel. 28 13 33: täglich außer Mo., 11 bis 17 Uhr, Mi. 11 bis 20 Uhr.
Dommuseum, Am Domplatz, Tel. 29 07 87: Di. bis Fr., 10 bis 17 Uhr, Sa., So., Feiertag, 11 bis 17 Uhr; Dom-Führungen täglich, 15 Uhr; Museumsführungen Di. bis Fr., 11 Uhr; Ausstellung kostbarster und schönster liturgischer Geräte und Paramente des früheren Stifts und der heutigen Stadtpfarrei St. Bartholomäus; Modelle, Grundrisse und Reproduktionen über die Baugeschichte der Kirche und Krönungen im Frankfurter Kaiserdom im Kreuzgang der Domkirche; Franziska Lenz-Gerharz - Plastiken (bis 31. 1.).
Uhren- und Schmuckmuseum im Glockenspielhaus, Höchst, Hostatostraße 3, Tel. 30 30 30: jeden ersten Samstag im Monat von 10 bis 16 Uhr, und nach Vereinbarung; Ausstellung wertvoller Exponate, die die geschichtliche und technische Entwicklung aufzeigen.
Museum für Höchster Geschichte und Firmenmuseum der Hoechst AG, Höchster Schloßplatz, Tel. 30 32 49: täglich, 10 bis 16 Uhr.
Heimatmuseum Bergen-Enkheim, Altes Rathaus, Marktstraße, Tel. 3 23 44: So., 15 bis 18 Uhr, Do., 20 bis 21.30 Uhr; Ortsgeschichte, Römerzeit, Vor- und Frühgeschichte, volkskundliche Abteilung, Naturgeschichte, Erdgeschichte.
Heimatmuseum Schwanheim, Wilhelm-Kobelt-Haus, Alt-Schwanheim 6, Tel. 35 60 07: So., 10 bis 12 Uhr (oder nach tel. Vereinbarung mit Erwin Schneider).
Heimatmuseum Nied, Beunestraße 9 a: So., 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung.
Chaplin-Archiv, Klarastr. 5: Fr., 17 bis 19 Uhr.
Radio-Museum, Bornheimer Landstraße 20, Tel. 43 84 53: Mo. bis Fr., 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung; Komplette Rundfunkgeschichte von 1923 bis in die späten 70er Jahre. Dokumente von 50 Jahren Mediengeschichte.
Zeppelin-Museum, Kapitän-Lehmann- Straße 2, Zeppelinheim, Tel. 69 43 90: Fr. bis So. und feiertags, 9 bis 17 Uhr, Di. bis Do., für Gruppen nach Anmeldung.
Schirn Kunsthalle, Am Römerberg: Mo., 14 bis 18 Uhr, Di. bis Fr., 10 bis 22 Uhr, Sa./So., feiertags 10 bis 19 Uhr, Allgemeine Führungen Di., 11 Uhr, u. Di./ Do., 19 Uhr, Gabriele Münter 1877-1962 (bis 14. 2.); Edward Hopper 1882-1967 - Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen & Graphiken (bis 14. 2.).
Portikus, Schöne Aussicht 2: Di. bis So., 11 bis 18 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, Jean-Frederic Schnyder - "Landschaft" (bis 21. 2.).
Förderverein Schöneres Frankfurt: 15 Arbeiten zeitgenössischer Künstler im Stadtgebiet; Info bei der Bürgerinformation am Römerberg.
Galerie Ulrich Gering, Textorstr. 91, Tel. 62 51 16: Di. bis Fr., 14 bis 18.30 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, Henri Vnadermoere - Malerei (bis 22. 1.).
Galerie Nikolaus Fischer, Braubachstr. 32, Tel. 29 24 47: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, "Die 20er und 30er Jahre - Arbeiten auf Papier" (bis 30. 1.).
Galerie Huber-Nising, Saalgasse 6, Tel. 202 13: Di., 14 bis 18.30 Uhr, Mi. bis Fr., 11 bis 18.30 Uhr, Sa, 10 bis 14 Uhr, Horst Antes - "Häuser - Daten - T-Shirts" (bis 30. 1.).
Galerie Paul Sties, Braubachstr. 12, Tel. 29 39 03: Zdenek Sykora (bis 31. 1.).
Büchergilde Gutenberg, Ladengalerie, BFG-Haus, Theaterplatz, Tel. 23 68 80: Mo. bis Fr., 9.30 bis 18.30 Uhr, Sa., 9.30 bis 14 Uhr, Christa Biederbick - Kleinskulpturen (bis 31. 1.).
Galerie Frank Hänel, Braubachstr. 26, Tel. 29 46 64: Di. bis Fr., 12 bis 18 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, Harald Gallasch - Neue Arbeiten (bis 31. 1.); Ausstellungshalle Nordenstr. 23: nach Vereinb., Lisa Brice, Michael Hattingh, Kwun Sun-Cheol & Valeriano.
Galerie ak Hans Sworowski, Gartenstr. 47, Tel. 62 21 04: Di. bis Fr., 14 bis 18 Uhr, Sa., 12 bis 14 Uhr, Erdogan Bulut, Young Hyang Lee, Albrecht Wild, Sabine Zimmermann (bis 6. 2.).
Galerie Wild, Bettinastr. 30, Tel. 7 41 08 23: Di. bis Fr., 13 bis 18.30 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr; Bernd Zimmer - Arbeiten von 1990 bis 1992 (bis 10. 2.).
Kommunale Galerie im Leinwandhaus, Weckmarkt 17: Di. bis So., 11 bis 18 Uhr, Mi., 11 bis 20 Uhr; Klaus Schneider - "Farbwort - Wortfarbe" (bis 14. 2.).
Galerie Martina Detterer, Hanauer Landstr. 20-22: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, Claudia Di Gallo, Alba D'Urbano, Sylvie Fleurie, Tamara Gricic, Marylène Negro, Susanne Stövhase (bis 16. 2.).
Graphisches Kabinett im Westend, Barckhausstr. 6, Tel. 72 80 15: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Sa., 10 bis 14 Uhr, Bogdan Hoffmann. Neue Holzschnitte (bis 20. 2.).
Galerie Hilger, Beethovenstr. 71, Tel. 74 82 74: Mi. bis Fr., 12 bis 18 Uhr, Sa., 10 bis 13 Uhr, Heinrich Nicolaus - "Zeichnungen" (bis 21. 2.).
Galerie Niedenau, Niedenau 61/63, 5. OG: Mo., bis Do., 8 bis 16, Fr., 8 bis 12 Uhr; Alberto Rodriguez - Aquarelle (bis 26. 2.).
Galerie von Oertzen, Mainzer Landstr. 250-252, Tel. 759 04 0: Mo. bis Fr., 9 bis 17 Uhr, Ken Cato, Garry Emery, Barrie Tukker - Grafik-Design (26. 2.).
Galerie Helmut Pabst, Saalgasse 26, Tel. 297 73 53: Di., Mi., 17 bis 20, Do., Fr., 15 bis 20 Uhr, Sa., 11 bis 15 Uhr; Annette Schultze - "Kampfblätter", Neue Arbeiten auf Pergamin (bis 27. 2.).
Galerie Schwind, Braubachstr. 24: Di. bis Fr., 13 bis 18.30 Uhr, Gero Künzel - "Tod und Zuckerfäden" (bis 27. 2.).
Galerie Raphael, Grüneburgweg 89, Tel. 72 90 37: Di. bis Fr., 15 bis 19 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, Joan Miró - Grafik (27. 2.). Ausstellungen Deutscher Werkbund, Weißadlergasse 4: Di. bis So., 12 bis 18 Uhr, Lutz Fritsch - "Raumsichten" (bis 24. 1.).
Freunde Frankfurts, Verein zur Pflege der Frankfurter Tradition, Schellgasse 8, Tel. 61 59 18: Di., Fr., So., 14 bis 17 Uhr; Betti Häring: Zeichnungen, Aquarelle und Radierungen (bis 24. 1.).
Palmengarten, Siesmayerstr. 63: tägl. 9 bis 16 Uhr, Foyer Ost: Fotografien heimischer Orchideen (bis 24. 1.).
Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Str. 24: tgl., 10 bis 22 Uhr, Horst Wilbert - Neue Bilder (bis 26. 1.).
Gallus Theater, Krifteler Str. 55: Di. bis Sa., 15 bis 18 Uhr & zu den Veranstaltungen, Inge Hölscher - Farbenfrohe Bilder/Acryl auf Papier (bis 30. 1.).
Zentralbibliothek, Zeil 17-23, Tel. 212 - 45 10: Di. bis Fr., 10 bis 19, Sa., 10 bis 13 Uhr; Fotoausstellung "Der Goldene Ring" - Kreml- und Klosterbauten vom 12. bis 18. Jahrhundert in Rußland (bis 30. 1.).
Hessischer Rundfunk, Bertramstr. 8/ Foyer: tägl. 9 bis 19 Uhr, Augsburger Puppenkiste (bis 31. 1.).
Frankfurter Künstlerclub, Nebbiensches Gartenhaus, Bockenheimer Anlage: tägl.11 bis 17 Uhr, Hans Morgenstern - "Konstruktive Malerei" (bis 31. 1.).
Fotografie Forum Frankfurt, Leinwandhaus, Weckmarkt 17, Tel. 29 17 26: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Mi., 11 bis 20 Uhr, Sa. u. So., 11 bis 17 Uhr; Eberhard Grames "Kaputte Schönheiten" (bis 31. 1.).
Café Cult, Schillerpassage, Rahmhofstraße, Tel. 92 00 61: Uwe Groß (bis 31. 1.).
Deutsche Bibliothek, Zeppelinallee 4-8: Mo. bis Do., 9 bis 20 Uhr, Fr., 9 bis 18 Uhr, Sa., 9 bis 17 Uhr, Georg Joachim Göschen - "Dokumente zur Verlagsgeschichte aus den Beständen des Deutschen Buch- & Schriftmuseums" (bis 3. 2.).
Forum der Frankfurter Sparkasse, Töngesgasse 40: Mo. bis Fr., 9.30 bis 17 Uhr; Jürgen Kisch (bis 12. 2.).
Deutsch-Ibero-Amerikanische Gesellschaft, Gräfstr. 83: Mo. bis Do., 10 bis 13 Uhr & 15 bis 18 Uhr, Fr., 10 bis 13 Uhr, Gilda Neuberger - "Fresko auf Leinwand" (bis 19. 2.).
Palais Jalta, Bockenheimer Landstr. 104, Mo. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Die Bilder von Fjodor Ljutov, (bis 19. 2.).
Künstlerhaus Mousonturm, Waldschmidtstr. 4: Di. bis So., 15 bis 19 Uhr und während der Abend-Vorstellungen; Maix Meyer - "via regia oder Frankfurt atmet geerdet", Fotos und Installationen (bis 28. 2.).
Universitätsbibliothek, Bockenheimer Warte, B-Ebene: Mo. bis Fr., 8.30 bis 19.30 Uhr, Dieter Kühne (bis 28. 2.).
Eckstein, An der Staufenmauer 7, Tel. 28 75 20: Acht Junge Fotografen aus Frankfurt (bis 6. 3.).
Jahrhunderthalle Hoechst: tägl. 11 bis 15 Uhr, Henry, Brancusi, Man Ray, Umbo - "Sterne und Stars" (bis 28. 2.).
Ökozentrum / Eine Welt Laden, Schäfergasse 46: "Das Recht auf Asyl bleibt" (bis auf weiteres).
Institut für Jugendbuchforschung, Myliusstr. 30: Mo. bis Do., 10 bis 16 Uhr, "Großstadt in der Kinderliteratur 1900 bis 1933 - Motive in Texten und Bildern" (bis 2. 12. 93.). Jugendamt, Abt. Jugendpflege, Zeil 57: Mo. bis Fr., 8 bis 18.30 Uhr; "Jugendpflege Frankfurt im Spiegel von Plakaten".
Zentrale Meldestelle, Zeil 3: Mo. u. Mi., 7.30 bis 13.30 Uhr, Do., 10 bis 13.30 u. 15 bis 18 Uhr, Fr., 7.30 bis 13 Uhr; "Kunst im Amt" - Bilder von Künstlern aus dem Rhein-Main-Gebiet (bis auf weiteres).
MANNHEIM. Zur Zeit haben es die Theaterleute in Mannheim wirklich nicht leicht. Weil das Stammhaus, das "Nationaltheater", renoviert und umgebaut wird, muß die Oper in Schwetzingen gastieren und das Schauspiel mit seinen Aufführungen gleich auf vier Spielstätten ausweichen: in eine Halle am Maimarkt, in das "Werkhaus Studio", in das "Schnawwl" (Kulturzentrum Alte Hauptfeuerwache) und auf die "Probebühne Neckarau". Der neue Generalintendant Klaus Schultz und Schauspieldirektor Michael W. Schlicht können sich wahrscheinlich angenehmere Umstände vorstellen als diese. Es wird ihnen, ihren Ensembles und den Bühnentechnikern sehr viel abverlangt, an Beweglichkeit, Improvisationstalent, Kompromißbereitschaft.
Aber auch die Zuschauer sind gefordert. Um etwa die "Probebühne Neckarau" zu erreichen, in einer früheren Fabrik auf einem abgelegenen Industriegelände, ist erst einmal vor dem "Nationaltheater" ein Bus zu besteigen, der dann hinauszockelt in die vorstädtische Wüste. In den unfreundlichen, deutlich heruntergekommenen, nur matt beheizten Fabrikbau dort sind um eine tiefergelegene, von Holzwänden eingefaßte Spielfläche an deren beiden Längs- und einer Stirnseite für die Zuschauer einige lehnenlose Sitzreihen installiert worden. Niemand in den ramponierten Theatern in Ost- deutschland kann sagen, es sei dort noch öder als in Neckarau.
Gegeben wird "Iphigenie in Aulis", eines der letzten Dramen des Euripides, geschrieben schon im makedonischen Exil des Dichters, vermutlich ein Jahr vor seinem Tod. Es ist die Geschichte, die vor der Handlung der Goethischen "Iphigenie" liegt: Die Griechen wollen vom Hafen Aulis aufbrechen nach Troja, um die Entführung der Helena durch den Trojaner Paris zu sühnen; das geht aber nicht, weil kein Wind ist, ein Seher-Priester läßt den König Agamemnon, der das Heer führt, wissen, er müsse Iphigenie, seine Tochter, opfern, damit die Götter der Flaute ein Ende machen; das tut der Mann auch, muß aber zuvor natürlich den Widerstand des Mädchens und seiner Frau überwinden, auch den des Achill, dem der König die Tochter zur Gemahlin versprochen hatte, damit sie überhaupt ins Heerlager kommt. Agamemnon bewältigt alle diese Schwierigkeiten, er opfert sein Kind - das jedoch im letzten Moment von der Göttin Artemis vom Opferaltar gerettet und zum wilden König Thoas nach Tauris gebracht wird (diese Fortsetzung des Mythos hat dann, unter anderen, Goethe behandelt).
In einem Aufsatz ihres gerade bei Rowohlt erschienenen Bandes "Sanft und verschleiert ist die Gewalt . . ." (Ausbeutungsstrategien in unserer Gesellschaft) hat Hedda J. Herwig dieser Handlung des Dramas von Euripides ein Kapitel gewidmet. Darin beschreibt sie das Stück als zutiefst frauenfeindlich und überhaupt "als äußerst fragwürdige Kriegspropaganda". Für den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit beruft sie sich darauf, daß die Hauptschuld am Trojanischen Krieg der Helena zugewiesen werde; Kriegspropaganda sei das Stück, weil Euripides vorführe, daß Iphigenie am Ende ihren Opfertod selbst wolle, weil er, wenn denn die Flotte auslaufen könne, um Troja zu strafen, dem höheren Ruhme der Griechen dienen werde.
Ein bißchen sehr eilfertig unterschlägt diese Argumentation die gegen den Mythos selbst schon kritische Tendenz des Stücks. Was Herwig nur als Affirmation liest, versteht die Mannheimer Aufführung von Hans-Ulrich Becker (von dem vor einiger Zeit in Heidelberg vielbeachtete Inszenierungen von Shakespeares "Sommernachtstraum" und der "Burgunderprinzessin" von Gombrowicz zu sehen waren) natürlich so nicht: Im Gegenteil ist ihr das Drama zeigenswert, weil es sich auf die Seite der Frauen schlägt und Partei ergreift gerade gegen die Kriegsgewalt.
Diese Botschaft kommt auch an. Bekker ermittelt sie schon aus der Konfrontation des Agamemnon mit dessen Bruder Menelaos (dem Helena geraubt wurde, er hat also ein besonders starkes Kriegsmotiv): Markwart Müller-Elmau und Wolfgang Jaroschka sind, mit Brustpanzer und Griechenkittel, zwei schwere Jungs, alte Machtmänner; wuchtig drohend treibt Menelaos den Bruder, das verordnete Opfer vollziehen zu lassen - wird dann aber durch die Tränen des anderen bewegt, das Ansinnen zurückzunehmen, geradezu gegen den Opfertod Iphigenies zu sprechen.
Die Inszenierung, deren Textgrundlage eine Fassung von Becker und dem Dramaturgen Henrik Bien nach einer Interlinearübersetzung von Ulrich Proetel ist, nimmt es mit solchen Differenzierungen der Haltung sehr genau. Auch an den späteren Auftritten des Achill (Achim Buch) wird herausgearbeitet, welche unterschiedlichen Motive diesen Helden bewegen: Er möchte die ihm zugesagte Iphigenie, aber er fürchtet, wenn er deren Aufopferung verhindert, auch den Zorn seiner Waffengefährten.
Auf dem leeren, sandigen Spielfeld sind die Szenen einsichtig gegliedert, der Austausch der Argumente und die Wechsel der Haltungen bei den Männern gut erfaßt. Die Regie hat Sinn sowohl für das Archaische des Konflikts wie für die "Modernität" der psychischen Spannungen, die er erzeugt.
Der mit viel Probenfleiß instruierte, kommentierende Chor ist ein wenig zu unruhig geführt, in seinen Sprechgesängen durch folkloristische Assoziationen gefährdet. Das klare Konzept, mit dem die Inszenierung zunächst beeindruckt, kann später von den beiden Frauen nicht erfüllt werden. Die Darstellerin der Mutter ist ohne Begabung zur Tragödin, eine Salondame, hier fehlbesetzt. Und die Iphigenie Pia Podgorniks vermag die Todesfurcht des Mädchens kaum, erst ganz am Ende Iphigenies verzweifelte patriotische Erhebung halbwegs zu beglaubigen.
P. I.
(Weitere Vorstellungen, Probenbühne Neckarau, am 22., 24., 27., 28., 29. Januar, sowie am 1., 3., 4. und 5. Februar. Abfahrt des Busses vom "Nationaltheater" jeweils um 20 Uhr).
FREIGERICHT. Trotz der Plakate, auf denen Franz Schönhuber überall im Freigericht die rechtsextreme Wahlkampftrommel rührt, war der Auftritt des "Republikaner"-Chefs am Donnerstag in der Freigericht-Halle am späten Mittwoch nachmittag noch nicht gesichert. Das Frankfurter Verwaltungsgericht hatte am Montag einen Eilantrag der rechtsextremen Partei abgelehnt, mit dem deren Kreisverband die Überlassung der Freigericht-Halle gegen den Willen des Gemeindevorstands hatte durchdrücken wollen. Dagegen hatte die Partei Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel eingelegt. Dessen Entscheidung stand bis Redaktionsschluß noch aus.
Unabhängig von dem Richterspruch haben die Freigerichter Grünen für den heutigen Donnerstag, 17 Uhr, zu einer Demonstration "gegen den rechten Mob" vor dem Rathaus in Somborn aufgerufen, "ganz gleich, welche Entscheidung das Gericht fällt", betonte Achim Kreis für die Grünen. Ihrem Aufruf haben sich mittlerweile auch der Arbeitskreis "Asyl", die örtliche Juso-AG, das Café Wojtyla, die Schülervertretung der Kopernikusschule und die Pfarrjugendleitung der KJG Bernbach angeschlossen. Nach neuen Argumenten gegen die "Republikaner"-Veranstaltung muß der Gemeindevorstand nicht lange suchen, der den Schönhuber-Auftritt mit dem Hinweis auf den Widmungszweck der Freigericht- Halle abgelehnt hatte. Zum einen könnte eine Konfrontation von Demonstranten und Rechtsextremen die öffentliche Sicherheit gefährden, zum anderen häuften sich im Rathaus anonyme Anrufe und Briefe, die im Falle der "Republikaner"- Präsentation mit Gewalt gedroht hatten. tja
MAINTAL. "Unternehmensberater haben den verordneten Frohsinn am Rhein untersucht. Ergebnis: Der organisierte Kölner Karneval gerät zum Seniorenfest." Auf diese Kurzformel brachte "Der Spiegel" (Nr. 1/93) seinen Bericht über eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey. "Der vereinsmäßig organisierte Karneval in Köln, fanden die ehrenamlich tätigen McKinsey-Experten nach der Auswertung von ein paar tausend Interviews und Fragebögen heraus, hat einen miesen Ruf: Er steckt im Würgegriff einer Altherrenriege, die auf kölsche Art mit viel Geld und Klüngel regiert. Schlimmer noch, auch das Publikum ist überaltert, und der Nachwuchs wendet sich mit Grausen."
Ein Drittel der Befragten halte die närrischen Veranstaltungen für einen "closed shop", denn nach ihrer Einschätzung erhielten nur Leute mit Beziehungen Eintrittskarten für die besonders attraktiven Veranstaltungen. Besonders jüngere Menschen könnten sich das Vergnügen zudem kaum noch leisten . . .
Ganz so übel ist es in Maintal denn doch (noch?) nicht. Aber Peter Czerwonka, Chef der 85 Jahre alten Karnvalgesellschaft "Käwer" Hochstadt, räumt mit Bezug auf den "Spiegel"-Artikel unumwunden ein: "Viele der dort geschilderten Probleme sind uns nicht unbekannt."
Das Wirken des Vereins sei indes "mehr als Humbatäterä", und der Vorstand tue einiges, "um unserer Arbeit als Karnevalgesellschaft gleichsam neue Inhalte zu geben und dadurch auch neue Mitglieder und Mitstreiter zu gewinnen". Czerwonka und seine Führungsriege wollen die "Käwern" zu einem Verein entwickeln, "der nicht nur einmal im Jahr für einige Wochen in Erscheinung tritt, sondern für seine Mitglieder und Freunde ein ,Ganzjahresangebot&rquote; bereithält". Das geht gewiß nicht von heute auf morgen, aber die Probleme werden gesehen und angegangen.
"Eine zentrale Frage ist, wie die Jugendarbeit forciert werden kann", sagt Norbert Worret, Vorsitzender des Programmausschusses. "Wir haben echte Nachwuchsprobleme, denn bei uns ist das ja anders als bei den Blau-Weißen in Dörnigheim oder den Rot-Weißen in Wachenbuchen, die über die Turnvereine laufend und sozusagen automatisch den Nachwuchs haben." Worret nennt als einen Grund für die Zurückhaltung den "Trend, sich bedienen zu lassen. Selbst aktiv werden ist wenig gefragt".
Erhard Schöne, der schon seit Jahrzehnten eine tragende Rolle sowohl bei der Organisation als auch bei der Programmgestaltung für die närrischen Sitzungen spielt, weiß von einem eindeutigen Negativtrend zu berichten: "Im Raum Frankfurt gehen gerade zehn Karnevalvereine kaputt. Wir kämpfen gegen die modernen Medien an und müssen schon deshalb Qualität in unseren Programmen bieten."
Ganz früher waren die "Käwer" beinhart elitär, hatten laut Satzung nur 49 Mitglieder - das heißt, nur der Tod machte Platz für Neuaufnahmen - und nur eine Sitzung. Es gab keine Karten im freien Verkauf. "1968 hatten wir noch 800 Leute im Saal", erinnert zweiter Vorsitzender Peter Both fast wehmütig. "Heute haben wir vier Sitzungen, Kinder- und Seniorensitzungen, aber keine Maskenbälle mehr. Verbilligter Eintritt für Leute mit Maske, ein Glas Sekt am Eingang - alles half nichts."
Dafür hat Schöne augenzwinkernd eine Erklärung: "Die Macht der Frauen ist schuld." Worret greift den Ball auf: "Die junge Frau hat heute den Mann am Wikkel und läßt ihn nicht mehr allein maskiert gehen wie früher . . ."
Und schon sind die Obernarren in nostalgischer Rückschau auf verflossene Hoch-Zeiten der Hochstädter Fassenacht. Im Saal beim Strohl, wo früher - vor dem Bau des Bürgerhauses - traditionell gefeiert wurde, "da gab es das Likörstübchen, ein Separé, wo solo keiner reinkam". Und nicht selten hätten Gäste "durchs Fenster hintenraus" flüchten müssen vor dem nachsuchenden Partner beziehungsweise der Partnerin.
Zurück zur Gegenwart. Morgen, Freitag, geht's los: Um 20.01 Uhr steigt im Bürgerhaus die 1. Kostümierte Sitzung mit Handwerksmeistern im Elferrat. Nach der Gala - am Samstag, 23. Januar - folgt am 29. Januar die 2. Kostümierte mit Polit-Prominenz im Elferrat und am 30. Januar die 3. Sitzung. Dazu Kinderdisco, Kappenabend, mehrere Seniorensitzungen im Auftrag der Stadt, das Heringsessen am 27. Februar, am 28. - ein Sonntag - steht ab 10 Uhr "Abbau" auf dem Programm. Und dann?
Zwischen den Kampagnen gibt es den Jazzfrühschoppen beim Straßenfest, das Sommerfest als Ersatz für den gestrichenen Vereinsausflug und - bisher nur geplant - die Teilnahme am Weihnachtsmarkt. Das ist noch nicht viel für ein "Ganzjahresangebot", aber immerhin ein Anfang. HELMUT POMPLUN
Notdienste
Ärzte Bad Homburg/Friedrichsdorf/Oberursel/Steinbach. Auskunft über die diensthabenden Notärzte einschließlich Zahn-, Augen- und Kinderärzte:Tel. 0 61 72 / 8 36 36. In dringenden Fällen: Tel. 112.
Königstein/Kronberg/Glashütten. Ärztlicher Notdienst im Hilfeleistungszentrum Königstein, Am Kreisel: Tel. 0 61 74 / 1 92 92. Apotheken Bad Homburg/Friedrichsdorf. Sa.: Linden-Apotheke, Bad Homburg, Ober-Eschbacher Str./Ecke Jahnstr.; Hardtwald- Apotheke, Seulberg, Hardtwaldallee 5.
So.: Stern-Apotheke, Bad Homburg, Frankfurter Landstraße/Ecke Haberweg.
Oberursel/Steinbach. Sa.: Apotheke im Rosengärtchen 39, Oberursel; Franziskus- Apotheke, Steinbach, Berliner Str. 39.
So.: Schützen-Apotheke, Oberursel, Liebfrauenstr. 3.
Usinger Land. Sa. und So.: Amts-Apotheke, Usingen, Marktplatz 17.
Königstein/Kronberg. Sa.: Hof-Apotheke, Kronberg, Friedrich-Ebert-Straße 16.
So.: Alte Apotheke, Königstein, Limburger Str. 1 a.
STEINBACH. Das Modell eines Windrads, das die Hochtaunus-Grünen auf dem Feldberg aufstellen wollen, ist am kommenden Samstag, 23. Januar, von 9.30 bis 12 Uhr auf dem Pijnackerplatz in Steinbach zu sehen. Die Steinbacher Grünen läuten mit diesem Info-Stand und dem von ihnen initiierten "Politmarkt", bei dem alle Parteien vertreten sein werden, die "heiße Phase" ihres Wahlkampfes ein.
Die "AG Windrad" der Hochtaunus- Grünen will auf dem Feldberg eine Windkraftanlage von 450 Kilowatt aufstellen. Dafür soll eine Betreibergesellschaft gegründet werden, bei der bereits die Main- Kraftwerke und die Pfadfindergenossenschaft mitmachen wollen. Auch der Umlandverband Frankfurt hat Interesse signalisiert. Zu diesem Thema veranstalten die Grünen am Mittwoch, 27. Januar, 20 Uhr, einen Informationsabend in der Kronberger Stadthalle. esi
Daß im Frankfurter Zoo "unnötig viel Trinkwasser verschwendet" werde, gibt Rudolf Wicker, der Leiter des Exotariums, unumwunden zu. Mehr als 80 Prozent des Leitungswassers, hatte eine von der Stadt in Auftrag gegebene Studie ergeben, könne dort eingespart werden. "Das halte ich auf absehbare Zeit für nicht realisierbar", sagt Wicker. Aber auf rund ein Drittel der 366 000 Kubikmeter, die jedes Jahr aus dem Leitungsnetz in den Frankfurter Zoo strömen, könne bereits in einem Jahr verzichtet werden. Dazu will der Tierpark, einer der größten Wasserabnehmer der Stadt, stärker als bisher das Grundwasser unter dem Gelände nutzen.
"Es gibt überhaupt keinen Grund, den Bären- und Affenkot mit glasklarem Trinkwasser wegzuspülen", sagt Wicker. Zur Reinigung der Käfige, aber auch für die Teiche und Wassergräben um die Löwen-, Bären-, Kamel- und Zebragehege sei Grundwasser völlig ausreichend.
Der Zoo will deshalb in diesem Jahr ein 900 Meter langes Grundwasserleitungsnetz über das gesamte Gelände legen lassen. "Die Kosten von etwa 360 000 Mark werden sich durch die geringere Wasserrechnung in zwei Jahren amortisiert haben", meint Wicker.
Gespeist werden soll das Grundwassernetz aus vier Brunnen, die einst für den U-Bahn-Bau gebohrt worden sind. Sie sorgen bereits jetzt, notdürftig über einen Feuerwehrschlauch, für die Wasserversorgung in einem von zwei Robbenbekken, was den Tieren nach Angaben Wikkers "prima bekommt". Geplant ist, auch den zweiten Robbenteich, die Flußpferde, die Stelzvögel und die Fasanerie in den Genuß dieses, freilich etwas trüberen Grundwassers kommen zu lassen.
Zudem denke die Zooverwaltung über einen "Grundwasser-Kreislauf" nach. Die Idee dabei ist, dieses Wasser mehrfach zu nutzen - beispielsweise erst als "Kühlwasser" für die Robben, dann als Reinigungswasser, schließlich als Brauchwasser im großen Teich.
Anschließend könne das Wasser zur Reinigung in ein Schilffeld geleitet werden, für das Wicker bereits einen Platz am Teich ausgeguckt hat, und dort wieder versickern. "Denn langfristig sollte nicht nur mit Trinkwasser, sondern auch mit Grundwasser sorgsam umgegangen werden." mat
Parteien + Wähler
Wieczorek-Zeul kommt NEU-ANSPACH. Die SPD startet am Freitag, 29. Januar, in den Wahlkampf. Im Bürgerhaus stellt ihr Vorsitzender Arno Münker ab 20 Uhr das Kandidatenteam für die nächsten vier Jahre und das Wahlprogramm vor. Als Gast wird Heidemarie Wieczorek-Zeul erwartet.
WIESBADEN. In Wiesbaden ist vieles ein bißchen nobler als anderswo. Selbst Parteiveranstaltungen der Genossen machen da keine Ausnahme. Keine Turnhallenatmosphäre, sondern stilvolles Ambiente im repräsentativen Kurhaussaal, kein Apfelwein oder Bier, sondern Tafelwässerchen und Rheingauer Riesling, keine langweiligen Pflichtübungen der Parteioberen vor dem Mikrophon, sondern eine bunte Mischung aus Info und Kultur. Lebensfreude strahlte die Talkshow aus, mit der die Sozialdemokraten der Landeshauptstadt am Dienstag den Wahlkampf eröffneten. Und selbst die in turbulenten Zeiten vor dem Urnengang gemeinhin üblichen Schmähungen des politischen Gegners blieben aus: Die kommunalpolitischen Mitbewerber um Sitz und Stimme im Rathaus kamen ungeschoren davon. Nur die Bonner Koalition kriegte ihr Fett ab. Dafür sorgte schon der Stargast des Abends: Wolfgang Thierse, stellvertretender Bundesvorsitzender der Partei und nach eigenen Worten "das Mundwerk der Ossis". Der landete einen rhetorischen Volltreffer nach dem anderen, seine Attacken ritt er gegen Kanzler und Minister, gegen die bundesdeutsche Journaille und Polit-Profis schlechthin.
Ein paar Kostproben: "Mancher Politiker wird so lange befördert, bis er schließlich die Stufe seiner Unfähigkeit erreicht hat." Oder: "Der Solidarpakt ist ein begriffspolitischer Luftballon. Er steigt in den Himmel und man stellt fest, was an seiner Schnur hängt - nämlich nichts." Seine ersten Erfahrungen mit der Bonner Regierungsprominenz? Die habe er zuvor allesamt nur aus dem Fernsehen gekannt. In Wirklichkeit, schilderte Thierse seinen Realitätsschock, seien die Promis "viel kleiner und viel unauffälliger". Nur einer nicht: "Der ist noch größer, als es auf dem Bildschirm scheint; er hat ein noch aufgeblähteres Jacket; und seine Füße sind einfach gigantisch."
Selbst die Parteifreunde blieben bei diesem Rundumschlag nicht ungeschoren. Gemeinsam mit Hans-Jochen Vogel habe er seinen ersten bundesdeutschen Auftritt in der Öffentlichkeit gehabt. Nervös habe er jede Frage sorgfältig notiert. Hans-Jochen Vogel hingegen habe zu seinem Erstaunen nicht mitgeschrieben. "Der kannte schon sämtliche Fragen - und auch alle Antworten."
Stargast Nr. 2 und ebenfalls nicht auf den Mund gefallen war Jung-Unternehmerin Dr. Annette Winkler aus Wiesbaden - zwar parteilos, wie sie versichert, aber offenbar ein Exner-Fan: "Ich möchte, daß er Oberbürgermeister in dieser Stadt bleibt." Warum sie in einer SPD-Wahlveranstaltung auftrete? "Jede Stimme muß laut werden, um extremistischen Kräften in unserem Land entgegenzutreten." Gegebenenfalls wird sie künftig sogar im Rathaus zu hören sein. Denn auf Achim Exners Frage, ob sie bereit sei, ihren unternehmerischen Sachverstand in der Stadtpolitik einzubringen, antwortete die attraktive Mittdreißigerin selbstbewußt: "Wenn man mich als Schaufesterpuppe braucht, nein! Wenn man aber an meiner ernsthaften Mitarbeit interessiert ist, gerne!"
Über drei Stunden dauerte der kurzweilige Mix aus Politik und Unterhaltung mit Musik, Tanz und Jonglage. Argumente, warum die Wiesbadener nur die SPD und niemand anderen wählten sollten, sind auf der Show kaum rübergekommen. Aber das wären sie bei der herkömmlichen Art der Wählerwerbung mit dem Herunterbeten des Parteiprogramms noch viel weniger. Die Botschaft, die Achim Exner und seine Riege vermitteln wollten, ist angekommen: Wiesbaden ist eine liebenswerte und putzmuntere Stadt. Also doch ein Grund für das Kreuzchen an der richtigen Stelle. Denn: "Das soll so bleiben."
MARGIT FEHLINGER
Mit der Zukunft der Frauenpolitik beschäftigt sich eine zweitägige Vortragsreihe am kommenden Wochenende in der Frankfurter Frauenschule. Die Tagung thematisiert unter anderem die Erfahrungen von Frauen mit der Quotierung in den Parteien und der Zukunft einer autonomen, von Partei und Staat unabhängigen Frauenpolitik.
Als Referentinnen sind geladen die Frankfurter Grünen-Stadtverordnete Martina Schmiedhofer, die ehemalige Staatssekretärin im Familien- und Gesundheitsministerium Brigitte Sellach sowie Marita Halbach, die über Fundraising als Form der unabhängigen Finanzierung von Frauenprojekten sprechen wird. Der ursprünglich vorgesehene Beitrag von Frauendezernentin Margarethe Nimsch zur Bedeutung der Parität in der Frauenpolitik muß aus Krankheitsgründen entfallen.
Die Veranstaltung beginnt am Samstag, 23. Januar, um 14 Uhr in den Räumen der Frauenschule, Hohenstaufenstraße 8. Der Tagungsbeitrag beträgt 25 Mark. sar
AH FRANKFURT A. M., 20. Januar. In der DDR gab es nach Ansicht ihres früheren Staatschefs Erich Honecker "nichts Antikirchliches". Christen seien in ihrer beruflichen Entwicklung nicht behindert worden, hätten hingegen "eine großartige Bildung" erhalten. Störungen in den Beziehungen zwischen Kirche und Staat aber habe es "seitens der sowjetischen Militäradministration" gegeben. Das Ministerium für Staatssicherheit habe keinen Auftrag zur Unterwanderung gehabt.
Im Gespräch mit dem anglikanischen Theologen Paul Oestreicher, das dieser im Gefängnis Berlin-Moabit führte und das erst nach Honeckers Entlassung aus der Haft veröffentlicht werden durfte, gestand Honecker allerdings ein, daß ihm bei der Arbeit der vielen in der DDR tätigen Geheimdienste einiges "gar nicht klar" sei. "Später erlebte man immer wieder Überraschungen auf diesem Gebiet", sagte der frühere Staatsratsvorsitzende.
Zur Rolle des heutigen brandenburgischen Ministerpräsidenten in der DDR- Zeit sagte Honecker, Manfred Stolpe sei für ihn "immer ein Mann der Kirche" gewesen. Er könne freilich "nichts Schlechtes" darin sehen, "wenn Vertreter der Kirche einen Beitrag zur Stärkung des Staates leisten, in dem sie leben".
FRANKFURT A. M., 20. Januar (AP). Bundesbahn und Reichsbahn wollen künftig mit allen rechtlichen Möglichkeiten gegen ausländerfeindliche Handlungen unter ihren Beschäftigten vorgehen. Das kündigte der Vorstand in der Mitarbeiterzeitschrift Wir an, die am heutigen Donnerstag erscheint. "Bei nachweislichen Verstößen gegen ein anständiges menschliches Miteinander werde man nicht zögern, die Möglichkeiten des Disziplinar- und Arbeitsrechts auszuschöpfen", heißt es im Vorspann eines Aufrufs des Vorstands und der Hauptpersonalräte gegen Ausländerfeindlichkeit.
Firmen-Telegramm
"Fairer Kaffee" in Rewe-Regalen Die Rewe-Handelsgruppe wird von Februar an Kaffee-Sorten zum "Solidaritätspreis" anbieten, um auf diese Weise notleidende Kleinbauern in den Anbauländern zu unterstützen. Der sogenannte faire Kaffee unter dem Siegel Transfair wird bis zu zwei Mark teurer sein als die gängigen Marken. Der zusätzliche Erlös werde ausschließlich kleinen Erzeugern zugute kommen, versichert Rewe. In der Branche wird im übrigen erwartet, daß andere Handelsketten dem Schritt von Rewe folgen. Heineken sticht deutschen Markt an Der Amsterdamer Bierkonzern Heineken, größter Brauer in Europa, strebt auf den deutschen Markt. Ein Ableger mit Sitz in Düsseldorf hat mit dem Aufbau eines Vertriebsnetzes begonnen. "Anstich" war in Berlin. Dort unterzeichnete das Unternehmen einen Vertriebsvertrag mit der Schultheiss-Brauerei über Lieferungen in der Region Berlin. VW läßt Swatch-Auto fahren Der Schweizer Uhrenkonzern SMH muß die Entwicklung des umweltfreundlichen Swatch-Autos ohne die Mitarbeit von Volkswagen bewerkstelligen. VW trat aus dem im Juli 1991 vereinbarten Joint- venture aus. Ausschlaggebend dafür waren die von dem Wolfsburger Konzern beschlossenen Investitionskürzungen. SMH will das Projekt allein fortführen.
Siemens bandelt in Bulgarien an Der Elektrokonzern Siemens hat mit der bulgarischen Incoms Telecom Holding in Sofia ein Gemeinschaftsunternehmen zur Herstellung von digitaler Vermittlungs- und Übertragungstechnik gegründet. An dem Joint-venture namens Digicom beteiligte sich Siemens mit 40 Prozent, den Rest hält die Incoms Telecom Holding, größter Produzent von Nachrichtentechnik in Bulgarien. Kolbenschmidt streicht Dividende Der Autozulieferer Kolbenschmidt hat für seine Anteilseigner nichts mehr übrig. Er streicht für das Geschäftsjahr 1991/92 (Ende September) die Dividende. In der Vorperiode war sie bereits von acht auf vier Mark gekürzt worden. Kodak knipst 2000 Beschäftigte aus Eastman Kodak, weltweit größter Fotokonzern, will 2000 Beschäftigte entlassen. Betroffen davon sollen vor allem Männer und Frauen in Rochester (New York) sein. Einschnitte plant das Unternehmen aber auch in Deutschland. Details dazu sind noch nicht zu erfahren. Die Firma spricht lediglich von einer "Konsolidierung" hierzulande. Der Personalabbau ist Teil eines umfangreichen Programms zur Kostensenkung, das sich Eastman Kodak verordnete, um den Aufwand allein in diesem Jahr um über 200 Millionen Dollar zu beschneiden.
Die Turn- und Sportgemeinde (TSG) 1893 Leihgestern will sich im Jahr ihres 100. Vereinsgeburtstages noch mehr in die Schlagzeilen rücken. Besonders die Regionalliga-Handballerinnen, die auf dem sportlichen Terrain den Takt in der 12 000 Einwohner zählenden Großgemeinde Linden schlagen. Zwar ist die Konkurrenz durch den benachbarten TV Lützellinden, den ebenfalls nur wenige Kilometer entfernten TV 05 Mainzlar (ebenfalls 1. Bundesliga) sowie die SG Kleenheim (2. Bundesliga) größer als in allen anderen Landesteilen, dennoch visieren die TSG-Handballerinnen seit einigen Jahren die zweithöchste Klasse an. Das einfache Rezept in dieser Saison: Die atemberaubende Serie von 18:0 Punkten in den restlichen neun Begegnungen verdoppeln. "Wir sind für die 2. Bundesliga gewappnet, unsere Sponsoren würden noch etwas draufpacken", stellt Handball- Abteilungsleiter Rainer Breidenbach klar. Die "Mannschaft" der TSG umfaßt keineswegs nur einen Kader von 13 oder 14 Spielerinnen, sondern ist in allen Bereichen komplett: Dirk Langsdorf stehen die Co-Trainer Barbara Wenzl und Rainer Breidenbach, Torfrauen-Trainer Hans-Jörg Fischer, die medizinische Betreuerin Kirsten Plautz sowie die sonstigen Betreuer Günther Durstewitz und Markus Opper zur Seite. Dazu gesellt sich der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Reinhard Kreiling, der auch als Hallensprecher fungiert. Das Umfeld in Leihgestern ist bereits auf morgen ausgerichtet, nur die Fanzahlen sind oft nicht bundesligareif. In der Stadthalle Linden wurden in den acht Heimspielen 1250 Fans, davon allein 350 gegen Eintracht Wiesbaden, registriert. Dabei bietet die Stadthalle Linden sehr gute Möglichkeiten, passen locker 500 Fans rein.
Im 6000-Seelen-Ort Leihgestern ist jedoch bereits die vereinsinterne Konkurrenz - die Fußballer gehörten in besseren Tagen der Landesliga an - groß, die TSG 1893 bietet im Jubuliäumsjahr nicht nur Handball (im Frauen- und Mädchenbereich), Fußball, Volleyball und Tischtennis an, sondern hält weiterhin die Fahne von Turnvater Jahn aufrecht, offeriert in der Sparte Sport und Gesundheit eine umfassende Palette und steht auch ansonsten modernen Strömungen wie dem American Football aufgeschlossen gegenüber. Im Jahr des 100. Geburtstages steht der 1. Vorsitzende Volker Braun insgesamt 1500 Mitgliedern vor. Auf der Sportanlage Leihgestern, wo die TSG ihr Vereinsheim hat und teilweise noch Grundstückseigentümer ist, haben allerdings die Fußballer (heute Kreisliga A Gießen-Süd) bereits wesentlich bessere Tage erlebt. Parallel zum sportlichen Niedergang der Fußballer verlief der steile Aufschwung der Handballerinnen, denn Männer-Handball gab es nur in der Anfangszeit, diese Sparte wurde 1969 ins Leben gerufen. Erst seit 1971 wird Mädchen-Handball gespielt, eine Frauen- Mannschaft nimmt ab 73/74 an der Punktrunde teil. Über die B-Klasse (1975), A-Klasse (1976) und Bezirksliga (1984) wurde 1986 mit der Oberligameisterschaft die Regionalliga Südwest erreicht.
Der nächste Sprung wurde trotz mehrerer günstiger Möglichkeiten wiederholt knapp verpaßt. Interessant: Der Abteilungsleiter Rainer Breidenbach (35 Jahre) entstammt dem TV Gelnhausen, wo er bis 1981 aktiv spielte. Seit 12 Jahren fungiert er als Co-Trainer der Frauen- Mannschaft, seit 1982 ist er Handball-Abteilungsleiter. Derzeit werden Verhandlungen mit einem Nachfolger für Trainer Dirk Langsdorf geführt, dieser vertauscht nämlich nach Saisonende seinen Standort von der Wetteraugrenze mit den USA. Beim möglichen Aufstieg würde auch Carmen Velten (wohnt in Marburg) den Verein verlassen. "Wir wollen ansonsten das Gros zusammenhalten", setzt Breitenbach auf den jetzigen Kader. "Mit ein bis zwei Verstärkungen wäre die 2. Bundesliga zu packen", verweist Andrea Utschig (25 Jahre), gebürtige Leihgesternerin, auf die günstigen Ergebnisse in Testspielen. Mit 40 Saisontoren, davon allerdings 26 Siebenmetern, führt sie die interne Torjägerinnenliste knapp vor Britta Lenz (35/22) und Heike Münch (32/0) an. Carmen Velten (20), Sandra Bleuel (19) und Sabine Weidmann (16) zählen ebenfalls zu den erfolgreichen Werferinnen. Bei der SG Kirchhof (morgen, 19.30 Uhr), gegen die TSG Ober- Eschbach (30. 1., 19.30 Uhr, Stadthalle Linden) und in Bruchköbel (7. Februar) dürften bereits die weichen im Meisterschaftsrennen gestellt werden.
Bereits am heutigen Freitag will der Gesamtverein bei seiner Jahreshauptversammlung (20 Uhr, Volkshalle) den Wechsel auf die nächsten 100 Jahre ausstellen. Eine Matinee (14. März, 11 Uhr), der Kreisfußballtag (23. April), ein Jugend- Fußballturnier (29. bis 31. Mai), der Tischtenniskreistag (19. Juni), die Festtage vom 2. bis 5. Juli sowie ein Fußball-Turnier (31. Juli bis 1. August) zeigen die umfangreichen Veranstaltungen zum Jubiläum in Lehigestern auf. Die Handballabteilung schließt sich nicht aus: Ein Turnier der Minis (2. Mai), ein Vergleich für Frauen-Mannschaften ab Kreisklasse (20. bis 22. August, Stadthalle Linden) sowie ein Turnier für Teams ab der Oberliga (3. bis 5. September, Stadthalle Linden) stehen im Mittelpunkt der Geburtstagsfeierlichkeiten. HANS-DIETER PUTH
Die Erfolgsbilanz im Handball-Verbandspokal ist für die gesamte Region Wetterau- und Main-Kinzig-Kreis bescheiden: Mit den Frauen vom TV Gedern (25:20 beim KSV Hessen Kassel) und den Männern der SG Bruchköbel (23:18 gegen den klassenhöheren Oberliga-Vertreter SG Anspach) haben gerade zwei Teams aus dieser Region die 3. Runde erreicht. Für die Gedernerinnen gab es nach dem weiten Trip nach Kassel nicht das erhoffte Heimlos, sondern steht eine weitere Fahrt in den Norden des Landes (7.Februar, 15 Uhr bei der TG Melsungen) bevor. Das kann sich der Frauen-Bezirksligist TV Niedermittlau ersparen, er verlor sang- und klanglos 9:19 gegen die TSG Bürgel. Auch die SG Bruchköbel wurde nicht mit einem (weiteren) Traumlos bedacht: Beim Favoritenschreck TG Ober-Roden (schaltete in eigener Halle die Oberligavereine TG Rüsselsheim und TV Wicker aus) wird sich das Wess-Team in Topform präsentieren müssen. Schließlich will die SGB ebenso wie der TV Gedern den Sprung in die erste Pokalrunde des Südwest-Verbandes bewerkstelligen. Diese ist für 27./28.Februar terminiert. Die Auslosung hierfür soll am 15.Februar steigen. Als einzige Regionalliga-Vertreter sind auf Südwest-Ebene die TSG Leihgestern und die SG Bruchkköbel automatisch dabei. Der Männerwettbewerb wäre bei einem Bruchköbeler Ausscheiden für die hiesigen Handballfreunde kein Thema mehr.
SG Bruchköbel - SG Anspach 23:18 (14:7).In der Großsporthalle der Gesamtschule Nord hinterließ die SGB einen guten Gesamteindruck. Nach dem frühen 11:4 (19.Minute) konnte sich Norbert Wess den Luxus erlauben, einigen Akteuren aus dem zweiten Glied eine Bewährungschance zu geben. Der maßlos enttäuschende Oberligist konnte den Sieben- Tore-Rückstand bis zum Wechsel nicht aufholen, kam aber später mit Macht. Die SGB-Experimente zeigten, daß der zweite Anzug nicht sitzt, plötzlich war Anspach über 14:11 auf 17:16 (45.Minute) herangekommen. Drei zweifelhafte Strafzeiten gegen den Gast brachten die SGB, die nach diesem Zwischenstand ihre "Wurfkanonen" Jerzy Garpiel (6/2), Stefan Otto (5/1) und Jan Czwik (4) wieder auf das Feld schickte, erneut klar nach vorne. Mit dem 20:17 (52.) waren die Würfel gefallen. Gert Eifert (7/2), und Radoslav Stojanovic (6) hatten Michael Mendel am meisten eingeheizt. Wünsch und Datz fehlten beim Gast, Stammkeeper Michael Jäger kam erst nach dem Wechsel.
SG Schlüchtern - HSC Landwehrhagen 18:20 (17:17, 7:10) nach Verlängerung Überraschend mußte sich Bezirksliga- Spitzenreiter SG 1910 Schlüchtern in eigener Halle seinem Pendant vom Bezirk Kassel, HSC Landwehrhagen, in der Verlängerung mit 18:20 beugen. Der Gast agierte abgeklärter, wirkte kombinationssicher und garantierte den rund 300 Fans ein Spiel mit Oberligaformat. Die Nordhessen führten stets, setzten sich nach dem 6:6 bis zum Wechsel deutlicher ab und führten nach 47 Minuten 17:11 (!). Reith (3) sowie Kircher (16:17) und Routinier Adolf Rathschlag (17:17) verwandelten die Halle "In den sauren Wiesen" zu einem aufblühenden Handball-Tempel. Die Treffer von Bernd Otto, Adolf Rathschlag und Wolfgfang Reith (alle 4) hatten nciht gereicht. Rathschlag traf in der Verlängerung die Lattenunterkante und vergab einen Penalty...
KSV Hessen Kassel - TV Gedern 20:25 (11:12).Die Akzeptanz im Frauen- Pokal ist weiterhin mangelhaft. 25 zahlende Zuschauer sorgten für 90 Mark Bruttoeinnahme, der TVG durfte 40 Mark mitnehmen. Dem standen allerdings Buskosten von zirka 500 Mark gegenüber. Eine Woche nach der Punktspielpleite in Kassel (10:27 beim VfL) wurde der nächste Ausflug nach Nordhessen wenigstens sportlich zu einem Erfolg. Eine Akteurin wird dieses Pokalspiel so schnell nicht vergessen: Die 28 Jahre alte Rückraumspielerin Birgit Appel. Sie markierte die rekordverdächtige Zahl von 15 Toren, davon sechs Siebenmeter. Dabei wurde die dreifache Mutter nach der Pause kurz gedeckt, löste sich jedoch immer wieder geschickt von ihrem "Schatten" und verwandelte zudem die Freiwürfe im Stile von Nationalspielerin Elena Leonte. Was Leonte für Mainzlar, ist Birgit Appel für den TVG. Eine Spielerin mit unglaublich präzisem und knallhartem Wurf. Daneben erwies sich Sylvia Langlitz (4) als Siegesgarant. Beim 5:1 beziehungsweise 16:14 (39.Minute) sah es für den Favoriten schlecht aus, die bessere Kondition und Birgit Appels Wurfvermögen führten jedoch zum verdienten Weiterkommen.
TV Hüttenberg - TV Ortenberg 19:11 (8:6). Der TVO verlor gegen die A-Jugend des TVH, die aggressiver und willenstärker agierte. Der letzte Einsatz fehlte beim Kunz-Team, das einmal mehr in dieser Saison hinter den Erwartungen blieb. Torfrau Judith Jobst erwies sich nie als Rückhalt, Konkurrentin Claudia Lux (Meniskusoperation) wurde stark vermißt. Katja Preuß, Petra Müller und Nancy Glathe waren grippegeschwächt, Bettina Lenz (25.) schied mit Verdacht auf eine Kreuzbandverletzung aus, Silke Welt-Hartmann fehlte ebenfalls wegen Verletzung. Außer Heike Mitschola (7/1) zeigte keine TVO-Akteurin eine akzeptable (Wurf-)Leistung. Nach 40 Minuten (13:6) hatte der Hüttenberger "Nachwuchs" bereits den Sack zugeschnürt.
HANS-DIETER PUTH
ulf FRANKFURT A. M., 20. Januar. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) will sein Führungsgremium verkleinern. Der DGB-Bundesvorstand beschloß auf einer zweitägigen Klausurtagung in Bad Breisig bei Bonn, im Zuge der Reformbemühungen den geschäftsführenden Bundesvorstand von bisher acht auf fünf Mitglieder zu verringern. Der Vorschlag soll dem DGB-Bundeskongreß 1994 unterbreitet werden, der zu entscheiden hat. Vorstandsposten, die bis dahin frei werden, sollen nicht wieder besetzt werden.
Der erste Posten wird schon in Kürze vakant. Anfang März verläßt Lothar Zimmermann aus Altersgründen die Düsseldorfer DGB-Zentrale. Zimmermann war von der IG Metall in die DGB-Spitze geschickt worden. Die IG Metall wird dann dort mit nur noch einem Posten vertreten sein. Das zweite Mandat könnte das des stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Ulf Fink sein. Seit Wochen halten sich Gerüchte, Fink - der CDU-Vorsitzender in Brandenburg ist - wolle vorzeitig aus dem Amt scheiden. Fink ist einer vor zwei CDU-Vertretern im Führungsgremium.
Der Bundesvorstand - in dem alle Vorsitzenden der 16 Einzelgewerkschaften sitzen - beauftragte den geschäftsführenden Vorstand, für seine Sitzung im Juli 1993 ein Konzept vorzulegen. Dieses solle "praktische Schritte" für eine "Neuorientierung der bisher vom DGB geleisteten mitgliedernahen Arbeit" enthalten. Ziel sei, die politischen Dachfunktionen des DGB zu stärken, seine Dienstleistungsfunktionen neu zu strukturieren und ihn von Ausgaben zu entlasten, die von den Mitgliedsgewerkschaften geleistet werden.
Weiter wurde beschlossen, die Führungsstrukturen der DGB-Landesbezirke zu straffen. Arbeitsgruppen, die zur Modernisierung von Programm und Organisation eingesetzt sind, sollen nach dem Willen des Bundesvorstandes ihre Arbeit "beschleunigen und intensivieren". Außerdem sollen sie den Bundesvorstand weiter regelmäßig über ihre Arbeitsfortschritte unterrichten.
STADT UND KREIS OFFENBACH. Die 39jährige Diplom-Verwaltungswirtin Christa Hecht (Weiner- Bild) beginnt am 1. Februar 1993 ihre Arbeit als Geschäftsführerin der ÖTV-Kreisverwaltung für Stadt und Kreis Offenbach. Sie ist die erste Frau in Hessen, die eine der zwölf Kreisverwaltungen der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) leitet. Die Offenbacher ÖTV hat rund 6 600 Mitglieder.
Christa Hecht, die keiner Partei angehört, nicht verheiratet ist und außer Gartenarbeit und Heimwerken keine extravaganten Hobbies hat, gehört der ÖTV seit 1971 an und war immer in den diversen Gremien der Gewerkschaft ehrenamtlich aktiv. 17 Jahre arbeitete sie bei der Landesversicherungsanstalt Hessen, sechs Jahre davon als freigestellte Personalratsvorsitzende. 1991 wechselte sie als Grundsatz-Referentin "für die Zukunft des öffentlichen Dienstes" ins Frauenbüro der Stadt Frankfurt. Dort entwickelte sie eine richtungsweisende Arbeitsplatzstudie für "Bedürfnisanstaltswirtinnen", wie sie einen wichtigen, aber oft mißachteten Beruf bezeichnet.
ÖTV-Bezirksvorsitzender Herbert Mai und der ÖTV-Kreisvorstand unter Vorsitz von Gerti Röhner betonten, daß die ÖTV mit ihrer neuen Geschäftsführerin die "politische Kontinuität" wahren wolle.
Die in Sachsenhausen wohnende Christa Hecht sieht den Reiz ihrer neuen Aufgabe in der Gratwanderung zwischen den Interessen der Beschäftigten und dem Sparzwang der Kommunalverwaltungen zu Rationalisierung und trotzdem optimalem Bürgerservice. Christa Hecht will "alle Probleme offen angehen", für eine bessere Bezahlung der Frauen, für Frauenförderpläne kämpfen und dafür, daß das "selbstbewußte Mitreden von Frauen in der Öffentlichkeit immer selbstverständlicher wird". lz
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Wochenende
Filmspiegel Bad Homburg. Kaskade-Kino: Kevin - allein in New York (Sa. und So.: 15 Uhr); Bodyguard (Sa.: 17.15, 20 und 22.45 Uhr; So.: 17.15 und 20 Uhr).
Panda-Kino: Bodyguard (Sa.: 15, 17.15, 20, 22.45 Uhr; So.: 15, 17.15, 20 Uhr).
Kino im Schwedenpfad (KiS): Max + Moritz und andere Streiche (15 Uhr); Stalingrad (Sa.: 17, 20 und 22.30 Uhr; So.: 17 und 20 Uhr).
Friedrichsdorf. Filmtheater Köppern: Die Schöne und das Biest (Sa. und So.: 15 Uhr); Bodyguard (Sa., So.: 17, 20 Uhr).
Neu-Anspach. Saalburg-Lichtspiele: Die Schöne und das Biest (Sa. und So.: 14.30, 17 und 20.15 Uhr).
Oberursel. Stadthallen-Kino I: Samstag keine Vorstellung. - Bodyguard (So.: 15.30, 18 und 20.30 Uhr).
Stadthallen-Kino II: Samstag keine Vorstellung. Kevin - allein in New York (So.: 15.30, 18 und 20.30 Uhr).
Kronberg. Kronberger Lichtspiele: Bodyguard (Sa. und So.: 15, 17.30, 20.15 Uhr). Ausstellungen Bad Homburg. Galerie im Stadthaus, Marienbader Platz 1: "Das akustische Spiel" von Frank Leissring (Sa. und So. 11 bis 17 Uhr).
Englische Kirche, Ferdinandsplatz: Ausstellung "Europäischer Fotopreis" mit Werken von 16 europäischen Künstlern (Sa. und So. 11 bis 18 Uhr).
Oberursel. Stadtbücherei am Marktplatz: Künstler aus Epinay-sur-Seine und die Gruppe "Künstler in Oberursel" stellen aus. Eröffnung: Sa. 18 Uhr. Öffnungszeiten: So. 10 bis 18 Uhr.
Foyer der Stadthalle: 15. Oberurseler Mineralien- und Fossilienbörse (Sa. und So. 10 bis 17 Uhr).
Steinbach. Heimatmuseum, Am Rathaus 7: "Mit der Kamera auf Du und Du" - Heinz Jürgen Göttert zeigt Proben seines Schaffens (Sa. 10 bis 12 Uhr).
Königstein. Galerie im Haus Bender, Gerichtstr. 12: Farbradierungen von Günter Desch (Sa. 10 bis 13 Uhr).
Stadtbücherei im Kurhaus Königstein: 2. Kinder-Kunst-Ausstellung zum Thema "Igelhans" (Sa. und So. 11 bis 17 Uhr). Samstag
Theater/Musik Bad Homburg. Kurkonzert mit dem Kurensemble, Konzerthalle im Kurtheater, 15.30 bis 17 Uhr.
Evangelische Christuskirche: Klavier- Recital, 17 Uhr.
Kurhausball des Kuratoriums Bad Homburger Schloßkirche, 19.30 Uhr.
Kronberg. Receptur, Friedrich-Ebert- Str. 6: Jazz mit den "Happy Oldtime Swingers", 20 Uhr. Vereine/Organisationen Bad Homburg. Öffnungszeiten des Eine-Welt-Ladens der Mapendo-Initiative, Dorotheenstr. 9: 10 bis 13 Uhr.
Oberursel. Geschichts- und Heimatvereine des HTK: 7. Arbeitsgemeinschaftstagung, Kreisarchiv, Schulstr. 27, 14 Uhr.
Pfarrei St.-Crutzen: Tanzabend im Pfarrheim,20 Uhr. Fastnacht Bad Homburg. Fremdensitzung des Carnevalvereins Heiterkeit, Bürgerhaus Kirdorf, 19.31 Uhr.
Friedrichsdorf. Sitzung des Seulberger Karnevalvereins "Die Taunuseulen", Sporthalle, Landwehrweg, 19.11 Uhr.
Königstein. Sitzung des Narrenrings Königstein, Haus der Begegnung, 19.30 Uhr. Sonstiges Bad Homburg. Fahrt mit dem Bus für Kurgäste und andere Interessierte durch den Taunus nach Hunoldstal. Treffen: Friedrichsdorf 13 Uhr, Kurhaus Bad Homburg 13.30 Uhr.
Oberursel. Gesamtschule Stierstadt, Kiesweg: Tag der offenen Tür, 10 bis 12 Uhr.
Königstein. Parkplatz am Friedhof Falkenstein: Lauftreff für jedermann, 15 Uhr. Sonntag
Theater/Musik Bad Homburg. Kurkonzert, Konzerthalle im Kurpark, 10 und 15.30 Uhr.
Klavier-Recital in der Tanzschule Karabey, 11 Uhr.
Evangelische Gemeinde Gonzenheim: 1. Abendmusik im neuen Jahr, Kirchgasse 3 a, 20 Uhr. Vorträge/Kurse Friedrichsdorf. "Seulberg - Hongkong mit der Eisenbahn", eine Tonbildreportage von Günter Holle. Bürgerhaus Köppern, 17 Uhr. Parteien/Parlamente Oberursel. CDU: Diskussion "Kann der Staat die Bürger noch wirksam schützen?", Hans-Joachim Jentsch, Gasthaus "Zum Schwanen", Hollerberg, 10 Uhr.
Neu-Anspach. Neujahrsempfang der CDU, Bürgerhaus, 10.30 Uhr. Beratung/Selbsthilfe Bad Homburg. VHS, Elisabethenstr. 4-8: "Hilfe, ich bin eifersüchtig", 14 bis 18 Uhr. Vereine/Organisationen Bad Homburg. Schachclub: Schach- Mannschaftsskampf, Kurhaus, 13 Uhr.
Touristen-Verein "Die Naturfreunde": Mitgliederversammlung, "Homburger Haus" am Sandplacken, 14 Uhr.
Oberursel. Heimatgeschichtliche Wanderung des Taunusklubs. Marktplatz, 13.30 Uhr.
Neu-Anspach. Wanderung des Taunusclubs durch den Anspacher Wald. Treffpunkt: Breite Straße, 13.30 Uhr. Fasching Friedrichsdorf. Kinderfasching, Sporthalle Seulberg, 15.11 Uhr.
Es gibt ausgesprochene Pokal-Mannschaften, es gibt auch Teams, die wenig Engagement in diesem Wettbewerb zeigen beziehungsweise Trainer und Funktionäre, die diesem Wettbewerb eine untergeordnete Bedeutung beimessen. Auf jeden Fall haben mit der TG Ober-Roden (Zweite Bezirksliga Darmstadt) und dem TV Büttelborn (Oberliga Hessen) nur zwei Vertreter des Bezirks Darmstadt die dritte Runde im Verbandspokal der Männer erreicht. Der Kreis Offenbach ist nach dem blamablen 16:29 der TSG Bürgel gegen seinen Oberliga-Konkurrenten TV Büttelborn im Männer-Wettbewerb nicht mehr vertreten. Die TG 08 Ober-Roden hat nach der TG Rüsselsheim mit dem TV Wicker (16:13) einen weiteren Oberligisten zu Fall gebracht und genießt auch in der letzten Runde auf Verbandsebene Heimrecht. In der Großsporthalle Ober-Roden wird am 7. Februar (10.45 Uhr) zur Handball-Matineé die SG Bruchköbel (Bezirksliga Frankfurt I) erwartet. Diese ist jedoch aufgrund ihrer "Starbesetzung" mindestens so hoch wie ein Oberligist (warf die SG Anspach glatt mit 23:18 aus dem Rennen) einzustufen. Die Rödermarker Fans dürfen sich auf den 167fachen polnischen Nationalspieler Jerzy Garpiel (ehemaliger Torschützenkönig beim TV Gelnhausen/Zweite Bundesliga), Norbert Wess, Stefan Otto und Jan Czwik als große Wurfkanonen freuen. Der TV Büttelborn erhielt kein Traumlos, muß zur TG Rotenburg (6. Februar, 18.30 Uhr), einem Oberliga Nord- Verein.
Die TG Ober-Roden unterstrich auch gegen den TV Wicker ihre Pokal-Ambitionen. Vor allem die Abwehr zeigte wiederum eine Klasseleistung, Jürgen Braun imponierte zwischen den Pfosten. Der 5:5- Halbzeitstand zeigte die Stärken und Schwächen beider Teams am besten auf. Erst mit dem 14:11 hatte die TGO die Nase entscheidend vorne. Alexander Beck (6) war im Angriff die halbe Miete.
Die TSG Bürgel rechnete vor dem 16:29 (7:15) gegen den TV Büttelborn mit dem Weiterkommen, denn der Gast mußte gleich auf vier wichtige Akteure verzichten. Diese Tatsache kratzte offenbar massiv an der Einstellung der Offenbacher, die weit unter ihren Möglichkeiten blieben. Holger Zindt (7/3) konnte als einziger die Erwartungen erfüllen. Für Furore sorgte beim Gast Rechtsaußen Michael Janz. Der technisch begabte Akteur imponierte mit gekonnten Drehwürfen, avancierte mit zehn Toren zum Spieler des Tages.
Was den Männern der TSG Bürgel verwehrt blieb, packten die Frauen: Sie gewannen beim klassentieferen TV 1892 Niedermittlau locker mit 19:9 (9:4). Bis zur ersten Runde im Südwestpokal bedarf es jedoch des Überwindens einer weiteren Auswärtshürde: Am 7. Februar (16.30 Uhr) muß die TSG Bürgel zum TSV Malsfeld, somit in den Norden des Landes. Die Partie im Bezirk Kassel soll in der Hochlandhalle Malsfeld-Ostheim absolviert werden. Bei gleichem Elan wie in Freigericht-Somborn, wo Niedermittlau seine Heimspiele austrägt, sollten die Schützlinge von Hanne Koch in die Südwest-Runde (mit dem BSC 47 Urberach oder dem SV Darmstadt 98 als möglichem Gegner) einziehen können. Die Auslosung für diese Runde ist für 15. Februar terminiert.
Ulla Storck (4) konnte als einzige TVN- Akteurin der TSG gefährlich werden. Die frühere Frankfurter Grünweiß-Bundesligaspielerin Petra Bröckling (6/1) und Petra Bender (5/4) trafen zusammen mehr als die gesamte Mannschaft aus dem Hasselrother Ortsteil.
Im Vergleich Goliath gegen David genügte Oberliga-Spitzenreiter Sport-Union Mühlheim beim letztjährigen Regional- und zukünftigen Bezirksligisten TSG Oberursel eine bessere Trainingsleistung, um 11:8 zu gewinnen. Die Würfel waren beim 9:4 frühzeitig zugunsten des etwas überheblich spielenden Gastes gefallen.
Mit Ruhm bekleckerte sich das Team von Herbert Wehnert nicht. Susanne Emmert, Susanne Franke, Ingrid Banszerus, Stephanie Haus und Sabine Klose (alle 2) sorgten für das Weiterkommen. Beim TV Hüttenberg (7. Februar, 15.15 Uhr) kann die SUM zeigen, was in ihr steckt. Dort trifft sie übrigens auf die Oberliga-A- Jugend des TVH. Mit dem SV Crumstadt (13:15 in Sulzbach), der SKV Büttelborn (13:14 gegen die SSG Bensheim) und dem SVC Gernsheim (19:20 in Reichelsheim/ Beerfurth) schieden bei den Frauen drei Darmstädter Bezirksvereine aus. Nur die SG Arheilgen (15:14 gegen Schwarz-Weiß Griesheim, am 7. Februar, 17.30 Uhr, Gastgeber des Nord-Oberligisten Hünfelder SV) kam weiter. dip
Einen lukrativen, wenngleich illegalen Nebenverdienst haben der 42 Jahre alte Mitarbeiter einer städtischen Meldestelle und eine 50 Jahre alte Geschäftsfrau wohl endgültig aufgeben müssen: Der Angeklagte wurde am Mittwoch wegen Bestechlichkeit zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Gegen die Frau verhängte das Schöffengericht wegen Bestechung eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und eine Geldstrafe von 10 800 Mark (270 Tagessätzen zu je 40 Mark). Beide Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Arbeitsteilig hatten sie dafür gesorgt, daß Polen, die nicht in Frankfurt lebten, mit Hilfe falscher Adressen an eine vorläufige Bescheinigung ihrer Aufenthaltserlaubnis gelangten und damit die Voraussetzungen für eine von der Polizei geduldete Existenz führen konnten.
Der frühere Angestellte der Stadt wurde zudem wegen seiner zweiten illegalen Geldquelle - er hatte die Gebühren für neue Personalausweise und Pässe in die eigene Tasche gesteckt - wegen Untreue und Verwahrungsbruch verurteilt. 15 000 Mark, die er der Staatskasse vorenthalten hatte, wurden für verfallen erklärt.
Drei Jahre lang, von 1987 bis Ende 1989, kooperierten die beiden Angeklagten zu großem gegenseitigem Nutzen: Die Frau, eine Polin, die zu jener Zeit in einem Lokal im Frankfurter Ostend arbeitete, hatte über ihren ehemaligen Lebensgefährten, einen Ex-Rechtsanwalt, Kontakt zu dem Mitarbeiter der Meldestelle und Einblick in die illegale Beschaffung der Bescheinigungen erhalten. Polen, die gar nicht in Frankfurt oder gar Hessen lebten, konnten über ihren Kontakt in der Meldestelle Sachsenhausen- Ost an das begehrte Papier kommen.
Als ihr Lebensgefährte sich davongemacht hatte, setzte sie das "Geschäft" allein fort und zahlte dem städtischen Mitarbeiter für seine Dienste alle 14 Tage etwa 200 Mark. Von ihren Landsleuten kassierte sie für ihre Hilfe hingegen rund 200 Mark pro Fall, manchmal sogar 300 Mark. Laut Berechnung der Staatsanwaltschaft konnte die Mutter dreier Kinder ihr eher mageres Honorar in der Kneipe so um "mehrere hunderttausend Mark" aufbessern.
Zehn bis 30 Fälle pro Tag hatte der Mitarbeiter der städtischen Meldestelle, laut eigener Aussage zu jener Zeit heftiger Trinker und Spieler, damals zu erledigen. Sein zweites "Standbein" fand er zudem im Ausstellen von neuen Pässen und Personalausweisen. In 576 Fällen behielt er die dafür vom Bürger zu entrichtenden Gebühren für sich - immerhin rund 15 000 Mark. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei Pässe und Personalausweise unter dem Bett des Angeklagten.
Staatsanwalt Günter Wittig monierte in seinem Plädoyer insbesondere, daß es bei der Stadt anscheinend keinerlei "Aufsicht" gegeben habe, die das Tun des Angeklagten viel früher hätte aufdecken können. ee
KREIS OFFENBACH. Für alte Gefäße und andere Relikte der Frühgeschichte hat sich Gesine Weber schon immer interessiert. "Schuld" daran sind ihre Eltern, die die Tochter regelmäßig mit ins Museum nahmen. Was zunächst nur kindliche Neugier weckte, beschäftigt Gesine Weber nun von Berufs wegen. Die junge Frau arbeitet seit Dezember als Bodendenkmalpflegerin beim Kreis Offenbach.
Die Nachfolgerin von Klaus Ulrich, der im Mai 1992 nach 28 Jahren Dienstzeit in den Ruhestand ging, ist zwar erst 29 Jahre alt, doch sie hat schon einige praktische Erfahrungen gesammelt und kennt sich im Kreis aus. Sie studierte an der Universität Frankfurt in den achtziger Jahren Vor- und Frühgeschichte, provinzialrömische Archäologie und Geographie; sie war dabei bei Grabungen der Uni und hiesiger Experten wie Klaus Ulrich und Dr. Egon Schallmayer, der als Archäologe in Rödermark tätig war.
Zu den Fundstellen, die ihr vertraut sind, gehören beispielsweise die Gräber aus der Zeit der Urnenfelder in Dietzenbach. Mit von der Partie war sie auch in Ober-Roden, als Schallmayer eine Baugrube neben der katholischen Kirche unter die Lupe nahm. Er vermutete dort Reste des Klosters Rotaha, von dem auch die Nieder-Rodener hoffen, daß es bei ihnen entdeckt wird.
"Die Gemeinden sind sehr an ihrer Geschichte interessiert", weiß Gesine Weber aus dieser Zeit. Investitionen in die Bodendenkmalpflege zahlen sich nach ihrer Darstellung - zumindest ideell - reichlich aus: Im Kreis Offenbach, einem dichtbesiedelten Gebiet von der Eiszeit bis zur Neuzeit, sei die Wahrscheinlichkeit, fündig zu werden, sehr groß.
Aus Erfahrung weiß Weber auch, wie wichtig die ehrenamtlichen Heimatforscher aus den Vereinen sind. Ulrich nannte sie "Vertrauensleute" und machte mit ihnen traditionell an Himmelfahrt eine Grabung. Sie sind es, die auch sonst die Augen offenhalten und dabei schon so manchen Fund gemacht haben. Weber ist auf sie angewiesen: "Ich kann nicht durch den Kreis fahren und in Baugruben schauen oder über Äcker rennen."
Die Zeugen früherer Zeiten, Knochen, Scherben oder Gefäße, werden oft zufällig entdeckt. Aufgabe der Kreisbodendenkmalpflegerin ist es dann, einen Fundbericht zu schreiben. Die Aufzeichnungen füllen eigene Akten und die des Landesamts für Denkmalpflege. Die Fundstücke kommen in die Magazine der Museen.
Für die Zusammenarbeit mit den Kreismuseen in Dreieich und Seligenstadt sowie den örtlichen Heimatmuseen kann Gesine Weber auf das zurückgreifen, was sie bei einem zweijährigen Volontariat im Landesmuseum Kassel gelernt hat. "Ein gutes Museum arbeitet mit vielen Rekonstruktionen, damit die Besucher nicht nur Töpfe und Scherben sehen, sondern auch etwas über die Menschen erfahren, die damals gelebt haben." Das Mülheimer Heimatmuseum hält sie für wirklich gelungen - ein Beispiel dafür, was Ehrenamtliche leisten.
Ausstellungen plant sie nach eigenen Worten vorerst nicht. Auch eigene Grabungen und Forschungen hat sie so bald nicht vor, obwohl es ihr an Ideen nicht mangelt. Frühe Burgen oder die Geschichte der römischen Besiedlung würden sie interessieren. Aber: "Ich muß mich erst einmal in die Akten einarbeiten." Einiges ist liegengeblieben, nachdem die Stelle ein paar Monate lang nicht besetzt war. Weber sitzt übrigens nicht wie Ulrich im Dreieich-Museum, sondern im Kreishaus in Offenbach.
Durch die Kontakte zu den Ehrenamtlichen und der Baustellenüberwachung werde ihre Arbeit eine "gesunde Mischung" aus Büroarbeit und Außendienst, meint sie zuversichtlich. "Ich springe auch im Gelände rum, wenn wieder einmal etwas gefunden wird."
KARIN DALKA
KRONBERG. "Yajas Klangtheater" gastiert am Montag, 25. Januar, 15 Uhr, in der Stadthalle, um mit allen Kindern im Alter ab vier Jahren Theater und Musik zu spielen.
Titel des musikalischen Mitmach-Theaters ist "Mit Summ und Bumm". Yajas großer Traum ist, einmal in einem richtigen Orchester zu spielen. Der Traum wird erfüllt, als die Orgelpfeifenfamilie Silberschlank zu Besuch kommt. Doch der geht plötzlich die Luft aus und deshalb müssen die zuschauenden Kinder einspringen. Karten gibt es an der Tageskasse.
BAD HOMBURG. Ein magisches Stück für Kinder ab vier wird am Mittwoch, 27. Januar, 15 Uhr, im E-Werk an der Wallstraße 24 präsentiert. "Hexen-Zauber" heißt es und es geht dabei um den Magier Zaubinelli, der auf dem Weg zur Zauberprüfung ist. Als er die listige Hexe Nudeltraut trifft, ist plötzlich alles wie verhext. Nichts funktioniert mehr, sogar der Rabe Otto ist ganz verwirrt. Es entbrennt ein richtiger Zauberstreit, bei dem es aber am Schluß weder Gewinner noch Verlierer gibt. s
EPPSTEIN. In der Burgstadt, warnt die Polizei, seien Betrüger unterwegs. Bereits Ende vergangener Woche habe ein unbekannter Mann im Bereich der Kurfürstenstraße Zeitschriften-Abonnements angeboten und verkauft - und gelogen, daß er ein Angehöriger der "Selbsthilfegruppe Drogenabhängiger Frankfurt" sei.
Der "Verkäufer" erklärte nach Angaben der Polizei, daß Rauschgiftsüchtige und Straftäter die Möglichkeit erhalten sollten, durch den Besuch einer Förder- und Sonderschule im Westerwald eine Ausbildung als Krankenpfleger zu erhalten. Deswegen müsse er auch die Zeitschriften verkaufen, erzählte der Mann potentiellen Kunden. Mit den Einnahmen würde die Ausbildung finanziert.
Die Einrichtung im Westerwald ist eine Erfindung, wie die Polizei ermittelt hat. Sie würde immer wieder wahrheitswidrig für Werbeaktionen genutzt.
Der Betrüger wird als 20 bis 22 Jahre alt und etwa 1,70 bis 1,76 Meter groß beschrieben. Zeugen gaben an, daß er dunkelbraune Haare habe, eine Jeans und eine blaugraue Lederjacke getragen habe und mit Berliner Akzent spreche. Hinweise an die Kriminalstation Hofheim unter Telefon 0 61 92 / 2 07 90 oder an jede andere Polizeidienststelle. pms
Minister will Registrierung von Wohnungssuchenden erleichtern
"Ein undurchdachter Vorschlag zum ungünstigsten Zeitpunkt": So charakterisiert Bärbel Heimann (Grüne) die kürzlich geäußerte Überlegung der kommissarischen Wiesbadener Kulturdezernentin Eva Müller zur Zukunft der Kleinkunstbühne Hinterhaus. Die SPD-Frau hatte zu Jahresbeginn unerwartet dafür plädiert, die Institution bei der Nutzungsplanung für das Dernsche Gelände zu berücksichtigen, ein zentrales Wiesbadener Areal, das noch in diesem Jahrhundert bebaut werden soll. Die hier vorgesehene innerstädtische Architektur, gedacht, die zur Zeit an verschiedenen Orten engagierte Musik- und Kunstschule aufzunehmen, kam bislang allerdings nur negativ in die Schlagzeilen.
Nicht nur, weil der Entwurf wenig aufregend anmutet und die bauliche Seite des Modells dem angestrebten Zweck ziemlich zuwiderläuft, sondern auch deshalb, weil seine teure Optik nicht lange das von ihr ummäntelte konzeptionelle Vakuum wird verdecken können. Das Gebäude ist groß gedacht, bloß: die 1991 neu gegründete Wiesbadener Musik- und Kunstschule ist zur Hälfte ein Phantomprojekt.
Zwar werden Musik gelehrt und Konzerte angeboten, der Kunstpart aber ist zur Zeit eine Leerformel. Eva Müller möchte, daß hier einmal Bildende und Darstellende Kunst von Interessenten aller Altersgruppen studiert werden können. Worin sich das Programm von volkshochschulischen Aktivitäten unterscheidet? Das ist anscheinend schwer zu erklären. Getöpfert werden soll jedenfalls, aber nicht etwa die "500. Keramikscherbe". Müller liebäugelt auch mit dem "künstlerischen Umgang mit Metall", und die Stelle für eine künstlerische Leiterin ist auch schon ausgeschrieben. Leider aber nicht so leicht zu besetzen.
Diesem Tirilieren in Wolkenkuckucksheimen antworten in Wiesbaden Fanfarenstöße aus dem Hinterhaus. Das hat sich während seines 15jährigen Bestehens von einer studentischen Kulturinitiative zu einem professionellen Betrieb entwickelt, muß aber immer noch mit einer Spielstätte im 1. Stock eines Wiesbadener Hinterhauses vorliebnehmen, die nicht nur wegen des geringen Sitzplatzangebotes und dem existentialistischen Schwarz an allen Wänden eher als Kellerkneipe aus seligen siebziger Zeiten durchgeht. Damals mochte man das so, und die ersten Versuche, die traditionellen Kulturangebote aufzumischen, brauchten es auch so. Inzwischen aber ist die alternative Kultur kein Kellerkind mehr, die Studenten von damals besuchen die Unternehmensberatungsseminare von heute, machen sich Gedanken über ein Programm, das kontinuierlich an- und aufregt, kulturelle Vitaminspritze ist für die Wiesbaden müde Jugend, aber auch die älteren Generationen vom Fernsehhocker lockt. Kurz: sie bilden einen ernst zu nehmenden Faktor der nicht eben spannenden Kulturszene dieser Stadt.
1988 scheint Oberbürgermeister Achim Exner das erkannt zu haben und versprach den Hinterhäuslern ein neues Domizil. Die Stadt kaufte - nachdem man den Mietern hier gekündigt hatte - das Haus in der Karlstraße, in dem sich ihre Spielstätte bis heute befindet. Später konzentrierte man sich auf die der Generalüberholung bedürftige Grabenstraße 9. Das Darmstädter Architekten-Büro Kramm und Strigl (Zeilgalerie und Tigerpalast Bar in Frankfurt) hat mittlerweile mit städtischem Plazet und Geld das sanierungsbedürftige Haus als neuen Hinterhaus-Spielort konzipiert einschließlich der notwendigen Inneneinrichtungen wie Probebühne und Café. Mit Enthusiasmus und Köpfchen hat sich derweil das Hinterhaus-Team an die Ausarbeitung eines Betreiberkonzepts gemacht und "alles geplant bis zur letzten Klopapierrolle".
200 Besucher statt 60 soll der neue Zuschauerraum fassen: man möchte das Programm erweitern, nicht nur hauseigenes Kabarett zeigen, sondern mehr Gastkünstler einladen, feste Mitarbeiterstellen einrichten statt bloß ehrenamtliche. Das kostet. 170 000 Mark bekommt das Hinterhaus pro Jahr, der neue Etat müßte fünfmal so hoch sein. Angesichts der Tatsache, daß die Landeshauptstadt (!) weit weniger ausgibt für Kultur als vergleichbare Städte, folglich dieser Sektor außerhalb des Staatstheaters beschämend brachliegt, dürfte das eigentlich kein Problenm sein.
Daß es indes ein ganz gewaltiges ist, machte nun eine Podiumsdiskussion der Beteiligten mit Eva Müller und den Vertretern aller Fraktionen des Stadtparlaments deutlich. Man bemühte sich zu rechnen, ging aber drei Stunden lang von fiktiven Größen aus und hantierte mit völlig verschiedenen Maßstäben. Der Umbau des Grabenstraßen-Hauses wird mit rund 12 Millionen Mark beziffert, schließt aber die notwendige Sanierung ein und soll auch ARTist (Kooperative New Jazz), einem Verein, der seit langem ohne festes Forum ist, zur Verfügung stehen. Diese Kosten meint nun Müller umgehen zu können, indem sie - gedanklich - das Hinterhaus an die Musik- und Kunstschule koppelt und im Neubau des Dernschen Geländes sieht, der zur Zeit nicht dort, sondern in den Sternen steht. Während das Haus in der Grabenstraße hundertprozentig nach den Belangen von Hinterhaus und ARTist konzipiert ist, fehlen im Konkurrenzgebäude sämtliche Voraussetzungen. Wie soll ein Theaterbetrieb, der endlich aus den Provisorien herauskommen will, sich in einer Schule einrichten? Und Baubeginn ist frühestens in drei Jahren. Die Grabenstraße könnte bis dahin bezogen sein! Unruhe bei den Hinterhäuslern. Beteuerungen von den Politikern.
Gegen Mitternacht wollen sich alle doch wieder für die Grabenstraße einsetzen, und auch Eva Müller wollte ja "bloß mal eine Alternative" anklingen lassen. Die Wahlkampfglöckchen klingeln auch: ihre ganze Verschiebungspolitik läßt die Politiker alles vergessen, aber die Kommunalwahl (im März) nicht. Hoffen wir, daß die schöne Stadt am Ende nicht in ihrer "verkrusteten Ballkultur" (Hinterhaus-Vorstandsmitglied Theresia Hebenstreit) und dem Beamtenmief erstickt! Zu lange schon basteln Wiesbadens Kulturverantwortliche bloß an unausgegorenen Versuchen, in der Stadt Kultur anzusiedeln und am Leben zu erhalten. Ein wenig Feuer unterm Hintern täte gut wie auch die Verbreitung einer Einsicht, die Hans Peter Thurn (CDU) schon hat: "In Rezessionszeiten muß man antizyklisch denken und erste recht in Kultur investieren." DOROTHEE BAER-BOGENSCHÜTZ
Ein ideales 16er-Feld, eine Handvoll Nachholspiele, aber dennoch terminliche Ungereimtheiten kennzeichnen die Lage in der Fußball-Kreisliga A Hanau. Bereits an diesem Sonntag (1.FC Mittelbuchen gegen Safakspor Hanau) soll das erste Nachholspiel absolviert werden. Des weiteren sind vor dem Frühstart ins neue Jahr - komplett soll es am 7.Februar 93 weitergehen - die Begegnungen Germania Großkrotzenburg gegen Safakspor Hanau (30.1.) sowie VfR Kesselstadt gegen SV 1930 Langenselbold (31.1., jeweils 14.30 Uhr) anberaumt. Ferner sollen FC Büdesheim gegen Rot-Weiß Großauheim (11.2., 20.30 Uhr) sowie SV Wolfgang gegen Mittelbuchen am Fastnachtsamstag (20.2., 14.30 Uhr) zur Austragung kommen. Durch den kurzfristigen Rückzug von Español Großauheim "schrumpfte" die niedrigste Hanauer Kreisklasse auf 16 Klubs, aufgrund der mit den anderen Klassen abgestimmten Termingestaltung weigerte sich Klassenleiter Hans Wolafka, eine neue Terminliste zu stellen. Trotz "glatter" 16er-Liga müssen somit an jedem Spieltag zwei Klubs pausieren. Die für die Rückrunde mögliche Änderung wurde ebenfalls nicht vorgenommen, die verbalen Proteste einiger Vereine ignoriert. Trotz des Frühstartes wird die Runde erst am 23. Mai abgeschlossen sein. Dem Meister (der ehemalige Landesligist VfB 06 Großauheim führt einsam und allein mit 31:3 Punkten die Tabelle an) und dem Rangzweiten - mit dem FC Germania 06 Rückingen und der Spvgg. Hüttengesäß (je 23:11 Zähler) sowie dem FC Hellas Maintal und SV 1930 Langenselbold (je 22:10) rangeln mindestens vier Teams um Rang zwei - ist der Direktaufstieg sicher, der Tabellendritte kann es zusätzlich über die Relegation schaffen. Obgleich der FC Ararat Hanau nur 2:32 Punkte und 14:61 Tore vorzuweisen hat und damit die schwächste Mannschaft im gesamten Fußballkreis stellt, droht den Armeniern kein Abstieg. Eine B-Klasse existiert nämlich nicht. Das Aus in der Punktrunde droht der 2.Mannschaft der Spvgg. 1910 Langenselbold (5:27/Vorletzter), denn beim wahrscheinlichen Abstieg der "Zehner" aus der Landesliga heißt es wieder Vorspiele zu absolvieren.
Wolafka mußte bisher 26 Einzelrichterurteile verhängen, viermal der Kreis- Rechtsausschuß in Aktion treten. Eine Durchschnittsquote in Hessen, eine positive Bewertung für die untere Ebene. Positiv tritt vor allem der VfB Großauheim auf, Spielertrainer Orhan Yildiz und seine Männer garantieren stets volle Kassen. Teilweise verfolgten mehr als 300 Zuschauer die Spiele des ehemaligen Landesligisten. hdp
BEZIRKSLIGA BÜDINGEN: 1. FC 45 Rommelhausen - VfR 1920 Hainchen, VfR Ulfa - FC Alemannia Gedern (beide Sonntag, 14.30 Uhr).
KREISLIGA A HANAU: 1. FC 13 Mittelbuchen - Safak Spor Hanau (Sonntag, 14.30 Uhr).
KREISLIGA A BÜDINGEN: TSV 1888 Stockheim - FC 61 Wallernhausen, SC Rot-Weiß Gelnhaar - VfB Ober-Schmitten (beide Sonntag, 14.30 Uhr).
KREISLIGA B BÜDINGEN-SÜD: SSG Viktoria Eckartsborn - KSV Effolderbach, KSG Usenborn - SV Olympia Bergheim (beide Sonntag, 14.30 Uhr).
KREISLIGA B BÜDINGEN-NORD: KSV Bobenhausen - VfR Hirzenhain (Samstag, 15 Uhr), KTSV Borsdorf/Harb - SV Rainrod (Sonntag, 15 Uhr).
KREISPOKAL BÜDINGEN, 1. Runde (Nachholspiele): SV Ober-Lais - SV Blau-Weiß Schotten (Samstag, 14 Uhr), SG Eintracht Ober-Mockstadt - SV Merkenfritz (Sonntag, 14 Uhr). hdp
Die heilige Cäcilia, Schutzpatronin der Kirchenmusik, leiht ihm den Namen: Der Frankfurter "Cäcilien-Verein", neben der Berliner Singakademie wohl der älteste und traditionsreichste Oratorienchor der Welt, ist gleichzeitig auch ein schillerndes, extravagantes Singensemble auch noch der heutigen Frankfurter Chorszene. Der Chor begeht in diesem Jahr sein 175. Gründungsjubiläum. Angekündigt wurden nun, vom künstlerischen Leiter, Christian Kabitz, und vom Vorsitzenden der Singgemeinschaft, Renato Brugger, das Programm des Jubiläumsjahrs.
Kabitz, der selbstkritisch meinte, man könne sich eventuell zuviel vorgenommen haben, präsentierte den diesjährigen Terminkalender der Cäcilianer. Ein auf den Tag genauer Gründungstermin ist übrigens nicht mehr zu ermitteln: Die Chorchronik, die im Gebäude der historischen "Saalbau" archiviert war, wurde im Zweiten Weltkrieg bei der fast vollständigen Zerstörung des historischen Gebäudes vernichtet. So wird, nach dem ersten Konzert im Jubiläumsjahr, Johann Sebastian Bachs "Matthäuspassion", das zentrale Festkonzert am 16. Mai in der Alten Oper stattfinden. (Anläßlich der Aufführung von Bachs Passion am 28. März, ebenfalls in der Alten Oper, will man in besonderem Maß Felix Mendelssohns gedenken, der diese Passion einst wiederentdeckte und am Karfreitag 1929 mit der Berliner Singakademie, erstmals nach Bachs Tod, wiederaufführte. Mendelssohn dirigierte einst auch den Cäcilien-Verein.) Im Festkonzert will man auch Mendelssohn aufführen: Das Oratorium "Elias" soll wieder erklingen, nachdem man, im Vorjahr, Mendelssohns "Paulus" gesungen hatte.
Auch im Rahmen der "Frankfurt Feste '93" wird der Chor präsent sein. Am 12. September, im Gedenken an den Aufstand im Warschauer Ghetto fünfzig Jahre zuvor, wird Arnold Schönbergs "Ein Überlebender aus dem Warschauer Ghetto" in einem Konzert mit Johannes Brahms' "Ein deutsches Requiem" verbunden. Wenig später, am Buß- und Bettag, wird man mit einem Psalmenprogramm (Liszt, Kodaly, Bernstein) besinnlich stimmen; beim traditionellen Weihnachtskonzert in der Sachsenhäuser Dreikönigskirche wird es Johann Sebastian Bachs "Weihnachtsoratorium" geben. Fünf Konzerte zum Jubiläumsjahr werden als Abonnement angeboten.
Die Choristen, die ihr Engagement dadurch belegen, daß sie an 120 Abenden jährlich im Chor präsent sind, werden 1993 auch Auswärtstermine bestreiten. So, neben der Teilnahme an den Weilburger Schloßfestspielen im Sommer und im thüringischen Suhl, ein Gastspiel in Israel, wo nochmals Schönbergs "Ghetto" aufgeführt und der Chor von einem israelischen Orchester begleitet werden soll.
Eine Besonderheit im Jubiläumsjahr wird der Abdruck einer ausführlichen Chorgeschichte in den Programmheften der Frankfurter Konzerte sein. Der Frankfurter Historiker und Journalist Andreas Bomba will sie in Fortsetzungen von Konzert zu Konzert präsentieren. Außerdem wird Bomba eine Broschüre zur allgemeinen Chorsituation, speziell im Cäcilien-Verein, zusammenstellen. ALEXANDER ULLMANN
Martin Steinhoff ging in die Offensive. Der Opernintendant machte bei seinem Vortrag über "Opernpolitik für Frankfurt" im Chagall-Saal des Theaters endlich konkrete Vorschläge, wie der manövrierunfähige Supertanker "Oper Frankfurt" wieder flottgemacht werden kann. Seit Wochen ist das Haus nicht der künstlerischen Leistungen, sondern des drohenden finanziellen Desasters wegen im Gespräch. Erst jüngst schreckte Steinhoff den Kulturausschuß der Stadt: Wenn nichts passiere, gingen spätestens 1997 in der Oper die Lichter aus.
Eine Stukturreform des maroden Betriebs ist unumgänglich, und es geistern jede Menge Ideen durch die Medienlandschaft: Verkleinerung des Orchesters, Verzicht auf teure Gaststars, Umstellung auf Stagione-Betrieb. Dazu fand der Intendant klare Worte: "Eine Einführung der Stagione wäre Wahnsinn." Die Idee, ein Stück nach längerer Vorbereitungszeit mehrmals hintereinander zu spielen und dann vom nächsten abgelöst zu werden, verlangt nämlich, im Idealfall, ein "leeres Haus": Orchester, Dirigent, Regie, Chor und Sänger werden auf dem freien Markt je nach Bedarf engagiert. Selbst Bühnentechnik, Kulissen und Kostüme stammen aus fremder Werkstatt.
Die Frankfurter Oper ist ein typisches Stadttheater und mithin das genaue Gegenteil des Stagione-Betriebs. "Wir brauchen im Grunde überhaupt nichts von außen." Das erklärt die enorme Höhe fester Kosten: 90 Prozent des Etats werden von ihnen aufgefressen. Vom Rest werden zusätzliche Sänger, Dirigenten und Regisseure engagiert und die abendlichen Vorstellungen finanziert.
Angesichts der prekären finanziellen Situation, die das Engagement teurer Gäste nun weitgehend verbietet, verfocht Steinhoff den Gedanken eines eigenen leistungsfähigen Sängerensembles. "Wir müssen wieder ein junges Ensemble aufbauen, das sich mit dem Haus identifiziert. Privilegien, Rollenansprüche und Erbhöfe vermeintlicher Stars darf es in Zukunft nicht geben."
Zahlreiche Vorschläge machte der Intendant, um die Oper wirtschaftlich gesünder und künstlerisch attraktiver zu machen: Um die vielbeklagten "theaterfreien" Tage zu reduzieren, müsse die Zahl aufwendiger Neuproduktionen verringert werden; diese sollten dann aber, "nach Stagione-Prinzip", öfter hintereinander gespielt werden. Die langen Vorbereitungsphasen könnten durch konzertante Opernaufführungen und Gala- Abende überbrückt werden. Daneben müßten "dichte Repertoireblocks" stehen, mit abwechselnd gespielten, technisch weniger aufwendigen Produktionen. Steinhoff regte außerdem Kammeroper- Projekte an, nicht zuletzt, um jungen Sängern die Gelegenheit häufigeren Auftretens zu bieten. Im Sommer könnten festspielähnliche Perioden, auch in Koproduktion mit anderen Häusern, das Angebot abrunden.
Steinhoffs Vortrag ließ zwar Fragen nach wie vor offen - etwa ob und in welchem Umfang die fixen Kosten reduziert werden können, sprich Personal entlassen werden soll -, vor dem Hintergrund düsterster Prognosen eröffnete er aber hoffnungsvollere künstlerische und wirtschaftliche Perspektiven.
ECKART BAIER
Die Leichtathletik-Verbände aus den fünf neuen Bundesländern ärgern sich über die Kritik von Harald Schmid und laden ihn ein, "unsere Basis kennenzulernen und sich von deren Zukunftsträchtigkeit zu überzeugen". Schmid hatte die "besondere Qualität der Osttrainer" bezweifelt, sich über Perspektivlosigkeit im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) beklagt und wegen der Doping-Vergangenheit vieler Trainer und Aktiven in der früheren DDR das Innenministerium für dessen zweckgebundene Ost-Förderung kritisiert (siehe FR vom 28. Dezember).
In einer vom DLV "vollinhaltlich" unterstützten Erklärung sagen die fünf Verbände über den nach ihrer Aussage "destruktiven" Schmid, ihnen sei nicht ein konstruktiver Gedanke von ihm bekannt. Schmid habe sich in den neuen Verbänden nicht blicken lassen: "Woher nimmt er also seine Kenntnis darüber, was für uns gut und was für uns schlecht ist?"
Im übrigen nehmen die fünf Neuen die von Schmid Kritisierten in Schutz, "bescheinigen dem Bundesministerium des Innern eine gute Kenntnis der Basis" und schreiben, im Ministerium und im DLV-Präsidium gebe es "weitsichtige, konstruktive und mutige Menschen". FR
Kleine FR
Verfahrens-Kritik an Gisela Bretz KRONBERG. Im Ältesten- und Petitionsausschuß am heutigen Donnerstag, 21. Januar, um 19.30 Uhr im Kleinen Sitzungssaal in der Katharinenstraße 12 geht es auch um die Kritik an Stadtverordnetenvorsteherin Gisela Bretz wegen ihrer Sitzungsleitung in der Stadtverordnetenversammlung und in den Ausschüssen.Haupt- und Finanzausschuß KÖNIGSTEIN. Der Haupt- und Finanzausschuß in Königstein tagt am heutigen Donnerstag, 21. Januar, um 20 Uhr im Kleinen Saal des Bürgerhauses Falkenstein.Raumordnungsgutachten STEINBACH. In der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am Donnerstag, 21. Januar, um 18 Uhr im Sitzungszimmer des Rathauses geht es um die Stellungnahme Steinbachs zum Raumordnungsgutachten 1992.
BEZIRKSLIGA HOCHTAUNUS: FSV Friedrichsdorf - Spvgg. Hattstein (Samstag, 14 Uhr), FV 09 Stierstadt - TSG Pfaffenwiesbach, SCCP Bad Homburg - DJK Helvetia Bad Homburg, SG Schneidhain/Falkenstein - FC Inter Oberursel, Usinger TSG 1846 - FC Königstein, 1. FC 04 Oberursel - SV 1920 Seulberg, TG 02 Wernborn - SG 05 Hausen, FC Weißkirchen - Eintracht Oberursel, EFC 1910 Kronberg - TuS Weilnau (alle Sonntag, 14 Uhr).
KREISLIGA A HOCHTAUNUS: Eschbacher Bomber - SC Farblos Schneidhain (Samstag, 14.30 Uhr), SGK Bad Homburg II - TuS Eschbach, TSV Grävenwiesbach - FC Oberstedten, SV Frisch Auf Emmershausen - FC Laubach, SG Weilrod - TuS Merzhausen, SG Hundstadt - SG 90 Oberursel, TV 1893 Burgholzhausen - FC 1930 Reifenberg, SV Teutonia Köppern - SG Niederlauken, SV 12 Bommersheim - SG 1862 Anspach (alle Sonntag, 14 Uhr). hdp
ELDORET/BAD VILBEL. "Das Schulprojekt in Eldoret geht ungehindert weiter". Das erklärt der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Eldoret-Huizen- Bad Vilbel, Rudolf Henrich. Er besitzt inzwischen Informationen über den Ausgang der Wahlen in Kenia und damit auch in der mit Bad Vilbel und Huizen befreundeten westkenianischen Großstadt Eldoret.
Nach seinen Angaben hat es in Eldoret und Umgebung eine große Mehrheit für die KANU-Partei des Präsidenten Daniel arap Moi gegeben. KANU habe Ende Dezember bei der ersten Wahl mit mehreren Parteien in dem seit 26 Jahren unabhängigen Kenia alle drei Parlamentssitze des Bezirks gewonnen. Damit sei auch die in Kürze bevorstehende Wiederwahl von Bürgermeister Hussein Kitur gesichert. In Eldoret habe es im Vorfeld der Wahlen Prügeleien gegeben, nach der Wahl aber sei es zu keinen Ausschreitungen mehr gekommen.
Hussein Kitur, der zuletzt im September vorigen Jahres Bad Vilbel besucht hatte, gilt nach Angaben von Henrich als engagierter Förderer des Schulprojekts für geistig und körperlich behinderte Kinder, das seit zehn Jahren maßgeblich mit Spenden aus Bad Vilbel und der niederländischen Partnerstadt Huizen gefördert wird. Henrich rechnet damit, daß wie geplant im Frühjahr mit dem Bau von Werkstätten für die Ausbildung von Schreinern und Schneiderinnen begonnen wird.
Die Finanzierung des Projekts über Zuschüsse der deutschen Bundesregierung (60 000 Mark) und Mitteln des Partnerschaftsvereins(33 000 Mark) sei endgültig gesichert. mu
Im Blickpunkt: Lateinamerika und Bill Clinton Hoffnungen und Stirnrunzeln
In der Woche vor seiner Wahl zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten suchten allein 400 Politiker aus Argentinien in den USA nach einer Gelegenheit, sich mit Bill Clinton fotografieren zu lassen. Die Episode zeigt, wie sehr ein Präsidentenwechsel im Weißen Haus die Eliten Lateinamerikas beschäftigt - wenn auch der Übergang vom Republikaner George Bush zum Demokraten Clinton für den Subkontinent von viel geringerer Bedeutung ist als 1980 der Sieg Ronald Reagans über Jimmy Carter. Die konservativen Zivilisten, die den demokratischen Regierungen von Mexiko bis Argentinien und Chile vorstehen, hätten Bush dem Demokraten Clinton vorgezogen. Der alte Chef des Weißen Hauses hatte die wirtschaftlichen Sanierungsversuche neoliberalen Zuschnitts in Lateinamerika tatkräftig unterstützt. Auch das Freihandelsabkommen USA/Kanada/Mexiko war ein Kind von George Bush. Clinton, mit Gewerkschaftern und US- Grünen im Rücken, will darüber nochmals verhandeln lassen; es soll keine Abwanderung von Industriebetrieben aus den USA geben, etwa von solchen, die vor den US-Umweltnormen nach Mexiko "flüchten" könnten ("Öko- Dumping"). Auch Chiles Präsident, dessen Land mit Bush über ein Freihandelsabkommen diskutierte, runzelte nach Clintons Wahl die Stirn. Senatspräsident Gabriel Valdes zerstreute die Bedenken aber mit der zutreffenden Bemerkung: "Nicht die Frage Clinton oder Bush zählt für Lateinamerika, sondern ob es den USA wirtschaftlich gut oder schlecht geht."
An Bill Clintons in Umrissen schon erkennbarer Kuba-Politik zeigt sich, daß die Lateinamerikaner mit keinen Kehrtwendungen des Weißen Hauses zu leben haben werden. Blockade und Wirtschafts-Embargo gegen Fidel Castros Inselreich bleiben bestehen. Und Clinton stellte klar, Jimmy Carters Kuba-Spezialisten würden nicht wieder ans Ruder kommen. Bei den Konservativen in Nord- und Lateinamerika stehen sie im Ruf, gegenüber dem Revolutionsführer zu nachsichtig gewesen zu sein.
Mit Clintons Einzug ins Weiße Haus sind in Lateinamerika auch übertriebene Erwartungen verbunden, übertrieben optimistische wie pessimistische. In El Salvador glaubt die Befreiungsbewegung FMLN, der Demokrat Clinton werde die Einstellung aller Militärhilfe genauso bewerkstelligen wie eine schonungslose Säuberung der salvadorianischen Armee von rechtsextremen Elementen.
Zu pessimistisch dürfte die Furcht in Bolivien, Kolumbien und Peru sein, Clinton werde die Drogenbekämpfung ausschließlich im Innern der USA betreiben und Hilfsgelder für die Koka- Anbaustaaten Südamerikas streichen. ULRICH ACHERMANN (Santiago)
FULDA. Die Fachhochschule Fulda hat mit 30 000 Mark aus dem hessischen Wissenschaftsministerium den ersten mehrteiligen "Audiodata-Arbeitsplatz" eingerichtet, der stark Sehbehinderten oder Blinden ein Studium an der Hochschule erleichtert.
Der Prorektor der Fachhochschule, Professor Günter Stahlmann, berichtete, das spezielle Lesegerät mit Programmen, einem angeschlossenen Computer, Bildschirm und einer "Audio-Box" könne Texte erfassen, in starker Vergrößerung ausdrucken und über einen "sprechenden Bildschirm" in Deutsch oder Englisch akustisch übertragen. Außerdem gebe es für stark Sehbehinderte noch eine "Video-Lupe" zur Vergrößerung von Textvorlagen.
Mit der Installierung des Arbeitsplatzes werde an der FH Fulda ein seit langem beklagtes Defizit behoben. Die Geräte in der Bibliothek der Fachhochschule könnten nicht nur von Studierenden, sondern zu den Bibliotheks-Öffnungszeiten auch von anderen Sehbehinderten aus Fulda benutzt werden. gwa
Drei Obdachlose sollen in Bauwagen auf dem Grundstück der Hirtenkapelle im Gutleut eine Unterkunft finden. Der Magistrat und die evangelische Gutleutgemeinde, der das Gelände gehört, sollen sich um die drei kümmern.Das entschied der Ortsbeirat 1 einstimmig. Zwar hatten vergangene Woche einige Anlieger Bedenken gegen die Bauwagen geäußert, aber "viele Leute sind während des Gesprächs von ihren Vorurteilen gegen die Obdachlosen abgekommen", erinnerte sich Michael Krämer von den Grünen.
Ähnlich verlief auch das Gespräch im Ortsbeirat. Die CDU lehnte anfangs einen Antrag der Grünen ab: "Nach Auskunft des Magistrats gibt es genügend Wohnplätze für Obdachlose", meinte CDU- Fraktionsvorsitzender Alexander Zollmann. Die Christdemokraten ließen sich dann aber von den Argumenten der anderen Fraktionen überzeugen.
Helgo Müller (SPD) sprach von "menschenunwürdigen Notunterkünften, wo die Wohnsitzlosen schlafen können, morgens aber wieder gehen müssen". cob
GELNHAUSEN. "6000 Jahre und ein Buch" heißt eine Bibelausstellung, die vom kommenden Sonntag bis zum 31. Januar in der evangelischen freikirchlichen Gemeinde des Gelnhäuser Stadtteils Meerholz gezeigt wird. Zu sehen sind unter anderem die Bibel als Keilschrifttext und auf Mikrofilm, die Sprachen der Bibel, das Abenteuer alter Bibelfunde und die Bibel auf Briefmarken.
Die Ausstellung wird am Sonntag, 24. Januar, um 9.30 Uhr in den Räumen der Baptistengemeinde in der Hanauer Landstraße 65 mit einem Gottesdienst eröffnet. Die Öffnungszeiten: werktags 10 bis 12 und 16 bis 20 Uhr, samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 12.30 Uhr. Schulklassen sollten sich anmelden beim Pastor der Gemeinde unter der Telefonnummer 06051-66700.
Für Sonntag, 24. Januar, 19 Uhr, steht ein Vortrag mit dem Titel "Jesus und Qumran, keine Verschlußsache" auf dem Programm. "Warum heute die Bibel lesen?" lautet die Ausgangsfrage eines Vortrages am Mittwoch, 27. Januar, ab 19.30 Uhr.
Am Freitag, 29. Januar, schildert eine Ton-Dia-Schau das "Abenteuer von Qumran" ab 19.30 Uhr. Der Abschlußgottesdienst am 31. Januar hat das Leitthema "Das Wort und die Wörter".
Parallel zur Ausstellung sucht die Gemeinde in einem Wettbewerb die älteste Bibel der Main-Kinzig-Region. Wer eine Bibel besitzt, die mindestens 90 Jahre und älter ist, setze sich mit dem Pastor der Gemeinde, Telefon 06051-66700, in Verbindung. lex
Hohe Mieten und Wohnungsnot treiben junge Leute auf die regennasse Eschborner Wiese Die Dusche
steht im
Schwimmbad
ESCHBORN. Erst entdeckt man sie gar nicht. Verborgen hinter knorrigen Bäumen stehen vier Bauwagen auf einer regennassen Wiese, gleich hinter dem Ortsausgang von Schwalbach, auf Eschborner Grund. Bunt und phantasievoll bemalt sind sie Ausdruck eines Lebensgefühls und einer Notlage gleichermaßen: Am Samstag schleppten bullige Zugmaschinen die Wagen auf die Wiese, für eine Gruppe von jungen Leuten, die zum Teil seit mehreren Jahren Wohnungen in Schwalbach, Eschborn oder Bad Soden suchten, aber keine Bleibe fanden.
Rauch steigt aus dem größten Wagen, Ole (Namen geändert, d. Red.), 26 Jahre alt, sitzt drin und wärmt in einem Topf auf dem Holzofen für sich und Matze Kaffeewasser. Ole ist krank und kann deshalb auf das kleine Wagendorf aufpassen. "Alle von uns arbeiten", sagt er. Arbeit zu finden war auch nicht das Problem für die jungen Leute. Doch an den Orten mit drei, vier Gleichaltrigen zusammenzuleben, an denen sie aufgewachsen sind, war für alle unmöglich. Mal kamen sie für die Dauer der Ausbildung in einem Wohnheim des Arbeitgebers unter, mal wohnten sie bei Freunden, schlüpften für ein paar Wochen bei den Eltern unter oder schliefen, wenn es gar nicht anders ging, im Auto. Alles keine Lösungen.
Ole zum Beispiel zog mit 18 bei seinen Eltern in Schwalbach aus, wie viele. "Aber ich merkte, wenn ich nach Frankfurt gehe, verliere ich mein soziales Umfeld. Ich war sehr aktiv in Vereinen, das ging von Frankfurt aus nicht mehr." Und: "Ich kenne die Leute hier und nicht in Frankfurt." Doch 5000 bis 6000 Mark Abstand für ein paar alte Lampen und Gardinenstangen konnten die jungen Leute nicht zahlen. Mieten von 1000 bis 1500 Mark mit 800 Mark Lehrgeld auch nicht. Und außerdem wollten viele Hausbesitzer lieber Leute "in festen Positionen" und nicht eine Gruppe junger Auszubildender, Schüler und Studenten.
So griffen die dann im vergangenen Sommer zur Selbsthilfe. Suchten Wagen, bauten sie für ihre Zwecke um, installierten Öfen, schliefen probeweise darin und stellten fest: "Das ist eine Wohnform, bei der man viel mehr kreative Möglichkeiten hat." Doch alle Versuche, ein Stück Land zu pachten, um die Wagen darauf zu stellen, scheiterten an der Sorge der Grundbesitzer, Schwierigkeiten mit den Stadtverwaltungen zu bekommen.
Deshalb informierten sich die Bauwagenleute beim Katasteramt, suchten ein städtisches Grundstück und zogen am Samstag darauf, um sich direkt an die Verwaltungen zu wenden. Dort wurden manche Jugendliche sowieso schon vorstellig, um über die Stadt eine Wohnung zu bekommen - umsonst. Denn, so Ole: "Die Kommunen haben sich nicht darauf vorbereitet, bezahlbaren Wohnraum für junge Leute zu schaffen." Statt dessen "ziehen unheimlich viele zu, die Eigentumswohnungen schlüsselfertig mit Kamin mieten und nur da schlafen." Und: "Dann wundern sich die Politiker, daß die Leute mit ihrer Stadt nichts zu tun haben . . ."
Um das zu ändern, möchten die Jugend- lichen in ihrer angestammten Umgebung bleiben. Am Montag sprachen sie deshalb mit Erstem Stadtrat Michael Bauer (FDP), der zusagte, den "Sachverhalt" zu prüfen. Sie würden auch Pacht zahlen oder auf ein anderes Grundstück ziehen, wo sie mit ihrem Wagendorf bleiben können. "Dann installieren wir eine Komposttoilette und Solarzellen", sagt Ole. Zur Zeit gehen die Bauwagenleute noch am Niederhöchstädter Bahnhof oder bei Bekannten auf die Toilette und duschen in Schwimmbädern oder bei Freunden. Kulturell soll das Wagendorf mit Lesungen und anderem auch etwas hermachen. "Art" steht mit Kreide über einem Bild im Bauwagen. Sterne bescheinen dort einen kleinen Wagen, der unter Palmen steht . . . SUSANNE HOERTTRICH
rei BONN, 20. Januar. In der Diskussion über eine Beteiligung deutscher Soldaten an militärischen Aktionen der Vereinten Nationen (UN) in Ex-Jugoslawien bahnt sich in der Bundesregierung neuer Streit an. Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) sprach sich am Dienstag abend für den Verbleib der deutschen Besatzungen in den Awacs-Aufklärungsflugzeugen aus, falls der UN-Sicherheitsrat die Durchsetzung des Flugverbots über Bosnien beschließt. Außenminister Klaus Kinkel (FDP) lehnt dies als verfassungswidrigen Kampfeinsatz ab. Beim Somalia-Einsatz stellte Rühe die Entsendung deutscher Soldaten in Frage, sollte die Befriedung des Landes nicht gelingen.
Anders als in Somalia handele es sich bei der Durchsetzung des Flugverbots über Bosnien um einen Einsatz der NATO, sagte Rühe. Auch im Golf-Krieg seien Deutsche an Awacs-Flügen in der Türkei beteiligt gewesen. Im Bündnis dürfe nicht der Eindruck entstehen, Deutschland wolle aus der NATO aussteigen. Die Deutschen stellten 31 Prozent der fliegenden Awacs-Besatzung und zudem große Teile des Bodenpersonals und der Technik. Bei ihrem Ausstieg würde ein Großteil der Maschinen "lahmgelegt", die gesamte Operation sei gefährdet, sagte Rühe. "Es wäre verhängnisvoll, wenn wir uns zurückziehen", warnte er. Die deutsche Zurückhaltung in Ex-Jugoslawien aus historischen Gründen beschränkt Rühe auf den Einsatz von Bodentruppen.
Eine Entscheidung über die Teilnahme der Bundeswehr an einer Friedensmission in Somalia will Rühe vom Ende Februar erwarteten UN-Votum darüber abhängig machen. Die Bonner Kabinettsentscheidung vom Dezember, 1500 Soldaten nach Somalia zu schicken, basiere auf einer rein "humanitären Qualität" der UN-Mission, die dem jetzigen Kampfeinsatz unter US-Kommando in Somalia folgen soll. Sollten im UN-Beschluß "Elemente der Friedensherstellung" mit möglichen Kampfeinsätzen enthalten sein, sei eine deutsche Teilnahme "nicht machbar", sagte Rühe. (Kommentar Seite 3)
czyk BERLIN. Die Grüne Woche wird, zumindest was die Länder-Beteiligung angeht, in diesem Jahr wesentlich bescheidener ausfallen als die zurückliegenden Veranstaltungen. Außer der Bundesrepublik machen diesmal 46 Staaten sowie die Region Kaliningrad mit insgesamt 426 Ausstellern bei der Leistungsschau von Agrar- und Ernährungsindustrie sowie Gartenbau mit. 1992 hatten sich noch 515 Repräsentanten aus 62 Nationen auf der Messe unter dem Berliner Funkturm versammelt.
Der Schwund sei nicht die Folge mangelnden Interesses, sondern auf "generelle Sparmaßnahmen" der Bundesregierung zurückzuführen, die die Fördermittel für Dritte-Welt-Länder stark gekürzt hätte, erklärt Manfred Busche, Geschäftsführer der Berliner Messegesellschaft AMK. Die Hallen seien ausgebucht.
Parallel zu der Konsum-Show sollen neben Kongressen und Symposien erstmals "Satellitenmessen" wie die "Fruit Logistica" (eine Fachmesse für Frucht- und Gemüsemarketing) sowie eine Landmaschinenausstellung Besucher anlokken.
Die Grüne Woche öffnet morgen für zehn Tage ihre Pforten. Die Umsätze der deutschen Ernährungsindustrie stagnierten 1992, berichtet Verbandschef Hermann Bahlsen. Demnach erlösten die 4500 West-Firmen fast 200 Milliarden Mark, die 900 ostdeutschen Unternehmen kamen auf 16,5 Milliarden. Für 1993 wird ein Wachstum von vier Prozent angepeilt.
"Opak" scheint ein Lieblingswort von Peter Weibel zu sein: Milchiges Glas, lichtundurchlässig, obwohl es Durchsicht vortäuscht, das ist das Medium des Manns vom "Institut für Neue Medien" an der Städelschule in Sachsenhausen. Oder sollte er das Wort gerade erst entdeckt - und sich spontan darin verliebt haben? Beim abschweifenden - gelangweilten? - Lesen im Programmheft des Theaters am Turm? Sollte sein Blick auf das Impressum gefallen sein? "Opaque" steht da, in schicker französischer Schreibweise. Layouter und Setzer haben sich diesen Firmennamen gegeben. Möglich wär's schon: Immerhin ist das Impressum direkt neben dem Hinweis auf die Veranstaltung im TAT-Café gedruckt, zu der Weibel eigens von jenseits des Mains herübergekommen ist.
Erwartet hatten wir einen Dichter: Franz Joseph Czernin, von etwas weiter her, aus Österreich nämlich. Gespannt waren wir auf sein neues Werk. Acht Bände voll mit Aphorismen. Kleingeschrieben: "die aphorismen. eine einführung in die mechanik". Warum füllt einer acht Bücher mit Sinnsprüchen? Czernin kann es uns nicht erklären. Mehr als zehn bis fünfzehn davon vortragen kann er auch nicht.
Auftritt nämlich: Jörg Drews, Literaturwissenschaftler aus Bielefeld. Er würde den Achter-Schuber gerne auf ein einziges Buch zusammenstreichen. Dünnsinn von Tiefsinn scheiden, ein Konzentrat herstellen. Eigentlich mag er sowieso keine Aphorismen. Aber wer mag die überhaupt? Peter Weibel schon eher. Immerhin weist ihm die schiere Menge bei Czernin auf die beliebigen Imitationsmöglichkeiten - oder Nicht-Imitationsmöglichkeiten? - von Sprache hin. Und er legt los: künstliche Intelligenz, Kybernetik, Sinnsprüche im Computerzeitalter, Oswald Wiener, Konrad Bayer, noch andere Wiener, Queneau und Oulipo, Mathematik, Kombinatorik, Auflösung des Subjektivitätsbegriffs. Drews kontert, knapp und scharf: Subjektivität bleibt, es gibt Sinn und Unsinn.
Gibt es hier einen Sinn? Auch der Dichter scheint's zu bezweifeln. Ruhig sitzt er dazwischen. Erstaunen zeigt sich auf seinem Gesicht. Was der Herr Weibel für wunderbar unverständliche - opake? - Sätze über sein Werk äußern kann. Wie geschwind er sein Referat herunterrasselt. Wie gewandt er sich in seiner eigenen kleinen Sprachwelt bewegt. Wie unverdrossen er offenbar daran glaubt, irgendjemand im Raum könne seine Rede verstehen.
Verstehen? Das tut auch der Dichter nicht. Schon gar nicht seine eigenen Aphorismen. Manchmal findet er einen "tief", am anderen Tag den gleichen "läppisch", berichtet er. Das sei der Beweis für Subjektivität - so Herr Drews. Darauf komme es doch gar nicht an - so Herr Weibel.
Franz Joseph Czernin darf wieder ein bißchen lesen: "Was man nicht tun kann, das muß man erleiden", heißt einer seiner Aphorismen. Könnten die Zuschauer das so abwandeln: Wenn man nicht selber vortragen kann, muß man den Vortrag erleiden? Hysterisches Lachen durchdringt das TAT- Café, ungläubiges Grinsen. Soll man überhaupt grinsen? Oder sich lieber ärgern. Wo doch die drei Herren, die leicht erhöht sitzen, so ein eingespieltes Team sind. Professionelle Kommunikationsverweigerer. Oder Parodisten? - Wir ahnen: Das war keine Lesung. Das war Kabarett.
DIRK FUHRIG
NIDDERAU. Auch wenn es die Bildunterschrift in der FR vom 12. Januar so behauptete: Nicht der Künstler Andreas Schwietzke, sondern nur eine Arbeit von ihm war zu sehen. Ein aufmerksamer Nidderauer stellte fest: daneben war ein heimischer Kunstfreund abgelichtet. Ul
Ist es nicht grotesk? Da schaut die Welt gebannt auf einen Wintersportort bei Sarajewo, wo eine Separatistenversammlung nach dramatischem Ringen einen halben Tag nach Ablauf des EG-Ultimatums endlich Frieden schafft. Nach Milosevics Wende nun der Neo-Pazifist Karadzic, der einen strahlenden Sieg über die eiserne Bellizistin Plavsic errungen hat. Ein tolles Szenario!
Tatsächlich aber: Durch das EG-Ultimatum hat die Versammlung von Pale von außen den Anschein von Legitimation erhalten, die sie durch Fristüberschreitung gleich noch mit Souveränität aufgefüllt hat. Die bosnischen Serben haben Druck abgeschüttelt, aber keineswegs ihrem Ziel vom eigenen Staat in dem armen Gebilde Bosnien-Herzegowina abgeschworen. Nur die Strategie für dieses und weitere Ziele ist geschmeidiger geworden: Kommt Zeit, kommt Rat, kommt der Anschluß an (Groß)Serbien.
Auf der anderen Seite des völkerrechtlich anerkannten UN-Mitglieds Bosnien- Herzegowina ist Kriegsgegner Kroatien schon ein Stück weiter. Große Teile der Herzegowina sind ohne Aufregung der Welt quasi "angeschlossen" an Kroatien, das nun Masse für Verhandlungen mit Serbien hat, um eigene Gebiete zurückzubekommen. Kann solches Geschacher das Schießen und Morden ablösen? Da ist die stärker gewordene moslemische Mehrheit vor, die immer noch eine Militärintervention provozieren möchte.
So gibt es wahrlich keinen Grund, sich erleichtert zurückzulehnen. Aber viel neue Arbeit für Vance und Owen, und zwar angefangen bei Null. ens
FRIEDRICHSDORF. Keltische Klangästhetik für Harfe, Gitarre und Baß bieten Thomas Loeffke, Ian Melrose und Peter Jack am Samstag, 30. Januar, 20 Uhr, in Garnier's Keller. Vor allem die keltische Harfe hat in Irland, Schottland und Wales eine 1000jährige Tradition, Musik aus dieser Zeitspanne wird bei dem Konzert gespielt.
Dazu kommen Lieder, die Ian Melrose mit dem Akzent der schottischen Südwestküste singt. Die Musiker arbeiten die heimlichen Stärken der keltischen Musik heraus und erzielen mit subtilen Mitteln emotionelle Wirkung. s
HEUTE . . .
. . . sagte der Mann: "Wann's nor schon widder Friejahr wär!", und der andere Mann sagte: "Ei, ich waaß gar net, was Sie wolle! Es geht doch schon enauswärts! Am zwaate Febberwar haaßt's schon: Maria Lichtmeß, die Herrn bei Daach eß!" - "Ich eß awends soweso nor en Abbel!" - "Awwer Sie sehe dann, was ferr e Sort desse esse!" - "Des brauch ich net ze sehe, des schmeck ich!" - "Awwer Sie sehe, wo Sie Ihne Ihrn Butze hinschmeiße!" - "Als fort! Sie hawwe gewonne!" . . . weinte das Kind jämmerlich, weil ihm der Schnuller aus dem Wagen gefallen war. Eine Frau blieb stehen und sagte: "Genau wie bei meim Mann! Wann der emal sei Peif net hat, werder aach glei äbsch!"
. . . fragte die Verkäuferin: "Wolle Se e klaa Tub' Borsellanklewer oder e große?", und der Mann sagte: "Zwaa große, wann's rescht is!", und die Verkäuferin sagte: "Es is merr rescht! Awwer Sie misse ja en ganz scheene Krumbel gehabt haawe dehaam!" . . . sagte die Frau: "Ei, was hawwe merr doch frieher ferr herrlische Ausdrick gehabt ferr die Kinner! Butzelsche zem Beispiel!" - "Odder Krottarsch!" - "Odder Krawwelmaus!" - "Odder Dickersche!" - "Odder Scheißersche!" - "Heut haaße se all middenanner bloß Kids!"
doe FRANKFURT A. M. Aus dem Hause des Fürther Unterhaltungselektronik- Herstellers Grundig dringen immer lautere Moll-Töne nach außen. Vorstandschef Pieter Harmsen erwartet für das im März endende Geschäftsjahr einen Riesenverlust von rund 200 Millionen Mark. Dies sind 180 Millionen Mark "Miese" mehr als in der vergangenen Periode 1991/92. Der Umsatz soll heuer um zehn Prozent auf etwa 3,8 Milliarden Mark schrumpfen. Offenbar wird bei einem Anhalten der Exportprobleme auch die Schließung eines weiteren Werkes für Fernsehgeräte erwogen.
Derzeit bestünden keine aktuellen Pläne, eine Fertigungsstätte dichtzumachen, versichert Grundig-Sprecher Holm Kilbert. Allerdings müsse man in Zukunft "je nach Entwicklung der Lage neu entscheiden". Das Fernseh-Geschäft steuere rund 45 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Nachdem im Sommer des vergangenen Jahres eine kleinere TV-Produktion in Barcelona mit 280 Leuten aufgegeben wurde, bauen derzeit noch rund 1700 Beschäftigte in Wien, 1170 in Nürnberg- Langwasser und 890 im französischen Creutzwald "Glotzen". Wegen mangelnder Auslastung der Kapazitäten wird in Langwasser bereits kurzgearbeitet, Creutzwald soll im Februar folgen.
Schon im vergangenen September hatte Grundig eine konzernweite Reduzierung der Belegschaft auf 15 000 Köpfe bis Ende 1993 angekündigt. Augenblicklich beschäftigt das Fürther Unternehmen noch 17 000 Menschen, davon mehr als 10 000 in Deutschland. Ein Beschäftigungsabkommen, das seit 1985 "betriebsbedingte Kündigungen" verhinderte, ist zum 31. März von der Unternehmensleitung gekippt worden. Ende diesen Monats soll mit dem Betriebsrat über "neue Inhalte" gesprochen werden.
Unterdessen warnt Gesamtbetriebsratschef Dieter Appelt eindringlich vor einer Schließung der fränkischen TV-Fertigungsstätte: "Wenn das Werk 16 in Langwasser geopfert wird, ist der gesamte Standort Deutschland für Grundig gefährdet." Neben den direkt Beschäftigten hingen in Nürnberg weitere 1000 Jobs in der Vorproduktion vom Fernsehen ab. Sollte die Fertigung dichtgemacht werden, würde Grundig "zu einem reinen Handelshaus": Das, glaubt Appelt, "wäre der Tod".
Nach Meinung des Arbeitnehmervertreters verfolgt Firmenchef Harmsen mit der Sanierung durch Arbeitsplatzabbau einen falschen Kurs: Statt dessen, so Appelt, solle durch neue Produkte die Fertigungskapazität besser ausgelastet werden. Hoffnungen setzt Appelt auch auf stärkere Recycling-Aktivitäten und die angestrebte Aufnahme eines massivhölzernen TV-Gerätes ins Programm.
HATTERSHEIM. Zweimal versuchten die Täter ihr Glück, einmal waren sie erfolgreich: Am Dienstag nachmittag oder abend - da ist die Polizei nicht ganz sicher - wurden an zwei Wohnungen im Neubaugebiet Rosenpark Fenster oder die Terrassentür aufgehebelt. Einmal konnten sie den Einbruch Angaben der Polizei zufolge "vollenden". Sie nahmen "alles mit, was in Hosentaschen paßt" - also Bargeld und Schmuck. pms
Schon unter der konservativen Regierung von Yitzhak Schamir soll es geheime Kontakte zur Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO gegeben haben. Daß israelische Friedensaktivisten seinerzeit gleichzeitig wegen des Gesprächsverbots mit der PLO ins Gefängnis wanderten, wurde auch in Israel massiv kritisiert. Der jetzt erfolgte Beschluß der von der sozialdemokratischen Arbeitspartei geführten Regierungskoalition in der Knesset, das Verbot aufzuheben, war deshalb lange überfällig.
Noch weigert sich Regierungschef Yitzhak Rabin im Gegensatz zum linken Koalitionspartner Meretz, in direkte Verhandlungen mit PLO-Chef Yassir Arafat einzutreten. Rabin wehrt ab, weil er unter Druck steht. Der Regierung in Jerusalem muß mit lautstarken Demonstrationen rechter Siedler und orthodoxer Juden fertig werden, die vor Gewalt nicht zurückschrecken. Rabin benötigt viel Fingerspitzengefühl, um seine konservativen Landsleute in die Regierungspolitik einzubinden. Selbst linke Israelis sind zudem kaum bereit, Ost-Jerusalem oder Teile der Golanhöhen an die Araber zurückzugeben.
Gleichzeitig sieht Rabin, daß seine Politik der Verweigerung die Position der verhandlungsbereiten PLO und deren Chef Arafat immer weiter schwächt. Radikale Extremistengruppen wie Hamas gewinnen unter enttäuschten Palästinensern zunehmend Anhänger. Wenn Rabin die Friedensverhandlungen mit seinen arabischen Nachbarn und den Palästinensern tatsächlich zu einem positiven Abschluß bringen will, dann muß er sich so schnell wie möglich mit der PLO an einen Tisch setzen. kal
FRANKFURT A. M., 20. Januar (FR). In Norddeutschland Schauer, im Süden Bewölkung und weitgehend niederschlagsfrei sagt das Wetteramt vorher. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen sieben und 10 Grad, die Tiefstwerte um drei Grad. Weitere Aussichten: windig und regnerisch, etwas kühler. (Siehe auch Lokalteil)
"Getäuscht" von der Geschäftsleitung fühlt sich der Betriebsrat des Battelle-Instituts, der "mit Bestürzung" auf die geplante Massenentlassung reagierte. Das Forschungs-Institut will im Laufe des Jahres fast 300 von derzeit 400 Arbeitsplätzen abbauen. Aus der Sicht des Betriebsrats eine "Folge jahrelangen Mißmanagements".
Nach den Worten des Betriebsrates hatte die Unternehmensleitung noch Ende 1992 die Zustimmung der Gewerkschafter für ein "Sanierungskonzept" bekommen - "einschneidende Kürzungen am bis dahin geltenden Versorgungsplan" für die Mitarbeiter seien akzeptiert worden. Allein dadurch gab es aus Sicht des Betriebsrates für die Firmenleitung wieder "liquide Mittel in Millionenhöhe".
Jetzt fragten sich die Mitarbeiter: "Haben wir mit unserem Vertrauen in die Geschäftsleitung diese Massenentlassung finanziell erst ermöglicht?" Wie die Gewerkschafter erklärten, habe Battelle noch in den vergangenen Monaten große Summen in seinen Geschäftszweig "Produktregistrierung und -bewertung" investiert - nun wird er eingestellt.
Die schlechte wirtschaftliche Lage des Institutes nannte der Betriebsrat "bekannt". Den Mitarbeitern aber sei unverständlich, warum Battelle die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht durch Kurzarbeit überbrücke. jg
BAD VILBEL. Hans-Joachim Kulenkampff, Nestor des bundesdeutschen Entertainement, können die Mitglieder des Rhein-Mainischen Theaterbesucherrings am Donnerstag, 18. Februar, live im Frankfurter Fritz-Rémond-Theater erleben. Im Schauspiel "Sturmwarnung" von Ludwig Fels präsentiert sich Kulenkampff zusammen mit Ilse Matheis, Helmut Oeser und Albrecht Ganzkopf. Es gelten erhöhte Kassenpreise.
Auskünfte und Anmeldungen des Besucherrings bei Annemarie Zipp, Telefon 8 58 10. hm
SINNTAL. Zwei Schwerverletzte hat ein Unfall auf der Landesstraße zwischen Sterbfritz und Mottgers am Dienstag abend gefordert.
Wie die Polizei mitteilte, war eine Autofahrerin Richtung Mottgers in einer Rechtskurve nach links abgekommen und frontal mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammengestoßen. Dessen Fahrer, ein 19jähriger, und seine 14jährige Begleiterin aus Schlüchtern-Elm, erlitten dabei schwere Verletzungen. Der Blechschaden beträgt 20 000 Mark. Die Unfallverursacherin gab an, die Bremsen ihres Autos hätten versagt. jan
Bei seiner Geburt stand die Sonne im Zeichen des Wassermanns, soviel ist gewiß. Ob aber bei dieser Gelegenheit Saturn und Mars sich gleichgültig verhielten, gar Jupiter und Venus ihn freundlich anblickten, das ist - anders als bei einem gebürtigen Frankfurter, der auch aus seinem Leben erzählt hat - (noch) nicht überliefert. Einer der Großväter immerhin, der mit Vorliebe die Planeten, Mondkrater und Sonnenflecken durchs Fernglas betrachtete, er hätte es ihm seinerzeit womöglich mitteilen können. Aber da wird der junge Dieter Kühn noch nicht an die Abfassung einer "Selbsterlebensbeschreibung" gedacht haben, deren Konzeption nebst ausgewählten Kapiteln er im Rahmen der diesjährigen Poetikvorlesungen an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität vorstellen will.
"Mein Lebensroman - Skizzen zum Modell einer Autobiographie"; Dieter Kühn war zur Übernahme der unter diesem Titel angesetzten vierwöchigen Gastdozentur nur bereit, wenn er ein eigenes Projekt "in statu nascendi" präsentieren dürfe. Erzählend, nicht diskursiv und mit festgefügtem poetologischem Konzept, beabsichtigt er dabei vorzugehen. Denn das Genie - "ich schreibe nicht weil, sondern obwohl ich Germanistik studiert habe" - schöpft aus sich selbst und setzt die Regel. Nach der Beschäftigung mit Leben und Eigenschaften anderer, nach der Promotion über Musils großen Roman (1964) und der dichterischen Erkundung möglicher und wirklicher Lebensläufe, angefangen bei Napoleon ("N", die erste Buchveröffentlichung 1970) bis zu Wolfram von Eschenbach und Bettina von Arnim, nun also die Abenteuer der eigenen Jugend und Reifejahre.
Nicht zu spät, meint der 57jährige, sollten Memoiren geschrieben werden, drohe doch die literarische Formungskraft mit zunehmendem Alter zu schwinden, und an die helfende Hand eines Ghostwriters mag er, der nie ein Tagebuch geführt hat, schon gar nicht denken. Die Erkundung der Vergangenheit hat vielmehr die Zukunft im Blick. Eine deutlichere Wahrnehmung des eigenen Lebens werde folgenreich sein für den künftigen Umgang, nicht zuletzt mit literarischen Figuren.
Repräsentative Geltung im herkömmlichen Sinn, politische Relevanz gar beansprucht er für die eigene Person nicht, aber auch die Skandalchronik der alternden Diva mit der bloßen Aneinanderreihung merkwürdiger Begebenheiten wird nicht geliefert. Dabei ist er manch einem über den Weg gelaufen - oder dieser ihm. Heinrich Böll hat ihn einmal im Citroen mitgenommen, und bei einem Bankett bei Altbundeskanzler Schmidt wurde er neben Helmut Schön plaziert, ja, auch zu einem mittleren Besäufnis mit Uwe Johnson ist es, der eigenen Zurückhaltung im Literaturbetrieb zum Trotz, schließlich doch gekommen. "Begegnungen" aber will er all dies nicht nennen, und auf die munteren Anekdötchen wird das Auditorium an den folgenden Dienstagabenden wohl verzichten müssen.
Autobiographie als Therapie und dichterischer Auftrag, Kühn interessiert die Erkundung der literarischen Form. Anstelle des berühmten roten Fadens (schon wieder Goethe) soll die offene Form, ein poetisches Modell der Vielstimmigkeit, der immer erneuerten Ansätze und Zäsuren das gelebte Leben erschließen, Selbsterfahrung ermöglichen. So neu wie behauptet scheint nach der vorläufigen Skizzierung das literarische Verfahren jedoch kaum zu sein. Der gelehrte Dichter, der Kühn allen Distanzierungsbemühungen von der Schulgermanistik zum Trotz bleibt, wird die vielfältigen Formexperimente unseres Jahrhunderts kennen.
Über die "exemplarische" Gestaltung des Erlebten wird man nach den kommenden Vorlesungen urteilen können. Bruchstücke seiner großen Confession mit Erinnerung an den Großvater, an die Kindheit und eine erste Liebe wurden jedenfalls schon für die nächsten Abende angekündigt. (Die Vorlesungsreihe wird fortgesetzt am 26. Januar, 2., 9. und 16. Februar in Hörsaal VI, Gräfstraße 48. Die Universitätsbibliothek zeigt eine Kühn- Ausstellung.) MICHAEL GRUS
FLORSTADT. Spätestens am 1. Juni soll es losgehen mit dem Bau der Sporthalle hinter dem Rat- und Bürgerhaus- Komplex in Nieder-Florstadt. Am Dienstag unterzeichnete Bürgermeister Heinz Trupp einen entsprechenden Vertrag mit dem Burbacher Generalunternehmen Hering Bau, das die Dreifeld-Sporthalle bis zum 30. September 1994 schlüsselfertig übergeben will. Ende Oktober, so der Rathauschef, könnte die von der B 275 aus erschlossene Halle für die Sportvereine sowie für den Schulsport in Betrieb gehen.
Lang genug, rund zehn Jahre, habe die Gemeinde für das 5,5 Millionen Mark teure Bauprojekt gepart, so Heinz Trupp. 2 Millionen Mark fließen aus dem Gemeindesäckel, 2,3 Millionen Mark gibt das Land als zinsloses Darlehen und 750 000 Mark der Wetteraukreis als über fünf Jahre verteilte Beihilfe. Rund 500 bis 600 000 Mark muß die Kommune als Kredit aufnehmen.
Das Bauvorhaben mußte mit einer Vielzahl an Behörden und Verbänden abgestimmt werden. Eine Baugenehmigung hält die Gemeinde noch nicht in Händen. Sie hofft aber auf eine rechtzeitige Teilgenehmigung durch die Friedberger Kreisbauaufsicht, so daß dem ersten Spatenstich bis Juni nichts mehr im Wege stünde.
Mit einer Größe von 45 mal 27 Metern hat die Sporthalle, die Architekt Michael Horst vom Limeshainer Architekturbüro Holzhauer entworfen hat, internationale Wettkampfausmaße. Nicht zuletzt für den Schulsport ist das Gebäude in drei Felder mit jeweils zugeordneten Umkleide- und Lehrer-/Regieräumen unterteilbar. Bei größeren Veranstaltungen kann eine rund 500 Zuschauer fassende Tribüne teleskopartig ausgezogen werden.
Einzige Sonderausstattung der Halle, die von den Nebenräumen L-förmig umgeben wird, ist ein Konditionsraum. Der Eingangsbereich besteht aus Foyer und Garderobe, Toiletten (laut Horst behindertenfreundlich wie die ganze Sportstätte) und einem als Teeküche nutzbaren Kiosk.
Das Gebäude wird in konventioneller Ziegelbauweise (mit schadstofffreien Materialien) errichtet, der Hauptbaukörper ist gegliedert (Horst: "kein "Schuhkarton") und erhält ein Walmdach. Der L-förmige Nebenraumbereich schließt sich mit Pultdach an.
Der Gesamtcharakter soll hell und freundlich, ja geradezu "luftig-leicht" sein, schildert Architekt Michael Horst. Für Tageslicht (von der Tribünenseite) sei hinreichend gesorgt.
Beheizt werden kann die Sporthalle mittels Fernleitung vom benachbarten Rathaus her, dessen Anlage über genügend Kapazität verfügt. Auch Parkplätze brauchten nicht eingeplant zu werden, weil am Rat- und Bürgerhaus Stellflächen in genügender Zahl vorhanden sind.
Für die überbaute Wiesenfläche sind umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen wie Baum- und Buschpflanzungen vorgesehen.
Auch ein Feuchtbiotop soll entstehen: Ein seitlich verlaufender, weitgehend verlandeter Graben soll wieder freigelegt und teilweise mit dem vom Hallendach aufgefangenen Regenwasser gespeist werden. mu
cri FRANKFURT A. M. Mit der Ausweitung ihres Geschäftsgebietes nach Thüringen hat die Landesbausparkasse (LBS) Hessen einen aussichtsreichen Markt hinzugewonnen. Die dortige Bevölkerung scheint sich zu den Schwaben des Ostens zu entwickeln. Nach Angaben von Walter Schäfer, Dezernent der am 1. Juli 1992 mit Inkrafttreten des Staatsvertrages geschmiedeten LBS Hessen-Thüringen, besitzen 38 Prozent aller Haushalte einen Bausparvertrag, im Pro-Kopf- Vergleich seien in diesem Bundesland bislang die meisten Abschlüsse dieser Art in den neuen Ländern verbucht worden. Das Interesse an eigenen vier Wänden sei sehr hoch und steige ständig.
Bereits jetzt verfügten viele Thüringer aufgrund der ländlichen Struktur über ein eigenes Dach über dem Kopf. Die Quote sei mit 39 Prozent nur einen Punkt geringer als in Hessen. Mehr als die Hälfte der neuen Kunden wollten ihren Bausparvertrag für Modernisierung und Renovierung der Bausubstanz verwenden.
Angesichts dieser Aussichten möchte Schäfer den Kuchen natürlich mit möglichst wenigen Konkurrenten teilen. Nach wie vor agiert jedoch die LBS Ost auf dem Terrain - ohne Anbindung an die örtlichen Sparkassen. Schäfer, der auch als Vorstandsmitglied der Landesbank Hessen-Thüringen firmiert, hofft in dem Streit jedoch auf eine außergerichtliche Einigung noch im Laufe des ersten Halbjahres. Schmackhaft gemacht werden könnte den Eignern des Wettbewerbers der Rückzug durch einen finanziellen Ausgleich. Gedacht ist dabei an eine Summe von etwa 25 Millionen Mark.
In der zweiten Jahreshälfte wurden im neuen Absatzgebiet brutto 8127 Bausparverträge über eine Summe von 300 Millionen Mark abgeschlossen. Insgesamt betrug das Plus 1992 beim Volumen ein Fünftel auf mehr als drei Milliarden Mark. Für Hessen allein ergibt sich ein Anstieg um neun Prozent. Allerdings nahm dort die Zahl der Verträge um 1,3 Prozent ab. Darin spiegelt sich nach Ansicht des Sprechers der Geschäftsleitung, Hermann Priester, das "verschlechterte Bausparklima" wider. Das eingelöste Neugeschäft stieg insgesamt um fast 19 Prozent auf 2,8 Milliarden Mark bei einem Plus von sieben Prozent auf 88 657 Verträge. Der Geldeingang erhöhte sich auch um diesen Satz auf 1,4 Milliarden Mark.
Priester stellt sich angesichts der Prognosen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung 1993 auch auf schwierigere Zeiten für seine Branche ein. Er setzt aber darauf, daß angesichts der angespannten Lage am Wohnungsmarkt "weiterhin viele Mieter über Alternativen nachdenken" und zur Verwirklichung ihres Eigenheimwunsches fleißige Bausparer bleiben und werden.
KREIS OFFENBACH. Das Hessische Straßenbaumt hat die Straßenmeisterei Seligenstadt angewiesen, in den kommenden Wochen die Gräser und Sträucher an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im Kreis Offenbach zu schneiden; der Verkehrssicherheit zuliebe. Obwohl die Kolonnen der Straßenmeisterei nicht zu den Hauptverkehrszeiten anrückten, könne es hin und wieder zu Behinderungen kommen. fra
Kleine FR
Frauen und Beruf KÖNIGSTEIN. Im Bildungsurlaub "Frauen und Beurfsorientierung" von Montag, 15., bis Freitag, 19. Februar, in der Erwachsenenbildungsstätte Falkenstein sind noch Plätze frei. Info bei der Frauenbeauftragten: Tel. 06174/202252. Power-Party KÖNIGSTEIN. Zur "ultimativen Power- Party" lädt das Jugendhaus heute ein. Ab 20 Uhr bieten DJ Funky und DJ Fun "Discomusik nur vom feinsten". Turntalente gesucht OBERURSEL. Der TV Weißkirchen möchte eine Wettkampf-Geräteturngruppe aufbauen und sucht dafür Kinder im Alter von fünf bis sieben Jahren. Interessierte Kinder und ihre Eltern können am Freitag, 22. Januar, 15 Uhr, zu einem unverbindlichen Sporttest zur Grundschul- Sporthalle in Weißkirchen kommen. Abfuhr der Weihnachtsbäume KÖNIGSTEIN. Im gesamten Stadtgebiet werden am heutigen Freitag, 22. Januar, die Weihnachtsbäume abgeholt. Automobil Club trifft sich OBERURSEL. Der Automobil Club Weißkirchen lädt seine Mitglieder für den heutigen Freitag, 22. Januar, zur Jahreshauptversammlung ein: um 20 Uhr im neuen Feuerwehrhaus An der Bleiche. Krisenherd Mittel-Ost-Europa KÖNIGSTEIN. Ein Wochenendseminar "Krisenherd Mittel-Ost-Europa" bietet die Ostakademie am 29. und 30. Januar an. Anmeldung bis Montag, 25. Januar. Näheres unter Tel. 0 61 74 / 40 75. Besuch der Sternwarte OBERURSEL. Die Sternwarte des Physikalischen Vereins in Frankfurt besucht der Frauenring am 28. Januar, 19.30 Uhr. Vom 10. bis 15. Mai steht eine Frühjahrsfahrt nach Norddeutschland an. Info: Sigrid Ronimi, Tel. 0 61 72 / 3 95 58.
Luftbelastungswerte vom 20. Januar in Milligramm je Kubikmeter
Stoffe und Grenzwerte*
WI-Mitte WI-Süd SO2 0,02 (0,05) 0,005 (0,04)
NO2 0,07 (0,08) 0,03 (0,07)
Staub 0,03 (0,05) 0,02 (0,08)
(in Klammern Wert vom Vortag)
Hier veröffentlichen wir, wie stark die Wiesbadener Luft verschmutzt ist. Die Werte werden an zwei Meßstellen der Hessischen Landesanstalt für Umwelt (HLfU) im gesamten Stadtgebiet gemessen.
SO2 steht für Schwefeldioxid, NO2 für Stickstoffdioxid. Diese beiden Substanzen und Staub werden zwischen 9 und 12 Uhr gemessen und als Drei- Stunden-Mittelwert angegeben.
SO2 und NO2 sind wesentlich am sauren Regen beteiligt. Staub ist nicht nur wegen allergischer Reaktionen riskant; an den feinen Partikeln können weitere Schadstoffe, zum Beispiel Dioxine, anhaften. Der Grenzwert für Staub beträgt nach einer Richtlinie des Verbandes Deutscher Ingenieure (VDI) 0, 45 Milligramm.
(Alle Angaben ohne Gewähr)
Zur Person:
KLAUS SCHÜTZ, ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin und von 1977 bis 1981 Botschafter in Israel, ist zum Vorsitzenden des Heinz-Galinski- Kreises gewählt worden. Der Kreis will sich eigenem Bekunden zufolge in Erinnerung an den Namensgeber intensiv mit dem Problem des Rechtsradikalismus und damit auch des Antisemitismus in Deutschland beschäftigen. Der frühere Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und des Direktoriums des Zentralrates der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, war 1992 gestorben. (KNA)
BAD VILBEL. "Naßgemacht" wurde die Lehrer- und Lehrerinnen-Volleyballmannschaft der John-F.-Kennedy- Schule. Beim traditionellen Turnier zum Ende des ersten Schulhalbjahrs gewann ein Team, das sich aus Schülerinnen und Schülern zusammensetzte, gegen die Pädagogen mit 2:1 Sätzen.
Das war im Laufe der Jahre das erstemal, daß die Unterrichtenden das Nachsehen hatten. Der Kommentar dazu von der Schulleitung: "Die Kollegen werden eben auch nicht jünger."
Stefan Balzer, Christopher Bender, Timo Hofmann, Gerhardt Reinhardt, Falk Sütfels, Michael Wörner, Alexander Jeschke und Markus Mögler wurden vom Publikum als "Helden" gefeiert und die Lehrer/-innen Knut Hamisch-Dorn, Rainer Kreck, Helga Müller, Walter Wagenbach, Birgit Wagner und Helga Zörnig hatten Zeit nötig, ihr Inneres aufzuarbeiten, damit die Niederlage ohne dauerhaften seelischen Schaden bleibe.
Bei dem Turnier, an dem die Stufen acht bis zehn insgesamt 14 "Mann"- schaften gebildet hatten, ragte die Klasse 10 a R heraus, die allein vier Teams bildete, die die vier ersten Plätze besetzten, teilt Schulleiter Ernst Guggenberger mit. hm
Heute Schönecker
SCHÖNECK. Der Neujahrsempfang der Gemeinde Schöneck findet am heutigen Donnerstag, 21. Januar, ab 19.30 Uhr im Bürgertreff Kilianstädten statt.
Bei dieser Gelegenheit sollen vor allem Bürgerinnen und Bürger, die im abgelaufenen Jahr volljährig geworden sind, sowie alle, die Dienste (Zivildienst, Bundeswehr, soziale Dienste) geleistet oder sich Verdienste erworben haben, Gelegenheit bekommen, sich einmal mit den Repräsentant(inn)en der Gemeinde bekannt zu machen. Ul
OFFENBACH. In zwei bis drei Monaten wollen die Planungsdezernate der Städte Offenbach und Frankfurt ihre endgültigen Vorstellungen über die Bebauung des Kaiserleis, resultierend auf den Ergebnissen des Architektenwettbewerbes, vorlegen. "Wir sind uns mit der Stadt Frankfurt einig, daß wir im Kaiserlei trotz der augenblicklichen Konjunkturschwäche schon jetzt für die Zukunft Baurecht schaffen müssen", betonte Offenbachs Wirtschaftsförderer und Planungsdezernent Gerhard Grandke (SPD) bei der Vorstellung eines neuen Investors.
Um keine Irritationen aufkommen zu lassen, erklärte Grandke: Die Planung für die Bebauung des Kaiserleis geht zügig weiter, auch wenn zur Zeit Büroflächen in Frankfurt leerstehen und Immobilien-Experten zweifeln, daß weitere Büroflächen im Kaiserlei im Augenblick eine Marktchance haben.
Als Beweis für die Attraktivität des Kaiserleis präsentierte Grandke die Berliner Handels- und Frankfurter Bank (BHF-Bank). Sie baut im Nordost-Quadranten des Kaiserleis für 150 Millionen Mark auf dem 10 000 Quadratmeter großen Grundstück an der Autobahnauffahrt und an der Verlängerung der Bernard- Straße (Omega-Haus). In sieben Geschossen entsteht nach den Plänen des Offenbacher Architektenbüros Novotny, Mähner und Assoziierte in einem kammförmigen Gebäude für 700 Mitarbeiter auf 13 300 Quadratmeter Bürofläche das technische Zentrum der Bank.
Das Rechenzentrum soll in zwei Jahren bezugsfertig sein. Die international arbeitende BHF-Bank (Bilanzsumme von 46 Milliarden Mark und 3 160 Mitarbeiter), die sich "auf die Beratung großer und mittlerer Unternehmen und die Betreuung vermögender Privatkunden konzentriert", faßt in dem Neubau ihre zehn in Frankfurt verstreuten technischen Einrichtungen zusammen. Die Zentrale selbst bleibt in der Frankfurter City.
Professor Dr. Wulf von Schimmelmann, einer der sechs Geschäftsinhaber der BHF-Bank, begründete die Entscheidung für den Standort Kaiserlei mit der verkehrsgünstigen Lage des Areals, seinem Preis und mit dem Entgegenkommen des Magistrats, schnell eine Baugenehnmigung erteilt zu haben. Der größere Teil des Grundstückes gehört der Bank schon seit gut zwanzig Jahren. Zur Arrondierung des Areals verkaufte ihr die Stadt jedoch noch 1 300 Quadratmeter. Professor von Schimmelmann geht davon, daß angesichts der zunehmenden Digitalisierung des internationalen Bank- und Börsengeschäftes noch mehr Banken solche EDV-Zentren bauen werden. Allerdings an der Peripherie von Ballungsgebieten, weil niemand mehr die weiter steigenden Grundstücks- und Mietpreise in der Frankfurter City bezahlen wolle.
Seine Bank sei auch deshalb nach Offenbach gekommen, weil der Frankfurter Magistrat einst für den Bau eines Hochhauses in der Innenstadt keine Baugenehmigung erteilt habe.
Die BHF-Bank ist nicht der einzige Investor, der jetzt im Nordost-Quadranten des Kaiserleis zu bauen beginnt. Stadtkämmerer Grandke berichtete, daß eine weitere, in Frankfurt ansässige Bank und ein privater Investor (Namen werden noch nicht genannt) dort Rechenzentren bauen wollen. Die Landesversicherungsanstalt errichtet für 400 Mitarbeiter ein neues Verwaltungszentrum.
Grandke rechnet vor: Addiert man alles zusammen, inklusive Flugsicherung und das sich im Bau befindliche Omega- Haus, entstehen hier 3 200 qualifizierte Arbeitsplätze. Die Stadt könne sofort zwei weitere Grundstücke mit je 22 000 Quadratmetern zur Schaffung von weiteren 2 000 bis 3 000 Arbeitplätzen anbieten.
Für ihn steht fest: "Die Entscheidung der BHF-Bank für Offenbach ist eine Entscheidung für die Standortqualität Offenbachs. Wir bieten mit dem Kaiserlei offensichtlich das richtige Produkt an."
Grandke erinnert daran, daß in Frankfurt der Quadratmeter Bürofläche zwischen 60 und 80 Mark kostet, in Offenbach-Kaiserlei aber nur um die 30 Mark. Zudem kostet der Quadratmeter Gewerbefläche im Kaiserlei je nach Lage zwischen 1300 und 2 000 Mark. lz
Die Berliner Straße wird zumindest vorerst nicht in "Willy-Brandt-Straße" umbenannt. Der entsprechende Antrag der Grünen im Ortsbeirat 1 (Innenstadt, Bahnhof, Gutleut, Gallus) wurde auf die Februar-Sitzung zurückgestellt. SPD und CDU wollen bis dahin eigene Vorschläge ausarbeiten. Einig sind die Stadtteilpolitiker jetzt schon: Der Antrag für eine Willy-Brandt-Straße muß bald verabschiedet werden; im Juli bekommen die Geschäfte mit den neuen Postleitzahlen ohnehin neue Adressen. Denn gegen die neue Anschrift und die dadurch entstehenden Kosten wehren sich einige Geschäftsleute in der Berliner Straße. Grundsätzlich aber könne der Ortsbeirat keine Rücksicht auf die Geschäfte nehmen, so Laeuen: "Irgend jemand wird es treffen." Vielleicht ja die Deutsche Bank: Horst Heilmann, SPD-Fraktionsvorsitzender,schlug vor, Teile von Taunusanlage und Mainzer Landstraße - "zwischen Opernplatz und Platz der Republik" - nach dem SPD- Ehrenvorsitzenden zu benennen. Für Margarete Bacherl (CDU) könnte künftig auch ein neuer Platz im Ortsbezirk 1 so heißen. Die Christdemokratin will jedenfalls nicht auf eine Berliner Straße als "Symbol für Freiheit" verzichten. So sieht es auch die SPD-Fraktion im Ortsbeirat. Allgemeines Kopfnicken erntete Ortsvorsteher Jürgen Hupe für seine "grundsätzliche Meinung": "Der angemessenste Ort für eine Willy-Brandt-Straße ist die Innenstadt." cob
ESCHBORN. Einen Selbstverteidigungskursus für junge Mädchen, die zwischen neun und 13 Jahre alt sind, bietet die Jugendpflege Anfang Februar an. Die Teilnehmerinnen lernen Gefahren- und Angstsituationen durchzuspielen, spezielle Selbstverteidigungstechniken anzuwenden und mehr Sicherheit und Reaktionsvermögen zu erlernen, um bereits im Vorfeld gefährliche Situationen zu erkennen. Ausführliche Gespräche und Erfahrungsaustausch stehen ebenso im Mittelpunkt wie das Körpertraining.
Der Kursus beginnt am Dienstag, 2. Februar, und dauert sieben Wochen. Treffpunkt ist jeweils um 15 Uhr in der Turnhalle der Hartmutschule. Es sind nur noch wenige Plätze frei, eventuell gibt es eine Warteliste und einen neuen Kurs im September. Nähere Informationen bei Gudrun Iser-Exler unter 0 61 96 / 4 67 67 oder Dieter Schneider unter 0 61 96 / 49 02 72. she
Michael Stich, der vorläufige Daviscup-Ex-Teamkollege Boris Beckers, ist sauer und eingeschnappt. Sauer auf Becker wegen dessen Absage an "die ersten zwei Daviscup-Spiele dieses Jahres", und eingeschnappt wegen der Aussage des Leimeners, unter bestimmten Bedingungen vielleicht doch spielen zu wollen. Stich kündigte in Melbourne an, seinerseits nicht mehr für Deutschland im Daviscup zu spielen, sollte Becker im weiteren Verlauf des Wettbewerbs wieder einsteigen.
Stich fühlt sich durch Beckers Entscheidung "vor den Kopf gestoßen", da Becker, Teamchef Niki Pilic und er gerade erst Ende des Jahres gemeinsam beschlossen hätten, beim Daviscup "noch einmal an einem Strang zu ziehen". Neben dem Ärger über Bekkers einsame Entscheidung - "Er kann nicht erwarten, daß jeder sagt, super, es ist toll, was du machst, und daß alle glücklich sind" - ist Stich offensichtlich auch enttäuscht über die mit der Absage sinkenden sportlichen Chancen auf einen von ihm erhofften Pokalgewinn. Er ist der Meinung, "Boris gegenüber immer sehr, sehr fair gewesen" zu sein, irgendwann aber sei "halt auch bei mir einmal Schluß". Daß dies bei Stich offenbar in einem frühen Stadium der Fall ist, zeigen die weitgehend verständnisvollen Reaktionen auf Beckers Schritt. Pilic empfahl Stich aus München, "sich ganz auf den Daviscup zu konzentrieren, wenn er ihn gewinnen" wolle. Und mit der Einschätzung, es werde "Zeit, daß ihm endlich einer sagt, daß es so nicht geht", scheint Michael Stich zum wiederholten Male Boris Beckers Beliebtheit bei Publikum und Tenniskollegen unterschätzt zu haben.
Auch mit der Kritik an den von Becker angeführten sportlichen Gründen für den Rückzug steht Stich offenbar auch in ausgewiesenen Fachkreisen alleine. Während der Elmshorner noch erklärte, der Einsatz im Daviscup und der ATP-Turnierserie sei sicherlich anstrengend, er sei aber keine "45 oder 55 Jahre alt" und könne durchaus "nebenbei" Daviscup spielen, kündigte die Nummer eins des Welttennis, Jim Courier (USA), ebenfalls den Rückzug aus dem diesjährigen Daviscup-Wettbewerb an. Und auch von Pete Sampras, ebenfalls Titelverteidiger mit dem Team der USA, wird eine Absage erwartet. In beiden Fällen lautet die Begründung: Streß in der ATP-Turnierserie.
Bei Beckers Absage soll auch Geld eine Rolle gespielt haben. "Gutunterrichtete Kreise" in Melbourne glauben zu wissen, daß Becker-Manager Tiriac für Daviscup-Auftritte seines Schützlings zwei Millionen Mark vom DTB wollte - und nicht bekam. DTB-Präsident Stauder dementierte. fes/dpa/sid
Über die "beschissene Bürokratie" beim städtischen Wohnungsamt beschwerten sich Frankfurter Sozialmieter bei der FR: Sie glauben, daß sie in Sozialwohnungen leben, haben aber von der Stadt noch keinen Fragebogen zur Fehlbelegungsabgabe bekommen.
Der Leiter des Wohnungsamtes, Klaus Miehrig, sagte dazu, bei einer vierstelligen Zahl von Unterkünften in Frankfurt müsse überhaupt noch geklärt werden, ob sie öffentlich geförderte Wohnungen im Sinne des Gesetzes sind - und damit für eine Fehlbelegungsabgabe überhaupt in Frage kommen.
Außerdem erwarte die Stadt noch Informationen des Landes über einige Tausend Wohnungen von Landesbediensteten in Frankfurt - auch hier soll die Fehlbelegung ermittelt werden. jg
Der Schnellste wurde mit stolzen 79 Stundenkilometern fotografiert, obwohl in der Dortelweiler Straße in Bornheim nur 40 erlaubt sind. Um ebensoviel zu schnell ein Autofahrer im Harheimer Weg unterwegs: Statt der erlaubten 30 fuhr er 69 km/h.
Bei ihren Messungen in der ersten Januarhälfte schrieb der Verkehrsüberwachungsdienst wieder massenhaft Verwarnungen und Anzeigen. Im Durchschnitt waren 15 Prozent aller Kraftfahrer zu schnell. In vielen Straßenzügen lag die Raser-Quote gar bei weit über 20 Prozent.
So fuhr bei Tempo 30 in der Sindlinger Farbenstraße fast jeder dritte zu schnell, der "Rekord" bei 67 Stundenkilometern. In der Vilbeler Landstraße dagegen zeigten die Fahrzeuglenker eine erstaunliche Disziplin: Von 1731 erfaßten Fahrzeugen fuhren nur 98 (5,7 Prozent) schneller als die zulässigen 40 Stundenkilometer. gang
&blt; Dixieland im Frack
Die Semper-House-Band Dresden präsentiert am Freitag, 22. Januar, und am Samstag, 23. Januar, jeweils um 20 Uhr, in der Jahrhunderthalle Hoechst, eine Mischung aus Dixie, Swing, Persiflagen bekannter Stücke der E-Musik, Spirituals und Opernmelodien. Gunter Emmerlich, Baß der Dresdner Staatsoper und Entertainer, führt durch das bunte Programm. &blt; Figurentheater für Erwachsene Der amerikanische Puppenspieler Eric Bass zeigt vom 22. bis zum 24. Januar im Künstlerhaus Mousonturm, Waldschmidtstraße 4, sein Figurentheaterstück "Autumn Portraits". In diesem Klassiker seines Repertoires erzählen seine Puppen von der Situation des Alterns und der Konfrontation mit der letzten Lebensphase. Beginn jeweils um 21 Uhr. &blt; Hot Jazz Meeting In der Alten Oper findet am heutigen Freitag, von 20 Uhr bis zum frühen Morgen, das diesjährige Hot Jazz Meeting statt. Angekündigt haben sich die Bands: The Dirty Dozen Brass Band, Papa Bue's Viking Jazzband, Addi Münster's Old Merry Tale Jazz Band, The Rosenberg Trio und die Hamburg Boogie Connection.&blt; "Kaspar" von Peter Handke Im Theater in der Uni, Senckenberganlage 27, wird am Freitag und am Samstag, jeweils um 20.30 Uhr, "Kaspar" von Peter Handke aufgeführt. &blt; Augsburger Puppenkiste Im Foyer des HR-Funkhauses am Dornbusch sind bis zum 31. Januar Originalpuppen, Kulissen und Dekorationen der "Augsburger Puppenkiste" zu sehen. Täglich um 10 und um 14 Uhr werden Videovorführungen der bekanntesten Produktionen gezeigt. Geöffnet ist die Schau täglich von 9 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. &blt; Hörspiel von Heiner Goebbels Im Theater am Turm, Eschersheimer Landstraße 2, findet am heutigen Freitag eine öffentliche Vorführung von Heiner Goebbels "Schliemanns Radio" statt. Eine Diskussion mit dem Autor schließt sich an. Beginn ist um 21.30 Uhr. &blt; Druckgraphik von Kollwitz "Ich will wirken in dieser Zeit" ist eine Ausstellung mit Arbeiten von Käthe Kollwitz überschrieben, die bis zum 25. Februar im Bürgerhaus Dietzenbach, Offenbacher Straße 11, zu sehen ist. Gezeigt werden Radierungen, Lithographien und Holzschnitte der Künstlerin. Öffnungzeiten der Schau: montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr, dienstags bis freitags von 15 bis 19 Uhr, samstags von 12 bis 16 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr. &blt; Musikfestival in Mainz Musikalische Grenzüberschreitungen zwischen Jazz, Rock, E-Musik und Avantgarde sind am 22. und 23. Januar im Rahmen des Akut-Festivals 93 im Frankfurter Hof in Mainz, Augustiner Straße, zu hören. Eröffnet wird das Festival am Freitag um 20.30 Uhr mit Peter Brötzmann, Werner Lüdi und Wädi Gysie sowie Peter Kowald, Conny Bauer und Günter Sommer. &blt; "Haifische und andere Menschen" Deutsche und deutsch-deutsche Geschichten stehen im Mittelpunkt des Abends, den Hanne Hiob und Ensemble am heutigen Freitag um 22.30 Uhr im Nachtfoyer des Schauspiels Frankfurt gestalten.&blt; "Kann denn Liebe Sünde sein?" Die Chanteuse Rica Westenberger ist heute, Freitag, abend in der Schmiere im Karmeliterkloster zu Gast. Auf dem Programm stehen Lieder von Zarah Leander über Friedrich Hollaender bis Kurt Weill. Am Klavier wird sie begleitet von Carmela Reinert. Beginn ist um 20.30 Uhr. &blt; Letzte Vorstellungen "Fräulein Julie" Im Frankfurter Theaterhaus, Schützenstraße 12, spielt das Theater Grüne Soße am Freitag und Samstag, jeweils um 20 Uhr, zum letzten Mal das Stück "Fräulein Julie". Im Nachtprogramm, um 23 Uhr, ist Cornelia Niemann an beiden Tagen mit ihrem "Solo im Supermarkt" zu sehen. &blt; Thomas-Bernhard-Stück Das Theater Tamen The gastiert am heutigen Freitag und am Samstag (20 Uhr) in der Hausener Brotfabrik, Bachmannstraße 2-4, mit dem Stück "Der Schein trügt" von Thomas Bernhard. Regie führte Brigitte Leistikow.
Den Gralshütern des modernen Fußballs, den Herren des Internationalen Fußball-Verbandes (FIFA), wird liebend gerne vorgeworfen, nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit zu sein. Zu halsstarrig, zu unflexibel, zu unbeweglich reagierten sie auf Veränderungen im Spiel mit dem Rund aus Polyurethan und Gummischaum, zu wenig innovativ, zu sehr im Konservativen gefangen, seien sie, wenn es denn heiße, dem Fußball neue Impulse zu verleihen.
Derlei plumpe Vorurteile versuchen die sportlichen Funktionäre im beschaulichen Zürich seit einiger Zeit dadurch zu entkräften, daß sie mit einer Reihe von - zugegebenermaßen - sinnvollen Vorschlägen zur Steigerung der Attraktivität der einstmals herrlichsten Nebensache der Welt entscheidend beitrugen. Die Rückpaßregel etwa hat dem Spiel auf dem grünen Rasen sichtlich gutgetan.
In diesen Tagen freilich ist die FIFA mit weiteren Ideen zur Änderung des nicht eben sonderlich komplizierten Regelwerks an die Öffentlichkeit getreten, und damit, so scheint's, hat sich der Weltverband ein wenig weit nach vorne gewagt. Schon im März, bei der Weltmeisterschaft der "U 20" auf dem fünften Kontinent, soll der "sudden death" erprobt werden, also jenes abrupte Ende einer Verlängerung, sobald einem der beiden Teams ein Tor gelungen ist. Ob damit aber des Stürmers Hang zu Sturm und Drang besonders gefördert wird, darf füglich bezweifelt werden, denn bei einer torlosen Verlängerung treffen sich beide Mannschaften dann doch, wie gehabt, elf Meter vor dem Tor. Der wahre Grund für die angestrebte Neuerung: Die US-amerikanischen Fans mögen Elfmeterschießen nicht. Und weil nächstes Jahr in den USA der Weltbeste im soccer ermittelt wird, kann man sich den Begehrlichkeiten der Veranstalter, zumal viele Dollar auf dem Spiel stehen, nur schwerlich entziehen.
Sportlich umstritten sind gleichfalls die weiteren Vorschläge: "kurze" Ecken, "Einstöße", den Abstand der Mauer vergrößern, eine Reduzierung auf zehn Feldspieler, Oberschiedsrichter auf der Tribüne, die Vergrößerung der Tore, effektive Spielzeiten - all dieses kommt für sich genommen über Spielerei nicht hinaus. Was soll es also bringen? Und ein Spiel, zehn gegen zehn, auf größere Tore, Ekken von der Strafraumgrenze, mit Freistößen praktisch ohne Mauer und einem Unparteiischen am Bildschirm wäre ein anderes, als das derzeitige: der Charakter des Fußballspiels ginge verloren.
Es ist an dieser Stelle mehrfach gesagt worden: Regeln sollten nur im Notfall geändert werden. Und ein solcher liegt derzeit nicht vor. THOMAS KILCHENSTEIN
Kleine FR
Viermal krachte es BAD HOMBURG. Keine Verletzten, aber einen Schaden von 38 000 Mark gab es bei vier Unfällen, die die Polizei am Mittwoch nachmittag in der Innenstadt beschäftigten. Ursache waren jeweils Unachtsamkeit und Vorfahrtsverletzungen. "Mit Fremden leben" BAD HOMBURG. Zu dem Thema "Mit Fremden leben" gestalten Jugendliche des CVJM am Sonntag, 24. Januar, einen Gottesdienst. Er beginnt um 10 Uhr in der evangelischen Gedächtniskirche in Kirdorf. Die Jugendlichen wollen dabei angesichts der Welle von Fremdenfeindlichkeit Wege zu friedlichem Zusammenleben aufzeigen. Neuer Kindermalkurs BAD HOMBURG. Beim Kulturkreis beginnt ein neuer Kindermalkurs, für den jetzt die Anmeldung läuft. Der Kurs startet am Freitag, 5. Februar, im Haus Schulberg 1. Er dauert jeweils von 16.45 bis 18 Uhr und läuft zehn Wochen. Auskunft und Anmeldung in der Geschäftsstelle (Louisenstraße 142, Hohner-Musikhaus, Telefon 4 23 94). "Hexenzauber im E-Werk" BAD HOMBURG. Für Kinder ab drei Jahren zeigt die "Fliegende Kiste" im Jugendtreff E-Werk am Mittwoch, 27. Januar, um 15 Uhr das Theaterstück "Hexenzauber". Hauptfiguren sind der Magier Zaubinelli und die Hexe Nudeltraud. Wehrleute tagen BAD HOMBURG. Zur Jahreshauptversammlung trifft sich die Freiwillige Feuerwehr Ober-Eschbach am Freitag, 5. Februar, um 20 Uhr im Feuerwehrhaus am Kirchplatz. Nach den Berichten ist der gesamte Vorstand neu zu wählen. JU reist nach Spanien HOCHTAUNUSKREIS. Zehn Tage reist die Junge Union (JU) Hochtaunus über Ostern an die Costa Brava. Interessenten können sich bis 4. März anmelden. Weitere Auskünfte gibt (wochenends) Karsten Brandt unter Tel. 0 60 81 / 4 35 96.
Vor nahezu einem Jahr begann der erste Anlauf zur juristischen Bewältigung der mutmaßlich größten Wirtschaftsaffäre in der Geschichte der Bundesrepublik; im co op-Strafprozeß gegen sieben Ex- Manager sollten im Frankfurter Landgericht die dubiosen Vorgänge in dem Handelskonzern ebenso zur Sprache kommen wie die Rollen, die führende Gewerkschafter bei dem Unternehmen spielten. Das Unterfangen scheiterte. Neu hinzukommende Aktenberge und schweigende Angeklagte prägten das Bild. Das Verfahren wurde ausgesetzt.
Anfang August läutete das Gericht die zweite Runde ein. Doch die Mauer des Schweigens stand immer noch. Es folgten ermüdende Vorlesestunden aus Bilanzen, Notizen und Protokollen. Die Beschuldigten drehten lieber Däumchen als zu reden und damit zur - teils großspurig angekündigten - Aufklärung beizutragen.
Inzwischen hat der Prozeß einen erstaunlichen Wandel erlebt: Das Verfahren kommt voran. Das Gericht muß sogar bremsen, denn die verbliebenen Angeklagten streiten schon mal darüber, wer als nächster aussagen darf. Nicht zuletzt dieses Verhalten nährt die Hoffnung, daß der Mammutprozeß wesentlich schneller abgeschlossen werden kann als gedacht. Mit der Redebereitschaft von Alfons Lappas, dem einstigen co op-Aufsichtsratsvorsitzenden, ist das Verfahren in einer entscheidenden Phase angelangt. Lappas verkörpert die Verbindung zu den Gewerkschaften, den einstigen Haupteigentümern von co op. Und für den DGB geht es nicht nur um Geld, sondern auch um sein ohnehin angekratztes Image (Neue Heimat) als Unternehmer.
Die Einlassungen von Lappas weichen auffällig von den Aussagen des früheren Vorstandssekretärs Hans Gitter ab. Hatte Gitter davon gesprochen, die Vorwürfe in der Anklageschrift träfen "im wesentlichen" zu, so kontert Lappas, die Anschuldigungen seien "absurd und lächerlich", ja sie entbehrten "jeder Grundlage". Der ehemalige Gewerkschaftsfunktionär scheint kein Fünkchen schlechtes Gewissen zu haben.
Für Spannung in dem Prozeß ist wegen der Unterschiede gesorgt. Es fällt aber auch auf, daß immer wieder der Name Werner Casper auftaucht. Er wird als Hauptdrahtzieher bei co op-Entscheidungen dargestellt. Diese Strategie ist nachvollziehbar - der Ex-Manager weilt weiter auf freiem Fuß in Kanada. has
FULDA. "Radio SK - für Sie immer da." Ein Motto, mit dem sich jetzt in vielen Krankenzimmern des Städtischen Klinikums (SK) Fulda das "Klinikradio" vorstellte. Als Macher sind 16 Jungen und Mädchen aus der Radio-AG der Rabanus-Maurus-Schule (Domgymnasium) angetreten.
Zwei Stunden dauerte am Dienstag die erste Live-Sendung aus einem nur acht Quadratmeter großen Raum im Kellergeschoß, den die jungen Leute mit viel Engagement und Improvisation für ihr Projekt zum "Studio" umfunktionierten. Aus den Reihen der etwa 800 Patienten sowie 1500 Ärzten, Schwestern und Pflegern und Angestellten gab es anschließend viel Beifall und Aufmunterung.
Studioatmosphäre wie bei den Profis: Lampenfieber und nervöse Anspannung, ein Gast sagte kurzfristig ab, mal klemmte die Technik oder mußte der dreiseitige "Fahrplan" umgestellt werden. Es gab Musik von Udo Jürgens bis Atlantis 2000, Textbeiträge über "Obst ist gesund", einen Radiosender für die Mayas in Südamerika, das erfolgreiche Stadtbus-Projekt "Transity" in Fulda und das obligatorische Telefonquiz für Patienten.
Das neue "Radio SK" will einmal im Monat eine zweistündige Live-Sendung und unregelmäßig mehrere Sondersendungen als "Aufzeichnung" über den Hauskanal schicken. Die Erstausstattung des Kellerstudios wurde zum Teil mit einer 2000-Mark-Elternspende finanziert.
Sowohl "Chefredakteur" Tobias Schubert als auch seine Mitstreiter waren nach der Premiere "happy". Jetzt will die Gruppe "richtige Radiosendungen fahren" und dabei nicht nur medizinische Fragen behandeln und Ratschläge geben, sondern wie beim Auftakt lokale bis internationale Themen aufgreifen.
Eine besondere Bedeutung kommt dem Fuldaer Klinikprojekt dadurch zu, daß es inzwischen bereits von der UNESCO, der Kulturorganisation der Vereinten Nationen, anerkannt wurde. "Radio SK" reiht sich nahtlos in die seit Oktober 1991 andauernden Aktivitäten im Rahmen von "Kunst im Krankenhaus" (KiK) am Städtischen Klinikum Fulda ein.
Nach anfänglichen Ausstellungen und Autorenlesungen kamen Konzerte und jetzt als "vierte Säule" der Radiosender hinzu. Karin Schmitz, Ideenlieferantin und KiK-Initiatorin, meinte, das akustische Angebot für die rund 800 Patienten gehöre zur gewünschten kulturellen Vielfalt und sei in Hessen einzigartig.
"Die Auseinandersetzung mit Kunst, Musik und Literatur soll Patienten und Besucher der Klinik miteinander ins Gespräch bringen, zum Nachdenken anregen und von ihren gesundheitlichen Problemen ablenken", erklärte sie der FR.
Frau Schmitz ist besonders stolz darauf, daß die UNESCO die kulturelle und therapeutische Bedeutung dieses Projektes anerkannt hat. Deshalb wird es 1993 im Rahmen der "Internationalen Kulturförderung" ("art in hospital") auch Geld für die Fuldaer Kunst im Krankenhaus geben. ma
BUTZBACH. Zwei Englischkurse für Frauen und einen Computer-Schnupperkursus für Mädchen im Alter von 10 bis 14 Jahren bietet jetzt die Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt in Butzbach.
Für den Computer-Kursus brauchen die Mädchen keine Vorkenntnisse. Sie können sich spielerisch und ohne Leistungsdruck mit dem Computer und seinen Möglichkeiten vertraut machen. Der zweitägige Kursus beginnt am Freitag, 12. März, um 17 Uhr und dauert bis 20.15 Uhr. Tags darauf wird von 9 bis 16 Uhr in die Computer-Welt geblickt.
Ihre Englischkenntnisse können sich Frauen ab Montag, 25. Januar, 11 Uhr mit dem Kursus "English conversation" auffrischen. In einem kleinen Kreis sollen die Frauen miteinander ins Gespräch kommen. Im Kursus "Englisch für Anfängerinnen" sollen alltägliche Situationen gelernt werden.
Weitere Informationen und Anmeldung unter Tel. 0 60 33 / 61 50 bei der AWO. str
Kleine FR
Stadt sucht Wahlhelfer NEU-ISENBURG. Wer sich als Helferin oder Helfer für die Kommunalwahl am 7. März zur Verfügung stellen möchte, sollte sich möglichst frühzeitig im Hauptamt des Isenburger Rathauses melden - unter Tel. 241 - 716 oder -561. Als Lohn für das Engagement zahlt die Stadt ein "Erfrischungsgeld" von 40 Mark. Fast 100 000 Mark für Tarsus LANGEN. Das Spendenkonto für die Grundschule "Polatli Ilkokulu" in Langens türkischer Partnerstadt Tarsus hat nach einer Spende der Sparkasse Langen-Seligenstadt (5 000 Mark) fast die Marke von 100 000 Mark erreicht. Karten für Fasching DREIEICH. Am Samstag, 23. Januar, ist der letzte Kartenvorverkaufstag für die Karnevalsveranstaltungen der Sportgemeinschaft Götzenhain. Wer sich bei Heidi Siebenborn (Telefon 82 197) eine Karte reserviert, kann diese von 15 und 17 Uhr im Foyer der Turnhalle in der Frühlingsstraße abholen. Weitere Karten gibt es danach nur an der Abendkasse. Waldschützer zeigen Film LANGEN. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald lädt am Montag, 25. Januar, 19.30 Uhr, zu einem Filmabend in die Stadthalle ein. Alfred Förster zeigt einen Film über die Tiere im Naturschutzgebiet Biedensand am Lampertheimer Alt-Rhein und Bilder der Bergwelt des Ober-Engardin in der Schweiz. Der Eintritt ist frei. SPD-Veranstaltung im Bürgerhaus DREIEICH. Die SPD macht am Dienstag, 26. Januar, 19.30 Uhr, eine Veranstaltung mit der Kreisbeigeordneten Adelheid Tröscher im Bürgerhaus Sprendlingen, Clubraum 4. Thema sind die Kultur-, Vereins- und Schulpolitik. Teddys selbst gemacht LANGEN. Wie man einen Teddybären selbst anfertigt, zeigt ein Kurs des Katholischen Bildungswerks im Pfarrzentrum von St. Albertus Magnus. Teilnehmer zahlen für die beiden Abende, 3. und 10. Februar, 19.30 bis 22 Uhr, 16 Mark und die Materialkosten. Anmeldung unter der Rufnummer 88 251. Siegerschau der Taubenzüchter DREIEICH. Die Züchter der Reisevereinigung Südmain, in der neun Vereine aus dem Westkreis Offenbach vertreten sind, stellen am Sonntag, 24. Januar, ihre besonders erfolgreichen Siegertauben der Reisesaison 1992 zur Schau: von 9 bis 17 Uhr im Clubhaus in Sprendlingen am Bürgeracker 6. "Premiere" für gelbe Säcke EGELSBACH. In der kommenden Woche werden in Egelsbach erstmals die gelben Säcke abgeholt: am Dienstag, 26. Januar, in der Siedlung Bayerseich und dem Ortskern westlich der Heidelberger Straße sowie am Mittwoch, 27. Januar, östlich der Heidelberger Straße - jeweils ab 6 Uhr morgens. Ausschuß besucht Zeppelinmuseum NEU-ISENBURG. Der Ausschuß für Kultur und Sport macht einen Ausflug: Am Dienstag, 26. Januar, besichtigen die Isenburger Parlamentarier um 19.30 Uhr das Zeppelinmuseum in der Kapitän-Lehmann-Straße 2. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich anschließen.
ESCHBORN. Eigentlich hätte die Schreibtischlampe ja noch ein bißchen schlafen wollen. Doch das kleine Radio plärrt das Morgenmagazin heraus und so langsam reiben sich auch der Toaster, die Heizdecke und der griesgrämige Staubsauger die Augen.
Bis die fünf Freunde aus dem Kinderfilm "Der tapfere kleine Toaster" feststellen, daß ihr Sommerhaus verkauft werden soll und der kleine Rob niemals wiederkehrt, vergeht eine ganze Weile. Doch dann machen sie sich auf den Weg zu ihm.
Wer wissen will, ob sie bei dem kleinen Rob ankommen und welche Abenteuer sie bestehen, geht heute um 14.30 Uhr ins Jugendzentrum oder um 16.30 Uhr ins Bürgerzentrum Niederhöchstadt. Der Eintritt kostet eine Mark. she
HELGA FRITZ, Erika Kirsch, Hanna Krapf und Gertrud Umstätter wurden bei der Jahreshauptversammlung des Mörfelden-Walldorfer Vereins "Frauentreff" einstimmig in ihren Vorstandsämtern bestätigt. Fünfte im Bunde des gleichberechtigten Gremiums ist Ursula Brehl, die für das bisherige Vorstandsmitglied Ellen Lutter nachrückte. Diese kandidierte aus beruflichen Gründen nicht mehr. Die Kasse führt wie bisher Claire Linke; für die Organisation des Frauentreffs im Goldenen Apfel sind Rosa Fischer, Claire Linke und Ellen Lutter zuständig. wal
ANDREAS REIMANN, Christdemokrat aus Ginsheim-Gustavsburg, wurde vom Kreisverbandsausschuß seiner Partei zum Direktwahl-Beauftragten berufen. Er soll die CDU-Aktivitäten bei den in diesem Jahr anstehenden Driektwahlen von Bürgermeistern in Gernsheim, Nauheim, Biebesheim, Rüsselsheim und Raunheim koordinieren. cas
STEPHAN EHSER, Kelsterbach, wurde Bundessieger im Leistungswettbewerb der Handwerksjugend. Ehser ist Auszubildender bei einem Kelsterbacher Fachbetrieb des Gas-, wasser- und Installationshandwerks. cas
SCHÖNECK. Eine Korrektur der Heranziehungsbescheide für den Straßenbeitrag der Wedgassen-Bewohner wird es nicht geben. Nachdem der entsprechende Grünen-Antrag am Dienstagabend in der Gemeindevertretung von der SPD abgelehnt worden ist, wird der Streit darüber vermutlich vor Gericht enden. Die Anliegerschaft hatte Widerspruch eingelegt, weil unnötige Arbeiten ausgeführt worden seien und einige abgerechnete Arbeiten nicht geleistet worden seien (die FR berichtete).
In der Gemeindevertretung stimmten die Christdemokraten für den Antrag der Grünen. Die Grüne Ingrid Haertel hatte zuvor betont, die Betroffenen strebten immer noch eine gütliche Regelung an. Erich Dettmering (SPD) verteidigte dagegen, daß die Bürger im Ortskern 40 Prozent der Straßenerneuerungs-Kosten zu tragen haben. Er sprach von überall beobachtbaren "Sünden", als man intakte Pflaster mit Teerflicken übersäte oder Pflasterdecken ganz zuasphaltierte. Wieweit die Gemeinde und die Betroffenen recht haben, müsse notfalls gerichtlich geklärt werden.
Friedrich Karrenbrock (CDU) äußerte dagegen die Auffassung, wenn man neuerdings die Ortskernstraßen mit Pflaster sanieren wolle, sollten die Anlieger dafür nicht zur Kasse gebeten werden. Es sollten also in den Beitragsbescheiden der Gemeinde die Pflasterkosten abgezogen werden. Ul
BAD VILBEL. "Mit und ohne Kostüme" sind die Närrinnen und Narren beim Fasching des Kleintierzuchtvereins Heilsberg am Samstag, 30. Januar, im Bürgerhaus Heilsberg willkommen. Die Veranstaltung beginnt um 20.11 Uhr. Die Karten kosten 12 Mark an der Abendkasse und zwei Mark weniger im Vorverkauf in der Friedensstraße 6 oder der Homburger Straße 3.
Zum Tanz spielen und singen Ilona und die "El Dorados". Kartenbestellungen unter den Telefonnummern 8 53 53 oder 24 45. hm
"Es gab einfach den Auftrag an die Staatssicherheit, so zu arbeiten, daß der Staat gesichert wird. Es gab nichts Antikirchliches."
"Soweit ich weiß, ist es im Evangelium überhaupt nicht vorgesehen, daß die Kirche ewig den kapitalistischen Staat unterstützen muß."
jr FRANKFURT A. M., 20. Januar. Innerhalb von drei Jahren sind auf dem Gebiet der ehemaligen DDR die Geburtenzahlen um sechzig Prozent zurückgegangen. Auf diesen "demographischen Zusammenbruch, der in der deutschen Geschichte in diesem Ausmaß ohne Beispiel ist", und die Folgen vor allem für die Kindergarten- und Schulpolitik macht der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm in einem Beitrag für die Frankfurter Rundschau aufmerksam.
(Bericht "Aus Schule und Hochschule", S. 6)
BAD VILBEL. Fasching feiert die katholische Kirchengemeinde im "Freistaat Massenheim" am Freitag, 5. Februar, und am Freitag, 12. Februar, jeweils ab 19.59 Uhr im Pfarrsaal Harheimer Weg. "Einzelkämpfer" und Gruppen aus dem Stadtteil sowie das Sandhasen-Ballett verheißen ein buntes Programm. Bodo von Monti spiel zum Tanz.
Karten zum Preis von 10 Mark gibt es bei Freisleben, Telefon 4 85 75.
Den Senioren wird am Samstag, 20. Februar, um 14.30 Uhr im Pfarrsaal der traditionelle Fastnachtskreppelnachmittag angeboten. hm
BAD HOMBURG. Den Film "Persien - von Parsa bis Isfahan" zeigt der Film- und Videoclub Bad Homburg am Dienstag, 26. Januar, um 20 Uhr im Stadthaus. Gedreht wurde kurz vor dem Umsturz in Iran. Zu sehen sind Anlagen, wie man sie heute nicht mehr aufnehmen kann. tom
Das Berliner Abgeordnetenhaus wird demnächst in den ehemaligen Preußischen Landtag im Bezirk Mitte umziehen, das ist beschlossene Sache. Unklar dagegen ist, unter welcher Adresse er dann firmieren wird. Auf dem Stadtplan ist die kleine Straße im ehemaligen Ost-Berlin als "Niederkirchner Straße" ausgewiesen. Bis 1945 hat sie Prinz-Albrecht-Straße geheißen. Der Name hat Geschichte gemacht als Sitz der gefürchtesten Terrorinstitutionen des "Dritten Reiches". Hier saßen die Gestapo, die SS, von hier aus wurde der Massenmord an den deutschen und europäischen Juden geplant. 1951 hat die DDR-Regierung die Straße umbenannt zum Gedenken an die von den Nationalsozialisten 1944 im KZ Ravensbrück ermordete Widerstandskämpferin Käthe Niederkirchner.
Eine ehrenwerte Adresse, da ist sich die zuständige Bezirksverordnetenversammlung Mitte einig, wie bei allen Straßen, die nach in der NS-Zeit ermordeten Personen benannt sind. Das Abgeordnetenhaus ist anderer Ansicht. "Am Preußischen Landtag" hat die Präsidentin Hanna Renata Laurien (CDU) als neue Anschrift vorgeschlagen. Sie und ihre Fraktion, die schon das Lenin-Denkmal gefällt hat, lassen nichts unversucht, um nicht in der Niederkirchner Straße residieren zu müssen. Parlamentsadresse nach einer kommunistischen Widerstandskämpferin? Niemals.
Also hat man sich etwas einfallen lassen. Rechts von dem Preußischen Landtagsgebäude und links davon soll alles bleiben dürfen wie es ist. Doch das Straßenstück genau vor dem Gebäude mit dem kleinen Platz soll einen neuen Namen erhalten; der Platz habe noch keinen, also handele es sich um eine Neu-, nicht um eine Umbenennung. So versucht man sich an der Zuständigkeit des Bezirks vorbeizumogeln.
Am heutigen Donnerstag wird die Namensgebung auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/Alternative Liste im Berliner Abgeordnetenhaus debattiert. Am Tag zuvor hat der Verein "Aktives Museum" an dem Straßenschild Niederkirchner Straße eine zusätzliche Tafel angebracht, die über die Geschichte des Ortes und den Namen aufklärt. Der Straßenname müsse erhalten bleiben, erst recht am Sitz des Berliner Abgeordnetenhauses, meint der kulturpolitische Sprecher des Bündnis 90, Albert Eckert. Schließlich sei der Widerstand gegen die NS-Diktatur nichts Ehrenrühriges. Oder?
Auch die SPD, gemeinsam mit der CDU Regierungspartei, sei für die Beibehaltung des Namens, sagt SPD- Fraktionschef Dietmar Staffelt; ebenso die PDS. Die Freien Demokraten halten diese ganze "ideologische Diskussion" für überflüssig und haben gegen die Postadresse "Am Preußischen Landtag" nichts einzuwenden. Es sieht nach einer Kampfabstimmung aus, ob der Name einer kommunistischen Widerstandskämpferin dem Berliner Parlament als erste Adresse zumutbar ist.
UTE FRINGS (Berlin)
MÜHLHEIM. Überfallen wurde am Dienstag kurz nach 21 Uhr die Tankstelle in der Offenbacher Straße gegenüber der Bereitschaftspolizei. Ein angeblicher Kunde hatte eine Getränkedose gekauft. Als der Tankwart die Kasse zum Wechseln öffnete, bedrohte der Mann ihn mit einer Schußwaffe und ließ sich alle Scheine aushändigen. Mit rund 1000 Mark Beute flüchtete er zu Fuß in Richtung Alter Frankfurter Weg. pmü
Das Wetter
Wetterlage: Nach kurzer Wetterberuhigung greifen die Ausläufer eines Tiefs südlich von Island auf Mitteleuropa über. Sie führen zunächst milde, später kühlere Luft nach Deutschland.
Vorhersage bis Freitag früh: In Norddeutschland zunächst wechselnde Bewölkung und vereinzelt Schauer. Während der zweiten Tageshälfte von Westen her Eintrübung mit Regen und Sprühregen. Im Süden veränderliche Bewölkung mit Aufheiterungen und weitgehend niederschlagsfrei.
Temperaturen im Norden tags und nachts um 8 Grad. Im Süden Tageshöchsttemperaturen 7 bis 10 Grad, in Nebelgebieten um 5 Grad. Tiefsttemperaturen um 3 Grad. Gebietsweise in Süddeutschland Frost bis -2 Grad.
Meist mäßiger bis starker, in Böen auch stürmischer Wind aus Südwest bis West.
Weitere Aussichten bis Samstag: Windig und regnerisch, etwas kühler. Wetterdaten vom Vortag, 13 Uhr MEZ Ausland Ort Wetter Grad
Algier
wolkenlos 17 Amsterdam
Regen 10 Athen
leicht bewölkt 14 Barcelona
wolkenlos 13 Bordeaux
wolkig 10 Bozen
wolkig 6 Brüssel
Regen 9 Dublin
leicht bewölkt 12 Helsinki
stark bewölkt -1 Innsbruck
wolkig 5 Istanbul
stark bewölkt 6 Kairo
wolkig 18 Las Palmas
leicht bewölkt 20 Lissabon
wolkenlos 11 Locarno
wolkig 6 London
Regen 12 Madrid
leicht bewölkt 10 Mallorca
leicht bewölkt 14 Moskau
bedeckt -2 Neapel
wolkenlos 12 Nizza
leicht bewölkt 13 Paris
stark bewölkt 11 Rom
wolkenlos 13 St. Petersburg
wolkig -3 Stockholm
bedeckt 2 Tunis
leicht bewölkt 13 Venedig
Nebel 4 Warschau
bedeckt 5 Wien
stark bewölkt 11 Zürich
wolkig 10
Deutschland
Berlin
bedeckt 9 Dresden
bedeckt 10 Feldberg/Ts.
Sprühregen 3 Feldberg/Schw.
in Wolken -1 Frankfurt/M.
stark bewölkt 9 Freiburg
stark bewölkt 10 Garmisch
wolkig 4 Hamburg
Sprühregen 9 Köln/Bonn
Regen 9 Leipzig
bedeckt 10 München
wolkig 10 Rostock
Regen 9 Sylt
stark bewölkt 7 Zugspitze
wolkig -6
Telefonansagedienste
Wettervorhersage 11 64
Reisewettervorhersage 1 16 00
Segelflugwetter 1 15 06
Medizinisch-meteorologische Tips, unter anderem für Allergiker und Herz-Kreislauf-Patienten 1 16 01 Smogwerte 06 11 - 58 12 42 (Wenn die Grenzwerte nach der Smogverordnung überschritten werden, melden wir dies an gesonderter Stelle.)
Sonnenaufgang 8.13 Uhr Sonnenuntergang 17.01 Uhr
ZEILSHEIM. Möglicherweise durch Brandstiftung entstand nach Ansicht der Polizei an der Fassade des Hauses in der Hofheimer Straße 1b ein Schaden von etwa 20 000 Mark. Unbekannte hatten in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch gegen 1 Uhr Abfälle und Sperrmüll im Hausdurchgang des Gebäudes angesteckt und waren anschließend unerkannt geflüchtet.
Durch die Hitze und den Ruß wurde der Außenputz des Anwesens stark beschädigt. Die Polizei bittet unter Tel. 755-4043 oder Tel. 755-4040 um Hinweise. gre
PALE, 20. Januar (AFP). Das selbsternannte "Parlament" der bosnischen Serben hat am Dienstag auf seiner Sondersitzung in Pale den Genfer Friedensplan mit großer Mehrheit gebilligt.
Von den "Abgeordneten" stimmten 55 für den Plan, 15 dagegen, einer enthielt sich der Stimme. Serbenführer Radovan Karadzic hatte dem Plan von UN-Vermittler Cyrus Vance und EG-Vermittler Lord Owen in der vergangenen Woche nur unter dem Vorbehalt zugestimmt, daß das "Parlament" die Entscheidung mittrage.
Die Vertreter der bosnischen Serben waren bereits am Dienstag in Pale, östlich von Sarajewo, zusammengekommen, um über den Plan abzustimmen, nach dem Bosnien-Herzegowina in zehn weitgehend autonome Provinzen unterteilt werden soll. Nach heftigen Debatten zwischen Befürwortern und Gegnern des Friedensplanes war die Abstimmung in der Nacht zunächst vertagt worden.
Durch die Zustimmung der bosnischen Serben wird die Fortsetzung der ständigen Genfer Jugoslawien-Konferenz ermöglicht. Auch nach dem grundsätzlichen Einverständnis der Serben zu den Verfassungsvorschlägen für Bosnien bleiben zwischen den drei Konfliktparteien - Moslems, Kroaten und Serben - noch zahlreiche Streitfragen bestehen. Insbesondere müssen die genauen Grenzen der zehn Provinzen festgelegt werden.
Karadzic hatte das "Parlament" am Dienstag nachdrücklich dazu aufgerufen, dem Friedensplan zuzustimmen. Dieser Plan werde es den bosnischen Serben ermöglichen, ihre Einheit, Kultur und Traditionen, ihren Glauben und ihre Wirtschaft zu bewahren. Die Genfer Verhandlungen bezeichnete er als "die einzige Hoffnung" für ein Ende des Krieges.
Vance und Owen trafen in Sarajewo mit der bosnischen Führung unter Präsident Alija Izetbegovic zusammen. Die Mission gilt nach Ansicht von Beobachtern der Beilegung des Zerwürfnisses in der brüchiger werdenden Allianz von Moslems und Kroaten in Bosnien.
(Interview mit Bundesaußenminister Klaus Kinkel Seite 2, Kommentar Seite 3, Bericht über Awacs-Streit Seite 4)
WIESBADEN. Politprominenz gehört zum Wahlkampf, dieses Mal besonders, weil Hessen 1993 das einzige Bundesland ist, das seine Wähler an die Urnen ruft. Während die SPD ihre Wiesbadener Minister anläßlich der bevorstehenden Kommunalwahl (7. März) alle übers Land schickt, sind die Ressourcen der CDU knapper geworden. In Wiesbaden stöhnte CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzender Manfred Kanther bereits laut und vernehmlich über die Bonner Kabinettsumbildung zur unrechten, zur Wahlkampfzeit. Dabei hat Kohl nämlich die Hessen- Riege weiter dezimiert. Nach Christian Schwarz-Schillings freiwilligem Rücktritt mußte nun Forschungsminister Heinz Riesenhuber gehen.
Die SPD will am Montag, 25. Januar, richtig loslegen. Nach einer Präsidiumssitzung sollen sich Parteigrößen von Björn Engholm bis Oskar Lafontaine, von Regine Hildebrandt bis Renate Schmidt auf Hessen verteilen. Johannes Rau redet am selben Tag im Vogelsberg, Hans- Jochen Vogel in Frankfurt, Manfred Stolpe läßt sich im Unterbezirk Offenbach sehen, Wolfgang Thierse in Gießen. Danach touren die bekanntesten Sozialdemokraten (Engholm fünfmal) strategisch verteilt weiter durchs Bundesland. Aus Rheinland-Pfalz stößt Ministerpräsident Rudolf Scharping fünfmal dazu.
Für die CDU ist der eigentliche Wahlkampfauftakt der 30. Januar. Beim Landesparteitag in Frankfurt soll die letzte Gelegenheit genutzt werden, die Christdemokraten aus der überall sich abzeichnenden Lethargie zu reißen. In Anwesenheit von Bundeskanzler Helmut Kohl, vermutlich mit dem Kanzler-Kritiker und Ex-Minister Schwarz-Schilling auf dem Podium, sollen in drei Foren die Wahlkampfschwerpunkte festgezurrt werden. Mit den Themen innere Sicherheit, Wohnungsbau/Verkehr und Schule will sich die Hessen-Union profilieren. Beistand im Wahlkampf kommt aus dem Bundeskabinett und von den beiden Ministerpräsidenten Erwin Teufel (Baden-Württemberg) und Bernhard Vogel (Thüringen). Aus einer Übersicht der CDU geht hervor, daß fast die ganze Bonner CDU-Riege im Ringen um Hessen auflaufen wird. Und Unionspolitiker denken inzwischen bereits darüber nach, "ob es mehr schadet, oder mehr nutzt", wenn die Ministerinnen Merkel und Rönsch, die Minister Seehofer, Seiters, Krause, Bohl und Blüm in den Wahlkampf eingreifen werden. Schließlich, so die vorbeugende CDU-Einschätzung, ist für das erwartet schlechte Abschneiden eindeutig die Bonner Politik verantwortlich. Kohl selbst kümmert sich neben dem Parteitag in Frankfurt noch zweimal - in Wiesbaden und bei der Abschlußveranstaltung am 4. März in Frankfurt - um seine Hessen-Union.
Bei der FDP funktioniert der Übergang von Ex-Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann auf Neu-Wirtschaftsminister Günter Rexrodt reibungslos. Rexrodt hat an der Seite von Bundesaußenminister Klaus Kinkel bereits am heutigen Donnerstag in Wiesbaden seinen ersten Einsatz. Die FDP hat alle Bundesprominenten wie Lambsdorff, Genscher, die Ministerinnen Schwaetzer und Schnarrenberger aufgeboten. Die Hauptlast trägt mit gut zwei Dutzend Einsätzen der Landesvorsitzende Wolfgang Gerhardt.
Die Grünen, sofern sie überhaupt wert auf Politprominenz legen, setzen vor allem ihren Hessen-Star Joschka Fischer ein. Zwischen Odenwald und Kassel macht der Umweltminister über 20mal Dampf für grüne Politik. Dabei wäre er fast Alleinunterhalter, wenn nicht auch noch ein paar zentrale Termine für Familienministerin Iris Blaul in den Kommunalkampf eingestreut wären. gra
Hungrig und frierend kletterten mehr als 400 Flüchtlinge aus dem Irak im Hafen von Slite an Land. Auf der schwedischen Insel Gotland hatte ihre Irrfahrt am Mittwoch früh endlich ein Ende gefunden. Als ein Schiff der Küstenwache den lettischen Trawler Priekula um vier Uhr morgens aufbrachte und in den Hafen leitete, hatte dessen Überfahrt aus Riga schon sieben Tage gedauert. In der Bucht vor der lettischen Hauptstadt hatte er sechs Tage lang vor dem Orkan Schutz suchen müssen, ehe er am Dienstag Kurs auf Schweden nahm. Eine Woche lang lagen mehr als 400 Menschen, unter ihnen Kinder, Alte, hochschwangere Frauen, zusammengepfercht in einem Lastraum von zwanzig mal vier Metern Ausmaß.
"Die Verhältnisse waren elend", sagte der Kommandant des Schiffs der Küstenwache, "kein Wasser, keine Toiletten, kaum Nahrung." Zuletzt waren die Flüchtlinge von Seekrankheit, Hunger und Durst so mitgenommen, daß sie die vierköpfige Besatzung verzweifelt mit Messern bedrohten, die Überfahrt endlich zu wagen.
Nun werden die 428 Flüchtlinge, hauptsächtlich irakische Kurden, aber auch einige Palästinenser und Assyrer, in Schweden um Asyl bitten. Dort sind sie vorerst sicher: Schweden erkennt die baltischen Länder, die der UN-Flüchtlingskonvention nicht beigetreten sind und die eigene Asylgesetzgebung noch nicht geregelt haben, nicht als "sichere" Länder im Sinne der Konvention an. Eine Abschiebung der Flüchtlinge zurück an ihren letzten Aufenthaltsort kommt daher nicht in Frage.
Dies machen sich seit einiger Zeit russische und baltische Seeleute zunutze, funktionieren die baltischen Häfen zur Flüchtlingsschleuse um und verdienen mit den Transporten das große Geld: Unter menschenunwürdigen Bedingungen schiffen sie die Flüchtlinge auf kleinen Kuttern über die Ostsee und setzen sie auf Gotland oder der dänischen Insel Bornholm ab. Die schwedische Polizei glaubt, daß die Fluchtroute aus dem Irak bis zur skandinavischen Endstation von Schleppern organisiert ist.
Bis zu 7000 Dollar mußten sie für ihre Flucht bezahlen, erzählten die erschöpften Asylbewerber in Slite. Sie alle waren zunächst nach Rußland gekommen. "Wir lebten ein Jahr lang in Moskau und St. Petersburg auf der Straße", erzählte einer der Flüchtlinge. "In Irak konnten wir nicht bleiben, Rußland konnte uns nicht aufnehmen." So ließen sie sich schließlich des nachts per Lastwagen nach Lettland bringen. Auch der estnisch-russische Grenzübergang bei Narva dient als Schleuse. Gegen Bestechung - 1000 Dollar pro Kopf auf der russischen Seite, 100 Dollar auf der estnischen - reisten kurz vor Neujahr 125 Kurden ohne Visa in Estland ein. Sie hatten Pech. Die estnischen Behörden stoppten ihre Flucht und schickten sie trotz Selbstmorddrohungen nach Rußland zurück.
"Wir können sie nicht aufnehmen und auch nicht illegal nach Schweden weiterreisen lassen", sagte Andres Oovel, der Generaldirektor der Grenzbehörde. 87 bestechliche Grenzwächter wurden in Estland im Vorjahr entlassen. Doch der Flüchtlingsstrom versiegt deshalb nicht. Obwohl die skandinavischen Regierungen von ihren baltischen Kollegen verlangen, schärfer gegen die illegalen Transporte vorzugehen, gibt sich niemand der Illusion hin, den Menschenhandel stoppen zu können. Zu gut ist das Geschäft für dessen Drahtzieher. Die Zehntausende von Dollars, die sich mit einer einzigen Überfahrt verdienen lassen, sind in Rußland und dem Baltikum ein unfaßbares Vermögen.
Früher versuchten die Schiffer, ihre Menschenlast unbemerkt an öden Stränden abzusetzen und zu verschwinden, ehe die Küstenwache aufmerksam wurde. Seit diese die Kontrollen verstärkt hat, ist dies kaum noch möglich. Doch ein Menschenschmuggler aus kommerziellen Beweggründen riskiert in Schweden höchstens vier Monate Gefängnis. Im Kittchen läßt sich ein Tagegeld von 70 Kronen verdienen - was in Lettland ein Monatslohn ist. Und nach Verbüßung der Strafe kann der Seemann seinen Kutter wieder mit nach Hause nehmen und für den nächsten Transport einem unbescholtenen Kollegen leihen.
H. GAMILLSCHEG (Kopenhagen)
Nachrichtenbörse
Anteil der Atomkraft gestiegen Die deutschen Kernkraftwerke haben ihren Anteil an der Stromproduktion Westdeutschlands im vergangenen Jahr von 37 auf 39 Prozent erhöht. Die Atomanlagen produzierten mit rund 159 Milliarden Kilowattstunden acht Prozent mehr Elektrizität als 1991. IWF nimmt Slowenien und Kroatien auf Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die früheren jugoslawischen Republiken Kroatien und Slowenien aufgenommen. Alle Guthaben und Verbindlichkeiten innerhalb des Währungsfonds sollen auf das aus Serbien und Montenegro bestehende Rest-Jugoslawien, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien aufgeteilt werden. Rohölpreise gehen runter Die Preise für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) sind drastisch gefallen. Sie lagen mit 16,5 Dollar beim Korbpreis für ein Barrel (159 Liter) der sieben wichtigsten OPEC-Rohölsorten um 0,46 Dollar niedriger als in der Vorwoche. Die Preise hatten schon in der ersten Januarwoche um mehr als einen halben Dollar nachgegeben.
IG Metall fürchtet um den Schiffbau Zu einer Rettungsaktion für den deutschen Schiffbau hat die IG Metall Küste die Politiker im Norden aufgerufen. Die Gewerkschafter befürchten, daß die Bonner Pläne im Schiffbau, 160 Millionen Mark Subventionen in den nächsten drei Jahren zu streichen, einen "dreifachen Katastrophensalto" auslösen. Um die Arbeitsplätze zu sichern, seien nach wie vor Hilfen von jeweils 300 Millionen Mark für die nächsten drei Jahre nötig. EG-Inflation auf Tiefstand Die Inflationsrate in der Europäischen Gemeinschaft hat mit durchschnittlich 3,7 Prozent im Dezember den niedrigsten Stand seit 1987 erreicht. Die Arbeitslosenrate stieg dagegen EG-weit im November um 0,1 Punkte auf 9,9 Prozent, dem höchsten Stand seit 1988. Wirtschaft gehen die Lehrlinge aus Die westdeutsche Wirtschaft klagt über einen wachsenden Lehrlingsmangel. Die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze 1992 ist um 3000 auf 325 000 gestiegen. Die Zahl der Bewerber sank um knapp fünf Prozent auf 149 000.
WIESBADEN. Unbekannte Einbrecher sind bereits am Dienstag in mehrere Wohnungen im Stadtteil Nordenstadt eingebrochen.
Die Täter hebelten nach Angaben eines Polizeisprechers in der Schlesier-, Eichelhäher und in der Pommernstraße Terrassentüren und Fenster auf und drangen in die Räume ein. Dabei erbeuteten sie Bargeld, Schmuck, Münzen und Kleidungsstücke. Der Wert der Beute stand noch nicht fest.
Von den Einbrechern fehlt laut Polizei bislang jede Spur. schu
Stundenlang hatten sie Schlange gestanden, viele kamen dann mit enttäuschten Mienen aus der Beratung zurück. "Mehrere hundert Interessenten" mußten bei den vorgezogenen Anmeldeterminen für die Deutschkurse der Frankfurter Volkshochschule (VHS) abgelehnt werden, bedauert Programmbereichsleiterin Helga Nagel. Obwohl im Februar und März die meisten der 169 Deutschkurse des Frühjahrssemesters beginnen, waren sie binnen Stunden ausgebucht. Bei den beiden vorgezogenen Terminen meldeten sich 1368 Ausländer für die neun Stufen der Deutschkurse an. Lediglich in der Grundstufe und der Oberstufe gebe es noch wenige freie Plätze, berichtet Nagel.
Die Nachfrage nach den Deutschkursen sei immens, sagt Nagel. Insgesamt lernen Menschen aus 85 Ländern an der Volkshochschule Deutsch. Unter ihnen sind Flüchtlinge, aber auch viele Arbeitnehmer aus den EG-Ländern. Angesichts des anhaltenden Interesses fällt besonders gravierend ins Gewicht, daß die Stadt im Zuge der Sparmaßnahmen ordentlich Mittel gestrichen hat. In diesem Frühjahrssemester hat Helga Nagel acht Kurse weniger zu vergeben als im Vorjahr. Erst am 1. März können sich Ausländer für die im April und Mai beginnenden Kurse anmelden.
Angesichts der anhaltenden Nachfrage wäre es für VHS-Leiter Alfred Pfeil besonders "dramatisch", wenn jetzt noch Bonner Fördermittel für Deutschkurse wegfallen sollten. Der Geschäftsführer des Sprachenverbandes, Gerhard Fiedler, hatte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa seine Befürchtung geäußert, daß die bewilligten Mittel nur bis September langen könnten. Dieses Jahr könne der Verband zehn Prozent weniger Zuschüsse als 1992 verteilen. Nach Angaben von Amtsleiter Pfeil erwartet die Frankfurter VHS mehr als eine halbe Million Mark Zuschüsse vom Sprachenverband. Bei deutlichen Kürzungen müßten weitere Kurse wegfallen. luf
"Wir prüfen, wo wir im Wohnungsbau abspecken können": Die Anweisung, die Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) gerade an seine Fachleute und an die Berliner Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung (BSM) gab, könnte brisanter kaum sein - es geht um die Frage, wie künftige öffentlich geförderte Wohnhäuser in Frankfurt billiger zu bauen sind. Und die Beispiele, die Wentz da einfallen, sorgen mit Sicherheit in den nächsten Monaten noch für Gesprächsstoff: Verzicht auf Keller, keine Tiefgaragen mehr, vereinfachte Statik mit dünneren Außen- und Innenwänden.
Die finanzielle Lage der Stadt, beteuert der Dezernent, läßt gar keinen anderen Ausweg. Die rot-grüne Landesregierung aber steuert noch geradewegs in die andere Richtung: Die in jüngster Zeit erlassenen "Technischen Wohnungsbaurichtlinien 1993" von Wohnungsminister Jörg Jordan (SPD) schreiben unter anderem eine energiesparendere Bauweise mit höherer Wärmedämmung vor - die Wohnungen noch teurer geraten läßt.
Daß Frankfurts Sozialwohnungen mit die teuersten in der Bundesrepublik sind, war der Grund für den rot-grünen Magistrat, 1991 die Berliner BSM mit der Überprüfung der Baupläne zu beauftragen. Mit Erstellungskosten von 5000 Mark pro Quadratmeter kalkuliert die öffentliche Hand in der Dienstleistungs- Großstadt am Main. Genau 41,9 Millionen Mark sparten die BSM-Experten bisher den Frankfurter Steuerzahlern ein, indem sie in Entwürfen marmornen Treppenhäusern, verglasten Aufzügen, doppelten Stromnetzen auf die Spur kamen - und all das strichen.
Aber jetzt, das weiß Wentz, geht es für die Bürger (und künftigen Mieter) ans Eingemachte. Wohnen ohne Keller, wie das? Öffentliche Wohnprojekte im Nachbarstaat Niederlande geben seit Jahren Beispiele dafür: Die holländischen Sozialwohnungen kommen im Bau durch vielfach andere Standards durchschnittlich um ein Drittel billiger. Statt des Kellers mit der teuren Ausschachtung bieten sie etwa den Abstellraum unter der Treppe. Aus Sicht der Fachleute kein Komfortverlust für die Mieter.
Wie der Konflikt zwischen Sparbedarf der Stadt und eigentlich zwingenden Vorschriften des Landes zu lösen ist, weiß Wentz auch nicht. Sicher ist nur: Die Häuser des "neuen" sozialen Wohnungsbaus, den die rot-grüne Koalition von 1989 an in Frankfurt angekurbelt hat, wachsen noch mit Keller.
Die Zahl der bezugsfertigen Gebäude, auf die viele Menschen warten (1992 nur 350), soll 1993 wieder steigen - die Umzugslastwagen rollen zum Beispiel vor 300 Sozialwohnungen des "West- Parks" in Sossenheim, ebenso vor die 226 Unterkünfte an der Anspacher Straße im Gallus.
Zu den Quartieren, die "voraussichtlich" in diesem Jahr bezogen werden, zählt Wentz auch 131 Wohnungen des mittelständischen "Frankfurter Programms" am Grethenweg in Sachsenhausen. jg
Die Versetzung einer früheren Abteilungsleiterin in den Programmbereich Schulabschlüsse für Ausländer hat unter den Lehrkräften der Haupt- und Realschulkurse zu Empörung geführt. In einer Resolution an Schuldezernentin Jutta Ebeling werfen sie der grünen Politikerin vor, damit "gegen den erklärten Willen" der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Programmbereichs sowie der betroffenen Kollegin entschieden zu haben: "Diese Entscheidung steht gegen Ihren erklärten politischen Anspruch, an der Volkshochschule mehr Demokratie und Mitbestimmung zu ermöglichen."
Selbst Ebelings Referent Michael Damian muß einräumen, daß sich diese Entscheidung nur schwer mit dem Grundgedanken der "Enthierarchisierung und Demokratisierung" vereinbaren lasse. Der Stadt sei aber keine Alternative geblieben, nachdem die frühere Abteilungsleiterin erfolgreich auf angemessene Beschäftigung klagte. Sie hatte vor Gericht erstritten, wieder mindestens sechs "Unterstellte" und mehr Befugnisse zu bekommen. Die Schuldezernentin habe die Mitarbeiterin in den Programmbereich Schulabschlüsse für Ausländer versetzt, weil es "keine andere Möglichkeit gegeben hat, sie unterzubringen", sagte Damian. Dazu mußte für die Frau eine neue Hierarchieebene geschaffen werden. Sie ist nun stellvertretende Leiterin des Programmbereichs - eine Funktion, die zuvor nicht vorgesehen war.
Gleichwohl glaubt Damian, damit auch eine "Bereicherung" für den Programmbereich gefunden zu haben. Die frühere Abteilungsleiterin sei "hochqualifiziert" und kenne "den Laden in- und auswendig". Der Programmbereich habe seinerseits immer wieder unter Überlastung gelitten. Die Kompetenzen der von den Mitarbeitern selbst gewählten Koordinatorin würden durch diese Entscheidung nicht beeinträchtigt. luf
Die Jüdische Volkshochschule in der Freiherr-vom-Stein-Straße 30 geht in ihr sechstes Jahr. In den abgeschlossenen zehn Semestern sind insgesamt mehr als 100 Kurse angeboten worden. Nach Ausführungen des Leiters Roberto Fabian im Vorwort zum Programm des neuen Semesters (zu dem man sich vom 25. Januar bis zum 5. Februar anmelden kann) wird das Angebot "immer mehr in Anspruch genommen".
Neben den schon traditionellen Kursen wie "Jüdische Feste und Feiertage", "Die Welt der Rabbinen (Texte aus dem Talmud)", "Jiddisch" oder "Modernes Hebräisch" sind diesmal ausgeschrieben: "Bilder und Selbstbilder von Juden" (in literarischen und wissenschaftlichen Texten des 19. Jahrhunderts), "Judentum und Feminismus", "Die Frankfurter Schule" , "Portraits Jüdischer Literaten" (über Gustav Landauer), "Jüdisches Leben in Frankfurt" (nach dem Zweiten Weltkrieg), "Musica Judaica", "Eltern/Kinder - Sorgen/Nöte" (über Erziehungsfragen) und "Die Kinder der Shoa - Die zweite Generation".
Wer teilnehmen will, muß sich persönlich anmelden und zwar montags bis donnerstags zwischen 11 und 17 Uhr, freitags von 11 bis 13 Uhr in der Westendstraße 43, 4. Stock, bei Frau Bördner. clau
SCHÖNECK. Der Gemeindevorstand wird nicht "umgehend die Erstellung eines Energiekonzepts veranlassen", wie es die Grünen in einem Antrag zur Parlamentssitzung am Dienstag verlangt hatten. Die Mehrheitspartei SPD sagte nein, und auch aus der CDU kam mit wenigen Ja-Stimmen und zahlreichen Enthaltungen wenig Unterstützung für das Anliegen.
Erich Dettmering von der SPD verwies auf den bereits vorliegenden Förderbeschluß der Gemeinde für bestimmte Ressourcen sparende Privatinvestitionen.
Ziel des von den Grünen beantragten Konzepts, für das man bei der Landesregierung Fördermittel abzapfen könnte, sollte es sein, herauszufinden, ob es in Schöneck Möglichkeiten zur Energieeinsparung bei gemeindlichen Einrichtungen und anderen Stellen (Neubau- und Gewerbegebiete etwa) gibt.
Für die antragstellende Fraktion gab Rainer Georg-Gabriel zu bedenken, daß es teuer würde, wenn man Neubaugebiete jetzt an die Gasversorgung anschließt und sie in fünf bis zehn Jahren nochmals zu hohen Kosten auf Block-Heizkraftwerke umrüstet. Dies ist nach Einschätzung des Grünen aber durchaus wahrscheinlich, sofern die Bundesregierung an ihren Vorgaben zur Reduzierung der Emission von Treibhausgasen festhält. Bei Erdgas sei die Ausnutzung der Primärenergie mit 40 bis 50 Prozent eben bedeutend geringer als bei Kraft-Wärme-Kopplung. Er verwies auch auf die Stadt Bad Soden- Salmünster, deren CDU-geführte Gemeinde das Förderangebot der Landesregierung für das Energiekonzept pfiffig ergriffen habe. Das rechne sich ökologisch wie ökonomisch.
Willi Jüngling (SPD) zufolge beschäftigt sich das Schönecker Parlament nun seit mehr als einem Jahr immer wieder mit dem Therma Energieeinsparungen. Er erwähnte, welche Energiespar-Arten derzeit nach Auskunft von Experten unrentabel seien, ging dabei aber auf die Block-Heizkraftwerke, um die es den Grünen vor allen Dingen ging, nicht ein.
Einzige Äußerung zum Thema aus den Reihen der SPD blieb somit der Zwischenruf mit dem Verweis "Konzessionsvertrag!". Gemeint war die zwischen der Gemeinde und der Main-Kinzig-Gas-Gesellschaft jüngst abgeschlossene langjährige Vereinbarung mit der Aussicht auf die Erschließung der Ortsteile mit Erdgas. Die Grünen nahmen dies eher höhnisch auf. Ul
Das öffentliche Leben in vielen Städten Baden-Württembergs wird am heutigen Donnerstag ganz im Zeichen eines Aktionstags "Gegen Haß und Gewalt" stehen. Aufgerufen hat dazu, ausgehend von einer Idee des FDP- Fraktionschefs Walter Döring, der Landtag. Unüberschaubar werden die Aktionen sein, mit denen Parteien, Gewerkschaften, Schulen, Betriebe und Organisationen Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für ein friedliches Miteinander setzen wollen. Allein zu den Lichterketten, die unter anderem in Mannheim, Heilbronn, Pforzheim und Radolfzell gebildet werden sollen, werden Hunderttausende von Teilnehmern erwartet.
Weitere Angebote reichen vom Töpferkurs mit Motiven gegen Ausländerfeindlichkeit über "Krachschlagen gegen Fremdenhaß" bis zur Großkundgebung in Stuttgart. Im Auftrag des Landtags ist eigens ein Lied mit dem Titel "Aufwachen, Aufstehen, Hinstehen" komponiert worden. Politischen Streit gab es im Vorfeld mit den rechtsextremen "Republikanern", die die Pläne zunächst mitgetragen hatten. Als CDU, SPD, FDP und Grüne in ihren Aufruf eine Passage einbauten, die die "Republikaner" für die Gewalttaten gegen Ausländer mitverantwortlich macht - ohne sie allerdings beim Namen zu nennen -, stiegen die Rechtsradikalen aus.
Auch von einem anderen Teil des politischen Spektrums mußten sich die etablierten Parteien scharfe Rügen anhören. Die Grün-Alternative Liste in Marbach etwa will nicht in einer Reihe stehen mit "denselben Politikern, die den Brandstiftern mit ihrer Asyldebatte das Startzeichen gegeben" hätten. Ein "Anti-rassistisches Aktionsbündnis" in Stuttgart sprach von "Heuchelei". Die Grünen dagegen stellten ihre Bedenken gegen die Asylpolitik der anderen Parteien im Interesse des gemeinsamen Vorgehens zurück. PETER HENKEL
28 Spieltage umfaßt der Spielplan der Finalrunde in der Eishockey-Oberliga Nord. Aber schon jetzt, nach gut einem Viertel der Runde, könnte der Laden dichtgemacht werden. Der Meister steht - bei aller gebotenen Vorsicht - fest, Absteiger gibt es nicht. Die ohnehin nicht auf dicken Finanzpolstern ruhende Konkurrenz könnte Reisekosten sparen, die durch die Einnahmen aus den immer unattraktiver werdenden Heimspielen kaum mehr zu decken sind.
Nun gut, das alles klingt etwas übertrieben. Doch die Überlegenheit der "Löwen" ist derart frappierend, daß immer häufiger Mitleid mit den hilflosen Gegnern aufkommt. Am Dienstagabend ging das nicht wenigen der 7000 Zuschauer so. Und was sie erlebten, war für viele unglaublich. Da spielten die "Löwen" gegen den ESC Wolfsburg, den vermeintlich stärksten Konkurrenten, im vergangenen Jahr noch Zweitligist, mit der Empfehlung von fünf Siegen in Folge angetreten, und deklassierten ihn doch mit 15:2 nach allen Regeln der Kunst.
Alles andere als ein Durchmarsch der Frankfurter wäre Wunderglauben. Einem solchen unterlag auch der nach dem Spiel geständige Wolfsburger Trainer Jürgen Dreipl: "Wir wollten den Frankfurtern das Leben nicht nur schwermachen. Wir haben geglaubt, wenn einer die Löwen schlagen kann, dann sind wir es." Wie man sich täuschen kann.
Zu den Bewunderern des Frankfurter Spiels, das die Fans in der Schlußphase minutenlang hüpfend und klatschend begleiteten, gehörten auch Außenstehende. Peter Zankl etwa, der ehemalige Frankfurter und jetzige Torwart des Bundesligisten EC Hedos München: "Die Löwen waren in puncto Schnelligkeit und spielerische Veranlagung zwei Klassen besser als der Gegner." Fast ebenso groß die Leistungsdifferenz, die Dreipl ausmachte: "Frankfurt spielte wie ein Zweitligist, wir wie ein schlechter Oberligist."
Damit ist vieles gesagt, aber wenig erklärt. Vermutlich liegt der Unterschied in den professionellen Arbeitsbedingungen, die die Frankfurter Spieler im Unterschied zur Konkurrenz haben, besonders jetzt, da jeden dritten Tag ein Spiel auf dem Programm steht und nach über 30 Partien bei vielen die Kräfte schwinden. Ein weiterer Beweis gefällig? Vermutlich schon diesen Freitag, wenn der ETC Timmendorf in Frankfurt gastiert - ein weiterer (Ex?)-Mitfavorit. Sim
Lepp FRANKFURT A. M. Mit Nachdruck ist der frühere Aufsichtsratschef von co op, Alfons Lappas, dem Eindruck entgegengetreten, er sei in dem Konzern der "große Diktator" gewesen. Der Angeklagte sagte im co op-Strafprozeß aus, er sei weder an der Umgestaltung der Gesellschafterverhältnisse der Handelsgruppe noch am Verkauf des Anteilspakets, das bei der Gewerkschaftsholding BGAG lag, an die Vermögensgesellschaft BdKV des Bundes deutscher Konsumgenossenschaften maßgeblich beteiligt gewesen.
Wiederholt betonte er, daß die gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft "jeglicher Grundlage entbehren". Über unrichtige Tatsachen hinaus enthalte die Anklageschrift etliche Fehlinterpretationen bis hin zu "böswilligen Unterstellungen". Dies gelte besonders für den von den Staatsanwälten verbreiteten falschen Eindruck, bei dem sogenannten "Arbeitskreis zur Umgestaltung der Gesellschafterverhältnisse", dem co op- und BGAG-Manager angehörten, habe es sich um eine Art kriminelle Vereinigung gehandelt. Kriminalisiere man "Brainstorming" und Sandkastenspiele, "kann man gleich ganze Führungsetagen verhaften lassen", sagte der Angeklagte.
Lappas zufolge darf die Rolle der BGAG, deren Vorstand er vorsaß, bei co op nicht überschätzt werden. Er selber habe auf den Konzernvorstand "keinerlei Einfluß ausgeübt" und sich lediglich einmal wegen einer Personalangelegenheit eingeschaltet. Im übrigen habe er sich auf die Arbeitsergebnisse seiner Mitarbeiter verlassen, die nicht nur integer, sondern auch rechtlich, wirtschaftlich und organisatorisch versiert gewesen seien. Ebenso habe er den Wirtschaftsprüfern vertraut, die sämtliche Bilanzen uneingeschränkt testiert hätten.
Auch aus heutiger Sicht kommt der einstige Aufsichtsratschef zu dem Schluß, daß co op nicht unterkapitalisiert war. Ein Grund zur Besorgnis seien die Konzernergebnisse nicht gewesen. Sofern es wirtschaftliche Probleme gab, seien diese weder in der Außendarstellung noch in den Bilanzen verschwiegen worden. Zum Verkauf des co op-Aktienpakets zwecks späterer Börseneinführung meinte Lappas, auch dieser Vorschlag sei nicht aus den Reihen der BGAG gekommen.
BAD VILBEL. Zu einer Ortsbegehung des Stadtteils lädt die Dortelweiler SPD am Samstag, 30. Januar, ein. Treffpunkt ist um 14 Uhr an der katholischen Kirche am Walter-Ender-Platz.
Eingeladen sind alle Mitbürger, um vorrangig über das riesige Neubaugebiet westlich der B 3 und über die ins Stocken geratene Verkehrsberuhigung zu diskutieren. Anschließend ist ein Treffen bei Kaffee und Kuchen im Vereinshaus geplant. hm
PARIS, 20. Januar (Reuter). Eine Untersuchungskommission des Europarats hat der französischen Polizei die Mißhandlung von Personen in Polizeigewahrsam vorgeworfen. In einem jetzt in Paris vorgestellten Bericht ist von zahlreichen Übergriffen wie Schlägen und psychischem Druck die Rede. Zwar seien keine Fälle von regelrechter Folter bekannt, doch bestehe für Untersuchungshäftlinge ein "erhebliches Risiko von Mißhandlungen". Die Kommission forderte die französische Regierung auf, für eindeutige Richtlinien zum Schutz der betreffenden Personen zu sorgen und ihnen erweiterte Rechte zuzugestehen. (Bericht auf Seite 2)
WIESBADEN. Drei leichtverletzte Personen forderte ein Verkehrsunfall am Mittwoch in Erbenheim auf der Bundesstraße 455.
Ein 46 Jahre alter Autofahrer hatte nach Angaben eines Polizeisprechers von der Bundesstraße nach links in die Berliner Straße abbiegen wollen. Dabei übersah der Mann ein entgegenkommendes Fahrzeug. Der Fahrer dieses Wagens war in Richtung Am Hochfeld unterwegs. Die beiden Autos stießen frontal zusammen. Dabei entstand Schaden in Höhe von 35 000 Mark. schu
WEILROD. Wegen "kommerzieller Zurschaustellung einer vom Aussterben bedrohten Tierart" ist gegen den Besitzer der Vogelburg in Hasselbach, Hans Steiner, in der Revision beim Frankfurter Landgericht eine "Verwarnung unter Strafvorbehalt" ausgesprochen worden. Steiner hatte 1990 zwei europäische Seeadler in einer Voliere ausgestellt. Sollte er sich in den nächsten drei Jahren etwas zuschulden kommen lassen, greift das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichtes Usingen, das 7500 Mark Geldstrafe verhängt hatte.
Mit dieser Geldstrafe auf Bewährung trafen sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf halbem Wege. In der Verhandlung vom 15. Januar sah das Gericht den Tatbestand der "kommerziellen Zurschaustellung" des Bundesnatur- und Artenschutzgesetzes verwirklicht, weil Steiner die beiden 20 Jahre alten Seeadler vorübergehend in seiner Vogelburg aufgenommen hatte - wenngleich die Tiere ordnungsgemäße Papiere hatten.
"Die strengen Bestimmungen lassen das Austellen solcher Greifvögel nur für einen sehr kurzen Zeitraum zu - es sei denn, man hat einen Falknerschein. Das ist hier nicht der Fall", erklärt Staatsanwalt Stephan Müller - der Steiner ansonsten eine nicht zu beanstandende Gesinnung als Vogelschützer bescheinigt. Steiner habe jedoch spätestens dann Bescheid wissen müssen, als eine von ihm in dieser Sache beantragte Genehmigung abgelehnt worden war.
Hans Steiner hingegen hält das Urteil für einen "Witz". Normalerweise stellt er in seiner Vogelburg nur Eulen und Papageien aus; die beiden Tiere stammen von einem befreundeten Züchter und standen seit drei Wochen in der Vogelburg. "Im Winter ist die Vogelburg nur an Sonn- und Feiertagen geöffnet, so daß von kommerziell nur sehr bedingt die Rede sein kann", erklärt Steiner. jd
KARBEN. Die Sängerlust 1911 Kloppenheim kündigt die Jahreshauptversammlung für Freitag, 5. Februar, um 20 Uhr in der Ratsschänke an. Auf der Tagesordnung steht neben Vorstandsberichten die Neuwahl des gesamten Vorstandes. Anträge sind bis 1. Februar an den Vorstand zu richten. In der Jahreshauptversammlung werden außerdem die Anmeldungen für den Mehrtagesausflug im Oktober angenommen. hm
WESTLICHE STADTTEILE. Beatrix Riesenhuber wird ihren Mann im gemeinsamen Haus in Unterliederbach während der nächsten Wochen öfter sehen, meint Rainer Jansen. Der persönliche Referent des Noch-Ministers weiß aber auch, daß sein Chef "sehr penibel" ist und sich "schnell in eine andere Aufgabe einarbeiten wird, die ihn genauso fordert".
Amtlich ist es seit Dienstag: Heinz Riesenhuber muß seinen Schreibtisch im Bonner Forschungsministerium räumen, Platz machen für Nachfolger Matthias Wissmann. Freiwillig geht er nicht: Noch am Dienstag vergangener Wochen hatte er vor Journalisten erklärt, er hänge sehr an seinem Job. Riesenhuber wurde - Insider bestätigen das - ein Opfer des Länderproporzes im Kabinett.
Dem Frankfurter Westen wird der Mann mit der Fliege erhalten bleiben - als Bundestagsabgeordneter, der hier seinen Wahlkreis hat. Und auch für Eschborn, Schwalbach, Sulzbach, Bad Soden, Liederbach, Kriftel und Hattersheim bleibt der promovierte Chemiker Wahlkreis-Abgeordneter in Bonn, bestätigte Martin Pinnekämper, Geschäftsführer der CDU im Main- Taunus-Kreis.
"Aber jetzt muß sich Herr Riesenhuber erst einmal umorientieren, was nach zehn Jahren Ministeramt gar nicht so einfach ist", sagt sein Bonner Referent Jansen. Es gebe diverse Angebote, auch höre man aus der Umgebung des Bundeskanzlers, daß der seinen Ex-Forschungsminister "in unmittelbarer Nähe" haben wolle. Auch wolle Riesenhuber "in mindestens einem Ausschuß aktiv mitarbeiten".
Gerüchte, daß der 57jährige wieder in Frankfurt bei seinem früheren Arbeitgeber, der Metallgesellschaft, arbeiten wolle, bestätigte der Refe- rent im Forschungsministerium nicht. "Davon weiß ich nichts", sagte Jan- sen. gre
Das Interview: Klaus Kinkel "Licht am Ende des Tunnels"
Bundesaußenminister Klaus Kinkel (FDP) hat am Mittwoch die FR-Redaktion besucht. Dabei antwortete er auf Fragen zur deutschen Außenpolitik - vor allem in bezug auf den Konflikt in Bosnien-Herzegowina -, die FR-Reporter Roman Arens stellte. FR: Das sogenannte Parlament der bosnischen Serben hat schließlich doch mit großer Mehrheit dem Genfer Friedensplan von Vance und Owen zugestimmt. Wie bewerten Sie diese Ent KINKEL: Als ein schmales Licht am Ende eines bisher dunklen Tunnels. Ich habe heute morgen im Kabinett dazu gesagt: Den Worten müssen jetzt Taten folgen. Wir sind so oft enttäuscht worden. Ich kann nur hoffen, daß es diesmal wirklich zu praktischen Schritten hin zum Frieden kommt. Ich plädiere dafür, daß jetzt schnell in Genf darüber gesprochen wird, wie man diesen ersten neuen Schritt in praktische Politik ummünzen kann.
FR: Praktische Politik, sagen Sie, es hat schon zuhauf Vereinbarungen über Waffenstillstände, UN-Resolutionen und Versprechungen gegeben. Immer wieder wurden alle Friedenshoffnungen zunichte. Was muß jetzt passieren, daß es nicht wieder so kommt?
KINKEL: Ich muß leider einräumen, daß es so ist, wie Sie sagen. Das Prinzip Hoffnung sollten und dürfen wir trotzdem nicht aufgeben. Ich habe den Eindruck, daß nach all dem Vorlauf dieses Mal mindestens eine größere Chance besteht zum ernsthaften neuen Ansatz. Hoffentlich gibt es bald einen Waffenstillstand.
FR: Soll Ihrer Meinung nach der Weltsicherheitsrat nun schnell die Maßnahmen beschließen, die in der Diskussion sind, etwa eine militärische Durchsetzung des Flugverbots über Bosnien-Herzegowina? Oder kann die Armee von Serbien oder Rest-Jugoslawien weiter folgenlos gegen UN-Resolutionen handeln?
KINKEL: Wir waren uns unter den zwölf Europäern letzte Woche in Paris einig, daß für den Fall eines negativen Ausgangs dieser "Parlamentsentscheidung" die Maßnahmen, die in der Pipeline waren bei den Vereinten Nationen und auch sonst, wirklich ergriffen werden sollten. Jetzt habe ich das Gefühl, daß wir jedenfalls noch eine gewisse Weile zuwarten sollten. Allerdings muß die serbische Führung wissen, daß wir nicht weiter mit uns spielen lassen.
FR: Bei einer Überwachung des Flugverbots haben die Awacs-Maschinen, an deren Bord auch deutsche Soldaten sind, eine zentrale Aufgabe. Ihr Kollege Volker Rühe meint, die sollten angesichts der zu erwartenden bündnispolitischen Konsequenzen auch im Ernstfall an Bord bleiben. Setzen Sie dem etwas entgegen?
KINKEL: Dem setze ich entgegen, daß wir zunächst abwarten müssen, ob eine Sicherheitsratsentschließung kommt und was sie beinhaltet. Dann werden wir prüfen müssen, ob das mit unserer Verfassung zu vereinbaren wäre. Alles, was mit unserer Verfassung zu vereinbaren ist, kann gemacht werden. Alles, was nicht zu vereinbaren ist, würde bedeuten, daß wir aus den Awacs-Flugzeugen mit dem Drittel der Besatzung, das wir stellen, aussteigen müssen. Ich füge allerdings hinzu, daß es zwei Rechtsauffassungen gibt. Nach der Rechtsauffassung der CDU/CSU, die besagt, daß der Artikel 24 Grundlage der Gesamtrechtsbeurteilung sein muß, wäre ein Verbleiben in den Awacs-Maschinen wohl möglich. Nach Rechtsauffassung der FDP und auch der SPD ist Artikel 87 A 2 einschlägig, das heißt, es würde sich dann in dem von Ihnen angesprochen Fall um einen Einsatz im Sinne von 87 A handeln, und wir müßten aussteigen.
FR: Aussteigen oder nicht aussteigen, welche Bedeutung hat diese Frage für die Koalition?
KINKEL: Dies wäre sicher eine schwierige Frage für die Koalition, wenn wir tatsächlich bei den verschiedenen Rechtsauffassungen uns für das eine oder andere entscheiden müßten. Hoffentlich geht der Kelch an uns vorüber.
FR: Sie, der Bundeskanzler und Ihre Partei, die FDP, haben in den vergangenen Tagen Überlegungen angekündigt, ob das Waffenembargo für Bosnien-Herzegowina aufgehoben werden sollte. Sind Sie nicht der Meinung, daß in der Kriegsregion ohnehin schon viel zu viele Waffen sind? Wäre es nicht besser, um den Krieg abzukürzen, es dem übermächtigen Aggressor Serbien unmöglich zu machen, seine militärische Überlegenheit auszuspielen?
KINKEL: Ich würde mir wünschen, daß wir letzteres könnten. Offensichtlich ist es der Völkergemeinschaft bisher nicht gelungen, dies zu erreichen, so daß wir die Situation haben, daß wir den betroffenen Menschen nicht in der Form helfen können, wie es eigentlich notwendig wäre. Wir müßten sie doch eigentlich vor der unmenschlichen Aggression bewahren können. Aus moralisch-ethischen Gründen und im Zusammenhang mit dem jedem Menschen und jedem Volk zustehenden Recht auf Selbstverteidigung muß doch mindestens überlegt werden können, ob man nicht doch teilweise das Waffenembargo aufheben kann. Ich habe immer erklärt, daß das zwei Seiten hat, eine positive und eine kontraproduktive, und daß man sehr genau überlegen solte, bevor man sich dafür entscheidet, das Embargo aufzuheben. Nur die Entwicklung der letzten Wochen war so, daß eben über eine offizielle Aufhebung stärker als bisher nachgedacht wurde. Im übrigen werden wir Deutschen nie einen Alleingang machen, zumal wir ja wegen der Vergangenheit, selbst wenn wir verfassungsrechtlich könnten, wohl im deutschen Bundestag keine Mehrheit für ein Eingreifen im früheren Jugoslawien durch die Bundeswehr finden würden.
FR: Wie beurteilen Sie die Chancen des Vance/Owen-Plans, Bosnien einen dauerhaften Frieden zu bringen? Ist dieser Plan eher opportunistisch oder realistisch, wenn er stillschweigend die Verletzung von UN- und KSZE- Prinzipien hinnimmt? Welche Folgen hat es für die Zukunft, wenn sich militärische Aggression und Eroberungen wieder lohnen?
KINKEL: Es ist und bleibt unser aller Prinzip, daß durch Gewalt veränderte Grenzen nicht anerkannt werden dürfen. Es ist und bleibt unser aller Prinzip, daß verhindert werden muß, daß der Aggressor belohnt wird.
KRONBERG. Jetzt können die Kronberger selbst darüber abstimmen, ob sie ihre Metallcontainer behalten wollen. Mit der Blechdose: Tragen sie leere Konserven und andere Metallteile weiter zu den öffentlichen Sammelbehältern und werfen sie nicht einfach in den gelben Sack, dann wird die Entsorgungsfirma Wagner die Container in Kronberg stehen lassen.
Landet dagegen innerhalb des nächsten Jahres zuwenig in den Behältern, kommen sie weg. Das kündigte Wagner- Geschäftsführer Günter Schmitt am Dienstag abend in einer Bürgerversammlung zum Grünen Punkt und gelben Sack an.
Der gelbe Sack, das zeigte sich in der Diskussion, ist in Kronberg durchaus umstritten. Denn eigentlich war die Taunusstadt bei der Müllverwertung schon weiter.
Die Metallcontainer, erläuterte Norbert Dümpelmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), seien umweltfreundlicher als die Wertstofftüten, weil deren Inhalt anschließend nicht mehr sortiert werden müsse.
Während die einen durch die gelben Säcke also einen Rückfall vom hohen Kronberger Recycling-Niveau fürchten, ist anderen Bürgern selbst das Einwerfen in den Plastikbeutel zu viel. "In meiner Mietwohnung habe ich für einen großen, stinkenden Sack keinen Platz", erklärte eine Frau kategorisch.
Und auch Besänftigungen, daß der Sack gar nicht rieche, wenn sie, wie vorgesehen, nur Verpackungen und nicht etwa auch Essensreste hineinwerfe, konnten sie nicht umstimmen.
Andere Kronberger plädierten dafür, daß der gelbe Sack bald durch eine feste gelbe Tonne ausgetauscht werde. Doch Edelgard Bially vom "Dualen System Deutschland", das die Wiederverwertung des Verpackungsmülls bundesweit organisiert, sieht einen großen Vorteil der Säcke: "Die sind durchsichtig, deshalb wird da nicht irgendwas reingeschmissen, weil das ja dann auffällt."
Doch so ganz funktioniert die soziale Kontrolle auch bei den Tüten nicht. Günter Schmitt von der Entsorgungsfirma Wagner: "Wir haben da drin sogar schon mal ein totes Schwein gefunden." mak
zba BERLIN, 20. Januar. Im Berliner Prozeß gegen den früheren Stasi-Chef Erich Mielke hat die Nebenklage am Mittwoch gefordert, den Angeklagten wegen "heimtückischen Mordes" schuldig zu sprechen. Der Anwalt der Nebenklägerin Dora Zimmermann, Tochter des 1931 auf dem Berliner Bülowplatz ermordeten Polizeihauptmanns Paul Anlauf, verzichtete in seinem Plädoyer aber darauf, ein Strafmaß vorzuschlagen.
Er ließ keinen Zweifel daran, daß Mielke nach seiner Überzeugung des zweifachen Mordes und des Mordversuchs an drei Polizisten schuldig sei. Sinn des Verfahrens sei, daß heute Mächtige wissen sollten, rechtsprechende Gewalt lasse sich nur zeitweilig unterdrücken, sagte Anwalt Jürgen Lischewski.
BAD VILBEL. Die Rufnummer der Bad Vilbeler Geschäftsstelle der Deutschen Angestelltenkrankenkasse (DAK) in der Frankfurter Straße 47-49 hat sich geändert und lautet jetzt 0 61 01 / 8 90 11-13. Darauf weist Geschäftsstellenleiter Hartmut Krieb hin.
Am Mittwoch gab Uffe Ellemann-Jensen, Dänemarks langjähriger Außenminister, seine Abschiedsvorstellung in der EG. In Straßburg präsentierte er dem Europaparlament als Ratsvorsitzender das Programm für die dänische Präsidentschaftsperiode. Als kommissarischer Ratsvorsitzender. Wenn sich die EG- Außenminister am 1. Februar in Brüssel treffen, um die Beitrittsverhandlungen mit Österreich, Schweden und Finnland einzuläuten, wird wohl schon sein Nachfolger am oberen Tischende sitzen: Dänemark führt die EG, doch Kopenhagen leistet sich eine Regierungskrise.
So steht für die 56 Rats- und Ministertreffen des kommenden Halbjahres nur fest, daß ein Däne oder eine Dänin sie leiten wird. Deren Namen kennt noch niemand. Während Anfang der Woche in Brüssel der Liberale Thor Pedersen mit seinen Wirtschaftsministerkollegen über das Wachstumspaket der EG verhandelte und Landwirtschaftsminister Laurits Törnaes ein Treffen lenkte, bei dem die GATT-Runde im Mittelpunkt stand, bastelte der Sozialdemokrat Poul Nyrup Rasmussen schon an dem neuen Kabinett, in dem die Namen Pedersen und Törnaes nicht mehr vorkommen werden.
Zwar warnte Noch-Außenminister Ellemann-Jensen vor dem "Hasardspiel", mitten in der Vorsitzperiode die Regierung auszutauschen: "Das würde ganz unglaubliche praktische Probleme bringen. Wir haben die Verantwortung für so viele Entscheidungen, die eine Menge an Vorbereitungen erforderten", sagte er und schlug einen "Burgfrieden" vor, der dauern sollte, solange Dänemark in der EG die Nummer eins ist. "Ein Systemwechsel während der wichtigsten und anstrengendsten Vorsitzperiode, die wir je hatten, wäre völlig verkehrt", meint Ellemann-Jensen. Als er mit seinem Vorschlag abblitzte, schwenkte er um. Nun forderte er eine Sondersitzung des Parlaments und Neuwahlen, um den "Putsch" der Sozialdemokraten abzuwehren. Doch das war nur der von vornherein zum Scheitern verurteilte Abgesang eines Mannes, der zehneinhalb Jahre lang mit Lust Außenminister war, und dem es schwerfällt, just nun die Zügel aus der Hand zu geben, wo seine Aufgabe richtig spannend würde. Ihm graut davor, daß er künftig nicht mehr zwischen Brüssel und Washington pendeln wird, um auf dem diplomatischen Parkett zu brillieren, sondern zwischen Horsens und Hadersleben, um seine Bauernpartei auf Vordermann zu bringen. Doch "in unserer Verfassung steht nicht, daß Ellemann-Jensen auf Lebenszeit Außenminister sein muß", feixte der Sozialdemokrat Mogens Lycketoft. Schließlich war Dänemark auch im Herbst 1982 EG-Präsident, als Ellemann- Jensen Außenminister wurde und unvorbereitet ein Ratstreffen leiten mußte.
Selbst Thor Pedersen gibt zu, daß die anderen "nichts merken" würden, wer auch immer am oberen Ende des Tisches sitzt: "Der Ministerratsvorsitzende ist nur der Dirigent." Gleichwohl fügte Pedersen, der am Montag Debut und Abschied in dieser Funktion gab, kritisch hinzu: "Neue Minister werden nicht die gleiche Erfahrung haben wie die jetzige Regierung." Worauf der sozialdemokratische EG-Veteran Ivar Nörgaard spöttisch erwiderte: "Es ist nicht schwer, Sozialdemokraten zu finden, die an mehr EG-Treffen teilgenommen haben als Herr Pedersen".
Daß der bevorstehende Regierungswechsel in Kopenhagen keine politischen Probleme bringen wird, muß auch Ellemann-Jensen einräumen. Ob Wachstums-, Umwelt oder Agrarpolitik, ob das große Interesse an der Erweiterung der EG um Österreich und die skandinavischen Nachbarn - in all diesen Fragen herrscht in Dänemark Einigkeit. So hatten auch die Sozialdemokraten keine Be- denken, Ellemann-Jensen in Straßburg das Programm vorstellen zu lassen, das nun ein sozialdemokratisch geführtes Kabinett verwirklichen wird.
Jede dänische Regierung muß ihre EG- Politik im Marktausschuß des Parlamentes verankern. Dort hat die Opposition seit jeher die EG-Entwicklung verfolgt und mitgeprägt, so daß die Kontinuität gewahrt bleibt, auch wenn Opposition und Regierung nun die Plätze tauschen. Auch das EG-Programm der konservativ- liberalen Regierung war daher von sozialdemokratischen Wünschen wie größerem Gewicht für Beschäftigungs- und Umweltpolitik durchsäuert. Und der Beamtenstab, der die praktische Arbeit tut, bleibt der gleiche, auch wenn sich Name und Parteifarbe des Ministers ändern.
Ungeachtet ihrer endgültigen Zusammensetzung wird die neue Regierung voll hinter der in Edinburgh erzielten Lösung stehen, die die Grundlage für Dänemarks zweites Maastricht-Referendum darstellt. Das Kompromißpapier, das dem Nein der Dänen bei der ersten Volksabstimmung Rechnung tragen sollte, ohne ihre EG- Mitgliedschaft aufs Spiel zu setzen, trägt die Handschrift des designierten Ministerpräsidenten Nyrup Rasmussen. Als Oppositionsführer hatte er der Regierung das Papier präsentiert. Diese mußte es akzeptieren. So kann er nun weit glaubwürdiger für ein Ja zu "Maastricht 2" werben als ein Ellemann-Jensen
dies könnte,von dem jeder weiß, daß er von den dänischen Einwänden gegen die Union eigentlich nichts hält. Die Brüsseler EG-Journalisten mögen dem farbigen Ellemann-Jensen
Zwar wecken sozialdemokratische Außenministerkandidaten wie Ex-Parteichef Svend Auken oder die umstrittene frühere Fraktionsführerin Ritt Bjerregaard bei bürgerlichen Wählern ähnliche Gefühle. Doch aus diesen Kreisen ist ein massives Nein-Votum nicht zu erwarten. "Für ein Ja bei der Volksabstimmung wäre eine sozialdemokratisch geführte Regierung die beste Garantie", sagte der Radikalliberale Niels Helveg-Petersen, schon ehe der Tamilen-Skandal das Kabinett Schlüter zur Demission zwang. Nun ist Helveg-Petersen, der seine Karriere als Kabinettschef in der EG-Kommission begann, selbst einer der heißesten Anwärter auf den Außenministerposten. Rasmussen möchte die Radikalen in eine Koalition locken, und das prestigeträchtige Außenamt zählt zu den Angeboten.
Das Maastricht-Referendum wird von einer sozialdemokratischen Regierung allerdings wohl nicht ganz so früh durchgeführt werden wie Schlüter dies plante. Der abgetretene konservative Ministerpräsident zog den 27. April vor. Nyrup Rasmussen plädiert für "mehr Zeit für die Diskussion". Da die Abstimmung aber unbedingt vor den Sommerferien durchgezogen werden soll, um das Inkrafttreten des Unionsabkommens zur Jahresmitte zu ermöglichen, gelten nun - in Dänemark wird traditionell am Dienstag gewählt - der 18. und 25. Mai als mögliche Alternativen. Ausgeschlossen ist nur der 4. Mai. Da feiert Dänemark jährlich die Befreiung von der deutschen Besetzung - ein für eine EG-Abstimmung denkbar ungeeignetes Datum.
BERLIN/BONN (wüp/dpa). Der Berliner Senat fordert Treuhandanstalt und Bundesregierung auf, neun von ihm ausgewählte Unternehmen aus dem Ostteil der Stadt als "industrielle Kerne" zu sanieren. Auf die Liste der Firmen mit zusammen noch rund 4000 Beschäftigten hätten sich Senat, Unternehmerverbände, Gewerkschaften sowie die Industrie- und Handelskammer verständigt, betont Wirtschaftssenator Norbert Meisner (SPD). Im einzelnen handelt es sich um den Konfektionsbetrieb Becon Classic, die Bae Batterie, Berliner Werkzeugmaschinenfabrik, Berliner Zigarettenfabrik, Elektrokohle Lichtenberg, Fahrzeugausrüstungen Berlin, Kühlautomat Berlin, Niles Werkzeugmaschinen und Prolux Maschinenbau.
"Wir werden die Treuhand bei der Sanierung mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen", kündigte Meisner an und stellte gleichzeitig 150 Millionen Mark flankierend zu den Geldern der Treuhandanstalt oder aus Bonner Töpfen in Aussicht, falls der Vorschlag auf fruchtbaren Boden fallen sollte. Einschließlich der schon privatisierten Unternehmen könnten seiner Einschätzung zufolge in Ost-Berlin etwa 26 000 Industrie-Arbeitsplätze erhalten werden. Kritik übt der Senator daran, daß Berlin schon seit längerem eine aktive Sanierungspolitik der Treuhand gefordert und im vergangenen Jahr 150 Millionen Mark Landesmittel aus dem Förderprogramm "Aufschwung Ost" angeboten habe, die Anstalt davon aber "praktisch keinen Gebrauch" machte.
In Bonn sind unterdessen personelle Einzelheiten über den neuen Treuhand- Ausschuß des Bundestages bekanntgeworden, der am morgigen Freitag eingesetzt wird. Vorsitzender des 24 Köpfe zählenden Gremiums zur parlamentarischen Begleitung und Kontrolle der Berliner Anstalt soll der 54 Jahre alte CDU- Abgeordnete Arnulf Kriedner aus Thüringen werden. Er leitet bereits den derzeitigen Unterausschuß "Treuhandanstalt". Obmann der SPD soll dem Vernehmen nach Hinrich Kuessner aus Mecklenburg-Vorpommern werden.
Die konstituierende Sitzung ist für Anfang Februar geplant. Der Ausschuß kommt auf Betreiben der Sozialdemokraten zustande, um den Bonnern mehr Einfluß bei Verkäufen, Sanierung und Abwicklung von Treuhand-Firmen zu verschaffen.
Redaktion i. V.: Karl-Heinz Karisch
In der Ackermann- und der Sonderhausenstraße im Gallus soll der Verkehr künftig langsamer fließen: Die Fahrbahnen werden durch Schrägparken verengt, "Kölner Teller" sollen die Autos abbremsen. In der gesamten Friedrich-Ebert- Siedlung gilt Tempo 30. Diesem Konzept stimmte der Ortsbeirat 1 jetzt zu.
Zufrieden sind die Stadtteil-Politiker allerdings nicht. Auch für die Bewohner bedeutet sie allenfalls eine Zwischenlösung: Ursprünglich war geplant, Ackermann- und Sondershausenstraße für den Durchgangsverkehr zu sperren.
Die beiden Straßen werden erst abgetrennt, wenn an der Ecke Mainzer Landstraße / Krifteler Straße eine Ampel installiert wird. Dann kann der Verkehr von der Kleyer- über die Krifteler in Richtung Mainzer Straße abfließen und dort auch links nach Griesheim abbiegen.
"Im Verkehrsausschuß ist die Ampel unstrittig", will Andreas Laeuen, Fraktionssprecher der Grünen im Ortsbeirat, vom Grünen-Stadtverordneten Lutz Sikorski erfahren haben. cob
Frankfurt steht noch ganz gut . . .
(Fortsetzung von Seite 19)
Das Gros der Frankfurter Wirtschaft scheint jedoch noch weitgehend unbeeindruckt von den düsteren Konjunkturprognosen zu sein. Der Optimismus bei den Dienstleistungsunternehmen sei womöglich "nicht mehr ganz so ausgeprägt" wie ehedem, weiß IHK-Mann Birner, aber das Echo auf die regelmäßige Kammerumfrage nach der konjunkturellen Befindlichkeit laute immer noch: "Es geht uns weiter gut." Die Frankfurter Sonderrolle führt Birner auf den geringen Anteil von "deutlich unter 25 Prozent" Industriearbeitsplätzen zurück.
Bei den Konsumenten jedenfalls scheint die Krisenstimmung noch nicht angekommen zu sein. Sie kaufen sich gleich neue Schuhe, anstatt die alten bei Schuhmacher Lenz für 40 bis 80 Mark noch mal besohlen zu lassen. Und selbst Herbert Kämpfer, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, scheint ganz erstaunt, daß sich auf seine Umfragen die Einzelhändler "nicht so pessimistisch" äußern, nachdem ein guter Dezember den schwachen November wieder wettgemacht hatte.
Die Käufer kaufen, die Umsätze stimmen, die "starke Dienstleistungsbranche", sagt Kämpfer, "hält Frankfurt am Leben".
(Siehe auch: Keine Rede von . . .)
Neben der Bundesbahn, die seit Jahren über aufgeschlitzte Polster und zerstörte Türen und Scheiben in den S-Bahnen klagt, leidet zunehmend auch die Deutsche Städte-Reklame (DSR) unter den mutwilligen Zerstörungen. Im vergangenen Jahr mußte die DSR insgesamt 100 000 Mark aufwenden, um demolierte Scheiben und Sitze an den 360 neuen Bus-, Straßenbahn- und U-Bahn-Haltestellen zu erneuern. So kosten allein die beiden Scheiben an der Rückwand zusammen 1260 Mark.
Die beleuchteten und mit teurem Sicherheitsglas versehenen Wartehäuschen sowie die Fahrplantafeln an den Abgängen zu den U-Bahn-Stationen werden nicht von der Stadt oder den Verkehrsbetrieben, sondern von der Deutschen Städtereklame bezahlt. Dafür darf die Gesellschaft an den Haltestellen werben. Jeder Unterstand kostet die DSR im Schnitt 10 000 Mark.
Für Hinweise an Polizei, Stadtwerke oder die Städtereklame, die zur Ermittlung der Täter führen, hat die DSR jetzt eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt. Die Bundesbahn zahlt für entsprechende Tips inzwischen bis zu 500 Mark.
Nach Angabe der Bundesbahn erreichten die Schäden in den S-Bahnen im vergangenen Jahr die Rekordmarke von drei Millionen Mark. gang
rb FRANKFURT A. M. Heftige Kritik an dem derzeit wohl umstrittensten deutschen Entwicklungshilfeprojekt mußte sich der zuständige Minister Carl-Dieter Spranger (CSU) im Bundestagsausschuß für wirtschaftliche Zusammenarbeit anhören. Für die SPD ist das mit 100 Millionen Mark aus Bonn geförderte Manantali-Kraftwerk in Mali eine "riesige Fehlinvestition" (siehe FR vom 30. Dezember). Ihr entwicklungspolitischer Sprecher Ingomar Hauchler beklagte, daß mit dieser Zusage der größte Teil künftiger Mittel für Senegal, Mali und Mauretanien an ein einziges Großprojekt gebunden werde. Das widerspreche den Schwerpunkten deutscher Entwicklungspolitik wie Armutsbekämpfung. Hauchler hegt den Verdacht, daß hinter der Entscheidung nicht nur deutsche Lieferinteressen stehen, sondern auch der Wunsch der Banken an einer Sicherung des Schuldendienstes für frühere Kredite zum Bau des Manantali-Staudammes, bei denen erhebliche Zahlungsrückstände bestehen. Hauchler kritisierte auch, daß der Ausschuß nicht genügend Zeit zur Prüfung des Projektes gehabt habe.
Spranger verteidigte das Projekt, bei dem es um "die Revitalisierung einer Ruine" gehe. Eine Studie der Weltbank habe die Rentabilität der eingesetzten Mittel gezeigt. Ebenso wies er Kritik der Opposition zurück, wonach die Entscheidung am Ausschuß vorbei gefällt worden sei. Dieser habe seine "stillschweigende Zustimmung" gegeben.
MÜHLHEIM. Wer heuer am Samstag ins Hallenschwimmbad baden geht, der wird in 29 Grad warmes Wasser eintauchen und nicht mehr frösteln wie noch im vergangenen Jahr.
Nachdem die Mühlheimer Stadtverordneten in ihrer letzten Sitzung im Jahr 1992, im Dezember, die Einführung eines zweiten Warmbadetages beschlossen hatten, ist es jetzt zusätzlich zum Freitag auch am Samstag mollig warm. Geöffnet ist das Bad an Samstagen von 10 bis 16.45 Uhr. pmü
Wir gratulieren
zum 90. Geburtstag.
2600 Mark sind von einem bislang Unbekannten mit Hilfe einer Scheckkarte von dem Konto einer 28 Jahre alten Frau abgehoben worden. Die Eurochequekarte war der Frau zusammen mit ihrer Geldbörse, in der sich zudem 170 Mark be- fanden, aus ihrem Rucksack gestohlen worden.
Zu dem Diebstahl war es bereits am 23. Dezember vergangenen Jahres auf der Zeil gekommen. Doch erst jetzt habe die 28jährige Strafanzeige erstattet, berichtete die Polizei.
Mit der gestohlenen Scheckkarte war in der Zeit zwischen dem 25. Dezember und dem 29. Dezember insgesamt sechsmal an Bankautomaten Geld abgehoben worden.
Die zu der Karte gehörende Geheimnummer war auf einem Zettel notiert, der in der Geldbörse lag. ing
Hoffnungsträger Clinton
Es liegt eine neue Stimmung über dem Land. Mit der Wahl Bill Clintons zum 42. Präsidenten haben die US-Amerikaner ihrem Wunsch nach Wandel Ausdruck gegeben. Mit seinem Amtsantritt beginnt nun die Zeit der Veränderungen. Mit dem 46jährigen Ex-Gouverneur aus dem ländlichen Arkansas ist nicht nur ein neuer Mann und eine neue Partei ins Weiße Haus eingezogen, sondern auch eine neue Generation.
Selten haben so große Erwartungen auf einer Person gelegen wie auf William Jefferson Clinton. Als Regierungschef soll er den volkswirtschaftlichen Schaden beheben, den seine republikanischen Vorgänger in den vergangenen zwölf Jahren angerichtet haben. Als "Leader" soll er die entlang sozialer und ethnischer Bruchstellen gespaltene US- Gesellschaft wieder zusammenführen. Als Staatsoberhaupt der letzten Supermacht soll er die Rolle der USA in der Welt neu definieren. Diese Erwartungen allein wären Grund genug, um vor der Aufgabe dieser Präsidentschaft davonzulaufen.
Doch nicht nur den Bürgern der Vereinigten Staaten von Amerika ist Bill Clinton Hoffnungsträger. Wieder einmal brutal von der eigenen Geschichte eingeholt, sehen auch die Europäer in seiner Führung den Anstoß zur eigenen Rettung. Mit seiner anziehenden Binnenkonjunktur soll Bill Clinton auch die in Europa - und Japan - eingebrochene Ökonomie wieder in Gang bringen. Von seinem "Machtwort" verspricht man sich Lösungen zur Beendigung des Krieges im einstigen Jugoslawien. Von Somalia bis zur ehemaligen Sowjetunion, von Bagdad bis Brüssel, so scheint es, ruht die Welt auf den Schultern dieses Mannes.
Kein Wunder, daß Bill Clinton zu seinem Amtsantritt alle Geister beschwören will. Man mag auf die oft synthetische Symbolik dieser Inaugurationswoche mitleidig herabschauen, sich bei dieser Mischung aus Hollywoodschem Historienspiel und postmodernem Stammesritual vor intellektueller Überheblichkeit schütteln. Wenn Bill Clinton mit seiner Busfahrt von Monticello nach Washington Thomas Jefferson bemüht und sich bei jeder Photogelegenheit mit der Aura John F. Kennedys umgibt, dann hat dies zweifellos etwas Aufgesetztes. Doch in Abwesenheit einer weit zurückreichenden gemeinsamen Geschichte bedarf dieses Land der einheitsstiftenden Zurschaustellung seiner Symbole mehr, als wir Europäer dies verstehen mögen. Und ihr Einsatz scheint zu funktionieren.
Denn wie anders sind der enorme Enthusiasmus für den Präsidenten, die beängstigende Euphorie über den versprochenen Neuanfang zu erklären, als durch die Wirkung dieses allvierjährlichen Erneuerungsrituals. Natürlich sind solche Stimmungen flüchtig, wie der nun Ex-Präsident George Bush nach seinem Triumph im Golf-Krieg schmerzlich erfahren mußte. Auch sprechen die Berufskritiker und Medien schon vom vorzeitigen Ende seines politischen "honeymoons", da hat der neue Präsident kaum seinen Amtseid geleistet.
In der Innen- wie Außenpolitik mehren sich die Anzeichen, daß der Neuling vorsichtiger auftreten muß, als seine Wahlkampfrhetorik dies suggerierte. Gerade in Anbetracht der völlig überzogenen Erwartungen wird Bill Clintons Präsidentschaft unweigerlich in Enttäuschungen enden.
Dennoch steht hinter seiner Ernennung das erstaunliche Selbstbewußtsein eines politischen Systems, das sich seine Präsidenten seit über 200 Jahren mit demokratischer Regelmäßigkeit wählt und entläßt - mal naiv, mal zornig -, aber dabei nie (selbst im Bürgerkrieg nicht) den republikanischen Rahmen sprengend. Die Revolution gleich mit ihrer Gründung hinter sich bringend, haben sich die USA den Herausforderungen ihrer Geschichte gegenüber immer erstaunlich wandlungsfähig gezeigt. Als Immigrantengesellschaft erscheinen sie auch heute wieder politisch flexibler als die "Alte Welt". Gerade zur Zeit einer globalen ökonomischen Krise und allgemeiner politischer Orientierungslosigkeit haben die US- Amerikaner mit Bill Clinton eine mutige Entscheidung getroffen.
Mit welchem Erfolg der erste "baby boomer" im Weißen Haus am Ende auch regieren wird, so ist den USA mit seiner Wahl doch gelungen, wozu die Briten im letzten Jahr zu feige waren; was die Franzosen auch in diesem Jahr nicht schaffen werden; und worauf wir Deutsche im nächsten Jahr nur wenig Hoffnung setzen: eine klare politische Richtungsänderung, eine vorwärtsgerichtete und reformistische Antwort auf die Krise, in der unsere Gesellschaften stecken.
Eine Krise, die nicht nur eine ökonomische, sondern auch die eines stillstehenden Bewußtseins ist. Wo zwischen London, Paris und Bonn nur noch politische Schattengewächse regieren - und opponieren -, haben die USA jetzt einen Hoffnungsträger zu ihrem Präsidenten gewählt. Wenigstens das.
Autofahrerin verletzt FRIEDBERG. Ein Autofahrer befuhr den Haingraben Richtung Hanauer Strasse, als er in einer Rechtskurve mit seinem Wagen auf die Gegenseite geriet und so eine entgegenkommende Pkw- Fahrerin rammte. Sie wurde verletzt.
sp HANNOVER, 20. Januar. Im Streit um die Lieferung von 20 Kriegsschiffen an Taiwan haben die Grünen am Mittwoch im Niedersächsischen Landtag Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD) dringend ermahnt, sich an die Beschlüsse des rot-grünen Kabinetts zu halten und dessen ablehnende Haltung in Bonn zur Geltung zu bringen. Der Minister für Bundesangelegenheiten, Jürgen Trittin (Grüne), wies auf die bundesrechtlichen Bestimmungen hin, wonach Rüstungsexporte in nichtverbündete Länder nur erlaubt werden können, wenn "vitale Interessen" der Bundesrepublik berührt sind. Beschäftigungspolitische Gründe dürften ausdrücklich nicht den Ausschlag geben. Trittin versicherte anhand der Länderliste der Außenwirtschaftsverordnung, daß Taiwan zu den Ländern gehöre, denen mit den schärfsten Restriktionen zu begegnen sei. Daß Schröder dafür eintrat, von Taiwan den größten aller bisherigen Rüstungsaufträge anzunehmen, hat "zum offenen Konflikt in der Koalition" geführt, wie Andrea Hoops für die Grünen sagte. Der Ministerpräsident habe die Koalition provoziert und belastet. FDP- Fraktionschef Martin Hildebrandt äußerte Zweifel, ob die von Schröder angeführten beschäftigungspolitischen Gründe aus niedersächsischer Sicht überhaupt stichhaltig seien. Er und CDU-Fraktionschef Jürgen Gansäuer hielten Schröder dessen frühere Äußerungen gegen Rüstungsexporte vor, aber auch SPD-Stellungnahmen im Bundestag, die im Hinblick auf taiwanesische Kriegsschiff- Wünsche "gewissenlose Krämerseelen" angeprangert hätten, die "weiterhin ihre Geschäfte mit dem Tod betreiben". Nur ein Teil der SPD-Fraktion unterstützte Schröder, der die Kritik für berechtigt erklärte, aber auf seiner Position beharrte.
Der SPD-Bundesvorsitzende Björn Engholm hatte zuvor in einem Interview die Lieferung abgelehnt. Er kenne die schwierige Lage der Werften, seiaber nicht für den Bau von U-Booten für Staaten außerhalb der NATO. Zuständig sei im übrigen die Bundesregierung.
(Weiterer Bericht im Wirtschaftsteil)
Noch nie hatte die Wahl oder Wiederwahl eines Generaldirektors der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hohe Wellen geschlagen. Der Brasilianer Candau und der Däne Mahler herrschten unangefochten jeweils 15 Jahre lang über den Betrieb, der mittlerweile 4600 Angestellte zählt und über ein Jahresbudget von 1,8 Milliarden Dollar verfügt. Als 1988 der Japaner Hiroshi Nakajima das Amt antrat, war gleich der Teufel los. Zuerst wurden Querverbindungen zwischen Nakajima und dem japanischen Milliardär Ryoichi Sasagawa ruchbar. Sasagawa war wegen in China begangener Kriegsverbrechen verurteilt worden, hatte später im Wettgeschäft mit Pferderennen ein Vermögen gescheffelt und einen Teil davon für humanitäre Zwecke ausgegeben. Der dubiöse Mäzen habe die Wahlkampagne Nakajimas finanziert, hieß es in den diplomatischen Kreisen. Jedenfalls war eine der ersten Amtshandlungen des neuen Generaldirektors, eine Statue seines Wohltäters in einer Halle des WHO-Gebäudes aufzustellen. Rasch kam Nakajima selbst unter Beschuß. Kritisiert wurden sein mangelndes Verwaltungstalent und sein schlechtes Verhältnis zu den Mitarbeitern. Der gelernte Psychiater stellte einen anderen Japaner namens Yuji Kawaguchi als Kabinettchef ein, der ihn vor unliebsamen Besuchern abschirmte. Im übrigen weilte Nakajima am liebsten auf Reisen und überließ das Management seinen Stellvertretern. Das hatte den Vorwurf zur Folge, er gebe der WHO keine Orientierungshilfe.
Mit den USA überwarf sich Nakajima, als er den US-Amerikaner Jonathan Mann aus seiner Stellung als Verantwortlicher der Aids-Abteilung hinausekelte. Das Aids-Programm der WHO wird größtenteils mit freiwilligen Beiträgen Washingtons finanziert. Nakajima und Mann standen einander an Starallüren um nichts nach - einer der beiden mußte den Hut nehmen. Dabei ging es aber nicht allein um persönliche Eifersüchteleien. Zwischen den Pharmakonzernen findet ein erbitterter Wettbewerb um die Emtwicklung eines Heilverfahrens oder eines Impfstoffes gegen die Immunschwäche statt. Wer als erster ein Mittel auf den Markt bringt, dem winken Milliardengewinne. Die WHO stellt bei der Vergabe von Forschungsaufträgen und der Ausrichtung der Studien die Weichen.
Nakajima erhielt den Posten des WHO-Generaldirektors, weil die Wirtschaftsmacht Japan in den achtziger Jahren auf den Chefetagen der internationalen Organisationen kraß unterrepräsentiert war. Wunschkandidat Tokios war der kleine Doktor, der das Regionalbüro der WHO in Manila leitete, aber nicht. Da ein anderer japanischer Arzt in WHO-Diensten das Angebot ausschlug, blieb Nakajima als einziger im Rennen. Zweifel an seinen Fähigkeiten wurden schon damals laut.
In der Zwischenzeit hat das Reich der aufgehenden Sonne seine Positionen in der Weltorganisation bedeutend ausgebaut. Hochkommissarin für Flüchtlinge ist die weitum geschätzte Japanerin Sadako Ogata. Die Übergangsverwaltung der UN in Kambodscha wird von ihrem Landsmann Yasushi Akashi geleitet. Dennoch machte die Regierung in Tokio die Wiederwahl Nakashimas zu einer Prestigeangelegenheit. Es gelang ihr aber nur, die asiatischen Staaten, einige Lateinamerikaner und einen Teil der afrikanischen Ausschußmitglieder auf ihre Seite zu ziehen. Die USA und die Westeuropäer stellten sich voll hinter den Gegenkandidaten, den Algerier Mohamed Abdelmoumene. Nakajima und Abdelmoumene waren einst Freunde und kennen sich von ihrer Universitätszeit in Paris her. Der Algerier war in der WHO zum stellvertretenden Generaldirektor aufgestiegen. Als Nakajima aber von dessen Ansprüchen aufs höchste Amt hörte, schickte er seinen Rivalen augenblicklich in die Wüste.
Einige Vorkommnisse verdüsterten das Image des WHO-Chefs weiter. So versuchte der Kunstliebhaber bei einer Reise nach Moskau, sechs auf dem Flohmarkt erstandene Ikonen ohne Ausfuhrbewilligung in den Westen zu schmuggeln. Die Zöllner am Moskauer Flughafen konfiszierten den Fund.
Abgesehen von der Person ging es bei der Entscheidung des Exekutivausschusses am Mittwoch um die notwendigen Reformen der in die Jahre gekommenen Weltgesundheitsorganisation. Die geheime Wahl des 32köpfigen Führungsgremiums hat empfehlenden Charakter; sie kann von der nächsten Weltgesundheitskonferenz im Mai umgestoßen werden, was allerdings noch nie geschehen ist.
PIERRE SIMONITSCH (Genf)
vs DÜSSELDORF, 20. Januar. Die SPD in Nordrhein-Westfalen hat - entgegen bisherigen Behauptungen - doch Geld von der Unternehmsgruppe Bast-Bau erhalten, in deren Firmenzeitschrift Landes-Bauministerin Ilse Brusis (SPD) das Geschäftsgebaren des Unternehmens im freifinanzierten Wohnungsbau hoch gelobt hatte. Die jetzt von SPD und Bast- Bau eingestandene Parteispende in Höhe von 10 000 Mark an den SPD-Unterbezirk Köln war allerdings schon Ende 1989 gezahlt worden - fünf Monate vor Amtsantritt von Ilse Brusis.
Achim Dahlheimer, Sprecher der Ministerin, nannte es deshalb am Mittwoch "hochgradig unseriös", eine Verbindung zwischem deren Grußwort und der "regionalen Spende" zu knüpfen. Im Ministerium habe niemand von dieser Spende gewußt. Der wohnungsbaupolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Volkmar Schultz, hat seinen Wahlkreis in Köln.
Wilhelm Dingwerth, Geschäftsführer der Bast-Bau, hatte vergangene Woche im Fernsehen auf die Frage nach finanziellen Zuwendungen seines Unternehmens an die SPD gesagt: "Diese Frage kann ich ganz eindeutig mit ,Nein&rquote; beantworten. Es hat keine Spenden gegeben."
Emil Bast selbst hatte eingeräumt, daß durch das lobende Brusis-Grußwort "sicherlich ein recht geringer Wettbewerbsvorteil" erzielt worden sei. Bast gehörte zu einer von Brusis 1991 berufenen "Beratergruppe Freifinanzierter Wohnungsbau", die im September 1992 in einem vom Ministerium veröffentlichten Gutachten zu Investitionen im freifinanzierten Wohnungsbau aufrief. Dabei sagte sie eine jährliche Rendite von rund zehn Prozent voraus. Aus diesem Gutachten zitierte Bast-Bau in seiner Firmenzeitschrift und würdigte die zehnprozentige Rendite-Erwartung, an deren Formulierung der Firmenchef mitgewirkt hatte, als "sozusagen amtlich".
Die Grünen forderten die SPD-Landesregierung auf, in der Sitzung des Landtags am 27. Januar über alle ihre Verbindungen zu Bast-Bau Aufklärung zu geben."Dyba paßt nicht zu Hessen" Lothar Klemms Büchlein über den Kirchenfürsten
WIESBADEN. Für das Thema ist Lothar Klemm, SPD-Fraktionsvorsitzender im Wiesbadener Landtag, 43 Jahre, Rechtsanwalt in Hanau und "nicht katholisch", eingestandenermaßen kein Experte. Aber man müsse nicht der Kirche angehören, um einen ihrer Repräsentanten kritisieren zu können, beugt der SPD-Mann vor, der sich in einem knapp 80 Seiten starken Büchlein an einem der umstrittensten katholischen Kirchenfürsten reibt.
Der Hesse Klemm fühlt sich von dem Hessen und Bischof von Fulda, Johannes Dyba, herausgefordert, der ein Hessenbild präge, das dem Land so gar nicht entspreche. "Gnadenlos intolerant - Bischof Johannes Dyba", heißt das Bändchen, das im Marburger Schüren- Verlag erscheint und einen großen Nachteil hat: Es liegt noch nicht gedruckt vor.
Dafür haben Wiesbadener Journalisten bereits vom Autor die Fahnenabzüge erhalten. Und Klemm, eigentlich ganz ungewohnt zurückhaltend für einen Politiker, überläßt Dyba im Originalton gleich passagenweise die Seiten seines schon so dünnen Bändchens.
Dyba durch Zitate selbst reden zu lassen und ihn durch die Zusammenballung seiner Äußerungen als mittelalterlich, unliberal und intolerant zu entlarven, das ist Klemms Absicht. "Wo Aufklärung und Information gefragt sind, setzt Dyba auf das Schüren von Ängsten, wo widerstrebende Interessen zusammengführt werden müssen, setzt Dyba auf Spaltung", schreibt der SPD- Fraktionsvorsitzende.
Den Parteimenschen Klemm, auch in einem gewissen Grade mit einem Absolutheitsanspruch ausgestattet, verärgert der Absolutheitsanspruch der Thesen des Kirchendogmatikers aus Fulda. Noch mehr wurmt den gebürtigen Hessen Klemm, daß der "fundamentalistische Bischof in Fulda" den liberalen Geist konterkariert, der Hessen geprägt habe. Dybas radikale Rückbesinnung auf den Gottesstaat eines finsteren Mittelalters passe nicht zu Hessen.
Dyba sei damit typisch unrepräsentativ fürs Land, meint Klemm, der mit seiner "Anti-Dyba"-Zitatensammlung eines anstrebt: "Man darf den Mann nicht nur so daherreden lassen. Ich will deutlich machen, da ist Widerspruch."
Den hat es in der hessischen Landespolitik schon seit längerem, allerdings nur in Landtagsprotokollen und nie in Buchform gegeben. Der "Anti-Bischof" aus Fulda, der in der Frage der Frauentheologie, der Abtreibung, der Homosexualität, der kirchlichen Jugendarbeit, wie Klemm an zahlreichen Beispielen nachweist, seine "gnadenlose Intoleranz" zeige, die kaum noch einen christlich-versöhnlichen Ansatz zulasse, war schon wiederholt Gegenstand von Parlamentsdebatten in Wiesbaden.
Die CDU/FDP-Koalition wies einmal trotz aller Kritik des damaligen Regierungspartners FDP allzu deutliche Schelte an dem Bischof, der in Studententagen Pressesprecher des CDU-Studentenverbandes RCDS war, zurück. Dyba konnte seine Glocken als Abtreibungsmahngeläut hessenweit klingen lassen, der Staat war aufgeschreckt, blieb aber ungerührt zurückhaltend.
Auch Klemm will, daß "eine weltoffene Gesellschaft solche Engstirnigkeit erträgt", und daß "Dyba weiter seine Meinung vertreten kann". Er warnt jedoch vor einer umsichgreifenden Engstirnigkeit, unter der die Weltoffenheit möglicherweise zu ersticken drohe. gra
Zeugen sucht die Polizei nach einem schweren Unfall auf der Darmstädter Landstraße, bei dem jetzt vier Männer zum Teil schwer verletzt wurden.
Um 15.15 Uhr waren zwischen der Frankfurter Stadtgrenze und Neu-Isenburg zwei Autos frontal zusammengeprallt. Ein 19 Jahre alter Mann war mit seinem ebenfalls 19jährigen Beifahrer in einem Wagen der Marke "Honda Civic" in Richtung Frankfurt unterwegs. Dabei soll er nach dem Bericht der Polizei immer wieder Autos überholt haben. Bei einem der Überholmanöver kam es nach Angaben von Zeugen schließlich zu dem Zusammenstoß: Der Wagen des 19jährigen prallte mit einem Auto der Marke "Ford Fiesta" zusammen. Dieser Wagen wurde von einem 43jährigen aus Berlin gesteuert, der von der Feuerwehr aus seinem Wagen geborgen werden mußte. Neben ihm saß ein 53 Jahre alter Beifahrer.
Über eine Stunde lang mußte eine der beiden Spuren der Darmstädter Landstraße gesperrt werden. Der Verkehr wurde dadurch nach Angaben der Polizei vorübergehend behindert.
Geklärt werden muß derzeit noch, ob ein Auto der Marke "VW Golf", das von einer 20jährigen aus Offenbach gesteuert wurde, Einfluß auf den Unfall hatte. Die Frau war aus der Oberschweinstiegschneise auf die Darmstädter Landstraße in Richtung Frankfurt eingebogen.
Für die Ermittlung der Unfallursache hofft die Polizei auf weitere Aussagen von Zeugen. Sie werden gebeten, sich mit dem 8. Revier in Frankfurt, Telefon 61 02 61, in Verbindung zu setzen. ing
doe FRANKFURT A. M. Trotz der Querelen um den Aktionärskreis ihrer Muttergesellschaft und des abklingenden Ost-Booms haben die Versicherungen der Aachen-Münchener-Gruppe im vergangenen Jahr kräftig Verträge herangekarrt. Nach einer ersten Übersicht steigerte die Schaden- und Unfall-Tochter Aachener und Münchener Versicherung (AMV) ihre Beitragseinnahmen im selbst abgeschlossenen Geschäft von zuletzt 1,5 Milliarden Mark um 10,3 Prozent. Auch der kleinere Direktversicherer Cosmos, der ohne Vertreter arbeitet, wuchs beachtlich.
Allerdings muß die AMV nun den Preis ihrer kräftigen Expansion in jüngster Vergangenheit (schon 1991 waren die Einnahmen um 15 Prozent geklettert) bezahlen: Obwohl die Verwaltung kostengünstiger arbeitete, trieben der Aufbau in der Ex-DDR und die fälligen Provisionen für Außendienst und Strukturvertrieb die Bruttokostenquote nach oben. Genaue Zahlen werden nicht genannt, doch lag der Wert mit 28 Prozent schon 1991 über dem Branchenschnitt. Keine Angaben macht die AMV auch zum versicherungstechnischen Ergebnis. Unter Einschluß der Kapitalerträge werde der Überschuß "zufriedenstellend" sein.
Dank des Erfolges ihrer Auto-Sparte konnte die Cosmos Versicherung ihre Beitragseinnahmen auf 29,5 Millionen mehr als verdoppeln. Die gleichnamige Leben-Schwester schrieb 3,2 Milliarden (plus 17 Prozent) Neugeschäftssumme.
ff BONN, 20. Januar. Nur eine knappe Mehrheit der SPD-Bundestagsfraktion unterstützt den gemeinsamen Entwurf von CDU/CSU, FDP und SPD für einen eingeschränkten Asylartikel 16 a im Grundgesetz. Nach einer mehrstündigen Diskussion am Dienstagabend votierten 80 SPD-Abgeordnete für den Vorschlag der Fraktionsspitze, den Entwurf am heutigen Donnerstag zusammen mit den Koalitionsfraktionen im Parlament einzubringen und in erster Lesung zu behandeln. 63 Sozialdemokraten sprachen sich dagegen aus. 15 Parlamentarier, darunter der frühere Partei- und Fraktionsvorsitzende Hans-Jochen Vogel, enthielten sich. Rechtspolitiker von CDU/CSU, FDP und SPD hatten die Formulierung am vergangenen Freitag ausgearbeitet.
Gegner des Entwurfes monierten, daß Asylbewerber, die über sogenannte sichere Drittstaaten hierherkommen, sofort dorthin zurückgeschickt werden sollen. Sie wandten sich auch dagegen, nur den Entwurf für einen neuen Asylartikel 16 a einzubringen. Statt dessen müsse die SPD auf einem Gesetzespaket bestehen, das die Zuwanderung umfassend regele. Unterdessen will die Bundestagsgruppe Bündnis 90/Die Grünen darauf hinarbeiten, daß die für eine Änderung des Asylartikels 16 Grundgesetz notwendige Parlamentsmehrheit nicht zustande kommt. Das kündigte am Mittwoch in Bonn der Abgeordnete des Bündnis 90, Konrad Weiß, an. Jetzt sei es wichtig, eine "Sperrminorität" von Parlamentariern aus allen Fraktionen gegen die geplante Verschärfung des Asylrechts zu mobilisieren.
Der Geschäftsführer des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins, Uwe Günther, sagte, der Entwurf für einen Asylartikel 16 a werde verfassungsrechtlich keinen Bestand haben. Da völlig unklar bleibe, was ein "sicherer Drittstaat" ist, verletze die vorgesehene Regelung das Recht auf Schutz vor politischer Verfolgung. Dieses sei auch aus dem unveränderbaren Artikel 1 (Schutz der Menschenwürde) herzuleiten. Daß abgelehnte Bewerber nur vom Ausland gegen die Entscheidung der Verwaltung klagen können sollen, verstoße gegen die Rechtswegegarantie des Grundgesetzes.
Einen überraschend hohen Anteil von Ausländern unter den Drogenabhängigen hat das Rauschgiftdezernat festgestellt. Von den 903 Drogenabhängigen, die 1992 von der Polizei erstmals registriert wurden, hatten 33,5 Prozent keinen deutschen Paß. Damit sei die weitverbreitete Annahme "Ausländer dealen, Deutsche konsumieren" weitgehend widerlegt, erläuterte der Leiter des Rauschgiftkommissariats, Norbert Ditt, am Mittwoch.
Erstmals wurde die Statistik der sogenannten Erstkonsumenten vom Rauschgiftdezernat nach Wohnsitz, Geschlecht und Nationalität ausgewertet. Mit 7,5 Prozent stellen Marokkaner und Algerier die stärkste Gruppe unter den rauschgiftabhängigen Ausländern. Dabei handele es sich vor allem um junge Menschen, die in der Bundesrepublik aufgewachsen sind, betonte Ditt. Es folgen Italiener (5,9 Prozent) und Türken (5,3 Prozent).
71 Prozent der erstmals registrierten Drogenabhängigen waren Männer. Nur 27 Prozent stammten direkt aus Frankfurt, 30,3 Prozent kamen aus Hessen (ohne Frankfurt), 12,2 Prozent waren obdachlos. Die anderen Rauschgiftsüchtigen waren aus anderen Bundesländern angereist.
Aufschlüsse darüber, wie viele Jugendliche 1992 tatsächlich drogenabhängig wurden, gibt die Statistik nach Angaben von Ditt nicht: "Der überwiegende Teil derjenigen, die erstmals registriert wurden, war schon mehrere Jahre abhängig." Fast alle seien über zwanzig Jahre alt gewesen. Eine Statistik, aus der sich ablesen lasse, ob die Zahl der Konsumenten zu- oder abgenommen habe, gebe es nicht. Der übliche Begriff "Erstkonsument" sei irreführend, weil der Eindruck erweckt werde, daß hier jemand zum ersten Mal zur Droge greife. Er selbst spreche lieber von "Erst-Registrierten". Eine solche Registrierung erfolgt, wenn ein Rauschgiftabhängiger als Straftäter oder als Toter erfaßt wird.
Für die vorangegangenen Jahre liegen nur die absoluten Zahlen der "Erst-Registrierten" ohne Differenzierung vor. "Wir besitzen keinen Computer, wir müssen das alles über Karteikärtchen machen." Danach wurden 1991 mit 900 Drogenabhängigen praktisch ebenso viele erstmals aktenkundig wie 1992. 1990 waren es 577 und 1989 434 Drogenabhängige. Der Sprung von 1990 nach 1991 sei im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß die Polizei "wesentlich mehr Personal" zur Verfügung hatte, erklärte Ditt. "Wie viele erfaßt werden, hängt ganz entscheidend von der Polizeidichte ab."
Während bei den "Erst-Registrierten" der Schwerpunkt immer noch beim Heroin gelegen habe, gewinne bei den bereits bekannten Drogenabhängigen das Kokain immer mehr an Bedeutung. Kokain sei inzwischen auch bei Heroinabhängigen "populär". ft
Das Ganze dauerte nicht länger als zwei Minuten. "Um zehn Uhr zwanzig kam Louis Capet an der Hinrichtungsstätte an, stieg vom Karren herunter und wurde auf das Schafott geführt. Die Exekution wurde ohne Verzögerung um zehn Uhr zweiundzwanzig ausgeführt. Sein Kopf wurde dem Volk gezeigt", heißt es in dem amtlichen Protokoll, das Funktionäre der Revolution aufsetzten. Aus der Menge, die auf dem Platz, der heute Von Hans-Hagen Bremer (Paris) Place de la Concorde heißt, dem Ereignis der Hinrichtung des Königs Ludwig XVI. beiwohnte, wurden Rufe "Es lebe die Republik!" laut. Viele drängelten sich nach vorn, um ihre Taschentücher im Blut des geköpften Monarchen zu tränken.
In dieser makabren Jagd auf Souvenirs liegt möglicherweise die Wurzel einer noch abstoßenderen Art, in der die den Schrecken der Revolution entkommene Bourgeoisie zur Zeit des Direktoriums den Tag beging, an dem der "Tyrann Capet" unter die Guillotine kam - bei einem Festschmaus mit "Kalbshirn in Kräutertunke". Diese Geschmacklosigkeit wurde, wie die linke Pariser Wochenzeitschrift Le nouvel observateur in Erinnerung ruft, aus dem England Cromwells importiert, das bekanntlich mit der Hinrichtung Karls I. den ersten Königsmord der neueren Zeit auf dem Gewissen hat.
Erschien der Brauch manchen Zeitgenossen schon damals als exzessiv, so ließ man davon doch erst ab, als er unter dem Zeichen der Restauration als unpassend empfunden wurde. Seither hüllt Frankreich sich am 21. Januar in Schweigen. Für den "Erben von 13 Jahrhunderten französischen Königtums", den der revolutionäre Konvent mit einer, wie der Strafverteidiger Paul Lombar in einem Buch behauptet, manipulierten Mehrheit von einer Stimme unter das Fallbein schickte, um die Herrschaft des Volkes für immer zu verankern, gibt es im Gedenkkalender der Republik keinen Platz. Ein Reiterstandbild Ludwigs XIV., des Sonnenkönigs, ziert den Victoire-Platz in Paris. Nach ihm ist eines der berühmten Gymnasien der Hauptstadt benannt. An seinen unglücklichen Nachfolger erinnert nur ein verwittertes Straßenschild am Concorde-Platz sowie ein Denkmal in der Stadt Nantes. Sein Tod wurde von den Revolutionären als notwendig erachtet, um die Wiederherstellung der Monarchie zu verhindern, lernen französische Schulkinder im Geschichtsunterricht. Seiner zu gedenken ist Sache von Royalisten, die von der Rückkehr eines Mitgliedes der weit verzweigten und untereinander zerstrittenen Bourbonen-Familie auf den Thron träumen, sowie einer Zahl von ultrakonservativen Schriftstellern und Publizisten, die aus dem vor 200 Jahre exekutierten Todesurteil gegen den König Kapital für den politischen Kampf von heute zu schlagen versuchen.
Prozeß und Hinrichtung Ludwigs bezeichnet Jean d'Ormesson, Mitglied der Académie française und Leitartikler des rechtsgewirkten Figaro-Magazins, als Anfang eines "Staatsterrorismus", wie er später in der stalinistischen Sowjetunion, in Nazi-Deutschland, in Iran der Mullahs oder "vor unseren Augen" in Serbien traurige Höhepunkte erreicht hat. Es sei "schwierig", meint er, die Unmenschlichkeit eines Milosevic, eines Saddam Hussein oder eines Ghaddafi zu verurteilen und den Terror Robespierres gutzuheißen. Nach den Revolutionsfeierlichkeiten von 1989 kann er nicht anders, als das Schweigen der Regierung in diesem Januar als "beteubend" zu empfinden.
"Die Affäre König Ludwigs XVI. stört immer noch", schreibt das Nachrichtenmagazin L'Express. Die Konkurrenz Le Point zählt das Ende des Königs - neben dem Kollaborationsregime von Vichy - zu Ereignissen in der Geschichte Frankreichs, "die das nationale Bewußtsein immer noch nicht verarbeitet hat". Diese Ansicht wird von den Erfahrungen gestützt, die Jean Raspeil, ein weit rechts beheimateter Schriftsteller, mit dem von ihm ins Leben gerufenen "Nationalen Komitee für die Gedenkfeiern zum zweihundertsten Todestag von König Ludwig XVI." gemacht hat. Zu den Mitgliedern des Ausschusses zählen Persönlichkeiten, die weit davon entfernt sind, als Royalisten oder Le Pen-Anhänger zu gelten: das Akademiemitglied Jean-François Deniau, ein früherer EG-Kommissar und Minister; General Alain de Boisseu, der Schwiegersohn de Gaulles; der ehemalige Arbeitgeberpräsident François Ceyrac; der Schriftsteller Vladimir Volkoff oder der Schauspieler Jacques Dufilho.
Der vom Figaro veröffentlichte Aufruf des Raspail-Komitees für eine "weite nationale Bewegung" blieb ohne Echo. Weder vom Präsidenten der Republik noch vom Premierminister erhielt Raspail eine Zusage zur Teilnahme an den zum 21. Januar geplanten Gedenkfeiern. Der Polizeipräfekt der Hauptstadt weigerte sich, den Concorde-Platz für eine große Kundgebung sperren zu lassen. Der Pariser Erzbischof, Kardinal Lustiger, versagte sich dem Wunsch, in der Kathedrale von Notre-Dame eine "nationale Messe" lesen zu lassen. Und auch der Großrabbiner von Paris, Alain Goldmann, zog seine ursprünglich verheißene Teilnahme wieder zurück. Dagegen schlossen sich prominente Vertreter der protestantischen und jüdischen Gemeinden Frankreichs dem Komitee ausdrücklich an, weil sie sich, wie das Akademiemitglied Maurice Rheims, ein aus dem Elsaß stammender Jude, sagt, Ludwig XVI. dafür "verbunden" fühlen, daß er schon zwei Jahre vor dem Sturm auf die Bastille ein Toleranzedikt erließ, das Protestanten und Juden Glaubensfreiheit und Bürgerrechte zusicherte.
Neun von zehn Franzosen würden laut einer neuen Umfrage Ludwig XVI. heute nicht mehr aufs Schafott schicken. Wie weit dies auf eine Rehabilitierung des wegen angeblicher "Verbrechen zur Errichtung der Tyrannei und zur Vernichtung der Nation" verurteilten Königs beim Volk schließen läßt, ist freilich eine andere Frage. Die Franzosen, meint Le Point, wollten nicht soweit gehen, den Prozeß mit einem posthumen Freispruch für den Monarchen und einer nachträglichen Verurteilung der Königsmörder "umzukehren und damit die Republik zu demütigen".
BONN, 20. Januar. Die Bestechungsaffäre um das Rüstungsprojekt "Lapas" weitet sich aus. Nach Erkenntnissen des Verteidigungsministeriums ist nicht nur das bayerische Luftfahrtunternehmen Grob, sondern auch das beteiligte US-Unternehmen E-Systems in die Affäre verwickelt, war am Mittwoch in Bonn zu erfahren. Außerdem hat die Bonner Staatsanwaltschaft Mitte Dezember offenbar das Büro eines Mitarbeiters der Rüstungsabteilung des Verteidigungsministeriums untersucht, ohne daß Minister Volker Rühe (CDU) und der zuständige Staatssekretär Peter Wichert davon erfahren hätten. Aus dem Rechenschaftsbericht der CSU für 1990 geht hervor, daß Grob zwei Spenden von 55 000 und 50 000 Mark an die CSU gezahlt hat. Die SPD erwägt die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses, der klären soll, ob CSU-Politiker beteiligt waren.
Rühe berichtete dem Verteidigungsausschuß und dem Haushaltsausschuß des Bundestages am Mittwoch über den Stand der hausinternen Untersuchungen. Er hatte die für vorigen Freitag vorgesehene Unterzeichnung des Vertrages über sogenannte Langläuferteile für das Aufklärungsflugzeug "Lapas" mit den US- Partnern kurzfristig abgesagt, nachdem Hausdurchsuchungen der Bonner Staatsanwaltschaft bei der Firma Grob und dem früheren Luftwaffeninspekteur Eberhard Eimler bekanntgeworden waren. Eimler hat inzwischen zugegeben, nach seinem Ausscheiden aus dem Verteidigungsministerium für Silvester 1988 eine Einladung des mit ihm befreundeten Firmeninhabers Burkhart Grob nach Brasilien angenommen zu haben. Er bestreitet jedoch, Einfluß auf das "Lapas"- Projekt genommen zu haben.
Der Verdacht, daß in Zusammenhang mit dem Milliardenprojekt "Lapas" Bestechungsgelder geflossen sein könnten, geht auf eine Strafanzeige des Bundesverteidigungsministeriums aus dem Jahre 1989 zurück. Seitdem ermittelt die Bonner Staatsanwaltschaft gegen den früheren Regierungsdirektor Norbert Gilles. Er wird illegaler Geschäfte bei der Beschaffung des Stör- und Täuschsenders "Zerberus" für den Jagdbomber "Tornado" verdächtigt. Auch dem 1988 pensionierten Gilles soll Grob eine Südamerikareise finanziert haben. Darüber hinaus hat er sich angeblich von E-Systems eine Texasreise bezahlen lassen.
Im Juni vergangenen Jahres habe Firmenchef Grob in einem Gespräch mit Staatssekretär Wichert versichert, daß es sich bei der Brasilienreise für Gilles um eine "einmalige Verfehlung" gehandelt habe, heißt es im Ministerium. Als es im November erfuhr, daß Grob auch Eimler eine Brasilienreise bezahlt habe, wurde der Vertrag mit dem Unternehmen am 2. Dezember geändert. Grob mußte sich mit einer Vertragsstrafe von zehn Prozent einverstanden erklären, um sicherzustellen, daß keine unerwünschten "Zuwendungen" mehr erfolgten. Danach seien keine weiteren Verdachtsmomente aufgetaucht, heißt es im Verteidigungsministerium. Deshalb habe Rühe im Dezember im Haushalts- und im Verteidigungsausschuß auf Freigabe der 377 Millionen Mark für die "Lapas"-Langläuferteile gedrungen. Von der im selben Monat erfolgten Bürodurchsuchung in der Rüstungsabteilung wußte die politische Führung der Hardthöhe offenbar nichts. Erst als vergangene Woche die Hausdurchsuchungen bei Grob und Eimler bekannt wurden, stoppte Rühe das Projekt erneut.
Eine endgültige Entscheidung über das umstrittene Drei-Milliarden-Projekt will Rühe vom Ergebnis weiterer Ermittlungen abhängig machen. Zunächst müsse eine mögliche Verwicklung des US-Unternehmens E-Systems sowie das Ausmaß der Anschuldigungen gegen Gilles und Grob geklärt werden. Er werde sich auch durch eine mögliche Verteuerung des mit der US-Regierung vereinbarten, bis zum 15. Januar befristeten Festpreises nicht unter Druck setzen lassen.
Die Sozialdemokraten wollen zusätzlich geklärt wissen, ob CSU-Politiker das "Lapas"-Projekt in unzulässiger Weise gefördert haben. Zu den heftigsten "Lapas"- Befürwortern gehört der CSU-Bundestagsabgeordnete Kurt Rossmanith. Die Firma Grob hat ihren Sitz in Mindelheim im Allgäu, dem Wahlkreis Rossmaniths. In der Nähe wohnt auch CSU-Chef und Bundesfinanzminister Theo Waigel.
The Moon XXXXXXXXXX
Polizei sucht Hinweise
Die Polizei (Telefon 755-40 11) sucht nach Zeugen, die Hinweise über eine 30- bis 35jährige Frau geben können, die im Dezember im Krankenhaus gestorben ist. Sie war 1,70 Meter groß, schlank, hatte lange schwarze Haare und braune Augen. An rechten Unterarm war ein blaues Herz mit dem Buchstaben "B" und am linken Unterarm eine Blume tätowiert. Nach den Ermittlungen der Polizei verkehrte die Frau im Bahnhofsviertel und hatte eventuell Kontakte nach Hanau.
Sie wurde am Dienstag, 8. Dezember, von einem Frankfurter in Sachsenhausen vor dem Kino "Harmonie" beobachtet, wie sie auf dem Gehweg umherwankte. Der Mann bot ihr an, die Nacht in seiner Bornheimer Wohnung zu verbringen. Als sich ihr Zustand verschlechterte, rief er den Notarzt, der sie ins Krankenhaus brachte. Dort starb sie. mat
vs KALKAR. Der gescheiterte "Schnelle Brüter" in Kalkar wird nicht in ein konventionelles Kraftwerk umgebaut. Vertreter der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE) und der Siemens-Tochter Interatom erklärten zwar, daß eine solche Umrüstung "technisch machbar" sei. Für die Energieunternehmen rechne sich aber ein solcher Umbau nicht, weil es weder jetzt noch in absehbarer Zukunft Abnehmer für den in Kalkar produzierten Strom gebe.
Der Bürgermeister der Stadt Kalkar, Karl van Dornick, zeigt sich über diese Erklärung der Brüter-Besitzer tief enttäuscht. Falls es bei dieser Feststellung bleibe, werde es im Rat der Stadt Kalkar eine Mehrheit für den Abriß des gescheiterten Atomprojekts geben, meint er. Stadtdirektor Rainer Jürgenliemk hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, daß die Stadt auf einem Abriß des Betonklotzes beharren werde, falls dort ein "betriebsfertiges Öl- oder Gaskraftwerk" eingerichtet würde.
Nach den Planungen der Energiekonzerne hätte der Schnelle Brüter jährlich 300 Megawatt Elektrizität produzieren sollen. Kritiker des Atommeilers hatten immer behauptet, daß es für solche Strommengen in diesem Gebiet überhaupt keine Verwendung gibt.
Kurz gemeldet
"Sicherheit in Frankfurt" Welche Antworten liefert die Politik zum Problem "Sicherheit in Frankfurt?" Eine Frage, der am Sonntag, 24. Januar, von 19.30 Uhr an im Club Voltaire nachgegangen wird. Zu der Debatte hat der Arbeitskreis "Politische Theorie" im SPD- Unterbezirk Frankfurt den Stadtrat Joachim Vandreike, Manfred Bauer von der Abteilung Jugendkoordination der Kriminalpolizei, den Journalisten Marc Frey und einen Jugendlichen aus Griesheim eingeladen. Gartenbad Fechenheim geschlossen Das Gartenbad Fechenheim wird wegen Grundreinigung und dringender Reparaturarbeiten im Schwimmbecken vom 25. Januar bis zum 6. Februar geschlossen.Kulturkreis bietet mehr als Kurse und Konzerte
EPPSTEIN. Führungen und Reisen, Seminare und Sprachkurse, Arbeitskreise und Angebote für Kinder: Der Kulturkreis Eppstein legt sein Frühjahrsprogramm vor. Das Faltblatt wird an alle Haushalte verteilt und liegt auch in den Verwaltungsstellen und Geschäften aus.
Zu den "Höhepunkten" im Programm zählt laut Kulturkreis die Ausstellung der Preisträger des Künstlerwettbewerbs 1992 - zu sehen ab 7. Mai im Rathaus I. Im musikalischen Bereich sei ein Konzert am Sonntag, 23. Mai, ein Bonbon: Der russische Pianist Adnrej Hoteev gastiert mit einem Tschaikowsky-Abend.
Auch bei den Burgfestspielen werde dem Publikum einiges geboten - zum Beispiel Folk-Konzert und Jazz-Matinee im Burghof. Wer nicht nur zuhören will, sondern auch mitmachen, habe dazu in den Arbeitsgruppen vom Sprachen- Stammtisch über Literaturkreis bis zur Fotogruppe Gelegenheit. "Krach auf dem Hof" und andere Theaterstücke stehen auf dem Kinder-Spielplan, Dia-Vorträge führen ins Périgord und nach Alaska.
Wer mehr unterscheiden lernen will als den Trockenen vom Süßen, kann das bei einem "Wochenende beim Winzer" im Mai erlernen. Und auch bei der Feier zum 675jährigen Bestehen der Stadt will der Kulturkreis mitwirken. pms
HÖCHST. Die "Kastrierten Philosophen" sahnten viel Spielgeld ab: Beim "Planspiel Börse 1992" der Frankfurter Sparkasse vermehrte die Gruppe von der Paul-Ehrlich-Schule ihr Grundkapital von 100 000 Mark so, daß es immerhin zum 19. Platz langte.
Mehr als 1700 Teilnehmer in 350 Spielgruppen machten mit, trotz der schwierigen Situation am Aktienmarkt machten über die Hälfte aller Depots mit ihren fiktiven Aktien satte Gewinne. gre
Einst war er fast so etwas wie ein Fernsehstar, heute lebt er ganz zurückgezogen und schreibt lieber Romane: Horst Stern, bekannt geworden durch die kritische Sendung "Sterns Stunden". Sein neuestes Buch, "Klint", wird er am Sonntag, 24. Januar, bei einer Autoren-Matinee in der Zeilgalerie vorstellen, zu der auch Hessens Umweltminister Joschka Fischer und Alexander Gauland (CDU), der frühere Chef der Wiesbadener Staatskanzlei, als Gäste erwartet werden.
Horst Stern wird kurz aus seinem neuen Buch lesen. Der Lesung, die um 11 Uhr beginnt, schließt sich eine Podiumsdiskussion an, bei der es auch - aber sicher nicht ausschließlich - um Umweltthemen gehen wird, ist doch die Bedrohung unseres Lebensraums immer noch Sterns Hauptthema, auch wenn er sein Anliegen heute in Romanform packt.
Karten für die Autoren-Matinee, die von "les facettes" und der Frankfurter Rundschau veranstaltet wird, gibt es im Vorverkauf (zu den üblichen Ladenöffnungszeiten) und am Sonntag vormittag am Counter auf Ebene 7 der Zeilgalerie, direkt neben dem Ausgang der Rolltreppe. Sie kosten acht Mark für Erwachsene, fünf Mark für Schüler und Studenten. sy
Wer in der Politik besonders schlau sein will, der wird bisweilen Opfer seiner eigenen Taktik. Wie die christliberale Regierung in Bonn. Stück für Stück hat sie in den vergangenen Monaten versucht, die Grenze für Bundeswehreinsätze an der Verfassung vorbei auszudehnen. Die Sozialdemokraten sollten so unter Druck geraten, daß sie - wollen sie nicht als friedenspolitische Ohnemichel dastehen - keine andere Wahl haben, als dem unbeschränkten Einsatz der Bundeswehr zuzustimmen.
Nun ist die Koalition selber unter Druck geraten. Der Einsatz deutscher Soldaten in den AWACS-Aufklärungsflugzeugen über der Adria spaltet Freidemokraten und Christdemokraten tief. Für die einen ist die Teilnahme an Kampfeinsätzen in Ex-Jugoslawien verfassungswidrig, die anderen halten das Mitmachen für eine NATO-Pflicht. So hat sich die Koalition, als sie Deutschland übereifrig für den Adria-Einsatz meldete, einen Konflikt ins Haus geholt, der die eh schon schwierige Politgemeinschaft zerbrechen lassen könnte. Es sei denn, einer fällt um oder, was Kohl und Kinkel am liebsten wäre, die UN verzichten auf militärische Zwangsmaßnahmen in Bosnien.
Die UN werden der Koalition wohl auch aus der Somalia-Falle helfen müssen. Die im Kielwasser der US-Militäraktion versprochene deutsche Truppe wird nun von Rühe an Bedingungen geknüpft, die in dem von Banden geschundenen Land kaum erfüllt werden können. Dem deutschen Ansehen ist dieses konzeptlose, aber großmäulige Taktieren mit dem kleinlauten Ende abträglicher, als eine ernsthafte, offene und eben auch zeitraubende Debatte unter den Deutschen, was sie können und was sie können wollen.
wtr (Bonn)
Der Streit zwischen Personal- und Frauendezernat sowie dem Gesamtpersonalrat der Stadt über die Auslegung des Frauenförderplans wird voraussichtlich auf juristischem Wege entschieden. Eva Backwinkel vom Gesamtpersonalrat erklärte, daß eine Klage gegen die Praxis der Stellenbesetzung in Vorbereitung sei. Dabei soll die Frage der Vertretung im Falle einer Schwangerschaft oder eines Erziehungsurlaubs geklärt werden.
Der Konflikt entstand aus der Dienstvereinbarung zum Frauenförderplan und dem Magistratsbeschluß zur Sperrung freiwerdender Stellen. Im Frauenförderplan heißt es, daß für die Dauer des Mutterschutzes oder des Erziehungsurlaubs "unverzüglich eine Vertretungskraft beschäftigt" wird. Genau dies schließt jedoch die später in Kraft getretene Wiederbesetzungssperre aus.
Das Rechtsamt, so Backwinkel, komme in einer Stellungnahme zu dem Schluß, daß die Dienstvereinbarung Vorrang vor dem Magistratsbeschluß habe, also generell eine Vertretung eingestellt werden müsse. Personaldezernent Joachim Vandreike beharre jedoch auf einer Einzelfallprüfung. Damit sei diese Bestimmung des Frauenförderplans "entleert".
Lothar Schäfer, persönlicher Referent des Personaldezernenten, teilt diese Auffassung nicht. Im vergangenen Jahr seien 311 Stellen bei der Stadt eingespart worden. Gleichzeitig, so Schäfer, wurden 200 Auszubildende übernommen und 400 vakante Stellen freigegeben. Darunter seien auch "sehr viele Schwangerschaftsvertretungen".
Der Frauenförderplan werde also "von überhaupt niemanden in Frage gestellt", erklärte Schäfer. Er verteidigte jedoch die Einzelfallprüfung im Rahmen der Bemühungen, Personal einzusparen: In den Ämtern müsse geklärt werden, ob freiwerdende Stellen tatsächlich noch benötigt würden. Als Beispiel führte Schäfer die Schulreinigung nach der Umstellung von der Sechs- auf die Fünf-Tage-Woche in Gymnasien an. Die Personalbemessung könne dann nicht mehr auf Grundlage der Sechs-Tage-Woche erfolgen.
Auch Renate Blümler vom Frauendezernat weiß von "Hinweisen", nach denen in einigen Ämtern der Frauenförderplan nicht eingehalten werde und "Einsparungen auf Kosten der Frauen" erfolgten. Das Dezernat "wartet jetzt darauf, daß der Personalrat klagt", sagte Blümler zum weiteren Vorgehen. vo
Kleine FR
DRK bittet zum Blutspenden GLASHÜTTEN. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ruft zum Blutspenden auf: Am heutigen Freitag, 22. Januar, werden die freiwilligen Spender zwischen 17 bis 20 Uhr im Bürgerhaus Glashütten zur Ader gelassen. Mitmachen dürfen Leute im Alter zwischen 18 und 65 Jahren.
Sieghard Pawlik ist traurig. Helmut Kohl kann Frankfurt - und damit die Frankfurter - nicht leiden. Wie sonst, so fragt Pawlik in einer Erklärung an die Medien, ist zu erklären, daß der Bundeskanzler unseren Heinz Riesenhuber, den einzigen Minister, der in Frankfurt wohnte und fast jedes zweite Wochenende im Unterliederbacher Familienkreis neue Kraft für Bonn schöpfte, nun ganz nach Hause geschickt hat. Das sei ein schlechtes Signal, schrieb Sieghard Pawlik. Und das Briefpapier unter dieser Passage fühlte sich noch tränenfeucht an.
"Erstmals seit mehr als 20 Jahren sitzt kein Frankfurter Politiker mehr im Bundeskabinett"!!! Damit werde doch deutlich, welchen niedrigen Stellenwert die Union der Mainmetropole einräume. Überhaupt sei Riesenhuber nur deshalb so rüde aus dem Ministersessel gestoßen worden, weil er für einen Baden-Württemberger Platz machen sollte. Das zeige mal wieder wie schwach die Position der Frankfurter Christdemokraten doch sei.
Pawlik ist Vorsitzender der Frankfurter SPD. Und nun könnte man meinen, einigen Politikern sei keine Krokodilsträne zu falsch und keine Erklärung zu billig, wenn nur der politischen Konkurrenz - vermeintlich - eins ausgewischt werden kann. Doch da täte man dem Sieghard Pawlik unrecht. Der Mann ist sicher in echter Sorge um die Frankfurter und vor allem natürlich um die hiesige CDU. cg
Das Bundesverdienstkreuz am Bande erhält am Freitag, 22. Januar, Rechtsanwalt und Notar Alexander Rasor. Bürgermeister Hans-Jürgen Moog wird die Auszeichnung im Limpurgsaal des Römer überreichen.
Alexander Rasor (Jahrgang 1922) hat sich in seinem Berufsleben einen bedeutenden Ruf als führender Zivilrechtler sowohl bei Gericht wie auch in vielen Beratungsgremien erworben. Neben der Berufsausübung aber hat er sich über Jahrzehnte in zahlreichen ehren- und nebenamtlichen Tätigkeiten für Belange der Öffentlichkeit eingesetzt. pia
Das Jugendamt der Stadt Frankfurt lädt in den Osterferien vom 3. bis 15. April wieder 14- bis 16jährige Frankfurter Jugendliche zum Skifahren im Hochgebirge am Spitzingsee ein. Anmeldungen werden ab sofort von 8 bis 12 Uhr im Jugendamt (Zeil 57, 1. Stock, Zimmer 107) entgegengenommen. Bei der Anmeldung sind 50 Mark zu überweisen. Der Skiurlaub kostet 805 Mark. Enthalten sind in diesem Beitrag Fahrt, Unterkunft, Verpflegung, Skikursgebühr, die Kosten für den Skilift und das Veranstaltungsgeld für Ausflüge. Eine Ermäßigung kann in bestimmten Fällen gewährt werden.
Das jüngst renovierte Ferienhaus der Stadt Frankfurt liegt 1100 Meter hoch in den Bayerischen Alpen.
Bei entsprechendem Interesse kann alternativ auch ein Snowboardkurs angeboten werden. Ein geschultes Betreuerteam steht den Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite. pia
"Soviel ich weiß, ist es im Evangelium nicht vorgesehen, daß die Kirche ewig den kapitalistischen Staat unterstützen muß", sagt Erich Honecker auf S. 5.
38 Listen mit 640 Unterschriften haben die Studienanfänger des Fachbereichs Sozialarbeit an der Fachhochschule Frankfurt an die Stadtverordnetenversammlung geschickt. Die Unterzeichner fordern die "Öffnung der B-Ebene Hauptwache für Obdachlose in den Wintermonaten". In ihrem Brief ans Römer-Parlament appellieren die Fachhochschüler an "Menschlichkeit und Toleranz" der Abgeordneten.
Die Stadtverordneten müßten zudem noch mehr tun, die kommunalen Hilfsmöglichkeiten "voll ausschöpfen", Wohnraumzweckentfremdung restriktiv verfolgen und ausreichend "bezahlbare Wohnungen" bauen lassen. peh
ESCHBORN. Still, fast meditativ ist der Raum, den Ottmar Schnee mit seinen Objekten im Eschborner Museum gestaltet hat. Streng geordnet, fast unbeweglich und glatt wirken seine Gegenstände, die dazu einladen, sie zu durchdringen und gleichzeitig einem allzu hastigen Betrachter einen Stolperstein in den Weg legen. Eine rechteckige kleine Figur erhebt sich auf einem Sockel mitten im Weg, stoppt die Schritte der Besucher ab und bietet zugleich die erste Gelegenheit, auf Entdeckungsreise zu gehen. Blaue, rote und gelbe Blättchen liegen zwischen weißen in der Marmorfigur. Scheinbar nur von außen zu betrachten. Doch rote, gelbe und blaue Flächen zeigen sich auch in drei Monitoren, die an der Wand stehen und die verborgenen Inhalte der Marmorsäule durchscheinend machen.
"Was sie hier nicht sehen, sehen sie da", schlußfolgert ein Besucher und blickt von der Säule zum Monitor. Ottmar Schnee ist überzeugt: "Alle Dinge sind ganz einfach nachzuvollziehen." "Focus" zum Beispiel. Keine Reklame für das neue Nachrichtenmagazin, sondern Fotopapier, auf dem ein Streifen mal nach rechts, mal nach links auswandert, um schließlich seine Mitte zu finden. Oder der kleine Monitor, auf dem langsam ein Film mit Farbplättchen leicht ruckartig dahinzieht.
Eine Schnecke und ein Stapel voller Farbblätter liegen auf den Säulen links und rechts daneben. "Der Film läuft nach dem Prinzip der Fibonacci-Reihung, einem Mathematiker und Alchemisten aus dem Mittelalter", so Ottmar Schnee. Nach dem Prinzip dieser Reihung seien sehr viele Dinge des Lebens mathematisch erklärbar, der Aufbau der Muschel ebenso wie ein Spiralnebel, die sich beide aus dem Kleinen ins Große entwickeln.
"Die Ausstellung wird in Eschborn sicher Diskussionen auslösen", ist Bürgermeister Martin Herkströter (CDU) überzeugt. Und auch Roland Hoede vom Historischen Museum in Frankfurt meint in seiner Einführung, Ottmar Schnee biete keine "augapfelfreundliche Kunst". Fotopapier, Zelluloid und elektromagnetische Impulse seien seine Materialien, Kamera, Projektor, Monitor und Fotopapier seine Medien.
Und dennoch: "Als die Bilder laufen lernten - da haben sie sich verirrt." Schnee versuche, "uns aus dem Irrgarten der visuellen Medien zurückzuführen auf die Grundidee seiner Werkstoffe, auf Licht und Zeit."
Die sehenswerte Ausstellung "Licht Zeit / A" ist dienstags und samstags von 15 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr und sonntags zwischen 11 und 12.30 und 14 bis 18 Uhr zu sehen. she
1,9 Kilogramm Haschisch sind am späten Nachmittag von Polizeibeamten in einem Versteck an einer Grünanlage in der Nähe der Eckenheimer Landstraße gefunden worden. Die Beamten hatten zuvor beobachtet, wie vier Männer in der Nähe vermutlich ein Rauschgiftgeschäft abwickeln wollten.
Gegen 16.30 Uhr nahmen sie schließlich einen 18- und einen 25jährigen fest, die beide ohne festen Wohnsitz sind. Von diesen beiden nimmt die Polizei an, daß sie die Verkäufer des Rauschgifts sind. Die beiden Käufer, beide 19 Jahre alt und aus Wiesbaden sowie Eltville kommend, wurden ebenfalls festgenommen.
Das Geschäft zwischen den Männern war von dem 25jährigen eingefädelt worden: Während er mit den 19jährigen verhandelte, beobachteten Zeugen, wie sich der 18jährige an dem Versteck zu schaffen machte. Als die Polizei eingriff, versuchte er zunächst zu fliehen. ing
vs DÜSSELDORF, 20 Januar. Die nordrhein-westfälische SPD hat Behauptungen widerrufen, sie habe keine Spende von der Unternehmsgruppe Bast-Bau erhalten. In deren Firmenzeitschrift hatte die Landesbauministerin Ilse Brusis (SPD) nach dem Zeitpunkt der Zahlung die Firma gelobt. (Weiterer Bericht S. 4)
FRANKFURT A. M. (FR). Bei den Heizölpreisen sind jetzt auch die letzten Spuren der Kälte-Welle von Anfang Januar verschwunden.
Die Notierungen dieser Tabelle haben Händler der Frankfurter Industrie- und Handelskammer gemeldet. Sie entsprechen mit Kunden gestern und vorgestern abgeschlossenen Geschäften (in Klammern Vorwoche):
DM DM
Die am 20. Januar gemeldeten Preise verstehen sich je 100 Liter "frei Verwendertank im Bereich von 20 Straßenkilometern Abstand Mitte Frankfurt an eine Abladestelle", einschließlich 15 Prozent Mehrwertsteuer.
Das Weltbild der Republikaner ist einfach gestrickt - glatt rechts. Eine Demo kritischer Geister gegen ihre Veranstaltung in der städtischen Galatea-Anlage? Einfach nicht genehmigen - "somit wäre das Problem gelöst". Das Recht auf freie Meinungsäußerung, das sie selbst für sich in Anspruch nehmen, soll Andersdenkenden verwehrt werden. Schlimmer noch: Ausländern, von rechtsextremen Gesinnungsgenossen gehetzt und bedroht, wollen sie ebenfalls den Mund verbieten. Nach ihrer Logik würde es genügen, wenn sie bestimmen, wer in dieser Stadt das Sagen hat. Ein seltsames Demokratieverständnis von Gemütern, genauso schlicht wie das Muster auf der Nadel: eben einfach glatt rechts. MARGIT FEHLINGER
sp HANNOVER, 20. Januar 1993. Beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg begann am Mittwoch die Verhandlung über eine im Namen von 12 500 Atomkraftgegnern erhobene Klage gegen die erste Teilerrichtungsgenehmigung für die Konditionierungsanlage in Gorleben. In dieser Anlage, deren Rohbau schon großenteils fertiggestellt ist, sollen abgebrannte Brennstäbe aus Atomkraftwerken zerkleinert und für die Endlagerung verpackt werden. Beklagt ist das Land Niedersachsen als Genehmigungsbehörde. Obwohl sich die jetzt regierenden Sozialdemokraten und Grünen in der Koalitionsvereinbarung gegen das Projekt ausgesprochen hatten, griff der Regierungsvertreter in der Verhandlung am Mittwoch die Argumente der Kläger nicht auf, die unter anderem geltend machten, daß trotz bindender EG-Vorschriften bisher im Genehmigungsverfahren keine Umweltverträglichkeitsprüfung stattgefunden habe. Die Landesregierung hatte wiederholt öffentlich den Standpunkt vertreten, Gorleben sei als Endlager- Standort ungeeignet, eine Konditionierungsanlage müsse aber in unmittelbarer Nähe des Endlagers entstehen, so daß sie nicht in Gorleben gebaut werden dürfe. Vor Gericht verzichtete die Regierung auf derartige Erklärungen. Die Entscheidung der Richter wird für den heutigen Donnerstag erwartet.
Die Falkschule in der Ludwigstraße bekommt eine 15 mal 27 Meter große Sporthalle. Darüber entsteht ein dreistöckiges Gebäude mit Fachräumen für Biologie, Chemie, Musik sowie eine Bibliothek. Insgesamt kommen knapp 1000 Quadratmeter an Nutzfläche für die Realschule am Polizeipräsidium hinzu. Das teilte Günter Jung vom Stadtschulamt beim jüngsten Treffen des Ortsbeirats 1 (Bahnhof, Innenstadt, Gallus, Gutleut) mit. Den Bautermin konnte der Beamte noch nicht nennen. Das Projekt befindet sich derzeit in der Vorplanung.
Der Ortsbeirat wird deshalb in einer der kommenden Sitzungen beantragen, den Neubau der Realschule in das städtische Investitionsprogramm für 1994 aufzunehmen. Die Anmeldefrist läuft im April ab. Schulleitung und Ortsbeirat werden sich also noch einige Jahre gedulden müssen. Aber immerhin: Es tut sich etwas. "Wir warten ja schon seit 20 Jahren auf die Sporthalle", erzählte CDU- Stadtverordneter Oswald Zöttlein.
Das enge Grundstück der Falkschule bereitete den Verantwortlichen der Stadt schon in der Vorplanung Kopfzerbrechen. Als Standort für die Sporthalle kommt derzeit nur die am Polizeipräsidium angrenzende Seite des Schulhofs in Frage. "Unter der anderen Hälfte liegen Starkstromkabel", berichtete Jung, "wegen einer Verlegung der Kabel verhandeln wir aber noch mit den Stadtwerken." Und an der Hohenstaufenstraße kann auch nicht gebaut werden. Jung: "Das Schulgebäude steht unter Denkmalschutz." cob
BAD HOMBURG. Gegen den Start der "Rallye Monte Carlo" heute abend vor dem Kurhaus will die Bad Homburger Naturschutzjugend demonstrieren. "In Anbetracht der Tatsache, daß der Verkehr in den letzten Jahren enorm zugenommen hat und daß wir mit den Problemen, die dadurch entstehen, nicht mehr so recht fertig werden, meinen wir, daß wir uns einfach keinen Motorsport mehr leisten können", heißt es in einem gestern veröffentlichen Aufruf zur Demonstration am Start kurz nach 18 Uhr.
Autorallyes würden den Wunsch zum Autofahren und zu immer höheren Geschwindigketen weiter steigern, argumentieren die Naturschützer. Das Wissen um die zahlreichen Verkehrstoten und die Umweltschäden werde durch solche Veranstaltungen unverantwortlich in den Hintergrund gedrängt. che
"Es hapert an überhaupt nix", raunzt Theo Waigel die Journalisten an, die wissen wollen, wie in der CDU/CSU- Fraktion sein "Föderales Konsolidierungsprogramm" ankomme. Da drinnen, sagt der Finanzminister, seien eben 300 Gewählte, die ihre Meinung sagen wollten. Konstruktiv gehe es zu; bisher sei "überhaupt noch kein unguter Ton gefallen". Das sollte sich noch ändern.
Und gehapert hat es auch an manchem. So sauer waren die Unionsabge- Von Peter Ziller (Bonn) ordneten über die späte Zustellung des 50 Seiten starken Grundlagenpapiers für den vielbeschworenen Solidarpakt, daß die eigentlich vorgesehene Abstimmung über die Vorlage, die den Wählern höhere Abgaben und herbe Einschnitte bei Sozialleistungen androht, auf Mittwochnacht verschoben wurde. Versteckte Mängel hatte die Vorlage darüber hinaus - was die Abgeordneten freilich beim besten Willen nicht merken konnten. Wie sollten sie auch ahnen, daß das Finanzministerium den Kollegen von der FDP ein abweichendes Konzept zugestellt hatte.
So waren die Liberalen Dienstagnacht einerseits ein bißchen schlauer, andererseits ein wenig ahnungsloser. Die FDP- Abgeordneten konnten ihrer Vorlage immerhin entnehmen, wie kostspielig die Solidaritätsabgabe, die Waigel von 1995 an beansprucht, ausfallen könnte. "Vorgesehen ist ein - mittelfristig zu überprüfender - Zuschlag zur Lohn-, Einkommen- und Körperschaftsteuer für alle Steuerpflichtigen mit einem Volumen von zwölf Milliarden Mark." Was, wie jeder ausrechnen kann, auf einen Zuschlag von rund vier Prozent auf die Steuern hinausläuft. Im Papier für die CDU-Fraktion ist nach dem Wort "Steuerpflichtigen" freilich Schluß. Dafür ziert "ihr Programm" eine Anlage, die das Wachstum des Bundeshaushaltes für 1994 mit satten 6,5 Prozent angibt. Zur Erinnerung: Noch vor wenigen Wochen hatte Waigel beteuert: Mittelfristig kletterten die Bonner Ausgaben um weniger als drei Prozent jährlich. Dieser "Schocker" blieb den schon mit dem relativ moderaten Solidaritätszuschlag gehätschelten Liberalen erspart.
"Als sehr ruhig" wird der Verlauf der Aussprache zu Solidarpakt und Nachtragshaushalt von Liberalen beschrieben. Sich einzelnen Gruppen verpflichtet fühlende Fraktionskollegen hätten angemerkt, daß es wieder mal die Bauern oder wen auch immer am härtesten träfe. Mehr Aufmerksamkeit erregte der Hinweis von Fraktionschef Otto Solms, das alles würde eventuell nicht ausreichen.
Diese Einschätzung wird von Zuarbeitern der SPD-Finanzexpertin Irgrid Matthäus-Maier geteilt: "Dies ist nicht der letzte Nachtragshaushalt, den wir für 1993 beraten." Falls die Konjunkturwende nicht bald eintrete, reiche der Ansatz für die Bundesanstalt für Arbeit hinten und vorne nicht. Die Finanzplanung taugt nach Ansicht der Opposition ohnehin nur als Schmierpapier. Statt 115 Milliarden Mark Neuverschuldung bis 1996, gestehe der Finanzminister jetzt, daß er rund 200 Milliarden zusätzlich pumpen müsse.
Für Matthäus-Maier gehört das gesamte Konsolidierungspaket in den Papierkorb. Mit Solidarpakt habe dies nichts zu tun: "Der Aufbau Ost kommt hier glatt unter die Räder." Dafür würden entgegen allen Versprechungen erneut die Steuern erhöht, und das "Sparen ist ganz überwiegend sozial ungerecht verteilt". Waigels Aussage, die Kürzungen und steuerlichen Einschnitte würden zu "mehr als 70 Prozent" auf die obere Hälfte der Einkommensbezieher entfallen, nennt Matthäus-Maier "nicht nachvollziehbar und unglaubwürdig."
Ringen die Koalitionsparteien sich nicht in letzter Minute zu einem Kurswechsel durch, ist für Oskar Lafontaine die Sache gelaufen. "Ohne Beseitigung der sozialen Schieflage bei der Finanzierung der Einheit" werde es keinen Solidarpakt mit seiner Partei geben, sagt der als Koordinator der SPD-Bundesländer eingesetzte saarländische Ministerpräsident. Er packt die Forderungen der Opposition auf den Tisch: Arbeitsmarktabgabe für Beamte und Selbständige, Ergänzungsabgabe für Besserverdienende, kein Abkassieren bei Einkommensschwachen.
Unionsabgeordnete, die aus ihrer Enttäuschung über Waigels Angebot keinen Hehl machen, wären mit sehr viel weniger zufrieden. Alarmiert waren teilweise noch Dienstagnacht Ost-Abgeordnete, die Arbeitnehmergruppe, Familienpolitiker und Mittelständler zusammengekommen, um zu retten, was zu retten ist. Am Mittwochnachmittag eilten Kundschafter ins Finanzministerium, um die "Praktikabilität" von Alternativvorschlägen prüfen zu lassen. Statt beim Erziehungs- und beim Kindergeld wollten die Sozialpolitiker an anderer Stelle sparen. "Die Kumulation familienbezogener Kürzungen (Wohngeld, Erziehungs- und Kindergeld . .) gefährden die Substanz einer kinderfreundlichen Gesellschaft", warnt Ulf Fink von den Sozialausschüssen. Fink fürchtet um das Image seiner Partei: "Es kann nicht angehen, daß die soziale Gerechtigkeit erst dann einkehrt, wenn die Opposition eingebunden werden soll."
Der sächsische CDU-Abgeordnete Manfred Kolbe hat zu diesem Zeitpunkt schon resigniert. "Im Nachtragshaushalt ist der Aufbau Ost quasi ins Wasser gefallen." Er sei enttäuscht. Wie sein Kollege Johannes Nitsch lobt er, daß bis zu 1,5 Milliarden Mark als Investitionspauschale an die Kommunen in der EX-DDR durchgereicht werden. Kolbe hält dies nicht ausreichend "für eine wirkliche Initialzündung im Osten." Konsterniert erinnert er daran, daß Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf zumindest acht Milliarden Mark zugunsten der Länderhaushalte von Kohl gefordert hatte.
Salz in die Wunde streut das hessische Finanzministerium. Dort ist unvergessen, wie Biedenkopf trotz mehrfacher Drohungen, er werde dem Bundesetat 1993 nicht zustimmen, am 18. Dezember im Bundesrat umfiel. In der Länderkammer ging Biedenkopf, der von den anderen CDU-Ministerpräsidenten bearbeitet und von Kohl mit Bonbons im Nachtragshaushalt geködert worden war, zur großen Frustration der SPD auf Schmusekurs. Begründung: Nun hätten die Ostländer "gewissermaßen den Bundeskanzler als Vermittlungsausschuß gewonnen". Nun gibt's bloß Häme.
Sauer stößt Waigels föderales Konsolidierungspaket auch den Westländern auf. Zwar ist der Bund nun endlich bereit, die finanzielle Verantwortung für den Erblasttilgungsfonds allein zu übernehmen; was ihn von 1995 an jährlich 40 Milliarden Mark für Zinsen und Tilgung kosten wird. Dafür greift Waigel an anderer Stelle zu. Die Länder sollen auf Anteile am Mehrwertsteueraufkommen verzichten, Bonn und Bahn Kosten im Nahverkehr abnehmen sowie einen EG-Obolus entrichten. Kosten: 26 Milliarden Mark.
Die verprellten Ministerpräsidenten in Ost und West fürchtet Kohl freilich ebensowenig wie die SPD. Als er in den 70er Jahren in der Opposition gewesen sei, habe die Union oft auch zunächst "nein" gesagt, um dann zu sehen, wie schwierig es sei, davon wieder runter zu kommen.
FLÖRSHEIM. Die Diebe wollten nur das Autoradio - und steckten gleich den ganzen Opel-Omega in Brand. In der Nacht auf gestern knackten bisher Unbekannte das Fahrzeug in Flörsheim und verschwanden. Die Polizei fand das ausgebrannte Wrack in den Weinbergen zwischen Hochheim und Flörsheim; das Radio war ausgebaut. Die Höhe des angerichteten Schadens ist, so die Polizei, noch nicht bekannt. md
FRANKFURT A. M., 20. Januar (FR). Die Schriftstellerin Christa Wolf ist nach eigener Darstellung von 1959 bis 1962 ohne ihr Wissen vom DDR-Ministerium für Staatssicherheit zunächst als GI (Gesellschaftlicher Informant) und dann als IM (Inoffizieller Mitarbeiter) geführt worden. Sie habe nie eine Verpflichtungserklärung unterzeichnet, schrieb sie weiter in der Berliner Zeitung. Die Vorgänge um Heiner Müller seien für sie der letzte Anstoß gewesen, dies öffentlich zu machen. Sie habe Stasi-Akten eingesehen und die Entdeckung dieses Vorgangs habe sie "völlig unvorbereitet" getroffen.
DARMSTADT. Manch ein Friseursalon, Fahrradhändler oder Reformhaus im Kreis Darmstadt-Dieburg gibt dem Verbraucher ein Beispiel, wie man Abfall vermeiden oder reduzieren kann. Alte Schuhe und Brillen landen nicht mehr beim Abfall, sondern Schuhhändler und Optiker nehmen sie zurück, sammeln fleißig für den Secondhand-Gebrauch in Ländern der Dritten Welt. Marmelade und Honig werden im Pfandglas verkauft; im Teeladen werden die Kunden mit zehn Prozent Rabatt belohnt, die eine Nachfülldose mitbringen.
Anderswo gibt es Shampoo nur aus dem großen Plastikkanister; und ein Supermarktleiter in Weiterstadt, Reinheim oder Bickenbach sagt auf die Frage, in welchem Regal Weichspüler und Getränkedosen zu finden sind: Bei mir nicht.
Ölverschmutzte Putzlappen aus der Autowerkstatt wandern nicht in die Sondermülltonne, sondern werden einer Spezialfirma zum Reinigen überlassen. Nicht zu vergessen: Grünabfälle aus dem Gemüseladen vertilgt der geschäftseigene Mümmelmann. Zum zweiten Mal nach 1991 hat der Kreis Darmstadt-Dieburg den Wettbewerb "Abfallvermeidung im Einzelhandel" ausgeschrieben. Von 46 eingereichten Vorschlägen wurden die verblüffendsten ausgewählt - immerhin waren die 13 Juroren (Bürger, Politiker, Vertreter von Verbraucherberatung, Umweltamt, Industrie- und Handelskammer) gleich von der Hälfte der Ideen überzeugt.
Nicht Angst vor schärferen Vorschriften, sondern Einsicht in die Notwendigkeit hat die Wettbewerbsteilnehmer zum Umdenken angeregt. Obwohl sich einige Supermarktleiter die Weniger-ist-mehr-Strategie zunächst hart erkämpfen mußten: Etwa gegen massive Boykottdrohungen, wenn sie unnötiges Verpackungsmaterial und dicke Packen an Prospekten ablehnten. Sie schreiben ihre Angebote lieber auf Schiefertafeln.
Der Kunde dankt es ihnen, bringt Taschen mit und Eierschachteln, auffüllbare Shampooflaschen und Waschmittelbehälter, Leergut retour gegen Sprudel in neuen Pfandflaschen, kann sich der Lackdosen ohne schlechtes Gewissen entledigen, Altreifen zum Autohaus rollen und sich beim Optiker von Kontaktlinsen-Dosen trennen. Mit gebrauchten Teilen repariert manch ein Fahrradhändler die Drahtesel. Schrauben gibt es im Baumarkt wie früher stückweise aus der Schublade, nicht im Pfundpack und in Plastik eingeschweißt.
Mit Aufklebern und Urkunden belohnt der Kreis die Vorzeige-Geschäftsleute. Die Ideen und die Erfahrungen mit Lieferanten und Käufern wurden vom Kreis in einer Broschüre zusammengefaßt und an alle Einzelhändler mit dem Hinweis verteilt: Pädagogisch sehr wertvoll, zur Nachahmung empfohlen. feu
Nachrichten entstehen weder von selbst, noch werden sie vom Bürgermeister verfaßt. Die Nachrichten, Berichte, Kommentare, Reportagen und Glossen in der Lokal-Rundschau werden von Journalistinnen und Journalisten geschrieben und gestaltet. Wer diese Frauen und Männer sind, lesen Sie heute und in den kommenden Tagen in einer FR-Serie.
Drei Dinge braucht Renate Hoyer, um ihren Beruf als FR-Fotografin ausüben zu können: Kamera, Jeep und Stadtplan. Denn bevor es die 26jährige Rodgauerin Februar 1992 als Bildreporterin in den Hochtaunuskreis verschlug, war sie gerade einmal in Bad Homburg gewesen: als Teenager beim Laternenfest.
Daß sie seit einem knappen Jahr - geländegängig und immer mit einem Finger auf der Landkarte - auf dem Weg zu Fototerminen durch den Taunus düst, war ihr eigentlich gar nicht vorgezeichnet. Der Beruf als Fotografin gehörte zunächst nicht zu ihrer Lebensplanung. Denn nach der Schule ging sie erst als Werkzeugmacherin in die Lehre und studierte anschließend einige Semester Maschinenbau.
Fotografie war freilich auch damals immer dabei - als "Traumberuf im Hinterkopf", sagt sie. Den Umgang mit Auslöser und Entwickler hatte sie übrigens schon während der Schulzeit in einer Foto-AG gelernt. Als ihr dann klar wurde, daß sie nun mal lieber mit Menschen als mit Maschinen zu tun hat, sattelte sie eben um. Und Menschen sind nicht nur im Fotografenberuf ihr wichtigstes Objekt, sondern auch in der Freizeit: Da engagiert sie sich in der Jugendpolitik. FR
JERUSALEM, 20. Januar (Reuter/AFP/ AP). Israels Regierung will auch nach der Legalisierung von Kontakten zur PLO durch das Parlament offenbar keine direkten Gespräche mit der Palästinenserorganisation führen. Ministerpräsident Yitzhak Rabin äußerte sich zurückhaltend zu der Entscheidung vom Dienstag. Er sagte lediglich, das Parlament habe entschieden, und es gebe nun eine neue Rechtslage (Kontakte zur PLO sind für Israelis nicht länger strafbar, d. Red.), dies bedeute aber keine Änderung der Politik der Regierung gegenüber der PLO.
In Tunis hatte zuvor PLO-Sprecher Bassam Abu Scharif das Votum der Knesset "einen neuen, echten und ernsthaften Schritt auf dem Wege zu einem gerechten und umfassenden Frieden in der Region" genannt. Die Sprecherin der palästinensischen Delegation bei der Nahost-Friedenskonferenz, Hanan Aschrawi, sagte, die Entscheidung werde eine bessere Verständigung mit der PLO ermöglichen und somit den Friedensprozeß fördern. Dagegen erklärte das PLO- Führungsmitglied Jassir Abed Rabbo, die Entscheidung der Knesset nütze nichts, wenn Israel nicht auch einem offiziellen Dialog mit der PLO zustimme. Dies hat Rabin bislang stets abgelehnt. Nach den Worten von Justizminister David Libai hat die Parlamentsentscheidung aber auch ohne offizielle Kontakte politische Signalwirkung.
Der UN-Sonderbeauftragte Chinmaya Garekhan hat wegen der noch ausstehenden Entscheidung des israelischen Obersten Gerichtshofes zur Rechtmäßigkeit der Deportation der gut 400 Palästinenser seinen Aufenthalt in Israel verlängert. Nach einem Gespräch mit Außenminister Schimon Peres sagte der Gesandte von UN-Generalsekretär Butros Butros-Ghali ungeduldig, nach Ansicht der UN dauere die Angelegenheit schon zu lange. Butros-Ghali hatte zuvor erklärt, der Sicherheitsrat könne Sanktionen gegen Israel beschließen, wenn es sich der UN-Resolution 799 nicht beuge, die von Israel verlangt, die Deportierten zurückkehren zu lassen. (Kommentar Seite 3)
FRANKFURT A. M. (FR). Die New Yorker Börse startete uneinheitlich. Legte der Dow-Jones-Index zunächst fünf Punkte zu, so notierte er nach einer Stunde 3,51 Punkte niedriger. Tags zuvor hatte der "DJ" mit 3255,99 (minus 18,92) Zählern geschlossen.
Abwärts ging es auch in Japan. Der Nikkei-Index fiel um 288,46 auf einen Schlußstand von 16 510,18 Punkte.
Das Kompromißpapier, das dem Nein der Dänen bei der ersten Volksabstimmung Rechnung tragen sollte, ohne ihre EG-Mitgliedschaft aufs Spiel zu setzen, trägt die Handschrift des designierten Premiers Nyrup Rasmussen. So kann er nun glaubwürdig für ein Ja zu "Maastricht 2" werben.
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Leitartikel Hoffnungsträger Clinton Seite 3
Asyl-Vereinbarung SPD-Fraktion knapp dafür Seite 4
Dokumentation Solidarpakt aus Ost-Sicht Seite 12
Wirtschaft Mehr Ost-Arbeitslose erwartet Seite 13
Sport Krach im Daviscup-Team Seite 16
Frankfurt Wohnungsamt auch für Auswärtige Seite 19
Kulturspiegel Kuli spielt den Kapitän Seite 25
Hessen Weimar-Prozeß vor Neuauflage? Seite 26
Aus aller Welt Dioxin-Grenzwerte gesenkt Seite 32
Roman Seite 9
Fernsehen und Funk Seiten 10/11
Börse Seite 15
Freie Aussprache Seiten 16/31
Filmspiegel Seiten 28/29
HATTERSHEIM. Auch die Stadt Hattersheim soll einen Ortsverband der "Schutzgemeinschaft Deutscher Wald" (SDW) erhalten: Die Gründungsversammlung ist am Donnerstag, dem 28. Januar, um 20 Uhr im evangelischen Gemeindehaus Okriftel (Alte Mainstraße 12, neben der evangelischen Kirche).
"Gäste sind herzlich willkommen", heißt es in der Presse-Mitteilung der Waldschützer. md
Die SPD hat die OB-Kandidatin der CDU, Petra Roth, aufgefordert, ihre "absurde Behauptung" zurückzunehmen, die Kriminalität in Frankfurt sei schlimmer als in New York. Obwohl die Christdemokratin postwendend von der Polizeiführung auf die tatsächlichen Zahlen hingewiesen wurde, sei von ihr bislang noch kein Wort der Rücknahme zu hören gewesen, sagte die stellvertretende SPD- Fraktionsvorsitzende Isa Petersohn.
Petersohn warf Roth vor, mit einer "unsinnigen Angstkampagne" schlechte Stimmung in der Stadt verbreiten zu wollen. Dazu gehöre auch die CDU-Stellungnahme, daß die Verkehrspolitik des rot- grünen Magistrates möglicherweise eine wachsende Zahl von Verkehrstoten zur Folge habe. Die SPD-Politikerin meinte, daß die Unfallzahlen in Frankfurt starken Schwankungen unterworfen und für 1992 noch gar nicht vollständig ausgewertet seien.
Statt auf Wahlkampfplakaten den Menschen Angst vor der Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu machen, solle die CDU den deutlichen Rückgang der Raubkriminalität in den U-Bahnhöfen und in den Zügen zur Kenntnis nehmen, meinte Petersohn. mat
OFFENACH. Die Darmstädter Staatsanwaltschaft sichtete gestern in einer konzertierten Aktion Unterlagen zum S- Bahn-Bau im Tiefbauamt der Stadt Offenbach, in einem Ingenieurbüro und in einer Baufirma, in Darmstadt und Wiesbaden ansässig. Es besteht der Verdacht, daß es bei der Vergabe von Aufträgen für den S-Bahn-Bau zu "Unregelmäßigkeiten und Manipulationen" gekommen ist, berichtet die Staatsanwaltschaft.
Bürgermeister Klaus Bodensohn (CDU) berichtet auf Anfrage, er habe in der vergangenen Woche Hinweise auf "merkwürdige Absprachen" bei der Ausschreibung und Vergabe von Bauaufträgen erhalten und daraufhin sofort die Polizei und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Bodensohn legt auch Wert auf diese Feststellung: "Die Staatsanwaltschaft hat mir versichert, daß nach der ersten Durchsicht der Unterlagen offensichtlich kein städtischer Bediensteter in die Angelegenheit verwickelt ist." Bislang gebe es kein Indiz dafür, daß sich ein städtischer Bediensteter habe bestechen lassen.
Einzelheiten über die "Merkwürdigkeiten" mochten weder Bodensohn noch Planungs- und Personaldezernent Gerhard Grandke (SPD) nennen: "Wir recherchieren noch." Bodensohn vermutet, daß bei der Ausschreibung von Bauaufträgen im Tiefbaubereich unerlaubte Preisabsprachen zwischen Anbietern getroffen worden sein könnten. Weil die Wettbewerber jedoch diese Absprachen über Bauaufträge in Höhe von mehreren Millionen Mark nicht eingehalten haben, sollten sie wahrscheinlich nachträglich in die Angebote manipuliert werden, um doch noch überhöhte Preise erzielen zu können.
Die Aufträge wurden auch noch nicht vergeben, betont Bodensohn. Er sagt: "Durch meinen rechtzeitigen Hinweis an die Polizei und die Staatsanwaltschaft ist noch kein Schaden für die Stadt entstanden. Wir werden nun die Aufträge neu ausschreiben."
Bereits im August 1992 erhielt die Stadt einen anonymen Hinweis über Unregelmäßigkeiten beim S-Bahn-Bau. Er wurde ebenfalls an die Polizei und die Staatsanwaltschaft weitergegeben. Über ein Ergebnis der damaligen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ist im Rathaus nichts bekanntgeworden, berichtet Grandke. Er vermag auch noch nicht zu sagen, ob der neuerliche Tip ein ganz neuer Fall oder im Zusammenhang mit dem alten Hinweis steht. lz
Das Wetter
Wetterlage: Nach kurzer Wetterberuhigung greifen die Ausläufer eines Tiefs südlich von Island auf Mitteleuropa über. Sie führen zunächst milde, später kühlere Luft nach Deutschland. Vorhersage bis Freitag früh: In Norddeutschland zunächst wechselnde Bewölkung und vereinzelt Schauer. Während der zweiten Tageshälfte von Westen her Eintrübung mit Regen und Sprühregen. Im Süden veränderliche Bewölkung mit Aufheiterungen und weitgehend niederschlagsfrei. Temperaturen im Norden tags und nachts um 8 Grad. Im Süden Tageshöchsttemperaturen 7 bis 10 Grad, in Nebelgebieten um 5 Grad. Tiefsttemperaturen um 3 Grad. Gebietsweise in Süddeutschland Frost bis -2 Grad.
Meist mäßiger bis starker, in Böen auch stürmischer Wind aus Südwest bis West. Weitere Aussichten bis Samstag: Windig und regnerisch, etwas kühler.Wetterdaten vom Vortag, 13 Uhr MEZ Ausland Ort Wetter Grad
Algier
wolkenlos 17 Amsterdam
Regen 10 Athen
leicht bewölkt 14 Barcelona
wolkenlos 13 Bordeaux
wolkig 10 Bozen
wolkig 6 Brüssel
Regen 9 Dublin
leicht bewölkt 12 Helsinki
stark bewölkt -1 Innsbruck
wolkig 5 Istanbul
stark bewölkt 6 Kairo
wolkig 18 Larnaka
wolkenlos 17 Las Palmas
leicht bewölkt 20 Lissabon
wolkenlos 11 Locarno
wolkig 6 London
Regen 12 Madrid
leicht bewölkt 10 Malaga
wolkig 15 Mallorca
leicht bewölkt 14 Moskau
bedeckt -2 Neapel
wolkenlos 12 Nizza
leicht bewölkt 13 Paris
stark bewölkt 11 Rom
wolkenlos 13 St. Petersburg
wolkig -3 Stockholm
bedeckt 2 Tunis
leicht bewölkt 13 Varna
wolkenlos 6 Venedig
Nebel 4 Warschau
bedeckt 5 Wien
stark bewölkt 11 Zürich
wolkig 10
Deutschland
Berlin
bedeckt 9 Dresden
bedeckt 10 Feldberg/Ts.
Sprühregen 3 Feldberg/Schw.
in Wolken -1 Frankfurt/M.
stark bewölkt 9 Freiburg
stark bewölkt 10 Garmisch
wolkig 4 Hamburg
Sprühregen 9 Köln/Bonn
Regen 9 Leipzig
bedeckt 10 München
wolkig 10 Norderney
bedeckt 8 Rostock
Regen 9 Sylt
stark bewölkt 7 Zugspitze
wolkig -6
Telefonansagedienste
Wettervorhersage 11 64
Reisewettervorhersage 1 16 00
Segelflugwetter 1 15 06
Medizinisch-meteorologische Tips, unter anderem für Allergiker und Herz-Kreislauf-Patienten 1 16 01
Smogwerte 06 11 - 58 12 42 (Wenn die Grenzwerte nach der Smogverordnung überschritten werden, melden wir dies an gesonderter Stelle.)
Sonnenaufgang 8.13 Uhr Sonnenuntergang 17.01 Uhr
Diese Zwischenbilanz kann sich sehen lassen: Vier Monate nach Einführung der BahnCard haben bereits mehr als eine Million Kunden der Bundes- und Reichsbahn die neue Möglichkeit genutzt, ein Jahr lang zum halben Preis reisen zu können.
Als einmillionste Besitzerin des Halb- Preis-Tickets ermittelte die Bundesbahn- Direktion jetzt die Frankfurterin Erika Behrens. Der für den Personenverkehr verantwortliche Bundesbahn-Vorstand Hemjö Klein händigte der Rentnerin aus Bonames am Mittwoch im Hauptbahnhof die Jubiläumskarte aus. Bei dieser Gelgenheit überreichte ihr Klein außerdem einen Reisegutschein im Wert von 300 Mark sowie einen Blumenstrauß.
Nach Angaben Kleins hat die Bahn mit dem Verkaufsergebnis der ersten Monate ihre ehrgeizigen Pläne erfüllt. Ziel sei "in einer zweiten Stufe bis Ende 1993 drei Millionen" Karten zu verkaufen.
Nach Darstellung der Bahn-Zentrale fahren seit Anfang September vergangenen Jahres 953 750 BahnCard-Inhaber in der 2. Klasse und seit Dezember 46 250 in der 1. Wagenklasse zum halben Preis. Das Ticket kostet in der Basisversion 220 Mark für die 2. und 440 für die 1. Klasse. Es löste die bisherigen Senioren-, Junioren-, Familien- und Taschengeldpässe ab und gilt anders als die ehemaligen Sparpreisangebote an allen Tagen. Ehepartner, Junioren bis 22 Jahre, Schüler und Studenten bis 26 sowie Senioren ab 60 erhalten die BahnCard zum halben Preis. Kinder zahlen 50 Mark. Als besonders "erfreulich und ermutigend" wertete es Klein, daß 34 Prozent aller Karten für Studenten, Jugendliche und Kinder ausgestellt wurden.
Die Einschränkung, daß Familienkarten im Gegensatz zur früheren Regelung nicht mehr von zwei alleinreisenden Erwachsenen genutzt werden können, sondern der Partner jetzt eine eigene BahnCard dazukaufen muß, rechtfertigte Klein mit dem Hinweis, rund 87 Prozent aller Bahnkunden seien Alleinreisende. Die vielen Vorteile des neuen Angebots würden diese Einschränkung "mehr als wettmachen". Zudem, meinte Klein, definiere sich die Familie "von den Kindern her". Ein Ehepaar ohne Kind sollte deshalb auch nicht in den Vorteil einer besonders günstigen Familienkarte kommen.
Für die "Jubilarin" Erika Behrens ist die BahnCard "eine tolle Sache". Die Frau aus Bonames fährt im Jahr nämlich "rund zehnmal" zu ihren Kindern nach Hamburg und München: "Da zahlt sich das Halbpreis-Ticket allemal aus." gang
BERLIN. Während man in West-Berlin über die Strukturkrise des Buchhandels nachdenkt, ist man in Ost-Berlin dabei, diesen Buchhandel an sich erstmal zu begreifen. Die beiden Flaggschiffe der DDR-Verlagslandschaft, Aufbau und Volk & Welt, befinden sich in eigenartigen Übergangsstadien: die Schonfrist ist bald vorbei, während der man sich an die rauhe Luft des Marktes gewöhnen konnte. Daneben gibt es einige, geradezu idealistische Verlagsneugründungen, die den spezialisierten Nischenverlagen des Westens ähneln.
Beim Aufbau-Verlag sind mittlerweile ganze Stockwerke leer, von 184 Mitarbeitern 32 übriggeblieben. Für diese 32 Arbeitsplätze hat Verlagschef Bernd F. Lunkewitz bei der Übernahme von der Treuhand eine Garantie abgegeben. Und den Verlagsleuten wurde zugesichert, "die Mannschaft als Ossimannschaft zu erhalten", wie Gotthard Erler, einer der drei Geschäftsführer, erklärt. Bisher sei der Vertriebsleiter der einzige Import aus dem Westen.
Erler ist seit 1964 im Verlag, seit 1956 hatte er für Aufbau schon gearbeitet, und nach 1989 wurde er, der nie in der Partei war und sich vor allem im neunzehnten Jahrhundert aufgehalten hat, vom damaligen Verlagsleiter Elmar Faber zum Cheflektor berufen. "Ohne Faber hätte die Treuhand den Verlag plattgemacht", sagt Erler noch heute. Lunkewitz hat sich von Faber, einem geschickten und mit allen Wassern gewaschenen SED-Mann, in diesem Sommer getrennt. Der Hintergrund war wohl, daß die beiden unterschiedliche Vorstellungen von der Führung des Verlags hatten, ganz konkret auch im Wirtschaftlichen: "Faber wollte das besondere, das gut gemachte Buch auf breiter Ebene durchsetzen", sagt Gotthard Erler und fragt sich anschließend: "Kann sich der Verlag das jetzt schon leisten?"
Genauere Konturen sind im Pprogramm einstweilen noch nicht sichtbar. Aufbau verfügt über verschiedene Rechte, hat sich in allen möglichen Bereichen versucht, und die Verknappung und Profilierung des Programms ist erst in den Ansätzen. Das Jahr 1993 könne noch als Testfeld dienen, deutet Erler an, danach erwarte Lunkewitz schwarze Zahlen. Erler spricht gern vom alten Aufbau- Stamm, von Autoren wie Feuchtwanger, den es "trotz schwerer Verkäuflichkeit im Programm zu halten" gelte, und er verweist auf die Frist bis 1994/95, wenn alle Taschenbuchrechte wieder an Aufbau zurückfallen: Kisch, Seghers, Feuchtwanger, Heinrich Mann, Arnold Zweig - "wenn die alle wieder bei uns sind, kommt man an uns nicht vorbei!"
Was lebende, zeitgenössische Autoren anbelangt, hat Erler seit ein paar Monaten ein Zauberwort gelernt: es heißt "Strittmatter". Erwin Strittmatters abschließender Band der Trilogie "Der Laden", der 1992 erschienen ist, brachte dem Aufbau-Verlag den ersten großen Beststeller-Erfolg unter den neuen Bedingungen. Strittmatter ist allerdings ein singulärer Fall: ein DDR-Autor von altem Schrot und Korn, der bärbeißig und dickschädlig gerade heute eine Identifikationsfigur darstellt und auch nur in den östlichen Bundesländern bekannt ist.
Ob Aufbau mit dem für dieses Frühjahr angekündigten mecklenburgischen Landroman von Helmut Sakowski auch nur annähernd solche Dimensionen erreicht, ist mehr als zweifelhaft, und fast schon beschwörend ist im Frühjahrsprogramm auch ein "neuer Roman" von Christoph Hein ("Leseexemplare: ab 25. 2.") angekündigt, über den aber kein einziges inhaltliches Wort fallengelassen wird - erst Mitte Januar flatterte ein Fax in die Redaktionsstuben: "Das Napoleon-Spiel" sei soeben dem Verlag übergeben worden und werde Ende März mit einer Startauflage von 50 000 ausgeliefert.
Strittmatter, die Ost-Identität, eine kleine DDR-Nostalgie: Gotthard Erler bekundet schon auch, daß "im Schatten der Mauer eine Art des Büchermachens möglich" war, die unter Marktbedingungen unvorstellbar ist: man konnte sich Zeit lassen, das Buch "aufs Feinste" herstellen und mit Lektor und Übersetzer bis ins Detail arbeiten. "Trotzdem sehne ich mich nicht zurück, weil diese unerträgliche Behörde nicht zurückwünschbar ist", sagt Erler, und meint die Hauptverwaltung Kultur, bei der man sich ständig "erniedrigen" mußte, "immer neue Gutachten" erstellen mußte.
Neue Unsicherheiten sind einstweilen erahnbar: Immobilienmakler Lunkewitz aus Frankfurt am Main, "Marxist" (früher KPD/ML-Aktivist) und Millionär, schien eine ideale Lösung, den Aufbau- Verlag in neue Zeiten zu führen, doch ihn umgibt allerhand Irritierendes. Lunkewitz neuester Coup war es, der Treuhand, wenn wir das Ganze richtig begriffen haben, ein paar Millionen Mark abzuknöpfen: weil die den Vertrag, mit dem Lunkewitz Aufbau von der Treuhand übernahm, falsch formulierte. Die berühmte Aufbau-Immobilie, mitten im Regierungsviertel gelegen, muß nun von der Treuhand zurückgekauft werden - obwohl Lunkewitz keinen Pfennig für sie bezahlt hat.
Das Gezerre um den Verlag "Volk & Welt" hat die Medien gleichfalls lange in Atem gehalten. Auch die sympathische Lösung, die jetzt erreicht wurde, ist noch nach vielen Seiten hin offen. Nachdem die Treuhand im Sommer einem bayerischen Postkartenverlag den Zuschlag gegeben hatte, regte sich von vielen Seiten Protest. Cheflektor Dietrich Simon wurde der Sprecher derer, die den Verlag in einem Profil erhalten sehen wollten, das dem hohen Qualitätsstandard zu DDR- Zeiten entspricht.
Ein namhafter Förderkreis bildete sich, unter anderem mit Günter Grass und Adolf Muschg. Ende des Jahres stimmte die Treuhand einer Management-buy-out- Lösung zu, das den Verlag in die Hände der Mitarbeiter legte, mit Dietrich Simon als neuem Eigentümer. Der hat eine Dreierkonstruktion im Auge: der Verlag soll von Autoren, Verlagsmitarbeitern und "zahlungskräftigen Leuten" geführt werden - "Investoren sind ein scheues Wild", sagt er, und deswegen will er Namen "erst sagen, wenn es erlegt ist". Die Treuhand hat das Weiterführen des Verlags vorerst mit einer Anschubfinanzierung unterstützt.
Das traditionelle Konzept - Weltliteratur des zwanzigsten Jahrhunderts - soll beibehalten werden. Besonderer Schwerpunkt ist Osteuropa, wo Volk & Welt sich durch seinen Übersetzungsfundus und seine Beziehungen im Vorsprung sieht. "Das Interesse und der Zwang, sich mit Osteuropa zu beschäftigen, wird deutlich zunehmen!" prognostiziert Simon. Im Gegensatz zum Gewohnten wird jetzt knapp kalkuliert: es gibt noch 17 Verlagsmitarbeiter von früher 130; 30 Titel pro Jahr sind anvisiert, davon allein vier für die Bulgakow-Ausgabe. Als neuen Akzent geht es um einen "systematischen Sachbuchaufbau" - das Sachbuch ist viel leichter zu berechnen und zu verkaufen.
Simon drückt sehr schön die Umstellungsschwierigkeiten aus: "Mehr produzieren heißt nicht mehr verkaufen". Der Prozeß, "Illusionen abzubauen", sei viel schwieriger als erwartet: "Man muß die Erfahrungen selber machen, auch wenn man es theoretisch weiß." Die "eigentliche geistige Verarmung der DDR" sieht er nicht darin, daß Textstellen in Büchern gestrichen wurden oder bestimmte Bücher erst gar nicht erschienen sind, sondern daß es keine Vielfalt gab: "80 000 möglichen Titeln konnten wir nur 12 000 machen." Insofern begrüßt er die Öffnung des Buchmarkts geradezu überschwenglich, da sei es viel besser als in anderen Bereichen: "Obwohl ich auch keinen Trabant mehr fahre - das hätte ich länger ausgehalten!" Und realistisch fügt er hinzu: "Die Literatur ist auf das Maß gekommen, auf das sie gehört. Es geht jetzt nur noch um den Text."
Das ist beim "Druckhaus Galrev" ein sehr dialektischer Prozeß. Obwohl es dort immer nur rein um den Text ging, eine Literatur der Wordprozessoren und Sprachmaschinen, zehrte dieser Verlag der Prenzlauer-Berg-Connection von einem gesellschaftlichen Nimbus - bis der Stasi-Fall Sascha Anderson, weiland Galrev-Symbolfigur, eintrat. Von dieser Problematik erfahren wir im neuen Prospekt nichts, aber es hat sich dennoch viel verändert: "Wir haben unsere Fähigkeiten, die bedingungslose redaktionelle Eigenverantwortlichkeit, die Planung im Verlag und die Koordinierung mit Kundschaft und Handel zusammenzubringen, überschätzt, oder die Problematik unterschätzt."
Deswegen stellt Galrev seine Zeitschriftenreihe sowie die literarische Schallplattenreihe ein, außerdem die Erscheinungsweise der "edition galrev" um: man paßt sich nun dem vorgegebenen Rhythmus mit Frühjahrs- und Herbstprogramm an. Das Vorwort des Frühjahrsprogramms 93 klingt reichlich verquast, die öffentlich diskutierte Geschichte dieses Verlags und seine Geldgeber spielen keine Rolle. Ein trotziger Ton: "das Programm" ist, "sagen wir es mal kurz, an das alles beherrschende A 4-Format sowie den Messe-Herbst und das Leipziger -Frühjahr angepaßt."
Kleinere Verlage wie Basis-Druck, janus press oder die schön revolutionär klingende "Unabhängige Verlagsbuchhandlung Ackerstraße" sind mit den westlichen, literarisch ehrgeizigen Kleinverlagen von der Struktur her durchaus zu vergleichen. Man hat ein klares, eigenes Profil. Der Kampf um die Vorherrschaft am Prenzlauer Berg ist damit eröffnet: während galrev die dogmatische Linie zu verkörpern scheint, ist Basis- Druck eindeutig den Bürgerrechtlern verpflichtet. Gerhard Wolfs janus press, die jetzt von Luchterhand mit vertrieben wird, scheint vom Prestige her bei der Ostberliner Literaturszene mittlerweile die Nase vorn zu haben.
Die "Ackerstraße", kurz "UVA" genannt, führt ein DDR-Projekt auf höchst intelligente Weise fort: die Reihe "Poesiealbum", wo Gedichthefte für 90 Pfennig an Zeitungskiosken verkauft wurden, hat ein neues Gesicht bekommen. "Poet's Corner", geschmackvoll herausgegeben in englischer Broschur mit 48 Seiten und Fadenheftung für 9,80 Mark, symbolisiert auf seltene Weise DDR-Tradition und die neuen Möglichkeiten des Buchmarkts: gezieltes Ansprechen eines zwar kleinen, aber feinen Publikums. Eduard Mörike wurde beispielsweise von Thomas Rosenlöcher ausgewählt, Petrarca von Peter Gosse, Ossip Mandelstam von Rainer Kirsch und Lars Gustafsson von Richard Pietraß, daneben gibt es auch Originalgedichtbände junger Gegenwartsautoren. - (Die erste Folge über Westberliner Verlage erschien am 15. Januar.)
HELMUT BÖTTIGER
WIESBADEN. Nach dem Deutschen Gewerkschaftsbund planen jetzt auch die Wiesbadener Grünen eine "Gegenveranstaltung" zum Treffen der Republikaner. Wie kürzlich berichtet, haben die Rechten für Freitag in der Biebricher Galatea- Anlage einen Wahlabend angekündigt. Gegen die Überlassung städtischer Räume an die Republikaner sind nicht nur die Gewerkschafter Sturm gelaufen. Proteste hagelte es auch von ausländischen Mitbürgern. Denen hat Oberbürgermeister Achim Exner mittlerweile einen besänftigenden Brief geschrieben. Darin ließ er den Vorsitzenden des Ausländerbeirats, Mehmet Yilmaz, wissen, daß man den Republikanern "aus rechtlichen Gründen die Vermietung von Räumen nicht versagen kann". Der OB sieht sich in dieser Haltung auch durch ein entsprechendes Verwaltungsgerichtsurteil bestätigt.
Im übrigen erscheine es ihm vernünftiger, die Rechtsextremen politisch zu bekämpfen und "nicht selber Rechtsbruch zu begehen in dem Versuch, ihre Rechte einzuschränken", sagte der Sozialdemokrat. Achim Exner: "Ich bin fest davon überzeugt, daß unsere Demokratie gerade auch in unserer Stadt stark genug ist, diese rechten Gruppierungen aus dem Rathaus fernzuhalten."
Die Antwort der Republikaner auf die angekündigte Demonstration: "Wir empfinden es als eine Frechheit, daß ausländische Gruppen, die in ihrem Heimatland von demokratischen Rechten oft nur träumen können, die demokratische Arbeit einer deutschen Partei auf deutschem Boden zu verhindern versuchen." Ihre Empfehlung: die Demo nicht zu genehmigen, denn damit "wäre das Problem gelöst", sagt Herbert Langer von den Republikanern. maf
GENF, 20. Januar (AFP). Der Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Japaner Hiroshi Nakajima, ist am Mittwoch in Genf von deren Exekutivrat mit 18 von 31 Stimmen für eine zweite Amtszeit empfohlen worden. Der Algerier Abdelmoumene, der von den USA und der EG unterstützt wurde, erhielt 13 Stimmen. Die Entscheidung muß von der Generalversammlung bestätigt werden. (Weiterer Bericht auf Seite 2)
Im Senckenbergischen Stiftungshaus begann vor 175 Jahren die Geschichte des Frankfurter Berufsschulwesens Die Handwerks-Zünfte lebten hinter dem Mond Initiative von Adolph Diesterweg und J. M. Poppe
Das ist jetzt 175 Jahre her und gilt als der Beginn des Frankfurter Berufsschulwesens. Von dem Jubiläum macht keiner in der Stadt Aufhebens. Das Nicht-drüber-Reden indes steht in grellem Kontrast zu dem öffentlichen Wirbel, der um diese Sonntagsschule anno 1818 veranstaltet ward.
Die Idee zu einer solchen Bildungsanstalt wurde vor allem von Adolph Diesterweg und Johann Moritz Poppe propagiert, zwei streitbaren Pädagogen und Naturwissenschaftlern, die zu den Gründern des "Polytechnischen Vereins" zählten, und die das ihre dazu tun wollten, den Frankfurtern Anschluß an die moderne Industrie- und Gewerbeentwicklung zu verschaffen. Als Hauptaufgabe galt ihnen dabei: neueres technologisches Wissen zu verbreiten.
Die Zünfte und Innungen, so das Urteil der beiden Polytechniker, würden diese ihre ureigene Aufgabe nicht meistern. Sie ignorierten die Erfindungen der Mechanik und Elektrotechnik, scherten sich wenig um Physik und Chemie, zeigten kein Interesse an neuen Maschinen und Werkzeugen und vermittelten nur rudimentäre Klippschul-Kenntnisse in "Schreib-, Rechen-, Zeichen- und Meßkunst". Diesterwegs Daumen ging nach unten, auf einer Rede im Mai 1817 sprach er von "verjährtem Vorurtheil und Schlendrian, von grasser Dummheit und entehrendem Aberglauben (. . .) und allgemeinen Widerwillen gegen alles Neue".
Das war schon starker Tobak in Frankfurt. Die Stadt zählte damals 50 000 Einwohner und um die 2300 Handwerksbetriebe mit knapp 7000 Beschäftigten. Sie waren in rund 20 Zünften straff organisiert, die seit Jahrhunderten bestanden, ihr Brauchtum pflegten und als Säulen des Gemeinwesens galten. Denen vorzuwerfen, sie seien - mit Verlaub - doch weit hinterm Mond, erforderte denn schon einiges an Zivilcourage.
Diesterwegs Kritik traf jedoch ins Schwarze. Frankfurt galt nicht zu Unrecht als "industriefeindlich". Fabriken und Manufakturen wurden innerhalb des bebauten Stadtgebiets nicht geduldet. Eine Erlaubnis, solche modernen Betriebsstätten hochzuziehen, war, falls überhaupt, grundsätzlich nur zu kriegen, wenn die Produkte nicht in Konkurrenz zu dem standen, was das städtische Handwerk herstellte. Weiteres historisches Beispiel dafür, wie sich die Frankfurter Zünfte gegen ungeliebte Konkurrenz abschotteten und für ihren, wie es damals hieß, kommunalen "Nahrungsschutz" sorgten, ist die Geschichte der Gewerbefreiheit.
In Frankfurt wurde sie erst 1864 mit einem halben Jahrhundert Verspätung eingeführt - und das nach heftigstem Widerstand der Metzger, Schneider, Bäkker, Schreiner. Im gern geschmähten Preußen war das bereits 1813 (!) geschehen, in den Kleinstaaten und Städten um Frankfurt herum, die die Frankfurter von altersher als "Geräusch" verulkten, in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts.
Die nicht gewährte Gewerbefreiheit erhielt den Handwerkern zentrale Privilegien: Sie hatten Versorgungsmonopole für Lebensmittel und jede Menge Warengruppen; in ihren Händen lag die Ausbildungshoheit in den Berufen. Das beinhaltete wiederum die "Macht der Zulassungsbeschränkung". Die Zünfte bestimmten, wie viele Männer Lehrling, Geselle oder Meister werden durften.
Die Sonntagsschule des "Polytechnischen Vereins" war der Anfang vom Ende dieses Bildungsmonopols. Und sie füllte offensichtlich eine Marktlücke. Nachdem der Frankfurter Senat im Herbst 1817 die Einrichtung der Anstalt gebilligt hatte, meldeten sich fürs erste Schuljahr 100 Interessenten, von denen allerdings nur 25 genommen werden konnten. Als Entree genügte ein "Zeugnis der Sittlichkeit". Schulgeld wurde nicht gefordert, die Unterrichtsmaterialien waren gratis. Die neue Schule stand gerade auch Auswärtigen (Wandergesellen!) offen - und die kamen in großer Zahl. Nur ein Drittel der Eleven waren Einheimische.
Von da an ging's bergauf. 1820 hatte man bereits mehr als 100 Schüler und zog in die Weißfrauenschule um; 1825 meldeten sich 500 Schüler, man mußte ob des chronischen Zulaufs von 1828 an auch Abendschule anbieten - werktags von 19 bis 21 Uhr. 1852 eröffnete die Polytechnische Gesellschaft ihre "höhere Gewerbeschule", 1871 werden Vorklassen eingerichtet - die einstige Abend- und Sonntagsschule ist nun, wie es damals hieß, "zur Vollanstalt ausgebaut".
Adolph Diesterweg hat das nicht mehr erlebt. Er starb 1866 in Berlin. Sein Vermächtnis: Man müsse den Menschen "Mittel an die Hand geben, sich zu entfalten und auszubilden. Denn: Wozu der Mensch fähig gemacht ist, wozu er Geschick hat, dazu hat er auch Lust; wo beides fehlt, da ist Hopfen und Malz verloren". peh (Siehe auch: "Der Siegeszug . . .")
hll/rei an nac
Meldung für die Agenturen:
Grob-Firmen zahlten über 100.000 Mark an CSU
BONN, 20. Januar. Das in die Bestechungsaffäre um das Lapas-Projekt verwickelte bayerische Luftfahrtunternehmen Grob hat im Jahr 1990 an die CSU Parteispenden in Höhe von über 100.000 Mark geleistet. Aus dem Rechenschaftsbericht der CSU für 1990 geht hervor, daß die Grob-Werke in Mindelheim 55.000 Mark und das Luft- und Raumfahrtunternehmen Grob in Mattsies 50.000 Mark an die CSU-Kasse spendete. Darüber berichtet die Frankfurter Rundschau in ihrer Donnerstagausgabe. Die Spenden wurden im politischen Entscheidungsprozeß um die Anschaffung des Drei-Milliarden- Mark teuren Aufklärungsflugzeuges Lapas geleistet.
Die Grob-Unternehmen befinden sich im Wahlkreis des CSU-Bundestagsabgeordneten Kurt Rossmanith, der als Berichterstatter im Haushaltsausschuß für das Rüstungsprojekt zuständig war. Rossmanith hat sich außerdem im Verteidigungsausschuß für Lapas eingesetzt. Gegen den Unternehmer Burkhart Grob ermittelt die Bonner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Bestechung.
Die Freude über das neue Auto wurde schnell getrübt: Nur wenige Kilometer war Karl M. seinen VW-Golf der neuesten Bauart gefahren, da bemerkte er einen "merkwürdigen Geruch, fast wie nach Abgasen". Sein erster Gedanke war, daß der Wagen vor ihm offenbar dafür verantwortlich sei. Aber als der Geruch auch auf einsamer Strecke nicht verschwand, wurde der FR-Leser skeptisch. Ein Anruf bei seinem Frankfurter VW-Händler habe ihm die Information eingebracht, daß der Geruch vermutlich von Konservierungsstoffen komme, mit denen der Motorraum aller Neuwagen aber auch vieler werkstattüberprüften Gebrauchtwagen vor Rost geschützt werden soll.
"Ob die ausdünstenden Stoffe gesundheitsschädlich sind, konnte mir da niemand sagen", berichtet M., statt dessen habe er die Empfehlung bekommen, "am besten im Sommer mal 300 Kilometer in schneller Fahrt auf die Autobahn zu gehen", da die überflüssigen Konservierungsstoffe bei großer Hitze schnell verdampften.
Der FR-Leser fragt sich nun "immer, wenn ich in das Auto einsteige, ob ich mich da nicht vergifte". Und er wundert sich, daß nirgendwo am Wagen ein Warnhinweis auf die ausdünstenden Stoffe aufmerksam mache.
Der Werkstattleiter des VW-Händlers hält es für "unwahrscheinlich, daß jemand von uns den Tip mit der Autobahnfahrt gegeben hat". Vielmehr werde er jedem Kunden empfehlen, wenn er starke Gerüche bemerke, sofort in die Werkstatt zu fahren. Denn es könne zwar passieren, daß bei der Motorraumkonservierung etwas "danebengehe", auf Motorteile fließe und bei laufen- dem Wagen unter Gestank verdampfe. "Aber es ist auch möglich, daß etwa durch eine undichte Abdichtleiste richtige Motor-Abgase in den Innenraum gelangen." Dem Fahrer drohe dann eine folgenschwere Kohlenmonoxid-Vergiftung. Auch Hartmuth Hoffmann von der VW-Zentrale in Wolfsburg empfiehlt, "bei starker Geruchsbelästigung sofort in die Werkstatt". Wenn es sich "nur" um verdampfende Konservierungsstoffe handele, klinge der Geruch "in aller Regel nach gut hundert Kilometern wieder ab". Zudem würden die bei Neuwagen und von den Vertragswerkstätten benutzen Konservierungswachse "einer ständigen Überprüfung unterzogen". Daß es durch diese Stoffe zu Gesundheitsschäden oder allergischen Reaktionen kommen könne, sei deshalb "völlig auszuschließen", meinte der VW-Sprecher. mat
Rottweiler Straße 20-32 im Gutleut: Häufig werden die Häuser als "sozialer Brennpunkt" bezeichnet. Und in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 1 beschrieb ein Bewohner der Gegend ein wahres Horrorszenario. "Ich werde täglich belästigt und habe jetzt sogar eine Morddrohung erhalten." Das Viertel verkomme auch äußerlich. So würden beispielsweise die Tiefgararen als Toiletten mißbraucht.
Jetzt soll die Eigentümerin der Häuser, die "AG für kleine Wohnungen", eingeschaltet werden. Für den 9. März hat der Ortsbeirat unter anderen Mieter und Vertreter der Baugesellschaft eingeladen.
Ein Grund für den Mißstand im Gallus liegt für den Grünen-Stadtverordneten Uli Baier auf der Hand: "Die Tiefgaragen sind nicht abgeschlossen. Jeder kann problemlos in die Häuser hinein." cob
Die Jugendlichen in Praunheim und Westhausen sollen bald zwei Jugendtreffs bekommen. Dies sehen zwei Anträge der SPD vor, die beide im Ortsbeirat 7 einstimmig angenommen wurden.
Bei der Umgestaltung des Praunheimer Ortskernes soll dort ein Raum mit eingeplant werden. Der zweite Treffpunkt soll ein ehemaliger Bäckerladen am Westring 20 werden, wo sich eine Gruppe von etwa 30 Leuten ein Jugendcafé einrichten will.
Über diese Gruppe hatte es in Westhausen mehrfach Beschwerden gegeben, weil sich die Jugendlichen auf der Straße trafen. laf
Wer zuviel weiß, verliert gelegentlich den Blick fürs Wesentliche. Gegen diese Gefahr zumindest ist Wolfgang Bötsch gefeit. Sein neues Amt als Postminister tritt der kantige CSU-Kämpe völlig unbelastet von Fachkenntnissen an. Er könne telefonieren und Briefmarken kleben, hat der 54jährige Jurist, der eigentlich Verkehrsminister werden wollte, seine eigene Qualifikation ironisch umschrieben.
Der konservative Franke, der sich am Montag seinen neuen Mitarbeitern vorstellen will, wird einiges hinzulernen müssen. Viel Zeit bleibt ihm nicht. Schon in gut einer Woche soll die Entscheidung über die Vergabe der milliardenschweren E 1-Mobilfunklizenz fallen. Zwei Bewerber buhlen um den Zuschlag: Bislang wurden dem von Thyssen und Veba geführten Konsortium E-Plus größere Chancen eingeräumt. Landsmannschaftliche Gründe könnten nun aber dem Münchner BMW-Konzern mit E-Star unverhofft zum Erfolg verhelfen, munkeln Beobachter.
Doch nicht nur die Betreiberkür für das zukunftsträchtige Taschentelefonsystem drängt. Die Führung des Postministeriums wechselt in einer Phase, die für die Post kaum anders als dramatisch zu nennen ist. Von der Öffentlichkeit wenig beachtet, drohen schon in den nächsten Jahren der Rückzug des "Kleine- Leute-Instituts" Postbank aus den ländlichen Gebieten, die Schließung von mehr als zehntausend Schaltern der gelben Post und das Abgleiten der bislang profitablen Telekom in rote Zahlen. Daß Tausende Arbeitsplätze bei den Schwestern wegfallen werden, steht ohnehin fest.
Die von Bötsch-Vorgänger Christian Schwarz-Schilling 1989 umgesetzte Postreform I hat das seither dreigeteilte bundeseigene Speditions-, Fernmelde- und Geldunternehmen nämlich in eine fatale Schieflage gebracht. Post, Telekom und Postbank sollen nun nach außen und auch untereinander wie "richtige Unternehmen" agieren. Gelbe Post und "blaues" Geldhaus stehen unter dem Zwang, ihre Verluste abzubauen. Gleichzeitig ließ der Mann mit dem Silberhaar immer mehr private Wettbewerber Rosinen herauspicken, während er der Telekom etwa mit der Verkabelung Milliardenlasten aufbürdete und den Finanzminister nur unzureichend am Zugriff auf die Post-Taschen hinderte.
Die deutsche Vereinigung und die daraus erwachsende Verpflichtung zum Infrastrukturaufbau in der Ex-DDR haben die enorme Finanzierungslast, unter der vor allem die Telekom ächzt, drastisch erhöht. Da der Staat als Eigentümer kein Geld nachschießt, müssen die Investitionen teuer fremdfinanziert werden. Gleichzeitig dürfte die EG in absehbarer Zeit die bislang in Deutschland bestehenden Brief-, Netz- und Sprachmonopole knacken. Mit dem konkurrenzlosen Telefondienst aber verdient die Telekom derzeit ihr Geld. Im offenen Wettbewerb wäre sie zudem durch das öffentliche Dienstrecht erheblich gehandicapt.
Schließlich hat sich die Trennung von Postdienst und Postbank als verhängnisvoll erwiesen. Beide defizitäre Schwestern nutzen denselben Vertriebsweg, können sich aber über die Aufteilung der Schalterkosten von insgesamt 4,5 Milliarden Mark nicht einigen. So wandert der Schwarze Peter auch nach dem Direktoriumsspruch immer hin und her. Den Vorständen des einen wie des anderen Hauses liefert er gute Argumente, die Flächenpräsenz zu verringern.
In einem sind sich deshalb alle Akteure einig: Eine zweite Postreform, die die Unternehmen fit für die Zukunft macht und gleichzeitig die Versorgung des flachen Landes sichert, muß her. Die Voraussetzung für die Verwirklichung eines solchen Projektes, das einer Verfassungsänderung mit parlamentarischer Zweidrittelmehrheit bedarf, könnten allerdings miserabler kaum sein. Nach wie vor stehen sich die Positionen - die CDU will die Postfirmen in teilprivatisierte Aktiengesellschaften umwandeln, die Postgewerkschaft strebt die Rechtsform der bundeseigenen "Anstalt öffentlichen Rechts" an - unversöhnlich gegenüber.
In einer solchen Situation ist Kompetenz unverzichtbar. Doch Bötsch ist unerfahren in der Materie, der bisherige Parlamentarische Staatssekretär und der Chef des Leitungsstabes haben das Postministerium verlassen. Die Pressesprecherin hat einen anderen Job in der Tasche, und zu allem Überfluß bringt Bötsch einen neuen persönlichen Referenten mit.
Damit nicht genug: Der Experte der CDU-Fraktion, Gerhard Pfeffermann, plant den Rückzug in die Provinz und kandidiert im Mai - allerdings mit mäßigen Aussichten - bei der Darmstädter Oberbürgermeisterwahl. Bei der SPD schließlich sieht es ganz traurig aus: Die beiden Fachleute Arne Börnsen und Peter Paterna sind zerstritten und haben ihr Verhandlungsmandat abgegeben.
Im Dezember hatte die interfraktionelle Kommission immerhin schon einen beachtlichen Kompromiß ausgehandelt, der eine Teilprivatisierung vorsah, gleichzeitig jedoch den Infrastrukturauftrag im Grundgesetz verankern wollte und den Zwist zwischen "gelber" und "blauer" Schwester durch eine Kapitalverflechtung entschärft hätte - doch scheiterte diese Lösung an der Postgewerkschaft. Ohnehin tut sich die SPD mit der notwendigen Abnabelung von den DPG- Funktionären äußerst schwer. Daß Ex- Minister Schwarz-Schilling statt Konzilianz jedoch Drohgebärden zeigte, machte die Emanzipation völlig unmöglich.
Wolfgang Bötsch hat sich bislang nicht eindeutig auf eines der Reform-Modelle festgelegt. Optimisten glauben, als Vertreter einer bayerischen Partei sei ihm die Sicherung der Flächenpräsenz wichtiger als seinem Vorgänger. Dies käme der SPD entgegen. Pessimisten zweifeln indes, ob sich der CSU-Mann gegen seinen Parteifreund, den Bonner Kassenwart Waigel, behaupten kann, der in der Post hauptsächlich eines sieht: eine mögliche Geldquelle. KARL DOEMENS
Als langjähriger Leser der Frankfurter Rundschau verfolge ich mit Interesse die "Tagestips" auf der Wirtschaftsseite. Sie informieren dort nach meiner bisherigen Einschätzung aktuell, kompetent und zutreffend, häufig über wichtige sozialrechtliche Bestimmungen, die eine große Zahl von Bürgern betreffen.
Auch Ihre Information zur Gesundheitsreform ist auf mein Interesse gestoßen. Leider mußte ich jedoch feststellen, daß die in Teil 1 gegebenen Informationen zur sogenannten Sozialklausel (Härtefallregelung) nicht ganz zutreffend sind (FR vom 29. 12. 1992 "Gesundheitsreform (I) - Höherer Eigenanteil bei teuren Mitteln"). Nach Ihren Angaben sollten die Einkommensgrenzen bei Zuzahlungen zu Arzneimitteln in den neuen Bundesländern geringer sein als in den alten Bundesländern. Gerade für Arzneimittel gilt jedoch bundeseinheitlich die gleiche Einkommensgrenze. Mit Ihrem Tagestip in der Frankfurter Rundschau vom 14. Januar 1993 berichtigen Sie das, ohne jedoch darauf hinzuweisen, daß es sich dabei um eine Berichtigung handelt. Außerdem hat sich in der Berichtigung ein neuer Fehler eingeschlichen. Sie weisen jetzt zwar zutreffend darauf hin, daß für Arzneimittel bundesweit die gleiche Sozialklausel mit identischen Einkommensgrenzen gilt, erklären aber gleichzeitig, daß eine niedrigere Einkommensgrenze gelten soll für "Zuzahlungen für Krankenhausaufenthalte, Kuren, Arzt-Fahrtkosten und Heilmittel".
Dabei wird jedoch übersehen, daß für Krankenhausaufenthalte überhaupt keine Sozialklausel gilt. Versicherte müssen unabhängig von ihrem Einkommen Zuzahlungen für die ersten 14 Tage des Krankenhausaufenthaltes leisten.
Im Notfall muß der Sozialhilfeträger die Zuzahlungen übernehmen, wenn der Versicherte nach seinem Einkommen und Vermögen dazu nicht in der Lage ist.
Olaf Rademacker, Amöneburg
Ganz einfach
"Es wird alles viel einfacher mit diesen Dingern." Vier, fünf Jahre mag es her sein, daß mein Kumpel J. voller Optimismus das Zeitalter der magnet-bestreiften
Denn ohne Magnetstreifen läuft kaum noch was im Leben des Städters: In der Telefonzelle, an Fotokopierern, in der Kantine, an der Kasse zum Palmengarten, bei der Frage nach dem Kontostand und sonstwo. Längst hat J. diverse "Service-Cards" von seiner Versicherung bekommen, nennt sich stolzer Besitzer einer "BahnCard", von dreierlei Kredit- und Scheckkarten, der Kundenkarte einer Handelskette, einer Schwimmbad- Dauerkarte, einer Benutzer-Karte der Bibliothek, eines Mitgliedsausweises seiner Videothek und anderer mehr.
Was J. daran "wirklich stört" ist, daß man gar nicht mehr aus dem Haus gehen könne, ohne einen Riesen-Stapel dieser Plastikteile dabei zu haben. Und im Zweifel habe man immer ausgerechnet jene Karte vergessen, die von irgendeinem Automaten gerade verlangt werde.
Früher, meint J. jetzt, sei das alles viel einfacher gewesen. Da habe es nur einer handvoll Münzen und eines freundlichen Gesichtes bedurft, um sich in der Stadt bequem durchschlagen zu können. Ihr Bastian
Eine "Wahlschlacht" kündigt der Kanzler für das kommende Jahr an um den Sieg, der den Kanzler hinfort ermächtigen soll, deutsche Soldaten auf ferne Kriegsschauplätze zu schicken (FR vom 18. 1. 1993 "Kohl blickt auf ,Wahlschlacht&rquote;"). Er hofft, daß das deutsche Volk ihn wiederwählt, wenn er ihm außer Steuererhöhungen verspricht, daß seine Söhne für "die Freiheit" in fremden Landen sterben dürfen.
Wenn das eintreten soll, muß das deutsche Wahlvolk bis zum Wahltag blind, taub und gefühllos geworden sein, daß es nicht mehr sieht und versteht, daß es bei militärischen Interventionen des Westens in Ländern der dritten Welt nicht um die deutsche Freiheit und auch nicht um die Freiheit bedrohter Völker geht.
"Freiheit", sagt der Kanzler und meint die Weltgeltung des deutschen Regierungschefs - seine eigene Weltgeltung.
Und die ist nicht zum "Nulltarif" zu haben, meint der Kanzler. Damit hat er nicht die Mehrkosten in Mark und Pfennig gemeint, sondern den Blutzoll, den deutsche Soldaten für die deutsche und des Kanzlers Weltgeltung zu entrichten haben werden.
"Nicht zum Nulltarif zu haben": diese Deutung wird die trauernden Hinterbliebenen gewiß trösten, wenn ihre Lieben die Zeche deutscher Großmannssucht zu zahlen hatten.
50 Jahre nach dem Ende der 6. Armee in Stalingrad drängt es den Bundeskanzler und seine CDU erneut zum Kriegsruhm. In einer Wahlschlacht - vorläufig - will er um eine neue Walstatt für deutsche Helden kämpfen. Der erste CDU-Minister ist schon zurückgetreten, weil deutsche Soldaten noch nicht in Bosnien Krieg führen dürfen.
Man hat aber nichts davon gehört, daß er jetzt in den verschneiten Bergen Bosniens hinter einem deutschen Infanteriegewehr liegt, mit dem Finger am Abzug. Und das wird auch vom Kanzler nicht erwartet, wenn das Wahlvolk ihn 1994 ermächtigt, nach Kriegsschauplätzen Ausschau zu halten.
Dr. Günther Braun, Mainz
Das Rüstungsgeschäft mit Taiwan als Türöffner Politische Kurzdokumentation zu den geplanten Waffenexporten und den Stellungnahmen von Regierung und Parteien / Von Norbert Gansel
In den Medien gibt es z. Zt. eine genußvolle Diskussion über die Rolle sozialdemokratischer Ministerpräsidenten bei einem geplanten Waffengeschäft mit Taiwan. Wer hat was bei welcher Gelegenheit gesagt oder nicht gesagt? - Ausgelöst wurde das alles durch einen Rechtfertigungsversuch des Bundeswirtschaftsministers a. D. Möllemann in anderer und eigener Sache. Im allgemeinen und speziell bei Waffengeschäften kann Möllemann eine besondere Glaubwürdigkeit nicht beanspruchen. Allerdings wirken die Erklärungen der sozialdemokratischen Ministerpräsidenten auch nicht sehr überzeugend. Formal ist ihre Haltung, für die Entscheidung über Waffenexporte sei ausschließlich die Bundesregierung zuständig, richtig. Politisch war sie nicht ausreichend, auch wenn ich sicher bin, daß sich jedenfalls Björn Engholm für das Geschäft nicht hat einspannen lassen. Er hat auch in der Sache inzwischen Klarheit geschaffen. Denn sozialdemokratische Politik erschöpft sich gewiß nicht in der Zuordnung von Kompetenzen.
In der Sache findet aber zu dem Waffenexportgeschäft mit Taiwan keine öffentliche politische Debatte statt. Sie ist aber notwendig. Es ist notwendig, sich damit zu beschäftigen, wie für ein Waffenexportgeschäft Meinung gemacht und politische Entscheidung beeinflußt wird. Sorgen um Arbeitsplätze muß sich jeder machen, der in der Politik oder in der Wirtschaft Verantwortung trägt. Aber solche Sorgen dürfen nicht gegen die politische und wirtschaftliche Vernunft instrumentalisiert werden. - Aus dieser Geschichte muß gelernt werden, auch wenn die Sozialdemokratische Partei schon längst die Lehren gezogen hat. Sie muß sie nur beherzigen.
Wenn das Ende des Kalten Krieges und die Abrüstung in Europa nicht genutzt werden, um die Überkapazitäten der Rüstungsindustrie zu reduzieren, wird es kein Ende haben mit dem unheilvollen Rüstungsexport, der in Krisengebiete neue Spannungen und militärische Auseinandersetzungen verursacht.
Die Beteiligung an friedensschaffenden und friedenserhaltenden Maßnahmen der UN ist nur dann verantwortbar, wenn vorher und zugleich alle Möglichkeiten der Prävention von Friedensstörungen genutzt werden. Glaubwürdigkeit in der Rüstungsexportkontrolle ist eine Voraussetzung für die Verantwortbarkeit von militärischen Einsätzen im Rahmen der UN. Einfach ausgedrückt: "Wir können nicht zulassen, daß die deutsche Rüstungsindustrie Waffen in Krisengebiete liefert und unsere Jungs hinterhergeschickt werden, um sie unter Lebensgefahr wieder einzusammeln." - Weil ich für die Beteiligung der Bundesrepublik an Blauhelm-Missionen der UN bin und die Fähigkeit der UN, Streitkräfte ihrer Mitgliedsstaaten unter ihrer politischen Verantwortung und militärischen Kontrolle einzusetzen, für eine Überlebensfrage unseres Planeten halte, muß ich auf der Reduzierung von Rüstungsexporten beharren.
Die Kurzdokumentation ist unvollkommen in Fakten, Bewertungen und Alternativen. Ich hoffe, sie ist für meine Partei dennoch nützlich.
I.
Grundsatzpositionen
1. SPD
Grundsatzprogramm vom 20. Dezember 1989:
"Unser Ziel ist es, den Export von Waffen und Rüstungsgütern zu verhindern."
Bundesparteitag in Bremen am 30. Mai 1991:
"Wir wollen ein Verbot von Rüstungsexporten in Staaten außerhalb der NATO. Ausnahmen im Einzelfall sind nur zulässig, wenn der Deutsche Bundestag mit Zweidrittelmehrheit zustimmt."
Entschließungsantrag der Bundestagsfraktion vom 23. Januar 1991:
"Rüstungsexporte müssen drastisch eingeschränkt, scharf kontrolliert und Verstöße drakonisch bestraft werden. Der Deutsche Bundestag fordert, daß ein Verbot des Rüstungsexports in Staaten außerhalb der NATO und der WEU im Grundgesetz verankert wird."
2. Bundesregierung
Politische Grundsätze der Bundesregierung für den Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern vom 28. April 1982 - von den nachfolgenden Bundesregierungen mehrfach bestätigt.
". . . Nicht-NATO-Länder: Der Export von Kriegswaffen wird nicht genehmigt, es sei denn, daß aufgrund besonderer politischer Erwägungen Ausnahmen allgemeiner Art festgelegt werden oder im Einzelfall ,vitale Interessen&rquote; der Bundesrepublik Deutschland für eine ausnahmsweise Genehmigung sprechen. Vitale Interessen sind außen- und sicherheitspolitische Interessen der Bundesrepublik Deutschland unter Berücksichtigung der Bündnisinteressen. Beschäftigungspolitische Gründe dürfen keine ausschlaggebende Rolle spielen."
II.
Stellungnahmen zum U-Boot-Geschäft aus der SPD-Bundestagsfraktion bis zum 31. Dezember 1992: (kein Anspruch auf Vollständigkeit)
21. Oktober 1991: - Norbert Gansel, seinerzeit stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, Presseerklärung:
"Da ,vitale Interessen der Bundesrepublik&rquote; in Taiwan nicht auf dem Spiel stehen, wäre eine Genehmigung dieses Rüstungsexportgeschäftes ein eklatanter Verstoß gegen die Rüstungsexportlinien in der Bundesrepublik. Wir warnen die Bundesregierung, statt Anpassungshilfe für den norddeutschen Schiffbau durch eine Anpassung der Rüstungsexportgrundsätze an Überkapazitäten der Rüstungsindustrie eine verhängnisvolle, in Zukunft schwer zu korrigierende regional- und strukturpolitische Fehlentscheidung zu treffen. Wir fordern die Bundesregierung auf, die Rüstungsexportlobby rechtzeitig in die Schranken zu weisen. Aus den Fehlern der Vergangenheit muß endlich gelernt werden."
4. November 1991 - MdB Hermann Bachmaier, Beauftragter der SPD-Bundestagsfraktion für die Kontrolle des Rüstungsexports: Kritische Anfrage an die Bundesregierung im Bundestag.
11. November 1991 - Presseerklärung von MdB Hermann Bachmaier: "SPD: keine Kriegswaffen nach Taiwan".
13. März 1992 - MdB Dr. Elke Leonhard: Ablehnende Presseerklärung.
23. Oktober 1992 - MdB Norbert Gansel: Kritische Anfrage an die Bundesregierung im Bundestag.
Ablehnende Stellungnahme in den Kieler Nachrichten.
24. Oktober 1992 - MdB Norbert Gansel: Ablehnende Stellungnahme im Flensburger Tageblatt.
10. Dezember 1992 - MdB Norbert Gansel: Kritische Anfrage an die Bundesregierung im Bundestag.
17. Dezember 1992 - MdB Norbert Gansel: Ablehnende Stellungnahme in der Süddeutschen Zeitung.
18. Dezember 1992 - MdB Dr. Elke Leonhard: Presseerklärung "Export von Kriegsschiffen nach Taiwan verstärkt außenpolitische Irritation".
23. Dezember 1992 - MdB Norbert Gansel: Ablehnende Stellungnahme in der "Zeit".
III.
Ablauf der
Im Herbst 1991 sind erste Versuche der Rüstungsexportlobby zu verzeichnen, mit Presseberichten und durch gezielte Ansprachen im Parlaments- und Regierungsbereich Unterstützung für das Taiwan-Geschäft zu erhalten.
14. Februar 1992: Negativer Bescheid der Bundesregierung für eine Voranfrage "von zunächst 2 Korvetten und 2 U-Booten an Taiwan".
Sommer und Herbst 1992: Weitere Versuche der Lobby öffentliche Meinung für das Geschäft zu machen und politische Unterstützung zu gewinnen. Presseberichten zufolge soll am 28. Januar 1993 erneut über dieselbe Voranfrage durch die Bundesregierung entschieden werden. Eine Voranfrage ist im Kriegswaffenkontrollgesetz und im Außenwirtschaftsgesetz nicht vorgesehen. Nach den gesetzlichen Vorschriften entscheidet das Bundeswirtschaftsministerium über die Produktionsgenehmigung und nach Fertigstellung der Kriegswaffen über die Export- und Übergabegenehmigung. Das Bundeswirtschaftsministerium entscheidet nach Konsultation mit dem Außenministerium und dem Verteidigungsministerium. Bei sensiblen Exportgeschäften wird der Bundessicherheitsrat eingeschaltet, der kein Entscheidungsgremium ist.
Unter der Überschrift "Mögliche Unterstützung im Bemühen um Aufträge der schleswig-holsteinischen Werften aus Taiwan" hat der FDP-Landtagsabgeordnete Wolfgang Kubicki im Schleswig-Holsteinischen Landtag am 6. November 1992 kleine Anfragen angebracht. Die schleswig-holsteinische Landesregierung hat auf beide Anfragen geantwortet, "daß die Entscheidung über Bau- und Exportgenehmigungen im Bundessicherheitsrat alleinige Sache der Bundesregierung und daher keine Frage politischer Verhandlungen im Verhältnis zu den Ländern sei."
IV.
Im Oktober 1991 erklärt der FDP-Wirtschaftsminister Lehment aus Mecklenburg-Vorpommern, der Gesamtumfang des Geschäftes werde auf 20 bis 30 Milliarden Mark geschätzt. Nach Angaben beteiligter Unternehmen vom Oktober 1991 soll Ziel des Geschäftes die Lieferung von 10 Fregatten (ähnlich Typ 122) und von 10 U-Booten (ähnlich Typ 209) sein. Das Gesamtvolumen wird mit 20 Milliarden Mark beziffert. Davon sollen 3 Milliarden an einen amerikanischen Generalunternehmer gehen. Für 2,1 Milliarden Mark sollen Komponenten im Ausland gekauft werden. Das eigentliche Schiffbauvolumen wird mit 2,7 Milliarden Mark beziffert. Der größte Anteil des Geschäfts entfällt also auf Waffen, Elektronik, Ausrüstung und andere Zulieferung.
Nach Berichten der "Welt am Sonntag" vom 29. November 1992 soll das Geschäft ein Volumen von 12 Milliarden Mark haben.
Am 15. Dezember 1992 meldet "Die Welt", Taiwan wolle im Rahmen eines 10jährigen Programms seine Marine mit "bis zu 12 U-Booten" ausrüsten. "Zwei will Taiwan sofort beschaffen und auf weitere sechs eine Option haben. Aus intensiven Kontakten mit Taipeh weiß das deutsche Firmen-Konsortium, daß neben U-Booten auch Fregatten/Korvetten erwünscht sind."
Realistisch geht es also bei der Voranfrage um die Lieferung von zwei U-Booten mit einem Gesamtwert von 700 Millionen Mark. Der Schiffbauanteil beträgt dabei nur 20 Prozent, also 140 Millionen Mark.
Wie immer bei großen Rüstungsexportgeschäften wird auch in diesem Fall behauptet, die Waffenlieferungen seien die Voraussetzung dafür, um im Empfängerland auch zivile Produkte im größeren Umfang abzusetzen. So sollen sich nach Angaben der Rüstungsexportlobby in Taiwan den Lieferungen von Kriegsschiffen Lieferungen im Telekommunikationsbereich, Maschinenbau und für das Transrapidsystem anschließen.
Diese sogenannte Türöffnerfunktion hat sich bei keinem Rüstungsexportgeschäft der Vergangenheit bewahrheitet. Auch für die Behauptung, beim Nichtzustandekommen eines Rüstungsgeschäftes gebe es empfindliche Rückschläge für den zivilen Export, enthalten die Außenwirtschaftsbeziehungen der Bundesrepublik keine beweiskräftigen Anzeichen. An die Geschichte der geplanten gigantischen Waffenlieferungen an das Schah- Regime in Iran (1977) und an Saudi-Arabien (1981) sei erinnert. Beide Geschäfte scheiterten seinerzeit am Widerstand der SPD-Bundestagsfraktion.
V.
Arbeitsmarktpolitische
Bedeutung
Einer AP-Meldung und einem Bericht der "Welt" vom Oktober 1991 zufolge, hat der Wirtschaftsminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern erklärt, er beabsichtige mit dem U-Boot-Geschäft "für 5 bis 7 Jahre 20 000 bis 25 000 Arbeitsplätze zu sichern". - "Die deutschen Werften würden als Unterauftragnehmer die Schiffs- und Bootskörper hauptsächlich in ihren Betrieben in Kiel, Hamburg, Emden und Bremen bauen. Gleichzeitig würden sie andere zivil nutzbare Bauten, vor allem Handelsschiffe, an Werften in Mecklenburg-Vorpommern vergeben" ("Die Welt": "Werften winkt 20-Milliarden-Auftrag"). Tatsächlich befinden sich die Werften in den alten Bundesländern seit Jahrzehnten in einer Dauerkrise. Ein Konzept oder eine klar erkennbare Politik der Bundesregierung für eine Sicherung des deutschen Schiffbaues gibt es nicht. Die Schwierigkeiten der westdeutschen Werften haben sich noch dadurch verschärft, daß sich die Werften in Mecklenburg-Vorpommern durch den Zusammenbruch des Osthandels in einer Existenzkrise befinden. Da der Schiffbau in Mecklenburg-Vorpommern die einzige entwickelte Industrie mit einer großen Zahl von Arbeitsplätzen ist, muß er besondere Förderungen erhalten, die die Wettbewerbsbedingungen für die westdeutschen Werften verschlechtern. Die Bremer Vulkanwerft hat sich deshalb mit Betriebsübernahmen in den ostdeutschen Schiffbau eingekauft. Die Lage der Werften stellt sich aber insgesamt differenziert dar. So hat z.B. das Vorstandsmitglied des Preussag-Konzerns, Ernst Pieper, bei der Vorstellung des letzten Geschäftsberichts der Kieler HDW darauf hingewiesen, daß die zu seinem Konzern gehörende Werft "mit einem Auftragsbestand von über 4 Milliarden Mark bis 1993/94, in einzelnen Bereichen sogar bis 1997, ausgelastet" sei.
Die "Kieler Nachrichten" berichten über die Pressekonferenz Ernst Piepers: "Baureif in der Schublade liegen bei HDW die Pläne für das ,U 212', das erste außenluftunabhängige U-Boot der Welt, das wegen der damit verbundenen Vervielfachung seiner Tauchdauer vom Gegner nicht mehr zu orten ist." Noch, so Pieper, verfügt HDW mit der Entwicklung über einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber der schwedischen Kockums-Werft, die an einem vergleichbaren Projekt arbeitet. "Es wäre schön", meinte der Preussag-Chef, "wenn die Bundesmarine jetzt ,einen oder zwei' Prototypen bestellen würde. Das würde die Exportchancen des U-Boots nachhaltig steigern."
Den Wünschen Ernst Piepers hat das Bundesverteidigungsministerium inzwischen entsprochen. U-Boote vom Typ "U 212" sind in die Bundeswehrplanung, die Volker Rühe kürzlich vorstellte, wieder eingesetzt worden.
Der außenluftunabhängige Antrieb für U-Boote ist mit Steuergeldern auf Rechnung des Bundesverteidigungsministeriums entwickelt worden. Die U-Boote der Bundesmarine verfügen über diesen Antrieb nicht.
VI.
Nachdem Taiwan in Frankreich Kampfflugzeuge bestellt hat, hat die chinesische Regierung alle französischen Unternehmen vom U-Bahn-Bau in Kanton ausgeschlossen. "Paris befürchtet zusätzliche Strafmaßnahmen wie etwa den Verzicht auf Airbus-Flugzeuge, Atomkraftwerke und Fernmeldeeinrichtungen aus Frankreich" ("Frankfurter Rundschau", 30. Dezember 1992).
Am 4. Januar 1993 meldet "Die Welt": "Und das Airbus-Konsortium wartet noch immer auf die definitive Übernahme der ersten von 5 Maschinen des Typs A 340 durch China Eastern Airlines (im Gesamtwert von 550 Millionen Dollar). Zwei weitere Kontrakte über 1,5 Milliarden Dollar für je 6 Airbusse A 300 und A 330 sind noch in der Schwebe." In Norddeutschland ist eine große Zahl von Arbeits- plätzen von der Entwicklung und Produktion der Airbus-Flugzeuge abhängig.
Am 20. Januar 1993 erklärt der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Thomas, bei der Entscheidung für das Taiwan-Geschäft solle auch die Bedeutung des Handels mit der Volksrepublik China berücksichtigt werden. "So seien etwa die Auftragsbücher der Flensburger Schiffbaugesellschaft bis 1994 mit China- Aufträgen gefüllt. Thomas berichtete, der chinesische Botschafter habe kurz vor Weihnachten in einem Gespräch gegenüber schleswig-holsteinischen Unternehmen deutlich gemacht, Peking werde Wirtschaftssanktionen über Staaten verhängen, die mit Taiwan Waffengeschäfte abwickeln" ("Kieler Nachrichten", 20. Januar 1993).
Außenminister Kinkel weist gelegentlich darauf hin, daß er die 1,2 Milliarden Verbraucher in China für die deutsche Exportindustrie für wichtiger hält als 20 Millionen Verbraucher in Taiwan.
Am 10. Dezember 1992 erklärte der Staatsminister im Auswärtigen Amt Schäfer in der Fragestunde des Bundestages: "Ich muß darauf hinweisen, daß uns bekannt ist, daß Vorstellungen, die von einigen Abgeordneten des Deutschen Bundestages vertreten worden sind, die Proteste Chinas seien nicht ganz so ernst zu nehmen, man habe sich in China inzwischen auch gegenüber Frankreich - trotz Lieferungen Frankreichs an Taiwan - einer freundlicheren Sprache bedient, unzutreffend sind. Es hat beachtliche Konsequenzen auf der chinesischen Seite gegeben. Wir müssen uns darüber im klaren sein, welche Konsequenzen bei einer solchen Entscheidung in bezug auf den China-Handel für - zum Teil norddeutsche - Unternehmen zu gewärtigen wären." Im Juni 1992 hat die Bundesregierung in einer namentlichen Abstimmung im Deutschen Bundestag durchgesetzt, daß Container-Handelsschiffe an das chinesische Regime geliefert werden, die in erheblichem Umfang mit Steuergeldern subventioniert werden. Die Schiffe werden z. Zt. auf deutschen Werften gebaut. Es ist nicht zu erwarten, daß China als Sanktion auf das Taiwan-Geschäft auf diese kostengünstigen Schiffe verzichtet. Die Hoffnungen der Bundesregierung, China werde in Zukunft auch bereit sein, in der Bundesrepublik Handelsschiffe zu kostendeckenden Preisen einzukaufen, werden sich aber nicht erfüllen, wenn Waffen nach Taiwan geliefert werden.
VII.
Außen- und sicherheitspolitische
Taiwan ist nicht mehr Mitglied der UN. Die Bundesrepublik Deutschland unterhält keine diplomatischen Beziehungen mit Taiwan.
Am 10. Dezember 1992 erklärte der Staatsminister im Auswärtigen Amt Schäfer auf kritische Hinweise von MdB Norbert Gansel zu dem Waffendeal in der Fragestunde des Bundestages, "daß alle die Punkte, die Sie gerade aufgezählt haben, auf schwerwiegende außenpolitische Implikationen eines solchen Gechäftes schließen lassen. Daher wird die Bundesregierung über etwaige außenpolitische Folgen einer so weitgehenden Entscheidung nachdenken . . ."
Sowohl die Führung in Peking wie in Taipeh beansprucht, die legitime Führung Chinas zu sein. Beide Regierungen lehnen deshalb gleichermaßen eine Unabhängigkeit Taiwans ab. Im Rahmen der "one-China-policy" erheben sowohl die Volksrepublik wie Taiwan den Anspruch auf das gesamte China. In beiden Staaten wird an dem sich einander ausschließenden Alleinvertretungsanspruch für das gesamte China festgehalten. In der letzten Zeit hat sich in Taiwan die Bewegung für eine formelle Lösung vom Festland und die Unabhängigkeit Taiwans verstärkt. Die Unabhängigkeit Taiwans ist für die Führung in Peking bislang völlig unakzeptabel. Sie schließt für diesen Fall ausdrücklich ein militärisches Vorgehen nicht aus. Artillerieduelle zwischen den Streitkräften Chinas und Taiwans gehörten bis vor kurzem zum Routine-Betrieb in der Straße von Formosa (vgl. ppp, vom 21. Dezember 1992 und "Die Welt", 4. September 1991: "Wer Taipeh beliefert, sticht ins chinesische Wespennest").
Im Bundesverteidigungsministerium soll die Auffassung vertreten werden, bei der Lieferung der U-Boote und Fregatten würde es sich um Defensivwaffen handeln. Taiwan benötige diese Schiffe, um sich vor einer möglichen chinesischen Seeblockade zu schützen.
In einer internen politischen Beurteilung der Hardthöhe heißt es: "Eine Belastung der Beziehungen zum kommunistischen China ist nicht zu erwarten, da Umfang und Einsatzwert der taiwanesischen Flotte im Vergleich zur sehr viel größeren Marine der VR China sich nicht ändern werden." ("Welt am Sonntag", 29. November 1992).
Die von Taiwan gewünschten U-Boote sollen aber mit dem neuartigen außenluftunabhängigen Antrieb ausgerüstet werden. Durch die damit verbundene lange Tauchdauer können die U-Boote eine strategische Funktion erhalten. Sie sind als Trägersysteme für Atomraketen und Atomtorpedos durchaus geeignet und können insbesondere für eine Zweitschlagskapazität verwendet werden.
Es sei darauf hingewiesen, daß es zu der Praxis der Lieferung von Kriegsschiffen an andere Staaten gehört, daß die Besatzungen eine militärische Ausbildung und seemännische Einweisung für ihre Schiffe in der Bundesrepublik erhalten. Die Bundeswehr gibt dabei Unterstützung. Einzelheiten (wie z. B. der Geheimschutz) werden in Sonderabkommen auf Regierungsebene geregelt.
VIII.
1. Mit dem Taiwan-Geschäft will die Rüstungsindustrie die Tür für Exporte auch in Krisengebiete offenhalten, um ihre Überkapazitäten auszulasten.
2. Der Umfang des Geschäftes ist gigantisch aufgeblasen, um öffentlichen Eindruck zu machen und politische Wirkung zu erzielen. Es geht in absehbarer Zukunft um ein Projekt von 0,7 Milliarden Mark.
3. Die Bedeutung für den deutschen Schiffbau ist gering. Der Schiffbauanteil von 140 Millionen Mark liegt in der Größenordnung eines großen Fährschiffes.
4. Mit der Behauptung, man könne mit dem Taiwan-Geschäft Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern retten, versucht die Rüstungsexportlobby die wirtschaftliche Not des Einigungsprozesses zu instrumentalisieren. Wie die wirtschaftliche Hilfe für Mecklenburg-Vorpommern tatsächlich aussehen soll, ist in keiner Weise ersichtlich.
5. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird bei dem Waffengeschäft mit Taiwan der Schaden für die deutsche Exportwirtschaft und die damit verbundenen Arbeitsplätze größer sein als der Vorteil einer kurzfristigen Teilauslastung der Überkapazitäten der Rüstungsindustrie.
6. Jede außen- und sicherheitspolitische Abwägung muß zu dem Ergebnis kommen, von dem Taiwan-Geschäft Abstand zu nehmen. Vitale Interessen der Bundesrepublik Deutschland (Exportrichtlinien der Bundesregierung) stehen in Taiwan ohnehin nicht auf dem Spiel.
Dazu kann es aber noch kommen: Mit der Lieferung von Waffen an Taiwan würde die Bundesrepublik in einem Spannungsgebiet für eine Seite militärisch Partei ergreifen.
Man muß kein prinzipieller Gegner von Rüstungsexporten sein, um dieses Waffengeschäft mit Taiwan abzulehnen.
Zum Schluß noch eine Anekdote:
Seit dem 20. Juli 1992 ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen eine Bremer "Spezialwerft", die 1990 und 1991 mit offizieller Ausfuhrgenehmigung der Bundesregierung zivile "Mehrzweckküstenschutzboote" nach Taiwan exportiert hat. Diese Schiffe sind inzwischen nach einer Umrüstung vor Ort ihrem eigentlichen militärischen Zweck zugeführt worden. Als der SPD-Bundestagsabgeordnete Horst Jungmann die Bundesregierung daraufhin fragte, ob "die Bundesregierung in dieser Angelegenheit gegenüber der Regierung von Taiwan tätig geworden" sei, schließlich habe die taiwanische Seite doch an der Täuschung der deutschen Ausfuhrbehörde mitgewirkt oder jedenfalls davon gewußt, erhielt er die folgende Antwort.
"Die Bundesrepublik Deutschland unterhält keine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan. Im übrigen ist das Ergebnis der Ermittlungsbehörden abzuwarten."Aber Waffen, immer neue Waffen
Bei manchen Agenturberichten lohnt es sich, auch zwischen den Zeilen zu lesen. Die Meldung (FR vom 18. 1. 1993 "Lohnsteuer soll erhöht werden") enthält eine Fülle von Einsparungsvorschlägen. Doch, nach tiefem Nachdenken, vermißt man den Posten Bundeswehr. Da wird eine Armee unterhalten, die, insgesamt gesehen, so überflüssig ist wie ein Kropf.
Wo, bitte, werden noch schwere Panzer gebraucht, wo schwere Artillerie? Da gibt es Soldaten, die vor Langeweile nicht wissen, wie sie die Zeit vertrödeln sollen, welch unsinnigen Dienstplan sie ausfüllen müssen. Da gibt es unzählige Generäle, die Büros und alles Dazugehörige unterhalten zum reinen Selbstzweck.
Die Bundeswehr ist und wird weiterhin so aufgebaut, als wären wir noch in den dreißiger Jahren der Kriegsvorbereitung. Gegen wen sollen wir uns denn verteidigt sehen? Weit und breit kein potentieller Gegner, aber Waffen, immer neue Waffen.
Helmut Kirchner, Wiesbaden
Der Film war Krampf. Der Kaffee ist kalt. Ihr Jackett sitzt schlecht. Kennen Sie die? Die Nörgler? Die Neider und Miesmacher? "Negaholiker" hat unlängst jemand in einer Kneipe gesagt.
Und damit hat er einen ganzen Berufsstand gemeint: den des Journalisten. "An allem seht Ihr nur das Schlechte, das zieht die Leute doch bloß runter." Der Mann war offenbar Psychologe.
Doch auf die Frage, was es denn Positives zu berichten gebe, verfinsterte sich auch seine Miene: In dieser Kneipe jedenfalls nichts. Das Bier sei teurer geworden, die Bedienung schlechter. Doch eins falle ihm ein: Das gepflegte Gespräch an der Theke, das werde doch immer noch gepflegt. Und was stehe davon in der Zeitung . . . ? Ihr Bastian
USA liberalisieren Gen-Tests mit Pflanzen
Über 85 Prozent der Freilandversuche in den USA wurden mit sechs verschiedenen Pflanzenarten durchgeführt, darunter Tomate, Mais und Kartoffel. Aufgrund der Erfahrungen aus den vergangenen Jahren sollen nun die Zulassungsbedingungen für Feldversuche vereinfacht werden. Bei den sechs Pflanzensorten müssen die Forscher demnächst keine Genehmigung für Freisetzungen mehr beantragen, wenn sie die Sicherheitsanforderungen erfüllen. Ein Hinweis, wo Feldversuche mit welchen Pflanzen stattfinden, soll künftig genügen.
Frau Van Wert erklärte, der Novellierungsentwurf werde sicherstellen, daß keine Organismen in die Umwelt gelangen, die sich dort ausbreiten könnten. Pflanzenarten wie Mais, Kartoffel oder Sojabohne hätten nicht die Fähigkeit, ohne landwirtschaftliche Fürsorge zu überleben. Es sei deshalb sinnvoll, das Zulassungsverfahren zu verkürzen. Während eine Genehmigung jetzt noch etwa 90 Tage lang bearbeitet wird, sollen in Zukunft nur noch 15 Tage zwischen der Ankündigung und dem Beginn der Versuche liegen. wm
B. Ansprüche des B gegen E
B könnte gegen E Anspruch auf Erstattung des Verdienstausfalles und der Gutachterkosten gem. §§ 631 I, 635 BGB haben.
I. Wirksamer Werkvertrag liegt vor, da B den E mit der Elektroinstallation beauftragt hat.
II. Mangel liegt vor, da wegen eines Installationsfehler häufiger der Strom ausfällt und die Insdtallation somit nicht zum vertraglichen Gebrauch tauglich ist.
III. Kausalität
zwischen Schaden und Mangel ist gegeben.III. Vertretenmüssen
IV. Inhalt des Schadens
1. Verdienstausfall IV. Fristsetzung mit Ablehnungsandrohung
Zwar findet der Anspruch auf Ersatz des in der Zeit bis zur Nachbesserung entstandenen Verdienstausfalles seine Grundlage in § 635 BGB (BGHZ 72, 31) und unterliegt somit der Regelung des § 634 I BGB mit der vorgeschriebenen Fristsetzung. Diese hat B jedoch unterlassen. Es könnte aber sein, daß B unschädlich gehandelt hat, denn wie der Anspruch auf Ersatz dieses Schadens von vornherein selbständig neben dem Nachbesserungsanspruch tritt, so ist er auch von dessen weiterem Schicksal nicht abhängig. Der Fristsetzung bedarf es somit nicht für den Ersatz eines bis zur Beseitigung des Mangels bereits eingetretenen Schadens. BGHZ 92, 308 . Der Schaden gem. § 635 kann in seiner Entstehung und seiner Durchsetzbarkeit nicht davon abhängen, ob der Besteller die zur Herbeiführung der sonstigen Rechtsfolgen der §§ 634, 635 BGB vorgeschriebene Frist gesetzt hat. (Münch.Komm -Soergel, § 635 Rn. 18
V. Vertretenmüssen
Vorsatz und Fahrlässigkeit Sorgfalt außer acht gelassen. Da E Nachbesserung anbietet, wird er dazu auch in der Lage sein. Er hätte also die Installation auch fehlerfrei vornehmen können.
VI. Umfang des Ersatzes
Wer wegen Nichterfüllung (§ 635 BGB) seiner Leistungspflicht Schadensersatz zu leisten hat, muß den Gläubiger gem. §§ 249, 252 BGB in die Vermögenslage versetzen, in der er sich befinden würde, wenn er die Leistung vertragsgemäß erhalten hätte (positives Interesse)
Der E hat den B so zu stellen, wie er stehen würde, wenn er ihm eine fehlerfreie Elektroinstallation abgeliefert hätte.
VII. Inhalt des Ersatzes
Der Schaden des B müßte gem. § 253 BGB ein Vermögensschaden sein.
B macht entgangenen Gewinn und Gutachterkosten geltend. Für beides möchte er Ersatz in Geld haben. (Siehe...).
1. Verdienstausfall
Zwar ist die Erwerbskraft als solche kein Vermögensgut, ein Vermögensschaden tritt aber infolge ihrer Beeinträchtigung ein BGHZ 72, 31) und ist auch in den §§ 249 S 1, 252 BGB normiert, da der Verdienst eine Sonderart des entgangenen Gewinnes darstellt.
B hat einen ersatzfähigen Vermögensschaden erlitten
2. Gutachterkosten
Unstreitig sind Kosten eines für die Feststellung des Mangels erforderlliche Kosten in einem "besonders engen Zusammenhang" mit dem Mangel stehend (BGHZ 54, 352, 113, 251) daß sie auf sie die Regeln der §§ 633 ff. BGB anzuwenden sind.
Fristsetzung
B müßte dem E gem. § 634 I BGB eine angemessene Frist mit Ablehnungsdrohung gesetzt haben, um ihn in Verzug zu bringen um danach die Nachbesserung gem. § 633 III BGB selbst vornehmen zu können und Ersatz der erforderlichen Aufwendungen zu verlangen. Dies hat B jedoch unterlassen. Er hat die Nachbesserung eigenmächtig vornehmen lassen. Dadurch ist für E die Erbringung seiner Leistung unmöglich geworden, was der B zu vertreten hat. E ist somit von seiner Leistungspflicht gem. § 324 I 1 BGB befreit und muß sich gem. 324 I, 2 BGB nur die ersparten Aufwendungen anspruchsmindernd anrechnen lassen. . Weit4r S. 394 ff.
Trotz aller Kritik von CDU und SPD bleibt gegenseitige Schelte doch verhalten. Und in Entre-nous-Gesprächen geben Vertreter beider Seiten offen zu, daß niemand ernstlich mit der Demontage des Triumvirats nach dem 7. März rechnet. Der Grünen-Kreistagsabgeordnete Albrecht Kündiger hält den demonstrierten Trennungswillen der beiden Dezernenten für bloße Schau: "Die Duzfreunde präsentieren sich auch politisch als einträchtiges, eingespieltes Team." In Ausschußsitzungen, spottet Kündiger, spielten sie sich die Bälle zu, um ihre Vorschläge durchzusetzen. "Man hat den Eindruck, daß sie sich untereinander eher einig sind als mit ihren Parteifreunden."
Auch einigen Genossen, insbesondere aus den Reihen der Jusos und dem linken Lager, gab die Eintracht des Regierungsgespanns im Laufe der vier Jahre zu denken. Ernsthafte Kritik wurde nur bei der Privatisierung des maroden Kreisaltenheims in Bad Soden laut. Ein Projekt, das Mehler zunächst unter keinen Umständen mittragen wollte, es aber doch tat, als er keine Mehrheit fand. Das Schweigen der SPD-Lämmer registrierte die Union mit Häme: Die SPD bestehe aus einem Mann - Gerd Mehler.
Die Bilanz der Grünen klingt rigoros: Entscheidendes sei nicht geschehen, politische Akzente suche man vergebens. Die Dezernenten dümpeln auf Kompromißkurs: Landrat Riebel, Protegé des Koch- Clans, beschränke sich aufs Verwalten. Sozialdemokrat Mehler lege unermüdlichen Aktionismus an den Tag, doch mehr als Konzepte oder qua Gesetz auferlegte Pflichtaufgaben, so im sozialen Bereich, sei nicht herausgekommen.
Kritik, die FWG-Spitzenkandidatin Erika Bänfer entschieden zurückweist. Das Regierungstrio, dirigiert von wechselnden Mehrheiten ohne feste Partner, habe sich bewährt. Ihre Fraktion stehe uneingeschränkt dazu. Was nicht verwundert: Die von den Grünen gewünschte Koalition aus SPD, Grünen und FWG hatte die "Partei ohne Programm", erst seit 1985 im Kreistag vertreten, entschieden abgelehnt; auch ein Bündnis mit CDU und FDP war dem "Sechs-Personen-Zünglein" an der Kreistagswaage nicht genehm. Nur im Spiel wechselnder Mehrheiten konnten sie ihren Einfluß voll ausspielen. "Wir liegen in manchen Bereichen, zum Beispiel in der Finanzpolitik, eher auf CDU-Linie, in der Sozial- und Umweltpolitik eher auf SPD-Kurs." Bänfer: Koalitionsverpflichtungen hätten der Entscheidungsfreiheit den Garaus gemacht.
Das "von der FWG erzwungene" freie Spiel der Kräfte hat ihrer Meinung nach politische Kultur ins Kreishaus zurückgebracht: "Früher haben die Fraktionen übereinander geredet, heute redet man miteinander; jede Seite ist gezwungen, Mehrheiten mit Argumenten zu erreichen." Das Ergebnis könne sich sehen lassen: Eine vielfältige Schullandschaft sei geschaffen worden. "Mit einer CDU- oder SPD-Mehrheit wäre je nach Ideologie ein Teil unter den Tisch gefallen."
Positiv fällt ihr Resümee auch für den sozialen Bereich aus: Ohne die SPD - insbesondere den "Macher" Mehler - wäre nicht der Bruchteil des Geleisteten umgesetzt oder zumindest auf den Weg gebracht worden. Die Kritik ihres Grünen-Kollegen, außer Konzepten und großen Worten sei nichts geschehen, teilt sie nicht: "Da ist in der Vergangenheit nur demontiert und nichts gemacht worden; das läßt sich in vier Jahren nicht einfach wieder aus dem Boden stampfen." Besonders, wenn Geld knapp ist, gleichzeitig aber mehr Aufgaben zu bewältigen sind.
Die FWG-Frau braucht nicht lange nachzudenken, ihr wäre die Neuauflage des Triumvirats die liebste Lösung. Dabei stand gerade ihr Vertreter, Schuldezernent Werner Emde, von allen Seiten am stärksten unter Beschuß. Kein Wunder, mußte er doch als Oberhaupt des einzig wirklich strittigen Gebietes - der Schulpolitik - als Buhmann qua Amt herhalten. Den positiven FWG-Einfluß auf die "Großen", der sie verstärkt zur Sach- statt Parteipolitik gezwungen habe, sehen Politvertreter aus den anderen Fraktionen jedenfalls nicht. In der Vergangenheit hätten sich vielmehr CDU und SPD in den wesentlichen Punkten versucht zu arrangieren, während der FWG die Rolle des Feigenblatts - oder gar des Schwarzen Peters - zugeschoben wurde. Beim umstrittenen Schulentwicklungsplan - von CDU und FDP wesentlich diktiert - war es der FWG-Mann, der die Schelte erboster Eltern, Lehrer und nicht zuletzt des Kultusministers einstecken mußte. Indes: Die CDU wusch ihre Hände in Unschuld.
"Die FWG hat politisch nichts gebracht", lautet das harsche Urteil des scheidenden FDP-Fraktionschefs Hans Kolb. Wenig rosig sieht er allerdings die Einflußgewalt seiner Partei. Die hausgemachte "unwürdige" Demontage der schulpolitischen Sprecherin Irmhild Colmar und der Machtkampf um den Vorsitz seines Parteikollegen Heiner Kappel hätten das Image der Fraktion angekratzt. Ebenso wie für Kündiger (Grüne) stehen für ihn die Zeichen auf "Elefantenhochzeit" von SPD und CDU. Ein Trend, der sich laut Kündiger in etlichen Kommunen des Kreises abzeichne.
FWG-Spitzenkandidatin Erika Bänfer gibt sich hingegen selbstbewußt: Denn sollten die "Republikaner" antreten und den Sprung ins Kreisparlament schaffen, sei ihre Fraktion auch zur Koalition mit SPD und Grünen bereit, um einer konservativen bis rechten Übermacht von vornherein keine Chance zu geben. In dem Punkt scheint sie Landrat Riebel zu mißtrauen, der bisher vage auf Abstand zu den Republikanern ging. Schwer dürfte der FWG (in neuer Besetzung) ein Schmusekurs mit der SPD nicht fallen, liegen sie doch in den Schwerpunkten Wohnungsbau, Umwelt und Sozialpolitik grob auf einer Linie. Im Falle dieser Dreier-Koalition müßte Landrat Riebel noch vor Ablauf seiner Amtszeit den Schreibtisch räumen. Die SPD als Mehrheitspartei im Regierungssattel würde dann den ersten Mann im Kreis stellen wollen.
Donnerstag, 21. Januar
Literatur Literaturhaus, Bockenheimer Landstr. 102: 16.30 Uhr, Lesung "Doris Lessing - ,Afrikanische Geschichten&rquote;"; 20 Uhr, Vortrag & Lesung "Die deutsche Grenze im Werk Uwe Johnsons".
Kino/Filme Das Kinoprogramm entnehmen Sie bitte dem Filmspiegel im Anzeigenteil.
Museen/Führungen Museum für Moderne Kunst, Domstraße 10: 15.15 Uhr, Führung zu "Das Museum im Spannungsfeld neuer Aufgaben".
Was Frankfurter Museen und Galerien zeigen sowie die allgemeinen Führungstermine lesen Sie donnerstags auf der Freizeitseite "Was- Wann-Wo" sowie täglich auf der Seite "Kulturpanorama Frankfurt" in der Abendausgabe. Vorträge Max-Beckmann-Schule, Sophienstr. 70, Bokkenheim: 20 Uhr, Vortrag & Diskussion "Ausländische Mitbürger in Deutschland auf Dauer (wahl-)rechtlos?".
Ev. Frauenbund: 15.30 Uhr, Vortrag "Mecklenburg-Vorpommern, einst und jetzt"; Dominikanerkloster, Kurt-Schumacher-Str. 23.
Deutsch-Italienische Vereinigung, Arndtstr. 12: 20 Uhr, Vortrag "Carlo Goldoni: ". . . die Natur nicht zu verderben . . .". Sonstiges frankfurter werkgemeinschaft, Lenaustr. 24: 14 Uhr, Treff; 17 Uhr, Spielerei.
Stadtwerke - Hobbythek, Beratungszentrum An der Hauptwache: 17 Uhr, "Wie gut sind moderne Waschmittel?".
Männerzentrum, Neuhofstr. 41 HH: 20 Uhr, Männerforum zu einem heiklen Thema.
Frankfurter Bund für Volksbildung: 15 Uhr, "Zauberer Dixon mit speziellem Kinderprogramm"; Clementine-Kinderkrankenhaus, Theobald-Christ-Str. 16.
Ökologische Linke Liste: 19 Uhr, "Flugzeuge im Wasser"; Sachsenhausen, Affentorhaus.
City-Lauftreff am Römer, 12 bis 14 Uhr.
Schach-Senioren-Gruppe: 14 bis 18 Uhr, Sozialzentrum Marbachweg. Apotheken Folgende Apotheken sind von Donnerstag, 14 Uhr, bis Freitag, 6 Uhr, ständig dienstbereit:
Apotheke am Palmengarten, Bockenheimer Landstr. 72, Tel. 72 76 13; Apotheke an der Warte, Mainzer Landstr 236, Tel. 73 14 06; Boulevard-Apotheke, Müncher Str. 8, Tel. 23 43 56; Dom-Apotheke, Fahrgasse 7, Tel. 28 31 57; Eichwald-Apotheke, Berger Str. 131, Tel. 49 31 76; Elch-Apotheke, Griesheim, Zum Linnegraben 18, Tel. 39 46 19; Rosegger-Apotheke, Eschersheim, Eschersheimer Landstr. 383, Tel. 56 12 21; Trift-Apotheke, Niederrad, Triftstr. 19, Tel. 6 78 75 95; Westerbach-Apotheke, Sossenheim, Westerbachstr. 293, Tel. 34 28 72.
Ärztlicher Notdienst Der ärztliche Notdienst für das Stadtgebiet Frankfurt ist unter der Sammel-Rufnummer 1 92 92 jederzeit erreichbar. Er soll jedoch nur bei Verhinderung des Hausarztes in Anspruch genommen werden. Für ambulant zu versorgende Notfälle: Notdienstzentrale im Haus Galluswarte, Mainzer Landstraße 265 und Usinger Str. 5.
Sanitätsdienstliche Bereitschaft für Soldaten der BW Stadt Frankfurt, Stadt und Kreis Offenbach, Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis, während der allgemeinen Dienstzeit: StOArzt Frankfurt, Tel. 2 47 78 - 4 33; nach Dienst und an Wochenenden: SanZentr. 412 Mainz, Tel. 0 61 31 / 56 26 42. Zahnärztlicher Notdienst Der zahnärztliche Notdienst in Frankfurt ist bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen, Zahnärztehaus Niederrad, Telefon 66 07 / 2 71, zu erfragen. Tierärztlicher Notdienst (19 bis 23 Uhr) Tierarzt Knell, Beethovenplatz 7, Tel. 72 66 66 (priv. 06101 / 4 44 99); danach bei den tierärztlichen Kliniken (siehe Branchenfernsprechbuch unter "Tierärzte"). Anwaltsnotdienst in Strafsachen (24 Stunden täglich)
Tel. 28 30 83.
Telefonseelsorge im Ev. Volksdienst: Tel. 1 11 01; Telefonseelsorge im Haus der kath. Volksarbeit: Tel. 1 11 02.
Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche: 1 11 03.
Notfall-Nummern
Feuerwehr/Unfall-Rettungswache 112
Überfall 110
Polizei 75 51
Krankentransport 49 00 01 - 4
Hubschrauber-Rettungsdienst 44 10 33
ADAC-Pannenhilfe 1 92 11
ACE-Pannenleitstelle 1 92 16
AvD-Pannennotruf 6 60 66 00
VCD-Notrufzentrale 02 21/82 77 366
Zentrum für Entgiftungen und Giftinformation der Universität Mainz 0 61 31 / 23 24 66
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- ohne Gewähr -
KASSEL. "Republikaner"-Chef Franz Schönhuber wird am heutigen Donnerstag abend nicht in der Mehrzweckhalle der Gemeinde Freigericht (Main-Kinzig- Kreis) sprechen: Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel hat die Weigerung der Gemeinde, ihre Halle zur Verfügung zu stellen, am Mittwoch abend in einer Eilentscheidung für Rechtens erklärt. Diese Entscheidung ist unanfechtbar. Die vom Kreisverband Main-Kinzig der Republikaner geplante Veranstaltung - sie sollte um 17 Uhr beginnen - muß deshalb abgesagt werden.
Die Halle werde ausschließlich "für örtliche Zwecke" genutzt, so die Richter des 6. Senats zur Begründung. Sie bestätigten damit nicht nur die Entscheidung der Vorinstanz, sondern auch die Auffassung der Gemeinde: Die hatte die Freigabe der Halle stets mit Hinweis auf den "überregionalen Charakter" der Veranstaltung der rechtsextremen Partei verweigert.
Die Gefahr von Gegendemonstrationen oder gar gewalttätigen Auseinandersetzungen am Rande der Veranstaltung spielte demgegenüber bei der Entscheidung der Kasseler Verwaltungsrichter keine Rolle. ebo
Durch unvorsichtigen Umgang mit offenem Licht ist ein Keller in Sossenheim zur Hälfte ausgebrannt. Dabei entstand Sachschaden in Höhe von 120 000 Mark; Menschen wurden nicht verletzt.
Wie die Feuerwehr mitteilte, brach das Feuer in dem Sechs-Familien-Wohnhaus im Henri-Dunant-Ring 38 gegen 17 Uhr aus. Ein 14 Jahre alter Junge hatte, da die Beleuchtung nicht funktionierte, sich mit einer Kerze den Weg im Keller ausgeleuchtet. Dabei stieß er eine Flasche mit Lösungsmittel um; die Flüssigkeit ging sofort in Flammen auf.
Wie Feuerwehr-Pressesprecher Walter Soff weiter berichtete, sind drei Keller völlig ausgebrannt. Der größte Schaden sei jedoch durch die Rauchschäden im Treppenhaus entstanden. ask
ALPHA - Telefon 28 31 28 - 14.30, 17.15, 20.15 Uhr: Bitter Moon (in orig. english version).
BERGER KINOS - Air Condition! - Te- lefon 45 64 05 - 13.30, 18.00 Uhr (OmU), 15.45, 20.15, 23.00 Uhr (dt. Fass.): Weiße Jungs bringen's nicht; 13.30 Uhr: Kin der-Preview: Die Lok; 20.30 Uhr (dt. Fass.): Die Liebenden von Pont-Neuf; 23.00 Uhr: Der Tod steht ihr gut; 17.45, 19.00 Uhr: Reinkarnation des Khensur Rinpoche; 15.30: Der Eisbärkönig.
BETA - Telefon 28 31 28 - 14.30, 17.30, 20.30 Uhr: Grüne Tomaten.
CINEMA - Telefon 28 29 33 - 14.15, 17.15, 20.15 Uhr: Eine Frage der Ehre.
CINEMONDE - Telefon 28 29 33 - 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Der Tod steht ihr gut.
CINESTAR - Telefon 28 29 33 - 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Sister Act.
EDEN - Telefon 28 52 05 - 11.00, 14.00, 17.00, 20.00 Uhr: Grüne Tomaten.
ELDORADO - Telefon 28 13 48 - 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Verhängnis.
ELITE - Telefon 28 52 05 - 10.30, 13.00, 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Der letzte Mohikaner.
ELYSEE 1 - Telefon 28 71 57 - 10.00, 12.30, 15.15, 18.00, 20.45 Uhr: Bodyguard ELYSEE 2 - Telefon 28 71 57 - 10.30, 13.00, 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Sister Act.
ESPLANADE 1 - Telefon 28 57 89 - 11.15, 14.15, 17.15, 20.15 Uhr: Eine Frage der Ehre (Überlänge).
ESPLANADE 2 - Telefon 28 57 89 - 12.00, 14.45, 17.30, 20.15 Uhr: Bitter Moon (Überlänge).
ESPRIT 1 - Telefon 28 52 05 - 10.00, 12.30, 15.15, 18.00, 20.45 Uhr: Kevin - allein in New York.
ESPRIT 2 - Telefon 28 52 05 - 10.00, 12.00, 14.00, 16.15, 18.30, 20.45 Uhr: Die Schöne und das Biest.
EUROPA - THX-Lucas-Soundsystem - Telefon 28 52 05 - 20.30 Uhr: Stalin- grad (Premiere, Joseph Vilsmaier ist anwesend); 11.30, 14.30, 17.30, 20.30 Uhr: Stalingrad.
EXCELSIOR 1 - Telefon 25 30 23 - 2.15, 5.15, 8.15 p. m.: A few good men (in orig. english version).
EXCELSIOR 2 - Telefon 25 30 23 - 1.00, 3.30, 6.00, 8.30 p. m.: Demage (in orig. english version).
EXCELSIOR 3 - Telefon 25 30 23 - 14.00, 17.00, 20.00 Uhr: Wiedersehen in Howards End.
FILMFORUM HÖCHST - Telefon 31 06 - 56 64 - 18.30 Uhr: Weiblich, le- dig, jung, sucht . . . v. B. Schroeder; 20.30 Uhr: Fremde Schatten v. J. Schle- singer.
GAMMA - Telefon 28 31 28 - 15.15, 17.45, 20.15 Uhr: Von Mäusen und Menschen.
HARMONIE - Telefon 61 35 50 - 17.45, 20.15, 22.45 Uhr: Last of Mohicans (orig. english version); 16.00 Uhr: Hatschipuh (ab 6 J.); 17.45, 20.00 Uhr: Simple Men (OmU); 22.15 Uhr: The crying game (dt. Fass.).
JUGENDKINO - Telefon 43 26 26 - In einem Land vor unserer Zeit; (ZOO) Samstag 14.00, 16.30 Uhr, Sonntag 14.00, 16.30 Uhr; (NWZ) Sonntag, 11.00, 14.00, 16.30 Uhr; (HDJ) Freitag, 16.00 Uhr.
Mo.- Do. keine Vorstellung.
KOMMUNALES KINO - Telefon 21 23 88 30 - 17.30 Uhr: Klassiker der Filmgeschichte, D. W. Griffith: In the Border States (USA 1910), Muggsy's First Sweetheart (USA 1910) u. a. OF; 19.45 Uhr: Der Kurzfilm Alessandra Bocchetti: Della conoscenza (Italien 1968) OmU; 20.15 Uhr: Sergej Eisen stein im Kontext der russischen Avantgarde 1920-1925, Vselovod Pu- dovkin: Die letzten Tage von St. Pe- tersburg / Konec Sankt-Petersburga (UdSSR 1927) DF; 22.15 Uhr: Deutsch- indischer Filmverleih, Henning Steg- müller: Vari. Eine indische Wallfahrt (BRD 1990).
MAL SEH'N - Telefon 5 97 08 45 - 17.45 Uhr: Wallers letzter Gang v. Ch. Wag- ner; 19.45 Uhr: Winternachtstraum v. A. Veiel; 22.00 Uhr: Hairspray v. G. Waters (OmU); 15.45 Uhr: Das kleine Gespenst (ab 4 J.).
OLYMPIA - Telefon 28 31 28 - 15.00, 17.45, 20.30 Uhr: Verhängnis.
ORFEO - Telefon 70 22 18 - 18.00, 20.15 Uhr: Gestohlene Kinder; 22.30 Uhr: Im Rausch der Tiefe.
ROYAL - Telefon 28 95 20 - 14.30, 17.30, 20.30 Uhr: Bodyguard.
TURMPALAST 1 - Telefon 28 17 87 - 15.00, 18.00, 21.00 Uhr: Stalingrad.
TURM 2 - 15.00, 18.00, 21.00 Uhr: Bitter Moon.
TURM 3 - 15.15, 17.45, 20.15, 22.45 Uhr: Tanz der Teufel.
TURM 4 - 15.15, 17.45, 20.15, 22.45 Uhr: Candyman's Fluch.
STUDIO 5 im Turmpalast - Telefon 28 17 87 - 15.00, 17.30, 20.00, 22.30 Uhr: Der letzte Mohikaner.
TURM 6 - 15.00, 17.45, 20.30, 23.30 Uhr: The Bodyguard (orig. english version).
TURM 7 - 15.15, 17.45, 20.15, 22.45 Uhr: Die Stunde der Patrioten.
ZEIL 1 - Telefon 28 51 05 - 13.00, 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Der Tod steht ihr gut.
ZEIL 2 - Telefon 28 51 05 - 13.15, 15.45, 18.15, 20.45 Uhr: Weiße Jungs bringen's nicht.
ZEIL 3 - Telefon 28 51 05 - 13.15, 15.45, 18.15, 20.45 Uhr: Kevin - allein in New York.
ZEIL 4 - Telefon 28 51 05 - 13.00, 15.30, 18.00, 20.30 Uhr: Eine Klasse für sich.
ZEIL 5 - Telefon 28 51 05 - 13.00, 15.45, 18.00, 20.15 Uhr: Mo' Money - meh' Geld.
ZEIL 6 - Telefon 28 51 05 - 13.30, 15.45, 18.00, 20.15 Uhr: Die Schöne und das Biest.
AUTOKINO GRAVENBRUCH - Telefon (0 61 02) 55 00 - 20.00 Uhr: Ihr größter Coup; 22.00 Uhr: Friedhof der Kuschel- tiere II.
AUTOKINO MTZ - Telefon (0 61 96) 2 33 44 - 20.00 Uhr: Stalingrad; 22.45 Uhr: Candymans Fluch.
Gegen Dampfmaschinen hatten viele Frankfurter was. Jeder Versuch, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Europa Furore machende Antriebstechnik in der Stadt zu installieren, scheiterte bis 1836 an massiven Bürgerprotesten und den rigiden Verboten der Stadtregierung. Generelle Fortschrittsfeindlichkeit bornierter Spießer? Irrationale Phobien vor neuer Technologie? Protest aus tumber Unkenntnis?
Wie dem auch sei. Die Frankfurter konnten bei jedwedem "Nein" zur Dampfmaschine auf eine gesetzliche Grundlage pochen. Das Baustatut von 1809 dekretierte, daß alle "Einrichtungen", die mit Rauch, Lärm oder Gestank die Umgebung belasten, nur "nach Vernehmung der Nachbarn" genehmigt werden dürften. Man dachte an Backhäuser, Branntweinbrennereien, Schmieden, Schlosserwerkstätten. Nur an "entfernten Orten" könne man, wenn überhaupt, dergleichen gestatten. Und auch da gelte - beispielsweise bei Wachstuchmachereien oder Firnishütten - die rigide Order, die Gartenhausbesitzer und die Spaziergänger nicht mit "üblen Gerüchen" zu echauffieren.
Der Redakteur und Druckereibesitzer Heller scherte sich um keinerlei Verbote, als er 1835 ohne Senatsgenehmigung die erste lärmende und puffende Dampfmaschine innerhalb des Stadtgebiets aufstellte und von ihr zwei Schnellpressen für die Produktion des "Frankfurter Journals" antreiben ließ. Die Obrigkeit brummte dem Mann eine Geldstrafe auf. Heller verteidigte sich mit dem Hinweis, er habe sich nicht strafbar gemacht. Eine Erlaubnis für die Maschine brauche er nicht, da es keinen Paragraphen gebe, der die Aufstellung untersage.
Der Senat zog aus dem Argument Konsequenzen und beschloß "Richtlinien für die Aufstellung von Dampfmaschinen". Wichtigster Punkt: Falls gebilligt, kamen die Dinger unter strenge "Beaufsichtigung" - kostenpflichtig versteht sich. Die Überwachung oblag dem "Physikalischen Verein". Von 1840 an hatte auch noch ein städtischer Inspekteur für das Dampfmaschinenwesen ein Argusauge darauf. Dieser Johann Philipp Wagner ging vor allem den Druckereibetreibern auf die Nerven.
Diese Branche unterlag nicht dem Zunftzwang und war von daher der neuen Technik gegenüber besonders aufgeschlossen. Trotz behördlicher Reglementierung - Bürgerproteste gegen Einzelentscheide blieben nicht aus. Besonders lange und heftige Auseinandersetzungen gab es, als 1853 die Druckerei Dondorf ihren Betrieb in der Saalgasse mit einer Dampfmaschine von acht PS Leistung bestücken wollte. Die Anwohner liefen Sturm dagegen: Der Rauch dieses Ungetüms verschmutze die Wäsche, die zum Bleichen ausgelegt werde, und mache auch das Regenwasser schlecht, auf das man im Haushalt nicht verzichten könne.
Doch da hatten sich die Zeiten schon geändert. Dondorf gab 80 Arbeitern Lohn und Brot und zahlte, da er gut zu tun hatte (Nachtschichten im Licht von 60 Gaslaternen), auch reichlich Steuern an den Römer-Fiskus. Der Senat setzte sich über die Einsprüche der Nachbarschaft hinweg und genehmigte die Dampfmaschine. peh
(Siehe: "Die Niederländer . . ." auf Seite 20)
Drei Tage vor der Oberliga-Hallen-Gala in der Höchster Ballsporthalle testeten Spitzenreiter Offenbacher Kickers sowie der FV Bad Vilbel erstmals nach der sechswöchigen Winterpause ihre Form auf dem Feld. Die Elf von Trainer Lothar Buchmann zeigte sich beim Landesliga- Verein SV Bernbach in erstaunlicher Frühform und siegte mit 5:1.
Der OFC Kickers konterte die Freigerichter nach den Toren von Seidl (18./Eigentor) und Hartmann (62.) vor 300 Zuschauern in Somborn klassisch aus. Seine läuferische und technische Überlegenheit nutzte der ohne Stammkeeper Keffel (Todericiu stand zwischen den Pfosten) und Schummer (für ihn spielte Aydin) angetretene Gast durch Behlil (69./77.) sowie Koutsoilakos (70.) konsequent aus. In der Endphase traf Bangert (88.) für den SVB, der ohne Ex-Nationalspieler Borchers und Lachmann spielte. Behlil (30.) verschoß beim OFC einen Elfmeter.
Landesliga-Tabellenführer SG Höchst besiegte auf dem Kunstrasenplatz im Stadtpark den nur mit elf Akteuren angereisten FV Bad Vilbel mit 5:1 (2:0). Grabitsch (2), Mohri, Gotthardt und Sebastian sowie Nix (BV) erzielten die Tore. Jung und Haigis schieden mit Achillessehnenverletzungen beim Gast aus. hdp
Drei Tage vor der Hanauer Hallen- Gala mußte Fußball-Landesligist SV Bernbach im ersten Test nach der Winterpause eine glatte 1:5(0:1)-Niederlage gegen den Oberliga-Spitzenreiter Kickers Offenbach quittieren. Genau vier Wochen vor der Jahreshauptversammlung des SVB (12. Februar) traten im Rahmen einer Vorstandssitzung der 1. Vorsitzende Wolfgang Tiede und Jugendleiter Harald Neubauer von ihren Ämtern zurück. Ferner hat sich am vergangenen Samstag Abwehrspieler Ralf Schäfer mittels Einschreiben bei den Freigerichtern abgemeldet. Diese wurde inzwischen von Manager Kurt Herzog - ebenso wie die Demission des Vorsitzenden - bestätigt. Vom Rücktritt des Jugendleiters wußte er (noch) nichts. Der beim unrühmlichen Abgang von Trainer Alfred Haas mächtig in die Kritik (vor allem seitens des Hauptsponsors Huth) geratene Tiede zog die Konsequenzen aus dem personellen Hickhack, das weitestgehend hinter seinem Rücken abgelaufen sein soll. Erhard Trageser hat kommissarisch die Amtsgeschäfte übernommen. Das neue Führungsgremium will zusammen mit Trainer Karl Schaffrath ab 20. Februar den sportlichen Erfolg sichern helfen.
Der erste Test nach der Winterpause ging durch individuelle Fehler (Eigentor, Abwehr des Balles vor die Füße des Gegners) in die Hosen, dennoch zeigte der SVB 60 Minuten lang eine gute Vorstellung. Zumal Libero Ronny Borchers (Wadenprellung) und mit Gerhard Lachmann ein zweiter routinierter Defensivmann ausfielen. Sie waren auf Anhieb durch Ersatz-Libero Krakowiak (zuletzt OFC Kickers) und Michel (kam von der SG Egelsbach) nicht gleichwertig zu ersetzen. Verständlicherweise fehlte die Harmonie mit den Nebenspielern. Wichtiger wäre in den nächsten Wochen allerdings die Harmonie zwischen Sponsor, Vorstand, Trainer und Mannschaft. Falls bei "Klein-Schalke" nicht endlich alle an einem Strang ziehen, muß die Oberliga erneut abgeschrieben werden. SV BERNBACH: Parizon - Krakowiak - Seidl, Michel - Löffler (75. Abbruzzese), Rieth, Repp, Seikel, Schlögl (46. Auerbach) - Bangert, Krüger (46. Algieri). TORE: 0:1 Seidl (18./Eigentor), 0:2 Hartmann (62.), 0:3 Behlil (69.), 0:4 Koutsoliakos (70.), 0:5 Behlil (77.), 1:5 Bangert (89.). -SCHIEDSRICHTER: Kuhl (Großenhausen) - ZUSCHAUER: 300. hdp
Einer der schillerndsten Begriffe, die amerikanische Politologen gern im Munde führen, heißt "self-destroying prophecy". Er bezeichnet eine Voraussage, die allein deswegen, weil sie geäußert wird, Entwicklungen zu ihrer eigenen Widerlegung in Gang setzt und sich somit selbst zerstört. Das enthebt den Urheber der betreffenden Prophezeiung der peinlichen Notwendigkeit, eines Tages eingestehen zu müssen, er habe sich geirrt.
Jetzt, da aus dem zuvor wirtschaftlich scheinbar kerngesunden Japan fast täglich neue Krisenmeldungen kommen, mag von diesem Trick auch der nationalkonservative japanische Politiker Shintaro Ishihara profitieren. Er hatte vor Jahren über seine weltwirtschaftlichen Debatten mit dem Sony-Chef Akio Morita Aufzeichnungen angefertigt, die auf ungeklärte Weise teilweise als Raubübersetzung in den USA gedruckt und verbreitet wurden und wegen der beleidigenden Formulierungen und kaum verhüllten Drohungen Ishiharas gegenüber Amerika dort Empörung hervorriefen.
Sogar anhand der abgemilderten und autorisierten amerikanischen Fassung des Buches von Ishihara, der nunmehr auf Moritas Texte verzichten mußte, bleibt diese Reaktion in den USA begreiflich. Unter dem englischen Titel The Japan That Can Say No (Das Japan, das Nein sagen kann) befürwortet der Autor offen Zwangsmaßnahmen gegen Amerika. Die USA sollten künftig keine Computer-Chips der japanischen Spitzentechnologie mehr erhalten, auf denen ihre Militärmacht beruhe. Das ist das Nein, das Ishihara seinen nationalistischen Freunden in Tokio empfiehlt.
Der Ton macht die Musik. Eine Leseprobe aus der deutschen Ausgabe: "Amerikanische Geschäftsleute und Politiker bieten Japan törichterweise ihren ungebetenen Rat an, obwohl sich ihre eigene Industriepolitik so weit von soliden Geschäftsprinzipien entfernt hat . . . Kein anderes Land sollte Einwände gegen die Ziele oder Methoden unserer offiziellen Entwicklungshilfe erheben. Schließlich ist es unser Geld." Derlei rabiate Prosa durchzieht das ganze Buch.
Da die Deutschen kein Interesse an Militärtechnologie aus Japan haben können, paßte der englische Buchtitel nicht für die deutsche Ausgabe. Sie heißt - noch hochmütiger -: Wir sind die Weltmacht - Warum Japan die Zukunft gehört. Der frühere Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff meinte zum Erscheinen der deutschen Ausgabe, das Buch sei eine "Aufforderung und Ermunterung" an die Handelspartner Japans, "nicht das Handtuch zu werfen, sondern am Spiel der Wettbewerbskräfte teilzunehmen", und damit sei ein wirtschaftspolitischer "Dialog" begonnen worden.
Seither beschränkt sich dieser sogenannte Dialog weiterhin auf fruchtlose Klagen Europas über den japanischen Handelsbilanzüberschuß gegenüber der EG, der im vergangenen Jahr 32 Milliarden Dollar überstieg. Sonst freilich scheint sich das Blatt zu wenden. Die Schwächezeichen in den meisten Branchen der japanischen Industrie mehren sich. Von Flaute ist die Rede.
Und - siehe da! - das Amerika, dem Ishihara schulterklopfend einen Gesundungsplan anempfohlen hatte, schlägt zurück, und zwar ausgerechnet auf den wunden Punkt, der im Mittelpunkt der Drohungen des japanischen Politikers gestanden hatte - bei der elektronischen Spitzentechnologie. Plötzlich ist gar nicht mehr ausgemacht, daß "Japan die Zukunft gehört", wie Ishiharas zweifelhaftes und gleichwohl bemerkenswertes Pamphlet den Deutschen und damit der Welt verheißen will. Aber war es jemals ausgemacht? Aus solchem Stoff sind nämlich die Voraussagen, die sich angeblich selbst zerstören. Man kann es auch anders ausdrücken: Hochmut kommt vor dem Fall. DIETER DÖLLKEN
Shintaro Ishihara: Wir sind die Weltmacht - Warum Japan die Zukunft gehört. Aus dem Amerikanischen von Bernd Rullkötter. Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1992, 224 Seiten, 32 DM.
Termine am Wochenende - Vorschau auf einem Blick
BASKETBALL
ZWEITE BUNDESLIGA, Männer, Gruppe Süd: u. a. TV Langen - FC Baunach (Sa., 20.00, Georg-Sehring-Halle), SV Oberelchingen - BG MAXX Offenbach/Neu-Isenburg (So.).
ZWEITE BUNDESLIGA, Frauen, Gruppe Süd: u. a. Eintracht Frankfurt - DJK Würzburg (Sa., 18.15, Sporthalle Süd), Heidenheimer SB - MTV Kronberg (Sa.).
REGIONALLIGA, Frauen: u. a. Homburger TG - ACT Kassel (Sa., 16.00, Hochtaunushalle), TV Hofheim - BSG Hillscheid ( Sa., 16.00, Gymnasium).
REGIONALLIGA, Männer: u. a. TV Langen - BBC Horchheim (So., 12.30, Georg-Sehring- Halle).
BOGENSCHIESSEN
HESSISCHE HALLENMEISTERSCHAFTEN: Sa./So., jeweils ab 9.00 Uhr, Ffm.-Schwanheim, Landesleistungszentrum. BOWLING HESSISCHER VEREINSPOKAL: Sa. u. So., jeweils 10 Uhr, Stern-Bowling, Oberrad, Mathildenstraße 1. EISHOCKEY ZWEITE BUNDESLIGA: u.a. EC Bad Nauheim - EHC Essen-West (Fr., 19 Uhr, Eishalle am Kurpark); ES Weißwasser - EC Bad Nauheim (So., 16 Uhr).
OBERLIGA NORD, Endrunde: u.a. Frankfurter ESC - ETC Timmendorf (Fr., 19 Uhr, Eissporthalle am Ratsweg), Herforder EG - Frankfurter ESC (So., 18.30). HANDBALL BUNDESLIGA, Frauen, u.a: SW Wiesbaden - SC Magdeburg (Sa, 20 Uhr, Sporthalle Elsässer Platz).
2. BUNDESLIGA SÜD, Männer, u.a: TV Gelnhausen - TuS Fürstenfeldbruck (Sa, 19.30 Uhr, Kreisrealschule).
REGIONALLIGA SÜDWEST, Männer: SV Hermsdorf - TSV Eschwege (Sa. 16 Uhr, Werner Seelenbinder-Halle), TSG Münster - TSG Groß-Bieberau (Sa. 19 Uhr, Eichendorffschule), HSG Asbach/Modau - TuS Griesheim (Sa. 19.30 Uhr, Großsporthalle Ober-Ramstadt), Hermannia Kassel - SSV Erfurt (Sa. 19.30 Uhr, Hegelsberg), TV Kirchzell - TV Lützellinden (Sa. 20 Uhr, Parzival-Sporthalle, Amorbach), TV Groß-Umstadt - HSV Apolda (S. 18 Uhr, Ernst- Reuter-Schule), Tuspo Obernburg - TV Bürgstadt (So. 18 Uhr, Valentin-Ballmann-Halle).
REGIONALLIGA SÜDWEST, Frauen: SG Hessen Hersfeld - HBV Jena (Sa. 17 Uhr, Geistalhalle), SV Darmstadt 98 - BSC Urberach (Sa. 17.30 Uhr, Am Böllenfalltor), SG Kirchhof - TSG Leihgestern (Sa. 19.30 Uhr, Stadtsporthalle Melsungen), TSG Ober-Eschbach - TV Hofheim (Sa. 19.30 Uhr, Albin-Göhring-Halle), SG Bruchköbel - ThSV Eisenach (So. 16.15 Uhr, Heinrich-Böll-Schule), Eintracht Wiesbaden - TV Flörsheim (So. 17 Uhr, Elsässer Platz).
OBERLIGA HESSEN, Süd, Männer: TV Wikker - TG Rüsselsheim (Sa. 17 Uhr, Sport- und Kulturhalle Weilbach), TV Büttelborn - TuS Dotzheim (Sa. 19.30 Uhr, Georgenstr.), TuS Holzheim - TSG Sulzbach (Sa. 19.30 Uhr, Sportzentrum Diez), TV Flörsheim - TV Idstein (So. 11 Uhr, Stauffenberg-Halle), TG Nieder-Roden - SG Anspach (So. 17 Uhr, Wiesbadener Str.), TV Breckenheim - TV Großwallstadt II (So. 18 Uhr, Sport- und Kulturhalle).
OBERLIGA HESSEN SÜD, Frauen: TSG Oberursel - TuS Kriftel (Sa. 17.45 Uhr, Erich- Kästner-Schule), Grün-Weiß Ffm. II - SV Crumstadt (Sa. 18 Uhr, Wächtersbacher Str.), Eintracht Wiesbaden II - PSV Heusenstamm (So. 15.15 Uhr, Elsässer Platz), SU Mühlheim - TV Groß-Umstadt (So. 16.30 Uhr, Anton-Dey- Str.), SSG Bensheim - TSG Bürgel (So. 17.15 Uhr, Am Weiherhausstadion), TV Sulzbach - TGS Walldorf (So. 18 Uhr, Main-Spessart- Halle).
BEZIRKSLIGA I FRANKFURT, Männer: BSC Kelsterbach - TuS Nieder-Eschbach (Sa. 19.15 Uhr, Gesamtschule), TGS Niederrodenbach - TV Altenhaßlau (Sa. 19.30 Uhr, Bulau- Halle), SG Bruchköbel - TG Dörnigheim (So. 18 Uhr, Heinrich-Böll-Schule), VfL Goldstein - HSV Götzenhain (So. 18 Uhr, Carl-von-Weinberg-Schule), TV Petterweil - SG Nied (So. 18 Uhr, Sauerbornstr.), TV Gelnhausen II - TSG Ober-Eschbach (So. 18 Uhr, Kreisrealschule).
BEZIRKSLIGA II FRANKFURT, Männer: HC Friedrichsdorf - TG Hainhausen (Sa. 19 Uhr, Philipp-Reis-Schule), TSG Oberursel - SG Dietzenbach (Sa. 19.30 Uhr, Erich-Kästner- Schule), TV Kesselstadt - TuS Zeppelinheim (So. 17 Uhr, Otto-Hahn-Schule), SG Wehrheim/ Obernhain - TG Hanau (So. 18.30 Uhr, Am Bürgerhaus), TV Langenselbold - SV Seulberg (So. 19.30 Uhr, Gesamtschule), Eintracht Ffm. - FTG Ffm. (So. 19.40 Uhr, Friedrich-Ebert- Schule, Seckbach).
BEZIRKSLIGA I FRANKFURT, Frauen: SV Dreieichenhain - SG Wehrheim/Obernhain (Sa. 16.45 Uhr, Weibelfeldschule), TV Niedermittlau - HSV Götzenhain (Sa. 19.30 Uhr, Gesamtschule Freigericht-Somborn), Artemis Sport Ffm. - TuS Nieder-Eschbach (So. 17.30 Uhr, Wächtersbacher Str.), TSG Neu-Isenburg - SG Dietesheim/Mühlheim (So. 18 Uhr, Geschwister-Scholl-Halle), TV Eschersheim - FTG Ffm. (So. 18.30 Uhr, Wilhelm-Merton-Schule, Ginnheim).
BEZIRKSLIGA II FRANKFURT, Frauen: SW Griesheim - TV Gelnhausen (Sa. 17.30 Uhr, Gesamtschule), TG Hainhausen - SV Erlensee (So. 16 Uhr, Am Sportfeld), TuS Zeppelinheim - Spvgg. Bad Homburg (So. 17 Uhr, Am Sportplatz), TuS Steinbach - SKG Sprendlingen (So. 17.30 Uhr, Altkönighalle), TV Bad Vilbel - SG Hainburg (So. 18.40 Uhr, Am Sportfeld).
KREISLIGA A FRANKFURT, Männer: TGS Vorwärts Ffm. - TSG Ffm. Berg (Sa. 19.15 Uhr, Niddahalle Nied), TV Gonzenheim - TV Bergen-Enkheim (Sa. 19.30 Uhr, Mittelweg), TG Schwanheim - TSG Nordwest Ffm. (Sa. 20.15 Uhr, Carl-von-Weinberg-Schule), TSV 57 Sachsenhausen - TV Petterweil II (So. 11 Uhr, Halle Süd), TuS Nieder-Eschbach II - SG Sossenheim (So. 12.30 Uhr, Otto-Hahn-Schule), TV Bad Vilbel - MTV Kronberg (So. 17 Uhr, Am Sportfeld). KREISLIGA A FRANKFURT, Frauen: TG 04 Sachsenhausen - Usinger TSG (Sa. 18.15 Uhr, Stadionhalle), TG Schwanheim - TSG Nordwest Ffm. (So. 13.45 Uhr, Carl-von-Weinberg- Schule), TSG Oberursel II - Grün-Weiß Ffm. III (So. 14 Uhr, Erich-Kästner-Schule), SG Nied - FSV Ffm. (So. 15.15 Uhr, Niddahalle), Tschft. Griesheim - SG Riederwald (So. 18.15 Uhr, Gesamtschule).HOCKEY BUNDESLIGA, Männer, Gruppe Süd: u. a. Eintracht Frankfurt - Dürkheimer HC (Sa., 17.30 Uhr, Carl-v.Weinberg-Schule).
BUNDESLIGA, Frauen, Gruppe Süd: u. a. RTHC Leverkusen - SC 1880 Frankfurt (Sa.), Dürkheimer HC - Eintracht Frankfurt (Sa.), Club Raffelberg - Rüsselsheimer RK (Sa.), Blauweiß Köln - THC Hanau (Sa.), THC Hanau - Dürkheimer HC (So., 11.00, An den Güntherteichen), RTHC Leverkusen - Rüsselsheimer RK (So.), Blauweiß Köln - Eintracht Frankfurt (So.), Club Raffelberg - SC 1880 Frankfurt (So.).
REGIONALLIGA SÜD, Männer: u.a. SC 1880 Frankfurt - HC Heidelberg (So., 12.30, Fabriksporthalle Wächtersbacher Str.), 1. Hanauer THC - HC Speyer (So., 13.00, An den Güntherteichen).
OBERLIGA HESSEN, Männer: Höchster THC - TEC Darmstadt (So., 10.30 Uhr, Sporthalle BIKUZ), Offenbacher RV - Limburger HC Ib (So., 11.00, Mathildenschule), SC 1880 Frankfurt Ib - SC SAFO Frankfurt (So., 13.45, Fabriksporthalle Wächtersbacher Straße), Wiesbadener THC - Eintracht Frankfurt Ib (So., 15.45, Dilthey-Leibniz-Schule).
OBERLIGA HESSEN, Frauen: THC Hanau Ib - Eintracht Frankfurt Ib (So., 9.00, An den Güntherteichen), Offenbacher RV - Rüsselsheimer RK Ib (So., 9.30, Mathildenschule), SC 1880 Frankfurt Ib - FSV Frankfurt (So., 10.15, Fabriksporthalle Wächtersbacher Straße), DHC Wiesbaden - SKG Frankfurt (So., 10.45, Dilthey-Leibniz-Schule).
VERBANDSLIGA HESSEN, Männer: Rüsselsheimer RK Ib - TSV 1857 Sachsenhausen (Sa., 17.00, Sporthalle Dicker Busch), SKG Frankfurt - THC Hanau Ib (So., 9.30, Wintersporthalle), TG Hanau - TGS Vorwärts Frankfurt (So., 14.30, An den Güntherteichen), Wiesbadener THC Ib - KSV Hessen Kassel (So., 14.30, Dilthey-Leibniz-Schule).
VERBANDSLIGA HESSEN, Frauen: SC 1880 Frankfurt III - SC SAFO Frankfurt (So., 9), Wiesbadener THC Ib - Höchster THC (So. 17). FUSSBALL HANAUER Hallenturnier, (Sa. ab 12.45 Uhr und So. ab 12.30 Uhr, August-Schärttner-Halle.)
BEZIRKSLIGA FRANKFURT: Spvgg. Griesheim 02 - SG Riederwald (So. 14.30 Uhr).
KREISLIGA B FRANKFURT: SG Dahlak - SV Iran, Birlik Spor - Eritrea, US Foggia - FC Bügel, Kültürspor - Jeta e Re, SV Gutleut - Özgür Spor, PSV Blau-Gelb - VfR Bockenheim, Fortuna - Corum Spor, Sportfreunde Süd - Azzuri del Sud, Italia Fechenheim - Espanola, Pena Gallega - SC Achilleas (alle So., 14.30 Uhr).
FREUNDSCHAFTSSPIEL: SV Niederursel - SV Bonames (Sa., 14.30 Uhr, Dorfwiesenweg).LEICHTATHLETIK WALDLAUFSERIE des FSV Frankfurt (Sa., 13.30 Uhr, Start am Waldspielplatz Riederwald).
IBM-SPRINT-CUP (So., 12 Uhr, Leichtathletikhalle Frankfurt-Kalbach). TISCHTENNIS HESSISCHE EINZELMEISTERSCHAFTEN: Sa. 11.30 Uhr, So. ab 9.00 Uhr, Endspiele ab 13 Uhr, Vellmar, Sporthalle der Gesamtschule.
Der Londoner Kunstmarkt mag - je nach Konjunkturlage - drei, sechs oder neun Milliarden Mark im Jahr umsetzen, er ist auf alle Fälle der größte in Europa. Kein Wunder denn, daß die Briten nichts von Restriktionen halten, wie sie etwa in Italien, Frankreich oder Griechenland bestehen: Ausfuhrverbote für Kulturgüter, die irgendwie von "nationalem Interesse" sind. Wenn die Regierungen in Rom, Paris oder Athen ein Stück mit diesem Bann belegen, kann man den zu erhoffenden Verkaufspreis getrost durch drei teilen oder die Transaktion gleich ganz abblasen. Auf diese Weise verhinderten italienische Behörden kürzlich auch die Versteigerung einiger Hitler-Aquarelle in Triest; kaufkräftige Interessenten dafür gab es nur im Ausland.
Auch in Deutschland gibt es eine Liste mit rund 500 Kunstwerken, Antiquitäten und Archivalien, die nicht exportiert werden dürfen. Über die besondere Schutzwürdigkeit einzelner Stücke beziehungsweise den Ausschluß anderer läßt sich zwar streiten, doch die Rechtslage ist dafür um so eindeutiger - im Gegensatz zu den genannten Südländern, wo immer auch ad hoc entschieden wird, welches Bild bleiben muß und welches reisen darf.
Großbritannien hatte zwar just vor Jahresfrist versucht, auch eine solche Liste aufzustellen, doch das Vorhaben wurde rasch abgeblasen, als sich seine Nebenwirkungen prompt und deutlich zeigten: Alle Besitzer von Werken, die eventuell unter ein Exportverbot fallen könnten, hätten ihre Habe nämlich noch rasch vorher zu Schleuderpreisen auf den Markt gebracht und so genau das bewirkt, was es eigentlich zu verhindern galt: einen Ausverkauf englischer Kulturgüter. Es war schon zu regelrechten Panikverkäufen gekommen; die Versteigerung von Holbeins "Dame mit Eichhörnchen" etwa zählte als solcher.
Mit der Einführung des Binnenmarktes und eines Europas ohne Grenzen drohten diese ganzen nationalen Regelungen obsolet zu werden. Gewiß: "Nationales Kulturgut von künstlerischem, geschichtlichem oder archäologischem Wert" hatte schon in den römischen Verträgen von 1957, der EWG-Gründungsakte, einen Sonderstatus zugewiesen bekommen, und in der revidierten Maastrichter Fassung, die erstmals der Kultur unter ihrer Förderung einen eigenen Paragraphen (Nr. 128) widmet, ist auch, wenngleich höchst vage, von "Erhaltung und Schutz des kulturellen Erbes von europäischer Bedeutung" die Rede. Doch da EG-Recht über nationalen Bestimmungen steht, wären die rigiden Kunstexport- Beschränkungen in manchen Ländern am 1. Januar eigentlich hinfällig geworden.
Am 10. November - also quasi in letzter Minute - verabschiedeten die Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft allerdings neue Richtlinien für den Kunsthandel, die in der gesamten Branche Konsternation auslösten. Säuberlich aufgeteilt nach vierzehn Kulturgut-Kategorien, legen sie fest, was alles nur mit besonderer Genehmigung ("Größe des Formulars: 210 mal 297 Millimeter", witzelte das Nachrichtenmagazin Der Spiegel) ausgeführt werden darf. Gemälde sind betroffen, wenn der Maler tot ist, sie über 50 Jahre alt und über 150 000 Ecu (knapp 300 000 Mark) wert sind. Alte Münzen, Medaillen und archäologische Stücke fallen, unabhängig von ihrem Preis, darunter, wenn sie über 100 Jahre alt sind. Dazwischen liegen - mit verschiedenen Wert- und Altersgrenzen - Grafik, Bücher, Möbel, Keramik, Textilien, Modellschiffe uns so weiter.
Die schwerwiegendste Neuerung wurde aber auf Italiens Wunsch beschlossen: Sie besteht in einem Rückforderungsrecht für illegal exportierte Stücke. Zwar zweifeln selbst hohe italienische Beamte daran, daß sich dieses Recht praktisch durchsetzen läßt, doch die Gegner der Bestimmung, hauptsächlich englische und deutsche Kunsthändler, werfen Italien vor, es wolle damit die Durchsetzung seiner eigenen Gesetze anderen Ländern aufbürden. In der Tat werden die relativ restriktiven italienischen Exportregeln dortselbst gewöhnlich lasch gehandhabt; bloß wenn eine Verwaltung vom Schlage der teutonischen damit befaßt ist, könnte es ernst werden.
"Die direkte Folge", prophezeit Joël- Marie Millon vom Verband der Auktionatoren des Pariser Hôtel Drouot, "wird sein, daß der Schwarzmarkt sich ausdehnt. Man muß in diesem Bereich sehr flexibel sein, um nicht Betrügereien Vorschub zu leisten." Drohende Rückforderungen können den Markt aber auch schon da zum Erliegen bringen, wo es bei der Drohung bleibt: "Ein Staat, der ein Bild zurückfordert, ist nicht verpflichtet, für die Auslösung auch finanziell einzustehen", erklärt Anthony Brown vom Londoner Auktionshaus Christie's, "aber in der Zwischenzeit kann das betreffende Gemälde natürlich nicht versteigert werden."
Hinzu kommt, daß es den EG-Mitgliedsstaaten auch nach den neuen, im Frühjahr noch vom Europäischen Parlament zu verabschiedenden Richtlinien freisteht, einen Kernbestand nationalen Erbes zu definieren, der in keinem Fall außer Landes gebracht werden darf. Das heißt, im Grunde bleibt alles beim alten, es wird nur bürokratisch komplizierter. War angesichts zweier diametral entgegengesetzter Traditionen in Europa etwas anderes zu erwarten?
"Die südeuropäischen Länder waren in bezug auf ihr nationales Erbe immer protektionistischer, Nordeuropa ist es weniger", erläutert der französische Kulturminister Jack Lang, der den ausgehandelten Kompromiß - ebenso wie Italien und Großbritannien - befürwortet hat. Griechenland stimmte dagegen, weil die Protektion nicht weitreichend genug sei; Deutschland enthielt sich der Stimme, weil man einerseits die negativen Auswikungen für den Markt deutlich sah, aber andererseits nicht als Spielverderber dastehen wollte.
Aufgespießt
"Auf Wiedersehen!" Der bisherige US-Vizepräsident Dan Quayle, der am Mittwoch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt von Journalisten um ein paar kurze Abschiedsworte gebeten wurde.
PALE / SARAJEWO, 21. Januar (AP/ Reuter/dpa). Nach der serbischen Zustimmung zum Genfer Friedensplan hat EG-Vermittler David Owen die Bildung einer Übergangsregierung für Bosnien- Herzegowina vorgeschlagen. Nach einem Treffen mit dem kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman sagte Owen am Mittwoch abend in Zagreb, die Regierung sollte "für alle drei Völker sprechen".
Aus EG-Kreisen verlautete, dem Interimskabinett sollten der amtierende Präsident Alija Izetbegovic für die Moslems, Serbenführer Radovan Karadzic und der kroatische Politiker Mate Boban oder ihre jeweiligen Vertreter angehören.
UN-Vermittler Vance und Owen äußerten sich in Zagreb zurückhaltend über die Zustimmung der bosnischen Serben zum Genfer Friedensplan. Owen betonte, daß die Erklärung erst sorgfältig analysiert werden müsse. Die Verfassungsprinzipien des Genfer Friedensplans müßten ohne Zweideutigkeit akzeptiert werden. Wenn dies der Fall sei, könne die Bosnien-Konferenz am Samstag in Genf fortgesetzt werden.
Die in Bosnien lebenden Serben beanspruchen auch nach der Aufteilung der Republik in zehn autonome Provinzen das Recht auf Selbstbestimmung. Die endgültige Zustimmung zu einer neuen Verfassung sei vom Ergebnis einer Volksabstimmung abhängig, sagte Karadzic in Pale östlich von Sarajewo.
Die Serben hoffen nach der Zustimmung ihrer Volksgruppe in Bosnien-Herzegowina zum Genfer Friedensplan auf die Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen Rest-Jugoslawien. Der Präsident Jugoslawiens, Dobrica Cosic, sagte, die internationale Staatengemeinschaft solle jetzt ihre Politik der Bestrafung und der militärischen Drohungen aufgeben.
Die drei Kriegsparteien setzten auch in der Nacht zum Donnerstag ihre Kämpfe fort. Bosnische Regierungstruppen meldeten Erfolge bei den Kämpfen um die Stadt Srebrenica im Osten der Republik. Dabei hätten sie "gewaltige Mengen" an Waffen und Munition von flüchtenden serbischen Einheiten erbeutet. Radio Sarajewo berichtete, die Serben hätten auf die Erfolge der Regierungstruppen mit Luftangriffen reagiert und zwei Kampfflugzeuge eingesetzt. Dabei seien sieben Menschen getötet worden.
Widersprüchliche Meldungen lagen über Gefechte zwischen Moslems und Kroaten um die mittelbosnische Stadt Gornji Vakuf vor. Der bosnische Rundfunk berichtete, kroatische Verbände hätten neue, schwere Angriffe eingeleitet. Demgegenüber meldete die Belgrader Nachrichtenagentur Tanjug, die Kämpfe dort seien abgeflaut. Protest gegen Vergewaltigungen
GENF (dpa). Die Menschenrechtsorganisation amnesty international protestierte am Donnerstag in Genf gegen die Vergewaltigungen in Bosnien. 500 000 Briefe wurden auf den "Platz der Nationen" vor dem UN-Gebäude gebracht, in dem die Jugoslawien-Konferenz tagt. Menschen aus aller Welt drücken darin ihre Besorgnis über die Greueltaten im Bürgerkrieg aus. Gleichzeitig legte amnesty einen Bericht vor, in dem alle drei Bürgerkriegsparteien für Vergewaltigungen verantwortlich gemacht werden. Jedoch seien überwiegend moslemische Frauen die Opfer, die meisten Täter Angehörige der serbischen Streitkräfte.
Es gibt laut amnesty Beweise, daß "Frauen in einzelnen Fällen organisiert und systematisch vergewaltigt", also nur für Vergewaltigungen und sexuellen Mißbrauch festgehalten wurden. Diese schweren Menschenrechtsverletzungen stellten offensichtlich ein Mittel der serbischen Kriegsführung dar, mit dem Angehörige der muslimischen und kroatischen Zivilbevölkerung eingeschüchtert und aus ihren angestammten Gebieten vertrieben werden sollten.
amnesty weist darauf hin, daß es äußerst schwierig ist, das Ausmaß des sexuellen Mißbrauchs von Frauen in Bosnien- Herzegowina abzuschätzen. Das "administrative Chaos" mache es fast unmöglich, zuverlässige Zahlen zu erheben. Auch seien viele Lager, in denen Frauen vergewaltigt wurden, aufgelöst worden, bevor eine internationale Organisation diese Lager habe besichtigen können.
Das Thema Vergewaltigung sei - "wie andere behauptete Greueltaten auch" - Bestandteil der Kriegspropaganda der Konfliktparteien. Deshalb seien alle Schätzungen über die Fälle von Vergewaltigungen mit Vorsicht zu behandeln.
PORT-AU-PRINCE, 21. Januar (AP). Erstmals seit dem Sturz des linksgerichteten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide ist es in Haiti zu einer offenen Rebellion in den Streitkräften gekommen. Wie ein Offizier am Mittwoch mitteilte, wurde die Revolte von Infanteriesoldaten am Rand der Hauptstadt Port-au-Prince durch Streitkräfte, die die jetzige Regierung stützen, im Keim erstickt. Die "versuchte Meuterei" sei politisch motiviert gewesen, sagte der Offizier. Bewohner in der Umgebung der Kaserne berichteten über Schießereien. Nach Angaben des Offiziers wurde ein Soldat verhaftet, vier konnten fliehen. Aristide, der erste frei gewählte Präsident des karibischen Inselstaats, wurde bei einem Militärputsch im September 1991 gestürzt.
BAGDAD, 21. Januar (AP/Reuter). Die Führung Iraks hat zum Amtsantritt von US-Präsident Bill Clinton den Wunsch nach einem Ende des Konflikts mit den USA geäußert.
Parlamentspräsident Sadi Mahdi Saleh sagte am Mittwoch abend nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur INA, sein Land habe den "ernsthaften Wunsch, konstruktive Beziehungen mit der neuen US-Regierung zu entwickeln".
Der Parlamentspräsident fügte hinzu, er hoffe, daß Clinton einen anderen Kurs verfolgen werde als sein Vorgänger George Bush, "dessen Politik eine bösartige Aggression gegen ein unabhängiges und friedliebendes Volk herbeigeführt" habe. Die jüngsten Militärschläge der USA, Frankreichs und Großbritanniens seien Bushs "letzte Gifttropfen des Hasses" gewesen, hieß es in einem Kommentar der amtlichen Agentur.
Eine Gruppe von UN-Inspektoren brach am heutigen Donnerstag erstmals seit dem Verbot der Direktflüge durch Irak am 7. Januar wieder nach Bagdad auf. Das Flugzeug mit den Inspektoren sei von Manama in Bahrain gestart, teilte UN-Vertreter Doug Englund mit. Die Inspektoren sind beauftragt, die Zerstörung der irakischen Massenvernichtungswaffen zu überwachen, die dem Land nach dem Golf-Krieg vor zwei Jahren zur Auflage gemacht worden war.
BELFAST, 21. Januar (AP). Bei einem IRA-Anschlag auf eine Polizeiwache in Nordirland sind am Mittwoch abend mehrere Beamte verletzt worden. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, wurde der Sprengsatz in Clogher, 90 Kilometer südwestlich von Belfast, gegen die Rückwand eines Stützpunkts der britischen Polizeitruppe RUC geschleudert. Das festungsartig ausgebaute Gebäude wurde dabei beschädigt. Die Wucht der Detonation war so stark, daß sie noch in 30 Kilometer Entfernung gehört wurde. Zu dem Anschlag bekannte sich die Irisch-Republikanische Armee, die für ein Ende der britischen Herrschaft in Nordirland kämpft.
KÖLN, 21. Januar (AP). Der FDP-Innenpolitiker Burkhard Hirsch hat eine Sonderabgabe auf Tabak und Alkohol zur Finanzierung zusätzlicher Therapieplätze angeregt. Dem Kölner Express sagte Hirsch am Donnerstag: "Die Drogenpolitik der Bundesregierung ist unzureichend. Statt im Kampf gegen den Drogenkonsum den Schwerpunkt auf die Strafverfolgung zu legen, muß mehr für Therapie und Aufklärung getan werden. Die Bundesregierung sollte eine Abgabe von einem Prozent auf Tabak und Alkohol erheben. Dieses Geld muß dann gezielt für die Schaffung von Therapieplätzen und Beratungsstellen zur Verfügung gestellt werden." Tabak und Alkohol sind ohnehin schon mit Sondersteuern belastet.
JERUSALEM, 21. Januar (AP). Die Besucher der Jerusalemer Klagemauer, die dort am heiligsten Ort des Judentums den Allmächtigen um Erfüllung ihrer Wünsche bitten, können sich nun auch der staatlichen Telefongesellschaft bedienen. Deren Sprecher Zecharia Mizrotzky gab am Mittwoch bekannt, das Unternehmen könne unter einer bestimmten Nummer per Fax angewählt werden. Ein Bote werde die Faxe dann zur Klagemauer bringen und dort deponieren. Gebührenfrei ist der heiße Draht zum Himmel allerdings nicht.
LOS ANGELES, 21. Januar (AP). Leidenschaftliche Liebe kommt die Angestellten einer medizinischen Firma in Südkalifornien künftig teuer zu stehen. Mitarbeiter, die mit einem sogenannten Knutschfleck am Arbeitsplatz erscheinen, werden in dem Unternehmen Clinicas de Salud Del Pueblo in der Stadt Brawley sofort nach Hause geschickt und bekommen für diesen Tag kein Gehalt. Dies teilte jetzt die Personalchefin Diana Tamez mit. Mehrere der 115 Beschäftigten hätten am Hals immer wieder die verräterische Hautrötung gezeigt. Das sei von der Geschäftsleitung als Verstoß gegen die Arbeitsbestimmungen bewertet worden, erklärte Frau Tamez. "Wenn jemand um 8 oder 9 Uhr kommt und nicht gewisse professionelle Standards erfüllt, dann müssen wir etwas unternehmen", erklärte die Personalchefin. Die Angestellten dürften wiederkommen, wenn der Fleck verschwunden sei oder abgedeckt werde.
JAKARTA, 21. Januar (AP). Auf der indonesischen Insel Bali ist ein zehngeschossiges Luxushotel durch einen Brand völlig zerstört worden. Nach Angaben der Polizei befanden sich die meisten der 400 Gäste des Bali Beach Hotels zum Zeitpunkt des Unglücks am Mittwoch auf einer Besichtigungstour. Aus eigener Kraft konnte sich eine deutsche Urlauberin aus dem obersten Stockwerk retten, indem sie sich in Bettlaken hüllte und über eine Nottreppe ins Freie gelangte. Der Gouverneur von Bali, Ida Bagus Oka, gab den Sachschaden mit 60 Milliarden Rupien an (rund 50 Millionen Mark). Das mit fünf Sternen bewertete Bali Beach war eines der ältesten Hotels auf der Insel.
BONN, 21. Januar (AP). Der deutsche Vertreter des UN-Flüchtlingskommissars, Walter Koisser, hat erneut schwere Bedenken gegen den von Koalition und SPD vereinbarten Asylkompromiß vorgebracht.
In den Vereinbarungen seien "substantielle Nachbesserungen" nötig, um einen "Domino-Effekt, der zum Zusammenbruch des internationalen Asylsystems führt", zu vermeiden, warnte Koisser am Donnerstag in Bonn. UN-Flüchtlingskommissarin Sadako Ogata hatte bereits in Schreiben an Bundesaußenminister Klaus Kinkel und Innenminister Rudolf Seiters auf diese Bedenken hingewiesen.
So fehle in den Änderungen "die vollständige Wiedereinführung der Genfer Flüchtlingskonvention in das Asylverfahren". Es müsse ein "effizientes Prüfungsverfahren" auch für die Flüchtlinge garantiert werden, die aus "sicheren Drittstaaten" einreisen. Der Bundestag ist am Donnerstag zur Debatte über die Änderung des Asyl-Grundrechts zusammengekommen. Im Mittelpunkt der Beratungen steht der erste Schritt zu einer Neufassung des Asylrechts in der Verfassung, auf die sich Koalition und SPD verständigt haben.
In erster Lesung will das Parlament den Entwurf eines neuen Grundgesetz- Artikels 16 a diskutieren, der unter anderem die Zurückweisung von Flüchtlingen bereits an der Grenze ermöglicht, wenn sie über sogenannte sichere Drittstaaten einreisen. Zum Auftakt der Sitzung lehnte das Parlament den Antrag der PDS ab, die Debatte über das Asylrecht zu verschieben oder zumindest länger als die vorgesehenen zwei Stunden zu diskutieren.
NAIROBI, 21. Januar (AP). Kenia hat seine Drohung zurückgenommen, 500 000 Flüchtlinge aus Somalia, Äthiopien und Sudan unverzüglich ausweisen zu wollen. Wie ein Sprecher des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR), Panos Moumtsis, am Donnerstag mitteilte, hat der kenianische Präsident Daniel arap Moi der UNHCR-Vertretung in Nairobi versichert, er werde nicht zu gewaltsamen Maßnahmen greifen. Mit seiner Drohung habe Moi nur seine Sorge über die Zustände in den Lagern, die zumeist entlang der Grenze bestehen, äußern wollen.
Die Sicherheitsbedingungen in den Grenzlagern werden laut UNHCR immer schlechter. In den vergangenen sechs Monaten seien neun Polizisten und 38 Flüchtlinge - 18 davon allein in der vorigen Woche - getötet worden, berichtete Moumtsis.
MÜNCHEN, 21. Januar (AP). Bundeswehrsoldaten waren nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung während des Golf-Kriegs 1991 offenbar in Kampfeinsätze verwickelt. Dem Blatt zufolge sollen deutsche Besatzungen von AWACS-Fernaufklärern in Aufklärungsflugzeugen der NATO über der Türkei Daten gesammelt und an die Alliierten weitergeleitet haben. Verteidigungsminister Volker Rühe habe auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren wollen, daß das Datenmaterial gezielt an US-Kampfflugzeuge weitergegeben worden sei. Bisher sei ein solcher klassischer Feuerleiteinsatz deutscher Soldaten im Golf-Krieg abgestritten worden.
jk FRANKFURT A. M. Die Fraktionen von Union und FDP haben am Mittwoch abend doch keinen niedrigeren Höchstbetrag für das Erziehungsgeld beschlossen, wie zunächst von allen Medien berichtet worden war. Ministerin Hannelore Rönsch und die Familienpolitiker der Unionsfraktion kippten die geplanten Eingriffe beim Kindergeld für Besserverdienende und verhinderten auch eine Einkommensgrenze für den Bezug des Erziehungsgeldes in den ersten sechs Monaten nach Geburt des Kindes. Entgegen den offenbar bewußt lancierten ersten Meldungen wird ferner die monatliche Leistung nicht um 50 auf 550 Mark gekürzt, sondern es bleibt bei 600 Mark.
Da Finanzminister Theo Waigel aber auf ein Einsparvolumen beim Kindergeld und Erziehungsgeld von insgesamt jährlich einer halben Milliarde Mark bestanden hat, müssen die Minderleistungen nun beim laufenden Bezug des Erziehungsgeldes herausgeschnitten werden. Zu diesem Zweck soll als Berechnungsbasis nicht mehr das zwei Jahre zurückliegende Einkommen der Begünstigten gelten, sondern der aktuelle Verdienst. Dadurch werden viele Ansprüche gekürzt oder entfallen ganz, denn bereits bei einem Nettoeinkommen von 46 200 Mark im Jahr und einem Kind ist es Schluß mit Erziehungsgeld. Die vollen 600 Mark bis zum 24. Monat gibt es nur für Leute mit netto bis zu 29 400 Mark. Die neue Berechnungsmethode könne aus technischen Gründen dieses Jahr aber noch nicht verwendet werden, heißt es in Bonn.
KÖLN (dpa). Der Deutsche Mieterbund hat die geplanten Kürzungen beim Wohngeld als einen "sozialpolitischen Kahlschlag" kritisiert. Schon heute erhalte ein alleinstehender Rentner mit einem Einkommen von mehr als 1360 Mark keinen Pfennig, egal wie hoch seine Miete sei. Angesichts explodierender Mieten sei vielmehr eine Erhöhung des Wohngeldes überfällig.
ZAGREB/PALE, 21. Januar (AP). Einen Tag nach der Annahme des Genfer Friedensplans durch die bosnischen Serben hat Serbenführer Radovan Karadzic am Donnerstag ein Referendum über die geplante Aufteilung Bosniens in zehn Provinzen gefordert. In einer in Pale bei Sarajewo veröffentlichten Erklärung Karadzics hieß es, der Serbenstaat in Bosnien habe mit der Annahme des Friedensplans nicht aufgehört zu existieren. Dies sei erst dann der Fall, wenn das serbische Volk dies beschließe. Überdies müßten die Grenzen der zehn geplanten Provinzen in einer Volksabstimmung über die neue Verfassung bestätigt werden.
EG-Vermittler David Owen rief Karadzic auf, seine im Widerspruch zum Friedensplan stehenden Äußerungen bei den Genfer Verhandlungen am Samstag zu erklären. Karadzic müsse klarstellen, daß das Ja vom Mittwoch "eine bedingungslose Annahme der neun Prinzipien" zur Neuordnung Bosniens gewesen sei.
Owen schlug die Bildung einer Übergangsregierung für Bosnien vor, in der alle drei Volksgruppen vertreten sein sollten. Aus EG-Kreisen verlautete, dem Kabinett sollten der amtierende Präsident Alija Izetbegovic für die Moslems, der Serbe Karadzic und der Kroate Mate Boban oder ihre Vertreter angehören. Jugoslawiens Präsident Dobrica Cosic forderte die internationale Staatengemeinschaft auf, sie solle die gegen sein Land verhängten Sanktionen aufheben.
Trotz der grundsätzlichen Zustimmung der Serben zum Genfer Friedensplan gingen in Bosnien die Kämpfe weiter. Bei der Schlacht an der Drina in Ostbosnien setzten Moslemtruppen ihren Vormarsch gegen die Serben offenbar fort und erbeuteten nach eigenen Angaben eine große Menge Waffen. Nach kroatischen Angaben nahm die jugoslawische Artillerie die Kleinstadt Srebrenica unter Feuer. Bosniens Rundfunk meldete, auch die Luftwaffe der bosnischen Serben habe den Ort angegriffen und dabei sieben Menschen getötet. (Kommentar Seite 3)
BONN, 21. Januar (AP). Mit breiter Zustimmung aus Koalition und SPD hat der Bundestag am Donnerstag den geplanten neuen Asylartikel des Grundgesetzes debattiert. Während Unionsabgeordnete die Umsetzung der Asylvereinbarung von CDU/CSU, FDP und SPD begrüßten, gab es aus FDP und SPD auch Stimmen, die zur Vorsicht mahnten. Teile der SPD lehnten wie PDS und Bündnis 90 die geplante Neuregelung strikt ab.
Der vorgesehene neue Artikel 16a soll ermöglichen, daß Flüchtlinge bereits an der Grenze abgewiesen werden können, wenn sie über einen sogenannten sicheren Drittstaat einreisen. Für Asylsuchende aus "sicheren Herkunftsländern" soll von vornherein die Vermutung gelten, daß sie nicht politisch verfolgt sind.
Bundesinnenminister Rudolf Seiters (CDU) meinte bei der ersten Lesung des neuen Asyl-Artikels, mit der Begrenzung des Asylrechts in der Verfassung könne sich Deutschland "den Spielraum bewahren für die Menschen, die in wirklicher Not und Bedrängnis sind". Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sagte, für sie stehe das Ziel im Vordergrund, "den grundgesetzlich verbrieften Anspruch auf Asyl abzugrenzen gegen verständliche, aber eben weitgehend nicht erfüllbare Wünsche, vor Not und Elend in ein wohlhabendes Land zu flüchten". Sie warnte zugleich vor zu hohen Erwartungen an die Neuregelung.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans- Ulrich Klose drängte auf raschen Abschluß der angestrebten Vereinbarungen mit Warschau und Prag, die die Unterstützung für die Nachbarländer im Umgang mit Flüchtlingen regeln sollen. Für die SPD-Linke bemängelte Detlev von Larcher, daß das Asyl-Grundrecht beschränkt werden solle, noch bevor die im vergangenen Jahr verabschiedeten Gesetze zur Beschleunigung von Asylverfahren überhaupt in Kraft getreten seien.
Von "Nadelstreifen-Rassismus" auf der Regierungsbank sprach die PDS-Abgeordnete Ulla Jelpke. Wer bereit sei, politisch Verfolgten den Schutz zu verweigern, werde unter anderen Umständen bereit sein, politische Verfolgung auszuüben, sagte sie. (Weiterer Bericht S. 4)
BONN, 21. Januar (AP/dpa). Die Regierungen in Bonn und Paris wollen die seit 30 Jahren praktizierte deutsch-französische Zusammenarbeit und Freundschaft auch weiterhin als Motor der europäischen Einigung wirken lassen. Das sagten Bundeskanzler Helmut Kohl und Staatspräsident François Mitterrand am Donnerstag in Bonn bei einem Festakt zum 30. Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit. Der am 22. Januar 1963 im Pariser Elysee-Palast von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle unterzeichnete Vertrag wurde auch im Bundestag als Friedenswerk für Europa gewürdigt.
Mitterrand war am Vormittag von Bundespräsident Richard von Weizsäcker mit militärischen Ehren begrüßt worden, wobei die Ehrengarde von der deutsch-französischen Brigade gestellt wurde. Begleitet wurde der Staatspräsident von Außenminister Roland Dumas und Verteidigungsminister Pierre Joxe.
Unter Hinweis auf die von Rivalität und Feindschaft geprägte Vergangenheit nannte Mitterrand den Abschluß des Vertrages eine Entscheidung von historischem Zuschnitt. Die daraus hervorgegangene Freundschaft zwischen beiden Völkern mache ihn zu einem Beispiel, wie man Gräben in Europa überwinde.
Mitterrand zeigte sich entschlossen, mit Deutschland den Maastrichter Vertrag über die Politische Union Europas mit Leben zu erfüllen. Es gebe zwar Hürden auf dem Weg zu einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, die man aber mit Hartnäckigkeit und Geduld überwinden werde. Bei der Wirtschafts- und Währungsunion gehe es um eine starke und stabile gemeinsame Währung des größten Wirtschaftsraumes der Welt. "Unsere besonderen Beziehungen werden dabei einmal mehr ihre Kraft und ihre Stärke unter Beweis stellen", sagte Mitterrand, der sich für die Hilfe Deutschlands bedankte, die internationale Spekulation gegen den Franc abzuwehren.
Der Bundeskanzler nannte den Erfolg der europäischen Einigung eine Schicksalsfrage für Deutschland und Frankreich. "Europa braucht Frankreich und Deutschland als Kern und Motor für die Verwirklichung der Europäischen Union", sagte er. Angesichts des dramatischen Umbruchs im Osten sowie im Mittelmeerraum sei eine starke EG als Anker der Stabilität unverzichtbar.
Kohl rief dazu auf, den Maastrichter Vertrag in diesem Jahr endgültig in Kraft zu setzen. "Bei aller Bereitschaft zur Rücksicht auf die Interessen einzelner Mitgliedstaaten kann nicht gelten, daß Europa sich nach dem langsamsten Schiff im Geleitzug ausrichtet. Wir müssen die Europäische Union jetzt verwirklichen", sagte der Kanzler. Zudem gelte es, die weitreichenden Möglichkeiten des Vertrages voll auszuschöpfen. Bei der Entwicklung einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik sollten Deutschland und Frankreich sich nicht scheuen, Schrittmacher zu sein.
Zugleich plädierte Kohl dafür, auch das deutsch-französische Verhältnis weiter auszubauen. Dabei nannte er regelmäßige gemeinsame Sitzungen beider Parlamente und ihrer Ausschüsse sowie die Schaffung eines gemeinsamen Ausschusses von Bundestag und Nationalversammlung für die gegenseitigen Beziehungen. Auch sei es "keine vermessene Idee, in allen deutschen und französischen Städten über 200 000 Einwohner Gymnasien einzurichten, die sowohl zum deutschen als auch zum französischen Abitur führen". Ferner wäre es eine gute Sache, wenn das deutsch-französische Eurokorps ab 1995 Wehrpflichtige aus beiden Ländern ausbilden würde.
Bundesverteidigungsminister Volker Rühe und sein Kollege Joxe, die in Müllheim bei Freiburg die Deutsch-Französische Brigade besuchten, riefen die anderen europäischen Staaten auf, dem künftigen Eurokorps beizutreten. In einem gemeinsamen Kommuniqué heißt es, Deutschland und Frankreich wollten Motor für eine europäische Verteidigungsidentität sein und gleichzeitig den europäischen Pfeiler der NATO stärken.
Bisher haben lediglich Belgien, Luxemburg und Spanien Interesse gezeigt.
In Brüssel unterzeichneten der Generalinspekteur der Bundeswehr, Klaus Naumann, der französische Generalstabschef Jaques Lanxade und NATO-Oberbefehlshaber John Shalikashvili ein Abkommen, das die Richtlinien für den Einsatz des Korps im Rahmen der NATO regelt. NATO-Generalsekretär Manfred Wörner würdigte es als "Meilenstein" der euro-atlantischen Sicherheitsordnung.
(Kommentar Seite 3)
AURICH, 21. Januar (AP). In Großefehn bei Aurich ist am Donnerstag eine Recyclingfabrik für Kunststoffe teilweise ausgebrannt. Wie der Sprecher des Landkreises Aurich, Gerrit Fuhrmann, mitteilte, bestand dabei nach ersten Luftmessungen und Rauchgasanalysen der Feuerwehr zu keiner Zeit Gefahr für die Bevölkerung. Der Landkreis habe die Anwohner dennoch aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen zu halten. In Großefehn sei der Schulunterricht ausgefallen. Es habe keine Verletzten gegeben. Der Schaden wurde mit 1,5 Millionen Mark angegeben.
Umweltschutzverbände forderten wegen des Brandes Messungen auf Dioxine und den Ausstieg aus der Chlorchemie.
KIEL, 21. Januar (AP). Ein Rendsburger Jugendgericht hat zwei Skinheads zu Haftstrafen mit Bewährung verurteilt, weil sie einen Wohncontainer von Asylbewerbern beschädigt und angezündet hatten. Ein Asylbewerber war bei dem Anschlag im Oktober 1992 in Westerrönfeld (Kreis Rendsburg-Eckernförde) verletzt worden.
Ein 17jähriger Lehrling erhielt acht Monate Jugendstrafe auf Bewährung und 40 Stunden Arbeitsauflage. Ein 18jähriger landwirtschaftlicher Arbeiter bekam eine zweijährige Jugendstrafe auf Bewährung mit zwei Wochen Jugendarrest. Sie gaben vor Gericht als Motiv Asylbewerberfeindlichkeit an.
TOKIO, 21. Januar (AP). Für das kommende Haushaltsjahr hat der japanische Verteidigungsetat den geringsten Zuwachs seit 33 Jahren. Wie aus dem Verteidigungsministerium in Tokio am Donnerstag verlautete, werden die Ausgaben für das Militär angesichts der Konjunkturschwäche, sinkender Steuereinnahmen und dem Ende des Kalten Krieges nur um 1,95 Prozent steigen. Innerhalb des Rüstungsetats erhöhen sich jedoch die Aufwendungen für die in Japan stationierten US-Truppen und für das dort beschäftigte japanische Personal, für das die Regierung bis 1995 die gesamten Kosten übernehmen soll.
Insgesamt wird Japan im Haushaltsjahr 1993, das am 1. April beginnt, für Rüstung umgerechnet rund 60 Milliarden Mark oder 0,94 Prozent des erwarteten Bruttosozialprodukts ausgeben. Der gesamte Haushalt 1993 soll am Freitag vom japanischen Parlament gebilligt werden.
DÜSSELDORF, 21. Januar (AP). Die Tarifverhandlungen für die rund 430 000 Beschäftigten im westdeutschen Bankgewerbe sind am Donnerstag in Düsseldorf ohne Ergebnis auf den 11. Februar vertagt worden. Die Arbeitgeber des privaten Bankgewerbes legten kein konkretes Angebot vor. Statt dessen kündigte ihr Verhandlungsführer, Klaus Müller-Gebel, einen Personalabbau im privaten Bankgewerbe an. Die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) fordert ab Februar 270 Mark mehr Gehalt. Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) will 6,5 Prozent mehr.
Die Höhe der gewerkschaftlichen Forderungen werteten die Arbeitgeber als "nicht vereinbar" mit der schwierigen konjunkturellen Situation. Nach den Worten von HBV-Sprecher Claus Eilrich wollen sie auch nicht über die von den Gewerkschaften geforderte Verkürzung der Wochenarbeitszeit von derzeit 39 auf 37 Stunden verhandeln. Eilrich zeigte sich nach den dreistündigen ergebnislosen Gesprächen "enttäuscht". Seine Organisation erwarte "schwierige" Verhandlungen. Müller-Gebel hatte zum Auftakt der Tarifrunde ausgeführt, daß die Banken sich "über kurz oder lang aus Kostengründen von ihrem derzeit sehr hohen Personalbestand verabschieden" müßten. Die begonnene Tarifrunde werde durch die Höhe der Arbeitskosten auch darüber entscheiden, wie viele Arbeitsplätze es im Jahr 2000 bei der Branche gebe.
Die Gewerkschaften fordern außerdem neue Vorruhestandsregelungen sowie einen Solidarfonds Ost. Müller-Gebel nannte den Spielraum in diesem Jahr "äußerst eng". Die Zuwächse müßten "erheblich kleiner" werden.
Dagegen rechtfertigten beide Gewerkschaften ihre Forderungen. DAG-Verhandlungsführer Gerhard Renner wertete sie "als Signal der Bescheidenheit und der Solidarität" mit den Ostangestellten im Bankgewerbe. HBV-Sprecher Eilrich sagte, die Geschäftsergebnisse der Banken hätten sich auch 1992 auf hohem Niveau um durchschnittlich fünf Prozent verbessert.
POTSDAM, 21. Januar (AP). Der deutschen Polizei ist erneut ein Schlag gegen den international organisierten illegalen Handel mit radioaktivem Material gelungen. Wie das brandenburgische Innenministerium am Donnerstag mitteilte, wurden am Mittwoch nach Hinweisen des Bundeskriminalamtes vier Osteuropäer auf frischer Tat ertappt. Die Polizei nahm die Dealer auf dem Autobahnrastplatz bei Freienhufen nahe der Grenze zu Sachsen fest, bevor sie radioaktives Material in einem Strahlenschutzbehälter an bisher Unbekannte übergeben konnten. Eine Sprecherin des Ministeriums sprach von einer "sehr wertvollen Menge" Californium 252.
Inzwischen befindet sich das Material den Angaben zufolge im Bundesamt für Strahlenschutz in Berlin-Karlshorst. Ein Experte des Potsdamer Umweltministeriums sagte, das radioaktive Nukleid strahle relativ ungefährliche Alphastrahlen ab, die leicht abzuschirmen seien. Das Material werde als Neutronenquelle vor allem in der Forschung, aber auch in der Reaktortechnik verwendet.
DRESDEN, 21. Januar (AP). Der sächsische Landtag hat am Donnerstag Leipzig als Sitz des künftigen Landesverfassungsgerichtshofes bestimmt. Während der zweiten Lesung des Gesetzentwurfs über die oberste Rechtsbehörde des Freistaates kam es zum Streit um den Sitz. Ein Änderungsantrag, das Verfassungsgericht in Meißen anzusiedeln, um die Position der Stadt zu stärken, wurde knapp abgelehnt.
Der Vorsitzende der FDP-Fraktion, Günter Kröber, sagte, das sächsische Parlament habe sich auch für die Verlegung des Bundesverfassungsgerichts von Karlsruhe nach Leipzig als dem historischen Sitz des deutschen Rechts ausgesprochen. Die Einrichtung des Landesverfassungsgerichts in Leipzig sei ein erneutes Signal in diesem Sinne.
GENF, 21. Januar (dpa). Die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) hat am Donnerstag in Genf gegen die Vergewaltigungen in Bosnien-Herzegowina protestiert. 500 000 Briefe, in denen Menschen aus aller Welt ihre Besorgnis über die Greueltaten im Bürgerkrieg ausdrücken, wurden auf den "Platz der Nationen" vor dem UN-Gebäude gebracht, in dem die Jugoslawien-Konferenz tagt. Gleichzeitig legte ai einen Bericht vor, in dem alle drei Kriegsparteien für Vergewaltigungen verantwortlich gemacht werden. Jedoch seien überwiegend moslemische Frauen die Opfer, die meisten Täter Angehörige der serbischen Streitkräfte.
Es gibt laut amnesty Beweise, daß "Frauen in einzelnen Fällen organisiert und systematisch vergewaltigt", also nur für Vergewaltigungen und sexuellen Mißbrauch festgehalten wurden. Diese schweren Menschenrechtsverletzungen stellten offensichtlich ein Mittel der serbischen Kriegsführung dar, mit dem die muslimische und kroatische Zivilbevölkerung eingeschüchtert und aus ihren angestammten Gebieten vertrieben werden sollte. Ob Vergewaltigung von politischen und militärischen Führern bewußt "als Waffe" gewählt und befohlen worden sei, müsse offenbleiben. Bisher sei aber so gut wie nichts unternommen worden, um die Gewalttaten zu stoppen.
amnesty weist darauf hin, daß es äußerst schwierig ist, das Ausmaß des sexuellen Mißbrauchs von Frauen in Bosnien- Herzegowina abzuschätzen. Viele Vergewaltigte schämten sich oder hätten Angst, über ihre Erfahrungen zu berichten. Das "administrative Chaos" mache es fast unmöglich, zuverlässige Zahlen zu erheben. Viele Lager, in denen Frauen vergewaltigt wurden, seien aufgelöst worden, bevor eine internationale Organisation die Lager habe besichtigen können.
Das Thema Vergewaltigung sei - "wie andere behauptete Greueltaten auch" - Bestandteil der Kriegspropaganda der Konfliktparteien. Deshalb seien alle Schätzungen über die Zahl der Vergewaltigungen mit Vorsicht zu behandeln. Aufgrund der Zeugenaussagen sei aber klar, daß der sexuelle Mißbrauch von Frauen in Bosnien "weit verbreitet ist".
. . . und außerdem Warten auf Bill in langen Unterhosen
Der neue Präsident kam selbst zu seiner eigenen Parade zu spät. "Ihr kennt ihn", sagt eine Sprecherin über Lautsprecher. "Er schüttelt noch immer Hände im Kongreß." Ein Raunen geht durch die Menge an der Pennsylvania Avenue. Hunderttausende wollen zumindest einen kurzen Blick auf Bill und Hillary Clinton sowie Al und Tipper Gore werfen.
Eine halbe Stunde später ist es endlich soweit. Jubel bricht aus, Fähnchen werden geschwenkt, Kinder hochgehalten, als die neue 250 000 Dollar teure, gepanzerte lange Cadillac-Limousine des Präsidenten und die seines Vize vorbeirollen. "Ich sehe Tipper", ruft eine Frau. Doch viele sehen gar nichts, andere nur einen Zipfel einer Limousine. Enttäuschung macht sich breit. Der neue Präsident ging doch nicht die ganze Strecke vom Kapitol zum Weißen Haus zu Fuß. Es wäre ein Alptraum für Sicherheitsleute gewesen. Erst 500 Meter vor dem Ziel stiegen Bill und Hillary aus und liefen den Rest.
Eine Million Menschen waren zur Amtseinführung in die Stadt gekommen. Zehntausende standen schon mehr als drei Stunden vor der Einschwörung vor der Westseite des Kapitols, froren in der Kälte. Lange Unterwäsche war zwingend, Hut und Handschuhe dringend angeraten, zudem kalorienreiche Nahrung. An den Nerz- und Kamelhaarmänteln waren die Reichen und Einflußreichen zu erkennen. Mit Pudel-, Baseballmützen, Kinderwagen und Wolldecken sowie in bunten Winterjacken kamen die Normalbürger.
"Ich kann es nicht glauben", sagte bewegt eine ältere Frau aus Arkansas in einem abgenutzten Mantel, legte ihrem Mann kopfschüttelnd die Hand auf die Schulter, als Clinton den Amtseid ablegte. Als "FOBs", Freunde von Bill, hatten sie Eintrittskarten erhalten. Den meisten Besuchern schien die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ins Gesicht geschrieben.
Der begeisterte Saxophonspieler Clinton hat dann seine Künste beim Arkansas-Ball, der mit 12 000 Besuchern größten von elf offiziellen Galas zur Amtseinführung demonstriert: er griff zu einem Saxophon und spielte Rock 'n' Roll. Seine Frau Hillary, die neue First Lady der USA, erschien zu dem Ball in einem violetten und mit Diamanten bestickten Spitzenkleid. Dazu trug sie - die bisher zu den erfolgreichsten US-Anwältinnen zählte und sich als energische Verfechterin für die Emanzipation der Frau einen Namen machte - einen leichten Überrock aus Musselin.
Etwa 63 000 Besucher der insgesamt elf "inaugural balls" ließen es sich nicht nehmen, trotz des Eintrittsgelds von 125 Dollar einen persönlichen Blick auf das Präsidentenpaar zu werfen. "Sieht Hillary nicht großartig aus?" fragte Bill, der Mann der neuen First Lady. Zuerst aber tauchten die Stars des Abends auf einem Dinner für die Träger der Ehrenmedaille auf. "Wir wollten hier anfangen, um so Ihr Engagement für unsere Nation zu würdigen", sagte Clinton zu Generalstabschef Colin Powell, dem Sieger des Golf-Krieges.
Auf einer anderen Amtsantrittsparty versammelte sich die Welt des amerikanischen Films und feierte ihren "zweiten Kennedy". Voll der höchsten Erwartungen war dort nicht nur Faye Dunaway: "Er wird ein toller Präsident werden. Er berührt den einfachen Mann, das wirkliche Lebensblut des Landes."
Mit Clinton übernimmt eine neue Generation die Macht in Washington, "der Stadt der Intrige und der Berechnung", wie der 46jährige Präsident sie in seiner Rede nannte: "Laßt uns unsere Hauptstadt den Menschen zurückgeben." Doch nicht nur Macht und Politik prägen Washington, sondern auch Drogen und Kriminalität. Ein Straßenhändler: "Anstecknadeln, Anstecknadeln. Sie waren in Washington, Sie sind nicht erschossen worden, Sie brauchen eine Anstecknadel, um das zu Hause zu beweisen."
An jeder Ecke standen legale und illegale Händler, verkauften für 25 Mark T- Shirts mit dem Präsidentensiegel und "Ich war dabei" sowie Bildern von Bill und Hillary Clinton. Renner waren schwarzweiße Hemden mit der Präsidentenkatze "Socks" und dem Weißen Haus. Ein Überangebot von kitschig bunten Buttons ging auch für drei bis fünf Mark nur schlecht weg. Vergriffen waren dagegen die schwarzen T-Shirts mit einem Saxophon spielenden Clinton mit dunkler Sonnenbrille: "Die Medizin gegen Trübsinn." (ANDREAS LANDWEHR (dpa)
WASHINGTON, 21. Januar (dpa/AP). Mit dem Versprechen, sich voll auf die innere Erneuerung der USA zu konzentrieren, wird der neue US-Präsident Bill Clinton an diesem Donnerstag seine Arbeit im Weißen Haus aufnehmen.
Clinton hatte in seiner Antrittsrede auch den internationalen Führungsanspruch der USA bekräftigt. Dem 46jährigen, der in den USA für einen Generationswechsel steht, jubelten fast eine Million Menschen zu.
Kurz nach der Vereidigung hat der Senat dessen Personalentscheidungen für drei der wichtigsten Ressorts bestätigt. Damit konnten Außenminister Warren Christopher, Verteidigungsminister Les Aspin und Finanzminister Lloyd Bentsen ihre Amtsgeschäfte aufnehmen. Als erster Minister erhielt Bentsen das Plazet. Er fand ebenso wie Christopher und Aspin auch die Zustimmung von Senatoren der Republikanischen Partei. Die designierte Justizministerin Zoe Baird mußte auf die Bestätigung noch verzichten. Sie hatte sich am Dienstag vor dem Justizausschuß des Senats entschuldigt, weil sie illegale Einwanderer in ihrem Privathaushalt beschäftigt hatte.
Die Amtseinführung Clintons ist weltweit positiv aufgenommen worden. Bundeskanzler Helmut Kohl hat dem neuen US-Präsidenten gratuliert und dabei den Wunsch für ein baldiges Treffen geäußert. Auch der SPD-Vorsitzende Björn Engholm gratulierte.
Rußlands Präsident Boris Jelzin hofft auf eine Fortsetzung der guten Beziehungen. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking sagte, er hoffe, daß der neue Präsident "konstruktive Bemühungen unternimmt, um die Zusammenarbeit zu erhalten". Iraks Parlamentspräsident Sadi Mahdi Salih sagte, es sei der aufrichtige Wunsch Bagdads, mit den USA und ihrer neuen Führung, konstruktive Beziehungen herzustellen.
SINGAPUR, 21. Januar (dpa/AP). Nach einer Kollision mit dem leeren Tankschiff "Sanko Honour" brennt in der Straße von Malakka zwischen Malaysia und Sumatra der mit 225 000 Tonnen Rohöl vollgeladene dänische Supertanker "Maersk Navigator". Die Mannschaft hat das Schiff verlassen. Öl fließt ins Meer.
Nach ersten Berichten der zuständigen Behörden wurden die 24 Besatzungsmitglieder der "Maersk Navigator", die unter der Flagge Singapurs fährt, von dem deutschen Containerschiff "DSR Atlantic" vor der Nordwestküste der indonesischen Insel Sumatra gerettet.
Wie ein Sprecher der Betreiberfirma A. P. Möller in Singapur mitteilte, ist bereits eine unbekannte Menge Öl aus dem mit 1,865 Millionen Barrel Rohöl aus Oman (ein Barrel zu 159 Liter) vollbeladenen Schiff ins Meer gelaufen und bilde auf der Wasseroberfläche einen brennenden Ölteppich. Bergungsschlepper aus Singapur befänden sich auf dem Weg zum Havaristen.
Der unkontrollierte Brand an Bord des verlassenen Supertankers löste in Indonesien und Malaysia die Furcht vor einer neuen Ölpest aus. In Jakarta befürchteten Angehörige des indonesischen Seerettungsdienstes, der brennende Supertanker könnte sinken. Unbekannt blieb zunächst die Ursache des Tankerunglücks. Die Besatzung der "Sanko Honour", gab der Seenotrettungsdienst in Singapur bekannt, habe ein nach der Kollision auf diesem Tanker ausgebrochenes Feuer löschen können.
Die Behörden in Singapur schickten am Donnerstag Bergungs- und Feuerlöschschiffe zu dem brennenden Supertanker "Maersk Navigator". Der Tanker war zur Zeit des Unglücks am frühen Morgen auf dem Weg vom Persischen Golf nach Japan. Das Ziel der "Sanko Honour" war das Emirat Oman.
"Unmittelbar nach der Kollision ließ die "Maersk Navigator" Rettungsboote für ihre Besatzung zu Wasser und funkte SOS-Signale, die von anderen Schiffen in der Nähe empfangen wurden", sagte ein Behördensprecher in Singapur. Die "DSR Atlantic" habe die 24 Seeleute an Bord genommen. Die Seestraße von Malakka zwischen Indonesien und Malaysia passieren täglich mindestens 400 Frachter und Tanker auf dem Weg zwischen Fernost und dem Nahen Osten.
BONN, 21. Januar (dpa). Bundespräsident Richard von Weizsäcker überreichte am Donnerstag den vier neuen Bundesministern Wolfgang Bötsch (CSU/Post), Jochen Borchert (CDU/Landwirtschaft), Günter Rexrodt (FDP/Wirtschaft) und Matthias Wissmann (CDU/Forschung) ihre Ernennungsurkunden. Außerdem händigte er den ausgeschiedenen Ministern Ignaz Kiechle (CSU/Landwirtschaft), Jürgen Möllemann (FDP/Wirtschaft) und Heinz Riesenhuber (CDU/Forschung) die Entlassungsurkunden aus. In Anwesenheit des Bundeskanzlers dankte Weizsäcker den bisherigen Ressortchefs für ihre Arbeit und wünschte den neuen "Glück und Erfolg" im Amt.
MELBOURNE, 21. Januar (dpa). Steffi Graf eilt weiter durch die Australian Open. Am ersten kühlen Tag der Veranstaltung brauchte die Weltranglisten-Zweite 68 Minuten, um ihre Gegnerin Jennifer Santrock (USA) 6:1, 6:1 zu schlagen. Steffi Graf trifft in der Runde der letzten 32 auf die Siegerin des Spiels zwischen Claudia Porwik (Heidelberg) und Debbie Graham (USA). Ebenfalls eine Runde weiter ist Anke Huber (Heidelberg), die ihre Vereinskameradin Veronika Martinek 6:2, 6:4 ausschaltete. Sie muß sich jetzt mit Andrea Ines Gorrochategui (Argentinien) auseinandersetzen. Barbara Rittner (Leverkusen) gewann 6:2, 7:6 (7:5) gegen Karina Habsudova (Slowakei).
HAMBURG, 21. Januar (dpa/AP). Die massive Kritik von SPD und Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) auch an den überarbeiteten Kürzungsplänen der Bonner Regierungsfraktionen hält an. Der DGB-Vorsitzende Heinz-Werner Meyer sagte am Donnerstag morgen im Deutschlandfunk, die Chancen für einen Solidarpakt zum Aufbau Ostdeutschlands seien vertan. Die jetzt vorliegenden Sparbeschlüsse seien ein Stück Haushaltskonsolidierung. Sie hätten nichts mit dem ursprünglichen Ziel zu tun, den wirtschaftlichen Aufbau in den neuen Bundesländern solidarisch zu finanzieren.
Die SPD-Finanzexpertin Ingrid Matthäus-Maier warf im Norddeutschen Rundfunk (NDR) Bundeskanzler Helmut Kohl vor, den Solidarpakt in Wirklichkeit gar nicht zu wollen. Das am Mittwoch vereinbarte Konzept sei unsolidarisch. Auch seien die vorgesehenen Einsparungen unzureichend. Sie forderte, den Verteidigungsetat weiter zu kürzen, statt am Erziehungsgeld zu sparen.
Der Sparkompromiß im Rahmen des geplanten Solidarpakts zum Aufbau im Osten war am Mittwoch abend von den Fraktion von CDU/CSU und FDP gebilligt worden. Die ursprünglichen Pläne wurden nach heftiger Kritik in einigen Punkten geändert, so beim Kinder- und Erziehungsgeld.
Das Kindergeld bleibt wie bisher, das Erziehungsgeld wird ab dem siebten Lebensmonat des Kindes einkommensabhängig gezahlt, der Höchstbetrag wird jedoch um 50 Mark auf 550 Mark gekürzt.
Im Gegensatz zu den übrigen Gewerkschaften und zur SPD verteidigte der Vorsitzende der IG Chemie, Hermann Rappe, der auch SPD-Bundestagsabgeordneter ist, die Sparpläne der Regierung und warnte davor, sie als Vorwand zu benutzen, um aus dem Solidarpakt auszusteigen. Allerdings meinte Rappe in der Neuen Osnabrücker Zeitung, die Sparpläne dürften nicht das letzte Wort der Regierung sein.
Lehrzuchtverfahren Frauen stützen Theologin
STUTTGART, 21. Januar (dpa). Unter großem Andrang der Öffentlichkeit und begleitet von einer Demonstration hat am Donnerstag vormittag in Stuttgart das Lehrzuchtverfahren gegen die feministische Theologin Jutta Voss begonnen. Etwa 100 vorwiegend weibliche Demonstranten forderten vor dem Gebäude der Württembergischen Evangelischen Landeskirche in Sprechchören: "Wir wollen rein." Jutta Voss ist die erste Frau, gegen die in Deutschland ein Lehrzuchtverfahren eingeleitet wurde.
Als Konsequenz dieses äußerst seltenen Kirchenverfahrens könnten erstmals in der Geschichte der Evangelischen Kirche in Deutschland einer Frau die Rechte aus ihrer Ordination aufgehoben werden. Sie dürfte dann den Pfarrberuf nicht mehr ausüben. Offen ist, ob in dem Verfahren gegen die feministische Theologin bereits heute eine Entscheidung fällt.
Stein des Anstoßes ist das 1988 von Jutta Voss veröffentlichte Buch "Das Schwarzmond-Tabu - über die Bedeutung des weiblichen Zyklus". Die Autorin kritisiert darin unter anderem die patriarchalische Herrschaftsform in der Kirche und das ausschließlich männliche Bild von Gott, der in Wort und Bild als Vater dargestellt wird. Gegen diese allegorische, bildhafte Vorstellung haben in der Vergangenheit auch männliche Theologen immer wieder Bedenken erhoben. Aber erst die feministische Bewegung erhob energischen Protest gegen die Vereinnahmung Gottes als Mann durch den Mann.
Als Ergebnis der mündlichen Verhandlung gegen die 1942 geborene Theologin hat das neunköpfige kirchliche "Spruchkollegium" festzustellen, ob Frau Voss "das biblische, reformatorisch verstandene Evangelium von Jesus Christus in entscheidenden Grundzügen preisgibt oder menschlichen Ansprüchen und Gedanken unterstellt".
STUTTGART, 21. Januar (dpa). Mit Schülerdemonstrationen und Transparentaktionen hat am Donnerstag morgen in Baden-Württemberg der landesweite Aktionstag gegen Fremdenhaß und Ausländerfeindlichkeit begonnen. Ganztägig sind im ganzen Land Hunderte von Einzelaktionen geplant, darunter am Abend zahlreiche Lichterketten. Nahezu alle Schulen im Südwesten beschäftigen sich gezielt mit dem Thema Fremdenfeindlichkeit. Zu dem Aktionstag hat der Landtag von Baden-Württemberg aufgerufen.
KONYA, 21. Januar (dpa). Bei einem schweren Busunglück in der Türkei sind am Donnerstag mindestens zwölf Reisende getötet und rund 40 weitere teilweise lebensgefährlich verletzt worden. Wie die halbamtliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, stießen auf der Strecke zwischen der mittelanatolischen Provinzhauptstadt Konya und Karaman zwei vollbesetzte Reisebusse frontal zusammen. Weitere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt.
Der Siegeszug des deutschen Pokalsiegers TV Lützellinden macht die Handball-Bundesliga der Frauen langweilig. Das Team ist nach einem 29:18-Erfolg über den Vorjahresdritten BFV Frankfurt/Oder mit 27:1 Punkten ungeschlagen und haushoher Titelfavorit. Chaotische Terminplanung und ein kaum glaublicher Vereinshickhack überragen die sportliche Tristesse um einiges, zumal auch der Deutsche Handball-Bund offenbar kein Fettnäpfchen auslassen mag. Schon Ende des Vorjahres hatte sich der DHB den Unmut der Vereine zugezogen: Kurzfristig war ein Turnier vereinbart worden, das mit DHB-Pokalspielen kollidierte. Alles spitzte sich durch etliche Spielverlegungen noch zu: Die anstehenden Nachholspiele sind noch nicht alle neu angesetzt, da stehen durch das EC-Viertelfinale neue Terminnöte ins Haus. "Wir haben keine Räume für den Europapokal", klagte Bundestrainer Lothar Doering.
Um mehr Mitspracherecht geht es Leverkusens Geschäftsführer Willy Juchem, zugleich auch Bundesligasprecher: "Wir Vereine müssen die Terminplanungen des DHB ausbaden, das ist nicht in Ordnung." Wie schwer sich Verband und Vereine, zum Teil aber auch die Vereine im Umgang miteinander tun, zeigt das Hickhack um die Nachholpartie Leverkusen - Frankfurt/Oder. Die Ostdeutschen waren im Oktober im Stau steckengeblieben. Bis Ende Dezember konnten sich die Vereine nicht auf einen neuen Termin einigen. Frauenspielwartin Heidrun Klemke legte daraufhin den 6. März als Termin fest. Leverkusen hat da aber die Halle nicht zur Verfügung und intervenierte erfolgreich: zurück zum 13. Januar - genau zwischen die beiden EC-Spiele von Frankfurt gegen Moskau. Frankfurter Argumente zählten nicht: Gegen Spielansetzungen besteht kein Einspruchsrecht. Heidrun Klemke setzte das Duell also ab und wertete es wegen "schuldhaften Nichtantretens" als Niederlage für Frankfurt. Dort will man nun beim DHB- Schiedsgericht Einspruch einlegen. dpa
Trotz des geringen Punktevorsprungs Einmaliges vollbringen: Das ist das Ziel. Die Ringer des AC Goldbach sehen darin kein Problem. Auch wenn sie den Final- Hinkampf gegen VfK Schifferstadt nur mit 14:11 gewinnen konnten - so minimal war der Halbzeit-Vorsprung bei ihren vier Titelgewinnen noch nie - zweifelt in den Reihen der Franken niemand daran, daß sie am Sonntag ab 15 Uhr in Eppelheim als zweite nach Altmeister Heros Dortmund zum dritten Mal hintereinander triumphieren werden.
"Einen Rekord haben wir bereits", sagt Goldbachs Vereinsvorsitzender Toni Kunkel. "Wir stehen jetzt das siebente Jahr hintereinander im Finale. Das glückte noch keiner Mannschaft. Doch nun werden wir auch den Hattrick schaffen", meint der Manager.
"Meine Jungs", behauptet Kunkel, "sind durch nichts und niemanden vom erneuten Erfolg abzubringen. Wir sind ausgeglichener besetzt, können bei der Mannschaftsaufstellung besser variieren. Sechs Gewichtsklassen-Gewinne sind uns im Rückkampf sicher. Das reicht."
Ein Beweis für das große Interesse ist, daß alle renommierten TV-Sender ihr Kommen zusicherten. Doch nicht nur deshalb veranstalten die Schifferstädter den Rückkampf im rund 30 Kilometer entfernt liegenden Eppelheim bei Heidelberg. Die dortige Arena faßt knapp 5000 Zuschauer. "Das ist die größte überdachte Einrichtung in der unmittelbaren Umgebung", so VfK-Vereinsboß Robert Litzenburger, der sich um den Kartenverkauf keinerlei Gedanken machen muß. Die teueren 60-Mark-Tickets waren schon am Mittwoch verkauft. "Die Halle ist mit Sicherheit proppenvoll. Es wird die Hölle los sein", garantiert Litzenburger. Allein aus Goldbach begeben sich weit über 1000 Fans auf den Trip nach Eppelheim.
Finanziell macht der Pfälzer Gastgeber in jedem Fall seinen Schnitt, obwohl er von den TV-Anstalten keinen Pfennig erhält. Diese Gelder fließen ausschließlich an den Deutschen Ringer-Bund (DRB). Aber auch ohne jene üppigen Einnahmen erhalten Schifferstadts Athleten eine reizvolle Prämie. Unabhängig vom Ausgang des Endkampfes. Sie werden sich danach zehn Tage auf Gran Canaria entspannen. Auch Goldbach hat seine Belohnungs-Tour längst gebucht. Kunkel und Co. fliegen am Dienstag mit einem ihrer Sponsoren für eine Woche nach Mexiko. "Natürlich mit dem Titel im Gepäck." dpa
LONDON, 21. Januar (dpa). Nicht weniger als sechs Lieferwagen brauchte die britische Polizei, um die aus jahrelangen Diebeszügen stammende Beute einer alten Dame aus Southend bei London abzufahren. Wie die britische Presse am Donnerstag meldete, hatte die 79jährige Frau in ihrer 17jährigen Diebeskarriere unter anderem 448 Paar Schuhe, 418 Hüte, 749 Blusen, 1370 Halstücher, 332 Halsketten, zehn Perücken, einen Feuerlöscher und eine Schubkarre gestohlen. Die Frau wurde gefaßt, als sie 24 Kleidungsstücke gleichzeitig aus einem Geschäft trug. Alle Zimmer ihres Hauses waren bis unter die Decke mit Diebesgut vollgestapelt. Dennoch muß die Frau nicht hinter Gitter. Ihre Klausucht wurde als krankhaft anerkannt. Sie begann mit dem Stehlen nach dem Tod ihres Mannes.
Billy Payne winkte gelassen ab. Knapp 1300 Tage vor Beginn der Olympischen Spiele 1996 in Atlanta werden die Probleme des Organisations-Komitees (ACOK) von Tag zu Tag größer, aber der OK-Chef will davon (noch) nichts wissen. "Die allgemeine Wirtschaftslage macht unsere Situation sicher nicht einfacher, die Sponsorensuche läuft langsamer als erwartet, aber wir hoffen, daß mit der Regierungsänderung einiges besser wird", sagte Payne. Von den eingeplanten zehn Hauptsponsoren steht bisher nur die Hälfte fest. Als fünfte Firma hat ein Baumarktriese den erforderlichen 40 Millionen Dollar-Anteil eingezahlt.
Frustrierte Gewerkschaftsführer haben sogar schon mit Sitzstreiks vor Paynes Haus gedroht. Hauptstreitpunkt bleibt der nahe dem Stadtkern gelegene, vornehmlich schwarze Stadtteil "Techwood", in dessen Nähe das olympische Dorf gebaut werden soll. Kommunen und Anwohner fordern im Rahmen der Baumaßnahmen die Restaurierung und Sanierung von ganzen Stadtteilvierteln. Zudem bestehen Gewerkschaften und örtliche Arbeitnehmervertretungen darauf, daß vornehmlich lokale Langzeitarbeitslose von Techwood - der Stadtteil hat eine Arbeitslosen-Quote von 34 Prozent - als Bauarbeiter beschäftigt werden.
"Das ACOG hat immer noch keinerlei Versprechungen gemacht", sagte Gewerkschaftsführer Stewart Acruff, "wir sind gewillt, extreme Aktionen gegen das ACOG zu unternehmen. Das werden sich die Gewerkschaften nicht bieten lassen."
Acruff erklärte weiter, daß in diesem Jahr als Vorbereitung auf den Bau der olympischen Anlagen mindestens 200 Arbeitslose aus Techwood auf Bauarbeiter umgeschult werden. Dazu wird von öffentlicher Hand eine Million Dollar zur Verfügung gestellt. Abgestimmt wurde dieses Projekt mit dem ACOG nicht. dpa
SEATTLE, 21. Januar (dpa). Bei schweren Unwettern an der Westküste der USA sind am Mittwoch vier Menschen ums Leben gekommen, Dutzende wurden verletzt. Eine Schneise der Verwüstung hinterließ nach Angaben der Behörden vom Donnerstag ein Sturm, der mit Windgeschwindigkeiten bis zu 160 Stundenkilometern über den Bundesstaat Washington hinwegfegte und zahllose Bäume und Strommasten abknickte. Im Norden des Nachbarstaates Kalifornien sorgten starke Regenfälle für katastrophale Verhältnisse.FPÖ verläßt Dachverband
WIEN, 21. Januar (dpa). Der Chef der rechtsgerichteten Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), Jörg Haider, hat sich für einen Austritt seiner Partei aus der Liberalen Internationalen (LI) ausgesprochen. Dem Wiener Wochenmagazin News sagte Haider, dieser Zusammenschluß liberaler Parteien sei "ein in seiner Funktion völlig unbedeutender Verein, der zwar von uns jede Menge Mitgliedsbeitrag kassiert, der aber noch nie politisch wirksam gewesen ist".
Die LI hatte nach jüngsten Attacken Haiders gegen den LI-Präsidenten und Vorsitzenden der deutschen FDP, Otto Graf Lambsdorff, ein Ausschlußverfahren gegen die FPÖ eingeleitet. Haider warf der LI vor, "nur mit sich selbst beschäftigt" zu sein. "Das einzige, wenn du von dem Verein was hörst, ist, wenn sie über die FPÖ diskutieren - aber du hörst nichts in der Frage der Dritte-Welt-Politik, nichts in der Frage der Europapolitik, nichts in der Frage der Bosnienpolitik", sagte Haider.
BRATISLAVA, 21. Januar (dpa). Die seit dem 1. Januar 1993 unabhängige Slowakei richtet einen eigenen Geheimdienst ein. Das Parlament in Bratislava (Preßburg) billigte nach Angaben der amtlichen slowakischen Nachrichtenagentur TASR am Donnerstag ein Gesetz über den Slowakischen Informationsdienst (SIS). Dieser soll die Aufgaben des Geheimdienstes der früheren Tschechoslowakei übernehmen. Ein Ausschuß des Parlaments soll den Dienst künftig kontrollieren.Kurz gemeldet: Brite führt NATO-Militärausschuß
BRÜSSEL, 21. Januar (dpa). Der britische Feldmarschall Sir Richard Vincent hat in Brüssel offiziell sein Amt als neuer Vorsitzender des Militärausschusses der NATO übernommen. Vincent, der bereits im April 1992 gewählt wurde, löst den bisherigen Vorsitzenden, den norwegischen General Vigleik Eide, ab. UN brauchen Geld für Afghanistan GENF, 21. Januar (dpa). Die UN brauchen in den ersten neun Monaten dieses Jahres 138,1 Millionen Dollar für die dringendste humanitäre Hilfe in Afghanistan. Mit dem Geld sollen unter anderem zwei Millionen Flüchtlinge unterstützt werden, deren Rückkehr aus Pakistan und Iran für 1993 erwartet wird. Nur zwei Kandidaten in Litauen WILNA, 21. Januar (dpa). Der amtierende litauische Staatspräsident Algirdas Brasauskas und der Botschafter Litauens in den USA, Stasys Lozoraitis, sind die Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen am 14. Februar. Haftstrafen für protestierende Bauern PEKING, 21. Januar (AP). Wegen Teilnahme an einer Protestaktion für die Unabhängigkeit Tibets sind nach Angaben einer westlichen Menschenrechtsorganisation fünf tibetische Bauern von einem chinesischen Gericht in Lhasa zu Freiheitsstrafen zwischen 13 und 15 Jahren verurteilt worden.
Van Almsick darf hoffen Vorerst nur Probevertrag
Franziska van Almsick soll unter den Doping-Auseinandersetzungen zwischen den Funktionären und ihrem Trainer Dieter Lindemann nicht leiden. "Egal was passiert, Franziska darf mit diesen Dingen nicht behelligt werden", sagte der Erfolgscoach der vierfachen Medaillengewinnerin von Barcelona am Donnerstag nach dem morgendlichen Training mit der 14jährigen Vorzeige-Athletin des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) in Berlin-Hohenschönhausen. "Franziska weiß, daß ich sie nicht im Stich lasse", so Lindemann. Die Geschehnisse des Vortages waren deshalb auch "absolut kein Thema".
Vor der Anti-Doping-Kommission des Deutschen Sportbundes (DSB) hatte Lindemann in Frankfurt am Main nochmals Rede und Antwort stehen müssen. Doch die "Unbedenklichkeitserklärung" wurde nicht erteilt - statt dessen gab die Kommission unter Vorsitz von Hans Evers die Empfehlung, vorerst einen dreimonatigen Probevertrag auszustellen. "Man muß das verstehen", sagt Schwimmwart Hans Hartogh, "wenn der DSB sich entschieden hat, dann gibt es kein zurück."
"Wir wollen den Konsens mit dem DSB", sagt auch Sportdirektor Klaus Nottrodt, der keinen Zweifel daran läßt, daß der DSV Lindemann lieber heute als morgen einen langfristigen Vertrag als Stützpunkttrainer in Berlin anbieten würde: "Das ist unser Ziel, und dafür werden wir alles Notwendige unternehmen." Und wenn alle Stricke reißen, "will der SC Berlin einspringen", hat Lindemann die Zusage seines Vereins.
"Sie hören von uns, mehr hat man uns nicht gesagt", so Lindemann, der das Gespräch in der DSB-Zentrale zwar sachlich und fair fand, aber auch nicht unbedingt notwendig. Alle Fragen seien schließlich schon vorher abgearbeitet gewesen. Und Lindemanns eidesstattliche Erklärung, sich zu keiner Zeit eines Verstoßes gegen internationale und nationale Anti-Doping-Regeln schuldig gemacht zu haben und auch künftig die Bestimmungen korrekt zu befolgen, lag auch vor.
Doch dem Berliner hängt noch immer ein Ausspruch vor der von DSB-Vize Manfred von Richthofen geleiteten Ad- hoc-Kommission nach: "Wie ich meine Mädchen schnell mache, ist meine Sache", hatte er nach der Vereinigung der beiden Schwimmverbände ausgesagt. Nachdem Lindemann den "Josef-Neckermann-Trainerpreis" bekam, trat von Richthofen sogar aus der Jury zurück; und das Bundesinnenministerium drängte auf das erneute Gespräch beim DSB. "Die endgültige Entscheidung fällt wohl am 11. Februar", erwartet Hartogh. dpa
Der empfindliche Temperatursturz in Melbourne ließ die gesetzten Tennisprofis und ein deutschen Frauen-Quintett bei den Australian Open unbeeindruckt. Einen Tag nach "Vorreiter" Michael Stich qualifizierten sich Steffi Graf, Anke Huber, Barbara Rittner, Claudia Porwik und Meike Babel für die dritte Runde. Steffi Graf kündigte nach ihrem 6:1, 6:1 gegen Jennifer Santrock (USA) an: "Ich habe eine gute Chance, hier zu gewinnen." Nach dem gequälten Dreisatzsieg der unter einer Viruserkrankung leidenden Jennifer Capriati über Florencia Labat (Argentinien) scheint in der Tat nur Titelverteidigerin Monica Seles in der Lage zu sein, den vierten Melbourne-Triumph der Deutschen zu verhindern.
Pullover und Regenschirme hatten erstmals Shorts, T-Shirts und Bikini- Oberteile abgelöst, die bei Temperaturen bis 36 Grad in den ersten drei Tagen das Bild bestimmt hatten. Am Vormittag hatte es geregnet, so daß die Veranstaltung erst mit dreistündiger Verspätung begann. Das gewaltige Schiebedach über dem Centre Court sorgte nur auf dem Hauptplatz für einen pünktlichen Start.
"Es war gar nicht so einfach, bei dem Wind zu spielen", sagte Steffi Graf, die mit den Elementen mehr zu kämpfen hatte als mit ihrer Gegnerin. Dafür sprach auch, daß die Weltranglisten-Zweite schon vor dem Match zweimal trainiert hatte - sicherlich eine größere Anstrengung als die 68minütige Schicht auf Platz 1. Steffi Graf trifft nun auf Claudia Porwik. Die 24jährige, die vor drei Jahren mit dem Erreichen des Halbfinales in Melbourne den größten Erfolg ihrer Karriere gefeiert hatte, gewann mit 6:3, 7:5 gegen die Amerikanerin Debbie Graham. Sie sieht der Aufgabe gegen die viermalige Wimbledon-Siegerin gelassen entgegen. "Ich habe absolut nichts zu verlieren. Und gewinnen kann man immer."
Anke Huber trumpft in ihrem "Lieblingsland" nach dem Erreichen des Endspieles in Sydney weiter auf. Das deutsche Duell gegen ihre Heidelberger Klubkameradin Veronika Martinek gewann sie ungefährdet mit 6:2, 6:4. Auf dem unruhigen Außenplatz Nummer sechs hatte sie nur im zweiten Durchgang "Konzentrationsschwierigkeiten", aber "ich schau schon nicht mehr so viel rum wie letztes Jahr". Den Namen ihrer nächsten Gegnerin, die sie als "Sabatini-Kopie" bezeichnet, glaubt sie auch bis zum Spiel am Samstag nicht richtig aussprechen zu können. Es handelt sich um eine Argentinierin mit Namen Ines Gorrochategui.
Eine Runde weiter als im Vorjahr ist Barbara Rittner. Die Leverkusenerin schlug Karina Habsudova (Slowakei) mit 6:2, 7:6 (7:5) und sollte auch gegen die bulgarische Weltranglisten-18. Katerina Malejewa nicht chancenlos sein. Meike Babel (Neu-Isenburg) erreichte durch ein hart erkämpftes 7:5, 1:6, 6:3 über Tessa Price (Südafrika) im fünften Anlauf erstmals die dritte Runde bei einem Grand Slam-Turnier.
Weniger Glück hatte Silke Meier (Heidelberg), die 3:6, 3:6 gegen Ginger Helgeson (USA) verlor. Bei den Männern schieden die letzten beiden deutschen Vertreter neben Stich aus. Bernd Karbacher (München) nahm dem Weltranglisten-11. Wayne Ferreira (Südafrika) beim 3:6, 6:4, 2:6, 5:7 immerhin einen Satz ab, was Marc Goellner gegen Byron Black (Simbabwe) beim 1:6, 4:6, 4:6 nicht vergönnt war.
Für die heißesten Partien des bisher kühlsten Tages sorgten der Schwede Jonas Svensson und Cedric Pioline (Frankreich). Den beiden unterlief das seltene Mißgeschick, je sechs Matchbälle gegen ihre Gegner Arnaud Boetsch (Frankreich) und Alexander Wolkow (Rußland) zu verspielen und nach fünf Sätzen mit leeren Händen dazustehen. Wenn man von den 10 000 Dollar Preisgeld absieht.
Der Donnerstag war aber auch ein Tag der großen Namen: Arantxa Sanchez (Spanien) gewann überraschend deutlich 6:0, 6:1 gegen Laura Gildemeister aus Peru. Erstmals gefordert wurde der US- Amerikaner Pete Sampras; er besiegte in vier Sätzen den Schweden Magnus Larsson. Die zweimalige Finalistin Mary Joe Fernandez (USA) hatte beim 7:6 (7:1), 6:4 heftigen Widerstand der Taiwan-Chinesin Schi-Ting Wang zu überwinden. dpa
BIELEFELD, 21. Januar (dpa). Deutsche Schulhöfe werden immer mehr zu Orten der Gewalt. Wenn Schüler heute aufeinander einprügeln, gehe es weit brutaler zu als früher, urteilt der Bielefelder Jugendforscher Klaus Hurrelmann. "Die Täter kennen keinen Ehrenkodex mehr, der die Opfer noch bis vor kurzem vor grenzenloser Brutalität schützte. Es wird auch weitergeschlagen und -getreten, wenn das Opfer schon kampfunfähig am Boden liegt", heißt es in einer Studie zur Gewalt an Schulen, deren Ergebnisse Professor Hurrelmann am Donnerstag veröffentlichte. Rund 15 Prozent eines Altersjahrgangs seien gewalttätig. In den Schulen komme es auch vermehrt zu sexuellen Übergriffen gegen Mädchen und zu Erpressungen.
Als Hauptursache für die anwachsende Aggressivität und Gewalt unter Kindern und Jugendlichen nennt der Forscher gestörte Familien mit sozialer Bindungslosigkeit. Die Schüler könnten die Grundregeln des Zusammenlebens nicht mehr einüben. Ein Fünftel der Schüler sei sozial verwahrlost. Ihre Gewalttätigkeit sei ein "sozialer Notruf nach Aufmerksamkeit, Zuwendung und Anerkennung". Aggressiv reagierten auch Kinder, die von ihren Eltern unter Leistungsdruck gesetzt und bei schulischem Versagen bestraft würden. Mitverantwortlich für die wachsende Aggression sind nach Ansicht von Hurrelmann die Schulen: Wo scharfer Wettbewerb und unfaire Leistungsbeurteilung herrsche, steige das Gewaltniveau deutlich an. Auch große Schulen mit anonymen Beziehungen sowie unübersichtliche und ungepflegte Schulgebäude machten die Schüler aggressiv.
Um die innerschulische Gewalt einzudämmen, schlägt Hurrelmann vor, die Maßstäbe der Leistungsbeurteilung durchschaubar zu machen und schwache Schüler zu fördern. Die Schule müsse den Schülern Erfolgsgefühle, Gemeinschaftserlebnisse und Bestätigungen ihres Selbstwertgefühls vermitteln. "Auch in der Schule muß unsere Gesellschaft Solidarität mit den Schwächsten zeigen. Drängen wir die Schwächsten unsolidarisch an den Rand, dann reagieren sie mit Aggressivität und Gewalt."
PASADENA, 21. Januar (AP). Die US- Raumfahrtbehörde NASA hat nach eigenen Angaben in den vergangenen drei Wochen 13 320 vergebliche Versuche unternommen, die Hauptantenne der Raumsonde Galileo zu öffnen. Galileo soll von 1995 bis 1997 den Jupiter, den größten Planeten des Sonnensystems, und seine Monde untersuchen. "Wir sind sicherlich enttäuscht", sagte NASA-Sprecher Bill O'Neil in Pasadena im US-Staat Kalifornien. "Es wird immer noch eine erfolgreiche Reise, aber nicht so gut, wie sie hätte sein können."
Seit dem 28. Dezember hatten NASA- Ingenieure den Motor der verklemmten schirmförmigen Antenne 13 320mal ein- und ausgeschaltet, um sie zu entfalten - vergeblich. Nun soll noch ein letzter Anlauf unternommen werden, um das 1,4 Milliarden Dollar teure Projekt zu retten.
Am 11. März werde die Zahl der Eigenumdrehungen der Sonde auf zehn pro Minute erhöht, sagte O'Neil. Er sei aber sehr pessimistisch, daß sich die Antenne damit lösen lasse. Den NASA-Wissenschaftlern steht noch eine kleinere Antenne zur Verfügung, die nicht so viele Daten übertragen kann. Mit ihr lassen sich aber immer noch 70 Prozent des Programms verwirklichen. Statt der erwarteten 50 000 wird es dann aber wohl nur 2000 bis 4000 Bilder vom Jupiter geben. Galileo war 1989 von einer Raumfähre ausgesetzt worden. Wiederverwendbarer Satellit
OTTOBRUNN (dpa). Am Donnerstag wurde am Hauptstandort der Deutschen Aerospace AG in Ottobrunn der mit dreieinhalb Tonnen bisher größte und wiederverwendbare deutsche Wissenschaftssatellit Astro-Spas für seine Reise zum Startplatz in die USA verladen. Unter dem Missionsnamen Orfeus-Spas soll der 4,5 Meter lange und bis zu drei Meter breite Satellit zunächst im Juli zu einer neuntägigen Mission starten. Der von der Raumfähre vorübergehend ausgesetzte Satellit soll vor allem den Lebenszyklus von Sternen untersuchen. Die Entwicklungskosten für den Satelliten sowie die ersten Missionskosten werden mit rund 115 Millionen Mark angegeben.
LEIPZIG. Der Leipziger Gewandhauskapellmeister und Chef der New Yorker Philharmoniker, Kurt Masur, ist in New York als "Musiker des Jahres 1993" geehrt worden. Die Auszeichnung werde seit 1960 alljährlich von der Fachzeitschrift "Musical America" an international hochrangige Musiker verliehen.
Masur wurde in der Avery Fisher Hall geehrt, der Heimstatt der New Yorker Philharmoniker, die in der laufenden Konzertsaison ihr 150jähriges Jubiläum feiern. Nach einer vierwöchigen Arbeitsphase in New York wird der Dirigent Ende Januar wieder nach Leipzig zurückkehren. dpa
Im Blickpunkt: Straße von Malakka Gefährliches Nadelöhr
Die Indonesien und Malaysia trennende und von Nordsumatra bis Singapur reichende, 420 Seemeilen lange, aber an manchen Stellen wie ein Nadelöhr enge Straße von Malakka ist eine gefährliche internationale Seeroute. Weil dieser unfallträchtige und auch von modernen Piraten heimgesuchte Weg die kürzeste Verbindung zwischen dem Südchinesischen Meer und dem Indonesischen Ozean ist, passieren ihn täglich mindestens 400 Frachter und Tanker. In den drei Anrainerstaaten Indonesien, Malaysia und Singapur gibt es seit Jahren eine Diskussion über die Sicherheit in der unsicheren Straße von Malakka. Die Regierungen dieser Länder planen nicht nur ein gemeinsames Sicherheitssystem für die Seeroute. Wegen mindestens 50 Piratenüberfällen im letzten Jahr suchen sie auch durchzusetzen, daß künftig bewaffnete "Seepolizisten" alle Schiffe in der Straße von Malakka begleiten müssen.
Als Ende 1992 ein mit 1,7 Tonnen giftigem Plutonium beladener Frachter aus Frankreich in Richtung Japan ausgelaufen war, versetzten Singapur, Indonesien und Malaysia vorsichtshalber ihre Seestreitkräfte in Alarmbereitschaft. Aus Furcht, der Frachter könnte in der Straße von Malakka in ein Unglück verwickelt werden, verboten sie Tokio die Passage.
Malaysia, Indonesien und Singapur wollen von allen Schiffen, die durch die Straße von Malakka fahren, Gebühren verlangen. Dieser "Zoll", so der malaysische Umweltminister Law Hieng Ding, soll für die Piratenbekämpfung, das Sauberhalten der Seestraße von Öllachen und die Einrichtung eines Lotsendienstes ausgegeben werden.
Nicht nur die Piraten, auch immer mehr Tankeröl im Seewasser der Straße von Malakka alarmieren die Regierungen von Malaysia, Indonesien und Singapur - dem vom Schiffsaufkommen her verkehrsreichsten Hafen der Welt. Die weißen Sandstrände der westmalaysischen Touristeninsel Langkawi reinigten im letzten Herbst Dorfbewohner und Soldaten von schwarzen Ölklumpen. Aus dem damals in der Straße von Malakka mit einem Frachter kollidierten und ausgebrannten 95 000-Tonnen- Tanker "Nagasaki Spirit" waren damals rund 13 000 Tonnen Rohöl in das Seewasser ausgelaufen.
NIKOLAUS PREDE (dpa)
BERLIN, 21. Januar (dpa). Die FDP will im Berliner Landesparlament nicht weiter mit der PDS zusammenarbeiten. Die PDS sei die "Stasi-Fraktion im Abgeordnetenhaus", sagte die FDP-Fraktionsvorsitzende Carola von Braun am Donnerstag zu Beginn der Parlamentssitzung. Denn die PDS weigere sich, zwei Stasi- belastete Abgeordnete auszuschließen - entgegen einer Empfehlung des Ehrenrates des Abgeordnetenhauses.
Unterdessen ist der PDS-Abgeordnete Dieter Klein aus der Fraktion ausgeschieden. Er will aber als fraktionsloser Abgeordneter weiter im Parlament bleiben. Klein hatte zugegeben, seine Wohnung für Kontakte der Stasi mit Schriftsteller Heiner Müller zur Verfügung gestellt zu haben.
CHICAGO/WASHINGTON (dpa). Das US-Handelsministerium hat Strafzölle gegen Anbieter von bestimmmten legierten Stabstahlprodukten aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Brasilien verhängt. Diese Produkte werden vor allem zur Schrauben- und Bolzenherstellung verwendet. Die USA importieren jährlich Spezialstahl im Wert von etwa 90 Millionen Dollar.
Die Lieferungen aus Deutschland werden mit Antidumping-Zöllen von 85 Prozent belastet. Falls aus Sicht der USA staatliche Subventionen an Hersteller gewährt wurden, sollen auf diese Produkte gut 17 Prozent Sonderabgaben erhoben werden. Bei Dumping handelt es sich um den Verkauf von Gütern unter den Gestehungskosten oder unter den heimischen Abgabepreisen plus angemessener Gewinnmarge. Die Antidumping-Zölle werden auf den Differenzbetrag des angeblich fairen Preises und des Dumpingpreises erhoben. Die für Handelsfragen zuständige US-Behörde International Trade Commission muß aber bis zum 25. Februar erst feststellen, ob die US-Stahlindustrie durch diese Einfuhren in erheblichem Umfange geschädigt wurde.
Dieser Entscheidung Washingtons für ein kleines Segment wird in der nächsten Woche eine größere Strafzollaktion gegen die Anbieter von Flach- und Grobstahlprodukten für die Automobil- und Bauindustrie folgen, die Stahl für 2,5 Milliarden Dollar pro Jahr nach den USA liefern.
Zwei Tage nach Ausbruch der heftigen Daviscup-Auseinandersetzungen hat der Deutsche Tennis-Bund (DTB) Stellung bezogen: Er nahm Boris Becker in Schutz und bezeichnete Michael Stichs Ultimatum als ebenso unannehmbar wie die Gehaltsvorstellungen von Becker-Manager Ion Tiriac im Falle eines Daviscup-Einsatzes. DTB-Präsident Claus Stauder sagte am Donnerstag der Deutschen Presse- Agentur: "Man könnte Boris Becker nicht mehr Unrecht antun, als wenn man ihm unterstellen würde, Geld habe bei seiner Daviscup-Absage eine entscheidende Rolle gespielt." Stichs Forderung, so der DTB-Chef, "kann nicht ernsthaft gemeint sein. Ein Spieler kann nicht sagen, wie ein Team aufgestellt werden soll".
Stauder war sichtlich bemüht, die aus dem Ruder geratene Situation nicht weiter eskalieren zu lassen. Für Stich zeigte er "Verständnis, er hat aus seiner Sicht konsequent zu Ende gedacht". Außerdem will sich der DTB-Präsident bemühen, als Schlichter zu fungieren: "Wenn ich die geringste Chance sehe, werde ich dafür sorgen, alle an einen Tisch zu bringen." Zugleich bestätigte der DTB, daß es Überlegungen gebe, die Prämienregelung für den Daviscup neu zu gestalten.
Ob Stauder die tiefen Gräben zwischen Becker und Stich noch einmal zuschütten kann, war am Donnerstag in Melbourne eher zweifelhaft. Stich fühlt sich über die am Mittwoch bekannt gewordenen Tiriac-Vorstellungen für eine Bezahlung Beckers im Daviscup zusätzlich vor den Kopf gestoßen und sieht zumindest für dieses Jahr keine Chance mehr für eine Daviscup-Gemeinsamkeit mit Becker. Für den Fall der Becker-Rückkehr im Herbst hatte er am Mittwoch seinen eigenen Verzicht erklärt.
Stauder wie DTB-Generalsekretär Günter Sanders räumten ein, daß es Gespräche mit Tiriac über ein neues Prämiensystem für Daviscup-Einsätze gegeben habe, zuletzt zwischen Sanders und dem Becker-Manager kurz vor Weihnachten in Hamburg. Es habe sich aber lediglich um "Gedankenspiele" gehandelt und bisher nicht um "Verhandlungen". Insofern könne man auch nicht von "Forderungen Tiriacs" sprechen. Sanders ergänzte: "Becker weiß von den Gesprächen zwischen Tiriac mit mir und dessen Inhalten mit Sicherheit nichts."
Tiriac hat gegenüber dem DTB den Marktwert von Becker für ein Daviscup- Spiel mit 500 000 Mark angegeben. dpa
STUTTGART, 21. Januar (dpa/epd/ber). Das theologische Lehrzuchtverfahren der württembergischen evangelischen Kirche gegen die Theologin Jutta Voss ist am Donnerstag in Stuttgart nach mehrstündiger Verhandlung überraschend ausgesetzt worden. Der Theologin und Psychotherapeutin wird von der württembergischen Kirchenleitung vorgeworfen, "das biblische, reformatorisch verstandene Evangelium von Jesus Christus in entscheidenden Grundzügen preisgegeben und menschlichen Ansprüchen und Gedanken unterstellt" zu haben.
Einem Antrag von Rechtsanwalt Jörg Lang, dem Rechtsbeistand der Theologin, entsprechend, beschloß das Spruchkollegium die Aussetzung, um selbst weitere Ermittungen anstellen zu können und um Voss die Möglichkeit zu geben, ihren Standpunkt zu überdenken und gegebenenfalls neue Gutachten vorzulegen. Das neunköpfige Spruchkollegium unter Vorsitz von Landesbischof Theo Sorg räumte ein, daß kein formelles Ermittlungsverfahren vor der mündlichen Verhandlung durchgeführt worden sei. Dies sei ein "Verfahrensmangel". Den Antrag des Anwalts, das Verfahren ganz einzustellen, lehnte das Kollegium ab. Die von Lang vorgebrachten Bedenken im Blick auf die Verfassungsmäßigkeit der württembergischen Lehrzuchtordnung von 1959 wies das Kollegium zurück.
Die Eröffnung des Verfahrens wurde von Protesten von etwa 100 vorwiegend weiblichen Demonstranten begleitet, die nicht in den vollbesetzten Verhandlungssaal gelangt waren. Ein Antrag von Lang, die Türen öffnen zu lassen und damit eine größere Öffentlichkeit herzustellen, lehnte die Kammer ab, da ein "geordnetes Verfahren" unter diesen Umständen nicht mehr möglich sei. Die Demonstranten blieben vor dem Haus, klopften während der Verhandlung an die Fenster und sangen neben dem alten Protestlied "We shall overcome", auch immer wieder: "Wehrt Euch, leistet Widerstand, gegen diese Kirche hier in diesem Land".
Bei der Verhandlung geht es, wie Sorg sagte, nicht um ein Verfahren gegen feministische Theologie. Vielmehr prüfe man "theologisch-relevante Aussagen", die Voss in ihrem Buch "Das Schwarzmond-Tabu - über die Bedeutung des weiblichen Zyklus" gemacht habe. In dem Buch, das der Stuttgarter Kreuz-Verlag in der vergangenen Woche zum vierten Mal auflegte, spürt die Pastorin weiblicher Spiritualität nach und kritisiert unter anderem die patriarchalische Herrschaftsform der Kirche und das ausschließlich männliche Bild von Gott.
Wird Voss in dem Verfahren schuldig befunden, so verliert sie ihr geistliches Amt als Pfarrerin: Sie darf nicht mehr predigen und keine Sakramente spenden.
SCHWERIN, 21. Januar (dpa). Die Gauck-Behörde hat im vergangenen Jahr 400 000 Anfragen beantwortet. Nach zweijähriger Tätigkeit habe die Behörde mit 3150 Mitarbeitern rund 60 Prozent der von der DDR-Staatssicherheit hinterlassenen 180 Kilometer Akten aufgearbeitet, sagte der Direktor der Behörde, Hansjörg Geiger, am Donnerstag in Schwerin. Der Bundesbeauftragte Joachim Gauck betonte, das Stasi-Unterlagengesetz habe sich bewährt. Es habe sich als richtig erwiesen, die Unterlagen allen Bürgern auf Antrag zugänglich zu machen.
Bei der Behörde seien bisher insgesamt 1,7 Millionen Anträge eingegangen, 1,1 Millionen Überprüfungsverfahren liefen, so Geiger. Bei durchschnittlich zehn Prozent der Überprüften hätten sich Hinweise auf eine inoffizielle oder hauptamtliche Tätigkeit ergeben, so Geiger.
MOSKAU, 21. Januar (dpa). In der zwischen Rußland und der Ukraine umstrittenen Verwaltung der ehemals sowjetischen Atomwaffen bleiben die Fronten hart. "Wir beharren auf eine getrennte Verwaltung der strategisch-nuklearen Streitkräfte", sagte am Donnerstag der stellvertretende Verteidigungsminister der Ukraine, Iwan Bischan, in Minsk vor einem Treffen mit seinen Amtskollegen aus den Atom-Republiken Kasachstan, Weißrußland und Rußland.
Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax sagte Rußlands Verteidigungsminister Pawel Gratschow hingegen, allein sein Land sei für die militärische, technische und organisatorische Verwaltung von Atomwaffen zuständig.
Rußlands Vize-Generalstabschef Wladimir Scherbenko rügte, daß die Kontrolle über die Atomwaffen der Ex-UdSSR noch immer nicht geregelt sei. "Bisher hat nur Weißrußland klar gesagt, daß alle Atomwaffen auf seinem Territorium zu Rußland gehören", sagte Scherbenko. "Obwohl Kasachstan und die Ukraine atomwaffenfrei sein wollen, haben sie Angst, sich von den Atomwaffen zu trennen."
BERLIN. Die Gauck-Behörde hat jetzt zwei "Opferakten" über Heiner Müller gefunden. Sie enthalten die Stasi-Berichte über "Die Umsiedlerin". Die "Berichtsakte" über Heiner Müller sei noch nicht gefunden worden. Es liege ein "Formblatt" des zuständigen Stasi-Offiziers vor, auf dem dieser akribisch Buch geführt habe. Genau dieser Eintrag fehle bei Müller, so daß "nach der Stasi-Buchhaltung" davon auszugehen sei, daß es diese Akte noch geben müsse, sagte Müllers Anwalt. Aus dem Formblatt gehe hervor, daß es sich nur um einen einzelnen Hefterband handele. Christa Wolf hatte nach eigenen Angaben 42 Bände eingesehen. dpa
BAGDAD/WASHINGTON, 21. Januar (dpa/Reuter). Kurz nach Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Bill Clinton gab es am Donnerstag einen neuen militärischen Zwischenfall in Irak, südlich von Mosul. Eine US-Maschine des Typs F 4 G schoß in der Flugverbotszone im Norden eine Rakete auf eine Abwehrbatterie ab und warf zwei Splitterbomben, nachdem sie vom irakischen Zielradar erfaßt worden war, was Militärs als feindlichen Akt werten. Die F 4 G hatte eine französische Mirage auf einem Patrouillenflug begleitet. In Washington erklärte Außenminister Warren Christopher, auch die neue US-Regierung werde ihre Piloten schützen. Der Vorfall vom Donnerstag zeige die Entschlossenheit Präsident Clintons.
Mit einem UN-Flugzeug aus Bahrain kommend trafen am Donnerstag 52 UN- Waffeninspekteure in Bagdad ein. Sie wollen dort die Irak nach dem Golf-Krieg auferlegte Zerstörung von Massenvernichtungswaffen überwachen. Bagdad hatte ihnen die Einfluggenehmigung erteilt und für ihre Sicherheit garantiert. Damit war eine Forderung erfüllt, die die USA und ihre Alliierten mit ihren jüngsten Luftangriffen durchsetzen wollten. Die Gruppe wird speziell die Zerstörung hochgiftiger Materialien überwachen. Die staatlich gesteuerten irakischen Zeitungen vom Donnerstag beschworen eine "neue Ära" der Beziehungen zwischen Irak und den USA nach dem Amtsantritt Clintons. Neue, gute Beziehungen könnten "dem Schmerz folgen, den Bushs Verbrechen und sein verrückter Krieg verursacht haben", schrieb El Irak.
Das Europaparlament verlangte am Donnerstag in einer Resolution, Angriffe gegen Irak sollten in Zukunft nur noch mit Zustimmung der UN erfolgen.
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SINGAPUR, 22. Januar (dpa). Der dänische 254 000-Tonnen-Supertanker "Maersk Navigator" hat am Freitag einen vier Kilometer langen und 200 Meter breiten Ölteppich auf hoher See vor Nordsumatra hinter sich hergezogen. Am Abend stand er immer noch in Flammen. Die Besatzungen mehrerer Bergungs- und Feuerlöschschlepper aus Singapur versuchten, das Feuer auf dem 80 Seemeilen vor der nordindonesischen Hafenstadt Banda Aceh mit einer Ladung von fast 300 Millionen Litern Rohöl steuerlos im Meer driftenden Schiffsriesen zu bekämpfen. Ein Sprecher des Schiffseigners, der international vertretenen dänischen Reederei A. P. Möller, sagte am Freitag in Singapur, die umfangreichen Bergungs- und Löscharbeiten könnten Tage dauern.
Trotz der Länge des aus Hubschraubern beobachteten Ölteppichs meinte der Sprecher, die von Indonesien, Malaysia und Singapur befürchtete "schwarze Pest" in Küstengebieten könnte ausbleiben. Das aus einem bei der Kollision mit dem kleineren japanischen Tanker "Sanko Honour" beschädigten Ladetank der Maersk Navigator brennend ins Meer schwappende Rohöl sei eine "leichte Sorte". Dieses Öl werde sich im Meer wahrscheinlich schnell auflösen.
Beide Tanker waren am frühen Donnerstagmorgen bei regnerischem Wetter vor dem Nordeingang der vielbefahrenen Seestraße von Malakka zusammengestoßen. Dabei gerieten beide Schiffe in Brand. Die 25 Besatzungsmitglieder der "Sanko Honour" konnten das Feuer auf ihrem leer fahrenden Schiff löschen. Die 24köpfige Crew der "Maersk Navigator" mußte wegen des Feuers ihr Schiff aufgeben. Sie wurde vom deutschen Containerfrachter "DSR Atlantic" übernommen. Über die Kollisionsursache wurden bis Freitag keine Einzelheiten bekannt.
Nach Angaben von A. P. Möller wurde die holländische Bergungsfirma Smit Tak beauftragt, die Bergungs- und Löscharbeiten auf dem Supertanker unter Aufsicht der indonesischen Regierung zu koordinieren. Bergungsexperten und Vertreter der Reederei wurden am Freitag per Hubschrauber auf die "Maerks Navigator" gebracht. Wie ein Reedereisprecher in Singapur sagte, sollen sie eine Untersuchung vornehmen und den Brandherd für eine gezielte Feuerbekämpfung orten.
Eine der schwierigsten Phasen der geplanten Bergungsaktion sehen Tankerexperten darin, die für Japan bestimmte Rohölladung der "Maersk Navigator" in andere Tanker umzupumpen. Ein Auseinanderbrechen des Tankers würde zu einer Umweltkatastrophe für Küstengebiete Indonesiens, Thailands und Malaysias führen. Die Küstengewässer dieser Staaten grenzen an große Mangrovenwälder, die Laichgebiete von Fischen sind.
Für den Erhalt einer sicheren Seeschiffahrt unter deutscher Flagge ist es nach Ansicht von Bundesverkehrsminister Günther Krause (CDU) wichtig, daß die Seeschiffahrtshilfe für Reeder beibehalten wird. Angesichts der jüngsten Tankerhavarien müsse alles getan werden, um die Hauptunfallursache - das menschliche Versagen - durch mehr Sicherheit zu reduzieren, sagte Krause in seiner Festansprache zum 125jährigen Bestehen der Norddeutschen Seewarte in Hamburg, dem heutigen Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie. 1993 liegt diese Bundesbeihilfe bei 115 Millionen Mark. Ein Öltankerunglück vor den deutschen Küsten würde dem "Norden das Rückgrat brechen", sagte Krause. Für mindestens ein Jahrzehnt käme kein Tourist mehr an die Strände.
BRÜSSEL (dpa/rtr). Die EG wird voraussichtlich Ende Januar über Schutzbarrieren gegen die steigenden Einfuhren von Billigstahl aus der ehemaligen Tschechoslowakei entscheiden. Der neue Brüsseler Kommissar für Außenhandel, Leon Brittan, habe Verhandlungen mit der tschechischen Regierung in Prag abgeschlossen und werde dem zuständigen Ausschuß der EG-Staaten ein Paket mit Mengenbeschränkungen vorlegen, erklärte sein Sprecher. Eine neue Vereinbarung auf der Basis der Schutzklausel im Assoziierungsvertrag der EG mit der ehemaligen CSFR wird notwendig, weil eine im August 1992 beschlossene Begrenzung der Billigimporte ausgelaufen ist. Brittan habe jetzt mit den Tschechen verhandelt, die ihrerseits mit den Slowaken handelseinig werden wollen. Einzelheiten über Importmengen wurden nicht genannt.
Zugleich hat jedoch Brittan die EG- Staaten aufgefordert, ihren Markt stärker für osteuropäische Exportgüter zu öffnen. Die Gemeinschaft dürfe sich bei der Hilfe für Osteuropa nicht auf Lippenbekenntnisse beschränken, betonte Brittan. Eine Belebung des Handels sei das wirksamste Mittel, um die Länder des ehemaligen Ostblocks beim Aufbau marktwirtschaftlicher Strukturen zu unterstützen. Zugleich räumte er jedoch ein, eine völlige Marktöffnung würde der EG nicht leichtfallen, insbesondere soweit sie auch Agrar-, Stahl- und Textil-Produkte beträfe.
WARSCHAU, 22. Januar (dpa). Die Akten über angebliche Spitzeldienste des polnischen Statspräsidenten Lech Walesa für den Geheimdienst waren nach Angaben des kommunistischen ehemaligen Innenministers Czeslaw Kiszczak gefälscht. Wie der Sprecher des Präsidenten, Andrzej Drzycimski, am Donnerstag mitteilte, hat Kiszczak dies Walesa in Telefongesprächen vom 12. und 19. Januar mitgeteilt.
Tonbandaufzeichnungen von diesen Gesprächen mit Kiszczak hat Walesa am Mittwoch in Warschau dem Parlamentspräsidenten Wieslaw Chrzanowski übergeben. Die Aufzeichnungen seien mit Einverständnis Kiszczaks gemacht worden, der nichts gegen eine Verbreitung der Bänder habe, sagte Drzycimski. Der in hartem Kampf gegen Walesa stehende Vorsitzende der christdemokratischen Zentrumsunion, Jaroslaw Kaczynski, hat am Donnerstag eine Aufklärung darüber verlangt, ob die unter dem Decknamen "Bolek" geführte Geheimdienstakte die Akte Walesas sei.
MÜNCHEN, 21. Januar (dpa). Der neue Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert (CDU) will leistungsfähige Agrarbetriebe stärker fördern als sein Amtsvorgänger Ignaz Kiechle (CSU). Dies kündigte er in einem Interview der in München erscheinenden "Süddeutschen Zeitung" an. Eine möglichst hohe deutsche Beteiligung an einer gesamteuropäischen Produktionsmenge werde die Bundesrepublik nur mit wettbewerbsfähigen Betrieben erreichen.
Zurückhaltend äußerte er sich allerdings zu den Chancen der nachwachsenden Rohstoffe, auf die die Landwirtschaft große Hoffnungen setzt. Sie könnten künftig zwar zu Marktpreisen produziert werden, dies lasse sich jedoch nicht in dem Tempo verwirklichen, in dem manche das annehmen.
Der Transfer von Matthias Sammer zurück in die Fußball-Bundesliga steht kurz vor der Vollendung. Voraussichtlich wird der 25jährige Mittelfeldspieler von Inter Mailand schon heute einen Vertrag bei Borussia Dortmund unterzeichnen. Die letzten Formalitäten für den Wechsel sollen gestern Inter-Generalmanager Piero Boschi und Borussia-Manager Michael Meier geklärt haben. Damit hätte Dortmund das Rennen um Sammer gegen den VfB Stuttgart gewonnen. dpa
WASHINGTON, 22. Januar (dpa). Das US-Außenministerium hat Kritik an Teilen der deutschen Polizei im Zusammenhang mit Übergriffen von Skinheads in den neuen Bundesländern geübt. In dem jetzt veröffentlichten jährlichen Menschenrechtsbericht heißt es, Polizeikräfte auf dem Gebiet der früheren DDR hätten "es versäumt, Ausländer zu schützen, die von Rechtsextremisten angegriffen wurden". In vielen Fällen sei den Angreifern noch von Umstehenden applaudiert worden. "Oftmals hat die Polizei ihre Unfähigkeit und zeitweise auch Zögerlichkeit bewiesen, der Gewalt Einhalt zu gebieten." In dem Bericht wird außerdem die "Diskriminierung der Zigeuner" gerügt. Scharfe Kritik üben die USA auch an der Türkei wegen mangelnder Einhaltung der Menschenrechte.
Deutsch-französische Freundschaft Festakt mit Mitterrand
BONN, 21. Januar (dpa). Als "Gedenktag für alle Europäer" hat der Bundestag am Donnerstag den 30. Jahrestag der Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschafts- und Partnerschaftsvertrages gewürdigt. Mit langanhaltendem Beifall begrüßte das Plenum den Außenpolitischen Ausschuß der französischen Nationalversammlung, der zu einer gemeinsamen Sitzung mit dem deutschen Auswärtigen Ausschuß nach Bonn gekommen war. Die Debatte im Plenum ging einem Festakt voraus, bei dem Bundeskanzler Helmut Kohl und Präsident François Mitterrand in der Bundeskunsthalle sprachen und das Ereignis als Markstein in der Geschichte beider Völker würdigten.
Die militärischen Führungsspitzen Deutschlands, Frankreichs und der NATO haben am Donnerstag in Brüssel ein Abkommen unterzeichnet, das den Einsatz des deutsch-französischen Eurokorps unter dem Befehl der westlichen Allianz regelt. NATO-Generalsekretär Manfred Wörner erklärte anläßlich der Unterzeichung, der Vertrag sei ein "wichtiger Meilenstein" der euro-atlantischen Sicherheitsordnung und stärke den europäischen Pfeiler. "Das Abkommen ist gut für Frankreich und Deutschland, gut für Europa und gut auch für die NATO."
Das Dokument wurde von Generalinspekteur Klaus Naumann, dem Generalstabschef der französischen Streitkräfte, Jacques Lanxade, und dem NATO-Oberbefehlshaber Europa, John Shalikashvili, unterzeichnet. Der Vertrag stelle eine Annäherung Frankreichs an die NATO dar, ohne daß Paris seine nationale Unabhängigkeit aufgebe, erklärte Naumann.
Das deutsch-französische Eurokorps, das einen Umfang von rund 50 000 Soldaten haben wird, soll nach deutschen Angaben 1995 einsatzbereit sein.
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BONN, 21. Januar (dpa). Besorgt darüber, daß 71 Prozent der Bundesbürger nach einer Wickert-Umfrage die Kirchensteuer abschaffen wollen, hat sich die Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der Union (EAK), Bundesfrauenministerin Angela Merkel (CDU), geäußert. Nach einer Sitzung des EAK-Bundesvorstandes wies sie am Donnerstag in Bonn darauf hin, daß in den neuen Bundesländern sogar 81 Prozent der Befragten gegen die Kirchensteuer seien.
Die EAK trete allen entsprechenden Vorstellungen entgegen, kündigte Merkel an: "Wir können auf die Arbeit der Kirchen nicht verzichten." Die Kirchen müßten sich aber auch fragen lassen, ob sie ihrem Seelsorge- und Verkündigungsauftrag noch gerecht werden, wenn die Zustimmung zu ihrer Arbeit spürbar abnehme. Die Kirchen hätten einen gesellschaftlichen Auftrag weit über die Glaubensvermittlung hinaus.
BONN, 21. Januar (dpa/Reuter). In vielen Hochschulstädten haben sich am Donnerstag Studenten in Vollversammlungen und mit Protestaktionen gegen die Sparpolitik von Bund und Ländern bei Hochschulen gewandt. Sie lehnten eine "Studienreform" unter dem "Diktat der Finanzpolitik" ab und demonstrierten gegen das geplante Einfrieren der Studienförderung Bafög bis 1996 sowie gegen Studiengebühren und Zwangsexmatrikulation bei Überschreiten der Regelstudienzeit.
Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Hans-Uwe Erichsen, zeigte Verständnis für die Proteste. Die Lage an den mit 1,83 Millionen Studenten überfüllten Hochschulen sei so ernst, daß die Studierenden dies als bedrohlich für ihren eigenen Studienerfolg ansähen. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Dieter Wunder, sieht den von Bundeskanzler Helmut Kohl angekündigten "Bildungsgipfel" durch das Sparpaket bedroht. Dies lege fest, daß sich der Bund bei den Verhandlungen mit den Ländern finanziell nicht bewegen werde. Ein "Bildungsgipfel" jedoch, bei dem nicht auch über mehr Geld für die Hochschulen beraten werde, "wird nicht mehr als ein großes Palaver sein".
Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten wandte sich gegen die Bafög- Streichungen. Die Studienabschlußförderung, die danach ab Herbst nicht mehr verlängert werden soll, sei ein wirksames Instrument zur Studienzeitverkürzung gewesen. Der Deutsche Industrie- und Handelstag und die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft warnten vor "bildungspolitischen Kleinstaaterei". Die von der Verfassungskommission vorgesehenen Änderungen im Bildungssystem zugunsten der Länder gefährdeten bundesweit erreichte Qualitätsstandards, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.
BONN, 22. Januar (dpa). Bundesgesundheitsministerium und Bundesgesundheitsamt sind vom Deutschen Naturschutzring (DNR) aufgefordert worden, in Brüssel Front gegen die Zulassung von gen-manipulierten Chrysanthemen zu machen, die von einer niederländischen Firma entwickelt worden sind. Sie enthielten Antibiotikaresistenz-Gene, die nach dem Verrotten der Pflanzen in die Umwelt freigesetzt und auf andere Lebewesen übertragen werden könnten, warnte DNR-Vorstandsmitglied Brigitte Rusche in Bonn.
Eine europaweite Vermarktung dieser Züchtung kommt aus der Sicht der Naturschützer einer "unkontrollierten Freisetzung" von gentechnisch verändertem Material gleich. Heftig umstritten in der Bundesrepublik sind derzeit geplante Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Kartoffeln und Zuckerrüben. Im Forschungsministerium wollen am heutigen Freitag Wissenschaftler die Projekte erörtern.
Zur Person:
LUDGER VOLMER, Vorstandssprecher der Grünen, ist wegen Verletzung der Bannmeile "verwarnt" worden. Das Amtsgericht Bonn setzte eine Geldstrafe von 800 Mark zur Bewährung aus. Diese muß Volmer zahlen, falls er in den nächsten zwei Jahren noch einmal in der Bannmeile um den Bundestag demonstriert. Anlaß des Verfahrens waren Proteste gegen das "Allparteien-Gespräch" im Kanzleramt zur Einschränkung des Asylrechts im September 1991. Die Grünen waren zu dem Treffen nicht eingeladen und demonstrierten vor dem Gebäude gegen eine Änderung des Asyl-Artikels 16 im Grundgesetz. Das Amtsgericht akzeptierte die Begründung Volmers, er habe an dem Gespräch teilnehmen wollen und sich deshalb in der Bannmeile aufgehalten, nicht. Es vertrat die Auffassung, Volmer habe sich an einer politischen Demonstration beteiligt, weil er sich hinter ein Transparent der Grünen mit der Aufschrift "Hände weg vom Grundgesetz" gestellt habe. (dpa/AFP)
ALBRECHT BECKEL, langjähriger Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und CDU-Politiker, ist im Alter von 67 Jahren in Münster gestorben. Von 1954 bis 1988 leitete Beckel als Direktor die Katholisch-Soziale Akademie im Bistum Münster, das "Franz- Hitze-Haus". Von 1968 bis 1972 war er ZdK-Präsident. Beckel gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Maximilian- Kolbe-Werks, das 1973 entstand und dem er bis 1984 als Präsident vorstand. (KNA)
RUDOLF KARL KRAUSE, Bundestagsabgeordneter der CDU, soll nach Ansicht des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma wegen rassistischer und volksverhetzender Äußerungen aus der Unionsfraktion ausgeschlossen werden. In Briefen an Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und den Chef der CDU/CSU-Fraktion, Wolfgang Schäuble, forderte der Zentralrats-Vorsitzende Romani Rose außerdem die Aufhebung der Immunität Krauses. Rose hatte Anfang des Monats Strafanzeige gegen den CDU-Politiker aus Sachsen-Anhalt erstattet. Als "Höhepunkt der rassistischen Hetze seit 1945", für die Krause sein CDU-Mandat mißbrauche, bezeichnete Rose die Äußerung des Abgeordneten, man müsse den 17 Toten der neonazistischen Mordanschläge im Jahre 1992 gegenüberstellen, "wieviel Deutsche in der gleichen Zeit durch Zigeuner umgebracht wurden". Der Ost- Politiker benutze ferner in einer Schrift "Nazi-Jargon", meint Rose. (pit)
BONN, 22. Januar (dpa). Die Verjährung für Straftaten, die in der DDR aus politischen Gründen nicht verfolgt worden sind, wird ausgesetzt. Der Bundestag verabschiedete am Donnerstag gegen die Stimmen der PDS einen entsprechenden Gesetzentwurf des Bundesrates. Danach beginnt die Verjährungsfrist für Straftaten, die nach dem 11. Oktober 1949 in der DDR begangenen wurden, erst mit dem 3. Oktober 1990 - dem Tag des DDR-Beitritts zur Bundesrepublik.
Das Gesetz soll vor allem dazu dienen, Straftaten wie Freiheitsberaubung oder Aussageerpressung im Amt aus der Frühzeit der DDR noch ahnden zu können. Da verschiedene Gerichte in der Vergangenheit unterschiedliche Urteile über die Verjährung gefällt haben, soll die Regelung Rechtssicherheit schaffen.
KÖLN, 21. Januar (AFP). Der CDU-Verteidigungsexperte Otto Hauser hat den umstrittenen Einsatz deutscher Soldaten auf AWACS- Flugzeugen zur Überwachung eines Flugverbots über Bosnien-Herzegowina noch über den Erhalt der Koalition gestellt. Gegenüber der Kölner Tageszeitung Express sagte Hauser: "Unsere Verläßlichkeit in der NATO ist wichtiger als diese Koalition. Wenn die Deutschen schon bei einer minimalen Sache wie der Überwachung des Flugverbots über Bosnien-Herzegowina aussteigen, dann ist das ein Vertragsbruch gegenüber der NATO." Unterstützt wird Hauser vom CSU-Abgeordneten Benno Zierer.
PORT-AU-PRINCE, 21. Januar (AFP). 102 haitianische Flüchtlinge sind am Mittwoch von Kuba nach Haiti zurückgekehrt. Die Rückkehr im Flugzeug war zwischen beiden Staaten unter Vermittlung des Hohen Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) und des Roten Kreuzes vereinbart worden, hieß es von amtlicher Seite in Port-au-Prince. Unter den Rückkehrern, die auf der Flucht in die USA in Kuba gestrandet waren, befanden sich auch acht Personen, die das Kentern ihres Bootes überlebten. Einer davon sagte, bei dem Unglück seien mehr als 200 Menschen ertrunken.
BOGOTÁ, 21. Januar (AFP). Der kolumbianische Guerillakommandant Jose Humberto Lopez ist in Bogotá gefaßt worden. Wie die Polizei am Mittwoch bekanntgab, wurde der Führer der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) nach einem telefonischen Hinweis aus der Bevölkerung am Dienstag festgenommen. Lopez wird von den Behörden für zahlreiche Entführungen von Großgrundbesitzern sowie für Angriffe auf Polizei und Armee verantwortlich gemacht. Mit der Festnahme von Lopez gelang den Sicherheitskräften zum dritten Mal innerhalb von zwei Monaten ein entscheidender Schlag gegen die in Kolumbien aktiven Guerillaorganisationen.
PORT-AU-PRINCE, 21. Januar (AFP). In Haiti ist nach Armee-Angaben am Mittwoch eine versuchte Meuterei gescheitert. In einer Kaserne am Rand der Hauptstadt Port-au-Prince hätten fünf Soldaten einer Infanterieeinheit, die an einen anderen Ort verlegt werden sollten, Schüsse in die Luft abgefeuert, seien jedoch vom Rest der Truppe in die Flucht geschlagen worden, hieß in einer Erklärung der Streitkräfte. Ein Militärsprecher sagte, der Vorfall habe einen "politischen Hintergrund". Anderen Informationen zufolge sollen die Rebellen Gegner einer Verhandlungslösung zur Beilegung der Krise sein, die durch den Militärputsch vom September 1991 ausgelöst wurde.
Der Führer der Putschisten, Armeechef General Raoul Cedras, hatte am Dienstag Gerüchte bestritten, wonach die Streitkräfte sich bereit erklärt hätten, die Rückkehr des von ihnen ins Exil getriebenen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide zu akzeptieren.
MOGADISCHU, 21. Januar (AFP/Reuter). Auch einen Monat nach Beginn der Operation "Neue Hoffnung" in Somalia sind noch nicht alle hungernden Menschen versorgt. Wie die Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Nina Wimquist, am Donnerstag in Mogadischu mitteilte, wurden noch nicht alle kleinen Dörfer ausgemacht, in denen die Menschen möglicherweise Hunger leiden. Bis zu zwei Millionen Somalier brauchten weiterhin Lebensmittel, bis zu 400 000 seien noch unterernährt, sagte Wimquist weiter.
Belgische Angehörige der multinationalen Eingreiftruppe erschossen einen Somalier in der Hafenstadt Kismayu. Wie die belgische Inlandsagentur Belga am Donnerstag weiter meldete, hatte sich der Vorfall bereits am Dienstag ereignet, nachdem der Mann eine Gruppe Fallschirmjäger beschossen hatte. In Mogadischu wurde nach UN- und US-Angaben ein chinesischer Journalist bei einem Überfall verletzt. Sein Fahrer sei getötet worden.
POTSDAM, 21. Januar (AFP). Das Land Brandenburg will auf dem Militärgelände über dem früheren Atombunker der DDR-Spitze ein Sammellager für Asylbewerber einrichten. In der ausgedienten Kaserne der früheren Nationalen Volksarmee (NVA) in Premden in der Nähe der ehemaligen SED-Prominentensiedlung Wandlitz, wo auch DDR-Staatschef Erich Honecker lebte, sollten in Kürze 1000 Asylbewerber Unterkunft finden.
LAGOS, 21. Januar (AFP). Im südlichen nigerianischen Bundesstaat Imo sind bei Machtkämpfen zwischen zwei Dorfclans 15 Menschen schwer verletzt und rund hundert Gebäude zerstört worden. Der staatliche Rundfunk und die Tageszeitung Daily Champion berichteten am Donnerstag von den Vorfällen, die sich bereits am Montag und Dienstag ereigneten. Die verfeindeten Gruppen, die um die Neubesetzung eines traditionellen Herrschersitzes stritten, hatten sich mit Gewehren und Macheten bekämpft.
Auch aus dem Norden Nigerias wurden gewaltsame Auseinandersetzungen zweier moslemischer Sekten bekannt. Nach einem Bericht der Tageszeitung Nigerian Tribune wurden in Funtua im Bundesstaat Katsina zehn Menschen, darunter fünf Polizisten, verletzt, als sich am Dienstag Anhänger der Bettlersekte Almajiri und Anhänger einer anderen moslemischen Glaubensgruppe Straßenschlachten lieferten.
BONN, 21. Januar (AFP). Der vor zwei Jahren von der Bundesregierung verabschiedete Nationale Rauschgiftbekämpfungsplan ist nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) bisher erfolglos geblieben. Trotz aller eingeleiteten Maßnahmen zeige sich noch keine entscheidende Veränderung der Situation, teilte der Minister anläßlich der ersten Einberufung des Nationalen Drogenrates am Donnerstag in Bonn mit. Das aus 13 unabhängigen Experten zusammengesetzte Gremium soll den Gesundheitsminister in den kommenden zwei Jahren in "wichtigen und aktuellen Fragen" der Drogenproblematik beraten. Diskutieren solle der Drogenrat auch über die Liberalisierung und Legalisierung von weichen und harten Drogen.
DÜSSELDORF, 21. Januar (AFP). Die Zahl der Salmonelleninfektionen in der Bundesrepublik hat sich zwischen 1986 und 1991 fast vervierfacht. 1991 seien 114 000 Fälle von Salmonellenerkrankungen registriert worden, im vergangenen Jahr nach den vorliegenden Schätzungen sogar mehr als 150 000, sagte der nordrhein-westfälische Sozialminister Franz Müntefering bei einer Fachtagung am Donnerstag in Düsseldorf. Das Bundesgesundheitsamt habe bis zum September 1992 mehr als 150 durch Salmonellen verursachte Todesfälle gezählt, davon allein 17 in einem Altenheim im westfälischen Bad Sassendorf.
Zur Person:
ERICH MIELKE, ehemaliger DDR-Minister für Staatssicherheit, will wegen der zahlreichen gegen ihn laufenden Ermittlungsverfahren überhaupt nichts mehr sagen. Vor dem in Berlin tagenden Untersuchungsausschuß des bayerischen Landtages zum DDR-Devisenimperium "Kommerzielle Koordinierung" verweigerte der als Zeuge geladene 85jährige am Donnerstag jede Aussage. "Ich möchte grundsätzlich sagen, daß ich aufgrund der laufenden Verfahren keine Angaben machen möchte", erklärte Mielke zu Beginn der Anhörung. "Damit habe ich alle Fragen beantwortet." Auf weitere Nachfragen fügte er hinzu: "Ich bleibe bei meiner Aussage, daß ich nichts sage." Zur Begründung verwies Mielkes Anwalt Gerd Graubner auf die "Vielzahl von Ermittlungsverfahren", die gegen den früheren Stasi-Chef anhängig sind. Der Ausschuß beendete die Anhörung nach zehn Minuten. (AFP)
LUDGER VOLMER, Vorstandssprecher der Grünen, ist wegen Verletzung der Bannmeile "verwarnt" worden. Das Amtsgericht Bonn setzte eine Geldstrafe von 800 Mark zur Bewährung aus. Diese muß Volmer zahlen, falls er in den nächsten zwei Jahren noch einmal in der Bannmeile um den Bundestag demonstriert. Anlaß des Verfahrens waren Proteste gegen das "Allparteien-Gespräch" im Kanzleramt zur Einschränkung des Asylrechts im September 1991. Die Grünen waren zu dem Treffen nicht eingeladen und demonstrierten vor dem Gebäude gegen eine Änderung des Asyl-Artikels 16 im Grundgesetz. Das Amtsgericht akzeptierte die Begründung Volmers, er habe an dem Gespräch teilnehmen wollen und sich deshalb in der Bannmeile aufgehalten, nicht. Es vertrat die Auffassung, Volmer habe sich an einer politischen Demonstration beteiligt, weil er sich hinter ein Transparent der Grünen mit der Aufschrift "Hände weg vom Grundgesetz" gestellt habe. (dpa/AFP)
ALBRECHT BECKEL, langjähriger Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und CDU-Politiker, ist im Alter von 67 Jahren in Münster gestorben. Von 1954 bis 1988 leitete Beckel als Direktor die Katholisch-Soziale Akademie im Bistum Münster, das "Franz- Hitze-Haus". Von 1968 bis 1972 war er ZdK-Präsident. Beckel gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Maximilian- Kolbe-Werks, das 1973 entstand und dem er bis 1984 als Präsident vorstand. (KNA)
RUDOLF KARL KRAUSE, Bundestagsabgeordneter der CDU, soll nach Ansicht des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma wegen rassistischer und volksverhetzender Äußerungen aus der Unionsfraktion ausgeschlossen werden. In Briefen an Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und den Chef der CDU/CSU-Fraktion, Wolfgang Schäuble, forderte der Zentralrats-Vorsitzende Romani Rose außerdem die Aufhebung der Immunität Krauses. Rose hatte Anfang des Monats Strafanzeige gegen den CDU-Politiker aus Sachsen-Anhalt erstattet. Als "Höhepunkt der rassistischen Hetze seit 1945", für die Krause sein CDU-Mandat mißbrauche, bezeichnete Rose die Äußerung des Abgeordneten, man müsse den 17 Toten der neonazistischen Mordanschläge im Jahre 1992 gegenüberstellen, "wieviel Deutsche in der gleichen Zeit durch Zigeuner umgebracht wurden". Der Ost- Politiker benutze ferner in einer Schrift "Nazi-Jargon", meint Rose. (pit)
MOSKAU, 21. Januar (AFP). Mehr als dreißig Personen sollen in der abchasischen Stadt Tkwartscheli im Westen Georgiens an Hunger gestorben sein. Wie der Vizepräsident der nach Unabhängigkeit strebenden Autonomen Republik Abchasien, Nodar Chaschbat, in einem von der russischen Gewerkschaftszeitung Trud am Donnerstag veröffentlichten Interview sagte, verhinderte eine Blockade durch georgische Truppen die Lebensmittelversorgung der 40 000 eingeschlossenen Menschen. Die georgische Botschaft in Moskau teilte mit, sie verfüge über keine derartigen Informationen.
Das georgische Oberkommando in der abchasischen Hauptstadt Suchumi teilte mit, daß abchasische Nationalisten in der georgischen Stadt Kutol, die nördlich der heftig umkämpften Stadt Otschamtschira liegt, 800 Einwohner als Geiseln genommen hätten. Die Rebellen forderten die sofortige Einstellung der Angriffe auf Otschamtschira. Andernfalls würden bei jeder Attacke zehn Geiseln getötet.
POTSDAM, 21. Januar (AFP). Die brandenburgische SPD will künftig engagierten Bürgern zum Einzug in die Kommunalparlamente verhelfen, auch wenn sie nicht der Partei angehören. Der Landesvorstand habe den Kreisverbänden empfohlen, bei der nächsten Kommunalwahl offene Listen für Mitglieder von Vereinen und Bürgerinitiativen aufzustellen, sagte Brandenburgs SPD-Chef Steffen Reiche am Donnerstag in Potsdam.
Die jeweiligen Kandidaten müßten nicht der Partei angehören, sollten den Sozialdemokraten allerdings in "Denkhaltung und politischer Praxis" nahestehen, sagte Reiche. Grundsätzlich würde er das Modell der offenen Listen auch für Landtagswahlen begrüßen.
LUXEMBURG, 21. Januar (AFP). Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Aufsichtskompetenzen der EG-Kommission über europäische Atomfirmen gestärkt. Am Donnerstag wiesen die Luxemburger Richter eine Klage der Lingener Firma Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF) ab, die sich über ein vermeintlich zu hartes Vorgehen der EG- Kommission nach einem Zwischenfall bei ANF beschwert hatte. Die Brüsseler Behörde hatte das Kernbrennstoffe herstellende Unternehmen 1990 für vier Monate unter Verwaltung von EG-Beamten gestellt. Der Gund dafür lag bei einem Transport der Firma, bei dem im Mai 1990 fast 150 Kilogramm angereichertes Uran gemeinsam mit leeren Fässern versehentlich an ihre Mutterfirma in die USA mitgeschickt wurden.
Die EG-Kommission verhängte diese Zwangsverwaltung - eine der schärfsten Maßnahmen, die ihr im Vertrag über die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM) zur Überwachung von Nuklearfirmen eingeräumt wird - im August 1990.
LONDON, 22. Januar (AFP). Ob Käseliebhaber auf ihre Kosten kommen werden, bleibt dahingestellt. Ein 200 Jahre alter Käse aus dem Himalaya wird am 3. Februar bei Sothebys in London versteigert, wie das Auktionshaus jetzt mitteilte. Der Käse, der um 1880 von einem britischen Missionnar in Tibet gekauft worden war, trug damals schon das Prädikat "älter als 100 Jahre". Der Käse sei dem italienischen Parmesan nicht unähnlich, habe aber "eher ein grausiges Aussehen", sagte ein Sprecher von Sothebys.
LONDON, 22. Januar (AFP). Auch nach Unterzeichnung des Vertrags über das Verbot biologischer Waffen hat die Sowjetunion offenbar nach lange Jahre an deren Entwicklung gearbeitet. Der 1989 aus der Sowjetunion nach Großbritannien emigrierte Forscher Wladimir Paseschnik sagte am Donnerstag dem britischen Fernsehsender BBC, er habe von 1975 bis 1989 eine Fabrik in Sankt Petersburg, dem damaligen Leningrad, geleitet, in der über 16 Jahre hinweg an der Entwicklung von Pestbakterien gearbeitet worden sei. Diese seien unempfindlich gegenüber Antibiotika. Er sei im nachhinein entsetzt, an einem solchen Projekt mitgewirkt zu haben, sagte der 55jährige. Die Fabrik sei 1973 in Betrieb genommen worden, fügte Paseschnik hinzu. Moskau hatte 1972 den Vertrag über das Verbot biologischer Waffen unterzeichnet.
Überfall
Familie
bei Hanau
HANAU, 21. Januar (lhe). Eine fünfköpfige Familie ist am Mittwoch abend in Steinau (Main-Kinzig-Kreis) Opfer eines Raubüberfalles geworden.
Wie die Polizei am Donnerstag in Hanau mitteilte, klingelten drei unbekannte Männer an der Wohnungstür eines 40jährigen Bankangestellten. Als dessen Frau öffnete, stürmten die maskierten und bewaffneten Räuber in die Wohnung. Sie fesselten das Ehepaar, dessen drei Kinder sowie die Mutter des Bankangestellten mit Handschellen in Bad, Schlafzimmer und Treppenhaus an Heizungen und Geländer.
Anschließend nahm das Trio Schmuck und Bargeld in bisher unbekannter Höhe sowie eine Drillingsbüchse und Munition mit. Wie die Polizei berichtete, sind die Täter 20 bis 25 Jahre alte Männer.
Erst zwei Stunden nach dem Überfall wurden Nachbarn auf die Hilferufe aus dem Haus aufmerksam und alarmierten die Polizei, die die Familie befreite.
Etwa 170 Galerien aus 19 Ländern kommen vom 24. bis zum 28. April zur 5. Kunstmesse Art nach Frankfurt. Sie bieten Kunstwerke des 20. Jahrhunderts an. Ein besonderer Akzent soll diesmal zeitgenössische afrikanische Kunst sein, die einige Galerien sowie in einer Sonderausstellung das Frankfurter Museum für Völkerkunde präsentieren.
Die Frankfurter Art, die nach anfangs städtischer Trägerschaft und einem Millionendefizit seit zwei Jahren von der Messegesellschaft organisiert wird, will auch weniger teure Kunstwerke anbieten.
Bei den 67 ausländischen Galerien sind Österreich mit zwölf, Italien mit neun, Spanien und die Niederlande mit jeweils acht, die Vereinigten Staaten mit sechs und Frankreich mit fünf Teilnehmern am stärksten vertreten.
Dabei ist ebenfalls der New Yorker Galerist Leo Castelli, der im vergangenen Jahr mit dem erstmals vergebenen, nach einem Frankfurter Maler des 16. Jahrhunderts benannten Adam-Elsheimer- Preis der Messe ausgezeichnet wurde. In diesem Jahr erhält die Auszeichnung in Form einer Medaille der dänische Sammler und Museumsdirektor Knud Jensen, der in seinem Louisiana-Museum bei Kopenhagen moderne Kunst zeigt. lhe
OFFENBACH, 21. Januar (lhe). Die rund 15 000 Beschäftigten der Lederwarenindustrie in Westdeutschland erhalten rückwirkend zum 1. Januar 3,3 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Wie die Gewerkschaft Leder am Donnerstag mitteilte, ist dieser Abschluß mit den Arbeitgebern am Vortag in Offenbach vereinbart worden. Für die Bundesländer Niedersachsen und Bayern finden gesonderte Tarifverhandlungen statt.
Die Arbeitnehmer erhalten außerdem einen Tag mehr Urlaub. Damit sei für die einjährige Laufzeit des neuen Tarifvertrages ein Gesamtvolumen von 3,5 Prozent erzielt worden. Die Gewerkschaft hatte zu Beginn der Tarifverhandlungen acht Prozent mehr Lohn und Gehalt gefordert.Winter versteckt sich: Milde, Regen und Sturm
Der Winter versteckt sich auch in den kommenden Tagen hinter frühlingshaften Temperaturen. Die milde Westwetterlage hält nach den Prognosen der Meteorologen vom Wetteramt in Offenbach bis zum Wochenende an. Das Thermometer zeigt tagsüber fünf bis zehn Grad an und sinkt auch nachts nur wenig.
Die Sonne läßt sich nur gelegentlich blicken. "Es wird ganz ordentlich regnen, die sonnigen Abschnitte sind selten", sagt der Wetterexperte voraus. Vor allem in der Mitte und im Norden der Republik wird es regnen, "aber auch der Süden bekommt einiges ab". Die Niederschläge werden von stürmischem Westwind begleitet, der im Norden Deutschlands Windstärke elf erreichen kann. lhe (Wetterbericht auf Seite 19)
Um die Entführung eines indonesischen Geschäftsmannes aus einem Frankfurter Parkhaus geht es in einem am Donnerstag eröffneten Prozeß gegen einen 34 Jahre alten ehemaligen Polizeibeamten. Laut Anklage beging er die Tat am 13. August 1991 mit einem unbekannten Komplizen, um sich den teuren Wagen des Indonesiers anzueignen und im Ausland zu verkaufen.
Nach Angaben des Angeklagten wurde der Autobesitzer mit Äther betäubt, in den Stadtwald gefahren und an einen Baum gefesselt. Wie der Indonesier als Zeuge aussagte, gelang es ihm erst nach fünf Stunden, sich zu befreien.
Der Angeklagte fuhr dann seinem Geständnis zufolge mit dem Luxuswagen durch Frankreich und Spanien, weil er das Fahrzeug in Marokko verkaufen wollte. Er versprach sich einen Preis in Höhe von etwa 100 000 Mark. Mangels gültiger Fahrzeugpapiere wurde ihm jedoch die Einreise nach Marokko verweigert, worauf er wieder zurückfuhr. Der Wagen konnte sichergestellt und an den Besitzer zurückgegeben werden. Der Prozeß wird fortgesetzt. lhe
DARMSTADT. Darmstädter Hochschüler können noch ein Semester lang ihren Studentenausweis als Bus- und Straßenbahnfahrkarte benutzen. Das Regierungspräsidium hat den Modellversuch "Studenten-Ticket" bis zum Ende des Sommersemesters verlängert, wie die Behörde am Donnerstag mitteilte. Dieser Service kostet die Studierenden 24 Mark pro Semester. Vor einer endgültigen Genehmigung des Modells will das Regierungspräsidium noch das Ergebnis einer Verkehrsbefragung abwarten.
Nach Zählungen der städtischen Verkehrsgesellschaft fahren inzwischen nur noch fünf Prozent der in Darmstadt lebenden Studenten mit dem Auto zu den Vorlesungen; vor Beginn des Modellversuchs seien es 28 Prozent gewesen. Der Anteil der Studenten am Fahrgastaufkommen sei von 5 auf 16 Prozent gestiegen.nicht wieder. lhe
Mehr Rechte für Ausländer auf die deutsche Staatsbürgerschaft hat der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, gefordert. Wer in Deutschland geboren sei, sollte auch die Staatsbürgerschaft bekommen können, meinte Bubis am Donnerstag, als er im Römer die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt verliehen bekam. Mit dem Artikel 116 des Grundgesetzes müßte in dieser Richtung etwas geschehen.
Bisher dürften Ausländer zwar einen Antrag auf die deutsche Staatsbürgerschaft stellen, hätten aber kein Recht darauf. Gleichzeitig äußerte Bubis seine Hoffnung, daß das individuelle Recht auf Asyl erhalten bleibe, und Deutschland nicht zu einer "abgeschotteten Gesellschaft" werde.
Oberbürgermeister Andreas von Schoeler (SPD) würdigte Bubis bei der Feierstunde als einen engagierten Verfechter der Demokratie. Seine Kraftquelle seien sein schier unerschöpflicher Optimismus und sein Humor. Seinem Einsatz, seiner Kritik und seiner gesellschaftlichen Phantasie seien bedeutende Anregungen zu verdanken, heißt es in der Verleihungsurkunde. In seinen zahlreichen Ehrenämtern habe sich Bubis mit Leidenschaft, Differenzierungsvermögen und unerschütterlicher Beharrlichkeit für Toleranz und für die Freiheit der Andersdenkenden eingesetzt. lhe
JERUSALEM, 21. Januar (Reuter/ AFP). Israels Oberstes Gericht hat der Regierung eine Frist bis Montag gesetzt, um die Berufungsmöglichkeiten der über 400 nach Libanon abgeschobenen Palästinenser zu prüfen.
Die Richter verlangten am Mittwoch Auskunft darüber, ob die Regierung die Palästinenser zurückkehren lassen wolle, damit sie persönlich Berufung gegen ihre Abschiebung einlegen können. Generalstaatsanwalt Josef Harisch entgegnete, die Regierung prüfe diese Frage.
Anwälte der für zwei Jahre ausgewiesenen Palästinenser hatten vor dem Obersten Gericht gegen die Abschiebung geklagt. Sie fordern die Aufhebung der Entscheidung mit der Begründung, den Männern sei vor ihrer Ausweisung das Recht auf Berufung verwehrt worden.
Die Palästinenser harren seit 17. Dezember im Niemandsland zwischen israelischen und libanesischen Posten im Süden Libanons aus. Keines der beiden Länder will sie aufnehmen. Israel legt ihnen Kontakt zu radikalen Gruppen zur Last. Die Vereinten Nationen (UN) fordern die Rückführung der Palästinenser. UN-Generalsekretär Butros Butros-Ghali drohte Israel mit weiteren Maßnahmen.
Die Arabische Liga bezeichnete die Entscheidung des israelischen Parlaments, Kontakte zur Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) zuzulassen, als "Propaganda". In einer am Mittwoch abend veröffentlichten Mitteilung der Organisation hieß es, das israelische Parlament wolle mit seinem Beschluß nur vom Problem der ausgewiesenen Palästinenser ablenken.
SEATTLE, 21. Januar (Reuter). Bei heftigen Winterstürmen im US- Bundesstaat Washington sind am Mittwoch mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Gouverneur Mike Lowry rief den Notstand aus. Nach Angaben der Polizei starben die fünf Menschen durch umstürzende Bäume oder zerrissene Stromleitungen. In Seattle gerieten Hochhäuser durch die starken Winde in Schwingung. Heftige Stürme rasten auch über den Bundesstaat Oregon hinweg. Aus Kalifornien wurden starke Regenfälle gemeldet. Überflutungen, Erdrutsche und Stromausfälle waren die Folge. Bei den Stürmen vom Wochenende im Süden Kaliforniens, Arizona und im angrenzenden mexikanischen Baja California waren mindestens 43 Menschen ums Leben gekommen.
WASHINGTON, 21. Januar (Reuter). Die USA wollen ihre Soldaten nicht überhastet aus Somalia abziehen. Generalstabschef Colin Powell sagte dem Nachrichtensender CNN am Mittwoch, die Streitkräfte ließen sich Zeit, um den Einsatz richtig zu beenden. Wann der letzte Soldat das Land am Horn von Afrika wieder verlassen haben werde, könne er nicht sagen, erklärte Powell. Die USA haben seit Anfang Dezember 24 000 Soldaten nach Somalia geschickt, um in einem internationalen Einsatz die Übergriffe der rivalisierenden Banden zu beenden und die Versorgung der Millionen hungernden Menschen zu gewährleisten. Rund 900 Soldaten sind wieder abgezogen worden.
Nachrichten-Börse
Europas PS-Branche im Rückwärtsgang Der Verband der Europäischen Automobilhersteller (ACEA) rechnet in der laufenden Periode mit einem Absatzrückgang um rund 7,5 Prozent. Im vergangenen Jahr seien 13,9 Millionen Personenwagen und leichte Lkw bis zu fünf Tonnen verkauft worden. Aus Japan rollen weniger Fahrzeuge Die Ausfuhr von Pkw und Nutzfahrzeugen aus Nippon ist im Kalenderjahr 1992 nach Schätzungen aus Branchenkreisen um 1,3 Prozent auf knapp 5,7 Millionen geschrumpft. Die Exporte gehen damit im siebten Jahr hintereinander zurück. Einigung über Börsenaufsicht in Sicht Bund und Länder haben die Gespräche über die Novellierung des Börsengesetzes weitgehend abgeschlossen. Einer der Kernpunkte ist nach Angaben von Teilnehmern die Schaffung eines Bundesamtes für Wertpapieraufsicht. Am Montag soll an dem Werk noch gefeilt und dann die Öffentlichkeit informiert werden. Prämien-Limit für Treuhandmanager Die Treuhand muß Bonuszahlungen an ihre Direktoren und Abteilungsleiter künftig auf höchstens 25 Prozent des Jahresgehalts beschränken. Unter dieser Bedingung stimmte der zuständige Unterausschuß des Bundestages den Prämienplänen des Hauses Breuel zu. Rußland und Ukraine auf eigenem Weg Rußland und die Ukraine haben in einem Protokoll vereinbart, daß künftig jede Seite für die Begleichung ihres Anteils an den Schulden der Ex-UdSSR allein verantwortlich ist. Dies ist eine Abkehr von einem früheren Abkommen, wonach die Nachfolgestaaten der Sowjetunion die Verbindlichkeiten gesamtschuldnerisch bedienen wollten.
LUDWIGSHAFEN (rtr/dpa). Der Chemiekonzern BASF will das Polypropylen- Geschäft der britischen ICI-Gruppe übernehmen und dadurch zu einem der größten Hersteller für diesen Kunststoff werden. Im Gegenzug soll Imperial Chemicals Industries (ICI) den Acrylglas-Betrieb der BASF-Töchter Resart in Mainz und Critesa in Barcelona erhalten.
Auf dieses Tauschgeschäft einigten sich beide Unternehmen. Allerdings ist damit zu rechnen, daß die BASF an ICI auch noch Geld bezahlen muß. Über die Bühne gehen soll der Coup bis Mitte des Jahres.
Nach den Plänen, die allerdings noch von den Kartellbehörden abgesegnet werden müssen, übernimmt die BASF von ICI Polypropylen-Aktivitäten im britischen Wilton und im niederländischen Rozenburg mit insgesamt 530 Beschäftigten. Die Kapazitäten der Ludwigshafener bei diesem Kunststoff verdoppeln sich dadurch auf 600 000 Tonnen pro Jahr. Die BASF produziert das Material bisher in einem Joint-venture mit Shell in Wesseling (210 000 Tonnen) sowie in Taragona (80 000 Tonnen) und in Ludwigshafen (10 000 Tonnen).
"Durch die Übernahme der Polypropylen-Aktivitäten der ICI schließen wir zu den führenden westeuropäischen Anbietern auf", erklärt BASF-Vorstandsmitglied Albrecht Eckell. Ein Konzernsprecher ergänzt, die Firma werde künftig über ähnliche Kapazitäten verfügen wie Konkurrent Hoechst.
Größter europäischer Polypropylen- Hersteller ist die italienische Himont- Gruppe mit einer Jahreskapazität von einer Million Tonnen. Shell mit rund 550 000 Tonnen hatte kürzlich mitgeteilt, mit Himont bei Polypropylen zusammenarbeiten zu wollen.
Bei Acrylglas (PMMA) habe die BASF keine ausreichend starke strategische Position erreichen können, sagt Eckell. Der Konzern war in die Produktion dieses thermoplastischen Kunststoffes erst 1989 eingestiegen. Die Töchter Resart und Critesa stellen mit rund 400 Leuten Formmassen und Halbzeug für den europäischen Markt her. ICI beziffert den BASF- Umsatz mit Acrylglas auf 60 Millionen Pfund. Das entspreche einem Fünftel des bisherigen eigenen Geschäfts von 300 Millionen Pfund. "Die Übernahme ist ein weiterer Schritt der ICI, eine weltweit wettbewerbsfähige Position beim Acryl zu erreichen."
MOSKAU, 21. Januar (Reuter). In der verlustreichsten Schlacht aller Zeiten, dem Kampf um Stalingrad im Zweiten Weltkrieg, sind nach neuen Angaben etwa 1,1 Millionen sowjetische Soldaten ums Leben gekommen. Das sagte der Historiker des Russischen Instituts für Militärgeschichte, Sergej Michaljow, am Donnerstag in Moskau unter Berufung auf eine neue Militär-Statistik. Die deutschen Verluste schätze er auf 800 000. Ein anderer Historiker enthüllte, daß wegen "Feigheit" in dieser Schlacht 1942/43 Tausende Rotarmisten exekutiert wurden.
Die Sowjetarmee hatte nie Statistiken veröffentlicht und inoffiziell nur von einigen hunderttausend Opfern gesprochen. Michaljow sagte, die deutschen Verlustzahlen bedürften noch der Überprüfung. Dies sei nur mittels Tonbänder möglich, die sich im Besitz der USA befänden. In deutschen Fachbüchern heißt es, im Kessel von Stalingrad seien 130 000 Soldaten gefallen und 91 000 gefangengenommen worden, von denen nur 6000 später in die Heimat zurückkehrten.
SINGAPUR, 21. Januar (dpa/Reuter). Nach einer Kollision mit einem kleineren japanischen Tanker am Mittwoch abend ist der dänische Supertanker "Maersk Navigator" in Brand geraten. Nachdem die Besatzung das Schiff verlassen hat, treibt es führerlos vor der Nordspitze Sumatras. Die 24 Besatzungsmitglieder wurden eine Stunde nach dem Zusammenstoß von dem in der Nähe stehenden deutschen Containerfrachter "DSR Atlantic" unversehrt an Bord genommen.
Nach der Strandung der "Aegean Sea" Anfang Dezember vor La Coruna (Nordwestspanien) und dem Totalverlust der "Braer" Anfang Januar bei den Shetlands ist es die dritte Tankerkatastrophe binnen sieben Wochen.
Die "Maersk Navigator" war vollbeladen mit mehr als 300 Millionen Litern Rohöl aus Arabien auf dem Weg nach Japan, als sie aus noch unbekannter Ursache gegen 2 Uhr (20 Uhr MEZ) bei stürmischer See mit dem entgegenkommenden japanischen Tanker "Sanko Honour" kollidierte. Auch auf der "Sanko Honour" brach Feuer aus, doch konnte es nach Angaben der "DSR Atlantic" von der Besatzung gelöscht werden.
Am Donnerstag abend haben die Löscharbeiten an der "Maersk Navigator" begonnen. Ein Sprecher des dänischen Eigners A. P. Moeller Singapur sagte der Nachrichtenagentur Reuter, von einem Schlepper aus werde das Feuer im vorderen Teil des Tankers bekämpft; das Zentrum des Feuers befinde sich an der hinteren Backbordseite des Supertankers. Zwei weitere Löschboote würden im Laufe der Nacht bei dem Havaristen erwartet. Die "Maersk Navigator" verliere weiter Öl, wodurch die Flammen neue Nahrung erhielten. Es werde voraussichtlich mehrere Tage dauern, bis das Feuer gelöscht sei. Zunächst müsse der Tanker rund zwei Tage lang zur Abkühlung mit Löschwasser besprüht werden, ehe versucht werden könne, die Flammen durch einen Schaumteppich zu ersticken. Ein vorgesehener Erkundungsflug habe wegen der einbrechenden Dunkelheit auf Freitag verschoben werden müssen.
Die "Maersk Navigator" verliert nach den Angaben des Sprechers Öl aus mindestens einem ihrer zwölf Tanks. Die Betreibergesellschaft erklärte, das Schiff treibe jetzt von der Küste Sumatras weg in Richtung Nordwesten. Die bisher registrierte Verschmutzung des Meerwassers sei minimal. Das auslaufende Öl diene dem Feuer als Nahrung und werde dadurch direkt vernichtet.
Weil aus dem Supertanker brennendes Öl in die See strömt, befürchten die Schiffahrtsbehörden von Indonesien und Malaysia eine Ölpest. Die indonesische Regierung schickte Kriegsschiffe und Bergungsschlepper zu der rund 60 Seemeilen vom Nordzipfel Sumatras entfernten Unglücksstelle. Ein japanischer Ölexperte trat indessen den Befürchtungen vor einer Ölpest mit dem Argument entgegen, die aus Oman stammende Leichtölladung lasse sich mit relativ geringem Aufwand auflösen. Der Schaden werde sehr begrenzt sein.
Die "DSR Atlantic" hatte auf der Fahrt von Singapur nach Colombo die Seestraße von Malakka verlassen, als der Erste Offizier Wolfgang Bremer im Radar und mit dem Fernglas das Unglück in acht Seemeilen Entfernung beobachtete.
"Am Horizont erschienen dann Flammen; ein Schiff ging in Flammen auf", schilderte Bremer in einem Funkgespräch das Geschehen. "Und zirka eine Minute später empfingen wir einen Notruf der ,Maersk Navigator&rquote;, die ein SOS absetzte." Die "DSR Atlantic" änderte ihren Kurs. An der Unglücksstelle war großflächig Öl ausgetreten. "Das Schiff brannte, und so war die Besatzung gezwungen, das Schiff zu verlassen", berichtete Bremer. "Die sind dann ins Rettungsboot und durch das brennende Öl durch; wir haben sie dann gesichtet." Hafenverbot für Alttanker gefordert
STRASSBURG (dpa). Das Europaparlament hat nach dem Unglück des Öltankers "Braer" vor den Shetland-Inseln ein Verbot der Hafenbenutzung für über 15 Jahre alte Öltanker in allen EG-Ländern gefordert. Die Abgeordneten verwiesen in einer am Donnerstag in Straßburg verabschiedeten Entschließung auf ein entsprechendes US-Verbot. Außerdem verlangten sie einen obligatorischen Lotsendienst für küstennahe Schiffsrouten.
Für die Shetland-Inseln sollte die EG zusammen mit der britischen Regierung eine kurz- und langfristige Katastrophenhilfe zur Bewältigung der Umweltverschmutzung ausarbeiten. Darin sollten umfassende Entschädigungszahlungen für die Bewohner der Shetland-Inseln und Hilfen für die Fischerei- und Fischzuchtindustrie enthalten sein.
Die EG-Kommission solle außerdem den Einsatz chemischer Sprühmittel untersuchen, um dadurch verursachte Umweltschäden möglichst gering zu halten. Kritisch äußerten sich die Abgeordneten, daß der EG-Ministerrat trotz Ermahnungen des Parlaments bisher keine schärferen Sicherheitsbestimmungen für Tanker erlassen habe, die in Billigflaggen-Ländern wie Liberia registriert seien. Förderung von Nordseeöl gedrosselt
OSLO (Reuter). Die Förderung im größten Ölfeld in der Nordsee, dem norwegischen Statfjord, ist wegen heftiger Stürme weitgehend gestoppt worden. Ein Sprecher der staatlichen Ölgesellschaft Statoil teilte mit, die Produktion habe am Donnerstag morgen nur bei einem Fünftel der gewöhnlichen Förderung gelegen.
FRANKFURT A. M. (rtr/dpa/AP). Die Frankfurter Währungshüter haben Forderungen aus dem In- und Ausland, die deutschen Leitzinsen zu senken, gestern nicht nachgegeben. Der Zentralbankrat der Bundesbank beschloß, Diskont- und Lombardsatz von 8,25 respektive 9,50 Prozent nicht zu ändern. An der Sitzung des Gremiums nahm Bundesfinanzminister Theo Waigel teil. Er erläuterte die Sparpläne im Rahmen eines "Solidarpakts" zum Aufbau der ostdeutschen Wirtschaft.
Bundeskanzler Helmut Kohl sagte in einem gemeinsamen TV-Interview mit Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand in Bonn, angesichts der Konjunkturflaute wünsche er, "daß wir zu niedrigeren Zinsen kommen". Eine Senkung sei aber Sache der Bundesbank, deren Unabhängigkeit sich bewährt habe. Wenn die drastischen Haushaltseinsparungen verwirklicht seien und vernünftige Tarifabschlüsse hinzukämen, bestehe "eine gute Chance, in diese Richtung zu gehen, die erwünscht ist". Bei einem Festakt zum 30. Jahrestag der Unterzeichnung des Elysee-Vertrags forderte er eine engere Zusammenarbeit mit dem Ziel einer gemeinsamen Wirtschafts- und Währungspolitik. Mitterrand sagte, der Franc verdiene es nicht, Ziel von Devisenspekulanten zu sein.
Da an den Finanzmärkten überwiegend keine Zinssenkung erwartet worden war, fielen die Reaktionen moderat aus. Der Dollar sank leicht von 1,6135 vor der Bekanntgabe der Bundesbankentscheidung auf 1,6126 Mark beim "Fixing" kurz danach. Aktien- und Anleihenotierungen in Frankfurt bröckelten etwas ab. Wie es hieß, hatten einige Banken auf noch niedrigere Sätze für Wertpapierpensionsgeschäfte gehofft. Vor zwei Wochen hatte die Bundesbank hier eine Ermäßigung von 8,75 auf 8,60 Prozent angekündigt.
BRÜSSEL, 21. Januar (Reuter). Bundeswehr-Generalinspekteur Klaus Naumann hat die Ablösung des deutschen Awacs-Kommandeurs in Geilenkirchen angekündigt, falls der Einsatz deutscher Soldaten bei einer möglichen militärischen Durchsetzung des Flugverbots über Bosnien-Herzegowina für unzulässig erklärt würde. In Brüssel sagte Naumann am Donnerstag, er wolle nicht dazu beitragen, "daß auch nur ein deutscher Staatsbürger" eine von Politikern als verfassungswidrig eingestufte Tätigkeit ausüben müsse. "Mein Rat wird dann ganz eindeutig an den Minister sein, den deutschen Kommandeur sofort abzuziehen."
In der Bundesregierung gibt es einen Streit zwischen CDU und FDP, ob die deutschen Feuerleitoffiziere an Bord der NATO-Aufklärungsflugzeuge bleiben können, wenn der UN-Sicherheitsrat beschließt, das von ihm verhängte Flugverbot militärisch durchzusetzen. Die NATO hat 18 Awacs-Überwachungsflugzeuge, die unter dem Kommando des deutschen Brigadegenerals Friedrich-Wilhelm Ehmann in Geilenkirchen bei Aachen stationiert sind. Knapp ein Drittel der Besatzungsangehörigen sind Deutsche.
JERUSALEM, 21. Januar (Reuter/AFP/ dpa). Eine Vermittlung des neuen US- Außenministers Warren Christopher in der Frage der deportierten Palästinenser hat die israelische Regierung ins Gespräch gebracht. Ein Besuch Christophers im Nahen Osten sei "mehr als ein Gerücht", sagte der israelische Vizeaußenminister Jossi Beilin am Donnerstag.
Beilin meinte im israelischen Armeerundfunk, man hoffe bis Anfang kommender Woche zu wissen, ob der neue US-Außenminister einen Besuch beabsichtige. Der Sprecher von Ministerpräsident Yitzhak Rabin sagte zu der Visite nur: "Es ist möglich". Noch sei aber nichts offiziell.
Der UN-Sondergesandte Chinmaya Gharekan sagte, er setze sich für die Umsetzung der UN-Resolution 799 ein, die die Rückkehr der Palästinenser verlangt. Die Sprecherin der Palästinenser bei den Washingtoner Nahost-Verhandlungen, Hanan Aschrawi, die am Donnerstag mit Gharekhan zusammenkam, sprach von einer "wichtigen Herausforderung" für den neuen US-Präsidenten Clinton. Dieser werde daran gemessen werden, ob er sich für eine gerechte Politik im Nahen Osten und die Durchsetzung des internationalen Rechts einsetze.
Israels Oberstes Gericht setzte der Regierung eine Frist bis Montag, um die Berufungsmöglichkeiten der nach Libanon Deportierten zu prüfen. Die Richter verlangten Auskunft darüber, ob die Regierung die Palästinenser zurückkehren lassen wolle, damit diese persönlich Berufung gegen ihre Abschiebung einlegen könnten. Das Oberste Gericht hat über die Rechtmäßigkeit der Massenabschiebung vom 17. Dezember zu befinden. Das Europaparlament forderte Israel auf, die Ausgewiesenen zurückzulassen.
Ein 22jähriger Palästinenser erlag den schweren Verletzungen, die er bei Schüssen der israelischen Polizei in Nablus im besetzten Westjordanland vor zwei Wochen erlitten hatte.
FRANKFURT A. M. (FR). Der Frankfurter Aktienmarkt hat am Donnerstag seine Konsolidierungsphase fortgesetzt. Die Reaktion auf die Bundesbank-Entscheidung, die Leitzinsen nicht zu verändern, sei erst mit einer zeitlichen Verzögerung eingetreten, sagten Händler. Während der Deutsche Aktienindex (Dax) vor der Meldung noch mit plus vier auf 1578,88 Punkten gelegen hatte, bröckelte er dann zum Schluß in die Minuszone. Händler führten zur Erklärung der schwächeren Kurse aber auch Markttechnik an. "Der Markt ist überkauft und eine Konsolidierung überfällig", hieß es.
Bei den Standardwerten waren Deutsche Bank auffällig schwach. Die Analyse-Tochter des Geldriesen, DB Research, hatte mehrere deutsche Banken, darunter auch die eigene Mutter, zum Verkauf empfohlen. Dies resultiere aus technischen, nicht aus fundamentalen Überlegungen, hieß es zur Begründung. Auch Dresdner-Titel wurden gedrückt.
Die Aussichten für den Aktienmarkt seien in den nächsten Wochen trotz weiterhin hoher Leitzinsen nicht schlecht, hieß es in Börsenkreisen. Ausländische Investoren hätten die Standardtitel erst "kürzlich wieder entdeckt", und die Hoffnung auf sinkende Zinsen werde dem Markt immer wieder auf die "Sprünge helfen". "Da hat jeder Angst, den Zug zu verpassen", sagte ein Händler.
Der Rentenmarkt tendierte leichter. Die Kassakurse der öffentlichen Anleihen wurden um bis zu 20 Pfennig zurückgenommen, wodurch die Umlaufrendite um eine Stelle auf 6,97 Prozent kletterte. Mark-Auslandsanleihen schlossen ebenfalls leichter.
DÜSSELDORF, 21. Januar (Reuter). Unter dem Motto "Wenn Kohl kürzt, gehen bei uns die Lichter aus" haben am Donnerstag in vielen Städten im ganzen Bundesgebiet Arbeitslosen- und Sozialhilfeinitiativen zu Protest-Demonstrationen aufgerufen. Unter der Überschrift "Lichterketten - ohne Licht" hätten sich Protestierende unter anderem in Köln, Bielefeld, Bremen, Frankfurt/Main, Hamburg, Oldenburg und Recklinghausen versammelt, teilten die Bielefelder Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Sozialhilfeinitiativen mit.
In Recklinghausen organisierte das Arbeitslosenzentrum, der Deutsche Gewerkschaftsbund, das Industrie- und Sozialpfarramt sowie das Diakonische Werk einen Protestmarsch. Die Aktion kritisierte die im Rahmen des sogenannten Solidarpakts angekündigten Kürzungen des Arbeitslosengeldes und der Sozialhilfe. Die Sozialhilfe-Empfänger seien schon jetzt an der Armutsgrenze, sagte Sprecherin Monika Stern vom Recklinghäuser Arbeitslosenzentrum.
BONN, 21. Januar (Reuter). Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat am Donnerstag die vier neuen Minister bestätigt, die Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) in sein Kabinett berufen hat. Weizsäcker ernannte Günter Rexrodt (FDP) zum Wirtschaftsminister, Wolfgang Bötsch (CSU) zum Postminister, Matthias Wissmann (CDU) zum Forschungsminister und Jochen Borchert (CDU) zum Minister für Landwirtschaft. Sie werden am heutigen Freitag im Bundestag vereidigt.
Die von der Hoechst AG gegen den Betriebsrat Emanuel Schaaf ausgesprochene fristlose Kündigung ist nicht rechtswirksam. Das hat jetzt das Arbeitsgericht in Frankfurt entschieden.
Schaaf gehört zu einer Gruppe von früheren Mitarbeitern der Hoechst-Gruppe aus dem In- und Ausland, die dem Chemiekonzern die Kündigung von Belegschaftsvertretern aus politischen Gründen vorwirft.
Ein Hoechst-Sprecher kündigte an, an der Kündigung von Schaaf festhalten und in die Berufung vor dem Landesarbeitsgericht gehen zu wollen.
Hoechst hat den Vorwurf politisch motivierter Kündigungen zurückgewiesen. Der 40jährige Schaaf sei entlassen worden, weil er sich nicht vorschriftsgemäß zur Betriebsratsarbeit abgemeldet und dann "beharrlich" die Arbeit im Werk Griesheim verweigert habe.
In seiner Urteilsbegründung erklärte der Vorsitzende Richter Ingo Prieger, die Firma Hoechst habe den Beweis einer Arbeitsverweigerung durch Schaaf nicht erbracht.
Schaaf habe belegt, daß er nach vierwöchiger Abwesenheit wichtige Betriebsratsarbeit habe leisten müssen. Selbst wenn sich Schaaf dafür "sehr viel Zeit" genommen hätte, so das Arbeitsgericht, sei nach 17jähriger Hoechst-Zugehörigkeit eine fristlose Kündigung unangemessen. rtr
FRANKFURT A. M. (FR). An der New Yorker Aktienbörse lag der Dow-Jones- Index 30 führender Industriewerte gestern nach gut einer Stunde mit 5,95 Punkten im Minus. Am Mittwoch war er um 14,04 auf zuletzt 3241,95 Zähler gefallen.
In Tokio stieg der Nikkei-Index für 225 Top-Titel gestern um 28,50 auf einen Schlußstand von 16 538,68 Punkte.
BUKAREST, 22. Januar (Reuter). Drei rumänische Oppositionsparteien haben dem Geheimdienst des Landes vorgeworfen, in ihren Büros Abhöreinrichtungen installiert zu haben. Der Vize-Vorsitzende der Nationalen Rettungsfront (NRF), Adrian Severin, sagte, Journalisten einer unabhängigen rumänischen Tageszeitung hätten am Mittwoch sogenannte Wanzen in den Telefonen von Büros der Partei in Bukarest entdeckt. NRF-Chef Petre Roman forderte, der Verteidigungsausschuß müsse sich mit den Vorwürfen befassen. Die Jungliberale Partei (JLP) bestätigte, ihre Telefone seien ebenfalls abgehört worden.
Nach Darstellung der Journalisten wurden zudem die Büros des Parteienbündnisses Demokratischer Konvent (DK) abgehört. Der DK-Vorsitzende Emil Constantinescu sprach von einem schweren Verstoß gegen die Gesetze, der in anderen Ländern einen schweren Skandal herbeiführen würde.
LUANDA, 22. Januar (Reuter). Die angolanische Rebellengruppe UNITA hat nach eigenen Angaben in der Stadt Soyo vier weitere Ausländer, darunter auch einen Deutschen, gefangengenommen. Die Rundfunkstation der Bewegung meldete am Donnerstag, insgesamt seien nun 20 Ausländer in ihrer Gewalt. UNITA- Kämpfer hatten Soyo, ein Zentrum der angolanischen Ölindustrie, nach zweitägigen Kämpfen gegen Truppen der Regierung eingenommen.
Für den Olympia-Zweiten Rudi Lochner ist sie etwas "ganz Besonderes". Und Sepp Dostthaler findet sie "einfach eine Schau" - die Bobbahn des Nobel-Wintersportorts St. Moritz im Oberengadin. Die Liebeserklärungen der beiden Königsseer Bob-Piloten für den 1585 Meter langen Eiswurm, die einzige komplett aus Natureis gefertigte Bob-Bahn der Welt, kommt von ganzem Herzen.
"Hier kriegst du bis zu 140 Sachen drauf", schwärmt Dostthaler, der Musikpädagoge mit der Fachrichtung Gitarre, "da knallt's von oben bis unten". Der Mann mit dem Faible für zarte Saiten und berauschende Geschwindigkeiten startet "hundertmal lieber hier im Mekka des Bobsports, als anderswo".
"Diese Bahn ist nie gleich, in diesem Jahr zum Beispiel sind die Kurvenradien größer", erklärt Dostthaler die Faszination, die mittlerweile ihres Gleichen sucht. In Cervinia ist man vom Natureis auf das ammoniakgekühlte Kunsteis- System umgestiegen und in Cortina sind im unteren Teil einige der Kurven künstlich vereist worden.
Die Eisschlange des Kantons Graubünden dagegen windet sich mit ihren zwölf Kurven durch ein tiefes Bett aus funkelndem Schnee und bleibt bei konstant tiefen Temperaturen und trotz Sonnenschein bis in den Frühling hinein in Form. Seit 1903, als die Kantonstraße vom Badrutt's Park in St. Moritz zum Nachbarort Celerina in eine Eisbahn verwandelt wurde, hat sich da nicht viel verändert. Abend für Abend wird immer noch Wasser gespritzt und am Morgen von zahlreichen emsigen Helfern akkurat und liebevoll glatt geschabt.
129 Höhenmeter liegen zwischen Start und Ziel, die einzelnen Schlüsselstellen tragen furchteinflößende Namen wie "Devil's Dyke" (Teufelsdamm) oder "Snake-Corner". "Wie der Henker" sei er da gefahren, habe alles riskiert, berichtete Dostthaler voller Enthusiasmus von seiner jüngsten Wettkampffahrt im Zweier, die ihm Bronze bescherte. sid
Zwei Tage nach Ausbruch der heftigen Daviscup-Auseinandersetzungen hat der Deutsche Tennis-Bund (DTB) Stellung bezogen: Er nahm Boris Becker in Schutz und bezeichnete Michael Stichs Ultimatum als genauso unannehmbar wie die Gehaltsvorstellungen von Becker-Manager Ion Tiriac im Falle eines Daviscup- Einsatzes. DTB-Präsident Claus Stauder erklärte gegenüber dpa: "Man könnte Boris Becker nicht mehr Unrecht antun, als wenn man ihm unterstellen würde, Geld habe bei seiner Daviscup-Absage eine entscheidende Rolle gespielt." Stichs Forderung, so der DTB-Chef, "kann nicht ernsthaft gemeint sein. Ein Spieler kann nicht sagen, wie ein Team aufgestellt werden soll".
Stauder war sichtlich bemüht, die aus dem Ruder geratene Situation nicht weiter eskalieren zu lassen. Für Stich zeigte er "Verständnis, er hat aus seiner Sicht konsequent zu Ende gedacht". Zugleich bestätigte der DTB, daß es derzeit Überlegungen gebe, die Prämienregelung für den Daviscup neu zu gestalten. Ob Stauder die tiefen Gräben zwischen Becker und Stich noch einmal zuschütten kann, war am Donnerstag in Melbourne eher zweifelhaft. Stich fühlt sich über die am Mittwoch bekannt gewordenen Tiriac- Vorstellungen für eine Bezahlung Bekkers im Daviscup zusätzlich vor den Kopf gestoßen und sieht zumindest für dieses Jahr keine Chance mehr für eine Daviscup-Gemeinsamkeit. Für den Fall der Becker-Rückkehr hatte er am Mittwoch seinen eigenen Verzicht erklärt.
Stauder wie DTB-Generalsekretär Günter Sanders räumten ein, daß es Gespräche mit Tiriac über ein neues Prämiensystem für Daviscup-Einsätze gegeben habe, zuletzt zwischen Sanders und dem Becker-Manager kurz vor Weihnachten in Hamburg. Es habe sich aber lediglich um "Gedankenspiele" gehandelt und bisher nicht um "Verhandlungen". Insofern könne man auch nicht von "Forderungen Tiriacs" sprechen. Sanders ergänzte: "Becker weiß von den Gesprächen zwischen Tiriac mit mir und dessen Inhalten mit Sicherheit nichts." dpa
Petra Schaaf aus Willingen war am Donnerstag beim dritten Saison-Weltcup als Sechste im italienischen Antholz wieder beste deutsche Biathletin. Über 15 km landete die viermalige Weltmeisterin dabei in 51:37,0 Minuten bei drei Schießfehlern unmittelbar vor der russischen Top- Favoritin Anfisa Reszowa (51:38,1), die sich am Schießstand sechs Strafminuten eingehandelt hatte. Der Sieg ging an Iva Schkodrewa (Bulgarien/50:13,7/1), die Myriam Bedard (Kanada/50:25,6/2) und Nathalie Santer (Italien/50:37,9/4) auf die Plätze verwies. Zuvor hatte Schweden bei den Männern durch Ulf Johansson (54:25, 8/0) und Frederik Kuoppa (55:59,0/0) über 20 km einen Doppelsieg gefeiert.
"Ein Aufwärtstrend ist unverkennbar. Wir sind voll im Zeitplan, denn unsere Topform wollen wir in vierzehn Tagen zur WM erreichen", gab sich der Oberhofer Bundestrainer Frank Ullrich, der gemeinsam mit Norbert Baier für die deutschen Männer verantwortlich zeichnet, gelassen. Immerhin liefen mit Sven Fischer (Oberhof/8.) und Jens Steinigen (Ruhpolding/9.) zwei deutsche Biathleten unter die weltbesten zehn und sicherten sich damit ihre Fahrkarten zur Weltmeisterschaft, holten auch die Oberhofer Frank Luck (24.) und Steffen Hoos (25.) noch Weltcup-Punkte.
Dagegen zielte 10-km-Olympiasieger Mark Kirchner wie schon vor Wochenfrist in Ridnaun schlecht und schoß viermal daneben. Dadurch wurde der Oberhofer auf den 27. Platz durchgereicht. Dennoch steht Kirchner ebenso sicher in der WM-Mannschaft wie die beiden Ruhpoldinger Fritz Fischer sowie Rico Groß, die sich diesmal mit den Rängen 36 und 38 begnügen mußten.
Von insgesamt acht Weltcup-Startern müssen die Bundestrainer in Antholz einen für die WM in Borowetz streichen. Wahrscheinlich wird es Holger Schönthier aus Gosheim treffen, der in Antholz als 43. unter insgesamt 96 Startern der schwächste deutsche Skijäger war.
Bei den deutschen Frauen überzeugte neben Petra Schaaf erneut Uschi Disl aus Moosham als Zwölfte. Sylke Humanik (Oberwiesenthal) kam als 19. zu ihren ersten Saison-Weltcuppunkten. Dagegen verzichtete Olympiasiegerin Antje Misersky aus Oberhof nach einer überstandenen Viruserkrankung auf einen Start.
Am Samstag muß auch Frauen-Bundestrainer Uwe Müssiggang seine wahrscheinlich aus sechs Athletinnen zusammengesetzte WM-Mannschaft nominieren. Bislang haben nur Schaaf, Disl und Misersky ihren Platz sicher. sid
Fußball-Bundesligist Dynamo Dresden steht kurz vor dem Konkurs. Bei einer Mitgliederversammlung am Donnerstag abend bezifferte ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer den Schuldenstand des Krisenklubs aus Sachsen per 31. Oktober 1992 auf 16,4 Millionen Mark. Der geschäftsführende Vizepräsident Dieter Burmester erklärte vor der Rekordkulisse von 583 erschienenen Dynamo-Mitgliedern: "Wenn wir bis Freitag morgen nicht 5,1 Millionen Mark hinterlegen, ist ein Konkurs nicht mehr abzuwenden." Diese Summe ist notwendig, um kurzfristige Verbindlichkeiten zu tilgen.
Zu Beginn der Versammlung legten Burmester und der ebenfalls als Vizepräsident in der Verantwortung stehende Georg Schaudz ihre Ämter nieder. sid
Basketball-Rekordmeister TSV Bayer 04 Leverkusen ist auf dem Weg in die Finalrunde der Europameisterschaft für Vereinsmannschaften ins Stolpern gekommen. Die Deutschen unterlagen am neunten Spieltag der Europaliga-Gruppe B beim griechischen Meister Olympiakos Piräus 63:79 (37:36), kassierten damit ihre vierte Niederlage und haben zudem den direkten Vergleich gegen die Griechen verloren. Leverkusen verschlechterte sich in der Tabelle auf den vierten Platz.
Nach einer starken Vorstellung in der ersten Halbzeit standen die Gäste nach dem Wechsel auf verlorenem Posten.
rin MEXIKO, 21. Januar. Für rund 2500 Guatemalteken endeten am Mittwoch mehr als zehn Jahre im mexikanischen Exil. In einer Karawane von über 60 Bussen überquerten die ersten von insgesamt 45 000 Flüchtlingen die Grenze im mexikanischen Bundesstaat Chiapas.
Sie waren Anfang der 80er Jahre vor dem Militärterror in dem mittelamerikanischen Land geflüchtet. Nun kehrten sie unter dem Schutz der Flüchtlingshilfsorganisation der Vereinten Nationen (UNHCR) in ihre Heimat zurück, obwohl in Guatemala der Krieg, dem in den vergangenen 30 Jahren mehr als 100 000 Menschen zum Opfer fielen, andauert.
Die Rückkehr ist Produkt eines Abkommens zwischen der guatemaltekischen Regierung und den "Ständigen Kommissionen" der Flüchtlinge (CCPP) vom vergangenen Oktober. Danach stellt die Regierung Guatemalas den Flüchtlingen Land und Kredite zur Verfügung, befreit die Männer vom Militärdienst und den "Zivilpatrouillen", in denen die ländliche Bevölkerung sonst dienen muß, und garantiert ihre Menschenrechte.
Empfangen wurden die rund 500 Familien an der Grenze von Verwandten, Vertretern von Hilfsorganisationen und Oppositionsparteien. Anwesend war auch die Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú, die ebenfalls die letzten zehn Jahre im mexikanischen Exil verbrachte.
Die Rückkehr, die bereits für vergangene Woche geplant war, war bis zuletzt durch Unsicherheit und Spannung überschattet. Noch im vergangenen November hatte die Armee zwei Dörfer im Gebiet El Ixcan bombardiert, wo die meisten der Flüchtlinge sich wiederansiedeln werden. Beobachter argwöhnten, daß es sich um eine Einschüchterungstaktik handle. Die Militärs hatten Rigoberta Menchú wie auch die Flüchtlinge mehrfach als Guerilla-Sympathisanten denunziert und gedroht, vermeintliche Guerilleros in den Reihen der Rückkehrer zu verhaften.
Der Erfolg oder Mißerfolg dieser Repatriierung wird Einfluß auf die Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und der Guerilla-Organisation UNRG haben, die seit vergangenen August in einer Sackgasse stecken. Präsident Jorge Serrano hatte Mitte Januar einen überraschenden Vorschlag unterbreitet, nach dem ein Friedensvertrag Mitte Mai unterzeichnet werden soll. Beobachter meinen, daß die Regierung damit vor allem international ihr Ansehen auffrischen und eine Verurteilung durch die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen auf ihrer anstehenden Tagung in Genf vermeiden will.
Denn auch unter der Zivilregierung von Serrano haben sich die Menschenrechte in dem neun Millionen Einwohner zählenden Land nicht verbessert. So listete die Nationale Menschenrechtskommission für 1992 über 1400 Verletzungen auf, die von willkürlichen Verhaftungen über Folter bis zu Mord reichen.
Fast drei Millionen Wohnungen fehlen in Deutschland. Als eines der wesentlichen Hemmnisse für die Schaffung zusätzlicher Heime ist wieder einmal der Mangel an Bauland in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt. Als Ursachen hierfür werden umständliche und kostspielige Planungs- und Genehmigungsverfahren ausgemacht. Zur Behebung dieses Mißstandes hat die Bundesregierung ein Gesetz vorgelegt, das unter anderem die Ausweisung und Bereitstellung von Arealen beschleunigen soll. Mit einer Fülle von Korrekturen und Ergänzungen zu geltenden Bestimmungen, wozu auch eine eingeschränkte Bürgerbeteiligung und Eingriffe in das Naturschutzrecht zählen, will Bonn den Kommunen ein wirksameres Instrumentarium in die Hand geben. Ihre Probleme sehen diese damit aber nicht gelöst.
Zum zweiten Mal in diesem Modus veranstaltet, haben sich die "Offenen Squash-Stadtmeisterschaften Mörfelden-Walldorf um den Hebenstreit- Cup" zu einem der bedeutendsten Squash-Wettbewerbe Hessens entwikkelt. Und auch auf Bundesebene zählt das Turnier zu den zwanzig besten. Das glaubt jedenfalls Klaus-Peter Sawinski, der Vorsitzende des Veranstalter-Vereins "The Squash Bohemians".
Diesen Verein gibt es erst seit Oktober 1991. Schon bei der Gründung kam bei den Mitgliedern die Idee auf, die vor längerer Zeit eingestellten Stadtmeisterschaften wiederzubeleben. So wurde vor einem Jahr der Hebenstreit-Cup geboren, als "dritte offene Stadtmeisterschaft". Die Resonanz fiel in diesem Jahr noch besser als 1992 aus. Das lag nicht zuletzt daran, daß zur gleichen Zeit in ganz Deutschland kein anderes Turnier stattfand, an diesem Wochenende aber in Kiel die deutschen Meisterschaften beginnen.
Ausgespielt wurden im Tennis- und Squash-Zentrum "Match-Point" bei den Damen und Herren jeweils drei Felder: Für Hobby- und Kreisliga- Spieler, für Bezirks- und Landesligisten sowie für Ober- und Bundesliga- Player. Sowohl bei den Herren als auch bei den Damen gingen auch einige Profis an den Start, was Klaus- Peter Sawinski natürlich besonders freute, zeigte dies doch die Attraktivität des Mörfelder Turniers. Wie schon im Vorjahr war das Damen-A-Feld ein reines Einladungsfeld. Neben der deutschen "Squash-Madonna" Sabine Schöne griffen auch Sandy Suck, Manuela Hill, Angelika Omlor, Tanja Nash, Andrea Reisch, Marion Büchner und Birgit Körner zum Racket. Zwar sind die 700 Mark Preisgeld für den ersten Platz nicht gerade die Welt, doch das Umfeld mit Disco, Büffet, Frühstück und Gratis-T-Shirt sowie erklecklichen Sachpreisen (Türkei- Flugreise, Mountain-Bikes) auch für die Sieger in den B- und C-Feldern machen den Hebenstreit-Cup eben gleichermaßen attraktiv wie lukrativ.
Bei den Damen im A-Feld kam es so, wie es kommen mußte: Sabine Schöne dominierte mehr als deutlich und verwies Sandy Suck (CSC Bamberg), Manuela Hilz (München) und Marion Büchner (Gießen) auf die Plätze zwei bis vier. Auch bei den Herren setzte sich der Ranglistendritte Oliver Rucks erwartungsgemäß durch. Das Finale gegen den Australier Byron Davis entschied Rucks jedenfalls - vor allem durch konditionelle Vorteile - für sich. Auf Rang drei kamen hier Collin Payne, der sich zur Zeit in Brüssel aufhält, gefolgt von Martin Rintoul, ebenfalls Brüssel.
Weitere Ergebnisse: Damen B: 1. Monika Rucks (Landshut), 2. Marion Facciorossa (Darmstadt); Herren B: 1. Paul Frank (z. Z. Winterthur, Schweiz), 2. Andreas Radatz (ohne Ortsangabe), 3. Ralph Föhre (ohne Ortsangabe), 4. Matthias Schmidt (Frankfurt); Damen C: 1. Angelika Cezanne 2. Stefanie Horion, Mörfelden-Walldorf), 3. Regina Tullios, 4. Christa Vetter (alle Mörfelden- Walldorf). Herren C: 1. Dirk Schönbein (Mannheim), 2. Grady Rieg (Bickenbach), 3. Willi Dohmann (Mörfelden-Walldorf), 4. Georg Stergin (Darmstadt). rip
Kommen Squash-Profis finanziell über die Runden? Oliver Rucks (Bild) schon. Der 23jährige gewann die vierten offenen Stadtmeisterschaften in Mörfelden-Walldorf, die mit einem Preisgeld von 700 Mark dotiert waren. 700 Mark. Im Vergleich zum Tennis ein Taschengeld, kalkuliert man die Anreise aus Paderborn mit ein. Doch als Profi hat man keine andere Wahl. Außerdem: "Es gab kein anderes Turnier in Deuschland. Und weil meine Trainingspartner auch nicht da waren, war dies wohl die beste Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft."
Daß sich Oliver Rucks für ein bißchen Squash immer die Wochenenden um die Ohren hauen muß, ist er auch gewohnt. In Mörfelden-Walldorf hatte er da sogar noch den Vorteil, daß noch einige andere hochrangige Spieler antraten, etwa vier Australier, die derzeit in der Schweiz leben und alle größeren Turniere in Europa abgrasen. Gegen einen von ihnen, Byron Davis, hatte Oliver Rucks im Finale gar nicht so leichtes Spiel. Doch Davis hatte schon im Viertel- und Halbfinale schwer zu kämpfen, während Rucks aus seiner Sicht hier noch recht leicht siegte. "Ich glaube, ich habe das Finale in erster Linie konditionell gewonnen", sagt der Bundesranglisten-Dritte.
Noch weiter vor in der deutschen Rangliste wird Oliver Rucks in absehbarer Zeit wohl nicht kommen: Der Kieler Simon Frenz auf der Nummer zwei ist noch eine ganze Ecke besser als Rucks, und die Nummer eins, Hansi Wiens, ist ganz und gar unerreichbar. Wiens ist Trainingspartner von Rucks und kommt ebenfalls aus Paderborn. "Der Hansi ist einfach unerreichbar. Er ist schon seit vier Jahren Profi und gerade die Nummer 16 in der Weltrangliste geworden. Das wird nie mehr jemand aus Deutschland schaffen", lobt Rucks seinen erfolgreichen Trainingspartner. Der Hebenstreit-Cup-Gewinner ist dagegen erst seit knapp einem Jahr Profi, trainiert dafür dreimal am Tag und kann nur dank der regelmäßigen Schecks seitens der Sponsoren leben. Da diese aber recht großzügig zu sein scheinen, beklagt er sich nicht. Im Gegenteil.
Einen Job hat der 23jährige nicht. Dafür hat er aber die Zusage seiner Sportausrüster, nach dem Karrieren-Ende, das Rucks bei 28 oder 29 Jahren ansiedelt, in der Sportfirma arbeiten zu können. Ob er das auch macht, steht noch auf einem anderen Blatt. Lieber würde er ein Squash- Center aufmachen. "So mit sieben Courts, vielleicht noch ein bißchen Badminton und Tennis. Mal sehen, ob ich bis dahin genug Geld verdient habe, um mir das leisten zu können", so der Paderborner.
Deutlich weniger als Profi sieht sich dagegen Sandy Sucks. Die Schülerin, die in Coburg gerade ihr Abitur macht und daher noch nicht weiß, ob sie in Kiel bei den "Deutschen" überhaut antreten kann, unterlag im Finale der deutschen Squash-Diva Sabine Schöne. Nächstes Jahr soll das aber anders werden: "Da schlage ich sie", lacht die junge Frau. Daß Sandy Suck im nächsten wieder in Mörfelden-Walldorf an den Start gehen wird, daran hat sie nur wenig Zweifel. "Ich war das erste Mal hier, aber es hat mir gut gefallen", resümiert sie kurz vor ihrer Abreise. ANDREAS RIPPL
Mächtig aufs Tempo drücken möchte die Bundesregierung mit ihrem "Investitionserleichterungs- und Wohnbaulandgesetz", das sie noch im Frühjahr über die parlamentarischen Hürden bringen will. Sechs bis acht Wochen sollen die Kommunen künftig bei Bebauungsplanverfahren allein dadurch sparen, daß die vorgezogene Bürgerbeteiligung entfällt. Den Planentwurf wird die Öffentlichkeit künftig nur noch 14 Tage statt einen Monat lang zu Gesicht bekommen. In bereits bebauten Ortsteilen soll es keine naturschutzrechtliche Eingriffsregelung mehr geben, derzufolge bei größerer Beanspruchung von Fauna und Flora ein Ersatz zu schaffen ist. Bei Vorabgenehmigungen eines Bauwunsches während der Planaufstellung muß bisher die höhere Verwaltungsbehörde ihre Zustimmung erteilen. Diese Instanz wird künftig außen vor gehalten, was nach Berechnungen der Bonner Experten bis zu zwei Monate bringt. Außerdem sollen mehr Dachgeschoßausbauten möglich sein. Nicht zuletzt können Gemeinden verstärkt Projekte im Außenbereich, also zum Beispiel die Errichtung zusätzlicher Wohnungen auf landwirtschaftlichen Höfen, genehmigen. Das neue Paragraphenwerk in Bausch und Bogen zu verbannen, wäre sicher falsch. Es enthält auch aus Sicht des Deutschen Städtetages einige hilfreiche Korrekturen und Ergänzungen. Als den großen Wurf wertet er es aber nicht. Und die Entscheidungsträger vor Ort plagen meist ganz andere Sorgen, die ihnen das Gesetz nicht nimmt.
In Stuttgart zum Beispiel müßten bis zur Jahrtausendwende 33 000 neue Wohnungen entstehen, um eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten. Manfred Gann, Leiter des Amtes für Wohnungswesen, fragt sich allerdings wo. "Baulandreserven gibt es nur noch für die Hälfte." Selbst die sind nicht so einfach zu mobilisieren, da die meisten Areale nicht der Kommune, sondern privaten Eigentümern gehören. Und diese bleiben nicht zuletzt wegen der erhofften Wertsteigerung darauf sitzen. Ein "Schwoab", feixen Stadtplaner, hebt fürs "Enkele" zwei Grundstücke auf: eins, um darauf ein Häusle zu bauen, und das andere, um es zu bezahlen. Neues Gelände steht in der Schwabenmetropole kaum zur Verfügung, sagt Gann, "dann müßten wir in den Wald gehen". Als Ausweg sieht er eigentlich nur, daß die Gemeinden in der Umgebung der baden-württembergischen Landeshauptstadt einen Teil der Wohnbevölkerung abnehmen. "Auf der Stuttgarter Gemarkung selbst ist das Problem nicht zu lösen." Da helfe auch das neue Gesetz nicht weiter.
In Frankfurt am Main hat der Wohnungsbau einen wahren Koalitionskrach ausgelöst. Eine weitere Ausdehnung der Stadt scheint nach den Plänen der SPD unausweichlich - allerdings droht dadurch der Grüngürtel angeknabbert zu werden. Dagegen laufen die Grünen im Rathaus Sturm. Sie favorisieren eine regionale Gesamtplanung mit dem Umland. Ein seit Jahren diskutiertes Unterfangen, das regelmäßig an den Interessen der dortigen Gemeinderäte scheitert.
In vielen Metropolen scheinen die Grenzen des Wachstums erreicht. Selbst wenn das neue Gesetz einige akzeptable Ansätze enthält, bleibt Boden ein nicht vermehrbares Gut. Und das Problem, auch weniger gut betuchten Bürgern eine Bleibe zu verschaffen, ist damit auch nicht vom Tisch. Mit der wachsenden Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen ist deren Versorgung eher schwerer geworden. Merkwürdige Allianzen
Die Probleme ähneln sich überall. Auch in Göttingen haben es die Stadtväter nicht leicht. Konflikt birgt vor allem die Unterbringung ärmerer Bürger. Da hat Stadtbaurat Norbert Klein schon "merkwürdige Allianzen" erlebt, wenn Leute, die wegen der Ansiedelung eines mehrgeschossigen Komplexes in der Nähe den Wertverlust ihres eigenen Grundes fürchten, plötzlich zu militanten Umweltschützern werden. Durch die neuen Bestimmungen sieht er diese Auseinandersetzungen nicht beseitigt.
Franz Joseph Stummer vom Kölner Stadtplanungsamt kann über das Paragraphenwerk nur den Kopf schütteln. Umwelt- und Naturschutz spielten tatsächlich in der Bauplanung eine wesentliche Rolle. Und das, meint der Rheinländer, auch aus gutem Grund. In der Vergangenheit seien jede Menge Schäden verursacht worden, die man nun mühsam und kostspielig ausbügeln müsse. Entsprechende Verträglichkeitsprüfungen nun zu streichen, hält er für wenig sinnvoll. Die Probleme würden nur vertagt. Mit seinen Kollegen aus anderen Städten ist er sich überdies einig, daß es wenig bringe, bei der Planung etwas übers Knie zu brechen. "Da rücken dann Anwälte an. Und letztlich gehen die Bebauungspläne doch kaputt."
Daß die Entscheidungswege in den Amtsstuben tatsächlich lang sind, will der Kölner Experte gar nicht bestreiten. "Vieles läuft da nach politischen Interessen" und nicht etwa sachbezogen. Dringend nötige Planungen zögen sich deshalb über Jahre hin. Sehr zweifelhaft, daß das neue Gesetz daran etwas ändert. Und die fehlenden Mittel für den Wohnungsbau zaubert es natürlich auch nicht herbei. In der Domstadt ist Land nicht ganz so knapp wie anderswo. Es existieren noch Brachen, die für den Wohnungsbau genutzt werden könnten. "Deren Sanierung kostet aber viel Geld, und das haben wir nicht", sagt Stummer. Bislang steuerte über die Städtebauförderung auch der Bund etwas bei. Just die soll aber zusammengestrichen werden.
Abwegig mutet es angesichts der Probleme altgedienter Kommunalpolitiker an, daß ausgerechnet in den neuen Bundesländern Planungsverfahren verkürzt und Bürger kaum gehört werden sollen. Bei heiklen Beschlüssen dürften die häufig unerfahrenen Entscheidungsträger in den ostdeutschen Gemeinden überfordert sein, so daß ausführliche Planung und die Kontrolle einer zusätzlichen Instanz dringend geboten wären. Im übrigen besteht mit und ohne neues Gesetz ein wesentliches Investitionshindernis fort: die ungeklärten Eigentumsverhältnisse.
Eigentümer machen auch den Kommunen im Westen zu schaffen. Selbst wenn Wohnbauland vorhanden ist, kann es oft nicht genutzt werden, da die Besitzer den Grund horten. Das Land Niedersachsen hat in einer Umfrage ermittelt, daß theoretisch in Lücken und Bauplangebieten auf 9445 Hektar rund 174 600 Wohnungen entstehen könnten. Nun besagt dies noch nicht, daß der Raum auch tatsächlich dort frei ist, wo Heime gebraucht werden. Als Gründe für die mangelnde Verfügbarkeit wurden aber häufig zuwiderlaufende Interessen der Eigner ermittelt.
Grundsätzlich angepackt wird dieses Dilemma von Bonn nicht. Einzig die "Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme", die seit 1990 befristet gilt, soll nun festgeschrieben werden. Und eine Präzisierung erfährt das Baugebot. Das erste Instrument ermöglicht Gemeinden bestimmte Gebiete für die Besiedelung zu definieren und dabei privatrechtliche Interessen - notfalls durch Enteignung - auszuschalten. Auch planungsbedingte Bodenwertzuwächse können abgeschöpft und zur Finanzierung der Infrastruktur verwendet werden. Der Einsatz dieses Mittels hat allerdings strengen Anforderungen zu genügen, kann nicht einzelne Flächen mobilisieren, und der Streit vor Ort bleibt den Gemeinden nicht erspart.
So hat Stuttgart darauf in letzter Zeit nur einmal zurückgegriffen, wie Stadtplaner Arnulf von Heyl berichtet. Mit der Folge, daß die Behörden mit bitterbösen Briefen von Leuten überschwemmt wurden, die den Kommunismus in der beschaulichen Schwabenmetropole herannahen sahen. Auch das Baugebot birgt ähnlichen Zündstoff, weshalb die Stadtväter damit sehr sparsam umgehen. Denn unpopuläre Schritte haben leicht die Abwahl zur Folge. Umdenken und mehr Courage sind auf jeden Fall nötig, wenn nicht alles beim alten bleiben soll.
Allerdings legen auch die Politiker in Bonn wenig Mut an den Tag. Die kommunalen Spitzenverbände und Experten verlangen seit Jahren, das Horten von Parzellen durch eine Besteuerung einzudämmen. Zu erwartenden enormen Wertsteigerungen stehen nämlich lächerlich niedrige Abgaben gegenüber, und der Gewinn bei späterer Veräußerung ist dem Zugriff des Fiskus entzogen. Ein Muster für die Abschöpfung wäre die Grundsteuer C aus den sechziger Jahren. Sie wurde nach Darstellung des Deutschen Städtetages aber gerade zu dem Zeitpunkt abgeschafft, "als sie zu wirken begann".
Für die Kommunen wäre sie eine große Hilfe und, kombiniert mit Entwicklungsmaßnahme und Baugebot, ein wirkungsvoller Beitrag zur Mobilisierung von Bauland, meint die Organisation. Erwogen wurde eine derartige Abgabe sogar von FDP-Ministerin Irmgard Schwaetzer. Ernsthaft zur Debatte stand der Eingriff aber schon bald nicht mehr, weil die Lobby der Eigentümer in Bonn Sturm lief. Letztlich sollte mit Einführung des zonierten Satzungsrechts den Kommunen wenigstens die Möglichkeit gegeben werden, unbebautes Areal punktuell mit höherer Grundsteuer zu belegen. Dem Ansinnen von Schwaetzer machte Finanzminister Theo Waigel jedoch einen Strich durch die Rechnung. Im ersten Durchgang des jetzt diskutierten Gesetzes erklärten einige Länder zwar, daß dieses Instrument noch eingefügt und andere Passagen gestrichen werden müßten. Die Chancen dafür stehen aber schlecht, zumal eine stabile Front gegen das Vorhaben in der jetzigen Form im Bundesrat beim zweiten Durchgang fraglich ist.
Die Situation scheint verfahren. Hinzu kommt eine soziale Entwicklung, der die Kommunen schon seit Jahren hinterherbauen: dem Wohlstand und der Individualisierung. Wer es sich leisten kann, und das sind nicht wenige, lebt großzügig. 120 Quadratmeter für ein alleinstehendes Paar bedeuten keine Seltenheit. Und die Single-Haushalte nehmen ständig zu. Alte Leute bleiben nach dem Auszug der Kinder und dem Tod des Partners meist in ihrem großen Zuhause. Attraktive und vor allem erschwinglichere Alternativen fehlen. Untervermietet wird selten. Und auch auf dem Land sitzen die Familien nicht mehr an einem Herd, sondern Kinder, Enkel und Urenkel möchten sich jeweils ein eigenes Dach über dem Kopf zimmern. Dies frißt Fläche.
Der durchschnittliche persönliche Verbrauch wird nach Erkenntnissen von Siegfried Losch von der Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung noch steigen. In einem Artikel zum Bodenproblem rechnet er vor, daß ein jährliches Wachstum der Wohnfläche um ein Prozent für die nächste Dekade eine Nachfrage von 248 Millionen Quadratmetern erzeugt. Benötigt würden dafür 112 000 Hektar neuer Grund - nur in der alten Bundesrepublik. Um den Ostdeutschen, von denen jeder einzelne im Schnitt in 27,2 Quadratmetern wohnt, einen ähnlichen Standard wie im Westen (36,6 Quadratmeter 1990) zu bieten, müßten ferner mindestens 72 000 Hektar aufgespürt werden.
Naturschützendes Flächensparen und Wohnungsbau scheinen angesichts dieses Szenarios unvereinbar, denn vor allem die Großstädte platzen aus allen Nähten. Landeskundler Losch sieht jedoch Auswege. Statt die Lösung nur in der Ausweisung neuen Areals zu suchen, sollte intensiv der Bestand durchforstet werden. Die neuen Länder sollten sich die Sünden im Westen vor Augen halten und möglichst flächensparend bauen. Öffentliche Gebäude könnten überdies für mehrere Zwecke genutzt werden. Bei neuen Investitionen sieht er ein erhebliches Potential durch kleinere Büros, schmalere und "intelligentere" Straßen. Stärker sollten die Kommunen überdies die Zweckentfremdung bekämpfen. Auf jeden Fall abgeschafft gehörten Zustände, wie sie Losch am Beispiel Düsseldorfs beschreibt - Richtwerttabellen begünstigen komfortabelstes Wohnen dadurch, daß in mehr als 100 Quadratmeter großen Bleiben die Miete pro Quadratmeter sinkt.
CHRISTINE SKOWRONOWSKI
Die Basketballer der BG Maxx Offenbach/Neu-Isenburg haben - das läßt sich schon jetzt, drei Spieltage vor Ende der regulären Zweitligarunde sagen - im ersten Jahr ihres Bestehens die selbst gesetzten Ziele nicht erreicht. Statt in der unteren Hälfte der Zwölfer-Klasse hatte man sich in der oberen plazieren wollen, also Aufstiegs- statt Abstiegsrunde, und in der neuen Spielstätte, dem Neu- Isenburger Sportpark, waren mehr als die im Schnitt etwa 200 Zuschauer erwartet worden. Nach Beobachtungen von Jochen Bezler, Trainer und Manager der BG, hat nur der harte Kern der Offenbacher Besucher den Umzug in die Nachbargemeinde mitgemacht. Die nächsten Wochen sind insofern wichtig, als zum einen die Mannschaft die Klasse noch nicht sicher hat und zum anderen derzeit die Gespräche darüber laufen, ob und wenn ja, zu welchen Konditionen, die BG aus dem EOSC Offenbach und dem BC Neu- Isenburg ins zweite Jahr geht.
"Es wird ein schweres Unterfangen", sagt Bezler über die Auseinandersetzung in der Abstiegsrunde. Allerdings können die Offenbacher vor deren Beginn ihre Lage noch verbessern, denn neben den schweren Auswärtsspielen beim SV Oberelchingen (an diesem Wochenende) und bei Lotus München (am letzten Spieltag) steht noch die Heimpartie gegen Post SV Telekom Karlsruhe (Samstag, 30. Januar) an. Karlsruhe und Bayern München (je 8:30 Punkte) stehen am Ende der Liga, davor liegen TSV Breitengüßbach und Offenbach (je 12:26).
Nach derzeitigem Stand werden zwei Vereine die Klasse verlassen müssen, da der SV Tübingen aller Wahrscheinlichkeit nach die Bundesliga nicht halten kann. Gefährdet ist oben allerdings auch noch der Südverein TVG Trier; sollte er und nicht der Nordverein SVD Dortmund absteigen, so müßten drei Klubs aus der zweiten Liga, Gruppe Süd, in die Regionalliga.
Bezler sieht eine Reihe von Gründen für den sportlich nicht befriedigenden Saisonverlauf. Der neu verpflichtete Jens Oltrogge war (und ist) durch eine Knieverletzung gehandicapt; es habe zu lange gedauert, einen Amerikaner zu verpflichten und die anschließende Integration von Brandt Johnson ins Team habe sich zu lange hingezogen. Insgesamt hat Bezler den Eindruck, "daß einige Spieler nicht ihre maximale Leistung bringen".
Erst am Wochenende will Bezler, der mittlerweile im Training von Rudi Walter (früher u. a. bei Eintracht Frankfurt und der TG Hanau) unterstützt wird, entscheiden, welcher von den beiden Amerikanern in Oberelchingen spielt. Wie berichtet, hatte Offenbach kurzfristig Steve Aamodt verpflichtet und einen bis 30. Januar befristeten Vertrag gegeben, weil Johnson übers Wochenenende aus privaten Gründen nach Hause geflogen war und deshalb gegen Speyer nicht mit von der Partie sein konnte. ah
BIEBESHEIM. Das Ringen für oder gegen den geplanten Ausbau der HIM- Sondermüllverbrennungsanlage Biebesheim und einen dritten Ofen geht in ein entscheidendes Stadium. Mit näherrükkendem Wahltermin werden die Erklärungen pro und contra schärfer.
Stand der Dinge in Sachen Vertrag zwischen "Kommunaler Arbeitsgemeinschaft (KAG) SVA Biebesheim", Hessischer Industriemüll GmbH und Land Hessen ist laut Hans-Jürgen Unger, Leiter des Umweltamtes von Riedstadt, wo die Fäden der KAG zusammenlaufen: Nur ein einziges Parlament einer KAG- Mitgliedsgemeinde hat bisher über den Vertrag entschieden, nämlich das Stadtparlament von Pfungstadt. Dieses gab mehrheitlich seine Zustimmung.
In Riedstadt, das als Zentrum des Protestes gegen die HIM-Pläne gilt, gibt es bislang nur die Empfehlung des Gemeindevorstandes an die Gemeindevertretung, das Vertragswerk abzulehnen. Befassen wird sich das Gemeindeparlament damit am Freitag, 19. Februar.
In einer Zwischenbilanz würdigen die linksrheinischen KAG-Mitglieder Eich, Gimbsheim, Guntersblum und Oppenheim den Vertragsentwurf als "bemerkenswertes Ergebnis einer intensiven fachlichen und politischen Arbeit". Die länderübergreifende Arbeitsgemeinschaft sei eine noch nie dagewesene Chance, zur Minderung der hohen Vorbelastung des Nördlichen Oberrheingrabens beizutragen oder weiteren Luftverunreinigungen entgegenzuwirken.
In der Erklärung klingen aber auch kritische Töne an, wie zur Menge der zur Verbrennung zugelassenen Stoffe, und: Einem Rechtsmittelverzicht der Kommunen gegenüber der HIM könne nicht zugestimmt werden. cas
KELSTERBACH. Jeder soll mal in die lokale Vereinsarbeit hineinschnuppern können, um so herauszufinden, ob es in der reichhaltigen Angebotspalette der 95 örtlichen Verbände und Organisationen auch für ihn etwas Passendes gibt. Das ist die Grundidee der Veranstaltungsfolge "Tag der Jugend" vom 29. bis 31. Januar in Kelsterbach, den der Magistrat in Zusammenarbeit mit Jugendpflege und Vereinen vorbereitet.
Die örtlichen Vereine wollen sich mit Aktionen, Mitmachangeboten und Informationen in ihren Einrichtungen vorstellen: im Hallenbad, auf der Kegelsportanlage, in der Baugé-Halle, in der Mehrzweckhalle und in den jeweiligen Vereinsheimen. Sie wollen Workshops mit Tauchen, Paddeln, Schwimmen, Kegeln, Musik, Gesang und Modellbau anbieten.
Die Vereine wollen sich dabei gezielt jungen Leuten vorstellen und öffnen, auf diese Weise vielleicht auch neue Mitstreiter gewinnen. Denn nicht wenige lokale Vereine klagen über arge Nachwuchsprobleme. Auch dem soll mit dem "Tag der Jugend" gegengesteuert werden.
Wobei die Vereine darauf achten wollen, daß sich Interessent/innen auf unterhaltsame Weise und zunächst unverbindlich informieren können; niemandem soll gleich ein Aufnahmeformular unter die Nase gehalten werden.
Über das Programm gibt eine umfangreiche Broschüre der Stadt Auskunft, detailliert nach Art des dreitägigen Angebots, Veranstalter und Ort des Geschehens aufgeschlüsselt. Hinzu kommen Auskünfte über die teilnehmenden Vereine, ihre Angebote, Zielgruppen und Treffpunkte. Zum Auftakt sind am Freitag, 29. Januar, 14 bis 18 Uhr, im Hallenbad Aktivitäten mit Tauchclub Hecht, Paddler-Gilde, DLRG und Kanu-Club angekündigt, darunter Schnuppertauchen und Paddelworkshop. Zum Probekegeln lädt von 16 bis 19 Uhr der Kegelsportverein in seine Anlage an der Kirschenallee. Ab 19.30 Uhr gibt es Disco-Musik und Auftritt der IGS-Band (19.45 bis 20.30 Uhr) in der Mehrzweckhalle Nord.
Die große Baugé-Halle und nebenan die Gesamtschule sind ein Schwerpunkt des Geschehens an den beiden folgenden Tagen, jeweils ab 12 Uhr mit verschiedenen Info-Ständen und folgenden Angeboten: Musikworkshops des Männergesangvereins "Teutonia" und der Initiative Kelsterkult, Fotoausstellung und -workshop des Jugendzentrums, Straßentheater der Jugendgruppe der Christusgemeinde und Modellbauworkshops des Segelflugvereins "Ikarus".
Am Samstag beginnt das Live-Programm um 13 Uhr mit dem Bläserchor, gefolgt von Schulübungen der Feuerwehr (13.30 Uhr und 15.30 Uhr), HSK-Jugendorchester (14 Uhr und 16.30 Uhr), Kinderchor der "Einigkeit" (15 Uhr) und Gesangverein "Teutonia" (16.30 Uhr).
Bereits um 12 Uhr beginnt das Sonntagsprogramm mit der Big-Band der VHS. Es folgen Schulübungen der Feuerwehr (13.30 Uhr), Jugendorchester des Harmonika-Spielrings (14 und 16 Uhr), Bläserchor (14.30 Uhr), Kinderchor der Einigkeit (15 Uhr) und Modellautorennen des Segelflugvereins. Der Abschluß ist gegen 18 Uhr geplant. cas
Parteien + Wähler
Jentsch spricht zur inneren Sicherheit OBERURSEL. "Kann der Staat die Bürger noch wirksam schützen?" Diese Frage steht im Mittelpunkt einer Diskussion mit dem thüringischen Innenminister und ehemaligen Oberbürgermeister von Wiesbaden, Hans-Joachim Jentsch, zu der die CDU am Sonntag, 24. Januar, einlädt. Beginn ist um 10 Uhr im Gasthaus "Zum Schwanen", Hollerberg. Verkehrsforum der SPD KRONBERG. Die SPD Kronberg lädt für Montag, 25. Januar, 20 Uhr, im Rahmen ihrer Expertengespräche zu einem Verkehrsforum in die Stadthalle ein. Zugesagt haben der hessische Verkehrsminister Ernst Welteke, der Prokurist des in Gründung befindlichen Rhein-Main-Verkehrsverbundes, Uwe Stindt, und Martin Peters vom Verkehrsclub Deutschland. ALK-Infostand zum Thema "Verkehr" KÖNIGSTEIN. Zur Verkehrsführung in Königstein informiert die Aktionsgemeinschaft Lebenswertes Königstein (ALK) heute zwischen 10 und 13 Uhr in der Fußgängerzone.2,8-Tonner dürfen nicht mehr durch Geplagte Berkacher werden nicht nur niedrige, sondern gewichtige Lastwagen los Von unserem Redaktionsmitglied Walter Keber GROSS-GERAU. Völlig gesperrt für Lastwagen über 2,8 Tonnen Gewicht wird die Ortsdurchfahrt Berkach, die Kreisstraße 160. Mit Ausnahmegenehmigungen soll restriktiv verfahren werden. Dies sagte Landrat Enno Siehr am runden Tisch den Vertretern der Bürgerinitiative "Rettet Berkach vor dem Verkehrschaos" bei einer Besprechung zu, an der auch der SPD-Landtagsabgeordnete Jürgen May teilnahm. Das Nadelöhr Berkach soll gezielt von Schwerlastverkehr entlastet werden: Immer wieder quälen sich dicke Laster durch die enge Hauptstraße des dörflichen Ortes, beschädigen dabei sogar Häuser. Bis zur jetzt angekündigten Sperrung gab es ein Auf und Ab für die gegen Lärm, Abgase und Gefahren streitenden Berkacher. Bis in die jüngste Zeit passierten ausgerechnet die größten und schwersten Lastwagen die enge Berkacher Ortsdurchfahrt, um zur Autobahn Mönchhof-Darmstadt zu gelangen. Wegen der mit 3,80 Metern nur geringen Höhe des Bahnviadukts beim Groß-Gerauer Gambrinus/Bahnhof Dornberg konnten beispielweise über die Bundesstraße 44 von Westen kommende Fahrzeuge mit hohen Aufbauten nicht direkt zur wenig entfernten Autobahnauffahrt Büttelborn gelangen. Sie nahmen den Umweg durch Berkach. Diese Trasse über die Kreisstraße 160 war zwar eng, aber immerhin nach oben - weil ohne Brückenbauwerk - offen. Das führte zu solch enormen Belastungen, daß viele Berkacher schließlich auf die Barrikaden gingen, protestierten und Unterschriften sammelten.
Ein umfangreicher Schriftverkehr und viele Gespräche mit Politikern und Behörden waren die Folgen. Und dann kam es vor wenigen Wochen zu einer Lösung, die nicht nur aufgebrachte Bürger, sondern auch im Politgeschäft erprobte Groß-Gerauer Stadtverordnete ans berüchtigte Schilda erinnerte: Die Ortsdurchfahrt Berkach wurde für jene Lastwagen gesperrt, die kleiner als 3,80 Meter sind. Dahinter stand die amtliche Idee: Diese kleineren Brummis könnten ja direkt durchs Viadukt in Groß-Gerau Richtung Autobahn fahren.
Was amtlich eine Entlastung schien, sah in der Praxis dann konkret aber so aus: Ausgerechnet die größten und dicksten Laster rollten weiter durch Berkach. Und nach Beobachtungen der Bürgerinitiative hielten sich manche Kapitäne der Landstraße letztlich auch nicht so genau an die Höhenauflage. Selbst kleinere Lastwagen schlüpften weiter durch.
Zusätzlich erbost waren die Bewohner des kleinsten Groß-Gerauer Stadtteils - Berkach wurde im Zuge der hessischen Verwaltungsreform 1977 in die Kreisstadt eingemeindet - daß zeitlich nahezu parallel während der Nachtstunden der Kernstadtbereich für durchfahrende Lastwagen gesperrt wurde. Offensichtlich seien sie als lokales Wählerpotential für manche Politiker nicht groß und interessant genug, wetterte die Bürgerinitiative und verlangte Abhilfe.
Diese zeichnet sich nach dem jüngsten Gespräch mit dem Landrat ab. Freilich muß noch eine wichtige Hürde genommen werden: die Sanierung der Nordring- Brücke in Groß-Gerau, damit über diese auch schwereres Gefährt rollen darf. Dann können hohe Lastzüge von Westen her über diese Brücke zur Autobahnauffahrt Groß-Gerau (bei der Firma Wick) gelangen. Im Herbst soll nach Auskunft des Landratsamtes die Sanierung der Brücke abgeschlossen sein.
Bis dahin sollen nur bei Nachweis berechtigter Interessen und genehmigtem Antrag Lastwagen durch Berkach rollen dürfen. Der Landrat sagte der Bürgerinitiative zu, beim Straßenbauamt Darmstadt für die Neuregelung und die dafür notwendige Beschilderung so rasch wie möglich zu sorgen.
RIEDSTADT. Das Jugendheim im Ortsteil Leeheim war Ziel unbekannter Einbrecher, teilte gestern die Kripo mit. Die ungebetenen Besucher stiegen durch den Keller ein und klauten aus einem Stahlschrank eine Stereoanlage, zwei Lautsprecherboxen und eine Geldkassette. cas
OBERURSEL. Seltene Fossilien, glitzernde Pyriten und farbenprächtige Azurite sind am Wochenende, 23./24. Januar, bei der 15. Oberurseler Mineralien- und Fossilienbörse in der Stadthalle zu sehen. Auf Einladung des Vereins für Geschichte und Heimatkunde bieten 65 Sammler die Naturschätze zum Kauf und Tausch an.
Die Börse ist am Samstag und am Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet. ki
KELSTERBACH. Karten für die beiden Prunksitzungen des Karnevalsvereins "Die Feuerreiter" sind bei Margarete Sandner, Schwanheimer Straße 32, Telefon 89 86, erhältlich. Die "Feuerreiter" haben sich für die neue Kampagne mit ihren jeweils um 19.11 Uhr im Bürgerhaus beginnenden Sitzungen an den Samstagen 23. Januar und 13. Februar viel vorgenommen. Als auswärtige Gäste werden Ernst Botten (RTL-Sitzungspräsident) und Christa Malu (Sängerin vom MCC Mainz) erwartet. cas
MÖRFELDEN-WALLDORF. Eine Antwort aus Yad Vashem in Israel bestärkt das Mörfelder DKP-Mitglied Rudi Hechler darin, sich in Erfurt weiterhin dafür einzusetzen, daß eine Schule dem Namen Wilhelm Hammanns wieder zu Ehren verhilft und ihre Namensänderung rückgängig macht. Hechler findet es ungeheuerlich, daß der Name des Kommunisten Hammann in Erfurt ausgerechnet in einer Zeit zunehmender rechtsextremer Strömungen getilgt wurde.
Hammann - nach 1945 erster Landrat des Kreises Groß-Gerau und 1955 tödlich verunglückt - sei nachweislich Antifaschist gewesen. Als Häftling im KZ Buchenwald habe er 159 jüdischen Kindern das Leben gerettet. Von einem Brief an die internationale Gesellschaft Yad Vashem - die Gedenkstätte für den Holocaust ist weltweit bekannt - erhoffte sich Hechler Hilfe bei seinem Anliegen.
Er bekam sie. Die Yad-Vashem-Gesellschaft hat an Erfurts Oberbürgermeister Manfred Ruge geschrieben: Hammann sei "in Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern geehrt", in der "Allee der Gerechten" hätten Kasseler Schüler, die bei einem Geschichtswettbewerb "Alltag im Nationalisozialismus" auf Hammann gestoßen seien, einen Baum auf seinen Namen gepflanzt. Hammann habe im KZ Buchenwald jüdische Kinder gerettet und unter Gefährdung seines Lebens Widerstand geleistet. Sektionsdirektor Benjamin Armon will vom Erfurter OB wissen, warum die Schule umbenannt wurde. Das möchte auch Hechler.
Gleichzeitig bat er Groß-Geraus Landrat Enno Siehr, sich in Erfurt ebenfalls dafür zu engagieren, "daß man in dieser Zeit ein Zeichen setzt und diese Umbenennung rückgängig macht". wal
Riesen-Öltanker nach Kollision in Brand
Der konservative griechische Finanzminister Stefanos Manos ist um originelle Einfälle nicht verlegen, wenn es darum geht, Löcher im Haushalt zu stopfen. Derzeit heckt er einen Plan aus, der auf den ersten Blick genial erscheint. Geht die Rechnung auf, wird der Staat öffentliche Immobilien im Wert von umgerechnet knapp vier Milliarden Mark in Privateigentum überführen - und dafür das Fünffache des Marktwertes kassieren.
Als sie über die Sanierung der hochdefizitären Sozialversicherung nachdachten, stießen die Experten des Athener Finanz- und des Gesundheitsministeriums auch auf den umfangreichen Immobilienbesitzes der Rentenkassen und entdeckten ein schlummerndes Vermögen: Tausende von Grundstücken, Bürohäusern und Wohnungen nennen die Versicherungsfonds ihr Eigen. Die Bewertung ist noch nicht abgeschlossen, aber vorsichtige Schätzungen bewegen sich in der Größenordnung von einer Billion Drachmen, umgerechnet 7,6 Milliarden Mark.
Allenfalls die Hälfte wird von den Kassen oder anderen Behörden genutzt. Die andere Hälfte ist, oft zu lächerlich geringen Sätzen, vermietet oder steht sogar leer. Von den nicht benötigten Latifundien sollen sich die Versicherungsträger nun trennen, um die ständig steigenden Fehlbeträge auszugleichen. Nahezu die Hälfte der öffentlichen Defizite geht auf das Konto der Sozialkassen. Dem größten Fonds gähnt ein Loch von umgerechnet 15 Milliarden Mark entgegen. Vor diesem Hintergrund würde der Verkauf des halben Immobilien-Schatzes nur eine kurze Atempause bescheren. Doch Athen hofft, für die Grundstücke, Büros und Wohnungen nicht knapp vier, sondern an die 20 Milliarden Mark einnehmen zu können.
Und das soll so funktionieren: Jeden Monat werden zehn Immobilien im Gesamtwert von 200 Millionen Drachmen verlost. Eine Million Lose zum Preis von jeweils tausend Drachmen, umgerechnet knapp acht Mark, sollen bei jeder Veranstaltung in der Trommel sein - davon 999 996 Nieten. Denn es gäbe nur vier Glückliche: Hauptpreis vier Immobilien, der zweite kriegt drei und so weiter. Wahrer Gewinner aber wäre der Finanzminister: Er trennt sich mit jeder Veranstaltung von Haus- und Grundbesitz im Marktwert von rund 1,5 Millionen, verkauft aber Lose für 7,6 Millionen Mark.
Hofft er zumindest. Ob die Immobilien- Lotterie wirklich der große Renner wird, ist zu bezweifeln. Denn möglicherweise ist die Nachfrage nach den Losen angesichts selbst in besten Lagen fallender Preise nicht so berauschend. öhl
GERNSHEIM. Die Aufnahmekapazität des Gernsheimer Gymnasiums soll vom Schuljahr 1993/94 an begrenzt werden, die Schule über die derzeit 1420 Schüler/ innen hinaus nicht weiter ins Endlose wachsen.
Das Staatlichen Schulamt Groß-Gerau entschied: Nach den Sommerferien sind in Gernsheim sechs Klassen des fünften Jahrganges geplant, mit maximal 180 Schüler/innen. Bei der Entscheidung über die Aufnahme sollten Kinder aus dem Kreis Groß-Gerau Vorrang haben vor "kreisfremden Kindern".
Kreisschuldezernent Baldur Schmitt betonte, daß diese Entscheidung von der Schule selbst verlangt worden sei. Dafür lägen entsprechende Voten des Schulleiters, des Kreiselternbeirates und beispielsweise der GEW-Schulgruppe vor. Hintergrund für diese Initiative sei eine ständig gewachsene Schülerzahl am dortigen Gymansium. Gefordert worden sei von allen zuständigen Gremien eine Begrenzung der Aufnahmekapazität, somit eine pädagogisch noch überschaubare Schuleinheit und keine Mammutschule.
Schmitt verwies auf die bereits auf den Weg gebrachten Erweiterungspläne fürs Gernsheimer Gymnasium, um den derzeitigen Bedarf nach mehr Räumlichkeiten besser abdecken zu können. Das Regierungspräsidium habe das Raumprogramm mit zwölf neuen Klassenräumen zu je 60 Quadratmetern, einen Mehrzweckraum und weitere Nebenräume genehmigt. Der Planungsauftrag sei an ein Architekturbüro gegangen.
Untergebracht werden sollten die neuen Räume in einem dreigeschossigen Anbau ans bestehende Gymnasium. cas
KELSTERBACH. An einer Veranstaltung der Wählerinitiative Kelsterbach (WIK) mit der hessischen Ministerin für Jugend, Familie und Gesundheit, Iris Blaul, am Donnerstag, 4. Februar, wird der Magistrat nicht teilnehmen. Um 20 Uhr wird im Gemeinschaftsraum des Altenwohnheims über "Altenpflege und altengerechtes Wohnen" gesprochen.
Der Magistrat nahm die WIK-Einladung formell zur Kenntnis, lehnte die Teilnahme aber aus grundsätzlichen Erwähgungen ab: Schließlich handele es sich bei der Zusammenkunft um die Wahlveranstaltung einer Partei. cas
BÜDINGEN. Ein Chorkonzert mit Werken von Brahms, Martin, Wagner, Elgar und Meyerbeer ist für Sonntag, 24. Januar, 17 Uhr, im "Büdinger Kulturspiegel" angekündigt. Der Chor der Universität Marburg ist zu Gast in der evangelischen Marienkirche, eingeladen von der Kirchengemeinde Büdingen. Wolfgang Schult dirigiert. mk
OBERURSEL. Mit rund 320 000 Mark hat die Stadt Oberursel im vergangenen Jahr die Oberurseler Vereine und Jugendgruppen bezuschußt. "Trotz schwieriger Finanzsituation ist wieder einiges für die Vereine getan worden", zog Stadtkämmerer Peter Schneider (CDU) ein Resümee. Gegenüber dem Vorjahr mußten Vereine und Jugendgruppen wegen der vom Magistrat beschlossenen Haushaltssperre jedoch Kürzungen um rund 20 Prozent hinnehmen.
Im einzelnen wurden folgende Zuschüsse gewährt: An die allgemeinen Vereine flossen 1991 über 100 000 Mark. Teilfinanziert wurden davon etwa die Übungsleiter, die Anschaffung von Geräten und spezieller Kleidung sowie die Stadthallenbenutzung. Rund 157 000 Mark erhielten die Sportvereine im vergangenen Jahr. Davon wurden fast 20 000 Mark als Beihilfe für die Übungsleiter verwendet. Hohe Kosten verursachte auch die Unterhaltung der vereinseigenen Turnhallen, Clubhäuser und Sportstätten: Über 64 000 Mark verschlangen Pflege und kleinere Instandsetzungen der Gebäude. 52 000 Mark, den geringsten Anteil des Kuchens, erhielten die Oberurseler Jugendgruppen. 26 000 Mark Jugendpflegemittel waren darin enthalten. 20 000 Mark erhielten 30 Oberurseler Gruppen als Zuschuß für ihre Jugendpflegefahrten, und den politischen Jugendorganisationen standen 4800 Mark zu.
In diesem Jahr könne mit vergleichbaren Zuschüssen gerechnet werden, so Stadtkämmerer Peter Schneider. An die allgemeinen Vereine werden rund 110 000 Mark und an die Sportvereine 160 000 Mark fließen. Mit einem kleinen "Plus" können auch die Jugendgruppen rechnen: Über 57 000 Mark sind für sie vorgesehen. ki
FRANKFURT A. M., 22. Januar. Angesichts der jüngsten Störfälle im Atomkraftwerk von Tschernobyl hat die SPD- Bundestagsfraktion die Bundesregierung erneut aufgefordert, zusammen mit anderen Industriestaaten dafür zu sorgen, daß das russische Atomprogramm nicht verwirklicht wird. Im Kraftwerk von Tschernobyl hatte es vergangene Woche zweimal gebrannt. Rußland plant, bis zum Jahr 2010 23 neue Atomkraftwerke zu bauen. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Siegrun Klemmer verlangte von Bonn, auf die Regierung in Moskau Druck auszuüben, um die russische Energiewirtschaft auf Energiesparen und konventionelle Stromerzeugung umzustellen.
Nach Aussagen des russischen Vize- Energieministers Jewgeni Reschetnikow soll das Atomprogramm "einen Notstand in der nationalen Energieversorgung" verhindern. Die Sozialdemokratin sieht durch diese Pläne einen Notstand provoziert, der ganz Europa bedrohe. Es sei unmöglich, russische Atomkraftwerke so nachzurüsten, daß sie westlichen Sicherheitsstandards auch nur nahekämen. "Verseuchung ganzer Landstriche, und Flüchtlingswellen drohen", betonte Sigrun Klemmer. Die Bundesregierung und andere Staaten trügen Mitschuld an dieser Entwicklung. Zwar verabschiedeten die westlichen Industiestaaten im Juli 1992 ein Programm um die Sicherheit in osteuropäischen Atomkraftwerken zu erhöhen. Doch nach Klemmers Ansicht sind die Mittel für das Programm mit rund 2,4 Milliarden Mark zu knapp bemessen. Es sei darauf ausgerichtet, die Sowjetmeiler sicherer zu machen, aber das sei ein "hoffnungsloses" Unterfangen.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Kübler forderte, Tschernobyl sofort abzuschalten. Kübler stützte seine Forderung auf ein jetzt veröffentlichtes Brandschutzgutachten. Demnach ist es aufgrund von Sicherheitsmängeln "nicht vertretbar" Block 1 in Betrieb zu lassen.
Jene journalistischen Jakobiner des westliterarischen Wohlfahrtskomitees nach der "Wende", die als Ouvertüre der heutigen "Stasi-Debatte" das Büchlein "Was bleibt" und seine Autorin 1990 durch den Reißwolf drehten, um die Häckselware einer "Staatsdichterin", die sich als Stasi-Opfer aufspielt, und das Spottbild einer ebenso "verlogenen" wie "schäbigen" Persönlichkeit daraus hervorzuzaubern: - unsere tollen Jungs kamen zu spät. Wie so oft war auch dabei die Stasi früher auf der Spur des erst später im Westen erlegten grenzgängerischen Wilds.
Denn die "VEB Horch & Guck" hatte ihre erkennungsdienstlichen Observationen, von deren Sichtbarkeiten in "Was bleibt" berichtet wurde, viel früher aufgenommen. Seit 1968(!) waren Christa Wolf und ihr Mann Gerhard ein "Operativer Vorgang": "Von einem Netz von IM umgeben, was wir erwartet hatten, darunter enge Freunde, was wir so nicht erwartet hatten".
Aus der Einsicht in ihre 42bändige Stasi-Hinterlassenschaft, welche die Wolfs im vergangenen Mai studiert haben und worüber die Autorin jetzt in der "Berliner Zeitung" eine erste "Auskunft" gab, ging hervor: "Daß natürlich unser Telefon, zeitweilig auch die Wohnung, abgehört, die Post ausnahmslos geöffnet und zum Teil abgelichtet wurde; daß man ,Legenden&rquote; für Informelle Mitarbeiter erfand, um sie bei uns einzuschleusen, Skizzen von unserer Wohnung und der Lage des Hauses anfertigte, mich zeitweilig für Auslandsreisen ,sperrte&rquote; und auch einmal ein Fahndungsblatt über uns ausgab; daß man jedes einzelne meiner Bücher von anscheinend germanistisch gebildeten IM ,begutachten&rquote; ließ, die in grotesken ,Analysen&rquote; eine ständig wachsende Staatsfeindlichkeit konstatierten".
"Das Übliche", ist man fast versucht zu sagen, seit die Geheimwissenschaft der Stasi allgemeines Wissensgut geworden ist; übrigens hätten Leser von "Was bleibt", freilich ohne den bösen Blick, der nichts von Christa Wolf mehr unbeschädigt stehen bleiben lassen wollte, das Aquarell dieses Zwielichts dort schon entdecken können. Was unsere Wolfsjäger jedoch nicht ahnen konnten: daß ihre DDReigenen Jagdgenossen dasselbe Wild über die gleiche Kimme & Korn schon längst im Visier hatten. "Doppelzüngler" nannten sie nämlich bereits 1968, was für ihre westdeutschen Spätzünder von 1990 auf dem Jagdschein stand, mit dem sie die Wolf abschossen.
Man wird nun gespannt sein dürfen, wie unsere fiebrige Jagdgesellschaft die unverhofft zutage gekommene Komplizenschaft von amtlichen DDR-Treibern und schießwütigen Schützen Made in West-Germany sich & uns erklären wird: doppelzüngig, wahrscheinlich.
Ebenso wird man nun sehen, ob ein anderer Wolfsjäger, der die Jagd mit der Behauptung auf die Autorin eröffnete, sie habe insgeheim ihren Namen unter der Pro-Biermann-Resolution zurückgezogen, sich öffentlich entschuldigen wird - nachdem die Stasi-Akten die klammheimliche Freude der "Firma" darüber belegen, daß es ihr mit diesem Falschgerücht gelungen war, selbst engste Freunde der Autorin nachhaltig zu verunsichern. Zum Auftakt des nächsten "Literarischen Quartetts" müßte zumindest ein Dissonanz-Geräusch des Primgeigers zu vernehmen sein, der sich damit seiner unbewußten Stasi-Mitarbeit entledigen könnte.
Aber wahrscheinlich verstreichen solche Augenblicke der Wahrheit, in denen die Ankläger im Namen der Sittlichkeit Gelegenheit hätten, ihren moralischen Jakobinismus auch einmal öffentlich zu reflektieren, ungenutzt. Anstand, Respekt und Augenmaß gehörten zum journalistischen Waidwerk früherer Zeiten; heute schießt jeder aus der Hüfte mit einem Schrotgewehr; weil es genug Betroffene gibt, erübrigt sich die Zielgenauigkeit im Stasi-Unterholz: irgendeinen wird man irgendwie immer treffen.
Da gerade IM "Heiner", der freche Mauertänzer mit den Sieben Schleiern des Zynismus, als Kleinabdruck im Stasi- Zement unter großem Johlen ausgemacht wurde, wird das nun erst recht der Fall sein, nachdem Christa Wolf in Müllers Gefolge "geständig" geworden ist.
Neben der jetzigen "Auskunft" über Stasi-Kesseltreibereien seit 1968 fand sie im Mai letzten Jahres einen ,Auskunftsbericht&rquote;, ein dünnes Faszikel, "aus dem ich erfuhr, daß die Stasi mich von '59 bis '62 zunächst als ,Gesellschaftlicher Informant&rquote;, dann als IM geführt hat. Das traf mich völlig unvorbereitet", löste ihr aber die Zunge für eine Erinnerung. "Eingeschüchtert" von den Erkenntnissen "der Behörde" über ihre "Beziehungen zu einem westdeutschen Autor, der sich gerade scharf gegen die DDR geäußert hatte", erklärte sich die damalige Redakteurin der Literaturzeitschrift "NDL", die 1961 mit ihrer "Moskauer Novelle" debütierte, zu Treffen bereit. Sie erhielt einen Decknamen, aber eine schriftliche Verpflichtungserklärung wurde von ihr, laut Stasi-Protokoll, nicht verlangt, weil sie "intellektuelle Bedenken" habe. Als die Akte, über deren sonstigen Inhalt Christa Wolf nichts mitteilt - wir dürfen es wohl demnächst an einschlägiger Stelle lesen? -, 1962 (i. e. nach dem Mauerbau) geschlossen wurde, ist von der "überbetonten ,Vorsicht&rquote;" und "der größeren Zurückhaltung" der Autorin die Rede.
Und nun? Wird man ihr jetzt wieder vorhalten, wie bei dem bereits 1979 entstandenen Biographikum "Was bleibt", "zu spät" Akteneinsicht in ihr Leben gegeben zu haben? "Heute sehe ich, daß diese Zurückhaltung falsch war", schreibt Christa Wolf, noch ganz im DDR-Ton einer öffentlichen "Selbstkritik"; aber in der Sache hat sie alles für sich. Wer - außer dem Bußprediger eines Inquisitionsgerichts - hätte von der in persona Niedergemachten das erwarten dürfen: sich ausgerechnet mit einem von der Stasi ausgestellten polizeilichen Führungszeugnis "entlasten" zu wollen? Und im gleichen Augenblick, in dem die zwei Buchstaben "IM" zum deutschen Kainszeichen avancierten, sich mit dem Geständnis einer ehemaligen Berührung anzuklagen?
"Überbetonte Vorsicht", "größere Zurückhaltung"? Die Stasi hat schon recht: Christa Wolf ist nie mutig wie Luther gewesen; aber mutig genug, wie die Stasi dokumentiert, um nicht feige zu sein. Als "Doppelzüngler" in einer deutschen Diktatur observiert und einer deutschen Demokratie geschmäht zu werden: das ist schon etwas berauschend Undeutsches. WoS
OFFENBACH. Zur Mahnung an die "Machtergreifung" der Nationalsozialisten vor nunmehr 60 Jahren und zur Warnung vor Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit soll es am 30. Januar in Offenbach eine Lichterkette geben.
Dazu ruft eine "Initiative 30. Januar 1933-1993" auf.
Helmut Usinger, Sprecher der Initiative, kündigt an, daß in den nächsten Tagen rund 10 000 Flugblätter die Offenbacher zur Teilnahme an dieser Lichterkette auffordern werden. In dem Flugblatt heißt es: "60. Jahrestag der Machtergreifung durch die Nazis: Schon wieder bekennen sich faschistische und faschistoide Gruppen zu Rassismus und Gewalt. Schon wieder wächst der Zulauf zu den rechten Gruppen und Parteien, die komplexe Vorgänge vereinfachen und den starken Mann und Deutschlands Größe versprechen. Schon wieder bekommen ausländische Mitbürger Ablehnung und Haß zu spüren, ist das Recht, die Menschenwürde und sogar das Leben von Asylbewerbern bedroht. Dies ist auch eine Folge der unsäglichen Diskussion um die Abschaffung des Asylrechtes in Deutschland. Stehen wir auf, hier und jetzt, solange es noch Zeit ist!"
Die Initiatve erhofft sich mehrere tausend Teilnehmer an dieser Lichterkette. Zu den Erstunterzeichnern des Aufrufes gehören Änne Salzmann, Offenbacher Widerstandskämpferin während der Nazi-Diktatur, Oberbürgermeister Wolfgang Reuter (SPD), Max Willner, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, Jürgen Groß, Schriftsteller im Bücherturm, die Gewerkschaften, die Kirchengemeinden und der Ausländerbeirat.
Die Initiative lädt die Offenbacher Bürgerinnen und Bürger ein, sich am Samstag, 31. Januar, um 17.30 Uhr entweder am Hauptbahnhof, Bismarckstraße, oder vor dem Rathaus der Stadt einzufinden. Die Route der Lichterkette soll folgende sein: Stadthof, Frankfurter Straße, Marktplatz, Waldstraße, Bismarckstraße, Kaiserstraße, Frankfurter Straße, Stadthof.
Die Kerzen werden um 18 Uhr angesteckt. Um 18.30 Uhr läuten alle Kirchenglocken. Abschlußkundgebung ist für 18.45 Uhr auf dem "Platz des 8. Mai 1945" vor dem Ledermuseum an der Frankfurter Straße geplant. Dort wird dann auch Oberbürgermeister Wolfgang Reuter sprechen. lz
enk FRANKFURT A. M., 21. Januar. Zwei junge Männer im Alter von 19 und 20 Jahren haben heute kurz nach Mitternacht am Sachsenhäuser Mainufer einen mittelgroßen Mischlingshund aus dem Main gerettet. Tierquäler hatten den Hund nach Angaben der Polizei mit seiner ein Meter langen Leine an einen 60 Zentimeter breiten Betonklotz gebunden, ihn ins Wasser geworfen und waren dann geflüchtet. Allein der Umstand, daß der Main an dieser Stelle nur ein Meter tief ist, hat dem Hund das Leben gerettet. Der Betonklotz war auf Grund gesunken, doch das angebundene Tier konnte sich mit dem Kopf noch gerade über Wasser halten, um Luft zu bekommen.
Erstes Trefen in Steinau / Schon vier Bürgerinitiativen aktiv / Planer mauern: Noch zu früh für Diskussionen Widerstand gegen Trasse der Bundesbahn wächst Kinzigtaler fürchten sich vor dem Beschleunigungsgesetz Von Jörg Andersson STEINAU. Eine Antwort auf die immer wiederkehrende Frage, was man denn nun tun könne, fiel den Organisatoren schwer. Solange keine offiziellen Pläne der Bahn vorliegen, erkannte Veranstaltungsleiter Claus Friedrich, habe man nicht viel in der Hand. Schließlich schwor der Schlüchterner Michael Bloch die etwa 150 Besucher in der Markthalle ein: "Der Widerstand muß sich in jeder Gemeinde im Kinzigtal äußern. Je mehr dahinter stehen, desto größer ist der Druck, den wir ausüben können." Die Situation am Mittwoch abend im Steinauer Rathaus brachte das Dilemma zum Ausdruck, in dem die Gegner der Hochgeschwindigkeitstrasse stecken: einerseits wiegelt das Staatsunternehmen Bahn stets ab, für eine Diskussion über ihr Schnellbahnprojekt sei es angesichts des unreifen Planungsstadiums noch viel zu früh. Andererseits befürchten die Gegner des Neubauvorhabens, bei weiterem Zaudern von der Bahn überrollt zu werden. Vor allem, seit feststeht, daß Bundesverkehrsminister Günther Krause zur Forcierung der Sache das Beschleunigungsgesetz angeordnet hat. Vier Bürgerinitiativen haben sich im vergangenen halben Jahr zwischen Wächtersbach und Schlüchtern formiert. Was sie eint und am Mittwoch in Steinau erstmals zusammenbrachte, sind die Vorbehalte gegen ein Projekt der Bahn, dessen Auswirkung auf die hiesige Region bisher nur schemenhaft erkennbar ist. Im Kinzigtal und den nördlichen Seitentälern bahnt sich eine Milliardeninvestition des Staatsunternehmens an, das sein Verkehrsnetz zwischen Frankfurt und Erfurt ausbaut und künftig viergleisig fährt. Weil der Ausbau der vorhandenen Strecke ab Wirtheim offensichtlich unmöglich ist, zweigt nördlich von dort künftig eine völlig neue Trasse ab, die erst in Höhe des Distelrasens wieder auf die alte Linienführung einschwenken würde. So zumindest ist die neue Schnellbahn in jener Planung konzipiert, mit der das Staatsunternehmen die Kosten kalkulierte und im Bundesverkehrswegeplan den vordringlichen Bedarf attestiert bekam. Im Klartext: das Projekt soll so schnell wie möglich realisiert werden. Und seit Günther Krause im Juni vergangenen Jahres im Bundesrat ein beschleunigtes Verfahren bis Frankfurt durchdrückte, beschäftigen sich selbst die sonst eher bedächtigeren Bahnplaner mit einen Baubeginn in vier oder fünf Jahren. Michael Bloch machte den aufmerksamen Zuhörern klar, daß nach der neuen Gesetzeslage, die Bürgerbeteiligung und Rechte einschränkt, "das Projekt theoretisch sogar in einem Jahr durchgeboxt werden könnte".
Den betroffenen Bewohnern graust es bei allem Verständnis für die Vorzüge der Schiene vor der Vorstellung, daß in Zukunft in 24 Stunden bis zu 300 ICE's und Cargo-Züge unweit ihrer Häuser vorbeirauschen und speziell der laute Güterverkehr den Schlaf rauben könnte. Auch die Visionen von einer weiter zerstörten Landschaft sind überall ähnlich.
"Hinter dem Teufelsgraben würde der Zug aus dem Tunnel brausen, etwa 200 Meter von unserem Dorf entfernt auf einer 40 Meter hohen Brücke durch das Brachttal rauschen", schilderte Gabriele Werthmüller aus Weilers, was in Wächtersbach befürchtet wird. 300 Unterschriften sind im Dorf zusammengekommen, von Leuten, die "neben der Verschandelung des Tals einen unerträglichen Lärm befürchten", denn, so weiß die Sprecherin der Bürgerinitiative von der Bahn, "Schallschutzmaßnahmen sind nicht vorgesehen". Brachttals Rathauschef Werner Gölz, "eigentlich ein Schienenbefürworter", macht sich Sorgen um das Grund- und Oberflächenwasser in seiner Gemeinde. Im Huttengrund befürchten Bewohner und Politiker noch Schlimmeres. Die Bürgerinitiative, die die Trasse bereits mit drei Meter hohen Holzpfählen markierte, warnt nicht nur vor dem Schall, der aus dem "hufeisenförmigen Tal", so Eberhard Protz, direkt in die Ohren der Kurgäste in Bad Soden hallen würde, auch die Heilquellen und das Trinkwasserreservoir des Kurortes wären gefährdet. Die Mineralien sprudeln in 250 Meter Tiefe, bei Probebohrungen sei man auch schon mal nach 150 Meter auf die Sole gestoßen, weiß Protz. Wenn riesige Betonpfeiler in den labilen Untergrund gewuchtet werden, "stehen in Bad Soden 2000 Existenzen auf dem Spiel".
Auch in Steinau-Marborn hat man beim genaueren Studieren der Pläne erkannt, "wie stark wir betroffen sind", berichtet Arnold Lifka. Nicht nur die Menschen wären betroffen. "Zwei Naturschutzgebieten, einer einzigartigen Hekkenlandschaft und seltenen Vogelarten droht das Aus." Auch der Bürgermeister forderte, trotz der Erkenntnis, daß neue Schienenwege erschlossen werden müßte, um gefährliche Güter von der Straße zu verbannen, Alternativen zu der bisher einzigen Variante. "Wir lehnen die Planung in dieser Form ab", machte Hans- Joachim Knobeloch deutlich, der sich zudem skeptisch zeigte, daß sich durch die neue Trasse der öffentliche Nahverkehr verbessern würde.
Einen ähnlichen Ton schlug der Schlüchterner Amtskollege und Parteifreund Falko Fritzsch an: "Wir müssen diese Wahnsinnsplanung gemeinsam verhindern." Der Rathauschef traut auch den spärlichen Auskünften und der Abwiegelungstaktik der Bahn nicht so ganz.
Noch deutlicher brachte dies Hiltraud Bloch, Sprecherin der Breitenbacher Bürgerinitiative, zum Ausdruck. Sie spricht von "Täuschungsmanövern" und "Beruhigungsversuchen" des Staatsunternehmens. Dabei hätten die Bahnbeamten den Distelrasen selbst mehrfach als "Fixpunkt" genannt. Und, soviel weiß sie: "Solange der Bestehen bleibt, sind wir dran." Soll heißen: Die neue Bahntrasse wird sich zwischen Dorf und A 66 bis auf 200 bis 300 Meter entfernt an den Häusern vorbeidrängen.
Hoffnungen, daß die Bahn bei weiteren Streckenprüfungen im Planungskorridor überraschend völlig andere Trassierungsmöglichkeiten erspäht, haben von jenen, die sich ernsthaft mit dem Vorhaben auseinandergesetzt haben, nur wenige.
Michael Bloch macht sich derweil über einen anderen Ansatzpunkt Gedanken. Er will zumindest das Beschleunigungsrecht der Planer bekämpfen. Das neue Gesetz bis Frankfurt anzuwenden, "widerspricht seinem Geist und Wortlaut". Bloch: "Hier sehen wir Schwachstellen und hoffen, dagegen juristisch vorgehen zu können." (Siehe auch "Zur Sache")
HIRZENHAIN. Über 123 000 Mark hat jetzt das Amt für Regionalentwicklung für die beiden letzten öffentlichen Maßnahmen im Zuge der Dorferneuerung Hirzenhain bewilligt. Mit 82 200 Mark bezuschußt das Land Hessen die etwa 147 000 Mark teuere Umgestaltung der Freifläche im Margaretental. 35 200 Mark und damit 60 Prozent der benötigten Mittel fließen aus Wiesbaden in die Bepflanzung der früheren Bahnhofsrampe. Das teilte Bürgermeisterin Elfriede Pfannkuche (SPD) jetzt mit.
Der etwa 600 Quadratmeter messende "Schandfleck" in der ehemaligen Buderus-Siedlung im Margarethental soll im Laufe des Jahres verschwinden. Wird es warm, sollen die Eigentümer der Wellblechgaragen, die derzeit noch darauf stehen, ihre Hütten abreißen. Danach erst können schwere Baumaschinen die verhärtete Fläche auflockern, "der kostenintensivste Faktor der ganzen Maßnahme", erklärt Pfannkuche.
Bei der späteren Platzgestaltung nämlich wollen Anlieger mit Hand anlegen, unter ihnen ein Bauunternehmer, der sich nach Auskunft der Bürgermeisterin bereit erklärt hat, die Bauleitung zu übernehmen. Die Anlieger sollen helfen, die knapp 20 Stellplätze zu pflastern und die heimischen Bäume und Sträucher in die Erde zu bringen.
Dadurch werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Anwohner sparen sich ihren finanziellen Beitrag zu den Erschließungskosten, und die Stadt kann alle Aufwendungen über die Dorferneuerung bezuschussen lassen.
Etwa zwei Drittel des Areals sollen laut Pfannkuche reine Grünfläche werden. Nur eine Ruhebank ist eingeplant. "An eine größere Möblierung ist nicht gedacht. Wir wollen die Eigenentwicklung abwarten", meint die Rathauschefin.
Inzwischen ist bereits die ehemalige Verladerampe am Bahnhof als Spazierweg geschottert worden. Jetzt soll die große Fläche noch zusätzlich bepflanzt werden. Außerdem werden dort die von dem aufgelösten örtlichen Wanderverein gespendeten Bänke aufgestellt. Schließlich ist geplant, die zur Bahnhofsstraße steil abfallende Rampe mit einem provisorischen Zaun zu sichern, den Sträucher überwuchern sollen. Auf der anderen Seite in Richtung Stauweiher könnte später zum Beispiel ein Grillplatz entstehen. mk
HANAU. Im Hanauer Stadtteil Kesselstadt wird es keine integrative Kindertagesstätte geben. Entsprechende Pläne zwischen der Stadt Hanau und dem Behindertenwerk Main-Kinzig wurden nach langen Verhandlungen zu den Akten gelegt. Die Stadt Hanau lehnte es ab, das Projekt über die üblichen Zuschüsse für freie Träger hinaus zu fördern. Nun soll die Betreuung behinderter Kinder in integrativen Gruppen geleistet werden. Das Behindertenwerk schätzt diesen Bedarf für die kommenden Jahre in Hanau auf mehr als 30 Plätze.
Der Jugendhilfeausschuß hatte den Hanauer Kommunalpolitikern im Juni 1991 die Einrichtung einer integrativen Kindertagesstätte empfohlen, das das Behindertenwerk betreiben sollte. Nach einem entsprechenden Beschluß der Stadtverordnetenversammlung handelte der Magistrat mit dem Träger ein Konzept aus, das die Betreuung von 13 behinderten Kindern in integrativen und in Familiengruppen vorsah. Insgesamt sollten 78 neue Plätze entstehen, die auch die gesamte Versorgung in Kesselstadt verbessert hätten. Die Kosten für die behinderten Kinder hätte der Landeswohlfahrtsverband gezahlt. Die Finanzierung der übrigen Plätze sollte nach den Vorstellungen des Behindertenwerks die Stadt Hanau übernehmen. Die zog sich daraufhin aus dem Projekt zurück. Weil die Betreuung sowohl in integrativen als auch in Familiengruppen personalintensiver und damit teurer ist, weigerte sich der Magistrat, über den üblichen Beitrag für freie Träger hinauszugehen. Das heißt: Die Stadt wollte wie bei konfessionellen Einrichtungen auch lediglich 55 Prozent der ungedeckten Betriebskosten zahlen. Das Behindertenwerk hätte damit auch einen Teil der ohnehin für Kesselstadt erforderlichen Kindergartenplätze mitfinanzieren müssen. "Damit wären wir überfordert", sagt Gerhard Rose, kommissarischer Leiter des Behindertenwerks Main-Kinzig. Daß die Stadt trotz der Zusicherung des Ministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit, die Einrichtung als Modellprojekt anzuerkennen, nicht zu einer höheren Unterstützung bereit war, bedauert Rose, obwohl er die Geldsorgen der Kommunen versteht. Angesichts der Investitionszuschüsse, die die Stadt erhalten hätte, spricht er jedoch von einer "Milchmädchenrechnung". Nach dem Konzept hätten Behindertenwerk und Landeswohlfahrtsverband 12,5 Prozent, das Land 50 Prozent und die Stadt damit nur knapp 40 Prozent der mit drei Millionen Mark veranschlagten Baukosten gezahlt. Eine Kindertagesstätte in Kesselstadt soll dennoch gebaut werden. Die Stadtverordneten beauftragten den Magistrat zum Haushaltsplan 1993 einen Standort auszuweisen und ein Raumprogramm vorzulegen. Über die Trägerschaft will Sozialdezernent Klaus Remer auch mit den Kirchen verhandeln. Die Stadt, so Remer weiter, müsse sich nun "verstärkt" bemühen, ein "ausreichend großes integratives Angebot" für behinderte Kinder zu entwickeln.
Nach Auskunft von Pressesprecher Wolfgang Kischel würde derzeit zwar behinderter Nachwuchs in Hanauer Tagesstätten aufgenommen, eine spezielle Förderung in integrativen Plätzen fehle jedoch. Kinder, die diese brauchen, müssen derzeit an die Einrichtung des Behindertenwerks nach Maintal oder den Sonderkindergarten nach Altenhaßlau verwiesen werden. Integrative Gruppen gibt es nach Auskunft Roses inzwischen noch in mehreren Kommunen des Main-Kinzig- Kreises, so beispielsweise in Gründau, Bad Soden-Salmünster und Langenselbold, das bereits vor knapp zwei Jahren das erste kreisweite Angebot dieser Art ins Leben rief. Den Anfang in Hanau macht die Alice-Salomon-Kindertagesstätte in der Nordstraße. Dort würden "in Kürze", so Remer, vier integrative Plätze angeboten. In jedem Neubau soll außerdem künftig eine integrative Gruppe eingerichtet werden, bei der fünf der insgesamt 15 Plätze für behinderte Kinder vorgesehen sind, so Pressesprecher Kischel. Das gelte auch für die Tagesstätte in Kesselstadt. Die zusätzlichen Kosten dekke der Landeswohlfahrtsverband. Im Zuge der dritten Fortschreibung des Kindertagesstätten-Entwicklungsplans stellt Remer außerdem "ein detailliertes Konzept zur Integration behinderter Kinder" in Aussicht. res
sch FRANKFURT A. M. Deutsche Anleger haben im vorigen Jahr 62,7 Milliarden Mark in Investmentfonds gesteckt. Der Rekordabsatz verdankt sich dem Run der Kunden auf Sondervermögen in Luxemburg. Die Töpfe von Gesellschaften im Großherzogtum, die ganz oder überwiegend deutschen Instituten gehören, füllten die Sparer nämlich mit 66 Milliarden Mark auf, während sie hiesigen Publikumsfonds Anteile für 3,3 Milliarden zurückgaben. Allein im Schlußquartal sammelten die Luxemburger 34,8 Milliarden neuer Gelder ein. Der Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) begründet dies vor allem mit "Standortnachteilen" des Finanzplatzes Deutschland. Gemeint sind die größere Anlageflexibilität der Fonds jenseits der Grenzen und die Zinsabschlagsteuer.
Was letztere angeht, sollen nach dem Kenntnisstand der Organisation in- und ausländische Kapitaltöpfe künftig gleichgestellt werden. Bonn möchte im Zuge des "Föderalen Konsolidierungsprogramms" die im Inland ausgezahlten Ausschüttungen ausländischer Fonds, die noch befreit sind, von 1994 ebenfalls dem Abschlag unterwerfen. Für BVI-Geschäftsführer Manfred Laux würde damit ein Versäumnis nachgeholt. Nach Ansicht von Experten dürften Investmentsparer, die ihre Anteile bisher hierzulande verwahren, dann zunehmend die Depotverwaltung nach Luxemburg verlegen.
Ganz vorn in der Gunst der Anleger lagen auch 1992 Rentenfonds. Ihnen floß die Rekordsumme von 54,3 Milliarden Mark zu. Dabei kamen die Luxemburger Fonds deutscher Provenienz auf ein Mittelaufkommen von 65,8 Milliarden, die deutschen BVI-Publikumsfonds registrierten einen Rückfluß von 11,5 Milliarden. Insbesondere Einzahlungen nach dem Vermögensbildungsgesetz sorgten auch bei den Aktien-Sondervermögen für neue Kundengelder, und zwar von 2,5 Milliarden Mark. Die in Dividendenwerten und festverzinslichen Papieren investierenden gemischten Fonds brachten es auf einen Zufluß von 11,3 Millionen. Einen Rekord bei der Neuanlage stellten die offenen Immobilienfonds mit fast sechs Milliarden Mark auf.
Das gesamte Fondsvermögen nennt der Verband zum Ultimo mit 241,7 Milliarden Mark. Es verteilte sich auf 426 (Vorjahr 349) deutsche Fonds mit 140,4 (139,7) Milliarden und 121 (32) Luxemburger mit 101,3 (30,4) Milliarden Mark.
Der Kunstrasenplatz des Tabellenführers der Bezirksliga Gelnhausen SV Neuses ist zum dritten Mal Schauplatz des Stelldicheins von nunmehr nur noch sechs Fußballvereinen, die vom Sonntag, 24. Januar bis Sonntag, 31. Januar um den Wanderpokal des Kaufhauses Benzing spielen. Fehlen werden im Freigericht der FSV Ravolzhausen, die SG Nieder-Roden, der FC Hanau und die Mannschaft der SG Bad Soden/Ahl. Mit dabei und Zugpferde Nummer eins sind die bisherigen Turniersieger SV Bernbach (1991) und Spvgg. Langenselbold (1992). Ebenfalls wieder am Start ist der letztjährige Finalist Bayern Alzenau sowie Germania Klein-Krotzenburg (alle Landesliga Süd), dazu kommen die beiden Turnier-Neulinge SG Bruchköbel und SV Jügesheim (beide Bezirksoberliga). In den Reihen der Rodgauer steht übrigens Klaus Dörner, der langjährige Keeper der Langenselbolder und des SV Bernbach. Für 1000 Mark Preisgelder, die sich auf 400 Mark Turniersieg, 300 für den Zweiten, 200 für den Dritten und 100 Mark für den Viertplazierten aufteilen, geht es für die Akteure dreimal über die volle Distanz.
Der Spielplan: Sonntag, 24. Januar: 14 Uhr Spvgg. Langenselbold - SG Bruchköbel; 16 Uhr: Klein-Krotzenburg - SV Jügesheim; Dienstag, 26. Januar, 19 Uhr: SV Bernbach - Germ. Klein-Krotzenburg; Mittwoch, 27. Januar, 19 Uhr: Bayern Alzenau - SG Bruchköbel; Donnerstag, 28. Januar, 19 Uhr: SV Jügesheim - SV Bernbach; Freitag, 29. Januar, 19 Uhr: Spvgg. Langenselbold - Bayern Alzenau; Sonntag, 31. Januar, 13 Uhr: Spiel um Platz fünf; 15 Uhr: Spiel um Platz drei; 17 Uhr: Endspiel. wh
NEU-ANSPACH. Ein Einbrecher schaute sich am Mittwoch in einem Einfamilienhaus in der Raiffeisenstraße um. Zwischen 11.30 und 18.50 Uhr brach er die Terrassentür auf und durchsuchte alle Räume, teilte die Kripo gestern mit.
Nach ersten Ermittlungen nahm der Täter diversen Damen- und Herrenschmuck, ein Funktelefon, eine Videokamera und eine Rolex-Herrenarmbanduhr mit.
Bislang hat die Polizei keinerlei Hinweise auf mögliche Täter. Über den Wert der Beute machte sie keine Angaben. tom
Frau Gertrude Settler, Bad Vilbel, zum 88. Geburtstag.
Frau Marie Luise Eilers, Bad Vilbel, zum 80. Geburtstag.
Frau Maria Mondré, Groß-Karben, zum 75. Geburtstag.
Herrn Herbert Marchionini, Groß-Karben, zum 74. Geburtstag.
Frau Anna Knesewitsch, Okarben, zum 76. Geburtstag.
Frau Elisabethe Häbel, Petterweil, zum 73. Geburtstag.
Frau Kätha Bechmann, Assenheim, zum 76. Geburtstag.
Frau Else Nolte, Assenheim, zum 72. Geburtstag.
Frau Elli Zimmermann, Kaichen, zum 73. Geburtstag.
has FRANKFURT A. M. "1992 war ein Jahr, das wir am liebsten gleich vergessen würden." Vernichtender kann ein Urteil über eine Geschäftsperiode wohl kaum ausfallen. Doch Hoechst-Chef Wolfgang Hilger scheut in seiner Rolle als Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) vor dieser Bewertung nicht zurück. Kein Wunder, denn der Manager berichtet von einem Ertragseinbruch der Mitgliedsfirmen der Organisation 1992 um über 30 Prozent. Nach den Gewinneinbußen von stark 20 Prozent zuvor und 25 Prozent in 1990 stuft Hilger dies als "eine alarmierende Entwicklung" ein. Hinzu kommt: "Anzeichen für eine Konjunkturbelebung sind derzeit nicht erkennbar."
Die westdeutschen Chemieunternehmen reagieren auf "die Rezession" mit dem Griff zum Rotstift. Einsparungen bei den Kosten sind angesagt. Das trifft das Personal. In der eher kapitalintensiven Branche werden in diesem Jahr nach den Erwartungen des Verbands im Westen der Republik rund 20 000 Stellen abgebaut. Auf den Lohn- und Gehaltslisten stünden dann noch etwa 566 000 Männer und Frauen. Dies geschieht vor dem Hintergrund, daß schon zuletzt knapp 8000 Arbeitsplätze wegfielen.
Die Misere der West-Chemie hat nach Hilgers Schilderungen mehrere Ursachen. Zum einen macht dem Industriezweig seit geraumer Zeit der Preisverfall zu schaffen. Konnte dieser bis zur Jahresmitte 1992 "noch einigermaßen" durch einen höheren Absatz ausgeglichen werden, so wendete sich in der Folgezeit das Blatt. Der VCI-Präsident: "Statt der nach der Sommerpause sonst üblichen Nachfragebelebung gab es im vierten Quartal einen Einbruch bei den Produktionsmengen." Die Folge: Der Umsatz der West- Chemie fiel im vergangenen Jahr um ein Prozent auf rund 164 Milliarden Mark. Dieses Niveau 1993 zu halten, wird als "ehrgeiziges Ziel" betrachtet.
Um aus der Rezession herauszukommen, bedarf es laut Hilger aber nicht nur des Kostenabbaus. "Wir brauchen neue Produkte, neue Ideen, um nicht in den Preiskampf eingebunden zu bleiben", fordert er. Das Statement bezieht er vor allem auf den höheren Wettbewerbsdruck, dem die Unternehmen ausgesetzt seien. Früher seien die schärfsten Konkurrenten aus den USA und Japan gekommen. Inzwischen aber sind "neue Anbieter" aufgetaucht. Sie - Hilger nennt explizit Indien und China als deren Heimatländer - versuchten, Anteile in "allen interessanten Märkten zu erobern". Der Preisverfall in der Branche sei in wichtigen Sparten durch diesen Verdrängungswettbewerb gekennzeichnet. Gerade beim Export, von dem die West-Chemie zu über 50 Prozent abhängt, werde "die Luft für deutsche Chemieunternehmen immer dünner", erklärt Hilger unter Hinweis auf die hiesigen Kostenstrukturen. Es mehrten sich die Fälle, in denen Firmen aus den genannten Gründen Produktionszweige stillegen müßten.
Düster sieht es weiterhin in der ostdeutschen Chemie aus. 1992 schnurrte das Personal dort um 44 Prozent auf noch rund 68 800 Leute zusammen. Bei einem Umsatz von 6,7 Milliarden Mark (minus 13 Prozent) sollen Verluste in Höhe von zwei Milliarden angefallen sein. Angesichts der Fehlbeträge und der von der Treuhandanstalt für 1993 geplanten Investitionen (eine Milliarde) für die Ex-DDR- Großchemie hegt Hilger Zweifel daran, ob Ausgaben in diesem Ausmaß wirtschaftlich zu vertreten sind. "Auch wir sehen durchaus die Gefahr, daß auf diese Weise die Grundlage für Subventionen in endlosem Umfang gelegt wird." Es könne "ein Faß ohne Boden" werden. BASF- Chef Jürgen Strube, dessen Konzern in Schwarzheide kräftig investiert, fügt hinzu, es könne nicht darum gehen, überkommene Strukturen zu erhalten. Investiert werden müsse in Anlagen und Produkte, die "einen Markt haben".
RÖDERMARK. Die von der Flüchtlingshilfe Rödermark initiierten Mahnwachen gegen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsradikalismus auf dem Rathausplatz in Ober-Roden und vor der katholischen Kirche in Urberach werden als ein Ausdruck der Empörung und des Protestes fortgesetzt. Die nächsten Termine: 29. Januar, 12. und 26. Februar in Ober- Roden, 22. Januar, 5. und 19. Februar, jeweils um 17 Uhr, in Urberach. ttt
Neue Vortragsreihe:
"Deutschland und
BAD NAUHEIM. Am Montag, 25. Januar, beginnt um 19.30 Uhr die "Arbeitsgemeinschaft Geschichte Bad Nad Nauheim" ihre dritte Vortragsreihe im Terrassensaal des Kurhauses. Sie trägt den Titel "Deutschland und die Deutschen". Sechs Vorträge und eine Podiumsdiskussion sollen dazu beitragen, das brisante Thema durch Informationen und vertiefende Gespräche zu versachlichen. Als Referenten sind nur Männer angekündigt. Eine Frau steht nicht auf der Liste der vortragenden Journalisten, Politiker, Historiker und Politologen.
Beim Eröffnungsabend am 25. Januar spricht Wolf D. Gruner über "Die deutsche Frage: Vom Reich zur Republik". Gruner ist Profesor für Neuere Geschichte an der Universität Hamburg.
Seine Schwerpunkte in der Lehre und bei Veröffentlichungen liegen auf den internationalen Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert, Frieden, Krieg und politisches-soziales System, dem Deutschen Bund und der deutschen Frage. mk
FRIEDRICHSDORF. Mechthild Curtius, Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin, und Peter Glotz, Publizist und SPD-Politiker, sind Gäste bei einem Kulturforum der SPD Hochtaunus, das am Montag, 25. Januar, 19 Uhr, in Garnier's Keller (Hugenottenstraße 117) stattfindet. "Kultur zwischen Ost und West - Hat die Politik versagt?" heißt das Thema der Diskussion, die der Historiker Gerhard Beier (Kronberg) leitet und die musikalisch von "Florian und Lars" auf Saxophon und Gitarre begleitet wird. Die Initiatoren hoffen auf eine spannende Debatte, bei der es auch um die Frage geht, ob die Politik oder die Politiker versagt haben und ob Kulturschaffende es besser machen können.
Mechthild Curtius gehört zu den Schriftstellerinnen, die bei ihrer Arbeit nie die politische Funktion von Belletristik und Wissenschaft außer acht läßt. Sie hat außer Sachbüchern, Erzählungen und Drehbüchern vor kurzem den ersten Band ihrer ostdeutschen Romantrilogie "Neiße - Pleiße" veröffentlicht.
Peter Glotz, Kommunikationswissenschaftler, hat als Bundesgeschäftsführer der SPD (1981 bis 1987) bewiesen, "daß eine Parteizentrale auch denken und schreiben kann", wie es in der SPD-Einladung heißt: "Sein Wort von der ,Unbeweglichkeit eines Tankers&rquote; wurde zum Gleichnis für die Schwerfälligkeit einer Volkspartei." s
NEU-ANSPACH. Ein Einfamilienhaus im Ulmenweg war am Mittwoch Schauplatz eines Einbruchsdiebstahls. Der Täter entwendete diverse Damenschmuckstücke und eine Damenarmbanduhr. Den Gesamtwert gibt die Kripo mit rund 7000 Mark an. Der Eindringling kam zwischen 13 und 19.45 Uhr. Er brach die Terrassentür an der Gebäuderückseite auf. tom
SCHÖNECK. Akteneinsichts-Ausschüsse sind derzeit in Schönecks Parlament en vogue. Kaum hat der zur "Sache Battanta" seine Arbeit (vorläufig) beendet, hat die Gemeindevertretung auf CDU-Antrag einen zur "Sache Wirth" eingesetzt. Die Opposition erklärte sich indessen mit dem "Battanta"-Bericht des Ausschußvorsitzenden Otto Forchel nicht zufrieden. Es ging dabei wesentlich um den Betrug eines ehemals in Hanau ansässigen Rechtsanwalt an der Gemeinde (die FR berichtete). CDU- Fraktionschef Gerhard Denk kündigt für die nächste Wahlperiode einen erneuten Ausschuß zum Fall an. Der Antrag einer Fraktion reicht laut Gemeindeordnung zu seiner Einsetzung.
Forchel hatte vor der Gemeindevertretung diese Woche zwar sämtliche Fragen der Opposition detailliert aufgelistet, zu den Antworten, um die es doch ging, aber lediglich vermerkt, "der Bürgermeister hat . . . ausreichend geantwortet. Eine unterschiedliche Bewertung der überwiegenden Anzahl der Antworten konnte nicht festgestellt werden."
Noch unerledigt ist nach dem Bericht die Forderung an den Gemeindevorstand, bei Gericht eine Kopie der gemeindlichen Vollmacht an den Rechtsanwalt zu beschaffen. Der Bürgermeister hatte sie nicht aus den Gemeindeakten beibringen können; Denk zufolge ist dies "blamabel".
Bürgermeister Schmidt sagte dem Ausschuß zu, der Gemeindevorstand werde sich nach rechtlicher Beratung entscheiden, ob es angesichts weiterer Verfahrenskosten sinnvoll ist, das der Gemeinde zustehende Geld - mindestens 100 000 Mark - bei Ex-Anwalt Gebert zwangsweise eintreiben zu lassen.
Laut Forchel gab es unterschiedliche Auffassungen im Ausschuß, ob dies der Gemeindevorstand entscheiden soll oder das Parlament. Die SPD setzte ersteres durch, verbunden mit einem Bericht an die Gemeindevertretung. Vor allem aber beschloß die Ausschußmehrheit gegen CDU und Grüne, daß das Gremium mit Forchels Bericht seine Pflicht erledigt habe. Denk will die für ihn nun entscheidende Frage, welche Vollmacht der Ex-Anwalt hatte, nach der Wahl von einem Ausschuß "Battanta II" klären lassen.
Ohne inhaltliche Parallelen herstellen zu wollen, bringt Denk den Gegenstand des in der letzten Parlamentssitzung vor der Wahl beantragten Ausschusses "Wirth" mit "Battanta" doch noch auf einen gemeinsamen Nenner: "Fehlerhaftes Verwaltungshandeln", wirft er Schmidt und den Seinen vor. Bei "Wirth" geht es um den Rückkauf von Bauland, das die Gemeinde an Gelnhäuser Privatleute verkauft hatte und diese nicht in der vertraglichen Frist bebauten. Eine solche Klausel stehe in jeder der Hunderte von Verkaufsvereinbarungen, die Schmidt in seiner Amtszeit unterschrieb.
Gleichwohl hat die Gemeinde mit Parlamentsbeschluß vom 4. Februar 1992 erstmalig aus eigenem Willen von dem Rückkaufsanspruch Gebrauch gemacht. Doch die Geschwister Helga und Klaus Wirth wehrten sich gegen die Herausgabe des Areals. Und sie hatten es mit einer Hypothek beliehen. Problematisch ist nach Darstellung von CDU- Mann Denk nun, daß der Bankkredit nicht für eine Bebauung des betroffenen Grundstücks Waldstraße 49 bis 53, sondern anderweitig benutzt wurde. Weil die Gemeinde es versäumt habe festzuschreiben, daß die Hypothekengelder nur auf dem Grundstück verwendet werden dürfen, fehlten ihr im Rückkaufsfall die Sicherheiten, so Denk. Erst nachdem die CDU den Fall 1992 im Haupt- und Finanzausschuß angesprochen habe, enthielten die Verträge entsprechende Vorkehrungen.
Das Gelände, so behauptet Denk unter Berufung auf Wirth, sei im übrigen nur deshalb nicht bebaut worden, weil der Gemeindevorstand dem Käufer beim Kauf erleichternde Abweichungen von den Bauauflagen zugesichert habe, später aber nicht dazu gestanden sei. Denk will nun auch wissen, ob es Vermerke über solche Nebenabsprachen gibt.
Schließlich wirft er dem Bürgermeister vor, nach der Rückkaufsentscheidung der Gemeindevertretung voriges Jahr gegen die Beschlußlage gehandelt zu haben: Er habe mit den Wirths über einen Vergleich als Ausweg aus der verzwickten Situation verhandelt, nach dem die Gemeinde gegen einen Aufpreis auf den Rückkauf verzichten könne. Wiewohl letztlich ein Vergleich nötig sei, könne der Bürgermeister darüber nicht ohne "Option" aus dem Parlament verhandeln.
SPD-Fraktionschef Erich Dettmering klassifizierte Denks Vermutung vom "Bauskandal" als "schmutzigen Wahlkampf" ab und sprach dem Gemeindevorstand ausdrücklich das Recht zu, einen Ausgleich zwischen Gemeinde und Käufer zu suchen. Danach stellte der Bürgermeister dem Parlament dar, daß er nach dessen Beschluß und der Rückgabeverweigerung der Wirths versucht habe, "Schaden für die Gemeinde abzuwehren". Natürlich habe er die Ergebnisse seiner Verhandlungen dem Parlament vorlegen wollen und dies den Gesprächspartnern gegenüber auch betont. Da sich parlamentarische Beschlußlage und Verhandlungsergebnis nicht decken, sei nun wohl eine Klage auf Herausgabe des Geländes anzustrengen. Zur Frage von der Hypothekenbelastung sagte Schmidt in der Gemeindevertretung nichts. Er sagte aber voraus, daß man auch vor Gericht zu einem ähnlichen Vergleich kommen werde wie er in seinen Gesprächen. Wörtlich: "Wenn das Parlament gescheit wäre, würde es sich den Verhandlungsstand zu eigen machen." Ul
enk FRANKFURT A. M., 21. Januar. Passanten haben am Mittwoch nachmittag an der Wasserpumpstelle der Stadt Bad Vilbel in Höhe der Musterhaussiedlung den 55jährigen Werner Sch. tot aufgefunden. Er steht im dringenden Verdacht, am Dienstag morgen in Fechenheim seine von ihm getrennt lebende Ehefrau Edith (57) erschossen zu haben. Der 55jährige hatte sich wenige Stunden zuvor mit einer Pistole Kaliber 7,9 Millimeter in den Kopf geschossen.
Wie berichtet, war der Mietwagen, den der 55jährige auch bei seiner Flucht vom Tatort benutzt hatte, am Mittwoch gegen 9 Uhr in der Hanauer Landstraße in Fechenheim verlassen aufgefunden worden. Der Zündschlüssel steckte noch.
Die Polizei suchte daraufhin - unter anderem auch mit einer Hubschrauberbesatzung - großräumig die Bereiche Bergen-Enkheim, wo der Mann noch gewohnt hatte, Fechenheim und Maintal- Bischofsheim ab. Die Suche verlief ergebnislos. Wie ein Polizeisprecher sagte, lag der Leichnam des 55jährigen so verdeckt unter dem hervorragenden Außendach der Pumpstation, daß er vom Hubschrauber aus auch gar nicht hätte gesehen werden können. Die Herkunft der Waffe, mit der der mutmaßliche Täter sich selbst richtete, ist noch ungeklärt. Wie der Polizeisprecher sagte, ist das Kaliber 7,9 Millimeter äußerst selten. Möglicherweise handele es sich bei der Pistole um eine Waffe aus einem ehemaligen Ostblockland. Der 55jährige Werner Sch. hatte - wie berichtet - seine Ehefrau mehrfach auch tätlich bedroht, nachdem sie im Herbst vergangenen Jahres die eheliche Wohnung in Bergen-Enkheim auf Dauer verlassen hatte und nach Fechenheim gezogen war. Die 57jährige war seit fünf Jahren bei der Frankfurter CDU-Kreisgeschäftsstelle als Sekretärin beschäftigt gewesen und hatte unter anderem auch für die CDU-OB-Kandidatin Petra Roth gearbeitet.
Wir gratulieren
Samstag Frau Wanda Jörg, Bad Vilbel, zum 86. Geburtstag.
Frau Margarethe Weisenstein, Bad Vilbel, zum 75. Geburtstag.
Frau Frieda Weber, Groß-Karben, zum 88. Geburtstag.
Frau Maria Rotter, Groß-Karben, zum 81. Geburtstag.
Frau Ruth Mäder, Kloppenheim, zum 71. Geburtstag.
Frau Elise Dewitz, Rendel, zum 70. Geburtstag. Frau Loni Herbert, Ilbenstadt, zum 75. Geburtstag.
Frau Anna Weigeld, Kaichen, zum 84. Geburtstag. Sonntag Frau Elisabeth Strecker, Bad Vilbel, zum 90. Geburtstag.
Herrn Gustav Grimm, Bad Vilbel, zum 87. Geburtstag.
Frau Elisabeth Richter, Bad Vilbel, zum 86. Geburtstag.
Frau Margarethe Stiller, Klein-Karben, zum 81. Geburtstag.
Herrn Wilhelm Beck, Rendel, zum 78. Geburtstag.
"Die Armen müssen noch ärmer werden - Eure Bundesregierung!" Mit bitterem Protest auf Transparenten und Spruchtafeln reagierten Arbeitslose am Donnerstagabend vor der Katharinenkirche auf den sogenannten "Solidarpakt" der CDU/ FDP-Koalition in Bonn. Forderten die Demonstranten "Streichen bei den Reichen!", setzte es scharfe Worte auch im Römer: Kämmerer Martin Grüber (SPD) warf der Bundesregierung vor, "arme Menschen an die Kommunen abzudrücken" - Mehrkosten in zweistelliger Millionenhöhe kämen auf Frankfurt zu. "Rabiate Umverteilungspolitik des kalten Herzens" rügte SPD-Unterbezirkschef Sieghard Pawlik - Beispiele nur für viele kritische Stimmen in der Stadt.
Bei den Gewerkschaften und im städtischen Sozialdezernat, im Arbeitsamt und bei den Grünen im Römer - überall setzte am Donnerstag das große Rechnen ein: Was bedeutet die Streichliste der Bonner Bundesregierung für die Armen und sozial Schwachen in Frankfurt? Schon am Donnerstag, 28. Januar, wird sich das Stadtparlament auf SPD-Anfrage mit einem besonders heiklen Problem beschäftigen - dem Wohngeld.
Für SPD-Geschäftsführer Franz Frey gestern ein düsteres Beispiel, "wie man die soziale Kluft in der Bundesrepublik weiter aufreißt". In der Kürzungsvorlage von Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) heißt es lapidar, daß die "oberen Einkommensgruppen vom Wohngeld ausgeschlossen" werden. Berg-Referent Frischkorn nannte es einen Hohn, daß hier überhaupt höheres Einkommen suggeriert werde: Beim alleinstehenden Arbeiter liege die Obergrenze für Bezug von Wohngeld bei 1599 Mark brutto im Monat, beim Rentner betrage sie 1462 Mark.
Etwa 23 000 Haushalte in Frankfurt - dahinter verbergen sich jeweils oft mehrere Personen - bezogen Ende 1992 Wohngeld. Ziemlich genau die Hälfte dieser Menschen, so Frischkorn, war zugleich auf Sozialhilfe angewiesen. Wenn die Bonner Koalition jetzt das Wohngeld kürze, müsse die Stadt dafür mehr "ergänzende Sozialhilfe" zahlen - es finde also "nur eine perfide Verlagerung" statt, so die sozialpolitische Sprecherin der Grünen, Martina Schmiedhofer.
Dabei entwickelten sich analog mit der "neuen Armut" bereits die Sozialhilfe- Ausgaben in Frankfurt seit 15 Jahren explosionsartig. Etwa 50 000 Bürger in der Stadt bekommen Sozialhilfe. 1978 mußte die Kommune für diese gesetzliche Aufgabe noch 142 Millionen Mark aufwenden, 1988 waren es schon 300 Millionen, im vergangenen Jahr 322 Millionen.
CDU/CSU und FDP in Bonn diskutieren jetzt unter anderem eine Verringerung der Regelsätze und eine Verschiebung sogenannter "Alterszuschläge". Das heißt: Gegenwärtig gibt es für Sozialhilfeempfänger über 60 Jahre noch einen Aufschlag von 20 Prozent. Die Bundesregierung überlegt, die Zusatzzahlung erst von 65 Jahren an zu gewähren.
Als "blanke Katastrophe" wertete Frankfurts DGB-Chef Dieter Hooge am Donnerstag, was die Bonner Koalition bei Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe plant. Bis zum 15. Mai 1993 muß Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) nachweisen, daß er durch bessere Kontrolle der Arbeitslosen eine Milliarde Mark einsparen kann. Es geht um eine "Meldepflicht" für arbeitslose Menschen. Michael Schott, Sprecher des Arbeitsamtes in der Fischerfeldstraße, erklärte, was Paragraph 132 des Arbeitsförderungsgesetzes schon jetzt erlaubt: Besteht bei Arbeitslosen "der begründete Verdacht" auf "nicht angemeldeten Nebenverdienst", muß er sich "in kurzen Abständen" bei der Behörde vorstellen.
Was läßt sich da noch verschärfen? Im Arbeitsamt kalkuliert man, daß eine bestimmte Anzahl von "Vorstellungsterminen" im Monat festgeschrieben wird. Franz-Jürgen Müller, Leiter der Leistungsabteilung des Arbeitsamtes, weiß von "Mißbrauch" von Arbeitslosengeld und -hilfe zu berichten: Indem seine Fachleute etwa die Datenbänke einzelner Firmen durchforsteten, kamen sie 1991 auf zwei Millionen Mark zuviel gezahlter staatlicher Unterstützung im Bezirk Frankfurt. In allen hessischen Arbeitsämtern addierten sich aufgedeckte "Überzahlungen" 1991 auf 7,5 Millionen Mark.
Die Zahlen zeigen, daß das Sparziel von einer Milliarde Mark bis 15. Mai nicht erreicht werden kann. Für diesen Fall aber geht es den 18 000 Menschen mit Arbeitslosengeld und den 5317 Empfängern von Arbeitslosenhilfe im Bezirk Frankfurt an ihre Bezüge: Die Bundesregierung will die Hilfe bei Kinderlosen von 56 auf 53 des Nettolohns, bei Arbeitslosengeld von 63 auf 60 Prozent streichen.
Und dies in einer Situation, in der bereits die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) in Frankfurt von 550 Stellen 1991 auf 330 im Jahre 1992 gekürzt wurden und 5000 Menschen sich in Fortbildung und Umschulung finden, die aber durch Streichungen bei der Bundesanstalt für Arbeit ebenfalls bedroht sind.
Da mutet ein anderes Detail der Bonner "Solidar"-Liste geradezu vernachlässigbar an - das Wasser in städtischen Schwimmbädern wird kühler, um Energie zu sparen. Allerdings, so Badeamtsleiter Harald Lochmann, ist die Stadt bei ihrer Finanzsituation schon ganz ohne Bonner Hilfe auf diese Idee gekommen - ab Sommer 1993 müssen Gäste der Hallenbäder damit rechnen, daß es statt bisher 28, 29 Grad im Naß "mit niedrigeren Temperaturen" zugeht. jg (Siehe auch: "Alte sollen . . .)
HOFHEIM. Die Uhr geht rückwärts, und es ist fünf Minuten vor 12: Menschen werden vom grauen Strom der Zeit erfaßt. Erst sind sie noch als Menschen erkennbar, die "Hilfe" und "Help" rufen. Allmählich aber werden sie zu seelenlosen Dreiecken; schließlich verschlingt sie der menschenfressende Zeit-Strudel.
Das traurige Bild von Menschen, die zu Sklaven der schneller und schneller rasenden Zeit werden und untergehen, hat Ulrike Nörpel aus Hofheim gemalt. Nur außerhalb des wahnsinnig gewordenen Chronometers, am Rand des Zeit-Strudels, herrscht Ruhe - violett und mit Silberklecksen am Horizont. Es gibt noch Hoffnungen, Wünsche, Träume - und viel Zeit. "Die Menschen müssen nur gegen die Zeit laufen, sich aus den Zwängen der Zeit befreien", interpretiert Ulrike Nörpel ihr Bild. In zehntausendfacher Auflage ziert das Werk der Hofheimer Schülerin nun den Caritas-Jahreskalender 1993.
"Die im Dunkeln sieht man nicht" hieß vor drei Jahren das Thema im Kunstunterricht an der Elisabethenschule in Hofheim; gleichzeitig behandelten die Schülerinnen und Schüler "Benachteiligung" und "Einsamkeit" im Sozialkunde- und Religionsunterricht.
"Ich habe an die vielen Menschen gedacht, die an ihrer Hektik zugrunde gehen, die am Leben vorbeileben - und die kein Mensch sieht", erklärt die mittlerweile 18 Jahre alte Ulrike Nöpel. Und so entwickelte sich Schritt für Schritt die Idee zu dem symbolreichen Bild.
Das Werk der damals 15jährigen wurde dann Teil einer Wander-Ausstellung des Bezirks-Caritasverbandes im Main-Taunus-Kreis, die in verschiedenen Gemeinden gezeigt wurde; und weil Geschäftsführer Ottmar Vorländer das Bild von den verheerenden Wirkungen der Herrschaft der Zeit über den Menschen so gut gefiel, hängte er es nach dem Ende der Ausstellung in seinem Büro auf.
Dort entdeckte der Pressesprecher des Diözesan-Caritasverbandes Limburg das Werk und war begeistert: So kam das Bild auf den Jahreskalender. Jetzt gab es dafür auch offiziell Dank und Anerkennung vom Caritas-Verband: Der Vorsitzende des Caritasrates im Main-Taunus- Kreis, Franz Josef Kranz, überreichte Ulrike Nörpel einen Kunst-Band mit Werken des Künstlers Marc Chagall.
Für die Oberstufen-Schülerin, die mittlerweile auf die Main-Taunus-Schule geht, ist es "schon ein tolles Gefühl, sich so oft gedruckt zu sehen". Klar, daß sie den Kunst-Leistungskurs belegt hat und später einmal "irgendetwas mit Kunst, vielleicht auch Design," zum Beruf machen möchte. md
Schon bei Yes, Genesis und King Crimson war rockmusikalisches Tschingderassabumm selten zu hören: Kein Wunder, bei diesen drei Gruppen saß Bill Bruford hinter den Trommeln. Auch im größten Erfolg, in ausverkauften Großhallen und Stadien hat er sich nicht zur Schießbudenfigur degradieren lassen.
Seine Arbeit war immer filigran, und sie war ebenso stilprägend wie das Trommelfeuer aus den Hand- und Fußgelenken der Berserker Jon Bonham (Led Zeppelin) oder Keith Moon (Who). Bill Bruford ist die Personifikation des "Art Rock" am Schlagzeug. Und wann immer Stagnation drohte, war er weg, verließ die Bands.
"Fortschritt in der Musik", sagt der 43jährige im gutgefüllten Frankfurter Sinkkasten, "endet bekanntlich in einer Art Psychose." Der selbstironische Unterton ist nicht zu überhören, und gut 100 Minuten, also 6000 Sekunden, und 50 000 bis 100 000 Trommelschläge später, fragt man sich nach der Wahrheit in dieser saloppen Bemerkung.
Bill Bruford hat drei begnadete Musiker an Baß, Saxophon und Horn/Keyboards um sich versammelt: Tim Harries, Iain Bellamy und Django Bates. Das Quartett spielt mit einer Homogenität, die an Symbiose-Züchtungen aus dem gentechnischen Labor erinnert: Alles sitzt, alles ist perfekt bis ins Detail, selbst die wunderbaren Horn-Soli wirken wie minutiös, sekundiös von der komplexen Partitur gespielt. Und doch ist alles: Jazz.
Von "Jazzrock" zu sprechen, würde Bill Bruford wohl als Beleidigung empfinden, obwohl er mit seiner Fama nach wie vor ein Rockpublikum erreicht. Ein Stil ist auch nicht auszumachen. Inszenierte Stillosigkeit scheint die Rezeptur zu sein, die dieses Quartett zusammenhält. Kaum ein Stück, kaum ein Takt gleicht dem anderen, selbst musikalische Phrasen werden nur angedeutet - dies aber quer durch die Musikgeschichte vom Swing bis zum Hardrock. Nach zwei Stunden, die nur selten von kurzen, sehr britischen Ansagen des Bill Bruford unterbrochen werden, die die Spannung etwas lösen, nähert sich der aufmerksame Zuhörer dem Zustand der Überfütterung; es ist fast zuviel des Guten.
Bruford spielt Simmons-Drums. Das sind die Dinger, die so markerschütternd "Doing!" machen können und endlos programmierbar sind. Bruford hat acht Stück davon, er hat sie wie ein Melodieinstrument "gestimmt", und er behandelt sie wie ein Klavier. Das rhythmische Zentrum der Earthworks-Musik ist so kaum auszumachen; häufig besteht der "Beat" nur in der kollektiven Auslassung - ein simpler Trick, der den Melodien zu Charme verhilft. Die instrumentale Coverversion von "Downtown" gelingt der Band auf diese Art grandios - übrigens die einzige Fremdkomposition im Laufe des Abends.
Ein Vergleich mit Terry Bozzio sei erlaubt, den Frank Zappa für den besten Drummer der Welt hält. In den technischen Fertigkeiten können sich Bruford und Bozzio gegenseitig das Wasser reichen. Aber wo Bozzio - wie auf dem letzten HR-Jazzfestival im Herbst - als kaum gezähmtes Wildpferd mühelos ein ganzes Sextett unterpflügt (es war schon faszinierend . . .), beweist sich Bruford als Meister der dienlichen Zwischentöne: ein Moderator am Schlagzeug.
Earthworks ist kaum konsumierbar. Die Musik ist anstrengend. Bruford zerkloppt keine Trommelfelle, er zerbricht sich den Kopf, unablässig, aus dem hochtrainierten Handgelenk. WOLFGANG SPINDLER
Ausstellung in Stadtbibliothek zeigt Fotos und Dokumente über das Grauen im Vernichtungslager Auschwitz Mütter und Kinder hatten die geringsten Chancen Nur wenige Frauen überlebten den Aufenthalt im Lager
WIESBADEN. Sowjetische Soldaten befreiten am 27. Januar 1945 die Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz. Zum Gedenken an die Opfer eröffnet der Hessische Landtag am nächsten Mittwoch eine große Ausstellung. Eine begleitende Schau zu diesem Thema ist seit gestern in der Wiesbadener Stadtbibliothek zu sehen. Deren Leiterin Eva Homrighausen will damit auf die größere Ausstellung im Landtag hinweisen. Die Bücherei in der Rathauspassage sei ein ungleich öffentlicherer Raum als der Landtag, sagt die Leiterin. Das besondere dabei sei die erstmalige Zusammenarbeit von Stadt und Land. Eva Homrighausen setzt große Hoffnung in die Schau. Vielleicht interessierten sich nicht nur "Überzeugte" für die Bilder und Transportlisten aus dem KZ, sondern auch "Vorurteilsbeladene", die sich sonst nicht mit der Massenvernichtung im Dritten Reich beschäftigen wollten. Ausgestellt werden keine Originale, doch die Bilder aus dem Album eines Auschwitzer SS-Mannes und Kopien von Transportlisten sind beinahe ebenso eindrucksvoll. Ist man sonst eher gewohnt, auf Bildern aus dem KZ Abgemagerte und vom Tod gezeichnete Menschen zu sehen, werden hier Fotos von Neuankömmlingen gezeigt - in der Mehrzahl ungarische Juden. Werner Renz vom "Frankfurter Verein zur Gründung der Stiftung Auschwitz" hat die Exponate zusammengetragen. Seine Erklärung: Die ungarischen Juden hätten meist relativ gut in ihren Ghettos gelebt, in ihren Gesichtern sei noch ein Rest von Menschenwürde zu erkennen. Doch die Transportlisten belegen den nur noch kurzen Weg der Todgeweihten. Die allermeisten von ihnen wurden sofort umgebracht. Mütter mit Kindern hätten die geringsten Chancen gehabt, ins Lager aufgenommen zu werden. Nach der Befreiung hatten ein paar Männer überlebt, doch kaum eine Frau war der Hölle entkommen.
Der "Frankfurter Verein zur Gründung einer Stiftung Auschwitz" ist hervorgegangen aus dem Auschwitzer Lagerverein. Doch die Überlebenden hätten nur selten die Kraft, sich ständig mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen.
Die Ausstellung wird noch bis zum 13. Februar in der Wiesbadener Stadtbibliothek zu sehen sein, während der normalen Öffnungszeiten. Nach Anmeldung sind Besuche von Schulklassen auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.
DIRK ALTBÜRGER
HANAU. Zu einem Arbeitnehmer-Frühstück lädt die Main-Kinzig-CDU für heute, Samstag, 23. Januar, ab 10 Uhr in die Reinhardskirche nach Kesselstadt ein.
Als Ansprechpartner für die Bürger stehen der CDU-Fraktionsvorsitzende im hessischen Landtag, Manfred Kanther, der Landratskandiadat Hubert Müller sowie die Spitzenkandidatin der Hanauer CDU zur Kommunalwahl, Margret Härtel, bereit. are
STEINBACH. Das Fotografieren kann er einfach nicht lassen: Selbst als Bürgermeister Edgar Parnet am Mittwoch mit einer kurzen Rede seine Fotoausstellung im Heimatmuseum eröffnete, trat Heinz Jürgen Göttert rasch einen Schritt zur Seite und zückte die Kamera, um Bürgermeister und Publikum abzulichten. 68 Jahre ist der gebürtige Frankfurter und Wahl-Steinbacher nun alt, doch ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Behängt mit seiner Kameratasche, gekleidet in die obligatorische Steppweste, ist er ständig zwischen Friedberg und Wiesbaden unterwegs, um Aufträge zu erledigen.
Eine kleine Auswahl der unzähligen Bilder, die er im Laufe seines Lebens gemacht hat, sind nun bis zum 3. April im Heimatmuseum zu sehen. Dicht an dicht hängen sie an der Wand und sind doch nur ein winziger Ausschnitt all dessen, was er erlebt hat. Seine erste Kamera, eine Retina, bekam Göttert mit 14 von einem Onkel geschenkt. Von da an ließ ihn dieses Hobby nicht mehr los. Freudig gab er die kaufmännische Lehre bei der VDO auf, um als Pressefotograf bei dem berühmten Frankfurter Entdecker der Kleinbild-Fotografie, Paul Wolff, mit der Leica sein Handwerk zu erlernen.
Mit 18 dann wurde er eingezogen. Als jüngster Kriegsberichterstatter der Wehrmacht kroch er durch Schützengräben und war an der Ost- und Westfront bei Einsätzen dabei. In Rumänien widerfuhr ihm etwas, das er nie vergessen wird: Der Flieger, in dem er saß, und der russische Angreifer stürzten gleichzeitig ab - der abstrakte Feind, dem man nach dem Leben trachtete, hatte plötzlich ein Gesicht und einen Namen. Das verschrammte Gesicht Götterts, von einem Kameraden mit der Kamera festgehalten, spiegelt die Aufgewühltheit deutlich wider. Seine Fotos von den beiden russischen Soldaten durften übrigens nicht veröffentlicht werden - sie waren zu "ordentlich angezogen", um in das propagandistische Feindbild zu passen.
Nach dem Krieg arbeitete Göttert für Presseagenturen, erst dpa, dann AP. Er reiste in ganz Deutschland umher. Bilder des Aufbruchs - Kinder in den Trümmern, nach Essen und Kohlen suchende Erwachsene. Schwarze Amerikaner, die mit Lebensmitteln und Zigaretten bezahlten und dafür "möglichst weiß aussehend" fotografiert werden wollten - mit Überbelichtung und Abzügen auf hartem Papier wurde auch dies erfüllt.
"Von Mord bis Sport habe ich alles fotografiert", sagt Göttert über diese Zeit. Und er ist viel Prominenz begegnet: Neil Armstrong, dem ersten Mensch auf dem Mond, bei seinem Deutschlandbesuch. Einer hinreißend lächelnden Romy Schneider - "mein Lieblingsmodell", meint er noch heute. Chruschtschow und Kennedy bei ihrem Gipfeltreffen in Wien. Elvis Presley in Friedberg. Und Sportbilder hat er gemacht: vom regionalen Fußball an den Wochenenden bis zu den Olympischen Spielen in Rom, Innsbruck oder München.
In den 60er Jahren begann Göttert mit Industriereportagen, für die Schott Glaswerke und für Hoechst, für die er auch heute noch fotografiert. Doch auch bei diesen Arbeiten stellte er immer die Menschen und ihre Gefühle in den Mittelpunkt. "Man muß mit dem Herzen sehen", sagt er. Das gilt auch für die jüngeren Bilder, ob in New Orleans oder Japan entstanden, ob in Steinbach bei einem Straßenfest oder in der Partnerstadt St. Avertin. Seit 20 Jahren lebt Göttert nun in Steinbach, in einem Häuschen zusammen mit Cockerspaniel "Roxy", einem Papagei und zwei Wellensittichen. Und fotografiert neben seinen Industriebildern sooft er kann noch Stadtobere und Kinder, formelle Anlässe und fröhliche Feiern. Denn "die Menschen", so sagt er, "die sind das Wichtigste." EVA SCHULTHEIS
SCHMITTEN. Der ökumenische Gesprächskreis lädt zu Bibeltagen ein. Drei Kirchengemeinden bereiten je einen Diskussionsabend vor: Am Dienstag, 26. Januar, im Bürgerhaus Brombach (Thema "Neue Chancen erhalten"), am Mittwoch, 27. Januar, in der evangelischen Kirche Rod am Berg ("Neue Ermutigung erfahren"), am Donnerstag, 28. Januar, im katholischen Pfarrheim Schmitten ("Licht für mein Leben finden"), jeweils 20 Uhr.
Den Abschluß bildet ein Gottesdienst am Sonntag, 31. Januar, in der katholischen Kirche Oberreifenberg. ill
BAD HOMBURG. Geknackt wurden am Mittwoch mittag 20 Stahlblechspinde, die im Umkleide-Kellerraum einer Firma im Hessenring stehen. Wie die Kripo herausfand, wurden zahlreiche Kleidungsstücke durchsucht und Bargeld gestohlen.
In Tatortnähe waren zuvor drei verdächtige Jugendliche gesehen worden, wurde der Kripo berichtet. Die Schutzpolizei konnte sie festzunehmen. Es handelt sich um 16- bis 19jährige aus Frankfurt.
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Kinos Hanau. Arabella: Der Tod steht ihr gut (15.15, 17.30, 20,22.30 Uhr).
Central: Der letzte Mohikaner (14.45, 17.30, 20.15,22.30 Uhr).
C'est la vie: Bodyguard (15, 17.45, 20.30, 23 Uhr).
Kino-Center im Grimm-Center: Kino I: Stalingrad (14.30, 17, 20, 22.30 Uhr).
Kino II: Die Schöne und das Biest (14.45, 17.15, 20.15 Uhr, Sa. 22.45 Uhr).
Kino III: Kevin allein in New York (15, 17.30, 20.30 Uhr, Sa. 23 Uhr).
Palette: Sister Act (15.30, 18, 20.15, 22.30 Uhr).
Schöneck. Sternpalast: Wolfsblut (16 Uhr), Gestohlene Kinder (19.45 Uhr), Mo' money (22 Uhr).
Mühlheim. Augenblick: Bodyguard (20.15, 22.45 Uhr).
Zeitlos: Sister Act (19.45 Uhr), I P 5 (22 Uhr).
Gelnhausen. Pali: Sister Act (20.30 Uhr).
Casino: Bodyguard (20.15 Uhr). Kulturmix Hanau. Jazzkeller Philippsruher Allee, "Fakeband" (Funk und Rock), 21 Uhr.
Vorlesestunde für Kinder ab 4 Jahren, "Amanda und das Sternenkind", 15 Uhr Bücherei Großauheim.
"Heute weder Hamlet" von Rainer Leandowski, 20 Uhr Comoedienhaus Wilhelmsbad. Ausstellung von Heinz Steudel, Ölbilder, Aquarelle und Zeichnungen, 17 Uhr Rathaus Foyer.
Maintal. Neujahrskonzert mit dem tschechischen Symphonieorchester Prag, 20 Uhr Bürgerhaus Bischofsheim. Kurse Hanau. Familienbildungsstätte der Arbeiterwohlfahrt, Mittelstraße 23, Telefon 25 44 28, 9.30 Uhr Spiel- und Lerngruppe für Kinder, 14.15 Uhr Hausaufgabenhilfe für Heine-Schüler, 15 und 17.30 Uhr Bewegung und Spiel für Babys, 19 Uhr Nähkursus, 19 Uhr Vorbereitung auf das Baby. Katholische Familienbildungsstätte Im Bangert 4, Telefon 2 23 12, 9 und 10 Uhr Rückenschule, 9.30 Uhr Miniuclub, 11 Uhr Gymnastik für Paare. Beratung/Selbsthilfe Hanau. Sprechstunde pro familia 9 bis 12 Uhr Vor dem Kanaltor 3, Telefon 2 18 54.
Hanauer Lesbenstammtisch, 19.30 Uhr in einem Hanauer Lokal, Auskunft Telefon 0 61 83 / 36 07.
Treffen der Anonymen Alkoholiker und Al-Anon-Angehörigen Gruppe, 19.30 Uhr Dietrich-Bonhoeffer-Haus, am Goldschmiedehaus, Kontakt-Telefon 7 74 99.
Information und Beratung für Alkoholgefährdete und Angehörige durch den Guttempler-Orden, 19.30 Uhr Pavillon im Schulhof der alten Hola, Julius-Leber- Straße 2, Kontakt-Telefon 0 61 09 / 6 62 39 oder 0 61 81 / 1 39 21.
Öffnungszeiten des Franziskus-Hauses (ökumenische Nichtseßhaftenhilfe) 7 bis 19 Uhr; ambulante Fachberatung 10 bis 15 Uhr Breslauer Straße 23, Telefon 18 11 99.
Anonyme Beratung für straffällig gewordene Jugendliche und deren Eltern durch den Verein zur Förderung der Jugendgerichtshilfe, 9.30 bis 12 Uhr, Telefon 1 58 56.
Sprechstunde der Jugend- und Drogenberatung des Diakonischen Werks, 9 bis 12 Uhr Gustav-Hoch-Straße 10, Telefon 80 98 31.
Suchtkrankenhilfe/Erwachsenenberatung des Diakonischen Werks; Beratung Alkohol am Arbeitsplatz 14 bis 16 Uhr, Gustav-Hoch-Straße 10, Telefon 80 98 24.
Beratung für Jugendliche und junge Erwachsene durch die Familien- und Jugendberatung 9 bis 13 Uhr, Sandeldamm 21, Telefon 1 40 51.
Großkrotzenburg. Arbeitskreis Drogen und Süchte, Telefon 0 61 86 / 82 11 oder 6 37.
Gelnhausen. Sprechstunde der Jugend- und Drogenberatung 10 bis 14 uhr Berliner Straße 45, Telefon 0 60 51 / 44 78.
Beratung für Selbsthilfe in der SEKOS, 9 bis 12 Uhr Altenhaßlauer Straße 21, Telefon 7 45 77. Vereine Hanau. Schachverein Königsspringer, Spielabend für Schüler 18 bis 20 Uhr, für Erwachsene ab 20 Uhr, Bürgerhaus Großauheim. Bruchköbel. Schachabteilung der Sportgemeinschaft 1868, Spielabend für Jugendliche ab 18 Uhr, für Erwachsene ab 20 Uhr Bürgerhaus Jahnstraße 3. Verschiedenes Hanau. Kinderkino: "Kleiner Hund ganz groß, Die kleine Schwester, 14.30 Uhr Spielhaus Marienkirchgasse 4.
Bürgerkeller Großauheim, 14.30 Uhr Seniorentreff, altes Bürgerhaus.
Evangelische Kirchengemeinde am Limes, Großauheim, 15 Uhr Jugendtreff im Gemeindezentrum Großkrotzenburg, 17 Uhr FAN 70 Disco-Time im Teehaus Marienstraße, 20 Uhr Gemeinschaftsstunde im Bürgerhaus.
Disco im Jugendtreff Hans-Böckler- Haus 18 Uhr, Sandeldamm 19.
Maintal. Lichterkette 17.30 Uhr Treffpunkt Fechenheimer Weg/ Ecke Plättenweide Bischofsheim.
Tanz für Zehn- bis 15jährige im Kinderclub, 18 bis 21 Uhr Dietrich-Bonhoeffer-Schule. Kostümierte Faschingssitzung der Käwern, 20 Uhr Bürgerhaus Hochstadt.
Evangelische Kirchengemeinde Hochstadt, Ringstraße 13, 14 Uhr Hausaufgabenhilfe, 15 Uhr offener Spieleflur, 17 Uhr Sprechstunde im Pfarrhaus.
Evangelische Kirchengemeinde Bischofsheim, Gemeindehaus Rhönstraße 2, 8 bis 12 Uhr Kindergarten, 14 Uhr Frühmusikalische Erziehung für Kinder ab vier Jahren, 14.30 Uhr Kinderbetreuung für Kinder von drei bis sechs Jahren, 16 Uhr Kindergruppe für Kinder von sechs bis neun Jahren.
Treffen der Pfadfindergruppe "Wühlmäuse", 15 Uhr In den Simmetwiesen Wachenbuchen.
Bruchköbel. Seniorentreff, 17.30 Uhr Theater-Werkstatt im ST Mitte.
Evangelische Kirchengemeinde, 17 Uhr Jugendgruppe.
Erlensee. Winterlauftreff der Turn- und Sportgemeinde, 15 Uhr Parkplatz am Vogelschutzgebiet neben der Einfahrt zum Bärensee.
Langenselbold. Jugendzentrum Underground, "Pierre's Music Mix", 19 Uhr im Schloß.
Evangelische Kirchengemeinde, 16 bis 17 Uhr Bücherausleihe im Gemeindezentrum. Rodenbach. Seniorentreff: 14 Uhr Spaziertreff, Treffpunkt am Rathaus.
Großkrotzenburg. "Heavy Session mit Add to nothing, Kacktuxxe und Forsakes, 21 Uhr im Jugendzentrum.
Gelnhausen. Frauenzentrum in der Kuhgasse 8, 16 bis 17.30 Uhr Mädchentreff für Zwölf- bis 14jährige. Sondermüll Hanau. Sonderabfallsammlung, 11 bis 12.30 Uhr, Verwaltungsstelle Mittelbuchen, 13 bis 14.30 Uhr im Industriegebiet Nord, Donaustraße, 15 bis 16.30 Uhr Verwaltungsstelle Großauheim.
RÖDERMARK. Handgeknüpfte Teppiche der Hobbykünstlerin Eleonore Psotka sind noch bis zum 27. Februar im Ausstellungsfenster des Urberacher Rathauses zu sehen. Die Rödermärkerin hat mehrere Berberteppiche und Truhenläufer aus Smyrna- und Schurwolle geknüpft, außerdem Wandbehänge, türkische Gebetsteppiche, Perserbrücken. ttt
Ergebnis-Telegramm
BASKETBALL EUROPALIGA, neunter Spieltag, Gruppe A: Cibona Zagreb - Juventut Badalona 84:81 (38:42) Scavolini Pesaro - Knorr Bologna 83:80 (51:42); Gruppe B: Real Madrid - Benetton Treviso 83:51, Olympiakos Piräus - Bayer 04 Leverkusen 79:63 (36:37). BIATHLON WELTCUP in Antholz/Italien, Männer, 20 km: 1. Johansson 54:25,8 Minuten/0 Schießfehler, 2. Kuoppa (beide Schweden) 55:59,0/0, 3. Mutschlechner (Italien) 56:07,8/2, 4. Kobelew (Rußland) 56:29,6/2, 5. Pallhuber (Italien) 56:29,7/2, 6. Löfgren (Schweden) 56:43,0/3, 7. Zingerle (Italien) 57:06,3/3, 8. Fischer (Oberhof) 57:07,7/2, 9. Steinigen (Ruhpolding) 57:10,9/2, . . 24. Luck 58:19,4/3, 25. Hoos 58:29,7/2, . . . 27. Kirchner (alle Oberhof) 58:35,4/4, . . . 36. Groß 59:14,6/4, . . . 38. Fischer (beide Ruhpolding) 59:24,2/3, . . . 43. Schönthier (Gosheim) 59:39,8/4.
Stand im Gesamt-Weltcup nach fünf Wettbewerben: 1. Löfgren 93, 2. Kobelew 80, 3. Patrice Bailly-Salins (Frankreich) und Zingerle beide 76, 5. Johansson 72, 6. Waleri Medwedzew (Rußland) 66, 7. Kirchner und Tyldum beide 63, . . . 16. Steinigen 41, . . . 19. Sven Fischer 39, . . . 21. Groß 36, 22. Fritz Fischer 35, 23. Luck 33, . . . 36. Schönthier 15, . . . 50. Hoos 4. EISHOCKEY OBERLIGA NORD; Endrunde: Herforder EG - EC Harz-Braunlage 2:5, REV Bremerhaven - ETC Timmendorf 4:11. 1. ESC Frankfurt 7 71:23 14:0 2. ESC Wedemark 7 52:32 11:3 3. ESC Wolfsburg 8 43:43 11:5 4. ETC Timmendorf 8 53:41 9:7 5. EC Harz-Braunlage 8 30:32 7:9 6. REV Bremerhaven 7 32:52 4:10 7. Schalker Haie 8 22:52 3:13 8. Herforder EG 9 31:59 3:15 TENNIS AUSTRALIAN OPEN in Melbourne, Männer, Einzel, 2. Runde: Edberg (Schweden/Nr. 2) - Prinosil (Amberg) 6:2, 6:0, 6:1, Ferreira (Südafrika/Nr. 10) - Karbacher (München) 6:3, 4:6, 6:2, 7:5, Black (Simbabwe) - Göllner (Neuss) 6:1, 6:4, 6:4, Sampras (USA/Nr. 3) - Larsson (Schweden) 6:3, 3:6, 6:3, 6:4, Costa (Spanien/Nr. 12) - Kulti (Schweden) 6:3, 6:7 (4:7), 6:4, 6:3, Washington (USA/Nr. 13) - Vacek (Tschechei) 6:2, 7:5, 6:1, Wolkow (Rußland/Nr. 16) - Pioline (Frankreich) 2:6, 6:7 (5:7), 6:2, 7:5, 8:6, Steven (Neuseeland) - Muster (Österreich) 6:2, 7:6 (8:6), 6:4, Antonitsch (Österreich) - Pridham (Kanada) 6:3, 6:2, 6:7 (8:10), 6:2, Bergström (Schweden) - Holm (Schweden) 7:5, 2:6, 6:4, 1:6, 6:4, Stark (USA) - Carbonell (Spanien) 6:4, 6:4, 6:3, Boetsch (Frankreich) - Svensson (Schweden) 5:7, 2:6, 6:3, 7:6 (7:5), 10:8, Fromberg (Australien) - Keil (USA) 6:1, 3:6, 6:3, 7:6 (8:6), Olschowski (Rußland) - Denman (Australien) 6:4, 6:2, 6:4, Mansdorf (Israel) - Champion (Frankreich) 7:6 (7:3), 6:1, 7:5, Simian (Frankreich) - Borwick (Australien) 6:4, 7:6 (7:4), 6:1.
Doppel, 1. Runde: Kühnen/Nargiso (Bamberg/Italien) - Kempers/Oosting (Niederlande) 6:7 (4:7), 6:4, 6:4, Muller/Javier Sanchez (Südafrika/Spanien) - Woodbridge/Woodforde (Australien/Nr. 1) 6:7 (6:8), 7:6 (7:4).
Frauen, Einzel, 2. Runde: Graf (Brühl/Nr. 2) - Santrock (USA) 6:1, 6:1, Huber (Heidelberg/ Nr. 11) - Martinek (Heidelberg) 6:4, 6:2, Rittner (Leverkusen) - Habsudova (Slowakei) 6:2, 7:6 (7:5), Porwik (Heidelberg) - Graham (USA) 6:3, 7:5, Babel (Neu-Isenburg) - Arendt (USA) 7:5, 1:6, 6:3, Zwerewa (Weißrußland) - Hack (München) 7:5, 6:7 (3:7), 6:3, Helgeson (USA) - Meier (Heidelberg) 6:3, 6:3, Sanchez (Spanien/Nr. 4) - Gildemeister (Peru) 6:0, 6:1, Mary Joe Fernandez (USA/Nr. 5) - Ting Wang (Taiwan) 7:6 (7:1), 6:4, Capriati (USA/Nr. 7) - Labat (Argentinien) 6:7 (8:10), 7:5, 6:2, Maleeva-Fragniere (Schweiz/Nr. 9) - Wasserman (Belgien) 6:4, 6:1, Katerina Maleewa (Bulgarien/Nr. 14) - Monami (Belgien) 6:1, 6:4, Magdalena Maleewa (Bulgarien/Nr. 15) - Langrova (Slowakei) 6:1, 6:0, Gorrochategui (Argentinien) - Temesvari (Ungarn) 6:1, 7:5, Sawamatsu (Japan) - Thoren (Finnland) 6:1, 7:5, Zrubakova (Slowakei) - Rehe (USA) 5:7, 6:3, 8:6.
Doppel, 1. Runde: Dopfer/Zivec-Skulj (Österreich/München) - Appelmans/Demongeot (Belgien/Frankreich/Nr. 14) 6:7 (1:7), 6:4, 6:3, McNeil/Stubbs (USA/Australien/Nr. 5) Jagermans/Probst (Niederlande/Heidelberg) 6:4, 6:4.
DR. BRUNO KNAPP, Offenbacher CDU-Stadtverordneter von 1960 bis 1985, soll Ehrenbürger werden. Das schlagen SPD/CDU und FWG in einem gemeinsamen Antrag der Stadtverordnetenversammlung vor. Rechtsanwalt und Notar Dr. Knapp war von 1977 bis 1985 zwei Legislaturperioden lang auch Stadtverordnetenvorsteher. In der Antragsbegründung heißt es: "Es gelang ihm, in souveräner Manier in unzähligen schwierigen Situationen die gegensätzlichen Meinungen geschickt abzuwägen, Ausgleiche zu schaffen und tragfähige Kompromisse zu erzielen, die tatsächlich konstruktiv dem Wohl dieser Stadt und ihrer Bevölkerung dienten." Knapp, der als "Mentor der freiheitlich-demokratischen Politik in Offenbach" bezeichnet wird, hat sich auch sehr für den Wiederaufbau des Büsing-Palais eingesetzt. lz
LIESELOTTE KLEIN, Sprach-Pädagogin an der Theodor-Heuss-Schule und Dozentin an der Volkshochschule, wurde von Oberbürgermeister Wolfgang Reuter mit der bronzenen Bürgermedaille ausgezeichnet. Reuter lobte ihr außergewöhnliches Engagement in der schulischen und in der Erwachsenen-Bildung. Noch nach ihrer Pensionierung organisierte sie für ihre Schüler Reisen in die ganze Welt. 44 Jahre lang gab sie Englisch- und Französisch-Kurse an der Volkshochschule. Reuter sagte: "Lieselotte Klein hat in dieser Zeit immer wesentlich mehr für ihre Schüler getan als andere. Ihr Ehrgeiz hätte es nicht zugelassen, daß einer ihrer Schützlinge eine Prüfung nicht bestanden hätte. So gab sie auch nebenbei noch häufig Hilfen und Nachhilfe-Unterricht bei sich zu Hause." lz
MARBURG. Wegen versuchter schwerer Brandstiftung an einem Asylbewerberheim hat das Marburger Jugendschöffengericht zwei junge Männer zu je zweieinhalb Jahren Freiheitsentzug ohne Bewährung verurteilt.
Der Richter und die beiden Schöffen gingen damit in beiden Fällen deutlich über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß hinaus.
Die beiden 18- und 23jährigen Täter stammen nach Auskunft des zuständigen Richters aus der Skinhead-Szene und hätten sich während der polizeilichen Vernehmungen eine "braune", "deutschnationale" Gesinnung bescheinigt.
Bei dem im Juli 1992 verübten nächtlichen Brandanschlag auf die Asylbewerberunterkunft im Marburger Stadtteil Schröck waren Menschen zwar nicht zu Schaden gekommen, die mißlungene Tat sei jedoch "kriminell durchdacht" und keine spontane Aktion gewesen, meinte das Gericht.
Mit einem schweren Ziegel wollten die beiden Täter die gläserne Haustür der Unterkunft durchbrechen und mit einem selbstgebastelten Molotowcocktail das Haus in Brand setzen. Der Brandsatz prallte jedoch an der Drahtglasscheibe ab und verbrannte vor dem Haus, ohne größeren Schaden anzurichten.
Die beiden jungen Männer behaupteten zwar vor dem Marburger Gericht, daß sie niemanden schädigen wollten, sie hätten aber, so der Richter weiter, in Kauf genommen, daß Menschen "gestorben oder auf übelste Weise verletzt worden wären". Was geschehen wäre, wenn der Brandanschlag gegen das damals mit 66 Menschen belegte Heim wie geplant gelaufen wäre, "kann man sich leicht ausrechnen".
Auch die Motive der Täter, die "üble Gesinnung" und der "blinde Haß", der sich in der Tat dokumentiere, habe das Strafmaß beeinflußt.
Es seien Menschen in Todesangst versetzt worden, nur "weil sie eine andere Hautfarbe haben oder keine Deutschen sind", so der Richter, der davon ausgeht, daß die Verteidiger Berufung einlegen werden. tap
Salmonellen - vor allem in (früher unbelasteten) Eiern und Geflügel - sind ein Thema, das nicht nur Köche "erhitzt". Nachdem, wie berichtet, der Verband der Köche Deutschlands an seine Mitglieder eine "Rote Liste" mit den wichtigsten Verhaltensregeln herausgegeben und das Bundesministerium für Gesundheit in Bonn eine Rechtsverordnung vorbereitet hat, warnt die "Stiftung Warentest" nun erneut in ihrem Februarheft vor den Stäbchen-Bakterien, deren Ausbreitung offenbar kaum zu stoppen ist.
In Frankfurt, bestätigt eine Umfrage unter Einzelhändlern, ist der Verbrauch von Eiern mittlerweile spürbar zurückgegangen. Und bei Geflügel und Hähnchenteilen mehren sich die "Sonderangebote". Unsicherheit herrscht in vielen privaten Haushalten.
"Mir ist das unheimlich, was man so von Vergiftungen in Altenheimen hörte", sagte etwa Marianne K. und machte aus ihrem Restbestand an Eiern einen Eiersalat: "Denn hartgekocht kann ja nichts passieren." Was stimmt. Mindestens fünf Minuten sollten es allerdings schon sein. Und die Mayonnaise, die Marianne K. dazutat, war nicht etwa aus rohen Eiern selbstgemacht, sondern fertig im Glas gekauft.
Auch das ist ein sicherer Weg, wie Fachleute wissen: "Unsere Köche sind sensibilisiert und verwenden weitgehend pasteurisiertes Eiweiß oder Eigelb. Es sei denn, man kennt seine Händler, die frische Eier aus salmonellenfreien Beständen garantieren.
"Denn diese Eier gibt es", sagt Beatrix Jansen, die Geschäftsführerin des Verbandes. Viele Hotels aber bieten zum Frühstück weder Rührei noch weichgekochte Eier oder "Ochsenaugen". Mit einer Ausnahme: "Es sei denn, der Gast will es. Dann ist es sein Risiko", sagt Beatrix Jansen.
Pasteurisierte Eier sind keimfrei gemacht. Laut "Stiftung Warentest" bergen sie kein Risiko mehr. Es gibt diese Art "Ei" in Verpackungen, die wie Milchtüten aussehen. Nur sind sie längst nicht in den Verkaufsregalen aller Supermärkte zu finden.
Mediziner warnen auch vor den sogenannten Kreuzkontaminationen: Wenn bei ungegartem Geflügel in der Küche durch Fingerkontakt die Salmonellen auf Salate oder andere Lebensmittel übertragen werden, können sie sich auch da ungehindert vermehren.
Und: Geflügelfleisch sollte auch im Mikrowellengerät eher auf kleiner Stufe bei mehr als 75 Grad für einige Minuten erhitzt werden - nicht kurz und schnell. Denn an den Knochen bilden sich oft wahre "Nester" von Salmonellen im noch rötlichen Fleisch.
Die Bakterien nisten sich auch gern in Holzbrettern, Schüsseln, Bürsten und Lappen ein. Also lieber Kunststoffbretter verwenden - und zum Abwaschen viel heißes Wasser nehmen. Das gilt auch für die Hände, soweit sie dies noch vertragen.
Die spanische Regierung hat gehandelt: Seit dem vergangenen Sommer ist allen Restaurants und Kantinen des Mittelmeerlandes die Verwendung von frischem Ei untersagt.
Soweit ist es bei uns (noch) nicht. Doch gebe es auch auf der Ebene der Europäischen Gemeinschaft Initiativen, bestätigt Hartmut Schlegel von der Pressestelle des Bonner Gesundheitsministeriums, das Problem für alle Mitgliedsstaaten - und das heißt letztlich bei den Erzeugern in den verseuchten Beständen - "in den Griff zu kriegen". -vau
FR: Herr von Lersner, rechte Freude hat Ihr Amt dem Auftraggeber, Umweltminister Töpfer, nicht gemacht. Die Hoffnung, mit dem Sprit vom Acker könne der Umwelt geholfen werden, ist nach der Vorstellung Ihres Gutachtens zur Ökobilanz des Raps wohl endgültig dahin?
Heinrich Frhr. von Lersner: Ich will mal dahingestellt sein lassen, welche Hoffnungen Herr Töpfer hatte. Mangelnde Freude ist besonders unter Landwirten festzustellen gewesen. Das liegt einfach in der Natur der Sache: Wenn das Umweltbundesamt ein Gutachten erarbeitet, gibt es Menschen, deren wirtschaftliche Interessen davon nicht begünstigt werden. Das sind wir in den 19 Jahren unserer Existenz gewöhnt.
FR: Das Raps-Gutachten hat ja schon vor der Vorstellung viel Staub aufgewirbelt. Ist die endgültige, gestern veröffentlichte Fassung entschärft worden?
von Lersner: Wir haben das vorläufige Gutachten an Sachverständige geschickt und dann manches aufgrund von deren Kritik präzisiert und differenziert. Aber die Grundaussage ist die gleiche geblieben.
FR: Ihre Studie hat immerhin gezeigt, daß der Raps dank Sonnenkraft eindeutig mehr Energie liefert, als in Landwirtschaft und Verarbeitung in ihn hineingesteckt wird. Auch die Bilanz in bezug auf das wichtigste Treibhausgas Kohlendioxid ist klar positiv. Das ist neu.
von Lersner: Der positive Effekt bei CO2 wird bestätigt. Andere Treibhausgase, die beim Rapsanbau entstehen, fressen den Vorsprung allerdings weitgehend wieder auf - Lachgas zum Beispiel.
FR: Wenn man die Umweltproblematik beiseite läßt: Wieviel Diesel könnte denn durch Raps-Kraftstoff ersetzt werden?
von Lersner: Meine Mitarbeiter errechneten die Menge von 450 000 Tonnen pro Jahr. Das sind nur rund zwei Prozent des Diesel-Verbrauchs in der Bundesrepublik.
FR: Eine große ökologische Entlastung wäre also ohnehin nicht drin?
von Lersner: Das ist ja unser Hauptargument: Man soll sich nicht so viel vom Bio-Sprit erwarten. Selbst wenn er unter dem Strich ökologische Vorteile hätte - wir sind ja auf die Folgen des Raps-Anbaus für den Boden oder das Grundwasser noch gar nicht eingegangen -, wäre das Potential im Vergleich zu anderen Maßnahmen gering. So kann man durch technische Verbesserungen am Fahrzeug fürs gleiche Geld viel mehr erreichen.
FR: Gibt es denn Fälle, in denen Rapsöl trotzdem angewandt werden sollte?
von Lersner: Ja, sicher. Wir plädieren seit Jahren dafür, Rapsöl in Kettensägen und anderen in freier Natur genutzten Motoren einzusetzen. Es ist biologisch viel besser abbaubar als Mineralöle.
FR: Das Gutachten verweist auf die Umweltschäden beim Intensiv-Raps-Anbau, etwa durch Kunstdünger und Pestizide. Aber eine Tanker-Katastrophe wie vor den Shetlands oder jetzt vor Sumatra ist ökologisch auch nicht ohne.
von Lersner: Das ist richtig, das haben wir in der Studie auch angesprochen. Die Transportrisiken des Mineralöls sind offenkundig. Aber auch hier gilt: Wenn man gegen die Gefahr von Tankerunfällen vorgehen will, muß man mit anderen, besser wirksamen Instrumenten arbeiten. Es ist notwendig, daß das Schiffspersonal eine deutlich höhere Qualifikation aufweist. Tanker müssen zum Beispiel doppelwandig werden, mehr Öl-Kammern haben und andere Routen fahren. Mit dem Ersetzen von 0,3 Prozent der Rohöl-Einfuhr durch Rapsöl vermindere ich das Shetland-Risiko kaum.
FR: Wenn der Raps also als Ersatz- Energie nicht taugt, sehen Sie denn Chancen bei anderen nachwachsenden Rohstoffen? Ist das vielfach propagierte China-Schilfgras vielversprechend?
von Lersner: Besonders beim China- Schilfgras müssen wir noch Erfahrungen sammeln, es fehlt noch die Ökobilanz. Aber auch hier sind sicher Probleme zu erwarten. Allzuviel Hoffnungen sollte man sich nicht machen, daß es viel anders aussieht als beim Raps.
FR: Gilt das Nein zum Bio-Sprit auch in südlichen Ländern?
von Lersner: Unsere Bilanz gilt nur für Deutschland. In südlichen Ländern wird man möglichweise anders werten.
FR: Was sollte am besten mit den freiwerdenden Ackerflächen geschehen? Die Nahrungsmittelproduktion muß ja wegen der Überproduktion heruntergefahren werden. Und nicht jeder Bauer sieht sich als Wildblumen-Pfleger.
von Lersner: Wir sind Anwälte der Umwelt. Aus dieser Sicht wäre eine weniger intensive Landwirtschaft oder die Aufforstung der Flächen eindeutig besser. Bundesregierung und Bundestag müssen dagegen natürlich auch die sozialen und argrarpolitischen Interessen sehen.
FR: Aufforstung wäre günstiger, weil man so CO2 in der Wald-Masse bindet, weil sich Luftqualität und Wasserhaushalt verbessern.
von Lersner: Richtig. Natürlich muß man dann eine echte Forst-Wirtschaft daraus machen, damit es sich für die Besitzer der Flächen auch lohnt, aufzuforsten. Man kann ja nicht das ganze Land in Naturschutzgebiete verwandeln. Wir versuchen, mit unseren Überlegungen zu den nachwachsenden Rohstoffen zum Beispiel neue Märkte und Verwendungsmöglichkeiten für Holz zu schaffen.
FR: Glauben Sie, daß das Bonner Landwirtschaftsministerium und die Bauernlobby sich von Ihren Argumenten gegen den Raps-Diesel beeindrucken lassen? Beide bauen doch fest auf die nachwachsenden Rohstoffe als neue Einkommensquelle. Motto: Öl-Bauer statt Öl-Scheich.
von Lersner: Ob sie sich beeindrucken lassen, weiß ich nicht. Auf jeden Fall werden sie darüber nachdenken, welches Argument des Umweltbundesamtes man wie widerlegen könnte.
Ich will eines klarstellen: Ich habe nichts gegen Argrarsubventionen. Die sind wahrscheinlich wegen der Lage der Landwirtschaft zur Zeit unvermeidlich. Aber es kommt auf die Motivation an. Ich habe etwas gegen neue Agrarsubventionen, wenn sie ökologisch motiviert werden, die ökologischen Fakten - wie beim Raps - das aber nicht tragen. Man muß deutlich sagen, aus welchem Grund man Subventionen vergibt: wegen der Arbeit für die Bauern oder wegen der Umwelt.
Mit Heinrich von Lersner sprach FR- Redakteur Joachim Wille.
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Wochenende
Alle diensthabenden Ärzte und Zahnärzte sind bei folgenden Bereitschaftsdiensten zu erfragen:
Friedberg/Bad Vilbel/Rosbach. DRK Leitstelle Wetterau: Homburger Str. 26, Telefon 0 60 31 / 60 00 00.
Bad Nauheim. Johanniter Unfallhilfe: Telefon 0 60 32 / 3 19 16.
Altenstadt. Ärztlicher Notdienst: Lindheim, Altenstädter Str., Tel.0 60 47 / 3 51, von Sa. 11 bis Mo. 6 Uhr.
Büdingen. Ärztlicher Notdienst: Vogelsbergstr. 94 (DRK-Haus), Tel. 0 60 42 / 12 11, von Sa. 11 bis Mo. 6 Uhr.
Echzell. Johanniter Unfallhilfe, Telefon 0 60 08 / 213.
Butzbach. Malteser-Hilfsdienst: Roter Lohweg, Telefon 0 60 33 / 62 29.
Reichelsheim. Ärztlicher Bereitschaftsdienst Wetterau, Tel. 0 60 35 / 33 33.
Ortenberg-Gelnhaar. Ärztlicher Sonntagsdienst: Am Kleck 12, Tel. 0 60 46 / 23 70.
Nidda/Ranstadt. Ärztliche Sonntagsdienstgemeinschaft von Sa. 12 Uhr bis Mo. 6 Uhr, Tel. 0 60 43 / 34 11.
Karben/Niddatal. Arbeiter-Samariterbund: Tel. 0 60 39 /4 15 55 und Ärztlicher Notdienst, Klein-Karben, Rathausstr. 35, Tel. 0 60 39 / 21 45.
Apotheken
Friedberg, Bad Nauheim, Rosbach.
Sa.: Engel-Apotheke, Friedberg, Kaiserstr. 48, Tel. 0 60 31 / 55 90 u. 22 90 + Rosen-Apotheke, Nieder-Mörlen, Frankfurter Str. 116, Tel. 0 60 32 / 8 13 16 - So.: Central-Apotheke, Bad Nauheim, Stresemannstr. 12, Tel. 0 60 32 / 26 22.
Bad Vilbel. Sa.: Süd-Apotheke, Frankfurter Str. 122, Tel. 0 61 01 / 8 53 34 - So.: Heilsberg-Apotheke, Alte Frankfurter Str. 28a, Tel. 0 61 01 / 8 50 17.
Butzbach. Sa.: Liebig-Apotheke, Marktplatz 22, 0 60 33 / 6 51 42 - So.: Bahnhof- Apotheke, Weiseler Str. 41, Tel. 0 60 33 / 6 89 88.
Karben/Niddatal. Sa.: Apotheke Niederwöllstadt, Wöllstadt, Frankfurter Str. 52, Tel. 0 60 34 / 23 07 - So.: Paracelsus- Apotheke, Petterweil, Sauerbornstr, 15, Tel. 0 60 39 /71 00.
Büdingen. Sa. u. So.: Hubertus-Apotheke, Berliner Str. 4, Tel. 0 60 42 / 585.
Krankentransporte Bad Vilbel. Über das DRK, Tel. 0 61 01 / 8 40 20, und ASB, Frankfurter Straße 85, Tel. 0 61 01 / 22 22.
Karben/Niddatal. ASB Karben 1, Dieselstr. 9, Tel. 112 od. 0 60 39 / 4 15 55.
Rosbach. Leitstelle Friedberg-West, Tel. 0 60 31 / 60 00 00. Versorgungsbetriebe Friedberg. Bei Stromstörungen: OVAG, Friedberg, Tel. 0 60 31 / 821.
Bad Vilbel. Stadtwerke: Notruf Störungsmeldungen Gas und Wasser, Tel. 0 61 01 / 52 81 00.
Karben. Tel. 0 60 39 / 4 22 55.
Rosbach. Maingas Frankfurt, Tel. 0 69 / 70 10 11. Sonstiges Zentrum für Entgiftung in Mainz, Tel. 0 61 31 / 23 24 66.
Pille danach, Pro Familia Friedberg, Tel. 0 60 31 / 23 36 (außerhalb der Sprechzeiten Adressen auf Anrufbeantworter).
HANAU/BRUCHKÖBEL. Ein zwölf Jahre alter Schüler, der durch einen Steinwurf einem vierjährigen Mädchen eine schwere Augenverletzung zugefügt hat, ist jetzt vor der 4. Zivilkammer des Hanauer Landgerichts zu einer hohen Schmerzensgeldzahlung von 60 000 Mark verurteilt worden. Das Mädchen hat durch die Verletzung 75 Prozent der Sehkraft des rechten Auges verloren und mußte bis heute vier Operationen über sich ergehen lassen. Die Schmerzensgeldzahlung wird nach Aussage des Richters Peter Strieder aller Voraussicht nach von der Haftpflichtversicherung der Familie des Jungen übernommen.
Der Zwölfjährige hatte im März 1989 jenen Steinwurf auf das Mädchen abgegeben, der es zu unglücklich traf. Der Junge, der zum Zeitpunkt des Vorfalles zwölfeinhalb Jahre alt war, hatte sich in dem Prozeß damit herausreden wollen, daß er von dem vier Jahre alten Kind belästigt worden sei. Das Mädchen habe mit kleinen Steinen mehrfach aus kurzer Entfernung nach ihm und einem Freund geworfen. Durch eine Abwehrbewegung mit der Hand sei einer dieser Steine auf das Mädchen zurückgeprallt und habe sein Auge getroffen.
Das Gericht nahm ihm diese Version nicht ab. Ein kleines Kind könne noch nicht eine derartige Kraft entfalten, einen Stein mit solcher Wucht auf den einen Meter von ihm entfernt an einer Hauswand sitzenden Jungen zu schleudern, daß er so heftig zurückprallt. Auch das Alter des Jungen ist für die Zivilkammer ein Grund, ihm die volle Verantwortung für diese Verletzung zu übertragen.
Die Vierjährige erlitt damals eine schwere Hornhautverletzung. Nach mehreren Operationen wurde die Sehkraft so weit wiederhergestellt, daß das Mädchen heute auf dem rechten Auge immerhin mit einer sogenannten Bifokal-Brille auch auf die Nähe scharf sehen kann. Eine Zusammenarbeit beider Augen ist seit dem Unfall jedoch nicht mehr möglich. Um ihre Sehkraft zu erhalten, muß die Vierjährige ihr gesundes Auge täglich für drei Stunden abdecken. Ein räumliches Sehen ist ihr nicht mehr möglich.
Der Junge wurde im Urteil außerdem verpflichtet, für alle Spätschäden aufzukommen (AZ.: 40 395/91). are
Mit der Rücknahme der Baugenehmigung hat die Stadt Heidelberg auf die wachsende Kritik an einem privaten "Heidelberger Inquisitionsmuseum" reagiert, in dem zwei Mannheimer Versicherungskaufleute vom nächsten Monat an am Marktplatz Folterinstrumente aus sieben Jahrhunderten ausstellen wollten. Vor rund zwei Wochen hatten sie mit der Werbung für das neue Projekt begonnen und es unter anderem mit dem Statz angekündigt, daß man Demütigung und Folter dort "hautnah" erleben könne.
Oberbürgermeisterin Beate Weber sagte, in einer Zeit, in der unmittel- bar vor unserer Haustür in einem grausamen Krieg Kinder gefoltert, Frauen vergewaltigt und Kriegsgegner gefoltert würden, sei ein solches Museum zynisch und unverantwortlich, historische Bezüge zu Heidelberg ge- be es nicht und auch die Gefangenenhilfsorganisation amnesty international bezweifle den Sinn eines solchen Projekts. Formal wird die Rücknahme der Genehmigung unter anderem damit begründet, daß die Stadt nicht ausreichend über das Projekt informiert worden sei. So sei aus dem Antrag für den Umbau nicht eindeutig ersichtlich gewesen, daß die Betreiber ein Foltermuseum planten, vielmehr sei dort vorwiegend die Rede von einer mittelalterlichen Kunstsammlung gewesen. Die Zahl der erwarteten Besucher sei nicht richtig angegeben gewesen, erst aus der Zeitung habe man erfahren, daß die Initiatoren mit 60 000 Leuten pro Jahr rechneten. Daraus ergäben sich neue baurechtliche Anforderungen, im Hinblick auf Stellplätze, Toiletten und Sicherheit. In dem Haus am Marktplatz, in dem das Museum auf 300 Quadratmetern im Erdgeschoß eingerichtet werden soll, war zuletzt ein T-Shirt-Geschäft. Zugleich mit der Rücknahme der Baugenehmigung forderte die Oberbürgermeisterin die Betreiber auf, die großflächig in den Schaufenstern angebrachten Werbeplakate zu entfernen. Außerdem untersagte sie die Verwendung des Namens "Heidelberger Inquisitionsmuseum" für die unerwünschte Einrichtung.
Nachdem bereits der Gesamtelternbeirat der Stadt mit einer Unterschriftenliste auf dem Rathaus gegen das Museum - das unter anderem mit freiem Eintritt für Kinder unter zwölf Jahren wirbt - gegen diese Art "Anschauungsunterricht" protestierte, startete der Verein Alt-Heidelberg, unterstützt von den Parteien der Altstadt, beim Aktionstag des Landes eine große Unterschriftensammlung. Ungemach droht den Museumsbetreibern inzwischen auch von anderer Seite. Der Hausbesitzer erklärte gegenüber der Lokalzeitung, er fühle sich von seinen neuen Mietern getäuscht. Ihm sei das Projekt als mittelalterliche Kulturausstellung präsentiert worden.
JOHANNA EBERHARDT (Heidelberg)
Statt Taunusbahn abends nur Busse? Grävenwiesbacher Politiker fürchten, schon vor Eröffnung abgehängt zu werden Von Jürgen Dickhaus GRÄVENWIESBACH. Die Angst geht um in Grävenwiesbach - die Angst um den Anschluß an die Taunusbahn. Als Indiz für eine drohende Abnabelung wird die Diskussion im Zweckverband gedeutet, wonach Grävenwiesbach "in schwachen Fahrgastzeiten" nur noch von Bussen angesteuert werden soll. "Das ist die übliche Vorgehensweise. Erst auf Busse reduzieren, dann stilllegen", sagt Eginhard Heilmann, SPD-Fraktionschef und Mitglied der Verbandsversammlung. Heinz Radu, FWG- Vorsitzender, kündigt Konsequenzen an: "Wenn das umgesetzt wird, stellen wir einen Antrag auf Austritt aus dem Zweckverband. Busse fahren sowieso." Weitere Anzeichen für eine Stillegung sind Heilmann und Radu zufolge der Umstand, daß die Wartungshalle für die Bahn nach Usingen und nicht nach Grävenwiesbach kommt - und die "Leerfahrten". Abends nämlich werden die leeren Triebwagen von Grävenwiesbach nach Usingen und morgens zurückgebracht. Dies sei ein völlig unnötiger Zeitaufwand und werde irgendwann das wirtschaftliche Argument liefern, die Züge überhaupt nicht mehr nach Grävenwiesbach fahren zu lassen.
Landrat Jürgen Banzer jedoch hält alle Sorgen für unbegründet. "Die Taunusbahn wird bis Grävenwiesbach fahren, langfristig eher noch weiter", verspricht er, "schließlich stecken wir doch nicht Millionen in die Strecke, um sie dann stillzulegen. Außerdem würden wir doch nicht Gespräche mit dem Kreis Limburg - Weilburg über Buszubringer nach Grävenwiesbach führen, wenn es dort keine Bahn mehr gäbe." Er habe "darüber nachgedacht", Grävenwiesbach abends mit Bussen zu bedienen. Das beträfe aber nur Zeiten außerhalb der Rush-hour.
Daß Usingen und nicht Grävenwiesbach in den "Genuß" der Wartungshalle komme, lasse ebenfalls keine "taktischen" Rückschlüsse zu. Die schwerwiegenden Reparaturen würden ohnehin in der Halle der Frankfurt-Königsteiner Eisenbahn in Königstein vorgenommen; die Usinger Halle sei lediglich für Notreparaturen vorgesehen. "Es ist betrieblich sinnvoller, eine Wartungshalle in der Mitte einer Strecke als am Ende einzurichten." Und daß einige Waggons nachts in Usingen stehen bleiben, habe einen guten Grund: Usinger könnten sich in die Waggons setzen und so Wartezeiten auf zugigen Bahnsteigen vermeiden.
Die Skeptiker vermag dies nicht zu überzeugen. "Die Bundesbahn hat doch nichts anderes gemacht, als Busse statt der Bahn einzusetzen - und genau diese Strecken dann stillgelegt", erklärt Heilmann. Auch das Argument der "Millionen" für den Ausbau der Strecke nach Grävenwiesbach ist für ihn nicht zwingend: "Seit September wird nicht mehr am Bahnhof gebaut. Das ist doch alles sehr merkwürdig."
HÖCHST. Der Run auf die insgesamt 364 Volkshochschulkurse beginnt morgen um 10 Uhr. Bis 14.30 Uhr hat Zeit, wer sich im Bikuz, Michael-Stumpf-Straße 2, für eine Veranstaltung einschreiben möchte. Da der Ansturm erfahrungsgemäß groß ist, können sich Interessierte noch bis zum 12. Februar montags bis freitags, 12 bis 18.30 Uhr, anmelden. tos
FRIEDBERG. Zwei öffentliche Gebäude stehen (unterschiedlich) lange leer, obwohl Wohnraum für Studenten, Unterkunft für Obdachlose und ein Jugendzentrum in Friedberg gesucht werden. Mit diesem Hinweis belebt die Kreistagsfraktion der Grünen die Diskussion um die Zukunft der alten Blindenschule und des sogenannten Usa-Gebäudes. Dieses war zuletzt durch eine Besetzungsaktion Jugendlicher ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt.
Für die Grünen regt Gerhard Salz nun an, bis die Verhandlungen über die künftige dauerhafte Nutzung der Häuser angelaufen und abgeschlossen seien, sollten die Gebäude übergangsweise für Wohnngssuchende oder als Jugenddomizil geöffnet werden.
Auch zur Sitzung des Stadtparlamentes am Donnerstag, 28. Januar, hat die Fraktion der Grünen beantragt, die Stadt möge ein Projekt Jugendzentrum in Gang setzen. Damit will die Ökopartei den Schwung, der durch die demonstrative Besetzungsaktion in die Diskussion um eine Begegnungsstätte gekommen ist, produktiv nutzen. Immerhin: Auch Erster Stadtrat Gerhard Mosbach (SPD) sieht bei Anfragen der FR, daß der Magistrat bei der Suche nach einer Lösung für ein Jugendzentrum durch die Ereignisse neue Impulse bekommen hat: "Es wird daran gearbeitet."
Was mit den beiden Gebäuden zu geschehen hat, hänge längerfristig von dem Verhandlungsergebnis zwischen alten und neuen Eigentümern ab. Entscheidungen für etwaige Zwischenlösungen müßte das Friedberger Stadtparlament treffen, verweist Mosbach. Er bezweifelt, ob die Stadtverordneten es auf sich nehmen, viel Geld etwa in das Usa-Gebäude zu stecken, damit dort vielleicht für ein halbes Jahr übergangsweise ein Jugendzentrum Unterschlupf findet. Immerhin müsse das Parlament dem Steuerzahler Rechenschaft geben.
Der Sachstand um die künftige Nutzung der Blindenschule wird nach den Worten des Ersten Stadtrates von einem Junktim des Eigentümers, des Landeswohlfahrtsverbandes in Kassel, geprägt. Danach habe der Verband der Stadt ein Vorkaufsrecht für die alte Blindenschule eingeräumt unter der Voraussetzung, daß Friedberg ein Grundstück für einen Neubau bereitstellen kann. Zu diesem "Deal" ist die Stadt bereit. Das Haus in dieser Lage ist gut geeignet, als künftiges Rathaus die versprengten Verwaltungsämter aufzunehmen. Dann habe der Wohlfahrtsverband noch die Idee geboren, in dem alten Gebäude womöglich eine Einrichtung der "gemeindenahen Psychiatrie" unterzubringen. Doch habe die Stadt den Verband überzeugen können, daß die Blindenschule für eine solche Einrichtung zu klein sei, und ein Gelände hinter der Stadthalle dafür angeboten.
Danach scheinen aus Sicht Friedbergs alle Hindernisse für die Verkaufsverhandlungen ausgeräumt. Die Friedberger warten jetzt auf weitere Signale aus Kassel, dort sollten noch einige Fragen geklärt werden.
Ins Usa-Gebäude will die Eigentümerin, die evangelische Kirche, unter Umständen ein Rechenzentrum aus Frankfurt verlegen. Doch dieser "potentielle Käufer" habe sich noch nicht abschließend geäußert, so Mosbach. Falls das nicht in absehbarer Zeit geschehe, werde man die Kirche höflich daran erinnern. de
WÖLLSTADT. Das letzte Wort über die Erweiterung des katholischen Kindergartens in Ober-Wöllstadt scheint noch nicht gesprochen. Das jedenfalls wurde am Mittwoch abend in einer von über 200 Bürgern/-innen besuchten Podiumsdiskussion deutlich, zu der die Interessengemeinschaft Wöllstädter Eltern eingeladen hatte.
Die SPD, zusammen mit der FWG noch im Dezember gegen eine kommunale Förderung des Kirchenprojektes, zeigte sich angesichts der massiven Empörung in der Bevölkerung bereit, ihre im Parlament zum Ausdruck gebrachte Ablehnung noch einmal zu überdenken, und sprach sich für nochmalige Gespräche von Vertretern der Pfarrgemeinde, der Elterngemeinschaft, der Kommune sowie der Parteien aus.
Selten hat ein Thema die Gemüter in Ober-Wöllstadt derart erhitzt wie die Sorge um eine ausreichende Zahl an Betreuungsplätzen. Wie berichtet (FR vom 19. Januar: "An Kindergartenplätzen herrscht großer Mangel"), ist die Kapazität der kommunalen Einrichtung in Nieder-Wöllstadt (100 Plätze) und des konfessionellen Kindergartens in Ober-Wöllstadt (71 Plätze) erschöpft. Schon die Dreijährigen können entweder gar nicht oder nur notdürftig untergebracht werden: In Nieder-Wöllstadt in einer nachmittäglichen, nur befristet genehmigten "Schnuppergruppe", in Ober-Wöllstadt in einer von der Kommune bezuschußten privaten "Spielgruppe" im Pfarrzentrum. Zusätzlich zu den Dreijährigen, die nach hessischer Gesetzgebung ab 1996 Anspruch auf einen Kindergartenplatz haben, kommen in einigen Jahren weitere Kinder durch die Ausweisung neuer Baugebiete hinzu. Das stellt die Gemeinde vor nicht unerhebliche Probleme. Im Grunde müßte sie neue Plätze in beiden Ortsteilen schaffen.
Am dringlichsten scheint jedoch augenblicklich der Bedarf in Ober-Wöllstadt. Der Kindergarten muß nicht nur um eine Gruppe erweitert, sondern gleichzeitig komplett erneuert werden, weil die kleinen Räume, laut Susanne Krüger vom Kreisjugendamt nicht viel mehr als "Löcher", längst nicht mehr den Landesrichtlinien entsprechen und im Grunde genommen schon jetzt die Belegungszahl deswegen reduziert werden müßte. Überdies bedarf es neuer Fenster, Fußböden und vieler anderer Dinge mehr in der 30 Jahre alten Einrichtung. Die Kommune steht hier folglich ohnehin in Zugzwang.
Weil die Erweiterung aber zu Lasten des auch von vielen kirchlich nicht gebundenen Gruppen und Vereinen genutzten Pfarrzentrums gehen würde, hat die Pfarrgemeinde eine Gesamtrechnung von 3 Millionen Mark für die gemeinsame Erweiterung von Kindergarten und Pfarrzentrum aufgestellt und hierfür auch schon Gelder beim Bistum und beim Land Hessen beantragt. Voraussetzung für diese Finanzierung ist, daß sich die politische Gemeinde beteiligt. 30 Prozent Zuschuß der Kommune erhofft sich die Pfarrgemeinde für den Kindergarten, 20 Prozent für das Pfarrzentrum - das wären unterm Strich 760 000 Mark. Darüber hinaus erwartet sie eine Beteiligung der Kommune an den Betriebskosten des Pfarrzentrums.
Der Gemeindevorstand, am Mittwoch abend durch einen schweigsamen Ersten Beigeordneten Alfred Heger (SPD) vertreten (die FWG hatte sich gar nicht erst aufs Podium gesetzt), hatte diesem Antrag zugestimmt. Von SPD und FWG war der Posten jedoch im Parlament wieder aus dem Etatentwurf gestrichen worden. Ein womöglich voreiliger Beschluß, wie Sozialdemokrat Manfred Holler auf dem Podium einräumte. Man habe sich von der Pfarrgemeinde zeitlich gedrängt gefühlt, habe nicht alle Fakten auf dem Tisch gehabt und hätte im Grunde auch nur etwas gegen die Koppelung von Kindergarten- und Pfarrzentrum-Erweiterung einzuwenden gehabt.
Die SPD zeigte sich an diesem Abend trotz eines im November erfolgten Gespräches von Fraktions- und Gemeindevorstandsvertretern mit der Pfarrgemeinde erstaunlich uninformiert. Weder war den Sozialdemokraten bewußt, daß im Kindergarten so oder so Renovierungsbedarf besteht und daß sich die beiden jetzt geplanten Bauvorhaben kaum splitten lassen, noch schienen ihnen (wie auch der FWG) die Landesrichtlinien hinreichend bekannt zu sein, wonach Gelder aus Wiesbaden nur für wohnortnahe Betreuungsangebote vergeben werden, eine Busbeförderung von Ober-Wöllstädter Kindern zu einem neu zu bauenden Nieder-Wöllstädter Kindergarten also kaum Aussichten auf Landesförderung hätte.
Ob diese Zuschüsse denn überhaupt fließen, sei noch unsicher, dämpfte Susanne Krüger die Erwartungshaltung der von Diakon Jürgen Hofmann ("Wir dürfen die Kinder nicht zu Pendlern degradieren") vertretenen Pfarrgemeinde. Die Chancen stünden allerdings gut, da auch der Wetteraukreis eine Erweiterung der Ober-Wöllstädter Einrichtung befürworte. Bedarf bestehe aber auch in Nieder-Wöllstadt, erinnerte die Vertreterin des Jugendamtes. Deshalb brauche die Gemeinde dort aber nicht gleich einen Kindergarten mit 100 Plätzen zu bauen. Eine halb so große, überschaubare Einrichtung tue es auch.
Ohne Zuschuß der Kommune sei das ganze Projekt gestorben, mahnte die CDU. Ihr Vertreter Thomas Hein rechnete vor, daß ein neuer kommunaler Kindergarten frühestens Ende 1996 in Betrieb gehen könne. Mit der erheblich schneller zu verwirklichenden Erweiterung des katholischen Kindergartens könne eine Zwischenlösung gefunden werden, die Luft lasse für anderweitige, langfristige Projekte wie etwa in Nieder- Wöllstadt. Die SPD versprach, über den Antrag der Ober-Wöllstädter Katholiken neu nachdenken zu wollen, und regte eine neue Gesprächsrunde mit Vertretern der Fraktionen, des Gemeindevorstandes, der Elterngemeinschaft und der Kirchengemeinde an.
Sie sollten ihr Ortsteildenken zu den Akten legen und etwas für die Kinder tun, gab Diakon Hofmann den Wöllstädter Kommunalpolitikern mit auf den Nachhauseweg und traf mit dieser Bemerkung wohl den eigentlichen Kern dieser von der Mehrheit der Veranstaltungsbesucher als unnötig gewerteten Auseinandersetzung, in der sich die alte Differenz zwischen den eher protestantisch- sozialdemokratisch orientierten Nieder- Wöllstädtern und den mehr katholisch- christdemokratisch orientierten Ober- Wöllstädtern neu zu spiegeln scheint.
JÖRG MUTHORST
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Friedberg. Kammermusik im Klosterbau: Münchner Gruppe Volksmusikfreunde - Fraunhofer Saitenmusik, So. 11 Uhr, Bibliothekszentrum Klosterbau, Augustinergasse 8.
Bad Nauheim. Rainer Lille - Orgelkonzert, Sa. 20 Uhr, Dankeskirche.
Kurkonzert, Sa. 10.30, 15.30 u. 19.30 Uhr, So. 10.30 Uhr.
Bad Vilbel. Chor zwischen Tönen - Klangwelten, Konzert, So. 18 Uhr, Kurhaus.
Karben. Kindertheater Rrrabatzzz - "Eine Woche voller Samstage" für Kinder ab 5 J., So. 15 Uhr, Bürgerzentrum.
Büdingen. Musik- u. Kunstchule: Universitätschor Marburg - Chorkonzert, So. 17 Uhr, Ev. Marienkirche.
Bad Nauheim. GV Frohsinn: Jubiläums-Ball zum 150jährigen Bestehen, Sa. 19 Uhr; Musikalischer Frühschoppen, So. 11 Uhr, Kurhaus.
Marinekameradschaft: Winterwanderung, So. 10 Uhr, Marktplatz.
Hiesbach-Verein: Generalprobe für Bürger ab 65. Jahren, So. 14.11 Uhr, Sportheim.
Bad Vilbel. Bürgeraktive: Offene Wandergruppe, 11 Uhr, Zentralparkplatz.
Pommernkreis: Lungwurst-Essen, Sa. 16 Uhr, BH Heilsberg.
Volkschor: Jahreshauptversammlung, Sa. 19 Uhr, Gaststätte Hanauer Hof, Hanauer Str. 28.
KV Fidele Sandhasen: Narrenexpress, Sa. 19.11 Uhr, Kath. Pfarrsaal St. Nikolaus.
Stadtkapelle-Musikverein 1883: Jahreshauptversammlung, So. 15 Uhr, Vereinshaus H.-Heine-Str.
Butzbach. TSV 1919 Ebersgöns: Familienabend, Sa., Turnhalle.
KV Griedel: 1. Fremdensitzung, Sa. 20 Uhr, BH Griedel.
Chorgem. 1857 Hoch-Weisel: Familienabend, Sa., Hausberghalle.
Verein für Deutsche Schäferhunde: Jahreshauptversammlung, So. 10.30 Uhr, Vereinsheim.
Ober-Mörlen. KG Mörlau: Prunksitzung, Sa. 20.11 Uhr, Usatal-Halle.
Echzell. FFW Bisses: Generalversammlung, Sa. 20 Uhr, Feuerwehrgerätehaus.
Florstadt. Carneval-Club: Fremdensitzung, Sa.
Niddatal. VdK Ilbenstadt: Jahreshauptversammlung, Sa., Bürgerhaus.
BDV Ilbenstadt: Tanzveranstaltung, So., Bürgerhaus.
Die Wissegickel: Faschingsdisco, Sa. 19 Uhr, BH Bönstadt.
Karben. Touristenverein Die Naturfreunde: Start zur Vogelsbergwanderung, So. 9 Uhr, Schutzhütte Okarben.
Altenstadt. Jugendclub Treff: Sa. 19-22 Uhr, an der Altenstadthalle.
Natur- und Vogelschutzgruppe Lindheim: Maskenball, Sa. 20 Uhr, Bürgerhaus.
Fußballkreis Büdingen: Jugend-Fußballturnier, Sa. u. So., Altenstadthalle.
Nidda. ASV Eichelsdorf: Jahreshauptversammlung, Sa. 20 Uhr, Gasthaus Blum.
Skatclub Borsdorf: Turnier, Sa. 14 Uhr, Turnhalle Geiß-Nidda.
NCV: Ordensabend, Kreppel-Kaffee, Sa. 20.11 Uhr, Bürgerhaus.
VHC: Höhenfastnacht, Abfahrt Sa., 17.30 Uhr, Bürgerhaus.
Brieftaubenverein Ober-Lais: Ausstellung, Sa. und So., Bürgerhaus.
FFw Ober-Schmitten: Jahreshauptversammlung, Sa. 20 Uhr, Gaststätte Kirchhof.
FFw / TV Geiß-Nidda: Winterwanderung, So.
Gedern. MSC: Jahreshauptversammlung, Sa., Gaststätte Stöhrbalser.
MGV Liederlust Ober-Seemen: Familienabend, Sa., Feuerwehrhaus.
VfR Wenings: Fußball-Hallenstadtmeisterschaft, So., Turnhalle Gedern. Vorträge / Kurse
Friedberg. Frauenzentrumsverein: "Übungen in freier Rede", Workshop, Sa., Usagasse 8 (Eingang Judengasse).
Frauenamt: "Kommunalpolitik ist Frauensache - Rhetorik für die politische Arbeit", Seminar mit Dr. A. Bentner, Sa. 17-20 Uhr, So. 10-16 Uhr, Leonhardstr. 7.
DRK: Erste-Hilfe-Kurs, Teil 1 Sa. 8.30 Uhr, Teil 2 So. 8.30 Uhr, Homburger Str. 26.
Bad Nauheim. VHS: Einführung in die Kammerkonzert-Reihe mit P. Schomberg, So. 19.30 Uhr, Kurhaus.
Bad Vilbel. Alte Mühle: Raku-Workshop, Sa. 10 Uhr, Lohstr. 13 (bis So.).
Bürgeraktive: Orientalischer Tanz, Einführung für Anfängerinnen, Sa. 14-17 Uhr, Lohstr. 13.
Rosbach. "Mein Rhythmus und mein Raum", tanztherapeutische Selbsterfahrung für Frauen, Sa. 14-18 Uhr, So. 12-16 Uhr, Steinstr. Ober-Rosbach.
Butzbach. AWO-Begegnungsstätte: Was sagen mir meine Träume? Sa. 15-18 Uhr, J.-S.-Bach-Str. 26.
Niddatal. ZEGAM: Orientalischer Tanz für Frauen mit Vorkenntnissen, So. 12-17 Uhr, Hofgut Wickstadt. Parteien / Parlamente Büdingen. SPD: Ortsbegehung mit anschl. Frühschoppen, So. 10 Uhr, Gaststätte Zum Wolfsbachtal, Wolf. Verschiedenes Friedberg. Führung durch die Altstadt, So. 14 Uhr, Wetterau-Museum.
Bad Vilbel. Schulelternbeirat Ernst- Reuter-Schule: Unterschriftensammlung für Erhalt des Haupt- und Realschulzweiges, Sa. 10-12 Uhr, Zentralparkplatz + HL-Heilsberg + Bushaltestelle Gronau.
Bauernmarkt, Sa. 8-13 Uhr, Frankfurter Str. 85.
Rosbach. Erich-Kästner-Schule: Tag der offenen Tür, Sa. 10-13 Uhr, Seeweg Rodheim.
Butzbach. Bauernmarkt, Sa. 8-13 Uhr, Marktplatz.
Nidda. Tanzabend, Sa. 19-22 Uhr; Tanztee So. 15-18 Uhr Kursaal Bad Salzhausen.
Friedberg. Gianni Colombo - spazio curvo, der gekrümmte Raum, Di.-Do. und So. 11-20 Uhr, Görbelheimer Mühle, Bruchenbrücken (bis 30. 3.).
Bad Nauheim. Was Sie über Herzinfarkt wissen sollten und warum jede Minute zählt, Wanderausstellung, Haus der Gesundheit (bis 2. 2.).
Bad Vilbel. Brunnen- und Heimatmuseum: Historische Bügelgeräte, So. 10-12 u. 14-17 Uhr, Do. 19-21 Uhr (bis Februar).
Echzell. Heimat- u. Geschichtsverein: "Was du ererbt von deinen Vätern", So. 10-12 und 14-16 Uhr, Lindenstr. 3 (bis Ende Februar 1993).
Büdingen. Aus Kleiderschrank und Wäschetruhe, Di.-Fr. 10-12 Uhr, Mi. und Sa. 15-17 Uhr, So. und Feiertage 10-12 und 15-17 Uhr, Heuson-Museum im Rathaus (bis 28. 2. 93).
Schotten. Axel Mergard - Ding Dong, "Comics x Cartoons x Cunst", Stadtbibliothek. (bis 19. 02.)
Friedberg. Roxy: Bodyguard (Sa. 15, 17, 20, 22.30, So. 16, 20.15 Uhr) - Blende: Die Schöne und das Biest (Sa. 15, So. 13.45 Uhr); Eine Frage der Ehre (Sa. 17, 20, 22.30, So. 16, 20.15 Uhr) - Studio: Kevin - allein in New York (Sa. 15, 17, So. 13.45, 16 Uhr); Sister Act (Sa. 20.15, 22.30, So. 18, 20.30 Uhr) - Keller: Der Tod steht ihr gut (Sa. 15, 17, 20.15, 22.30, So. 13.45, 18, 20.30 Uhr); Die Schöne und das Biest (So. 16 Uhr).
Bad Nauheim. Terminus: Fatale Begierde (Sa. u. So. 19 Uhr); Rote Laterne (Sa. u. So. 21.15 Uhr).
Bad Vilbel. Alte Mühle: Das Kleine Gespenst (Sa. u. So. 15.15 Uhr); Wir Enkelkinder (Sa. 20.15, So. 17.45 Uhr); Ilona und Kurt (Sa. 17.45 Uhr); Angst essen Seele auf (Sa. 22.45, So. 20.15 Uhr).
Butzbach. Capitol: Die Schöne und das Biest (Sa. u. So. 15, 20 Uhr) - Bambi: 1492 - Die Eroberung des Paradieses (Sa. und So. 20 Uhr).
Altenstadt. Apollo-Lichtspiele: Moonwalker (Sa. u. So. 16 Uhr); Sister Act (Sa. u. So. 20 Uhr).
Büdingen. Royal: Bodyguard (Sa. 20, 22.30, So. 15, 17.15, 20 Uhr) - Princess: Kevin - allein in New York (So. 15 Uhr); Sister Act (Sa. 20, 22.30, So. 17.15, 20 Uhr).
Schöneck. Sternpalast: Wolfsblut (Sa. u. So. 16 Uhr); Gestohlene Kinder (Sa. u. So. 19.45 Uhr); Mo&rquote;money (Sa. u. So. 22 Uhr).
Lich. Traumstern: Die Distel (Sa. u. So. 15.30 Uhr); Boyz&rquote;n the Hood (Sa. u. So. 17.15 Uhr); Am Ende eines langen Tages (Sa. u. So. 19.30 Uhr); Simple Men (Sa. u. So. 21.45 Uhr); Walker (Sa. 24 Uhr).
(ohne Gewähr)
Für Peter Weiermair, den Direktor des Frankfurter Kunstvereins, ist es ein Ärgernis, daß zur "Prospect 93", der wichtigsten Ausstellung, die der Verein (gemeinsam mit der Schirn Kunsthalle) in diesem Jahr ausrichtet, das eigentliche Domizil des Kunstvereins, das Steinerne Haus, nicht genutzt werden kann. Ein Brand vor etwa zwei Jahren hat - zumindest im Innern - eine Rundum-Erneuerung des historischen Gebäudes nötig gemacht.
Hatte man zunächst noch die Hoffnung, man könnte die Renovierung zu einer großzügigen Erweiterung des Hauses nutzen, so haben die Sparmaßnahmen der Stadt dies verhindert. So mußte zum Beispiel ein Bibliotheks-Turm, der im Hof gebaut werden sollte, gestrichen werden.
Der Kunstverein hatte freilich Glück im Unglück: Museen und Galerien sprangen ein und stellten ihre Räume für die verschiedensten Ausstellungen zur Verfügung. Wesentlichen Anteil an dieser Hilfsaktion hatte die Schirn Kunsthalle, die allerdings schon bei den letzten Prospect-Ausstellungen Mitveranstalter war. Diesmal wird dort die gesamte Ausstellung zu sehen sein.
Die Prospect-Ausstellungen - die erste fand 1986, die zweite 1989 statt - sind der Versuch, die Frankfurter (und nicht nur sie, natürlich) über die inner- und außereuropäische Kunstwelt und ihre Entwicklung zu informieren, eine Art Frankfurter Documenta also. Die diesjährige Prospect will Werke von 70 Künstlerinnen und Künstlern aus mehr als 20 Ländern zeigen, wobei der Schwerpunkt auf der jungen Kunst liegen soll und nicht (siehe Documenta) bei den bereits etablierten Künstlern. Werke von Frauen sollen dabei eine wichtige Rolle spielen.
Bei der Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte versteht es sich von selbst, daß Prospekt 93 nicht nur die "klassischen" Bereiche Malerei, Graphik, Zeichnung und Skulptur pflegt, sondern darüberhinaus Installationen und Performances zeigt, bei denen Licht und Ton ebenso eine Rolle spielen wie Film und Videokunst. Bezeichnend dabei die Versicherung der Veranstalter, daß man der Malerei einen eigenen Bereich widmen wolle - als sei diese nur noch ein Randbereich. "Prospect 93" will sich als Barometer der Entwicklung auch aktueller gesellschaftkritischen Themen verstanden wissen. Den Problemen der kulturellen Identität soll ebenso nachgegangen werden wie der Entdeckung des menschlichen Körpers und seiner Gefährdung, sowie den Entwürfen künstlerischer Welterklärungsmodelle. Für die Ausstellungskonzeption zeichnet Peter Weiermair verantwortlich. Die Ausstellung wird am 19. März in der Schirn eröffnet und dauert bis zum 23. Mai. wp
Puh, das scheint ja gerade noch einmal gutzugehen. Hatten doch irgendwelche blauäugigen Spitzenleute der Koalition gemeint, die Bonner Sparliste mit Abstrichen beim Kindergeld verlängern zu können. So etwas lassen christliche Familienpolitiker nicht mit sich machen. Ulf Fink, Heribert Scharrenbroich, Adolf Hörsken und wie sie alle heißen sei Dank. Das Kindergeld bleibt wie es ist.
Und die Einsparungen beim Erziehungsgeld - nun ja - diese Kröte muß, wenn die Zeiten schlechter werden, eben geschluckt werden. Natürlich werden nicht alle Bundesbürger in den Dankes- Chor einstimmen. Aber darauf kommt es auch nicht an. Wichtig ist, daß es die Leistungsträger unserer Gesellschaft sind - VW-Chef Ferdinand Piëch mit seiner kinderreichen Familie zum Beispiel, oder alle Bundestagsabgeordneten oder Bankdirektoren oder Tageszeitung-Redakteure "in besonderer Stellung ab vollendetem 15. Berufsjahr", wie es im Tarifvertrag heißt. Diese Leute haben nämlich eines gemeinsam: Sie beziehen über 100 000 Mark brutto im Jahr. Und wer in dieser Gruppe drei Kinder oder mehr zu unterhalten hat, der sollte nach den ursprünglichen Bonner Vorstellungen je Sprößling auf 70 Mark im Monat verzichten.
Doch das Kindergeld ist in dieser Republik tabu. Daß soziale Leistungen gerechterweise an gewisse Einkommensgrenzen geknüpft werden sollten, daß ein paar Abgeordneten-Kollegen, Journalisten und leitenden Angestellten der Verzicht auf ein paar Verdienst-Promille durchaus zuzumuten ist, will offenbar nicht in die Köpfe hinein. Nun läßt man also 140 Millionen Mark jährlich, die leicht einzusparen gewesen wären, einfach sausen, muß aber um so drastischer ans Erziehungsgeld ran. Doch auch hier soll es künftig keine neue Einkommensgrenze geben. Der Spitzenverdiener kassiert ebenso wie der Lagerarbeiter weiterhin 3600 Mark für die ersten sechs Monate nach der Geburt. Die Millionen- Kürzungen sind beim laufenden Bezug angesagt. Das trifft aber eine ganze Reihe von Leuten härter als diejenigen, die auf das Erziehungsgeld im ersten halben Jahr nicht unbedingt angewiesen sind.
Wer eigentlich schützt die wirklich Bedürftigen vor solchen Sozialpolitikern? jk
HATTERSHEIM. Der "Jugend in der Orientierungskrise" widmet sich die nächste Diskussionsrunde aus der Reihe "Das Forum", zu der Junge Union und CDU Main-Taunus für Dienstag, 26. Januar, um 19.30 Uhr in den Posthofkeller einladen.
Teilnehmen werden der Leiter der Jugend- und Drogenberatungsstelle, Hans Böhl, Carola Kubetz vom Frankfurter Verein Kinder und Jugendhilfe, der Schulsprecher der Kelkheimer Immanuel-Kant-Schule, Martin König, sowie Ralf Heimbach als jugendpolitischer Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion. set
LIEDERBACH. Alle, die es nicht geschafft haben, ihren Traum vom Lokführer wahrzumachen, können bei der Ausstellung der Modelleisenbahnfreunde Bötersen am Wochenende, 23./24. Januar, in der Liederbachhalle zumindest im Geiste mit den kleinen zischenden und surrenden Miniaturlocks durch Tunnel aus Plastik brausen, vorbei an kleinen Bahnhofsstationen mit batteriebetriebenen Warnblinkzeichen, an Hängen aus Styropor und aufgeschäumten Kunststoffwäldern.
"Ein Riesenspaß für die ganze Familie" lautet das Motto der Ausstellung, bei der über 100 Lokomotiven mit mehr als 600 Waggons über die 1200 Meter lange Schienenstrecke der sechs aufgebauten Anlagen düsen.
So viel sei verraten: Die kleinste Lok hat im Schornstein der größten "locker" Platz.
Als weitere Attraktion zeigen die "Eisenbahner" eine Videoschau über die Geschichte der Bahn - vom Orientexpreß bis hin zu den futuristisch anmutenden ICE-Schnellbahnen. Zu sehen gibt es außerdem die schönsten Dampfloks und Bergbahnen.
Eröffnet wird die Schau der Modelleisenbahner am heutigen Samstag, 23. Januar, um 10 Uhr. Die Liederbachhalle ist an beiden Tagen jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. ana
WETTERAUKREIS. Die Gesellschaft für Informations- und Kommunikationstechnik in Schotten erweitert erneut ihr EDV-Angebot. Zum Auftakt bietet sie am heutigen Freitag, 22. Januar, im sogenannten Gelben Haus in Schotten eine Informationsveranstaltung über die neueste Version des Auto-CAD-Programms an, das eines der am häufigsten eingesetzten Software-Programme für computerunterstütztes Zeichnen und Konstruieren in fast allen Branchen ist. Mit der unverbindlichen Einführung will die Gesellschaft nicht nur alle Interessierten gezielt und kompetent beraten, sondern ihnen auch den Schulungsraum mit den Digitalisiertabletts und dem Farbplotter (Format DIN A O) zeigen.
Der Farbplotter soll auch Architekten und Ingenieuren zur Verfügung gestellt werden, damit sie großformatige und farbige Zeichnungen ausdrucken können.
Erweitert hat die Gesellschaft auch ihr Angebot für Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsprogramme. So können Interessierte in Schotten jetzt auch das Textverarbeitungsprogramm "Word" in der DOS- und der Windows-Version kennenlernen. Auch die Freunde des Tabellenkalkulationsprogrammes "Excel für Windows" kommen nun zum Zug.
Völlig neu im Gelben Haus sind auch die betriebswirtschaftlichen Seminare, die der Glauburger Unternehmensberater Martin Sperling leitet. Hier geht es um "Computerwissen für Führungskräfte", aber auch erstmals um Nicht-Computer- Themen wie "Neue Aufgabe: Vorgesetzter", "Zeit- und Selbstmanagement" oder "Erfolgreicher Service-Techniker".
Das ausführliche Schulungsprogramm mit Terminen und Anmeldeformularen gibt es bei der Gesellschaft für Informations- und Kommunikationstechnik Schotten, Vogelsbergstraße 137a, 6479 Schotten (Tel. 0 60 44 / 727, Fax: 729). str
Beim ersten offiziellen Anmeldetermin für die Kurse im Frühjahrsprogramm der Frankfurter Volkshochschule (VHS) am Samstag, 23. Januar, sollen die Schlangen nicht ganz so lang werden wie in den vergangenen Jahren. Das erwartet VHS-Leiter Alfred Pfeil, nachdem Ausländer und ältere Bürger sich schon bei vorgezogenen Anmeldeterminen für diesie betreffenden Kurse einschreiben konnten.
Bisher gab das Volksbildungsheim am ersten Einschreibetermin immer ein Bild heillosen Durcheinanders ab. Bürger standen lange - und bisweilen auch vergeblich - Schlange, um Plätze in den am meisten begehrten Kursen zu erhalten.
Die Anmeldung wurde auch dadurch kompliziert, daß die VHS-Mitarbeiter immer noch keine vernünftige Datenverarbeitung zur Verfügung haben. Immer wieder müssen sie auf Karteikärtchen nachsehen, ob in einem gewünschten Kurs noch Plätze frei sind. Besonders in Gymnastikkursen, begehrten Freizeitangeboten oder manchen Englisch- und Französischkursen sind die Plätze schon nach wenigen Stunden weg.
Die Umstellung auf Datenverarbeitung trete nun in ein "konkretes Stadium", sagt Pfeil. In diesem Jahr erwartet der Amtsleiter erste "Insellösungen", die Ausstattung der Büros mit Computerterminals soll langsam beginnen, die Mitarbeiter sollen geschult werden. Gleichwohl werde es wohl noch länger als ein Jahr dauern, bis die Interessenten für VHS- Kurse per Knopfdruck abfragen können, ob für sie noch ein Platz frei ist.
Am Samstag, 23. Januar, kann man sich von 10 bis 14.30 Uhr im Volksbildungsheim einschreiben. Ab Montag, 25. Januar, können sich Interessenten dann montags bis freitags von 12 bis 18.30 Uhr anmelden. luf
BRUCHKÖBEL. Was für andere Parteien anscheinend eine unüberwindliche Hürde darstellt und selbst für die Kreis- Grünen nicht möglich ist, haben die Bruchköbeler Grünen bei der Listenaufstellung für die Kommunalwahl realisiert: Jeder zweite Platz ist mit einer Frau besetzt.
Damit spiegelt die Liste auch wider, daß die Grünen in Bruchköbel neben dem traditionell starken Engagement im ökologischen Bereich Schwerpunkte in der Kinder-, Jugend-, Frauen- und Sozialpolitik setzen wollen. Mit ihrer Liste sehen die Grünen "eine Garantie für die Fortsetzung ihrer produktiv-kritischen Parlamentsarbeit". Als Wahlziel wird angegeben: "Das Beenden der absoluten Mehrheit der Bruchköbeler CDU und das Eindämmen des wiedererstarkten Faschismus." Die Liste der Bruchköbeler Grünen präsentiert sich so: Manfred Jünemann, Antje Schöny-Tietje, Uwe Wagner, Patricia Bürgstein, Andreas Schafranka, Sigrid Hirschmann, Wolfram Krause, Anja Ludwig, Peter Stahl, Inge Ripps-Kanthak, Uwe Ringel, Ursula Wagner und Karl- Heinz Fetzer. Für die Grünen hat sich dabei "eine vielversprechende Zusammensetzung von alten und neuen Kräften" herauskristallisiert. Hervorgehoben wird, daß neben langjährigen Parteimitgliedern fast gleich viele Parteilose stehen. Das werten die Grünen als "reale Offenheit". hok
VOLKER SACHS, MARCO REEB und URSULA SACHS führen die NPD-Liste für die Wahl des Wölfersheimer Gemeindeparlamentes an. Auf den Plätzen vier bis zehn folgen ROSWITHA KOCH, JUTTA REEB, EDELTRAUD HANNIG, WOLFGANG KOCH, HANS SACHS, INGRID REEB und IRMA SACHS.
Ist die TGS Ober-Ramstadt aus dem Rennen? Am zwölften Spieltag der Männer-Basketball-Regionalliga Südwest mußten die Ober-Ramstädter eine 84:88- Niederlage beim Rangdritten MTV Kronberg quittieren und rangieren jetzt vier Punkte hinter Tabellenführer Eintracht Frankfurt, der den TSV Krofdorf/Gleiberg mit 101:77-"Körben" abkanzelte. Die Chancen auf Rang eins sind rein theoretischer Natur. Selbst der zweite Platz ist gefährdet. Am Sonntag (18 Uhr, Großsporthalle der Lichtenbergschule) soll gegen den Tabellenachten BC Wiesbaden (8:16-Zähler) der erste Sieg im neuen Jahr unter Dach und Fach gebracht werden. Eintracht Frankfurt spielt zeitgleich beim Rangsiebten TV Saarlouis, gilt im Saarland als klarer Favorit.
Die Chancen für den TV Langen II sind nach dem erneut enttäuschenden 52:60 in Bernkastel-Kues (6:18-Punkte) bei 0:24- Zählern fast bereits auf den Nullpunkt gesunken. "Wir müssen jetzt alle sechs Begegnungen gewinnen", weiß Trainer Tomasz Kumaszynski um die Schwierigkeit dieser Aufgabe. Der Tabellenfünfte BBC Horchheim soll am Sonntag (12.30 Uhr, Sehring-Halle) die "erste Beute" für die "kleinen Giraffen" werden.
PSV Bernkastel-Kues - TV Langen II 60:52 (33:24). Die Langener mußten wiederum ohne Joe Whitney - der Headcoach spielt nach Möglichkeit in der "Zweiten" mit - auskommen, zeigten vor 200 Zuschauern an der Mosel ein "grausames Spiel", wie Trainer Kumaszynski die Darbietungen bezeichnete. Die Abwehrarbeit war beiderseits gut, die Angriffsleistungen in diesem typischen Abstiegskampf miserabel. Mit einfachen Dingen waren die Postsportler unterm Strich erfolgreicher. Selbst das Debüt des zuletzt inaktiven Michael Fuchs, der Einsatz von Felix Arndt (je 2) oder die 14 Korbpunkte des Ulf Graichen ("eher Zufallsprodukte", so der Coach) änderten nichts am erneuten Debakel. Bereits nach zehn Minuten (26:12) war quasi die Entscheidung gefallen. Der zu verkrampft agierende Gast geriet bis zur 33. Minute 35:50 in Rückstand, kam wieder auf 44:53 heran, ohne jedoch das Ruder herumreißen zu können. Außer Graichen erzielte nur Hartmann eine zweistellige Quote. Der am Fuß bandagierte Arndt (Bänderverletzung) kämpfte wie ein Löwe, blieb aber in der Offensive nahezu wirkungslos.
TV LANGEN II: Ulf Graichen (14 Korbpunkte), Markus Hartmann (12), Cvijan Tomasevic (6), Harald Sapper (6), Boris Beck (5), Damian Rinke (2), Axel Hottinger (2), Felix Arndt (2), Michael Fuchs (2), Niki Kühl (1).
MTV Kronberg - TGS Ober-Ramstadt 88:84 (39:39). Marco Seita hatte in den letzten Sekunden den Ausgleich und somit eine Verlängerung in der Hand, aber sein Wurfversuch mißlang. Im Gegenzug markierte der MTV durch zwei Freiwürfe von Homm den Endstand. Mit einem Blitzstart führte die TGS 17:6, ließ aber den Hochtaunus-Verein vor 150 Zuschauern bis zur Pause immer näher herankommen. Obgleich der Gast spielerisch die Akzente setzte, kam Kronberg beim 50:50 (25.), 70:70 (35.) immer wieder zum Ausgleich, um in der Schlußphase noch einen Brikett aufzulegen. Das 86:81 verkürzte der überragende Jon Baer mit einem "Dreier" (Distanzwurf), bevor Seita scheiterte. Nicht jedoch Seita war der Verlierer des Tages, sondern die gesamte Mannschaft verriet ein dünnes Nervenkostüm, vergab etwa die Hälfte aller Freiwürfe, während der MTV 90 Prozent dieser Penaltys in dem 3,05m hoch hängenden Korb versenkte. Wesentlich: Achim Billion steckt in einem Formtief, fabrizierte ebenso wie Pillhofer, Brinzing und Kleinbub eine fade Null-Diät. Jon Baer (43 Zähler) entschied den Vergleich mit seinem US-Landsmann John Karaffa (37 Korbpunkte) zwar für sich, aber mit Peter Hering (17) und Florian Homm (15) hatte der Rangdritte zwei weitere gute Werfer in ihren Reihen. Gäste-Coach Turgay Törk mußte ferner auf Klaus Sterzik (berufliche Gründe) und Marcus Wierzoch (Bänderabriß) verzichten.
TGS OBER-RAMSTADT: Jon Baer (43 Korbpunkte), Thomas Klement (15), Marco Seita (11), Günter Ackermann (7), Christian Bracke (4), Eddie Buchbinder (4), Achim Billion, Rainer Brinzing, Oliver Kleinbub, Heiko Pillhofer. hdp
Der MTV Kronberg visiert nach dem 88:84 im Verfolgertreffen gegen die TGS Ober-Ramstadt wieder Platz zwei der Männer-Basketball-Regionalliga Südwest an. Der Rückstand gegenüber Ober-Ramstadt beträgt noch zwei Punkte. Und der direkte Vergleich (Kronberg siegte bereits bei der TGS klar mit 100:91) spricht ebenfalls für das Team von Trainer Henner Weis, der die Zukunft seines Teams jetzt wieder in rosaroten Farben sieht. Beim punktgleichen TV Kirchheimbolanden soll am morgigen Samstag (19.30 Uhr, Sporthalle der Hauptschule am Fischbachweg) Revanche für die 84:91- Heimniederlage genommen werden. Der BC Wiesbaden (83:69 gegen den TV Saarlouis) hat seine Lage verbessert, muß jedoch am Sonntag (18 Uhr, Großsporthalle der Lichtenbergschule) zum tabellenzweiten TGS Ober-Ramstadt. Pech für den BCW: Bernkastel-Kues siegte im Kellertreffen 60:52 gegen Schlußlicht TV Langen II und blieb dem Team aus der Landeshauptstadt auf den Fersen.
MTV Kronberg - TGS Ober-Ramstadt 88:84 (39:39). Der Gast setzte über weite Strecken die Akzente, am Ende hatte jedoch der MTV dank seiner guten Freiwurf-Quote die Nase knapp vorne. Daß Peter Hering nach dem "Dreier" des überragenden Jon Baer (43 Korbpunkte) zum 86:84 einen Freiwurf (1+1) vergab und Marco Seita die Chance zum Ausgleich hatte, fiel nicht ins Gewicht. Seita traf nämlich nicht, Florian Homm fischte sich den Abpraller (Rebound) und verwandelte anschließend die beiden Freiwürfe in der allerletzten Sekunde zum 88:84-Endstand. In Anbetracht des klaren 6:17-Rückstandes und der oftmaligen Führung der Ober-Ramstädter mußte von einem schmeichelhaften Sieg gesprochen werden. Mehr als die Hälfte aller Korbpunkte gingen beim Gast auf das Konto von Jon Baer, der damit sogar John Karaffa (37) überbot. Nach dem Anschluß (20:23) zeigten der Pausenstand sowie die Zwischenergebnisse (50:50/70:70/82:81) die ausgeglichenen Verhältnisse in der Großsporthalle der Altkönigschule. MTV KRONBERG: John Karaffa (37 Korbpunkte), Peter Hering (17), Florian Homm (15), Rolf Weidemann (6), Bernd Kimpel (6), Roland Lewin (4), Martin Seibold (3), Alexander Uhse, Thorsten Lauschmann, Tommy Knopp. BC Wiesbaden - TV Saarlouis 83:69 (35:33). "Mit etwas mehr Glück hätten wir fast noch unseren 22-Punkte-Rückstand aus dem Hinspiel kompensiert", kommentierte Wiesbadens Coach Günter Steppich den wichtigen Erfolg über Saarlouis. "Wir haben leider wieder einen Hänger gehabt", monierte er die Phase kurz vor und nach der Halbzeit, die aus dem 35:28 ein 37:41 werden ließ. Bis zur 33. Minute (57:57) blieb das Geschehen vor 120 Zuschauern am Moltkering völlig offen, aber der BCW zeigte besondere Wurfstärken: Zehn Distanzwürfe landeten genau in der Reuse, bescherten 30 Korbpunkte. In der Endphase überragte Christian Roth, der noch zwei "Dreier" markierte und den Sieg damit sicherstellte. Mit der Schlußsirene paßte auch Volker Misoks Distanzwurf genau in den Korb. Till Rohrers "Eulenspiegelei" (fünftes Foul nach bereits 24 Minuten) sowie der Ausfall von Sven Strössinger (Knieverletztung) und Peter Buchenrieder (aus familären Gründen) verhinderten allenfalls den Kontoausgleich vom Vorspiel. BC WIESBADEN: Mirsad Dedovic (22 Punkte), Christian Roth (21), Steffen Gosenheimer (10), Helge Jordan (9), Wolfgang Mosbacher (7), Philip Jessen (6) Till Rohrer (5), Volker Misok (3), Tomislav Tropsek, Marcel Baingo. hdp
Kakteenfreunde laden ein
HANAU. Andreas Krietsch berichtet am heutigen Freitag, 22. Januar, ab 19.30 Uhr in der Hanauer Gaststätte "Sandelmühle" (Carl-Diem-Weg 2a) in Wort und Bild über "Pflanzenregionen südlich von Mexico City". Veranstalter ist der Verein der Kakteenfreunde Hanau und Umgebung.Wer wilde Tauben füttert, dem droht ein Bußgeld Der Kot der Tiere bringt Stadt und Bürger in Rage Von Thomas Rüggeberg BAD HOMBURG. "Wollen Sie mal was ganz Schlimmes sehen?", fragt Anni P. gelegentlich Besucher. Und dann öffnet sie in ihrer Wohnung an der Ecke Louisenstraße / Kisseleffstraße ein Fenster zur Fußgängerzone. Wer sich dann weit vorbeugt, sieht auf Fensterbänken, Simsen und sonstigen Vorsprüngen nur eines: Taubenkot. Erst wenige Jahre ist es her, daß der Postbriefkasten gegenüber dem Kurhaus abmontiert und verlegt wurde. Der Grund ist derselbe: Der Kot der Tauben lastete so schwer auf dem metallenen Behältnis, daß sich die Klappe kaum noch öffnen ließ.
Bad Homburg hat ein Taubenproblem. Vielleicht ist es (noch) nicht so schlimm wie in mancher Großstadt, aber immerhin . . . Diejenigen, die optisch, gesundheitlich oder wegen auf lange Sicht zerstörter Gebäudeteile darunter leiden, finden, daß sich etwas ändern muß.
Spezialist im Stadthaus für die unsauberen tierischen Machenschaften ist Werner Schröder, der Chef des Ordnungsamts. "Haustauben in verwildertem Zustand" definiert er die Gruppe der Verantwortlichen. Freilich, Tauben müssen fressen und die Reste auch wieder loswerden. Doch es macht schon einen Unterschied, wo und wie intensiv sie das tun. Menschen spielen dabei eine besondere Rolle.
Schröder meint damit die Fütterer - eine Spezies Mensch, die auch Anni P. gelegentlich bei ihrem Tun beobachtet. Bislang freilich ist es nicht gelungen, ihnen das vermeintlich tierliebe Handwerk zu legen. Dabei ist das Füttern der Tauben eindeutig verboten.
In der Bad Homburger Polizeiverordnung heißt es, daß eine über das normale Maß hinausgehende Verunreinigung nicht hinzunehmen sei. Wer dagegen verstößt - eben durch Füttern der "gefiederten Freude -, der macht sich einer Ordnungswidrigkeit schuldig und muß ein Bußgeld gewärtigen.
Die Futtergaben zum Nulltarif haben die Tauben gemästet, träge und faul gemacht. Die Vögel müssen sich nicht mehr anstrengen, bleiben in der Mitte der Stadt, wo sie keine natürlichen Feinde haben, und sie können auch um so besser dem Winter trotzen, der unter anderen Umständen für eine Auslese sorgt. Zurück bleiben eben die Häufchen, die alle möglichen Erreger enthalten: Tauben gelten auch als Überträger von Krankheiten.
Sang der Wiener Kabarettist Georg Kreisler vor vielen Jahren noch "Geh 'ma Tauben vergiften im Park", so sind längst alle Versuche, die Taubenpopulation zu dezimieren, auf den Widerstand von Tierschützern gestoßen. Egal ob die Tiere vergiftet, geschossen, vergast oder unfruchtbar gemacht wurden, Kritik wurde sofort laut - unter anderem auch, weil manches Nachstellen über den ökologischen Kreislauf auch andere Tiere nicht verschonte.
So bleiben nur mechanische Maßnahmen zum Schutz bestimmter Stellen - etwa Gitter, Netze, Drähte - und der Appell, auf das Füttern zu verzichten. "Das einzige ist die Einsicht, daß damit den Tieren, der Umwelt und dem Eigentum des einzelnen nicht gedient ist", meint Werner Schröder. Zwar sieht er, daß gelegentlich erwischte Fütterer - oft ältere Menschen - Tierliebe für sich beanspruchen und sich meist uneinsichtig, gelegentlich auch aggressiv zeigen, aber Mitleid hilft da nun nicht mehr weiter.
"Wir wollen da einen Zahn zulegen", sagt Schröder; "unsere Leute sind mit wachen Augen unterwegs. Die nächsten, die wir erwischen, werden mit einem Bußgeld belegt." Zeugen, die Taubenfütterer beobachten, fordert er auf, dies dem Ordnungsamt zu melden. Und falls jemand auf die Idee kommt, die Polizeiverordnung juristisch in Frage zu stellen, sieht Schröder der gerichtlichen Prüfung ohne jede Furcht entgegen.
Frau Marie Bindriem aus Rodenbach zum 90. Geburtstag am Freitag, 22. Januar.
RODGAU. Seit Mittwoch abend tummeln sich auf Einladung einer Rodgauer Beratungsfirma für medizinisch-technischen Anlagenbau brasilianische Gäste im Gebiet zwischen Rodgau, Offenbach und Frankfurt. Danilo C. Campos, Gesundheitsminister des brasilianischen Landes Pernambuco, ist darunter, der Berater des Ministerpräsidenten von Pernambuco, der Präsident der Blutbank und ein Repräsentant der Feuerwehr von Recife (Landeshauptstadt Pernambucos).
Die Delegation will in Frankfurt Kontakte mit der Feuerwehr und dem Hessischen Blutspendedienst knüpfen, die - geht es nach dem Wunsch der Brasilianer - später in Patenschaften zwischen den jeweiligen Institutionen münden sollen. Von deutscher Seite hält man sich jedoch im Moment noch bedeckt. Künftige Kontakte wollen die gegenwärtigen Leiter von Feuerwehr und Blutspendedienst ihren Nachfolgern überlassen: Bei beiden steht ein Wechsel an der Spitze bevor.
Der Kontakt zwischen den Repräsentanten aus dem wirtschaftlich schwachen Nordwesten Brasiliens und Frankfurt kam über die Rodgauer Firma zustande, die zu dreißig Prozent am Bau einer Fabrik für medizinisch-technische Geräte im brasilianischen Recife beteiligt ist.
Am Freitag begrüßt Rodgaus Bürgermeister Paul Scherer bei einem Empfang im Rödermarker Hotel Atlantis die brasilianischen Gäste. fra
Einem strahlenden 94:47-Sieg der Homburger TG (beim allerdings punktlosen Schlußlicht SV Dreieichenhain) stand zum Neujahresauftakt in der Frauen- Basketball-Regionalliga Südwest ein wiederum enttäuschendes 57:73 des TV 1860 Hofheim bei Eintracht Frankfurt II gegenüber. Allerdings ist der drittletzte Platz für Aufsteiger Hofheim bei vier Zählern Rückstand auf Oppenheim und Frankfurt fast bereits beschlossene Sache. Gegen den ACT Kassel (Samstag, 16 Uhr, Hochtaunushalle) kann die Homburger TG sogar noch einmal Rang zwei ins Auge fassen, zumal das Team von Ralf Schmidt bereits dort 60:47 gewonnen hat. Kassel wurde inzwischen jedoch ungleich stärker, besiegte am Wochenende Saarlouis im Verfolgertreffen 75:71. Hofheim kann Rang acht gegen die BSG Hillscheid (Sonntag, 16 Uhr, Brühlwiesenhalle) absichern beziehungsweise den Abstand zur Tabellenmitte verkürzen.
Eintracht Frankfurt II - TV 1860 Hofheim 73:57 (36:20). Hofheims Basketballerinnen konnten vor der Punktrunden- Fortsetzung nur zweimal trainieren, hatten damit gravierende Konditionsschwächen vorzuweisen. Bevor sich das TVH- Team, das ohne Cheftrainer Don Vencelov (coacht auch die Männer der TG 1837 Hanau) auskommen mußte, recht versah, führten die Riederwälderinnen deutlich. Den hohen Pausenrückstand brachte die Eintracht trotz vorübergehender Einschränkung auf 58:47 (36. Minute) genau über die Runden. Assistenztrainer Stefan Dettmar zeigte sich nur mit Launie Stoneman (zwölf Korbpunkte) und der nach dem Wechsel eingesetzten Ursula Radlmann zufrieden. Die Leistungen in den zweiten 20 Minuten ließen jedoch hoffen, das jetzt schnellere Spiel verriet bessere Ansätze und eine wesentlich höhere Trefferquote. Claudia Spettel und Barbara Dammer brachten sogar noch eine zweistellige Quote zustande. TV HOFHEIM: Launie Stoneman (12), Claudia Spettel (11), Barbara Dammer (10), Jutta Kraus (8), Sabine Sigel (7), Barbara Vencelov (7), Ursula Radlmann (2), Ilona Schönwald. SV Dreieichenhain - Homburger TG 47:94 (20:30). Nach schwacher erster Halbzeit demontierte die Homburger TG das hoffnungslos überforderte Schlußlicht nach allen Regeln der Kunst. Das nach diversen Spielerwechseln (unter anderem verließ Top-Scorerin Mia Linden die HTG Richtung USA, gingen Heidi Globig zum MTV Kronberg, Elke Gerhold zum USC Freiburg und schied auch Natalie Deetjen aus) geschwächte Bad Homburger Aufgebot, daß sich in dieser Saison überwiegend auf seine kompakte Abwehr verlassen muß, erzielte die Rundenhöchstmarke von 94 "Körben". Dabei gab es mit 64 Zählern die Vereinsrekordquote in einer Halbzeit. Da der Gastgeber auf den Centerpositionen hoffnungslos unterlegen war, punktete die HTG im zweiten Abschnitt nach Belieben. Vor allem Tina Kuhn (22 Korbpunkte ) und Gisela Normann (19), die jeweils persönliche Rekorde erzielten, sorgten für Furore. Bei der wendigen und wurfstarken Renate Schädlich sind 26 Punkte keine außergewöhnliche Zahl. Mit Anja Grieb erreichte eine vierte Akteurin einen zweistelligen Saldo. "Bärbel Warmbier wurde geschont. Sie darf nur noch einmal in der ersten Mannschaft spielen. Das soll morgen gegen Kassel der Fall sein", so die neue HTG-Pressewartin Kathrin Bartmann. HOMBURGER TG: Renate Schädlich (26), Tina Kuhn (22), Gisela Normann (19), Anja Grieb (14), Juliane Ludwig (5), Anna Sieveking (4), Kathrin Bartmann (4), Conny Glatz. hdp
KRONBERG. Das Museum Kronberger Malerkolonie in der Streitkirche wird erst am nächsten Freitag, 29. Januar, eröffnet. Die FR hatte den Termin irrtümlich um eine Woche vorverlegt. Besucher können die Bilder dann samstags von 10 bis 13, sonntags von 11 bis 17 sowie dienstags bis freitags von 10 bis 12 und von 15 bis 18 Uhr besichtigen. mak
Das Dreieichenhainer 61:83 vor Weihnachten in Hofheim hatte in der Frauen- Basketball-Regionalliga Südwest Hoffnungen auf einen besseren Jahresauftakt gegen die Homburger TG geweckt. Das ohne Trainer Peter Naus (Urlaub) angetretene Schlußlicht wurde schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Nach einer desolaten Vorstellung verloren die "Dreieich-Girls" sensationell hoch mit 47:94 gegen die Homburger TG, einer Mannschaft aus der Tabellenmitte. Mit 0:24-Punkten und 547:938-Korbpunkten weisen die SVD-Basketballerinnen nicht annähernd Regionalliga-Format, nach Ansicht der Mitbewerber nicht einmal Oberliga-Klasse auf.
Das Interesse am Abschneiden dieses Teams scheint auch vereinsintern nicht sonderlich groß zu sein (Informationen nach diesem Debakel waren trotz zahlreicher Versuche aus Dreieichenhainer Sicht nicht zu erhalten).
Dem Tief in Dreieichenhain steht das Hoch bei den Frauen des TV Langen (Oberliga Hessen) gegenüber: Nach dem spektakulären 69:54 der Langerinnen im Spitzenspiel beim punktgleichen Postsportverein Gießen (auch im direkten Vergleich hat der TVL drei "Körbe" Vorsprung) steht fast bereits fest, daß Langen (20:4-Punkte) mit großer Wahrscheinlichkeit in die Regionalliga zurückkehren und damit die Position mit dem designierten Absteiger Dreieichenhain tauschen wird. Der SVD muß morgen nach Mainz (19.30 Uhr), Langen empfängt im Derby den BC Darmstadt (Sonntag, 14.45 Uhr, Sehring-Halle).
Postsportverein Gießen - TV Langen 54:69 (33:35). Gießen spielte zunächst schneller und variantenreicher, profitierte von Langens schwacher "Frau-Dekkung". Eine Auszeit beim 16:7 nutzte Trainer Bernd Neumann zu einer neuen taktischen Variante. Er stellte auf Zonendeckung um und damit waren die "Postlerinnen" überfordert. Die knappe Pausenführung des TVL wurde dank der jetzt überragenden Veronika Tomasevic, die nach dem Wechsel allein zwölf Korbpunkte erzielte, deutlich ausgebaut. Über 39:49 setzte sich der Gast auf 45:65 ab, deklassierte damit den Mitbewerber, dem in den letzten 180 Sekunden noch eine kosmetische Ergebnisverbesserung glückte. Auch ohne Heike Hoffmann (Kreuzbandabriß) und die ungewollte "Auszeit" von Katrin Rollwaage, die einen rabenschwarzen Tag hatte, wirkte der Gast mannschaftlich geschlossener, siegte hochverdient.
Nina Gerdes erwies sich als Rebound- Spezialistin, fischte die Abpraller immer wieder vor den Gegnerinnen. Silke Dietrich steuerte den Sieger, der in Nina Heger seine beste Werferin hatte.
"Wir liebäugeln jetzt mit der Meisterschaft", kommentierte Pressewart Harald Sapper diesen Triumph (neunter Sieg hintereinander) ungewohnt zurückhaltend. Darmstadt (im Vorspiel erst in der Verlängerung 91:88 bezwungen) dürfte einer der härtesten Brocken auf dem Weg nach oben sein.
TV LANGEN: Nina Heger (14 Korbpunkte), Veronika Tomasevic (13), Silke Heger (11), Silke Dietrich (10), Ulrike Köhm-Greunke (9), Ulrike Keim (8), Nina Gerdes (4), Heike Dietrich, Katrin Rollwaage, Brita Walther.
SV Dreieichenhain - Homburger TG 47:94 (20:30). Bis Mitte Februar bleibt dem SVD Zeit, sich in besonderer Form auf das Kellertreffen bei der BSG Hillscheid/Montabaur/Höhr-Grenzhausen
Gegen die Bad Homburgerinnen reichten Kraft und Kondition eine Halbzeit, dann brach das Gastgeber-Aufgebot wie ein Kartenhaus zusammen. Renate Schädlich (26 Korbpunkte) und Tina Andrea Kuhn (22) hätten mit ihren Quoten bereits allein das Schlußlicht besiegt. Da auch Gisla Normann (19) in der Center- Position ungestört schalten und walten konnte, setzte es nach der Pause für den SVD mit 64(!) Korbpunkten eine Lehrstunde. mk
HÖCHST. Die Bahnmeisterei läßt bis Freitag, 5. Februar, Gebüsch und Bäume an den Gleisen zwischen Höchst und Bad Soden stutzen. Wegen der hohen Strekkenfrequenz könne nur nachts gearbeitet werden. Dabei kann es durch Mehrklanghörner, die die Trupps vor Zügen warnen, laut werden. Die Anwohner bittet die Bahnmeisterei um Verständnis. tos
Die Latein-Formationen der Oberliga- Süd/Gruppe Nord werden am kommenden Sonntag, den 24. Januar 1993, in die neue Saison starten. Im Bürgerhaus von Obertshausen/Hausen stattfindende Veranstaltung beginnt bei freiem Eintritt um 15 Uhr. Dabeisein wird u. a. auch eine Formation des Gastgeber-Vereins TSC- Maingold-Casino-Offenbach. reh
Die Regionalliga-Männer vom Rüsselsheimer RK wollen endlich den Mantel der Mittelmäßigkeit ablegen. Dazu bedarf es am Doppelspieltag dieses Wochenendes in der Regionalliga Süd einer ähnlich couragierten Vorstellung wie zuletzt beim klaren 9:4 in der Walter-Köbel-Halle gegen den Neuling HC Speyer. Hierdurch konnte der frühere deutsche Hockey-Meister sein Konto (8:8-Punkte/49:41-Tore) im Achter-Klassement der Regionalliga Süd wenigstens ausgleichen. An Spitzenreiter SC 1880 Frankfurt (14:2-Zähler) gibt es kein Vorbeikommen mehr. Dafür wollen sich die Schützlinge von Berti Rauth noch einmal beim Gerangel um Rang zwei in Erinnerung bringen. Voraussetzung hierfür wäre morgen (15.30 Uhr) ein Sieg beim Rangzweiten HTC Stuttgarter Kickers (11:5), aber auch ein positives Resultat am Sonntag (11 Uhr) beim SSV Ulm 1846, der gemeinsam mit dem HC Heidelberg (je 4:12) die rote Laterne trägt.
Die Mannschaft um Nationalkeeper und Olympia-Teilnehmer Christopher Reitz, der noch in der Vorrunde beim 6:6 in Speyer durch Harald Schmidt ersetzt werden mußte, tat sich auch in eigener Halle eine Halbzeit lang schwer. Nach 27 Minuten führte das Team vom Rhein überraschend mit 4:2. Ein neuer Reinfall des RRK deutete sich zunächst an. Wesentlich war der Anschlußtreffer von Torben Stalmach (28.). Er sollte nach miserabler Chancenauswertung in der ersten Halbzeit Signalwirkung für den zweiten Abschnitt haben. Das spielerische Vermögen des Gastgebers setzte sich jetzt gegen die kampfbetonten Aktionen des HCS entscheidend durch. "Das war unsere beste Saisonleistung", sinnierte Cheftrainer Berti Rauth nach einer furiosen zweiten Hälfte, die mit einem halben Dutzend "Einschlägen" im Speyerer Gehäuse für Hochstimmung unter den treuen Fans in der Köbel-Halle sorgte.
Björn Emmerling erzielte nicht nur zwei Treffer, sondern störte auch den gegnerischen Aufbau erfolgreich. "Wir müssen endlich unsere Auswärtsschwäche überwinden, um unsere minimale Chance zu wahren", setzt der Coach auf die Leistung der zweiten Halbzeit.
RÜSSELSHEIMER RK: Christopher Reitz (Holger Kassebaum); Fritz Schmidt, Holger Klein, Jens George, Klaus Eberts, Patrick Honnef, Björn Emmerling, Torben Stalmach, Stefan Kloos, Thomas Nikolaus.
TORE: 1:0 Nikolaus (11./Kurze Ekke), 1:1 Krieger (15.), 2:1 George (21./KE), 2:2 und 2:3 Schanninger (24./25., jeweils KE), 2:4 Niopek (27.), 3:4 Stalmach (28.), 4:4 und 5:4 George (35./40., jeweils KE), 6:4 Emmerling (46.), 7:4 Stalmach (49.), 8:4 Nikolaus (54.), 9:4 Emmerling (60.). dip
Bibelhandschrift wird am Sonntag vorgestellt
GELNHAUSEN. Die evangelische Kirchengemeinde freut sich über die Fertigstellung der Gelnhäuser Bibelhandschrift. Am Sonntag, 24. Januar, wird das selbstgefertigte Buch im Gottesdienst im Romanischen Haus um 10 Uhr zum ersten Mal aufgeschlagen.
"In mehr als 700 Arbeitsstunden haben etwa 100 Gemeindemitglieder die Psalmen und das Neue Testament abgeschrieben", berichtet Pfarrer Achim Albrecht. Man habe gemeinsam geplant, Papier und Format ausgewählt, liniert, radiert und korrigiert. Viele Schreibende hätten überraschend neue Erfahrungen mit den ihnen anvertrauten Texten gemacht. Daß auch Mitglieder der katholischen Gemeinde gern bereit gewesen seien, an der Vollendung dieser Gelnhäuser Handschrift mitzuwirken, zeuge von guter ökumenischer Zusammenarbeit in der Stadt. Als erste Lesung aus dieser in Leder gebundenen Bibel werde die Gemeinde Worte aus dem 86. Psalm hören. lex
WETTERAUKREIS. Am heutigen Freitag, 22. Januar, lädt der CDU-Kreisverband alle Bürger/-innen zu einem Neujahrsempfang um 19 Uhr ins Bürgerhaus nach Friedberg-Bruchenbrücken ein.
Als Gastredner spricht der Ehrenvorsitzende der CDU Hessen und der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Alfred Dregger.
An dem Empfang können auch Vertreter und Vertreterinnen von anderen Parteien, Behörden, Hilfsorganisationen, Vereinen, Verbänden und Kirchen teilnehmen. str
Warum öffentliche Bauten teurer werden Die Möglichkeiten der Manipulationen bei Ausschreibung und Auftragsvergabe Von unserem Redaktionsmitglied Siegfried Scholz OFFENBACH. "Wir haben noch keine Hinweise auf Bestechung und Bestechlichkeit städtischer Mitarbeiter gefunden", sagte gestern Staatsanwalt Volkmar Kallenbach von der Darmstädter Staatsanwaltschaft. Dafür gebe es auch keine Anhaltspunkte. "Wir prüfen jedoch weiter die Art und Weise der Auftrags-Ausschreibungen und der Vergabe beim Offenbacher S-Bahn-Bau. Da gibt es Ungereimtheiten, die geklärt werden müssen." Die Darmstädter Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch vormittag im Offenbacher Tiefbauamt und in Frankfurt in einem Ingenieurbüro und einer Baufirma Akten beschlagnahmt. Bürgermeister Klaus Bodensohn hatte vergangene Woche Polizei und Staatsanwaltschaft auf "mögliche Ungereimtheiten und Manipulationen" bei Auschreibung und Auftragsvergabe von zwei Aufträgen in Höhe von neun Millionen Mark hingewiesen.
Leitender Oberstaatsanwalt Ernst Georg Kilian von der Wirtschaftsabteilung der Darmstädter Staatsanwaltschaft will nicht auf den konkreten Fall eingehen. Er sagte auf die Frage, welche Manipulationsmöglichkeiten es bei Auschreibung und Auftragsvergabe gibt: "Viele. Das ist ein weites Feld."
Öffentliche Auftraggeber sind per Gesetz verpflichtet, Bauleistungen, die sie Firmen übertragen wollen, öffentlich auszuschreiben. Möglich sind auch beschränkte Ausschreibungen, zu denen nur einige wenige Firmen eingeladen werden. Die Angebote werden anonym und nur durch einen Zahlenkode gekennzeichnet, eingereicht. Ein Vergabeausschuß, in dem Mitarbeiter der Bauverwaltung und des Rechnungsprüfungsamtes sitzen, prüft und schlägt Magistrat und Stadtparlament vor, dem "billigsten" Anbieter den Zuschlag zu geben.
In zahlreichen Prozessen haben Gerichte aber nachgewiesen, daß es so etwas wie "Frühstückskartelle" gibt. Die Bewerber um öffentliche Aufträge legen, weil sie der gegenseitigen Konkurrenz leid sind, vorher fest, wer welchen Auftrag bekommen soll und was für ein Angebot er zu welchen Preis abgeben soll. Damit die Firmen wissen, welche Leistungen von ihnen verlangt werden, stellt die Kommune ein Leistungsverzeichnis auf. Häufig läßt eine Bauverwaltung aus Personal- und Kapazitätsgründen dieses Leistungsverzeichnis von privaten Ingenieurbüros erstellen.
Purer Zufall, wenn sich Mitarbeiter des Ingenieurbüros, der Baufirmen und der Bauverwaltung noch gut aus gemeisamen Studienzeiten kennen? So soll es vorgekommen sein, daß solche Leistungsverzeichnisse entsprechend den Frühstückskartell-Absprachen für einen bestimmten Interessenten maßgeschneidert werden. Bauingenieure verrechnen sich manchmal und addieren die Preise für die Leistungen und Mengen so zusammen, daß unterm Strich ein bestimmtes Angebot wirklich das billigste bleibt. Dann gibt es nach Auftragserteilung Korrekturen nach oben und der Bürger wundert sich, daß öffentliche Bauten bei der Schlußabrechnung immer wesentlich teurer als geplant geworden sind.
KÖNIGSTEIN. Mit der Einführung eines 20-Minuten-Taktes der Königsteiner-Bahn während der Hauptverkehrszeiten nach Frankfurt will die Stadt ihre Pendler zum Umsteigen bewegen. Endstation wird dann auch nicht länger "Höchst", sondern der Frankfurter Hauptbahnhof sein. "Ab 1994 sollen die S-Bahnen aus dem Süden Frankfurts in den Tunnel des Hauptbahnhofes einfahren. Dann ist oben Platz für die K-Bahn", verspricht Bürgermeister Bertram Huke (CDU) in der letzten Serie zum Gesamtverkehrsplan. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) sei nämlich einer der Kernpunkte des neuen Konzeptes.
Den Ursachen für die geringe Attraktivität des ÖPNV ist jetzt das beauftragte Planungsbüro BGS auf der Spur. Die Experten fanden heraus, daß zu wenige Haltestellen, die fehlende Anbindung der Buslinie an die K-Linie und ungünstige Verbindungen zwischen den Stadtteilen und der Kernstadt potentielle "Umsteiger" abschrecken. Auch die mangelhafte Ausstattung der Haltestellen trage dazu bei.
Abhilfe soll laut neuem Verkehrsplan vor allem die Verknüpfung von Bus und Bahn schaffen. "Die Fahrpläne der Busse und der K-Bahn müssen aufeinander abgestimmt werden. Das erspart lange Wartezeiten", argumentiert Erster Stadtrat Klaus Dehler (SPD). Deshalb solle der Bahnhof von möglichst vielen Buslinien angefahren werden. Nachgedacht wird auch über die Erweiterung einiger Stadtbuslinien. Die alten Haltestellen sollen in den nächsten Jahren gegen moderne, komfortable und beleuchtete Stationen ausgetauscht werden - alles im "einheitlichen Design", wie Dehler versichert. Das langfristiges Ziel der Stadt sei es, sogenannte Niederflur-Busse einzusetzen. Der Vorteil solcher Fahrzeuge: Behinderte und ältere Bürger können einfacher ein- und aussteigen. Um den ÖPNV noch attraktiver zu gestalten, prüft der Magistrat zudem die Einrichtung eines Anrufsammeltaxis, kurz AST, dessen Haltepunkte jeweils nur 200 Meter voneinander entfernt sein sollen. In verschiedenen bundesdeutschen Städten sind mit diesem Modell bereits gute Erfahrungen gemacht worden.
Das Taxi wird per Telefon bestellt und bringt die Kunden zur S-Bahn oder zur nächsten Busstation. Das benötigte FVV- Ticket können die Fahrgäste bereits im Taxi lösen. Doch das neue Modell hat einen entscheidenden Nachteil: Es verursacht enorme Kosten. "Wir nehmen jetzt erst einmal verschiedene AST-Modelle unter die Lupe", erläutert Huke im Namen des Magistrats. Dann müsse durchgerechnet werden, ob Anrufsammeltaxis in Königstein finanziell überhaupt machbar seien. ki
Steffi Graf eilt weiter durch die Australian Open. Am ersten kühlen Tag der Veranstaltung brauchte die Weltranglisten-Zweite 68 Minuten, um ihre Gegnerin Jennifer Santrock (USA) 6:1, 6:1 zu schlagen. Steffi Graf trifft in der Runde der letzten 32 auf die Siegerin des Spiels zwischen Claudia Porwik (Heidelberg) und Debbie Graham (USA). Ebenfalls eine Runde weiter ist Anke Huber (Heidelberg), die ihre Vereinskameradin Veronika Martinek 6:2, 6:4 ausschaltete. Sie muß sich jetzt mit Andrea Ines Gorrochategui (Argentinien) auseinandersetzen. Barbara Rittner (Leverkusen) gewann 6:2, 7:6 (7:5) gegen Karina Habsudova (Slowakei) und wird im nächsten Spiel gegen die Weltranglisten-18. Katerina Malejewa (Bulgarien) antreten.
Nach den glühendheißen ersten Tagen war es am Donnerstag erstmals nur um die 20 Grad "kühl" in Melbourne. Der Auftakt wurde um drei Stunden verzögert, weil es seit dem Morgen geregnet hatte. Nur unter dem "Schiebedach" des Centre Courts konnte zur vorgesehenen Zeit begonnen werden.
Steffi Graf fochten diese Verzögerungen nicht an. Die dreimalige Melbourne- Siegerin zeigte sich auf dem zweitgrößten Platz im Flinders Park ihrer Gegnerin hoch überlegen und ließ sich nur von den zeitweise böigen Winden irritieren. "Es war gar nicht so einfach, bei diesem Wind zu spielen. Aber Matchpraxis ist auch gutes Training."
Ausgeschieden sind Silke Meier, Sabine Hack und Marc Goellner. Silke Meier (Heidelberg) verlor 3:6, 3:6 gegen Ginger Helgeson (USA). Die Münchnerin Hack kämpfte zwar tapfer, stand aber beim 5:7, 7:6 (7:3), 3:6 gegen Natalia Zwerewa (Weißrußland), die 23. der Weltrangliste, letztendlich auf verlorenem Posten. Ohne Chance war Goellner, der nach seinem anstrengenden Fünfsatzsieg in der ersten Runde kräftemäßig beim 1:6, 4:6, 4:6 gegen Byron Black (Simbabwe) überfordert schien.
Der Donnerstag war aber auch ein Tag der großen Namen: Arantxa Sanchez (Spanien) gewann überraschend deutlich 6:0, 6:1 gegen Laura Gildemeister aus Peru. Erstmals gefordert wurde der US- Amerikaner Pete Sampras; er besiegte in vier Sätzen den Schweden Magnus Larsson. Die zweimalige Finalistin Mary Joe Fernandez (USA) hatte beim 7:6 (7:1), 6:4 heftigen Widerstand der Taiwan-Chinesin Schi-Ting Wang zu überwinden. dpa
HANAU. Rund 18 000 Mark Schaden hat am Mittwoch abend ein Unfall auf der Autobahn Frankfurt - Hanau (A 66) auf Maintaler Gemarkung verursacht. Wie die Langenselbolder Autobahnpolizei mitteilt, hatte ein Autofahrer nicht aufgepaßt und war auf ein vor ihm fahrendes Auto geprallt. Ein Insasse wurde leicht verletzt.
Vermutlich unter Alkoholeinfluß stand ein Aschaffenburger Fahrer, der in der Nacht zum Donnerstag gegen 1.20 Uhr ebenfalls auf der A 66 einen Auffahrunfall verursachte. Der Aschaffenburger hatte während der Fahrt einen Hanauer Wagen gerammt. Nach dem Aufprall schleuderte der Aschaffenburger Wagen gegen die Leitplanke. Es entstand Schaden in Höhe von etwa 19 000 Mark. are
BAD VILBEL. 15 Millionen Mark will der Oberurseler Architekt Wolfgang Ritter in die Sanierung und Neugestaltung des ehemaligen Hassia- Grundstücks gegenüber dem Alten Rathaus (im Volksmund "Depot") und der ehemaligen Ludwigsquelle am Niddaufer investieren. Er hat jetzt eine Bauvoranfrage eingereicht, die vom Magistrat befürwortet und nunmehr vom Kreisbauamt bearbeitet werden muß.
Nach Angaben des Investors wolle er das mehrgeschossige ehemalige Produktions- und Lagergebäude von Hassia nicht abreißen, sondern umgestalten und neu überdachen. Das Gebäude sei derart massiv, daß der Abriß nicht wirtschaftlich sei.
In dem Gebäude sollen Wohnungen, Praxen und Büros untergebracht werden. Verhandlungen mit der Handelskette Edeka über die Wiedereröffnung eines 2700 Quadratmeter großen Verbrauchermarktes laufen.
Das Nachbargrundstück, die ehemalige Produktionsstätte der Ludwig- Quelle, will Ritter kaufen, sowie die Eigentümerfamilie ihr Wohnhaus in der Lohstraße 4 fertiggestellt hat. Das wird im Sommer sein. Ritter plant, die Produktionshallen am Niddaufer völlig abzureißen. Es sollen Wohngebäude mit Satteldächern entstehen. Geplant sei eine aufgelockerte Dachlandschaft, die eine Blickfang von der Nidda her sein soll.
Im jetzigen Innenhof auf dem ehemaligen Hassia-Grundstück sollen die Freiflächen begrünt werden. Die jetzt noch oberirdischen Parkplätze sollen verschwinden. Statt dessen ist eine Tiefgarage mit 200 überwiegend öffentlich nutzbaren Stellplätzen vorgesehen. Die Zufahrt ist direkt hinter der Rathausbrücke geplant. Der Baubeginn hängt entscheidend vom Eintreffen der Baugenehmigung durch das Kreisbauamt in Friedberg ab. Da es keinen rechtsgültigen Bebauungsplan in der Innenstadt gibt, läuft das Genehmigungsverfahren nach Paragraph 34 Baugesetzbuch, das heißt, maßgebend für die Gestaltung hat die umliegende Bebauung zu sein. Auf die alte Bausubstanz in der Nähe des Alten Rathauses will der Architekt und Investor Ritter dadurch Rechnung tragen, daß er bei seiner Planung auf "schrille Effekte" verzichtet. hm
Frauenbüros bislang die Ausnahme Nur wenige Gemeinden erfüllen gesetzliche Vorschriften / Unklare Bestimmungen Von Astrid Ludwig MAIN-KINZIG-KREIS. Seit Mai 1992 macht die Änderung der Hessischen Gemeindeordnung die "Kür" mancher Städte und Gemeinden zur Pflicht für alle Kommunen. Danach ist die Gleichberechtigung von Frau und Mann durch die Einrichtung von Frauenbüros oder "vergleichbaren Maßnahmen" sicherzustellen. Im Main- Kinzig-Kreis sind bislang die wenigsten Kommunen dieser Pflicht nachgekommen. Der Grund dafür ist die oftmals fehlende Einsicht in die Notwendigkeit von Frauenbüros, aber auch die Finanznot der Kommunen. Hauptamtliche Frauenbeauftragte gibt es bislang im Main-Kinzig-Kreis lediglich in den Städten Hanau und Maintal. Für den Kreis kümmert sich Monika Vogel um Fraueninteressen, doch auch das Kreis-Frauenbüro ist nicht vollständig besetzt. Die Stelle der zweiten Hauptamtlichen ist seit April &rquote;92 verwaist, soll aber wieder ausgeschrieben werden.
Die großen Städte des Altkreises Hanau kamen der HGO-Änderung schon vor Jahren zuvor. Die Stadt Nidderau wird im Sommer mit einer halben Stelle für eine Hauptamtliche und einer Halbtagskraft dem Beispiel folgen: Auf Betreiben einer parteiübergreifenden Initiative einiger Parlamentsfrauen und gegen den Widerstand der meisten Parteimänner Nidderaus, die durch eine Kommission den Bedarf erst prüfen lassen wollten.
Erfolgreich konnte sich mit dieser Absicht hingegen die SPD in der Nachbargemeinde Schöneck durchsetzen. Die halbe Stelle einer Frauenbeauftragten, wie die Grünen gefordert hatten, wurde abgelehnt. Eine Kommission soll jetzt zunächst klären, wie die Vorgaben der HGO umgesetzt werden müssen.
Die Formulierung des neuen Gesetzes bleibt in vielen Punkten unbestimmt. Ungeklärt ist, was als Alternative zur Einrichtung von Frauenbüros als "vergleichbare Maßnahmen" zu verstehen ist. Aufgaben, Ausstattung und Kompetenzen der Frauenbüros werden ebensowenig näher definiert. "Die Kommunen", so die Kreis-Frauenbeauftragte, "sind verpflichtet, etwas zu tun. Nur was, das ist offen."
Im Rahmen der kommunalen Selbstbestimmung bleibe es jeder Gemeinde überlassen, welche Maßnahme sie zur Gleichstellung ergreife, so Friedhelm Förstemann, Kommunalverfassungsrechtler des hessischen Städte- und Gemeindebundes. Geregelt werden müsse jedoch unbedingt die Zuordnung der Aufgabe. Offen ist ebenfalls, was geschieht, wenn Kommunen ihrer Pflicht nicht nachkommen.
Der Beratungsbedarf zu dieser HGO- Änderung ist groß angesichts der finanziellen Engpässe der Gemeinden. Da die Bestimmung neu ist und die Erfahrungen fehlen, hat der Städte- und Gemeindebund bislang noch keine Empfehlung herausgegeben. Der Leitfaden der Landesarbeitsgemeinschaft hessischer Frauenbeauftragten, der auch der Frauenbeirat Main-Kinzig angehört, sieht unter anderem vor, daß die Frauenbeauftragten hauptamtlich tätig sind, sie Mitsprache und Prüfungsrecht bei Magistratsvorlagen, in Personalfragen und Rederecht im Parlament haben. Die neben- und ehranamtliche Bestellung von Frauenbeauftragten hält die Arbeitsgemeinschaft für eine nicht "vergleichbare Maßnahme", sondern für eine wirkungslose Alibistelle.
Doch die meisten der Kreiskommunen ziehen dies aus Kostengründen vor. So hat die Stadt Bruchköbel vor zwei Jahren die Leiterin der Sozialabteilung zur Frauenbeauftragten ernannt. Um sie zu entlasten, wurde jedoch eine Teilzeitstelle in der Abteilung in eine Ganztagsbeschäftigung umgewandelt. Großkrotzenburg denkt ebenfalls daran, einer Mitarbeiterin den Titel Frauenbeauftragte nebenamtlich zu verleihen. Bürgermeister Klaus Reuter: "Eine Neueinstellung können wir uns nicht leisten."
In Erlensee soll mit dem Personalrat über die Erfüllung der Aufgaben beraten und ein gemeindegerechtes Modell gefunden werden. "Ein Frauenbüro ist aber für unsere Gemeinde zu groß", meint Rathauschef Manfred Heller, der die HGO- Änderung als einen Eingriff in die Autonomie der Gemeinden rügt. "Viele sind schon sensibel in diesem Bereich, da bedarf es keiner Anweisung von Landesebene." Kritik am Land äußert auch Rodenbachs Bürgermeister Karlheinz Seikel. "Uns bedrücken andere Sorgen." Den Kommunen würden ständig mehr Kosten und Aufgaben übergestülpt, ohne die Frage nach der Realisierung zu stellen. Die Gemeinde werde das Gesetz erfüllen, aber ohne zusätzliches Personal oder Kosten. "Da leiste ich mir lieber zwei Erzieherinnen", schimpft Seikel. Die Interessen der Frauen sieht er in seiner Gemeinde ausreichend berücksichtigt und hebt auf die Vollversorgung mit Kindergartenplätzen ab. Zwei Frauen arbeiteten im Gemeindevorstand und einige in leitenden Positionen im Rathaus. "Wir wissen nicht, was so ein Büro soll."
Die Stadt Langenselbold ist da anderer Auffassung. Trotz eines erfolgreich arbeitenden Frauenbeirates plant Verwaltungschef Ebner im Rathaus eine Beschwerdestelle für Mitarbeiterinnen vorzuschlagen. Wegen der Einrichtung eines gemeinsamen Frauenbüros will die Stadt demnächst mit Nachbarkommunen Kontakt aufnehmen. "Das ist", so Ebner, "längst überfällig."
Der Frauenbeirat des Kreises fürchtet einen anderen Trend. Wegen der schlechten Wirtschaftslage sehen sie Fraueninteressen zunehmend beschnitten. In Maintal fordert die Wählergemeinschaft bereits wieder die Streichung des Amtes für Frauenfragen - aus Kostengründen. alu
Peter Spielbauer liebt das Dichten. Genauer das Reimen. Kaum ein Halbsatz verläßt seinen Mund, der nicht auf einen Gleichklang zusteuerte, manchmal sinnfällig, seltener sinnvoll und oft ziemlich sinnlos. Doch er kann nicht anders. Fast jede Äußerung gerinnt ihm zum Vers. Deshalb ist eine seiner vier Berufsbezeichnungen "Literateur". Aber Peter Spielbauer nennt sich auch "Jongleur". Das stellt er unter Beweis, indem er Mühle-Steine zusammen mit einem Einrad in der Luft herumwirbelt. Auf dem Einrad fährt er auch. Auf Bierbänken balanciert er. Spielbauer ist "Artist". Und bleibt "Improvisateur", reagiert spontan auf Zuschauerverhalten.
In Wahrheit ist Peter Spielbauer ein Schwätzer. Ein begnadeter, gewiß. Einer, dem immer wieder etwas Neues einfällt, der ohne Luft zu holen, monologisiert, fabuliert, scheinbar räsoniert. Etwas Alltags-Philosophie, ein bißchen Gott, ein bißchen Welt, ein bißchen Liebe, ein bißchen Sex. Eben das, was uns alle bewegt und was letztlich jeder Künstler zeigt. Bei Peter Spielbauer nehmen diese Dinge gewalttätige Formen an: Seinen Körper verbiegt und verkrampft er. Die nackten Zehen krümmt er unter den Fußballen; die Sehnen treten hervor, wenn er sich an einer senkrecht gestellten Bierbank nach oben robbt. Das Gesicht, unter dem kurzgeschorenen Kopf, verzerrt er, den Rücken biegt er. Eine große Anstrengung ist zu spüren in dieser Vorstellung, eine Selbstquälung, die sich verbirgt hinter Komik, hinter oft haltlosem Klamauk.
Des Bayern Programm hat mitunter Züge absurden Theaters. Im Mittelteil schleppt er verbogene, verknotete Stangen auf die Bühne, die Exemplare einer seltenen Fischart darstellen sollen. Die Idee zu diesem Szenario könnte beim Gedanken an manche Stücke Ionescos entstanden sein. Vermischt jedoch mit ein bißchen Chaos-Theorie, vom alles zusammenhängenden, sich gegenseitig bedingenden Leben. Darauf steuert Spielbauer in seinem letzten Programmpunkt hin: leere Filmdosen, an Stricken aufgereiht zu Metallmarionetten. Ein durchtrennter Faden an einem der Teile setzt das gesamte System in Bewegung - Peter Spielbauer, ein Sucher nach dem Zusammenhang, nach dem Sinn, nach dem Leben.
(Weitere Aufführungen von Peter Spielbauers Programm: "Wenn die Sonne scheint, scheint die Sonne zu scheinen" im "Neuen Theater Höchst", Emmerich- Josef-Straße 46a, Frankfurt-Höchst, am Freitag und Samstag, 22. und 23. Januar, jeweils 20 Uhr.) DIRK FUHRIG
HÖCHST. Das Wort vom "Huckepack- Verkehr" geisterte am Dienstagabend wieder einmal durch den Ortsbeirat. Höchst und Zeilsheim müßten mit vielen Brummis auf ihren Straßen rechnen, werde der Güterbahnhof an der Silostraße erst zur Container-Verladestation ausgebaut, war eines der Argumente von SPD und CDU für den Bau einer Umgehungstraße zwischen Zeilsheim und Jahrhunderthalle.
Doch glaubt man Walter Henss, Sprecher der Deutschen Bundesbahn (DB), ist die Idee, in Höchst Lastkraftwagen mit Containerladung auf die Bahn rollen zu lassen, "längst beerdigt". Ein enstprechendes "Denkpapier" habe es zwar gegeben, bestätigte der DB-Sprecher. Höchsts Vorteil: Die Nähe zum Rangierbahnhof am Rebstockgelände. Von den Überlegungen in der Bahn-Zentrale hätten im Frühjahr '91 wohl einige Leute Wind bekommen. "Und die können offenbar nicht mehr davon lassen", vermutet Henss.
Warum Höchst aus den Planungen raus ist? Der Güterbahnhof an der Silostraße liegt etwa zehn Schienenkilometer von der Container-Verladestation im Ostbahnhof entfernt. "Beide müßten über ein viel zu langes und heute schon überlastetes Gleisnetz kommunizieren", erläutert der Sprecher der Deutschen Bundesbahn, Walter Henss, die Situation.
Um den "gut aus-, aber nicht überlasteten Ostbahnhof" zu entlasten, sagt der Öffentlichkeitsarbeiter des Staatsbetriebes, werde die DB künftig wahrscheinlich noch mehr mit Containern bepackte Brummis nach Mainz-Bischofsheim lenken. Dort steht neben Frankfurt-Ost der zweite Container-Bahnhof der Rhein- Main-Region. Und der kann Henss zufolge noch kräftig ausgebaut werden. "Dort können wir klotzen und müssen nicht kleckern."
HOCHHEIM. Wulle ist rotzfrech, stinkfaul - und ein Erpel. Obwohl er dem Kükenalter längst entwachsen ist, buhlt er um die Gunst seiner Mama, die sich mehr um seine jüngeren Geschwister kümmert. Und um das unangenehme "Füße-Bewegen" zu umgehen, kommt er auf den Trick mit dem Auto-Stopp. Welche Abenteuer Wulle erlebt, können Kinder ab vier Jahre am Mittwoch, 3. Februar, 15 Uhr, im Theater im Keller sehen. Autorin Marieluise Ritter spielt und erzählt die Geschichte zum Mitmachen.
Karten gibt es im Vorverkauf in den Läden Faulhaber und Schmidt in der Weiherstraße oder unter der Rufnummer 0 61 46 / 70 85). set
öhl ATHEN, 21. Januar. Zwei ehemalige türkische Minister werden beschuldigt, staatliche Gelder in Milliardenhöhe veruntreut zu haben. Das Parlament in Ankara beschloß jetzt, die früheren Minister Safa Giray und Cengiz Altinkaya vor dem obersten Gerichtshof anzuklagen. Sie verwalteten unter der im vergangenen Herbst abgelösten Regierung der konservativen Vaterlandspartei nacheinander das Ressort für Öffentliche Arbeiten und Wohnungsbau.
In dieser Eigenschaft sollen sie Unternehmern, die im Staatsauftrag Autobahnen bauten, mehr als eine Milliarde Dollar zugeschanzt haben. Die ungerechtfertigten Zahlungen seien als "Inflationsausgleich" getarnt worden, heißt es in einem Untersuchungsbericht des türkischen Parlaments. Im Falle eines Schuldspruchs drohen den beiden Ministern bis zu vier Jahre Haft.
HATTERSHEIM. "Der anständige Teil dieses Landes muß dafür sorgen, daß ein Klima von Toleranz, Freundschaft und Solidarität einkehrt. Im Betrieb, in Ausbildung und Schule und im Elternhaus. Das müssen wir ernst nehmen." Mit diesem Aufruf fordert das Ortskartell des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) die Bürgerinnen und Bürger in der Region auf, an zwei Veranstaltungen zur Erinnerung an die sogenannte "Machtergreifung" der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 teilzunehmen.
"Die Toten bleiben jung" heißt ein Film, den der DGB am Donnerstag, 28. Januar, um 20 Uhr im Kino am Kirchplatz in Okriftel zeigt. Einen Tag später, am 29. Januar, rufen die Hattersheimer Schulgemeinden und der Schulelternbeirat zu einer Demonstration unter dem Motto "Gemeinsam gegen Haß" auf. Teilnehmerinnen und Teilnehmer treffen sich um 17 Uhr auf dem Schulhof der Robinsonschule gegenüber dem Rathaus. Die Gewerkschafter erinnern in ihrem Aufruf zugleich an die wachsende Ausländerfeindlichkeit in der Republik. "Fehlende Zukunftsaussichten, Schwierigkeiten, eine Lehrstelle zu finden, ein immer größer werdendes Arbeitslosenheer; und schon sind die Opfer gefunden: Asylbewerber, ausländische Arbeiter!". So werde in den Köpfen die Tat vorbereitet.
Und wenn die Langeweile groß und der Alkoholkonsum fortgeschritten sei, schreite man zur Tat. "Brandbomben in der Nacht auf Asylbewerberheim, ,Negerklatschen&rquote; - was heißt totschlagen, Ausländer angreifen." Ein Straßenbahnfahrer werde halbtot geschlagen, weil er Fahrgästen, die keinen "arischen Eindruck" machten, zu freundlich Auskunft gegeben habe.
Der DGB mahnt deshalb zur Wachsamkeit. Die Nazis hätte man 1933 auch nicht ernst genommen. schu
NIEDERDORFELDEN. Mit ihrem traditionellen Maskenball eröffnet die Freiwillige Feuerwehr Niederdorfelden am heutigen Samstag, 23. Januar, um 20.01 Uhr im Bürgerhaus die Fastnachtssaison im Dorf.
"Für Närrinnen und Narren aller Altersstufen spielt die Kapelle ,Paradise'", lockt die Wehr. Der Saal des Bürgerhauses wird bereits um 19.11 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet sieben Mark. Maskierte indes haben bis 21 Uhr freien Eintritt. pom
Freitag, 22. Januar
Theater Schauspiel Frankfurt, Theaterplatz, Tel. 212 37 444: Schauspielhaus: 19.30 Uhr, "Antiphon"; Kammerspiel: 19.30 Uhr, "Tarel- kins Tod"; Bockenheimer Depot: 19.30 Uhr, "Katarakt"; Nachtfoyer: 22.30 Uhr, Hanne Hiob & Ensemble - "Haifische und andere Menschen". Fritz Rémond Theater im Zoo, Alfred-Brehm- Platz, Tel. 43 51 66: 20 Uhr, "Sturmwarnung".
Volkstheater Frankfurt, Gr. Hirschgraben 21, Tel. 28 85 98: 20 Uhr, "Stelldichein im Tivoli".
Die Schmiere im Karmeliterkloster, Seckbächer Gasse, Tel. 28 10 66: 20.30 Uhr, "Kann denn Liebe Sünde sein?".
Goethe Theater, Leipziger Str. 36, Tel. 70 88 44 oder 62 55 30: 20.30 Uhr, "Das letzte Band".
Kabarett Die Maininger, Neue Rothofstr. 26 a, Tel. 28 02 27: 20.30 Uhr, "Kassa blanka - und schweigende Lämmer".
Gallus Theater, Kriftler Str. 55, Tel. 738 00 37: 20 Uhr, Doris Batzler - "Undine geht".
Kellertheater, Mainstr. 2, Tel. 28 80 23: 20.30 Uhr, "Das Martyrium des Pjotr O&rquote;Hey".
English Theater, Kaiserstr. 52, Tel. 2 42 31 60: 20 Uhr, "The Boyfriend".
Mousonturm, Waldschmidtstr. 4, Tel. 40 58 95 20: Theatersaal: 20 Uhr, Mathias Beltz - "Füße im Feuer"; Studiobühne: 21 Uhr, Sandglass Theater.
Theater am Turm, Eschersheimer Landstr. 2, Tel. 1 54 51 10: 20 Uhr, Achim Freyer - "Liebe von Kopf bis konfus"; 21.30 Uhr, Heiner Goebbels - "Schliemanns Radio - Hörstück in 12 Protokollen".
Neues Theater Höchst, Emmerich-Josef-Str. 46 a, Tel. 30 30 90: 20 Uhr, Peter Spielbauer - "Wenn die Sonne scheint, scheint die Sonne zu scheinen".
Theaterhaus, Schützenstr. 12, Tel. 299 861 10: 20 Uhr, Theater Grüne Sosse - "Fräulein Julie"; 23 Uhr, Cornelia Niemann - "Solo im Supermarkt". Hessischer Rundfunk, Bertramstr. 8/Foyer: 10 & 14 Uhr, Die Augsburger Puppenkiste (Videos). TiB-Studiobühne, Bornheimer Landwehr 35, Tel. 493 05 03: 20.30 Uhr, "Aysche und Richard".
Café Cult, Schillerpassage, Restaurant- Theater, Tel. 92 00 61 23: 20 Uhr, Festival der Magie.
Theater in der Uni, Senckenberganlage 27, Tel. 77 59 08: 20.30 Uhr, "Kaspar".
Bühne 55, Falkstr. 55: 19.30 Uhr, "Ein idealer Gatte".
Freies Schauspiel Ensemble, Philanthropin, Hebelstr.17: 20.30 Uhr, "So schön . . . schön war die Zeit".
Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20, Tel. 28 96 91: 20 & 23.30 Uhr, Internationale Weihnachtsrevue.Musik Oper, Am Theaterplatz, Tel. 23 60 61: 19.30 Uhr, "Der Rosenkavalier".
Alte Oper, Opernplatz, Tel. 13 400: Großer Saal: 20 Uhr, 20 Uhr, Hot Jazz Meeting.
Batschkapp, Maybachstr. 24: 22 Uhr, Idiot Ballroom.
Sinkkasten, Brönnerstr. 5: 21 Uhr, Frankfurt City Blues Band.
Jazzkeller, Kl. Bockenheimer Str. 18 a, Tel. 28 85 37: 22 Uhr, Swingin'Latin-Funky Disco.
Jazzlife Podium, Kl. Rittergasse 22-26: 19.30 Uhr, The Fabulous Blues Cruisers.
Brotfabrik, Bachmannstr. 2-4: 20 Uhr, Santur. Irish Pub, Kl. Rittergasse 11: 21 Uhr, Mark Merritt.
Werkstatt, Gr. Rittergasse 106: 19 Uhr, Matthias Baumgardt & Band.
Spritzenhaus, Kl. Rittergasse 41-43: 19 Uhr, Phantamor.
Hotel Kutsch, Kl. Rittergasse 5: 20 Uhr, Five Pieces Plus One.
Al Andalus, Affentorhaus 1: 19 Uhr, Juan de la Paca y José El Macareno.
Jazz-Kneipe, Berliner Str. 70: 22 Uhr, John Oslawski Quartett.
Jahrhunderthalle Hoechst: 20 Uhr, Semper House Band & Gunther Emmerlich.
JUZ Bockenheim, Varrentrappstr. 38: 21 Uhr, Motorpsycho & Band.
Veranstaltungszentrum Ka Eins, Kasseler Str. 1 a: 21 Uhr, El Son Latino.
Palast Bar im Tigerpalast, Heiligkreuzgas- se 16-20: 22 bis 3 Uhr, Live-Blues Entertain- ment - Joan Faulkner und Chicago Blues Busters.Literatur Buchcafé im Jüdischen Museum, Untermainkai 14: 20 Uhr, Lesung Gertrud Koch - "Die Einstellung der Einstellung".
Literaturhaus, Bockenheimer Landstr. 102: 16.30 Uhr, Lesung "Karl May - Winnetou". Vorträge / Diskussionen Volkssternwarte, Robert-Mayer-Str. 2-4: 20 Uhr, Diavortrag "Meteoriten - Botschafter von anderen Welten".
Freimaurerloge "Wilhelm zur Unsterblichkeit": 20 Uhr, Vortrag "Freimaurerei gestern, heute und morgen". Filme / Kino Bund der Berliner und Freunde Berlins: 15 Uhr, Stammtisch & Filmvorführung; Haus Dornbusch, Eschersheimer Landstr. 248.
Stadtteilladen Dezentral: 19.30 Uhr, Film "Soldier Girls".
Das Kinoprogramm entnehmen Sie bitte aus dem Filmspiegel auf Seite 23 im Anzeigenteil. Museen/Führungen Museum für Moderne Kunst, Domstr. 10: 15.15 Uhr, Führung zu "Förg, Schnabel, Richter". Was Frankfurter Museen und Galerien zeigen sowie die allgemeinen Führungstermine lesen Sie täglich auf der Seite "Kulturpanorama Frankfurt" in der Abendausgabe sowie donnerstags auf der Freizeitseite "Was- Wann-Wo".
Sonstiges City-Lauftreff am Römer: 12 bis 14 Uhr, Alte Mainzer Gasse 4, Laufstrecken 2, 4 und 8 km.
Männerzentrum, Neuhofstr. 41 HH: 20 Uhr, Gespräch "Väter ohne Kinder".
Frankfurter Werkgemeinschaft, Lenaustr. 24: 11 Uhr, Töpferstudio.
PINS, Single-Verein: 20 Uhr, Stammtisch, Turmschänke, Hainer Weg 60 (Info 7 89 56 28). Märkte Sachsenhausen: 8 bis 18 Uhr, Wochenmarkt; Diesterwegplatz. Apotheken Folgende Apotheken sind von Freitag, 8.30 Uhr bis Samstag, 8.30 Uhr, ständig dienstbereit:
Alte Apotheke, Niederrad, Odenwaldstr. 18, Tel. 67 11 30; Altkönig-Apotheke, Rödelheim, Niddaugaustr. 73, Tel. 78 36 39; Andreas-Apotheke, Eschersheim, Waldecker Str. 5, Tel. 52 08 10; Barbara-Apotheke, Wittelsbacherallee 71, Tel. 44 87 17; Centrum-Apotheke, Zeil 96, Tel. 29 51 29; Kuhwald-Apotheke, Müllerstr. 30, Tel. 77 17 35; Liebig-Apotheke, Unterlindau 67, Tel. 72 24 50; Schweizer-Apotheke, Sachsenhausen, Schweizer Str. 47, Tel. 61 60 67; Taunusblick-Apotheke, Zeilsheim, Pfaffenwiese 53, Tel. 36 27 70. Ärztlicher Notdienst Der ärztliche Notdienst für das Stadtgebiet Frankfurt ist unter der Rufnummer 1 92 92 jederzeit erreichbar. Er soll jedoch nur bei Verhinderung des Hausarztes in Anspruch genommen werden. Für ambulant zu versorgende Notfälle: Notdienstzentrale im Haus Galluswarte, Mainzer Landstraße 265 und Usinger Str. 5.
Sanitätsdienstliche Bereitschaft für Soldaten der BW Stadt Frankfurt, Stadt und Kreis Offenbach, Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis, während der allgemeinen Dienstzeit: StOArzt Frankfurt, Tel. 2 47 78 - 4 33; nach Dienst und an Wochenenden: SanZentr. 412 Mainz, Tel. 0 61 31 / 56 26 42.
Zahnärztlicher Notdienst Der zahnärztliche Notdienst in Frankfurt ist bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen, Zahnärztehaus Niederrad, Telefon 66 07 / 2 71, zu erfragen. Tierärztlicher Notdienst (19 bis 23 Uhr) Tierarzt Knell, Beethovenplatz 7, Tel. 72 66 66; danach bei den tierärztlichen Kliniken (Branchenfernsprechbuch unter "Tierärzte"). Anwaltsnotdienst in Strafsachen (24 Stunden täglich)
Telefon 28 30 83. Telefonberatungen Tag und Nacht Telefonseelsorge im Ev. Volksdienst: Tel. 1 11 01; Telefonseelsorge im Haus der kath. Volksarbeit: Tel. 1 11 02.
Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche: 1 11 03. Notfall-Nummern Feuerwehr/Unfall-Rettungswache 112 Überfall 110 Polizei 75 51 Krankentransport 49 00 01 - 4 Hubschrauber-Rettungsdienst 44 10 33 ADAC-Pannenhilfe 1 92 11 ACE-Pannenleitstelle 19 21 6 AvD-Pannennotruf 6 60 66 00 VCD-Notrufzentrale 02 21 - 82 77 - 3 66 Zentrum für Entgiftungen und Giftinformation der Universität Mainz 0 61 31 / 23 24 66 Drogennotruf 62 34 51 Die Rubrik "Rat und Hilfe" erscheint jeden Montag in der Regionalausgabe und jeden Donnerstag in der Stadtteil-Rundschau mit allen Sprechstunden und Terminen für die gesamte Woche. Wir empfehlen, diese Rubrik aufzuheben. - ohne Gewähr -
ari KASSEL, 21. Januar. Die Sozialgerichtsbarkeit wird von der Bevölkerung in den Beitrittsländern noch kaum beansprucht. Das geht aus einer Statistik hervor, die am Donnerstag während der Jahrespressekonferenz des Bundessozialgerichtes (BSG) in Kassel vorgelegt wurde. Danach hat 1992 jeder 400. Bürger in den alten Ländern die Sozialgerichte bemüht, während in den neuen Ländern lediglich jeder 2100. Bürger diesen Rechtsweg beschritt.
Nach Einschätzung des BSG-Präsidenten Heinrich Reiter liegt diese Zurückhaltung im wesentlichen in dem noch fehlenden Bewußtsein begründet, daß in diesem Bereich ein (kostenloser) Rechtsschutz in Anspruch genommen werden kann. Nur zu einem Teil seien die Zahlen auch dadurch erklärbar, daß zum Beispiel im Rentenbereich viele Widersprüche "auf Halde" liegen. Im Kasseler Gerichtshof gingen 1992 nur 54 Verfahren aus den neuen Ländern ein (insgesamt wurden knapp 2000 neue Revisionen und Nichtzulassungsbeschwerden registriert).
Die Probleme, die in den 54 Verfahren aufgeworfen werden, seien schwierig und von grundsätzlicher Art, hieß es. So steht zum Beispiel zur höchstrichterlichen Entscheidung an, ob die Kürzung der in der ehemaligen DDR gewährten Renten einschließlich der Zusatzversorgung unter anderem für die sogenannte Intelligenz auf höchstens 2010 Mark rechtmäßig sei.
Wir gratulieren
Herrn Georg Matheis zum 93. Geburtstag am 22. Januar.
Die politischen Differenzen über die Förderung des ostdeutschen Sports sind offenbar beigelegt. Der Sportausschuß des Deutschen Bundestages befürwortete auf seiner Sitzung am Mittwoch in Bonn, daß der Bund Mittel über die Sportstättenförderung in den neuen Ländern aus dem Solidarpakt "Aufschwung Ost" bereitstellt. Konkrete Beschlüsse wurden aber noch nicht gefaßt.
Wie der sportpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Wilhelm Schmidt, nach den Beratungen erklärte, ist zwischen den Fraktionen Einigkeit erzielt worden, aus Bundesmitteln zu helfen. Zuvor hatte monatelang die Regierungskoalition den Standpunkt vertreten, lediglich die Förderung des Leistungssportes sei Angelegenheit des Bundes.
Schmidt: "Wir denken daran, den neuen Ländern jährlich 175 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen, damit die Städte und Gemeinden die maroden Sportstätten ausbessern können. Dies ist jetzt mehrheitsfähig, weil die Lösung über den Solidarpakt auch eine Investitionsförderung für die angeschlagene Ost-Wirtschaft beinhaltet."
Der Parlamentarische Staatssekretär Eduard Lindner (CSU) gab seine Zustimmung, sah allerdings für 1993 keine Möglichkeit mehr, über den Nachtragshaushalt Gelder bereitzustellen. sid
USINGEN. Der FDP-Ortsverband klagt über Kandidatenmangel. Für die bevorstehende Kommunalwahl im März suchen die Usinger Liberalen immer noch "Bürger mit etwas Freizeit", die für die FDP in den Ortsbeiräten mitarbeiten wollen.
In Michelbach, Kransberg, Merzhausen und Wernborn steht die Partei bisher ohne Bewerber da.
Ihr Vorsitzender in Usingen, Kai Götte, hat dafür wenig Verständnis: "Es ist verwunderlich, daß sich niemand zum Einsatz für die Gemeinschaft bereit erklärt", sagt er.
Wer der FDP aus dem Wahl-Dilemma helfen möchte, braucht nicht unbedingt Mitglied der Partei zu sein. Kai Götte (Telefon 0 60 81 / 25 76) freut sich über Bewerber. ill
Erich Honeckers chilenische Ärzte wagten den deutschen Gerichtsgutachtern zu widersprechen, als sie ihren Patienten gleich nach Ankunft als "keinen Krebskranken im Endstadium" bezeichneten. Ein zweites Mal stellt das Team unter Leitung des Gastroenterologen Roberto Palma die Berliner Experten, deren Schlußfolgerungen die Freilassung Honeckers nach sich zogen, aber nicht an den Pranger: Zwar ermittelten die chilenischen Mediziner die restliche Lebenserwartung Honeckers inzwischen exakt, doch bleibt die geheim. Und zwar auf Von Ulrich Achermann (Santiago de Chile) Wunsch der Honecker-Ehefrau Margot. "Erich soll nicht aus den Zeitungen erfahren, wie lange er noch zu leben hat", sagte die ehemalige DDR-Volksbildungsministerin den Ärzten ihres Mannes.
Das Ärzteteam der "Las Condes"-Privatklinik im gleichnamigen Reichenviertel Santiagos steht nach Worten seines Sprechers Sergio Vaisman nun an einem Scheideweg. Einerseits hat man sich Klarheit über den tatsächlichen Krankheitszustand Honeckers verschafft. Auch in Chile lautet die Diagnose: Leberkrebs. Dazu gehört freilich die Erkenntnis, daß Honecker im Augenblick nicht als Kranker im Endstadium bezeichnet werden kann. "Auch Nichtmedizinern blieb das nicht verborgen", so Vaisman.
Andererseits liegt nun auch die Wachstumskurve des Lebertumors vor, der sich "schnell ausdehnt". Wie sehr - dazu darf Vaisman auf Wunsch Margot Honeckers nichts sagen. Aus dieser Information ließe sich Erich Honeckers restliche Lebenserwartung ableiten. Wie es nun, eine Woche nach Ankunft des ehemaligen DDR-Staats- und Parteichefs in Chile, weitergeht, das hängt vom Patienten selbst ab: Der 80jährige Schwerkranke muß entscheiden, ob er sich einer Operation zur Tumor-Entfernung unterziehen will oder nicht. Um die Erfolgsaussichten eines solchen Eingriffs zu bestimmen, wären weitere Untersuchungen und schmerzhafte Gewebeentnahmen notwendig. Erich Honecker muß sich entscheiden; die Zeit drängt. "Der Tumor wächst, die Grundsatzentscheidung muß innerhalb weniger Tage fallen", so Ärztesprecher Vaisman. Die aus Deutschland eingetroffene klinische Vorgeschichte Honeckers sagt den Ärzten in Santiago nicht allzu viel aus. Berichte über Gewebeuntersuchungen bei früher entnommenen Organteilen sind - falls solche je angestellt wurden - nicht in Chile eingetroffen. Ist Honeckers Leberkrebs eine Primärerkrankung jenes Organs oder eine Sekundärerscheinung, ein Ableger seines Nierentumors?
Um dies abzuklären, muß Erich Honekker erst wieder in der Klinik auftauchen. Leber-Primärkrebs würde bedeuten, daß es "eine gewisse Chance gibt", daß eine Operation vielleicht Aussicht auf Erfolg hätte. Andernfalls wäre laut Vaisman jeder operative Eingriff sinnlos. Honecker ist während einer Nieren-Tumorentfernung vor zwei Jahren auch ein Stück Grimmdarm entfernt worden. "Aus welchem Grund?" würden Vaisman und seine Kollegen gern wissen. In Chile ist diese Information bislang nicht verfügbar. War es wegen Darmkrebs - dann bräuchte sich Honecker in Santiago gar nicht mehr unters Messer zu legen. Vaisman zufolge könnte man dann allenfalls mit Chemotherapie oder Bestrahlung "noch etwas Linderung zu schaffen versuchen".
Selbst wenn die objektiven Möglichkeiten für eine chirurgische Entfernung des Tumors und eines Teils der rechten Leberhälfte gegeben wären; selbst wenn sich Erich Honecker tatsächlich solch einem Eingriff unterziehen will - seinen chilenischen Ärzten graust es. Vor zwei Jahren, als er an der Niere und gleichzeitig an der Galle operiert worden war, war Erich Honecker laut Report der deutschen Chirurgen für kurze Zeit im Jenseits: Anästhesie und Belastung durch die stundenlange Operation hatten beim Patienten zum Herzstillstand geführt. Nur mit äußerster Mühe konnte der ehemaligen Nummer eins der DDR wieder Leben eingehaucht werden. So ein Zwischenfall kann sich laut Ärztesprecher Sergio Vaisman jederzeit wiederholen. Dazu kommen die Blutungsrisiken eines jeden Lebereingriffs.
Seit gleich nach seiner Ankunft in Santiago die Untersuchungen in der Klinik begonnen haben, lebt Erich Honecker in einer abgeschlossenen Wohnanlage im Stadtviertel La Reina. Sie liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Haus von Honecker-Tochter Sonja, welche die Bleibe gemietet hat. Chiles "Carabinero"-Polizei bewacht die Zugänge und schützt den Gast vor Medienleuten. Erich Honecker scheint sich vor allem auszuruhen, hat er doch bislang keine seiner chilenischen Freunde empfangen. Selbst Graciela Alvarez, Präsidentin des chilenischen Honecker-Freundeskreises, wartet vergeblich auf einen Termin. Sie vertraut darauf, die Ärzte der "Las Condes"-Klinik würden Honecker "wieder hinkriegen"; soweit jedenfalls, daß der 80jährige ein "weitgehend normales Leben" führen, "Santiago und den Süden Chiles kennenlernen kann".
Mit Erich Honeckers Ausreise aus der Bundesrepublik ist das Thema Strafprozeß für die Anwältin Alvarez und ihre 140 Mitstreiter im Solidaritätskomitee abgehakt. Die chilenische Öffentlichkeit nimmt die bundesdeutschen Nachwehen der Honecker-Freilassung hingegen mit wachsender Verwunderung zur Kenntnis. Erst setzte die Bundesregierung alles daran, Honecker aus seinem damaligen Asyl in der chilenischen Botschaft in Moskau rauszukriegen, damit ein Prozeß gegen ihn eröffnet werden konnte. Kaum geschehen, steht Erich Honecker als freier Mann in Chile da. Und kaum ist Honecker von den Alt-Linken Chiles als Märtyrer gefeiert worden, will ihn der Ankläger in Berlin wieder zurück.
Die Auseinandersetzungen um den vom Amt für Multikulturelles herausgegebenen "Multikulturellen Kalender 1993 - Feste der Völker" gehen weiter. Eine scharfe Reaktion aus der Bonner Botschaft des Iran erntete der SPD-Stadtverordnete Bernhard Ochs, der als erster öffentlich kritisiert hatte, daß der Kalender zwar die iranischen Revolutionsfeiertage, nicht aber die USA mit ihrem "Independence Day" und "Thanksgiving" berücksichtigt.
Pressesprecher Morteza Rahmani Movahed bezichtigte Ochs "eurozentrischer Überheblichkeit" und forderte "mehr Bescheidenheit": "Sie haben die Weisheit nicht gepachtet (. . .) Ein multikultureller Kalender hätte diesen Namen nicht verdient, wenn er versuchen wollte, anderen Kulturen selektive Feiertagsgefühle zu vermitteln."
Als "Verhöhnung" der Opfer der Islamischen Republik Iran verurteilen indes die Junge Union Frankfurt Mitte und der Verein Iranischer Frauen in einer gemeinsamen Erklärung die Auswahl der Feiertage im Kalender. Dieser "Skandal" beweise "erschreckende Unkenntnis" der politischen Lage im heutigen Iran. Dort herrsche ein "Regime brutalster und schrecklichster Ausprägung", "staatlich legitimiertes Morden, Massenhinrichtungen, widerwärtige Folter" seien Alltag in der "Mullahdiktatur". Allein in der ersten Hälfte 1992 seien 224 Menschen hingerichtet worden.
Der Schah habe dagegen eine "vorbehaltlose Gleichberechtigung der Frau im Iran" erreicht und das Recht "vorbildlich" reformiert. Das alles habe die Khomeiny- Revolution zunichte gemacht. peh / luf
HANAU. Von drei zunächst unbekannten Männern überfallen wurde am Mittwoch gegen 20.30 Uhr ein 19jähriger Passant, der gerade aus einem Spielsalon in der Krämerstraße in Hanau kam. Nach Angaben der Polizei drängten die Täter den Mann in einen Hauseingang , nahmen ihm unter Androhung von Schlägen Portemonnaie und Fahrzeugschlüssel ab und nötigten ihn, mit ihnen zu seinem in der Nähe abgestellten Auto zu gehen. Gemeinsam mit dem Opfer fuhren sie dann im Stadtgebiet umher und setzten den 19jährigen schließich in der Innenstadt ab. Dort alarmierte der 19jährige die Polizei.
Im Zuge der Fahndung konnte das geraubte Fahrzeug des 19jährigen dann eine Stunde nach Mitternacht in der Hanauer Innenstadt gestellt und die Insassen festgenommen werden. Es handelt sich um zwei 19jährige und einen 15 Jahre alten Jugendlichen, die alle aus Hanau stammen und für die Polizei keine Unbekannten sind. Die Polizei vermutet, daß die drei Festgenommenen eine Tankstelle überfallen wollten. are
Polizei darf Hütchenspieler ohne Amtsrichter festsetzen Beamte rieten dem Kläger zum Gang vor Gericht Von unserem Redaktionsmitglied Jürgen Schenk Die Polizei im Bahnhofsviertel darf Hütchenspieler, die trotz Warnung ihr betrügerisches Glückspiel weiterhin betreiben, nachts auch ohne Einschaltung eines Amtsrichters in die Haftzellen des 4. Reviers stecken, bis sich deren "Kundschaft" verlaufen hat. Dies entschied jetzt die 5. Kammer des Verwaltungsgerichts Frankfurt. Wie die mündliche Verhandlung ergab, sind nämlich die jeweils zuständigen Richter, die über derartige Freiheitsentziehungen zu entscheiden haben, in der Regel nicht mehr im Dienst, wenn abends die Aktionen der Polizei laufen. Daß es überhaupt zu dieser Entscheidung kam, ist auf das ungewöhnliche Zusammenspiel eines 35 Jahre alten Hütchenspielers aus dem Kosovo und Beamten des 4. Polizeireviers zurückzuführen.
Die Fahnder hatten bereits 1989 bei ihren täglichen Aktionen gegen Hütchenspieler an der Ecke Elbe-/Taunusstraße den 35jährigen als dominierende Gestalt in dieser Szene ausgemacht. Jedesmal, so übereinstimmend mehrere Beamte vor Gericht, wenn die Polizei auf den Plan trat, stoben alle auseinander, nur der 35jährige blieb stehen. Freundlich lächelnd erklärte er jedesmal den Beamten: "Ich habe nicht gespielt." Bei den schon zur Routine gewordenen Vernehmungen auf dem Polizeirevier erklärte er nach Aussagen der Zeugen dann beim freundlichen Small-Talk, jeweils dieses eine Mal würden die Verdächtigungen nicht stimmen, grundsätzlich aber müsse er sich mit Hütchen-Spielen den Lebensunterhalt für sich und seine Familie verdienen. Anfang 1990 nahmen die Polizeibeamten den Mann dreimal mit zum Revier zu einer "Inverwahrnahme"; das bedeutet: Jeweils bis vier Uhr früh saß er in einer Zelle des Reviers und wurde dann wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Dienstgruppenleiter des 4. Reviers erklärte vor der 5. Kammer, jedesmal sei versucht worden, einen der Amtsrichter, die damals noch im Polizeipräsidium ihren Dienst taten, zu erreichen - jedesmal vergeblich. Nach dem Hessischen Gesetz über Sicherheit und Ordnung (HSOG) habe man dann die mehrstündigen Freiheitsentziehungen aufgrund eigener Machtvollkommenheit angeordnet.
Schließlich beschwerte sich der 35 Jahre alte Hütchenspieler bei den Beamten. Was sie täten, sei rechtswidrig. Die Revierbeamten gaben ihm daraufhin den freundlichen Rat, dann doch Klage beim Verwaltungsgericht einzureichen. Einige der Beamten, die vor Gericht jetzt als Zeugen auftraten, machten keinen Hehl daraus, daß sie selbst eine Gerichtsentscheidung herbeiwünschten, um Klarheit über die Rechtmäßigkeit ihres Handelns zu bekommen.
Der Anwalt des 35jährigen stellte darauf ab, daß der Bundesgerichtshof das Hütchenspiel nicht per se für betrügerisch erklärt habe. Auch sein Mandant sei kein Betrüger, sondern geschickt. Der Kosovo-Albaner war allerdings vor Erlaß der höchstrichterlichen Entscheidung wegen Hütchenspielens zu eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 20 Mark verurteilt worden. Gegen ihn laufen rund 100 Ermittlungsverfahren in gleicher Sache.
Den 35jährigen in Verwahrung zu nehmen, sei, so der Anwalt, ein Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention, die solche zeitweiligen Freiheitzsentziehungen durch Polizei nur bei Straftaten und in ganz begrenztem Umfang bei Ordnungswidrigkeiten zulasse.
Der Prozeßvertreter der Polizei meinte, die Szene der Hütchenspieler im Bahnhofsviertel habe erheblichen Bezug zur organisierten Kriminalität. Der 35jährige gewinne nur durch Betrug. In einem solchen Fall dürfe die Polizei präventiv vorgehen. Wenn kein Richter da sei, auch ohne ihn. Die 5. Kammer des Verwaltungsgerichts gab ihm Recht und wies die Klage des Hütchenspielers ab.
DIETZENBACH. Der Polizeiposten im Alten Rathaus in Dietzenbach wird in absehbarer Zeit nicht zur Tag und Nacht sowie an Wochenenden besetzten Polizeistation aufgewertet. Entsprechende Hoffnungen der Kommunalpolitiker mit Bürgermeister Jürgen Heyer und dem Ersten Stadtrat Lothar Niemann an der Spitze machte der hessische Innenminister Herbert Günther bei einem Gespräch im Rathaus zunichte. Schon mit Blick auf die um 10 000 Einwohner größere Nachbarstadt Rodgau sei das nicht möglich.
Während in Dietzenbach nämlich stolze 18 Beamte, darunter zwei Frauen und sechs Kriminalisten, montags bis freitags von 7 bis 20 Uhr und samstags zwischen 7 und 14 Uhr ihren Dienst versehen, muß sich Rodgau mit acht Mann begnügen. Er sei der letzte, der die kriminelle Entwicklung im Rhein-Main-Gebiet verharmlose, sagte Günther, das finanzielle Desaster des Landes aber erlaube keine weitere Aufstockung des Stellenplans.
"Ich kann nicht mehr Mitarbeiter abstellen, als ich habe", assistierte dem Gast aus Wiesbaden der Offenbacher Polizeipräsident Kurt Löwer, der von einem halben Dutzend Städten im Kreis weiß, die gern eine Polizeistation hätten.
Während Herbert Günther Dietzenbach als "außergewöhnlich gut bedient" bezeichnete, ergänzte Löwer, daß es nicht möglich sei, daß jede Gemeinde im Kreis Sitz einer Polizeistation werde.
Denn versorgt wird die 32 000-Einwohner-Stadt mit ihrem über 28prozentigen Ausländeranteil offiziell von Rödermark, von wo aus 35 Beamte auf Ruhe und Ordnung achten.
Aber gerade die Dietzenbacher bangen um ihre Sicherheit. Der Bürgermeister nannte Delikte wie Bedrohungen bei Dunkelheit, sexuelle Belästigungen von Frauen, aber auch Einbrüche und Ladendiebstähle, die in seiner Stadt zunehmend beobachtet würden.
Der Offenbacher Polizeipräsident konterte, daß Dietzenbach beileibe nicht die Stadt mit der höchsten Kriminalität sei.
Auch Vertreter des Gewerbevereins forderten eine Verstärkung der Uniformträger, weil sie mitunter hilflos zusehen müßten, wie Ganoven in ihren Geschäften ans Werk gingen in der Überzeugung, daß die Polizei auf sich warten lasse.
Der Erste Stadtrat Lothar Niemann regte an, die städtischen Hilfspolizisten ("Hipos") mit mehr Befugnissen auszustatten, aber da sahen Günther wie Löwer die Gefahr einer Zwei-Klassen-Polizei: die einen besser ausgebildet und besoldet als die anderen, aber beide mit gleicher Verantwortung.
Kurt Löwer appellierte an die Öffentlichkeit, mehr die Polizei mit Hinweisen auf Straftaten zu unterstützen und sich auch als Zeugen zur Verfügung zu stellen. ttt
HOCHHEIM. Fuß vom Gas heißt es ab Montag, 25. Januar, im westlichen Teil der Hochheimer Kernstadt. Dort wird die nächste Tempo-30-Zone eingerichtet. Sie umfaßt das Gebiet zwischen Weiherstraße, Alleestraße, Königsberger Ring und Burgeffstraße. Die Vorfahrtregelungen in diesen Straßen werden aufgehoben.
Die Wilhelmstraße wird dann künftig Einbahnstraße sein und ist nur noch in südlicher Richtung von Alleestraße bis Burgeffstraße befahrbar, teilte der Magistrat mit. set
RÖDERMARK. Unbekannte Täter stiegen in eine Erdgeschoßwohnung in der Straße "Am Buchrain" ein und erbeuteten Schmuck im Wert von etwa 20 000 Mark. Wie die Polizei gestern berichtete, war der Einbruch bereits am Montag verübt worden. Die Täter hatten die Balkontür aufgebrochen und dann alle Schränke und Schubladen durchwühlt. fin
WETTERAUKREIS. Das bedeutendste bildungspolitische Reformvorhaben, das die rot-grüne Koalition des Wetteraukreises in dieser Legislaturperiode beschlossen hat, muß vertagt werden. Kultusminister Hartmut Holzapfel (SPD) sieht sich außerstande, die Genehmigung für eine Gymnasiale Oberstufe an der Gesamtschule Konradsdorf bereits zum 1. August 1993 zu erteilen. Seine Pressesprecherin Karin Drda-Kühn erläuterte am Donnerstag im Gespräch mit der FR, daß dies "keinesfalls eine Ablehnung" des vom Kreistag beschlossenen Vorhabens bedeute. Dem Kultusminister gehe es vielmehr darum, mit der "notwendigen Gründlichkeit" seine Entscheidung zu treffen. Der Schulleiter der Konradsdorfer Gesamtschule, Ulrich Lang, bedauert, daß die Gymnasiale Oberstufe nicht mehr in diesem Jahr eingerichtet werden kann. Von dieser Entscheidung seien mehr als 60 Jugendliche aus dem jetzigen zehnten Schuljahr betroffen, die nun nach den Sommerferien auf eines der Gymnasien wechseln müßten.
Der Schuldezernent des Wetteraukreises, Beigeordneter Joachim Pollmar (SPD), betrachtet Holzapfels Mitteilung als "nicht so dramatisch". Sollte die Gymnasiale Oberstufe im nächsten Jahr eingerichtet werden, sei das immer noch ein "großer Erfolg" für die Befürworter der Reform. Üblicherweise müssen Wünsche auf schulorganisatorische Änderungen dem Kultusministerium bis Ende August vorliegen, sollen sie im darauffolgenden Jahr bereits wirksam werden. Der Wetteraukreis reichte seinen Antrag, der eine Gymnasiale Oberstufe bereits zum 1. August diesen Jahres verlangt, jedoch erst nach einem Kreistagsbeschluß im Dezember 1992 in Wiesbaden ein. Der geforderte Zeitplan wurde nicht eingehalten, weil die Entscheidung der rot-grünen Kreistagsmehrheit erst nach langwierigen Debatten innerhalb der SPD getroffen werden konnte. Pollmar: "Optimisten haben sicher gedacht, daß der Minister das politisch entscheidet. Dem ist aber nicht so."
Holzapfel erwartet nun aus der Wetterau noch einen Schulentwicklungsplan, der regional auf das östliche Kreisgebiet beschränkt sein kann. Der Plan, der in diesem Jahr mindestens eine weitere Debatte im Kreistag nötig machen wird, muß unter anderem Fakten über derzeitige und künftige Schülerzahlen in der Umgebung von Konradsdorf, Büdingen und Nidda enthalten.
Für manch einen der abiturwilligen Zehntkläßler in der Gesamtschule Konradsdorf und der Limesschule Altenstadt bedeutet die Entscheidung Holzapfels mehr als nur einen Schulortwechsel. Konradsdorfs Rektor Lang weiß, daß etwa zehn Kinder seiner Schule ihren weiteren Bildungsweg davon abhängig gemacht hätten, ob sie an ihrer Schule bei den ihnen bekannten Lehrern das Abitur hätten ablegen können.
Schuldezernent Pollmar ist überzeugt, daß Holzapfel den Wunsch des Kreistages grundsätzlich nicht in Frage stellen wird. Der Kultusminister habe bereits signalisiert, er sehe keine Probleme, falls die Schülerzahlen stimmten. Pollmar dazu: "Ich meine, es gibt da auch keine Probleme." sal
Samstag / Sonntag, 23. /24. Januar
Theater Schauspiel Frankfurt, Theaterplatz, Tel. 212 37 444: Schauspielhaus: Sa./So., 19.30 Uhr, Bernhard Minetti erzählt "Märchen in Deutschland"; Kammerspiel: Sa., 14.30 & 19.30; So., 19.30 Uhr, "Iphigenie in Freiheit"; Bockenheimer Depot: Sa., 18 Uhr & So., 19.30 Uhr, "Festung"; Sa., 22.30 Uhr, "Katarakt".
Fritz Rémond Theater im Zoo, Alfred- Brehm-Platz 16, Tel. 43 51 66: Sa., 20 Uhr, "Sturmwarnung".
Die Komödie, Neue Mainzer Str. 28, Tel. 28 45 80: Sa., 20.15 Uhr, So., 18 Uhr, "Hier kocht der Chef".
Volkstheater Frankfurt, Gr. Hirschgraben 21, Tel. 28 85 98: Sa., 20 Uhr, So., 15.30 Uhr, "Stelldichein im Tivoli".
Die Schmiere im Karmeliterkloster, Seckbächer Gasse, Tel. 28 10 66: Sa./So., 20.30 Uhr, Schmiere-Spezial.
Goethe Theater, Leiziger Str. 36, Tel. 70 88 44: Sa., 20.30 Uhr, "Das letzte Band".
Die Maininger, Neue Rothofstr. 26 a, Tel. 28 02 27: Sa., 20.30 Uhr, "Kassa blanka - und schweigende Lämmer".
Die Katakombe, Pfingstweidstr. 2, Tel. 491725: Sa., 20 Uhr, "Die Dreigroschenoper".
Gallus Theater, Krifteler Str. 55, Tel. 738 00 37: Sa., 15 Uhr, Theater für Kinder (ab 4 J.) - "Lilly Liliput"; 20 Uhr, Doris Batzler - "Undine geht".
Kellertheater, Mainstr. 2: Sa., 20.30 Uhr, "Das Martyrium des Pjotr O'Hey".
English Theater, Kaiserstr. 52, Tel. 24 23 16 20: Sa./So., 20 Uhr, "The Boy Friend".
Mouson-Turm, Waldschmidtstr. 4, Tel. 40 58 95 - 0: Theatersaal: Sa./So., 20 Uhr, Mathias Beltz - "Füße im Feuer"; Studiobühne: 21 Uhr, Sandglass Theater.
Theater am Turm, Eschersheimer Landstr. 2, Tel. 1 54 51 10: Sa. 20 Uhr, Achim Freyer - "Liebe von Kopf bis konfus".
Kommunales Kinder- & Jugendtheater, Am Tiergarten 12, 59 83 43: So., 15 Uhr, Märchen & Geschichten (ab 5 J.).
Neues Theater Höchst, Emmerich- Josef-Str. 46 a, Tel. 30 30 90: Sa., 20 Uhr, Peter Spielbauer; So., 16 & 20 Uhr, Varieté am Sonntag.
Theaterhaus, Schützenstr. 12, Tel. 299 861 10: Sa., 20 Uhr, Theater Grüne Sosse - "Fräulein Julie"; Sa., 23 Uhr, Cornelia Niemann - "Solo im Supermarkt"; So., 15 Uhr, Ferri & Lerri - Mitmachkonzert (ab 4 J.).
Theater für Kinder, Pfingstweidstr. 2, Tel. 49 17 25: 15 Uhr, "Cinderella".
Café Cult, Schillerpassage, Tel. 92 00 61 23: Restaurant-Theater: Sa./So., 20 Uhr, Festival der Magie; Artrium: So., 11 Uhr, Powerhouse Jazzband & Kids Comedy Brunch.
Freies Schauspiel Ensemble: Sa., 19 Uhr, "Nachtwache"; Philanthropin, Hebelstr. 17.
Hessischer Rundfunk, Bertramstr. 8/ Foyer: Sa./So., 10 & 14 Uhr, Augsburger Puppenkiste (Videos).
Theater in der Uni, Senckenberganlage 27, Tel. 77 59 08: Sa., 20.30 Uhr, "Kaspar".
TiB-Studiobühne, Bornheimer Landwehr 35, Tel. 493 05 03: Sa., "Aysche und Richard".
Bühne 55, Falkstr. 55: Sa., 19.30 Uhr, "Ein idealer Gatte".
Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20, Tel. 28 96 91: Sa., 20 & 23.30 Uhr, Internationale Varietérevue. Musik Oper, Theaterplatz, Tel. 23 60 61: Sa., 20 Uhr, "Carmen"; So., 18 Uhr, "Der Rosenkavalier". Alte Oper, Opernplatz, Tel. 13 400: Grosser Saal: Sa., 20 Uhr, Hot Jazz Meeting; So., 19 Uhr, Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.
Batschkapp, Maybachstr. 24: Sa., 22 Uhr, Idiot Ballroom.
Sinkkasten, Brönnerstr. 5: Sa., 21 Uhr, Gustav Rabe.
Jazzkeller, Kl. Bockenheimer Str. 18 a: Sa., 22 Uhr, Odysseus Broz - Rock-Groove-Standards. Jazzlife Podium, Kl. Rittergasse 22-26: Sa., 19.30 Uhr, Blues Cruisers; So., 19.30 Uhr, Traces.
Brotfabrik, Bachmannstr. 2-4: Sa., 20 Uhr, Salsa Aqui & Disco.
Brasil & Disco Brasileira; Theatersaal II. OG:So., 15.30 Uhr, Manioli - Kinderzauberer. Irish Pub, Kl. Rittergasse 11: Sa./So., 21 Uhr, Johnny Tobasco.
Werkstatt, Große Rittergasse 106: Sa., 19 Uhr, Black Bembel; So., 15 Uhr, Mathias Baumgart & Band; 20.30 Uhr, The Rude Kids.
Spritzenhaus, Gr. Rittergasse 41-43: Sa., 19 Uhr, Nyce Cryce; So., 15 Uhr, Bernd Schütz Band; 21 Uhr, Message In A Bembel.
Schlachthof, Deutschherrnufer 36: So., 11.30 Uhr, Red Hot Hottentots.
Hotel Kutsch, Kl. Rittergasse 5: Sa., 20 Uhr, Swingstars; So., 20 Uhr, Musiker Treff.
Al Andalus, Affentorhaus 1: Sa., 19 Uhr, Juan y José; So., 17 Uhr, Tanz mit Las Flamencas.
Jazzkneipe, Berliner Str.70: Sa., 22 Uhr, Hengstbach Stompers; So., 22 Uhr, Piano George.
Café Plazz, Kirchplatz 8: So., 19.30 Uhr, Ulrike Maier.
Dreikönigskeller, Färberstr. 71: Sa., 20 Uhr, Lovehappy; So., 20 Uhr, Ananas.
Palast Bar im Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20: Sa., 22 Uhr, Joan Faulkner und die Chicago Blues Busters.
Kommunikationszentrum KOZ, Uni Campus: So., 18 Uhr, The Ex & Tom Cora.
Veranstaltungszentrum KA Eins, Kasseler Str. 1 a: So., 15 Uhr, Indische Kulturmatinee. Kirche St. Bernhard, Koselstr. 11-13: So., 18 Uhr, Vokalensemble Alta Musica.
Alte Nikolaikirche, Römerberg: So., 11.45 Uhr, Lieder & Orgelmusik "Epiphanias".
Nicolaikirche, Waldschmidtstr./Rhönstr.: So., 18 Uhr, Musik für Orgel & Gitarre.
Festeburgkirche, An der Wolfsweide 54-58: So., 19.30 Uhr, Brigitta Wollenweber - Klavier.
Jahrhunderthalle Hoechst: Sa., 20 Uhr, Semper-House-Band & Gunther Emmerlich; So., 20 Uhr, The Harlem Gospel Singers.Kleine FR · Kleine FR
Kommunalpolitik als Frauensache FRIEDBERG. In dem Seminar "Kommunalpolitik ist Frauensache - Rhetorik für die politische Arbeit" mit Frau Dr. Ariane Bentner am Samstag und Sonntag, 23. und 24. Januar, sind noch Plätze frei. Anmeldung unter Tel. 0 60 31 / 8 38 25 oder 8 38 26. "Schöne westliche Türkei" BAD NAUHEIM. Die "Schönheit der westlichen Türkei" zeigt ein Diavortrag über Urlaub und Reisen auf neuen Wegen am Montag, 25. Janaur, um 20 Uhr im Bürgerhaus Rödgen. SPD bespricht Wahlprogramm HIRZENHAIN. Das Wahlprogramm steht im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung der Hirzenhainer SPD am Dienstag, 26. Janaur, um 19.30 Uhr im Ortsteil Glashütten. Korrekte Entschuldigung BAD NAUHEIM. Wie man eine Entschuldigung für das Kind an die Schule schreibt, eine Bewerbung verfaßt oder Behörden zur Tätigkeit anregt - das alles vermittelt ein Kurs der Volkshochschule, der am Dienstag, 26. Januar, um 19.30 Uhr in der kaufmännischen Berufsschule anläuft. Titel: "Wie drücke ich mich korrekt in deutscher Sprache aus?" Informationen unter Tel. 0 60 31 / 8 38 40. In Kindergarten eingebrochen HIRZENHAIN. Einbrecher suchten nächtens Verwaltung und Kindergarten von Hirzenhain heim. Sie erbeuteten nach Angaben der Polizei nur 100 Mark.
Karten für Narretei buchen HIRZENHAIN. Der Vorverkauf für die närrischen Tage in Merkenfritz beginnt am Samstag und Sonntag, 23. und 24. Januar, jeweils von 15 bis 17 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus. Auf die Fremdensitzungen können sich die Gäste zum 6. und 13. Februar freuen, wie der Vereinsring mitteilt. Die Karten dafür kosten acht oder zehn Mark. Für 14. Februar um 14.11 Uhr wird ein Kindermaskenball angekündigt und für 22. Februar ab 20 Uhr der Rosenmontagsball.
Heide Pfarr in Hirzenhain HIRZENHAIN. Die hessische Ministerin für Frauen, Arbeit und Sozialordnung, Dr. Heide Pfarr (SPD), besucht am Donnerstag, 4. Februar, Hirzenhain. Sie kommt um 19 Uhr ins Bürgerhaus.
BAD HOMBURG. Gar nicht einverstanden ist der Ober-Eschbacher Horst Lang mit dem Bebauungsplan Nr. 50, den die Stadt für das Gelände der ehemaligen Firma Vitapan aufgestellt hat. Auf fünf Seiten hat er seine Kritik am künftigen Gewerbegebiet zusammengefaßt und Kopien des Einspruchs gleich an die vier Parlamentsfraktionen und den Ortsbeirat geschickt. Hauptpunkt dabei: Der 35-Meter-Abstand zu den Gräbern des Friedhofs sei zu großen Teilen nicht gewahrt.
Lang, Anwohner in der Gartenstraße, hat sich im Rahmen der Bürgerbeteiligung geäußert. Die Frist dafür läuft Ende der kommenden Woche ab. Der Bürger sieht den Erlaß des hessischen Innenministers verletzt, wonach zur Einhaltung der Totenruhe zwischen Gräbern und Gebäudekanten ein Abstand von 35 Metern liegen soll. Im Planentwurf sei aber bei den neuen U-förmigen Gewerbebauten diese Distanz an vier Stellen um mindestens 15 Meter unterschritten.
Weiter findet Lang, daß der Entwurf die Chance ungenutzt läßt, Raum für eine Friedhofserweiterung vorzusehen. Dabei weist auch die Stadt auf die "knappe Bestattungsfläche" in Ober-Eschbach hin. Für undurchführbar hält der Einwender ferner die angestrebte Schließung der Ober-Eschbacher Straße und die Verlegung des U-Bahn-Übergangs. Denn die Feuerwehr-Zufahrt zur Autobahn müsse unbedingt erhalten bleiben. Der Umweg über die Kalbacher oder die Norsk-Data- Straße sei lang und mithin riskant.
Fraglich findet es der Bürger, ob der Ortskern wirklich vom Durchgangsverkehr entlastet wird. Überhaupt trage der Entwurf dem Umweltschutz nicht Rechnung. Angesichts der Wohnungsnot würde Lang eine Wohnbebauung vorziehen.
Weil sich das Bebauungsplanverfahren noch in einem frühen Stadium befinde, nahm die Verwaltung gestern der FR gegenüber noch nicht Stellung zu den Einwänden. tom
SELIGENSTADT. Am Sonntag, 24. Januar, ist in der Jugendbegegnungsstätte an der Steinheimer Straße Tag der offenen Tür. Das Programm - Jonglieren, Seidenmalerei und Töpfern - beginnt um 14 Uhr. Um 16.30 Uhr schließt sich unter dem Motto "Jugendliche fragen, Politiker antworten" eine Diskussion an. Bürgermeister Rolf Wenzel, Wenke Baakke von den Jusos, Volker Horn von der Jungen Union und Andreas Hain von den Freien Wählern Seligenstadt stehen Rede und Antwort. Der Tag klingt mit einer Disco aus. fin
SELIGENSTADT. Der grüne Punkt bereitet den Seligenstädtern große Probleme - wie Bürgern in anderen Städten auch. Bürgermeister Rolf Wenzel berichtet davon, daß derzeit im Rathaus andauernd die Telefone klingen. Die Leute klagten über die schlechte Organisation des Dualen System. "Für Beschwerden und Unmutsäußerungen", so Wenzel, sei das städtische Umweltamt die falsche Adresse. Zuständig sei das Entsorger- Konsortium, das im Kreis Offenbach für die Abwicklung des Dualen Systems verantwortlich sei.
Die Firma, die jene gelben Sammelsäkke produziert, hatte Lieferschwierigkeiten. Somit wurden in Seligenstadt an jeden Haushalt zunächst mal erst ein Sack verteilt. Jährlich stehen jedem Haushalt 24 Beutel zu.
"Die getrennte Einsammlung der Verpackungsabfälle ist eine rein privatwirtschaftliche Angelegenheit und nicht Sache der städtischen Abfallbeseitigung", bekräftigt Wenzel. Und: "Weder die Bestellung und die Verteilung der Säcke noch die Abfuhr und die folgende Verwertung der Verpackungen fallen unter die Verantwortung der Stadt." Der Magistrat erinnert jedoch nochmals daran, welcher Abfall wohin gehört. Kunststoffbehälter, Folien, Schaumstoffe und dergleichen mehr werden im gelben Sack abgefahren. Altpapier muß in die grüne Tonne geworfen werden, Altglas - getrennt nach Farben - in die öffentlichen Container. Für Altmetall ist die grüne Tonne tabu. Konservendosen sollen in den gelben Sack gesteckt oder in die aufgestellten Container geworfen werden. Die Containerstandorte werden von bislang 23 auf 40 erhöht. fin
GÜNTER SENF, DRK-Ehrenvorsitzender in Seligenstadt, wurde einstimmig zum ersten Vorsitzenden des städtischen Seniorenbeirats gewählt. Das Gremium mit 23 Mitgliedern konstituierte sich in dieser Woche. Senf wird vertreten von GRETE RUMMEL, Seniorenbetreuerin in Seligenstadt, und dem Vereinsfunktionär ERNST KNEISEL. Zur Schriftführerin wurde IRMTRAUT SAUER gekürt. Der Seniorenbeirat soll die Interessen alter Menschen gegenüber Magistrat und Stadtparlament vertreten und Anregungen für Veranstaltungen geben. fin
MAINTAL. Bislang nicht bekannt ist ein Räuber, der in der Nacht zum Donnerstag einen Passanten in Dörnigheim mit einer Pistole bedroht und die Geldbörse des Opfers geraubt hat.
Ein 23jähriger Maintaler befand sich nach Angaben der Polizei auf dem Nachhauseweg nach einem Gaststättenbesuch, als er gegen 2 Uhr einem dunkel bekleideten Mann begegnete. Der Täter umklammerte plötzlich von hinten den 23jährigen, hielt ihm den Mund zu und drängte ihn in ein Parkgelände an der Brüder-Grimm-Straße. Hier bedrohte der Unbekannte den 23jährigen mit einer Pistole und flüchtete mit dem Portemonnaie des Opfers, ohne zuvor auch nur ein einziges Wort gesagt zu haben. Hinweise auf den Täter nimmt jede Polizeidienststelle entgegen. are
Nüchterne Zahlen: etwa 20 000 Menschen besuchten 48 Veranstaltungen der Kulturwochen im Frankfurter Stadtteil Gallus, die von 1500 ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitwirkenden organisiert wurden. Weitere 20 Projekte werden noch, bis zum großen Abschlußfest - dem Gallustag - am 23. Mai auf der Mainzer Landstraße, folgen. An ihm werden sich wohl alle 77 "Kooperationspartner" (Vereine, Schulen, Kirchen . . . ) aus dem Stadtteil beteiligen. Zudem arbeiten 20 weitere stadtteil-externe Partner (Museen, Ämter, Oper . . . ) an den Kulturwochen mit, die von zwölf Sponsoren getragen werden.
Zahlen, die die Frankfurter Kulturdezernentin Linda Reisch bei einem Zwischenresümee nach 45 Kulturwochen im Gallus vorlegt. Eine Bilanz ohne Ecken und Kanten. Zufrieden und stolz sei sie, betont die fruchtbare und erfolgreiche Zusammenarbeit innerhalb der Projekte. Die Kulturwochen seien notwendiger denn je, meint die Stadträtin, versteht sie "als Zukunftsinvestition". "Den Menschen wird es immer schwerer gemacht, sich intelektuell zu betätigen", sagt Reisch, für die es in den neunziger Jahren nur zwei kulturelle Wirklichkeiten gibt: zum einen, die durch Medien hergestellte, zum anderen, die in der Stadt erfahrbare. Aus diesem Grund will die Politikerin Kulturwochen in Frankfurt trotz aller Finanzdebatten fortführen. Dann aber über zwei Jahre konzipiert: ein Jahr Vorlauf, ein weiteres Jahr für die Realisierung. Vor Beginn der Galluskulturwochen wurde verschiedentlich kritisiert, daß die Vorbereitungszeit zu kurz gewesen sei.
Die Dezernentin hebt hervor, daß Gruppen miteinander arbeiten, die bislang keine Berührungsmöglichkeiten hatten. Reisch nennt als Beispiel ein Videoprojekt, an dem sich sieben Institutionen beteiligen. Gemeinsam soll nun ein halbstündiger Spielfilm entstehen. Gerade für die Jugendlichen im Gallus seien die Kulturwochen eine wichtige Erfahrung. Neben dem Videoprojekt haben die Macher gute Ergebnisse mit der Jugenddisco "Gallus bebt" erzielt. Zusammen mit dem Jugendladen konzipieren und organisieren die Jugendlichen die Veranstaltung selbst. Darüber hinaus fand sie Nachahmer: Im Gutleutviertel hat sich das Discoprojekt "Gutleut hebt ab" etabliert und in Bockenheim ist solch eine Einrichtung in Planung, erzählt Reisch.
Zielgruppe der Kulturwochen im Gallus sind in erster Linie die Bewohner des Viertels. Mittlerweile ist allerdings eine starke Vermischung zu erkennen, sagt Emmanuel Bohn, künstlerischer Leiter der Kulturwochen. Bei Musik- und Theaterveranstaltungen liege der Anteil der stadtteilfremden Besucher bei etwa 40 Prozent. "Das ist gut, denn es gibt immer noch große Vorurteile, wie: Ins Gallus kann man nur mit der Knarre gehen", meint Bohn.
Die Kulturwochen stützten sich auf sechs Pfeiler: Projekte mit soziokulturellem Schwerpunkt (Tanzcafé, Wochenmarkt . . . ), solche für Jugendliche (Video, Disco, Bildhauerwerkstatt), "interkulturelle" Veranstaltungen (Erntedanktag), Musik, Theater sowie Geschichtsprojekte, die der Kulturdezernentin besonders am Herzen liegen. JÖRG HANAU
SELIGENSTADT. Die Abteilung "Karneval" der Turngesellschaft (TGS) 1895 Seligenstadt feiert am morgigen Samstag, 23. Januar, 19.30 Uhr, ihr traditionelles Ratsherrenfest in der "Kleinen Ewweletsche-Bar" am Nordring 18.
Präsident Manfred Kreis präsentiert an diesem Abend nicht nur die diesjährigen Orden, sondern stellt auch die beiden neuen TGS-Ratsherren vor. Gastgeber sind die Ratsherren von 1992, Uli Hof und Bernd Schiwietz. fin
KELKHEIM. Die Transportkisten sind genagelt, die Arbeiten längst ausgesucht, und Reisefieber könnten zumindest vier Mitglieder des Künstlerkreises Kelkheimer auch schon verspüren: Am kommenden Samstag machen sie sich auf nach Kairo, 28 Bilder von 13 ihrer Kollegen aus Kelkheim im Gepäck. Gezeigt werden die Arbeiten bei der 25. Internationalen Buch- und Kunstmesse in Nasser-City, einer Vorortstadt von Kairo.
"Über eines unserer Mitglieder kam der Kontakt zustande, und die Organisatoren haben uns prompt eingeladen", erklärt Künstlerkreis-Sprecher Emil Stoimenoff den ungewöhnlichen Ausstellungsort, an dem die Kelkheimer nun gewissermaßen die "Deutsche-Sektion" repräsentieren. Auf dem Frankfurter Flughafen ist bereits ein "großer Abschiedsbahnhof" organisiert: Vertreter der ägyptischen Botschaft werden die vier "Künstler-Delegierten" verabschieden. ana
SELIGENSTADT. Viele, nicht immer ganz scharfe und geglückte Fotos, doch wertvolle Informationen, Daten und Adressen auf 274 Seiten: das Seligenstädter Jahr in gebundener Form. Das erste Jahrbuch der Stadt, das in einer Auflage von 10 000 Exemplaren an alle Haushalte verteilt wird, ist eigentlich ein Zwei-Jahres-Band, denn es gewährt nicht nur einen Ausblick auf 1993, sondern auch einen Rückblick auf das vergangene Jahr. Das Werk, für das 60 000 Mark im städtischen Haushalt eingeplant sind, bietet zudem einen Überblick über die Vereinswelt.
Michael Bußer, freier Journalist aus dem Stadtteil Froschhausen, übernahm im Auftrag des Magistrats die Redaktion für das blaue Taschenbuch, auf dessen Titelseite ein Bild von Alt-Seligenstadt mit dem Marktplatz im Vordergund zu sehen ist.
Der Heimathistoriker Marcellin Spahn rückt im ersten Kapitel die "Meilensteine der Stadtgeschichte" ins rechte Licht - angefangen "vom römischen Kastell zum Marktflecken Seligenstadt" bis hinein ins 20. Jahrhundert. Und "auf den Spuren Einhards" war Alexandra Kemmerer. Sie beschreibt einen Spaziergang durch die alte Stadt.
Bürgermeister Rolf Wenzel ist der Autor von "Seligenstadt jetzt - alte Stadt mit jungem Geist". Der Rathauschef: "Aufgrund seiner Lage in der Mainschleife und seiner ansehnlich restaurierten Altstadt, wofür besonders auch den privaten Gebäudesanierern ein Lob und Dank gezollt werden muß, ist Seligenstadt insbesondere für Tagesausflüge ein Anziehungspunkt."
Nach den Schlaglichtern anno 1992 - das Jahr im Zeitraffer - schließen sich "Politik und Verwaltung von A bis Z" sowie der Terminkalender für 1993 und das Vereinsregister an. Damit sich jeder in Seligenstadt und den Stadteilen Froschhausen und Klein-Welzheim zurechtfindet, wurde auch noch ein Stadtplan samt Straßenverzeichnis mit eingeheftet. fin
GELNHAUSEN. Zum "frauenpolitischen Gespräch" mit Heidemarie Wieczorek-Zeul bitten die Main-Kinzig-Genossinnen für Mittwoch, 27. Januar, von 15 bis 18 Uhr in die Räume des Frauenarchivs im Kreishaus, Barbarossastraße 16-18. Themen sind unter anderem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Situation der Frauen auf dem Land.
Die Bundestagsabgeordnete und Chefin des SPD-Bezirks Hessen-Süd will mit ihrem Besuch beim Frauenarchiv nicht nur die "engagierte Arbeit" des gemeinnützigen Vereins Frauenleben/Frauenarchiv würdigen, sondern "Beispiele daraus für ihre Arbeit in Bonn und Wiesbaden mitnehmen". tja
MÜHLHEIM. Zu einer Demonstration für Verständigung und Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt ruft der Arbeitskreis gegen Ausländerfeindlichkeit für Samstag, 30. Januar, auf. Treff ist 10.30 Uhr an der Friedenseiche am Bürgerhaus. Von dort geht's zum Platz des Mühlheimer Widerstandes vor dem Stadtmuseum. Hier ist um 11.30 Uhr eine Kundgebung geplant mit: Widerstandskämpfer Adolf Mirkes, Bürgermeister Karl-Christian Schelzke, Parlamentsvorsteher Karl-Heinz Stier, Klaus Barthelmes (SPD), Jens Niklaus (CDU) und Hans-Georg Klauer (Grüne). pmü
BAD VILBEL. Die Bad Vilbeler SPD- Senioren besuchen mit ihren Freunden am Donnerstag, 28. Januar, Landrat Rolf Gnadl am Arbeitsplatz im Kreishaus. Mit dem Bus wird um 12.30 Uhr am Südbahnhof und um 12.35 Uhr am Nordbahnhof abgefahren.
Auf einen Blick
Seite II Zwei Gewalttäter sind noch auf freiem Fuß: Noch immer kein Hinweis zu den Überfällen auf Frauen in Nidda. Seite III Eltern forderten bei ihrer Podiumsdiskussion die Erweiterung des katholischen Kindergartens Ober-Wöllstadt. Seite IV Lokalsport: Jubilar TSG Leihgestern wäre für die Zweite Handball- Bundesliga der Frauen gerüstet.
STEINAU. Fast drei Stunden lang mußte eine sechsköpfige Familie nach einem Überfall in ihrem Haus angekettet ausharren, bevor Nachbarn die Hilferufe hörten. Drei maskierte Männer waren am Mittwoch abend in das Haus im Vogelsberg-Dorf Steinau-Ulmbach (Main- Kinzig-Kreis) gestürmt und hatten die Bewohner mit Handschellen an Heizkörper und Treppengeländer gefesselt.
Die Räuber erbeuteten Bargeld, Schmuck und eine Drillingsbüchse nebst 300 Schuß Munition für die Jagdwaffe. Ihre Opfer, ein 40jähriger Bankangestellter mit Frau und drei Kindern sowie seine Mutter, blieben unverletzt.
Die Täter hatten sich auf einfache Weise Zutritt zu dem Haus verschafft, indem sie an der Haustür klingelten. Die Hausfrau öffnete arglos und sah sich drei Männern gegenüber, die alle Waffen und dunkelblauen Pudelmützen trugen, in die Sehschlitze geschnitten waren.
Die Vermummten drängten die Frau zurück und stürmten ins Haus. Ihre großkalibrigen Handfeuerwaffen erstickten jeden Gedanken an Gegenwehr. Die Familie mußte sich fesseln lassen und zusehen, wie die unbekannten Eindringlinge ihre Habe an sich brachten. Bis kurz vor Mitternacht warteten die Überfallenen auf die Befreiung durch die Polizei.
Die Ermittler haben bisher nur eine oberflächliche Täterbeschreibung. Danach sind die Räuber zwischen 20 und 25 Jahre alt und 175 bis 180 Zentimeter groß. Sie trugen dunkle Jeans und schwarze Lederjacken.
Das Trio verständigte sich in einer nicht definierten ausländischen Sprache. Über ein mögliches Fluchtfahrzeug gibt es noch keine Erkenntnisse. lex
WIEN. Was er sein möchte, das hat André Heller wiederholt zu Protokoll gegeben - ein Magier, der noch aus dem gewöhnlichen Stein den Funken der Poesie schlagen kann. Die Alchemisten sind, wenn man ihre Tricks durchschaut hat, im Kerker gelandet, Heller in den Heiligsten Hallen österreichischen Kultur, im Burgtheater.
Sein Einzug, von langen Proben, vielen Schließtagen und sieben Voraufführungen begleitet, hat in allen Medien soviel Öffentlichkeit erzeugt, daß sich die Kritiker, die erst über die Premiere berichten dürfen, entweder affirmativ verhalten können oder als feindselige Nörgler erscheinen müssen. Nach der Premiere gibt es freilich nur noch eine Vorstellung für die "Freunde des Burgtheaters", und dann legt Claus Peymann die Produktion für sechs Wochen aufs Eis.
"Sein und Schein" ist Hellers zweite Arbeit für das Theater. Für die Wiener Festwochen hat er sich vor zwei Jahrzehnten bereits mit "King Kong King Mayer Mayer Ling", zusammen mit seiner Gefährtin Erika Pluhar, als Theaterautor und Regisseur gleichzeitig betätigt. Diesmal geht es ihm um mehr als bloß um eine Glosse zu der k.u.k. Tragödie.
Schon der Titel, "Sein und Schein", signalisiert die Absicht, sich mit dem Wesen des Theaters auseinanderzusetzen. Unmißverständlich äußert sich dann während der Vorstellung der Wille zum Gesamtkunstwerk, allerdings zu einem postmodernen, das vorwiegend aus Zitaten besteht, literarischen, theatralischen, musikalischen, philosophischen. Heller zitiert vor allem sich selbst, greift tief in den eigenen Fundus.
Für einen Frankfurter Leasing-Millionär, einen begeisterten Hobby-Magier, hat er einst eine Revue mit Zaubertricks konzipiert, sein Konzept dann selbst in "Flic-Flac" und noch einmal im "Wintergarten" umgesetzt. Die Idee, Teile der Ausstattung von bekannten zeitgenössischen Künstlern entwerfen zu lassen, stammt aus "Luna Luna". Die nostalgische Poetik des Varieté wurde im Zirkus Roncalli aufgerufen. Der Liedermacher und Sänger Heller wird gleich am Anfang präsentiert.
Durch die Abfolge der Zitate, aus der eigenen Werkgeschichte und aus fremden Quellen, durch die Revue also, führt als Conférencier ein chinesischer Magier, verkörpert von Martin Schwab, der das Geschäft, die einzelnen Nummern einzuleiten und ihre tiefere Bedeutung zu erläutern, mit der gravitätischen Würde eines Alpenkönigs besorgt. Theaterrollen hat Heller in seinem Libretto freilich nicht vorgegeben - die Schauspieler bleiben Puppen, die ihre eigenständige Wirkung vor allem aus den bunten, multikulturellen, polyethnischen Kostümen (Susanne Schmögner und Heidi Melinc) beziehen.
Die einzelnen Nummern kann man nach mehreren Kriterien sortieren: Der Fesselungskünstler, der sich aus seinen Ketten befreit, während der chinesische Magier Schillers "Der Handschuh" immer schneller rezitiert, die Dame in der Kiste, die zerteilt und falsch zusammengesetzt wird, die beim ersten Mal mißlungene, am Ende dann erfolgreiche Levitation des Magiers, das ist die Kategorie des poetischen Varietés.
Die rhythmische Abwechslung von verschieden gestalteten Vorhängen zu den Klängen von Mozarts Klavierkonzert Nr. 9, das gehört in die Schublade Theater der Bilder à la Wilson und Freyer, wie auch das große, von Roy Lichtenstein bemalte Tuch, das aus einer kleinen Schachtel als Vorhang hochgezogen wird. Vor diesem Vorhang singt Maria Bill ein nestroysches Couplet gegen Jörg Haider und die Ausländerfeindlichkeit.
Das leitet zur Kategorie politisches Kabarett über: Anknüpfend an Thomas Bernhards Sketch "Claus Peymann kauft sich eine neue Hose" marschieren Hosen aller Burgtheaterdirektoren dieses Jahrhunderts auf, die von Mirko Jelusich ist mit dem Nazi-Emblem geschmückt.
Selbstverständlich gibt es die Abteilung für Ernst und tiefere Bedeutung, in der Heller dem großen Mimen des Burgtheaters (man hört Stimmen Alexander Moissis, Raoul Aslans, Adele Sandrocks, Oskar Werners etc.), der zeitgenössischen deutsche Literatur ("Die Rede der Spinnenfrau" von H. M. Enzensberger), Max Reinhardt die Reverenz erweist und sich damit quasi ihrer wohlwollenden Patronanz versichert.
Bernhard Minetti trägt Hamlets "Sein oder nicht sein" vor, sein Kopf ist als monumentale Holographie auf der Bühne präsent, die Augen rollen, der schmallippige Mund öffnet und schließt sich synchron zu der Lautsprecherwiedergabe, und das Publikum versteht das Angebot als Parodie.
In einem archaisch-archäologischen Raum von Mimo Palladino schließt der Bilderbogen mit einer pathetisch-religiösen Note: Ein Tabernakel öffnet sich, ein Engel aus watt-starken Glühbirnen erstrahlt, das Licht blendet die Zuschauer und überbringt ihnen die letzte der Botschaften, die Heller in die Revue verpackt hat - Theater, darauf soll man sich besinnen, ist sakralen Ursprungs.
Kasperl-Theater, Raimundsche Zauberposse, engagiertes Theater, psychologisches Theater, Varieté-Theater, Volkstheater, Musiktheater, einen Augenblick lang erotisches Theater, Situationskomödie, Slapstick, Klassiktheater, surrealistisches Theater der Gegenstände - Heller führt das mit der gleichen Geste vor, mit der er mit Artaud-Zitaten seine intellektuelle Versiertheit dokumentiert. Es ist die Geste eines Granden, der den Umgang mit anderen Magnaten des Geistes der Gegenwart wie der Vergangenheit pflegt und von Zeit zu Zeit an den Früchten dieses Umgangs auch den Plebs mitnaschen läßt.
Dennoch - so viel Material für einen tatsächlich geistreich verspielten Theaterabend steckt in dieser Produktion, daß man sich fragt, was schiefgegangen ist und warum. Es ist der Regisseur André Heller, der an sich selbst scheitert. Immer dann, wenn die Übergänge von einem Bild zum anderen schwierig werden, greift er zur einfachsten Lösung: Ein Vorhang fällt, und an der Rampe geht es weiter. Die Bewegungsabläufe sind linear, wenig raumgreifend. Das Timing ist geradezu dilettantisch.
Das szenische Geschehen hat gegenüber der emotionellen Wucht der langen Musikzitate - das Mozartsche Klavierkonzert, das dritte der "Vier letzten Lieder" von Richard Strauss, Händels "Halleluja", Irvin Berlins "There Is No Business Like Show-Business" - kein Gegengewicht anzubieten. Hellers eigene Texte sind zuweilen zu sentenziös. Ironie hat der Regisseur nur für andere übrig, nicht für sich selbst.
In den Premierenjubel mischten sich auch kräftige Buhrufe. Da weder im Text noch in der Realisierung auch nur Spuren eines provokativen Experiments zu finden waren, muß man die Mißfallensäußerungen als Ausdruck der kritischen Haltung verstehen, die sich ein Teil des Publikums André Heller gegenüber bewahrt hat. PAUL KRUNTORAD
"Auch wenn Sie meinen, das sei eine Garage. Ein Sarg paßt rein". Roswitha Krum (Grüne) bei den Etatberatungen der Gemeinde Florstadt in bezug auf die Trauerhalle in Staden. Die Gegnerschaft gegen den geplanten Neubau einer Trauerhalle zu 165 000 Mark bezeichnete Krum als ihr Hobby.
MAIN-KINZIG-KREIS. Auch in diesem Jahr wird der Main-Kinzig-Kreis wieder Personen, Verbände und junge Mitbürger mit dem Umwelt- und Schulumweltpreis auszeichnen. Vorschläge können beim Kreisausschuß, Amt für Umwelt und Naturschutz, Eugen-Kaiser-Straße 9, 6450 Hanau, eingereicht werden.
Landrat Karl Eyerkaufer sieht in dem Preis "einen Beitrag zur Erhaltung und Förderung einer gesunden Umwelt". Auch wolle der Kreis damit "die Beseitigung von Umweltschäden angemessen würdigen", sagte der Chef der Kreisverwaltung. hok
HEUSENSTAMM. Wo sich derzeit neben dem Historischen Torbau noch ein Parkplatz befindet, ein Telefonhäuschen und eine wenig ansehnliche Bushaltestelle, da soll nach dem Willen des Magistrats einmal eine "städtebauliche Dominante" entstehen. Über den Dalles, wie der Platz genannt wird, wird schon lange nachgedacht.
Wie Bürgermeister Josef Eckstein (CDU) mitteilt, hatte die Stadt die Heusenstammer Architekten aufgefordert, sich Gedanken darüber zu machen, wie der Platz gestaltet werden könnte. Ziel dabei war es, den Torbau in einen Zusammenhang zur benachbarten Bebauung zu stellen. Zwei der Vorschläge sind im örtlichen Magistrat jetzt diskutiert worden.
Danach soll dort einmal ein L-förmiges zweigeschossiges Gebäude entstehen mit einem Platz davor, der um 30 Zentimeter angehoben und damit auch optisch abgegrenzt wird. "Dieser Platz kann in Zukunft auch einmal in den Straßenraum ausgedehnt werden, wenn die Frankfurter Straße zur Gemeindestraße umgewidmet ist", sagte Eckstein. In dem Gebäude soll kein Supermarkt unterkommen, sondern mehrere kleine Geschäfte, auch Wohnungen und vor allem auf zwei Geschosse verteilt ein kleines Café, das auch Stühle und Tische hinaus auf den Platz stellen kann.
Bei dieser Lösung sei es nicht möglich, am Torbau vorbei auf die St.-Cäcilia-Kirche zu blicken, sagte Eckstein. Die Kleingliedrigkeit des Lösungsvorschlages bezeichnete er als der Altstadt angemessen.
Großzügiger gibt sich die zweite Planung. Hierbei entfällt das Längsgebäude, wodurch der Blick auf die Kirche nicht verstellt wird. Beiden Vorschlägen gemeinsam ist eine Tiefgarage, die unter dem Platz in drei Stockwerken entstehen soll. Dort müßten die Autos untergebracht werden, die heute auf dem Parkplatz stünden. Zusätzlich die Stellplätze für die Bewohner oder Besucher der neuen Gebäude, sagte Eckstein.
Die beiden Planungsvarianten hat der Magistrat auch dem Heimatverein und dem Gewerbeverein zur Kenntnis gegeben. Ein möglicher Investor ist bekannt. In der nächsten Sitzung des Bauausschusses am Dienstag, 26. Januar, 19.30 Uhr, im Rathaus werden sich die Stadtverordneten mit den Plänen befassen. Sie müssen letztlich entscheiden, welcher der Planungen der Vorzug zu geben ist. pmü
BAD SODEN. Damit die Bad Sodener auch mit ihren verschwisterten "Neubürgern" aus dem tschechischen Franzensbad plaudern können, bietet die Stadt gemeinsam mit der Erwachsenenbildung von Montag, 8. Februar, an in der Hasselgrund-Halle einen Tschechisch-Kurs für Anfänger an. Zwölf Leute können teilnehmen, gelernt wird an zehn Abenden jeweils von 20 bis 21.30 Uhr.
Die Gebühr beträgt 65 Mark, Kursleiter Herbert Kuna verzichtet auf sein Honorar und stellt das Geld der Partnerstadt zur Verfügung. Interessierte können sich jeweils vormittags von 8.30 bis 12.30 Uhr unter der Rufnummer 06196 / 20 82 13, im Rathaus anmelden. ana
Freitag, 22. Januar
Literatur Buchcafé im Jüdischen Museum, Untermainkai 14: 20 Uhr, Lesung Gertrud Koch - "Die Einstellung der Einstellung".
Literaturhaus, Bockenheimer Landstr. 102: 16.30 Uhr, Lesung "Karl May - Winnetou". Vorträge / Diskussionen Volkssternwarte, Robert-Mayer-Str. 2-4: 20 Uhr, Diavortrag "Metoriten - Botschafter von anderen Welten".
Freimaurerloge "Wilhelm zur Unsterblichkeit": 20 Uhr, Vortrag "Freimaurerei gestern, heute und morgen". Filme / Kino Bund der Berliner und Freunde Berlins: 15 Uhr, Stammtisch & Filmvorführung; Haus Dornbusch, Eschersheimer Landstr. 248.
Stadtteilladen Dezentral: 19.30 Uhr, Film "Soldier Girls".
Das Kinoprogramm entnehmen Sie bitte dem Filmspiegel im Anzeigenteil. Museen/Führungen Museum für Moderne Kunst, Domstr. 10: 15.15 Uhr, Führung zu "Förg, Schnabel, Richter". Was Frankfurter Museen und Galerien zeigen sowie die allgemeinen Führungstermine lesen Sie täglich auf der Seite "Kulturpanorama Frankfurt" in der Abendausgabe sowie donnerstags auf der Freizeitseite "Was- Wann-Wo".
Sonstiges City-Lauftreff am Römer: 12 bis 14 Uhr, Alte Mainzer Gasse 4, Laufstrecken 2, 4 und 8 km.
Männerzentrum, Neuhofstr. 41 HH: 20 Uhr, Gespräch "Väter ohne Kinder".
Frankfurter Werkgemeinschaft, Lenaustr. 24: 11 Uhr, Töpferstudio.
PINS, Single-Verein: 20 Uhr, Stammtisch, Turmschänke, Hainer Weg 60 (Info 7 89 56 28). Märkte Sachsenhausen: 8 bis 18 Uhr, Wochenmarkt; Diesterwegplatz. Apotheken Folgende Apotheken sind von Freitag, 8.30 Uhr bis Samstag, 8.30 Uhr, ständig dienstbereit:
Alte Apotheke, Niederrad, Odenwaldstr. 18, Tel. 67 11 30; Altkönig-Apotheke, Rödelheim, Niddaugaustr. 73, Tel. 78 36 39; Andreas-Apotheke, Eschersheim, Waldecker Str. 5, Tel. 52 08 10; Barbara-Apotheke, Wittelsbacherallee 71, Tel. 44 87 17; Centrum-Apotheke, Zeil 96, Tel. 29 51 29; Kuhwald-Apotheke, Müllerstr. 30, Tel. 77 17 35; Liebig-Apotheke, Unterlindau 67, Tel. 72 24 50; Schweizer-Apotheke, Sachsenhausen, Schweizer Str. 47, Tel. 61 60 67; Taunusblick-Apotheke, Zeilsheim, Pfaffenwiese 53, Tel. 36 27 70. Ärztlicher Notdienst Der ärztliche Notdienst für das Stadtgebiet Frankfurt ist unter der Rufnummer 1 92 92 jederzeit erreichbar. Er soll jedoch nur bei Verhinderung des Hausarztes in Anspruch genommen werden. Für ambulant zu versorgende Notfälle: Notdienstzentrale im Haus Galluswarte, Mainzer Landstraße 265 und Usinger Str. 5.
Sanitätsdienstliche Bereitschaft für Soldaten der BW Stadt Frankfurt, Stadt und Kreis Offenbach, Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis, während der allgemeinen Dienstzeit: StOArzt Frankfurt, Tel. 2 47 78 - 4 33; nach Dienst und an Wochenenden: SanZentr. 412 Mainz, Tel. 0 61 31 / 56 26 42.
Zahnärztlicher Notdienst Der zahnärztliche Notdienst in Frankfurt ist bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen, Zahnärztehaus Niederrad, Telefon 66 07 / 2 71, zu erfragen. Tierärztlicher Notdienst (19 bis 23 Uhr) Tierarzt Knell, Beethovenplatz 7, Tel. 72 66 66; danach bei den tierärztlichen Kliniken (Branchenfernsprechbuch unter "Tierärzte"). Anwaltsnotdienst in Strafsachen (24 Stunden täglich)
Telefon 28 30 83. Telefonberatungen Tag und Nacht Telefonseelsorge im Ev. Volksdienst: Tel. 1 11 01; Telefonseelsorge im Haus der kath. Volksarbeit: Tel. 1 11 02.
Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche: 1 11 03. Notfall-Nummern Feuerwehr/Unfall-Rettungswache 112 Überfall 110 Polizei 75 51 Krankentransport 49 00 01 - 4 Hubschrauber-Rettungsdienst 44 10 33 ADAC-Pannenhilfe 1 92 11 ACE-Pannenleitstelle 19 21 6 AvD-Pannennotruf 6 60 66 00 VCD-Notrufzentrale 02 21 - 82 77 - 3 66 Zentrum für Entgiftungen und Giftinformation der Universität Mainz 0 61 31 / 23 24 66 Drogennotruf 62 34 51 Die Rubrik "Rat und Hilfe" erscheint jeden Montag in der Regionalausgabe und jeden Donnerstag in der Stadtteil-Rundschau mit allen Sprechstunden und Terminen für die gesamte Woche. Wir empfehlen, diese Rubrik aufzuheben. - ohne Gewähr -
STEINAU. Theater, Feste, Kunst und Konzerte - auch 1993 hat die Stadt wieder ein dickes Veranstaltungspaket vorzuweisen. Nachdem der erste Schritt, sich mit den "Brüder-Grimm-Musiktagen" aufs internationale Parkett zu wagen, im vergangenen Jahr gelungen ist, setzt Steinau diesmal noch einen drauf: In Zusammenarbeit mit dem Main-Kinzig- Kreis geht im Oktober ein "Internationales Puppenspieler-Festival" über die Bühnen der Märchenstadt.
So kann Hauptamtsleiter Dietmar Broj, "nebenbei" auch noch für Kultur zuständig, denn auch zufrieden sein: "Unser Veranstaltungskalender bietet für jeden was." Das achtseitige rosa Faltblatt, unter anderem im Rathaus erhältlich, bietet in der Tat etwas für jeden Geschmack. Allmonatlich listet es nicht nur kulturelle Höhepunkte, sondern auch die zahlreichen Angebote der örtlichen Vereine auf. Dicht an dicht drängen sich die Termine, darunter auch etliche Vereinsjubiläen samt Feierlichkeiten. Während der kommende Monat mit Rathausstürmung und großem Fastnachtsumzug am 20. Februar ganz im Zeichen des Karneval steht, sind am 1. März wieder die Theaterring-Abonnenten an der Reihe: Das Berliner Theater am Kurfürstendamm zeigt die Komödie "Die Kaktusblüte" mit Johanna von Koczian in der Hauptrolle. Außerdem feiert der Bellingser "Liedergruß" am 13. März seinen 70. Geburtstag.
Die Mezzosopranistin Ingrid Steiner, Sonderpreisträgerin der ersten Musiktage, stellt sich dann dem 17. April in der Katharinenkirche vor, begleitet von der kanadischen Pianistin Suzanne Azar. Die ursprünglich für Ende April/Anfang Mai vorgesehene Methfessel-Ausstellung im Amthaus wird nach Angaben von Broj auf September verschoben. Zu sehen sind Originalnoten, Bilder und Stiche des Musikers Albert Methfessel, der unter anderem die Hamburger Hymne komponierte. Seine Nachfahren leben in Steinau.
Am 9. Mai veranstaltet der Bund Deutscher Ordenssammler seine "39. Internationale Bundestagung" im Jugendparadies der Brüder Grimm. Im Begleitprogramm steht unter anderem eine Ordensausstellung, die künftig im Amtshaus zu sehen ist. Dem Steinauer Publikum wohlbekannt dürfte die Pianistin Barbro Jansson sein, die am 16. Mai zum dritten Mal in der Katharinenkirche spielt. Der Klavierabend beginnt um 19.30 Uhr.
Anfang Juni veranstaltet der Hessische Feuerwehrverband seine Landeswertungsspiele in der Mehrzweckhalle "Am Steines", es folgt der neunte "Internationale Brüder-Grimm-Lauf. Zum 80. Jubiläum des Steinauer Gewerbe- und Verkehrsvereins spielt am 19. Juni das "Balalaika-Ensemble" in der Katharinenkirche, am 3. Juli folgt das Schloßhofkonzert. Hinzu kommen im Juli Jockesmarkt und Brunnenfest und Ferienspiele.
Der August beginnt mit den zweiten "Brüder-Grimm-Musiktagen". Der Schwerpunkt des Meisterkurses liegt auf dem Thema Klavier, als Hauptdozenten haben die Steinauer den Wiener Professor und Weltklasse-Pianisten Paul Badura-Skoda im Visier. Womit nicht nur aus Sicht von Broj "ein Publikumsmagnet der Spitzenklasse" ansteht. Auch diesmal gibt&rquote;s Konzerte, eine Matinee und "eventuell" eine Soiree von Badura-Skoda.
Auf den 2. Oktober können sich Glenn- Miller-Fans freuen. Das gleichnamige Orchester spielt in der Halle "Am Steines". Der 9. bis 21. Oktober ist dann für das erste internationale "Puppenspieler-Festival" mit Aufführungen, Fachvorträgen und Open-air-Veranstaltungen reserviert. Die künstlerische Leitung übernimmt der europaweit bekannte Dieter Brunner. In die Co-Produktion von Stadt und Kreis sollen, wenn möglich, auch die Schulen der Region eingebunden werden.
Im November stehen das Theaterstück "Teures Glück" mit Inge Meysel und ein Jazzabend von "Robbys Mainhattan Jazz & Blues Band" im Rathauskeller auf dem Programm, gefolgt vom traditionellen Katharinenmarkt. Nicht zu vergessen der Weihnachtsmarkt, die Weihnachtskonzerte von Musikverein Germania und Kinderchören. Nähere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen gibt es beim städtischen Verkehrsamt, Telefon 0 66 63/56 55 oder 56 56. tja
Name noch offen, aber Aufgabenstellung klar Antifa-Café: mit Neofaschismus auseinandersetzen Von Helmut Pomplun MAINTAL. Rund 15 Maintaler Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 17 bis 23 Jahren haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Der Name der AG ist noch offen, die Aufgabenstellung indes ist eindeutig fixiert. Die Gruppe will sich - auch theoretisch - mit Rassismus und Neofaschismus auseinandersetzen, parallel zu ihrem praktischen Engagement, etwa bei der Betreuung von Asylbewerbern und Flüchtlingen. Als Treffpunkt dienen den jungen Menschen Räume des städtischen Jugendzentrums Frankfurter Hof im Stadtteil Dörnigheim (Kennedystraße), die ihnen jeweils dienstags von 18 bis 22 Uhr zur Verfügung stehen und unter der Bezeichnung "Antifaschistisches Jugend-Café" zu einer festen Einrichtung werden sollen. "Wir wollen uns selber erst mal weiterbringen und dann versuchen, nach außen zu gehen", sagte ein Sprecher der Gruppe gegenüber der FR. Wer mitarbeiten will, ist willkommen. Zum zwanglosen Kennenlernen besteht am kommenden Dienstag, 26. Januar - ausnahmsweise erst ab 20 Uhr - Gelegenheit: Das "Antifa-Café" (so lautet die Kurzformel für die Einrichtung) wird mit einem Fest eröffnet. Kennengelernt haben sich etwa die Hälfte der jungen Maintalerinnen und Maintaler bei der Ausdauer und Zuverlässigkeit erfordernden Arbeit im großen Helferkreis für die in Maintal lebenden Asylbewerber und Flüchtlinge. Der Helferkreis besteht wie berichtet aus mehr als 200 Leuten, die nicht nur bei Behördengängen und bei der Arbeitsbeschaffung behilflich sind, sondern auch die Asylunterkünfte "rund um die Uhr" bewachen. "So eine Nachtwache dauert lange, da hat man viel Zeit zum Diskutieren", sagt ein Mitglied der neuen Jugendgruppe. Dabei und in Gesprächen mit anderen Jugendlichen und Erwachsenen sei ihnen bewußt geworden, daß bei allem guten Willen doch immer wieder konkretes Wissen fehle, etwa über die Ursachen und Hintergründe von Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Nationalsozialismus, Faschismus und Neofaschismus.
"Wir wollen inhaltlich an bestimmten Themen kontinuierlich arbeiten", sagte der junge Mann. "Wir haben uns schon ein paarmal in verschiedenen Wohnungen getroffen, aber ein zentraler und öffentlicher Treff erschien uns schließlich besser. Deshalb haben wir mal bei der Stadtverwaltung nachgefragt. Und nun steht uns im Frankfurter Hof jeden Dienstagabend von sechs bis zehn ein eigener Raum zur Verfügung. Die Stadtjugendpflege ist dabei präsent, und bei Bedarf können wir auch weitere Räume im JuZ benutzen."
Das wird beispielsweise bei öffentlichen Veranstaltungen nötig sein. Geplant sind Informations- und Diskussionsabende mit geladenen Fachleuten, Film- und Theatervorführungen, eventuell Workshops und Seniminar-Reihen. Vorbereitet wird bereits ein Büchertisch, wofür von der Stadt ein Zuschuß erwartet wird.
"Der Büchertisch soll am nächsten Dienstag beim Eröffnungs-Fest schon stehen", sagt der Gruppensprecher. "Wir machen Musik und haben was zu Essen und was zu Trinken da."
Das "Antifaschistische Jugend-Café" im Frankfurter Hof soll auch eine Anlaufstelle für Jugendliche werden, die sich zu bestimmten politischen Themen informieren wollen. Ein Grund mehr für die junge Arbeitsgemeinschaft, sich selbst "weiterzubringen".
Trotz der eindeutig antifaschistischen Haltung will sich die Gruppe den Rücken parteipolitisch freihalten: "Das soll keine Jugendorganisation irgend einer Partei werden, sondern soll so autonom wie möglich bleiben."
Die Mitarbeit im Antifaschistischen Bündnis Maintal war den jungen Leuten nicht genug: "Das Bündnis ist ja eher ein organisatorisches Forum." Und seine Verlautbarungen und Erklärungen, beispielsweise die jüngste "Resolution zur geplanten Aushöhlung des Grundgesetzartikels 16, Recht auf Asyl", seien lediglich "ein Minimalkonsens", was aufgrund der Zusammensetzung des Bündnisses aus mehr als 20 Parteien, Gruppierungen und Organisationen wohl nicht anders sein könne, kommentiert der AG-Sprecher: "Unsere Gruppe will eine eigene Erklärung rausgeben, aber noch radikaler formuliert."Florstädter SPD war mit den Oppositionsfraktionen "zufrieden" Parlament verabschiedete gegen die Stimmen der Grünen den Haushalt 1993 / Sporthalle und Frauenbüro waren umstritten
FLORSTADT. Auf den "großen Hammer" der Oppositionsparteien hatte der Vorsitzende der SPD-Mehrheitsfraktion Stefan Lux gewartet. Doch CDU und Grüne gaben sich in der letzten Sitzung dieses Parlaments vor der Kommunalwahl moderat. Die Grünen lehnten den Haushalt für 1993 zwar durch die Bank ab, die zweitgrößte Fraktion aber, die CDU, verweigerte ihr Ja nur dem Verwaltungshaushalt und dem Stellenplan, stimmte dem Gesamthaushalt aber zu. Kommentar von Stefan Lux: "Ich bin mit der Opposition zufrieden."
Im Mittelpunkt der Haushaltsdebatte am Mittwoch im Bürgerhaus Leidhecken stand - noch einmal - die geplante Sporthalle, deren Neubau nahe dem Rathaus Nieder-Florstadt in den Jahren '93 und '94 mit 5,7 Millionen Mark zu Buche schlägt und von den Grünen abgelehnt wird. Stefan Lux betonte, daß die Gemeinde zwar an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt sei, daß aber dennoch Spielraum für Investitionen bleibe, nicht nur für die Sporthalle, sondern unter anderem auch für umfangreiche Kanalbaumaßnahmen und die Anschaffung eines Löschfahrzeugs zu immerhin 300 000 Mark, die Fertigstellung der beiden Kindergärten und für einen Spielplatz in einem Nieder-Mockstädter Neubaugebiet. In einem großen Überblick über den Etat kritisierte der Sprecher der CDU, Hubert Imbescheid, insbesondere die "Mißwirtschaft des Wetteraukreises", der die Gemeinde in Form der Kreisumlage erheblich zur Kasse bitte. So lehnte die CDU einen Betrag von 35 000 Mark für ein Frauenbüro ab, weil diese Kosten vom Wetteraukreis zu tragen wären. Die CDU forderte eine gründliche Sanierung des Trinkwasserhochbehälters. Dies wurde aber von der SPD abgelehnt mit der Begründung, der Behälter werde von den Gesundheitsbehörden für unbedenklich gehalten, und mehrere Gutachten hätten die Qualität des Trinkwassers nicht beanstandet.
Imbescheid hielt den Personaletat für aufgebläht, mußte sich aber von Bürgermeister Heinz Trupp (SPD) vorhalten lassen, daß auch der Steuerzahlerbund die Personalausgaben für maßvoll erklärt habe. Die CDU konnte auch einen Antrag nicht durchsetzen, die Kosten für das "Liebesmahl" der Gemeindevertreter zum Abschluß der Sitzungsperiode einzusparen. Stefan Lux (SPD) dazu: Dieses Geld hätten sich die Gemeindevertreter "verdient", weil sie sich seit Jahren mit nur 15 Mark Sitzungsgeld begnügten.
Anträge der Grünen wollten vor allem die Ansätze für soziale Aufgaben anheben. Fraktionsvorsitzende Roswitha Krum beantragte unter anderem mehr Geld für die Unterstützung der privaten Initiative des Kinderhauses in Leidhekken und wollte den Gemeindezuschuß für das Betreuungsangebot an der Karl-Weigand-Schule noch anheben, insbesondere um Zuschußbedingungen des Landes zu erfüllen. Roswitha Krum versuchte in ihrem Etatbeitrag außerdem mit Nachdruck, die Planungen für eine Sozialstation mit Altenheim zu beschleunigen. Die Forderung nach Einstellung eines Jugendpflegers gehörte zum Repertoire der Anträge zu allen Etats der letzten Jahre und wurde "traditionsgemäß" wiederum von der SPD abgelehnt. Die sozialen Probleme wie zunehmende Gewaltbereitschaft und Drogenkonsum könne auch ein halbtags beschäftiger Jugendpfleger nicht lösen, meinte die Mehrheits-SPD.
Der Grünen-Vorstoß zur Beschleunigung des Pflegeheims wurde von SPD- Sprecher Stefan Lux mit der Begründung zurückgewiesen, mit einem Investitionsdarlehen des Landes sei frühestens 1994 zu rechnen. Es nütze also nichts, schon für 1993 Geld im Etat einzusetzen. hm
Freitag, 22. Januar
Theater Schauspiel Frankfurt, Theaterplatz, Tel. 212 37 444: Schauspielhaus: 19.30 Uhr, "Antiphon"; Kammerspiel: 19.30 Uhr, "Tarelkins Tod"; Bockenheimer Depot: 19.30 Uhr, "Katarakt"; Nachtfoyer: 22.30 Uhr, Hanne Hiob & Ensemble - "Haifische und andere Menschen".
Fritz Rémond Theater im Zoo, Alfred- Brehm-Platz, Tel. 43 51 66: 20 Uhr, "Sturmwarnung".Die Komödie, Am Theaterplatz, Tel. 28 45 80: 20.15 Uhr, "Hier kocht der Chef".
Volkstheater Frankfurt, Gr. Hirschgraben 21, Tel. 28 85 98: 20 Uhr, "Stelldichein im Tivoli".
Die Schmiere im Karmeliterkloster, Seckbächer Gasse, Tel. 28 10 66: 20.30 Uhr, "Kann denn Liebe Sünde sein?".
Goethe Theater, Leipziger Str. 36, Tel. 70 88 44 oder 62 55 30: 20.30 Uhr, "Das letzte Band".
Kabarett Die Maininger, Neue Rothofstr. 26 a, Tel. 28 02 27: 20.30 Uhr, "Kassa blanka - und schweigende Lämmer".
Gallus Theater, Kriftler Str. 55, Tel. 738 00 37: 20 Uhr, Doris Batzler - "Undine geht".
Kellertheater, Mainstr. 2, Tel. 28 80 23: 20.30 Uhr, "Das Martyrium des Pjotr O&rquote;Hey".
English Theater, Kaiserstr. 52, Tel. 2 42 31 60: 20 Uhr, "The Boyfriend".
Mousonturm, Waldschmidtstr. 4, Tel. 40 58 95 20: Theatersaal: 20 Uhr, Mathias Beltz - "Füße im Feuer"; Studiobühne: 21 Uhr, Sandglass Theater.
Theater am Turm, Eschersheimer Landstr. 2, Tel. 1 54 51 10: 20 Uhr, Achim Freyer - "Liebe von Kopf bis konfus"; 21.30 Uhr, Heiner Goebbels - "Schliemanns Radio - Hörstück in 12 Protokollen". Neues Theater Höchst, Emmerich- Josef-Str. 46 a, Tel. 30 30 90: 20 Uhr, Peter Spielbauer - "Wenn die Sonne scheint, scheint die Sonne zu scheinen".
Theaterhaus, Schützenstr. 12, Tel. 299 861 10: 20 Uhr, Theater Grüne Sosse - "Fräulein Julie"; 23 Uhr, Cornelia Niemann - "Solo im Supermarkt".
Hessischer Rundfunk, Bertramstr. 8/ Foyer: 10 & 14 Uhr, Die Augsburger Puppenkiste (Videos).
TiB-Studiobühne, Bornheimer Landwehr 35, Tel. 493 05 03: 20.30 Uhr, "Aysche und Richard".
Café Cult, Schillerpassage, Restaurant- Theater, Tel. 92 00 61 23: 20 Uhr, Festival der Magie.
Theater in der Uni, Senckenberganlage 27, Tel. 77 59 08: 20.30 Uhr, "Kaspar".
Bühne 55, Falkstr. 55: 19.30 Uhr, "Ein idealer Gatte".
Freies Schauspiel Ensemble, Philanthropin, Hebelstr.17: 20.30 Uhr, "So schön . . . schön war die Zeit".
Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20, Tel. 28 96 91: 20 & 23.30 Uhr, Internationale Weihnachtsrevue. Musik Oper, Am Theaterplatz, Tel. 23 60 61: 19.30 Uhr, "Der Rosenkavalier".
Alte Oper, Opernplatz, Tel. 13 400: Großer Saal: 20 Uhr, 20 Uhr, Hot Jazz Meeting. Batschkapp, Maybachstr. 24: 22 Uhr, Idiot Ballroom.
Sinkkasten, Brönnerstr. 5: 21 Uhr, Frankfurt City Blues Band.
Jazzkeller, Kl. Bockenheimer Str. 18 a, Tel. 28 85 37: 22 Uhr, Swingin' Latin-Funky Disco.
Jazzlife Podium, Kl. Rittergasse 22-26: 19.30 Uhr, The Fabulous Blues Cruisers.
Brotfabrik, Bachmannstr. 2-4: 20 Uhr, Santur.
Irish Pub, Kl. Rittergasse 11: 21 Uhr, Mark Merritt.
Werkstatt, Gr. Rittergasse 106: 19 Uhr, Matthias Baumgardt & Band.
Spritzenhaus, Kl. Rittergasse 41-43: 19 Uhr, Phantamor.
Hotel Kutsch, Kl. Rittergasse 5: 20 Uhr, Five Pieces Plus One.
Al Andalus, Affentorhaus 1: 19 Uhr, Juan de la Paca y José El Macareno.
Jazz-Kneipe, Berliner Str. 70: 22 Uhr, John Oslawski Quartett.
Jahrhunderthalle Hoechst: 20 Uhr, Semper House Band & Gunther Emmerlich. JUZ Bockenheim, Varrentrappstr. 38: 21 Uhr, Motorpsycho & Band.
Veranstaltungszentrum Ka Eins, Kasseler Str. 1 a: 21 Uhr, El Son Latino.
Palast Bar im Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20: 22 bis 3 Uhr, Live-Blues Entertainment - Joan Faulkner und Chicago Blues Busters.
Samstag / Sonntag,
23. /24. Januar
Theater Schauspiel Frankfurt, Theaterplatz, Tel. 212 37 444: Schauspielhaus: Sa./So., 19.30 Uhr, Bernhard Minetti erzählt "Märchen in Deutschland"; Kammerspiel: Sa., 14.30 & 19.30; So., 19.30 Uhr, "Iphigenie in Freiheit"; Bockenheimer Depot: Sa., 18 Uhr & So., 19.30 Uhr, "Festung"; Sa., 22.30 Uhr, "Katarakt".
Fritz Rémond Theater im Zoo, Alfred- Brehm-Platz 16, Tel. 43 51 66: Sa., 20 Uhr, "Sturmwarnung".
Die Komödie, Neue Mainzer Str. 28, Tel. 28 45 80: Sa., 20.15 Uhr, So., 18 Uhr, "Hier kocht der Chef".
Volkstheater Frankfurt, Gr. Hirschgraben 21, Tel. 28 85 98: Sa., 20 Uhr, So., 15.30 Uhr, "Stelldichein im Tivoli".
Die Schmiere im Karmeliterkloster, Seckbächer Gasse, Tel. 28 10 66: Sa./So., 20.30 Uhr, Schmiere-Spezial.
Goethe Theater, Leiziger Str. 36, Tel. 70 88 44: Sa., 20.30 Uhr, "Das letzte Band".
Die Maininger, Neue Rothofstr. 26 a, Tel. 28 02 27: Sa., 20.30 Uhr, "Kassa blanka - und schweigende Lämmer".
Die Katakombe, Pfingstweidstr. 2, Tel. 49 17 25: Sa., 20 Uhr, "Die Dreigroschenoper". Gallus Theater, Krifteler Str. 55, Tel. 738 00 37: Sa., 20 Uhr, Doris Batzler - "Undine geht".
Kellertheater, Mainstr. 2: Sa., 20.30 Uhr, "Das Martyrium des Pjotr O'Hey".
English Theater, Kaiserstr. 52, Tel. 24 23 16 20: Sa./So., 20 Uhr, "The Boy Friend".
Mouson-Turm, Waldschmidtstr. 4, Tel. 40 58 95 - 0: Theatersaal: Sa./So., 20 Uhr, Mathias Beltz - "Füße im Feuer"; Studiobühne: 21 Uhr, Sandglass Theater.
Theater am Turm, Eschersheimer Land- str. 2, Tel. 1 54 51 10: Sa. 20 Uhr, Achim Freyer - "Liebe von Kopf bis konfus".
Kommunales Kinder- & Jugendtheater, Am Tiergarten 12, 59 83 43: So., 15 Uhr, Märchen & Geschichten (ab 5 J.).
Neues Theater Höchst, Emmerich- Josef-Str. 46 a, Tel. 30 30 90: Sa., 20 Uhr, Peter Spielbauer; So., 16 & 20 Uhr, Varieté am Sonntag.
Theaterhaus, Schützenstr. 12, Tel. 299 861 10: Sa., 20 Uhr, Theater Grüne Sosse - "Fräulein Julie"; Sa., 23 Uhr, Cornelia Niemann - "Solo im Supermarkt"; So., 15 Uhr, Ferri & Lerri - Mitmachkonzert (ab 4 J.).
Theater für Kinder, Pfingstweidstr. 2, Tel. 49 17 25: 15 Uhr, "Cinderella".
Café Cult, Schillerpassage, Tel. 92 00 61 23: Restaurant-Theater: Sa./So., 20 Uhr, Festival der Magie; Artrium: So., 11 Uhr, Powerhouse Jazzband & Kids Comedy Brunch.
Freies Schauspiel Ensemble: Sa., 19 Uhr, "Nachtwache"; Philanthropin, Hebelstr. 17.
Hessischer Rundfunk, Bertramstr. 8/ Foyer: Sa./So., 10 & 14 Uhr, Augsburger Puppenkiste (Videos).
Theater in der Uni, Senckenberganlage 27, Tel. 77 59 08: Sa., 20.30 Uhr, "Kaspar".
TiB-Studiobühne, Bornheimer Landwehr 35, Tel. 493 05 03: Sa., "Aysche und Richard".
Bühne 55, Falkstr. 55: Sa., 19.30 Uhr, "Ein idealer Gatte".
Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20, Tel. 28 96 91: Sa., 20 & 23.30 Uhr, Internationale Varietérevue. Musik Oper, Theaterplatz, Tel. 23 60 61: Sa., 20 Uhr, "Carmen"; So., 18 Uhr, "Der Rosenkavalier". Alte Oper, Opernplatz, Tel. 13 400: Grosser Saal: Sa., 20 Uhr, Hot Jazz Meeting; So., 19 Uhr, Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.
Batschkapp, Maybachstr. 24: Sa., 22 Uhr, Idiot Ballroom.
Sinkkasten, Brönnerstr. 5: Sa., 21 Uhr, Gustav Rabe.
Jazzkeller, Kl. Bockenheimer Str. 18 a: Sa., 22 Uhr, Odysseus Broz - Rock-Groove-Standards. Jazzlife Podium, Kl. Rittergasse 22-26: Sa., 19.30 Uhr, Blues Cruisers; So., 19.30 Uhr, Traces.
Brotfabrik, Bachmannstr. 2-4: Sa., 20 Uhr, Salsa Aqui & Disco.
Brasil & Disco Brasileira; Theatersaal II. OG:So., 15.30 Uhr, Manioli - Kinderzauberer. Irish Pub, Kl. Rittergasse 11: Sa./So., 21 Uhr, Johnny Tobasco.
Werkstatt, Große Rittergasse 106: Sa., 19 Uhr, Black Bembel; So., 15 Uhr, Mathias Baumgart & Band; 20.30 Uhr, The Rude Kids.
Spritzenhaus, Gr. Rittergasse 41-43: Sa., 19 Uhr, Nyce Cryce; So., 15 Uhr, Bernd Schütz Band; 21 Uhr, Message In A Bembel. Schlachthof, Deutschherrnufer 36: So., 11.30 Uhr, Red Hot Hottentots.
Hotel Kutsch, Kl. Rittergasse 5: Sa., 20 Uhr, Swingstars; So., 20 Uhr, Musiker Treff.
Al Andalus, Affentorhaus 1: Sa., 19 Uhr, Juan y José; So., 17 Uhr, Tanz mit Las Flamencas.
Jazzkneipe, Berliner Str.70: Sa., 22 Uhr, Hengstbach Stompers;So., 22 Uhr, Piano George.
Café Plazz, Kirchplatz 8: So., 19.30 Uhr, Ulrike Maier.
Dreikönigskeller, Färberstr. 71: Sa., 20 Uhr, Lovehappy; So., 20 Uhr, Ananas.
Palast Bar im Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20: Sa., 22 Uhr, Joan Faulkner und die Chicago Blues Busters.
Kommunikationszentrum KOZ, Uni Campus: So., 18 Uhr, The Ex & Tom Cora.
Veranstaltungszentrum KA Eins, Kasseler Str. 1 a: So., 15 Uhr, Indische Kulturmatinee. Kirche St. Bernhard, Koselstr. 11-13: So., 18 Uhr, Vokalensemble Alta Musica.
Alte Nikolaikirche, Römerberg: So., 11.45 Uhr, Lieder & Orgelmusik "Epiphanias". Nicolaikirche, Waldschmidtstr./ Rhönstr.: So., 18 Uhr, Musik für Orgel & Gitarre.
Festeburgkirche, An der Wolfsweide 54-58: So., 19.30 Uhr, Brigitta Wollenweber - Klavier.
Jahrhunderthalle Hoechst: Sa., 20 Uhr, Semper-House-Band & Gunther Emmerlich; So., 20 Uhr, The Harlem Gospel Singers.Vogel behält Bonner Amt
BONN, 21. Januar (AP). Der thüringische Ministerpräsident Bernhard Vogel bleibt vorerst Vorsitzender der Konrad- Adenauer-Stiftung. Die Mitgliederversammlung der CDU-nahen Stiftung bestätigte Vogel am Mittwoch abend im Amt. Der CDU-Politiker kündigte aber an, im Falle seiner Wahl zum Thüringer CDU-Vorsitzenden am kommenden Wochenende werde er die Verpflichtung bei der Stiftung ruhen lassen.
Zum geschäftsführenden Vorsitzenden wurde daher für vier Jahre der Leiter der Vertretung der EG-Kommission in der Bundesrepublik, Gerd Langguth, gewählt. Er wird aus dem Dienst der Europäischen Gemeinschaft ausscheiden.
Neben dem Staatsminister aus dem Kanzleramt, Anton Pfeifer, wird es künftig einen zusätzlichen stellvertretenden Vorsitzenden geben, den früheren Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg. Schatzmeister bleibt Wolfgang Jahn.
Die Stiftung teilte mit, Vorsitzender und stellvertretende Vorsitzende seien ehrenamtlich tätig, der geschäftsführende Vorsitzende erhalte ein Honorar.
HANAU. Shlomo Margalit (Jerusalem) hält am Donnerstag, 28. Januar, um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum Helmholtzstraße einen Vortrag über die "Entwicklung des Frühchristentums vom Judentum bis zur Byzantinischen Zeit".
MAIN-KINZIG-KREIS. Nachdem die CDU scharf dagegen protestiert hatte, daß ein Unionsantrag nicht auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Main-Kinzig-Parlaments genommen wird (die FR berichtete), hat sich gestern der von den Christdemokraten attackierte Kreistagsvorsitzender Lothar Klemm (SPD) zu Wort gemeldet. Für ihn handelt es sich bei der harschen Kritik um "Wahlkampfklamauk" der CDU.
Die Union wollte mit ihrem Vorstoß im Kreistag den Versuch unternehmen, Landrat Karl Eyerkaufer (SPD) eine Rüge zu erteilen, weil er einem Beschluß des Kreisausschusses nicht widersprochen habe. Wie berichtet, geht es dabei um eine außerplanmäßige Ausgabe in Höhe von rund zehn Millionen Mark (Steuerbescheid des Finanzamtes im Zusammenhang mit dem geplanten Teilverkauf der Kreiswerke Gelnhausen).
Zu dem von ihm abgelehnten Unionsantrag erklärte Klemm am Donnerstag: "Die CDU weiß genau, daß der Kreistagsvorsitzende nach der Verfügung des Regierungspräsidenten vom 9. Juni 1992 einen Antrag auf Rüge eines kommunalen Wahlbeamten gar nicht mehr auf die Tagesordnung nehmen kann." Der Regierungspräsident habe darauf hingewiesen, daß mißbilligende Äußerungen Maßregeln darstellen, die nur der Aufsichtsbehörde, also dem RP selbst, vorbehalten seien. Nach der Verfügung aus Darmstadt soll sich der Kreistag "die ihm grundsätzlich nicht zustehende Kompetenz der Dienstaufsicht über kommunale Wahlbeamte nicht anmaßen".
Dem Kreistagsvorsitzenden zufolge wurde diese Verfügung auch den CDU- Vertretern in der Präsidiumssitzung vom 2. November vergangen Jahres ausgehändigt. Seitdem sei "auch klar, daß wir uns im Main-Kinzig-Kreis an diese Verfügung der Kommunalaufsicht halten werden", stellt Klemm weiter fest. Wenn die CDU jetzt davon rede, gegen den Landrat ein Dienstaufsichtsverfahren beantragen zu wollen, dann sei das gerade der Beleg für die richtig getroffene Entscheidung. Der Kreistagsvorsitzende habe nach Recht und Gesetz zu handeln und müsse deshalb auch die Verfügungen des Regierungspräsidenten beachten. Klemm: "Und genau deshalb mußte ich die Entscheidung auf Nichtaufnahme auf die Tagesordnung treffen."
CDU-Landratskandidat Hubert Müller hatte den Wunsch der Unionsfraktion, "aufsichtsbehördliche Schritte" gegen den Beschluß des Kreisausschusses einzuleiten, dem Darmstädter Regierungspräsidenten Dr. Heinz Daum höchstpersönlich am 16. Dezember vorigen Jahres schriftlich übermitteln lassen. Am 23. Dezember wird dann vom RP mitgeteilt, daß der Main-Kinzig-Kreis aufgrund des Bescheids des Finanzamtes Offenbach-Stadt (4. Dezember 1992) über Körperschaftssteuer und Solidaritätszuschlag verpflichtet sei, bis spätestens 7. Januar 1993 den Betrag von rund zehn Millionen Mark zu leisten. Bei verspäteter Zahlung seien Säumniszuschläge fällig.
In dem Schreiben an die CDU heißt es weiter: "In Anbetracht der sehr defizitären Haushaltslage des Main-Kinzig-Kreises haben die Gremien des Kreises grundsätzlich darauf zu achten, daß rechtliche Verpflichtungen unverzüglich erfüllt werden, um weitere Belastungen für den Kreis zu vermeiden."
Am gleichen Tag, also am 23. Dezember, geht an den Kreisausschuß ein ähnliches Schreiben heraus, das Daums persönliche Unterschrift trägt. Darin erklärt der RP: "Ich stimme deshalb den vorgesehenen außerplanmäßigen Ausgaben zu." hok
GELNHAUSEN. 11 000 Mark und einen Leichtverletzten hat ein Unfall auf der Ostspange am Mittwochabend gefordert. Dort hatte, so der Polizeibericht, eine Autofahrerin, die von der parallel zur Autobahn verlaufenden Kreisstraße kam, nach links Richtung Gelnhausen abbiegen wollen.
Dabei übersah sie den Wagen in Richtung Höchst, dessen Fahrer bei der Kollision verletzt wurde. jan
Städelsches Kunstinstitutund Städtische Galerie, Schaumainkai 63, Tel. 6 05 09 80: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Führungen Mi., 18.30 Uhr, Sa./ So., 11 Uhr; Graphische Sammlung; Anselm Kiefer "Über Räume und Völker" (bis Frühjahr 1993); Stephan Balkenhol "Skulpturen im Städelgarten" (bis Frühjahr 1993).
Städelschule Frankfurt, Dürerstr. 10, Tel. 60 50 08 - 0: Mo. bis Sa., 6 bis 21 Uhr, So. geschlossen; Ausstellung der Klasse Jochims (bis 6. 2.).
Museum für Moderne Kunst, Domstraße 10, Tel. 212 304 47: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, Sa., 12 bis 19 Uhr; Zeitgenössische Kunst von 1960 bis heute; Szenenwechsel III: Alighiero e Boetti, Walter De Maria, Gotthard Graubner, Martin Honert, Donald Judd, Stephan Melzl, Bruce Nauman, Jean Frédéric Schnyder, Manfred Stumpf (bis 26. 3.).
Senckenbergmuseum, Senckenberganlage 25, Tel. 7 54 20: Mo., Di., Do., Fr., 9 bis 17 Uhr; Mi., 9 bis 20 Uhr; Sa./So., 9 bis 18 Uhr; Führungen So., 10.30 Uhr, Mi., 18 Uhr; Dauerausstellungen "Urpferdchen und Krokodile - Messel vor 50 Millionen Jahren"; "Fossilien aus Libanon"; "Achate"; "Weg zur Unsterblichkeit - Mumien und Mumifizierung im alten Ägypten".
Historisches Museum, Saalgasse 19, Tel. 2 12 - 3 55 99: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Bibliothek: z. Z., geschlossen; Graphische Sammlung: Di. bis Do., 10 bis 13 Uhr; Führungen: Mi., 18 Uhr, So., 14 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. 2 12 - 34 611; Dauerausstellungen Altstadtmodell, -grabung, Saalhofkapelle, Frankfurter Fayencen, Frankfurter Ratssilber, Goldschmiedewerkstatt, bürgerliche Sammlungen des 18. Jh.; Historische Dokumentation 16.-18. Jahrhundert; Sonderausstellungen: "Anne aus Frankfurt" (bis auf weiteres); Sonderausstellung "Tony Sender 1888-1964 - Rebellin, Demokratin, Weltbürgerin" (bis 31. 1.); Kindermuseum: Lieblingsstücke aus Kinderhand (bis Ende 92); Malwettbewerb "Komm wir reißen Zäune ein" (bis 24. 1.); Frankfurter Äpfelweinmuseum, Gaststätte "Historix" im Historischen Museum: regelmäßige Führungen, Mi., 18 Uhr, an Wochenenden nach Vereinbarung, Anmeldung Tel. 212 - 3 77 73.
Münzkabinett, Saalgasse 19: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Glaspasten, geschnittene Steine, Arabische Münzgewichte, Münzen der Kelten, Münzen der römischen Kaiser in Alexandrien.
Liebieghaus, Museum alter Plastik, Schaumainkai 71, Tel. 2 12 - 3 86 17: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 b. 20 Uhr; Führungen So., 11 Uhr.
Museum für Kunsthandwerk, Schaumainkai 17, Tel. 2 12 - 3 40 37: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; allgemeine Führungen, So., 11 Uhr; Dauerausstellungen: I. Europäisches Kunsthandwerk, II. Kunst und Kunsthandwerk Ostasiens, III. Islamisches Kunsthandwerk, IV. Buchkunst und Graphik 14. bis 20. Jahrhundert, V. Russische Ikonen vom 18. bis 20. Jahrhundert; Sonderausstellung "Hell & Spar. Gestaltung von Energiesparleuchten" (bis 14. 2.).
Deutsches Filmmuseum, Schaumainkai 41, Tel. 212 - 3 88 30: Bibliothek, Di. bis Fr., 13 bis 17 Uhr; Mi. bis 19 Uhr, geöffnet; Dauerausstellungen I und II, Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi. bis 20 Uhr, Sonderausstellung "Sergej Eisenstein im Kontext der russischen Avantgarde 1920-1925" (bis 28. 2.).
Deutsches Architektur-Museum, Schaumainkai 43, Tel. 212 - 3 84 71: Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Führungen So., 11 Uhr, Mi., 18 Uhr, Gruppenführungen nach Absprache; Sonderausstellung "The Gate of the Present - 25 zeitgenössische Torentwürfe aus Lego Bausteinen" (bis 14. 2.); Sonderausstellung II "Peter Eisenman "Entwurfkonzept: Folding in Time - Wohn- & Gewerbepark am Rebstockgelände" (bis 31. 1).
Ikonen-Museum im Deutschordenshaus, Brückenstraße 3-7: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi. bis 20 Uhr.
Jüdisches Museum, Untermainkai 14-15, Tel. 212 - 3 50 00: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; Mi., 10 bis 20 Uhr; Führungen: Mi., 18 Uhr, So., 14 Uhr in der Dauer- sowie Mi., 17 Uhr, So., 15 Uhr, in der Sonderausstellung; Dauerausstellung "Jüdisches Leben"; "Historische Ausstellung I (1100-1800) und II (1800-1950); Sonderausstellung "Zedaka: Jüdische Sozialarbeit im Wandel der Zeit. 75 Jahre Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland" (bis 28. 2.).
Museum Judengassse, Börneplatz: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr, Dauerausstellung "Die Frankfurter Judengasse: Fundamente - Geschichte - Alltagsleben"; Ausstellung "Stationen des Vergessens - Der Börneplatzkonflikt".
Museum für Vor- und Frühgeschichte, im Karmeliterkloster, Karmelitergasse/ Ecke Alte Mainzer Gasse, Tel. 212 - 3 58 96: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Dauerausstellung; "Mensch und Natur in der Jungsteinzeit" - Tastausstellung für Blinde & Sehbehinderte (geöffnet nach tel. Vereinbarung: 212 - 3 58 95; bis 30. 6. 94).
Museum für Völkerkunde, Schaumainkai 29: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, "Mythos Maske - Ideen, Menschen, Weltbilder" (bis Ende 94).
Deutsches Postmuseum, Schaumainkai 53, Tel. 6 06 00: Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr; Sonderausstellung "Zeit der Postkutschen" (bis 21. 2.).
Goethehaus und Goethemuseum, Großer Hirschgraben 23, Telefon 28 28 24: Mo. bis Sa., 9 bis 17.30 Uhr, So., 10 bis 13 Uhr; Führungen werktags um 10.30 und 14 Uhr, So., 10.30 Uhr; Kabinettausstellung "Neues aus den Sammlungen des Frankfurter Goethe-Museums" (bis auf weiteres); Sonderausstellung "Goethes Vater reist in Italien" (bis 14. 2.).
Stoltzemuseum, Töngesgasse 34-36, Tel. 21 70 - 22 66: Mo. bis Fr., 9.30 bis 17 Uhr, Mi., 10 bis 20 Uhr; Dauerausstellungen "Friedrich Stoltze als Zeitzeuge des 19. Jahrhunderts" und "Leben und Werk des Mundartautors und Satirikers Friedrich Stoltze; Sonderausstellung "Kaspers lustige Streiche oder Friedrich Stoltze für kleine und große Kinder" (bis 31. 3.).
Steinhausen-Museum, Wolfsgangstr. 152: Ausstellung "Rose Steinhausen - Ein Leben für das Werk des Vaters".
Stadtwerke Verkehrsmuseum, Schwanheim, Rheinlandstraße, Tel. 2 13 -2 62 09: Sa., So. und feiertags, 10 bis 18 Uhr, Führungen nach tel. Vereinb.; ständige Ausstellung "Von der Pferdebahn zur U- Bahn".
Frankfurter Feldbahnmuseum, Am Römerhof 15 a, Tel. 70 92 92: jeden ersten So. im Monat, 14 bis 17 Uhr.
Heinrich-Hoffmann-Museum, Schubertstraße 20, Tel. 74 79 69: Di. bis So., 10 bis 17 Uhr; "Struwwelpeter aus aller Welt, Bilder, Dokumente, Bücher"; Sonderausstellung "Von Struwwelhitler bis Punkerpeter" (bis auf weiteres); "Struwwelpeter mit italienischen Augen gesehen"; "Struwwelpeter trifft Max und Moritz".
Struwwelpetermuseum, Sammlung der Originale Dr. Heinrich Hoffmanns, Hochstraße 45-47, Tel. 28 13 33: täglich außer Mo., 11 bis 17 Uhr, Mi. 11 bis 20 Uhr.
Dommuseum, Am Domplatz, Tel. 29 07 87: Di. bis Fr., 10 bis 17 Uhr, Sa., So., Feiertag, 11 bis 17 Uhr; Dom-Führungen täglich, 15 Uhr; Museumsführungen Di. bis Fr., 11 Uhr; Ausstellung kostbarster und schönster liturgischer Geräte und Paramente des früheren Stifts und der heutigen Stadtpfarrei St. Bartholomäus; Modelle, Grundrisse und Reproduktionen über die Baugeschichte der Kirche und Krönungen im Frankfurter Kaiserdom im Kreuzgang der Domkirche; Franziska Lenz-Gerharz - Plastiken (bis 31. 1.).
Uhren- und Schmuckmuseum im Glockenspielhaus, Höchst, Hostatostraße 3, Tel. 30 30 30: jeden ersten Samstag im Monat von 10 bis 16 Uhr, und nach Vereinbarung; Ausstellung wertvoller Exponate, die die geschichtliche und technische Entwicklung aufzeigen.
Museum für Höchster Geschichte und Firmenmuseum der Hoechst AG, Höchster Schloßplatz, Tel. 30 32 49: täglich, 10 bis 16 Uhr.
Heimatmuseum Bergen-Enkheim, Altes Rathaus, Marktstraße, Tel. 3 23 44: So., 15 bis 18 Uhr, Do., 20 bis 21.30 Uhr; Ortsgeschichte, Römerzeit, Vor- und Frühgeschichte, volkskundliche Abteilung, Naturgeschichte, Erdgeschichte.
Heimatmuseum Schwanheim, Wilhelm-Kobelt-Haus, Alt-Schwanheim 6, Tel. 35 60 07: So., 10 bis 12 Uhr (oder nach tel. Vereinbarung mit Erwin Schneider).
Heimatmuseum Nied, Beunestraße 9 a: So., 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung.
Chaplin-Archiv, Klarastr. 5: Fr., 17 bis 19 Uhr.
Radio-Museum, Bornheimer Landstraße 20, Tel. 43 84 53: Mo. bis Fr., 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung; Komplette Rundfunkgeschichte von 1923 bis in die späten 70er Jahre. Dokumente von 50 Jahren Mediengeschichte.
Zeppelin-Museum, Kapitän-Lehmann- Straße 2, Zeppelinheim, Tel. 69 43 90: Fr. bis So. und feiertags, 9 bis 17 Uhr, Di. bis Do., für Gruppen nach Anmeldung.
BAD NAUHEIM. Wenn Menschen nach einem Unfall, einer Operation, einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt um ihr Leben kämpfen müssen, dürfen sie hoffen: Ab sofort steht ihnen im Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim eine neue Intensivstation zur Verfügung, die mit zehn Betten auf dem modernsten technischen und medizinischen Stand ist.
Die Intensivstation hält drei Zimmer mit je zwei Betten und ein Zimmer mit vier Betten sowie einen Reanimationsraum vor. Unmittelbar daran schließt sich der Operationsraum und der Aufwachraum an. Das Besondere an der Station sind die teilweise gläsernen Zwischenwände. Sie gestatten dem Personal die Überwachung, verhelfen den Patienten aber auch zu Ruhe.
Die Intensivstation ist mit den neuesten medizinischen und pflegerischen Apparaten ausgestattet. Jedes Bett ist mit Meßinstrumenten ausgerüstet, die jede lebensbedrohliche Funktionsstörung sofort melden.
Nach Angaben des Pflegedienstleiters Potinius werden rund um die Uhr in der Intensivstation ein Arzt und in drei Schichten zwischen 16 und 18 Pflegekräfte beschäftigt. Durch den hohen Personalbedarf dürften die Kosten etwa doppelt so hoch sein wie auf einer normalen Station, schätzt der ärztliche Direktor Dr. Christian Müller.
Nach seinen Angaben wird die Verweildauer zwischen mehreren Stunden und Tagen schwanken. Einen durchschnittlichen Aufenthalt kann er deshalb nicht prognostizieren, weil die Intensivstation erstmals von allen Fachabteilungen genutzt wird.
Ursprünglich wollten die Bad Nauheimer an den Neubau des Hochwaldkrankenhauses einen neuen Gebäudeflügel angliedern und darin die Intensivstation, den Kreißsaal, Operationsräume und Ambulanzen für die Gynäkologie, Chirurgie und die Innere Abteilung nebst 30 Betten unterbringen. Die dafür nötigen 70 Millionen Mark wollte das Land jedoch nicht bezahlen. Deshalb speckte die Stadt diese Pläne ab und errichtete die Intensivstation statt dessen im alten Gebäudetrakt des Hochwaldkrankenhauses.
Damit dennoch der Altbau des Krankenhauses saniert und die Zimmer mit Naßzellen ausgestattet werden können, muß ein Ersatzbau für die wegfallenden Betten gebaut werden. Der rund 12 Millionen Mark teure dreigeschossige Bau wird in den nächsten Monaten dort hochgezogen, wo heute noch die alte Küche steht. Danach sollen die betagten Patientenzimmer modernisiert werden. Die Kosten schätzt Krankenhaus-Dezernent Dr. Flach auf rund zehn Millionen Mark.
Die neue Intensivstation ermöglicht, daß das Konitzkystift in der Ludwigstraße am Samstag geschlossen wird. Dort war bislang die Innere Abteilung untergebracht. Medizinischen Zwecken wird das Gebäude auch weiterhin dienen. Der Unternehmer Werner Wicker will das Konitzkystift zu einer Klinik für Ganzheitsmedizin um- und ausbauen. str
Schirn Kunsthalle, Am Römerberg: Mo., 14 bis 18 Uhr, Di. bis Fr., 10 bis 22 Uhr, Sa./So., feiertags 10 bis 19 Uhr, Allgemeine Führungen Di., 11 Uhr u. Di./Do., 19 Uhr, Gabriele Münter 1877-1962 (bis 14. 2.); Edward Hopper 1882-1967 - Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen & Graphiken (bis 14. 2.).
Portikus, Schöne Aussicht 2: Di. bis So., 11 bis 18 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, Jean-Frederic Schnyder - "Landschaft" (bis 21. 2.).
Förderverein Schöneres Frankfurt: 15 Arbeiten zeitgenössischer Künstler im Stadtgebiet; Info bei der Bürgerinformation am Römerberg.
Galerie Timm Gierig, Leinwandhaus, Weckmarkt 17,Tel. 28 71 11: Mo. 14 bis 18 Uhr, Di. bis Fr., 10 bis 13 Uhr, So. 12 bis 17 Uhr; Erich Smodics - Malerei, Objekte, Zeichnungen (Eröffnung 23. 1., 17 Uhr).
Galerie Nikolaus Fischer, Braubachstr. 32, Tel. 29 24 47: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, "Die 20er und 30er Jahre - Arbeiten auf Papier" (bis 30. 1.).
Galerie Huber-Nising, Saalgasse 6, Tel. 2 02 13: Di., 14 bis 18.30 Uhr, Mi. bis Fr., 11 bis 18.30 Uhr, Sa, 10 bis 14 Uhr, Horst Antes - "Häuser - Daten - T-Shirts" (bis 30. 1.).
Galerie Paul Sties, Braubachstr. 12, Tel. 29 39 03: Zdenek Sykora (bis 31. 1.).
Büchergilde Gutenberg, Ladengalerie, BFG-Haus, Theaterplatz, Tel. 23 68 80: Mo. bis Fr., 9.30 bis 18.30 Uhr, Sa., 9.30 bis 14 Uhr, Christa Biederbick - Kleinskulpturen (bis 31. 1.).
Galerie Frank Hänel, Braubachstr. 26, Tel. 29 46 64: Di. bis Fr., 12 bis 18 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, Harald Gallasch - Neue Arbeiten (bis 31. 1.); Ausstellungshalle Nordenstr. 23: nach Vereinb., Lisa Brice, Michael Hattingh, Kwun Sun-Cheol & Valeriano.
Galerie ak Hans Sworowski, Gartenstr. 47, Tel. 62 21 04: Di. bis Fr., 14 bis 18 Uhr, Sa., 12 bis 14 Uhr, Erdogan Bulut, Young Hyang Lee, Albrecht Wild, Sabine Zimmermann (bis 6. 2.).
Galerie Wild, Bettinastr. 30, Tel. 7 41 08 23: Di. bis Fr., 13 bis 18.30 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr (Galerieferien vom 24. 12. bis 10. 1. 92); Bernd Zimmer - Arbeiten von 1990 bis 1992 (bis 10. 2.).
Kommunale Galerie im Leinwandhaus, Weckmarkt 17: Di. bis So., 11 bis 18 Uhr, Mi., 11 bis 20 Uhr; Klaus Schneider - "Farbwort - Wortfarbe" (bis 14. 2.).
Galerie Martina Detterer, Hanauer Landstr. 20-22: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, Claudia Di Gallo, Alba D'Urbano, Sylvie Fleurie, Tamara Gricic, Marylène Negro, Susanne Stövhase (bis 16. 2.).
Graphisches Kabinett im Westend, Barckhausstr. 6, Tel. 72 80 15: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Sa., 10 bis 14 Uhr, Bogdan Hoffmann. Neue Holzschnitte (bis 20. 2.).
Galerie Hilger, Beethovenstr. 71, Tel. 74 82 74: Mi. bis Fr., 12 bis 18 Uhr, Sa., 10 bis 13 Uhr, Heinrich Nicolaus - "Zeichnungen" (bis 21. 2.).
Galerie Niedenau, Niedenau 61/63, 5. OG: Mo., bis Do., 8 bis 16, Fr., 8 bis 12 Uhr; Alberto Rodriguez - Aquarelle (bis 26. 2.).
Galerie von Oertzen, Mainzer Landstr. 250-252, Tel. 759 04 0: Mo. bis Fr., 9 bis 17 Uhr, Ken Cato, Garry Emery, Barrie Tukker - Grafik-Design (26. 2.).
Galerie Helmut Pabst, Saalgasse 26, Tel. 297 73 53: Di., Mi., 17 bis 20, Do., Fr., 15 bis 20 Uhr, Sa., 11 bis 15 Uhr; Annette Schultze - "Kampfblätter", Neue Arbeiten auf Pergamin (bis 27. 2.).
Galerie Schwind, Braubachstr. 24: Di. bis Fr., 13 bis 18.30 Uhr, Gero Künzel - "Tod und Zuckerfäden" (bis 27. 2.).
Galerie Raphael, Grüneburgweg 89, Tel. 72 90 37: Di. bis Fr., 15 bis 19 Uhr, Sa., 11 bis 14 Uhr, Joan Miró - Grafik (27. 2.). Ausstellungen
Deutscher Werkbund, Weißadlergasse 4: Di. bis So., 12 bis 18 Uhr, Lutz Fritsch - "Raumsichten" (bis 24. 1.).
Freunde Frankfurts, Verein zur Pflege der Frankfurter Tradition, Schellgasse 8, Tel. 61 59 18: Di., Fr., So., 14 bis 17 Uhr; Betti Häring: Zeichnungen, Aquarelle und Radierungen (bis 24. 1.).
Palmengarten, Siesmayerstr. 63: tägl. 9 bis 16 Uhr, Foyer Ost: Fotografien heimischer Orchideen (bis 24. 1.).
Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Str. 24: tgl., 10 bis 22 Uhr, Horst Wilbert - Neue Bilder (bis 26. 1.).
Gallus Theater, Krifteler Str. 55: Di. bis Sa., 15 bis 18 Uhr & zu den Veranstaltungen, Inge Hölscher - Farbenfrohe Bilder/Acryl auf Papier (bis 30. 1.).
Zentralbibliothek, Zeil 17-23, Tel. 212 - 45 10: Di. bis Fr., 10 bis 19, Sa., 10 bis 13 Uhr; Fotoausstellung "Der Goldene Ring" - Kreml- und Klosterbauten vom 12. bis 18. Jahrhundert in Rußland (bis 30. 1.).
Hessischer Rundfunk, Bertramstr. 8/ Foyer: tägl. 9 bis 19 Uhr, Augsburger Puppenkiste (bis 31. 1.).
Frankfurter Künstlerclub, Nebbiensches Gartenhaus, Bockenheimer Anlage: tägl.11 bis 17 Uhr, Hans Morgenstern - "Konstruktive Malerei" (bis 31. 1.).
Fotografie Forum Frankfurt, Leinwandhaus, Weckmarkt 17, Tel. 29 17 26: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Mi., 11 bis 20 Uhr, Sa. u. So., 11 bis 17 Uhr; Eberhard Grames "Kaputte Schönheiten" (bis 31. 1.).
Café Cult, Schillerpassage, Rahmhofstraße, Tel. 92 00 61: Uwe Groß (bis 31. 1.).
Deutsche Bibliothek, Zeppelinallee 4-8: Mo. bis Do., 9 bis 20 Uhr, Fr., 9 bis 18 Uhr, Sa., 9 bis 17 Uhr, Georg Joachim Göschen - "Dokumente zur Verlagsgeschichte aus den Beständen des Deutschen Buch- & Schriftmuseums" (bis 3. 2.).
Heussenstamm-Stiftung, Barckhausstr. 1-3: Di. bis Fr., 16 bis 19 Uhr, Sa. & So., 11 bis 13 Uhr, Eri M.A. Foerster - "Aquarelle" (bis 12. 2.).
Forum der Frankfurter Sparkasse, Töngesgasse 40: Mo. bis Fr., 9.30 bis 17 Uhr; Jürgen Kisch (bis 12. 2.).
Deutsch-Ibero-Amerikanische Gesellschaft, Gräfstr. 83: Mo. bis Do., 10 bis 13 Uhr & 15 bis 18 Uhr, Fr., 10 bis 13 Uhr, Gilda Neuberger - "Fresko auf Leinwand" (bis 19. 2.).
Palais Jalta, Bockenheimer Landstr. 104, Mo. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Die Bilder von Fjodor Ljutov, (bis 19. 2.).
Galerie Rothe, Barckhausstr. 6, Tel. 72 27 17: Di. bis Fr., 11 bis 18 Uhr, Sa., 10 bis 14 Uhr, Fritz Klemm - "Arbeiten auf Papier aus 20 Jahren" (bis 27. 2.).
Künstlerhaus Mousonturm, Waldschmidtstr. 4: Di. bis So., 15 bis 19 Uhr und während der Abend-Vorstellungen; Maix Meyer - "via regia oder Frankfurt atmet geerdet", Fotos und Installationen (bis 28. 2.).
Universitätsbibliothek, Bockenheimer Warte, B-Ebene: Mo. bis Fr., 8.30 bis 19.30 Uhr, Dieter Kühne (bis 28. 2.).
Eckstein, An der Staufenmauer 7, Tel. 28 75 20: Acht Junge Fotografen aus Frankfurt (bis 6. 3.).
Jahrhunderthalle Hoechst: tägl. 11 bis 15 Uhr, Henry, Brancusi, Man Ray, Umbo - "Sterne und Stars" (bis 28. 2.).
Ökozentrum / Eine Welt Laden, Schäfergasse 46: "Das Recht auf Asyl bleibt" (bis auf weiteres).
Institut für Jugendbuchforschung, Myliusstr. 30: Mo. bis Do., 10 bis 16 Uhr, "Großstadt in der Kinderliteratur 1900 bis 1933 - Motive in Texten und Bildern" (bis 2. 12. 93.).
Jugendamt, Abt. Jugendpflege, Zeil 57: Mo. bis Fr., 8 bis 18.30 Uhr; "Jugendpflege Frankfurt im Spiegel von Plakaten".
Zentrale Meldestelle, Zeil 3: Mo. u. Mi., 7.30 bis 13.30 Uhr, Do., 10 bis 13.30 u. 15 bis 18 Uhr, Fr., 7.30 bis 13 Uhr; "Kunst im Amt" - Bilder von Künstlern aus dem Rhein-Main-Gebiet (bis auf weiteres).
ESCHBORN. Kunst im öffentlichen Raum gibt es seit gestern im Eschborner Rathaus zu sehen: Galerist Hercules Evangelinos stellte Bürgermeister Martin Herkströter (CDU) eines seiner Kunstwerke für die Dauer seiner Amtszeit als Leihgabe zur Verfügung.
Der christdemokratische Rathauschef scherzte deshalb: "Wenn die Bürger das Werk lange sehen wollen, müssen sie dafür sorgen, daß ich wiedergewählt werde.
Wenn es ihnen nicht gefällt, gehe ich ein Risiko ein . . ."
Evangelinos brannte in eine Tür mit der Lötlampe Musikinstrumente und Hieroglyphen ein und ließ einen Bronzestreifen von oben nach unten durchlaufen. Sie steht jetzt für alle Besucher gut sichtbar im neuen Rathausfoyer hinter dem Brunnen.
Herkströter nannte Evangelinos Leihgabe ein "nachahmenswertes Beispiel für andere Künstler." Die profitierten davon, im öffentlichen Raum ausstellen zu können, während die Stadt Kunst am Bau präsentieren könne, ohne dafür zahlen zu müssen.
Die Zusammenarbeit mit der Galerie "Apollon" trägt aber noch weitere Früchte: Am 3. März wird im städtischen Museum eine Dali-Ausstellung eröffnet, die Hercules Evangelinos nach Eschborn brachte.
Unter den 150 Exponaten sind auch Fälschungen und Kuriositäten. Dazu zählt etwa ein Werk, das der spanische Surrealist herstellte, um eine Restaurant-Rechnung zu begleichen. she
SOSSENHEIM. Schaden von 120 000 Mark hat ein Kellerbrand am Mittwoch im Dunantring angerichtet. Menschen wurden nicht verletzt.
Das Feuer brach nach Angaben der Polizei gegen 17 Uhr aus. Ein 14jähriger war mit einer Kerze in den Keller gestiegen, um Werkzeug zu holen. Dabei warf er eine Flasche mit Lösungsmittel um. Die Flüssigkeit entzündete sich daraufhin an der Kerze. Innerhalb kurzer Zeit stand der ganze Kellerraum in Flammen. Der Junge konnte sich allerdings rechtzeitig in Sicherheit bringen und Alarm geben.
An der Löscharbeiten waren laut Polizei Feuerwehrleute der Wachen vier und fünf beteiligt. Der Dunantring mußte bis 18 Uhr gesperrt werden. Die Bewohner des Wohnblocks forderte die Polizei wegen der starken Rauchentwicklung über Lautsprecher auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten. tos
Der von der Polizei wegen Mordverdachts gesuchte Werner S. hat sich offenbar das Leben genommen. Passanten fanden die Leiche des 55jährigen jetzt an der Wasserpumpstelle der Stadt Bad Vilbel in Höhe der Musterhaussiedlung. S. steht im dringenden Verdacht, am Dienstag in Fechenheim seine Ehefrau Edith (57) erschossen zu haben.
Die Polizei hatte unter anderem per Hubschrauber nach dem Mann gefahndet. Ein Polizeisprecher sagte, der Leichnam des 55jährigen habe so verdeckt unter dem überstehenden Außendach der Pumpstation gelegen, daß er vom Hubschrauber aus nicht zu entdecken war.
Nach den Ermittlungen der Polizei hat sich Werner S. am Mittwoch vormittag mit einer Pistole des Kalibers 7,9 Millimeter in den Kopf geschossen. Zu diesem Zeitpunkt war in der Hanauer Landstraße in Fechenheim auch das Fluchtauto des Täters gefunden worden, der Edith S., Sekretärin im CDU-Kreisverband, auf offener Straße erschossen hatte.
Die Herkunft der Waffe, die bei dem mutmaßlichen Täter gefunden wurde, ist noch ungeklärt. mat
HÖCHST. Wenige Augenblicke reichten Unbekannten am Mittwoch, um fette Beute zu machen. Aus einem im Hinterhof der Bolongarostraße 122 geparkten Wagen holten die Täter laut Polizeibericht einen Radiorecorder, ein Autotelefon, einen Telefoncomputer sowie etwa 5000 Mark in bar. Außerdem fiel den Autoknackern ein Aktenkoffer mit Papieren und Unterlagen in die Hände.
Eine 34jährige Architektin hatte ihren Wagen nach Angaben der Polizei gegen 16.30 Uhr auf dem Hinterhof in der Bolongarostraße geparkt. Als sie nur wenige Minuten später wieder zurückkehrte, war die Seitenscheibe des Autos eingeschlagen, die teuren Gerätschaften allesamt ausgebaut.
Den Gesamtschaden schätzt die Polizei auf etwa 12 000 Mark. tos
Die interessante Sportnotiz
In Berlin wird es kein Referendum über die Bewerbung der Stadt um die Olympischen Spiele 2000 geben. Das Abgeordnetenhaus lehnte einen entsprechenden Antrag der oppositionellen Fraktion Bündnis 90/Grüne mehrheitlich ab.
Auch Tauscher in der Klinik
Der Kader des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) schmilzt dahin wie der Schnee in der Sonne. Jetzt erwischte es auch Hans-Jörg Tauscher aus Oberstdorf. Der Abfahrts-Weltmeister von 1989 mußte am Donnerstag das Training zur Weltcup-Abfahrt in Veysonnaz wegen chronischer Rückenbeschwerden abbrechen. Der 25jährige Rennläufer wird sich nun einer Computertomographie unterziehen. Dachverband für Motorsport angestrebt Die drei Motorsport betreibenden deutschen Automobilverbände ADAC, AVD und DMV streben die Gründung eines gemeinsamen Bundesdachverbandes für Motorsport an. Darauf einigten sich Vertreter der drei Verbände am Donnerstag. Timman und Short spielten remis Die achte Partie im Finale des Kandidatenturniers um die Herausforderung von Schach-Weltmeister Garri Kasparow zwischen Jan Timman und Nigel Short endete remis. Am Donnerstag einigten sich beide Spieler in San Lorenzo de El Escorial bei Madrid nach 28 Zügen auf die erneute Punkteteilung. Damit steht es nach acht von 14 Spielen 4,0:4,0. Mainzer Weiß brach Bein gegen Eintracht Hendrik Weiß vom Fußball-Zweitligisten FSV Mainz 05 erlitt beim 4:1-Sieg im Testspiel gegen die Amateure der Frankfurter Eintracht einen doppelten Schien- und Wadenbeinbruch. Schäty verlängert in Egelsbach Herbert Schäty bleibt Trainer des hessischen Fußball-Oberligisten SG Egelsbach. Schäty verlängerte seinen Vertrag um zwei Jahre. Liga-Konkurrent SC Neukirchen hat sich durch den Ex-Profi Jens Krinke verstärkt. Der ehmalige Nürnberger ist ab 7. April spielberechtigt. Bjarnason bleibt in Großwallstadt Nach Sven Lakenmacher, Bernd Roos und Heiko Karrer hat auch der isländische Nationalspieler Sigurdur Bjarnason seinen Vertrag beim Handball-Bundesligisten TV Großwallstadt verlängert.
Der Eishockey-Bundesligist EHC Freiburg hat nun doch einen neuen Trainer verpflichtet. Nach der Trennung von Ladislav Olejnik wurde Stanislav Nevesely, bisher Manager der CSFR-Nationalmannschaft, unter Vertrag genommen.
Eishockey-Bundesligist Mannheimer ERC hat für kommende Saison Andreas Pokorny (Köln) und die Freiburger Martin Reichel und Pavel Gross verpflichtet.
Der hessische Fußball-Oberligist SV Wehen trifft am 2. Februar um 19 Uhr auf dem heimischen Halberg in einem Testspiel auf den VfB Stuttgart.
Hannes Linßen wird zur Saison 1993/94 neuer Trainer beim Fußball-Zweitligisten Fortuna Köln. Linßen, momentan Co- Trainer beim Bundesligisten 1. FC Köln, wird Gerd Roggensack (51) ablösen.
Kleppinger verlängert bei Darmstadt 98 Abwehrspieler Gerd Kleppiger hat seinen Vertrag beim SV Darmstadt 98 bis zum 30. Juni 1994 verlängert. Der Zweitligist, derzeit im Trainingslager in Portugal, hat auch den Spielern Tayfur Havutcu, Stefan Simon und Thomas Kowaleski Angebote unterbreitet.
Fußball-Bundesligist Werder Bremen muß einige Zeit auf Dietmar Beiersdorfer verzichten. Der Nationalspieler zog sich am Mittwoch beim Turnier in Hamburg im Spiel gegen den Zweitligisten FC St. Pauli Hamburg (2:3) einen Bruch des rechten Mittelhandknochens zu.
Der russische Fußball-Meister ZSKA Moskau hat zwei Heimspiele in der Endrunde des Europapokals der Landesmeister ins Berliner Olympiastadion verlegt. Ursprünglich sollten die Partien gegen Olympique Marseille (3. März) und den FC Brügge (7. April) wegen des russischen Winters im Leverkusener Ulrich- Haberland-Stadion ausgetragen werden.
Der "Frankfurter Aufruf" sowie Mitglieder von amnesty international und der Frankfurter Jusos haben am Donnerstag vormittag auf der Zeil den Artikel 16 des Grundgesetzes symbolisch zu Grabe getragen. Die Demonstration fand zum Zeitpunkt der ersten Lesung zur Änderung des Asyl-Artikels in Bonn statt. Die Demonstranten trugen einen Sarg über die Zeil, weil die Gesetzesänderung einer Abschaffung des Artikels 16 gleichkomme, erklärte Ulli Nissen vom "Frankfurter Aufruf". Für politisch Verfolgte müßte das Grundrecht auf Asyl in vollem Umfang erhalten bleiben.
Der kleine Protestzug erfuhr viel Zustimmung, aber auch Kritik bei den Passanten. Mehrere Bürger machten deutlich, daß sie die Bonner Änderungspläne gutheißen. Die Demonstranten zogen von der Zeil an der Katharinenkirche vorbei zur Freßgass', wo die Aktion endete.
Die erste Lesung im Bundestag sei kurzfristig anberaumt worden, sagte Nissen. Für die Demonstration hätte man deshalb nicht "großartig mobilisiert." Der "Frankfurter Aufruf" plant für die zweite und dritte Lesung im Bundestag eine große Gegenanhörung in Bonn. Daran sollen unter anderem Asyl-Experten und Künstler teilnehmen, die für eine Beibehaltung des Artikels 16 plädieren. vo
Die Minister Fischer und Töpfer gehen in den Clinch Gerangel um den Sofortvollzug für Siemens-Neubau Von Joachim Haas-Feldmann HANAU. Weil er die 1990 von seinem Vorgänger Karlheinz Weimar (CDU) verantwortete fünfte Teilgenehmigung für den Plutonium-Neubau des Siemens-Brennelementewerks für "zumindest teilweise, möglicherweise aber vollständig rechtswidrig" hält, wollte Hessens Umweltminister Joschka Fischer (Grüne) den Sofortvollzug aufheben. Damit müßte die Atomfirma ihre Errichtungsarbeiten einstellen und könnte sich nicht mehr auf die Genehmigung berufen, da gegen sie die Klage einer Hanauer Bürgerin mit aufschiebender Wirkung anhängig ist. Dessen ungeachtet hat aber Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) Fischer gestern angewiesen, aus Sicherheitsgründen den Bau der Plutoniumnitrat-Lagerung und der Notlüftung voranzutreiben. Töpfer begründete seine Entscheidung damit, daß schnellstmöglich Plutonium aus der seit anderthalb Jahren stillgelegten Altanlage im Neubau sicherer unterzubringen sei. Er warf Fischer Verschleppung vor, denn seit Monaten lägen rund 80 Siemens-Anträge für den Neubau vor, 29 davon, so wies er Fischer an, seien umzusetzen. Darüber hinaus will Töpfer Fischer fortan zum monatlichen Rapport in Sachen Brennelementewerk bestellen.
Fischer zweifelte dagegen die Rechtsgrundlage für Töpfers Weisung an. Das auch deshalb, weil Töpfer sich nicht zu einem neuen verwaltungsrechtlichen Gutachten geäußert habe.
Dieses hat für Fischer der Gießener Professor Klaus Lange ausgearbeitet. Darin heißt es, eine Genehmigung "für etwas, was die Genehmigungsbehörde überhaupt nicht geprüft hat", verstoße gegen das Atomgesetz. Mehr noch: Eine Genehmigung, die "eine Ordnungsmäßigkeit und Sicherheit des genehmigten Projekts vortäuscht", sei "schädlicher und unverantwortlicher", als wenn auf eine Genehmigungspflicht für Atomanlagen ganz verzichtet werde.
Das Lange-Gutachten hatte die vorübergehend bei Siemens ausgelagerten Genehmigungsakten des Umweltministeriums zum Anlaß genommen, um "Auffälligkeiten und Unregelmäßigkeiten" (Fischer) zu bewerten, als die Teilgenehmigung zustandegekommen und anschließend von Siemens vervollständigt worden sei. Der Jura-Professor stellt fest, daß genehmigt worden sei, ohne daß das Weimar-Ministerium alle Unterlagen geprüft habe. Auch der Gutachter TÜV Bayern habe gegen Ende der Prüfphase so verfahren. Lange hält es für "indiskutabel", schnelles Erledigen vor Ende der damaligen Legislaturperiode und Kostenersparnis höher zu bewerten als eine gründliche und vollständige Prüfung.
Wenn Siemens in Ergänzungsblättern spätere Präzisierungen der Genehmigungsunterlagen angekündigt habe, so verstoße das gegen das gesetzliche Erfordernis der Schriftlichkeit des Genehmigungsbescheids. Es sei auch unzulässig, daß betroffene Dritte nicht genau hätten entnehmen können, was Weimar genehmigt habe. Das trifft zu für jene Hanauerin, deren Klage der Hessische Verwaltungsgerichtshof Ende April behandelt.
Statt die Genehmigung hinreichend zu begründen, so Lange weiter, seien die wesentlichen Gesichtspunkte teils "mangelhaft formuliert" worden. Unkorrekterweise habe der TÜV Bayern entscheiden dürfen, was nur dem Ministerium obliege.
Die Aktenauslagerung hält Lange für rechtswidrig. Die Firma Treuarbeit, die ein zweites, kurz vor dem Abschluß stehendes Gutachten fertigte, stellte rund 150 Abweichungen zwischen verschiedenen Unterlagensätzen fest. Fischers Schluß daraus: Niemand wisse, welche Genehmigung im Oktober 1990 erteilt wurde. Von dem Treuarbeit-Gutachten wollte Töpfer seinen Entscheid eigentlich abhängig machen, ob der Sofortvollzug für die Teilgenehmigung aufzuheben sei.
Noch vor Fischers gestriger Pressekonferenz hatte sich Siemens in einer Erklärung darüber beklagt, daß Fischer die Öffentlichkeit informiere, ehe ein klärendes Abschlußgespräch mit der Atomfirma am 4. Februar stattfinde. Dazu erklärte Ministeriumssprecherin Renate Gunzenhauser der FR, bei diesem Termin gehe es allein um das Treuarbeit-Gutachten über Aktenabweichungen und nicht um das Lange-Gutachten. Minister Fischer stehe gegenüber dem Landtag im Wort, das Lange-Gutachten umgehend vorzulegen. Daher könne er es der Öffentlichkeit jetzt nicht vorenthalten. (Siehe auch Hauptausgabe)
ESCHBORN. Wegen der vier Bauwagen, die junge Leute auf eine Eschborner Wiese gestellt hatten, weil sie nach langer Suche keine Wohnung gefunden hatten, schaltete Liegenschaftsdezernent Martin Herkströter (CDU) jetzt mehrere Kreisbehörden ein. Die Jugendlichen, die gemeinsam leben wollen und kulturelle Projekte verwirklichen möchten, stehen teils auf städtischem, teils auf privatem Grund, sagte Herkströter auf Anfrage.
Er will ihnen nicht mit einer Räumungsverfügung oder einer Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs drohen, schaltete jedoch alle zuständigen Kreisbehörden ein, um das Wagendorf überprüfen zu lassen. Die Bauaufsicht soll klären, ob die Wagen überhaupt dort stehen dürfen. Das Gesundheitsamt wird sich mit den hygienischen Fragen auseinandersetzen und die Naturschutzbehörde soll über die Belastung der Wiese nachdenken.
Von den Entscheidungen dieser Behörden will Herkströter abhängig machen, ob "das Campieren in freier Natur geduldet werden kann". Grundsätzlich gibt er aber zu, daß die Wohnraumfrage "objektiv gegeben ist" und die Stadt auch nur "sehr begrenzte Möglichkeiten hat".
Auf die Frage, ob er das Wagendorf als kulturelles Projekt nicht für unterstützenswert hält, sagte Herkströter: "Ich halte vieles für darstellbar, wenn es nicht gegen die Regeln des guten Geschmackes verstößt und die gesundheitlichen und baulichen Dinge beachtet." Herkströter will auch mit den jungen Leuten, die ihn bereits aufsuchten, aber nicht antrafen, "sprechen, um abzuklären, ob es geht".
Die Leute vom Wagendorf würden gerne an die Müllabfuhr angeschlossen, eine Meldeadresse erhalten, einen Wasseranschluß bekommen und die Möglichkeit erhalten, ihre Abwässer in die Kanalisation zu leiten. Sie würden das Grundstück auch pachten. she
NEU-ANSPACH. Privat steuert sie einen italienischen Kleinwagen. Auch wenn sie ihrem Fahrer "wie eine Quasselstrippe" die Strecke beim Training in den französischen Seealpen vorbetet, achtet sie auf gesittete Fahrweise - "wenngleich wir uns dann nicht unbedingt wie Autofahrer mit Hut fortbewegen". Ohne Führerschein gibt es schließlich keine Lizenz, und die wiederum ist zwingend in ihrem Sport: Regine Rausch nimmt als Beifahrerin an der Rallye Monte Carlo teil. "Ein Platz unter den ersten zwanzig sollte es schon sein", erklärt die Neu-Anspacherin selbstbewußt.
So erfolgreich wie Walter Röhrl ist sie zwar noch nicht, aber auf dem besten Wege dazu: Im vergangenen Jahr belegte die 26jährige bei den Deutschen Rallye-Meisterschaften den dritten Platz. Die nötige Liebe zu Pferdestärken wurde ihr offenbar in die FR-Porträt Wiege gelegt - der Vater war Autohändler und früher ein bekannter Rallye-Fahrer. Schon mit 17 Jahren "spielte" sie zum ersten Mal die Beifahrerin. Inzwischen verschreibt sie sich der schnellstmöglichen Art des Gummi-Abriebs an rund zwei Monaten im Jahr. Daß dabei der komplette Jahresurlaub förmlich durch den Auspuff gejagt wird, macht ihr nichts aus - schließlich wäre sie "nicht abgeneigt", Profi zu werden.
Einstweilen verdient Regine Rausch, die seit einem Jahr in Neu- Anspach wohnt, ihre Brötchen noch als kaufmännische Angestellte bei einer Bad Homburger Firma - und hat auch hier mit Autos zu tun: Der Betrieb stellt Hard- und Software für Autohändler her. Ihren Sport muß sie alleine finanzieren, und das ist kein billiges Vergnügen: Um sie und ihren Fahrer, den 31jährigen Nicolai Burkart aus Singen, kümmern sich während der berühmtesten Rallye Europas zwei Service-Fahrzeuge, zwei "Eisspione", die die Strecke vorher auf Eis und sonstige Veränderungen kontrollieren, sowie zwei rollende Werkstätten und ein Wohnmobil.
Das Privatteam umfaßt insgesamt 14 Leute. Der größte Teil rekrutiert sich aus Freunden und Verwandten, auch der Vater ist als Fahrer eines Servicewagens eingespannt. Dennoch dürfte der Betriebsausflug ans Mittelmeer stolze 100 000 Mark teuer werden. "Das ist noch gar nichts, Werkteams sind fast dreimal so groß und entsprechend teurer." Meist bleibe es an Burkart hängen, Sponsoren aufzutreiben. Das fiel zuletzt nicht schwer: Burkart war im vergangenen Jahr immerhin 21. der "Monte".
Damit es diesmal noch besser läuft, notierte sich Regine Rausch "einen ganzen Aktenordner" voll mit kleingeschriebenen Notizen über die Strecke und die nötige Fahrweise. Abends, bei Nebel und an unübersichtlichen Kurven werden die Fahranweisungen für den "Fast-Blindflug" dann nur so aus ihr heraussprudeln: "1" steht für eine spitzwinklige Rechtskurve, bei der gebremst werden muß, "5" für "mit Vollgas in die Kurve".
So martialisch sich das anhört: Regine Rausch legt Wert auf die Feststellung, daß Rallyewagen im Stadtverkehr nur sieben Liter verbrauchen. Bei der Rallye sei es zwar "etwas mehr", von vermeidbarem Lärm oder Umweltverschmutzung jedoch will sie nichts wissen: "Rallye ist doch nicht schlimmer als Golf spielen." JÜRGEN DICKHAUS
MAIN-TAUNUS-KREIS. Die Forderung der Mittelstandsvereinigung der CDU (MIT) im Main-Taunus-Kreis, daß "Ausländer, die straffällig werden, sofort ausgewiesen und abgeschoben werden", werten SPD, FWG und Grüne im Kreis als Bruch der Vereinbarung, im Wahlkampf ohne Polemik über Ausländer- und Asylpolitik zu diskutieren. In ihrer "Wahlkampfplattform", von der MIT-Bundesebene gelobt und von der Landes-MIT zur Verbreitung empfohlen, hatten die MTK-Mittelständler geschrieben, daß anders das "kriminelle Bedrohungspotential dieser Bevölkerungsgruppe" nicht zu bekämpfen sei. Auch die Republikaner fordern, daß Straftaten von Ausländern "grundsätzlich zur Ausweisung" führen.
CDU-Kreisvorsitzender Horst Lutze betont, das Wahlprogramm seiner Partei enthalte diesen Punkt nicht: "Die Mittelstandsvereinigung hat etwas drastischer formuliert als die Gesamtpartei." Allerdings sei die MIT eine eigenständige Gruppe, und so werde der Kreisvorstand "nicht disziplinierend eingreifen". Also: Der Satz bleibt in der "Wahlkampfplattform" stehen, so lange es der MIT gefällt.
Reinhold Wendl, Lehrbeauftragter für Ausländerrecht an der Fachhochschule Wiesbaden und Mitglied der Grünen, nennt den Wunsch nach Abschiebung straffällig gewordener Ausländer "Schwachsinn": "Jeder Ausländer, der nicht rechtzeitig seinen Paß verlängert, macht sich strafbar. Will man den Italiener ausweisen, der hier 30 Jahre lebt, eine deutsche Frau und zwei Kinder hat, über die rote Ampel fährt und einen Unfall verursacht?" Das sei die Demontage dessen, was die CDU 1990 mit dem neuen Ausländergesetz beschlossen habe - und gehe sogar hinter das Ausländergesetz von 1935 zurück: "Noch nicht einmal die Nazis wollten pauschal alle straffällig gewordenen Ausländer abschieben."
"Ein schwerer Ausrutscher", kommentiert der SPD-Kreisvorsitzende Karl Thumser den MIT-Text: "Das ist die Sprache der Republikaner - und die CDU weiß aus dem Wahlkampf 1989, wem solcher Populismus nützt." Besonders enttäuscht zeigte sich Thumser, "daß sich Unternehmerverbände und viele große Unternehmen mit ihren ausländischen Arbeitnehmern solidarisiert haben, und die Mittelstandsvereinigung ganz andere Dinge veröffentlicht."
"Undifferenzierter Populismus", ärgert sich auch die Spitzenkandidatin der Freien Wähler, Erika Bänfer - "mit Kommunalpolitik hat das nichts zu tun". Sie hoffe, "daß der Rest der CDU über die Formulierungen ebenso unglücklich ist wie ich das bin."
Hektik löste übrigens die FR-Frage nach dem MIT-Programm im Büro des Landeschefs der CDU-Mittelstandsvereinigung, des Bundestagsabgeordneten Klaus Lippold, aus: Dort wußte man, daß man die Broschüre freundlich empfohlen habe, kannte aber den Inhalt nicht und hatte auch kein Exemplar zur Hand. Herr Lippold werde dazu Stellung nehmen, "aber das kann bis Montag dauern".
MATTHIAS DROBINSKI
sch FRANKFURT A. M. Die Erlöse des Vobis-Konzerns haben im vergangenen Jahr einen Satz nach oben um 50 Prozent auf 1,5 Milliarden Mark gemacht. Sie hätten damit ihren Vorsprung als Europas umsatzstärkste Computerhandelskette weiter ausgebaut, freuen sich die Aachener. Den Überschuß des Unternehmens, an dem seit Mitte 1990 die Kaufhof Holding 50 Prozent hält, geben sie mit mehr als 60 Millionen nach 35 Millionen Mark davor an. Für die laufende Periode erwartet Vorstandschef Theo Lieven, der die Firma 1975 zusammen mit Rainer Fraling gegründet hatte, ein langsameres Wachstum. Er faßt ein Umsatzziel von 1,9 Milliarden Mark ins Auge.
Erste Filialen will er 1993 in Frankreich und Großbritannien aufmachen. Zuletzt waren Stützpunkte in Italien, Spanien, Luxemburg und Polen in das Verkaufsnetz geknüpft worden. Insgesamt zählte Vobis (lateinisch: "Für Euch") zum Ultimo der abgelaufenen Periode 156 Filialen in neun europäischen Staaten.
Den Absatz der eigenen Personalcomputer-Marke Highscreen (390 000 in Europa, davon 320 000 in Deutschland) kurbelten in den letzten Monaten des vergangenen Jahres Rechner im "Bio-Design" von Luigi Colani an, wie es weiter heißt. Gefertig werden die PC im In- und Ausland.
STEINAU. "Eine gesetzeswidrige Verordnung" ist aus Sicht von Michael Bloch die Anordnung, mit der Bundesverkehrsminister Günther Krause (CDU) am 3. Juni vergangenen Jahres im Bundesrat die Anwendung des sogenannten Verkehrswegeplanungsbeschleunigungsgesetzes bis zum Knotenpunkt Frankfurt verfügte und damit der Bahn auch im Kinzigtal eine Planung im Schnellverfahren ermöglicht.
Einer zügigen Erschließung der ehemaligen DDR durch neue Verkehrswege sollte das vor gut einem Jahr im Bundestag verabschiedete Beschleunigungsgesetz Vorschub leisten. Anwendung soll es, so die Bestimmung, zwischen den neuen Bundesländern und den "nächsten Knotenpunkten des Hauptverkehrsnetzes des übrigen Bundesgebietes" finden, erläuterte Bloch. Für den Schlüchterner steht fest, daß dies allenfalls Bebra oder Fulda, aber niemals Frankfurt sein kann.
Welche Folgen das beschleunigte Verfahren für die Bewohner im Kinzigtal hat, erläuterte Bloch am Mittwoch in Steinau. Die wesentlichsten Punkte:
• Die Voruntersuchungen werden vom Verkehrsministerium übernommen, der Entwurf für die Linienführung erfolgt im Benehmen mit den Landesplanungsbehörden.
• Ein Raumordnungsverfahren, das überlicherweise zwischen einem und vier Jahren beansprucht, ist nicht zwingend erforderlich, es kann jedoch vom Land beantragt werden. Dessen Stellungnahme stellt jedoch, wie es Minister Jörg Jordan zuletzt ausdrückte, lediglich "ein staatliches Handeln ohne unmittelbare rechtsverbindliche Auswirkung dar".
• Ein Planfeststellungsverfahren ist ebenso wenig notwendig. Nach dem Beschleunigungsgesetz haben die betroffenen Gemeinden drei Monate Zeit für Einsprüche, nach Ablauf dieser Frist sind "Einwände fast unmöglich". Die Plangenehmigung kann von der Planungsbehörde erteilt werden. Bloch: "Die Bauarbeiten können dann sofort beginnen."
• Der Gerichtsweg ist drastisch verkürzt. Verhandelt wird nicht mehr auf Länderebene, sondern nur noch vor einer Instanz, dem Bundesverwaltungsgericht. Eine Anfechtungsklage hat keine aufschiebende Wirkung, die Bagger buddeln weiter.
• Nach dem Verfahren kann innerhalb von elf Wochen "widerspruchslos enteignet" werden. jan
Kommunalwahl: Drei Frauen und zwei Männer treten an, um "Vormachtstellung des Parteienklüngels" zu erschüttern" Verkehr und Wohnen als zentrale Programmpunkte "Bürger für Gelnhausen": Politik "von innen" aufrollen Von Alexander Polaschek GELNHAUSEN. Die in Gelnhausen mit absoluter Mehrheit regierende CDU wird zur Kommunalwahl von zwei Seiten in die Zange genommen. Drohte bislang nur ein Abbröckeln am rechten Rand des Wählerspektrums, sollen jetzt auch liberaler eingestellte Gemüter eine bürgerliche Alternative auf dem Stimmzettel vorfinden. Die "Bürger für Gelnhausen" um die rührige Aktivistin des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Elfriede Seipp, wollen sich mit völliger Parteipolitik-Abstinenz für alle diejenigen empfehlen, die das Treiben der etablierten Politikroutiniers im Gelnhäuser Rathaus zusehends verdrießlich stimmt. Drei Frauen und zwei Männer sind als "BfG"-Kandidaten angetreten, die Vormachtstellung des alteingesessenen Parteienklüngels zu erschüttern. Elfriede Seipp hat selbst jahrelang Erfahrungen mit der Arroganz der Macht gesammelt, als sie im Namen des BUND für natur- und menschenfreundliche Stadtplanung focht. Die Dickfelligkeit der Rathausmannen stand gegen ihr Beharrungsvermögen, und da kam es schon mal vor, daß sie von weniger beherrschten Diskussionsgegnern böse Beleidigungen einstecken mußte. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern vom BUND hat sie inzwischen bilanziert, daß sich trotz aller Anstrengungen zuwenig bewegen ließ bei den verantwortlichen Kommunalpolitikern. Längerer Stillstand verlangt nach einer veränderten Taktik. Statt weiter von außen gegen die Rathaustüren anzurennen, wollen die "Bürger für Gelnhausen" nun die Kommunalpolitik von innen aufrollen, zumindest die Parteipolitiker da angreifen, wo es wehtut: bei den Wählerstimmen. Ganz vorne steht für die neue Liste die Verkehrsberuhigung, der Umbau der Stadt zum Lebens- und Bewegungsraum für Menschen außerhalb von Autos. Denn das, so glauben Elfriede Seipp und ihre Mitstreiter, brenne vielen Gelnhäusern auf den Nägeln. Ganz besonders gelte das in der Innenstadt, die zu einem einzigen "Parkplatz-Alptraum" mutiert sei.
Den verantwortlichen Politikern wirft die Wählergemeinschaft vor, die Zeit verschlafen zu haben. Statt ein zukunftsweisendes Konzept zu entwickeln und konsequent umzusetzen, hätten sie die Stadt einseitig aus Autofahrersicht gestaltet, beklagt der Listenzweite Thomas Schneider, ebenfalls BUND-Mitglied. Kritiker dieser Entwicklung wie der BUND seien jahrelang mit Versprechungen hingehalten worden, die dann doch zu nichts geführt hätten. "Der Generalverkehrsplan stammt von 1970", weiß Elfriede Seipp, daß die Grundlage allen Planens als Relikt eines äußerst autofreundlichen Jahrzehnts längst ins Heimatmuseum gehörte. Die nächste planerische Großtat gemäß BUND-Statistik: "1986 ist nochmal über Parkmöglichkeiten gesprochen worden. Da blieb der Fußgänger außen vor." Fazit: "In der Verkehrspolitik sind wir um Jahre zurück".
Die BfG wollen deshalb als erstes beim Pläneschmieden auf die Hilfe von ausgewiesenen Experten zurückgreifen. An kompetente Planer, so der erste Punkt im Wahlprogramm, soll der Auftrag ergehen, einen Verkehrsentwicklungsplan auszuarbeiten. Die Vorgaben dazu lauten: "mehr Platz und mehr Vorrang für Fußgänger, Straßengestaltung mit Rücksicht auf Kinder, alte Menschen und Behinderte, kein Parken auf Gehwegen, Erhöhung der Fußgängersicherheit, geschlossenes Radwegenetz mit Berücksichtigung der Schulwege, ausreichende Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, kein Abdrängen der Radfahrer auf Gehwege, Tempolimit mit Kontrollen".
Statt mit steter Erweiterung des Parkplatzangebots die Autos in die Stadt zu locken, wollen die BfG den Parkraum in der Innenstadt verringern und verteuern. Dafür sollen Parkgelegenheiten am Stadtrand entstehen. Die Distanz zur City sollen öffentliche Verkehrsmittel überbrükken. Generell sollen die Bewohner und Besucher der Stadt vom Zwang zur Autonutzung durch bessere Alternativangebote befreit werden.
Mit der Verkehrsplanung verzahnt ist der zweite Programmpunkt der Wählergemeinschaft, die Schaffung "bezahlbarer Wohnraumangebote für Gelnhäuser Familien". Dadurch erfolge Rückgang des unerwünschten Autoverkehrs zwischen Wohnung und Arbeitsplatz für in Gelnhausen Beschäftigte, hoffen die BfG. Für dieses Ziel müsse vor allem der Grundstücksspekulation ein Riegel vorgeschoben werden, indem die Stadt ihr Vorkaufsrecht bei Erschließung neuer Wohngebiete anwende, wie es andere Kommunen längst täten. Bei der Übernahme der amerikanischen Wohnsiedlung solle ein Programm aufgelegt werden, das variable Wohneinheiten zum Ziel hat, so daß die Wohnungen mit der Familie wachsen oder schrumpfen könnten.
Angesichts der Herkunft der Listenführer aus dem BUND - auch der Viertplazierte, Bodo Delhey, ist seit langem dort aktiv - versteht es sich von selbst, daß die BfG einen Arbeitsschwerpunkt in allen Umwelt- und Naturschutzfragen sehen. "Wir wollen uns mit dem beschäftigen, wovon wir etwas verstehen", sagt Elfriede Seipp und bedeutet gleichzeitig eine enge Begrenzung des Tätigkeitsgebietes. Nicht zuletzt um die Kräfte der jungen Gruppierung nicht zu überfordern und ihrer Schwächung durch politische Grundsatzstreitereien vorzubeugen, wird das Reizthema Asyl ("Wir haben da unterschiedliche Meinungen") und der Großteil kommunalpolitisch relevanter Fragen erst einmal ausgeklammert. Falls der Sprung ins Stadtparlament gelinge, so Elfriede Seipp, könne man sich immer noch von Fall zu Fall eine Meinung bilden. Ohnehin will man nicht wie die Parteien als stets einheitlich abstimmender "Gesangverein" erscheinen. "Wir wollen wie ein Stein im Bach sein, der die Fließrichtung etwas verändert." lex
Eine dicke Beule und eine kleine Schürfwunde hatte der dreieinhalbjährige Yann bei seinem Sturz im Kindergarten davongetragen. Alles halb so schlimm, stellte später auch die herbeigeeilte Mutter fest. Als jedoch ihre Frage, ob man die Wunde desinfiziert habe, von der Erzieherin verneint wurde, bekam sie einen großen Schreck.
Das Risiko, daß die Kinder auf ein Desinfektionsmittel allergisch reagierten, sei zu groß, erklärte man ihr. Nur wenn die Eltern ein ärztliches Attest vorlegten, in dem auch ein entsprechendes Mittel genannt sei, könne desinfiziert werden.
Beim Evangelischen Regionalverband, dem Träger des Kindergartens, erhielt Anne C. die Auskunft, daß die Wundbehandlung, zu der auch das Desinfizieren einer Verletzung gehöre, nicht die Sache der Erzieherinnen sei. Sie hätten nur Erste Hilfe zu leisten und das hieße, die Wunden nur keimfrei zu bedecken und alles weitere einem Arzt zu überlassen. Reagiere ein Kind mit einer Allergie auf ein Desinfektionsmittel, so stehe im schlimmsten Falle eine Zivilklage der Eltern wegen fahrlässiger Körperverletzung ins Haus. Dieses Risiko wolle man nicht eingehen.
"Die meisten Eltern wissen nicht, daß die Kindergärtnerinnen die Wunden nicht desinfizieren", empört sich FR- Leserin Anne C. "Ich finde, die Leitung muß die Eltern wenigstens über diese Praxis informieren."
Eine Anfrage der FR beim Evangelischen Regionalverband ergab, daß man sich bemühe, die Eltern über Veränderungen gleich welcher Art in den Kindergärten zu informieren. In diesem Falle sei dies jedoch versäumt worden, so räumte Gerlinde Lindemann von der Fachberatung für Kindertagesstätten bei dem Verband ein. Was die Wunddesinfektion betreffe, so habe die Erzieherin im Sinne des Regionalverbandes gehandelt.
Auch Margarete Peters, Amtsleiterin im Stadtgesundheitsamt, bestätigte gegenüber der FR, daß eine Desinfektion der Wunde nicht Sache des Ersthelfers sei. "Die Wunde soll nur keimfrei bedeckt werden. Salben, Desinfektionsmittel und Sprays gehören nicht auf eine Wunde.
Wenn eine Erzieherin oder auch Mutter sieht, daß die Verletzung größer ist, so sollte auf jeden Fall ein Arzt die weitere Versorgung übernehmen." reu
uth SINGAPUR, 21. Januar. Die Malaysische Regierungspartei UMNO hat jetzt den neun Sultanen des Landes mit einer Verfassungsänderung das Immunitätsrecht entzogen. Die UMNO hatte diese Verfassungsänderung Mitte Dezember vorigen Jahres beschlossen, nachdem zu der Ansammlung von Gerüchten und Skandalen, die den Sultan Iskandar Ismail betrafen, noch ein neuer Fall dazugekommen war: Er hatte, weil sein als cholerisch geltender Sohn eine Schlägerei bei einem Hockeyspiel anzettelte, den Trainer im Palast verprügeln lassen.
Die Monarchen, die alle fünf Jahre unter sich einen König auswählen, verlieren durch diese Neuerung nicht ihre Immunität, sondern auch das Recht, ihre Familienmitglieder oder Freunde mit einem königlichen Pardon vor Strafverfolgung zu bewahren. Zudem darf das Geschehen am Hof nunmehr öffentlich diskutiert, dürfen die Königshäuser im Parlament kritisiert werden, ohne daß eine Bestrafung wegen Majestätsbeleidigung droht.
STADT UND KREIS OFFENBACH. In vordemokratischen Zeiten lud der Monarch die Würdenträger seines Reiches zum Neujahrsempfang, um ihnen für ihr Engagement und ihre Treue zu danken. Geschmeichelt fühlt sich, wer zum Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) eingeladen wird. Da trifft sich alles, was in Stadt und Kreis Offenbach Rang und Namen, Amt und Würde hat. Die Kammer gibt ein Teilnehmerverzeichnis heraus und jeder der rund 500 Gäste schaut gleich nach, ob er auch tatsächlich drinsteht.
Die Kammer ist eine bedeutende öffentlich-rechtliche Institution. Sie vertritt die Interessen ihrer 26 000 Mitgliedsfirmen. Im Kammerbezirk, in Stadt und Kreis, gab es am Stichtag 31. März 1991 159 328 "sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer". Die Industrie erzielte 1991 einen Umsatz von 13 Milliarden Mark.
Die IHK-Stehempfänge sind geschickt inszeniert und organisiert: Kammerpräsident Rudolf Thiels gibt zunächst ein aktuelles politisches Statement ab. Diesmal warnte er vor Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit. Das würde das Ansehen Deutschlands und die Exportchancen der heimischen Wirtschaft senken. Er verlangte weniger Bürokratie im Vereinten Europa, die Privatisierung staatlicher Großunternehmen. Jedes Jahr fordert Thiels die Gewerkschaften zu ganz mäßigen Lohnforderungen auf, denn das vergrößere den Kostendruck und schmälere die internationale Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft.
Zum Neujahrsempfang lädt die IHK auch immer einen Bonner Minister ein, der dann allerdings in seiner Rede das wiederholt, was man vorher schon von ihm in der Zeitung lesen konnte. Im vergangen Jahr war ein gewisser Herr Möllemann Gast im IHK-Haus, in diesem Jahr kam Klaus Kinkel: "Ich wurde als Justizminister eingeladen und komme nun als Außenminister und als Kandidat für den FDP-Vorsitz."
Für die "Spitzen der Gesellschaft", die "Repräsentanten des öffentlichen Lebens", für die Politiker, die Unternehmer, die Konsulen und Kirchenvertreter ist der IHK-Empfang aber auch ein willkommenes Plauderstündchen am kalten Büffet, das je nach Konjunktur-Prognose üppig oder mager ausgestattet ist. Endlich hat man mal in lockerer und heiterer Atmosphäre Zeit füreinander: Bei Bier und Wein werden Beziehungen gepflegt, Kontakte aufgefrischt, Geschäfte eingefädelt und politische Absprachen vorbereitet.
Für die Journalisten ist der Stehimbiß auch Nachrichtenbörse, bietet er doch jede Menge Gelegenheit zu Hintergrundgesprächen. Beispielsweise darüber, wann die Städtische Sparkasse Offenbach mit der Bezirkssparkasse Langen/Seligenstadt fusioniert? Auf keinen Fall vor den Kommunalwahlen, denn die politischen Mehrheitsverhältnisse in Stadtparlament und Kreistag entscheiden, wo die Zentrale der neuen Superbank hinkommt. Für einen maßgeblichen Kreistagspolitiker steht schon jetzt fest: "In den Kreis natürlich. Sollen die Offenbacher doch das Grundstück am Kleinen Biergrund für ihr neues Verwaltungszentrum verkaufen."
Beim IHK-Empfang pflegen auch Konkurrenten untereinander das Gespräch. Karstadt-Geschäftsführer Gerhard Stein und Kaufhof-Geschäftsführer Otto Bakkes klagen über schleppende Umsätze. Die Chefs der Kaufhäuser spüren Auswirkungen des Krieges auf dem Balkan. Ihnen fehlen die Kunden aus dem ehemaligen Jugoslawien, weil diese hier nicht mehr für ihre Verwandten zu Hause einkaufen. SIEGFRIED SCHOLZ
Die Parteien in "Bierverschiß"
Als Engländer, setzte Smith hinzu, verstünde er ohnehin nicht das Krisengerede der deutschen Politiker und die Enttäuschung der Deutschen über ihre Politiker. In Großbritannien sei das ganz anders: "Wir erwarten nicht so viel von den Parteien und Politikern. Wir wissen ohnehin, daß sie nach der Wahl nie halten, was sie vor der Wahl versprochen hatten", belehrte der Londoner Professor sein deutsches Publikum.
Die Deutschen müßten in dieser Hinsicht trotz aller Skandale und Affären ihrer Politiker wohl noch zu einer gelasseneren Betrachtungsweise ihrer herrschenden Klasse finden. Von einer Parteienkrise - gar von einer im europäischen Maßstab - zu reden, sei völlig fehl am Platze.
Genau dies aber war das Thema, zu dem Professor Dimitris Tsatsos Politiker und Parteienrechtler in sein Institut für Deutsches und Europäisches Parteienrecht nach Hagen geladen hatte. Über "Nach Europa - mit Parteien in der Krise?" sollte nachgedacht werden. Ein von vornherein zum Scheitern verurteilter Versuch, weil für dieses komplexe Thema nur eine gute Stunde Zeit vorgesehen war, während der die acht Männer auf dem Podium - Frauen haben zu diesem Thema offensichtlich in der Sicht der Veranstalter nichts beizutragen - kaum mehr als Gedankenfetzen produzieren konnten.
Immerhin, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Johnannes Rau räumte in einer für ihn ungewöhnlich drastischen Formulierung ein, daß die deutschen Parteien "in Bierverschiß" sind. Zur Parteien- und Politikerbeschimpfung, die in Deutschland allmählich zum Volkssport würde, lieferten die Opfer leider derzeit zu viele Vorlagen, klagte Rau und meinte im Gegensatz zu Gordon Smith, daß man sehr wohl von einer Krise reden könne.
Professor José Puente Egido von der Madrider Fernuniversität stimmte der Skepsis des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten über den Zustand der demokratischen Parteien in Deutschland und seinen Nachbarländern nur bedingt zu: Nur solche Parteien litten unter einer Vertrauenskrise, die sich wie die spanische Sozialistische Partei zu sehr mit dem Staat verfilzt hätten. Wenn beispielsweise streikende spanische Arbeiter in Cartagena ihre Wut nicht vor Regierungsgebäuden, sondern vor den Parteibüros der spanischen Sozialisten austobten, dann zeigten sie damit ein sicheres Gespür, wer die Macht im Lande habe und die Möglichkeiten, ihr Los zu verbessern.
Parteien mit besonderer Staatsnähe in einer besonderen Krise also? Der Vertreter der CSU auf dem Podium, der ehemalige bayerische Staatsminister Fritz Pirkl, konnte solcher spanischen Sichtweise selbstverständlich nicht zustimmen. Die vier traditionellen Bonner Parteien - den neben ihm sitzenden Grünen-Politiker Michael Vesper grenzte er damit wiederum ganz selbstverständlich aus - hätten allesamt noch einen "gesunden Kern", diagnostizierte der Mann aus München. Wenn überhaupt von einer Parteikrise geredet werden könne, dann gelte das doch wohl für die marxistischen Parteien oder (etwas näher) für die Parteien in Italien, wo sich die Parteienkrise nun allerdings zu einer Staatskrise auszuweiten drohe.
Den vier "traditionellen" deutschen Parteien aber könne man Europa ohne Bange "anvertrauen", befand Fritz Pirkl. Dem durch den Bayern ausgegrenzten Grünen Michael Vesper fiel dazu nur der Sponti-Spruch ein: "Schlechte Leistung muß sich wieder lohnen."
Den Pirklschen Optimismus mochten auch die Professoren Ulrich von Alemann und Dimitris Tsatsos vom gastgebenden Institut nicht teilen. In ihrem gemeinsamen Thesenpapier über die Krise der Parteien im geeinten Europa kamen sie zu dem Befund, daß in allen westlichen Ländern das Ansehen der Parteien sinke. Die Öffentlichkeit scheine in Frankreich und England, in Italien, Dänemark, Griechenland oder in Deutschland gleichermaßen von dem Gefühl erfüllt, daß gerade bei ihnen die Politiker und die Parteien derzeit besonders Probleme haben.
Für Europa lasse dieser Zustand Übles ahnen. Denn in den zwölf Staaten der Europäischen Gemeinschaft würden von den Parteien mehr kulturelle Gemeinsamkeiten behauptet, als tatsächlich vorhanden. Es gebe eben im Gegensatz zu den Sonntagsreden der Europa-Politiker "keine europäische Agenda, keine europäische öffentliche Meinung".
Und die beiden Wissenschaftler kamen zu dem Schluß: "Die Parteien vernachlässigen in diesem Punkt ihre Aufgabe. Sie versäumen es, deutlich zu machen, welche Konzeption sie für die Rolle des Bürgers in einem Europa nach dem Ende der europäischen Nationalstaaten haben." Die Parteien dürften die Bürger nicht auf den Weg nach Europa schicken und selbst im Nationalstaat stehenbleiben. Da sei noch viel zu tun, mahnten die Wissenschaftler die Politiker. Doch was zu tun wäre, blieb in Hagen unerörtert. Die für die Diskussion vorgesehenen 75 Minuten waren abgelaufen.
REINHARD VOSS (Düsseldorf)
MÖRFELDEN-WALLDORF. Wenn die Mörfelder gemütlich beisammen sitzen wollen, können sie bald wieder "zum Sattler" gehen. Unter diesem Namen kannte bis in die achtziger Jahre jeder das Wirtshaus, das eigentlich "Zur Ludwigshalle" hieß. Unter diesem Namen läßt die SKV Mörfelden, die in dem ehemaligen Wirtshaus in der Langener Straße ihr neues Vereinsheim einrichtet, das Lokal im Erdgeschoß wieder aufleben.
Ein entsprechendes Schild prangt bereits an der neuen Fassade. "Wir sind zu dem Schluß gekommen, daß dieser Name der Örtlichkeit am nächsten kommen würde", kommentiert der stellvertretende Vereinsvorsitzende Eginhard Thomas die Entscheidung der SKV.
Der Standort, den sich die SKV für ihr Vereinsheim ausgesucht hat, ist aus der Mörfelder Lokalgeschichte nicht wegzudenken. "Beim Sattler" tranken nicht nur ganze Generationen von Mörfeldern ihr "Schöppche", "beim Sattler" konnten die Leute auch ins Kino oder zu Kerb und Fastnacht tanzen gehen. Daß sich der Name "Ludwigshalle" nie durchsetzte, erklärt SKV-Mann Erwin Geiß damit, daß der damalige Gastwirt Jungmann, wie schon sein Vater zuvor, gelernter Sattler war und innerhalb des Gebäudekomplexes auch eine Sattlerei betrieb. "Das hat sich dann so eingebürgert, daß alle vom ,Sattler&rquote; gesprochen haben", sagt er und ist sicher, daß, wenn die SKVler das Lokal wieder so nennen, "sofort ein Bezug da ist. Die Leute kennen das."
Vereinschef Reinhold Dechert sieht das genauso, nennt es einen Glücksfall, an dieses mitten im Herz von Mörfelden gelegene Haus gekommen zu sein. 1985 wurde das Gebäude der SKV zum Kauf angeboten. Bedingung: Lebenslanges Wohnrecht für Besitzer Erich Jungmann, der als Nachfolger seines Vaters selbst lange im "Sattler" hinterm Tresen stand. Der Verein schlug ein und fing noch im gleichen Jahr mit der Arbeit an.
Mittlerweile steht der "Sattler", dessen Fachwerkfassade mittels sechs Zentimeter starken Holzes ausgebessert wurde, schon recht schmuck da. Auch drinnen wird kräftig gewerkelt, nehmen die Räume, wo die SKV ihren Aktiven eine Heimstatt bieten will, Formen an. Über 800 000 Mark wurden bereits verbaut, etwa die gleiche Summe muß noch aufgebracht werden. Der Verein braucht dafür nicht allein einzustehen: Die Renovierung wird über das Programm "Einfache Stadterneuerung" bezuschußt, und auch die Stadt entrichtete ihren Obolus. Dazu kam, daß die Vereinsmitglieder fast alles selbst machten, mithin fast nur Materialkosten bezahlt werden mußten.
Auch wenn noch einiges zu tun bleibt, langsam kommt das Ende der umfangreichen "Sattler"-Renovierung in Sicht. Ob aber der Plan, das Vereinsheim Ende diesen Jahres bezugsfertig zu haben, realisiert werden kann, weiß auch SKV-Vize Thomas noch nicht. Das hänge auch davon ab, wo die Vereinsmitglieder selbst noch Hand anlegen könnten und wo Arbeiten vergeben werden müßten.
Daß die SKV-Aktiven auf der Zielgeraden schlapp machen, glaubt er indes nicht, lobt vielmehr deren bisherigen Einsatz. Seit dem Hauskauf sind Samstag für Samstag, manchmal auch unter der Woche, Vereinsmitglieder draußen am Bau und schuften am neuen Heim. Mit Erfolg: Bis auf die Zimmerei-Arbeiten und die Fenster "haben wir alle Arbeiten selbst gemacht", berichtet SKV-Mann Erwin Geiß; Arbeitseinsätze, die dem fast 3800 Mitglieder zählenden Mörfelder Großverein so manche Mark an Ausgaben ersparte. Ausgehend von einem Stundenarbeitslohn von 20 Mark, so rechnete Vereinschef Reinhold Dechert in der Jahreshauptversammlung 1992 vor, habe die Schar der freiwilligen Helfer der SKV 728 000 Mark gespart. Das kommt dem Verein gelegen. Denn die wirklich teuren Sachen, sagt Geiß, kämen ja erst jetzt, zum Ende der Bauphase; wie Einrichtung und Inventar.
Der Ausbau der Gaststätte steht ebenfalls noch aus. Die will die SKV nicht selbst betreiben, sondern sich einen Pächter suchen. Geiß geht davon aus, daß die SKV sich im Frühjahr darum kümmern wird. wal
KRONBERG. 1992 war für die Freiwillige Feuerwehr Kronberg das Jahr der Kellerbrände - angefangen mit der Mehrzweckhalle in Schönberg im Januar und beendet mit der Firma Elektro Schmitt im Dezember. "Die Kellerbrände gehören zu unseren schwierigsten Aufgaben", sagt Wehrführer Hartmut Habig. Die Zahl der Einsätze, so listete Habig bei der Jahreshauptversammlung auf, ist gleichzeitig stark gestiegen: Statt zu 111 Einsätzen wie 1991 rückten die Männer im vergangenen Jahr 168mal aus, zu genau 64 Bränden und 104 Hilfeleistungen.
Die Versammlung wählte auch einen neuen Vorstand. In ihren Ämtern bestätigt wurden Hartmut Habig als Wehrführer (er ist jetzt auch Vorsitzender), Gunnar Milberg als stellvertretender Wehrführer und Kassierer, Heinz Feger als Zweiter Vorsitzender, Heinz Schlüter als Schriftführer und Jürgen Link, Hartmut Habig, Lothar Hessel und Ludwig Bettenbühl als Beisitzer. Neu sind Richard Jung als Schriftführer und Klaus Rapp und Peter Henkel als Beisitzer. Karl Hermann blieb Gerätewart, Klaus Riederer ist nach wie vor für die Jugend-, Werner Ludewig für die Ehren- und Altersabteilung verantwortlich.
Außerdem wurden Michael Henkel, Karl Heinz Hofmann und Joachim Schulte zum Oberfeuerwehrmann befördert, Thomas Hirsch und Matthias Krischer zum Hauptfeuerwehrmann, Kai Habig und Hans Jörg Hessel zum Löschmeister, Markus Lind zum Hauptlöschmeister. esi
Im Feuilleton: Der italienische Schriftsteller und apokalyptische Querkopf Guido Ceronetti über den Friedhof in Genua: In Staglieno lebt der Tod; Klaus von Beyme über Zivilgesellschaft contra Staatsversagen und Michael Buselmeier über neue deutsche Zeitschriften. Auf der Buchseite: Barbara Gowdys Familienverfallsroman Fallende Engel (Verena Auffermann); Simone Seyms Studie über das Théâtre du soleil (Bernhard Greiner), Kriminalromane von Andreu Martin (Wilhelm Roth) und Peter Scholl-Latours Buch Aufruhr in der Kasbah - Krisenherd Algerien" (Ulrike Freitag). fr
DREIEICH. Der Verein der Förderer und Freunde der Ricarda-Huch-Schule lädt am kommenden Montag, 25. Januar, 20 Uhr, zu einem Konzert ins Bürgerhaus Sprendlingen ein. Klaus Cutik am Klavier und Wolfram Große mit der Klarinette spielen Werke von Poulenc, Reger, Schumann, Saint-Saëns und Bernstein. Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, jungen Musikerinnen und Musikern Auftritte zu ermöglichen. Der Eintritt ist frei. Spenden sollen der Schulmusik zugute kommen. dac
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Wochenende
Ärzte Hanau. Ärztlicher Sonn- und Feiertagsdienst in der Stadt Hanau (Kernstadt), Telefon 10 60; Krankentransport/Rettungsdienst, Telefon 1 06 11.
Steinheim / Klein-Auheim. Notfalldienstzentrale Steinheim/Klein-Auheim, Zugang Doorner Straße, Steinheim, Sa. 9 Uhr bis Mo. 7 Uhr, Telefon 6 36 66.
Großkrotzenburg / Großauheim / Rodenbach / Wolfgang. Notfalldienstzentrale, Telefon 0 61 81 / 5 19 00, von Sa. 9 bis Mo. 6 Uhr.
Maintal 1, 2 ,3. DRK-Station, Telefon 0 61 81 / 49 10 28, Sa. 12 bis Mo. 6 Uhr.
Mittelbuchen / Wachenbuchen / Erlensee / Neuberg / Bruchköbel. Zu erfragen beim DRK, Telefon 7 58 58, Ärztehaus Bruchköbel, Hauptstraße 75, von Sa. 11 bis Mo. 6 Uhr.
Langenselbold. Dr. Michels, Friedrichstraße 26, Telefon 75 39.
Schöneck / Nidderau / Niederdorfelden. Über das DRK im Ärztehaus Schöneck 2, Nachtweide 2, Telefon 0 61 87 / 77 77, von Sa. 9 bis Mo. 6 Uhr.
Schlüchtern / Steinau. Ärztlicher Notdienst von Sa. 8 Uhr bis Mo. 7 Uhr und an Feiertagen, Telefon 0 66 61 / 40 98; Ambulante Versorgung: Ärztliche Notdienst- Zentrale, Schlüchtern, Obertorstraße 32.
Gelnhausen / Linsengericht / Gründau. Notdienstzentrale Gelnhausen, Am Untermarkt 13, Telefon 0 60 51 / 55 44, von Sa. 8 bis Mo. 8 Uhr.
Gelnhausen / Hailer / Meerholz. Notdienstzentrale Freigericht/Hasselroth, Telefon 0 60 55 / 62 55 oder 1 92 92.
Gründau / Mittelgründau. Notdienstzentrale Büdingen, Telefon 0 60 42 / 12 11.
Breitenborn. Sa. ab 11 Uhr, Notdienstzentrale Büdingen, Telefon 0 60 42 / 12 11.
Freigericht. Notdienstzentrale Hasselroth, Telefon 0 60 55 / 62 55 oder 1 92 92.
Biebergemünd. Dr. Kowatsch/Dr. Geiger, Telefon 0 60 50 / 70 06.
Flörsbachtal / Jossgrund / Mernes. Dr. Schottdorf, Telefon 0 60 57 / 12 80.
Bad Orb. Sa.: Dr. Linck, Telefon 0 60 52 / 49 91; So.: Dr. Stock, Telefon 0 60 52 / 22 75.
Wächtersbach. Notdienstzentrale Schlierbach, Telefon 0 60 53 / 46 77. Zahnärzte Stadt und Altkreis Hanau. Der dienstbereite Arzt ist beim DRK Hanau, Feuerbachstraße 47, Telefon 0 61 81 / 10 60, zu erfragen, ab Sa. 14 Uhr.
Schlüchtern. Kreiskrankenhaus Schlüchtern, Telefon 0 66 61 / 8 11.
Gelnhausen. Der diensthabende Zahnarzt kann beim Kreiskrankenhaus Gelnhausen unter der Telefon Nummer 0 60 51 / 8 70 erfragt werden. Sprechzeiten:an Wochenenden und Feiertagen von 10 bis 12 und 17 bis 18 Uhr. Apotheken Hanau. Sa.: Hof-Apotheke, Am Markt 19, Telefon 2 29 14; So.: Hubertus-Apotheke, Mühlstraße 19, Telefon 1 55 35.
Erlensee / Langenselbold / Neuberg / Rodenbach. Gründau-Apotheke, Friedrichstraße 21, Langenselbold, Telefon 0 61 84 / 6 16 65; So.: Falken-Apotheke, Fichtenstraße 29a, Erlensee, Telefon 0 61 83 / 66 50.
Maintal. Sa.: Schiller-Apotheke, Dörnigheim, Mozartstraße 16, Telefon 0 61 81 / 49 13 00; So.: Flora-Apotheke, Bischofsheim, Dörnigheimer Weg 4, Telefon 0 61 09 / 6 47 47.
Schöneck / Nidderau / Niederdorfelden / Bruchköbel. Sa.: Löwen-Apotheke, Innerer Ring 2, Bruchköbel, Telefon 0 61 81 / 7 35 80; So.: Linden-Apotheke, Wingertstraße 1, Kilianstädten, Telefon 0 61 87 / 54 49.
Gelnhausen / Hailer / Meerholz / Linsengericht / Lieblos / Altenhaßlau. Sa.: Schwanen-Apotheke, Im Ziegelhaus 11, Gelnhausen, Telefon 0 60 51 / 24 75; So.: Taubengarten-Apotheke, Zum Taubengarten 54, Haitz, Telefon 0 60 51 / 1 53 13.
Bad Orb. Sa.: Brunnen-Apotheke, Hauptstraße 24, Telefon 0 60 52 / 23 87. So.: Alte Stadtapotheke, Hauptstraße 69, Telefon 0 60 52 / 23 80.
Freigericht. Laurentius-Apotheke, Hanauer Landstraße 19, Hasselroth/Niedermittlau, Haselstraße 1, Telefon 0 60 55 / 97 97.
Wächtersbach. Vogelsberg-Apotheke, Brachttal-Schlierbach, Freiherr-vom- Stein-Straße 1, Telefon 0 60 53 / 97 97; So. von 11 bis 13 Uhr Rosen-Apotheke, Poststraße 6, Wächtersbach, Tel. 0 60 53 / 16 96. Gemeindeschwestern Langenselbold. Ursula Ungermann, Wächtersbacher Straße 12, Telefon 13 80.
Hanau. Telefonisch zu erreichen unter: 7 28 08.
Steinau / Bad Soden-Salmünster / Schlüchtern. Beim Haustierarzt zu erfragen.Telefonseelsorge Hanau. Die Telefonseelsorge ist Tag und Nacht unter Telefon 0 61 81 / 1 11 01 zu erreichen.
Zentrum für Entgiftung in Mainz, Tel. 0 61 31 / 23 24 66.
Hanau. Stadtwerke Hanau, Telefon 0 61 81 / 36 50.
Altkreis Hanau. EAM, Telefon: 0 61 81 / 27 49.
Altkreis Gelnhausen. Telefon 0 16 13 / 60 86 41.
Altkreis Schlüchtern. Telefon 06 61 / 1 21.
FRIEDRICHSDORF. Mit einem Infostand stellt sich die "Bürgerinitiative für umwelt- und menschenfreundlichen Straßenverkehr" am heutigen Samstag vor dem Café Hembd den Bürgern.
Bisher hat die BI rund 1700 Unterschriften für die Verkehrsberuhigung der Ortsdurchfahrt und für den schnellen Bau der Entlastungsstraße gesammelt. Am Stand können es nun noch mehr werden. Außerdem gibt es dort Informationen, Transparente, Plakate und Aufkleber, vor allem für Anlieger der Hauptstraße.
Ihr nächstes Treffen hält die Initiative am Mittwoch, 27. Januar, um 20 Uhr im Homburger Hof ab. tom
KELKHEIM. Ladies' Choice - Damenwahl - ist am Samstag, 23. Januar, von 20.30 Uhr an im Jazzkeller der Hornauer Alten Schule angesagt.
Keine im herkömmlichen Sinne, versteht sich: Ladies' Choice, so nennen sich drei Sängerinnen samt Kontrabaß-Begleitung, die von Blues und Swing der 40er über Schlager und Musicals bis hin zum Bossa Nova so ziemlich alles rezitieren. Unverwechselbar: ihr "Touch" und ihre Persiflagen. ana
Mit einem derartigen Widerstand hatte Fred Astaire nicht gerechnet. In einem Buchladen will der angesehene Modefotograf seine Models in ein ungewöhnliches Licht setzen, doch die junge Buchhändlerin macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Respektlos und vollkommen unbeeindruckt doziert sie vor den ungebetenen Gästen über ihre Rechte, worauf Astaires Verlegerin verblüfft feststellt, das gäbe Schwierigkeiten, die Frau könne ja denken. "Und reden kann sie auch", ergänzt Astaire.
Intelligenz und rhetorische Versiertheit: Das waren einigermaßen unübliche Qualitäten für einen weiblichen Star des Hollywood-Kinos der fünfziger Jahre. Für Audrey Hepburn zählten sie zu den festen Bestandteilen ihrer Rollen, aber zugleich waren sie nie mehr als Facetten in einem ungewöhnlich breit gefächerten Repertoire.
In "Funny Face", als rigide Buchhändlerin mit einem Hang zum Existentialismus, denkt und redet sie nicht nur, sie kann auch singen und tanzen, und ihre titelgebendes Gesicht mit den hohen Wangenknochen, den dichten Brauen, den riesigen braunen Augen und dem großen Mund macht sie zum perfekten Model.
Die Kamera hat dieses Antlitz immer geliebt: weil die Bandbreite der Gefühle, das Spektrum zwischen stillem Leid und unbeschreiblichem Glück, zwischen naivem Staunen und weisem Begreifen, das es ohne angestrengte Mimik auszudrükken wußte, schier grenzenlos anmutete.
Ihre Figuren sind immer in Bewegung, immer auf der Suche nach dem Neuen und anderen, nach Wandel und Veränderung. In William Wylers "Roman Holiday", ihrer ersten, gleich mit einem "Oscar" ausgezeichneten Hauptrolle, und in "Sabrina" von Billy Wilder, neben Stanley Donen ihr wichtigster Regisseur, betrachtet sie jeweils am Anfang sehnsuchtsvoll das fröhliche Treiben eines Balls.
In beiden Fällen ist sie aufgrund ihres sozialen Status vom ersehnten Vergnügen ausgeschlossen: Bei Wyler verbietet es ihre Position als Prinzessin, einfach die Straße zu überqueren und sich den Tanzenden anzuschließen; bei Wilder - in einer Umkehrung der Ausgangssituation - ist das Amüsement der Reichen für die Chauffeurstochter unerreichbar.
Doch gerade die Grenzüberschreitung reizt sie, und in dem so grazilen, fragilen Körper verbirgt sich eine ganz unerwartete Entschlossenheit, eine unbändige Kraft, die sie fast immer erreichen läßt, was sie sich in den Kopf setzt. So bricht sie aus der vertrauten Umgebung aus, um hier auf einen sehr bürgerlichen Gregory Peck zu treffen und dort zwischen die aristokratischen Herrn William Holden und Humphrey Bogart zu geraten.
Andere, untypischere Grenzüberschreitungen, mit denen sie nicht nur als Figur in neue Welten vordrang, sondern sich auch als Aktrice neues Trerrain erschloß: ihre Rollen in Fred Zinnemanns "The Nun's Story" und in George Cukors "My Fair Lady".
Edda Hepburn van Heemstra, Jahrgang 1929, wuchs als Tochter einer holländischen Baronin und eines schottischen Adeligen in London auf. Sie spielte zunächst am Broadway und begann ihre Filmkarriere mit einigen Nebenrollen in britischen Produktionen; von 1953 bis 1967 arbeitete sie kontinuierlich in Hollywood. Danach zog sie sich für mehrere Jahre ins Privatleben zurück und feierte erst 1976, in Richard Lesters melancholischem "Robin and Marian", an der Seite von Sean Connery ein beeindruckendes Comeback.
Aber auch danach trat sie nur noch sporadisch in Filmen auf und widmete sich während der achtziger Jahre vorwiegend ihrer Tätigkeit als Botschafterin des UNICEF-Kinderhilfswerks. Am vergange- nen Mittwoch erlag sie, 63jährig, in der Schweiz einem Krebsleiden. Ihre Schauspielkollegin Liz Taylor erklärte, Gott habe nun "einen schönen neuen Engel mehr".
So können wir sie auch in Erinnerung behalten: Vor drei Jahren, bei ihrem letzten Leinwandauftritt in Steven Spielbergs "Always", spielte sie einen schönen, weißen Engel, der Richard Dreyfuss am Übergang zwischen Diesseits und Jenseits erwartete. - Der Kabelkanal zeigt heute um 19.30 zur Erinnerung an Audrey Hepburn "My fair Lady"
FRANK SCHNELLE
DREIEICH. An den tollen Tagen von Faschingssamstag bis -dienstag sollten die Stadtbusse nach den Vorstellungen von Rot-Grün umsonst sein. Das macht die Straßen sicherer, meinen die beiden Fraktionen. Mit ihrer Bitte haben sie sich an den Magistrat gewandt. Er soll außerdem bekannt machen, mit welchen Linien die Fastnachtsumzüge bequem zu erreichen sind. dac
HOCHHEIM. Wie machten es die Nachbarn? Um Erfahrungen für den Bau der geplanten Kulturhalle zu sammeln, besichtigte der Magistrat kürzlich die umgebaute Stadthalle in Rüsselsheim, in die ein Tagungshotel integriert wurde. Vor allem Bewirtschaftung, Organisation und Verbindung zwischen Hotel und Halle interessierte die Politiker. Bei dem Besuch testeten sie zudem die neue Buslinie 826 nach Bischofsheim. set
Supertanker nach Kollision in Flammen Umweltkatastrophe vor Sumatra befürchtet Von unserem Korrespondenten Jürgen Dauth SINGAPUR, 21. Januar. Ein dänischer Öl-Supertanker treibt seit Donnerstag brennend in der Straße von Malakka vor Sumatra. Die mit fast 300 Millionen Litern Rohöl beladene "Maersk Navigator" stieß mit einem zweiten Tanker, der japanischen "Sanko Honour", im Golf von Bengalen zusammen. Die Seeämter in den Anliegerstaaten Malaysia, Indonesien und Singapur befürchten eine Umweltkatastrophe. Die Besatzung des dänischen Tankers wurde vom deutschen Frachter "DSR Atlantik" aufgenommen. Wie es zu der Kollision kam, war zunächst nicht bekannt. Rettungsmannschaften, sechs Schlepper und vier Löschboote trafen an der Maersk Navigator gegen Mitternacht Ortszeit (18 Uhr MEZ) ein. Beide Tanker sind in Singapur registriert. Die "Maersk Navigator" fährt mit einer Crew aus Singapur, während die Sanko Honour ihre Mannschaft in Korea angeheuert hat. Sie fuhr leer.
Die "Maersk Navigator" trieb steuerlos in der stark befahrenen Meeresstraße von Malakka. Indonesische Militärhubschrauber, die bei schwerem Monsunregen über der Unglücksstelle kreisten, sichteten ausgedehnte Ölflächen.
Es war die zweite Havarie von Öltankern in wenigen Monaten in der Straße von Malakka, einer der am dichtesten befahrenen Seestraßen auf der Europa- Fernost-Route. Zum Teil ist sie nur im Einbahnverkehr befahrbar. Bei schlechter Sicht, wie derzeit unter dem Einfluß von Monsunregen, gilt diese Seestrecke als besonders gefährlich.
Angesichts der starken Zunahme im Seeverkehr zwischen Europa und dem Fernen Osten und der damit verbundenen Gefahr von Kollisionen hatte die malaysische Regierung bereits vor Monaten auf ein internationales Abkommen gedrängt, das die Verantwortlichkeit im Fall von ökologischen Katastrophen regeln soll, weil diese Last den Anrainerstaaten nicht allein überlassen werden, könne. Sollte die "Maersk Navigator" ihr Öl ins Meer ablassen, sind bedeutende Küstenbiotope und Mangrovenwälder sowohl im Osten der Insel Sumatra als auch an der malaysischen Westküste gefährdet. Auch Fischgründe wären bedroht.(Kommentar auf Seite 3, weitere Berichte auf Seite "Aus aller Welt")
Wie hineingemalt in die schiefen Ebenen der expressionistischen Filmarchitektur: Grotesk verrenkt inmitten von Baumgebeinen, ein Schatten unter Schatten in Räumen ohne Halt, zur verzweifelten Fratze erstarrt in Großaufnahmen, wenn er sich über sein Opfer beugt, so stelzt Conrad Veidt 1919 als somnmalbuler Mörder Cesare durch Robert Wienes Film "Das Kabinett des Dr. Caligari".
Werner Krauß, Fritz Kortner, Albert Bassermann und Emil Jannings waren vielleicht bessere Schauspieler in den goldenen Jahren des deutschen Stummfilmexpressionismus. Aber nur Conrad Veidt eignete sich zur Ikone. Die sonderbar verkrampfte Körperhaltung, der quälend-langsame Augenaufschlag mit schweren schwarzen Lidern und Augenbrauen und die Choreografie seiner Bewegungen, eine wilde Hetzjagd ohne Ende, dann wieder der gefährlich ruhende Körper im Schlaf - das alles könnte sich noch immer in Alpträume schleichen.
Der Schlafwandlermörder in Wienes stilbildendem Film machte Conrad Veidt nach nur drei Jahren beim Film endgültig zum "Zeitidol des Expressionismus". Rollenwechsel: Conrad Veidt, 1942 als Nazi-Bösewicht Major Strasser, der Humphrey Bogart und Ingrid Bergman in "Casablanca" von Michael Curtiz festhalten will. Eine elegante Bestie mit guten Manieren, mit Witz und Esprit. Die dunklen buschigen Augenbrauen hat er immer noch, und die Aura des Geheimnisvollen hat er auch nicht verloren. In "Ricks Café Americaine" scheint er sich ebenso wohlzufühlen wie in seinem Folterkeller.
"Casablanca" war Conrad Veidts vorletzter Film. Erst ein paar Monate vor seinem Tod am 3. April 1943 hatte er Premiere. Nur 50 Jahre alt ist Conrad Veidt geworden. Rund 100 Filme hat er gedreht. Die meisten davon noch stumm. Später dann Filme in Großbritannien und in Hollywood. Conrad Veidt, einer der großen (fast) Vergessenen der deutschen Filmkunst, lüftete nie sein großes Geheimnis. Das Geheimnis hinter dem Glühen seiner Augen, hinter dem dämonischen Schillern seiner Auftritte.
Doch der Filmhistoriker Béla Balász, einer der frühen Bewunderer von Veidts Schauspielkunst, war dem schon 1923 auf der Spur. In einer Filmkritik zu dem Stummfilm "Paganini", den Heinz Goldberg inszenierte, schrieb Balász: "Man müßte über die gefährliche Kraft sprechen, die er ausstrahlt und deren Unheimlichkeit darin liegt, daß sie keiner physischen Kraft entspringt, dann von jener Dämonie, die eben darin liegt, daß sein morbides Wesen wie verzehrt ist, verzehrt von einem inneren Feuer, das unsterblich und tödlich aus dem hinfälligen Körper heraussticht."
"Paganini" ist keiner der großen Filme von Veidt, aber 1923 befand er sich auf dem Höhepunkt seiner Stummfilmkarriere. Diesen Film über das Geigergenie konnte er sogar mit seiner eigenen Firma produzieren. Ein langer Weg führte von den ersten Theaterversuchen 1913 in Max Reinhardts Theaterschule in Berlin über erste Filmerfahrungen 1916 bei der Oskar-Messter-Filmproduktion zum Ensemblemitglied der Aufklärungs- und Sittenfilme von Richard Oswald (darunter 1918 das Prostituiertenmelodrama "Das Tagebuch einer Verlorenen" und 1919 die frühe Studie über Homosexualität "Anders als die Anderen".
Es folgten wichtige Rollen in den frühen Filmen von Friedrich Wilhelm Murnau (1920 "Der Januskopf" und "Der Gang durch die Nacht") und immer wieder Dämonen, Teufel und Genies: Cagliostro, Iwan der Schreckliche, Cesare Borgia, der Satan selbst (in "Satanas" von F. W. Murnau) und der von seinem Schatten verfolgte "Student von Prag" in Henrik Galeens Version des Stoffes von Hans Heinz Ewers 1926. Ins selbe Jahr fiel ein erster Ausflug in die Traumfabrik von Hollywood.
Eigentlich wollte Conrad Veidt von nun an abwechselnd Filme in Deutschland und in Hollywood machen. Aber die Dinge entwickelten sich anders. Obwohl er eine glänzende Stimme hatte und einige Bühnenerfahrung im Sprechtheater, dauerte die Umstellung auf das neue Medium eine Weile, und verschiedene Sprachen spielten plötzlich eine Rolle. Aber auch in Deutschland wurde es für ihn unerträglich.
Conrad Veidt war mit einer Halbjüdin verheiratet, und als bewußte Provokation der Reichsfilmkammer der Nazis trat er 1934 in Lothar Mendez' britischer prosemitischen Verfilmung des Feuchtwanger romans "Jud Süß" auf. Der "Völkische Beobachter" befand danach, Conrad Veidt sei "menschlich nicht mehr würdig, daß auch nur ein Finger in Deutschland sich zu seinem Lobe rührt". Conrad Veidt emigrierte nach London, wurde britischer Staatsbürger und avancierte zu einem erfolgreichen Bühnenstar.
1937 triumphierte er noch einmal als zwielichtiger Großwesir und Erzbösewicht in "Der Dieb von Bagdad" von Ludwig Berger. Zurückgenommen wirkten dagegen die Auftritte in Filmen von Michael Powell, George Cukor, Jules Dassin in den 40er Jahren. Wie kein anderer vor und nach ihm war Conrad Veidt mit dem Lebensgefühl einer bestimmten Künstlergeneration verbunden. Später dann nur noch Posen.
Doch in einem einzigen Augenaufschlag machte er es wieder gegenwärtig: Das Weltgefühl des Expressionismus. Ob Schurke, Mörder, Dämon oder Genie - ein Kinoereignis, immer noch und immer wieder.
Als Stefan Lorant Conrad Veidt 1928 um einen Beitrag für sein Buch über deutsche Filmstars: "Wir vom Film" bat, kabelte ihm Veidt vom Telegrafenamt "Beverly Hills, California", einen langen Funkspruch. Der Text beginnt: "geboren berlin tieckstrasse am 22ten januar 1893 stop", und er endet: "stop, bin wunschlos glücklich, filmarbeit ist mein leben. Conrad Veidt." JOSEF SCHNELLE
An der Otto-Hahn-Schule in Nieder- Eschbach wird aller Voraussicht nach zu Beginn des Schuljahres 1995/96 die gymnasiale Oberstufe eingeführt. Der Kultusminister hatte dies im Dezember des vergangenen Jahres unter der Bedingung zugesagt, daß die Zahl von 55 Schülern sichergestellt sei.
Stefan Schmidt, Oberstufenkoordinator der Gesamtschule, dankte dem zuständigen Ortsbeirat 15 in der letzten Sitzung vor der Wahl für die jahrelangen Bemühungen, dieses Projekt zu verwirklichen. Seit zwölf Jahren hatte sich das Gremium dafür eingesetzt.
Bis 1995 noch müssen die Schüler der fünf nördlichen Stadtteile Nieder-Eschbach, Harheim, Nieder-Erlenbach, Bonames und Kalbach nach der zehnten Klasse auf eine andere Schule im Stadtgebiet wechseln.
Die notwendige Schülerzahl ist nach Angaben des Oberstufenkoordinators sichergestellt. Schmidt: "Die Stadtverordnetenversammlung wird die Sache in einem entsprechenden Antrag festklopfen, damit auch ein zukünftiger Magistrat zu der Einführung verpflichtet ist." jot
"Viele Leute", sagte der 28jährige Harald in den Lärm des Megaphons und der Sprechchöre hinein, "sind immer noch eingeschüchtert - die müssen wir auf die Straße kriegen!" Am Rande von Frankfurts "Konsummeile" Zeil (Demonstrantin), scheu beäugt von plastiktütenbepackten Passanten, machten am Donnerstag abend mehr als 50 Arbeitslose und Sozialarbeiter ihrem Herzen Luft. "Bonn lebt über unsere Verhältnisse!" hieß ihr Spruchbandkommentar zum "Solidarpakt" der Bonner Bundesregierung - Teil eines "Aktionstages gegen Sozialabbau" in deutschen Städten von Bremerhaven bis Saarbrücken.
500 Demonstranten hatte sich das "Frankfurter Arbeitslosenzentrum" (FALZ) erhofft, das seit elf Jahren in Frankfurt Betroffene organisiert. "Die Bundesregierung pfeift auf die Menschenwürde - von Wildwuchs bei den Sozialleistungen kann keine Rede sein!" rief die FALZ-Sprecherin mit krächzendem Megaphon über die Köpfe hinweg. Alte Menschen, auf Sozialhilfe angewiesen, sollten nach dem Willen des Bonner Kabinetts wohl "einfach weniger essen", Arbeitslose gezwungen werden, "alle Arten von Arbeit" anzunehmen.
"Ich find's gut, daß das was von unten ist - nicht organisiert von Gewerkschaft oder so!" sagte ein junger Mann mit Blick auf die Gruppe der Info-Stände und Flugblattverteiler.
Allein: Die erwünschte Massensolidarisierung blieb aus. Viele nahmen zwar brav die Protestpapiere, aber es setzte gar manchen Fluch von Kaufhauskunden, die im Dunkeln und durch die Scheinwerferkreise der Fernsehkamerateams zum S-Bahn-Abgang hasteten. "Zwei Kilo Clementinen - vier Mark jetzt noch!" schrie der "Ausverkäufer" am benachbarten Obststand unbeeindruckt.
"Der Leistungsdruck, wissen Sie, führt natürlich zur Entsolidarisierung!": Die FALZ-Organisatoren lieferten eine Analyse gleich mit.
Für den kommenden Samstag rief die Gruppe "Gewerkschafter gegen Wallmann" zum Protest vor dem Neujahrsempfang des DGB im Gewerkschaftshaus auf. Motto: "Keinen Pakt mit diesem Pack!" Frankfurts DGB-Chef Dieter Hooge sprach der Gruppierung am Donnerstag jede größere Basis innerhalb der Gewerkschaften ab. Es gebe allerdings Aufforderungen einzelner Mitglieder, angesichts des "Solidarpakts" die Vertreter "von CDU und IHK gefälligst wieder auszuladen!" Hooge hielt freilich an allen Einladungen fest - er fühlt sich "dem politischen Dialog verpflichtet". Und einem Vorstandsbeschluß des DGB vom September 1992. Die Repräsentanten der Industrie- und Handelskammer, weiß Hooge, haben übrigens für Samstag schon abgesagt - "die können irgendwie nicht!" jg
GEDERN. Einen großen Coup landeten Einbrecher in der Nacht zum Donnerstag in einer Boutique in der Lauterbacher Straße. Sie erbeuteten laut Kripo Friedberg 50 Herrenanzüge, vier Mäntel, 50 Hemden, 19 Pullover, etwa 35 Damenkostüme und Hosenanzüge sowie etliche Blusen.
Die Kleidungsstücke sind Markenfabrikate von She, Top Like, Petzold, Gläser, C. B. Stephan, Bogie und New Line. Das Diebesgut ist zirka 50 000 Mark wert. Die Kripo bittet um Hinweise unter der Rufnummer 0 60 31 / 60 10. mk
HANAU. Mit Hilfe dieser Zeichnung hofft die Polizei in Hanau dem Täter auf die Spur zu kommen, der am Dienstag gegen 18.40 Uhr in der Graf-Philipp-Ludwig-Straße in Hanau eine 21jährige Frau aus Gründau an ihrem Fahrzeug mit einem Messer bedroht und ihr Portemonnaie aus der Handtasche geraubt hatte. Als die Frau sich zur Wehr setzte, erlitt sie eine Schnittwunde im Gesicht. Der unbekannte Räuber, der anschließend mit einem BMW der 3er-Serie (Baujahre 1981 bis 1991) mit Hanauer Kennzeichen geflüchtet war, erlitt bei dem Gerangel mit der wehrhaften Frau möglicherweise eine Verletzung im Genitalbereich.
Der Täter ist nach vorliegender Beschreibung etwa 25 bis 30 Jahre alt, etwa 1,80 Meter groß und schlank. Der deutsch sprechende Mann hat einen modischen, leicht gelockten Haarschnitt und trägt einen Schnurrbart sowie einen kleinen sogenannten "Gänsebart" an der Unterlippe. Unter der geschlossenen schwarzen Ledejacke, die er neben einer Blue Jeans trug, war der Ansatz dichten Brusthaares zu erkennen.
Die Hanauer Polizei fragt, wer Angaben zur Person des Täters oder zum Fluchtauto machen kann. Hinweise werden in Hanau unter der Rufnummer 06181 / 10 04 70 oder bei jeder anderer Polizeidienststelle entgegengenommen. are
POHLHEIM. "Es ist nichts Wählbares da", sagte sich Frank Pötter, der zusammen mit Wolfgang Kroll derzeit für die Grünen im Stadtparlament der 16 000 Einwohner zählenden Stadt Pohlheim im Kreis Gießen sitzt. Also rief der 45jährige Pfarrer im Schuldienst für die Kommunalwahl eine eigene Gruppierung ins Leben. "Alternative Liste Pohlheim" (ALP) nennt sie sich. Und die wird am 7. März gegen die Grünen um jene fünf Prozent der Stimmen streiten, die für den Einzug ins Parlament notwendig sind.
Der Anlaß des Zerwürfnisses liegt vier Jahre zurück und hat einen Namen: jene futuristische Mülldeponie nämlich, die der rot-grün regierte Landkreis Gießen im Pohlheimer Stadtteil Holzheim errichten will. Die Abfallpolitik des Kreises stieß vor allem bei den Leuten um den Pohlheimer Grünen-Vorsitzenden Ewald Seidler auf scharfe Ablehnung.
Mit der kreisfreundlichen Linie, die Frank Pötter, Eckehard Girschick und, nachdem dieser ein Mandat im Kreistag übernommen hatte, Wolfgang Kroll fuhren, wollten sich die Deponiegegner aus den Reihen der Grünen nicht anfreunden. Als Girschick (Pohlheim-Garbenteich) schließlich 1989 im Kreisvorstand sogar für die Müllkippe in Holzheim votierte, war der Bruch perfekt. Pötter und Girschick (später Kroll) arbeiteten von nun an sozusagen als "Einzelkämpfer" ohne Unterstützung des Stadtverbandes im Parlament.
Von einer "absurden, lächerlichen Situation" spricht Pastor Pötter im Rückblick und "von einer grauenhaft emotionalisierten Stimmung". Weil aber eine "Deponieverhinderungspolitik" nach seiner Überzeugung "wohl kaum ausreicht, um auf kommunaler Ebene Profil zu zeigen", blieb als Ausweg eine eigene Liste.
Das Kuriose dabei ist, daß die "ALP" jetzt mit ihrem Programm im Grunde ureigenste grüne Politikfelder besetzt. Die Alternativen wollen sich für die Einstellung eines hauptamtlichen Jugendpflegers stark machen, sie wollen die Idee eines Ganztagskindergartens vorantreiben, stärkere Impulse im sozialen Wohnungsbau geben, Konzepte für "Alte auf dem Dorf" erarbeiten, sich für Verkehrsberuhigung und Tempo-30-Zonen einsetzen. Die Schwerpunkte sollen "auf einer klaren, eindeutigen und nachvollziebaren Politik" liegen, betont Spitzenkandidat Pötter. "Weg von Klüngel und Vetternwirtschaft". Zwischen "Skepsis und Hoffnung" bewegt sich derweil die Stimmung. "Aber wenn wir reinkommen", sagt Pötter, "dann wird gefeiert."
Und der Kreisverband? Der kann sich über die Aufbruchstimmung in Pohlheim, offiziell zumindest, gar nicht freuen. Mit Wolfgang Kroll (Frank Pötter ist parteilos) opponiert immerhin ein Grünen-Mitglied gegen die eigene Partei. "Im Prinzip", gesteht Kreissprecher Reimer Hamann denn auch vorsichtig ein, "müßte ich die Leute aufrufen, in Polheim ,ALP&rquote; und nicht die Grünen zu wählen." Aber eigentlich "darf ich so was ja in meiner Funktion gar nicht sagen." Die Verwirrung ist perfekt. Den Grünen im Kreis droht eine Zerreißprobe. Wie sie ausgeht, weiß momentan noch niemand. tru
Eine beispiellose Niederlagen-Serie nimmt sich Ringer-Bundesligist AC Bad Reichenhall für die kommende Saison vor. Der Klub, der aus finanziellen Gründen einen Neu-Aufbau in der zweiten Liga anstrebt, bei einem freiwilligen Rückzug aus der Oberklasse aber wieder ganz unten anfangen müßte, plant den sportlichen Abstieg und hat dafür 22 Ringer unter Vertrag genommen. Die Vorgabe des Reichenhaller Vorsitzender Erwin Tichowitsch lautet: "Ich hoffe, daß kein Verein schlechter ist als wir." So weit die von dpa übermittelte Nachrichten-Lage.
Die Umsetzung des Vorhabens wird in der kommenden Saison zu merkwürdigen Szenen in Bad Reichenhall führen:
- Schon am ersten Kampftag wird der Reichenhaller Trainer Gunter B. vom Schiedsgericht aus der Halle gewiesen. Er hat den Mattenrichter unflätig beschimpft, weil dieser den Reichenhaller Bantamgewichtler Franz L. erst nach 30 Sekunden wegen Passivität verwarnt hat.
- Einen Eklat gibt es ferner im Schwergewicht, da Hubert Z. ohne Einwirkung des Gegners auf die Schultern fällt und sich trotz mehrfacher Aufforderung des Mattenrichters nicht erhebt.
- Nach einem Bericht in der örtlichen Zeitung soll Fliegengewichtler Karanda M. beim Training beobachtet worden sein. In einer ersten Stellungnahme spricht der Reichenhaller Vorsitzende von einem "ungeheuerlichen Vorwurf", danach von "Vertragsbruch", erklärt später aber die Trainingstätigkeit mit mangelnden Sprachkenntnissen von M., der seinen Kontrakt nicht richtig verstanden habe. Karanda M. schaltet einen Rechtsanwalt ein, der jedem mit einer Verleumdungsklage droht, der behauptet, Karanda M. trainiere.
- Um ähnliche Zwischenfälle zu vermeiden, verpflichtet der Klub seine Ringer jeden Abend zum presseöffentlichen Schnitzel-Essen im Vereinsheim. Die Fütterung verbunden mit Bewegungslosigkeit führt schon bald dazu, daß die Reichenhaller die unteren Gewichtsklassen nicht mehr besetzen können.
- Am dritten Kampftag wird der Reichenhaller Mittelgewichtler Carlo U. disqualifiziert. Er hat in dem im klassischen Stil angesetzten Kampf ständig an die Beine des Gegners gegriffen. Auf die Referee-Belehrung, er solle griechisch-römisch ringen, sagt U.: "Kann ich nicht."
- Nach dem Abstieg in die zweite Liga erklärt der Reichenhaller Vorsitzende: "Ich bin stolz auf meine Jungs. Ein besonderes Lob verdient unser Trainer. Vor Saisonbeginn hätte ich mir nicht träumen lassen, wie wenig er aus unseren Leuten rausholen kann." CHRISTPOPH ALBRECHT-HEIDER
Sie habe, sagte sie, wenig geschlafen in den letzten Wochen. Sie habe, sagte sie, überlegt, ob sie ein Gedicht für Bill Clinton schreiben soll. Sie habe überlegt und überlegt und beschlossen, ein Gedicht für sich zu schreiben, das deshalb ein Gedicht für Amerika ist.
Maya Angelou fiel der große Auftritt zwischen Staat und Eid, der Bibel und in Gottes Namen Billy Graham zu. Poesie in der amerikanischen Politik? Demonstration der Demokraten. Bei der Amtseinführung von John F. Kennedy fiel dem hochberühmten Robert Frost die Ehre zu.
Maya Angelou ist eine Farbige, sie war Tänzerin, sie hat Martin Luther King unterstützt, sie hat eine Fernseh-Serie über Amerikas afrikanisches Erbe geschrieben. Sie ist eine Kämpferin, Schriftstellerin und Dichterin. Ihre Autobiographie: "Ich weiß, daß der gefangene Vogel singt" erschien in Amerika 1969 und wurde in über eine Million Exemplaren verkauft.
In Deutschland interessierte sich erst niemand, dann 1980 K. D. Wolf dafür (Maya Angelou: "Ich weiß, daß der gefangene Vogel singt", übersetzt von Harry Oberländer, Verlag Stroemfeld/Roter Stern, 10 Mark).
Wie Bill Clinton stammt Maya Angelou aus Arkansas, was natürlich nichts als ein sentimentaler Zufall und doch der Grund für ihren Poetinnen-Auftritt ist. In Maya Angelous Geburtsort Stamps, den sie mit dreizehn Jahren verließ, war die Rassentrennung so total, daß die meisten schwarzen Kinder eigentlich nicht wußten, wie Weiße aussahen, sie wußten nur, daß sie sich fürchten mußten: "Ich erinnere mich", schrieb Maya Angelou, "nie geglaubt zu haben, daß die Weißen tatsächlich wirklich waren."
Bei der Fernsehübertragung live vom Capitol wußte der ZDF-Korrespondent Gert Helbig über die Dichterin wenig, er bat sich selbst still zu sein, Maya Angelous Stimme sei so schön. Zwischen Trauer und Zuversicht pendelte ihr Gedicht.
In ihrer Autobiographie spricht Maya Angelou von der Hilflosigkeit aller Sterblichen und von den Segnungen der Wiedergeburt: "Wiedergeboren mit dem Wissen um Alternativen. Aber dann?" Eine Dichterin für eine neue Regierung. Vielleicht liegen ihre Bücher neben der Bibel jetzt an der Demokraten Bett. V. A.
DREIEICH. Auf der Frankfurter Straße ist am Mittwoch ein 22 Jahre alter Radfahrer mit einem Auto zusammengestoßen. Nach Angaben der Polizei wollte der Autofahrer nach links abbiegen, der Radler war auf dem Gehweg in derselben Richtung unterwegs. Bei dem Zusammenprall wurde er leicht verletzt. Der Schaden wird auf 3 000 Mark geschätzt.
Ebenfalls leicht verletzt wurde eine Autofahrerin bei einem Unfall auf der Bundesstraße 486 Richtung Offenthal. Ihr Hintermann war auf sie aufgefahren, nachdem sie wegen eines Rückstaus in Höhe der Straße "An der Tränk" gebremst hatte. Der Schaden beläuft sich laut Polizei auf 27 000 Mark. dac
Tips und Termine · Tips und Termine
Kinos Hanau. Arabella: Der Tod steht ihr gut (15.15, 17.30, 20 Uhr, Sa.: 22.30 Uhr).
Central: Der letzte Mohikaner (14.45, 17.30, 20.15 Uhr, Sa.: 22.30 Uhr).
C'est la vie: Bodyguard (15, 17.45, 20.30 Uhr).
Kino-Center im Grimm-Center: Kino I: Stalingrad (14.30, 17, 20 Uhr, Sa. 22.30 Uhr).
Kino II: Die Schöne und das Biest (14.45, 17.15, 20.15 Uhr, Sa. 22.45 Uhr).
Kino III: Kevin allein in New York (15, 17.30, 20.30 Uhr, Sa. 23 Uhr).
Palette: Sister Act (15.30, 18, 20..15 Uhr, Sa.: 22.30 Uhr).
Schöneck. Sternpalast: Wolfsblut (16 Uhr), Gestohlene Kinder (19.45 Uhr), Mo' money (22 Uhr).
Mühlheim. Augenblick: Das kleine Gespenst (15.30 Uhr). Bodyguard (17.30, 20.15 und 22.45 Uhr).
Zeitlos: Kevin allein in New York (15.15 Uhr), Sister Act (17.15, 19.45 Uhr), I P 5 (22 Uhr).
Gelnhausen. Pali: Sister Act (20.30 Uhr, So. 15.30, 18 und 20.30 Uhr).
Casino: Bodyguard (20.15 Uhr, So.: 16 und 20.15 Uhr). Kulturmix Hanau. Jazzkeller Philippsruher Allee, "Guajira", Latin Jazzrock, ab 21 Uhr.
"Irre Aussichten" mit dem Wiesbadener Hinterhaus-Kabarett, 20 Uhr Comoedienhaus Wilhelmsbad.
Ausstellung "Schätze deutscher Goldschmiedekunst von 1500 bis 1920", Di. bis So. 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, Goldschmiedehaus. Konzert für Violine und Orgel, 20 Uhr Pfarrkirche St. Elisabeth, Kastanienallee.
Bruchköbel. "Bitterer Honig", Schauspiel, 20 Uhr Bürgerhaus. Verschiedenes Hanau. Puppenmuseum, 15 Uhr Museumsführung in englischer Sprache, Parkpromenade Wilhelmsbad.
Maintal. Gala-Fremdensitzung der Käwern, 20 Uhr Bürgerhaus Hochstadt.
Niederdorfelden. Maskenball der Freiwilligen Feuerwehr, 19 Uhr Bürgerhaus. Sonntag
Kulturmix Hanau. Führung durch die Ausstellung "Stadtbildhauer 92", 14 Uhr Galerie Schloß Philippsruhe.
Maintal. Kunstvortrag des ökosophischen Gesprächskreises mit Diskussion, 14.30 Uhr Galerie Mozartstraße.
Bad Soden-Salmünster. Frühkonzert mit der Big Band Elm, 10 Uhr Konzerthalle.Verschiedenes Hanau. Hessisches Puppenmuseum, 15 Uhr "Bezauberndes Wilhelmsbad", Diaschau, Parkpromenade Wilhelmsbad.
Langenselbold. Wandertreff der Naturfreunde (auch Nichtmitglieder), 9 Uhr Wingertskippel (Naturfreundehaus).
Schöneck. Jugendtreff Café Mars 13.30 bis 16.30 Uhr offener Treff.
FRIEDBERG. Von etwa 200 Eltern betroffener Schüler haben 158 einen Aufruf mit Protest gegen die geplante Änderung der Stundentafel unterschrieben. Wie Dr. Helmut Brock, Vorsitzender des Schulelternbeirates an der Philipp-Diefenbach- Schule in Friedberg berichtet, unterzeichneten alle Eltern, die vor den Feiertagen zum Jahresende erreichbar gewesen seien. Die Liste mit den Forderungen ist inzwischen nach Wiesbaden zum Kultusministerium, zum Landes- und Kreiselternbeirat sowie an die Fraktionen des Wetterauer Kreistages gegangen.
Die Elternvertretung der Grundschule moniert, daß die Unterrichtszeit pro Woche um zwei Stunden gekürzt werden soll, dazu werde das Fach "Freie Arbeit" entfallen. Gleichzeitig soll ab Klasse drei mit fremdsprachlichem Unterricht begonnen werden.
Der Elternbeirat begrüßt die Einführung von Fremdsprachen, das dürfe aber nicht zu Lasten anderer Fächer gehen, sondern zusätzlich. In den Unterrichtsstunden "Freies Arbeiten" erlernten die Kinder selbständiges Arbeiten in der Schule, das sei für die spätere Arbeit wichtig. Die laut Stundentafel heute gegebenen Fächer würden außerdem gar nicht in vollem Umfang gehalten, es fielen immer wieder Stunden aus, weil Ersatzkräfte bei Krankheit von Lehrern fehlten.
Die zum Teil geringen Deutschkenntnisse von ausländischen Kindern erschwerten deren Integration und das Unterrichten. Das wäre durch einen gezielten Förderunterricht vermeidbar, meinen die Eltern. Der Schulelternbeirat bittet den Landeselternbeirat, diese Forderungen beim Kultusminister weiter zu vertreten. de
Fußball-Termine
Der niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD) geriet in eine Regierungskrise, als er ein Waffenexportgeschäft mit Taiwan, einem Land, zu dem die Bundesrepublik keine diplomatischen Beziehungen unterhält, befürwortete. Über Beschlüsse seiner Partei und seiner rot-grünen Koalition setzte er sich mit dieser Entscheidung hinweg und begründete dies mit der Sicherung von Arbeitsplätzen in den Werften. Schröders Alleingang hat auch in der SPD Zorn ausgelöst, wie die folgende "Kurzdokumentation" zu dem Taiwan-Geschäft zeigt, die der Kieler Bundestagsabgeordnete Norbert Gansel aus öffentlich verfügbaren Quellen zusammenstellte.
HOCHHEIM. Spiel- und Bolzplätze sowie Flug- und Autolärm sind die Themen, die Hochheims Jüngsten einfallen, wenn es um eine "kinderfreundliche Stadt" geht. Unter diesem Motto hatte die SPD zu einem Malwettbewerb aufgerufen. Bürgermeister Harald Schindler belohnte die Teilnehmer im Alter zwischen vier und 13 Jahren jetzt mit Preisen für ihre gemalten und geklebten Kunstwerke. set
Die Halle, so weiß es der Sportfreund, verhilft sportlichem Wettkampf zur adäquaten Atmosphäre. Nicht nur, weil das Dach über dem Kopf den Athleten vor Witterungseinflüssen jedweder Art verschont und dem Zuschauer auch im Winter die Freude am Gebotenen in heimeliger Umgebung garantiert. Die Halle sorgt dafür, daß vieles überschaubarer wird, die Stimmung im Raum bleibt, kurzum: Rasanter und brisanter Sport auf engem Raum, das Gefühl in die Aktionen unmittelbar eingebunden zu sein, eben das kommt dem geneigten Zuschauer auf seiner Suche nach Abwechslung zupaß.
Auch der Fußball hat derlei Vorzüge längst für sich entdeckt, auf dem Parkett läßt es sich eben trefflich nach Erfolg streben, Spaß am Spiel inbegriffen. Also gelten Hallen-Fußballturniere als attraktiv, besonders, wenn sie in der Vergangenheit ihre Tauglichkeit zur Unterhaltung hinreichend demonstriert haben. Demnach entspricht es der Logik des Veranstalters Gert Trinklein (Rot-Weiss Frankfurt), daß er Altbewährtes neu auflegt und dabei noch Steigerungen präsentieren kann, wenn morgen um 13 Uhr das 15. Frankfurter Hallenturnier um den "Portas-Cup" in der Ballsporthalle Höchst eröffnet wird. Erstmals nehmen an dem Amateurturnier alle 17 Oberligisten teil, werden insgesamt 48 Spiele ausgetragen. Die Landesligisten Hoechst, Progres und Titelverteidiger Italia Frankfurt komplettieren das bislang größte Teilnehmerfeld.
Bei aller Vorfreude und Vergnüglichkeit ob der Begegnungen außerhalb der Bande geht es in den beiden Tagen auch um sportliche Meriten. Insgesamt 20 000 Mark an Preisgeldern kann der Veranstalter durch die Hilfe zahlreicher Sponsoren zur Verfügung stellen, jedes Team erhält zudem 1500 Mark Antrittsgeld. Darüber hinaus werden zahlreiche Extraprämien bezahlt: ob für den besten Spieler und Torhüter, den Torschützenkönig, die offensivste Mannschaft, oder den schnellsten Torschützen in der Vorrunde - alle Belohnungen dienen letztlich dem Ziele, das Turnier attraktiv zu gestalten und dem sportlichen Ehrgeiz jedes einzelnen auf die Sprünge zu helfen. Doch weil Hallenfußball vornehmlich visuelle Leckerbissen hervorbringen soll und derbe Tretereien trotz allen Ehrgeizes von niemandem erwünscht sind, stellt der Veranstalter sein Turnier erneut unter das Motto "Fair play". So wird auch die fairste Mannschaft ausgezeichnet.
Darüber hinaus steht das Turnier auch ganz im Zeichen der Toleranz und will durch den Slogan "Mein Freund ist Ausländer" mithelfen, die Maßnahmen gegen den Fremdenhaß zu unterstützen. In einem Einlagespiel "Jugend international" treffen die D-Jugend-Fußballer von RW Frankfurt und Praunheim aufeinander. Damit auch am Rande der Bande einiges geboten wird, wartet die "Fair-play- Initiative" mit einer Ausstellung auf, und das Frankfurter Sportmuseum, dem erneut der Reinerlös aus dem Kommunikationszentrum zur Verfügung gestellt wird, stellt Exponate aus und zeigt Filme vergangener fußballerischer Großereignisse. Da in der Halle aufgrund der veränderten Ausgangslage und Spielbestimmungen kein Favorit auszumachen ist, übt sich die Gilde der Trainer in vornehmer Zurückhaltung. Doch weil sich die Übungsleiter bei der "großen Schau des hessischen Fußballs" (HFV-Präsident Ekkert) auf ihre motivierenden Kräfte besinnen werden, erwarten die Organisatoren auch wegen der Spielstärke der Landesligisten einen hohen Zuschauerzuspruch. CHRISTIAN FROMMERT
Gruppe A: Offenbach, Kassel, Haiger, Eintr. Frankfurt (A), Bad Homburg; Gruppe B: Fulda, RW Frankfurt, Wehen, Aschaffenburg, SG Hoechst; Gruppe C: Egelsbach, FSV Frankfurt, Neukirchen, Bürstadt, FV Progres; Gruppe D: Italia Frankfurt, SV Wiesbaden, RW Walldorf, Bad Vilbel, VfB Marburg. Die Gruppenspiele beginnen am Samstag um 13 Uhr, am Sonntag um 11 Uhr. Die beiden Erstplazierten jeder Gruppe qualifizieren sich für das Viertelfinale, das am Sonntag ab 15.55 Uhr ausgetragen wird. Das Endspiel wird um 19.10 Uhr angepfiffen.
Firmen-Telegramm
Schwarzenegger macht Brummer fit Der Hollywood-Star Arnold Schwarzenegger steigt ins deutsche Geschäft mit Fitneßprodukten ein. "Mister Universum" erwarb 25 Prozent der Münchener Firma Brummer Fitneß Produkte. Das Unternehmen mit einem Umsatz von bislang 20 Millionen Mark beliefert Sport-Studios mit Nahrung und Geräten. Künftig firmiert es als "All Stars Fitness Products". Keine Schwarzkonten beim Kaufhof Die Kölner Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung und unzutreffende Bilanzierung gegen Kaufhof-Chef Jens Odewald eingestellt. Die vom Spiegel erhobenen Vorwürfe hätten sich als "haltlos" erwiesen. Das Verfahren war nach Angaben des Konzerns durch die Anzeige eines Beschäftigten ausgelöst worden, der "wegen gravierender Unregelmäßigkeiten" fristlos entlassen worden war. Er hatte behauptet, die Führungskräfte deponierten Geld auf Schwarzkonten. American Airlines im Sturzflug Die American Airlines-Mutter AMR hat 1992 einen Verlust von 935 Millionen Dollar eingeflogen. Im Vorjahr waren es 240 Millionen Dollar Minus gewesen.
Thyssen handelt mehr Gewinn ein Trotz stagnierenden Welthandels hat die Thyssen Handelsunion im ausgelaufenen Geschäftsjahr (30. September) den Vorsteuergewinn um acht Prozent auf 265 Millionen und den Überschuß um 17 Prozent auf 108 Millionen Mark gesteigert, die der Konzernmutter überwiesen werden. Der Umsatz sank dagegen um 7,4 Prozent auf 15,6 Milliarden Mark. Hako setzt Handel aus Das Elektronik-Handelshaus Hako steht derzeit offenbar in Verhandlungen mit einem potentiellen Partner, der bei dem defizitären Unternehmen einsteigen soll. Der Handel mit Hako-Aktien wurde gestern in Frankfurt und Düsseldorf auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Riva zeigt Interesse an Eko Stahl Der italienische Stahlkonzern Riva, der bereits zwei Stahlwerke in Brandenburg und Hennigsdorf übernommen hat, signalisiert Interesse an der Eko Stahl in Eisenhüttenstadt mit knapp 6000 Beschäftigten. Die Italiener befänden sich in der "Informationsphase", erklärt die Treuhand. Bei dem früher genannten potentiellen Erwerber Krupp herrsche dagegen "Funkstille".
Kleine Lokalrundschau
Neue Kurse in der Medienwerkstatt Tanz und Entspannung, Methoden der Selbsterfahrung und Theaterarbeit stehen im Mittelpunkt vieler Kurse und Workshops, die die Medienwerkstatt Movement, Dambachtal 41, in ihrem neuen Programm anbietet, das schriftlich oder unter der Telefonnummer 06 11/52 01 98 angefordert werden kann. Bilder erzählen Geschichten Volkshochschule und Wiesbadener Museum bieten eine gemeinsame Nachmittagsreihe an. Das Thema der Veranstaltung lautet: "In den Kunstsammlungen - Bilder erzählen Geschichte und Geschichten". Kunsthistorikerin Dr. Kornelia von Berswordt, die den Kursus leitet, plant auch Besuche in der Restaurierungswerkstatt und im Depot des Museums. Anmeldungen erbittet die VHS-Geschäftsstelle, Dotzheimer Straße 23. Frauen diskutieren mit der SPD "Wir sind die Hälfte - nicht nur die bessere Hälfte" lautet das Motto einer Wahlveranstaltung der SPD am Montag, 25. Januar. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Vereinshaus Brekkenheim. Die Veranstalter erwarten unter anderem die Bundestagsabgeordnete Heidemarie Wieczorek-Zeul und die Stadtverordneten Ingrid Benthaus und Renate Wolf. Sportler stellen sich vor Der Sportkreis Wiesbaden lädt ein zu einer Sportschau am Samstag, 6. Februar, um 16 Uhr in der Sporthalle am Elsässer Platz. Turnerinnen und Turner der Landeshauptstadt bieten einen Querschnitt aus ihrem Trainingsprogramm - vom Kinderturnen bis zur Jazzgymnastik. Der Eintritt ist frei, Spenden werden für den Förderverein für Tumor- und Leukämiekranke Kinder erbeten. Konzert in der Kirche Chor- und Orchestermusik von Schubert, Haydn und Hindemith stehen auf dem Programm eines Konzerts, das am Samstag, 6. Februar, um 17 Uhr in der evangelischen Kirche in Breckenheim, Alte Dorfstraße, und am Sonntag, 7. Februar, um 17 Uhr in der evangelischen Kirche in Bierstadt, Venatorstraße, erklingen wird. Es musizieren Chöre und Orchester der beiden Kirchengemeinden unter der Leitung von Kantor Thomas Schwarz.
Im Blickpunkt: Niederländische Armeereform Künftig klein und wendig
Der niederländische Verteidigungsminister Relus ter Beek hat im Einvernehmen mit dem Mitte-Links-Kabinett ein drastisches Erneuerungskonzept für die Struktur der Streitkräfte beim Parlament eingereicht. Diese sogenannte "Prioritätendenkschrift" wird in manchen Kommentaren mit dem Adjektiv "historisch" versehen. In einer Welt ohne Warschauer Pakt und ohne Sowjetunion sollen die niederländischen Streitkräfte zur verhältnismäßig kleinen, aber schlagkräftigen Berufsarmee werden. Sie könnten dann rasch auf internationaler Ebene für Aktionen zur Friedenserhaltung, Friedensstiftung und Krisenbeherrschung, zum Beispiel im Rahmen der Vereinten Nationen, eingesetzt werden. Angespielt wird hier auf Bosnien und Somalia.
Unter dem Begriff "Sicherheit" werden nun auch politische, soziale, ökonomische, ökologische und humanitäre Aspekte zusammengefaßt. Hinzu kämen Risiken durch ethnische und nationale Probleme aus dem Erbe der Sowjetunion. Auch auf einen großen Konflikt müsse man militärisch eingestellt sein, heißt es in Den Haag.
Vorgesehen ist eine Halbierung der Personalstärke auf insgesamt 70 000 Mann. Die Zahl der einsatzfähigen Brigaden geht von sieben auf vier zurück. Das selbständige niederländische Armeekorps verschwindet, um einer kombinierten deutsch/niederländischen Einheit Platz zu machen, an der Deutschland mit zwei Divisionen und die Niederlande mit einer Division (zwei Brigaden, je etwa 5000 Mann) beteiligt sein sollen.
Dutzenden Militärstandorte werden geschlossen. Altes Material, Hunderte von Tanks, Panzerwagen, Erkundungsflugzeugen, wird verkauft. Diese Reduktion soll ein Drittel betragen. Neu beschafft wird vor allem Ausrüstung zum Zwecke internationaler Krisenbeherrschung, beispielsweise Transport- und Gefechtshubschrauber. Das niederländische Verteidigungsbudget wird um 1,1 Milliarden Gulden pro Jahr gesenkt. Im Vergleich zu früheren Voranschlägen des Verteidigungsministeriums bedeutet dies eine zusätzliche Einsparung bis zur Jahrhundertwende um annähernd elf Milliarden Gulden (etwa zehn Milliarden Mark). Was die Sparmaßnahmen betrifft, ist für den Verteidigungsminister das Maß voll, die "Friedensdividende" groß genug. Eine verantwortungsbewußte Umstrukturierung und Verkleinerung der Streitkräfte sei unmöglich, ohne ein Minimum an finanzieller Sicherheit. Die festgelegten Mittel in Höhe von 140 Milliarden Gulden (126 Milliarden Mark) für die nächsten zehn Jahre werden als "knapp" eingeschätzt.
Gemäß der vielbesprochenen "Prioritätendenkschrift" soll die Militärdienstpflicht in den Niederlanden ab 1. Januar 1994 von zwölf auf neun Monate herabgesetzt und ab 1998 abgeschafft werden. In diesem Punkte wird der Verteidigungsminister von den Regierungsparteien als auch von der Soldatengewerkschaft kritisiert. Diese finden, daß die Übergangszeit bis zur Abschaffung der Miltiärdienstpflicht bedeutend kürzer als fünf Jahre sein müsse.
An der Zustimmung des Parlaments wird generell nicht gezweifelt. Dann werden die Niederlande ab 1998 eine kleinere, aber wirkungsvollere Streitmacht besitzen, die völlig aus Berufssoldaten bestehen wird. Diese Einheiten sollen gleichzeitig an vier verschiedenen Friedensoperationen unter Aufsicht der UN oder der Europäischen Sicherheitsorganisation KSZE teilnehmen können.
Die Generäle halten mit ihrer Kritik nicht zurück. Begreiflicherweise wollen sie Einschränkungen des Militärapparates nicht gerne hinnehmen. Verteidigungsminister ter Beek hat sich aber dadurch nicht beirren lassen. Er hat nur vor allem die neuen Aufgaben für das Militär im Visier. Das Ergebnis ist die Kombination eines als verantwortungsvoll erachteten Beitrages für die Verteidigungsmacht der NATO mit einer Anzahl schnell einsetzbarer, gut ausgerüsteter Einheiten für flexibles Eingreifen in Krisenherden und bei Aufgaben zur Friedenssicherung. HERMANN BLEICH (Den Haag)
WIESBADEN. Wiesbadens Fachhochschüler sind Spitze: Sie gewannen jetzt den internationalen Designer-Wettbewerb "Kalenderschau" und behaupteten sich damit gegen eine Konkurrenz von rund 1000 Einsendungen aus aller Welt.
Ihr preisgekrönter Kalender trägt den Titel "Begegnungen - Encuentros - Rencontres - Encounters". Die Fotografien der einzelnen Monatsblätter stammen von Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Gestaltung. Sprachliche Schlüssel für mitunter überraschende Bildinterpretationen liefern Texte aus Werken der Weltliteratur - von Kafka über Baudelaire bis zu Joyce.
Weiterer Erfolg für die Wiesbadener FH: Der vom Arbeitgeberverband Hessen Metall herausgegebene Kalender "TeamMachWerke" wurde von drei Fachhochschülern aus der Landeshauptstadt gestaltet und erhielt das Prädikat "anerkennenswert". maf
WIESBADEN. Einen Scheck über 1000 Mark überreichte Wiesbadens SPD-Stadtverordneter Wolli Herbert dem Vorsitzenden der Görlitzer Naturfreunde, Dieter Holtzsch. Die Sozialdemokraten des Ortsvereins Wiesbaden-Nord haben das Geld ihren naturverbundenen Freunden aus der Wiesbadener Partnerstadt gestiftet. Der Görlitzer Verein zählt mittlerweile 57 Mitglieder.
Das Programm der Naturfreunde reicht von Kinderveranstaltungen über Exkursionen in die nähere Umgebung bis hin zu großen Reisen. maf
WIESBADEN. "Politiker-Parcours 1993" ist eine Veranstaltung überschrieben, zu der der Stadtjugendring für Donnerstag, 4. Februar, 19 Uhr, in die Jugendräume der evangelischen Gemeinde Schelmengraben in der Hans-Böckler-Straße 65 einlädt.
Jungen Wiesbadenern wird Gelegenheit geboten, mit Politikern der Landeshauptstadt zu sprechen und unter dem Motto "Was ich denen da oben schon immer mal sagen wollte" Dampf abzulassen. Vertreter von CDU, SPD, FDP und Grüne haben ihre Teilnahme zugesagt. maf
Kleine FR
Unfallflucht WEHRHEIM. Für rund 8000 Mark wurde ein Auto beschädigt, das am Donnerstag gegen 15.30 Uhr in einer Parkbucht der Hauptstraße, Richtung Pfaffenwiesbach, stand. Der Verursacher entfernte sich, ohne sich um den Schaden zu kümmern. Die Polizeistation Usingen bittet um Zeugenhinweise. Vortrag über den Bürgerkrieg NEU-ANSPACH. Pfarrer Ivo Stipicic spricht am Montag, 25. Januar, um 20 Uhr über die Ursachen und Folgen des Bürgerkriegs im ehemaligen Jugoslawien. Die Kolpingfamilie in Neu-Anspach lädt zu dem Vortrag mit dem Titel "Ein Kampf auf Leben und Tod" in das katholische Gemeindehaus in der Taunusstraße ein. Bauausschuß tagt GLASHÜTTEN. Am Dienstag, 26. Januar, tagt der Bau- und Siedlungsausschuß um 19.30 Uhr im Sitzungszimmer des Rathauses im Schloßborner Weg 2. Dabei geht es unter anderem um Bauanträge von Reihenhäusern und den Neubau eines Doppelhauses sowie die Errichtung einer Maschinenhalle in Schloßborn.
HFA-Sitzung in Altentagesstätte WEHRHEIM. Am Mittwoch, 27. Januar, tagt der Haupt- und Finanzausschuß um 20 Uhr in der Altentagesstätte des Bürgerhauses Wehrheim. Dabei geht es unter anderem um den Konzessionsvertrag zwischen der Gemeinde und dem Energieunternehmen Lahmeyer AG, den Erlaß einer neuen Abfallsatzung und ein neues Containerfahrzeug. Blutspenden in Anspach NEU-ANSPACH. Das Rote Kreuz lädt zum ersten Neu-Anspacher Blutspendetermin 1993 ein: Am Freitag, 29. Januar, von 17 bis 21 Uhr wird in der Adolf- Reichwein-Schule in Anspach zum freiwilligen Aderlaß gebeten. Blutspendende Eltern können ihre Kinder mitbringen, um kostenlos die Blutgruppe ermitteln zu lassen. Auskunft zur Dorferneuerung GRÄVENWIESBACH. Wer Interesse an Informationen über die Erneuerung seines Anwesens hat, kann sich an das Büro Lindemann, Telefon 0 61 75 / 17 74, wenden. Außerdem steht Herr Kramer bei der Gemeindeverwaltung für Fragen zur Verfügung.
KRIFTEL. Zwischen Apfelplantagen und Autobahn gilt seit Jahrzehnten: "Nur die Erdbeeren sind rot." Die CDU mit ihrer absoluten Mehrheit bestimmt das Geschehen, hat "überall ihre Leute sitzen", wie die Krifteler sagen. Ebenso unangefochten war seit 1970 Hans-Werner Börs (CDU), Bürgermeister und nach eigenen Worten "ein homo politicus, der sein Handwerk versteht". Aber die Obstfelder beben, die Hoch- Zeiten des "Löwen von Kriftel" sind vorüber. Korruption heißt der Stoff, aus dem bundesweite Schlagzeilen sind: Seit 29. Oktober sitzt Börs in Untersuchungshaft, soll bestochen worden sein, erpreßt und betrogen haben. Dennoch ist der - suspendierte - Rathauschef Spitzenkandidat der CDU. Und der "Skandal Börs" ist der zweite binnen Jahresfrist: Der im März '92 tödlich verunglückte Amtsrat Peter M. soll 1,5 Millionen Mark veruntreut haben. Ob beide Affären der Union schaden oder sie erst recht Stimmen bekommt - das ist die große Wahlfrage.
WIESBADEN. Eine internationale Jugendbegegnung in Polen organisiert der Wiesbadener Stadtjugendring vom 19. August bis 4. September. Die Reise führt zunächst in Wiesbadens Partnerstadt Breslau und geht weiter nach Warschau und Danzig.
Busfahrt und Verpflegung kosten für Wiesbadener 550 Mark; junge Leute, die außerhalb Wiesbadens wohnen, müssen 690 Mark berappen. Anmeldungen erbittet bis spätestens Ende Mai der Stadtjugendring unter der Telefonnummer 06 11 / 30 04 08. maf
Mit der Nebenstrecke im Allgäu wird nicht nur eine Bahnlinie stillgelegt, sondern auch der alte Streckengeher Waller selbst. Er macht sich zum letzten Kontrollgang auf: Es wird eine Reise durch die Zeiten, durch jene Zwischenräume des Erinnerns und Vergessens, in denen ein halbes Jahrhundert Leben in der Provinz und Liebe zur Heimat wieder Gestalt annehmen. Wallers letzter Gang (1985 / 88), bildmächtig-poetisches Kinodebüt des Allgäuer Filmemachers Christian Wagner und einer der formal wie inhaltlich überzeugendsten, zu Recht hochdekorierten Filme aus neuerer deutscher Produktion, hat das "mal seh'n" ins Programm genommen.
Süß-sauer muten die übrigen Zukkerstangen aus dem Angebot der Woche an: Im Filmforum Höchst läuft Roman Polanskis makabre Groteske Der Mieter (1975), gelungeneres und subtileres Spiel mit dem Horror- und Psycho-Genre als sein aktueller "Bitter Moon". Im "mal seh'n" John Waters (im Gegensatz zu den Frühwerken) leichtverdaulicher Hairspray (1985). Und im Kommunalen Kino ist am Sonntag nochmal Jon Josts subversive Studie All the Vermeers in New York über den schönen Schein am Hudson River, Publikumsrenner im "Forum des Jungen Films" auf der Berlinale 1991, zu sehen.
Im "Berger" neu angelaufen ist Ron Sheltons Basketball-Komödie Weiße Jungs bringen's nicht. Weiter im Programm: Die Liebenden von Pont Neuf, Gestohlene Kinder, The Crying Game, Die Reinkarnation des Khensur Rinpoche, Verhängnis, Simple Men. oll
Mit Boris Becker in München einen Termin vereinbaren. Ist das Fax an den PSV Eindhoven schon übersetzt? Maradona kommt nicht - was ist mit Bernd Schuster? Andreas Wecker hat zugesagt, Niedecken will früher ran, die Samba- Trommler haben Schwierigkeiten, und wo stehen eigentlich die Kameras? In diesen Tagen geht es bei BroVi-Konzepte, einer Bockenheimer Agentur, drunter und drüber. Drei Tage noch bis zum Show-down, drei Tage noch bis zum Spektakel in der Frankfurter Festhalle. "Mit Hand und Fuß gegen Fremdenhaß" heißt das Motto, unter das sich am Dienstag, 26. Januar, knappe 150 Spitzensportler und Künstler gestellt haben, um, wie es BAP-Sänger Wolfgang Niedecken formulierte, den "braunen Truppen nicht das Feld" zu überlassen".
Die Idee zu dieser Demonstration des Selbstverständlichen hatten Karl Ernst ("Broka") Herrmann, einst Journalist, und Jochen Vielhauer, einst Fraktionsvorsitzender der Grünen im Hessischen Landtag, bei der Zug-Rückfahrt von Magdeburg nach Frankfurt Anfang September letzten Jahres. Zuvor nämlich wurde Herrmann Zeuge, wie ein afrikanischer Student auf dem Perron von einem Dutzend Jugendlicher umringt, bespuckt und angegriffen wurde. Mit einer List ("Ich bin vom Spiegel und will eine Geschichte über den Magdeburger Bahnhof schreiben") und der Mithilfe einer Bahnhofswärterin war es Herrmann gelungen, den Angolaner halbwegs unversehrt aus der Bredouille zu befreien. "Diese Erfahrung, gepaart mit dem Wissen um das Versagen der überwiegenden Mehrheit der Politiker in Regierung und Opposition, ließ uns, die wir allesamt sportbegeistert sind, auf die Idee kommen, die Träger der Botschaft müssen aus dem Spitzensport kommen", sagt der 38jährige. Erste Kontakte zu Eintracht-Keeper Uli Stein waren schnell geknüpft, die Handballer von Wallau/Massenheim, Hochspringer Carlo Thränhardt, der Fußballer Karl Allgöwer gehörten zu jenen, die gleich hellauf begeistert waren von der Idee. Überhaupt, sagt Herrmann, seien die Sportler leicht zu begeistern gewesen; viele hätten den Veranstaltern zudem eigene Vorschläge unterbreitet. Frankfurts Oberbürgermeister Andreas von Schoeler und Hessens Ministerpräsident Hans Eichel übernahmen sogleich die Schirmherrschaft.
War es mit den Sportlern also relativ problemlos, so hatte BroVi, eine Agentur, die sich vornehmlich um soziale Themen kümmert, erhebliche Probleme damit, Sponsoren für die rund eine halbe Million Mark teure Benefiz-Gala aufzutreiben. Vor allem Groß-Unternehmen zeigten Herrmann die kalte Schulter. Der Werbeetat für 1993, so hieß es fast gleichlautend, sei "leider" schon ausgeschöpft. Bisweilen, so scheint's, hat Broka Herrmann zudem bei manchem Verband nicht immer den richtigen Ton getroffen. Dem Deutschen Sportbund etwa, der jetzt ein größeres Paket Sponsoren-Tikkets erstanden hat und die Aktion noch weiterhin unterstützen will, war das Motto "zu militant". Da traf es sich, daß wenigstens Stadt und Land insgesamt 220 000 Mark Zuschuß bewilligten. Dennoch muß die Festhalle am Dienstag mit 8500 Zuschauern ausverkauft sein, will der Veranstalter einen Gewinn für Asylhilfeprojekte erwirtschaften. "Bis jetzt haben wir ein Loch von rund 100 000 Mark", sagt Herrmann. 2000 Karten in allen Preiskategorien sind noch zu haben.
Fest steht inzwischen, wer für die deutsche Nationalmannschaft gegen die Weltauswahl (Stein, Rufer, Boli, Pele, Baffoe, Yeboah, Jorginho, Herzog, Okocha und Romario) spielen soll: Augenthaler, Bein, Völler, Klinsmann, Buchwald und Berthold. Kurzfristig hatten die Kölner Illgner und Littbarski wegen eines Freundschaftsspiels absagen müssen. Sicher ist auch, daß das als Weltneuheit angekündigte Synchron-Hochspringen zwischen Heike Henkel/Dietmar Mögenburg und Carlo Thränhardt/Sabine Braun aus technischen Gründen (zu lange Aufbauzeit) gestrichen werden mußte: Statt dessen werden die Hochspringer Verstärkung von weiteren Kollegen erhalten - darunter die Kubanerin Silvia Costa -, und Basketball spielen.
American Football, Dieter Baumann auf dem Fließband, Jürgen Grabowski und Ewald Lienen im Team der Frauen- Mannschaft des FSV, Allgöwer und Jimmy Hartwig bei den Praunheimerinnen, Katarina Witt im Eishockey-Tor, Andreas Wecker an den Ringen und Dragoslav Stepanovic mit den "Straßenjungs" am Mikrofon und vieles mehr - Langweile im vierstündigen Programm, so verspricht es der Veranstalter, soll jedenfalls nicht aufkommen. Und vielleicht, sagt Herrmann, wirkt die Gala hinein "in den kleinsten Sportverein und findet Nachahmung. Das wäre praktizierter Humanismus". THOMAS KILCHENSTEIN
WIESBADEN. "Wo war ich, als ich noch nicht in deinem Bauch war?" "Ist Opa jetzt im Himmel oder in der Erde?" "Gibt es einen Gott, und wie sieht der aus?" - Kinder löchern mit ihrer Wißbegierde Eltern, und die entdecken dabei ihre eigenen Fragen. Eltern und Erzieherinnen sind eingeladen zu einem Gesprächskreis, um gemeinsam Antworten zu finden. Das Seminar beginnt am Mittwoch, 3. Februar, um 20 Uhr in der Evangelischen Familien-Bildungsstätte, Emser Straße 3, und ist für drei Abende geplant. Nähere Auskunft: Tel. 0611 / 52 40 15. maf
KRIFTEL. "Wir wohnen auf dem Land und doch in der Stadt." Was Ferdinand Dillmann sagt, sehen wohl die meisten der 10 700 Einwohner als Reiz. Hessens größte Obstbaugemeinde, eingekeilt von A 66 und den Autobahnzubringern Zeilsheim und Hattersheim, liegt günstig. Die Nachbarschaft zum Chemieriesen Hoechst AG, der kollabierende Verkehr und die expandierenden Bau- und Gewerbegebiete schaden dem Image von sandigen Böden und riesigen Obstplantagen allerdings ein wenig.
Mindestens 60 Prozent der Gemarkungsfläche sind Obstbau vorbehalten; allein 200 Tonnen Erdbeeren pro Jahr werden geerntet und im Direktverkauf oder über die Krifteler Raiffeisen, Obst- und Warengenossenschaft vermarktet. 200 000 Obstbäume profitieren vom guten Klima. 1500 Tonnen Äpfel werden jährlich geerntet. 15 Vollerwerbsbetriebe leben von den süßen Früchten.
Vom boomenden Wirtschaftswachstum der Rhein-Main-Region blieb aber auch das Obstbauidyll nicht verschont. Erster Beigeordneter Paul Dünte (CDU) betont jedoch: "Die Einwohnerzahl steigt nur sehr langsam, unser Wachstum ist organisch." Für die Opposition nur ein deutliches Indiz dafür, daß Wohnungen fehlen.
Aber gewachsen ist die Einwohnerzahl schon. Immerhin so viel, daß das Parlament nach der Wahl von 31 auf 37 Sitze (ein FWG-Platz ist momentan unbesetzt) erweitert werden soll. Die Mehrheit hat seit Ende der 40er Jahre die CDU, nur mit einer Unterbrechung: 1956 bis 1960 regierte eine Koalition von SPD und BHE. Nachfolger der Bürgermeister Georg Richberg (1949 bis 1967) und Josef Wittwer (1967 bis 1970) wurde Hans-Werner Börs. Der umtriebige Rheinländer, auch im Umlandverband Frankfurt und als Vorsteher des Schwarzbachverbands Main-Taunus aktiv, machte sich schnell einen guten Namen.
Auch der Krifteler Kämmerer muß neuerdings ins Hohelied vom Sparen einstimmen. "Wir müssen sorgsam mit den Finanzen umgehen", sagt Dünte über den 32-Millionen-Haushalt. Vor diesem Hintergrund müßten große Projekte wohlüberlegt sein.
Wer das Glück hat, doch eine Wohnung in der Obstbaugemeinde zu ergattern, findet nicht nur in mehr als 30 Vereinen Anschluß. Deren Angebot reicht von der Violinstunde bis zum Vortrag. Auch für Neubürger muß die 1203 Jahre alte Gemeinde nicht nur zum Schlafen dasein. Es geht beschaulich zu, man kennt sich, kann das Großstadtleben aber schnell erreichen - auch mit der S-Bahn.
Vielfältig ist auch die Wirtschaftsstruktur: 1950 wurde die Vereinigung Krifteler Selbständiger mit 36 Betrieben gegründet, inzwischen gibt es mehr als 200 Mitgliedsfirmen. pms
DREIEICH. Als letzter Stadtteil kommt nun Sprendlingen bei der Aktion Kindgerechte Stadt dran. Am Mittwoch, 27. Januar, 19 Uhr, stellt Professor Bernhard Meyer im Kleinen Saal des Bürgerhauses das Projekt vor, das die Spielräume der Kinder erhalten und neue schaffen soll. Sie selbst werden die Gelegenheit haben zu sagen, was ihnen an Sprendlingen gefällt und was ihnen fehlt.
Zu dem ersten Treffen sind erst einmal die Erwachsenen eingeladen: Eltern, Erzieher/innen, Lehrer/innen und alle Interessierten. Wer sich entschließt mitzumachen, wird von 20 Uhr an mit den Methoden vertraut gemacht, nach denen die Erwachsenen die Kinder unterstützen können. Als nächster Schritt wird dann eine gemeinsame Stadtteilerkundung folgen.
Mittlerweile läuft das gesamte Projekt seit mehr als einem Jahr. Es hatte in Dreieichenhain begonnen und wurde nach und nach auf alle Stadtteile ausgedehnt. Die Anregungen und Wünsche der Kinder werden in den Ortsbeiräten beraten. dac
WIESBADEN. Lehrer, Eltern und Schüler wollen mehr über "Gift und Schadstoffbelastung in Schulen und Kindereinrichtungen" wissen und veranstalten deshalb gemeinsam einen Informationsabend am Dienstag, 26. Januar, um 20 Uhr in der Aula der Friedrich-List-Schule, Brunhildenstraße 142. Dort erörtern sie, "welche Schadstoffe es gibt und wo sie enthalten sind", berichten über den "Stand der Schadstoffmessungen an Schulen und Kindertagesstätten" und über den "Stand der Sanierungsmaßen". Schließlich werden sie ihren Forderungskatalog an die Verantwortlichen vortragen. Am 25. Februar ist um 20 Uhr eine weitere Veranstaltung in der Galatea-Anlage in Biebrich geplant. maf
WIESBADEN. Die Wiesbadener Musik- und Kunstschule veranstaltet am Dienstag, 26. Januar, um 19.30 Uhr eine Podiumsdiskussion im Rathaus unter dem Motto "Musikschule - Zukunftsinvestition für die Jugend?"
Aktueller Anlaß: Die Stadtverordneten werden in ihrer nächsten Sitzung darüber entscheiden, ob auf dem Dern'schen Gelände der preisgekrönte Plan eines Architektenwettbewerbs verwirklicht werden soll. Deshalb wollen Fachleute noch einmal den Stellenwert und die kulturpolitische Bedeutung von Musikschulen betonen.
Im Verlauf der Diskussion am Dienstagabend soll aufgezeigt werden, "daß Musikschulen mehr als nur musische Bildungs- und Erziehungsinhalte vermitteln." Dabei geht es um Auswirkungen der Arbeit der Musikschule auf die heranwachsenden Generationen, um die Rolle der Musikschule in der Stadt Wiesbaden und um die sozialen Effekte, die mit einer musischen Ausbildung verbunden sind.
Als Podiumsgäste werden erwartet: die ehemalige Kulturdezernentin der Stadt, Margarethe Goldmann, Vorsitzende der Wiesbadener Musik- und Kunstschule und Vizepräsidentin der Kulturpolitischen Gesellschaft in der Kurstadt, der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Musikschulen, Hartmut Gerhold, ferner Professor Siegfried Köhler, ehemaliger Generalmusikdirektor des Hessischen Staatsorchesters, königlicher Hofkapellmeister und Chefdirigent der Oper Stockholm. Die Gesprächsleitung an diesem Abend hat Christoph Nielbock. maf
HEUSENSTAMM. Mit einer abgespannten sehr leicht wirkenden Holzbrücke könnte der Schnittpunkt zwischen der denkmalgeschützten Schloßallee und den zukünftigen S-Bahn-Schienen überspannt werden. Dies schlägt ein Heusenstammer Architekt vor, der wie noch zwei seiner Kollegen, der Aufforderung der Stadt nachgekommen ist, sich Gedanken über den diffizilen Übergang zu machen.
Wie Bürgermeister Josef Eckstein (CDU) erklärte, sei dort eine 08/15-Lösung nicht machbar. Die Vorschläge der Bundesbahn seien auf wenig Gefallen gestoßen. Die Brückenkonstruktion habe dagegen die Zustimmung des Magistrats gefunden. Sie habe den Vorteil, daß die Allee kaum merklich tangiert werde, weil der Übergang nicht in ihrer Achse sondern schräg dazu vorgesehen sei. Die Brücke soll auch noch die Jahnstraße überqueren. Zwei Türme auf jeder Seite sollen den Zugang zu den Bahnsteigen ermöglichen.
Ein zweiter Entwurf eines anderen Architekten sieht eine nur auf die Schienenbreite begrenzte Unterführung der Schloßallee vor. Bei dieser Lösung bliebe die alte Jahnstraße allerdings nicht erhalten, sie müßte verlegt werden. Mit den verschiedenen Architektenentwürfen befaßt sich der Bauauschuß am kommenden Dienstag, 26. Januar, 19.30 Uhr, im Rathaus. pmü
HOCHHEIM. Einstimmig angenommen wurde bei der SPD-Mitgliederversammlung das Wahlprogramm der Hochheimer Sozialdemokraten. Bei dem Treffen war der Bundestagsabgeordnete Dr. Norbert Wieczorek zu Gast, der von seiner Bonner Tätigkeit berichtete. Zuvor hatte die SPD die Sektkellerei Graeger besucht und sich über die Raumprobleme der Produktion informiert. set
RICHARD HELLER, seit 1975 Betriebsratsvorsitzender der Adam-Opel-AG Rüsselsheim, wurde bei einer Feierstunde mit viel Prominenz, darunter die Ministerpräsidenten Hans Eichel aus Hessen und Rudolf Scharping aus Rheinland- Pfalz sowie der frühere SPD-Bundesvorsitzende Hans-Jochen Vogel, in den Ruhestand verabschiedet. Der 59jährige Heller nutzte eine Betriebsvereinbarung zum Vorruhestand. Der gelernte Modellschreiner hatte 1956 bei dem Rüsselsheimer Automobilunternehmen begonnen, war als engagierter IG-Metaller 1972 erstmals in den Betriebsrat eingezogen und hatte seit 1975 unangefochten die Spitzenposition der Arbeitnehmervertretung des größten hessischen Metallunternehmens inne. Seit 1987 war Heller zudem Gesamtbetriebsratsvorsitzender aller bundesdeutschen Opel-Werke. Unter seiner Führung wurden wichtige sozialpolitische Vereinbarungen bei Opel abgeschlossen, von Zusatzzahlungen des Unternehmens bei Kurzarbeit bis - letzte große Errungenschaft - zur Gewinnbeteiligung der Opelaner; es kamen auch wesentliche Impulse zur allgemeinen Arbeitszeitverkürzung: So hatte 1976 eine Opel-Betriebsversammlung in Rüsselsheim bundesweites Aufsehen mit der Forderung nach Einführung des Sieben- Stunden-Tages erreicht. Nachfolger Hellers ist sein Vize RUDI MÜLLER (56).
OTTO ADEN (CDU), hauptamtlicher Beigeordneter des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV), wird am heutigen Freitag von den Mitgliedern des LWV-Verwaltungsausschusses verabschiedet: Seine Amtszeit endet im Februar. Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, von 1981 bis 1987 als Erster Beigeordneter des Main- Kinzig-Kreises tätig, war vor sechs Jahren von der Verbandsversammlung des LWV zum Beigeordneten gewählt worden. In dieser Funktion war er für die Belange von Krankenhäusern und SonderMANFRED LANDFESTER, Altphilologe an der Gießener Justus-Liebig-Universität, ist mit großer Mehrheit vom Konvent für die nächsten zwei Jahre zu ihrem Vizepräsidenten gewählt worden. Landfester, einziger Kandidat für dieses Amt und Mitglied der Fraktion "Unabhängige Wissenschaft", löst zum 1. April den Chemiker WOLFGANG LAQUA ab.
HANAU. Hanauer Autofahrer müssen in den nächsten Wochen mit Staus im Bereich der Hanauer Vorstadt rechnen. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, werden ab Montag, 25. Januar, in der Hanauer Vorstadt und der Kleinen Hainstraße Gräben für Kabelarbeiten aufgerissen.
Dem Verkehr steht im Baustellenbereich nur noch ein Fahrstreifen zur Verfügung. Die Arbeiten sollen drei Wochen dauern. Die Stadt bittet, den Bereich weiträumig zu umfahren. res
Der FV 06 Sprendlingen erwies sich als ausgezeichneter Gastgeber, verteilte aber beim achten Horst-Schmidt-Gedächtnisturnier keine Gastgeschenke. Der Verein aus der Fußball-Bezirksliga Offenbach, ehemals Landesliga, setzte sich beim großen Indoor-Spektakel vor insgesamt 600 Zuschauern im Finale mit 4:3 gegen die SKV Mörfelden durch und behielt damit das große Stück des Preiskuchens (500 von insgesamt 1100 Mark) in eigener Tasche. Ferner blieb auch der Wanderpokal, der ein Jahr lang im Mörfeldener Waldstadion stand, in der eigenen Vitrine. Die Mannschaft von Spielertrainer Detlev Gistl revanchierte sich dabei für ihre 0:2-Finalniederlage vor Jahresfrist an gleicher Stelle.
Die "Nullsechser" stellten ferner in Armando Ferreira einen der besten Indoor-Künstler. Zusammen mit dem Mörfeldener Christof Creter verzückte er die Fans mit technischen und spielerischen Glanzlichtern.
Im "kleinen Finale" mußte ein Penalty- Kick zur Entscheidung herhalten: Der FC Offenthal und die SGA Darmstadt waren 2:2 auseinandergegangen, im Siebenmeter-Schießen (3:2) blieben die Offenthaler obenauf.
In den Gruppenspielen dominierten der FC Offenthal sowie die SKV Mörfelden, die Staffelsieger wurden, während sich der Ausrichter zunächst mit Rang zwei begnügen mußte, aber im Überkreuzverfahren das Dreieich-Stadtderby gegen Offenthal klar mit 3:0 für sich entscheiden konnte. Martin Bremers Mörfeldener besiegten die SG Arheilgen Darmstadt mit 2:0, womit die Endspielpartner ohne weitere Schrammen ermittelt waren.
Das Endspiel offerierte vor gut besetzten Rängen einen echten Budenzauber. Die Fans wurden mehrfach von den Sitzen gerissen. Etwa 400 Zuschauer erlebten diesen Knaller, indem sich Volker Heine (2), Armando Ferreia und Christian Segeth beim FV 06 sowie Andreas Kappermann, Erik Hirschl und Bernd Hummel (SKV) in die Torschützenliste eintragen konnten. Unter der Leitung von Schiedsrichter Soldevilla (Mühlheim) erwiesen sich Christian Zimmermann (Tor), Reinhold Peterson, Kurt Bremer, Dirk Bubenheim, Roger Göbel, Christian Segeth, Ralf Griebel, Armando Ferreira, Guiseppe Viola, Volker Heine und Spielertrainer Detlef Gistl als die ungekrönten Hallenkönige dieser Veranstaltung, die bis auf eine rote Karte gegen einen Neu-Isenburger TSG-Akteur (wegen Schiedsrichter-Beleidigung) keinerlei Minuspunkte bescherte.
Das bekannte Markenzeichen der "Nullsechser": eine überdimensionale Kuchen-Theke, zur Krönung bester Kaffee. Wer's deftiger liebte, konnte auch gezapftes Bier und weitere Schmankerl bekommen. "Hierfür sind wir bekannt. Das lockt einige Fans zusätzlich an", resümierte Vorsitzender Werner Suss. Etwa zwölf Helfer(innen) "schmissen" den Laden an der Breslauer Straße. Positiv kam auch die große Verlosung (500 Mark Bargeld, Farbfernsehgerät, CD-Player als Hauptpreise) bei den Fußballfreunden an.
Negativ bewertete Gistl die wenige Tage zuvor gefällte Entscheidung des Kreis- Rechtsausschusses, denn der Abbruch des Pokalspiels gegen den TV Hausen führte dazu, daß der FV 06 Sprendlingen vom 18. Januar bis 1. Februar vom Spielbetrieb ausgeschlossen ist, auch an keinem Turnier teilnehmen darf. Zudem mußte Gistl, der sich damals mit dem Schiedsrichter angelegt hatte, 100 Mark Geldstrafe bezahlen.
Der Tabellenzehnte der Bezirksliga hält sich daher seit dem 14. Januar mit intensivem Training fit und will im Februar eine Reihe von Vorbereitungsspielen absolvieren. Das Nachholspiel bei der SSG Langen ist für 21. Februar (14.30 Uhr) terminiert, die Rundenfortführung beschert am 28. Februar die Partie beim Türkischen SV Neu-Isenburg.
TURNIER FV 06 SPRENDLINGEN, Tabellen und Ergebnisse - Gruppe 1: 1. FC Offenthal 6:0-Punkte/8:1-Tore, 2. SGA Darmstadt 3:3/6:2, 3. FV 06 Sprendlingen II 3:3/5:4, 4. Sprendlinger TG 0:6/1:13.
Gruppe 2: 1. SKV 1879 Mörfelden 5:1-Punkte/13:4-Tore, 2. FV 06 Sprendlingen I 5:1/11:2, 3. SKG Sprendlingen 2:4/4:8, 4. TSG Neu-Isenburg 0:6/0:14.
HALBFINALS (Überkreuzspiele): SKV Mörfelden - SGA Darmstadt 2:0, FV 06 Sprendlingen - FC Offenthal 3:0.
Spiel um Platz 3: FC Offenthal - SGA Darmstadt 3:2 (2:2) im Siebenmeter-Schießen.
Finale: FV 06 Sprendlingen - SKV Mörfelden 4:3. hdp
öhl ATHEN, 21. Januar. Im Prozeß gegen Nedschmije Hodscha, die Witwe des albanischen Diktators Enver Hodscha, hat der Staatsanwalt am Donnerstag für die Angeklagte vierzehn Jahre Haft gefordert. Frau Hodscha wird der Unterschlagung öffentlicher Gelder, der Korruption und des Machtmißbrauchs beschuldigt.
Staatsanwalt Teodor Mosko erklärte, in Anbetracht des Alters und des Gesundheitszustandes der 72jährigen Angeklagten wolle er keine höhere Strafe beantragen. Der Strafrahmen für die Frau Hodscha zur Last gelegten Verbrechen bewegt sich von acht Jahren Haft bis zur Todesstrafe.
Für den Mitangeklagten Kino Budscheli, der während der letzten Jahre der stalinistischen Diktatur für die Versorgung der führenden Parteigrößen mit Konsumgütern zuständig war, forderte der Staatsanwalt eine Haftstrafe von neun Jahren.
Die Anklage wirft Frau Hodscha vor, in der Zeit nach dem Tod ihres Mannes 1985 bis zum Beginn des Machtwechsels im Jahr 1991 öffentliche Gelder in Höhe von 76 400 Dollar für private Zwecke verwendet zu haben. Im ärmsten Land Europas, wo der durchschnittliche Monatslohn umgerechnet weniger als dreißig Mark betrug, lebten die Hodschas in fast märchenhaftem Luxus. Nedschmije Hodscha hatte während des Prozesses die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen.
Als äußerst problematisch hat Siegfried Wolter, Pfarrer der evangelischen Gemeinde "Am Bügel", die Situation der drei Kindertagesstätten in der Siedlung bezeichnet. Auf der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates 15 (Nieder-Eschbach) machte Wolter die Stadt dafür verantwortlich. Trotz mehrmaliger Bitten und eines Briefes an Schuldezernentin Jutta Ebeling (Grüne) sei bisher nicht viel geschehen.
Eine Antwort auf den Brief blieb aus, Schulamtsleiter Tom Stryck habe lediglich versprochen, sich im Februar darum zu kümmern. Für den engagierten Pfarrer zu wenig: "Die Art und Weise, wie das Schulamt mit uns umgeht, ist unmöglich", schimpfte Wolter.
Seit langem fehlt in allen Kindertagesstätten (KT 1, KT 71 und evangelische KT) Personal. Statt der bei einer Gruppenstärke von zwanzig Kindern nötigen zwei Stellen sind nur eineinhalb besetzt. Erzieherinnen kündigen, weil die Arbeitsbedingungen unzumutbar sind. Nun droht auch die Streichung der vor gut einem Jahr zugesagten zusätzlichen Stellen, die lediglich probeweise eingeführt worden waren. jot
SABINE KELLER aus Friedberg hat als "besonders qualifizierte Nachwuchskraft" der Agrar- und Ernährungswirtschaft den "Internationalen DLG-Preis" bekommen. Die 26jährige habe durch Abschlüsse in Haus-, Agrarwirtschaft und -technik eine sehr breite Ausbildung, die sie im elterlichen Betrieb einsetze. Zudem übernehme sie im Maschinenring Reparatur und Wartung von Zugmaschinen sowie Lohnarbeiten bei anderen Betrieben, hob DLG-Präsident GÜNTER FLESSNER hervor. Die 7500 Mark Preisgeld will Keller dazu nutzen, neue Ansätze in der internationa
BETTINA HEIN wurde einstimmig zur neuen Vorsitzenden des Stadtjugendringes in Friedberg gewählt, ihr zur Seite steht MARKUS LUDWIG. Schriftführerin wurde BERIT HUTH, Kassenwart MICHAEL BUSCH, Beisitzer sind JULIANE HEIL, PATRICK STOLL und THOMAS REUTER. Per Resolution fordert der SJR von den Politikern, endlich zu handeln und eine Jugendfreizeiteinrichtung zu
PFARRER WOLFGANG STINGL, Butzbach (Tel. 0 60 33 / 6 80 99), informiert über die Lourdes-Wallfahrt Heimatvertrieber von 29. April bis 5. Mai.
Im Sanierungsgebiet Günderrodestraße im Gallus soll nun doch der bestehende Wohnraum erhalten bleiben. "Wir werden keine weiteren Verlagerungen mehr vornehmen", versichert Michael Kummer, persönlicher Referent von Planungsdezernent Martin Wentz (SPD). Der Grund: Nach dem Erlaß des Wohnungsbauerleichterungsgesetzes sei es nicht mehr möglich, Wohngebiete in Gewerbegebiete umzuwandeln. Das ursprüngliche Ziel des Sanierungsverfahrens, das noch vom früheren CDU-Magistrat in Gang gebracht worden war, läßt sich nun "rechtlich nicht mehr erreichen", sagt Kummer.
Die vorläufige Bilanz zeigt eine erhebliche Fluktuation in der Günderrodestraße. Von ursprünglich 125 Haushalten wurden 108 in Ersatzwohnungen untergebracht, 95 Haushalten konnten Sozialwohnungen vermittelt werden. Außerdem zogen von 15 Gewerbebetrieben sechs in andere Firmenräume. Da das ursprüngliche Sanierungsziel aufgegeben wurde, hat sich das Bild wieder gewandelt. Von 98 Wohnungen, die schon geräumt waren, sind jetzt 54 wieder vermietet. 44 sind unbewohnbar und stehen leer. Der heruntergekommene Zustand in Teilen der Straße ist nicht zu übersehen.
Die planerische Wende in der Günderrodestraße ist allerdings noch nicht rechtlich abgesichert. Die Sanierungssatzung muß geändert, ein Konsens zwischen Stadt und Privateigentümern erzielt werden. Kummer: "Der Weg aus der Sackgasse wird noch gesucht."
Das Planungsdezernat hat zwar den Hausbesitzern mitgeteilt, daß die Stadt den Wohnungsbestand schützt, nicht wenige Eigentümer scheinen jedoch auf eine formelle rechtliche Regelung zu warten, ehe sie investieren. Das Haus Günderrodestraße 5 beispielsweise ist in einem beklagenswerten Zustand. Die Fassade ist verschmutzt, Fensterscheiben fehlen. Bewohner aus dem Nebenhaus klagen darüber, daß das heruntergekommene Erscheinungsbild "unsere Wohnqualität mindert".
Eigentümerin des Hauses Nummer 5 ist die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Deren Geschäftsführer Klaus Rudloff erklärt, daß das Unternehmen die Wohnungen der Stadt vorübergehend für Aus- und Übersiedler zur Verfügung gestellt habe. Die letzten drei Mieter würden in nächster Zeit ausziehen. "Bevor keine rechtliche Klarheit herrscht", meint Rudloff, "können wir nicht investieren." Es wäre denkbar, daß man das Haus renoviere und in drei oder vier Jahren doch abreißen müsse, weil die Stadt ihre Pläne ändere. vo
HANAU. Stadtbaurat Jürgen Dressler lädt für Mittwoch, 27. Januar, wieder zu Bürgergesprächen in Großauheim und Wolfgang ein. Ab 16 Uhr können Großauheimer Bürger in den Raum 1 der Verwaltungsstelle kommen.
Ab 18 Uhr steht Dressler im Bürgerhaus Wolfgang, Kollegraum 1 und 2, für Fragen zur Verfügung.
Die Termine sind nicht als Bürgerversammlungen, sondern für Einzelgespräche konzipiert. res
KASSEL. Er war immer solide, hat sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Dann traf der Banker aus dem Landkreis Kassel bei einem Urlaub in Thailand die vermeintliche Frau seines Lebens. Ihr schenkte er nicht nur sein Herz, sondern auch ein Flugticket, einen Ehering und eine Menge Geld.
Die romantisch anmutende Geschichte hat freilich einen Haken. Weil der brave Bankkaufmann brutto knapp 4000 Mark verdiente und dieses Einkommen bei weitem nicht ausreichte, vergriff er sich an den Ersparnissen von insgesamt 28 Bankkunden und erleichterte sie von 1989 bis 1992 um über 830 000 Mark. Gestern bekam der 29jährige vor dem Kasseler Landgericht die Quittung: Die 5. Strafkammer verurteilte den (natürlich fristlos entlassenen) Banker wegen fortgesetzter Untreue und Urkundenfälschung zu dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe.
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Die Bankkunden haben ihre Ersparnisse selbstverständlich bis auf den letzten Pfennig zurückerhalten. Die veruntreute Summe ist von der Bank in den Schornstein geschrieben worden. Bleibt die Frage, wo die rund 830 000 Mark blieben.
Der Löwenanteil "versickerte", das wurde vor Gericht klar, in Thailand. Denn nachdem der Banker seine Urlaubsbekanntschaft geehelicht hatte, bat die junge Frau zunächst um Geld für einen Flug in die Heimat und für die Behandlung ihrer kranken Mutter. 30 000 Mark - vom treusorgenden Ehemann regulär als Kredit aufgenommen - flossen für diesen angeblichen Zweck gleich nach der Heirat nach Thailand. Kurze Zeit später mußte er hören, daß der Krankenhausaufenthalt der Mutter doch teurer als gedacht sei. Weil er sich "moralisch" zu weiterer Hilfe verpflichtet fühlte, schickte er noch einmal rund 50 000 Mark für die angeblich schwerkranke Schwiegermutter. Die Moral blieb dabei freilich auf der Strecke. Denn dieses Geld bezahlte er bereits aus den Ersparnissen seiner Kunden. Mit gefälschten Unterschriften und fiktiven Konten manipulierte er auch an den hauseigenen Revisoren vorbei. Das gelang, weil er allein für drei ländliche Filialen zuständig war und die Hand auf allen Konten hatte.
Als die Ehefrau mit weiteren Wünschen zurückkehrte, griff er wieder zu fremdem Geld. Mit 150 000 Mark wurde nun ein Haus in Thailand gekauft, und weil sich das als baufällig erwies, "besorgte" der Banker noch einmal 150 000 für den Ausbau des für thailändische Verhältnisse wohl fürstlichen Domizils. Als es bald wieder verkauft wurde, floß wegen angeblich gesunkener Bodenpreise nicht einmal die Hälfte der Investitionen zurück - nicht in des Bankers Tasche: Auch dieses Geld wurde für die kranke Mutter benötigt.
Da versteht es sich fast von selbst, daß der Banker auch für den laufenden Lebensunterhalt der neuen thailändischen Verwandtschaft sorgte: Rund 6000 Mark gingen durchschnittlich pro Monat ins Heimatland seiner Frau.
Dazu kamen etliche Hin- und Rückflüge; diverse Anschaffungen und der Ausbau der ehelichen Wohnung verschlangen auch noch ein paar Tausender. Am Ende standen unter dem Strich besagte Ausgaben in Höhe von über 830 000 Mark, angesichts derer er schließlichauf die Idee kam, sein Leben grundsätzlich zu ändern.
Zweifel an den Geschichten seiner Angetrauten habe er nie gehabt, erzählte der 29jährige vor Gericht (der die kranke Schwiegermutter nie im Krankenhaus sah). Zweifel hat er wohl erst bekommen, als sich die Ehefrau von ihm abwandte, nachdem er nicht mehr bereit war, Geld zu geben. Sie habe jetzt einen anderen Mann, hieß es. Dem Vernehmen nach ist es kein Banker. ANNE RIEDEL
GRÜNDAU. Besser kürzertreten als den Arbeitplatz verlieren - auf dieses Pferd hatte die 320köpfige Wibau-Belegschaft Anfang Dezember gesetzt, als sie der bis Ende Januar terminierten Kurzarbeit zustimmte. Diese Hoffnung scheint sich nicht zu erfüllen. Nach Angaben von IG-Metall-Sekretär Gunther Heinz stehen bei der Rothenberger Fabrik "in Bälde 105 Entlassungen an", Verhandlungen über einen Sozialplan seien gerade im Gang. Grund für das Desaster: die "massiven Umsatzeinbrüche" im zweiten Halbjahr &rquote;92.
Dabei hatte sich das ohnehin konkursgebeutelte Unternehmen, vor dem Zusammenbruch des Baumaschinenkonzerns IBH bedeutendster Hersteller von Asphaltmisch-, Aufbereitungsanlagen und Rotorbetonpumpen, trotz der Kurzarbeit noch Anfang Januar in der Lokalpresse mit einem "außerordentlich erfolgreichen Geschäftsjahr" gebrüstet. Der Umsatz im Geschäftsbereich Asphalt-Technik sei um 23 Prozent auf 83 Millionen Mark geklettert. Gegenüber der FR hatte die Tochter des weltweit operierenden Aichtaler Maschinenherstellers Putzmeister jedoch einen Monat zuvor zugegeben, daß der "positive Trend in den vergangenen zwei Jahren einen ganz unerwarteten Knick bekommen hat".
Nach Darstellung der Gewerkschaft stehen die 105 Entlassungen im Firmenzweig Asphalttechnik an. Die Produktlinie Betonpumpen mit 52 Mitarbeitern, so Heinz, sei bereits seit 1. Januar aus der Wibau ausgegliedert und als Gründauer Niederlassung der Putzmeister Maschinenbau GmbH & CoKG in Althengstedt umgewandelt worden. "So bleiben von den rund 320 Wibau-Beschäftigen nur noch 160 übrig." Die geplanten Kündigungen sind aus Sicht des IG-Metall-Sekretärs "eine Katastrophe" für alle Betroffenen, vor allem aber für ältere Mitarbeiter. Mangels Aussicht auf eine neuen Stelle "stürzen die ab in die Sozialhilfe".
Daß sich die von der Firmenleitung angekündigte Entlassungswelle noch reduzieren läßt, glaubt Heinz nicht. Man sei mitten in den Verhandlungen für einen Sozialplan, "in der Regel Abfindungen, so hoch wie möglich". Auch will die IG Metall erreichen, daß zusätzlich ein Fond für Langzeitarbeitslose eingerichtet wird.
Der IG-Metaller beurteilt die Chancen auf eine zufriedenstellende Lösung jedoch wenig optimistisch. "Die Wibau sagt, sie hat kein Geld." In diesem Fall müsse jedoch die Mutterfirma, Putzmeister, ihrer sozialen Verantwortung nachkommen. tja
NEU-ANSPACH. Viel Metall haben der Erste Beigeordnete Manfred Schmück und der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Wolfgang Pfeiffer, zu verteilen. Am heutigen Samstag, 23. Januar, wollen sie ab 15 Uhr im Bürgerhaus Ehrenabzeichen an verdiente und erfolgreiche Mitglieder von Neu-Anspacher Vereinen überreichen.
27 silberne und 36 bronzene Leistungsnadeln werden sie an stolzgeschwellte Brüste heften, für sieben Vereinsmitglieder gibt es die Verdienstnadel. Darüber hinaus werden drei Mannschaften den silbernen Leistungspokal entgegennehmen, sechs Teams dürfen sich auf den Pokal in Bronze freuen. ill
HOCHTAUNUSKREIS. "Von einer aktiven Trickserei zu reden, halte ich für völlig fehlinterpretiert." Landrat Jürgen Banzer (CDU) hat sich gestern schützend vor seinen Amtsvorgänger Klaus-Peter Jürgens gestellt. Anlaß war der FR-Bericht "Ex-Landrat Jürgens hat mitgetrickst" über den Bericht der Rechnungsprüfer, wonach Jürgens mit zwei Auftragsvergaben an der umstrittenen 80 000-Mark-Modernisierung des Sitzungszimmers 407 im Landratsamt beteiligt gewesen ist.
Jürgens (CDU) sei damals von der eigenmächtigen Renovierungs-Entscheidung seines Stellvertreters Hans-Joachim Galuschka "überrascht" worden, urteilt Banzer. Der damalige Landrat habe das Zimmer nach einem Urlaub halbfertig vorgefunden und nun überlegen müssen, "wie kommen wir da wieder 'raus?".
Im Bemühen, die Sache während der Sommerpause zu erledigen, sei für Jürgens eine "subjektive Eilbedürftigkeit" entstanden. Deshalb habe er die Möbel- Bestellungen für fast 23 000 Mark unterschrieben - ohne Beschluß des Kreisausschusses und ohne Ausschreibung. Zum Preisvergleich sei jedoch auf ein paralleles Preiseinziehungsverfahren zurückgegriffen worden.
Jürgen Banzer sieht die Entscheidung von Jürgens zwar als falsch an, diesen aber nicht als Schuldigen an der Misere. Er verteidigt seinen Vorgänger, weil dieser sich wegen fehlender Unterlagen und seiner Verschwiegenheitspflicht gegenüber dem früheren Arbeitgeber Kreis nicht selbst gegen die Vorwürfe wehren könne. Klaus-Peter Jürgens verweist ebenso wie Banzer darauf, er habe erst nachträglich von der Renovierung erfahren und lediglich Folgen abgewickelt.
Die ursprüngliche Entscheidung zur 80 000 Mark teuren Renovierung des Sitzungszimmers während der Sommerferien 1990 hat Galuschka (damals noch CDU) unstrittig allein getroffen. Er ließ ohne Ausschreibung und am Kreisausschuß vorbei modernisieren. stk
Eine Besonderheit gab es im letzten Konzert der Reihe "Musikhochschulen zu Gast", die die Frankfurter Musikbibliothek gemeinsam mit der Frankfurter Sparkasse im "Forum" seit Jahren veranstaltet: Nur zwei der immerhin sieben aufgeführten Komponisten waren bekannt, will heißen: lexikalisch erfaßt. Es ist wohl der Verdienst des Tenors Markus Billen, der nebenher gewandt moderierte, daß das Publikum Liedzyklen wie "Galgenlieder nach Texten von Christian Morgenstern" in der Vertonung von Hermann Heiss oder die "Lyrische Suite für Gesang, Flöte und Harfe" Alexander Ecklebes kennenlernte. Es gastierten an diesem Abend Angehörige der Musikhochschule Detmold, Abteilung Münster.
Daneben widmete sich der Tenor, der den Hauptpart des Abends bestritt, ausgefallenen britischen Genres, so Benjamin Brittens "A birthday Hansel" und den "Old Irish Songs" Eugen Bozzas - beide keine Unbekannten.
Markus Billen, den teils die Harfenistin Tirza Seifert fingersensibel und teils die Flötistin Cordula Riedel mitatmend begleiteten, war seinem anspruchsvollen Repertoire nicht in allen stimmlichen Situationen gewachsen. Der 25jährige Billen, der seit 1987 in Düsseldorf und Münster Gesang studiert, verfügt einerseits über ansprechende Timbres der mittleren und tieferen Tenorlage. Anderseits wirken tenoral hell angelegte Spitzentöne ungenügend integriert. Da ist die Kontrolle über Technik und Tongestaltung und auch Rundung im Gesamtklang der Stimme vorläufig noch nicht von durchgreifendem Erfolg gekrönt.
Dagegen ist positiv zu notieren, daß der Sänger szenisches Geschick mitspielen läßt. Gestik und Mimik sind charmant. Billen singt und unterstreicht dabei Stimmungshaftes, Inhaltliches in entspannter, mild-suggestiver Haltung.
Begonnen hatte der Abend mit "Haru no Umi", einer Transkription japanischer Folklore. In der Besetzung durch Querflöte und Harfe ergab sich dabei eine stilisierte Klangschwebe in anregend alterierter, keineswegs asiatisch-fremd anmutender Akkordik. Dabei stand im Zentrum eine müd bewegte Flötenkantilene. Melodische Faszination und Sinnlichkeit im Ton ergaben ein abgerundetes Klangbild, so auch in Jonas Zdeneks "Mim" und in Akiko Kawanakas "Über den Wassern". ALEXANDER ULLMANN
Noch dieses Jahr kommen die Handwerker ins Holzhausenschlößchen Alles dreht
sich um
die Treppe
An Vergangenheit ist das über 270 Jahre alte Holzhausenschlößchen reich; nun läßt sich im Fall des ehemaligen Adelssitzes auch wieder von einer Zukunft sprechen. "Zu Goethes Geburtstag oder irgendeinem anderen sinnigen Datum im Sommer", so der Erste Administrator Günter Paul, wird die Mieterin "Bürgerstiftung" die Handwerker ins Haus holen. An die 2,5 Millionen Mark will man investieren - aber so, sagte Geschäftsführerin Christa Bietz am Donnerstag, "daß es das Schlößchen für alle bleibt".
Seit drei Jahren schon lebt das alte Gemäuer auf: nachmittags hieven Kinder ihre Dreirädchen durch die Tür, um oben bei Lilo Lakritze und ihren Geschichten zu sitzen. Abends lassen die Älteren bei Cembalo oder Violine, bei wohlgewogenen Worten oder auch Gesängen, mit dem durch die Wipfel der Parkbäume wehenden Winden die Gedanken fliegen.
Unerwarteten Zuspruch hat die betriebsame Christa Bietz dem Haus als einem Ort fast familiärer Geselligkeit verschafft. Und viele, die kamen, läßt es nicht mehr los: Neben zwölf "Additoren" versammelt die Bürgerstiftung inzwischen ein über 30 Köpfe starkes Kuratorium, dazu einen 950 Namen umfassenden "Freundeskreis", "und es werden täglich mehr".
Dies alles ist den leitenden Stiftungspersonen Verpflichtung: Trotz der von der Bauaufsicht verlangten Eingriffe, das ist versprochen, soll es im Schlößchen derer von Holzhausen "nicht so sein, daß die Leute plötzlich auf Zehenspitzen reinkommen".
Kern des Umbaus, der die äußere Haut unangetastet lassen wird, ist die Verlegung des Treppenhauses: Es wird von der östlichen Längsseite nach Norden an die Querseite gedreht. Dadurch wird der Veranstaltungsraum im ersten Stock doppelt (87 Quadratmeter) so groß.
Darunter, im Erdgeschoß, entsteht direkt hinter dem unverrückt bleibenden Eingang ein Foyer. Im zweiten Stock ermöglicht der Raumgewinn das Stellen einer Bibliothek, im Dach werden Probenräume gewonnen und ein Studio, "wo ein Künstler auch mal übernachten kann".
Seit langem diskutieren Bürger, Bürgerstiftung und Architekten (das Büro Wörner & Partner), wie man das Schlößchen teilweise entkernt und doch in seinem inwendigen Charme (der 50er Jahre) bewahrt.
Entschieden ist: Zwar muß die Treppe nach Brandschutzauflagen aus Beton sein, aber sie soll mit "warmem" Stein belegt werden. Zwar müssen neue Fenster ins Haus, aber es sollen solche aus Holz sein. Zwar muß man die Heizkörper ersetzen, aber sie werden sichtbar bleiben. Kein Messing kommt und kein Marmor und auch eine Klimaanlage will niemand mehr: "Das Quaken der Enten von draußen", sagte Administrator Günter Paul, "ist durchaus eine Kommentierung von Aussagekraft."
Was fehlt, ist vorerst die Baugenehmigung, doch ein Konsens mit den Ämtern sei da. Was weiter aussteht: ein Gutteil der Baukosten. Eine halbe Million Mark gibt die Stadt dazu, zehn Prozent der veranschlagten Summe hat ein ungenannt gebliebener Spender versprochen, 25 000 Mark schon die Polytechnische Gesellschaft überwiesen.
Es gibt aber, so Paul, "gute Gründe anzunehmen, daß wir das Geld zusammenbekommen". clau
Die Sprinter des LAZ Bruchköbel machten der hessischen Konkurrenz weider mächtig Dampf. Während der Hallenmeisterschaften in Kalbach waren die lilafarbenen Trikots stets vorne zu entdekken, wenn es um die schnellen Titel ging. Zu den Jugendlichen Gabi Becker und Jens Bormann, die bereits als "Schnellfüße" vom LAZ bekannt sind, gesellten sich noch neue Gesichter. So gewann Florian Gamper das 60-Meter-Finale (6,97 Sekunden) erstmals in lila, nachdem sich sein ehemaliger Verein, die LG Hanau, aufgelöst hatte. Über 200 Meter sorgte er zudem für eine Bronzemedaille (22,29 Sekunden). Den gleichen Wechsel vollzog Michael Henkel, Vierter über 60 Meter (7,03).Auch die Jugend bekam Verstärkung. Meike Pollaert, vergangene Saison ebenfalls noch für die LG Hanau unterwegs, bescherte im A-Jugendwettbewerb über 200 Meter (25,7) dem LAZ die Silbermedaille. Gemeinsam mit Gabi Becker, die als A-Jugenliche die 60-Meter der Frauen gewann (7,63), Birgit Heinke und Maren Hieronymus holte sie auch das Staffel-Gold nach Bruchköbel. Damit ist das "Sprinter-Kontingent" des LAZ noch nicht ausgeschöpft. Jens Bormann wurde bei der Jugend Dritter über 60 Meter (7,10) und Zweiter über 200 Meter (22,62), Jens Ritzert gewann auf der Hallenrunde (22,52). Die 4x200 Meter-Titel verbuchte der LAZ-Nachwuchs in 1:32,37 Minuten für sich. Eine Sprint-Medaille ging auch nach Friedberg-Fauerbach: Betina Schomber wurde bei den Frauen über 400 Meter Zweite (60,74). Zum LAZ zurückgekehrt ist Kerstin Stolt, mit 13,03 Metern Hessenmeisterin im Kugelstoß. "Ich trainiere seit einem Jahr Schüler in Bruchköbel, da war es naheliegend wieder für meinen Heimatverein zu starten", sagte die ehemalige Eintracht-Sportlerin.
Während der TV Gelnhausen bei Erwachsenen nur eine Bronze-Medaille durch Stabhochspringerin Tanja Ott (2,80 Meter) kassierte, konnten die Jugendlichen mit zufriedenen Gesichtern die Heimreise antreten. Der Konkurrenz weit überlegen gewann Jens Breuer den Dreisprung mit 14,08 Metern, obwohl er noch der B-Jugend angehört. Der gleichaltrige Vereinskamerad Anthony Viel machte der älteren Konkurrenz über 200 Meter Beine und wurde in 22,86 Sekunden Dritter. Seine Sprintqualitäten unterstrich der 16jährige mit einer Aufholjagt als Schlußläufer der TVG-Staffel, die dadurch noch Dritte wurde. Der Hochsprung ging an Helen Sanzenbacher (TVG), die 1,74 Meter überfloppte, Silber sicherten sich Sandra Satta vom SSC Hanau Rodenbach in 10:55,33 Minuten über 3000 Meter. Sabine Weyland bescherte den Gelnhäusern einen dritten Platz im Kugelstoß (11,65 Meter), ebenfalls Bronze bei den Jugendlichen holten Stabhochspringer Martin Imhof (TVG) mit überflogenen 3,70 Metern, Vincenzo Leanza (SSC) in 8:57,68 über 3000 Meter, Juliane Habermann (LAZ) mit 5,49 Metern im Weitsprung und Carolin Ochs (TVG) in 11:40,03 über 3000 Meter. ih
MAIN-KINZIG-KREIS. Zum Jahresausklang mußte die Feuerwehr alle Register ziehen, um die Brände im Main- Kinzig-Kreis einzudämmen. Aus der Statistik läßt sich ablesen, daß die Feuerwehr im Dezember allein fünf Großbrände zu bekämpfen hatte. Unter dem Strich beläuft sich die Schadenssumme auf insgesamt zehn Millionen Mark, im November waren es "nur" 634 550 Mark.
In statistischen Zahlen ausgedrückt sehen die Einsätze im 4. Quartal so aus: Brandsicherheitsdienst (130 Einsätze) und Auslaufen von Mineralölen (126 Fälle). Hilfe bei Verkehrsunfällen wurde 26mal geleistet. 24mal rückte die Feuerwehr wegen Wasserrohrbrüchen aus. Das Beseitigen von Verkehrshindernissen rief sie 16mal auf den Plan. Vier Wehrleute wurden bei Einsätzen verletzt. hok
LIEDERBACH. Der Wahlkampf ruft, und die Prominenten kommen: Carl-Dieter Spranger, CDU-Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, spricht am Freitag, 29. Januar, in der Liederbachhalle.
Seine Themen: Entwicklungshilfe, Asylproblem und Sicherheit der Bürger. Mit seiner Wahlkampfrede will er um 20 Uhr beginnen. ana
HOCHHEIM. Dem Appetit auf Rindswürste und zwei Flaschen Wein konnten unbekannte Täter am Dienstag abend nicht widerstehen, die in das Heim des Vereins für deutsche Schäferhunde eingestiegen waren.
Sie hatten zunächst einen hölzernen Rolladen aufgehebelt und waren dann mühelos ins Innere gelangt, weil die Fensterscheibe nach einem Einbruch vor zwei Wochen noch nicht repariert worden war. Der Schaden liege weit über dem Wert der verzehrten Lebensmittel, so die Polizei. set
STEINAU. Drei bewaffnete und maskierte Männer haben am Mittwochabend eine sechsköpfige Familie in ihrem Haus im Stadtteil Ulmbach überfallen. Die etwa 20 bis 25 Jahre alten Räuber erbeuteten Bargeld und Schmuck sowie ein Jagdgewehr.
Den 40jährigen Familienvater, seine Frau, die beiden Töchter, den Sohn und seine Mutter ketteten die Täter mit Handschellen an, ließen sie aber ansonsten unversehrt. Gegen 21 Uhr hatten die Räuber, die ihre Gesichter unter Pudelmützen mit Sehschlitzen verbargen, an der Tür geklingelt und waren von der arglosen Hausfrau eingelassen worden. Nach der Flucht der Täter dauerte es fast drei Stunden, bis eine Nachbarin die Hilferufe der Gefesselten hörte und die Polizei alarmierte (Weiterer Bericht auf der Hessen-Seite). lex
ESCHBORN. "Der Umwelt eine Chance" - unter diesem Motto lädt die Main- Taunus-CDU für Mittwoch, 27. Januar, 20 Uhr, in den kleinen Saal der Ratsschänke, Stadthalle, ein.
Moderatorin ist die umweltpolitische Sprecherin der CDU-Kreistagsfraktion, Hildegunde Henrich; auf dem Podium sind Bürgermeister Winfried Stephan, Frankfurts Ex-Sozialdezernent Manfred Sutter und Entsorgungsunternehmer Hans Jürgen Kilb. she
KASSEL. Für 16,5 Millionen Mark wird die Hessische Kulturstiftung einen weiteren Beuys-Block erwerben: Die seit 1976 in der Kasseler Neuen Galerie gezeigte Installation "Das Rudel" - bislang eine Leihgabe des Sammlerehepaars Barbara und Jost Herbig - bleibt den Staatlichen Museen in Kassel somit erhalten.
Die Kaufsumme für das Kunstwerk wird in Raten fällig: 3,5 Millionen Mark hat die Hessische Kulturstiftung nach eigenen Angaben bereits gezahlt, weitere vier Millionen werden folgen. Die Kulturstiftung der Länder stellt für den Ankauf fünf Millionen Mark zur Verfügung, den Rest hofft die hessische Stiftung durch Spenden aufbringen zu können. (ebo)
Tausende staunten, Dutzende protestierten beim Start am Kurhaus nach Monte Carlo Schnauferl stanken im Kurpark Rallye startete gestern Von Heitken Schwarzenau BAD HOMBURG. Die Oldies schnaufen ganz schön, als sie auf den Parkplatz neben dem Kaiser- Wilhelms-Bad rollen. Wolken aus den Auspuffanlagen steigen beißend in die Nasen, doch die Begeisterung läßt sich nicht bremsen. Alte Autos, die Karosserien auf Hochglanz gewienert, von Mercedes bis "Daffodil", geben sich ein Stelldichein, um die Rallye Monte Carlo um eine Attraktion reicher zu machen: Mehr als 50 stolze Besitzer von historischen Benzinkutschen haben ihre Autos angeworfen, um zur Sternfahrt nach Bad Homburg anzureisen. Selbst die Fahrt von Wien in den Taunus war nicht zu weit. Vor dem offiziellen Start der Rallye gestern abend um 18.19 Uhr wollten die Oldies demonstrieren, was sie noch unter der Haube haben. Gemeinsam ist allen Modellen, daß sie (oder wenigstens der gleiche Typ) bei einer Monte-Carlo-Rallye der Vergangenheit schon mitgemacht haben. Die Tour, zu der sie ab 13.30 Uhr starten, führte auf den Feldberg und - nach einer Geschicklichkeitsprüfung - zurück in die Kurstadt.
Einige der Fahrer haben selbst schon die "Monte" mitgemacht. Wie Gregor Weeser-Krell und seine Frau Hella, die 1959 und 1963 mit einem VW-Käfer starteten. Gestern brachten sie einen Fiat/ NSU 1100, Baujahr 1959, an den Start. Die beiden Mainzer sind Oldtimerfans und fahren zu möglichst vielen Treffen, "wenn sie nicht zu weit weg sind". Welchen Platz sie 1959 in Monte Carlo belegt haben? "Du liebe Zeit, weit im Feld - aber wir waren dabei."
Der offene BMW 319/1, Baujahr 1935, von Günter Behle aus Offenbach ist einer der ältesten unter den Oldies. "Er war praktisch Schrott, als ich ihn 1976 bekam. 500 Stunden habe ich daran rumgebaut", erzählt Behle: "Ich sage immer, die Leute sehen nur die Karosserie, nie die Arbeit, die drunterstreckt."
Als die alten Fahrzeuge vorm Kurhaus auf die Starterrampe fuhren, mußten einige ganz schön Schwung nehmen, ehe sie auf die Strecke gen Feldberg tuckerten oder düsten. Viele Zuschauer gab es mittags noch nicht, und manche zeigten sich eher irritiert. Meinte ein Kurgast: "Ich habe immer geglaubt, bei der Rallye Monte Carlo starten nur hochmoderne Wagen, diese schaffen das doch gar nicht bis ans Ziel."
Die modernen starteten auch, pünktlich, doch nicht ohne Hindernisse: Um 18.19 Uhr, als Oberbürgermeister Wolfgang Assmann die Startfahne für das Team von Armin Schwarz hob, stellten sich 30 junge Leute mit Transparenten vor die Abfahrtsrampe. Die Naturschutzjugend protestierte: "Wenn die Rallye weiter stinkt, der Wald ums Überleben ringt" und "Wie wir unser Auto lieben und darüber die Umwelt vergaßen" stand auf ihren Fahnen.
Die Demonstranten ließen zwar jedes Auto durchfahren und zogen sich nach 20 Minuten zurück, doch sie traf der Zorn von Tausenden von Auto-Fans. Die Fernsehkameras wandten sich einen Augenblick den Protestierern zu, während das Publikum weiter die rasanten Autos beklatschte, bis alle 26 Teams gestartet waren.
(Siehe auch Seite 2)
FLÖRSHEIM. Aus noch unbekannter Ursache kam eine 57jährige Autofahrerin am Dienstag nachmittag auf der Bundesstraße B 40 zwischen Wicker und Hochheim in Höhe der Mülldeponie nach rechts von der Fahrbahn ab. Sie rammte eine Leitpfosten und fuhr gegen eine betonierte Grabenüberführung, bevor sie mit dem Wagen zurück auf die Straße geschleudert wurde.
Wie die Polizei mitteilt, erlitt die Frau einen Schock und leichte Verletzungen, die im Krankenhaus behandelt wurden. Der Schaden beträgt rund 6000 Mark. set
ESCHBORN. "Die Csárdásfürstin" von Emmerich Kálmán führt das Operetten- Tournee-Theater Hannover am Sonntag, 24. Januar, 19.30 Uhr, in der Stadthalle auf. Das Verwirrspiel um die umworbene Chansonette Sylvia und ihren Geliebten Edwin, der wiederum einer Komtesse versprochen ist, endet glücklich. Karten gibt es bei Schreibwaren Kraft, Hauptstraße 34, und bei Schreibwaren Höhne, Steinbacher Straße 8. she
Kleine FR
Frauen über Frauenärzte MÖRFELDEN-WALLDORF. "Können Frauen den Frauenärzten und -ärztinnen trauen?" lautet die Frage am Dienstag, 26. Januar, im Frauentreff im "Goldenen Apfel". Referentinnen sind eine Gynäkologin und eine Studentin vom Feministischen Frauengesundheitszentrum Frankfurt; Beginn 20 Uhr. Nachtragsetat liegt aus MÖRFELDEN-WALLDORF. Die Satzung des 2. Nachtragsetats 1992 liegt von Montag, 25. Januar, bis Dienstag, 2. Februar, in den beiden Rathäusern aus. Blutspende-Termin MÖRFELDEN-WALLDORF. Um Blutspenden bittet am Mittwoch, 27. Januar, die Walldorfer Rot-Kreuz-Gruppe um 17 Uhr im DRK-Zentrum in der Waldstraße. Wehr zieht Bilanz MÖRFELDEN-WALLDORF. Zur Jahreshauptversammlung von Einsatzabteilung und Verein lädt die Freiwillige Feuerwehr Mörfelden für Freitag, 29. Januar, um 20 Uhr ins Gerätehaus ein. Sprechtag KELSTERBACH. Einen Sprechtag bietet die Integrierte Gesamtschule Kelsterbach am Mittwoch, 3. Februar, von 17 bis 20 Uhr an. Empfang RÜSSELSHEIM. Nach dem am Sonntag, 31. Januar, 14.11 Uhr, beginnenden karnevalistischen Umzug anläßlich des internationalen Gardetags des RCV lädt der Magistrat die Vertreter der Korporationen zu einem Umtrunk ein. Bürgerversammlung in Leeheim RIEDSTADT. Eine Bürgerversammlung im Ortsteil Leeheim hat der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Heinz Dörr, für Dienstag, 26. Januar, anberaumt; 20 Uhr, Gastststätte "Rheintal".
sp HANNOVER, 21. Januar. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hat am Donnerstag zwei Klagen gegen die erste Teilerrichtungsgenehmigung für die Konditionierungsanlage in Gorleben aus formalen Gründen zurückgewiesen. Nach Ansicht der Richter fehlte den Klägern - der Gemeinde Bad Bevensen und Privatleuten aus der Umgebung von Gorleben - die erforderliche Klagebefugnis.
In der Konditionierungsanlage sollen abgebrannte Brennstäbe aus Atomkraftwerken zerkleinert und für die Endlagerung verpackt werden. Beklagt ist das Land Niedersachsen als Genehmigungsbehörde. Obwohl sich die jetzt regierenden Sozialdemokraten und Grünen gegen das Projekt ausgesprochen haben, griff der Regierungsvertreter in der Gerichtsverhandlung die Argumente der Kläger nicht auf, die unter anderem geltend machten, daß trotz bindender EG-Vorschriften bisher keine Umweltverträglichkeitsprüfung stattgefunden habe.
Auch das Gericht begnügte sich mit den Darlegungen der Vertreter der Atomindustrie, daß von der Anlage keine über geltende Grenzwerte hinausgehende Strahlenbelastung zu befürchten sei (Az : 7 K 1/90 und 7 K 5/90).
Für 45 Millionen Peseta wird eine Käsefabrik im spanischen Toledo offeriert. Drei Seiten zuvor hat der aufmerksame Leser erfahren, daß eine "Frettchendame ein neues Zuhause sucht" - ohne Käfig, aber "schweren Herzens". Zu lesen sind derlei Annoncen in der Jubiläumsausgabe der Zweiten Hand. Dieser Tage wird die älteste deutsche Zeitung für kostenlose Kleinanzeigen zehn Jahre alt.
Die Rezession der frühen achtziger Jahre habe das Blatt salonfähig gemacht, erklärt Verleger Herbert Borrmann und schließt: "Wir sind abhängig vom Überfluß." Denn für einen schwungvollen Handel müssen Güter auf den Gebrauchtwarenmarkt gebracht werden, deren Lebensdauer noch einige Zeit anhält. Dementsprechend hätten sich anfängliche Ostphantasien als Flop herausgestellt: "Es gibt nicht genug zu verkaufen." Mit der Währungsunion stürzte die zuvor hohe Auflage zwischen Rostock und Suhl rapide ab - die Ableger wurden mittlerweile dichtgemacht.
Acht Seiten Miniangebote hatte Borrmann nebst Mitgründern anno 1983 von den Schwarzen Brettern der Berliner Uni zusammengeklaubt und zur ersten Nummer verarbeitet. Heute verweist der Geschäftsführer auf wöchentlich 120 000 verkaufte Exemplare. 60 000 Inserate werden darin gedruckt. Die Wochenendausgabe ist 80 Seiten stark - mehr sind drucktechnisch nicht möglich. Zur Firmengruppe zählen vier Töchter rund um die Zeitungsproduktion, 200 Beschäftigte setzten im letzten Jahr 20 Millionen Mark um. Mit 30 Prozent hat sich der Verlag des Tagesspiegels beteiligt.
Der Durchbruch hat bundesweit Nachahmer auf den Plan gerufen. 25 Titel - etwa das Inserat in Frankfurt - verkaufen inzwischen eine Gesamtauflage von einer Million Stück. Doch in der Hauptstadt lassen sich partout keine weiteren Käuferschichten mehr erschließen. Deshalb soll demnächst eine Novität das Geschäft ankurbeln: Sprachboxen. Gegen einen Obolus werden telefonische Nachfragen oder Angebote aufgenommen und können jederzeit abgerufen werden. wom
Um dem Nachwuchsmangel im Handwerk zu begegnen, hat sich der hessische Wirtschaftsminister Ernst Welteke (SPD) für eine "attraktive Gestaltung der Arbeitsbedingungen" ausgesprochen.
Um mehr Schulabgänger für eine Ausbildung in einem handwerklichen Betrieb zu gewinnen, genüge die langfristig angestrebte Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung nicht - das Land Hessen sucht diese mit einem Verordnungsentwurf zum Hochschulzugang für befähigte Berufstätige zu fördern. Vielmehr seien auch die Betriebe und Verbände gefordert, die Situation am Arbeitsplatz zu verbessern und berufliche Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen, sagte Welteke während des Neujahrstreffens der Handwerksfachverbände Hessen am Donnerstag abend in Frankfurt. Nach Angaben des Ministers waren im Ausbildungsjahr 1991 / 92 in Hessen 20 000 Ausbildungsplätze unbesetzt.
Die Auftragslage im hessischen Handwerk stellt sich nach Angabe des Präsidenten der Innungsverbände, Heinz Rautenberg, trotz der ungünstigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung "überwiegend positiv" dar. Jedoch habe es besonders in der Metallbranche, bei den Zulieferbetrieben und im Kfz-Handwerk Einbrüche gegeben.
Rautenberg zeigte sich optimistisch, daß das Handwerk in Hessen die konjunkturelle Flaute dank seiner Flexibilität "ohne größeren Schaden" überstehen werde.
Angesichts der ausländerfeindlichen Stimmung stellte der Verbandspräsident klar, "daß es im deutschen Handwerk keinen Fremdenhaß gibt". Man sei dankbar für die eingewanderten Facharbeiter. Nach Angaben Rautenbergs sind 13 Prozent der im Handwerk Beschäftigen Ausländer. Jeder zehnte Auszubildende habe einen fremden Paß. sar
Die drei neueingerichteten Buslinien im Frankfurter Norden finden bei den Nieder-Eschbachern grundsätzlich Zustimmung. Jedoch stört die schlechte Anbindung an die S 6. Der Ortsbeirat 15 fordert deshalb, daß der Fahrplan der Buslinie 27 geändert und ein direktes Umsteigen am Frankfurter Berg ermöglicht wird. Ein entsprechender Antrag der Grünen wurde einstimmig angenommen.
Nach dem jetzigen Fahrplan kommt der 27er aus Richtung Frankfurter Norden bis zu sechs Minuten nach Abfahrt der S-Bahn zum Hauptbahnhof an. Gleiches gilt für die Gegenrichtung. FVV- Kunden müssen mehr als fünfzehn Minuten auf den nächsten Zug warten. Auch an der Anna-Schmidt-Schule gibt es Probleme. Dort sind Kinder gezwungen, Busse vorbeifahren zu lassen, weil diese überfüllt sind.
Ferner beklagen vor allem ältere Fahrgäste, daß die Nummern der Busse schlecht zu erkennen und die Fahrpläne schlecht lesbar seien. Gert Wagner, SPD- Stadtverordneter, versprach, sich um die Angelegenheit zu kümmern. "Der FVV hat signalisiert, daß kurzfristig Änderungen möglich sind", sagte Wagner. jot (Siehe auch Meldung unten)
Kreisgrüne entdecken Sozialpolitik für sich Wahlziel: "Große Koalition möglichst klein halten" Von Ulrich Gehring MAIN-KINZIG-KREIS. Um Inhalte, nicht um Personen, behauptet Grünen-Fraktionsvorsitzender Peter Stahl, gehe es seiner Partei in der politschen Auseinandersetzung im Kreis. Bei einem Pressegspräch zählten die Kreis-Grünen am Mittwoch ihre Anträge zur letzten Kreistagssitzung der Wahlperiode als stellvertretend für ihre künftige Politik auf. Dann ging es doch noch um Personen. Vor allem präsentierten die Grünen ihren von Diplom-Sozialarbeiterin Ursule Conen geführten Listenvorschlag. Neben Ökoanträgen wie dem Verlangen nach einem /einer Radfahrbeauftragten oder sofortiger Kieselrot-Entsorgung stehen in der nächsten Kreistagssitzung Forderungen zu Sozialem und Menschenrechten an: Die Bundestagsabgeordneten sollten per Kreistags-Resolution aufgefordert werden, sich gegen die Bonner Sozialkürzungen zu stemmen.
Eine andere Resolution soll sich gegen die Vergewaltigungen in Bosnien aussprechen, und das Parlament solle etwas von der Aufwandsentschädigung an Hilfsgruppen spenden.
Das Soziale, so Kreistagsabgeordneter Horst Gunkel, werde bei den Grünen nächste Wahlperiode eine größere Rolle spiele als bisher. Hoffnungsträgerin in diesem Bereich scheint Ursule Conen zu sein, die allerdings gleich klärte, daß sie nicht vorhat, auf diesem Bereich die "Alleinunterhalterin" ihrer Fraktion zu sein. Das müsse nach Gunkels Einschätzung auch nicht befürchtet werden. Im Gegensatz zur alten Grünenfraktion seien unter den Kandidat(inn)en nun doch zahlreiche, die bei ihrer Vorstellung zeigten, daß ihnen soziale Themen ein besonderes Anliegen sind.
Zwar gebe es, präzisiert Stahl, in der alten Fraktion durchaus soziales Bewußtsein, doch habe es an dem Wissen gefehlt, entsprechende Schritte umzusetzen. Und das sei gerade angesichts des fortschreitenden Sozialabbaus vordringlich. Als Schwerpunkte nannte Ursule Conen, die seit einer Wahlperiode für die Grünen im Landes-Wohlfahrtsverband sitzt, ergänzende Beratungs- und Betreuungsangebote für sozial Schwache und etwa für psychisch Kranke.
Die Grünen sehen sich in diesem wie im künftigen Kreistag als die Oppositionspartei. Wenn sie ein erneutes rotgrünes Zusammengehen ausschlössen, so sei das keine Frage von Personen, sondern von deren politischem Handeln. Mehrfach wurde betont, daß mit den meisten sozialdemokratischen Abgeordneten gut auszukommen wäre.
Dem stehe allerdings der von Eyerkaufer, Pipa und Krätschmer ausgeübte "demokratische Zentralismus" entgegen, dem sich die SPD-Fraktion immer wieder gefügt habe.
Wahlziel der Grünen, so wurde betont, sei es, die sich nach ihrer Ansicht abzeichnende große Koalition möglichst klein zu halten. Auf die Journalistenfrage, ob denn bei entsprechender Sitzverteilung ein Modell "Schwarz-Grün" denkbar wäre, wollte Horst Gunkel ein "grundsätzliches Nachdenken" darüber nicht ausschließen.
Doch wurde in der Runde gleich klargestellt, daß es in der Müll-, der Energie-, der Asyl- und anderen Politiken sachliche "Trennungspunkte" gibt, die diese Option mehr als unwahrscheinlich machen. Vorrangige Aufgaben Grüner Politik sieht Vorstandsmitglied Karl-Heinz Herr im Widerstand gegen rechtes Vorrücken. Teilweise mache sich unter diesen Umständen, wie die Neugründungen in Freigericht und Rodenbach zeigten, in der Grünen Partei eine Aufbruchsstimmung breit wie vor 10 oder 15 Jahren. Von Leuten, die mit den Grünen bisher nur passiv sympathisierten, merkten viele, daß es nötig wird, sich zu engagieren.
Für die Ortsparlamente kandidieren die Grünen außer in Bad Soden-Salmünster überall dort wieder, wo sie bisher Gemeindevertreter(innen) haben. Neu kommen Freigericht und Brachttal hinzu.
Obwohl sämtliche ungeraden Positionen auf der Kreisliste nach dem Willen der Partei mit Frauen besetzt werden sollten, sind unter den 23 Namen nur 7 weibliche zu finden. Auch Grüne Frauen, hieß es entschuldigend, seien in unserer Gesellschaft mehrfach belastet. Immerhin entspreche der Kandidatinnenanteil auch dem Proporz unter den stark 230 Mitgliedern.
Kandidat(inn)en und Wahlprogramm werden auf der Kreis-Mitgliederversammlung am Dienstag, 9. Februar, ab 20 Uhr in der Reinhardskirche Hanau-Kesselstadt präsentiert.
ESCHBORN. Wer am Samstag, 30., oder Sonntag, 31. Januar, im Eschborner Wiesenbad seine Bahnen ziehen möchte, hat das Nachsehen. Oder er gehört zu den Schwimmern, die sich bei den 16. Eschborner Schwimmwettkämpfen messen. Wegen des sportlichen Vergleiches bleibt die Halle für den allgenmeinen Badebetrieb geschlossen. Wasserratten können sich am Dienstag, 2. Februar, wieder mit einem Sprung ins Naß fit halten. she
FRANKFURT A. M., 21. Januar (FR). Im Süden zeitweise Regen, in der Mitte einzelne Schauer, sagt das Wetteramt vorher. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen sieben und elf, die Tiefstwerte zwischen sechs und ein Grad. Weitere Aussichten: mild, sehr windig. (Siehe auch Lokalteil)
FRANKFURT A. M., 21. Januar. Die IG Chemie-Papier-Keramik und der Arbeitgeberverband Chemie wollen gemeinsam eine Stiftung gründen, um die Weiterbildung in der chemischen Industrie zu fördern. Die Vorsitzenden der beiden Organisationen, Hermann Rappe und Justus Mische, unterzeichneten am Donnerstag in Frankfurt ein entsprechendes Abkommen. Gewerkschaft und Arbeitgeber bringen jeweils vier Millionen Mark als Stiftungsvermögen ein. Nach Angaben der Arbeitgeber ist es das erste Mal, daß sich eine Gewerkschaft bereit findet, eine solche Einrichtung paritätisch mit den Arbeitgebern zu finanzieren.
Beide Parteien unterstrichen in Frankfurt den hohen Stellenwert von Weiterbildung. Gerade in der chemischen Industrie mit ihrer Verknüpfung von Chemie und Technik sei ein hohes Maß an Qualifikation der Arbeitnehmer gefragt.
Die Stiftung, die auch gemeinsam verwaltet wird, soll nach dem Willen der Gründer eine Dienstleistungsfunktion haben. Sie soll die Betriebe in Fragen der Weiterbildung unterstützen, Anregungen liefern und Konzepte entwickeln. Weiterbildung konkret zu vermitteln, gehört aber nicht zu ihren Aufgaben. Die Zuständigkeit der Betriebe für die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter bleibe unangetastet, hieß es.
Mische nannte die Stiftung einen "höchst ungewöhnlichen, aber konstruktiven Weg". Rappe sprach davon, daß auf dem eingeschlagenen Kurs der Sozialpartnerschaft zwischen beiden Organisationen "alles bestens" laufe. Um auf der Höhe der Zeit zu bleiben, müßten Gewerkschaften eine Reihe von Feldern besetzen, die über das in Tarifverträgen Übliche hinausgingen, sagte er.
Mische betonte, das Vorhaben laufe "außerhalb des Tarifgeschehens". In den Tarifverhandlungen sei das Thema Weiterbildung derzeit "nicht akut". Dort werde es im Herbst 1993 um Entgelt und neue Manteltarifabkommen gehen, hieß es von seiten der Arbeitgeber. Die Verankerung von Weiterbildung werde nicht zur Diskussion stehen.
BONN, 21. Januar (hll/dpa). Der Schalck-Untersuchungsausschuß des Bundestags will einen ehemaligen Mitarbeiter des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) zur Aussage zwingen. Am Donnerstag beantragte der Ausschuß einstimmig beim Bonner Amtsgericht, den 40jährigen Klaus Köhler in Beugehaft zu nehmen. Köhler, der zu Waffengeschäften der DDR befragt werden sollte, verweigerte die Auskunft und berief sich auf eine "Schweigeverpflichtung". Diese erkannte der Ausschuß aber nicht an.
Köhler war im MfS Führungsoffizier des Leiters der Handelsabteilung in der Firmengruppe Kommerzielle Koordinierung (KoKo), Dieter Uhlig. Vor dem Ausschuß gab Köhler an, nach dem Abitur habe er im Auftrag des MfS ein Fachstudium Außenhandel aufgenommen und sei sofort danach in eine Abwehrabteilung des MfS versetzt worden, wo er die Geschäfte und die Mitarbeiter der vom DDR-Staatssekretär Alexander Schalck- Golodkowski geleiteten KoKo-Firmen zu kontrollieren hatte, zuletzt als Major.
Über Einzelheiten seiner geheimdienstlichen Tätigkeit wollte Köhler aber nichts sagen. Seiner Meinung nach gilt die "Schweigeverpflichtung", die er seinerzeit im MfS abgegeben habe, bis heute fort. Ein Urteil des Berliner Kammergerichts habe dies bestätigt. Außerdem führte er eine entsprechende Erklärung des letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière (CDU) an.
Der Vorsitzende des Schalck-Ausschusses, Friedrich Vogel (CDU), bestritt das Fortgelten der Schweigepflicht für Stasi- Mitarbeiter und zitierte dazu eine Erklärung der Bundesregierung.
Der Bundesnachrichtendienst (BND) hatte in fünf KoKo-Firmen zum Teil hochangesiedelte Agenten. Das teilte der BND-Präsident Konrad Porzner dem Ausschuß mit, wie aus einem von der Abgeordneten Ingrid Köppe (Bündnis 90/ Grüne) veröffentlichten Schreiben hervorgeht. Dies sei der Beweis, daß der KoKo-Bereich "unter Kontrolle der westdeutschen Dienste" gearbeitet habe, sagte die Abgeordnete.
LANGEN. Im vergangenen Jahr sind in Langen 66 Kinder weniger auf die Welt gekommen als im Vorjahr. Das geht aus der Statistik des Standesamts hervor, das die Geburten im Dreieich-Krankenhaus beurkundet. Dort wurden 1992 insgesamt 891 Kinder geboren, 463 Jungen und 428 Mädchen. Darunter sind drei Zwillingspaare.
Von den neuen Erdenbürgern sind ein knappes Drittel Langener (genau 229; 1991: 264). Die Eltern der anderen Kinder, die in der Klinik geboren wurden, kamen aus den übrigen Kommunen des Kreises Offenbach - zum Beispiel Dreieich (208 Kinder) und Neu-Isenburg (86 Kinder) -, dem Kreis Groß-Gerau, dem Kreis Darmstadt-Dieburg und einige wenige auch von weiter weg. Die Statistik bestätigt, daß ausländische Paare kinderfreundlicher sind als deutsche. Ein knappes Viertel der Eltern - insgesamt 204, aus Langen 57 - hatte eine andere Staatsbürgerschaft. Das liegt weit über ihrem Anteil an der Bevölkerung. An der Spitze lagen die Türken (91 Kinder), gefolgt von den Jugoslawen (22) und Italienern (17).
Langens neue Bürger heißen Nadine, Jasmin, Alexander, Dennis und Daniel. Natürlich nicht alle, doch diese waren laut Standesamt die beliebtesten Vornamen im vergangenen Jahr. Dann folgen bei den Mädchen Lisa (Platz 2), Carolin, Julia, Laura, Katharina und Sabrina (Platz 3). Viele Jungen heißen Kevin, Jan und Florian (Platz 2), David, Tobias, Patrick, Michael, Christian und Dominik (Platz 3).
Fünf Kinder tragen nun vier oder mehr Vornamen, 28 drei und 299 zwei. Bei den übrigen 546 Mädchen und Jungen begnügten sich die Eltern mit einem Namen.
Vor dem Standesbeamten gaben sich in den vergangenen zwölf Monaten 191 Paare das Jawort, fünf mehr als 1991. Die meisten von ihnen waren vorher ledig. In 43 Fällen war ein Partner geschieden, in 16 Fällen beide.
Von den frisch vermählten Männern und Frauen waren 36 Ausländer/innen. Bei nur zwei Trauungen hatten beide einen nicht-deutschen Paß. Das heißt: In den meisten Fällen taten sich ein/e Deutsche/r und ein/e Ausländer/in zusammen.
Bei der Wahl des Familiennamens waren die Paare überwiegend konservativ. Von der neuen Möglichkeit, daß beide ihre Namen behalten können, machten nur elf Paare Gebrauch. Fünf Männer gaben ihren Namen auf und übernahmen den ihrer Frau. In 21 Fällen wählte eine/r der beiden einen Doppelnamen.
Im Laufe des Jahres starben 281 Langenerinnen und Langener, 1991 waren es zwölf Personen mehr. Daß das Standesamt sehr viel mehr Todesfälle, nämlich 571, beurkundete, hatte wiederum mit der Zuständigkeit für das Dreieich-Krankenhaus zu tun. dac
Der 1. Hanauer FC 1893 feiert als ältester hessischer Fußballverein seinen 100. Geburtstag. Mit der 1. Hanauer Fußball- Gala soll dieses Fest am Samstag und Sonntag in der August-Schärttner-Halle eingeläutet werden. Zum festlichen Teil sollen vor allem die Bundesliga-Teams von Eintracht Frankfurt, SV Werder Bremen und Dynamo Dresden sowie die europäische Spitzenmannschaft des FC Kopenhagen beitragen. Die ranghöchste türkische Mannschaft in Deutschland, Türkyemspor Berlin, die beiden benachbarten Landesliga-Spitzenklubs (und Zuschauermagneten) FC Bayern Alzenau und SV Bernbach sowie der Jubilar selbst komplettieren das Achter-Feld.
Der SV Werder Bremen und Dynamo Dresden werden am Samstag (12.45 Uhr) die Eröffnungspartie (gespielt wird jeweils 2 x 10 Minuten) bestreiten, Eintracht Frankfurt und Bayern Alzenau (16.38 Uhr) die acht Gruppenspiele am Samstag beschließen. Der Startschuß am Sonntag soll um 12.30 Uhr fallen, nach den Gruppenspielen folgen um 15.05 Uhr die beiden Halbfinals, um 16.19 das Spiel um Platz drei und gegen 16.56 Uhr das Finale. Dynamo Dresden, Werder Bremen, Türkyemspor Berlin und Hanau 93 buhlen in der Gruppe A, FC Kopenhagen, Eintracht Frankfurt, SV Bernbach und Bayern Alzenau in der Staffel B um den Sieg respektive insgesamt 17 000 Mark Preisgelder. Dem Sieger winken 10 000 Mark, den Nächstplazierten 5000 beziehungsweise 2000 Mark, der beste Torschütze bekommt 1000 Mark.
"Wir wollen die Fans begeistern und Eigenwerbung betreiben", verlangt Eintracht-Trainer Stepanovic. Bis auf Torwart Uli Stein - dafür soll der beim FC Hanau 93 großgewordene Gerald Schimek eine Chance erhalten -, Rudi Bommer und Edgar Schmitt wollen die Riederwälder in Topbesetzung antreten. "Hanau hat seit einigen Jahren keinen Ober- oder Bundesligafußball zu bieten, daher rechne ich mit einem starken Zuschauerinteresse", so Stepanovic. hdp
Das Paar ist in die Jahre gekommen und etabliert. Küsse, wie seinerzeit zwischen Adenauer und de Gaulle, wollen nicht mehr so recht in die Beziehungskiste der nüchternen neunziger Jahre zwischen Deutschen und Franzosen passen. Als ginge es um einen Gebrauchtwagen, beschwor man so im Bundestag in Bonn auch eher den Motor des deutsch- französischen Gefährts und konstatierte selbstbewußt, daß er nach wie vor zur Beförderung Europas geeignet sei. Und die zurückgelegten Kilometer betrachtete man mit mildem Stolz.
Daß sich die Partner ziemlich verändert haben, geht freilich weniger aufs Konto der letzten 30 als vielmehr der letzten drei Jahre. Der Fall der Mauer machte die Franzosen mit einem Schlag zu Nachbarn eines 80-Millionen-Volks, das alliierter Aufsicht entwachsen ist. Die "grande nation", früher eigensinnig und kapriziös auf den eigenen Weg pochend, sieht sich in eine tiefe Identitätskrise gestürzt und hat Mühe, ihren Standort im sich neu sortierenden Europa, das weiter nach Osten gerutscht ist, zu bestimmen. So folgt Paris gar, früher undenkbar, den Deutschen mit dem Euro-Korps ein Stück zurück in die NATO.
Die Großväter hätte solch "militärische Zusammenarbeit" noch sehr verblüfft, für die Enkel wäre Unterricht "Seit' an Seit'" attraktiver, denn noch immer hapert es bei aller franco-alemannischen Sympathie mit der Verständigung im jeweils anderen Idiom. Das Unbehagen über die hier wie dort herrschende Politklasse eint auch so. Trau keinem über 30, das stimmt deshalb eher für das Altherren- Duo Kohl-Mitterrand als für die rheinüberschreitende Freundschaft. Für die gilt "ça va s'arranger!" Auch ohne Jubelreden. bk
Puppentheater für Kinder "Der Baum, Ben und die Beule" heißt das Stück, das ein Frankfurter Puppentheater am Montag, 8. Februar, um 10 und um 15 Uhr in der Geschwister-Scholl- Schule in Klarenthal für Jungen und Mädchen ab sechs Jahren aufführen wird. Karten können telefonisch unter der Rufnummer 0 69 / 70 75 926 zurückgelegt werden. VBW-Kurse beginnen Das Volksbildungswerk Nordenstadt, Erbenheim und Delkenheim startet mit einem neuen Programm in das Frühjahrs- und Sommersemester, das bei der Geschäftsstelle des VBW im Hessenring 46 in Nordenstadt erhältlich ist. Zazou und die Sing-Boys Die musikalische Chronik von Jerome Savary "Zazou und die Swing-Boys" wird am Freitag, 29. Januar, um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Staatstheaters aufgeführt. Es spielen Mitglieder des Jugend- Club-Theaters.
OFFENBACH. Seit gut einem Jahr existiert in der Stadt ein Helferkreis, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Asylbewerbern deutschen Sprachunterricht zu erteilen, sie zu Ausflügen, Museumsbesuchen oder Kegelabenden einzuladen. Betreut werden Asylbewerber, die vom Erstaufnahmelager in Schwalbach aus in vier Quartieren in der Stadt untergebracht sind, und dort warten, bis ihre Asylanträge entschieden sind.
Der Helferkreis versucht diese Menschen, "die in Offenbach wie in einem Warteraum leben", aus Isolierung und Langeweile herauszuholen. Dafür sucht er Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zwei bis drei Stunden pro Woche in die Arbeit mit den Flüchtlingen investieren. Interessenten wenden sich an der Lauterborngemeinde, Telefon 83 46 31. pmü
Wegen versuchten Mordes an einer Prostituierten muß sich seit Donnerstag ein 43 Jahre alter Kaufmann und Schreiner vor der 21. Großen Strafkammer des Frankfurter Landgerichts verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Ende 1991 eine Frankfurterin, die als "Domina" in einer Wohnung in Bornheim arbeitete, gewürgt und schwer verletzt zu haben.
Laut Anklage besuchte der zum damaligen Zeitpunkt "herumjobbende" Kaufmann die 57 Jahre alte Frau am 30. Dezember 1991 gegen 17.30 Uhr nach telefonischer Verabredung. Gegen 20 Uhr verließ er die "Domina" wieder, nur um sich kurz darauf unter einem Vorwand wieder Zutritt in ihre Wohnung zu verschaffen. Unvermittelt warf er sie zu Boden, schlug und trat sie mehrfach. Anschließend nahm er einen Lederriemen, den er ihr um den Hals schlingen wollte, doch konnte die Frau ihn zerreißen. Daraufhin, so die Anklage weiter, nahm er eine Peitsche zur Hand und versuchte sie zu erwürgen. Gleichzeitig beschimpfte er die Frau "auf das übelste", wie es die Anklagebehörde formuliert hat, und zwang sie, "um ihr Leben zu betteln". Nur weil Nachbarn, die die lauten Schreie der Frau gehört hatten, ihr zu Hilfe eilten, sei die Tat nicht vollendet worden, meint der Staatsanwalt.
Da der Angeklagte zu den Vorwürfen keine Stellung nimmt, war es zunächst das Opfer dieses Anschlags, das mit seiner Schilderung der Ereignisse die Anklage im wesentlichen bestätigte. "Er lag mir von vornherein nicht", berichtete die Prostituierte der Kammer unter Vorsitz von Richterin Helga Schubert. "Er war nicht wie andere Gäste, und mir war klar, daß er sich mit was anderem beschäftigen mußte." Die zweistündige Behandlung mit ihm habe sich als "sehr, sehr schwierig" erwiesen. Anschließend habe der Mann, der "mir nie in die Augen geguckt hat", eine Flasche Sekt geleert. Ein böses Wort sei während der ganzen Zeit zwar nicht gefallen, dennoch sei ihr der Anruf eines Bekannten gegen 20 Uhr gerade recht gekommen, um den ihr unangenehmen Freier mit einem Hinweis auf die fortgeschrittene Stunde wieder loszuwerden.
Wie die Zeugin weiter berichtete, habe er nur wenige Minuten später erneut an der Tür geklingelt und nach seinem Pullover und seinem Schlüssel verlangt. "Und während ich noch suchte, hat er plötzlich mit einer ungeheuren Brutalität zugeschlagen und immer auf den Kopf gezielt." Er habe sie auf den Bauch geworfen, sich auf ihren Rücken gesetzt, sie geschlagen und zu erwürgen versucht und als "alte, geile Sau" beschimpft. Auch habe er wissen wollen, wo sie ihr Geld versteckt hielte, doch auf ihre Antwort gar nicht reagiert. Einmal habe er ihr ins Ohr geflüstert: "Ich liebe dich, aber ich werde dich trotzdem töten." Daß es dazu nicht kam, war nach Ansicht der Zeugin nur dem Eingreifen der Nachbarn zu danken.
Der Prozeß wird fortgesetzt. ee
OFFENBACH. Rund 1 200 Mark erbeutete ein Unbekannter in der Jet-Tankstelle an der Mühlheimer Straße. Wie die Polizei berichtet, kam am Mittwoch gegen 21.30 Uhr ein etwa 20 Jahre alter Mann in die Tankstelle und bedrohte den 21 Jahre alten Tankwart mit einer Pistole.
Nach dem Griff in die Kasse flüchtete der etwa 1,80 Meter große Räuber in Richtung Innenstadt. Die Polizei bittet Zeugen um Hinweise auf den Täter. Der junge Mann hat sehr kurze dunkelbraune Haare und dunkle Augen. Bekleidet war er mit blauer Hose und dunkelblauem Anorak. lz
SCHLÜCHTERN. Rund 40 000 Mark Sachschaden richteten am Donnerstag nachmittag Flammen in einem Wohnhaus in der Krämerstraße an. Menschen wurden dabei nicht verletzt.
Das Feuer entstand nach Angaben der Polizei gegen 13 Uhr, als ein überhitzter Ölofen die Holzwand eines Badezimmers in Brand setzte.
Das Bad brannte völlig aus, wodurch das Gebäude erheblich beschädigt wurde. Die Feuerwehr, so ein Behördensprecher, habe das Feuer jedoch rasch unter Kontrolle gebracht. tja
Stationäre Altenhilfe erhöht den Kostendruck Aufgabenverlagerung bringt Kreis in Bedrängnis Von Holger Klös MAIN-KINZIG-KREIS. Dem Kreis laufen die Kosten davon. War ihm zunächst eine Entlastung um 2,7 Millionen Mark im Sozialhilfebereich signalisiert worden, ergibt sich für dieses Jahr tatsächlich eine Mehrbelastung von mindestens 12,3 Millionen Mark. "Wir wurden schlicht und ergreifend gelinkt", kommentiert Finanzdezernent Erich Pipa die mißliche Lage. Da der Kreis für die unerwarteten Ausgaben keine Deckungsmittel mehr hat, muß nun für 1993 ein Nachtragshaushalt aufgestellt werden. Die Mehrbelastung resultiert aus der Übertragung der stationären Altenhilfe vom bisherigen Kostenträger Landeswohlfahrtsverband (LWV) auf die Landkreise und kreisfreien Städte. Die Neuregelung wurde zum 1. Januar wirksam. "Unter der Maßgabe einer Nettoentlastung von 2,7 Millionen Mark fiel uns die Zustimmung nicht schwer", sagt Pipa im Rückblick. Auch habe der Kreis zusammen mit dem Hessischen Landkreistag die Aufgabenübertragung begrüßt, weil so die Betreuung effektiver gestaltet werden könne.
Zum Jahresende hat der LWV nun seine Zahlungen an die Pflegeheime eingestellt. Einnahmen aus Renten und Familienunterstützung fließen dem Verband jedoch weiter zu. Pipa kritisiert nun, daß der Kreis "bis zur Stunde noch keine müde Mark" gesehen habe. Dem Finanzdezernenten zufolge sind jedoch die Träger der Pflegeheime beim Kreis erschienen, um Vorschüsse abzuholen, die sie bisher aus Kassel erhalten hätten. "Bis zur Stunde" sollen der Verwaltung auch noch nicht die Akten übergeben worden sein. Aus Kassel seien lediglich EDV-Listen übermittelt worden, die sich bei stichprobenartiger Überprüfung als "sehr lücken- und fehlerhaft herausgestellt" hätten. Vorläufige Nachberechnungen der Kämmerei haben nun ergeben, daß sich die Bruttokosten für die neue Aufgabe auf 51,5 Millionen Mark belaufen. Nach Abzug der Renten und Kostenbeiträge der Unterhaltspflichtigen in Höhe von 19,3 Millionen Mark verbleibe ein Nettoaufwand von 32,2 Millionen Mark beim Kreis - eine Differenz von 4,2 Millionen Mark zur Modellrechnung des LWV. Während das Land den Sozialhilfelastenausgleich verdopple, senke der LWV seine Umlage nicht in dem angekündigten Maß, stellt Pipa weiter fest. Statt einer Entlastung um 24,2 Millionen Mark sei jetzt nur noch mit 13,6 Millionen Mark für dieses Jahr zu rechnen. Das würde für den Main-Kinzig-Kreis eine Nettobelastung von mindestens 12,3 Millionen Mark ohne die Kosten für zusätzliches Personal bedeuten.
OFFENBACH. Schaden von weit über 20 000 Mark richtete ein Autofahrer im Dreieichring an. Wie die Polizei berichtet, kam ein 29jähriger mit seinem Wagen von der Fahrbahn ab und rammte zwei geparkte Wagen. Dabei wurden der Fahrer und auch sein Beifahrer leicht verletzt.
Der Unfallverursacher flüchtete, konnte aber von der Polizei nach kurzer Verfolgung gestellt werden. Weil der Fahrer angetrunken war, veranlaßten die Beamten eine Blutprobe und behielten den Führerschein ein. lz
Das Wetter
Wetterlage Der über Deutschland angelangte Tiefausläufer zieht bis Samstag früh über die Alpen. Auf seiner Rückseite wird vorübergehend nur wenig kühlere Meeresluft nach Mitteleuropa geführt. Vorhersage bis Samstag früh Im Süden anfangs noch aufgelockerte Bewölkung und trocken, im Tagesverlauf zunehmend stark bewölkt und Regen. In der Mitte zunächst bedeckt und Regen, später, wie bereits im Norden, Übergang zu wechselnder Bewölkung und einzelne Schauer. Höchsttemperaturen 7 bis 11, im Süden örtlich bis 13 Grad. Tiefstwerte 6 bis 1 Grad.
Mässiger bis frischer, im Norden starker bis stürmischer Wind aus Südwest bis West mit schweren Sturmböen. Wochenvorhersage Samstag: Im Alpenvorland anfangs noch Regen, sonst zunächst wechselnd wolkig und kaum Niederschläge, ab Mittag Eintrübung und nachfolgend Regen. Sehr mild.
Sonntag: Im Südwesten teils aufgelockerte, sonst starke Bewölkung und vor allem im Norden und Osten Regen. Noch wenig Temperaturänderung.
Montag / Dienstag: Wechselnde, vielfach starke Bewölkung mit einzelnen Regen-, Schnee- oder Graupelschauern. Temperaturrückgang.
Mittwoch / Donnerstag: Vor allem im Norden und Osten Deutschlands zeitweise Regen und sehr windig, sonst aufgelockerte bis stärkere Bewölkung und kaum Niederschlag, wieder milder.
Wetterdaten vom Vortag, 13 Uhr MEZ Ausland
Ort Wetter Grad
Algier
leicht bewölkt 16 Amsterdam
wolkig 10 Athen
leicht bewölkt 15 Barcelona
leicht bewölkt 12 Bordeaux
wolkig 13 Bozen
wolkenlos 7 Brüssel
wolkig 11 Dublin
stark bewölkt 12 Helsinki
stark bewölkt 3 Innsbruck
leicht bewölkt 9 Istanbul
stark bewölkt 5 Kairo
wolkig 17 Larnaka
leicht bewölkt 16 Las Palmas
leicht bewölkt 19 Lissabon
leicht bewölkt 11 London
bedeckt 11 Madrid
wolkenlos 8 Mallorca
leicht bewölkt 14 Moskau
bedeckt -1 Paris
stark bewölkt 12 Rom
leicht bewölkt 13 Stockholm
stark bewölkt 5 Tunis
wolkig 16 Warschau
wolkig 8 Wien
wolkig 12 Zürich
stark bewölkt 8
Deutschland
Berlin
leicht bewölkt 9 Dresden
bedeckt 10 Feldberg/Ts.
wolkig 5 Feldberg/Schw.
in Wolken 2 Frankfurt/M.
wolkig 12 Freiburg
stark bewölkt 11 Garmisch
leicht bewölkt 9 Hamburg
leicht bewölkt 8 Köln/Bonn
leicht bewölkt 12 München
wolkig 11 Norderney
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(Wenn die Grenzwerte nach der Smogverordnung überschritten werden, melden wir dies an gesonderter Stelle.)
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Kleine Beträge können sich mit der Zeit zu größeren Summen zusammenläppern. Dies sollten Verbraucher beherzigen, wenn sie lose Lebensmittel kaufen und der Ladeninhaber Papier, Becher oder Schalen mitwiegt. Diese verbreitete Geschäftspraxis verstieß zwar schon bisher gegen die guten Sitten und das Gebot von Preisklarheit und -wahrheit. Gleichwohl zeigten sich Behörden, so die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV), "allzu häufig" nicht bereit, gegen solche Praktiken vorzugehen.
Das sollte sich ändern. Seit dem Jahresbeginn enthält die Eichordnung neue Bestimmungen zum "Brutto-für- netto"-Verkauf. Danach (§ 10a) sind solche Geschäfte verboten; Verstöße können als Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld (§ 74) geahndet werden.
Angesichts der neuen Regeln rät die AgV allen Konsumenten, darauf zu achten, daß die Waage "auf Null" steht und Papier, Becher und Schalen nicht mitgewogen werden. Kunden sollten sich nicht scheuen, Unachtsamkeit oder Fehlverhalten zu reklamieren und "in besonders hartnäckigen Fällen" Anzeige zu erstatten. has
BAD VILBEL. Eine defekte Bezinleitung verursachte den Brand eines amerikanischen Personenwagens am Mittwoch um 6.50 Uhr in der Kasseler Straße. Es entstand Schaden von 3000 Mark.
OBER-MÖRLEN. Die Gemeindevertretung beschließt am Mittwoch, 27. Januar, um 20 Uhr im Rittersaal des Schlosses den Haushalt für das laufende Jahr sowie die Investitionsplanung.
Die FDP meldet sich außerdem mit einem Antrag zur Verkehrsregelung auf dem Maiberg zu Wort, die Freien Wähler beantragen eine Höchstparkzeit für die gemeindlichen Parkplätze an der Frankfurter Straße. Die CDU möchte wissen, was aus den Geldern für Ausgleichsmaßnahmen im Naturschutz geworden ist.
Damit das DRK eine Fahrzeughalle neben der Feuerwehr bauen kann, verkauft die Gemeinde noch 30 Quadratmeter Boden, damit die nötige Grundstücksgröße erreicht wird. de
Der Kanzler ist - schon wieder - da. War er neulich, wie an dieser Stel- le erwähnt, zum Feiern eines Manager-Geburtstags in einem Homburger Nobelhotel, ist er derzeit auf Arbeitsbesuch. Sein Einsatzort: ein Reisebüro in der Louisenstraße. Dort allerdings war er gestern schon wieder in die hintere Ecke verbannt, mit fast leeren Händen.
Vor ein paar Tagen war das noch anders. Da hielt er den neuen Katalog des Reise-Riesen in der Hand, so dokumentierend, daß das Druckwerk für die verehrte Kundschaft jetzt verfügbar ist.
Wir nehmen an, Kohl hat seine Aufgabe gut erledigt. Mag ihm das Kon- Kohls neuer Job zeptionelle auch weniger liegen, so etwas kann er. Ob er jetzt dahin zurück muß, wo er herkam, oder ob er noch ein bißchen in der Kurstadt bleiben kann - niemand weiß es derzeit. Und wenn er einst heimkehrt, geht es nicht nach Bonn, sondern nach Hannover; da sitzt nämlich die Zentrale des Reise-Riesen, deren Dekorationsabteilung die obenrum täuschend echte Kohl-Puppe hergeschickt hat.
Wir finden, wenn schon für einen Schnaps namens Fürst Bismarck mit dem Slogan "Der erste Kanzler, der hält, was er verspricht" geworben wird, dann ist dieser unser heutiger Kanzler in einem Reisebüro durchaus richtig am Platz. Also gar nicht knapp daneben.
P. S: Kohl ist nicht käuflich. tom
ROSBACH. Der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, spricht beim Neujahrsempfang der FDP des Wetteraukreises am Freitag, 29. Januar, um 19.30 Uhr in der Adolf-Reichwein-Halle. Anschließend spielt das V.S.O.P.-Jazz-Quartett.
Das früher in Holzschutzmitteln enthaltene Umweltgift PCP (Pentachlorphenol) ist auch nach einem Jahrzehnt nicht restlos "ausgegast" und kann zu gesundheitlichen Beschwerden führen. Diese Ansicht hat der Bochumer Professor Friedrich Selenka am Donnerstag im Frankfurter Holzschutzmittel-Prozeß vertreten. Zugleich wies er jedoch darauf hin, daß PCP-Belastungen nach Ablauf eines derartigen Zeitraums um ein Vielfaches (ein bis zwei Zehnerpotenzen) zurückgegangen seien.
Von der Firma Desowag-Bayer Holzschutz GmbH, deren Geschäftsführer sich vor der Umweltstrafkammer des Landgerichts verantworten müssen, waren dagegen andere Zahlen genannt worden. Wie das Unternehmen besorgten Verbrauchern mitteilte, die PCP-haltiges "Xyladekor" im Wohninnenbereich verwendet hatten, seien die bioziden Inhaltsstoffe in dem Holzschutzmittel bereits nach eineinhalb Jahren "ausgegast".
Vom Gericht um eine Stellungnahme gebeten, erklärte Selenka, dies sei "schlichtweg nicht möglich" und "naturwissenschaftlich nicht akzeptabel". Unter den Bedingungen eines normal bewohnten Hauses seien die Substanzen auch nach zehn Jahren noch feststellbar. In diesem Zusammenhang berief sich der Sachverständige auf Untersuchungen in Kölner Kindergärten, in deren Verlauf mit Holzschutzmitteln behandeltes Material in einer Versuchskammer montiert worden sei.
Fimeneigenen Angaben zufolge hat die Desowag in ihren Heimwerkerprodukten ab 1978 auf die Verwendung von PCP verzichtet. Ausschlaggebend dafür seien "Vorsorge- und marktpolitische Gründe" gewesen. Sieben Jahre später entschieden sich zu diesem Schritt sämtliche im Verband der Holzschutzmittelhersteller zusammengeschlossenen Unternehmen.
Erst 1989 erfolgte dann das PCP-Verbot durch die Bundesregierung, mit dem Hinweis, daß ein Zusammenhang zwischen PCP-Belastung und Gesundheitsbeschwerden wissenschaftlich nicht auszuschließen sei.
Anlaß für den erneuten Gerichtsauftritt des als Hauptgutachter beauftragten Selenka war am Donnerstag eine Korrektur. Hatte der Sachverständige im Fall der Familie L. anhand der in ihrem Haus gemessenen Werte zunächst gemeint, die von den Angehörigen vorgebrachten Gesundheitsbeschwerden seien sämtlich nicht auf PCP in Holzschutzmitteln zurückzuführen, kam er aufgrund neuer Messungen zu einem anderen Ergebnis. Danach müssen insbesondere die vom Dachgebälk des Hauses ausgehenden PCP-Belastungen als Ursache einiger Erkrankungen in Betracht gezogen werden.
Wie die Verteidigung an Selenkas Nachuntersuchung bemängelte, hätte er die Wohnung L. nicht nur auf PCP und Lindan untersuchen sollen. Mittlerweile gebe es "noch 400 andere Stoffe", die im Verdacht der Gesundheitsgefährdung stehen, meinte Rechtsanwalt Rainer Hamm. Dazu sagte Selenka, er habe keinen Grund gesehen, zum Beispiel eine Formaldehyd-Prüfung vorzunehmen. Die geschilderten Symptome hätten vielmehr für eine Intoxikation durch Holzschutzmittel gesprochen. Lepp
HANAU. Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes haben gestern nachmittag auf dem Gelände der Pionier-Kaserne in Wolfgang eine aus dem Zweiten Weltkrieg stammende amerikanische Zehn- Zentner-Bombe entschärft und beseitigt. Vor den Arbeiten wurden mehrere Kasernengebäude geräumt. Außerdem mußte die unmittelbar an der Kaserne vorbeiführende Bundesstraße 8 vorübergehend gesperrt werden.
Anhaltspunkte auf einen Sprengkörper im Boden hatten sich zuvor aufgrund einer Luftbild-Auswertung auf dem Parkplatz des Kasernengeländes ergeben. Bei Sondierungsarbeiten, die gestern vormittag von einer Spezialfirma und Experten des Kampfmittelräumdienstes vorgenommen wurden, hatte sich der Verdacht bestätigt. Nach einer vorausgegangenen Ortung mit Sonden und Bohrungen wurde dann in etwa zwei Meter Tiefe die Bombe gefunden. are
BAD VILBEL. Gelbe Mülltonnen werden ab Montag, 25. Januar, westlich der Main-Weser-Bahn und in den Stadtteilen Gronau und Massenheim ausgegeben. Die Behälter fassen je nach Größe der Hausmüllgefäße 120 oder 240 Liter und sind zur Aufnahme von Grüne-Punkt- Verpackungen gedacht.
Am Montag, 22. Februar, werden die Tonnen erstmals geleert, teilt die Stadtverwaltung mit.
Wer andere Gefäßgrößen wünscht oder lieber gelbe Säcke haben möchte, weil die Tonnen auf dem Grundstück nicht unterzubringen sind, kann dies unter der Telefonnummer 52 82 60 im Bauhof anmelden. hm
ROM, 21. Januar. Mario Moretti, ehemals führendes Mitglied der italienischen Terrororganisation Rote Brigaden, wird zumindest teilweise wieder seine Freiheit genießen können. Wegen der Entführung und Ermordung des christdemokratischen Politikers Aldo Moro sowie der Ermordung seiner Eskorte war der heute 46 Jahre alte Moretti 1981 zu einer mehrfach lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. An drei Tagen in der Woche soll er künftig außerhalb des Mailänder Gefängnisses, in der er seine Strafe verbüßt, anderen Strafgefangenen Computerunterricht erteilen.
Obwohl Moretti nicht zu den "reuigen" Terroristen gehört, die der Justiz durch ihre Mitarbeit dazu verhalfen, Straftaten aufzudecken, sind die zuständigen Richter von seiner "tiefen Wandlung" überzeugt. Zu keinem Zeitpunkt hatte sich der Brigadist ausdrücklich vom bewaffneten Kampf gegen die Italienische Republik losgesagt.
Während seiner Strafverbüßung studierte Moretti Informatik und andere technische Disziplinen und schrieb sogar Lehrbücher über Hardware. Mit offizieller Erlaubnis darf er nun 30 Mailänder Häftlingen Unterricht in Computerlehre erteilen. In Kürze soll sich die Zahl der Schüler noch verdoppeln. Eine staatliche Gesellschaft der Region Lombardei stellt Moretti und den anderen Strafgefangenen Räume und elektronisches Gerät zur Verfügung.
In der Vergangenheit hatte es wiederholt eine Protestwelle unter der Bevölkerung ausgelöst, wenn die Justiz verurteilten Terroristen Hafterleichterung oder Strafnachlaß gewährte. Trotzdem scheinen die Richter jetzt entschlossen, in Fällen von korrekter Führung auch bei politisch motivierten Tätern Milde walten zu lassen. Mitte dieser Woche hatte sich in Rom auch eine Gruppe von Parlamentariern für Nachsicht ausgesprochen. Der Christdemokrat Roberto Formigoni widersprach der oft gehörten Ansicht, auf diese Weise lasse es der Staat an der gebotenen Härte fehlen. Die von den Deputierten geforderten Straferleichterungen bemühten sich vielmehr über einen Ausgleich für jene Gefängnisstrafen, die als Folge der Sondergesetze übermäßig hoch ausgefallen seien.
BAD VILBEL. Zum Kegeln lädt die Jugendpflege Kinder und Jugendliche am Freitag, 5. Februar, ein. Saubere Turnschuhe sind mitzubringen. Die Teilnahme kostet zehn Mark. Treffpunkt ist 14.30 Uhr am Spieliglu an der Heinrich-Heine- Straße. Anmeldungen unter der Telefonnummer 602-312. hm
ESCHBORN. Beamte der Frankfurter Kriminalpolizei haben am Mittwoch einen per Haftbefehl gesuchten 24jährigen wohnsitz- und erwerbslosen Mann in Frankfurt festgenommen, der in der Nacht zum Montag in eine Eschborner Firma eingebrochen war. Das hatten Fingerabdrücke ergeben, die am Tatort gefunden wurden. Der Mann hatte bei dem Einbruch Geld mitgehen lassen.
Bei dem Festgenommenen wurden zudem Autoschlüssel entdeckt, die zu einem Fahrzeug gehörten, das eine Nacht später vom Gelände desselben Unternehmens entwendet worden war. Der Inhaber hatte den Diebstahl noch gar nicht bemerkt. set
ESCHBORN. FR-Leserin Bettina B. ist verärgert. Schon wieder klemmt ein Knöllchen hinter dem Scheibenwischer. Das passiert ihr öfter, wenn sie ihren Wagen auf den Park & Ride-Platz am S-Bahnhof Eschborn Süd stellt. Ungefähr 20 Parkplätze zählte die junge Frau, auf denen Autos nur vier Stunden stehen dürfen. Die 200 restlichen Plätze auf dem Parkdeck sind für Pendler vorgesehen und zeitlich unbegrenzt. Doch wenn Bettina B. mit ihrem Wagen zweimal in der Woche auf den Platz am Rand des Gewerbegebietes rollt, um mit der S-Bahn zur Arbeit nach Frankfurt zu fahren, sind nur noch die Vier-Stunden-Plätze frei.
Mittags schauten dann Eschborner Hilfspolizistinnen vorbei und schrieben Strafzettel, so der Eindruck von Bettina B.
"Das ist ein Unding", schimpft die junge Frau. "Schließlich zahlen die FVV-Kunden doch solche Plätze mit. Jetzt wurde ich innerhalb eines Monates zum zweiten Mal aufgeschrieben." Nach ihren Erfahrungen parken Angestellte der Deutschen Bank früh morgens die kostbaren Pendler-Plätze zu, weil sie nicht in die hauseigene Tiefgarage fahren wollen. "Ich habe schon überlegt, ob ich die Rechnungen für die Strafzettel in Höhe von 60 Mark an die Deutsche Bank schicke", sagt Bettina B. Und sie schlägt vor: "Die Stadt soll doch morgens um sieben Uhr mal Hilfspolizisten dort hinstellen."
Michael Bauer (FDP), zuständiger Eschborner Ordnungsdezernent, hält das für unpraktikabel. "Wenn die Leute morgens parken, müßte man denen nachgehen, um zu gucken, wo sie hingehen." Abgesehen davon, daß die Stadt nur vier Hilfspolizisten beschäftigt, die im Schichtdienst das gesamte Stadtgebiet betreuen, bringe es auch "wenig, wenn sich ein Hilfspolizist mit einem Parkenden anlegt und ihm nachgeht." Das Problem als solches ist dem Ersten Stadtrat wohlbekannt. Schließlich wendeten sich immer wieder verärgerte Bürger an die Stadtverwaltung und drängten auf Abhilfe. "Wir haben immer wieder mit der Deutschen Bank telefoniert und sind auch schriftlich vorstellig geworden, damit die Mitarbeiter in die Tiefgarage und nicht ins Parkdeck fahren," sagt Bauer. Und: "Uns ärgert das auch. Es hat ja schließlich auch Geld gekostet." Andererseits beschwichtigt er, es sei natürlich eine Behauptung, daß die Mitarbeiter der Deutschen Bank das Parkdeck vollstellten. Der Ordnungsdezernent verspricht dennoch: "Wir werden noch einmal intervenieren bei der Deutschen Bank." she
BAD VILBEL. "Was passiert mit unserem Geld?" - darüber informiert der hessische Vorsitzende des Bundes der Steuerzahler, Paul Morell, am Mittwoch, 27. Januar, um 19.30 Uhr im Kurhaus in einer Veranstaltung des Deutschen Frauenrings.Arzt operiert am Videoschirm Kreiskrankenhaus setzt seit einem Jahr auf "invasive Chirurgie"
USINGEN. Weniger Schmerzen, kürzerer Aufenthalt für die Patienten im Krankenhaus - hoffnungsvolle Prognosen stellte die Belegschaft des Usinger Kreiskrankenhauses im Januar 1992, als das neue Operationsgerät anrollte: das Instrumentarium für "minimale invasive (eingreifende) Chirurgie". Heute, ein Jahr später, zieht Klinikleiter Ralph Börner Bilanz: "Wir sind sehr zufrieden mit der neuen Technik."
50 000 Mark kostete seinerzeit das Gerät, das die Arbeitsweise der Chirurgen revolutionierte und im Hochtaunuskreis bis heute einmalig ist. Chefarzt Wulf-Dieter Oehler und Oberarzt Heinz Humpert können seitdem im Bauchraum des Patienten operieren, ohne größere Schnitte mit dem Skalpell machen zu müssen. Es genügen drei bis vier Einstiche als Kanäle für die Arbeitsgeräte und für eine Kamera, die alles auf den Bildschirm überträgt. Die Ärzte müssen folglich während der Arbeit nicht mehr das Operationsfeld im Auge haben, sondern den Fernseher. Alles wird auf Video aufgenommen und anschließend archiviert.
Unter der Bauchdecke tun derweil die kleinen Scheren und Klammern ihren Dienst, die der Chirurg von außen steuert. Auf diese Weise entfernt er beispielsweise den Blinddarm oder operiert an der Galle. Zwar dauert der Eingriff etwas länger als mit der herkömmlichen Skalpell-Methode, aber wegen der wesentlich kleineren Operationswunden spürt der Patient weniger und kann früher wieder nach Hause gehen. "Nach einer Blinddarmoperation mußte man früher zwei Wochen im Krankenhaus bleiben", vergleicht Ralph Börner. "Heute dauert es nur noch acht Tage."
Zudem kämen die Operierten schneller wieder zu Bewußtsein und seien früher mobil. Die neue Technik sei zwar für das Krankenhaus aufwendiger, etwa bei der Wartung, sagt Börner, "aber das rechnet sich". Besonders für die Volkswirtschaft sieht er einen Vorteil in der veränderten Methode: Das Gesundheitswesen spart an der kürzeren Verweildauer in der Klinik - und die Patienten sind schneller wieder an der Arbeit.
Der Klinikchef ist sicher: "Der Trend geht weiter neuen Operationsmethoden. Wir erwarten noch so manches davon." Chefarzt Oehler sorgt bereits vor: Er ist zur Zeit auf einem Fortbildungslehrgang für minimale invasive Chirurgie. ill
BAD VILBEL. Das Versorgungsamt Gießen kündigt einen Sprechtag an für Donnerstag, 28. Januar, von 13 bis 17 Uhr in der Stadtverwaltung, Parkstraße 14, und gleichzeitig im Altenheim Heilsberg Pestalozzistraße 10.
Dort werden nicht nur die Heimbewohner beraten über Fragen zum Schwerbehindertenrecht und über die Kriegsopferversorgung sowie zum Erziehungsgeld des Bundes. hm
Querfeldein
Gerald-Klose-Wanderpokal In der Sporthalle an der Limes-Schule veranstalet die TSG Pfaffenwiesbach am Samstag, 23. Januar, ab 10 Uhr das Soma- Hallenfußballturnier um den Gerald-Klose-Wanderpokal.Judo-Bezirksmeisterschaften In der Mehrzweckhalle in Wernborn ermitteln die Judokas des Bezirks West am Samstag, 23. Januar, ab 14 Uhr ihre Einzelmeister. Drei Hallenfußballturniere In der Sporthalle der Gesamtschule Stierstadt veranstaltet die JSG Oberursel am Wochenende drei Hallenfußballturniere. (Sa., 23. Januar, 10 Uhr: F-Jugend, So., 9 Uhr: F-Jugend-Schnupperturnier, 14 Uhr: A-Jugend) "Jugendarbeit im Verein" Die Jugendwartin des Tenniskreises Hochtaunus, Gertrude Neumann, referiert am Sa., 23. Januar (TP Rosbach, 10 Uhr) über "Jugendarbeit im Verein". gst
Ungewißheit lastet auf Kriftels Unionschristen. Der Mann, der stets ihr Vorbild war, fehlt. Wird er vor der Wahl aus der U-Haft in Höchst entlassen? Hat er getan, was nicht sein darf? Unter dem Druck solcher Fragen präsentiert sich die Union nach außen geschlossen, pocht trotzig auf der Unschuldsvermutung. Die Sympathie für den 54 Jahre alten Börs, das hat nicht nur ein großer Solidaritätsmarsch im November gezeigt, ist ungebrochen.
Auf Kreisebene dagegen distanzieren sich die Parteifreunde allmählich vom inhaftierten Zugpferd des Gemeindeverbands: Für die jüngste Erklärung der CDU Kriftel, gespickt mit Beschimpfungen der Staatsanwaltschaft, gab es keine Unterstützung. Hochgezogene Augenbrauen statt der Nibelungentreue.
Überhaupt: Seit im vergangenen Frühjahr Stück für Stück der Fall Peter M. ans Tageslicht gekommen war, schmeckt im politischen Biotop "Obstgarten des Vordertaunus" keine Erdbeere mehr. Mit 17 gegenüber acht Sitzen von SPD, drei der Freien Wählergemeinschaft (FWG) und zwei der Grünen hatte die CDU auch in dieser Legislaturperiode wie eh und je das Sagen. Sie drückte allen Projekten ihren Stempel auf. Und der Bürgermeister sowie Erster Beigeordneter Paul Dünte (CDU), seinerseits im Fall Peter M. im Kreuzfeuer der Kritik, verwirklichten Beschlüsse im Geiste ihrer Parteifreunde.
Zwar haben alle Skandale wenig am zur Schau gestellten Selbstbewußtsein der Union kratzen können; aber seit ihnen der Karton um die Ohren fliegt, fühlen Kriftels Christdemokraten ihre Verwaltungsspitzen gedemütigt, einer ungerechten Jagd ausgesetzt - und auch sich selbst. Die Affären haben, wie es Börs- Vertreter Dünte formulierte, Wunden gerissen und Narben hinterlassen. Sparte das Oppositions-Trio bei der Affäre M. kaum mit Kritik an der "falschen Solidarität" der CDU mit der Verwaltungsspitze, hält es sich im Fall Börs zurück. "Ein in Untersuchungshaft sitzender Mann", sagt SPD-Fraktionsvorsitzende Ruth Zeitler, "ist kein Thema". Das meint auch der Fraktionschef der Grünen, Ingo Mehling - obwohl er Aufklärung fordert. Nur Wolfgang Gerecht, Spitzenkandidat der FWG und Lieblingsfeind der CDU, hält sich kaum zurück. Der "Krifteler Filz" schade dem Ansehen der Demokratie. Für ihn sind Dünte und Börs faule Äpfel, die abgewählt werden müßten. Es sei nur in Kriftel möglich, daß ein U-Häftling unter dem Jubel seiner Anhänger zum Spitzenkandidaten gekürt werde. Ruth Zeitler findet das immerhin "peinlich".
Angesichts des Dramas um Börs, das die CDU im Parlament am liebsten totschweigen will, aber stets präsent ist, fällt es schwer, zum Alltag zurückzukehren - leer der Stuhl vorne links, auf dem der Rathauschef thronte. Da werden Debatten um harmlose Themen gallebitter, entladen sich die Wut der Mehrheit über die angebliche Häme der Opposition und der Zorn von SPD, FWG und Grünen über die fehlende Selbstkritik der Union in gegenseitigen Beschimpfungen. Obwohl Kindergartenplätze und Nahverkehr verglichen mit Bestechung und Unterschlagung eher farblos sind, werden auch sie diskutiert. Und in den vergangenen vier Jahren ist einiges geschehen, resümiert Dünte. Der Grüne Mehling formuliert das anders. "Man kann nicht sagen, daß die CDU überhaupt nichts tut, sie braucht nur ewig lange dazu."
Zur Erfolgsbilanz à la Dünte gehört die Neugestaltung des Ortsmittelpunkts. Auch der Ausbau der Schwarzbachhallen-Technik für 1,7 Millionen Mark zählt dazu - im nächsten Bauabschnitt sollen Restaurant und Foyer erneuert, später die Hallen erweitert werden. Und im Baugebiet In den Reden "werden Wohnungen für 150 Menschen geschaffen". Auch das kommunale Wohngeld, dem sozialen Wohnungsbau nach Ansicht des Ersten Beigeordneten überlegen, sei eine Krifteler Spezialität der guten Sorte. Und die flächendeckende Verkehrsberuhigung im Westen und Nordosten "ist keine Verkehrsverlagerung, sondern wirklich eine Verlangsamung". Einige Projekte "sind unvollendet, aber auf den Weg gebracht": die Erweiterung der Lindenschule nebst Kinderhort und das Seniorenwohnhaus an der Karlsbader Straße. Und für die Zukunft seien das Haus des Kindes, Erweiterung des Friedhofs, Fortsetzung der Schwarzbachhallen-Sanierung, Parkbad- Modernisierung oder Erschließung des Mischgebietes Mönchhof II vorrangig.
Grundsätzlich, meint Dünte, würden die Dinge richtig gemacht in Kriftel. Das unterschreibt der CDU-Fraktionschef. Insgesamt, meint Dillmann, überzeuge die Leistung der Union. Sein Wahlziel ist allen Affären zum Trotz erneut die absolute Mehrheit. Eine Koalition kann er sich nur theoretisch vorstellen.
Obwohl sie befürchtet, daß "Alteingesessene noch zur CDU halten", meint Ruth Zeitler indessen: "Ein Wechsel ist fällig." Ob Begrünung, Zisternen, "ganz egal" - die Umweltpolitik liege im argen. Aufgrund ihrer Minderheitenrolle habe die SPD nur Kleinigkeiten durchsetzen können. Der Kinderhort, "eine uralte Forderung von uns", sei ein typisches Beispiel für die langsame Einsicht der CDU. Und für Baugebiete müsse es ökologische und soziale Vorgaben geben. Auch Jugend- und Seniorenpolitik sind Zeitler wichtig. Ihr Wunsch, mehr für den Personennahverkehr zu tun, wird von den Grünen unterstützt. "Kriftel hat da keine Mark zuviel investiert", sagt sie. Die momentane Mehrheit sei schwer zu überzeugen. Mehling spricht von "Cliquen, die in der Ortspolitik dominieren".
Die CDU-Herrschaft brechen, das ist auch brennender Wunsch des Freien Wählers Gerecht. Daß er stets den Finger in die Wunden lege, habe die FWG beliebt gemacht. Ob sich am Wahlergebnis von vor vier Jahren - die CDU bekam 52, die SPD 26, die FDP nur 4,98, die FWG 10,4 und die Grünen 7 Prozent der Stimmen - viel ändert, wird der 7. März zeigen. Und ob die FDP die Fünf-Prozent-Hürde wieder überspringen kann, fünfte Kraft wird. Wahlbeteiligung 1989: 82,3 Prozent.
Kriftel ist für Überraschungen gut. Eine Freilassung oder ein Geständnis des CDU-Spitzenkandidaten könnte die Karten neu mischen. Noch gilt allerdings, wie Dünte sagt: "Niemand hat jemals so viel für Kriftel geleistet wie Herr Börs."
Die "letzte Chance" bleibt
Der bosnische Bürgerkrieg ist in eine neue politische Phase getreten. Die Entscheidung der bosnischen Serben, Bosnien-Herzegowina als gemeinsames Haus der drei Völker - Muslime, Serben und Kroaten - formal zu akzeptieren und damit zunächst den Anspruch auf einen eigenen Staat im Staate aufzugeben, läßt dem Frieden zunächst noch eine Chance. Zumindest scheint fürs erste die Gefahr gebannt, daß sich der Bürgerkrieg zum internationalen Balkankrieg ausweitet. Auf der zeitweise vor dem Scheitern stehenden Friedenskonferenz in Genf, die Cyrus Vance und David Owen zur "letzten Chance" erklärt hatten, kann weiterverhandelt und um eine politische Lösung des blutigen Konfliktes weitergerungen werden.
Der Weg bis zu einer Lösung ist noch lang. Außer der schwierigen Verabschiedung einer Verfassung, für die in Genf nur ein Rahmen geschaffen worden ist, der in Sarajewo noch mit Inhalt gefüllt werden muß, bleibt die Aufteilung des Landes zentrales Streitobjekt. Die Grenzen der in Genf vorgezeichneten zehn Provinzen, von denen jeweils drei von den drei Völkern zur autonomen Wahrnehmung ihrer ethnischen Rechte zugeteilt werden sollen, sind nicht nur heftig umstritten, sondern weiterhin umkämpft. (Sarajewo soll entmilitarisiert und neutralisiert werden.) Zufrieden zeigen sich bestenfalls die Kroaten, die in Zentralbosnien um Travnik eine Provinz zugesprochen erhielten, in der sie eine äußerst knappe Mehrheit haben.
In und um diese Provinz sind blutige Kämpfe ausgebrochen, nachdem die Kroaten die Unterstellung aller muslimischen Einheiten unter ihr Oberkommando oder deren Rückzug aus den kroatischen Provinzen gefordert haben. Für die Muslime steht fest, daß hier auf der Grundlage der Genfer Pläne bereits vollendete Tatsachen zu ihren Ungunsten geschaffen werden sollen. Sie fühlen sich als zahlenmäßig stärkste Gruppe (44 Prozent) am stärksten benachteiligt. Die Serben, die etwa ein Drittel der Bevölkerung in Bosnien-Herzegowina stellen und etwa 43 Prozent des Landes zugeteilt bekommen sollen, sind gleichfalls enttäuscht. Müßten sie doch etwa ein Viertel der eroberten Gebiete herausgeben. Eine "Frage auf Leben und Tod" ist aber für sie die vom Genfer Plan vorgesehene Unterbrechung ihres in der Save-Ebene militärisch erkämpften Korridors. Die Rückgabe der Provinz um Bosanski Brod an die Kroaten würde die wichtige Landverbindung zwischen dem serbischen Mutterland und der bosnischen Serbenprovinz um Banja Luka sowie zur angrenzenden serbisch besiedelten Krajina in Kroatien unterbrechen. So wie sich der Friedensplan gegenwärtig darstellt, werden weder die Muslime noch die Serben bereit sein, die Genfer Kröte zu schlucken. Korrekturen werden beide deshalb noch in Genf zu erhandeln und auf dem bosnischen Kriegsschauplatz zu erkämpfen versuchen. Offen bleibt bestenfalls die Frage der dabei angewandten Mittel. Die Ankündigung der Serben, die künftigen Provinzgrenzen durch ein Referendum neu ziehen und legitimieren zu wollen, böte einen Ansatz für die Einstellung des Bürgerkrieges. Die Muslime werden sich aber kaum darauf einlassen, solange nicht der bevölkerungspolitische Status quo wiederhergestellt ist und Kriegsflüchtlinge und Vertriebene wieder zurückgekehrt sind.
Angesichts der Hunderttausende von Flüchtlingen und Vertriebenen und der großflächigen Zerstörungen erscheint eine Wiederherstellung der alten Bevölkerungsstrukturen schon allein aus praktischen Erwägungen nur schwer realisierbar. Hinzu kommt noch eine prinzipielle Überlegung: Nach all den Brutalitäten, deren sich alle Bürgerkriegsparteien - wenn auch in unterschiedlichem Umfang - im Verlauf der Auseinandersetzungen schuldig gemacht haben, ist es kaum vorstellbar, daß Serben und Muslime künftig noch zusammenleben können. So gesehen, erscheint die Idee einer klaren Trennung der verfeindeten Völker realistischer als das Festhalten an der Fiktion eines Zusammenlebens.
Nicht nur in diesem Licht betrachtet wird der nunmehr gesicherte Fortgang der Verhandlungen in Genf noch lange nicht die Garantie einer politischen Lösung oder gar das Ende des Bürgerkriegs bedeuten. In Genf wird man noch lange um bessere Ergebnisse feilschen und sich dabei gegenseitig den Schwarzen Peter für das Nichtzustandekommen einer umfassenden Lösung zuschieben. Es wäre schon ein Gewinn, wenn wenigstens ein Waffenstillstand zustandekäme. Leider gibt es auch hierbei genügend schlechte Erfahrungen, die Skepsis geboten erscheinen lassen.
ROSBACH. Die Arbeitsgruppe "Öffentliche Verkehrsmittel/Schülerbeförderung" der Interessengemeinschaft Rosbacher Eltern trifft sich am Mittwoch, 27. Januar, um 20 Uhr in der Adolf-Reichwein-Halle. Dazu sind alle Eltern eingeladen. Es geht vorrangig um die Verbesserung der Schulbussituation nach Bad Nauheim. Der Stammtisch der Interessengemeinschaft findet am Mittwoch, 3. Februar, um 20 Uhr in den Junker-Stuben in der Adolf-Reichwein-Halle statt.
Wie die Interessengemeinschaft weiter mitteilt, ist in der Krabbelstube Ober- Rosbach ab 1. Februar der Platz für ein Kind von etwa zwei Jahren frei. Interessierte wenden sich an Christa Schmidtke, Telefon 0 60 03 / 16 40. hm
HOFHEIM. "Durch puren Zufall", so Kriposprecher Wolfgang Strauß, kamen Polizeibeamte einem Fall von Mietwucher auf die Spur. Die Ermittlungen führten jetzt zu einem Hofheimer Ehepaar, das in einer umgebauten Lagerhalle vier Wohnungen und weitere Räume vermietet und die monatliche Zahlung pro Person abrechnet. Das ist laut Strauß nicht nur ein unübliches Verfahren. Die zwei langten mit Quadratmeterpreisen zwischen umgerechnet 35 und 64 Mark auch ordentlich hin.
Üblich seien in der Kreisstadt rund 12,50 Mark, erklärte Strauß. Das habe man anhand eines Faltblattes zur Fehlbelegungsabgabe errechnet; einen Mietspiegel gibt es für Hofheim nicht. Die Bewohner hätten zudem keine schriftlichen Mietverträge gehabt. Weil unklar ist, ob die Nutzungsänderung der Lagerhalle baurechtlich beantragt und genehmigt wurde, hat die Kripo zudem vorsorglich das Kreisbauamt eingeschaltet.
Strauß wollte aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen, wo sich die Wohnungen befinden. Kreisbauamtsleiter Gernot Kaup ist jedoch derzeit nur ein Fall aus Wallau bekannt. Dort hatte die Baukontrolle Ende des vergangenen Jahres illegal begonnene Umbauten an einer Halle entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt hätten jedoch keine Personen darin gewohnt. Seine Mitarbeiter hätten darum lediglich Baupläne nachgefordert. Grundsätzlich könnten Verstöße dieser Art gegen das Baurecht auch nur mit einem Bußgeld geahndet werden.
Sollten jetzt Mieter wegen gravierender baulicher Mängel ausziehen müssen, müßten sie solange woanders untergebracht werden, erläuterte Kripochef Strauß das Vorgehen. Dafür habe im Zweifelsfalle das Sozialamt zu sorgen. set
Pariser Börsenkreise sind sich einig: Die Fusion des Mode- und Luxusartikel- Herstellers Yves Saint-Laurent (YSL) mit der Pharma- und Kosmetik-Filiale Sanofi des staatlichen Erdölkonzerns Elf Aquitaine ist für beide Seiten ein Traumgeschäft. Mit der Transaktion, die über einen Tausch von fünf YSL-Aktien für vier Elf-Sanofi-Anteile vollzogen wird, winke den Aktionären des renommierten Pariser Modehauses und Produzenten von Parfums und Accessoires ein Aufschlag von 27 Prozent auf den zuletzt notierten Börsenkurs, was praktisch eine Rückkehr zu der Notierung bedeutet, zu der YSL 1989 an der Börse eingeführt wurde.
Und in der Tat: YSL schnellten allein gestern bis mittags um 139 auf 769 Francs hoch. Sanofi hingegen knickten um rund zehn Prozent auf 927 Francs ein.
Bei der Fusion werden 3,5 Millionen neue Elf-Sanofi-Aktien an die bisherigen YSL-Aktionäre gehen. Knapp die Hälfte davon sind für den Modeschöpfer Yves Saint-Laurent und dessen Manager Pierre Bergé reserviert, die das Kapital ihrer Gruppe derzeit noch zu rund 45 Prozent kontrollieren. Während die Kosmetik- Filiale von YSL vollständig von Sanofi geschluckt wird, erhalten Saint-Laurent und Bergé am Haute-Couture-Zweig von YSL eine Minderheitsbeteiligung von zehn Prozent verbunden mit der Zusicherung der alleinigen Zuständigkeit für die Führung des Modegeschäfts.
Die Sanofi-Gruppe, die schon Prestigemarken der Luxusbranche wie Yves Rocher, Roger & Gallet, Stern (Oscar de la Renta) Van Cleef & Arpels beherrscht und bei Nina Ricci engagiert ist, rückt durch den Zusammenschluß mit YSL zu einem Umsatzriesen von 5,7 Milliarden Francs (etwa 1,7 Milliarden Mark) auf und ist damit nach L'Oréal und Estée Lauder drittgrößter Hersteller von Parfums und Kosmetika. Mit dem Neuling unter ihrem Dach erwirbt Elf-Sanofi jedoch vor allem eine Marke, von dem sich das Unternehmen Impulse für die Ausweitung seines Geschäfts mit Duftwässern, Seifen und Pudern verspricht. "Uns fehlte bisher ein großer Name", erklärt Elf-Präsident Le Floch-Prigent, "das bringt uns nun die Allianz mit Yves Saint-Laurent ein." YSL-Manager Bergé äußert sich vor allem zufrieden darüber, daß der Erwerber die Einheit des Hauses Yves Saint-Laurent erhalten wolle.
Über ein Jahr hatte Bergé nach einem geeigneten Partner für YSL Ausschau gehalten und dabei manche seiner Vorstellungen zurückschrauben müssen. Denn wie auch die anderen großen Häuser der Luxusbranche ist auch Yves Saint-Laurent von der Krise nicht verschont geblieben. Auf traditionellen Märkten wie den USA oder Japan schrumpften die Geschäfte. Die Abwertungen von Lira, Pesete und Pfund Sterling brachten hohe unerwartete Währungsverluste ein. Hinzu kommen die wachsenden Schwierigkeiten in der Haute Couture. Hauptursache der Probleme von YSL ist jedoch die Einbuße im Geschäft mit Parfums und Kosmetika. Auf diese Sparte entfallen 80 Prozent des Gesamtumsatzes von drei Milliarden Francs. Die langfristigen Verbindlichkeiten wurden Ende 1991 mit 1,5 Milliarden Francs angegeben. Für 1992 rechnet YSL mit einer Halbierung des Gewinns auf etwa 110 Millionen.
Parfums und Accessoires sind für die Modehäuser längst zum Hauptgeschäftszweig geworden. Während Duftwässer und Designerartikel für prestigesüchtige Kunden 1991 über zwölf Milliarden Francs in die Kassen der Couturiers spülten, brachte die Luxusschneiderei gerade mal 300 Millionen ein. Ohne Parfums und Accessoires könnten sich die Modehäuser die kostspieligen Kleider-Kollektionen kaum noch leisten. Denn die Haute Couture ist für die meisten zum Verlustgeschäft geworden. Waren es in den fünfziger Jahren noch 300 000 Kundinnen, für die Pariser Häuser schneiderten, sind es jetzt allenfalls noch einige wenige tausend, die den Preis für ein Modellkleid bezahlen können.
Noch halten die Modefirmen an diesem Luxus als unersetzlicher Imagepflege fest. Doch Pierre Bergé sieht bereits das Ende der Haute Couture voraus - "mangels Akteuren, die noch in der Lage sind, sich dafür zu schlagen".
Der Wettbewerb in der Parfum- und Kosmetikbranche ist in den vergangenen Jahren jedoch immer schärfer geworden. Das zwang manche der renommierten Pariser Häuser zum Abschied von liebgewordenen Traditionen. Statt der kreativen Designer haben heute immer mehr die großen Kapitalgeber das Sagen, wie jüngst erst Jean-Louis Scherrer erfahren mußte, als ihn die Aktionäre des von ihm gegründeten Hauses von einem Tag auf den anderen feuerten. Saint-Laurent und Bergé haben dergleichen nicht zu befürchten. Doch da beide ohne Erben sind, ist es lediglich eine Frage der Zeit, wann YSL nur noch von knapp kalkulierenden Managern geführt wird.
HANS-HAGEN BREMER (Paris)
WIESBADEN. Ein Mann aus Kuwait ist am Mittwoch morgen beim Frühstück im Speisesaal eines Hotels Opfer eines Trickdiebstahles geworden. Nach Angaben eines Polizeisprechers verwickelte ein etwa 30 Jahre alter Mann den Gast in ein Gespräch. Unterdessen durchsuchte die Komplizin des Trickdiebes die Winterjacke des Kuwaitis und fand in einer Tasche ein Kuvert mit 20 000 Mark Bargeld. Kurz darauf verließ das Duo unerkannt das Hotel. schu
gra WIESBADEN, 21. Januar. Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) hat im Streit mit seinem hessischen Kollegen Joschka Fischer (Grüne) um das Plutonium-Brennelementewerk in Hanau erneut zum Instrument der Weisung gegriffen. Während Fischer am Donnerstag ein Rechtsgutachten vorlegte, das die 5. Teilgenehmigung für die Herstellung von Mischoxid-Brennstäben als "teilweise, möglicherweise aber auch vollständig rechtswidrig" einstufte, erließ Töpfer eine 29 Errichtungsschritte betreffende Weisung an den hessischen Minister. Dieser habe 1992 von 80 Anträgen nur vier entschieden, monierte Töpfer. Fischer solle zur "zügigen Abwicklung des weiteren Verfahrens genehmigungskonforme Verfahrensgrundsätze zugrunde legen" und die Arbeiten nicht weiter "aus Gründen eines politisch motivierten, ausstiegsorientierten Gesetzesvollzuges" herauszögern. Töpfer kündigte "monatliche bundesaufsichtliche Gespräche" und eine Beteiligung seines Ministeriums an den "monatlich durchzuführenden Statusgesprächen" über das Werk an.
(Weiterer Bericht auf der Hessen-Seite)
Glückskasten
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(Ohne Gewähr)
Washington ist eine Stadt, die gewöhnlich nicht aus sich herausgeht. William Jefferson Clinton hat dies - zumindest für ein paar Tage - geändert. Denn wo sonst nur gesund gejoggt und puristisch über Politik diskutiert wird, wurde in dieser Woche gefressen und gefeiert. Die Amtseinführung des US-amerikanischen Präsidenten ist das wichtigste säkulare Datum im Kalender des Landes. Doch die Vereidigung und Verehrung Bill Clintons nahm am Mittwoch oft religiöse Züge an.
An Clinton und seine Kraft glaubten an diesem Tage alle, die morgens zum Gottesdienst, mittags zum Eid oder abends zu den zahlreichen Parties erschienen waren. Hier wurde, da waren sich die Touristen aus Arkansas mit den Stars aus Hollywood einig, Geschichte geschrieben. Sprache und Symbolik dieser ersten wirklich post- modernen Präsidentschaft waren mit mythischen, saisonalen und religiösen Metaphern nur so gespickt: der von den Wählern "erzwungene Frühling", die von Clinton beschworene "Jahreszeit des Dienens" für das Vaterland.
"Wir haben die Fanfare gehört. Wir haben die Wache gewechselt. Und nun - jeder auf seine Weise und mit Gottes Hilfe - müssen wir dem Ruf antworten", so schließt Clinton seinen ersten Appell an die Nation, sich selbst zu erneuern. Die New York Times sieht hinter dem 42. US-Präsidenten "einen Sonnenaufgang der Hoffnung", während George Bush mit seinem "Marine"-Helikopter wie eine verblassende Fata Morgana am Horizont verschwindet.
Allerorten wird schon die "Clinton- Ära" eingeleitet, ein Beiwort, das Ronald Reagan erst nach zwei Amtszeiten erreichte. Vor dem Kapitol, wo sonst nur politische Phrasen gedroschen werden, legt man am 20. Januar 1993 Wert auf Poesie: "Hier, mit dem Puls des neuen Tages . . . laßt es uns nur aussprechen. Ganz einfach. Mit Hoffnung - Guten Morgen", so die Inaugurations- Dichterin Maya Angelou in Anspielung auf Reagans heuchlerischen Slogan vom "Good Morning, America!"
Bei der Amtseinführung Clintons wurde nicht nur ein neuer Präsident bejubelt und die Rückkehr der Demokratischen Partei an die Macht begrüßt. Mit Clintons Einzug ins Weiße Haus feiert eine ganze Generation ihr politisches Erwachsenwerden. Etwas spät, auf Umwegen und vom eigenen Erfolg überrascht, sind die "baby boomer" mit Billy Boy jetzt doch noch bis zu ihren vorgesehenen Positionen der Verantwortlichkeit vorgedrungen. Jetzt steht ein Mann an der Spitze der Nation, der, statt nach Vietnam zu gehen, lieber Dylan-Songs gehört hatte. Die USA haben einen Präsidenten, der am Morgen in der schwarzen Kirche um die Ecke Gospel singen geht und abends mit Bruce Springsteens alter E-Street-Band Saxophon spielt. Es ist die erste signifikante politische Figur der US-Politik, die Homosexuellen gegenüber keine Berührungsängste hat. Dies alles mag man noch gar nicht richtig fassen.
Bill Clinton im Weißen Haus repräsentiert für viele nach zwölf republikanischen Jahren ein längst nicht mehr erhofftes "Coming Out": sei es aus dem selbstgewählten Exil des Unpolitischen, der unbefriedigenden Diaspora des Zynismus oder der akzeptierten Verbannung in die Randgruppenexistenz.
Denn das waren alles neue Gesichter, die sich schon Stunden vor der Parade entlang der Pennsylvania Avenue aufgestellt hatten: Präsidentschafts-Touristen aus Tennessee und Montana, denen Washington bisher so fern und fremd war wie Bagdad oder Bonn. Schwarze Familien aus Anacostia, die den Südosten Washingtons sonst nie verlassen. Und weiße Mittelklässler aus den Vorstädten, denen die Golfkriegsparade noch zu vulgär gewesen war. Selbst Republikaner ließen sich von dem Enthusiasmus für die Zeitenwende anstecken. Bill Clinton ist zu Beginn seiner Amstzeit mit einer Popularitätsrate von 70 Prozent weitaus beliebter als am Tag seiner Wahl.
Der beängstigende Glaube an Clinton und die Ungläubigkeit über das eigene Vorrücken an die Macht prägten denn auch die Bälle, Galas und Parties bis früh in den Donnerstag morgen.
Viel Enthusiasmus und ein wenig Angst, Euphorie und die langsam dämmernde Einsicht, daß es mit der Realisierung der schönen, neuen demokratischen Welt nicht so einfach sein wird - nirgendwo wurde diese Spannung deutlicher als auf dem ersten Amtseinführungs-Ball der Schwulen und Lesben. Natürlich wurden auch hier die politischen Schwierigkeiten des Präsidenten bei der geplanten Öffnung der US- Streitkräfte für Homosexuelle erkannt. Aber noch herrschte eine Aufbruchstimmung wie seit den aidsfreien Anfängen der Schwulenbewegung nicht mehr. Oder, wie es das Lesben-Kabarett formulierte: "Wir waren zwölf Jahre lang depressiv - und haben's nicht mal gemerkt, ehe wir heute unsere Psychiater einfach in die Wüste geschickt habe". ROLF PAASCH (Washington)
Genua, La Coruna, Shetland-Inseln, Straße von Malakka. Haven, Aegan Sea, Braer, Maersk Navigator. April 1991, Dezember 1992, Januar 1993 und nochmal Januar 1993. Natürlich gibt es den Effekt, daß die Journalisten, Leser und Zuschauer beim nächsten Mal genauer hinschauen, wenn es ihnen beim letzten Mal unter die Haut ging. Daß jetzt in immer kürzerer Folge schon wieder eine der fahrenden ökologischen Zeitbomben der Weltmeere scharfgemacht wurde, zeigt aber doch mehr: Mit Betroffenheit und empört ausgestoßenen Forderungen nach mehr Sicherheit im Ölgeschäft alleine ist überhaupt nichts auszurichten. Handeln tut not.
Diesmal hat es bei praktisch ruhiger See einen fast nagelneuen Tanker (Baujahr 1989) erwischt, keinen alten Seelenverkäufer wie vor den Shetland-Inseln. Das zeigt, wie falsch es ist, einfach auf die Modernisierung der Tankerflotten durch die normale Erneuerung zu setzen. Es gibt sicherere Tanker-Konzepte, nur muß die Weltgemeinschaft wirklich durchsetzen, daß nur sie noch gebaut werden. Höchste Zeit wird es wohl auch, von den Megatankern Abschied zu nehmen, die das Katastrophenrisiko mit ihren Riesenladungen vergrößern, und von den programmierten Abenteuerunternehmen unter Billigflagge.
Vierhundert Frachter und Tanker fahren täglich durch die Straße von Malakka, die an manchen Stellen eng wie ein Nadelöhr ist. Das Meerwasser in der 420 Seemeilen langen Wasserstraße, die das Südchinesische Meer auf kürzestem Weg mit dem Indischen Ozean verbindet, wird immer mehr mit Öl verseucht - im Normalbetrieb. Das Normale ist schon die Katastrophe. Was bitte ist dann die Katastrophe? jw
Am Samstag, 30. Januar, treffen sich die Betriebssportgruppen der Städte und Gemeinden des Kreises Offenbach in der Schulturnhalle der Heinrich-Mann-Schule in Dietzenbach, um im Rahmen eines Hallenfußballturniers ihre Meister zu ermitteln. Die Gruppenspiele beginnen um 9.30 Uhr, die Spiele um die Plätze eins bis vier um 14.45 Uhr. prd
OBERURSEL. Den Rekord stellte 1992 ein Fahrzeug in der Homburger Landstraße auf: Statt wie erlaubt mit Tempo 50 brauste es mit exakt 106 Sachen über die Straße. Dem Fahrer blüht nun nicht nur ein saftiges Bußgeld, er wird zudem in der Flensburger Verkehrssünderkartei mit einigen (Minus-)Punkten belastet werden.
Zwischen Januar und Dezember gingen der städtischen Radarkontrolle 2624 Autos in die Fänge, die zu schnell auf Oberursels Straße unterwegs waren. So listet es die Jahresbilanz der Straßenverkehrsbehörde auf. 249 von ihnen fuhren mehr als 21 Stundenkilometer zu schnell und bekamen deshalb eine Anzeige vom Regierunsgpräsidium in Kassel zugeschickt.
Äußerst rücksichtslos verhielt sich auch ein Fahrer oder eine Fahrerin in der Oberen Hainstraße. In dem verkehrsberuhigten Bereich, der eigentlich nur im Schrittempo durchfahren werden darf, wurde das Auto mit Tempo 50 vom Radar erfaßt. Im Gattenhöfer Weg, wo 30 km/h erlaubt sind, wurde der Spitzenreiter mit 70 Stundenkilometern erwischt.
Wer bis zu zehn Stundenkilometern zu schnell fährt, muß ein Verwarnungsgeld von 20 Mark zahlen. Zwischen elf und 15 Stundenkilometer Überschreitung kosten 40 Mark, 16 bis 20 Stundenkilometer 60 Mark. Ab 21 gibt's dann zusätzlich noch Punkte in Flensburg. Die Gelder bekommen teils die Stadt, teils das Land Hessen. esi
Die Affäre um das Aufklärungsflugzeug Lapas erinnert verdächtig an ein anderes skandalträchtiges Flugzeugprojekt des Militärs: den Jäger 90. Ihre wohl bedeutendste Gemeinsamkeit: Sie sind teuer und überflüssig. Trotzdem hält die Bundesregierung verbissen an beiden Vorhaben fest, weil sie sich durch Verträge mit den Partnerstaaten gebunden fühlt. In beiden Fällen kann sie aber die Vertragstreue um beinahe jeden Preis teuer zu stehen kommen.
Der Begründungsnotstand der Koalition, warum die Bundeswehr unbedingt das mit Großbritannien, Spanien und Italien gemeinsam entwickelte neue Jagdflugzeug braucht, setzt sich in eklatanter Weise bei dem Höhenflugzeug Lapas fort. Das einzig nachvollziehbare Argument für die Beschaffung des Höhenaufklärungsflugzeuges ist der mit dem Vertragspartner USA angestrebte Austausch von Daten und Technologie. Ob sich dieser Wunsch in der erhofften Weise erfüllt, ist zumindest fraglich. Eine Investition von drei Milliarden Mark und mehr rechtfertigt das nicht.
Hinzu kommen die von Lapas-Befürwortern abwiegelnd "Unregelmäßigkeiten" genannten Bestechungsvorwürfe gegen die am Bau des Flugzeuges beteiligten Unternehmen - vom Filz in der Rüstungsabteilung des Bundesverteidigungsministeriums ganz zu schweigen. Um eine Fortsetzung der dubiosen Geschäfte und eine neuerliche gigantische Fehlkalkulation wie beim Jäger 90 zu verhindern, gibt es nur eine Möglichkeit: Das Lapas-System zu beerdigen, und zwar sofort. rei (Bonn)
Das Wetter
Wetterlage Der über Deutschland angelangte Tiefausläufer zieht bis Samstag früh über die Alpen nach Süden ab. Auf seiner Rückseite wird vorübergehend nur wenig kühlere Meeresluft nach Mitteleuropa geführt. Vorhersage bis Samstag früh Im Süden anfangs noch aufgelockerte Bewölkung und trocken, im Tagesverlauf zunehmend stark bewölkt und zeitweise Regen. In der Mitte zunächst bedeckt und Regen, später, wie bereits im Norden, Übergang zu wechselnder Bewölkung und einzelne Schauer.
Höchsttemperaturen 7 bis 11, im Süden örtlich bis 13 Grad. Tiefstwerte 6 bis 1 Grad.
Mässiger bis frischer, im Norden starker bis stürmischer Wind aus Südwest bis West mit schweren Sturmböen. Wochenvorhersage Samstag: Im Alpenvorland anfangs noch Regen, sonst zunächst wechselnd wolkig und kaum Niederschläge, ab Mittag Eintrübung und nachfolgend Regen. Sehr mild.
Sonntag: Im Südwesten teilweise aufgelockerte, sonst starke Bewölkung und vor allem im Norden und Osten zeitweise Regen. Noch wenig Temperaturänderung. Montag bis Dienstag: Wechselnde, vielfach starke Bewölkung mit einzelnen Regen-, Schnee- oder Graupelschauern. Temperaturrückgang.
Mittwoch bis Donnerstag: Vor allem im Norden und Osten Deutschlands zeitweise Regen und stark windig, sonst teils aufgelockerte, teils stärkere Bewölkung und kaum Niederschlag, wieder milder. Wetterdaten vom Vortag, 13 Uhr MEZ Ausland Ort Wetter Grad
Algier
leicht bewölkt 16 Amsterdam
wolkig 10 Athen
leicht bewölkt 15 Barcelona
leicht bewölkt 12 Bordeaux
wolkig 13 Bozen
wolkenlos 7 Brüssel
wolkig 11 Dublin
stark bewölkt 12 Helsinki
stark bewölkt 3 Innsbruck
leicht bewölkt 9 Istanbul
stark bewölkt 5 Kairo
wolkig 17 Larnaka
leicht bewölkt 16 Las Palmas
leicht bewölkt 19 Lissabon
leicht bewölkt 11 Locarno
leicht bewölkt 7 London
bedeckt 11 Madrid
wolkenlos 8 Malaga
leicht bewölkt 16 Mallorca
leicht bewölkt 14 Moskau
bedeckt -1 Neapel
leicht bewölkt 13 Nizza
leicht bewölkt 14 Paris
stark bewölkt 12 Rom
leicht bewölkt 13 St. Petersburg
Schneefall 1 Stockholm
stark bewölkt 5 Tunis
wolkig 16 Varna
leicht bewölkt 11 Venedig
Nebel 2 Warschau
wolkig 8 Wien
wolkig 12 Zürich
stark bewölkt 8
Deutschland
Berlin
leicht bewölkt 9 Dresden
bedeckt 10 Feldberg/Ts.
wolkig 5
Feldberg/Schw.
in Wolken 2
Frankfurt/M.
wolkig 12
Freiburg
stark bewölkt 11
Garmisch
leicht bewölkt 9 Hamburg
leicht bewölkt 8 Köln/Bonn
leicht bewölkt 12 Leipzig
bedeckt 10 München
wolkig 11
Norderney
leicht bewölkt 7 Rostock
wolkig 6 Sylt
wolkig 7 Zugspitze
leicht bewölkt -5
Telefonansagedienste Wettervorhersage 11 64 Reisewettervorhersage 1 16 00 Segelflugwetter 1 15 06 Medizinisch-meteorologische Tips, unter anderem für Allergiker und Herz-Kreislauf-Patienten 1 16 01 Smogwerte 06 11 - 58 12 42 (Wenn die Grenzwerte nach der Smogverordnung überschritten werden, melden wir dies an gesonderter Stelle.)
Sonnenaufgang 8.12 Uhr Sonnenuntergang 17.03 Uhr
hbr JOHANNESBURG, 21. Januar. Südafrikanische Geschäftsleute haben mit Skepsis auf das Angebot von Schwarzenführer Nelson Mandela reagiert, zur Aufhebung von Sanktionen aufzurufen, wenn die Geschäftswelt stärkere Anstrengungen unternimmt, Arbeitsplätze zu schaffen und Entlassungen einstellt. Die Forderung, die Entlassungen einzufrieren, sei lächerlich, kommentierte die Tageszeitung Business Day am Donnerstag. Trotz des Widerstandes des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) seien die meisten Sanktionen aufgehoben.
"Wir können keine Arbeitsplätze schaffen, weil Mandela sagt, daß er Sanktionen aufheben wird", sagte der Direktor der Johannesburger Handelskammer, Marius De Jager.
Spencer Stirling, Präsident der südafrikanischen Geschäftskammer, sagte: "Ursprünglich hatten Sanktionen eine negative Auswirkung auf Südafrikas Wirschaftswachstum, aber heutzutage sind sie von viel kleinerer Bedeutung."
Der ANC-Vorsitzende Mandela hatte jüngst in Washington als Voraussetzung für die Aufhebung der Sanktionen auch gefordert, daß ein Datum festgelegt werde, an dem eine Interimsregierung in Südafrika eingesetzt wird.
Die Aussichten für die Bildung einer solchen Regierung mit allen Parteien sind jedoch schlecht. Derzeit besprechen Delegationen des ANC und der Regierung Einzelheiten für den Übergang zu einer nichtrassischen Regierung.
Die Partei Inkatha warf der Regierung vor, in Geheimabkommen mit dem ANC Tatsachen geschaffen zu haben. Gespräche zwischen Inkatha und Regierung führten zu keiner Annäherung.
NEU-ISENBURG. Die Bundesliga läßt grüßen: "Mein Freund ist ein Ausländer" heißt das Motto der Spiele, in denen am Wochenende im Sportpark die beste Isenburger Hallenfußballmannschaft ermittelt wird. Zunächst soll sich in der Zwischenrunde am Samstag, 23. Januar, von 10 Uhr an die fußballerische Spreu vom Weizen trennen. Tags darauf, am Sonntag, 24. Januar, beginnt das Viertelfinale ebenfalls um 10 Uhr. Das Endspiel wird um 15.30 Uhr angepfiffen.
Nach dem diesjährigen Motto werden sich zuvor, um 14.30 Uhr, eine deutsche Stadtauswahl und ein Ausländerteam auf sportliche Weise miteinander messen. In der Halbzeitpause sind Auftritte von Tina Wittig, der deutschen Meisterin im Rollkunstlauf, und der Buchenbusch-Tanzgarde vorgesehen. leo
OBERTSHAUSEN. Das Werkstatt- beziehungsweise Heimatmuseum in der Karl-Mayer-Straße 10 ist mittlerweile nicht nur für die Obertshausener, sondern auch für Auswärtige zu einem Magneten geworden, berichtet der Heimatverein. Die Besucherzahlen an den Sonntagen gehen in die Höhe, das Interesse an der Konzeption des Museums und an seinen Exponaten sei groß.
Als neue Errungenschaft besitzt das Museum ein signiertes und numeriertes Blatt einer von Dr. Lothar Keck gezeichneten Darstellung der Ortslage "Hausen hinter der Sonne um das Jahr 1855". Der pensionierte Vermessungsingenieur hat das Blatt dem Museum geschenkt.
Geöffnet ist das Werkstattmuseum am Sonntag, 24. Januar, von 14 bis 17 Uhr.
pmü
Im Blickpunkt: Solidarpakt Jedem seine Gerechtigkeit
Die Bundestagsfraktionen von FDP und CDU/CSU haben am späten Mittwoch abend in Bonn das von Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) vorgelegte "Föderale Konsolidierungsprogramm" (FKP) gebilligt. Wie verlautete, gab es bei der Union allerdings eine "beachtliche Zahl an Gegenstimmen". Ost-Abgeordnete hatten insbesondere die unerwartet niedrige Mittelzuweisung für ihre Länder kritisiert. Für das laufende Jahr erhalten die Ost-Kommunen nur 1,5 Milliarden Mark zusätzlich. Die neuen Länder hatten acht Milliarden Mark gefordert und zu einem großen Teil in ihre Haushalte eingestellt. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Otto Solms bezeichnete das Paket als den "entscheidenden Eckpfeiler" für den sogenannten Solidarpakt, den der Bund mit Ländern, Gemeinden, Tarifparteien und SPD schließen möchte. Solms, der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Schäuble und Waigel nannten ihr Angebot sozial gerecht und ausgewogen. "Die obere Hälfte der Einkommensbezieher trägt über 70 Prozent der zusätzlichen Belastung", sagte der Finanzminister. Er bezog diese Aussage auf das Jahr 1995, dann erreichen die Einschnitte erst ihre volle Wirksamkeit. Es sei unverhältnismäßig von einem "Anschlag auf den Sozialstaat zu sprechen", wie die SPD dies tue.
Die SPD-Finanzexpertin Ingrid Matthäus-Maier hält die Vorschläge für "durch und durch unsolidarisch". Entgegen anders lautenden Behauptungen sei festzustellen, daß die unteren Einkommensgruppen in diesem Jahr "drei Viertel der Last tragen".
Die abweichenden Wertungen von Regierung und Opposition erklären sich teilweise durch die verschiedenen Zeiträume für die sie ihre Einschätzungen abgeben. Matthäus-Maier lenkt den Blick auf 1993, weil die Einschnitte bei der Besoldung von Wehrpflichtigen, bei Zivildienstleistenden, Wohngeldempfängern und Arbeitslosen sofort greifen. Waigel hingegen zieht die Prognosewerte für 1995 vor. Dann sorgt für eine günstigere Optik der dann erstmals fällige Solidarzuschlag zur Einkommen-, Lohn- und Körperschaftsteuer, der Besserverdienende - wegen der Steuerprogression - stärker trifft.
Das Sparprogramm besteht aus mehreren Teilen. Zum einen enthält es Waigels Angebot zur Neugestaltung der Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern sowie die Eckwerte für den Nachtragshaushalt 1993. Der ist notwendig, weil die Konjunkturkrise die Zahl der Arbeitslosen um 450 000 nach oben drückt. Hierfür muß Bonn fünf Milliarden Mark zusätzlich an die Bundesanstalt für Arbeit überweisen. Weitere fünf Milliarden benötigt Waigel um Steuermindereinnahmen auszugleichen. Außerdem sind weitere Ausgaben - beispielsweise die 1,5 Milliarden Mark Investitionszulage für Ostdeutschland - zu finanzieren. In das FKP eingebaut ist ferner Waigels Vorschlag zur Begleichung der "Erblast des Sozialismus". Die enthält die bis Ende 1994 erwarteten Verbindlichkeiten der Treuhandanstalt von 250 Milliarden Mark und dem Kreditabwicklungsfonds (140 Milliarden). Den jährlichen Schuldendienst von 40 Milliarden will der Bund allein tragen. Das hatten die alten Länder unter Hinweis auf die Rechtslage schon immer verlangt.
Die Bundesregierung will sich im Gegenzug an anderer Stelle bedienen. So sollen die Länder auf vier Anteilspunkte am Mehrwertsteueraufkommen verzichten (zehn Milliarden). Außerdem sollen sie zwei Milliarden an die Europäische Gemeinschaft überweisen sowie für den öffentlichen Nahverkehr auf Schiene und Straße (14 Milliarden) alleine geradestehen. Bonn hatte den Ländern bislang die Bahnreform mit einem höher dotierten Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz schmackhaft machen wollen.
Am ursprünglichen Vorschlag Waigels änderten die Fraktionen wenig. Verzichtet wird nun auf die Kürzung des Kindergeldes. Beim Erziehungsgeld will Bonn ab dem siebten Monat das aktuelle Einkommen als Grundlage nehmen und nicht wie bislang das von vor zwei Jahren.
Offen bleibt, wie die Lohnersatzleistungen um rund 3,2 Milliarden Mark jährlich gedrückt werden sollen. Denn nur wenn Mittel dadurch gespart werden können, daß der sogenannte Mißbrauch bekämpft wird, entfällt die generelle Kürzung von Arbeitslosengeld und -hilfe, Schlechtwetter-, Altersübergangs- und Kurzarbeitergeld. Insgesamt entlasten Waigel zufolge Kürzungen und Steuerhöhungen (Versicherungen) den Fiskus um 17 Milliarden Mark. PETER ZILLER (Bonn)
LANGEN. Wie in Neu-Isenburg hat sich auch in Langen die Verteilung der gelben Säcke für Kunststoffmüll verzögert. Mittlerweile sollen fast alle Haushalte Säcke bekommen haben, teilte der Erste Stadtrat Klaus-Dieter Schneider (CDU), allerdings immer noch nicht in der gewünschten Menge. Bei der Lieferung gibt es Engpässe.
Weil laut Schneider die Stadt mit einer rechtzeitigen Lieferung gerechnet hatte, wurde zum Jahreswechsel der Kunststoffcontainer am Alten Rathaus abzogen. Die gelben Säcke werden jedoch erst im Februar zum ersten Mal abgeholt. Bis dahin verweist die Stadt auf den großen Container am Wertstoffhof in der Liebigstraße. dac
WIESBADEN. Außergewöhnlich heftig hat der hessische CDU-Landesgeschäftsführer Siegbert Seitz auf die Entscheidung der SPD-regierten Bundesländer im Bundesratsausschuß Gesundheit zur begrenzten staatlich kontrollierten Freigabe von Heroin für 250 Drogenabhängige in Hamburg reagiert. Seitz warf wegen der Zustimmung Hessens in diesem Gremium die Frage an "Herrn Eichel" auf, ob "dieses Kabinett nicht aus potentiellen Mördern besteht".
Wer Drogen freigebe, mache sich mitschuldig an der Tötung von Kindern, sagte Seitz. Der frühere Leiter des Ministerbüros im Innenministerium sieht sich in dieser Frage "äußerst emotionalisiert". Seitz ist grundsätzlich der Überzeugung, daß "zu lasch gegen die organisierte Kriminalität" vorgegangen wird.
Die Grünen sprachen "in dieser Vorphase des Kommunalwahlkampfes in Hessen" von einer "ungeheuerlichen Beleidigung" der Landesregierung durch den CDU-Politiker Seitz. Die Landtagsabgeordnete Evelin Schönhut-Keil forderte Seitz auf, "seine Äußerung unverzüglich zurückzunehmen und sich zu entschuldigen".
Eine der Hamburger Zielsetzung vergleichbare Initiative hatte Hessen im August 1992 im Bundesrat eingebracht. In ihrem Antrag spricht sich die rot-grüne Landesregierung für eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes aus, um die Voraussetzungen für eine "erlaubte Abgabe von Betäubungsmitteln bis hin zum Heroin" an hiervon bereits Abhängige zu schaffen. gra/lhe
wüp BERLIN. Die Treuhandanstalt wird die neun Gruben der Mitteldeutschen Braunkohle (Mibrag), bei der noch 15 500 Kumpel arbeiten, an die britische Powergen und den US-Kraftwerksbauer NRG Energy verkaufen. Die westdeutsche Allianz aus den Stromkonzernen RWE, Preussenelektra und Bayernwerk - unter Führung des zu RWE gehörenden Braunkohlemonopolisten Rheinbraun - wird damit nicht zum Zug kommen. Dies verlautet aus sicherer Quelle und wird inoffiziell bei der Treuhand bestätigt. Heute soll nach langen Abstimmungen auf höchster politischer Ebene der Verwaltungsrat der Breuel-Behörde die seit Monaten erwartete Grundsatzentscheidung fällen, die das deutsche Braunkohle- und Strommonopol knacken wird. Die Staatsholding soll demnach bis Juli den genauen Kaufvertrag mit den Angloamerikanern unter Dach und Fach bringen.
Powergen und NRG werden dem Vernehmen nach rund eine Milliarde Mark für die Mibrag-Gruben bezahlen. Weitere vier Milliarden will das Duo in den Bau zweier Kraftwerksblöcke in Lippendorf bei Leipzig stecken, wo die Kohle verstromt werden soll. Damit bekommt nicht nur die Rheinbraun als einziger deutscher Braunkohleförderer, sondern auch die hiesige Energiebranche erstmals ausländische Konkurrenz. Powergen und NRG haben angekündigt, die Kraftwerke günstiger als die Konkurrenz bauen zu können. Mit der Verstromung der Mibrag-Kohle will das Duo die Preise der heimischen Stromriesen unterbieten.
Bisher fehlen den Ausländern aber die zur Weiterleitung an den Kunden nötigen Netze. Alle Kraftwerke und Leitungen der Ex-DDR, zusammengefaßt in der Ostberliner Veag, sollen gemäß dem nach der Wende von der Bundesregierung abgeschlossenen, umstrittenen Stromvertrag an die westdeutsche Elektrizitätswirtschaft gehen. Bisher liegt die Veag aber noch in Besitz der Treuhand, die vor der Übergabe zunächst den Grubenverkauf abwickeln will. Die westdeutschen Unternehmen hatten eine Weiterleitung "ausländischen Stroms" durch ihre Netze verweigert, bis das Kartellamt darauf hinwies, daß eine Durchleitung notfalls erzwungen werde. Die Behörde begrüßt nun die Aussicht, daß Powergen für mehr Wettbewerb sorgen könnte.
Bisher pochen aber auch die westdeutschen "Stromer" auf den Kraftwerksbau in Lippendorf. Die Veag sowie das Bayernwerk, das Badenwerk und die EVS wollen je einen 800-Megawattblock errichten und haben mit der Mibrag auch bereits über Lieferkontrakte verhandelt. Vertragsabschlüsse, die den künftigen angloamerikanischen Mibrag-Eigentümer vor vollendete Tatsachen gestellt hätten, verhinderte die Treuhand. Man müsse nun wohl neu verhandeln, meint ein Veag-Sprecher. "In jedem Fall" würden die westdeutschen Anbieter die Blöcke bauen, die Angloamerikaner seien "daran nicht mehr interessiert". Sie würden sich mit einer Beteiligung an dem Kraftwerksneubau in Schkopau begnügen.
In der Mibrag-Zentrale in Bitterfeld löste die Nachricht vom bevorstehenden Besitzerwechsel Erleichterung aus. "Egal, an wen wir verkauft werden, Hauptsache, die Unsicherheit ist endlich vorbei und unsere Arbeitsplätze sind gesichert", hieß es. Wie viele der einstmals 57 000 Kumpel ihren Job behalten werden, ist noch unklar. Das Mibrag-Konzept sieht bisher für 1993 die Schließung von weiteren drei Tagebauten vor. Dem würden 5000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen.
zba BERLIN, 21. Januar. Der frühere DDR-Verteidigungsminister Heinz Keßler hat sich als Chef des Hauptstabes der DDR-Armee im Dezember 1971 offenbar tatsächlich gegen den Einsatz der tödlich wirkenden Splitterminen SM 70 an der Grenze ausgesprochen. Der Anwalt des wegen Todesfällen an der innerdeutschen Grenze vor dem Berliner Landgericht angeklagten ehemaligen SED-Funktionärs, Hans Peter Mildebrath, hatte dies bereits am vergangenen Montag behauptet, als er eine Ladung des nach Chile ausgereisten ehemaligen Staatschefs Erich Honecker als Zeuge verlangte. Aus einem Protokoll über eine Sitzung der Führung des DDR-Verteidigungsministeriums am 4. Dezember 1971 geht hervor, daß Keßler damals die Frage stellte, "ob der Einsatz einer Mine, die tödliche Verletzungen hervorruft, unbedingt erforderlich" sei.
Keßler schlug damals laut Protokoll vor, anstelle der Stahlkugeln Hartgummi- oder Plastikteile zu verwenden. Der mitangeklagte langjährige Sekretär des DDR-Verteidigungsrates, Fritz Streletz, der an jener Sitzung als Gast teilnahm, bestätigte am Donnerstag die Richtigkeit des Protokolls. Streletz erklärte aber, seiner Meinung nach hätten die Splitterminen nicht automatisch tödlich gewirkt, sondern nur durch unglückliche Umstände. Auch Hartgummigeschosse hätten Todesfälle auslösen können.
Zum Ausreiseverbot der DDR sagte Streletz, die sozialistische Planwirtschaft habe großzügige Ausreisemöglichkeiten nicht zugelassen. In einer Planwirtschaft müßten Arbeitskräfte für das eingesetzt werden, wofür sie ausgebildet wurden. Man habe immer abwägen müssen, wer ausreisen dürfe und wer nicht.
Streletz nannte sechs Gründe für die Flucht aus der DDR, darunter "kritische Einstellung zum politischen Regime der DDR und Einschränkung der persönlichen Freiheit", "Angst vor Sanktionen und Versuch, sich der Wehrpflicht zu entziehen", "Abenteuerlust, um zu zeigen, daß man ein Kerl ist" und "Wunsch, einen bestimmten Lebensstandard und Reisefreiheit zu erreichen".
Bereits heute um 12.30 Uhr beginnen mit der Eröffnungsfeier die sechsten deutschen Meisterschaften im Fünf kegel-Billard, die der Erste Langener Billard-Club in seinen Clubräumen auf dem Gelände des 1. FC Langen (Waldstadion) ausrichtet. Schirmherr ist der Langener Bürgermeister Dieter Pitthan.
Turnierbeginn ist anschließend um 13 Uhr. Das sportliche Freitag-Programm wird bis gegen 23 Uhr andauern.
Am Samstag sind die Spiele der deutschen Elite von neun bis 22 Uhr vorgesehen. Die Finalrunden beginnen am Sonntag um zehn Uhr. Ende wird mit der Siegerehrung gegen 15.30 Uhr sein.
Es handelt sich bei den Titelkämpfen um die zweite deutsche Meisterschaft, die der 1. Langener Billard-Club ausrichtet. 32 Spieler nehmen teil. Manfred Gottschalk vom Veranstalter ist Titelverteidiger. kb
OBERURSEL. Sorgen um eine mögliche Schließung der Postannahmestellen in den Oberurseler Ortsteilen macht sich die SPD. Es gebe Gerüchte, daß nur noch das Postamt in der Berliner Straße offengehalten werde, schreiben die Sozialdemokraten in einer Presseerklärung.
Die Oberpostdirektion in Frankfurt habe auf die Nachfrage der Sozialdemokraten nur ausweichend geantwortet. Zwar bedauere die Direktion das Zustandekommen solcher Gerüchte, räume aber zugleich ein, daß die Bundespost sich der allgemeinen volkswirtschaftlichen Entwicklung anpassen müsse. "Oberursel wird also weiterhin in Unsicherheit über das künftige Offenhalten der Annahmestellen in den Ortsteilen leben müssen", so die SPD.
Oberursel werde von der Reduzierung nicht betroffen sein, versicherte hingegen der Pressesprecher der Oberpostdirektion, Dieter Heinbuch. Zwar würden allgemeine Überlegungen angestellt, kleinere Poststationen zu schließen, aber Oberursel sei davon nicht betroffen. Der Grund: Gemeinden mit weniger als 600 Einwohnern müssen langfristig mit der Schließung ihrer Poststelle rechnen. Die Einwohnerzahl in den Oberurseler Stadtteilen liegt jedoch weit höher.
"Der Kelch wird an uns vorübergehen", freut sich auch Bürgermeister Thomas Schadow (CDU). Schließlich seien die Poststellen wichtig für die Stadtteile. Nicht jeder könne bis nach Oberursel kommen, um einen Brief oder ein Paket abzugeben. ki
BELFAST, 21. Januar (AP). Bei einem IRA-Anschlag auf eine Polizeiwache in Nordirland sind am Mittwoch mehrere Beamte verletzt worden. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, wurde ein Sprengsatz in Clogher, 90 Kilometer südwestlich von Belfast, gegen die Rückwand eines Stützpunkts der britischen Polizeitruppe RUC geschleudert. Das festungsartig ausgebaute Gebäude wurde bei der Explosion beschädigt. Die Wucht der Detonation war so stark, daß sie noch in 30 Kilometer Entfernung gehört wurde.
Der FVV hat auf die Klagen der Bürger im Frankfurter Norden reagiert und für das neue Kleinbusnetz ab Montag Verbesserungen angekündigt. Insbesondere im Schülerverkehr werden weitere Fahrten angeboten. Das Nordwestzentrum ist künftig auch vor 9 Uhr zu erreichen, und an der U-Bahnstation Kalbach wird der Verkehrsverbund die Sicherheit heben. Trotz aller Mängel, die sich in den ersten zehn Tagen nach dem Start der Kleinbusse gezeigt haben, zog der FVV eine "zufriedenstellende Bilanz".
Auf der Linie 28 wird morgens zwischen Kalbach-Hopfenbrunnen und der U-Bahnstation Kalbach von 7 bis 7.30 Uhr an Schultagen zusätzlich ein Standardbus eingesetzt. Die Fahrt um 13.43 Uhr von der U-Bahnstation nach Harheim übernimmt künftig ebenfalls ein Stadtwerke-Bus, der doppelt soviel Sitz- und Stehplätze hat wie ein Kleinbus.
Auf der 29 fährt an den Schultagen um 7.34 Uhr ein Bus von der U-Bahnstation Kalbach ins Nordwestzentrum, das er um 7.52 Uhr erreicht. Eine weitere Busfahrt um 7.56 Uhr ab der U-Bahnstation wird in spätestens zwei Wochen angeboten. Im Schülerverkehr wird der Bus, der bislang um 13.10 Uhr von der U-Bahn in Nieder- Eschbach bis Harheim verkehrt, ab Montag nur noch bis Nieder-Erlenbach geführt. Dafür aber pendelt er zusätzlich um 13.32 sowie um 13.52 Uhr.
Den "Sicherheitsbedenken unserer Kunden" will der FVV in Kalbach Rechnung tragen. Der Weg von der U-Bahn zur Haltestelle des 29er soll besser ausgeleuchtet und das dort vorhandene Buschwerk zurückgeschnitten werden. Beides soll kurzfristig erfolgen. Mittelfristig werde angestrebt, die Haltestellen der Linien 28 und 29 im Unteren Kalbacher Weg zusammenzufassen. gang
Toter Säugling: Frau festgenommen Unter dem Verdacht, ihr Kind getötet zu haben, ist am Donnerstag eine 34 Jahre alte Frau aus dem Kreis Marburg-Biedenkopf vorläufig festgenommen worden. Nach ersten Ermittlungen wird sie verdächtigt, in ihrer Wohnung ihr Kind gewaltsam getötet und später den Leichnam auf einer Wiese bei Marburg- Schröck abgelegt zu haben. Das tote Mädchen war am Montag von einem Spaziergänger gefunden worden. Zehnzentnerbombe entschärft Auf dem Parkplatz einer US-Kaserne in Hanau-Wolfgang ist am Donnerstag eine Zehnzentnerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden und entschärft worden. Der Sprengkörper lag nach Angaben des Regierungspräsidiums Darmstadt zwei Meter tief im Boden. Luftbildaufnahmen hatten erste Hinweise auf die Bombe geliefert. Vor der Entschärfung wurden mehrere Kasernengebäude geräumt und eine Bundesstraße gesperrt. Keine S-Bahn bis Aschaffenburg Ein Weiterbau der S-Bahn über Hanau hinaus bis nach Aschaffenburg ist von der hessischen Landesregierung nicht beabsichtigt. Das berichtete der CDU-Landtagsabgeordnete Walter Korn in Hanau aufgrund einer Mitteilung aus dem Verkehrsministerium. Verkehrsminister Ernst Welteke (SPD) sehe, so Korn, keine Notwendigkeit für den Weiterbau. Als Begründung wurden lange Reisezeiten bei einer immer größeren Zahl von Haltestellen genannt. Fonds gegen den Radikalismus Die Einrichtung eines mit 30 000 Mark ausgestatteten "Fonds gegen den Radikalismus" hat der Main-Taunus-Kreis in Hofheim beschlossen. Die zunächst außerplanmäßig bereitgestellten Mittel seien für die Schulen des Kreises bestimmt, teilte Landrat Jochen Riebel (CDU) nach dem Beschluß des Kreisausschusses mit. Das Geld solle ausschließlich für Maßnahmen und Veranstaltungen zur Aufklärung über die Gefahren des Radikalismus verwendet werden. 3. Marburger Frühjahrsakademie Unter dem Motto "Quer Beat" werden bei der Marburger Frühjahrsakademie vom 13. bis 20. April fünf von erfahrenen Musikern geleitete Kurse angeboten. Die Themen: Rhythmik (Hermann Kock), Harmonie und Improvisation (Juraj Galan), Baß und Harmonie (Norbert Dömling), Musik mit dem PC (Justus Noll) und Chanson (Sylvia Anders). Weitere Informationen beim Kulturamt der Stadt Marburg, Markt 7, Tel. 0 64 21 / 2 01 - 4 02.
NEU-ISENBURG. "Eigentlich ist die Gegend um Isenburg ja zum Weglaufen", sagt Harald Bühle und deutet dabei in alle vier Himmelsrichtungen: Autobahnen, der Flughafen, die Mülldeponie Buchschlag liegen dort. "Aber unsere Karlstraße - die fängt's halt ab." Wenn "Hagga", wie ihn seine Freunde nennen, von "unserer Karlstraße" redet, meint er die Häuser mit den Nummern 27 und 30. Oder vielmehr die 16 Frauen und Männer, fünf Kinder, zwei Hunde und zwei Katzen, die hier miteinander leben. Eine Kommune? "Nein, die Atmosphäre bei uns ist eher wie in einem kleinen Dorf."
Ein Dorf, in dem jeder Bewohner die gleiche Summe für sein Zimmer zahlt. Das Wort "Miete" ist verpönt. Was in die gemeinsame Kasse beigesteuert werden muß, um Gas, Wasser, Strom und größere Reparaturen bezahlen zu können, legt allein die "Hausversammlung" fest.
Die Frau, der beide Häuser gehören, verzichtet Monat für Monat auf mehrere tausend Mark. Roswitha Buchenau könnte sich ein bequemes Leben machen, saftige Mieten kassieren, bräuchte nie mehr zu arbeiten. "Ich will keinen Wohlstand auf Kosten anderer Leute", erklärt die 47jährige Isenburgerin ihren Entschluß, den sie Anfang der 70er Jahre faßte.
Damals erbte sie von ihren Eltern die Häuser an der Karlstraße. Dort hatte Vater Karl Buchenau jahrzehntelang eine Viehhandlung betrieben. Dort war Tochter Roswitha aufgewachsen, bevor sie eine Lehre als Industriekauffrau machte, schließlich Sozialpädagogik studierte. Und dorthin kehrte sie 1972 zurück - zusammen mit 13 Freundinnen und Freunden, die sie zum "Selbstkostenpreis" wohnen ließ. "Anfangs waren wir deswegen bei den Nachbarn als Kommunisten verschrien", erinnert sich Roswitha Buchenau und lacht aus vollem Hals: "Aber später haben die gemerkt, daß wir ganz normale Leute sind."
Wenn sie nicht in der hiesigen Filmbranche als Produktionsassistentin Geld verdient, lebt die uneigennützige Hauseigentümerin in Italien. Bei Pisa versucht sie sich mit zwei weiteren "Karlsträßlern" eine zweite Existenz aufzubauen - mit einer Reitschule, einer Olivenplantage und der Vermietung von billig gekauften und dann selbst hergerichteten Bauernhäusern. Mit von der italienischen Partie ist Wolfgang Weiser, auch "Stoffel" genannt. Seit zehn Jahren wohnt der gelernte Installateur in einem Zimmer in der Karlstraße 30. Seinen Beruf hat er nie ausgeübt. Den Lebensunterhalt verdiente der 39jährige bislang als LKW-Fahrer in Saudi-Arabien und als Beleuchter bei Filmaufnahmen. Was verbindet die Bewohner des ungewöhnlichen "Dorfes" mitten in Neu-Isenburg? Stoffel schaut an die Balkendecke des Gemeinschaftsraums und überlegt. Ja früher, da sei "die Karlstraße" noch Einheit und politisch aktiv gewesen: "Gemeinsam leben, gemeinsam demonstrieren. Wenn ich nur an die Sonntagsspaziergänge an der Startbahn West denke." Heute engagierten sich nur noch einzelne, etwa gegen Fremdenhaß. "Man wird eben älter, da gehen die Interessen auseinander", sagt er mit einem Hauch von Wehmut in der Stimme.
Was also ist der kleinste gemeinsame Nenner, der Menschen verbindet, die zwischen 30 und 40 Jahre alt sind und als Taxifahrer, Stewardeß, Erzieherin, Steinmetz und Sozialpädagoge arbeiten, Romanistik oder Soziologie studieren? "Wir haben nicht das Ideal der bürgerlichen Familie im Kopf. Wir sind eine Großfamilie ohne hierarchische Struktur", sagt Wolfgang Weiser. Eine gemeinsame politische Haltung gebe es unter den derzeitigen Bewohnern nicht: "Aber wer sich nicht als Linker fühlt und nach festgefügten Normen lebt, wird wohl kaum bei uns zurechtkommen."
Obwohl es Stoffel genießt, zu kommen und zu gehen, wann er mag, ist die Karlstraße 30 für ihn mehr als bloße Bleibe: "Weißt du, wenn ich hier reinkomme, bleiben Hektik und Streß draußen." Einerseits ein "lockeres" Dasein, andererseits Nestwärme - daß sich sowohl Roswitha Buchenau als auch Stoffel und Hagga zur südeuropäischen Lebensart hingezogen fühlen, scheint kein Zufall zu sein. Doch so ganz traut Wolfgang Weiser seinen künftigen Nachbarn in Pisa nicht: "Wenn ich mich dort einmal niederlasse, will ich das Lebensgefühl aus der Karlstraße mitnehmen." GERHARD BAYER
OFFENBACH. Für den weiteren Ausbildungsweg nach dem Abitur bietet das Arbeitsamt zwischen 25. und 29. Januar Informationstage - Berufsberatung für Abiturienten und Hochschüler - an. Referenten aus Hochschule und Industrie wollen Orientierungshilfen geben. Alle Veranstaltungen sind in den Räumen des Ledermuseums (Frankfurter Straße 86).
Am Montag, 8.30 Uhr, geht es um den Beruf der Pharmazeutisch-technischen Assistenten. Es folgen die Themen Arbeits- und Beschäftigungstherapie (10 Uhr), Modedesign (11.30 Uhr), Lebensmittelchemie (14 Uhr) und Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Heilpädagogik (15 Uhr).
Parallel dazu beginnt um 9 Uhr ein Vortrag zum Thema Biologe in der Industrie. Es folgen Innenarchitektur (10.30 Uhr), Werbung (14 Uhr) und Reiseverkehrskaufmann/-frau (15.30 Uhr).
Die Vorträge an den weiteren Tagen sind in einer Broschüre aufgelistet, die im Berufsinformationszentrum des Arbeitsamtes in der Domstraße 68 abgeholt werden kann. Die Termine können auch unter 069 / 80 55-442 erfragt werden.
Europaspezifische Fragen stehen am Mittwoch auf dem Programm. Erstmals werden die Beschäftigungs- und Studienchancen in EG-Ländern vorgestellt. pmü
Koalition und Opposition: In der ersten Lesung des Gesetzes zur Änderung des Asylartikels 16 Grundgesetz am gestrigen Donnerstag umrißen diese Worte neue Konstellationen. Da waren auf der einen Seite jene Christdemokraten, Christsozialen, Liberalen und Sozialdemokraten die das Asylrecht verschärfen wollen und den gemeinsamen Entwurf von CDU/ CSU, FDP und SPD für einen eingeschränkten Verfassungsartikel unterstützen. Ihnen gegenüber standen etwa acht Parlamentarier von der FDP, ungefähr 80 aus der SPD, die Bundestagsgruppen Bündnis 90/Die Grünen und die PDS. Sie lehnen den Entwurf für einen eingeschränkten Asylartikel ab. Manche möchten den Verfassungssatz "Politisch Verfolgte genießen Asylrecht", uneingeschränkt erhalten, manche Sozial- und Freidemokraten möchten ihn nur weniger beschneiden als die Mehrheit ihrer Fraktionen.
Und so ging es dieses Mal im Plenarsaal des Bundestages anders zu als sonst bei Parlamentsdebatten üblich. Ungewöhnlich sanft behandelten Unionspolitiker die Sozialdemokraten. Er empfinde "Freude über den Konsens der demokratischen Kräfte", sagte Erwin Marschewski, innenpolitischer Sprecher der CDU/ CSU-Fraktion und deutete eine Verneigung in Richtung SPD an. Nur kurz, nur indirekt und spürbar nur um die Form zu wahren, widerholte er alte Vorwürfe an die Opposition: Daß jeder Asylbewerber einen Anspruch auf Prüfung seines Antrages habe, sei ursächlich für "die Krise des Asylrechts". Die Union fordere seit zehn Jahren, was nun beschlossen werde. Auch Innenminister Rudolf Seiters war auffallend friedlich gestimmt. Zwar habe die Union mehr gewollt, dennoch sei man der Lösung eines großen innenpolitischen Problems einen großen Schritt nähergekommen. Es werde jetzt alles getan, um das neue Asylrecht fair zu beraten. Und Bayerns Innenminister Edmund Stoiber (CSU) sprach seinem Intimfeind und nordrhein-westfälischen Amtskollegen Herbert Schnoor (SPD) seine "hohe Anerkennung" aus, nachdem dieser erklärt hatte, die Änderung des Asylrechts sei nötig um Einwanderung zu steuern und Rechtsradikalimus zu verhindern.
Auch die meisten Sozialdemokraten verzichteten auf Kritik. Über den jahrelangen Kampf der Union gegen das Asylgrundrecht etwa, ihr ständiges Bemühen, seine Partei in die Enge zu treiben, verlor SPD-Fraktionchef Hans-Ulrich Klose kein Wort. Eher beiläufig bedauerte er, daß man den Plan, die Einwanderung umfaßend in einem Paket zu regeln, gegen CDU und CSU nicht habe durchsetzen können. Und: Um die Position der Bundesregierung in Verhandlungen mit Polen und der CSFR über die Zuständigkeit für Asylbewerber nicht zu erschweren, habe die SPD darauf verzichtet, Verträge mit beiden Ländern zur Bedingung eines Ja zu einem eingeschränkten Artikel 16 zu machen. Er respektiere, daß eine Minderheit der Sozilademokraten dem Gesetz nicht zustimmen werde, sagte Klose. Aber er sei dafür, die "beschränkten Gestaltungsmöglichkeiten der Opposition für das Gemeinwohl zu nutzen."
Für die opponierenden Sozialdemokraten widersprach Detlev von Larcher. Sie könnten dem Entwurf nicht zustimmen, weil danach kaum noch ein Flüchtling nach Deutschland gelangen könne, setzte er Klose entgegen. Und dann warb der Sprecher des "Franfurter Kreises", dem Zusammenschluß der SPD-Linken, für einen anderen, ein wenig moderateren Entwurf zur Verschärfung des Grundgesetzes. Konrad Weiß vom Bündnis 90/Die Grünen und Ulla Jelpke von der PDS lehnten dagegen jede Änderung ab. Das Asylrecht dürfe nicht verstümmelt, die Tore für Menschen in Not nicht verschlossen werden, rief Weiß. Und Ulla Jelpke warf Bundesregierung und Sozialdemokraten vor, sie stärkten mit der Verfassungsänderung die Rechtsextremisten. Zu den ungewöhnlichen Konstelationen an diesem Donnerstag gehörte auch das: Der Freidemokrat Wolfgang Lüder wies Konrad Weiß zurecht, weil dieser nicht erwähnt hatte, daß Lüder in Sachen Asylrechtsänderung eher mit dem Bündnis 90 übereinstimmt als mit der eigenen Fraktion und der Koalition.
Archivar Siggi Fay führt historischen Rundgang
SCHWALBACH. Zu einem historischen Stadtrundgang mit Archivar Siggi Fay lädt der SPD-Ortsverein für Sonntag, 24. Januar, ein. Zusammen mit dem Archivar möchten die Genossen die Stadt für interessierte Bürger "geschichtlich erschließen". Treffpunkt ist um 14 Uhr am Historischen Rathaus im alten Ortskern. Dort will die SPD nach dem Rundgang noch einkehren und sich mit den Bürgern unterhalten. she
Bis zur letzten Minute wird noch gefeilt
OBERURSEL. Monika Meirer ist noch unschlüssig. "Sollen wir nicht eine andere Einzugsmusik nehmen?", fragt sie. Kurze Diskussion, dann wird die Entscheidung vertagt. Am Sonntag wird sie zur Probe für die Gruppen ins Vereinshaus kommen - vielleicht fällt ihr bis dahin noch was ein. "Also, dann leg' ich mal los", meint sie, stellt sich hinter einen Tisch in der Mitte des Raumes und fängt mit ihrer Nummer an.
Die Narren vom Karnevalverein "Frohsinn" haben sich an diesem Abend in der Stadthalle zur letzten "vortragenden Versammlung" vor den Karnevalssitzungen getroffen. Nächstes Wochenende muß alles perfekt sitzen - also wird geprobt, geprobt und nochmals geprobt. Monatelang haben sie an ihren Texten gefeilt, Formulierungen geändert und wieder verworfen. Monika Meirer wird in die Rolle einer Politikerfrau schlüpfen. Die Zettel mit ihrem Text vor sich, trägt sie mit lauter Stimme vor. Später wird sie sich ihre Nummer auf Video ansehen - damit sind Fehler in der Gestik oder im Auftreten am leichtesten zu erkennen.
Über 400 Mitglieder hat der "Frohsinn" und ist damit der größte (und älteste) Verein im Taunus. Etwa 120 bis 130 Aktive sind bei der Vorbereitung der Karnevalssitzungen dabei - alle ehrenamtlich, versteht sich, bis auf die professionelle Maskenbildnerin. Die meisten haben im Herbst mit den Proben angefangen. Nur das Ballett trainiert das ganze Jahr über. Die über fünf Stunden langen Marathonsitzungen mit den 16 Nummern müssen minutiös vorbereitet werden. Alle Zuständigkeiten sind genauestens verteilt worden: Wer auf- und abbaut, wer als "Mundschenk" arbeiten wird, wer die Beleuchtung übernimmt und und und . . .
Seit Anfang Januar hat nun die "heiße Phase" begonnen. Einige der Narren sind seitdem an jedem Abend "in Sachen Verein" unterwegs. Klaus Anschütz und Martin Trapp zum Beispiel, die nicht nur die Programmgestaltung übernommen haben, sondern auch am Anfang des Abends als "Protokoller" vor das Publikum treten werden. Sie werden die politischen Ereignisse des letzten Jahres in Oberursel, aber auch in Deutschland glossieren. Um stets "auf der Höhe" zu bleiben, schreiben sie ihren Text ständig um. Honnis Chile-Trip hat schließlich die Nation bewegt.
Der Probelauf vor den Vereinsmitgliedern klappt bestens. Ihr Stück ist kabarettreif und wunderbar ironisch. Mutig haben sie sich auch an heikle Themen wie Ausländerfeindlichkeit gewagt - kein leichtes Unterfangen. Sitzungspräsident Wolfgang Weber macht noch kleine Verbesserungsvorschläge, dann geht's zum nächsten Stück.
Proben müssen natürlich nicht nur die Einzelvortragenden, sondern auch die Gruppen. Am Sonntag werden sie sich noch einmal im Vereinshaus treffen: die 22 Sänger, die in ihren Liedern auch die lokale Politik veräppeln, die zwölf Frauen vom Ballett, die zwar strenggenommen aus dem Karnevalsrahmen fallen, aber seit Jahren zu den unbestrittenen Höhepunkten des Programms gehören, die Tanzgarde und die Mini-Majoretten, die ihrem ersten Auftritt entgegenfiebern, und die Brassband. Und natürlich die Prinzen- und Ehrengarde sowie die "Konfetti-Korporation", die seit einigen Jahren die Gestaltung des Finales übernommen hat.
Am kommenden Donnerstag, einen Tag vor der ersten Sitzung, ist dann Generalprobe. Auf- und Abbau müssen noch einmal durchgespielt, die Zeiten der einzelnen Stücke gestoppt werden. Was in der Probe 20 Minuten dauert, kann mit Applaus und Tuschen locker auf eine halbe Stunde kommen. So wird's wohl auch bei Heinz Ohl sein, der als "Mitternachts-Guru" direkt vor dem Finale die Bühne der Stadthalle betreten wird. Ein bißchen wird er seinen Text noch kürzen, kündigt er gleich reuig an. Doch seine 20 Minuten werden garantiert keinem langweilig - schon bei der Probe reißt ihn der Spaß am Vortragen so mit, daß sich seine Vereinsfreunde vor Lachen biegen. Am Ende des Abends sind alle beruhigt: Die Nummern sitzen. Die Samstagssitzungen des "Frohsinn" sind übrigens schon lange ausverkauft - nur für den Freitag, 29. Januar, gibt es noch Restkarten bei Uhren-Helfrich. Um 19.11 Uhr heißt es dann: Bühne frei für den Elferrat - wolle mer se reinlasse? esi
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GUS Streit um Atomwaffen Seite 2
Leitartikel Friedenschance auf dem Balkan? Seite 3
Evangelische Kirche Lehrzucht-Verfahren ausgesetzt Seite 4
Dokumentation Rüstungsexporte nach Taiwan Seite 10
Wirtschaft Chemie baut Arbeitsplätze ab Seite 11
Hessen Staatsarchiv im Mollerbau Seite 24
Fernsehen und Funk Seiten 8/9
Freie Aussprache Seite 12
Börse Seite 14
Roman Seite 15
Filmspiegel Seite 23
Koalition und Opposition: in der ersten Lesung des Gesetzes zur Änderung des Asylartikels 16 Grundgesetz am gestrigen Donnerstag umrissen diese Worte neue Konstellationen. Da waren auf der einen Seite jene Christdemokraten, Christsozialen, Liberalen und Sozialdemokraten, die das Asylrecht verschärfen wollen und den gemeinsamen Entwurf von CDU/CSU, FDP und SPD für einen eingeschränkten Verfassungsartikel unterstützen.
Ihnen gegenüber standen etwa acht Parlamentarier von der FDP, ungefähr 80 aus der SPD, die Bundestagsgruppen Bündnis 90/Die Grünen und die PDS. Sie lehnen den Entwurf für einen eingeschränkten Asylartikel ab. Manche möchten den Verfassungssatz "Politisch Verfolgte genießen Asylrecht" uneingeschränkt erhalten, manche Sozial- und Freidemokraten möchten ihn nur weniger beschneiden als die Mehrheit ihrer Fraktionen.
Und so ging es dieses Mal im Plenarsaal des Bundestages anders zu als sonst bei Parlamentsdebatten üblich. Ungewöhnlich sanft behandelten Unionspolitiker die Sozialdemokraten. Er empfinde "Freude über den Konsens der demokratischen Kräfte", sagte Erwin Marschewski, innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, und deutete eine Verneigung in Richtung SPD an. Nur kurz, nur indirekt und spürbar nur deshalb, um die Form zu wahren, wiederholte er alte Vorwürfe an die SPD: Daß jeder Asylbewerber einen Anspruch auf Prüfung seines Antrages habe, sei ursächlich für "die Krise des Asylrechts". Die Union fordere seit zehn Jahren, was nun beschlossen werde.
Auch Innenminister Rudolf Seiters (CDU) war auffallend friedlich gestimmt. Zwar habe die Union mehr gewollt, dennoch sei man der Lösung eines großen innenpolitischen Problems einen großen Schritt nähergekommen. Es werde jetzt alles getan, um das neue Asylrecht fair zu beraten.
Und Bayerns Innenminister Edmund Stoiber (CSU) sprach seinem Intimfeind und nordrhein-westfälischen Amtskollegen Herbert Schnoor (SPD) seine "hohe Anerkennung" aus, nachdem dieser erklärt hatte, die Änderung des Asylrechts sei nötig, um Einwanderung zu steuern und Rechtsradikalismus zu verhindern.
Auch die meisten Sozialdemokraten verzichteten auf Kritik. Über den jahrelangen Kampf der Union gegen das Asylgrundrecht etwa, ihr ständiges Bemühen, seine Partei in die Enge zu treiben, verlor SPD-Fraktionschef Hans-Ulrich Klose kein Wort. Eher beiläufig bedauerte er, daß man den Plan, die Einwanderung umfassend in einem Paket zu regeln, gegen CDU und CSU nicht habe durchsetzen können. Und: Er respektiere, daß eine Minderheit der Sozialdemokraten dem Gesetz nicht zustimmen werde, sagte Klose. Aber er sei dafür, die "beschränkten Gestaltungsmöglichkeiten der Opposition für das Gemeinwohl zu nutzen".
Für die wirklich opponierenden Sozialdemokraten widersprach Detlev von Larcher. Sie könnten dem Entwurf nicht zustimmen, weil danach kaum noch ein Flüchtling nach Deutschland gelangen könne, setzte er Klose entgegen. Und dann warb der Sprecher des "Frankfurter Kreises", dem Zusammenschluß der SPD-Linken, für einen anderen, ein wenig moderateren Entwurf zur Verschärfung des Grundgesetzes.
Konrad Weiß vom Bündnis 90/Die Grünen und Ulla Jelpke von der PDS lehnten dagegen jede Änderung ab. Das Asylrecht dürfe nicht verstümmelt, die Tore für Menschen in Not nicht verschlossen werden, rief Weiß. Und Ulla Jelpke warf Bundesregierung und Sozialdemokraten vor, sie stärkten mit der Verfassungsänderung die Rechtsextremisten.
Zu den ungewöhnlichen Konstellationen an diesem Donnerstag gehörte auch das: Der Freidemokrat Wolfgang Lüder wies Konrad Weiß zurecht, weil dieser nicht erwähnt hatte, daß Lüder in Sachen Asylrechtsänderung eher mit dem Bündnis 90 übereinstimmt als mit der eigenen Fraktion und der Koalition.
FERDOS FORUDASTAN (Bonn)
LANGEN. Der Stumpfe Turm in der Altstadt wird in Kürze eingerüstet. Wie der Magistrat mitteilte, wird seine Krone um einen halben Meter abgetragen und dann wieder aufgemauert. Zum Ärger der Spaziergänger wird das Weihertürchen so lange geschlossen bleiben müssen. Der kürzeste Weg von der Altstadt zur Weiherwiese bleibt daher versperrt.
Kurz vor Weihnachten hatten sich aus der Krone des Langener Wahrzeichens Steine gelöst. Die Stadt ließ den Bereich daraufhin sperren. Mitarbeiter des Bauamts sicherten die Krone provisorisch mit einer Mörtelschicht. Laut Magistrat mußte die Stadt die Sanierungsarbeiten vergeben, weil der Bauhof kein Gerüst für den Stumpfen Turm hat.
Wegen des Frosts kann es erst jetzt losgehen. Die Kosten lassen sich laut Erstem Stadtrat Schneider noch nicht beziffern.
Der Turm ist ein Relikt aus dem Mittelalter. Er war Teil der historischen Stadtbefestigung und besteht aus Sandstein. Durch die Sanierung werde er nicht verändert, betonte der Magistrat. dac
SCHMITTEN. Ein Chorkonzert der evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde zugunsten der Kroatienhilfe erbrachte in der Brombacher Kirche einen Spendenbetrag von 1700 Mark. Die Chöre hatten auf ein Eintrittsgeld verzichtet und um Spenden gebeten - 1200 Mark gingen ein, die Sänger legten 500 Mark dazu. Das Konzert stand unter dem Titel "Gloria! Ehre sei Gott". Gesungen und gespielt wurden Musik von Bach, Händel, Schütz und Reger, die Leitung von gemischtem und Männer-Chor hatten Kurt Henrizi und Walter Müller. Außerdem begeisterte einer Kindergruppe mit einer Spielszene die Zuhörer, die von Pastor Rainer Morschäuser begrüßt wurden. s
HANNOVER, 21. Januar. Die rot-grüne Koalition in Niedersachsen konnte am Donnerstag in Hannover nur mühsam gekittet werden. Zum Zwist war es gekommen, weil sich Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD) für ein Rüstungsgeschäft mit Taiwan eingesetzt hatte. Im Landtag hatte er sich am Vormittag erneut dazu bekannt, daß er mit seinem Vorstoß bei Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) für den Export von Kriegsschiffen nach Taiwan einem Beschluß seines Kabinetts zuwidergehandelt habe. Im Koalitionsausschuß, der daraufhin auf Verlangen der Grünen einberufen worden war, erzielten die Fraktionsvorsitzenden von Sozialdemokraten und Grünen, Johann Bruns und Thea Dückert, erst nach heftiger Auseinandersetzung mit Schröder eine Drei-Punkte-Vereinbarung. Darin wird festgestellt, daß Schröders Vorstoß der Beschlußlage des Kabinetts widerspricht. Zweitens wird die Landesregierung verpflichtet, ihre Initiative zur Begrenzung von Rüstungsexporten weiterzuführen. Drittens werden die Regierungsmitglieder ermahnt, Kabinettsbeschlüsse einzuhalten und nach außen zu vertreten.
Die FDP beantragte einen Untersuchungsausschuß. Über den Antrag kann nach der Geschäftsordnung erst in vier Wochen entschieden werden. SPD-Fraktionschef Bruns hatte schon am Mittwoch zugesichert, die SPD würde einem solchen Antrag zustimmen. Den Fraktionsbeschlüssen der FDP zufolge soll sich der Ausschuß unter anderem mit der Verletzung von Verfassungsgrundsätzen durch Schröder befassen. Dabei geht es vor allem um Artikel 28 der Landesverfassung, wo die Verantwortlichkeiten des Ministerpräsidenten, des Kabinetts und der Minister geregelt sind. Außerdem soll der Ausschuß Widersprüche in Schröders bisherigen Darstellungen aufklären, zum Beispiel über den angeblichen Auftrag der anderen norddeutschen Ministerpräsidenten an ihn, in ihrem Namen beim Bundeskanzler vorstellig zu werden.
Ferner brachten die Freidemokraten einen Dringlichkeitsantrag ein, über den der Landtag am heutigen Freitag entscheiden muß. Danach soll sich das Parlament gegen das Taiwan-Geschäft aussprechen, und zwar nicht nur aus friedens-, sondern auch aus beschäftigungspolitischen Gründen; nach Ansicht der FDP ist Schröders Arbeitsplatz-Argument nicht stichhaltig.
Im Landtag hatte sich Schröder am Donnerstag vormittag nicht an die Formulierungen gehalten, die am Mittwoch abend in der Koalition vereinbart worden waren. In einer langen Befragung im Parlament ging es immer wieder darum, ob er das Recht beanspruche, eindeutigen, einstimmigen Beschlüssen seines eigenen Kabinetts zuwiderzuhandeln. Schröder schloß ausdrücklich nicht aus, daß er auch künftig bei klarer Beschlußlage gegenteilige Positionen vertreten werde. Nach seinem Eindruck werde das "draußen im Lande verstanden". Davon rückte er im Landtag auch nicht ab, als Hannes Kempmann (Grüne) fragte, welche Koalition auf Dauer solche Äußerungen ertragen könne. CDU-Fraktionschef Jürgen Gansäuer nannte den Ministerpräsidenten wegen dessen Einstellung zur Verbindlichkeit von Kabinettsbeschlüssen "nicht vertragsfähig".
rei BONN, 21. Januar. Die Militärexperten der SPD-Bundestagsfraktion haben am Donnerstag einstimmig beschlossen, auf die Einsetzung eines Untersuchungssausschusses zur Aufklärung der Bestechungsaffäre um das Rüstungsprojekt "Lapas" zu verzichten. Sie einigten sich darauf, eine Ermittlungsgruppe des Verteidigungsausschusses einzusetzen, die sich aus Abgeordneten aller Fraktionen zusammensetzen wird. Dem haben Abgeordnete der Koalitionsparteien bereits zugestimmt. Die Gruppe soll Unklarheiten, aufgeworfene Fragen, aber auch die sachliche Notwendigkeit der Beschaffung des Aufklärungsflugzeuges prüfen. Nach Angaben des verteidigungspolitischen Sprechers der SPD, Walter Kolbow, soll die Gruppe noch vor Ostern einen Bericht vorlegen.
Die Kooperationsbereitschaft der Koalitionsparteien CDU/CSU und FDP habe es der SPD erleichtert, auf einen Untersuchungsausschuß zu verzichten, sagte Kolbow. Auch nach den Erläuterungen von Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) am Mittwoch im Verteidigungsausschuß des Bundestages bestehe Informationsbedarf.
Kolbow hatte vor der Sitzung "Defizite" in der Ausgestaltung der Verträge mit den am Bau beteiligten Unternehmen Grob im Allgäu und E-Systems in Texas moniert. Die Seriosität dieser Firmen sei vom Verteidigungsministerium offenbar nur mangelhaft geprüft worden. Grob und E-Systems werden verdächtigt, hochrangigen Offizieren im Verteidigungsministerium kostspielige Reisen finanziert zu haben.
Kolbows Fraktionskollege Horst Jungmann hatte sich vor der Sitzung dafür ausgesprochen, den Verteidigungsausschuß des Parlaments in einen Untersuchungsausschuß umzuwandeln. Mit diesem "schärfsten Instrument der Opposition" hätte die SPD größere Möglichkeiten, dubiose Geschäfte im Rüstungsbereich aufzudecken.
Die Sozialdemokraten lehnen die Beschaffung des rund drei Milliarden Mark teuren Spähflugzeuges als Relikt des Kalten Krieges ab.
(Kommentar auf Seite 3)
Im Kampf um die ostdeutschen Braunkohlegruben hat die Treuhandanstalt eine Standfestigkeit gegenüber westdeutschen Lobbyinteressen gezeigt, die man sich öfters gewünscht hätte. Vielleicht existierte dann nicht nur die Mibrag mit ihren knapp 16 000 Arbeitsplätzen, sondern auch noch manch andere Firma in der ehemaligen DDR. Wäre es jedenfalls allein nach dem Kölner Monopolisten Rheinbraun gegangen, hätte die Konkurrenz aus Bitterfeld längst ihr Leben ausgehaucht. Nur den Konkurrenzbetrieb Laubag wollte die RWE-Tochter gemeinsam mit Preussenelektra und dem Bayernwerk übernehmen.
Die Mibrag-Kohle dagegen wurde für "minderwertig" und als nicht notwendig befunden, um die ostdeutsche Stromversorgung zu sichern. Solch großspurige Urteile, die mittlerweile als eindeutig falsch entlarvt sind, glaubte man sich erlauben zu können. Schließlich hatten die West-Konzerne mit dem umstrittenen Stromvertrag vom August 1990 bereits alle ostdeutschen Großkraftwerke und Netze in der Hand. Ein anderer Abnehmer für die Braunkohle war nicht in Sicht. Doch die Proteste der Belegschaft und vor allem Sachsens gegen die drohende Schließung der letzten Tagebauten hatte Erfolg. Die Treuhand bot die Mibrag auch weltweit an. Amerikaner und Engländer zeigten Interesse - und plötzlich wurde den westdeutschen Strategen die Gefahr bewußt, daß mit dem Einstieg der Ausländer das schöne Monopol von der Grube bis zur Steckdose verlorenzugehen droht. Mehr noch: Bauen die Ausländer auch Kraftwerke, könnten sie, falls der Preis stimmt und sie Abnehmer finden, auch Strom in den Westen leiten, wo vor allem die Industrie schon lange über die zu hohen Monopolpreise klagt. Für die Öffnung der Netze würde vielleicht sogar das Kartellamt sorgen.
Die Weichen für mehr Wettbewerb auf dem deutschen Energiemarkt sind gestellt. Die Briten und Amerikaner haben sich im europäischen Binnenmarkt durch die ostdeutsche Hintertür eine gute Startposition gesichert. Die Queen wird sich freuen - sie hatte nämlich bei ihrem Staatsbesuch in Deutschland auf den Zuschlag für die britische Powergen gedrungen. wüp
Der einzige hessische Vertreter in der 1. Frauen-Bundesliga, SV Hofheim, gab in der 6./7. Doppelrunde in Mainz alle vier Punkte an die Gegnerinnen ab. Gegen Metall Gera und SC Weimar kam man jeweils nur zum 2,5:3,5. Brettergebnisse gegen Gera: IM Milka Ankerst - Antje Fuchs, Nicol Zahn - Peggy Siedel 1:0, Tena Frank - Janet Wunder remis, Silvia Bürvenich - Gesine Espig, Mira Kierzek - Diana Skibbe, Sabine Bouaraba - Marion Riemer je 0:1. Schott Mainz - SC Weimar 5:1.
SV Hofheim - SC Weimar 3,5:2;5: IM Ankerst - Kamila Baginskaite, Bürvenich - Anke Koglin, ebenso in der entscheidenden Schlußpartie Fröhlich-Dill - Astrid Micheel jeweils remis, Frank - Nicole Kühn 1:0, Kierzek - Rasa Bandziene, Zahn - Hannelore Kube 0:1. Gera - Schott Mainz 3:3. Ferner in Hamburg: SK Hamburg - Buna Halle 5,5:0,5; Rotation Berlin - Uni-SV Potsdam 3,5:2,5; Uni-SV Potsdam - SK Hamburg 2:4; Buna Halle - Rotation Berlin 2:4. Turm Krefeld - Post-SV Dresden 3:3; SG Elberfeld - SV Leipzig 5,5:0,5; SV Leipzig - Turm Krefeld 4,5:1,5; Post-SV Dresden - SG Elberfeld 1,5:4,5.
Nach der 7. Runde: 1. Elberfeld, 2. Hamburg 12:2, - 3. Weimar, 4. Berlin, 5. Krefeld 9:5 - 6. Dresden 8:6 - 7. Hofheim, 8. Halle 6:8 - 9. Leipzig 5:9 - 10. Mainz 4:10 - 11. Gera 3:11 - 12. Potsdam 1:13 Punkte. ZEY
ptz BONN, 21. Januar. Die SPD hat die Bundesregierung ermahnt, ihr Konzept zur Finanzierung des Nachtragshaushaltes 1993 und des Aufbaus in Ostdeutschland in wesentlichen Punkten zu ändern. "Als Grundlage für Solidarpakt-Gespräche" sei es "ungeeignet und für die SPD nicht akzeptabel", sagte der Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Rudolf Dreßler, am Donnerstag. Die Koalition verteidigte ihr Angebot. Es sei konjunkturell geboten, haushaltspolitisch sinnvoll, sozial ausgewogen und für den Aufschwung Ost unverzichtbar, sagte FDP-Fraktionschef Otto Solms.
Die SPD werde zwar die Einladung des Kanzlers zu Gesprächen über einen Solidarpakt annehmen, sagte Dreßler in Bonn, die von der Koalition präsentierte Grundlage hält er freilich für ungeeignet. Er bekräftigte die SPD-Forderung, die absehbaren Lasten durch eine Ergänzungsabgabe für Besserverdienende, etwa Ehepaare mit Einkommen über 120 000 Mark, sowie eine Arbeitsmarktabgabe für Selbständige und Beamte zu finanzieren. Der saarländische Ministerpräsident Oskar Lafontaine (SPD) betonte nach einem Gespräch mit seinem sächsischen Kollegen Kurt Biedenkopf (CDU), jetzt müßten "die Länder an einem Strang ziehen".
Der Chef der CDU/CSU-Fraktion, Wolfgang Schäuble, mahnte, nun sollten Länder und Gemeinden ihre Beiträge leisten. Die West-Länder müßten für das laufende Jahr zusätzlich eine Milliarde Mark an die neuen Länder abtreten. "Nicht schön" fand Finanzminister Theo Waigel (CSU), daß die Haushaltslücke beim Bund um zehn auf 52 Milliarden Mark steigt. Gedeckt werden soll sie mit Krediten. Wie hoch der für 1995 angekündigte Solidarzuschlag zur Einkommen- und Lohnsteuer ausfallen soll, wollte Waigel allerdings nicht sagen.
Der am heutigen Freitag ausscheidende Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann (FDP) hielt es nicht für ausgeschlossen, daß der Zuschlag bereits vor 1995 eingeführt wird. Dies werde sicherlich zentrales Thema der Gespräche mit der SPD sein. Grüne und Bündnis 90 lehnten die Koalitionsvorschläge ebenfalls ab. Dies sei kein Solidarpakt, sondern ein Angriff auf die Schwächsten der Gesellschaft.
(Weitere Berichte Seite 4 und Wirtschaft)
OFFENBACH. Alte oder ausrangierte Bücher, aber auch Musikkassetten aus den Beständen der Stadtbücherei werden am heutigen Samstag bei einem Flohmarkt zwischen 10 und 13 Uhr in der Jugendbücherei (Herrnstraße 59) und im Bücherturm (Herrnstraße 84) günstig zum Verkauf angeboten.
Eine Besonderheit wird der Stand des Stadtarchivs im Foyer des Bücherturms sein. Dort können zum erstenmal bibliophile Schnäppchen gemacht werden.
Die Einnahmen des Flohmarks werden wieder in neue Bücher investiert. pmü
WIESBADEN. Der Streit um das Hanauer Brennelementewerk der Firma Siemens (früher: Alkem) spitzt sich zu. Der hessische Umweltminister Joschka Fischer (Grüne) hat Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) vorgeworfen, sich aus dem "Energiekonsens" zu verabschieden. Töpfer habe sich als "willfähriger Handlanger der Betreiberinteressen der Atomindustrie" erwiesen, sagte Fischer. Grund für die neuerliche, verschärfte Auseinandersetzung ist eine aufsichtsrechtliche Weisung Töpfers an Fischer, die gestern erging.
Töpfer fordert von Fischer in 29 Fällen Genehmigungen ein und wirft dem hessischen Umweltminister vor, "aus Gründen eines politisch motivierten, ausstiegsorientierten Gesetzesvollzuges notwendige sicherheitsverbessernde Errichtungsschritte" bei der Hanauer Atomfabrik hinausgezögert zu haben.
Fischer, der am Donnerstag ein Gutachten vorlegte, das die rechtswidrige Praxis bei der 5. Teilgenehmigung für die Mischoxid-Brennelementeverarbeitung in Hanau herausgearbeitet hatte, zeigte sich erbost über Töpfers Begründung. Er habe nie ein "Defizit an Sicherheit" zugelassen, sagte Fischer. Der grüne Umweltminister, der dafür sorgen will, "daß vom Bundesumweltminister erteilte Weisungen von Hessen vollzogen werden", sieht sich im Gegenteil von Töpfer gezwungen, "verwaltungsrechtlich und atomrechtlich höchst bedenkliche Dinge zu vollziehen".
Töpfer verlangte in einer gestern in Bonn verbreiteten Erklärung von Fischer, "genehmigungskonforme Verfahrensgrundsätze zu entwickeln". Der CDU- Minister, der die Kabinettsumbildung auf seinem alten Posten überstanden hat, hält die Hanauer Atomanlage für "vollständig genehmigt". Fischer, so der Vorwurf des CDU-Politikers, versuche die Umsetzung der Genehmigungen mit seiner Umweltbehörde zu blockieren. Allein in den zurückliegenden Monaten hätten hessische Behörden die Bearbeitung von rund 80 Anträgen verschleppt.
Nach Bonner Angaben habe Hessen lediglich vier Anträge der Siemens Atomfirma bis zum Jahresende 1992 beschieden. Töpfer mutmaßt, daß Fischer "über das Vehikel der Zustimmungen quasi ein zweites Genehmigungsverfahren für bereits erteilte Genehmigungen durchführen will". In Zukunft will Töpfer Fischer stärker überwachen. Einmal monatlich soll es ein bundesaufsichtliches Gespräch mit dem nach eigener Ansicht nach "Recht und Gesetz" arbeitendem hessischen Umweltministerium geben. Außerdem soll es einmal im Monat zwischen Bonn und Wiesbaden auf Atomebene zu sogenannten Statusgesprächen kommen. Falls dann entscheidungsreifen Anträgen nicht zugestimmt werde, drohte Töpfer bereits weitere Weisungen aus Bonn an.
Töpfer sieht in Hanau den Garanten für die Plutonium-Wiederaufarbeitung aus "Alt-Wiederaufarbeitungsverträgen". 40 Tonnen Plutonium müßten "zügig durch die MOX-Brennelementefertigung und MOX-Einsatz in Kernkraftwerken schadlos verwertet werden," ließ Töpfer erklären. "Dies ist nur, wie alle Fachleute wissen, bei Fertigstellung der nach dem Atomgesetz genehmigten MOX-Anlage in Hanau möglich," schreibt Töpfer.
Für Fischer ist dies der Punkt, der das wahre bundesaufsichtliche Interesse an der schnellen Genehmigung für Hanau zeigt. Fischer, der an seiner akribischen rechtlichen Überprüfung der bisherigen Verfahren festhalten will, machte in einer ersten Stellungnahme auf Töpfers Weisung deutlich, daß auch er im Atomstreit noch zulegen kann.
"Faktisch hat Töpfer den Energiekonsens aufgekündigt", sagte Fischer in einer eiligst anberaumten Pressekonferenz. Damit müsse Töpfer auch klar sein, daß es mit der "Ruhe bei den Entsorgungsnachweisen vorbei sein wird." Die Entsorgungsnachweise sind ein Kernstück für den Betrieb der Atomkraftwerke in Deutschland. Laut Fischer ist nicht erkennbar, bei welchen Atomkraftwerken die Auflagen aus den Entsorgungsnachweisen überhaupt erfüllt sind.
Bevor Töpfers Weisung bekannt wurde, hatte Fischer in einer Pressekonferenz ein Rechtsgutachten präsentiert, das "schwere Rechtsmängel" bei der Erteilung der 5. Teilgenehmigung für die Herstellung von MOX-Brennstäben im Siemens Brennelementewerk "aufdeckt".
Der Gießener Rechtsprofessor Klaus Lange, der auch Mitglied des Hessischen Staatsgerichtshofes ist, hatte im Auftrag des Ministeriums die verwaltungsrechtlichen Konsequenzen der "Aktenaffäre" untersucht. Dabei waren 1990 Genehmigungsakten aus dem damals CDU-geführten Ministerium in die antragstellende Firma Siemens ausgelagert und dort in mindestens 150 Positionen überarbeitet und ergänzt worden.
Wie Fischer sagte, sei die Genehmigung deshalb nach Ansicht des Gutachters "zumindest teilweise, möglicherweise aber auch vollständig rechtswidrig". Fischer verlangte nun von Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU), der seit Dezember 1992 in Besitz des Gutachtens sei, die Zustimmung zur Aufhebung des Sofortvollzuges für diese rechtsfehlerhafte Genehmigung der Plutoniumfabrik.
Der hessische Umweltminister sieht durch das Gutachten - bisher hat die laufende überprüfung der Folgen der Aktenauslagerung rund eine halbe Million Mark gekostet - die Rechtsposition des seit 1991 von ihm geführten Umweltministerium im Genehmigungsverfahren Hanau "in vollem Umfang bestätigt".
Der Gutachter bescheinigt der Behörde "grobe Verletzung von Prüfungspflichten". Das Ministerium habe teilweise auf die Prüfung der Genehmigungsvoraussetzungen gänzlich verzichtet. Später vorgesehene Präzisierungen der Atom-Akten, die in normalerweise in Genehmigungsverfahren nicht vorgesehenen "Erfüllungsbriefen" und "Ergänzungsblättern" angekündigt wurden, widersprechen nach Ansicht des Gutachters dem "gesetzlichen Erfordernis der Schriftlichkeit des Genehmigungsbescheides".
Außerdem fehle in der von Fischer- Vorgänger Karlheinz Weimar (CDU) veranlaßten Teil-Genehmigung die gesetzlich gebotene Bestimmtheit, mit der betroffene Anlieger der Genehmigung exakt entnehmen könnten, "was genehmigt wurde". Der Gutachter hat in seinem über 200 Seiten starken Beitrag zur Aktenaffäre eine Reihe weiterer Mängel festgehalten.
MICHAEL GRABENSTRÖER
Für Martin Krämer (Name geändert) waren die Erkundigungen bei der Staatsanwaltschaft schon zur Routine geworden. "Alle zwei, drei Jahre" fragte er mal nach, was denn nun mit dem Verfahren gegen den Betrüger sei, der ihm vor zehn(!) Jahren eine Lebensversicherung aufgeschwatzt hatte. Bisher bekam der 44jährige Beamte immer nur eine dürre Auskunft, jetzt wurde er umfassend imformiert: Die Staatsanwaltschaft schickte ihm wie selbstverständlich die komplette Ermittlungsakte zu.
Darin fand Krämer nicht nur seinen eigenen Fall, sondern auch detaillierte Angaben zu allen anderen Opfern des Angeklagten, die über das gesamte Bundesgebiet verstreut leben. Auch über den Betrüger selbst ist Krämer nun völlig im Bilde. Gleich vorne in der Akte war sehr leserfreundlich der Auszug aus dem Bundeszentralregister abgeheftet. Trunkenheit am Steuer, fahrlässige Körperverletzung, Betrug, Untreue - der Mann hatte einiges auf dem Kerbholz. "Nicht in ein Führungszeugnis (für Private oder Behörden) aufzunehmen" steht extra auf dem Auszug. Krämer konnte sich alles zu Hause zu Gemüte führen.
Der Beamte, in rechtlichen Dingen nicht sehr bewandert, fand die Aufklärung der Staatsanwaltschaft zwar "sehr freundlich", aber irgendwie kam ihm die Sache mit der Akte "ziemlich komisch vor".
Hildegard Becker-Touissant, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft entfuhren ganz andere Vokabeln: "Wie furchtbar!" "Das ist ja schrecklich!" "Ein schlimmes Versehen!" Die Staatsanwältin rang um Fassung, als sie von dem Vorfall hörte. Und sie leitete sofort Maßnahmen zur "Rückführung der Akte" ein: Ein Mitarbeiter wurde gleich gestern im Dienstwagen in Marsch gesetzt, um den Papierwust abzuholen, den Krämer natürlich gar nicht hätte zu Gesicht bekommen dürfen. Wem der Fauxpas unterlaufen ist, ließ sich nicht klären.
Das Aktenstudium hat Krämer übrigens nicht viel genutzt. In einem Schreiben, das der Akte beigefügt war, teilte die Staatsanwaltschaft nämlich mit, daß das Verfahren "am 11. Mai 92 wegen Eintritt der Strafverfolgungsverjährung endgültig eingestellt worden ist". vo
KÖNIGSTEIN. Bei einem Unfall auf der B 455 sind am späten Donnerstag nachmittag in Höhe des Parkplatzes am Opel-Zoo zwei Autofahrer verletzt worden. Ein aus Richtung Oberursel kommender Wagen geriet aus bislang ungeklärten Gründen auf die linke Fahrbahn und kollidierte frontal mit einem Auto, das den Parkplatz am Tiergehege mit Kurs Oberursel verließ.
Der vermutliche Unfallverursacher war nach dem Zusammenstoß in seinem Fahrzeug eingeklemmt und mußte nach Angaben der Polizei von der Feuerwehr befreit werden. Rettungswagen brachten ihn und die Fahrerin des anderen Wagens in die chirurgische Abteilung des Bad Homburger Kreiskrankenhauses. Während der Bergungsarbeiten mußte die Polizei den Königsteiner Kreisel und den Falkensteiner Stock für rund 45 Minuten sperren. Die Feuerwehr war mit vier Fahrzeugen und zehn Feuerwehrleuten, die Königsteiner Polizei mit sechs Beamten im Einsatz. ki
FR-Leserin Jutta A. ist freiberuflich und erfüllt nach eigenen Angaben nicht gerade das landläufige Bild vom selbständig Arbeitenden, der nicht nur über seine Zeit, sondern auch über ausreichend finanzielle Mittel verfügt. Das monatliche Einkommen der bei einer Frankfurter Bildungseinrichtung als Kursleiterin Tätigen summiert sich nach Selbstauskunft nicht zu dem Betrag, der ihr die Anhebung ihres Krankenkassenbeitrags als vernachlässigbare Größe erscheinen ließe.
Mit einem monatlichen Beitrag in Höhe von 281 Mark war Frau A. bislang freiwillig bei der Barmer Ersatzkasse versichert. Zu Jahresbeginn nun teilte die Kasse ihrer Versicherten mit, daß der künftig zu leistende Betrag sich auf 431 Mark erhöht habe. Auf Nachfragen erklärte man Frau A., daß als Grundlage für die Errechnung der aktualisierten Beitragshöhe ein fiktives Monatseinkommen der Versicherten diene, das sich für das Jahr 1993 auf 3710 Mark beläuft. Die Einwände der Versicherten, ihr tatsächliches Einkommen liege unter dem angenommenen Wert nahm man zwar bedauernd zur Kenntnis. Eine Änderung der Beitragshöhe schloß man gleichwohl aus.
Die Beitragskorrektur scheitert dabei nicht am mangelnden Willen der Krankenkasse, sondern am Gesetzgeber. Die Annahme eines fiktiven Monatseinkommens ist Rechtens und im Sozialgesetzbuch, 5. Buch, festgeschrieben. Um mögliche wirtschaftliche Vorteile von freiwillig Versicherten gegenüber versicherungspflichtig, abhängig Beschäftigten auszuschließen, sind die Kassen nach Paragraph 240 gehalten, eine fiktive Größe anzunehmen, wobei eine genau definierte Mindestbemessungsgrundlage nicht unterschritten werden darf.
Bislang nun konnten die Kassen nach Angabe von Winfried Fischer, dem stellvertretenden Geschäftsführer der Barmer Ersatzkasse in Frankfurt, für ihre freiwillig Versicherten das Mindestentgelt per Satzungsrecht festsetzen. Mit Inkraftreten des Gesundheitsstrukturgesetzes wird nun für alle Kassen verbindlich das fiktive Mindesteinkommen festgesetzt. Als Mindestbemessungsgrundlage gilt die sogenannte Bezugsgröße.
Sie ist jener aus dem Durchschnittseinkommen aller in der Bundesrepublik abhängig Beschäftigten sich ergebende Wert, der jeweils zu Jahresbeginn vom Bundesarbeitsministerium ermittelt und aktualisiert wird. Für das laufende Jahr beläuft sich diese Bezugsgröße auf 3710 Mark.
Allein bei Nachweis des tatsächlichen Verdienstes kann sich nach Angabe Fischers die Mindestbemessungsgrundlage noch einmal um 25 Prozent reduzieren: In diesem Fall wird ein monatliches Einkommen in Höhe von 2782,50 Mark veranschlagt und auf dieser Grundlage der Beitragssatz für 1993 errechnet. sar
BAD HOMBURG. Vom Treffen des Arbeitskreises "Alternativentwurf eines Strafgesetzbuches" zum Thema "Drogen und Strafrecht" bis zum Colloquium "Begriffsgeschichte" reicht der Veranstaltungskalender der Bad Homburger Werner-Reimers-Stiftung für das erste Halbjahr 1993. Er verzeichnet 35 Veranstaltungen in Bad Homburg.
Nähere Auskünfte gibt es bei der Stiftung unter Tel. 2 40 58.
Greenpeace befürchtet Öko- Katastrophe nach Tankerunglück
Utl: Umweltschützer fordern "endlich schärfere Kontrollen"
HAMBURG (ap).Die Umweltschutzorganisation Greenpeace befürchtet nach dem Tankerunglück im Adramanischen Meer eine ökologische Katastrophe für die Seestraße von Malaka und die Küste Sumatras. Ein Teil der Ladung von 255.000 Tonnen Rohöl sei bereits aus dem Tanker geflossen, teilte Greenpeace am Donnerstag nachmittag in Hamburg mit. Beide Unglückstanker seien auffälligerweise unter Billigflagge gefahren. Eines der Schiffe sei sogar über 17 Jahre alt, erklärte Greenpeace.
Bei der Kollision waren Greenpeace zufolge alle Kriterien für einen klassischen Tankerunfall erfüllt: Eine enge, vielbefahrene Wasserstraße, Großtanker unter Billigflagge, gemischte Mannschaften. "Wann handeln endlich die Verantwortlichen, wenn nicht nach den dicht aufeinander folgenden Unglücken in La Coruna, Shetland und Sumatra?", fragte Greenpeace-Schiffsoffizier Peter Küster.
Greepeace forderte nach dem neuen Tankerunglück "endlich schärfere Kontrollen", Lostenpflicht und eine vereinheitlichte Ausbildung der Crews. Außerdem müsse eine Schadeshaftung durch die Schiffahrts-Nationen eingeführt werden. Zum Schutz ökologisch sensibler Gebiete sei es darüber hinaus notwendig Sperrgebiete für Gefahrenguttransporte einzurichten.
Über die "Frechheit und Arroganz" eines Magistratsberichtes zur Verschwendung von Steuergeldern hat sich am Donnerstag der CDU-Stadtverordnete Karlheinz Bührmann empört. Es sei unerträglich, wenn das Parlament auf eine Antwort "in ein paar Jahren" vertröstet werde, sagte er im Haupt- und Finanzausschuß des Römer. Die CDU hatte in einer Anfrage vom vergangenen Februar nach den Ursachen und Konsequenzen bei einigen gravierenden Fällen von Geldverschwendung aus dem Jahr 1989 gefragt. So war die Erweiterung des Hemmerichsweges um 191 330,31 Mark teurer geworden, weil der Auftrag einen Tag zu spät erteilt worden war. Ein günstigerer Angebotspreis war damit hinfällig geworden.
Die CDU fragte auch nach vom Revisionsamt aufgedeckten Unregelmäßigkeiten bei der Wartung im Rebstockbad, nach Haushaltsmanipulationen im Architekturmuseunm und fehlender Kontrolle im Gartenamt.
Die Antwort auf die detaillierten Fragen fällt gleichwohl lapidar aus. Der Magistrat werde auf die Fragen in seiner Stellungnahme zum Bericht des Revisionsamtes für 1989 antworten. Für die CDU viel zu spät, denn diese Stellungnahme ist erst in einigen Jahren zu erwarten. Derzeit liegt den Stadtverordneten gerade erst die abschließende Rechnung für die Jahre 1985 und 1986 vor.
SPD-Fraktionsvorsitzender Günter Dürr konnte in solchem Drängen der CDU allenfalls Wahlkampf entdecken. Das sei doch ganz unüblich, "einige Punkte" aus dem Revisionsbericht herauszupicken und nicht die gesamte Stellungnahme abzuwarten.
Eine Antwort über die Gründe der über Nacht aufgetretenen Verteuerung beim Ausbau des Hemmerichsweges hat allerdings schon in der Zeitung gestanden. Die FR hatte damals berichtet, der Aufschlag sei fällig geworden, weil sich rote und grüne Koalitionäre bis zuletzt nicht über einen zwei- oder vierspurigen Ausbau der Straße hatten einig werden können. luf
jr FRANKFURT A. M., 21. Januar. Massive Kritik an dem Taiwan-Rüstungsexportgeschäft und daran beteiligten sozialdemokratischen Ministerpräsidenten hat der Kieler Bundestagsabgeordnete Norbert Gansel (SPD) geübt. In einer "Kurzdokumentation", die die FR veröffentlicht, schreibt Gansel, Sorgen um Arbeitsplätze "dürfen nicht gegen die politische und wirtschaftliche Vernunft instrumentalisiert werden".
Gansel vermutet, die Rüstungsindustrie wolle mit dem Taiwan-Geschäft die Tür für Exporte auch in Krisengebiete offenhalten, um ihre Überkapazitäten auszulasten. Nach seinen Worten würde bei dem Taiwan-Geschäft der Schaden für die deutsche Exportwirtschaft größer sein als der Vorteil durch eine kurzfristige Teilauslastung. (Wortlaut auf Seite 10)
MAIN-TAUNUS-KREIS. Nachrichten, die rechtsextremen "Republikaner" sammelten Unterschriften in Eschborn, um bei der Kommunalwahl ins Stadtparlament einzuziehen, schreckten in den vergangenen Tagen Bürger und Politiker auf. Doch die "Republikaner" werden in keiner Kommune, sondern lediglich für den Kreistag und den Umlandverband antreten, so der Pressesprecher des Kreisverbandes Michael Langer. Dies tun die Rechtsextremen aber mit Sicherheit. In Kelkheim, Kriftel, Hattersheim, Eschborn und Hofheim sammelten sie mehr als die notwendigen 162 Unterschriften, die sie für ihre Kandidatur brauchen. In der nächsten Woche wollen sie ihre Liste offiziell einreichen.
Bei der Listenaufstellung gab es allerdings einige Probleme. Nicht nur der Kelkheimer Juwelier Bodesheimer trat als Spitzenkandidat zurück, nachdem er Drohanrufe erhalten hatte. Auch zwei weitere Kandidaten warfen das Handtuch aus den gleichen Gründen. Neben dem Pressesprecher, einem Unternehmensberater aus Kelkheim, werden der Elektromeister Ekkehard Sennewald und Walter Günther antreten. Beide stammen aus der Möbelstadt, wo "viele aktive Mitglieder sind". Nur der vierte auf der Liste, der Selbständige Ulrich Schacht-Schabel, kommt aus Hattersheim.
Wie viele Mitglieder der Kreisverband zur Zeit zählt, vermag Sprecher Langer, der gleichzeitig für den Umlandverband kandidiert, nicht zu sagen. Auf Wahlaussagen der Rechtsextremen angesprochen, sagte Langer: "Das wichtigste ist, erstmal reinzukommen." Und weiter? "Auch im Kreis wollen wir dafür sorgen, daß Sparpolitik betrieben wird." Wo die "Republikaner" sparen wollen? Da muß Langer passen. "Das müssen wir dann im einzelnen sehen. Wir kennen die Haushaltspositionen nicht so genau." she
Der wegen Mordverdachts gesuchte 55jährige Werner Sch. hat sich offenbar selbst getötet. Am Mittwochnachmittag fanden Passanten die Leiche des Mannes in der Nähe der Wasserpumpstelle an der Musterhaussiedlung im Süden von Bad Vilbel. Nach Erkenntnissen der Polizei hatte sich der 55jährige vermutlich wenige Stunden zuvor mit einer Pistole des Kalibers 7,9 in den Kopf geschossen. Er war verdächtig, am Dienstagmorgen in Fechenheim seine 57jährige Ehefrau vor ihrem Haus erschossen zu haben.
Ein Polizeisprecher sagte am Donnerstag, daß Sch. mit "fast absoluter Sicherheit" als Täter gelten müsse. Das Kaliber der Pistole, die bei seiner Leiche gefunden wurde, stimme mit der Waffe überein, mit der seine Ehefrau getötet worden sei. Der 55jährige sei auch der Mieter des Leihwagens gewesen, der nach der Fechenheimer Tat zur Flucht benutzt worden war und den die Polizei am Mittwochmorgen verlassen auf einem Parkplatz an der Hanauer Landstraße entdeckt hatte.
Anschließend hatten die Beamten mit Hilfe eines Hubschraubers das Gebiet Bergen-Enkheim, Fechenheim und Maintal-Bischofsheim abgesucht. Die Suche sei allerdings zunächst ergebnislos verlaufen, weil der Leichnam aus der Luft nicht sichtbar unter dem Vordach der Pumpstation lag, sagte ein Polizeisprecher. Die Herkunft der Waffe, mit der sich Werner Sch. getötet haben soll, ist noch ungeklärt. Das Kaliber 7,9 Millimeter sei in Deutschland sehr selten. Vermutlich stamme die Waffe aus Osteuropa.
Der 55jährige Tote war, wie berichtet, im Herbst vergangenen Jahres von seiner Ehefrau verlassen worden. Anschließend soll er sie nach Zeugenaussagen mehrfach bedroht haben. mat
SCHWALBACH. Genügend Kandidatinnen und Kandidaten zu finden, die sich für die Kommunalwahl aufstellen lassen, entwickelt sich zum Problem für die Schwalbacher Grünen. Am Montag wollen sie über ihre Liste entscheiden. Wenn sich die Zahl der Interessierten, die für eine Arbeit im Parlament zur Verfügung stehen, bis dahin nicht verdoppelt hat, könnte das nach den Worten des Stadtverordneten Arnold Bernhardt das "Aus" für die Ökopartei in der Vordertaunusstadt bedeuten.
6,1 Prozent der Schwalbacher gaben den Grünen ihre Stimmen bei der vergangenen Kommunalwahl. Der 42jährige Rechtspfleger Arnold Bernhardt und die Parlamentarierin Barbara Blaschek, die die Partei im Stadtparlament vertreten, würden wieder antreten. Die 23jährige Studentin Tanja Schmitt ist die Dritte im Bunde. Damit könnten die Grünen zumindest die beiden Plätze im Parlament wieder besetzen - sofern sie sie halten können - und ein Magistratsmitglied stellen. Doch Bernhardt will die Arbeit auf mehr Schultern verteilen. "Wenn wir nicht noch drei Leute finden, die die Arbeit auch fortführen, falls jemand aussteigt, wird es wohl keine Liste geben."
Die Grüne-Stadtverordnete Gertrud Blum, die vor einem Jahr das Parlament verließ, und der pensionierte Lehrer Erich Blaschek stehen den Schwalbacher Grünen nicht mehr zur Verfügung.
Dabei setzten die Ökos im Parlament durchaus Farbtupfer, bilanzierte Bernhardt. Die Gewerbeansiedlung am Kronberger Hang habe eine mögliche Mehrheit von Unabhängiger Liste, Grünen und SPD im Stadtparlament verhindert. Die Grünen wollten die "aggressive Industrieansiedlung" sanfter und langsamer angehen. Doch weder ihre Überlegungen, störende Schwalbacher Betriebe aus dem Ortskern auf den Kronberger Hang auszulagern, noch das Plädoyer, auch entsprechenden Wohnraum für neu anzusiedelnde Betriebe zu schaffen, fanden Mehrheiten. Auch mit ihrer Forderung, Brauchwassernutzung und Wärmedämmung für die neuen Gewerbebetriebe anzuordnen, setzten sich die Grünen nur bedingt durch.
Transparenz in der Verwaltung zu schaffen, war ein weiteres Anliegen der Ökopartei. Sie wollten nachträgliche Berichte über die städtische Auftragsvergabe und fanden dafür auch eine Mehrheit im Stadtparlament. Die Grünen setzten durch, daß auch in Schwalbach Diskussionen über Grundstücksangelegenheiten grundsätzlich öffentlich sein müssen. Sie warben dafür, bei der Wohnungsfürsorge auch Wohngemeinschaften und Obdachlose zu berücksichtigen, um damit Verantwortung für Menschen zu übernehmen, die besonders auf städtische Hilfe angewiesen sind. Damit setzten sie sich nicht durch. Sie erreichten aber, indem sie immer wieder den Finger in Wunden legten, zumindest Teile ihrer Vorstellungen im Bewußtsein von Stadtverordneten und Verwaltung zu verankern.
Die Grünen treffen sich am Montag um 20 Uhr im "Nikopolis", Marktplatz 13, zur öffentlichen Wahlversammlung. she
Bei einem Überfall auf eine Filiale der Vilbeler Volksbank in Berkersheim raubten unbekannte Täter 13 180 Mark. Nach Angaben von Polizeisprecher Wolf-Dieter Schiebel drangen die beiden bewaffneten und maskierten Männer gegen 17.25 Uhr in das Gebäude Im Wiesengarten 2 ein. Mit vorgehaltener Waffe bedrohten sie den Leiter der Niederlassung sowie einen Kunden. Der Überfall dauerte nur wenige Minuten. Anschließend flohen die Räuber mit einem roten Kadett.
Während das Fluchtfahrzeug sichergestellt ist, fehlt von den Tätern jede Spur. Bei den beiden Männern handelt es sich nach Auskunft der Polizei vermutlich um Deutsche. Bekleidet waren sie mit olivgrünen Parkas. Über den Kopf hatten sie Motorrad-Sturmhauben gezogen. Ihre Größe wird auf 1,80 Meter beziehungsweise 1,70 Meter geschätzt.
Bewaffnet waren die Täter laut Bericht mit "kleinen Pistolen". ask
Daß der etwa vierjährige Hunde- Mischling "Momo" am Donnerstag noch so fröhlich mit dem Schwanz wedeln konnte, ist nur zwei Dingen zu verdanken: Der Aufmerksamkeit zweier Gymnasiasten, die von einem Kneipenbummel in Sachsenhausen zufällig am Aufgang zum Eisernen Steg vorbeikamen, und der Tatsache, daß der Main dort am Rand nur etwa einen Meter tief ist. "Momo", wie der Hund von seinen derzeitigen Betreuern im Fechenheimer Tierheim genannt wird, wurde nämlich in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag von unbekannten Tierquälern in den Fluß geworfen - zusammen mit einem etwa 60 Zentimeter langen und mindestens 40 Kilo schweren Betonklotz, der an seinem Halsband festgebunden war.
"Kurz nach Mitternacht hörten wir ein merkwürdiges Jaulen da unten", erzählt der 20jährige Dirk Hoffmann. Gemeinsam mit seinem Schulfreund Norbert Roth (19) sah er, daß nur etwa 30 Zentimeter vom Ufer entfernt ein Hund im etwa zehn Grad kalten Main verzweifelt versuchte, seinen Kopf über Wasser zu halten. "Wir haben ihm zunächst einen Schirm hingehalten, damit er sich daran festhalten kann."
Als das nicht funktionierte, griffen sich die Schüler, die im März an der Elisabethenschule im Nordend ihr Abitur machen wollen, ein Absperrgitter von der Baustelle am Eisernen Steg und ließen es ins Wasser herab. "Ich habe Jacke und Schuhe ausgezogen und bin am Gitter heruntergeklettert", sagt Norbert Roth. Doch erst als sein Freund zu Hilfe kam, gelang es, den Hund am Halsband aus dem Wasser zu ziehen. "Wir haben uns gewundert, warum der so schwer ist", sagt Dirk Hoffmann. Des Rätels Lösung erfuhren sie erst, als "Momo" am rettenden Ufer war: "Da entdeckten wir, daß an einer etwa einen Meter langen Leine noch der Betonklotz hing." Eine Polizeistreife, die von Anwohnern gerufen worden war, brachte den Hovawart-Mischling anschließend ins Tierheim. Dort stellte Heimleiterin Renate Karavit fest, daß der Hund "auch noch geschlagen worden sein muß". Blutige Verletzungen am Kopf und an der Pfote zeugen davon. Ansonsten aber sei Momo ein "ausgesprochen lieber und gepflegter Hund", der zwar am Donnerstag noch etwas verstört wirkte und auch noch kein Fressen annahm, aber mit seinen beiden Rettern schon spielte.
Der Frankfurter Tierschutzverein hat inzwischen eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt für Hinweise, die zur Ergreifung der Tierquäler führen. mat
Ein "zweites Rathaus" an der Hanauer Landstraße sei angesichts der massiven Mietsteigerungen für die städtischen Ämter unbedingt erforderlich. Diese "Bewertung" hat sich für den Geschäftsführer der Grünen im Römer, Lutz Sikorski, aus einem Magistratsbericht zu den Mietkosten der Stadtverwaltung geradezu aufgedrängt. Wegen der drastischen Mieterhöhungen sei es notwendig, "gemeinsam über einen weiteren Verwaltungskomplex" nachzudenken, sagte Sikorski jetzt im Haupt- und Finanzausschuß des Stadtparlamentes.
Heftigen Widerspruch erntete der Grüne mit dieser Forderung bei seinem Koalitionspartner. Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Günter Dürr, rechnete vor, daß die Stadt mit den angemieteten Amtsgebäuden wesentlich billiger lebe als mit einem neugebauten oder gekauften Rathaus.
Mehr als 50 Millionen Mark zahlte die Stadt nach dem Magistratsbericht im vergangenen Jahr als Miete für 160 000 Quadratmeter ihrer Amts- und Dienstgebäude. Die Kämmerei hat eine Durchschnittsmiete von 27,58 Mark pro Quadratmeter errechnet. 1987 hatte die Stadt noch 17,12 Mark gezahlt. Damals belegten die Ämter auch erst 110 000 gemietete Quadratmeter für 22,5 Millionen Markt.
Heute könne der Kämmerer kaum den Bau oder Kauf von drei Hochhäusern finanzieren, rüffelte Dürr den Koalitionspartner. Und so viel müßten es schon sein, um alle verstreuten Ämter und Abteilungen unterzubringen.
Der CDU-Stadtverordnete Karlheinz Bührmann warf der Koalition vor, die Verzögerungen selbst verschuldet zu haben. Die CDU habe zu ihrer Mehrheitszeit angesichts der steil steigenden Mieten schon die "Notwendigkeit eines weiteren Verwaltungskomplexes erkannt" und damals das "Rathaus Süd" auf einem Teil des Schlachthof-Areals geplant.
Der rot-grüne Magistrat hatte jetzt berichtet, daß sich die Planungen für einen neuen Rathauskomplex nicht weiter konkretisiert hätten. Die städtebauliche Neuordnung könne an der Hanauer Landstraße aber die Voraussetzungen für einen guten Standort bringen. Zunächst müßten dazu aber die Entwicklung des Hafens, die Umsetzung des Großmarktes und die Verknüpfung des öffentlichen Nahverkehrs entschieden werden. luf
Der Zwiespalt zwischen Motorsport und Umweltschutz wurde am Donnerstag abend in der Kurstadt Bad Homburg wieder einmal besonders augenfällig: Während eine rund viertausendköpfige Menge die 26 Fahrzeuge, die von hier aus die rund 1000 Kilometer lange Anfahrt nach Monte Carlo in Angriff nahmen, mit Begeisterung und viel Beifall verabschiedete, gab es am Fuße der Startrampe Aktionen von Umweltschützern. Mit zwei Transparenten protestierte die Naturschutzjugend gegen den Motorsport, wobei sie sie immer erst in letzter Sekunde einholte und den Rallyefahrzeugen den Weg freimachte. "Wenn die Rallye weiter stinkt, der Wald ums Überleben ringt" und "Die Rallye Monte Carlo oder wie wir unser Auto lieben lernten und die Umwelt darüber vergaßen", hießen die Inschriften, die den Zuschauern, aber insbesondere auch den Fahrern, die Problematik dieser Veranstaltung eindringlich vor Augen führen sollten.
Außer in Bad Homburg wurde die Rallye, der erste Lauf der Weltmeisterschaft 1993, gleichzeitig noch in Turin, Barcelona, Reims, Monte Carlo und Lausanne in Angriff genommen. Insgesamt 150 Teams machten sich in den sechs Startorten auf den Weg, um dann ab Samstag die 22 Wertungsprüfungen in den französischen Seealpen mit dem Col de Turini als Königsprüfung zu fahren.
Als erster Fahrer ging der Oberreichenbacher Armin Schwarz an den Start. Der deutsche Exmeister startete nicht nur mit einem neuen Auto (Mitsubishi Lancer), sondern auch mit einem neuen Beifahrer: dem Briten Nicky Grist. Auch Isolde Holderied (Bayersoich), im vergangenen Jahr Gewinnerin des "Damenpreises" und 19. im Gesamtklassement, hatte in der Schwedin Tina Thörner eine neue Copilotin. Von einem unbekannten Verehrer war ihr vor dem Start ein Blumenstrauß an den Scheibenwischer geheftet worden.
Den meisten Applaus erhielten jedoch die beiden Magdeburger Michael Kahlfuß und Gunter Friedmann, deren Trabant 601 R wegen seiner auf 45 PS gesteigerten Leistung sich in der Gruppe A mit wesentlich stärker motorisierten Fahrzeugen messen muß. Den Beifall für die Trabi-Besatzung konnte nicht einmal der dreimalige Weltmeister Juha Kankkunen aus Finnland erreichen, der erstmals einen Toyota Celica Turbo steuerte.
ERICH STÖR
Die Gleichung "gewaltbereite Fußballfans sind immer Rechtsradikale" hält Jens (Name geändert) für ein "Unding". "Die meisten von uns sind völlig unpolitisch", sagt der 26jährige, selbst Mitglied des oft als "Hooligan-Gruppe" bezeichneten Eintracht-Fanclubs "Adlerfront". Der Nazi-Gruß im Stadion, "Sieg-Heil"-Rufe zur Begrüßung der "gegnerischen" Fans, das sei doch, meint Jens "nur als Provokation gedacht, ohne echten politischen Hintergrund".
Vieles werde da "aufgebauscht" von Politikern und Medien. Das Schwenken der "Reichskriegsflagge" etwa: "In fast jeder Kleingartenanlage finden Sie mehr davon als bei einem Bundesligaspiel." Die "Adlerfront", sagt Jens, sei Anfang der 80er Jahre "wirklich mal rechtsradikal drauf gewesen, so wie ich auch". Inzwischen sei ihm längst klar, daß die Neonazi-Sprüche "totaler Blödsinn sind". Rechtsradikale Skinheads gebe es zwar noch in seiner Fan-Gruppe, "aber das sind nur wenige, die merken, daß man damit Aufmerksamkeit kriegt, daß man interviewt und in Talkshows eingeladen wird". Bei Fußballspielen sei inzwischen der alte Sozialisten-Ruf nach der "internationalen Solidarität" eher "ein Hit".
Fedor Weiser, der Leiter des "Fanprojekts Frankfurt" bestätigt das im Prinzip: "Wir haben relativ wenig Probleme mit rechtsradikalen Fußballfans hier." In weiter nördlich gelegenen Stadien, im Ruhrgebiet oder in Hamburg, sehe es da weit schlimmer aus.
Daß im hiesigen Waldstadion rechtsextreme Ideologien vergleichsweise wenig aufgenommen werden, führen Politiker, wie der SPD-Landtagsabgeordnete Matthias Kurth, "auch auf die Arbeit der Fan-Betreuer" zurück. Beim Frankfurter Fan-Projekt, das überwiegend von der Stadt und vom Land finanziert wird, kümmern sich drei hauptamtliche Sozialarbeiter um Kontakt und Vertrauen zu den meist jugendlichen Stadionbesuchern, und versuchen, den Einfluß von Neonazis einzudämmen.
"Verharmlosen sollte man das Problem auch hier nicht, aber Frankfurt ist ein Beispiel dafür, daß eine gute Sozialarbeit mehr bewirken kann als der Knüppel des Staates."
Auch Anjo Scheel, der Vorsitzende der rund 140 Eintracht-Fanclubs, glaubt, daß die Fans, "wenn sie in einen Dialog eingebunden werden", sich auch "für die richtige Sache engagieren". Sein Beispiel: Die Aktion gegen Ausländerfeindlichkeit "United Colors of Bembeltown" - die sei "allein auf den Mist der Fans gewachsen". mat
Beim Start zur Rallye Monte Carlo gab es am Donnerstagabend vor dem Kurhaus der Taunusstadt Bad Homburg auch Proteste von Umweltgruppen. Mit Transparenten wurde den Zuschauern und auch den Fahrern vor Augen geführt, wie problematisch Motorsport sein kann. Das ist gutes und verbrieftes Recht, und es ist nur zu begrüßen, wenn die Demonstranten auf diese Weise ihre Ansicht zum Ausdruck brachten. Es ist allerdings geschmacklos und zeugt nicht nur von Ein unfrommer Wunsch schlechtem Stil, sondern von Menschenverachtung, wenn den Teams von Transparentträgerinnen der überaus unfromme Wunsch "Unfall, Unfall, Unfall!" mit auf den Weg gegeben wurde. Selbst wenn man dies nur auf Übereifer reduziert, wird dem berechtigten Anliegen der demonstrierenden Naturschutzjugend auf diese Weise mehr Schaden als Nutzen zugefügt. Ein bißchen mehr Achtung vor Andersdenkenden wäre auch in diesem Fall nicht schlecht. -est-
bb. Differenz zwischen Miete und Nutzungsausfall
B könnte gegen U ein Anspruch auf die Differenz zwischen Miete und Nutzungsausfall haben, wenn der Nutzungsausfall ein Vermögensschaden wäre und zudem die Höhe des Mietzinses übersteigt.
Nutzungausfall als Vermögensschaden
Differenztheorie
Hiernach ist ein Vermögensschaden entstanden, wen sich aus dem Vergleich zwischen der hypothetischen Vermögenslage des Geschädigten, wie sie ohne das die Ersatzpflicht begründende Ereignis jetzt sein würde mit seinen nunmehr tatsächlichen Vermögen, also der Differenz zwischen den beiden Vermögenswerten. P. Heinrichs, Vorm. 249, Rn 2b Hinsichtlich der entgangenen Nutzung hat B demnach keine Vermögenseinbuße erlitten . so auch die Rechtsprechung, die eine Ersatzpflicht für Gebrauchsvorteile bei verspäteter Herstellung eines Hauses ablehnte, da dies gerade § 253 BGB zu weit unterlaufen würde. Damit sollte der Auschluß von Luxusgütern beibehalten werden. BGHZ 66, 277. Ein "Affektionsinteresse" sei im bürgerlichen Recht kein Vermögenswert. (Mertens, Der Begriff des Vermötgensschadens im bürgerlichen Recht, 1967, S. 154
Die Differenztheorie kann jedoch verlassen werden, wenn der an einem bestimmten Vermögensgut eingetretene Schaden zur Grundlage einer Bewertung in Geld gemacht werden könnte. Vermögensgüter könnten dann solche sein, die man für Geld kaufen kann. Pa. Heinrichs Vorm. 249 Rn 2b Nach diesem
Kommerzialisierungsgedanken
wäre der Wert nach dem dafür gezahlten Preis zu bestimmen. Doch würden hier auch jene Güter umfaßt, die das Gesetz unzweifelhaft zu den immateriellen zählt und unter § 253 BGB einer strengen Limitierung unterliegen. Nach dem
eingeschränkten Kommerzialisierungsgedanken
wären Vermögensgüter solche, die zwar für Geld erhältlich, aber nicht streng an eine Person gebunden sind. Larenz, K. Schuldrecht, I AT 14. Aufl. S. 486.
Familie B konnte ihr Wohnhaus nicht fristgerecht beziehen, sie haben sich mit einer preiswerten Mietwohnung für die Zwischenzeit abgefunden. Das unterstützt denn auch die Rechtsprechung: bei Sachen "auf deren ständige Verfügbarkeit der Berechtigte für die eigenwirtschaftliche Lebenshaltung typischerweise angewiesen, begründet der Eingriff in den Gegenstand des Gebrauches einen ersatzfähigen Vermögensschaden". BGHZ 98, 212
Da Familie B ihr Haus in Eigenbedarf beziehen wollte, ist eine eigenwirtschaftliche Nutzung gegeben. Durch die verspätete Fertigstellung wurde Familie B an der Gebrauchsmöglichkeit des Hauses gehindert.
Somit ist der Nutzungsausfall ein ersatzfähiger Vermögensschaden.
KÖLN, 22. Januar (AP). Zur Überwindung der wirtschaftlichen Rezession hat der stellvertretende SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine eine Zinssenkung von der Deutschen Bundesbank gefordert. In der Kölner Tageszeitung Express (Freitagausgabe) kritisierte der saarländische Ministerpräsident die Zinspolitik der Bundesbank als unverantwortlich.
Angesichts der "wirtschaftlichen Talfahrt ist die Zinspolitik der Bundesbank nicht zu verantworten", sagte er. "Um die Rezession zu stoppen und wieder dauerhaft ein Wachstum zu erreichen, muß die Bundesbank die Zinsen senken."
Gefordert sei aber vor allem die Bundesregierung, die die Staatsfinanzen sanieren und ein industriepolitisches Gesamtkonzept vorlegen müsse. "Mit Hilfe dieses Konzepts muß im Osten Deutschlands eine Industrie aufgebaut werden, die in erster Linie umweltfreundliche Produkte herstellt, zum Beispiel ein Benzinsparauto", sagte Lafontaine.
Ein Schwerpunkt des Konzepts müsse eine ökologische Steuerreform sein. "Das heißt, auf der einen Seite muß es eine Entlastung der Arbeit bei der Lohn- und Einkommenssteuer geben, auf der anderen Seite müssen Unternehmen oder private Haushalte, die unnötig Energie verschwenden, mit höheren Steuern belegt werden als Unternehmen oder Haushalte, die sparsam wirtschaften." Der SPD-Politiker forderte außerdem, Firmen, die umweltfreundliche Produkte herstellen, steuerlich zu fördern.
Im selben Blatt forderte Lafontaine ein Vorschlagsrecht für seine Partei bei der Wahl des nächsten Bundespräsidenten. Er wies darauf hin, daß die SPD nur einmal in der Geschichte der Bundesrepublik den Präsidenten gestellt hat. In Anspielung auf die Äußerung von Bundeskanzler Helmut Kohl, daß ein Ostdeutscher der nächste Bundespräsident werden sollte, sagte er: "Nach unserer Verfassung wird der Bundespräsident nicht vom Bundeskanzler ernannt."
WASHINGTON (AP/rtr). Als erste finanzpolitische Amtshandlung hat Präsident Bill Clinton die Schuldenobergrenze für den amerikanischen Staatshaushalt vorerst aufgehoben. Als Grund nannte sein Sprecher George Stephanopoulos, daß ohne diese Entscheidung das sogenannte Gramm-Rudman-Gesetz zur Beschränkung der Verschuldung automatische Ausgabenkürzungen um elf Prozent bewirkt hätte. Angesichts der Stationierung von US-Soldaten in Somalia und in der Golf-Region sei dies gegenwärtig nicht ratsam. Die Regierung hätte nach den 1990 eingeführten Bestimmungen in den nächsten zehn Monaten 50 Milliarden Dollar einsparen müssen. Die Hälfte davon wäre auf den Etat des Pentagons entfallen, sagte Stephanopoulos.
Er kündigte an, daß Clinton dem Kongreß in Kürze "ein umfassendes Wirtschaftsprogramm" vorlegen werde, "das die Verringerung des Defizits anstrebt und ein langfristiges Wirtschaftswachstum ermöglicht". Im Wahlkampf hatte der Präsident noch versprochen, den Plan schon an seinem ersten Arbeitstag zu präsentieren. Als voraussichtlicher Termin wird in Kreisen des Weißen Hauses nun Ende Februar oder Anfang März genannt. Schwierigkeiten bereitet offenbar vor allem die von Clinton in Aussicht gestellte Halbierung des Budgetdefizits innerhalb von vier Jahren. In der vergangenen Woche hatte Clinton angedeutet, er könne dieses Ziel wegen neuer Defizitschätzungen möglicherweise nicht verwirklichen. Für das bis Ende September laufende Haushaltsjahr 1992/93 wird eine Etatlücke von 327 Milliarden Dollar erwartet.
Der republikanische Oppositionsführer im Senat, Bob Dole, kritisierte den Beschluß Clintons: Es sei nur auf den ersten Blick der einfachste Weg, das Schuldenlimit auszusetzen. Damit werde es aber "nur noch schwieriger, das Defizit in Zukunft unter Kontrolle zu bringen". Auch der republikanische Senator Phil Gramm, einer der zwei Initiatoren des Gesetzes, bezeichnete "diese erste Amtshandlung der Regierung" als einen Fehler.
Im Senat zeigte sich die designierte Chefin des Wirtschaftsberaterstabes des Präsidialamtes, Laura D'Andrea Tyson, besorgt über die Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft. Diese sei in den vergangenen zehn Jahren "bedenklich abgebröckelt". Die Unternehmen hätten in wichtigen Feldern Marktanteile verloren. Als Beispiele für den wachsenden Rückstand der USA nannte sie stagnierende Reallöhne für die meisten Amerikaner sowie ein Investitionsniveau, das unter dem konkurrierender Staaten liege. Die Handelsbilanzdefizite hätten sich in den vergangenen zehn Jahren auf mehr als eine Billion Dollar summiert.
SARAJEWO, 22. Januar (AP/Reuter/ AFP/dpa). Vor der Fortsetzung der Genfer Friedenskonferenz für Bosnien- Herzegowina haben die Kämpfe in weiten Teilen des Landes offenbar an Härte zugenommen. Radio Sarajewo berichtete am Freitag über serbische Luftangriffe auf die ostbosnische Stadt Srebrenica und schwere Kämpfe zwischen den bislang verbündeten Kroaten und Moslems in dem westlich von Sarajewo gelegenen Gebiet von Gornji Vakuf.
Die Kleinstadt Srebrenica wurde nach moslemisch-bosnischer Darstellung auch von schwerer Artillerie und Panzern angegriffen. Die moslemischen Regierungstruppen hätten ihre Linien um sieben Kilometer vorgeschoben und Waffen der Serben erobert, berichtete der Fernsehsender. Die Belgrader Nachrichtenagentur Tanjug meldete anhaltende Kämpfe zwischen Moslems und Serben in der Nähe von Ilijas, 15 Kilometer westlich von Sarajewo. Moslemische Einheiten hätten auch den von Serben kontrollierten Sarajewo-Vorort Nedzarici mit Granaten beschossen. In der seit Wochenbeginn umkämpften Stadt Gornji Vakuf griffen nach einem Bericht des bosnischen Rundfunks die Kroaten moslemische Stellungen mit Raketenwerfern und Infanterie an. Die Moslems gingen zum Gegenangriff über. In Sarajewo hatte UN- Sprecher Juan Villalon noch zuvor mitgeteilt, beide Seiten hätten sich auf einen Waffenstillstand verständigt. Die Einstellung aller Feindseligkeiten steht auf dem Programm der Genfer Friedenskonferenz, die am Samstag die drei Kriegsparteien mit den Vermittlern von EG und UN zusammenführt.
In Kroatien wurde am Donnerstag ein russischer UN-Soldat von einer Mine getötet. Dies teilte das Hauptquartier der Blauhelme in Zagreb mit.
Die designierte UN-Botschafterin der USA, Madeleine Albright, sprach sich für eine militärische Durchsetzung des Flugverbots in Bosnien nach dem Muster des Irak-Konflikts aus. Im Washingtoner Senat kritisierte sie bei ihrer Anhörung im außenpolitischen Ausschuß, daß die europäischen Staaten bisher zuwenig unternommen hätten, um ein Ende der Kämpfe herbeizuführen. "Wir müssen weiter Druck auf unsere westeuropäischen Verbündeten ausüben", sagte sie. Das US-Außenministerium teilte mit, die neue Regierung denke über zusätzliche Maßnahmen zur Beendigung des Kriegs in Bosnien-Herzegowina nach. Außenamtssprecher Richard Boucher wollte jedoch keine Angaben dazu machen, ob auch militärische Maßnahmen vorgesehen sind. Ein Mitarbeiter des Außenministeriums, der nicht genannt werden wollte, teilte jedoch mit, die Regierung bereite einen Resolutionsentwurf vor, der den Einsatz von Gewalt zur Durchsetzung des Flugverbots vorsehe. Dieser Entwurf solle bald dem UN-Sicherheitsrat vorgelegt werden.
Der britische Verteidigungsminister Malcolm Rifkind warnte die Konfliktparteien in Bosnien vor einer Verletzung des Flugverbots, die mit derselben "Ernsthaftigkeit" betrachtet würde wie in Irak. Gleichzeitig sprach sich der Minister für eine Verschärfung des von den Vereinten Nationen verhängten Flugverbots aus, das seinen Angaben zufolge mehrfach von zivilen Hubschraubern und Flugzeugen verletzt wurde.
Das Europaparlament in Straßburg sprach sich für "Sanktionen und militärische Maßnahmen" für den Fall aus, daß die Serben weiterhin die UN-Resolutionen verletzen. In einer Erklärung forderten die Europaabgeordneten die Regierungen der EG auf, auf eine Resolution im UN-Sicherheitsrat hinzuarbeiten, die die Respektierung der UN-Resolutionen garantiere. Außerdem schlugen die Abgeordneten die Gründung eines Dokumentationszentrums über Menschenrechtsverletzungen im ehemaligen Jugoslawien vor. Die EG-Länder wurden aufgefordert, "vorübergehend" mehr Flüchtlinge aus Ex-Jugoslawien aufzunehmen.
Entgegen dem UN-Handelsembargo versucht auf dem Unterlauf der Donau eine Flottille von sechs Öltankern, insgesamt 6000 Tonnen Diesel nach Jugoslawien zu bringen. Die Schiffe ignorierten nach Angaben der Behörden in Bukarest bislang alle Halteaufforderungen. Der Kapitän des Schleppers, der die sechs Barken zieht, drohte kurz nach Verlassen des Hafens von Braila damit, die Schiffe in die Luft zu sprengen, falls jemand versuchen sollte, ihn zu stoppen.
(Kommentar Seite 3)
ROMAN HERZOG, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, hat vorgeschlagen, für Rücktritte von Politikern feste Regelungen einzuführen. Der in Mainzer Allgemeinen Zeitung sagte er, ein Gremium aus Juristen, Theologen und Philosophen sollte gebildet werden, um einen Kodex zu entwerfen. Zugleich warnte er vor Heuchelei und Rigorosität bei Rücktrittsforderungen. Pauschale Vorwürfe gegen Politiker beruhten zum Teil auf einer "Haltet-den-Dieb-Mentalität": "Man benimmt sich auch selber miserabel, man betrügt auch selber das Finanzamt, aber wenn es ein Politiker tut, entrüstet man sich", sagte Herzog. Er wolle "den sehen, der ohne Schuld ist und das Recht hätte, den ersten Stein zu werfen". (AP)
BONN, 22. Januar (AP). Der im Juni vom Bundestag eingesetzte Schalck-Untersuchungsausschuß hat bereits rund 1,3 Millionen Blatt Dokumente zu seiner Arbeit herangezogen und in mehr als 300 Stunden knapp 150 Zeugen gehört, teilte der Ausschußvorsitzende Friedrich Vogel am Freitag im Parlament mit.
Der Untersuchungsausschuß soll die Geschäfte des Bereichs Kommerzielle Koordinierung klären, wie das Finanzimperium des ehemaligen DDR-Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski genannt wurde. Vogel sagte in der Debatte über einen Zwischenbericht des Gremiums, vielfach seien Dokumente in ungeordnetem Zustand und lückenhaft sowie zum Teil offenbar nicht mehr auffindbar. Die Ausfüllung der Lücken durch Zeugenaussagen stoße auf Schwierigkeiten, sagte der CDU-Abgeordnete. So versuchten hochrangige Zeugen wie Schalck und der ehemalige SED-Wirtschaftsexperte Günter Mittag, ihr Persönlichkeitsbild für die Geschichte aufzupolieren. Zeugen aus den unteren Rängen neigten dazu, ihre Mitwirkung zu bagatellisieren.
Andreas von Bülow (SPD) sprach von "Merkwürdigkeiten" im Bereich der Regierungskoalition im Zusammenhang mit der Arbeit des Ausschusses. So fehlten alle einschlägigen Akten aus der Zeit Philipp Jenningers als Kanzleramtsminister. Der jetzige Vorsitzende der Unionsfraktion, Wolfgang Schäuble, könne Briefe Schalcks nicht mehr finden, und ein Mitarbeiter des inzwischen verstorbenen Staatsministers im Kanzleramt, Lutz Stavenhagen, habe wichtige Akten in seinem Panzerschrank verschwinden lassen.
JERUSALEM, 22. Januar (AP/AFP/ dpa/Reuter). Der israelische Ministerpräsident Yitzhak Rabin lehnt direkte Verhandlungen mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) trotz der Aufhebung des Kontaktverbots mit der Palästinenserorganisation weiter ab. Seine Regierung gestehe der PLO auch keine direkte Rolle bei den Washingtoner Friedensgesprächen zu, hieß es in einer am Freitag von Rabins Büro verbreiteten Erklärung. Rabin erteilte damit dem PLO-Vorsitzenden Yassir Arafat eine Absage, der Israel am Donnerstag direkte Friedensgespräche angeboten hatte.
In einem vom israelischen Fernsehen verbreiteten Appell hatte Arafat telefonisch aus dem PLO-Hauptquartier in Tunis erklärt: "Ich wiederhole meinen Aufruf an Ministerpräsident Yitzhak Rabin und seine Regierung, bei einer Konferenz der Rechtschaffenen einen mutigen Frieden zu schließen." Vor dieser Erklärung war Arafat mit dem israelischen Friedenspolitiker Abie Nathan zusammengetroffen. Als einzige Bedingung für direkte Gespräche nannte der PLO-Chef die Rückführung der 415 nach Südlibanon deportierten Palästinenser.
Israels Parlament hatte das Kontaktverbot für Israelis mit der Palästinenservertretung am Dienstag aufgehoben.
Die libanesische Regierung genehmigte am Freitag das britische Angebot, mit Hubschraubern kranke und irrtümlich deportierte Palästinenser aus ihrem Lager zu evakuieren. Aus Regierungskreisen in Beirut verlautete, die Hubschrauber müßten von Israel aus einfliegen. Ein israelischer Regierungssprecher sagte, er gehe davon aus, daß Großbritannien sich an das Rote Kreuz und nicht an Israel wenden werde. Eine Erlaubnis für das Rote Kreuz bestehe seit längerem.
Der indische UN-Vermittler Chinmaya Gharekhan verließ Israel am Freitag ohne Erfolg. Er hatte die israelische Führung nicht zur Rückführung der Palästinenser bewegen können.
Israelische Soldaten feuerten am Freitag vier Granaten auf einen Hügel in der Nähe der Deportierten.
BOGOTÁ, 22. Januar (AP/AFP). Bei der Explosion einer Autobombe in einem belebten Viertel der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá sind nach Angaben der Polizei am Donnerstag abend 15 Menschen verletzt worden. Wie die Polizei weiter mitteilte, wurde der mit 75 Kilogramm Sprengstoff präparierte Pkw rund 60 Meter weit durch die Luft geschleudert. Im weiten Umkreis wurden Gebäude beschädigt.
Drei Tage vor dem Anschlag hatte der flüchtige Chef des Kokainkartells von Medellín, Pablo Escobar, gedroht, die Terrorkampagne gegen den Staat wieder aufzunehmen.
Am Dienstag war José Humberto Lopez, Kommandant der Guerilla-Organisation "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (FARC), nach einem Hinweis aus der Bevölkerung festgenommen worden. Er wird für Entführungen von Großgrundbesitzern sowie für Angriffe auf Polizei und Armee verantwortlich gemacht.
HAMBURG, 22. Januar (AP). Der von Verkehrsminister Günther Krause vorgelegte Entwurf eines Investitionsmaßnahmegesetzes ist auf verfassungsrechtliche Bedenken gestoßen. In einem Bericht der Hamburger Morgenpost vom Freitag hieß es, dem Bundestag lägen zwei juristische Stellungnahmen vor, die dem Gesetz Verfassungswidrigkeit bescheinigten.
Nach dem Gesetz, das Straßen- und Schienenbauvorhaben in Ostdeutschland weiter beschleunigen soll, entscheidet nur der Bundestag per Gesetz über einzelne Bauprojekte. Regionale Instanzen sind nicht mehr zuständig. Das Gesetz wird derzeit zum ersten Mal bei der umstrittenen Südumfahrung Stendal auf der Schnellbahnstrecke Hannover - Berlin angewendet.
Einer der Gutachter, der Berliner Verfassungsrechtler Professor Michael Ronellenfitsch, sagte der Zeitung, daß mit dem Gesetz "der Rechtsschutz der Bürger reduziert" werde und "das Parlament sich mit Verwaltungsaufgaben beschäftigen muß, die es gar nicht fachlich entscheiden kann". Das sei mit der Verfassung nicht vereinbar.
Als "verfassungsrechtlich einwandfrei" bezeichnete dagegen der CDU-Abgeordnete und frühere DDR-Verkehrsminister Horst Gibtner, das Gesetz.
FRANKFURT A. M. (AP). Die IG Metall hat der Treuhandanstalt Aufforderung zum Bruch von Tarifverträgen vorgeworfen. Die Gewerkschaft veröffentlicht ein Schreiben der Anstalt vom 11. Dezember 1992, in dem die Vorstände der Treuhandbetriebe aufgerufen werden, ihre Jahresplanung einschließlich einer zu erwartenden Lohnkostensteigerung in Höhe der voraussichtlichen Inflationsrate von neun Prozent vorzulegen. Gewerkschaftsvize Klaus Zwickel verweist darauf, daß in der Metallindustrie die tariflichen Grundlöhne und Gehälter auf 80 Prozent des Westniveaus angehoben werden sollen, was einer Steigerung von etwa 22 Prozent entspricht. Die Treuhand fordere damit die Firmen zum Rechtsbruch auf und provoziere zusätzlich für die Zukunft wirtschaftliche Schwierigkeiten, wenn die Firmen jetzt zu geringe Lohn- und Gehaltssteigerungen einplanten. Die Tarifverträge seien trotz der derzeit laufenden Revisionsgespräche unbestritten wirksam und gültig. In einem Schreiben an die Treuhand fordert Zwikkel eine Korrektur der Anweisung. Bei den genannten neun Prozent handele es sich genau um die von den Metallarbeitgebern ins Spiel gebrachte Größenordnung. Die Treuhand als staatliche Einrichtung habe sich jedoch in ganz besonderer Weise an Recht und Gesetz zu halten und von einer so eindeutigen Parteinahme zugunsten der Position der Arbeitgeberverbände Abstand zu nehmen.
LUANDA, 22. Januar (AP/dpa/Reuter). Die angolanische Rebellenbewegung Unita und die Regierung in Luanda haben für Montag die Aufnahme von Friedensverhandlungen vereinbart. Ein UN-Sprecher teilte am Freitag mit, Unita-Führer Jonas Savimbi habe den von den UN vermittelten Gesprächen in Äthiopien zugestimmt. Der angolanische UN-Botschafter Afonso Van Dunem M'Binda hatte nach einer Meldung der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa bereits am Donnerstag Generalsekretär Butros Butros-Ghali in Addis Abeba das Einverständnis seiner Regierung mitgeteilt.
Die EG hatte vor der Vereinbarung neuer Verhandlungen eine sofortige Waffenruhe in Angola gefordert und die Regierung sowie die Unita zur Wiederaufnahme des Dialogs aufgerufen.
Die Unita nahm nach eigenen Angaben in der Stadt Soyo vier weitere Ausländer, darunter auch einen Deutschen, gefangen. Die Rundfunkstation der Bewegung meldete, insgesamt seien nun 20 Ausländer in ihrer Gewalt. In der Hauptstadt Luanda attackierten bewaffnete Zivilisten nach Angaben von Augenzeugen am Freitag Bürger aus Zaire. Dabei habe es mehrere Verletzte gegeben.
NAIROBI, 22. Januar (AP). Der tropischen Infektionskrankheit Kala-Azar sind nach Angaben von Beobachtern der Vereinten Nationen (UN) im durch Hunger und Bürgerkrieg geschwächten Süden Sudans 60 000 Menschen zum Opfer gefallen. Die Krankheit wüte besonders stark in dem Bezirk Parayang, in dem zwei Drittel der Bevölkerung gestorben seien. Die Dorfbewohner dort seien Opfer von Sandfliegen geworden, die die Krankheit auf Menschen übertragen würden, sagte ein Angehöriger der Kinderhilfsorganisation (Unicef), die erstmals seit zehn Jahren wieder in das Gebiet vordringen konnte.
Kala-Azar verursacht Fieber, Gewichtsverlust, Anämie und Milzschwellung. Ohne Behandlung töte die Seuche 75 Prozent der Erkrankten, sagte der Unicef- Sprecher.
SIEGEN, 22. Januar (AP). Wegen des Verdachts, einen Behinderten ermordet zu haben, sind in Siegen zwei 16 und 20 Jahre alte Skinheads verhaftet worden. Der Sprecher der Siegener Staatsanwaltschaft, Hans Schicha, berichtete am Freitag, die beiden Jugendlichen hätten nach den bisherigen Ermittlungen Mitte Dezember in einem Siegener Einkaufszentrum einen stark sehbehinderten 55jährigen Mann so schwer geschlagen und getreten, daß ihr Opfer wenig später gestorben sei. Der jüngere der Skinheads habe die Tat bei seiner Vernehmung gestanden und den anderen schwer belastet. Der ältere bestreite jedoch bisher jede Tatbeteiligung.
WIESBADEN, 22. Januar (AP). Bei jeder zehnten Eheschließung haben sich 1991 deutsche und ausländische Partner in der Bundesrepublik das Ja-Wort gegeben. Wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte, waren von insgesamt 454 291 Eheschließungen 43 955 binational. In 19 807 Fällen schloß ein deutscher Mann mit einer ausländischen Frau den Bund fürs Leben, 24 148mal war es umgekehrt. Mit 3143 Eheschließungen heirateten die meisten deutschen Männer der Statistik zufolge Polinnen, gefolgt von Frauen aus dem ehemaligen Jugoslawien und Thailand. 3580 Frauen gaben türkischen Männern das Ja-Wort, 2603 schlossen mit US-Amerikanern, 2030 mit Italienern die Ehe.
SAARBRÜCKEN, 22. Januar (AP). Immer mehr junge Menschen leben nach einer Untersuchung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen über ihre finanziellen Verhältnisse. Das Alter derjenigen, die Schulden machen, werde immer geringer, und die Schulden würden immer höher, sagte der Finanzexperte der Organisation, Rainer Metz, am Freitag im Saarländischen Rundfunk. Bereits jeder Zehnte, der in Kreditfragen Rat suche, sei 20 Jahre oder jünger. Jeder Zweite, der vor seinem 30. Lebensjahr einen Kreditvertrag abgeschlossen habe, sei überschuldet.
Insgesamt nimmt die Zahl der Überziehungskredite laut Metz stetig zu. Anders als früher würden dabei nicht einzelne Wertgegenstände, sondern das "normale Leben" über Kredite finanziert.
MINSK, 22. Januar (AP/AFP). Die Billigung einer neuen Charta der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) und der Streit zwischen Rußland und der Ukraine über die Kontrolle der Atomwaffen standen am Freitag im Mittelpunkt des GUS-Gipfels in Minsk. Die Charta, die den Organen der GUS mehr Befugnisse einräumt und ein engeres Bündnis der Staaten der Exsowjetunion anstrebt, wurde von sieben der zehn GUS-Mitglieder angenommen; die Ukraine, Moldawien und Turkmenien verweigerten ihre Zustimmung, mit der Begründung, eine drohende Vormachtstellung Rußlands in der Gemeinschaft nicht hinnehmen zu wollen. Auch die anderen GUS-Mitglieder äußerten - jeweils unterschiedliche - Bedenken gegen die Charta, stimmten aber dennoch zu.
GUS-Sprecher Juri Bechterow erklärte, wenn die Ukraine, Moldawien und Turkmenien die Charta nicht unterschreiben wollten, könnten sie vorerst als assoziierte Mitglieder an der Arbeit der Gemeinschaft teilhaben.
Sieben der zehn GUS-Staaten hatten sich bereits auf einem Vorbereitungstreffen in Minsk auf die Schaffung einer gemeinsamen Zentralbank geeinigt, die den Handel und den Geldverkehr im GUS- Wirtschaftsraum koordinieren und kontrollieren soll. Auch stimmten sie der Beibehaltung des Rubels als Gemeinschaftswährung zu. Dies berührt nicht das Recht einzelner Länder, für den internen Verkehr eigene Währungen einzuführen, wie dies bereits die Ukraine und Weißrußland beschlossen haben.
Im Konflikt zwischen Rußland und der Ukraine über die Atomwaffen waren bereits am Donnerstag die Verteidigungsminister der GUS bei einem Treffen in Minsk zu keiner Einigung gekommen. Der Vorschlag, alle Atomwaffen nach Rußland zu bringen, wie es in einer Vereinbarung zwischen den USA und den Atommächten der ehemaligen Sowjetunion - Rußland, die Ukraine, Weißrußland sowie Kasachstan - vorgesehen ist, stieß nicht auf die Zustimmung aller Beteiligten. Der ukrainische Präsident Leonid Krawtschuk hat zwar wiederholt erklärt, die Republik bringe ihre Nuklearwaffen nach Rußland, wo sie vernichtet werden sollen, hat als Bedingung aber Sicherheitsgarantien von Moskau gefordert.
BERLIN, 22. Januar (dpa). Zur Erinnerung an die Opfer der Schlacht von Stalingrad im Zweiten Weltkrieg findet am kommenden Montag ein ökumenischer Gottesdienst in der Berliner Gedächtniskirche statt. Dabei werden auch Ausschnitte aus Briefen verlesen, die von Soldaten aus dem Kessel von Stalingrad geschickt wurden. Neben der "Madonna von Stalingrad", einer dort zu Weihnachten 1942 entstandenen Zeichnung des deutschen Pfarrers und Arztes Kurt Reuber, wird eine holzgeschnitzte Marien-Ikone aufgestellt, die Bischof Kruse 1989 vom damaligen Erzbischof von Wolgograd (dem früheren Stalingrad) als Geschenk für die Gedächtniskirche erhielt.
BERLIN, 22. Januar (dpa). Unbekannte Täter haben am Donnerstag abend auf einem Firmengelände in Berlin-Tegel die Ventile von rund 350 Gasflaschen mit hochexplosivem Acetylen aufgeschraubt und zum Teil angezündet. Beim Eintreffen der Feuerwehr standen rund 150 der zum Schweißen benötigten Behälter in Flammen, teilte die Behörde am Freitag morgen mit. Menschen seien durch das giftige Gas nicht gefährdet gewesen, weil es sich schnell verflüchtige, sagte ein Feuerwehrsprecher. Hinweise auf die Täter und ihr Motiv lagen zunächst nicht vor.
HAMBURG, 22. Januar (dpa). Zum dritten Mal seit Jahresbeginn ist in der Nacht zum Freitag über Norddeutschland ein Sturm mit Orkanböen hinweggetobt. In Hamburg und Schleswig-Holstein hat es nach einer ersten Übersicht von Polizei und Feuerwehr aber nur geringe Schäden gegeben. Wie ein Sprecher der Hamburger Feuerwehr mitteilte, habe man nur einige auf Fahrbahnen gefallene Äste und abgeknickte Bäume beseitigen müssen. "Kein Vergleich mit dem Sturm in der vorigen Woche", sagte er.
SINGAPUR, 22. Januar (dpa/AP). Einen Tag nach der Kollision von zwei Tankern in der See vor Sumatra bereitete sich am Freitag ein zwei Meilen langer und rund 200 Meter breiter Ölteppich auf dem Meer aus. Das Öl läuft aus dem brennend auf dem Wasser treibenden dänischen 254 000 Tonnen Supertanker "Maersk Navigator" aus.
Zwei an der Unglücksstelle nahe dem nördlichen Zufahrtsweg der Seestraße von Malakka angekommene Bergungsschlepper aus Singapur nahmen am Freitag als erste den Kampf mit den Flammen mit dem mit rund zwei Millionen Faß Rohöl gefüllten Riesentanker auf.
Maurice Gabiot, Kapitän eines der Rettungsschlepper, verglich das Feuer auf der "Maersk Navigator" mit einer "Fakkel, einem riesigen Feuerwerk". Zur Lage auf der "Maersk Navigator" sagte am Freitag ein Sprecher der Seefahrtsbehörde in Singapur: "Die Situation hat sich durch den Ausbruch von mehreren kleinen Feuern auf dem Tankerdeck verschärft."
Die beiden Tanker waren am frühen Donnerstag morgen aus noch unbekannter Ursache kollidiert. Die 24 Besatzungsmitglieder der "Maersk Navigator" gaben wegen des Großfeuers auf dem Supertanker ihr Schiff auf und wurden rund eine Stunde nach der Havarie vom deutschen Containerfrachter "DSR Atlantic" unverletzt an Bord genommen.
Wegen der Zunahme von Schiffsunglücken in der Straße von Malakka sind die drei Anrainerstaaten Indonesien, Malaysia und Singapur zunehmend besorgt über die Verkehrssicherheit dieses Fahrwegs. Nach der neuen Kollision fordert Indonesien eine internationale Konferenz von Ländern, deren Schiffe die Straße von Malakka benutzen.
Die von dem brennenden Supertanker "Maersk Navigator" ausgehende Umweltgefährdung ist nach Darstellung des Reeders "relativ gering". Ein Sprecher der dänischen Gesellschaft A. P. Möller sagte am Freitag in Singapur, es bestehe kein Grund zur Sorge um die Mangrovenwälder an den Küsten Sumatras und Malaysias. Zwar sei einer von insgesamt 14 Tanks beschädigt, doch verbrenne das auslaufende Öl auf dem Wasser.
Der Schiffahrtsexperte Richard Golob, Präsident des Instituts World Information Systems in Cambridge im US-Staat Massachusetts, sprach von einem "völlig vermeidbaren" Unglück. Für eine Kollision auf offenem Meer gebe es keinerlei Rechtfertigung. Die Ursache sei aller Wahrscheinlichkeit nach menschliches Versagen gewesen.
Angesichts der Serie von Tankerkatastrophen seit Anfang Dezember forderte das Europäische Parlament in Straßburg am Donnerstag abend schärfere Bestimmungen für Öltanker. Der konservative britische Abgeordnete Michael Welsh sagte, die EG dürfe nicht zulassen, daß die "schwimmenden Umweltzeitbomben" weiterhin die Gewässer der Gemeinschaft unsicher machten.
Das EG-Parlament forderte die Kommission unter anderem auf, den Transport gefährlicher Güter auf Wasserstraßen zu verbieten, die durch ökologisch besonders gefährdete Regionen führen. Auch sei die Einführung eines europäischen Schiffsregisters zu erwägen, das der EG die verstärkte Kontrolle von Schiffen ermöglichen soll. Die Abgeordneten verlangten zudem, daß Tankern, die älter als 15 Jahre sind, die Einfahrt in EG-Häfen verboten wird.
WASHINGTON, 22. Januar (dpa/AFP/AP/Reuter). US-Präsident Bill Clinton ist kurz nach seinem Amtsantritt erstmals auf ernsthafte Probleme bei der Regierungsbildung gestoßen. Seine designierte Justizministerin Zoe Baird mußte am frühen Freitag morgen auf Druck des Kongresses auf dieses Amt verzichten. Clinton habe ihren Verzicht angenommen, meldete der US-Fernsehsender CNN.
Frau Baird, die die erste Frau an der Spitze des US-Justizministeriums gewesen wäre, war bei der vorgeschriebenen Anhörung im Parlament heftig angegriffen worden, weil sie in ihrem Haushalt ein illegal in die USA eingewandertes peruanisches Ehepaar als Haushaltshilfen angestellt und für sie keine Sozialversicherung bezahlt hatte. Dies hatte auch Tausende von Protestbriefen und empörten Anrufen bei Abgeordneten ausgelöst. Clinton hatte aber zunächst trotzdem an ihrer Benennung für das Regierungsamt festgehalten. In einer Erklärung bedauerte Clinton die Entscheidung der 40jährigen Juristin. Er bezeichnete sie als "begabte Anwältin und Frau von Anstand und Integrität". Vor der Auswahl der Regierungsmitglieder seien die Vorwürfe gegen Baird aber nicht ausreichend geprüft worden. Dafür übernehme er die volle Verantwortung, sagte Clinton, der das Präsidentenamt am Mittwoch von George Bush übernommen hatte. Frau Baird hatte in einem am Donnerstag dem neuen Präsidenten zugestellten Schreiben gebeten, von der Bewerberliste gestrichen zu werden. Die öffentliche Kontroverse um die Einstellung der illegalen Einwanderer, die sie in dieser Heftigkeit überrascht habe, würde ihre Fähigkeit beeinträchtigen, das Justizministerium in der gebotenen Weise zu leiten, heißt es in dem Schreiben weiter: "Ihr in mich gesetztes Vertrauen, als Justizministerin zu dienen, ist für mich jedoch nach wie vor die höchste Ehre, die ich mir vorstellen kann."
Am Donnerstag hatte Frau Baird noch betont, daß sie die Anstellung dieses Ehepaares "zutiefst bedauert". "Ich habe gesagt, daß es falsch ist", unterstrich sie. "Ich habe gesagt, daß es ein Fehler ist." Sie habe die Strafe dafür bezahlt.
Zwei demokratische Senatoren, Bennett Johnston und Richard Shelby, hatten jedoch an sie appelliert, auf den Ministerposten zu verzichten. Fünf Republikaner hatten zuvor angekündigt, gegen die Berufung der Anwältin zu stimmen. Senator Johnston erklärte, es wäre im Interesse des Landes, wenn Frau Baird freiwillig auf das Amt verzichtete. Sein Kollege Shelby fügte hinzu, die nominierte Justizministerin habe wissentlich gegen das Einwanderungsrecht verstoßen.
Frau Baird und ihr Mann Paul Gewirtz, Rechtsprofessor an der Elite-Universität Yale, hatten 1990 die Peruaner eingestellt. Sozialabgaben entrichteten sie erst nach der Nominierung Frau Bairds zur Justizministerin. Die Bairds zahlten vergangene Woche umgerechnet rund 4700 Mark Geldbuße an die Einwanderungsbehörde, die zum Justizministerium gehört.
Andere führende Regierungsmitglieder bestanden problemlos die Anhörungen im Kongreß, der Clintons Ernennungen absegnen muß. Am Donnerstag waren allein zehn Minister bestätigt worden. Der neue Außenminister Warren Christopher und Verteidigungsminister Les Aspin hatten schon zuvor die Bestätigung durch das Parlament bekommen. Clinton hebt Schuldenlimit auf
Als erste Amtshandlung in der Finanzpolitik hob US-Präsident Bill Clinton das Schuldenlimit für den Staatshaushalt vorerst auf. Wie sein Sprecher George Stephanopoulos am Donnerstag abend in Washington mitteilte, hätte das sogenannte Gramm-Rudman-Gesetz zur Begrenzung der Staatsverschuldung ohne diesen Schritt automatische Ausgabenkürzungen um elf Prozent bewirkt.
Angesichts der Stationierung von US- Soldaten in Somalia und in der Golfregion sei die Ausgabenkürzung gegenwärtig nicht ratsam, sagte der Sprecher. Nach seinen Angaben hätte die Regierung nach den Bestimmungen des 1990 eingeführten Gramm-Rudman-Gesetzes in den nächsten zehn Monaten 50 Milliarden Dollar (80 Milliarden Mark) einsparen müssen. Die Hälfte davon hätte den Etat des Pentagons betroffen, sagte Stephanopoulos.
Er kündigte an, daß Clinton dem Kongreß in Kürze "ein umfassendes Wirtschaftsprogramm" vorlegen werde, "das die Verringerung des Defizits anstrebt und ein langfristiges Wirtschaftswachstum ermöglicht". Im Wahlkampf hatte Clinton versprochen, dieses Programm schon an seinem ersten Arbeitstag zu präsentieren. Als voraussichtlicher Termin wird in Kreisen des Weißen Hauses jetzt Ende Februar oder Anfang März genannt. Schwierigkeiten bereitet dem neuen Präsidenten offenbar vor allem die von ihm in Aussicht gestellte Halbierung des Budgetdefizits innerhalb von vier Jahren. In der vergangenen Woche deutete Clinton an, er könne dieses Ziel wegen neuer Defizitschätzungen möglicherweise nicht verwirklichen.
Für das bis Ende September befristete Haushaltsjahr 1992/93 wird eine Dekkungslücke von 327 Milliarden Dollar (510 Milliarden Mark) erwartet. Die addierte Staatsverschuldung der USA beträgt gegenwärtig rund vier Billionen Dollar (6,4 Billionen Mark).
Der republikanische Oppositionsführer im Senat, Bob Dole, kritisierte den Beschluß Clintons: Es sei nur auf den ersten Blick der einfachste Weg, das Schuldenlimit auszusetzen. Damit werde es aber "nur noch schwieriger, das Defizit in Zukunft unter Kontrolle zu bringen". Auch der republikanische Senator Phil Gramm, einer der beiden Initiatoren des Defizitkontrollgesetzes, bezeichnete "diese erste Amtshandlung der Regierung" als einen Fehler.
ERFURT, 22. Januar (dpa). Bei einer Schießerei in einem Erfurter Ausländerwohnheim sind am frühen Freitag ein Vietnamese getötet und ein anderer schwer verletzt worden. Nach Angaben der Polizei sollen die mindestens zwei mutmaßlichen Schützen ebenfalls aus Vietnam stammen. Die Täter seien in das Wohnheim eingedrungen und hätten sofort das Feuer auf ihre Opfer eröffnet. Die Motive für die Tat seien noch völlig unklar. Einer der mutmäßlichen Schützen sei bereits kurz nach dem Schußwechsel in der etwa 30 Kilometer von Erfurt entfernten Stadt Gotha festgenommen worden. Der zweite Täter sei noch auf der Flucht.
MADRID, 22. Januar (dpa). Ein Gefängnisbeamter ist am Freitag morgen bei einem Attentat im baskischen Seebad San Sebastian durch zwei Schüsse getötet worden. Nach Behördenangaben wurde der Beamte bei einer Tankstelle mit zwei Schußwunden gefunden und starb kurz darauf. Über den genauen Tathergang wurde zunächst nichts bekannt. Das ist das zweite Attentat innerhalb einer Woche in San Sebastian. Am vergangenen Dienstag war ein baskischer Unternehmer von einem Unbekannten erschossen worden. Die verwendete Munition deutet auf die baskische Untergrundorganisation ETA hin.
NEAPEL, 22. Januar (dpa). Für eine italienische Nonne ist der Besuch eines Fußballspiels nicht statthaft. Der Bischof des Compassionisten-Ordens von Castellammare di Stabia in der Nähe von Neapel verbot der Klosterfrau Stefania Iorio, ins Stadion zu gehen. Sie ist Anhängerin von Gianfranco Zola, dem Stürmer des SSC Neapel. "Es ist gegen die Sitte, obwohl Priestern nicht untersagt ist, Fußball live zu sehen. Nonnen und Klosterbrüder haben aber ein strengeres Gelübde abgegeben und führen ein kontemplatives Leben", verkündet die Obrigkeit. "Es ist wie mit dem Rauchen. Niemand verbietet einer Nonne das Rauchen, aber haben Sie schon eine rauchen gesehen?"
KARLSRUHE, 22. Januar (dpa). Das Bundesverfassungsgericht hat eine Beschwerde gegen die Einstellung des Honecker-Prozesses als "offensichtlich unbegründet" zurückgewiesen. Der Vertreter einer Nebenklägerin, Rechtsanwalt Hanns-Ekkehard Plöger (Berlin), hatte mit einer Einstweiligen Anordnung die Fortsetzung des Verfahrens und die Inhaftierung Honeckers erreichen wollen. Die Haftbefehle gegen den 80jährigen Ex-SED-Chef waren in der vergangenen Woche aufgehoben und der Prozeß wegen der Todesschüsse an der Berliner Mauer eingestellt worden - unmittelbar danach hatte der krebskranke Honecker Deutschland verlassen und war zu seiner Familie nach Chile ausgereist.
ADDIS ABEBA, 22. Januar (dpa). Äthiopische Bürgerrechtler haben der Regierung ihres Landes schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Anderthalb Jahre nach dem Sturz des kommunistischen Regimes unter Mengistu Haile Mariam würden in Äthiopien noch Menschen ohne Anklage in Haft gehalten, gefoltert und ohne Gerichtsverfahren hingerichtet, heißt es in einem Bericht des Äthiopischen Rats für Menschenrechte, der am Freitag in Addis Abeba veröffentlicht wurde.
Die Organisation äußerte vor allem heftige Kritik an der Haltung der Regierung bei einem Massaker, das die Streitkräfte am 14. Juli 1992 in Areka (Südäthiopien) unter protestierenden Ex-Soldaten angerichtet hätten. Die Demonstranten, die die Zahlung ausstehenden Solds verlangt hätten, seien mit Handgranaten und Maschinengewehren angegriffen worden. Eine Untersuchung der Regierung habe ergeben, daß 31 Demonstranten getötet und 29 verletzt worden seien. Die Menschenrechtler behaupteten dagegen, die Zahl der Opfer sei in Wirklichkeit weit höher gewesen. Sie warfen der Regierung vor, diejenigen nicht angeklagt zu haben, die für das Massaker verantwortlich gewesen seien.
Die Gruppe nannte außerdem die Namen von 31 Personen, die ohne Gerichtsverfahren hingerichtet worden seien. Davon seien 13 im Oktober 1992 bei einer Massenhinrichtung exekutiert worden. In dem Bericht wurden ferner die Namen von acht Gefangenen genannt, die gefoltert worden seien. Es säßen noch Tausende von Menschen in Haft, gegen die weder eine Anklage erhoben noch ein Gerichtsverfahren eingeleitet worden sei.
Rolf-Jürgen Otto, 52jähriger Bauunternehmer aus Frankfurt/Main, wurde am Freitagmorgen um 1.26 Uhr als neuer Präsident des sich in einer schweren finanziellen Krise befindlichen einzigen ostdeutschen Bundesligisten 1. FC Dynamo Dresden gewählt. Als erste Amtshandlung ließ der als Retter gefeierte Otto 2,5 Millionen Mark in die Vereinskassen fließen, mit denen die sogenannten Knebelverträge mit der Vermarktungsfirma Sorad aufgelöst werden können.
Überhaupt drehte sich bei der Jahreshauptversammlung alles ums Geld. Der amtierende Präsident Dieter Burmester hatte bereits zu Beginn der Versammlung die Richtung angegeben. "Jeder, der hier zur Wahl antritt, muß sich darüber im klaren sein, am Freitag etwa fünf Millionen Mark flüssig haben zu müssen." Noch drastischer drückte es Wirtschaftsprüfer Knief aus: "Der Verein hat 16,4 Millionen Mark Schulden. Wenn in den nächsten Tagen kein Geld fließt, treibt der Verein in den Konkurs."
Somit war der Weg Ottos auf den Präsidenten-Stuhl vorgezeichnet. Dieser hatte verkündet, das von Sorad gewährte Darlehen in Höhe von 2,5 Millionen Mark zu tilgen. Die Summe sei von ihm bereits bei Dynamos derzeitigem Anwalt Reinhard Rauball hinterlegt worden. Der völlig überraschend auf den Plan getretene Gegenkandidat Ulrich Becker konnte mit Showmaster Gunter Emmerlich als kandidierendem Vize-Präsident zwar eine sächsische Integrationsfigur in seinem Team präsentieren, schnelle finanzielle Hilfe jedoch nicht versprechen.
Die 584 anwesenden Mitglieder verstanden den Wink mit dem Geldbeutel. Selbst neue Anwürfe aus dem Auditorium in bezug auf seine Vergangenheit konnten Otto nicht stoppen. Getreu dem Motto "Geld regiert die Welt", votierten 401 Wähler für Otto und die dringend benötigten Finanzen.
Pikanterweise baut der Wahl-Dresdner Otto, der in Weißig am Rand der Elbestadt Wohnungen errichtet, auch auf Vize-Präsident Dieter Burmester und Schatzmeister Georg Schauz, die bereits dem letzten Präsidium unter Wolf-Rüdiger Ziegenbalg angehörten. Nicht überraschend kam dagegen die Wahl des Weißiger Bürgermeisters Behr, der neben Burmester und Walter Hoff das Amt eines Vize-Präsidenten ausüben wird.
"Ich werde in den nächsten Tagen Kontakt mit der Stadt Dresden und dem Deutschen Fußball-Bund aufnehmen. Und natürlich werden wir die Verträge mit der Sorad auflösen, damit wir wieder atmen können", kündigte Otto an. dpa
ATLANTA, 22. Januar (dpa). Von den schädlichen Einflüssen durch Tabakrauch sind offenbar mehr Menschen betroffen als bislang angenommen. Ärzte in den USA konnten bei jeder von insgesamt 800 Testpersonen im Alter von vier bis 91 Jahren Nikotinspuren im Blut nachweisen. Dies ist das vorläufige Ergebnis einer umfangreichen Studie, das die staatlichen Zentren für Krankheitskontrolle und -vorbeugung (CDC) jetzt in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) veröffentlichten.
Die Mediziner untersuchten den Gehalt von Cotinin im Blut der Kinder und Erwachsenen. Cotinin als sogenannter Nikotinabkömmling zeigt an, ob eine Person dem Nikotin ausgesetzt war. Bei allen 800 Testpersonen konnte diese Substanz nachgewiesen werden, betonten die CDC. Allerdings sei der Anteil der Raucher, Passivraucher und der Menschen, die mit Hilfe von Nikotinkaugummis oder -pflastern vom Glimmstengel ablassen wollen, unbekannt.
Die Untersuchung ist Teil einer nationalen Gesundheits- und Ernährungsstudie der US-Regierung. Insgesamt sollen 23 000 Menschen auf ihren Cotinin-Gehalt im Blut getestet werden. Anfang Januar hatte die US-Umweltbehörde EPA das Passivrauchen als bedeutendes Gesundheitsrisiko bezeichnet, das unter anderem zu Lungenkrebs führen kann.
Der Höhenflug von Basketball-Rekordmeister TSV Bayer 04 Leverkusen in der Europaliga ist vorerst gestoppt. Eine Woche nach der 91:106-Heimschlappe gegen Spitzenreiter Real Madrid kassierten die Schützlinge von Trainer Dirk Bauermann am Donnerstag vor 7000 Zuschauern bei Olympiakos Piräus mit 63:79 (37:36) die vierte Saisonniederlage und müssen nun wieder um den Einzug in das in den Vorjahren schon zweimal verpaßte Viertelfinale bangen.
"Die Verletzung von Clinton Wheeler bereitet uns erhebliche Sorgen", bekannte Bayer-Manager Otto Reintjes nach der Schlußsirene in der "Stadion-Halle für Frieden und Freundschaft". Die Adduktorenzerrung des amerikanischen Aufbauspielers und Kopf des Leverkusener Teams war beim Abschlußtraining wieder aufgebrochen, an einen Einsatz war deshalb nicht zu denken. Um nicht gleich auf mehreren Positionen umzubauen, versuchte es Trainer Bauermann mit Heimo Förster auf der Wheeler-Position.
Eine Halbzeit lang bewährte sich dieses Rezept, doch kurz nach Wiederbeginn unterliefen dem sonst nur wenig eingesetzten Förster mehrere Fehler, die Olympiakos den Weg zur vorentscheidenden 57:43-Führung ebneten. Gegen die Schußsicherheit des Amerikaners Walter Berry (23) und des Jugoslawen Zarko Paspalj (16), gegen den sich Henning Harnisch (8) in ständigen Zweikämpfen aufrieb, war danach kein Kraut mehr gewachsen.
Leverkusen wirkte in der griechischen Hafenstadt bei weitem nicht so souverän wie bei den bisherigen Auswärtsspielen in der Europaliga. Offensichtlich sorgte die im Hinspiel in eigener Halle beim 66:63 benötigte Verlängerung für Respekt vor dem Gegner. Nur der zweite Amerikaner Kannard Johnsson (15) und Center Christian Welp (16) ereichten Normalform. Michael Koch wirkte in seiner Doppelrolle als zeitweiliger Aufbauchef und Drei-Punkte-Spezialist überfordert. Keiner seiner Distanzwürfe traf ins Netz.
"Gegen Pau-Orthez und bei KK Zadar müssen wir in den beiden nächsten Wochen unbedingt punkten. Das sind die Schlüsselspiele zum Einzug in das Viertelfinale", sieht Reintjes seine Mannschaft am Scheideweg. Ob Wheeler dann wieder mitmachen kann, ist völlig offen. Im Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Bamberg am Sonntag fehlt er auf jeden Fall. dpa
HAMBURG, 22. Januar (dpa). Nach Einschätzung des Hamburger Verfassungsschutzchefs Ernst Uhrlau gibt es in Deutschland etwa 65 000 Rechtsextremisten. Viele Neonazis im Osten seien nach der Öffnung der Mauer von westlichen Neonazis "rekrutiert" worden, sagte Uhrlau am Donnerstag abend in Hamburg. Von 6400 militanten Rechtsradikalen lebten 3800 in den neuen Ländern. "Damit liegt das Schwergewicht eindeutig im Osten", sagte der Experte.
Zugleich warnte er davor, rechtsradikale Entwicklungen in Deutschland zu verschlafen. "Trotz aller Solidaritätsbekundungen mit Ausländern in den vergangenen Wochen ist voreiliger Optimismus nicht angebracht."
HANNOVER, 22. Januar (dpa). Nach der FDP-Fraktion im niedersächsischen Landtag hat am Freitag auch die CDU- Fraktion einen Untersuchungsausschuß verlangt, der den Einsatz des Ministerpräsidenten Gerhard Schröder (SPD) für einen U-Boot-Auftrag aus Taiwan am Kabinett vorbei klären soll. Die SPD hatte erklärt, sie würde sich einem Ausschuß nicht verweigern. (Weiterer Bericht S. 5)
SAARBRÜCKEN, 22. Januar (dpa). In der eisenschaffenden Industrie des Saarlandes werden Löhne und Gehälter vom 1. Juni 1993 an für zehn Monate um 3,1 Prozent erhöht. Auf dieses Ergebnis für rund 15 500 Mitarbeiter einigten sich die IG Metall und der Verband der Saarhütten am Donnerstag in der ersten Runde der Tarifverhandlungen in St. Ingbert.
BERLIN, 22. Januar (dpa). Abc-Schützen, deren Eltern auf Sozialhilfe angewiesen sind, können künftig eine Schultüte auf Staatskosten bekommen. Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts gehört die Tüte zum "notwendigen Lebensunterhalt" eines Kindes, das zur Schule kommt, teilte das Gericht am Freitag mit. Der Besitz gehöre nach dem "allgemeinen Lebenszuschnitt" zur Einschulung, begründet der 5. Senat seine Entscheidung (AZ: BVerwG 5 C 34.92).
Der Wechsel des Fußball-Nationalspielers Matthias Sammer von Inter Mailand zu Borussia Dortmund ist perfekt: Am Freitag bestätigte Dortmunds Präsident Gerd Niebaum den Transfer des 26 Jahre alten Mittelfeldspielers, nachdem sich die Westfalen mit Inters Generalmanager Petro Boschi am Vorabend auf die Wechsel-Modalitäten geeinigt hatten. Der ehemalige DDR-Auswahlspieler, der im vergangenen Sommer vom VfB Stuttgart in die Lombardei gewechselt war, erhält nach Angaben von Niebaum einen über dreieinhalb Jahre laufenden Vertrag bis zum 30. Juni 1996.
"Bei der Ablöse haben wir eine Basis unterhalb unseres Zehn-Millionen-Angebotes aus der ersten Verhandlungsrunde gefunden. Nach dem Gebot der Vertraulichkeit werden wir die Summe aber nicht nennen", erklärte Niebaum, der mit der Unterzeichnung des unterschriftsreifen Vertrags durch den Spieler noch im Laufe des Freitags rechnete. Nach Angaben informierter Kreise soll die Ablöse für den ehemaligen Spieler von Dynamo Dresden zwischen 7,5 und acht Millionen Mark betragen. Damit ist der Sammer- Transfer gemeinsam mit dem Wechsel von Thomas Helmer, für den die Dortmunder im Juli rund acht Millionen Mark vom FC Bayern München erhielten, der teuerste innerhalb der Bundesliga seit ihrer Gründung.
"Sicher gibt es berechtigte Kritik an der Ablösesumme, aber genauso irrational wie dieser Betrag sind auch die gezahlten Fernsehgelder", rechtfertigte Niebaum den Rekordtransfer. Aus "steuerlichen Gründen", sagte der Rechtsanwalt, wäre die Borussia gezwungen gewesen, die hohen Einnahmen des Vereins "vernünftig zu reinvestieren". Die Dortmunder haben nach dem Rekordumsatz von 33 Millionen Mark in der vergangenen Saison in dieser Spielzeit allein im Europapokal 18,3 Millionen Mark eingenommen. Dazu kommen noch die Einnahmen aus dem Verkauf der Eintrittskarten und der Werberechte beim UEFA-Pokal-Viertelfinale gegen AS Rom im März.
Dieser finanzielle Hintergrund war ausschlaggebend, daß es den Borussen gelang, nach Stefan Reuter, der im Juli 1992 nach nur einem Jahr bei Juventus Turin nach Dortmund kam, nun den zweiten Nationalspieler aus Italien zurückzuholen.
"Ich plane mit Rummenigge und Sammer schon für die Rückrunde. So exzellente und intelligente Fußballer wie die beiden müßten sich die Aufgaben teilen können", erklärte Dortmunds Trainer Ottmar Hitzfeld zu den Diskussionen, wer für den offensiv orientierten Sachsen im Dortmunder Mittelfeld weichen muß. Rummenigge, der als mögliches "Opfer" des Sammer-Einkaufs bezeichnet wurde, sagte: "Seitdem ich 1988 zur Borussia gekommen bin, hat die Mannschaft eine tolle Entwicklung genommen. Ein Mittelfeld mit Reuter, Zorc, Sammer, Rummenigge und Reinhardt ist sicher das stärkste der Bundesliga." dpa
HAMBURG, 22. Januar (dpa). Ein Sturm mit Orkanböen hat in Norddeutschland und Skandinavien Fährlinien unterbrochen und durch umgestürzte Bäume Straßen und Schienen blockiert. In Schottland starben in der Nacht zum Freitag drei Menschen, in Mecklenburg-Vorpommern wurde ein Mann bei Forstarbeiten von einem Baum erschlagen. In Schweden waren am Freitag morgen etwa 50 000 Haushalte ohne Elektrizität, weil Bäume auf Stromleitungen gestürzt waren.
Die deutsch-dänische Fährverbindung "Vogelfluglinie" zwischen Puttgarden und Rödby stellte alle Überfahrten bis zum Nachmittag ein. Am Morgen blockierte die dänische Fähre "Dronning Margrethe" das Fährbett im Hafen von Rödby wegen eines Motorschadens. Der Verkehr zwischen Rostock und Gedser wurde schwer behindert. Auch zu den skandinavischen Nachbarländern Norwegen und Schweden waren die meisten Fährlinien unterbrochen oder behindert. Fähren auf der Unterelbe, der Schlei und der Kieler Förde wurden reduziert oder ganz eingestellt.
Die Bahnlinie Kiel-Lübeck war für vier Stunden unterbrochen, nachdem ein Triebwagen gegen einen Baumstamm gefahren war. Ein Waggon sprang mit einer Achse aus dem Gleis. Autobahnbrücken in Schleswig-Holstein wurden teilweise ganz, teilweise nur für Lkw und Wohnwagen gesperrt. An der Westküste und im Kreis Ostholstein stürzten einige Lastwagen und Wohnwagen um.
BRÜSSEL, 22. Januar (dpa). NATO-Generalsekretär Manfred Wörner hat vor einer zu weitgehenden Abrüstung der Streitkräfte der westlichen Allianz gewarnt. Es bestehe die Gefahr, daß die NATO-Verbündeten sich zu sehr auf Friedensmissionen konzentrierten und dabei die Verteidigung vernachlässigten, sagte Wörner am Freitag in Brüssel.
Die NATO müsse darauf achten, daß sie die Fähigkeit behalte, mit jeder möglichen Krise fertig zu werden. Sie müsse auch weiterhin ihre Hauptaufgabe erfüllen können, größere Kriege in Europa zu verhindern. Im Vergleich zur Westeuropäischen Union (WEU) sei die NATO aus materieller, militärischer und politischer Sicht das wichtigste Forum für die Sicherheitspolitik.Rostocker Einsatzleiter belastet Anonymer Anruf soll ihn zum Rückzug der Polizei bewogen haben
SCHWERIN, 22. Januar (dpa/AFP/Reuter). Gegen den Leiter des Polizeieinsatzes bei den Rostocker Ausschreitungen vom August 1992 sind erneut schwere Vorwürfe lautgeworden. Einsatzleiter Jürgen Deckert habe mit dem Rückzug der Polizeikräfte vom Asylbewerberheim auf einen anonymen Anruf reagiert, sagte der Chef des Schweriner Landespolizeiamtes, Hans-Heinrich Heinsen, am Freitag vor dem Untersuchungsausschuß des Landtags. Laut früheren Zeugenaussagen hatte der anonyme Anrufer einen "Waffenstillstand" angeboten: Die Polizei solle sich "zurückziehen und zurückhalten". Deckert, gegen den ermittelt wird, hatte sich vor dem Ausschuß dazu nicht geäußert. Er hatte aber berichtet, die Polizei habe aufgrund erheblicher Informationsdefizite keine Gefährdung gesehen.
Kurze Zeit nachdem die Polizei sich zurückgezogen hatte, waren die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber und das benachbarte Vietnamesen-Wohnheim in Rostock ausgebrannt. "Es war der Versuch einer De-Eskalation, wenn auch ein mißglückter", sagte Heinsen und kritisierte die "Fehleinschätzung der Lage" bei der Rostocker Polizeiführung.
Der Zeitplan der Ereignisse, den Innenminister Lothar Kupfer (CDU) und die Polizeiführung von Deckert angefordert hatten, sei "sehr lückenhaft", sagte Heinsen. Deckert sei 66 Stunden ununterbrochen im Einsatz gewesen und "wohl auch physisch überfordert gewesen".
Heinsen sagte ferner, die Hinweise auf bevorstehende Gewalttätigkeiten seien von Deckert und dem damaligen Leiter der Rostocker Polizeidirektion, Siegfried Kordus, offensichtlich nicht richtig beurteilt worden. Vor der dritten und schlimmsten Nacht am 24. August, als die Gewalttäter das Asylbewerberwohnheim in Brand steckten, sei ihm die Lage als nicht bedrohlich dargestellt worden.
HAMBURG, 22. Januar (dpa). Rund 10 000 Telex-Kunden zwischen Flensburg und dem nördlichen Niedersachsen waren am Donnerstag von einer Rechnerstörung bei der Hamburger Telekom betroffen. Nach Angaben der Telekom vom Freitag haben wahrscheinlich schlechte Wahlverbindungen aus Osteuropa und den neuen Ländern den Zentralrechner durch Störimpulse zusammenbrechen lassen.
GÖTTINGEN, 22. Januar (dpa). Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat der Republik Kroatien vorgeworfen, ein Drittel der benachbarten Bürgerkriegsrepublik Bosnien-Herzegowina annektieren zu wollen. Der zu einem Besuch in Bonn weilende kroatische Außenminister Zdenko Skrabalo betreibe die "bewußte Irreführung der deutschen Öffentlichkeit", kritisierte die Gesellschaft am Freitag in Göttingen. Während der Außenminister die "Friedfertigkeit" seiner Regierung betone, betreibe der kroatische Republikspräsident Franjo Tudjman die Annexion eines Drittels des bosnischen Staatsgebietes.USA besorgt über Deutschland
WASHINGTON, 22. Januar (dpa). Die USA haben die Haltung der deutschen Polizei bei fremdenfeindlichen Zwischenfällen getadelt und Sorge über Fremdenfeindlichkeit in Deutschland geäußert. Im Jahresbericht 1993 über die Lage der Menschenrechte in aller Welt wies das Außenministerium in Washington darauf hin, daß in Deutschland die Menschenrechte "in fast allen Fällen geschützt" seien. Es habe jedoch fortgesetzte gewaltsame Übergriffe besonders gegen nicht- europäische Ausländer gegeben. Es gebe auch ernstzunehmende Berichte, wonach die Polizei in Rostock im August 1992 nicht einmal versucht habe, die Brandstiftung im Asylheim zu verhindern.
In dem Bericht heißt es auch, daß jüdische Denkmäler zunehmend das Ziel von Radikalen geworden seien. Roma und Sinti würden diskriminiert. Einige Gesetze benachteiligten Anhänger des Islam, indem sie katholische, protestantische und jüdische, aber nicht moslemische Einrichtungen unterstützten.
WARSCHAU, 22. Januar (dpa). In der polnischen Hafenstadt Gdynia (Gdingen) hat am Freitag eine Trauerfeier für die 54 Opfer des Untergangs der Fähre "Jan Heweliusz" vom 14. Januar stattgefunden. Staatspräsident Lech Walesa sagte vor vielen Trauernden am Denkmal für die Seefahrt, das schreckliche Unglück stelle die Frage nach den Grenzen menschlichen Mutes - ob man nicht ein zu großes Risiko eingegangen ist.
Nach dem Kentern der Fähre vor Rügen waren nur neun Besatzungsmitglieder und keiner der Passagiere gerettet worden.
BONN, 22. Januar (dpa). Die Berufsverbände der deutschen Presse haben der Konferenz der Innenminister vorgeworfen, die Recherchearbeit der Journalisten zu behindern. Journalisten- und Verlegerorganisationen begründeten dies am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung mit der Weigerung der Innenminister, den amtlichen Presseausweis auch künftig anzuerkennen. Die Abschaffung dieses amtlich anerkannten Ausweises öffne der Willkür Tür und Tor. Künftig könnten Behördenvertreter selbst darüber entscheiden, ob sie jemanden als Journalisten anerkennen oder nicht. "Die zu Kontrollierenden suchen sich auf diesem Wege ihre Kontrolleure selbst aus", heißt es in der Erklärung. Die Innenminister begründen ihre Haltung nach Angaben der Verbände damit, daß sie professionelle Journalisten nicht gegenüber nichtprofessionellen bevorzugen wollten. Nach Auffassung der Verbände stellt dies einen Angriff auf die Unabhängigkeit der Journalisten und die Freiheit der Medien dar.
STARNBERG, 22. Januar (dpa). Eine fünfköpfige türkische Familie ist am Freitag abend bei einem Frontalzusammenstoß zweier Personenwagen im oberbayerischen Landkreis Starnberg ums Leben gekommen. Nach Angaben der Polizei war das Fahrzeug der Familie auf der Staatsstraße von Andechs in Richtung Starnberg von einem in Italien zugelassenen Sportwagen gerammt worden, der auf die Gegenfahrbahn geraten war. Die türkische Familie - drei Kinder und zwei Erwachsene - starb noch am Unglücksort. Der Fahrer des Sportwagens erlitt lebensgefährliche Verletzungen.
Ein Weltrekord und ein Favoritensturz - so spektakulär begann am Freitag die Vierkampf-Europameisterschaft der Eisschnelläufer: Der Norweger Johan Olav Koss verbesserte unter dem Beifall von 14 000 Zuschauern die 5000-Meter-Bestmarke der Männer gleich um fast drei Sekunden auf 6:38,77 Minuten. Bei den Damen stürzte dagegen Titelverteidigerin Gunda Niemann im 500-Meter-Rennen und hat damit keine Chancen mehr. Das deutsche Damen-Trio ist somit schon am ersten Tag auf ein Duo geschrumpft. Obwohl sie sich aufraffte und das Rennen zu Ende lief, bedeuten ihre 47,66 Sekunden einen viel zu großen Rückstand auf die Konkurrenz. Die 26jährige Thüringerin hatte bis kurz vor der Meisterschaft mit einer Angina gekämpft und erst am Donnerstag erstmals wieder mit voller Belastung trainiert. "Ich habe gemerkt, wie schwer es geht, kaum Luft bekommen. Aber für den Wettkampf habe ich auf meine Kraftreserven gebaut." Das ist ihr nicht gelungen. Der Sturz ist mit Sicherheit auf fehlende Kraft zurückzuführen.
So muß vor allem ihre Erfurter Trainingskameradin Heike Warnicke an den beiden verbleibenden Tagen die Kastanien aus dem Feuer holen. Als Achtplazierte des 500-Meter-Laufes sorgte sie in 42,41 Sekunden für eine persönliche Bestzeit und blieb damit in Reichweite der Führenden. Streckensiegerin wurde Vize- Weltmeisterin Emese Hunyady aus Österreich, die in der ausverkauften Thialf-Halle in 40,86 Sekunden ebenfalls zu einer neuen persönlichen Bestmarke getrieben wurde. Die Österreicherin hat in der am zweiten Tag folgenden 1500-Meter-Strecke ihre Stärke; Heike Warnicke wird vor allem auf den langen Distanzen ihre Fähigkeiten ausspielen müssen. Zwischen ihr und der Österreicherin Hunyady sieht die enttronte Europameisterin auch den Kampf um ihre Nachfolge: "Heike hat sehr gute Chancen, aber die Österreicherin hat viel vorgelegt. Erst der letzte Tag wird wohl die Entscheidung bringen. Ich hoffe natürlich für meine Freundin Heike."
Ein Festival von Weltklassezeiten feierten die Männer. Auf der 5000-Meter- Strecke gab es nicht nur den überragenden neuen Weltrekord von Johan Olav Koss. Auch der Zweitplazierte Falko Zandstra (Niederlande) blieb mit 6:40,01 Minuten noch unter der alten Rekordmarke (6:41,73). Für klare Verhältnisse sorgte aber schon Titelverteidiger Zandstra (Niederlande). Unter dem ohrenbetäubenden Jubel der 14 000 Landsleute hatte Zandstra mit 37,90 Sekunden eine persönliche Bestmarke über 500 Meter erzielt. Damit führt er nach zwei Strekken klar vor zwei weiteren Niederländern. dpa
BONN, 22. Januar (dpa). Die vier neuen Mitglieder des Bundeskabinetts haben am Freitag zu Beginn der Plenarsitzung im Bundestag ihren Amtseid abgelegt. Vereidigt wurden der CSU-Politiker Wolfgang Bötsch als Postminister, der CDU-Politiker Jochen Borchert, der das Landwirtschaftsministerium übernimmt, der neue Wirtschaftsminister Günter Rexrodt von der FDP sowie der CDU-Politiker Matthias Wissmann, der künftig das Forschungsressort leitet. Bundespräsident Richard von Weizsäcker hatte den neuen Ministern bereits am Donnerstag ihre Ernennungsurkunden überreicht.
BONN, 22. Januar (dpa). Bundeskanzler Helmut Kohl wird nicht an den Gedenkfeiern zum 50. Jahrestag der Schlacht um Stalingrad teilnehmen. Bei der Veranstaltung am 1. und 2. Februar im ehemaligen Stalingrad, dem heutigen Wolgograd, wird nach Informationen des Bundespresseamtes auch kein Vertreter der russischen Regierung anwesend sein.
BONN, 22. Januar (dpa). Die Bundesregierung hat am Donnerstag im Bundestag zugesichert, daß es für biotechnisch veränderte Lebensmittel oder entsprechende Zutaten Zulassungsverfahren geben wird, in deren Rahmen auch die Unbedenklichkeit der Produkte geprüft wird. Dies machte Gesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) bei der Beratung eines entsprechenden SPD-Antrages deutlich. Es werde eine gezielte Verbraucherinformation und -aufklärung sowie eine "ausreichende Kennzeichnung" solcher Produkte geben.
Die SPD verlangte in ihrem Antrag, der in den Fachausschüssen weiter beraten werden soll, nicht nur eine allgemeine Kennzeichnungspflicht auf EG-Ebene, sondern auch eine umfassende Produktverantwortung der Hersteller. Zulassungsverfahren sollten für eine "interessierte Öffentlichkeit" zugänglich sein. Diese Forderungen werden auch von der Verbraucher-Initiative unterstützt.
In der Bundesrepublik werden in diesem Jahr Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Kartoffeln und Zukkerrüben gestartet. Allein gegen ein in Südniedersachsen bei Northeim geplantes Vorhaben sind rund 3000 zumeist Sammeleinwände erhoben worden.
Wie das Forschungsministerium auf einem Fachseminar mit Wissenschaftlern und Vertretern der beteiligten Saatzuchtfirma am Freitag in Bonn mitteilte, liegen dem Bundesgesundheitsamt derzeit fünf Anträge auf Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen zur Genehmigung vor. Vor allem geht es dabei um die Entwicklung von Pflanzen, die gegen Viren oder Bakterien widerstandsfähig werden sollen, aber auch um Kartoffeln, die eine für die Industrie besonders geeignete Stärke liefern sollen.
BONN, 22. Januar (dpa/AP). Die Spitzenverbände der Wirtschaft haben am Freitag in Bonn ihr bildungspolitisches Programm konkretisiert. Sie sprachen sich dabei für eine "sozialverträgliche" Kostenbeteiligung der Studenten am Studium aus, verlangten mehr Anreize für Hochschullehrer, ein neues Profil für die Hauptschule und eine bessere Ausstattung der Berufsschulen.
Bei der bevorstehenden Studienreform will die Wirtschaft an den "unterschiedlichen Profilen" von Universität und Fachhochschule festhalten. Kurzzeitstudiengänge an Universitäten werden abgelehnt; sie hätten kein eigenes "arbeitsmarktpolitisches Qualifikationsprofil".
Nachdrücklich plädieren die Wirtschaftsverbände für Erhalt und Weiterentwicklung der betrieblichen Berufsausbildung als Alternative zum Studium. Zwei Drittel aller Beschäftigten würden auch künftig mit einem Abschluß als Facharbeiter oder Kaufmannsgehilfe benötigt. Auch Akademiker seien von den derzeitigen Entlassungen betroffen.
In der Schulpolitik will die Wirtschaft an dem dreigliedrigen System aus Haupt-, Realschule und Gymnasium festhalten. Der Elternwille soll bei der Wahl der weiterführenden Schule nach der Grundschule "nicht als alleiniges Entscheidungskriterium" zugrunde gelegt werden. Die Wirtschaft erhofft sich dadurch wieder eine Stärkung der Hauptschule, die ein neues, moderneres Profil erhalten soll.
Die Studenten planen im Mai einen eigenen "Bildungsgipfel" als "Alternative" zu dem von Bundeskanzler und Ministerpräsidenten geplanten Spitzengespräch im Juni. Dabei wollen sie ihre Vorstellungen für eine Studienreform deutlich machen, berichteten Studentensprecher am Freitag vor der Presse in Bonn. Bislang seien die Studenten bei den Beratungen der Politiker über die anstehende Studienreform völlig ausgegrenzt worden.
Mit weiteren Demonstrationen und Protestkundgebungen wollen die Studenten im Sommersemester auf die Absicht der Bonner Regierungskoalition reagieren, das BAföG bis 1996 einzufrieren, die Studienabschlußförderung auslaufen zu lassen und den Wohnzuschuß für Studenten einzuschränken.
BONN, 22. Januar (dpa). Angesichts zurückgehender Organtransplantationen haben Experten aus verschiedenen Bereichen eindringlich eine möglichst schnelle gesetzliche Regelung der Transplantationsmedizin angemahnt. Mit der Schaffung von Rechtssicherheit und einer umfassenden Information der Bevölkerung solle die Spendenbereitschaft erhöht werden, hieß es auf einer Expertenanhörung, zu der die SPD-Bundestagsfraktion am Freitag in Bonn eingeladen hatte. Die Zahl der Transplantationen sei 1991 und 1992 um rund zehn Prozent zurückgegangen, hieß es. Medizinisch möglich und notwendig sei das Doppelte der jetzigen Zahl von Organübertragungen.
Das größte Problem liegt nach Ansicht eines Bochumer Medizinprofessors in der Definition des Hirntodes als einer Voraussetzung für die Zulässigkeit einer Transplantation. Wer seine Bereitschaft zur Spende für den Fall seines Todes erkläre, müsse zudem die Möglichkeit haben, die Organentnahme einzugrenzen. Viele hätten beispielsweise mit einer Nierenspende keine Schwierigkeiten, beim Herz sehe das aber ganz anders aus.
Der gestern vom Bundestag eingesetzte neue Treuhand-Ausschuß will in der Schlußphase der Berliner Anstalt die Weichen auf mehr Unternehmenssanierung und Erhalt von Arbeitsplätzen in Ostdeutschland stellen. Dies hoben die Redner aller Bonner Fraktionen mit unterschiedlichen Akzenten hervor. Selbst die FDP will jetzt nach Angaben ihres brandenburgischen Abgeordneten Jürgen Türk eine "aktive Strukturpolitik" einleiten.
Die Umwandlung vom 13köpfigen Untergremium des Haushaltsausschusses zum vollwertigen Ausschuß "Treuhandanstalt", in dem 24 Abgeordnete sitzen werden, wurde von der Koalition und SPD getragen, während das Bündnis 90/Die Grünen sich der Stimme enthielt und die PDS/Linke Liste mit Nein stimmte.
Nach Ansicht des designierten Vorsitzenden Arnulf Kriedner (CDU) wird Ende 1994 bei der Auflösung der Treuhandanstalt zu prüfen sein, ob der Ausschuß weiter bestehen bleibt. Von der Aufgabenstellung her bleibe auf Jahre zu tun. Begleitet werden müsse die finanzielle Abwicklung der Breuel- Behörde, deren Altschulden von rund 250 Milliarden Mark in einen Erblastentilungsfonds eingehen sollen. Außerdem müsse das Parlament sich jetzt verstärkt den Verfahren zum Erhalt industrieller Kerne widmen. Zudem müsse man die mit den verkauften Unternehmen geschlossenen Verträge hinsichtlich der zugesagten Arbeitsplätze, Investitionen sowie Beseitigung ökologischer Altlasten kontrollieren. Bis Ende März soll das Finanzministerium dem Ausschuß ein Konzept vorlegen, wie die verbleibenden Betriebe zusammengefaßt werden.
Für die SPD verlangte ihr Obmann Hinrich Kuessner: "Jetzt gilt es zu retten, was noch zu retten ist." Die Zusage des Kanzlers zum Erhalt der industriellen Kerne sei das Eingeständnis, daß die bisherige Treuhand-Politik gescheitert sei. Es fehle ein Konzept.
Für die FDP erneuerte Türk die von der SPD ebenso getragene Forderung, die Treuhandanstalt aus der Verantwortung des Finanzministeriums auf das Wirtschaftsministerium zu übertragen. Scharf kritisierte er die Treuhandzentrale in Berlin, die "von den Problemen zu weit entfernt" sei. Die Aufgaben müßten alle den regionalen Niederlassungen übertragen werden. Werner Schulz vom Bündnis 90 sprach von schwerwiegenden Versäumnissen. Die Menschen im Osten hätten etwas Besseres verdient als eine "Konkursverwaltung mit Sozialplan". dpa
BONN, 22. Januar (dpa). Der Krieg in Bosnien hat bisher mindestens 300 000 Tote gefordert. Dies teilte der ehemalige kroatische Außenminister Zvonimir Separovic am Freitag in Bonn mit. Der Leiter des Zagreber Dokumentationszentrums für den Völkermord im ehemaligen Jugoslawien sagte, mindestens drei Millionen Menschen seien vertrieben worden, eine Million müsse als krank oder verletzt betrachtet werden.
Die Hilfsorganisation Cap Anamur teilte am Freitag mit, künftig täglich oder wöchentlich Evakuierungen aus Sarajewo für Notfälle zu organisieren. In Kroatien solle ein Heim für mißhandelte Frauen eingerichtet werden. Ein solches Heim gebe es bereits in Nordost-Bosnien.
BONN (dpa/rtr). Die SPD verlangt von den Frankfurter Währungshütern, die Leitzinsen sofort deutlich zu senken. Sonst sei "jeder neue Arbeitslose ein Arbeitsloser der Bundesbank", sagte der sozialdemokratische Wirtschaftspolitiker Uwe Jens gestern im Bundestag. Seine Partei forderte außerdem die Schaffung einer Konjunkturausgleichsrücklage bei Bund, Ländern und Gemeinden, in die auch der jährliche Gewinn der Notenbank fließen sollte.
Grundlage der Debatte war ein Antrag der SPD auf Neufassung des Stabilitätsgesetzes von 1967. Das darin festgeschriebene Ziel stetigen Wirtschaftswachstums sei nicht mehr zeitgemäß, argumentiert Jens. Statt dessen müßte der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ein Ziel der Wirtschaftspolitik werden. Deutschland und Europa sollten eine Vorreiterrolle bei der ökologischen Erneuerung der Wirtschaft übernehmen. Die Zeit des internationalen Standortwettbewerbs mit Steuersenkungen gehe mit der Amtsübernahme des neuen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton zu Ende. Die Umweltindustrie dürfte eine der am schnellsten wachsenden Branchen werden. Gebraucht würden deshalb eine bessere Forschungs- und Technologiepolitik, mehr Ausbildung und Investitionen in die Infrastruktur.
Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses des Bundestages, Friedhelm Ost (CDU), bekennt, auch er habe nach der Lektüre eines Buches von US-Vizepräsident Al Gore "große Hoffnung", daß die US-Wirtschaft der Umwelt stärkere Beachtung widme. Auf mehr Wachstum könne aber nicht verzichtet werden. In Deutschland fehlten fünf Millionen Arbeitsplätze. Um die zu schaffen, seien mindestens 500 Milliarden Mark Investitionen notwendig.
CDU/CSU und FDP lehnten eine Änderung des Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes ab. Die Globalsteuerung der Wirtschaft habe bisher immer versagt, sagte Marita Sehn (FDP). Sie forderte die Unterstützung der SPD für den Vorschlag ihrer Partei, den Umweltschutz als Staatsziel in das Grundgesetz aufzunehmen. PDS und Bündnis 90 unterstützten die Forderungen der SPD weitgehend.
Bundesbank-Direktoriumsmitglied Otmar Issing betonte in einer Fernsehdiskussion, sein Haus habe das Vertrauen in die Mark bei allen ihren zinspolitischen Überlegungen und Entscheidungen zu berücksichtigen. Sollte es infolge inflationärer Entwicklungen geschmälert werden, so "hätten wir dies unmittelbar mit Abwertung und drastisch steigenden Zinsen zu bezahlen". Er lehnte es ab, die Notenbank bei der Debatte über einen "Solidarpakt" als Verhandlungspartnerin zu definieren, deren Beitrag in einer geldpolitischen Lockerung zu bestehen habe. Die Währunghüter seien zwar auch verpflichtet, die Wirtschaftspolitik zu unterstützen, doch nur unter Maßgabe der Wahrung der Währungsstabilität. "Die Stabilität ist aber verletzt", verwies Issing auf die in diesem Jahr erwartete Inflationsrate bis vier Prozent.
BONN, 22. Januar (dpa). Die Regionen Europas wollen mehr Rechte in der Europäischen Union. Der Präsident der Versammlung der Regionen Europas (VRE), der katalanische Ministerpräsident Jordi Pujol, sagte am Freitag in Bonn, die Staaten sollten Kompetenzen an die Institutionen der Europäischen Gemeinschaft, aber auch an die eigenen Regionen abgeben. Die VRE, der politische Zusammenschluß von mehr als 220 europäischen Regionen, traf in Bonn zu einem zweitägigen Kongreß zusammen.
Baden-Württembergs Regierungschef und VRE-Vizepräsident, Erwin Teufel (CDU), versicherte, Europa habe nur Zukunft, wenn es von unten nach oben aufgebaut und nicht von oben nach unten übergestülpt werde. Das Subsidiaritätsprinzip, mit dem die Kompetenz der unteren Entscheidungsebenen in Verwaltung und Politik gestärkt werden soll, müsse der Baustein Europas werden. Teufel lehnte eine direkte Beteiligung von Städten und Gemeinden an der VRE ab.
MOSKAU, 22. Januar (AFP). Ein russisches Kommando der Schwarzmeerflotte hat "irrtümlich" eine ukrainische Luftabwehr-Einheit angegriffen. Das meldete die Moskauer Nachrichtenagentur Itar- Tass am Donnerstag unter Berufung auf das Pressezentrum der Schwarzmeerflotte. Der irrtümliche Angriff erfolgte bei einem in der Nacht zum Donnerstag abgehaltenen Manöver. Das russische Kommando, das einen Angriff auf ein russisches Sendezentrum auf der Krim simulieren sollte, griff die ukrainische Einheit mit Granaten an. Dabei seien 16 ukrainische Soldaten "kampfunfähig" gemacht worden, hieß. Angaben darüber, ob die Soldaten getötet oder verwundet wurden, gab es nicht. Das russische Pressezentrum sprach von einem "bedauerlichen Irrtum", das russische Kommando der Schwarzmeerflotte habe eine Untersuchung eingeleitet.
NEW YORK, 22. Januar (AFP). Herbe Kritik haben US-Modeexperten am Donnerstag an dem Hut geübt, den Hillary Clinton bei der Amtseinführung ihres Mannes, des neuen US-Präsidenten Bill Clinton, getragen hatte. "Das war ein entsetzlicher Hut, ohne Stil", befand die New Yorker Modeschöpferin Leo Marshall. Ihre Kollegin Cherie Jefferson-Lawrence verglich den mittelblauen Hut gar mit der Unterseite eines Löffels. Der Modeschöpfer Alexander Julian gab dagegen zu, Gefallen an dem Hut gefunden zu haben. Das umstrittene Stück war von dem berühmten Hutmacher Darcy Creech aus Southport kreiert worden. Vor mehr als 30 Jahren hatte die Präsidentengattin Jackie Kennedy eine Hutmode geschaffen, die sogenannten Bonbonhüte.
Solidarpakt Engholm lehnt Sparpaket ab
HAMBURG, 22. Januar (AFP/AP). SPD-Chef Björn Engholm hat die Kürzungsvorschläge der Regierungskoalition zum Solidarpakt zurückgewiesen. Statt dessen fordert er ein "schlüssiges, sozial ausgewogenes Paket". Die Koalition habe es geschafft, "das Wort Solidarpakt ad absurdum zu führen", sagte Engholm der Bild-Zeitung am Freitag. Die beschlossenen Vorschläge verdienten "gar nicht mehr diesen Namen, weil sie von wirklicher Solidarität nichts spüren lassen". Er kritisierte die "eindeutige, nicht akzeptable Schieflage zu Lasten der Schwachen".
Insbesondere Kürzungen bei Sozialhilfe und Arbeitslosengeld seien nicht verantwortbar. Dennoch werde sich die SPD Gesprächen nicht verschließen. Engholm schlug eine früher greifende Ergänzungsabgabe und die Verschonung niedriger Einkommen vor.
In den neuen Bundesländern wächst die Befürchtung, daß das Sparpaket der Bonner Koalition die Gegensätze zwischen West- und Ostdeutschen vertiefen könnte. Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Werner Münch, sagte der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung am Freitag, die Verteilungskämpfe um das knappere Geld könnten das Verhältnis zwischen den alten und den neuen Bundesländern verschlechtern, die Aggression im Osten und die Verweigerungshaltung im Westen wachsen lassen.
Der CDU-Politiker warnte davor, bei den Auseinandersetzungen, "das zarte Pflänzchen deutsche Einheit zu zertrampeln". Der geplante Solidarpakt sei dringend notwendig, sagte Münch. Er kritisierte, daß manche der vorgesehenen Maßnahmen zu wenig durchdacht seien. "Bonn ist zwar nicht das Tal der Ahnungslosen, aber doch sehr weit weg von der Wirklichkeit in den neuen Bundesländern", meinte der Ministerpräsident.
. . . und außerdem "Hexenverfolgung" in Kenia verbreitet
Hexenverfolgung und Lynchjustiz sind in Kenia fast alltäglich. Mehr als 400 Menschen wurden im vergangenen Jahr von aufgebrachten Menschenmengen "hingerichtet". Seit der Jahreswende kamen nach jüngsten Presseberichten wieder 20 hinzu. "Nie zuvor sind so viele Kenianer unter dem Vorwurf der Hexerei gelyncht worden", beklagt die Tageszeitung Nation.
Der zügellose Zorn der Massen tobt sich ohne Unterschied an Menschen aus, denen Hexerei nachgesagt wird oder die als Langfinger verdächtigt werden. Zur "Bestrafung" von Verdächtigen verbreitet sich in jüngster Zeit auch die "Halskrausen"-Methode aus Südafrika, bei der ein mit Benzin gefüllter Reifen um den Hals des Opfers gelegt und angezündet wird. 150 Menschen sind in Kenia binnen Jahresfrist auf diese grausame Weise getötet worden.
Inzwischen ist die Selbstjustiz in Kenia so verbreitet, daß der oberste Polizeichef, Philip Kolonzo, sie durch eine Kampagne eindämmen will. "Wer sich die Gesetze selber macht, wird hart bestraft", kündigte Kilonzo an. Zur Begründung verwies er darauf, daß sich unter "unschuldigen Leuten" die Angst verbreite, als "Hexenmeister verdächtigt zu werden".
Der bislang gravierendste Vorfall ereignete sich am 11. Januar im westkenianischen Bezirk Kisii. Rund 40 Jugendliche verbrannten dort fünf Frauen und drei Männer bei lebendigem Leibe. Die Opfer waren alle älter als 55 Jahre. Zunächst wurden sie von den Jugendlichen mit Buschmessern attackiert, anschließend in eine Hütte gesperrt und verbrannt.
Bei zahlreichen ethnischen Gruppen Kenias ist die Hexerei auch heutzutage noch weit verbreitet, etwa bei den Luo, Kamba, Kisii, Mijikenda und Taita. Daran hat die seit 1925 geltende Gesetzgebung, die von der damaligen britischen Kolonialverwaltung eingeführt wurde, nichts geändert. In Krisenzeiten werden die "Zauberer" und "Hexen" von der Bevölkerung für ihr Unglück verantwortlich gemacht. So erklären sich zumindest die meisten Beobachter die dramatische Zunahme dieser Vorfälle in den vergangenen Monaten.
Die Redaktion der Weekly Review rief in ihrer jüngsten Ausgabe zur Bekämpfung der Hexenjagd auf: Nicht länger dürften politische und religiöse Institutionen die "abgrundtiefe Ignoranz und Intoleranz" hinnehmen, die in der Lynchjustiz zum Ausdruck komme. Das Übel müsse bekämpft und "gestoppt werden, bevor es die ganze Gesellschaft zerfrißt".
Nach den gesetzlichen Bestimmungen stehen sowohl die Hexerei selbst als auch die üble Nachrede unter Strafe, mit der jemand als Hexenmeister verdächtigt wird. Wer anderen durch Zauberei "angst machen" will, muß mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen. Wer anderen gar Zauberrezepte anvertraut, mit denen dieser Dritte "schädigen will", wird mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft.
Sogar für den Besitz von Amuletten droht eine bis zu zwölfmonatige Gefängnisstrafe. Strafbar ist auch die Verdächtigung, jemand betätige sich als Zauberer oder Hexe - allerdings nicht, wenn die Verdächtigung der Polizei zugetragen wird.
So hat sich ein ganz eigener Berufsstand entwickelt, der sich auf das Aufspüren von Hexen und Zauberern im Auftrag der Justiz spezialisierte. Der bekannteste dieser "Hexenjäger" ist Wale Mshoto Tsuma. Im ostkenianischen Bezirk Kilifi "entdeckte" er im vergangenen Jahr 30 Verdächtige. Zwei von ihnen wurden auf gerichtlichen Beschluß hin eingesperrt. Das Rezept des Hexenjägers: "Ich erkenne die Täter in meinen Träumen." Viele Anwälte vertreten die Ansicht, diese Form der Zusammenarbeit von Hexenjägern und Justizbehörden sei illegal.
Tsuma hatte einen berühmten Vorgänger, dessen Karriere 1987 abrupt endete. Vier Menschen waren auf mysteriöse Weise gestorben, nachdem dieser Hexenjäger ihnen ein selbstgebrautes Wundermittel eingetrichtert hatte. Ziel der Aktion war es, einen flüchtigen Dieb aufzuspüren. Die staatliche Untersuchung förderte lediglich ans Licht, daß die Todesfälle nicht auf das Wundermittel zurückzuführen seien. SERGE ARNOLD (AFP)
STOCKHOLM, 22. Januar (AFP). Der wegen seiner Aktionen gegen den Vietnamkrieg in den USA gesuchte Bob Malecki hat US-Präsident Bill Clinton am Donnerstag um Amnestie gebeten. Malecki war zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er während des Vietnamkriegs Einberufungsbefehle verbrannte. Ihm gelang jedoch die Flucht aus dem Gefängnis nach Schweden, wo er die schwedische Staatsbürgerschaft erhielt. Nun hofft Malecki, daß Clinton, der ebenfalls gegen den Vietnamkrieg war, ihm die Rückkehr in die USA erlaubt. Er wolle in die USA reisen und dort seine Töchter besuchen, sagte der Vietnamkriegsgegner. Er übernehme die volle Verantwortung für seine Taten. Jetzt sei aber so viel Zeit vergangen, daß er amnestiert werden könne.
WASHINGTON, 22. Januar (AFP). Schwere Unwetter haben auch am Donnerstag weite Teile der USA heimgesucht. Im US-Bundesstaat Louisiana wurde wegen Überschwemmungen der Notstand ausgerufen. In den Bundesstaaten Minnesota, Wisconsin, Iowa, Ohio und Virginia kam es zu starken Schneefällen und Glatteis, 400 000 Haushalte waren am Donnerstag weiterhin ohne Strom. In Minnesota wurden zahlreiche Schulen und Büros geschlossen, mehrere hundert Schüler mußten in den Schulen übernachten, da die Schulbusse nicht mehr fuhren. Am Mittwoch waren in den nordwestlichen US-Bundesstaaten fünf Menschen bei starken Stürmen getötet worden.
BERN, 22. Januar (AP). Fast fünf Tage am Stück hat ein Discjockey in der Schweiz Platten aufgelegt und damit den Einzug ins Guiness- Buch der Rekorde geschafft. Genau 111 Stunden und zehn Minuten sorgte der aus Italien stammende Giuseppe "Eddy" Mancino in Bern für heiße Musik, wie die Veranstalter des Wettbewerbs am Donnerstag mitteilten. Der hauptberufliche Autoverkäufer schlug damit den Rekord von 52 Stunden, den ein Deutscher "DJ" aufgestellt hatte.
MANAGUA, 22. Januar (AFP). Die nicaraguanische Armee hat die honduranischen Streitkräfte aufgefordert, gegen Stützpunkte sogenannter "Recontras" auf dem Territorium von Honduras vorzugehen. Das verlautete am Donnerstag aus offiziellen Kreisen in Managua. Die rechtsgerichteten nicaraguanischen Rebellen sollen den Informationen zufolge etwa ein Dutzend Luftabwehrraketen in Honduras versteckt halten.
Offiziell hatten die rechtsgerichteten Contra-Rebellen 1990 mit der nicaraguanischen Regierung von Violeta Chamorro einen Friedensvertrag geschlossen und ihre Waffen abgegeben. Eine Gruppe von Recontras (also erneut kämpfenden Contras) hatte jedoch Chamorro vorgeworfen, Zusagen über ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft nicht eingehalten zu haben und weigert sich, den bewaffneten Kampf aufzugeben.
LIMA, 22. Januar (AFP). Durch Attentate der Untergrundbewegung "Leuchtender Pfad" (Sendero Luminoso) sind eine Woche vor den Kommunalwahlen am kommenden Freitag bereits zehn Kandidaten getötet worden. Das wurde am Donnerstagabend aus Polizeikreisen bekannt. Die linksgerichtete Untergrundbewegung hat zum Boykott der Wahlen aufgerufen und Todesdrohungen an zahlreiche Politiker gerichtet. Nach den Morden verzichteten acht weitere Politiker auf ihre Beteiligung an den Wahlen.
In der Hauptstadt Lima gab Pablo Gutierrez, Bürgermeister-Kandidat der Partei "Cambio 90" von Präsident Alberto Fujimori, überraschend am Donnerstag auf. Politische Beobachter in Lima gingen davon aus, daß Gutierrez von Fujimori fallengelassen wurde, nachdem Meinungsumfragen seiner Partei eine schwere Wahlniederlage vorausgesagt hatten.
Die Regierung verhängte unterdessen in vier Regionen des Amazonas-Gebietes den Ausnahmezustand, um "den Terrorismus und den Drogenhandel frontal zu bekämpfen", wie es hieß.
Zur Person:
MICHAEL GLOS, CSU-Finanzexperte, ist zum Vorsitzenden der CSU- Landesgruppe im Bundestag gewählt worden. Der Schweinfurter Abgeordnete setzte sich in einer Kampfabstimmung gegen den stellvertretenden Vorsitzenden des Haushaltsausschusses, KLAUS ROSE, durch. Glos (dpa-Bild) erhielt 31 Stimmen, Rose konnte 15 Stimmen für sich verbuchen. Zuvor war der bisherige Landesgruppenchef WOLFGANG BÖTSCH im Parlament als Postminister vereidigt worden. Der 48jährige Müllermeister Glos gehört dem Bundestag seit 1976 an. Er bleibt einer der stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/ CSU-Fraktion. Seit 1975 ist er CSU-Vorsitzender im Landkreis Kitzingen. (AFP)
GERHARD FLÄMIG, ehemaliger SPD- Bundestagsabgeordneter aus Hanau, steht unter Spionageverdacht. Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Freitag mitteilte, ermittle seine Behörde wegen des Verdachts geheimdienstlicher Agententätigkeit für das DDR-Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Einzelheiten wurden nicht genannt. Flämig (73) gehörte 1963 bis 1980 dem Bundestag an. Der Justitiar der SPD-Fraktion in Bonn, Willfried Penner, sagte der FR, man solle "den Wert der Informationen", an die Flämig herankam, nicht überschätzen, da er "fern" vom Zentrum des politischen Geschehens gewesen sei. Flämig gehörte seit 1968 dem Präsidium des Deutschen Atomforums an. (res/hll)
JENS REICH, Molekularbiologe am Max- Delbrück-Centrum (Berlin-Buch) und Mitbegründer der DDR-Bürgerrechtsbewegung Neues Forum, erhält den neugestifteten "Anna-Krüger-Preis" des Wissenschaftskollegs zu Berlin. Reich ist der erste Träger dieser mit 50 000 Mark dotierten Auszeichnung. Der Rektor des Kollegs, Professor Wolf Lepenies, sagte, Reich werde als Wissenschaftler und Essayist geehrt, "der die Erfahrungen des politischen Umbruchs und seine Erwartungen in die Zukunft Europas in einer floskelfreien, präzisen und anschaulichen Prosa reflektiert". Seine Schriften zum deutschen Einigungsprozeß verdienten eine Sonderstellung. Der Preis ist benannt nach der Professorin Anna Krüger (1904-1991), die an der Pädagogischen Hochschule Weilburg an der Lahn und an der Universität Gießen Didaktik der Deutschen Literatur lehrte. (dpa)
GERD GIES, Ex-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, ist nicht mehr das Ziel von Ermittlungen der Bundesanwaltschaft. Die Karlsruher Behörde bestätigte die Einstellung des im März 1992 eröffneten Verfahrens. Dem im Juli 1992 zurückgetretenen CDU-Politiker war vorgeworfen worden, CDU-Landtagsabgeordnete zum Mandatsverzicht gedrängt zu haben, um selbst in den Landtag nachrücken zu können. (AP)
PARIS, 22. Januar (AFP). Mehrere Dutzend französische Landwirte haben am Freitag die Räume der neuseeländischen Botschaft in Paris gestürmt, um gegen die Einfuhren von neuseeländischem Schaffleisch zu Dumpingpreisen zu protestieren. Sie besetzten alle Etagen des Gebäudes, ohne daß es dem Botschaftspersonal gelang, sie zu stoppen.
Die Besetzer werfen der französischen Regierung vor, als "Reparation" für die Affäre um die Versenkung des Greenpeace-Schiffs "Rainbow Warrior" eine Steigerung der neuseeländischen Importe zu akzeptieren.
SAN JOSÉ / HUEHUETENANGO, 22. Januar (AFP/AP). Die guatemaltekische Guerillabewegung "Revolutionäre Guatemaltekische Einheit" (URNG) hat ein Angebot der Regierung für Friedensverhandlungen unter Vorbehalt angenommen und einen Waffenstillstand angeboten. Das verlautete am Donnerstag abend aus Kreisen der Guerilla in San José, der Hauptstadt Costa Ricas. Innerhalb von 90 Tagen solle ein Abkommen ausgearbeitet werden, hieß es.
Guatemalas Präsident Jorge Serrano hatte vor mehreren Tagen der URNG 90tägige "ununterbrochene Verhandlungen" vorgeschlagen, um den seit 33 Jahren anhaltenden Bürgerkrieg zu beenden. Gleichzeitig sollten die Vereinten Nationen nach seinen Vorstellungen eine aktive Rolle im Friedensprozeß übernehmen. Die Guerilla bezeichnete den Vorschlag zwar als positive Geste, nannte ihn aber "in der vorliegenden Form voreingenommen, widersprüchlich und unvollständig".
Ein Sprecher der Permanenten Flüchtlingskommission (CCPP) warf unterdessen der Regierung vor, die Zusagen im Hinblick auf die Rückführung der Flüchtlinge aus dem mexikanischen Exil nicht eingehalten zu haben. Der Nachrichtenagentur AFP sagte der CCPP-Vertreter Hermino Cardono, die rund 2800 Heimkehrer, die zunächst in einem Lager bei Huehuetenango untergebracht worden seien, dürften sich nicht frei bewegen. Der Vertreter der Regierungssonderkommission für die Repatriierungsaktion, Sergio Mollinedo, erklärte dazu, die Registrierung und Ausstellung von Ausweisen beanspruche mehr Zeit als erwartet. Ohne Ausweispapiere aber könnten die Rückkehrer das Lager nicht verlassen.
PEKING, 22. Januar (AFP). Mit Millionen von Feuerwerkskörpern wollten die Chinesen am Freitag um Mitternacht Abschied vom Jahr des Affens nehmen und das Jahr des Hahns begrüßen. Angesichts des wichtigsten Festes im chinesischen Kalender haben die meisten Fabriken und Büros in der Volksrepublik vier Tage geschlossen. Trotz der Minustemperaturen in Peking und in Nordchina markiert das Fest das Ende des Winters. Mit Feuerwerkskörpern, deren Verkauf während des Jahres verboten ist, wollen die Chinesen der Kälte den Garaus machen. Im Unterschied zum Jahr des Affens rechnet die traditionelle chinesische Astrologie im kommenden Jahr nicht mit großen Veränderungen.
ZAGREB/BELGRAD, 22. Januar (AFP/dpa/AP/Reuter). Einen Tag vor der Fortsetzung der Genfer Friedenskonferenz für Bosnien-Herzegowina ist der Krieg im ehemaligen Jugoslawien am Freitag wieder eskaliert. Kroatische Streitkräfte begannen nach UN-Angaben eine Offensive gegen das von Serben kontrollierte kroatische Gebiet Krajina, in dem es in den letzten Monaten trotz Spannungen nicht zu größeren Gefechten gekommen war. Serbische Truppen eröffneten nach mehrwöchiger Waffenruhe das Feuer auf die Stadt Mostar in der Herzegowina. In Ostbosnien, wo Moslems Erfolge gegen Serben verzeichnen, weiteten sich die Kämpfe aus. Aus Gornji Vakuf wurden neue Kämpfe zwischen den bisher verbündeten Moslems und Kroaten gemeldet.
Nach Angaben der UN-Friedenstruppen rückten kroatische Truppen in Richtung serbisch besetzter Gebiete im Hinterland der dalmatinischen Küstenstadt Zadar vor und überschritten die dortige Waffenstillstandslinie. In dieser Region haben die Serben einseitig die "Serbische Republik Krajina" ausgerufen. Die in diesem Sektor stationierten UN-Friedenstruppen zogen sich vorerst zurück. Die Offensive der kroatischen Truppen sei bis zum Abend "erfolgreich" verlaufen, erklärte der Leiter der kroatischen Präsidialkanzlei, Jure Radic, im Fernsehen in Zagreb. Ziel sei die Rückeroberung größerer Gebiete im Hinterland von Zadar.
Die "Serbische Republik Krajina" bat das aus Serbien und Montenegro bestehende Rest-Jugoslawien um militärische Hilfe. In Belgrad drohte daraufhin der Präsident Rest-Jugoslawiens, Dobrica Cosic, mit einem direkten Eingreifen der jugoslawischen Armee, wenn die kroatische Seite nicht sofort die Angriffe einstelle.
Nach serbischen Angaben sind kroatische Truppen entlang einer Frontlinie von knapp 100 Kilometern mit mehreren Infanterie-Brigaden zum Angriff angetreten. Geortete kroatische Panzerverbände hätten noch nicht eingegriffen. Die serbische Bevölkerung aus den Frontgebieten fliehe. Im Rahmen der schweren Kämpfe in der Umgebung von Zadar haben serbische Milizen Freitag nachmittag ihre eigenen, unter UN-Kontrolle stehenden schweren Waffen aus den UN-Depots gewaltsam zurückgeholt. Das verlautete am Abend aus dem Umkreis des Hauptquartiers der UN-Friedenstruppen in Zagreb.
Zur Lage in Bosnien-Herzegowina meldete der kroatische Rundfunk, die Stadt Mostar, die Zentrale der bosnischen Kroaten, sei am Freitag von schweren Detonationen infolge serbischen Beschusses erschüttert worden. Die Behörden rechneten mit vielen Opfern dieses Angriffs, der die Stadt nach mehreren ruhigen Wochen "völlig unvorbereitet" getroffen habe.
In die anhaltenden Kämpfe an der Drina in Ostbosnien griff nach bosnischen Angaben wieder die serbische Luftwaffe ein. Die moslemischen Regierungstruppen hätten ihre Linien um sieben Kilometer vorgeschoben und Waffen der Serben erobert. Die Belgrader Nachrichtenagentur Tanjug bestätigte indirekt Offensiven der Moslems an mehreren Fronten. UN-Sicherheitsrat verurteilt Offensive NEW YORK (AP). Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat die Offensive der Kroaten in der Krajina verurteilt. In einer einstimmig verabschiedeten aber nicht bindenden Erklärung des Gremiums hieß es, der Rat werde die "kroatische Armeeoffensive" untersuchen. Der Sicherheitsrat appellierte an die kroatischen Behörden, ihre Truppen zurückzuziehen. Die designierte UN-Botschafterin der USA, Madeleine Albright, sprach sich in einer Anhörung des Senats in Washington für eine militärische Durchsetzung des Flugverbots in Bosnien nach dem Muster des Irak-Konflikts aus.
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WASHINGTON, 22. Januar (AFP/dpa/ AP). Ein US-Kampfflugzeug hat am Freitag erneut eine Stellung der irakischen Luftabwehr in der Flugverbotszone in Nordirak angegriffen. Das teilten Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums mit. Eine Maschine vom Typ F-4G habe zwei Raketen abgeschossen, nachdem die irakische Stellung nahe Mosul ihr Radar aktiviert habe. Die Raketen hätten nicht getroffen. Iraks Regierung bezeichnete die Darstellung als falsch. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte in Bagdad, sein Land habe in der genannten Region keine Luftabwehrgeschütze.
Zuvor hatte die irakische Regierung angekündigt, sie werde trotz des Angriffs eines US-Flugzeugs auf eine irakische Abwehrbatterie am Donnerstag die einseitig angekündigte Waffenruhe einhalten. Ein Sprecher des Außenministeriums teilte am Donnerstag abend mit, die US- Maschine habe Streubomben auf ein ziviles Ziel in der Nähe von Mosul geworfen. Dabei habe es Sachschaden, aber keine Opfer gegeben. Die irakische Nachrichtenagentur INA meldete, die irakische Abwehrbatterie habe ihr Radar nicht aktiviert, seit die Waffenruhe ausgesprochen worden sei. Die US-Maschine habe keine Rakete abgeschossen, sondern Streubomben angeworfen. Dies sei aggressiv und provozierend gewesen.
Zwölf UN-Experten nahmen am Freitag ihre Arbeit in Irak wieder auf. Sie wollten nach Angaben des Gruppenleiters, des US-Amerikaners Paul Brough, nach El Muthanna, 130 Kilometer nordwestlich von Bagdad, reisen, wo die Chemiewaffen Iraks gelagert sind. Sie gehören zu den 51 UN-Inspektoren, die am Donnerstag in Irak eingetroffen waren. Am Freitag traf eine zweite Gruppe von UN-Experten in Irak ein.
Das Unterhaus in London hat die britische Teilnahme an den jüngsten Luftangriffen auf Irak nach einer Nachtdebatte nachträglich gutgeheißen. Der frühere Premierminister Edward Heath kritisierte dabei, daß die Beteiligung dem Ansehen Großbritanniens in der arabischen Welt geschadet habe.
METZ, 22. Januar (AFP). Tonnenweise PCB vergiftet den Boden unter einer ehemaligen Transformatorenfirma in der Innenstadt von Metz in Ostfrankreich. "Äußerst geringe Spuren" wurden nach Angaben der regionalen Vertretung des Industrieministeriums (DRIR) auch in dem Fluß Seille gefunden, der Metz durchquert. Im Rathaus wurde versichert, es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung. In der Nähe des Geländes gebe es keine Entnahmestellen für Trinkwasser.
Die Grünen forderten eine umfassende Information der Bewohner. Den Behörden warfen sie Versagen vor. Die Firma France-Transfo, der das Gelände gehört, hatte trotz wiederholter Aufforderungen der Präfektur, sie solle das Gelände reinigen lassen, nichts unternommen. Etwa 26 Tonnen polychlorierter Biphenyle (PCB), die bei der Herstellung von Transformatoren benutzt wurden, waren nach Schätzungen der DRIR im Laufe von etwa 15 Jahren in den Untergrund gelangt. Dies sei "sicher die größte PCB-Verschmutzung in Frankreich", sagte Daniel Béguin, ein Sprecher der Grünen.
FRANKFURT A. M., 22. Januar (lhe). Die Naxos Union AG mit Sitz in Frankfurt wird ihren Personalabbau in diesem Jahr fortsetzen. Der Schleifmittel- und Schleifmaschinenhersteller will nach Angaben von Eckart Zillig, im Vorstandsmitglied für die Bereiche Finanzen, Verwaltung und Vertrieb, noch bis zu 100 Stellen streichen. Zur Zeit beschäftigt Naxos rund 750 Menschen in drei Werken in Frankfurt-Fechenheim, Butzbach (Wetteraukreis) und im nordhessischen Schwalmstadt-Ziegenhain. Für den größten Teil der Beschäftigten in Butzbach wurde Kurzarbeit ab Februar angemeldet. Bereits 1992 hatte sich Naxos von rund 240 Beschäftigten getrennt.
Vom Winter ist auch am Wochenende in Deutschland nicht viel zu spüren. Die milden, frühlingshaften Temperaturen dauern an, das Thermometer soll tagsüber zwischen acht und zwölf und nachts zwischen fünf und zehn Grad anzeigen. Blauer Himmel wird nicht zu sehen sein; die Sonne kann nur sporadisch durch die dichte Wolkendecke blinzeln. "Bedeckt und regnerisch" lautet die Prognose der Meteorologen vom Wetteramt in Offenbach.
Mit starken Regenfällen sei aber nicht zu rechnen, denn "wo viel Wind ist, ist wenig Regen", so die Wetterexperten. Sturmböen fegen vom Westen über die Republik und erreichen im Norden bis Windstärke zwölf und in der Mitte Deutschlands bis Stärke zehn.
Wintersportler müssen sich weiter vertrösten lassen: Von Schnee und Eis sehen die Meteorologen "keine Spur". lhe (Wetterbericht heute auf Seite 22)
WIESBADEN. Genau 539 ausländerfeindliche Straftaten hat die Polizei im vergangenen Jahr in Hessen gezählt. Das waren 153 Prozent mehr als 1991.
Von 222 ermittelten Tatverdächtigen seien 134 jünger als 20 Jahre gewesen, ein Drittel von ihnen sogar jünger als 17 Jahre, berichtete das Innenministerium am Freitag in Wiesbaden. Die meisten Festgenommenen (154) hätten keiner rechtsextremistischen Organisation angehört, 25 zählten zu den sogenannten Skinheads, 43 Personen seien rechtsextremistisch organisiert.
Häufig hätten sich die Täter erst kurz vor ihrer spontanen Aktion kennengelernt und auch unter Alkoholeinfluß gestanden. Dies macht es nach der Beurteilung des Ministeriums besonders schwer, solche Übergriffe zu verhindern. Der Großteil der 140 schweren Straftaten sei in ländlichen Gemeinden und Kleinstädten bis zu 20 000 Einwohnern verübt worden. Zu den schlimmsten Vorfällen hätten sieben versuchte Tötungsdelikte und 40 Brandstiftungen gehört.
Nach Angaben des Landeskriminalamts sind die Täter mit großer Brutalität und Menschenverachtung vorgegangen und haben Molotowcocktails, Schußwaffen, Baseballschläger und Kampfgas eingesetzt. lhe
Im Hessischen Rundfunk "qualmen die Telefone", denn "die Leute finden ihren Sender nicht mehr". So beschreibt Heinz Fritsch, stellvertretender technischer Direktor, die Situation, die durch die Umbelegung der Sendeplätze im Kabelnetz des Rhein-Main-Gebietes entstanden ist. Hessen drei wurde auf Kanal vier verlegt, der vorher dem Sender SWF drei zugeordnet war. Dieser befindet sich nun auf Kanal drei, der bis jetzt nicht genutzt worden sei. Für eine gewisse Übergangszeit wird jedoch auch Hessen drei noch auf seinem angestammten Kanal sechs zu empfangen sein.
Grund für Verwirrung der Frequenzen ist, daß von Montag an das Programm des neuen Kölner Privatsenders VOX in die hessischen Kabelnetze eingespeist wird. Rechtzeitig zum geplanten Sendestart sei das VOX-Programm dann im Gebiet Frankfurt, Darmstadt, Hanau und Offenbach zunächst auf dem Kabelkanal acht, in den übrigen Landesgebieten auf Kanal fünf oder sechs zu empfangen, kündigte die hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR) am Freitag in Kassel an.
VOX will nach eigenen Angaben ein anspruchsvolles, informationsorientiertes privates Fernsehvollprogramm bieten. Das Nachsehen bei der Umbelegung der Sendeplätze haben die öffentlich-rechtlichen Sender Hessen drei und SWF drei, die ihre angestammten Plätze zugunsten des neuen Privatsenders verloren haben. Der Hessische Rundfunk habe sich, so Fritsch, heftig gegen die Umbelegung gewehrt, sich jedoch nicht gegen die Telekom und Hessische Landesanstalt für Medien (HLM) durchsetzen können. Begründung: Jede andere Lösung sei zu teuer.
Ein Grund für den Widerstand des Hessischen Rundfunks sei auch gewesen, berichtet Heinz Fritsch weiter, daß die Kanäle, die unter Kanal sechs liegen, die Filter in den Kabelanlagen von 15 000 Haushalten im Rhein-Main-Gebiet nicht passieren könnten. Diese Filter seien für jene Mieter eingebaut worden, die keinen Kabelanschluß für sich wünschten, jedoch anderen Hausbewohnern beim Einbau nicht im Wege stehen wollten. Aus diesem Grund räumten Tekekom und HLM zumindest für den Sender Hessen drei eine Übergangszeit ein, in der ihm auch weiterhin der Kanal sechs zur Verfügung steht.
Anfang Februar solle die hessische Medienlandschaft dann durch die Einspeisung des RTL 2-Programms in die Kabelnetze ergänzt werden, sagte LPR-Direktor Wolfgang Thaenert. reu
KASSEL. Knapp sechs Wochen vor den Kommunalwahlen in Hessen will die SPD-Mehrheit in Kassel ungeachtet der Kritik der Oppositionsparteien einen Parteifreund als Bürgermeister für sechs Jahre in seinem Amt bestätigen.
Die Wiederwahl von Ludolf Wurbs (55), des zweiten Mannes an der Spitze der nordhessischen Stadt, steht für Montag auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung, in der die SPD mit einer Stimme Vorsprung die absolute Mehrheit hält. Wurbs ist seit 1987 Bürgermeister und zugleich Umwelt- und Rechtsdezernent.
Gegen die Wahl des Bürgermeisters noch vor den Kommunalwahlen hatten sowohl CDU, FDP als auch die Grünen protestiert. Gemeinsam mit dem Sprecher der Landesgrünen, Jürgen Frömmrich, rief der Spitzenkandidat der Kasseler Grünen, Volker Schäfer, am Freitag die SPD auf, von der geplanten Wahl abzusehen. Die Entscheidung müsse den zukünftigen Mehrheiten im Stadtparlament überlassen werden. zg
STUTTGART, 22. Januar (Reuter). Die Tarifverhandlungen für die 2,3 Millionen Arbeiter und Angestellten im öffentlichen Dienst Westdeutschlands sind am Freitag in Stuttgart in die zweite Runde gegangen. Die Gespräche waren vertagt worden, nachdem die Gewerkschaften ein erstes Arbeitgeberangebot über Einkommensverbesserungen von 2,25 Prozent abgelehnt hatten. Die von der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) geführte Tarifgemeinschaft und die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) waren mit der Forderung nach 5,5 Prozent beziehungsweise fünf Prozent mehr Einkommen in die Verhandlungen eingestiegen. Darüber hinaus hatte die ÖTV eine weitere Verkürzung der Wochenarbeitszeit ab 1994 und eine "soziale Komponente" von zumindest 150 Mark für die unteren Einkommensgruppen verlangt, ohne die es, so die ÖTV- Vorsitzende Monika Wulf-Mathies, keinen Abschluß geben werde.
BELFAST, 22. Januar (Reuter). Radikale irische Nationalisten haben nach Angaben der Polizei am Donnerstag in Belfast einen Mann vor den Augen seiner Freundin erschossen. Wie die Polizei in der nordirischen Provinzhauptstadt mitteilte, traten drei Männer die Wohnungstür ein und erschossen den 30jährigen Protestanten, der mit seiner Freundin vor dem Fernseher saß. Die Frau wurde nicht verletzt. Die Untergrundorganisation Irisch-Nationale Befreiungsarmee - eine Splittergruppe der IRA - bekannte sich zu der Tat im Norden Belfasts. Nachbarn erklärten, der Getötete habe keine Kontakte zu extremistischen protestantischen Gruppen gehabt. Er sei wohl zufällig Opfer des Kampfes zwischen pro-irischen Katholiken und pro-britischen Protestanten geworden.
Deportierte Israel beschießt Lager
MARDSCH AS SOHUR, 22. Januar (Reuter/AFP/AP). Israelische Soldaten haben in der Nacht zum Freitag auf einen Hügel oberhalb des Zeltlagers der über 400 abgeschobenen Palästinenser im Süden Libanons geschossen. Augenzeugen berichteten, kurz vor Mitternacht seien vier Granaten und zwei Leuchtraketen abgefeuert worden. Für die Palästinenser brach die sechste Woche im Lager zwischen israelischen und libanesischen Linien an.
Großbritannien erklärte sich am Donnerstag bereit, kranke oder irrtümlich ausgewiesene Palästinenser aus dem Lager auszufliegen. Außenminister Douglas Hurd erklärte, dies solle ein Beitrag zur Lösung der Krise sein. Voraussetzung sei jedoch, daß das Rote Kreuz das Lager besuchen dürfe.
Der Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Jassir Arafat, hat sich am Donnerstag erstmals direkt in einer vom Fernsehen übertragenen telefonischen Botschaft an die Israelis gewandt. In der Ansprache schlug Arafat dem israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin ein Treffen vor. Eine solche Begegnung werde für die kommenden Generationen ein erster Meilenstein auf dem Weg zum Frieden sein, sagte Arafat.
Rabin lehnt das vorgeschlagene Treffen mit Arafat ab. "Israel verhandelt nicht mit der PLO, sondern nur mit der Palästinenserdelegation aus den (besetzten) Gebieten", sagte ein Sprecher Rabins am Freitag in Jerusalem. Die Haltung Israels zu dieser Frage habe sich nicht geändert, betonte er.
Auch der zweite Versuch der UN, Israel zur Rücknahme der Massendeportation zu bewegen, ist gescheitert. Ein Gespräch des UN-Sonderbeauftragten Chinmaya Gharekhan mit Rabin am Donnerstag abend in Jerusalem blieb ohne Ergebnis.
WASHINGTON, 22. Januar (Reuter). Bei dem jüngsten Angriff US-amerikanischer Kampfflugzeuge auf Raketenstellungen im Norden Iraks ist nach irakischen Angaben niemand ums Leben gekommen.
Dies sagte ein Sprecher des Zivilschutzes am Donnerstag der irakischen Nachrichtenagentur INA. Die Flugzeuge hatten einen Tag nach dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Bill Clinton eine Raketenstellung bei Mossul innerhalb der nördlichen Flugverbotszone mit einer Rakete und Splitterbomben attackiert. Deren Radar sei auf drei Maschinen der Golf-Alliierten gerichtet gewesen, teilten die US-Streitkräfte zur Begründung mit.
Die irakische Führung bestritt die Radarerfassung, erklärte aber, an der ab Mittwoch angebotenen Feuerpause festhalten zu wollen. Ein Sprecher des irakischen Außenministeriums sagte, die Bomben hätten zivile Ziele getroffen. Er sprach von einem "aggressiven und provokativen" Akt der Alliierten. Clinton bekräftigte jedoch, er werde in der Politik gegenüber Irak den Kurs seines Vorgängers George Bush beibehalten. Drei von fünf Amerikanern sind einer Umfrage zufolge für eine US-Militärintervention in Irak zum Sturz von Präsident Saddam Hussein. In einer von der Zeitung Los Angeles Times am Donnerstag veröffentlichten Erhebung sprachen sich 60 Prozent der Befragten dafür aus, die Entfernung Saddams aus dem Amt mit allen Mitteln und auch unter dem Risiko zu betreiben, daß dabei US-Bürger ihr Leben lassen müßten.
Das Unterhaus in London hat die britische Teilnahme an den jüngsten Luftangriffen auf Irak nachträglich gutgeheißen. Nach einer die ganze Nacht hindurch dauernden Debatte stimmten am frühen Freitag morgen 156 Abgeordnete für und 21 gegen einen entsprechenden Antrag der Regierung von Ministerpräsident John Major.
Die UN schickten am Freitag 19 weitere Inspektoren nach Irak, die dort die Zerstörung von Massenvernichtungswaffen überwachen sollen. UN-Vertreter Doug Englund teilte in Manama in Bahrain mit, die Inspektoren seien nach Bagdad abgeflogen.
MOSKAU, 22. Januar (Reuter/AFP). Der russische Präsident Boris Jelzin hat vor dem Gipfel der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) dazu aufgerufen, das Bündnis der zehn früheren Sowjetrepubliken zu retten.
Die GUS-Mitglieder müßten sich auf ein Statut einigen, dem alle zustimmen könnten, sagte Jelzin am Freitag auf dem Moskauer Flughafen Wnukowo vor dem Abflug in die weißrussische Hauptstadt Minsk. Es dürfe nicht zugelassen werden, daß ein Block zentralasiatischer Republiken unter Führung Kasachstans seinen eigenen Weg gehe. In der nach dem Zusammenbruch der UdSSR im Dezember 1991 gegründeten GUS gibt es tiefgreifende Differenzen.
Der Entwurf für ein GUS-Statut sieht vor, daß die zehn Mitglieder ihre Außenpolitik aufeinander abstimmen, in Verteidigungsfragen zusammenarbeiten und einen gemeinsamen Wirtschaftsraum entwickeln. Die Ukraine hat aber erklärt, daß sie das Statut nicht unterzeichnen wolle. Auch Turkmenistan und Moldawien haben Bedenken geäußert.
Ein Hauptthema des Gipfels wird voraussichtlich der Streit um die Kontrolle der ehemals sowjetischen Atomwaffen sein. Rußland verlangt die alleinige Kontrolle über die stategischen Kernwaffen. Die Ukraine, Kasachstan und Weißrußland wollen die Waffen jedoch nur dem strategischen Oberkommando der GUS unterstellen.
Ein schlechtes Omen für das GUS-Treffen war, daß ein russisches Kommando der Schwarzmeerflotte am Donnerstag "irrtümlich" eine ukrainische Luftabwehr-Division angegriffen hat. Der Nachrichtenagentur Itar-Tass zufolge ereignete sich der Zwischenfall im Rahmen eines Manövers. Das russische Kommando, das einen Angriff auf ein russisches Sendezentrum auf der Krim simulieren sollte, griff 16 ukrainischen Soldaten an und machte sie kampfunfähig.
BONN, 22. Januar (Reuter/dpa). FDP- Chef Otto Graf Lambsdorff rechnet fest damit, daß auch die Arbeitslosen noch zur Finanzierung des sogenannten Solidarpakts herangezogen werden. Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) habe Kürzungen der Lohnersatzleistungen unter der Bedingung abwenden können, daß er bis zum 15. Mai den Mißbrauch von Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe abstelle. Da es Blüm nicht gelingen werde, die vereinbarten Einsparsummen aufzubringen, "werden wir am 15. Mai die Reduzierung der Lohnersatzleistungen beschließen", sagte Lambsdorff dem Handelsblatt am Freitag.
Die SPD will der Regierung einen eigenen Entwurf für einen Solidarpakt entgegensetzen. Dazu hat der SPD-Koordinatorfür die Gespräche, der saarländische Ministerpräsident Oskar Lafontaine, die Spitzen aus Partei und Bundestagsfraktion, sowie alle SPD-Regierungschefs für Mittwoch nach Bonn eingeladen. Man wolle auf der Grundlage des SPD-Sofortprogramms und unter Berücksichtigung der Koalitionsvorlage einen Solidarpakt ausarbeiten, der sozial gerecht und finanzpolitisch solide sei, hieß es. Dabei solle eine enge Abstimmung mit der Wirtschaft, den Gewerkschaften und den Ministerpräsidenten der CDU-geführten Ost-Länder versucht werden.
In der Union wird inzwischen der Ruf nach einer Arbeitsmarktabgabe wieder lauter. Der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Heribert Scharrenbroich, bestätigte, daß Fraktionschef Wolfgang Schäuble die Arbeitsgruppe Sozialpolitik beauftragt habe, einen Vorschlag dafür zu entwickeln. Die Koalition wisse, daß Gewerkschaften und SPD die Arbeitsmarktabgabe zur Bedingung für den Solidarpakt machten, sagte er.
Die stellvertretende CDU-Vorsitzende und Familienministerin Angela Merkel sowie Verkehrsminister Günter Krause (CDU) kritisierten Teile des Sparpakets. Merkel berichtete der Deutschen Presseagentur, daß aber die Einsparungen im Ausgabenbereich sowohl von ihr wie von Krause mitgetragen würden. Dies gelte auch für den sozialen Sektor. Bei der Abstimmung in der Sondersitzung der CDU/ CSU-Fraktion hätten aber sie und Krause Bedenken gegen einzelne Vorschläge vorgetragen. Bei der Abstimmung habe sie sich enthalten, und Krause habe gegen das Programm gestimmt.
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Kurz gemeldet: 17,6 Prozent Ausländer in der Schweiz
BERN, 22. Januar (Reuter). In der Schweiz hat die Bevölkerung im vergangenen Jahr zu 17,6 Prozent aus Ausländern bestanden. Von den knapp sieben Millionen Einwohnern seien 1,2 Millionen Ausländer gewesen, teilte das Justiz- und Polizeiministerium in Bern mit. Kuwaiter Chef von UN-Organisation ROM, 22. Januar (AFP). Der Kuwaiter Fawzi Hamad el Sultan ist in Rom für einen Zeitraum von vier Jahren zum Präsidenten des Internationalen Agrarentwicklungsfonds (IFAD) der UN gewählt worden. Arbeitslose in Protugal sollen arbeiten LISSABON, 22. Januar (dpa). Die rund 200 000 Arbeitslosen in Portugal sollen nach den Plänen der Regierung künftig zu Arbeiten für die Gemeinschaft herangezogen werden. Nach den Regierungsplänen sollen sie zum Beispiel bei der Erhaltung von Parks oder Säuberungsarbeiten eingesetzt werden. Sultane wollen kämpfen KUALA LUMPUR, 22. Januar (dpa). Die neun malaysischen Sultane wollen im Verfassungsstreit um ihre Feudalrechte zwischen der bürgerlichen Regierung und den aristokratischen Herrscherhäusern nicht kampflos nachgeben. Sie wollen den Internationalen Gerichtshof in Den Haag um einen Schiedsspruch bitten.
WASHINGTON, 22. Januar (dpa/FR). Zwei Tage nach seinem Amtsantritt hat der neue US-Präsident Bill Clinton eine erste Schlappe einstecken müssen. Unter dem Druck von Kongreß und Öffentlichkeit zog die Anwältin Zoe Baird am Freitag in Washington ihre Kandidatur als Justizministerin zurück. Der Präsident nahm den Verzicht, wie er sagte, "mit Trauer" an.
Die 40jährige, die als kommender Star der Regierung galt und die erste Frau an der Spitze des Ministeriums gewesen wäre, hatte ein illegal eingereistes Ehepaar aus Peru beschäftigt und war damit nach Auffassung führender Parlamentarier als Justizministerin ungeeignet.
Die große Mehrheit seiner Spitzenkräfte hatte die Hürde der Bestätigung durch den Senat jedoch ohne Schwierigkeiten genommen, allein zehn Minister am Donnerstag. Im Kabinett, das am Freitag vereidigt wurde, fehlt nach dem Baird-Verzicht nur noch der Justizminister.
Außenminister Warren Christopher verteidigte die neuerlichen Angriffe gegen irakische Raketenstellungen. Sie zeigten die Entschlossenheit der Regierung Clinton gegenüber dem Irak. Die Vereinigten Staaten seien entschlossen, ihre Piloten in der Flugverbotszone im Irak zu schützen, sagte Christopher.
Clinton sagte in einer ersten Stellungnahme, die US-Regierung blieben bei ihrer derzeitigen harten Haltung. "Das ist die Politik der USA, und wir bleiben dabei", sagte er.
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KARLSRUHE, 22. Januar (Reuter). Eine Kammer des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe hat den Antrag der Nebenklage im Honecker-Strafverfahren abgelehnt, durch eine einstweilige Anordnung die Aufhebung des Haftbefehls gegen Erich Honecker rückgängig zu machen. Die mit drei Verfassungsrichtern besetzte Kammer entschied einstimmig, daß der Antrag des Berliner Rechtsanwalts Hanns-Ekkehard Plöger "offensichtlich unzulässig" sei. Der am Donnerstag gefaßte Beschluß wurde am Freitag in Karlsruhe veröffentlicht. (AZ: 2 BvQ 1/93)
Plöger hatte das Gericht vor der Abreise Honeckers nach Chile angerufen und dort beantragt, die Aufhebung des Haftbefehls durch das Landgericht Berlin wiederum aufzuheben.
Dies lehnte das Gericht jetzt ab. Es sei nicht dargelegt, warum die Nebenklage kein rechtliches Gehör bekommen habe, vielmehr habe sie den berufenen Gerichten alle entscheidungserheblichen Tatsachen vorgetragen. Im übrigen verwies das BVG auf seinen Beschluß vom Dezember 1992, daß es keinen Anspruch des Bürgers auf Strafverfolgung eines Dritten durch den Staat gebe.
LAGOS, 22. Januar (Reuter). Über die nordnigerianische Stadt Funta haben die Behörden nach einer Meldung des staatlichen Rundfunks in der Nacht zum Freitag eine Ausgangssperre verhängt. Sie reagierten damit auf tagelange Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Moslemgruppen, bei denen Augenzeugen zufolge mindestens 30, nach einem Zeitungsbericht bis zu 50 Menschen getötet worden waren.
Nach Angaben von Bewohnern gab es am Freitag keine weiteren Kämpfe. Die Unruhen waren am Dienstag ausgebrochen, offenbar zwischen schiitischen und sunnitischen Moslems.
PARIS, 22. Januar (Reuter). Die französische Planungskommission hat Maßnahmen zur Senkung der Arbeitslosenzahlen vorgeschlagen. In einem in Paris veröffentlichten Bericht rät die Kommission zu einer Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit oder einer Senkung des Sozialversicherungsbeitrags für Arbeitgeber. So müsse die wöchentliche Arbeitszeit von jetzt 39 Stunden durch Verhandlungen je nach Branche und Arbeitsplatz allmählich reduziert werden. Zugleich müßten die Löhne langsamer steigen, Kürzungen hingegen vermieden werden.
NEW YORK, 22. Januar (Reuter). Der Jüdische Weltkongreß erwägt einen Boykottaufruf gegen den Weltärztebund, falls der wegen seiner NS-Vergangenheit umstrittene Hans-Joachim Sewering wie geplant dessen Präsident werden sollte. Wie der Jüdische Weltkongreß am Donnerstag in New York mitteilte, will er kommende Woche über die Aufforderung an nationale Ärzteorganisationen zum Rückzug aus dem Weltverband entscheiden. Er habe seine Mitglieder in 72 Staaten bereits aufgefordert, sich für die Ablehnung des Deutschen beim Treffen des Weltärztebundes im April einzusetzen.
Sewering ist bereits zum Präsidenten gewählt, soll sein Amt aber erst im Oktober antreten. Der 76jährige hat zugegeben, nationalsozialistischen Organisationen angehört zu haben. Er hat jedoch Vorwürfe bestritten, ein behindertes Mädchen in eine Euthanasie-Anstalt der Nazis geschickt zu haben, wo sie gestorben sei.
TOKIO (rtr/dpa). Nippons Handelsüberschuß ist 1992 um knapp 38 Prozent auf die Rekordhöhe von 107 Milliarden Dollar gestiegen. Nach Zahlen des Finanzministeriums fielen die Einfuhren um 1,7 Prozent auf 232 Milliarden, während die Ausfuhren um acht Prozent auf 339 Milliarden zunahmen. Der größte Aktivsaldo aller Zeiten wird nach Ansicht von Fachleuten die Kritik an dem fernöstlichen Industriestaat verstärken.
"Der neue US-Präsident Bill Clinton muß etwas an der Handelsfront tun, und auch die EG sucht nach Ablenkung für ihre eigenen wirtschaftlichen Probleme", heißt es in Tokio. Im Handel mit den USA kletterte der Überschuß auf knapp 44 von gut 38 Milliarden Dollar. Die neue US-Regierung dürfte nach Einschätzung von Beobachtern Geschäften mit Japan größere Bedeutung beimessen als die alte unter George Bush.
Der EG-Botschafter in Tokio, Jean- Pierre Leng, monierte, Nippon habe bisher nicht genug für den Abbau des Überschusses getan. Das im August von der Regierung angekündigte Wirtschaftspaket komme zu spät und sei nicht ausreichend. Im Handel mit der EG erreichte das Inselreich 1992 einen Rekordüberschuß von mehr als 31 Milliarden Dollar. EG-Kommissar Peter Schmidhuber kritisierte mangelnde Anstrengungen zur Öffnung des japanischen Marktes. In Straßburg nannte er das Ausmaß der Handelshemmnisse besorgniserregend.
BRÜSSEL, 22. Januar (Reuter). Der Abzug der deutschen Soldaten aus den AWACS-Überwachungsflugzeugen der NATO bei einer Erzwingung des Flugverbots über Bosnien-Herzegowina hätte nach den Worten von NATO-Generalsekretär Manfred Wörner weitreichende Folgen. Wenn eine Nation beim ersten Einsatz eines integrierten Teils der NATO-Streitkräfte die Funktionsfähigkeit beschädige, hätte das Konsequenzen über diesen konkreten Fall hinaus, sagte der deutsche NATO-Chef am Freitag in Brüssel.
Wörner sagte, er hoffe sehr, daß man in Deutschland die weit über den Einzelfall hinausgehende Bedeutung erkenne und begreife, daß das Land heute Verantwortung übernehmen müsse wie jede andere Macht gleicher Größe. Das erwarten nach Wörners Meinung die internationale Staatengemeinschaft und die Bündnispartner bei allem Verständnis für die besondere Lage der Deutschen. In der Bundesregierung streiten FDP und CDU darüber, ob die deutschen Soldaten in den Aufklärungsflugzeugen bleiben können, wenn der UN-Sicherheitsrat eine militärische Erzwingung des von ihm verhängten Flugverbots beschließt.
LONDON, 22. Januar (Reuter). In der früheren Sowjetunion hat ein Wissenschaftler nach eigenen Angaben an der Entwicklung einer Superseuche mitgearbeitet, die in kurzer Zeit die Hälfte der Bevölkerung einer 100 000-Einwohner- Stadt hätte vernichten können. Im britischen Fernsehen sagte Wladimir Pasetschnik am Donnerstag abend, Anfang der 80er Jahre habe er in der Leningrader Zweigstelle einer Organisation mit Namen Biopreparat an der Herstellung einer genetisch manipulierten Seuche mitgewirkt. Sie sei mit dem Ziel entwikkelt worden, daß sie gegen die meisten im Westen verfügbaren Medikamente resistent gewesen wäre, während nur in der UdSSR Antibiotika zu ihrer Bekämpfung bekannt gewesen wären.
Die Existenz der Leningrader Zweigstelle sei geheimgehalten worden, da ihre Arbeit ein Verstoß gegen den Vertrag über biologische Waffen von 1972 gewesen sei, sagte Pasetschnik.
FRANKFURT A. M. (FR). Aufgrund seiner technisch guten Verfassung hat der Frankfurter Aktienmarkt gestern fester geschlossen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloß allerdings etwas unter dem Tageshoch. Am Ende lag das Börsenbarometer rund 43 Punkte über dem Schlußniveau vor einer Woche. Händler begründeten die für einen Freitag ungewöhnlich hohen Kursgewinne neben den technischen Faktoren mit weiter anhaltenden Zinshoffnungen. Investoren aus dem In- und Ausland seien aktiv gewesen.
"Die Angst, den Zug zu verpassen, spielt eine wichtige Rolle", sagte ein Händler. Zu den Rennern zählten bei den Standardtiteln Daimler. Händler erklärten den starken Kursanstieg mit der bereits Anfang der Woche verbreiteten Kaufempfehlung der DB Research für Daimler und andere Titel. Aber auch einige Titel der "zweiten Reihe" konnten zulegen, so beispielsweise Bremer Vulkan, die um 3,50 Mark stiegen.
Die Aussichten für deutsche Aktien bezeichneten die meisten Profis für die nächste Zeit eher positiv. Trotzdem werde die 1600er Dax-Linie einen Widerstand darstellen, zumal von der Veröffentlichung der neuesten Geldmengenzahlen "nichts Gutes" erwartet wird. "Durch das Devisen-Engagement der Bundesbank dürfte die Zahl hoch ausfallen. Das dämpft die Zinshoffnung", gab ein Börsianer zu bedenken.
Der Rentenmarkt tendierte in einem umsatzarmen Geschäft gut behauptet. Die Kassakurse öffentlicher Anleihen wurden um bis zu 15 Pfennig angehoben, wodurch die Umlaufrendite wieder von 6,97 auf 6,96 Prozent zurückfiel.
MELBOURNE, 22. Januar (sid). Tennis-Profi Michael Stich hat nach einem erneuten Fünf-Satz-Krimi das Achtelfinale bei den Australian Open erreicht. Der Elmshorner besiegte in der dritten Runde den Australier Jason Stoltenberg 5:7, 6:4, 7:6, 4:6, 6:1 und trifft nun auf den Sieger des Spiels zwischen dem Dänen Kenneth Carlsen und dem Australier Todd Woodbridge.
Das Mädchen ist fast ein wenig zu nachdenklich und nett für eine Tenniskarriere der ganz großen Art. "Na ja, das kann man so lassen", kommentierte Meike Babel aus Neu-Isenburg ihr jüngstes gewonnenes Match bei den Australian Open. Dabei steht die 18jährige, gerade mal ein Jahr auf der internationalen Profitour dabei, zum ersten Mal in der dritten Runde eines Grand-Slam-Turniers. Dennoch ist sie sicher: "Mit meinem Spiel werde ich nie die Nummer eins."
Ihr Spiel ist Aggressivität, Drang ans Netz, Schnelligkeit. Für den Weg an die Spitze eigentlich wie gemacht. Es mag am langsamen Start ins Profileben liegen ("Noch mit 14 hätte ich das nie geglaubt"), daß die Deutsche Jugendmeisterin keine Sprechblasen produziert, sondern durch leise, zuweilen kritische Worte überzeugt: "Ich hatte es mir nicht so hart vorgestellt. Es gibt viele Gemeinheiten und Intrigen. Da kommt eine freundlich auf dich zu und gibt dir einen Tip. Später stellst du fest, sie hat dir bewußt das Gegenteil vom Richtigen erzählt."
Das ewige Rumhängen zwischen Matches und Training ("Ich lerne Spanisch, um was für den Verstand zu tun"), die einsamen Abende ("Mal Essen, mal Kino") - das sind die Schattenseiten jener Welt, in der "es dicke Autos, tolle Hotels und unheimlich viele oberflächliche Menschen gibt".
Im vorigen Jahr auf Platz 65 im Computer angelangt, ging die Leistungskurve von Meike Babel plötzlich nach unten. Schlechte Auslosungen, fast nur "Abschüsse von Spielerinnen der Top 20" und ein rapider Gewichtsverlust drückten auf den Ranglistenplatz. "Da überlegt man schon manchmal, ob sich das alles lohnt", bekennt die DTB-Auswahlspielerin, die vom Vater trainiert wird und komplett auf Kosten des Verbandes reist.
16 500 australische Dollar, das bisher höchste Preisgeld ihrer Karriere, hat die Regionalliga-Spielerin mit den beiden Einzeln im Flinders Park schon verdient. Aber: "Das Geld interessiert mich nicht." Ihr Vater macht die Verträge (Kleider, Schläger und ein privater Mäzen, der monatlich in eine mögliche Erfolgszukunft investiert), das Preisgeld wird gespart. Irgendwann will Meike Babel, die das Gymnasium mit der mittleren Reife verließ, mal sehr gut davon leben.
Eine Sache allerdings hat sie doch nachdenklich gemacht. Bei einem Besuch in der alten Schule haben manche sofort nach dem verdienten Geld gefragt. "Da hab ich gesagt: Kannst du mir nicht erstmal guten Tag sagen, oder was?" sid
Die im April 1992 gegründete Vereinigung der Eishockeyspieler (VdE) meldet erste Erfolge. Auf Initiative der VdE, nach dem Vorbild des nordamerikanischen Berufsverbandes ins Leben gerufen, konnte die beiden Profis Antonio Fonso und Brian Hannon in Deutschland weitervermittelt werden.
Beide Spieler hatten mit ihrem ursprünglichen Arbeitgeber, dem Bundesligisten EC Ratingen, in der laufenden Saison große Schwierigkeiten und wandten sich an die VdE. Im Fall Fonso erstritt der VdE-Rechtsbeistand Horst Kletke, daß der Verteidiger eine Freigabe mit Empfehlung erhielt und ablösefrei in Richtung ECD Sauerland Iserlohn wechseln konnte.
Auch bei Brian Hannon mußte die Vereinigung die Justiz bemühen. Gegen Ratingen läuft ein Verfahren auf Schadenersatz, da Hannon laut VdE-Geschäftsführer Jörg Hiemer trotz eines zu Saisonbeginn unterzeichneten Dreijahres-Vertrages nie Geld vom Aufsteiger gesehen hat. Die VdE konnte zudem kurzfristig helfen, damit der Kanadier, der aufgrund der Ausländerregelung unbedingt weiter in Deutschland spielen wollte, bei Preussen Berlin vorläufig eine neue Bleibe fand.
Der EC Ratingen ist laut Ex-Profi Jörg Hiemer, der seit Ende 1992 hauptamtlich für die neu gegründete "Spieler-Gewerkschaft" arbeitet, das "schwarze Schaf" der Liga. "Wir werden Ratingen demnächst böse auf die Finger klopfen. Was die mit ihren Spielern machen, ist eine einzige Sauerei", sagt der frühere Nationalspieler.
Aber nicht nur die Praktiken in Ratingen werden von der VdE mit ihrem Präsidenten Gerd Truntschka angeprangert. "Viele Spieler, die aus Rußland oder anderen östlichen Ländern nach Deutschland kommen, werden von den Klubs total über den Tisch gezogen. Diese Spieler leben als Eishockeyprofi knapp am Existenzminimum."
Aus diesem Grund will die VdE, die sich als Interessenvertretung gegenüber dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB), den Vereinen, den Rechteverwertern sowie anderen beteiligten Personen, Gruppen und Unternehmen versteht, in naher Zukunft einige Muster-Arbeitsverträge ausarbeiten. Zudem steht der VdE-Anwalt allen Spielern mit Rat und Tat zur Seite.
Die Mitgliederwerbung im Bereich der ersten und zweiten Bundesliga mit rund 530 Profis läuft laut Jörg Hiemer, dessen Bruder Uli (Düsseldorfer EG) ebenfalls im VdE-Vorstand sitzt, ordentlich. Obwohl einige Vereine laut Jörg Hiemer nachweislich Anschreiben an die Kapitäne unter den Tisch fallen ließen, sind in knapp neun Monaten schon 80 Profis der Vereinigung beigetreten, darunter etliche Nationalspieler. Derzeit besucht Jörg Hiemer nach und nach alle Klubs in der Bundesliga um die VdE persönlich vorzustellen und weitere Mitglieder zu werben. sid
DRESDEN, 22. Januar (sid). Rolf-Jürgen Otto ist neuer Präsident von Fußball-Bundesligist Dynamo Dresden. Am Freitag, exakt um 1.30 Uhr, gewann der 52 Jahre alte Bauunternehmer auf der zuvor zweimal verschobenen Mitgliederversammlung die Kampfabstimmung mit 401:116 Stimmen klar gegen den Dresdner Warenhausbesitzer Ulrich Becker, der zuvor überraschend seine Kandidatur bekanntgegeben hatte. Otto tritt damit die Nachfolge des am Silvestertag 1992 zurückgetretenen Wolf-Rüdiger Ziegenbalg an. Bereits am Freitag will Otto dem mit 16,4 Millionen Mark verschuldeten Verein 2,5 Millionen Mark zur Verfügung stellen.
Wenn der Kopf bei den Daviscup-Querelen ist, kann das Spiel nicht geradelaufen. "Es ist klar, daß ich mir meine Gedanken mache, natürlich kostet das Konzentration", sagte Michael Stich (Elmshorn), nachdem er sich trotz einer reichlich schwachen Leistung mit 5:7, 6:4, 7:6 (7:0), 4:6 und 6:1 gegen den 166. der Weltrangliste, Jason Stoltenberg (Australien), in die dritte Runde der Australian Open gerettet hatte.
Obwohl sich nach dem fünften Tag des Grand-Slam-Turniers mit knapp 160 000 Zuschauern ein neuer Besucherrekord im Flinders Park abzeichnet, ist das erste Kräftemessen der Tennisprofis der Saison noch nicht richtig auf Touren gekommen. Die Überraschungen - abgesehen vom Ausscheiden Boris Beckers - halten sich in Melbourne in Grenzen, am Freitag war wieder weitgehend Routine zu vermelden. Dazu gehört das 6:4, 6:3, 6:4 von Jim Courier (USA) über Guillaume Roux (Frankreich) ebenso wie der 6:1, 6:0- Erfolg von Monica Seles (Jugoslawien) über Patty Fendick (USA). Beide sind Weltranglisten-Erste und Titelverteidiger.
Bemerkenswert an der nur 46minütigen Vorstellung von Monica Seles war, daß sie sich das Stöhnen weitgehend verkniff. Offenbar wollte sie damit jene "Grunz-Chöre" vermeiden, die Zuschauer bei ihrem ersten Auftritt intoniert hatten.
Drei Stunden und 21 Minuten mühte sich Michael Stich, der einzige im Hauptfeld verbliebene Deutsche, vergeblich, Sicherheit in die Schläge zu bringen. Er blickte dabei immer wieder hilfesuchend zu seiner Frau, die das gesamte Repertoire ihrer Schauspielerkunst zur Aufmunterung abspulte. "Das Spiel war grausam, aber ich bin noch drin", urteilte Stich. Sein Gegner im Achtelfinale ist der Däne Kenneth Carlsen, der den Australier Todd Woodbridge in einer Begegnung, die unter Flutlicht ausgetragen wurde, mit 7:5, 5:7, 6:4, 6:4 besiegte.
Boris Becker und Ion Tiriac sind abgereist, so ist nach den Sturmböen um die Daviscup-Absage des Leimeners zunächst einmal wieder Ruhe in Melbourne eingekehrt. Doch nicht im Kopf von Michael Stich, der allerdings mit Nachdruck klarstellte: "Ich denke daran, aber ich werde nicht mehr darüber reden." Michael Stich wolle sich nun endlich auf den Sport konzentrieren: "Die letzten Pressekonferenzen waren ja eine Minute lang zum Spiel und zwanzig zu Boris Becker!" Auch daß der Deutsche Tennis- Bund (DTB) sich noch nicht bei ihm gemeldet hat, stört den 14. der Weltrangliste derzeit nicht.
38 leichte Fehler, sieben Doppelfehler und 42 verzogene Bälle am Netz - die Statistik schreibt in Zahlen, was auch Stichs fortwährende Diskussionen mit dem Schiedsrichter zum Ausdruck brachten: Ihm fehlten völlig Konzentration und das Konzept. Im dritten Satz lag der Norddeutsche dann schon 1:4 zurück, ehe er dank der plötzlichen Angst seines unerfahrenen Gegners vor dem Sieg doch noch 6:4 gewann. Stoltenbergs Satzball zum Ausgleich dagegen verschenkte Stich so leicht, daß sein Trainer Mark Lewis die Schirmmütze ins Gesicht zog. Er wollte sich das Drama nicht weiter angucken.
Ende gut, alles gut. Nur noch 23 Minuten dauerte der entscheidende Satz, nach dem Michael Stich - ganz nach Becker-Manier - den rechten Zeigefinger in Richtung der deutschen Fangruppe reckte. Zum zweiten Mal hatte er ein Fünfsatz-Marathon zu seinen Gunsten entschieden. "Wahrscheinlich hatte ich vom Spiel gegen Santoro noch die Hosen voll."
Während der Elmshorner mittlerweile allein die Deutschen im Männerfeld vertritt, bestreiten am heutigen Samstag gleich fünf Frauen die dritte Runde. Steffi Graf spielte gegen ihre ehemalige Federationcup-Kollegin Claudia Porwik (Heidelberg). Anke Huber (Heidelberg), Barbara Rittner (Leverkusen) und Meike Babel (Neu-Isenburg) waren ebenfalls noch im Wettbewerb. sid/dpa
Wer was werden will im Spitzensport, der sollte schon als Jugendlicher herausragend sein. Als Sabine Schöne ihre erste Deutsche Squash-Meisterschaft gewann, war sie 14 Jahre jung und erhielt ihre Schulbildung von einem Privatlehrer vermittelt. Mittwoch feiert sie ihren 19. Geburtstag. Bis dahin will sie bei der DM in Hamburg ihren sechsten Titel in Folge gewonnen haben.
"Ich möchte gar nicht daran denken, daß es nicht klappt", sagt die Profispielerin. Braucht sie auch nicht - die gebürtige Münchnerin hat in Deutschland keine Konkurrenz. Die Nummer zwei, Daniela Grzenia aus Hagen (21), kämpft derzeit vor allem mit dem Erwachsenwerden, und die Nummer drei, Sabine Braun (München), spielt unprofessionell und ist leistungsmäßig zu weit weg.
So zielen Sabine Schönes sportliche Ambitionen über Deutschland hinaus: In der Weltrangliste steht sie immerhin auf dem zwölften Rang, soweit ist vor ihr noch keine Deutsche gekommen. Auch wirtschaftlich sorgte sie schon für eine Überraschung: Als erste Squashspielerin überhaupt schloß sie (genauer: ihr Vater) einen Werbevertag ab, der mehr als 70 000 Mark jährlich garantierte. "Das ermöglichte mir, jedes gewünschte Turnier zu besuchen", trauert sie dem Kontrakt nach, der nach vier Jahren gelöst wurde.
Überhaupt ist es schwer, als weiblicher Profi im "Käfig-Tennis" zu überleben: "Es gibt viel zu wenig Turniere in der Welt", beschwert sich die ehrgeizige Landshuterin, die nach der mittleren Reife seit 1989 nur für ihren Sport lebt. Gerade 25 Veranstaltungen stehen im offiziellen Kalender. Und auch Deutschland ist für sie noch Entwicklungsland in Sachen Squash: "Der Verband hat uns immer ein hochdotiertes Turnier versprochen, es kommt aber nichts."
Erstmals soll es nun bei den European Open im November in Kiel eine vergleichsweise hochdotierte Frauen-Konkurrenz geben. "Dann kann man endlich mal mehr als 4000 Mark als Siegerin verdienen", reibt sich die Deutsche Meisterin gedanklich schon die Hände.
Bisher decken die Preisgeld-Einnahmen gerade so die Kosten. Eine Alternative zum Squash hat die noch 18jährige aber auch nicht, also muß sie ihre Ziele ganz hoch stecken: "Mein Traum ist Platz eins der Weltrangliste." Die Chancen scheinen nicht schlecht: "Ein Platz unter den besten vier ist für sie in der nächsten Zeit zu erreichen", meint Bundestrainer Manfred Herwig. sid
Mit dem neuen Team-Kollegen Wolfgang Haupt aus dem Lager der Leichtathleten hat sich der Winterberger Dirk Wiese zum besten deutschen Piloten bei der Viererbob-Europameisterschaft auf der Naturbahn in St. Moritz entwickelt. Mit dem Deutschen Sprintmeister von 1989 als Hintermann belegte der Sportstudent nach zwei von vier Läufen als schnellster Vertreter des Deutschen Bob- und Schlittensport-Verbandes (DBSV) in einer Gesamtzeit von 2:06,61 Minuten (1:03,24+1:03,37) Platz vier.
Sepp Dostthaler vom Königssee, vor einer Woche Dritter bei der Zweier-EM, ist vor den abschließenden Läufen am Samstag Sechster, sein Vereinskollege Rudi Lochner kam über einen enttäuschenden elften Platz nicht hinaus. "Morgen werden wir wahrscheinlich andere Kufen benutzen", erklärte der Weltmeister von 1991 verärgert. Überragender Pilot war der Schweizer Gustav Weder. Auf seiner Hausbahn im Oberengadin ging "Gusti" mit zwei Spitzenläufen in Führung vor dem Briten Mark Tout und dem Österreicher Hubert Schösser.
Erzürnt war das Team von Lochner, der als Sechster bei der Zweier-EM enttäuscht hatte, über eine fehlerhafte Zeitnahme, wegen der das Rennen im ersten Lauf unterbrochen werden mußte und nicht wiederholt wurde. sid
Bei der fünften Weltcup-Abfahrt der Saison im österreichischen Haus stand erstmals keine Läuferin des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) auf dem "Stockerl", zum zweiten Mal gab es keinen Sieg: Platz vier für Katja Seizinger (Halblech), Rosi Renoth (Schellenberg) Sechste, Martina Ertl (Lenggries) Siebte und Miriam Vogt (Starnberg) Neunte.
Ein glänzendes Mannschaftsergebnis bei einem Rennen im Grenzbereich, in dem die mitfavorisierten Hilary Lindh (USA) und Kate Pace (Kanada) bei Tempo 100 spektakulär stürzten. In der Disziplin-Wertung führt Katja Seizinger mit 340 Punkten, im Weltcup-Gesamtklassement ist sie mit 583 Zählern Dritte hinter Anita Wachter (Österreich/749) und Carole Merle (Frankreich/609).
Siegerin auf der 3046 Meter langen "Krummholz"-Piste von Haus war die Schweizerin Chantal Bournissen (1:42,64 Minuten), die als erste Läuferin ihren zweiten Saisonsieg (nach Park City) feiern konnte. Zweite wurde die Russin Warwara Zelenskaja (1:42,70) vor Sabine Ginther aus Österreich (1:42,86). Katja Seizinger (1:43,13) verpaßte den Sprung aufs Treppchen nur um acht Zentimeter.
Etwas mehr waren es bei Rosi Renoth, die dennoch zufrieden wirkte: "Gestern abend war ich noch auf ein Bier, heute bin ich ganz locker gefahren." Die 25jährige aus Schönau am Königssee erreichte in 1:43,56 Minuten das beste Weltcup-Ergebnis ihrer Karriere und darf sich nun sogar Hoffnungen auf den Flug nach Japan machen.
Auf jeden Fall dabei ist Miriam Vogt, die bei sich eine ansteigende Form ausgemacht hat. "Ich komme Zug um Zug wieder auf Touren, jetzt muß ich nur noch versuchen, das gute Gefühl zu konservieren", erklärte die 25jährige.
Sauer war Regina Häusl (Schneizlreuth). Die Siegerin von Cortina mußte gleich zweimal über die extrem vereiste Piste. Beim ersten Versuch wurde sie von einem Streckenposten abgewunken, weil Sekunden zuvor Hilary Lindh an der "Unteren Distlerkante" in die Fangzäune geflogen war.
Im Ziel brachte ein Helikopter Regina Häusl wieder nach oben, im Startraum entschied sie, ein zweites Mal zu fahren. Die Zeit war eine halbe Sekunde besser (1:44,38), doch wurde der erste Lauf wurde von der Jury anschließend nicht gewertet, daher reichte es nur zu als Platz 27. sid
Die ersten vier Plätze in der Eishokkey-Bundesliga mit der Düsseldorfer EG als souveränem Spitzenreiter sind praktisch vergeben, aber um den achten Rang ist ein spannendes Rennen entbrannt. Nach dem 36. Spieltag der Vorrunde können neben dem ERC Schwenningen (3:5 beim ESV Kaufbeuren) der EV Landshut (1:6 gegen Düsseldorf), der EC Ratingen (4:2 gegen den Kölner EC) und der EHC Freiburg ebenso in die Meister-Playoff- Runde einziehen wie auch noch in die Abstiegsrunde abstürzen. Hedos München, das beim EHC Freiburg mit 4:0 gewann, der Krefelder EV (9:3 gegen Eisbären Berlin) sowie Preussen Berlin und der mit 2:3 unterlegene Mannheimer ERC haben die Teilnahme in der Meisterrunde sicher.
Die Freiburger hatten großes Pech, trafen sie doch viermal den Pfosten bzw. die Latte. Dies sowie die Glanzleistung von Münchens Torwart Friesen vermiesten den Bundesliga-Einstand des neuen Freiburger Trainers Stanislav Nevesely, dem Nachfolger des entlassenen Ladislav Olejnik. dpa
EV Landshut - Düsseldorfer EG 1:6 (1:1, 0:1, 0:4) - Tore: 1:0 Hantschke (11:11), 1:1 Niederberger (18:33), 1:2 Schmidt (28:55), 1:3 Sterflinger (50:46), 1:4 Köpf (54:51), 1:5 Amann (56:17), 1:6 Schmidt (58:07). - Schiedsrichter: Ondertoller (Geretsried). - Zuschauer: 4000. - Strafminuten: Landshut 4 - Düsseldorf 12.
ESV Kaufbeuren - Schwenninger ERC 5:3 (2:1, 2:1, 1:1) - Tore: 1:0 Frosch (06:22), 1:1 Young (16:30), 2:1 Lubina (18:35), 3:1 Hoffmann (29:57), 4:1 Ustorf (31:21), 4:2 Martin (32:59), 4:3 Young (47:33), 5:3 Hammer (56:11). - Schiedsrichter: Würth (Peiting). - Zuschauer: 3710. - Strafminuten: Kaufbeuren 12 - Schwenningen 16.
EHC Freiburg - EC Hedos München 0:4 (0:1, 0:2, 0:1) - Tore: 0:1 Franz (5:15), 0:2 Birk (23:23), 0:3 Steiger (26:16), 0:4 Hilger (58:37). - Schiedsrichter: Schnieder (Iserlohn). - Zuschauer: 3500 . - Strafminuten: Freiburg 2 plus 2 x 10 Disziplinar (Crha) - München 9.
Berliner SC Preussen - Mannheimer ERC 3:2 (2:1, 0:1, 1:0) - Tore: 1:0 Steinecker (2:41), 1:1 Sebek (10:16), 2:1 Malo (16:51), 3:2 Steinecker (54:23). - Schiedsrichter: von de Fenn (Grefrath). - Zuschauer: 4921. - Strafminuten: Berlin 4 - Mannheim 8.
EC Ratingen - Kölner EC 4:2 (3:1, 0:1, 1:0) - Tore: 0:1 Stefan (2:27), 1:1 Ewtuschewski (7:38), 2:1 Lavalle (8:17), 3:1 Antipow (10:22), 3:2 Sikora (39:46), 4:2 Boris Fuchs (43:39). - Schiedsrichter: Lichtnecker (Rosenheim). - Zuschauer: 4000. - Strafminuten: Ratingen 20 - Köln 14.
Krefelder EV - EHC Eisbären Berlin 9:3 (6:0, 2:1, 1:2) - Tore: 1:0 Eakin (6:28), 2:0 Sills (7:53), 3:0 Ihnacak (10:34), 4:0 Sills, (12:42), 5:0 Eakin (15:10), 6:0 Walker (18:07), 7:0 Sills (28:52), 8:0 Micheller (30:47), 8:1 Morrison (38:44), 9:1 Jedrus (40:34), 9:2 Morrison (47:37), 9:3 Strompf (59:37). - Schiedsrichter: Slapke (Bad Tölz). - Zuschauer: 5800. - Strafminuten: Krefeld 10 - Berlin 8 plus 10 Disziplinar (Dopita, Felski).
Leuis Rentero, der technische Leiter der Organisatoren, wiederholt es immer wieder: der Austragungsort ist perfekt. El Escorial, die Sommerfrische 50 Kilometer vor den Toren Madrids, ist ein ruhiger Ort mit glasklarem Himmel, und das Theater Carlos III aus dem 18. Jahrhundert, nur einen Steinwurf vom mächtigen Klosterpalast von König Philipp II entfernt gelegen, ein Juwel: schmuck, elegant hellblau und nur 300 Plätze gross. Auf der Bühne - beleuchtet von zwei Spots und gespannt beobachtet von wenigen Dutzend Interessierten - die beiden Akteure. Jan Timman und Nigel Short haben am Freitag die Halbzeit ihres Kandidatenfinales erreicht.Die Zeit der ersten Partien mit den groben Fehlern ist vorbei, die beiden Thronanwärter haben ihre Leistungen gesteigert, die Spannng ist auf dem Höhepunkt, der Spielstand unentschieden.
Nigel Short ist mit Mutter und Tochter angereist, Timman hat seine Frau und den Analystn mitgebracht. Die Frauen scheinen die Denker zu stabilisieren. Vier Mal hat timman am Anfang das Hotel gewechselt, so gespannt und nervös war er. Für den ehemaligen Bonvivant ist es d i e Chance. Schlägt er Short, sind ihm insgesamt 800 000 Franken und ein noch weitaus ergiebigeres Finale sicher. Der 41jährige Holländer hat sich nach schwachem Beginn aufgefangen und attackiert, seine Chancen stehen gut.
Einen siegbringenden Schachzug hat bereits El Escorials Bürgermeister Gonzalez getan. Die 30 englischen und holländischen Fachjournalisten an Ort sorgen dafür, dass El Escorial täglich in den Zeitungsspalten ihrer Länder erscheint. Das ist richtig so. El Escorial machte Schachgeschichte und erntet, unter König Philipp II erschien 1561 ein Buch der "Schachkunst" und fand (1575) der erste Schach-Länderkampf ( spanien-Italien) statt.
Ueber das Finale mit Kasparov kursieren in El Escorial handfeste Gerüchte. Barcelona will das Turnier durchführen - und zwar bereits Ende September. In Katalonien wird Spaniens bestes Schach gespielt und existiert eine starke Lobby. Und die Organisatoren bieten acht Mio. Dollars. In der derzeitigen Schach- Geldnot ist dies nicht zu unterschätzen.
WERNER HERZOG
Die CDU-Mittelstandsvereinigung fordert, daß "Ausländer, die straffällig werden, sofort ausgewiesen und abgeschoben werden" (FR vom 21. und 22. Januar). Die CDU-Unterorganisation hat sich damit Vorstellungen der "Republikaner" angeschlossen; SPD, FWG und Grüne kritisierten diese Forderung als populistisch. Dazu erreichte uns folgender Leserbrief:
"Es ist bedauerlich, daß man jetzt erst - knapp sechs Wochen vor den anstehenden Wahlen - dieses Thema als diskussionswürdig entdeckt. Schon längst hätte diese Angelegenheit auf die Tagesordnung aller Parteien gehört - nicht nur bei der CDU, und dies noch dazu bei einer untergeordneten Teilorganisation. Anscheinend hat man wohl jetzt erst gemerkt, wo dem Bürger der Schuh drückt. Obwohl dies reichlich spät ist. Es entspricht nicht gerade dem Spürsinn eines verantwortlichen Politikers gegenüber dem Bürger. Darüber helfen auch die organisierten Lichterketten nicht hinweg. Hoffentlich wird sich nunmehr die gesamte CDU dieser Sache annehmen - eventuell auch die anderen Parteien.
Noch ist es nicht zu spät. Man muß nur ein wenig Mut haben, auch selbstverschuldete Fehlentwicklungen einzugestehen, und zu Kurskorrekturen bereit sei. Noch ist der Bürger der Souverän."
J. F. Wilhelm Hörnicke Hamburger Straße 36/38 6236 Eschborn/Taunus
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kal FRANKFURT A. M., 22. Januar. Belgischen Wissenschaftlern ist es gelungen, mit einer neuartigen Substanz Krebs bei Mäusen erfolgreich zu bekämpfen. Wie die Wissenschaftszeitschrift Natur und die Zeitung Herald Tribune vom Freitag berichteten, handelt es sich bei dem Wirkstoff um eine Abwandlung des bereits seit längerem in der Krebsbehandlung eingesetzten Tumor- Nekrose-Faktors (TNF).
TNF ist ein körpereigener Eiweißstoff, der Tumorgewebe zerstören kann. TNF hat allerdings starke Nebenwirkungen, darunter die Eigenschaft, in hohen Dosierungen auch das gesunde Körpergewebe zu zerstören. Er eignet sich nur zur Behandlung von sehr kleinen Tumoren. In späten Krebsstadien ist er nicht mehr wirksam. TNF wird in den Weißen Blutkörperchen gebildet, er stimuliert und koordiniert eine ganze Reihe von Abwehrprozessen im Körper, darunter bei Verbrennungen und Infektionen. Walter Fiers, Leiter des Forschungsteams an der Universität Gent, betonte, es seien jetzt noch Jahre weiterer Forschung notwendig, bis eventuell ein Medikament zur Verfügung stehe. Allerdings zeigten die bisherigen Ergebnisse, daß die Substanz "neue Möglichkeiten zur Krebs-Behandlung eröffnet".
Der abgewandelte Tumor-Nekrose-Faktor habe seine Giftigkeit gegenüber gesundem Gewebe verloren, die Wirkung gegen Krebszellen jedoch beibehalten, berichteten die Wissenschaftler. Durch die Kombination mit Interferon, ebenfalls eine körpereigene Substanz, die gegen Krebs eingesetzt wird, sei es gelungen, entweder das Wachstum von Krebsgeschwulsten vollständig zum Stillstand zu bringen oder die Geschwulst sogar vollständig auszuheilen.
FLENSBURG (dpa/FR). Fast 4,5 Millionen neue Kraftfahrzeuge sind im vergangenen Jahr in Deutschland angemeldet worden. Das entspricht einem Rückgang um rund vier Prozent gegenüber 1991. In der Gesamtzahl stecken reichlich 3,9 Millionen fabrikneue Personenwagen und Kombi, was ein Minus von 5,5 Prozent bedeutet, das Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt aber dennoch zu dem Kommentar veranlaßt, 1992 sei von der "Festigung der Pkw-Neuzulassungen auf hohem Niveau geprägt" gewesen.
Im Gegensatz zu den Verhältnissen im Westen (minus acht Prozent) haben die Käufe neuer Vehikel in der ehemaligen DDR erneut zugenommen. Die rund 777 500 erstmals angemeldeten Personenwagen übertrafen das Vorjahresergebnis um 6,5 Prozent.
Für den letzten Monat des alten Jahres meldet die Behörde noch einmal ein starkes Plus, obwohl die Autoproduktion in den inländischen Fabriken im Dezember bereits deutlich gedrosselt war. Mit 322 000 Kraftfahrzeugen gab es eine Steigerung binnen Jahresfrist um 22 Prozent. Der Zuwachs allein bei den Pkws und Kombis beträgt sogar mehr als ein Viertel, wofür sowohl die west- als auch die ostdeutschen Käufer verantwortlich waren. Höhere Zulassungszahlen als 1991 melden die Flensburger in Gesamtdeutschland bei Lkws (plus 1,5), Krafträdern (plus 22) und Omnibussen (plus 24 Prozent).
Der Frankfurter CDU-Geschäftsführer Heinz Daum hat Oberbürgermeister Andreas von Schoeler (SPD) "mangelnde Sensibilität" bei der Wahlkampfwerbung vorgeworfen. Daum monierte Plakate, auf denen der OB mit Polizisten zu sehen ist. Damit, so Daum wörtlich, "vereinnahmt von Schoeler die hessische Polizei mißbräuchlich für seine parteipolitischen Zwecke". Der Christdemokrat verlangte, daß die SPD das "instinktlose" Wahlplakat zurückziehe.
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Horst Hemzal meinte, er habe "mit Befremden" zur Kenntnis genommen, daß die SPD- Betriebsgruppe Polizei die Abbildung der Beamten auf dem Wahlplakat ausdrücklich begrüßt habe. Bislang sei es in der Bundesrepublik "eine Selbstverständlichkeit gewesen, daß uniformierte Beamte sich nicht vor den Karren einer politischen Partei spannen lassen durften."
Auch "die Einbeziehung der Amtskette des Oberbürgermeisters in die Wahlwerbung" ist in den Augen des CDU-Geschäftsführers Daum eine "fragwürdige Angelegenheit". Er kritisierte ferner, daß die Frankfurter SPD ihre Wahlkampftermine den Magistratsmitgliedern über die Telefaxgeräte der Stadtverwaltung übermittelt hätten. mat
BAD VILBEL/KARBEN. Für die Sicherheit des Straßenverkehrs hat die B 3 a nichts gebracht, außer, daß es in der Jahresstatistik der für Bad Vilbel und Karben zuständigen Polizeistation einen neuen Unfallschwerpunkt gibt. Die Zahl der Unfälle ist im Jahr 1992 im Vergleich zum Vorjahr in den beiden Städten deutlich angestiegen, insbesondere erlitten erheblich mehr Menschen körperliche Schäden: 357 in 1992 statt 285 ein Jahr zuvor. Das sind über 25 Prozent mehr Unfälle mit Verletzten.
Wie aus der Jahresstatistik der Polizeistation Bad Vilbel weiter hervorgeht, ist die Zahl der Verkehrsunfälle um knapp sechs Prozent angestiegen. In Bad Vilbel und Karben passierten 1992 1446 Unfälle (1991: 1376). Die Sachschäden sind um 4,25 Prozent angestiegen. 5 856 772 Mark (1991: 5,6 Millionen) waren an Kosten für zu Schrott gefahrene Autos und Reparaturrechnungen aufzubringen gewesen. Die Zahl jener Unfälle, die pro Auto 4000 Mark und mehr Schaden hatten, ist leicht von 143 auf 113 gesunken.
Ist die Gesamtbilanz schon verheerend genug, es kommt noch schlimmer. Bei 83 Unfällen war Alkohol im Spiel. Das ist eine Steigerung von fast 30 Prozent gegenüber dem Jahr '91 (64 Alkoholunfälle).
Und 416mal wurde Unfallflucht begangen, eine Steigerung um 7,7 Prozent. Die Hälfte davon hat die Polizei aufgeklärt.
Die Unfallschwerpunkte liegen in Bad Vilbel an den großen Kreuzungen der B 3 und in Karben in der Bahnhofstraße und auf der B 3 in Kloppenheim. Neu in die Reihe der unverändert acht Unfallschwerpunkte beider Städte ist das Ende der im November 1990 eröffneten B 3 a in Kloppenheim aufgenommen geworden. hm
400 Kleingärten gelten als "Konfliktpotential" 16 Bebauungspläne sollen illegale Oasen retten Von unserem Redaktionsmitglied Siegfried Scholz OFFENBACH. Im ganzen Stadtgebiet verstreut gibt es rund 4200 Kleingärten. 350 bis 400 von ihnen sind, wenn sie in Landschaftsschutzgebieten, in Bachauen liegen, in ihrem Bestand akut gefährdet, weil sie im Sinne des Gesetzes als "illegale Bauten im Außenbereich" gelten. Stadtplanung, Bauaufsicht, Magistrat und Stadtparlament basteln zur Zeit an 16 Bebauungsplänen, die festschreiben sollen, welche Hütten und Zäune stehen bleiben dürfen und welchen der amtliche Abrißbagger droht. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluß faßt die Stadtverordnetenversammlung am 27. Januar. Mit der Novellierung des Hessischen Naturschutzgesetzes im Dezember 1988 machte der Landtag alle Kleingärten, die im Laufe der Jahrzehnte einfach so und an der offiziellen Stadt- und Flächennutzungsplanung vorbei im Grünen entstanden waren, zu "illegalen Bauten im Außenbereich". Prompt hagelten wenig später den Kleingärtnern vor allem in den Mainauen, im Kuhmühlgraben, im Hainbachtal, im Lohwald, auf der Rosenhöhe, in Bürgel, Bieber und Rumpenheim Abrißverfügungen in die Petersilie.
Großes Wehklagen gegenüber den Rathaus-Politikern und den Landschaftsschützern, die eine von Menschen unberührte Natur wollen: "Unser Opa ist 80 und hat seinen Garten schon 50 Jahre. Wollt ihr ihm jetzt seine einzige Freude wegnehmen?" Bürgerinitiativen gründeten sich, Widersprüche wurden eingelegt, Rechtsanwälte und Gerichte bemüht. Da entschloß sich die Landesregierung 1990, schließlich standen Landtagswahlen vor der Tür, zur Milde und zum Kompromiß, gewährte in einem neuerlichen Erlaß gnädig Aufschub: "Eine flächenhafte Legalisierung von Kleinbauten kommt regelmäßig nur in Betracht, wenn diese Gebiete in Flächennutzungsplänen und Bebauungsplänen ausgewiesen werden." Vorausgesetzt wurde, daß die Kommunen bis zum 31. Dezember 1992 den Grundsatzbeschluß zur Aufstellung von Bebauungsplänen fassen und diese Pläne bis Ende 1996 rechtskräftig werden.
Der Bauausschuß der Stadtverordnetenversammlung stimmte in seiner Sitzung am Donnerstag abend diesem Procedere grundsätzlich und einstimmig zu. Aber schon jetzt kann die Bauaufsicht die alten Abrißverfügungen wieder aus der Schublade holen, nämlich für jene Gärten, die außerhalb der nun festgelegten 16 Bebauungsplan-Gebiete liegen.
In Offenbach gibt es 14 Kleingartenvereine mit über 2000 Mitgliedern. Gustav A. Rodekirchen, Vorsitzender des Dachverbandes der Kleingärtner in Stadt und Kreis, ärgert sich und mahnt aus dem Rathaus Fingerspitzengefühl und Behutsamkeit an: "Vor einem Beschluß des Stadtparlaments hätte man uns doch wenigstens einmal über die Planung anhören sollen." Die Nachfrage vor allem jüngerer Familien nach einem Schrebergarten sei immer noch groß. Er kündigt an: "Wir Kleingärtner sind auch engagierte Umwelt- und Landschaftsschützer. Wir werden uns auf die Hinterbeine stellen, wenn die Stadt nicht großzügig vorgeht. Kein Mensch versteht, wenn einer seine Hütte abreißen muß, direkt daneben aber ein Erwerbsgärtner oder ein Landwirt weiter seine Felder bestellen darf."
Im Offenbacher Gemarkungsgebiet sind 220 Hektar mit Kleingärten belegt. 162,1 Hektar sind bereits legalisiert. Von den verbleibenden 57,9 Hektar Konfliktpotential hat etwa nur die Hälfte eine Chance, legalisiert zu werden. Bei einigen löst sich das Problem fast von selbst: Im Kaiserlei beispielsweise, wenn dort das "Dienstleistungszentrum von eurozentraler Bedeutung" entsteht.
BAD ORB. Ein Volumen von knapp 31,5 Millionen Mark umfaßt der Etat der Stadt Bad Orb für 1993, der nach Angaben des Bürgermeisters im Hinblick auf die nächsten, "nicht leichter werdenden Jahren" die Handschrift einer sparsamen Haushaltsführung trägt.
Eine Rekordmarke wurde laut Metzler beim Verwaltungshaushalt mit annähernd 24,5 Millionen Mark erreicht. Die Steigerungsrate von zehn Prozent ist nach Angaben des Rathauschefs vor allem auf die "kräftig höheren Schlüsselzuweisungen" zurückzuführen. Auf diesem Weg flossen fast zweieinhalb Millionen mehr in den Stadtsäckel als ein Jahr zuvor.
Umkehreffekt: auch der Ausgabeposten Kreis- und Schulumlage wächst. Mit fast 6,4 Millionen Mark machen sie beinahe ein Viertel des Verwaltungsetats aus. Metzlers Kommentar: "Wir werden geschröpft. Der Main-Kinzig-Kreis nimmt mit 40 Prozent die höchste Kreisumlage in ganz Hessen."
Verbessert hat sich im Verwaltungshaushalt der Bereich Lohnkosten. Prozentual gesehen verzehrte der größte Ausgabenposten im Vorjahr über 27 Prozent, diesmal nur noch 24,5 von Hundert, was 5,95 Millionen Mark sind.
Weitere Kostenstellen: Der Stadtwald, der bei einem Umsatz von 1,3 Millionen 250 000 Mark Miese schreibt, woran sich, so Metzler, angesichts der am Boden liegenden Holzpreise auch in den nächsten Jahren so schnell nichts ändern wird. Über eine Million Mark zusätzlich zahlt die Stadt im Kindergartenbereich, das Freibad hat einen Zuschußbedarf von 376 000 Mark. Die Stadtbuslinie fährt 260 000 Mark zu wenig ein.
Unter dem Strich steht immerhin ein ansehnlicher Haushaltsüberschuß von 3,6 Millionen Mark.
Mit etwas mehr als sieben Millionen Mark hat der Vermögenshaushalt etwa das gleiche Volumen wie im Vorjahr. Etwas mehr als zwei Millionen davon sollen verbaut werden, 300 000 Mark sind für den Umbau der Kreuzung am Untertorplatz vorgesehen. Laut Bürgermeister hat das Straßenbaumt für die Neugestaltung grünes Licht signalisiert. Die Verkehrsführung habe sich bewährt, nach anfänglich hitziger Diskussion drängten nun immer mehr Leute, die Probephase zu beenden und das Projekt zu verwirklichen.
Weiteres Vorhaben: die Neugestaltung von Brunnentempel und Stadtmauer am Quellenring. 400 000 Mark stehen für die einfache Stadterneuerung bereit, jeweils eine Viertelmillion Mark werden für das Altenpflegeheim und den Umbau des Alfons-Lins-Hauses zur Verfügung gestellt.
Schließlich ermöglicht auch der neue Haushalt den Transfer von einer Million Mark an die Kurverwaltung. jan
"Kriminalität schwappt über den Taunuskamm"
HOCHTAUNUSKREIS. Edmund Letschert hat einen schwerwiegenden Verdacht: "Die Kriminalität schwappt über den Taunuskamm", vermutet der Leiter der Usinger Polizeistation. Grund zu der Annahme sieht er in der Statistik für das zurückliegende Jahr: 1725 Strafanzeigen mußte das Revier aufnehmen oder an die Kripo Bad Homburg weiterleiten, darunter viele Wohnungs-, Autoeinbrüche und Diebstähle. Das sind 25 Prozent mehr Anzeigen als 1992.
"In den ländlichen Bezirken haben wir immer mehr Straftaten", betont Letschert. Nahezu verdoppelt hat sich etwa die Zahl der Anzeigen gegen Autoknakker. Fast 600 Personenwagen wurden letztes Jahr im Hintertaunus aufgebrochen, 1991 waren es rund 300 gewesen.
Ziel der Knacker ist oft das Autoradio. Ihre Methoden: Meist stechen sie ein Türschloß durch, um ins Wageninnere zu gelangen. Erst an zweiter Stelle kommt die eingeschlagene Fensterscheibe. "Beliebt" sind Plätze, an denen mehrere "Brüche" hintereinander möglich sind. Teure Autos sind genauso häufig betroffen wie billigere. Probleme macht den Ordnungshütern hauptsächlich das Tempo der Diebe: "Schwierig, die Leute zu kriegen", gibt Letscher zu, "weil sie sehr schnell vom Tatort weg sind."
So waren unter den 330 Personen, die die Usinger Polizisten 1992 vorübergehend festnahmen, kaum "schwere Jungs". Die meisten sogenannten Freiheitsentziehungen dienten dazu, Personalien festzustellen - etwa bei Jugendlichen, die ohne Ausweis in der Disco gewesen waren. "Wir haben niemanden in Ketten hergebracht", faßt der stellvertretende Stationsleiter Klaus Liepach zusammen.
Manche brauchten allerdings einen helfenden Arm auf dem Weg ins Revier: 102mal mußten sich Autolenker Blutproben gefallen lassen, 102mal waren die Tests positiv, ergaben also zuviel Alkohol im Fahrerblut. Die Hälfte der Testpersonen hatte zuvor Unfälle gehabt.
Insgesamt gab es weniger Unfälle im Hintertaunus. 1373mal krachte es 1992, im Jahr zuvor hatte es 1498mal gescheppert. Die Zahl der Todesopfer blieb mit 13 Personen gleich. Dagegen gab es mehr Unfälle mit Verletzungsfolge: Bei 296 Unfällen (Vorjahr: 195) kamen 354 Menschen zu Schaden, 94 davon schwer. Das sind 22 Prozent mehr Verletzte und 30 Prozent mehr Schwerverletzte.
Die Usinger Zahlen widersprechen dem allgemeinen Trend - mehr Unfälle, weniger Tote -, wie Edmund Letscher berichtet: Mehr Tote im Straßenverkehr des Hintertaunus, nämlich 19, gab es zuletzt im Jahr 1977. Ein weiterer Vergleich: Kamen anno 1907 auf 10 000 Autos noch durchschnittlich 57 Verkehrstote, so sind es heute allgemein nur noch drei Todesopfer je 10 000 Fahrzeuge.
Insgesamt 35 Unfallschwerpunkte gibt es im Einzugsbereich. Unrühmlicher Spitzenreiter ist der Wehrheimer Wald mit 27 Crashs. Hauptursache: zu hohes Tempo. Bei den Ortschaften liegt Usingen mit 258 Karambolagen vorn, gefolgt von Neu- Anspach (124) und Wehrheim (47).
Die Zahl der Unfallfluchten blieb mit 227 etwa gleich. Ein Drittel konnten die Usinger Polizisten aufklären. Für die Zukunft erhoffen sie eine noch bessere Quote - sind sie doch seit Ende 1992 ans Computersystem "Luna" angeschlossen, mit dem bundesweit Autoflüchtige verfolgt werden.
Mehr aus der Polizeistatistik für 1992 im Hintertaunus: Bei 21 Suchaktionen wurden vermißte Kinder gesund wiedergefunden. 2160 Stunden lang beschützten die Polizisten erfolgreich Asylbewerberunterkünfte und das Munitionsdepot Wehrheim. 431mal mußten sie Beschwerden wegen Lärmbelästigung nachgehen. Und im Wald sammelten die grünen Männer nicht etwa Pilze, sondern Schrottautos - 50 an der Zahl. ill
In Dresden feiern die Fußballanhänger von Dynamo den neuen Präsidenten Rolf- Jürgen Otto als Retter in der Not. Sie sehen in dem aus dem Westen gekommenen Bauunternehmer einen Mann, der den einzigen Fußball-Bundesligaverein aus den neuen Bundesländern zu retten imstande ist, nachdem durch die undurchsichtigen Machenschaften in der Vergangenheit ein Schuldenberg von über 16 Millionen Mark entstanden ist.
Es ist deshalb keineswegs überraschend, wenn 401 von 584 anwesenden Vereinsmitgliedern - viele davon erst in den letzten Tagen in den Klub eingeschrieben - aus schierer Verzweiflung für Otto votierten, denn bei dieser Präsidentenkür ging es nicht um Können, Cleverneß oder Charisma, sondern einzig und allein um die Finanzkraft eines neuen Mannes. Vordergründig betrachtet, erfüllte Otto diese Voraussetzung. Die Frage aber ist, inwieweit der neue Dynamo-Chef hier die hohen Ansprüche der Dresdner wirklich befriedigen kann. Immerhin war der Frankfurter, der früher auch als Restaurant-Besitzer in der Innenstadt zur Schickimicki-Szene zählte, vor Jahren schon einmal im Fußballgeschäft; seine Ambitionen richteten sich damals auf die Spielvereinigung Neu-Isenburg, für die er einen seinerzeit so renommierten Trainer wie Tschik Cajkovski verpflichtete. An Spielern holte er Leute wie etwa Herbert Laumen oder Friedel Lutz und pumpte auch viel Geld in den Verein.
Doch als sich in Neu-Isenburg die Schwierigkeiten häuften und sich auch seine insgeheim gemachten Hoffnungen, sich im Hessischen bei einem namhafteren Fußballklub zu profilieren, nicht erfüllten, ließ er das Fußball-Spielzeug fallen und verabschiedete sich aus dieser Szene, was auch den Neu-Isenburger mit dem Abstieg aus der Oberliga nicht gut bekam.
In Dresden nun wurden bohrende Fragen nach dieser Vergangenheit im Sport entweder nicht gestellt oder abgeschmettert. Was in diesem Zusammenhang stutzig machen muß, ist die Mitteilung des Düsseldorfer Sportinformationsdienstes, Otto habe erst zu Beginn dieser Woche beim Frankfurter Landgericht durch die Zahlung von 108 000 Mark eine Tilgung aus dem Schuldenregister erwirkt. Und obwohl Otto in einem Interview darauf hinwies, es seien nicht seine Millionen, die für die Dynamo-Sanierung ausschlaggebend seien, das Geld komme vielmehr von einem 16 Firmen starken Konsortium mit unterschiedlichen Beträgen, muß die tatsächliche Rettung Dresdens erst bewerkstelligt werden. Ein wirkliches Erfolgskonzept fehlt (noch), die Skepsis bleibt. ERICH STÖR
DIETZENBACH. Eine Sicherheitszahlung von jeweils 500 Mark mußten zwei 20 Jahre alte polnische Staatsbürger leisten, die von Umweltermittlern der Schutzpolizei dabei ertappt wurden, wie sie mit einem Kran auf einem Grundstück in der Justus-von-Liebig-Straße Motoren und Maschinen in Container verluden und aus den als Schrott deklarierten Teilen Hydrauliköl, Dieselkraftstoff und andere wassergefährdende Stoffe ausliefen. Die Polizei veranlaßte Bodenuntersuchungen und die Entsorgung des verunreinigten Erdreiches. ttt
WESTLICHE STADTTEILE. Petra Roth ist stolz auf ihre Mannen aus dem Westen. Die Vorstellung der Kandidaten fürs Stadtparlament wollte die Spitzenfrau der CDU gestern denn auch nicht versäumen.
Ach ja, die liebe Parkplatznot. Petra Roth lotste ihren Chauffeur wohl aus Verzweiflung auf den Schloßplatz, auf dem Autos eigentlich nichts verloren haben. Schwerer hatten die Herren aber offensichtlich an der schwarzen Lederjacke zu schlucken, die die OB-Kandidatin für den Fototermin gewählt hatte.
Im Höchster "Bären" stellte der CDU- Landtagsabgeordnete Alfons Gerling die "starke Mannschaft" vor. Neun Stadtteile, neun Kandidaten: Mit dem Nieder Karlheinz Bührmann hat der Frankfurter Westen einen Vertreter auf Platz 12 der CDU-Liste plazieren können. Petra Roth: "Ein ganz wichtiger Mann." Der Bundesbahnoberamtsrat sitzt seit 1977 im Römerparlament und ist finanz- und personalpolitischer Sprecher der christdemokratischen Fraktion. Bührmann weiß denn auch am besten, daß die CDU, sollte sie wieder regieren, nicht viel zu verteilen hat. "Es ist noch gar nicht nach draußen gedrungen, in welch katastrophale Haushaltslage uns Rot-Grün manövriert hat." Jedes Projekt müsse nach dem 7. März kritisch überprüft werden. Ein großes Sparpotential sieht Bührmann beim Personal. Frankfurt hat 39 Mitabeiter pro 1000 Einwohner. Im Städtevergleich liege Frankfurt da ganz weit vorne.
Günter Weißenseel soll für Höchst ins Stadtparlament einziehen. Den Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses schikken die Christdemokraten auf Platz 24 ins Rennen. Auf Rang 25 folgt der Unterliederbacher Karl Leo Schneeweis. Der Pädagoge will sich insbesondere für den Erhalt aller Hauptschulzweige stark machen und fordert Räume für die Berufsschule in der McNair-Kaserne.
Helmut Heuser, Vorsitzender des CDU- Stadtbezirksverbandes, kandidiert auf Rang 26. Als Leiter des Besucherservice der FAG plädiert Heuser für einen Ausbau des Flughafens.
Auf den weniger aussichtsreichen Plätzen streben der Griesheimer Peter Wagner (44), Markus Frank (46) aus Sindlingen, Michael Böttger (47) aus Goldstein, Gerd Steiger (52) aus Höchst und Markus Heuser (53) aus Zeilsheim in den Römer.
36 Mandate konnten die Christdemokraten 1989 erringen. "Wir werden deutlich zulegen", ist Alfons Gerling, Vorsitzender der CDU-Arbeitsgemeinschaft West, überzeugt. "Wir wollen im Westen die Nummer eins werden." Vor vier Jahren schaffte das die Union allerdings nur in Unterliederbach, Schwanheim und Zeilsheim. Günter Weißenseel zufolge müsse es vor allem gelingen, Wähler rechtsextremer Parteien zurückzugewinnen. Bei der letzten Kommunalwahl liefen in einigen Wahlbezirken Sossenheims bis zu 15 Prozent zur NPD über.
Daß die Christdemokraten im Westen mit Christel Fleck nur eine Frau auf relativ verlorenem Posten 69 aufbieten können, weiß Alfons Gerling zu erklären. "Wir haben viele tüchtige Frauen in den Vorständen unserer Stadtbezirke, aber keine, die bereit wäre, auf einem aussichtsreichen Listenplatz anzutreten."
Was der Westen nicht schafft, biegt die Gesamtpartei wieder hin. 25 Prozent der CDU-Leute, die in den Römer wollen, sind Frauen, erklärt Petra Roth. "Bis Rang 20 haben wir auf jedem dritten Platz eine Kollegin stehen." Außerdem habe sich die CDU stark verjüngt. Bestes Beispiel sei Markus Frank. Soll der 23jährige Kfz-Meister aus Sindlingen den Sprung ins Stadtparlament schaffen, müßte die CDU am 7. März 46 Mandate bekommen. "Mit 47 hätten wir die absolute Mehrheit", rechnet Karlheinz Bührmann vor. tos
OFFENBACH. Um 15 Prozent auf nur noch 345 000 Mark kürzten Magistrat und Stadtparlament die Jahreszuschüsse für die 91 kulturtreibenden Vereine. Oberbürgermeister und Kulturdezernent Wolfgang Reuter versprach im Büsing-Palais beim Neujahrsempfang den Repräsentanten der Kultur- und Freizeitvereine "weiterhin Förderung im Rahmen dessen, was der städtische Geldbeutel zuläßt".
Die Vereinsvertreter nahmen es offensichtlich gelassen hin, lobte Reuter doch so: "Mit Ihrer Vereinsarbeit - hervorgehoben sei die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen -, den vielen freiwilligen Stunden und privaten Investitionen, leisten Sie einen in Zahlen nicht erfaßbaren Beitrag für unsere Stadt."
Reuter tröstete: "In den Gürtel, der 1993 die Finanzen hält, hat der Kämmerer ein weiteres Loch gestanzt. Jedes Amt hat den Gürtel um dieses eine Loch enger geschnallt. Alle bekommen noch Luft. Durchatmen können wir erst, wenn das Sanierungskonzept gegriffen hat, der Etat keine roten Zahlen mehr aufweist."
Wie zuvor den Sportvereinsvertretern riet Reuter den Kulturfunktionären, sich verstärkt um Sponsoren zu bemühen, noch mehr Engagement, Eigeninitiative und Kreativität zu entwickeln. lz
Im Blickpunkt: Ungarn Machtprobe in Antall-Partei
Die Republik Ungarn, seit der Wende im Vergleich zu den meisten anderen postkommunistischen osteuropäischen Staaten ein Hort relativer innenpolitischer Stabilität, sieht sich mit bedenklichen rechtsradikalen Herausforderungen konfrontiert. Seit Monaten verschärft sich innerhalb der größten Regierungspartei, dem Ungarischen Demokratischen Forum (MDF), ein Machtkampf zwischen Partei- und Regierungschef Jozsef Antall und dessen populistischen Rivalen Istvan Csurka. Er dürfte auf dem Parteitag des MDF, der am Freitag begann, einen Höhepunkt erreichen. Als Konsequenz kommen ein Rechtsruck oder aber eine Spaltung des MDF in Betracht. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Flügeln des Forums konzentriert sich auf die Frage der künftigen Partei- und Regierungspolitik. Antall, der 1990 erster postkommunistischer Regierungschef Ungarns wurde, vertritt einen konservativ-christdemokratischen Kurs. Mit dieser Politik, der es bislang nur unvollkommen gelang, die immensen wirtschaftlichen und sozialen Wendeprobleme überzeugend in den Griff zu bekommen, verlor das MDF viel von seiner früheren Popularität. Die Entwicklung läßt befürchten, daß das Forum bei den für Frühjahr 1994 geplanten Parlamentswahlen seine führende Rolle verliert.
Istvan Csurka, ein ebenso wortgewaltiger wie politisch konfuser Dichter, der bereits in der auslaufenden kommunistischen Phase nationalistische Töne anschlug und deswegen zeitweise mit Publikationsverbot belegt war, will dieser möglichen Entwicklung durch eine ideologische Neuorientierung des Forums begegnen. Zentrales Anliegen ist die konsequente Wahrnehmung nationaler ungarischer Interessen. Csurka sieht das "Ungarntum" sowohl im Lande selbst als bei den rund fünf Millionen Auslandsungarn, besonders in den Nachbarländern Rumänien, Jugoslawien und der Slowakei, bedroht. Zur erfolgreichen Anwendung solcher Gefahren greift Csaurka auf populistische, antikapitalistische, antisemitische bis eindeutig profaschistische Ideen zurück. So spricht er ungeniert unter Verwendung des deutschen Begriffes von der Notwendigkeit eines "ungarischen Lebensraums", wobei er die Revision des nach seiner Meinung nach 1995 auslaufenden Abkommens von Jalta und des Friedensvertrages von Trianon das Wort redet. Gemäß dem Trianonvertrag verlor Ungarn 1920 zwei Drittel seines Territoriums.
Csurka, der seine bereits eingereichte Bewerbung um den Parteivorsitz zurückzog, hat für den Kongreß eine neue Taktik eingeschlagen. Da Antalls Wiederwahl feststeht - er hat keinen Gegenkandidaten -, möchte Csurka die Führung des MDF über den 20köpfigen Vorstand in den Griff bekommen. Sein Flügel hat hierfür eine eigene Liste eingereicht. Da sich Csurka und seine Ideen im MDF wachsenden Zuspruchs erfreuen, würde ein Sieg seiner rechtsradikalen Anhänger einer Niederlage Antalls gleichkommen und wohl auch seine bisherige Regierungsfähigkeit beeinflussen. Für einen solchen Fall wäre zu erwarten, daß zumindest die zahlenmäßig nicht sehr starke, aber prominente Gruppierung von Liberalen das Forum verlassen würde.
Das politische Dilemma Jozsef Antalls ist, daß er nie entschieden den Ansichten Csurkas entgegengetreten ist. Offenbar wollte er einen möglichen Bruch der Partei nicht riskieren. Wie die Dinge aber stehen, ist nicht auszuschließen, daß Csurka das MDF spaltet, falls er die angepeilten Ziele und persönlichen Machtzuwachs nicht durchsetzen kann. Die Situation ist um so prekärer, weil Antall an einer Krebserkrankung leidet, die seine Aktivitäten einschränkt und dem Argument Csurkas Vorschub leistet, die Ämter des Regierungs- und Parteichefs zu trennen. Für einen solchen Fall rechnet er sich Chancen auf den MDF-Vorsitz aus.
HARRY SCHLEICHER (Wien)
KARBEN. Die Vorstellungen des Magistrats, wie das Wohngebiet Am Breul/Uhlandstraße vom täglichen Schleichverkehr befreit werden könnte, waren Sozial- und Christdemokraten im Klein- Karbener Ortsbeirat denn doch ein wenig zu radikal. Die Uhlandstraße ließe sich in Richtung Homburger / Rendeler Straße als Einbahnstraße ausweisen, die verlängerte Goethestraße durch Mittelpfosten für den Verkehr aus Richtung Uhlandstraße absperren, hatte Bürgermeister Detlev Engel vorgeschlagen, um den Durchgangsverkehr aus dem Wohngebiet wieder herauszubekommen.
Den Mitgliedern des Ortsbeirates ging dieser Schritt zu weit. Einstweilen reiche es, die Einmündung der Straße Am Breul in die Bahnhofstraße umzubauen. Durch eine Mittelinsel soll nun verhindert werden, daß sich in Höhe des Hallenfreizeitbades morgens gleich drei Autofahrer nebeneinander postieren, um bei der kurzen Grünphase der Ampel auf die Bahnhofstraße zu gelangen.
Noch vor kurzem herrschte morgens an der Kreuzung regelmäßig Chaos, weil sich nicht nur die Autofahrer aus dem Wohngebiet hier einzufädeln suchten. Wegen der oft bis zur katholischen Kirche zurückreichenden Blechlawine suchten viele Berufspendler aus Richtung Rendel, einen Teil des Staus zum umfahren, und bogen von der Rendeler in die Uhlandstraße ab, um von hier über die Straße Am Breul wieder auf die Landesstraße in Richtung B 3 zu stoßen - mit dem Ergebnis, daß es auch den ortsansässigen Autofahrern zunehmend schwerfiel, am Schwimmbad auf die Landesstraße zu gelangen.
Weil die Grünphase an der Einmündung der Landesstraße in die Bundesstraße 3 inzwischen geringfügig verlängert wurde, hat sich die Stausituation nach Beobachtung des Ortsbeirates etwas entschärft.
Auch das Verkehrsaufkommen in der Uhlandstraße sei inzwischen auf ein erträgliches Maß zurückgegangen, weshalb verkehrsregelnde Maßnahmen vorerst nicht nötig seien.
Im Frühjahr soll nun die Einmündung der Straße Am Breul in die Landesstraße umgebaut werden, kündigte Bürgermeister Engel an. Der Ortsbeirat will abwarten, wie sich die Verengung auf das Wohngebiet auswirkt. mu
BAD VILBEL. Harsche Kritik an der Führungsspitze der Vilbeler Stadtverwaltung übten die Liberalen am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Das Dreigestirn Günther Biwer, Klaus Minkel und Jörg Frank (alle CDU) machte FDP-Vorsitzender Dr. Hartmut Groß in einer Pressekonferenz am Donnerstag dafür verantwortlich, daß die drei liberalen Stadtverordneten in der einjährigen Sitzungsperiode des Parlaments "keine Bäume ausreißen" konnten.
"Biwer ist der Hut, und Minkel ist der Kopf", sagte der junge Stadtverordnete Gregor Weiser. Dr. Groß nannte Ersten Stadtrat Klaus Minkel "einen Rambo, der verantwortlich ist, daß die Grenzen zwischen CDU und den Oppositionsfraktionen unüberbrückbar" seien. Minkel sei für die "Wagenburgmentalität" der CDU verantwortlich, so daß, wie Stadtrat Klaus-Peter Kubitza erklärte, in übergeordneten Gremien, in der Nachbarstadt Frankfurt oder bei der Landesregierung, in Wiesbaden "nichts mehr läuft". Wegen der Verteufelung des politischen Gegners sei Minkel längst zur "persona non grata", zu einer nicht mehr akzeptierten Person, geworden.
Bürgermeister Günther Biwer gelinge es vortrefflich geheimzuhalten, was er überhaupt tue. Dr. Groß über den Bürgermeister: "Wer nichts tut, kann nicht viel falsch machen." Kubitza fügte hinzu, der hauptamtliche Magistrat halte seine Informationen soweit wie möglich zurück. Auskünfte müsse er in den Magistratssitzungen Biwer und Minkel "wie Würmer aus der Nase ziehen", wo es doch deren Pflicht wäre, von sich aus zu informieren. Die seit August vorigen Jahres besetzte Stelle eines zweiten hauptamtlichen Stadtrats nannte die FDP wiederum als überflüssig. Hier werde lediglich ein Parteipolitiker kostspielig vom Steuerzahler finanziert.
Die FDP bewirbt sich wiederum mit Marianne Will, Dr. Groß, Weiser, Heike Freund-Hahn, Klaus-Peter Kubitza und Evelyn Filsinger um Sitze ins Stadtparlament. Wenn es am 7. März nicht gelingen sollte, die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen (nach 6,6 Prozent bei der Wahl im Frühjahr 1992) werde dies langfristig Folgen für die Partei der Liberalen in Bad Vilbel haben.
Dr. Groß rechnet mit dem Einzug der sogenannten "Republikaner" in das künftig wieder mit 45 statt mit 39 Abgeordneten bestückte Parlament der Brunnenstadt. Er hofft, daß die Bundespolitik nicht nach Bad Vilbel durchschlägt. Wegen der jüngsten Bonner Ereignisse ist Dr. Groß nach eigenen Worten "stinksauer auf die Partei, auf die wir eigentlich stolz sein sollten".
(Ein Bericht über das örtliche Wahlprogramm der Liberalen folgt in einer der nächsten Ausgaben der Lokal-Rundschau). hm
Leidecker kutschierte Heu für 2,50 Mark und den Bischof für ein "Vergelt's Gott" / Mit 75 noch täglich im Sattel
PFUNGSTADT. Achtzig Tonnen verdorbene Tiefkühlenten hat das Veterinäramt des Kreises Darmstadt-Dieburg bei einer Routineüberprüfung eines Pfungstädter Lebensmittelgroßhandels und Betreibers einer Geflügelbräterei entdeckt. Wegen mehrerer Versuche von Mitarbeitern des Betriebs, die ungenießbare Ware illegal beiseite zu schaffen, waren die Kontrolleure und die Polizei während der gesamten Nacht zum Freitag in Aktion. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat Ermittlungen aufgenommen.
Gestern schloß das Veterinäramt das Unternehmen und ordnete die Beseitigung aller gelagerten Lebensmittel, auch der nicht beanstandeten Ware, an, um Gesundheitsgefahren durch mögliche Übertragung von Krankheitserregern auszuschließen.
Auf diese Anordnung hin mußten rund zwanzig Müllsäcke mit gebratenen Entenportionen weggeschafft werden. Eine mögliche Wiedereröffnung der Bräterei sei, so teilte das Darmstädter Polizeipräsidium am Freitag nachmittag mit, erst nach "gründlicher Desinfektion" des Betriebs möglich.
Nach Angaben des Polizeipräsidiums hatte die Firma, die rund 18 000 chinesische Restaurants im gesamten Bundesgebiet mit Menüs und Bratenten ("Pekingente") beliefert, mehr Geflügel gekauft, als sie selbst verarbeiten und kühlen konnte. Die Hygiene-Überwacher fanden 83 Paletten mit je 500, jeweils rund zwei Kilogramm schweren und in Kunststoff verpackte Enten.
Die Importware aus Polen, Ungarn, Spanien und der Niederlande war zum Teil an- oder ganz aufgetaut und deshalb "genußuntauglich". Nach Berichten der Veterinärmediziner stank das Fleisch, teilweise war Blut in Behälter gelaufen.
Die Geschäftsführung erhielt die Auflage, das Geflügel unverzüglich in zwei Container zu werfen, die zur Tierkörperbeseitigungsanstalt nach Lampertheim- Hüttenfeld (Kreis Bergstraße) gefahren werden sollten. Unter Aufsicht von drei Lebensmittelkontrolleuren mußten die Enten aus den Folien und Pappe-Schalen genommen und entsorgt werden.
Am Abend wurde die Aktion unterbrochen, Beamte hielten den Betrieb im Auge. Um 22 Uhr stellten die Ordnungshüter "fieberhafte Aktivitäten" auf dem Werkhof fest: Die für die Abdeckerei bestimmten Enten waren aus den übelriechenden Verpackungen ungarischer Herkunft in "frische" Folien aus Polen umgepackt und mit neuem Verfallsdatum deklariert worden. Obwohl ein herbeigerufener Veterinärbeamter die illegale Aktion stoppte und den Firmenchef erneut auf die Anordnung zur Vernichtung des Geflügels hinwies, mußte die Polizei gegen vier Uhr nochmals einschreiten, weil ein Teil der verdorbenen Enten auf Lastwagen verladen wurde. Die Polizei stellte die Transporter sicher. Bei ihrem Kontrollgang fanden die amtlichen Lebensmittelexperten außerdem im Kühlhaus des Betriebs rund 100 000 für den Verkauf bestimmte Eier, deren Haltbarkeitsdatum längst abgelaufen war.
Die seit Frühjahr 1992 existierende Firma war schon mehrmals wegen Verstoßes gegen Hygienevorschriften aufgefallen. Das Veterinäramt hatte Auflagen und ein Bußgeld von 1000 Mark erlassen. Erst vor einer Woche bekam der Betrieb einen neuen Eigentümer.
Wegen der Verstöße gegen Lebensmittelrecht und Siegelverwahrbruch (weil mündliche amtliche Anordnungen nicht eingehalten wurden) ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Die Geschäftsführung war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. feu
HÖCHST. Die "weltweite Rücknahme aller politischen Kündigungen und Disziplinierungen von Betriebsräten bei Hoechst" fordert eine internationale Gruppe von Arbeitnehmervertretern des Konzerns. Eine entsprechende Erklärung versuchten die Betriebsräte gestern dem Vorstand des Unternehmens zu übergeben. Bis Redaktionsschluß war noch nicht bekannt, ob die Delegation bis zur Chefetage vordringen konnte.
Die Politik von Hoechst, weltweit ihr unbequeme, kritische Belegschaftsvertreter zu kündigen, sei arbeitnehmer- und gewerkschaftsfeindlich, heißt es in der Erklärung. Die Betriebsräte fordern den Konzern auf, "die Wahlentscheidungen ihrer Beschäftigten zu respektieren" und alle Kündigungen zu revidieren.
Zu den Unterzeichnern der Resolution gehören die von Hoechst entlassenen Betriebsräte Helmut Gries (Australien), Edyr Amorim, José Ribeiro, José Sebastio (alle Brasilien), Laurence Ntlokoa, Louis Mashego (beide Südafrika), Emanuel Schaaf (Griesheim) und Jorge O. Crespo (Uruguay).
Eine der Forderungen hat Hoechst indessen gestern bereits erfüllt und Emanuel Schaaf wieder eingestellt. Dem nicht freigestellten Arbeitnehmervertreter hatte der Konzern gekündigt, weil er sich während der Arbeitszeit zurückgezogen hatte, um Betriebsratsakten zu studieren. Wie gestern berichtet, hatte die 5. Kammer des Arbeitsgerichtes die außerordentliche Kündigung für rechtlich unwirksam erklärt.
Hoechst teilte der Belegschaft gestern mit, daß das Unternehmen Berufung beim Landesarbeitsgericht einlegen werde. tos
FRIEDBERG. Heiße Rhythmen und kühle Getränke erwarten die Jungs und Mädels bei der Disco-Party des Vereins "Lebenshilfe" am heutigen Samstag ab 16 Uhr im Café Taf, Hospitalgasse 16. Das Besondere: Es ist die erste Disco-Party im Wetteraukreis für junge Leute mit geistiger Behinderung und ohne. "Ein weiterer Schritt mehr zur Integration", freut sich Vorstandsmitglied Dieter Stengel auf Anfrage der FR. Dieter Köppel, zweiter Vorsitzender: "Im Café Taf ist jeder willkommen."
Die Fete bildet den Auftakt zu einigen Angeboten der Lebenshilfe zur Feier des 30jährigen Bestehens des Vereins im laufenden Jahr. Erwartet werden viele Gäste zu dieser "Premiere"; denn die behinderten Jugendlichen haben ja Geschwister und Freunde oder Freundinnen.
Zu den Schwerpunkten der Arbeit des Vereins, dem Peter Naumann aus Butzbach vorsteht, gehört nach den Worten Stengels die Frühförderung entwicklungsverzögerter Kinder, also etwa Sechsjähriger, die noch nicht schulreif sind. Außerdem entlasten Zivildienstleistende die Familien behinderter Kinder oder Jugendlicher, da sich die Eltern sonst "rund um die Uhr" um die Kinder kümmern müssen. Da kann es schon helfen, mal Zeit für Besorgungen oder eine kulturelle Veranstaltung zu haben.
Bei der Frühförderung geht es darum, Kleinkindern, bei denen eine Tendenz zur Behinderung festgestellt wird, möglichst frühzeitig zu helfen und womöglich der Behinderung entgegenzuwirken. Hinzu kommen Beratung, Angebote wie "therapeutisches Reiten" für Kinder mit Bewegungsstörungen, Familienfreizeiten und gesellige Treffs.
"Angehen wollen wir in Zukunft die Betreuung von behinderten Alten", berichtet Stengel. Für sie gibt es im Kreis bisher keine Einrichtung, etwa ein Wohnheim. Das ist wie vieles eine Frage der Finanzen.
Mittel für die Arbeit des Vereins "Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung" fließen aus verschiedenen Quellen. So trägt der Kreis die Sozialhilfe für die Betreuung der rund 150 entwicklungsverzögerten Kinder. Die übrige Arbeit wird durch Mitgliedsbeiträge im Verein, Spenden und Bußgelder finanziert.
Die Jugendgruppe mit behinderten Jugendlichen trifft sich regelmäßig im Haus der Lebenshilfe in Friedberg- Fauerbach. de
KRONBERG. "Es ist kein sonderlich geschicktes Verhalten, wenn sich jemand in den Ausschußsitzungen so exponiert äußert wie Sie. Ich erwarte da von der Stadtverordnetenvorsteherin Zurückhaltung." SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Stuckenschmidt machte in der Sitzung des Ältestenausschusses am Montag noch einmal seine Kritik an Gisela Bretz (CDU) deutlich. Die "Aussprache" über ihre Art der Leitung von Parlamentssitzungen und Ausschüssen hatte die Stadtverordnetenvorsteherin selbst auf die Tagesordnung gesetzt - um den seit Wochen gärenden Streit und den in der Presse veröffentlichten "offenen Briefen" von beiden Seiten ein Ende zu bereiten.
SPD und UBG faßten möglichst sachlich noch einmal ihre Kritikpunkte zusammen: daß sie ihr Rederecht als Vorsitzende zu Stellungnahmen für ihre Fraktion nutze, daß sie den Rednern der eigenen Partei mehr Zeit einräume als denen der anderen und daß ihr Verhalten bei der Sitzungsvertagung am 17. Dezember in den Augen der SPD nicht korrekt gewesen sei. "Außerdem werden monatealte Anträge von Ihnen verschleppt, anstatt sie endlich mal auf die Tagesordnung zu nehmen", fügte Bernd Mauder von der UBG hinzu.
Gisela Bretz wies noch einmal darauf hin, daß ihr ein Rederecht zustehe, was durch die Hessische Städte- und Gemeindeordnung abgedeckt sei. "Wir haben eben unterschiedliche Sichtweisen", meinte Peter Stuckenschmidt schließlich, "da ist keine Berührung möglich." "Sie ist sehr engagiert und interpretiert dieses Amt eben so", nahm CDU-Fraktionsvorsitzender Stephan Ruegg seine Parteikollegin in Schutz. Und mahnte an: "So darf's nicht weitergehen. Wir müssen uns zusammenraufen." Das Stadtparlament liefere zur Zeit genau die Schlagzeilen, durch die die Politikverdrossenheit beim Bürger entstehe.
Die anderen Fraktionen zeigten sich denn auch bereit, den Streit zu begraben. Peter Stuckenschmidt schlug vor, in der nächsten Legislaturperiode die Konsequenzen aus der Debatte zu ziehen und Absprachen zu treffen - etwa darüber, wie viele Redner einer Fraktion zu einem Thmea Stellung nehmen sollen. Das sei anderswo schließlich auch üblich. Sein Fazit: "Wir müssen eine Kronberger Variante finden."
Für die anstehende letzte Sitzung vor der Kommunalwahl gelobten sie alle Zurückhaltung. "Wir dürfen bei großen Themen kein Öl ins Feuer gießen", sagte der Grüne Herbert Pons und meinte es als Appell. Und Gisela Bretz, die sich froh darüber zeigte, daß die Aussprache so sachlich verlaufen war, setzte gleich auch noch eine Mahnung hinterher: "Nicht zuviel Wahlkampf machen." esi
WIESBADEN. Der vom Wahlkampf angefachte Disput um ein städtisches Großprojekt geht am Montag in eine neue Runde: Dann nämlich wird der Hamburger Architekt Professor Peter Schweger bei den Rathausfraktionen noch einmal für seinen preisgekrönten Entwurf werben - dem futuristischen Neubau einer Kunst- und Musikschule auf dem Dernschen Gelände (siehe auch FR vom 15. 5. 92). Anschließend wollen Sozial- und Freidemokraten darüber beraten, ob sie in der letzten Stadtverordnetenversammlung dieser Legislaturperiode grünes Licht geben für die weitere Planung des Vorhabens - oder damit lieber bis nach den Wahlen warten. Bei CDU und Grünen wird der hanseatische Professor nicht viel ausrichten können. Beide Fraktionen haben nämlich bereits abgewunken: "Prachtbau - überzogen und unausgegoren", nennt die Union die architektonischen Höhenflüge. "Eine brillante Wettbewerbsidee, die aber der Realität nicht standhält", geht die Ökopartei auf Distanz. CDU und Grüne fordern in seltener Einmütigkeit, das Geviert zwischen Rathaus und Marktkirche zunächst einmal von jeglicher Bebauung freizuhalten. Vorschlag der CDU: provisorisch Platanen pflanzen und später dort vielleicht einen Konzertsaal bauen.
Nicht nur der bevorstehende Wahltermin läßt die Unionspolitiker Abstand nehmen von den städtischen Musikschul- Plänen. Sie monieren auch die nun vorgelegte Konzeption, die "mit dem Wettbewerbsentwurf überhaupt nicht mehr vergleichbar" sei - eine Kritik, die sich Planungsdezernent Thomas Dilger (FDP) nur mit der zunehmenden Konkretisierung der Schweger-Idee erklären kann. Offenbar hat das abstrakte Modell des Architekten die Phantasie einiger Politiker beflügelt. SPD-Fraktionschef Dieter Horschler will der Entscheidung seiner Genossen am Wochenanfang nicht vorgreifen: "Ich gehe aber davon aus, daß wir die Pläne noch in der Februarsitzung des Stadtparlaments genehmigen werden." Denn schließlich habe sich die SPD in ihrem Wahlprogramm festgelegt. "Wir wollen die Kunst- und Musikschule, und wir wollen sie an dieser Stelle." Auch der kulturpolitische Sprecher der SPD-Stadtverordneten, Dieter Beltz, will sich für eine rasche Entscheidung in seiner Fraktion einsetzen. Musikerziehung habe einen hohen gesellschaftspolitischen Wert, fördere die Persönlichkeitsbildung der Jungen und Mädchen und beeinflusse deren Arbeits- und Sozialverhalten.
Stadtrat Dilger will ebenfalls nicht länger warten. Er werde sich in seiner Fraktion für einen Parlamentsbeschluß noch vor der Wahl stark machen. Denn schließlich, so der Planungsdezernent, könne man sich nicht alle vier Jahre einer bevorstehenden Wahl vor wichtigen Entscheidungen drücken und einen monatelangen kommunalpolitischen Stillstand heraufbeschwören. Und so setzt der freidemokratische Stadtrat auf die Entschlußfreude der parlamentarischen Mehrheit, die am 11. Februar den Vorentwurf genehmigen und den Auftrag für endgültige Pläne geben soll, die dann als Grundlage für den Bauantrag dienen. "Ein Jahr später könnten wir mit dem Bau beginnen" - wenige Monate nach Fertigstellung der Tiefgarage unter dem Dernschen Gelände.
Die CDU indessen hätte es gerne ein paar Nummern kleiner. Ihre Alternativen: Das ehemalige Hotel "Grüner Baum" eigne sich hervorragend für eine Musikschule oder die Diethermühle, die nach den Plänen des Landwirtschaftsministers bald geräumt werde und den Vorteil habe, in unmittelbarer Nähe des jetzigen Konservatoriums in der Bodenstedtstraße zu liegen. MARGIT FEHLINGER
BAD VILBEL. Eine Verkehrsbefragung im Bereich der Kreuzung Friedberger Straße/Büdinger Straße plant der Vilbeler Stadtverband der Jungen Union am Montag, 25. Januar, ab 6.30 Uhr, der Karbener zur gleichen Zeit an der Gehspitze. Autofahrer sollen direkt angesprochen und gefragt werden, "weshalb sie sich täglich durch den Stau in Richtung Frankfurt quälen".
Der CDU-Nachwuchs, dessen jeweilige Ortsgruppen solche Aktionen auch in Karben, Maintal und Nidderau planen, möchten wissen, welche Gründe die Autofahrer haben, das Fahrzeug und nicht den öffentlichen Personennahverkehr zu benutzen.
Den Befragten wird eine Postkarte mit entsprechenden Fragen ausgehändigt, die ausgefüllt an die JU zurückgeschickt werden können. Unter den Einsendern wird eine Bahn-Card verlost, teilt JU-Pressesprecher Andreas Schönborn mit. hm
Die alte Dame hat sich nicht angemeldet. Am späten Samstagvormittag ist sie zum Gründerzeithaus am Alleenring gegangen, in dem sie mit Mann und Kindern von 1931 bis 1949 lebte, und hat einfach geklingelt. Dem schlaftrunkenen jungen Mann, der vor zwei Jahren dort eingezogen ist, erklärt sie: "Ich wollte das gern einmal wiedersehen."
Sie darf herein. Und sie bleibt mehr als zwei Stunden. Der Mann läßt sie schauen und hört ihr zu. Die Frau hat viel zu erzählen: von den "verrückten Typen", die einst im Haus lebten; davon, daß das ein "ziemlich rotes Viertel" gewesen sei; daß man im Keller gefährdete Genossen vor den Nazis versteckte; wie man dem Blockwart ständig Schnippchen schlug.
Solche Begebenheiten wie der Besuch der alten Dame freuen den Anthropologen Heinz Schilling vom Frankfurter Universitätsinstitut für Kulturathropologie und Europäische Ethnologie. "Ja, alte Frankfurter sind lebendige Heimatmuseen", sagt er. "Und das in irgendeiner Weise zugänglich zu machen, ist ein wesentliches Stück Kulturarbeit."
Diesen Job macht Michael Fleiter (43) seit zwei Jahren. Er leitet und moderiert das "Erzählcafé" im "Treffpunkt Rothschildpark". Sein Programm: "Am liebsten lade ich Leute ein, die etwas über Frankfurter Geschichte erzählen können. Nicht nur Zeitzeugen, sondern vor allem Ortszeugen, die etwas über die Straßen und Gebäude hier mitteilen, die sozusagen die Steine zum Sprechen bringen können." Dadurch werde für junge Leute und die "Eingeplackten" das, "was historisch weit weg liegt, nah und greifbar".
Das Konzept hat Erfolg: das Haus ist voll. Zu den einmal im Monat organisierten "Erzählcafé"-Samstagen kommen im Schnitt 100 bis 120 Menschen - "und immer mehr junge Leute" (Fleiter). Viele Interessenten finden keinen Platz und müssen draußen bleiben. Die verpassen dann die Geschichten von jüdischen Remigranten, Frankfurter Widerstandskämpfern, "Gastarbeitern der ersten Stunde", Theaterleuten im Frankfurt der 20er Jahre.
Fleiter ist auf "farbige Mischung" aus: "Ich finde nix schlimmer als Nazizeit, Nazizeit, Nazizeit." So gab es denn "Erzählcafés" über "Kindheit in der Kaiserzeit", "Als der Eschenheimer Turm bewohnt war" oder "Häuserkampf im Westend".
Ein Ebbelwei-Wirt erteilte Stöffche- Lektionen, eine Westendlerin schilderte den Häuserkampf im Stadtteil, die Frau, die 28 Jahre lang das Frauengefängnis Preungesheim leitete, zog ihre sozialgeschichtliche Knast-Bilanz. Der Bankier Walter Hesselbach berichtete über die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG). Seitdem sieht Michael Fleiter das BfG-Hochhaus "mit anderen Augen": "Ich bin ja ein ,68er&rquote;. Damals sind wir vor die Banken gezogen und haben Steine geworfen. Wir haben keinen Unterschied gemacht zwischen Deutscher Bank und BfG. Jetzt weiß ich, daß die BfG zurückweist auf ein Stück Frankfurter liberaler jüdischer Wirtschaftstradition aus Weimarer Zeit."
(Fortsetzung auf Seite 18)
Ergebnis-Telegramm
BASKETBALL EUROPALIGA, neunter Spieltag, Gruppe A: CSP Limoges - PAOK Saloniki 60:58.
1. PAOK Saloniki 8 5 3 585:563 13 2. Scavolini Pesaro 8 5 3 608:592 13 3. CSP Limoges 7 5 2 492:439 12 4. Knorr Bologna 8 4 4 643:600 12 5. Cibona Zagreb 8 4 4 626:671 12 6. Juventut Badalona 8 2 6 640:670 10 7. Maccabi Tel Aviv 7 2 5 554:602 9 Gruppe B: Vrai-Pau Orthez - Estudiantes Madrid 71:68, KK Zadar - Maes Pils Mechelen 77:67.
5000 m: 1. Koss (Norwegen) 6:38,77 Minuten (Weltrekord), 2. Zandstra (Niederlande) 6:40,01, 3. Veldkamp (Niederlande) 6:41,86, 4. Radke (Polen) 6:54,59, 5. Sighel (Italien) 6:55,84, 6. Johansen (Norwegen) 6:56,84, . . . 12. Dittrich (Chemnitz) 7:00,35, 13. Adeberg (Berlin) 7:01,13, . . . 23. Tröger (Inzell) 7:16,33 (Sturz).
Gesamtstand nach zwei Strecken: 1. Zandstra 77,901 Punkte, 2. Koss 78,167, 3. Ritsma (Niederlande) 78,361, 4. Veldkamp 79,516, 5. Sighel 79,534, 6. Adeberg 80,353, . . . 14. Dittrich 82,065, . . . 20. Tröger 82,863.
Frauen, 500 m: 1. Hunyady (Österreich) 40,86 Sekunden, 2. Yttredal (Norwegen) 41,51, 3. Hordobetiu (Rumänien) 41,59, 4. Dascalu (Rumänien) 41,89, 5. Wasilewska (Polen) 41,93, 6. Baschanowa (Rußland) 41,94, . . . 8. Warnicke (Erfurt) 42,41, . . . 12. Pechstein (Berlin) 42,95, . . . 23. Niemann (Erfurt) 47,66 (gestürzt). HOCKEY HALLEN-BUNDESLIGA, Männer, Gruppe Süd: Münchner SC - Rotweiß München 3:8 (2:3). SKI ALPIN WELTCUP-ABFAHRT der Frauen in Haus/ Österreich: 1. Bournissen (Schweiz) 1:42,66 Minuten, 2. Zelenskaja (Rußland) 1:42,70, 3. Ginther (Österreich) 1:42,86, 4. Seizinger (Halblech) 1:43,13, 5. Zeller (Schweiz) 1:43,21, 6. Renoth (Schellenberg) 1:43,56, 7. Ertl (Lenggries) 1:43,64, 8. Lee-Gartner (Kanada) 1:43,69, 9. Vogt (Starnberg) 1:43,76, 10. Merle (Frankreich) und Haas beide 1:43,81, 12. Schuster (beide Österreich) und Lebedewa (Rußland) beide 1:43,82, 14. Cavagnoud (Frankreich) 1:43,86, 15. Remmem (Norwegen) 1:43,87, . . . 23. Häusl (Schneizlreuth) 1:44,38, . . . 28. Stanggassinger (Berchtesgaden) 1:44,83, . . . 36. Osterried (Pfronten) 1:45,13, . . . 38. Gerg (Lenggries) 1:45,18.
Stand im Abfahrts-Weltcup nach fünf Rennen: 1. Seizinger 340 Punkte, 2. Bournissen 258, 3. Häusl 190, 4. Lee-Gartner 179, 5. Merle 175, 6. Vogt 171.
Stand im Gesamt-Weltcup nach 16 Rennen und einer Kombination: 1. Wachter 749 Punkte, 2. Merle 609, 3. Seizinger 583, 4. Ulrike Maier (Österreich) 420, 5. Vogt 379, 6. Vreni Schneider (Schweiz) 370, 7. Bournissen 354, 8. Lee-Gartner 320, 9. Pernilla Wiberg (Schweden) 319, 10. Annelise Coberger (Neuseeland) 300. TENNIS AUSTRALIAN OPEN in Melbourne, Männer- Einzel, dritte Runde: Stich (Elmshorn/Nr. 14) - Stoltenberg (Australien) 5:7, 6:4, 7:6 (7:0), 4:6, 6:1, Courier (USA/Nr. 1) - Raoux (Frankreich) 6:4, 6:3, 6:4, Korda (CSR/Nr. 7) - Medwedew (Ukraine) 6:4, 4:6, 6:3, 7:6 (7:5), Forget (Frankreich/Nr. 11) - Morgan (Australien) 6:3, 6:2, 6:2, Bruguera (Spanien/Nr. 15) - Siemerink (Niederlande) 7:6 (7:5), 4:6, 6:3, 3:6, 9:7, Jones (USA) - Wheaton (USA) 0:6, 6:3, 6:4, 6:2, Garner (USA) - Witsken (USA) 6:1, 6:1, 4:6, 4:6, 6:4.
Frauen-Einzel, dritte Runde: Seles (Jugoslawien/Nr. 1) - Fendick (USA) 6:1, 6:0, Sabatini (Argentinien/Nr. 3) - Po (USA) 6:1, 6:3, Martinez (Spanien/Nr. 6) - Oremans (Niederlande) 6:3, 4:6, 6:4, Pierce (Frankreich/Nr. 10) - Davenport (USA) 6:3, 6:0, Tauziat (Frankreich/Nr. 13) - Dahlman (Finnland) 6:2, 6:1, Halard (Frankreich) - Garrison (USA/Nr. 16) 6:4, 7:5, Fernandez (USA) - White (USA) 7:6 (8:6), 3:6, 7:5, Provis (Australien) - Demongeot (Frankreich) 6:1, 6:2.
DIETZENBACH. Die Esso-AG hat für Hinweise, die zur Ergreifung des Tankstellenräubers von Dietzenbach führen, eine Belohnung von 5000 Mark ausgesetzt.
Ein bislang unbekannter Täter hatte am Montag morgen die Tankstelle im Dietzenbacher Stadtteil Steinberg überfallen. Der Räuber hatte zunächst den Pächter niedergeschlagen und ihn anschließend beraubt. Hinweise nimmt die Offenbacher Kriminalpolizei unter der folgenden Telefonnummer 069 / 8090-259 entgegen. fin
has NÜRNBERG. Berichte über epileptische Anfälle bei unter Photosensibilität leidenden Videospiel-Nutzern haben die Verbraucher noch nicht alarmiert. Und das wird auch so bleiben. Das glaubt jedenfalls Horst Heilmann, Chef der Vedes- Gruppe, Europas größtem Handelsunternehmen für Spielwaren und Freizeitartikel. "Wir erwarten überhaupt keine nennenswerten Reaktionen", sagt der Manager und fügt hinzu, die "Dinge werden übertrieben".
Nach den gewaltigen Umsatzsprüngen, die die Produkte von Nintendo und Sega dem Handel in den Vorperioden bescherten, hat sich das Geschäft inzwischen beruhigt, allerdings "auf hohem Niveau", berichtet Heilmann. Letztlich blieb 1992 in diesem Segment ein Umsatzplus von elf Prozent hängen.
Allgemein stellt sich der Spielwarenfachhandel nach der zurückliegenden Boomphase auf ruhigere Zeiten ein. "Wir haben wieder ganz normale Verhältnisse", erklärt Heilmann. Die Läden mit dem Vedes-Emblem erreichten im vergangenen Jahr ein Wachstum von nominal 6,7 und real 3,9 Prozent. Der Außenumsatz der Geschäfte soll nun zwischen 1,2 und 1,3 Milliarden Mark liegen.
Solche Steigerungen scheinen bei den Gewinnen nicht drin zu sein. Bei den Erträgen spricht Heilmann von Stagnation 1992. Er gibt zu, daß es den Betrieben Mühe bereite, "einigermaßen vertretbare Gewinne" zu erzielen. Verantwortlich für diese Situation macht er vor allem branchenfremde Anbieter, die normalerweise keine Spielwaren offerieren, im Weihnachtsgeschäft dann aber preisaggressiv Kunden ködern. SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte verschleuderten in dieser Zeit "spezielle Artikel", für die die Hersteller im Fernsehen die Werbetrommel rühren. Die Vedes-Fachgeschäfte müßten darauf mit Preissenkungen reagieren. Heilmann: "Wir wollen unsere Kunden behalten." Die Folge: In der für die Spielzeugbranche wichtigen Weihnachtszeit - in dieser werden 40 Prozent der Umsätze kassiert - sorgt der Druck auf die Preise für geringere Gewinnspannen. Eine Lösung für dieses "Branchenproblem" sieht er nicht, obwohl er darüber mit den Herstellern spreche.
Die weiteren Aussichten der Spielwarenfachgeschäfte beurteilt der Vedes- Chef verhalten optimistisch. Sein Haus und die angeschlossenen Läden seien "gut gerüstet" für das schwierigere wirtschaftliche Umfeld. Allerdings: Heilmann will nicht in den "Chor der Klagenden" einstimmen nach dem Motto "Es geht uns schlecht auf hohem Niveau". Die Verbraucher hätten weiterhin eine "relativ gute Kaufkraft". Das Geld reiche, um Spielzeug zu kaufen, wenn Bedarf bestehe.
In den neuen Bundesländern registrierten die mittlerweile 57 Vedes-Fachgeschäfte im vergangenen Jahr eine doppelt so hohe Umsatzsteigerung wie im Westen der Republik. Sie legten um 14 Prozent zu. Ziel der Gruppe ist es, zwischen Rügen und Suhl 100 bis 120 Filialen zu haben. Doch Heilmann weiß: "Dazu braucht man Geduld. Man kann das nicht einfach aus dem Boden stampfen." Beim Spielzeugkauf glichen sich im übrigen die Verhaltensweisen zwischen Ost- und Westbürgern inzwischen an. Gefragt seien "höherwertige Artikel" wie Puppen und Plüschtiere sowie Markenprodukte.
Beim Blick ins Sortiment hat Heilmann festgestellt, daß klassische Spielwaren wie eben Puppen und Plüsch, Modellautos und -eisenbahn nach wie vor die bedeutendste Rolle spielen, wenngleich Elektronik-Erzeugnisse sich ebenfalls zu einem "starken und festen Bestandteil" des Angebots entwickelten. Erstaunliches berichtet Heilmann von den Modelleisenbahnen. Dieser lange vernachlässigte Zweig habe inklusive Zubehör 1992 für ein Umsatzplus von acht Prozent gesorgt. Diese Sparte der Spielzeugbranche scheine "wieder im Kommen zu sein". Den Vogel abgeschossen haben dürfte 1992 aber der Dauerbrenner Ankleidepuppen. Dieser Sortimentsteil ("Barbie") bescherte ein Wachstum um 25 Prozent.
Allein beim Gedanken an den Gelben Sack könnte man sich ja schon grün ärgern. Da steht er nun in einer Küchennische und dümpelt vor sich hin. Neulich hatte ihn die Katze entdeckt. Ruckzuck, mit ein, zwei krallenbewehrten Karateschlägen war die Plastikhaut aufgeschlitzt, ging es los mit fröhlichem Durchstöbern. Genüßliches Schlecken von Restbeständen einer Bratheringssauce. Schaumstoffe zerfleddert, Verpackungen zerstreut. Mist. Wieder einlesen in ein neues gelbes Behältnis. Aber der "Drecksack" bleibt mir nicht im Haus. Hinaus mit ihm vor die Tür!
Das ist auch nichts. Bei Wind und "Drecksack" Wetter wegen jeder ausgelöffelten Dose Katzenfutter vor die Tür. Ordentliches Spülen ist angesagt. Teller stapeln sich, weil zunächst des Geruchs wegen die Leichtmetallfraktion an der Reihe ist. Was für ein Gelber Sack, kein klebriger Inhalt mehr, einfach duftfrisch. Na, jetzt kann aber die Müllabfuhr kommen.
Am nächsten Tag die Bescherung auf der Straße. Ein Witzbold hat das pralle DSD-Behältnis wohl mit dem gelben Fußballeder verwechselt. Einsortierung vor der Aussortierung. Drecksack . . . hok
WETTERAUKREIS. Sieben Prozent weniger Müll als im Jahr zuvor sind 1992 im Wetteraukreis angefallen. Auf der Müllumladestation in Echzell-Grund- Schwalheim seien insgesamt 92 464 Tonnen für den Transport auf die Deponie des Schwalm-Eder-Kreises verladen worden. Das entspricht der Müllmenge aus dem Jahr 1983. Der meiste Müll fiel in der Wetterau mit 118 000 Tonnen im Jahr 1987 an, seither wird der Müllberg langsamer größer.
Umweltdezernentin Gila Gertz (Die Grünen) sieht durch diesen Trend "unser Engagement" für die Getrenntsammlung von Abfall bestätigt. Ihren Angaben zufolge ist derzeit wieder die sogenannte kommunale Müllhitliste in Arbeit, die Auskunft über die Entwicklung in den Kommunen des Wetteraukreises gibt.
In diesem Jahr muß der Wetteraukreis weitere Erfolge erzielen, um nicht jene Höchstmengen zu übertreffen, die der Schwalm-Eder-Kreis zu deponieren bereit ist. Nach 110 000 Tonnen im Jahr 1991 und 100 000 Tonnen im Jahr 1992 dürfen in den nächsten zwölf Monaten nur noch 90 000 Tonnen nach Nordhessen gebracht werden. Für 1994 sind gar nur noch 80 000 Tonnen vereinbart.
Der größte Effekt konnte 1992 bei hausmüllähnlichen Gewerbeabfällen erzielt werden. Während das Hausmüllaufkommen um 1 000 auf 55 700 Tonnen zurückgegangen ist, das Sperrmüllaufkommen hingegen um 1 000 auf 8 000 Tonnen wuchs, wurde beim hausmüllähnlichen Gewerbeabfall ein um 20 Prozent geringerer Anteil gewogen: Das Aufkommen verringerte sich von knapp 34 000 Tonnen auf 27 000 Tonnen. Die Umweltdezernentin führte das am Freitag während einer Pressekonferenz "vor allem auf die zweite Stufe der Verpackkungsverordnung zurück". sal
Besitzerwechsel im beliebten Steinauer Thalhof: Madeleine und Peter Knorr wollen mit neuen Ideen neue Besucherschichten anlocken Vielleicht sogar einmal im Jahr Open-Air Kommune optimistisch: Gut frequentierter Freizeitpark ist touristische Attraktion Von Katja Schoßer STEINAU. Neue Besen kehren gut, heißt es im Volksmund. Müssen sie auch, zumindest wenn es um den Steinauer Thalhof geht. Der "Freizeit-Tier-Botanik- Park", seit vielen Jahren ein nicht nur im Main-Kinzig- Kreis bekanntes Ausflugsziel mit bis zu 40 000 Besuchern pro Jahr, hat die Besitzer gewechselt. Und die haben bis zur Wiedereröffnung noch alle Hände voll zu tun. Denn im Thalhof soll sich einiges ändern. Ein "zeitgemäßeres Angebot" sei geplant, betonen Madeleine und Peter Knorr. Sie haben das im kalten Januarwind traurig aussehende Areal von Margot und Helmut Hanzsch übernommen, die in ihre alte Heimat nahe Dresden zurückgekehrt sind. Unter dem Titel "Freizeit- und Erholungspark" wollen die Knorrs einen Teil des Geländes Mitte Februar für die ersten Besucher öffnen. Doch zuvor müssen sie Gebäude und Außenanlagen sanieren. Auch wenn draußen noch die alte Speisekarte hängt, bleibt drinnen die Gaststättenküche vorerst noch kalt. Im Restaurant läuft die Renovierung auf vollen Touren. Die ramponierten Räumlichkeiten bedürfen dringend einer Überholung. Doch auch der Außenbereich des rund 8 Hektar großen Geländes muß dringend modernisiert werden. "Wir wollen alles von Grund auf verändern und mit neuen Ideen attraktiver machen", betont der neue Thalhof-Geschäftsführer Peter Knorr. Der ehemalige Hotelier aus Bad Homburg verfügt nach eigenen Angaben über "einschlägige" Erfahrungen, beispielsweise als Manager von Cluburlaub- Dörfern, und hat eine "dreistufige Erneuerung des Ganzen" ins Auge gefaßt. Sie soll nach und nach vollzogen werden. "Runde drei Millionen Mark" will die Familie dafür bis zur endgültigen Form des Freizeit- und Erholungsparks investieren.
Im Gegensatz zu Hanzsch, der in den 60er Jahren den Thalhof mit ursprünglich drei Gebäuden kaufte und dort als Landwirt begann, will Knorr "keine Kollision mit dem Naturschutz riskieren". Der frühere Besitzer der einstigen Staatsförsterei war immer wieder mit Naturschützern und Behörden aneinandergeraten, weil er es mit Bauanträgen und Auflagen nicht allzu genau nahm. So hätte es beispielsweise den damals bereits seit elf Jahren existierenden Tierpark mit Wildvögeln, Raubkatzen und Bären eigentlich gar nicht geben dürfen, das Hessens Innenministerium unter Gottfried Milde 1988 feststellte. "Endlich eine geordnete Entwicklung" für den Thalhof "ohne wild wuchernde, halblegale Bauten" wünscht sich auch der stellvertretende BUND- Kreisvorsitzende Peter Krischok.
Kein Problem, behauptet Knorr. Sämtliche Pläne für die Sanierung des Geländes seien mit der Stadt Steinau abgesprochen. Das bestätigt auch Bürgermeister Hans-Joachim Knobeloch. "Uns ist das sehr recht." Mit einem gut frequentierten Freizeitpark samt Beherbungs- und Gaststättenbetrieb werde die Stadt nicht nur um eine touristische Attraktion reicher. Auch kämen im Zuge der Renovierung sowohl der Thalhof als auch der benachbarte Frohnhof zu einer geregelten Wasserver- und -entsorgung.
Die beiden Höfe, für die keine städtische Anschlußverpflichtung bestehe, bauen laut Knobeloch für rund 150 000 Mark eine gemeinsame Bio-Vorkläranlage, die ans städtische Leitungsnetz angeschlossen wird. Außerdem hat die Stadt im Haushalt '93 700 000 Mark für eine "vernünftige Wasserversorgung" des Gebietes bereitgestellt. Momentan versorgten sich die Höfe noch über eine Quelle, was vor allem im Sommer immer zu Problemen geführt habe.
Peter Knorr will nun Zug um Zug den gesamten Thalhof ummodeln. "Richtig rustikal und der Gegend angepaßt" soll das Ganze werden. Zumindest für die alte Gebäudesubstanz könnte das zutreffen. Sie bleibt erhalten, in die Gaststätte kommt ein "uriges" Restaurant und in den Gewölbekeller ein Spezialitätenlokal. Nicht zu vergessen das Kernstück für den Sommer: ein "gemütlicher" Biergarten im Hof, in dem später Livemusik spielen soll. Knorrs Traum: "Einmal im Jahr ein Open-Air-Festival."
Auf den Exoten-Zoo will die Familie künftig verzichten. Die "armen Tiere, die nicht hierher gehören", sollen an Tiergärten verschenkt werden, die Wildgehege zurückgebaut werden. Übrig bleibt ein Streichelzoo nahe dem neuen "Attraktionenbereich", der auf dem jetzigen Vergnügungspark entstehen soll.
Ob das geplante kleeblattförmige Bassin im Areal à la Mini-Disneyland den Naturschützern gefallen wird, ist eine andere Frage. Eine Gartenbauanlage mit Bächen und Teichen hat Knorr ebenfalls im Visier, dazu ein Handwerksmuseum "in Zusammenarbeit mit dem Hessenpark", eine Ladengalerie und vieles mehr.
Nicht zu vergessen die 30 Blockhäuschen, die im Erholungspark entstehen sollen.
Sie sind als Urlaubs- und Wochenenddomizil für Familien mit Kindern gedacht, "so als Zimmer im Grünen für Leute aus der Großstadt". Ruhe- und Wanderzonen schließt das ehrgeizige Projekt ebenso ein wie einen Angel- und Grillplatz.
Insgesamt wollen die Knorrs, die vier Hanzsch-Mitarbeiter übernommen haben, "später einmal 15 bis 20 Angestellte" beschäftigen. Geplante Besucherzahl pro Jahr: "mindestens" 60 000 bis 70 000.
Ein Blick auf das Schild einer Arztpraxis, und schon war die Idee geboren: Den vermutlich reichen Herrn galt es zu erpressen. Da ein 31 Jahre alter Angeklagter seine Versuche, auf diese Art an 20 000 Mark zu kommen, höchst dilettantisch gestaltete, flog er auf und kassierte am Freitag die Quittung: Ein Frankfurter Schöffengericht verurteilte ihn wegen versuchter räuberischer Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten mit Bewährung.
Im Januar letzten Jahres, von seinen Schulden bei einem Bekannten und bei der Bank in Höhe von insgesamt 20 000 Mark gebeutelt, fiel sein Blick beim Schlendern durch das Bahnhofsviertel auf das Schild einer Arztpraxis - und er schritt zur Tat: In einem Brief teilte er dem Arzt auf der Frankfurter Kaiserstraße mit, er solle ihm 20 000 Mark an eine bestimmte Adresse schicken, andernfalls käme ihn sein Versäumnis "gefährlich und teuer" zu stehen. Unterschrieben war das ganze mit einer ominösen "Terrororganisation Kobra."
Sonderlich professionell, so ließ sich während der Verhandlung entnehmen, ging der Angeklagte in seinem Bemühen um die Erledigung seiner - insbesondere durch Spielleidenschaft entstandenen - Schulden nicht vor: So setzte er sich, wie es der Staatsanwalt formulierte, einem besonders hohen "Entdeckungsrisiko" aus, indem er als Adresse einen leeren Briefkasten in seinem Wohnhaus angab. Damit der Postbote auch wisse, wo er den Brief mit dem erhofften Geldsegen einzustecken habe, brachte der Mann auch noch das Namensschild "Kobra" hinzu, um jedes etwaige Mißverständnis auszuschließen.
Doch der Arzt rührte sich nicht, und der Briefkasten blieb leer. Alsdann setzte sich der Angeklagte telefonisch mit "seinem" Arzt auseinander und entschied sich für einen vermeintlich weniger riskanten Übergabemodus: Nun sollte die Geldübergabe persönlich und in einem Ginnheimer Biertreff stattfinden. Der Arzt ging zum Schein auf diesen Vorschlag ein, ließ seinen Erpresser jedoch wissen, er selbst könne zwar nicht kommen, schicke statt dessen seinen Neffen mit dem Geld vorbei.
Der Arzt aber hatte bereits beim ersten Brief Kontakt zur Polizei aufgenommen, und statt Wort zu halten, tauchte zum vereinbarten Zeitpunkt ein Kripo-Beamter mit Köfferchen in der Kneipe auf. Danach ging alles ganz schnell: Festnahme, Untersuchungshaft in Preungesheim für drei lange Wochen, anschließend Haftverschonung bis zum Prozeßtermin.
Sein sofort abgelegtes Geständnis, das bisher sündenfreie Strafregister und seine geregelte Arbeit als Angestellter in einer Eisenfirma deuteten nach Ansicht des Gerichts jedoch darauf hin, daß sich der Angeklagte einen einmaligen Ausrutscher geleistet hatte und eine Bewährungsstrafe allemal gerechtfertigt sei. ee
SINNTAL. Weichersbach, 900-Einwohner-Fleck und Standort einer von insgesamt sechs sogenannten "Zwergschulen" im Sinntal: 42 Kinder, von den "Abc- Schützen" bis zur 4. Jahrgangsstufe, gehen hier in zwei verschiedene Klassen. Doch von Dorfidylle ist in der Schule nur wenig zu spüren. Seit einem Jahr dreht sich das Lehrerkarussell, Eltern sind längst sauer, weil kaum noch ein kontinuierlicher Unterricht möglich sei.
Dabei scheint das Problem auf den ersten Blick längst gelöst. Mit dem derzeitigen Lehrer sind die Weichersbacher sehr zufrieden. Doch für die Schulbehörde hat die Sache einen Haken: Dem ausgebildeten Haupt- und Realschullehrer fehlt die Qualifikation für die Grundschule. In einer Woche läuft sein zeitlich befristeter Anstellungsvertrag aus. Dennoch wird er Kindern und Eltern wohl erhalten bleiben. Denn trotz aller Bemühungen haben Staatliches Schulamt und Regierungspräsidium bisher keine andere Lehrkraft für Weichersbach gefunden. Vor genau einem Jahr hatte das Dilemma an der kleinen Schule begonnen. Eine Lehrerin ging, eine neue kam. Die Eltern waren voller Hoffnung, daß nach jahrelangem Unterrichtsausfall von bis zu fünf Stunden pro Woche nun ein kontinuierlicher Unterricht für die kleineren Schüler gewährleistet sei. Doch es kam anders: Aufgrund einer Krankheit wurde die neue Lehrerin bereits nach einem halben Schuljahr wieder versetzt. Doch damit nicht genug: Bei der Suche nach Ersatz verkalkulierte sich die Schulbehörde völlig. Potentielle Kandidaten sagten reihenweise ab, nach den Sommerferien stand man mit leeren Händen dar. Drei Wochen lang mußte die Schulleiterin Renate Röder eine, so die Eltern, "unzumutbare Belastung" tragen und alle 42 Schüler alleine unterrichten.
Nach weiteren erfolglosen Bemühungen des Schulamtes, die Situation zu entschärfen, sprang schließlich der Ehemann der Schulleiterin, der als Haupt- und Realschullehrer ohne Anstellung war, in die Bresche, ausgestattet mit einem Zeitvertrag bis zum 31. Januar.
Seitdem läuft der Schulbetrieb aus Sicht der Eltern reibungslos. "Die Kinder kommen gut mit ihm zurecht und machen erstaunliche Fortschritte beim Lernen", erzählt Andreas Münch vom Elternbeirat. Genauso sieht es Hans Blum: "Wir glauben in ihm jemand gefunden zu haben, der für die Kontinuität in der Arbeit mit unseren Kindern sorgen kann", schrieb er ihm Auftrag des Schulelternbeirates an das Staatliche Schulamt.
Hintergund des Briefes: Schulamtsdirektor Bernhard Koch ließ wissen, daß die Stelle in Weichersbach ausgeschrieben und zum 1. Februar 1993 besetzt werden soll. Für die meisten Weichersbacher ist das Maß jetzt voll. Einen erneuten Lehrerwechsel wollen sie nicht mehr akzeptieren. Es müßte wieder ein Lehrer eingearbeitet werden, von dem man wieder nicht wisse, wie lange er bleibe.
Beim Regierungspräsidium sieht man das etwas anders. Nach Angaben von Sprecher Gerhard Müller stehen die Einstellungsrichtlinien einem festen Vertrag im Weg. Der Lehrer könne nicht übernommen werden, da ihm die Zusatzprüfung fehlt und "das ist auschlaggebend".
Die Eltern in Weichersbach drohen nun die harte Linie an, weil sie "kein Verständnis mehr dafür haben, daß formale Gründe gegen pädagogische Vernunft sprechen. Ultimativ stellen sie sich hinter den Mann der Schulleiterin. Andreas Münch: "Wenn der nicht weiter unterrichten darf, wird ab Mittwoch gestreikt. Dann schicken wir unsere Kinder nicht mehr zur Schule."
Derweil sieht es so aus, als bliebe ihnen ihr geliebter Lehrer auch über den 1. Februar hinaus erhalten. Denn den Behörden ist wieder nicht gelungen, einen anderen Pädagogen für die Stelle in Weichersbach zu bekommen. jan
Die "phantastischen Vier" (Eigenwerbung) waren zwar auf drei geschrumpft - Gesundheitsdezernentin Margarethe Nimsch fehlte wegen Grippe. Aber auch die übrigen Magistratsmitglieder der Grünen fanden zum Auftakt der "heißen" Wahlkampfphase am Freitag abend noch 150 Zuhörer im Haus Dornbusch. Spitzenkandidatin und Schuldezernentin Jutta Ebeling warnte den Koalitionspartner SPD vor allen Versuchen, die rot-grüne Politik "nach rechts zu verschieben" - wer den "großen Zapfenstreich für die große Koalition" im Römer wolle, habe sich verrechnet. Gerade in einer Phase der wirtschaftlichen Krise und des "politischen Roll-back" gerieten die Grünen immer wichtiger: "Die Zeiten werden hart!"
Den Sozialdemokraten bescheinigte Ebeling eine "Verschleppungspolitik" beim Thema Auto und Straßenverkehr in Frankfurt, Oberbürgermeister Andreas von Schoeler hielt sie vor, in "vielen Punkten eine Wirtschaftspolitik wie die CDU" zu betreiben. Mit einem Seitenhieb auf das in den jüngsten Tagen umstrittene Wahlplakat von Schoelers sagte sie: "Der OB zeigt zwar, daß er telefonieren kann, ist aber ordnungspolitisch eher an Miami Vice orientiert!"
Die Kritik der grünen Basis, die grünen Stadträte seien "zu nachgiebig" gegenüber der SPD gewesen, nannte die Dezernentin "zum Teil richtig". Und versprach für die kommenden vier Jahre Legislaturperiode "härtere Konturen" der Grünen.
Das sei auch nötig, werde doch auch die SPD am Ende "dem Weg in die Zweidrittel-Gesellschaft zustimmen", den die CDU/FDP-Bundesregierung gerade mit ihrem Sparpaket bereite. "Zynisch" hätten CDU und SPD in Bonn schon beim Thema Asyl "das Grundgesetz als Steinbruch benutzt".
Als wichtige Ziele künftiger Schulpolitik zählte Ebeling auf, die Betreuungsplätze auszubauen und auch in den Schulen die gesellschaftliche Integration voranzubringen. (Die Veranstaltung dauerte bei Redaktionsschluß noch an.) jg
"Komm' doch zum Thema, Junge!" Ungeduldige Forderung eines Bauern an Minister Fischer, endlich über die 35 Millionen Mark zu sprechen. "Ja Opa, Du tust ja grad so, also ob Du mich gezeugt hättest", lautete Fischers Reaktion
"Wenn wir wollten, dann könnten wir heute abend die Versammlung sprengen",hob ein Landwirte die Gunsthervor, vorübergehend Ruhe zu gewähren. "Na und - ist mir egal, dann wäre ich längst zu Hause vor dem Fernseher" winkte Fischer ab und bat sichtlich erschöpft: "Macht Schluß, ich bin fix und foxi . . ."
SCHWALBACH. Nach dem großen Erfolg im Dezember bringen die Schülerinnen und Schüler der Theater-AG der Albert-Einstein-Schule unter Leitung von Michael Gonszar das Stück "Aschenkinder" erneut auf die Bühne. Am Dienstag, 26. Januar, um 20 Uhr hebt sich im Theatersaal der Schule erneut der Vorhang, um den Blick auf die Geschichte inhaftierter Mädchen und der zuweilen zwielichtigen Rolle von Medien freizugeben.
Einen Tag später, am Mittwoch, steht für zehn Uhr eine zweite Vorstellung im Terminplan.
Karten für die Aufführungen zu vier und sechs Mark können telefonisch unter der Rufnummer 0 61 96 / 8 10 72 reserviert werden. schu
hll BONN, 22. Januar. Die CDU/CSU will die parlamentarische Untersuchung der Geschäfte des DDR-Unternehmens "Kommerzielle Koordinierung" (KoKo) in diesem Jahr beenden. Die SPD möchte das Ende der Untersuchung offenhalten. In einer Bundestagsdebatte, die eine Zwischenbilanz der Ausschußarbeit ziehen wollte, kamen am Freitag diese Unterschiede offen zum Vorschein.
Der Ausschußvorsitzende Friedrich Vogel (CDU) sprach sich dafür aus, einen Schlußbericht anzufertigen, mit dessen Ausarbeitung spätetestens Anfang 1994 begonnen werden müsse. Der SPD-Abgeordnete Volker Neumann dagegen erinnerte an die "geschichtliche Dimension des Auftrags" und hielt es für "richtig, in der nächsten Legislaturperiode den Auftrag zu erneuern und die Arbeit fortzusetzen". Ein Antrag der Sozialdemokraten, zunächst nur weitere Teilberichte zu veröffentlichen, wurde von den Koalitionsabgeordneten abgelehnt.
OFFENBACH. Beim zweitgrößten Druckmaschinenhersteller der Welt, bei MAN Roland, muß angesichts der lauen Konjunktur- und Auftragslage wieder kurzgearbeitet werden. Geschäftsleitung und Betriebsrat vereinbarten am Freitag, daß zunächst 222 Mitarbeiter der Gießerei (außer Modellbau) vom 12. Februar bis zum 29. März 30 Tage weniger arbeiten. Entlassen werden soll vorerst niemand.
Seit gut anderthalb Jahren spürt MAN Roland die weltweite Rezession im Maschinen- und Investitionsgüterbau. Vor allem aus den USA, England, den skandinavischen Ländern und dem Ostblock bleiben die Aufträge aus. Bereits Anfang des vergangenen Jahres waren rund 800 Beschäftigte für ein halbes Jahr in die Kurzarbeit geschickt worden. Durch Vorruhestandsregelungen und durch natürliche Fluktuation wurde die Mitarbeiterzahl vor allem in den Werken in Offenbach, Mainhausen und Heusenstamm um rund 1000 auf nur noch 4150 gesenkt.
Der Aus- und Neubau der Produktionsstätten in der Mühlheimer Straße (Investitionsvolumen über 500 Millionen Mark) in Offenbach soll zügig weitergehen, kündigte die Geschäftsleitung unlängst an. Betriebsratsvorsitzender Klaus Schmidt schließt jedoch nicht aus, daß mittelfristig Teile der Produktion aus Heusenstamm (110 Beschäftigte) und Mainhausen (noch 539 von einst 1200 Mitarbeitern) und von der Offenbacher Tochter MABEG (noch 322 von 400 Beschäftigten) in die Mühlheimer Straße verlagert werden. Das kleine Heusenstammer Werk werde wohl geschlossen, über einen Sozialplan wird im Februar verhandelt. lz
FRIEDBERG. Der Altenbeirat Wetterau befaßt sich bei seiner nächsten Tagung am Montag, 25. Januar, um 9.30 Uhr im Kreishaus, Sitzungszimmer 108 im ersten Stock, mit dem Konzept der Senioreninformation für 1993. Außerdem steht die Frage auf dem Programm: "Was tun gegen Gewalt, Mord und Brand?" de
Das harte Urteil des türkischen Staatssicherheitsgerichts in Diyarbakir gegen den Freiburger Journalisten Stephan Waldberg ist nicht die erste Warnung an ausländische Beobachter, kritische Berichte über den schmutzigen Krieg in Kurdistan zu unterlassen. Doch Waldberg ist offenbar als abschreckendes Beispiel zielsicher ausgewählt worden. Hinter dem freien Journalisten eines winzigen Senders, der zudem noch im Kriegschaos seinen Presseausweis verloren hatte, steht keine mächtige deutsche Institution. Einige Fernsehreporter sind vor ihm glimpflicher weggekommen.
Dennoch: Wer als Journalist überhaupt noch nach Anatolien reist, wird sich wohl künftig zweimal fragen, ob er riskante Kontakte etwa zur verbotenen Kurdenpartei PKK aufnehmen soll. Egal wie man die PKK einschätzt, wird damit eine Informationsquelle verstopft. Damit zeigt die Türkei, daß sie von freier Presse und dem journalistischen Grundsatz, stets alle Konfliktparteien zu hören, nichts versteht oder nichts wissen will. Türkische und kurdische Journalisten gar, die von der offiziellen Informationslinie abweichen, leben gefährlich, wie 13 Morde an mißliebigen Berichterstattern im Jahr 1992 belegen.
Das Bonner Auswärtige Amt muß sich fragen lassen, ob es sich nachdrücklich genug für den jungen Reporter eingesetzt hat, der vielleicht ein wenig zu naiv in ein Kriegsgebiet gereist ist. Spätestens jetzt aber sollte Bonn alle Hebel in Bewegung setzen, um Waldberg drei Jahre türkisches Gefängnis zu ersparen und Ankara klarzumachen, daß freie Berichterstattung aus dem Lande eines Bündnispartners möglich sein muß. aud
FRIEDRICHSDORF. Um Telefonsex ging es offenbar einem 34jährigen Friedrichsdorfer, der seit dem vergangenen September in einer Vielzahl von Fällen Frauen in Angst und Schrecken versetzte. Die Kripo nahm ihn nach langwierigen Ermittlungen am Freitag in einer Telefonzelle nahe seines Wohnorts fest.
Bei seinem Versuch, Frauen sexuell per Telefon zu nötigen, benutzte der Mann immer dieselbe Methode: Er wertete lokale Zeitungsartikel aus, in denen Bürger namentlich erwähnt wurden, und erhielt so Informationen über potentielle Opfer. Unter Druck setzte er sie dann mit der Behauptung, er habe Angehörige in seiner Gewalt. Nur wenn sie seinem Wunsch nach sexueller, telefonischer Stimulierung nachkämen, würde er die Geiseln unversehrt lassen.
Wie die Kripo mitteilte, ging es ihm in keinem Fall um Lösegeld oder ein direktes Treffen, und nie fügte sich eine der angerufen Frauen seinen Wünschen. Die Ermittler arrangierten eine Falle, die schließlich auch funktionierte.
Der Mann ist polizeibekannt. Schon 1991 war er im Hoch- und im Main-Taunus-Kreis vielfach in ähnlicher Weise aktiv. Wegen dieser Taten muß sich der 34jährige demnächst vor einem Frankfurter Gericht verantworten. Außerdem wird er einem Bad Homburger Haftrichter vorgeführt. tom
GÜNTER REXRODT, neuer Chef im Bonner Wirtschaftsressort, hatte gestern seinen ersten offiziellen Parteitermin. Der Nachfolger von Jürgen Möllemann trat am Donnerstag abend noch vor der offiziellen Bonner Amtsübernahme beim Neujahrsempfang der FDP-Landtagsfraktion mit Außenminister KLAUS KINKEL im Wiesbadener Kurhaus auf. Rexrodt präsentierte sich als Mann, der "neues Vertrauen in der Wirtschaft herbeiführen" will. Kinkel warnte die FDP, in ihm eine "Lichtgestalt" zu sehen. Politiker seien ganz normale Menschen mit Fehlern und Schwächen. Er jedenfalls wolle sich nicht zum "Schmutzabstreifer" machen lassen.
Vermeintlicher Helfer als Räuber angeklagt 20jähriger gestand Überfall auf Rentnerin vor Arztpraxis Von unserem Redaktionsmitglied Norbert Leppert Anklage wegen Raubes hat die Staatsanwaltschaft gegen einen 20jährigen erhoben; der Mann soll kurz vor Weihnachten einer 68jährigen Frau 4500 Mark geraubt haben, nachdem er sie zuvor zum Arzt gefahren hatte. Eine Polizeistreife konnte den Täter jedoch wenig später fassen und rettete so der Frau das Geld für eine am selben Tag beginnende Australienreise. Nur ein paar Stunden vor dem Abflug war die Frau in Eschersheim überfallen worden. Wie die Staatsanwaltschaft ermittelte, war die Rentnerin auf dem Weg zum Arzt, um sich vor ihrer Reise nach Australien am 18. Dezember letzten Jahres noch ein Medikament verschreiben zu lassen. Sie stand um die Mittagszeit an der Haltestelle Marbachweg/Eckenheimer Landstraße und wartete auf den Bus, als plötzlich ein Wagen hielt. Am Steuer saß ein junger Mann, der sich freundlich erkundigte, ob er sie ein Stück mitnehmen könne.
Obgleich die 68jährige gerade von der Bank kam und in ihrer Handtasche 4500 Mark sowie einen wertvollen Fotoapparat hatte, ging sie auf das Angebot ein und stieg zu dem Fremden ins Auto. Der brachte sie auch wie gewünscht zur Arztpraxis in der Hügelstraße. Doch als die Frau 20 Minuten später wieder aus der Sprechstunde kam, passierte es: Von hinten schlug der 20jährige sie zu Boden und zerrte an der Handtasche.
Erst als die beiden Henkel rissen, gab die Rentnerin auf, der Täter flüchtete mit der Tasche. Mit ihrem Schreien hatte die sich wehrende Frau jedoch bereits auf sich aufmerksam gemacht. Als erster nahm ein älterer Passant die Verfolgung auf. Er blieb dem Täter solange auf der Spur, bis zufällig eine Funkstreife auftauchte. Bevor es schließlich zur Festnahme kam, lieferten sich Räuber und Gendarmen zwischen parkenden Autos noch eine heftige Auseinandersetzung.
Glimpflich davongekommen, konnte die am Kopf nur leicht verletzte 68jährige noch am selben Tag wie geplant ihre Reise antreten. Der 20jährige dagegen mußte in Untersuchungshaft. Wie Oberstaatsanwältin Hildegard Becker-Toussaint am Freitag mitteilte, hat die Staatsanwaltschaft unterdessen Anklage erhoben. Sie lautet auf Raub, Körperverletzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt.
Da die Rentnerin sich nach wie vor in Australien aufhält - sie wollte dort für fünf Monate bleiben -, ist vom Gericht noch kein Prozeßtermin bestimmt worden. Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge kann auf die Frau als Zeugin möglicherweise verzichtet werden, nachdem der Angeschuldigte inzwischen ein Geständnis abgelegt hat.
Die CDU-Opposition im Römer möchte eine neue Debatte zur Finanzlage der Kommune im Stadtparlament. Für die Sitzung am 28. Januar brachte sie deshalb eine umfangreiche dringliche Anfrage an den rot-grünen Magistrat ein, versuche doch die Koalition, bis zum "bitteren Ende" (gemeint ist die Kommunalwahl am 7. März), "das Ausmaß der desolaten Finanzsituation herunterzuspielen".
Die CDU fragt denn auch, wie hoch die Schulden der Stadt "voraussichtlich" Ende März sein werden. Sie will wissen, wie sich der Schuldenstand vom Amtsantritt des rot-grünen Magistrats im Juni 1989 bis zum Ende des Jahres 1992 entwickelt hat. Der Magistrat soll Zahlen zu den Steuereinnahmen des vergangenen Jahres nennen. Die CDU interessiert sich dafür, wie sich angesichts wirtschaftlicher Rezession Steuereinnahmen, Kredite, Zinsen und Tilgung entwickeln werden.
Die Opposition fragt nach einem neuen Defizit im Verwaltungshaushalt 1993 und erkundigt sich nach dem Sanierungskonzept für die städtischen Finanzen, das Hessens Innenminister Herbert Günther (SPD) unlängst verlangt hatte. Außerdem bezweifelt die CDU die Angaben des Magistrats, nach denen er 1992 genau 367 Stellen in der Stadtverwaltung eingespart hat. jg
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MAIN-TAUNUS-KREIS. Fast noch druckfrisch lagen sie gestern auf dem Tisch. Mit starken Slogans wie "Main- Taunus stark", "Arbeit, Wohnen, Umwelt - lebenswert mit uns": Wahlprospekte und Plakate der SPD. So optimistisch Spitzenkandidat Gerd Mehler - "diesen Landrat brauchen wir" - vom Plakat lächelt, blickte der Parteivorstand gestern auch dem 7. März entgegen.
Die Chancen auf einen "Machtwechsel" auf dem Landratssessel und in den Kommunalparlamenten stehen so gut wie nie, waren sich die Landtagsabgeordnete Veronika Kiekheben-Schmidt-Winterstein und Christine Hohmann-Dennhardt, Unterbezirksvorsitzende und Justizministerin in Wiesbaden, einig. Auch die Zahlen sprächen dafür: 60 Parteieintritte in den vergangenen drei Monaten - soviel wie sonst nicht in drei Jahren. "Die Main- Taunus-CDU ist völlig von der Rolle. Nie hat es so viel Krach um die Listenaufstellung gegeben wie vor dieser Wahl; und in etlichen Kommunen hatten sie sogar Schwierigkeiten, Leute zu bekommen." Und: Ebenso "desolat" und "abgewirtschaftet", wie sich die Bonner Regierung darstelle, zeige auch die Main-Taunus- CDU keine Perspektiven für die zentralen Konfliktpunkte im Kreis auf: "Arbeit, Wohnen, Umwelt". Und so lauten auch die Schlagworte, die die Kreis-SPD zu "ihren" Themen auserkoren hat.
Doch habe die SPD mehr zu bieten als starke Slogans, betonte Hohmann-Dennhardt: "In der Sozial- und Umweltpolitik haben wir mit dem Kreisbeigeordneten Mehler gezeigt, was sich bewegt, wenn die SPD in der Verantwortung steht."
Die bundesweit einzige Wahl in diesem Jahr haben die Genossen zudem als "Wahl und Zeichen gegen rechts" erklärt. "Wir wollen auf jeden Fall verhindern, daß die ,Republikaner&rquote; in den Kreistag ziehen." Potentiellen Protestwählern müsse ein für allemal die Illusion genommen werden, "die ,Republikaner&rquote; seien nicht so schlimm". Dem Trugschluß seien die Deutschen schließlich schon einmal aufgesessen. Für den SPD-Vorstand gibt's nur eine Antwort: "Wir müssen die Leute ernst nehmen, ihre Probleme anhören, soziale Konflikte möglichst an den Wurzeln anpacken und vor allem die anstehenden Lasten gerecht verteilen."
Unter dem Motto "Wahl gegen rechts" stehen denn auch etliche Veranstaltungen, die die SPD gemeinsam mit der Frankfurter "Initiative gegen rechts" in den kommenden drei Monaten organisiert hat. Etwa den "Talk gegen rechts" unter anderen mit Alfred Biolek, Hajo Friedrichs, Gerhard Zwerenz oder der Sportlerin Dagmar Haase; die Brecht-Lesung mit Rainer Basedow von der Münchner Lach- und Schießgesellschaft; "Jazz und Talk" mit Alfred Mangelsdorff und dem Frankfurter "SPD-Kultur- Mann" Dieter Dehm oder die "Disco + Talk" mit dem HR-Moderator Gerd Freimann.
Prominente Namen stehen aber auch auf dem Programm der "rein" politischen Wahlveranstaltungen: Hans-Ulrich Klose spricht am kommenden Montag im Neuenhainer Bürgerhaus über "Perspektiven sozialdemokratischer Politik"; Hessens Wirtschaftsminister Ernst Welteke läßt sich über Wohnungsnot im Ballungsraum aus; Hans-Jochen Vogel besucht die Hessische Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Schwalbach und bei der Abschluß-Gesprächsrunde diskutieren Ministerpräsident Hans Eichel, Spitzenkandidat Mehler und der Eschborner SPD-Fraktionschef Otto Jehn.
Ein ehrgeiziges Programm, das - inklusive Druckkosten für Broschüren und Plakate - nicht mehr als 70 000 Mark kosten werde. Mehler: "Wir haben auf aufwendige Vierfarbdrucke und Großplakate verzichtet." Und die "Polit-Promis" kommen gratis. ana
Auf einen Blick
Seite II WEHRHEIM. Schußfahrt mit zwei stolzen Rossen: Der "Schimmelbauer" spannt seit 50 Jahren seine Pferde an Seite III OBERURSEL. Bis zur letzten Minute wird noch gefeilt: Die "Frohsinnler" im Fastnachtsfieber Seite IV BAD HOMBURG. Staub auf schwarzem Boden - Fotoausstellung in der Englischen Kirche eröffnet.
öhl ATHEN, 22. Januar. Weil er angeblich die verbotene Kurdische Arbeiterpartei (PKK) unterstützt haben soll, hat ein Staatssicherheitsgericht in der südostanatolischen Stadt Diyarbakir am Freitag den deutschen Journalisten Stephan Waldberg zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. In der Begründung des Urteils heißt es, Waldberg sei der "Komplizenschaft mit der kurdischen Rebellion" überführt worden.
Der 29jährige Waldberg, der als freier Mitarbeiter des deutschen Privatsenders "Radio Dreyeckland" (RDL) im Herbst in der Kurdenregion Nordiraks recherchiert hatte, war am 23. Oktober bei der Einreise in die Türkei am Grenzübergang Habur von türkischen Sicherheitskräften festgenommen worden. Nach Aussage seines Vaters wurde er in der Untersuchungshaft gefoltert. Man warf ihm vor, Kurierdienste für die PKK geleistet zu haben. Die PKK, die in Nordirak mehrere Lager für ihre Guerilleros unterhielt, kämpft für einen eigenen Kurdenstaat.
Der Vorwurf gegen Waldberg stützte sich vor allem auf elf PKK-Abzeichen, die man bei ihm fand, sowie einen verschlossenen Brief, der für Empfänger in Deutschland bestimmt war und eine Grußadresse der PKK enthielt.
Waldberg verteidigte sich, er habe in Nordirak die Situation der irakischen Kurden recherchieren wollen, sei dabei von PKK-Leuten angesprochen und zum Besuch eines ihrer Lager eingeladen worden. Dort habe er wegen türkischer Luftangriffe statt der geplanten drei Tage fast einen Monat bleiben müs- sen. Den Vorwurf, für die PKK Kurierdienste geleistet zu haben, wies er zurück.
Das Auswärtige Amt in Bonn will sich weiter konsularisch um Betreuung und Freilassung Waldbergs bemühen, wie dpa ergänzend meldete. Einem Sprecher zufolge hat das Amt eine genaue Analyse des Urteils von der Botschaft in Ankara angefordert.
(Kommentar Seite 3)
Kleine FR · Kleine FR
Fahrt zum Musical "Line 1" GROSSKROTZENBURG. Eine Fahrt zur Aufführung des Musicals "Linie 1" in Hanau bietet die Großkrotzenburger Jugendpflege Jugendlichen für Freitag, 5. Februar, an. Das Musical wird in der Hanauer Stadthalle von der Hamburger Kulturfabrik aufgeführt. Es werden Plätze für zehn Personen zum Preis von 15 Mark angeboten. Anmeldungen unter der Rufnummer 20 09 17. Senioren fahren nach Sinntal GROSSKROTZENBURG. Eine Seniorenhalbtagesfahrt mit Faschingsfeier in Sinntal-Jossa veranstaltet die Gemeinde Großkrotzenburg am Dienstag, 2. Februar. Start der Fahrt ist um 13 Uhr am Rathaus. Der Ausflug kostet 14 Mark. Anmeldungen nimmt die Verwaltung entgegen. Die Hexe Cordula GROSSKROTZENBURG. Die Geschichte der Hexe Cordula wird am Mittwoch, 27. Januar, in der nächsten Vorlesestunde in der Gemeindebücherei im Theodor-Pörtner-Haus erzählt. Wer den Abenteuern der kleinen Hexe zuhören möchte, sollte um 15.15 Uhr in die Breitestraße kommen.
Kevon Costner im JUZ GROSSKROTZENBURG. Im Großkrotzenburger Jugendzentrum läuft am Freitag, 29. Januar, um 19.30 Uhr der Kinostreifen "Ghost - Nachrichten von Sam". Kevin Costners Auftritt als Robin Hood - König der Diebe" ist am 26. Februar im JUZ zu sehen. Der Eintritt kostet jeweils 3.50 Mark. Kappenabend beim Volkschor GROSSKROTZENBURG. Der Volkschor veranstaltet am Samstag, 30. Januar, 20 Uhr, einen Kappenabend im Theodor- Pörtner-Haus. Kegelnachmittag GROSSKROTZENBURG. Zu ihrem nächsten Kegelnachmittag treffen sich die Senioren der Gemeinde Großkrotzenburg am Dienstag, 26. Januar, von 15 bis 17 Uhr im Bürgerhaus der Gemeinde. Preisskat in Erlensee ERLENSEE. Karten werden am Samstag, 30. Januar, beim SPD-Ortsverein Erlensee gekloppt. Die Genossen veranstalten um 14 Uhr in der Sport- und Kulturhalle einen Preisskat.
Für die hessischen Vertreter hingen beim Dunlop-Südwest-Cup der Tennisspieler(innen), das im Leistungszentrum des HTV auf der Offenbacher Rosenhöhe ausgetragen wurde, die Früchte sehr hoch. Kein einziger hessischer Teilnehmer schaffte den Einzug in die dritte Runde, von Siegeslorbeer ganz zu schweigen. Die Tennisspieler(innen) aus Württemberg dominierten klar die Konkurrenz, stellten bei den Frauen zwei der vier Halbfinalistinnen, bei den Männern sogar die komplette Semifinal-Besetzung. Die beiden an eins gesetzten Stuttgarter Julia Jehs (TC Weißenhof Stuttgart) und Holger Speker (Rot-Weiß Stuttgart) wurden ihren Favoritenrollen gerecht und sicherten sich jeweils 1600 Mark Preisgeld.
Die bei den Frauen an drei gesetzte Simone Herrmann, ehemals für den OTC und nun für den TC Rüsselsheim aktiv, setzte sich zwar in Runde eins gegen die 17jährige Isabelle Benoit (Rheinland- Pfalz) durch, scheiterte jedoch im zweiten Durchgang an der späteren Halbfinalistin Vera Elter. Die drei Neu-Isenburgerinnen Steffi Meyer (gegen Julia Jehs), Jeanine Christian (gegen Isabell Quast) und Steffi Keim (gegen Maren Müller) blieben allesamt bereits in der ersten Runde auf der "Strecke".
Ebenso erging es erstaunlicherweise dem an vier gesetzten Claus Düppe (FTC Palmengarten) gegen Christian Witt (Rheinland-Pfalz). Die zweite Runde erreichten von den acht gestarteten hessischen Männern lediglich Eduard Jahl (BW Gelnhausen) und Patrick Gottesleben (SaFo Frankfurt). Dort war jedoch auch für diese beiden Endstation.
Vielleicht sind unter den Siegern der Jugend-Bezirksmeisterschaften, die ebenfalls auf der Rosenhöhe ausgetragen wurden, ja die Gewinner des Dunlop-Cups der nächsten Jahre. Dort sicherte sich bei den Juniorinnen Asli Kocaömer vom TC Rot-Weiß Neu-Isenburg den Titel der Bezirksmeisterin. Isabel Beilke (Offenbacher TC) scheiterte in der Klasse bis 16 Jahre erst im Finale an der Hanauerin Jeanine Kennard. Doch Petra Bercik sicherte dem OTC in der Klasse bis 14 Jahre noch einen Titel: Sie besiegte im Finale Ivana Lampl (SV Steinheim).
Bei den Junioren scheiterte Daniel Vonier (TV Buchschlag) im Finale am Bruchköbeler Christian Hedrich. In der Klasse bis 16 Jahre war kein heimischer Vertreter im Finale vertreten. In der Klasse bis 14 Jahre mußten sich der Neu- Isenburger Matthias Schenk ebenfalls mit der Silbermedaille begnügen. Dennoch bewies die Offenbacher Tennisjugend, daß in der Zukunft mit ihr zu rechnen sein wird. jbp
Ein Verletzter und hoher Schaden
WÖLLSTADT. 15 100 Mark Schaden forderte ein Verkehrsunfall am Donnerstag um 6.40 Uhr an der Einmündung der Landesstraße aus Rodheim in die B 3 südlich Nieder-Wöllstadt. Wie die Polizei mitteilt, wurde eine Person leicht verletzt. Im Kreuzungsbereich waren zwei Autos zusammengestoßen. Eines kam aus Richtung Rodheim und das andere aus Okarben. hm
Auf der Toilette des U-Bahnhofs in Heddernheim ist ein junger Mann am Donnerstag abend über eine Frau hergefallen. Als die 25jährige die Kabine verlassen hatte, drängte sie der Täter gegen die Wand und versuchte sie zu entkleiden.
Die Hilferufe des Opfers mobilisierten einen 16jährigen Türken und einen 17jährigen Äthopier, die in die Toilette stürmten und die Frau aus ihrer bedrängten Lage befreiten. Die Flucht des Täters konnten sie nicht verhindern.
Der Mann soll knapp 20 Jahre alt und 1,65 groß sein. Er hat glatte, blonde Haare und trug eine rote Stoffjacke sowie eine blaue Hose.
Hinweise auf den Täter nimmt das Kommissariat für Sexualdelikte unter Telefon 755-40 13 entgegen. habe
KELSTERBACH. Erfolg hatte am Freitag eine Suchaktion mit 20 Beamten der Schutz- und Kriminalpolizei der Polizeidirektion Groß-Gerau sowie einem Hubschrauber nach einer seit Mitternacht vermißten 30jährigen Frau. Es handelte sich um eine Bosnierin, die aus der Heimat geflohen und am Mittwoch mit ihren vier kleinen Kindern und ihrem Schwiegervater nach Kelsterbach gekommen war. Die Vermißte wurde gegen 10 Uhr in der Kelsterbacher Feldgemarkung gefunden, wo sie plan- und ziellos umherirrte. Die Polizei übergab die Frau in ärztliche Obhut. cas
KREIS OFFENBACH. Die Offenbacher Kriminalpolizei hat acht Autodiebstähle und drei Einbrüche aufgeklärt, die im vergangenen Herbst überwiegend im Kreis Offenbach begangen wurden. Als Täter ermittelte sie eine neunköpfige internationale Bande, angeführt von einem 35jährigen Jugoslawen aus Langen.
Die Polizei konnte bis zum jetzigen Zeitpunkt Straftaten (Autodiebstähle und Einbrüche) mit einem Gesamtschaden von 700 000 Mark nachweisen. Es wurden Fahrzeuge und Schmuck im Wert von 400 000 Mark sichergestellt. Die gestohlenen Autos wurden, so teilt die Polizei mit, von "Kurieren" ins Ausland verschoben. Gegen die Mitglieder der Verbrecherbande wird wegen zahlreicher weiterer Einbrüche und Hehlerei mit Autotelefonen ermittelt. dac
BAD VILBEL/NIDDATAL/WETTERAUKREIS. 3000 Mark will der Wetteraukreis als Soforthilfe an das Jüdische Diaspora-Museum in Bad Vilbel überweisen, um die bislang mit privaten Geldern unterhaltene Einrichtung vor der Schließung zu bewahren. Ob Michael Messmer, Gründer und Leiter des Museums, das Geld annehmen wird, ist allerdings unklar. Gegenüber der Frankfurter Rundschau erklärte der Frankfurter Kaufmann, er werde das Museum auf jeden Fall zum Monatsende schließen und dann Bad Vilbel verlassen. Ob die Einrichtung in eine andere Wetteraukommune umziehen werde, sei noch nicht geklärt, die Annahme des Kreisgeldes demzufolge zum gegenwärtigen Zeitpunkt unredlich.
Im Gespräch über die Umsiedlung des Museums, das die Stadt Bad Vilbel laut Bürgermeister Günther Biwer aus Kostengründen nicht zu retten vermag, ist die Stadt Niddatal. Wie Joachim Pollmar, Kulturdezernent des Wetteraukreises, mitteilt, sei Bürgermeister Wilfried Martin grundsätzlich bereit, über die Aufnahme des Museums in der ehemaligen Synagoge von Assenheim zu verhandeln.
Das einstige Gotteshaus hatte nach dem Krieg als Feuerwehrgerätehaus gedient und war im Zuge der Assenheimer Dorferneuerung als Gedenkstätte und Ausstellungsraum hergerichtet worden. Das Gebäude wird jedoch nur selten genutzt, nicht zuletzt, weil es über keine Heizung verfügt.
Zusammen mit der Gießener Architektin Thea Altaras, durch ihre Buchveröffentlichung über Synagogen in Hessen bekannt geworden, will Michael Messmer das Gebäude nächste Woche besichtigen. Nachteil der ehemaligen Assenheimer Synagoge ist laut Messmer ihr Standort, der insbesondere für Schulklassen, an die sich das Museum vornehmlich wendet, schwer erreichbar sei.
Unabhängig von der Standortfrage gilt es auch noch, die Trägerschaft zu klären. Der Wetteraukreis hat zugesichert, im Falle des Fortbestehens auch weiterhin jährlich 3000 Mark beizusteuern. Auch vom Land Hessen könnten Gelder fließen. Wer aber letztlich für das Museum verantwortlich zeichnen könnte, steht nach wie vor nicht fest.
Bemühungen des Bad Vilbeler Pfarrers Hummel sowie der örtlichen SPD um einen Erhalt des Museums in der Brunnenstadt kommen offenbar zu spät. Michael Messmer will die Stadt auf jeden Fall verlassen. Ausschlaggebend für seine Entscheidung sei die Haltung Bürgermeister Biwers gewesen, der keine Anstrengung unternommen habe, mit ihm über die Probleme des Museums zu reden. Betrübt sei er allerdings auch darüber, daß es so gut wie keine Vilbeler Bürger gegeben habe, die sich für den Verbleib des Museums engagiert hätten.
Interesse an einer Übernahme der Vilbeler Exponate habe inzwischen die Stadt Wiesbaden angemeldet, die über die Einrichtung eines Jüdischen Museums nachdenke, so Messmer zur FR. Eine andere Alternative biete sich in Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis), dessen Bergwinkelmuseum die Vilbeler Bestände gerne aufnehmen würde. Darüber hinaus sei das ehemalige jüdische Frauenbad in Königstein (Hochtaunuskreis) im Gespräch. Das einstige Mikwa-Häuschen befinde sich im Privatbesitz eines Arztes. Dessen Engagement, das Vilbeler Museseum aufzunehmen, werde vom Königsteiner Bürgermeister Bertram Huke (ehemals Leiter der Bad Vilbeler Straßenverkehrsbehörde) unterstützt. mu
Armer Heinrich Heine. So ganz nebenbei nur waren die Texte des deutsch-französischen Dichters zu hören. Der deutsch-ungarische Komponist Franz Liszt fand die größere Beachtung. Die leidenschaftliche, rauschhafte Musik siegte über die feinen sprachlichen Spitzen. Schließlich ist Musik auch erbaulicher als journalistisch-literarisches Gezänk.
"Heinrich Heine und Franz Liszt in Paris" hieß der "Musik- und Lyrikabend" - das klingt festlich, gutbürgerlich, erhebend -, den das Institut Français zusammen mit der Frankfurter deutsch-französischen Gesellschaft in den Räumen der Commerzbank ausgerichtet hat. Besonders viel hatten die beiden Deutschen in Paris nicht miteinander zu tun; Heine hat jedoch in seinen Korrespondentenberichten für die "Augsburger Zeitung" auch mehrmals über den Erfolg des Musikers in Paris geschrieben.
Ob Heine etwas dagegen gehabt hätte, im Tagungsraum einer Bank vor illustrem Publikum gelesen zu werden? Wahrscheinlich nicht, schließlich war er gerade während seiner Pariser Zeit auf Geldzuwendungen - auch königlicher - Gönner angewiesen, und mit seiner reichen Banker-Verwandtschaft in Hamburg durfte er es sich ebenfalls nicht verderben. Was ihn allerdings nicht daran hinderte, sie wüst zu beschimpfen. Eines nur hätte sich Heine bestimmt nicht leisten können: keinen Eintritt zu nehmen, so wie die Frankfurter Bank.
Wenigstens viel Publikum hatten daher Vladimir Stoupel am Flügel und der Schauspieler Helmut Rühl am Lesepult. Zuhörer für die Ausschnitte aus Liszts "12 Etudes d'execution transcendante" vor allem. Für einen Vladimir Stoupel, der die Stücke gefühlvoll, aber unpathetisch spielte. Ob ihn allerdings Heine auch als "modernen Homer" bezeichnet hätte? So nennt er Franz Liszt bei dessen Einzug in Paris "mit ungeheurem Succes". Nicht ohne ironischen Unterton allerdings, mit Skepsis gegenüber der "Verrücktheit", mit der die Pariser dem "geadelten und dennoch edlen Franz Liszt" "entgegenklatschten". Pariser übrigens, die Heine zu solcher Emotion nicht in der Lage geglaubt hätte. Saß - bei dem Konzert im Jahr 1844 - doch "die Blüthe der hiesigen Gesellschaft" im Saal, die "Invaliden aller Kunstgenüsse, die müdesten Männer der That, eine Unzahl beschäftigter und blasirter Gemüther".
Helmut Rühl hat aus Heines Werk die nicht allzu zahlreichen Bezüge zu Franz Liszt herausgesucht. Die Stellen gehören wohl nicht zu Heines schärfsten Beschreibungen, Porträts. Da für die Umrahmung der Musikstücke das Material offenbar nicht reichte, mußte Rühl unter anderem auf eine Partie aus der "Matratzengruft" zurückgreifen, in der allerdings in ganz anderem Zusammenhang von "eitlem Virtuosenpack" die Rede ist.
Rühls spitzer, sehr deklamatorischer Ton schaffte es in dem großen Saal nicht, den Text gegenüber der Musik in den Vordergrund zu rücken. Des Schauspielers Sprachgestus hatte etwas Geheimnisvolles, Verschwörerisches, Mephistophelisches - etwas, was der zwar subtile, aber eher forsche Heine gerade nicht ist. Merkwürdig auch, daß bei dem "Lyrik"- Abend fast keine Lyrik, sondern nur Prosa vorkam - aber das dürfte kaum jemanden gestört haben. DIRK FUHRIG
Am vergangenen Mittwoch ist auch in Deutschland eine "Weltsensation" erschienen, jedenfalls hält der Verlag C. Bertelsmann das Buch Jesus und die Urchristen. Die Qumranrollen entschlüsselt der amerikanischen Autoren Robert Eisenman und Michael Wise für eine solche. Autoren und Verlag dürften die Sensation vor allem in drei Punkten sehen: Hier werden zum ersten Mal 50 bislang nicht edierte, wenn auch freilich seit kurzem in Fotografien zugängliche Fragmente aus Qumran veröffentlicht und übersetzt; hier dringen zwei Außenseiter in ein "Monopol" ein, das nach ihrer Meinung seine Stellung dazu mißbraucht hat, die eigenen Leute zu protegieren und so völlig unberechtigt "wissenschaftliche ,Superstars&rquote; (zu) schaffen". Die Texte sollen außerdem weitere Beweise für die von einem der Verfasser bereits früher entwickelte These liefern, daß die Leute von Qumran gar keine Essener waren.
Worin besteht der sachliche Gehalt der "Weltsensation"? Vor allem darin, daß weitgehend nicht zugängliche Texte aus Qumran übersetzt werden, und seine Bedeutung kann gut an der sogenannten "Damaskusschrift" verdeutlicht werden. Diese Schrift ist seit 1896/97 bekannt, als in der Schrift-Ablage der Synagoge von Alt-Kairo zwei Handschriften aus dem 10. bzw. aus dem 12. Jahrhundert entdeckt wurden. Diese wurden 1910 veröffentlicht und gewähren Einblick in das Leben einer Gemeinde, die sich in dieser Schrift als Gemeinde des neuen Bundes im Lande von Damaskus bezeichnet. In drei Höhlen von Qumran wurden Bruchstücke von Handschriften dieser Schrift gefunden. Gleichwohl mußte diese Schrift bislang immer noch nach der Kairoer zitiert werden, weil die Qumran-Handschriften bislang zwar mehrfach beschrieben, aber nie veröffentlicht worden sind. Eisenman und Wise veröffentlichen nun wenigstens die letzte Spalte - heute würden wir das die letzte Seite nennen -, die in der Kairoer Handschrift nicht enthalten war. Zwar enthält diese Seite keine Sensation, macht aber doch den Vorbehalt der Qumranbewegung gegen die Opfer im Tempel und den Heilsanspruch dieser Gemeinde deutlich. Konnte man sich bislang noch über das Alter dieser Schrift streiten, so ist der Entstehungszeitraum durch die Funde auf das 1. Jahrhundert vor oder nach Christus eingeengt.
Da die von den Autoren sozusagen erzwungene Publikation der Texte und deren Besprechung im Vordergrund stehen, entwickelt das Buch keine durchgehende These, sondern versucht, die Texte zu bündeln und sich ihrem Gehalt zu nähern. Daß die Texte dabei häufig für die früher vorgetragenen und von der Fachwelt abgelehnten Thesen Eisenmans beansprucht werden, ist nicht erstaunlich.
Es wird für die Beurteilung des edierten Textes und der Übersetzung sehr darauf ankommen, was die Experten zur Lesung und auch zur Qualität der Übersetzung sagen werden. Wenn auch das Unternehmen als solches verdienstvoll ist, so sind doch schon gegen einige Lesarten der Autoren in früheren Veröffentlichungen massive Bedenken vorgetragen worden, ohne daß die Autoren sich jetzt damit intensiv auseinandersetzen.
Daß die Autoren die Bedeutung der von ihnen veröffentlichten Texte sehr hoch einschätzen, versteht sich von selbst. Daß es sich jedoch um "hochbrisante Dokumente für das Verständnis der Geschichte der Menschheit und Zivilisation der westlichen Welt" handelt, ist aber reichlich hochgegriffen. Zunächst einmal handelt es sich um Texte, die wie alle Qumrantexte Licht werfen auf das Judentum des ersten vor- und nachchristlichen Jahrhunderts und die insofern auch für das Verständnis der Jesusbewegung und des Christentums relevant sind.
Die große Bedeutung, die die Verfasser allen diesen Texten zuweisen, ist aber keineswegs immer nachvollziehbar. So zum Beispiel dem letzten der jetzt publizierten Texte, einem alten Gedicht, dessen Inhalt eher allgemein und im übrigen auch schwer und keineswegs eindeutig verständlich ist. Die Verfasser finden hier einen entscheidenden Beweis für die These Eisenmans, daß die Bewegung von Qumran nicht etwa in Opposition zu den makkabäischen Fürsten gestanden hätte, sondern promakkabäisch eingestellt gewesen sei und daß König Alexander Jannäus, der der Addressat dieses Schreibens ist, nicht der Frevelpriester gewesen sein könnte, für den eine ganze Reihe von Qumranforschern ihn hält.
Daß eine ganze Reihe der hier vorgelegten 50 Texte hochinteressant ist und auch Neues über Qumran ans Licht bringt, unterliegt keinem Zweifel, wenn dieses Urteil auch mehr für den Experten als für den interessierten Laien gelten wird. Wirklich neu ist zum Beispiel ein Beleg für die Auferstehung, für die man einen eindeutigen Text seit langem in Qumran vermißt hatte, wenn auch die Vorstellung von der endzeitlichen Auferstehung aus dem übrigen Judentum - also keineswegs nur aus dem Neuen Testament - längst bekannt war. Insofern liefert uns dieser Text also neue Kenntnisse über die Bewegung von Qumran, nicht aber über das Judentum der Zeit. Neu ist auch der Brief, der aus der Anfangszeit der Qumrangemeinde zu stammen scheint und an den Hohenpriester in Jerusalem gerichtet ist, der ja lange Zeit nach dem Exil auch der oberste Repräsentant des jüdischen Staates gewesen ist. Dieser Brief nennt die Gründe dafür, warum die Gemeinde von Qumran sich vom Tempel abgesetzt und sich gegen das übrige Israel gestellt hat.
Angesichts der breiten Kenntnisse der Verfasser ist es erstaunlich, daß sich über die genannten einseitigen Datierungen und Deutungen hinaus auch sonst sachliche Fehler finden. Jedenfalls darf man die Qumran-Literatur gerade nicht, wie die Verfasser es tun, hinsichtlich der Rechtfertigung einfach in den Gegensatz zwischen Paulus und dem Judentum einspannen und dabei Qumran-Theologie und Judentum einer Theologie der menschlichen Taten zuweisen. Das Besondere und Auffallende an den bereits früher publizierten Qumran-Dokumenten ist nämlich, daß sie neben einer Betonung der Werke gerade ähnlich wie Paulus eine Rechtfertigung aus Gnaden und nicht allein aus Werken kennen: "Ich aber, wenn ich wanke, so sind Gottes Gnadenerweise meine Hilfe auf ewig. Und wenn ich strauchle durch die Bosheit des Fleisches, so besteht meine Gerechtigkeit durch die Gerechtigkeit Gottes in Ewigkeit." Es ist gerade charakteristisch für den Glauben in Qumran, daß man das Gesetz einerseits radikal verschärft, andererseits aber sich durchaus in Gottes Gnade aufgehoben weiß.
Mit den Hinweisen auf das Neue Testament ist es ohnehin in diesem Buch eine besondere Sache. In diesem Zusammenhang ist auch der deutsche Titel auffällig. Während im englischsprachigen Sprachraum das Buch mit einem neutralen Titel auf den Markt kam The Dead Sea Scrolls uncovered, traute der deutsche Verlag diesem Titel wohl nicht die nötige Zugkraft zu und setzte deshalb für die Übersetzung des Titels noch einen Hinweis auf Jesus und die Urchristen.
Wer ganz schnell einen Zugriff auf die bislang nicht edierten Texte aus Qumran haben will, wird die Einseitigkeiten der Autoren ertragen müssen. So abenteuerlich die Thesen von Eisenman in vieler Hinsicht sind, so sehr hat sein und anderer Leute Spielen auf der Klaviatur der Medien die Diskussion den wissenschaftlichen Fortgang der Sache beschleunigt. Die Wissenschaftler sind aufgerufen, die Diskussion nicht nur den Außenseitern der Zunft zu überlassen. INGO BROER
Robert Eisenman / Michael Wise: Jesus und die Urchristen. Die Qumranrollen entschlüsselt. Aus dem Englischen von Phillip Davies und Birgit Mänz-Davies, C. Bertelsmann Verlag, München 1993, 288 Seiten, 39,80 Mark.
MAINTAL. Die Presse war zu dieser spektakulären Sondersitzung des Maintaler Sozialausschusses nicht geladen worden. Doch auf Anfrage der Frankfurter Rundschau war von der SPD-Fraktion - sie hatte das Treffen "mit verkürzter Ladungsfrist" beantragt - zu erfahren, daß die Öffentlichkeit zugelassen sei.
Auch zahlreiche Erzieherinnen städtischer Kindertagesstätten in Maintal und Eltern mit Kindern waren am Donnerstagabend im großen Sitzungssaal des Rathauses Bischofsheim zu Gast.
"Sexualdelikte an Kindern; Umgang mit der Problematik in den städtischen Kindertagesstätten", stand auf der Tagesordnung. Der zweite Teil der von der SPD geforderten Thematik - "Presseöffentliches Verhalten des Stadtverordneten Romeiser" - war vom Ausschuß-Vorsitzenden Arno Weber (CDU) auf der Einladung für die Mitglieder des Gremiums weggelassen worden.
Er habe in der Hessischen Gemeindeordnung nachgesucht und nirgendwo finden können, daß das Verhalten eines Stadtverordneten Gegenstand einer Ausschuß-Sitzung sein sollte, rechtfertige Weber seine Streichung.
Aber gerade das war doch der eigentliche Skandal: Mit einer Presseerklärung hatte der CDU-Stadtverordnete und CDU-Fraktions-Pressesprecher Kurt Romeiser eine städtische Kindertagesstätte und eine Hanauer Beratungsstelle auf infame Weise angegriffen, weil sie in einem Fall des Verdachts auf sexuellen Mißbrauch gehandelt hatten. Nach einem Sorgerechtsverfahren ist der durchaus nicht ausgeräumte Verdacht Gegenstand eines Gerichtsverfahrens in zweiter Instanz.
In diesem verständlicherweise nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Handlungsgeflecht unter der Regie einer Helferkonferenz mit Beteiligung verschiedener Institutionen und Einrichtungen wollte Romeiser "Stasi- Methoden" entdeckt haben. Der Politiker brachte "den Fall" nicht nur in die Öffentlichkeit, sondern zitierte in einem Nachschlag - als Leserbrief in einer Tageszeitung - auch noch aus vertraulichen Aufzeichnungen einer Erzieherin wörtliche Aussagen des "betroffenen" Kindes.
SPD-Stadtverordneter Alexander Kühn verlas dazu in der Ausschuß-Sitzung eine Erklärung und schlug vor: "Wir können das verabschieden und damit den Fall in der Öffentlichkeit bewenden lassen." CDU-Stadtverord "Keine Diskussion" nete Angelika Feuerbach sah "keine Probleme, die Erklärung zu unterschreiben", wünschte aber von Sozialdezernentin Priska Hinz (Grüne) Erklärungen über das "Vorgehen" der Erzieherinnen bei einem derartigen Verdacht und über entsprechende Anweisungen für Kindertagesstätten.
Das lehnte Hinz entschieden ab und erwähnte dabei wohl nicht zufällig ihre eigene berufliche Vergangenheit: "Wir Erzieherinnen haben in der Ausbildung gelernt, wie mit Auffälligkeiten umzugehen ist."
Zudem gebe es zuständige Fachkräfte und Beratungsstellen. Es sei nicht Aufgabe eines Ausschusses, über Kompetenzen und Aufgaben zu diskutieren. Wenn Bedarf bestünde, könne die Hanauer Beratungsstelle dem Gremium berichten. Damit gab sich Feuerbach zufrieden: "Gut, das reicht schon. Ich wollte auch keine Details."
Doch nun wollte SPD-Stadtverordnete Kornelia Schild-Kreuziger "die Meinung der CDU-Fraktion zum Verhalten von Herrn Romeiser" hören, was wiederum Feuerbach ablehnte. Die Fraktion habe erklärt, Romeisers Veröffentlichungen seien "seine rein private Meinungsäußerung" gewesen. Grünen-Stadtverordnete Monika Vogel setzte heftig nach: "Das gehört wirklich nur in die Kompetenz der CDU-Fraktion. Dieses Thema ist so heikel, daß es auf keinen Fall in den Wahlkampf gehört. Bitte, keine Diskussion!"
Die Erklärung, die danach einstimmig verabschiedet wurde, lautet wörtlich: "Wir bedauern, daß durch die Pressemitteilung eines Stadtverordneten ein Fall des Verdachts auf sexuellen Mißbrauch eines Kindes in Maintal an die Öffentlichkeit gezerrt wurde. Wir gehen davon aus, daß die Erzieherinnen der städtischen Kindertagesstätten in verantwortungsvoller und richtiger Art und Weise ihre wichtige Aufgabe bei der Aufklärung von Sexualdelikten an Kindern wahrnehmen. Wir wünschen uns, daß sie sich dabei nicht durch die nunmehr entstandene öffentliche Diskussion über einen konkreten Fall verunsichern lassen."
Nun ist zu erwarten, daß sich die Parteien damit zufrieden geben. Jedes weitere Wort ist zuviel. HELMUT POMPLUN
NIDDATAL. Alkohol war laut Polizei im Spiel bei einem Verkehrsunfall am Donnerstag um 21.50 Uhr auf der Kreisstraße zwischen Bruchenbrücken und Assenheim. Nach Angaben der Polizei war ein Autofahrer bei der Fahrt in Richtung Assenheim mit seinem Fahrzeug von der Fahrbahn abgekommen. Das Auto überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen.
Der Fahrer besaß keine Fahrerlaubnis. Ihm wurde eine Blutprobe entnommen. Es war Schaden von 4550 Mark entstanden. hm
Gerhard Flämig unter Spionageverdacht Früherer Bundestagsabgeordneter aus Hanau wird in Karlsruhe vernommen Von Regine Schlett HANAU. Die Nachricht schreckte Bekannte und Parteifreunde gleichermaßen auf: Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Gerhard Flämig aus Hanau steht unter Spionageverdacht. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe erklärte am Freitag auf Anfrage der FR, daß ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts geheimdienstlicher Agententätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gegen den 73jährigen laufe. Ob ein Haftbefehl ausgestellt wird, war bis Redaktionsschluß in Karlsruhe nicht zu erfahren. Der Berliner Fernsehsender n-tv hatte am Freitag morgen berichtet, daß der aus Thüringen stammende Kommunalpolitiker
Beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe gab man sich am Freitag vormittag bedeckt: Einzelheiten zum Tatvorwurf würden vor der Entscheidung über eine vorläufige Festnahme des Beschuldigten beziehungsweise einem Antrag auf Erlaß eines Haftbefehls und der gerichtlichen Entscheidung darüber nicht bekanntgegeben, lautete die einzige Erklärung des Pressesprechers Hans-Jürgen Förster. Beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden hieß es: "Keinen Kommentar." Die Ehefrau Flämigs bestätigt, daß ihr Mann am Vormittag "zur Aussprache" abgeholt worden sei. "Ich war völlig überrascht, ich wußte von nichts", sagte sie am Vormittag gegenüber der FR. Sie erwarte ihren Mann jedoch bald zurück.
Am Nachmittag war dann jedoch keine Auskunft mehr aus dem Hause Flämig zu erhalten. Auf telefonische Anfrage der FR war lediglich zu erfahren, daß Flämig für "längere Zeit" nicht zu erreichen sei. Oberbürgermeister Hans Martin, der am Vormittag bei einem Besuch des Nachrichtensenders von dem Verdacht erfuhr, war erschüttert. "Ich bin schockiert über die Meldung", erklärte er. "Das paßt in keiner Weise in das Menschenbild, das ich von Flämig habe." Man müsse nun jedoch die Entwicklung abwarten.
Daß der 73jährige, mit zahlreichen Ehren bedachte Hanauer Politiker, der sich zuletzt mit einer dreibändigen Dokumentation über das Dritte Reich in Hanau Anerkennung in der Brüder-Grimm-Stadt erwarb, für die "Stasi" gearbeitet haben könnte, entwickelte sich am Freitag schnell zum Stadtgespräch. Nicht nur auf lokaler Ebene äußerten sich Genossen jedoch auch skeptisch, ob er aufgrund seiner Position in der Lage gewesen wäre, Zugang zu entscheidenden Informationen zu gewinnen. "Er war fern vom Zentrum des politischen Geschehens", so der Kommentar des Justitiars der Bonner SPD- Fraktion, Willfried Penner. SPD-Unterbezirksvorsitzender Bernd Reuter, der 1980 für Flämig in den Bundestag einzog, sieht es ähnlich. Zwar arbeitete der gelernte Journalist im Bundestagsausschuß für Forschung und Energie mit, doch "große Geheimnisse", so Reuter, seien in diesem Gremium nicht verhandelt worden. Ähnlich wertet er auch Flämigs Mitarbeit im Präsidium des Deutschen Atomforums, dem der ehemalige Europa-Abgeordnete seit 1968 angehörte. Seit 1973 war er Vorsitzender des Arbeitskreises "Öffentlichkeitsarbeit und Presse" dieser Einrichtung. Als Großauheimer Kommunalpolitiker, der sieben Jahre lang Bürgermeister der damals noch selbständigen Stadt war, und als engagierter Befürworter der Kernkraft hatte er die Ansiedlung der Hanauer Nuklearbetriebe mit betrieben. In den Augen mancher Abgeordneter in Bonn galt er eher als "braver Kommunalpolitiker". Persönlich habe ihn der Verdacht "hart getroffen", sagte Reuter. Flämig sei ein "ordentlicher und korrekter" Genosse gewesen. "Ich bin enttäuscht und erschüttert", sagte der Unterbezirksvorsitzende. Bis nähere Erkenntnisse der Bundesanwaltschaft vorliegen, gelte auf jeden Fall die Unschuldsvermutung.
Im Hintergrund: Sparen beim Arbeitslosengeld Quadratur des Kreises
Lohnersatzleistungen, wie Arbeitslosenhilfe, Arbeitslosen- oder Schlechtwettergeld, werden nur dann nicht pauschal gekürzt, wenn Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) "durch geeignete Maßnahmen" sicherstellt, daß die Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit (BA) vom kommenden Jahr an jährlich 3,2 Milliarden Mark spart. Mißbrauch, so hatten die Fraktionen von Union und FDP in ihrem Sparpaket beschlossen , müsse verhindert werden. Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) hatte zunächst eine Kürzung der Leistungen mit dem "Rasenmäher" geplant; dies konnte Blüm zunächst verhindern. Abstriche bei den Lohnersatzleistungen sind der tragende Pfeiler von Waigels Sparprogramm, das in die Verhandlungen um den sogenannten Solidarpakt einfließen wird. Sein Vorschlag stieß beim Arbeitnehmerflügel der Union auf harten Widerstand. Nun muß Blüm bis 15. Mai nachweisen, daß die BA ihre Ausgaben mittels Meldepflichten für Erwerbslose und Kontrollen jährlich um drei Milliarden Mark senken kann. FDP-Chef Otto Graf Lambsdorff beurteilte am Freitag Blüms Chancen skeptisch: "Da ihm das nicht gelingen wird, werden wir am 15. Mai die Reduzierung der Lohnersatzleistungen beschließen", kündigte er vorsorglich im Handelsblatt an.
Spott erntete der "Herz-Jesu-Sozialist" Blüm bei Parteifreunden. Der Mittelstandspolitiker Elmar Pieroth monierte: Warnungen vor Mißbrauch seien vom Arbeitsministerium jahrelang "als Unkenrufe abgetan worden". Zwischenzeitlich habe wohl auch Blüm erkannt, daß es Mißbrauch gebe.
Blüm reichte den Schwarzen Peter flugs weiter. Nun müsse die BA "mit mehr Kraft und auch mit neuen Instrumenten die erwischen, die Arbeitslosengeld beziehen, aber gar nicht arbeitslos sind". Das wirft die Frage auf, warum die seit Jahren von Unionspolitikern geführte Behörde bislang nicht mit hinreichender Kraft Betrüger entlarvte. Stellt sich heraus, daß die BA durch die Bekämpfung des Mißbrauchs auch nur eine Milliarde herausschlagen kann, ist der verantwortliche Oberaufseher Blüm kostspieligster Schlamperei überführt.
Der designierte BA-Präsident, der CDU-Bundestagsabgeordnete Bernhard Jagoda, weiß noch nicht, wie er den Auflagen gerecht werden kann: "Mißbrauch wird ja schon vermieden durch die Bundesanstalt." Er bestreitet aber nicht, daß "natürlich die Instrumente weiter ausgebaut werden können und müssen, wenn wir dieses Ziel erreichen wollen". In der ins Blickfeld gerückten Anstalt geht man in Deckung. "Wir haben uns nichts vorzuwerfen", heißt es dort.
Tatsächlich laufen in Nürnberg Programme, die manchem Bonner Vorschlag den Boden entziehen. So werden etwa die Daten der BA-Leistungsempfänger mit der bei Krankenkassen geführten Beschäftigtenstatistik abgeglichen. Der Rasterfahndung mit dem Namen "Daleb" gingen 1991 etwa 192 700 Frauen und Männer ins Netz. Sie mußten erklären, warum sie als Erwerbstätige in der Sozialversicherung gemeldet sind und zugleich auf der "BA-Lohnliste" stehen. "Daleb" macht Blüms Ansinnen, es bringe etwas, wenn Erwerbslose ihre Lohnsteuerkarte beim Arbeitsamt abgeben, gegenstandslos. Schwarzarbeiter sind auf diese Weise ohnehin nicht zu stellen. Da helfen nur Kontrollen. Die BA prüfte 1991 gut 53 000 Betriebe und ahndete in 40 000 Fällen Mißbrauch mit Bußgeldern und Rückforderungen. Als die BA kürzlich 180 Stellen zusätzlich wollte, um effektiver kontrollieren zu können, sagte Waigel "nein".
Viel Geld kam nicht herein. Alle Aktionen zusammen entlasteten die Sozialversicherung nicht einmal um 200 Millionen Mark. Dies spricht für Lambsdorffs ehrliche Prognose. Eine Blamage bleibt der Union nur erspart, wenn Blüms Kernanliegen wahre Wunder bewirkt. Er möchte die Meldepflicht (derzeit drei Monate) verschärfen - die aus der Weimarer Republik bekannten Bilder, auf denen Menschen zu sehen sind, die in Schlangen zum "Stempeln" anstehen, lassen grüßen. Scham soll Blüms Willen zufolge die Hoteliers-Gattin abhalten, sich außerhalb der Saison in die Reihen der Unterstützten einzureihen. Soziale Kontrolle durch Nachbarn und Bekannte soll verhindern, daß Frauen und Männer doppelt kassieren - im Betrieb und beim Arbeitsamt. PETER ZILLER (Bonn)
doe FRANKFURT A. M. Die Deutsche Postgewerkschaft (DPG) widersetzt sich weiterhin einer Teilprivatisierung der drei Postunternehmen: "Wir sind nicht mit der Anstaltslösung eingestiegen, um mit der Aktiengesellschaft auszusteigen", sagt DPG-Boß Kurt van Haaren. Allerdings sei man zu Gesprächen mit dem neuen Minister Wolfgang Bötsch (CSU) bereit, wenn dieser sich in sein Amt eingefunden habe.
Van Haaren betont, mit der Kritik an der ersten Postreform des Jahres 1989 habe die DPG "auf allen Feldern recht behalten". Bei der Debatte um eine zweite Reform sei "zur Kenntnis zu nehmen", daß 80 Prozent der 700 000 Postler in der Gewerkschaft organisiert sind.
Vorsichtige Bewegung zeigt DPG-Vizechef Albert Stegmüller angesichts des Zerwürfnisses zwischen Postbank und Postdienst über die Schaltergebühren (siehe FR vom 16. Januar). Auf die Frage, ob die ohne Grundgesetzänderung mögliche Privatisierung der Postbank bei gleichzeitiger Übernahme der Kapitalmehrheit durch die Gelbe Post eine taugliche Lösung sein könnte, um den Rückzug des Instituts aus der Fläche zu verhindern, antwortet er: "Man kann zu solchen Modellen prinzipiell ja sagen, wenn sie das richtige Ziel haben."
ojw BERLIN, 22. Januar. In einer Kampfabstimmung hat das Berliner Abgeordnetenhaus am späten Donnerstagabend mit knapper Mehrheit beschlossen, die Niederkirchner Straße als künftige Postadresse des derzeit restaurierten Parlamentsgebäudes im ehemaligen Preußischen Landtag beizubehalten. Käthe Niederkirchner war eine im KZ Ravensbrück 1944 hingerichtete kommunistische Widerstandskämpferin. Für die Beibehaltung ihres Namens auf dem Straßenschild stimmten SPD, Bündnis 90 und PDS, dagegen CDU und FDP.
Parlamentspräsidentin Hanna-Renate Laurien (CDU) hält ungeachtet des Votums der Abgeordneten weiterhin daran fest, als erste Adresse für die Volksvertreter die Postanschrift "Am Preußischen Landtag" durchzusetzen: "Ich finde, daß der Name Niederkirchner Straße für die Visitenkarte eines Parlaments nicht geeignet ist", sagte sie unter Protesten vor dem Abgeordnetenhaus.
Im Westend hat die Polizei am Donnerstag nachmittag einen Drogenhandel unterbunden.
Bei ihrem Zugriff in der Bettinastraße nahmen die Beamten zwei wohnsitzlose Jugoslawen fest, die Heroin an drei Kunden verkaufen wollten. Die 22 und 30 Jahre alten Dealer hatten drei Beutel mit sieben Gramm Rauschgift dabei. habe
WIESBADEN. Der von der hessischen CDU erhobene Vorwurf, im Kabinett des SPD-Ministerpräsidenten Hans Eichel säßen "potentielle Mörder", hat ein parlamentarisches Nachspiel.
In der Landtagssitzung in der kommenden Woche soll sich auf Antrag der SPD-Fraktion der hessische CDU-Landesvorsitzende Manfred Kanther "unzweideutig und vollständig" zu dem Vorwurf äußern, den sein Landesgeschäftsführer Siegbert Seitz im Zusammenhang mit der Diskussion über eine begrenzte Freigabe von Drogen erhoben hatte.
Ministerpräsident Hans Eichel hat bei der CDU einen "ungeheuerlichen Sprachgebrauch" festgestellt. Er verlangte in einer von der Staatskanzlei veröffentlichten Erklärung, daß der "unerträglichen Verwilderung der politischen Sitten von seiten der CDU Einhalt geboten werden muß". Gerade wegen des "Bekenntnisses aller demokratischen Parteien gegen Gewalt und Intoleranz" in den letzten Wochen könnten "solche beschämenden Äußerungen nicht mehr hingenommen werden". Wer wie die hessische CDU einer "ganzen Landesregierung kriminelles Handeln unterstellt, der verletzt die Achtung vor dem Mitmenschen", sagte Eichel. gra
SCHÖNECK. Nur zum kleineren Teil waren Neuschönecker(innen) der Einladung zum gemeindlichen Neujahrsempfang am Donnerstag im Bürgertreff gefolgt. Von 594 zugezogenen Menschen dürften viele schon auf dem Weg in die Federn gewesen sein, als Bürgermeister Erwin Schmidt seine Rede mit einer Art Märchen zur wirtschaftlichen Situation begann: Bekanntlich sind ein Großteil der "Neuen" junge Familien mit Kindern.
Leer war der Saal aber nicht: Geladen waren auch 105 1992 volljährig Gewordene, 25 Militär- und Zivildienstentlassene sowie Bundeswehr-Vertreter und 32 Vereinsmitglieder. Erwin Schmidt sah eine Ursache "dumpfer" Ausländerfeindlichkeit in Teilen der Jugend darin, daß viele bisher nur wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung kennen und durch die jetzt erstmals veränderte Lage stark verunsichert sind. Er meinte - trotz des Messerangriffs auf ein deutsches, aber für eine Ausländerin gehaltenes Mädchen im zurückliegenden Jahr -, seine Gemeinde biete "bislang keinerlei Anzeichen für eine latente Ausländerfeindlichkeit". Schmidt: "Würde sie sich offenbaren, müßten wir uns . . . schnellstens Gedanken machen, wie man ihr begegnen könne." Die Toleranz der Bevölkerung sieht er im jahrzehntelangen Umgang der Bevölkerung mit Ausländer(innen) im Flüchtlingsheim Büdesheim begründet.
Kommunalpolitisch wie im persönlichen Konsumverhalten mahnte Schmidt die Abkehr vom Anspruchsdenken an. Die neuen Bürger(innen) forderte er auf, sich in Vereine zu integrieren, weil man dort am leichtesten Freundschaft finde.
Ehrengäste waren denn auch gerade Leute, die mit oder ohne förmliche Auszeichnung ihres Vereins besondere Leistungen vollbracht haben. Natürlich wurde hierbei auch die Laternenkönigin Sandra Diehl samt Hofdamen bedacht; geladen waren für den Radsportclub die Hessenmeister Peter Fontain und Mike Mackeldey, fürs Rote Kreuz Renate Meier, Erhard und Ellen Hinkel, Wilhelm Stork, Ehrenbürger Hans Lenz, für den Gesangverein Oberdorfelden Gerhard Schindler, für den Reitclub Karl-Heinz Gerlach, für die Schützen Steffen Appel und Jens Schmidl, für die Schachfreunde die erste Mannschaft, die in die zweite Bundesliga aufstieg, für die Feuerwehr Heinrich Emmerich, den Hap-ki-do-Club Thorsten Kerber und Achim Lehwald, für die Arbeiterwohlfahrt Heide Rauch und Herta Heilmann, für den Eltern-Kind- Verein Claudia Wagner-Geisler und Ursula Kamp-Gugel. Burkhard Schröder von "Hilfe für Rußland" e. V. dankte der Bürgermeister besonders herzlich für seine karitative Arbeit. Ul
Für ein Semesterticket für die Studenten der Fachhochschule (FH) setzt sich der Ortsbeirat 3 (Nordend) ein. Das Gremium verabschiedete gegen die Stimmen der CDU einen SPD-Antrag, der den Frankfurter Verkehrsverbund (FVV) auffordert, "ernsthafte" Verhandlungen mit dem AStA über ein Semesterticket aufzunehmen. Die SPD kritisierte das Geschäftsgebaren des FVV: "Das einzige erkennbare Ziel bestand offensichtlich darin, diese Verhandlungen scheitern zu lassen", warf SPD-Fraktionsvorsitzender Armin Eikenberg dem Unternehmen vor. Der veranschlagte Preis von 175 Mark pro Semester sei "völlig inakzeptabel".
Der Ortsbeirat fordert den Magistrat auf, seinen Einfluß geltend zu machen, damit den Studenten ein "seriöses" Angebot unterbreitet wird. rea
USINGEN. "Ich halte von solchen Verträgen nichts, wir sind bemüht, ihn zu verändern", sagt Landrat Jürgen Banzer (CDU). Der Pächter von Sauna, Sonnenstudios und Gaststätte im Usinger Hallenbad soll künftig Miete zahlen - seit Dezember 1988 benutzt er die Räume pachtfrei, wie die Rechnungsprüfer des Kreises in ihrem Schlußbericht zum Jahr 1990 monieren (siehe auch Seite IV).
Der damals geschlossene Vertrag mit dem Kreis sieht vor, daß Pachtzahlungen erst fällig werden, wenn dies dem Saunabetreiber wirtschaftlich möglich ist. Damit sollten dessen Investionen für die gesamte Einrichtung ausgeglichen werden.
1989 machte der Betrieb gerade einmal 174,52 Mark Plus, im Folgejahr 3229,95 Mark Minus. Zahlungen wurden bis heute nicht fällig. Nun will Banzer nicht länger warten: "Wir sind jetzt in einer Phase, wo entweder ein Gewinn herauskommen muß, oder das Konzept falsch ist."
Seit Monaten wird deshalb verhandelt, für dieses Jahr wurde ein Pachtzins festgesetzt. Rückständige Nebenkosten wurden eingetrieben. Banzer sieht sich dazu auch im Interesse anderer Saunabetriebe verpflichtet, diese könnten einen Mietverzicht als unzulässige Subvention werten.
Die aktuelle Lösung erspart dem Kreis Kosten für den Sauna-Betrieb, dieser gilt aber auch als einziger Teil des Bades als eventuell gewinnträchtig. So schließt Banzer inzwischen auch ein völlig neues Konzept nicht aus, wenn der Pächter weiter Minus-Bilanzen vorlegt. stk
BAD VILBEL. Gründlich durchgeschüttelt werden die Speicherplätze von Fernsehsendern im örtlichen Kabelnetz. "Schuld" daran ist die Einspeisung des neuen "Infotainment-Programms "Vox", das nunmehr ab Montag, 25. Januar, zu empfangen sein wird. Vox wird über den Kanal acht gesendet.
Der Regionalsender Hessen 3 wandert von Kanal sechs auf Kanal vier, wird aber für eine Übergangszeit auf beiden Kanälen zu empfangen sein. Wie das Fernmeldeamt Eschborn weiter mitteilt, wandert das rheinland-pfälzische Regionalprogramm von Südwest 3 von Kanal zwei auf Kanal 3, Bayern 3 von vier auf Kanal 2, und die Kabelinfo wird auf Sonderkanal S 20 zu empfangen sein.
In Kürze werden in das Kabelnetz die deutschsprachigen Fernsehprogramme von RTL 2 und Euronews eingespeist.
Wer sein Fernsehprogramm nicht über Kabel, sondern über Satellitenantennen empfängt, kann das "Ereignisfernsehen" Vox über den Satelliten Kopernikus empfangen, und zwar auf 23,5 Grad Ost mit vertikaler Polarisation bei 11,6 Gigahertz.
Kabelinformationen sind beim Fernmeldeamt Eschborn zum Ortstarif über die Nummer 01 30 - 05 55 erhältlich. hm
ukn KARLSRUHE, 22. Januar. Der Präsident des Bundesgerichtshofs, Walter Odersky (parteilos), hat am Donnerstag abend bei seinem traditionellen Presseempfang Kritik an der Entscheidung des Berliner Verfassungsgerichtshofes im Fall von Erich Honecker geäußert. Odersky, selbst Strafrechtler, wandte sich in seiner Ansprache insbesondere gegen den Vorwurf der Berliner Verfassungsrichter, das Landgericht habe bei Honecker die Menschenwürde nicht beachtet.
Der Berliner Verfassungsgerichtshof hatte die Entscheidung des Landgerichts gekippt, den Haftbefehl gegen Honecker nicht aufzuheben, obwohl der Angeklagte das Ende des Prozesses aller Voraussicht nach nicht erlebt hätte. Hierin lag nach Beurteilung der Verfassungsrichter eine Nichtbeachtung der Menschenwürde.
Odersky sagte hierzu, in schriftlichen Entscheidungsgründen könne "nicht alles und jedes" aufgeschrieben werden. Man müsse sich dagegen wehren, daß man zum Spezialisten in der Abfassung von Gründen werden müsse. Aus fehlenden schriftlichen Ausführungen abzuleiten, das "Gericht habe nicht an die Menschenrechte gedacht", sei "ungeheuerlich". Auf Nachfrage räumte der BGH- Präsident ein, daß er die Entscheidung des Berliner Verfassungsgerichtshofes nicht selbst gelesen habe.
Knapp zwei Monate vor der Kommunalwahl haben die Autobahngegner der "Bürgervereinigung Nordend" die in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung sowie im Umlandverband vertretenen Parteien in einem offenen Brief aufgefordert, dem Projekt eines Autobahntunnels im Riederwald eine Absage zu erteilen. Das 250-Millionen-Mark-Vorhaben soll die zur Zeit am Hessencenter endende Autobahn A 66 mit der Ostumgehung A 661 verbinden.
Während die CDU schon immer für das Projekt eintrat und die Grünen mit gleicher Vehemenz dagegen votierten, tendieren die Sozialdemokraten im Magistrat und in der Stadtverordnetenversammlung seit einigen Monaten für das lange Zeit auch in ihren Reihen umstrittene Projekt.
Unterstützung haben die SPD-Mandatsträger im Römer vor kurzem von den Genossen vor Ort erhalten. Der Ortsverein Riederwald hat sich in ungewohnt klarer Form für den Tunnel stark gemacht: "Eine seit mehr als drei Jahrzehnten andauernde Auseinandersetzung und Diskussion, verbunden mit Denkanstößen, Planungsvarianten von Laien und von Profis, muß, so schmerzlich dies auch für den einzelnen sein mag, auch einmal durch zu treffende Entscheidungen beendet werden."
In ihrem "Positionspapier" befürworten die Riederwälder Sozialdemokraten deshalb eine "höchstens vierspurige, umweltschonende Trassenführung im Tunnel", und sie knüpfen daran die Bedingung, die oberirdische Straßenführung "Am Erlenbruch" künftig nur für Anlieger und Lieferanten offen zu lassen und jeglichen Lastverkehr zu verbieten.
Als "flankierende Maßnahmen" müßten Parkbeschränkungen in der Innenstadt getroffen werden sowie der öffentliche Nahverkehr weiter gefördert werden: Verlängerung der U 7 bis zur Riedschule, Bau der nordmainischen S-Bahn .
Es sei ihnen bewußt, schreiben die Genossen vor Ort, "daß die Verbindung keine ökologische Glanzleistung ist" und der Erlenbruch in seiner jetzigen Form als "landschaftliches Kleinod bedroht ist". Auf der Strecke bleiben dürften aber auch nicht die "von Abgasen, Dauerstaus und Lärm geplagten Bürgerinnen und Bürger".
Im Hessischen Straßenbauamt Frankfurt ist die Stellungnahme aus dem Riederwald mit "großem Interesse" zur Kenntnis genommen worden. Schließlich werden im Amt derzeit die letzten Stellungnahmen zu den Anregungen und Bedenken gefertigt, die im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens von Anliegern, Gewerbetreibenden und Naturschutzverbänden vorgebracht worden waren. Sie werden allesamt als "wenig aussichtsreich" bewertet.
Sobald auch die Entsorgung der beim Tunnelaushub anfallenden Erdmassen geklärt ist, wird das Straßenbauamt die Unterlagen dem Darmstädter Regierungspräsidenten zusenden, der dann zur öffentlichen Anhörung laden wird. Die Anhörung, so der Terminplan der Autobahnbauer, könnte noch vor den Sommerferien stattfinden.
Den Erdaushub will das Amt nutzen, um entlang der A 5 sowie an der B 3 a neu Lärmschutzwälle zu errichten. Dafür wird in Kürze noch ein gesondertes Planfeststellungsverfahren eingeleitet. gang
KOPENHAGEN, 22. Januar. Dänemark erhält erstmals seit 1971 eine Mehrheitsregierung. Der designierte Ministerpräsident, der sozialdemokratische Parteichef Poul Nyrup Rasmussen, will am Montag sein neues Kabinett vorstellen, in dem neben seiner eigenen Partei drei kleine bürgerliche Mitteparteien vertreten sind. Deren Fraktionen billigten am Freitag das von Rasmussen vorgelegte Regierungsprogramm. Über die Verteilung der Ministerposten soll am Wochenende entschieden werden.
Die sozialdemokratischen Koalitionspartner - Radikalliberale, Zentrumsdemokraten und Christliche Volkspartei - hatten während der letzten zehn Jahre den konservativen Ministerpräsidenten Poul Schlüter unterstützt. Nachdem eine mit dem Kurswechsel unzufriedene Zentrums-Abgeordnete ihre Fraktion verlassen hat, verfügt die sozial-liberale Koalition mit 90 von 179 Mandaten im Parlament über die knappeste mögliche Mehrheit. Sie kann dort aber auch mit der Sozialistischen Volkspartei rechnen, die trotz scharfer Kritik an der Regierungszusammensetzung versicherte, nicht zum Sturz eines sozialdemokratisch geleiteten Kabinetts beitragen zu wollen.
Die neue Regierung will die Europapolitik der vor einer Woche zurückgetretenen konservativ-liberalen Koalition unverändert weiterführen. Auch für die Präsidentschaft in der europäischen Gemeinschaft, die Dänemark zur Zeit innehat, sollen sich durch den Regierungswechsel keine Änderungen ergeben. Vorrang haben die Beschäftigungspolitik, die Erweiterungsverhandlungen der EG sowie ein Ja der Dänen bei der zweiten Volksabstimmung über das Maastricht-Abkommen. Der Hartwährungskurs, die niedrige Inflation und die positive Leistungsbilanz sollen bewahrt werden, heißt es in dem Regierungsprogramm, die Staatsverschuldung soll schrittweise reduziert werden.
HÖCHST. Beinahe wäre Paul F. an seinen starken Hirnblutungen gestorben. Der Patient, der Ende Dezember in die Städtischen Kliniken Höchst eingeliefert wurde, litt schon jahrelang an einer seltenen vererbten Gefäßwandschwäche im Gehirn. Der erste Fall für die neue Abteilung Neurochirurgie und deren neuen Chef aus Hannover, Professor Hans- Georg Höllerhage. Mit Hilfe einer modernen Operationstechnik gelang es Höllerhage, unter dem Operationsmikroskop die winzigen Gefäße im Gehirn des Patienten zu schließen. Paul F. ist inzwischen auf dem Weg der Besserung, wird bald aus dem Krankenhaus entlassen und danach frei von Beschwerden sein.
Gestern wurde der frischgebackene Chefarzt vorgestellt - und damit auch die neue Klinik für Neurochirurgie offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Für Höllerhage begann der Alltag schon früher: Er ist seit 1. Dezember vergangenen Jahres in der Höchster Klinik.
"Bundesweit gibt es eine Unterversorgung mit neurochirurgischen Betten", sagte Uwe Reichle, Verwaltungsdirektor der Städtischen Kliniken Höchst, in einem Gespräch mit der FR. Viele Patienten mit Schädelverletzungen hätten per Hubschrauber in entfernt liegende Krankenhäuser geflogen werden müssen - zum Beispiel in die Dr.-Horst-Schmidt- Klinik in Wiesbaden. Deswegen habe das Land Hessen die Höchster Klinik im Jahr 1989 beauftragt, eine eigene neurochirurgische Abteilung mit 40 Betten einzurichten.
In der neuen Abteilung gibt es zunächst 15 Betten; für weitere 25 sei schlichtweg kein Platz, sagte Reichle. Durch Umbauten werden aber die Neurochirurgen noch eine zweite Abteilung hinzubekommen. Damit könnten dann im Laufe dieses Jahres 33 Betten auf Höllerhages Stationen belegt werden.
Bislang hat Klinikmanager Reichle zufolge das Land Hessen 1,5 Millionen Mark für Apparate und 600 000 Mark für Umbauten überwiesen. Insgesamt kostet die neue Klinik das Land knapp sechs Millionen Mark. Wer dorthin überwiesen wird, für den muß momentan die gesetzliche Krankenkasse noch den regulären Tagessatz von 520 Mark zahlen. "Aber das ist nicht kostendeckend", meint Reichle: "Wir müssen bald mehr nehmen, höhere Sätze aushandeln."
Der erst 39 Jahre alte Höllerhage freut sich über seinen neuen Job. "Es war schon immer ein Traum von mir, in einer Stadt wie Frankfurt zu arbeiten", sagte der Professor. Bald will seine Frau zusammen mit den vier kleinen Kindern auch von Hannover nach Höchst ziehen - sobald die sechsköpfige Familie ein Haus in der Nähe gefunden hat. Derzeit wohnt der Arzt noch im Wohnheim des Krankenhauses.
Besonders wichtig sei es, Hirnverletzte in Frankfurt operieren und behandeln zu können, meinte der Arzt. Bei der Hälfte aller schweren Verkehrsunfälle würden Schädel und somit auch das Hirn der Opfer in Mitleidenschaft gezogen. Aber auch Operationen und Behandlungen bei neurochirurgischen Erkrankungen seien ein Schwerpunkt der Arbeit für ihn, seinen Oberarzt, sechs Assistenzärzte und 23 Pflegekräfte. Hirntumore kann Höllerhage genauso operieren wie Zellwucherungen am Rückenmark oder auch Bandscheibenerkrankungen. Dazu brauchen der Professor und sein Team eine Fülle von technischen Apparaten: Ein Kernspintomograph, den Stadtkämmerer Achim Vandreike nach eigener Aussage bald kaufen will, gehört genauso zur Ausstattung wie ein Computertomograph. Mit einem modernen Operationsmikroskop kann Höllerhage in "tiefliegende Prozesse des Gehirns eindringen, durch Spalträume", ohne das umliegende Gewebe zu zerstören. Diese Operationstechniken hätten inzwischen dazu geführt, daß heute so gut wie kein Patient mehr an Hirntumoren sterben müsse.
Noch vor wenigen Jahren galten viele Hirntumore als nicht operabel, weil man durch die Operation schwerste Behinderungen befürchtete, sagte der Neurochirurg. Nach Hirnoperationen erwachten heute die meisten Patienten aus der Narkose wie nach jeder anderen Operation. Sie könnten dann, so der Professor, bald wieder aufstehen, essen und trinken.
THOMAS GRETHER
KARBEN. Der Stadtteil Kloppenheim verfügt wieder über eine Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr. Am Montag, um 16 Uhr, sollen Berthold Witzel als neuer Wehrführer und Norbert Gambietz als sein Stellvertreter vom Bürgermeister vereidigt werden.
Die Abteilung hatte sich vor zwei Jahren aufgelöst, nachdem es wegen der Vermietung einer Wohnung im Feuerwehrgerätehaus zu Differenzen mit dem Magistrat und dem Stadtbrandinspektor gekommen war. Der einstige Kloppenheimer Wehrführer Alfons Bachmann war damals zurückgetreten. Zahlreiche aktive Löschmänner hatten die Wehr verlassen. Der Magistrat lenkte später ein und quartierte die Mieterin um. Der Raum im Dachgeschoß des "Spritzenhauses" soll nun vom örtlichen Gesangverein genutzt werden.
Elf der "abtrünnigen" Brandlöscher sind inzwischen wieder in die Einsatzabteilung zurückgekehrt. Sie umfaßt jetzt zusammen mit einem in Petterweil aktiv gebliebenen Feuerwehrmann und drei Nachwuchskräften, die in der Zwischenzeit in Klein-Karben mitwirkten, über 15 Mitglieder. Das sind nur halb so viele, wie die Einsatzabteilung einstmals zählte, aber genug, so die Einschätzung von Bürgermeister Detlev Engel und Stadtbrandinspektor Günter Scheller, um einen Neuanfang in Kloppenheim zu wagen.
Mit Witzel und Gambietz stünden zwei erfahrene Feuerwehrleute für die Leitung der neuen Einsatzgruppe zur Verfügung. Scheller äußerte sich zuversichtlich, daß beide in ihre neue verantwortliche Position hineinwachsen werden.
Die neue Wehr wird wieder mit ihrem großen Tanklöschfahrzeug LF 16 sowie dem in Kloppenheim stationierten Katastrophenschutzfahrzeug ausgerüstet sein. Die insbesondere bei Autounfällen erforderliche Rettungsschere wird hingegen in Petterweil verbleiben, weil dort nach Einschätzung Schellers eine größere Tageseinsatzstärke gewährleistet ist.
Die Kloppenheimer sollen nach der Wiederaufnahme des Übungsbetriebes möglichst schnell wieder in die Alarmpläne der Karbener Feuerwehr integriert werden. Etwa Ende März, Anfang April, so Scheller zur FR, könnte Kloppenheim dann wieder über eine funktionstüchtige Feuerwehr verfügen. mu
Sarotti will Schokolade nur noch im Norden rühren Im Werk Hattersheim sind 120 Arbeitsplätze gefährdet Von Susanne Beer HATTERSHEIM. "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan; der Mohr kann gehen" - so jedenfalls muß es der Belegschaft des Sarotti-Werks vorgekommen sein, als am Donnerstag nachmittag der Geschäftsführer der Nestlé Chocoladen GmbH aus Frankfurt zur Betriebsversammlung vorfuhr. Grund des hohen Besuchs: Der Konzern spielt mit dem Gedanken, die Produktionsanlage für Schokoladenmasse bis Ende 1994 zu schließen, um notwendige Investitionen in eine neue Röstanlage einzusparen. 120 Arbeitsplätze sind dadurch gefährdet. "Zwei Entwicklungen sind ausschlaggebend", erläutert Nestlé-Pressechef Albrecht Koch die Überlegungen der Frankfurter Zentrale, die noch "keine vollendete Tatsache" darstellten. Zum einen fordere die neue Technische Anleitung (TA) Luft als Bestandtteil des Bundesimmissionsschutzgesetzes sehr viel strengere Luftreinhaltungswerte, so daß ebenso wie im Hamburger Werk eine neue Rohkakao-Röstanlage für rund 15 Millionen Mark nötig würde. Zum anderen sei die "relativ einfache" Produktionsstätte Hattersheim als europäischer Fertigungsort für Schokoladenmasse in den internationalen Planungen aufgegeben worden. Koch: "In anderen Ländern läßt sich günstiger produzieren."
Nestlé-Vorstandsmitglied Dr. Wolfgang Majer informierte die Belegschaft am Donnerstag darüber, daß die 70 bis 100 Tonnen Schokoladenmasse täglich künftig vom Werk Hamburg hergestellt werden könnten. Das sei kostengünstiger, weil nur eine umweltschonendere Röstanlage bezahlt werden müsse. "Solche gravierenden Vorteile kann niemand außer acht lassen", sagte Majer. Für die vier bis fünf Tanklastzüge, die derzeit die braune Masse zur Weiterverarbeitung von Hattersheim nach Berlin-Tempelhof bringen, ist der Weg aus der Hansestadt zudem kürzer.
Von der Rationalisierung ist laut Koch eine "nicht gerade junge Belegschaft" betroffen, die zu 90 Prozent aus Männern besteht. Man werde deshalb für einen Teil Vorruhestandsregelungen treffen können. Theoretisch sei auch ein Wechsel ins norddeutsche Werk nicht ausgeschlossen. Mit der endgültigen Entscheidung über die Schließung rechnet der Pressesprecher "in einigen Wochen". Dann müsse geklärt werden, ob das "hervorragend gelegene" Firmenareal vermietet, verpachtet oder verkauft werde.
Auch Hattersheims Bürgermeister Alfred Schubert und Erster Stadtrat Hans Franssen erfuhren am Donnerstag von der bevorstehenden Schließung. "Das hat uns ganz schön getroffen. Da geht ein Stück Hattersheim verloren", meinte Franssen. Neben dem Verlust von Arbeitsplätzen kommen auf die Kommune vor allem auch Einbußen bei der Gewerbesteuer zu.
Belegschaftsmitglieder bezweifeln indes, daß die Entscheidung noch nicht endgültig ist. "Das ,Vielleicht&rquote; stimmt nicht", ist sich ein Mitarbeiter sicher. Trotz des "Hammers vor den Kopf" und der zunächst vorherrschenden Sprachlosigkeit ("keiner hat bei der Betriebsversammlung was gesagt") wollen viele nicht aufgeben. Die Stimmung schlägt ins Kämpferische um. "Jetzt geht es darum, einen vernünftigen Sozialplan aufzustellen", so ein Betriebsratsmitglied.
Für die Bevölkerung hat die Stillegung auch Konsequenzen. Ein Hattersheimer: "Dann riecht es hier nicht mehr nach Schokolade."
FRANKFURT A. M., 22. Januar (FR). Starke Bewölkung und vor allem in der Mitte zeitweise Regen sagt das Wetteramt vorher. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen sechs bis elf, die Tiefstwerte um sechs Grad. Weitere Aussichten: Zurückgehende Temperaturen. (Siehe auch Lokalteil)
FUAT BILEN, Schüler der achten Hauptschulklasse an der John-F.-Kennedy-Schule Bad Vilbel, ist Schulsieger in der ersten Runde im Mathematikwettbewerb der Landesregierung geworden. KATJA LINNERT belegte Platz eins bei den achten Realschulklassen. Ebenfalls zur Klasse 8 b R gehört die Zweitplazierte, SANDRA MODEROW. - TIM HACKENBERG (12 Jahre) ist Schulsieger der Kennedy-Schule im alljährlichen Vorlesewettbewerb des deutschen Buchhandels geworden. Er gehört der Klasse 6 c an und hatte besonders eindrucksvoll aus dem Buch "Ruschka der Fischotter" vorgetragen.
"Erzählcafé"-Gastgeber Michael Fleiter ist studierter Philosoph und liebt seinen Schopenhauer. Besonders gern zitiert er die Sentenz, in der der knurrige Skeptiker festgestellt hatte, daß meist nur Menschen "im höheren Alter" dazu neigen, die Dinge philosophisch zu sehen. Fleiter: "Da hat er recht."
Ältere Menschen seien bereit. Er, der 43jährige, habe auf den von ihm geleiteten Seminaren der Frankfurter "Uni des dritten Lebensalters" gelernt, "die Dinge etwas grundsätzlicher zu sehen". Da gehe es um Fragen: Wie bin ich der geworden, der ich bin? Was hat mich dazu gemacht? Welche Rolle spielten Beziehungen? Ist das, was ich damals so hochgeschätzt habe, wirklich wichtig gewesen? Fleiter: "Als Antworten kriegt man dann Sachen zu hören, die man sonst nie hört." Fleiter nutzt das aus, wenn er Erzähler rekrutiert. Und ihm kommt noch zupaß, daß ein zweites Phänomen zu schwinden scheint: "Früher in den 68er Zeiten hatten die Älteren eine merkwürdige Gedächtnisstarre. Das hat für uns deren Erinnerungen stigmatisiert. Wenn die was erzählt haben, hat man sie nicht für voll genommen. Das sei doch eh alles Schönfärberei. Das, glaube ich, ist vorbei. Meine Generation hört eher zu, und die Älteren sind eher bereit, Mitteilungen zu machen."
Wobei Erzähler nicht gleich Erzähler ist. Fleiter unterscheidet nach zweijähriger "Café"-Feldforschung "verschiedene Typen des Erinnerns". Da gebe es den eitlen Erzähler, der die Szene dominiert, den nostalgischen, der in der Vergangenheit schwelgt und seiner Vita auch märchenhafte Züge verleiht, und den, der sich so sehr in das Erlebte hineinsteigert, daß er beim Erzählen von Rührung oder Empörung ergriffen wird.
Andere nähmen sich völlig zurück, gäben nichts Persönliches preis, "schildern einfach nur, wie das damals war". Wieder andere machen das "verfälschende Gedächtnis" gar zum Thema, relativieren ihre Erinnerungen im Lauf des Vortrags und nehmen mögliche Kritik an ihren Erzählungen mit in die Story. Kontrastfigur hierzu ist der "Autopoet", der sich vor dem Publikum im Rothschildpark ein Leben neu erfindet, sich als Gestalt "im nachhinein" neu stilisiert. Meist, so Fleiter, geschehe das, um im gegenwärtigen Leben etwas zu kompensieren, "vielleicht besser über die Runden zu kommen".
Zu welchem "Erinnerer"-Typ zählt wohl Madlen Lorei, die "rasende" Polizeireporterin aus dem Frankfurt der 50er Jahre? Das kommt am heutigen Samstag, 23. Januar, raus. Lorei erzählt ab 16 Uhr im "Treffpunkt Rothschildpark", Oberlindau 20. peh
LANGENSELBOLD. Weil er behauptet hatte, der Erste Stadtrat Emil Schäfer habe als Vertreter der Stadt Langenselbold einen langfristigen Vertrag mit dem Eigentümer der Asyl-Wohncontainer in der Jahnstraße abgeschlossen, strengte die Stadt Langenselbold gegen den FDP- Stadtverordneten Martin Günther eine Klage an. Vor dem Landgericht Hanau wurde jetzt ein Vergleich zwischen den streitenden Parteien geschlossen, wonach sich der liberale Stadtverordnete unter der Androhung eines Ordnungsgeldes in einer Höhe bis 500 000 Mark oder einer Ordnungshaft bis zur Dauer von sechs Wochen verpflichtete, die Behauptung nicht nochmals aufzustellen.
Hintergrund des Rechtsstreits ist eine Pressemitteilung der FDP zum Thema Asylbewerber in Langenselbold. Darin hatte Günther erklärt, es gebe zwischen dem Betreiber der umstrittenen Container-Wohnanlage in der Jahnstraße und der Stadt Langenselbold einen Vertrag. Das Bauamt der Stadt hat aber lediglich die Bauvoranfrage des Betreibers positiv beschieden und an den Kreis weitergeleitet. Die Stadt Langenselbold ist verpflichtet, ein bestimmtes Kontingent an Flüchtlingen in ihrer Kommune unterzubringen. Auseinandersetzung hatte es anschließend mit dem Main-Kinzig-Kreis gegeben, weil der Betreiber, ein Rodenbacher Immobilienmakler, ausrangierte Schiffscontainer als Unterkünfte erworben hatte.
Die Stadt Langenselbold und die Kreisverwaltung hatten sich die Verantwortung und Aufsichtspflicht für die Unterbringung der Flüchtlinge gegenseitig zugeschoben (die FR berichtete). Bürgermeister Ebner wirft der FDP nun vor, mit diesem Thema "Wahlkampf machen zu wollen". alu
Ob der blutige Freitag gestern Kohl, Kinkel und andere, die laut über eine Aufhebung des Waffenembargos für Bosnien nachdenken, wohl zum Umdenken gebracht hat? Waffen - und vermutlich ständig regen Nachschub - gibt es in der Region eh schon viel zu viel, genug jedenfalls, daß Aggressoren und Verteidiger ihre Verhandlungspositionen für Genf erst einmal militärisch zu verbessern trachten können. Sogar die kraß unterlegenen Moslems konnten an der Drina serbischen Truppen arg zusetzen, ein Hinweis dafür, daß sie zuletzt deutlich verstärkt worden sind - woher wohl?
Der (undementierte) neuerliche Einsatz von Kampfflugzeugen mahnt dringlich, einer Entscheidung über eine militärische Durchsetzung des Flugverbots nicht weiter auszuweichen. Entweder beschließt man dies oder läßt endlich die leer und lächerlich gewordenen Drohungen damit. Hoffentlich sorgt auch hier die neue US-Administration für Klarheit.
Das Wort Waffenstillstand, so lehrten die vergangenen 19 Monate, hat auf dem Balkan seinen Sinn verloren. Dem Begriff Friedensplan droht Ähnliches. Der alte Lehrsatz "Verhandeln statt schießen" hilft nicht mehr. Heute gilt "Verhandeln und noch mehr schießen". Eine gräßliche Absurdität, die durch den untauglichen Vance/Owen-Plan stark befördert wird.
Es ist der Versuch, den bosnischen Kuchen gleichzeitig zusammenzuhalten und aufzuteilen. Nun raufen sich Serben, Moslems und Kroaten - die beiden Letzteren unter Bruch einer Allianz, die sie künftig noch dringend benötigen - ungeniert um die größten Stücke. Wie wäre es, wenn UN und EG dem Waffenembargo mal zur Realität verhelfen könnten? ens
Die Mannschafts-Ausscheidungen des Deutschen Schachbundes werden am Sa. (14 Uhr) und am So. (ab 9 Uhr) im FTG-Haus, Marburger Straße, ausgetragen. Gäste sind die Teams SG Ensdorf, SK Ludwigshafen, SV Koblenz. Zey
Das Nedergäßchen soll als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen werden - das fordert der Ortsbeirat 3 (Nordend). Mit diesem Beschluß, der von SPD und Grünen verabschiedet wurde, reagierten die Stadtteilpolitiker auf Beschwerden der Anwohner. Diese hatten geklagt, daß seit der geänderten Verkehrsführung im Viertel der Verkehr in ihrer schmalen Straße deutlich zugenommen hat. An das Gebot, daß nur Anlieger das Nedergäßchen befahren dürfen, halte sich keiner.
Alternativ will die SPD prüfen lassen, die Verkehrsführung in der Schellingstraße so zu ändern, daß Autofahrer nach links in den Musikantenweg abbiegen können. Ein Antrag der CDU, das Nedergäßchen durch einen abschließbaren Pfosten gegen unbefugten Durchgangsverkehr zu sichern, wurde abgelehnt. rea
Kioske an den U-Bahn- oder Straßenbahnhaltestellen werden hin und wieder schon mit Wechselstuben verwechselt. Fast verständlich, daß die es ablehnen, Bargeld herauszurücken, und man lieber eine Zeitung oder einen Lutscher kauft, um Kleingeld für die Fahrkarte herauszukriegen.
Ziemlich perplex war da aber am Freitag jener Mann, der in einer Bankfiliale der Innenstadt schnell mal einen 20-Mark-Schein in Fünfmarkstücke umtauschen wollte. An der Kasse sei er gefragt worden, ob er Kunde ist. "Als ich verneinte, sagte die Dame, dann müsse sie drei Mark nehmen." Worauf er wütend ging.
Die Recherche der Filialleitung ergab, daß es sich hier "um ein Mißverständnis" gehandelt habe. Die Kassiererin habe angenommen, der Mann wolle für einen größeren Betrag Kleingeld in Rollen haben. Was sehr aufwendig sei. Dafür nehme man von Nicht-Kunden dann schon Geld. "Für 20 Mark Geldumtausch aber drei Mark Gebühr zu nehmen - das entspräche keinesfalls der Philosophie unseres Hauses!"
Wie gut. Mein Vertrauen in unsere Banken wäre sonst völlig geschwunden. Man weiß ja schließlich, daß die sich auch sonst mit Gebühren sehr zurückhalten.Ihr Bastian
GELNHAUSEN. "Was kann der palästinensisch-israelische Bürgerdialog bewirken?" Diese Frage steht im Mittelpunkt einer Veranstaltung der Aktion "Partnerschaft" in der Flüchtlingsunterkunft in der Coleman-Kaserne am Sonntag, 24. Januar, ab 15 Uhr.
Es besteht Gelegenheit zum Gespräch mit palästinensischen Flüchtlingen. Zudem berichtet Khalil Thoama, palästinensischer Journalist aus Offenbach, über das Konzept der Freundschaftsinitiative Nahost.
Das Treffen dient auch der Vorbereitung eines Seminars mit Juden und Palästinensern in Gelnhausen. Es ist für den 27. und 28. Februar in der Zehntscheune geplant.
Anmeldungen beim Partnerschafts- Vorsitzenden Wolfgang Lieberknecht, Telefon 06052-4296. lex
Der Bundestag hat dem Bündnis-90- Abgeordneten Wolfgang Ullmann einen Besuch bei Margot Honecker in Chile ausgeredet. Wie die FR am Freitag in Bonn erfuhr, hatte Ullmann geplant, während einer Südamerikareise des Bundestags-Rechtsausschusses die ehemalige DDR-Ministerin für Volksbildung aufzusuchen. Im Parlament stieß Ullmanns Vorhaben auf Unverständnis, weil ein Zusammentreffen des Parlamentariers mit Erich Honecker nicht ausgeschlossen schien. Zeitweise wurde sogar daran gedacht, die Reise, die am heutigen Samstag beginnt, abzusagen.
Sieben Mitglieder des Rechtsausschusses, an ihrer Spitze der Vorsitzende Horst Eylmann (CDU) und der SPD-Sprecher Hans de With, nehmen an der Reise teil, die nach Argentinien und Chile führt. Die Abgeordneten wollen in Argentinien ein Rechtshilfeabkommen vorbereiten und in Chile eine Justizreform unterstützen. Auch touristische Unternehmungen stehen auf dem Programm.
Ullmann, der an der Reise teilnimmt, informierte den Ausschuß über seine Absicht, Kontakt mit Frau Honecker aufzunehmen. Daraufhin liefen hektische Aktivitäten an, ihn daran zu hindern. Ein Gespräch mit Margot und womöglich auch mit Erich Honecker am Rande einer offiziellen Delegationsreise hätte unerwünschtes Aufsehen erregt, wurde im Ältestenrat des Bundestags befürchtet.
Im Gespräch mit der FR begründete Ullmann seinen Wunsch damit, daß er Margot Honecker dafür habe gewinnen wollen, bei einer Veranstaltung des "Forums für Aufklärung und Erneuerung" zum Thema "Schule und Bildung in der DDR" aufzutreten. Nach energischen Interventionen aus der Bundestagsspitze und dem Rechtsausschuß habe er seine Idee aufgegeben und werde es "vielleicht später privat versuchen". (hll)
MINSK, 22. Januar (dpa/Reuter). Der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) droht die Spaltung. Die Ukraine, Moldawien und Turkmenistan weigerten sich am Freitag beim Gipfel der GUS- Staatschefs in der weißrussischen Hauptstadt Minsk, einen Grundlagenvertrag über Rechte und Pflichten der Mitgliedsstaaten zu unterzeichnen. Die Ukraine lehnte nach Angaben aus Delegationskreisen auch ein Kompromißpapier Rußlands ab, das in allgemeinerer Form die neuen Statuten beinhaltete. In anderen Berichten hieß es, nur die Ukraine und Turkmenistan wollten das neue Statut nicht unterzeichnen.
Dmitro Pawlyczko, Mitglied der ukrainischen Delegation, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Man könnte sagen, daß die Gemeinschaft auseinandergefallen ist." Pawlyczko, der auch Vorsitzender der ukrainischen Parlamentskommission für Außenpolitik ist, sagte weiter: "Unter den Staaten, die das Statut unterschreiben, wird ein anderes Verhältnis herrschen. Sie werden schnell zu einer Konföderation kommen." Pawlyczko betonte: "Die GUS, die einmal war, gibt es nicht mehr." Der ukrainische Präsident Leonid Krawtschuk hatte vor dem Gipfeltreffen dagegen gesagt, die Ukraine sei zu konstruktiver Zusammenarbeit bereit.
Aus russischen Delegationskreisen verlautete, Präsident Boris Jelzin versuche, die GUS-Charta mit einer Kompromißformel über die Zusammenarbeit zu retten. Demnach soll es dann drei Arten der Kooperation geben: Vollmitgliedschaft, Assoziation und Beobachterstatus.
Jelzin hatte vor seiner Abreise zum GUS-Gipfel in Moskau gesagt: "Uns erwartet harte und intensive Arbeit." Die Unterzeichnung einer GUS-Charta sei entscheidend. Er sagte weiter: "Ohne die Ukraine wollen wir die Charta nicht unterzeichnen." Bei dem Gipfeltreffen war der armenische Präsident Lewon Ter-Petrosjan nicht anwesend. Aserbaidschan schickte nur einen Beobachter.
Die Staatschefs wollten auch die umstrittenen Fragen der atomaren Abrüstung und Verteidigung klären sowie Hilfsmaßnahmen für die mittelasiatische Bürgerkriegsrepublik Tadschikistan erörtern.Die interessante Sportnotiz
Eisschnellauf-Weltrekord von Koss Der Norweger Johan Olav Koss stellte bei der Vierkampf-Europameisterschaft der Eisschnelläufer im niederländischen Heerenveen mit 6:38,77 Minuten einen Weltrekord über 5000 m auf. Koss verbesserte damit seinen eigenen Weltrekord um fast drei Sekunden. IAAF bewilligt WM-Prämien nicht Das Präsidium des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) hat auf seiner Tagung in Jakarta die Einführung von Preisgeldern bei Weltmeisterschaften abgelehnt. Die IAAF erklärte sich lediglich bereit, vier Jahre lang an die Mitgliedsverbände 7,5 Millionen Dollar entsprechend deren Teilnehmerzahlen an internationalen Meisterschaften auszuschütten. Die Verbände würden demnach 1000 Dollar pro Hallen-WM-, WM- und Weltcup-Starter sowie 1500 Dollar pro Teilnehmer an Junioren-WMs erhalten. Ochel wechselt zur SG Hameln Handball-Nationalspieler Hendrik Ochel vom TSV Milbertshofen wird in der Saison 1993/94 beim aktuellen Bundesliga-Tabellenführer SG Hameln auf Torejagd gehen.
Firle neuer Trainer bei Homburg Die Spvgg. Bad Homburg wird bis Saisonende von Bernd Firle trainiert, der zuvor beim SC Dietzenbach arbeitete. Für den Fußball-Oberligisten entstehen dadurch keinen Kosten, da Firle durch einen Freundeskreis gesponsert wird. Formel-1-Auspuffe rauchen wieder Nach Auskunft des französischen Sportministeriums werden die Tabakgegner im Land nicht weiter gericht- lich gegen das britische Formel-1-Team Williams-Renault sowie weitere Rennställe vorgehen. Nach dem Einlenken der Anti-Tabak-Lobby am Freitag steht der Rückkehr der Weltmeisterschaftsläufe von Formel 1 und Motorrädern in den Grand-Prix-Kalender 1993 nichts mehr im Wege. Olympia-Bewerber Taschkent gibt auf Die usbekische Hauptstadt Taschkent hat ihren Plan aufgegeben, sich um die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele im Jahr 2000 zu bewerben. Damit hat die deutsche Hauptstadt Berlin bei der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Monte Carlo am 23. September noch Sydney, Peking, Istanbul, Mailand, Manchester und das ebenfalls mit Rücktrittsabsichten kämpfende Brasilia als Mitkonkurrenten.Homburg holt Pförtner Fußball-Zweitligiste FC Homburg leiht bis Saisonende Christian Pförtner vom 1. FC Saarbrücken aus. Potsdam will die Pferde nicht Im Park des Schlosses Sanssouci wird es in keinem Fall olympische Dressur- Wettbewerbe geben. Die Berliner Olympia-Bewerber haben den historischen Garten in Potsdam trotzdem als potentiellen Dressur-Ort vorgemerkt. Ein Schloß-Sprecher nannte es "Kulturbarberei", in einem zum UNESCO-Kulturerbe gehörenden Areal Sportwettkämpfe zu veranstalten. KSC verpflichtet Vertragsamateur Flindt Fußball-Bundesligist Karlsruher SC hat am Freitag Christian Flindt als Vertragsamateur verpflichtet. Der 18 Jahre alte Däne von AAB Aalborg, der Überraschungs-Mannschaft der ersten dänischen Liga, unterschrieb einen Vertrag bis 1994.
Sievinen verbessert sich Der Finne Jani Sievinen verbesserte bei den nationalen Kurzbahn-Meisterschaften der Schwimmer seinen eigenen Weltrekord über 200 m Lagen auf 1:56:84 Minuten. Die alte Rekordzeit von Sievinen lag bei 1:57:19 Minuten. Zenker startete mit zwei Siegen Mit zwei Siegen über Eddy Leppens (Belgien) und Kouiche Urabe (Japan) startete der mehrfache Deutsche Billard- Meister Wolfgang Zenkner aus München bei der Weltmeisterschaft im Cadre 71/2 im belgischen Meven und hat damit eine hervorragende Ausgangsposition für den Einzug ins Halbfinale. Linienrichter beim Spiel gestorben Von einem tragischen Zwischenfall wurde am Freitag abend das Ablösespiel für den russischen Nationalspieler Kirjakow in Karlsruhe zwischen dem Karlsruher SC und Dynamo Moskau überschattet. Der 44jährige Linienrichter Heinz Haunzinger (Pforzheim) erlag einem Herzinfarkt. Das Spiel wurde daraufhin zur Halbzeit bei einer 2:1-Führung von Moskau abgebrochen.
Kleine FR
Crashkurs beginnt später WETTERAUKREIS. Der Crashkurs für Männer, die hauswirtschaftliche Grundtechniken lernen wollen, hat entgegen der Ankündigung der Familien-Bildungsstätte noch nicht begonnen. Ein Informationsgespräch ist für Samstag, 23. Januar, von 13 bis 14 Uhr in Bad Nauheim (Frankfurter Straße 43) geplant. Weitere Informationen unter Tel. 0 60 44 / 20 39. Wo drückt der Schuh? FRIEDBERG. Wie Frauen sich eine frauen-, jugend- und kinderfreundlichere Stadt vorstellen, will die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in Friedberg herausbekommen. Alle Friedbergerinnen sind daher in der nächsten Woche (25. bis 29. Januar) jeweils von 16 bis 18 Uhr (Donnerstag bis 19 Uhr) eingeladen, im SPD-Treff (Engelsgasse 8) vorbeizuschauen und zu sagen, wo sie der Schuh drückt. Auch Kinder sind "erwünscht".SPD Rommelhausen trifft sich LIMESHAIN. Der SPD-Ortsbezirk Rommelhausen lädt seine Mitglieder am Montag, 25. Januar, ab 20 Uhr zur Jahreshauptversammlung in das Dorfgemeinschaftshaus ein. Bürgermeister Klaus Hühn wird über die Gemeindeentwicklung sprechen.
Firmen-Telegramm
Gericht findet keine AMB-Tricks Die Aachener Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren gegen Vorstand und Aufsichtsrat des Versicherungskonzerns Aachener und Münchener Beteiligungs-AG (AMB) wegen fehlenden Tatverdachts eingestellt. Die Anzeige war von dem inzwischen versöhnten Großaktionär, der französischen AGF, aufgrund des angeblich überteuerten Kaufs von Fondiaria-Aktien durch die AMB im Sommer 1990 gestellt worden. Hof strickt an Bund mit Wisser Die Textilgruppe Hof und die zum Reich des Frankfurter Unternehmers Claus Wisser gehörende Konkurrentin Pfersee Kolbermoor wollen über eine Kooperation die Strukturkrise gemeinsam angehen. Die Vorstände beider verlustträchtiger Unternehmen führen seit einigen Wochen Gespräche über ein Zusammengehen. Eine Entscheidung soll in zwei bis drei Monaten fallen. United Colors of Havanna Der italienische Bekleidungshersteller Benetton, der mit schockierenden Werbefotos brave Pullis verkauft, hat seinen ersten Laden in Kuba eröffnet. Damit ist der Konzern (Slogan: "United Colors of Benetton") mit einem Umsatz von fast drei Milliarden Mark nun auch im letzten Land der ehemaligen Ost-Wirtschaftsgemeinschaft RGW vertreten. Weltweit zählt die Kette inzwischen 7046 Läden.
K. M. FRANKFURT A. M., 22. Januar. Klaus Berg, seit Ende 1980 Justitiar des Norddeutschen Rundfunks, ist am Freitag vom 17köpfigen Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks (HR) mit 13 Stimmen bei vier Enthaltungen erwartungsgemäß zum neuen Intendanten gewählt worden. Einen Gegenkandidaten gab es nicht. Der 55jährige gebürtige Mainzer (Bild: NDR) tritt sein neues Amt am 1. Mai an. Die Amtszeit beträgt - auf eigenen Wunsch - fünf Jahre. Berg (parteilos) wird Nachfolger von Hartwig Kelm (59), der am 18. Dezember vor dem Hintergrund ungelöster Finanzaffären in der Fernseh-Unterhaltung vorzeitig zum 30. April seinen Rücktritt erklärt hatte. Berg, der SPD nahestehend und promovierter Presserechtler, war von 1964 bis August 1980 in der Juristischen Direktion des HR tätig, zuletzt als Hauptabteilungsleiter Rundfunkgebühren. Bei der letzten Intendantenwahl 1985 war er mit sechs zu elf Stimmen gegen Kelm unterlegen.
Auf einen Blick
Seite II Bauern erzwangen auf Grünen-Veranstaltung mit gewaltigem Lärm Debatte über Subventionspolitik. Seite III "Bei hundert Stück höre ich - vielleicht - auf": Ingrid Wagner ist leidenschaftliche Bügeleisen-Sammlerin. Seite IV Das Jüdische Museum in Bad Vilbel wird von seinem Besitzer endgültig geschlossen.
Freiwillige gesucht: Wenn in der kommenden Woche die zirka 500 Frankfurter Briefträger die Wahlaufrufe der rechtsextremen "Republikaner" und der "Deutschen Volksunion" (DVU) austragen müssen, dann sollen sie in Begleitung aller möglicher Bürger gehen. Das wollen jedenfalls die Frankfurter Gewerkschaften erreichen.
Die Bürger - sie sollen sich an diesem Tag morgens in den Postämtern einfinden - werden instruiert, in die Briefkästen der Haushalte zu stecken, was die Träger nicht verteilen dürfen: Flugblätter der Deutschen Postgewerkschaft (DPG). Diese kommentieren die seitenlangen Abhandlungen der Rechtsextremen unter anderem mit dem Satz: "Die Rechtsradikalen wollen das Klima der Toleranz in unserer Stadt zerstören. Das machen wir nicht mit."
Welcher der "Tag X" sein wird, so DPG- Bezirkssekretärin Sonja Marko am Freitag, an dem die Sendungen plus Flugblätter auszutragen sind, sei noch offen: "Massendrucksachen haben keinen festen Zustelltermin."
Das Signal, sich bereitzuhalten, werde von einem Informationsblatt ausgehen, das die Generaldirektion Postdienst der Bundespost einen oder mehrere Tage vor den rechtsextremen Wahlaufrufen an die Haushalte verteilen lassen wird.
Auf diesem Blatt wird informiert, "daß nur Sendungen vom Postversand ausgeschlossen werden können, wenn sie gegen rechtliche Bestimmungen verstoßen". Wie es auch, so wird klargestellt, "Aufgabe der Post ist, grenzüberschreitend und völkerverbindend Briefe und Pakete zu befördern und zuzustellen".
Hintergrund der Unruhe unter Frankfurts Postlern und Gewerkschaftern: Im Dezember waren sie - die Verteilung einer volksverhetzenden DVU-Schrift "für ein deutsches Frankfurt" und "gegen das Herumkriechen vor Ausländern" war schon angeordnet - nach öffentlichem Protest gerade noch einmal davongekommen. Die Partei mußte ihre Sendung zurücknehmen und ging in der Sache vor Gericht.
Inzwischen hat die DVU einen neuen, mehrseitigen Aufruf zur Kommunalwahl im März verfaßt. Mit, so Sonja Marko, "einer Argumentation auf der dumpfen Ebene: Die notwendigen Assoziationen werden immer noch ausgelöst". Diese Wahlschrift, wie auch eine der "Republikaner", ist strafrechtlich nicht (mehr) zu beanstanden. Liegt aber, so wird die Post die Frankfurter Haushalte informieren, "kein Verstoß vor, müssen wir zustellen".
"Auch unterschwellige Menschenverachtung", hält die Gewerkschaft dagegen, "ist Menschenverachtung. Auch unterschwelliger Ausländerhaß bleibt Ausländerhaß." Die Rechtsextremen hätten "Kreide gefressen", damit "sie formal keinen Ausschlußgrund von der Postbeförderung bieten".
Wer sich also für zwei bis drei Stunden als Begleiter eines Briefträgers zur Verfügung stellen will, kann die DPG unter den Nummern 24 25 00 oder 23 23 90 anrufen. Der DGB-Kreisvorsitzende Dieter Hooge ruft vor allem Gewerkschafter auf, sich zu beteiligen. Es soll, sagte Sonja Marko, eine "Aktion aller Menschen guten Willens" werden.
Und das nicht nur einmal: "Die Rechten werden sich bis zur Wahl noch steigern." Damit werden "mehrmals solche Aktionen" nötig sein. clau
Das Wetter
Wetterlage Die Warmfront eines Sturmtiefs südlich Islands überquert am Samstag Deutschland. Am Sonntag greift eine Kaltfront von Norden her auf Deutsch-
land über. Dabei wird noch immer mil-
de Meeresluft nach Mitteleuropa ge-
führt.
Vorhersage bis Sonntag abend Am Samstag östlich der Elbe anfangs wechselnd wolkig mit einzelnen Schauern. In der zweiten Tageshälfte wie schon in den anderen Gebieten stark bewölkt und vor allem in der Mitte zeitweise Regen. Nachmittags südlich der Donau zunehmend aufgeheitert.
Am Sonntag anfangs vielfach stark bewölkt und von Norden Durchzug eines Regengebietes. Danach Übergang zu wechselnder Bewölkung mit einzelnen Schauern.
Höchsttemperaturen 6-11, am Samstag südlich der Donau bei Sonne bis 14 Grad. Tiefstwerte um 6 Grad, im Süden bei Aufklaren um 0 Grad.
Mässiger bis frischer, im Norden auch starker Wind aus westlichen Richtungen mit einzelnen schweren Sturmböen.Weitere Aussichten für Montag Wechselnd wolkig mit Schauern, die zum Teil bis in die Niederungen als Schnee fallen. Zurückgehende Temperaturen.Wetterdaten vom Vortag, 13 Uhr MEZ Ausland
Ort Wetter Grad
Algier
leicht bewölkt 13 Amsterdam
Regen 9 Athen
leicht bewölkt 16 Barcelona
wolkenlos 12 Bordeaux
leicht bewölkt 14 Bozen
leicht bewölkt 6 Brüssel
Regen 11 Dublin
wolkig 5 Helsinki
Regen 3 Innsbruck
stark bewölkt 7 Istanbul
wolkenlos 7 Kairo
wolkig 18 Larnaka
wolkig 17 Las Palmas
leicht bewölkt 19 Lissabon
leicht bewölkt 12 Locarno
stark bewölkt 6 London
Regen 8 Madrid
leicht bewölkt 15 Malaga
leicht bewölkt 15 Mallorca
leicht bewölkt 13 Moskau
bedeckt 1 Neapel
leicht bewölkt 14 Nizza
wolkig 13 Paris
stark bewölkt 11 Rom
leicht bewölkt 12 St. Petersburg
Regen 2 Stockholm
wolkig 5 Tunis
leicht bewölkt 14 Varna
leicht bewölkt 15 Venedig
Nebel 1 Warschau
wolkig 12 Wien
wolkig 15 Zürich
wolkig 8
Deutschland
Berlin
stark bewölkt 14 Dresden
Regen 12 Feldberg/Ts.
in Wolken 6 Feldberg/Schw.
Regenschauer 1 Frankfurt/M.
stark bewölkt 11 Freiburg
stark bewölkt 11 Garmisch
wolkig 6 Hamburg
stark bewölkt 9 Köln/Bonn
bedeckt 13 Leipzig
Regenschauer 10 München
stark bewölkt 12 Norderney
bedeckt 8 Rostock
bedeckt 8 Sylt
stark bewölkt 7 Zugspitze
leicht bewölkt -3 Telefonansagedienste Wettervorhersage 11 64 Reisewettervorhersage 1 16 00 Segelflugwetter 1 15 06 Medizinisch-meteorologische Tips, unter anderem für Allergiker und Herz-Kreislauf-Patienten 1 16 01 Smogwerte 06 11 - 58 12 42 (Wenn die Grenzwerte nach der Smogverordnung überschritten werden, melden wir dies an gesonderter Stelle.)
Sonnenaufgang 8.11 Uhr
Sonnenuntergang 17.04 Uhr
FRIEDRICHSDORF. Die beiden Linden werden die einzige Erinnerung an das Gasthaus "Zum Taunus" in Seulberg bleiben. Die "Plana Bau-GmbH" aus Bad Homburg, Käufer des Geländes an der Oberbornstraße 2, hat den Erhalt der Bäume in einer zweiten Bauvoranfrage garantiert, die der Magistrat jetzt gebilligt hat.
Wann mit dem Abriß des alten Gasthauses und dem Neubau für Wohnungen begonnen wird, steht noch nicht fest. "Der Termin hängt davon ab, wann der Pächter des Gasthauses auszieht", sagt dazu Reinhard Naumann, geschäftsführender Gesellschafter bei Plana.
Der Pachtvertrag von Antje und Horst Ohmeis gilt noch bis zum 31. Dezember 1995; zur Zeit sehen sie keinen Grund, ihn vorzeitig aufzulösen. Horst Ohmeis: "Vor dem 1. 1. 1996 läuft da nichts."
Eine Einigung mit dem Pächter, so Naumann, sei allerdings nicht die Aufgabe des neuen Besitzers, sondern, wie vertraglich festgelegt, noch Sache des Verkäufers Friedel Werner. Die Baugesellschaft hoffe auf eine "elegante Lösung" noch vor Ende 1995.
Das Projekt, so steht es in der Bauvoranfrage, besteht aus zwei Baukörpern. Im vorderen, zur Straße gelegenen Haus ist ein Bistro geplant und darüber vier Wohnungen. In einem zweiten Gebäude im hinteren Teil des Geländes sollen zehn Wohnungen entstehen. Neben den Linden soll die Einfahrt zu einer Tiefgarage mit 25 Plätzen gegraben werden. Die Zufahrt, behauptet Naumann, sei so gelegt, daß die Bäume nicht gefährdet werden. Der Erhalt der Bäume sei der Grund gewesen, eine neue Planung vorzulegen: "Im ersten Durchgang hatten wir vorgeschlagen, die Linden zu versetzen."
Der Magistrat, erläutert Bürgermeister Gerd Schmidt, habe keine rechtliche Handhabe, die Bauvoranfrage abzulehen. Einen Aufstellungsbeschluß für einen Bebauungsplan gebe es zwar, aber noch keinen rechtskräftigen Plan. Auch die von den Stadtverordneten für das Gebiet beschlossene Veränderungssperre greife, so Schmidt, in diesem Fall nicht: "Wir mußten einer Ausnahmegenehmigung zustimmen, weil von der Planung keine wesentlichen öffentlichen Belange betroffen sind." Die einzige Chance für den - per Unterschriftensammlung geforderten - Erhalt des "Taunus" hätte, so sieht Schmidt es heute, "allein in einem Kauf durch die Stadt bestanden". nau
Kleine FR
Wohnung geplündert FRIEDBERG. Am Donnerstagnachmittag zwischen 16 und 18.30 Uhr drangen Einbrecher in ein Wohnhaus in der Usinger Straße von Ockstadt ein und erbeuteten Schmuck, Bargeld und Bekleidung. Im Wohngebiet war zur Tatzeit ein dunkelroter Kombiwagen aufgefallen. Zeugen werden gebeten, der Kripo Hinweise zu geben, Tel. 60 10. Zweckverband Usabad tagt BAD NAUHEIM. Der Zweckverband "Schwimmbad Bad Nauheim-Friedberg" tagt am Mittwoch, 27. Januar, um 18.30 Uhr im Mehrzweckraum des Usa-Wellenbades in Bad Nauheim, Friedberger Straße 16.
NIDDA. Zum Jahreswechsel ist in Nidda ein kleines Altenheim geschlossen worden. Damit sind Auseinandersetzungen zwischen dem Versorgungsamt in Gießen und dem Betreiber des Altenheimes, dem Niddaer Journalisten Klaus Friedrich, beendet worden.
Friedrich hatte im Juli 1989 die Genehmigung bekommen, ein Alten- und Pflegeheim mit maximal drei Patienten zu betreiben. Die niedrige Zahl wurde damit begründet, daß in dem Einfamilienhaus in der Seewiese 13 nicht genügend Platz sei. Die Betreuung und Pflege der Menschen sollte die damalige Frau Friedrichs, eine examinierte Hauswirtschafterin und Krankenschwester, übernehmen - für rund 3000 Mark pro Patient im Monat, wie Friedrich der FR sagte.
Das Mini-Altenheim lief jedoch nicht so gut, wie es sich das Versorgungsamt wünschte. Mehrere Heimbewohner beschwerten sich über ihre Pflege und Versorgung. Bei unangemeldeten Besuchen stellten Mitarbeiter des Versorgungsamtes außerdem fest, daß in dem Haus zeitweilig bis zu sieben ältere Menschen beherbergt werden. Friedrich streitet dies nicht ab, sagte jedoch zur FR, daß es sich dabei um Gäste handele, für die keine Genehmigung erforderlich gewesen sei.
Nachdem sich vor einem Jahr die Wege von Friedrich und seiner Frau trennten, gab Friedrich nicht auf, sondern setzte Aushilfskräfte ein. Dazu sagte der Leiter des Versorgungsamtes, Heinz Eidmann: "Weil Zweifel über die ordnungsgemäße Führung und Betreuung des Hauses nicht ausgeräumt werden konnten, drängten wir auf eine Beseitigung der Mängel oder einer Schließung." Dem kam Friedrichs jetzt durch die freiwillige Schließung zuvor. Die Bewohner haben in Nidda in anderen Heimen eine neue Bleibe gefunden. str
Hans-Erhard Petersen, Anwohner der Eckenheimer Landstraße, hält offensichtlich nichts von Vorgärten: "Wenn ich den Platz vor meinem Haus begrüne, wird das ein Hundeklo". Und, so trug er weiter bei der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 3 (Nordend) vor: Der Platz sei bereits seit 1910 befestigt und jetzt kämen "diese Sozialisten" daher, die ihn mit dieser Anordnung "quälen" würden.
Hintergrund der Attacke: Der Ortsbeirat leitet seit geraumer Zeit Adressen an den Magistrat weiter, bei denen ein Verdacht auf Verstoß gegen die Frankfurter Vorgartensatzung besteht. Mittlerweile hat die Verwaltung erste Schreiben verschickt, in denen die betroffenen Hauseigentümer aufgefordert werden, ihre Vorgärten innerhalb von zwei Monaten wiederherzustellen.
Der Ortsbeirat reagierte gelassen auf die heftigen Vorwürfe. Das Gremium sei das Thema angegangen, "weil im Nordend Stück für Stück Vorgärten verschwinden", erklärte Angelika Fuchs (Grüne). Es gebe im Stadtteil nicht so viel Grün, daß man es sich leisten könne, daß diese Flächen "nach und nach zubetoniert werden", unterstützte sie SPD-Fraktionsvorsitzender Armin Eikenberg. Ziel sei es, daß Vorgärten dort wieder hergestellt würden, wo sie illegal in einen Parkplatz umgewandelt wurden, betonte er. Die Vorgarten-Satzung beinhalte jedoch, daß in begründeten Einzelfällen auch Ausnahmegenehmigungen erteilt werden könnten. rea
WIESBADEN. Aus der angekündigten Besetzung wurde ein höflicher Besuch: Mitglieder des mesopotamischen assyrischen Vereins und der Syrisch-orthodoxen Gemeinde in Wiesbaden suchten am Freitagvormittag das Gespräch mit CDU- und SPD-Politikern im Rathaus. Die Delegation machte auf die Verfolgung der Assyrer in der Türkei aufmerksam und bat die Wiesbadener Sozial- und Christdemokraten, sich bei ihren Freunden in Land und Bund für die unterdrückten assyrischen Christen, Kurden und anderen Minderheiten in der Türkei einzusetzen.
Anlaß dieser überraschenden Aktion sind die Morde an fünf assyrischen Christen und zwei Jezieder am 13. Januar in der Türkei. Zwei der Getöteten lebten seit 25 Jahren in der Bundesrepublik und waren in einem assyrischen Verein in Augsburg tätig. Durch ihre politischen Aktivitäten waren die Ermordeten den Assyrern in Wiesbaden bekannt - rund 200 Familien, die als politische Flüchtlinge in der Landeshauptstadt leben.
SPD-Fraktionschef Dieter Horschler und Fraktionsgeschäftsführer Frank Michael Feine erklärten sich mit den Forderungen der Delegation solidarisch. Sie forderten ein sofortiges Waffenembargo und Sanktionen, "um die Türkei zu zwingen, die Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten anzuerkennen". Der sozialpolitische Sprecher der CDU-Rathausfraktion, Detlev Bendel versprach dafür einzutreten, daß die dem NATO- Partner Türkei gelieferten deutschen Waffen nicht zur Unterdrückung von religiösen und ethnischen Minderheiten eingesetzt werden. Andernfalls müsse über Waffenlieferungen in die Türkei neu entschieden werden. maf
FULDA. Der Kommunalwahlkampf in der Barockstadt Fulda ist noch vor dem eigentlichen Beginn voll entbrannt. Die Sozialdemokraten müssen an diesem Wochenende möglicherweise für genau 41 Stunden die Innenstadt "plakatfrei" halten.
In einem gestern veröffentlichten Bescheid "mit Sofortvollzug" hat das Rechts- und Ordnungsamt verlangt, daß 60 genehmigte Plakatständer mit Hinweisen auf den "SPD-Neujahrsmarkt der Möglichkeiten" am Freitagabend mit Ministerpräsident Eichel in Fulda-Lehnerz spätestens am heutigen Samstag morgen um sieben Uhr weggeräumt sein müssen. Sollte dies nicht der Fall sein, so die Androhung, werde die Stadt im Wege der Ersatzvornahme die SPD-Plakatständer "abräumen" und die Kosten von 1000 Mark der Partei in Rechnung stellen.
Zur Begründung erklärten die städtischen Juristen, die Werbung zur Kommunalwahl beginne im Stadtgebiet von Fulda offiziell erst am Montag (25. Januar). Wenn die SPD ihre an "sehr günstigen Orten" aufgestellten Plakatständer für den "Neujahrsmarkt" jedoch übers Wochenende stehen ließen, würde nicht nur die "Gleichbehandlung aller Parteien" verletzt, sondern den anderen am Montag auch die Möglichkeit genommen, dort ihre Plakate aufzuhängen.
Der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Rainer Türmer sprach in einer ersten Reaktion von "übereifrigen Beamten der Stadt Schilda", die der CDU als "Platzhalter" offenbar zu Diensten seien. Der Sofortvollzug sollte mit Hilfe eines Gerichtes noch am Freitag abend außer Kraft gesetzt werden. gwa
NEU-ANSPACH. Für das Bibelprojekt "Macht den Mund auf" können sich interessierte Neu-Anspacher Jugendliche noch bis zum Montag, 25. Januar, anmelden. Der Kurs beginnt am Mittwoch, 27. Januar und wird sich mit Texten des Propheten Micha beschäftigen - nicht nur in trockener "Kopfarbeit", sondern auch handwerklich-kreativ. Anmeldungen nehmen das Gemeindebüro (Tel. 0 60 81 / 74 23) oder Hanne Winter (Tel. 0 60 81 /4 25 45) entgegen. jd
Im Blickpunkt: Genfer Bosnien-Konferenz Feilschen um Provinzgrenzen
Nach der Annahme eines Verfassungsentwurfs für Bosnien-Herzegowina durch alle drei Konfliktparteien treffen am heutigen Samstag die maßgeblichen Politiker des ehemaligen Jugoslawiens erneut in Genf zusammen: die Präsidenten Bosniens-Herzegowinas, Rest-Jugoslawiens, Serbiens, Kroatiens, Montenegros und die Führer der bosnischen Serben und Kroaten. Nach dem widerwilligen Beschluß des "Parlaments" der "Serbischen Republik Bosniens", einen Einheitsstaat mit zehn weitgehend selbständigen Provinzen zu akzeptieren, hat UN-Generalsekretär Butros Butros-Ghali die "bedingungslose Zustimmung" aller Seiten protokollarisch festgenagelt. Nun steht der schwierigste Teil der vorgeschlagenen Paketlösung auf der Tagesordnung: die Festlegung der Provinzgrenzen. Die von den bosnischen Serben geäußerten Vorbehalte zum Verfassungsentwurf werden von den Ko-Präsidenten der Genfer Jugoslawienkonferenz, Cyrus Vance und Lord Owen, ignoriert. Die Schaffung eines Staates im Staate Bosnien-Herzegowina wird von der internationalen Gemeinschaft kategorisch ausgeschlossen. Nachdem auch der starke Mann in Belgrad, Slobodan Milosevic, den Vance-Owen- Plan unter dem weltweiten Druck und der Androhung einer Militärintervention akzeptiert hat, bleibt Bosniens Serbenführer Radovan Karadzic nur wenig Raum zum Manövrieren.
Das jüngste Ansinnen der bosnischen Serben, alle in Genf erzielten Vereinbarungen einem "Referendum" zu unterwerfen, wird von den Konferenzvorsitzenden zurückgewiesen, da dies die De-fakto-Anerkennung eines serbischen Staates in Bosnien bedeuten würde. Angesichts der anderthalb Millionen Menschen, die in Bosnien aus ihrer Heimat flüchteten oder vertrieben wurden, hätte eine Abstimmung in "ethnisch gesäuberten" Gebieten keinerlei Aussagewert.
Für die Gegner der vorgeschlagenen politische Lösung gibt es aber noch genügend Möglichkeiten, die Verhandlungen scheitern zu lassen. Die von Vance und Owen nach intensiven Gesprächen mit den Konfliktparteien ausgearbeitete Landkarte wurde bisher nur vom bosnischen Kroatenführer Mate Boban begrüßt. Die Kroaten, die etwa 17 Prozent der Bevölkerung ausmachen, würden danach 26 Prozent des Landes einschließlich des Zugangs zum Meer erhalten. Ob die Kroaten aber in den drei ihnen zugesprochenen Provinzen die Mehrheit stellen, ist keineswegs sicher. Als Teil des Kräftemessen sind die bewaffneten Zusammenstöße zwischen Kroaten und Moslems in der Gegend um Gornji Vakuf zu werten.
Den Serben teilt der Vance-Owen- Plan 43 Prozent Bosniens in drei autonome Provinzen zu. Derzeit leben 48 Prozent der bosnischen Serben außerhalb dieser Gebiete. Vor Kriegsausbruch bewirtschafteten die Serben als Bauernvolk über 60 Prozent des Bodens von Bosnien-Herzegowina, während die Moslems vorwiegend in den Städten lebten. Seither haben die serbischen Streitkräfte rund 70 Prozent des gesamten Staatsgebiets unter ihre Kontrolle gebracht und belagern die von den Moslems verteidigten Städte.
Die Serben müßten also einen großen Teil der eroberten Gebiete wieder aufgeben. Strategisch für sie noch unangenehmer ist, daß durch die Schaffung einer kroatischen Provinz im Norden ihre Nachschubwege von Rest-Jugoslawien nach Ost-Bosnien und weiter in die zu Kroatien gehörende Krajina unterbrochen würden.
Karadzic verlangt jetzt als Mindestzugabe einen Korridor im Süden der kroatischen Provinz Posavina, um die territoriale Verbindung zwischen den serbischen Gebieten aufrechtzuerhalten. Die Ko-Präsidenten der Genfer Konferenz widersetzen sich der Schaffung von Korridoren und schlagen dafür Durchgangsstraßen vor, auf denen völlige Bewegungsfreiheit herrschen soll.
Die Moslems, die mit 48 Prozent den größten Bevölkerungsanteil stellen, müßten sich nach dem Vance- Owen-Plan mit 31 Prozent der Landesfläche zufriedengeben. Die Vermittler sehen darin keine Ungerechtigkeit, weil die meisten Industriezentren in moslemischer Hand bleiben würden.
PIERRE SIMONITSCH (Genf)
Im Blickpunkt: Bonner Streichliste Die Änderungen
Bei den Debatten der Koalitionsfraktionen über Finanzminister Theo Waigels Konzept zur Sanierung des Haushaltes setzten die Abgeordneten nur wenige Änderungen durch. Die folgenden Angaben aktualisieren die in der FR am 20. Januar abgedruckte Streichliste. - Verteidigung: Besoldungsanspruch für Zeit- und Berufssoldaten ab dem 4. (alte Liste: 7.) Dienstmonat. Vorher gilt Gleichstellung mit Wehrpflichtigen. Die Möglichkeit, sich als Soldat auf Zeit für 15 oder 18 Monate zu verpflichten, bleibt erhalten. Das Entlassungsgeld für Grundwehr- und Zivildienstleistende wird von 2500 auf 2000 Mark (statt 1700) gekürzt.
- Kinder- und Erziehungsgeld: Die Abstriche beim Kindergeld entfallen, was den Fiskus 140 Millionen Mark kostet. Dafür kappt Bonn nun beim Erziehungsgeld 500 Millionen statt bisher 140 Millionen. Auf Wunsch des Familienministeriums bleibt es bei der bisherigen Regelung: 600 Mark in den ersten sechs Monaten; danach hängt die Höhe vom Einkommen der Begünstigten ab. Die Ersparnis soll durch die zeitnähere Ermittlung der tatsächlichen Einkommen gelingen. Gelingt dies nicht, steht erneut die Kürzung des Eingangssatzes um 50 auf 550 Mark auf der Tagesordnung.
- Lohnersatzleistungen: Das Arbeitsministerium soll nachweisen, daß durch die Bekämpfung von Mißbrauch und durch Meldepflichten für Erwerbslose gut drei Milliarden Mark gespart werden können. Gelingt dies nicht, bleibt es bei der geplanten Kürzung von Arbeitslosen-, Schlechtwetter-, Kurzarbeiter- und Übergangsgeld sowie der Arbeitslosenhilfe.
- Wohngeld: Abstriche beim Wohngeld (400 bis 600 Millionen Mark) kann die Bauministerin durch "andere Ausgabenkürzungen im Bereich des Wohnens" verhindern.
ptz (Bonn)
Die Polizei hat eine heiße Spur des Täters, der in der Nacht zum Donnerstag einen Hund an einen schweren Betonklotz gebunden und in den Main geworfen hat.
Während die Polizei "aus ermittlungstaktischen Gründen" nur von zwei Hinweisen aus der Bevölkerung auf einen bestimmten Mann sprach, der vor einigen Tagen beobachtet wurde, als er diesen Hund schlug, wurde die Vorsitzende des Tierschutzvereins Frankfurt, Irmela Czarnetzki, konkret: Aufgrund der Veröffentlichungen hätte sich am Donnerstag im Fechenheimer Tierheim, wo der inzwischen "Momo" genannte Hund untergebracht ist, der ehemalige Halter des Tieres gemeldet. Den Beschäftigten des Heimes habe er erklärt, am späten Mittwochabend habe er das Tier einem "Kumpel" übergeben, da er es aus persönlichen Gründen nicht mehr habe halten können. Dieser "Kumpel" habe zugesagt, den Hund in seinem Garten halten zu wollen. Die Polizei wollte zu dieser Aussage von Irmela Czarnetzki keine Stellungnahme abgeben.
Für die Abiturienten Dirk Hoffmann und Norbert Roth, die beiden Retter "Momos", der nach Aussage seines früheren Halters eigentlich "Benni" heißt, sind inzwischen sowohl bei der Polizei als auch beim Fechenheimer Tierheim Geldgeschenke eingegangen. enk
SCHÖNECK. Einhellig sprachen sich die Gemeindevertreter(innen) Schönecks in der jüngsten Sitzung dafür aus, die Niddertal-Strecke ins Tarifsystem des Frankfurter Verkehrsverbunds aufzunehmen (über diese Absicht berichtete die FR). Die Gemeindevertretung akzeptierte auch die damit für den Kommunalhaushalt anfallenden zusätzlichen Belastungen.
Diese werden im laufenden Jahr geringer sein als die zunächst erwarteten 30 000 Mark. Das hat seinen Grund nicht darin, daß die benötigten Zuschüsse aus den Niddertalgemeinden unter die kalkulierten 220 000 Mark jährlich gefallen wären. Laut Hauptamtsleiter Werner Marhauser verzögert sich vielmehr die Einführung des Tarifs voraussichtlich bis zum Winterfahrplan 1993/94: Nach Schöneck müssen nämlich noch alle anderen Kommunen das Thema in ihren Parlamenten behandeln.
Die Neuerung macht den öffentlichen Personennahverkehr erheblich attraktiver - im Preis der Zeitkarten ebenso wie durch die Möglichkeit, innerhalb der Tarifzone auch wieder über Frankfurt hinaus zu fahren (Beispiel: Büdesheim - Darmstadt). Die Regelung wird nun soweit hinausgeschoben, daß sie zeitlich fast mit der für 1994 geplanten Neuordnung der Tarifgebiete durch Gründung des umfassenderen Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) zusammenfällt. Ul
Das letzte Mal traf ich ihn im Mai 1989. Damals lebte er schon draußen in den Bergen am Hakone-See gegenüber dem Kegel des Fuji. Wir hatten uns in seinem Klub in Tokio verabredet; es war am mittleren Nachmittag, wir saßen ungestört, allein. Sein Gesicht war fahler als sonst, ein wenig aufgedunsen. "Eine Erkältung", versicherte er.
Über zwei Jahrzehnte einer Freundschaft lagen hinter uns: Nichts Drängendes, nichts Forderndes, aber voll Vertrauen bei jeder Begegnung. Gestern, nach einer Gehirnblutung, starb mein Freund Kobo Abe, der Erzähler und Stückeschreiber, in einem Tokioter Krankenhaus. Am 7. März wäre er 69 geworden.
In unserer Unterhaltung an jenem Nachmittag nahmen wir einen alten "Streit" wieder auf. Gegen meine These, in seinen Texten sei "mehr Japanisches" anzutreffen als in den Texten anderer zeitgenösssicher Autoren (und ein Übersetzer hat da gewisse Erfahrungen), focht Kobo Abe mit dem Argument, um japanische Literatur habe er sich nie gekümmert, um den "Anschluß" an sie sei es ihm nie gegangen, und wenn er als ein japanischer Autor gelte, habe das lediglich damit zu tun, daß er (was denn auch sonst?) japanisch schreibe.
In der Tat gibt es bei Abe in den Themen wie in den Motiven nichts, was an Vorangegangenes erinnert, keine Anlehnung an frühere Autoren oder Traditionen. Wahr ist auch, daß der in Tokio geborene, bis zu seinem sechzehnten Lebensjahr in der Mandschurei aufgewachsene Arztsohn sich zunächst mehr für Sport als für Literatur interessierte.
Erst als er 1940 zum Oberschulbesuch nach Tokio zurückkehrte, begann - durch längere Krankheit verstärkt - das Buch wichtiger zu werden. Aber die Autoren hießen E. A. Poe, Dostojewskij oder (durch seinen Deutschlehrer vermittelt) der Rilke etwa des "Malte Laurids Brigge", bei dem ihn die Schilderung des vor dem Spiegel in die "Identitäts-Falle" stürzenden, sich selbst in der Verkleidung nicht wiedererkennenden Knaben faszinierte.
Auch die von ihm selbst für die Zeit bis zum eigenen literarischen Start nach bestandenem Medizinexamen 1948 genannte fernere Lektüre bestand vorwiegend aus Fremdem, aus Jaspers, Heidegger und Nietzsche, aus Kafka natürlich und Camus.
Und dennoch, es genügte allein die Sprache, daß in das Werk des jungen Autors das von eben dieser Sprache transportierte, um so direktere "Japanische", sei's in der Wortwahl, im Rhythmus, sei's in den von ihm reichlich verwendeten Redensarten beziehungsweise Sprichwörtern, hereinkam.
Eine seiner frühesten Erzählungen, "Der rote Kokon", handelt von einem Unbehausten, der sich - was sich unter nur im Japanischen möglichen Allusionen so darstellen läßt - von mit Gesichtern zugeschlagenen Fenstern derart ausgestoßen sieht, daß er sich selbst, bei einem losen Fadenende aus seinem Strumpf beginnend, aufdröselt und in den Dröselfaden seines Ichs einspinnt wie die Raupe in den Kokon, nur daß hier der Kokon der Inhalt und sein Inneres nur eine schöne Abendröte ist.
Die Verwandlung von organischem in Anorganisches, von Anorganischem in Organisches spielt in den Romanen Abes eine große Rolle. In dem zulezt bei uns übersetzt erschienenen "Der Schachtelmann" ist alles Sein nur noch unendlich zerstückte Wahrnehmung, aber schon zwanzig Jahre zuvor in dem bei uns als Hörspiel gesendeten Stück "Zeit für einen Dichter" ist von "verdampften" Menschen die Rede: Ein armer junger Poet wird in buchstäblichem Sinne zu einem Pullover verstrickt, um andere Arme zu wärmen.
Zu den großen Erfolgen weltweit gehört Abes Roman "Suna no onna" von 1962; er erschien bei uns übersetzt unter dem Titel "Die Frau in den Dünen" zuerst 1967 bei Rowohlt, kam später in die Bibliothek Suhrkamp, wurde von Eichborn neu aufgelegt und steht seit vorigem Jahr in der Sammlung Luchterhand.
Es ist die Geschichte eines Insektenforschers, der in ein von Sanddünen verschüttetes Dorf gerät. Einer alleinlebenden Frau als "Sandschaufler" zugeteilt, beginnt sich seine vormalige Existenz nach und nach zu verflüchtigen: die anfängliche Rebellion gegen solches Verurteiltsein weicht der Resignation, schließlich der Einwilligung ins Notwendige. Aber was ist das Notwendige? In seiner Situation mit dem immer nachrieselnden Sand fertigzuwerden - so wie der Käfer, den zu suchen er aufgebrochen war.
Solcher Erfolg - gibt er dem Kobo Abe recht, der "mit japanischer Literatur nichts zu tun" haben wollte? Das eine zumindest kann man zu diesem Zeitpunkt, dem Augenblick, in dem er von uns ging, mit Sicherheit behaupten: er hat die von einem Yuko Mishima in Kraftaufwendungen aller Art versuchte "Internationalität" im Sinne einer rundum anerkannten Schriftstellerexistenz mit einer demgegenüber geradezu leichten, fast "verspielten" Hand erreicht.
SIEGFRIED SCHAARSCHMIDT
(Siehe auch "Bücher von heute" Seite 7)
LUTZ SIKORSKI, Geschäftsführer der Grünen im Römer, muß mit unangenehmer Post aus dem Umweltdezernat
seines Parteifreundes und Grüngürtelkämpfers TOM KOENIGS rechnen. Der Stadtverordnete Sikorski hat mit drei Freunden in Seckbach ein 330-Quadratmeter-Grundstück in einem Wiesengelände gepachtet und - wie die Eigentümer der Nachbarareale auch - unerlaubt eine Gartenhütte im Grün errichtet. Nach Angaben des geständigen und zerknirschten Grünen ist das Holzhaus nur drei mal drei Meter groß. Gleichwohl verstößt das Heim in der Idylle gegen Recht und Ordnung. Der Stadtverordnete sieht nun mit Bangen einem möglichen amtlichen Abrißbescheid und den bissigen Kommentaren der anderen Parteien entgegen.
Der "Fakt", wie es in der untergegangenen DDR geheißen hat, ist eindeutig: Im Frühjahr zieht das Berliner Abgeordnetenhaus vom Rathaus Schöneberg um ins für sündhaft viel Geld wiederhergestellte Gebäude des Preußischen Landtags. Der Steuerzahler hat noch gar nicht begriffen, in welchem Ausmaße ihm für die Eitelkeit der Parlamentarier in die Tasche gegriffen wird. Strittig ist nur noch die Adresse: Niederkirchner Straße heißt seit 1951 die Anschrift des künftigen Stadtparlaments. Die Kommune hat damals eine ermordete Kommunistin mit einem Straßennamen geehrt.
Dies ist mehr als dreißig Jahre her, und die Mehrheit der Berliner Abgeordneten hat dies am späten Donnerstagabend auch für die Zukunft für gut befunden. Die Christdemokraten wollen dies freilich nicht hinnehmen. Die von ihrer Partei gestellte Parlamentspräsidentin Hanna-Renate Laurien will "aus Gewissensgründen" die entschiedene Kommunistin nicht einmal auf ihrem Briefkopf dulden; die gegen sie gerichtete Mehrheit der Berliner Volksvertreter ignoriert sie. Ihre Anschrift sieht anders aus, nicht so vergangenheitsbehaftet, nicht geschichtsbewußt und von Befangenheit gefesselt. Die erste Adresse - und eine Gesetzeslücke scheint dies sogar zu ermöglichen - soll heißen: "Am Preußischen Landtag", streng, gerecht, (scheinbar) edel.
Sind Sie sicher, Frau Laurien, daß Sie nichts übersehen haben in der preußischen, in der deutschen Geschichte? ojw.
DREIEICH. Im Dreieich-Museum können die Besucher demnächst einen "Halma-Staat" besuchen. Seine Häuser, Bewohner und Fahrzeuge sind allesamt Figuren aus dem Halma- oder Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel.
Die kleine Welt hat Siegfried Schmid aus Hanau geschaffen. Dabei handelt es sich nicht um eine Modellsammlung. Schmid hat die Figuren selbst bemalt und beklebt und sich einen Phantasie- Staat zurechtgebastelt.
Die Ausstellung wird am Donnerstag, 28. Januar, 19 Uhr, in der Fahrgasse 52 eröffnet. Sie läuft bis zum 14. März. Das Museum ist dienstags bis freitags von 9 bis 12.30 Uhr und 14 bis 18 Uhr geöffnet, samstags nur nachmittags und sonntags von 10.30 Uhr bis 12.30 Uhr und von 14 bis 18 Uhr. dac
Im Trophäenschrank des Umlandverbands Frankfurt (UVF) wird es langsam eng, denn der UVF-Film "Vom Aufstieg, vom Abfall und vom Wert der Dinge" hat schon wieder einen Preis gewonnen - diesmal eine Silbermedaille beim internationalen "New York Festival" in der Kategorie "Umwelt".
An der Konkurrenz nahmen 1486 Wirtschafts-, Bildungs- und Kurzfilme aus 32 Ländern teil. Der 20minütige UVF-Streifen (Regie: Paris Kosmidis, Produktion: Tempomedia), der die Kampagne "Abfall ist kein Müll" illustrierte, hat mit dem zweiten Rang in New York seine dritte Prämierung erreicht. Zuvor gab es ein Prädikat beim 18. Deutschen Industrie- und Wirtschaftsfilm-Forum und einen ersten Preis beim 32. Internationalen Industriefilm- und Video-Kongreß in Helsinki. Wer den Film haben will, wende sich an die Agentur Leipziger & Partner, Schmidtstraße 12, Telefon 7 58 04-209. peh
Zwei Männer haben sich am Freitag mittag im Bahnhofsviertel auf offener Straße einen Schußwechsel geliefert. Dabei wurde ein 52jähriger Passant aus Neu-Isenburg in Höhe Taunustraße / Kaiserpassage am Fuß verletzt. Nach Angaben der Polizei handelte es sich bei den Schützen um zwei Jugoslawen.
Die Polizei wurde gegen 13.30 Uhr alarmiert. Nach Darstellung von Zeugen haben die zwei Männer von gegenüberliegenden Straßenseiten aus, acht oder neun Schüsse aufeinander abegeben. Die Schützen konnten flüchten, bevor die Polizei zu Stelle war. Der 52jährige Passant wurde von einem Querschläger getroffen.
Im Verlauf einer Polizeiaktion, an der 60 Beamte beteiligt waren, wurden fünf Jugoslawen festgenommen. Deren Vernehmung brachte bis zum Freitag abend kein Ergebnis. habe
WIESBADEN. Hessens Christdemokraten sehen die Katholiken im Land von den Sozialdemokraten "verleumdet" und "diffamiert". Das sagte jedenfalls der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Franz Josef Jung. Er untermauerte die angebliche "Diffamierungskampagne" mit zwei Belegen: Dem noch nicht veröffentlichten und trotzdem viel diskutierten Buch des SPD-Fraktionsvorsitzenden Lothar Klemm über den Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba und einem satirisch gemeinten Aufruf der Frankfurter Juso-Hochschulgruppe unter dem Titel "Katholikenproblem lösen".
Im Juso-Aufruf findet sich der keineswegs überzeugende satirische Satz: "Schon das Symbol, das die Katholiken anbeten, das Bildnis des Gefolterten am Kreuz, ist ein beredtes Zeugnis der latenten Gewaltbereitschaft dieser Gruppe." Für Jung der eindeutige Beleg, daß Eichel sich öffentlich von diesem "Juso-Pamphlet" zu distanzieren habe. Man stelle sich nur einmal vor, was geschehen wäre, wenn statt über Katholiken so über Moslems oder Juden geschrieben worden wäre, sinnierte Jung.
Dagegen betrachtet die SPD Jungs, auch vom lahmen Wahlkampf ermunterten Attacken als "Realsatire". Der CDU-Politiker habe schlicht verkannt, daß es sich bei dem Juso-Werk um eine Satire auf die in der Asyldebatte vorgebrachten Argumente handele. Ein Beleg ist der Satz: "Die hohe Anzahl der religiösen Feiertage (der Katholiken) führt zu Produktionseinbußen in Milliardenhöhe. Dies hat die Konkurrenzfähigkeit zur japanischen Industrie, in der so gut wie keine Katholiken arbeiten, erheblich beeinträchtigt. Muß erst die deutsche Wirtschaft völlig am Boden liegen, bis die Katholikenflut eingedämmt wird."
Für Jung ist das jedoch eine Kampagne gegen eine Glaubensgemeinschaft und passe ins derzeitige SPD- Bild. Schließlich habe Klemm in "übler Weise" Dyba angegriffen. gra
GRÜNDAU. Die Rothenberger Wibau wird ab Mitte Februar tatsächlich rund 100 Beschäftigte entlassen. Auf Anfrage bestätigten Firmenspitze und Betriebsrat am Freitag die Angaben der IG Metall vom Donnerstag. Auch mit einer dezimierten Belegschaft stehe weiterhin Kurzarbeit an. Als Grund nannte die Geschäftsführung "dramatische Lücken" in den Auftragsbüchern für 1993. Während Gewerkschaft und Betriebsrat berichteten, die Verhandlungen über einen Sozialplan näherten sich ihrem Ende, betonte die Fabrikleitung, "daß bisher noch keine Einigung erzielt wurde".
Nach Darstellung von Betriebsratschef Manfred Büttner und IG-Metall-Sekretär Gunther Heinz haben sich die Verhandlungspartner inzwischen jedoch auf eine bestimmte Summe geeinigt, die für den Sozialplan zur Verfügung steht. Genaue Zahlen wollten die beiden nicht nennen. "Wir haben ausgereizt, was drin war." Immerhin sei es gelungen, das Erstangebot der Firma "beträchtlich" zu erhöhen.
Mit den 100 Entlassungen und der 52köpfigen Belegschaft der seit 1. Januar ausgegliederten Produktlinie Betonpumpen, die nun zur Putzmeister Maschinen GmbH und Co KG gehört, bleiben von den ursprünglich lediglich 160 Beschäftigte im Firmenzweig Asphalttechnik übrig, die vorerst Kurzarbeit fahren werden.
Ob diese Arbeitsplätze langfristig zu erhalten sind, scheint schon angesichts der Begründung fraglich, mit der die Firmenleitung die Kündigungen rechtfertigt. "Der Asphaltmarkt ist zusammengebrochen, hinzu kommt die allgemeine Rezession."
Trotz der wenig rosigen Lage hatte die Geschäftsführung noch im Dezember auf "den Aufbau im Osten und weltweiten Export" gesetzt und lediglich vorübergehende Kurzarbeit avisiert. "Diese Therapie ist nicht geglückt." Schuld daran sei jedoch kein verfehltes Marketing bei Wibau, sondern der weltweite Einbruch in der Branche.
Auch Technologie-Mängel mag sich die Firmenspitze nicht vorwerfen lassen: "Wir sind nach wie vor in der Spitzengruppe." Warum dann die zum Jahreswechsel vollzogene Erweiterung der Produktpalette um Erzeugnisse der ASTEC- Industries aus den USA, nach Wibau-Angaben einer der Marktführer in der Asphaltbranche? Das sei eine "strategische Allianz", von der sich die Putzmeister-Tochter "positive Impulse" verspreche und die "möglicherweise zu einem Joint Venture" ausgebaut werden solle. "In jedem Fall bleibt Gründau als Standort erhalten." tja
Die Steine zum Reden bringen
(Fortsetzung von Seite 17)
Dazu gehöre - das ist ein zentraler Befund seiner Forschungen - "der Rückgriff in die Geschichte". Da solle man sich dann durchfragen und "halt auch alte Leute anquatschen", empfiehlt der Kulturwissenschaftler. Keinesfalls dürfe sich der Neubürger auf Literatur beschränken: "Da kriegt man die Festschriften ,1200 Jahre soundso&rquote;, in denen nur die goldenen Fassungen drinstehen."
Auch von "Heimatabenden neuen Stils" und Babbelnachmittagen - "die haben im Umland Konjunktur" - rät Schilling ab. Da walte und wabere folklorisierende "Tümlichkeit", würden "Wagenburgen gegen die Modernisierung" gebildet, da schwöre man ein auf ein "Gefühl der Zusammengehörigkeit, das knebelt".
Nichts dergleichen, so Schilling, finde sich im "Erzählcafé": "Da wird man in keinen lokalistischen Topf getunkt. Da wird vielmehr Erfahrungshunger gestillt, und da eröffnen sich neue Horizonte in den Köpfen."
(Siehe auch nebenstehende Box)
FR als Verschlußsache
In einer Geschichte über Hans Reichelt, der von 1972 bis 1990 Umweltminister der DDR war, die Jürgen Schreiber für das Magazin der Süddeutschen Zeitung schrieb, findet sich folgende Passage:
OFFENBACH. Bei einem bewaffneten Überfall auf einen Supermarkt im Starkenburgring haben am Donnerstag kurz vor 19 Uhr zwei mit Wollmützen maskierte Räuber mehrere tausend Mark erbeutet. Nach Auskunft der Polizei waren die beiden durch einen Hintereingang in den Supermarkt eingedrungen, bedrohten drei weibliche Angestellte mit einer Waffe und trieben sie in einem Büroraum zusammen.
Dann rissen sie zwei Geldkassetten und die Handtasche einer der Frauen an sich, bevor sie zu Fuß flüchteten. Einer der Täter nahm dabei den Weg über eine Grundstücksmauer in die Liebigstraße.
Die beiden sollen etwa 170 Zentimeter und zwischen 20 und 30 Jahre alt gewesen sein. Hinweise erbittet die Polizei unter 069 / 80 90-259. pmü
Die hiesige Industrie spricht, einer Umfrage zufolge, vom "schlechtesten Start in ein neues Jahr seit zehn Jahren" im Bezirk Frankfurt der Industrie- und Handelskammer. Rückläufige Auftragseingänge, sinkende Produktion, weitere Verschlechterung der Ertragslage bei unbefriedigender Preisentwicklung und Überkapazitäten kennzeichneten die Lage, heißt es in einer Erklärung vom Freitag. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen will demnach im Laufe des Jahres Personal abbauen.
Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich ganz allgemein verschlechtert. Die meisten Unternehmen rechnen erst im zweiten Halbjahr &rquote;93 mit einer konjunkturellen Erholung. Die "Stütze der Konjunktur" im Kammerbezirk Frankfurt sei nach wie vor der Dienstleistungsbereich. Banken, Versicherungen und sonstige Unternehmen bezeichneten ihre Geschäftslage "noch überwiegend als gut oder zufriedenstellend". Allerdings habe die Stimmung mit der allgemeinen "Eintrübung" auch hier "einen Dämpfer erhalten".
In der Hotellerie seien preiswerte Häuser bei eingeschränktem Budget wieder mehr gefragt. -vau
WASHINGTON, 22. Januar. Die Kandidatin des neuen US-Präsidenten Bill Clinton für das Amt der Justizministerin, Zoe Baird, hat am Freitag ihre Bewerbung zurückgezogen. Die 40jährige Anwältin war in den letzten Tagen während der Anhörungen im US-Senat, der die Kabinettsmitglieder bestätigen muß, wegen Beschäftigung eines illegal eingewanderten peruanischen Ehepaares heftig kritisiert worden. Frau Baird hatte ihren "Gesetzesverstoß" offen zugegeben. Dennoch hatten ihr demokratische wie republikanische Senatoren des zuständigen Senatsausschusses auf öffentlichen Druck aus ihren Wahlkreisen hin mit der Ablehnung gedroht. Präsident Clinton nahm die Aufgabe von Zoe Bairds Kandidatur am Freitag mit "Trauer" zur Kenntnis. Die politischen Kosten eines Versuchs, weiterhin an der auch in liberalen Kreisen nicht unumstrittene Unternehmens-Anwältin festzuhalten, um sie vielleicht dennoch durchzusetzen, waren ihm zu hoch geworden. Sein erfolgloser Vorschlag für das Amt des "attorney general" ist Clintons erste Schlappe bei der Durchsetzung seines Kabinetts gegenüber dem Senat.
Frau Baird hatte mit der Beschäftigung eines illegalen Einwandererpaares gegen ein Gesetz verstoßen, über dessen Einhaltung sie als Justizministerin zu wachen gehabt hätte. Mehr noch hätte ihre Bestätigung durch den Senat den Eindruck vieler Bürger verstärkt, daß für die Reichen sowie "die in Washington" - und Frau Baird sowie ihr Ehemann als Rechtsprofessor an der renommierten Universität Yale gehören zu beiden Kategorien - andere Gesetze gelten als für den Normalbürger. Während die Kinderpflege für die zahlreichen US-Haushalte mit Doppelverdienern ein großes Problem darstelle, so beschwerten sich viele Wähler bei ihren Senatoren im Justizausschuß, könnten Leute wie die Bairds mit ihren hohen Einkommen auch noch ungestraft gegen das Gesetz verstoßen, indem sie ihre Kinder von billigen, weil illegalen, Einwanderern betreuen ließen. Den Eindruck, solche Doppelstandards auch noch zu unterstützen, konnte sich die Clinton-Administration, die mit dem populistischen Mandat zur Ausrottung von "Macht und Einfluß" in Washington angetreten ist, einfach nicht leisten.
Präsident Bill Clinton steht nach Einschätzung politischer Beobachter nun vor der schwierigen Aufgabe, für Zou Baird Ersatz zu finden. Wählt er wieder eine Frau, wie es viele Frauenverbände und feministische Organisationen fordern, werden ihn seine rechten Kritiker beschuldigen, Quotierung über Qualifikation gehen zu lassen. Schlägt er dagegen einen Mann vor, werden ihn die Frauengruppen beschuldigen, trotz gegenteiliger Versprechungen alle wichtigen Kabinettsposten mit Männern besetzt zu haben.Wo ist der "Typ"?
Bad Vilbel. Aus einer Werkstatt in Vilbel wurde Mittwoch nacht ein schwarzer Fiat Tipo, Kennzeichen F - XL 480 im Wert von 33 000 Mark gestohlen.
WETTERAUKREIS. Zur ersten von mehreren geplanten "Seniorenradtouren" lädt der Wetterauer Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) für Montag, 25. Januar, ein. Treffpunkt ist der Bahnhof in Friedberg um 11 Uhr. Wer sich ab Bad Nauheim beteiligen will, kann um 11.30 Uhr ab Ludwigsbrunnen mitfahren. Ziel ist Ober-Mörlen, wo der Besuch einer Gaststätte vorgesehen ist. Gefahren wird auf befestigten Radwegen - gemütlich und streßfrei. sal
FRANKFURT A. M. (dpa). Die Naxos Union mit Sitz in Frankfurt wird ihren Personalabbau in diesem Jahr fortsetzen. Der Schleifmittel- und Schleifmaschinenhersteller will laut Vorstandsmitglied Eckart Zillig noch bis zu 100 Stellen streichen. Zur Zeit beschäftigt Naxos rund 750 Leute in drei Werken in Frankfurt-Fechenheim, Butzbach (Wetteraukreis) und im nordhessischen Schwalmstadt-Ziegenhain. Für den größten Teil der Beschäftigten in Butzbach wurde Kurzarbeit von Februar an angemeldet. Bereits 1992 hatte Naxos rund 240 Beschäftigte entlassen.
Als Grund für den Stellenabbau gibt Zillig das schlechte konjunkturelle Klima vor allem beim Maschinenbau an: "Im Export haben wir prozentual zweistellige Umsatzrückgänge. Im Inland ist der Einbruch ähnlich." 1991 setzte das Unternehmen 116 Millionen Mark um. Für 1992 rechnet er mit 103 Millionen.
Ein herber Schlag war für die Firma die Verschiebung größerer Investitionen des VW-Konzerns in sein neues Werk in Chemnitz. Naxos stand mit dem Automobilkonzern wegen der Lieferung einer Kurbelwellen-Schleifmaschinenstraße für rund zehn Millionen Mark in Verhandlung. Daraus wird vorläufig nichts.
Am härtesten betroffen von den Plänen ist das Werk in Fankfurt-Fechenheim. Dort werden Schleifmaschinen produziert. Betriebsratsvorsitzender Eberhard Dais rechnet damit, daß die 400köpfige Belegschaft auf "unter 300" sinkt.
In dieser Woche gab es für Gerhard Schröder einen Abend, an dem er sich rundum wohl fühlte. Weil beim VW-Konzern der Vorstandsvorsitzende Carl Horst Hahn in Ruhestand ging und Porsche-Enkel Ferdinand Piëch an dessen Stelle trat, hatte der niedersächsische Ministerpräsident nach Goslar in die Kaiserpfalz geladen. "Ein würdiger Rahmen", befand er. Vor einem riesigen Wandgemälde, auf dem sich Kaiser Wilhelm I., Kanzler Bismarck und Heerführer Moltke herrisch recken, ließ er Kalbsfrikandeau, Lachsmedaillons, Hirschrücken und einiges mehr auftischen. Man tauschte Anekdoten und Freundlichkeiten aus, und Dankesworte Hahns galten besonders dem "Mut der Landesregierung, dieses Fest auch zu bezahlen".
Dies war ein Höhepunkt in der bisherigen Karriere des aus ärmlichen Verhältnissen stammenden SPD-Politikers, der nach eigenem Verständnis seine Antriebskraft aus dem Willen gewinnt, sich und aller Welt zu beweisen, daß seine Fähigkeiten nicht weniger weit reichen als die anderer, familiär begünstigter Menschen. Mächtig zieht es ihn in Sphären, die ihm fremd waren, als er einst im lippischen Flecken Mossenberg nach der Volksschule als Einzelhandelslehrling ins Berufsleben trat. Nachdem er 1990 niedersächsischer Regierungschef geworden war, hatte er im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger Ernst Albrecht (CDU) keine Bedenken, einige Aufsichtsratsmandate anzunehmen, und zu seinen frühesten Amtshandlungen gehörte ein üppiges Essen für den italienischen Reifenfabrikanten Leopoldo Pirelli, dem er zur Übernahme der hannoverschen Continental-Werke verhelfen wollte, woraus zur Erleichterung vieler Branchenkenner und der Beschäftigten nichts wurde.
Mit vielgerühmter Kontaktfreude nutzt Schröder jede Gelegenheit zum Zusammensein mit Industrie- und Finanzchefs und empfiehlt sich als ein für ihre Anliegen jederzeit aufgeschlossener Politiker. Den Oppositionsführer im Landtag, Jürgen Gansäuer (CDU), veranlaßte das bereits zum Lamento über den wirtschaftspolitischen "Schmusekurs", dem sich die Großunternehmen nicht verweigerten.
"Die niedersächsische Wirtschaft fühlt sich bei Ministerpräsident Schröder gut aufgehoben", titelte im Herbst die Hannoversche Allgemeine Zeitung und nannte Namen etlicher Konzerne. Dem norwegischen Konzern Statoil verhalf er zur Genehmigung, entgegen der Nationalpark- Verordnung eine Pipeline durchs geschützte Wattenmeer zu verlegen; Mercedes-Benz erhält in Niedersachsen die anderswo verweigerte Teststrecke; trotz aller Ausstiegsparolen konnte die Atomindustrie seit 1990 zügiger als vorher ihre Projekte in Niedersachsen realisieren; Schröder zeigt sich jetzt auch geneigt, ihr den größten, für die Zukunft der Branche entscheidenden Wunsch nach einem Atommüll-Endlager zu erfüllen.
Die Vertreter der Werften, mit denen er sich im vorigen August traf, fanden ebenfalls sein freundliches Verständnis, als sie ihm vortrugen, daß ein Großauftrag aus Taiwan an politischen Hürden in Bonn hängengeblieben war. Das Auswärtige Amt bestand auf geltenden Bestimmungen, wonach der Fernost-Inselstaat, der sich in Konkurrenz zum Regime in Peking als rechtmäßige Vertretung aller Chinesen versteht, ebenso wie dieses Regime nicht mit Rüstungsgütern beliefert werden darf. Schröder war schnell bereit, beim Kanzler zu intervenieren. Diese Zusage hatte allerdings zur Folge, daß er in dieser Woche unmittelbar nach dem Goslarer Höhepunkt einen schmerzlichen Tiefpunkt seiner Karriere erlebte.
Als Schröder im Herbst tatsächlich in Bonn den Bau von zehn U-Booten und zehn Fregatten für Taiwan befürwortete, verstieß er damit gegen eindeutige Beschlüsse der rot-grünen Koalition, des Kabinetts und seiner eigenen Partei. Was er empfahl, wäre ein Bruch der Richtlinien für Rüstungsexporte, an die die Bundesregierug gebunden ist. Geschäfte mit Taiwan unterliegen den schärfstmöglichen Restriktionen. Schröder trug ausschließlich beschäftigungspolitische Gründe vor, die aber nach den Bonner Richtlinien gerade nicht den Ausschlag geben dürfen. Der für die Werften zuständige niedersächsische Wirtschaftsminister Peter Fischer (SPD), den er monatelang weder befragte noch auch nur informierte, wurde seinerseits Anfang Dezember auf einer Schiffbau-Konferenz in Emden auf das 20-Milliarden-Mark-Projekt angesprochen, an dem die Emder Thyssen-Nordseewerke beteiligt sein möchten. Fischer sprach sich klar dagegen aus. Dabei blieb er auch nach Bekanntwerden des Schröder-Vorstoßes, und er machte nicht nur prinzipielle Gründe geltend, sondern wies darauf hin, daß schon erteilte Aufträge aus China - und damit Arbeitsplätze - gefährdet würden.
Nachdem Bundeswirtschaftsminister Jürgen Möllemann kurz vor seinem Abgang Schröders Aktivitäten zum Thema gemacht hatte, ließ dieser zunächst verlauten, er habe als Beauftragter aller norddeutschen Ministerpräsidenten gehandelt. Doch der Hamburger Voscherau und der Kieler Engholm setzten sich ab, woraufhin Schröder sagte, er sei in Bonn als niedersächsischer Ministerpräsident vorstellig geworden. So häuften sich die Widersprüche, und es wuchs die Nervosität in der Koalition. In zwei Landtagsdebatten am Mittwoch und Donnerstag, die auf Verlangen der FDP stattfanden, verschmähte Schröder sogar die goldenen Brücken, die ihm die am Erhalt der Koalition interessierten Grünen bauten. Mit dem Argument, es gehe auf den Werften um "Lebensschicksale", bestand er auf der Notwendigkeit des Rüstungsgeschäftes - und zwar ausgerechnet am selben Tag, an dem das Land Niedersachsen im Bundesrat einen einstimmig vom Landeskabinett beschlossenen Antrag einbrachte, wonach solche Geschäfte für verfassungswidrig erklärt werden sollen.
"Eine andere Entscheidung kriegen Sie nicht", rief er trotzig allen Kritikern zu. In solchem Fall könne er nun einmal nicht anders, auch wenn es gegenteilige Kabinettsbeschlüsse gebe. Er könne auch Wiederholungen nicht ausschließen. So provozierte er Satz für Satz nicht nur Grüne, sondern auch Sozialdemokraten, die mit Entsetzen vernahmen, wie sich der Chef der Kabinettsdisziplin entzog und damit zugleich Vorschriften der Landesverfassung in Frage stellte.
Schließlich erhob sich die einfache Frage: Entweder Schröder läßt sich zurückpfeifen - was er zuvor wiederholt ausgeschlossen hatte - oder die Koalition ist jedenfalls unter diesem Ministerpräsidenten nicht fortzuführen. In einer Krisensitzung des Koalitionsausschusses mußte ein schwer angeschlagener Regierungschef sich dann doch in die Koalitions- und Kabinettsdisziplin einbinden lassen; er darf sich fortan nicht mehr für den taiwanesischen Auftrag engagieren.
Was aber bezweckte er mit seinem Verhalten? Warum mutete er das alles - einschließlich des parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der auf Verlangen der Opposition demnächst zu bilden sein wird - sich selbst, seiner Partei und der Koalition zu? Die hannoversche Neue Presse kommentierte am Freitag: "Was er öffentlich kundtun wollte, hat er getan. Die Industrie dürfte das Signal verstanden haben. . . . Bei seinen linken Parteifreunden und bei Rüstungsgegnern hat er dafür an Glaubwürdigkeit verloren. Bei der nächsten Friedensdemonstration sollte er sich besser nicht sehen lassen."
Auch nicht bei der hannoverschen Kundgebung, auf der aus Anlaß des 60. Jahrestages des Beginns der Nazi-Diktatur für die Erhaltung des Asylrechts demonstriert werden soll. Sein Umfall in dieser Frage veranlaßte vor allem in der Landeshauptstadt viele Sozialdemokraten zum Parteiaustritt. Als im Landtag am Freitag über einen FDP-Antrag zur Unterstützung des von Schröder mit ausgehandelten "Asyl-Kompromisses" abzustimmen war, konnte sich Rot-Grün nur durch einen eigenen Antrag aus der Bredouille retten, der schlicht feststellt, daß sich die Koalitionäre nicht einig sind.
NEU-ISENBURG. Wie verschieden Kulturen sein können und wie sehr sich die Gewohnheiten der Menschen dennoch ähneln, soll den Jungen und Mädchen der Kindertagesstätte Gartenstraße vom 25. bis zum 29. Januar auf besondere Weise nahegebracht werden. Im Rahmen einer "internationalen Woche" sind täglich nicht nur für die jeweiligen Länder typische Spiele, Tänze, Lieder und Speisen vorgesehen, sondern beispielsweise auch ein Besuch im Isenburger Wohnheim für Asylbewerber.
Beim Abschlußfest am Freitag, 29. Januar, stehen die Türen der Kindertagesstätte für alle Interessierten offen: Von 12 Uhr an werden den Besuchern Fotowände, Collagen, von Kinderhand gestaltete Weltkarten, Tänze und ein internationales Büffet geboten. leo
Die Nordendstraße wird wieder Einbahnstraße, der Parkstreifen in der Mitte der Fahrbahn verschwindet, und langfristig soll auch die Sperre zwischen Lenau- und Gluckstraße wieder aufgehoben werden. Das ist das Ergebnis einer "Kampfabstimmung" im Ortsbeirat 3 (Nordend), bei der die Grünen ihren Antrag mit Hilfe der CDU gegen die SPD durchsetzten. Nachdem sich die Anwohner der Nordendstraße massiv über die geänderte Verkehrsführung beschwert hatten, brachten SPD, Grüne und CDU jeweils eigene Anträge zu diesem Thema ein. Doch während die SPD auf ihrem Konzept beharrte und nur in einigen Punkten zu "Nachbesserungen" bereit war, trugen CDU und Grüne mit ihren Vorschlägen den Forderungen der Anwohner weitgehend Rechnung.
"Sie haben opportunistisch Protokolle von Bürgeranhörungen abgeschrieben", warf Armin Eikenberg (SPD) den Fraktionen vor. Es sei "keineswegs anrüchig", schlüssigen Argumenten der Bürger nachzugeben, konterte Jörg Harraschain (Grüne). Ebenso wie die CDU bezeichnete er die Haltung Eikenbergs als "stur".
Der SPD-Fraktionsvorsitzende fand auch in den eigenen Reihen keine ungeteilte Zustimmung: Rüdiger Koch stimmte ebenfalls der Lösung von Grünen und CDU zu.
Im einzelnen wurden - neben den bereits genannten Änderungen - folgende Punkte vom Ortsbeirat verabschiedet: Um die breite Fahrbahn zu verengen, sollen in dem Abschnitt zwischen Spohr- und Gluckstraße Schrägparkplätze eingerichtet werden.
Südlich und nördlich des Nordendspielplatzes soll aufgepflastert werden, um die Autofahrer zu einem langsamen Tempo zu zwingen. Sobald die Aufpflasterungen erfolgt sind, wird die dortige Sperre entfernt. Weiterhin soll der Gehweg am unteren Ende der Nordendstraße verbreitert sowie verschiedene Stellen des Bürgersteiges in der gesamten Straße abgepollert werden. rea
Die Naxos AG will in diesem Jahr etwa 100 Stellen abbauen. Am stärksten betroffen dürfte davon erneut das Frankfurter Werk in Fechenheim sein. Das bestätigte am Freitag das für Finanzen zuständige Vorstandsmitglied des Schleifmittel- und Schleifmaschinen-Herstellers Eckart Zillig. Vorgesehen sei, die Hauptmontage und die Bearbeitung von Großteilen (Bohren, Hobeln, Schleifen, Fräsen) in das Zweigwerk nach Schwalmstadt-Ziegenhain auszulagern und durch Zukäufe zu ergänzen. Der Personalabbau sei ohne Entlassungen nicht zu bewerkstelligen, meinte Zillig.
Bereits 1992 hatte die Naxos etwa 240 ihrer insgesamt um die tausend Stellen gestrichen, die meisten davon im Frankfurter Stammwerk. Dort arbeiten derzeit knapp 400 Beschäftigte; 1991 waren es noch rund 600. Zillig: "Die Möglichkeiten, über Vorruhestand noch etwas zu machen, sind damit ausgeschöpft." Über die genaue Zahl der anstehenden Entlassungen müsse noch mit dem Betriebsrat verhandelt werden.
Notwendig sei der Personalabbau vor allem, weil die Automobilindustrie derzeit ihre Investitionen kürze. Maschinen zur Herstellung von Kurbelwellen, das wichtigste Produkt der Naxos, sind deshalb kaum noch gefragt. "Wir werden in diesem Geschäftsjahr in jedem Fall einen Verlustabschluß haben", sagt Zillig, "wir wissen nur noch nicht, wie hoch er sein wird." Vor allem im Export erwartet die Firma zweistellige Umsatzrückgänge.
Im Januar 1994 will die Naxos den Standort Frankfurt ganz aufgeben und nach Langen auf das Gelände der Maschinenbaufirma Pittler umziehen. Die Pittler AG hält 50 Prozent der Naxos- Aktien. Der Naxos-Vorstand verspricht sich durch die gemeinsame Nutzung der dortigen Anlagen bessere Möglichkeiten der Rationalisierung. Zu einem weiteren Arbeitsplatzabbau werde es dadurch aber nicht kommen, verspricht Zillig.
Genau das fürchtet aber Naxos-Betriebsratsvorsitzender Eberhard Dais: "Auch wegen solcher Synergieeffekte müssen wir über Interessenausgleich und einen Sozialplan verhandeln." Demonstrationen und öffentlichkeitswirksame Protestaktionen der Belegschaft werde es nicht geben, meinte er am Freitag: "Wir sind in einer Situation, bei der wir auch mit Kampf den Personalabbau nicht wegbekommen." mat / peh (Weiterer Bericht im Wirtschaftsteil)
HOCHTAUNUSKREIS. 36 Beamte tun Dienst für die Usinger Polizeistation. 1992 gingen sie 247mal zu Fuß Streife, legten 230 000 Kilometer mit ihren Dienstwagen zurück - und scho- ben 5400 Überstunden vor sich her.
Macht 150 Überstunden pro Kopf. Angesammelt im Schichtdienst, der immer noch 44 Wochenstunden dauert, obwohl auch für Ordnungshüter die 38,5-Stunden-Woche gilt. "Das ist nicht nur in Usingen ein Problem", sagt Revierleiter Edmund Letschert. Aber im Usinger Land wuchs die Bevölkerung in den letzten Jahren immens, ohne daß die Polizei mitwuchs.
Entlastung erhofft Letschert von der neuen Unfallregelung, die es den Beamten erspart, bei jedem kleinen Blechschaden ausrücken zu müssen: "Vom Gedanken her ist das gut, gerade bei den Entfernungen, die wir haben." Erste Erfahrungen zeigten, daß die Verkehrsteilnehmer Verständnis für das neue Verfahren aufbrächten. ill
hbr JOHANNESBURG, 22. Januar. Der Versuch, einen Agenten des militärischen Nachrichtendienstes von Südafrika für den Mord an einem Oppositionspolitiker vor Gericht zu stellen, ist am Freitag gescheitert. Nach einer viermonatigen gerichtlichen Untersuchung befand das Oberste Gericht in Johannesburg, daß das Beweismaterial nicht ausreiche, um den Militäragenten Ferdi Barnard anzuklagen.
Mehrere Zeugen hatten Barnard belastet. Er ist Mitglieder des "Civil Cooperation Bureau" (CCB), einer Geheimeinheit des militärischen Nachrichtendiensts. Das CCB hat nach eigenen Angaben eine Reihe von Anschlägen gegen Oppositionspolitiker verübt. Webster war im Mai 1989 vor seinem Haus in Johannesburg erschossen worden.
RONNEBURG. Der erst kürzlich gegründete "Ronneburger Kreis" veranstaltet am morgigen Sonntag, 24. Januar, um 11 Uhr auf der Ronneburg einen Gastvortrag mit anschließender Diskussion zum Thema "Irrwege des Nationalismus". Referent ist Dr. Peter Glotz, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Mittel- und Südosteuropa der SPD-Bundestagsfraktion.
"Nach dem Epochenbruch 1969 lodern vielerorts überwunden geglaubte Nationalismen wieder auf, in besonders bedrückender Weise auch in Deutschland", teilt der Veranstalter dazu mit. Angesichts der Terroranschläge gegen Asylbewerber und andere ausländische Mitbürger gewinne das Plädoyer von Peter Glotz, den deutschen Nationalstaat zugunsten Europas aufzugeben, aktuelle Brisanz.
Nach dem Mittagessen sollen ab 14 Uhr weitere Gespräche zu dem Thema stattfinden. Zudem besteht Gelegenheit, den "Ronneburger Kreis" und seine Ziele kennenzulernen. "Für die Teilnahme erheben wir einen Kostenbeitrag von 125 Mark", teilt der Veranstalter abschließend mit, "(Ehe-)Partner und Kinder frei." pom
he STUTTGART, 22. Januar. Zum Auftakt der zweiten Tarifrunde im öffentlichen Dienst hat die ÖTV-Vorsitzende Monika Wulf-Mathies am Freitag Widerstand gegen Versuche der Arbeitgeber angekündigt, einen Abschluß unter der Preissteigerungsrate herbeizuführen. Sie selbst sieht die Inflation bereits bei vier Prozent. Zugleich meinte sie, Bund, Länder und Gemeinden wären schlecht beraten, wenn sie sich einer "sozialen Komponente" verschlössen. Dies brächte "zusätzlichen sozialen Sprengstoff". Nicht leichter geworden seien die Verhandlungen durch das Bonner Sparpaket.
Demgegenüber sagte Bundesinnenminister Rudolf Seiters (CDU) als Verhandlungsführer der Arbeitgeber, auch zwischen 1981 und 1984 seien Lohnsteigerungen unterhalb der Inflationsrate vereinbart worden. Dies habe damals zur Schaffung von drei Millionen neuen Arbeitsplätzen und zu einem Konjunkturaufschwung beigetragen.
Die am Freitag begonnenen Sondierungsgespräche wurden angesichts der "engen Spielräume" (Seiters) als schwierig bezeichnet. Mit einem Abschluß wird erst für Mitte Februar gerechnet. Bisher stehen sich eine ÖTV-Forderung von fünf Prozent und ein Arbeitgeber-Angebot von 2,25 Prozent gegenüber.
HAMMERSBACH. Einen Familienabend hat der TV "Vorwärts" Marköbel am heutigen Samstag, 23. Januar, 20 Uhr, in der Vereinsgaststätte "Bei Giuseppe".
Den volljährigen Mitgliedern wird neben Musik und Tanz ein kleines Unterhaltungsprogramm geboten.
Das Wetter
Wetterlage Die Warmfront eines Sturmtiefs südlich Islands überquert am Samstag Deutschland. Am Sonntag greift eine Kaltfront von Norden her auf Deutschland über. Dabei wird noch immer milde Meeresluft nach Mitteleuropa geführt.Vorhersage bis Sonntag abend Am Samstag östlich der Elbe anfangs wechselnd wolkig mit einzelnen Schauern. In der zweiten Tageshälfte wie schon in den anderen Gebieten stark bewölkt und vor allem in der Mitte zeitweise Regen. Nachmittags südlich der Donau zunehmend aufgeheitert.
Am Sonntag anfangs vielfach stark bewölkt und von Norden Durchzug eines Regengebietes. Danach Übergang zu wechselnder Bewölkung mit einzelnen Schauern.
Höchsttemperaturen 6-11, am Samstag südlich der Donau bei Sonne bis 14 Grad. Tiefstwerte um 6 Grad, im Süden bei Aufklaren um 0 Grad.
Mässiger bis frischer, im Norden auch starker Wind aus westlichen Richtungen mit einzelnen schweren Sturmböen.Weitere Aussichten für Montag Wechselnd wolkig mit Schauern, die zum Teil bis in die Niederungen als Schnee fallen. Zurückgehende Temperaturen.Wetterdaten vom Vortag, 13 Uhr MEZ Ausland Ort Wetter Grad
Algier
leicht bewölkt 13 Amsterdam
Regen 9 Athen
leicht bewölkt 16 Barcelona
wolkenlos 12 Bordeaux
leicht bewölkt 14 Bozen
leicht bewölkt 6 Brüssel
Regen 11 Dublin
wolkig 5 Helsinki
Regen 3 Innsbruck
stark bewölkt 7 Istanbul
wolkenlos 7 Kairo
wolkig 18 Larnaka
wolkig 17 Las Palmas
leicht bewölkt 19 Lissabon
leicht bewölkt 12 Locarno
stark bewölkt 6 London
Regen 8 Madrid
leicht bewölkt 15 Malaga
leicht bewölkt 15 Mallorca
leicht bewölkt 13 Moskau
bedeckt 1 Neapel
leicht bewölkt 14 Nizza
wolkig 13 Paris
stark bewölkt 11 Rom
leicht bewölkt 12 St. Petersburg
Regen 2 Stockholm
wolkig 5 Tunis
leicht bewölkt 14 Varna
leicht bewölkt 15 Venedig
Nebel 1 Warschau
wolkig 12 Wien
wolkig 15 Zürich
wolkig 8
Deutschland
Berlin
stark bewölkt 14 Dresden
Regen 12 Feldberg/Ts.
in Wolken 6 Feldberg/Schw.
Regenschauer 1 Frankfurt/M.
stark bewölkt 11 Freiburg
stark bewölkt 11 Garmisch
wolkig 6 Hamburg
stark bewölkt 9 Köln/Bonn
bedeckt 13 Leipzig
Regenschauer 10 München
stark bewölkt 12 Norderney
bedeckt 8 Rostock
bedeckt 8 Sylt
stark bewölkt 7 Zugspitze
leicht bewölkt -3 Telefonansagedienste Wettervorhersage 11 64 Reisewettervorhersage 1 16 00 Segelflugwetter 1 15 06 Medizinisch-meteorologische Tips, unter anderem für Allergiker und Herz-Kreislauf-Patienten 1 16 01 Smogwerte 06 11 - 58 12 42 (Wenn die Grenzwerte nach der Smogverordnung überschritten werden, melden wir dies an gesonderter Stelle.)
Sonnenaufgang 8.11 Uhr Sonnenuntergang 17.04 Uhr
Gottesdienst über Wunder SCHÖNECK. "Konnte Jesus übers Wasser laufen?" - Pfarrer Rothenberg hält am Sonntag, 24., Januar, ab 10 Uhr in der Kirche Kilianstädten einen Gottesdienst über biblische Wunder.
FRANKFURT A. M. (FR). Die Aktienbörse in New York hat gestern mit höheren Kursen eröffnet. Der Dow-Jones-Index 30 führender Industriewerte lag kurz nach Beginn mit knapp fünf Punkten im Plus. Am Donnerstag war er um 11,07 auf zuletzt 3253,02 Zähler gestiegen.
In Tokio sank der Nikkei-Index für 225 Top-Aktienwerte kräftig um 201,87 auf einen Schlußstand von 16 336,81 Punkte.
MAIN-TAUNUS-KREIS. Von Montag, 25. Januar, bietet die Telekom das neue "Ereignisfernsehen" Vox auch im Kreisgebiet an.
Der Nachrichtensender, der sein Programm in deutscher Sprache anbietet und mit journalistischer Unterhaltung ergänzen will, kommt über Kanal 8 in die ans Kabel angeschlossenen Haushalte. Wegen des erweiterten Angebots hat die Telekom den Sender Hessen 3 von Kanal 6 auf Kanal 4 verlegt. Für eine Übergangszeit kann das Regionalprogramm aber auf beiden Kanälen empfangen werden. schu
Sich endlich einmal wieder richtig als Opposition ins Bild setzen zu können - auf eine solche Gelegenheit wartet die SPD schon seit langem. Anfang der Woche schien es so weit zu sein. Die Bestechungsvorwürfe um das deutsch-amerikanische Rüstungsprojekt Lapas boten den passenden Anlaß, der Regierung mit der schärfsten Waffe der Opposition zu drohen: dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß. Ganze drei Tage wollte der sozialdemokratische Sicherheitspolitiker Walter Kolbow dem Verteidigungsminister Zeit lassen, die Affäre rückhaltlos aufzuklären. Sollte nach dem Bericht Volker Rühes am Mittwoch vor dem Verteidigungsausschuß des Bundestages auch nur der Hauch eines Zweifels bleiben, stehe ein Lapas-Untersuchungsausschuß "unweigerlich bevor", verkündete Kolbow am Montag. Dazu sei die SPD als Opposition nachgerade "verpflichtet".
Am Ende der Woche gilt das alles plötzlich nicht mehr. Dabei hat Verteidigungsminister Rühe dem zuständigen Bundestagsausschuß am Mittwoch drei Stunden lang dargelegt, wie wenig vom Ausmaß der Affäre bekannt ist. Rühe wußte bis Dienstag dieser Woche nichts von der Durchsuchung des Büros seines Lapas-Systembeauftragten durch die Bonner Staatsanwaltschaft am 15. Dezember. Völlig undurchsichtig bleibt, wer mit wem welche Verträge abgeschlossen und dabei womöglich kräftig kassiert hat. SPD-Haushaltsexperte Horst Jungmann vermutet die Existenz einer internationalen "Elektronik"-Mafia, die durch Verträge mit Regierungen Millionen absahnt.
Soviel ist sicher: Die als "Unterauftragnehmer" der Regierungen fungierenden Firmen Grob im Allgäu und E-Systems in Texas haben sich heftig bemüht, die gewinnträchtigen Rüstungsaufträge zu ergattern. Jedenfalls muß es sich lohnen, einem ehemaligen Regierungsdirektor im Verteidigungsministerium und einem Ex- Luftwaffeninspekteur teure Reisen zu bezahlen. Welch merkwürdiger Zufall auch, daß die Firma Grob 1990 mitten im Entscheidungsprozeß über die Beschaffung von Lapas über 100 000 Mark an die CSU gespendet hat. Zumindest auffällig ist, daß zu den fleißigsten Befürwortern des Milliardenauftrags der CSU-Bundestagsabgeordnete Kurt Rossmanith gehört. In Mindelheim, dem Sitz des Unternehmens Grob, hat er seinen Wahlkreis.
An dieser Tatsache allein mag der SPD-Politiker Jungmann nichts Anrüchiges sehen. Schließlich gehöre es zu den Aufgaben eines Bundestagsabgeordneten, sich für die Unternehmen in seinem Wahlkreis einzusetzen, "mit legitimen Mitteln natürlich". Da sei jeder Abgeordnete "seinem Gewissen unterworfen". Abgeordnetenbestechung ist nämlich nicht strafbar. Ebenso ist es für die Leitung des Verteidigungsministeriums eine eher moralische Frage, inwieweit ein hochrangiger Offizier Geschenke eines mit ihm befreundeten Unternehmers annehmen darf. Ex-Luftwaffeninspekteur Eberhard Eimler macht gar keinen Hehl daraus, daß er mit dem bayerischen Tüftler Burkhart Grob befreundet ist. Eimler hat auf Kosten Grobs Silvester 1988 auf dessen Hacienda in Brasilien verbracht.
Die Grobsche Hacienda ist auch dem ehemaligen Regierungsdirektor im Verteidigungsministerium, Norbert Gilles, bekannt. Gegen den mittlerweile pensionierten Gilles läuft seit dreieinhalb Jahren ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Bonn. Er soll in dubiose Geschäfte bei der Beschaffung des Täusch- und Störsenders Zerberus verwickelt sein. Bei ihren Ermittlungen kam die Staatsanwaltschaft dem Lapas-Deal auf die Spur. Minister Rühe sorgt sich nun, "daß da noch mehr hochkommt".
Die Bestechungsvorwürfe waren für Rühe der Anlaß, das auch technisch fragwürdige Projekt Lapas einen Tag vor der Vertragsunterzeichnung mit der US-Regierung zu stoppen. Warum die Luftwaffe ein zu Zeiten des Kalten Krieges konzipiertes eigenes Spähflugzeug braucht, vermag Rühe nicht schlüssig zu erklären. Der SPD-Militärexperte Manfred Opel, früher auf der Hardthöhe für Logistik zuständig, bestreitet vehement, daß der Flieger für die Krisenreaktionskräfte brauchbar ist. "Das Ding taugt nix", lautet seine knappe Diagnose. Er sei schließlich selber Flugzeugbauer und kenne sich da aus. "Bei ein bißchen Gegenwind fliegt das Ding rückwärts."
Opel kritisiert, daß die Bundesregierung den US-Amerikanern teure Elektronik abkaufen will, obwohl die Technik ebensogut von der deutschen Industrie zu liefern wäre. "MBB und Siemens bauen so was jeden Tag", sagt Opel. Er kann auch nicht verstehen, warum die Luftwaffe das von Grob gebastelte Lapas-Trägerflugzeug D 500 haben will, während eben dieser Grob gleichzeitig ein wesentlich leistungsfähigeres, moderneres Höhenaufklärungsflugzeug baut - mit 80,4 Millionen Mark vom Bundesforschungsministerium gefördert.
Wenn trotz aller Bestechungsvorwürfe und technischer Mängel an Lapas festgehalten wird, kann das für Opel nur eines bedeuten: "Da haben Leute mit Nehmerinteressen Angst, daß der Vorhang aufgeht. Was wir jetzt wissen, ist doch bloß die Spitze des Eisbergs."
Trotzdem will sich die SPD mit einer aus Bundestagsabgeordneten zusammengesetzten "Ermittlergruppe" begnügen, die über keinerlei Druckmittel verfügt. Die Koalitionsparteien und die Regierung sind nicht zur Zusammenarbeit verpflichtet. Sie können selbst bestimmen, welche Auskünfte und Unterlagen die parlamentarisch bestellten Ermittler bekommen. Die rechtliche Stellung der Ermittlergruppe ist eindeutig schlechter als die eines Untersuchungsausschusses.
Ein wenig kleinlaut bestätigt Kolbow am Freitag die "informelle Qualität" der im übrigen von der Koalition vorgeschlagenen Einrichtung. Die SPD behalte sich die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses ja auch vor. Am 3. Februar solle Rühe vor den Verteidigungsexperten des Bundestages erneut Rede und Antwort stehen, die Ermittler bis Ostern einen Bericht über ihre Erkenntnisse vorlegen. Dann will man weitersehen.
Das Zögern der SPD hat offensichtlich ganz andere Gründe als die Faktenlage. Die hätte durchaus gereicht, um mit Hilfe eines Untersuchungsausschusses die - wie Kolbow es nennt - "Profilunschärfe" der Opposition abzubauen. So spricht denn sein Hinweis Bände, das Ganze sei schließlich auch eine Frage der personellen Kapazitäten.
Es fand sich schlichtweg niemand, der den Job in einem zum Untersuchungsausschuß umfunktionierten Verteidigungsausschuß federführend hätte übernehmen können. Willfried Penner, wegen gescheiterter Karrierepläne nachhaltig frustriert, mag sich angeblich nicht ohne Lohn in einem weiteren Untersuchungsausschuß aufreiben. In diesem Falle wäre der SPD ohnehin nur der stellvertretende Vorsitz zugefallen.
Zur vorläufigen Absage an einen Untersuchungsausschuß sollen auch Rivalitäten zwischen Jungmann und Kolbow beigetragen haben. Angeblich, um eine dominierende Rolle Jungmanns zu verhindern, ist Kolbow bereit, den Vorsitz der Lapas-Ermittlergruppe der FDP zu überlassen. Die wolle bei solchen Untersuchungen verständlicherweise auch mal mit einem Vorsitz beglückt werden, zeigt sich Kolbow verständnisvoll. Penner mag von Profilierungsversuchen nichts wissen. Er glaube nicht, "daß einer dem anderen was wegnehmen will". Aber "menschliche Schwächen" gebe es halt immer.
an: nac
von: gam
Dänemark/Regierung
(Da ich die angekündigte Nachricht über die Zusammensetzung der Regierung erst schreiben kann, wenn diese feststeht, kommt sie wohl erst am Montag - den Leitartikel "Neuanfang in Dänemark" sende ich jedoch so, daß er auch schon im Montag-Blatt stehen kann.)
Mehrheitsregierung in Dänemark Europakurs bleibt, Ökosteuern kommen
Hannes Gamillscheg, Kopenhagen
Dänemark erhält erstmals seit 1971 eine Mehrheitsregierung. Der designierte Ministerpräsident, der sozialdemokratische Parteichef Poul Nyrup Rasmussen, will am Montag sein neues Kabinett vorstellen, in dem neben seiner eigenen Partei drei kleine bürgerliche Mitteparteien vertreten sind. Deren Fraktionen billigten am Freitag das von Rasmussen vorgelegte Regierungsprogramm. Über die Verteilung der Ministerposten soll am Wochenende entschieden werden.
Die sozialdemokratischen Koalitionspartner - Radikalliberale, Zentrumsdemokraten und Christliche Volkspartei - hatten während der letzten zehn Jahre den konservativen Ministerpräsidenten Poul Schlüter unterstützt. Nachdem eine mit dem Kurswechsel unzufriedene Zentrums-Abgeordnete ihre Fraktion verlassen hat, verfügt die sozial-liberale Koalition mit 90 von 179 Mandaten im Parlament über die knappest mögliche Mehrheit. Sie kann dort aber auch mit der Sozialistischen Volkspartei rechnen, die trotz scharfer Kritik an der Regierungszusammensetzung versicherte, nicht zum Sturz eines sozialdemokratisch geleiteten Kabinetts beitragen zu wollen.
Die neue Regierung will die Europapolitik der vor einer Woche zurückgetretenen konservativ-liberalen Koalition unverändert weiterführen. Auch für die Präsidentschaft in der europäischen Gemeinschaft, die Dänemark zur Zeit innehat, sollen sich durch den Regierungswechsel keine Änderungen ergeben. Vorrang haben die Beschäftigungspolitik, die Erweiterungsverhandlungen der EG sowie ein Ja der Dänen bei der zweiten Volksabstimmung über das Maastricht-Abkommen. In Dänemark setzt sich die Regierung den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit als erstes Ziel, will dafür jedoch keine Verschlechterung der Staatsfinanzen in Kauf nehmen. Der Hartwährungskurs, die niedrige Inflation und die positive Leitungsbilanz sollen bewahrt werden, heißt es in dem Regierungsprogramm, die Staatsverschuldung soll schrittweise reduziert werden. In einer Steuerreform sollen die Spitzensteuersätze von derzeit bis zu 68 Prozent gesenkt und der dadurch entstehende Einnahmenausfall durch die Einführung von Ökosteuern ausgeglichen werden.
EPPSTEIN. 20 Tonnen Hilfe für Lettland: 400 Umzugskartons mit Winterkleidung, Elektrogeräten oder Kuscheltieren; 600 Pakete Milchpulver, Arznei für 6000 Mark und medizinische Geräte, gespendet von Ärzten in Eppstein und Hofheim, fahren von heute an Richtung Aizkraukle in Lettland.
In der 10 000-Einwohner-Stadt in der jungen Ostsee-Republik mangelt es an fast allem, haben Franz und Sylvia Fluch aus Eppstein erfahren. Sie bereisten das Land im Mai, fanden dort Freunde und beschlossen spontan zu helfen.
Die Unterstützung der Eppsteiner, Niederjosbacher und vieler anderer Menschen war nach einigen Anfangsschwierigkeiten überwältigend: Die TUS Niederjosbach brachte 930 Mark zusammen, die evangelischen Frauen sammelten 1 000 Mark, und Eppsteiner Schulklassen schickten unter anderem acht Fuß-, Hand- und Basketbälle nach Lettland. Spendabel zeigten sich auch viele Firmen, die Briefe von Franz und Sylvia Fluch bekamen.
Insgesamt erhielt die Lettlandhilfe 16 000 Mark an Geldspenden. Was davon nicht für diesen Transport ausgegeben wurde, soll vor allem in Geräte für das Krankenhaus in Aizkraukle umgesetzt werden. Eine Spende war allerdings noch nicht eingetroffen: Beate Uhse wollte eigentlich Kondome spendieren. Die sind Mangelware in Lettland. md
"Irgendwie", sagte Carola auf dem Heimweg, "haben die Politiker sich nie so richtig präzise ausgedrückt. Die redeten doch immer um den heißen Brei herum." Die 18 Jahre alte Gymnasiastin hatte an diesem Donnerstagabend zusammen mit mehr als 170 Schülern und Schülerinnen zweieinhalb Stunden lang eine Podiumsdiskussion mit Spitzenkandidaten und Parteichefs verfolgt. Vor grünen Zuckerkringeln saß die Erste Frau der Grünen, Jutta Ebeling. Frankfurts SPD-Chef Sieghard Pawlik knabberte an roten Leckereien. Für die CDU-OB-Kandidatin Petra Roth hatten die Veranstalter, die Schülervertretungen von Lessing-Gymnasium, Elisabethen- und Wöhlerschule, schwarze Lakritz bereit gestellt, und FDP-Listenführer Hans-Joachim Otto mußte sich an undefinierbaren gelben Stäbchen laben.
Ohne die süßbunten Hinweise hätten die Schüler in der Aula bisweilen womöglich Probleme gehabt, die Politiker richtig einzuordnen. An gegenseitigen Vorhaltungen fehlte es zwar nicht auf dem Podium, und ein jeder kramte noch ein paar alte Zitate raus. Die inhaltlichen Vorstellungen und eigenen Konzepte dagegen wollten bei den Themen Wohnen, Jugend oder Sicherheit nicht so recht rüberkommen.
Nur als es um die richtige Verkehrspolitik für Frankfurt ging, prallten die Fronten aufeinander und brachten so richtig Stimmung in das Publikum. Der gewandte Moderator Johannes Lindner, ein 18 Jahre alter Schüler der Elisabethenschule, hatte aber auch gleich mit seiner Frage nach der autofreien Innenstadt die "Achillesferse" (Ebeling) der Koalition erwischt.
Petra Roth beklagte die "Schikanen" gegen die Autofahrer und leere Busspuren, bekannte sich aber gleichwohl zu einem pünktlichen und schnellen öffentlichen Nahverkehr. Wie das aussehen könnte, blieb allerdings offen. FDP- Chef Otto unterstützte natürlich auch die Verkehrsberuhigung in den Wohnvierteln, ereiferte sich aber über Kölner Teller und all die anderen "häßlichen provinziellen Dinger auf der Straße". Schließlich, unterstützt von Petra Roth, hätten doch alle Autofahrer einen Führerschein und müßten sich an die Tempovorgaben halten. Daran mochte Stadträtin Ebeling nicht so recht glauben und höhnte gegen die Rambo-Ideale in den Köpfen der Autolenker. Als Großtaten rot-grüner Verkehrspolitik pries sie dann die eilends aufgemalten Fahrradstreifen in der Innenstadt. Und Pawlik erinnerte die Schüler mit erhobenem Zeigefinger an das "Winkler- Gutachten".
Aber eines konnten die künftigen Jungwähler auf jeden Fall schon mal bei den Politikern lernen. Eine Antwort war von den Routiniers gar nicht so leicht zu bekommen, auch wenn die Schüler viel und hartnäckig fragten. "Ihr erzählt immer was von Verkehrsberuhigung, aber in Eurem Programm versprecht Ihr lauter neue Straßen", attackierte einer die CDU-Kandidatin. Und seinem Mitschüler wollte es gar nicht einleuchten, daß Roth sich so vehement gegen Straßenbahnen engagiere, aber mit Fotos menschenleerer Unterführungen die Angst untertage beschwöre. "Das paßt doch einfach nicht zusammen."
Die Koalitionsvertreter blieben selbst auf Nachfragen noch die Antwort schuldig, warum sie denn angesichts der Wohnungsnot bei der Besetzung leerstehender Häuser immer wieder die Polizei schickten. Aber einen großen Unterschied konnten die Schüler schließlich noch bei den Podiumspolitikern entdecken. Immer wenn's brenzlig wurde, verwiesen die einen auf die Fehler und Verantwortung der schwarz-gelben Bundesregierung in Bonn - und die anderen zeigten empört auf die rot-grüne Landesregierung in Wiesbaden. luf
KRIFTEL/HOFHEIM. Manchmal sagt es auch eine Menge aus, wenn jemand nichts sagt. Oder nur soviel: "Ich kann nur erneut auf meine Stellungnahme hinweisen, daß unserer offiziellen Erklärung nichts hinzuzufügen und auch nichts von ihr wegzunehmen ist." Horst Lutze, Vorsitzender der CDU Main-Taunus, hält sich zurück. Und signalisiert mit wenigen Worten: die Sache ist ihm alles andere als angenehm, er steht nicht dahinter. "Die Sache" ist die jüngste Stellungnahme der CDU Kriftel zum Fall Börs.
Wie berichtet, hatte die Unionsriege der Obstbaugemeinde unter anderem in Zweifel gezogen, ob die Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft "fair und unvoreingenommen" seien. Außerdem sei die Öffentlichkeitsarbeit der Behörde einseitig. Schützenhilfe von den Christdemokraten außerhalb der Gemeindegrenzen, signalisiert die Nichtkommentierung Lutzes, können die Krifteler nicht für ihre scharfen Attacken der Staatsanwälte erwarten. Aber: eine deutliche Distanzierung der Main-Taunus-Spitze der Christdemokraten von der Presseerklärung aus der Obstbaugemeinde würde tatsächlich "zur Versachlichung beitragen" - das will zwar eigentlich die Union in Kriftel nach eigenen Worten mit ihrem Schreiben, aber provoziert sie nicht nur unsinnig? Kreischef Lutze sagt dazu wieder nur . . . - siehe oben.
PETRA MIES
Oma sein oder Opa - das wär' was. Nicht daß das, wie die Journalistin (und FR-Kollegin) Erika Albers am Donnerstag abend frischweg offenbarte, "immer Friede, Freude, Eierkuchen" bedeutet. Doch hat nicht Oma Albers über die Jahrzehnte beispielsweise alle "Konflikte über die Auffassung von Ordnung" mit den auch unter ihrem Dach lebenden Töchtern und Enkelinnen glatt bestanden? "Ich habe gelernt", gestand sie ein, "daß man auch im Chaos leben kann." Und mehr: "Man erweitert seinen Sprachschatz ungemein."
"Kinder und Ältere" hatte das rührige Institut für Sozialarbeit die Veranstaltung jenes Abends genannt, an dem die echte Großmutter Erika Albers mit der Leih-Oma Hannelore Czermin und diese wiederum mit sogenannten "Senioren-Mitarbeitern" wie Wolfgang Ziegelmayer und Irmgard Rütten sowie der Wissenschaftlerin Uta Enders-Dragesser und der Babysitter-Vermittlerin Gaby Heep zusammentrafen.
Schwerwiegend der Hintergrund einer laut Moderation in der Regel "ungeübten Beziehung". Die Kinder wie die Alten stecken, so Uta Enders, "in bestimmten Kästchen", und allgemein herrscht das Bild: "Die vertragen sich nicht mehr."
Wenn's im Hinterhof zu laut ist, "gehen die Älteren", das sagte Wolfgang Ziegelmayer, "nicht das Risiko ein, sich unter die lauten Kinder zu mischen". Andererseits bitten und betteln die Sechs- und Siebenjährigen eines Kinderhorts die Sozialbetreuerin Irmgard Rütten darum, auch mal im "Spielkreis" des Instituts für Sozialarbeit mit alten Menschen vor einem Brettspiel sitzen zu dürfen.
Viele der Jungen, das wurde herausgearbeitet, fühlen sich heute ebenso einsam wie die Alten: Eine Mutter berichtete, ihr mit ihr alleinlebender Sechsjähriger spreche "inzwischen fremde Menschen an". Die, die man Senioren nennt, glaubten aber immer noch, "die Familien ordnen alles allein" (Enders) und "das fremde Kind geht mich nichts an".
Weit gefehlt: Oma oder Opa sein - das klappt nicht nur bei Blutsverwandtschaft. "Es ist herrlich", sagte Ersatzoma Czermin, der immer montags das Herz höher schlägt, wenn der dreijährige Peer hinter der Glastür seiner Eltern auf sie wartet. "Wann", schwelgte die ältere Dame, "sieht man heute noch strahlende Kinderaugen?" Und Gaby Heep, die sie über ihre Babysitter-Vermittlung zu verleihen pflegt, unterstrich: "Das gibt doch dem Tag einen Sinn."
Wie man hören konnte: für beide Seiten. Die Mütter sind, so Uta Enders, "oft überfordert und im Stich gelassen", manch ein Vater hat sich dünnegemacht, und "Verwandtschaft fällt ja fast ganz aus". Vierzig Kinder der Bettinaschule, das berichtete Zuhörerin Ute Glasemann, sind bei der letzten Projektwoche "fünf Tage lang von morgens bis abends" ins Altenheim gegangen. Und als das Kinderbüro 500 Kinder befragen ließ, mit wem sie nach den Eltern am besten reden könnten, da standen die Großeltern nach den Freunden an zweiter Stelle - weit vor den Lehrern. clau
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Leitartikel Frauen als Sparmasse Seite 3
Feuilleton Zum Tod von Kobo Abe Seite 8
Dokumentation Aufrufe gegen rechte Gewalt Seite 9
Wirtschaft Mangelware Bauland Seite 11
Frankfurt "Erzählcafé" baut Brücken Seite 17
Hessen Schwere Zeiten für Raser Seite 24
Aus aller Welt Löschversuche am Supertanker Seite 26
Börse Seite 13
Freie Aussprache Seite 14
Filmspiegel Seite A 4
Fernsehen und Funk Magazin 9- 11
Zeit und Bild
Zehn Sekunden Illusion ZB 1
Feuilleton / Literatur ZB 2-ZB 4
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Geschäftsverbindungen A 43
Geschäfte A 42
Reise und Erholung M 1-M 6
Heirat / Bekanntschaften M 6+M 7
Verkäufe A 2+A 3
Kaufgesuche A 3
Veranstaltungen A 4
Verschiedenes A 4
Unterricht A 100
FRANKFURT A. M., 22. Januar. Nach dem Eklat um 350 000 volksverhetzende Postwurfsendungen der Deutschen Volksunion (DVU) Ende Dezember hat die rechtsextremistische Partei der Post nun neue Aufrufe zur Frankfurter Kommunalwahl für die Versendung in alle Haushalte vorgelegt. Das berichtete die Deutsche Postgewerkschaft (DPG). Eine mehrseitige Wahlwerbung der ebenfalls ultrarechten "Republikaner" liege außerdem "schon in den Postämtern". Nachdem beide strafrechtlich nicht mehr zu beanstanden seien, müßten sie in der nächsten Woche ausgetragen werden.
Sonja Marko, Bezirkssekretärin der DPG Hessen, sagte am Freitag, sowohl die Generaldirektion Postdienst als auch die Gewerkschaft hätten sich entschlossen, diese und alle kommenden Sendungen der Rechtsextremisten mit eigenen Wurfzetteln zu kommentieren.
Bevor die Parteienwerbung ausgetragen wird, werden die Frankfurter unter der Überschrift "Die Deutsche Bundespost informiert" Hinweise finden, "daß unsere Zusteller sich von manchen Aussagen der Parteien ausdrücklich distanzieren". Bei der Post seien "viele ausländische Kollegen beschäftigt. Die Zusammenarbeit zwischen deutschen und ausländischen Mitarbeitern ist gut."
Das Flugblatt der Postgewerkschaft ("Wir erteilen den rechtsradikalen Wölfen im Schafspelz eine klare Absage") wird mit der rechten Parteienwerbung in die Briefkästen eingeworfen. Mitglieder aller Gewerkschaften und Freiwillige werden zu diesem Zweck die 500 Briefträger begleiten. Weiterer Bericht im Lokalteil)
In seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Städtereklame GmbH (DSR) übergibt am Sonntag, 24. Januar, Bürgermeister Moog der Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlößchen ein Bild des oft gemalten Alten Schlößchens als Geschenk. Maler ist der 80jährige Frankfurter Erwin Haug, dessen zartfarbige, impressionistische Städte- und Landschaftsbilder in vielen Hessischen und Frankfurter Institutionen und bei Privatsammlern anzutreffen sind.
Eine kleine Ausstellung seiner Bilder, unter denen die Winterbilder einen besonderen Rang einnehmen, ist im Schlößchen zu sehen. Die Übergabe wird mit einer Matinee um 11 Uhr gefeiert. E-S
Beamte des Amtes für Wohnungswesen haben am Freitag morgen in Begleitung von Schutzpolizisten die hessischen Geschäftsstelle der rechtsextremen "Republikaner" in der Eschersheimer Landstraße 516 durchsucht. Wie der Leiter des Amtes, Klaus Miehrig, auf Anfrage erklärte, sei man einem Hinweis nachgegangen, wonach die Geschäftsstelle in ehemaligen Wohnräumen im Erdgeschoß des Hauses untergebracht und somit zweckentfremdet worden sei. Der Verdacht, so Miehrig, habe sich bei der auf einen Durchsuchungsbeschluß des Amtsgerichtes gestützten Aktion erhärtet.
Die Vertreter des Amtes für Wohnungswesen nahmen sich auch die Wohnung im ersten Stock des Gebäudes vor, die nicht von den "Republikanern", sondern von einem anderen gewerblichen Nutzer angemietet worden war.
Gegen die "Republikaner" und den Mieter in der Wohnung darüber sollen nun Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet werden. Miehrig: "Wir können Bußgelder bis zu 20 000 Mark verhängen. Wie hoch das Bußgeld dann tatsächlich sein wird, hängt von der Dauer der Nutzung ab." Ferner sei zu prüfen, welchen Gewinn Mieter oder Vermieter gemacht hätten, der dann gegebenenfalls abgeschöpft werde. enk
Die alte Dame hat sich nicht angemeldet. Am späten Samstagvormittag ist sie zu dem Gründerzeithaus am Alleenring gegangen, in dem sie mit Mann und Kindern von 1931 bis 1949 lebte, und hat einfach geklingelt. Dem schlaftrunkenen jungen Mann, der vor zwei Jahren in die Wohnung gezogen ist, erklärt sie: "Ich wollte das gern einmal wiedersehen."
Sie darf herein. Und sie bleibt mehr als zwei Stunden. Der Mann läßt sie schauen und hört ihr zu. Die Frau hat viel zu erzählen: von den "verrückten Typen", die hier einst im Haus lebten; davon, daß das ein "ziemlich rotes Viertel" gewesen sei; daß man im Keller gefährdete Genossen vor den Nazis versteckte; wie man dem Blockwart ständig Schnippchen schlug.
Solche Begebenheiten wie der Besuch der alten Dame erfreuen den Anthropologen Heinz Schilling vom Frankfurter Universitätsinstitut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie: "Ja, alte Frankfurter sind lebendige Heimatmuseen", sagt er, "Und das in irgendeiner Weise zugänglich zu machen, ist ein wesentliches Stück Kulturarbeit."
Solchen Job macht Michael Fleiter (43) seit zwei Jahren. Er leitet und moderiert das "Erzählcafé" im "Treffpunkt Rothschildpark". Sein Programm: "Am liebsten lade ich Leute ein, die etwas über Frankfurter Geschichte erzählen können. Ich suche nicht nur Zeitzeugen, sondern vor allem Ortszeugen, die etwas über die Straßen und Gebäude hier mitteilen, die sozusagen die Steine zum Sprechen bringen können." Dadurch werde für junge Leute und die vielen zugewanderten Eingeplackten "das, was historisch weit weg liegt, nah und irgendwie greifbar".
Das Konzept hat Erfolg: Das Haus ist voll. Zu den einmal im Monat organisierten "Erzählcafé"-Samstagen kommen im Schnitt 100 bis 120 Menschen - "und immer mehr junge Leute" (Fleiter). Viele Interessenten finden keinen Platz und müssen draußen bleiben. Die verpassen dann die Geschichten von jüdischen Remigranten, Frankfurter Widerstandskämpfern, "Gastarbeitern der ersten Stunde", Theaterspielen im Frankfurt der 20er Jahre.
Fleiter ist auf eine "farbige Mischung" aus: "Ich finde nix schlimmer als Nazizeit, Nazizeit, Nazizeit." So gab es denn "Erzählcafés" über "Kindheit in der Kaiserzeit", "Als der Eschenheimer Turm noch bewohnt war", "Häuserkampf im Westend" und von der "Kunst, die einklassige Dorfschule zu leiten".
Ein Ebbelwei-Wirt erteilte Stöffche- Lektionen, eine Westendlerin schilderte den Häuserkampf im Stadtteil, die Frau, die 28 Jahre lang das Frauengefängnis Preungesheim leitete, zog ihre sozialgeschichtliche Knast-Bilanz. Der Bankier Walter Hesselbach berichtete über die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG). Seitdem sieht Michael Fleiter das BfG-Hochhaus "mit anderen Augen": "Ich bin ja nun ein ,68er&rquote;. Damals sind wir vor die Banken gezogen und haben Steine geworfen. Wir haben allerdings keinen Unterschied gemacht zwischen Deutscher Bank und BfG. Das war alles eins. Jetzt weiß ich, daß die BfG zurückweist auf ein Stück Frankfurter liberaler jüdischer Wirtschaftstradition aus Weimarer Zeit."
Der Großstadt auf solche Weise ein Stück ihrer Anonymität zu nehmen sei "wichtig für das Lebensgefühl der jüngeren Leute hier", behauptet Fleiter: "Etwas über die Stadt zu wissen, läßt die Leute hier sich heimischer fühlen. Nicht im Sinne von heiler Welt, sondern einfach, indem man Bescheid weiß über Dinge, die hier gelaufen sind und die das Stadtbild geprägt haben."
Der Anthropologe Heinz Schilling, der seit einem Jahrzehnt "Modernisierung und Urbanisierung in Frankfurt und Rhein-Main-Gebiet" erforscht, sieht
(Fortsetzung auf Seite 18)
Die Kreisstadt Groß-Gerau nimmt am Samstag, dem 30. Januar, 19 Uhr, in der Groß-Gerauer Jahn-Turnhalle die Ehrung der erfolgreichsten Sportlerinnen und Sportler des Jahres 92 vor. In Zusammenarbeit mit der Sport AG wird ein buntes Programm geboten. Zum Abschluß bitten "Steve Young & Band" zum Tanz. prd
KRIFTEL. Rettet den Bären! Der Ruf einte die Tierfreunde aus CDU, SPD und FWG in Kriftels Parlament. Nur die Grünen zeigten sich bärbeißig und wollen das zerbröselnde Tier nicht ersetzen, das über dem Berliner Platz thronte und nun auf dem Bauhof sein Dasein fristet.
"Berlin ist jetzt eine Stadt wie andere", sagte Ingo Mehling (Grüne), "wir könnten auch die Bremer Stadtmusikanten aufstellen." Skepsis auch beim Gemeindevorstand - der findet 9000 Mark für eine neue Skulptur aus Granit ein bärenstarkes Stück. Vielleicht hat der Berliner Senat noch Geld für Bären in Not. md
Die Steine zum Reden bringen . . .
(Fortsetzung von Seite 17)
"Menschen suchen sich immer und in jeder Situation zu vergewissern. Wenn Orientierungen wegfallen, fange ich automatisch an, mir welche zu suchen", sagt der Professor. "Wenn ich neu in eine Stadt ziehe, dann setzt ein Vergewisserungsprozeß ein: Wo bin ich eigentlich hier gelandet?"
Dazu gehöre - das ist ein zentraler Befund der Schilling-Forschungen - "der Rückgriff in die Geschichte". Da solle man sich dann durchfragen und "halt auch alte Leute anquatschen", empfiehlt der Kulturwissenschaftler.
Keinesfalls dürfe sich der Neubürger auf Literaturstudien beschränken: "Da kriegt man dann die gotterbärmlichen Festschriften ,1200 Jahre soundso&rquote;, in denen nur die goldenen Fassungen drinstehen."
Auch von "Heimatabenden neuen Stils" und Babbelnachmittagen - "die haben im Frankfurter Umland Konjunktur" - rät Schilling ab. Da walte und wabere folklorisierende "Tümlichkeit", würden "Wagenburgen gegen die Modernisierung" gebildet. Da schwöre man ein auf ein "Gefühl der Zusammengehörigkeit, das knebelt".
Nichts dergleichen, so Schilling, finde sich im "Erzählcafé": "Da wird man in keinen lokalistischen Topf getunkt. Da wird vielmehr Erfahrungshunger gestillt, und da eröffnen sich neue Horizonte in den Köpfen."
(Siehe auch: "Die Alten reden . . .")
JOSEF RENZEL, 40 Jahre Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Sossenheim, wird am Montag, 25. Januar, mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen für sein fortdauerndes Engagement ausgezeichnet. Stadträtin Ilse Vaupel übergibt dem Sossenheimer die Auszeichnung um 10.30 Uhr im Limpurgsaal des Römer. Mit dabei ist auch HEINZ NOOS. Er wird ebenfalls für sein langjähriges Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr Nied geehrt.
MAIN-TAUNUS-KREIS. Er hat nichts klarzustellen, sagt er, "höchstens zu bekräftigen". Worauf Landrat Jochen Riebel (CDU) hartnäckig insistiert, ließ bei der SPD-Unterbezirksvorsitzenden und hessischen Justizministerin, Christine Hohmann-Dennhardt, die Alarmglocken schrillen: In einer demokratischen Gesellschaft müsse den "Republikanern" "der Weg zur Läuterung" offenstehen, ließ Riebel vernehmen.
Eine unklare Äußerung, meint die Sozialdemokratin und hegt nun den Verdacht, die CDU wolle sich eine Hintertür für eine Zusammenarbeit mit der rechtsextremen Partei offenhalten - sollten die "Republikaner" in den Kreistag einziehen. Letzteres müsse mit aller Kraft verhindert werden; der Landrat solle sich deshalb klar von der Rechtsaußen-Partei distanzieren.
Der wiederum fühlt sich von der SPD- Chefin "mißverstanden" oder "falsch" interpretiert: "Wir müssen uns gerade mit diesen Leuten politisch auseinandersetzen." Alles andere sei "töricht und sogar höchstgefährlich". Hohmann-Dennhardt solle darüber nachdenken, ob es vernünftiger wäre, die "Republikaner" auszugrenzen. Riebel erinnerte an die "väterlich ermahnenden" Worte Willi Brandts, der vor Jahren eindringlich vor einer "Ausgrenzung der linken Chaoten" gewarnt hätte.
"Die Justizministerin muß sich auch besinnen, in welcher Koalition sie sitzt", geht Riebel in die Offensive. Vor Jahren noch hätten die Grünen Generäle mit Blut bespritzt, Widerstand gegen staatliche Autorität geleistet und die Abschaffung der Polizei verlangt. Riebel bekräftigte jedoch: "Mit Strukturen einer Partei, die als wesentliches Element dumpfen Emotionalismus auf ihre Fahnen schreibt, habe ich nichts im Sinn."
Ähnlich äußerte sich CDU-Kreisvorsitzender Horst Lutze, den die Ministerin ebenfalls aufgefordert hatte, die Position des Landrats klarzustellen und sich von den "Republikanern" zu distanzieren: "Wir werden immer wieder Menschen, die sich links- oder rechtsextrem politisch betätigt haben, als offene Gesellschaft den Weg zum Rehabilitanden ermöglichen müssen." Lutze verbitte sich den "wahlkampftaktischen Versuch" der SPD, dem Landrat samt der CDU "rechtslastige Motive" anhängen zu wollen: "Eine Zusammenarbeit mit rechtsextremen Parteien kommt für die CDU Main- Taunus ebensowenig in Frage wie eine Koalition mit den Grünen, die das Gewaltmonopol des Staates politisch nicht geklärt haben." ana
NIED. Das Theater Radelrutsch spielt für Kinder ab sechs Jahren am heutigen Samstag um 15 Uhr im Kinderhaus Nied das Stück "Der Nasentanz". Eintritt: Kinder zwei, Erwachsene vier Mark. gre
Willi Ziegler, der Direktor der Senkkenberg-Gesellschaft und des Naturkundemuseums, erhält die Goethe-Plakette der Stadt. Diese hohe Auszeichnung wird Oberbürgermeister Andreas von Schoeler dem Senckenberg-Chef am Mittwoch, 27. Januar, im Römer überreichen. Ziegler habe die "große Tradition dieses alten Frankfurter Institutes in hervorragender Weise fortgeführt", schreibt der OB zur Verleihung.
Professor Ziegler habe das Naturmuseum mit seinen didaktischen Aufgaben für immer mehr Besucher interessant gemacht, aber auch dem Institut durch seine weltweite Forschung zu weiterem Ansehen verholfen. Ziegler ist seit fast 13 Jahren Direktor des Senkkenberg.
Der Oberbürgermeister würdigt ganz besonders das Engagement des Senckenberg-Direktors für den Erhalt der Grube Messel. Er habe damit entscheidend dazu beigetragen, daß diese "einzigartige paläontologische Fundstelle" nicht zu einer Mülldeponie werde. luf
Ehepaar Fluch aus Eppstein sammelte Spenden für Aizkraukle
BERLIN. Walter Benjamin, dieser Widergänger der Moderne, stimuliert die interpretierende Phantasie umso stärker, je vieldeutiger sein Werk sich im Lauf der Zeit entfaltet. Solche Aneignung, befreit aus der marxistischen wie der theologischen Engführung, bedarf auch der Bilder, die zum ihm hinführen. Das hatte das Werkbund-Archiv Berlin in seiner schönen, geradezu zärtlichen Ausstellungsfolge 1990 exemplarisch bezeigt.
Auf ähnlichen Spuren, wenn schon mit weniger Efolg, wandelt nun eine Projektgruppe der Universität Bremen, die ihre Arbeitsergebnisse zum fragmentarischen "Passagen"-Werk zuerst im Goethe-Institut Paris, nun in der Berliner "Künstlerwerkstatt im Bahnhof Westend", zu Gast bei der Karl-Hofer-Gesellschaft und der HdK zeigt, umrahmt von Vorträgen und Konzerten. Im kostbar gedruckten, mit bibliographischen Angaben geizenden Katalog zu dieser Ausstellung, die kleiner schon in Bremen zu sehen war, nach Mainz weiterreisen wird, werden Benjamins Überlegungen zu den Pariser Passagen als einer typischen Bauform des 19. Jahrhunderts fortgesponnen, mit mehr oder weniger plausiblen Interpretationen. Dazu hat der Maler und Zeichner Wolfgang Schmitz collage-artige Papierarbeiten gemacht, die zwar einiges von seinem intimen Umgang mit Benjamins Werk verraten, als künstlerische Hervorbringungen aber ziemlich charotisch geraten sind.
Wichtiger als diese problematische Annäherung, die in der Ausstellung freilich den meisten Platz einnimmt, sind Photos der Pariser Passagen des französischen Photographen Robert Doisneau und des Berliner Architekturhistorikers Johann Friedrich (Jonas) Geist, der sich nicht allein auf Pariser Beispiele beschränkt. Ihm verdanken wir das unfangreiche Standardwerk zum Thema "Passagen". Er schon 1966/67 zahlreiche dieser überdachten Straßen photographiert, in französischen, belgischen, englischen und italienischen Städten, einige davon sind inzwischen der Abbruchwut der Nachkriegszeit zum Opfer gefallen. Der Unterschied zwischen dem imperial-klassizistischen Typ, etwa der "Galleria Vittorio Emmanuele" in Mailand, und den formal zahlreichen, oft verspielten Passagen in Paris, auf die Benjamin sich vor allem stützte, wird in Geists strengen, kühlen wünschenswert deutlich. Zum Teil hat er die gleichen Durchgänge aufgenommen, die Doisneau (geboren 1912) noch in den achtziger Jahren gleichsam katalogisiert hat, zu einer Zeit also, als ihre ideologische Funktion längst unsichtbar geworden war, ihre merkantile Aufgabe erledigt zu sein scheint.
Kleine Läden, Antiquariatsbuchhandlungen, am Ende das eine oder andere preiswerte Hotel, bric-a-brac abgelebter Epochen: Doisneau hat das alles mit großer Zuneigung festgehalten, zuweilen auch die Menschen, die sich in diesen Passagen heute bewegen; unvergeßlich in einem Photo von der Passage Jouffroy, das im Vordergrund eine schöne junge Maghrebinierin zeigt, im Hintergrund einen uralten, kleine, weißhaarigen Franzosen, der höchst mißtrauisch blickt. Der Unterschied in den Photos ist aufschlußreich: Doisbeau bleibt ein Menschenphotograph, auch wenn Architektur sein Thema ist, er sucht die Spuren der Verwandlung, hier die in ein kleinbürgerliches Milieu, das Spuren vergangener Größe bewahrt und zugleich dementiert; Geist ist or allem andern an Strukturen interessiert. Dieser beiden Photoserien wegen ist die Ausstellung sehenswert.
Auch eine andere, mit über dreihundert Photos gewiß zu groß geratene (und unübersichtlich gehängte) Ausstellung verdankt sich einer universitären Projektgruppe, diesmal der Hochschule der Künste zu Berlin, die unter der leitung des Mode-Designers Uli Richter (einst Berlins einflußreichster Couturier) und des Photographen F. C. Gundlach "Berlin en vogue" in der Berlinischen Galerie (und später in München und Hamburg) zeigt. Ältere Damen (nicht bloß "Wilmersdorfer Witwen"!) wandern nostalgisch verzückt an den Zeugnissen der Berliner Mode seit dem Beginn des Jahrhunderts vorbei, junge Pärchen in Parka und Jeans kichern gelegentlich und sind dann doch fasziniert von Abendroben und Tailleurs, die sie selbst dann nicht tragen würden, wenn sie es könnten. Ihnendürfte das zeitlich letzte Photo, das Götz George als Schimanski beim Sprung über einen Zaun in der von ihnen bevorzugten Einheitskluft, vom Designer versteht sich, am meisten sagen! Wer die Ausstellung gesehen und den kiloschweren Katalog gelesen hat, weiß beinah alles über Mode in der Hauptstadt, in den Halbstädten und heute.
Uns erscheint wichtiger, was aus dieser Schau an gesellschaftlichen Veränderungen ablesbar ist und wie es sich auf die Photographen übertragen hat, jene, die nur ein Model ablichteten und dafür sorgten, daß die jeweilige Robe ins rechte Licht kam und die anderen, die etwas von den Umständen, der jeweiligen geistigen und politischen Situation ins Bild brachten. Da gibt es ein Photo von Willinger (Vornahme fehlt ebenso wie die Angabe ob es sich um ein Modehaus oder einen Photographen hangelt), das drei Damen in "Trottoirkleidern" um 1912 zeigt: Die Nähe zu Ernst Ludwig Kirchners Potsdamer Platz-Bildern ist schlagend, gleich als hätte der maler sich ausgerechnet dieses Modebildes oder der darauf Abgebildeten bedient, was eher unwahrscheinlich ist.
Auf einem Photo des Chronisten Friedrich Seidenstücker von 1929 paradieren nackte Schaufenster-Puppen, deren Körper und Köpfe dem Kanon der "Neuen Sachlichkeit" gehorchen, in den Photos des später emigrierten Martin Munkácsi wid die "feine Gesellschaft" der dreißiger Jahre erstaunlich lebendig. Hedda Walters "Moderennen" von 1937 etwa macht die drei Amazonen lebendig, Gleich nach 1933 ändert sich das "Klima" auch der Mode erheblich. Hedda Walters "Moderennen" von 1937 etwa macht die drei Amazonen als Pendant ihrer schwarz uniformierten Galane (nicht im Bild!) kenntlich. Die formalen "Funde" der zwanziger und dreißiger Jahre (die Diagonale als "Bauprinzip") werden auf eine unheimliche Weise "arisiert" - die großbürgerliche Attitüde wird auf spießbürgerliche Weise bloß noch nachgeahmt. 1942 sieht ein "sportliches Kostüm" (das auf "Spinnstoffkarte" gewiß nicht zu bekommen war) aus wie eine Uniform.
Das Blond-Forsche hat sich weit in die "Aufbaujahre" der Bundesrepublik (und Westberlins) gehalten, nur wenige Couturiers, wie Uli Richter und Heinz Oestergaard, haben es verstanden, sich vom aufgedonnerten Kleinbürgermuff zu lösen (Vergleiche ihrer Kollegen mit den großen französischen oder italienischen Häusern verbieten sich in aller Regel ohnedies). Die Photographen hingegen paßten sich den gültigen internationalen Standards so rasch an, wie früher den völkischen Vorgaben, häufig sind sie sehr viel besser als das, was sie zeigen (müssen). Ihre Arbeiten wirken heute umso interessanter, je mehr sie sich auf ihre Modelle als menschliche Wesen eingelassen haben, was natürlich sehr viel einfacher war, wenn es darum ging, Stars und Sternchen von Film (und bald auch Fernsehen) in Schale abzubilden.
Zweite Eishockey-Bundesliga Nach dürren Zeiten eine ungewohnte Torflut
Nach sieben Spielen ohne Punktegewinn langte es für Eishockey-Zweitligist EC Bad Nauheim am Freitag abend wieder einmal zu einem Erfolgserlebnis. Vor 1500 Zuschauern besiegte das bisherige Schlußlicht auf eigenem Eis den harmlosen Tabellenneunten EHC Essen-West mit 9:3 (1:1, 4:0, 4:2). Die Partie konnte als Generalprobe für die Abstiegsrunde angesehen werden, wo in der ersten Runde die beiden Teams wahrscheinlich erneut aufeinandertreffen. Der EC gab die "rote Laterne" ab.
Die Gastgeber konnten die in den letzten Spielen schmerzlich vermißten Stammspieler Paschek und Emminger wieder einsetzen, es fehlte weiterhin Lindenzweig. Der Ex-Schwenninger nahm den Platz des zuletzt in der Defensive spielenden Kanadiers Walt Poddubny ein. Der ehemalige NHL-Profi rückte wieder auf seinen Stammplatz im ersten Sturm neben Pöpel und seinen Landsmann Latta. Nach dem 0:1 durch den Russen Jaschin trafen Prada (1:1 in der 20. Min.), Paschek (24.) mit einem Solo, Pöpel bei zweifacher EC-Überzahl zum 3:1 (34.) sowie mit einem Doppelschlag Latta und Paschek (38.) zum beruhigenden 5:1-Vorsprung nach dem Mitteldrittel. Der dreifache Torschütze Pöpel (6:1 und 9:2), Prada und Michel (bei einem Gegentor von Jaschin) machten im Schlußabschnitt den höchsten Saisonsieg perfekt. jo.
Die Frankfurter "Löwen" sind noch einmal davongekommen. Durch einen 10:5(1:2, 3:3, 6:0)-Sieg über ihren Angstgegner ETC Timmendorf behielten sie ihre weiße Weste auch im achten Spiel der Endrunde in der Eishockey-Oberliga Nord. Bis Freitagabend war die Mannschaft von der Ostsee der einzige Gegner gewesen, der in den vergangenen zwei Jahren in Frankfurt ausnahmslos Erfolgserlebnisse gehabt hatte. Diese aus Sicht der "Löwen" schwarze Serie schien auch diesmal Bestand zu haben, wenigstens bis zur 30. Minute. Zu diesem Zeitpunkt führten die Norddeutschen 4:1. In einer hochdramatischen Schlußphase machten die Frankfurter ihrem Ruf als haushoher Oberliga-Favorit dann aber alle Ehre. Da sich zur gleichen Zeit in einem weiteren Spitzenspiel Wolfsburg und Wedemark 2:2 trennten, beträgt der Vorsprung des Tabellenführers auf Wedemark vier Punkte.
Am Freitagabend hatte alles so gut begonnen für die Frankfurter. Zwar benötigte der Tabellenführer fast neun Minuten bis zum Führungstor. Doch in dieser Anfangsphase setzte er den Gegner fast permanent in der Verteidigungszone fest. Allerdings, und auch das wurde schnell deutlich, waren die in der Abwehr sehr konsequenten Timmendorfer bei weitem nicht so anfällig wie zuletzt der ESC Wolfsburg. Das galt erst nach dem Ausgleich. Von da an verloren die Gastgeber vorübergehend mehr und mehr ihre spielerische Linie und in der Abwehr häufig die Übersicht. Dies wiederum nutzten die nun auch im Angriff konsequenten Gäste zu einer zwischenzeitlichen 4:1-Führung. Danach allerdings verloren sie zunehmend die Kontrolle über ihr Spiel. Praktisch bei jedem Tor, mit dem die Frankfurter aufgeholt hatten, wollten die Gäste eine Regelwidrigkeit gesehen haben. Endlose Diskussionen mit den Schiedsrichtern und überflüssige Strafminuten brachten sie ebenso aus ihrem Konzept und auf die Verliererstraße, wie wohl auch ein Nachlassen der Kräfte. Ihre überlegene Kondition war es deshalb vor allem, die den Frankfurtern einmal mehr das Siegen in der Endphase doch noch recht leicht machte. Der ohnehin meist beschäftigte Timmendorfer, Torwart Spantir, wirkte nun auch nicht mehr so unüberwindlich wie in der ersten Hälfte des Spiels. Die Frankfurter Tore erzielten Jauchmann, Erhardt, Wolf, Grzesiczek (je 2),Hannan und Zajic. Sim.
Rupert Neudeck verbreitet Optimismus, unermüdlich. Ein heiteres Lächeln im Gesicht, wirbt der Vorsitzende des Komitees Cap Anamur für seine Idee, "zwischen Bosnien und Angola auch etwas in Deutschland zu machen, um gegen Ausländerhaß anzutreten": ein "Friedensdorf". Junge Arbeitslose, breitet er im Rathaus von Storkow vor Stadthonoratioren aus, sollten "für ein Taschengeld" mindestens zehn Mehrfamilienhäuser errichten, in die Menschen einziehen könnten, die durchhängen oder in Not sind: Deutsche und Ausländer unter einem Dach. Wohnraum schaffen ohne Waffen.
Neudeck hat mit einem Brief an den brandenburgischen Ministerpräsidenten im Dezember den Stein ins Wasser geworfen. Manfred Stolpe hat wohlwollend die Augenbrauen gehoben. Seither segelt die Idee wie eine Papierschwalbe durch die Verwaltungsräume von Potsdam, an staunenden Augen vorbei. Nun hat der Landesvater eigens einen seiner Leute an den runden Tisch im Bürgermeisteramt dieses altmärkischen Städtchens geschickt. Er soll ermutigen: Macht mal!
Aber ausgerechnet hier, ein paar Kilometer südlich von der Autobahn nach Frankfurt/Oder und Polen, eine Autostunde von Berlin entfernt, bloß weil die couragierte Bürgermeisterin Gabriele Baum im Alleingang und spontan erst einmal ja gesagt hat?
Diesem "ausgerechnet hier" begegnet man, wohin immer man kommt in den neuen Ländern. Gewiß, alle um den runden Tisch von Storkow sind guten Willens: der Landtagsabgeordnete Manfred Rademacher, die Vorsitzende des Jugendfördervereins, der örtliche Bataillonskommandeur der Bundeswehr, die Gesamtschulvertreterin, die brandenburgische Ausländerbeauftragte Almut Berger. Es herrscht jene seltsame Aufbruchstimmung, die die Nacht selten überlebt. Nach jedem euphorischen Beginn, dämpft der erfahrene Neudeck sogleich, "kommt die Zeit des Schwarzbrots ohnehin".
Hier kommt Schwarzbrot als erstes. Die Leute von Cap Anamur sind in der Welt herumgekommen, sind keine Träumer, es ist nicht ihr erstes Projekt. Sie könnten Architekten und andere Experten beibringen zum Nulltarif, meint Neudeck zwar, aber die Stunde der Wahrheit schlage in dieser Angelegenheit am Anfang: Ein Grundstück samt Erschließung müsse her, um beginnen zu können. Freilich: Die Kommune hat nichts zu verschenken. Sie hat nichts. Die Schuhfabrik als Hauptarbeitgeber zu Zeiten des realen Sozialismus ist ebenso pleite wie die Landwirtschaft. Es gibt keine Sponsoren. Eigentum an Grund und Boden, soweit die Rechtsfrage entschieden ist, ist fast ausschließlich an Westler gegangen.
"Es ist schwierig, jetzt, wo alles kaputt ist", gesteht Gabriele Baum. Es scheint, es ist überhaupt schwierig, Gutes zu tun. Die Statistik des Kreises nennt eine Arbeitslosigkeit von vierzig Prozent. Der Etat von Storkow für 1993 ist um zwanzig Prozent unterfinanziert, wie bei den meisten Gemeinden-Ost. Man wird Kindergärten dichtmachen müssen. Es gibt keine neuzeitliche Kanalisation. Bei der Erschließung des in Rede stehenden Areals werden die Einwohner womöglich hinnehmen sollen, daß das derzeit noch in den Wolken der Phantasie schwebende "Friedensdorf" womöglich modern entsorgt wird, während andere Bürger auf Sickergruben der Vorzeit zurückgeführt werden - aus Kostengründen, es reicht einfach hinten und vorne nicht.
Die Bürgermeisterin hat ein Grundstück im Auge, 60 Mark pro Quadratmeter, mitten in der Kommune, bürgernah sozusagen. Allen Anwesenden ist klar: Dies ist als Anfangsbelastung für das Projekt zu hoch. Stolpes Emissär Peter Borowsky strahlt zwar unverdrossen Zuversicht aus: Geld werde man schon auftreiben, wenn das Projekt erst mal überzeugend stehe. Irgendwie. Eher beiläufig mischt er den Satz dazwischen: "Sie wissen, Brandenburg ist ein armes Land."
In Wirklichkeit hat er nämlich keine müde Mark in der Tasche, und wenn Finanzminister Klaus Kühbacher der Potsdamer Kabinettsrunde am 7. Februar reinen Wein über die Etatlage 1993 einschenkt, dann erst recht nicht mehr. Allenfalls über Lottomittel und vielleicht über einen Spendenaufruf in der lokalen Presse scheint die Anschubfinanzierung für das Projekt reinzuholen sein.
In der Not schlägt einer der Gesprächsteilnehmer vor, einem Bauern (die LPG sind ja ohnehin alle in der Liquidation) einen Acker billig abzukaufen und diesen dann flugs als Bauland zu deklarieren. "Wenn wir dem statt 50 Pfennigen fünf Mark geben, macht der einen Reibach, und wir machen auch einen Reibach."
Indes, man kriegt ein solches Projekt nicht allein deswegen auf die Beine, weil sich eine geschlossene Gesellschaft Gutwilliger im Bürgermeisteramt zusammensetzt und nickt. Es geht ja nicht nur ums Materielle, sondern auch ums Konzeptionelle. Man dürfe das Friedensdorf auf keinen Fall "in den Wald setzen", meint der Landtagsabgeordnete. "Integrativ" ist sogleich das alle einende Stichwort. Es dürfe "kein Getto werden, weder ein Getto für Ausländer noch für Deutsche", sagt der Emissär aus Potsdam. Selbst der grauenhafte Ölschinken im Goldrahmen, der über dem Tisch hängt und wohl noch aus Ulbrichts Zeiten stammt, scheint zu nicken. Kein Betonklumpen am Stadtrand, vielmehr: Ausländer unter uns. Dezentral bauen freilich ist teurer. Es ist schwierig, Gutes zu tun.
Kommen wir vom Materiellen (auch die Kosten für das Baumaterial sind ungeklärt) zum Ideellen. Ein lokales Komitee, wird beschlossen, soll die Einheimischen für das Projekt zu begeistern versuchen. Der Landtagsabgeordnete sieht für die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung am 25. Februar keinerlei Probleme, "wenn erst einmal die Kostenfrage geklärt ist"; Neudeck wird zuvor den Volksvertretern das Projekt noch einmal detailliert vortragen.
Die Bürgermeisterin: "Der Kreis der aktiven Mitstreiter läßt sich vielfältig erweitern." Arbeitskräfte, die für drei oder sechs Monate umsonst auf den Bau gehen, will das Komitee Cap Anamur gegebenenfalls über eine deutschlandweite Kampagne gewinnen; mindestens dreißig Jugendliche müßten schon ständig auf Maloche sein, ergänzt Bataillonskommandeur Walter Ludwig, ein Bilderbuch- Bayer im märkischen Exil: "Ich komme immer mit mindestens zehn Mann. Wie sieht das aus, wenn sonst keiner da ist?" Kriegen wir hin, nickt die Runde.
Die Bundeswehr will dem Projekt mit auf die Beine helfen. Das hat jedenfalls Ludwig bereits im Vorfeld zugesagt. Vorausgesetzt, das Bundesverteidigungsministerium stimme zu. Vorausgesetzt, die Industrie- und Handelskammer erteile eine Unbedenklichkeitsbescheinigung. Vorausgesetzt, eine Ausschreibung für freiwillige Bauleistungen werde zuvor öffentlich ausgehängt. Auch in der freien Marktwirtschaft darf man nicht ungefragt umsonst helfen. Ludwigs Interessenlage ist klar: Er hat ein "Ausbildungsinteresse", er braucht eine Beschäftigung für die in der märkischen Öde herumlungenden Rekruten, die täglich Lauf-Runden drehen müssen, den Chef vorneweg, damit die Aggression irgendwo hin kann.
Es sei ihm lieber, sagt der Bataillonskommandeur, wenn seine Pioniere in dem Städtchen Häuser bauen, die Nutzen bringen, als irgendwo im märkischen Sand übungshalber etwas errichten zu lassen, was zwei Wochen später niedergewalzt wird, ebenfalls übungshalber. Der macht mit, ganz Produkt der inneren Führung auf festen Beinen. Wenn man ihn nur läßt von der Hardthöhe her oder wenn's keiner so richtig merkt: "Je höher ihr das hängt, um so schwieriger wird's für mich." Darf Volker Rühe nichts merken, wenn Gutes getan wird im Land?
Das "Ausbildungsinteresse" geht über die handwerkliche Dienstleistung hinaus. Ludwigs Rekruten sind an der rechtsradikalen Randale mit beteiligt gewesen, die Storkow zeitweise verheerende Schlagzeilen eingetragen hat. Zwar: Amtlich ist dies bloß ein Gerücht, die Akten geben nichts her, die Einwohner spielen Kannitverstan, muffeln verlegen vor sich hin. Bei näherem Hinhorchen: Es stimmt wohl. Dieses unscheinbare Storkow, 6300 Einwohner stark, konturenlos, städtebaulich in alle Himmelsrichtungen zerfließend, ohne Seele, ohne Mittelpunkt, hat den aus der Wende resultierenden psychischen Notstand voll durchlitten.
Angefangen hat es schon vorher. Wende, wie sie leibt und lebt. 1987 hat die DDR-Regierung der kleinen Kommune 350 Vietnamesen und Vietnamesinnen als Vertragsarbeiter aufgedrückt; die gelten inzwischen fast als Einheimische, man hat sich aneinander gewöhnt. Eigentlich möchte man sie behalten, jetzt, da der Kontrakt mit Vietnam ausläuft. Im Oktober 1991 kamen einhundert Asylbewerber hinzu, untergebracht in einer Plattenbausiedlung. Eine Quote von 300 lehnte der Gemeinderat mit 10:9 Stimmen damals knapp ab; "Storkow bleibt deutsch", merkte die Lokalpresse bissig an.
Doch da begann seinerzeit schon der Krieg, von bürgerkriegsähnlichen Zuständen ist hinter vorgehaltener Hand noch heute die Rede. Skins aus Königs Wusterhausen hatten zuvor den einzigen brauchbaren Jugendclub am Kanal bei einem Überfall total zerstört, aus schierer Lust am Aufmischen; die beiden Bediensteten dort waren und sind die einzigen für Jugendarbeit zuständigen Mitarbeiter von Storkow. ABM-Leute auf Abruf.
Storkow war Übungsfeld für rasierte Kahlköpfe. Aus Fürstenwalde kamen die rechten Schläger angereist, um Randale zu machen. Dazu, so die Kriegsberichte von 1991, aus Berlin die gestylten Drahtzieher mit Funksprechgeräten, die die Bambule steuerten. Es ist so leicht, im durcheinandergeratenen Osten "Menschenmaterial" zu rekrutieren.
Kriegt man einen der Ortsansässigen zum Reden, erfährt man beispielsweise von der wilden Hatz, in der ein Extremist im weißen Sportwagen mit Berliner Kennzeichen den Gemeindepfarrer zur Strecke zu bringen versucht hat. Dem Pfarrer ist nichts passiert; er hat auf den Sandwegen den "Heimvorteil" auszuspielen vermocht: seinen Trabi. Die Identität des Verfolgers ist inzwischen in ganz Brandenburg polizeibekannt. Doch der fährt immer noch von Tatort zu Tatort.
Sechs Wochen haben damals die von außen gesteuerten Krawalle angehalten. Sie sind nicht ohne Spuren geblieben in Storkow. Die Bürgermeisterin hat "ein bißchen sehr Angst", was sich unter den 520 Schülern der örtlichen Gesamtschule an Extremismus zusammenbraut; ein einzelner Rabauke hat gerade für 12 000 Mark Schaden angerichtet, die klare Mehrheit einer Schulklasse hat sich bei einer Befragung als "rechts" und gewaltbereit gezeigt. Die Stadt ist wie allenthalben in den neuen Ländern ein offenes Scheunentor für unheimliche Verführer.
Der Gemeindepfarrer ist ein besonders bevorzugtes Objekt rechter Aggression. Er hat Ende 1991 jene Telefonkette ins Leben gerufen, die mit Trillerpfeifen und Blitzlichtern die anreisenden Skins abwehrte. Jugendliche mit bis zu zwanzig Litern Mollis wurden von Storkower Bürgern erwischt. An der Polizei lag dieser Erfolg nicht, sie wachte am anderen Ende des Ortes hinter dem letzten erreichbaren Busch, und wenn kein Busch mehr da war, ab ins weite Land.
Die zwei Dutzend Beteiligten an der vom Gemeindepfarrer organisierten Telefonkette möchten nach außen unbekannt bleiben. Zivilcourage hat den Geruch der Klammheimlichkeit aus der Zeit vor der Wende noch nicht abgelegt. Manche der Storkower haben sich mittlerweilen bewaffnet, um weitere Übergriffe auf eigene Faust abzuwehren, heißt es. "Noch nie habe ich eine solche Angst gehabt, meine Meinung zu sagen", kriegt man gesagt. Der Bürgerkrieg sei noch nicht zu Ende.
Andererseits: Gemeindepfarrer und Bürgermeisterin - beide begrüßen die Idee vom Friedensdorf - haben vor Jahresfrist die Einwohner von Storkow gebeten, Kerzen in die Fenster zu stellen zum Zeichen, daß man friedlich umgehen wolle mit Fremden. Am ersten Wochenende waren nur wenige Fenster illuminiert, zwei Wochenenden später die meisten. Ausgerechnet in Storkow also ein Friedensdorf, eine symbolische Heimstatt für Deutsche und Ausländer?
Wo sonst in Deutschland . . .
HOFHEIM. Die viel diskutierte "innere Sicherheit" der Bürger in der Rhein- Main-Region ist Thema eines Forums, zu dem die SPD Main-Taunus für den Dienstag, 26. Januar, um 20 Uhr in die Stadthalle einlädt. Auf dem Podium sitzen: Hessens Justizministerin Christine Hohmann-Dennhardt, Staatssekretär Christoph Kulenkampff, Iring Fetscher als Vorsitzender der Kommission für Kriminalprävention in Hessen, der Schwalbacher Bürgermeister Horst Faeser (SPD), Oberstaatsanwalt Hubert Harth und Manfred Bauer von der Frankfurter Polizei. ana
KELKHEIM. Stephan Rosebrock, Stadtverordneter der UKW und Umweltausschußvorsitzender, ärgert sich noch immer, daß er bei der jüngsten Sitzung nicht "einfach mitten drin" gegangen ist. "Wenn der Bürgermeister doch alles eigenmächtig entscheidet, können wir das Parlament auch gleich auflösen."
Hieß es während der Parlamentssitzung im Dezember noch, die notwendigen Verträge zur Einführung des Dualen Abfall-Systems könnten noch Anfang '93 beschlossen werden - das Thema hätte in der Sitzung nicht mehr behandelt werden können -, mußten die Stadtverordneten feststellen, daß Bürgermeister Winfried Stephan die Verträge kurzerhand ohne Parlamentsbeschluß unterschrieben hat.
Mehr noch: Der Rathauschef habe dabei bereits diskutierte Vertragsvorschläge geändert. Und das, wie SPD- Mann Hanspeter Kreppel meint, zum Nachteil der Bürger. So solle der gelbe Wertstoffsack nicht, wie geplant, im 14- Tages-Rhythmus, sondern nur alle vier Wochen abgeholt werden. "Ob das die Bürger mitmachen, wenn sie ihren Abfall so lange herumstehen lassen müssen, ist fraglich."
Für Kreppel paßt der Vorfall ins "zu gut bekannte Bild des selbstherrlichen Bürgermeisters". Was ihn und Rosebrock besonders ärgert: Während der Dezembersitzung hatten sie Stephan eigens gefragt, ob die Verträge nicht dringend beschlossen werden müßten. Sollte das DSD doch gleich zu Beginn des Jahres starten. Stephan habe abgewunken, die Stadt wolle erst das Ergebnis des Modellversuchs zur getrennten Abfallsammlung abwarten und dann die Vertragsbedingungen festlegen. Die UKW werde den Vertrag nun im Nachhinein ablehnen und dies auch mit SPD und FWG diskutieren. Stephan äußerte sich bislang nicht.
Geschnürt werden mußte ein dreiteiliges Vertragspaket: Zum einen die Zustimmung zur einheitlichen Zusammenarbeit mit dem Dualen System Deutschland (DSD), die der Umlandverband für die ganze Region vereinbart hatte, um die Wiederverwertung der Abfallstoffe flächendeckend zu garantieren. Zum zweiten den Vertrag mit dem Abfallunternehmen Kilb, das die Abfuhr in Kelkheim organisiert. Und last but not least mußten die Leistungen festgelegt werden.
Horstpeter Kreppel stieß jedoch noch auf eine andere "böse Überraschung". Genauer: auf eine Anzeige der Firma Kilb, wonach kleine Gewerbetreibende künftig kostenlos Verpackungen, Altglas und Papier abgeben können. "Im Klartext heißt das, die Bürger müssen mit ihren Gebühren auch noch die Abfallentsorgung des Kleingewerbes finanzieren." Das allerdings verneint Kilb-Betriebsleiter Bernd Hofmann entschieden: "Einzelhändler können nur Leichtverpackungen mit dem grünen Punkt kostenlos abgeben, weil sie dafür durch den Aufpreis beim Einkauf schon bezahlt haben." Auch bei Papier sei dies nur bedingt der Fall. "Für alle übrigen Verpackungen, die bisher gegen Gebühr abgenommen wurden, müssen sie weiterhin bezahlen. ana
Clintons Wunschfrau für Justiz gibt auf
Der offizielle Teil der "Schlacht um die Privatisierung der britischen Eisenbahn" (Daily Telegraph) hat begonnen: Verkehrsminister John MacGregor stellte der Öffentlichkeit mit einiger Verspätung seinen Gesetzentwurf vor, der das Ende des 45 Jahre alten Staatsmonopols einläuten soll. Doch Einwände potentieller Betreiber führten bereits zu einer Verwässerung der ursprünglichen Ideen, und Abgeordnete aller Parteien erteilen den Privatisierungsplänen immer wieder eine Abfuhr. Der von den Konservativen dominierte Verkehrsausschuß warnt zum Beispiel vor "Unsicherheiten in entscheidenden Bereichen" und zweifelte an der Realisierbarkeit des Vorhabens.
Trennung zwischen Betrieb und Strekkennetz, Verkauf des Gütertransports sowie schrittweise Privatisierung des Personenverkehrs sind die Kernpunkte. Verlustträchtige Strecken sollen an den Betreiber mit dem geringsten öffentlichen Zuschußbedarf vergeben werden. Dadurch soll nicht nur das Schatzamt langfristig mehrere hundert Millionen Pfund jährlich an Subventionen für British Rail einsparen, sondern auch der Service verbessert werden. Doch diese Vorstelllungen basieren laut Verkehrsausschuß auf "unzureichenden Informationen".
In einem Bericht zweifeln die Abgeordneten an, daß auch künftig "ein nationaler Fahrplan, gute Verbindungen und die Allgemeingültigkeit der Tickets" gewährleistet seien. Außerdem glauben sie nicht an den Willen der Privatwirtschaft zu den dringend notwendigen Investitionen, um das in weiten Teilen veraltete Schienennetz zu modernisieren. Zudem seien kaum die erhofften positiven Effekte für die Kunden durch verstärkten Wettbewerb zu erwarten, wenn die Regierung ihr Ziel des "offenen Zugriffs" durch Ausschließlichkeitsverträge mit Franchise- Nehmern konterkariere, die sich nur die Rosinen herauspicken würden. Der Minister hatte eingeräumt, daß einige Strekken exklusiv an private Betreiber vergeben würden. Und schießlich sehen die Parlamentarier nicht, wie der Anspruch erfüllt werden könne, einen Teil des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene umzulenken.
"Die Botschaft könnte nicht klarer sein", freute sich Brian Wilson, verkehrspolitischer Sprecher der Labour-Partei. "Auf der Basis der derzeitigen Pläne weiterzuarbeiten wäre eine gefährliche Torheit." Und Jimmy Knapp, Generalsekretär der größten Eisenbahner-Gewerkschaft frohlockte: "Wir stehen kurz vor der Veröffentlichung eines wichtigen Gesetzes, und die Regierung kann noch nicht einmal den Verkehrsausschuß überzeugen, daß die Ideen umsetzbar sind."
Dessen Vorsitzender, der konservative, als Bahn-Fan bekannte Robert Adley fürchtet, daß die Minister "ihre Augen und Ohren schließen, die Köpfe runternehmen und unbekümmert weitermachen". "So haben sie es auch mit der Poll Tax getan." Was Großbritannien brauche, schreibt die Zeitung Guardian, sei nicht die Privatisierung der Bahn, sondern umfassende Investitionen. Aber die Diskussion sei "traurigerweise nur noch von Dogmen gelenkt".
Minister MacGregor gibt sich trotz der heftigen Opposition optimistisch. Die Meinung, seine Vorschläge fänden nur wenig Unterstützung, sei "absoluter Unsinn". Der einzig grundlegende Dissens bestehe nur über die Frage, ob private Betreiber auch die Schienen und Signalanlagen unterhalten sollten oder ob dafür eine neue Behörde ("Railtrack") geschaffen werden müsse, wie es die Regierung will. Das Kabinett sei weiterhin bereit, "sozial notwendige" Verbindungen zu subventionieren, entgegnet er Befürchtungen, unprofitable Strecken könnten neuen Marktzwängen zum Opfer fallen.
Die "Schlacht" ist eröffnet, die Frontlinien sind abgesteckt. Die Opposition ist geschlossen gegen die Privatisierung, und selbst in den Tory-Reihen gibt es viel Kritik. Eine ähnliche Konstellation erlebte das Unterhaus als die Schließung der Kohlegruben zur Debatte stand. Das damalige Ergebnis: Totale Kehrtwende der Regierung. RAINER SCHMIDT
Auf die Fragezeichen hätten beide Seiten getrost verzichten können. Wie für die Deutsche Gesellschaft für Volksheilkunde, Patientenschutz und biologische Medizin e.V. (DGVP) die Frage "Retten Tierversuche Menschenleben?" von vornherein positiv beantwortet war, ließ auch die Reaktion der Tierschützer keinen Raum für Interpretationen. Das Symposium, zu dem die DGVP unter der oben- genannten Fragestellung am Donnerstag nach Bonn eingeladen hatte, konterten die Tierschützer mit einer ganzseitigen Anzeige im Bonner Generalanzeiger unter der Überschrift "Sind die Vivisektoren noch zu retten?". Von Anfang an war klar, Tierexperimentatoren und Tierschützer hatten viel mitzuteilen, kamen aber nicht ins Gespräch.
DGVP-Präsident Rolf Kegel hatte das "Kompetenteste aus Deutschland", die "Creme der Creme" eingeladen. Den Standort seines Vereins umschrieb Kegel so: "Wir sind keine ,pressure group&rquote; für die Pharmaindustrie und die Wissenschaft. Wir sind eine ,pressure group&rquote; für die, die nur vom Hörensagen wissen was Gesundheit ist." Für die beiden Tierversuchsgegner, die den Teilnehmerpreis von je 940 Mark bezahlt hatten und so dabeisein konnten, waren die Vertreter aus Forschung und Politik dagegen "allesamt Nutznießer der verbrecherischen, nicht-wissenschaftlichen Tierversuche".
Hintergrund der Veranstaltung ist die geplante Novelle zum Tierschutzgesetz, denn Baden-Württemberg hatte im Februar 1992 eine Bundesratsinitiative gestartet, um das Gesetz von 1986 in einigen Teilen zu novellieren. Seitdem sind zahllose weitere Änderungsvorschläge von den Ländern formuliert worden - von der Massentierhaltung über Tiertransporte bis hin zu Tierversuchen. Sie füllen mittlerweile 116 Seiten. Der Bundesrat wird voraussichtlich am 12. Februar über die geplante Novelle abstimmen, die dann der Regierung zugeleitet wird, die diese wiederum den Fraktionen zur Beratung weiterreicht.
Bislang gibt es noch keine für die Öffentlichkeit bestimmten Papiere, die einen genauen Aufschluß über die geplanten Änderungen und deren Zielrichtung geben könnten. Aber da Industrie und Wissenschaft im Vorfeld an den Beratungen und angehört wurden und massiv protestierten, lassen sich einige Konturen schon jetzt nachzeichnen.
So liegen unter anderem Vorschläge auf dem Tisch, auch für Versuche an Nicht-Wirbeltieren umfangreiche Begründungen und Nachweise zu verlangen, Versuche für dekorative Kosmetika zu verbieten und ebenso bei der Tötung von Tieren für die Organentnahme die bei Versuchen erforderliche Anmelde- und Genehmigungsprozedur vorzuschreiben.
Für Prof. Karl-Heinz Sontag vom Max- Planck-Institut steht schon jetzt fest: "Die Novelle ist für die medizinische Forschung untragbar." Der Mensch müsse das "höher eingestufte Rechtsgut" dem Tier gegenüber bleiben, und "ohne Grundlagenforschung kann sich die angewandte Medizin nicht weiterentwikkeln. Sie muß Neuland betreten dürfen." Verschärfungen des Gesetzes führten nur zu einem höheren bürokratischen Aufwand, aber zu "keinem Tierschutzeffekt".
Alternativen Mit den Fragen nach "Alternativen im Tierversuch" befaßte sich der Kostanzer Wissenschaftler Dr. Grüber. Eine bessere Ausbildung der Tierexperimentatoren könne die Belastungen bei Beschaffung, Zucht und Haltung der Tiere schon im Vorfeld der Forschung reduzieren. Versuche würden oft nicht richtig geplant, zuweilen zehnmal soviel Tiere gezüchtet wie benötigt: "Die Tiere sind dann Abfall und werden beseitigt." Gerade die Tierhaltung an den Universitäten sei "kein ruhmreiches Kapitel". Grüber beklagte auch "Alibibesetzungen bei Tierschutzbeauftragten". Ihm sei mehrfach aufgefallen, daß Stellungnahmen zu speziellen Fällen als allgemeine Computervorducke abgefaßt waren.
DGVP-Präsident Kegel hatte eingangs des Symposiums sein Credo formuliert: "Die Werte müssen klar sein. Erst der Mensch, dann das Tier." Beide seien nicht gleichwertig. Prof. Manfred Steinbach vom Bundesgesundheitsministerium stellte dagegen die erfolgreiche Suche nach Alternativen heraus. "Wir sind längst nicht am Ende der Fahnenstange der Möglichkeiten angelangt."
Nach offiziellen Angaben sind 1990 in den alten Bundesländern etwa 2,4 Millionen Tiere für Versuchszwecke benutzt worden, 50 Prozent davon in der Arzneimittelforschung. Tierschützer sprechen dagegen von 14 bis 20 Millionen "empfindsamen Mitlebewesen", die als "Experimentiermaterial mißbraucht" werden.
Nach den Angaben des Münchner Professors Gerhard Rieker gehört die "schmerzlose Tötung" von Tieren nicht in die Kategorie der Versuche. Seit 1986 sei die Zahl der Tierversuche um 60 Prozent zurückgegangen, und bei 90 Prozent aller Versuchstiere handele es sich um gezüchtete Ratten und Mäuse. Dagegen belaufe sich der jährliche Verzehr von Schlachttieren auf das 200fache. Rieker gab sich überzeugt: "Bürokratische Hemmnisse übertreiben den Tierschutz ins Absurde." Und der Mediziner ergänzte: "Mich interessiert der Therapienutzen für meine Patienten. Wo der herkommt ist mir egal, ob aus Tierversuchen oder sonstwo."
Die Wissenschaftler räumten ein, daß 20 Prozent aller Patienten trotz im Tierversuch getesteter Medikamente "unerwünschte Nebenwirkungen" zeigen, ein Prozent sogar schwere bis tödliche. Der Frankfurter Professor Dieter Palm: "Ein Medikament, das keine unerwünschten Nebenwirkungen hat, gibt es nicht. Das wird erst in der Humanpraxis erkannt."
Palm berichtete, daß Wissenschaftler wegen ihrer Versuche "terrorisiert" werden. Er ergänzte: "Karitativer Tierschutz ist absolut zu bejahen, nicht aber der politische Tierschutz, der die Mitgeschöpflichkeit zur Ideologie erhebt. Die Tierschützer, die mit Tierbefreiungen sympathisieren, müssen wir auf eine Stufe mit den Claqueuren von Rostock stellen."
Auch unter den drei Vertretern der politischen Parteien war die Notwendigkeit von Tierversuchen unstrittig. "Wir können auf Tierversuche nicht ganz verzichten", gab Marianne Klappert von der SPD ihr Bekenntnis ab, das von Meinolf Michels (CDU) geteilt wurde. Der FDP- Abgeordnete Dieter Thomae sprach sich einerseits dafür aus, Tierversuche soweit wie möglich zu reduzieren und durch Simulationen zu ersetzen, andererseits betonte er: "Auch dieser Bereich schafft Arbeitsplätze." Es dürfe nicht zur Abwanderung von Wissenschaftlern kommen, wie dies bei der Gentechnik eingetreten sei.
Elitäre Schicht Eine überaus moderate und vermittelnde Position nahm Ursula Händel von der Tierhilfe-Stiftung Bad Herrenalb ein. Ihre Feststellung, "für mich darf kein Tier sterben", relativierte sie dahingehend, daß man in einer demokratischen Gesellschaft Mehrheiten akzeptieren müsse. "Ich kann nicht gegen Tierversuche sein, wenn nachweislich Menschen geholfen wird." Nicht "Tierversuche ja oder nein" sei deshalb ihr Kernthema, sondern das Leiden der Tiere. Den Forschern trat sie mit der Frage entgegen, "ich kann nicht verstehen, warum eine kleine elitäre Schicht fordert, allein über Leiden und Tod von Mitgeschöpfen zu entscheiden".
Den beiden Tierversuchsgegnern aus Nordrhein-Westfalen, Rainer Gaertner und Lisa Maria Schütt, drängte es allerdings zu deutlicheren Worten. Das Symposium galt ihnen als "Propagandaveranstaltung, um die Politik in einer bestimmten Beratungsphase dahingehend zu beeinflussen, daß sich nichts ändert". Aber schon jetzt bestehe das Tierschutzgesetz aus auslegbaren Gummi-Paragraphen.
Gaertner und Schütt vermissen bei Tierversuchen generell das Kriterium der Wissenschaftlichkeit, denn die Ergebnisse seien nicht auf Menschen übertragbar: "Die Pseudowissenschaft bietet Uni-Instituten sowie Chemie- und Pharmaindustrie lediglich eine Alibifunktion für Tierversuche." Patienten werde eine Sicherheit vorgetäuscht, die es nicht gebe. Von den Wissenschaftlern sei keine Objektivität zu erwarten, da deren "Karrieren auf Publikationen tierexperimenteller Arbeiten aufgebaut sind".
Gaertner zitiert eine Studie der Weltgesundheitsorganisation, die 8000 Medikamente mit schwersten Nebenwirkungen aufliste. Und hierzulande nehme das Bundesgesundheitsamt (BGA) jährlich 4000 Medikamente wegen Gesundheitsgefährdung vom Markt, obwohl sie durch den Tierversuch gegangen seien. Rolf Bass vom Berliner BGA bestätigte diese Zahl zwar, wies aber darauf hin, daß es dabei lediglich um 50 bis 70 Wirkstoffe handele. Die Tierversuche, unterstrichen die beiden Tierschützer jedoch, dienten in letzter Instanz dazu, bei unerwünschten Folgen der Pharmaindustrie den Rücken freizuhalten, denn mit dem Verweis auf Tierexperimente seien die Firmen aus der Verantwortung: "Die haftungsrechtliche Absicherung durch Tierversuche ist der eigentliche Knackpunkt."
Als Beispiele für an Tieren erprobte Medikamente und Chemikalien, "die schwerstes Unheil auch über unzählige Menschen" gebracht haben, nennen die Tierversuchsgegner unter anderem Contergan, Adalat, Asbest, Dioxin, PCB, PCP, Lindan, Tabun, Sarin, FCKW und Formaldehyd. Und Gaertner machte auf die Qualen aufmerksam, die die Tiere erleiden: Sie werden verbrannt, verbrüht, erdrosselt, eingefroren, erstickt, mit Elektroschocks traktiert, mit Protonen bestrahlt, bis ihre Augen zu kochen beginnen, jungen Tieren werden die Augen zugenäht und man trennt ihnen den Kopf vom Rumpf, unterbindet die Blutzufuhr und versucht dann den Kopf zu reanimieren.
So war das Ende wie der An fang. Während die Vertreter der Wissenschaft die Frage "Retten Tierversuche Menschenleben?" übereinstimmend und eindeutig bejahten, setzten die Tierschützer ihr "Nein, sie sind lebensgefährlich!" entgegen.
MICHAEL EMMRICH
Premiere: 1993 stehen gleich fünf Direktwahlen an Termine vom 16. Mai an: In drei Kommunen treten Oberbürgermeister und Bürgermeister erneut an Von unserem Redaktionsmitglied Walter Keber KREIS GROSS-GERAU. Die Direktwahl von Bürgermeistern hat 1993 gleich in fünf Kommunen des Kreises Groß-Gerau Premiere: in Biebesheim, Gernsheim, Nauheim, Raunheim und Rüsselsheim. Zur Wiederwahl stellen sich Oberbürgermeister Norbert Winterstein (Rüsselsheim) sowie die beiden Bürgermeister Walter Vollmer (Biebesheim) und Herbert Haas (Raunheim). Die Bürgermeister Ralf Feudtner (Gernsheim) und Rudolf Zaich (Nauheim) dagegen treten nicht mehr an. In diesen Kommunen dreht sich das Kandidatenkarussell derzeit besonders heftig, herrscht dort doch ein politisches Vakuum an der Rathausspitze, gibt es im Gegensatz zu den drei anderen Gemeinwesen keinen Bewerber mit dem Amtsbonus. Erstmals werden 1993 auch im Kreis Groß-Gerau Bürger/innen zur Ur- oder Direktwahl gerufen, um unmittelbar zu sagen, wen sie gern auf dem Bürgermeistersessel hätten. Grundlage dafür ist das bei der jüngsten hessischen Landtagswahl durchgeführte Volksbegehren, das ein überwältigendes Echo für Direktwahl erbrachte und zur Änderung der hessischen Kommunalverfassung führte.
Noch sind die Vorbereitungen für die Premieren im Kreis erst zaghaft angelaufen. Zwar stehen die Termine schon fest - vier noch vor den Sommerferien -, doch konzentriert sich derzeit das politische Interesse auf die Kommunalwahl am 7. März. An diesem Tag steht aber nur die künftige Zusammensetzung der Parlamente auf dem Prüfstand.
Bisher wurden im Kreis Groß-Gerau wie im übrigen Hessen hauptamtliche Wahlbeamte wie Landräte, Oberbürgermeister und Bürgermeister durch die jeweiligen Parlamente gekürt. Während die Parlamente hessenweit alle vier Jahre gewählt wurden, wählten die Kreistage, Stadtverordnetenversammlungen oder Gemeindevertretungen für sechs Jahre (früher sogar zwölf) die Hauptamtlichen. Die Bürger konnten nur mittelbar durch ihre Entscheidung auf die Zusammensetzung der Parlamente Einfluß nehmen.
Im Laufe der Jahre haben sich im Kreis von Ort zu Ort verschiedene Amtsperioden der Hauptamtlichen herausgebildet. Daran wird die Direktwahl zunächst wenig ändern, auch wenn sich Kommunen im Einvernehmen mit dem Kreis derzeit mühen, die lokalen Wahltermine zu koordinieren: damit nicht ständig irgendwo gewählt wird.
Gleich drei neue Bürgermeister werden am Sonntag, 16. Mai, gekürt: in Biebesheim, Gernsheim und Nauheim. In allen drei Fällen sind die Amtsperioden der bisherigen Bürgermeister abgelaufen. Eine Auflage der neuen hessischen Kommunalverfassung ist, daß Direktwahlen frühestens acht Wochen nach der Kommunalwahl der Parlamente erfolgen dürfen: Dies wird mit dem 16. Mai eingehalten. In der größten Stadt im Kreis, Rüsselsheim, steht am Sonntag, 4. Juli, die Wahl des Oberbürgermeisters an. Am Sonntag, 26.September, soll es im benachbarten Raunheim soweit sein.
Für die Wähler/innen gelten bei der Direktwahl nach Auskunft der Pressestelle des Landratsamtes in etwa gleiche Bedingungen wie bei angestammten Wahlen: Am Wahltag werden Wahllokale eingerichtet, und diese sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Auch Briefwahl ist möglich. Wahlmaschinen können eingesetzt werden, wenn es nicht mehr als acht Bewerbungen gibt; denn mehr Eingaben verkraften die Maschinen nicht.
Auch für die Politiker bringt die Direktwahl Neuerungen und ein neues Selbstverständnis. Als Beispiel kann die Einschätzung des Raunheimer Bürgermeisters Herbert Haas gelten. Er gehört zu den drei Politikern, die sich einer Wiederwahl - diesmal beim Bürger direkt - stellen. Haas ist 46 Jahre alt, Sozialdemokrat und seit 1988 im Amt: "Ich habe die Direktwahl begrüßt."
Sie stärke den Kontakt zum Bürger, bringe diesem mehr und direkte Einflußmöglichkeit auf die Politik, könne so ein Beitrag gegen Politikverdrossenheit sein. Es änderten sich aber auch die Anforderungen an Bürgermeister. Diese müßten stärker unmittelbaren Kontakt zum Bürger suchen: "Da muß einer Farbe bekennen - Flagge zeigen." Ihm persönlich falle das nicht schwer, weil er ohnehin diese Arbeitsweise bevorzuge. Durch die Direktwahl würden auch parlamentarische Zufallsentscheidungen durch "U-Boote" vermieden, wenn bei geheimen Abstimmungen jemand anders als angekündigt abstimme.
Haas betont aber auch, daß er das kommunalpolitische Verfassungssystem Hessens verficht, das den Bürgermeister in den Magistrat einbindet.
Für weniger gut hält er nämlich die sogenannte Organstellung, wenn dem Bürgermeister wie in Süddeutschland (Beispiel Baden-Württemberg) eine solch herausragende Stellung eingeräumt werde, daß er abgehoben vom politischen Geschehen agieren könne. Dies wolle er nicht.
In Biebesheim tritt Bürgermeister Walter Vollmer am 16. Mai wieder an. Der 47jährige Sozialdemokrat ist seit 1975 Gemeindeoberhaupt. In Rüsselsheim bewirbt sich am 4. Juli erneut der seit 1981 amtierende Oberbürgermeister Norbert Winterstein (61).
KREIS GROSS-GERAU. Im neuen überregionalen Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ist auch der Kreis Groß-Gerau mit von der Partie. Vertreten ist die Gebietskörperschaft in den Gründungsgremien durch den Ersten Kreisbeigeordneten Baldur Schmitt. Dies bestätigte die Pressestelle des Landratsamtes.
Ein genauer Zeitpunkt zum Start des RMV steht noch nicht fest. Der Kreis verbindet mit dieser Neuerung die Hoffnung, daß das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs "noch attraktiver" wird. Daher ist beim Omnibusverkehr im Kreisgebiet nicht nur an einen Erhalt, sondern auch an den Ausbau des Angebots gedacht.
Vermutlich werde das bisherige Fahrscheingefüge im Kreisgebiet sich mit dem RMV-Auftakt ändern, Details stünden aber noch nicht fest, hieß es aus dem Landratsamt.
Bei den kreiseigenen Riedwerken seien bereits die Vorbereitungen für den RMV angelaufen. Dabei könne das Unternehmen auf seine Erfahrung im Omnibusverkehr bis 1947 zurückgreifen, damals noch unter dem Namen "Omnibuszweckverband Nördliches Ried".
Derzeit unterhalten die Riedwerke im Linien-Berufs- und Schülerverkehr ein Streckennetz von 335 Kilometern Länge. Mit Ausnahme von Kelsterbach, Raunheim und Bischofsheim werden alle Kommunen angefahren. Mit wenigen Ausnahmen - so die Kreisbehörde - hätten die Fahrgäste nicht mehr als 500 Meter bis zu ihrer Haltestelle zurückzulegen. Mittelpunkt des Liniennetzes sei der Groß-Gerauer Marktplatz. Dort laufen die wichtigen Linien I und II sowie auch die Linien aus Mörfelden über Worfelden, Klein-Gerau und Büttelborn zusammen.
Die Riedwerke verfügen derzeit über 30 eigene Omnibusse, dazu kommen Fahrzeuge von drei privaten Unternehmen, mit denen Verträge bestehen. Jährlich werden etwa 2,1 Millionen Fahrgäste befördert und dabei rund 1,25 Millionen Kilometer zurückgelegt. cas
BISCHOFSHEIM. Auch parteipolitisch hat die Verhaftung des Bauamtsleiters wegen Verdachts der Vorteilnahme im Amt für Unruhe gesorgt. Im Raum steht der von der Staatsanwaltschaft untersuchte Vorwurf der Bestechlichkeit, wobei es um einen Betrag von über 10 000 Mark - so Oberstaatsanwalt Georg Nauth - geht.
"Mit Erschütterung" hat die im Ortsparlament mit der Mehrheit ausgestattete SPD-Fraktion nach Auskunft von Dr. Wolfgang Schneider von diesem Vorfall Kenntnis genommen. Allerdings bleibe für die Sozialdemokraten der langjährige Verwaltungsmitarbeiter so lange unschuldig, bis ihm die Tat nachgewiesen werde, oder er ein Geständnis ablege.
Die SPD-Fraktion habe einstimmig beschlossen, bei der Gemeindevertretersitzung am Dienstag einen Dringlichkeitsantrag einzubringen. Sie verlangt Einsicht in die von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Akten. Nach SPD-Meinung ist auf dem Verwaltungswege und bei Verabschiedung durch die kommunalen Gremien bisher bei Auftragsvergaben alles mit rechten Dingen zugegangen.
Was möglicherweise an privaten Nebenabsprachen oder Geldgeschäften gelaufen sei, könne nicht der Kommune angelastet werden. Bürgermeister Berthold Döß (SPD) habe dies bereits auf den richtigen Nenner gebracht: "Eine Kollektivschuld wegen möglicher Verfehlungen eines einzelnen gibt es nicht."
Die Sozialdemokraten weisen Kritik und Verdächtigungen aus den Oppositionsreihen zur Verhaftung des Bauamtsleiters entschieden zurück. Allein der Verdacht genüge manchen wohl, um die Glaubwürdigkeit in die Kommunalpolitik zu erschüttern. Die SPD-Fraktion weist laut Dr. Schneider Unterstellungen gegen die Verwaltung und Pauschalverurteilungen zurück. Offensichtlich werde nach dem Motto verfahren, "es werde schon etwas hängenbleiben". cas
RÜSSELSHEIM. Bis auf die Grundmauern brannte das Naturfreundehaus am Haßlocher Weg in der Nacht auf Freitag nieder. Die Brandursache ist nach Auskunft eines Kriposprechers unklar. Der Schaden beläuft sich auf 150 000 Mark. Gegen ein Uhr wurde die Polizei alarmiert. Als die ersten Helfer am Ort des Geschehens eintrafen, stand der Dachstuhl des Naturfreundehauses in hellen Flammen und stürzte ein. cas
RÜSSELSHEIM. Mit einem Messer bedroht, dem Ruf "Sex, sex" belästigt und schließlich um ihr Auto bestohlen wurde eine 21jährige Frau von einem Unbekannten am Donnerstag gegen 20 Uhr auf dem Autobahnparkplatz der A 67 zwischen Mönchhof-Dreieck und Rüsselsheim-Ost. Dort hatte die Frau mit ihrem Personenwagen angehalten, weil sie einen Defekt am Fahrzeug vermutete. Als sie zur Motorhaube ging, tauchte plötzlich der Mann auf, bedrohte sie, schwang sich hinters Steuer des Fahrzeugs und brauste davon. Es soll sich um einen "sehr jungen Mann" handeln. cas
FREIGERICHT. "Gegen den rechten Mob" protestierten am Donnerstag abend rund 300 Jugendliche und Erwachsene vor dem Rathaus in Somborn. Obwohl der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel den Aufritt des "Republikaner"- Anführers Franz Schönhuber in der Freigericht-Halle gestoppt hatte, blieb fraglich, ob die rechtsextreme Partei an diesem Abend nicht andernorts im Freigericht ihre Wahlkampftrommel rühren würde. Außerdem, betonten die Demonstranten, müsse man dagegen angehen, daß sich derlei "menschenverachtende" Gruppen vor Ort überhaupt etablieren könnten.
Nach einer kurzen Kundgebung zogen die friedliche Demonstration mit Plakaten und Transparenten weiter nach Altenmittlau, wo sie erneut öffentlich "jeglicher Schönhuberei" eine Absage erteilten. Es genüge nicht, die "Reps" mit dem verwaltungsrechtlichen Sanktionen zu bekämpfen, jeder müsse seinen Widerstand in "Wort und Aktion" öffentlich bekunden. Die Aktion hatten die noch jungen Freigerichter Grünen initiiert, "um rechtsextremen Strömungen bei uns von vornherein den Boden unter den Füßen wegzuziehen".
Dem Aufruf schlossen sich der vor kurzem gegründete "Arbeitskreis Asyl", die Juso-AG, das autonome Jugend- und Kulturzentrum Café Wojtyla, die Schülervertretung der Kopernikusschule und die Leitung der Katholischen Jungen Gemeinde Bernbach (KJG) an.
Die örtlichen Genossen hatten den Appell nicht unterzeichnet, gesellten sich aber mit einem Transparent zu den Demonstranten. Der SPD-Unterbezirksvorsitzende Bernd Reuter kam selbst nicht, sandte aber ein Grußwort, das die Jusos verlasen.
"Wir müssen dafür sorgen, daß die Republikaner nicht ins Rathaus einziehen", darüber waren sich alle Teilnehmer einig. "Wenn Politiker nichts mehr zu bieten haben, wird die Fremdheit der Fremden beschworen, die dann als Sündenbücke herhalten müssen", bedauerte Grünen- Sprecher Arnd Schmitt-Weigand. Für das Wiederstarken rechtsextremer Gruppierungen machte er auch etablierte Parteien wie CDU und SPD verantwortlich, die mit ihrer vorsichtigen Haltung den Nährboden für derlei menschenverachtende Ideologien geschaffen hätten.
Nun gelte es allerdings, forderten die Redner der Kundgebungen in Altenmittlau und Somborn, daß die großen Alt-Parteien endlich klar Stellung bezögen. "Wehret den Anfängen", auch im Freigericht. Aus dem hellerleuchteten Rathaus kam keine Reaktion, nur ab und an erschien ein vorsichtig spähender Kopf zwischen den vorgezogenen Vorhängen. Demonstrieren allein genüge freilich nicht, appellierten Schmitt-Weigand, KJG-Sprecher Günter Fischer und Albrecht Eitz von der Juso-AG und riefen zu "praktischer Solidarität" mit den Opfern rechtsradikaler Angriffe und Verleumndungen auf. "Helfer werden überall gebraucht." Kontaktadressen von Hilfsorganisationen wie dem Arbeitskreis Asyl seien im Rathaus erhältlich. tja
Die Steine zum Reden bringen "Erzählcafé" verbindet Von unserem Redaktionsmitglied Peter Holle
Sie darf herein. Und sie bleibt mehr als zwei Stunden. Der junge Mann läßt sie schauen und hört ihr zu. Die Frau hat viel zu erzählen: von den "verrückten Typen", die hier einst im Haus lebten; davon, daß das ein "ziemlich rotes Viertel" gewesen sei; daß man im Keller gefährdete Genossen vor den Nazis versteckte; wie man dem Blockwart ständig irgendwelche Schnippchen schlug.
Solche Begebenheiten wie der Besuch der alten Dame erfreuen den Anthropologen Heinz Schilling vom Frankfurter Universitätsinstitut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie: "Ja, alte Frankfurter sind lebendige Heimatmuseen", sagt er, "und das in irgendeiner Weise zugänglich zu machen, ist ein wesentliches Stück Kulturarbeit."
Diesen Job macht Michael Fleiter seit zwei Jahren. Der 43jährige leitet und moderiert das "Erzählcafé" im "Treffpunkt Rothschildpark" in der Oberlindau 20. Sein Programm: "Am liebsten lade ich Leute ein, die etwas über Frankfurter Geschichte erzählen können. Ich suche nicht nur Zeitzeugen, sondern vor allem Ortszeugen, die etwas über die Straßen und Gebäude hier mitteilen, die sozusagen die Steine zum Sprechen bringen können." Dadurch werde für junge Leute und die vielen zugewanderten Eingeplackten "das, was historisch weit weg liegt, nah und greifbar".
Das Konzept hat Erfolg: das Haus ist voll. Zu den einmal im Monat organisierten "Erzählcafé"-Samstagen kommen im Schnitt 100 bis 120 Menschen - "und immer mehr junge Leute" (Fleiter). Viele Interessenten finden keinen Platz und müssen draußen bleiben. Pech: Sie verpassen dann die Geschichten von jüdischen Remigranten, Frankfurter Widerstandskämpfern, "Gastarbeitern der ersten Stunde", Theaterspielen im Frankfurt der 20er Jahre. Fleiter ist auf eine "farbige Mischung" aus: "Ich finde nix schlimmer als Nazizeit, Nazizeit, Nazizeit." So gab es denn "Erzählcafés" über "Kindheit in der Kaiserzeit", "Als der Eschenheimer Turm noch bewohnt war", "Häuserkampf im Westend" und von der "Kunst, die einklassige Dorfschule zu leiten".
Ein Ebbelwei-Wirt erteilte Stöffche- Lektionen, eine Westendlerin schilderte den Häuserkampf im Stadtteil, die Frau, die 28 Jahre lang das Frauengefängnis Preungesheim leitete, zog ihre sozialgeschichtliche Knast-Bilanz.
Der Bankier Walter Hesselbach berichtete über die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG). Seitdem sieht Michael Fleiter das BfG-Hochhaus "mit anderen Augen": "Ich bin ja nun ein ,68er&rquote;. Damals sind wir vor die Banken gezogen und haben Steine geworfen. Wir haben keinen Unterschied gemacht zwischen Deutscher Bank und BfG. Das war alles eins. Jetzt weiß ich, daß die BfG zurückweist auf ein Stück Frankfurter liberaler jüdischer Wirtschaftstradition aus Weimarer Zeit."
Der Großstadt auf solche Weise ein Stück ihrer Anonymität zu nehmen sei "wichtig für das Lebensgefühl der jüngeren Leute hier", behauptet Fleiter: "Etwas über die Stadt zu wissen, läßt die Leute hier sich heimischer fühlen. Nicht im Sinne von heiler Welt, sondern einfach, indem man Bescheid weiß über Dinge, die hier gelaufen sind und die das Stadtbild geprägt haben."
Der Frankfurter Anthropologe Heinz Schilling, der seit einem Jahrzehnt "Modernisierung und Urbanisierung in Frankfurt und Rhein-Main-Gebiet" er(Fortsetzung auf Seite 18)
KELSTERBACH. Am Montag, 25. Januar, 7.45 Uhr, wird im Rathaus der Startschuß gegeben: Dann sind Anmeldungen zum neuen VHS-Programm möglich, das erfahrungsgemäß immer ein großes Echo findet. Für einige Kurse - im Programmheft kenntlich gemacht - können diesmal aber keine telefonischen Anmeldungen (06107 / 773249 oder 773 326) entgegengenommen werden, dafür müssen Interessenten persönlich im Rathaus vorbeischauen. In diesen Fällen muß auch direkt bei der Anmeldung im VHS- Sekretariat, Zimmer 306, die Teilnehmergebühr bezahlt werden.
VHS-Leiter Franz Neufing und sein Team haben sich wieder ein attraktives Programm einfallen lassen. Dies findet sich im gebundenen Programm, das in vielen öffentlichen Einrichtungen ausliegt und abgeholt werden kann.
Das Angebot ist reichlich mit Leckerbissen garniert, von der "Einführung in die Schönheit und Vielfalt des orientalischen Tanzes" (Wochenendveranstaltungen am 30./31 Januar sowie 3./4. Juli) über "Astrologie für Anfänger - Umgang mit dem eigenen Horoskop" (ab 10. Februar) bis zu: "Der Umgang mit sich und anderen" (ab 7. Mai). Neben solcher Kür findet sich auch das konventionelle Pflichtangebot gutsortiert im neuen Semesterprogramm: Wer mehr über richtige Buchführung erfahren oder Italienisch lernen will, ist bei der VHS ebenso gut aufgehoben wie Interessenten für die in Kelsterbach beliebten Kurse "Schwimmen für Erwachsene und Kinder".
Abgerundet wird das lokale Angebot durch die Musikschule unter Leitung von Karl-Ernst Eschborn mit musikalischer Früherziehung (ab vier Jahren), und Instrumentalunterricht. Hinzu kommt der gemeinsam mit anderen Volkshochschulen präsentierte Reisekatalog, darunter Exkursionen wie "Tschechei - Auf den Spuren von Franz Kafka" oder ein Nicaragua-Trip. cas
KELSTERBACH. 18 Grad deutsche Härte beträgt die Wasserhärte im Bereich der Stadt Kelsterbach, das ist die amtliche "Härteklasse drei", gelegentlich auch abgekürzt als "dH". Wie die Stadtverwaltung mitteilte, können nach diesen Angaben Waschmitteln in Wasch- und Spülmaschinen bemessen werden. Durch richtige Dosierung könne nicht nur Waschmittel gespart, sondern auch die Umwelt geschont werden. cas
WIESBADEN. Hendri van der Putten erklärt ihre Bilder: "Ich male ganz normale Sachen", sagt die Künstlerin aus Amsterdam, "nicht das, was aus den Träumen kommt, sondern Alltägliches, was jeder kennt und wo doch jeder verwundert fragt: &rquote;"Huch, was ist denn das'" Ihre Strich-Zeichnungen zum Beispiel. Was hat das Bleistift-Gekrakel mit Sturm und Wasser zu tun - "Golven Storm"? Oder die flüchtig gezeichneten Linien mit den Wellen am Meer - "Kijken naar de Golven"? Die Erklärung: Hendri van der Putten folgt mit dem Stift ihren Beobachtungen, setzt die Bewegung ihrer Augen in Handbewegungen auf dem Skizzenblock um. So entstehen viele kleine Zeichnungen, die nicht das reale Bild vom Meer wiedergeben, sondern "die Reaktion des Auges auf die Bewegung des Wassers". Viele solcher hingestrichelten Bilder hängen derzeit an den Wänden der Villa des Nassauischen Kunstvereins - ganze Serien zu einem Thema. Auf den ersten Blick erscheinen alle gleich, und doch ist keines wie das andere.
Ungewöhnlich auch ihre Schattenformen - mit einer Installation in der Ausstellung verdeutlicht. Sie beobachtete genau die Umrisse eines Schattens auf einer weißen Tür. Dieses "Nichts", entstanden nur aus dem Zusammenspiel von Licht und Dunkel, wollte sie begreiflich machen: mit einer Plastik, einem Keil. Und plötzlich hat der Schatten ein Volumen. Hendri van der Puttens philosophische Deutung: "Es gibt nie nur eine Wahrnehmung. Sie hängt ab vom Standpunkt und vom Blickwinkel."
Eine zweite Installation ist ebenso erstaunlich: Wortbänder auf weißem Papier und aus durchsichtigem Material am Fenster. "Ich bin durch Wiesbaden gebummelt", erzählt die Malerin, "und habe mir alles notiert, was ich unterwegs gelesen habe." In viele Papierstreifen, die dick mit einer weißen Farbe bestrichen waren, drückte sie dann die Stempel mit den Begriffen, die nun merkwürdig zusammenhanglos eine künstlerische Einheit bilden: "Euro-SprachschuleBittebewahrenSiedenFahrausweisVorsichtFrösche" - eine Kette ohne Ende. Stempelbilder hat sie von vielen Reisen mitgebracht - einige davon zeigt sie in Wiesbaden, häufig auf grellbunter Unterlage und kaum zu entziffern. Aber niemand soll die Buchstaben akribisch genau entziffern oder gar dem Sinn nachspüren: Diese Arbeiten symbolisieren die Flüchtigkeit der Wahrnehmung.
Schließlich ihre Monochrombilder: Wenn man auf eine einfarbige Fläche starre, erläutert Hendri van der Putten, beginne es vor den Augen zu flimmern, das Bild gerate in Bewegung. Sie unterstreicht dieses Phänomen auf ihren großformatigen grell getönten Farbflächen durch eine Vielzahl von Schnörkeln. Drei davon hängen nebeneinander in einem Raum - knallig und abweisend auf den ersten Blick, faszinierend auf den zweiten. Dr. Kornelia von Berswordt-Wallrabe, Kunsthistorikerin und Mitglied des Nassauischen Kunstvereins, lernte Hendri van der Putten auf einer Ausstellung kennen und war so angetan von den Bildern der Holländerin, daß sie sie nach Wiesbaden einlud. Sie führt auch gemeinsam mit Marja Bloem, Konservatorin am Stedelijk-Museum in Amsterdam, bei der Eröffnung der Ausstellung "See Meer" in die Arbeiten der Künstlerin ein. Die Ausstellung ist bis zum 7. März täglich außer dienstags von 10 bis 17 Uhr in der Wilhelmstraße 15 geöffnet.
MARGIT FEHLINGER
Ich habe mich gefreut, in Ihrer Zeitung das gerade auch im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen und Intensivmedizin ethisch so brisante und wichtige Thema der Organspenden und der Transplantationsmedizin differenziert und kritisch behandelt zu sehen (FR vom 13. Januar 1993 "Valentina ist tot - hat sie nie gelebt?").
Das Anliegen der Transplantationslobby würde ich eigentlich gerne unterstützen. Ein Problem sehe ich allerdings darin, daß zum Beispiel die schwerstverletzten Unfallopfer als Organspender ja in Wirklichkeit auch als "Hirntote" gleichzeitig doch erst Sterbende sind. Die moderne Definition des "Hirntods" kann nicht verschleiern, daß transplantierfähige Organe immer Lebenden, Sterbenden oder "Hirntoten" entnommen werden müssen. "Tote" kommen als Spender nicht in Betracht.
Hierin begründen sich aus seelsorgerischer Sicht auch - neben den ohnehin überaus starken Belastungen durch Schock und Krise - die besonderen Skrupel und der Abschiedsschmerz der oft unter Zeitdruck um Einwilligung gebetenen Angehörigen, für die der "Hirntote" - wenn auch mit Unterstützung der Apparatemedizin - dem Anschein nach noch lebt.
Erfreulicherweise geben trotzdem über 75 Prozent aller Angehörigen ihre Zustimmung zur Explantation. Desillusioniert hat mich persönlich das Fernsehinterview einer Mutter, die ihren toten Sohn nach der Explantation noch einmal sehen wollten und feststellen mußte, daß man ihm - entgegen vorheriger Absprache - mehrere innere Organe und die Augen entnommen hatte.
Trotz jahrelanger Aufklärungsarbeit und zustimmender kirchlicher Stellungnahmen rühren Organspenden in Grenzbereichen immer noch an Tabus. So ist etwa die Diagnose des Hirntods bei Neugeborenen äußerst schwierig. Transplantationschirurgen bemühen sich deshalb, die Hirntodkriterien bei teilweise gehirnlosen Neugeborenen (Anenzephalen) zu lockern, damit Organentnahmen bei anenzephalen Kindern nicht in einer Grauzone zwischen Leben und Tod stattfinden.
Einzelne Stimmen in den USA fordern gar, unmittelbar nach der Geburt Organe aus Anenzephalen herauszuschneiden, unter anderem um die Kosten einer Intensivpflege einzusparen. Dabei wird davon ausgegangen, daß "wertvolles" menschliches Leben von höheren Hirnfunktionen abhängig sei und Anenzephale deshalb nur insofern von "Wert" seien, als ihre Organe andere Kinder durch Transplantation weiterleben lassen.
In der letzten Konsequenz hieße dies, daß ein Anenzephale nie gelebt hat, wenn denn für "bewußtes Leben" nicht nur Atmung und Kreislauf durch das Stammhirn geregelt werden, sondern Groß-, Mittel- und Zwischenhirn Gefühle, Empfindungen, Wahrnehmungs- und Beziehungsfähigkeit ermöglichen müssen.
Das Schicksal der Anenzephalen stellt die Frage, was den Menschen zum Menschen macht. Wo ist die Grenze zu anderen "Unpersonen" wie etwa Menschen mit degenerativen Hirnerkrankungen oder im irreversiblen Koma? Machen wirklich soziale Funktionsfähigkeit und Wertschätzung den Menschen zum Menschen? Hellhörig machen muß die fatale Differenzierung und Diskriminierung, die zwischen "wertvollem" und weniger wertvollem Menschenleben unterscheiden will. Nicht krimineller Organhandel in fernen Ländern, sondern unser Lebensstil auf Kosten der Dritten Welt dokumentiert deutlicher als jede medizin-ethische Diskussion unseren Standort in diesem Geflecht. Ernst-Werner Kleine, Pfarrer für die Universitäts-Kliniken Köln
GRIESHEIM. Die schuleigene Cafeteria, das Griesheimer Mainuferfest und der Schulalltag in Pakistan sind nur einige Themen, mit denen sich die Schulzeitung der Griesheimer Georg-Augst-Zinn- Schule beschäftigt. Das Blatt ist vor kurzem erstmals erschienen. Die Gründungsredaktion (zwei Mitglieder des Elternbeirats und ein Deutschlehrer) will vor allem die Eltern der etwa 650 Schüler zweimal im Jahr über das Schulleben informieren.
"Unsere Ansprechpartner sind die Eltern", erzählt Erika Rech, Redakteurin der Schulzeitung und Vorsitzende des Elternbeirates der Schule, "denn viele Schüler der Klassen fünf bis zehn erzählen ihren Eltern nicht mehr, was in der Schule los ist. Außerdem nimmt mit zunehmendem Alter der Kinder das Interesse der Eltern an der Schule ab."
Freie Mitarbeiter für die kommenden Ausgaben sind den Zeitungsgründern "erwünscht und gesucht". Vor allem die Schüler sind gefragt, bei der Schulzeitung mitzuarbeiten und Artikel zu schreiben. Deshalb ist bis zur nächsten Ausgabe die Gründung einer Schülerredaktion vorgesehen, bis jetzt wollen bereits sechs Schülerinnen mitmachen.
Ein halbes Jahr lang war die Zeitung vorbereitet worden, bis Eltern und Schüler der Georg-August-Zinn-Schule das erste Exemplar mit 32 Seiten Umfang in den Händen halten konnten. In etlichen Redaktionstreffen und vielen Stunden Heimarbeit war die Zeitung entstanden. Das Layout beispielsweise macht einer der Redakteure zu Hause am Computer.
Sorgen bereiten den Zeitungsmachern allerdings noch die Kosten für Papier und Druck. 2 200 Mark haben die 800 Zeitungen gekostet. "Gerade beim Papier haben wir weder gespart noch Abstriche gemacht, was die Umweltfreundlichkeit angeht", sagt Erika Rech.
Die Kosten wurden teilweise von der Schulelternkasse übernommen und teilweise durch Werbung, Spenden und den Erlös von Schulfesten beglichen. Erika Rech: "Ich habe einen Antrag auf Unterstützung beim Amt für Multikulturelles gestellt, aber bis jetzt noch keine Antwort erhalten. Mehr als zwei Seiten Werbung wollten wir in unserer Zeitung eigentlich vermeiden." Auf keinen Fall will die Redaktion Geld für die Zeitung verlangen, schließlich sei nicht mehr gewährleistet, daß alle Schüler und Eltern ein Exemplar erhielten.
Die vielfältigen Themen im Blättchen hat sich die Redaktion ausgesucht. Eine Einladung in die Schulbibliothek, ein Interview mit einem Lehrer aus Deutschland, der in der Türkei unterrichtet hat, und Rubriken, die in einer "richtigen" Zeitung zu finden sind: ein Pressespiegel, eine Übersicht über die wichtigsten Neuigkeiten an der Schule und die Rubrik "Namen und Personen". Als besonderes Bonbon haben sich die Zeitungsmacher ausgedacht, die Zeitung mehrsprachig zu gestalten und so zu gewährleisten, daß auch die Eltern ausländischer Schüler die Zeitung lesen können.
"Diesmal wurde das Interview mit dem deutschen Lehrer, der in der Türkei unterrichtet hat, in die türkische Sprache übersetzt, weil wir angenommen haben, daß so etwas für die Eltern interessant sein könnte", berichtet Erika Rech.
Trotz der vielen Arbeit, die in der Herstellung einer Zeitung steckt, hat es keiner in der dreiköpfigen Redaktion bereut. Erika Rech: "Wir haben unser Ziel erreicht und ein Forum für alle an der Schule geschaffen. Der Dialog ist schließlich am wichtigsten." jan
OBERURSEL. Die Lage auf dem Oberurseler Wohnungsmarkt spitzt sich zu. Mieten und Grundstückspreise sind in den vergangenen Jahren so in die Höhe geschnellt, daß sich viele Wohnen in Oberursel nicht mehr leisten können. Sechs bis sieben Mark kostet Mieter eine Sozialwohnung pro Quadratmeter. Auf dem freien Wohnungsmarkt müssen bis zu 24 Mark gezahlt werden. Der Quadratmeterpreis für ein Baugrundstück beträgt rund 1000 Mark.
"Der CDU/OBG-Magistrat sieht dieser Entwicklung tatenlos zu", kritisierte der SPD-Stadtverordnete Eggert Winter am Donnerstag abend auf einem Bürgerforum. Zwar seien einige Wohnungen gebaut worden, aber für die falschen Leute. Bezahlbarer Wohnraum fehle.
Ein möglicher Ausweg aus der Wohnungsmisere, da sind sich Opposition und Regierung jedoch einig, ist Bommersheim-Süd. Der Magistrat könne in dem rund 25 Hektar großen Baugebiet neuen Wohnraum schaffen, erläuterte Nikola Dischkoff vom Umlandverband Frankfurt. Will heißen: Die Stadt kauft alle Grundstücke zu einem festgesetzten Preis auf und sorgt für die Erschließung. Das Ziel der Bebauung - Wohnraum schaffen - wird im ausgearbeiteten Entwicklungsplan definiert. "Die aufwendige Umlegung von Grundstücken fällt damit weg", strich Winter die Vorteile einer solchen Maßnahme heraus. Anschließend können die neugeordneten Grundstücke an Bauwillige verkauft werden, wobei der frühere Eigentümer Vorrang hat. Für sinnvoll hält Dischkoff, etwa 22 Hektar des Geländes für den Wohnungsbau und nur drei Hektar für Bürogebäude einzuplanen. Gebeutelt von den hohen Grundstückspreisen ist auch die Oberurseler Wohnungsbaugenossenschaft (OWG). "Wir können bald keine Mitglieder mehr aufnehmen", befürchtete Hermann Banze von der OWG. Gerade neue Mitglieder könnten in absehbarer Zeit nicht mit einer Wohnungsvergabe rechnen. Als Tendenz für die kommenden Jahre nannte er die Lückenbebauung. Nach diesem Prinzip baut die OWG zur Zeit zehn Wohneinheiten an der Freiligrathstraße/ Ecke Erich-Ollenhauer-Straße - ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Mitschuld an der Wohnungsnot trügen, meinte SPD-Kreistagsabgeordneter Wolfgang Zink, auch die Kommunen: "Da wurden städtische Grundstücke zur Finanzierung des Haushaltes verkauft." Mietsubventionen lösten das Problem aber nur zur Hälfte. Die Bebauung des Gebietes in Bommersheim-Süd, das zu 40 Prozent bereits der Stadt gehört, hält deshalb auch er für unumgänglich. Wichtig sei eine Mischfinanzierung des kostspieligen Projektes. Zink: "Man darf nicht alles auf ein Pferd setzen." KATJA IRLE
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sp HANNOVER, 22. Januar. Über "anhaltende und systematische Verleumdung des ostdeutschen Protestantismus" hat sich der Ost-West-Europa-Ausschuß des Britischen Kirchenrats beschwert. In einem Briefwechsel mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) würdigten die Briten die Beiträge, die der evangelische DDR-Kirchenbund zur Ökumene geleistet habe. Mit unzuverlässigem Beweismaterial werde jetzt versucht, die Kirchenleitungen und Gemeinden so darzustellen, als wären sie durch die kommunistischen Machthaber durch und durch korrumpiert gewesen. "Wir haben eine ganz andere Kirche kennengelernt", auch wenn es sicher Irrtum und Sünde gegeben habe, heißt es in einem Brief an den EKD-Ratsvorsitzenden Klaus Engelhardt. Vor allem Manfred Stolpe, der heutige brandenburgische Ministerpräsident, habe sich damals durch christliches Engagement, Geschick und Risikobereitschaft hervorgetan.
In seinem Antwortschreiben dankte Engelhardt für "diesen Beweis der brüderlichen Gemeinschaft", und er schloß sich der Klage an, daß in der öffentlichen Debatte die Versuchungen und Versäumnisse von Christen unter den Bedingungen des Sozialismus in den Vordergrund gestellt würden.
Wer auf den großen Knalleffekt hofft, wartet vergebens. Keine zersägten Jungfrauen, kein weißes Kaninchen, das an seinen Ohren aus dem magischen schwarzen Zylinder gezogen wird. Subtile Zauberei, feinfühlig und verblüffend, humoristisch und doch nicht überzogen: die Mikro-Magie ist es, mit der der französische Weltmeister Francis Tabary und der Vize-Weltmeister Roberto Giobbi aus der Schweiz Weltruhm erlangten.
Keine großen Requisiten. Was sie für ihre Kunst beim "Festival der Magie" im Restaurant-Theater Café Cult benötigen, haben sie immer griffbereit. In Jacken- und Hosentaschen verbergen sie sich, die Seile und Fäden, kleine Schaumstoffbälle oder Spielkarten jedweder Couleur. Das Kapital der Magier sind ihre Hände, flink und dennoch kontrolliert - während die Zuschauer staunen. "Wenn sie es zulassen", meint Roberto Giobbi. Er beobachtet es immer wieder: Manch einer versucht wohl die Kunststücke analytisch aufzudröseln. Wohl dem, der sich einfach nur fallen lassen kann. Denn auch Staunen muß gelernt sein.
Die Kindheit kehrt zurück während der Tricks der beiden Mikro-Zauberer. Man bekommt glänzende Augen, der Mund scheint sich nicht mehr schließen zu wollen. Es sind die ganz eigenen Grenzen, die jeder für sich neu definiert. Und darauf bauen die Zauberer. Was der Intellekt nicht mehr begreift, setzt er in Emotionen um. Zauberer, so sagt Giobbi, sind die Surrealisten der Darstellenden Kunst.
Kleine Appetithäppchen zu Beginn ihrer Show machen Lust auf mehr. Von Tisch zu Tisch wandern sie mit ihrer Kleinkunst. Taschenspielertricks? Nein, ihr Hors d'oeuvre besteht aus mehr. Sie kokettieren mit ihrer Begabung, sind sich ihres Könnens bewußt. Dennoch bleiben sie dezent und distanziert. In den wenigen Minuten, die ihnen pro Tisch bleiben, verstehen sie es vorzüglich, die Geschmacksnerven ihres Publikums zu sensibilisieren.
Der Hauptgang: die Bühnenshow. Mit einer Leichtigkeit, die nie erahnen läßt, daß sie täglich bis zu vier Stunden trainieren müssen, tricksen die beiden, was das Zeug hält. Der Wortwitz Roberto Giobbis lenkt das Publikum - wohin der zaubernde Entertainer es auch immer haben möchte. Er lenkt ab, verwirrt, unterhält mit lässiger Eloquenz, animiert und aktiviert jene Urgefühle, die im Alltag abzustumpfen drohen.
Die schöpferische Kraft von Francis Tabary beruht auf einem Seil. Ein einfaches weißes Seil. Wirklich nur ein Seil? Nein, was er mit dieser plötzlichen Vielfalt von Knoten und Seilenden vollbringt, sprengt die physikalischen Erkenntnisse eines logisch denkenden Menschen. Was bleibt, ist Irritation . . .
(Das "Festival der Magie" ist noch heute und morgen, jeweils ab 20 Uhr, im Restaurant Theater Café Cult in der Schillerpassage zu sehen. Karten gibt es allerings nur noch für die Sonntags-Vorstellung.) JÖRG HANAU
Herrn Walter Dobbruntz aus Rodenbach zum 85. Geburtstag am Samstag, 23. Januar.
Frau Margarete Himmelstein aus Maintal-Bischofsheim zum 80. Geburtstag am Sonntag, 24. Januar.
SCHÖNECK. Daß der einstige Büdesheimer Landtagsabgeordnete Heinrich Wilhelm Schaub geehrt werden soll, ist Konsens. Auch daß dazu eine Ehrentafel an der Büdesheimer SKV-Turnhalle angebracht werden soll. Eine Auseinandersetzung ist nun aber um deren Text entbrannt. Der Gemeindevorstand hatte nach einem Parlamentsbeschluß vom Juni zusammen mit Historiker Bernd Vielsmeier eine Fassung ausgearbeitet, die dem Sport- und Kulturverein als Eigentümer der Halle zu ausführlich und inhaltlich zu weit ging. Die vom Verein gekürzte Version wollte der Gemeindevorstand nun akzeptieren, doch nun schaltete sich Schaubs Enkelin Lilli Grunwald ein. Sie warnt vor einer schäbigen und provinziellen Verdrängung von Tatsachen.
Zur Enthüllung der Inschrift im Büdesheimer Jubiläumsjahr 1992 reichte es wegen der SKV-Korrekturwünsche schon nicht. Auch aus einer Feier an Schaubs 63. Todestag, dem 23. Februar, wird nichts. Schönecks Hauptamtsleiter Werner Marhauser: "Das hat uns der Verein zunichte gemacht."
Die ursprüngliche Textfassung würdigt Heinrich Schaubs Verdienste um die Entwicklung Büdesheims und seine Tätigkeit als Mitglied im Hessischen Arbeiter- und Soldatenrat von November 1918 und Februar 1919 und als Landtagsabgeordneter von 1921 bis 1930. Und es ist angegeben, warum die Gemeinde das Bronze- oder Acrylglas-Täfelchen ausgerechnet an der SKV-Turnhalle anbringt: "Heinrich Wilhelm Schaub hat darüber hinaus maßgeblich zum Bau dieser Turnhalle beigetragen, die sich die Freie Turngemeinde nach Abspaltung von der Deutschen Turnerschaft 1910 bis 1911 errichtete."
Die gekürzte (Lilli Grunwald sagt: "zensierte") Version verschweigt sowohl den Arbeiter- und Soldatenrat als die Spaltung der Turner. Der Gemeindevorstand hat im September den Wünschen des Vereins nachgegeben und lediglich noch die Präzisierung verlangt, daß Schaub Abgeordneter der SPD war.
Während Marhauser die Tafel bestellen wollte, traf nun der Brief der Enkelin ein. Darin empfiehlt sie, sich näher mit der Geschichte der Arbeiterbewegung zu beschäftigen. Dann würde man erkennen, "daß die Arbeiter bzw. Gewerkschaften unter großen persönlichen Opfern und gegen den erbitterten Widerstand der Herrschenden erst das erreicht haben, worauf wir uns heute so satt ausruhen: geregelte Arbeitszeit, Urlaub, menschenwürdige Arbeitsbedingungen usw."
Und sie verweist auf den Aufsatz von Manfred Köhler in der Büdesheimer Ortschronik 1992, auf die die Anregung zur Ehrung zurückgeht: Sie zeige, daß die Mitgliedschaft im Rat nichts "Schlimmes" war, sondern dieses Gremium im Chaos des Kriegs für Versorgung der Bevölkerung und Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung gegen Plünderungen oder Schiebereien gesorgt hat. "Ich habe den Eindruck, daß Sie nicht wissen, was der Arbeiter- und Soldatenrat war", hält sie den SKV-Leuten vor.
Sie fordert dazu auf, "nicht über einen Mitbürger zu richten, der für seine Weigerung, ein Gewehr in die Hand zu nehmen, 1917/18 sogar ins Gefängnis gegangen ist". Der damalige USPD-Mann Schaub hatte sich nach der Einberufung in Butzbach, später in Friedberg als Pazifist, der Waffenausbildung verweigert.
Die am 11. November 1918 erfolgte Wahl Heinrich Schaubs in den Friedberger Soldatenrat führte laut Köhlers Aufsatz zu seiner Entsendung in den Zentralen Hessischen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat in Darmstadt, der "am 8. und 9. November Hessen zur sozialistischen Republik proklamiert, den Großherzog abgesetzt, seine Domänen verstaatlicht, sämtliche Sonderrechte der Geburt und des Standes abgeschafft und die Trennung von Kirche und Staat gefordert" hat.
Im Übergang zwischen Monarchie und parlamentarischer Demokratie (offiziell bis zum 11. Februar 1919) regierte der Rat. Auch wenn die SKV-Vorstandsmitglieder nach Auskunft des Vorsitzenden Edgar Arndt nichts mehr davon wußten, ist Schaubs Mitgliedschaft darin das höchste Amt, das er je bekleidete.
Ortshistoriker Bernd Vielsmeier: "Ich finde das nicht gut, daß zwei wichtige Bereiche für die Biographie und die Zeitgeschichte wegfallen sollen." Der damit angesprochene zweite Bereich, die Abspaltung der Arbeiter-Turnbewegung von der laut Köhler "elitär-reaktionären" Deutschen Turnerschaft im wilhelminischen Reich, sei, so Vielsmeier, für die Ortsgeschichte relevant: In ihr drückt sich der Strukturwandel in der Büdesheimer Gesellschaft aus, in der die Industriearbeiterschaft mit ihrer eigenen Kultur ein stärkeres Gewicht hatte.
Vereinsvorsitzender Edgar Arndt verweist darauf, daß SKV-Mitglieder heute nicht mehr alle aus der Arbeiterschaft stammen. Man sieht sich nicht in sozialdemokratischer Tradition: Wenn die SKV-Blasmusik auch nächsten Montag auf einer SPD-Wahlversammlung in Nidderau spielt, könne er sich genausogut vorstellen, daß sie einmal für einen CDU- Redner Stimmung besorgt.
Da die Tafel an der eigenen Halle angebracht werden soll, habe man mitreden wollen. Von 15 Leuten im Vorstand habe sich außer einem niemand unter "Soldatenrat" etwas vorstellen können. Man wollte den Text kurz und "so neutral wie nur möglich" fassen. Am liebsten hätte man nur den Namen gesehen.
Der Grund für diese zurückhaltende Behandlung der eigenen Geschichte liefert Arndt auch: Noch vor zehn Jahren habe der SKV "enorme Probleme" gehabt, weil die Turnhalle im "Ruch" des (politisch) "Roten" stand; bei Veranstaltungen seien die Bauern deswegen nicht gekommen. Seine Vorgänger im Vorstand seien bestrebt gewesen, "ganz neutral zu erscheinen", auch wenn man sich zu den Gründern bekenne. Und ein wenig von dem Geist, der Schaub und seine Sportsgenossen beim Bau der Halle bewegte, sei bei den 800 Stunden Eigenarbeit durchaus noch zu spüren gewesen, die SKV-Mitglieder bei ihrer jüngsten Renovierung einbrachten. Bestreben des Vereins sei es aber: "Man will nicht mehr so verschrien sein."
Arndt zum jetzigen Stand: Er werde übers Wochenende versuchen, mit den übrigen Vorstandsmitgliedern über Lilli Grunwalds Einwände zu reden, deren Veröffentlichung ihn etwas verärgert habe. Der Weg zu einer einvernehmlichen Lösung scheint also noch nicht verbaut. Auch Bürgermeister Erwin Schmidt zeigt sich "jederzeit gesprächsoffen". Ul
Frankfurt
Entlassungen
drohen bei
FRANKFURT A. M., 22. Januar (lhe). Die Naxos Union AG mit Sitz in Frankfurt wird ihren Personalabbau in diesem Jahr fortsetzen. Der Schleifmittel- und Schleifmaschinenhersteller will nach Angaben von Vorstandsmitglied Eckart Zillig noch bis zu 100 Stellen streichen.
Zur Zeit beschäftigt Naxos 750 Menschen in drei Werken in Frankfurt- Fechenheim, Butzbach und in Schwalmstadt-Ziegenhain. Als Grund für den Stellenabbau wird das schlechte konjunkturelle Klima genannt.
Am härtesten betroffen von den Vorstandsplänen ist das Werk in Fankfurt- Fechenheim. Dort werden Schleifmaschinen produziert. Gesamtbetriebsratsvorsitzender Eberhard Dais rechnet damit, daß die 400köpfige Belegschaft auf "unter 300" gedrückt wird. Nach Dais' Informationen steht 1994 gar die völlige Verlagerung auf das Gelände der Pittler AG in Langen an. Pittler hält 50 Prozent der Naxos-Aktien. Dann wird das Fechenheimer Werk "geräumt und verkauft", fürchtet Dais.
BABENHAUSEN. Zu den jüdischen Familien, die im vorigen Jahrhundert im Babenhäuser Stadtteil Hergershausen ansässig waren, gehörten auch die Krämers. Sie standen nach bisherigen Erkenntnissen in verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Krämers aus dem benachbarten Altheim.
In der vom Heimat- und Geschichtsverein herausgegebenen Dokumentation "Die Juden von Babenhausen" sind bei den drei "jüngsten" Krämers - sie alle wurden Mitte des vorigen Klärung per Zufall Jahrhunderts geboren - die Vermerke "Schicksal unbekannt" angefügt. Sie alle hatten wohl nach außerhalb geheiratet, eine Rückmeldung in irgendeiner Form hatte es nicht gegeben. Jedenfalls waren bei der Bearbeitung der Dokumentation keinerlei Hinweise in den Archiven gefunden worden.
Ein Zufall hat jetzt das Schicksal von Abraham Krämer geklärt und sogar ein Bild von ihm ergeben. Mit einem Enkel in den USA wurde inzwischen korrespondiert. Barbara Händler Lachmann und Ulrich Schütt von der Marburger Geschichtswerkstatt haben Ende vergangenen Jahres die Geschichte der Juden im alten Landkreis Marburg veröffentlicht. Und dort fand sich ein Hinweis auf Abraham Krämer, geboren am 11. August 1860 in Hergershausen im Kreis Dieburg.
Die Mutter von Abraham Krämer war Caroline Krämer (1818-1894), der Vater war Moses Krämer aus Altheim (1818-1883), der allerdings nicht mit Caroline Krämer verheiratet war, sondern mit ihrer Schwester Sette (1824-1858).
Noch vor der Jahrhundertwende muß Abraham Krämer, von Beruf Handelsmann, aus Hergershausen weggezogen sein und sich in Niederklein im Kreis Marburg niedergelassen haben; am 1. Februar 1890 wird dort der Sohn Hermann Krämer geboren. Hermann Krämer, Manufakturwarenhändler, war mit Dina Stern verheiratet. Er wurde 1939 verhaftet, 1941 ins Zwangsarbeitslager Breitenau und wenige Wochen später ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt, wo er starb. Die Ehefrau Dina wurde nach Auschwitz deportiert und kehrte nicht zurück. Abraham Krämer hat in Niederklein in der Obergasse 85 gelebt. Von dort wurde er am 28. April 1941 nach Mardorf umgesiedelt; wenig später, am 9. Juni 1941, starb er.
Die Enkelin Ilse Krämer, 1921 in Niederklein geboren, konnte 1939 auswandern. Sie starb 1988 in den USA, hat der Enkel Walter Krämer jetzt mitgeteilt. Walter Krämer, Jahrgang 1927, hat wie durch ein Wunder das "Dritte Reich" überlebt. Er war ebenfalls am 28. April 1941 nach Mardorf umgesiedelt worden. Am 8. Dezember 1941 kam er ins Getto Riga, von da ins KZ Stutthof und am 11. März 1945 noch ins KZ Rieben. Dort wurde er wenige Tage später befreit. Als er ins Elternhaus nach Niederklein zurückkehrte, war nichts mehr vorhanden. Später emigrierte er in die Vereinigten Staaten von Amerika. ttt
Schiffskatastrophen all überall: die "Aegean Sea" vor La Coruna, die "Braer" vor den Shetlandinseln, die "Mearsk Navigator" vor Sumatra und nun auch noch theatralisch die "Katharina" im Frankfurter Rémond-Theater. Dabei hinkt die Bühnenversion mit ihrer romantisierenden Sicht weit hinter der Realität her. Was Ludwig Fels in "Sturmwarnung" zusammenbraute, hat nichts mit den ökologischen Apokalypsen zu tun, die uns täglich über die Nachrichten erreichen, sondern bedient die hehren Werte vom Kapitän, seiner ewigen Liebe zum Meer, zum Schiff, zur Frau. Christliche Seefahrt und biblische Treue.
Symbolträchtig nennt Fels seinen Helden Jonas, weil der, seinem alttestamentarischen (Wal-)Vorgänger gleichend, in seinem Wrack sitzt. Dieses trägt den Namen Katharina, griechisch: die Reine, wegen der wirklich ehren- und tugendhaften Zuneigung, die der alternde Mann beiden entgegenbringt. Bedeutungsschwer heißt die Wassernymphe, die sich aus journalistischem Interesse und aus Liebe an Bord schleicht, Eva Engel.
Am zehnten Jahrestag nun von Kapitän Jonas' Havarie wird über Funk ein "Jahrhundert-Orkan" avisiert, den das Wrack und sein Einsiedler nicht überstehen werden. Die drei Akte des Stückes bestehen aus - natürlich vergeblichen - Versuchen, den Mann von Bord zu bringen. Beteiligt: zwei Männer der Küstenwache und die Sensationsreporterin. In den Dialogen mit ihnen hat Jonas mannigfach Gelegenheit, bärbeißig auf seiner Prinzipientreue zu bestehen, heraus kommen Durchhalteparolen eines Pseudo- Helden.
Die Story zu "Sturmwarnung" basiert auf einer Idee von Hans Joachim Kulenkampff. Ludwig Fels, Stadtschreiber von Bergen-Enkheim 1985, Autor von "Lämmermann" (Kammerspiel Frankfurt, Spielzeit 85/86), "Der Affenmörder", "Soliman" und "Lieblieb", hat sein 1992 entstandenes, jüngstes Opus dem beliebten Quizmaster auf den Leib geschrieben. Daß Kuli begeisterter Hobbysegler ist, weiß alle Welt, die Affinitäten zwischen Autor, Hauptdarsteller und Handlung sind so klar und vordergründig wie das Ergebnis.
Einen Ehren-Rettungsversuch für die Beteiligten startete Uraufführungsregisseur Ilo von Janko, in dem er die Akte vertauschte und den, aus typischen Männerphantasien geborenen, Auftritt der verführerischen Eva vom Ende in die Mitte verlegte. In der Reihenfolge eins, drei, zwei verschiebt sich der Akzent vom Seemanns-Kitsch immerhin zur Melodramatik. Spöttische Lacher bleiben dem Mädchen (Angelika Auer) dennoch nicht erspart. Die Rettungsmänner, sportlich- dynamisch (Albrecht Ganskopf), altgedient und mit allen Wassern gewaschen (Helmut Oeser), sind mehr oder weniger Stichwortlieferanten für den "Leibreden" haltenden, sich selbst inszenierenden Käptn Kuli. Höflich-anhaltender Applaus bei allseits enttäuschten Mienen im Zootheater. RUTH DRÖSE
MAINTAL. Die Evangelische Kirchengemeinde Maintal-Hochstadt veranstaltet am Dienstag, 26. Januar, um 20 Uhr in ihrer Kirche ein Konzert mit dem Ensemble "Musica Bohemica Prag". Die seit mehr als 20 Jahren bestehende Gruppe hat sich sowohl der Alten Musik zugewandt, wobei sie die Werke tschechischer Komponisten bevorzugt, als auch mit zeitgenössischen Tonschöpfungen beschäftigt, bevorzugt mit geistlicher Musik, wie Pfarrer Hermann Langheinrich mitteilt. Und zudem haben die Gäste aus Prag auch Volksmusik im Repertoire.
Das aus zwölf Instrumental- und zwei Vocalsolisten bestehende Ensemble bietet in Hochstadt ein Mixprogramm aus den drei genannten Schwerpunkten: Werke aus dem 17. Und 18. Jahrhundert, böhmische Volkslieder und moderne Kompositionen, unter anderen von Jaroslav Krcek (Jahrgang 39), dem Gründer und Leiter der "Musica Bohemica Prag".
Der Eintritt kostet je nach Güte des Platzes zwölf, 15 oder 20 Mark. Karten gibt es im Pfarramt Hochstadt, Ringstraße 13 (Telefon 0 61 81 / 43 17 47), und an der Abendkasse. pom
Briefe an die Redaktion
"Das rückt Telekom in kein positives Licht" Die Umstellung von fünf- auf sechsstellige Rufnummern durch die Telekom im Dreieich-Sprendlinger Industriegebiet hat für einige Betriebe erhebliche Schwierigkeiten nachsichgezogen. Die Kunden riefen nicht mehr an, weil sie die neue Telefonnummer nicht kannten. Geschäftsführer der Betriebe klagten über Umsatzrückgänge und forderten einen Ansagedienst auf ihren alten Rufnummern. Die Telekom konnte diesen freiwilligen Service aus technischen Gründen jedoch nicht schalten (FR vom 12. Januar 1993).
Wenn Herr Hartmann als Pressesprecher der OPD-Frankfurt glaubt, die gegen die Telekom erhobenen Vorwürfe über Versäumnisse im Zusammenhang mit der Telefonnummernumstellung in Dreieich damit zu entkräften, daß er darauf hinweist, die betroffenen Firmen seien bereits vor einem Jahr auf die Umstellung hingewiesen worden und hätten Ihre Kunden entsprechend informieren können, so möge er bitte erklären, wie dies bei überwiegend wechselnder nicht in einer Kundenkartei erfaßbarer privater Kundschaft möglich sein soll.
Davon abgesehen ist insbesondere nochmals zu betonen, daß noch wenige Wochen vor der Umstellung von der Telekom falsche Telefonnummern bekanntgegeben wurden und die richtigen dann erst wenige Tage vor der um einen Tag verschobenen Umstellung. Ganz unverständlich ist aber die Aussage eine Aufschaltung auf ein Ansageband sei aus technischen Gründen nicht möglich, wenn auf entsprechende Reklamationsanrufe genau dies permanent versprochen wurde. Oder sollten diese Versprechen nur beschwichtigen?
Fest steht jedoch, daß solche Aussagen und solches Verhalten nicht dazu beitragen, den Ruf der Telekom in ein positives Licht zu rücken, insbesondere, da es sich bei den geschilderten Problemen nicht um einen Einzelfall handelt, wie die Betroffenen in Bad Vilbel-Dortelweil und die Wirtin der Gaststätte "Zum schmalen Handtuch" in Neu-Isenburg sicherlich bestätigen können.
Es bleibt jedenfalls zu hoffen, daß auch die Telekom irgendwann in ferner Zukunft zu einem kundenorientierten und servicefreundlichen Unternehmen heranwächst, das seine Monopolstellung nicht als Machtfaktor, sondern als Verpflichtung versteht.
Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor. (Red.)
FRANKFURT A. M., 22. Januar. In der Bundesrepublik werden nach Schätzungen des Deutschen Kinderschutzbundes etwa 200 000 Kinder von ihren Eltern schwer vernachlässigt oder sind von Verwahrlosung bedroht. Auf einer Tagung des Kinderschutzbundes Nordrhein-Westfalen in Dormagen unterstrichen Fachleute, daß Kindesvernachlässigung nicht nur ein Zeichen für zerstörte Lebensqualität der Kinder, sondern auch der Eltern und Familien sei. "Vernachlässigungsfamilien sind zu 90 Prozent arme Familien", erläuterte der Berliner Professor Reinart Wolff.
Neue Sparmaßnahmen im Sozialbereich könnten weitere Familien an den Rand des Existenzminimums bringen und Kinder in ihrer Entwicklung gefährden, befürchtet der Kinderschutzbund. Vernachlässigte Kinder litten unter einer "materiellen und emotionalen Unterversorgung". Das materielle Defizit, das unter anderem zu einer mangelhaften Ernährung führe, äußere sich in ernsten gesundheitlichen Schäden und Verzögerungen bei der körperlichen Entwicklung, ohne daß organische Ursachen zu erkennen seien ("psycho-sozialer Minderwuchs"), sowie in einer verminderten Lern- und Leistungsfähigkeit. Die "emotionale Unterversorgung" durch mangelnde Beschäftigung der Eltern mit ihren Kindern führe zu Verzögerungen bei der Sprachentwicklung und zu einer eingeschränkten Fähigkeit der Kinder, Kontakte zu anderen Menschen zu knüpfen. Nach Angaben des Kinderschutzbundes Nordrhein-Westfalen sind derzeit etwa 100 000 vernachlässigte Kinder in Heimen und bei Pflegeeltern untergebracht, 100 000 weiteren drohe die Verwahrlosung.
"Wenn das Leben für Kinder schlecht ist, ist es auch schlecht für Eltern, egal, ob sie es wahrnehmen oder nicht", meinte der Münchner Professor Gotthart Schwarz vor rund 130 Mitarbeitern sozialer Dienste in öffentlicher und freier Trägerschaft, die an der Dormagener Tagung teilnahmen. Sein Kollege Wolff sagte, emotional und materiell unterversorgten Kindern könne nur geholfen werden, wenn bei der Entwicklung von Hilfen die Ursachen für Kindesvernachlässigung als ein Zusammenhang von Lebensgeschichte und Lebensverhältnissen berücksichtigt werde. Neben den sozialen Defiziten werde auch die mangelnde materielle Ausstattung dieser Familien von Generation zu Generation "vererbt".
Der Kinderschutzbund weist darauf hin, daß durch Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit, Trennungen der Eltern und fehlende nachbarschaftliche Kontakte immer mehr Familien und Kinder in Armutssituationen gerieten. Gleichzeitig finde ein Angriff auf soziale Leistungen im Zuge der für diese Familien gefährlichen Sparpolitik statt. Eindeutig werde die Schere der sozialen Ungleichheit immer größer, kritisierten Wolff und Schwarz. Besonders betroffen seien die neuen Bundesländer, es gebe aber auch in Westdeutschland Armutsregionen, sagte Wolff.
Der Kinderschutzbund ist der Ansicht, daß "Alibiprojekte" in der Sozialarbeit, wie sie zum Teil bisher finanziert wurden, den Kindern in diesen Familien nichts nützten, da sie "letztlich auf die Verwaltung von Armut hinauslaufen". Damit sich in besonders akuten Krisensituationen die Lage der überforderten Familie entspanne, müßten sozialpädagogisch betreute Unterbringungsmöglichkeiten für die Kinder bereitstehen.
"Die Leidtragenden des zunehmenden Verarmungsrisikos der Familien unterer Einkommensgruppen sind vor allem die Kinder, in deren Zukunft der Sozialstaat investieren sollte", stellt der Kinderschutzbund fest. Armut sei kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem, das sozialpolitisch gelöst werden müsse.
FRIEDBERG. Seit zwei Tagen gibt es die "UNOrganisierte Jugend" in Friedberg. Natürlich gab es die vorher auch, aber da war sie, was der Name mit dem großgeschriebenen Kürzel jetzt offiziell verkündet. Eine "Gründungsvollversammlung" der autonomen, also bislang nicht vereinsgebundenen Jugendlichen, nennt Joachim Pudeck (25) das, was sich Donnerstag abend im Literaturcafé abgespielt hat. Etwa 30 Leute, die sich in den letzten Wochen massiv für ein örtliches Jugendzentrum engagiert haben, nahmen teil. Sie wählten fünf Sprecherinnen und Sprecher: Neben Pudeck sind das Michael Borchel (23), Berit Huth (19), Regina Gail (19) und Anji Riemenschneider (21).
"Für uns selbst brauchen wir das nicht", erklärt Pudeck den scheinbaren Widerspruch einer autonomen Jugendszene, die sich organisiert. Ansprechpartner müßten her für die Stadt, die Parteien, die organisierte Jugend in Stadtjugendring und Schülervertretung (SV) etwa.
"Es steht noch aus, einen Verein zu gründen, der die Trägerschaft für das Juz übernimmt oder sich zumindest daran beteiligt", berichtet Pudeck aus der Vollversammlung. Die hat denn auch drei weiteren aus dem Kreis den Auftrag erteilt, einen Satzungsentwurf auszuarbeiten. Orientieren könnten sie sich dabei an Vereinen, die hinter Jugendzentren in Bockenheim und Göttingen stehen. Hier seien die Jugendtreffs "sehr gut in Eigenregie verwaltet", weiß Pudeck. Sie bekämen von der Stadt einen Etat und stellten selbst Sozialarbeiter ein. Mit diesen Orientierungshilfen ist die Richtung, die das Juz in Friedberg nach Meinung der UNO nehmen sollte, vorgegeben. "Relativ autonom, soviel Selbstverwaltung wie möglich", sagt Pudeck. Für ihn ist sonnenklar: "Eine Einrichtung für Jugendliche muß von Jugendlichen gemacht werden. Sonst kann nichts Gescheites dabei herauskommen."
Wichtig ist UNO das Gespräch mit organisierten Jugendlichen, besonders mit der SV, "weil da fast alle vertreten sind", so Pudeck. Ziel sei es, möglichst viele Gruppen in einem Gremium zusammenzubringen, "um eine gemeinsame Strategie entwickeln und relativ geschlossen auftreten zu können". Die Sprecher hatten gestern gleich einen Termin: Drei sollten die SPD bei ihrem Besuch im Juz Karben begleiten. Nächste Woche sind Gespräche mit SV, DGB und der AG Kinder- und Jugendhilfe geplant.
Die UNO will sich nun regelmäßig treffen. Allerdings behindert die Raumnot ihre Arbeit: Noch ist unklar, wann die Jugendlichen das nächste Mal zusammenkommen, weil sie noch keinen Treffpunkt haben. Die Versammlung vom Donnerstag war nicht öffentlich angekündigt. Vorab wollten die Jugendlichen in Bad Nauheim tagen, bekamen aber kurzfristig eine Absage.
Eine feste Anlaufstelle für alle, die mit der UNOrganisierten Jugend Kontakt aufnehmen wollen, gibt es übrigens jetzt auch: bei Anji Riemenschneider in der Hospitalgasse 16, Tel. 0 60 31 / 6 27 32.
MONIKA KAPPUS
&blt; Marc Soustrot dirigiert
Am Sonntag, 24. Januar, gastiert die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in der Alten Oper Frankfurt, dirigiert von Marc Soustrot, der für Michel Plasson einspringt. Solist ist Kolja Blacher, Violine. Auf dem Programm stehen Robert Schumanns "Konzert für Violine und Orchester d-Moll", Debussys "Prélude á l'après-midi d'un faune" und Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung". 19 Uhr. &blt; "Nicht Dasein!" "Nicht Dasein!" ist der Titel einer Veranstaltung des Frankfurter Hoftheaters und der Gesellschaft für ästhetische Zumutung am Sonntag um 20.30 Uhr in der Borsigallee 33. &blt; Krechel, Loschütz, Müller Das Thema lautet "Dramaturgie der Heimatlosigkeit", die Gäste sind Ursula Krechel, Gert Loschütz und Elfriede Müller sowie Studenten des Instituts für Theaterwissenschaft, die einzelne Szenen aus Ursula Krechels "Sitzen bleiben Gehen" spielen. Am Sonntag im Frankfurter Literaturhaus, Bockenheimer Landstraße 102, Beginn 16 Uhr. &blt; Chlodwig Poth signiert Auf Einladung der Saalbau signiert Chlodwig Poth am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr Bücher und Karikaturen: in den Räumen der zukünftigen Stadtteilbücherei im Haus Sossenheimer Kirchberg, Alt-Sossenheim 54. Dort ist noch bis 28. Januar eine Clodwig-Poth-Ausstellung zu sehen. &blt; Kindertheater und -lesungen Im Gallustheater, Krifteler Straße 55, gastiert am Samstag um 15 Uhr das Kinder- und Jugendtheater Speyer mit "Lilly Liliput" für Kinder ab vier. Im Theater in der Brotfabrik ist am Sonntag um 15.30 Uhr der Zauberer Manioli (ebenfalls für Kinder ab vier). Im Kindermuseum des Historischen Museums ist am Samstag um 14 Uhr ein Märchenerzähler zu Gast (für Kinder ab sechs). Und Schauspieler des Kommunalen Kinder- und Jugendtheaters lesen am Sonntag für Kinder ab fünf Märchen und Geschichten vor: Beginn 15 Uhr, Eintritt frei, Am Tiergarten 12 (Nähe Zoo). &blt; Indische Kultur Im Ka Eins (Kasseler Straße 1A) veranstaltet das Indische Kulturinstitut am Sonntag ab 15 Uhr einen Nachmittag mit Lesung, Musik, Gesang, kulinarischen Spezialitäten und vielem mehr. &blt; Ulrike Maier im Plazz Die Harfenistin und Sängerin Ulrike Maier gastiert am Sonntag, 24. Januar, im Café Plazz. Begleitet wird sie von Earl Hope, Baß. "Das sind Könner, Perfektionisten an der schwierigen Besetzung Vocals, Harfe und Baß" schrieb die FR dazu. Konzertbeginn 19.30 Uhr, Kirchplatz 8. &blt; Ausstellungs-Eröffnungen An diesem Wochenende werden in Frankfurts Galerien zahlreiche Ausstellungen eröffnet. Ulrich Gering (Textorstraße 91) zeigt unter dem Titel "Der Kunstbetrachter" bis 12. März Werke verschiedener Künstler. Vernissage ist am Sonntag um 17 Uhr. Die Galerie Grimm in der Saalgasse 10 zeigt bis 6. März Mischtechniken von János Nádasdy. Vernissage am Sonntag um 14 Uhr, ab 16 Uhr führt der Künstler selbst in seinen Werkzyklus ein. Die Galerie an der Galluswarte eröffnet am Samstag um 17 Uhr eine Ausstellung mit Bildern von Hilko Weerda; der Künstler ist anwesend. Timm Gierig im Leinwandhaus (Weckmarkt 17) zeigt bis 27. Februar Malerei, Objekte und Zeichnungen von Erich Smodics; Vernissage am Samstag um 15 Uhr. &blt; Film: "Das heimliche Fest" Ein Film über die österreichische Schriftstellerin Dorothea Zeemann ist am Sonntag, 24. Januar, um 11 Uhr im Kommunalen Kino zu sehen: "Das heimliche Fest" von Susanne Freund. Nach der Vorstellung wird Dorothea Zeemann aus ihrem gleichnamigen Buch lesen. &blt; Kirchenkonzerte In der Thomaskirche in Frankfurt-Heddernheim ist am Sonntag um 18 Uhr ein Konzert mit Hans Kuhner, Posaune, und E.W. Schuchhardt, Orgel. Der Eintritt ist frei. Ein Konzert für Trompete und Orgel gibt es am Sonntag um 17 Uhr in der Deutschordenskirche in Frankfurt-Sachsenhausen, auf dem Programm stehen Werke von Bach, Torelli, Molter und Friedman. In der Festeburgkirche in Frankfurt-Preungesheim gibt es am Sonntag einen Klavierabend. Birgitta Wollenweber spielt Beethoven, Schumann und Chopin. Beginn 19.30 Uhr. Das Collegium Canticorum Leipzig gastiert am Sonntag in der Alten Nikolaikriche am Römerberg. Beginn 11.15 Uhr. Und in der Hanauer Pfarrkirche St. Elisabeth ist am Samstag um 20 Uhr ein Konzert für Violine und Orgel mit Werken von Corelli, Bach und Rheinberger.
GELNHAUSEN. Über Fortschritte in der Nutzung der Sonnenenergie und Anwendungsmöglichkeiten von Solartechnik informiert eine Ausstellung ab Montag, 25. Januar, im Rathaus am Obermarkt. In Zusammenarbeit mit den Stadtwerken will die Stadtverwaltung besonders für die Warmwasserbereitung mit Solarenergie werben. Die Ausstellung präsentiert bis zum 4. Februar ganztägig neben einigen Schautafeln Original-Solarkollektoren verschiedener Systeme. Ein Energieberater steht für Fragen am 25. Januar von 10 bis 18 Uhr und am 27. Januar von 10 bis 16.30 Uhr zur Verfügung. Zudem wird eine Computeranalyse angeboten, die aufgrund weniger gebäude- und nutzerspezifischer Daten erste Anhaltspunkte über die Einsparmöglichkeiten durch eine Solaranlage gibt. Die Analyse ist nicht an die Ausstellungszeit gebunden. Interessierte Bürger können die Fragebögen auch zur Auswertung an die Stadtwerke schicken. lex
"Personenumlauf" nur noch bis 1994?
Unvergessen die Slapstick-Einlage des Kollegen aus dem Ressort Feuilleton. Der Mann, gewöhnlich in den höheren Sphären des Schöngeistigen unterwegs, erlebte einen der seltenen Momente von Bodenhaftung. Die Kaffeekanne in der rechten, das Rezessionsexemplar in der linken Hand, strebte er dem hauseigenen Paternoster entgegen und postierte die Kanne auf dem Boden einer soeben aus dem tiefergelegenen Stockwerk nach oben gleitenden Kabine. Er tat dies geistesabwesend, war er doch gedanklich zur belletristischen Neuentdeckung und wohlformulierten Kritik vorausgeeilt. Auch der Paternoster hatte sich bewegt; Kabine und Kanne waren im Tempo der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 30 Zentimetern in der Sekunde in die Höhe geglitten. Der Mann unternahm eine Anstrengung, die der Übung des Klimmzuges nicht unähnlich war. Allein - vergeblich, und der Kollege, auf die Rückkehr der Kanne wartend, erlebte für einen Augenblick schmerzlich, wie das Banale zuweilen über alle großen Denkentwürfe triumphiert. Dieser Paternoster und mit ihm alle 400 bundesweit sollen stillstehen.
Ende einer Dienstzeit - so will es eine Koalition aus Bundesarbeitsminister und dem Deutschen Aufzugsausschuß. Dieses Gremium, das - auf dieses Attribut legt man im Hause Blüm Wert - "ausgewogen" sich zusammensetzt aus Vertretern des Technischen Überwachungsvereins, Herstellern und Gewerkschaftern, hatte, besorgt über die im Vergleich zu anderen Aufzügen relativ hohe Unfallträchtigkeit des "Personenumlauf-Aufzugs", den zuständigen Minister alarmiert. Der zog die Notbremse: 1972 wurde der Bau neuer Paternoster untersagt, 1988 die Demontage aller im Betrieb befindlichen "bis spätestens 31. Dezember 1994" festgesetzt. Vorbehaltlich der behördlichen Ausnahmegenehmigung.
Die einen betreiben das Werk der Stillegung, die anderen melden sich laut zu Wort. Unlängst wandte sich selbst Stuttgarts Oberbürgermeister an den Minister. Er, Rommel, frage ihn, Blüm (wie es im Ministerium in rheinischer Klangfärbung übersetzt wird): "Kann man dat nich abwenden?" Abwenden will es auch Münchens Stadtbaurätin Christiane Thalgott, in deren Amtsgebäude mit einem elfstöckigen Paternoster der wohl imposanteste der bayerischen Landeshauptstadt rotiert. Unter ihrer Regie werden sich nach Angabe ihres Referenten Cornelius Mager schon im Februar 40 "hochqualifizierte" Frauen und Männer zusammensetzen: darunter amtierende und emeritierte Professoren der TU München. Ihr Ziel: Gründung eines Vereins, der die Weiterfahrt des Paternosters als Satzungsziel nennt. Schließlich dient der "Umlauf- Aufzug" nicht nur der Personenbeförderung. Der Paternoster erfüllt auch eine nicht zu unterschätzende beziehungsfestigende Funktion: Denn selten kommen sich zwei Menschen (zulässige Höchstzahl je Kabine) so nahe wie beim gemeinsamen Entschwinden im Paternoster. sar
In Langen wurden 900 Überlebenspakete gepackt Zusammen mit den "Freunden Bosniens" organisiert die Flüchtlingshilfe Langen Lieferungen in Krisengebiete Von unserem Redaktionsmitglied Karin Dalka LANGEN. Zwei Kilo Mehl, ein Kilo Reis, Hülsenfrüchte, Nudeln, Fett, Milchpulver, Kindernahrung, Vitamintabletten, Salz, Gewürze, Kerzen und Streichhölzer: Das findet sich in den "Überlebenspaketen für Bosnien". 900 Stück haben die Langener seit Ende Dezember gepackt, und zwar auf Initiative der Flüchtlingshilfe, die dafür auch Klinkenputzen geht. Von den Gaben kann eine Familie eine Woche leben, werben die Helfer für ihre Aktion. Von der Gewißheit getrieben, daß die Spenden dringend gebraucht werden und auch wirklich ankommen, schmiedet die Gruppe weitere Pläne. Dabei arbeitet sie eng mit den "Freunden Bosniens" zusammen, die bundesweit Hilfe organisieren. Als Mitte vergangenen Jahres die ersten Flüchtlinge aus Bosnien in Langen ankamen, reagierte die Flüchtlingshilfe Langen sofort und kümmerte sich um Unterkünfte. Dieses Engagement brachte sie mit den Brüdern Kahrimanovic zusammen, die seit neun Monaten Hilfstransporte organisieren.
Nurko Kahrimanovic ist der Kopf einer Gruppe von 130 bis 150 Leuten, die meisten Bosnier, die seit Jahren in Deutschland leben, aber auch Kriegsflüchtlinge, die unter dem Eindruck ihrer Erlebnisse unbedingt etwas für ihre Heimat tun wollen. Die "Freunde Bosniens", wie sie sich nennen, treffen sich einmal im Monat in Langen. Sie haben zwei Lager in Erzhausen und Rüdesheim, von denen seit März Laster - beladen mit Lebensmitteln, Kleidung und Medikamenten - in Richtung Zagreb geschickt werden.
Von der kroatischen Hauptstadt aus werden die Güter weiter in bosnische Krisengebiete gebracht. Beliefert werden vor allem die Städte Brcko und Tesanj. "Die Freunde Bosniens haben ein Transportnetz bis in die hintersten Winkel aufgebaut", sagt Heiko Wenner von der Langener Flüchtlingshilfe, der im Dezember selbst nach Zagreb mitgefahren war.
An zwei Hilfstransporten hat sich die Flüchtlingshilfe bislang beteiligt. Um möglichst viele "Überlebenspakete" zusammenzubekommen, aktivierten die Mitglieder der Gruppe Freunde, Bekannte und Nachbarn. Straßenweise schwärmten sie aus, verteilten erst Bittbriefe und sammelten dann die Spenden ein.
Nach Angaben von Christel Gunkelmann-Klan wurde die Altstadt "komplett abgesammelt", außerdem einige Straßen in Oberlinden. Von den Geldspenden wurden 35 Tonnen Kartoffeln gekauft, die zusammen mit den "Überlebenspaketen" am 14. Januar auf den Weg geschickt wurden.
Wie beim ersten Transport Ende Dezember hatte die Flüchtlingshilfe auch im Januar wieder eine Langener Spedition gefunden, die kein Geld verlangte. Seit wenigen Tagen zurück, berichtete Spediteur Wolfgang Ritter von Schikanen an der slowenischen und kroatischen Grenze, aber auch von der "großen Freude", mit der er in Zagreb begrüßt wurde.
Was den Spediteur besonders "beeindruckte", waren die "Artisten des transportierenden Gewerbes", die in Zagreb die Lieferung übernahmen. Mit fünf völlig ramponierten Lastern suchten sie passierbare Wege in die Kriegsgebiete und holperten auf ihren bis zu 1000 Kilometer langen Umwegen über Stock und Stein. Ritter: "Wenn nur ein Laster ausfällt, geht den Menschen gleich ein Fünftel der Hilfe verloren."
Nach den Worten von Nurko Kahrimanovic sind die Transporte und Amateurfunk die einzige Möglichkeiten, den Kontakt mit der Heimat aufrechtzuerhalten. Die Telefonverbindungen sind abgerissen.
Wichtig sind den Helfern auch Bestätigungen aus Bosnien, daß die Waren an der richtigen Adresse angekommen sind. Ein solches Dokument ist die offizielle Dankesurkunde aus Tesanj. Solche Schreiben brauchen die Flüchtlingshilfe und die "Freunde Bosniens", um den Spendern mögliche Zweifel zu nehmen. Christel Gunkelmann-Kan hat bei ihrer Sammeltour immer wieder erfahren, daß viele hilfsbereit und skeptisch zugleich sind.
Was die Helfer brauchen, sind vor allem weitere Mitstreiter. Für die Aktion "Überlebenspakete" hofft die Flüchtlingshilfe, mehr Frauen und Männer zu finden, die von Haus zu Haus gehen und die Pakete entgegennehmen. Ganz Langen soll systematisch abgegrast werden.
Geplant sind außerdem Bahntransporte mit Heizmaterial. Bundesweit soll das Projekt "Winter 1993" laufen, das die "Freunde Bosniens" zusammen mit dem Malteser Hilfsdienst vorbereiten: Im März soll ein Konvoi aus 80 Lastern mit Hilfsgütern Richtung Bosnien starten.
Diesen Hilfstransport sollen Städte, Landkreise, Betriebe und private Organisationen finanzieren. Für die Schirmherrschaft hoffen die Organisatoren auf Frankfurts Oberbürgermeister Andreas von Schoeler. In Langen wird Ende März eine Benefizveranstaltung laufen.
Wer ein "Überlebenspaket für Bosnien" packen will, kann es im Naturkostladen Ringelblume, Bahnstraße 12, oder im Buchladen, Wassergasse 14, abgeben. Dort können sich auch diejenigen melden, die beim Einsammeln von Spenden mithelfen wollen.
In die Pakete sollten Grundnahrungsmittel (Mehl, Nudeln, Hülsenfrüchte, Fett, Milchpulver, Babynahrung), Vitamintabletten, Kerzen und Streichhölzer sowie Seife und Zahnpasta.
Um weitere Hilfstransporte für Bosnien zu finanzieren, haben die Helfer ein Spendenkonto eingerichtet, und zwar bei der Postsparkasse München, Bankleitzahl 701 100 88, Nummer 67 52 18 35, Kennwort: Flüchtlingshilfe Langen.
FRIEDRICHSDORF. Mit 37 Kandidaten und Kandidatinnen tritt die Friedrichsdorfer Union (FU) zur Kommunalwahl an. Einstimmig haben die Mitglieder die Liste verabschiedet. Die FU startet zum dritten Mal; in den letzten beiden Perioden brachte sie es jeweils auf drei Sitze im Parlament.
Spitzenkandidat ist Karl-Günther Petry, seit 20 Jahren Stadtverordneter (früher bei der CDU, von der sich die FU 1984 abspaltete). Die Plätze 2 bis 6 nehmen Anne Eisenacher, Horst Denfeld, Ingeborg Obergassel, Hans-Hermann Metz und Winfried Maurer ein. Als Spitzenkandidaten für die Ortsbeiräte hat die FU benannt: Gert Schmidt (Friedrichsdorf, nicht identisch mit dem Bürgermeister), Hans-Hermann Metz (Köppern), Christoph Meyer-Eisenacher (Burgholzhausen) und Thomas Frischmuth (Seulberg).
Klaus Bernhard, derzeit Fraktionschef der FU, und der Stadtverordnete Gerhard Bank belegen auf der neuen Liste die Ehrenplätze 36 und 37. Bernhard charakterisierte die Gruppierung als "bürgerliche Wählergemeinschaft mit christlich-liberaler Grundtendenz". Ihr Wahlprogramm will die FU in der kommenden Woche veröffentlichen. tom
"Wir müssen unser Geld dorthin fließen lassen, wo die Wohnungsnot am schlimmsten ist!": Die Parole gibt Matthias Kollertz aus, Referent von Hessens Wohnungsminister Jörg Jordan (SPD). Und weil die rot-grüne Landesregierung nach dieser Maxime verfahren will, darf die Stadt Frankfurt im Jahr 1993 mit Landesgeld zur Förderung von etwa 1000 Wohnungen rechnen - obwohl das Land im Haushalt 1993 seine Mittel zur Wohnungsbaufinanzierung gekürzt hatte, um 20 Prozent auf nur noch 666,5 Millionen Mark. Zugunsten von Frankfurt möchte die Landesregierung "woanders in Hessen kürzen" (Kollertz) - welche Gemeinden und Kreise weniger Geld für Wohnungen bekommen, konnte der Referent nicht sagen.
In der FR hatte Frankfurts Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) in dieser Woche die Befürchtung geäußert, daß aus der Landeshauptstadt weniger Geld für den Wohnungsbau kommt. Im vergangenen Jahr hatte die rot-grüne Landesregierung nach den Worten von Kollertz 1180 Wohnungen in Frankfurt mitfinanziert.
Wie der Leiter des Ministerbüros sagte, kann der rot-grüne Magistrat die 1000 Wohnungen des Jahres beim Land auch ausschließlich nach dem sogenannten "ersten Förderweg" anmelden - das ist die Kategorie, in der Wiesbaden mit 120 000 Mark pro Wohnung die jeweils höchste Summe zuschießt. Wentz befürchtete bisher, daß gerade hier Geld aus der Landeshauptstadt ausbleibt.
In Wiesbaden gibt es immer wieder Kritik gerade nordhessischer Politiker, daß der Ballungsraum Rhein-Main bevorzugt werde. Um diesem Vorwurf entgegenzutreten, gab das Land im vergangenen Jahr auch der nordhessischen Großstadt Kassel deutlich mehr Geld für Wohnungsbau - 338 Wohnungen förderte man so nach Kollertz&rquote; Worten. Mit welcher Unterstützung Nordhessen in diesem Jahr rechnen kann, blieb offen.
Im Römer streiten sich die Fachleute inzwischen darüber, wie viele Sozialwohnungen im Jahre 1992 tatsächlich entstanden. Mitarbeiter im Wohnungsamt hatten Anfang Januar eine Zahl von 350 neuen Sozialwohnungen genannt. Planungsdezernent Wentz präsentierte jetzt eine Statistik, nach der er auf 894 öffentlich geförderte Wohnungen kommt. In dieser Zahl stecken allerdings 418 Unterkünfte des sogenannten "Frankfurter Programms" für mittelständische Familien. Sie zählen nicht zu den Sozialwohnungen und werden nicht vom städtischen Amt für Wohnungswesen an registrierte Wohnungssuchende vermittelt.
Klaus Miehrig, Leiter des Amtes für Wohnungswesen, erläuterte am Freitag, wie die Statistik seiner Behörde zustandekommt. Das Wohnungsamt zählt alle neuen Unterkünfte, die von den Bauherren als bezugsfertig gemeldet werden - dazu sind die Investoren verpflichtet. Miehrig: "Für uns sind nur die Wohnungen wichtig, die vom Amt vermittelt und von den Menschen bezogen werden können." Und da standen nach Darstellung des Amtsleiters 1992 etwa 350 neue Unterkünfte zur Verfügung.
Während der Streit um die Zahl neuer Wohnungen andauerte, forderten Experten bei einem Forum des Wirtschaftsrates der CDU Hessen in Frankfurt eine deutliche Anhebung des Wohngeldes - das die Bundesregierung gerade kürzen möchte.
Reinhart Bartholomäi, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Nassauische Heimstätte in Frankfurt, verlangte, die Eigentums-Förderung für gutverdienende Bürger völlig zu streichen. Das freiwerdende Kapital müsse als Wohngeld ausgezahlt werden. jg
MAINTAL. Das Kindertheater "Blinklichter" aus Heidelberg spielt am Montag, 25. Januar, um 15 Uhr im Bürgerhaus Maintal-Bischofsheim das Stück "Schiff ahoi", ein Meer-Musical für Landratten ab fünf Jahren.
Der Eintritt kostet für kleine und große Gäste gleichermaßen fünf Mark. pom
GELNHAUSEN. An Eltern von Kindern mit Allergien wendet sich ein Informationsabend der Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind (AAK) am Dienstag, 26. Januar, 19.30 Uhr, im Kreiskrankenhaus Gelnhausen. Mitwirken werden die Gelnhäuser Kinderärzte Dr. Dieter Palitzsch und Dr. Norbert Bier.
Grundsatzfragen zum Thema Allergien sollen genauso erörtert werden wie die Einstufung der Allergie auf dem Boden der Volksmeinung und der Wissenschaft.
Da es bis heute kein Patentrezept gegen Allergien gibt, ist es nach Meinung der AAK für Eltern hilfreich, neben Sachinformationen die Erfahrungen von anderen betroffenen Eltern im Umgang mit der Krankheit der Kinder kennenzulernen. Deshalb sollen weitere praktische Angebote zur Krankheitsbewältigung im Raum Gelnhausen entwickelt werden.
Wünsche nach weiteren Treffen und themenbezogenen Veranstaltungen sollen gesammelt und später gemeinsam verwirklicht werden. lex
LANGENSELBOLD. Aus Angst, ihrem Sohn könnte etwas auf dem Schulweg zustoßen, fährt Ute L. ihr Kind morgens oftmals mit dem Wagen zur Käthe- Kollwitz-Gesamtschule. Der Schulweg, der vom Felsenkeller über die Rote Hohl in die Ringstraße führt, ist der FR-Leserin aus Langenselbold einfach zu gefährlich. "Das ist kein sicherer Weg für Kinder", schimpft sie. Mehrmals schon hat sie sich mit der Stadtverwaltung deshalb in Verbindung gesetzt. Die Langenselbolderin fordert einen Fußgängerüberweg mit Ampel an der Gesamstschule, um den Kindern ein sicheres Überqueren der Ringstraße zu ermöglichen. "Es ist doch schizophren, daß es überall in der Stadt Ampeln gibt, aber nicht dort," meint sie. An der Kreuzung Ringstraße / Wiesgasse steht bereits eine Ampel. "Warum ist das nicht auch möglich für die Schulkinder, die aus der anderen Richtung kommen", fragt sich die besorgte Mutter.
Der Stadt Langenselbold ist die Beschwerde der Eltern bekannt. Ordnungsamtsleiter Willi Eisenträger erklärt jedoch gegenüber der FR, daß das Verkehrsaufkommen in der Ringstraße entscheidend sei. Drei Jahre zurückliegende Zählungen hätten ein nicht ausreichendes Aufkommen an Fahrzeugen ergeben. Morgens zwischen 7.30 und 8.30 Uhr habe die Stadt in der Ringstraße 105 Personenwagen, 21 Lastwagen, 62 Radler und 60 Fußgänger gezählt. "In der Ringstraße ist nur morgens und abends Verkehr. Das Durchschnittsverkehrsaufkommen reicht für die Genehmigung einer Ampel nicht aus", bedauert Eisenträger. Schon einmal habe das Regierungspräsidium in Darmstadt einen Antrag der Stadt für die Ringstraße aus diesen Gründen abgelehnt. Vor Schulen, Altenheimen und Krankenhäusern würde eine Fußgängerampel erst dann genehmigt und installiert, wenn dort zwischen 300 und 500 Fahrzeuge in der Stunden gezählt würden. Diese Richtlinie stamme vom hessischen Verkehrsministerium, erläutert Eisenträger.
Die Ampel in der Wiesgasse sei damals genehmigt worden, weil es sich hier unabhängig vom Verkehrsaufkommen um eine gefährliche Kreuzung handele. Um die Sicherheit des Schulweges zu verbessern, habe die Stadt an der Ringstraße einen separaten Fuß- und Radweg eingerichtet sowie Betonkübel auf die Fahrbahn gestellt, um die Geschwindigkeit des Verkehrs zu verlangsamen. Mehr könne die Stadt nicht tun.
Amtsleiter Eisenträger sagte jedoch zu, daß er für die Ringstraße eine erneute Verkehrszählung in Auftrag geben wird, um dann erneut einen Antrag ans RP zu stellen. "Vielleicht", mutmaßt Ute L., "hat sich das Verkehrsaufkommen in den vergangenen Jahren ja verschoben." alu
MAINTAL. Der für Dienstag, 26. Januar, geplante und angekündigte Termin der Verbraucherberatung Hanau in der Stadttteil-Bücherei Maintal-Bischofsheim fällt aus.
Das teilte der Leiter des Amtes für Jugend, Kultur und Sport, Herbert Begemann, mit, ohne Gründe zu nennen. Der nächste Termin der Verbraucherberatung sei für Dienstag, 2. Februar, vorgesehen. pom
KRONBERG. So schnell lassen sich verschnupfte Gemüter nun auch nicht beruhigen. Der Fall Porto Recanati, das ist mal klar, verlangt restlose Aufklärung. Eine nachhaltige Verstimmung ist halt kein guter Auftakt für eine Städtepartnerschaft. Also mußte Bürgermeister Kreß am Montag im Ältestenausschuß offiziell erklären, warum die Kronberger Delegation bei ihrem Italien-Besuch voriges Wochenende nichts davon wußte, daß plötzlich bei einem Festakt eine Städtepartnerschaftsurkunde unterzeichnet wurde.
Bernd Mauder (UBG) hatte das Thema aufs Tapet gebracht. "Porto Recanati ist enttäuscht darüber, wie sich der Bürgermeister verhalten hat", trumpfte er auf. Also dröselte Kreß alles noch mal auf, begonnen mit dem Beschluß der Kronberger Stadtverordneten für die Städtepartnerschaft im September und dem ersten Besuch der Italiener im Oktober.
Spannend wurde es erst bei der Gegeneinladung. Die erhielt Kreß bekanntlich für den 15. Januar - die Stadt sollte bei einer Stadtverordnetensitzung in Porto Recanati dabeisein, in der der Beschluß für die Städtepartnerschaft gefaßt werden sollte. "Wir haben das gar nicht so hochgehängt", betonte Kreß - weil er von einer geplanten Feier nichts wußte.
Er habe auch keine Einladung für den Freundeskreis entgegengenommen. Es habe zwar am vergangenen Freitag noch ein Telefax aus Italien gegeben, in dem der Freundeskreis erwähnt wurde - aber das sei "irgendwie untergegangen" und trage auch keinen Eingangsstempel des Rathauses. Und schließlich, so wußte Kreß, hatte sich der Freundeskreis schon Tage zuvor zusammengesetzt und darüber debattiert, ob er runterfahren sollte. Er war nämlich schon lange vorher extra eingeladen worden.
Doch der Freundeskreis habe an diesem Abend beschlossen, nicht zu fahren - "obwohl einige wußten, daß da etwas mehr ist", so Kreß. Doch die, die etwas ahnten, seien verunsichert gewesen: durch den Zweiten Vorsitzenden des Kreises, Max Rommel. Der habe gesagt, es sei nur eine Stadtverordnetenversammlung geplant.
Fazit der Aussprache: Wer nun was warum ahnte und nicht sagte, läßt sich wohl nie mehr ganz aufklären. Im Mai wird der Freundeskreis jedenfalls zum Feiern mit nach Italien fahren - vielleicht ist ja bis dahin Gras über die Sache gewachsen. esi
BAD HOMBURG. Hohen Blechschaden - 69 000 Mark -, aber keine Verletzten hatte ein Unfall zur Folge, der sich am Freitag morgen auf dem Hessenring ereignete. Dabei lief Kühlwasser aus, das Arbeiter des städtischen Bauhofs abstreuten.
Wie die Polizei berichtete, wechselte ein Lastwagen zwischen Marienbader Platz und Thomasbrücke die Fahrspur, um nach links in Richtung Industriegebiet abzubiegen. Dabei mußte der Fahrer wegen langsamer Autos bremsen. Von hinten brauste ein Audi heran und fuhr auf den LKW auf.
Die lange und starke Bremsspur des Audi legt für die Polizei den Verdacht nahe, daß der Fahrer sich nicht an das Tempolimit von 50 Kilometer pro Stunde gehalten hatte. tom
MAINTAL. Die städtische Jugendpflege veranstaltet ab Montag, 25. Januar, im Jugendzentrum Frankfurter Hof in Dörnigheim einen kostenlosen vierteiligen Maskenbau-Workshop für Jugendliche bis zum Alter von 25 Jahren.
"Nach Art der Venezianer oder des Mummenschanz-Theaters können Charaktere entwickelt und phantasievolle, professionelle Masken umgesetzt werden", so Stadtjugendpflegerin Brigitte Vollprecht. Der Workshop beginnt am kommenden Montag um 19 Uhr und wird in wöchentlichem Rhythmus jeweils montags im Frankfurter Hof fortgesetzt. pom
Kleine FR
Feldbergschule informiert OBERURSEL. Zum Tag der offenen Tür lädt die Feldbergschule, Oberhöchstädter Straße 20, am heutigen Samstag von 10 bis 13 Uhr ein. Tag der offenen Tür OBERURSEL. Zum Tag der offenen Tür lädt die integrierte Gesamtschule Stierstadt, Kiesweg, heute von 10 bis 12 Uhr ein. Bürgerinfo zum Gesamtverkehrsplan KÖNIGSTEIN. Der Gesamtverkehrsplan wird am Montag, 25. Januar, im katholischen Gemeindezentrum, Georg- Pingler-Straße, diskutiert. Beginn: 20 Uhr. Gelber-Sack-Abfuhr OBERURSEL. Die gelben Säcke werden abgeholt: Montag, 25., im Bezirk I, Dienstag, 26., Bezirk II, Mittwoch, 27., Bezirk III, Donnerstag, 28., im Bezirk IV. Anmeldung noch möglich KRONBERG. Für die nächste Woche beginnenden VHS-Kurse ist noch Anmeldung möglich: Tel. 70 32 48 (Palamides).
FRANKFURT A. M., 22. Januar. Wer an einer der Versuchstankstellen "Bio-Sprit" tankt, senkt bei seinen Fahrten den Ausstoß der Treibhausgase gegenüber normalem Diesel als Treibstoff um bis zu einem Drittel. Als generelle Strategie zur Verminderung der Treibhausgefahr und des drohenden Klimawandels taugt die Umstellung auf Bio-Diesel aus dem nachwachsenden Rohstoff Raps nach Meinung des Umweltbundesamtes (UBA) trotzdem nicht. Die hohen Kosten und höhere Umweltbelastungen in anderen Bereichen sprächen dagegen, heißt es in der am Freitag in Berlin vorgestellten ersten umfassenden Öko-Bilanz für einen Energieträger.
In der Bundesrepublik könnten wegen der begrenzten Anbauflächen nur zwei Prozent des Dieselverbrauchs durch den Bio-Sprit ersetzt werden; die Entlastung bei den Treibhausgasen läge dadurch in diesem Bereich bei 0,5 bis 0,7 Prozent. Die gesamten Rohöleinfuhren nach Deutschland würden durch die zu erzielenden 450 000 Tonnen Raps-Diesel nur um 0,3 Prozent sinken. Außerdem ist die Klimaentlastung durch den Bio-Kraftstoff nach Angaben des Berliner Amtes viel teurer als eine Verminderung der Treibhausgase durch die Einführung spritsparender Autos. Der Liter Raps- Diesel kostet in der Herstellung etwa 1,50 Mark mehr als normaler Diesel (vor Steuern 40 bis 50 Pfennig) und müßte entsprechend subventioniert werden. Pro Jahr würden die 450 000 Tonnen Rapsöl den Staat zwischen 700 Millionen und einer Milliarde Mark kosten - durch direkte Subventionen und den Verzicht auf die Mineralölsteuer.
Unerwartet gut ist die Bilanz des Bio- Sprits beim wichtigsten Treibhausgas Kohlendioxid (CO2), dessen Ausstoß gegenüber normalem Diesel um 65 Prozent niedriger liegt. In der Öko-Bilanz müssen jedoch auch die anderen Treibhausgase berücksichtigt werden, die bei der Produktion der Treibstoffe entstehen. Beim Rapsöl verschlechtert sich das Ergebnis besonders durch Lachgas (chemische Formel N2O), das sich infolge Stickstoffdüngung auf den Äckern bildet und in der Atmosphäre den Treibhauseffekt stark anheizt. Trotzdem bleibt unter dem Strich, das heißt auf CO2 umgerechnet, noch eine Verminderung der "Treibhaus- Wirksamkeit" um bis zu 35 Prozent.
In den anderen Umweltfeldern hat der Bio-Sprit nur bei der Gewässerbelastung klare Vorteile, weil er bei Unfällen und Leckagen leichter biologisch abgebaut wird als Dieselkraftstoff. Bei den "klassischen" Abgasen wie Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe und Stickoxide gebe es "keine ins Gewicht fallenden Vor- oder Nachteile", meinen die UBA-Forscher. Gegenüber der dauerhaften Stillegung von landwirtschaftlichen Flächen zu Naturschutzzwecken oder der Aufforstung führe der zusätzliche Rapsanbau zu einer Bodenbelastung durch Düngung, Herbizid- und Pestizideinsatz.
Wegen der sich abzeichnenden Ergebnisse der Raps-Studie hatte es in den vergangenen Monaten Kontroversen zwischen der Bundesregierung und dem Umweltamt gegeben. Besonders das Landwirtschaftsministerium befürwortet den Anbau nachwachsender Rohstoffe, weil dies eine neue Einkommensquelle für die Bauern darstellt. Wie ein Ministeriumssprecher der FR am Freitag auf Anfrage mitteilte, erarbeitet sein Haus zur Zeit eine Gegenstellungnahme zu dem UBA- Gutachten. Hauptkritikpunkt ist, daß eine Öko-Bilanz den Rapsanbau nicht mit brachliegenden Feldern, sondern mit anderen Nutzungen vergleichen müsse.
In einem FR-Interview kommentierte der Präsident des Umweltbundesamtes, Heinrich von Lersner, den Konflikt so: "Ich habe nichts gegen Agrarsubventionen . . . Aber es kommt auf die Motivation an. Ich habe etwas gegen neue Agrarsubventionen, wenn sie ökologisch motiviert sind, die ökologischen Fakten - wie beim Raps - das aber nicht tragen." Die Verfechter des Rapsanbaus zu Energiezwecken sollten offen sagen, warum sie für die Förderung eintreten: tatsächlich aus Umweltgründen oder um den Bauern Arbeit und Einkommen zu sichern.
Den Bogen zu Seligenstadt gespannt? Entwurf für Brunnen Von Martin Feldmann SELIGENSTADT. Ein neunköpfiges Preisgericht unter Vorsitz des Frankfurter Professors Johannes Cramer hat sich am Freitag nach etwa fünfstündiger Sitzung im Seligenstädter Rathaus für das Modell eines neuen Marktplatzbrunnens entschieden, das von dem Darmstädter Christfried Praeger stammt. Der Künstler nennt sein Werk "Dreiklang", weil es aus drei Elementen besteht: der Brunnenanlage mit einem vier Meter breiten und drei Meter hohen Bronzebogen sowie einer 30 Meter langen Zeitschiene durch das Markplatzpflaster und einem drei Meter hohen Zeitpfeil am Ende. "Der Beschluß kam mit einer Zweidrittelmehrheit zustande", sagte Cramer, "bei einer Enthaltung und zwei Gegenstimmen." In dem Gremium, das im Auftrag des Magistrats gebildet worden war, setzte sich neben Cramer aus Bürgermeister Rolf Wenzel, anderen Vertretern der Verwaltung, Fraktionsvertretern und dem Seligenstädter Künstler Alfred Schmitt zusammen.
Insgesamt waren drei Entwürfe präsentiert worden. "Einmütig", so der Vorsitzende des Preisgerichts, "wurden die beiden anderen Entwürfe abgelehnt, die Einmütige Ablehnung eingereicht worden waren." Cramer sprach von den Modellen der zwei Aschaffenburger Künstler Helmut Kunkel und Willibald Blum. Bildhauer Kunkel hatte seinem Entwurf den Titel "Brunnen der Seligen" gegeben. Und sein Kollege Blum hatte die "Spaßmacher am Brunnen", eine Gruppe von vier Figuren, plastisch dargestellt - eine Anlehnung an den Seligenstädter Karneval.
Cramer sagte: "Diese beiden Vorschläge wurden abgelehnt, weil sie keine besondere Verbindung zur Stadtgeschichte und zum Ortsbild haben."
Anders verhält es sich nach Ansicht des Kunstprofessors mit der Arbeit von Praeger. Er habe den Bogen zu Seligenstadt gespannt. Auf dem Zeitpfeil seien neben den Zunftwappen die wichtigsten Jahreszahlen der Ortsgeschichte - von 90 nach Christus bis zur kommunalen Neugliederung 1977 - festgehalten.
Diese Daten tauchten nochmals in der Schiene auf, die parallel zur Rathausfassade über den Markplatz verlaufen soll. Cramer sagte: "Die Leute können sie zur Kenntnis nehmen oder ignorieren und einfach drüber gehen."
Der Brunnen an sich wird nach dem Modell aus zwei Becken bestehen, die sich am Ende des Bogens befinden. Am Scheitelpunkt soll es kräftig sprudeln, so daß das Wasser über den Bogen beidseitig hinabfließen kann. An den Becken sollen Sitzgelegenheiten zum Verweilen einladen. Die Kosten für einen solchen "Dreiklang" für Seligenstadt liegen bei rund 280 000 Mark.
Bürgermeister Rolf Wenzel wollte nicht ausschließen, daß der Bogen überspannt werde. Das Brunnenmodell, für das sich das Preisgericht entschieden habe, werde in der Stadtverordnetenversammlung am Dienstag, 2. Februar, im Feuerwehrhaus nochmals vorgestellt. "Das Parlament hat das letzte Wort."
Nach den Vorstellungen des Magistrats soll der Brunnen anläßlich des nächsten Geleitsfestes am 3. und 4. Juli 1994 eingeweiht werden.
Christfried Praeger erläuterte seine Zeitvorstellungen in dem "Dreiklang" so: Neben den Zahlen seien kurze Infos für Unkundige zu finden. "Im übertragenen Sinne verstehe ich den Bogen auch als Grundmotiv für Brücken." Praeger er-
Jede Menge Zündstoff
Der Bürgermeister vermutet indes, "daß dieses Brunnenmodell noch für jede Menge Zündstoff sorgen wird." Er schätzt, daß vielen Seligenstädter eine solche Anlage auf dem geliebten historischen Marktplatz ablehnten, weil sie recht unkonventionell sei.
"Es handelt sich um ein intellektuell tragfähiges Modell", versicherte hingegen Cramer. Und er stellte die Frage: "Ist unsere Zeit überhaupt fähig, in gesellschaftlicher Übereinstimmung einen Brunnen zu bauen?"
RODGAU. Sehr unterschiedlich haben die beiden Landtagsabgeordneten Judith Pauly-Bender (SPD) und Frank Lortz (CDU) auf die Aufforderung von Rodgaus Bürgermeister Paul Scherer an sie reagiert, sich für eine schnelle Prüfung und Genehmigung des Planfeststellungsverfahrens zum Ausbau des Weiskircher Kreisels und der B 45 von dort bis zum Jügesheimer Wasserturm zu verwenden und ihre Wiesbadener Beziehungen spielen zu lassen. Der Abschluß dieses Verfahrens ist Voraussetzung für die Öffnung der so gut wie fertigen Rodgau- Ringstraße zwischen Jügesheim und Hainhausen.
Während die Rodgauer Abgeordnete Scherer ein gerüttelt' Maß Mitschuld gibt, wenn heute eine praktisch befahrbare Straße brachliege, so hat der Froschhausener CDU-Politiker den SPD-Minister Ernst Welteke schriftlich "in alter Verbundenheit und Freundschaft" sehr dringlich gebeten, dafür zu sorgen, daß für die seinem Hause seit dem Herbst '92 vorliegenden Unterlagen "mit dem nötigen Nachdruck und der entsprechenden Unterstützung durch den Minister eine Beschleunigung des Prüfungs- und Genehmigungsverfahrens erreicht wird".
Anders Judith Pauly-Bender, die hinter Scherers Aktion puren Wahlkampf wittert: "Bürgermeister Scherer hat gegenüber Wiesbaden soviel Butter auf dem Kopf, daß ihm bereits von der alten Regierung, also von den eigenen Parteifreunden, gesagt worden war, daß Rodgau wegen des kurzsichtigen Handelns möglicherweise noch die Steuergelder zurückzuzahlen hat, die aus Wiesbaden für die Rodgau-Ringstraße geflossen sind".
Mindestens so böse wie die Hainhäuser sei das Land darüber, daß die Straße noch nicht eröffnet werden konnte. Geld aus Wiesbaden habe es nur deshalb gegeben, damit die Bürger vom Verkehr entlastet werden. Ausgegebene Steuergelder müßten ihren Zweck erreichen, darüber wache der Landesrechnungshof.
Wenn heute eine Bauruine in der Gegend stehe, so liege dies daran, daß Scherer - als es mit Heusenstamm Schwierigkeiten gab - statt zum Geldgeber in die Landeshauptstadt zu fahren und um Rat nachzusuchen, "eilfertig und unbedacht" einen Vertrag unterschrieben habe, den er nicht habe übersehen können. Der Bürgermeister von Rodgau habe keine Lösung produziert, sondern erreicht, daß Steuergelder, die auch Zinsen kosteten, in den Sand gesetzt worden seien.
Pauly-Bender: "Wenn der Magistrat jetzt erfahren hat, daß im März mit der Prüfung der Pläne begonnen werde, wäre das schon eine Extrawurst. Rodgau sei nicht allein auf der Welt - in Wiesbaden drängten auch noch andere Kommunen, die sich dem Land gegenüber kein Spiel mit "verdeckten Karten" geleistet hätten.
Einig sind sich die beiden Landtagsabgeordneten, sich für das Rodgauer Anliegen stark zu machen. "Den Bürgerinnen und Bürgern im Stadtteil Hainhausen ist die unerträgliche Beeinträchtigung, verursacht durch den Durchgangsverkehr in der schmalen Ortsdurchfahrt und die damit verbundene gesundheitliche Belastung, nicht mehr länger zuzumuten", plädiert Frank Lortz.
"Wenn ich wenige Wochen vor der Wahl wieder antrete, um im Interesse der Hainhausener für guten Wind zu sorgen, so habe ich erst einmal ein anderes Thema am Hals", erläutert Pauly-Bender ihre grundsätzlich positive Haltung: "Ich muß erklären, wie es denn möglich ist, daß Herr Scherer den Schwarzen Peter in Wiesbaden loswerden will und gleichzeitig erwartet, daß für ihn eine noch größere Extrawurst gebraten wird." ttt
BAD VILBEL. Eine Benefizveranstaltung zugunsten des "Freundeskreis Flüchtlingshilfe Bad Vilbel" plant die jüngst von dem 18jährigen Gymnasiasten Klaus König zusammen mit Schülern und Studenten gegründete Initiative "Kultur für Menschenrechte" am Samstag, 13. Februar, um 19.30 Uhr im Kulturzentrum Alte Mühle. Zur Gestaltung des Programms sind bis jetzt sechs Schriftsteller und Künstler gewonnen worden, darunter der in Bad Vilbel wohnende Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sprache und Dichtung, der Schriftsteller Professor Herbert Heckmann.
Einen Beitrag liefert Bernhard König, der 1967 geborene ältere Bruder von Klaus König. Er ist Organist, ein preisgekrönter Pianist, Filmautor und Komponist, der an der Kölner Musikhochschule bei Mauricio Kagel studiert. Zusagen sind außerdem eingetroffen von Claudia Wehner und Klaus Merten, beide Schauspieler an den Mainzer Kammerspielen. Sie haben an dem Amadeus-Projekt in der Alten Mühle mitgewirkt, Claudia Wehner als Regisseurin. Zu den Mitwirkenden zählt auch Jo van Nelsen, der schon am Eröffnungstag der Alten Mühle auftrat und nach mehrfachen Gastspielen zuletzt mit dem Programm "Lauter Lügen" das Publikum in seinen Bann gezogen hatte.
Schließlich will der Frankfurter Autor Valentin Senger kommen, dessen Thema die Judenverfolgungen sind. Die Initiative "Kultur für Menschenrechte" hatte sich unter dem Eindruck der rechtsradikalen Verbrechen in Rostock und Mölln am Georg-Büchner-Gymnasium zusammengefunden. Die Schülerinnen und Schüler hatten an der Mahnwache am Zentralparkplatz im Spätherbst teilgenommen und auch die örtlichen Fremdenfeindlichkeiten aufmerksam verfolgt. Die Gruppe, die erst größer war und nun noch aus einer Handvoll Aktiver besteht, will angesichts stärker werdender Ausländerfeindlichkeit und Gewaltbereitschaft handeln, "bevor wir nur noch reagieren können". Wie Klaus König mitteilt, soll die Veranstaltung "Kultur für Menschenrechte" beitragen zur Überwindung der Gleichgültigkeit gegenüber den schlimmen Entwicklungen in Deutschland.
Die Initiative hat in den vergangenen Wochen bei Vilbeler Geschäftsleuten Geld gesammelt, um die Kosten der Veranstaltung am 13. Februar zu decken. Der Eintritt zur Veranstaltung selbst kostet 14, ermäßigt zehn Mark. Der Reinerlös kommt dem Arbeitskreis Flüchtlingshilfe zugute, der den in Vilbel lebenden Flüchtlingen mit Rat, Tat und Sachleistungen hilft. Karten gibt es im Vorverkauf bei der Büchergalerie Hertzog und bei Primavera Naturkost in der Frankfurter Straße. Telefonische Vorbestellungen unter der Nummer 0 61 01 / 60 23 33. hm
Eine kleine Kommune mit großen Finanzen Grüne wollten Etat kippen / SPD beschloß allein Von Helmut Pomplun NIEDERDORFELDEN. Mit der Beratung und Verabschiedung des Haushaltes 1993 schlug der Gemeindevertretung Niederdorfelden am Donnerstagabend im Bürgerhaus des Dorfes die letzte "Sternstunde" der Legislaturperiode. Es war zugleich die letzte Sitzung dieses Parlamentes, was auch ein Grund dafür gewesen sein mag, daß erfreulich fair und sachlich miteinander umgegangen wurde. Das fiel besonders im Vergleich zur Dezembersitzung auf, in der sich - auch beim Streit um Zahlen - ein Gewitter entladen hatte. Davon zeugten nun lediglich noch einige schwache Wetterleuchten und gedämpftes Grollen. Schlußendlich standen die Zeichen auf Versöhnung. Dennoch mußten die Sozialdemokraten ihren Etat allein beschließen, der mit rund 6,631 Millionen Mark im Verwaltungs- und 3,282 im Vermögensteil nur noch um 85 000 Mark unter der Zehnmillionengrenze liegt, was laut Bürgermeister Wilfried Schneider (SPD) "einen absoluten Rekord bedeutet". Mit einer freien Investitionsspitze von veranschlagten 632 690 Mark - das sind 9,5 Prozent des Verwaltungshauthalts - hat das gerade 3000 Einwohner zählende Dorf noch mehr Spielraum als im Vergangenen Jahr. 1992 waren 333 250 Mark Zuführung zum Vermögenshaushalt angesetzt und im 2. Nachtrag auf 413 390 Mark erhöht worden. Diese positive Tendenz ergab sich durch einen außerordentlichen Überschuß bei der Abrechnung der Erschließungs-, Kanal- und Flächenbeiträge aus dem Gewerbegebiet.
Konnte deshalb '92 auf weitere Kreditaufnahmen von 217 000 Mark verzichtet und etliches "abgstottert" werden, so lassen sich nun nochmals rund 1,5 Millionen Mark Schulden tilgen - ohne Neuverschuldung. Investiert werden "in '93" 50 000 Mark zur Baulastablösung des Kirchturms, 150 000 für eine Kurzstreckenlaufbahn, 180 000 zum Umbau der Schäfergasse, 50 000 für die Siedlerstraße, 200 000 zu Kanalsanierung Hainstraße, 100 000 sind unter dem Stichwort Kanalkataster veranschlagt und für die Friedhofserweiterung 50 000 Mark.
Doch damit nicht genug: Die rosige Finanzlage (ver-)führte zu weiteren Plänen. So einigten sich SPD und CDU auf eine neue Haushaltsstelle mit 100 000 Mark für das geplante Regenüberlaufbecken mit entsprechender Verringerung der Rücklagenzuführung. Und mit rund 65 000 Mark schlagen Anträge der Fraktionen zu Buche. Die entsprechend verminderte Zuführung zur "Freien Spitze" wird ausgeglichen durch eine weitere Reduzierung der Rücklagen, die dennoch auf satte 300 000 aufgestockt werden können. Die gesetzliche Mindest-Reserve beträgt 113 000 Mark.
Den radikalsten von 24 Anträgen zum Haushalt stellten die Grünen mit der Forderung, den Plan abzusetzen und dem nächsten Parlament zu überlassen. Die Vorlage sei "allein darauf ausgerichtet, monetär die ,städtebauliche Enwtwicklungsmaßnahme&rquote; vorzubereiten", hieß es zur Begründung. Diese "unsoziale und unökologische Maßnahme" sei nicht zu verantworten, und die alleinregierende SPD biete keine Gewähr mehr für demokratische Spielregeln. Das Begehren wurde einstimmig abgelehnt, zumal der Grünen-Gemeindevertreter Matthias Zach selbst nicht anwesend war.
Streit gab es zur neuen Buslinie 704 nach Bergen-Enkheim. Die SPD setzte durch, daß nicht nur eine, sondern zwei Wartehäuschen für je 20 000 Mark gebaut werden und daß der Unterhaltsanteil für die Linie um 20 000 Mark aufgestockt wird für zwei zusätzliche Fahrten mittags und abends. Das beflügelte CDU-Fraktionsvorsitzenden Helmut Hörnis in seiner Haushaltsrede zu einem Spottgedicht. Den SPD-Beschluß, für den neuen Bauhof "eine Putzfrau" zu beschäftigen, kommentierte Hörnis mit der bissigen Frage, ob's nicht auch noch "ein Kaffeekoch" sein dürfte.
Daß die Heizung im Feuerwehrgerätehaus für 50 000 Mark erneuert wird, war den Christdemokraten genauso recht wie die Aufstockung um 10 000 Mark für den Spielplatz Gänsweide. Dafür wird die mit 40 000 Mark veranschlagte Skatboardanlage gestrichen. Und nochmals einig waren sich SPD und CDU, für 100 000 Mark die Kreuzung vor dem Alten Rathaus neu zu gestalten.
Bei der Gesamtabstimmung votierte die CDU indes gegen den Haushalt, wobei der bei der CDU hospitierende Jürgen Ellmauer - wie zuvor schon mehrfach - mit Stimmenthaltung ausscherte. Ellmauer kündigte an, die Interessengemeinschaft Dorfelder Bürger werde mit einer eigenen Liste zur Kommunalwahl antreten.Kleine FR
Bebauungsplan wird vorgestellt DIETZENBACH. Fachleute der Stadtverwaltung stellen in einer öffentlichen Informationsveranstaltung am Donnerstag, 28. Januar, 19 Uhr, im Rathaus den Entwurf des Bebaungsplans für das Terrain zwischen dem Stiergraben, der Bundesstraße 459 und dem Wald vor. Es handelt sich um einen Bebauungsplan, der eigentlich keiner ist. Vielmehr dient er dem Schutz der Flora und Fauna in diesem ökologisch wertvollen Gelände. ÖDP bietet Mitfahrangelegenheit an DIETZENBACH. Die ÖDP bietet eine Mitfahrgelegenheit zu einem Vortrag im Frankfurter Volksbildungsheim an. Dort spricht am Mittwoch, 27. Januar, 19.30 Uhr, der Ernährungswissenschaftler Dr. Max Otte Bruker zum Thema "Gesund durch richtige Ernährung". Wer mitfahren möchte, kann sich Wolfgang Wrzesniok (06074 / 44132) wenden. Thema "Symbolische Wahlen" DIETZENBACH. Der Ausländerbeirat der Stadt Dietzenbach kommt am Mittwoch, 27. Januar, um 19 Uhr im Rathaus zusammen, um sich unter anderen mit den geplanten symbolischen Wahlen für Ausländer anläßlich der Kommunalwahl am 7. März zu beschäftigen. Beratungs- und Förderzentrum SELIGENSTADT. Wohlwollend will der hessische Kultusminister Hartmut Holzapfel (SPD) einen Antrag prüfen, die Don-Bosco-Schule in Seligenstadt in ein sonderpädagogisches Beratungs- und Förderzentrum umzuwandeln. Das teilte er dem CDU-Landtagsabgeordeten Frank Lortz mit. Der Antrag müsse jedoch erst einmal mit dem Kreis Offenbach abgestimmt und dann eingereicht werden. Turnen für Frauen DIETZENBACH. Die Familienbildungsstätte startet Donnerstag, 28. Januar, 9.30 Uhr, SG-Halle, mit einem Kurs "Orthopädisches Turnen für Frauen". Am Donnerstag, 4. Februar, 17.30 Uhr, beginnt "Autogenes Training für Erwachsene". 253 Bauanträge behandelt SELIGENSTADT. In der Stadtverwaltung wurden im vergangenen Jahr 253 Bauanträge bearbeitet. Im Vergleich zu 1982 habe die Bautätigkeit nur gering zugenommen, jedoch werde inzwischen wirtschaftlicher gebaut, so daß mehr Wohnungen entstünden, sagte Bürgermeister Rolf Wenzel. Lohnsteuerkarten zurückgeben! SELIGENSTADT. Der Magistrat bittet alle Seligenstädter, ihre nicht genutzte Lohnsteuerkarte an die Stadtverwaltung zurückzuschicken. "Sie sind ein wichtiger Faktor zur Ermittlung des Verteilerschlüssels, nach dem jede Gemeinde den ihr zustehenden Anteil an der Lohn- und Einkommensteuer erhält", so der Magistrat.Selbstverteidigung für Frauen DIETZENBACH. In einem Selbstverteidigungskurs für Mädchen und Frauen, der - aufgeteilt in vier Gruppen - am Donnerstag, 11. Februar, im Jugendzentrum beginnt, werden noch Anmeldungen entgegengenommen. Die Frauenbeauftragte Ute Beuster informiert unter Telefon 06074 / 301 240. Stadt bereitet Sport- und Spielfest vor DIETZENBACH. Die Stadtverwaltung bereitet zusammen mit den Vereinen und Sportlehrern das zweite Sport- und Spielfest vor, das für den 30. Juni geplant ist. 2000 Kinder sollen daran teilnehmen. Der Magistrat gewährte bereits einen außerplanmäßigen Zuschuß von 6000 Mark.
Aufgespießt
"Schröder behält seine Ansichten, tritt aber nicht mehr für sie ein" Überschrift der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu einer Meldung über den niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder (SPD). Der hatte eine Koalitionskrise heraufbeschworen, weil er sich für ein Rüstungsgeschäft mit Taiwan eingesetzt hatte.
Morgen zur Lesung Horst Sterns
"Horst Stern sagt oft, daß seine Aussagen, daß sein Rufen über die Jahre hinweg nichts bewirkt hat. Da bin ich grundsätzlich anderer Meinung. Es gibt viele, die auf den Rufer Horst Stern hören", so der Ökologe Wolfgang Schröder, ein Freund des Journalisten und Schriftstellers Stern einmal. Zwar hat dieser sich schon vor Jahren aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und begonnen, Belletristik zu schreiben, doch auch in dieser ist sein Thema die Sorge um die Umwelt, die Warnung vor der Katastrophe. Am morgigen Sonntag trifft nun Horst Stern auf Hessens Umweltminister Joschka Fischer und den CDU- Politiker Alexander Gauland: bei einer Autoren-Matinee in der Zeilgalerie, die um 11 Uhr mit einer Lesung Sterns aus seinem neuen Roman "Klint" beginnt. Die sicher spannende Diskussion wird von Katja McHardy, Redakteurin der Talkshow "Live", und von FR-Redakteur Joachim Wille moderiert. Sonntag, 24. Januar, im 7. Stock der Frankfurter Zeilgalerie "les facettes", Einlaß ist ab 10.30 Uhr. Die Karten kosten 8 Mark für Erwachsene, fünf Mark für Schüler und Studenten. fr
Skepsis auch beim vielfach propagierten Energiewunder China-Schilfgras: Der Chef des Umwelt- bundesamtes, Heinrich von Lersner. Seite 5.
pl HAMBURG, 22. Januar. Hamburgs städtische Wohnungsbaugesellschaft Saga und mit ihr der sozialdemokratische Bausenator Eugen Wagner sind in neue politische Turbulenzen geraten. Der parlamentarische Untersuchungsausschuß der Bürgerschaft, der sich mit der Mietpraxis der Saga befaßt, will möglichst schnell den jetzigen Bausenator und mehrere ehemalige Senatoren vorladen, darunter Ex-Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und Ex-Finanzsenator Horst Gobrecht (beide SPD).
Sie sollen sich zu dem Vorwurf der Opposition äußern, der Senat habe im Frühjahr 1987 die Bürgerschaftswahlen manipuliert und gegen das Haushaltsrecht verstoßen. Der Senat hat eingeräumt, einen Monat vor den Wahlen die Saga und die ebenfalls städtische Wohnungsgesellschaft Sprinkenhof AG angewiesen zu haben, die anstehenden Mieterhöhungen für die von der Stadt verwalteten Wohnungen auszusetzen. Die Mieterhöhungen waren von der Finanzbehörde wegen notwendiger Instandsetzungsarbeiten angefordert worden.
Hamburgs Sozialdemokraten hatten die Bürgerschaftswahl im Dezember 1986 verloren. Die CDU war stärkste Fraktion im Parlament geworden, konnte aber nicht den Senat übernehmen, weil sie keinen Koalitionspartner fand. Deshalb kam es im April 1987 zu Neuwahlen. Danach wurde eine sozialliberale Koalition gebildet, die die Mieten erhöhte.
Senator Wagner hat inzwischen in einem Interview die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Die Mieten für Altbauwohnungen seien vor der Wahl "aus wohnungspolitischen Gründen" nicht angehoben worden. Das sei "ein sozialer Akt" gewesen, aus dem er nie ein Geheimnis gemacht habe. Für die Mieterhöhungen nach der Wahl machte Wagner den neuen Koalitionspartner FDP verantwortlich: "Es war nicht mehr machbar, den bisherigen Kurs der sozialdemokratischen Wohnungs- und Mietenpolitik fortzuführen."25 Buderus-Heizkessel aus Lager entwendet
ESCHENBURG. Mit der Einführung der EDV in der Revisionsabteilung der Wetzlarer Firma Buderus gelang es jetzt, dem Diebstahl und der Verschiebung von 25 Heizkesseln auf die Spur zu kommen. Nach Angaben der Limburger Staatsanwaltschaft soll der Mitarbeiter einer Spedition, die für Buderus ein Zwischenlager betreibt, die Geräte aus dem Depot entwendet haben.
Der Mann habe die Geräte dann an einen Bekannten mit dem Hinweis, es handle sich um "angeschlagene" Ware, zum "halben Preis" abgegeben. Dieser Bekannte, der nebenher mit derartigen Geräten handle, habe sie dann mit einem Aufschlag von 30 Prozent an die nichtsahnenden Kunden weiterverkauft. Die Geräte sind inzwischen in Privathäusern eingebaut. Den Schaden bezifferte die Staatsanwaltschaft auf unter 100 000 Mark.
Nach Angaben der Ermittlungsbehörden vermutet Buderus einen Zusammenhang mit weiteren Diebstählen aus einem Lager in Lollar. Dort lagerten Teile, die zum Einbau der Heizkessel nötig seien. -ke
NEW YORK (dpa/FR). British Airways (BA) hat eine Minderheitsbeteiligung an der Fluggesellschaft US Air für 300 Millionen Dollar erworben. Sie kaufte Vorzugsaktien der amerikanischen Firma, die nach vier Jahren in Stammaktien wandelbar sind und dann einen Anteil von 17,1 Prozent am Stammkapital repräsentieren würden. Schon heute allerdings bekommen die Briten die Verfügung über 19,1 Prozent der Stimmrechte und drei Stühle im 16 Mitglieder zählenden Aufsichtsrat von US Air eingeräumt.
Darüber hinaus hat British Airways die Option, innerhalb der nächsten fünf Jahre durch den Kauf von weiteren wandelbaren Vorzugsaktien nochmals insgesamt 450 Millionen Dollar in die finanziell angeschlagenen Partner zu investieren. In diesem Fall würde die Beteiligung auf 32,4 Prozent klettern.
Dafür ist aber eine Reform der gesetzlichen Bestimmungen in den USA die Voraussetzung. Bislang dürfen Ausländer an heimischen Fluggesellschaften maximal 25 Prozent besitzen. Bereits im Juli vergangenen Jahres wollte British Airways mit 750 Millionen Dollar zu 44 Prozent bei US Air einsteigen. Dieses Abkommen wurde jedoch gelöst, als zu erkennen war, daß die amerikanische Regierung auf Druck der Konkurrenz ihre Zustimmung für die Transaktion verweigern würde. "Nun kommt BA durch die Hintertür wieder herein", heißt es in US- Luftfahrtkreisen.
Wir gratulieren
Frau Lilli Stockmar zum 80. Geburtstag am 23. Januar.
HANAU. Wegen gefährlicher Körperverletzung hat die Schwurgerichtskammer am Hanauer Landgericht den 35 Jahre alten Heinz-Hans L. aus Erlensee zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt. Die Kammer befand den mehrfach vorbestraften Mann für schuldig, in der Nacht zum 29. September 1991 vor der Diskothek "Pascha" in Erlensee einen Besucher mit einem Messer leicht sowie einen anderen schwer am Hals verletzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre und drei Monate gefordert.
Wie berichtet, hatte der Angeklagte, dem zur Tatzeit Hafturlaub im offenen Vollzug gewährt worden war, zunächst alles abgeleugnet und angegeben, an jenem Abend in Frankfurt gewesen zu sein. Erst nachdem ihn eines der Opfer unzweifelhaft als den Täter genannt hatte, legte er ein Geständnis ab. Motiv für die Tat dürfte verletzte Eitelkeit gewesen sein.
An jenem Abend hatte eines der Opfer in der Diskothek mit der von dem Täter damals getrennt lebenden Ehefrau angebändelt. Der 35jährige wartete daraufhin vor der Diskothek auf den vermeintlichen Widersacher und stach ihn ebenso nieder wie einen Freund dieses Mannes.
Etwa ein Vierteljahr lang kam die Polizei bei ihren Ermittlungen nicht weiter, bis sich schließlich ein Bekannter des Täters meldete. Dieser hatte erfahren, daß es sich bei dem Täter um den 35jährigen Erlenseer handeln solle. Die Ehefrau des Bekannten soll zur Tatzeit ein Verhältnis mit dem Täter gehabt haben. are
Zwei neue Kindertagesstätten hat der Magistrat in seiner Sitzung am Freitag auf den Weg gebracht: Betreuungsplätze für 200 Kinder, darunter zehn behinderte. Die Stadtregierung beschloß die Bau- und Finanzierungsvorlagen für die geplanten Einrichtungen an der Hermann-Küster- Straße in Sindlingen und an der Mühlwiesenstraße in Hausen. Zusammen kosten die beiden Tagesstätten über 14,5 Millionen Mark. Noch in diesem Jahr, so am Freitag die Einschätzung der Fachleute im Rathaus, beginnt der Bau.
Auch auf die Betreuung der Kinder in Frankfurt wirkt sich mittlerweile die schwierige städtische Finanzlage aus. Schon im März 1992 hatte Oberbürgermeister Andreas von Schoeler ein neues "Standard-Raumprogramm" für Frankfurter Kitas verkünden müssen - es ging darum, die "Tendenz zur Ausuferung der Kosten" (Baudezernent Hanskarl Protzmann, SPD) zu brechen. Nur noch sieben Millionen Mark durfte die Kommune fortan pro Kindertagesstätte investieren - diese selbstgesteckten Grenzen halten die neuen Häuser mit 7,2 Millionen Mark (Sindlingen) und über 7,3 Millionen Mark (Hausen) nicht ganz ein.
Das "Standard-Raumprogramm" spart aber nicht nur - es bringt zugleich mehr Platz für die Kinder. Von ehemals 440 Quadratmetern wächst der Raum, um fünf Gruppen à 20 Kinder unterzubringen, auf 652 Quadratmeter. Hinzu kommen Nebenräume, Sanitär- und Energieanlagen - unter dem Strich darf aber die neue Standard-Kita nicht mehr als 1300 Quadratmeter umfassen.
Sie bringt als Fortschritt überdies den Kindern und den Betreuern eine größere Küche, einen Werk-, Lese- oder Bastelraum und nicht zuletzt ein neues Zimmer für Elternarbeit.
Nach diesem Muster wachsen alle Kindertagesstätten, die der rot-grüne Magistrat ins Auge gefaßt hat - die Standardisierung soll da übrigens für mehr Tempo sorgen. Neben den beiden gestern beschlossenen Häusern in Sindlingen und Hausen stehen Kitas in Goldstein, Kalbach und Sossenheim an. Für die Erweiterung der Kita 82 an der Gutleutstraße ist das Raumprogramm bereits vom Magistrat verabschiedet.
Zwischen dem Amtsantritt der rot-grünen Stadtregierung im Juni 1989 und dem Jahresende 1992 waren bereits neun weitere Kindertagesstätten in Frankfurt fertiggestellt worden. jg
Wir gratulieren
Herrn Franz Görsch zum 95. Geburtstag am 23. Januar.
Wir gratulieren
WÖLLSTADT. Nur schwer nachvollziehbar ist für die Interessengemeinschaft Wöllstädter Eltern das Verhalten der Sozialdemokraten hinsichtlich des Zuschußantrags der Ober-Wöllstädter Pfarrgemeinde für die Erweiterung ihres Kindergartens und Pfarrzentrums.
Noch am Mittwoch hatte sich die SPD in einer Podiumsdiskussion (siehe FR vom 22. Januar: "Kinder sind keine Pendler") bereit erklärt, ihren Standpunkt zu überdenken und mit allen Beteiligten nochmals zu sprechen. Während der Haushaltsberatung im Haupt- und Finanzausschuß am Donnerstag beharrten die Sozialdemokraten wie auch die Freie Wählergemeinschaft jedoch auf ihrer bisherigen ablehnenden Position.
In der vergangenen Parlamentssitzung war hierzu bereits ein Grundsatzbeschluß gefaßt worden. In der Etatberatung im Ausschuß wurde er nun umgesetzt. Mit den Stimmen von SPD und FWG wurde die von Bürgermeister Norbert Schilling (parteilos) für 1993 eingeplante dreiviertel Million Mark für die katholische Kirchengemeinde gestrichen. Gerhard Thielemann, Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft Wöllstädter Eltern, in einer ersten Reaktion: "Wir sind zutiefst enttäuscht über die Haltung der SPD."
Es wäre "eleganter" gewesen, das Thema zu verschieben, räumte Wolfgang Künzel (SPD) auf Anfrage der FR ein. Im Ausschuß hätte sich seine Fraktion auch darum bemüht, hierfür jedoch keine Mehrheit gefunden. Umgekehrt habe die FWG beantragt, die Kindergartenerweiterung an diesem Abend auf jeden Fall zu behandeln. Weil die Zeit gedrängt habe und der Ausschuß für die Haushaltsdebatte in der nächsten Gemeindevertretersitzung auf jeden Fall eine Empfehlung abzugeben habe, seien die Sozialdemokraten bei ihrer bisherigen Position geblieben.
Das, so Künzel, heiße aber nicht, daß die SPD nicht weiterhin bereit sei, "die Sache neu zu bedenken". Wolfgang Künzel: "Am Kindergarten muß was geschehen." Einstweilen gebe es aber noch manch offene Frage zu klären. So habe die Pfarrgemeinde lediglich eine "vorläufige Kostenrechnung" eingereicht. Das sei als Basis für einen kommunalen Zuschuß aber haushaltsrechtlich nicht ausreichend. Zu prüfen sei ebenfalls, ob das begrenzte Außengelände der Pfarrgemeinde überhaupt geeignet sei, die angestrebte Zahl von hundert Kindern aufzunehmen. Und nach wie vor gelte es zu überlegen, ob nicht die Kommune das Problem fehlender Betreuungsplätze selbst in den Griff bekommen sollte. Eine solche (bauliche) Lösung könnte nach Einschätzung Künzels für die Gemeinde Wöllstadt bis 1996, wenn auch Dreijährige in Hessen gesetzlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz haben, gefunden sein. mu
BAD HOMBURG. Kosmetika und Parfüm erbeuteten Unbekannte, die in der Nacht zum Freitag in eine Drogerie in der Louisenstraße eindrangen. Sie wählten den Weg über die Kellerräume und brachen eine Kellertür auf.
Als die Einbrecher den Tatort verließen, wurden sie beobachtet. Zwei Männer mit dunklen Jacken rannten zu einem Fluchtfahrzeug, in dem eine weitere Person saß. Alle drei flüchteten in Richtung Löwengasse.
Die polizeiliche Fahndung verlief erfolglos. tom
Samstag / Sonntag,
23. /24. Januar
Theater Schauspiel Frankfurt, Theaterplatz, Tel. 212 37 444: Schauspielhaus: Sa./So., 19.30 Uhr, Bernhard Minetti erzählt "Märchen in Deutschland"; Kammerspiel: Sa., 14.30 & 19.30; So., 19.30 Uhr, "Iphigenie in Freiheit"; Bockenheimer Depot: Sa., 18 Uhr & So., 19.30 Uhr, "Festung"; Sa., 22.30 Uhr, "Katarakt".
Fritz Rémond Theater im Zoo, Alfred-Brehm- Platz 16, Tel. 43 51 66: Sa., 20 Uhr, "Sturmwarnung". Die Komödie, Neue Mainzer Str. 28, Tel. 28 45 80: Sa., 20.15 Uhr, So., 18 Uhr, "Hier kocht der Chef".
Volkstheater Frankfurt, Gr. Hirschgraben 21, Tel. 28 85 98: Sa., 20 Uhr, So., 15.30 Uhr, "Stelldichein im Tivoli".
Die Schmiere im Karmeliterkloster, Seckbächer Gasse, Tel. 28 10 66: Sa./So., 20.30 Uhr, Schmiere-Spezial.
Goethe Theater, Leiziger Str. 36, Tel. 70 88 44: Sa., 20.30 Uhr, "Das letzte Band".
Die Maininger, Neue Rothofstr. 26 a, Tel. 28 02 27: Sa., 20.30 Uhr, "Kassa blanka - und schweigende Lämmer".
Die Katakombe, Pfingstweidstraße 2, Telefon 49 17 25: Samstag, 20 Uhr, "Die Dreigroschenoper". Gallus Theater, Krifteler Str. 55, Tel. 738 00 37: Sa., 20 Uhr, Doris Batzler - "Undine geht".
Kellertheater, Mainstr. 2: Sa., 20.30 Uhr, "Das Martyrium des Pjotr O'Hey".
English Theater, Kaiserstr. 52, Tel. 24 23 16 20: Sa./So., 20 Uhr, "The Boy Friend".
Mouson-Turm, Waldschmidtstr. 4, Tel. 40 58 95 - 0: Theatersaal: Sa./So., 20 Uhr, Mathias Beltz - "Füße im Feuer"; Studiobühne: 21 Uhr, Sandglass Theater.
Theater am Turm, Eschersheimer Landstr. 2, Tel. 1 54 51 10: Sa. 20 Uhr, Achim Freyer - "Liebe von Kopf bis konfus".
Kommunales Kinder- & Jugendtheater, Am Tiergarten 12, 59 83 43: So., 15 Uhr, Märchen & Geschichten (ab 5 J.).
Neues Theater Höchst, Emmerich-Josef-Str. 46 a, Tel. 30 30 90: Sa., 20 Uhr, Peter Spielbauer; So., 16 & 20 Uhr, Varieté am Sonntag.
Theaterhaus, Schützenstr. 12, Tel. 299 861 10: Sa., 20 Uhr, Theater Grüne Sosse - "Fräulein Julie"; Sa., 23 Uhr, Cornelia Niemann - "Solo im Supermarkt"; So., 15 Uhr, Ferri & Lerri - Mitmachkonzert (ab 4 J.).
Theater für Kinder, Pfingstweidstr. 2, Tel. 49 17 25: 15 Uhr, "Cinderella".
Café Cult, Schillerpassage, Tel. 92 00 61 23: Restaurant-Theater: Sa./So., 20 Uhr, Festival der Magie; Artrium: So., 11 Uhr, Powerhouse Jazzband & Kids Comedy Brunch.
Freies Schauspiel Ensemble, Philanthropin, Hebelstr. 17, Tel. 51 94 20: Sa. 19 Uhr, "Nachtwache".
Hessischer Rundfunk, Bertramstr. 8/Foyer: Sa./So., 10 & 14 Uhr, Augsburger Puppenkiste (Videos).
Theater in der Uni, Senckenberganlage 27, Tel. 77 59 08: Sa., 20.30 Uhr, "Kaspar".
TiB-Studiobühne, Bornheimer Landwehr 35, Tel. 493 05 03: Sa., "Aysche und Richard".
Bühne 55, Falkstr. 55: Sa., 19.30 Uhr, "Ein idealer Gatte".
Ev. Markusgemeinde: Sa., 20 Uhr, Boulevardtheater der Gruppe "Spirits", Markgrafenstraße 14-16.
Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20, Tel. 28 96 91: Sa., 20 & 23.30 Uhr, Internationale Varietérevue.Musik Oper, Theaterplatz, Tel. 23 60 61: Sa., 19.30 Uhr, "Carmen"; So., 18 Uhr, "Der Rosenkavalier". Alte Oper, Opernplatz, Tel. 13 400: Großer Saal: Sa., 20 Uhr, Hot Jazz Meeting; So., 19 Uhr, Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.
Batschkapp, Maybachstr. 24: Sa., 22 Uhr, Idiot Ballroom.
Sinkkasten, Brönnerstr. 5: Sa., 21 Uhr, Gustav Rabe.
Jazzkeller, Kl. Bockenheimer Str. 18 a: Sa., 22 Uhr, Odysseus Broz - Rock-Groove-Standards.
Jazzlife Podium, Kl. Rittergasse 22-26: Sa., 19.30 Uhr, Blues Cruisers; So., 19.30 Uhr, Traces.
Brotfabrik, Bachmannstr. 2-4: Sa., 20 Uhr, Salsa Aqui & Disco.
Irish Pub, Kl. Rittergasse 11: Sa./So., 21 Uhr, Johnny Tobasco.
Werkstatt, Große Rittergasse 106: Sa., 19 Uhr, Black Bembel; So., 15 Uhr, Mathias Baumgart & Band; 20.30 Uhr, The Rude Kids.
Spritzenhaus, Gr. Rittergasse 41-43: Sa., 19 Uhr, Nyce Cryce; So., 15 Uhr, Bernd Schütz Band; 21 Uhr, Message In A Bembel.
Schlachthof, Deutschherrnufer 36: So., 11.30 Uhr, Red Hot Hottentots.
Hotel Kutsch, Kl. Rittergasse 5: Sa., 20 Uhr, Swingstars; So., 20 Uhr, Musiker Treff.
Al Andalus, Affentorhaus 1: Sa., 19 Uhr, Juan y José; So., 17 Uhr, Tanz mit Las Flamencas.
Jazzkneipe, Berliner Str.70: Sa., 22 Uhr, Hengstbach Stompers; So., 22 Uhr, Piano George.
Café Plazz, Kirchplatz 8: So., 19.30 Uhr, Ulrike Maier.
Dreikönigskeller, Färberstr. 71: Sa., 20 Uhr, Lovehappy; So., 20 Uhr, Ananas.
Holzhausenschlößchen, Justinianstr. 5: So., 11 Uhr, Matinée Kunst & Musik.
Palast Bar im Tigerpalast, Heiligkreuzgasse 16-20: Sa., 22 Uhr, Joan Faulkner und die Chicago Blues Busters.
Kommunikationszentrum KOZ, Uni Campus: So., 18 Uhr, The Ex & Tom Cora.
Veranstaltungszentrum KA Eins, Kasseler Str. 1 a: So., 15.30 Uhr, Indischer Kulturtreff - Klassischer indischer Tanz & Bengalische Musik.
Ev. St. Thomaskirche: So., 18 Uhr, Konzert für Posaune und Orgel, Heddernheimer Kirchstraße 2b.
Ev. Osterkirche: Sa., 18 Uhr, Konzert mit dem Leipziger Collegium Canticorum, Mörfelder Landstraße 214.
Ev.-luth. Bergkirche: Sa., 18 Uhr, Kammerkonzert, Sachsenhäuser Landwehrweg 157.
Kath. Deutschorden: So., 17 Uhr, Konzert für Orgel und Trompete, Brückenstraße 5.
Kath. Heilig-Geist-Kirche: Sonntag, 18 Uhr, Konzert für Orgel und Cembalo, Schäfflestraße 19.
Kirche St. Bernhard, Koselstr. 11-13: So., 18 Uhr, Vokalensemble Alta Musica.
Alte Nikolaikirche, Römerberg: So., 11.45 Uhr, Lieder & Orgelmusik "Epiphanias".
Nicolaikirche, Waldschmidtstr./Rhönstr.: So., 18 Uhr, Musik für Orgel & Gitarre.
Festeburgkirche, An der Wolfsweide 54-58: So., 19.30 Uhr, Brigitta Wollenweber - Klavier.
Jahrhunderthalle Hoechst: Sa., 20 Uhr, Semper-House-Band & Gunther Emmerlich; So., 20 Uhr, The Harlem Gospel Singers. Literatur
Literaturhaus, Bockenheimer Landstr. 102: So., 16 Uhr, Lesung, Theaterszenen & Gespräch "Dramaturgie der Heimatlosigkeit".
Demokratische Mitte Frankfurt: Sa., 15 Uhr, "Lob der Volksvertreter" - Texte von Heine bis Kühn; Haus Dornbusch, Eschersheimer Landstr. 248. Vorträge / Diskussionen
Kommunikationszentrum KOZ, Universität Campus: Sa., 20 Uhr, Diskussion "Politische Funktion von Hip Hop".
Frankfurter Frauenschule, Hohenstaufenstr. 8: Sa./So., 14 Uhr, Vorträge & Diskussionen "Die Zukunft der Frauenpolitik".
Kindermuseum im Historischen Museum, Saalgasse 19: Sa., 14 Uhr, Lesung "Märchen aus Afghanistan"; So., 11 Uhr, Diavortrag "Eritrea nach der Befreiung"; So., 14 Uhr, Fest mit afrikanischen Spielen. Museen / Führungen
Goethe-Museum, Großer Hirschgraben 23-25: So., 11 Uhr, Führung durch die Ausstellung "Goethes Vater reist in Italien".
Architekturmuseum, Schaumainkai 43: So., 11 Uhr, Führungen in den Sonderausstellungen "Peter Eisenmann, Folding in Time" & "Zeitgenössische Torentwürfe aus Lego-Bausteinen".
Museum für Moderne Kunst, Domstr. 10: So., 11 Uhr, Führung.
Historisches Museum, Saalgasse 19: So., 11 Uhr, Führung zum Thema "Tony Sender. Eine aufrechte Kämpferin".
Museum für Vor- und Frühgeschichte, Karmelitergasse 1: So., 11 Uhr, Führung zum Thema "Die Römer ziehen ab. Nida im 3. Jhdt.".
Liebieghaus, Schaumainkai 71: So., 11 Uhr, Führung zum Thema "Das Andachtsbild - Die Christus-Johannes-Gruppe".
Museum für Völkerkunde, Schaumainkai 29: Sonntag, 11 Uhr, Führung durch die Ausstellung "Mythos Maske. Ideen-Menschen-Weltbilder".
Städel, Schaumainkai 63: So., 11 Uhr, Führung in der Gemäldegalerie "Die andere Sicht - Gerhard Richter".
Was Frankfurter Museen zeigen sowie die allgemeinen Führungstermine lesen Sie täglich im "Kulturpanorama" in der Abendausgabe sowie jeden Donnerstag auf der Seite "Was- Wann-Wo". Filme/Kino
JUZ-Bockenheim, Varrentrappstr. 38: So., 20 Uhr, "Das Mädchen am Ende der Straße".
Das Kinoprogramm entnehmen Sie bitte dem Filmspiegel auf Seite A 4 im Anzeigenteil. Feste
Heddernheimer "Käwwern": Sa., 19.11 Uhr, Feier zum 111jährigen Bestehen, Turnhalle Habelstraße 11.
Harheimer Kerbebuschen: Sa., 19 Uhr, Maskenball, Bürgerhaus Harheim, In den Schafgärten 21. Sonstiges
AW Goldstein: Sa., 15 Uhr, Kreppelnachmittag, Bürgerhaus, Goldsteinstraße 314 (Saal).
Elisabethenschule: Sa., 9.30-12 Uhr, Tag der offenen Tür für Eltern von Viertkläßlern, Vogtstraße 35-37.
Erzählcafé, Treffpunkt Rothschildpark, Oberlindau: Sa., 16 Uhr, Madlen Lorei "Polizeiberichterstatterin der Nachkriegszeit".
Gruppe zur Versöhnung der Völker, Inheidener Str. 67: So., 14 Uhr, Treffen.
Vereinigung Frankfurter Briefmarkensammler "Moenus 1911": So., 9 bis 17 Uhr, Briefmarken-Großtausch; Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Str. 23.
Yoga & Meditations Zentrum, Hanauer Landstr. 48: Sa., 14.30 bis 18 Uhr, Yoga-Tag der Offenen Tür. Wanderungen Naturschutzbund Deutschland (KV Ffm): So., 9.30 Uhr, Spaziergang Ostpark; Treffpunkt Eissporthalle/Haltestelle U 7. Märkte Bornheim, Berger Str.: Sa., 8 bis 14 Uhr, Wochenmarkt. Innenstadt, Konstablerwache: Sa., 8 bis 14 Uhr, Frankfurter Erzeugermarkt.
Frankfurter Flohmarkt, Sachsenhäuser Mainufer zwischen Eisernem Steg u. Holbeinsteg, Sa., 9 bis 14 Uhr.
Apotheken
Brücken-Apotheke, Schwanheim, Geisenheimer Str. 39, Tel. 35 83 10; Die Rosen-Apotheke, Am Salzhaus 3-5, Tel. 28 24 70; Eschbach-Apotheke, Nieder-Eschbach, Alt-Niedereschbach 2, Tel. 5 07 70 77; Raben-Apotheke, Sachsenhausen, Schweizer Str. 55, Tel. 62 14 14; Ring-Apotheke, Westhausen, Westring 44, Tel. 76 13 22; Sonnen-Apotheke, Bornheim, Seckbacher Landstr. 10, Tel. 45 28 28; Stephanische Apotheke, Sindlingen, Bahnstr. 113, Tel. 37 41 10; Westend-Apotheke, Brentanostr. 29, Tel. 72 70 62. Sonntag Folgende Apotheken sind von Sonntag, 8.30 Uhr bis Montag, 8.30 Uhr, ständig dienstbereit:
Apotheke an der Hauptwache, Schillerstraße 2-4, Tel. 28 48 35; Erlen-Apotheke, Alt-Erlenbach 59, Tel. 0 61 01 / 4 46 75; Europa-Apotheke, Nordweststadt, Hammarskjöldring 73 b, Tel. 57 86 26; Schwanen Apotheke, Sandweg 1, Tel. 43 15 25; Luthmer-Apotheke, Nied, Luthmerstraße 12, Tel. 39 62 57; Mendelssohn-Apotheke, Mendelssohnstraße 56, Tel. 74 25 43; Riederwald-Apotheke, Riederwald, Raiffeisenstr. 77, Tel. 41 37 17; Textor-Apotheke, Sachsenhausen, Textorstraße 11, Tel. 62 33 94. Ärztlicher Notdienst
Der ärztliche Notdienst für das Stadtgebiet Frankfurt ist unter der Rufnummer 1 92 92 jederzeit erreichbar. Er soll jedoch nur bei Verhinderung des Hausarztes in Anspruch genommen werden. Für ambulant zu versorgende Notfälle: Notdienstzentrale im Haus Galluswarte, Mainzer Landstraße 265 und Usinger Str. 5.
Sanitätsdienstliche Bereitschaft für Soldaten der BW Stadt Frankfurt, Stadt und Kreis Offenbach, Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis, während der allgemeinen Dienstzeit: StOArzt Frankfurt, Tel. 2 47 78 - 433; nach Dienst und an Wochenenden: SanZentr. 412 Mainz, Tel. 0 61 31 / 56 26 42. Zahnärztlicher Notdienst Der zahnärztliche Notdienst in Frankfurt ist bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen, Zahnärztehaus Niederrad, Telefon 66 07 / 2 71, zu erfragen. Tierärztlicher Notdienst (Sa., 14 Uhr, bis Mo., 6 Uhr)
Tierärztin Meißen, Thomas-Mann-Str. 6 b, Ffm 50, 58 70 516; danach bei den tierärztlichen Kliniken (siehe Branchenfernsprechbuch unter "Tierärzte"). Anwaltsnotdienst in Strafsachen (24 Stunden täglich)
Telefon 28 30 83. Telefonberatungen Tag und Nacht Telefonseelsorge im Ev. Volksdienst: Tel. 1 11 01; Telefonseelsorge im Haus der kath. Volksarbeit: Tel. 1 11 02.
Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche: 1 11 03. Notfall-Nummern Feuerwehr/Unfall-Rettungswache 112 Überfall 110 Polizei 75 51 Krankentransport 49 00 01-4 Hubschrauber-Rettungsdienst 44 10 33 ADAC-Pannenhilfe 1 92 11 ACE-Pannenleitstelle 19 21 6 AvD-Pannennotruf 6 60 66 00 VCD-Notrufzentrale 02 21-82 77-366 Zentrum für Entgiftungen und Giftinformation der Universität Mainz 0 61 31 / 23 24 66 Drogennotruf 62 34 51
Die Rubrik "Rat und Hilfe" erscheint jeden Montag in der Regionalausgabe und jeden Donnerstag in der Stadtteil-Rundschau mit allen Sprechstunden und Terminen für die gesamte Woche. Wir empfehlen, diese Rubrik aufzuheben. - ohne Gewähr -
WÖLFERSHEIM. Die Arbeiten zur Umweltverträglichkeitsuntersuchung des geplanten Deponiestandortes "Im Roth" bei Wölfersheim kommen gut voran. Eine Tiefbohrung auf rund 100 Meter und drei Flachbohrungen haben die gute Abdichtung und Stabilität des Untergrundes aus Rotlehm und Basalt bestätigt. Das äußerte der beteiligte Geologe, Thomas Kolb, während einer Besichtigung der Bohrstelle am Freitag morgen.
Dazu hatte die Erste Kreisbeigeordnete und Abfalldezernentin Gila Gertz (Grüne) zusammen mit Ingenieuren und Fachleuten der beteiligten Firmen eingeladen. Sie wollten klarstellen, daß die Vorwürfe der Wölfersheimer Bürgerinitiative gegen die geplante Mülldeponie unhaltbar seien, wonach es im Zusammenhang mit den Bohrungen zu einem "Umweltskandal" gekommen sei. Hintergrund: Im Dezember waren für kurze Zeit Wasser und ausgebohrter Sand nicht wie sonst in einem großen Behälter gesammelt worden, sondern entgegen der Vorschrift von Arbeitern mit einem Schlauch in einen nahen Graben am Wegerand abgeleitet worden. Frau Gertz: "Das sollte nicht sein, es ist abgestellt worden und keinerlei Schaden entstanden."
Nicht zuletzt der leitende Ingenieur Dr. Heiko Gerdes des beauftragten Ingenieurbüros für Wasserwirtschaft und Umwelttechnik äußerte sich betroffen, daß ein Vorgang, der zum Beispiel bei der Bohrung eines Trinkwasserbrunnens völlig selbstverständlich sei, als "Umweltskandal" apostrophiert werde. Es sei verständlich, daß die Bürgerinitiative alle Möglichkeiten nutze, ihr Ziel zu erreichen. Dies schieße jedoch übers Ziel hinaus.
Die Bohrungen sollen detaillierte Aussagen zu den Bodenschichten und auch zum Fluß des Grundwassers ermöglichen. Schon allein, um unverfälschte Daten zu bekommen, müsse an der Bohrstelle völlig einwandfrei mit unbedenklichen Materialien gearbeitet werden, zeigten die Fachleute auf. So werden zum Sichern der Bohrlöcher Betonit, ein Tonmineral und außerdem Quarzfilterkies verwendet. Dadurch soll verhindert werden, daß Oberflächenwasser zum Wassermeßpegel am Grund der Bohrung gelangt und die Messungen verfälscht.
Aus einer Äußerung des Zweiten Vorsitzenden der Bürgerinitiative, Heinrich Leschhorn, ging hervor, daß die BI gegen die Genehmigung zur Bohrung geklagt hat. Landrat Rolf Gnadl war bei der abschließenden Besprechung jedoch mit Frau Gertz einer Meinung: Die Tatsache, daß der Kreis eine Duldungsgenehmigung erhalten habe, zeige, daß dort nichts Negatives passiere. Gerade weil Frau Gertz als zuständige Dezernentin genau weiß, daß die Bürgerinitiative und die Gemeinde Wölfersheim gegen die Deponie sind und die Vorgänge mit "Argusaugen" beobachten, werde darauf geachtet, bis ins Detail alle Vorgaben einzuhalten.
Im Frühjahr, erwartet sie, können die Arbeiten für die Umweltverträglichkeitsprüfung abgeschlossen sein. Daran werde sich die Planfeststellung mit den Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange - darunter auch die Gemeinde - und der anschließenden Erörterung anschließen. An deren Ende, so hofft die Kreisbeigeordnete, werde die Genehmigung für die Deponie für den Hausmüll aller Wetterauer stehen.
Auch neuere gesetzliche Entwicklungen wie die "Technische Anleitung Siedlungsabfall" mit der Förderung der Müllverbrennung dürften an der Notwendigkeit der Deponie nichts ändern, meinte Frau Gertz. Denn es dürfte noch dauern, bis die neuen Verordnungen umgesetzt sind. Außerdem werde auch bei einer Verbrennung anschließend eine Deponie gebraucht. Auf jeden Fall erscheint es ihr positiv, daß durch die neue Bundesverordnung auch einheitlich geregelt wird, was auf einer Deponie abgelagert werden darf und was nicht. Wegen der Pflicht zur Wertstoffsammlung sei ihr zwar unklar, was eigentlich noch verbrannt werden solle, doch das sei Aufgabe der Bundespolitiker. "Wir haben jedenfalls die Verpflichtung, die Entsorgung für den Kreis sicherzustellen", bekräftigte Frau Gertz. Wie die Verbrennung später einmal organisiert werde, müsse sich zeigen. Denkbar seien Kooperationen mehrerer Kreise. GEORG LINDE
Für viele immer noch eine unbekannte Behörde / Großes Staunen über eine breite Palette von Aufgaben Für Schüler war die ,Ralley' der Renner Hanauer Kreisgesundheitsamt präsentierte sich beim "Tag der offenen Tür" Von Holger Klös MAIN-KINZIG-KREIS. "Da kommt man wirklich in jede Ecke ran." Freundlich gibt eine Mitarbeiterin des Kreisgesundheitsamtes in Hanau Tips, welche Bürste zur Zahnhygiene benutzt werden sollte. Gestern herrschte quirliges Treiben im Alt- und Neubau der Hanauer Behörde in der Geibelstraße. Vor allem Schulklassen nahmen das Angebot wahr, während eines "Tages der offenen Tür" einmal hinter die Kulissen zu schauen und Informationsdefizite abzubauen. Auch der Sozialausschuß des Kreistags ließ es sich nicht nehmen, die einzelnen Arbeitsbereiche näher unter die Lupe zu nehmen. Da laut Medizinaldirektorin Dr. Barbara Fuge vielfach Unkenntnis über die breite Aufgabenpalette des Kreisgesundheitsamtes besteht, nutzte das Amt die Gelegenheit zur breiten Selbstdarstellung. Dabei erwies sich ein als "Rallye" angebotener Fragenkatalog als regelrechter Renner. Die Schüler gingen auf Erkundungstour. Gleichsam als Nebeneffekt wurde noch Wissenswertes vermittelt. Bei der Tuberkulosefürsorge und Röntgenabteilung gab es unter anderem Auskunft zur Frage: Welche Lungenkrankheiten werden durch Rauchen ausgelöst? Die "Rallye" führte weiter zum Beratungsangebot "Hilfen für Frauen in der Prostitution". Der Blutdruck - eines der Themen im Bereich Sportmedizin. Was sich hinter der "Behindertenhilfe" verbirgt, konnten die "Rallye"-Teilnehmer in einem anderen Flur erfahren. Warum legt der Jugendarzt großen Wert auf den Motoriktest? Darüber erhielten Wissensdurstige wiederum beim "Jugendärztlichen Dienst" eingehende Informationen. Zu den weiteren Anlaufstellen gehörte die Aids-Beratung des Kreisgesundheitsamtes. Im zweiten Stock des Neubaus präsentierten sich schließlich neben dem "Sozialpsychiatrischen Dienst" noch die Abteilung Hygiene mit der Sparte Infektions- und Umweltschutz. Für viele war neu, daß auch die Badeseen im Main- Kinzig-Kreis vom Gesundheitsamt überwacht werden. Das dicke, vom Kreis herausgegebene Trinkwasserbuch mit Nitratwerten der einzelnen Brunnen der Region Main-Kinzig konnte als Heimlektüre mitgenommen werden.
Wer wollte, konnte auch den eigenen Körper "durchchecken" lassen. So wurden kostenlos Blutdruck- und Atemkapazitätsmessungen, Seh- und Hörtests offeriert. Gegen einen kleinen Unkostenbeitrag bestand überdies die Möglichkeit zur Laboruntersuchung von Blutzucker, Harnsäure und Cholesterin.
Das Kreisgesundheitsamt kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblikken. Nach dem Zweiten Weltkrieg fungierte im Hanauer Schloß Philippsruhe eine Anlaufstelle mit zwei Ärzten, zwei Schwestern und "Fürsorgerinnen". Das Haupttätigkeitsfeld erstreckte sich damals auf Mütterberatung mit Untersuchung der Säuglinge und Impfungen. 1948 zog das Gesundheitsamt für kurze Zeit in eine Baracke auf dem Gelände des jetzigen Hochhauses um. Dann folgte der Wechsel ins Landratsamt. Nach Vollendung des sogenannten Sozialbaus fand das Gesundheitsamt 1960 im Erdgeschoß und der ersten Etage eine neue Bleibe. Daneben existierte damals noch ein Stadtgesundheitsamt in der Nordstraße. Beide Behörden wurden 1975 zusammengelegt. Danach begann für Ratsuchende und Personal gleichermaßen eine lange Phase qualvoller Enge in dem völlig überlasteten Bau. Wartezimmer mußten zu Arbeitsräumen umfunktioniert werden, Aktenschränke standen auf den Gängen, es fehlte jegliche behindertengerechte Einrichtung. Die "Erlösung" kam erst im vergangenen Jahr, als der Erweiterungskomplex des Kreisgesundheitsamtes nach anderthalb Jahren Bauzeit fertiggestellt werden konnte. Das Hanauer Kreisgesundheitsamt mit seinen Außenstellen in Gelnhausen und Schlüchtern beschäftigt insgesamt 94 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Seit dem 31. Dezember 1992 ist dem Kreisgesundheitsamt auch die zentrale Leitstelle für den Brand-Katastrophenschutz und Rettungsdienst angegliedert.
WETTERAUKREIS. Der Verteilungskampf hat begonnen, nicht nur der Wahlkampf. Die Angst, zu kurz zu kommen, macht rücksichtlos. Das Gerangel bei der Verteilung staatlicher Wohltaten wird härter und lauter. Im hessischen Kommunalwahlkampf drohte vorgestern abend im Bürgerhaus von Friedberg-Dorheim sogar die erste handfeste Saalschlacht. Es kam bei einer Wahlkampfveranstaltung der Wetterauer Grünen zu einer Keilerei zwischen Saalordnern und aufgebrachten Wetterauer Bauern. Hätten nicht im letzten Augenblick zwei grünberockte Polizisten die rangelnden Männer getrennt und hätte nicht der stellvertretende hessische Ministerpräsident, der Grünen-Politiker Joschka Fischer, sein rhetorisches Talent in der Art eines Wirtshaus-Agitators entfaltet - die erste größere Veranstaltung der Wetterauer Grünen wäre gesprengt worden.
Die Grünen-Spitzenkandidatin, Vize- Landrätin Gila Gertz, kam noch einmal mit einem "blauen Auge" davon, und zwar im übertragenen Sinne, denn mit Eiern wie andernorts üblich warfen die Landwirte nicht. Sie machten sich der Körperverletzung mit Pfeifen und preßluftbetriebenen Signalhörnern "schuldig". Beim Einmarsch von Fischer in den bereits für den Fasching geschmückten Saal ging das Höllenspektakel los, organisiert von etwa 20 Bauern unter der Führerschaft von Hans-Adolf Kleeberger, Vorsitzender des Melbacher Bauernverbandes. Auf einem Spruchband stand ihre Parole: "Jordan und Fischer - Ruin ist sicher!" Die Landwirte verlangen, was ihre Berufskollegen in den anderen Bundesländern bekommen sollen, nämlich einen Ausgleich für den EG-bedingten Anstieg der Mehrwertsteuer. In Hessen kassiert der Fiskus ab 1993 jährlich 35 Millionen Mark mehr beim Verkauf von Produkten hessischer Bauern. Diese Mehreinnahmen betrachten die Landwirte als Geld, das ihnen zusteht. Die rot- grüne Landesregierung ist aber ihrem Landwirtschaftsminister Jörg Jordan (SPD) gefolgt und will die Subventionspolitik bei einem Ansatz stoppen, wo es ihr möglich ist. Statt dessen will sie mit einem Teil dieser Mehreinnahmen ein "Kulturlandschafts-Programm" auflegen, um ihrem Anspruch auf eine ökologische Erneuerung der Landespolitik zu entsprechen.
Nachdem Fischer wort- und gestenreich die immer wieder ausbrechende Kakophonie des "Melbacher Bauernorchesters" beenden konnte, sagte er den Bauern "die volle Wahrheit". Daß nämlich nicht nur die Sozialhilfeempfänger und die Arbeitslosen, also die Schwächsten der Schwachen, sondern auch die Bauern künftig mit weniger staatlichen Segnungen leben müßten. Er prophezeite "dramatisch sinkende Steuereinnahmen" als Folge der "abenteuerlichen Bonner Vereinigungspolitik" und machte die kräftigen Herren vom Nährstand im Versammlungssaal erstmals sprachlos mit seinem Bekenntnis: "Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätten wir das Kulturlandschafts-Programm ganz gestrichen - wir brauchen das Geld woanders. Jetzt könnt Ihr pfeifen!"
Es blieb still im Saal.
Zeitweise kamen sich die Bauernlobbyisten und der Minister sogar sehr nahe. Als der 70jährige Wölfersheimer Altbauer Ernst Katzer über die Aufblähung der Landwirtschaftsverwaltung und über die EG-Bürokratie lamentierte, pflichtete ihm der Minister bei, der alle im Saal duzte und meist auch kumpelhaft geduzt wurde.
Ihm blieb an diesem Abend nicht mehr viel Zeit, um über andere Themen als die zu sprechen, die die Bauern ihm aufzwangen. Aber damit muß eben ein grüner Umweltminister rechnen, der in der Wetterau für seine Partei Punkte machen will. Er reichte dem Agrarvolk zum Schluß versöhnlich die Hand mit der politischen Prophezeiung: "Ganz ohne Subventionen für die Landwirtschaft wird es auch in der Zukunft nicht gehen - aber Hessens Landwirte haben nur eine wirkliche Chance in der Veredlung und in der Spezialisierung ihrer Erzeugnisse."
Der Eschborner Verwaltungschef Martin Herkströter (CDU) leidet nicht gerade unter mangelndem Selbstbewußtsein. Oder er kokettiert damit. Wie dem auch sei, beim Eröffnen der Ausstellung von Ottmar Schnee hob er einen Abschnitt aus der Vita des Künstlers hervor: dessen Studium der Visuellen Kommunikation in Offenbach. Herkströter: "Alles Gute kommt aus Offenbach." Nicht zuletzt der Rathauschef selber. she
Die Zeiten ändern sich. Zwischen Scherben, die den Weg zu den Glas- und Papiercontainern an der Herderstraße knirschen machen, liegt ein Stapel Taschenbücher. Zuoberst die "Berlin-Frage in Dokumenten", darunter "Unwürdige Bundeswehr". So ganz trennen wollte sich der vormalige Besitzer doch nicht von diesen Werken. Vielleicht glaubt er ja, jemand könne die Lektüre, die für ihn nicht mehr zeitgemäß ist, noch gebrauchen . . . she
Der Kelkheimer Polizist beim telefonischen Abfragen des täglichen Presseberichts klingt geschäftsmäßig: "Seit dem 1. Januar . . ." - es folgt eine Sprechpause. Klar, versierte Beamten wissen, daß Steno längst nicht mehr zum Journalistenalltag gehört. Doch was folgt, stoppt den Stift jäh: ". . . bekommen wir keine Lokalzeitungen mehr für die Dienststelle. Es muß gespart werden; Anweisung des Innenministeriums." Betroffenheit kommt da durch den Hörer statt eines VU mit Kfz an LZA (Verkehrsunfall mit Kraftfahrzeug an Lichtzeichenanlage - will heißen: Crash von Auto an Ampel). Kein Beamter kann im Dienst mehr nachlesen, was aus den Pressemitteilungen wurde. Und dabei hat das Präsidium in Frankfurt just eine "Pressesensibilisierungskampagne" für die Mitarbeiter gestartet. set
HÖCHST. Der Landtagsabgeordnete Alfons Gerling (CDU) mag's jetzt genau wissen: Hält der Magistrat an seinem Beschluß vom Juni 1992 fest, in Unterliederbach an der Schmalkaldener Straße ein neues Gewerbegebiet auszuweisen? Der Christdemokrat hat diese Anfrage jetzt ganz förmlich der Landesregierung in Wiesbaden gestellt.
Die Landesregierung soll in Gerlings Auftrag außerdem recherchieren, ob der Frankfurter Magistrat, insbesondere Umweltdezernent Tom Koenigs (Grüne), beim Bau eines neuen Gewerbeareals Beinträchtigungen der Umwelt erwartet, beispielsweise eine Behinderung der aus dem Taunus ins Stadtgebiet strömenden Kaltluft.
Gerling will von der Landesregierung zudem wissen, wie sie selbst das vom Magistrat forcierte und vom Deutschen Gewerkschaftsbund in Frankfurt unterstützte Projekt beurteilt. tos
öhl ATHEN, 22. Januar. Der türkische Ministerpräsident Süleyman Demirel hat die Luftangriffe alliierter Kampfbomber auf Raketenstellungen in Nordirak als "legitime Verteidigung" gerechtfertigt. Der Istanbuler Tageszeitung Milliyet sagte Demirel, würde man die Stationierung irakischer SAM-Raketen innerhalb der von den Golfkriegs-Alliierten eingerichteten Flugverbotszone hinnehmen, wäre der nächste Schritt Bagdads eine Bodenoffensive gegen die Kurden in Nordirak.
In Ankara befürchtet bei einem irakischen Angriff, daß kurdische Flüchtlinge in die Türkei kommen würden.
HATTERSHEIM. "Faires Streiten" heißt das Thema, über das sich Teilnehmer am Mittwoch, 3. Februar, im katholischen Jugendheim, Mainstraße, in Okriftel unterhalten wollen. Die Veranstaltung, von der Elternschule Taunus organisiert, beginnt um 19.30 Uhr. Die Diplom-Psychologin Charlotte Thelen leitet die Runde.
"Wir werden lernen, wie man gewaltlos für seine eigenen Rechte eintritt, das heißt, ohne die Rechte des Partners zu verletzen", heißt es in der Ankündigung. Anmeldungen nimmt Elisabeth Steyer unter Tel. 0 61 90 / 18 11 entgegen. schu
Kleine FR
Heftiger Auffahrunfall BAD HOMBURG. Zu einem Auffahrunfall kam es bei einem Stau auf der Pappelallee. Zwei Fahrer hielten in Höhe der Eisenbahnbrücke an, aber ein dritter reagierte zu spät. An den drei Autos gab es Schaden in Höhe von 40 000 Mark.
"Erzählcafé"-Gastgeber Michael Fleiter ist studierter Philosoph und liebt seinen Schopenhauer. Besonders gern zitiert er die Sentenz, in der der knurrige Skeptiker (sinngemäß) festgestellt hatte, daß - wenn überhaupt - meist nur Menschen "im höheren Alter" dazu neigen, die Dinge philosophisch zu sehen. Fleiter: "Da hat er recht."
Ältere Menschen sind bereit, das habe er, der 43jährige, auf von ihm geleiteten Seminaren der Frankfurter "Uni des dritten Lebensalters" gelernt, "die Dinge etwas grundsätzlicher zu sehen" und von Sachzwängen und Alltagsproblemchen zu abstrahieren. Da gehe es um Fragen: Wie bin ich der geworden, der ich bin? Was hat mich dazu gemacht? Welche Rolle spielten Beziehungen? Ist das, was ich damals so hochgeschätzt habe, wirklich wichtig gewesen? Fleiter: "Als Antworten kriegt man dann Sachen zu hören, die man sonst nie hört."
Fleiter nutzt das aus, wenn er Erzähler rekrutiert. Und ihm kommt noch zupaß, daß ein zweites Phänomen zu schwinden scheint: "Früher in den 68er Zeiten hatten die Älteren eine merkwürdige Gedächtnisstarre. Das hat für uns deren Erinnerungen stigmatisiert. Wenn die was erzählt haben, hat man sie nicht für voll genommen: Das sei doch eh alles Schönfärberei. Das, glaube ich, ist vorbei. Meine Generation hört eher zu, und die Älteren sind eher bereit, Mitteilungen zu machen." Wobei Erzähler nicht gleich Erzähler ist. Fleiter unterscheidet nach zweijähriger "Café"-Feldforschung "verschiedene Typen des Erinnerns". Da gebe es den eitlen Erzähler, der die Szene dominiert; den nostalgischen, der rückhaltlos in der Vergangenheit schwelgt und seiner Vita auch märchenhafte Züge verleiht; den, der sich so sehr in das Erlebte hineinsteigert, daß er beim Erzählen von Rührung oder Empörung ergriffen wird.
Manche nehmen sich völlig zurück, geben nichts Persönliches preis, "schildern einfach nur, wie das damals war". Wieder andere machen das "verfälschende Gedächtnis" gar zum Thema, relativieren ihre Erinnerungen im Lauf des Vortrags und nehmen mögliche Kritik an ihren Erzählungen mit in die Geschichte.
Kontrastfigur hierzu ist der "Autopoet", der sich vor dem Publikum im Rothschildpark ein Leben neu erfindet, sich als Gestalt "im nachhinein" neu stilisiert. Meist, so Fleiter, geschehe das, um im gegenwärtigen Leben etwas zu kompensieren, "vielleicht besser über die Runden zu kommen".
Zu welchem "Erinnerer"-Typ zählt wohl Madlen Lorei, die "rasende" Polizeireporterin aus dem Frankfurt der 50er Jahre? Das stellt sich am heutigen Samstag, 23. Januar, heraus. Sie erzählt ab 16 Uhr im "Treffpunkt Rothschildpark", Oberlindau 20. peh
KRIFTEL. Es war "die friedlichste Sitzung seit einem Jahr", stellte der Grünen- Fraktionsvorsitzende Ingo Mehling am Ende staunend fest. Keine Redeschlacht um Kriftels skandalträchtige Vergangenheit; die Gemeindevertreter in ihrer Sitzung am Donnerstag abend vermieden weitgehend, den Namen des Untersuchungs-Häftlings und Bürgermeisters Börs auch nur in den Mund zu nehmen.
Die Debatte um den von der SPD beantragten Akteneinsichtsausschuß zu den Kosten der 1200-Jahr-Feier von 1990 war ebenfalls schnell vorbei: Die Legislaturperiode endet, sinnvolle Ausschuß-Arbeit ist nicht mehr möglich - das sahen auch die Sozialdemokraten ein.
Und fast nebenbei, mit nur zehnminütiger Aussprache, beschlossen die Gemeindevertreter einstimmig, einen Übergangs- Kindergarten in Leichtbauweise auf das gemeindeeigene Grundstück an der Königsteiner Straße zu stellen, bis das ehrgeizige Projekt "Haus des Kindes" in Engler verwirklicht ist. Denn die notwendigen Zuschüsse des Landes Hessen zu der geplanten Einrichtung mit Ganztagsbetreuung werden wohl noch eine Weile auf sich warten lassen.
Das Provisorium mit zwei Kindergruppen und insgesamt 310 Quadratmetern Nutzfläche soll 371 000 Mark kosten und höchstens fünf Jahre stehen. Im Haushaltsentwurf 1993 sind 100 000 Mark für den Bau und 100 000 Mark Miet- und Betriebskosten vorgesehen. Nun würden sofort die Stellen für die Erzieherinnen ausgeschrieben, kündigte Kriftels Erster Beigeordneter Paul Dünte (CDU) an; am 1. August sollen dann 40 neue Kindergartenplätze zur Verfügung stehen.
Die CDU-Fraktionsvorsitzende Lieselotte Linzner lobte den Standort des Kindergarten-Provisoriums am Rande des Neubaugebietes. Über Einzelheiten des Baus - etwa, ob das Fertighaus gemietet oder gekauft wird - und des Übergangs- Konzeptes müsse noch der Sozialausschuß der Gemeinde beraten. Besonders stolz sei man, daß man mit dem vierten Kindergarten in Kriftel die Gruppen klein halten könne: "Unsere Gruppen haben 20 Kinder, in Hofheim sind es bis zu 25. Wir sind im Kreis ein weißer Elefant."
Da wollte auch die SPD sich nicht verschließen: "Keine Frage, daß wir zustimmen", sagte die Sozialdemokratin Rosa Mohsler. Einzige Kritik: Die SPD hätte den Eingang lieber südwestlich als nordöstlich. md
ROSBACH. Bernd Schuck, Trainer, Coach und Teamchef der Herren-Regionalliga-Mannschaft beim Tennis- Park Rosbach, hat sein Amt nach sechsjähriger Tätigkeit aus beruflichen Gründen niedergelegt. Unter seiner Regie war die Mannschaft 1986 von der Verbands- in die Oberliga und drei Jahre später in die Regionalliga aufgestiegen.
Der südwestdeutsche Meistertitel und das Erreichen der Bundesliga- Aufstiegsrunde gehören zu seinen größten Erfolgen mit dem Tennis- Park Rosbach. rüb
OFFENBACH / MÜHLHEIM. Spätestens zu Ostern, und wenn es keinen klirrenden Frost gibt, wahrscheinlich sogar schon Ende März, können die Fußballer der SKG Rosenhöhe wieder auf dem städtischen Hartplatz an der Bürgeler Straße der Lederkugel hinterherjagen. Bürgermeister und Umweltdezernent Klaus Bodensohn, Umweltamtsleiter Rudolf Kaller und Gartenamtsleiter Uwe Domscheit haben die Sportstättenbaufirma ESPE beauftragt, den Platz wieder herzurichten.
Zwei Jahre lang war der Platz gesperrt, weil seine Oberfläche aus dem mit den krebserregenden Dioxinen und Furanen kontaminierten Kieselrot besteht. Rund 200 hessische Sportplätze waren in den 60er Jahren mit dem aus dem westfälischen Marsberg stammenden Kieselrot, einer in der Rüstungsindustrie des Zweiten Weltkriegs angefallene Kupferschlakke, gebaut worden.
Die Sanierung der Plätze dauerte deshalb so lange, weil sich die verschiedenen zuständigen Ministerien der Landesregierung nicht einig wurden, wie das Problem anzugehen sei und vor allem, wer die Kosten trägt, erklärte Bürgermeister Bodensohn. Die Landesregierung verlangte zunächst, daß das Kieselrot, das vor allem durch Verwehung über den Mund in die Atmungsorgane gerät, vollständig abgetragen und in unterirdische Deponien entsorgt wird. Keine Gemeinde aber mochte die Kosten dafür tragen. Die Deponiekosten für das Rumpenheimer Kieselrot hätten allein 1,2 Millionen Mark betragen.
Dann änderte die Landesregierung im August 1992 ihre Meinung: Das Kieselrot kann auf den Plätzen bleiben, weil die Experten herausgefunden haben, daß Dioxine und Furane nicht durch Regen ausgewaschen werden können und nicht ins Grundwasser gelangen. Der Platz und das Kieselrot werden nun mit einem Flies und mindestens zehn Zentimeter dicken Schichten aus Ölschiefer-Granulat abgedeckt. Das kostet die Stadt Offenbach nur noch 150 000 Mark.
Auf 70 000 Mark schätzt der Mühlheimer Erste Stadtrat Horst Lehr (SPD) die Kieselrotabdeckung auf der Laufbahn des Sportplatzes der Sportunion in Mühlheim. Den Auftrag für die Arbeiten hat der Magistrat bereits vergeben. In den ersten beiden Februarwochen soll die Folie ausgelegt werden. Später wird sie noch mit Erde abgedeckt. lz/pmü
GRÜNDAU. An einem Baum endete am Donnerstag nachmittag für zwei Autoinsassen die Fahrt von Büdingen Richtung Gründau. Beide wurden leicht verletzt.
Wie die Polizei mitteilte, war der Wagen auf gerader Strecke zunächst nach rechts auf den Seitenstreifen geraten. Der Fahrer übersteuerte und kam daraufhin nach links. Das Auto stellte sich quer, rutschte die Böschung herunter und kippte gegen einen Baum.
Der Pkw wurde total beschädigt. Schaden: 10 000 Mark. jan
SCHWALBACH. Leicht witzig und erfrischend: so soll das Programm des Berliner Palastorchesters sein, das am Dienstag, 2. Februar, um 20 Uhr im großen Saal des Bürgerhauses auftritt.
Auf Einladung des Vereins zur Pflege der Kammermusik und zur Förderung junger Musiker spielt die Band Schlager der 20er bis 40er Jahre. Der Eintritt ist frei. set
KELKHEIM. Über die Kunst, den Faden nicht nur mit der geeigneten Nadel, sondern auch am rechten Platz zu führen, gibt ein Nähkursus der Elternschule Taunus am Mittwoch, 3. Feburuar, die entsprechende Anleitung. Beginn ist um 18.30 Uhr in der Nähstube in der Unterkirche von Sankt Dionysius, Am Kirchplatz 11.
Der Kursus richtet sich vor allem an Jugendliche. Melitta Schmitz leitet das Seminar, an dem Anfänger und Fortgeschrittene teilnehmen können. Anmeldungen nimmt sie unter der Rufnummer 0 61 95 / 46 97 entgegen. schu
BIEBERGEMÜND. Mit dem neuen Jahr ist bei der Krankenpflegestation Biebergemünd ein neues Kapitel aufgeschlagen worden. Die vor 13 Jahren gegründete soziale Einrichtung, bisher in Trägerschaft des Caritasverbandes der Diözese Fulda, gehört seit dem 1. Januar zum Zuständigkeitsbereich des Deutschen Roten Kreuzes in Gelnhausen.
Nach Angaben des DRK-Geschäftsführers Rolf Rudnik wird sich trotz der Organisationsänderung am Betreuungsangebot nichts ändern. Die Qualität der Arbeit und der Versorgungssituation der Patienten blieben unverändert. Dies gelte auch bei der seelsorgerischen Funktion, laut Rudnik, "oftmals wichtiger als eine helfende Spritze".
Garant dafür, daß die Arbeit wie bisher weitergeführt wird, ist Irene Huth. Die langjährige Mitarbeiterin wird auch unter dem DRK von der Station im Gemeindezentrum Wirtheim aus ihren Dienst tun. Caritasdirektor Peter Hauser lobte sie als "ruhig, zuverlässige und gewissenhaft". Auch Pfarrer Josef Jilek von der Kirchengemeinde St. Peter und Paul freute sich, daß Irene Huth der Gemeinde und den Patienten erhalten bleibe.
Bürgermeister Thomas Dickert sprach im Zusammenhang mit dem Trägerwechsel von einer letztendlich "notwendigen Gebietsreform im Bereich der ambulanten Dienste". Die Kommune sei sich ihrer damit verbundenen Verpflichtung bewußt, zumal "veränderte Familienstrukturen ein leistungsfähiges Versorgungssystem an häuslicher Pflege erfordern".
Der Diözesan-Caritasverband plant nach Angaben von Hauser für die kommenden Jahre die Bildung von regionalen Arbeitsgemeinschaften mit dem DRK. jan
BAD HOMBURG. Mit allgemeiner Fotografie, die Sekunden der Realität für die Erinnerung abbildet, haben die Bilder nichts mehr zu tun, die in der Ausstellung "Europäischer Fotopreis" in der Englischen Kirche zu sehen sind. Kunsthistoriker Gerhard Glüher bezeichnet sie als "Inszenierungen", die erklärt werden müssen, damit der Betrachter sie versteht. Den unbefangenen Kunst- und Fotofreund sollte diese These nicht abschrecken: Die Bilder der 16 Fotokünstler sind gegensätzlich, originell und faszinierend. Sie erschließen sich dem Betrachter nach kurzer Zeit, wenn er nicht verlernt hat, genau hinzuschauen.
Anlaß der Ausstellung ist der Preis, den die ,Deutsche Leasing&rquote; bereits zum achten Mal an junge europäische Künstler vergab, "um die junge fotografische Kunst in Europa zu fördern und Künstler und Künstlerinnen in der Frühphase ihrer Karriere zu unterstützen."
Die Jury hat den ersten Preis für 1992, dotiert mit 20 000 Mark, der Österreicherin Eva Schlegel zugesprochen. Sie benutzt historische Fotos, die nur noch als Schemen hinter einer Schicht aus Blei, Graphit und Glas zu sehen sind oder ganz verschwinden. Negativbilder, die neue Zusammenhänge aufzeigen.
Der Pole Mikolaj Smoczynski bekam den zweiten Preis (10 000 Mark) für eine Serie, die er die "Geheime Performance" nennt. Die Bilder gehen auf das Jahr 1983 zurück, als die polnischen Künstler angesichts der Kriegsrechte, das über das Land verhängt war, zurückzogen: Smoczynski fotografierte in seinem Studio auf schwarzem Boden Staubstreifen, verschüttetes Wasser und durchs Fenster fallendes Licht. Er vergrößerte die Schwarzweiß-Fotos auf das Format riesiger Gemälde. Die Bilder wirken in der Tat wie bemalte Leinwände.
Ganz anders die Fotos des dritten Preisträgers (5000 Mark) Erasmus Schröter aus Hamburg, der die grauen Überreste des Atlantikwalles in farbiges Licht tauchte und dem kriegerischen Bauwerk neue, künstlerische Dimensionen gibt.
Nicht nur die preisgekrönten Bilder der Ausstellungen lohnen den Besuch, alle 16 Fotografen zeigen soviel Individualität, daß das Anschauen eine Reise für die Augen ist. Beispielsweise die mit Humor inszenierten Fotos des Spaniers Valentin Vallhonrat. Seine Tierszenen mit galoppierenden Büffeln oder röhrenden Hirschen wirken wie mitten aus dem tierischen Leben gegriffen. Doch die Bilder sind täuschend: Aufgenommen hat sie der Spanier im New Yorker Naturkundemuseum, wo riesige Panoramen mit ausgestopften Tieren Tausende faszinierter Besucher anlocken. Die illusionistischen Darstellungen sind so fotografiert, als stünde der Fotograf neben den Tieren. Raffinierte Künstlichkeit und Parodie, die durch die altertümlichen Rahmen noch verstärkt wird.
Die Ausstellung dauert bis zum 10. Februar geöffnet, dienstags bis freitags von 12 bis 19, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. HEITKEN SCHWARZENAU
Hausfrauen, Rentner und andere Teilzeit-Jobber, die knapp unterhalb der Sozialabgaben-Freigrenze verdienen, müssen künftig aufpassen, daß sie nicht vom Finanzamt abkassiert werden. Allerdings nur diejenigen, die der Steuerklasse V und VI angehören. Wer hingegen unter die Gruppen I bis IV fällt, wird nach der neuen gesetzlichen Regelung ohnehin bis zu einem Jahreseinkommen von 12 000 Mark für Alleinstehende (19 000 Mark für Verheiratete) steuerbefreit.
Die Verdienstgrenze für die erstgenannten wurde zwar in diesem Jahr um 30 auf 530 Mark Monatsverdienst angehoben. Doch es kann böse Überraschungen geben, wenn der Arbeitgeber diese Höchstsumme wirklich bezahlt. Der Grund: Die Einkommensgrenze, bis zu der steuerfrei verdient werden kann, wurde vom Bonner Finanzministerium nicht etwa parallel mitangehoben. Dort heißt es dazu, dies sei "nicht geplant". Das bedeutet, daß der Grenzwert für die Besteuerung der Einkünfte aus solchen Jobs unverändert bei 520 Mark liegt. In solchen Fällen kann der Arbeitgeber weiterhin pauschal 15 Prozent Steuern für den Lohn überweisen.
Zahlt der Chef seinen Teilzeitkräften hingegen 530 Mark monatlich, müssen die Beschäftigten ihre Steuerkarte vorlegen. Da der Grenzbetrag von 520 Mark überschritten wird, schlägt der Fiskus spätestens bei der Betriebsprüfung zu. Der Verdienst wird dann "auf Brutto hochgerechnet".
Dadurch kann sich beispielsweise folgender Fall ergeben: Angenommen einer Teilzeitkraft mit Steuerklasse V sind 530 Mark Lohn im Monat "netto" zugesichert, dann errechnet sich daraus ein steuer- und sozialabgabenpflichtiger Bruttolohn von 775 Mark monatlich. Davon muß der Arbeitgeber plötzlich 115,41 Mark Lohn- plus 10,38 Mark Kirchensteuer an das Finanzamt bezahlen. Bei einem Beitragssatz von 13,2 Prozent fallen für die Krankenversicherung 51,15 Mark an sowie 68,59 für die Rentenversicherung. Insgesamt muß der Arbeitgeber also 119,74 Mark an die Sozialversicherung abführen.
Das ergibt zusammen Mehrkosten von fast 300 Mark im Monat pro Teilzeitkraft, die allein der Arbeitgeber bezahlen muß. Deshalb lohnt es sich, den Verdienst auf 520 Mark zu begrenzen. Dann besteht Sozialabgabenfreiheit, und der Lohn kann pauschalversteuert werden. bü
HOCHTAUNUSKREIS. 107 Seiten Schlußbericht, 124 Seiten Erläuterungsbericht und gut 80 Seiten Bericht über die Tätigkeit des Rechnungsprüfungsamtes - seit Donnerstag durchforsten die Kreistagsabgeordneten die Arbeitsergebnisse der Rechnungsprüfer für 1990. Viel Wahlkampfmunition wird die Opposition allerdings nicht finden, abgesehen von der umstrittenen 80 000-Mark-Renovierung des Zimmers 407 im Landratsamt.
"Ich halte sie für gering", urteilt Landrat Jürgen Banzer (CDU) über die Zahl der Beanstandungen. Schließlich umfaßte der Etat damals gut 300 Millionen Mark. Großen Schaden, der dem Kreis und den ihn finanzierenden Steuerzahlern entstanden wäre, spürten die Prüfer nicht auf.
So wurden die Bauarbeiten an der Bad Homburger Kaiserin-Friedrich-Schule zwar rund 141 000 Mark teurer als veranschlagt - die Rechnungsprüfer rügen jedoch nicht die Endkosten (diese liegen immer noch unter der Schätzung des Architekten), sondern daß das Angebot der Baufirma zu niedrig angesetzt war. Der Kreisausschuß hat diesem Urteil in seiner diese Woche beschlossenen Stellungnahme widersprochen.
Demnach waren Lohn- und Preissteigerungen von 89 000 Mark entgegen der Prüfersicht für die Baufirma nicht vorhersehbar, sondern durch einen rund neun Monate verspäteten Baubeginn verursacht. 52 000 Mark der Mehrkosten für Bauänderungen, die der Boden nötig machte, sind sowieso unstrittig.
Hinweise auf Korruption fanden sich laut Banzer bisher nicht, auch wenn die beauftragte Baufirma in den Bestechungsskandal verwickelt ist. Der Bau wird dieses Jahr noch fachtechnisch überprüft wie alle Projekte des Kreises, die 1991 fertig wurden.
Auch bei einer gewaltigen Kostenüberschreitung von 235 Prozent beim Umbau des Schusterbaus an der Kronberger Grundschule monieren die Prüfer nicht, daß der Kreis am Ende zuviel gezahlt habe. Sie bezweifeln nur, ob die ursprüngliche Ausschreibung vollständig war.
Bei der Ausstellung "2000 Jahre Taunus" ist dem Kreis jedoch ein Schaden von 17 500 Mark entstanden - vielleicht. Zu klären ist der wahre Sachverhalt nämlich nicht, da dazu Aussagen des früheren Vizelandrats Hans-Joachim Galuschka nötig wären, und der fällt wegen seiner Verwicklung in den Bestechungsskandal aus. Das Institut "Terra incognita" hat für seine Ausstellungsarbeit jedenfalls 119 000 Mark erhalten - 17 500 Mark mehr, als der schriftliche Vertrag vorsah. Dies lag eventuell jedoch auch an zusätzlichen mündlichen Abmachungen.
Freiwillig wollen die Ausstellungsmacher das Geld nicht zurückzahlen, eine Klage hält das Kreisrechtsamt für "wenig aussichtsreich". Verdient hat "Terra inkognita" an der Ausstellung dennoch nicht, wie eine Kostenaufstellung Banzer bewies: "Der Verein hat Miese gemacht."
Auch der Kreis hat eindeutig Miese gemacht - bei der Asbestsanierung der Kronberger Altkönigschule. Während diese ausgelagert war, verschwanden aus abgedichteten Schränken Unterrichtsmaterialien vor allem für Biologie, Physik und Chemie für 25 000 Mark.
Ein eindeutiger Nachweis dieser Summe war mangels Bestandslisten der "angeblich entwendeten Gegenstände" laut Kreisausschuß ebenso unmöglich wie die Ermittlung der Diebe: "In dieser Zeit waren die Räume allen Handwerkern, aber auch allen Lehrkräften zugänglich."
Das beauftragte Entsorgungsunternehmen kürzte seine Rechnung dennoch freiwillig um 5010,52 Mark - die Gesamtkosten der Asbestsanierung aller Schulen im Kreis von 50 Millionen Mark erhöhte sich also um 20 000 Mark. stk
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Die Uferpromenade des dicken Hermann
Wie Frankfurts Straßen neue Namen bekamen
Man ahnt: Die Stadtväter und ihre amerikanischen Besatzungsoffiziere hatten 1945 einiges zu tun. Unter anderem beim Straßen-Umbenennen. Eine Aufgabe, vor der ja noch unlängst viele Gemeinden in den neuen Bundesländern standen. Dem Vernehmen nach fand mancherorts eine tabula-rasa-Aktion statt: Da wurde nicht nur die Lenin-Allee umgetauft, bei der Gelegenheit verschwand auch so mancher Widerstandskämpfer gegen den Faschismus sang- und klanglos. Ähnlich war hier und andernorts das Sträßchen-Wechsel-Dich- Spiel nach 1933 und dann wieder 1945.
Im Adreßbuch von 1940 kommt man
etwa der Hindenburgstraße auf die Spur,
die jetzt Ludwig-Landmann-Straße heißt
und in deren Nähe man an "Große Zeiten"
erinnerte, als wir noch Kolonien hatten:
Lettow-Vorbeck-Straße, Guineastraße,
"Kronprinzenstraße" sagen manche ältere Leute heute noch für die Münchner Straße. Wer aber erinnert sich, daß die Universitätskliniken, Theodor-Stern-Kai, einstmals am Skagerrak-Ufer lagen (nach der Panzerkreuzer-Schlacht von 1916)? Der unsägliche "Platz der SA" ist wieder der Börsenplatz. Stresemann bekam seine Allee zurück, aus der ihn Kaiser Wilhelm I. vertrieben hatte. Aus der Nähe des Messegeländes verschwanden die "Flieger-Asse" des Ersten Weltkrieges Richthofen, Immelmann und Boelcke.
Wie überhaupt 1945 - verständlicherweise - der große antimilitaristische Rundschlag begann: Namen wie Blücher, Gneisenau, Clausewitz, Lützow, Moltke und natürlich Ludendorff verschwanden. Tabula rasa schon damals: Da mußten auch gleich Seefahrt-Poet Gorch Fock und Vasa-König Gustav Adolf dran glauben. Letzterer gab zuvor einem Rund den Namen, das heute nicht etwa Schweden-, sondern Schweizer Platz heißt. Warum aber wurde gar aus dem Washingtonplatz der Diesterwegplatz? Weil der erste US- Präsident auch "General of the Armies" war - oder weil die Besatzer diesen Namen nicht durch einen deutschen Ort beschmutzen lassen wollten? Der Antrag jedenfalls, den Platz nach Washington zu benennen, war schon 1932, vor der "Machtergreifung" der Nazis, erfolgt.
Als erstes waren von den Nazis die jüdischen Namen getilgt worden, wie der oben erwähnte Theodor Stern, wie Emil Claar, Emil Sonnemann und viele mehr. Josef Haydn mußte seinem Kollegen Mendelssohn die Straße im Westend wegnehmen, die dieser 1945 wiederbekam - so ist dem Komponisten bis heute keine Frankfurter Straße gewidmet.
Die zur NS-Zeit nach dem 1922 verstorbenen ehemaligen Archivdirektor Rudolf Jung benannte Straße erinnert heute wieder an Heinrich Heine. Der Antrag, die Sophien-, Luisen- und Mathildenstraße umzubenennen, war 1933 vom Magistrat abschlägig beschieden worden; mit dem Hinweis, es sei nicht erkennbar, daß die Straßen nach Jüdinnen benannt worden waren. Nur die Erläuterung an den Straßenschildern wurde geändert. Statt "Mitglieder der Familie Rothschild" stand da nun: "Benannt nach weiblichen Personen . . ." Ein "professioneller" Zeitzeuge erinnert sich noch gut an die Umbenennungsorgien der 30er Jahre und der Nachkriegszeit: Dietrich Andernacht, langjähriger Direktor der Stadtarchivs. Die Liste der um- und zurück benannten Straßen füllen ein dickes Buch aus seiner Feder. Vor dieser Aufgabe standen nach dem Krieg nicht nur die Frankfurter, sondern Tausende von deutschen Gemeinden. Wobei einige nicht ganz mit der Frankfurter Akribie vorgingen: Als Andernacht 1951 nach München fuhr, konnte er seine dortigen Kollegen darauf aufmerksam machen, daß eine Seitenstraße voller Trümmergrundstücke nach wie vor "Rudolf-Heß-Straße" hieß; was die Münchner verschämt änderten . . . kick
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KREIS OFFENBACH VII
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MRHEIN-MAIN 11
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HOCHTAUNUSKREIS
HOCHTAUNUS V
HOCHTAUNUS VII
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STADT UND KREIS OFFENBACH 12
NRHEIN-MAIN V
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KULTURSPIEGEL 23
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WETTERAUKREIS II
MAIN-TAUNUS-KREIS III
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Herausgeber und Chefredakteur: 1946-1973 Karl Gerold
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BÜCHER VON HEUTE 7
BERICHT
HÖCHST UND WESTLICHE FRANKFURTER STADTTEILE II
FRANKFURTER STADTRUNDSCHAU 22
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NEU-ISENBURG · DREIEICH · LANGEN · EGELSBACH III
MAIN-KINZIG-KREIS III
Wissenschaftler haben fossile Abdrükke der Alge "Grypania spiralis" in 2,1 Milliarden Jahre alten Gesteinsschichten in einem Tagebau im US-Bundesstaat Michigan entdeckt. Ihr Fund verschiebt das erste Auftreten der Eukaryonten, zu denen alle höheren Organismen wie grüne Pflanzen, Tiere und Menschen gehören, um fast eine Milliarde Jahre zurück. Bislang glaubten Biologen, daß die Erde seit der Entstehung des Lebens vor dreieinhalb bis vier Milliarden Jahren über zwei Milliarden Jahre lang ausschließlich von Bakterien beherrscht wurde.
Obwohl die bereits vor Millionen von Jahren ausgestorbene Alge ein einzelliger Organismus war, hatte sie enorme Ausmaße: "In Form eines Korkenziehers wuchs die Spaghetti-ähnliche Zelle zu einem halben Meter Länge heran, bei einem Durchmesser von zwei Millimetern", schrieben Tsu-Ming Han von der Cliffs Mining Services Company in Ishpeming/Michigan und Bruce Runnegar von der University of California in Los Angeles im amerikanischen Wissenschaftsmagazin "Science" (Vol. 257, S. 232).
Ein Eukaryont ist ein Organismus mit einem echten Zellkern. Bakterien, die einen solchen Zellkern nicht besitzen, werden als Prokaryonten bezeichnet. Die älstesten bisher bekannten Eukaryonten haben vor kaum mehr als einer Milliarde Jahren gelebt. fwt
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FRANKFURTER STADTRUNDSCHAU 18
Kollektive Balanceakte Die Geschichte des Théâtre du soleil
Seit 1970 hat das Théâtre du soleil seinen festen Sitz in der ehemaligen Munitionsfabrik, der "Vieux Cartoucherie" in Paris-Vincennes. 1984 gelang der internationale Durchbruch mit dem Shakespeare-Zyklus, der im gleichen Jahr auch auf den Berliner Festspielen gezeigt und stürmisch gefeiert wurde. Nicht minder gerühmt, wenn es auch schon kritische Stimmen gegen den "kulturellen Eklektizismus" des Soleil gab, wurde die nächste und jüngste Produktion, die Atridentrilogie. Simone Seym zeichnet aus intimer Kenntnis - sie war zeitweilig Mitarbeiterin am Soleil - die Geschichte dieses ungewöhnlichen Theaters nach, von den Anfängen als Studententheater in den sechziger bis zum Shakespeare-Zyklus der achtziger Jahre, was vor allem heißt: die Geschichte seiner Organisatorin, künstlerischen Leiterin, Autorin, ja "Seele" des ganzen Unternehmens Ariane Mnouschkine.
Die Eigenart der Produktionen wird als Folge der jeweils gefundenen Arbeitsorganisation deutlich: immer neue, nicht wiederholbare Balance-Akte zwischen "living theater" (totales Hereinholen des Theaters in das Leben einer Gruppe) und arbeitsteilig organisiertem Berufstheater mit breitem Stückrepertoire. Das Théâtre du soleil ist eine Gemeinschaft von Künstlern, die ihre Arbeit kollektiv organisieren, starre Funktionszuweisungen nicht kennen, sich zugleich aber der optimierenden hierarchischen Lenkung Mnouschkines anvertrauen und auf diese Weise schon seit zwei Jahrzehnten erfolgreich arbeiten. Sie können Produktionen vorweisen, die weltweit Erfolg errangen und dies alles ohne die für deutsche Verhältnisse scheinbar unverzichtbare üppige staatliche Subvention.
Seym fragt nach den Grundlagen dieser Theaterarbeit und Theatererfolge, ordnet das Soleil in die Geschichte des französischen Volkstheaters ein, behandelt dann die Öffnung des Soleil für die politischen Umbrüche der sechziger Jahre, was sich thematisch anzeigt (die Inszenierung von Weskers Küche und die beiden Produktionen zur Französischen Revolution: 1789 und 1793, aber mehr noch in den Arbeitsformen (den "créations collectives). Weiter fragt Seym nach der Bedeutung Brechts für das Soleil und zeigt auf, daß die Brecht-Rezeption über Sartres distanzierende Anerkennung Brechts erfolgte. Zur Sprache kommt weiter die Orientierung des Soleil an Theaterrevolutionären (in der französischen Tradition Artaud, in der russischen Meyerhold und Stanislawski) und die intensive Rezeption des fernöstlichen Theaters: Indiens (Kathakali) und Japans (Nô und Kabuki). Immer wieder, wie dies wohl für jede europäische Erneuerung des Theaters unumgänglich ist, sind auch Formen produktiver Aneignung der Commedia dell'arte zu benennen (die in Frankreich ja, seit Molière, eine lange Tradition hat). So entsteht eine sehr nützliche Faktensammlung, die ihre deutliche Grenze aber im analytischen Anspruch hat.
Die genannten Theatertraditionen und -konzepte, die das Soleil aufgreift, werden kaum mehr als schlagworthaft charakterisiert, die Beschreibung der Produktionen verharrt bei vagen, oft phrasenhaften Kennzeichnungen. Es fehlt insbesondere ein Ansatz, die spezifische Art der Zeichenbildung auf dem Theater, die das Soleil praktiziert, zu bestimmen, also eine Semiotik des Theaters als theoretischer Bezugspunkt. So entstehen auch Verzeichnungen oder können Illusionen der Arbeit des Soleil nicht benannt werden. Auf Artauds Theatervisionen zum Beispiel läßt sich die Autorin nicht ernsthaft ein, so daß offen bleibt, ob Mnouschkines Berufung auf Artaud oberflächlich ist oder die Verfasserin diese nur nicht zu bestimmen wußte. Artauds Forderung, die Unterwerfung des Theaters unter den Text zu durchbrechen, ein Theater zu schaffen, das nicht dem Prinzip der Repräsentation gehorcht, vielmehr wie der Kult mythische Gegenwart erzeugen will, ist mit dem gestischen Theater Brechts nicht zu vereinbaren. Hier wäre zu fragen, wie weit sich Mnouchkines Theater auf wechselseitig Unvereinbares beruft.
Auch die Rezeption des Kathakali-, Nô- und Kabuki-Theaters bleibt theatersemiotisch unzureichend bestimmt. Desgleichen wird der Bezug zur Commedia dell'arte nur schlagworthaft immer wieder beschworen. Die Commedia dell'arte ist eine antibürgerliche Kunstform. Sie gründet in einem Bündnis von Volk und Adel. Wenn von der Commedia dell'arte nicht nur äußerliche Momente übernommen werden, muß diese antibürgerliche Grundtendenz mitvollzogen werden, was zum Beispiel die intensive Rezeption der Commedia dell'arte im 20. Jahrhundert erklärt. Obwohl die Verfasserin die Theaterarbeit des Soleil - zu Recht - als immer auch politisch begreift, erörtert sie diesen Bezug nicht. Ähnlich wäre zu fragen, ob man Nô, Kabuki, Kathakali so einfach in westliches Theater transponieren kann.
Hier bleiben die Fragen Seyms aus, möglicherweise wäre sie hier an den "blinden Fleck" des Theâtre du soleil gelangt: zur Gefahr, daß das vielfältige Zitieren und Montieren von Theaterstilen und Konzepten ganz unterschiedlicher historischer und kultureller Provenienz kunstgewerblich wird, nur noch Voyeurismus bedient. Bisher vermochte das Soleil diese Gefahr zu bannen: indem es dem Takt Mnouchkines vertraute und der kollektiven Arbeit, die jeweils gefundene szenische Lösungen langer und intensiver Überprüfung aussetzt und indem es als Integrationsmoment der Zitate zum Prinzip fand - einem Geheimnis wohl jeder herausragenden Theaterproduktion -, daß Theaterschaffen immer auch Erzählen der Geschichte des eigenen Theaters ist.
Das Kapitel über das Shakespeare-Projekt - immer wieder als Höhepunkt der Arbeit des Soleil angekündigt - enttäuscht besonders. Die Stücke selbst werden bloß paraphrasiert, das Problem der Shakespeare-Übersetzung wird mit einem längeren Zitat des Shakespeare- Übersetzers Erich Fried und einer recht oberflächlichen Aneignung von Brechts Begriff der "gestischen Sprache" abgetan, die Beschreibung der Produktionen selbst erschöpft sich im Festhalten einzelner Eindrücke.
Das Buch ruft auch die grundsätzliche Schwierigkeit von Theatergeschichte in Erinnerung. Sie ist auf etwas bezogen, das zum Vergänglichsten gehört, da jede Aufführung ein Unikat ist. Einen gewissen Ersatz stellen die zahlreichen Fotos der Theaterfotografin Martine Franck dar, einem Gründungsmitglied des Soleil. Aber: die Fotos bleiben bloße Zugabe, statt daß sie theatersemiotisch analysiert würden und diese Erkenntnisse in die Darstellung der jeweiligen Produktionen argumentativ eingebracht würde. Es ist erfreulich, daß mit diesem Band die Arbeit des Theatre du soleil dokumentiert ist, die Darstellung bleibt aber im wesentlichen bloß beschreibend, gelangt kaum zur Analyse. BERNHARD GREINER
Simone Seym: Das Théâtre du soleil. Ariane Mnouschkines Ästhetik des Theaters. Metzler Verlag, Stuttgart, 1992, 264 Seiten, 49 Abb., 68 DM.
MÖRFELDEN · WALLDORF · KELSTERBACH · KREIS GROSS-GERAU VI
WIESBADEN VI
OBERURSEL · STEINBACH · KRONBERG · KÖNIGSTEIN VII
Der Umgang mit Pestiziden aus der Gruppe der organischen Phosphorverbindungen (Organophosphate) scheint wesentlich gefährlicher zu sein, als bisher angenommen wurde. Noch zwei Jahre nach überstandener akuter Vergiftung wurden jetzt mit Hilfe neuropsychologischer Tests bei den Überlebenden Störungen wichtiger Hirnfunktionen nachgewiesen. Eine Studiengruppe über die gesundheitlichen Auswirkungen von Pestiziden an der Universität Washington und der angesehenen Mount Siena School of Medicine in Seattle berichtete darüber in der Medizinerzeitschrift "Lancet" (Band 338, no. 8761, S. 223).
Die Untersuchungen bestätigten damit bereits vor 30 Jahren geäußerte Befürchtungen über die Langzeitgefahren der Organophosphate. Diese Mittel haben in der Schädlingsbekämpfung die chlorierten Kohlenwasserstoffe (zum Beispiel DDT) abgelöst, die aufgrund ihrer Anreicherung im Fettgewebe nicht mehr angewendet werden. Im Gegensatz zu den chronischen Auswirkungen ist die Gefahr einer akuten Vergiftung mit Organophosphaten, die über Atemluft und Haut ins Blut gelangen, lange bekannt. Die Organophosphate haben den gleichen Wirkungsmechanismus wie die gefürchteten Nervengifte Tabun, Sarin und Soman. Nervengift und Insektenvertilgungsmittel erhöhen die Konzentration von Acetylcholin in der Nähe bestimmter Nervenendigungen (Synapsen). Acetylcholin hat die Funktion eines Botenstoffes (Neurotransmitter). Er überträgt die Signale von einer Nervenzelle auf die nächste.
Um eine Daueranregung zu verhindern, wird Acetylcholin von einem speziellen Enzym, der Acetylcholinesterase, nach der Freisetzung aus den Nerven sofort zerlegt. Die Organophosphate hemmen dieses Enzym. Acetylcholin kann nicht mehr abgebaut werden. Mit jeder Nervenentladung erhöht sich die Konzentration am synaptischen Spalt. Es kommt zu einer Übererregung der nachfolgenden Nerven. Dies äußert sich in Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit, Bauchschmerzen, Sehstörungen und Schweißausbrüchen. Zur Behandlung wird Atropin eingesetzt. Dennoch schweben die Vergifteten bis zu 24 Stunden lang in Lebensgefahr. Danach, so die weit verbreitete Ansicht, sei aber nicht mehr mit Spätfolgen zu rechnen.
Dem widerspricht die Gruppe um Linda Rosenstock jetzt heftig. Die Umwelt- und Arbeitsmediziner untersuchten zusammen mit Psychiatern 36 Landarbeiter, die vor etwa zwei Jahren wegen einer akuten Vergiftung in einer Klinik des lateinamerikanischen Staates Nicaragua notfallmäßig behandelt werden mußten.
Sie fanden in den meisten neuropsychologischen Tests deutlich schlechtere Ergebnisse als bei anderen, nicht verunglückten Landarbeitern: Die Reaktionszeit war verlängert, die Aufmerksamkeit herabgesetzt. Die Arbeiter konnten sich vorgezeigte Bilder schlechter merken, in kleinen Fingerübungen waren sie deutlich langsamer als Gesunde. Von insgesamt zwölf verschiedenen Tests deuteten sechs auf einen chronischen Gehirnschaden.
Die Ergebnisse könnten deutliche Auswirkungen auf den Umgang mit den Insektiziden haben. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt die weltweite Zahl schwerer Vergiftungen auf jährlich drei Millionen. Davon verlaufen 330 000 tödlich. Fast alle Unfälle, nämlich 99 Prozent, entfallen auf die Entwicklungsländer. Dort werden die Warnhinweise besonders häufig ignoriert oder die Landarbeiter nicht richtig informiert. Zusammen mit den leichteren Vergiftungen wird die Zahl der Zwischenfälle auf insgesamt 25 Millionen geschätzt. Genaue Angaben gibt es jedoch nicht. Es wird angenommen, daß sich die Zahl in den nächsten Jahren weiter erhöht. Die weltweite Produktion an Pestiziden hat sich in den Jahren von 1955 bis 1985 verzehnfacht. fwt
HESSEN 24
LKALSPORT VII
NEU-ISENBURG · DREIEICH · LANGEN · EGELSBACH IX
BAD VILBEL · KARBEN · ROSBACH · WÖLLSTADT · NIDDATAL · FLORSTADT 3
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Regenschauer / bis 11 Grad
Satellitenbild vom 21. Januar. Ausführlicher Wetterbericht im Lokalteil.
NACHRICHTEN 2
MAIN-KINZIG-KREIS VII
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FRANKFURTER STADTRUNDSCHAU 22
WISSENSCHAFT UND TECHNIK 6
Das bekannte Buch über den Rheingau ist in seiner sechsten überarbeiteten und erweiterten Auflage erschienen. "Wo's Sträuß'che hängt, werd ausgeschenkt", der Wegweiser für Weinfreunde entlang der Rheingauer Riesling-Route, wurde seit seinem ersten Erscheinen im April 1977 schon rund 50 000mal verkauft.
In dem Werk beschreiben die Autoren Hans Ambrosi, Gerhard Becker und Ursula Holschier 191 Straußwirtschaften, Gutsausschänken, Probierkeller und Restaurants mit eigenen Weinen in dem Anbaugebiet vor den Toren Wiesbadens. Im Vergleich zur Auflage von 1989 sind mehr als 30 solcher "Trinkstellen" hinzugekommen; der Rheingau verfügt über das dichteste Netz dieser Wirtschaften. Zeichnungen und Gedichte der Rheingau-Autorin Hedwig Witte runden den Text ab.
Hedwig Witte, Hans Ambrosi: "Wo's Sträuß'che hängt, werd ausgeschenkt", Verlag Wiesbadener Kurier, 16,80 Mark.
WIRTSCHAFT 13
OBERURSEL · STEINBACH · KRONBERG · KÖNIGSTEIN III
BAD VILBEL · KARBEN · ROSBACH · WÖLLSTADT · NIDDATAL · FLORSTADT VII
BAD VILBEL · KARBEN · ROSBACH · WÖLLSTADT · NIDDATAL · FLORSTADT VIII
H ollywood, Hollywood, never been a place people had it so good", sang der bankrotte Produzent in Wim Wenders "Der Stand der Dinge". Es ist ein fernes Echo des Galgenhumors, den jene entwickelten, die der Nationalsozialismus aus Europa in ein "tahiti in großstadtform" trieb, in "nuttige kleinbürgervillen" (Bert Brecht), zweifellos bequemer als Moskauer Hotels. Das "Escape to Life", wie Klaus Mann die Emigration nannte, führte Weimar nach Hollywood: Von Adorno und Brecht über Döblin, Feuchtwanger, Fritz Lang und die Gebrüder Mann bis zu Schönberg (s. Foto), Strawinsky, Wilder oder Zinneman. Das Elend neben den Karrieren, die Verzweiflung neben der Produktivität, die ins Exil exportierten Grabenkriege und Animositäten, all dem kann man nun abseits der akademischen Exilforschung vorort nachspüren. Cornelius Schnauber, der seit langem Germanistik an der University of Southern California in Los Angeles lehrt, hat einen Reiseführer geschrieben, der zugleich ein Geschichtsbuch ist - eine Reise durch Vergangenheit und Gegenwart, die offene Augen und weitgespannte Phantasie verlangt, weil in Hollywood, der Stadt aus Glitter, Flitter und Zelluloid, das Gestern oft nur aus dem Beton von Parkplätzen und Banken besteht. Auf den Autofahrten kann man sich zwischendurch die Beine vertreten, bei einem Blick auf Salka Viertels Haus im Santa Monica Canyon, einst der Ort mit den einzigen bequemen Sesseln in ganz LA und den einzig interessanten Debatten, auf Feuchtwangers Villa Aurora und Marlene Dietrichs diverse Domizile in Beverly Hills. Schnaubers Buch ist ein verläßlicher Guide voller Adressen, Anekdoten und manch rarem Foto, dessen Bibliographie zugleich enthält, was einer lesen könnte, der gerade nicht zwischen Sunset Boulevard und Chateau Marmont umherfährt oder -spaziert. In einer Zeit, wo die eine Vergangenheit nicht vergehen und die andere unter sich begraben will, ist dieses freilich auch ein trauriges Buch. Die "Undeutschen", von denen einige auch als "unamerikanisch" gelten sollten, erinnern an jene kosmopolitische Kultur, die nach 1945 hierzulande nie wieder Fuß gefaßt hat. Deshalb führen die "Spaziergänge" durch einen so realen wie imaginären Ort: durch "die größte kulturelle Diaspora der Weltgeschichte". PETER KÖRTE Cornelius Schnauber: Spaziergänge durch das Hollywood der Emigranten. Arche Verlag, Zürich 1992; 167 Seiten, 32 DM.
MAIN-KINZIG-KREIS VIII
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Redaktion: Heitken Schwarzenau
MAIN-KINZIG-KREIS II
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NACHRICHTEN 4
NACHRICHTEN 5
FEUILLETON 7
Mit Müll geht der umweltbewußte Bürger nicht mehr sorglos um. Mancher hat sich schon zum Entsorgungsexperten entwickelt, der sorgfältig alles vorsortiert, was an Abfällen so anfällt. Dafür benötigt er etwa zehn Spezialbehälter, ganz besonders Penible kommen damit nicht einmal aus. Allein beim Plastikmüll sind die Arten nach dem Grad der Giftigkeit auseinanderzuhalten.
Mindestens ebenso kompliziert ist die Entsorgung von seelischem Müll. Sage niemand, ihm läge nicht hin und wieder eine Zentnerlast auf dem Herzen. Wohin damit? Die einfachste Lösung, alles beim Partner abzuladen, ist problematisch. Auch der oder die Liebste hat nur eine begrenzte Aufnahmekapazität. Rücksichtslose schütten ihr Herz sogar im Berufsalltag aus und mißbrauchen Kolleginnen oder Kollegen als seelische Mülleimer. Davon könnten auch Barkeeper, wären sie nicht so verschwiegen, ein Lied singen.
Beichtväter sind als professionelle Seelen-Entsorger anerkannt. Oder Psychiater. Diese sind freilich gerade im Herbst ziemlich ausgelastet. Wenn die Nebel wallen und die Blätter fallen, blühen die Neurosen und Depressionen. Man sollte den Überarbeiteten dann nicht mit irgendeinem Murks auf die Nerven gehen, der besser bei den Briefkastentanten der Illustrierten aufgehoben wäre. Beneidenswert sind die starken Persönlichkeiten, die sich selbst von ihrem Herzensballast befreien. Zum Beispiel Rock-Poeten, die ihr Innerstes einfach "rauskotzen" und dafür vielleicht sogar noch eine Goldene Schallplatte einheimsen. Yeahhh!
(Aus: "Wen die Standuhr schlägt". Ein satirisches Stundenbuch von Joachim Schwedhelm, erschienen im Piper Verlag.)
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Helmut Böttiger Das Schöne und die Gier Junge Pioniere auf der Suche nach dem Fräuleinwunder von Neufünfland
Gesichter sind irritierend. Was wir brauchen ist die Oberfläche, das Äußere, das Glatte. Bloß nichts Individuelles und Eigenwilliges. Je leerer ein Gesicht ist, desto besser eignet es sich als Projektionsfläche für unser aller Gefühl, für die verqueren Sehnsüchte, für das unstillbare Verlangen nach Schönheit. Die Austauschbarkeit weckt unsere Gier. Die Kriterien dafür, was "Schönheit" ist, liegen außerhalb des Individuums. In einem Experiment wurden einmal vielen Männern, die ihre Favoritin wählen sollten, Fotos von Frauen vorgelegt. Aus den meistgenannten Gesichtern wurde ein Phantombild erstellt, sie wurden übereinandergelegt und gerastert, und was dabei herauskam, war das, worauf die meisten Männer ansprechen: das Kleinkind. Hohe Stirn, große Augen, volle Lippen: "Das Individuum ist ein Irrtum", sagte schon Nietzsche.
Das Model trägt dem Rechnung - die Modelbranche hat in den letzten Jahren einen beträchtlichen Aufschwung genommen. Das Model ist das blanke Äußere, das radikal berechnete Nichts - der kleinste gemeinsame Nenner dessen, was der Mann an Gliedmaßen, Augen- und Mundapparaten, Wangenknochen und Haaranfall goutiert. Das Model indes ist auch der direkten sexuellen Suggestion entzogen. Models sind eine andere Spezies Mädchen als die, die sich einer Mißwahl stellen, Models posieren nicht im Badeanzug vor saugenden Blicken vorstädtischer Sparkassenangestellter, sondern sie befinden sich auf dem Laufsteg. Sie drapieren sich durch Kleider und stilisierte Bewegungsabläufe; sie sind durch und durch Kunst.
Die achtziger Jahre haben die Models zu Mythen gemacht. Die Ästhetisierung des Alltags, die Integration des Luxus und der Moden in die Kulturmagazine haben die Models geweiht; sie sind keine Nebenfiguren mehr, keine klar zu definierenden Objekte für konkrete Geschäftsbereiche; sie sind interpretationsfähig. Im Zeitalter von Fernbedienungen und automatischen Anrufbeantwortern sind sie adäquate Spielfiguren der Privatheit; ihre Magie ist die Distanz, die vor dem kruden Alltag der schwülen Wohnzimmeratmosphäre schützt. Die Gefahr der Nähe ist ausgeschaltet. Wir besetzen unsere Objekte virtuell.
Die Vorstellung der neuesten Kreationen von Modedesignern, die tonangebenden Modeschauen, dies ist das wahre zeitgenössische Theater. Hier trägt die Einladung zu einem Galaabend ganz selbstverständlich den in Kunstkreisen sonst fast vergessenen, kleingedruckten Vermerk: "Wir bitten um Kleidung, die dem festlichen Anlaß angemessen ist." In der Pause gibt es kurze, taxierende Blikke, man stellt sich spielerisch in Pose, wirft die Schulter zurück; es geht darum, eben nicht mit eingefallenem Rücken an der Bar rumzulungern oder mit flirrendem Blick Sinn zu suchen: frei mit dem Sektglas in der Hand wird Körperbewußtsein demonstriert.
Die Modelstädte sind München, Düsseldorf, Hamburg. Hier haben sich die achtziger Jahre ausdifferenziert, hier sind die ästhetischen Ziselierungen des modernen Konsums am weitesten vorangeschritten. Deshalb kann Berlin nicht die Hauptstadt sein. Noch nicht. Aber da sie Berlin sein muß, muß sie an die avanciertesten Formen der Vergesellschaftung der Gefühle anknüpfen, mit Trommelwirbel und Kartätschen, abseits des kleinen exklusiven Treibens im stillen Studio. Joachim Zielesch hat 1990 die erste Modelagentur in Ost-Berlin gegründet, "Berlin Models", und er hat "Pionierarbeit in den neuen Bundesländern geleistet", wie ihm in der Branche attestiert wird. Schon zum dritten Mal veranstaltete er jetzt seinen Modelwettbewerb, und spätestens in diesem Jahr ist er zum größten deutschen Modelwettbewerb geworden: 34 000 Bewerber gab es für "Gesicht 92", und zur Kür im 1817 von Karl Friedrich Schinkel erbauten Schauspielhaus am Gendarmenmarkt traten 20 weibliche und 10 männliche Models an - für das "Gesicht 92" wurde das repräsentative Schauspielhaus, sonst ein erhabener Konzertsaal, "zum ersten Mal für eine festliche Präsentation in Sachen Mode genutzt", wie es im Pionierstil der Presseinformation heißt.
Es geht voran in den neuen deutschen Bundesländern. Joachim Zielesch hat schon zu DDR-Zeiten große Erfolge mit dem Modeshowteam "Modekommode" erzielen können, 1990 hat er sich bei der Pariser Filiale der Agentur "Ford Models" briefen lassen für die neuen Herausforderungen. 1990 schon, auf der Suche nach dem "Gesicht 90", entdeckte ein Mitarbeiter von "Berlin Models" auf einer Warschauer Schauspielschule das heutige Top-Model Basia Milewicz: Luxus-Wohnsitz in New York, Titelfotos für die französische "Elle" - der Prototyp. So wie weiland in den fünfziger Jahren aus den Trümmerfrauen urplötzlich das "Fräuleinwunder" erstand, entpuppen sich nunmehr die vormals eher burschikosen DDR-Mädchen als vorzeigbar. Und das männliche "Gesicht 91", der Sieger vom letzten Jahr, ist Oliver Bootz, Automechaniker aus Ost-Berlin. Da liegen weite Felder noch brach.
"Wir haben Berlin Models aus politischen Gründen gewählt", sagt Andreas Wrede. Er ist Chefredakteur der Zeitschrift "Max", eine der erfolgreichsten Neugründungen der letzten Jahre und dem Modelwesen äußerst verpflichtet. Vorher ist er politischer Korrespondent der Zeitung "Bild am Sonntag" gewesen. "Max" ist zusammen mit "Berlin Models", der Firma "Kodak", die schon seit zehn Jahren auf "eine konsequente Gesichtskampagne" in ihrer Werbung setzt, und dem Olympiaprojekt "Berlin 2000" federführend für den Wettbewerb "Gesicht 92".
Vorne an der Rampe steht Anja Pieper, das weibliche "Gesicht 91". Sie schaut konzentriert in die Kamera, die Tiefe kommt. Die Pupillen weiten sich. Blitzlicht. Dann natürliches Lachen, die Augen verkleinern sich und werfen Sternchen, Blitzlicht. Es sind aber vor allem die Radiostationen, die hier den Ton angeben, immer mehr Radiostationen gibt es und immer mehr Mikrofone mit zumeist jungen Frauen dahinter, die sich seltsamerweise nicht für diesen Modelcontest beworben haben, sondern lieber Mikrofone hinhalten: für diese pikanten Dreiminutenbeiträge, für diese durch kleine Wortbrocken aufzulockernden lang dahinplätschernden Sendestrecken, für diese diversen Sender, die man nicht mehr auseinanderhalten kann und deren Bedeutung kaum mehr hierarchisch zu ordnen sind. "Was würdest du deiner Nachfolgerin raten?" fragt die erste Mikrofonfrau. "Natürlich bleiben, sie soll so bleiben, wie sie ist", antwortet Anja. Schnitt. "Was würdest du deiner Nachfolgerin raten?" fragt die zweite Mikrofonfrau. "Natürlich bleiben, sie soll so bleiben, wie sie ist", antwortet Anja. Schnitt. Die dritte. Anja ist 18, hat gerade eine Werbekampagne für eine Jeansmarke abgedreht und wird demnächst in Mailand und Paris arbeiten. Anstrengend ist es schon, sagt sie, aber es macht viel Spaß. Und man lernt viele interessante Menschen kennen: "Den einen sieht man öfter, den andern nur einmal."
Oliver Bootz, ihr männliches Pendant als "Gesicht 91", steht daneben. Er wird nicht so oft interviewt. Gerade ist er von einer Session aus Japan zurückgekommen. "12 Stunden am Tag arbeiten - das ist hart", sagt er. Und das auf Dauer zu machen, ist ihm zu viel: "Ich will auch andere Sachen machen!" Er kann es sich durchaus vorstellen, Model-Angebote nur sporadisch wahrzunehmen und trotzdem im Geschäft zu bleiben. So locker er sich auch bewegt, eine nasse Stirnlocke lässig betont: es scheint ihm ein bißchen auf die Nerven zu gehen, das Ganze.
Am Abend kommt es zum großen Showdown der letzten Dreißig in diesem Jahr. Die meisten wissen, was sie wollen. Daniel zum Beispiel macht gerade eine Ausbildung als Versicherungsbanker, danach will er Betriebswirtschaft studieren. Ansonsten beschäftigt er sich am liebsten mit seinem alten amerikanischen Straßenkreuzer. Tanja hatte schon zwei Jahre Schauspielunterricht in den USA, darunter an der New Yorker Schule, die auch Robert Redford und Grace Kelly besucht haben. Und Friederike macht zur Zeit ein Praktikum bei einer Filmproduktionsfirma. Jung sind sie trotzdem alle. "Mit 23, 24 ist das Ding vorbei", sagt Andreas Wrede, der "Max"-Mann. "Viele Mädchen haben da Flausen im Kopf, weil sie sich mal Claudia Schiffer angeguckt haben." Aber schon mit Mitte zwanzig komme dann ganz leicht "ein großes Loch". Die meisten Mädchen sind zwischen 14 und 20, die Models werden immer jünger. "Die Mode ist mittlerweile stark oversized", sagt ein Kenner der Szene aus München, "man braucht immer größere Frauen, große lange Latten als Kleiderständer. Das läßt die weiblichen Formen ein bißchen in den Hintergrund treten - eine verhängnisvolle Entwicklung!" Er macht aber schon die Gegentendenz zu den Vierzehnjährigen mit eher angedeuteter Brust aus: jüngst habe man etwa das berühmte Model aus den sechziger Jahren, Veruschka Gräfin von Lehndorff, wieder ausgegraben, die sei mittlerweile 51. Die Szene reagiert schnell.
Nr. 5 tapst mit steifen Knien über den Laufsteg, sichtlich überfordert vor den 1500 Augenpaaren der "Prominenz aus Kunst, Kultur, Wirtschaft und Politik". Nr. 12 vertraut auf ihre Lederkleidung, der Mund verschmiert aber beim dafür zu süßen Lächeln. Nr. 17 geht aufs Ganze und wirft mit aufreizenden Blicken um sich. Doch obwohl sie blond ist, kommt sie nicht bis zur Vorentscheidung, unter die letzten sechs.
Das Blonde hat die Oberhand. Bei den Herren ist es die After-Shave-Werbung. Einer allerdings fällt dadurch auf, daß er die Coolness bis zur Karikatur übertreibt und dadurch fast individuell zu werden droht, ob im Al-Capone-Streifenanzug oder sogar mit Wollmütze. Vielleicht ist es aber nur der Fanblock aus seiner Berliner Schulklasse, dessen Beifallsstürme ihn herausheben. Es ist Sebastian, Sohn eines Berliner Malermeisters, 18 Jahre, der spätere Sieger. Bei den Damen gewinnt Anja, 21, Studentin der Germanistik und Romanistik in Göttingen. Wegen der Modelkarriere wollte sie allerdings schon vor ihrer "Gesicht 92"-Kür nach Berlin umziehen. Den Vertrag mit "Berlin Models" hatte sie schon in der Tasche. Was sie am vorteilhaftesten am eigenen Gesicht findet? "Den Mund!" sagt sie nach kurzem Nachdenken. Sie ist blond.
Wir brauchen die Lüge. Die Wahrheit kennen wir nur zu gut, an uns selbst. In der Distanz sind die Gegenwelten erkennbar, Stilisierungen, die Schlüsselreize von Erotik, Jugend und Schönheit. Wir suchen alle etwas anderes als das, was wir selber sind. Auf die Sentenz des Alltags und des deutschen Schlagers, die das Verhängnis von Liebesbeziehungen schon im Anfang kenntlich macht ("Nimm mich so wie ich bin"), läßt sich frei mit Nietzsches Zarathustra antworten: "Aber zum Teufel mit der die du bist! In diese habe ich mich nicht verliebt!" Das Gegenbild, das Model.
Wahre Schönheit kommt von innen. Bei den wenigen Top-Models ist eine seltsame Individualität erkennbar, ein Wiedererkennungseffekt, egal, ob es sich um eine Werbung für Duftnoten oder um eine für Pullover handelt. Dieser Zusammenklang von innen und außen ist sehr selten anzutreffen; da, wo hinter der Schönheit die gefährlichste Sehnsucht lodert. Es ist nur wichtig, daß man sich davon fernhält, daß man nichts sprechen hört, daß man die Oberfläche sucht. Sonst geht man unter. Sokrates hat mit dem Schnösel Alkibiades herumgemacht, und niemand seiner Philosophenfreunde hat das verstanden. Bei Hölderlin antwortet Sokrates auf derlei Vorhaltungen kalt: "Wer das Tiefste gedacht / Liebt das Lebendigste." Bei Hölderlin eben. Dessen Liebe war die Schrift. Heute schreibt niemand mehr. Man hat Models.
NIEDERRAD. Die Arbeit im Ortsbeirat erfordert einen langen Atem: Es kann bekanntlich sehr lange dauern, bis die Vorschläge der Stadtteilpolitiker Realität werden, und "stimmen" die Mehrheiten im Römer nicht, dann sind die kunstvoll formulierten Anträge bisweilen das Papier nicht wert, auf das sie geschrieben wurden. Die Sozialdemokratin Johanna Hoffmann hat alle Höhen und Tiefen dieser politischen Tätigkeit erlebt: Seit der "Geburtsstunde" der Ortsbeiräte FR-Porträt 1972 hat sie die Interessen der Niederräder im Ortsbeirat 5 (Sachsenhausen, Niederrad, Oberrad) engagiert vertreten - kürzlich wurde sie für dieses ehrenamtliche Engagement von Oberbürgermeister Andreas von Schoeler mit der goldenen Römerplakette ausgezeichnet.
"Ich wollte immer, daß sich die Bevölkerung selbst für den Stadtteil stark macht und nicht alles hinnimmt, was von oben kommt", kennzeichnet die 68jährige ihren politischen Anspruch an die Mitwirkung im Ortsbeirat, den sie als "Schule der Demokratie" bezeichnet. Johanna Hoffmann hat schnell gemerkt, daß eine der Hauptaufgaben dieser Stadtteilgremien darin zu suchen ist, den Unmut der Bevölkerung über die Politik des Magistrates aufzufangen: "Diesen Unmut in Aktivitäten umzusetzen, das ist mein Traum", sagt die seit zehn Jahren pensionierte Lehrerin mit ihrer leisen, eindringlichen Stimme.
Damit die Niederräder am politischen Leben teilhaben können, hat sie sich mit eigenen Artikeln in den Stadtteilzeitungen immer wieder zu Wort gemeldet: Sie setzte sich für Verkehrsberuhigung in der Heinrich-Seliger-Straße ein, kämpfte für den Kinderspielplatz auf dem Haardtwaldplatz und sorgte für die Bushaltestelle unter dem S-Bahnhof - um nur einige Beispiele zu nennen. Als größten persönlichen Erfolg sieht sie den ampelgeregelten Fußgängerüberweg an der Ecke Rennbahnstraße/Schwarzwaldstraße: "Ich habe zehn Jahre gebraucht, um das durchzusetzen."
Neben diesen Erfolgen stehen auch politische Niederlagen, die die seit 1957 in Niederrad ansässige Sozialdemokratin unumwunden eingesteht: So sei es ihr nicht gelungen, gegen den Widerstand des Schuldezernenten Peter Rhein (CDU) den Ausbau der Oberschule in Goldstein voranzutreiben. "Ich habe mit dem geredet wie mit einem lahmen Esel", sagt Hoffmann mit einem Augenzwinkern. Noch heute müssen die Niederräder Abiturienten den Weg in weiter entfernte Stadtteile in Kauf nehmen.
Auch ihr Kampf für eine Öffnung des von den Niederräder Vereinen mit Beschlag belegten Mainufers für die Öffentlichkeit war bis heute nicht von Erfolg gekrönt: Ein erster Versuch, die Vereine zurückzudrängen, sei bereits in der zweiten Wahlperiode des Stadtteilgremiums durch das Abstimmungsverhalten des Koalitionspartners FDP "baden" gegangen. "Das Problem ist bis heute nicht gelöst", stellt Johanna Hoffmann mit einem Schulterzucken fest. Diese Mißerfolge hat sie verwunden: "Resignation, das liegt mir gar nicht", meint die ehemalige Mathematik- und Sozialkundelehrerin kämpferisch.
1968 hatte sie sich der SPD angeschlossen. Schon vier Jahre später wurde sie für den Ortsbeirat nominiert: "Das war gar nicht so einfach, denn ich bin mit ausgesprochen linken Vorstellungen da reingegangen - die habe ich heute noch!", betont Hoffmann, die in der ersten Wahlperiode des Ortsbeirates 5 als Fraktionsvorsitzende der SPD amtierte. Als Sprungbrett für eine politische Karriere hat die bodenständige Frau den Ortsbeirat nie betrachtet: "Ich wollte das machen, was ich wirklich kann, und Beruf und Politik verbinden", sagt die vielseitig engagierte Hoffmann, die auch als Personalrätin tätig war und heute dem Kirchenvorstand der Paul- Gerhardt-Gemeinde angehört.
In der kommenden Wahlperiode wird Johanna Hoffmann nicht mehr im Ortsbeirat mitarbeiten. Sie will Platz machen für jüngere Genossen und sich nach dem Tod ihrer Schwiegertochter vor allem um die Enkelkinder kümmern. "Ich könnte mir auch vorstellen, daß ich mir mal wieder einige Vorlesungen an der Uni anhöre", sagt sie ein wenig nachdenklich. Von der Politik, die sie ein Leben lang beschäftigt hat, wird sie sich nicht ganz und gar zurückziehen: Johanna Hoffmann gehört auch weiterhin dem Vorstand der SPD-Niederrad an. kan
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Individueller Erwartungsdruck auf baldige Änderung der sozialen Lage und die historische Dimension längerfristiger Umstrukturierungen haben selten so stark auseinandergeklafft wie bei der Herstellung der Wirtschafts- und Sozialunion in Deutschland 1990. Auf der einen Seite war den politischen und wirtschaftlichen Akteuren klar, daß es für die in Angriff genommene Umstrukturierung eines planwirtschaftlichen in ein marktwirtschaftliches System keine Vorbilder gab und daß letztlich die damit verbundenen Risiken unbekannt sein würden.
Auf der anderen Seite hat die amtierende Bundesregierung teils aus vordergründigem wahltaktischem Kalküll und teils auch aus Naivität heraus die Hoffnung genährt, daß sich alle wirtschaftlichen und sozialen Probleme in Ostdeutschland in kürzester Zeit in Wohlgefallen auflösen würden, werde erst einmal der starken DM und dem Markt freier Lauf gelassen.
Wissentlich oder aus Unfähigkeit wurde dabei übersehen, daß die Eingliederung der ostdeutschen Wirtschaft in das westdeutsche marktwirtschaftliche System nicht nur eine radikale Änderung der Steuerungsmechanismen, sondern darüber hinaus auch der Wirtschaftsstruktur selbst sowie der Verhaltensdispositionen der Wirtschaftsakteure beinhalten mußte. Die DDR-Wirtschaft konnte im Übergang zur Wirtschaftsunion mit Westdeutschland eine Arbeitsproduktivität aufweisen, die in etwa der Hälfte der westdeutschen Wirtschaft bzw. deren Entwicklungsstand von vor 20 Jahren entsprochen hat.
Diese gemessen an der westdeutschen Wirtschaft starke Rückständigkeit ist jedoch mit Blick auf das junge EG-Land Spanien zu relativieren, dessen Abstand zur westdeutschen Wirtschaft dem der ehe- maligen DDR entsprach, doch sicherten hier Übergangsregelungen und eine eigenständige Währungspolitik den Anpassungsprozeß an den europäischen Binnenmarkt. Es muß dahingestellt bleiben, ob vergleichbare "außen"-wirtschaftliche Schutzbarrieren zwischen Ost- und Westdeutschland sinnvollerweise hätten aufgebaut werden können, man denke etwa an die besonderen Verhältnisse in Berlin, wo eine Wirtschaftsgrenze nur hätte sehr schwer durchgehalten werden können.
Gleichwohl konnten die wirtschaftlichen und sozialen Probleme nicht übersehen werden, die ein Verzicht auf derartige Schutzzonen bringen würde. Die Wirtschaft der DDR mußte sich folglich von einem auf dem anderen Tag mit der westdeutschen im Wettbewerb bewähren - ein Unterfangen, das von vornherein aussichtslos war. (. . .)
Die Bundesrepublik Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt. Dies gilt auch nach Herstellung der deutschen Einheit, zumal sich der Reichtum nach wie vor dort konzentriert, wo er war, nämlich in Westdeutschland. Parallel zum Anstieg dieses Reichtums hat die Zahl der Personen dramatisch zugenommen, die im Westen ohne staatliche Hilfe nicht ihr Auskommen fristen können. 1990 haben im Altgebiet der Bundesrepublik Deutschland insgesamt 3,7 Mio. Menschen Sozialhilfe bezogen, darunter 2,9 Mio. laufende Hilfe zum Lebensunterhalt.
Die Zahl der Empfänger von Hilfen zum Lebensunterhalt hat sich somit seit 1973, dem letzten Jahr mit Vollbeschäftigung, verdreifacht, seit 1980 immer noch mehr als verdoppelt. Die Verteilungsschieflage in der Bundesrepublik hat sich in den 80er Jahren in einem erheblichen Ausmaß zugespitzt.
In den 60er und 70er Jahren konnten die abhängig Beschäftigten ihren Anteil am Volkseinkommen steigern, doch ist dieser Anteil bis Anfang der 90er Jahre wieder gesunken und liegt nunmehr mit 71,2 Prozent deutlich unter dem vor zehn Jahren (1981: 76,8 Prozent). Nun ist allerdings zu berücksichtigen, daß der Anteil der abhängig Beschäftigten an der Erwerbsbevölkerung in diesem hier betrachteten Zeitraum erheblich angestiegen ist, daß also wesentlich mehr Personen das gesamte Bruttoeinkommen aus unselbständiger Tätigkeit unter sich aufteilen müssen.
Betrachtet man die um diesen Struktureffekt bereinigte Bruttolohnquote, dann kommt man für 1991 mit 66,2 Prozent auf einen Wert, der um sechs Prozent unter dem Vergleichswert von 1981 liegt (72,4 Prozent).
Diese Entwicklung ist durch die staatliche sekundäre Umverteilungspolitik über Steuern und Sozialabgaben noch verschärft worden, denn über die gesamten 80er Jahre hinweg fallen die Zuwachsraten bei den Einkommen aus Unternehmertätigkeit netto noch höher aus als brutto. Im Zeitraum von 1980 bis 1989 sind diese Einkommen aus Unternehmertätigkeit brutto um 65,9 Prozent, netto aber um 75 Prozent gestiegen, als Folge von massiven Entlastungen von Unternehmenssteuern. 1989 hat sich hier erstmals eine Trendumkehr abgezeichnet, die steuerliche Belastung der Unternehmensgewinne und die direkten Steuern der Unternehmen mit eigener Rechtspersönlichkeit sind im Durchschnitt von 38,6 im Jahr 1980 auf 30,1 Prozent gesunken.
Anders verhält es sich bei den Arbeitnehmereinkommen. Die Gesamtbelastung allein durch die Lohnsteuer ist von 16,2 Prozent im Jahr 1980 auf nunmehr 19 Prozent gestiegen. Nimmt man die Sozialabgaben hinzu, kommt man 1989 auf eine Belastung von zirka 34 Prozent, ein absoluter Spitzenwert in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Steuerreform 1990 brachte hier zwar eine Entlastung, allerdings heben die Entscheidungen, die 1991/92 getroffen worden sind, diese de facto wieder auf.
In den 80er Jahren sind die Unternehmen und die Bezieher von Vermögenseinkommen die eindeutigen Gewinner im Ver- teilungskampf. Doch trotz dieser außerordentlichen Explosion bei den Unternehmensgewinnen und den Einkommen aus Vermögen ist die Investitionsquote in den 80er Jahren weit hinter der der 60er und 70er Jahre zurückgeblieben. Wurden 1960 immerhin 22,6 Prozent des Bruttosozialproduktes in Anlagen investiert, 1980 immerhin noch 19 Prozent, fiel dieser Wert Mitte der 80er Jahre auf 17,5 Prozent. Folge davon sind dann Rücklagen im Unternehmensbereich, die nicht investiert werden, auf den Kapitalmarkt drängen und derzeit etwa 670 Mrd. DM betragen.
Bei der Entwicklung der Haushaltseinkommen kommen wir zu einem ähnlich eindeutigen Ergebnis. In der Bundesrepublik Deutschland (Altgebiet) hat es 1988 26 Mio. Haushalte mit 59 Mio. Menschen gegeben, die zusammen über ein Einkommen von 1,2 Billionen DM verfügten. Verfügbare Einkommen meint hier das gesamte Haushaltseinkommen aus allen Einnahmequellen, also auch mehrere Verdienste oder Sozialeinkommen. Dann wurden von den Bruttoeinkommen die Steuern und die Sozialabgaben abgezogen, die Finanztransfers dagegen wie Kindergeld, Wohngeld etc. dazugerechnet. Die nachfolgenden Zahlen aus der bislang letzten vorliegenden Modellrechnung des DIW in Berlin beziehen sich auf die Haushaltseinkommen.
Die Arbeitnehmerhaushalte verfügten danach im Schnitt über 51 000 DM im Jahr, pro Haushaltsangehörigen ergab dies ca. 20 000 DM. Im Schnitt nahmen auch die Arbeitnehmerhaushalte an dem gesamtgesellschaftlichen Wohlstand teil, wobei im Regelfall ca. 1,5 Personen zu diesem Einkommen der Haushalte beitrugen. Die Arbeitnehmerhaushalte haben durchschnittlich etwa zehn Prozent ihres verfügbaren Einkommens gespart.
Allerdings muß man hier sehr vorsichtig sein, denn bei Arbeitnehmern gibt es erhebliche Unterschiede: 3,8 Prozent aller Arbeitnehmerhaushalte mußten monatlich mit weniger als 2000 DM auskommen, 30 Prozent mit weniger als 3000 DM. Allein in der Gruppe der Arbeiter waren 400 000 Haushalte auf weniger als 2000 DM und schließlich 2,6 Mio. Haushalte, das sind 45 Prozent dieser sozialen Gruppe, auf weniger als 3000 DM angewiesen.
Anders in der Gruppe der Selbständigenhaushalte. Diese verzeichnen seit 1970 durchgängig einen Einkommenszuwachs. Real konnten die verfügbaren Einkommen von 1979 bis 1989 um 47 Prozent zulegen. Die Selbständigenhaushalte außerhalb der Landwirtschaft (= 5,9 Prozent aller Haushalte) hatten 1988 ein Bruttoerwerbs- und Vermögenseinkommen von 327,5 Mrd. DM (= 21,5 Prozent des gesamten Bruttoerwerbs- und Vermögenseinkommens) und ein verfügbares Einkommen von 251,2 Mrd. DM (= 19,7 Prozent aller verfügbaren Einkommen).
Pro Haushalt ergab dies im Schnitt 133 046 DM, pro Haushaltsangehörigen stand mit 44 055 DM nur geringfügig weniger zur Verfügung als im Schnitt für eine ganze Arbeitnehmerfamilie! Neben den Unternehmen sind so die Selbständigenhaushalte die eindeutigen Gewinner im Verteilungskampf der 80er Jahre. Dabei hat die Sparquote der Selbständigenhaushalte mit 27 Prozent einen absoluten Höhepunkt erreicht. Nun ist dabei zu bedenken, daß Selbständige im Regelfall eigenständig Vorsorge für allgemeine Lebensrisiken wie Krankheit, Unfall, Invalidität und Alter treffen müssen. Angesichts der vorgelegten Zahlen kan man allerdings feststellen: Sie können dieses im Regelfall auch.
Neben den unteren Einkommensbeziehern in den Arbeitnehmerhaushalten sind die eigentlichen Verlierer im Verteilungsstreit die Arbeitslosen. 1988 standen hier jedem Haushalt im Schnitt nur 25 700 DM, je Haushaltsangehörigen nur 11 300 DM zur Verfügung. Selbständigenhaushalte hatten also fünfmal soviel zur Verfügung wie ein Arbeitslosenhaushalt.
Dort, wo die Einkommen so niedrig sind, ist Sparen nicht mehr möglich, müssen Guthaben aufgelöst oder Schulden gemacht werden. Drei Prozent des verfügbaren Einkommens in dieser sozialen Gruppe kommen aus diesen Quellen. 4,5 Prozent der westdeutschen Bevölkerung können ihren Lebensunterhalt nur dadurch fristen, daß sie regelmäßige Hilfen vom Sozialamt bekommen.
Dabei schöpfen keineswegs alle Anspruchberechtigten ihre Rechte aus. Eine neue Langfriststudie belegt erneut diesen Umstand und kommt zu dem Ergebnis, daß gut zehn Prozent aller Haushalte in der Bundesrepublik Deutschland in den 80er Jahren nur über 50 Prozent oder weniger der durchschnittlichen Haushaltseinkommen verfügten. Zirka fünf Prozent aller Haushalte haben sogar weniger als 40 Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens ("strenge Armut").
Aber auch knapp oberhalb dieser Armutsgrenzen konzentrieren sich zahlreiche Haushaltseinkommen. Dabei ist das Armutsrisiko von Ausländerhaushalten mehr als doppelt so hoch wie das der deutschen Haushalte. Diese Anteilszahlen geben die Dynamik des Armutsrisikos nur unzureichend wieder. Es zeigt sich nämlich, daß im Zeitraum von 1984- 1989 immerhin zirka 13 Prozent aller bundesdeutschen Haushalte ein oder mehrmals von "strenger Armut" betroffen gewesen sind, also mit weniger als 40 Prozent der durchschnittlichen Haushaltseinkommen auskommen mußten. Unter die Armutsgrenze im Sinne der 50- Prozent-Marke rutschten gar 25 Prozent aller Haushalte ein oder mehrmals, bei den Ausländern war dies sogar bei jedem zweiten Haushalt der Fall!
Die soziale Verteilung in der Bundesrepublik Deutschland ist somit ungleicher denn je: Das obere Drittel der privaten Haushalte hat mit einem Anteil von 57 Prozent der gesamten verfügbaren Haushaltseinkommen in der Bundesrepublik Deutschland mehr als die beiden unteren Drittel zusammen, auf die nämlich nur 43 Prozent entfallen. Eine große Differenz besteht noch einmal zwischen dem mittleren und dem unteren Drittel: Auf das
untere Drittel aller Haushalte entfällt mit einem Anteil von 16 Prozent nur die Hälfte dessen, was ihm proportional eigentlich zustünde. Aber auch das mittlere Drittel bleibt mit einem Anteil von 27 Prozent unter seinem ihm bei gleicher Verteilung zustehenden Drittel.
Die Herstellung der deutschen Einheit hat die Lebensbedingungen der ostdeutschen Bevölkerung insgesamt verbessert. Die vorliegenden Daten zur Einkommensentwicklung haben nicht die gleiche Konsistenz wie die der alten Bundesländer. Doch lassen sich bemerkenswerte Trends ablesen: Die Bruttoeinkommen der abhängig Beschäftigten beliefen sich im Frühjahr 1991 auf knapp 50 Prozent der vergleichbaren Westlöhne, wobei die Beschäftigten in neu gegründeten Betrieben etwa 55 Prozent der Westlöhne bekamen.
Von Mai 1990 bis März 1991 sind die verfügbaren Haushaltseinkommen nominal im Schnitt um 26 Prozent gestiegen, bei einer Steigerung der Lebenshaltungskosten um 12,6 Prozent ergibt dies eine durchschnittliche Steigerungsrate der Realeinkommen um 12 Prozent. Dabei sind nach wie vor in Ostdeutschland mehr Frauen erwerbstätig als in Westdeutschland und leisten somit auch einen größeren Beitrag zum Haushaltseinkommen als ihre Geschlechtsgenossinnen in Westdeutschland.
Verfügten die Bewohner der DDR vor Öffnung der Grenzen lediglich über ein Einkommen, das in etwa 50 Prozent der westdeutschen Haushalte entsprach, hat sich dieser Abstand - bezogen auf die Realeinkommen - in der zweiten Hälfte 1991 trotz Erhöhung der Mieten und der Energiekosten auf nunmehr 40 Prozent bei den Rentnerhaushalten und 27 Prozent bei den Arbeitnehmerhaushalten verringert. Die Hoffnung, über eine Anhebung des Lohnniveaus diesen Einkommensrückstand möglichst zügig auszugleichen, ist ebenso berechtigt wie trügerisch.
Zwar sind inzwischen in wichtigen Bereichen Tarifverträge abgeschlossen worden, die eine schrittweise Anpassung der Löhne vorsehen, aber deren Finanzierung ist damit allein noch nicht sichergestellt. Schon jetzt übersteigen die Bruttoeinkommen aus unselbständiger Arbeit in den meisten Branchen die Nettowertschöpfung zu Faktorkosten, also das zur Verteilung zur Verfügung stehende Einkommen. Diese Löhne müssen folglich subventioniert werden. Soll nun der durchschnittliche Lohn innerhalb von fünf Jahren an das Westniveau angeglichen werden, so erfordert dies im Schnitt einen Lohnzuwachs von 20 Prozent pro Jahr.
Das DIW stellt dazu lapidar fest: "Lohn- zuwächse in dieser Größenordnung sind ohne weitere Freisetzungen nicht möglich." Die Tarif- und die Wirtschaftspolitik hat zwischen der Skylla einer weiteren massiven Abwanderung gerade junger und qualifizierter Arbeitskräfte zu den Westlöhnen und der Charybdis verstärkter Freisetzungen und/oder längerfristiger Lohnsubventionen zu entscheiden.
Besonders dramatisch ist der Einbruch auf dem Arbeitsmarkt in Ostdeutschland gewesen. Dabei ist die Talsole noch keineswegs erreicht. Entscheidend ist, daß mit dem wirtschaftlichen Strukturwandel nicht nur eine bestimmte Quantität an Arbeitsplätzen verlorengeht, sondern zugleich eine bestimmte Qualität mit der Folge, daß wie in Westdeutschland trotz Arbeitskräfteüberangebot zugleich ein Arbeitskräftedefizit besteht.
Von den ehemals vorhandenen 9,8 Mio. Beschäftigten beziehen nunmehr nur noch zirka 50 Prozent ein volles Arbeitseinkommen. Etwa vier Mio. Bürger in Ostdeutschland leben als Arbeitslose, Kurzarbeiter, Vorruheständler etc. ganz oder teilweise von den Leistungen der Bundesanstalt für Arbeit. Zirka 500 000 - im Regelfall jüngere Männer - pendeln nach Westdeutschland, um hier v. a. der Unsicherheit der eigenen Perspektive auf dem Arbeitsmarkt, der Gefahr der Dequalifizierung durch Arbeitslosigkeit und der Diskrepanz zwischen west- und ostdeutschem Lohnniveau zu entgehen.
Frauen pendeln weniger in den Westen, bleiben doch an ihnen - wie auch im Westen - im wesentlichen die Aufgaben der Haushaltsführung und der Kinderbetreuung hängen. Frauen sind von dem Beschäftigungsabbau und dem Risiko, nicht wieder beschäftigt zu werden, wie auch im Westen besonders stark betroffen.
Vor allem aber die älteren Arbeitnehmer zählen ganz generell zu den Verlierern der Wirtschaftseinheit in Deutschland. Die Geburtenjahrgänge vor 1950, also die jetzt 40jährigen und Älteren, haben kaum mehr eine Chance auf dem Arbeitsmarkt: "Eine ganze Generation wird", wie Gerd Bäcker treffend sarkastisch formuliert, ",ausgemustert&rquote;". Eine Analyse des DIW zeigt denn auch, daß in den neu gegründeten Unternehmen in Ostdeutschland fast ausschließlich Personen eingestellt werden, die jünger als 39 Jahre alt sind.
Nicht zuletzt die in hohem Umfange von der Solidargemeinschaft der Sozialversicherten und den westdeutschen Steuerzahlern finanzierten Sozialtransfers und Übergangsregelungen im Sozial- und Mietrecht haben bis heute eine massenhafte Sozialhilfeabhängigkeit in Ostdeutschland verhindert. Bedenkt man beispielsweise die Einführung der Sozialzuschläge und deren Dynamisierung im Rentenrecht, so könnten diese Ausgangspunkt einer Reform des Rentenrechts schlechthin und damit ein echter Beitrag zur Verhinderung von Altersarmut werden. Gleiches gilt für die Sozialzuschläge in der Arbeitslosenversicherung.
Eine vorrangig auf Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und die Rückführung der Staatsquote ausgerichtete Politik allerdings ist demgegenüber nun dabei, diese "systemwidrigen" Elemente in der vorrangig am Äquivalenzprinzip ausgerichteten Sozialversicherung aufzuheben. So ist der Sozialzuschlag in der Arbeitslosenversicherung auf dem Betrag von 495 DM im Monat eingefroren mit der Folge, daß Langfristarbeitslose in die Sozialhilfe hinübergleiten.
In der Gesetzlichen Rentenversicherung ist der Sozialzuschlag inzwischen so angehoben, daß Renten für Alleinstehende 600 DM, und für Verheiratete 960 DM im Monat nicht unterschreiten. Diese Übergangsregelung gilt allerdings für Bestandsrenten nur bis Ende 1996, für Rentenzugänge gar nur bis Ende 1993. Ende 1991 haben zirka 650 000 Rentnerinnen und Rentner von dieser Sozialzuschlagsregelung profitiert, 95 Prozent unter ihnen waren Frauen, Folgen der Lohndiskriminierung auch in der DDR und von Regelungen, die Frauen letztlich nur eine Mindestrente verschafften.
Ein Auslaufen der Sozialzuschlagsregelungen wird also in Ostdeutschland in gleicher Weise wie in Westdeutschland vor allem die Frauen treffen, Altersarmut von Frauen ist dann eine weitere gesamtdeutsche Gemeinsamkeit. Bereits jetzt bilden sich in Ostdeutschland deutlich soziale Haushaltsgruppen mit geringen verfügbaren Einkommen heraus, so vor allem bei den Alleinerziehenden mit mehreren Kindern, bei Ein-Personen-Rentnerhaushalten mit niedrigen Renten und "reinen" Arbeitslosenhaushalten.
Mit Erhöhung der Mieten und der Mietnebenkosten müssen diese Haushalte 65-75 Prozent ihres Einkommens für lebensnotwendigen Bedarf ausgeben, so daß ihnen für andere Verbrauchsbereiche nur wenig Geld übrigbleibt. Hier wird es sehr darauf ankommen, ob und inwieweit Wohngeldregelungen wenigstens teilweise armutsabschwächend wirken werden. Schon vor diesen Mehrbelastungen etwa durch Mieten mußten in den fünf neuen Bundesländern 16 Prozent der Privathaushalte mit weniger als 1000 DM auskommen, überwiegend Haushalte von Rentnern und Arbeitslosen.
Von allen Rentnerhaushalten unterschritten 45 Prozent, von allen Arbeitslosenhaushalten 21 Prozent diese 1000-DM- Grenze. Aber auch von den Arbeiterhaushalten mußten sich fünf Prozent mit weniger als 1000 DM im Monat bescheiden. Die 2000-DM-Grenze schließlich wurde nur von wenigen Rentnern und Arbeitslosen überschritten. Immerhin auch 32 Prozent der Arbeiterhaushalte lagen unter dieser Grenze von 2000 DM.
Diese Einkommensschichtung gilt es, auf dem Hintergrund des gravierenden wirtschaftlichen Strukturwandels in dem Beitrittsgebiet zu interpretieren, der in großem Umfange zu vorzeitigen Verrentungen, zu Mehrfach- und zu Langfristarbeitslosigkeit führen wird. Während nun gerade die Noch- oder die Wiederbeschäftigten ihr Haushaltseinkommen steigern können, sind besonders jene Haushalte an oder unter der Armutsschwelle nicht in der Lage, in ihre eigene Zukunft und die ihrer Kinder zu investieren.
Fallen in Zukunft die Sozialzuschläge mehr oder weniger schnell fort und laufen Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpoli- tik ganz oder teilweise aus, so wird das Risiko der Sozialhilfebedürftigkeit drastisch zunehmen. Die Erhöhung der Mieten, eine notwendige Maßnahme letztlich auch zum Erhalt und zur Verbesserung des ost- deutschen Wohnungsbestandes gedacht, wird dann allerdings dazu führen, daß ein gewichtiger Teil der Ostdeutschen diesen so renovierten Wohnungsbestand nicht mehr bezahlen kann - auch hier liegen dann Parallelen zur Entwicklung in Westdeutschland vor. Obdachlosigkeit und Nichtseßhaftigkeit sind die Folge.
(. . .) Bekanntlich hat der Staat keine nennenswerten eigenen Ressourcen, um seine Ausgaben zu finanzieren. Er holt sich die benötigten Finanzmittel in erheblichem Umfange beim Steuerbürger und bei den Wirtschaftsunternehmen. Es war das Ziel der konservativ-liberalen Bundesregierung, die volkswirtschaftliche Steuerquote zu senken. Dies ist ihr auch gelungen, denn diese Quote ist von 24,6 Prozent im Jahr 1980 auf 22,6 Prozent im Jahr 1990 gesunken.
Diese Absenkung der Steuerquote ging allerdings mit einer grandiosen Umschichtung der Gewichte der einzelnen Steuern einher, damit mit einer unterschiedlichen Ent- und Belastung. Denn während die vor allem höhere Einkommen belastende Einkommensteuer und die Unternehmensteuern erheblich zurückgegangen sind, haben die vor allem die breiten Einkommenbezieher und Konsumenten vorrangig belastenden Lohn-, Umsatz- und Verbrauchsteuern an Gewicht gewonnen (die nebenstehenden Tabelle veranschaulicht dies; d. Red.).
Doch nicht nur in der Strukturverschiebung der wichtigsten Steuereinnahmen zeigt sich die offensichtliche Entlastung der Besserverdienenden und der Unternehmen, sondern auch bei den gewährten direkten Steuerentlastungen etwa im Rahmen des Sozialbudgets. Der gerade höhere Einkommensbezieher besonders begünstigende Splittingeffekt (Gesamtvolumen 1992: 31,2 Mrd. DM) und die Kinderfreibeträge (1992: 15,1 Mrd. DM) wie auch die weiteren Entlastungen führen zu Steuermindereinnahmen, zur Senkung der volkswirtschaftlichen Steuerquote, vor allem aber zur Stärkung der Einkommensposition der Besserverdienenden. Demgegenüber sind die Arbeitnehmereinkommen durch die Lohnsteuer, wie oben gezeigt, stärker belastet worden.
Dieser Trend ist durch die Politik seit der letzten Bundestagswahl im Dezember 1990 rigoros fortgesetzt worden: Zunächst wurden einige Verbrauchssteuern erhöht. Die ab Juli 1991 für ein Jahr erhobene Ergänzungsabgabe beschränkte sich nicht, wie ehedem von Oskar Lafontaine gefordert, auf die Besserverdienenden, sondern betraf alle Steuerzahler. Ab 1. Januar 1993 werden die Mehrwertsteuer und ggf. andere Verbrauchssteuern erhöht: Das DIW hat in einer Modellrechnung nachgewiesen, daß die unteren 40 Prozent der Steuerzahler dann bis zu acht Prozent ihres durchschnittlichen Bruttoeinkommens mehr für die Zahlung v. a. indirekter Steuern aufbringen müssen, während die oberen 60 Prozent der Steuerzahler v. a. von ihren direkten Steuern entlastet werden. Im Bereich von 200 000 DM Bruttojahreseinkommen bringt dies eine Entlastung von etwa sechs Prozent!
Keineswegs erst seit Herstellung der deutschen Einheit haben sich die Gebietskörperschaften in hohem Maße verschuldet. Nun kann und soll hier nicht Sinn und Unsinn von Staatsverschuldung diskutiert werden, Zeitpunkt und Inhalt, die sie gerechtfertigt und notwendig erscheinen lassen oder wo sie volkswirtschaftlich und fiskalpolitisch problematisch bis falsch sind. Tatsache ist, daß der Staat 1989 - also noch vor Herstellung der deutschen Einheit - netto knapp 30 Mrd. DM alleine an Schuldzinsen zahlen mußte. Angesichts der hohen Sparquote der privaten Haushalte, vor allem der Selbständigenhaushalte, in Westdeutschland ist diese Staatsverschuldung in doppelter Hinsicht verteilungspolitisch problematisch.
Zum einen kann der Staat einen Teil seines finanziellen Bedarfs deshalb nicht decken, weil er bewußt oder dieses billigend in Kauf nehmend auf das Eintreiben gesetzlich vorgeschriebener Steuerabgaben verzichtet. Das Bundesverfassungsgericht hat in einem Urteil vom 27. Juni 1991 die derzeitige Praxis des Steuereinzugs von Vermögenszinsen als verfassungswidrig bezeichnet, gleichwohl hat die Bundesregierung auch weiterhin nach Wegen zu gesucht, dieses Verfassungsgerichtsurteil zu umgehen und größere Vermögensbesitzer und deren Zinserträge zu schonen.
Auf der anderen Seite kann der Staat notwendige Ausgaben nur dadurch tätigen, daß er privates Geldvermögen auf dem Kreditmarkt aufnimmt, das sonst Schwierigkeiten hätte, eine rentierliche Verzinsung zu finden. Daß es sich dabei auch um Geldvermögen handelt, das seine Entstehung dem Verzicht des Staates auf eine angemessene Besteuerung zu verdanken hat, ist besonders dann schwer hinnehmbar, wenn etwa vorgenommene und geplante Verbrauchssteuererhöhungen direkt und ohne Chance auf eine Ausweichmöglichkeit gerade die unteren Einkommensbezieher besonders stark belasten.
Tiefgreifende Schnitte des Bundesgesetzgebers im Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherung und in der Gesetzlichen Rentenversicherung hatten dazu geführt, daß in der Sozialversicherung Überschüsse aufgelaufen waren. 1990 konnten die Träger der Sozialversicherung ein Plus von 17,4 Mrd. DM, 1991 sogar einen Überschuß von 28 Mrd. DM verzeichnen. Die durch Leistungseinschränkungen und/oder Beitragserhöhungen erwirtschafteten Rücklagen bzw. Mehreinnahmen vor allem der Arbeitslosen- und der Rentenversicherung werden inzwischen in großem Ausmaße zur Finanzierung der sozialen Folgen der deutschen Einheit herangezogen.
Im Jahr 1992 belaufen sich diese Transferzahlen der Bundesanstalt für Arbeit auf 30 Mrd. DM, die der Rentenversicherung auf 14 Mrd. DM, seit Herstellung der Sozialunion im Juni 1990 bis 1992 sind dies zusammengenommen über 70 Mrd. DM. Eine Teilgruppe der Bevölkerung - Arbeiter und Angestellte, auch hier nur innerhalb bestimmter Versicherungspflicht- und Beitragsbemessungsgrenzen - leisten für die ihnen sozial Gleichgestellten und deren Familien in den fünf neuen Bundesländern ein Sonderopfer, dem kein angemessenes der Beamten, der Selbständigen und der Unternehmer entspricht.
Es ist schon jetzt abzusehen, daß angesichts der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in Ostdeutschland und deren Auswirkungen auf die Sozialversicherungen weitere "interne" Lösungen für die einzelnen Zweige der Sozialversicherung gesucht und gefunden werden. Die schon jetzt einsetzenden rigiden Einsparungen etwa beim Arbeitsförderungs- und beim Bundessozialhilfegesetz zeigen deutlich, wo die Lasten der deutschen Einheit letztlich liegen bleiben werden.
Diese einseitige Politik der Umverteilung von unten und von Osten nach oben ist nicht zwangsläufig. Der soziale Ausgleich von oben nach unten, von Westen nach Osten - und zwar auch im europäischen Sinne - und letztlich der von Norden nach Süden ist dringender geboten denn je. Dieser soziale Lastenausgleich ist finanzierbar! Verteilungsfragen müssen in unserer Gesellschaft wieder offen diskutiert werden, wobei Fakten und nicht ideologische Phantasmagorien auf den Tisch der Wissenschaft, der Politik und der Wirtschaftsverbände gehören.
Gefordert ist eine regelmäßige Sozialberichterstattung in Deutschland, die zum einen über die vorhandene und zunehmende Verarmung von Teilen dieser Gesellschaft berichtet. Auf der anderen Seite bedarf es einer regelmäßigen Berichterstattung über den immensen Reichtum dieser Gesellschaft und seiner Verteilung. Und schließlich bedarf es einer öffentlichen Diskussion über volkswirtschaftliche und ethische Kriterien dafür, wie dieser Reichtum individuell und sozial verwendet werden soll und kann.
Auf dieser Grundlage ist ein "Budget soziale Einheit" parallel zum Sozialbudget auszuweisen, in dem Bedarf, Finanzierung und Verteilungswirkung bei den Einnahmen und Ausgaben bilanziert werden. In dieses "Budget soziale Einheit" ist ein nationaler sozialer Lastenausgleich einzuarbeiten, der jeden einzelnen entsprechend seiner Leistungsfähigkeit zur Herstellung der sozialen Einheit in Deutschland und darüber hinaus in Europa heranzieht.
Eine derartige Politik und diese großen Probleme werden sich sicher ihre politische Mehrheit in Staat und Gesellschaft erst noch suchen müssen, doch wird ein Hinauszögern dieser Politik des Umverteilens nicht nur den sozialen Frieden ernsthaft gefährden, sondern auch politisch destabilisierend wirken. Werden die sozialen Folgeprobleme des Umbruchs in Ostdeutschland und darüber hinaus in Osteuropa nicht gelöst, dann zeichnen sich schon jetzt Konsequenzen ab, die mit Sicherheit zu ganz neuen Kosten führen werden, nämlich solchen der innerstaatlichen wie der Aufrüstung nach außen: gegen Radikale, gegen Armutsflüchtlinge, gegen Opfer von Bürgerkriegen, gegen nationalistisch überwölbte soziale Konflikte im Osten u. a. m. Es geht um soziale Interessen. Wofür soll der Reichtum dieser Gesellschaft verwendet werden: für sozialen Frieden oder für Polizei- und Militäraktionen. Es gilt zu votieren.
FRANKFURT A. M. "Die Six Packs sind Nummer eins in Town, wir können am besten draufhaun." Provozierendes und mitreißendes Theater erlebten an die 400 Schüler im Haus der Jugend am Deutschherrnufer. Das Kölner Ensemble "Comic on" spielte auf Einladung des städtischen Jugendamts vor Neunt- und Zehntkläßlern aus 20 Schulen. Gegenstand des Rock- und Tanztheaterstücks war Gewalt unter Jugendlichen. Ein The- Nicht wie die Eltern ma, das die Schüler offenbar interessierte. Zustimmender Applaus und lautstarke Pfiffe zeigten jedenfalls, daß sie die Aufführung mit Aufmerksamkeit und Spannung verfolgten.
Das Keyboard auf der Mülltonne, das Schlagzeug im Einkaufswagen und Graffitis an der Wand - dieses Szenario symbolisierte die Lebenswelt der Jugendgang "Six Pack". Eine Welt, in der Ärger mit der Familie, Kummer mit Freund oder Freundin und Sorgen über die zunehmende Umweltzerstörung verdrängt werden. Klar ist den Heranwachsenden nur eines: Sie wollen nicht leben wie ihre Eltern: "Arbeiten, nach Hause gehen und ins Bett fallen."
Statt dessen reagieren die Gang-Mitglieder ihre Aggressionen am gemeinsamen Gegner, einer anderen Jugendgang, ab. Dabei erleben sie sich als besonders stark: "Nach einer Schlägerei fühlst du dich einfach gut." Erst eine gerade als Mitglied akzeptierte Frau mit Mut zur Kritik öffnet ihren Freunden die Augen. Wer auf Menschen, die blutend auf dem Boden liegen, blind eindresche, sei für sie nicht die "Nummer eins".
Das Stück warb auch um Verständnis für die Situation von Jugendlichen, die ohne deutschen Paß in der Bundesrepublik leben. "Wir sind hier und in unserem Heimatland Ausländer", klagte der spanische Gangführer Paco. Seine griechische Freundin Loutsa war von zu Hause weggelaufen, um ihrem Bruder, dem "Wächter ihrer Ehre", zu entgehen.
Immer wieder forderten die Schauspieler mit gewagten Sprüchen ihr junges Publikum zu zustimmenden oder ablehnenden Reaktionen heraus. Diese sollten nach dem Konzept der Kölner Theatergruppe eigentlich Ansatzpunkte für eine Diskussion mit den Jugendlichen sein.
Doch dieses Gespräch fiel in Frankfurt aus. Die Schüler verließen - ohne Kenntnis der Idee - nach dem Ende der Nicht gut abgestimmt Aufführung schlagartig das Haus der Jugend. Die Abstimmung zwischen den Schulen und dem Jugendamt sei nicht optimal gewesen, gestand Sozialpädagogin Ellen Wolf von der Stadtjugendpflege ein.
Damit verstrich die Chance für ein gemeinsames Nachdenken von Schülern, Schauspielern und Pädagogen über jugendliche Gewalt und Ausländerfeindlichkeit ungenutzt. *bay
Namen + Notizen
WILFRIED HÄDRICH wurde mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen für sein Engagement ausgezeichnet. Hädrich ist Vorsitzender des "Mietervereins Henri-Dunant-Siedlung" in Sossenheim. Ebenfalls den Ehrenbrief erhielten Paul Jung, Alfons Schmidt und Günther Stieglitz. Damit wurde ihre Tätigkeit im Turnverein 1875 Frankfurt-Sindlingen gewürdigt.
GEORG HEINZ, bis zum Sommer leitender Mitarbeiter der Energieabteilung in der Hoechst AG, 33 Jahre lang Betriebsrat, Mitglied von Gesamtbetriebsrat und Aufsichtsrat, erhielt das Bundesverdienstkreuz am Bande. Heinz wurde vor allem für sein sozialpolitisches Engagement geehrt. Der hessische Wirtschaftsminister Heinz Welteke hob in seiner Laudatio hervor, daß sich Heinz besonders bei der Neuordnung der betrieblichen Altersversorgung verdient gemacht habe.
FRANKFURT A. M. Kann man eine Schallplatte von vorne bis hinten alleine produzieren, sämtliche Schritte vom Komponieren, Arrangieren bis zum Aufnehmen und Abmischen in Eigenregie bewältigen? Technisch ist dies seit dem Einzug von Synthesizern und Computerprogrammen in die Musikstudios sicher einfacher geworden. Aber kann eine hörenswerte, abwechslungsreiche Platte entstehen, wo nur einer seine Kreativität einfließen läßt? Und selbst wenn ein spannendes Ergebnis bei so einem Einzelprojekt herauskommen sollte - macht es nicht viel mehr Spaß, zusammen mit anderen Musik zu machen?
Ralf Jacobsen, kurz RAJA, scherte sich wohl kaum um diese Art von Fragen, als er sich entschloß, ohne fremde Hilfe ein Album zu schaffen. In einem kleinen Heimstudio im Nordend, wie es Jacobsen zufolge "bereits für ein paar tausend Mark zu haben ist", bastelte er in dreijähriger Arbeit seine "open frontiers" zusammen. Der gelernte Tontechniker verzichtete dabei ganz auf Gesang. Insgesamt sind auf der jetzt erschienenen CD 15 Instrumentaltitel verewigt.
RAJA, der Gitarre und Klavier spielt, machte sich die Fähigkeiten eines Synthesizers zu eigen und spielte jedes Instrument selbst nacheinander ein. Bis auf die Gitarre sind alle Instrumente - Baß, Schlagzeug, Perkussion, Flöten - elektronisch produziert. Künstlich wirken die Arrangements dadurch aber nicht. Auf "open frontiers" finden sich meditative Klänge, funkige Rocknummern und Versatzstücke aus dem Jazz. In fast allen Kompositionen schwingt die Experimentierlust von RAJA mit. Tempo- und Rhythmuswechsel erfordern die Aufmerksamkeit des Hörers.
"Ich habe die CD bestimmt nicht für ein großes Publikum gemacht. Wer sich meine Kompositionen anhört, muß viel Offenheit mitbringen", meint RAJA. Trotzdem kommt auch "Otto Normalhörer" zu seinem Wiedererkennungseffekt. Bill Withers' "Ain't no Sunshine" hat RAJA irgendwo zwischen Jazz und Funk neu interpretiert.
Schon als Kind hat RAJA Musik gemacht. "Meine Eltern haben mich im Alter von zehn Jahren zum Klavierunterricht geschickt. Auch wenn ich es damals nicht einsehen wollte: Es hat mir eine Menge gebracht", sagt der Musiker. Sein Interesse an Rockmusik datiert aus den frühen siebziger Jahren. "Damals standen kommerzielle Kriterien noch nicht so im Vordergrund wie heute. Es gab einfach mehr Raum zum Experimentieren."
Aufgewachsen ist RAJA im Rhein-Nekkar-Raum. Vor drei Jahren kam er nach Frankfurt. Bis zu diesem Zeitpunkt spielte er in verschiedenen Funk-Rock- Bands, was ihn aber nie ganz befriedigte. "Kontinuierliche Arbeit in einer Band ist schwer zu organisieren, wenn nicht alle von Anfang an voll mitziehen." Aus dieser Erfahrung entstand der Wunsch, ein Album allein zu machen. Alte Kompositionen nahm RAJA neu auf; andere Stükke kamen hinzu, bis nach drei Jahren das gute Dutzend Songs fertig war.
"Für mich war die Arbeit an ,open frontiers&rquote; erst eine Herausforderung. Im Laufe der Zeit wurde eine völlig neue Erfahrung daraus", erzählt der Multiinstrumentalist. "Ich mußte mir zum ersten Mal Gedanken machen, was ein Bassist oder ein Schlagzeuger in einer Band überhaupt tun. Das war eine ganz neue Rolle für mich."
Zur musikalischen Erfahrung kam die eher unangenehme bürokratische: Ein "immenser Papierkram, der eine Portion Idealismus erfordert", steckt RAJA zufolge hinter der Produktion einer Platte. "open frontiers" ist für ihn vor allem ein Dokument. Verkauft wird es im Eigenvertrieb in diversen Frankfurter Plattenläden. Für die Zukunft spielt RAJA mit dem Gedanken, sein CD-Projekt mit einer Band umzusetzen. Ganz hat er die Lust an der Arbeit mit Bands folglich noch nicht verloren: "Man soll niemals nie sagen." hen
"Studentische Korporationen gestern und heute" ist der Titel einer Neuerscheinung, die sich kritisch mit Geschichte und Gegenwart studentischer Verbindungen befaßt. Das Buch versammelt Vorträge und Diskussionen einer Marburger Konferenz, die im Juni 1992 in Hinblick auf den 175. Jahrestag des Wartburgfestes abgehalten wurde.
Es geht um Urburschenschaft, frühe antisemitische Tendenzen und ideologische Nähe zum Nationalsozialismus bei einem Teil der Korporierten sowie um Sitte und Brauchtum in schlagenden und nichtschlagenden studentischen Verbindungen. Kritisch beleuchtet werden auch elitäre Prinzipien und Verbindungen zum Rechtsextremismus und nationalistisch- großdeutsche Töne am rechten Rand der Korporationen.
Alexandra Kurth, Jürgen Schlicher - Projekt Wartburg 92 (Herausgeber): "Studentische Korporationen gestern und heute", erhältlich bei der Geschichtswerkstatt Marburg, Liebigstraße 46 (Telefon 06421/13107), 144 Seiten, 8,80 Mark und 1,20 Mark für Versand.
Ein Alptraum
Andreu Martin, 1949 geboren, schreibt seit Ende der sechziger Jahre Kriminalromane, zuerst in Katalanisch, dann in Spanisch. Erst 1989 ist Martin bei uns entdeckt worden, seitdem sind fünf seiner etwa 20 Romane erschienen. Die gut lesbaren deutschen Übersetzungen (Barcelona Connection von Elisabeth Müller, die übrigen vier von Marion Lütke) beruhen auf den spanischen Ausgaben.
Stichworte zum Inhalt: In Aus Liebe zur Kunst (1982) soll ein Privatdetektiv einen Kunstraub aufklären, er gerät in eine Welt (und kommt in ihr um), in der Kunst nur noch ein Geschäft ist, in der man über Leichen geht, ja in der unter dem Vorwand von Kunst gemordet wird. Mord als äußerste Konsequenz der Konzeptkunst. In Bis daß der Mord euch scheidet (1983) ist ein Mann verschwunden, ein Privatdetektiv sucht ihn, seine Frau wurde ermordet, ein Polizist soll den Fall klären. In Hammerschläge (1987) gewinnt ein armer Schlucker im Lotto viele Millionen, er genießt die für ihn neue Macht, stiftet einen anderen armen Schlucker zum Mord an, er selbst wird belogen und betrogen und am Ende erschossen. In Barcelona Connection (1988) taucht der Polizist Huertas wieder auf, der schon in Hammerschläge eine Rolle spielte - Martins einziger Versuch, die Geschichte einer Figur fortzuschreiben. Beim Einsatz gegen die Mafia wird immer klarer, daß Huertas niemandem trauen kann, nicht einem Richter, mit dem er befreundet ist, nicht einmal seinem Kollegen, mit dem er ein Team bildet. Am Ende muß er sich den Weg freischießen, er flieht, auch der Leser erfährt nicht, wohin. In Don Jesús in der Hölle (1990) fährt der Großbauer Jesús nach Barcelona, wo seine Schwester gestorben sein soll, er gerät in die Unterwelt, er muß selbst töten, um am Ende in sein Dorf zurückkehren zu können.
Martins Romane sind das endgültige Dementi sowohl des Detektiv- als auch des Polizeiromans. Daß Verbrechen sich lohnen, daß der einzelne Fall vielleicht gelöst und der einzelne Täter der gerechten Strafe zugeführt werden kann, sich am System des Verbrechens aber nichts ändert - das ist Gemeingut eigentlich aller ernstzunehmenden Kriminalromane der letzten Jahrzehnte; auch bestechliche Polizisten und schmierige Detektive hat es immer gegeben. Aber ihnen standen doch die einsamen Helden in der Tradition von Hammett und Chandler gegenüber, die ihren Weltschmerz im Suff ertränkten, die zynisch sein mochten und, wenn es sein mußte, erschreckend brutal, die aber doch ihren lausig bezahlten Job als eine Aufgabe sahen, wenigstens punktuell und für wenige Momente noch einmal Gerechtigkeit herzustellen.
Bei Andreu Martin wird mit dieser Illusion aufgeräumt. Besonders ekelhaft sind meist die Privatdetektive. Die beiden, die der verrückte Lotteriegewinner in Hammerschläge angeheuert hat, damit sie ihn beschützen, sind ausschließlich hinter seinem Geld her. Der Detektiv in Bis daß der Mord euch scheidet ist ein unreifes Muttersöhnchen, impotent, ein menschliches Wrack, zum Mord aus Panik reicht es gerade noch. Nur der Bauer Jesús, den es nach Barcelona verschlägt, auch er eine Art Detektiv, hat so etwas wie einen Ehrenkodex, aber im entscheidenden Moment wird er zur Mordmaschine. Und die Polizisten? Anmaßende Machos, korrupte Schweine. Die einzige ehrliche Haut, Huertas, ist nichts als ein Narr.
Zum Ausdruck dieser verrotteten Gesellschaft ist die Gewalt geworden. Sie kann kaltblütig, ganz geschäftsmäßig geplant werden, sie kann aber auch ohne Vorwarnung ausbrechen. Keiner ist gegen sie gefeit. Eine Ordnung, die sie im Zaume halten könnte, gibt es nicht. Trotzdem sind diese Romane kein Schrei nach mehr Staat, sondern ein Schrei der Verzweiflung über den Verlust der Humanität. Die Gewalt wird so furchtbar geschildert, wie sie ist. Nur in Aus Liebe zur Kunst, dem problematischsten der fünf Romane, wird manchmal eine geheime Faszination spürbar. Der deutsche Verlag hat mit Einverständnis von Martin den Roman etwas gekürzt.
Alle Romane sind komplex in ihrer Erzählstruktur, die Zeitebenen werden häufig ineinander verschränkt, die Perspektiven wechseln, oft blitzschnell. Eine Einfühlung in die Handlung und die Personen wird dem Leser fast durchweg verweigert, er liest mit angespannter Distanz. Es sind ungemütliche Bücher, manchmal auch absurd komisch, sie haben aber eine Sogkraft, der man sich nicht entziehen kann - zum bösen Ende hin. WILHELM ROTH
Andreu Martin: Barcelona Connection, 1989, 192 Seiten, 24 DM; Aus Liebe zur Kunst, 1990, 239 Seiten, 24 DM; Hammerschläge", 1991, 220 Seiten, 22 DM; Don Jesús in der Hölle, 1991, 292 Seiten, 28 DM; Bis daß der Mord euch scheidet, 1992, 283 Seiten, 39 DM, alle im Elster Verlag, Baden-Baden.Verwirklichte Utopie Blickwinkel mit Wörtern · Von Otto F. Best
Der gute Klang, den das Wort "Utopie" einst hatte, ist dahin. Als Idealzustand von Plato im 4. Jahrhundert v. Chr. erfunden, aber als Begriff auf den englischen Lordkanzler Thomas Morus zurückgehend, ist Utopie eine Zusammensetzung aus griechisch "nicht" und "Ort". Daß das Wort "Nirgendland" bedeutet, ist uns Europäern heute bewußter denn je. Wir sehen uns nicht gern als Pferde, die, wie auf dem bekannten russischen Bild, im Dreigespann hinter dem Bündel Heu hertraben, das ein schlauer Kutscher ihnen an einer Stange vor das Maul hält. Mißtrauisch sind wir geworden und bescheidener. Utopisten sind für unseren kritischen Verstand, um es mit Ludwig Marcuse zu sagen, in erster Linie Leute, die es sich leisten, "alles auszuklammern, was der Utopie im Wege steht".
Ernüchterung also, die mehr das Konstruierte, Unausführbare der Utopien im Blick behält als ihre Versprechungen. Dennoch: "verwirklichte Utopie" als amerikanischer Besitztitel? Für uns "Cisatlantiker" ein Paradox, allenfalls akzeptierbar als façon de parler, für Amerikaner freilich ein Glaubensartikel.
Gibt es eine "relative Perfektion"? Wer annimmt, diese Frage beantworte sich von selbst, macht die Rechnung ohne die Panazee, die als Pragmatismus in der Philosophiegeschichte ihren Platz behauptet. Diese Ende des 19. Jahrhunderts aufgekommene Denkweise, die, wie auch einschlägige Werke uns bestätigen, gerade in der amerikanischen Lebensform Ausdruck findet, bindet den Wahrheitsbegriff an seine Bewährung im praktischen Leben. Als "wahr" gilt dann, was "lebensfördernd", "nützlich" ist. Wobei die Frage nach dem "für wen" eher individueller Beantwortung überlassen bleibt. Nein, keine jesuitische Kasuistik, kein Spiel mit Paradoxen eines ehrbaren philosophischen Denkens. Es erlaube uns, die Wahrheit aus jener Umklammerung zu "befreien", die die traditionelle Forderung nach Übereinstimmung von Erkenntnis und deren Gegenstand darstelle. Was sich hieraus ergibt, ist jedoch, vereinfachend gesagt, eine von den Erfordernissen des Alltags (und, nicht zuletzt, deren Lenkern) manipulierte und propagierte Wahrheit. Nicht länger ist sie Orientierungspunkt, wie die himmlischen Sternbilder, die Konstellationen, sie dem Erdenwanderer einst boten (und m. E. noch immer bieten), sondern schlicht (Weg-) Beleuchtung, die den Zeitgenossen dorthin zu (ver-)führen sucht, wo es ihr in die Rechnung paßt.
Gewiß, wer wagt zu bestreiten, daß es sich mit dem Gefühl, in einer Utopie aufgehoben zu sein, angenehmer leben läßt als mit dem uralten Wissen von der Gebrechlichkeit der Welt. Der griechische Geschichtenschreiber Polybios nannte die Wahrheit "Auge des Gesetzes". Mehr als 2000 Jahre sind inzwischen vergangen. Sie haben uns belehrt, nicht "Auge" ist sie, sondern "Brille": Brille des Gesetzes. Brillen werden nicht nur "verordnet", auch zurechtgeschliffen.
Dissent, Verweigerung der Anpassung als Weigerung, glücklich zu sein. Per definitionem liegt das Glück in greifbarer Nähe. Hinter der nächsten Wegbiegung erwartet es dich. The American way of life garantiert es. Seine Endstation: Geschichtslosigkeit. Wo glücklich ist, nicht wer sich dafür hält, sondern wer weiß, daß er andern so vorkommt. Weshalb also aufbrechen zu "neuen Ufern", wenn man das, wovon andere doch nur träumen, in der Tasche fühlt? Weshalb noch neugierig aus dem Fenster blicken? Tertullian läßt grüßen. Scheuklappen, spiegelverstärkt, billig und bunt: Wechselseitig halten sie die Unendlichkeit im Griff.
Es läge nahe, die Vorstellung der verwirklichten Utopie, sozusagen mit der "linken" Hand, als paläokapitalistischen Werbeslogan abzutun, ihre unermüdliche Vermarktung als sound bit schlicht der Hektik der "Wahlkampf" genannten Werbeaktion anzulasten. Das ist zu einfach. Der Anspruch, den Idealzustand von "Nirgendland" zum Realzustand eines Landes "unbegrenzter Möglichkeiten" gemacht zu haben, gehört zu jenen instant gratifications, welche die USA generös als Zuckerstücke auf die Tretmühle reicht: Wie Beruf zu Job schrumpft, so verdrängt der leicht faßbare Teil, das Stückwerk, das Ganze, noch Transparenz atmende. Mit Plakatwänden übertönt die Lockung des lächelnden Heute die zweifelnde Stimme des Morgen. Die flügellahme Taube in der Hand behauptet keck, der Paradiesvogel auf dem Dach zu sein. Relativität über alles.
Ein Gegenvorschlag: Warum machen wir die Frage der verwirklichten Idee, diesen Widerspruch in sich, nicht einfach zu einer Arbeitshypothese? Hypothesen seien Baugerüste, schreibt Goethe in Maximen und Reflexionen. Sei der Bau dann fertig, trage man sie ab. Nur: Solange sie stehen, noch kein Richtfest gefeiert ist, bleibt es ganz in das Ermessen des Betrachters gestellt, für das Bauwerk auch das Gerüst um den Bau zu nehmen. Und, nicht zu vergessen, glücklich dabei zu sein.
Einem Biochemiker wird bei einem Laborversuch das Gesicht völlig zerstört; unter Bandagen verbirgt er die ständig wieder aufbrechenden und eiternden, Blutegelnestern ähnlichen Kelorid-Narben, die nun sein Antlitz sein sollen. Er ist nicht nur entstellt, er besitzt sozusagen gar kein Gesicht mehr, und wenn er anderen Menschen den Anblick der Verwüstung nicht zumuten mag, so ist dies nur eine Ansicht der Sache - ist er doch für sich selbst, in seinem Bewußtsein von sich, ein anderer geworden.
Daß seine Frau ihn - bei aller Beherrschung - zu meiden scheint, daß jede Intimität unmöglich geworden ist, das ist nur ein Symptom für die unwiderrufliche grausame Veränderung in seinem Leben wie schließlich auch in seiner Psyche, nein, nicht auch, in ihr vor allem: "Plötzlich hatte ich das Gefühl, als sei mein Gesicht ein tiefes Loch, so tief, daß mein ganzer Körper es nicht hätte ausfüllen können. Und aus diesem Loch drang eine Flüssigkeit wie Eiter aus einem faulen Zahn; sie tröpfelte mit vernehmbarem Laut herunter und verbreitete einen entsetzlichen Gestank im Zimmer . . . aus den Polstern der Stühle, aus dem Wandschrank, aus dem Ausguß, aus dem Lampenschirm, der durch Insektenleichen ganz dunkel geworden war, kroch dieser furchtbare Gestank heran wie ein Schwarm Küchenschaben. Ich wünschte, ich hätte das Loch, diese tiefe Höhle in meinem Gesicht zustopfen können, mit irgend etwas zustopfen, um diesem grausigen Treiben ein Ende zu machen, das mir vorkam wie ein Blindekuhspiel ohne Blinden." Schmerz und Ekel, das ahnt man, könnten diesen Mann zu einem Ungeheuer machen . . .
Kóbo Abe, bei uns seit "Die Frau in den Dünen", also seit über zwanzig Jahren, bekannt und wiederholt übersetzt, spürt dieser sich genau abzeichnenden Katastrophe, die nur die Folge einer ersten sein würde, nach, d. h. dem, was diese auslöst, dem Verlust aller Selbstgewißheit und jener Art von Übereinstimmung des Individuums mit sich selbst, die wir als Identität zu bezeichnen uns angewöhnt haben.
Aber der erfolgreiche Naturwissenschaftler, der hier für seine Frau eine ausführliche, über mehrere Notizbücher verteilte Schilderung verfaßt, läßt nicht locker. Ist der Mensch wirklich dergestalt an sein Gesicht gefesselt, daß dessen Zerstörung seine Existenz bedroht? Kann der Mensch nicht vielleicht doch, mit einem anderen Gesicht ausgestattet, ein anderer werden, eine neue "Identität" gewinnen? Allein hierin kann die Lösung liegen für einen Menschen, der sich sonst nur noch als auf immer ausgegrenzt empfinden müßte. Nur eine Maske von höchster denkbarer Perfektion kann hier Abhilfe schaffen.
Sie gilt es zu suchen, also zu verfertigen. Mehrere Versuche und intensive Arbeit sind erforderlich, und bald schon wird eine Gefahr bemerkbar: "Schließlich sollte die Maske ursprünglich nur ein Mittel sein, mit dem ich mein Selbst wiedergewinnen wollte. Nun schien es ihr aber zu gefallen, vom ganzen Haus Besitz zu ergreifen, wo ich ihr doch nur ein Zimmer angewiesen hatte. Mit Verletzung der Selbstachtung hatte das eigentlich nichts zu tun." Wird die Maske also sein Gesicht werden, wo viele Gesichter doch eh nur Masken sind?
In seiner ausführlichen Niederschrift berichtet der Verletzte seiner Frau von seinen genau durchdachten und schließlich sogar erfolgreichen Bemühungen um ein "passendes&rquote; Gesicht, eine raffiniert hergestellte, mit den modernsten chiroplastischen Mitteln verfertigte Maske, die er schließlich verwenden kann, um wieder ein Mensch, wiewohl vielleicht ein anderer, zu werden. In einer kleinen Zweitwohnung arbeitet er an ihr, scheut weder Kosten noch Mühe, bis er sie auf gelegentlichen Spaziergängen und kleinen Einkäufen ausprobieren kann, um schließlich die letzte, die große Probe zu wagen, die gefährlichste auch: er macht den Versuch, sich seiner Frau zu nähern, um sie, deren Mann doch (wie er genau weiß) abwesend ist, zu verführen . . .
Der Versuch gelingt - und vollendet die Katastrophe: er verliert, was er so kühn gewinnen wollte. Tödliche Eifersucht kommt auf, sie droht ihn zu zerfressen. Die Bestätigung, die er suchte, wird zur zweiten Zerstörung. Als seine Frau die Aufzeichnungen gelesen hat, als er die Versöhnung erwartet, könnte alles wieder in Ordnung kommen, um so mehr, als sie (was er noch nicht wissen kann) ihn erkannt hatte und eben deshalb bereit war, auf dieses Spiel einzugehen. Sie aber kehrt nun nicht mehr zu ihm zurück. Als er in die kleine Wohnung eilt, wo er so lange an seiner Maske gearbeitet hat, findet er neben seiner Niederschrift die Antwort der Frau und muß folgendes lesen: "Du brauchst mich gar nicht. Was du brauchst, ist ein Spiegel. Denn jeder andere ist für dich nichts als ein Spiegel, in dem du dein Bild siehst. Ich möchte nicht noch einmal in eine solche Spiegelwüste zurückkehren. Ich könnte zerspringen, wenn ich daran denke, wie lächerlich du dich gemacht hast. Darüber komme ich nie hinweg, nie."
Fortan ist die Isolation total, fortan wird er das Ungeheuer sein, zu dem ihn der Unfall zu machen gedroht hätte, wäre er nicht so entschlossen dagegen angegangen. Die Verzweiflung schlägt um in die Lust, zu zerstören, zu vernichten. Die letzten Sätze könnten eigentlich nicht mehr von diesem Manne geschrieben sein: er steht im Dunklen an einer Ecke und lauert auf ein Opfer.
Im Deutschen wird dieses Werk von Kóbo als Roman bezeichnet, aber eine solche Bezeichnung ist ein wenig zu simpel, obschon es, wie manche Sachen von Kafka, durchaus als "Roman" zu lesen ist. Der Roman ist in gleichem Maße Parabel, womit zugleich gesagt ist, daß eine eindeutige Festlegung auf das, wofür dies nun eine Parabel sein soll, nur um den Preis größter Vereinfachung möglich ist. Daß Kóbo Abe an einer bestimmten Stelle seiner Erzählung auf das sich anbietende, komödienhafte happy-End verzichtet hat, um die Endgültigkeit der Katastrophe zu behaupten, zeigt, daß man sich vor solchen Vereinfachungen wohl hüten sollte. Entfremdung, Einsamkeit, Absurdität waren schon immer die Themen dieses japanischen Erzählers, der sich bewußt als heimatlos, und damit meint er wohl auch traditionslos, bezeichnet hat. "Alles, was seinen Wert aus der Fixierung bezieht, verletzt mich", hat er einmal erklärt. Auch die Parabel von Maske und Antlitz wollen wir nicht festlegen - sie ist schon verletzend genug.
RALPH RAINER WUTHENOW
Kóbo Abe: Das Gesicht des Anderen. Roman. Aus dem Japanischen von Oscar Benl. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1992, 230 Seiten, 32 DM.
Vitaminmangel kann Grauen Star fördern
Mangelnde Zufuhr von Beta-Karotin - Provitamin A, das im Körper zu Vitamin umgebaut wird - und der beiden Vollvitamine verdreifache das Risiko, Grauen Star zu bekommen, fanden sie als Ergebnis der Untersuchung von 47 Katarakt- Patienten im Alter zwischen 47 und 83 Jahren heraus. Alle drei Stoffe sind als Oxydationshemmer bekannt. Die finnischen Forscher vermuten, daß sie die Eintrübung der Linse verhindern, indem sie bei den körpereigenen Eiweißen die Verbindung mit Sauerstoff beziehungsweise den Entzug von Wasserstoff (Oxydation) verhindern. rtr
Ein Granitfelsen im Nord-Elsaß als umweltfreundliche Energiequelle - was noch wie Zukunftsmusik klingt, könnte durchaus schon bald Realität werden. Davon sind zumindest die Mitarbeiter des internationalen "European Hot Dry Rock"-Forschungsprojekts überzeugt, das 1987 im nordelsässischen Soultz-sous-Foret gestartet wurde und dessen erste Phase Ende letzten Jahres abgeschlossen wurde. Ziel des von der Europäischen Gemeinschaft und den drei beteiligten Ländern, Deutschland, Frankreich und Großbritannien, gemeinsam finanzierten Projekts ist es, die Möglichkeit der Erdwärmenutzung im Rheingraben zu erkunden. Diese Region wurde für das Experiment gewählt, weil sie eine geothermische "Anomalität" aufweist: Zwischen Schwarzwald und Vogesen steigt die Temperatur mit jeweils 100 Meter Tiefe nämlich um sechs bis sieben Grad Celsius gegenüber nur drei Grad im Durchschnitt.
Diese Besonderheit wollen die Wissenschaftler nutzen. Sie wollen dem felsigen Untergrund Wärme entziehen und diese in elektrische Energie umwandeln. Dazu soll Wasser etwa 3600 Meter tief in den Boden gespritzt werden, wo es sich im Kontakt mit dem Granit, der an dieser Stelle etwa 175 Grad Celsius heiß ist, erhitzt. Das heiße Wasser wird daraufhin wieder an die Oberfläche gepumpt, wo es sich in Dampf verwandelt, eine Turbine antreibt und Strom erzeugt. "Das Prinzip ist einfach und wird auch schon in einer ganzen Reihe von Ländern zur Energiegewinnung genutzt, in den USA beispielsweise, auf Island und den Philippinen oder auch in Italien", betont der franzöische Koordinator des Projekts, André Gerard. "Ob es aber durchführbar und rentabel ist, hängt ganz von der geologischen Beschaffenheit des Standorts ab, vor allem vom Verlauf der Spalten und Risse im Granitgestein", erläutert der Geophysiker.
In einer ersten Phase erkunden die Forscher in Soultz-sous-Foret daher den Untergrund mit aufwendigen Bohrarbeiten. Dazu werden Spezialbohrer mit einer Spitze aus besonders hartem Stahl und Diamanten in den felsigen Grund getrieben. Diese Phase des Experiments, das bisher rund 20 Millionen Mark kostete und rund 50 Forscher, Techniker und Arbeiter beschäftigt, ging jetzt dem Ende entgegen. Bis jetzt ist der Bohrer in etwa 3400 Meter Tiefe vorgedrungen. Die Meßgeräte zeigen dort eine Temperatur von 160 Grad Celsius an. "Das zeigt, daß unsere Berechnungen stimmen", stellte Gerard zufrieden fest.
In der zweiten Projektphase wollen die britischen, deutschen und französischen Wissenschaftler herausfinden, welche Stelle sich am besten für die geplante Injektion des Wassers eignet, wo beispielsweise die Risse im Gestein so verlaufen, daß sie den Wasserkreislauf nicht behindern. Dazu erkunden sie den Untergrund mit Hilfe von Ultraschall, optischen und akustischen Geräten. Alle Daten werden im Computer gespeichert und ausgewertet. Mit Hilfe dieser Angaben wollen die Experten eine Karte über den Untergrund des möglichen Standorts erarbeiten. Erst wenn diese Karte vorliegt, werden sie entscheiden, ob in Soultz-sous-Foret eine Pilotanlage zur Erdwärmegewinnung errichtet werden soll.
Neben dem elsässischen Standort, wo in den 60er Jahren noch Erdöl gefördert wurde, werden im Rahmen des European-Hot-Dry-Rock-Projekts derzeit noch zwei weitere mögliche Erdwärmequellen erkundet, in Bad Urach bei Stuttgart und im britischen Rojemanowes in Cornwall. Die Standortentscheidung soll im Laufe des kommenden Jahres fallen. "Den Zuschlag wird der Ort bekommen, der am erfolgversprechendsten ist", betont Gerard. Dort könnte dann nach einer mehrjährigen Probephase um die Jahrtausendwende aus Erdwärme Strom gewonnen werden.
Falls das European-Hot-Dry-Rock-Projekt erfolgreich sein sollte, wäre dies nicht zuletzt ein Anstoß für ähnliche Projekte anderswo in Europa. Die Reserven an Erdwärme sind nach Erkenntnis der Experten auf dem alten Kontinent durchaus beachtlich. Zwar sei es "sehr unwahrscheinlich", daß eines Tages in Europa dank der Erdwärmenutzung Kernkraftwerke abgeschaltet werden, meint der französische Koordinator. Doch als Alternativenergie, die zudem "abgesehen vom optischen Effekt" keine bekannten negativen Auswirkungen auf die Umwelt habe, sei die Erdwärme durchaus ernstzunehmen.
JUTTA HARTLIEB
FRANKFURT-NORD. Günther Häfner, bisheriger SPD-Fraktionsvorsitzender im Ortsbeirat 10 (Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Frankfurter Berg, Preungesheim), wird auch bei der Kommunalwahl im März auf Listenplatz Nummer 1 für den Beirat kandidieren. Auf einer Delegiertenversammlung nominierte ihn die SPD erneut. Die nächsten Listenplätze belegen Frieda Becker, Renate Knigge, Paul Barth, Michael Grewe, Georg Kletke, Adam Herbig, Alexander Zabler.
Weitere Kandidaten für den Ortsbeirat sind Horst Becker, Daniel Schauss, Heide Eckel, Rainer Nöll, Andreas Briese, Uwe Greier, Sigrid Richter-Herbig, Jürgen Hartwig, Beate Köth und Hartmut Pohl.
Die bisherigen Ortsbeiratsmitglieder Jörg Stelzer, Renate Münch und Sibylle Brehler-Helmke kandidieren nicht mehr für das Gremium. Stelzer ist wegen des sogenannten "Blauhelmbeschlusses" (der unter bestimmten Bedingungen Einsätze deutscher Soldaten in anderen Regionen billigt) der Bundes-SPD aus der Partei ausgetreten. Renate Münch verzichtet aus privaten Gründen. Sibylle Brehler- Helmke wird sich für die Stadtverordnetenversammlung bewerben, soll aber in ihrer neuen Funktion weiterhin in die Arbeit des Ortsbeirates einbezogen werden.
Besonderen Dank richteten die Delegierten an Ortsvorsteher Hans Betz, der nach zwanzig Jahren Ortsbeirat aufhört und sich künftig seiner Arbeit als Ortsgerichtsvorsteher im Bezirk 10 widmen will. Betz hatte kürzlich für seine Tätigkeit im Ortsbeirat die Römerplakette erhalten.
Häfner wies in seinem Rechenschaftsbericht auf die schwierige Lage im Norden hin. Durch die Umwandlung von Grünflächen in Baugebiete (wie zum Beispiel in Preungesheim-Ost) sei die ländliche Struktur in Gefahr. Bedenken der Bürger seien ernstzunehmen, aber Wohnungen seien dringend notwendig.
Trotz einiger Fehler zu Beginn der rot- grünen Koalition im Magistrat bewertete der SPD-Politiker die letzten knapp vier Jahre als positiv. Als Beispiel für gute Politik nannte er die geplante Sozialstation in Bonames, die dortige Umgehungsstraße und Tempo-30-Zonen, sowie die Sicherung der Natur durch den Grüngürtel entlang der Nidda.
Der zunehmenden Politikverdrossenheit will die SPD, betonte Häfner, durch das Gespräch mit den Bürgern und Initiativen entgegentreten, um "eine soziale Ausgewogenheit in den Entscheidungen" zu schaffen. Dabei sei es wichtig, jeder rechtsextremen und ausländerfeindlichen Tendenz entgegenzuwirken.
Der Kommunalwahl im März 1993 sehen die Sozialdemokraten optimistisch entgegen. Bei einem Wahlerfolg wollen sie sich um eine Verbesserung der Wohnqualität, neue Wohnungen, Abbau der Defizite im sozialen Bereich und die Bedürfnisse älterer Menschen kümmern. jot
NIEDER-ESCHBACH. Wenn die Bürger des nördlichen Stadtteils Lebensmittel einkaufen wollen und Frischfleisch oder Wurst auf ihrer Liste stehen, haben sie nur zwei Möglichkeiten: entweder der Metzger an der Ecke oder der Großmarkt. Wer jedoch in das "Plus"-Warenhaus in der Deuil-la-Barre-Straße kommt, wird enttäuscht: Dort gibt es seit einiger Zeit keine Frischfleisch- und Wurstabteilung mehr.
Für die CDU-Fraktion im Ortsbeirat 15 war das Anlaß genug, einen Antrag zu stellen. Der Ortsvorsteher soll mit der betreffenden Betreiberfirma des Marktes in Wiesbaden Kontakt aufnehmen und sich dafür einsetzen, daß die Nieder-Eschbacher auch im "Plus" künftig Frischfleisch und Wurst kaufen können.
Karl Herrmann (SPD) versprach, diesem Wunsch nachzukommen. Er will sogar selbst nach Wiesbaden fahren, um der Forderung Nachdruck zu verleihen. "Ein privates Gespräch kann oft mehr bewirken als ein unpersönlicher Brief", begründete der Ortsvorsteher sein Engagement in dieser Sache. Schließlich hätten sich zahlreiche, vor allem ältere Bürger über den Mißstand beklagt, heißt es in der Begründung zum Antrag, der mit zwei Enthaltungen angenommen wurde.
Die Grüne Christa Griebenow konnte dem Antrag nichts abgewinnen: "Ich halte das für populistisch", erklärte sie. Die CDU würde die monopolistische Großmarktstruktur in Nieder-Eschbach unterstützen und bereits Wahlkampf machen, lehnte sie den Antrag ab. jot
HEDDERNHEIM. Zum dritten Mal organisierte die Kolpingfamilie Heddernheim eine Hilfsaktion für Flüchtlinge in der kroatisch-bosnischen Grenzstadt Cerna. Derzeit leben dort neben den rund 12 000 Einwohnern weitere 20 000 Menschen in Flüchtlingslagern. Die Pakete wurden erst nach Lahnstadt am Rhein, anschließend nach Cerna gefahren. Alle 14 Tage wird ein Transporter in die Grenzstadt geschickt. Die Hilfsaktion wird von mehreren Frankfurter und umliegenden Kolpingfamilien und Kirchengemeinden getragen.
Bisher wurden neben Lebensmitteln und Kleidung rund 6000 Mark von der Frankfurter Bevölkerung gespendet. Davon kaufen die Initiatoren Medikamente und Verbandszeug. In der Garage des Vorsitzenden der Heddernheimer Kolpingfamilie stapelten sich die Pakete. "Nicht nur aus unserem Stadtteil, sondern aus ganz Frankfurt kamen die Leute", freute sich Joachim Fischer. Gespendet wurden Lebensmittel, Kleidung, Schuhe und Spielzeug. Trotz zweier Spendenaktionen im August und Oktober 1992 "hat das Interesse in der Bevölkerung keineswegs nachgelassen".
Zum ersten Mal beteiligte sich der Heddernheimer katholische Kindergarten an der Hilfsaktion - mit Spielzeug. "Das meiste, was bei uns eintrifft, hat eine hervorragende Qualität", erklärte Fischer. Je nach Wetterlage variiert das Sortiment. Im Oktober riefen die engagierten Christen zum Sammeln von Matratzen und Bettzeug auf. Damals waren wärmende Wintersachen und festes Schuhzeug gefragt, Konserven, Hülsenfrüchte und Nudeln.
Besonders stolz ist Joachim Fischer auf die Unterstützung durch einen hiesigen Pharmakonzern. Von den kürzlich gesammelten 2400 Mark werden ausschließlich Medikamente und Verbandszeuge gekauft. Die besagte Firma spendet ebenfalls Arzneimittel, "so daß wir letztendlich Heilmittel im Wert von etwa 7300 Mark nach Cerna schicken können". Fischer: "Wir können dafür garantieren, daß alle Hilfsgüter auch in der kroatisch- bosnischen Grenzstadt ankommen". Denn Mitglieder der Kolpingfamilie aus Lahnstadt begleiten regelmäßig den Transport in das vom Bürgerkrieg zerrissene Land.
Demnächst wollen die Lahnsteiner Christen einen Diavortrag vorbereiten. Fischer: "Dann sehen wir zum ersten Mal, wie schlimm der Alltag in Cerna tatsächlich ist." Doch die Heddernheimer Kolpingfamilie engagiert sich nicht nur für Notleidende und Verfolgte im ehemaligen Jugoslawien. Wie zahlreiche andere Frankfurter Inistitutionen wendet sie sich in ihrem Stadtteil entschieden gegen Ausländerfeindlichkeit.
"Das gehört für uns zusammen", sagte Fischer, "wir müssen mehr Toleranz gegenüber Fremden auch in unserem Land zeigen."
Am Familiengottesdienst in der Gemeinde, in dem auch deutliche Worte gegen Fremdenfeindlichkeit gesprochen wurden, nahmen insgesamt etwa 400 Gläubige teil. tin
Acheloos, heißt es, war ein Sohn der Meeresgöttin Thetys und des Titanen Okeanos. Das Meer und die Ströme, die Quellen und die Brunnen, sie alle, schrieb Homer, haben ihren Ursprung im Acheloos. Er war wendig und wandlungsfähig, aber dennoch unterlag Acheloos im Zweikampf um die Hand der begehrenswerten Deianeira dem starken Herakles - so der Mythos.
Jetzt steht dem Flußgott ein neues Ringen, vielleicht die endgültige Unterwerfung bevor. Es geht diesmal nicht um die schönen Augen der Deianeira, sondern um das, was manche für Fortschritt halten. In der Rolle des Herakles: die staatlichen griechischen Elektrizitätswerke DEI.
Aus den wilden Bergen des Pindos- Massivs, wo er nahe der Ortschaft Metsovo entspringt, fließt der Acheloos durch schmale Täler und tief eingeschnittene Schluchten südwärts, durchquert die Ebene von Agrinion und mündet bei Messolongi ins Ionische Meer. Mit 240 Kilometern Flußlauf ist er der längste und mächtigste Strom Griechenlands. Vielleicht werden sich kommende Generationen vom Acheloos erzählen. Geben wird es diesen Fluß jedenfalls nicht mehr lange. Wo er sich heute weiß schäumend durch den südlichen Pindos schlängelt, wird in wenigen Jahren allenfalls ein kümmerliches Rinnsal übrigbleiben. Mit einem gigantischen Wasserbauprojekt soll der wilde Acheloos zur Stromerzeugung gebändigt werden, und wenn seine gezähmten Wasser in den Turbinen ihren Dienst verrichtet haben, sollen sie durch Tunnel und Kanäle in die Ebene von Thessalien geleitet werden, um dort die Profite der reichen Baumwoll- und Weizenfarmer zu mehren.
Das Acheloos-Projekt geht bis in die 50er Jahre zurück. Grundgedanke ist die Umleitung des Flusses von der Westseite der Pindos-Wasserscheide auf die östliche Flanke des Bergmassivs, um so die Felder in der thessalischen Ebene zu bewässern. 1983 gab der damalige sozialistische Ministerpräsident Andreas Papandreou den Startschuß zur Verwirklichung des Vorhabens. Seit 1985 wird gebaut, werden Tunnel in den Fels gebohrt, wird Felsgestein gesprengt, werden Berge versetzt. 50 Milliarden Drachmen, umgerechnet fast 400 Millionen Mark, sind bereits verbaut - für ein monströses Projekt, das in mancher Hinsicht einem gigantischen Schildbürgerstreich gleicht.
Von der idyllischen Ortschaft Pyli am westlichen Rand der thessalischen Ebene führt die Straße hinauf in die wilde Bergwelt des Pindos. In steilen, engen Serpentinen geht es durch dichte, fast unberührte Wälder bergan. Kurz hinter Stournaraika überquert der Weg die Wasserscheide. Die schmale Asphaltstraße verwandelt sich in eine holprige, vom Winterregen ausgewaschene Schotterstrecke. Nach 70 Kilometern, für die man selbst bei beherzter Fahrweise gut zwei Stunden braucht, ist das Tal des Acheloos erreicht. Hoch über dem Fluß schmiegt sich das Bergdorf Mesochora an ein flach abfallendes, grünes Hochplateau. Mesochora gehört zu jenen Dörfern, die während der 400jährigen Türkenherrschaft entstanden. Hier suchten die Griechen Zuflucht vor den osmanischen Besatzern, die sich selten so weit in die Berge hinauf wagten. Jetzt droht Mesochora der Untergang: Zur Hälfte wird das Dorf im Wasser des Acheloos versinken. Hinter der Biegung am Ortsausgang verändert das Tal schlagartig sein Gesicht: kahl abgeholzt die Hänge, verwüstet das Flußbett, tiefe Wunden klaffen im Gestein. Die Schlucht dröhnt vom Getöse der Bagger und Planierraupen, der Schwerlaster und Betonmischer. Noch eine Kurve durch diese Mondlandschaft, und wir sind da: Eine über 100 Meter hohe Mauer aus grauem Geröll verdunkelt das Tal.
Hier bauen sie den Staudamm. Fast sechs Millionen Kubikmeter Gestein und Geröll werden zu einem Wall von 135 Metern Höhe aufgetürmt. Noch fließt der Acheloos durch einen seitlich in den Fels gesprengten Tunnel um das Stauwerk herum, aber wenn der Damm fertig und diese Schleuse geschlossen ist, dann wird sich der gebändigte Strom hier zu einem künstlichen See von zehn Quadratkilometern Fläche aufstauen.
Der Damm von Mesochora ist nur ein Teil des Acheloos-Projekts. Südlich des Stauwerks wird der Strom nicht seinem natürlichen, etwa 40 Kilometer langen Flußlauf durch das Tal folgen, sondern in einen steilen, acht Kilometer langen Tunnel gezwungen. Am Ende der in den Fels gebohrten Röhre warten zwei Turbinen auf das herabschießende Wasser des Acheloos. Dahinter wird der Fluß in einen weiteren künstlichen See münden, aufgestaut von einem 150 Meter hohen Damm. Von diesem Reservoir, dessen Fassungsvermögen 500 Millionen Kubikmeter Wasser betragen soll, wird der Acheloos durch einen knapp 19 Kilometer langen Felstunnel unter dem Pindos- Massiv hindurch auf die östliche Seite der Wasserscheide gezwungen, vor einem 120 Meter hohen Wall bei der Ortschaft Mousaki erneut zu einem See aufgestaut, wiederum durch Turbinen mit einer Stromausbeute von 270 Megawatt getrieben und dann schließlich in die thessalische Ebene entlassen, wo er 380 000 Hektar Ackerland bewässern soll.
Während sich die Bauern in Thessalien auf noch reichere Ernten freuen, schlagen internationale Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und WWF Alarm. Denn das von der Athener Regierung als "Jahrhundertwerk" gefeierte Acheloos-Projekt droht das ökologische Gleichgewicht ganz Mittelgriechenlands aus den Angeln zu heben.
Dabei müßten eigentlich die bitteren Erfahrungen der Vergangenheit eine Lehre sein. Denn wenn heute in der thessalischen Ebene das Wasser auszugehen droht, dann ist das in erster Linie das Resultat hemmungslosen Raubbaus. Mitte der 60er Jahre legten die Landwirte hier den Karla-See, damals Griechenlands größtes Binnengewässer, trocken. Sie leiteten sein Wasser durch einen Drainagetunnel ins Meer, um zusätzliche Anbauflächen zu gewinnen. Das war, wie man heute weiß, ein verhängnisvoller, nicht mehr zu korrigierender Eingriff: Mit der Trockenlegung des Sees geriet der ganze Wasserhaushalt der Ebene aus den Fugen, versiegten Quellen und Bäche, ging der Grundwasserspiegel drastisch zurück. Die früher von unzähligen glitzernden Fluß- und Bachläufen durchzogene Ebene trocknete immer weiter aus. Heute pumpen die Bauern mit rund dreitausend Bohrungen das Wasser aus bis zu 300 Meter Tiefe auf die Felder. Der Energieaufwand ist immens, die Kosten betragen jährlich sieben Milliarden Drachmen (über 50 Millionen Mark). Kein Wunder, daß kaum irgendwo auf der Welt Baumwolle so teuer produziert wird wie in der Ebene von Thessalien. Werden die Kosten dank der Acheloos-Umleitung nun wenigstens bald sinken? Nein, im Gegenteil, sie werden noch weiter steigen, denn das Acheloos-Wasser wird mindestens dreimal so teuer sein wie das bisher aus der Tiefe gepumpte Grundwasser.
Das aus sechs Staudämmen, vier Verbindungstunnel von insgesamt fast 40 Kilometer Länge und fünf Wasserkraftwerken mit einer Gesamtleistung von 660 Megawatt bestehende Projekt wird die schwindelerregende Summe von umgerechnet fast 15 Milliarden Mark verschlingen. Ohne EG-Hilfe, so wurde den Griechen bald klar, war das Projekt nicht zu finanzieren. Doch die Gemeinschaft bezuschußt landwirtschaftliche Bewässerungsprojekte nicht. So verfiel man im Athener Wirtschaftsministerium auf die patente Idee, das Acheloos-Vorhaben als Projekt zur Energiegewinnung zu tarnen und damit beihilfefähig zu machen. Bei nüchterner Betrachtung werden die fünf geplanten Kraftwerke nur gebaut, um EG-Gelder für die Stauwerke und Verbindungstunnel zu kassieren, deren eigentlicher Zweck die Bewässerung der thessalischen Ebene ist. Die Gemeinschaft macht das Täuschungsmanöver willig mit.
Die von der EG mitfinanzierten Wasserkraftwerke machen für sich genommen überdies gar keinen Sinn. Im Gegenteil: Durch die Ableitung von mindestens einem Viertel des Acheloos-Wassers nach Thessalien werden die bereits vorhandenen Kraftwerke am Unterlauf des Flusses erhebliche Einbußen erleiden. Ein Stück aus dem Tollhaus: Mit Milliardenaufwand werden nun am Oberlauf des Acheloos fünf neue Kraftwerke errichtet, doch unter dem Strich wird der Fluß wegen der Umleitung nach Thessalien in Zukunft weniger Energie hergeben als zuvor. Die staatlichen Elektrizitätswerke DEI fordern folgerichtig vom griechischen Staat Schadenersatzzahlungen in Höhe von umgerechnet knapp einer Milliarde Mark - als Ausgleich für die reduzierte Leistung der stromabwärts gelegen Kraftwerke. Man möchte sich über diesen in Europa wohl einmaligen Schildbürgerstreich vor Lachen biegen, gäbe es da nicht einen bitteren Nachgeschmack: Die europäischen Steuerzahler sind an diesem bizarren Vorhaben mit mehreren hundert Millionen Ecu beteiligt.
Zwar beziffert eine im Auftrag der griechischen Regierung erstellte Studie den Nutzen des Acheloos-Projekts auf umgerechnet 2,3 Milliarden Mark jährlich, wovon 85 Prozent aus der gesteigerten Landwirtschaftsproduktion stammen sollen. Doch diese Rechnung steht auf schwachen Füßen, denn sie geht von den Gegebenheiten der EG-Agrarpolitik Mitte der 80er Jahre aus. In der Ebene von Thessalien sollen neben Baumwolle Produkte angebaut werden, die schon jetzt im Überfluß vorhanden sind und deren Preise künftig mit der Reform des EG- Agrarmarktes weiter fallen werden: Weizen, Zuckerrüben, Milch und Rindfleisch. Viele Fachleute bezweifeln daher, daß sich das Acheloos-Projekt jemals auch nur annähernd amortisieren kann.
In die Geschichte eingehen könnte das Vorhaben aber vor allem wegen seiner unabsehbaren ökologischen Konsequenzen. Jeder Staudamm ist ein Eingriff in die Natur. Hier aber geschieht weit mehr. Von den 240 Kilometern Stromlänge des Acheloos werden nach Fertigstellung des Projekts ganze 60 Kilometer übrigbleiben. Auf den anderen 180 Kilometern wird sich der Acheloos in Stauseen verwandeln, wird durch künstliche Felstunnel fließen oder - auf ein Zehntel seiner natürlichen Wassermenge reduziert - als kümmerliches Rinnsal dahinplätschern. Welche Auswirkungen die Umleitung eines Großteils des Acheloos-Wassers auf die andere Seite des Pindos für den Wasserhaushalt und das Klima der Region haben wird, vermag zuverlässig niemand vorherzusagen. Auf ein anderes Wetter werden sich jedenfalls die Bewohner der thessalischen Ebene einstellen müssen. Diese schon heute heißeste Gegend des Landes wird sich in ein riesiges Treibhaus verwandeln, denn das aus dem Acheloos abgezweigte Wasser soll zu 93 Prozent aus Wasserkanonen auf die Felder regnen - die unwirtschaftlichste Methode der künstlichen Bewässerung, weil etwa ein Drittel des Wassers sofort verdunstet. Das birgt nicht zuletzt die Gefahr, daß die bewässerten Böden binnen weniger Jahre versalzen und unfruchtbar werden.
Das auf die thessalischen Felder gesprenkelte Wasser wird nicht nur am unteren Flußlauf des Acheloos fehlen, sondern vor allem im Mündungsdelta des Acheloos und in der Lagune von Messolongi, einem der größten Feuchtgebiete Griechenlands. Hier leben Kormoran, Silberreiher und Pelikan; das Delta bietet zahlreichen bedrohten Vogelarten wie dem Kaiseradler, dem Mönchsgeier und dem Wanderfalken Zuflucht. Wenn aber der Frischwasserzustrom und die Sedimente des Acheloos versiegen, dann wird das ökologische Gleichgewicht der Lagune binnen weniger Jahre aus den Fugen geraten, wird dieses Feuchtgebiet zu einer toten Salzwüste verkrusten. Der renommierte britische Umweltexperte und EG-Gutachter Ted Hollis bezeichnet das Acheloos-Vorhaben als "einen beispiellosen wirtschaftlichen, ökologischen und politischen Skandal".
Oder sollte sich der Acheloos am Ende doch als der Stärkere erweisen? Er ist ein wilder Strom, der im Winter viel Schlamm und Geröll mit sich führt. Deshalb haben die mit so großer Mühe und so viel Geld gebauten Staudämme nur eine sehr begrenzte Lebensdauer. Hinter der Staumauer sammeln sich nicht nur die Wasser, sondern auch die Sedimente des Acheloos an. Irgendwann werden diese Ablagerungen den Stausee füllen und die Oberkante des Dammes erreichen. Nach Berechnungen des Professors Dimitris Kotoulas von der Universität Thessaloniki wird das am Mesochora-Damm schon in 60 Jahren erreicht sein.
Dann wird sich der Acheloos wieder in einen Fluß verwandeln, der sich durch eine fruchtbare Ebene an Mesochora vorbeischlängelt, um lustvoll als Wasserfall über den nutzlosen Staudamm in die Tiefe zu stürzen. Der Tunnel nach Thessalien wird längst verstopft sein, die Turbinen der Kraftwerke stehen still. Und die heutigen Schulkinder von Mesochora können ihren Enkeln die Landschaft vor dem Dorf zeigen und von früher erzählen: Schaut, hier war einmal ein See!
Malerkolonie KRONBERG. In den historischen Räumen der Streitkirche eröffnet der Galerist Uwe Opper am Freitag, 29. Januar, 18 Uhr, ein "Museum der Kronberger Malerkolonie". Neben Bürgermeister Wilhelm Kreß wird Ministerpräsident Hans Eichel sprechen. Puppen OBERURSEL. Das Steinauer Marionetten-Theater spielt am Freitag, 22. Januar, 20 Uhr, in der Alten Post in der Oberhöchstadter Straße "Die chinesische Nachtigall". Es ist ein Puppenspiel für Erwachsene.Nachruf KÖNIGSTEIN. Die Königsteiner Kolloquien zur Zeitgeschichte beginnen am Donnerstag, 28. Januar, 20 Uhr, im Haus der Begegnung mit einem Nachruf auf die Tschechoslowakei. Jiri Dienstbier, ehemaliger Außenminister der CSFR, spricht über "Das Ende einer Vision - Nachruf auf die Tschechoslowakei". Nachtigallen STEINBACH. Zu einem verspäteten Neujahrskonzert kommen die "Westfälischen Nachtigallen" am Sonntag, 31. Januar, 18 Uhr, ins Bürgerhaus. Operettenglanz In der Stadthalle singt am Samstag, 23. Januar, 20 Uhr, "Die Csárdásfürstin". Das Operetten-Tournee-Theater Hannover gastiert mit dem klassischen Stück. Seulberg - Hongkong FRIEDRICHSDORF. In einer Tonbildreportage wird Günter Holle seine abenteuerliche Bahnreise von Seulberg nach Hongkong darstellen. Der Vortrag ist am Sonntag, 24. Januar, 17 Uhr, im Bürgerhaus Köppern.
FRANKFURT A. M. Grau ist der kalifornische Morgen in Venice Beach, geheimnislos liegen die Arkaden, wo einst Orson Welles "Touch of Evil" drehte, im smoggefilterten Licht. Die Seeluft hat den Metallring des Basketballkorbes angefressen, die Graffitis bleichen an den Mauern, und in den 30-Dollar-Motels starren die Rentner in den leeren Pool.
Die Asphaltplätze sind rissig und Gift für die Knöchel, und kein NBA-Scout steht am Spielfeldrand, um den Scheck für den neuen Magic Johnson zu zücken. Das Los Angeles in "Weiße Jungs bringen's nicht" ist fern von Hollywood und alles andere als der Ort, an dem neue Helden geboren werden.
Ron Sheltons Film erzählt keines der berühmten amerikanischen Märchen vom sozialen Aufstieg eines Underdogs durch sportlichen Ehrgeiz. Er verschreibt sich ganz und gar der Magie des orangefarbenen Balls, der sekundenlang auf dem Ring tanzt und in dessen Flugbahn für die Spieler die Unerbittlichkeit des Schicksals wirkt, das sie zu zwingen suchen.
Der Plot von "White men can't jump" mag sich äußerlich an Hollywoods notorische Dreiakter-Dramaturgie von Exposition, Konflikt und Lösung halten - in Wahrheit gleicht er der Fieberkurve eines Basketball-Matches, das schon gewonnen scheint, wieder umkippt und bis zum letzten Wurf auf Messers Schneide steht.
Der Rhythmus von Erzählung und Montage folgt den Körpertäuschungen und Positionswechseln, die Dialoge funktionieren wie harte Körperpässe oder selbstverliebte Dribblings, bei denen man den Gegner zu düpieren versucht, und bisweilen läßt ein verbales Dunking den Gegenüber verstummen. Es ist eine Arena des amerikanischen Alltags, frei von allegorischen Überhöhungen, weil Shelton, selbst ein Basketball-Maniac, keine weltbewegenden Botschaften im Sinn hat - es sei denn die, daß es nichts Schöneres gibt, als Basketball zu spielen.
Die Welt des Pick up-Balls zwischen Ruinen, Schrottplätzen und Parkplätzen hat mit dem Glamour der Sportdome, wo die Johnsons und Michael Jordans brillieren, freilich wenig gemein. Körperlosigkeit gilt hier nichts, die Beschimpfung des Gegners um so mehr. Die Werte heißen Kampf, Lust am Abzocken, List und permanentes Vabanquespiel. "Siegen und Verlieren sind ein organischer Klumpen", sagt Gloria, Billys Freundin, die in schäbigen Hotelzimmern nutzloses Wissen in sich hineinstopft, weil sie davon träumt, eines Tages bei der Gameshow "Jeopardy" abzuräumen.
Billy (Woody Harrelson), ein nicht allzu listiger Leichtfuß, phlegmatisch außerhalb des Platzes, der in verwaschenen T- Shirts und ausgebeulten Shorts gegen die grellen Hip Hop-Trikots der Schwarzen antritt, ist vor Gläubigern auf der Flucht und zugleich auf der Suche nach dem Kitzel, den nur ein Match um Geld beschert. Mit dem black macho Sidney (Wesley Snipes) rauft er sich zum "dream team" en miniature zusammen.
"Ebony and Ivory", Ebenholz und Elfenbein, versuchen, einander auszutricksen, sie stehen sich bei, ohne deshalb wie buddies auf die finale Lösung aller Probleme zuzusteuern. "Er ist ein Scheißtyp, aber er ist in Ordnung", sagt Billy. Sie machen ihre Träume und Pläne wahr und lassen sie zerplatzen, weil sie sich mit dem Starrsinn von Kindern der Einsicht verweigern, daß in der Welt außerhalb des Spielfelds andere Regeln gelten.
"Basketball ist kein Beruf", sagt Sidneys Frau (Rhonda Farrel, die Mutter der beiden "Boyz 'n the hood"). Das mag sein. Es ist jedoch weit mehr als eine Freizeitgestaltung, und für die Spieler wie eine Sucht. "Die Schwarzen wollen vor allem schön spielen und dann erst gewinnen, bei Weißen ist es umgekehrt", sagt Billy zu Sidney. Natürlich ist das eine Form des Selbstbetrugs, denn auch Billy will vor allem spielen, wenn er das ganze Preisgeld riskiert wegen eines Satzes: "White men can't jump", höhnt Sidney, und auf einem nächtlichen Parkplatz scheitert Billy am Beweis des Gegenteils.
So ausgiebig Ron Shelton diese selbstvergessenen Männer- und Gamblerrituale in Szene setzt, eine leise ironische Distanz bleibt. Die Frauen sind es, die kühlen Kopf behalten, wo die Männer nicht weiter als bis zum nächsten Matchball denken. Selbst in Sheltons mißglückten "Blaze" ließ der Gouverneur für die Stripperin alles liegen, und in "Annies Männer", dem wohl schönsten aller Baseballfilme, war es Susan Sarandon, die die männlichen Batter und Pitcher am letzten Inning abfing. Auch in "Weiße Jungs bringen's nicht" steckt der milde Spott über die Kindsköpfe, ohne daß darüber ihre Obsession für kindisch erklärt würde.
Die Liebe zum Detail, das Hingeworfene der Dialoge, ihre Alltäglichkeit, der unromantische Blick auf die verfallenen schwarzen Neighborhoods, die Tristesse der nomadischen Motelexistenz, die Momente der Verlassenheit - all das gelingt Shelton mit einer faszinierenden Beiläufigkeit. Wenn Sidney und Billy im Schlußbild im pazifischen Sonnenuntergang stehen, dann liegt darin nicht der klebrige Schmelz der Versöhnung. Neben dem Muscle Beach in Venice verrotten die Häuser, und im Schatten der Palmen lagern die Penner. Ob Sidney nicht doch das Geld für das Haus verspielt, ob Billy seine Gloria wiederbekommt, bleibt offen bis zum nächsten Match.
Der Film hat die Härte und Lässigkeit des Spiels, weil er auf die Wirksamkeit der einfachen Mittel vertraut. Shelton erzählt wie ein pick up player, der genau um seine Grenzen weiß und gerade deshalb einen überlegenen Gegner mental in den Griff bekommt. "Du kannst der beste Spieler der Welt sein", philosophiert der Regisseur und Autor, "aber auf jedem neuen Platz mußt du erstmal beweisen, was du kannst, und ganz von vorn wieder anfangen". - (Berger, Zeil 2; OF Berger)
PETER KÖRTE
FRANKFURT A. M. Mit einem Ständchen des Singkreises und einem Lichtbildervortrag über die "Highlights" des vergangenen Jahres begann die Herbstmitgliederversammlung des Taunusklubs Frankfurt. 138 Mitglieder des Wandervereins, der seine Hauptgeschäftsstelle in Bad Soden unterhält, waren zum Haus Riederwald gekommen, um über die Planungen für das Jubiläumsjahr 1993 zu sprechen, das Programm für nächstes Jahr zu verabschieden und den Haushaltsplan zu genehmigen.
Die erste Aufgabe für die Anwesenden bestand jedoch in einer Nachwahl zum Vorstand des 1100 Mitglieder starken Vereins: Als stellvertretende Schriftführerin erhielt Gerda Winter das Votum der Wanderfreunde.
Weitere Wahlen standen nicht auf der Tagesordnung, so daß Karl Fluhrer weiterhin als Erster Vorsitzender tätig ist und Siegfried Rumbler das Amt des stellvertretenden Ersten Vorsitzenden ausübt. Elisabeth Rittau ist Zweite Vorsitzende und Hildegard Reichelt gehört dem geschäftsführenden Vorstand als Kassiererin an. Erika Schneider amtiert als Schriftführerin des Wandervereins, der 1993 auf sein 125jähriges Bestehen zurückblicken kann. Zur Feier dieses Jubiläums bereiten die Mitglieder des Taunusklubs für den ersten Sonntag des kommenden Jahres eine Wanderung von Oberursel auf den Großen Feldberg vor. Diese Wegstrecke lief der Gründer des Taunusklubs, August Ravenstein, mit Freunden am 5. Januar 1868, um - auf dem Gipfel angekommen - den Wanderverein zu gründen. Vorgesehen ist ferner eine Akademische Feier im Bürgerhaus Südbahnhof, die am 25. April über die Bühne gehen soll, berichtete die Zweite Vorsitzende Elisabeth Rittau.
Im Jubiläumsjahr stehen mehr als 200 Wanderungen sowie heimat- und naturkundliche Spaziergänge, Kegel- und Singabende auf dem Programm. Zur Finanzierung der Veranstaltungen, der Wegmarkierungsarbeiten und des Wanderheims Feldberg, beschlossen die Mitglieder einen Haushalt von 118 500 Mark. Die Summe setzt sich zusammen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und dem Eintrittsgeld für den Aussichtsturm Großer Feldberg, der dem Klub gehört. kan
FRANKFURTER STADTRUNDSCHAU 10
WESTLICHE STADTTEILE. Abgeblitzt ist der Ortsbeirat 6 (Höchst, Westliche Stadtteile, Goldstein, Schwanheim) beim Magistrat mit einer Idee zum Wassersparen.
Die Lokalpolitiker hatten angeregt, Wasser von Dächern und Höfen durch ein Extra-Rohrnetz in eine kombinierte Zisternen-/ Rückhalteanlage zu leiten. Diese (privaten) Auffangbecken sollten an die öffentliche Kanalisation angeschlossen werden; in den Zisternen müßten rund 50 Kubikmeter Regenwasser bleiben, die etwa zum Gießen im Garten nützlich sein könnten.
Der Magistrat lehnte die Idee jedoch ab. Begründung: Ein Bebauungsplan könne nur Einzelfälle berücksichtigen. Im übrigen würden die Vorschläge bereits bei der Landschaftsplanung bedacht, etwa wie das Versiegeln von Boden eingeschränkt werden könne, wie Dächer zu begrünen oder vorhandene Entwässerungssysteme zu nutzen seien. amm
ZEISLHEIM / UNTERLIEDERBACH. Die Hoechst AG hat 34 Hauseigentümer für die "vorbildliche Renovierung" ihrer denkmalgeschützten Häuser ausgezeichnet. Anlaß war der zum neunten Mal ausgetragene Denkmalschutz-Wettbewerb für die Werkssiedlungen in Zeilsheim und Unterliederbach. Hoechst veranstaltet den Wettbewerb, seit die Siedlungen Anfang der 80er Jahre in die Hände der Bewohner übergingen.
Die fünfköpfige Jury unter Leitung von Hanns-Hermann Piltz, dem ehemaligen Leiter der Abteilung Wohnungswirtschaft und Initiator des Wettbewerbs, sowie dem Höchster "Bürgermeister" Alfons Kaiser, zwei Denkmalpflegern und einem Hoechst-Mitarbeiter hatte aus einer Menge nahezu gleichwertiger Renovierungen auszuwählen. Konzern-Sprecher Ludwig Schönefeld sagte, die Teilnehmer hätten sich sehr an die strengen Auflagen des Denkmalschutzes gehalten. Das trage dazu bei, den Charakter der Siedlungen langfristig zu bewahren. Dennoch verzichteten die Preisrichter auf den ersten Platz, weil keine überragende Arbeit dabei war. Statt dessen prämiierten sie vier Zweitplazierte mit je 3000 Mark. Die Auszeichnungen gingen an die Familien Geisler (Hildburghäuser Weg 14), Friedrich (Hildburghäuser Weg 27), Schmitt (Greifswalder Weg 33) und Casado (Erfurter Weg 10). Die sechs Drittplazierten konnten je 1000 Mark, die Ehrenpreisträger je 500 Mark mit nach Hause nehmen.
Bei fast durchweg vorbildlichen Renovierungen mußten Details den Ausschlag geben, sagte Schönefeld. Die Gestaltung der Türen habe deshalb vorrangig darüber entschieden, ob der zweite oder "nur" der dritte Platz heraussprang.
Kleinigkeiten gaben auch den Ausschlag für die folgenden Plätze. So genügte ein "brauner statt ein grüner Klappladen oder ein verputzter Sockel", um sich auf den Ehrenplätzen wiederzufinden. dis
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NIEDER-ERLENBACH. Kunden des Frankfurter Verkehrsverbundes hatten es in den vergangenen Herbstferien nicht leicht: Beide FVV-Verkaufsstellen - das Geschäft Laeger in Nieder-Erlenbach und der Kiosk in Nieder-Eschbach - hatten zur selben Zeit geschlossen. Außerdem gab es an beiden Stellen keinen Hinweis, wo ersatzweise Tickets zu erwerben sind.
In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 13 (Nieder-Erlenbach) forderte die CDU- Fraktion deshalb Ortsvorsteher Kurt Michel (CDU) auf, auf eine bessere Koordination der Verkaufsstellen in den beiden nördlichen Stadtteilen zu drängen.
"Der FVV ist ein Dienstleistungsbetrieb", schloß sich SPD-Fraktionsvorsitzender Otfried Reinhardt dem an. Der CDU-Antrag wurde von allen Fraktionen bei Enthaltung von Klaus-Jürgen Glaeser (Grüne) angenommen. Er kritisierte an dem Vorschlag, die an den Bushaltestellen ausgehängten Fahrpläne zu kopieren und ebenfalls zum Verkauf anzubieten. "Der Aufwand ist enorm", die Kunden könnten sich das FVV-Fahrplanbuch kaufen: "Darin sind alle Linien aufgeführt."
Als Freund der Improvisation will Ortsvorsteher Michel dennoch beim FVV anfragen, ob die "kleinen Fahrpläne" der jeweiligen Stationen der Linien 65 und 66 in kleiner Auflage vervielfältigt werden könnten. "Die Arbeit übernehme ich gerne", bot er den Gang zum Kopierer an. tin
FRANKFURTER STADTRUNDSCHAU 99
FRANKFURT A. M. Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Größte im ganzen Land? "Wir sind es", weiß Gernot Cüppers, "der Alpenverein, Sektion Frankfurt, ist mit 7000 Mitgliedern der größte hessische Verein - größer noch als die Eintracht." Knapp zehn Aktive der Naturschutzgruppe im Alpenverein kamen zu ihrer alljährlichen Jahresabschlußfeier im Bürgertreff Bockenheim zusammen.
"Der Verein ist ungefähr in neun verschiedene Gruppen unterteilt - dazu kommen noch die Jugendkreise", erzählte Naturschutzreferent Cüppers. Im Verein wird vor allem geklettert und gewandert. Auch das sogenannte Freeclimbing findet seine Anhänger. Damit wird extremes Klettern an natürlichen und künstlichen Steilwänden bezeichnet, oft ohne ein sicherndes Seil oder andere Hilfen. In der Ballsporthalle Höchst fanden dazu im letzten Frühjahr die Welt- und im Herbst die Europameisterschaften statt.
Eine der Gliederungen des Frankfurter Alpenvereins ist die Naturschutzgruppe. Die etwa 15 Aktiven beseitigen im Hochtaunuskreis zusammen mit dem Forstamt Oberreifenberg regelmäßig Windschäden und forsten Waldbestände wieder auf: "Wir gehen beispielsweise mit Laubbäumen in bisher reine Nadelgehölze, damit dort ein stabilerer Mischwald entsteht", erklärte Cüppers. Diese Pflegeaktionen sind im Pflegeplan für das Naturschutzgebiet "Oberreifenberger Wiesen" vorgesehen - der Alpenverein übernimmt jeweils einen Teil davon.
Ein anderes Beispiel für die Unternehmungen der Gruppe ist ein Einsatz an den Eschbacher Klippen: Der Naturpark wurde von Ginsterbüschen gesäubert, die den ortsüblichen Heidebewuchs stören. Daneben werden in den Ötztaler Alpen Erosionsflächen wieder begrünt und alte Müllhalden beseitigt. Für jede der dortigen vereinseigenen Berghütten stellten die Naturschützer einen eigenen Aktionsplan auf. Die Arbeitsergebnisse dokumentiert die Gruppe auf Schautafeln und stellt sie vereinsintern und auch bei öffentlichen Veranstaltungen aus.
In der gesamten Bundesrepublik gibt es lediglich ein halbes Dutzend Naturschutzgruppen: "Wir werden allerdings immer mehr, weil die Bedeutung des Bereichs zunimmt", meint Gernot Cüppers. Einmal im Jahr treffen sich Vertreter der Gruppen zu einem Diskussionsforum. Daneben geben sie abwechselnd die Zeitschrift "akut" heraus, die sich mit Sachthemen rund um den Naturschutz befaßt.
Wer sich für die Arbeit des Frankfurter Alpenvereins interessiert, kann sich an Jutta Erich, unter der Telefonnummer 3 80 81 50, wenden. laf
In Staglieno lebt der Tod Von Guido Ceronetti
D ie italienische Kultur ist reich an eigensinnigen Künstlern. In der Literatur braucht man nur Namen wie Savinio, Manganelli oder Gadda zu nennen, um eine höchst merkwürdige Trias vor Augen zu haben. Der 1927 in Turin geborene Guido Ceronetti ist ein anderer Fall literarischen Eigensinns. Als Schriftsteller, Übersetzer und Marionettenspieler firmiert er - vor allem aber auch als apokalyptischer Querkopf, der sein (Un)Wesen in der italienischen Presse treibt. Ein hochgebildeter, scharfzüngiger Stilist des "bösen Blicks" - vor allem, wenn er auf "sein" Italien blickt, dem er in Haßliebe zugetan ist. Der C. Hanser-Verlag bringt nun, in der Übersetzung Viktoria v. Schirachs und Barbara Kohns, eine Sammlung seiner Arbeiten heraus: "Meine italienische Reise". Das hier vorabgedruckte kleine Stück über Genua und seinen weltbekannten Friedhof ist eine Kostprobe auf Guido Ceronettis Albergo Italia (ca. 184 Seiten, 29,80 DM). FR
Staglieno! Staglieno! Endlose Totenstadt, Paradies des geistig Nekrophilen, akademischer Garten des atheistischen Animisten! Staglieno, begrabener, unterirdischer Hafen am hinteren Ende der Hafenstadt! Wieviel mehr Maß besitzt der Père-Lachaise, der wie ein einziges Regelwerk aufgebaut ist, streng wie eine Militärakademie! Seine Alleen werden von einer mächtigeren, kompakteren Gesellschaft bevölkert, die entschlossen ist, sich fest an der Hand zu halten und zusammenzurücken gegen die Zeit, unter dem Zeichen der beiden Liebenden des Klosters Paraklet, Abälard und Heloise, dem Intellektuellenpaar, das in Worten in der Patrologie des Migne begraben ist und - ihre letzte Verrücktheit - in sich umarmenden und umschlingenden Gliedern unter dem neugotischen Tempelchen in Paris. Auf dem Père-Lachaise, wo sich die Zerbrechlichkeit der Lebenden aufgelöst hat, behaupten sich wunderbarerweise die Kraft der Toten, ihre Energie, ihr Hunger zu überdauern, ihr mysteriöser Wille zur Macht. Man sage nicht sofort, das Wesen Frankreichs bestehe in seiner Verwaltung; man suche zuerst im Nabel des Père-Lachaise nach dem Geheimnis seiner Kraft.
Aber Staglieno ist unerwarteter, unglaublicher, phantastischer. Der Damm des ursprünglichen Plans von Barabino, ein nüchterner viereckiger Grundriß, der von einer klassizistischen Kapelle beherrscht wird, bricht schnell, und der Fluß der Toten überschwemmmt den Hügel; zu ihrer Besänftigung fordern die Seelen grenzenlose Galerien, Säulengänge, heilige Wäldchen, wie von Dädalus erdachte Wandelgänge, ägyptische Tempel und eine Sintflut, einen Ozean, ein wahres Atlantis von Statuen, Basreliefs, Hochreliefs, Büsten, Medaillons, von schamlosen Inschriften, von indiskreten Statuengruppen, die alles von ihnen erzählen. Staglieno ist eine gewaltige kollektive Beichte, eine der größten Aufführungen des Theaters des Todes; man kann Tage (besser noch Nächte, versteckt in irgendeiner Kapelle), ganze Wochen damit zubringen, jene Wortergüssse, Monologe, Streitgespräche darüber anzuhören, wer mehr Verdienste, wer mehr Güter angehäuft hat, und immer würden sie einem Ungewöhnliches, Unerhörtes berichten über die Nichtigkeit, die Leere, das Elend, die unerreichbare Dummheit, die glühende Absurdität, die unendliche Verzweiflung, die unsere Knochenhülsen verstecken, um sie dann vor dem Angesicht des Himmels auszuspeien.
Wenn romanische Steine singen, dann rezitieren die Statuen Staglienos: Dramen von Giacosa, Ibsen, Ferrari, der Scapigliatura, von Verga, Bracco, D'Annunzio, Pirandello, Labiche, Feydeau, Strindberg in einem Durcheinander von Hertzschen Wellen, die aufeinandertreffen und sich kreuzen, überladen mit Stimmen und Geräuschen. Nichts ist weniger schweigsam als dieser unerschöpflich raunende Friedhof. Der Pére-Lachaise ist männlich und abendländisch. Staglieno ist weiblich und orientalisch wie Genua. Die Unordnung, der Wahn des Inbesitznehmens und Überschwemmens mit aktiver Faulheit, die jedem Orient zu eigen sind, gehören zu Staglieno. Seine Toten sind die östlichen Bürger eines nordischen Reiches gewesen; nachdem alle Pflichten gegenüber dem piemontesischen König beendet waren, befreiten sie sich von jeglicher Hemmung im Tode.
Campana, der Dichter aus Marradi, ist der erhabene Poet Genuas. Montale ist der Metaphysiker der ligurischen Landschaft: seine Verse entwirft er, um sie aufzulösen, gerade weil sie aus metaphysischer Schrift sind, er trennt sich von ihnen, er hält sie nicht fest. Campana ist kein Metaphysiker, er ist ein Villon der Häfen, ein stolzer Leser der Seele eines Hafens - Genua. Um im Hafen herumzulaufen, ist es viel wichtiger, sich neben dem Passierschein des Kommissariats mit den Versen Campanas über die Nacht am Hafen auszurüsten, über den Hafen, der sich schlafen legt: "Er ist die schlafende Kraft, er ist die unbewußte / Traurigkeit der Dinge, die da kommen / Er ist das Leben, das sich im Rhythmus wiegt / Müde und angestrengt." Alles ist hier gesagt; unglücklich, wer es nicht versteht.
Aber diese Verse nützen nur dem Gedanken und dem Traum. Der Hafen, so wie er heute ist, ist deprimierend . . . Vom Meer wie vom Land aus - die Augen, die nach ihm suchen, finden ihn nicht mehr. Der Hafen kann auch im Jahre 2000 nach Voltri emigrieren oder zu den Fjorden oder nach Australien: Der Hafen von Genua ist nicht mehr. Wo ist der Orient? Wo ist die Farbe, welche die Seele der Dinge ausspioniert? Nachts, von oben, von ferne gesehen, ist der Hafen jene Lichterkurve, in Segmente und Punkte zerbröckelt, die vom Halbkreis des Golfes gezeichnet wird, es gibt nichts Banaleres, sofern man sich nicht vorstellt: "Dort ist der Hafen." Man versuche einmal, dort unten einen Matrosen zu finden, einen richtigen Schauermann und Warenballen oder Schiffe voller Menschen mit Tränen in den Augen! Der Hafen ist ein riesiger Kran, der den Himmel versteckt, die Schiffe sind lautloser Schrott, mit Containern ausgepolstert, fast nie sieht man jemanden herunterschauen, es sind Ärsche aus Erzen, in denen sich nicht einmal eine Made zu bewegen scheint. Der menschliche Gruß, der menschliche Abschied, verschwunden . . .
FECHENHEIM. Der Vergleich war sehr bildhaft. "Die Situation des Stadtkämmerers ist so wie die eines Vaters, der einen mannigfaltigen Wunschzettel in der Hand hält, diesen auch gern erfüllen würde, aber kein Geld dafür hat." Bernd Hausmann vom Stadtplanungsamt drückte es drastisch aus und rückte so das Thema des Abends in ein sehr trübes Licht.
Die Stadtteilgruppe Fechenheim der Grünen hatte zu einer Diskussion mit dem Thema "Stadtentwicklung im Frankfurter Osten" eingeladen. Ulrich Baier, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Römer, Gisela Stete vom Büro für Stadt- und Verkehrsplanung sowie Bernd Hausmann debattierten im Rathaus Fechenheim mit den Bürgern unter dem Motto "Idylle zwischen Verkehr und Industrie". Diskussionsgrundlage war der Rahmenplan Fechenheim, den ein Architekturbüro im Auftrag der Stadt erstellt hatte.
"Das Wichtigste ist enthalten", bewertete der Grüne Thomas Dorn die Konzeption der Planer zunächst einmal positiv. Doch vor allem die schlechte Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln stört die Grünen. Lediglich eine Straßenbahnlinie (11) fährt ganztägig in den östlichen Stadtteil. Das sei eindeutig zu wenig, befanden alle Teilnehmer der Diskussion, und hätte zur Folge, daß viele Bewohner auf das Auto umsteigen würden. Auch die Busverbindung (Linie 44) im Norden von Fechenheim sei unzureichend.
Kontroversen gab es über das "Wie". Baier vertrat die Ansicht, daß die geplante U-Bahn-Anbindung höhere Mieten nach sich ziehen und den (noch) relativ ruhigen Charakter des Stadtteils negativ verändern würde. "Was heißt überhaupt Stadt?", fragte er und plädierte für eine langsame Entwicklung in Fechenheim.
Baiers Parteifreunde aus dem Stadtteil waren da zunächst anderer Meinung. Sie glauben, daß ein U-Bahn-Anschluß für mehr Attraktivität und Mobilität sorgt und begründen dies mit der schlechten Versorgungslage. Es fehlten Geschäfte, Kindergärten, eine städtische Krippe, eine Sozialstation und kulturelle Angebote für Jugendliche. Thomas Dorn schränkte jedoch im Verlauf der Debatte ein: "Eine zweite Straßenbahn würde uns schon zufriedenstellen. Aber die Infrastruktur muß verbessert werden." Die Grünen beklagen, daß die Entwicklung der Stadt nicht mit der von Fechenheim einhergeht. "Hier herrscht ein klares Defizit in vielen Bereichen, während in der Stadtmitte andauernd Projekte realisiert werden", schimpfte Regine Neukum- Holzner. "Dort Eurobank und sonstige prestigeträchtige Unternehmungen, hier gar nichts."
Daß sich auch in naher Zukunft an dieser Situation nicht viel ändern wird, wurde aus den Erklärungen Baiers und Hausmanns ersichtlich. "Die Finanzlage der Stadt ist bedrohlich." Sinkende Gewerbesteuereinnahmen "werden vermutlich für ein Defizit von 200 bis 300 Millionen Mark im nächsten Jahr sorgen". Einige Projekte müßten deswegen gestrichen werden.
Man könne gegen die Politik der großen Konzerne fast nichts unternehmen, wies Baier im Hinblick auf die übergroßen Erwartungen der Bürger hin. "Wir müssen ja schon froh sein, wenn internationale Speditionen Arbeitsplätze schaffen, obwohl sie keinen Pfennig Gewerbesteuer zahlen."
Das sieht beim FVV nicht anders aus. Der rechnet betriebswirtschaftlich. Im Klartext bedeutetet das: Wahrscheinlich wird es weder ein zweite ganztägige Straßenbahnverbindung zwischen Innenstadt und Fechenheim, noch eine ausgeweitete Buslinie geben. Und das, obwohl Gisela Stete (Büro für Stadt- und Verkehrsplanung) dies ausdrücklich unterstützt. "Gerade in Fechenheim-Nord ist die Anbindung sehr schlecht. Wir brauchen eine Verdichtung der Straßenbahnen und einen Ausbau des Rad- und Fußwegenetzes." Aber auf jeden Fall wird es in Fechenheim eine Tempo-30-Zone geben. Die Planungen laufen.
Daß damit die hohen Immissionswerte
nicht verringert werden, mußte auch Gisela
Stete zugeben. Die
FRANKFURT A. M. "Ich wollte meinen Augen nicht trauen, Plastikgeschirr auf allen Tischen und Tag für Tag sechs Müllsäcke voll Plastikabfall", berichtet Student Jörg Schmidt von seinen ersten Eindrücken von der Mensa an der Fachhochschule (FH) am Nibelungenplatz. "Jeden Mittag das gleiche. Nach dem Essen landen Hunderte von Einwegtellern und -bestecken in der Mülltonne."
Was für den Erstsemester-Studenten unfaßbar ist, scheint für die meisten Fachhochschüler alltäglich zu sein. Das Mittagessen wird nicht auf Porzellantellern und mit Metallbesteck, sondern auf Einwegtellern ausgegeben.
An diesen Zustand wird sich Jörg Schmidt wohl gewöhnen müssen, denn in den nächsten zwei Jahren wird sich an der ökologisch fragwürdigen Situation nichts ändern.
Seit im April dieses Jahres im Zuge des Neubaus eines Mehrzweckgebäudes die alte Mensa abgerissen wurde, müssen die Studenten mit einem Provisorium vorlieb nehmen. Am Schulhof der benachbarten Philipp-Holzmann-Schule wurde für die Übergangszeit ein Fertigbau errichtet, in dem seitdem das Essen serviert wird. Aus Geldmangel mußte die Leitung der FH jedoch auf eine Küche in dem Ausweichquartier verzichten und läßt sich deshalb die Menüs vom Studentenwerk der Johann Wolfgang Goethe- Universität aus Bockenheim anliefern. Und wo kein Geld für eine Küche ist, da ist auch kein Geld für Geschirrspülautomaten, argumentierte das Finanzamt.
"Der Einbau von einem vorgeschriebenen Fettabscheider hätte mindestens eine halbe Million Mark gekostet", erinnert sich Klaus Eckert, Angestellter beim Studentenwerk. So verzichtete die FH notgedrungen auf "echtes" Geschirr und produziert so täglich eine "stolze" Menge Abfall. "Wenn täglich sechs Säcke anfallen, kann sich jeder ausrechnen, wieviel Müll das in zwei Jahren ist", gibt Jörg Schmidt zu bedenken.
Glücklich mit der Plastiklösung ist auch die FH-Leitung nicht. "Wir sind froh, daß wir überhaupt dieses Provisorium genehmigt bekommen haben", sagt FH-Rektor Johann Schneider. "Während der Planungsphase für das neue Gebäude gab es ein ewiges Gerangel zwischen Staatsbauamt, Finanzamt und uns, ob es eine Übergangslösung geben wird." In dem 70 Millionen Mark teuren Mehrzweckgebäude werden außer der neuen Mensa auch Labors, eine Aula, Vorlesungssäle und eine Tiefgarage untergebracht sein.
Mit dem Bezug der neuen Räume rechnet Rektor Johann Schneider im Herbst oder Winter 1994. Dann wird die neue Mensa auch mit Mehrweggeschirr ausgestattet sein. Denn das Plastikgeschirr existiert an der FH nicht erst seit dem Einzug ins Provisorium. Auch in der alten Mensa wurde jahrelang von Einwegtellern gegessen. Warum mit der Essenlieferung aus Bockenheim nicht auch die Porzellanteller kommen könnten, erklärt Johann Schneider mit "Organisationsmängeln im Studentenwerk".
Klaus Eckert, der als FH-Koch bis April täglich etwa 900 Portionen für die Studenten am Nibelungenplatz zubereitete, ist bis zum Bezug des Neubaus Essensfahrer. "Mir gefällt das Plastikgeschirr auch nicht. Der einzige Tip, den ich den Studenten geben kann, ist: eigenes Geschirr mitbringen", so der Koch. hen
FRANKFURT-SÜD. "Der Stadtwald muß zum Bannwald werden." Diese Forderung stellten die Grünen im Ortsbeirat 6 (Goldstein, Schwanheim und westliche Stadtteile) im September des Jahres. Der Antrag der Öko-Partei sollte das Waldgebiet im Süden Frankfurts unantastbar für weiteren Einschlag machen. Verabschiedet wurde die Vorlage damals jedoch nicht - den anderen Fraktionen war nicht ganz klar, was unter dem Begriff Bannwald überhaupt zu verstehen ist. Aus diesem Grunde wurde Forstamtsleiter Werner Ebert zur jüngsten Sitzung des Ortsbeirates eingeladen, um die Politiker über die Bannwaldverordnung aufzuklären. Im Laufe des Vortrages stellte sich heraus, das ein Bannwaldgenehmigungsverfahren bereits im Gange ist und dem Regierungspräsidium in Darmstadt vorliegt.
Drei Schutzkategorien für den heimischen Waldbestand gibt es, klärte Werner Ebert den Beirat auf. Die schwächste Art des Schutzes ist die Ausweisung eines sogenannten "Erholungswaldes". Diese Schutzform wird vor allem in Kurgebieten angewandt und erlaubt weiterhin gezielten Holzeinschlag. Die nächsthöhere Stufe ist der "Schutzwald", der hauptsächlich in dicht besiedelten Gegenden ausgewiesen wird und in dem nur in Ausnahmefällen gerodet werden darf. Der Status "Bannwald" schließlich ist die höchste Schutzkategorie. Denn: In einem Bannwald darf weder gerodet noch gefällt werden.
Das hessische Forstministerium hegt derzeit den Wunsch, das gesamte Stadtwaldgebiet südlich des Mains von Schwanheim bis Oberrad zum Bannwald zu erklären, informierte der Forstamtsleiter den Ortsbeirat. Der Frankfurter Magistrat zeigte Wohlwollen; das Verfahren liegt nach Eberts Worten jetzt dem Regierungspräsidium Darmstadt zur Genehmigung vor. Kriterium für das Ausweisen eines Bannwaldes ist, daß ein zusammenhängendes, reines Waldgebiet vorhanden ist. Ist ein Wald zum Bannwald erklärt, dürfen nur noch heimische Holzarten angebaut werden. "Prinzipiell bleibt der Wald so erhalten, wie er jetzt auch genutzt wird", erklärte Werner Ebert. "Der Stadtwald hat vom 14. Jahrhundert bis heute 1000 Hektar verloren. Davon entfallen 500 Hektar auf die Zeit von 1945 bis jetzt", informierte der Forstmann. "Unsere Kinder sollen uns später nicht fragen, was wir mit dem Wald gemacht haben."
Norbert Wildhirt (SPD) zeigte sich von diesen Zahlen beeindruckt: "Wir sollten den Grünen-Antrag verabschieden, auch wenn er nur Resolutionscharakter hat."
Die CDU-Fraktion hingegen war mehr an den Möglichkeiten interessiert, eine Bannwaldverordnung wieder aus den Angeln heben zu können. "Es muß einen rechtlichen Weg geben, so etwas wieder aufzuheben. Ich denke da nur an den Flughafenausbau", meinte Bernhard Mertens (CDU). Ohne die Stimmen der CDU wurde der Antrag schließlich angenommen. Norbert Wildhirt: "Der Flughafenausbau muß irgendwann ein Ende haben". Thomas Rahner (Grüne) fügte hinzu: "Als Ortsbeirat, der große Waldflächen in seinem Bezirk hat, sollten wir ein eindeutiges Votum abgeben." hen
FRANKFURT A. M. Die elf über das Stadtgebiet verstreuten Zentralen für ambulante Krankenpflege (ZAK) blicken auf ein erfolgreiches Jahr zurück: Auch 1992 konnten die 126 Pflegekräfte in den Einrichtungen des Evangelischen Regionalverbandes Hunderte von Kranken und Pflegebedürftigen zu Hause versorgen und ihnen so den Krankenhausaufenthalt ersparen oder den Umzug in ein Alten- oder Pflegeheim verhindern.
Die ausgebildeten Krankenschwestern und Altenpflegerinnen übernehmen bei Bedarf die Grundpflege von Schwerkranken, führen ärztliche Verordnungen wie Spritzen, Blutdruckmessungen oder Rehabilitationsmaßnahmen aus und leiten Angehörige in der häuslichen Krankenpflege an.
Auch verleihen die Zentralen Pflegehilfsmittel wie Gehhilfen, Steckbetten oder Nachtstühle. Mit Kursen zur Krankenpflege und Gesundheitsvorsorgemaßnahmen runden die Einrichtungen ihr Angebot ab, das jeweils den Einzugsbereich von mehreren Kirchengemeinden abdeckt. Die Stationen sind täglich zwischen 7.30 und 18 Uhr zu erreichen. Doch auch nachts, an Feiertagen oder an Wochenenden gibt es einen Notdienst. Allerdings können die Schwestern nicht alles machen: "Wir können keine mehrstündigen Betreuungen anbieten", erläuterte Edith Ziehm, Arbeitsbereichsleiterin für ambulante Kranken- und Kinderpflege beim Evangelischen Regionalverband. Kochen, spülen, Wäsche waschen oder Einkäufe müssen von anderen Hilfseinrichtungen übernommen werden. Zwar stehen den einzelnen Zentralen für ambulante Krankenpflege auch eine Reihe von Zivildienstleistenden zur Seite, die hin und wieder "ergänzende Hilfen" übernähmen, doch der Schwerpunkt der Arbeit liege im Bereich der Krankenpflege, erklärte Frau Ziehm.
Sollte es die hauswirtschaftliche Situation erfordern, müßten Nachbarn, Verwandte oder Sozialarbeiter einspringen und die Versorgung der oft bettlägerigen Alten und Kranken übernehmen. Bei der Suche nach entsprechenden Hilfsangeboten geben die Schwestern Unterstützung: Sie vermitteln Kontakte zu städtischen Beratungs- und Vermittlungsstellen.
Zusätzlich zum Pflegeangebot für Erwachsene stellt der Evangelische Regionalverband auch Personal für die "Mobile Kinderkrankenpflege" zur Verfügung. Fünf speziell ausgebildete Kinderkrankenschwestern arbeiten in der Kohlbrandstraße 16 in einer eigenen Station. Allein im September 1992 wurden von hier aus 30 kranke Kinder im gesamten Stadtgebiet betreut. Diese multinationale Arbeit - rund 50 Prozent der pflegebedürftigen Kinder sind keine Deutschen - wird sowohl von der Stadt als auch von der evangelischen Cronstett- und Hynspergischen sowie der Schad'schen Stiftung finanziell unterstützt.
Wie begehrt die Dienstleistungen der ZAK sind, zeigt ein Blick in den Jahresbericht 1991 der Einrichtung in Niederrad, der im Mai 1992 vorgelegt wurde: Allein 16 434 "Behandlungspflegen" wurden von den Schwestern in der kleinsten Station Frankfurts erledigt; hinzu kamen viele andere Dienstleistungen.
Der große Bedarf kann nicht immer gedeckt werden: "Es gibt viele Pflegeanfragen, die wir ablehnen müssen, weil die Kapazitäten in einzelnen Stationen erschöpft sind", bedauerte Frau Ziehm. Personalprobleme verschärfen die Situation: Sechs Stellen für Krankenschwestern sind derzeit unbesetzt, der Nachwuchskräftemangel macht ebenfalls Sorgen: "Noch nie hatten wir solche Schwierigkeiten, Personal zu finden. Seit mehr als vier Monaten konnten wir nicht eine Stelle besetzen", klagte die ausgebildete Krankenschwester. Schwierig gestaltete sich 1992 auch die Anwerbung von Zivildienstleistenden: Allein in Niederrad sind vier Stellen unbesetzt, im gesamten Stadtgebiet fehlen elf "Zivis". Ziehm: "Viele Zivis warten mit ihrer Bewerbung auf die Verkürzung der Dienstzeiten oder hoffen darauf, daß sie gar nicht mehr eingezogen werden."
Der größte Wunsch von Frau Ziehm für 1993 ist, daß die finanzielle Ausstattung der Zentralen weiter gesichert bleibt. Die beiden Hauptträger der mobilen Krankenpflege - die Stadt und die evangelische Kirche - haben mit erheblichen Finanzproblemen zu kämpfen, die sich bislang nur noch nicht auf die "Ambulanzen" ausgewirkt haben. Weiter hält Edith Ziehm es für "wünschenswert", einen hauswirtschaftlichen Dienst aufzubauen, der Lücken im Pflegeangebot schließen könnte. Doch auch für die Mitarbeiterinnen hatte sie einen Wunsch: "Ich hoffe, daß sie auch 1993 so motiviert bleiben und den Dienst bei uns verrichten."
Die Mobile Kinderkrankenpflege ist unter der Telefonnummer 45 20 60 zu erreichen. Kontakt zu den Zentralen für ambulante Krankenpflege gibt's am besten über die örtliche evangelische Kirchengemeinde, die die Telefonnummer der zuständigen ZAK nennen kann. kan
Der genuesische Orient muß neu erfunden werden . . . man muß ihn aus dem Unsichtbaren auferstehen lassen, muß sich aufmachen, ihn in den kleinen Altarnischen zu entdecken, die noch an den baufälligen Mauern hängen, in den Schiffen aus Stein, beladen mit Ballen aus christlichem Mitleid, die noch nicht von den Mannschaften der Frommen verlassen wurden.
Ich dachte, daß ich den ligurischen Akzent verabscheuen würde: nach einer Woche des Eintauchens in die verbliebenen Gerüche der Bratküchen Genuas drang er in meine Ohren wie eine arabische Gusla mit dem reinen Kontrapunkt eines semitischen Trommlers. In jenem Akzent, der über dem Meer aufragt, wo die traurige Sirene des U die Idee anzieht und in den Abgrund stürzen läßt, des U, das bis in den Triumph des Schlafes hinein wiederholt wird, in dem auf süße Weise alles versinkt - darin liegt eine Art von Ruhe kontemplativer Menschen, ein asketischer und ferner Pessimismus.
Oh, warum nur so schnell? Warum so in Eile? Wir wissen es, wir wissen doch, daß die Zeit das Leben verschlingt, daß die Zeit Hunger auf alles hat und nichts am Leben läßt, aber diese halb südamerikanische, halb nordeuropäische Metropole, die von den Gasen der Stahlindustrie verseucht wird und deren Hafen von einer Hochstraße umgürtet wird, mit all dem Zement, der ungeduldig um die letzten Häuser von Portoria und der Piazza Sarzano lärmt, Orte, an denen Wunder geschehen, magische Kreuzungen, und dann die Schande des vertikalen Anonymen, das die feine Fläche der Schieferdächer erstickt und zerreißt - warum hat das alles auf einen Schlag, innerhalb weniger Jahre, das Bild einer wirklichen Stadt, einer authentischen Welt umgestürzt, zerfetzt, zersplittert?
Also nach Staglieno, nach Staglieno. Das Chaos der Totenstadt entschädigt uns für den dort unten verlorenen Orient, wo die bedächtige Melodie Campanas im rätselhaften Abend nicht mehr den "salzigen menschlichen Atem" findet und im Wirbel tauben Meeresbrausens" den Geruch von Stockfisch und das Zittern der Mandolen. Staglieno ist unversehrt. Der Tod enttäuscht nicht den, der ihn liebt.
Staglieno fasziniert, indem es aus dem Gleichgewicht bringt, es ergreift einen mit weichen Fangarmen des Wahnsinns . . . Mir kam ein schauerlicher Gedanke: Wenn sie wirklich wiederauferstehen sollten und genau so wiederauferstünden, wie sie auf den Skulpturen erscheinen, mit all ihren Schutzengeln, ihren sehnsuchtsvollen Christusfiguren, inmitten der Bestürzung der letzten Lebenden, könnte dann die Erde jemals das Gewicht ihres Deliriums ertragen? Die meisten von ihnen sind in Frieden gestorben, versehen mit den Tröstungen der Religion, autorisiert von der Wissenschaft, unter den Tränen der Verwandten, nach einem rechtschaffenen Leben - warum sollten sie sich zu Tode in derlei maßlosen Delirien Luft machen?
Vielleicht weil Staglieno weiblich ist, eine Heulsuse oder eher ein Klageweib, reine Hysterie, die sich im Kontakt mit dem Grab entfesselt, Arme, die betasten, Lippen, die saugen, und es hat eine bacchantische Seele, ein dionysisches Fieber fließt in seinen Adern, genau dort, zwei Schritte von einem über jeden Verdacht erhabenen Bisagno entfernt.
Rachelina starb 1918 im Alter von neunzehn Jahren: "Dein jungfräulicher Körper liegt hier, aber deine Seele lebt freudig mit den Seligen", beichtet die Grabinschrift. Auf einem anderen Grab weint Euterpe Krokodilstränen: "All seine Liebe galt der Kunst, die ihn zu auserwählten und tiefen Harmonien inspirierte. Er erlangte wunderbaren Ruhm daraus, doch in dieser Glut hat sich sein Leben vorzeitig verzehrt." Ein Carlo Orazio "durchquerte Europa und Amerika und hinterließ überall Sehnsucht nach sich", aber das ist auch nicht schwer, wenn man nicht lange zu Gast bleibt, weil man es eilig hat. "Für Giuseppe Soldi, Händler" . . . Mich beeindruckt eine Antonietta Noceti, "die in der Schule G. C. den Heldenmut erlernte, der sie immer heiter machte", und zwar wegen dieser zwei Anfangsbuchstaben, die die meines eigenen nichtigen Namens sind, der auf Regenwasser geschrieben ist. Wirklich, sollte es in meiner Schule möglich sein, einen besonderen Heldenmut zu erlernen, der immer heiter macht? Wenn es so wäre, würde ich ohne Bedauern sterben, zufrieden mit meinem Tagewerk.
Diese Türen aus Marmor, verschlossen und halb geöffnet, in deren Nähe der Verstorbene innehält, zögernd, neugierig und zugleich entsetzt, oder aber er wird gewaltsam von Engeln geführt, die so kräftig sind wie Krankenpfleger in einem alten Irrenhaus - diese Türen sind eines der geheimnisvollsten Motive all des phantastischen Makabren in Staglieno . . . Winzige Risse über der Tiefe, Öffnungen über dem Abgrund, ihr zieht mich auf krankhafte Weise an . . . Wärt ihr nicht aus Marmor, würde ich euch sanft zur Seite schieben, versucht, dahinterzuschauen . . . Das morbideste Monument im oberen Laubengang ist jenes Raffaele Pienovis aus dem Jahre 1879, das vom unvergleichlichen Bildhauer Villa geschaffen wurde. Ein Mädchen, sicher die Tochter Pienovis, hebt, eher neugierig als verzweifelt, leicht das Bettuch an, das, elegant zerknautscht, den lieben Verstorbenen bis zum Kopf bedeckt, der auf zwei schönen Krankenkissen ruht.
Was sieht sie, die Signorina Pienovi? Eine ähnliche Neugier ergriff den Ehemann von Emma Bovary im Totenzimmer, sie ganz in Weiß gehüllt, zwischen den tropfenden Wachskerzen: ". . . behutsam und mit klopfendem Herzen hob er mit den Fingerspitzen den Schleier. Aber er schrie vor Entsetzen laut auf . . ." In einem Roman wird uns gesagt, was danach geschieht: ein Schrei, und dann der Rest der Geschichte . . . Aber die unaufgelöste Spannung der Statuengruppe ist etwas Unermeßliches, das Geheimnis verschließt sich unerbittlich. Da die Gruppe ein wenig erhöht steht, sieht der Besucher nicht, was sich unter dem Bettuch befindet . . . Könnte dort etwa nichts sein? Es war niemand in der Nähe . . . Ich bin hochgeklettert, habe nachgesehen . . . Ich habe nicht geschrien. Ich werde nicht sagen, was ich gesehen habe.
KREIS OFFENBACH / DREIEICH. Matthias Enzmann und Thomas Röder werden schon erwartet. "Kommen Sie rein, schön daß Sie da sind. Hier steht der Schrubber für den Hausflur, und Sie können ja schon mal den Staubsauger nehmen und im Wohnzimmer anfangen", empfängt die ältere Dame die beiden jungen Männer.
Der Aufforderung hätte es eigentlich gar nicht bedurft, denn beim Wohnungsputz sind die beiden fast schon Profis und legen auch sofort los. Schließlich helfen sie als Zivildienstleistende bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) schon einige Zeit älteren Menschen, den Haushalt zu besorgen und haben es eilig, denn für heute stehen noch einige andere Adressen auf dem Terminplan.
Als erste haben die jungen Männer an diesem Morgen Frau Nazet besucht. Früher, da habe sie noch ihre Mutter gepflegt, doch nach einer schweren Operation sei sie nun selbst auf Hilfe angewiesen. Das meiste, was so anfällt, kann die kinderlose Frau noch selbst erledigen, doch beim Gardinenauf- und -abhängen oder Staubsaugen braucht sie schon Unterstützung.
Früher hat ihr Bruder ab und zu ausgeholfen. Nun sind die Zivis vom Mobilen Sozialen Hilfsdienst (MSHD) die einzigen, die ihr regelmäßig unter die Arme greifen.
Mittlerweile sind die Helfer bei Johanna Hohenhausen eingetroffen. Sie ist heute mit der Hausordnung dran, doch der kann sie seit ihrem Krankenhausaufenthalt im Sommer nicht mehr alleine nachkommen.
Deshalb besorgen das nun Matthias und Thomas, wischen den Flur und klopfen die Türvorleger aus. Anschließend fegen die zwei noch wie der Wirbelwind durch die Zwei-Zimmer-Wohnung, saugen Staub oder schrubben die Badewanne. "Am liebsten möchte ich das ja alles selbst machen", sagt die ehemalige Lithographin. Bis sie das wieder kann, ist sie aber "sehr froh, daß es so eine Hilfe gibt". Ihre beiden Töchter wohnen in Nordhessen; sie kommen einmal im Monat nach Dreieich.
Nicht alle "Kunden und Kundinnen" der AWO-Zivis sind so unkompliziert wie die beiden Damen, die sie an diesem Vormittag besucht haben. "Wenn man jede Woche aufs neue ausführlich erklärt bekommt, welche Sorte Zwieback im Supermarkt nun die richtige sei und beim Fensterputzen gleich mit drei Eimern und genauso viel verschiedenen Wischtüchern hantieren soll, braucht man vor allem eine Menge Geduld", erläutert Thomas Röder die besonderen Anforderungen des Jobs, bei dem es um mehr geht, als um frisch geputzte Fenster oder einen gefüllten Kühlschrank. "Viele sind einfach froh, wenn wieder mal ein bißchen Leben in die Wohnung kommt oder jemand zum Reden da ist." So ein Besuch kann dann schon mal zwei Stunden dauern, doch meistens ist alles in 30 Minuten erledigt.
So wie die beiden Zivis helfen bei der Arbeiterwohlfahrt zehn weitere Männer zwischen 18 und 21 Jahren alten Menschen im Haushalt, kaufen für sie ein, fahren sie zum Arzt oder ins Krankenhaus.
Die Kosten für den Service richten sich nach dem Einkommen der Hilfebedürftigen; zwischen drei und fünfzehn Mark für etwa eine Stunde.
Weit über 100 Männer und vor allem Frauen stehen auf der Liste des Mobilen Sozialen Hilfsdienstes (MSHD) der Arbeiterwohlfahrt in Dreieich.
Längst nicht alle, die Hilfe bräuchten, können von ihm oder anderen Organisatio- nen wie dem Malteser-Hilfsdienst oder dem Roten Kreuz Unterstützung bekommen.
Das Beispiel von Thomas und Matthias zeigt, wie wichtig eine regelmäßige Betreuung alter Menschen in deren Zuhause ist. Vor allem dann, wenn sie keine Angehörigen mehr haben, die Kinder in eine andere Stadt gezogen oder berufstätig sind, bliebe ohne die Betreuungsdienste vielen keine andere Wahl, als ins Altersheim zu ziehen.
Doch dort sind die Plätze knapp und die Kosten höher, als wenn noch die eigenen vier Wände bewohnt und das tägliche Leben weitgehend selbständig bestritten werden kann.
Ärzte und Psychologen sind sich einig, daß Betreuung und Pflege in der gewohnten Umgebung den geistigen und körperlichen Zustand alter Menschen günstig beeinflußt. Eine der wichtigsten Forderungen im Altenplan für den Kreis Offenbach ist es deshalb, die ambulanten sozialen Dienste auszubauen und eine Stelle zu schaffen, an der die unterschiedlichen Angebote besser als bisher aufeinander abgestimmt werden können. PETER HANACK
MAINTAL. Die Firma Pardes Spezialstrümpfe GmbH & Co. KG in Maintal- Dörnigheim ist von der Maintaler Frauenbeauftragten Anne Denecke mit dem erstmals ausgeschriebenen Preis "Frauenfreundlicher Betrieb 1992" ausgezeichnet worden.
Pardes heißt im Hebräischen Orangenhain. Zwar riecht es in den Produktionshallen nach allem möglichen, nur nicht nach Orangen, und nicht einmal ansatzweise kann von der Ruhe eines Haines die Rede sein.
Doch das entscheidende Kriterium für die Frauenbeauftragte ist die flexible Arbeitszeit des Unternehmens, wie sie anläßlich der Preisverleihung bei einer Betriebsbesichtigung, an der auch alle drei hauptamtlichen Magistratsmitglieder teilnahmen, sagte:
"Hier arbeiten Frauen nicht mehr im Schichtdienst. Ihre Arbeitszeit können sie in die Zeit zwischen sechs und 16 Uhr legen. Etwa zehn Prozent der Frauen arbeiten auf eigenen Wunsch in Teilzeit, das heißt, sie haben damit die Möglichkeit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf."
Die Firma garantiere den Frauen die Wiedereinstellung nach der sogenannten Familienphase, argumentierte Denicke weiter. "Und zudem scheint hier eine große Arbeitszufriedenheit zu herrschen, denn die Fluktuation ist recht gering."
So könnten beispielsweise im kommenden Jahr fünf Frauen ihr 25. Betriebsjubiläum feiern. Pardes-Betriebsratsvorsitzende Elena Singiridou arbeitet seit 22 Jahren im Haus, ihre Stellvertreterin Idil Tuerkoez seit 20 Jahren, wie die beiden Frauen auf Anfrage bestätigten.
Insgesamt hat die Pardes GmbH 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon rund 75 Prozent Frauen, überwiegend Ausländerinnen. Renate Rengert, Prokuristin und stellvertretende Geschäftsführerin des Unternehmens, erklärte den Gästen: "In den Bereichen, in denen vorwiegend Frauen beschäftigt sind, gibt es ausschließlich Vorarbeiterinnen und Abteilungsleiterinnen, und auch die Betriebsratsvorsitzenden sind Frauen."
Das heißt, die klassisch-frauenfeindliche Rollenverteilung zwischen weiblichen Arbeitskräften und männlichem Vorgesetzten ist bei Pardes längst passé.
Die mißtrauisch kritische Frage seitens der Presse, was denn an den Arbeitsplätzen in der hochautomatisierten Strickerei frauenfreundlich sein solle, konterte Renate Rengert mit der Feststellung: "Die Frauenfreundlichkeit besteht darin, daß hier gar keine Frauen arbeiten, wie übrigens auch in der Färberei nicht."
Eine andere Bedienstete des Hauses kommentierte die Preisverleihung mit leicht ironischem Unterton: "Ich freue mich, daß die Bemühungen der Herren gewürdigt werden."
Daß sich die Firma Pardes als einziges von rund 40 Maintaler Unternehmen am Wettbewerb "Frauenfreundlicher Betrieb 1992" beteiligt hat und somit konkurrenzlos zum Preis gelangen konnte, sei dennoch "keine Notlösung mangels Masse", wie Anne Denecke betonte.
Sie wertete vielmehr "die Ansätze frauengerechter Unternehmenspolitik und das offensichtlich gute Betriebsklima" eindeutig positiv und stellte sie den anderen Maintaler Firmen als Beispiel vor.
Betriebsleiter Karl J. Uhlig machte denn auch keinen Hehl aus seinem fundierten Selbstbewußtsein: "Wir waren zwar der einzige Bewerber im Wettbewerb, aber wir stehen diesbezüglich so sehr außer Konkurrenz, daß wir sowieso den Preis bekommen hätten. Wir fühlen uns prädestiniert, der frauenfreundliche Betrieb in Maintal zu sein - und zu bleiben."
Materiell gesehen sei der Preis indes "eher ein symbolischer Händedruck, denn tausend Mark sind kein großes Kapital", stellte Uhlig nüchtern fest. Das Preisgeld solle, wie die Belegschaft beschlossen habe, dem Betriebsrat zur Verfügung gestellt werden, der damit nach eigenem Gusto verfahren könne.
Elena Singiridou und Idil Tuerkoez äußerten die Absicht, das Geld einem SOS- Kinderdorf zukommen zu lassen, waren aber auch dem von Stadträtin Priska Hinz geäußerten Vorschlag nicht abgeneigt, vielleicht die derzeit in Maintal lebenden Flüchtlingskinder zu unterstützen. Die Entscheidung soll der Betriebsrat bei seiner nächsten Sitzung treffen. Stadträtin Hinz bot Betriebsleiter Uhlig an, mit einem gewissen Zuschuß Belegungsrechte in städtischen Kindertagesstätten zu erwerben, beispielsweise in zwei kleinen Einrichtungen, die im kommenden Jahr in Dörnigheim neu geschaffen werden sollen. Für Kleinkinder unterhalb des Mindestalters von drei Jahren könnten Tagesspflegestellen in Anspruch genommen werden.
Und was ist mit den übrigen Maintaler Firmen? Herrscht hier der reine Männeregoismus vor? Sind Gleichberechtigung und Frauenförderung Fremdwörter für die Firmenleitungen? So schlimm sieht Frauenbeauftragte Denecke die Lage nicht und stellt zu den provokant selbst aufgeworfenen Fragen fest, ihr seien durchaus andere Maintaler Unternehmen bekannt, die sich beispielsweise schon für "Modelle der betriebsfinanzierten Kinderbetreuung" interessieren beziehungsweise solche planen.
Sie hoffe indes, daß sich beim nächsten Mal - nicht unbedingt im kommenden Jahr, vielleicht aber in zwei Jahren - mehr Firmen am Wettbewerb beteiligen.
"Mittlerweile gibt es Firmen, die großen Wert darauf legen, ihre qualifizierten weiblichen Arbeitskräfte zu halten, etwa durch Angebote, die es Frauen und Männern ermöglichen, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren", stellte Denecke fest. Aktivität in diesem Bereich stelle heute nicht mehr eine freiwillige Sozialleistung der Unternehmen dar, sondern liege in ihrem eigenen Interesse: "Schließlich stellen Frauen heute einen hohen Anteil an qualifizierten Fachkräften, deren Ausscheiden aus dem Berufsleben aus familiären Gründen einen Verlust für das Unternehmen darstellt."
Zur Firmengeschichte des Hauses Pardes war von Betriebsleiter Uhlig soviel zu erfahren: Vor rund 40 Jahren in Dörnigheim gegründet zur Fabrika- tion von Feinstrümpfen; seit 1965 auch Produktion von Stützstrümpfen, 1977 von Lohmann Verbandsstoffe (Neuwied) übernommen, allmähliche Umstellung auf medizinische Kompressions- Strümpfe (heute 50 Prozent der Pro- duktion) und schrittweise Einstellung der Feinstrumpf-Fertigung bis auf Null.
"Die Marktchance für kleine Betriebe liegt heute beim medizinischen Kompressions-Strumpf", kommentierte Uhlig. Pardes hat in Deutschland rund 15 Konkurrenten, jedoch nicht einen aus Übersee (etwa Asien), im Gegenteil wird dorthin exportiert. Dafür komme von dort heute die Masse der Feinstrümpfe.
Daß Pardes gut im Geschäft liegt, dafür sprechen Expansions-Absichten in Dörnigheim. Die Baugenehmigung für eine Erweiterung ist laut Uhlig bereits beantragt. HELMUT POMPLUN
ESCHERSHEIM. In der Emmauskirche war es zu Beginn der Samstagsabendvesper fast dunkel. Die Mädchen des Sing- und Spielkreises Frankfurt zogen in die Eschersheimer Kirche ein und zündeten während des ersten Lieds, einer italienischen Laude aus dem 15. Jahrhundert, nach und nach ihre mitgebrachten Kerzen an. Langsam und nach und nach erhellten die Lichter den Altar - und schließlich den ganzen Kirchenraum. Dieser gelungene Effekt wurde vom Publikum mit sehr herzlichem Beifall bedacht.
Anschließend sang der Chor Lieder mit wunderschönen Stimmen und ausgefeiltem Vortrag. Chorleiter Heinz Marx dirigierte den Chor und das kleine Instrumentalensemble.
Der Sing- und Spielkreis Frankfurt erfreut sich internationaler Anerkennung. Er errang zahlreiche Preise bei Chorwettbewerben in Hessen, Köln, Hannover und Stuttgart und zählt zu den führenden Mädchenchören in Deutschland. Auch auf zahlreiche Auslandskonzerte sowie Rundfunkaufnahmen und Fernsehauftritte kann das Ensemble zurückblicken.
Wie Heinz Marx der Stadtteil-Rundschau gegenüber erklärte, zählt der Chor zur Zeit mehr als 100 Mitglieder im Alter von zehn bis 25 Jahren, die in wechselnden Besetzungen auftreten. Heinz Marx vermittelt ihnen bei den Probestunden (dienstags von 18 bis 19.15 Uhr sowie samstags von 14 bis 16 Uhr im Rathaus Nieder-Erlenbach) Stimm- und Gehörbildung. Wie fast alle Chöre sucht auch der Sing- und Spielkreis Nachwuchs.
"Es hat uns großen Spaß gemacht, in dieser alten, kleinen Kirche zu singen", sagte Heinz Marx. Das Publikum freute sich über den musikalischen Genuß und entließ die Mädchen und ihren Dirigenten erst nach langem Applaus. li
Die Rückrundentermine der 2. Fußball-Bundesliga
24. Spieltag Freitag, 4. Dezember 1992 Hannover 96 - Stuttgarter Kickers 1:1 FC Homburg - SV Darmstadt 98 2:3 FC St. Pauli - Hertha BSC Berlin 1:1 Samstag, 5. Dezember 1992 SC Freiburg - VfB Oldenburg 6:1 VfL Wolfsburg - VfL Osnabrück 2:0 SV Meppen - Eintr. Braunschweig 1:0 Chemnitzer FC - Fortuna Düsseldorf 1:2 Sonntag, 6. Dezember 1992 FC Remscheid - FC Hansa Rostock 3:1 Waldhof Mannheim - Fortuna Köln 0:0 FSV Mainz 05 - Wuppertaler SV 0:1 Carl Zeiss Jena - SpVgg U'haching 1:1 MSV Duisburg - VfB Leipzig 1:1 25. Spieltag Freitag, 11. Dezember 1992 SV Darmstadt 98 - FC St. Pauli 1:1 Eintr. Braunschweig - FC Homburg 2:0 Fortuna Köln - FSV Mainz 05 0:2 Samstag, 12. Dezember 1992 VfB Leipzig - SV Meppen 1:0 Wuppertaler SV - MSV Duisburg 1:1 FC Hansa Rostock - Carl Zeiss Jena 0:1 Fortuna Düsseldorf - FC Remscheid 1:1 Hertha BSC Berlin - Hannover 96 3:0 Sonntag, 13. Dezember 1992 VfB Oldenburg - VfL Wolfsburg 4:1 Stuttgarter Kickers - SC Freiburg 3:1 SpVgg U'haching - Waldh. Mannheim 2:2 VfL Osnabrück - Chemnitzer FC 3:3 26. Spieltag Samstag, 6. Februar 1993 VfL Wolfsburg - Stuttgarter Kickers
Chemnitzer FC - VfB Oldenburg
FC Remscheid - VfL Osnabrück
FC Carl Zeiss Jena - Fortuna Düsseldorf
Waldhof Mannheim - FC Hansa Rostock
FSV Mainz 05 - SpVgg. Unterhaching
MSV Duisburg - Fortuna Köln
SV Meppen - Wuppertaler SV
FC Homburg - VfB Leipzig
FC St. Pauli - Eintracht Braunschweig
Hertha BSC Berlin - SV Darmstadt 98
Hannover 96 - SC Freiburg 27. Spieltag Samstag, 13. Februar 1993 Eintr. Braunschweig - Hertha BSC Berlin
VfB Leipzig - FC St. Pauli
Wuppertaler SV - FC Homburg
Fortuna Köln - SV Meppen
SpVgg. Unterhaching - MSV Duisburg
FC Hansa Rostock - FSV Mainz 05
Fort. Düsseldorf - Waldhof Mannheim
VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena
VfV Oldenburg - FC Remscheid
Stuttgarter Kickers - Chemnitzer FC
SC Freiburg - VfL Wolfsburg
SV Darmstadt 98 - Hannover 96 28. Spieltag Samstag, 20. Februar 1993 Hertha BSC Berlin - VfB Leipzig
FC St. Pauli - Wuppertaler SV
FC Homburg - Fortuna Köln
SV Meppen - SpVgg. Unterhaching
MSV Duisburg - Hansa Rostock
FSV Mainz 05 - Fortuna Düsseldorf
Waldhof Mannheim - VfL Osnabrück
FC Carl Zeiss Jena - VfB Oldenburg
FC Remscheid - Stuttgarter Kickers
SV Darmstadt 98 - Eintr. Braunschweig
Chemnitzer FC - SC Freiburg
VfL Wolfsburg - Hannover 96 29. Spieltag Samstag, 27. Februar 1993 VfB Leipzig - SV Darmstadt 98
Wuppertaler SV - Hertha BSC Berlin
Fortuna Köln - FC St. Pauli
SpVgg. Unterhaching - FC Homburg
Hansa Rostock - SV Meppen
Fortuna Düsseldorf - MSV Duisburg
VfL Osnabrück - FSV Mainz 05
VfB Oldenburg - Waldhof Mannheim
Stuttg. Kickers - FC Carl Zeiss Jena
SC Freiburg - FC Remscheid
VfL Wolfsburg - Chemnitzer FC
Hannover 96 - Eintracht Braunschweig 30. Spieltag Samstag, 6. März 1993 Waldhof Mannheim - Stuttg. Kickers
FSV Mainz 05 - VfB Oldenburg
MSV Duisburg - VfL Osnabrück
SV Meppen - Fortuna Düsseldorf
FC Homburg - FC Hansa Rostock
FC St. Pauli - SpVgg. Unterhaching
Hertha BSC Berlin - Fortuna Köln
SV Darmstadt 98 - Wuppertaler SV
Eintracht Braunschweig - VfB Leipzig
FC Remscheid - VfL Wolfsburg
FC Carl Zeiss Jena - SC Freiburg
Chemnitzer FC - Hannover 96 31. Spieltag Samstag, 13. März 1993 Stuttgarter Kickers - FSV Mainz 05
VfB Oldenburg - MSV Duisburg
VfL Osnabrück - SV Meppen
Fortuna Düsseldorf - FC Homburg
FC Hansa Rostock - FC St. Pauli
SpVgg. Unterhaching - Hertha BSC
Fortuna Köln - SV Darmstadt 98
Wuppertaler SV - Eintr. Braunschweig
Chemnitzer FC - FC Remscheid
VfL Wolfsburg - FC Carl Zeiss Jena
SC Freiburg - Waldhof Mannheim
Hannover 96 - VfB Leipzig 32. Spieltag Samstag, 20. März 1993 MSV Duisburg - Stuttgarter Kickers
SV Meppen - VfB Oldenburg
FC Homburg - VfL Osnabrück
FC St. Pauli - Fortuna Düsseldorf
Hertha BSC Berlin - FC Hansa Rostock
SV Darmstadt 98 - SpVgg. Unterhaching
Eintracht Braunschweig - Fortuna Köln
VfB Leipzig - Wuppertaler SV
FC Carl Zeiss Jena - Chemnitzer FC
Waldhof Mannheim - VfL Wolfsburg
FSV Mainz 05 - SC Freiburg
FC Remscheid - Hannover 96 33. Spieltag Samstag, 27. März 1993 Stuttgarter Kickers - SV Meppen
VfB Oldenburg - FC Homburg
VfL Osnabrück - FC St. Pauli
Fort. Düsseldorf - Hertha BSC Berlin
FC Hansa Rostock - SV Darmstadt 98
SpVgg. Unterhaching - Eintr. Braunschw.
Fortuna Köln - VfB Leipzig
FC Remscheid - FC Carl Zeiss Jena
Chemnitzer FC - Waldhof Mannheim
VfL Wolfsburg - FSV Mainz 05
SC Freiburg - MSV Duisburg
Hannover 96 - Wuppertal SV 34. Spieltag Samstag, 3. April 1993 FC Homburg - Stuttgarter Kickers
FC St. Pauli - VfB Oldenburg
Hertha BSC Berlin - VfL Osnabrück
SV Darmstadt 98 - Fortuna Düsseldorf
Eintr. Braunschweig - FC Hansa Rostock
VfB Leipzig - SpVgg. Unterhaching
Wuppertaler SV - Fortuna Köln
Waldhof Mannheim - FC Remscheid
FSV Mainz 05 - Chemnitzer FC
MSV Duisburg - VfL Wolfsburg
SV Meppen - SC Freiburg
FC Carl Zeiss Jena - Hannover 96 35. Spieltag Samstag, 10. April 1993 Stuttgarter Kickers - FC St. Pauli
VfB Oldenburg - Hertha BSC Berlin
VfL Osnabrück - SV Darmstadt 98
Fort. Düsseldorf - Eintr. Braunschweig
FC Hansa Rostock - VfB Leipzig
SpVgg. Unterhaching - Wuppertaler SV
FC Carl Zeiss Jena - Waldh. Mannheim
FC Remscheid - FSV Mainz 05
Chemnitzer FC - MSV Duisburg
VfL Wolfsburg - SV Meppen
SC Freiburg - FC Homburg
Hannover 96 - Fortuna Köln 36. Spieltag Samstag, 17. April 1993 Hertha BSC Berlin - Stuttg. Kickers
SV Darmstadt 98 - VfB Oldenburg
Eintr. Braunschweig - VfL Osnabrück
VfB Leipzig - Fortuna Düsseldorf
Wuppertaler SV - FC Hansa Rostock
Fortuna Köln - SpVgg. Unterhaching
FSV Mainz 05 - FC Carl Zeiss Jena
MSV Duisburg - FC Remscheid
SV Meppen - Chemnitzer FC
FC Homburg - VfL Wolfsburg
FC St. Pauli - SC Freiburg
Waldhof Mannheim - Hannover 96 37. Spieltag Samstag, 24. April 1993 Stuttgarter Kickers - SV Darmstadt 98
VfB Oldenburg - Eintr. Braunschweig
VfL Osnabrück - VfB Leipzig
Fortuna Düsseldorf - Wuppertaler SV
FC Hansa Rostock - Fortuna Köln
Waldhof Mannheim - FSV Mainz 05
FC Carl Zeiss Jena - MSV Duisburg
FC Remscheid - SV Meppen
Chemnitzer FC - FC Homburg
VfL Wolfsburg - FC St. Pauli
SC Freiburg - Hertha BSC Berlin
Hannover 96 - SpVgg. Unterhaching 38. Spieltag Mittwoch, 28. April 1993 Eintr. Braunschweig - Stuttg. Kickers
VfB Leipzig - VfB Oldenburg
Wuppertaler SV - VfL Osnabrück
Fortuna Köln - Fortuna Düsseldorf
SpVgg. Unterhaching - FC Hansa Rostock
MSV Duisburg - Waldhof Mannheim
SV Meppen - FC Carl Zeiss Jena
FC Homburg - FC Remscheid
FC St. Pauli - Chemnitzer FC
Hertha BSC Berlin - VfL Wolfsburg
SV Darmstadt 98 - SC Freiburg
FSV Mainz 05 - Hannover 96 39. Spieltag Samstag, 1. Mai 1993 Stuttgarter Kickers - VfB Leipzig
VfB Oldenburg - Wuppertaler SV
VfL Osnabrück - Fortuna Köln
Fort. Düsseldorf - SpVgg. Unterhaching
FSV Mainz 05 - MSV Duisburg
Waldhof Mannheim - SV Meppen
FC Carl Zeiss Jena - FC Homburg
FC Remscheid - FC St. Pauli
Chemnitzer FC - Hertha BSC Berlin
VfL Wolfsburg - SV Darmstadt 98
SC Freiburg - Eintracht Braunschweig
Hannover 96 - FC Hansa Rostock
40. Spieltag
Samstag, 8. Mai 1993
Wuppertaler SV - Stuttgarter Kickers
Fortuna Köln - VfB Oldenburg
SpVgg. Unterhaching - VfL Osnabrück
FC Hansa Rostock - Fortuna Düsseldorf
SV Meppen - FSV Mainz 05
FC Homburg - Waldhof Mannheim
FC St. Pauli - FC Carl Zeiss Jena
Hertha BSC Berlin - FC Remscheid
SV Darmstadt 98 - Chemnitzer FC
Eintr. Braunschweig - VfL Wolfsburg
VfB Leipzig - SC Freiburg
MSV Duisburg - Hannover 96
41. Spieltag
Mittwoch, 12. Mai 1993
Stuttgarter Kickers - Fortuna Köln
VfB Oldenburg - SpVgg. Unterhaching
VfL Osnabrück - FC Hansa Rostock
MSV Duisburg - SV Meppen
FSV Mainz 05 - FC Homburg
Waldhof Mannheim - FC St. Pauli
FC Carl Zeiss Jena - Hertha BSC Berlin
FC Remscheid - SV Darmstadt
Chemnitzer FC - Eintr. Braunschweig
VfL Wolfsburg - VfB Leipzig
SC Freiburg - Wuppertaler SV
Hannover 96 - Fortuna Düsseldorf
42. Spieltag
Samstag, 15. Mai 1993
SpVgg. Unterhaching - Stuttg. Kickers
FC Hansa Rostock - VfB Oldenburg
Fortuna Düsseldorf - VfL Osnabrück
FC Homburg - MSV Duisburg
FC St. Pauli - FSV Mainz 05
Hertha BSC Berlin - Waldh. Mannheim
SV Darmstadt 98 - FC Carl Zeiss Jena
Eintr. Braunschweig - FC Remscheid
VfB Leipzig - Chemnitzer FC
Wuppertaler SV - VfL Wolfsburg
Fortuna Köln - SC Freiburg
SV Meppen - Hannover 96
43. Spieltag Samstag, 22. Mai 1993 Stuttgarter Kickers - FC Hansa Rostock
VfB Oldenburg - Fortuna Düsseldorf
SV Meppen - FC Homburg
MSV Duisburg - FC St. Pauli
FSV Mainz 05 - Hertha BSC Berlin
Waldhof Mannheim - SV Darmstadt 98
Carl Zeiss Jena - Eintr. Braunschweig
FC Remscheid - VfB Leipzig
Chemnitzer FC - Wuppertaler SV
VfL Wolfsburg - Fortuna Köln
SC Freiburg - SpVgg. Unterhaching
Hannover 96 - VfL Osnabrück 44. Spieltag Dienstag, 25. Mai 1993 Fortuna Düsseldorf - Stuttg. Kickers
VfL Osnabrück - VfB Oldenburg
FC St. Pauli - SV Meppen
Hertha BSC Berlin - MSV Duisburg
SV Darmstadt 98 - FSV Mainz 05
Eintr. Braunschw. - Waldh. Mannheim
VfB Leipzig - FC Carl Zeiss Jena
Wuppertaler SV - FC Remscheid
Fortuna Köln - Chemnitzer FC
SpVgg. Unterhaching - VfL Wolfsburg
FC Hansa Rostock - SC Freiburg
FC Homburg - Hannover 96 45. Spieltag Sonntag, 30. Mai 1993 Stuttgarter Kickers - VfL Osnabrück
FC Homburg - FC St. Pauli
SV Meppen - Hertha BSC Berlin
MSV Duisburg - SV Darmstadt 98
FSV Mainz 05 - Eintracht Braunschweig
Waldhof Mannheim - VfB Leipzig
FC Carl Zeiss Jena - Wuppertaler SV
FC Remscheid - Fortuna Köln
Chemnitzer FC - SpVgg. Unterhaching
VfL Wolfsburg - FC Hansa Rostock
SC Freiburg - Fortuna Düsseldorf
Hannover 96 - VfB Oldenburg 46. Spieltag Sonntag, 6. Juni 1993 VfL Osnabrück - SC Freiburg
FC St. Pauli - Hannover 96
Hertha BSC Berlin - FC Homburg
SV Darmstadt 98 - SV Meppen
Eintr. Braunschweig - MSV Duisburg
VfB Leipzig - FSV Mainz 05
Wuppertaler SV - Waldhof Mannheim
Fortuna Köln - FC Carl Zeiss Jena
SpVgg. Unterhaching - FC Remscheid
FC Hansa Rostock - Chemnitzer FC
Fortuna Düsseldorf - VfL Wolfsburg
VfB Oldenburg - Stuttgarter Kickers
"Die Flaute spüren wir genauso wie alle anderen Geschäfte." Petra Kilian, Geschäftsführerin eines Ladens für gebrauchte Kleidung in der Arnsburger Straße, ist alles andere als zufrieden mit dem Umsatz. So geht es den Betreibern von Secondhandshops generell. Trotz oft beschrieener Wirtschaftsflaute beschränkt sich die Sparsamkeit der meisten Kunden einstweilen darauf, teure Markenware ein bißchen billiger zu bekommen. Das Angebot der Läden für gebrauchte Klamotten ist breit: Vom Luxus- Brautkleid über Designerfummel bis zur teuren Jeans ist in Frankfurt alles aus zweiter Hand zu haben.
Früher seien hauptsächlich jüngere Leute, die was Ausgefallenes suchten, gekommen, sagt Petra Kilian, "heute verkaufen wir eher Modisches, Panne-Samt- Pullis etwa und" - auch hier zählt die Marke - "501-Jeans."
Die Kundschaft ist wählerisch. Um überhaupt bestehen zu können, müsse man ständig "präsent" sein und "dafür sorgen, daß man gute Sachen hat". Auch das wöchentliche Umdekorieren des Schaufensters gehöre dazu - zeigen, daß wieder neue Ware da ist.
"Bei uns ist der Trend seit Jahren gleichbleibend", sagt Irmgard Buhlert- Skerutsch, Inhaberin eines Geschäfts für gebrauchte Kinderkleidung in der Freiligrathstraße, "allerdings wird heute viel mehr nach Markenware gefragt." Das Gros der Kunden kommt jedoch eher wegen des Wundertüteneffekts als aus reiner Sparsamkeit. Die Lust am Schnäppchen, am tollen Fund treibe die Mittelstandsmütter (und wenige Väter) in ihren Laden. Buhlert-Skerutschs Beobachtung, daß Sozialhilfempfänger sich mit dem Kauf von gebrauchter Kleidung eher schwer tun, teilt die Inhaberin eines Ladens in der Kleinmarkthalle, Anne Fitzwilliam-Reitbauer: Leute mit schmalerem Geldbeutel hätten "wohl Angst, von den Nachbarn gesehen zu werden". Kunden, "die es eigentlich nicht nötig haben", kämen, vermutet sie, weil es ihnen Spaß macht. Allmählich spiele jedoch wohl auch die vielerorts beschworene "neue Bescheidenheit" eine Rolle: "Ein Designer-Kostüm zum halben Preis tut dem Budget natürlich gut." Solche Stücke sind bei ihr schon heute meist nach wenigen Stunden verkauft. Angenommen wird in den gehobeneren Marken-Secondhandläden, von denen es immer mehr in Frankfurt gibt, in der Regel ohnehin nur noch Kleidung, die höchstens ein bis zwei Jahre alt ist. Der schnelle Wechsel kommt dem Gebrauchthandel nur zugute: "Die Pflicht zur Mode", sagt Fitzwilliam-Reitbauer, sei in der Großstadt heutzutage sehr groß. Vor allem die 25- bis 45jährigen glaubten zunehmend, sich dem unterwerfen zu müssen.
"Fehlkäufe" nennt Layla Nosrati, die seit Mai einen Laden in der Berger Straße betreibt, als häufigstes Verkaufsmotiv ihrer "Lieferanten", oder Geschenke des Ehemannes, die nicht den Geschmack der Gattin trafen. "Wenn sie etwas für 3000 Mark zu klein oder zu groß gekauft haben, dann sind die schon froh, wenn sie noch 200 oder 300 Mark dafür bekommen." Gekauft wird es bei ihr dann für höchstens 600 Mark. Ein Schnäppchen.
Gemeinsam ist vielen Geschäftsinhabern die Furcht vor steigenden Mieten. "Als Gewerbetreibende fallen wir unter keinen Mieterschutz, obwohl wir eine niedrigere Gewinnspanne haben als andere Läden", stellt Buhlert-Skerutsch stellvertretend für viele "Kollegen" fest. fra
HÖCHST. Ein Zebrastreifen bedeutet: Hier haben Fußgänger Vorrang. Doch Pia Westenberger und Gabriela Tkotz stehen fast eine Minute an der Ecke Burgunderweg / Gotenstraße und halten ihre Kinder Jenny und Matthias fest: Auto um Auto braust vorbei, die Fahrer übersehen die kleine Gruppe am Zebrastreifen.
Alltag an der verkehrsreichen Straße, die Richtung Autobahn oder Innenstadt führt. Gerade Fahrer, die von der Höchster Innenstadt nach links Richtung Königsteiner Straße abbiegen, können kaum erkennen, daß mitten in der Kurve ein Überweg ist. Und an das vorgeschriebene Tempo 30 hält sich kaum jemand.
Wenn in den Parkbuchten Lastwagen stehen, wird die Situation vollends unübersichtlich, hat Charlotte Berger, Mutter von drei Kindern, beobachtet. Die überhöhte Geschwindigkeit der Autos sei besonders für Kinder gefährlich, die nicht genau abschätzen könnten, wann sie loslaufen und wann sie warten müßten: "Hier gehört eine Ampel hin, sonst gibt es noch einmal ein Unglück."
Bisher hat es zum Glück "nur" zwei Verletzte gegeben, sagt die Polizei: eine Radfahrerin, die ohne abzusteigen über den Zebrastreifen bretterte, und ein Fußgänger, der die Straße außerhalb des markierten Überweges kreuzte. "Sonst fahren ab und zu Betrunkene auf die Verkehrsinsel", sagt Unfall-Sachbearbeiter Hans Herrmann. Und auch der Straßenverkehrsbehörde ist "der Punkt nicht als problematisch bekannt", sagt Ulrich Schöttler, stellvertretender Leiter des Amtes. "Wir sehen uns den Ort an, dann entscheiden wir, was gemacht werden muß." Eine Ampel sei wohl zu teuer, "aber man kann viel mit neuen Schildern oder frischen Markierungen erreichen".
Bis dahin muß Rollstuhlfahrer Heinz Welthe jedesmal Angst haben, heil über den Zebrastreifen zu kommen. "Vier bis fünf Minuten warte ich manchmal", sagt er, "aber an uns denkt ja keiner." md
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FRANKFURT A. M. Die Sportjugend Hessen hat wieder ein umfangreiches Programm für das neue Jahr zusammengestellt. 20 Sport- und Jugendreisen führen zum Fahrradfahren nach Spanien und Italien, zum Baden nach Griechenland oder zu einem Sport- und Natururlaub nach Ungarn.
American Football, Tennis, Golf, Frisbee oder Klettern für Gehörlose sind nur einige der 17 angebotenen, zweitägigen "Schnupperkurse".
Die Internationale Jugendarbeit ermöglicht den Austausch mit Jugendlichen aus Ägypten, Polen, Litauen oder Japan. Spezielle Projekte gibt es für Mädchen und Aussiedler.
Ausbildungen bei der Sportjugend sind konzipiert für Jugendbetreuer mit dem Schwerpunkt Kinder und Jugendliche. Außerdem reichen Fortbildungen von den Themenkreisen Umwelt, Sport und Sozialarbeit bis zur Einführung in die Massage.
Der Bildungsurlaub der Sportjugend Hessen betont mit 24 Reisen von einer bis zwei Wochen die Ausbildung der Sinne, der Bewegung, des Spiels, und vor allem der politischen Bildung. Angeboten werden unter anderem Themen wie "Polen - Land und Leute", "Europa im Wandel - Litauen" und "Jugend in Europa: Ungarn", mit Fahrten in die jeweiligen Länder, aber auch sportlich-ökologische Erkundigungen von Fließgewässern mit dem Kajak.
Die Angebote richten sich an alle Kinder und Jugendliche, Mitarbeiter der Jugendarbeit im Sport und alle interessierten in- und ausländischen Mitbürger.
Das Jahresprogramm kann kostenlos bestellt werden bei der Sportjugend Hessen in der Otto-Fleck-Schneise 4 in 6000 Frankfurt am Main 71, oder unter Telefon 6 78 92 89. di
OSTEND. Drei heitere und besinnliche Stunden erlebten 180 vorwiegend ältere Menschen im August-Stunz-Altenhilfezentrum. Der Ortsverband Ostend der Arbeiterwohlfahrt (AW) hatte sie zu seiner Jahresabschlußfeier eingeladen. Während des Festes zeichnete der stellvertretende Geschäftsführer des Kreisverbandes der AW, Jürgen Richter, 15 Mitglieder für deren langjährige Treue zu dem Verband aus.
35 Jahre ist es her, seit Elsa Jung und Magarete Breunig ihren Aufnahmeantrag unterschrieben haben. Seit 25 Jahren gehören Maria Loos und Käthe Vogt zur Arbeiterwohlfahrt. Und seit 15 Jahren Mitglieder sind Therese Berberich, Peter Friedel, Heinz und Ruth Grundmann, Achim de Hair, Käthe Herborn, Heinrich Kiefer, Hildegard Kranz, Irma Lucas, Lina Schäfer und Maria Schecker.
Vor den Ehrungen las die Schauspielerin Silvia Gerlich Texte des Schriftstellers Wolfgang Borchert. Köstlich amüsierte sich das Publikum, als die Künstlerin Gedichte in Frankfurter Mundart vortrug. Die Flötengruppe der Jugendmusikschule Langen und das Duo "Klug" umrahmten die Feier.
Auch die Gäste selbst zeigten, wie musikalisch sie sind, und stimmten gemeinsam Lieder an. Abgerundet hatte die Arbeiterwohlfahrt ihr Programm mit einer Tombola. bay
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Es ist aus psychologisch gut nachvollziehbaren Gründen verständlich, daß sich bei immer knapper werdenden Ressourcen die therapeutischen Bemühungen in Praxis und Klinik oft auf jene Kranken konzentrieren, bei denen die eingesetzten Mittel die größten medizinischen oder psychologischen Erfolge versprechen. Dies führt natürlich auch beim Einsatz von Forschungsmitteln dazu, daß nicht in erster Linie die Entwicklung jener Medikamente mit großem Finanzaufwand gefördert wird, die auch bei erfolgreichem Abschluß der Forschungsprojekte - beispielsweise am tödlichen Ausgang einer Krebserkrankung - nichts ändern können.
Hauptgegner der meisten Ärzte ist nämlich wie seit Jahrtausenden der Tod, nicht aber relativ nebensächlich erscheinende Krankheitszeichen wie Übelkeit, Erbrechen, Schmerz und Juckreiz. Da dies so ist, werden auf der einen Seite zwar Milliarden für die Erforschung und Behandlung von sogenannten Bagatellerkrankungen ausgegeben, während sich beispielsweise Krebskranke auf der anderen Seite in der Endphase ihres schrecklichen Leidens häufig von Gott und den Menschen verlassen vorkommen. Oft sehen sie sich einem therapeutischen Nihilismus konfrontiert, der ihr schweres Los unnötigerweise zusätzlich erschwert.
Aus diesen Gründen ist die Entwicklung begrüßenswert, die sich seit einigen Jahren beim zunehmenden Einsatz der Substanzgruppe der Bisphosphonate abzeichnet. Diese chemischen Verbindungen, die von der chemischen Struktur her den in Waschmitteln eingesetzten Pyrophosphaten ähneln, sind in der Lage, einen entgleisten Knochenstoffwechsel zu normalisieren. Diese Eigenschaft nutzten die Ärzte in zunehmendem Maß aus, indem sie Bisphosphonate zur Behandlung von Krebs-Tochtergeschwülsten (Knochen-Metastasen) einsetzen, die das Skelett befallen haben und dort lokal den Knochen zersetzen. Die sogenannten osteolytischen Defekte verursachen unbehandelt extreme Schmerzen und zahlreiche Spontanfrakturen, wie die Ärzte Knochenbrüche nennen, die sich quasi aus heiterem Himmel ohne Sturz oder andere äußere Gewalteinwirkung ereignen. Für die Zukunft ist außerdem geplant, diese Substanzgruppe auf breiter Front bei der Bekämpfung des sich bei vielen Frauen jenseits der Menopause einstellenden Knochenschwunds, der sogenannten Osteoporose, einzusetzen.
Wie Professor Herbert Fleisch (Bern) anläßlich des in Siena veranstalteten "Bisphosphonate-Workshops" ausführte, beruht der Wirkmechanismus der Substanzgruppe auf einer Ausschaltung des Abbaus von Knochenmasse und somit auf der Verhinderung der sich bei Tumorkranken oft einstellenden Knochendestruktion. Da der gleichzeitige Knochenaufbau durch die Bisphosphonat- Therapie nicht behindert wird, kommt es insgesamt zu einer positiven Bilanz des gestörten Knochenstoffwechsels.
Zu den wichtigsten Tumor-Arten, die beinahe immer Tochtergeschwülste in den Knochen absiedeln, gehören der Brust- und der Prostatakrebs. Bei dem an Häufigkeit ständig zunehmenden sogenannten Mamma-Karzinom kommt es beispielsweise in 60 bis 80 Prozent der Fälle schon relativ früh zu einer zusätzlichen Schädigung des Skeletts, meist der Wirbelsäule. Dabei treten in dieser Endphase der Krebserkrankung regelmäßig medikamentös nur schwer beherrschbare Schmerzzustände und zahlreiche Spontan-Knochenbrüche auf. Daher lag es nahe, bei dieser Patientengruppe trotz ihres unheilbaren Grundleidens die Wirksamkeit der Bisphosphonate möglichst objektiv zu untersuchen.
Zu diesem Zweck wurden von einer Wissenschaftlergruppe um Professor John A. Kanis (Universität Scheffield) 160 unter Knochen-Metastasen leidende Patienten untersucht. Die eine Hälfte der Kranken erhielt das Bisphosphonat Clodronat, während die Kranken der anderen Hälfte mit einem unwirksamen Scheinmedikament (Plazebo) behandelt wurden. Bei der Auswertung der Befunde zeigte es sich, daß in der Clodronat-Gruppe 40 Prozent weniger Wirbelkörperbrüche auftraten. Außerdem konnte die schmerzlindernde Behandlung von Röntgenstrahlen um 35 bis 40 Prozent verringert werden. Aus diesen Ergebnissen folgerte Professor Kanis, daß Bisphosphonate künftig bereits vorbeugend zumindest bei jenen Krebs-Erkrankungen gegeben werden sollten, die häufig zu Knochen-Metastasen neigen.
In einer zweiten, ebenfalls plazebo-kontrollierten Doppelblind-Gemeinschaftsstudie wurden an kanadischen und britischen Universitäten 173 Patientinnen untersucht, die im Endstadium an einem metastasierenden Brustkrebs litten. Die eine Hälfte der Kranken erhielt täglich 1600 Milligramm Clodronat, während die anderen Frauen mit einem Scheinmedikament therapiert wurden. Auch in dieser Studie zeigte sich die therapeutische Wirksamkeit der Substanz. Sie war in der Lage, die durch den Knochenabbau auftretenden Fälle einer tödlichen Kalziumüberfrachtung des Organismus um etwa 60 Prozent zu reduzieren (17 gegenüber 7). Außerdem traten bei den behandelten Kranken pro 100 Patientenjahren nur 84 Wirbelfrakturen auf, während es in der Plazebogruppe 124 waren. Ähnlich war das Verhältnis bei schweren Deformierungen der Wirbelsäule. Hier standen 218 Fälle 304 gegenüber.
Für die Fachzeitung Bone arbeitete in diesem Zusammenhang ein Forscherteam um Dr. W. A. Biermann eine Kosten- Nutzen-Analyse des Einsatzes von Clodronat. Die Wissenschaftler stellten die durch Vermeidung von Krankenhausaufenthalten eingesparten Kosten jenen finanziellen Aufwendungen gegenüber, die der Einsatz des Medikaments direkt verursacht. Dabei kamen sie aufgrund der Vermeidung von Frakturen der Hüftgelenke bzw. Wirbelkörper und von schmerzlindernden Röntgenbestrahlungen zu dem eindeutigen Schluß, daß die Anwendung dieses Bisphosphonats hochwirtschaftlich ist. Den Kostenträgern würde durch den regelmäßigen prophylaktischen Einsatz keine Mehrkosten entstehen; es würde vielmehr sogar Geld eingespart. Unabhängig von diesen finanziellen Überlegungen wiesen die Autoren aber nachdrücklich darauf hin, daß sich die Lebensqualität der behandelten Patienten unter der Clodronat-Therapie ganz erheblich bessert. Die Behandlung ist nämlich leicht auch ambulant auszuführen, da die erforderliche Wirkstoffmenge künftig in lediglich zwei kleinen Filmtabletten enthalten sein wird.
Erst vor wenigen Tagen stellte Professor Burkhard Krempien in Heidelberg zusätzliche Forschungsergebnisse vor, die im Zusammenhang mit den gefürchteten Knochen-Metastasen sogar erste Hinweise auf eine möglicherweise generell vorbeugende Wirkung von Clodronal erbrachten. Im Tierexperiment hatte sich nämlich gezeigt, daß die vorbeugende Gabe des Medikaments bei vielen Versuchstieren den tumorbedingten Abbau des Knochens ganz unterdrückt hatte.
JOCHEN KUBITSCHEK
HÖCHST. Die SG Sossenheim hat jetzt 2000 Mitglieder: Eine 29 Jahre alte Frau, die ihre Tochter fürs "Mutter-Kind-Turnen" anmeldete, sorgte kürzlich dafür, daß die "Schallmauer" durchbrochen werden konnte.
Damit hat die SG Sossenheim so viele Mitglieder wie noch nie. Und sie rechnet für das Jahr 1993 mit noch mehr Sportbegeisterten, die aus der neuen Siedlung Westpark kommen sollen. m
Wem ist es noch nicht passiert: das eigentlich zu enge Kleid wird im Hinblick auf die "bestimmt erfolgreiche Diät" gekauft (und paßt dann nie), der Pulli gefiel der Liebsten nicht, die Schu- he drücken und der Wollschal kratzt. Was tun mit den neuwertigen Klamotten? Zum Secondhandshop damit.
Kaum einer der Gebrauchtwarenläden in Frankfurt kauft jedoch ausgemusterte Ware direkt an. Fast ohne Ausnahme nehmen die Geschäftsleute die Sachen in Kommission und machen bei Verkauf halbe halbe. Manche ziehen vom Verdienst des Lieferanten noch die 14 Prozent Mehrwertsteuer ab. Werden die abgelegten Stücke nicht verkauft, müssen sie nach vier Wochen abgeholt werden. Nicht abgeholte Ware spenden die meisten Geschäfte nach weiteren vier Wochen, manchmal auch erst nach zwei Monaten, einer gemeinnützigen Institution. Andere verschenken die Sachen an interessierte Kunden.
Von den befragten Händlern kauft nur Irmgard Buhlert-Skerutsch in der Freiligrathstraße ihre Ware, gebrauchte Kinderkleidung, direkt an. Bei Kleinkram kalkuliert sie zwei Drittel für sich und ein Drittel für die Kundin, bei teureren Sachen teilt auch sie sich den erzielten Preis halbe halbe mit der Lieferantin. fra
FRANKFURT A. M. Ihr Programm für das erste Halbjahr 1993 hat die Frankfurter Lehrerkooperative vorgelegt. Darin enthalten sind Projekte für Frauen und Menschen nichtdeutscher Nationalität. In einigen Stadtteilen betreuen die Pädagogen auch Kinder und Schüler.
Wen Formulare oder Anträge zum Verzweifeln bringen, kann sich an den "Lese- Schreib-Service" wenden. In der Elbestraße 41 (Bahnhofsviertel) gibt es Hilfe bei Briefwechseln mit Ämtern, Bewerbungen und Lebensläufen - und das in mehreren Sprachen und kostenlos.
An Frauen aller Nationalitäten richteten sich die Stadtteilprojekte im Gallus und in Niederrad. Sie können dabei nähen, auf Seide malen, sportliche Übungen machen und sich mit den Themen Gesundheit und Säuglingspflege auseinandersetzen. Auch Deutsch und Türkisch können die Frauen lernen. Die Lehrerkooperative betreut in sechs "Kinderläden" 144 Mädchen und Jungen. Für Schüler und Berufsschüler arrangieren die Pädagogen Hausaufgabenhilfen. Wie bisher gibt es in dem Programm ein umfangreiches Angebot an Fremdsprachenkursen.
Nähere Informationen zu den Kursen und genauere Einzelheiten zum weiteren Programm der Lehrerkooperative sind unter Tel. 29 11 20 zu erhalten. mb
Im Dienst der Aufklärung in den finsteren Gassen des Orients Peter Scholl-Latour: "Aufruhr in der Kasbah"
Der Einband weist ferner darauf hin, daß die Geschehnisse möglicherweise Folgen für Europa haben könnten. Im Vorwort verweist der Autor düster auf "die unentrinnbare Verflechtung" zwischen dem Maghreb und Frankreich und die "offenen Grenzen" in Europa. Im Text wird uns die Bedeutung dieser Prophezeiungen erklärt, daß nämlich mindestens eine halbe Million Maghrebiner nach Norden "schwappen" werde, daß folglich nach der "Kasbah an der Seine" demnächst auch die Städte an Rhein und Elbe "von Maghrebinern unterwandert" würden, wo dann "bürgerkriegsähnliche Zustände" drohten und "die ferne, aber unentrinnbare Perspektive zivilisatorischen Untergangs" am Horizont lauere.
Kritik an seinem umfangreichen Selbstzitat will Scholl-Latour vorbeugen, indem er - im Prinzip durchaus berechtigt - auf die Bedeutung der Vergangenheit zum Verständnis der Gegenwart verweist. Und er greift weit in die Geschichte zurück, um die unüberbrückbaren Gegensätze zwischen dem unwandelbaren Orient und dem Okzident zu zeigen. Dabei beruft er sich auf die hinlänglich bekannten Stereotypen von irrational/fatalistisch/fanatisch/primitiv (Orient) und rational/wissenschaftlich/komplex/kultiviert (Okzident). Zur Erklärung zieht der Autor die Theorie eines geographischen Determinismus heran und hantiert mit rassentheoretischen Versatzstücken. Hauptsächlich sei die Einheit des Mittelmeerraumes jedoch durch den Islam zerstört worden, der "eine endgültige und unauslöschliche Trennungslinie zwischen Nord und Süd, zwischen Christus und Mohammed" gezogen habe. Verständigungsmöglichkeiten zwischen beiden Religionen schließt Scholl-Latour kategorisch aus.
Obwohl Scholl-Latour mit seinen Arabischkenntnissen prahlt, ist er nicht in der Lage, Begriffe von konzeptioneller Bedeutung in der gegenwärtigen politischen und religiösen Debatte richtig zu übersetzen. So macht er aus dem Begriff Monotheismus/Glaube an die Einheit Gottes (arab. "Tauhid", nicht, wie vom Autor verwendet: "Tauchid") den Auftrag an die Gläubigen, "die gottgefällige Gesellschaft schon im Diesseits zu schaffen". Für wie glaubwürdig würden wir einen muslimischen Journalisten halten, der "Dreieinigkeit" falsch buchstabiert und für Staatskirchentum hält?
Vollends skandalös wird es allerdings, wenn er am Koran, der für Muslime immerhin das unmittelbare Wort Gottes ist, nach eigenem Belieben herumdoktert, ihn umschreibt, variiert und ergänzt sowie das Ergebnis als echte Textzitate ausgibt. Dies führt beispielsweise dazu, daß im Koran der Satan, bei Scholl-Latour aber Muhammad spricht, wobei der Autor, wohl um den Offenbarungscharakter des Korans zu unterstreichen, noch ein "Wahrlich, so spricht der Prophet" hinzudichtet.
Anstatt das Phänomen Fundamentalismus seriös zu analysieren, psychologisiert Scholl-Latour, wobei er vorzugsweise die "tiefe psychische Verwirrung" der "von blinde(r) Wut, rasende(r) Zerstörungssucht" und "blinde(m) Fanatismus der Massen" getriebenen Algerier als Erklärung für die Ereignisse heranzieht, und zwar für den Unabhängigkeitskrieg ebenso wie für den Aufstand von 1988. Dabei weist er in beiden Fällen durchaus auf berechtigte Anliegen der Bevölkerung hin, die er allerdings in so phantastischer Weise ausschmückt, daß er ihnen jegliche Rationalität nimmt. Scholl-Latour erörtert zum Beispiel die Schwierigkeiten algerischer Jugendlicher, aufgrund von Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot einen eigenen Hausstand gründen zu können, sowie die sexuelle Frustration, die aus der islamischen Ablehnung vorehelicher Geschlechtsbeziehungen resultieren. Seine Schlußfolgerung: "In der jugendlichen Masse war - kraß gesagt - ein kollektiver ,Samenkoller&rquote; entstanden, eine sexuelle Frustration, die vielleicht das wirksamste Ferment des Revolutions- und Umsturzwillens darstellte."
Damit ist Scholl-Latour bei der Sexualität angelangt, einem Thema, das schon vor ihm viele "Orientexperten" fasziniert hat und mehr über deren Phantasien als über den Orient aussagt. Er beschreibt die "entfesselte Sexualität" der Römer ebenso wie heutige Bordelle und scheut auch nicht davor zurück, tanzende Araberinnen zu "entfesselten Freudenmädchen" zu degradieren.
Es ist bemerkenswert, mit welchen Bildern, Assoziationen und Adjektiven Scholl-Latour sein Feindbild vermittelt. Es wimmelt im Text von Ausdrücken wie "entfesselte(m) Mob", "fundamentalistische(m) Eifer", von zusammengerotteten "Agenten" mit "finstere(n) Visagen", von "exotischer Wildheit", mörderischen Instinkten, aber auch "apathischen Orientalen". Bezeichnend ist auch seine Charakterisierung algerischer Präsidenten: Ben Bella gilt als von Frauen angehimmelter "Typ des orientalischen Schlagersängers", Boumedienne als "unerbittliche Dracula-Gestalt" und Boudiaf, dessen Ermordung der omnipräsente Reporter "gewissermaßen als Augenzeuge" miterlebt haben will - nämlich vor dem Fernseher im über 3000 km entfernten St. Petersburg -, als "mediokre Persönlichkeit". Ärgerlicher noch als die schlampige Recherche ist die herablassende, oft rassistische Haltung des "mutigen Experten", die alleine im Dienste der Aufklärung gefährliche finstere Gassen durchstreift. Und sogar im Waldesdikkicht geht er auf "Pirsch", berichtet über die "Großwildjagd" nach Menschen, die "zur Strecke gebracht werden". In einer Zeit, in der "Menschenjagden" wieder zum deutschen Alltag gehören, trägt Scholl-Latours Panikmache vor "dem Fremden" das seine dazu bei, daß sich in Deutschland erfüllt, was er für Algerien prophezeit: "Die Spirale der Gewalt drehte sich unerbittlich hoch." ULRIKE FREITAG
Peter Scholl-Latour: Aufruhr in der Kasbah. Krisenherd Algerien. Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart 1992, 319 Seiten, 39,80 DM.
NORDWESTSTADT. Ältere Menschen aus der Nordweststadt lädt die städtische Saalbau-Gesellschaft seit kurzem zu regelmäßigen Zusammenkünften ein. Monatlich gibt es im Bürgerhaus im Nordwestzentrum den "Titus-Treff" für Senioren. Er steht je nach Jahreszeit unter verschiedenen Schwerpunkten. Im November war der Treff karnevalistisch angehaucht, im Dezember gab es eine weihnachtliche Feier. Der nächste Treff am Mittwoch, 20. Januar, ab 15 Uhr, wird wieder die närrische, fünfte Jahreszeit prägen, berichtete Organisator Karl Oertl.
Zu den beiden ersten Treffen waren etwa 100 Senioren gekommen. Für die Weihnachtsfeier interessierten sich lediglich 40 Frauen und Männer. Oertl präsentierte ihnen bei Kaffee und Kuchen ein kleines Programm. Resi und Kurt Heldt trugen als "Duo Rodgau" besinnliche Lieder vor. Corinna Orth las Verse des Bergen-Enkheimer Heimatdichters Martin Dietz, einen ausführlichen Dia-Vortrag über Island hatte Magdalena Spaeth mitgebracht. Oliver Eibel sorgte mit der Orgel für musikalische Unterhaltung.
Wer sich für den "Titus-Treff" interessiert, wende sich an den Info-Point der Titus-Thermen (Telefon 95 80 50). mb
PREUNGESHEIM. Ein Instrument, das nur selten solistisch zu hören ist, stand im Mittelpunkt einer musikalischen Matinee in der evangelischen Festeburgkirche: die Harfe. Neben zwei Werken für Harfe Solo trat Karin Franke im Duo mit Organist Frank Hoffmann auf. Mit einem barocken Vorspiel - Nikolaus Bruhns Präludium und Fuge e-Moll für Orgel - begann das Konzert standesgemäß. Und mit einem "Vorspiel" endete es dann auch: mit dem zuckersüßen Salonstückchen "Prelude Berceuse" von Oreste Ravanello für Harfe und Orgel.
Die Harfe ist zwar eines der ältesten Instrumente der Welt, doch dürfte König Davids Saitenspiel mit dem Karin Frankes nichts zu tun gehabt haben. Die moderne Konzertharfe existiert erst seit knapp 200 Jahren. Der Klang des knapp 1,80 Meter hohen Instruments mit seinen 46 Saiten ist nicht nach dem Geschmack jedes Komponisten. Entsprechend schmal ist die Harfenliteratur. Um nicht immer die gleichen Stücke spielen zu müssen, gibt es zahlreiche Bearbeitungen von Originalwerken für Harfe. Etwa Johann Matthesons Air und Double c-Moll. Karin Franke machte nicht den Fehler, das barocke Stück allzu romantisch zu spielen. In der Air betonte sie zwar den kantablen Charakter, nie verlor die Musik aber an Festigkeit und geradlinigem Rhythmus. Auch das Double spielte die Frankfurter Harfenistin in strengem, doch keineswegs starrem Tempo.
Wie souverän Karin Franke ihr Instrument technisch und musikalisch beherrscht, demonstrierte sie in Horst Frankes "26. Psalm", dem attraktivsten Stück für Harfe Solo beim Konzert in der Festeburgkirche. Praktisch, wenn der eigene Vater Komponist ist und die Misere in der Harfenliteratur beseitigen hilft. Das impressionistisch angehauchte Werk besitzt alle Elemente, die den "typischen" Harfenklang ausmachen. Effektvolle Glissandi, das heißt schnelles Gleiten über die Saiten, Arpeggien (gebrochene Akkorde) und Flageolett-Töne.
Ein berühmtes Harfensolo komponierte Gustav Mahler im Adagietto, dem dritten Satz seiner fünften Symphonie. Organist Frank Hoffmann hatte in dieser Bearbeitung den Part des Orchesters zu übernehmen. Trotz abwechslungsreicher Registrierung kann es dem Organisten natürlich nie gelingen, die Klangfarbenpalette eines romantischen Orchesters zu imitieren. Das Stück bekommt in der Bearbeitung für Harfe und Orgel einen anderen Charakter - attraktiv bleibt es aber allemal. Wie im romantischen "Les Pins de Charlannes" harmonierten Frank Hoffmann und Karin Franke auch in Mahlers Adagietto gut. Hoffmann begleitete feinfühlig und Karin Franke hatte immer ein waches Ohr für die Orgel: Kammermusik im besten Sinn.
Zur nächsten Musik-Matinee lädt die Festeburggemeinde (An der Wolfsweide 54) für Sonntag, 14. Februar (11.30 Uhr), ein. Auf dem Programm steht Musik für Orgel und Gitarre. ECKART BAIER
BOCKENHEIM. Mit "Leise rieselt der Schnee" brachte der Frauenchor der Frankfurter Polizei winterliche Stimmung in den Saal des Bockenheimer Treffs für ältere und behinderte Bürger. Unter der Leitung von Wendelin Röckel sangen die Frauen neben dem bekannten Weihnachtslied auch "Tochter Zion" und "Maria durch den Dornwald ging".
Ursprünglich war das Singen im Polizeichor nur den Herren vorbehalten gewesen. Die Frauen verrichteten lediglich die uneigennützigen Arbeiten hinter den Kulissen. Dies änderte sich 1984, als die Damen ihre eigene Abteilung gründeten. Heute hat der Frauenchor etwa sechzig aktive Mitglieder, die Hälfte von ihnen traten im Bockenheimer Treff auf. Die Sängerinnen verzichteten im übrigen auf eine Gage, wie bei allen weihnachtlichen Veranstaltungen. Schließlich steht hinter dem ganzen "ein sozialer Gedanke", wie Jürgen Moog, Vorsitzender des Frankfurter Polizeichores, meinte.
Für den Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe war der Liederabend Teil des Dezemberprogrammes im Bockenheimer Treff. Auch im übrigen Jahr sorgen die Verantwortlichen des Treffs für Unterhaltung der älteren Mitbürger. Ausflüge und Tanzabende, auch eine Modenschau organisierte die Begegnungsstätte in diesem Jahr. Zudem veranstaltet die Volkshochschule regelmäßig Näh- und Englischkurse. Und wer sich körperlich fit fühlt, kann an den Folklore- oder Gesellschaftstanzkursen teilnehmen.
Wie sehr sich die alten Menschen im Bockenheimer Treff heimisch fühlen, zeigte die zweitägige Weihnachtsfeier - rund 60 Besucher kamen an jeweils beiden Tagen in die Begegnungsstätte. "Da wird es im Saal eng", freut sich Edith Marx, die Leiterin der Begegnungsstätte, über die Begeisterung der Senioren.
Wundern sollte man sich darüber nicht, denn Udo Jürgens verkündet doch schon lange: Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an! ole
Die Zahnbürste, die von innen leuchtet Über Philippe Starck und die Trendwende vom Luxus-Look zum Low-Design
Bei mir war immer das Non-Design zu Hause. Seit kurzem aber erleuchtet ein türkisfarbenes Schimmern mein Badezimmer. Ein kleiner Trost in dieser engen Schlucht aus dunklen Kacheln, gespendet von einem grauen, konisch geformten Behälter, aus dem ein wie eine Fackel geschwungener, türkisfarbener Stiel aus opakem Plastik ragt. Eine grüne Flamme, die da brennt und leuchtet, eine Flamme mit grünen Borsten unten dran. Mein erstes Kleinmöbel aus der Serie "Design"! Eine Zahnbürste, die zum Zähneputzen viel zu schön ist. Nicht mehr als eine Videokasette hat sie gekostet, was für eine normale Zahnbürste unerhört wäre, für ein Produkt, das ein weltberühmter Designerlabel trägt, dagegen gerade raisonabel scheint. Meine Zahnbürste stammt von keinem Dr. X, sondern von einem Superstar unter den Designern, von Philippe Starck.
"Ich bin dazu da, den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen! Ich der schlechteste Designer der Welt!" Sprüche, große Sprüche, kluge Sprüche, sinnlose Sprüche aus dem Mund von Philippe Starck, der in den - ach so fernen - achtziger Jahren zum Popstar unter den Designern aufstieg. Design! Das war einmal ein Begriff mit Kultstatus, ein Wort wie Gold. Als Pamphletisten getarnte Kolumnisten von Zeitmagazinen riefen die Designer zu den Königen des Jahrzehnts aus und erhoben jedes exzentrische Schnörkel, jeden schief gebauten Sessel zum Fetisch. So kam es, daß man bald den Eindruck haben mußte, das glamouröse, das sautere, präpotente Angeberdesign würde die schlichte Paarung Formgebung und Vernunft ein für allemal hinter sich lassen.
Nach längerer Absenz und dem medialen Niedergang des Design (wer redet eigentlich noch davon?) hat sich Philippe Starck unter Einsatz seines beachtlichen Repertoires an Entertainerqualitäten wieder zu Wort gemeldet und offiziell die Trendwende ausgerufen. Glamour ade! Alltag hallo! "Ich bin der Führer der Bewegung des Low Design!" lautet diesmal der markige Starck-Spruch, der den Leuten das Geld locker machen soll. Design geht jeden an, heißt die Botschaft für die neunziger Jahre. Ihr wenigen Betuchten, ihr Yuppie-Fossile, ihr könnt zu Hause bleiben! Alle, alle sollt ihr kommen und ganz profane Dinge des Alltagslebens wie Nudeln, Zahnbürsten, Wasserflaschen und Türbeschläge (made by Starck) kaufen. Es ist "demokratisches Design für eine hochindustrialisierte Gesellschaft" (Philippe Starck).
Die massenhaft verkaufte bunte Bürste, die man hierzulande nur in exklusiven Designshops, in Frankreich aber in jeder Kleinstadt in der Apotheke kaufen kann, erklärt Starck unter all den Vasen, Lampen, Stühlen, Booten, Nachtclubeinrichtungen und Präsidentensuiten, die er seit gut einem Jahrzehnt fast wie am Fließband entworfen hat, seinem neuen Dogma gemäß zu seinem besten Stück. "Darauf bin ich am meisten stolz!" Na bitte.
Sie klingt ja wirklich vernünftig, die der Bannerträgerin Zahnbürste beigepackte designphilosophische Gebrauchsanweisung. "Ich glaube, daß die Leute genug haben vom narzißtischen Spiel der letzten Jahre, wo die Designer für andere Designer entwarfen und die Käufer nur ohnmächtige Zuschauer bei einem immer eitleren Spiel waren. Es ging nur noch darum, dem anderen zu zeigen, schau, wie ich diese Lampe gemacht habe. Heute zählt, daß man eine korrekte Leistung zu einem anständigen Preis erbringt. Ich prophezeihe: Die Markenzeichen werden verschwinden."
Es hat immer zum Genie eines Philippe Starck gehört, zur rechten Zeit den richtigen Dingen das passende Designkleid zu schneidern. Damals, Mitte der achtziger Jahre, als es Teil des gesellschaftlichen Spiels war, unterm Neonröhrenhimmel die Apokalypse zu beschwören, schuf er mit dem Café Costes in Paris ein Monument der Dekade der Selbstinszenierung. Das Costes, an dem laut Starck die Toiletten mit ihren, nur mit Bedienungsanleitung zu öffnenden, spiegelverglasten Schwingtüren das Bedeutendste sind, ist heute ein Designmuseum mit Kaffeeausschank. In solchen Arenen der Eitelkeit tummeln sich nur mehr die Dummen.
Heute gilt jenes Design als das beste, das den Begriff Design hinter sich gelassen hat. Nichts Schrecklicheres jetzt unter der Sonne als jene im Aussterben begriffene Spezies von Designern, Designagentinnen und Designmöbelhändlerinnen, die sich geben wir ihr Produkt: makellos, kalt, unnahbar, perfekt gestylt bis in die Zahnlücke. Solche Leute scheinen in Häusern zu wohnen, wo selbst die Kohlenschaufel vom Architekten gestaltet wurde.
Philippe Starck hingegen ist unperfekt. Ein kleiner, launiger, pummeliger Mann in einem zerknautschten dunklen Anzug, ein schwarzes Käppi auf die Wuschelhaare gedrückt. Wie jene Popstars, deren Lieder direkt ins Herz treffen, weil sie so ehrlich klingen, strahlt Starck jene Aufrichtigkeit aus, die das sentimentale Verschwörungsgefühl erzeugt, das den Publikumsliebling kürt. In Wirklichkeit ist er einer von uns! Und für Augenblicke glauben wir es. Oder ist am Ende alles nur Design-Design? In unsere Sphäre gerückt, dort wo Zahnbürsten und andere niedere Dinge wohnen.
Philippe Starck besitzt 14 Motorräder, 7 Autos und 8 Häuser. Wie es sich für einen Popstar gehört. Weil noch nicht eingetreten ist, was er seit einiger Zeit proklamiert - "Die Erde ist müde, sie hat keine Energie mehr. Die Materie und wir, wir lieben uns nicht mehr" -, durchleben wir eine "Zwischenphase", in der noch genug Platz ist für jene Produkte, mit denen er (und andere) ihr Geld verdienen. Er weiß das und kokettiert herausfordernd mit uns, die wir froh sind, wenn unter all den schönen Dingen einmal etwas dabei ist, das auch wir uns leisten können. "Ich bin dazu da, Gegenstände zu produzieren, die den Zweck haben, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen." Weil seine Botschaft, launig und scheinbar ungelenk, mit roter Clownsnase und tapsigen Tanzbärschritten vorgetragen, so anständig und vernünftig klingt, so, als versuche einer, ein paar gefällige Seiten im Buch der Aufklärung aufzuschlagen, hören wir nicht wirklich weg. ANDREA HURTON
ZEILSHEIM. Die Käthe-Kollwitz-Schule soll nach dem Willen des Kollegiums und der Eltern feste Anfangs- und Schlußzeiten bekommen. Einen entsprechenden Antrag, der Öffnungszeiten von 8 bis 13.15 Uhr vorsieht, hat Rektor Erich Sehr ans Kultusministerium geschickt. Die Regelung solle nach den Sommerferien in Kraft treten. Kinder wären dann vor und nach den Schulstunden nicht mehr unbeaufsichtigt. Ob das Ministerium zustimmt, ist allerdings noch völlig ungewiß.
Die Änderung käme in erster Linie Kindern von Alleinerziehenden und Familien zugute, bei denen beide Elternteile arbeiten. "Sie müssen die Schüler oft schon um acht Uhr vorbeibringen, obwohl der Unterricht erst eine Dreiviertelstunde später beginnt", schildert der Rektor der Grund-, Haupt- und Realschule. Die Folge ist: Mädchen und Jungen "hängen" unbeaufsichtigt auf dem Schulgelände herum. Und nach Schulschluß wiederhole sich das Dilemma noch einmal.
Das müsse sich ändern, betont Sehr. "Der Bedarf ist riesig." Eine Elternumfrage habe ergeben, daß drei, vier Schüler pro Klasse auf die festen Anfangszeiten "praktisch angewiesen sind". Bei elf Klassen müßten demzufolge zwei Gruppen eingerichtet werden.
Deren Angebot soll breitgestreut sein und vor allem auf die Wünsche der Kinder eingehen, wie Stufenleiter Lutz Laufer sagt. "Sie können frei arbeiten, miteinander spielen, lesen." Allmählich soll dann in den regulären Unterricht hinübergeglitten werden. Auch den Übergang zwischen den nachfolgenden Stunden möchte die Schule "flexibler" gestalten. Das feste 45-Minuten-Modell entspreche den Bedürfnissen der Kinder nicht. Perspektivisch sind außerdem ein Schulfrühstück und feste Pausenzeiten geplant.
Ohne Mehrarbeit ist das aber nicht möglich - wie das Kollegium weiß. Zwar rechnet das Kultusministerium bis zu acht zusätzlichen Schulstunden für das Projekt an, "aber das reicht hinten und vorne nicht". Lehrer müssen in die Bresche springen - und dafür unbezahlte Arbeit leisten. "Das Opfer sind wir zu bringen bereit", sagt Sehr. Aber auch damit seien nicht alle Löcher zu stopfen: Deswegen müsse die Stadt noch einen Sozialpädagogen in die Zeilsheimer "Halbtags-Grundschule" schicken.
Eltern seien zwar auch zur Mithilfe bereit; aber der Rektor möchte nur ungern auf sie bauen: "Sonst würde die Betreuung wieder auf sie abgewälzt. Aber das ist eine staatliche Aufgabe." dis
Zwei mittelalterliche Städte kleben an dem mächtigen Bergrücken des Monte Subasio, der sich über dem umbrischen Hügelland erhebt. Einer dieser Orte ist weltbekannt: Assisi, die Vaterstadt des heiligen Franziskus, heute vielbesuchtes Pilger- und Touristenzentrum. Den anderen kennen nur die Eingeweihten: Das reizvolle, zehn Kilometer südlich von Assisi gelegene Spello bietet ein intaktes mittelalterliches Stadtbild, wie es selbst im kunstverwöhnten Italien nicht häufig vorkommt.
Spello ist, wie Assisi, eine helle Stadt. Nichts erinnert an das "dunkle" Mittelalter, an Schwere und Gewalt. Kein Fremdkörper entstellt die graziöse Silhouette des Ortes. Er hat etwas Beschwingtes an sich. Der warme Ton des rosafarbenen Kalksteins seiner Häuser vermittelt den Eindruck der Leichtigkeit. Mit einem Blick umfaßt der ankommende Reisende die Harmonie des Städtchens: seine Lage auf einem Hügelrükken über der Ebene, die unversehrten Stadtmauern, die verschachtelten Häuser. Betritt man dann durch eines der guterhaltenen Tore den Ort, so öffnen sich neue Ausblicke in verwinkelte Treppengassen, auf Torbögen und blumengeschmückte Balkone und durch die Gassen hindurch in die Landschaft der Umgebung mit ihren Ölbaumhainen und Ginsterhängen.
Die kleine Stadt wirkt lebendig. Anders als in Assisi hat der Tourismus noch nicht die Oberhand. Zwar stehen ein paar Kunsthandwerk-Boutiquen an der Hauptgasse, und an der zentralen Piazza werden "umbrische Spezialitäten" - Honig, Trüffel und Olivenöl - vermarktet. Aber ansonsten gehört der Ort den Einheimischen und ihrem Alltagsleben. Bäcker und Fleischer, Bars und Lebensmittelgeschäfte dienen in erster Linie den ständigen Bewohnern - und nicht so sehr den Reisenden. Die werden zwar freundlich begrüßt. Aber die Hauptrolle spielen sie nicht.
"Hispellum" - so der römische Name - bestand schon vor mehr als 2000 Jahren; seine Ursprünge reichen ins Dunkel der vor-römischen Zeiten zurück. Teile der antiken Befestigungsanlagen und drei römische Stadttore sind noch zu sehen; sie wurden später in die mittelalterlichen Mauern eingefügt. Auch die Reste eines Amphitheaters kann man in der Nähe der Stadt bestaunen. Aber Spello ist kein Ort zum Sehenswürdigkeiten-Ablaufen. Seine Faszination bildet sich aus der Harmonie der Gesamtanlage, nicht aus kunsthistorisch bedeutsamen Glanzpunkten. Die Gassen und Wohnhäuser zeigen den ungebrochenen Reiz mittelalterlicher Architektur. Dennoch bekommt man nie den bedrückenden Eindruck, sich im Freilichtmuseum aufzuhalten - dafür ist das Straßenleben viel zu lebhaft.
Spello liegt inmitten einer begeisternden landschaftlichen Umgebung. Im Süden und Osten finden sich ausgedehnte Ölbaumhaine und vor allem der Monte Subasio mit seinen leuchtenden Ginsterhängen und seinen Tausenden von Orchideen, die im Frühjahr auf den Bergwiesen blühen. Einen "herrlichen Abendspaziergang" hat Goethe auf seiner Italienreise am 26. September 1786 an diesem Höhenzug gemacht, und herrliche Spaziergänge lassen sich hier noch immer unternehmen. Wenige Fußminuten nur sind es von den Stadttoren Spellos zu steinigen Maultierpfaden, zum Gewürzduft der Macchia-Vegetation, zum strahlenden Rot der Mohnblumen und zur sanften, kaum wahrnehmbaren Blüte der Ölbäume. Aber zurück in die Stadt - keine Stadt einzelner Besichtigungspunkte, sondern ein Ort einnehmender Atmosphäre. Eine Sehenswürdigkeit sollte sich dennoch kein Besucher entgehen lassen: die Baglioni-Kapelle in der Kirche Santa Maria Maggiore. Da hat der umbrische Maler Pinturicchio 1501 ein herrliches Werk geschaffen. Auf farbenfrohen Fresken malte er biblische Geschichten: die Verkündigung, die Anbetung der Hirten und der Weisen, den zwölfjährigen Jesus im Tempel. Köstliche Gemälde, welche die Freude dieses Renaissance-Malers an der Darstellung der "diesseitigen Welt" ausdrücken. Auf einer tiefgrünen Wiese voller Blumen knien die Hirten mit ihren Bauerngesichtern. Glückliche Engel singen auf einer rötlichen Abendwolke. Ochs und Esel schauen sichtbar interessiert zu. Und einer der Hirten bringt dem Jesukind einen liebevoll gemalten Korb voller Eier. Das ist heitere, einfache, fast naive Kunst; man braucht kein kunsthistorisches Wissen, um sie zu verstehen und zu genießen.
Spello ist auch ein Ort kulinarischer Genüsse. So gutes Eis wie in der zu Recht immer wieder preisgekrönten Bar Ennio vor der Porta Consolare wird man selbst im gelati-verwöhnten Italien nur selten finden. Beim "Cacciatore" am oberen Ortsrand gibt's erstklassiges landestypisches Essen: von den selbstgemachten Teigwaren über Täubchen, Lamm und kräutergewürzte Kaninchen bis zu köstlichen Desserts, auf die man nicht verzichten mag, selbst wenn man längst schon satt ist . . . An den Hängen der Umgebung gedeihen angenehme Tafelweine: der Bianco und der Rosso di Spello. Von besonderer Qualität ist das Olivenöl, dessen Anbau in dieser Gegend seit langem Tradition hat.
Spello - eine Idylle? In gewisser Weise schon: Hier darf heute kein Steinhaus mehr verputzt werden - während unten, in der zersiedelten Ebene, noch immer architektonische Scheußlichkeiten emporwachsen. Hier funktioniert das Zusammenleben - während einige von Italiens Großstädten zwischen Hektik und Autoabgasen ihren alten Reiz verlieren. Reisende wie Einheimische haben Spello bislang respektiert; es ist nicht zum Freizeitpark verkommen. Hoffen wir, daß es so bleibt. CHRISTOPH HENNIG
Mit fünf Mark sind die Hamburger dabei, können über die Gangway an Deck des russischen Großseglers "Mir" gehen, der in der Hansestadt überwintert. An den Landungsbrücken liegt er gleich neben dem Museumsfrachter "Cap San Diego" und nur etwa hundert Meter entfernt von der Dreimastbark "Rickmer Rickmers", die dort endgültig festgemacht hat.
Ganze Schulklassen kommen an Bord; Segelfreaks und Kapitäne außer Dienst streifen über das schön geschwungene Holzdeck des 1987 auf einer Danziger Werft gebauten 109 Meter langen Dreimasters und lassen fachmännisch die Blicke an den eisernen Masten hinaufgleiten, die in fünfzig Meter Höhe in der nebligen Suppe Hamburger Wintertage enden. Wer möchte, kann für 45 Mark auf dem Schiff übernachten. Einige aus der 32köpfigen Besatzung, die an Bord geblieben ist, haben ein paar Tische aneinander gerückt und bieten dort Souvenirs feil. Zivile Besucher an Bord sind für die Besatzung längst keine Exoten mehr, seit sich die Eigner dazu entschlossen haben, bei den Segelturns der "Mir" einen Teil des Platzes für Segeltouristen zur Verfügung zu stellen.
Was auf der "Mir" aussieht wie ein lokkeres Ferienprogramm für den bei Windjammerparaden und Überseeregatten viel gefragten Dreimaster, ist in Wirklichkeit Teil eines Versuchs, das Überleben dieses 2283 Bruttoregistertonnen großen Schiffes zu sichern. Die "Mir" (Frieden) muß wie alle anderen stolzen Großsegler der ehemaligen Sowjetunion um ihre Zukunft bangen. Nach dem Zusammenbruch der Großmacht im Osten wurde sie der staatlichen "Admiral Makarow Akademie" in Sankt Petersburg zugeteilt und fährt heute unter russischer Flagge. Doch Rußland kann nur in sehr eingeschränktem Umfang Geld für das Schiff geben, auf dem bis zu 144 Kadetten pro Reise ausgebildet werden. Bezahlt wird nur noch die Grundausstattung der Schiffe. Alles, was zusätzlich anfällt, müssen die Schiffsmannschaften weitgehend selbst beschaffen und erwirtschaften. Es fehlt an Geld für dringend erforderliche Reparaturen, für frischen Proviant oder Medikamente. Die Kosten für Schleppdienste und Lotsen, vor allem für die Liegeplätze in den Häfen, überfordern die neuen Eigner der schönen Schiffe. Also muß Vitaliy M. Uschakov, Präsident der Makarow- Akademie und nach der Wende plötzlich in die Rolle eines Reeders für die "Mir" geraten, neue Geldquellen erschließen.
In einem Begrüßungsschreiben, das die Besucher der "Mir" in Hamburg in die Hand gedrückt bekommen, unterrichtet der Kapitän des Schiffes die verehrten Gäste von der prekären Lage: "Zuschüsse für die Unterhaltung des Schiffes kann Rußland nur noch begrenzt geben, darum werden an Bord Veranstaltungen durchgeführt und Mitsegelmöglichkeiten angeboten. Die Einnahmen hieraus und Spenden werden nach Abzug der Betriebskosten ausschließlich für die Instandsetzung des Schiffes verwendet." Ohne die Mithilfe der Hamburger könnte die "Mir" in der Stadt nicht überwintern.
Das ist gewiß keine einfache Sache für die selbstbewußten russischen Seeleute der "Mir", die auf große Erfolge zurückblicken können. Und es klingt schon fast trotzig, wenn der Mann unten an der Gangway beim Verkauf der Karten, die zum Besuch des Schiffes berechtigen, gleich darauf hinweist, daß dieses Vollschiff 1992 bei der Kolumbusregatta über 10 000 Seemeilen in seiner Klasse einen ersten Preis errungen hat. Er wurde, wie auch in dem Anschreiben an die Gäste vermerkt, "der Besatzung durch den spanischen König Juan Don Carlos im englischen Liverpool überreicht".
Ein anderer russischer Großsegler, die legendäre Viermastbark "Krusenstern", ist inzwischen wieder im Heimathafen Kaliningrad (Königsberg) eingetroffen. Das Schiff lag noch vor wenigen Wochen im Hafen von Travemünde. Dort bot sich ein ähnliches Bild wie gegenwärtig bei der "Mir" in Hamburg. Viele "Sehleute" auf und unter Deck, Kadetten, die Souvenirs verkauften. Die Probleme der "Krusenstern" (3258 BRT) sind noch größer als die der "Mir", weil dieser Viermaster wesentlich älter ist. Er lief bereits 1926 als "Padua" in Bremerhaven vom Stapel und gehörte zu den "Flying P-Linern" der Hamburger Reederei Laeisz, den schnellsten Seglern ihrer Zeit. Nach dem Weltkrieg mußte die "Padua" im Rahmen von Reparationsleistungen an die Sowjetunion übergeben werden. Die einstige "Padua" und heutige "Krusenstern" ist der letzte von einst 65 "P-Linern", der noch die Weltmeere pflügt. Und das Schiff gehört immer noch zu den Schnellsten seiner Art, hat in den vergangenen Jahren manchen Regattasieg errungen.
Ein Schwesterschiff, die "Passat", liegt heute als Museumsschiff in Travemünde; ein anderes, die "Pamir", fiel 1957 mit 34 Mann Besatzung und 51 Seekadetten einem schweren Orkan im Atlantik zum Opfer. Lediglich sechs Seeleute überlebten damals die Katastrophe.
Die dunkel gestrichene, mit einem breiten Streifen versehene "Krusenstern", zeigt von außen ein eindrucksvolles Bild. Aber im Inneren des Schiffes ist vieles kaputt, blättert die Farbe und rosten die Rohre. Die Naturfasersegel haben irreparable Schäden. Die Rettungsboote würden einer stärkeren Belastung kaum standhalten. Die letzten größeren Reparaturen am Schiff, so heißt es, lägen bereits Jahrzehnte zurück. Das Schiff segelte seine jüngsten Erfolge nur mit einer Ausnahmegenehmigung des Schiffs-TÜV, der Klassifizierungs-Gesellschaft Lloyds.
Die russische Regierung hat zwar fünf Millionen Mark bereitgestellt, die einen Teil der Reparaturkosten decken. Aber eben nur einen Teil. Notwendig, so Schätzungen, wären mindestens zehn Millionen Mark. Jetzt hoffen die für das Schiff Verantwortlichen auf Werften und Schiffsausrüster. Es muß nicht alles nagelneu sein, was an Bord kommt, und auf einem Schiff wie der "Krusenstern" wäre man mit vielem zufrieden, was anderswo bereits wieder ausgemustert wird, weil es nicht mehr dem letzten Stand der Technik entspricht. Aber auch die laufenden jährlichen Kosten sind bei diesen älteren Schiffen wesentlich höher als etwa bei der "Mir". Fachleute schätzen diese bei einem Schiff wie der "Krusenstern" auf etwa drei Millionen Mark.
Die "Mir" und die "Krusenstern" sind die vielleicht bekanntesten Großsegler der ehemaligen Sowjetunion. Doch sind darüber hinaus mehrere andere Windjammer, die zumindest in der Fachwelt einen guten Namen haben, von der Misere betroffen. Das sind etwa die inzwischen unter ukrainischer Flagge segelnden Schwesterschiffe der "Mir", die "Druschba" und die "Khersones"; oder die "Towarisch", eine Dreimastbark, die 1933 als "Gorch Fock" bei Blohm & Voss in Hamburg vom Stapel gelaufen war. Und da ist nicht zuletzt das größte noch aktive Segelschulschiff, die Viermastbark "Sedow" (122 Meter lang, 4192 Quadratmeter Segel), die 1921 in Kiel als "Magdalene Vinnen" vom Stapel gelaufen und 1950 ebenfalls im Rahmen von Kriegsentschädigungen von der Sowjetunion übernommen worden war.
Für alle diese Segler haben sich inzwischen im Westen und vor allem in Hamburg, wo man für traditionsreiche Schiffe schon immer etwas übrig hat, Partner gefunden, die den an die Usancen des freien Marktes nicht gewöhnten Russen und Ukrainern über die Probleme hinweghelfen wollen. Ein Ziel dieser Aktivitäten ist es, die Schiffe für zahlende Touristen und Urlauber attraktiv zu machen. So scharte sich in der Elbmetropole der Verein "Tallship-Friends" um die "Sedow".
Unter Beteiligung einiger vor allem im Schiffsbereich tätigen Unternehmer wurde die "Inmaris Prestroika Sailing" ins Leben gerufen, die mit einer ganzen Reihe von Großseglern zusammenarbeitet. Geleitet wird sie von Uwe Koch, der selbst vierzehn Jahre zur See gefahren ist. Jetzt versucht er in seinem kleinen, ein wenig chaotisch anmutenden Büro, Kundschaft zu finden, die an einer Mitreise interessiert ist. Vielleicht acht Tage auf einem der eher asketisch eingerichteten Segelschiffe und danach acht Tage in einem luxuriöserem Hotel auf einer Mittelmeerinsel?
Koch und seine Partner legen allerdings Wert auf die Feststellung, daß ihre Arbeit nicht mit den Maßstäben der großen Touristik-Unternehmen gemessen werden könne. Ihr Konzept sei nach wie vor "ein ökonomisches Hilfsmittel zur Stützung der Segelschiffe, nicht zum gewinnbringenden Betreiben einzelner Großsegler à la Kreuzfahrtmuster". Die russischen oder ukrainischen Großsegler sind keine Luxusliner. Sie bieten stattdessen "Romantik, Abenteuer, ein Kulturerlebnis besonderer Art", wie es in einem Prospekt heißt.
Natürlich wissen alle, die sich um das Überleben der russischen und ukrainischen Windjammer kümmern, daß der Tourismus und andere Hilfsmaßnahmen nicht hinreichen, um die Schiffe auf Dauer zu retten. Deshalb müßten, so sagen sie, Rußland und die Ukraine diese Schiffe weiter als Ausbildungsstätten für die Handelsmarine und die Fischerei behalten und finanziell unterstützen. Doch niemand kann da angesichts der Finanzprobleme dieser Länder optimistisch sein. Die Vorstellung aber, daß diese herrlichen Schiffe, die den vorläufigen Abschluß einer Jahrtausende alten Kulturgeschichte markieren, in absehbarer Zeit nacheinander an die Kette gelegt werden und verrotten, müßte eigentlich weit über die Grenzen der früheren Sowjetunion und über den Kreis der Freunde solcher Schiffe hinaus alarmieren.
HÖCHST. Die Schranke auf der Bolongarostraße ist "gefallen", noch bevor der Magistrat sie aufstellen konnte. Zu Verkehrsberuhigung wird es auf Höhe der Königsteiner Straße keine Barriere geben. Darauf verständigten sich Stadtrat Hanskarl Protzmann (SPD), Vertreter der Bürgerinitiative Bolongarostraße (BI), des Ortsbeirates, des BUND, Straßenbauamtsleiterin Gabriele Dehmer und Jürgen Häußler vom Planungsdezernat.
Der Magistrat wollte den Individualverkehr aus der Bolongarostraße raushaben und über den Mainberg und Amtsgasse umleiten. Doch der unbequeme Ausweichkurs durch enge Gassen stieß bei Anwohnern auf wenig Gegenliebe.
Bernd Schmude von der BI zufolge einigte sich die Runde mit Stadtrat Protzmann darauf, die Bolongarostraße zu beruhigen. Dabei sollen wesentliche Forderungen der Bürgervereinigung Höchster Altstadt verwirklicht werden. Danach wird die Zufahrt von der Brüningstraße zu den Parkplätzen am Main erhalten bleiben. Die Strecke von der Einmündung Leverkuser Straße bis zum Dalberger Haus soll mit rauhem Kopfstein gepflastert werden. Als optisches Signal will das Straßenbauamt am Beginn der Zone "Haifischzähne" und "Tempo 30" auf die Fahrbahn pinseln lassen. "Zähne" soll der Belag auch auf Höhe der Einmündung Wed, der Albanusstraße und der Storchgasse zeigen. Dort sind auch Fußgängerüberwege geplant.
Was nur aufgemalt werden muß, soll Ortsbeirat Norbert Wildhirt (SPD) zufolge gleich zu Jahresbeginn in Angriff genommen werden. Rauhe Pflastersteine will die Stadt allerdings erst nach einer einjährigen Probephase mit Stellvertretern setzen lassen. Auch die Ampel am Bismarck-Denkmal kann nicht sofort als Pförtnerampel geschaltet werden. Der Vorschlag des BUND soll aber ins "Ampelprogramm" aufgenommen werden.
Ob zu viele Busse mit zu wenig Fahrgästen durch die Bolongarostraße rauschen, soll ein Gutachten klären, das laut Jürgen Häußler im Februar vorliegen wird. Die Busse sollen dann "gerechter" auf die Bolongaro- und die Emmerich- Josef-Straße verteilt werden, fordert die Bürgervereinigung. tos
WIESBADEN. An der Tür zum "Café- Bistro" wacht ein mit Tablett und Speisenkarte ausgerüsteter Ziegenbock aus Pappmaché. Die Figur ist nicht etwa skurrile Marotte, sondern ehrwürdiges Wahrzeichen: "Das kleine Wiener Kaffeehaus" ist nämlich Bestandteil des Hotels "Schwarzer Bock" - und dieses wiederum gilt als das älteste in Deutschland.
Anno 1486 von einem gewissen Philippsen zum Bocke, seines Zeichens Bürgermeister in Wiesbaden, begründet, repräsentiert der "Schwarze Bock" weit mehr als nur eine Nobelherberge in Wiesbadens historischem Kur- und Quellenviertel. Auf 3000 Quadratmetern geben sich dort Lebensstil-Objekte vergangener Jahrhunderte ein Stelldichein. Das vererbte Empire-Mobiliar in der Lounge, die Biedermeier-Sofas im Café, das Spiegeldekor in Speisesaal und Restaurant, die holzgeschnitzte Ausstattung aus fünf Jahrhunderten in der Schänke, dem sogenannten "Ingelheimer Zimmer" - all diese Kleinode sind, betont Hotelinhaber Winfried Völcker, "keineswegs nur für Hotelgäste zugänglich": Der ortsansässige Bürger mag im Restaurant speisen, im Tagungssaal Feste feiern, in der "Bockschänke" sein Bier genießen und im hoteleigenen Thermalbad seine Bahnen ziehen. Gespeist wird das Bad aus einer weiteren Rarität des Hauses, dem schier unerschöpflichen Wasserreservoir der hauseigenen "Dreililienquelle". Letztere erwärmt übrigens auch den integrierten Bäderbetrieb, ist der "Schwarze Bock" doch "eines der wenigen Hotels, die auch auf Krankenschein arbeiten", schmunzelt Winfried Völcker. Haben Wiesbadener, Touristen und Kochbrunnen-Begeisterte Sauna, Massagekabine oder Wasserbad glücklich verlassen, führt sie der Weg häufig zu einem der beiden angrenzenden Café-Räume. Warmes Quellwasser steht ihnen auch da zur Verfügung - im "Kleinen Wiener Kaffeehaus". Aus einem bock- und schlangenverzierten Wandbrunnen sprudelt munter das salzige Naß: Immerhin diente dieser Raum in früheren Zeiten einmal als Trinkhalle. Im Wandregal sind noch die Probierbecher aufgereiht.
Der Gast mag sich nun nach Herzenslust an der Quelle laben; sehr bald schon aber wird er zur Getränkekarte greifen und sich eine der Kaffee-Spezialitäten kommen lassen. Und natürlich bietet auch dieses Café eine beachtliche Bandbreite kulinarischer Spezialitäten. Frühstücken kann man beispielsweise "bis zum späten Abend", versichert Hotelchef Völcker. Warme Gerichte und kleine Speisen werden durchgehend von 10 Uhr bis zum Feierabend um 18.30 Uhr serviert. Daß die Kuchenpalette reichhaltig und vielseitig ist, versteht sich von selbst.
Das noble Biedermeier-Interieur mit venezianischen Spiegeln und antiken Gemälden sollte, so Völcker, beim Normalbürger "keine Schwellenängste" aufkommen lassen. "Wir wollen die Wiesbadener erreichen", sagt er und verweist auf die Preise, die beileibe "keine Hotelpreise" seien. Überdies halte man spezielle Sonderangebote bereit. Eingeführt habe man beispielsweise einen "Kuchen-Kehraus": Jeweils in der letzten Stunde vor Feierabend werden sämtliche Kuchensorten zum halben Preis verkauft.
Und wer außerdem noch ein originelles Geschenk benötige, der könne hier ein Souvenir erwerben, das unter dem Namen "Bockflöte" firmiert - ein vom Hause "Schwarzer Bock" auf schmale, elegante Flaschen gezogener Wein. Und da die gesamte Jahresernte eines Weingutes auf diese Weise als "limitierte Edition" herausgegeben wird, ist jede einzelne der mit Designeretikett und Siegel versehenen Weinflaschen numeriert.
Der Gast aber, der das "Kleine Wiener Caféhaus" nach anstrengendem Einkaufsbummel in der Innenstadt auf- sucht, wird vor allem das traditionsreiche Ambiente zu schätzen wissen. Er mag sich in eine von zehn internationalen Tageszeitungen vertiefen oder auch einfach Relikte vergangener Zeiten bewundern. Das Café als Museum? Ein Museum jedenfalls, das Lebensgenuß und Lebendigkeit ausstrahlt. DAGMAR LORENZ
"Niedere Kunst schildert bloß den Zustand, zum Beispiel einer Nacht: hohe Kunst drückt die Empfindung der ,Nacht&rquote; aus": Die Worte seines Lehrers Robert Henri hat Edward Hopper beherzigt. Seine Landschaften und Städtebilder prägen sich ein, weil sie über ihr vordergründiges Anliegen hinaus einen Gemütszustand schildern. Es sind Bilder für den im 20. Jahrhundert geborenen Romantiker.
Der Amerikaner malt das Lebensgefühl in der Großstadt, indem er die städtische Geschäftigkeit komplett ausblendet, und begreift das Leben in der Provinz nach dem gleichen Muster. Die Landbewohnerin setzt sich in hochhackigen Pumps und rotem Kleid über die Tristesse des mittleren Westens hinweg: Allgemeingültige Bilder für individuelles Empfinden.
Einen bestimmten Malstil, so meinte Hopper, habe man bei Henri an der New York School of Art nicht lernen können, wohl aber eine brauchbare Kunstphilosophie. Diese ist europäisch verankert, zielt auf das Sichtbarmachen subjektiver Innenwelt und benutzt Formulierungen, wie sie schon Caspar David Friedrich prägte. Zum Beispiel soll der Maler erst in sich schauen, bevor er die Natur wiedergibt. Wim Wenders hat von Hopoper gelernt. Stimmungsdichte ist das Ziel, nicht die gekonnte Abbildung der Realität. In der Schirn kann der entnervte Großstadtmensch nun die Einsamkeit der amerikanischen Freunde studieren. (Bis 14. Februar) bab
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Notdienste
Main-Taunus-Kreis. Ärzte, Zahnärzte, Krankentransporte, Rettungsdienste, Feuerwehr: Leitstelle Hofheim, Tel. 0 61 92 / 50 95.
Flörsheim. Ärztlicher Wochenend- und Feiertagsdienst: Auskunft, Notdienstzentrale Raunheim, Ringstraße 107, Tel. 0 61 42 / 2 33 50.
Samstag und Sonntag: Jörg Sossenheimer, Hauptstraße 76, Eppstein 2, Tel. 0 61 98 / 3 38 29;
Dr. Thomas Bachmann, Schauinsland 3, Glashütten, Tel. 0 61 74 / 6 32 82.
Bad Soden, Eschborn, Schwalbach, Sulzbach. Samstag und Sonntag: Pinguin-Apotheke, Marktplatz 8, Schwalbach, Tel. 0 61 96 / 8 37 22.
Hattersheim. Samstag und Sonntag: Rosen-Apotheke, Frankfurter Straße 15, Tel. 0 61 90 / 22 14.
Hochheim, Flörsheim. Samstag: Birken-Apotheke, Flörsheimer Straße 4, Flörsheim-Wicker, Telefon 0 61 45 / 86 15;
Sonntag: Herder-Apotheke, Herderstraße 9 - 19, Tel. 0 61 46 / 15 70.
Kelkheim, Liederbach. Samstag und Sonntag: Hornauer Apotheke, Hornauer Straße 85, Tel. 0 61 95 / 6 10 65.
Hofheim, Kriftel. Samstag: Stein'sche Apotheke, Wilhelmstraße 2, Hofheim, Tel. 0 61 92 / 62 21.
Sonntag: Kreuz-Apotheke, Frankfurter Straße 16, Kriftel, Tel. 0 61 92 / 4 21 00.
Eppstein, Niedernhausen, Wiesbaden- Auringen, Wiesbaden-Naurod. Samstag: Theißtal-Apotheke, Bahnhofstraße 25, Niedernhausen, Tel. 0 61 27 / 23 79.
Sonntag: Falken-Apotheke, Kirchhohl 15, Wiesbaden-Naurod, Tel. 0 61 27 / 6 17 00.
- ohne Gewähr -
Notdienste
WESTLICHE STADTTEILE
Gemeindeschwestern Höchst, Unterliederbach, Sossenheim, Sindlingen. Zentrale für ambulante Krankenpflege, Hospitalstraße 42, Telefon 31 89 31. Zahnärzte Zu erfragen bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen, Telefon 6 60 72 71. Ärzte Ärztlicher Notdienst für Frankfurt, Georg-Voigt-Straße 15, Telefon 1 92 92.
Für ambulant zu versorgende Notfälle: Notdienstzentrale im Haus Galluswarte, Mainzer Landstraße 265. Tierärzte Samstag: TÄ Meißen, Thomas-Mann- Straße 6 b, Frankfurt 50, Rufnummer 5 87 05 16.
Sonntag: Dr. Metzger, Vogelsbergstraße 32, Frankfurt 1, Telefon 44 20 16. Apotheken Samstag: Stephanische Apotheke, Frankfurt-Sindlingen, Bahnstraße 113, Telefon 37 41 10.
Sonntag: Luthmer-Apotheke, Frankfurt-Nied, Luthmerstraße 12, Rufnummer 39 62 57.
- ohne Gewähr -
Notdienste
Augenärztlicher Dienst Samstag und Sonntag: Dr. S. Frisch, Ludwigsplatz 4, Wiesbaden-Kastel, Tel. 18 / 6 92 92 (Praxis), Tel. 06 11 / 54 35 33 (Wohnung).Apotheken Samstag: Bären-Apotheke, Oranienstraße 50, Tel. 30 52 22; Hubertus-Apotheke, Danziger Straße 48, Tel. 54 05 91; Mauritius-Apotheke, Kirchgasse 49, Tel. 37 00 51.
Sonntag: Moritz-Apotheke, Moritzstraße 16, Tel. 3 93 29; Theresien-Apotheke, Wellritzstraße 11, Tel. 40 93 25; Turm-Apotheke, Bierstadt, Poststraße 24, Tel. 50 07 58. Tierärzte Samstag und Sonntag: Dr. Brunnthaler, Uhlandstraße 6, Tel. 37 36 18. Giftnotrufzentrale Zentrum für Entgiftung in Mainz, Tel. 0 61 31 / 23 24 66.
- ohne Gewähr -
HOCHHEIM. Für Behinderte ist die Welt noch immer voller Hürden: Hohe Bordkanten, enge Fahrstühle und unpassierbare Treppen schaffen beinahe überall Hindernisse, die Rollstuhlfahrer nicht überwinden können. Hinweise auf die besondere Situation der Behinderten sind häufig erfolglos, Einwände gegen eine fahrlässige Stadtplanung nicht selten vergebens. Doch nicht überall begegnen die Behinderten dem gleichen Desinteresse. Im Minimal-Markt an der Königsberger Straße haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter längst auf die Kunden eingestellt, die aus dem nahegelegenen Antoniushaus herüberkommen und einkaufen. Ein grünes Schild weist eine der Kassen in dem etwa 1000 Quadratmeter großen Markt für Behinderte aus. Der Durchgang ist ausreichend breit, um mit einfachen wie auch elektrisch angetriebenen Rollstühlen durchzufahren. Damit sind Einkäufe im Markt an der Königsberger Straße für Behinderte erheblich erleichtert worden.
"Die Jugendlichen finden das sehr gut", sagt Hans Helmut Hauf, Öffentlichkeitsreferent des Antoniushauses, wo etwa 220 Kinder, Jugendliche und Erwachsene ausgebildet werden und teilweise auch wohnen. "Die freuen sich, daß man auf sie eingegangen ist. Das ist ja nicht selbstverständlich", sagt Hauf.
Das Gebäude, in dem der Lebensmittelmarkt untergebracht ist, wurde 1979 errichtet und vor zwei Jahren umgebaut. "Wir haben damals unser Sortiment vergrößert", erinnert sich Marktleiter Dietmar Hirsch, der seit einem Jahr die Verantwortung für die Filiale trägt. Der 29 Jahre alte Mann, der wie viele Menschen bis zu diesem Zeitpunkt nur wenig Erfahrung im Umgang mit Behinderten hatte, war von der Kasse für Rollstuhlfahrer angenehm überrascht. "Dort, wo ich vorher gearbeitet habe, hatten wir nur drei oder vier Rollstuhlfahrer als Stammkunden", erinnert sich Hirsch. Um den Behinderten den Einkauf zu ermöglichen, mußten die Mitarbeiter des Marktes das Drehkreuz am Eingang des Geschäftes aushängen.
Das wäre im Hochheimer Markt vermutlich nicht praktikabel gewesen. Im Durchschnitt kaufen täglich zehn bis 20 Behinderte während der Schulpausen oder nach dem Unterricht im Markt ein. "Die Kasse für Rollstuhlfahrer war hier einfach angebracht", sagt der Filialleiter. Weil die Jugendlichen aus dem Antoniushaus zur Stammkundschaft zählen, gehören die Behinderten zum alltäglichen Bild. "Das fällt hier kaum einem auf", bestätigt Filialleiter Hirsch, "das ist ein ganz normales Miteinander." Und im Grunde "wollen die Behinderten ja auch nicht, daß man sie groß bedauert."
Für Dietmar Hirsch zählt die Kasse für Rollstuhlfahrer inzwischen zu den üblichen Einrichtungen in Lebensmittelmärkten. "In den neuen Märkten, die seit Mitte der 80er Jahre geplant wurden, hat man überall solche Durchgänge eingebaut", sagt Hirsch. Gleichwohl hat das Handelsunternehmen Rewe, zu dem die Dependance in Hochheim gehört, mit dem verbreiterten Kassendurchgang ein positives Beispiel gegeben.
Daran mangelt es bislang in der Stadt. Hans Helmut Hauf kennt genügend Plätze in Hochheim, die für Behinderte noch immer schwer oder überhaupt nicht zugänglich sind. Dazu zählen nach Haufs Beobachtungen viele Läden in der Innenstadt, das Rathaus und vor allem der Bahnhof mit seiner millionenteuren Unterführung.
Weil der Zugang zu den Bahnsteigen nicht behindertengerecht ausgebaut ist, können Rollstuhlfahrer nur in bestimmte Richtungen fahren. "Das ist ein Zustand, der zum Himmel stinkt", kritisiert der Sprecher des Antoniushauses. schu
HEDDERNHEIM. Die Mitglieder des Vereins "Heddernheimer Kleintierzüchter 1898" und des 1902 aus der Taufe gehobenen Vereins zur Förderung der Geflügelzucht Heddernheim praktizieren mit Erfolg seit Februar 1992 Gemeinsamkeit. Sie errangen bei der Kreisschau '92 in Nieder-Eschbach im Bereich Großgeflügel die Kreismeisterschaft. Diese großartige züchterische Leistung schafften die Aktiven Willy Scholz (Amrocks), Gerhard Boch (schwarze Australorpse) und Fritz Hofmann (Welsumer).
Im kleinen Saal der "Heddemer Stubb" (Turnhalle) erhielten die Kreismeister bei der Jahresabschlußfeier außer dem für Heddernheims Kleintierzüchter errungenen Pokal nun zur Erinnerung an ihren Erfolg eine vom Verein gestiftete Ehrenplakette.
Soweit selbst nicht betroffen, überreichte Fritz Hofmann, Vorsitzender der "Heddernheimer Kleintierzüchter", weitere Pokale und Ehrenpreise aus der jüngsten Lokalschau der Vereinsmeisterin Marina Boch (Rhodeländer-Zwerge) sowie dem Vereinsmeister Gerhard Boch (Australorpse).
Pokale gingen zudem an Inge Hofmann (für Zwerg-Bielefelder Kennhühner) und Josef Flügel, der Prachtexemplare an schwarzen Zwerg-Australorpsen ausgestellt hatte. Flügel ist auch erfolgreicher Wanderpokalverteidiger bei Kleinkaninchen (Kleinwidder) und Gewinner des Hubert-Safar-Gedächtnispokals.
Eine Trophäe, gestiftet von der CDU- Heddernheim, überreichte Dr. Ralf Bartels dem Züchter Willy Scholz, dessen große Amrocks die höchsten lokalen Bewertungen erhielten. Erfolgreicher Wanderpokalverteidiger mit Zwerg-Hamshire weiß ist Alwin Sievers. Aber auch in der Kaninchenzucht zählte er zu den besten Ausstellern. Dafür überreichte ihm SPD- Ortsvereinsvorsitzender Thomas Erhart einen von der SPD-Heddernheim gestifteten Pokal.
Als absolut erfolgreichster Züchter ist Gerhard Boch aus der Saison '92 hervorgegangen. Unter anderem wurde Boch mit seinen Kaninchen (Weiße Neuseeländer) Vereinsmeister. Außer ihm glänzte mit Züchterfleiß Richard Friges. Er gewann den Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten Hans Eichel sowie zwei Pokale als Vereinsmeister mit Kleinkaninchen (Lohe schwarz) und Aussteller der besten Häsin.
Stadtbezirksvorsteher Christian Däbritz beglückwünschte die erfolgreichen Züchterinnen und Züchter. Von ihm gestiftete Pokale überreichte er den Aktiven Günter Reinhardt, Richard Friges, Gerhard Boch sowie dem Vorsitzenden Fritz Hofmann (auch Pokalgewinner als Vereinsmeister mit Kurzhaarkaninchen und Gewinner des "Deuka-Pokals").
Der Vereinsvorsitzende begrüßte zur Preisverteilung unter anderem auch die Landtagsabgeordnete Heide Degen (CDU), den Ortsvorsteher Helmut Gärtner (SPD) sowie die Ortsbeiratsmitglieder Hella Welker (CDU) und Helga Diehl (SPD). Hofmann erinnerte an das vor Jahren von der Stadt versprochene neue Farmgelände, "auf das wir noch immer warten". Auf der Strecke bleibe dadurch vor allem die so wichtige Jugendarbeit.
Den Aktiven und Mitgliedern dankte er für die Vereinstreue und das große Engagement trotz widriger Umstände. In seinen Dank bezog er auch die Züchterfrauen mit ein.
Die Grüße des Ortsbeirates übermittelte Helmut Gärtner. Namens der SPD- Fraktion überreichte ein Geldpräsent. Für Musik sorgten dann der Alleinunterhalter Karlheinz Henkel und die Bläsergruppe des Musikzuges der Heddernheimer Turnerschaft 1860. dixi
FRANKFURT A. M. Die Sportkegler der Sport- und Kulturgemeinschaft (SKG) Frankfurt haben in fünf Klassen ihre Vereinsmeister 1992 ermittelt. In der Klasse 1 holte sich wieder einmal die Vertretung des Vermessungsamtes den Titel ungeschlagen mit 20:0 Punkten und den höchsten Rundenergebnissen mit 2092, 2067 und 2060 Holz. Den zweiten Rang belegte die 1. Mannschaft der Berufsfeuerwehr vor dem Team der Straßenbahn Bornheim I.
Die Vereinsmeisterschaft errangen in den übrigen Klassen die Mannschaften des Revisionsamtes I (in Klasse 2 punktgleich mit den Städtischen Bühnen I), der Stadtwerke Versorgung II (Klasse 3), des Revisionsamtes II (Klasse 4) und der Messe GmbH in der Klasse 5. Aufsteiger in die erste Spielklasse sind das Revisionsamt I und die Städtischen Bühnen I. In die Klasse 2 abgestiegen sind das Hochbauamt I und die Stadtwerke Versorgung I. Weitere Absteiger: Frankfurter Sparkasse I, Straßenbahn Bornheim III und Ordnungsamt II.
Die besten Einzelergebnisse erzielten Hans-Otto Keßler (453 Holz), Manfred Lenhard (450) sowie Detlef Lipschik und Frank Rothhaupt (je 446 Holz). Bei den Damen dominierte Silke Nopp mit 441 und 430 Holz. Keßler und Nopp führen auch die Bestenlisten an.
Inzwischen ist die 39. Kegelgemeinschaftsrunde der SKG gestartet worden. Die Straßenbahn Bornheim hat ihre 3. Mannschaft und das Ordnungsamt seine tweites Team zurückgezogen. dixi
FRANKFURT A. M. "Callanetics", ein neuartiges Übungsprogramm aus den USA, hat die Frankfurter Turn- und Sportgemeinschaft 1847 (FTG) in ihr reichhaltiges Angebot neu aufgenommen. Kursbeginn ist am Donnerstag, 14. Januar (10 Uhr), im FTG-Sportzentrum in Bockenheim, Marburger Straße 28. "Callanetics" ist eine Mischung aus den Bereichen Gymnastik, Yoga und Ballett.
Problemzonen werden durch intensive Übungs- und Korrekturphasen bearbeitet. Besonders der Muskelaufbau wird trainiert. Aber auch Zivilisationsschäden, zum Beispiel Rückenschmerzen, werden durch korrekte Körperhaltung und gezielte Übungen der Tiefenmuskulatur behandelt. Ein zweiter Kurs beginnt am Freitag, 15. Januar (18 Uhr), ebenfalls im FTG-Sportzentrum.
Weiter im Übungsangebot ab Januar 1993 sind Kindertanz, Ballett, "Kinder machen Bewegung" (für Kinder von vier bis sechs Jahren), Judo, Gesellschaftstanz, Wirbelsäulengymnastik, Jazztanz, Jonglieren, Badminton, Problemzonengymnastik, Kräftigungs- und Fitneßgymnastik, Stretching für Anfänger, Fitneßtraining für Männer, Stepping, Aerobic, Yoga sowie Workshops. Weitere Auskunft gibt die Geschäftsstelle (Tel. 77 49 29). dixi
NEAPEL, 22. Januar (dpa). Für eine italienische Nonne ist der Besuch eines Fußballspiels nicht statthaft. Der Bischof des Compassionisten-Ordens von Castellammare di Stabia in der Nähe von Neapel verbot der Klosterfrau Stefania Iorio, ins Stadion zu gehen. Sie ist Anhängerin von Gianfranco Zola, dem Stürmer des SSC Neapel. "Es ist gegen die Sitte, obwohl Priestern nicht untersagt ist, Fußball live zu sehen. Nonnen und Klosterbrüder haben aber ein strengeres Gelübde abgegeben und führen ein kontemplatives Leben", verkündet die Obrigkeit. "Es ist wie mit dem Rauchen. Niemand verbietet einer Nonne das Rauchen, aber haben Sie schon eine rauchen gesehen?"
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WESTLICHE STADTTEILE. Haß macht krank. Das Gefühl, daß der Nachbar einen vielleicht insgeheim dorthin wünscht, wo der Pfeffer wächst; die Angst, daß die beiden auffallend fröhlichen Gestalten auf der anderen Straßenseite den Baseballschläger hinter dem Rücken hervorzaubern könnten; die Ungewißheit, ob man die Kinder noch unbeaufsichtigt auf den Spielplatz lassen darf, oder ob man sie demnächst aus dem eigenen brennenden Haus retten muß.
Gebrandmarkt - das ist das Gefühl vieler Ausländer nach Rostock und Mölln. Es heißt: Bei jeder Begegnung insgeheim zu fragen - Feind oder Freund? Es heißt: Die Blicke der anderen im Rükken zu spüren, mitleidig oder verächtlich. Dieses Gefühl macht krank. Das merkt beispielsweise auch der Internist Theodorakis Thanassis aus Nied, der in seiner Praxis viele ausländische Patienten behandelt.
Der Mann mit dem graumelierten Haar und dem nachdenklichen Blick hinter den Brillengläsern greift nach einem Notizzettel und zeichnet eine Wellenbewegung auf das Blatt: "Das Entwurzelungssyndrom dürfen Sie sich nicht als linear vorhandenes Problem vorstellen", sagt er: "Das Gefühl, entwurzelt zu sein ist bei Ausländern mal stärker und mal schwächer ausgeprägt, mal bei mehr und mal bei weniger Menschen." Doktor Thanassis malt einen Punkt knapp vor dem Scheitel der Kurve, sorgfältig und so lange, bis der Kugelschreiber schmiert. "Im Augenblick sind wir hier."
Kurz vor dem Gipfel also. Vor einem Jahr, so berichtet Thanassis, kamen 50 Prozent weniger Patienten mit den typischen Anzeichen der Krankheit Heimatlosigkeit zu ihm. Diese Anzeichen sind nur schwer zu fassen: Migräne-Anfälle, ständige Kopfschmerzen, Asthma, Beschwerden im Oberbauchbereich, Gastritis, Anzeichen latent vorhandener Depressivität. "Wenn man länger mit den Patienten spricht, spürt man den Grund der Krankheiten: Nämlich Angst, in Deutschland zu leben."
Die psychischen Belastungen hält der Körper nicht mehr aus - diese sogenannten psychosomatischen Erkrankungen haben nach Thanassis' Erfahrung besonders zugenommen, "vor allem bei Menschen aus Asien, aus der Türkei, aus Osteuropa - aber auch bei EG-Ausländern wie Griechen, Spaniern oder Italienern".
Neulich, so sagt der griechische Arzt, sei ein Pole zu ihm gekommen und habe über Magenbeschwerden geklagt, "doch das Gespräch drehte sich vor allem um seine Situation als Ausländer in Deutschland, um das Gefühl, unerwünscht zu sein, vielleicht auch einmal angegriffen zu werden". Thanassis verordnete ihm Placebos, wirkungslose Attrappen, und redete lange auf ihn ein: Daß er keine Angst zu haben brauche in Deutschland, daß trotz alledem das Land demokratisch sei, daß die vielen Lichterketten bewiesen, daß die Menschen hier Haß und Gewalt verurteilten. Dem Mann ging es danach tatsächlich besser.
Doch nicht immer helfen Placebos und gute Worte. In die Praxis kommen auch zunehmend Menschen, die psychische Betreuung brauchen, unter schweren Depressionen oder Psychosen leiden, "und die ich mit ihren Sprachproblemen nicht immer ohne weiteres an einen Psychiater oder Neurologen überweisen kann", sagt Thanassis.
Während des Heimaturlaubs geht es den meisten Patienten übrigens besser. Da können Asthmakranke auf einmal wieder frei atmen, haben Diabetes-Patientinnen keine Probleme mehr mit der verordneten Diät, sind die bohrenden Kopfschmerzen aus Deutschland wie weggeblasen.
Thanassis' Bruder ist seit zwei Jahren wieder in Griechenland - die Patienten, die er nur mit Migräne oder Asthma kannte, kommen beschwerdefrei zu Besuch, wenn sie auf Heimaturlaub sind. In Deutschland dagegen "haben sie eine zentimeterdicke Krankenakte". Griechen, die in Frankreich arbeiten und die dortige Fremdenfeindlichkeit zu spüren bekommen haben, geht es im übrigen genauso.
Man sollte einmal aussagekräftige Studien zum Thema Ausländerfeindlichkeit und Krankheit starten, meint Theodorakis Thanassis - "ich habe viele Kollegen, die machen in ihren Praxen ähnliche Erfahrungen". Er schaut auf seine Kurve, den Punkt knapp unterhalb des Scheitels - "es wird einmal wieder besser werden".
Und schüttelt dann wieder den Kopf: "Es müßte eine Studie geben. Ich habe bergeweise Krankenakten." md
FRANKFURT A. M. Eine eindrucksvolle Bilanz aus 18 Schwimmfesten und Meisterschaften der Saison '92 können Frankfurts Seniorenschwimmer ziehen: Sie holten insgesamt 186mal Gold, 98mal Silber und 59mal Bronze. Dreizehn siegten sie in Staffelkonkurrenzen und belegten sieben zweite sowie zwei dritte Ränge. Für die herausragenden Erfolge sorgten Altmeister Walter Minnich und Heike Höler bei den "4. Senioren-Weltmeisterschaften" in Indianapolis/USA unter mehr als 3000 Teilnehmern aus 45 Nationen.
Minnich wurde nach sechs Weltmeistertiteln (Kanada 1985, Japan 1986) in seiner Spezialdisziplin Brustschwimmen über 50 und 100 Meter erneut Weltmeister und holte Bronze im Schmetterlingsstil. Auf der Rückenstrecke belegte er in den USA den siebten Rang. Heike Höler brachte ebenfalls zwei Goldmedaillen (50 und 100 Meter Schmetterling) mit nach Hause. Vierte wurde sie im Rückenschwimmen (50 m), Fünfte auf der 100- Meter-Rückenstrecke. Den sechsten Platz belegte sie über 50 Meter Freistil. Die mehrfachen Weltmeister sind außerdem jeweils vierfache Europameister. Sie trugen auch bei nationalen Wettbewerben zum Medaillensegen erheblich bei.
Außer den beiden Schwimm-Assen errang Hans-Joachim Habrecht 22mal Gold und je einmal Silber und Bronze, über 400 Meter Freistil stellte er in Wuppertal sogar einen neuen deutschen Rekord auf (4:56,37 Minuten). Hermann Lüning gewann neun Gold- und vier Silbermedaillen sowie eine Bronzemedaille. Micaela Gröber brachte es auf 15mal Gold, sechsmal Silber und zweimal Bronze, 18 Goldene, sieben Silberne und zwei Bronzene waren die Ausbeute von Iris Teckentrup. Annerose Trobisch stand 15mal auf dem Siegertreppchen ganz oben und errang zudem je drei Silber- und Bronzemedaillen.
Weitere Leistungsträger: Michael Wolski (6-2-1), Uwe Gröber (6-2-2), Irmgard Nix (4-6-0) Susanne Wortmann (5-5-3), Gernot Endreß (3-6-3), Annerose Trobisch (7-0-0), Alfred Schmidt (3-3-0) und Harald Knüppel (5-5-2). Die Erfolge auf vorderen Plätzen rundeten ab: Nadja Khalil, Ralf Berger, Wolfgang Braun, Hans Nix, Jutta Dieth, Dietmar Mühlens, Axel Widmer, Christine Wichert, Hans-Peter Ewert, Udo Keil, Wolfgang Müller, Rolf Willmanns, Wolfgang Rotermund, Fritz Vollmar, Heike Lewak, Heike Finster, Elke Lais, Luciano Scapin, Reinhold Schnabel, Sebastian Moll, Holger Hofmann, Karlheinz Nottrodt sowie Hans-Thomas Geidt.
Auf Pokal-, Medaillen- und Rekordjagd waren die in der Frankfurter Schwimmgemeinschaft (FSG) vereinten Seniorinnen und Senioren unter anderem in Worms, Villingen/Schwarzwald, Sindelfingen, Schweinfurt, Grünstadt und Wuppertal. Sie bilden seit Jahren eine verschworene Gemeinschaft, die ihre Unternehmungen selbst finanzieren. So gesehen zählen sie noch zu den wenigen Idealisten im Frankfurter Sport. Engagement, Kameradschaft und Trainingsfleiß ist das Erfolgsrezept der Unermüdlichen, deren wöchentliche Trainingsleistung bei mehreren Kilometern liegt. Langjähriger Trainer ist Hans Nix.
Die Senioren sind durchweg ehemalige Aktive aus sieben Vereinen: Erster Frankfurter Schwimmclubs (EFSC), SSC "Sparta", "Wassersport Westend", Sindlinger Schwimm-Club, ESV "Blaugold", Schwimmverein "Moenus" und SKG Frankfurt. "Unsere Seniorinnen und Senioren trainieren schon wieder fleißig für die ersten Wettbewerbe 1993. Los geht es gleich nach Fastnacht", berichtet Pressesprecher Karl Herber. dixi
WIRTSCHAFT 11
HÖCHST. Western-Atmosphäre im großen Saal der Sport- und Kulturhalle Unterliederbach: Am Samstag, 23. Januar, kommt die Country-Band "Tumbleweed" und eine Square-Dance-Gruppe wird mit Tänzen zum Mitmachen endgültig für das echte Country-Feeling sorgen. Veranstalter ist der Karnevalverein "Fidele Knerzcher" Liederbach, der zum ersten Mal einen Country-Abend organisiert hat.
Die Musik, die nach Freiheit und Abenteuer klingt, spielt ab 20 Uhr in der Sport- und Kulturhalle direkt neben der Autobahnausfahrt Unterliederbach (Hans-Böckler-Straße 4); Einlaß ist ab 19 Uhr. Der Preis pro Karte beträgt an der Abendkasse 15, im Vorverkauf 13 Mark.
Eintrittsbillets gibt es bei Frau Henzgen, Telefon 30 47 14 oder in der Gaststätte der Kulturhalle: Telefon 30 21 40. md
HESSEN 12
RÖDELHEIM. Einen umfangreichen Veranstaltungskalender für das erste Halbjahr 1993 hat der Rödelheimer Verein für Briefmarkenkunde von 1902 vorgelegt.
Der erste Vereinsabend im neuen Jahr mit Fachvortrag und Briefmarkentausch beginnt am Donnerstag, 14. Januar, um 19.30 Uhr im Vereinsringheim in der Assenheimer Straße 24. Zwei Wochen später, am 28. Januar, ist die Jahreshauptversammlung geplant.
"Informationen aus dem Bereich der Philatelie" ist das Thema am Donnerstag, 11. Februar (19.30 Uhr). Briefmarkentauschen steht am Donnerstag, 25. Februar, und am Sonntag, 28. Februar, von 10 bis 13 Uhr im Kalender. Auch der 25. April und der 27. Juni sind als "Tauschsonntage" eingeplant.
Zu weiteren Informations- und Tauschabenden, zu denen Gäste stets willkommen sind, treffen sich die Briefmarkenfreunde jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat (jeweils um 19.30 Uhr) im Vereinsringheim. Die Jugendgruppe trifft sich jeden ersten und dritten Donnerstag um 16 Uhr ebenfalls in der Assenheimer Straße 24. rw
Klassenfeind Natur
Weite Teile der ehemaligen Ostblockstaaten gleichen heute einem ökologischen Schlachtfeld. Obwohl der Kampf gegen die Natur nicht zur offiziellen Doktrin der kommunistischen Staaten gehörte, wurde er dennoch an allen Fronten erbittert und leider auch "erfolgreich" geführt. In ihrem Buch "Klassenfeind Natur" zeigen die Umweltjournalisten Valentin Thurn und Bernhard Clasen (Herausgeber) anschaulich, warum Umweltdaten im Sozialismus zu den am besten gehüteten Geheimnisse gehörten. Die unvorstellbar hohe Luftverschmutzung in einigen Industriezentren und die enormen Strahlenbelastungen durch Atomunfälle beziehungsweise Atomtests sind unter anderem dafür verantwortlich, daß die durchschnittliche Lebenserwartung in Rußland auf 57 Jahre gesunken ist und damit bereits weit unter dem Rentenalter liegt. In einigen Orten der ehemaligen Sowjetunion liegt sie nur noch bei 47 Jahren! In Kasachstan schwankt die Säuglingssterblichkeit zwischen 30 und 50 auf 1000 Neugeborene und erreicht am Aral-See gar 120. Werte, die über denen vieler Entwicklungsländer liegen. Durch die schlechte medizinische Versorgung sind mittelalterliche Seuchen wie Pest, Cholera und Typhus wieder auf dem Vormarsch. Die Autoren berichten jedoch nicht nur über Umweltkatastrophen in Osteuropa, sondern zeichnen zugleich den Weg der Umweltbewegung von einer machtvollen Opposition in den 80er Jahren hin zu einer kraftlosen Minderheit in der Gegenwart. Obwohl wilde Atommüllhalden, Giftmüllexporte und die Abholzung der sibirischen Wälder bedrohlich zunehmen, nimmt die Zahl der aktiven Umweltschützer ständig ab, werden ihre Mitglieder in den nationalen Parlamenten immer weniger. Die emotionslosen, gut recherchierten Beiträge in Verbindung mit den teilweise erschütternden Fotos führen den Leser die Vielfalt und die Schwere der ökologischen Probleme in Osteuropa nachhaltig vor Augen. Das Buch ist kein Mutmacher, dennoch als Informationsquelle unbedingt zu empfehlen.
• Valentin Thurn/Bernhard Clasen (Hrsg.): Klassenfeind Natur. Die Umweltkatastrophe in Osteuropa. Focus Verlag, Gießen 1992, 202 Seiten. ge
Tips und Termine · Tips und Termine · Tips und Termine
Offenbach. Kino-Center: Gloria: Bodyguard (14.45, 17.30, 20.15 Uhr). - Palast: Die Schöne und das Biest (15 Uhr); Eine Frage der Ehre (17.30, 20.15 Uhr). - Lux: Sister Act (15.15, 17.45, 20.15 Uhr). - Rex: Kevin allein in New York (15.15); Der Tod steht ihr gut (17.45, 20 Uhr). - Broadway: Der letzte Mohikaner (15.30, 17.45, 20.15 Uhr).
Mühlheim. Roxy-Kino-Center: Augenblick: Bodyguard (20.15 Uhr). - Zeitlos: Sister Act (19.45 Uhr).
Seligenstadt. Turmpalast: Bodyguard (20.15 Uhr). - Turmstudio: Der Tod steht ihr gut (20 Uhr).
Rodgau-Jügesheim. Kronen-Lichtspiele: Eine Frage der Ehre (20.15 Uhr).
Rödermark-Urberach. Neue-Lichtspiele: Sister Act (20.30 Uhr). Vorträge Dietzenbach. Impressionen Afrika, Dia- Vortrag für Senior/inn/en, Clubraum Seniorenarbeit, Friedensstraße, 19 Uhr. Parteien/Parlamente Offenbach. Haupt- und Finanzausschuß, Rathaus, 18 Uhr.
Ausschuß für Kultur und Bildung, Rathaus, 18 Uhr.
Dietzenbach. Ausschuß für Jugend, Sport, Kultur und Soziales, Rathaus, 19 Uhr.
Heusenstamm. Bau- und Verkehrsausschuß, Rathaus, 19 Uhr.
Seligenstadt. Ausschuß für Sport und Kultur, Rathaus, 19 Uhr.
Beratungen / Offene Treffs Offenbach. Psychologische Beratungsstelle Stadt und Kreis, Geleitsstr. 94: 9 bis 17 Uhr, Termine: Tel. 80 65 - 23 47.
Psychologische Beratungsstelle der Caritas, Kaiserstr. 67: 9 bis 17 Uhr, Termine nach Vereinbarung; offene Sprechstunde, 17 bis 18 Uhr; Tel. 80 064 - 230 oder 231.
Frauenzentrum, Kaiserstraße 34: Beratungsstelle für Frauen, 9 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, Telefon: 81 65 57.
Jugend- und Drogenberatung des Wildhof, Herrnstraße 16: 13 bis 19 Uhr, Tel. 0 69 / 81 17 11.
Bella Vista, Kontaktladen und Drogenberatung, 14 bis 19 Uhr, Berliner Str. 118, Tel. 81 84 02.
Pro Familia, Bahnhofstraße 35: Telefonische Terminvereinbarung 8 bis 12.30 Uhr, Telefon 81 77 62; Notruf für vergewaltigte Frauen und mißbrauchte Mädchen, 10 bis 12 Uhr, Tel. 8 00 13 13.
Sozialhilfeverein, Frankfurter Straße 57, 14 bis 16 Uhr, Tel. 800 12 99.
Beratungsstelle Neusalzer Straße 77: 18 bis 20 Uhr, Telefon 0 69 / 84 71 72.
Aids-Hilfe Offenbach, Frankfurter Straße 48, 10 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 16 Uhr, Tel. 88 36 88.
RKB Solidarität: Fahrradselbsthilfewerkstatt, 14 bis 18 Uhr, Frankfurter Straße 63, HH.
Seniorenbildungstreff: Gruppe Stadtgeschichte, 14 Uhr, im Büsing-Palais.
Anthroposophische Arbeitsgruppe, Offener Abend, 19.15 Uhr, Frankfurter Straße 57.
Straßenverkehrsamt: Beschwerdetelefon zum S-Bahn-Bau, Telefon: 80 65-20 01.
Heusenstamm. Psychologische Beratungsstelle des Kreises Offenbach, Paulstr. 49: 9 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, Telefon 0 61 04 / 20 01.
Ostkreis Offenbach. Jugend- und Suchtberatung, Nieder-Roden, Breslauer Str. 43: Telefon 0 61 06 / 7 40 99.
Dietzenbach. Guttempler Gemeinschaft Hexenberg: Beratung und Gesprächstreff für Alkoholgefährdete und Angehörige, 20 Uhr, Haus des Lebens, Steinberg, Limesstraße 4, Kontakt-Tel. 0 61 06 / 2 20 84.
Rödermark. Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle "Die Brücke", 9 bis 12 Uhr, Dockendorffstr. 2, Ober-Roden, Tel. 0 60 74 / 9 40 11.
Flüchtlingshilfe: Beratung für AsylbewerberInnen, 9 bis 12 Uhr, Urberach, Wagnerstr. 35, Tel. 6 16 49.
Seligenstadt. Psychologische Beratungsstelle, Caritasverband Offenbach, Frankfurter Str. 33: Tel. 0 61 82 / 12 11.
Seligenstadt-Klein-Welzheim. Mütterberatung, kath. Pfarrheim, Kirchgasse/ Ecke Goethestraße, 14 Uhr.
Hainburg. Mädchentreff für 11-13jährige, 17.30 bis 19 Uhr, Kinderhaus Hainstadt, Liebfrauenheidestraße 15. Frauenhaus-Initiativen Frauenhaus im Ostkreis Offenbach, Telefon 0 61 06 / 1 33 60.
Frauenhaus des Kreises DarmstadtDieburg: Telefon 0 60 71 / 3 30 33. Impfungen Offenbach. Polioimpfung: Anne-Frank- Schule, Dienstag, 8-11 Uhr.
(Ohne Gewähr)
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Theater / Musik / Literatur Neu-Isenburg. Tanzmusik mit Dieter Staak, Hugenottenhalle, 15 Uhr. Dreieich-Buchschlag. Adolf Muschg liest, Bürgersaal, 20 Uhr.
Dreieich-Dreieichenhain. Elke Schilling liest von Hans de Beer: Kleiner Eisbär, Stadtbücherei, 15 Uhr.
Büttelborn. Der Toasterdrache, Kindertheater, Café Extra, Schulstr. 17, 15 Uhr.
Groß-Gerau. Die Zwölf Geschworenen, Theater, Jahnturnhalle, 20 Uhr. Kinos / Filme Neu-Isenburg. Autokino Gravenbruch: Der letzte Mohikaner (20 Uhr).
Dreieich-Sprendlingen. Rex: Bodyguard (20.30 Uhr). - Viktoria: Sister Act (20.30 Uhr).
Langen. Hollywood: Bodyguard (20 Uhr). - Fantasia: Der Tod steht ihr gut (20 Uhr).
Neues UT-Kino: Grüne Tomaten (20 Uhr). Mörfelden-Walldorf. Lichtblick - Walldorfer Kinotreff: Sister Act (20 Uhr).
Groß-Gerau. Lichtspielhaus: Friedhof der Kuscheltiere II (20 Uhr). - Bambi: Mein Bruder Kain (20.30 Uhr).
Rüsselsheim. Rex-Kino-Center: Rex I: Bodyguard (15, 17.30, 20 Uhr). - Rex II: Die Schöne und das Biest (15 Uhr); Eine Frage der Ehre (17 und 20 Uhr). - Cinema: Kevin allein in New York (15 Uhr); Sister Act (17.30 und 20.30 Uhr).
Nauheim. Ried-Casino: Die Schöne und das Biest (19.30 Uhr); Wiedersehen in Howards End (21.45 Uhr).
Parteien/Parlamente Dreieich. Ortsbeirat Buchschlag, Kath. Kirchengemeinde Heilig Geist, 19 Uhr.
Kelsterbach. Planungs- und Bauauschuß, Rathaus, 18 Uhr. Sonstiges Neu-Isenburg. Bridge-Runde, Treff im Quartier IV, Luisenstr. 18, 15 Uhr. Vereine Kelsterbach. Tauschabend des Briefmarken-Sammler-Vereins, im Kastanien- Eck, 19.30 Uhr. Beratungen / Offene Treffs Neu-Isenburg. Jugendbüro, Frankfurter Str. 11, 12-18 Uhr, Tel. 0 61 02 / 1 74 15.
MS-Selbsthilfegruppe, Georg-Blaum- Weg 9-13, 18-20 Uhr, Telefon 2 51 26.
AWo, Mobiler Sozialer Hilfsdienst, Kronengasse: 8 bis 10 Uhr, Telefon 3 37 77.
Verein Hilfe für ältere Bürger, Ludwigstraße 75 - 79: Sprechstunde, 9 bis 13 Uhr.
Sanitätsverein, Ludwigstraße 75 - 79: Sprechstunde, 10 bis 12 Uhr.
Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle "Die Brücke", Löwengasse 8: Sprechstunde 11.30 bis 12.30 Uhr, offener Treff 16 bis 18 Uhr.
Verein für Suchtgefährdeten- und Suchtkrankenhilfe, Friedrichstraße 43: Beratung, 19 bis 22 Uhr, Tel. 0 61 02 / 66 55.
Dreieich. Ehe- und Familienberatung, Caritas/Diakonisches Werk, Robert- Bosch-Str. 28: 9-12 Uhr, Tel. 0 61 03 / 3 63 65.
Psychische Beratungsstelle des Kreises Offenbach, Sprendl., Eisenbahnstr. 8: 9-12 und 14-16 Uhr, Tel. 0 61 03 / 6 87 33.
Club Behinderter und ihrer Freunde (CBF), 9 bis 16 Uhr, Robert-Bosch-Str. 26, Tel. 37 11 42; Fahrdienst: 37 11 49.
Suchtberatungsstelle Kreisgesundheitsamt, 14 bis 17 Uhr, Sprendlingen, Frankfurter Str. 42, Tel. 0 61 03 / 6 20 03.
Jugend- und Drogenberatung Wildhof, Sprendlingen, Hauptstraße 32-36 (Hinterhaus): 14 bis 18 Uhr, Tel. 0 61 03 / 6 49 47.
Langen. AWo, Wilhelm-Leuschner-Platz 5: Sprechzeiten für "Essen auf Rädern" und "Mobiler Sozialer Hilfsdienst", 8 bis 14 Uhr, Tel. 0 61 03 / 2 40 61.
Mütterzentrum, Zimmerstr. 3: Frühstückstreff, 9.30-11.30 Uhr; Café Stiefmütterchen, 15-17 Uhr, Tel. 0 61 03 / 5 33 44.
Kinderschutzbund, Wiesenstraße 5: 14 bis 17 Uhr, Tel. 0 61 03 / 5 12 11.
Mutter-Kind-Gruppe für Kinder unter drei Jahren, 15.30 bis 17.30 Uhr, Ev. Martin-Luther-Gemeinde, Oberlinden.
Mörfelden-Walldorf. Mütterberatung, Walldorf, Altenwohnheim, Schwarzwaldstr. 13-17, 13-15.30 Uhr.
Jugend- und Drogenberatung, Mörfelden, Hermannstr. 3, 10-17 Uhr, Tel. 0 61 05 / 2 46 76.
Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle "Kamin-Club": Sprechstunde, 15.30 bis 16.30 Uhr, offener Treff 17 bis 20 Uhr, Schillerstraße 16, Telefon 0 61 05 / 7 67 60.
Blaues Kreuz Mörfelden-Walldorf: 18.30 bis 20 Uhr, Telefonkontakt: 0 61 05 / 2 19 10.
Sport- und Kulturgemeinschaft Walldorf: Lauftreff, 18 Uhr, SKG-Heim.
Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe: Treffen der Angehörigengruppen, 20 bis 22 Uhr, Steinweg 22 in Mörfelden.
Kelsterbach. Freundeskreis für Alkohol-, Drogen- und Medikamentengefährdete: Treff um 19.30 Uhr im alten Schloß, 1. Stock, Telefon 0 61 07 / 52 54.
Groß-Gerau. Kinderschutzbund: 9 bis 12 Uhr, 14 bis 16 Uhr, Mainzer Str. 12, Tel. 0 61 52 / 8 24 24, psychologische Beratung unter 0 61 52 / 4 02 89.
Diakonisches Werk, Lebensberatung, 9-12 Uhr, Oppenheimer Str. 4, Tel. 78 35.
Verein Frauen helfen Frauen: 10 bis 12 Uhr, Schöneckenstr. 2, Tel. 0 61 52 / 3 99 99.
Kreuzbundgruppe, 19.30 Uhr, Ev. Gemeindehaus, August-Bebel-Straße.
Partnerschaftsverein Masatepe: Treffen, 20 Uhr, im Kulturcafé, 1. Stock.
Rüsselsheim. Beratung für Suchtkranke, Caritasverband, 8 bis 12 Uhr, Freiligrathstr. 10, Tel. 6 82 22.
Pro Familia, 9 bis 12 Uhr, Lahnstr. 30, Tel. 0 61 42 / 1 21 42.
Verbraucherberatung, Marktstr. 29: 9-13, 14.30-17.30 Uhr, Tel. 0 61 42 / 6 32 68.
Raunheim. Frauentreff, Frankfurter Str. 13, 10-12 Uhr, Tel. 0 61 42 / 4 63 11.
Rhein-Main-Flughafen. Fluglärmbeschwerdestelle, Tel. 0 69 / 6 90 22 00. Frauenhaus-Initiativen Langen. Frauenhaus im Westkreis Offenbach, Telefon 0 61 03 / 5 18 84.
Groß-Gerau. Haus für mißhandelte Frauen und Kinder, Tel. 0 61 52 / 3 99 77.
Raunheim/Rüsselsheim. 0 61 42 / 4 63 89. Impfungen Groß-Gerau. Polio-Schluckimpfung und Diphtherie-Tetanus-Impfung, Gesundheitsamt, Dienstag, 15-17.30 Uhr.
(Ohne Gewähr)
Tips und Termine · Tips und Termine · Tips und Termine
Rüsselsheim. Schauspiel: Sterne am Morgenhimmel, 20 Uhr, Stadttheater.
Mörfelden-Walldorf. Lichtblick Kino- treff: Sister Act (17 Uhr); Erbarmungslos (20 Uhr).
Groß-Gerau. Ev. Gemeindezentrum: Gorillas im Nebel (20 Uhr).
Lichtspielhaus und Bambi: Keine Vorstellungen. Nauheim. Riedcasino: Die Schöne und das Biest (19.30 Uhr); Jungle Fever (21.45 Uhr).
Rüsselsheim. Stadtbücherei, Am Treff 5: VHS-Reihe - Stammheim (20 Uhr).
Rex Filmtheater: Bodyguard (15, 17.30, 20 Uhr); Eine Frage der Ehre (17.30, 20.30 Uhr); Die Schöne und das Biest (15 Uhr); Zauber der Venus (17, 20 Uhr); Kevin allein in New York (15 Uhr).
Büttelborn. Bauausschuß, 20 Uhr, Gemeindeverwaltung, Sitzungszimmer.
Vorträge / Kurse Rüsselsheim. Kinderschutzbund: Informationsabend zum Kinder- und Jugendtelefon, 20 Uhr, Hessenring 70. Verschiedenes Mörfelden-Walldorf. Ev. Frauenhilfe - "Vadder verzehl emol" mit Pfarrer Leber, 14 Uhr, Gemeindezentrum Ludwigstraße.
Blutspende-Termin, 16 Uhr, DRK-Zentrum Walldorf, Waldstr. 62. Beratungen / Offene Treffs Mörfelden-Walldorf. Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle "Kamin- Club": Schillerstraße 16, Tel. 0 61 05 / 7 67 60.
Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe: Beratung 18 bis 20 Uhr, Gruppentreffen für Abhängige, 20 - 22 Uhr, Steinweg 22.
Jugend- und Drogenberatung: Hermannstraße 3, Tel. 2 46 76.
Groß-Gerau. Kinderschutzbund: Beratung, 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr, Mainzer Straße 12 (0 61 52 / 8 24 24); psychologische Beratung, Tel. 0 61 52 / 4 02 89.
Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche: Adolf-Kolping-Str. 38, Tel. 0 61 52 / 78 98.
Diakonisches Werk: Lebensberatung, Oppenheimer Straße 4, Tel. 0 61 52 / 78 35.
Verein Frauen helfen Frauen: 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung, Schönekkenstraße 2, Telefon 0 61 52 / 3 99 99.
Rüsselsheim. Beratungsstelle für Suchtkranke und Angehörige, Caritasverband, Freiligrathstraße 10, Telefon 6 82 22.
Guttempler-Gemeinschaft "Die Chance": Treffen, 19 Uhr, Seniorenheim.
Verbraucherberatung, Markstr. 29: Sprechstunden, 9 bis 13 und 14.30 bis 17.30 Uhr, Tel. 0 61 42 / 6 32 68.
Riedstadt. Anonyme Alkoholiker: Treffen, 20 Uhr, Katholisches Pfarramt Goddelau, Friedrichstr. 11, Tel. 0 61 58 / 57 42.
Raunheim. Frauentreff, Frankfurter Straße 13: 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon 0 61 42 / 4 63 11.
Rhein-Main. Fluglärmbeschwerdestelle des Rhein-Main-Flughafens, Tel. 0 69 / 6 90 22 00. Impftermine Mörfelden-Walldorf. Polio-Schluckimpfung und Diphtherie-Tetanus-Impfung, Do., 21. 1., 13.30 bis 16 Uhr, DRK-Heim Mörfelden, Annastr. 27. Frauenhaus-Initiativen Groß-Gerau. Haus für mißhandelte Frauen und Kinder, Tel. 0 61 52 / 3 99 77.
Raunheim/Rüsselsheim. 0 61 42 / 4 63 89.
(Ohne Gewähr)
LKALSPORT VIII
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